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                    Chris Heiler
Tatjana Derr

Makroökonomie
im Wandel
Inflation, Zinspolitik und die
Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf
Bilanzposten und inhärente Risiken


Makroökonomie im Wandel
Chris Heiler · Tatjana Derr Makroökonomie im Wandel Inflation, Zinspolitik und die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf Bilanzposten und inhärente Risiken
Chris Heiler Saarbrücken, Deutschland Tatjana Derr Saarbrücken, Saarland, Deutschland ISBN 978-3-658-44565-2 ISBN 978-3-658-44566-9 (eBook) https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar. © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von allgemein beschreibenden Bezeichnungen, Marken, Unternehmensnamen etc. in diesem Werk bedeutet nicht, dass diese frei durch jedermann benutzt werden dürfen. Die Berechtigung zur Benutzung unterliegt, auch ohne gesonderten Hinweis hierzu, den Regeln des Markenrechts. Die Rechte des jeweiligen Zeicheninhabers sind zu beachten. Der Verlag, die Autoren und die Herausgeber gehen davon aus, dass die Angaben und Informationen in diesem Werk zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag noch die Autoren oder die Herausgeber übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des Werkes, etwaige Fehler oder Äußerungen. Der Verlag bleibt im Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutionsadressen neutral. Planung/Lektorat: Vera Treitschke Springer Gabler ist ein Imprint der eingetragenen Gesellschaft Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH und ist ein Teil von Springer Nature. Die Anschrift der Gesellschaft ist: Abraham-Lincoln-Str. 46, 65189 Wiesbaden, Germany Das Papier dieses Produkts ist recycelbar.
Vorwort Es ist uns eine Freude und Ehre, Ihnen dieses Buch vorstellen zu dürfen, das sich eingehend mit den makroökonomischen Einflüssen auf inhärente Risiken und ausgewählte Bilanzposten auseinandersetzt. In einer Zeit, die von einschneidenden Ereignissen wie der Covid-19-Pandemie, dem Ukraine-Konflikt, steigender Inflation und den daraus resultierenden Anpassungen der Leitzinsen geprägt ist, wird die Dringlichkeit einer detaillierten Analyse evident. Wir haben uns entschieden, den Schwerpunkt auf eine theoretisch-deskriptive Analyse zu legen, um die tiefgreifenden Auswirkungen dieser makroökonomischen Phänomene auf inhärente Risikofaktoren umfassend zu beleuchten. Durch die Verknüpfung von Theorie und Empirie möchten wir nicht nur abstrakte Konzepte verstehbar machen, sondern auch ihre konkreten Auswirkungen auf Unternehmen und ihre Bilanzen erfassen. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir der Untersuchung des gestiegenen Zinsniveaus und der hohen Inflationsraten, die als wesentliche Einflussfaktoren auf inhärente Bruttorisiken betrachtet werden. Darüber hinaus setzen wir uns eingehend mit dem Handlungsbedarf im Kontext des Risikomanagements auseinander. Die Durchführung einer empirischen Untersuchung ausgewählter Unternehmen des DAX-40-Index soll dazu dienen, die in der Literatur vorhergesagten ökonomischen Entwicklungen zu validieren. Unser Ziel ist es nicht nur, eine Momentaufnahme der aktuellen Geschehnisse zu liefern, sondern auch fundierte Erkenntnisse und empirische Evidenz dafür zu präsentieren, dass bedeutende Einflüsse auf inhärente Risikofaktoren und ausgewählte Posten von Unternehmensbilanzen bestehen. Dieses Buch ist somit nicht nur eine theoretische Reflexion, sondern auch eine praktische Anwendung, die Ihnen als Leser helfen soll, die Herausforderungen und Chancen in diesem komplexen wirtschaftlichen V
VI Vorwort Umfeld besser zu verstehen. Die eruierten Erkenntnisse sind insbesondere für Praktiker von hoher Bedeutung. Möge dieses Buch Ihr Verständnis für die makroökonomischen Zusammenhänge vertiefen und einen Beitrag zur weiteren Diskussion und Forschung auf diesem Gebiet leisten. Saarbrücken Januar 2024 Chris Heiler Tatjana Derr
Inhaltsverzeichnis 1 Einführung zur Zinswende und deren Implikationen auf Risiken und Bilanzposten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 6 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1 Volkswirtschaftliche Zusammenhänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Der geldpolitische Mechanismus der EZB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Entwicklung des Zinsniveaus und der Inflationsraten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3.1 Vergangenheitsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3.2 Gegenwartsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 11 15 17 17 19 20 3 Analyse des Einflusses des hohen Zinsniveaus auf inhärente Risiken . . . . . . 3.1 Anforderungen an das Risikomanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.2 Risikoanalyse und Risikomanagementprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.3 Finanz- und Liquiditätscontrolling als Unterstützungsentität . . . . . . . . . . . . 3.4 Konkretisierung der Risikofelder mit Blick auf das Zinsniveau . . . . . . . . . 3.4.1 Inhärentes Risiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.2 Marktrisiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.3 Liquiditätsrisiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.4.4 Kreditrisiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses im Zuge des Risikocontrollings . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.1 Theoretische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.2 Abgrenzung der Termini . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3.5.3 Kennzahlengestützter Risikomanagementprozess . . . . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 25 28 30 33 33 35 37 38 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf ausgewählte Bilanzposten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.1 Grundlagen der Bilanzierung und empirische Ausgangslage . . . . . . . . . . . 4.2 Die Bilanz im Mittelpunkt der Betrachtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 39 41 44 46 53 53 58 VII
VIII Inhaltsverzeichnis 4.3 Wesentliche Einflüsse auf die Bilanz und Rechnungslegung . . . . . . . . . . . . 4.4 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Aktivseite . . . . . . . . . . . 4.4.1 Immaterielle Vermögensgegenstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.2 Sachanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.3 Finanzanlagevermögen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.4 Vorräte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.5 Forderungen und sonstige Vermögenswerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.6 Wertpapiere und liquide Mittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.4.7 Aktive Steuerlatenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite . . . . . . . . . . . 4.5.1 Eigenkapital . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.2 Rückstellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.3 Verbindlichkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5.4 Passive Steuerlatenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 63 63 64 65 66 67 68 68 69 69 70 74 75 76 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . 5.1 Methodisches Vorgehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.2 Definition der Analyseentitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.3 Entwicklung übergreifender Untersuchungsgegenstände . . . . . . . . . . . . . . . 5.4 Entwicklung der vertikalen Bilanzkennzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.5 Entwicklung der horizontalen Bilanzkennzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5.6 Ausgewählte qualitative Anhangs- und Lageberichtangaben . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 79 81 83 86 92 97 99 6 Conclusio der Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 108 Appendix A . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Appendix B . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 Appendix C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Appendix D . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Appendix E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Appendix F . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
Abkürzungsverzeichnis Abb. Abs. AktG App. BGB bspw. bzw. CFO CRR d. h. DAX DRS EBIT EBITDA EK EStG et al. ETF EU EuGH EY EZB f. ff. FK gem. ggf. ggü. GmbHG H Abbildung Absatz Aktiengesetz Appendix Bürgerliches Gesetzbuch beispielsweise beziehungsweise Chief Financial Officer Capital Requirement Regulation. das heißt. Deutscher Aktienindex Deutscher Rechnungslegungsstandard. Earnings before interest and tax. Earnings before interest, tax, depreciation and amortization. Eigenkapital. Einkommenssteuergesetz. et alii. Exchange Traded Funds. Europäische Union. Europäischer Gerichtshof. Ernst & Young. Europäische Zentralbank. folgende. fortfolgende. Fremdkapital. gemäß. gegebenenfalls. gegenüber. Gesellschaft mit beschränkter Haftung Gesetz. Halbjahr. IX
X HGB HVPI i. d. R. i.e.S. i. S. d. i. V. m. IAS IDW IFRS Insb. Int. KPI Nr. o. J. o. S. p. a. PS PwC RAP RL ROCE RoI RS S. sog. sonst. SWIFT Tab. u. U. US-GAAP VPI WpHG z. B. Ziff. Abkürzungsverzeichnis Handelsgesetzbuch. harmonisierter Verbraucherpreisindex. in der Regel. im engeren Sinne. im Sinne des. in Verbindung mit. International Accounting Standards. Institut der Wirtschaftsprüfer. International Financial Reporting Standards. Insbesondere. International. Key Performance Indikator. Nummer. ohne Jahreszahl. ohne Seitenzahl. per anno. Prüfungsstandard. PricewaterhouseCoopers. Rechnungsabgrenzungsposten. Rentabilität / Liquidität. Return on Capital Employed. Return on Investment. Rechnungslegungsstandard. Seite. sogenannte. sonstigen. Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication. Tabelle. unter Umständen. United States Generally Accepted Accounting Principles. Verbraucherpreisindex. Wertpapierhandelsgesetz. zum Beispiel. Ziffer.
Abbildungsverzeichnis Abb. 2.1 Abb. 2.2 Abb. 2.3 Abb. 3.1 Abb. 3.2 Abb. 3.3 Abb. 3.4 Abb. 3.5 Abb. 3.6 Geldumlauf innerhalb des Eurosystems. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Wagner (2009), o. S; Europäische Zentralbank (2023d), o. S.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leitzinsentwicklung der EZB (Hauptrefinanzierungszinssatz) von 2000 bis 2023. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Statista GmbH (2023b), o. S; Deutsche Bundesbank (2023), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwicklung der Inflationsraten von Januar 2021 bis April 2023. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Statistisches Bundesamt (2023b), o. S; Statista GmbH (2023b), o. S.)) . . . . . . . . . . . Risikomanagementprozess. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Reichling et al. (2007), S. 214; Rohlfs (2018), o. S; Oertel (2019), S. XXIII.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Funktionen des Finanz- und Liquiditätscontrollings. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Eschenbach und Siller (2019), S. 92; Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 411; Contessotto et al. (o. J.), o. S.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Integriertes Finanzcontrolling-Instrumentarium. (Quelle: Eigene Darstellung) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Treiber des Marktrisikos. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Killian (2023), o. S.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eruierungsprozess zur Entscheidungsfindung unter Unsicherheit. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Internationaler Controller Verein e. V. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 40 f.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einordnung des Controlling-Begriffes unter dem Aspekt der Unternehmensebenen. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Eschenbach und Siller (2019), S. 62 u. 106; Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 406; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 39 f.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 18 20 29 31 32 35 40 41 XI
XII Abb. 3.7 Abb. 3.8 Abb. 3.9 Abb. 3.10 Abb. 3.11 Abb. 4.1 Abb. 5.1 Abb. 5.2 Abb. 5.3 Abb. 5.4 Abb. 5.5 Abb. 5.6 Abb. 5.7 Abb. 5.8 Abbildungsverzeichnis Organisation der relevanten Controlling-Ausrichtungen. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Horvath (2011), S. 22; S. 407; Horvath et al. (2019), S. 407 f.; Linsner und Gleich (2019), S. 42.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abgrenzung des internen Rechnungswesens und der externen Rechnungslegung. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Burger und Burger-Stieber (2018), S. 3.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Schnittstelle der Controlling-Ausrichtungen. (Quelle: Eigene Darstellung.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zeitliche Struktur der Datenanalyse. (Quelle: Eigene Darstellung) . . . . Kennzahlengestützter Risikomanagementprozess. (Quelle: Eigene Darstellung.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wesentliche Einflüsse des hohen Zinsniveaus auf Bilanzposten (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Zwirner et al. (2022a), S. 10) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gesamtergebnisse der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Free Cashflows der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eigenkapitalquote der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fremdkapitalquote der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verschuldungsgrad der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Umlaufintensität der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anlageintensität der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Deckungsgrad 1 der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 43 43 45 46 62 85 86 88 89 90 91 92 93
Abbildungsverzeichnis Abb. 5.9 Abb. 5.10 Abb. 5.11 Abb. 5.12 Deckungsgrad 2 der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Liquidität 1. Grades der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Liquidität 2. Grades der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Working Capital Ratio der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII 94 95 96 97
Tabellenverzeichnis Tab. 2.1 Tab. 3.1 Tab. 4.1 Tab. 4.2 Tab. 4.3 Tab. 4.4 Synopse zur Kategorisierung der Inflationsbegriffe. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Weeber (2022), S. 32 f.; Gasch (2022), S. 10) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Risikofrüherkennungsprozess i. S. d. IDW PS 340. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Meyer und Osenberg (2023), o. S; Brösel et al. (2015), S. 379 ff.; Seidel (2023), o. S; Brinkmann und Greifelt (2021), S. 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschiede zwischen HGB und IFRS. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Schult und Brösel (2008), S. 60; Seppelfricke (2019), S. 19) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bestandteile des HGB- und IFRS-Konzernabschluss. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Hahn (2016), S. 33; Schult und Brösel (2008), S. 48) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Grundstruktur der Bilanz in Anlehnung an § 266 HGB. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Wöltje (2016), S. 21) . . . . . . . . . . . Gliederungsschema einer Konzernbilanz. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Seppelfricke (2019), S. 25) . . . . . . . . . . . . 12 26 54 57 58 59 XV
1 Einführung zur Zinswende und deren Implikationen auf Risiken und Bilanzposten Zusammenfassung Dieses Kapitel analysiert die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen, insbesondere die Zinswende, Inflation und geopolitische Einflüsse. Die steigenden Energieund Rohstoffpreise führen zu einer Rekord-Inflationsrate von 10,4 % in der Eurozone. Die Europäische Zentralbank reagiert mit einer Leitzinsanpassung, nach elf Jahren Nullzinspolitik. Diese Änderung hat erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen, insbesondere in Bezug auf Geschäftsrisiken und Finanzierungsbedingungen. Die restriktive Geldpolitik hemmt das Wirtschaftswachstum. Unternehmen müssen sich auf steigende Renditeforderungen einstellen, können jedoch auch von höheren Zinserträgen profitieren. Die Bilanzposten werden durch das Zinsniveau beeinflusst, und die Unternehmen müssen effektive Risikosteuerung implementieren. Die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen, mit besonderem Blick auf die Zinswende und Inflation, resultieren sowohl in signifikant veränderten ökonomischen als auch gesellschaftlichen Bedingungen. Hierdurch entsteht eine hohe Unsicherheit in der globalen Wirtschaft und vor allem in der Eurozone. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, die sich mittlerweile in der sog. Endemie1 befindet, sind noch immer relevant und weitreichend – internationale Lieferketten sind weiterhin betroffen. Zusätzlich resultiert der andauernde Ukraine-Krieg in dysfunktionalen Lieferketten, die auf Basis der 1 Endemien sind regional fortwährend gehäuft auftretende Krankheiten mit wiederkehrenden Aus- brüchen, die bei einem großen Teil der in der Region lebenden Bevölkerung auftreten, jedoch ohne Pandemie-Charakter. Sinngemäß beschreibt eine Endemie das Ende der Pandemie. © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_1 1
2 1 Einführung zur Zinswende und deren … internationalen Sanktionen und Lieferstopps zu einer immensen Verknappung der Energie in der Eurozone führen. Sowohl der einzelne Verbraucher als auch Unternehmen sind demgemäß von signifikanten Preissteigerungen betroffen (vgl. Weeber (2022), S. 1; Grozea-Helmenstein et al. (2022), S. 5; Welfens (2022), S. 129; Zugehör (2022), S. 1; Zwirner et al. (2022), S. 1; Gerbes (2022), S. 36; Hüttche und Schmid (2022), S. 496; IDW (2022), S. 7; Schwarz (2022a, b), S. 1; Gänger (2022a, b), o. S; Hoffjan und Schwarz (2023), S. 24; Braumann et al. (2023), S. 38). Insbesondere die hohen Energieund Rohstoffpreise (Vor allem Erdgas) resultieren in steigenden Inflationsraten in der Eurozone. Die Eurozone unterlag im Oktober 2022 einer Rekord-Inflationsrate2 von 10,4 %. Dies führte dazu, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer wesentlichen Leitzinsanpassung auf 3,75 % (Stand: Mai 2023) reagierte. Nach nunmehr elf Jahren Nullzinspolitik – begründet durch die Bankenkrise in den Jahren 2008/2009 – schreitet die Zinspolitik in ein neues Zeitalter, das wesentliche Auswirkungen auf die Geschäftsrisiken von Unternehmen besitzt (vgl. Welfens (2022), S. 129 f.; Statistisches Bundesamt (2023a), o. S; Zwirner et al. (2022), S. 1; Liedke und Thier (2023), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S; Bacher und Nothhelfer (2022), S. 1060; Statista GmbH (2023a, b, c), o. S.). Das skalierende Zinsniveau, begründet durch die Anhebung des Leitzinses, führt zu einer hohen Zinslast, der Unternehmen ausgesetzt sind. Kapitalgeber erwarten erhöhte Renditeforderungen, um den Hauptrefinanzierungszins abzudecken sowie Gewinne zu erzielen. Die generelle Preissteigerung und das erhöhte Zinsniveau führen zu wesentlichen Auswirkungen auf Unternehmen und deren Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Insbesondere ergeben sich signifikante Einflüsse auf den Jahres- respektive Konzernabschluss der Unternehmen (vgl. Zugehör (2022), S. 1; Bacher und Nothhelfer (2022), S. 1060). Die restriktive Geldpolitik der EZB besitzt eine hemmende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Das mittelfristige Ziel der EZB ist eine Inflationsrate von 2 %, um das Zinsniveau absenken zu können (vgl. Liedke und Thier (2023), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.). Vor allem sind die erhöhten Zinssätze, die für die Attraktivitätsentscheidung im Zuge der Investitionsplanung relevant sind, ein wesentliches Problem, da das inhärente Risiko steigt. Demgemäß sind auch sachimmanente Auswirkungen auf die Unternehmensbewertung festzustellen (vgl. Kuhner und Maltry (2017), S. vii ff.), denen in dieser Abhandlung jedoch keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eine hohe Inflationsrate respektive hohe Zinskosten müssen jedoch nicht zwingend vollumfänglich negative Auswirkungen besitzen. Durch die steigenden Zinserträge sind positive Ergebnisse der europäischen Banken festzustellen. Dieser Sachverhalt bestätigte bereits ex ante die USBank JP Morgan Chase, die – aufgrund der Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve – eine wesentliche Steigerung des Nettozinseinkommens von 49 % ggü. dem Vorjahresstichtag verzeichnete. In der Eurozone zählt die Commerzbank zu den Profiteuren der restriktiven Geldpolitik, da das Einlagen- und Kreditgeschäft einen hohen Zinsüberschuss generiert (vgl. Schwarz et al. (2023), o. S.). Darüber hinaus können Unternehmen zudem hohe Preise für unelastische Güter, wie bspw. Grundnahrungsmittel oder 2 Höchster Wert seit mehr als 70 Jahren.
1 Einführung zur Zinswende und deren … 3 Energie, auf Verbraucher übertragen. De facto liegt eine unelastische Nachfrage vor, wenn ein Preisanstieg in einem unterproportionalen Anstieg der Nachfrage resultiert (vgl. Perret und Welfens (2019), S. 148; Münter (2018), S. 36; Breulmann (2022), o. S.). Im Zuge dessen konnten Energiekonzerne, aufgrund der Energiekrise, Rekordumsätze verzeichnen. Gleichwohl zeigt die empirische Analyse auch volatile Kennzahlenveränderungen (vgl. Breulmann (2022), o. S; Schwarz (2022a, b), S. 2). Dadurch, dass Unternehmen diversen Risiken ausgesetzt sind, bedarf es einer unternehmensseitigen Risikosteuerung, um unterschiedlichen Risikoarten entgegenwirken zu können. De facto können Risiken eine Gefahr darstellen oder eine Chance, wobei der mögliche Verlust respektive Ertrag nicht a priori klassifiziert werden kann. Investitionen sind grundsätzlich mit einem finanziellen Risiko versehen, besonders in Zeiten hoher Inflationsraten und Zinsen (vgl. Eulerich (2022), o. S; Georg et al. (2020), S. 1–5). In praxi ist der Ausgang einer Investitionsentscheidung planungs- und situationsabhängig, weshalb jede Entscheidung stets mit Unsicherheiten behaftet ist. Dementsprechend sollten Wertsteigerungspotenziale und etwaige Verluste immer auf einer durchdachten Analyse aller Chancen und Risiken des Objekts beruhen (vgl. Seppelfricke (2012), S. 1; Matschke und Brösel (2013), S. 1; Georg et al. (2020), S. 1–5; Belke und Bordon (2017), S. 616). Grundlegend besitzt jede unternehmerische Geschäftstätigkeit immer ein immanentes Risiko – das sog. inhärente Risiko. Das inhärente Risiko wird auch als Bruttorisiko bezeichnet. Das Bruttorisiko beinhaltet eine Kombination aus allen internen und externen Risikofaktoren. Unternehmen haben zum Ziel, ein Residualrisiko zu erzeugen, indem die Erkennung, Kontrolle und Reduktion des inhärenten Risikos erfolgt. Das Residualrisiko, das nicht durch ein erfolgreiches Risikomanagement ausgeschlossen werden kann, wird als Nettorisiko bezeichnet. Hierbei gilt, je effizienter die Risikomaßnahmen sind, desto geringer fällt das Nettorisiko aus (vgl. Eulerich (2022), o. S; Kalwait et al. (2017), S. 14; Vanini und Rieg (2021), S. 1–15; Diederichs (2017), S. 7 ff.). Konzerne i. S. d. § 3 Abs. 2 AktG sind gem. § 91 Abs. 2 AktG dazu verpflichtet ein geeignetes Überwachungssystem einzurichten, das den Fortbestand der Geschäftstätigkeit (Going-Concern-Prämisse gem. § 252 HGB de lege lata) sicherstellen soll. Zudem sollen bestandsgefährdende und insolvenzauslösende Risiken entdeckt sowie überwacht werden. Das Überwachungssystem wird als sog. Risikofrüherkennungssystem bzw. Risikomanagementsystem bezeichnet, welches gesetzlich nicht einheitlich definiert ist. Gleichwohl lassen sich in Verbindung mit internationalen Aspekten die zentralen Merkmale in IDW PS 340 finden (vgl. Brösel et al. (2015), S. 379 f.; Eulerich (2022), o. S; Vanini und Rieg (2021), S. 4–10; Graumann (2021), S. 83).3 Die relevantesten Aktivitäten des Risikomanagements sind dementsprechend die Identifikation, die Quantifizierung, die Aggregation und Überwachung sowie die zielgenaue Bewältigung der Risiken. Ferner ist eine ex ante Planung relevant, um Planungsfehlschlüsse zu vermeiden (vgl. Gleißner (2017), S. 24; Derr et al. (2021), S. 7). Insb. durch die hohen Zinslasten ergeben sich diverse Risikopotenziale, denen Unternehmen gegenüberstehen (vgl. Osman et al. (2023), o. S.). Die Risikoanalyse im Zuge 3 Siehe weiterführend auch DRS 20.116 de lege lata.
4 1 Einführung zur Zinswende und deren … des Risikomanagements erfolgt durch Introspektion, um Externalitäten zu erfassen (vgl. Ballwieser und Hachmeister (2021), S. 157.). Neben den Auswirkungen auf das inhärente Risiko sind wesentliche Auswirkungen des Zinsniveaus auf Bilanzposten festzustellen. Die Bilanz (i. S. d. § 266 HGB), als Schaubild der Gegenüberstellung von Mittelherkunft (Passiva) und Mittelverwendung (Aktiva), wird durch das Zinsniveau beeinflusst. Demgemäß unterliegen sowohl sämtliche Vermögenswerte als auch Vermögensaufwendungen der Zinsveränderungen (vgl. Schmidlin (2020), S. 18–21; Goldstein (2020), S. 21 f.; Pilz (2019), S. 1–22; Ebner Stolz (2023), o. S.). Die Auswirkungen der Inflation und des gestiegenen Zinsniveaus können insb. in den Geschäftsberichten zum Bilanzstichtag (31.12.2020 ff.) entnommen werden. Die aktuelle Wirtschaftssituation resultiert in unsicheren bilanziellen Folgewirkungen, die schwierig einzuschätzen sind. Die korrelierenden Wirkungsweisen der Inflationsraten und des Zinsniveaus auf bilanzielle Posten sind dementsprechend einzuordnen. Einzelne Bilanzierungsfragestellungen sowie Planrechnungen gewinnen mit Blick auf skalierende Zinsen zunehmend an Bedeutung (vgl. Zwirner et al. (2023), o. S; Zwirner et al. (2022), S. 10; Ebner Stolz (2023), o. S.). Demgemäß ist ein optimiertes Financial Forecasting von großer Bedeutung, um zukünftige Entwicklungen zu quantifizieren und die benötigten Informationen über die Zinsentwicklung zu generieren (vgl. Guerard (2013), S. 1; Boyles (2022), o. S; Zell (2011), S. 1; Taschner (2013), S. 5 ff.; Zwirner et al. (2022), S. 10; Reimer et al. (2021), S. 4). Der durch den Zinsanstieg begründete Preisschock auf den Kapitalmärkten führt ceteris paribus zu einer Eindämmung des Neugeschäfts diverser Unternehmen – vor allem Banken sind hiervon betroffen. Gleichwohl ist festzustellen, dass die Commerzbank und Deutsche Bank mit Blick auf die Erträge profitieren (vgl. Atzler (2022), o. S; PwC GmbH (2022), S. 2–15). Besonders der signifikante und rasche Anstieg der Zinsen besitzt Auswirkungen auf monetäre und nicht monetäre Vermögenswerte sowie Schulden. De facto wird deutlich, dass der abrupte Anstieg des Zinsniveaus keine überwiegend positiven Effekte verzeichnet. Vielmehr sind die Auswirkungen des stetig steigenden Zinsniveaus, im Zusammenhang mit den bestehenden politischen Unsicherheiten und den Folgewirkungen der Covid-19-Pandemie, auf die Bilanzierung und Bewertung bestimmter Sachverhalte vielschichtig. Insbesondere sind die negativen Effekte der Inflation und des hohen Zinsniveaus auf der Aktivseite der Bilanz sowohl bei Geschäfts- oder Firmenwerten als auch Beteiligungen sowie Immobilien signifikant. Die Bilanzposten Verbindlichkeiten und langfristige Rückstellungen sind insb. auf der Passivseite betroffen. Die Folge des hohen Zinsniveaus sind außerplanmäßige Abschreibungen, die die Ergebnissituation sowie Eigenkapitalstruktur der Unternehmen strapazieren (vgl. Zwirner et al. (2022), S. 8 ff.; Zwirner et al. (2023), o. S; PwC LLP (2022), S. 2; Schürmann (2022), S. 2; Ebner Stolz (2023), o. S.). Die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen besitzen konkrete Auswirkungen auf Bilanzposten der Aktiv- und Passivseite. Ferner summiert sich die Anzahl an externen Risikofaktoren, weswegen vorherrschende Krisen, Inflation und erhöhte Zinsen einen Katalysator mit Blick auf die ökonomischen Herausforderungen darstellen (vgl. Zwirner et al. (2022), S. 10; Zugehör (2022), S. 1; Zwirner et al. (2023), o. S.).
1 Einführung zur Zinswende und deren … 5 Die aktuellen, makroökonomischen Wirtschaftsentwicklungen besitzen sowohl maßgebliche Effekte auf inhärente Risiken als auch ausgewählte Bilanzposten, weshalb diese Abhandlung sich auf die Schnittstellen der Termini fokussiert. Der Fokus der Ausarbeitung liegt einerseits auf der theoretischen Analyse der expliziten Auswirkungen der Wirtschaftsentwicklungen und andererseits auf der empirischen Analyse hinsichtlich des gestiegenen Zinsniveaus und dessen sachimmanente Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten und Risiken. Der erste Teil der Ausarbeitung stellt die theoretische Analyse dar, indem konkrete Aspekte erörtert werden, die die Auswirkungen der Wirtschaftsentwicklungen auf inhärente Risiken und ausgewählte Bilanzposten beurteilen. Insb. das Risikomanagement und ausgewählte Risikoarten werden im Zuge dessen analysiert. Zudem werden die in praxi am meisten betroffenen Bilanzposten analysiert, um Aussagen über die Effekte treffen zu können – den konkreten Auswirkungen kommt hierbei eine exponierte Stellung zu. Der anschließende Abschnitt eröffnet im Rahmen der empirischen Untersuchung ausgewählter Unternehmen des DAX-40 im Bankensektor, im Automobilsektor und im Energiesektor die Möglichkeit, Rückschlüsse über die Auswirkungen der Zinswende auf inhärente Risiken und Bilanzpositionen zu ziehen. Mit Blick auf die Vorbildfunktion der DAX-40-Unternehmen wird der Untersuchungsgegenstand der empirischen Analyse auf entsprechende Unternehmen ausgerichtet (vgl. Pilhofer et al. (2018), S. 530 f.; Pilhofer et al. (2020), S. 424). Die primäre Zielsetzung dieser vorliegenden empirischen Untersuchung besteht darin, mittels der Anwendung vertikaler und horizontaler Bilanzkennzahlen, des Gesamtergebnisses sowie des Free Cashflows die theoretischen Analyseergebnisse zu validieren und dadurch ein substanzielles Forschungsergebnis zu generieren. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, das Ausmaß der Auswirkungen von Zinsen auf Unternehmen sowie deren Intensität auf empirische Weise zu validieren. Es ist erkennbar, dass in der Fachliteratur und in Fachbeiträgen zur Bilanzierung und zum Risikomanagement ausreichend Material vorhanden ist. Allerdings verdeutlichen die konkreten Effekte der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen, dass aufgrund ihrer Aktualität und ihres stetigen Wandels nur begrenzt wissenschaftliche Literatur verfügbar ist. Vor diesem Hintergrund zielt diese Abhandlung darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen und relevante theoretische sowie empirische Nachweise zu erbringen. Dies soll dazu dienen, die essenziellen Parameter der tatsächlichen Auswirkungen der Wirtschaftsentwicklungen zu systematisieren. Sowohl fachliche Diskussionen als auch Fachbeiträge konstatieren, dass die Bereiche Energie und Konsumgüter stark von den gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklungen beeinflusst werden. Die vorliegende empirische Analyse schließt jedoch den Konsumgütersektor kategorisch aus, da die Preissteigerungen, begründet durch die Inflation, umfänglich auf die Verbraucher übertragen werden (vgl. Schwarz (2022a, b), S. 2). Der Bankensektor ist Untersuchungsgegenstand der empirischen Analyse, da die prognostizierten positiven Effekte, durch die restriktive Geldpolitik und die daraus resultierende Zinswende, wesentliche Auswirkungen auf inhärente Risiken sowie ausgewählte Bilanzposten begründen (vgl. Atzler (2022), o. S; PwC GmbH (2022), S. 2– 15). Zusätzlich stellt der Automobilsektor einen geeigneten Untersuchungsgegenstand
6 1 Einführung zur Zinswende und deren … dar, weil der Sektor wesentlichen Preissteigerungen und höheren Kapitalkosten unterliegt (vgl. Menzel (2023), o. S.). Neben der theoretischen und empirischen Analyse geht diese Ausarbeitung darüber hinaus der Fragestellung auf den Grund, welche Anhangs- respektive Lageberichtsangaben die untersuchten DAX-40-Unternehmen zu den vorherrschenden Risiken und Auswirkungen auf die Bilanz notierten. Ferner hat die empirische Analyse das Ziel, prognostische Angaben zu den zukünftigen Wirtschaftsentwicklungen zu eruieren. Ultimo stellt sich vor dem Hintergrund der vorliegenden Abhandlung die Frage, ob die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen einen signifikanten Einfluss sowohl auf inhärente Risiken als auch ausgewählte Bilanzposten besitzen und somit die Prognosen mehrerer Fachdiskussionen sowie Fachartikel bestätigt werden können. Literatur Atzler, E. (2022). Positive Effekte der Zinswende bleiben vorerst aus. https://www.handelsblatt. com/finanzen/geldpolitik/bain-studie-positive-effekte-der-zinswende-bleiben-vorerst-aus/288 64246.html. Zugegriffen: 10. Mai 2023. Ballwieser, W., & Hachmeister, D. (2021). Unternehmensbewertung – Prozesse, Methoden und Probleme (6. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Bacher, U., & Nothhelfer, R. (2022). Zinswende und Inflation: Folgen für die Unternehmensfinanzierung – 12 Thesen mit einem Ausblick auf 2023 und 2024. BBK Nr. 22 vom 18.11. S. 1060. NWB. Belke, A., & Bordon, I. (2017). Geldtheorie und Geldpolitik. In R. Neubäumer, B. Hewel, & T. Lenk (Hrsg.), Volkswirtschaftslehre – Grundlagen der Volkswirtschaftstheorie und Volkswirtschaftspolitik (6. Aufl.). Springer Gabler. Braumann, E., Grabner, I., & Posch, A. (2023). Wie Gut ist das Risikobewusstsein in Ihrem Unternehmen? Tone from the Top als Hebel für ein effektives Risikomanagement. In: CONTROLLING, 35. Jahrgang, Spezialausgabe Sommer 2023. Breulmann, U. (2022). Riesengewinne von RWE und Co. sind unmoralisch. https://www.ruhrnachr ichten.de/regionales/energiekrise-kommentar-riesengewinne-von-rwe-und-co-sind-unmoralischw1778364-2000593456/. Zugegriffen: 13. Aug. 2023. Boyles, M. (2022). 7 Financial Forecasting Methods to Predict Business Performance. https://online. hbs.edu/blog/post/financial-forecasting-methods. Zugegriffen: 10. Mai 2023. Brösel, G., Freichel, C., Toll, M., & Buchner, R. (2015). Wirtschaftliches Prüfungswesen – Der Einstieg in die Wirtschaftsprüfung (3. Aufl.). Vahlen. Derr, T., Georg, S., & Heiler, C. (2021). Die disruptive Innovation durch Streamingdienste – Eine strategische Analyse der Marktführer Netflix und Spotify. Springer Gabler. Diederichs, M. (2017). Risikomanagement und Risikocontrolling (4. Aufl.). Vahlen. Ebner Stolz (2023). Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Rechnungslegung von Unternehmen. https://www.ebnerstolz.de/de/4/8/4/9/6/Auswirkungen_der_Niedrigzinsphase_.pdf. Zugegriffen: 19. Aug. 2023. Eulerich, M. (2022). Risikomanagement. https://datenbank.nwb.de/Dokument/443840/. Zugegriffen: 4. Mai 2023. Gänger, J. (2022). Die Risiken der Zinswende. https://www.capital.de/geld-versicherungen/die-ris iken-der-zinswende-31921596.html#:~:Text=Und%20das%20ist%20das%20Problem,sorgt% 20tendenziell%20für%20höhere%20Arbeitslosigkeit. Zugegriffen: 21. Juni 2023.
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2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik Zusammenfassung In diesem Kapitel werden volkswirtschaftliche Zusammenhänge dargestellt, die zum Verständnis elementar sind. Die steigende Inflation und die damit einhergehende Zinswende besitzen wesentliche Auswirkungen auf Risiken und Bilanzposten von Unternehmen. Durch die veränderte Zinslandschaft resultiert ein Umschwung hinsichtlich der Profitabilität von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen. Obgleich die EZB ein Zinsniveau von 2 % avisiert, steigen die Leitzinsen bis zur Erreichung des Ziels vorerst an, um die Inflationsrate abzuschwächen. Dieses Kapitel beleuchtet auch die Historie der Zinspolitik und Inflation, sodass die makroökonomischen Wechselwirkungen erkennbar sind. 2.1 Volkswirtschaftliche Zusammenhänge Die Geldpolitik hat zum Ziel, die Preisstabilität zu wahren. Im Zuge dessen muss die Geldpolitik auch konjunkturelle Verläufe berücksichtigen. In Hochinflationszeiten erhöht die Zentralbank das Zinsniveau, wodurch eine dämpfende Wirkung auf die Konjunktur resultiert (vgl. Schaltegger (2013), S. 12; Belke und Bordon (2017), S. 614; Europäische Zentralbank (2023a), o. S; Wendler (2022), S. 87–91). Demgemäß ist das oberste Ziel einer Volkswirtschaft die Erhaltung des Geldwertes, um Stabilität in der Wirtschaft zu gewährleisten (vgl. Weeber (2022), S. 31; Schaltegger (2013), S. 12; Belke und Bordon (2017), S. 614). Das Volkswirtschaftsmodell der Neoklassik definiert ein Konzept, innerhalb dessen Güter sowie Dienstleistungen gegen monetäre Werte gehandelt werden. Das tatsächliche Angebot stellt die Realwirtschaft dar, weshalb das Güter- und Dienstleistungsangebot durch eine Unabhängigkeit gekennzeichnet ist. Zu berücksichtigen ist, dass Veränderungen des Geldwertes an den Kapitalmärkten relevante Auswirkungen auf die © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_2 11
12 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik Realwirtschaft besitzen (vgl. Gröschel (1986), S. 11; Belke und Bordon (2017), S. 614). Die Fiskalpolitik steuert die Einnahmen- und Ausgabenpolitik, um ein kohärentes Gleichgewicht herzustellen, das zudem national geregelt wird (vgl. Schaltegger (2013), S. 12; Wendler (2022), S. 84 ff.; Gründler und Potrafke (2020), S. 1–8). Bei der Betrachtung des Finanzmarktes wird deutlich, dass die Geldpolitik den Referenzzinssatz am Geldmarkt steuert. Auf Basis des Referenzzinssatzes werden bspw. Kredite, Anleihen und sonstige Wertpapiere gehandelt. De facto besitzen kleine Veränderungen des Leitzinssatzes signifikante Auswirkungen auf das langfristige Zinsniveau. Bezogen auf die Realwirtschaft resultiert ein geringer Leitzinssatz in geringeren Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher. Demgemäß unterstützen sich die Geld- und Fiskalpolitik wechselseitig (vgl. Schaltegger (2013), S. 13 f.; Europäische Zentralbank (2023a), o. S.). Eine adäquate Geldpolitik resultiert ceteris paribus aus einer erfolgreichen Fiskalpolitik, et vice versa (vgl. Schaltegger (2013), S. 14; Europäische Zentralbank (2023a), o. S.). Demgemäß können sich Preise für Güter und Dienstleistungen innerhalb einer regulierten Marktwirtschaft verändern. Wenn hingegen ein allgemeiner und konstanter Preisanstieg vorliegt, dann wird dieser Zustand als Inflation bezeichnet. Die Kaufkraft des Geldwertes sinkt, wodurch der Wert einer Währung ebenfalls sinkt (vgl. Europäische Zentralbank (2023b), o. S; Statista (2022b), o. S; Weeber (2022), S. 32; Meitner und Streitferdt (2011), S. 237). Die Inflationsrate skaliert in Relation zum ökonomischen Preisanstieg für Güter und Dienstleistungen. Die dadurch resultierende Geldwertminderung führt zu einer verringerten Kaufkraft der Konsumenten und Unternehmen (vgl. Beeker (2016), S. 165; Lippens (1991), S. 243; Gasch (2022), S. 9; Bundeszentrale für politische Bildung (o. J.), o. S.). Tab. 2.1 kategorisiert die unterschiedlichen Inflationsbegriffe i.V.m. der geldpolitischen Strategie der EZB. Die vorliegende Preissituation kann durch mehrere Preisindikatoren gemessen werden. In praxi genießen der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) und Verbraucherpreisindex (VPI) jedoch die größte Bedeutung. Der HVPI vergleicht die Preisänderungen in der Eurozone. Diese Preisänderung stellt dementsprechend die Inflationsrate für die Eurozone dar (vgl. Weeber (2022), S. 33). Die Ermittlung der nationalen HVPI erfolgt auf Basis Tab. 2.1 Synopse zur Kategorisierung der Inflationsbegriffe. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Weeber (2022), S. 32 f.; Gasch (2022), S. 10) Inflation Disinflation Deflation Anhaltender Anstieg des Preisniveaus Positive Steigerungsraten auf geringem Niveau Anhaltendes Sinken des Preisniveaus Diverse Ausprägungen (leichte Inflation bis Hyperinflation) Weiterhin Verlust an Kaufkraft Verringerte Geldmenge bei stabiler Gütermenge Restriktive Geldpolitik Restriktive Geldpolitik Expansive Geldpolitik Steigender Leitzinssatz Steigender Leitzinssatz auf geringem Niveau Fallender Leitzinssatz
2.1 Volkswirtschaftliche Zusammenhänge 13 europäischer Verordnungen. Die Basis hierfür bilden die Verordnung (EG) Nr. 2016/792 und die Verordnung (EU) 2020/1148. Der deutsche HVPI ermittelt sich demgemäß aus derselben Datenbasis wie der VPI. Dabei werden sowohl die monatlichen Preiserhebungen als auch die Ermittlung der Feingewichte der Wägungsschemata analysiert, die in dieser Ausarbeitung jedoch nicht näher betrachtet werden (vgl. Statistisches Bundesamt (2023c), o. S.). Um die jährliche Geldwertminderung zu quantifizieren, gibt es diverse Indikatoren respektive Einflussfaktoren, die den VPI beschreiben. Der VPI ist eine Kennzahl, die sich auf den Haushalt eines durchschnittlichen Endverbrauchers bezieht.1 Der VPI besitzt dementsprechend keine Relevanz für Unternehmen. Innerhalb des VPI werden ca. 750 Produkte und Dienstleistungen betrachtet, die vom Statistischen Bundesamt ex ante definiert werden (vgl. Beeker (2016), S. 192; Statista GmbH (2023a, b, c), o. S; Ivanov (2022), o. S; Gasch (2022), S. 9). Die Kerninflation beruht auf preisbezogenen Änderungen bei besonders volatilen Gütern. Energieprodukte sowie Lebensmittel werden dementsprechend nicht betrachtet (vgl. ZEIT ONLINE (2022), o. S.). Der annuale Verlust der Kaufkraft, der durch die Inflation einhergeht, kann wie folgt kategorisiert werden: • Leichte Inflation: Annualer Kaufkraftverlust < 5 % • Starke Inflation: Annualer Kaufkraftverlust > 5 % • Hyperinflation: Annualer Kaufkraftverlust > 50 % (Vgl. Weeber (2022), S. 32; Gasch (2022), S. 10)2 Das Resultat der erhöhten Inflationsraten ist eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes innerhalb einer Volkswirtschaft (vgl. Gasch (2022), S. 10; Bundeszentrale für politische Bildung (o. J.), o. S.). Zudem nimmt der Kaufkraftverlust proportional zur Inflationsrate zu. Je höher der Geldwertverlust ist, desto signifikanter ist ceteris paribus der Verlust der Effizienzfunktion des Geldes (vgl. Anderegg (2007), S. 233). Dementsprechend sind zukünftige Inflationsraten nur schwer abzuschätzen, da diese oftmals aus nicht vorhersehbaren Ereignissen resultieren. Die zirkulierende Geldmenge korreliert mit dem zukünftigen Preisniveau, weshalb volkswirtschaftliche Ereignisse stets zu verfolgen sind (vgl. Meitner und Streitferdt (2011), S. 237). Feststellbar ist, dass Unternehmen, aufgrund des steigenden Zinsniveaus und der skalierenden Inflationsraten, präferiert kurzfristige Verträge abschließen. Die geldpolitische Erwartungshaltung drängt Unternehmen dazu, kurzfristige Investitionen und Finanzierungen zu tätigen. Investitionsobjekte, die erst in der fernen Zukunft rentabel sind, werden unter hohen Inflationsraten weniger getätigt, da hierdurch gegenwärtige Verluste resultieren können. Ferner ist mit besonderem Blick auf die Verbraucher festzustellen, dass der Kaufkraftverlust die Ersparnisse verringern (vgl. Boerner (2009), S. 34). Zusätzlich sinkt der Realwert von Forderungen durch die steigende Inflation (vgl. Weeber (2022), S. 39) Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher haben hierbei die Möglichkeit, durch bestimme Absicherungsstrategien (Hedging) 1 Durchschnittlicher Verbraucher i. S. d. § 13 BGB i.V.m EuGH GRUR Int 2005, 44. 2 Eine Hyperinflation konnte jüngst in der Türkei eruiert werden.
14 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik am Kapitalmarkt, die Auswirkungen der Inflation abzufedern, um den Geldwertverlust so gering wie möglich zu halten. Ein Beispiel hierfür sind bspw. klassische Anleihen oder das Investieren in Exchange Traded Funds (ETF). Ein weiterer Einfluss der hohen Inflationsraten lässt sich bei der Vergabe von Krediten durch Banken eruieren. Demgemäß sind die Möglichkeiten der Banken zur Freigabe von langfristigen Krediten durch die hohen Inflationsraten beeinträchtigt (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (o. J.), o. S; Schier (2023), o. S; Ernst & Young GmbH (2023a), o. S.). Einige Kreditinstitute gewähren mit Blick auf die hohen Inflationsraten keine neuen Kreditlinien. Die Kreditmarktstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY aus dem Jahr 2023 kommt zudem zu folgenden Ergebnissen: • 86 % der deutschen Kreditinstitute rechnen mit höheren Kreditausfällen. • Zwei von drei deutschen Kreditinstituten erwarten einen signifikanten Rückgang der Kreditvergabe. Lediglich 15 % rechnen mit einem Anstieg. • Neben den direkten Kreditkosten steigen auch die Kreditnebenkosten. • Unternehmens- und Privatkunden sind gleichermaßen betroffen. Hierbei werden höhere Bonitätsanforderungen und Sicherheiten gefordert (vgl. Ernst & Young GmbH (2023a), o. S; Siehe weiterführend auch Kreditmarktstudie 2023).3 Die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen wirken sich nach Einschätzung deutscher Banken signifikant auf die Kreditvergabe aus (vgl. Ernst & Young GmbH (2023a), o. S.). Demgemäß steigen die Kosten für Finanzierungen, weshalb ceteris paribus wesentliche Auswirkungen auf die Bilanz von Unternehmen festzustellen sind. Eine Unterscheidung in Wachstums- und Verteilungswirkungen ist relevant, um den Inflationsbegriff und dessen inflationäre Prozesse zu verstehen: • Wachstumswirkungen: – Erhöhter Aufkauf von Sachwerten, wodurch die Gefahr von Überkapazitäten resultieren kann. Insb. der Immobiliensektor unterliegt dieser Nachfragesteigerung. – Negative Auswirkungen auf die Exportwirtschaft, da Wechselkurseffekte vorliegen. – Aufbau von Überkapazitäten durch schnelle Preisanstiege. Die zeitlich verzerrte Nachfrageanpassung führt ceteris paribus zur Rezession. – Die Nachfrage nach Gütern sinkt in Korrelation zur Inflation. Demgemäß senken Unternehmen die Produktionstätigkeit, wodurch langfristige Investitionen weniger rentabel sind (vgl. Weeber (2022), S. 39–42; Boerner (2009), S. 34; Meitner und Streitferdt (2011), S. 237). • Verteilungswirkungen: – Realwert der Forderungen sinkt, wodurch Schuldner profitieren und Gläubiger Verluste riskieren. 3 Grundlage der Studie ist die Befragung von 120 Kreditmanagern von Banken und Sparkassen in Deutschland.
2.2 Der geldpolitische Mechanismus der EZB 15 – Mit zunehmender Inflation sinkt der Realwert des Lohnes. Eine Anpassung des Lohnniveaus erfolgt i. d. R. nicht. – Sozialleistungen werden nicht latenzfrei an die steigenden Inflationsraten angepasst. – Erhöhte Auswirkungen auf die Vermögensverteilung durch die hohen Inflationsraten (vgl. Weeber (2022), S. 39–42; Boerner (2009), S. 34: Statistisches Bundesamt (2023d), o. S.). Um das Inflationsziel von 2 % zu erreichen, wird der Leitzins sukzessive erhöht (vgl. Liedke und Thier (2023a, b), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.). Dementsprechend muss eine Volkswirtschaft die Strategie der restriktiven Geldpolitik verfolgen, um der Inflation entgegenzuwirken. De facto muss eine Volkswirtschaft sinkende Realeinkommen und eine zunehmende Arbeitslosigkeit ausstehen. Durch die Reduktion der umlaufenden Geldmenge durch die Zentralbank, sinkt die Güternachfrage, et vice versa. Infolgedessen resultiert eine Einschränkung der Produktion und Beschäftigung. Folglich sinken die Lohnerhöhungen und das vorliegende Preisniveau steigt wesentlich langsamer. Insofern die Inflationsrate ein adäquates Niveau erreicht hat, passen die einzelnen Wirtschaftssubjekte die Inflationserwartungen an das geringere Inflationsniveau an, wodurch die Produktion und Beschäftigung ansteigt. Bezugnehmend auf Tab. 2.1 wird dieser Sachverhalt als Disinflationspolitik bezeichnet (vgl. Wellmann und Hünseler (2003), S. 143; Herrmann (2012), S. 359; Liedke und Thier (2023a, b), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.). Schlussendlich wird dadurch die volkswirtschaftliche Phase der Deflation erreicht. 2.2 Der geldpolitische Mechanismus der EZB Die EZB ist die Zentralbank aller Länder der EU, in denen der Euro die Währung darstellt. Die wesentlichste Aufgabe der EZB ist die Wahrung der Preisstabilität – dies geht aus dem Artikel 127 Abs. 1 des AEU-Vertrags hervor. Die EZB und die jeweiligen nationalen Zentralbanken der Eurozone bilden das sog. Eurosystem – ein kohärentes Zentralbankensystem (vgl. Europäische Zentralbank (2023c), o. S; Gasch (2022), S. 10; Conrad (2020), S. 450; Gänger (2022a, b), o. S; Meyer (2019), S. 13; Perret und Welfens (2019), S. 242). Um das Preisniveau stabil zu halten, rechnet die EZB mit einer jährlichen Inflationsrate von 2 % (vgl. Gasch (2022), S. 10; Conrad (2020), S. 451; Liedke und Thier (2023a, b), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.). Zusätzlich zu ihren Hauptaufgaben ist die EZB auch verantwortlich für die Überwachung von Kreditinstituten und die Sicherung der Stabilität des Bankensystems in der Eurozone und den teilnehmenden Mitgliedsländern. Die Geldpolitik der EZB sichert demnach die Preisstabilität und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Ferner gehören die Statistik, die Finanzstabilität, die makroprudenzielle Politik und die europäische Zusammenarbeit zum weiteren Aufgabenkreis der EZB (vgl. Europäische Zentralbank (2023c), o. S; Conrad (2020), S. 450; Herrmann (2012), S. 359; Zwirner et al. (2022), S. 5 f.; Neumann (2022), o. S; Perret und Welfens (2019), S. 239 ff.).
16 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik Ein grundlegendes Problem der Geldpolitik der EZB stellt der einheitliche Referenzzinssatz dar. Demnach korreliert der Leitzinssatz mit den durchschnittlichen Entwicklungen aller teilnehmenden EU-Staaten. Dies resultierte darin, dass der tatsächliche Zinssatz für Deutschland hoch war. Die Leitzinssenkung des Jahres 1998 auf einen Zinssatz von 3 % resultierte de facto in einer effektiven Zinssenkung von 0,3 % für Deutschland (vgl. Conrad (2020), S. 442 f.). Der Leitzins ist die maßgebliche Größe, um die Wirtschaftsentwicklungen bewerten zu können. Der Leitzinssatz stellt den Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft dar (vgl. Statista GmbH (2023b), o. S; Liedke (2022), o. S; Zinnecker (2022), o. S.). Das Hauptrefinanzierungsgeschäft (Offenmarktgeschäft) stellt den Zinssatz dar, den Banken für das Aufnehmen von Krediten zahlen müssen (vgl. Pfannmöller (2018), S. 188; Conrad (2020), S. 458; Gerginov (2013), o. S.). Die Kreditvergabe durch die EZB erfolgt immer gegen eine Besicherung, um das Eurosystem vor Risiken zu bewahren. Die Vergabe von Krediten an Geschäftsbanken erfolgt üblicherweise in Form von befristeten Transaktionen (reverse Transactions). Demgemäß vergibt die EZB, unter Berücksichtigung sämtlicher Sicherheiten und Risiken, Kredite gegen die Hergabe von Vermögenswerten als Besicherung. Befristete Transaktionen stellen demnach Finanzmittel für eine ex ante vereinbarte Periode bereit – analog kann auch der Terminus temporäre Offenmarktoperationen verwendet werden (vgl. Belke und Bordon (2017), S. 527). Abb. 2.1 verdeutlicht den Geldumlauf des Hauptrefinanzierungsgeschäfts des Eurosystems. Um die positive Wirtschaftsentwicklung der Eurozone zu sichern, führt die EZB eine sog. antizyklische Geldpolitik durch, die zum Ziel hat, konjunkturzyklische Auswirkungen Abb. 2.1 Geldumlauf innerhalb des Eurosystems. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Wagner (2009), o. S; Europäische Zentralbank (2023d), o. S.)
2.3 Entwicklung des Zinsniveaus und der Inflationsraten 17 abzuschwächen. Herrscht eine Rezession, in denen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt, resultiert eine expansive Geldpolitik in einem Investitionsstimulus. Demgemäß wird das Zinsniveau verringert und die umlaufende Geldmenge erhöht. Dies bedingt eine erhöhte Vergabe von Krediten durch Kreditinstitute, wodurch Investitionsobjekte günstiger zu finanzieren sind. Ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage größer als das Angebot, verfolgt eine restriktive Geldpolitik das Ziel, das die Nachfrage abgeschwächt und signifikante Preissteigerungen vermieden werden. De facto wird die umlaufende Geldmenge verringert und das Zinsniveau erhöht, weswegen Banken die Zinssätze erhöhen (vgl. Conrad (2020), S. 451; Liedke (2022), o. S; Zwirner et al. (2022), S. 3; Regner (2022), S. 36). Folglich führt die Erhöhung des Leitzinssatzes zu einem geringeren Wirtschaftswachstum sowie zu einer Reduktion der Inflationsraten, et vice versa (vgl. Liedke (2022), o. S.). Die Geldpolitik der EZB beruht auf einer sog. Zweisäulenstrategie, die zum einen die Analyse der langfristigen Entwicklungen der umlaufenden Geldmenge und Zinsen berücksichtigt sowie zum anderen den Abgleich mit der Analyse der langfristigen gesamtökonomischen Entwicklung der Eurozone (vgl. Conrad (2020), S. 451; Perret und Welfens (2019), S. 242). De facto erfolgt ein Abgleich der avisierten Inflationsrate von 2 % und der erwarteten Inflationsrate (vgl. Jasper (2023), o. S.). Der Verlauf der Anpassungen des Leitzinssatzes verdeutlicht, dass seit Juli 2022 ein signifikanter Anstieg, von 0,5 % auf 3,75 %, zum Mai 2023 vorliegt. Zurzeit dotiert der Leitzinssatz bei 4,25 % (Stand: Juli 2023). Vergangene Höchstwerte lassen sich im Oktober 2000 (4,75 %) und in der Zeit um die internationale Finanzkrise im Juli 2008 (4,25 %) feststellen (vgl. Statista GmbH (2023a), o. S; Liedke und Thier (2023a, b), o. S; Deutsche Bundesbank (2023), o. S; Verbraucherzentrale NRW e. V. (2023), o. S.). Der aktuelle Anstieg ist durch die Inflationsbekämpfung zu erklären. Erwartungen zufolge soll der Zinssatz für das Hauptrefinanzierungsgeschäft der EZB zudem weiter steigen (vgl. Liedke und Thier (2023a, b), o. S.). Faktisch bleibt die weitere Vorgehensweise der EZB hinsichtlich weiterer Leitzinsanpassungen abzuwarten – das langfristige Inflationsziel von 2 % wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Folge sein. Jedoch ist der Zeitpunkt des Erreichens des Inflationsniveaus von 2 % relevant, da in der Zwischenzeit wesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Unternehmen festzustellen sind. Abb. 2.2 verdeutlicht den Verlauf der Leitzinsentwicklung der EZB von Oktober 2000 bis Juli 2023. 2.3 Entwicklung des Zinsniveaus und der Inflationsraten 2.3.1 Vergangenheitsanalyse Der Wert des umlaufenden Geldes unterlag bereits diversen saisonalen Schwankungen, weswegen die aktuellen Wirtschaftsentwicklung – insofern der wirtschaftspolitische Blickpunkt statisch betrachtet wird – keine Anomalie darstellen (vgl. Gasch (2022), S. 12;
18 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik Leitzinsentwicklung der EZB von 1999 bis 2023 5 4.75 4 4.25 4 3.75 3.5 4.25 4.5 3.75 3.75 3.75 3.5 3 2.5 3 2.75 2.75 2.5 2 2 2 1.5 1.25 1.5 0.75 0.5 1 0.5 0.01 0.5 0.15 0 Oct-00 Jul-01 Apr-02 Jan-03 Oct-03 Jul-04 Apr-05 Jan-06 Oct-06 Jul-07 Apr-08 Jan-09 Oct-09 Jul-10 Apr-11 Jan-12 Oct-12 Jul-13 Apr-14 Jan-15 Oct-15 Jul-16 Apr-17 Jan-18 Oct-18 Jul-19 Apr-20 Jan-21 Oct-21 Jul-22 Apr-23 0 Abb. 2.2 Leitzinsentwicklung der EZB (Hauptrefinanzierungszinssatz) von 2000 bis 2023. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Statista GmbH (2023b), o. S; Deutsche Bundesbank (2023), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.) Schmitz (2016), S. 1). Der Terminus Inflation gewann bereits im 17. Jahrhundert 4 an Bedeutung, da die damalige übermäßige Geldausgabe und Münzausprägung die Wirtschaft strapazierte, wodurch eine Geldentwertung resultierte (vgl. Walter (2011), S. 161; Gasch (2022), S. 13). Aufgrund der Folgen der beiden Weltkriege, die in wesentlichen Kriegsschulden und Sozialausgaben resultierten, unterlag Deutschland einer Hyperinflation – die Jahre 1914 bis 1923 und 1936 bis 1948 sind hierfür maßgeblich (vgl. Walter (2011), S. 161; Deutsche Bundesbank (2012), o. S.). Ferner führte die verdeckte Inflation, die durch den zweiten Weltkrieg ausgelöst wurde zu einer umfänglichen Enteignung der Sparer und Anleger. In den Jahren von 1970 bis 1980 ächzte die Weltwirtschaft unter einer hohen Inflationsrate, weil diverse Preisschocks mit Blick auf Öl und Nahrungsmittel vorlagen (vgl. Deutsche Bundesbank (2012), o. S.). Auf Basis der Vergangenheit und den resultierten Erfahrungsgewinnen gewann die Relevanz von Zentralbanken zunehmend an Bedeutung, da die wirtschaftliche Stabilität ein wesentlicher Faktor für das gesamte Wohl einer Gesellschaft darstellt. Darüber hinaus verfolgen Zentralbanken das Ziel, die Vereinnahmung der Geldpolitik durch den Staat zu verhindern (vgl. Deutsche Bundesbank (2012), o. S; Gasch (2022), S. 13). Analog zur Inflationsentwicklung der Vergangenheit lassen sich auch unterschiedliche Entwicklungen des Leitzinssatzes 4 Geburt des Notenbankwesens durch die Stockholm Banco.
2.3 Entwicklung des Zinsniveaus und der Inflationsraten 19 eruieren. Der Hauptrefinanzierungszinssatz besitzt wesentliche Auswirkungen auf das Zinsniveau eines Währungsraumes. Demgemäß wurde der erste Leitzins für die Eurozone zum Januar 1999 festgesetzt. Der Leitzins stieg bereits im Jahr 2000 auf 4,75 % an – der Spitzenwert seit der Euroeinführung. Im Zuge der Bekämpfung der Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 stieg der Leitzins erneut an (vgl. Gerginov (2013), o. S; Zwirner et al. (2023), o. S.). Seit Juli 2022 stieg der Leitzins ebenfalls signifikant an, um den aktuellen Wirtschaftsentwicklungen entgegenzuwirken (siehe auch Abb. 2.2). Der gegenwärtige Forschungsstand blickt bereits auf mehrere überwundenen Wirtschaftskrisen und konjunkturelle Schwankungen zurück, die zu hohen Inflationen und Zinsen führten. Dementsprechend ist der Verlauf der aktuellen Wirtschaftsentwicklung präzise zu verfolgen, um die expliziten Auswirkungen auf inhärente Geschäftsrisiken sowie ausgewählte Bilanzposten zu messen. 2.3.2 Gegenwartsanalyse Das nationale und internationale Wirtschaftsgeschehen war und ist durch diverse Krisen geprägt. Zum einen sind die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie noch immer relevant. Als weitere Krise folgte der Ukraine-Krieg, der wesentliche Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklungen der Eurozone besitzt. Eine Folge des Ukraine-Kriegs sind die signifikant angestiegenen Energiepreise, wodurch eine skalierende Inflationsrate resultierte. Den ansteigenden Inflationsraten folgten steigende Zinsen am Kapitalmarkt, die ceteris paribus mit höheren Renditeforderungen einhergehen (vgl. Zugehör (2022), S. 1). Zum Oktober 2022 lag die Inflationsrate für die Eurozone auf einem Rekordhoch von 10,6 %. Die Inflationsrate für Deutschland lag bei 8,8 %.5 Die Preise für Energieprodukte stiegen um merkliche 41,5 % zum Vorjahresmonat an. Zudem sind Lebens- und Genussmittelpreise von den Inflationsraten maßgeblich beeinflusst. Demgemäß wurde eine Preissteigerung von 11,8 % im September 2022 auf 13,1 % im Oktober 2022 verzeichnet (vgl. ZEIT ONLINE (2022), o. S; Statistisches Bundesamt (2023b), o. S.). Vor allem die Preise für Nahrungsmittel sind im September 2022 um 18,7 % ggü. dem Vorjahresmonat gestiegen. Die bereinigte Inflationsrate, die Energieprodukte und Nahrungsmittel ausschließt, beziffert sich auf 4,6 % (vgl. Statistisches Bundesamt (2023a), o. S; Welfens (2022), S. 139). Dies verdeutlicht die Relevanz der Betrachtung der Inflationsraten, da das bisherige Niveau zuletzt vor über 70 Jahren erreicht wurde. Im November 2022 lag eine Inflationsrate von 8,8 % vor. Sowohl die Verbraucherpreise für Energieprodukte als auch Nahrungsmittel steigen auf 43 % bzw. 20,3 % an (vgl. Statistisches Bundesamt (2023b), o. S.). Im Februar 2023 betrug die Inflationsrate 8,7 %. Die Preise für Energieprodukte beziffern sich auf eine Preissteigerung von 23,1 % ggü. dem Vorjahresmonat. Demgegenüber stiegen die Preise für Nahrungsmittel auf 20,2 % ggü. dem Vorjahresmonat (vgl. Statistisches Bundesamt (2023b), o. S.). Im April 2023 betrug die Inflationsrate 5 Grundlage zur Ermittlung ist der VPI, siehe weiterführend Kap. 2.1.
20 2 Hintergrund zur Inflation, Zinswende und Zinspolitik Entwicklung der Inflationsraten von Januar 2021 bis April 2023 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0 Abb. 2.3 Entwicklung der Inflationsraten von Januar 2021 bis April 2023. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Statistisches Bundesamt (2023b), o. S; Statista GmbH (2023b), o. S.)) 7,2 %. Dies entspricht einer Steigerung der Verbraucherpreise für Energieprodukte von 6,8 % ggü. dem Vorjahresmonat. Weiterhin beläuft sich die Preissteigerungsrate für Nahrungsmittel auf 17,2 % ggü. dem Vorjahresmonat (vgl. Statistisches Bundesamt (2023b), o. S.). Die sinkende Inflationsrate resultiert aus der restriktiven Geldpolitik der EZB. Zusätzlich ist erkennbar, dass die Zinsen für Darlehen im Sektor der Unternehmens- und Immobilienfinanzierungen signifikant angestiegen sind. Dementsprechend war es möglich, eine Immobilie im Januar 2022 zu einem effektiven Zinssatz von unter 1,0 % p. a. zu finanzieren. Gegenwärtige Immobilienfinanzierungen kosten, abhängig von der Bonität, bereits über 3,0 % p. a. (vgl. Zwirner et al. 2022, S. 7). Die zukünftigen Entwicklungen, die die Attraktivität von Immobilienfinanzierungen beeinflussen, korrelieren mit der Leitzinsentwicklung der EZB. Daher bleiben die tatsächlichen zukünftigen Auswirkungen abzuwarten. Abb. 2.3 verdeutlicht die wesentlichen monatlichen Veränderungen der Verbraucherpreise ggü. den entsprechenden Vorjahrespreisen, in %. Literatur Anderegg, R. (2007). Grundzüge der Geldtheorie und Geldpolitik. Oldenbourg Verlag. Beeker, D. (2016). VWL für Dummies. Wiley.
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3 Analyse des Einflusses des hohen Zinsniveaus auf inhärente Risiken Zusammenfassung Dieses Kapitel widmet sich den zentralen Anforderungen an das Risikomanagement im Finanzcontrolling. Der Fokus liegt auf der Gestaltung des Risikofrüherkennungssystems gemäß § 91 Abs. 2 AktG, der Abgrenzung zu den Richtlinien des IDW PS 340 und den regulatorischen Aspekten im Bankensektor. Das Kapitel beleuchtet den Risikofrüherkennungsprozess und betont die Verbindung des Risikomanagements mit den individuellen Unternehmensstrategien. Ferner werden die wesentlichen inhärenten Risiken untersucht. Darüber hinaus wird zur praktischen Anwendung der kennzahlengestützte Risikomanagementprozess im Zuge des Risikocontrollings betrachtet. 3.1 Anforderungen an das Risikomanagement Die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen korrelieren mit der Relevanz des Risikomanagements, um unternehmerische Risiken zu kategorisieren und diesen zu begegnen. Durch diverse Krisen setzt sich der Trend zunehmender Risiken, denen Unternehmen ausgesetzt sind, mit hoher Intensität fort (vgl. Diederichs (2017), S. 1; Hunziker und Meissner (2017), S. 1 ff.; Kempe (2004), S. 21; Eulerich (2022), o. S.). Demnach unterstützen das Risikomanagement und insb. das Risikocontrolling den Fortbestand des Unternehmens – wobei dem Risikocontrolling die Identifikation, Messung, Überwachung sowie Berichterstattung zugeordnet werden (vgl. Diederichs (2017), S. 1 f.; Winter (2007), S. 178; Hunziker und Meissner (2017), S. 3 ff.). Zudem ist insb. bei den DAXUnternehmen ein sog. Risikofrüherkennungssystem (§ 91 Abs. 2 AktG) einzurichten, das die Risikoidentifikation sicherstellen soll und somit das Risikomanagement unterstützt. Die inhaltliche Gestaltung des Risikofrüherkennungssystems ist von der Gesetzgebung © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_3 25
26 3 Analyse des Einflusses des hohen … nicht eindeutig bestimmt, weswegen das vorliegende Normvakuum von den entsprechenden Unternehmen selbst ausgestaltet werden muss. Jedoch ergeben sich aus der Verlautbarung des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) Mindestanforderungen an das Risikofrüherkennungssystem. Im Prüfungsstandard IDW PS 340 wird das Risikofrüherkennungssystem sowie Risikomanagementsystem voneinander abgegrenzt – diese Inkohärenz führt zu unterschiedlichen Anforderungsaspekten (vgl. Seidel (2023), o. S; Brösel et al. (2015), S. 379). In praxi werden die Termini Risikofrüherkennungssystem und Risikomanagementsystem synonym verwendet, da eine Abgrenzung nicht immer eindeutig ist (vgl. Brösel et al. (2015), S. 379; Marten et al. (2011), S. 285; Graumann (2012), S. 586). Gleichwohl können einige Differenzen festgestellt werden. Das Risikofrüherkennungssystem gem. § 91 Abs. 2 AktG beinhaltet lediglich Teilaspekte eines umfassenden Risikomanagementsystems: • Risikoidentifikation respektive Risikoerkennung gem. IDW PS 340, Tz. 5 und 9. • Risikobewertung und -aggregation respektive Risikoanalyse gem. IDW PS 340, Tz. 5 und 10. • Risikokommunikation gem. IDW PS 340, Tz. 5 und 11 f. • Überwachungssystem gem. IDW PS 340, Tz. 15 ff. (vgl. Seidel (2023), o. S; Brösel et al. (2015), S. 379 f.; Brinkmann und Greifelt (2021), S. 1; siehe weiterführend IDW PS 340). Die wesentlichen Regelungen des IDW PS 340 mit Blick auf das Risikofrüherkennungssystem können in einen Prozess eingeordnet werden. Der Prozess kann als Rahmenwerk zur Risikofrüherkennung herangezogen werden (siehe hierzu Tab. 3.1). Tab. 3.1 Risikofrüherkennungsprozess i. S. d. IDW PS 340. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Meyer und Osenberg (2023), o. S; Brösel et al. (2015), S. 379 ff.; Seidel (2023), o. S; Brinkmann und Greifelt (2021), S. 1) Risikofrüherkennungsprozess i. S. d. IDW PS 340 1 Unternehmensweite Identifikation bestandsgefährdender Entwicklungen durch die Betrachtung von internen und externen Risiken 2 Rechtzeitige Erkennung von Risiken, um ein geeignetes und unverzügliches Reagieren sicherzustellen 3 Fortlaufende Entwicklung der Risikostruktur. Ermittlung des Risikomaßes unter Berücksichtigung von Chancen und Risiken 4 Permanente und summarische Betrachtung von Einzelrisiken 5 Maßnahmen zur Risikoreduktion, um Netto-Risiken zu ermitteln, die im Risikomanagementsystem überwacht werden 6 Konzernübergreifende System-Dokumentation und Kommunikation der Risiken
3.1 Anforderungen an das Risikomanagement 27 Ferner kommen regulatorische Vorgaben der Bankenaufsicht zur Geltung, insofern der Bankensektor betrachtet wird. Die Bankenaufsicht reagiert mit dem Rahmenwerk des Basel III 1 auf vorliegende Risiken. Basel III fordert insb. verschärfte Eigenkapitalsowie Liquiditätsvorschriften, die von den Banken eingehalten werden müssen, um Finanzkrisen zu verhindern (vgl. Jessberger (2013), S. 1 ff.) – die entsprechenden Anforderungen werden in dieser Abhandlung jedoch nicht näher betrachtet. Zu beachten ist, dass ein Risikomanagementsystem mit den individuellen Unternehmensstrategien korreliert. Demgemäß werden von der Unternehmensführung strategische Handlungsvorgaben zur Risikosteuerung vorgegeben (vgl. Reichling et al. (2007), S. 214). Daher werden unter dem Terminus Risikomanagementsystem sämtliche Regelungen und Maßnahmen zur Risikoerkennung und zum Risikoumgang verstanden (vgl. Brösel et al. (2015), S. 379; Reichling et al. (2007), S. 214). Schließlich hat das Risikomanagementsystem zum Ziel, bestehende Risiken zu erfassen, beurteilen, analysieren sowie sicherzustellen, dass über die bestehenden Risiken informiert wird (vgl. Brösel et al. (2015), S. 380; Brinkmann und Greifelt (2021), S. 1). Konzerne haben zudem den Anreiz ein funktionierendes Risikomanagementsystem einzurichten, da eine fehlerhafte Risikoberichterstattung zur Einschränkung des Bestätigungsvermerks gem. § 322 HGB durch den Abschlussprüfer führen kann. Das Risikomanagementsystem ist eine Managementaufgabe, die den unternehmerischen Erfolg und insb. den Fortbestand der Geschäftstätigkeit (GoingConcern-Annahme i. S. d. § 252 Abs. 1 HGB sowie IAS 1.25 f.2 ) sicherstellen soll (vgl. Reichling et al. (2007), S. 214; Brösel et al. (2015), S. 379 f.; BDO WPG GmbH (2021), o. S.). Dementsprechend richtet sich ein Risikomanagementsystem im Wesentlichen nach den strategischen Vorgaben der Unternehmensführung (vgl. Reichling et al. (2007), S. 214; Brösel et al. (2015), S. 379 ff.; Winter (2007), S. 82 f.). Gem. § 264 Abs. 1 HGB ist der Jahresabschluss – bestehend aus der Bilanz (§ 266 HGB), der Gewinn- und Verlustrechnung (§ 267 HGB) und dem Anhang – um einen zusammengefassten Lagebericht zu ergänzen. Der Lagebericht dient zur Risikoberichterstattung gem. der §§ 289 HGB ff . Darüber hinaus ergänzt das Rahmenwerk des DRS 20 die Angaben für den zusammengefassten Konzernlagebericht (vgl. Rohlfs (2018), o. S; Siehe weiterführend auch DRS 20). Folglich ist die Risikoanalyse und der Risikomanagementprozess – als Aufgabe des Risikocontrollings – ein wesentlicher Erfolgsfaktor vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen. Das funktionale Controlling hat demnach eine Unterstützungsfunktion inne, um bei der Zielfindung, der Planung und der Unternehmenssteuerung relevante Entscheidungsgrundlagen vorzuschlagen (vgl. Georgopoulos und Georg (2021), S. 64; Matanovic et al. (2019), S. 55; Eulerich (2022), o. S.). 1 Basel III ist im Bankwesen die Abkürzung für Eigenkapitalvorschriften, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht mit Sitz in Basel im Dezember 2010 in einer vorläufigen Endfassung veröffentlicht wurden. Vorgänger dieser Vorschriften waren Basel I und Basel II. 2 Siehe weiterführend IAS 1.
28 3.2 3 Analyse des Einflusses des hohen … Risikoanalyse und Risikomanagementprozess Zu konstatieren ist, dass die ex ante Risikoerkennung essenziell ist, um Risiken festzustellen, die durch die Festlegung der entsprechenden Risikofelder identifiziert worden sind. Zudem können an dieser Stelle ggf. weitere Risiken festgestellt werden, die nicht dem vorab definierten Risikoprofil entsprechen3 (vgl. Brösel et al. (2015), S. 381; Braumann et al. (2023), S. 38; Hoffjan und Schwarz (2023), S. 24.). Im darauffolgenden Schritt stellt die Risikoanalyse die Beurteilung der eruierten Risiken mit Blick auf die Eintrittswahrscheinlichkeit sowie die möglichen Auswirkungen dar – dabei können auch Simulationsszenarien zum Einsatz kommen (vgl. Brösel et al. (2015), S. 382; Winter (2007), S. 147; Ernst & Young GmbH (2023b), o. S; Eulerich (2022), o. S.). Das vorliegende Schrifttum schlägt insb. Szenarioanalysen und Monte-Carlo-Simulationen vor. Der Unterscheid der beiden Vorgehensweisen liegt in den Erträgen, die diskontiert werden. Zudem können stochastische Simulationen eingesetzt werden, die wahrscheinlichkeitstheoretische Verteilungen verwenden, um zukünftige Erträge respektive Risiken abzuschätzen. Ferner kann eine einfache Sensitivitätsanalyse herangezogen werden, um diverse Risikoparameter zu analysieren. Darüber hinaus wird eine MS-Excel-gestützte Risikoquantifizierung vorgeschlagen, die innerhalb eines Matrix-Simulationsprozesses drei wesentliche Einflussfaktoren betrachtet: die annualen Erträge der betrachteten Detailplanungsphase, den Endwert der darauffolgenden Fortführungsphase sowie den risikokorrelierenden Diskontierungszinssatz (vgl. Ballwieser und Hachmeister (2021), S. 157 f.). Außerdem bieten spezielle Business-Intelligence-Softwaresysteme wie bspw. LucaNet und CorporatePlanner Lösungen zur Szenarioanalyse an. In praxi kommt der Monte-Carlo-Simulation eine wesentliche Bedeutung zu, da diverse Case-Szenarios betrachtet werden. Auf Basis des Risikoaggregationsverfahrens werden bspw. repräsentativ ausgewählte Szenarien (bis zu 100.000 Szenarien) analysiert. Daraufhin wird konstatiert, welche Szenarien bestandsbedrohend sind. Demgemäß werden die Häufigkeiten der kritischen Szenarien betrachtet, wodurch eine Kombination von Risiken festgestellt werden kann, die für das Risikoprofil des Unternehmens relevant sind. Letztlich können dann Risikobewältigungsmaßnahmen festgelegt werden (vgl. Ballwieser und Hachmeister (2021), S. 160; Gleißner (2017), S. 251–268; Kaiser (2009), S. 145 ff.). Im Zuge dessen kann der Value-at-Risk das spezifische Risikomaß messen, indem die Verlusthöhe mittels der Ausfallwahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) festgestellt wird (vgl. Wagner (2023), o. S; Kaiser (2009), S. 138). Ein Risikomanagementprozess hat zum Ziel, Risiken zu identifizieren und diesen, durch geeignete Strategien, zu begegnen. Unternehmensspezifische Zielsetzungen sowie der gelebte Risikostil korrelieren, weshalb sich der Risikomanagementprozess hieran ausrichtet (vgl. Reichling et al. (2007), S. 214; Winter (2007), S. 160 ff.; Rohlfs (2018), o. S; Braumann et al. (2023), S. 38; Hoffjan und Schwarz (2023), S. 24). De facto beinhaltet ein Risikomanagementprozess die nachfolgenden Prozesselemente, wobei die ersten drei Prozesselemente die Risikoerfassung darstellen: 3 Siehe weiterführend IDW PS 340, Tz. 9 f.
3.2 Risikoanalyse und Risikomanagementprozess 29 Abb. 3.1 Risikomanagementprozess. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Reichling et al. (2007), S. 214; Rohlfs (2018), o. S; Oertel (2019), S. XXIII.) • Risikoidentifikation, -analyse und -bewertung: Systematische Erkennung und Kategorisierung potenzieller Risiken und deren Auswirkungen auf diverse Unternehmensfelder. • Risikosteuerung: Erörterung von Risikomanagementmaßnahmen nach der Feststellung des Risikoausmaßes. Ermittlung von Risikovermeidungspotenzialen. • Risikokommunikation: Darstellung der Risikosituation mittels geeigneter KPIDashboards. Festlegung von Wesentlichkeitsgrenzen. • Risikoüberwachung: Überprüfung der Wirkungsweise der aggregierten Risiken durch Soll-Ist-Vergleiche (vgl. Reichling et al. (2007), S. 214 ff.; Rohlfs (2018), o. S; Hunziker und Meissner (2017), S. 1–7; Eulerich (2022), o. S; Brösel et al. (2015), S. 383; Oertel (2019), S. XXV). Die Risikosteuerung muss darüber hinaus die Kohärenz zum Gesetz der Risikotragfähigkeit gewährleisten. Dies bedeutet, dass die Risikosteuerung an den Resultaten der Risikoidentifiaktion, -analyse und -bewertung auszurichten ist (vgl. Oertel (2019), S. XXIII). Abb. 3.1 zeigt einen exemplarischen Risikomanagementprozess4 mit Bezug auf die vorab genannten Prozesselemente auf. Während des Prozesses des Risikomanagements ist sicherzustellen, dass eine Differenzierung in bestandgefährdende und nicht-bestandsgefährdende Risiken erfolgt, sodass 4 Prozessmanagement-Lösungen von bspw. Celonis können bei der Umsetzung hilfreich sein.
30 3 Analyse des Einflusses des hohen … das Risikocontrolling in den Folgeschritten das Gesamtrisiko ermitteln kann (vgl. Oertel (2019), S. 6 ff.; Eulerich (2022), o. S.). Das Risikocontrolling hat weiterhin zum Ziel, die Brutto- und Nettorisiken zu eruieren, um die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen auf ausgewählte Risikofelder zu konkretisieren (vgl. Eulerich (2022), o. S.). Zusätzlich zum Risikocontrolling kann das Finanz- und Liquiditätscontrolling die Unternehmensführung mit Berichten (i.e.S. Informationen) unterstützen, da Zinsauswirkungen die Finanz- und Liquiditätslage beeinflussen. Unter Achtung der vorgeschlagenen Informationen ist es möglich, die negativen Auswirkungen des hohen Zinsniveaus entsprechend zu minimieren. Gleichwohl können nicht alle negativen Aspekte ausgeschlossen werden, da zyklische Phasen der Unternehmensentwicklung immanent sind. Nichtsdestoweniger ist die unternehmensinterne Berichterstattung in praxi von großer Bedeutung. 3.3 Finanz- und Liquiditätscontrolling als Unterstützungsentität Die Unternehmensleitung hat zum Ziel, durch operative Entscheidungen, die auf Basis der Kapitalbedarfsplanung, der Finanzplanung und der Budgetierung beruhen, die Liquidität respektive die ständige Zahlungsbereitschaft zu sichern. Zudem müssen strategische Entscheidungen getroffen werden wie bspw. Investitionsentscheidungen, Geschäftsprozessentscheidungen und Finanzierungsentscheidungen. Das Finanz- und Liquiditätscontrolling unterstützt demgemäß mit entscheidungsrelevanten Informationen zur Sicherstellung der Liquidität und Zahlungsfähigkeit (vgl. Linsner und Gleich (2019), S. 52 f.; Uskova und Schuster (2020) S. 1 ff.; Huberts (2019), S. 60; Meier (2019), o. S; Steinle (2005), S. 419–422; Baumüller (2021), S. 86 f.). Vor dem Hintergrund des hohen Zinsniveaus bestimmt sich die Controlling-Ausrichtung als Schnittstellenfunktion i. S. d. funktionalen Controllings und übernimmt ceteris paribus die der spezifischen Organisationseinheit inhärenten Ziele: • • • • • • • • Steuerung der Finanzen als Managementfunktion. Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit. Maximierung des Wertes der Eigenkapitalansprüche. Bereitstellung finanzorientierter Managementmodelle. Sicherstellung der Liquidität. Quantitative Liquiditätsplanung. Transparente Darstellung der Liquidität. Vorrausschauendes Working-Capital-Management (vgl. Szczesny (2023), o. S; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Jung und Weniger (2021), S. 309. Siller (2022), o. S.). Die wichtigste Aufgabe des Finanz- und Liquiditätscontrollings ist die Unterstützung des Managements durch ein zielgerichtetes Reporting sowie eine effiziente Analyse von
3.3 Finanz- und Liquiditätscontrolling als Unterstützungsentität Ergänzende Funktion •Ausgleich von methodischen, ökonomischen und informationstechnischen Defiziten Entlastende Funktion •Übernahme von Aufgaben •Entscheidungsvorbereitung •Interne Beratung 31 Präventive Funktion •Frühaufklärungssystem •Eruierung von Liquiditätsrisiken •Verhinderung des Risikoappetits Abb. 3.2 Funktionen des Finanz- und Liquiditätscontrollings. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Eschenbach und Siller (2019), S. 92; Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 411; Contessotto et al. (o. J.), o. S.) Daten und Informationen. Informationsmanagementsysteme sind vor diesem Hintergrund anzuwenden, um eine effiziente Analyse der vorliegenden Informationslandschaft sicherstellen zu können. Bei effizienter Gestaltung des Informantionspools werden relevante Informationen koordiniert und an die Unternehmensleitung berichtet (vgl. Gondring und Wagner (2015), S. 351). Zusätzlich erfolgt regelmäßig die Betrachtung wertorientierter Steuerungsgrößen (z. B. Eigenkapitalwertsteigerungen). Durch die Betrachtung können entsprechende Wertlücken identifiziert und geeignete Strategien eruiert werden (vgl. Gondring und Wagner (2015), S. 331 f.). Demzufolge können ergänzende, entlastende sowie präventive Controlling-Funktionen festgestellt werden. Abb. 3.2 ordnet unterschiedliche Funktionen ein. De facto stellt der Controller einen Business Partner dar, indem er bei der Steuerung der Zielerreichung unterstützt. Ferner stellt der Controller die konstante Datenpflege finanzwirtschaftlicher Controlling-Instrumente sicher. Zudem erfolgt durch den Controller die quantitative Integration der periodenspezifischen Finanz- und Liquiditätsplanung in die Unternehmensplanung. Der Controller greift hierbei auf Daten und Informationen aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, der Cashflow-Rechnung sowie der Finanzplanung zu, um den wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen (vgl. Amann et al. (2020), S. 3 f.; Internationaler Controller Verein e. V. (o. J.), o. S; Büsch (2019), S. 290 f.; Horvath et al. (2019), S. 406–409; Contessotto et al. (o. J.), o. S.). Der Finanzcontroller i.e.S. hat diverse Planungs- und Kontrollaktivitäten abzustimmen, während extern Liquiditätsziele mit planbaren Erfolgszielen zu koordinieren sind. Faktisch sind die Steuerungsgrößen Liquidität und finanzieller Erfolg von nichtfinanziellen Werttreibern abhängig. Eine Eruierung der nichtfinanziellen Werttreiber kann bspw. durch den Einsatz einer Balanced-Scorecard sichergestellt werden. Zusammenfassend sind folgende Aufgaben wesentlich: • • • • Koordinative Unterstützung bei der finanziellen Planung und Steuerung. Sicherstellung der relevanten finanziellen Informationsversorgung. Aufbau und Weiterentwicklung des Finanzcontrolling-Systems. Finanzielle Beratung bei Ad-hoc-Sonderfragen
32 3 Analyse des Einflusses des hohen … (vgl. Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 410 ff.; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 40; Baumüller (2021), S. 89). Ein integriertes Finanzcontrolling-Instrumentarium sichert die ständige Zahlungsfähigkeit – vor allem mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen. Die Korrelation zwischen mehreren Instrumenten stellt in praxi die präferierte Vorgehensweise dar. Abb. 3.3 listet diverse Controlling-Instrumente auf, die zur adäquaten Reaktion auf die gegenwärtigen Entwicklungen Verwendung finden (vgl. Prätsch et al. (2012), S. 249–320; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Müller et al. (2011), S. 86; Horvath et al. (2019), S. 406; Linsner und Gleich (2019), S. 40). Gleichwohl wird an dieser Stelle angemerkt, dass die genaue Beschreibung einzelner Instrumente nicht im Fokus dieser Abhandlung steht. Dessen ungeachtet stellt ein effektives Finanz- und Liquiditätscontrolling im Zuge der aktuellen Entwicklungen einen essenziellen Erfolgstreiber dar. Neben der Integration der Controlling-Instrumente sichert die Finanzplanung, die Finanzbudgetierung, die Durchführung der getroffenen Maßnahmen und zuletzt die Finanzkontrolle die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens (vgl. Linsner und Gleich (2019), S. 41; siehe weiterführend App. D). Integriertes Finanzcontrollinginstrumentarium Kapitalbedarfsplanung Kurzfristige & langfristige Finanzplanung Finanzbudgetierung Kapitalflussrechnung (DRS 21) Finanzanalyse & Finanzsteuerung Wertorientierte & liquiditätsorientierte Kennzahlensysteme Balanced-Scorecard Wertschöpfungsrechnung Risikoanalysen & Unternehmensberichterstattung Abb. 3.3 Integriertes Finanzcontrolling-Instrumentarium. (Quelle: Eigene Darstellung)
3.4 Konkretisierung der Risikofelder mit Blick auf das Zinsniveau 3.4 Konkretisierung der Risikofelder mit Blick auf das Zinsniveau 3.4.1 Inhärentes Risiko 33 Jede unternehmerische Geschäftstätigkeit besitzt immer ein sog. inhärentes Risiko. Das inhärente Risiko wird auch als Bruttorisiko bezeichnet. Das Bruttorisiko beinhaltet eine Kombination aus sämtlichen internen und externen Risikofaktoren. Unternehmen haben zudem das Ziel, ein Residualrisiko zu erzeugen, indem die Erkennung, Kontrolle und Reduktion des inhärenten Risikos erfolgt. Das Residualrisiko, das nicht durch ein erfolgreiches Risikomanagement ausgeschlossen werden kann, wird als Nettorisiko bezeichnet. Dementsprechend gilt, je effizienter die Risikomaßnahmen sind, desto geringer fällt das Nettorisiko aus (vgl. Eulerich (2022), o. S; Kalwait et al. (2017), S. 14; Vanini und Rieg (2021), S. 1–15; Diederichs (2017), S. 7 ff.; Scheider (2023), o. S; DRSC e. V. (2017), S. 1). Die inhärenten Risiken werden demnach innerhalb des Unternehmens eruiert. Ungünstige Kreditkonditionen, kürzere Zielvereinbarungen sowie erschwerte Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung werden als inhärente Risiken mit Blick auf das Zinsniveau klassifiziert. Der durch die erhöhte Zinslast resultierende Liquiditätsengpass kann zu diversen Problemen führen – insb. die Auswirkungen auf Eigen- und Fremdkapital sind hervorzuheben (vgl. Schmitz und Wehrheim (2006), S. 42 ff.; Zugehör (2022), o. S.). Bereits die Attraktivität einzelner Investitionsentscheidungen ist von einem höheren Zinsniveau betroffen, denn die vorliegenden Kapitalmarktbedingungen korrelieren mit den Kapitalkosten (vgl. Schwetzler (2022), S. M1). Es ist sicherzustellen, dass mit Blick auf die hohen Zinsen die bestehenden Planungsrechnungen auf Aktualität überprüft werden, um die Berücksichtigung von Inflationseffekten zu gewährleisten. Unternehmen bewerten die vorliegenden Sachverhalte u. U. nominell, jedoch müssen die Inflationseffekte sachgerecht und realgetreu modelliert werden (vgl. Zwirner et al. (2022), S. 20 u. 24; Hüttche und Schmid (2022), S. 496; Friedl und Schwetzler (2010), S. 433; Gasch (2022), S. 47; siehe auch IDW S. 1). Die Einflüsse der hohen Inflationsraten und des Zinsniveaus können unmittelbar bei Investitionsentscheidungen konstatiert werden. Die Kapitalwertmethode ist eine der zentralen Vorgehensweisen, um Investitionsalternativen zu beurteilen (vgl. Albrecht und Maurer (2016), S. 68). Das dynamische Investitionsrechnungskalkül der Kapitalwertmethode ermöglicht zudem die Zeitstruktur von Ein- und Auszahlungen zu berücksichtigen (vgl. Dilger (2021), S. 1; Albrecht und Maurer (2016), S. 68 f.). Die skalierenden Zinsen am Kapitalmarkt resultieren in höheren Kalkulationszinssätzen, weil die Kapitalgeber, aufgrund der Inflation und der Anhebung des Leitzinssatzes, eine höhere Verzinsung fordern. Die mathematische Ermittlung des Kapitalwerts (K 0 ) erfolgt durch die Diskontierung der zu den jeweiligen Zeitpunkten (t) anfallenden Ein- und Auszahlungen (E t u. At ) abzüglich der Anschaffungsauszahlung (A0 ). Die Diskontierung erfolgt mittels des Kalkulationszinssatzes (i) über die geplante Nutzungsdauer (n), der die geforderte Mindestverzinsung der Kapitalgeber darstellt. De facto ermittelt sich der Kapitalwert
34 3 Analyse des Einflusses des hohen … wie folgt (vgl. Becker und Peppmeier (2018), S. 57 f.; Georg et al. (2021), S. 78; Hirth (2017), S. 40; Bieg und Kußmaul (2009), S. 98; Seppelfricke (2012), S. 23; Albrecht und Maurer (2016), S. 68 ff.; Klitzsch (2019), S. 253 f.). K 0 = −A0 + n n   E t − At E Z Ü t = −A + 0 qt (1 + i)t t=1 t=1 Die Höhe des Kapitalwerts korreliert mit dem Kalkulationszinssatz (vgl. Hirth (2017), S. 54; Klitzsch (2019), S. 253 f.). Diese funktionale Korrelation bedarf einer kritischen ökonomischen Betrachtung, um die Auswirkungen der Inflationsraten und des gestiegenen Zinsniveaus auf den Kalkulationszinssatz zu bewerten. Dieser Sachverhalt verdeutlicht, dass bereits einzelne Investitionen durch die Inflationsraten sowie gestiegene Kapitalmarktzinsen beeinflusst werden. Zu konstatieren ist, dass höhere Zinskosten bei diversen Investitionsobjekten zu einer sinkenden Rentabilität führen. Die erhöhte Zinslast führt zu wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Unternehmen, insofern einzelne Investitionsobjekte zum Zweck der Beurteilung betrachtet werden. Des Weiteren sind Kapitalgeber bereit, einen gewissen Grad an Verschuldung zu akzeptieren, da Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital in einem negativen Verschuldungsgrad resultieren können. Die These des optimalen Verschuldungsgrads (V opt ) unterstellt, dass Kapitalgeber Zins- und Renditeforderungen in Korrelation zum vorliegenden Risiko einfordern. Demgemäß kommt der Betrachtung des Verschuldungsgrads eine exponierte Bedeutung zu, um die Auswirkungen auf inhärente Risiken zu eruieren. Die optimale Gesamtkapitalrentabilität (r GK ) resultiert aus dem Minimum von Eigen- und Fremdkapitalkosten (EK/FK) – jedoch ist zu beachten, dass Fremdkapitalkosten signifikant über denen des Eigenkapitals liegen (vgl. Schmitz und Wehrheim (2006), S. 42 f.). rG K = r E K ∗ EK FK + rF K ∗ → Min. = Vopt GK GK Die optimale Kapitalstruktur wird dann erreicht, wenn die Rendite höher ist als die Erhöhung der Zinsen des Fremdkapitals. Die gestiegenen Zinsen, die durch die aktuelle Wirtschaftssituation resultieren, besitzen demgemäß relevante Auswirkungen auf die Kapitalstruktur der Unternehmen. Die Leverage-Chance bezeichnet die Möglichkeit, die Hebelwirkung des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrentabilität auszunutzen, um eine erhöhte Rendite zu generieren. Wenn eine Veränderung der Kapitalstruktur keine Auswirkungen auf die Eigenkapitalrentabilität besitzt, spricht man ebenso von der optimalen Kapitalstruktur. Gleichwohl besteht das Risiko, das die Hebelwirkung des Fremdkapitals die Eigenkapitalrentabilität senkt – demnach ist das Resultat eine hohe Verschuldung – Leverage-Risiko (vgl. Schmitz und Wehrheim (2006), S. 42 ff.; Kaiser (2009), S. 125 ff.; Zugehör (2022), S. 1). Der Sachverhalt kann wie folgt zusammengefasst werden.
3.4 Konkretisierung der Risikofelder mit Blick auf das Zinsniveau r E K = r + (r − i) 35 FK EK Mit: r i rEK r>i r=i r<i = = = = = = interne Rendite. Fremdkapital-Zinssatz. Eigenkapitalrentabilität. Leverage-Chance. optimale Kapitalstruktur. Leverage-Risiko (Vgl. Schmitz und Wehrheim (2006), S. 44). Das inhärente Risiko kann demgemäß als das geschäftsimmanente Risiko klassifiziert werden, das aus der Art der Geschäftstätigkeit resultiert. Ergo besitzen unterschiedliche Branchen und Geschäftsbereiche auch abweichende inhärente Risiken (vgl. Brösel et al. (2015), S. 254 u. 298). Mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen können das Marktrisiko, das Liquiditätsrisiko und das Kreditrisiko als wesentliche inhärente Risiken kategorisiert werden, weswegen diese Abhandlung die nachfolgenden Risikofelder betrachtet. 3.4.2 Marktrisiko Das Marktrisiko resultiert aus aktuellen sowie potenziellen Marktveränderungen hinsichtlich der Wettbewerbsbedingungen, der Absatz- und Beschaffungsmarktbedingungen, der Konkurrenz und vor allem der Konjunktur (vgl. Schmitz und Wehrheim (2006), S. 36; Killian (2023), o. S.). Abb. 3.4 stellt die wesentlichen Treiber des Marktrisikos dar. Wechselkursrisiken Beschaffungsmarktrisiken Marktrisiko Aktienkursrisiken Zinsänderungsrisiken Abb. 3.4 Treiber des Marktrisikos. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Killian (2023), o. S.)
36 3 Analyse des Einflusses des hohen … Ferner stellt das Marktrisiko ein Schwankungsrisiko dar, insofern börsennotierte Aktiengesellschaften betrachtet werden. Das Marktrisiko zeichnet sich dementsprechend durch den Verlauf der Aktienkurse aus. Investoren analysieren und beurteilen daher die Frage, wie stark eine Kurs- respektive Renditeschwankung eines Einzelobjekts in Korrelation zum Marktindex ausfällt. Je höher eine Kurs- respektive Renditeschwankung ist, desto höher ist ceteris paribus das Marktrisiko. De facto steigt dann die Risikoprämie, die ein Investor tragen muss (vgl. Spremann (2012), S. 194). Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklungen kann insb. das Zinsänderungsrisiko unter dem Marktrisiko subsumiert werden. Das Zinsänderungsrisiko stellt demgemäß das relevanteste Marktrisiko dar, da marktzinsbedingte Vermögensrisiken resultieren. Die Erhöhung des Zinsniveaus resultiert in einem Absinken der Kurswerte von festverzinslichen Anleihen und daher zu zinsinduzierten Marktwertverlusten, et vice versa (vgl. Schiffel (2009), S. 27 f.; zitiert nach Schiefer (2008), S. 51 ff. u. Wolke (2008), S. 106; Kill (2023), o. S.). Zudem korreliert das Zinsänderungsrisiko maßgeblich mit dem Inflationsrisiko, weshalb eine genaue Betrachtung der vorherrschenden Inflationsraten relevant ist (vgl. Schiffel (2009), S. 28; Kill (2023), o. S.). Darüber hinaus bestehen aufgrund der Energiekrise Beschaffungsmarktrisiken, die die Wirtschaftlichkeit und Liquidität der Unternehmen zusätzlich gefährden können. Zum Absichern des Marktrisikos können diverse Vorgehensweisen herangezogen werden. Einerseits kann eine Eigenkapitalerhöhung die Auswirkungen steigender Marktrisken abfedern. Andererseits können Hedging, Zins-Futures, Optionsscheine, Risikoumkehrungsmethoden sowie Delta-Hedging relevant sein, um eine Absicherung vorzunehmen. Jedoch ist zu beachten, dass das Marktrisiko den gesamten Markt betrifft, wodurch die Absicherungsvarianten ebenfalls unattraktiv werden können (vgl. Killian (2023), o. S; Schiffel (2009), S. 29). Zudem fordert die BaFin gem. der CRR-Verordnung Nr. 575/20135 eine Grundsicherung durch Eigenmittel, um adäquat auf auftretende Marktrisiken reagieren zu können. Vor allem das Zinsänderungsrisiko resultiert zumeist in negativen Ausprägungen (vgl. BaFin (2019), o. S.). Jedoch muss das Zinsänderungsrisiko nicht zwingend negative Auswirkungen besitzen. Der Bankensektor profitiert sichtlich von dem steigenden Zinsniveau. Zum einen steigen die Tagesgeld- und Spareinlagenerträge und zum anderen stoppt der Abwärtstrend bei Eigenkapitalerträgen (vgl. PwC GmbH (2022), S. 2–15). Gleichwohl kann am Beispiel des Immobiliensektors eruiert werden, dass die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage besitzen, da hohe Schulden und sinkende Immobilienpreise die Folgebewertung der Vermögensgegenstände negativ beeinflussen. Dementsprechend werden nach IFRS 13 potenzielle Wertsteigerungen als Gewinn ausgewiesen werden. Jedoch ist zu beachten, dass ein erhöhtes Zinsniveau den sog. Fair-Value (Verkehrswert) unter Druck setzt. Der aktuelle Diskontierungszinssatz mindert den Verkehrswert des Immobilienvermögens, wodurch sinkende Wertansätze des 5 Bei der Auslegung der Anforderungen des Art. 366 CRR legen die BaFin und Bundesbank grundsätzlich den Leitfaden zu internen Risikomodellen der EZB (ECB guide to internal models) zugrunde.
3.4 Konkretisierung der Risikofelder mit Blick auf das Zinsniveau 37 Immobilienvermögens in der Bilanz resultieren. Veränderte Marktbedingungen können in steigenden Diskontierungszinssätzen resultieren, weswegen ein geringerer Barwert einer Investitionsentscheidung die Folge ist (vgl. Rinker (2023), o. S; Killian (2023), o. S.). Der Diskontierungszinssatz respektive Kalkulationszinssatz ist derjenige Zinssatz, der das Risiko einer Investition darstellt. Je höher das Risiko ist, desto höher ist der Diskontierungszinssatz – letztlich stellt dies den Grad des Zinsänderungsrisikos dar (vgl. Klitzsch (2019), S. 253). Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit, in Anleihen zu investieren, um von der Verzinsung zu profitieren. Die kontinuierlichen Leitzinserhöhungen besitzen einen direkten Effekt auf Anleihen, weil Anleihen mit dem aktuellen Leitzinssatz korrelieren. Steigt der Zinssatz, fällt ceteris paribus der Anleihepreis. Dies basiert darauf, dass bestehende Anleihen bei steigenden Zinsen an Attraktivität einbüßen, da deren Verzinsung nicht dem steigenden Zinsniveau entspricht (vgl. Zwirner et al. (2023), o. S.). 3.4.3 Liquiditätsrisiko Das Liquiditätsrisiko resultiert aus dem möglichen Unvermögen, bestehende Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen oder den vorliegenden Zahlungsverpflichtungen lediglich zu überhöhten Kosten nachkommen zu können. Ein Konzern hat die Verpflichtung (siehe Kap. 3.1), bilanzielle oder außerbilanzielle Einflussfaktoren des Liquiditätsrisikos zu steuern, um die latenten respektive bestehenden Zahlungsverpflichtungen zu jeder Zeit zu erfüllen (vgl. Deutsche Bank AG (2023), o. S; BaFin (2023), S. 5; Schiffel (2009), S. 30 ff.). Die Solvenz der Geschäftspartner ist hinsichtlich des Liquiditätsrisikos zu überprüfen, um Zahlungsausfälle zu vermeiden – dies kann bspw. in Form einer Due-Dilligence oder Know-Your-Customer-Prüfung erfolgen (vgl. Seel (2013), S. 43). Ferner sind in IFRS 7 Anhaltspunkte zur Liquiditätsrisikosteuerung aufgeführt, die die Liquiditätssituation des Unternehmens verbessern können: • Wesentliche Bankeinlagen, die zur Deckung des Liquiditätsbedarfs herangezogen werden können. • Kreditmöglichkeiten, die wahrgenommen werden können. • Nicht genutzte Kreditlinien, die dem Unternehmen eine höhere Liquidität verschaffen. • Diverse sonstige Finanzierungsquellen (vgl. Schmitz und Huthmann (2012), S. 217). Die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen sind durch Finanz- und Liquiditätsrisiken gekennzeichnet. Diese können in einer Überschuldung resultieren, die in einer Insolvenz des Unternehmens enden kann (vgl. Brokmann und Weinreich (2012), S. 33). IDW PS 340 verweist auf potenzielle Verletzungen der Kreditlinien. Die hierdurch auftretende Illiquidität und Überschuldung führt wiederum zu bestandsgefährdenden Risiken, indem mehrere Liquiditätsrisiken wechselseitig korrelieren – daher wird ein Risikomanagementprozess zur Beurteilung der Risikotragfähigkeit vorausgesetzt (vgl. Gleißner (2023), o. S; siehe hierzu Kap. 3.2). Am Beispiel des Immobiliensektors wird erneut deutlich, dass
38 3 Analyse des Einflusses des hohen … steigende Zinsen zu sinkenden Immobilienpreisen führen – das Liquiditätsrisiko steigt insb. bei hoher Verschuldung. Am konkreten Beispiel vom deutschen Immobilienkonzern Vonovia wird deutlich, dass ein überbewertetes Immobilienpaket mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen zu Verlusten führte. Demgemäß wurde das Immobilienpaket unterhalb des Buchwertes verkauft, was in einem geringeren Liquiditätszufluss resultiert (vgl. Rinker (2023), o. S.). Ein möglicher höherer Gewinnausweis nach der IFRS-Bilanzierung führt jedoch nicht zu einer steigenden Liquidität, weil die Vermögensgegenstände zuerst veräußert werden müssen. Gemäß des Realisationsprinzips ist der Gewinn folglich verbucht, wenn die erhöhten Buchwerte in der Bilanz veräußert werden. Demgegenüber stehen hohe Zinskosten, die die erhöhte Buchwertrealisierung beeinträchtigen (vgl. Rinker (2023), o. S.). Mit Blick auf das vorliegende Zinsniveau kann vor allem der Bankensektor als Profiteur eingeordnet werden. Sonstige Sektoren, wie bspw. der Immobilien- oder Automobilsektor, profitieren i. d. R. nicht von steigenden Zinsen. Demgemäß sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Bankensektor durch wesentliche Liquiditätsrisiken beeinträchtigt wird. 3.4.4 Kreditrisiko Das Kreditrisiko beschreibt die Gefahr, dass eine finanzwirtschaftliche Zielgröße – der Zahlungsstrom aus Zins und Tilgung – von dessen korrelierenden Referenzwert negativ abweicht. Beispiele für Ereignisse, die dem Kreditrisiko zuzuordnen sind, sind Zahlungsverzüge, Konkursverfahren, Zahlungsstundungen sowie Zahlungsausfälle (vgl. Schiffel (2009), S. 33; Hölscher (2023), o. S.). Demnach ist das Kreditrisiko kohärent mit dem Liquiditätsrisiko. Das Kreditrisiko ist ein komplexes und zentrales Risiko, da Kreditereignisse seltener auftreten. Folglich werden Kreditrisikoprämien i. d. R. bei Vertragsabschluss festgelegt, wodurch laufende Sicherungsstrategien nur schwer anwendbar sind. Wegen der asymmetrischen Verteilungsform sowie systematischer Einflüsse ist die Diversifikation des Kreditrisikos beeinträchtigt. Hingegen können Marktrisiken durch Derivate kostengünstig abgesichert werden. Gleichwohl können ex ante Risikoparameter in einem Risikomanagementprozess festgelegt werden, um etwaige Ausfallrisiken zu eruieren (vgl. Grünberger (2013), S. 1; Schiffel (2009), S. 33 ff.). Das Kreditrisiko betrifft das spezifische Wagnis von Banken bei der Gewährung von Krediten zur Bereitstellung von Kapital. Zudem kann das Kreditrisiko in Einzelrisiken und Gesamtrisiken unterteilt werden, da mehrere Faktoren in Kombination in einem teilweisen oder umfänglichen Kreditausfall resultieren können. In praxi ist die portfolioorientierte Analyse der Kreditrisiken etabliert, da Korrelationen der Verlustrisiken aus den einzelnen Betrachtungsgrößen berücksichtigt werden (vgl. Hölscher (2023), o. S.). Mit Bezug auf die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen sind mögliche Kreditrisiken relevant, da Festzinsvereinbarungen der Kredite auslaufen können, die in der Niedrigzinsphase mit einem profitablen Zinssatz festgelegt wurden. Bei der Weiterfinanzierung oder Neufinanzierung (Ballonkredit) steigt der
3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten … 39 Zinssatz deutlich an. Am Beispiel der Bauzinsen ist zu konstatieren, dass die Zinsen deutlich gestiegen sind (vgl. Janson (2022), o. S; Statista GmbH (2023c), o. S; Rinker (2023), o. S.). Im Mai 2022 lag der durchschnittliche Zinssatz bei einer Zinsbindung von zehn Jahren bei 2,59 % und bei einer Zinsbindung von 15 Jahren bei 2,83 %. Im Mai 2023 lag der durchschnittliche Zinssatz bei einer Zinsbindung von zehn Jahren bei 3,84 %, respektive bei 3,99 % hinsichtlich einer Zinsbindung von 15 Jahren (vgl. Statista GmbH (2023c), o. S; siehe hierzu App. A). De facto resultiert hierdurch ein Zinsänderungsrisiko, das wiederum ein Kreditrisiko darstellen kann. 3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses im Zuge des Risikocontrollings 3.5.1 Theoretische Grundlagen Wie in der Abhandlung bereits erörtert, führen die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen zu einer signifikanten Erhöhung des Risikopotenzials. Gleichwohl birgt jedes wahrgenommene Risiko – nach mikroökonomischen Erkenntnissen – ebenso Chancen, die, durch eine Quantifizierung und strategische Ausrichtung, zu Erfolg führen können (vgl. Kahnemann (2012), S. 312 f.; Vgl. PwC LLP (2022), o. S.). Ergo erfolgt die Entscheidungsfindung mit Blick auf das steigende Zinsniveau unter Unsicherheit (vgl. Münter (2018), S. 150 f.), weswegen es umso mehr einer durchdachten, kennzahlenbasierten Risikoplanung bedarf. Hierbei werden Hypothesen respektive Prognosen gebildet, die auf einer Annahme basieren, die die Zukunft abbilden sollen. Im Rahmen dessen ist es von signifikanter Bedeutung, Kalküle zu nutzen, die das Risikomaß feststellbar sowie quantifizierbar machen (vgl. Amann (2019), S. 1–5). Die Relevanz des ökonomischen Modells, im Sinne des kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses, ist umso relevanter, je mehr die Realität und deren Aspekte im Modell abgebildet werden können (vgl. Kolmar und Hoffmann (2018), S. 1; Obermaier und Saliger (2020), S. 1–4) – In diesem Fall durch die Kennzahlenbildung in Verbindung mit möglichen unterjährigen TriggeringEvents6 i. S. d. IAS 36 (vgl. Deloitte GmbH WPG (2023), o. S; siehe weiterführend auch IAS 36). Gleichwohl sind Zinsrisiken ex ante zu erkennen, weswegen das Rahmenwerk des IAS 36 nur bedingt Anwendung findet. Das primäre Ziel des kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses ist es – möglichst latenzfrei – auf eintretende Wirtschaftsentwicklungen reagieren zu können. Eine einfache Kriterienbildung, ohne den Einsatz von fortschrittlicher Technologie, kann als statisches Entscheidungskalkül klassifiziert werden. Durch den Einsatz von Machine Learning, Process Mining und fortschrittlichen 6 Ereignisse, die wesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erzeugen. Dabei können diese Ereignisse erwartet oder unerwartet sein.
40 3 Analyse des Einflusses des hohen … Abb. 3.5 Eruierungsprozess zur Entscheidungsfindung unter Unsicherheit. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Internationaler Controller Verein e. V. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 40 f.) Informationsmanagementsystemen ist es möglich, ein sich dynamisch entwickelndes Kalkül zu bilden, das anhand von stetig aktualisierten Marktdaten automatisch Lernen und somit Vorhersagen treffen kann (vgl. Obermaier und Saliger (2020), S. 4). Ein effektives Finanz- und Liquiditätscontrolling (bezugnehmend auf Abschn. 3.3) kann diese latenzfreie Informationsversorgung unterstützen. Die durchdachte Auswahl von kohärenten Controlling-Instrumenten unterstützt die Liquiditätsverbesserung. Abb. 3.5 stellt den Eruierungsprozess, der die Unternehmensführung bei der Entscheidungsfindung unterstützt, dar. Die iterative Vorgehensweise in Form kongruenter Kennzahlensysteme, sichert die fundierte Entscheidungsfindung im Zuge des Risikomanagements, welches durch die vorab erläuterten funktionalen Controlling-Ausrichtungen unterstützt wird. Abschließend werden vertikale und horizontale Bilanzkennzahlen, Rentabilitäts- und Ertragskennzahlen sowie Liquiditätskennzahlen im Kennzahlensystem konsolidiert, da diese Kennzahlen ausreichend dazu dienen, die Auswirkungen des Zinsniveaus angemessen zu beschreiben. Die konkrete Auswahl bestimmter Kennzahlen ist jedoch situationsabhängig und unternehmensspezifisch. Die nachfolgend ausgewählten Kennzahlen eignen sich besonders, um fundierte Entscheidungen treffen zu können – obgleich die Auswahl der Kennzahlen anwenderabhängig ist: • • • • • • • • Return on Investment (RoI) = Betriebsgewinn/Bilanzsumme Kapitalumschlag = Umsatz/Bilanzsumme Umsatzrendite = Jahresüberschuss/Umsatzerlöse EBIT-Marge = EBIT/Umsatzerlöse EBITDA-Marge = EBITDA/Umsatzerlöse Gesamtkapitalrendite = Jahresüberschuss + Fremdkapitalzinsen/Bilanzsumme ROCE = EBIT/Capital Employed Eigenkapitalquote = Eigenkapital/Bilanzsumme
3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten … 41 • Gearing = Finanzverbindlichkeiten – liquide Mittel/Eigenkapital (vgl. Schmidlin (2020), S. 47–69). 3.5.2 Abgrenzung der Termini Auf Basis der unterschiedlichen Unternehmensebenen können Aussagen zur Einordnung des Controlling-Begriffes getroffen werden. Eine funktionsfähige normative Ebene ist die Voraussetzung für Erfolg auf der strategischen Ebene und dieser ist in der weiteren Folge Voraussetzung für die Sicherstellung der Finanzmittel (vgl. Eschenbach und Siller (2019), S. 62 u. 106; Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 406; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 39 f.). Abb. 3.6 verdeutlicht den Zusammenhang der unterschiedlichen Unternehmensebenen. Der kennzahlengestützte Risikomanagementprozess ist ein sog. Entscheidungs- und Prognosemodell, da der Prozess insb. für das iterative Risikocontrolling zum Einsatz kommt. Der entsprechende Prozess leitet sich zum einen von der japanischen Management-Philosophie Lean ab, die zum Ziel hat, ökonomische Prozesse effizient und ohne Vergeudung von Ressourcen unterschiedlichster Art durchzuführen. Zum anderen leitet sich der kennzahlengestützte Risikomanagementprozess anhand des klassischen Controlling-Begriffes ab, der für die Informationsversorgung und Sicherung der Existenz eines Unternehmens steht. Eine genaue Definition ist nicht immer hinreichend möglich, da das Controlling, abhängig von der Art und Tätigkeit des Unternehmens, diverse Erkenntnisse gewinnen kann. Darüber hinaus existieren spezifische Controlling-Ausrichtungen wie bspw. Personalcontrolling, Marketingcontrolling oder Finanzcontrolling. Somit ist eine präzise Termini-Abgrenzung, bezogen auf die mögliche Anzahl an funktionalen Ausrichtungen, nicht immer einfach (vgl. Quirin (2022), S. 24; Becker und Nolte (2019), Abb. 3.6 Einordnung des Controlling-Begriffes unter dem Aspekt der Unternehmensebenen. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Eschenbach und Siller (2019), S. 62 u. 106; Siller (2022), o. S; Horvath et al. (2019), S. 406; Contessotto et al. (o. J.), o. S; Linsner und Gleich (2019), S. 39 f.)
Abb. 3.7 Organisation der relevanten Controlling-Ausrichtungen. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Horvath (2011), S. 22; S. 407; Horvath et al. (2019), S. 407 f.; Linsner und Gleich (2019), S. 42.) 3 Analyse des Einflusses des hohen … Finanzen (Treasury) CFO 42 Controlling (inkl. Finanzund Liquiditätscontrolling Externes Rechnungswesen Internes Rechnungswesen S. 76 f.; Gärtner et al. (2019), S. 376 f.; Heupel und Lange (2019), S. 203; Ludwig et al. (2012), S. 247; Mendel und Schöning (2021), S. 10; Schäffer und Weber (2016), S. 3–20; Buchholz (2013), S. 10). Jedoch kann das Controlling (anlehnend an Abschn. 3.3) unterschiedlich in die klassische Unternehmensorganisation eingeordnet werden. Abb. 3.7 stellt die Organisation der relevanten Controlling-Ausrichtungen dar. Als Teil der CFO-Sparte verfolgt das Controlling das Ziel, sowohl die Leistungserstellung und Leistungsverwertung als auch die Quantifizierung der Kapitalaufnahme und dessen Verwendung abzubilden. Die Umwandlung in Form von Vermögensveränderungen wird ebenfalls abgebildet (vgl. Buchholz und Gerhards (2016), S. 1). Die externe Rechnungslegung bezieht sich hingegen auf die Bilanzierung sowie auf die Erstellung des Jahresabschlusses. Das Controlling unterliegt weder gesetzlichen Vorschriften noch existieren regulatorische Handlungsvorgaben zur Erstellung oder Durchführung (vgl. Burger und Burger-Stieber (2018), S. 3). Demnach ist es möglich, eigene Kriterien und Kennzahlensysteme zu bilden, die bspw. im Zuge des Risikocontrollings Anwendung finden. Abb. 3.8 verdeutlicht die Abgrenzung des internen Rechnungswesens und der externen Rechnungslegung. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen treten vermehrt unternehmerische Risiken auf, weshalb Unternehmen unter Unsicherheit agieren. Ergo sind Prognosemodelle und Simulationstechniken von signifikanter Bedeutung, um die rationale Entscheidungsfindung sicherzustellen. Chancen und Risiken können dadurch identifiziert werden (vgl. Georg und Sesler (2021), S. 14–18; Vgl. Diehm (2017), S. 9). Eine faktenbasierte Entscheidungsfindung ist relevant, um eine Kontrollillusion zu verhindern. Diese faktenbasierte Heuristik ist einer verhaltensbedingten Heuristik vorzuziehen.7 Kognitive Beschränkungen der Entscheider, unvollständige Informationen, eine mangelnde Klassifizierung der Situation sowie eine Zeitlimitierung sind wesentliche Einflussfaktoren, die der Risikocontroller überwachen muss. Finanzwirtschaftliche Vorgaben, wie 7 Siehe weiterführend auch Kahnemann (2012).
3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten … 43 externe Rechnungslegung (Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht) Adressaten: Sämtliche Stakeholder internes Rechnungswesen (Betriebsergebnis, Kalkulationen, Kennzahlensysteme) Adressaten: Unternehmensleitung Abb. 3.8 Abgrenzung des internen Rechnungswesens und der externen Rechnungslegung. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Burger und Burger-Stieber (2018), S. 3.) Abb. 3.9 Die Schnittstelle der Controlling-Ausrichtungen. (Quelle: Eigene Darstellung.) operatives Controlling Risikocontrolling z. B. Zweck/Mittel-Rationalitäten, werden durch das Risikocontrolling eingehalten (vgl. Münter (2018), S. 109–113. Vgl. Behringer (2018), S. 7). Das Controlling wird klassischerweise in das operative und strategische Controlling differenziert. Das operative Controlling beziffert wertmäßige Vermögens- und Bestandsveränderungen (vgl. Schroeter (2002), S. 20). Ferner stellt das operative Controlling konkrete Zahlenverhältnisse dar, die dem strategischen Controlling dienlich sind. Der Fokus des strategischen Controllings ist der Plan/Ist-Vergleich sowie der langfristige Forecast (vgl. Buchholz (2009), S. 9). Das Risikocontrolling respektive Finanz- und Liquiditätscontrolling sind funktionale Ausrichtungen des Controllings (vgl. Diederichs (2017), S. 280 u. S. 305 f.). Zudem eruiert das Risikocontrolling Entscheidungsgrundlagen für das Management und stellt die Auswirkungen der Risiken im Plan, Ist und Forecast dar (vgl. Wiedemann (2023), o. S; siehe weiterführend auch MaRisk AT 4.4.1). Abb. 3.9 verdeutlicht den Zusammenhang der Controlling-Ausrichtungen. strategisches Controlling
44 3.5.3 3 Analyse des Einflusses des hohen … Kennzahlengestützter Risikomanagementprozess Als ein sog. Konzeptionsmodell, das auf Basis validierter Informationen (Kennzahlensysteme und KPI i.e.S.) aufgebaut ist, ist der kennzahlenbasierte Risikomanagementprozess auch als Handlungsmodell zu definieren (vgl. Hubert (2016), S. 6). Das Konzeptionsmodell kann auch als eine Erweiterung des RL-Kennzahlensystems betrachtet werden. Ein RL-Kennzahlensystem bietet ein Instrumentarium zur Quantifizierung und Bewertung der Rentabilität einer Investitionsentscheidung oder eines Unternehmens. Es ermöglicht dem Betrachter, die finanzielle Performance zu analysieren, indem verschiedene Kennzahlen verwendet werden, um die Rentabilität, Effizienz und den Erfolg von Geschäftsaktivitäten zu bewerten. Ferner kann die Liquidität des Unternehmens quantifiziert (siehe hierzu App. C) werden. Vor allem die Auswirkungen des hohen Zinsniveaus können durch die Auswahl geeigneter Kennzahlen eruiert werden. Das RL-Kennzahlensystem basiert auf der grundlegenden Berechnung des RoI, der das Verhältnis zwischen dem erzielten Gewinn und dem eingesetzten Kapital darstellt. Das RL-Kennzahlensystem besteht aus einer Reihe von ausgewählten Kennzahlen, die auf den spezifischen Zielen und Anforderungen des Anwenders basieren. Demnach kann der Anwender gem. seiner Zielvorgaben über die Auswahl der Kennzahlen entscheiden. Zusätzlich können Wirkungskorrelationen eruiert werden, die für die Unternehmensführung relevant sind (vgl. Piontek (2005), S. 358–365; Barth und Barth (2008), S. 146 ff.; Reichmann et al. (2017), S. 125 ff.). Um ein RL-Kennzahlensystem anzuwenden, müssen Unternehmen zunächst die relevanten Kennzahlen identifizieren, die zu ihrer Branche, Größe und Geschäftsstrategie passen. Daraufhin erfolgt die Datensammlung, um diese Kennzahlen zu berechnen und auszuwerten. Dies kann finanzielle Informationen wie Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen und Cashflow-Statements (Kapitalflussrechnung i. S. d. DRS 21) umfassen. Sobald die Daten eruiert sind, kann der Anwender die Kennzahlen berechnen und analysieren, um die finanzielle Performance zu bewerten. Durch den Vergleich der Kennzahlen im Zeitverlauf oder mit branchenüblichen Vergleichswerten können Unternehmen Stärken, Schwächen und Bereiche mit Verbesserungspotenzialen identifizieren und letztlich Handlungsvorschläge eruieren. De facto ist es demnach möglich, fundierte Entscheidungen zur Optimierung der Rentabilität und Effizienz zu treffen. Ein RL-Kennzahlensystem dient als Leitfaden für die strategische Planung, Budgetierung, Performancebewertung sowie langfristige Entwicklung eines Unternehmens (vgl. Reichmann et al. (2017), S. 55–60 u. S. 86–125; Reichmann und Kißler (o. J.), o. S.). Das Kennzahlensystem hilft Unternehmen, die finanzielle Stabilität zu überwachen, Risiken zu identifizieren und Maßnahmen zur Maximierung der Gewinngrößen sowie der Rendite zu ergreifen (vgl. Linsner und Gleich (2019), S. 51 ff.; Horvath et al. (2019), S. 285 ff.; Lachnit und Müller (2009), S. 508 ff.). Im App. B finden sich ausgewählte Rentabilitätskennzahlen, die zur Kennzahlenanalyse herangezogen werden können. Zudem befinden sich im App. C weitere Liquiditätskennzahlen, die verwendet werden können, um die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit jederzeit zu messen (vgl. Linsner und Gleich (2019), S. 52; Uskova und
3.5 Vorschlag eines kennzahlengestützten … 00: Ist-Daten des Vorjahres 01: Voraussichtliche Ist-Daten aktuelles Jahr 02: Plan-Daten des Folgejahres 45 03: Forecast Folgejahr ... Abb. 3.10 Zeitliche Struktur der Datenanalyse. (Quelle: Eigene Darstellung) Schuster (2020) S. 1 ff.; Huberts (2019), S. 60; Meier (2019), o. S; Steinle (2005), S. 419– 422; Baumüller (2021), S. 86 f.). Dem kennzahlenbasierten Risikomanagementprozess ist die Methodik inhärent, dass jeder Prozessschritt validiert wird, indem Auswirkungsvalidierungen durch Finanz- und Liquiditätskennzahlen durchgeführt werden (vgl. Klein (2013), S. 1–6; Vgl. Maurya (2013), S. 4). Die Kennzahlensysteme betrachten statische und dynamische Aspekte gleichermaßen, um validierte, risikoreduzierte Entscheidungen treffen zu können (vgl. Croll und Yoskovitz (2013), S. 9 f.; Georg et al. (2020), S. 71). Der kennzahlengestützte Risikomanagementprozess wird einerseits durch kongruente Kennzahlensysteme und andererseits durch die Anwendung von Reaktionsschleifen angewendet. Demgemäß kann die Messung, Steuerung und Überwachung sämtlicher unternehmerischer Risiken sichergestellt werden. Ferner eruiert der Risikomanagementprozess Handlungsvorgaben, die zur Risikovermeidung und -reduktion herangezogen werden können. Darüber hinaus können zweckmäßige Risiken festgestellt werden, deren Eingehen in wirtschaftlichen Vorteilen resultieren kann – e contrario (vgl. Eulerich (2022), o. S.). Hierdurch ist die Praxisrelevanz dieser Methode gewährleistet. Eine Auswirkungsmessung muss zwingend durch das Risikomanagement durchgeführt werden, indem ein unmittelbarer Plan/Ist-Vergleich erfolgt. Die Ist-Daten des Vorjahres und die voraussichtlichen Ist-Daten des aktuellen Jahres sind hierbei zu analysieren. Im Folgeschritt erfolgt der Abgleich mit den Plan-Daten des Folgejahres und den entsprechenden Forecasts der Folgejahre. Abb. 3.10 zeigt den entsprechenden Planungszyklus. Abb. 3.11 verdeutlicht den Zusammenhang der Reaktionsschleifen und den korrelierenden Kennzahlensystemen. Die Auswirkungsmessung wird nach jeder Anwendung des Kennzahlensystems durchgeführt, um einen iterativen Risikomanagementprozess zu garantieren. Weiterhin findet sich auf der linken Seite der Ausgangszustand (TriggeringEvent) und auf der rechten Seite der Zielzustand (Quantified-Event-Impact) des Risikomanagementprozesses. Die vertikalen und horizontalen Bilanzkennzahlen sowie Liquiditätskennzahlen, die für den kennzahlengestützten Risikomanagementprozess herangezogen werden können, werden mit Blick auf die empirische Analyse dieser Abhandlung hinreichend in Kap. 5 erläutert (siehe hierzu auch Appendix B und Appendix C). Die resultierenden Ergebnisse des kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses dienen schlussendlich dem Risikocontrolling zur Bildung von Handlungsvorgaben für das Risikomanagement oder die Unternehmensführung. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen sind risikoorientierte Konzeptionsmodelle von signifikanter Bedeutung, um wesentliche Risikofelder zu quantifizieren.
46 3 Analyse des Einflusses des hohen … Abb. 3.11 Kennzahlengestützter Risikomanagementprozess. (Quelle: Eigene Darstellung.) Literatur Albrecht, P., & Maurer, R. (2016). Investment- und Risikomanagement – Modelle, Methoden, Anwendungen (4. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Amann, K., Petzold, J., & Westerkamp, M. (2020). Management und Controlling: Instrumente – Organisation – Ziele – Digitalisierung (3. Aufl.). Springer Gabler. Amann, E. (2019). Entscheidungstheorie – Individuelle, strategische und kollektive Entscheidungen. Springer Gabler. BaFin. (2019). Eigenmittelanforderungen für Marktrisiken. https://www.bafin.de/DE/Aufsicht/ BankenFinanzdienstleister/Eigenmittelanforderungen/Marktrisiken/marktrisiken_node.html. Zugegriffen: 10. Juni 2023 Barth, T., & Barth, D. (2008). Controlling (2. Aufl.). Oldenbourg Verlag. Ballwieser, W., & Hachmeister, D. (2021). Unternehmensbewertung – Prozesse, Methoden und Probleme (6. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Baumüller, J. (2021). Finanz-Controlling. In R. Eschenbach et al. (Hrsg.). Funktions-Controlling – Praxishandbuch für Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und die öffentliche Verwaltung (2. Aufl.). Springer Gabler. Becker, H., & Peppmeier, A. (2018). Investition und Finanzierung – Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft (8. Aufl.). Springer Gabler. Becker, W., & Nolte, M. (2019). Die Rolle des Controllings im Rahmen der Digitalisierung – Funktionen, Aufgaben und Instrumente. In W. Becker et al. (Hrsg.), Geschäftsmodelle in der digitalen Welt: Strategien, Prozesse und Praxiserfahrungen. Springer Gabler. Behringer, S. (2018). Controlling. Springer Gabler. Bieg, H., & Kußmaul, H. (2009). Investition (2. Aufl.). Franz Vahlen. Brösel, G., Freichel, C., Toll, M., & Buchner, R. (2015). Wirtschaftliches Prüfungswesen – Der Einstieg in die Wirtschaftsprüfung (3. Aufl.).Vahlen.
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4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf ausgewählte Bilanzposten Zusammenfassung Dieses Kapitel behandelt die Grundlagen der Bilanzierung und untersucht Unterschiede zwischen Handelsrecht (HGB) und den International Financial Reporting Standards (IFRS). Es wird auf die Bedeutung der externen Rechnungslegung als „Sprache des Unternehmens“ eingegangen und der Aufbau des Jahresabschlusses erklärt. Besonderes Augenmerk liegt auf den Unterschieden zwischen HGB und IFRS in Bezug auf Vermögensbewertung, Goodwill-Abschreibung, Behandlung selbst erstellter immaterieller Güter, Anwendung des Fair-Value-Prinzips, Erfassung von unrealisierten Gewinnen und steuerlichen Aspekten. Es wird darauf hingewiesen, dass IFRS mehr Spielraum in der Bewertung bieten, was die Aussagekraft der Abschlüsse beeinflusst. Zudem wird der Einfluss des Zinsniveaus auf Bilanzposten dargestellt. Es stellt sich heraus, dass diverse Bilanzposten von den makroökonomischen Faktoren beeinflusst werden. 4.1 Grundlagen der Bilanzierung und empirische Ausgangslage Die externe Rechnungslegung wird auch als die Sprache des Unternehmens bezeichnet (vgl. Pilhofer (2023), o. S.). Die Abbildung der betrieblichen Prozesse hinsichtlich der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bildet der Jahresabschluss (vgl. Schmidlin (2020), S. 1; Hahn (2016), S. 12 f.; Pilhofer (1997), S. 1 ff.). Dieser besteht aus Bilanz, Gewinnund Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung, Anhang und Lagebericht (vgl. Wöltje (2016), S. 19; Hahn (2016), S. 23; Schmidlin (2020, S. 10; Schult und Brösel (2008), S. 48–52; Seppelfricke (2019), S. 18; Wöhe et al. (2020), S. 644 f.; Gasch (2022), S. 41) – für Konzerne können weitere Aspekte wie der Eigenkapitalspiegel, die Eigenkapitalveränderungsrechnung und die Segmentberichterstattung relevant sein (vgl. Schmidlin (2020), © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_4 53
54 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … S. 10; Schult und Brösel (2008), S. 48–52; Seppelfricke (2019), S. 18). Die generelle Buchführungspflicht resultiert aus den §§ 238 ff. HGB (vgl. Wöltje (2016), S. 13). Für das deutsche Handelsrecht gelten die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung der einschlägigen §§ 238 Abs. 1, 239, 243 Abs. 2 und 3, 246 Abs. 1 S. 1 und 257 HGB, de lege lata (vgl. Wöltje (2016), S. 19). Zu unterscheiden ist mit Blick auf die empirische Analyse in Kap. 5 jedoch der Einzel- und Konzernabschluss. Der Einzelabschluss der DAX-40-Unternehmen hat gem. §§ 58, 174 AktG, § 29 GmbHG, § 5 Abs. 1 EStG neben der Rechenschaftslegungsund Informationsfunktion zusätzlich eine Ausschüttungsbemessungs- sowie Kapitalerhaltungsfunktion inne. Dieser Sachverhalt beschreibt den Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handels- für die Steuerbilanz. Hingegen hat der konsolidierte Konzernabschluss grundsätzlich nur eine Rechenschaftslegungs- und Informationsfunktion gem. § 297 HGB respektive IFRS 10 i.V.m. IAS 1 inne, da der Konzern ein fiktives Gebilde aus rechtlich selbstständigen Tochterunternehmen ist (vgl. Godek (2022), o. S; Hahn (2016), S. 13; Wöhe et al. (2020), S. 682 ff.; Küting und Weber (2018), S. 91 f.; Seppelfricke (2019), S. 19 ff.; siehe weiterführend §§ 290 HGB u. IFRS 10). Demgemäß hat der Konzern de jure keine Besteuerungs- und Ausschüttungsbemessungsfunktion (vgl. Hahn (2016), S. 13; Küting und Weber (2018), S. 92). Der Konzernabschluss resultiert aus dem derivativen Konzernabschlusserstellungsprozess, bei welchem die originären Einzelabschlüsse mit Blick auf die Gliederung, Bilanzierung, Bewertung und Ausweis der Muttergesellschaft vereinheitlicht werden. Durch Addition der Einzelabschlüsse ergibt sich folglich der Summenabschluss, der im Folgeschritt durch die Konsolidierungsmaßnahmen den Konzernabschluss darstellt (vgl. Hahn (2016), S. 13; Schmidlin (2020), S. 3; Küting und Weber (2018), S. 104 ff.). Der Konzernabschluss stellt demnach Informationen bereit, die Investoren für Anlageentscheidungen heranziehen. Der Grundsatz true and fair view entspricht dem handelsrechtlichen Ziel, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild von der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln (vgl. Godek (2022), o. S.). Tab. 4.1 stellt die wesentlichen Unterschiede zwischen HGB und IFRS dar. Die unterschiedlichen Prinzipien der internationalen und handelsrechtlichen Rechnungslegung resultieren in wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsunterschieden Tab. 4.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Schult und Brösel (2008), S. 60; Seppelfricke (2019), S. 19) HGB IFRS Vorrangige Adressatengruppe Gläubiger Investoren Vorrangiges Rechnungslegungsziel Ausschüttungsbemessung bei Erhalt von Haftungskapital Informationsversorgung für Investoren Wesentliches Rechnungslegungsprinzip Vorsichtsprinzip Periodengerechte Erfolgsermittlung Rechtssystem Code Law Case Law
4.1 Grundlagen der Bilanzierung und empirische Ausgangslage 55 (vgl. Godek (2022), o. S; Schmidlin (2020), S. 2 f.; Seppelfricke (2019), S. 19). Folgender Exkurs zeigt einige Unterschiede zwischen HGB und IFRS auf: • Gemäß den Vorgaben des HGB sind Vermögensgegenstände im Abschluss zu Anschaffungskosten anzusetzen, während nach den IFRS Marktwerte zur Bewertung herangezogen werden. • Der erzielte Goodwill aus Unternehmensakquisitionen wird gemäß den IFRS aktiviert und unterliegt lediglich bei Wertminderungen einer Abschreibung. Im Gegensatz dazu schreibt das HGB eine planmäßige Abschreibung vor, wenn der Goodwill nach dessen Aktivierung im Abschluss erfasst wird. • Im Kontext selbst erstellter immaterieller Wirtschaftsgüter wie Lizenzen, Marken oder Software verbietet das HGB eine Aktivierung. Ein Wahlrecht besteht lediglich, wenn diese Güter dem Umlaufvermögen zugeordnet werden. Nach den IFRS hingegen müssen solche Güter in der Bilanz erfasst werden, wenn die Wahrscheinlichkeit besteht, dass aus ihnen ein zuverlässig bewertbarer wirtschaftlicher Nutzen für das Unternehmen resultiert. • Die nach den IFRS angewandten fortgeführten Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten sowie Abschreibungswerte bilden bei vielen Vermögenswerten nicht die obere Grenze der Bewertung. Durch die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert (fair value) können die nach HGB zulässigen Werte überschritten werden. • Die IFRS ermöglichen und in bestimmten Fällen verlangen sogar eine Erfassung von noch nicht realisierten Gewinnen im Abschluss. Ein Beispiel hierfür ist die schrittweise Einbeziehung des Gewinns aus einer Auftragsfertigung in die Bilanz, basierend auf dem Fertigstellungsgrad. Im Gegensatz dazu dürfen im HGB-Gesamtjahresabschluss Gewinne erst dann berücksichtigt werden, wenn sie tatsächlich realisiert wurden. • Die IFRS bieten dem Bilanzleser einen präziseren Gewinnausweis für seine Entscheidungsfindung. Unter HGB-Bewertungskriterien werden positive Ergebnisse erst bei Realisierung ausgewiesen, während negative Ergebnisse bereits bei ihrer Erkennung berücksichtigt werden. • Der Einzelabschluss gemäß HGB dient nicht nur der Gewinnermittlung, sondern bildet auch die Grundlage für die Steuerbemessung. Im Gegensatz dazu werden die IFRS nicht zur Steuerbemessung herangezogen (vgl. Godek (2022), o. S; Schmidlin (2020), S. 2 ff; Seppelfricke (2019), S. 27 ff; Ebner Stolz (2023), o. S.). De facto erlauben die IFRS einen deutlich höheren Bewertungsspielraum, weswegen die Aussagekraft der Abschlüsse begrenzt ist (vgl. Schmidlin (2020), S. 2). Vor dem Hintergrund der Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen ergeben sich dementsprechend größere Spielräume zur Bilanzgestaltung, wodurch eine Bilanzanalyse erschwert werden kann (vgl. Schmidlin (2020), S. 8 f.). Darüber hinaus ergeben sich Unterschiede bei der Abschreibung von Vermögenswerten zwischen HGB und den IFRS: Nach dem HGB können außerplanmäßige Abschreibungen (§ 253 Abs. 3 S. 3 HGB) im
56 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … Zuge der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen relevant sein. Diese ergeben sich aus Differenzen zwischen Buchwert und beizulegenden Zeitwert. Neben dem Sachanlagevermögen kann auch das Finanzanlagevermögen betroffen sein, insofern eine voraussichtlich nicht andauernde Wertminderung vorliegt (§ 253 Abs. 3 S. 4 HGB sowie vgl. Wöltje (2016), S. 44 ff.). Die IFRS schreiben einen jährlichen Werthaltigkeitstest vor. Der ImpairmentTest, auch als Werthaltigkeitstest bekannt, stellt einen substanziellen Eckpfeiler der internationalen Rechnungslegungsstandards für Organisationen und Unternehmen dar (vgl. Seppelfricke (2019), S. 28; Ebner Stolz (2023), o. S.). Ziel desselben ist die Eruierung nicht antizipierter Abwertungen von Vermögenswerten, welche in den Bilanzen erfasst werden, um diese unter dem Gesichtspunkt der Angemessenheit der Werthaltigkeit zu überdenken. Die IFRS-Richtlinien, insb. der IAS 36 Wertminderung von Vermögenswerten, verpflichten Unternehmen dazu, in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung auf mögliche Hinweise für potenzielle Wertminderungen ihrer Vermögenswerte durchzuführen. Diese Hinweise könnten auf Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld, technologische Faktoren oder Marktbedingungen zurückzuführen sein. Der Evaluationsprozess impliziert eine Einschätzung des erzielbaren Betrags eines Vermögenswertes, welcher sodann mit dem Buchwert des betreffenden Vermögenswertes verglichen wird. Der erzielbare Betrag definiert sich als derjenige Betrag, der den höchsten Wert zwischen dem Veräußerungswert des Vermögenswertes abzüglich etwaiger Veräußerungskosten und dem Nutzungswert des besagten Vermögenswertes darstellt. Falls der Buchwert des Vermögenswertes den erzielbaren Betrag übersteigt, resultiert eine Wertminderung, die als Impairment klassifiziert wird. In einer solchen Konstellation bedarf der Buchwert einer Abschreibung auf den erzielbaren Betrag, wodurch der resultierende Wertminderungsaufwand in Form eines Impairment Loss in der Gewinn- und Verlustrechnung adäquat ausgewiesen wird. Es sei hervorgehoben, dass Impairment-Tests nicht nur auf jene Vermögenswerte angewandt werden, welche regelmäßigen planmäßigen Abschreibungen unterworfen sind, sondern gleichermaßen auf Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer, etwa immaterielle Vermögenswerte oder auch der Firmenwert (Goodwill). Ziel dieses Impairment-Tests ist die objektive Darstellung des Werts von Vermögenswerten unter Berücksichtigung aktueller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Prognosen. Die Befolgung dieser Standards gewährleistet die Präsentation der tatsächlichen finanziellen Lage und Leistungsstärke eines Unternehmens in seinen Finanzberichten. Dies erweist sich von grundlegender Bedeutung für Investoren, Kreditgeber und weitere Stakeholder, um wohlüberlegte Entscheidungen zu fällen (vgl. Reinke (2009), S. 1 f.; Küting und Weber (2018), S. 396–400 und S. 408; Rödl und Partner (2021), o. S; siehe weiterführend IAS 36). Die empirische Analyse dieser Abhandlung fokussiert sich jedoch nicht auf Bilanzierungs- und Bewertungsaspekte. Die empirische Analyse hat vielmehr zum Ziel, die wesentlichen direkten Auswirkungen des hohen Zinsniveaus auf ausgewählte Bilanzposten zu kategorisieren. Gleichwohl besitzen die Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte immanente Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten, weshalb dieses Kap.
4.1 Grundlagen der Bilanzierung und empirische Ausgangslage 57 Tab. 4.2 Bestandteile des HGB- und IFRS-Konzernabschluss. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Hahn (2016), S. 33; Schult und Brösel (2008), S. 48) Konzernunternehmen Nicht kapitalmarktorientiert Kapitalmarktorientiert Wahlrecht zwischen HGB und IFRS IFRS § 297 HGB IAS 1 IAS 1/IFRS 8 Bilanz Ja Ja Ja GuV / Gesamtergebnisrechnung nach IFRS Ja Ja Ja Kapitalflussrechnung Ja Ja Ja Eigenkapitalspiegel Ja Ja Ja Segmentberichterstattung (nach IFRS Teil des Anhangs) Wahlrecht Wahlrecht Ja Anhang Ja Ja Ja eine Sensibilisierung schaffen soll. Im Hinblick auf die konkreten Bestandteile des HGBund IFRS-Konzernabschlusses gilt Tab. 4.2. Die IFRS manifestieren sich in äußerst dynamischer Verfasstheit und unterliegen einer kontinuierlichen Veränderung. Sei es im Kontext fundamentaler Fragestellungen der Konsolidierung, der Bilanzierung von Leasingverhältnissen, der Realisierung von Umsätzen, der Behandlung von Finanzinstrumenten oder der Rechnungslegung von Pensionsverpflichtungen. Etablierte Paradigmen der Bilanzierung werden durch neu erlassene Regelungen substituiert, welche eine Fülle von Anfragen zur Anwendung mit sich bringen. Das HGB behält nach wie vor seine primäre Stellung als Bilanzierungsnorm für Einzelabschlüsse sämtlicher deutscher Unternehmen und Konzernabschlüsse vieler mittelständischer Unternehmensverbünde.1 In Betracht der Internationalisierung der Wirtschaft erfährt das HGB eine kontinuierliche Modifikation. Die Synthese von finanziellen und nichtfinanziellen Informationen im Rahmen der unternehmerischen Berichterstattung (integrierte Berichterstattung) avanciert global zu einer immer wichtigeren Facette, sowohl aufgrund eines sich wandelnden Rezeptionsverhaltens der Adressaten als auch aufgrund regulatorischer Eingriffe. Unternehmen sind dazu angehalten, ihre bisherige Form der Unternehmensberichterstattung entsprechend zu adaptieren (vgl. KPMG AG (2023), o. S; Schönbrunn (2005), S. 88). Summa Summarum lässt sich konstatieren, dass die Anwendung der IFRS signifikant an Bedeutung gewonnen haben. Die internationalen Rechnungslegungsprinzipien haben zur Folge, dass in den nach den IFRS aufgestellten Jahresabschlüssen grundsätzlich ein höherer Gewinn ausgewiesen wird. Zudem werden 1 Siehe weiterführend auch Küting und Weber (2018).
58 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … Tab. 4.3 Grundstruktur der Bilanz in Anlehnung an § 266 HGB. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Wöltje (2016), S. 21) Bilanz Aktiva Passiva Anlagevermögen Eigenkapital Umlaufvermögen Rückstellungen (Fremdkapital) Aktive Rechnungsabgrenzungsposten Verbindlichkeiten (Fremdkapital) Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung Passive Rechnungsabgrenzungsposten die Vermögenswerte zu aktuelleren Werten bewertet (vgl. Küting und Weber (2018), S. 22; Seppelfricke (2019), S. 21). 4.2 Die Bilanz im Mittelpunkt der Betrachtung Die Bilanz stellt eine Gegenüberstellung der Aktiva und Passiva eines Unternehmens zu einem stichtagsbezogenen Zeitpunkt (i. d. R. Bilanzstichtag) dar (vgl. Heesen (2020), S. 13; Seppelfricke (2019), S. 25; Wöhe et al. (2020), S. 682 ff.; Berkau (2020), S. 28; Brösel et al. (2022), S. 25–30; Nickenig (2018), S. 29 ff.). Auf der Aktivseite der Bilanz (Aktiva) werden die Vermögenswerte im Anlage- oder Umlaufvermögen sowie die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten präsentiert. Die Vermögenswerte müssen in der Bilanz des ökonomischen Eigentümers gem. § 246 Abs. 1 S. 1 HGB ausgewiesen werden. Die Kapitalressourcen werden auf der Passivseite der Bilanz (Passiva) manifestiert. Dies umfasst die kumulierte Summe der bereitgestellten Ressourcen seitens des Unternehmers oder der Anteilseigner (Eigenkapital), ebenso wie der Mittel, die von externen Kapitalgebern zur Verfügung gestellt wurden (Fremdkapital). Beide Seiten der Bilanz, sowohl die Aktiva als auch die Passiva, fungieren als Darstellung der identischen Wertsphäre. Die Aktivseite illustriert die Verwendung der Ressourcen, wohingegen die Passivseite die Herkunft der Mittel aufzeigt. Zudem werden sowohl auf der Aktivseite als auch auf der Passivseite Rechnungsabgrenzungsposten (RAP) und latente Steuern ausgewiesen. Diese haben den Zweck, die Erträge eines Geschäftsjahres von den Erträgen einer späteren Periode abzugrenzen (vgl. Wöltje (2016), S. 20; Schmidlin (2020), S. 18 f.; Heesen (2020), S. 13 ff.; Seppelfricke (2019), S. 26 f.; Berkau (2020), S. 28; Brösel et al. (2022), S. 25–30; Heesen (2020), S. 13–23; Küting und Weber (2018), S. 723 ff.; Gasch (2022), S. 29; Nickenig (2018), S. 29 ff.; Heesen und Gruber (2018), S. 69–110). Tab. 4.3 veranschaulicht den Mindestinhalt der Bilanz2 gem. § 247 Abs. 1 HGB. 2 Siehe weiterführend § 266 HGB zur umfänglichen Auflistung aller Bilanzposten.
4.2 Die Bilanz im Mittelpunkt der Betrachtung Tab. 4.4 Gliederungsschema einer Konzernbilanz. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Seppelfricke (2019), S. 25) 59 Aktiva Passiva A. Anlagevermögen A. Eigenkapital I. Immaterielles Vermögen I. Gezeichnetes Kapital II. Sachanlagen II. Kapitalrücklage III. Finanzanlagen III. Gewinnrücklagen B. Umlaufvermögen V. Anteile von Minderheiten IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag I. Vorräte II. Forderungen B. Langfristige Schulden III. Finanzanlagen IV. Zahlungsmittel C. Kurzfristige Schulden Die stichtagsbezogene Gegenüberstellung von Mittelherkunft (Passiva) und Mittelverwendung (Aktiva) wird in Kontenform aufgeführt (vgl. Schmidlin (2020), S. 18; Seppelfricke (2019), S. 25; Berkau (2020), S. 28; Brösel et al. (2022), S. 25–30). Tab. 4.4 zeigt ein typisches Gliederungsschema einer Konzernbilanz mit einer detaillierteren Sicht auf die einzelnen Bestandteile. Die dynamische Komponente der Konzernbilanz manifestiert sich in der Aktivseite, welche die allokativen Praktiken des auf der Passivseite akquirierten Kapitals demonstriert. Das Vermögensgefüge erweist sich als differenziert in Anbetracht von Zeitstruktur und Liquidität, wobei es in langwährende materielle Assets (Anlagevermögen) und in kurzfristig zirkulierende Vermögenswerte (Umlaufvermögen) segregiert wird. Das Anlagevermögen konturiert jene Wirtschaftsgüter, die dem Unternehmen langanhaltend zur Verfügung stehen und nicht primär für Desinvestitionen vorgesehen sind. Kontrastiv dazu inkorporiert das Umlaufvermögen rasch verwendbare Werte von begrenzter temporärer Natur, die innerhalb eines Jahres in der Unternehmenssphäre verbleiben. Unter den Elementen finden sich Bestände an Rohstoffen und Waren, fällige Forderungen, monetäre Anlagen sowie fungible Liquidität. Die Funktion des Umlaufvermögens fokussiert auf die Produktionsfaktizität von Gütern und Dienstleistungen und manifestiert sich daher als temporär präsentes Konstituent im Unternehmensgefüge (vgl. Seppelfricke (2019), S. 26; Schmidlin (2020), S. 18 ff.; Berkau (2020), S. 28; Brösel et al. (2022), S. 25– 30; Heesen (2020), S. 21 ff.; Küting und Weber (2018), S. 723 ff.). Die Passivseite offeriert eine Darstellung darüber, auf welche Weise die monetären Mittel, die sich auf der Aktivseite der Bilanz manifestieren, zur Verfügung gestellt wurden. Ein eindeutiger Zuordnungsschritt betreffend die finanzielle Struktur erfolgt lediglich zu dem Moment der Akquisition eines Vermögenswertes, zu welchem Zeitpunkt die Kapitalbereitstellung dezidiert auf der passiven Seite der Bilanz verzeichnet wird. Prinzipiell erfolgt eine Differenzierung der Passivseite in Eigenkapital und Fremdkapital, wobei im letzteren Fall auch Rückstellungen einschließlich sind. Das Fremdkapital wiederum unterliegt einer
60 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … Unterteilung in langfristige Verbindlichkeiten, kurzfristige Verbindlichkeiten sowie Rückstellungen (vgl. Seppelfricke (2019), S. 31 f.; Schmidlin (2020), S. 21 ff.; Berkau (2020), S. 28; Brösel et al. (2022), S. 25–30; Heesen (2020), S. 13 ff.; Küting und Weber (2018), S. 723 ff.; Nickenig (2018), S. 29 ff.). Die Analyse der konkreten Auswirkungen und die Erläuterungen zu einzelnen Bilanzposten erfolgt in den Abschn. 4.4 und 4.5. 4.3 Wesentliche Einflüsse auf die Bilanz und Rechnungslegung Der Ukraine-Krieg, die anhaltende Inflation und das damit einhergehende Zinsniveau stellen ein wertbegründetes Ereignis3 im Jahr 2022 dar. Die Auswirkungen auf die Bilanzierung und Bewertung von vorliegenden Sachverhalten sind vielseitig. Die unternehmerischen Planungsrechnungen müssen adäquat angepasst werden, da skalierende Energie- und Rohstoffpreise sowie nicht intakte Lieferketten bilanziell erfasst werden. Die konkreten Auswirkungen besitzen inhärente Einflüsse sowohl auf die Aktivseite als auch Passivseite der Bilanz (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 8; Gasch (2020), S. 29–36). Während der Periode des niedrigen Zinsniveaus manifestierten sich signifikante Einflüsse auf monetäre Komponenten der Aktivseite (z. B. Bankguthaben bei Finanzinstituten), die regelmäßig eine adverse Ausrichtung erfuhren, bedingt durch geringe Verzinsung oder gar anfallende Einlagezinsen. Kontrastierend dazu erzielten nicht-monetäre Bestandteile der Bilanz (wie etwa Beteiligungspositionen oder Immobilien) Gewinne aufgrund der niedrigen Zinsen, die auf einen Anstieg der Aktienwerte und Immobilienpreise zurückzuführen sind. In der Phase der niedrigen Zinsen barg die Situation stets ein hohes Maß an Risiko, da die prognostizierte Dauerhaftigkeit des niedrigen Zinsniveaus unklar blieb. Schon während dieser Phase der verminderten Zinsen waren die potenziellen Gefahren bekannt (vgl. Zwirner et al. (2022b), S. 9 f.; Gasch (2020), S. 29–36): Die Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill) leiden unter dem hohen Zinsniveau, da die Bewertung zu Niedrigzinsphasen abweicht. Das Resultat sind außerplanmäßige Abschreibungen, die ceteris paribus die Eigenkapitalsituation belasten (vgl. Zwirner und Zimny (2016), S. 10; Gasch (2022), S. 29 ff.). Demgemäß war es bereits ersichtlich, dass ein kurzfristiger Anstieg des Zinsniveaus wesentliche Risiken für Bilanzierungs- und Bewertungsansätze birgt (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 9; Zwirner et al. (2023), o. S.). In Bezug auf die Passivseite erwiesen sich die Folgen des Niedrigzinsumfelds als konträr. Nicht-monetäre Positionen (z. B. langfristige Rückstellungen wie Pensionsrückstellungen) erfuhren eine Aufwertung, da ihre Barwerte infolge der reduzierten Abzinsungssätze anstiegen und somit einen Einfluss auf das Ergebnis ausübten. Hingegen neigten monetäre Verbindlichkeiten (bspw. Darlehen) dazu, begünstigt zu werden. Das herausfordernde Element der jüngsten Zinsdynamiken lag und liegt zunächst darin, dass die dominierende Prävalenz der niedrigen Zinssätze 3 Das IDW reagierte mit einem fachlichen Hinweis zu den Auswirkungen am 28.03.2022. Die fachlichen Hinweise des IDW sind abrufbar unter: https://go.nwb.de/tcghe.
4.3 Wesentliche Einflüsse auf die Bilanz und Rechnungslegung 61 zu einem Normalzustand avancierte, welcher strategische und operative Unternehmensentscheidungen in gewissem Maße von den niedrigen Zinsen abhängig machte. Dies führte unter anderem dazu, dass historisch niedrige Zinssätze maßgeblich dazu beitrugen, dass Investitionen in Immobilien, die teilweise erheblich durch externe Finanzierung unterstützt wurden, primär aufgrund der günstigen Zinskonditionen realisiert wurden. Es resultiert bereits gegenwärtig, dass ein abrupter Anstieg der Zinssätze für die Unternehmen keine primär positiven Auswirkungen mit sich bringen wird. Vielmehr treten zunehmend die Risiken der langen Periode der Niedrigzinspolitik zutage. Als zusätzliche Belastung erweisen sich die fortwährenden Effekte der anhaltenden Covid-19-Pandemie und des Konflikts in der Ukraine (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 9 f.; Zwirner et al. (2023), o. S; Gasch (2022), S. 29 ff.). Analog zu der vorangegangenen Periode mit anhaltend niedrigen Zinssätzen wird auch der plötzliche Anstieg der Zinsen Konsequenzen für monetäre und nicht-monetäre Vermögenswerte sowie Schulden haben. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist offenkundig, dass der Zinsanstieg in Bezug auf die Bilanzwerte nicht als eine Umkehr der Auswirkungen des niedrigen Zinsniveaus betrachtet werden kann (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 9 f.; Gasch (2022), S. 29 ff.; Zwirner et al. (2023), o. S.). Aufgrund des hohen Zinsniveaus werden nicht monetäre Vermögenswerte der Aktiva negativ beeinflusst (bspw. Beteiligungen und Immobilien). Mit Blick auf monetäre Vermögenswerte der Aktiva lässt sich feststellen, dass eine positive Verzinsung erst sukzessiv eintritt (bspw. Guthaben). Ferner erfahren nicht monetäre Verpflichtungen der Passiva inflationsbedingt eine höhere Bewertung (bspw. langfristige Rückstellungen), wohingegen monetäre Verpflichtungen kurzfristig teurer werden – bspw. Darlehen (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 10; Gasch (2022), S. 29 ff.). Abb. 4.1 stellt die wesentlichen Einflüsse der aktuellen, makroökonomischen Wirtschaftsentwicklungen auf ausgewählte Bilanzposten dar (betroffene Bilanzposten in Farbe).4 Die Bilanzposten weisen unterschiedliche Auswirkungsgrade auf, wodurch der Einfluss der makroökonomischen Entwicklungen stets spezifisch betrachtet werden muss. Folglich. Demnach gilt für die Aktiva der Bilanz: • Immaterielle Vermögensgegenstände: Mittelmäßige Auswirkungen und direkter Einfluss. Folgebewertung unterliegt Einschränkung. • Sachanlagen: Mittelmäßige Auswirkungen sowie direkter Einfluss. Folgebewertung unterliegt Einschränkung. • Finanzanlagen: Leichte bis mittelmäßige Auswirkungen und indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll. • Vorräte: Starke Auswirkung und direkter Einfluss. Folgebewertung sinnvoll. • Forderungen: Eher leichte Auswirkungen und direkter Einfluss. Folgebewertung ist nicht relevant. • Wertpapiere: Leichte bis mittlere Auswirkungen sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll. 4 Siehe weiterführend auch App. F.
62 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … Abb. 4.1 Wesentliche Einflüsse des hohen Zinsniveaus auf Bilanzposten (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Zwirner et al. (2022a), S. 10) • Liquide Mittel: Mittlere Auswirkungen sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ausgeschlossen. Für die Passiva der Bilanz gilt: • Eigenkapital: Direkter Einfluss auf gezeichnetes Kapital sowie indirekter Einfluss auf Rücklagen. Starke Auswirkungen. Eine Folgebewertung ist sinnvoll. • Rückstellungen: Mittelschwere Auswirkungen und indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll. • Verbindlichkeiten: Mittlere Auswirkungsgrade sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll (vgl. Gasch (2022), S. 40). Ein wesentlicher Fokus während der Bilanzierung und Bewertung im Jahresabschluss 2023 wird darauf liegen, in welchem Maße das bilanzierende Unternehmen nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB bzw. IAS 10 berechtigterweise noch von der fortdauernden Geschäftstätigkeit des Unternehmens ausgehen kann. Sollten sich die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derart verschlechtern, dass eine rentable Fortführung der operativen Tätigkeit nicht länger mit überwiegender Sicherheit erwartet werden kann, resultiert daraus die Anwendung von Liquidations- und Zerschlagungswerten auf der Aktiv- und Passivseite der Bilanz. Falls jedoch das bilanzierende Unternehmen grundsätzlich davon ausgeht, dass die ökonomischen Auswirkungen des aktuellen Inflations- und Zinsumfelds bewältigt werden können und die zukünftige Geschäftstätigkeit des Unternehmens positive Ergebnisse erzielen wird, müssen die generellen Bewertungsprinzipien gemäß dem HGB berücksichtigt werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 10 f.; Grant Thornton (2022),
4.4 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Aktivseite 63 o. S.). Bei der Einschätzung hinsichtlich der Plausibilität der fortwährenden Unternehmenstätigkeit gem. § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB respektive IAS 10 resultiert eine Abweichung vom Prinzip des Stichtags. Falls aufgrund der Auswirkungen des Ukraine-Konflikts oder der Effekte der Inflation eine Gefährdung der Bestände vorliegt und eine Kontinuität der Geschäftstätigkeit nicht mehr als gegeben betrachtet werden kann, erfordert dies, dass der Abschluss zum 31.12.2022 nicht mehr unter der Prämisse des Going concern, sondern unter Berücksichtigung der Illiquiditätsaspekte gemäß IDW RS HFA 17 erstellt wird. Dies, obgleich die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts sowie der Inflation selbst als wertgenerierende Ereignisse des Jahres 2023 angesehen werden. Die Beurteilung, ob von einer kontinuierlichen Fortführung des Unternehmens auszugehen ist, erfordert eine individuelle und unternehmensspezifische Betrachtung. Wenn die Annahme einer positiven Fortführung der Unternehmenstätigkeit zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung nicht mehr gegeben ist, ist eine Bewertung der einzelnen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten unter dem Gesichtspunkt der Liquidation erforderlich (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 11; Gasch (2022), S. 39; Grant Thornton (2022), o. S.). 4.4 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Aktivseite 4.4.1 Immaterielle Vermögensgegenstände Nach dem Wortlaut des IAS 38 Ziff. 8 sind immaterielle Vermögensgegenstände5 identifizierbare, nicht-monetäre Vermögenswerte, die darüber hinaus keine physische Substanz aufweisen (vgl. Heyd (2016), S. 195; Schmidlin (2020), S. 19; Heesen (2020), S. 22; Wöltje (2016), S. 48; Seppelfricke (2019), S. 26). Der laufende Ukraine-Konflikt vermag in spezifischen Fällen unvorhergesehene Abwertungen sowohl im Anlagevermögen als auch im Umlaufvermögen hervorzurufen. Daher bedarf es einer prüfenden Überlegung hinsichtlich der Werthaltigkeit von aktivierten immateriellen Vermögenswerten, einschließlich aktivierter Geschäfts- oder Firmenwerte, sowie physischer Anlagen. In dieser Kontextualität findet eine Abschreibung nur dann Anwendung, wenn die Effekte des Ukraine-Konflikts eine nachhaltige Beeinflussung der Werthaltigkeit der aktivierten Beträge induzieren – mitunter dann, wenn das Einsetzen einer anhaltenden Wertminderung prognostiziert wird. In Anbetracht der hohen Inflationsraten und der steigenden Zinssätze gilt es insb., aktivierten immateriellen Vermögensgegenständen, inklusive aktivierter Geschäfts- oder Firmenwerte, einer umfassenden Werthaltigkeitsprüfung6 zu unterziehen. Die Bestimmungen zur Evaluierung des Zeitpunkts einer außerplanmäßigen Abschreibung sowie das Verfahren zur Ermittlung des entsprechenden anzusetzenden 5 Siehe hierzu auch §§ 246 Abs. 1, 248 Abs. 2 HGB, 255 Abs. 2a HGB sowie DRS 24, insb. E-DRS 32. 6 Siehe hierzu auch IAS 36.
64 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … Werts sind nach wie vor einzubeziehen. Eine außerplanmäßige Abschreibung findet insofern Anwendung, wenn der beizulegende Wert zum Abschlussstichtag den bisherigen Buchwert mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft unterschreitet (§ 253 Abs. 3 Satz 5 HGB). Sobald die Beweggründe für eine außerplanmäßige Abschreibung nicht mehr vorliegen, ist die Empfehlung zur Werterhöhung zu beachten (§ 253 Abs. 5 Satz 1 HGB). Indessen ist diese Empfehlung nicht auf den Geschäfts- oder Firmenwert anwendbar (§ 253 Abs. 5 Satz 2 HGB). Falls durch veränderte Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung von Geschäftsbereichen und Unternehmenssegmenten die bisherige Einschätzung beeinträchtigt wird und infolgedessen Abschreibungen auf aktivierten Geschäfts- oder Firmenwerten notwendig werden, führen diese Aufwendungen zu einer Belastung des Ergebnisses im Geschäftsjahr 2023 (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 11; Gasch (2020), S. 29–40; Schmidlin (2020), S. 19 sowie § 253 HGB). Ebenso wie bei anderen aktivierten entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögenswerten (z. B. Auftragsbeständen, Markennamen oder Kundenstämmen) ist es unerlässlich, angesichts der veränderten wirtschaftlichen Gegebenheiten eine Evaluierung ihrer Werthaltigkeit durchzuführen. Besonders wenn die Akquise und Aktivierung dieser Vermögenswerte in Zeiten vor der Krise erfolgte und die Zukunftsaussichten dementsprechend positiv waren, können sich durch die veränderten Rahmenbedingungen erhebliche Bedarfe an Wertberichtigungen ergeben. Im weiteren Kontext selbst erstellter immaterieller Vermögenswerte, die gemäß § 248 Abs. 2 HGB aktiviert werden, stellt sich die Frage nach ihrer Werthaltigkeit ebenfalls. Sollten begonnene Entwicklungen nicht fortgesetzt werden, bspw. aus strategischen Überlegungen, oder sollte die Finanzierung bestimmter Entwicklungsprojekte nicht mehr gewährleistet sein und der Bilanzierende nicht nachweisen können, dass die Fertigstellung der Entwicklung geplant ist, wird in der Regel eine außerplanmäßige Abschreibung aufgrund mangelnder Werthaltigkeit erforderlich sein. Nach den IFRS können die auftretenden Inflationseffekte durch das sog. Neubewertungsmodell abgefedert werden (vgl. Zwirner et al. (2022b), S. 415 f.; Zwirner et al. (2022a), S. 12; Gräfer und Schneider (2010), S. 117; Schmidlin (2020), S. 19; Gasch (2022), S. 30 f.). 4.4.2 Sachanlagen Nach den Vorschriften der § 247 ff. HGB und IAS 16 umfassen Sachanlagen7 bspw. Fabriken, Filialen, Fuhrpark, Maschinen, Geräte und Grundstücke. Mit Blick auf Unternehmen des Industriesektors stellen die Sachanlagen die größten Bilanzposten dar (vgl. Schmidlin (2020), S. 19; Heyd (2016), S. 251 ff.; Heesen (2020), S. 22; Wöltje (2016), S. 52 f.; Seppelfricke (2019), S. 29). Die unmittelbare Auswirkung der Inflation auf das Sachanlagevermögen ist augenscheinlich und hat mäßige Effekte auf die Bewertung zur Folge. Gleich den immateriellen Vermögensgegenständen ist die nachfolgende Neubewertung bis auf den Aspekt des Grund und Bodens begrenzt. Die Initiation und Einschätzung 7 Siehe weiterführend auch IDW RS HFA 31, 37 und IDW RH HFA 1.016.
4.4 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Aktivseite 65 der Sachanlagen erfolgt im Grundsatz in einer gleichlautenden Weise wie bei den immateriellen Vermögenswerten (vgl. Gasch (2022), S. 31 f.). Sollten durch die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt eine Wertminderung im Sachanlagevermögen verzeichnet worden sein, bedarf es einer Überlegung hinsichtlich der Notwendigkeit außerplanmäßiger Abschreibungen. In diesem Kontext ist eine Abschreibung lediglich dann angebracht, wenn die Effekte des Ukraine-Konflikts eine beständige und anhaltende Beeinträchtigung der Werthaltigkeit der aktivierten Beträge nach sich ziehen, wobei gegebenenfalls eine langanhaltende Wertverminderung eingetreten ist. Für den Fall, dass Sachanlagen bspw. durch die Kriegsereignisse beschädigt oder gar zerstört wurden, ist eine Abwertung oder Ausbuchung dieser Vermögenswerte erforderlich (vgl. Zwirner et al. (2022b), S. 415 f.; Zwirner et al. (2022a), S. 12). Der ansteigende Zinssatz bewirkt eine Situation, in der Immobilienpreise unter Druck geraten. Gegenwärtig lässt sich bereits eine weitgehende flächendeckende Abnahme der Immobilienpreise feststellen. Sollte sich dieser Verlauf weiterhin in reduzierten Bodenrichtwerten und rückläufigen Kauf- und Marktpreisen von Immobilien widerspiegeln, wird dies tendenziell eine Notwendigkeit zur Abschreibung nach § 253 Abs. 3 HGB nach sich ziehen. Demgemäß erfolgt nach IFRS 13 eine Bewertung zum Fair Value, wodurch der Immobilienwert sinken kann (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 12; Gasch (2022), S. 31 ff.; sowie IFRS 13). Aktuell zeichnet sich ab, dass infolge der Erhöhungen des Leitzinses durch die EZB die Geschäftsbanken in Deutschland gestiegene Zinskonditionen von ihren Klienten verlangen. Der Leitzins der EZB definiert die Konditionen, zu denen nationale Geschäftsbanken Zentralbankgeld von der EZB leihen können (siehe hierzu Abschn. 2.2). Während Immobilienfinanzierungen zu Beginn des Jahres 2022 oft noch zu Zinssätzen von unter 1,00 % p. a. realisiert werden konnten, sind die Zinsen in der Zwischenzeit partiell auf bis zu 3,00 % p. a. angestiegen. Diese Zinssteigerung stellt häufig eine Herausforderung dar, insb. in den Fällen, in denen eine Refinanzierung bestehender Kredite zu nun deutlich teureren Krediten erforderlich ist. Der Anstieg der Zinssätze beeinflusst ebenfalls direkt die Immobilienwerte. Wenn die Erträge aus geplanten Immobilieninvestitionen nicht ausreichend sind, um die gestiegenen Finanzierungskosten zu kompensieren, resultiert daraus eine Verringerung der Rendite für Investoren und somit des Werts der betreffenden Immobilie. Diese Situation der abnehmenden Marktwerte muss bei der handelsrechtlichen und internationalen Bewertung berücksichtigt werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 12; Gasch (2022), S. 31 ff.). 4.4.3 Finanzanlagevermögen Das Finanzanlagevermögen umfasst Wertpapiere, die dauerhaft im Unternehmen sind. Dazu zählen bspw. Finanzforderungen, Börsenpapiere und Investitionen in verbundene Unternehmen. Die Bewertung nach internationalen Rechnungslegungsstandards erfolgt
66 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … auf Basis des IAS 39. Analog zu IFRS 13 wird der Fair Value zur Bewertung herangezogen (vgl. Schmidlin (2020), S. 19 f.; Wöltje (2016), S. 55; Seppelfricke (2019), S. 29 f.; Heyd (2016), S. 453 ff.). Innerhalb des Finanzanlagevermögens ergibt sich im Falle einer absehbar nicht anhaltenden Wertminderung gemäß § 253 Abs. 3 Satz 6 HGB die Möglichkeit zur Wahl einer Abschreibung. Die Ermittlung des beizulegenden Werts von Finanzanlagen bedarf bei Beteiligungen oder Anteilen an assoziierten Unternehmen der Berücksichtigung der Vorgaben gem. IDW RS HFA 10. Der Einfluss der Inflation auf Finanzanlagen manifestiert sich insb. indirekt durch die assoziierten Unternehmen. Die Auswirkungen variieren je nach Art des Vermögenswerts und können von geringfügig bis erheblich reichen. Um eine sachgemäße Einschätzung der aktuellen Lage zu erlangen, empfiehlt sich eine nachträgliche Bewertung. Die Bilanzierung der Finanzanlagen erfolgt bei der Erfassung und Bewertung ähnlich wie bei immateriellen Vermögenswerten. Für die Folgebewertung ist eine Beurteilung der Werthaltigkeit erforderlich, und gegebenenfalls sind außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen (vgl. Gasch (2022), S. 33; Baetge et al. (2024), S. 322; Zwirner et al. (2022a), S. 13; siehe weiterführend IDW RS HFA 10). Die Wirkung der Inflation auf die Finanzanlagen wird durch das Prinzip des Niederstwertprinzips verstärkt und variiert je nach Art des Vermögensgegenstands sowie dem Zeitpunkt der Anschaffung (vgl. Gasch (2022), S. 34). Eine außerplanmäßige Abschreibung wird üblicherweise dann erforderlich, wenn der ermittelte Wert unter dem letzten Buchwert liegt (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 13). 4.4.4 Vorräte Vorräte lassen sich in Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe, unfertige Erzeugnisse, Waren sowie fertige Erzeugnisse einordnen (vgl. Schmidlin (2020), S. 20; Seppelfricke (2019), S. 31; Heyd (2016), S. 541 ff.; Wöltje (2016), S. 65 f.; Heesen (2020), S. 24 f.). Vorräte befinden sich lediglich vorübergehend im Besitz des Unternehmens, da eine kurzfristige Verwendung die Regel ist (vgl. Wöltje (2016), S. 63; Heyd (2016), S. 541 ff.). Die Bewertung von Vorräten unterliegt den allgemeinen Regelungen für die Durchführung von außerplanmäßigen Abschreibungen gemäß § 253 Abs. 4 HGB (strenges Niederstwertprinzip). Dabei kann nach wie vor die retrograde Methode zur Ermittlung des niedrigeren beizulegenden Werts angewandt werden. Sobald die Beweggründe für eine außerplanmäßige Abschreibung entfallen sind, ist eine Aufwertung des Werts vorgesehen (§ 253 Abs. 5 Satz 1 HGB), ohne dass diese Beweggründe exakt mit denen identisch sein müssen, die ursächlich für die außerplanmäßige Abschreibung waren. Hierbei sind auch die Grundsätze der verlustfreien Bewertung zu berücksichtigen. In Anbetracht gestiegener Rohstoffpreise und Energiekosten ist es unabdingbar, die Herstellungskosten eingehend zu überprüfen und die bilanziellen Werte zu hinterfragen. Wenn die Aufwandsfaktoren teurer werden, ziehen dies zwangsläufig höhere Anschaffungskosten nach sich. Falls gesteigerte Anschaffungsund Herstellungskosten nicht auf die Kunden übertragen werden können und es für den
4.4 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Aktivseite 67 Bilanzierenden in Zweifel steht, ob er aus seinen Erzeugnissen noch eine positive Marge erzielen kann, führt dies zur Notwendigkeit einer Abschreibung der bilanzierten Werte im Vorratsvermögen. Die Einflüsse der Inflation und der daraus resultierenden steigenden Preise stellen ein branchenübergreifendes Problem dar, das Unternehmen in sämtlichen Stufen der Wertschöpfungskette betrifft. Als Folge der ökonomischen Disruptionen geraten zahlreiche Kunden in finanzielle Schwierigkeiten (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 13). Die Gefahr von Forderungsausfällen oder unvollständigen Begleichungen muss im Einklang mit den allgemeinen Vorgaben durch Abschreibungen auf den beizulegenden Wert (§ 253 Abs. 4 HGB) berücksichtigt werden. In praxi sind bereits erste Korrelationen erkennbar, bei denen sich die Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden mittelbar auswirken, da diese selbst Zahlungsschwierigkeiten erleiden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 13; Zwirner et al. (2022b), S. 415 f.; Gasch (2022), S. 34 ff.; Wöltje (2016), S. 63 ff.). 4.4.5 Forderungen und sonstige Vermögenswerte Der Bilanzposten Forderungen umfasst sämtliche Forderungen eines Unternehmens ggü. Dritten (vgl. Heyd (2016), S. 633 ff.; Schmidlin (2020), S. 20; Seppelfricke (2019), S. 31; Wöltje (2016), S. 74 ff.; Heesen (2020), S. 25 ff.). Wichtig ist zu berücksichtigen, dass die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auch zahlreiche Schuldner des eigenen Unternehmens betreffen können. Dies kann entweder darauf zurückzuführen sein, dass die Schuldner aus den Konfliktgebieten in der Ukraine oder Russland stammen. Wenn Schuldner aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen infolge des Ukraine-Konflikts in eine finanzielle Schieflage geraten sind oder voraussichtlich geraten werden, ist dieser Sachverhalt bei der Bewertung bestehender Forderungen in Betracht zu ziehen. Wenn das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls besteht, sollte diesem Risiko durch entsprechende Abschreibungen auf den beizulegenden Wert gemäß § 253 Abs. 4 HGB Rechnung getragen werden. Dies gilt in gleicher Weise für andere Vermögenswerte wie bspw. Darlehensforderungen. Sollte sich zeigen, dass ein Schuldner nicht in der Lage sein wird, seinen Verpflichtungen zur Rückzahlung von Darlehen nachzukommen, sollte auch in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer Abschreibung überprüft werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 14; Zwirner et al. (2022b), S. 418; Schmidlin (2020), S. 20). Forderungen werden unmittelbar von den Auswirkungen der Inflation beeinflusst, wobei die inflationären Effekte aufgrund der Bewertung zum Nennbetrag nur geringfügig sind. Daher lässt sich konstatieren, dass eine nachfolgende Bewertung im Kontext der Inflation von geringer Bedeutung ist. Die erstmalige Bewertung von Forderungen erfolgt gemäß § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB zum Nennbetrag (vgl. Gasch (2022), S. 36; Baetge et al. (2024), S. 326). Eine nachfolgende Bewertung mit einer außerplanmäßigen Abschreibung erfolgt, wenn ein reduzierter beizulegender Wert gegeben ist (§ 253 Abs. 4 Satz 2 HGB). Innerhalb des Kontextes der Inflation ist bei Forderungen eine Geldentwertung ersichtlich, die hypothetisch betrachtet analog zur Inflation ansteigen sollte. Dennoch ist es unüblich, aufgrund
68 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … einer geringfügigen inflationären Entwicklung eine Anpassung vorzunehmen. Für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Fremdwährung wird die Aktivierung mit dem jeweiligen aktuellen Devisenkassabriefkurs8 vorgenommen. Bei Forderungen aus Fremdwährungsdarlehen erfolgt die Aktivierung hingegen mit dem Devisenkassageldkurs (vgl. Gasch (2022), S. 36; Schmidlin (2020), S. 20). 4.4.6 Wertpapiere und liquide Mittel Unter den Zahlungsmitteln sind sämtliche Kassenbestände, Bankguthaben und Schecks zusammengefasst. In Kombination mit kurzfristigen Wertpapieren bildet dieser Bilanzposten die liquiden Mittel. Die Position dient grundsätzlich der Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen (vgl. Schmidlin (2020), S. 20; Seppelfricke (2019), S. 31; Heyd (2016), S. 693 ff.; Wöltje (2016), S. 80 ff.; Heesen (2020), S. 26 ff.). Die gestiegenen Zinsen infolge des Ukraine-Konflikts und der Inflation stellen insb. bei Anleihen eine problematische Situation dar. Die Mechanismen von Anleihen führen dazu, dass steigende Zinsen eine negative Auswirkung auf bereits existierende Anleihen haben, wenn diese während Phasen mit deutlich niedrigeren Zinsen emittiert wurden. Dies resultiert aus der Tatsache, dass Investoren den bestehenden Anleihen eine geringere Bewertung zuweisen, wenn die Verzinsung im Vergleich zu neuen Anleihen mit höheren Zinssätzen niedriger ist und alle anderen Konditionen ansonsten vergleichbar sind. Im Umlaufvermögen spielt es aufgrund des strikten Niederstwertprinzips keine Rolle, ob eine Wertminderung von kurzoder langfristiger Natur ist. Gem. § 253 Abs. 4 Satz 1 HGB ist eine Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert zwingend erforderlich. Für liquide Mittel bedeuten steigende Zinsen keine erhöhten Risiken. Eventuelle Zinserträge aus Guthaben sowie das Ausbleiben von negativen Einlagezinsen wirken entlastend (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 14; Zwirner et al. (2022b), S. 418; Gasch (2022), S. 36 f.). 4.4.7 Aktive Steuerlatenzen Steuerlatenzen resultieren aus unterschiedlichen Ansätzen hinsichtlich der Handels- und Steuerbilanz. Mit Blick auf einen Konzernabschluss sind neben tatsächlich angefallenen Steuern auch aktive respektive passive Steuerlatenzen zu bilden. Aktive latente Steuern resultieren in voraussichtlichen Steuerentlastungen, da der Ansatz in der Handelsbilanz geringer ist als in der Steuerbilanz. Passive latente Steuern resultieren hingegen in einer voraussichtlichen Steuerverpflichtung, da der Ansatz in der Handelsbilanz höher ist als in 8 Der Devisenkassakurs ist der Wechselkurs, zu dem eine Währung sofort gegen eine andere getauscht werden kann. Der Kassakurs wird in der Regel in Finanzmärkten verwendet, wenn Währungen ohne Lieferverzögerung gehandelt werden.
4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite 69 der Steuerbilanz (vgl. Küting und Weber (2018), S. 249 f.; Wöltje (2016), S. 82 f.; Coenenberg et al. (2012), S. 470 ff.; siehe weiterführend auch § 274 Abs. 1 HGB). Besonders während Krisenphasen erhält die Aktivierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge eine besondere Bedeutung. Einerseits führt dies zur Reduzierung des ausgewiesenen Verlusts des Bilanzierenden im Zeitpunkt ihrer Aktivierung. Andererseits tragen Steuerlatenzen in Krisenzeiten, wenn ihre Werthaltigkeit nicht mehr gegeben ist, potenziell dazu bei, die ohnehin durch die Krise bedingten negativen Ergebnisse zusätzlich zu belasten und somit die Ergebnis- und Eigenkapitalsituation weiter zu verschlechtern. Daher ist es notwendig, auch die Werthaltigkeit der aktiven latenten Steuern zu überprüfen. Handelsrechtliche Abschreibungen, die aus steuerlicher Sicht nicht anerkannt werden können oder aufgrund von Wahlrechten nicht berücksichtigt werden, sowie handelsrechtlich gebildete Rückstellungen ohne steuerliche Wirkung können einerseits dazu führen, dass die Bemessungsgrundlage für den Ansatz aktiver Steuerlatenzen ansteigt. Wenn der Bilanzierende das Wahlrecht gem. § 274 Abs. 1 HGB zur Aktivierung latenter Steuern genutzt hat, ist er verpflichtet, dies fortlaufend (§ 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB) beizubehalten – basierend auf dem Stetigkeitsprinzip. Somit ergibt sich zum Bilanzstichtag die Frage nach einer korrekten Aktualisierung der aktivierten latenten Steuern sowie ihrer Werthaltigkeit. Besonders im Kontext der Aktivierung latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge ist es wesentlich, deren Werthaltigkeit kritisch zu betrachten. Wenn aufgrund veränderter wirtschaftlicher oder rechtlicher Rahmenbedingungen bisherige Annahmen über die künftige Nutzung positiver steuerlicher Ergebnisse zur Verrechnung mit den steuerlichen Verlustvorträgen nicht länger aufrechterhalten werden können, muss eine Anpassung der zuvor gebildeten aktiven Steuerlatenzen vorgenommen werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 14 f.; Küting und Weber (2018), S. 249 ff.). 4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite 4.5.1 Eigenkapital Das Eigenkapital9 repräsentiert den Vermögensanteil, der den Eigentümern nach Abzug aller Verbindlichkeiten verbleibt. Im Gegensatz zum Fremdkapital bleibt das Eigenkapital dauerhaft im Unternehmen. In der Konsolidierungsbilanz sind die Bestandteile des Eigenkapitals wie folgt strukturiert: • • • • Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklagen Gewinnrücklagen Eigene Anteile 9 Siehe weiterführend auch § 272 HGB.
70 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … • Anteile von Minderheitsaktionären • Konzernergebnis Zu Beginn der Geschäftstätigkeit entspricht das Eigenkapital dem von den Eigenkapitalgebern eingebrachten Kapital. Das gezeichnete Kapital bildet die Grundlage des Eigenkapitals und entspricht bei Aktiengesellschaften dem Nennwert der ausgegebenen Aktien. Das gezeichnete Kapital bleibt im Allgemeinen unverändert, es sei denn, es kommt zu seltenen Kapitalerhöhungen oder -herabsetzungen (vgl. Seppelfricke (2019), S. 33; Schmidlin (2020), S. 21 f.; Wöltje (2016), S. 87 ff.; Heesen (2020), S. 14 f.; Küting und Weber (2018), S. 764 ff.). Die Auswirkungen der Inflation auf das Eigenkapital können in zwei Kategorien unterteilt werden. Das gezeichnete Kapital wird direkt von der inflationären Entwicklung beeinflusst, während die Rücklagen einer Gesellschaft indirekt betroffen sind. Die Auswirkungen auf beide Posten sind signifikant. Es wäre ratsam, eine Folgebewertung im Kontext der Inflation vorzunehmen, jedoch gestaltet sich dies insb. beim gezeichneten Kapital als herausfordernd (vgl. Gasch (2022), S. 37 f.). Das Eigenkapital manifestiert sich in der Bilanz als eine Restgröße. In den Fällen, in denen im laufenden Geschäftsjahr keine kapitalbezogenen Maßnahmen wie etwa Kapitalerhöhungen oder Ausschüttungen getroffen wurden, variiert das Eigenkapital im Wesentlichen nur im Einklang mit dem in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Ergebnis. Abhängig von der Betroffenheit des Unternehmens von den Auswirkungen der Inflation und den steigenden Zinsen wird das Eigenkapital dementsprechend in seiner Höhe beeinflusst. Verluste führen zu einer Verringerung des Eigenkapitals und haben somit Auswirkungen auf wesentliche Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote und den Verschuldungsgrad. Insofern die Gesellschafter beschließen, kapitalstärkende Maßnahmen zu ergreifen – wie bspw. die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital oder die Bereitschaft zu Forderungsverzichten oder Einlagen in die Gesellschaft – müssen diese Maßnahmen entsprechend in der Bilanz erfasst werden. Dies gilt auch dann, wenn Teile der Kapitalrücklage zur Kompensation eines Bilanzverlusts aufgelöst werden. Falls kapitalbezogene Maßnahmen erst nach dem Bilanzstichtag, etwa im Frühjahr 2024, beschlossen werden, dürfen bestimmte Sanierungsinitiativen wie eine Kapitalherabsetzung nach § 234 AktG oder eine Kapitalerhöhung gem. § 235 AktG rückwirkend im Jahresabschluss bereits zum 31.12.2023 bilanziell berücksichtigt werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 15; Zwirner et al. (2022b), S. 455 f.; Schmidlin (2020), S. 22; Küting und Weber (2018), S. 764 ff.). 4.5.2 Rückstellungen Rückstellungen sind potenzielle Verbindlichkeiten, deren rechtliche Grundlage, Zeitpunkt der Auszahlung oder Betrag noch nicht eindeutig festgelegt sind. Zu beachten ist: Im Gegensatz zu Rücklagen handelt es sich bei Rückstellungen um nicht versteuerte Mittel und um externe Schulden. In der Bilanz sind Rückstellungen wie folgt untergliedert:
4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite 71 • Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen und ähnliche Verbindlichkeiten • Steuerrückstellungen • Sonstige Rückstellungen (vgl. Heesen (2020), S. 17 ff.; Pilhofer (1997), S. 1 ff.; Coenenberg et al. (2012), S. 419– 443; Wöltje (2016), S. 100 ff.). Rückstellungen sind anzusetzen, wenn die Höhe verlässlich eingeschätzt werden kann und die Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses ausreichend hoch ist (über 50 % nach IFRS, über 70 % nach US-GAAP). Falls die Wahrscheinlichkeit geringer ist, sollte eine Eventualschuld mit der Eintrittswahrscheinlichkeit im Anhang der Bilanz dokumentiert werden. Im Gegensatz dazu werden nach HGB Rückstellungen bereits dann gebildet, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit unter 50 % liegt (Vorsichtsprinzip). Rückstellungen stellen Fremdkapital dar und dürfen nicht mit Rücklagen verwechselt werden, welche Teil des Eigenkapitals sind (vgl. Seppelfricke (2019), S. 33; Heesen (2020), S. 17 ff.; Pilhofer (1997), S. 1 ff. u. 69–95; Coenenberg et al. (2012), S. 419–443; Wöltje (2016), S. 100 ff.; Heyd (2016), S. 1220–1259). Mit Blick auf die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen sind vor allem Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten hervorzuheben. Ebenso gilt dies für Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften (vgl. Pilhofer (1997), S. 69–95; Heesen (2020), S. 18 f.; sowie § 249 Abs. 1 HGB). Pilhofer hebt die Relevanz der genauen Betrachtung von Rückstellungen hervor, da Rückstellungen zu den umstrittensten Bilanzposten zählen. Zudem sind Rückstellungen wesentlich, da diese durchschnittlich ca. 30 % der Bilanzsumme ausmachen (vgl. Pilhofer (1997), S. 2). Ferner hat der Ukraine-Konflikt sachimmanente Auswirkungen auf Rückstellungen. Aufgrund von Zahlungsausfällen durch Unternehmen mit Sitz in der Ukraine sind betroffene Unternehmen hierzulande dazu verpflichtet, entsprechende Rückstellungen zu bilden. Sofern der Wert einer künftigen Lieferung oder sonst. Leistung, die gem. eines gegenseitigen Vertrags nach dem Abschlussstichtag zu erbringen ist, hinter dem Wert des erwarteten Gegenleistungsanspruchs zurückbleibt, kann es notwendig sein, eine Drohverlustrückstellung in der Handelsbilanz zu bilden. Diese Situation kann insb. bei Geschäftsvereinbarungen mit festen Entgelten relevant sein, wie bspw. Absatzgeschäften. Ebenso können Preiserhöhungen von Energie oder anderen Rohstoffen, die für die Erbringung eigener Leistungen benötigt werden, eine Grundlage für die Bildung einer Drohverlustrückstellung darstellen. Ferner könnte der Ansatz einer Verbindlichkeitsrückstellung aufgrund von möglichen Verstößen gegen Sanktionsregelungen erwogen werden, falls das bilanzierende Unternehmen in Einzelfällen gegen sanktionsbewehrte Vorschriften verstoßen hat. Insofern das Unternehmen aufgrund bestimmter Einschränkungen, wie bspw. dem Ausschluss vom SWIFT-Zahlungsabwicklungssystem, seinen Zahlungsverpflichtungen nicht fristgerecht nachkommen kann, könnte die Notwendigkeit zur Erfassung weiterer Verbindlichkeiten aufgrund von Zahlungsverzug oder anfallenden Zinsen bestehen. Wenn sich auf Basis veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen Geschäftsmodelle überdenken lassen und möglicherweise neue Strategien für die Zukunft
72 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … entwickelt werden, könnte die Bildung von Restrukturierungsrückstellungen in Erwägung gezogen werden. Dies betrifft Situationen, in denen Anpassungen an die geänderte Wirtschaftssituation vorgenommen werden müssen (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 15 f.; Bonnecke (2021), S. 185; Gasch (2022), S. 38 f.; Heyd (2016), S. 1259–1265). Bei der Betrachtung von Restrukturierungsmaßnahmen sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Dazu gehören sowohl Aufwendungen für Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Personal als auch weitere Ausgaben, wie bspw. bei der Schließung von Standorten. Um eine Rückstellung anzusetzen, ist es erforderlich, dass die betreffenden Aufwendungen am Stichtag ausreichend konkret erfasst werden können und bereits entsprechende Entscheidungen der Unternehmensorgane zur Umsetzung der Restrukturierung getroffen wurden. Bezüglich möglicher Haftungsfälle, die aus getroffenen Verpflichtungszusagen oder Patronatserklärungen10 resultieren könnten, ist eine Prüfung notwendig. Es ist zu klären, ob eine potenzielle Inanspruchnahme des Unternehmens aufgrund solcher Vereinbarungen am Stichtag bereits so konkret absehbar ist, dass eine Rückstellung gebildet werden muss. In solchen Fällen könnte die bisherige Angabe als Haftungsverhältnis nach den Vorgaben der §§ 251, 268 Abs. 7 HGB oder § 285 Nr. 3a HGB angepasst werden. Ebenso könnten aus der Position des Unternehmens als persönlich haftender Gesellschafter entsprechende Rückstellungen resultieren (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 17; Zwirner et al. (2022b), S. 446 f.; Gasch (2020), S. 38 f.). Der indirekte Einfluss der Inflation auf Rückstellungen manifestiert sich durch die Bewertung auf der Grundlage des künftig erforderlichen Erfüllungsbetrags.11 Diese Auswirkungen sind von mäßiger Intensität. Eine inflationäre Folgebewertung kann in Erwägung gezogen werden und sollte in den Büchern erfasst werden. Die buchhalterische Veranschlagung einer Rückstellung erfordert eine angemessene kaufmännische Einschätzung des notwendigen Erfüllungsbetrags gem. § 253 Abs. 1 S. 2 HGB. Der notwendige Erfüllungsbetrag bezieht sich hierbei auf einen erwarteten Wert. Im vorliegenden Schrifttum besteht Kontroverse darüber, ob bevorstehende Preis- und Kostensteigerungen in diese Einschätzung einbezogen werden sollten (vgl. Gasch (2022), S. 38; Baetge et al. (2024), S. 494; Kahle und Kopp (2020), S. 156). Klar erkennbar ist, dass es sinnvoll ist, objektive Indikatoren für eine wirtschaftliche Belastung zu berücksichtigen (vgl. Gasch (2022), S. 38; Kahle und Kopp (2020), S. 156 f.). Demgemäß stellt sich die Frage, ob die publizierten Inflationsziele der EZB die korrelierende Einbeziehung der inflationären Entwicklung erlauben (vgl. Gasch (2022), S. 38 f.; Kahle und Kopp (2020), S. 156; Baetge et al. (2024), S. 424). Im Rahmen des Vorsichtsprinzips wäre eine solche Vorgehensweise vertretbar. Es ist jedoch zu beachten, dass Rückstellungen auch dem Stichtagsprinzip unterliegen (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB). Eine Einbeziehung der endgültigen 10 Eine Patronatserklärung ist eine rechtliche Vereinbarung, bei der eine rechtlich eigenständige Per- son (das Patronat) sich gegenüber einem Dritten (z. B. einem Kreditgeber oder Gläubiger) verpflichtet, für die Erfüllung von Verbindlichkeiten eines Dritten einzustehen. 11 Der Erfüllungsbetrag bei Rückstellungen bezieht sich auf den geschätzten Betrag, den ein Unternehmen benötigt, um eine Verpflichtung in der Zukunft zu erfüllen.
4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite 73 Inflationsrate in die Bewertung würde streng genommen gegen das Stichtagsprinzip verstoßen, da die inflationsbedingten Effekte erst in der nächsten Berichtsperiode auftreten. Dies steht jedoch im Einklang mit dem Höchstwertprinzip, welches eine Unterbewertung auf der Passivseite verhindern soll. Vor allem bei Rückstellungen mit einer Laufzeit von über einem Jahr, wie bspw. Pensionsrückstellungen, sollte angenommen werden können, dass die Höhe der Rückstellung die zukünftige Verpflichtung angemessen abdecken kann. Daher ist zu erwarten, dass zukünftige Faktoren und Veränderungen gleichermaßen in Betracht gezogen werden. Eine grobe Berücksichtigung der erwarteten zukunftsorientierten Inflationsrate ist hierbei erforderlich (vgl. Gasch (2022), S. 39; Baetge et al. (2024), S. 423). In einem Ad-hoc-Schreiben datiert auf den 04.10.2022 hat das IDW dem Bundesjustizminister eine prompte Modifizierung von § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB im Hinblick auf die Fassung des BilMoG (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz) vorgeschlagen. Dies beinhaltet eine einheitliche Anwendung des 7-Jahresdurchschnitts für sämtliche Rückstellungen. Ziel dieser Empfehlung ist es, eine möglichst zeitnahe Entlastung der Bilanzierenden hinsichtlich des für die Bewertung relevanten Zinssatzes zu erzielen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser Vorschlag des IDW zu einer entsprechenden Änderung des Gesetzes führen wird. Der derzeit beobachtbare Anstieg der Zinssätze wird in Bezug auf die Bewertung langfristiger Rückstellungen für Unternehmen keine unmittelbaren kurzbis mittelfristigen Erleichterungen mit sich bringen. Aufgrund der Methode der Durchschnittsbildung über einen Zeitraum von mehreren Jahren (sieben bis zehn Jahre) wird es noch einige Jahre dauern, bis eine nachhaltige und relevante Entlastung für Unternehmen in Bezug auf die Bewertung langfristiger Rückstellungen zu erkennen ist. Für Geschäftsjahre, die zum 31.12.2023 enden, werden die positiven Auswirkungen steigender Zinsen daher nur geringfügig sein. Deutlich schwerwiegender wird sich hingegen bereits im Jahr 2023 auswirken, dass bei dynamischen Leistungszusagen die erwarteten Preis- und Kostensteigerungen berücksichtigt werden müssen. Pensionsrückstellungen werden in dieser Abhandlung nicht weiter vertieft, jedoch lässt sich konstatieren, dass angesichts des aktuellen Inflationsniveaus die Inflationserwartungen für das Jahr 2023 und die folgenden Jahre deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen. Dementsprechend müssen Unternehmen mit einer kurzfristigen Erhöhung ihrer Pensionsverpflichtungen rechnen. Die Annahmen für Gehalts- und Rententrends müssen entsprechend angepasst werden. Zusätzlich führen bereits vorgenommene Gehaltsanpassungen aufgrund der Inflation zu einer weiteren Zunahme der Pensionsverpflichtungen. Summa Summarum führen die steigenden Zinsen in absehbarer Zukunft nicht zu einer Erleichterung bei der Abzinsung von langfristigen Rückstellungen. Im Gegenteil ist zu erwarten, dass Unternehmen weiterhin belastet werden, da die durch Inflation bedingte Erhöhung bestehender Pensionszusagen den marginalen Effekt der Abzinsung aufgrund steigender Zinssätze signifikant überkompensieren wird. Neben den Auswirkungen auf die Bewertung müssen auch die ansteigenden Pensionszahlungen berücksichtigt werden, die aufgrund der Inflation steigen werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 18 f.). Dies basiert
74 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … auf dem korrelierenden Zinseffekt, der besagt, dass steigende Inflationsraten zu steigenden Pensionszahlungen führen, da die Pensionszahlungen anhand des Leitzinssatzes verzinst werden. 4.5.3 Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten repräsentieren finanzwirtschaftliche Verpflichtungen eines Unternehmens gegenüber externen Parteien, die zum Bilanzstichtag sowohl in ihrer Ursache als auch in ihrer Höhe definitiv feststehen. Innerhalb der bilanziellen Sphäre verkörpert eine Verbindlichkeit eine rechtlich verbindliche und eindeutig messbare ökonomische Verpflichtung des Unternehmens. Zusammen mit den rückstellungsbasierten Verpflichtungen formen Verbindlichkeiten den Aspekt des Fremdkapitals, wobei in den meisten Fällen Verbindlichkeiten den dominierenden Anteil einnehmen. Gegensätzlich zum Eigenkapital ist das Fremdkapital dem Unternehmen nur temporär zur Verfügung gestellt (vgl. Wöltje (2016), S. 111; Schmidlin (2020), S. 22 f.; Heesen (2020), S. 19 f.; Heyd (2016), S. 1417 ff.). Verbindlichkeiten lassen sich in Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie kurzfristige und langfristige Finanzverbindlichkeiten differenzieren. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen beinhalten Lieferantenkredite, also ausstehende Rechnungen der Lieferanten des Unternehmens. Eine Zunahme dieser Position führt zu einer Erhöhung der Verbindlichkeiten, hat jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Liquidität, da die Auszahlung erst zu einem späteren Zeitpunkt bei Begleichung der Rechnungen erfolgt. Kurzfristige Finanzverbindlichkeiten umfassen zinstragende Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr. Hierzu gehören bald fällige Anleihen oder kurzfristige Bankkredite. Ein weiterer Bestandteil sind auf organisierten Märkten gehandelte Commercial Papers (Geldmarktpapiere). Diese werden hauptsächlich zur Deckung kurzfristiger Finanzierungsbedürfnisse emittiert und haben in aller Regel eine Laufzeit von bis zu 270 Tagen. Eine besondere Eigenschaft von Geldmarktpapieren ist, dass keine Zinszahlungen innerhalb des Jahres erfolgen und sie abgezinst ausgegeben werden. Langfristige Finanzverbindlichkeiten sind schuldbedingte Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von über einem Jahr, die Zinsen tragen. Diese Position besteht in der Regel aus Bankdarlehen und Anleihen. In den Anhängen vieler Jahresabschlüsse werden Einzelheiten zu den Zinssätzen, Währungen, Fälligkeitsstrukturen und anderen besonderen Merkmalen angegeben (vgl. Seppelfricke (2019), S. 32; Schmidlin (2020), S. 22; Wöltje (2016), S. 111 f.; Heesen (2020), S. 19 f.; Coenenberg et al. (2012), S. 407 ff.). Die Inflation beeinflusst in ähnlicher Weise wie bei den Rückstellungen auch die Verbindlichkeiten indirekt, was zu mittelstarken Auswirkungen auf die Darstellung dieses Bilanzpostens führt und somit eine anschließende Neubewertung ratsam ist. Im Gegensatz zu den Rückstellungen sind Ursache und Betrag einer Verbindlichkeit grundsätzlich bekannt. Dank der messbaren Natur ist der Erfüllungsbetrag gleich der anfänglichen Bewertung gem. § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB. Die nachfolgende
4.5 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzposten der Passivseite 75 Bewertung folgt dem Prinzip des Höchstwerts (Vgl. Gasch (2022), S. 39; Baetge et al. (2024), S. 423; Coenenberg et al. (2012), S. 407 ff.). Wenn eine preisinduzierte Anpassung aufgrund der Inflation vorliegt, ist demzufolge der höhere Wert zu verwenden. Die Abwertung des Geldes infolge der Inflation führt zudem zu einer Verringerung der Schuldenlast, was dazu führt, dass Verbindlichkeiten schneller abbezahlt werden können, et vice versa (Vgl. Gasch (2022), S. 39). Während die positiven Auswirkungen steigender Zinsen auf Bankguthaben erst in fernerer Zukunft spürbar werden dürften, manifestieren sich die nachteiligen Effekte der zunehmenden Zinssätze auf verzinsliche Verbindlichkeiten bereits in der gegenwärtigen Zeit. Die Geschäftsbanken geben die ansteigenden Leitzinsen der EZB rasch an ihre eigenen Kunden weiter (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 19 f.). Durch den gesteigerten Zinsaufwand, dem in den meisten Fällen keine entsprechend erhöhten Zinserträge gegenüberstehen, erfährt die finanzielle Lage der Unternehmen zusätzliche Belastungen. Falls sich insgesamt die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Bilanzierenden verschlechtert, ist eine sorgfältige Prüfung der existierenden Kreditverträge hinsichtlich eventueller Vorgaben im Zusammenhang mit Financial Covenants (d. h. vereinbarte Mindestquoten, die der Bilanzierende zu erfüllen hat) notwendig. Üblicherweise orientieren sich Financial Covenants an bestimmten finanziellen Kennzahlen wie Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT), bereinigtem EBITDA sowie Bilanzkennzahlen wie Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad. Wenn die vertraglich vereinbarten Financial Covenants nicht eingehalten werden und infolgedessen bspw. ein Sonderkündigungsrecht des Darlehensgebers oder eine erhöhte Zinsbelastung entsteht, müssen die entsprechenden Auswirkungen (wie Fälligkeitsangabe oder erhöhter Zinsaufwand) angemessen erfasst werden. Solche Entwicklungen können auch die Finanzplanung des Bilanzierenden beeinflussen, insb. wenn Fälligkeiten von Verbindlichkeiten zu seinen Ungunsten verschoben werden (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 19). 4.5.4 Passive Steuerlatenzen In Zeiten wirtschaftlicher Krisen, wenn der Bilanzierende gezielt Bilanzpolitik betreibt, etwa durch die Bewertung eigens erstellter immaterieller Vermögenswerte, resultiert dies in einer Zunahme passiver latenter Steuern. In grundlegender Hinsicht stellen passive latente Steuern ein Indiz für eine in der Handelsbilanz ggü. der Steuerbilanz erhöhte Eigenkapitaldarstellung dar (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 19; Küting und Weber (2018), S. 249 f.; Wöltje (2016), S. 82 f.; Coenenberg et al. (2012), S. 470). Im Rahmen des HGB gestattet § 274 Abs. 1 HGB die Verrechnung von passiven latenten Steuern mit aktiven latenten Steuern. Dementsprechend erfolgt eine Erhöhung der passiven latenten Steuern selbst dann, wenn die zuvor verrechneten aktiven latenten Steuern aufgrund mangelnder Werthaltigkeit wegfallen. Wenn die passiven latenten Steuern die aktiven latenten Steuern übersteigen, werden diese aufgenommen. In dieser Hinsicht birgt die Zeit wirtschaftlicher Krisen das Risiko, dass das Ausbleiben zuvor aktiver latenten Steuern zu
76 4 Analyse des Einflusses der Wirtschaftsentwicklungen auf … einer Wiederbelebung passiver latenter Steuern in der Bilanz führt – dies bedeutet, dass eine vorherige Aktivierung der Steuerlatenzen zu einer zukünftigen Passivierung führen kann (vgl. Zwirner et al. (2022a), S. 19; Küting und Weber (2018), S. 249 ff.). Diese ceteris-paribus-Annahmen sind vom Bilanzierenden ex ante zu überprüfen, um die Folgewirkungen der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen sachgerecht zu erfassen. Literatur Baetge, J., Kirsch, H., & Thiele, S. (2024). Bilanzen. (17. Aufl.). IDW Verlag. Berkau, C. (2020). Bilanzen – Financial Statements (5. Aufl.). UKV. Bonnecke, T. (2021). Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen – Ansatz, Umfang und Bewertung in der handels- und steuerrechtlichen Rechnungslegung. In StuB 05/2021. NWB NAAAH-72605. NWB. Brösel, G., Freichel, C., & Mindermann, T. (2022). German accounting – a guide for students and professionals (2. Aufl.). Schmidt. Coenenberg, A., Haller, A., & Schultze, W. (2012). Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse – Betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche, steuerrechtliche und internationale Grundlagen: HGB, IAS/IFRS, US-GAAP, DRS (22. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Ebner Stolz. (2023). Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Rechnungslegung von Unternehmen. https://www.ebnerstolz.de/de/4/8/4/9/6/Auswirkungen_der_Niedrigzinsphase_.pdf. Zugegriffen: 19. Aug. 2023. Kahle, H., & Kopp, N. (2020). Grundzüge der Handels- und Steuerbilanz. Vahlen. Küting, K., & Weber, C. (2018). Der Konzernabschluss – Praxis der Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS (14. Aufl.). Schäffer-Poeschel. KPMG AG. (2023). Rechnungslegung und Bilanzierung. https://kpmg.com/de/de/home/themen/ueb ersicht/rechnungslegung-und-bilanzierung-nach-ifrs-und-hgb.html. Zugegriffen: 11. Aug. 2023. Gasch, S. (2022). Die Problematik der Inflation in der Rechnungslegung. Springer Gabler. Godek, M. (2022). Was IFRS vom HGB unterscheidet und was bei der Umstellung auf IFRS zu beachten ist. https://www.haufe.de/finance/buchfuehrung-kontierung/ifrs-oder-hgb-eineentscheidungshilfe/unterschied-zwischen-ifrs-und-hgb-umstellung-auf-ifrs_186_448526.html. Zugegriffen: 11. Aug. 2023. Grant Thornton International Ltd. (2022). IFRS alert – accounting implications of the conflict in Ukraine. https://www.grantthornton.global/globalassets/1.-member-firms/global/insights/articlepdfs/ifrs/alert-2022-01-impact-of-the-ukrainian-conflict.pdf. Zugegriffen: 13. Aug. 2023. Gräfer, H., & Schneider, G. (2010). Bilanzanalyse (11. Aufl.). NWB. Hahn, K. (2016). Rechnungslegung nach HGB und IFRS. In H. Brönner et al. (Hrsg.), Die Bilanz nach Handels- und Steuerrecht – Einzel- und Konzernabschluss nach HGB und IFRS (11. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Heesen, B. (2020). Basiswissen Bilanzanalyse – Schneller Einstieg in Jahresabschluss, Bilanz und GuV (4. Aufl.). Springer Gabler. Heyd, R. (2016). Einzelabschluss nach HGB und IFRS. In H. Brönner et al. (Hrsg.), Die Bilanz nach Handels- und Steuerrecht – Einzel- und Konzernabschluss nach HGB und IFRS (11. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Heesen, B., & Gruber, W. (2018). Bilanzanalyse und Kennzahlen – Fallorientierte Bilanzoptimierung (6. Aufl.). Springer Gabler.
Literatur 77 Nickenig, K. (2018). Der Jahresabschluss – eine praxisorientierte Einführung (2. Aufl.). Springer Gabler. Pilhofer, J. (1997). Rückstellungen im internationalen Vergleich – Bilanzierung und Bewertung nach HGB, US-GAAP und IAS. Springer Gabler. Pilhofer, J. (2023). Seminare & Beratungen – externe Rechnungslegung. https://prof-jopi.de. Zugegriffen: 22. Aug. 2023. Reinke, J. (2009). Impairment Test nach IAS 36: Grundlagen, Durchführung, abschlusspolitisches Potential. Schmidt. Rödl & Partner. (2021). Post-Deal Accounting: Impairment Test nach IFRS & HGB. https:// www.roedl.de/themen/ma-dialog/2021-09/post-deal-accounting-impairment-test-ifrs-hgb. Zugegriffen: 11. Aug. 2023. Schmidlin, N. (2020). Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse – Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen (3. Aufl.). Vahlen. Schönbrunn, N. (2005). IFRS und HGB – Unterschiede, Gemeinsamkeiten. In U. Brecht (Hrsg.), Neue Entwicklungen im Rechnungswesen – Prozesse optimieren, Berichtswesen anpassen, Kosten senken. Gabler. Schult, E., & Brösel, G. (2008). Bilanzanalyse – Unternehmensbeurteilung auf der Basis von HGBund IFRS-Abschlüsse (12. Aufl.). Schmidt. Seppelfricke, P. (2019). Unternehmensanalysen – Wie man die Zukunft eines Unternehmens prognostiziert. Schäffer-Poeschel. Wöltje, J. (2016). Bilanzen lesen, verstehen und gestalten (12. Aufl.). Haufe. Wöhe, G., Döring, U., & Brösel, G. (2020). Wöhe – Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (27. Aufl.). Vahlen. Zwirner, C., & Zimny, G. (2016). WP Praxis. NWB JAAAF-18166. NWB Verlag. Zwirner, C., Zimny, G., & Vodermeier, M. (2022a). StuB-Beilage: Inflation und unsichere Zeiten – Auswirkungen auf Rechnungslegung und Unternehmensbewertung: Hintergründe, Konsequenzen und Risiken. StuB Nr. 21 vom 11.11.2022 – NWB MAAAJ-24993. NWB Verlag. Zwirner, C., Vodermeier, M., & Krauß, F. (2022b). Ukraine-Krieg: Auswirkungen auf die Bewertung und Bilanzierung im Jahr 2022. In BC – Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling. Jahrgang 2022. Zwirner, C., Vodermeier, M., & Krauß. F. (2023). Auswirkungen der Zinswende auf die Bilanzierung der Unternehmen. https://www.kleeberg.de/2023/03/30/auswirkungen-der-zinswende-aufdie-bilanzierung-der-unternehmen/. Zugegriffen: 3. Mai 2023.
5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Zusammenfassung Dieses Kapitel widmet sich einer empirischen Untersuchung, die eine detaillierte Analyse der Bilanzkennzahlen sowie eine Bewertung des Free Cashflows bei ausgewählten Unternehmen des DAX-40-Index in den Sektoren Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Bankwesen für die Jahre 2020 bis 2023 umfasst. Die CashflowRechnung wird als entscheidend für die Konzernabschlussanalyse hervorgehoben. Ziel der Untersuchung ist es, die Auswirkungen von Preis- und Zinserhöhungen auf diese Unternehmen zu evaluieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Energiesektor aufgrund von Fachdebatten über Aufwendungsbewältigung. Der Automobilsektor wird aufgrund seiner engen Korrelation mit der globalen Wirtschaftslage betrachtet, während der Banken- und Immobiliensektor auf Zinsveränderungen hin analysiert wird. 5.1 Methodisches Vorgehen Die Prämisse dieser empirischen Untersuchung liegt in der tiefgründigen Analyse und evaluativen Beurteilung des Verlaufs sowohl der vertikalen als auch horizontalen Bilanzkennzahlen zugrunde. Zugleich erfährt das Gesamtergebnis eine gründliche Betrachtung. Zusätzlich wird der Free Cashflow als Objekt der empirischen Ergründung herangezogen. In letzter Konsequenz wird eine selektive, stichprobenbasierte Durchleuchtung sowie Einschätzung der Informationen im Konzernanhang, im Konzernlagebericht sowie im Prognosebericht durchgeführt. Die Cashflow-Rechnung erweist sich als relevantes Element bei der Analyse des Konzernabschlusses, indem sie Einblick in die Zu- und Abflüsse finanzieller Mittel während eines bestimmten Zeitraums gewährt (vgl. Schmidlin (2020), S. 23). Nach § 297 HGB sind börsennotierte Unternehmen ohnehin dazu verpflichtet, © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_5 79
80 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen eine Konzernkapitalflussrechnung1 in den Konzernabschluss2 einzufügen (vgl. Prümer (2005), S. 145; siehe hierzu auch § 297 HGB). Die Cashflow-Analyse eignet sich besonders, da Maßnahmen und Gestaltungen der Bilanzpolitik keinen Einfluss auf tatsächliche Cashflow-Werte besitzen (vgl. Rinker (2022), S. 11; Gasch (2022), S. 45. Pellens et al. (2017), S. 197). Die Kapitalflussrechnung bietet einen Einblick in die Finanzlage der Unternehmen. Obgleich Zahlungsflüsse der Vergangenheit abgebildet werden, können ceteris paribus Rückschlüsse zur Zahlungsfähigkeit in der Zukunft getroffen werden (vgl. Böser et al. (2013), S. 359; Aumann und Kühnberger (2023), S. 117; Küting und Weber (2015), S. 189 ff.). In Anbetracht der vorbildhaften Stellung, die die Unternehmen des DAX-40 einnehmen, erfolgt die Ausrichtung des Untersuchungsgegenstandes dieser empirischen Analyse auf diejenigen Unternehmen, die in diesem Index gelistet sind (vgl. Pilhofer et al. (2018), S. 530 f.; Pilhofer et al. (2020), S. 424; Aumann und Kühnberger (2023), S. 117 ff.). Vor dem erörterten Hintergrund erforscht die gegenwärtige Abhandlung die aggregierten Finanzberichte ausgesuchter Unternehmen des DAX-40Index, welche in den Sektoren Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Bankwesen tätig sind, im Zeitraum der Geschäftsjahre 2020 bis 2023 (Halbjahresbericht). Für die Erhebung der Daten wurde als hauptsächliche Informationsquelle die entsprechenden Konzernabschlüsse der Unternehmen BMW, Volkswagen, E.ON, RWE, Commerzbank und Deutsche Bank herangezogen. Das Forschungsziel dieser Untersuchung manifestiert sich in der Absicht, die Erscheinungsformen gegenwärtiger ökonomischer Verlaufstendenzen empirisch zu evaluieren und herauszufinden, ob die signifikanten Preis- und Zinserhöhungen substanzielle Auswirkungen auf die anvisierten Unternehmensentitäten besitzen. Der Konsumgütersektor ist nicht Gegenstand der Untersuchung, da die Preiserhöhungen auf die Kunden übertragen werden. Besonders relevant gestaltet sich das Resultat der Untersuchung im Energiesektor, da auch in diesem Bereich die Fachdebatten vermehrt von einer weitreichenden Überwälzung der Aufwendungen sprechen (vgl. Breulmann (2022), o. S; Schwarz (2022), S. 2). Die Wahl des Automobilsektors als Untersuchungsgegenstand erweist sich als äußerst treffend, da sowohl gesteigerte Preise auf dem Beschaffungsmarkt als auch erhöhte Kapitalkosten einen substanziellen Einfluss auf die Unternehmensdynamik ausüben. Tatsächlich besteht eine enge Korrelation zwischen der Automobilbranche und der globalen Wirtschaftslage (vgl. Geschäftsbericht Volkswagen (2022), S. 230). Der Banken- und Immobiliensektor wird vor allem durch die Veränderung des Zinsniveaus beeinflusst, weswegen eine empirische Betrachtung im Zuge dieser Abhandlung essenziell ist, um das Forschungsergebnis zu eruieren. 1 Kapitalflussrechnung nach DRSC Nr. 2 (2014); siehe weiterführend App. E 2 Siehe weiterführend auch EU-Verordnung Nr. 1606/2002 sowie § 264 d HGB i.V.m. § 2 Abs. 11 WpHG.
5.2 5.2 Definition der Analyseentitäten 81 Definition der Analyseentitäten Zur präzisen Analyse und fundierten Beurteilung der Veränderungen in der Unternehmensdynamik im Kontext der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklungen werden die nachfolgenden vertikalen Bilanzkennzahlen herangezogen. • Eigenkapitalquote = Eigenkapital/Gesamtkapital * 100 → Die Eigenkapitalquote veranschaulicht den prozentualen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital eines Unternehmens. Eine erhöhte Eigenkapitalquote spiegelt eine solide Widerstandsfähigkeit des Unternehmens in Zeiten der Krise wider. Hingegen birgt eine niedrige Eigenkapitalquote bei wirtschaftlichen Turbulenzen das Risiko, dass Verluste das Unternehmen gefährden könnten, indem sie das Eigenkapital mindern. Die Höhe der Eigenkapitalquote trägt maßgeblich zur Bewertung der Kreditwürdigkeit und Bonität des Unternehmens bei (vgl. Rinker et al. (2022), S. 40 f.; Schmidlin (2020), S. 65 f.; Heesen (2020), S. 70 ff.; Seppelfricke (2019), S. 146). • Fremdkapitalquote = Fremdkapital/Gesamtkapital * 100 → Die Fremdkapitalquote stellt das komplementäre Pendant zur Eigenkapitalquote dar. Eine höhere Eigenkapitalquote geht mit einer niedrigeren Fremdkapitalquote einher. Falls auf der Passivseite der Bilanz des Unternehmens kein passiver Rechnungsabgrenzungsposten aufgeführt wird, summiert sich der Prozentsatz beider Kennzahlen auf 100 %. Die Feststellungen zur Eigenkapitalquote lassen sich folglich analog auf die Fremdkapitalquote übertragen. Die Effekte verhalten sich in diesem Fall entsprechend invers zur Eigenkapitalquote. Bei steigender Verschuldung und simultanen Verlusten erhöht sich die Fremdkapitalquote dementsprechend (vgl. Rinker et al. (2022), S. 41; Seppelfricke (2019), S. 146). • Verschuldungsgrad = Fremdkapital/Eigenkapital * 100 → Der Verschuldungsgrad zeigt auf, inwieweit das Unternehmen fremdfinanziert ist (vgl. Schmidlin (2020), S. 69; Seppelfricke (2019), S. 146). • Umlaufintensität = Umlaufvermögen/Gesamtvermögen * 100 → Die Umlaufintensität fungiert ebenso wie die Anlagenintensität als Darstellung der Vermögensstruktur des Unternehmens. Sie liefert Einblicke in den Anteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen. Eine erhöhte Umlaufintensität weist darauf hin, dass das Unternehmen in der Lage ist, schneller auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Gegebenheiten zu reagieren. Im Gegensatz zu einer hohen Anlagenintensität signalisiert eine hohe Umlaufintensität ein erweitertes Potenzial an Liquidität. Aufgrund eines geringeren Anteils an Fixkosten können die Ausgaben in Zeiten schwankender Beschäftigung rascher an die Situation angepasst werden. Es sei jedoch angemerkt, dass die konkrete Höhe der Umlaufintensität stark von der jeweiligen Branche abhängig ist (vgl. Seppelfricke (2019), S. 149; Schmidlin (2020), S. 85 ff.; Rinker et al. (2022), S. 38).
82 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen • Anlageintensität = Anlagevermögen/Gesamtvermögen * 100 → Die Anlagenintensität bietet Einblick in die Struktur des Unternehmensvermögens, indem sie den Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen darlegt. Eine erhöhte Anlagenintensität weist auf eine beträchtliche Kapitalbindung im Unternehmen hin, verbunden mit einem markanten Anteil an Fixkosten. Bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse kann das Unternehmen lediglich mit Verzögerung reagieren, da die Senkung der Fixkosten gewöhnlich erst mittel- bis langfristig realisiert werden kann. Zudem verweist eine ausgeprägte Kapitalbindung auf substanzielle planmäßige Abschreibungen, die den Gewinn des Unternehmens – unabhängig von dessen Auslastung – mindern können (vgl. Schmidlin (2020), S. 85 ff.; Seppelfricke (2019), S. 149; Rinker et al. (2022), S. 37). Im Rahmen der Finanzanalyse der Unternehmen werden die nachfolgenden horizontalen Bilanzkennzahlen zur Betrachtung herangezogen: • Deckungsgrad 1 = Eigenkapital/Anlagevermögen → Die Goldene Bilanzregel bezeichnet den Sachverhalt, dass langfristiges Vermögen langfristig finanziert werden sollte. Deckungsgrad 1 beschreibt die Deckung des Anlagevermögens durch das Eigenkapital. • Deckungsgrad 2 = Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital/Anlagevermögen → In ähnlichem Kontext wie beim Deckungsgrad 1 wird hierbei zusätzlich das langfristige Fremdkapital berücksichtigt (vgl. Schmidlin (2020), S. 87). • Liquidität 1. Grades = Liquide Mittel + Wertpapiere/kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 Liquidität 2. Grades = Umlaufvermögen – Vorräte/kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 Liquidität 3. Grades = Umlaufvermögen/kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 → Es erfolgt eine Differenzierung zwischen drei Graden der Liquidität, um die statische Liquidität des Unternehmens am Bilanzstichtag einer Einschätzung zu unterziehen. Die Abweichung manifestiert sich bei der Betrachtung im Nenner der Gleichung. In Bezug auf die Liquidität 1. Grades erfolgt eine Betrachtung, die ausschließlich die präsenten liquiden Mittel des Unternehmens in Relation zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten setzt. Sie gibt Aufschluss darüber, inwiefern die aktuell vorhandenen liquiden Mittel dazu geeignet sind, die kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens zu begleichen. Der intendierte Zielwert der Liquidität 1. Grades beläuft sich auf ca. 20 % bis 25 %. Dies bedeutet, dass das Unternehmen mithilfe der existenten liquiden Mittel im Idealfall ungefähr ein Fünftel, bis ein Viertel seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten tilgen können sollte. Die Signifikanz der Liquidität 1. Grades erfährt darüber hinaus eine Beschränkung, indem die kurzfristigen Forderungen des Unternehmens üblicherweise ebenfalls als Mittel zur Begleichung der kurzfristigen Verbindlichkeiten dienen. Diese Überlegung findet ihre Berücksichtigung im Rahmen
5.3 Entwicklung übergreifender Untersuchungsgegenstände 83 der Liquidität 2. Grades. Eine angestrebte Mindestmarke für die Liquidität 2. Grades liegt bei 100 %. Dies impliziert, dass die liquiden Mittel und die kurzfristigen Forderungen gleichwertig zur Höhe der kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens sein sollten. In Hinblick auf die Liquidität 3. Grades erfolgt die Betrachtung der liquiden Mittel, der kurzfristigen Forderungen sowie der Vorräte im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. In diesem Szenario wird vorausgesetzt, dass die Vorräte in absehbarer Zeit liquidiert werden können und dadurch unmittelbar kurzfristige Forderungen oder direkt liquide Mittel entstehen. Der angestrebte Richtwert für die Liquidität 3. Grades ist stark von der Branche abhängig und sollte zumindest 120 % betragen (vgl. Rinker et al. (2022), S. 41 f; Schmidlin (2020), S. 95 ff; Seppelfricke (2019), S. 129 ff.). • Working Capital Ratio = Umlaufvermögen/kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 → Das Working Capital ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ein positiver Wert verdeutlicht, dass das Umlaufvermögen eines Unternehmens ausreicht, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Die Ratio resultiert durch Division des Umlaufvermögens mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten und ist somit identisch zur Liquidität 3. Grades (vgl. Seppelfricke (2019), S. 136). Weitere übergreifende Untersuchungsgegenstände sind das Gesamtergebnis sowie der Free Cashflow. Der Free Cashflow wird als finanzierungsneutrale Planungsgröße genutzt, um den Unternehmenswert im Szenario einer hypothetischen Eigenfinanzierung zu evaluieren (vgl. Kuhner und Maltry (2017), S. 231; Kaiser (2013), S. 381; Eayrs et al. (2011), S. 296; Wöltje (2016), S. 406). Der Free Cashflow repräsentiert den Zufluss finanzieller Mittel während eines Zeitraums, der sowohl den Eigen- als auch den Fremdkapitalgebern unter Berücksichtigung einer hypothetischen Steuerbelastung zukommt (vgl. Matschke und Brösel (2013), S. 708). Die Strömungsgröße besitzt eine erhebliche Bedeutung, da eine Steigerung derselben die finanzielle Flexibilität des Unternehmens maßgeblich erhöht (vgl. Wöltje (2016), S. 405). In diesem Zusammenhang fungiert der Free Cashflow ebenso als Ressource für die Begleichung von Kreditverbindlichkeiten und die Durchführung von Aktienrückkäufen (vgl. Schmidlin (2020), S. 29). Der Free Cashflow kann durch die Aggregation der Cashflows aus operativer Geschäftstätigkeit und Investitionstätigkeit ermittelt werden (vgl. Seppelfricke (2019), S. 44). 5.3 Entwicklung übergreifender Untersuchungsgegenstände Die empirische Analyse präsentiert eine detaillierte Zusammenstellung der finanziellen Lage der DAX-40-Unternehmen über einen Zeitraum von vier Jahren, angefangen von 2020 bis zum ersten Halbjahr 2023. Die gemessenen Ergebnisse sind in Mrd. e angegeben und bieten eine umfassende Grundlage für eine umfangreiche finanzielle Analyse.
84 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Im Kontext der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklungen nimmt das Gesamtergebnis eine maßgebliche Stellung als bedeutsamer Schlüsselindikator ein. Die Ergebnisse von BMW zeigen eine bemerkenswerte Steigerung im Zeitverlauf. Von 3,2 Mrd. e im Jahr 2020 erreichte das Unternehmen 2022 ein Gesamtergebnis von 20,2 Mrd. e. Dies ist auf eine verstärkte Geschäftstätigkeit und möglicherweise auf erfolgreiche strategische Initiativen während der Covid-19-Pandemie zurückzuführen (vgl. Menzel (2023), o. S.). Es zeichnet sich jedoch ab, dass das Gesamtergebnis im Jahr 2023 unter dem Zinsniveau leidet. Volkswagen verzeichnet ebenfalls eine kontinuierliche Zunahme seiner finanziellen Ergebnisse. Die Umsatzsteigerung von 5,2 Mrd. e im Jahr 2020 auf 23,1 Mrd. e im Jahr 2022 resultiert durch eine positive Dynamik im Automobilsektor. Es zeigt sich, dass im Jahr 2020 Auswirkungen der Covid-19-Pandemie das Gesamtergebnis verringern. Das steigende Zinsniveau verringert zudem das Halbjahresergebnis von Volkswagen. Es bleibt abzuwarten, ob Volkswagen den Höchstwert von 23,1 Mrd. e im Jahr 2022 auch im Jahr 2023 erreichen wird. Sowohl E.ON als auch RWE zeigen in bestimmten Jahren negative Gesamtergebnisse, insb. im Jahr 2020. Diese resultieren aus den strukturellen Umwälzungen im Energiesektor infolge der Energieknappheit aufgrund des Konflikts in der Ukraine. Weiterhin ist zu konstatieren, dass E.ON im Halbjahr 2023 unter dem hohen Zinsniveau leidet. Die beiden Banken, Commerzbank und Deutsche Bank, zeigen teilweise volatile Gesamtergebnisse. Während die Commerzbank in den Jahren 2021 und 2022 wieder auf eine positive Performance zusteuerte, verzeichnete die Deutsche Bank einen positiven Trend in den Jahren 2020 und 2021. Die Profitabilität der DAX-40-Banken mit Blick auf das steigende Zinsniveau kann demgemäß bestätigt werden – die Fachdiskussionen diskutieren den zunehmenden finanziellen Erfolg (vgl. Atzler (2022), o. S; PwC GmbH (2022), S. 2–15). Summa Summarum illustriert die vorliegende Analyse, dass diverse DAX-40-Unternehmen aus unterschiedlichen Sektoren variierende Trends in ihren Gesamtergebnissen aufweisen. Diese empirischen Befunde sind potenziell auf die jeweiligen spezifischen Markt- und Wettbewerbsbedingungen sowie auf die individuellen strategischen Determinanten der Unternehmen rückführbar. Abb. 5.1 zeigt die Gesamtergebnisse3 der betrachteten DAX-40-Unternehmen auf, in Mrd. e. Im Folgenden wird der Free Cashflow analysiert, der eine relevante finanzielle Größe zur Einschätzung der unternehmerischen Liquidität und finanziellen Stärke darstellt. BMW zeigt eine bemerkenswerte Steigerung seines Free Cashflows von 9,6 Mrd. e im Jahr 2020 auf 18,7 Mrd. e im Jahr 2022. Diese positive Entwicklung ist auf eine gesteigerte operative Effizienz sowie erfolgreiche Investitionsstrategien zurückzuführen. Jedoch ist eine leichte Reduzierung im ersten Halbjahr 2023 auf 5,6 Mrd. e zu erkennen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die Konsequenzen der erhöhten Zinssätze erst nach einer gewissen Verzögerung spürbar werden. Es bleibt jedoch die Möglichkeit offen, dass BMW bis zum Ende des Jahres 2023 einen Free Cashflow in ähnlicher Höhe wie im vorangegangenen Jahr generieren kann. Volkswagen verzeichnet eine erhebliche Schwankung seines 3 Zu beachten ist, dass die Gesamtergebnisse zum Halbjahr 2023 vergleichsweise gering sind, da nur ein halbes Geschäftsjahr betrachtet wird.
5.3 Entwicklung übergreifender Untersuchungsgegenstände 85 Gesamtergebnis 25 20 15 10 5 0 -5 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.1 Gesamtergebnisse der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) Free Cashflows über den Zeitraum hinweg. Nach einem Anstieg von 2,2 Mrd. e im Jahr 2020 auf 12,5 Mrd. e im Jahr 2021 folgt ein drastischer Einbruch auf −13,3 Mrd. e im Jahr 2022. Dies resultierte durch die anhaltenden Inflationseffekte sowie Einschränkungen hinsichtlich der weltweiten Lieferketten. Ein erneuter Anstieg auf 5,2 Mrd. e im ersten Halbjahr 2023 könnte eine positive Wende signalisieren, obgleich Volkswagen auch dem gestiegenen Zinsniveau ausgesetzt ist. E.ON und RWE verzeichnen überwiegend stabile respektive leicht ansteigende Free Cashflows über die Jahre hinweg. E.ON zeigt eine kontinuierliche Zunahme von 3,4 Mrd. e im Jahr 2020 auf 7,3 Mrd. e im Jahr 2022, obwohl eine leichte Verschlechterung auf −1,6 Mrd. e im ersten Halbjahr 2023 erkennbar ist. RWE hingegen zeigt eine ähnliche Entwicklung, jedoch mit einem Rückgang im Jahr 2022 auf −7,5 Mrd. e, gefolgt von einem Anstieg auf 1,2 Mrd. e im ersten Halbjahr 2023. Beide Banken, die Commerzbank und Deutsche Bank, weisen wesentliche Volatilitäten in ihren Free Cashflows auf. Die Commerzbank verzeichnet 2020 einen signifikanten Anstieg auf 32,5 Mrd. e, gefolgt von einem massiven Rückgang auf −25,1 Mrd. e im Jahr 2021. Die Jahre 2022 und 2023 zeigen eine positive Entwicklung auf 25,2 Mrd. e respektive 9,9 Mrd. e. Ähnlich zeigt die Deutsche Bank eine Kennzahlenvolatilität, mit einer Steigerung von 32,6 Mrd. e im Jahr 2020 auf 26,5 Mrd. e im Jahr 2021, gefolgt von 19,3 Mrd. e im Jahr 2022 und einem wesentlichen Rückgang auf −13 Mrd. e im ersten
86 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Free Cashflow 40 30 20 10 0 -10 -20 -30 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.2 Free Cashflows der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) Halbjahr 2023. Dies kann durch das Einlagengeschäft begründet werden (vgl. Halbjahresbericht Deutsche Bank (2023), S. 57). Abb. 5.2 vergleicht den Verlauf der Free Cashflows der betrachteten DAX-40-Unternehmen, in Mrd. e. 5.4 Entwicklung der vertikalen Bilanzkennzahlen Im Folgenden wird die Eigenkapitalquote analysiert, um festzustellen, wie hoch die Widerstandsfähigkeit ggü. Krisen ist. BMW zeigt eine stetige Steigerung seiner Eigenkapitalquote von 28,4 % im Jahr 2020 auf 37,0 % im Jahr 2022. Die Quote verzeichnet jedoch einen leichten Rückgang auf 36,0 % im ersten Halbjahr 2023. Dies könnte auf eine effiziente Kapitalstruktur und gezielte Eigenkapitalstärkung hinweisen, um den Auswirkungen der Wirtschaftsentwicklungen vorzubeugen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Eigenkapitalquote des Jahres 2022 mit hoher Wahrscheinlichkeit übertroffen wird. Volkswagen verzeichnet ebenfalls eine kontinuierliche Zunahme seiner Eigenkapitalquote von 21,4 % im Jahr 2020 auf 31,6 % im Jahr 2022. Allerdings fällt die Quote im ersten Halbjahr 2023 auf 31,1 %. Diese Entwicklung kann auf strategische Bemühungen zur Eigenkapitalstärkung zurückzuführen sein. E.ON zeigt einen signifikanten Anstieg der Eigenkapitalquote von 9,5 % im Jahr 2020 auf 16,3 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 steigt die
5.4 Entwicklung der vertikalen Bilanzkennzahlen 87 Quote weiter auf 18,7 %. RWE verzeichnet eine unregelmäßige Entwicklung seiner Eigenkapitalquote. Von 28,7 % im Jahr 2020 fällt die Quote rasant auf 11,9 % im Jahr 2021, um dann wieder auf 21,1 % im Jahr 2022 anzusteigen. Im ersten Halbjahr 2023 steigt die Quote weiter auf 29,9 %. Diese Schwankungen können auf die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts zurückzuführen sein, da die Verknappung der Energie – bspw. die verringerte Zufuhr von russischem Erdgas – in Eigenkapitalmaßnahmen4 resultiert. Sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank verzeichnen eine leicht steigende Tendenz ihrer Eigenkapitalquoten über den Beobachtungszeitraum. Die Commerzbank zeigt eine Erhöhung von 5,6 % im Jahr 2020 auf 6,5 % im Jahr 2022, gefolgt von einem geringfügigen Rückgang auf 6,4 % im ersten Halbjahr 2023. Die Eigenkapitalquote der Deutschen Bank steigt von 4,7 % im Jahr 2020 auf 5,4 % im Jahr 2022 und weiter auf 5,6 % im ersten Halbjahr 2023. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen könnte erwartet werden, dass die Eigenkapitalquoten der meisten DAX-40-Unternehmen weiterhin stabil oder leicht steigend bleiben werden – aufgrund der sinkenden Inflationsraten und der zunehmenden Energieverfügbarkeit. Dies deutet auf eine generelle Stärkung der finanziellen Lage hin. Gleichwohl bleiben die Herausforderungen, die durch den Ukraine-Krieg und das hohe Zinsniveau resultieren, bestehen. Es ist jedoch zu erwarten, dass die betrachteten DAX-40-Unternehmen ihre Kapitalstruktur verbessern werden, um den aktuellen Wirtschaftsentwicklungen vorzubeugen. Abb. 5.3 zeigt den Verlauf der Eigenkapitalquote der DAX-40-Unternehmen in Form eines Balkendiagramms. Im Folgenden wird die Fremdkapitalquote analysiert, die das natürliche Pendant zur Eigenkapitalquote darstellt. Bei zunehmender Verschuldung erhöht sich ceteris paribus die Fremdkapitalquote dementsprechend (vgl. Rinker et al. (2022), S. 41; Seppelfricke (2019), S. 146). BMW weist einen kontinuierlichen Rückgang seiner Fremdkapitalquote auf, von 71,6 % im Jahr 2020 auf 63,0 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 steigt die Quote leicht auf 64,0 %. Diese Entwicklung könnte auf eine gezielte Reduzierung der Fremdfinanzierung und eine stärkere Betonung des Eigenkapitals hindeuten. Auch Volkswagen zeigt eine Abnahme seiner Fremdkapitalquote von 78,6 % im Jahr 2020 auf 68,4 % im Jahr 2022. Die Quote steigt marginal auf 68,9 % im ersten Halbjahr 2023. Ähnlich wie bei BMW könnte dies auf Bemühungen zur Verschuldungsreduzierung und Stärkung der Kapitalstruktur hindeuten, um den vorherrschenden Wirtschaftsentwicklungen entgegenzuwirken. E.ON verzeichnet einen deutlichen Rückgang der Fremdkapitalquote von 90,5 % im Jahr 2020 auf 83,7 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 setzt sich dieser Trend fort, mit einer Quote von 81,3 %. RWE zeigt eine wechselhafte Entwicklung der Fremdkapitalquote. Von 71,3 % im Jahr 2020 steigt die Quote signifikant auf 88,1 % im Jahr 2021. Im Jahr 2022 sinkt die Fremdkapitalquote auf 78,9 %. Im ersten Halbjahr 2023 fällt die Quote weiter auf 70,1 %. Sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank verzeichnen eine konstante Fremdkapitalquote über den Beobachtungszeitraum. Die Fremdkapitalquote der Commerzbank liegt bei ca. 94,4 % im Jahr 2020 und bleibt in den 4 Erhöhung des Eigenkapitals in der Bilanz, um die Verluste aus der Verknappung der Energie einzudämmen.
88 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Eigenkapitalquote 40.0% 35.0% 30.0% 25.0% 20.0% 15.0% 10.0% 5.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.3 Eigenkapitalquote der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) folgenden Jahren nahezu unverändert. Analog zeigt die Deutsche Bank eine nahezu konstante Fremdkapitalquote von ca. 95 % über den Betrachtungszeitraum. Abb. 5.4 zeigt den Verlauf der Fremdkapitalquote der betrachteten DAX-40-Unternehmen. Im Folgenden wird der Verschuldungsgrad analysiert, um zu konstatieren, wie hoch die Fremdfinanzierung ist. BMW verzeichnet einen konstanten Rückgang des Verschuldungsgrades, von 252,2 % im Jahr 2020 auf 170,5 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 steigt der Grad leicht auf 177,8 %. Dies kann auf eine Reduktion des Fremdkapitals im Verhältnis zum Eigenkapital hinweisen. Volkswagen zeigt ebenfalls einen konstanten Rückgang seines Verschuldungsgrades von 286,0 % im Jahr 2020 auf 216,3 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 steigt der Grad auf 221,2 %. Analog zu BMW kann dies auf einen Rückgang des Fremdkapitals im Verhältnis zum Eigenkapital hindeuten. E.ON weist eine bemerkenswerte Reduzierung des Verschuldungsgrades auf, von 953,4 % im Jahr 2020 auf 512,8 % im Jahr 2022. Im ersten Halbjahr 2023 sinkt der Grad weiter auf 434,4 %. RWE zeigt eine volatile Entwicklung des Verschuldungsgrades. Von 248,1 % im Jahr 2020 steigt der Grad rasant auf 737,3 % im Jahr 2021, um dann im Jahr 2022 auf 373,2 % zu sinken. Im ersten Halbjahr 2023 fällt der Grad weiter auf 234,8 %. Der starke Anstieg im Jahr 2021 ist auf die Energieverknappung im Zuge des UkraineKonflikts zurückzuführen. Die Commerzbank und die Deutsche Bank verzeichnen über
5.4 Entwicklung der vertikalen Bilanzkennzahlen 89 Fremdkapitalquote 100.0% 90.0% 80.0% 70.0% 60.0% 50.0% 40.0% 30.0% 20.0% 10.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.4 Fremdkapitalquote der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg hohe Verschuldungsgrade. Die Commerzbank zeigt eine leichte Abnahme von 1673,0 % im Jahr 2020 auf 1443,4 % im Jahr 2022, gefolgt von einer leichten Zunahme auf 1470,3 % im ersten Halbjahr 2023. Die Deutsche Bank weist ebenfalls eine Abnahme von 2030,8 % im Jahr 2020 auf 1748,2 % im Jahr 2022 auf, gefolgt von einem weiteren Rückgang auf 1688,2 % im ersten Halbjahr 2023. Die zunehmende Abnahme korreliert mit dem steigenden Zinsniveau. Abb. 5.5 zeigt den Verschuldungsgrad der DAX-40-Unternehmen über den Zeitraum der Krisenjahre. Im Folgenden wird die Umlaufintensität analysiert, um die Vermögensstruktur zu bewerten. Es ist zu berücksichtigen, dass Banken eine sehr hohe Umlaufintensität aufweisen, da finanzielle Vermögenswert schnell liquidiert werden können. Ferner ist zu konstatieren, dass das Anlagevermögen dementsprechend gering ist – dies ist der Geschäftstätigkeit einer Bank inhärent (vgl. Nickenig (2017), S. 19–33). BMW zeigt eine stabile Umlaufintensität, die von 37,8 % im Jahr 2020 auf 37,3 % im Jahr 2022 sinkt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 39,3 % ansteigt. Dies deutet darauf hin, dass BMW in der Lage ist, einen konstanten Anteil des Umlaufvermögens in seiner Vermögensstruktur aufrechtzuerhalten. Volkswagen weist ebenfalls eine stabile Umlaufintensität auf, die von 39,2 % im Jahr 2020 auf 39,7 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 40,8 % steigt. E.ON zeigt eine signifikante Schwankung in der Umlaufintensität, die von 20,9 % im Jahr 2020 auf 39,0 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr
90 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Verschuldungsgrad 2000.0% 1500.0% 1000.0% 500.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.5 Verschuldungsgrad der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) 2023 auf 30,8 % zurückgeht. RWE verzeichnet ebenfalls eine signifikante Schwankung in der Umlaufintensität. Von 44,2 % im Jahr 2020 steigt sie auf 72,7 % im Jahr 2021 an, fällt dann auf 69,5 % im Jahr 2022 und sinkt schließlich auf 55,1 % im ersten Halbjahr 2023. Diese Schwankungen sind auf die Vermögensstrukturveränderungen aufgrund der Energieknappheit zurückzuführen. Die Commerzbank und die Deutsche Bank weisen über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg eine hohe Umlaufintensität auf. Die Umlaufintensität der Commerzbank liegt konstant bei ca. 97,6 %, während die der Deutschen Bank von 85,9 % im Jahr 2020 auf 87,0 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 86,2 % fällt. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen ist zu erwarten, dass die meisten DAX-40-Unternehmen eine stabile oder leicht steigende Umlaufintensität beibehalten werden. Unternehmen wie E.ON und RWE könnten jedoch aufgrund ihrer signifikanten Schwankungen in der Umlaufintensität in der Zukunft weitere Anpassungen in ihrer Geschäftsstruktur und in ihrem Umlaufvermögen vornehmen. Abb. 5.6 zeigt den Verlauf der Umlaufintensität auf. Im Folgenden wird die Anlageintensität untersucht. Die Anlageintensität stellt das natürliche Pendant zur Umlaufintensität dar. Die Anlageintensität misst den Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen eines Unternehmens und gibt Aufschluss über die Art und den Umfang der langfristigen Investitionen eines Unternehmens (vgl. Schmidlin (2020), S. 85 ff.; Seppelfricke (2019), S. 149; Rinker et al. (2022), S. 37). BMW zeigt eine tendenziell rückläufige Anlageintensität, die von 62,2 % im Jahr 2020 auf 62,7 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 60,7 % zurückgeht. Dies deutet darauf
5.4 Entwicklung der vertikalen Bilanzkennzahlen 91 Umlaufintensität 120.0% 100.0% 80.0% 60.0% 40.0% 20.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.6 Umlaufintensität der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) hin, dass BMW im Laufe der Zeit eine leicht verstärkte Fokussierung auf das Umlaufvermögen im Vergleich zum Anlagevermögen aufweist. Volkswagen weist eine ähnliche Entwicklung auf, bei der die Anlageintensität von 60,8 % im Jahr 2020 auf 60,3 % im Jahr 2022 sinkt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 59,2 % fällt. Dies deutet darauf hin, dass Volkswagen ebenfalls eine gewisse Neigung zur Reduktion des Anlagevermögens zugunsten des Umlaufvermögens zeigt. E.ON zeigt eine auffällige Schwankung in der Anlageintensität, die von 79,1 % im Jahr 2020 auf 61,0 % im Jahr 2022 abnimmt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 69,2 % ansteigt. RWE verzeichnet ebenso eine bemerkenswerte Veränderung in der Anlageintensität, die von 55,8 % im Jahr 2020 auf 27,3 % im Jahr 2021 stark abfällt und dann im Jahr 2022 auf 30,5 % und im ersten Halbjahr 2023 auf 44,9 % ansteigt. Die Commerzbank und die Deutsche Bank haben im Allgemeinen eine niedrige Anlageintensität, die über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg relativ stabil bleibt. Dies spiegelt die Art des Geschäftsmodells von Banken wider, bei denen das Anlagevermögen im Vergleich zum Umlaufvermögen weniger dominant ist. Basierend auf den bisherigen Trends könnten die meisten Unternehmen eine stabile oder leicht rückläufige Anlageintensität beibehalten. Unternehmen wie E.ON und RWE könnten jedoch aufgrund ihrer signifikanten Schwankungen in der Anlageintensität in der Zukunft weitere Anpassungen in ihren Investitionsplänen und ihrer Geschäftsstruktur vornehmen. Abb. 5.7 zeigt den Verlauf der Anlageintensität auf.
92 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Anlageintensität 90.0% 80.0% 70.0% 60.0% 50.0% 40.0% 30.0% 20.0% 10.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.7 Anlageintensität der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) 5.5 Entwicklung der horizontalen Bilanzkennzahlen Im Folgenden wird der Deckungsgrad 1 und 2 analysiert, die in Kohärenz die Goldene Bilanzregel darstellen. Der Deckungsgrad 1 misst das Verhältnis des kurzfristigen Vermögens (Umlaufvermögen) zum kurzfristigen Fremdkapital eines Unternehmens und gibt Aufschluss darüber, inwieweit das Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinem kurzfristigen Vermögen zu decken (vgl. Schmidlin (2020), S. 87). BMW verzeichnet eine kontinuierliche Steigerung des Deckungsgrads 1, der von 45,6 % im Jahr 2020 auf 59,0 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 59,3 % weiter steigt. Der Umstand beweist, dass BMW über den Beobachtungszeitraum hinweg seine Fähigkeit verbessert hat, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen kurzfristigen Vermögenswerten abzudecken. Volkswagen zeigt eine ähnliche Tendenz wie BMW, wobei der Deckungsgrad 1 von 42,6 % im Jahr 2020 auf 52,5 % im Jahr 2022 und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 52,6 % steigt. Dies deutet darauf hin, dass Volkswagen ebenfalls eine verbesserte Fähigkeit zur Deckung seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten entwickelt hat. E.ON verzeichnet ebenfalls eine stetige Steigerung des Deckungsgrads 1, der von 12,0 % im Jahr 2020 auf 26,7 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 27,0 % weiter steigt. Der Erfolg basiert darauf, dass E.ON in den letzten Jahren seine Fähigkeit zur Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten erheblich gesteigert hat. Dies resultiert aus der Weitergabe der Kosten für Energie an die Kunden. RWE zeigt eine bemerkenswerte Volatilität in der Entwicklung des Deckungsgrads 1. Von
5.5 Entwicklung der horizontalen Bilanzkennzahlen 93 51,4 % im Jahr 2020 fällt er auf 43,7 % im Jahr 2021 ab, steigt dann jedoch signifikant auf 69,2 % im Jahr 2022 an und fällt schließlich auf 66,5 % im ersten Halbjahr 2023. Die Commerzbank und die Deutsche Bank weisen über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg hohe Deckungsgrade 1 auf, die kontinuierlich steigen. Der Vorteil kommt dadurch zustande, dass die Banken in der Lage sind, ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten mit ihren kurzfristigen Vermögenswerten umfassend zu decken. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen könnten die meisten Unternehmen ihre Fähigkeit zur Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten weiterhin verbessern. E.ON und RWE könnten aufgrund ihrer signifikanten Schwankungen in der Entwicklung des Deckungsgrads 1 in der Zukunft weitere Anpassungen in ihrer Geschäftsstruktur vornehmen. Das Schaubild (Abb. 5.8) verdeutlicht den Verlauf des Deckungsgrads 1 über den Betrachtungszeitraum. Im Zuge der Betrachtung der Goldenen Bilanzregel wird im Folgenden der Deckungsgrad 2 analysiert. BMW verzeichnet eine stabile Entwicklung des Deckungsgrads 2, der sich von 107,3 % im Jahr 2020 auf 105,0 % im Jahr 2022 reduziert und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 106,2 % steigt. Volkswagen zeigt eine ähnliche stabile Entwicklung wie BMW, wobei der Deckungsgrad 2 von 109,8 % im Jahr 2020 auf 112,2 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 111,4 % leicht zurückgeht. E.ON verzeichnet eine weitgehend stabile Entwicklung des Deckungsgrads 2, der von 93,8 % im Jahr 2020 auf 97,6 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 96,7 % leicht abfällt. RWE zeigt eine relevante Steigerung des Deckungsgrads 2, der von 131,2 % im Jahr 2020 auf 139,2 % im Jahr 2022 ansteigt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 134,1 % sinkt. Die Commerzbank und die Deutsche Bank weisen hohe Deckungsgrade 2 Deckungsgrad 1 300.0% 250.0% 200.0% 150.0% 100.0% 50.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.8 Deckungsgrad 1 der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023)
94 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Deckungsgrad 2 400.0% 350.0% 300.0% 250.0% 200.0% 150.0% 100.0% 50.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.9 Deckungsgrad 2 der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) auf, die kontinuierlich steigen. Alle betrachteten DAX-40-Unternehmen sind in der Lage, die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit deren kurzfristigen Vermögen zu decken. Abb. 5.9 zeigt den Deckungsgrad 2 der betrachteten DAX-40-Unternehmen auf. Im Folgenden wird die Liquidität 1. Grades analysiert, um zu eruieren, ob die liquiden Mittel ausreichen, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. BMW zeigt eine allmähliche Steigerung der Liquidität 1. Grades von 18,8 % im Jahr 2020 auf 20,0 % im Jahr 2022 und dann auf 20,9 % im ersten Halbjahr 2023. Es lässt sich konstatieren, dass BMW in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten durch seine liquiden Mittel kontinuierlich zu begleichen. Volkswagen verzeichnet einen Anstieg der Liquidität 1. Grades von 33,3 % im Jahr 2020 auf 36,3 % im Jahr 2022, bevor die Kennzahl im ersten Halbjahr 2023 auf 31,8 % fällt. Volkswagen besitzt zwar die Fähigkeit, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit liquiden Mitteln zu decken, jedoch mit gewissen Schwankungen – Volkswagen weist jedoch die beste Liquidität 1. Grades im Kennzahlenvergleich auf. E.ON zeigt eine insgesamt rückläufige Entwicklung der Liquidität 1. Grades, die von 19,5 % im Jahr 2020 auf 17,3 % im Jahr 2022 abfällt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 14,3 % sinkt. Dies resultiert daraus, dass E.ON weniger liquide Mittel zur Deckung seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten hat. Dies basiert auf den Ereignissen des Ukraine-Konflikts und der entsprechenden Energieknappheit. RWE zeigt eine auffällige Volatilität der Liquidität 1. Grades, die von 28,9 % im Jahr 2020 auf 8,8 % im Jahr 2022 fällt und dann im ersten Halbjahr 2023 auf 18,8 % ansteigt. Analog zu E.ON hat auch RWE mit den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts zu kämpfen, wodurch die Volatilität zustande kommt.
5.5 Entwicklung der horizontalen Bilanzkennzahlen 95 Liquidität 1. Grades 40.0% 35.0% 30.0% 25.0% 20.0% 15.0% 10.0% 5.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.10 Liquidität 1. Grades der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) Die Commerzbank und die Deutsche Bank zeigen eine tendenziell abnehmende Liquidität 1. Grades. Das Schaubild (Abb. 5.10) zeigt den Verlauf der Liquidität 1. Grades der betrachteten DAX-40-Unternehmen auf. Um die vertikale Bilanzanalyse weiter zu vertiefen, bedarf es der Betrachtung der Liquidität 2. Grades, bei welcher zusätzlich die Vorräte betrachtet werden. BMW zeigt eine kontinuierliche Abnahme der Liquidität 2. Grades von 93,0 % im Jahr 2020 auf 85,5 % im Jahr 2022 und schließlich auf 82,9 % im ersten Halbjahr 2023. Volkswagen zeigt eine ähnliche Abnahme der Liquidität 2. Grades von 91,4 % im Jahr 2020 auf 94,1 % im Jahr 2022, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 89,2 % fällt. E.ON verzeichnet eine schwankende Entwicklung der Liquidität 2. Grades, die von 76,4 % im Jahr 2020 auf 92,3 % im Jahr 2022 ansteigt, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 87,4 % zurückgeht. RWE zeigt ebenfalls Schwankungen in der Liquidität 2. Grades, die von 155,1 % im Jahr 2020 auf 115,5 % im Jahr 2022 abfällt, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 134,0 % steigt. Die Commerzbank und die Deutsche Bank zeigen eine relativ stabile Liquidität 2. Grades, wobei die Werte sich nur marginal ändern. Basierend auf den bisherigen Entwicklungen könnten die meisten DAX-40-Unternehmen versuchen, ihre Liquidität 2. Grades zu stabilisieren oder leicht zu erhöhen. Schwankungen können auf Anpassungen im Umgang mit liquiden Mitteln zurückzuführen sein. Abb. 5.11 zeigt den Verlauf der Liquidität 2. Grades der betrachteten DAX-40-Unternehmen. Abschließend wird die Liquidität 3. Grades respektive die Working Capital Ratio analysiert. Die Working Capital Ratio berücksichtigt nicht nur liquide Mittel und kurzfristige Forderungen, sondern auch Vorräte als kurzfristige Aktiva, um zu beurteilen, inwieweit
96 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Liquidität 2. Grades 160.0% 140.0% 120.0% 100.0% 80.0% 60.0% 40.0% 20.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.11 Liquidität 2. Grades der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) ein Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit diesen Vermögenswerten zu decken (vgl. Rinker et al. (2022), S. 41 f.; Schmidlin (2020), S. 95 ff.; Seppelfricke (2019), S. 129 ff.). BMW zeigt eine stabile Working Capital Ratio, die von 113,7 % im Jahr 2020 auf 109,2 % im Jahr 2022 abfällt, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 110,7 % ansteigt. Diese Schwankungen sind auf Anpassungen in Bezug auf den Umgang mit Vorräten und anderen kurzfristigen Aktiva zurückzuführen – insb. mit Blick auf die Lieferketteneinschränkungen durch die Endemie. Volkswagen verzeichnet eine kontinuierliche Zunahme der Working Capital Ratio von 117,9 % im Jahr 2020 auf 122,7 % im Jahr 2022, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 119,9 % zurückgeht. Dies resultiert aus dem Aspekt, dass Volkswagen bestrebt ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten vermehrt durch liquide Mittel, Forderungen und Vorräte abzudecken. E.ON zeigt ebenfalls eine steigende Tendenz in der Working Capital Ratio, die von 81,0 % im Jahr 2020 auf 96,4 % im Jahr 2022 ansteigt, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 93,1 % zurückgeht. RWE weist eine ähnliche Entwicklung wie in der Liquidität 2. Grades auf, wobei die Working Capital Ratio von 165,0 % im Jahr 2020 auf 120,8 % im Jahr 2022 abfällt, bevor sie im ersten Halbjahr 2023 auf 138,6 % steigt. Wie in den vorherigen Kennzahlen zeigen die Commerzbank und die Deutsche Bank auch in der Working Capital Ratio relativ stabile Werte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die DAX-40-Banken eine konsistente Balance zwischen liquiden Mitteln, Forderungen, Vorräten und kurzfristigen Verbindlichkeiten beibehalten. Abb. 5.12 zeigt den Verlauf der Working Capital Ratio über den Betrachtungszeitraum auf.
5.6 Ausgewählte qualitative Anhangs- und Lageberichtangaben 97 Working Capital Ratio 160.0% 140.0% 120.0% 100.0% 80.0% 60.0% 40.0% 20.0% 0.0% 2020 2021 2022 2023 H Abb. 5.12 Working Capital Ratio der betrachteten DAX-Unternehmen. (Quelle: Eigene Darstellung, auf Basis der Geschäftsberichte von 2020–2023) 5.6 Ausgewählte qualitative Anhangs- und Lageberichtangaben Um die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen qualitativ zu analysieren, ist es sinnvoll, Anhangs- und Lageberichtangaben zu untersuchen, um ggf. Prognosen eruieren zu können. Die qualitative Analyse erfolgt analog zur Datenanalyse der vorangegangenen Kap. Im Folgenden werden unterschiedliche Aussagen zu den Auswirkungen des hohen Zinsniveaus, der Inflation, des Ukraine-Konflikts etc. analysiert. Zu jedem DAX-40-Unternehmen werden drei wesentliche Aussagen eruiert: 1. BMW – BMW verdeutlicht im Geschäftsbericht, dass eine anhaltend hohe Inflationsrate zu einem Rückgang der Nachfrage führt. Dennoch ist der Konzern optimistisch, dass die Nachfrage stabil bleibt, da gezielte Investitionsentscheidungen getroffen wurden. Zudem profitiert BMW durch ein starkes Lieferantennetzwerk. – BMW gibt an, dass das hohe Zinsniveau maßgebliche negative Effekte aufweist.
98 2. 3. 4. 5. 6. 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen – Begründet durch die Inflation, ist BMW derzeit signifikanten Kostenerhöhungen auf dem Beschaffungsmarkt ausgesetzt (vgl. Geschäftsbericht BMW (2022), S. 41, 71 ff.; 123 f. und 131 ff.). Volkswagen – Volkswagen konstatiert, dass die anhaltend hohe Inflation einen komprimierenden Effekt auf die private Nachfrage aufweist. – Zudem geht Volkswagen davon aus, dass der anhaltende Ukraine-Konflikt hohes Risikopotenzial birgt, welches Auswirkungen auf Wachstumsstrategien mit sich bringt. – Die sinkende Verfügbarkeit von Energie, aufgrund des Ukraine-Konflikts, vermindert die Profitabilität des operativen Bereichs (vgl. Halbjahresbericht Volkswagen (2023), S. 30 f.). E.ON – E.ON gibt an, dass ein Werthaltigkeitstest gem. IAS 36 durchgeführt wurde, um eine Wertberichtigung im Zuge der Inflation durchzuführen. – Ferner gibt E.ON an, dass die zunehmende Zinserhöhung auch auf Bestandsinvestitionen Auswirkungen besitzt. – Aufgrund des Ukraine-Konflikts sind die Commodity-Preise stark angestiegen. Demgemäß steigt das Liquiditätsrisiko signifikant an (vgl. Halbjahresbericht E.ON (2023), S. 33 f.). RWE – RWE konstatiert, dass wesentliche Inflationseffekte auf die Kapitalflussrechnung vorherrschen, da der Kaufkraftverlust zunehmend sinkt. – RWE erhöhte die langfristigen Rückstellungen aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus. – RWE stellt fest, dass die Energiepreise zwar Ende 2022 gesunken sind, wenngleich fortdauernde Effekte der Energieverknappung zu vermerken sind (vgl. Halbjahresbericht RWE (2023), S. 6 und S. 34). Commerzbank – Die Commerzbank stellt klar, dass aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus die Profitabilität sowie die Ertragskraft signifikant gestiegen sind. – Die Commerzbank betont den Aspekt, dass hohe Zinserträge in den Folgejahren möglich sind. – Ferner konstatiert die Commerzbank, dass der Ukraine-Krieg in einem Umdenken der internationalen Handelsbeziehungen resultiert (vgl. Halbjahresbericht Commerzbank (2023), S. 4 ff.). Deutsche Bank – Die operative Zinsmarge steigt signifikant an – analog zur Commerzbank. – Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Inflation ihren Höhepunkt bereits erreicht hat, wodurch positive Entwicklungen zu prognostizieren sind.
Literatur 99 – Die globalen geopolitischen Risiken, die durch den Ukraine-Krieg resultieren sind nach wie vor hoch, weshalb das inhärente Risiko weiterhin relevant ist. Insbesondere sind internationale Geschäftsbeziehungen betroffen (vgl. Halbjahresbericht Deutsche Bank (2023), S. 4 ff. und S. 28). Die publizierten Halbjahresberichte (2023) bieten Einblicke in die unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen, mit denen die Unternehmen im Zuge der aktuellen Wirtschaftsentwicklungen konfrontiert sind. Die Inflation, das Zinsniveau und geopolitische Unsicherheiten beeinflussen die Finanzergebnisse in unterschiedlichem Maße und erfordern eine stetige Anpassung der Unternehmensstrategien. Es bleibt abzuwarten, wie diese Einflussfaktoren die zukünftige Performance und Position der Unternehmen beeinflussen. Literatur Atzler, E. (2022). Positive Effekte der Zinswende bleiben vorerst aus. https://www.handelsblatt. com/finanzen/geldpolitik/bain-studie-positive-effekte-der-zinswende-bleiben-vorerst-aus/288 64246.html. Zugegriffen: 10. Mai 2023. Aumann, M., & Kühnberger, M. (2023). Der Einfluss der Coronavirus-Pandemie auf die Kapitalflussrechnung ausgewählter DAX-Unternehmen. In KoR Nr. 03 vom 10.03.2023. KOR1423121 – IFRS/Rechnungslegung. Breulmann, U. (2022). Riesengewinne von RWE und Co. sind unmoralisch. https://www.ruhrnachr ichten.de/regionales/energiekrise-kommentar-riesengewinne-von-rwe-und-co-sind-unmoralischw1778364-2000593456/. Zugegriffen: 13. Aug. 2023. Böser, J., Pilhofer, J., & Lessel, M. (2013). Empirische Analysen ausgewählter Aktienindizes: Kapitalflussrechnung nach IAS 7 in der Unternehmenspraxis, in Praxis der internationalen Rechnungslegung 2013. 9. Jahrgang. Deutsche Bank AG. (2023). Liquiditätsrisiko. https://investor-relations.db.com/creditors/fundingstrategy/liquidity-risk-management?language_id=3#zeige-inhalt-von-rahmenwerk-fuer-das-liq uiditaetsrisikomanagement. Zugegriffen: 10. Juni. 2023. Eayrs, W., Ernst, D., & Prexl, S. (2011). Corporate Finance Training – Planung, Bewertung und Finanzierung von Unternehmen (2. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Gasch, S. (2022). Die Problematik der Inflation in der Rechnungslegung. Springer Gabler. Geschäftsberichte der ausgewählten DAX-40-Unternehmen. (2020–2023). Zugegriffen: 31. Juli. 2023. Erreichbar unter den offiziellen Webseiten der Unternehmen BMW, Volkswagen, E.ON, RWE, Commerzbank und Deutsche Bank. Heesen, B. (2020). Basiswissen Bilanzanalyse – Schneller Einstieg in Jahresabschluss, Bilanz und GuV (4. Aufl.). Springer Gabler. Kaiser, D. (2013). Advanced Treasury Management – Finanzierung und Investition für Fortgeschrittene. Springer Gabler. Küting, K., & Weber, C. (2015). Die Bilanzanalyse – Beurteilung von Abschlüssen nach HGB und IFRS (11. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Kuhner, C., & Maltry, H. (2017). Unternehmensbewertung (2. Aufl.). Springer Gabler. Matschke, M. J., & Brösel, G. (2013). Unternehmensbewertung: Funktionen – Methoden – Grundsätze (4. Aufl.). Springer Gabler.
100 5 Empirische Analyse ausgewählter DAX-40-Unternehmen Menzel, S. (2023). Neu- und Gebrauchtwagenpreise in Deutschland erreichen Rekordhoch. https:// www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/inflation-neu-und-gebrauchtwagenpreise-in-deu tschland-erreichen-rekordhoch/28930812.html. Zugegriffen: 19. Aug. 2023. Nickenig, K. (2017). Die Bilanz im Unternehmen – Quantitative Bilanzanalyse. Springer Gabler. Pellens, B., Fülbier, R., Gassen, J., & Sellhorn, T. (2017). Internationale Rechnungslegung: IFRS 1 bis 17, IAS 1 bis 41, IFRIC-Interpretationen, Standardentwürfe (10. Aufl.). Schäffer-Poeschel. Prümer, M. (2005). Cash-Flow-Management – Wie Unternehmen langfristig Liquidität und Rentabilität sichern. Gabler. Pilhofer, J., Herr, S., & Thom, A. (2018). Ausweis von Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung nach IFRS. IRZ 2018, 527. Verlag C.H. BECK. Pilhofer, J., Herr, S., & Wagner, R. (2020). Auswirkungen der Erstanwendung von IFRS 16 auf den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht. KoR, 10 vom 6.10.2020. PricewaterhouseCoopers (PwC) GmbH. (2022). Zinswende bringt Milliarden für Banken. https:// www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/banken/die-steigenden-zinsen-sind-ein-segen-fuer-deu tsche-banken.html. Zugegriffen: 10. Juni. 2023. Rinker, C. (2022). Bilanzpolitik, Bilanzkosmetik, Bilanzfälschung – Gestaltungsspielräume nutzen und Manipulation erkennen. Franz Vahlen. Rinker, C., Müller, P., & Münker, F. (2022). Accounting Fraud – Bilanzmanipulationen praxisorientiert verstehen und mit Datenanalysen frühzeitig erkennen, aufklären und verhindern. Springer Gabler. Schmidlin, N. (2020). Unternehmensbewertung & Kennzahlenanalyse – Praxisnahe Einführung mit zahlreichen Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen (3. Aufl.). Vahlen. Schwarz, M. (2022). Die Antworten auf den Energiepreisschock in eine Klimaschutzstrategie einbetten. KfW Research. Fokus Volkswirtschaft. https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/ Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2022/Fokus-Nr.-385Juni-2022-Energiepreise.pdf. Zugegriffen: 18. Aug. 2023. Seppelfricke, P. (2019). Unternehmensanalysen – Wie man die Zukunft eines Unternehmens prognostiziert. Schäffer-Poeschel. Wöltje, J. (2016). Bilanzen lesen, verstehen und gestalten (12. Aufl.). Haufe.
6 Conclusio der Ergebnisse Zusammenfassung Dieses Kapitel zieht ein umfassendes Fazit zu den Auswirkungen veränderter makroökonomischer Bedingungen, insbesondere der Zinswende und Inflation, auf die Unternehmenssphäre. Die steigenden Zinssätze in der Eurozone, verstärkt durch den Ukraine-Krieg und anhaltende Covid-19-Auswirkungen, führen zu erhöhter Unsicherheit und signifikanten Veränderungen in der Wirtschaft. Die restriktive Geldpolitik der EZB beeinflusst Unternehmensrisiken, Finanzen und Erträge. Unternehmen müssen sich mit steigenden Zinsbelastungen, erhöhten Inflationsraten und volatilen Marktbedingungen auseinandersetzen. Trotz negativer Auswirkungen bieten die neuen Bedingungen auch Chancen für agile Unternehmen. Eine umfassende Risikosteuerung, insbesondere in Bezug auf inhärente Risiken und bilanzielle Posten, wird entscheidend. Die empirische Analyse zeigt unterschiedliche Finanztrends in verschiedenen Sektoren. Insgesamt stehen DAX-40-Unternehmen vor der Herausforderung, sich flexibel anzupassen und effektive Risikomanagementstrategien zu entwickeln, um langfristige Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Das vorliegende wissenschaftliche Fazit dieses Buchs zeichnet ein umfassendes Bild der Auswirkungen der veränderten makroökonomischen Bedingungen, in Bezug auf die Zinswende und die Inflation, auf verschiedene Aspekte der Unternehmenssphäre. Die analysierten Veränderungen manifestieren sich nicht nur in ökonomischen, sondern auch in gesellschaftlichen Dimensionen, und ihre Komplexität spiegelt sich in einer erhöhten Unsicherheit in der globalen Wirtschaft, vor allem innerhalb der Eurozone, wider. Diese © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9_6 101
102 6 Conclusio der Ergebnisse Unsicherheit wird noch durch die anhaltenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verstärkt, die sich in die sog. Endemie überführt hat und weiterhin internationale Lieferketten beeinträchtigt. Zusätzlich verschärft der fortwährende Ukraine-Krieg die Dysfunktionen in den Lieferketten, was wiederum zu einer erheblichen Verknappung der Energie in der Eurozone aufgrund von Sanktionen und Lieferstopps führt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf den Einzelverbraucher, sondern auch auf Unternehmen, die mit erheblichen Preisanstiegen konfrontiert sind. Insbesondere die hohen Energie- und Rohstoffpreise, vor allem für Erdgas, haben zu steigenden Inflationsraten in der Eurozone geführt, die im Oktober 2022 einen Höchststand von 10,4 % erreicht haben. Als Reaktion darauf hat die EZB den Leitzins signifikant auf 4,5 % (Stand: Januar 2024) angehoben, was nach einer elfjährigen Phase der Nullzinspolitik einen neuen Kurs in der Zinspolitik markiert und erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftsrisiken von Unternehmen mit sich bringt. Die steigenden Zinssätze, bedingt durch die Leitzinserhöhung, führen zu einer spürbaren Erhöhung der Zinsbelastungen für Unternehmen. Kapitalgeber verlangen höhere Renditen, um die gestiegenen Refinanzierungszinsen abzudecken und Gewinne zu erzielen. Die allgemeine Preissteigerung und das erhöhte Zinsniveau haben wesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Unternehmen. Dies führt zu signifikanten Einflüssen auf den Jahres- und Konzernabschluss der Unternehmen. Die restriktive Geldpolitik der EZB wirkt sich hemmend auf das Wirtschaftswachstum und die Inflation aus, während das mittelfristige Ziel der EZB darin besteht, eine Inflationsrate von 2 % zu erreichen, um das Zinsniveau absenken zu können. Besonders die erhöhten Zinssätze, die für Investitionsentscheidungen relevant sind, stellen eine Herausforderung dar, da sie das inhärente Risiko steigern. Dies wirkt sich auf Unternehmensbewertungen aus, obwohl dieser Aspekt in dieser Abhandlung nicht im Fokus liegt. Trotz der negativen Konnotationen können eine hohe Inflationsrate und erhöhte Zinskosten auch positive Effekte für Unternehmen haben. Aufgrund steigender Zinseinnahmen erzielen einige DAX-40-Unternehmen positive Ergebnisse. Die empirische Analyse bestätigt, dass die Commerzbank zu den Profiteuren der restriktiven Geldpolitik gehört, da das Einlagen- und Kreditgeschäft einen hohen Zinsüberschuss generiert. Unternehmen können auch höhere Preise für unelastische Güter, wie Grundnahrungsmittel oder Energie, auf Verbraucher übertragen, was in Zeiten hoher Inflation von Vorteil ist. Energiekonzerne konnten aufgrund der Energiekrise Rekordumsätze verzeichnen. Die Analyse zeigt jedoch auch, dass die Kennzahlenveränderungen volatil sind und sich ständig ändern. Angesichts der vielfältigen Risiken, denen Unternehmen ausgesetzt sind, ist eine umfassende Risikosteuerung unerlässlich, um den verschiedenen Risikoarten effektiv zu begegnen. Investitionen sind grundsätzlich mit einem finanziellen Risiko verbunden, insb. in Zeiten hoher Inflation und Zinsen. Eine solche Entscheidung hängt stark von den individuellen Gegebenheiten ab, was Unsicherheiten mit sich bringt. Daher ist eine fundierte Analyse der Chancen und Risiken unerlässlich. Das Konzept des inhärenten Risikos, das als Kombination aus internen und externen Risikofaktoren betrachtet wird, bildet die
6 Conclusio der Ergebnisse 103 Grundlage für eine angemessene Risikosteuerung. Unternehmen streben danach, ein Residualrisiko zu erreichen, indem sie das inhärente Risiko identifizieren, kontrollieren und reduzieren. Dieses Residualrisiko, das trotz erfolgreicher Risikomanagementmaßnahmen bestehen bleibt, wird als Netto-Risiko bezeichnet. Effiziente Risikomaßnahmen reduzieren das Netto-Risiko. Unternehmen, insb. Konzerne, sind verpflichtet, geeignete Überwachungssysteme einzurichten, um den Fortbestand der Geschäftstätigkeit sicherzustellen und bestandsgefährdende Risiken zu erkennen. Das Risikomanagementsystem, das alle internen und externen Risikofaktoren erfasst, spielt eine entscheidende Rolle in dieser Hinsicht. Die Identifikation, Quantifizierung, Aggregation, Überwachung und Bewältigung von Risiken sind zentrale Aktivitäten im Rahmen des Risikomanagements. In Zeiten anhaltender und zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt das Risikocontrolling als essenzieller Bestandteil unternehmerischer Planungs- und Steuerungsprozesse erheblich an Bedeutung. Die vorliegende Abhandlung verdeutlicht, dass die dynamische und komplexe Natur globaler Märkte, politischer Entwicklungen sowie exogener Schocks ein erhöhtes Maß an Unsicherheit in unternehmerischen Umfeldern zur Folge hat. Infolgedessen stehen Unternehmen vor der Herausforderung, adäquate Strategien zu entwickeln, um Risiken zu identifizieren, zu bewerten und aktiv zu steuern, um potenziellen Schäden vorzubeugen und langfristige Resilienz zu gewährleisten. Die vorliegende Abhandlung unterstreicht zudem, dass das Risikocontrolling eine vorausschauende Perspektive einnehmen sollte, um proaktiv auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Die Implementierung geeigneter Informationsmanagementsysteme ermöglicht es Unternehmen, potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zur Risikoreduktion einzuleiten. Dabei ist die Berücksichtigung einer breiten Palette möglicher Risikofaktoren, darunter operative, finanzielle, marktbezogene und zinsinduzierte Risiken, von essenzieller Bedeutung, um ein umfassendes Bild der bestehenden Gefährdungslage zu erhalten. Die vorliegende Untersuchung hebt darüber hinaus hervor, dass das Risikocontrolling nicht nur auf die Minimierung negativer Auswirkungen abzielen sollte, sondern auch Chancen zur Wertschöpfung und Differenzierung in volatilen Märkten bieten kann. Indem Unternehmen eine offene Haltung gegenüber Veränderungen einnehmen und flexibel auf sich bietende Gelegenheiten reagieren, können sie sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Dies erfordert jedoch eine eng verzahnte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens sowie eine transparente Kommunikation auf allen Ebenen. Abschließend lässt sich festhalten, dass das Risikocontrolling in Zeiten unsicherer wirtschaftlicher Entwicklungen eine unverzichtbare Funktion darstellt, um die Nachhaltigkeit und Überlebensfähigkeit von Unternehmen sicherzustellen. Die Fähigkeit, Risiken nicht nur zu identifizieren, sondern auch zu bewerten, zu überwachen und entsprechende Reaktionsstrategien zu implementieren, entscheidet maßgeblich über die Robustheit eines Unternehmens in einem volatilen Geschäftsumfeld. Daher sollte das Risikocontrolling als integraler Bestandteil der unternehmerischen Strategie verstanden werden, der kontinuierlich weiterentwickelt
104 6 Conclusio der Ergebnisse und an aktuelle Marktbedingungen angepasst werden muss, um langfristigen Erfolg zu gewährleisten. Im Zuge dessen lohnt sich die Implementierung eines kennzahlengestützten Risikomanagementprozesses, der unterjährige finanzielle Bilanzveränderungen quantifizieren kann. Die Auswirkungen des gestiegenen Zinsniveaus erstrecken sich auch auf Bilanzposten und beeinflussen die Vermögens- und Schuldenpositionen von Unternehmen. Die Bilanz als Abbild der Gegenüberstellung von Mittelherkunft (Passiva) und Mittelverwendung (Aktiva) wird durch die Veränderungen im Zinsniveau beeinflusst. Sowohl Vermögenswerte als auch Verbindlichkeiten unterliegen den Auswirkungen der Inflation und des Zinsniveaus. Die Anpassungen in den Geschäftsberichten zum Bilanzstichtag verdeutlichen die unsicheren Folgewirkungen der aktuellen Wirtschaftssituation auf die Bilanz. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Inflationsraten und Zinsniveau müssen sorgfältig analysiert werden, da sie unmittelbare Auswirkungen auf verschiedene Bilanzposten haben. Die vorliegende Abhandlung thematisiert zudem die impliziten Effekte des laufenden Ukraine-Konflikts sowie der gegenwärtigen Inflationslage auf ausgewählte Aktivposten der Bilanz. Im Kontext der immateriellen Vermögensgegenstände nach IAS 38, welche als identifizierbare, nicht-monetäre Ressourcen ohne physische Präsenz definiert werden, wird die Möglichkeit von unerwarteten Wertminderungen infolge des Konflikts diskutiert. Eine kritische Prüfung der Werthaltigkeit, insb. aktivierter Geschäftsoder Firmenwerte, wird als notwendig erachtet, wobei Abwertungen ausschließlich bei nachhaltigem Wertverlust indiziert sind. Die Einbeziehung der Inflationsfaktoren und steigender Zinssätze erfordert ein umfassendes Überdenken der Bewertung dieser Vermögensgegenstände. Hinsichtlich der Sachanlagen gem. § 247 ff. HGB und IAS 16 als fundamentale Bestandteile industrieller Unternehmen, wird eine eingehende Analyse ihrer Werthaltigkeit vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts propagiert. Die Konjunktur der Immobilienpreise – von steigenden Zinssätzen beeinflusst – wird als potenzielle Grundlage für außerplanmäßige Abschreibungen von Sachanlagen diskutiert. Besondere Beachtung erfahren dabei der Grund und Boden sowie die Implikationen für Immobilienwerte. Die Auswirkungen auf das Finanzanlagevermögen, welches Wertpapiere und Investitionen umfasst, werden anhand des IAS 39 erläutert. Die Notwendigkeit zur Aktualisierung und Bewertung von latenten Steuern im Rahmen der Krisenbewältigung wird fokussiert, insb. im Kontext von steuerlichen Verlustvorträgen und möglichen Steuerentlastungen. Der Diskurs um Vorräte und Forderungen verdeutlicht, wie die Inflationsdynamik und der Ukraine-Konflikt die finanzielle Lage von Unternehmen beeinflussen. Die Analyse führt zu der Empfehlung, Rohstoff- und Energiekosten als Determinanten für die Überprüfung von Herstellungskosten zu nutzen, um angemessene Werte zu erhalten. Ebenso wird die Anpassung von Forderungen und deren Wertberichtigungen im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Konflikts und der Inflation thematisiert. Abschließend wird das Thema der aktiven Steuerlatenzen behandelt, wobei der Schwerpunkt auf der Bewertung der latenten Steuern im Hinblick auf die steuerlichen
6 Conclusio der Ergebnisse 105 Verlustvorträge liegt. Die Überprüfung der Werthaltigkeit aktiver Steuerlatenzen im Rahmen von veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird als unerlässlich erachtet, um die Genauigkeit der finanziellen Darstellung zu gewährleisten. Analog zu den Aktiva analysiert diese Abhandlung auch die Auswirkungen des aktuellen Ukraine-Konflikts und der Inflationsentwicklung auf ausgewählte Bilanzposten der Passiva. Hierbei werden spezifische Bilanzpositionen wie Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passive Steuerlatenzen beleuchtet. Der Untersuchungsgegenstand Eigenkapital, welcher den verbleibenden Vermögensanteil nach Abzug von Verbindlichkeiten repräsentiert, wird differenziert in gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen, eigene Anteile, Anteile von Minderheitsaktionären und Konzernergebnis. Die direkte und indirekte Beeinflussung des Eigenkapitals durch Inflation wurde erörtert, wobei insb. die Problematik der Folgebewertung des gezeichneten Kapitals aufgrund der Inflation hervorzuheben ist. Rückstellungen, als potenzielle Verpflichtungen mit unklarer rechtlicher Grundlage, wurden in Bezug auf Pensionsverpflichtungen, Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen analysiert. Die Bedingungen für die Bildung von Rückstellungen nach IFRS und HGB wurden erläutert, wobei die Auswirkungen der Inflation und des Ukraine-Konflikts auf mögliche Drohverlustrückstellungen, Verbindlichkeitsrückstellungen und Restrukturierungsrückstellungen betont werden. Der Abschnitt zu Verbindlichkeiten definiert diese als externe finanzielle Verpflichtungen und betrachtet die Unterschiede zwischen kurzfristigen und langfristigen Finanzverbindlichkeiten. Die indirekten Auswirkungen der Inflation auf Verbindlichkeiten wurden erörtert, wobei auf die Abwertung des Geldes und deren Einfluss auf die Schuldenlast sowie auf die steigenden Zinsen und deren Auswirkungen auf die finanzielle Lage von Unternehmen eingegangen wurde. Die Folgewirkungen sind demgemäß vom Bilanzierenden zu untersuchen. Passive Steuerlatenzen, die in wirtschaftlichen Krisenzeiten an Bedeutung gewinnen, werden als Indikator für eine erhöhte Eigenkapitaldarstellung in der Handelsbilanz im Vergleich zur Steuerbilanz beschrieben. Die Möglichkeit der Verrechnung1 passiver und aktiver latenter Steuern gemäß HGB wurde erörtert, wobei betont wird, dass eine erhöhte Entstehung passiver latenter Steuern in Zeiten wirtschaftlicher Krisen zu beachten ist. Zusammenfassend konstatiert dieser Abschnitt, dass wesentliche Auswirkungen sowohl auf die Aktiva als auch Passiva der Bilanz bestehen, weswegen die unternehmerischen Planungsrechnungen angepasst werden müssen. Die empirische Analyse konstatiert, dass BMW im Zeitverlauf eine bemerkenswerte Steigerung seiner finanziellen Ergebnisse verzeichnete. Von 3,2 Mrd. e im Jahr 2020 stieg das Gesamtergebnis bis 2022 auf 20,2 Mrd. e. Dieses Wachstum kann auf verstärkte Geschäftstätigkeit und erfolgreiche strategische Initiativen, während der Covid19-Pandemie zurückgeführt werden. Dennoch scheint das Ergebnis im Jahr 2023 unter dem Einfluss der Zinsen zu leiden. Auch Volkswagen verzeichnet eine kontinuierliche Gesamtergebnissteigerung von 5,2 Mrd. e im Jahr 2020 auf 23,1 Mrd. e im Jahr 2022, resultierend durch eine positive Dynamik im Automobilsektor. Die Auswirkungen der 1 Nicht relevant für den Konzernabschluss nach IFRS.
106 6 Conclusio der Ergebnisse Covid-19-Pandemie waren im Jahr 2020 spürbar, obgleich sich der DAX-Konzern schnell erholte. Ein Anstieg im Jahr 2023 deutet auf eine positive Entwicklung hin, trotz der Auswirkungen des erhöhten Zinsniveaus. Die Energiekonzerne E.ON und RWE zeigen eine gemischte Performance, wobei in bestimmten Jahren negative Gesamtergebnisse auftreten, besonders im Jahr 2020, bedingt durch die Energieknappheit aufgrund des Ukraine-Konflikts. Die beiden Banken, Commerzbank und Deutsche Bank, zeigen ebenfalls volatile Gesamtergebnisse. Während die Commerzbank in den Jahren 2021 und 2022 eine positive Performance verzeichnete, zeigte die Deutsche Bank einen positiven Trend in den Jahren 2020 und 2021. Die steigenden Zinsen wirken sich positiv auf die Profitabilität der Banken aus. Die Analyse der Free Cashflows zeigt, dass BMW eine bemerkenswerte Steigerung von 9,6 Mrd. e im Jahr 2020 auf 18,7 Mrd. e im Jahr 2022 verzeichnete, obwohl eine leichte Reduktion im ersten Halbjahr 2023 erkennbar ist. Volkswagen verzeichnete einen starken Schwankungsbereich in seinen Free Cashflows, während E.ON und RWE im Allgemeinen stabile oder leicht ansteigende Werte aufwiesen. Die Banken, insb. die Commerzbank, wiesen signifikante Volatilität in ihren Free Cashflows auf, wobei interne Faktoren wie das Einlagengeschäft eine Rolle spielen. Die vertikalen Bilanzkennzahlen verdeutlichen die Entwicklung der Eigenkapitalquote, der Fremdkapitalquote, des Verschuldungsgrads, der Umlaufintensität und der Anlageintensität. Die Eigenkapitalquoten der betrachteten Unternehmen zeigten insgesamt eine Tendenz zur Stärkung, während die Fremdkapitalquoten eher rückläufig waren. Die Verschuldungsgrade und die Umlaufintensität zeigten gemischte Entwicklungen, die teilweise auf externe Faktoren wie den Ukraine-Konflikt und das steigende Zinsniveau zurückzuführen sind. Die Anlageintensität tendierte dazu, in den meisten Unternehmen leicht abzunehmen. Die horizontale Bilanzanalyse zeigt, dass die meisten Unternehmen ihre Fähigkeit zur Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten verbessert haben, wobei E.ON und RWE aufgrund von externen Einflüssen wie dem Ukraine-Konflikt größere Schwankungen aufweisen. Die Liquidität 1. Grades zeigt, dass die meisten Unternehmen in der Lage sind, ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten mit liquiden Mitteln zu decken, wobei Volkswagen hier besonders positiv hervorsticht. Die Liquidität 2. Grades, die auch die Vorräte berücksichtigt, zeigt ähnliche Trends wie die Liquidität 1. Grades. Insgesamt illustriert die empirische Analyse, dass die DAX-40-Unternehmen in den verschiedenen Sektoren unterschiedliche Trends in ihren finanziellen Ergebnissen aufweisen, die durch eine Vielzahl von externen Faktoren, einschließlich der globalen wirtschaftlichen Entwicklungen, beeinflusst werden. Insgesamt zeigt sich, dass die aktuellen Wirtschaftsentwicklungen vielfältige Effekte auf inhärente Risiken und ausgewählte Bilanzposten haben. Diese Abhandlung legt den Fokus auf die Schnittstellen dieser Aspekte und zielt darauf ab, die theoretischen Analysen durch empirische Daten zu validieren. Während die Fachliteratur bereits eine solide Grundlage bietet, umfassen die aktuellen Entwicklungen eine Dimension der Unsicherheit und Veränderung, die eine gezielte Untersuchung erfordert. Diese Untersuchung zielt darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen und detaillierte Einblicke in die tatsächlichen
6 Conclusio der Ergebnisse 107 Auswirkungen zu liefern. Unternehmen sind dazu angehalten, geeignete Risikomanagementstrategien zu entwickeln, um den Herausforderungen des sich verändernden Umfelds zu begegnen. Während die Zinswende und die Inflation zweifellos Unsicherheiten mit sich bringen, bieten sie auch Chancen für Unternehmen, die sich agil an die neuen Bedingungen anpassen können. Die aktuelle wirtschaftliche Situation ist von wesentlicher Unsicherheit geprägt. Dementsprechend sind zudem auch bilanzielle Folgewirkungen realwirtschaftlicher Sachverhalte schwierig abzuschätzen. Daher ist es essenziell, die diversen Wirkungsweisen und Korrelationen der Inflationsraten und des Zinsniveaus in Bezug auf inhärente Risiken und bilanzielle Posten zu überblicken. Denn lediglich so lassen sich die sachimmanenten Krisenauswirkungen zutreffend abschätzen. Vor dem Hintergrund steigender Zinsen gewinnen hierdurch auch bilanzielle Planungsrechnungen zunehmend an Bedeutung, um unkontrollierbare Ereignisse möglichst zu vermeiden (vgl. Zwirner et al. (2023), o. S.). Eine Prognose des Unicredit-Chefökonoms Nielsen kommt zum Ergebnis, das die EZB-Zinsen zu hoch sind, da das mittelfristige Inflationsziel bereits 2024 erreicht wird. Die Zinserhöhungen werden aber nicht in gleicher Geschwindigkeit in einem Zinsabschwung resultieren, wodurch eine zunehmende Belastung für Unternehmen entsteht. Die Kreditnachfrage des Unternehmenssektors ist auf einem sehr niedrigen Stand (vgl. Rohrig (2023), o. S; siehe weiterführend die Bank Lending Survey der EZB). Basierend auf den dargelegten Analysen und empirischen Daten lässt sich prognostizieren, dass die DAX-40-Unternehmen in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehen werden, die sich aus den komplexen Wechselwirkungen der genannten Faktoren ergeben. Die globale wirtschaftliche Unsicherheit wird sich voraussichtlich weiterhin auf die Geschäftstätigkeit auswirken. Die fortwährenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der andauernde Ukraine-Konflikt werden die Lieferketten beeinträchtigen und somit das operative Umfeld der Unternehmen beeinflussen. Unternehmen werden gezwungen sein, sich flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die prognostizierte Anhebung der Zinsen durch die EZB wird zu höheren Finanzierungskosten für Unternehmen führen. Dies wird insb. für Unternehmen relevant sein, die stark von Fremdfinanzierung abhängig sind. Die steigenden Zinsbelastungen könnten die Rentabilität beeinträchtigen und erfordern eine sorgfältige Kapitalallokation. Die durchgeführte Bilanzanalyse legt nahe, dass Unternehmen ihre Bilanzpositionen, insb. im Hinblick auf Eigenkapital, Fremdkapital und Liquidität, stärker aufeinander abstimmen müssen. Die Veränderungen im Zinsniveau und in der Inflationsdynamik könnten die Bewertung von Aktiva und Passiva beeinflussen, was sich ceteris paribus auf die Gesamtstabilität und die Finanzierungsstrategien der Unternehmen auswirkt. Unternehmen werden verstärkt daran arbeiten müssen, ihre Risikomanagementstrategien zu verbessern, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Dies beinhaltet nicht nur die Identifizierung und Bewertung von Risiken, sondern auch die gezielte Nutzung von Chancen, die sich aus der aktuellen wirtschaftlichen Situation ergeben. Die Bilanzierung und Berichterstattung der Unternehmen haben angesichts der komplexen Wechselwirkungen zwischen Inflation, Zinssätzen und anderen Faktoren an Bedeutung gewinnen. Die
108 6 Conclusio der Ergebnisse Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Finanzberichte die tatsächliche finanzielle Lage und die Auswirkungen der genannten Faktoren adäquat widerspiegeln – hierbei steigen auch die Anforderungen an die gesetzlichen Abschlussprüfer. Summa Summarum lässt sich prognostizieren, dass Unternehmen in den kommenden Jahren vor einer komplexen und unsicheren wirtschaftlichen Situation stehen werden, die durch die Interaktion von Faktoren wie Zinswende, Inflation, geopolitischen Konflikten und globalen Pandemien geprägt ist. Unternehmen werden sich auf eine erhöhte Unsicherheit einstellen und ihre strategischen Ansätze, Risikomanagementstrategien und Finanzierungsentscheidungen entsprechend anpassen müssen, um langfristige Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Literatur Rohrig, D. (2023). Die EZB-Zinsen sind jetzt viel zu hoch, sagt Unicredit-Chefökonom Eric Nielsen. https://finanzbusiness.de/nachrichten/banken/article16342885.ece. Zugegriffen: 12. Aug. 2023. Zwirner, C., Vodermeier, M., & Krauß. F. (2023). Auswirkungen der Zinswende auf die Bilanzierung der Unternehmen. https://www.kleeberg.de/2023/03/30/auswirkungen-der-zinswende-aufdie-bilanzierung-der-unternehmen/. Zugegriffen: 3. Mai 2023.
Appendix A Monatliche Entwicklung der Bauzinsen in Deutschland bis 2023. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Statista GmbH (2023c), o. S.) 10 Jahre Sollzinsbindung 15 Jahre Sollzinsbindung 2010 4,20 % 4,50 % 2012 3,31 % 3,70 % 2014 2,67 % 3,20 % 2016 1,57 % 2,05 % 2018 1,34 % 1,75 % 2020 0,85 % 1,22 % 2022 1,00 % 1,29 % 2023 3,78 % 3,73 % © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 109
Appendix B Jahresüberschuss/ Jahresfehlbetrag Auftragsbestand Gesamtkapitalrentabilität Finanzergebnis Kapitalumschlagshäufigkeit Umsatz Eigenkapitalrentabilität Außerordentliches Ergebnis Umsatzrentabilität Erzeugnisumschlagszeit ROCE Betriebsergebnis ROI Materialumschlagszeit WACC Forderungsumschlagszeit RL-VA Ausgewählte Kennzahlen zu Ertrag und Rentabilität. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Linsner und Gleich (2019), S. 52; Schmidlin (2020), S. 41–62) © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 111
Appendix C Liquide Mittel Liquiditätsgrad 1 - 3 Cashflow Laufender Einnahmenüberschuss Dynamischer Verschuldungsgrad Intervallfinanzplanung Working Capital Disponierbarer Einnahmenüberschuss Liquiditätskoeffizient Anlagendeckung Ausgewählte Finanz- und Liquiditätskennzahlen. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Linsner und Gleich (2019), S. 53; Schmidlin (2020), S. 91–105; Reichmann et al. (2017), S. 132.) © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 113
Appendix D Effektiver Finanz- und Liquiditätscontrolling-Prozess. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Linsner und Gleich (2019), S. 41) © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 115
Appendix E Schema der Kapitalflussrechnung gem. DRS 21 nach der indirekten Methode. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Seppelfricke (2012), S. 51; DRSC (2014), S. 17 ff.; Coenenberg et al. (2012), S. 1083 ff.) 1 Periodenergebnis 2 −/ + Abschreibungen/Zuschreibungen auf Gegenstände des AV 3 ± Zunahme/Abnahme der Rückstellungen 4 ± Sonstige zahlungswirksame Aufwendungen/Erträge 5 ± Zunahme/Abnahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferung und Leistung sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind 6 ± Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind 7 ± Gewinn/Verlust aus dem Abgang von Gegenständen des AV 8 ± Zinsaufwendungen/Zinserträge 9 − Sonstige Beteiligungserträge 10 ± Aufwendungen/Erträge aus außerordentlichen Posten 11 −/ + Ertragsteueraufwand/-ertrag 12 + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten 13 − Auszahlungen aus außerordentlichen Posten 14 ± Ertragsteuerzahlungen 15 = Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 16 + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens 17 − Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle AV 18 + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens 19 − Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen (Fortsetzung) © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 117
118 Appendix E (Fortsetzung) 1 Periodenergebnis 20 + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Finanzanlagevermögens 21 − Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen 22 + Einzahlungen aus Abgängen aus dem Konsolidierungskreis 23 − Auszahlungen für Zugänge zum Konsolidierungskreis 24 + Einzahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzmitteldisposition 25 − Auszahlungen aufgrund von Finanzmittelanlagen im Rahmen der kurzfristigen Finanzmitteldisposition 26 + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten 27 − Auszahlungen aus außerordentlichen Posten 28 + Erhaltene Zinsen 29 + Erhaltene Dividenden 30 = Cashflow aus der Investitionstätigkeit 31 + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von Gesellschaftern des Mutterunternehmens 32 + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von anderen Gesellschaftern 33 − Auszahlungen aus Eigenkapitalherabsetzungen an Gesellschafter des Mutterunternehmens 34 − Auszahlungen aus Eigenkapitalherabsetzungen an andere Gesellschafter 35 + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von Krediten 36 − Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und Krediten 37 + Einzahlungen aus erhaltenen Zuschüssen/Zuwendungen 38 + Einzahlungen aus außerordentlichen Posten 39 − Auszahlung aus außerordentlichen Posten 40 − Gezahlte Zinsen 41 − Gezahlte Dividenden an Gesellschafter des Mutterunternehmens 42 − Gezahlte Dividenden an andere Gesellschafter 43 = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit
Appendix F Synopse zu den Auswirkungen der Inflation auf Bilanzposten. (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Gasch (2022), S. 40) Aktiva Passiva Imm. Vermögensgegenstände: Mittelmäßige Auswirkungen und direkter Einfluss. Folgebewertung unterliegt Einschränkung Eigenkapital: Direkter Einfluss auf gezeichnetes Kapital sowie indirekter Einfluss auf Rücklagen. Starke Auswirkungen. Eine Folgebewertung ist sinnvoll Sachanlagen: Mittelmäßige Auswirkungen sowie direkter Einfluss. Folgebewertung unterliegt Einschränkung Rückstellungen: Mittelschwere Auswirkungen und indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll Finanzanlagen: Leichte bis mittelmäßige Auswirkungen und indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll Verbindlichkeiten: Mittlere Auswirkungsgrade sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll Vorräte: Starke Auswirkung und direkter Einfluss. Folgebewertung sinnvoll Forderungen: Eher leichte Auswirkungen und direkter Einfluss. Folgebewertung ist nicht relevant Wertpapiere: Leichte bis mittlere Auswirkungen sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ist sinnvoll Liquide Mittel: Mittlere Auswirkungen sowie indirekter Einfluss. Folgebewertung ausgeschlossen © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2024 C. Heiler und T. Derr, Makroökonomie im Wandel, https://doi.org/10.1007/978-3-658-44566-9 119
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