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Автор: Struckmeier S.
Теги: kunst textilien kleidung bekleidungsdesign
ISBN: 978-3-8309-2527-9
Год: 2011
Текст
Cottbuscr Studicn
zur Geschichte von Technik, Arbeit und Umwelt
hcrausgcgcbcn von Gunter Bayerl
Band 35
Wax man n 201 I
Miinsler/ New York / Miinchen / Berlin
Sabine Struckmeier
Die Textilfarberei vom Spatmittelalter bis
zur Friihen Neuzeit (14.-16. Jahrhundert)
Einc naturwisscnschaftlich-tcchnische Analyse
deutschspraehiger Quellen
Waxmann 20! 1
Minister / New York / Miinehen / Berlin
Bibliograflsclic Informatioiicii (lor Dciitschcn Nationalbibliotlick
Die Deutsche Nationalbibliolhek verzeielinet diese Publikalion
in der Deulschen Nalionalbibliografie; detaillierle bibliograllselie
Dalen sind im Inlernel liber hllp://dnb.d-nb.de abrulbar.
ISBN 978-3-8309-2527-9
ISSN 1430-2659
(o Waxmann Verlag GmbH, 201 I
Poslfach <8603,48046 Minister
www.waxmaim.com
in loft/ waxmann.com
Umschlaggeslallung: PIcMmann Design, Ascheberg
Umsehlagbild: Wolllarbcr mil I arbeslock:
I laiisbuch der I.andauerschen /wbllhriidcrstiflung. Bd. 1, fol. 13r,
Stacllbibliolhek Niirnbcrg | Abb. 279.2''|
Druck: Hubert & Co., Gottingen
(iedruckl auf allerungsbeslandigem Papier, saurelVei gemaB ISO 9706
Printed in Germany
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Inhalt
Danksagung 9
1. Xielsetzung und mclhodischcs Vorgchcn 1 1
2. Quellcnauswahl, Bcgriffc und Dcilnitioncn 19
2.1 Quellen und Begriindung der Quellcnauswahl 19
2.2 Farb- und farbcrcitcchnische Bcgriffc 23
2.2.1 Farbe, Farbnamcn und Farbordnungssysteme 25
2.2.2 Farbmessung 27
2.2.3 Farbmittel, Farbstoff, Pigment und Farbcdrogc 30
2.2.4 Farbcntstehung bei Farbstoffcn und Pigmenten 31
2.2.5 Farbstoffe nach farbercilechnischen Prinzipien 34
2.2.6 Farbeverfahrcn 35
2.2.7 Farbeparainclcr 37
2.2.8 Fchtheilen von Farbungen 37
3. Farberei im Mittelalter 39
3.1 Rezeptarten in den Quellen 39
3.2 Farbctechnik in den Quellen 43
3.3 Ressourcennulzung und Umweltprobleme 47
4. Farbcvorschriften fur das Ausziehverfahrcn in den Quellen 50
4.1 Faserarl und Fasermenge 51
4.2 Wasserqualilat und -menge (Flollenverhaltnis) 64
4.3 Beizen und Bcizmittel 66
4.3.1 Maun 70
4.3.2 Vilriole 22
4.3.3 Weilere Melalle als Bcizmittel 24
4.3.4 (ierbstoffe 25
4.3.5 Weinstein und Kleic 22
4.3.6 Auswertung der Farbcvorschriften beziiglich der Beiz- und
Beizmittelart 28
4.4 Farbe-pl I-Wert XO
4.4.1 Saure Flotlen К1
4.4.2 Alkalische Hotten 84
4.4.3 Auswertung der Farbcvorschriften beziiglich des Flotlen-pl 1-Wertes ....89
4.5 Farbetcmperatur und 1'arbezeil 00
4.6 I lilfsmitlel fiir die Farbung 03
5. Farbmittel in den Quellen 08
5.1 Anlhrachinonfarbsloffc 00
5.1.1 Krapp 00
5.1.2 Labkrauter 103
5.1.3 Kermes, C’ochcnille, Stocklack 104
5.1.4 Weilere Farbmittel mit Anthrachinonfarbstoffen 108
6 Inhall
5.2 Basische h'arbstoHe (Bcrbcrit/c und Schbllkraut) 109
5.3 BenzochinonlarbstolTe (Sailor) 1 1 1
5.4 C'arotinoidfarbstoffe 1 15
5.4.1 Salran 1 16
5.4.2 Carolinoide in Schalenlieren 120
5.5 I'lavonoidfarbstoffc 121
5.5.1 I'lavone (larberwau, harberscharle, harberginster) 122
5.5.2 Navonole ((ielbholz, Kreuzdornbeeren, Saltfarben) 126
5.5.3 Wcitcrc Pllanzen mil I'lavonolfarbstolYen 133
5.5.4 AnlhocyanlarbslolTe in Bccrcn und Bli'iten 135
5.6 (ierbsloffc als I'arbmittcl 161
5.7 Indigoide I'arbstoffe 170
5.8 NaphthochinonfarbstolTe 182
5.8.1 Walnussschale 182
5.8.2 Alkanna 183
5.9 Ncollavonoidfarbsloffe (Brasilholz) 184
5.10 Ribollavin 190
5.1 1 Unlosliche Rolholzer (Sandclholz) 190
5.12 Pigmentc 191
5.12.1 Blaupigmcntc 192
5.12.2 Rolpigmcnle 194
5.12.3 (iclbpigmcnlc 195
5.12.4 (iriinpigmente 196
5.12.5 Braun- und Schwarzpigmcnlc 197
5.12.6 Pigmentc in den Quellcn 197
5.13 Nieht zu identifizierende 1'arbmittel 201
6. I arbeexperimenle nach historischen Anleitungen 204
6.1 Rekonslruklion der Farbebedingungen Vorversuehe 205
6.2 Blau- und Violell larbungen 208
6.2.1 I arbungen mit lleidel- und Holunderbeeren 208
6.2.2 I'arbungen mit Kornblumen- und Mohnbliiten 210
6.2.3 l arbungen mit Waidindigo und Kombinationslarbungen mit Beeren ..21 1
6.2.4 Violetllarbung mit Brasilholz und Laugennachbchandlung 213
6.3 Rot larbungen 213
6.3.1 1 arbungen mil Brasilholz 214
6.3.2 I'arbungen mit Krapp 2 15
6.3.3 l arbungen mil Sailor 216
6.3.4 I'arbungen mit Brasilholz und Ahornlaub 216
6.4 (ielblarbungen 217
6.4.1 I'arbungen mit 1'arberwau 2 19
6.4.2 l arbungen mit unreilen Kreuzdornbeeren 219
6.4.3 1 arbungen mit Sallorgclb 219
6.4.4 harbungen mil Salran 220
6.5 (i riin I arbungen 221
6.5.1 I'arbungen mit (iriinspan 222
6.5.2 I'arbungen mit reifen Kreuzdornbeeren (Saflgriin) 223
Inhall
1
6.5.3 Kombi nations larbung mit Waid und Farberwau 223
6.6 Schwarz- und (iraularbungen 241
6.7 Braun Farbungcn 245
6.7.1 Farbungcn mit Walnussschale 246
6.7.2 Farbungcn mil Brasilholz und Krapp 247
6.8 Lchtheitspriifungcn an Farbungcn nach historischcn Anlcitungen 248
6.8.1 Priifung dcr Lichtcchthcit 248
6.8.2 Priifung dcr Waschcchthcil 25 1
7. Prinzipicn und naturwissenschalllich-technische Grundlagen
konservatorischcn I landclns 255
7.1 Farbstoffanalysc bci historischcn Tcxlilicn 258
7.2 Waschcn und Rcinigcn (Nasscchthcit) 262
7.3 Lagcrung und Presentation (Lichtcchthcit) 264
8. Zusammcnfassung und Ausblick 268
9. Litcraturvcrzcichnis 282
9.1 Primarqucllcn 282
9.2 Sckundarl iteratin' 283
9.3 Intcrnclqucllen und Datcnbankcn 310
9.4 Normcn 316
10. Abkiirzungsvcrzcichnis 3 18
1 1 • Abbildungsvcrzcichnis 321
12. Tabellenverzcichnis 323
13. Farblafclvcrzcichnis 325
14. Anhang 327
14.1 lirlautcrungcn zu den vcrwcndctcn Primarqucllcn 327
14.2 Tabcllarischc Synopscn vvcitcrcr Farbeanlcitungcn 339
14.3 Malta und Gcwichtc in den Quel tan 350
14.4 Gerate und Material 352
14.4.1 Farbe-, Bclichtungs- und Farbmessgeral 352
14.4.2 Farbemittel 353
14.4.3 Chemikalien und I lilfsmittel 353
Danksagung
Die vorliegcntle Arbeil entsland als Dissertation am chemaligen Inslilut fur Textil-
und Bekieidungsteehnik unci ihre Didaktik der Leibniz Universital Hannover in
Zusammenarbeil mil dem Institut fiir Tcehnische Chemie. Mein Dank gilt meinen
Betreuern Frau Prof, (iiidrun Schreiber unci I lerrn Prof. Dr. T homas Scheper.
Fiir die Hilfe bei der Literaturrechcrchc und Lileraturbesehaflung danke ich den
Milarbeilern der CiolUVied Wilhelm Leibniz Bibliolhek und der Teehnisehen In-
formationsbibliothek und Universitatsbibliothek Hannover, ein ganz besonderer
Dank gilt Ingeborg Muirhead, die so vielcs moglich machte.
In Fragen der Texlilrestaurierung waren mir Frau Dipl.-Rest. Carmen Markerl und
Frau Dipl.-Des. Lva Jordan-Fahrbach vom Herzog Anton Ulrich-Museum, Braun¬
schweig, belli 1П ich.
Der Stadtbibliothek Niirnberg, insbesondere Dr. Christine Sauer, danke ich fiir die
Liiaubnis, Abbildungen aus den 1 Iausbiichern der Mendelschen und Landauerschen
Zwolfbriiderstiftungen zu verwenden; ebenfalls danke ich Dr. Georg Kremer von
der Firma Kremer Pigmenle (imbll & Co. K(i, Aichsletlen fiir die Ubcrlassung von
Farbmitlel lotos. Lin herzlieher Dank gilt Judith Wolff von der Sail 1, die mich bei
der Beschafiling der Farbmitlel sovvie zeitweise bei der Diirchllihrung der Farbeex-
perimente unlersliitzt hat und Slefanie Meyer, die das abschlieBcnde Korrekturlesen
iibernommen hat.
Sell I ieBl ich danke ich den chemaligen Kolleginnen und Kollegen aus dem Institut
fiir Textil- und Bekieidungsteehnik, Dipl.-Ing. Sylvia Bossenz, Sabine Sarnoch,
Prof. Dr.-Ing. Dittrich und Prof. Dr. Reumann, sowie meinen Freundinnen Dr.
Anne Reich, Prof. Dorothea Wenzel und Dr. Ute llayen Fiir die Unterstiitzung und
FreundschalT, die ich im Laufe der Jahre erfahren habe. Lin herzlieher Dank gilt
f rank Schrader und Bernhard Sieve aus dem Institut fiir Didaktik der Naturwissen-
schaften, Fachgcbiet Chcmiedidaklik, die mir in der letzten Phase der Arbeit mit
Rat und llille zur Seite standen sowie I lerrn Prof. Dr. Sascha Schanze, der den Ab-
schluss dieser Arbeil ermdglichte.
Niehl zuletzt gilt der Dank meiner Familie, insbesondere Thomas, der die Jahre mil
mir und meiner Arbeit mil (ilcichmul und viel Toleranz ertragen hat.
1. Zielsetzung und methodisches Vorgehen
Farben sind fasziniercnd. Ubcr Wahrnehmung, Hindruck und Ausdruck bcslchl cin
bcsondcrcs Verhaltnis zwischcn Mensch und Farbe. Dahcr hat dcr Mensch schon frith
larbige Materialien benutzt, um sich sclbst b/.w. seine Umwell zu geslallen und zu
versehonern. Die Farbgebung dureh Malen oder Farben liissl sieh bis in die prahislori-
sehe /eit zuruekllihren. Als Beispiel lur die Anwendung von Farbpigmenten in der
Hbhlenmalerci sei bier die 1994 im Ardeche (Frankreich) entdeckte Ilohle Chauvel-
Ponl-d’Are genannl, deren Malcrcicn nach Cu-Datierungen z.Z. als die Altesten der
Welt geltcn (ca. 33.500 v. Chr.)1. Die Farbigkeit wurde durch die Verwendung von
Frdpigmenten wie Ocker oder Umbra erreicht. Das 1 laupteinsatzgebiet der Pigmente
war die Malerei. Sehon in der Antike wurde den in der Natur selten vorkommenden
Farblbnen, wie z.B. Blau, ein besonderer Wert beigemessen und Rohmaterialien lur
die synthetisehe Pigmcntgewinnung wurden gesuehl.2 3Die Deulung des BegriHes Farbe und die wissensehaltliehen I lintergriinde lur die
Farbentstehung wurden seit der Antike von Philosophen und Naturwissensehaftlern
erforseht. Die grieehisehen Autoren Pythagoras (580 496 v. Chr.), Demokril (um 460
um 370 v. Chr.) und Plato (427 347 v. Chr.), enlwiekelten ersle Farblheorien. Am
umfangreiehsten waren die Arbeiten von Aristoteles (384 322 v. Chr.), der den Xu-
sammenhang zwisehen Farbe und Liehl erkannte und postulierle, dass Farbe nur im
Lieht sichlbar sei. Romisehe Verfasser, wie Plinius (23 79 n. Chr.) oder Dioskurides
(1. Jh. n. Chr.), besehalliglen sieh vorrangig mit den Rohstoffen, die zum Malen und
Farben verwendet wurden. ' Die bis zu diesem Zcitpunkt erziellen Frgebnisse batten im
Wesenlliehen bis zum I hide des Millelalters Besland. Nun kam aber ein weilerer As-
pekl, die Farbensymbolik, hinzu, die Farben vorrangig im biblisehen und herrsehaltli-
ehen Kontext deutete. Naeh mittelalterlicher AulTassung gehbrten die Farben zur Welt
1 Vgl. Valladas et al.: Palaeolithic paintings, S. 479. Die Frgebnisse dieser IJntersucluingen sind
m/wisclien unistritten. None C 1 '-Daticrungen sollcn durchgcliihrt werden. Zu tlen \eiweiule-
len I aihmilleln vgl. Vignaud el al.: FarbsloiTe praliislorisclier Malcrcicn, S. 48. Weilere /cug-
nissc dcr Anwendung von Figmcntcn lur die Wandmalerci sind aus Altamira (Nordspanien.
ca. 15.000 v. C’lir.), l.ascaux (17.000 15.000 v. C hr.) oder (,’alal lliiyiik (Tiirkci. ca. 6.000 \.
C'lir.) bekannt; vgl. Iiicr/.u Deutsches Museum: Altamira-I lohlc; vgl. Zalin: Farbe. Kunst und
Tcchnik. S. 59 70.
2 Bereits im Agyplcn dcr vordynastischen Zeit wurden Mcthodcn lur die (iewinnung eincs
kiinstlichen Blaupigmcntcs mit ausreiehender Stabilitiil cntwickclt. Fs ist heulc als Agyplisch-
Blau bekannt und wurde /.B. in dcr Farbschichl dcr Biiste dcr NolVctctc naehgcwicsen. In
China wurden Chincsiseh-Blau und Chinesiseh-Purpur (auch: llan-Blau und I laibPurpur)
cntwickclt. die deni Agyptisch-Blau \crwandt sind. Beide Pigmente wurden in den 1 arb-
sehiehten dcr ГсггакоПа-Агтсс des ersten Kaisers Qin Shiluiang (221 207 v. Chr.) identill-
•/iert. Vgl. Bcrkc: Chcmic im Altcrtum, S. 2595 2600; \gl. Pages-Camagna, Colinart: Agvp-
tiscli Blau und (iri'in. S. 2483 2487; vgl. Bcrkc, Wiedemann: Das Blau tier Terrakolla-Armce;
vgl. Krejsa: Die Chinesischen Tonkrieger, vgl. Krejsa: Tcrrakolta-Armee; vgl. Karisch: Farben
der (Jotter. S. 22 23; vgl. Knit/: 7000 Jahre Chcmic, S. 10.
3 Vgl. (iericke, Selione: Phaimmen l arbe, S. II 17.
12
Zic/selziutg und nicthodischcs Vorgehen
dor signillkanlcn Dingo, die Zeichcncharakler halten und mil bcstimmlcn Figenschaf-
ten vcrbundcn wurdcn. Mitlclaltcrlichc Farbbezeichnungen haben unlcrschicdlichcn
Dculimgshinlcrgrund und miissen im Zusammcnhang bctrachtcl wcrdcn. So sleht z.B.
die Farbe roten Blules lur die Passion Christi, die role Feuerglut llir den I leiligen
Cieisl, die Schamrole lur die BuBe, die Farbe eines mien Weines llir das Blut Christi,
aberdie Farbe rollieh gefleekter Haut eines Aussatzigen llir die Siinde.4 5 6Weilere Belraehlungen zum Thema I'arbe wurden ersl wiedcr in der Zeit der
Renaissanee, insbesondere dureh Leonardo da Vinci (1452 1519) und Albrecht
Diner (1471 1528), angestelllF Den Zusammenhang zwisehen Licht und Farbe
wies spater Isaac Newton (1643 -1727) nach. Zusal/.lich beschaftigle er sich mit der
Farbmisehung und entwickelte einen Farblonkreis/’ Fine umfassende Farbtheoric
und -lehre, in deren Mitlelpunkt Wirkung und Ausdruek von Farben stand, wurde
von Johann Wolfgang von (ioelhe (1749- 1832) erarbeitel. Nach der Knldeckung
der synthelisehen Farbstoffe hiell die Mathematik Finzug in die Farbcnthcorie. Die
Anlorderungen einer waehsenden Industrie flihrlen zunaehst zur Fnlwicklung von
Farbordnungssystemen (z.B. Munsell), die die Vielfalt der Farbldnc benannten und
die Vorausselzung llir ilire Reproduzierbarkeit sehufen. Anlang des 20. Jahrhun-
derls wurden die Farbordnungssysteme dureh die Theorie und Praxis der Farb-
metrik erganzt, deren Wegbereiler die Physiker James Clerek Maxwell (1831
1879) und Hermann von Helmholtz (1821 1894) sowie der Chemikcr Wilhelm
Oslwald (1 853 1932) waren.
Die heute gelaufigen physikalisehen und ehemisehen Vorgange, die cine Farbung
bewirken, waren bis in das spate Millelalter hinein nieht bekannt. Man glaubte an
cine Kraft in den Pflanzen, die beim Farben auf die Tcxtilien iiberlragen wurde und
deren Farbe verursachle. Diese Vorstellung beruhle auf dem Volksglauben aus
germaniseher und keltiseher Zeit, der Pllanzen und Baumen myslisehe Figenschaf-
ten zusehrieb. Die Frnte- und Sammelzeiten im Friihjahr, zu Johanni odor Miehaeli
beweisen aber, dass ebenso Flrfahrungen aus dem taglichen L.eben beriieksiehtigl
wurden. Zu bestimmlen Jahreszeilen waren der Farbstoffgehall in den Pllanzen und
damit ihre „FarbekralV1 besonders groB. Die iibertragene Kraft konnte dem Textil
bei falseher Behandlung aber wieder entzogen werden, was PloB an einem Beispiel
aus einem Farbebiichlein aus dem spaten 17. Jahrhunderl sehilderl: ..Berhcrbchrc/
Bromhchrcn und Himhccrcn/... wcrdcn gesamme/t von Bartholomdc hiss Michac-
lis/ was hiennit gcfdrht wind/ inu/i/ wan cs h/uhet/ nieht gewaschen wcrdcn/ sonst
wdscht sich die I'arbe aus. “7 Seine Aussage, dass in der Farbcrei ahnlieh wie bei
anderen fextilarbeiten noch im Mittelalter Zauber- und Segensspriiehe verwendel
4 Vgl. l urhc, Fiirber, I'arhensymholik. a. Begril'f, in: Angermann el al.: I.exMa. Pci. 4, Sp. 289;
vgl. Simtmp: Farbe, l aiher. l arhensymholik, 2. I'aibNoikommen; Peispiele der Auslegimg, in:
Angermann et al.: I.exMa, Pci. 4, Sp. 290 291.
5 Vgl. (ierieke, Sehtine: Phanomen I'arbe, S. 17 26.
6 Vgl. elxl., S. 28.
7 Vgl. Floss: Pueh von alien Farben, S. 35.
Zielse/zung und mc/hodischcs Vorgchen
13
wurden,,s erscheint logisch. Anf dicsc Wcisc solltc vcrmutlich das (iclingcn des
Farbevorgangs gcsichert und die 1 Iallbarkcit des Farbtones verbessert werden. Der
weitere Wissens/uwachs bcruhlc auf mil cmpirischen Frgebnissen ergan/ler ITfah-
rung. Besonders deutlich vvird dieses bei dcr Blaularberei mil Iarberwaid oder In¬
digo. Der in den Pflanzen enthallcne blaue Farbsloff wurde erst naeh umlangrei-
eher Aufbercilung des Pflanzcnmalerials siehlbar. Das anschlieBcnde I’arben war
ebenfalls aufwendig, auBerdcm vcrandcrte der Farbsloffbei dieser Prozcdur seine
Farbc von Blau zu Gelb und spiiter wieder zu Blau. Obwohl dieses den friihen Far-
bern als Wundcr ersehienen sein muss, variierlen sie die Farbellollen und zogen
aus ihren Beobaehlungen Sehliisse, die aueh ohne naturwissensehaftliehe Kennlnis-
se im Laufe der Zeit zu immer exaklercn Farbcanleilungen ITihrlen.
Die Texlilhcrstellung gehort zu den altesten Tatigkeiten des Mensehen. In alien
Kulturkreisen wurden Fasern zu Faden und diese zu tcxtilcn Flachen verarbeilet,
aus denen Bekleidung und vielllillige Ausslatlungsgegenslande produzierl wurden.
Fur die Farbgebung wurde zunaehst die Konlraslwirkung dureh belle und dunkle
nalurfarbene Wolle gcnulzt, dieses liisst sieh im deulsehspraehigen Raum insbe-
sondere fur die Bronzezeil naehweisen.4 Archaologische Belege fiir die Nulzung
von Naturfarbstoffen slammen aus kelliseher und germaniseher Zeil sowie dem
friihen Millelalter.* * 9 10
Der Aufwand beim I’arben und die Seltenheil von reinen leuehtenden Farblonen
sorglen dafiir, dass Farben in der Klcidung des Millelallers und der friihen Neuzeil
eine zenlrale Rolle spielten. Sie dienlen zur Verdeulliehung sozialer Ilierarchien
der standisehen Gesellschafl. Als Zeiehen niederer Ilerkunfl Irugen lldrige und
Unfreie Klcidung in blassen oder gebrochcnen Farblonen, wie Cirau und Braun,
banHg aueh ungefarble Woll- und Leinenkleidung.11 Die obcren Sehiehten, insbe-
S Vgl. PloB: I ';irberci in dcr germanischcn I lauswirtschalt, S. 5 7; Johanni isl dcr 24. Jimi, Mi-
chncli ist dcr 29. September.
9 Vgl. 1‘arbc und 1 arben, in: Reck cl a I.: R(iA, Ikl. <S, S. 219.
10 Aus kelliseher Zeit (spate Ilallstatlzeit, urn 450 v. Chr.) slammen die (irabbeigaben aus dem
l iirstengiab von NoehdoiT; vgl. liier/.u Iktnek-lkirgess und Landesdenkmalaml baden-
Wiirltemberg (llrsg.): lloehdorl IV. Aus der germaniseben hisen/eil (um 300 n. ( hr.) stam-
mcn die Praehtmanlcl von Thorsberg und aus dem Vehnenmor. Die (iarne Itir den Thorsberger
Praehtmantel wurden mit Waid in versehiedenen blautdnen gelarbt; vgl. Sehlabow: lexlillun-
de der I-isen/eit, S. 61 66, vgl. ders. Ihaehtmantel Nr. II. Aus der Merowingcr/eil (um 600 n.
Chr.) stammt das sog. Amegundis-(irab in der Iktsilika St. Denis bei Paris. Die im Crab ge-
fimdene Tote trug liber einem Leinenhemd ein Kleid aus violeller Seide und eine lunika aus
dunkelroter b/w. braunioter Seide: vgl. I.nnen: Frauen im Miltelalter, S. 55; vgl. Sasse: Regina
Mater, in: brandt. Koeh: Konigin, KlosterIVau biiiierin, S. 104. Textile ITnule aus der Wikin-
ger/.eit (um 900 n. (’hr.) sind dureh die Ausgrabungen in Oseberg und llaithabu (lledeby) do-
kumentiert. Neben Tapisserieresten wurden Deeken sowie I'ragmente von Woll- und Seiden-
geweben gelunden; vgl. Iliigg: Texli I funde aus dem I Men von llaithabu; vgl. Ingstad:
Textiles IVom the Oseberg Ship; vgl. Christensen et al.: Osebergdronningens grav.
I I Vgl. blanch: Medieval color symbolism, S. I; vgl. Ni.xdorIT, Muller: WeiBe Westen, S. S3 S6;
vgl. Pritchard: Textiles, S. 355 377.
14
Zielsetzung und mc/lmdischcs Zor^chcn
son tic re tier Adel, konnlen sich StolTc in Icuchtcndcn tiefen Larblbnen Icisten und
iiblen mil ihrer Klcidung cine Vorbildfunktion fur die rest I ichc Bevdlkerung aus.
Die ab dem I loehmillelaIter dureh die wirtschaflliche Lnlwicklung immer einlluss-
reieher werdenden Stande driickten ihr neu gewonnenes soziales WertgeluhI dureh
Klcidung und Schmuck aus.12 13 14 So mehren sich zu Bcginn tics 13. Jahrhunderls Bc-
richte, class Bauern Klcidung trugen, die ihnen naeh ihrer gescllsehailliehen Positi¬
on nicht zusland. 1244 verordnelc tier Bayrische Landfrieden (Art. 71), class Bau¬
ern keine vornehmere Klcidung als „graue und bi 11 igcrccfc tragen durltcn.1'
Die slantlische /uordnung dureh Klcidung bzw. Farbc maehte sich insbesondere im
Spatmittclalter und tier Iriihen Neuzeit dureh Ausgrcnzung von Randgruppen bc-
merkbar. „Unehrlichc Hantlwerker‘\ wic Henkcr und Abdeeker, aber aueh fahren-
des Volk, Aussalzige und Prosliluicrlc vvurden in einigen Slacken dureh farbige
Attribute gekennzeiehnet.11 Juden und ,, Antlersglaubige“ vvaren ebenfalls von die-
ser siehlbaren Ausgrenzung betroflen. Die Kennzeichnung tier Juden, meisl dureh
einen gelben, spitzen Nut, einen gelben Ring oder einen runtlen I leek, wurde in
den chrisllichcn Landcrn Mittcleuropas wahrend tier Kreuzziige im 12. und 13.
Jahrhunderl eingeluhrt.11' 1215 besehloss das 4. Laterankonz.il die deulliehe Kenn-
zeichnung tier Juden und Sarazenen.16 Dureh die farbige Markierung auf tier Klei-
dung solllen sic von tier chrisllichcn Bcvolkerung isoliert werden und es sollten
Misehehen verhindert werden. Noch im 15. Jahrhundert wurden these Vorsehriften
in Augsburg (1434), Niirnberg (1451) und Lrankfurt/Main (1452) wietlerholl.17 *Wahrend mittelalterliehe Ilandschriften zum Thema Malerei von den (Kunsl-)
11istorikern Mary P. Merrifield, Lynn Thorndike, Daniel V. Thompson u.a. bereits
12 Vgl. Kiilmel cl nl.: Alltag. im Spiitmittelalter, S. 232; vgl. Dinges: So/.iale I-'iinktion dor Klei-
cIuiil?. S. 52.
13 Line vergleiehbare Besehreibung bauerlieher Kleitlimg summit aus dcr um I 150 entslandenen
Kaiscrchronik cincs Regenshurger (icisllichcn. Vgl. Noun: Quelleii /ur Alllagsgescliiclite,
S. 15 17.
14 Vgl. Nixtloi lI, Miiller: WeiBc Wcslcn, S. 29 41; vgl. Reichcl: Die Kleitler tier Passion, S. 97
I 10. Die Ziiiicher Kleitlemrtliumg von 1319 verpПiclitete Prostituierte /um I ragen eines roten
„kc/)/)/i“; vgl. Kiilmel: Ihkhvorterhueh, S. LI; vgl. Seluisler: Das Lrauenhaus, S. 145. Der Kol-
ner Rill besehloss im .lalire I3S9, doss Dirnen role Sehleier otler Kopfliicher tragen sollten; vgl.
Irsigler, l.assolla: Pelller und (iaukler, Dirnen und llenker, S. 196. In Wien niusslen Dirnen
ein gelbes Tueh an der Aehsel und in Augsburg einen Sehleier mit /wei fmgerbreitem griinen
Slricli Iragen; vgl. Kiilmel: Bildwdrlerbueh, S. LI.
15 Vgl. Deneke: Die Kenn/eiehnung \on Juden, S. 240 252; vgl. Reiehel: Die Kleitler der
Passion, S. 101.
16 Kon/ile siiul Versanimlungen tier katholisehen Pischdle und kirehlieher Wiirtlentniger /ur
l'.r(>rlerung von IViigen der l.ehre. Die Beschliisse sind gesamlkirehlieh bindend. Das 4.
Lalcrankon/il lantl 1215 unter Papsi lnno/en/ III. im Laleranpalast (bis I30S Amlssil/ der
Piipsle) stall. Vgl. olme Verlasser: Okumenisches I leiligenlexikon: /u den Vorsehriften fiir die
Juden vgl. Ilalsiill: Laleran IV Canon 6<S.
17 Vgl. NixtlorlT, Miiller: WeiBe Westen, S. 29 41; vgl. Deneke: Die Kenn/eiehnung von Juden,
S. 240 252; vgl. Kiilmel: Bildworlerbueh, S. 1.11.
Zidsetzung and methodisches Vorgchen
15
gegen Kndc dcs 19. Jahrhundcrts aufgclistcl, in Tcilcn verolTcnllicht und koinmen-
licrt wurden,ls beschrankl sich die wissenschaftliche Aufarbeitung dcs Bereiches
Farberei auf die Betrachlung der kullurhislorisehen Bedeutung ausgewahltcr Far-
ben,|g iiberblieksarlige Darstellungen zur Gesehiehte der Farberei* 20 21’ oder die Bear-
beilung speziellcr hislorischen Qucllen.21 Neuere VerolTentlichungcn zum Thema
Farbe besehaltigen sich ebenfalls vorrangig mit der Herslellung von Mallarben.22
Kleiderordnungen werden insbesondcre in den Arbeiten von Fisenbarl und
Reich dargeslelll.23 Die LekUire dieser VeroHentliehungen zeigl, dass in den Ord-
nungen Regelungen zur Qualital von Tcxlilien und Aeeessoires im Vordergrund
stehen. Deullieh wird auBerdem, dass Textilien im Vergleieh zur heutigen Zeit ei-
nen hdheren Werl haltcn. Kleidung und textiler Ilausral waren Werlgegenstande,
die Liber einen langen Zeitraum benutzl und in Nachlassen vererbt wurden.24 All¬
is Vgl. Merrifield: Original treatises; vgl. I homdike: Medieval texts on colours; vgl. dors.: Other
texts on colours; vgl. Thompson: l)c arte illuminandi; vgl. tiers.: The (Talisman's Handbook;
vgl. tiers.: I)e C'larea; vgl. tiers.: !)c Coloribus.
Ю Vgl. M ii I ler: К n Iturgeseh iehte von Stoffen und F'arben; vgl. Karstensen: Aufersteluingslep-
pieh, S. 22. Vgl. Sandberg: The red tlyes; vgl. Pastoureau: Blue; vgl. Butler Greenfield: Л
Perfect Red; vgl. Burde: Bedeutung und Wirkung.
20 Vgl. Kielmeyer: Lnlwicklung der Farberei; vgl. Brunello: The Art of Dyeing; vgl. Berry,
Willard: A History of Dyes; vgl. Webb: Dyes and Dyeing; vgl. Decellcs: The Story of Dyes
and Dyeing; vgl. Men/.i: Die Kunsl ties Farbens vor Perkin; vgl. Forbes: Studies in Ancient
Technology, S. 00 150; vgl. ITeb: Wie larble man vor Perkin?; vgl. Vogler: F'arben im alien
Agypten; Die Farberei tier Anlike; F'arbslofle tier allintlischen Farber; Farberei im
Minoerreieh; (ielarbt wirtl sehon seit Jahrtausenden; (iermanen und Kelten; Farberei und F'ar¬
ben Alt-(irieehenlands; Farbern in der Romer/eil; Waren die Farber tier Antike Alehemisten;
Textilveretllung in der Antike; vgl. Volke: Wasehen und F'arben im Allertum; vgl. Schwcppe:
NaturfarbslolTe, S. 17 7N.
21 Die aus deni 3. .lahrhuntlerl stammenden und /и An fang ties IN. Jahrhuntlerts in Theben ent-
decklen Papyri „Papyrus (intents Ilolmicnsis" (Signalur P. Holm., Victoria Museum liir
Agyptisehe Kunsl, IJniversilat Uppsala) und „Leyden Papyrus A’lfc (Katalognummer I 307, In-
venlarnummer A.MS 66, Rijksmiiseum van Outlheden, Leiden) wurden 1026 und 1027 vcrdl-
fentlichl und mit Konnnentaren ergan/.t. Sie enlhallen Re/.epte /ur Herslellung und Anwen-
tlung vt)n Mai- und Textillarben. Vgl. C’aley: The Leyden Papyrus X; vgl. tiers.: The Stock¬
holm Papyrus. Weitere bearbeilete Quellen sintl /.B. die „Couipositioues ad linye/tda inusiva"
(Cod. Carolinus 400, Bihliotcca Capitolare F'eliniana, l.ueea), die „Schedule diversurum
artiunC (iilteste l‘xemplaie in Wien, Osterreiehisehe Nationalbibliothek, Cod. 2527 und Wol-
fenbiittel, ller/og August Bibliothek, C’otl. (iuelf. 60) oder die „Mappue elavieiihr (Signatur
Ms. 17 Bibliotheque Ilumaniste, Selestat). Zur F.dition und deulsehen Uberset/ung \gl.
Iletllors (Hrsg.): Compositiones ad lingenda nuisiva; vgl. Ilg: De Dixersis artibus; vgl. eben¬
falls Brcpohl: Theophilus Presbyter; vgl. Roosen-Runge: l arbgebung und Technik; vgl. tiers.:
F'arben- und Malre/epte, S. 40 51. F.ine umlangreiche Aullistung \ t>n 1 lantlschri I ten mit An-
leitungen /.ur F'arbenherslellung gibt Clarke; vgl. Clarke: The Art of All Colours.
22 Vgl. /..B. Brepohl: Theophilus Presbyter; vgl. Brachcrl: I .exikon hislorisdier Maltechniken.
23 Vgl. Fisenbarl: Kleiderordnungen tier deulsehen Sliidte; \gl. Reich: Kleidung als Spieuelbiltl.
24 Vgl. Mosler-Christoph: Die materielle Kullur, hier insbesondcre die Kapitel 5, 6 und N; vgl.
Boockmann: Die Slatlt, S. 72.
16
Zie/scizung und nwlhoilisclws Vorgcdicn
textilien, die heule haufig im Miill lancien, wurclen von spe/iellcn Ilandwcrkern,
den Allwerkcrn, gesammell, aulgearbeitet und Hi г wenig Cield wieder verkault.^
Die besondere Bedeutung lextiler Tcchniken und Produktionsverfahren in liii-
herer Zeil, isl noeh heule in vielen Orlcn und Regionen sichlbar. Vor allcm Stra-
Bennamen erinnern an das einslmals ansassige IIandwerk.2f) In Leipzig und Braun¬
schweig sind die (iewandhauser erhallen, in denen der (jcwandschnitt slatlfand,
und in einigen llamischen Stadten slchcn noch heule die eindrucksvollen Tuch-
oder Lakenhallen. Die Gebautle haben z.T. selbsl fur die heutige Zeil groBe Aus-
maBe und sind ein ansehaulieher Beleg fur die Bedeulung der Texlilproduklion und
des Texlilhandcls im spalen Millelaller und der Iriihen Neuzeil.25 26 27
In naturwissenschaftlichen Arbeiten zur Geschichle der Chemie isl das Thema Far-
berei von Texlilien ein Rantllhema, da sieh diese Arbeiten mil der Lnlwicklung der
Alehemie/Chemie seit der Antike besehaliigen,2'4 oder bestimmle Teilaspekle wie
die Lntdeekung der synthelisehen Farbsloffc im 19. und 20. Jahrhundcrt in den
Vordergrund riickcn.29 30 31 Lediglich Schweppc gibt mit seinem „Handbuch der Nalur-
farbstoHe“ cine umfassende Ubersicht hinsiehtlieh deren Vorkommcn, Chemie,
Verwendung und Nachweis.U)
Der Lrlanger Germanist und Philologe Ploss (1925 1972), der sieh sehon in
sprachwissensehallliehen Arbeiten mil dem Thema Textillarberei befasst hat, stelll
1962 in seinem „Bueh von alien FarbeiC neben der Malerei auch das Textile in den
Vordergrund. Lr lislel erhallenc Quellen auf, edierl und diskulierl einige millelal-
lerliche Re/.epturenF1 l arberezepte aus einer niederlandischen Quelle des 17. Jahr-
hunderts werden von llofenk de (iraaff in ihrer 2004 erschienenen Publikation
25 Vgl. Illi: Sdiissgruob, S. IS.
26 In x ick'ii Orlcn с,ibt cs SlraBcniiamcn mil ,,lcxlilcm“ Hcziig, wic /.lk l aihcrgasse, Wcbcrgassc
odcr SpinncrcistraBc; vgl. Iiicr/u Volckniaini: A lie (iewerbe, S. 6S 103. In der licutigcn Ham¬
burger Speicherstadl llndcl man die SlraBen „Alter und Neuer Wandralim“. Ilier slanden IVii-
her die Rahmen, auf denen das Tueli (die Wand) /.um Troeknen und Spannen aufgeluingl wur-
de; vgl. hier/.u (iI IS: llaleneily Hamburg, S. 63. Aid der„(imBe Bleichen“ vvurtle Leinen /um
Hleielien ausgelegl.
27 Die Kon/cnlration der Wollliieliprodiiklion im llamischen Raum ist aul’die direkte Zugiing-
liclikeil von Walkerde und die regionale Niilie /u Imgland, dem I laupler/euger von Roliwollc
im Millelalter, /urnek/ufuliren. Vgl. (lies: C'alliedral, Forge and Waterwheel, S. 120.
2S Vgl. Knit/: 7000 Jalire Chemie; vgl. Stillman: Story of Alchemy; vgl. Sehwedt: Chemisehe
l.xperimenle in SellItissern; vgl. ders.: Chemie liir alle Jahres/eiten; vgl. Kopp: (iesehiehte der
Chemie, S. 120 132; vgl. Brock: Viewegs (iesehiehte der Chemie, S. 1 <S7 197.
29 Vgl. /.В. 1 tlelstein: Chemistry in the Development of Dyeing and Bleaching; vgl. Beeeken et
al.: Orcein und I.ackmus; vgl. Парке: Vom Krapp /um Ali/arin; vgl. Werner: (iesehiehte der
l arbstoffehemie; vgl. (iarfield: Lila; vgl. Iliibner: 150 Jalire Mauvein; vgl. Andreas: Sehwein-
furter (iriin; vgl. Lutli: Berliner Blau; vgl. Roth: Berliner Blau; vgl. Metli-Cohn/Travis: The
mauvein mystery.
30 Vgl. Schweppc: Nalurfarhstoffe.
31 Vgl. Ploss: Bueh von alien Farben.
Zielsetzung ши/ met/un/isc/ies Vorgchen
17
„The Colourful Past" vorgestellf'2, und Oltroggc legt an dcr l;achhochschule Kdln
zur Zeit cine „Datenbank mil millclallcrlichcn und friihneuzeitliehen kunstteehno-
logischcn Rezcplcn aus handschrifllicher Uberliefcrung" an, in die auch Textillar-
berezepte aulgenommen werden.u Sic isl ebenfalls an der VerblTentlichung der
Rczcpte aus dem „Liber illuministarum" beteiligt, dessen Ldilion, Uberselzung und
Kommenlar die in der I landschriIt enlhaltenen Texlilfarberezepte umfassl.^
A lie bisherigen Publikalioncn sind als Uberblicksdarslellung konzipierl, slellcn
die heutigen Kennlnisse in den Vordergrund odcr befassen sieh mil einer ausge-
wahllen historisehen Quelle. Der Abgleieh des modernen Wissens und der heute
libliehen Verfahrenstechnik mil den im Mittelalter oder der Iriihen Neuzeit bekann-
len Details fchll. Lnlwieklungen in der Teehnik werden angesproehen, aber nielli
eingehender diskuliert. So fiihrl die Lileralur immer wieder Indigo, Fiirberwaid,
Krapp und Wau als wichtigsle und sehon lange bekannle Farbsloffe auf. Als Be-
weis lur diese Behauplung werden von den Verfassern lediglieh einzelne histori-
sche Farbevorsehriflen aufgeluhrl.
Im Rahmen dieser Arbeil erfolgt die Auswerlung edierler deulschsprachiger Quel-
len des spalen Millelallers und der IViihen Neuzcil bezuglich nalurwissensehalllieh-
teehnischer Inhalte und die Diskussion des belegbaren Kennlnisslandes. Die Quel-
lenanalyse erlblgl im Wesenllichen hinsiehllieh der verwendeten Farbmillel,
Mil I smillel und Faserrohstoffc sowie subslralspeziilseher Unlersehiede in den Re-
zepten. Weilcrhin werden die Farbeanleilungen auf Angaben zur Qualital, zum
Nutzimgszeilraum sowie zur Bedeulung der Malerialien iiberprufl. Dabei wild aueh
unlersuchl, ob sieh die in der Lileralur besehriebene herausragende Stellung der
I'arbmillel Indigo bzw. Waid, Krapp und Wau fur den betrachlelen Zeilraum bele-
gen lasst.
Die Analyse der Vorsehriiten hinsiehllieh Aulbau und enthallener farbepara-
meter sowie der iiir die Larberei genulzlen leehnisehen llillsmillel und (ierale soil
klaren, inwieweit die historisehen Quellen gesichertes „nalurwissensehaitliehes
Wissen" enlhallen und ob sieh anhand der I landschri lien eine lechnische l .nlwiek-
lung des Farbeprozesses darslellen lassl.
Auf Basis des Quellenmalerials werden Laborlarbeversuehe durchgeliihrl, mil
deren Ililfe die mil historisehen Vorsehriflen erreiehten Farbtdne beurleiIt werden.
Anhand von Lieht- und Wasehechlheilspriifung werden llinweise fur die Reslaurie-
rung und Firhallung historiseher Textilien diskuliert.
Diese umlassende Betrachtung erfbrderl intensive Recherchen zur Klanmg von
mittelalterliehen BegrifTen aus Ilandwerk und Teehnik sowie die Beriieksiehligung
wirlschaftshislorischer Aspekte zum Handel mil Farbsloffen, Milfsmilleln und Tex- 32 33 3432 Nach ИоГспк do (iraalT haiulcll cs sieh um cin imvemflenllichles Maiuiskripl, das aK Haarlem
Maiuiskript hekamil ist und sieh im Besit/ des Frans Hals Museums in Haarlem helnulet. vgl.
da/u ИоГспк de (iraalT: fhe Colourful Fasl, S. 7.
33 Vgl. Ollrogge: Datenbank.
34 Vgl. Bard el al.: Fiber illuministarum.
IS
Zielsclzung uni/ nwtlwilisclws Vorgchcn
lilien. Durch die lur die Qucllenanalyse beriicksichligtcn naturwissenschafllichen,
wirtschaflswissenschafllichen, historischen sowic sprachwissenschafllichen Aspckte,
schlieBl die vorliegende Arbeit cine Liickc in der Ibrschung /ur (ieschichlc der Na-
lurwissenschaflen und leislel einen Beitrag /ur Alllagsgeschichle des Spalmillelalters
und der (riihen Neuzcil.
In Kapitel 2 werden zunachst die bearbeileten Quellen aulgelistet und ilire Auswahl
begriindel. AnschlieBcnd werden larb- und farbereitechnische BegrilTe erlaulert
und definiert. Dabei erfolgl cine kur/e Linfiihrung in vcrschiedcnc Larbordnungs-
sysleme, in die Larbmcssung und in das I■'nlstehen von l arbigkeil bei Farbsloffen
und Pigmcnlen sovvie in die Cirundlagen der Farbechlheitspriifung. Kapitel 3 be-
inhaltet die vcrlahrenstechnischc Analyse der Farbeanleilungen aus den bearbeite-
ten Quellen. Die Vorsehrillen werden nach der verwendeten Verlahrensteehnik
untertei It und к ur/ besehrieben. AuBerdem werden die bcnutztc technische Ausstat-
tung und der Umgang mil den erlbrderlichen Rcssourcen betrachtel. In Kapitel 4
stehen die Anleilungen fur I arbungen nach dem Ausziehvcrfahren im Vordergrund.
Dabei werden l arbeparameler, wie FaserrohstoIT, Losemittel, Bei/e, I lilfsmiltel, l ar-
bedauei' und -lemperalur, naher betraehtet und ihr Binlluss aufden l arbepro/ess disku-
liert. Die Vorsehrillen werden hinsichtlich der diesbe/uglich enthallenen Angaben
ausgewerlet. Die in den Quellen lur die Textillarberei genannten Farbmittel werden
in Kapitel 5 dargestellt. Dabei werden die historisehe Bedeutung, Anwendung und
die heule bekannten larberischen Kigensehaflen beriicksichtigl. Das moderne Wis-
sen wird mil den Angaben in den historischen I'arbere/epluren verglichen. Kapitel
6 beinhallel die Krgebnisse eigener l arbeversuche im Labor. Diese wurden auf Ba¬
sis des bearbeileten Qucllcnmalerials naehgeslelll und hinsichtlich des er/ielten
I'arblons beurteiIt. AuBerdem erfolgt die Bcwcrlung der er/iellen Licht- und Wa-
schechtheilen der Musterlarbungen. Im darauf Iblgenden Kapitel 7 wird die Bcdcu-
lung von ,,I'arbe“ bei der Rcstaurierung und Konservierung hislorischcr Tcxlilien
erlaulert sowic giingige Methoden lur die I'arbsloflanalyse dargestellt. Kapitel 8
enlluill cine /usammenlassung der Lrgebnissc und die abschlieBende Darslellung
der in den bearbeileten Quellen beleglen l■nlwieklung des Kenntnisstands und I'ar-
belechnik in der Ubergangs/eil vom spiiten Millelaller bis /ur Iriihen Neu/eit.
2. Quellenauswahl, Begriffe und Definitionen
2.1 Qucllen und Bcgriindung der Quellenauswahl
In tier Zcit vom spalen Mitlclallcr bis zur lruhcn Ncuzcit fandcn in dcr gewerbli-
chcn Produklion, so auch bci dcr Tcxlilhcrslcllung, viclc Vcrandcrungcn slatt.
Durch tcchnischc Lntwicklungen und Vcrandcrungcn in cinzclncn Bereichen wur-
dcn die Produklionsmengcn gcstcigcrt und glcichzeitig die Qualilal dcr Warcn ver-
bcsserl.0 Mil dem slcigcndcn Bedarf und durch zunchmcndcn Handel vvurdc die
Labrikalion im I'cxliIbercich arbcitstcilig. Wurden bishcr allc crfordcrlichcn Ar-
beitsschrille, wic basergewinnung, baden- und blachenherstellung odcr barberei,
im hauslichcn Bereich erledigt, cntwickcltcn sich nun vcrschicdcnc I landwcrksbe-
rulc, die Tcilc dcs I lerslellungsprozesscs ubernahmen. Ilicrzu gchdrtcn z.B. fur den
Bereich der Wollproduklion Walker, Wollschlagcr, Scherer odcr Weber, die sich
im Laufe der Zeil in Zunllen organisierten. Die Ziinftc regcllen den Zugang zum
Handwerk, sic gestaltelen Arbeilszeilen, Preise sowie Lohne und boten den Zuge-
horigen soziale Absicherung.'0
Bin Beleg fur die Vielzahl an Berufen im textilen Bereich isl im Jdvre des
metiers“ des Blienne Boileau zu linden. Boileau (1200- 1270), koniglicher Vogt der
Sladl Paris (Prevol de Paris), lieB im Jahr 1268 die vertretenen Berule, ihre Rechle
und (icwohnheilcn sowie ihre Pfliehlen dem Konig gegeniiber aulzeiehnen.w Unler
den 101 aufgelislelen Tatigkeilen sind Sciden- und Wollweber (Nr. XLIV:
tisserandes des soie, Nr. L: tisserandes de laine), Walker (Nr. LIN: Jbnlons), (ie-
wandschneidcr (Nr. LVI: taillcurs de robes), Teppiehwebcr (Nr. LI: tapissiers
sarrastnois, Nr. LII: tapissiers nostres), barber (Nr. LIV: teinturiers), vcrschicdcnc
Tuchhandler (fur Lcinenwaren Nr. LVII: liniers, liir llanlgewebe Nr. LIX:
ehanevaciers), aber ebenso spezialisierte Berufc wic der Posamenlenmaeher (Nr.
XXXVII: crepiniers de fil et de soie) odcr die Seidenspinnerin (Nr. XXXV:
jileresse d grandfuseent.w Nr. XXXVI: fi/eresse d petits fuscau.x) zu findcn.lS * 36 37 38-^5 13ic tcchnischc liiHwicklung isl mit tier liinluhrimg tics Spinnmcles uiul tics Pctlalwchstulils
vcrbimdcn. Bis ins Mittclaltcr wurtlc (jam mil tier I lantlspintlel cr/cugt. Die Vcnventlimg tics
I Iantlspinnratlcs isl in I in гора ah tier /weiten llalflc tics 12. Jahrlumtlcrls belegt. wotlurch sich
die Protliiklionsmengc vcrtloppcllc. Das (iarn konnlc feiner und gleichmabiger ausgosponnen
wcrtlcn. war also auch qualitativ besser als tlas mil tier I lantlspintlel er/eugte (iarn. Spiitestens
urn die Mitlc ties \3. .lahrlumtlerls wieli tier (iewiehtswebstuhl in gan/ l,.uri)pa dem hori/onta-
len Websluhf was mil einer I rleiehlerung tier I'aehbiltkmg und Besehleimigimg tier Produkti-
on vcrbimdcn war. Vgl. hicr/u Bohnsaek: Spinncn und Wcbcn. S. 78 90; ten I lorn-van
Nispen: Tcelmik-Cicschichlc. S. 72; Sporbcck: Tcxlilhcrslcllung. S. 471 473.
36 Vgl. Dirlmeierel al.: P.uropa im Spalmiltclallcr, S. 35 36; \gl. Sin/; Handwerk. S. 60 07.
37 Vgl. Auirantl; l.ivre ties metiers, in: Angermann el al.: LexMa. Ikl. 5. Sp. 2053 2054; vgl.
( a/elles: Boileau, I-.lienne. in: Le.xma, Ikl. 2, Sp. 351.
38 Vgl. tie Lespinasse. Bonnartlol: l,es metiers el corporalions tie Paris. S. 83. 93. 107. I 16. 102,
106, III, 117. 121.68. 70. Zur Oberset/ung tier Berulxbe/eichnungen aus dem Altfran/osisch
20
Ouclfc'/iansw'ahl. Вс^пЦс und Dejinitionen
Die Farberei ist nichl Liberal I und zum Toil crsl spat als selbstandigcs Xunlthand-
vverk nachwcisbar. Im deutschen Raum waren die barber haufig in den Ziinllen der
Weber organisierl und vverden deshalb von Ploss als (iehilfen der Weberei be-
zeiehnel.'K) Allerdings ist aueh hierab dem 12. und 13. Jahrhunderl eine Spezialisie-
rung in Sehwarz- (Schlicht-, Sehlechlfarber), Waid- (Blaularber) und Sehonfarber
zu erkennen, die bei der Farbung einen unlersehiedliehen verlahrensteehnisehen
Ли I wand betrieben.10 Der Sehwarzlarber arbeitele mil Cierbstoflen und Risen, der
Blaularber hatte in zeit- und kontrollaulwcndigen Verfahren die Farbekiipe herzu-
slellen und der Sehonfarber ITihrte vorrangig Beizenlarbungen dureh, die zu leueh-
tenden Farblonen ГиЬПсп.11
In der Farberei mussten groBc Gam- und (iewebemengen in gleiehbleibender
Qualitat gefarbt vverden und der zunehmende Handel erweilerte das Angebot an
Farbstoffen und IIilfsmitleln.4- Neben der Verwendung einheimiseher oder sehon
seil langem bekannter Fasern und Farbmillel aus dem Nahen Oslen, wurden mil der
Fnldeekung Amerikas gegen Imde des 15. Jahrhunderls neue Rohsloffquellen er-
sehlossen und insbesonderc das Angebot an qualitativ hochwertigen Farbmitteln
erweitert. Die Farberei war der Arbeitssehritt der Fexti 1 herstel 1 ung, der groBen Cin-
lluss auI den Wcrtzuwaehs einer texlilen Ware hatte. Die entstchenden Kosten
wurden vorrangig dureh den Wert des Farbmittels, sowie den bei der Farbung be-
triebenen Aulwand bestimmt. Hdmonds nennt am Beispiel von Wolltuehen eine
Wertsteigerung von 47 % dureh die I■ arberei. Naeh Abgaben von Munro, der italie-
nische Abreehnungsbiieher des spiilen Miltelallers und der friihen Neuzeit auswer-
lete, hallen die Farbereikosten im Durehsehnitt einen Anted von 15,5 % (Dalini,
I hide 14. Jh.) bzw. 1 1,6 % (Mediei, Mitte 16. Jh.) an den Produktionskosten der * 40 41 42vgl. die enlsprecliLMulLMi Slichworle in ('hairy: Los MetiL'rs de nos Anceslres. Tupissiers
sarrasinuis procln/icrlcn dicke Teppiche im orienta 1 ischcn Slil, Tapissicrs nostrcs kurzhaarige
Teppiche. Die Seidenspinnerimicn haspelten die Seidenkokons ah und spullen den I'aden auT
grohe (wand fuscaux) oder kleine (perils fuseaux) Spulen auf.
V) Vgl. Ploss: Buell von alien l-'arben, S. 64 65. Zu den vcrschiedenen in der Wollproduktion
errorderliehen Лrheitssehrillen vgl. Broeher: Wollenindustrie, S. <SS 97.
40 Vgl. Ploss: Bueli von alien I'arben, S. 65; vgl. Broeher: Wolleninduslrie, S. 97; vgl.
Sehmidlehen: Die Teehnik des l arhens und (ierhens. in: Konig: Pmpyliien Teehnikgesehidile,
Bd. 2, S. 542.
41 Diese IJnlerleilung der l arherei war sieher nielil in alien (iegenden gleieli. Ilier muss beriiek-
siehtigt vverden. dass je naeh (legend unlersehiedliehe Subsirate von Bedeulung waren. Im
llamisehen Raum die Wolle, in Niedersaehsen und Wesllalen das I.einen und in Siiddeulseh-
land die Misehung I.einen/Baumwolle. Aueh die sieh verandernden Qualilalsanlorderungen
hallen l-.in(1nss auf die fur die versehiedenen l arher benulzlen BegrilTe. Selnvar/.larhungen
wurden /unaehsl von den Sehwar/larbern mil (ierhsauren und I л sen durehgeluhrl. Mil waeh-
seiulem Dualiliilsbewusslsein sind in Quellen immer haullger lliinveise /u linden, wonaeh
Sell war/ jel/l mil Waid er/eugl werden sollle. Der Waidlarber ubernimml also die Sehwar/.-
larbung.
42 Vgl. Clasen: I'exlilherslellung in Augsburg, Bd. 2, S. 258 254; vgl. Sakuma: Die Niirnberger
Tuehmaeher, S. 97 120.
Ouelienaiiswahi. Be griffc inul De/inilionen
21
Tuchmachcrcien.4' Auch in der Fnllohmmg dor Gewerbc isl die unterschiedlichc
Werlschatzung der Arbeit sichtbar. Deneke und Kuhn zeigen am Beispiel der Got-
tingcr Wollenweberverordnung von 1476, dass orlliche Fiirber im Vergleieh zu
Webern und Walkern je naeh I 'arbe der Ware das Drei- bis Vierfaehe fur ein Sliick
Tuch an Fnllohnung crhicllen.43 44 45 46 47Mil waehsendem Handel und Fxporl textiler Warcn gewann die Konlrolle und
Oberwaehung von Qualilalsslandards an Bedeutung. Fin wichliges Millel tier Qua-
lilatskonlrolle war die ,,SchatT\ in Norddeulsehland auch als ,,Leggc“ oder „Brake"
bezeiehnet, die von Zimftcn, der stadlischcn Obrigkeil oder den Landesherren seil
dem 13., insbesondere aber im 14. Jahrhundert europaweil cingeliihrl wurde.h Ge-
schaute Waren, bei denen Qualilatsmcrkmalc wie beispielsweise Lange, Breile,
Fadenanzahl, Gewieht oder Farbe der vorgegebenen Norm enlspraehen, erhielten
cine Beslaligung der Giile in Form eines Slempels oder Siegels (Schaumarke, Be-
schauzeichcn, Tuehplombe).Ware, die niehl der Norm entspraeh konntc ver-
brannt, zerschnillen oder zerrissen werden. Sehleehte Arbeit wurde zum Теi 1 sogar
mit korperlieher Ziichligung best raft.4 7 Zusatzlieh wurden die Waren in bestimmle
Giitcklassen eingeordnel.,s Tuehsiegel dienlen als I lerkunltsnachweis und beleglen
die Qualitat der gesiegelten Ware.
Aufdie Qualitat der Farbung wurde wahrend des Miltelalters besonders streng ge-
aehlel. Grim (elder fiihrl aus der Sehweidnitzer Tuchweberordnung aus, dass ,,/ш/
43 Vgl. Fdmonds: Medieval Textile Dyeing, S. 19. Vgl. Munro: Medieval Woollens, S. 216 217.
44 I'iiг Blau, Rot oder (iriin wurden 21 Sehillinge. liir Braun mit Ilol/. 24 Sehillinge und liii
Sehwai/ 31 Sehillinge Lolin und Mateiialkosten ge/ahlt. Die Sehvvai/larhung wurde wohl an I
Basis von Waid durchgefuhrt, da Tinte, Vitriol und Weinstein fur die l arhung nieht verwendet
werden sollten. Vgl. Deneke, Kuhn: (idttingen, S. 33S 33V.
45 Vgl. Kaiser: Mittelallerliehe luehplomben, S. 377; vgl. North: Deulsehe Wirtsehaltsgesehieh-
te, S. X5.
46 Die friihesten Belege fur 'I'uehsiegel im deutsehen Raum stammen aus der Mitte des 13. Jahr-
lumderts aus Soest und Speyer. Die bei arehiiologisehen (irabungen gelundenen 1 uehplomben
geben einen Find ruck vom Absat/.gebiet der Waren einer beslimmten Region. Vgl. Kiihnel:
Alltag im Spatmiltelalter, S. 37 3X; vgl. Stor/-Seluimm: Textilproduktion in der mittelalterli-
ehen Stadl, S. 404; vgl. Kaiser: M ittelallerl iehe Tuehplomben, S. 377 und S. 379; vgl. Cle¬
mens, Malheus: I'uehsiegel, S. 479 480; vgl. Kiihlborn: 33 Fllen Leinenwandes ...“,
S. 18 19; vgl. I'elgenhauer-Sehmidt: Saehkultur des Miltelalters, S. 180. I ur Beispiele der in
Schauordnungen enthaltene Liingen- und Breitenangaben, l adenan/ahl usw. vgl. Broeher:
Wollenindustrie, S. 132 136.
47 Dureh Zerselmeiden wurde die Ware fiir den Markt unbrauehbar. Vgl. .larit/: Rroduktion und
Qualiliit, S. 42; vgl. Broeher: Wollenindustrie, S. 136 137; vgl. North: Deulsehe Wirlschafts-
gesehiehte, S. 85; vgl. Zahn: «Bei LeibesstralTsollen die Tiieher...», S. 360.
4S Bei der Barehentsehau in SiUklentsehlantl gab es vier Qualitatsstulen, die unterschiedlich ge-
kenn/.eiehnet wurden: Oehse (beste Qualitiit). I .owe, Traube und Brief (geringste Oualitiit).
Vgl. North: Deulsehe Wirlsehaflsgesehiehle. S. 85. Fur Kblner Sartueh (Barehenl) sind drei
Kategorien belegt. Alle sollten 52 Fllen lang und 1 File breit sein. Sie untersehieden sieh naeh
der eingeset/len Baumwollmenge, 8 Pfund fiir die beste Qualitat und 7.5 ITund fiir die /.weite
Qualitat. Vgl. Kiihnel: Alltag im Spatmiltelalter, S. 38.
22
OucUcnanswuhi Begri/fc und Definitional
PVciicl nur zxvei Tuch gcfcirhl uvrc/ai solknr14, um die Durohlarbung der Ware und
eine ausreiehende b'arbliofo zu gewahrlcislcn. Ware melir Tuoh mil der gleichen
FarbstolTmenge gelarbt vvorden, halte sieh die b'arbliofo des einzelnen Tuchos re-
duziert. Die l;arben sollten leuchlend und edit sein, das Material durfle keine Flc-
eken habenS(> und es sol lien keine „sehlechlen" b’arbcn, wie Lobe oder Alliehbee-
ren, verwendet werden.4 Vergleiehbare Forderungen sind in den Slatulen der Cidl-
tinger Wollenweber vom Fnde des 15. Jahrhunderts enthalten.^
Leuchtende und dauerhalte Farblbne Fallen einen hohen Stellenwert. War ein
handwerkliclier barber in der Lage solehe barbungon zu erzielen, hatle er einen
Wetlbewerbsvorteil. barbovorsohriflon und Rezeplbiieher gehorlen /um personli-
ehen Bcsitz eines barbers. Wechselle er den Arbeilgeber, nahm er sein Wissen mil.
Die barboanleilungon wurden daher nocli in der friihen Neuzeil wie Cieheimnisse
gehiilet^, so dass das erhaltene und bisher edierte Quollonmatorial vorrangig aus
Kldstern oder Aufzeichnungen Hir den Bcreieh des llauswerks stammt. Zunflstalu-
len und -ordnungen cnlhiellen keine delai 11 ierlen barboanleilungon, sondern Anfor-
derungen allgemeinerer Arl, die sieh z.B. auf die b’arbmiltelauswahl fur beslimmle
Farbldne bezogen.
bur diese Untersueluing wurden 29 Quellen aus der Zoit von ea. 1330 bis zum aus-
gehenden 16. Jahrhundert berueksiehligt. Sie entslammen einem Zeilraum, der 1 ui-
die Idilwieklung von beehnik, Handwork und Handel im Bereich der Texlilproduk-
tion von besonderer Bedeulung war. Sie enlwickelle sieh von der Jlausarbeir zum
spezialisierten 1 landwerk, von der Produklion l'iir den eigenen Bedarfzu einer ers-
len ,,Massenproduklion“. Die gesellsehaflliehen Auswirkungen waren so ein-
schneidend, dass der franzdsische llisloriker Jean Ciimpel sie mil den Veranderun-
gen im 19. Jahrhunderl vergleiehl und von einer erslen Jnduslriellen Revolution^
spricht.'1 Die in Handel und Handwork erlblgten Veranderungen und Verbesse-
rung, wie z.B. пене barb- und Millsmiltel, miisslen sieh ebenso in den Anleilungen
des llauswerks widerspiegeln und einen Hindruok von der Parlizipalion der breilen
Bevdlkerung an leehnisehen und wirlschallliehen Neuerungen geben. Von l)loss
aulgelistele und leilweise edierle barbevorschrillen dienten als Basis Hir diese Unlersu-
chung. Sie wurden duroh weilere Anleilungen aus versohiedenen spalmitlelalterliehen 49 50 51 52 53 5449 Vgl. (irimlclcler: 1 iirherei in Dculschlaiul. S. 311. Der Begriff ,,Tuch“ slelil in dor heiiligL'n
Veredlung Fin ein (iewebe aus dem Substmt Wolle. Audi in der von (irunfelder /ilierten
Quelle isl in anderen leilen \om KolistolT Wolle die Rede. Im Miltelaller war mil dem BegrilT
aher /usa(/lieli eine beslimmle Warenmenge, die drllieh und /eillieli variierle, verbunden; vgl.
da/u Кар. 4.1.
50 Vgl. Xahn: «Pei I.eibesslralTsollen die Tiieher ...», S. 300.
51 Vgl. Droeher: Wolleninduslrie, S. 135.
52 Vgl. Deneke, Kiibn: (ioitingen. S. 339.
53 Vgl. Routing: Dictionary ol dyes and dyeing. S. 59; vgl. I lieger: Biirgcrslol/ und Wollgewer-
be. S. 57.
54 Vgl. (/impel: Die i ntliisl riel le Revolution des M itte la Iters, S. 5; /ur leehnisehen und wirlsehali-
liehen b.ntwieklung im Miltelaller vgl. Lope/: The Commercial Resolution. S. 130 137.
Oucllcnuuswahl, Begri/fc uml Dc/inilioncn
23
Sammclhandschrilten, alchemislischen Handsehrilten und sog. Ilausbiichern er-
ganzl. Ilicr fandcn die vorwiegend sprachgcschichllichen VcrdlTenllichungen von
Jciltelcs, Bosscrl und Storck, Wiswe, Scidensticker und andcrcn Beriicksichli-
gung.^ AuBerdem wurden Anleitungen aus dem ersten gcdrucktcn Buch mil Inhal-
len zu Hcckcnllcrnung und harberei, dcr „Allerhy Matket\ Ilir die vorliegende
Unlersuchung berucksichtigt/6 Dieses Qucllenmaterial wurde durch die von Oll-
rogge und Mitarbeitern in die „Datenbank millelallerlieher und IViihneuzeitlicher
kunslleehnologiseher Rezeple in handsehri 111 ieher Ubcrlielerung^ aulgenommenen
Rezeple fur die Texli I larberei erganzt/7 In den bearbeiteten Quellen sind neben
Anleitungen liir die Textillarberei Rezeple fur das I'arben von Leder, Morn und
llaaren zu linden.Fur diese Betrachlung wurden lediglieh die Vorschrifien be-
riicksiehligl, die sieh eindeutig als Re/eple liir die lexlillarberei idemill/ieren lie-
Ben.
Um die Ubersichlliehkeit der Ausliihrungen /u verbessern, wurden die Quellen
nach ihrem Slandort mil einer Abkiirzung versehen, z.B. In _ Innsbruek, В - Ber¬
lin. Sind mchrere Handsehri lien eines Slandorles aulgeluhrl (Miinehen, Heidelberg
usw.), wurde zusal/lieh in der Reihenlblge der Chronologie eine romische Ziller
vergeben (Ы I, H II, Ы III usw.). Tab. I zeigl eine zusammenlassende Aullislung
der Quellen mil der An/ahl der enthallenen Re/eple. Weilere Details zu den ein-
zelnen I landsehriiten sind dem Anhang zu enlnehmen.
2.2 Farb- und farbereitechnische Bcgriffc
Die F^egriITe I’arbe, h’arbmillek harbslolT oder Rigmenl werden im Uiglichen
Spraehgebrauch luiullg im gleiehen Sinne verwendel und niehl voneinander unter-
schieden. Die leehnische Anwendung, Reproduzierbarkeit von I’aibungen, industri-
elle Qualilalskonlrolle und Vergleiehbarkeil von Beurteilungscrgebnissen erlordern
aber exakle Dellnilionen und eine deutliehe Abgrenzung der Begrilfe. 55 56 5755 Vgl. Ploss: Buch von alien I'arben, S. 125 154: vgl. PloB: Die l iiiherei in tier germanischen
I lauswirlschafl, S. 22; Jeitleles: l arbemillel unci antlere Rcceple, S. 33S 340; \gl. Bosscrl,
Slorck (llrsg.); Das Millelallerliche llausbuch, S. XXV XXVI; vgl. Wiswe: Millelallerliche
Re/eple /ur I iiibeiei, S. 40 5S; \gl. Seitlenslieker: Mai- uiul l arbeie/eple, S. 2X7 304; vgl.
Reinking: l arberei tier Pllan/.enfasern, S. 10<S 200: vgl. Vermeer: I eehniseh-naUir-
wissensehaflliehe Re/eple, S. 110 126; vgl. Bauleltl (llrsg.): (iesuntlheils- untl 11 a ushal Isleh-
ren, S. 1 I; vgl.: Berlin-Brantlenburgisehe Akatlemie tier Wissensehallen: DIM (24.OX.2000);
vgl. Phlerl: Maisler llannsen, S. S. 275 277 untl 2X1 2X3; vgl. Barll el al.: I.iber illuminisla-
rum, S. 06 101. 166 160.220 221.266 260,2X2 2X5,306 307,366 367 untl 3X6 300.
56 Vgl. btlelslein: The Л1 lerley Malkel, S. 207 321; vgl. Lamon: Arcana disclosed: the advent оГ
printing, S. I I 1 150.
57 Vgl. Olirogge: Datenbank.
5X /ur l arbung vt)n l.etler vgl. /.B. Vermeer: Teehniseh-naturw issensehaftliehe Re/eple, S. 1 10.
Re/.ept 27 untl 2X.
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24
Oucllcnauswahl, Ucgri/fc and Defining.
lab. I: I lislorischc Qucllcn mil Rc/cplcn Itir die Textillarberei
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Oucllcmmswahl, Bc^riffc und Dc/inifioncn
25
f arbcreilcchnische Fachlermini, wic farbeverfahren, Prozessparamclcr, Rezcpt
odcr Fchlhcit, miisscn cbenfalls erlautcrl werden, um fiir die weiteren Ausliihrun-
gen zii einem einheilliehen Spraehgebrauch zu gelangen.
2.2.1 Farbe, Farbnamcn und Farbordnungssysteme
l;arbe isl ein durch das Auge vermitteller Sinneseindruek. Lieht, elektromagneli-
sche Slrahlung im Wcllcnlangenbereich von ca. 400 bis 700 nm, lalli auf einen (je-
genstand, z.B. cine Tcxtilprobc, und wird selekliv absorbierl. Die Rcslstrahlung
wird retlcklierl und gclangl in das menschliehe Auge. In der Nelzhaut des Auges
belmdlichc Photorezeploren (Sehzellen) regislrieren den Lichtrciz (Farbreiz) und
losen elektrische Signale aus, die im Gehirn zu einem Farbeindruck verarbeilel
werden (vgl. Tafel 1). Die Pholorezeptoren bestchen aus den Slabchen, die I leiI-
Dunkel-Konlrasle regislrieren, und den Zapfen, die liir die Farbwahrnchmung ver-
antworllich sind. Die Zapfen werden weilerhin naeh ihrer spektralcn Fmpfindlich-
keil in L-, M- und S- Zapfen unlcrleilt.y7
Fane f arbe wird durch drei Begriffe umschrieben, die I lei 1 igkeit (Lightness), den
Bunllon oder Farblon (Hue) und die Saltigung (Chroma). Unbunle Farben unler-
seheiden sich nur in der llelligkeil. WeiB und Schwarz legen die (irenzen des Beurlei-
lungsbereiches fesl. Bei JdealwciB“ werden 100 %, bei ,,ldcalschwarz“ 0 % des ein-
fallendcn Lichles reflckliert. Die I lelligkeitsskala reieht also von 0 100 %. Das
menschliehe Auge kann ea. 300 verschiedene I leiligkeitsslulen voneinander unler-
scheiden. Der Bunllon besehreibl den farblon eines Farbeindruckes, beispielsweise
Rol, (ielb etc., bier kann das menschliehe Auge bis zu 190 verschiedene farbldne un-
terscheiden. Die Saltigung stellt die Starke des farbeindruckes dar, von gerade noch
wahrnehmbar bis zur gesaltigten Farbe. In Abhangigkeit vom Bunllon kann der
Mcnsch untersehiedlich viele Sattigungsslulen erkennen, im Schnill 20 liir jeden Bunt-
ton.
Die Kombinalion von Helligkeil, Bunllon und Satligung liihrt zu ehva l()b un-
terschiedlichen Speklralfarben. Unter fanbeziehung der unbunten f’arben, der Pur-
purlarben und der Mischfarbcn, konnen ca. К)7 Г’агЬеп unterschieden werden. Bei
dieser grofien Anzahl isl es nichl moglieh jede Farbe mil einem Namen zu kenn-
zeichnen. Aueh Ordnungssysleme die auf Buchslaben- und/oder Zahlenkombinali-
onen basicren, sloBen an (irenzen/’0 Fin normalsichliger Beobachler kann ca.
1 Million Farbnuancen voneinander unlerscheiden/’1 hat aberje nach Bildungsgrad, 59 60 6159 F Fong, 565 nm, Rotre/eptor, M Medium. 533 nm, (iriinre/eptor, S Sliorl, 420 nm,
I0aure/ep(or: vgl. Fowmaker und Darnall: Visual Figments of Rods and ('ones. S. 501. Fur
den Sehpro/ess und das Farbenselien vgl. Kiippers: Farbe, S. 22 27; vgl. Simon: Farbe,
S. 13 3<S; vgl. Meyer, Zollinger: Farbmetrik, S. 2 7; vgl. Christie: Colour Chemistry,
S. 13 17.
60 Vgl. Reumann: Priifverfahren, S. 735 73S.
61 Vgl. lFiuiie: Farbe, in: ROMPP Online. RD-06-00159.
26
Oucllc/Kfuswahl, Begrijfe und Dc/hiilioncn
Beruf, Interessen und sozialer Umgcbung Icdiglich cincn Worlschalz von 6.000 bis
10.000 Wortcn im Alltagsdculsch zur Vcrfugung/’2 I is ist dahcr ausgeschlossen,
allc Farbnuanccn clinch Farbnamcn zu kcnnzcichncn. Fur den alltaglichen (ic-
brauch rcicht cin einfachcs vcrglcichcndes Bcschreiben (Zilronengelb, Apfclgriin
odcr Meerblau) dcr Farblone aus, industrielle Produklion und Qualitalskontrolle
erfordern aber eindeulige Farbbezeichnungen, die zu jeder Zcil und an jedem Ort
uberpriilbar sein miissen. Diese Tatsaehe hat zur Fnt wick lung unlersehiedliehcr
Farbordnungs- (Munsell, INK'S, Pantone, SC’OTDIC, RAL)M und Farbmesssystemc
(CIFLab, llunterlab) gcluhrl, die in verschicdencn Bercichcn dcr Produklion zum
Finsatz kommen.
Farbordnungssysleme sind Sammlungen von Farbmustern, die als Druek, Kunst-
sloffprobc odcr auch textile Farbungcn crhalllich sind. Die Muster sind in dcr Re¬
gel nach I;arblon (20 40 Farbtonc), Helligkeil sowie Sattigung (jeweils ea. 5-10
Stulen) sortierl. Sic sollcn visucll mogliehsl gleiehabslandig sein und cine eindeu¬
lige numerisehe odcr alphanumerisehe Kennzeiehnung des Farbtones erlauben. Bci
dcr I lerslellung tier Musler sind Toleranzen einzuhallen und die Probcn durfen nur
geringe AlterungselTekte aulweisen. Dureh cine farbmetrische Vermessung isl jc-
des Musler mathematisch eindcutig charakterisierbar.M
Fines tier altesten Farbsysleme ist das Munsell-System. Fs wurde 1905 von
dem amerikanisehen Maler Albert Henry Munsell entwiekelt und 1943 von dcr
Optical Society of America iiberarbeilct. Das System geht von 40 Farblbnen aus
und unlerseheidet naeh Ilelligkeil, Bunllon bzw. Farblon und Sattigung. Die Farb-
tdne Rot (R), (ielbrol (YR), (ielb (Y) usw. sind in Absehnilten auf cinem Zylin-
dermantel angeordnel, und wiederum 10-laeh unterteilt. Aul' tier Zylinderachse isl
die Ilelligkeil zu linden, sic rcicht von 0 lur Schwarz bis 10 lur WeiB. Auf dem
Radius des Zylinders ist die Sattigung zu linden, wobci 0 cinem (irauwerl enlspriehl.
Der Zahlenwert lur die maximale Farbsattigung ist vom jeweiligen Bunlton abhan-
gig/’" Die I'arbkennzeiehnung setzl sicli aus den Angaben zu Farbton, llelligkeit 62 * 64 6562 Vgl. Knipl'-Komlosi cl ill.: Aspcklc des Worischnl/cs. S. 15.
65 Das skaiulinaviselie NCS (Natural Color System) wurde 1981 entwiekelt und berulit auf der
(iegenlarhentheorie von Bering, vgl. Simon: Farbe, S. 129 131; vgl. Scandinavian Colour
Institute ЛВ: N(’S. Das Pantone Matching System ist ein amerikanisehes l arbsystem, das ins-
besontlere in der (irallk- und Druckinduslrie weit verbreitet ist, vgl. Panlone liurope. Das
RAI.-I;arbsystem ist kein l;aibordnungssystem im eigentliehen Sinn, sondern aus einer l arbton-
sammlung entstanden. Fs hat im olTentliehen Bereich und in der Industrie Bedeulung, vgl. RAL.:
RAF-Farben. Die berufsgenossensehaftliehe Vorsehrift (IHiV) A8 sehreibt verschiedene
RAF-l arben liir die Sieherheits- und (ielahrenkennzeiehnung am Arbeilsplat/ vor. Verbots-
/eiehen od. (iefahr: RAF 3001 Signalrol, vgl. da/u DCIJV: IHiV A8.
64 Vgl. Simon: Farbe, S. 125 126; vgl. McCamy: Color Order Systems, S. 21 24.
65 Vgl. Simon: Farbe, S. 127 129; vgl. Choudhury: Textile Preparation, S. 356 358. Die Aktua-
lisierung der l arbdaten betreut das Munsell Color Science Laboratory (MCSF) am Rochester
Institute of I echnology (RIT). Rochester, New York. Produklion und Vertrieb der Standards
erfolgt dureh die Pinna X-Rile Incorporated, (irand Rapids, Michigan.
Oucllcnauswahl, Begri/Je unci DcjiniUonen
27
und Sattigung zusammen. 5R8/2 steht fur cin mittlcres Rot (5R), das hell (8) imd
nur goring gesattigl (2) ist.
Das SCOTDIC-Farbsystem ist cine textile Anwendung des Munsell-Systems.
Ls vvurde aus dem japanischen Standard Color of Textiles und dem fran/osisehen
Dictionnaire Internationale de la Couleur entwickelt und wild heute von der
Kensaikan International Ltd. vertrieben. SCOTDIC enthall Farbmuster fiir Polyes¬
ter (2.468 Proben), Baumwolle (2.300 Proben) und Wolle (1.100 Proben). Fur
BaumwoIIe und Polyester bilden 54 Farbtone die Basis des Systems, fiir Wolle 20
Farbtbne. Die Mel 1 igkeitsskala ist in 16 Stulen (je 5-%-Sehritte) von 15 %
Sehwarzanteil bis zu 90 % WeiBanteil dargestellt. Die Sattigung ist ebenlalls in 16
Schritte unterteilt, wobei die Anzahl der real dargestellten Stulen vom Farbton, der
Helligkeit und dem Faserrohstoff abhangig ist.(>(>
Die SCOTDIC-Farbbezeichnung enthall neben den Angaben zu I’arbton, llel-
ligkeit und Sattigung auch das zur AusFarbung des Musters verwendete Substrat.
Dabei steht P fiir Polyester, C fur Baumwolle und W fiir Wolle. Die Angabe
C-01 50 10 steht fur eine Farbung auf Baumwolle mil dem Cirundfarbton 01, einer
Helligkeit von 50 % und einer Sattigung von 10 %.
2.2.2 Farbmessung
Die Farbtonbeurteilung mil Hille eines Farbordnungssystems kann in der Praxis
problematisch sein, da der gewonnene Farbeindruck eines Ciegenstandes von der
am Sehvorgang beteiligten Lichtquelle, dem betrachteten (iegenstand (Probe) und
vom Betraehter (Beobachter) selbst beeinllusst wird. Fiir die objektive Bewertung
von Farbtonen ist fiir die Qualitatssieherung eine Farbmessung erforderlich. Sie
berucksichtigt die Linflusslaktoren und quantiflziert das ITgebnis.
Die Strahlung der naturlichen Liehtquellen enthall alle Wellenlangen des siehtba-
ren Spcktrums. Hntsprechendes gilt fiir die meisten kiinstliehen Liehtquellen wie
Gliih- und LeuchtstoHlampen. Die Strahlungsverteilung S(X), d.h. die Menge der
Strahlung, die bei den verschiedenen Wellenlangen abgegeben wird, ist allerdings
in Abhangigkeit von der Liehtart unterschiedlich groB. Deshalb strahlen Lichtquel-
len unterschiedlich helles und verschiedenfarbiges Licht aus. Selbst Sonnenlicht
zeigt Unterschiede in der Strahlungsverteilung und -inlcnsitat. Wenn die Sonne
abends als glutrote Scheibe am Horizon! steht, liberwiegt die langwellige Strah¬
lung, bei bedecktem Himmel mittags im Sommer haben wir es vorrangig mit kurz-
welligen Strahlen zu tun.b/ Mit der Liehtart anderl sich der Farbeindruck, so dass
die Commission Internationale de FFcIairage (C4L) bestimmte Normlichtarten zur
Abmusterung und Farbmessung empfohlen hat, deren Strahlungsverteilungen in
Abb. 1 dargestellt sind. Die Normlichtarten I) 65 (mittlcres Tageslicht, 6504 K), A * 67Vgl. Scoklic C olours l.imilcd: SCOTDIC: vgl. Kensaikan: S( OTDIC-Online.
67 Vgl. Reumann: FriilXerfahren, S. 72<S 730.
28
Ouellenauswalil, Begrijfe und Definitional
(Ciliihlampe zur Raumbcleuchtiing, 2856 K) unci P 2 (Cool White, Leuchtstofllampe /ur
Burobdeuchtung, 4100 K) sind liber die Parbtemperatur eharakterisicrt und werdcn in
der Praxis vorrangig dureh Verwendung von Xenon-Lampen mil U V-l*'iItem realisicrt.bS
Wellenlange I [nm]
Abb. I: Spektrale Strahlungsverteilimg verschiedener Normlichlarlenb<;
Lin vveiterer Parameter, der Linlluss aufden Parbeindruck hat, ist die zu beurtei-
lende Probe. Textilmuster sind in der Regel imdurehsiehtige Proben, die einen I eil
des aulTallenden Liehtes absorbieren und den Rest dilTus, in alle Richtungen reflck-
tieren. Der Anted des reflektierten Liehtes, der Reflexionsgrad R(M [%], ergibt,
gegen die Wellenlange aufgetragen, die Reflexionskurve lur den Parbeindruck. Bei
ungelarbten, weiBen Proben hat das austretende Licht die gleiche Parbe wie das
eintretende Licht. Sind die Pasern gelarbt, wird ein Teil des einlretenden Liehtes
dureh die Parbstoffmolekule selektiv absorbiert und in Warme umgevvandelt. Da
jeder Parbstoff nur in bestimmten Wellenlangenbereichen absorbiert, ist die Zu-
sammensetzung des rellektierten, austretenden Liehtes von der Art und der Kon-
zentration des eingesetzten Parbstolles abhiingig. Werden nur kleine Parbstoffmen-
gen aufgebracht, wird wenig Licht absorbiert, somit vie! Licht rellektiert und die
Parbung erseheint hell. Bei grofieren I'arbstolTmengen wird mehr Ueht absorbiert,
weniger Licht rellektiert und die Probe erseheint dunkler. Reflektiert ein Muster
b<S Die Korperliirbe be/eichnel die l arbe eines Nichtselbslleuehters, /М einer textilen Probe,
deren I'arbe erst bei selektiver Absorption der aullrelTenden Slrablung dureh eine Liehlquelle
sichlbar wird. Die resullierenden Kellexionswerte sind charakteristisch liir die Kbrperfarbe,
vgl. Paurle: Korperlarbe, in: ROMPP Online, КD-1 I-()1429. Die Parblemperalur fКJ basierl
aid'der sieli andernden Strahlungsverteilimg eines sehwar/en Korpers beim I'rhil/en. Die vom
Kiirper abgegebene Slrablung veranderl sieli mil dei I emperalur. Pei niedriger Temperatur ist
die ausgesendete Slrablung ml, mil sleigender Temperatur wird sie gelber und heller, vgl.
hier/u Perger-Selumn: Praktisebe I'arbiiK^sung, S. Is 26; vgl. Paurle: l.ieblart, in: ROMPP
Online, RD-I2-0I05.L
69 Zablenwerte liir l;2 naeb СTI!: (’IP. No. 15.2 (1986); Zablenwerle lur 1)65 und A naeb ('IP.
Technical Report 15-2004.
Oucllauiuswahl, Begriffe und Definitional
29
alles aulTallende Lieht, ist die cntsprcchende Rellexionskurve im Ideal fall cine Cie-
rade bei 100 %, das Muster ware Ideal-WeiB. Lin ideales Sehwar/ ergiibe eine Cie-
rade bei 0 %, da das gesamte aulTallende Liehl absorbierl wird.70 71Der Iet/te Kinlliissfaktor, der Beobaehter, ist das mensehliche Auge b/w. in der
Farbmctrik ein dellnierter „NormalbeobaehlerA Sinnesempfindungen sind subjek-
tiv, sie variieren von Menseh /u Menseh und vverden dureh auBere Faktorcn wie
Miidigkeit oder Alter becinflusst. AuBcrdem sind die dir das I lelligkeits- und Far-
bensehen verantwortliehen Photorezeptoren auf der Netzhaut nieht gleiehmaBig
verteilt, im sog. gelbcn Fleek (Fovea) bellnden sich nur Zapfehen. Der auBerhalb
der Fovea entstehende Farbeindruek weieht von dem des gelben Fleeks ab. Die
Mittc einer betraehteten Probe wird aid'der Fovea abgebildet. Sie ist so klein, dass
nur Probcn mit eincm Durehmesser bis 1,7 em bei einem Betrachtungsabstand von
25 em vollstandig abgebildet werden. Dieses entsprieht in der Praxis einem Be-
trachtungswinkel von 2° (2°-Normalbeobaehter, 1931). Da farbige I laehen in der
Realitat aber groBer als 1,7 em sind, muss aueh der auBerhalb der Fovea entstehen¬
de I'arbeindruek bei der Beurteilung beriieksiehtigt werden. Deshalb wird heute ein
Beobaehtungswinkel von 10° (10°-Normalbeobaehtcr, 1964) verwendet, der einer
ProbcngroBe von ea. 9 em Durehmesser entsprieht. Auf Basis der Normalbeobaeh-
ter bestimmte die CIL die Starke des erzeugten Farbreizes als Funktion der Wellen-
liinge, die Normspektralwertkurven/1 Aufdiesen Untersuchungen und Iestlegun-
gen der CIL basiert die Farbmetrik. Mit Ililfe von Messungen wird die Sinnesemp-
findung ,,I'arbe“ objektiviert und in Zahlenwerte gelasst. Voraussetzung Fir eine
objektive Beurteilung ist die Verwendung von genormten Liehtquellen, Beleueh-
tungs- und Beobachtungsgeometrien sowie einer genormten, mittleren Augenemp-
fmdliehkeit.
Ьлn heute in der Industrie gebrauehliehes I'arbmeBsystem ist das CIFLab-System.
Fs client insbesondcre zur objektiven und nummerisehen Bestimmung von I arbun-
tersehieden. Der geometrisehe Abstand zwisehen zwei Farbtonen entsprieht im
CIFLab-Farbraum in etwa der mensehliehen Wahrnehmung. Das Koordinatensys-
tem besteht aus den si eh kreuzenden I'arbaehsen Rot-Grim (a'Aehse) und Blau-
(ielb (b*-Aehse). Die vertikale L:,:-Aehse (Lightness) reprasentiert die 1 lei 1 igkeit
von Sehwarz (0) bis WeiB (100). Auf der a-Aehse sind die positiven Werte (t a) als
rote und die negativen Werte (-a) als grime Farbtone delmiert, auf der b-Achse ent-
sprechend die positiven Werte (i b) als gel be und die negativen Werte (-b) als blaue
70 IcleulweiB b/w. -sehwar/ sind die l-.ieln’oilagen Iiir l arbmessgerate. WeiB-Slandards bestan-
den IViihcr aus Pariumsulfal-ГаЫеИеп, heute werden Keramik- oder Knnsisiol Fkaelieln ver-
wendel. Selnvarz-Standards heslelien aus einem Innen mit selnvar/em Sami oder sehwar/em
KunslstolTausgekleidetem Kdrper.
71 Die Teslpersonen mussten dureh Variieren der Intensitiit dreier Primiirxalen/en (x Rot,
7()()nm; у (irtin. 546, him und / Plan, 435,8 nm) a lie Speklrall'arben naehmisehen; vgl.
Perger-Sehunn: Praklisehe I'arbmessung, S. 33 42; vgl. ebenlalls Koniea-Minolta: I arbkom-
munikation, S. 4.1.
30
Oudlcnauswahl, Bcgri/fe und Dcfinitionc/i
Farbtone. Farben gleichcn Farbtons, abcr unterschicdlichcr Sattigung C* (Chroma),
licgcn in dor a*-lr::-Lbcne an Г Geraden vom Mittclpunkt (C ~ 0) nach auBen (C _
100). I)er Drehwinkel h (von Rot nach (ielb zunehmend) ist das MaB fur den Farb-
ton (I I*, hue).72 73 74 In diesem Farbenraum kann jede I'arbe uber die zugehorigen Ko-
ordinalen eindeutig bestimmt werden.
Die FarbdilTercnz. AH zwisehen einer Probe (P) und einem Bczug (B) ist der be-
stimmende Wert bei der Farbmessung. Hr wird aus den Differcnzen der Finzelwer-
te fur L*, a*, b* bzvv. L*, C*, h gebildet.7' Neben der FarbdilTercnz dienen die aus
der Messung erhaltenen Rcflektionsdiagramme, in denen der rcUcktierle Anted des
eingestrahlten Liehtes jeder Wellenlange gegen den Wcllenlangenbereieh des
siehtbaren Spektrums zwisehen 400 und 700 nm aulgetragen sind, zur Interpretati¬
on des Farbtones. Die Reflektionskurve liir einen Farbton zeigt, welehe Bereiehe
des Spektrums an der Fntstehung des I'arbtones beteiligt sind. AuBerdem konnen
anhand dieser Kurven Aussagen beziiglieh Brillanz und Leuchtkrait gewonnen
werden. Matte, stumple Farbtone zeigen einen eher gleiehmaBigen Verlauf der
Rellektionskurven, wahrend die Kurven fur brillante I’arbtone deutliche Maxima
und Minima aufwcisen.
Wird ein Finllussparameter wie die Lichtart wahrend der Messung verandert,
konnen sieh deutliche Farbuntersehiede ergeben, die in der Realitiit nieht vorhan-
den sind (vgl. Tafel 2). Die fur eine Probe mil unterschiedlichen Liehtarten be-
stimmten Farbkoordinaten L*, a* und b'!: weiehen voncinander ab. Der resultieren-
de Farbabstand All, der sieh allein dureh den Weehsel der Lichtart ergibt, liegt
deutlieh liber den in der Praxis tolerierbaren (jrenzwerten von ^ 1,5.
2.2.3 Farbmittel, FarbstolT, Pigment und Farbedroge
DIN 55943 dellniert den BegrilT Farbmittel als Sammelbezeiehnung liir alle farb-
gebenden Substanzen und unterteilt in Farbstoffe und Pigmente. Der FarbstolT ist
als ein im Anwendungsmedium losliches Farbmittel, das Pigment ist als ein im
Anwendungsmedium praktiseh unlosliehes Farbmittel deTmierl. Des Weiteren wer¬
den Pigmente in bunte und unbunte Pigmente unterteilt.7'1 I*infaehe Linteilungen
unterseheiden weiterhin nach der Herkunlt der Farbmittel in natiirliehe und synthc-
72 Die extrcmcM VVcrtc von a i: und lri: liir sehr brillante Farben liegen bei * SO b/w. -SO.
73 I in* die Bereclnumg vgl. Uerger-Sclnmn: Praktisehe Farbmessung. S. 5S; vgl. Choudlniry:
lexlile Preparation. S. 337 353; \gl. weiterhin Booth et al.; Dyes, S. 2S 35. In der modernen
Produktion ist AF. ein I ei 1 des Anl’orderungspmfils einer Ware, das zwisehen Veredler und
Kuiule ausgehandelt wird. Anhand der IJntersehiede ALi: - I.Hi: (positiv heller, negaliv
dunkler), Aai: a|.;: - aMi: (posiliv ruler, negaliv griiner) und Alri: - bn* (posiliv
gelher. negaliv blauer) kann die Riehlung der Farbabweielumg bestimmt werden. Dieses ist
insbesondere in der Produktion von Uedeutung, da der grcjBte l ei I der l arbungen nieht als
Typlarbung mil einem I'arbstoff. sondern mil Misehungen aus mehreren FarbslolTen durehge-
liihrl werden.
74 Vgl. DIN 55943; \l>I. Wingeiuler. Welseh: Farbstofle, in: ROMPP Online RI)-()b-002 1 5.
Oucllenduswahl, Begri/fe uml Definitional
31
lische Farbstoffc odcr Pigmcnte oder nach dcm mil dcm Farbmittcl zu erziclcndcn
Farbton in Rot-, Blau- und Gclbfarbstoffc oder -pigmcnte. Naturfarbstoffc werden
in pllanzliehe und tierische Farbstoffc unterteilt. Pflanzcn farbstoffc werden dann
wiederum naeh ihrer Ilerkunlt in Bliitcn-, Beeren-, Blatt- oder Wurzd farbstoffc
oder naeh der ehemisehen Grundslruktur in Carotinoide, Flavonoide oder Antho-
eyane unlerschicden.7’'
Farbstoffc konncn aus wassriger Losung auf Textillasern appliziert werden.
Pigmcnte hingegen werden ohne Milfsmittel weder physikaliseh noch chemiseh in
ausreiehendem Майе an Fascrn gebunden, so dass sie mil Hilfe von Binde- und
Verdiekungsmitleln auf die Ware gcbracht werden.75 76
In der Literatur wird haufig der Begriff Farbedroge verwendet. Unter einer
Droge versteht man im urspriingliehen Sinn getroeknete pllanzliehe oder tierische
Sloffe, die fur Ileilmitte! oder teehnisehe Zweeke verwendet werden bzw. wur-
den.77 Kriinitz nennt hier „Spezereien und GewiirzeA die liir Arzneien, in der Kii-
che oder zum Farben benutzt wurden und Schmidt erweitert den Begriff in der
technischen Anwendung auf die naliirlichc Farbstoffc und Pigmcnte./s
2.2.4 Farbcntslchung bei Farbstoffen und Pigmenten
Naeh physikaliseh-ehemisehen Gesichtspunkten sind Substanzen dann farbig, wenn
sie einen Teil der sich zu WeiB erganzenden Strahlung aus dcm sichtbarcn Ieil des
Spektrums (ea. 400-770 nm) selektiv absorbicren. Der nicht absorbierte Teil der
Strahlung wird rellektiert und vom mensehliehen Auge als Farbe wahrgenommen.
Fine Absorption im sichtbarcn Bcreich des Spektrums kann nur dann eintrelen,
wenn die eingestrahlte Fnergie den Anregungsmdgliehkeiten der im Moleki.il be-
fmdliehen Flektronen entspricht. Dureh das Lieht wird den Flcktronen Fnergie zu-
gefiihrt und sie werden in ein hoheres Fnergieniveau gehoben (angeregt).
Leieht anzuregen sind die я-Flektronen in Doppelbindungen. Fin organischcs
Moleki.il mil nur einer Doppelbindung absorbiert kurzwellige ultraviolette Strah¬
lung und erscheint farblos. Fiegen in Molekiilen konjugierte Doppelbindungen vor,
d.h. Doppelbindungen weehseln sieh mil Einfachbindungcn ab, wird die Absorpti¬
on mit zunehmender Anzahl der Doppelbindungen immer weiter in den sichtbarcn
75 Vgl. o.V.: PllanzenlarbstolTe, in: ROMPP Online RD-16-01304; vgl. Rosenberg: Historical
organic dyestuffs, S. 35.
7b Fur eine IJbersiehl vgl. DilTeren/ierung von Farbmilteln. in: Fmrath: Reslaurierung von (ie-
niaklen. Die nioderne l arbeiei verweiulet den Pegriff „PigmentlarbslolP* liir Farhinillel in der
Druekerei. l-ine Pesonderheil unter den modernen Farbstoffen sind die Dispersionsfarbsloffe.
die bevor/ugt liir die Fiirbung von Polyester eingesel/l werden. Da sie wassenmlbslich sind,
miissen sie mil I lillsmitleln in der wiissrigen Nolle dispergierl werden. Unter F.insal/ von
( arriern oder unter I loehlemperalurbedingungen, dureh die sieh die l aser offnel und liir den
Farbstoff /.uganglieher wird, erfolgl die Farbung.
77 Vgl. o.V.: Droge, in: ROMPP Online. RD-04-0257X; vgl. Duden: Fremdwbrlerbueh, S. 200.
7<S Vgl. Kriinitz: Oekonomische I'n/yklopadie, l b. 0, S. b3S: \gl. Sehmidt: Drogen und Drogen-
handel, S. I u. IS 19.
32
Qucllcnauswahl, Вс^гЩс und De/initioncn
Bereich dcs Spcktrums vcrschobcn. Naturfarbstoffc, deren Farbigkeit auf ausgc-
dehntcn konjiigierten Doppelbindungssystemen beruhcn, sind die Carotinoid-
farbsloffe.
Das System aus konjiigierten Doppelbindungen wild als Chromogen bezeich-
net. An diesem System konnen vveitere lunktionelle (iruppen mil Ireien Flektro-
nenpaaren hangen, die das Doppelbindungssystein erweitern und durch das Vorlie-
gen mesomerer Strukturen die Anregbarkeit der Idektronen erleichlern.' Diese
(iruppen werden als chromophore Gruppen be/eiehnet (grieeh. chroma - Farbc,
pharos - tragen). Die chromophore Gruppe der Anthrachinonlarbstoffe und der
indigoiden FarbstolTe ist /.IF die ehinoide b/w. Carbonylgruppc (-C“()).
Die Farbnuanee einer organischen Verbindung kann durch SubstituentenS(, mit
Ireien Flcktronenpaaren weiter bceinllusst werden. Die Ireien Flektronen dieser als
Auxochrome bezcichnelcn (iruppen, beteiligen sich am я-Flektronensystem des
Chromogcns und konnen den Farbcindruck verandern. Auxochrome (iruppen sind
beispielsweise die IIydroxylgruppe (-Oil), die Aminogruppe ( NIF) oder die
Melhoxygruppe ( ()('110- Sic wirken larbvcrtiefend, vermitteln AITinilal /иг Faser
und konnen iiber spe/ielle Farbemelhoden (Ghelat-Metallkomplexbildung oder
Farblackbildungsl) die Bindung an die I;aser ermoglichen. Wird die Lichtabsorpti-
on nach langeren Wellen bin verschoben, spricht man von bathochromen (iruppen,
bei einer Verschiebung in die entgegcngcsetzle Richtung von hypsochromen Grup¬
pen. Xu den hypsochromen (iruppen gehdrt z.B. die in synlhelischen I'arbstolTen
vorkommende Nilrogruppe ( N()2). Diese (iruppen werden haullg auch als
Antiauxochrome be/eichnet. Auxochrome (iruppen stellen dem Molekiil Flektro-
nen /иг Verliigung (elektronenliefernd), Antiauxochrome ent/iehen dem Molekiil
Idektronen (eleklronensaugend).s" * 50 51 52 * * * * * * * *79 Als Mesomel ic oder auch Resonanz wirtl die I'Irschcinun^, hezeiehnet, dass die in einem Mole¬
kiil oder mehratomigen Ion vorliegenden Hindungsverhiiltnisse niehl durch cine ein/ige Slruk-
lurlbrmel dargeslellt werden konnen, sondern nur durch mehrere (iren/.formcln. Keine dieser
(iren/lormeln hesehreibt die Rindungsverhiillnis.se und damil die Verleilung der Idektronen in
ausreichender Weise. Der wirkliche Zustand eines Molekiils, also der Zwisehen/usland /.wi-
schen den (iren/strukturen wird als mesomerer Zustand he/eichnel.
50 suhsliluieren, von lal. suhsiiiuar erset/en; l.in Substituent ist ein Atom oder cine Alom-
gruppe, die ein anderes Atom in einem Molekiil ersel/1. lisp.: In Median (Cdl4) wird ein Was-
serslo IT durch ein C h lor ((I) ersel/l, C h lor ist der Substituent.
51 Vgl. Wingender, VVelseh: l arbslone, in: ROMPP Online RD-06-002 15.
52 Diese Aussagen beruhen aul'der 1S70 von Nicolaus Otto Will (IS53 1915) aufgeslelllen d'he-
orie vom Zusammenhang zwisehen I'arbstoribau und I'arbe. Die DegrilTe C'hromogen,
C'hromophor und Auxochrom wurden von Witt cingcfiihrt. Die Deulung der Auxochrome als
eleklronenliefernde und Antiauxochrome als eleklronenenl/iehende (iruppen enlstamml der
Mesomerielehre. Vgl. Dehr: I'asehenbueh der I exlilchemie, S. 244 252; vgl. l-bner, Schelz:
I exl i 11arberei und I 'arbslolVe, S. S9 100; vgl. Willkc: I 'arbslolTehemie, S. 31 41; vgl.
Klcssinger: Konslilulion und l.ichlabsorption, vgl. Zollinger: Color Chemistry, S. I I 24; vgl.
Choudluiry: Textile Preparation. S. 329 337; vgl. Christie: Colour Chemistry, S. 17 21; vgl.
Wingender, Wclsch: l arbstolTe, in: ROMPP Online RD-00-002 15.
Oucllenanswulil, Begrij'fc und Definitional
33
Wird das mesomere System dcs Molekuls vcrkiirzl odor unterbrochen, liihrl dieses
zu einer I'arbandenmg (vgl. Rcduktion von Indigo zu Leukoindigo) oder dem vbl-
ligen Versehwindcn dcr Farbc. Nebcn bathochromen und hypsochromen Cffekten
kb mien Subsl itnenten zusatzlich die Absorptionsintensitat verstarken (hyper-
ehromcr CITekt) oder verringern (hypochromer Cffekt).
Die Farbigkeil der Pigmente beruht ebenfalls auf der selektiven Absorption von
Lieht bestimmter Wellenlange, mogliehc Ursaehen sind Ladungsversehiebungen
oder Ladungsiibertragungen, die dureh Teile des Liehtes ausgelost werden. Bet mi¬
le n sind hiervon insbesondere Vcrbindungen mil Ubergangselementens\ wie Kup-
fcr, Chrom, Cobalt, Bisen, Niekel usvv., deren larbige Salze oder Oxide schon in
der Antike als Pigmente Verwendung fanden. Naeh der Art der Ladungsversehie-
bung unterseheidet man d-d-UbergangeS4 (Azurit, Malaehit), Charge-Transfer-
Prozesses> oder Valenz-Leilungsband-UbergangeS6 (Auripigment, Zinnober, Men-
nige). Cine Ladungsversehiebung, die nicht zwisehen Metallen sondern zwisehen
Sehwelelatomen statlllndet, ist die Ursaehe der I’arbe des blauen Lapislazuli.s/ Ne- 83 84 85 * 87 *83 Ubergangs- oder Nebengruppenelemenle sind die Clemente der (iruppen 3 bis 12 des Perio-
densystems. Pei den I lauplgriippenelemenlen werden mil /uiiehmender Ordinings/ahl die s-
und p-()rbilale mil Cleklronen geliilll, bei den Nebengruppenelemenlen werden die d- und I-
Orbilale besel/.l.
84 In einem Atom sind die fiinf d-()rbilale enlarlel, d.b. energiegleieh. Pellndel sieh das Clement
in einer Verbindung, werden die d-Orbilale vom Verbindungspartner beeinllnssl und energe-
lisch aulgespallen, d.b. es enlslehen d-()rbilale mil unlersehiedlichem Lnergieniveau. Die
Cleklronen belnulen sieh in der Regel auf den unlerslen I'nergieniveaus, kbnnen aber dureh
Absorption von Cnergie (l.iebl) in die energelisch lidberen d-Orbilale angehoben werden. I,.r-
I'olgi die Absorption im siehlbaren Speklralbereieh, ersebeinl die Verbindung larbig. Die (iro¬
be der HnergiedilTeren/ AC zwisehen den d-Orbilalen wird im Wesenlliehen dureh den liin-
dungsparlner beeinflusst. Dureh d-d-Ubergjinge hervorgerulene 1'arbigkeit ist in der Regel
aber nielli sehr intensiv. Vgl. Kldekl: I'arbehemie.
85 Wahrend bei d-d-libergiingen die Ladling innerhalb eines Atoms versehoben wird, ist die Ur-
saelie der I‘arbigkeit bei C’harge-Transler-Pro/essen, die Ladungsiiberlragung von einem elek-
tronenreichen Partner (Donator) aul einen eleklronenarmen Partner (Ak/eptor) dureh Anteile
des siehlbaren Liehtes. C’harge-Transl'er-Pro/.esse irelen in Pigmenlen haulig aul, wenn ein
Clement in unlersehiedliehen Oxidalionsstufen (z.P. I e“ /l e' ) enthalten ist. Vgl. Kldekl: barb-
ehemie.
8b Von Pandern spriehl man, wenn sieh in einem l estkdrper (hier: Pigment) aus Molekiilorbila-
len energeliseh diehl beieinander liegende Krislallorbitale gebildel haben. Das Valen/band ist
das energeliseh hbehsle, noeh von Cleklronen besel/.le Paiul, das Leilungsband isl das energe¬
liseh niedrigsle unbesel/le Paiul. Die h.nergieliieke zwisehen den Pandern wird als Pandliieke
be/eiehnet, sie ist eharaklerisliseh lur die Substan/. Kdnnen dureh siehlbares l.iehl l-.lektronen
aus dem Valenz- in das Leilungsband gehoben werden, trill I'arbigkeil auf. Vgl. Proek el al.:
Laekleehnologie, S. 118; vgl. h'rilseh, Rossman: l-delsteinlarben S. 40.
87 Lapisla/uli bestehl aus einem Kiifige (llohlraume) bildenden Alumoxiliealgrundgeriisl, den
/eolithen vergleiehbar, in dessen llohlraumen Polysullld-Anionen (SO eingesehlossen sind.
Die blaue I'arbe entsleht dureh den (Jbergang eines Ideklrons von einem Selnvelelalom des
Anions an Г ein anderes; vgl. Ilolleman, Wiberg: Lehrbueh der anorganisehen Cliemie, S. 485,
34
Oucllciuuiswahl, Begnj'fe und De/initionen
ben tier chemischen Zusammcnsel/ung und den auftretenden Ladungsvcrschicbun-
gen wird die I'arbigkeit von Pigmenten zusatzlich durch die TeilchengroBe, die
TeilchengroBenverleilung und damil verbunden durch die Lichtstrcuung an den
Tcilchen beeinl]usst.ss Je kleiner die Pigmentteilchen, desto intensive!' ist die Parbe
des Pigments.
2.2.5 Parbstoffe naeh larbereiteehnisehen Prin/ipien
In der Parbcrei werden Parbstoffe naeh verschicdencn Prin/ipien auf textile Paser-
stoffe appli/iert. In Abhangigkeit von der angewandten Technik, den einlliissneh-
menden Pro/essparametern sowie vom textilen Rohstoff, muss der Parbstoffbegriff
daher erweiterl werden.
Die einfaehste anwendungstechnische Unterscheidung ist die Pinteilung naeh
IIandelsnamen oder die Systematisierung naeh den zu larbenden Pasern in Woll-,
Baumwoll- oder Polyesterfarbstoffe. Diese Klassifi/ierungen beinhalten keine b/w.
wenig Informationen beziiglich des larbcrischcn Verhaltens der Parbstoffe. Parb-
stoffehemiker und Parber unterseheiden daher Ciblicherwcise naeh der chemischen
^Constitution des Parbstoffes oder naeh seinem Verhalten zur l aser und der damit
verbundenen Parbctechnik, was ebenso die Basis der Pinteilung der Parbmittel in
DIN 55944 isl.s4
In Abhangigkeit von den chemischen Grundstrukturen werden Naturfarbstoffe
/.B. in anthrachinoide, bcn/.ochinoide, flavonoide, indigoide oder naphthochinoide
Parbstoffe unterschieden. Naeh ihrem Verhalten zur Paser werden sie als Direkt-,
Bei/en- und Kupcnfarbstoffe bezeichnet, was einen unterschiedlichen verfahrens-
technischen Aufwand beinhaltet. Beide Dinteilungsarten sind die Basis der Syste¬
matisierung der Parbmittel naeh dem Colour Index (C.I.).<)() Der im Jahr 1926 von
der Society of Dyers and Colourists (SDC, Bradford, UK) begonnenc Parbmittelka-
talog beinhaltet cine umfassende Aullistung der gebrauchlichen Parbstoffe und
Pigmente. In der Sammlung sind Informationen fiber Nomenklatur, chemische
Struktur, Synthese, Reaktionsverhalten, Loslichkeit, Trivialnamen, Ilerstcller und
Piteratur zu den ein/elnen Parbmitteln zu fmden.1)1 Die Pinteilung erfolgt naeh (iat-
tungsnamen (Kombination aus Anwendungstechnik und chemischer Struktur) und
Konstitutionsnummern (chemische Struktur). Gattungsnamen sind beispielsweise
Saure- (CM. Acid Dyes), Direkt- (C.I. Direct Dyes), Reaktivfarbstoffc (CM.
Reactive Dyes) oder Naturfarbstoffe (CM. Natural Dyes). Die Unterteilung naeh * 90 9177X und SS5; vgl. Amelingmeier: Lapisla/uli, in: ROMPP Online, RD-12-00409; vgl. Prilsch,
Rossman: I-delslcinlarhen S. 43; vgl. Seel el al.: Das (ieheimnis des Lapis la/uli, S. Ы 69.
XX Vul. (iroleklaes: anorganisehe Pigmente, in: ROMPP Online, RI)-()I-02596; vgl. (iold-
sehmidt, Slieilheiger: Laekierleehnik, S. 146.
X9 Vgl. DIN 55944:2003-1 I.
90 Vgl. SDC und ЛЛ1СС: Colour Index.
91 Vl',1. Storey: Manual ol Dyes and Pabries, S. 1X2 1X3; vgl. Rosenberg: llistorieal organic
dyestuffs, S. 35.
Oucllcnauswahl, Bcgrijje und Dcjinitioncni
35
Konslitutionsnummcrn uni (asst z.B. Nr. 10000 10299 (Nilroso), Nr. 1 1000-19999
(Monoazo), Nr. 58000 72999 (Anthrachinon) oder Nr. 73000-73999 (Indigoid).
Nalurindigo ist untcr CM. Natural Blue 1 mil der Konstitutionsnummer CM. 73000
aulgel islet.
2.2.6 Fa r be v e r fa h re n
Farbungen vverden meist in wiissriger Losung naeh dem sog. ,,Ausziehverfahren“
durehgefiihrt, da die meisten Nalurfarbstoffe wasserloslieh sind bzw. dureh ehemi-
sehe Reaktionen in eine wasserlosliehe Form uberliihrt vverden konnen. Beim Aus-
ziehverfahren wird das zu farbende Substrat als loses Fasermaterial, Gam oder tex¬
tile Flaehe in der Farbellotte, einer wassrigen Losung der Farbmittel bzw. Farbstof-
fe unci versehiedener Ililfsmiltel, unter Bewegung und Temperatureinlluss Fiber
einen Iangeren Zeitraum behandelt. Verfahrensteehnisehe Varianten der I arbungen
naeh dem Ausziehverfahren sind Stufen-, Mehrfaeh-, Naehzug- und Uberlarbun-
gen.')2 Diese Verfahrensvarianten dienen vorrangig der Steigerung der FarbslolT-
aufnahme. Zusalzlieh konnen Farbtone erzielt vverden, die dureh einmaliges I'arben
nicht erreiehl wiirden.
Stufeiilarbimgeii sind sehrittweise Farbungen, bei denen das Substrat in die I'lotte
getaueht, an der Lull ausgehangt und wieder in die I'lotte getaueht wird. Iauehen
und Verhangen vverden bis zu einer ausreiehenden I'arbtiefe wiederholt. Ansehlie-
fknd wird getroeknet. Dieses Verfahren kommt bevorzugt bei der Kiipenlarbung
zur Anwendung.
Bei IVIelirfachlarbungeii wird das Substrat gelarbl, getroeknet und ansehlieBend
wird es noehmals in derselben I'lotte gelarbl. Diese Vorgehensweise liihrt hauhg
zu tieleren I'arbtdnen als sie dureh ein I Ieraulsetzen der I arbezeit erreiehbar waren.
Wird fiir die zvveite Farbung eine andersfarbige harbellotte verwendel, konnen
пене Farbtone erzeugt vverden. So wird dureh Behandlung eines im ersten Sehritt
blau gelarbten (Jewebes in einer gelben Farbellotte ein (iriinton erzielt. Bei dieser
Variante handelt es sieh um eine mehrbadige Farbung, da zvvei untersehiedliehe
I'lotten fur die Farbung verwendel werden.
Fiir Naclizuglarbimgen vverden Farbellotten verwendel, die nicht vollstandig aus-
gezogen sind. Insbesondere Natnrfarbsloffllotten konnen naeh Absehluss einer
F'arbung noeh betraehtliche F'arbstolTmengen enthalten, so dass die I’lotten Fiir hel-
lere oder als (jrundierung fiir andere Farbtone weiterverwendet werden. Beispiels-
weise wird mil einer neu angesetzten lndigokiipe Dunkelblau gelarbl, mil dem
Naehzug erhalt man helle Blautdne, die als (irundlage Fiir (irunlarbungen dienen.
l)2 Vgl. Sroka: I cxtilchcmisclics Farhereipraktikum. S. 1()4.
36
Ouellenauswahl, Begriffc and Dejhiitioncn
Unter IJberfarben ist die barbung von bereits eoloriertem Substral zu verstehen.
Beispielsweise entsteht auf einer blaucn Ware durch Uberlarben mil ciner mien
Nolle ein Violelllon.
Die barbungen naeh dem Ausziehvcrfahren konnen naeh der An des verwendclen
Naturfarbstoffes weilerhin in Direkl-, Beizen- und Kupenlarbungen unlerteill wer-
den. Diese binleilung beinhallel einen unlersehiedlieh groBen Aulvvand bei der bx-
traklion und der anschlieBcndcn Applikalion der barbstoffe.
Der DirektfarbstofTziehl „direkl", d.h. ohne I lilfsmitlel, lediglich durch Tempera-
lur- und Zeitcinfliisse auf die baser auf. Bis auf die Kiipenfarbstoffe konnen prinzi-
piell alle Naturfarbstoffe direkl gelarbl werden. Da aber die Affinitat der meislen
barbstoffe zur baser unler diesen Bcdingungen niehl sehr hoch isl, konnen nur un-
zureiehende barbtiefen erziell werden. AuBcrdem binden Direklfarbsloffc lediglieh
liber Wassersloffbriickcn und/oder Van-der-Waals-Krafte an die baser, so dass die
Nassechlheilen dieser barbungen eher schlecht sind. binige Direktfarbsloffe kon¬
nen allerdings zusatzlich fiber eine Ioncnbindung auf Proteinfasern fixierl werden.
Moderne DireklfarbsloHe, meist aus der Azogruppe, werden heule bevorzugl fur
b'asern aus nativer und regenerierler Cellulose verwendcl.
Die barbung mil einem Bei/enfarbstotTerforderl die Behandlung des zu larbenden
Subslrales mil einer Beize. Je naeh baser- und b'arbslolTarl werden fiir die Beize
wasserlosliehe Melallsalze und/oder (ierbsloHe verwendcl, die mil barb- und b’a-
serslolT wasserunlosliehe Komplexe bilden und so den FarbslolTan die baser bin¬
den. Duieh die Anvvendung untersehiedlieher Melalle (AI, be, C4i oder Zn) kann
die b’arbe der Komplexe variierl werden. Als Beizen farbsloffc konnen Nalurfarb-
sloffe fungieren, die funklionelle (iruppen mil freien bleklronenpaaren wie
Carbonyl- oder I lydroxylgruppen in orlho-Slellung besilzen, die den barbsloff zur
Komplexbildung mil einem Melall belahigen. Die barbsloffkomplexc werden auch
als barblacke bezeichnel.л Die Beizenlarbung kann einbadig oder zweibadig
durchgefiihrl werden. Beim einbadigen Verfahren erfolgl die Beize wahrend der
barbung, bei der zweibadigen Arbeilsweise wird die Ware gebeizl, dann gelroeknel
und anschlieBend gelarbl. AuBerdem kann durch Zugabe des Beizmillels am I-nde
des barbeprozesses oder durch Nachbehandlung mil einer Melallsalzlosung auch
eine Nachbeize erlblgen. Das Prinzip der Beizenlarbung liegl der barberei mil mo-
dernen Melallkomplexfarbsloffen zu Cjrunde. Hier reicht allerdings ein b'arbeschrilt
aus, da die Komplexbildung schon bei der Herslellung des b’arbstoffes erfolgl und
der Melallkomplexfarbsloff als wasserlosliches barbsalz vorliegl. Mil der
Beizenlarbung vergleichbar sind ebenlalls die Direkllarbungen mil Nach-
chromierungsfarbsloffen. Die b'arbstoffe enthalten Ciruppen, die mil C'hrom-
ionen Komplexe ausbilden. Die Komplexbildung erfolgl hier wahrend einer Nach- 6363 Vgl. Wclscli: biirhlacke. in: ROMPP Online RI)-()6-()()lS3.
Onellcnauswahl, Begrijfe und Definitional
37
behandlung und liihrl zu cincr MolekiilvergrbBerung und damit verbunden zu bes-
scrcn Waschcchthcilcn.
Die Kupenfarbung isl dor verfahrenslcchnisch aufwendigsle Farbeprozess. Indigo
und Purpur, die einzigen in der Natur vorkommenden Farbstoffe dieser Arl, sind
wasserunloslieh, also naeh slrenger Definition Pigmente. Lrst dureh die ehemisehe
Reaklion mil einem Reduktionsmiltel in alkaliseher Losung entslehl der wasserlos-
liehe Leukofarbsloff, der auf die baser aufziehl und in den amorphen Bereiehen
eingelagert wird. AnsehlieBend muss der Leukofarbsloff dureh Oxidation wieder
zuni wasserunlbsliehen Farbsloff ruekoxidierl werden. Hervorragende Nass- und
Lichleehlheiten reehlferligen noeh heute den hohen teehnisehen Aufwand der Kii-
penfeirberei.
2.2.7 I'arbeparameler
Der Farbausfall einer Farbung naeh dem Ausziehverfahren wird dureh versehiede-
ne Fakloren beeinflussl, die allgemein als I'arbeparameler bezeiehnel werden. In
Abhangigkeil von Arl und Menge der zu larbenden Ware ergeben sieh dureh die
Anforderung der Reproduzierbarkeit, beslimmle Bedingungen, die wahrend des
Larbevorgangs einzuhallen sind. Die Masse des zu larbenden Substrates, das lla-
ehengewiehl, beslimml die einzuselzenden Farbmillel- und I Iillsmitlelmengen. Die
benoligle Hollenmenge fiir eine Farbung erreehnel sieh Ciber das I lollenverhallnis
(FV) ebenfalls aus dem Gevviehl der zu larbenden Ware. Ls gibl an, wie viel kg
Ware (Substral) mil wie viel Liter Flolle gefirbl werden. Man sprieht je naeh Grb-
Be des Flollenverhallnis von „kurz.en‘b (1:10) bzw. „langeif (1:40) Molten. Die
Wahl hiingl von der Substralarl und der Lbslichkeil der Farbslolle und Nillsmillel
ab. Lmpfmdliehe Subslrale aus Seide werden in einer grbBeren Hollenmenge ge-
llirbl, urn die meehanisehe Beanspruehung wahrend des Farbeprozesses herabzu-
selzen. In der modernen Farberei beslimmen neben bkonomischen und bkologi-
sehen Krilerien vor allem die Farbemasehinen die (iroBe des Mollenverhallnisses.
Die Arl des Faserrohsloffes (Wolle oder Baumwolle) und die Arl des einzuselzen¬
den Farbmillels (Direkl-, Beizen-, KiipenIarbslo11 oder Pigment) beslimmen den
pFI-Werl der Farbeflolle, die Farbelemperalur und -dauer.
2.2.8 Lehlheilen von Farbungen
Farbungen auf Textilien sollen egal, d.h. gleiehmaBig, und dauerhall sein. In Ab-
hangigkeil vom Linsalzzweek miissen sie den aullrelenden Beanspruehungen im
lagliehen Gebraueh widerslehen. Diese Dauerhalligkeil, der l aehmann bezeiehnel
sie als Lehlheil, wird dureh verschiedene auBere Finlliisse beslimml. Ilierzu gehbrl
()4 In der modernen I arberei sind Flotteinerhiiltnisse von 1:8 liir Jet-l arbemasehinen bis 1:20 Iur
I laspelkulen Liblieh.
зк
Ouclknuiuswah/. liegri/fe und Dcjinifioncn
tier mcchanischc Abricb von nichl fcsl gebundenem FarbslolT, das Hcrausloscn des
barbs Ioffes durch die Wiischc, das Verblassen des barblons durch Lichleinwirkung
oder die barblonanderung durch Chemikalieneinlluss (Sauren oder Alkalien aus
Lebensmilteln). Die Fchlheil gegeniiber diesen Beanspruchungen isl ein wcsenlli-
ches Qualilalsmerkmal lextiler Farbungen.
Mangelnde Fchlheil fiihrl zu einer Farbvcranderung, die sich in der Regel durch
ein Verblassen der I'arbe oder durch die Anderung des barblones bemerkbar macht.
Dass nichl alle Farbungen die an sic gestelllen Anspriiche erfTillen, isl nicht ersl seil
dem Finsalz synthelischer FarbslolTe bekannl. Schon vor elwa 300 Jahren wurden
daher in brankrcich Belichlungslesls an Wollfarbungen durchgcliihrl4:' und im Jahr
1780 schilderl Johann Nicolaus BischolTdas Problem wie folgl:
„Bonn, vvenn gleich ein /cug nocli so leurig und glan/.end gelarbl isl, aber diese
schdnc I 'arbe sieli in ein schmulziges (ielb oder (irau verwandell, oder gan/.lich ver-
schieBl, so isl die gan/.е Kunst des barbers umsonst und der Zeug lull seinen vor/.iig-
liehen Werlh verloren/^’
Fin wesenlliches Kriterium fiir die Fchlheil isl die Bindung, die zwisehen FarbslolT
und baser beslehl. barbsloffe, die nur liber Nebenvalenzkraile binden, haben
schlechlere Wascheehlheilen als barbsloffe, die I Iauplvalenzbindungen mil der
baser eingehen. Von Bcdeulung isl auBerdem die vollslandige Durchfiihrung der
barbung mil alien abschlicBenden Spiil- und Nachbehandlungsvorgangen, um nielli
gebundenen FarbslolT zu enlfernen.
bur den (iebrauch von Bekleidungs- und I leimtexliIien sind Waseh-, Trocken-
reinigungs-, SehweiB-, Lichl- und Reibechlheilen von Inleresse. bur ausgewahlie
Waren kdnnen weilere Fchlheilen, wie z.B. Meerwasser- und C’hlorwasserechlhcil
Iur Badebekleidung, hinzukommen. Aus der Vielzahl der moglichen Verarbei-
lungs- und (iebrauchsechlheilen haben fiir den Verbraucher insbesondere die Liehl-
und Waschechlheil Bcdeulung.
>5 Vgl. Ulsholer: baibedilheilen, 3/4, S. 25.
»b Vgl. Bischoff: I iirbeikunsl, S. 25.
3. Farberei im Mittelalter
Die textilen Arbeitsbcreiche Spinncrei, Weberei und Walkerci waren im Millelaller
durch die Lmlwicklung von Masehinen und lechnischen MilIsmitleln von grundle-
genden Veranderungen belroffen. So wurde in der Spinnerei die bisher verwendele
llandspindel durch das Spinnrad erselzl, in der Weberei folgte der Horizonlalweb-
sluhl dem a Keren Gewichts- oder Veil i ka I websluh I und in der Walkerci konnte
durch die LiinITihrung der Welle und der damil moglichen Umselzung einer Kreis-
bewegung in eine Schlagbewcgung die erforderliche korpcrlichc Arbeit zum Ver-
diehten der Ware durch Maschinenarbeil erselzl werden.A lie Veranderungen
fuhrlcn zu einer gesleigerlcn Produklion, die auch Auswirkungen aul die Farberei
halle, da nun groltere Mengen gelarbl vverden mussten. Das umfangreicher und
grower werdende Angebot an Farbmitleln resn 11ierte in einer Spezialisierung der
I’arber in Schwarz- (Schlichl-, Schlechlfarber), Waid- (Blauiarber) und Sehbnlar-
berys. Neben dieser handwerklichen Arbeil Iur den Handel, halle die I arberei im
hanslichen Bereich aber weiler Besland.
Die Verwendung unterschiedlicher Faserrohsloffe, Farb- und 11ilIsmitleln er-
lauble eine Bandbreile an moglichen Rezcplvarianlen. In hislorischen Anleilungen
sind daher neben den ublichen Vorschriflen lur die Aiisziehlarbung auch solche Hir
das Aufslreichcn von Farbmillellbsungen, verschiedene Arlen der Beize oder spe-
ziellc Mclhoden der Flollenherslellung wie z.B. das Verkiipen zu erwarlen. Die hier
belrachlelen Quellen wurden daher zunachsl bezuglich der enlhaltenen Rezeplarlen
und der I KinHgkeil der Rezcplvarianlen betrachlel. Weilerhin wurden enlhaltene
Angaben zur lechnischen Ausslaltung und zur Ressourcennutzung beriicksichligl.
3.1 Rczeptartcn in den Quellen
Die Analyse der Quellen zeigl, dass einige larbeanleilungen alternative Mollenan-
siilze, aber ebenso Vor- und Nachbehandlungsschrille liir das Texlil beschreiben.
Diese Varianlen wurden fur die Slruklurierung und Auswerlung der Quellen hm-
sichllich der Rezeplarlen als eigcnsliindige Teilrezeptc belrachlel, wodurch sich die
Anzahl der Iiinzelrezcple von 481 aid insgesaml 584 erhdht (vgl. lab. 2).
Der groBle Teil der belrachlelen Anleilungen bcschrcibt l arbungen nach dem
Ausziehvcrlahren (ca. 70 %), die sowohl einbadig als auch mehrbadig durchgeluhrl
werden, und Uberiarbungen (7 %), die ebenfalls nach dem Ausziehvcrlahren eribl-
gcn. Die Vorschril'len fur das Uberlarben sind in der Mehrzahl urn 'Icilrezepte der
l arbungen nach dem Ausziehvcrlahren, durch die aul bereils gehirbler Ware durch
nochmaliges l arben Schwarz-, Braun- und (irimldne erziell werden sollen. 97 9897 VyJ. Reininghaiis: (iewerbe, S. 13 14.
98 Vgl. Ploss: Buch von alien l arhen, S. 65.
40
Fdrhcrci ini Mi ((duller
Tab. 2: Rezcptarten unci Verfahrensvarianten
Quelle
Entstehungszeit
Teilrezepte
einbadig дш
mehrbadig
Uberfarben
Aufstreichen
Teil- Beizrezept
Extra Beizrezept
Verkiipung
Tuchleinfarbe
Farbstoffwieder-
gewinnung
Meisterei
Starken + Steifen
Unvollstandiges
Rezept
Allgemeine Hinwi
zum Farben
In
um 1334
18
16
-
1
1
-
-
-
-
-
-
-
-
-
M 1
um 1400
17
12
-
3
1
-
-
-
-
1
-
-
-
-
Gr
um 1430
1
1
-
-
-
E
1434
2
2
-
-
M II
vor1453
23
15
-
6
1
-
-
-
-
-
-
-
1
-
Ba
1. H. 15. Jh.
4
2
-
-
-
-
-
-
-
2
-
-
-
-
Bas
1460
3
2
-
-
1
-
M III
1464 - 1473
5
2
2
-
-
1
-
-
-
-
-
-
-
-
Be
1478
10
6
1
1
2
-
-
-
-
-
-
-
-
W
ca. 1480
9
3
2
1
-
1
1
-
-
1
-
-
-
-
H 1
1483
2
1
-
-
-
-
-
-
-
1
-
-
-
-
Au
ab 1489
36
26
1
4
3
1
-
-
-
1
-
-
-
-
Am
ca. 1492
4
-
-
-
-
-
-
-
3
1
-
-
-
-
N 1
2. H. 15. Jh.
6
4
1
1
-
-
-
-
-
-
-
-
-
N II
3. D. 15. Jh.
17
8
2
2
1
1
-
-
-
2
-
1
-
-
M IV
4. V. 15. Jh.
22
19
-
-
1
-
-
-
-
2
-
-
-
-
Tr
4. V. 15. Jh.
4
-
2
-
-
1
-
-
-
-
-
1
-
-
H II
15. Jh.
25
21
1
-
1
1
1
-
-
-
-
-
-
-
Wo
15. Jh.
2
2
-
-
M V
um 1500
69
46
7
2
4
3
-
-
3
-
-
1
-
3
H III
um 1500
3
3
-
-
-
-
Go
1528
4
2
1
-
-
-
-
-
-
1
-
-
-
-
Al
1532
7
6
-
-
-
1
-
-
-
-
-
-
-
-
В
1. H. 16. Jh.
121
51
11
8
14
8
6
9
-
3
5
1
1
4
H IV
1562/1563
96
70
2
5
1
1
8
-
-
-
-
2
3
4
H V
1560-1570/71
45
30
-
8
5
1
-
-
-
-
-
-
-
1
Wi
15./16. Jh.
19
17
-
-
-
-
1
-
-
-
-
-
-
1
Ka
15./16. Jh.
1
1
-
-
H VI
16. Jh.
9
7
-
-
-
1
-
-
-
-
-
1
-
-
I
584
403
42
36
23
17
9
6
18
5
7
5
13
Bin wiehtiger Binllussfaktor bci tier Ausziehfarbung ist die Beize, die im grbBlen
Teil tier Barbevorschriften als Direklbeize erlblgl und damit Beslandleil tier Aus-
ziehfarbimg isl. Die Quellen enthalten aber ebenfalls Anleilungen, die die Beize als
Vorbehandlungsschrill beschreiben (7 %).
Fdrherei im Mi field Iter
41
Allc bci der Ausziehfarbung zu bcriicksichligenden Farbeparameler sowic die
nach dcr Quellcnlage bcnul/len I'arbmillcl werden in Кар. 4 bzw. Кар. 5 einge-
hender diskutiert und delailliert ausgewerlel.
lane besondcre Art des Auszichverfahrens isl die Kiipenlarberei, fur die eine spe/.i-
elle Flollenvorbereilung, die Verkiipung, erforderlich ist. Diese verfahrenslechni-
sehe Rezeptvarianle isl lediglich in einigen Vorschrillen (1,5 %) der fruhneuxeitli-
ehen Quelle В geschilderl. Farbmiltcl und Vorgehensweise werden in Кар. 5.7 be-
schrieben.
Weilere, nichl als Bestandlcil der Ausziehlarbung aufzufassende Vorschrillen
sehildern das Aufslreichcn der I arbeflolle (6 %), die llerslellung von I iichlein-
farben (1 %), die Farbsloffwiedergewinnung (3,1 %), Anleilungen liir das Sliirken
bzw. Sleifen (1,2 %) der Ware sowie als ,,Meislereitw bezeichncle Nachbehandlun-
gen (0,9 %). AuBcrdem sind neben unvollslandigen Vorschrillen (0,9 %) auch a 11-
gemeine llinweise (2,2 %) Hii' die Farbung odcr das Aulbewahren der Flolle aulge-
luhrl.w Diese Rezeplarlen werden im Folgcnden kurz in ihrem Ablauf beschrieben,
da sie Hir die Quellenanalysc beziiglich nalurwissenschaniich-lcchnischer Inhalle
niehl beriicksichligl wurden.
Das Aufslreichen der I'arbllolle war eine verfahrenslechnische Varianle Hir das
Applizicren der I’arbmillel auf weilk odcr bereils gelarble Ware. Ilier wurden hau-
lig die liir die Ausziehlarbung hergeslelllen I’lollen durch liinkoehen odcr Leimzu-
siilze verdickl, um ein /erHielkn auf dem Subslral zu verhindern. Das Verlahren
wurde als Koltinieren bzw. Kullenieren bezeiehnel.99 100 Anleilungen liir das Auf¬
slreichen sind liber den gesamlen betrachlelen Zeilraum in den Quellen zu linden.
Auflallig isl allerdings, dass sehr haulig Indigo bzw. Waid als eine Komponente
dieser I’lollen genannl isl. In 50 % der Vorschrillen wird Indigo allein odcr mil
Kornblumen sowie Becren wie ein Pigment auf das Subslral aufgebrachl.
Rezeple liir blaue und violelle I’iichleinlarhen, die in der Malerei verwendcl wur¬
den, sind in den Quellen Am und M V aufgefiihrl. Da die I'arben nichl lange hall-
bar waren, wurden Leinensliicke in mil Becren odcr Kornblumenbliilen hergestellie
Farbausziige gelaucht, bis sie genug h'arbe aufgenommen hallen und gelrocknel.
Auf diese Weise konnle die Farbe ,,gelagerl“ werden. Zum Malen wurde sie mil
wenig Wasser wieder abgeldsl.101
IS 4'eilrezeple beschreibcn die Riickgewiniumg cines FarbstolTes aus Scherwolle,
den in der Tuchausriislung abgeschorenen Wollfasern. Walken, Rauhen, Spanncn
und Seheren waren wichlige Arbeilssehrille der Wollluchproduklion. Insbesondere
99 Vgl. tla/11 die enlspicehenden Tahellen im Anhang.
100 Vgl. Ollmgge: Datenhank; vgl. (irimm, lid. II. Sp. IN99. 29().i 2904; vgl. Cassehaum: Ur-
spiiinge der liuligolarherei, 1965, S. 626.
101 Vgl. Ploss: Buell von alien I'arben. S. N4; vgl. tiers: Das Amberger Malerbiiehlein, S. 69S 701;
vgl. Thompson: Medieval Painting. S. 143 144.
42
/ Virhcrci im Mittelalter
Tuchc aus Slreichgarn wurden durch Walken verdichlel und verlilzl. Der Walkllor
wurde anschlieBend im nassen Zusland mit Dislelkarden aufgerauhl und die basern
gleichmaBig in eine Richlung gelegl, der I'lor erhielt einen Slrieh (vgl. Га I e 1 3,
links). Durch Spannen und Seheren bekam das Tueh form und die Laserdecke
wurde aufeine gleichmaBige I lohe gesehnilten (vgl. Та lei 3, reehts). I Iochwerlige
Wollwaren, wie Seharlaehlueh, durchlicfcn die Arbeilssehrille Rauhen und Seheren
mehrmals.10'
Anleilungen liir die Larbstoffgewinnung aus farbigen Wollresten sind in den
Qucllen liber den gesamlen belraehtelen Zeilraum zu linden. Verwendcl wurden
blaue, griine und sellwarze Wollresle, besonders haufig ist rote oder scharlachfar-
bene Seherwolle aufgefiihrl. Die Beschreibung der Qualilal des Ausgangsmalerials
(z.B. Idockcn von role hinclischcn oiler lampurtischen tuche, Jyn null scarlaken/i
scanvnlle, plab flocken von gntein tuch) und der mit der ncuen Holle zu erzielende
Larblon (z.B. parizrot, laclunn, indich) deulen daraufhin, dass zuvor teure Larbslof-
fe wie Kermes oder Indigo liir die I’arbungen eingeselzt wurden.m Die Seherwolle
wurde mil einer starken Lauge (Kalklauge oder Waidaschenlauge) liber einen lan-
geren Zeilraum heiB behandelt. Der hohe pll-Wert bewirkt bei Siedelemperatur die
Aurspaltung der Cyslinbriicken in den Lasern und eine besehleunigle hydrolylisehe
Spallung der Peplidbindungen, so dass sieh die Wollfasern aullosen. Die enlslan-
dene farbige Ldsung (Hotle) wurde z.T. direkl zum Hirben weilerverwendel, wobei
eine Sehadigung der zu larbenden Ware auf (irund des stark alkalischen pll-Werles
niehl auszusehlieBen war. Allernaliv konnle der aus den Texlilreslen gelosle I'arb-
slolT mitlels Kreide101 oder Alaun aus der Ldsung extrahierl und dir die spalere
Nulzung gelroeknel werden. Im Rezepl fol. 32v, 3 der Quelle W soil der LarbslolT
mil einer sauren Hotle (Weizenkleie) ausgezogen und direkl aufeine zuvor mil
Alaun gebeizle Ware aulgedirbl werden. llier werden die f'asern der Texti 1 resle
niehl aufgelbsl, sondern lediglieh ein T ei 1 des I'arbslolTes abgezogen und mil llilfe
des Beizmillels Alaun auf der neuen Ware llxiert. 102 103 104102 Vgl. Keith: l.olm und l.cistung. S. I4S 150.
103 Bracherl schilclert vcrschiedcnc Variantcn der (icwimumg von Parisrot. Id' nennt Brasilhol/.,
\ersehiedene Pigmente und l.acca. bei dem cs sieh um Kermes handeln kann. Vgl. Braeherl:
Malteehniken, S. ITS, 1X7 l<X»X und 225. l iir die I arhung von Parisrot sind Brasilhol/ und Sai¬
lor genannt (Quelle Ли lol. 25r 25v, Nr. 51 und Ibl. 26r 26v, Nr. 52). Die Verwendung von
Brasilhol/ isl bei Merrilield hesehriehen, liir die Nut/ung von Sailor linden sieh keine Belege.
Vgl. Merrilield: Original treatises, S. xxvi. Nadi Untersuelnmgen von Kirby et al. war Parisrot
ein Malpigment, das hauptsaehlieh in Deutschland und den Niedcrlanden verwendet wurde. Ls
wurde aus Kermes, Brasilhol/ oder Seherwolle gewonnen; vgl. Kirby et al.: Paris red, S. 23X.
In den bier aulgefiihrlen Anleitungen handelt es sieh vermutlieh um Kermes, dessen ParbstolTe
auf (irund besserer l.ehtheiten wertvoller als die des Brasilhol/es waren. Zur (iewinnung von
Parisrot vgl. ebenlalls Augustyn. I.epsky: RI)K-WI-!B, Bd. b. Sp. 1474. Blaue Seherwolle war
vermutlieh /uvor mit Indigo b/w. VVaid gelarbt worden. Vgl. I.eggett: Ancient and Medieval
Dyes, S. 34 3X.
104 Kreide (( aleiumearbonat. CaCO?) client in Quelle iVI I. Ibl. 66v 67. Re/.ept 52 /ur Auliiahme
des /uruekgewonnenen Larbstoffes.
h'drhcrei in} Mittelaltcr
43
Die Vorschriftcn zum Steifen bzw. Starken bcschrciben die Behandlung von Lei-
nengewebc mil einem aus Pergamenlabgangen oder dcr Schwimmblasc des Slors
(I Iausenblase) hergcslelllen Leimes.l(b Die Behandlung konnle als Vor- oder
Naehbehandlung erfolgen, was auch in den Quellenrezeplcn belegl isi. Als Vorbe-
handlung diente das Sleifen haufig fur textile llachen, die ansehlieBend mil einer
Г'аrbmillellosung beslriehen wurden.
Die „Meistt'rei" isl eine in Quelle В besehriebene Naehbehandlung der gelarbten
Ware. <K) Hellblaue (Spyba das ist /dcchipfau ), himmelblaue (Ilymcl plow), braune
oder rosenfarbene (Rosin) Tuehc wurden mit einer warmen „/;//ИоГ-Losung be-
handelt. 1m Rezepl 1Ы. 86v, 245 isl die Meislerei fur braune Tuehe naher besehrie-
ben. Zunaehst erfolgle eine mehrmalige Behandlung der Ware mil einer heiBen
Lauge aus Waidasehe und Weinslein mil einer absehlieBenden Wiisehe. Danaeh
wurde die Ware durch eine Beizflolle aus Kleie und philot gezogen. Dieser Teil-
sehrill wurde als „тесИетГ bezeichnel. Naeh der Arl der Anwendung isl philot
eine Nachbeize, um welehe Subslanz es sieh handell, konnle aber niehl gekliirl
werden. Aueh der Verlasser der Quelle seheint niehl zu wissen, worum es sieh
handell. Im Rezepl lol. 87, 244b vermulel er, dass philot ein Pulver sei.
3.2 Farbctechnik in den Quellen
Der I'arbeprozess umfassle versehiedene aufeinander Iblgende Arbeilssehrille, Iur
die diverse (ieriile und leehnisehe Hilfsmillel benbligl wurden. Naeh der Quellen-
lage wurden die benbliglen I'arbmillel zunaehsl zerkleinerl. Beeren wurden mil den
I Linden zerdriiekl, Brasilholz geraspell, Pigmenle oder Alaun wurden zum Pulveri-
sieren auf einem Slein geriebenl<)7, die Verwendung von Mbrser und Pislill isl
ebenfalls denkbar. AnsehlieBend musslen in der Regel die im I'arbmillel enlhalle-
nen 1'arbsloffe unler neulralen, sauren oder alkalisehen Bedingungen exlrahierl
werden. Wurde fur das Ausziehen der ParbstoHe eine Lauge verwendet, mussle
diese zuvor mil Asehe und/oder Kalk sowie Wasser hergeslellt werden. Naeh einer 105 * 107105 Peigamcntahgangc wurden naeh Ki unit/ von den „Steilleinwandmachenr verwendel wurde;
vgl. Kriinit/: Oekonomiselie IincykL>piidie, Tli. I OK, S. 49<S. I 'iir Pergamenl sind hei (irimm
die mild, und md. He/eichnungen pergamente, pergenwnte, permanent, gekiir/t perment.
permint. pergmit, permit. pirminf belegl: vgl. (irimm: l)Wb, Pd. 13, Sp. 1544. I Iausenblase
oder I Iausenblatler ist die Sehwimmblase des Slors, aus der l isehleim gewonnen wurde.
Kriinit/ besehreibt die llerstellung des Reims und nennt versehiedene Anweiulungsbereiche.
In tier Textilproduktion wurde I'isehleim /.ur Iir/eugung von (ilan/ oder /um l.eimen tier Ket-
te \erwendet; vgl. (irimm: DWb, Ikl. 10, Sp. (>(>0 untl Kriinit/: Oekonomiselie l.neyklopadie,
Tli. 22. S. 469 473; vgl. ebenlalls Praeliert: Malteelinik, S. 119 120.
Ю6 Vgl. Quelle IT lol. <X4 X4v, Re/epl 240, lol. X4 N4\, Re/ept 241. lol. X7, Re/ept 244b, 1Ы.
86v, Re/ept 245 untl lol. 92v, Re/ept 256b.
107 Vgl. Quelle In, lol. lOOv, Re/ept 5a » b.
44
/•arherei im Mitteluller
Warlezcil wurdcn die nicht loslichen I3eslandtcilc mil Milfc cines Laugensacks enl-
lcrnt.1,,x
Die Hi г die Parbung benut/ten Plollenbehaller beslanden je naeh Ail der Parbung
a us IIolz oder Melall. Piirbelroge aus Holz (vgl. Talel 7), die als Kiipen100 bezeich-
nei wurden, konnlen von den Blaularbern in der Kiipenlarberei eingeselzl werden,
da diese bei Temperaluren bis hochslcns 60 °C statlfand. Die Kiipe war ein Trog,
der bis /.и 25 kg Waid und ea. 600 L Nolle lassie.* 109 110 Das fur die Parbung bendligle
warme Wasser wurde in Melallbehallern erhilzl und der Kiipenlosung zugeliigl,
vvenn diese zu sehr abldihlte. Naeh der Quellenlage war es auch iiblich, den Parbe-
behaller einzupacken, urn die Temperalur der Nolle mdgliehsl lange konslanl zu
hallen.111 Pierer beschreibl die Indigolarberei mil I lolzkiipen und indirekl beheizba-
ren Kuplerkesscln, die mil ihrem unleren 'PeiI in den Boden eingelassen waren. Die
Seilen waren mil einer Mauer umgeben, die bei nicht beheizbaren I Iolzkiipen liir
die Isolierung sorgle. Die beheizbaren Kiipen konnlen seillieh Fiber einen als
„KFiche" bezeichnelen Zwischenraum mil glFihenden Kohlen erwarml werden.
Dureh das indirekte Beheizen wurde ein „AufwFihlen" des Bodensalzes in den
Waid- oder Indigoflollen vermieden.112
Andere Parbungcn, die bei Kochlemperalur durehgeluhrl wurden oder die zur
Vorbereilung der Nolle das Kochen des Parbmillelsuds crlbrderten, konnlen nur in
leuerbeslandigen Behallern erfolgen. I3as im millelallerlichen Ilaushall libliehe
(ielaB zum Kochen und lirhilzen war der (irapen, ein dickwandiges gegossenes
PasengelaB, das drei Beine halle und liber das I'euer geslelll werden konnle.m
(irapen hallen bei einem P’assungsvermbgen von ea. sieben Ulern ein (iewiehl von
sieben Kilogramm. In Siiddeulschland wurde der (irapen auch als tlafcn bezeich-
nel, so dass in den Parbevorschriflen der aus dem siiddeulschen Raum slammenden
Quellen iVi I, 1V1 II, All, N II, М IV, H II und Wi ein Hafcn zum Ansetzen der
Parbellolle aufgeliihrl isl.M 1
Pur die gewerbliehe Nulzung und insbesondere fur die SliiekParbung wurden
grbBere Nollenbehaller benoligt, so dass an Slelle des schweren (irapen der diinn-
wandige Kupler- oder Messingkessel Iral, dessen Gewiehl lediglich 1/10 des
I OX Vgl. Quelle All, Pol. 26v 2Xv, Re/ept 53
109 Der HegrilT Kiipe slammt vom mnd. KiipvaL vvomit eine Kule. ein liottieh oder ein groBes
I ’ass gemeint ist; vgl. I .ascii, Horchling: Mitlelniederdeutsehes I landwiirterbuch, lid. 2. Toil 2,
S. 71 1. Der BegrilT Kiipe hat sieli auP die darin hclnulliclic l arhellotle iiberlragen. Ileule isl
mil Kiipe im Allgemeinen die hesondere Art der h'arhellolle gemeinl.
1 10 Vgl. De/.sy: Alaun, S. 15: vgl. Schmidtchen: Die Teehnik des I arhens und (ierhens, in: Konig:
Propyliien I eehnikgesehiehte, Od. 2, S. 557.
Ill In Quelle IP Pol. 7X 79, Re/ept 229 heilit es: a/anther /eg ein guten tcpich vnd piinl den mil
einem striek zn der pren(en'\ „dariiher lege einen guten Teppich und hinde ihn mit einem Striek
aul’den Bottielr*.
I 12 Vgl. Indiglarberei, in: Pierer: Universal-Lexikon, IU1. X, S. XX5 XX6.
I 13 Vgl. (irimm: DVVh, Ikl. X, Sp. IXX7.
I 14 Vgl. Masse: llausgcral, S. 66.
I'cirbcrci im Mittclaher
45
(irapens belrug. Fur Kcsscl sind GroBen bis /u 500 Lilcrn Inhalt belegl. IT konnic
an Kcttcn odcr Kesselhaken uber das Генег gchangl werden (vgl. Tafel 4, rechts).
Gcwerblichc Behaller batten einen Gegenwerl von eineinhalb Oehsen, so dass sie
in Testamenlen und Inventaren aulgeliihrl sind.M>
Die Art des zur Herstellung des Kessels verwendeten Melalls konnte Finfluss
ciuI' die Nuanee der Farbung haben. Das Wissen urn diesen IGnЛuss zeigl sieh in
einigen Farbeanleilungen, in denen das bei der Farbung zu verwendende GelaB
naher besehrieben isl, wahrend der grbBle Teil der Farbevorsehriflen keine Anga-
ben zu den benoliglen Flotlenbehallern maehl.IK) In den Besehreibungen wird die
Nulzung eines „vergfasten" GeRiBes besehrieben. Die Glasur ist ein dureli Brennen
erzeugter dfinner, glasartiger Uberzug aus Salz oder Metal loxiden an Г
KeramikgeRiBen, die den Ton fur Niissigkeiten undurehlassig maehl. Metallkessel
erhalten diese Sehulzsehichl dureh die Fmailierung, die dureh Sehmelzen unler-
sehiedlichcr glasbildender Oxide auf der Melalloberllaehe gevvonnen wird."* 1 Ob es
sieh bei den geforderten GeRiBen um cmailierle Metal I- oder glasierle ronwaren
handell, ist anhand der Beschreibung in den Vorschriften nieht erkennbar.
Ausgezogene llolzspane, Pllanzen- und Beerenreste konnlen bei Beriihrung mil der
Ware zu Fleeken liihren. Daher wurden sie naeh der Farbmillelextraklion mil llilfe
eines als Sieb fungierenden Tuehes dureh Abseihen aus der Flotle enllernt.11, Ver-
blieben die Pflanzenresle wahrend der Farbung in der Nolle, wie es z.B. bei der
KiipenRirbung mil Waidblallern der Fall war, verhinderlen in den Behaller einge-
legle Siebe oder Breller den Konlakl mil dem Texli 1.114>
Der FarbstolTlransporl in wiissriger Losung erfolgl millels Konvektion, hohe Гет-
peraluren und Nollenbewegung begiinsligen den Prozess. Das gleichmaBige
Durchdringen der Ware isl nur bei einer ausreichenden Plollenmenge gegeben.
Dureh das slelige Bewcgen des Subslrales in der Nolle wird die Lgalilal der Far¬
bung, d.h. der gleiehmaBige Farbausfall der Ware, maBgeblieh beeinllussl. Die ein-
faehsle Art der Warenbewegung war das Umziehen des Farbegules mil llille eines
Fiirbesloeks (vgl. Tafel 4, links), was vor allem bei der Farbung von I aserlloeken
oder (iarnslrangen erlblgle. Wurden Gewebe (Sliiekhirbung) gehirbl, war der
Krallaulwand Iur das Bewegen der Ware erheblich groBer, so dass diese Arbeit
sehon im 1 lochmillelaller dureh die l•inluhrung von llaspeln bzw. Winden erleieh-
lerl wurde.
I 15 Vgl. Basse: I lausgeriit, S. 25. 71 72.
I 16 In Quelle II II, fol. 57 57v, Re/.ept 4 isl ein wr^lastcs (ielatf geiumnl, was tlarauf liiiuleutet.
class liier der Melalleinlluss auf den Farblon vermieden werden soil. Pei der Farbung mit
(iriinspan dagegen soli ein Kupfergelab verwendet werden (/.IF Quelle II l\ . fol. I()()v l()lv,
Re/ept 52 I).
I 17 Vgl. o.V.: (ilasur. in: ROMPP Online, RD-07-012 I <S; vgl. Sleiner: F.mail, in ROMPP Online.
RI)-()5-00(X7 I.
I IX Vgl. Quelle II II, fol. 63v 64, Re/epl 16.
I 16 Vgl. Quelle W, fol. 53r, Re/epl 6a i b.
46
I'arhcrci ini Mittelalter
Mit Ilillb dor Ilaspel konntcn langere Tuche ohne F'galitatsprobleme gelarbt
werden, so dass die Stiicklarbung an Bedeutimg gewann. Das cine Lnde der Ware
wnrde iiber die Breilc an einem von der Deeke hangenden oder aid einem (ieslell
liegenden barbebaum befesligt und der Rest vvurde aufgewiekell. Zum I’arben
konnte forllaufend ein vveiteres Stuck der Ware in die I lolte abgclassen werden.
Krfolgle das Binlassen und Autwiekeln zunachsl mil der Hand, wurde es sehon
bald dureh die Nutzung der Kurbel erleiehlert (Tafcl 4, reehts). Dieses einfaehe
Prinzip wird noch heule in der modernen Technik bei barbungen in I Iaspelkufen
genut/.t. Die Ware wird allerdings im Gegensalz zur historisehen Technik in
Strangform Tiber den llaspelbaum gelegl, an den Dndcn zusammengenahl und forl-
laulcnd dureh die Mode bewegl, wodureh ein Ab- und Wiederaufwiekeln enllallt.
Die Verwendung der Ilaspel zur Bewegung der Ware ist in einigen barbeanleilun-
gen der aus dem 16. Jahrhundert stammenden Quelle В belegt.1"0 Das Rezepl fob
92, 255 der 11 andsehrift В besehreibt die Arbeitsweise mit der Ilaspel, in der Quel¬
le als werhen bezeiehnet, naher. Ilier heiBl es:
darnach wind das tucli an IT ein werben die so lang, als das tuch prait ist, daran
wind das das tuch auB der larb hin vnd wider das es nit verprenn, In der larb, prait
auch das tuch an IT der werben wol an IT, das es nil fleeket werdt 1
Die 1 laspelbaumbreite soil also der Tuehbreite enlsprechen. AuBerdcm wird aul'die
breite, glatte Warenliihrung hingewiesen, damil b'lecken dureh Knieke oder ballon
in der Warenbahn vermieden werden.
Naeh dem barben wurden die Warenbahnen gespuIt und zum Troeknen aulge-
hangl120 121 122 123, was Anbauten oder freie b'lachcn neben der Werkslatl erforderle. Die
CiroBe der Geslelle zum Aushangen, Spanncn oder Troeknen der Ware (vgl. Та lei
7, im I lintergrund), in Augsburg z.B. als Rechen oder lleneken bezeiehnet, in
Hamburg Rahm oder Rehm genannt, wurde von der sladlischen Obrigkeit geregell.
Sie durflen nichl zu hoeh sein, urn Naehbarn nichl das Lichl zu nehmen. Bei gro-
Ben, breiten (ieslellen musste ablropfende ParbeHotle bzw. Spiilwasser aulgeTan-
gen und auTdem (irundsliick des barbers gesammell werden, urn das benaehbarle
Areal nichl zu verunreinigen.12' In der Zunflrolle der Liibceker barber heiBt es da-
zu:
120 Werhen ist bei .1. iiikI W. (irimm als Begrill lur sieh ilrchen, umkehren vom alul. his ins allcrc
nlul. Belegt; vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 29. Sp. 156. Xu den Anleitungen vgl. Quelle B, Ibl. S6v.
Re/ept 243: Ibl. 90. Re/ept 251; Ibl. 90v, Re/ept 252; Ibl. 92, Re/ept 255a, b i e; Ibl. 93v,
Re/ept 259.
121 Vgl. Quelle B. Ibl. 92, Re/ept 255.
122 Die Verwendung des Rahmens {Rum) /um Sjiannen und 'Troeknen der Ware ist im Re/ept Ibl.
93v, 259 der Quelle В besehrieben.
123 Vgl. Clasen: Textilherstellung in Augsburg, S. 227.
h'iirbcrci ini Mittelalter
47
,,De larver schoclcn de lackcn, als stalblawcn und allc blawcnn, rcinc spoelen, chr sc
do up dc lehnen bringenn, up dat do logo daruth kame, by poene vail achtc
schillinggemiA1'1
Dcr abschlieBendc Arbcilsschrill das Spiilcns dcr Ware mil sauberem Wasser, urn
nicht fixierten, nur oberflachlich aufgclagcrlcn Farbsloff /u enlfernen, isl in den
bier betraehleten Quellen lediglieh in den Handschriflen IV1 IV, Tr, H II, IM V, Go,
В und H IV besehrieben. 4,5 % aller Anleilungen fiir das Ausziehverfahren be-
inhallen das Spiilen, vvobei die Halfle der Angaben auf Vorsehriflen der Quelle II
II enlfalll. Vermullieh war der Spill vorgang fur die Quel len verfasser so selbslvcr-
standlich, dass er nicht explizil in den Farbevorschriflen aufgeliihrl wurde.
3.3 Ressourccnnutzung und Umwcltprobleme
Neben den fur die Larbgebung erforderliehen heimisehen oder imporlierlen I’arb-
und Hilfsmilleln, Raumlichkcilen und Gcralschaflcn, bendligle die I arberei, wie
viele andcre Handwerke ebenso, vor allcm die vor Orl vorhandenen Ressourcen
I lolz und Wasser.
Ilolz war der wiehligsle Imergielrager wahrend des Millelallers. AuBcrdem dienle
es als (irundsloff in der Poltasehegewinnung und in Form von Baumrinde als (ierb-
stoffliefcranl. Der groBe Bedarf an I lolz luhrte gegen Fnde des Millelallers zu einer
Verknappung und Verteuerung des RohstolTes.In der I arberei wurden betracht-
1 iche Mengen an Ilolz fiir das Hrhitzen von Waseh-, l arbe- und Spulllollen beno-
ligl. Naeh Angaben von Clasen rechnelen die Niirnberger barber mil einem Ver-
brauch von einem К la Tier1 Ilolz fur 75 Tiieher, wobei liber die (irdBe eines In¬
ches keine Angaben gemacht werden. Die Koslen beliefen sich in Abhangigkeil
vom Holzpreis auf 10- 24 % der gesamlen Produklionskoslen. Das Ilolz mussle in
der Regel auf dem freien Markl besehaffl werden, bei Fngpassen iibernahm aber 124 125 126124 /itiert nach Wehrmami: Wantfarvcr. S. 4X7.
125 Vgl. Schubert: Dcr Wakl. S. 261 263. lane anclcrc Iaicrgic4]iicllc war die Steinkohle. die seit
ea. 1200 im Raum Liittieli abgebaut wurde, deren Ik'deulung aber mengenmabig goring war.
l a st mil der Verknappung des RohstolTes Mol/ nahm die Kohlelorderung /и. /um I lol/.betlaiT
versehiedener (iewerke vgl. Dirlmeier et ah: l-uropa im Spalmittehdler, S. () 10 und /um
I lol/bedaiT im Bergbau vgl. Millebreehl: I aiergiekrise, S. 275 2X2; vgl. Sosson: I lol/liandel.
in: Angermann et ah: LexMa. Ikl. 5, Sp. 104 105.
126 Das Klafler war ein Langenmab und beschreibt die l•nllbrnung /wisehen den ausgeslrecklen
Armen eines erwaehsenen Mamies, die 6 hub entsprachen. h.in Klalter llol/ war ein I lol/sla-
pel mit I Klalter Liinge und I Klaller Nolle. Die Tiefe des Slapels entspraeh der Lange der
I lol/seheite (meisl 3 hub). Da der hub unterschiedlich lang war, ergeben sieli fiir einen Klalter
Brennhol/ je naeh Orl unterschicdliche Werte: fiir Hannover 3,5X9 in', l.ippe 5,242 in' oder
Niirnberg 3,031 in . Vgl. Verdenhalven: Alte Mabe, S. 31; vgl. ebenfalls Rotlleuthner: Nicht-
metrisehe (iewiehte und Mabe, S. 9X.
48
Far herd ini Mi ltd alter
tier Rat den I lolzverkauf an die Farber zu eincm Feslpreis.127 128 * 130 131 132 133 134 Im 16. Jahrhunderl
gingen die sladtischen Verwaltungen dazu fiber, beslimmte hoehwertige Holzarten,
wie beispielsweise Buchcnholz, als Brennholz in der I arberei zu verbieten. AuBer-
dem wui'de die Brennholzmenge aufein beslimmles Quantum beschrankl.l2s
Wasser wurde in der Farberei zum Ansetzen der Farbeflolten und zum abschlie-
Bendcn Spiilen der gelarblen Ware benulzt, den Waidproduzenten diente es zum
Befeuehlen der Waidblattcr bei der Aufbereitung des Farbsloffes und die Walker
benbtigten Wasser zum Vorbereiten der Walkspeisen sowie nacli der Hrfindung der
Walkmiihlc als Anlriebskrafl Iur die Walkhammer. Viele nieht textile llandwerke,
wie Gerber, Fleischhauer, Brauer oder Miiller, waren ebenfalls auf die Wassernul-
zung angewiesen. Das wahrend der Produktion verwendcle Wasser viel nach Ab-
sehluss der Arbeit als Abwasser an. Mil dem Wachslum der Produktion enlstanden
zunehmend Konllikte zwisehen den Zunflcn, die in Konkurrenz um die Wassernul-
zung standen.
Bereits im Mittelalter gab es Probleme der Umweltversehmutzung. Neben den
mensehliehen und lierisehen Fxkremenlen, die die Hauplverschmutzungsquclle
warenwurden die Gewiisser durch Ablalle und Abwasser der verschiedenen
(iewerbe verunreinigt. AuBer den Fleisehhauern und Gerbcrn, durch die Fleisch-
uncl Sehmutzresle, Felle, vegelabilisehe und mineralisehe Gcrbsloffe ins Wasser
gelanglen, zahlten Farber, Bleicher und Walker durch das Finbringcn von Farbslof-
fen, Beizen, Laugen und Seifen zu den I Iauptverursachern der Wasserversehmul-
zung. So wurden die Restllotlen der Augsburger Farber in den Lech gcschiittel.110
Xusalzlich fiihrlen die siedenden Beiz- und harbellotten zu Ranch- und Gcruchsbe-
lastigungen in der Umgebung der Betriebe.ni Zusammenhange zwisehen verunrei-
niglem frinkwasser und verschiedenen Krankheitcn wurden schon friih vermu-
tet.n“ Diese Kenntnisse llossen z.T. in Verordnungen zum Schutz von Wasser, Bo-
den und Lull ет.|И So heiBt es z.B. im Frfurter Zuehlbrief aus dem Jahr 1351 in
Art ikel 161:
„Von dem weydmuss wo man das hiene brengen sal. Das Weydmuss sal man
bringen vor die stat, wer es daruber schotet in die (iera oder in die kersslach, tier sal
ein pfund geben, als dicke or das bricht.“m
127 Vgl. Clascii: I cxlilhcrslcllung» in Augsburg, S. 254.
128 Vgl. Raumann: Merchnnl Adventurers. S. 35 36.
12^ Vgl. Illi, Sehissgruob, S. 18.
130 Vgl. Dirlmeier: l.ebensbedingungen, S. 157.
131 Vgl. Illi. Sehissgruob, S. 20 und 55.
132 Vgl. Dirlmeier: l.ebensbedingungen, S. 157 158.
133 Vgl. Simon-Muschcid: Ablalle, Abwasser und Kloaken, S. I 17 120; vgl. I Killer, Illi: Versor-
gung und l-ntsorgung, S. 351 364; vgl. Delamare, Guinean: Colors, S. 42 43.
134 Vgl. l orslemann; Frfurter Zuehlbriel, S. 128.
h'cirhcrei im MitteUilter
49
Im Vordcrgrund von Wasserordnungen stand dabci im Allgcmcinen die Sicherung
dcr Ressourcc Wasser fiir den Miihlenbelricb. I-in Beispiel isl in der I‘Hurler Was-
serordnung aus der Zeit urn 1500 zu linden.
den fervern ulT dem wenigen marcte sal man dar nlT sehen, dasz sie die
weitaschen und sindcr nicht in die molgraben seliotten, dan es tluit uroszen seha-
den.“ns
Nebcn Waidasche und Sinter solllen auch Resle der Waidlarbung, das
„w’tycl/musznieht im Miihlengraben enlsorgt, sondern aus der Sladl gelahren
vverden, um den Bclrieb dcr Miihlcn nicht zu gelahrden. Vergleiehbare Regelungen
sind in der Ordnung Iur die Gewcrbc der Gerber und Scilensieder enlhallen.1 In
Augsburg schrieb der Rat einem barber vor, seine Abwiisscr nicht auf die Sira lie
laufen zu lassen, sondern in die „Scliwcinsgrubc" zu leiten, die cr auf seine Kosten
zu reinigen hatle.l3/
Die produklionstechnischen Bediirfnisse und z.T. Gebole zur Reinhaltung der
Gewasser luhrten haiiHg zur Ansicdclung gleiehartiger I landwerksbetriebe in einer
Gasse oder einem Sladtvierlel. Die Farbcr siedellen dabei an einem Wasserlauf
oder Sladlbach. Diese Zenlralisierung des Handworks wird im 10. Jahrhundert er-
wahnt und ist fur das 12. Jahrhundert nachgewiesen.ns Kin Beispiel aus Kdln isl
der linksrheinische DulTesbach. Am Oberlauf, dorl wo das Wasser am saubersten
war, arbeilelen Wascher und Bleicher. Sladleinwarts kamen (ierber, barber und
Walker hinzu. Zur Trinkwassergewinnung wurde der Bach nicht genulzt.|w 135 136 137 138 139135 Vgl. Michelsen (llrsg.): Die alto bj-liirtische Wasserordiumg, S. 12S. Die Wassemrtlmmg re-
gelle die Aulgaben ties der stiidtisehen Obrigkeit eingeriehteten Wasseramtes, insbesondere
die Nut/ung des Wassers.
136 Vgl. Michelsen (llrsg.): Die alte brfurtisehe Wasserordinmg, S. 128 129.
137 Vgl. Clasen: 'I'extilherslellung in Augsburg, S. 227.
138 Vgl. Reiningliaus: (iewerbe, S. I 1 12; vgl. Wasmuth: I.exikon der Baukunsl, S. 49 50; vgl.
Bingener/Dirlmeier: OITentliehe Sauberkeit, S. 8. In Liibeek kon/entrierte sieli das lextilge-
werbe /.B. im Nordosten der Stadt; vgl. Ilammel: Berulstopographie Lubecks. S. 70.
139 Der DulTesbach verlief entlang der Straben Weidenbach, Rothgerberbaeh, Blaubaeh und Miili-
lenbach /um Rhein, vgl. Arens et al.: Koln, S. 133 134; vgl. Sladtentwasserungsbelriebe
Kdln: (iewasserausbau.
4. Farbevorschriften fiir das Ausziehverfahren
in den Quellen
Nach dcr Quellcnlagc wurdcn ca. 70 % der Farbungcn nach dem Ausziehverfahren
durchgeluhrt. Diese vcrfahrenstcchnische Variante setzl eine Affinitat zwischen
dem Farbstoff und der Tcxtilfaser voraus. Die ,,Kunst“ dcs Farbens besteht darin,
den Farbevorgang liber verschicdcne Prozcssparamcter so zu steuern, dass sich
nach dem Farbcn ein moglichst groBcr Teil des zuvor in der Flotte gelosten Farb-
stoffs au f dcr Faser befmdel.
Die Farbung nach dem Ausziehverfahren kann in vier Schritte unlerteilt werden.
Zunachst diffundiert der Farbstoff dureh die Flotte an die FaseroberfUichc, wo er
im nachstcn Schritt adsorbiert wird. Farbstoffdiffusion und -adsorption werden vor
allcm durch das Flottenverhaltnis (FV) und die Farbetempcratur beeinllusst. Cine
Verkiirzung des Flottenvcrhaltnisses oder das Herat!fsetzen der Farbetempcratur
vcrgroBcrt die Wahrschcinlichkcit, dass ein Farbstoffmolekul auf die Faser trill!
und dort adsorbiert wird. AnschlieBend wanderl der Farbstoff in der Migrations-
phasc in die Faser und verteilt sich dort gleichmaBig. Die Farbstoffmigration beruht
auf dem Konzcntrationsgcfallc zwischen FaserauBcrem und -innerem und kann vor
allcm durch die Farbedaucr gesteuert werden. Kurze Farbezciten liihren zu Ring-
farbungen, langere fordern die Durch farbung dcr Faser. Auf bzw. in der Faser wird
der Farbstoff dann nach unterschicdlichen Prinzipien fixiert. Bei Naturfarbstoffen
erfolgt die Farbstofffixierung im Wesentlichcn durch Van-der-Waals-Kraftc, Was-
serstoflbriickenbindung, lonenbindung, koordinative Bindungen oder durch die
F’inlagerung von wasserunloslichen Farbpigmcntcn in F'aserhohlraumc. In Abhiin-
gigkeit von der F’arbstoff- und Fascrart kann die Fixierung durch den Farbe-pII-
Wert und eingesetzte Hilfsmittcl, wie z.B. Beizen becinflussl werden.140 Wahrend
der Migrations- und der Fixierphase zieht weitcrer Farbstoff aus der Rotte auf die
Faser auf. Am Cndc der farbung muss nicht fixicrlcr, auf der Warenoberllache ab-
gelagerter farbstoff, durch Spul- und Reinigungsvorgange entfernl werden.
Urn Farbungcn nach dem Ausziehverfahren in ausrcichcndcr Farbtiefc und vor al-
1cm reproduzierbar durchzufuhren, braucht der Farber detaillierte Angaben zu den
einzusetzenden Faser-, Rotten-, Farbstoff- und Hilfsmittelmcngen. Dcs Weitercn
sind in Abhangigkeil vom Faserrohstoff und dem verwendeten Farbmittcl zusatzli-
che Informationen zur Temperaturfuhrung wahrend der Farbung, zur Farbedauer
und zum Farbe-pH-Wert erforderlich. Das folgcndc Beispicl (Abb. 2) zeigt ein ver-
einfachtes modernes Farberczcpt fiir das Ausziehverfahren mit den wichtigstcn
erforderlichen Angaben.
140 Vgl. Welham: Fhc theory of dyeing, S. 142.
Fcirbevorschriftenjiir clas Лuszieh verfahren in den Ouellen
51
X kg Ware bzw. Substrat (z.B. Wolle)
X % Farbmittel (bezogen auf die Waren-
menge)
FV z.B. 1:25 (1 kg Ware in 25 L Flotte)
% bzw. g/L Hilfsmittel (z.B. Beizmittel)
Alkali (z.B. Soda) Oder Saure (z.B.
Essigsaure) zur pH-Einstellung
60 min
95C
spiilen
Abb. 2: Modcrncs I arbcrezepl und Temperatur-Zeit-Kiirve
Den Farbausfall, d.h. Farbton, Farblicfe und GleichmaBigkeit dcr Farbung, bcein-
Hussen sowohl die Qualilat dcr fur die Farbung verwendeten Substanzen als auch
die cingcsetztcn Mengen. Die Bedeulung dcr einzelnen Farbcparamcter und ihr
Finfluss auf den Farbton werden im Folgendcn diskutiert. Die Farberczepte aus den
bearbeiteten Quellen werden hinsichtlich der erforderliehen Rezept- und Prozess-
angaben belraehtet.
4.1 Faserart und Fasermenge
Wahrend des Miltelalters wurden in der Textilherstcllung vorrangig Wolle und
Leinen verarbeilet, Seiden- und Baumwollsloffc waren Luxusgiiler und batten ei-
nen vergleichsweise gcringen Antcil an der heimischen Produktion.
Das Schaf gehort zu den altesten Hausticren des Menschen, da es sowohl Wolle als
auch Milch, Flcisch und Fcllc liefert. Die altesten sch ri It lichen Belege liber die
Wollverarbeitung stammen aus Babylonien um 2.000 v. Chr., die altesten Gewebe-
iunde im curopaischen Raum wurden in Danemark (ca. 1.500 v. Chr.) gemachl.111
Im Mittclalter war Wolle der wiehtigste Textilrohstoff in Europa, der groBte Woll-
lieferant war England. Die cnglischen Abteien Fountains, Rievaulx und Jervaulx
lieferten im Zeitraum von der Mitte des 12. Jahrhundcrts bis zum 14. Jahrhunderl
jedcs Jahr 50-70 Sack Wolle in die Verarbeitungszcntren in Flandern (Gent,
Briigge, Ypern, Arras) und Ilalien (Genua, Florenz, Venedig), was einer jahrliehen
Mcnge von 8-1 1 Tonnen Wolle entsprach.141 142 Ab der zweiten Ilallie des 14. Jahr-
hunderts wurde die englische Wolle vermehrt in heimischen Bclriebcn zu ГиеЬеп
verarbeilet. In den llamisehen und ilalienischen Tuehzentren gewann spanische
Wolle an Bcdcutung.143 Im deutschsprachigcn Raum isl die Wollwarenherstellung
141 Vgl. Zalin ct al.: Schafwollc, S. 4. 14ir den Raum zwischcn Main und Donau isl das Schaf als
llausiicr schon um 3.500 v. Chr. belegt; vgl. Bohnsack: Spinnen und Wcben, S. 16; vgl.
Blankenburg: Wolle, S. 638; vgl. Koch: Texlilrohslolle, S. 200;
И2 Vgl. Kiihnel: Bcitragc derOrden zur maleriellen Kullurdes Mittelallers und wcllliche Finll(is-
se auf die kloslerliehc Sachkullur, in: Kiihnel: Kloslerliehe Sachkullur, S. I 1 und S. 15.
143 Vgl. Zalin el al.: Schafwollc, S. 4; vgl. Ilolbach: Wolle, in: Angermann el al.: LcxMa, Bd. 9,
Sp. 320 322. Vom Romischen Imperium naeh Spanien gebraehl, enlwiekelle sich dorl unler
den Mauren die Schafzuchl elwa im 6. Jahrhunderl. Als Frgebnis der Zuehl wurde die Schaf-
52
/•'cirbevorschri/ten fur das Ausziehver/ahren in den Oned/en
seit der karolingischcn Xeit in den Gynazeen dor llerrcnhofe belcgl, cine gcwerbli-
che Produktion gab es bis ins I 1. und 12. Jahrhunderl lediglich im Rheinland. Da-
nach begann in Sehlesien, Sachsen und Thiiringen mil dorl angesiedellen flami-
sehen Webern die Wollproduklion.144
Lcincn isl cine Laser, die aus der Lein- oder Llachspflanze (Linuni iisitatissimum
L.) gewonnen wild. Llachsanbau zur ()1- und Lascrproduklion isl seil den Anfangcn
der Ackerbaukulluren in ganz Luropa belegl.bh Die (iewinnung der als Baslfaser-
bimdel in den Pllanzenslangel eingebellelen 1'asern isl ein aufwcndigcr und lang-
wieriger Prozess, der sich in die Arbeilsschrille Raulcn (Lrnte durch Ausziehen der
ganzen Pflanze), Trockncn (in Biindeln auf'dem held), RilTeln (Abslreifen der Sa-
men zur Olgewinnung), Rosten (Anldsen des Peklins in der Rindenschichl des
Pflanzenslangcls millels Mikroorganismen im Boden oder im Wasser), nochmals
Trocknen, Bokcn oder Brechen (Schlagen der Stangel auf einem Ilolzklolz oder
mil Ilillc eines Hammerwerks in einer Bokemiihle und Zerbrechen der Ilolzleile),
Schwingcn (Schlagen, um lelzle I lolzleile des Stiingels zu entlernen) sowie I le-
chcln (Auskammen der Lasern mil immer feiner werdenden Klimmen) unlerleill.
Die so gewonnenen Langfasern (ca. 40 70 cm) vverden zu (iarnen und Geweben
weilerverarbeilel. Je nach llerkunfl und Aulbereilung variiert die Parbe der Lasern
von llellgelb bis zu Braun, so dass Leinengewcbe fur ein einheilliches Aussehen
im Allgemeinen gebleicht vverden. In friiheren Zeilen kam dafiir die Rasenbleiche
zur Anwendung, bei der die Ciewebe im Lreien ausgelegl und befeuchlel wurden.146
Durch Sonnencinslrahlung bildelen sieh geringe Mengen an WasserslolTperoxid
und Ozon, die die oxidalive Bleiche der natiirlichen Verlarbungen bewirklen.
Im Millelaller erlcbte die Leinenproduklion in Luropa cine Blulezeil. In
Deulschland wurde I’laehsanbau und -verarbeilung vorrangig im gemaBiglcn,
feuchlen К lima des Bodenseeraumes, Weslfalens, Niedersachsens, Sachsens und
Schlesiens meisl als bauerlicher oder kleinsLidlischer Nebencrwerb belrieben. Im
wollc immer lei nor uiul let/tendlich entstaiul um 1500 das Merinoschaf mil seiner leinem
gleichmiiHigen Wolle. Die Ausluhr dieser Sehale war durch das spanisehe Kdnigshaus bei To-
desstrafe unlersagl. Dadurch konnle Spanien bis ins IS. Jahrlnmdert das Monopol auf Feme
Wollen hallen. last im IS. Jahiiumdert gelanglen die erslen Merinoschafe in das rest I ic he bu-
ropa. Vgl. Voiles: Mesta, in: Angermann et al.: I.exMa, lkl. 6, Sp. 565 566; vgl. Blankenlnirg:
Wolle, S. 63S.
144 Vgl. Zalin et al.: Sehal’wolle, S. 4; vgl. lliigermann: Schaf, II. Wirlsehalt, in: Angermann et al.:
I.exMa, lkl. 7, Sp. 1433; vgl. Kapitel des ( apilulare de villis, in: I reundeskreis Botaniseher
(iarten Aachen e.V.: Der Karlsgarten; vgl. Dirlmeier et al.: Luropa im Spalmitlelalter, S. 2S
20.
145 Vgl. Roseli: Lein, In: Beck et al.: R(iA, Bd. IS, S. 244; vgl. Meineke: l laehs, in: Beek et al.:
R(iA, Bd. 0, S. 161 162; vgl. K6rber-(irohne: Nut/pllan/en in Deutschland, S. 372 373. Die
Verwendimg von l.einen als I ext i I laser vvahrend des Mittelaltcrs ist im C'apilulare de Villis
beschrieben; vgl. Kapitel des (’apilulare de villis, in: breundeskreis Botanischer (iarten Aa¬
chen e.V.: Der Karlsgarten.
146 Vgl. Schlabow: Bleichen, in: Beck el al.: R(iA, Bd. 3, S. 76; vgl. Behler, (ian/le: Bleiehen, in:
ROM PL Online, RD-02-01010.
I'cirbcvorschri/'fcn /иг c/as Auszie/ivcrfahrcn in den One!fen
53
12. und 13. Jahrlumdert begann die Vcrlagcrung dor Gewcbeherstellung und
-veredlung in die Stadle, wahrend die Schrille der Laseraulbereitung in den Dorfern
verblieben. Bedeulende Produktionszentren fur Leinengewebe im deulschsprachi-
gen Raum waren Konstanz, St. Ciallen, Ulm, Osnabriick, Bielefeld oder (iottin-
gen.117 Liir die Handelszenlren an der Nord- und Ostsee waren Lcinenprodukte
wiehlige Handelsgiilcr. Sie verloren erst im 19. Jahrlumdert dureh die Imporle ame-
rikanischer Baumwolle an Bedeuliing.
Der Ursprung der Seide liegt vermullieh im 3. Jahrtausend v. Chr. in China. Aus
der Zeil der Shang-Dynastie (1600 1 100 v. Chr.) stammen crsle erhaltene Seiden-
fragmenle, die als furstIiche Cirabbeigaben verwendel wurden. Bis ins 5. Jahrlum-
dert n. Chr. blieb die Seidengewinnung ein ehinesisehes Monopol und es war bei
Todesslrafe verbolen, die Raupen oder ihre Bier auBcr Landes zu bringen. Urn 950
n. Chr. erreiehten die Kennlnisse der Seidenherstellung mit islamischen Lroberern
Sizilien. Roger II. (1095 1 154) griindcle in Palermo die ersle Werkstatt, in der Sei-
densloffe und Gewander angeferligl wurden. Lucca (im 11. Jh.), Venedig (uni
1200) und ab dem 14 Jh. Florenz, Genua, Pisa und Bologna waren die fiihrenden
Orle der miltelallerlichen europaischen Seidenproduklion. Lranzdsisehe Seiden-
sliidte waren Montpellier und Marseille (14. Jahrlumdert) und ab 1536 unter l;ranz
I. Lyon.l4s Nach Deutschland kamen Seidenwaren bis zum Lnde des spaten Miltel-
allcrs meist als Lcrligwaren aus Ilalien oder Konslantinopel, wirkliche Bedeutung
halle zu dieser Zeil lediglich das Kolner Seidengcwerbe.N9
Als Baumwolle bezeichnet man die Samenhaare verschiedener CV;.v.sT/;/'/////-Arten,
die urspriinglich auf dem indischen Subkontinent und in Siidamerika beheimatet
waren. Die alleslen Textilfunde sind ea. 5.000 Jahre alt. In Indien wurde ab 1500 v.
Chr. der Baumwollanbau und die Verarbeitung der Lasern in groBerem Umfang
betrieben und verbreilete sich bis in den siidostlichen Miltelmeerraum. Dureh die
Araber land die Laser in Siidilalicn und auf der Iberischen llalbinsel Verbreilung,
Venedig entwickelle sich zum I landelszenlrum Hir Baumwolle und ab dem 14.
Jahrlumdert wurde Baumwolle auch in Deutschland verarbeitel. Die Verarbeitung
war aber noeh auf Mischgewebe mit Leinen (Barchent) und anderen Lasern be-
schrankl. Der Siegeszug der Baumwolle begann mit der Griindung der englischen 147 * 149147 Vgl. I lachs, 2. Llachsanbau, in: Angermann cl al.: LexMa, Bd. 4, Sp. 508; vgl. Rcinickc:
L'lachs, 3. Ilachsgewerbe und -hanclcl. in: Angermann ct al.: LexMa, Bel. X, Sp. 50; vgl. Rcini¬
ckc: Leinen, in: Angermann ct al.: LexMa, Bd. 5, Sp. 1X5X 1X60; vgl. Koch: TexlilmhslolTe,
S. 193 196; vgl. Kdrber-(irohne: Nut/.pllan/en in Deutschland, S. 367; vgl. Dirlmeier ct al.:
Luropa im Spalmiltelalter, S. 32 33; vgl. North: Deutsche Wirtschaftsgeschichle, S. 50. Als
(irinul fur den Verbleib der baseraulbereilung im landlichcn Raum luhren l;. und .1. (iies die
leichte Xuganglichkeit des liir die Roste bendtigten Wassers an, /usat/lich bestand keine Kon-
kurren/ /u (ierbern, I leischhauern und anderen (iewerben inn die Ressource. Vgl. (iies:
Cathedral, l orge and Waterwheel, S. 122.
I4X Vgl. Massa: Seide, II. Italien, in: Angermann et al.: LexMa. Bd. 7. Sp. 1702 1704.
149 Vgl. Pohl: Seide, V. Deutschland, in: Angermann el al.: LexMa, Bd. 7, Sp. 1706 1707.
54
/'arhcvorschriftcn fur das Auszichvcrfahrcn in den Oiudfen
Osl-Indicn-Kompanic (urn 1600), die groBe Mengen Rohbaumwolle aus den Mr-
zcugerlandcrn bezog, sowie dem planmaBigen Baumwollanbau in den Siidstaaten
Amerikas ab dem Anfang des 17. .Iahrhunderls.|M<
Die Proteinfasern Wolle und Seide unterseheiden sieh in ihrem larberisehen Vcr-
halten dent 1 ieh von den Cellulosefasern Leinen und Baumwolle. Wolle und Seide
sind aus u-Aminosauren aufgebaute Polypeptide, die in einer wassrigen Mosungjc
naeh Umgebungsmilieu (pH-Werl) und Reaklionspartner als Same oder Base fun-
gieren kdnnen (vgl. Abb. 3). Lndslandige oder an den Aminosaureresten (R) be-
llndliehe C’arboxylgruppen haben sauren C'harakter und kdnnen dissoziieren, die
Aminogruppen haben basischen C'harakter und kdnnen bis zu einem gewissen Grad
11 -Ionen binden.
coo" +NH3
l l 3
Abb. 3: AusschniIt aus einer Polypeptidkette Zwitterion14
Das Polypeptid liegt als Zwitterion vor. 1st die Zahl der negaliven und posiliven
Ladungen im Molekiil gleieh groB, sprieht man vom isoeleklrisehen Punkt (aueh
isoioniseher Punkt oder IMP). Der isoelektrische Punkt des Wollkeralins liegt bei
pi I 4,9, der der Seide bei 5,0. An diesem Punkt zeigen beide Maseru die geringsle
Quellung und Reaklionslahigkeit sowie die grdBle Maserstabilital.
Alkalien kdnnen Proteinfasern schadigen. Dabei werden zuiuichsl inlra- und
intermolekulare WasserstoHbriicken gespalten. Bei Wolle werden aueh die zwi-
sehen den Proteinketten vorliegenden Salzbriieken und Disulfidbindungen gelost.
Mrlolgt die Alkalieinwirkung liber einen liingeren Zeitraum und bei hoheren Tem-
peraturen, werden Peplidbindungen aufgespallen, was zu Kettenverkiirzungen und
daraus resultierenden Mestigkeitsverluslen fiihrt. Min hydrolyliseher Abbau der Ma¬
ser findet zwar aueh im sauren oder neutralen pH-Bereieh statt, er ist allerdings
sehr viel geringer als bei alkalischem pll-Werl. Um die Proteinfasern wahrend des
I'arbens mdgliehsl wenig zu schiidigen, werden sie in der modernen Farberei im
sauren Milieu gelarbt. Seide ist in ihrem larberisehen Verhallen mit der Wolle ver-
gleiehbar. Auf (irund fehlendcr Sehwelelbriieken ist sie allerdings alkaliempllndli-
eher und zusatzlieh muss wahrend der Marbling auf cine rcduzierle Mechanik ge-
aehtet werden, um die Waren- bzw. Maseroberllaehe nieht aufzurauhen. 150 151150 Sdnvcrpimktc der l^ucheiitlieislellimg waren Siiddeutsehland und die Selnvei/; vgl. Peyer:
Baumwolle, in: Angermann et al.: LexMa, I id. I, Sp. 1669; vgl. \on Stromer: Baumwollin-
dusirie in Milteleuropa, S. 155.
151 Alle im Ralimen dieser Arbeit \erwendeten Struklurlbrmeln wurden mit der Software Symyx
Draw Version 3.2 SP 3 der Symyx Solutions, Inc., San Ramon, ( A. USA, erslelll.
l,'cirl)CY()rschriflcn fur das Auszichverfdhrcn in den Oucdlen
55
Direklfarbende, ungeladene Nalurfarbsloffe warden an Proleinfasern fiber Was-
serstoffbrfieken und/oder Van-der-Waals-Krafte gebunden.h2 Basische Nalurfarb-
sloffe konnen aufGriind des ampholeren Charaklers der Lasern fiber lonenbindung
fixierl warden. Die ampholeren Ligensehaflen begrfmdcn aueh die Affinilat von
Proleinfasern zu Metallionen, die als Metallbcizen die Ausbildung zusalzlieher
koordinaliver Bindungen zu geeignelcn Larbstoffen ermogliehen (vgl. Кар. 4.3).
Celluloselasern wie Leinen oder Baumwolle sind aus dem (irundbauslein B-D-
Glucose aufgebaul. Die einzelnen Glueosemolekiile sind abweehselnd spiegelver-
kehrl angeordnel (um 180° gedrehl) und 1,4-B-glykosidisch miteinander verbunden
(vgl. Abb. 4).
Abb. 4: Ansschnill mis tier ( ellulosekette
Im Ciegensatz zu den Proleinfasern liegen im Cellulosemolekfil keine ionisehen
(iruppen vor. Die I lydroxylgruppen haben alkoholisehen C'harakler und keine same
Punklion, d.h. es warden keine Protonen abgespallen.1^ Cellulose isl besonders
empflndlich gegeniiber Sauren, wahrend sie in Alkalien slabil isl und lecliglich
quilll. Mineralsauren bewirken die Spallung der glykosidischen Bindungen unler
Aufnahme von Wasser, was zu einer Verkiirzung der Polymerkellen Kihrl. Organi-
sehe Sauren wirken weniger sehadigend, allerdings kann es bei kingerer Idnwirk-
zeil ebenfalls zu Kellenverkiirzungen kommen.14 C’ellulosefasern warden in der
modernen I 'arberei in neulraler oder alkalischer Nolle gelarbl. Der I lauptunter-
schied im llirberisehen Verhallen von Baumwolle und Leinen beruhl aul der
sehwereren /ugangliehkeil der Leineni'aser1^, die eine schlechtere Durehlarbung
bzw. verlangerle Larbezeilen bewirkl. Da Celluloselasern keine Ladungen aulwei-
sen, beruhl die Lixierung direkl gelarbler Nalurlarbslolle aul Wasserslollbriicken
und V a n -de r- Waa 1 s - К га 11 en. Sollen I'arbslolTaiifnahme und -lixierung verbesserl 152 153 154 155152 Vgl. Vankar: Chemistry of Natural Dyes, S. 78 80.
153 Vgl. Bruch: Veiweiulung von Nsenbei/cn, S. 56. Der alkoholische C harakter der (iruppen
/eigt sicli bei der Nut/ung von modernen ReaktivfarbsiolTen. Reaktivlarbslolfe konnen als
Sauren (Abgangsgruppe isl ein Halogen) aufgelasst werden. die mit dem Alkohol „Cellulose"
unler Vereslerung reagieren.
154 Vgl. Rath: Textilehemie, S. 24 25.
155 Baumwollfasern sind Llemenlarlasern, d.h. sie liegen als fin/.elfasern vor. Naelislasern besle-
hen naeli der meehanisehen I'aseraulhereitung aus miteinander „verklebten" Ып/е1к^егп. Je
naeh Aufxvand des I lechelpro/esses, konnen diese l aserbi'mdel weiler verfeinerl werden.
56
Fdrhevorschriften /fir das Aaszichverfahren in den Oncllen
werden, muss das Substrat einer Beizbehandlung unterzogen werden. Durch cine
Bcizc wird cbcnfalls die Bindung an basische I'arbstolTe ermdglichl (vgl. Кар. 4.3).
Kine erste Belraclitung der Farbevorschriftcn fur das Ausziehverfahren beziiglieh
des verwendeten textilen RohstolTes zeigt, dass insbesondere die iiltesten lland-
sehrirten keine Angaben zum Faserrohsloff cnthalten oder das zu larbende Material
lediglieh als „Weifies", „was du feirhen willsT sowic „а//сг1еГ aufliihren (Abb. 5).
In den Anleilungen des 15. und 16. Jalirhimderts ist die zu larbende Faserart je-
vveils zu liber 40 % aiilgcliihrl. Die restliehen Rezcpte cnlhalten die Bezeichnungen
(iarn, Zwirn, Faden oder Tuch, die naeh heutigem Verslandnis die Aulinachung
des zu larbenden Faserrohsloffes beschreiben. Der BegrilT ,,Flocke“ fur loses Fa-
sermaterial fehlt in alien Quellen, so dass es sich bei den hier betrachtelen histori-
schen Farbeanleitungen vorrangig um (iarn- und Stiicklarbungen handell.
o° 90
keine Angabe Faserart genannt Gam, Tuch
Abb. v Analyse der Quellen be/iii_».lieh der/u larbenden FaserrohstolTe1
Unler den zu larbenden Rohslollen sind alle zuvor beschriebenen Faserarlen ge-
nannl, wobei leihveise spezielle textile Waren aulgelulirt sind, zu denen der aus
Seide hergestellle Zendel"7, die Leinengewebe Seheller, Ciugler und Bickcro|ss und 156 157156 Iieri'ieksiehtiltI wurden 366 Anleitimgen oline Teilre/epte, um Doppelnemnmgen /u vermei-
tlen.
157 Xendel isl bereils in der alleslen Quelle (In, Re/epl N3\, 4) genannt und kommt gehault in den
Quellen der friihen Neu/eil vor (В, II IV. II V). Xendel war ein leieliles sliiekgefarbles lein-
wandbindiges Seidengewebe. das meisl als ITitterslolT Verwendung land. Kette und Seluiss
waren annaherncl gleieh stark. Vgl. I.ndrei: Unidentili/ierte (iewebenamen. S. 245; \gl.
(irimm: DWb, Bd. 31, Sp. 631; vgl. Xander-Seidel: Textiler llausral, S. 403.
I5X Seheller, eine gesteilie l.einwand, (ilatt- oder (ilan/leinwand, isl insbesondere in der Quelle II
IV aurgeluhrt. (imberer Seheller wurde als Verslarkung liir Knoplloeher verwenclel, leinere
Ware diente als UnteiTulter fur Kleidung oder fi'ir Seluir/en. Vgl. (irimm: DWb, Bd. 14, Sp.
260V vgl. /.ander-Seidel: lexliler llausral, S. 402; vgl. X.edlcr: IJniversallexikon, Bd. 16, Sp.
I'drhevorsehriften fir das Ausziehverfahren in den Ouellen
51
das Wollgcwcbc Bibcrly' gehoren. AuBcrdcm ist das Lcincn-Baumwoll-Misch-
gevvebe Barchcnt bzw. Scluirlitz, cin Baslcr Barchcnt, als zu larbcndcs Subslrat
crwahnl.u,<)
Bctrachtcl man die Rczcplc, die Angaben zur 1'aserart enthallcn, genauer und
sclzt sic znm Alter der Quelle in Bczichung, vvird tlcullich, dass Seide und Leinen,
in den Quellcn haullg als Leinwand* 160 161 162 163 bezeiehnet, fiber den gesamten Zeitraum
besonders oft genannl sind. In den Anleilungen des 15. Jahrhunderls sind beide
Laserrohstoffe mit ea. 20 % gleich haullg enthalten, wahrend im 16. Jahrhundert
die Bedeutung des Rohstoffes Seide im Vergleich zum Leinen fiberwiegl ('lab. 3,
oberc Zeilen). Wolle isl dagegen in lediglieh 2,4 % alter Vorschriften als Laserroh-
sloff aufgcfuhrt. Auflat 1 ig sind auBerdem die Anleitungen, die Larbungen sowohl
fur Protein- als aueh I'Cir Cellulosefascrn besehreiben.
Weleher I;aserrohstolT sieh hinter der AufVnachungsform „Garir und ,,Tuch“ in
historischen Rezepten verbirgl, kann nur vermulet vverden. Wahrend die IdentiIlka-
lion von Garn als Leinengarn sowohl bei Holcnk de GraalTals aueh bei .1. und W.
Grimm besehrieben istu'2, isl Tueh ein mehrdeuliger BegrilT. Naeh Grimm steht er
zum cinen fur ein Gewebestfick be I iebiger GroBe und beliebigen Materials, zum
anderen bezeiehnet er neben dem Begriff „Gewantr einen ,,s(o/f, der aus versehie-
dcnein fadenmatcrial, in ersicr linie aus wolle Iwrgestellt und noch niehf fir einen
hestinunien zweek zugeriehlel isl". Im Sprachgebrauch der /finite hatte ,,Gewand“
die umfassendere Bedeutung, wahrend Tueh bevorzugt auf das Lasermalerial Wolle
angewandl wurde.u” Andere Auloren sprechen von wollenem Tueh, das in vielen
1600. Der in den Quellen II II und Go genannte (iugler \\aг ein ea. cine Idle hreiler I.ein-
waiulstolT, der vor allem liir Kleidung \er\veiidet wurde. I-.r wurde roll und gelarbt geliaiulelt.
Vgl. (irimni: DVVli. Ikl. 0, Sp. 1052; vgl. Zander-Seidel: lex tiler llausral, S. 300. Mil der Wa-
renbe/eielinung Hickcro oder huckenro (Quelle II IV) isl mglw. Ikiekerani gemeint, ein dem
Barelienl vergleielibares Leinengewehe. Buekernm war /unaelisl ein werl\oiler Sloll. der aher
ah dem 15. Jalirlumderl liir Malral/.en und als Malgrund verweiulel wurde. Ileule verslelil man
unler Buekeram Buelibiiulerleimvand; vgl. Selin lie: (ieseliielile des mi t lela I terl iclien Handels.
S. 140; vgl. hiulrei: Unidentili/ierte (iewebenamen, S. 244.
150 IJiber (Quelle \V) aulgelulirl, wird von J. und W. (irimni als wollenes, langliaariges Tueh
idem i ll/ierl; \ gl. Iiier/u (irimni: l)Wb. Ikl. I, Sp. I 807.
160 Der in der I landsebrill W genannle Ikirelienl war ein koperbindiges, sellener aueh
ailasbindiges, Misehgewebe mil Leinenkelle und Baumwollsehuss, das haullg einseilig aulge-
raul wurde. I-.r wurde seil dem 14. Jahrhuiulerl in Deulsehland hergeslelIt; vgl. (irimni: DWb,
Ikl. I, Sp. I 125; vgl. Reilli: Lexikon des alien I landwerks, S. 250; vgl. Zander-Seidel: Textiler
llausral, S. 30S: vgl. Koch. Sallow: Texlil-I.exikon. Ikl. I. S. I 15. Scluirlil/ oder Seluirlel/
(Quelle И VI) w'ar cine Baslcr Barchentsorle: vgl. (irimni: DWb. Ikl. 15, Sp. 2051; \gl. von
Simmer: Baumwollinduslrie in Milleleuropa, S. 21; \gl. laidrei: lJnidenlill/ierle (iewebena-
nien, S. 245.
161 Vgl. Zander-Seidel: Texliler llausral. S. 400; \gl. Koch, Sallow: Texlil-I.exikon. Ikl. 2, S. 16.
162 Vgl. Ilolcnk de(iraalT: The C olouiTuI Pasl. S. 144; vgl. (irimni; DWb, Ikl. 4. Sp. 1361 1362.
163 (irimni: DWb. Ikl. 22, Sp. 1450.
58
FiirhcYorschriften fur das AusiieliYcrfahrc/i in den Ouellen
untcrschiedlichen Qualilatcn produzierl wurdeIM, und nach der heuligen textilen
Lachsprache bcschrcibl Tuch cin Wollgewebe, das cincr Tuchausriistung, d.h.
Ranh-, Walk- und Schcrprozcsscn, unterzogen wurde.l(°
Da der ini Mittclallcr und der friihen Neuzeit so bedeutende raserrohstofl Wolle
nur in vergleiehsvveise wenigen Iarbeanleitungen vorkoinml, konnte die Identifika-
tion des aufgefiihrten Tuehs als Wolltueh mdglieh sein. Diese Vermutung wird da-
durch gestiilzl, dass Lcinengewebe in den Qucllen haullg als Leinenliicher be-
zeiehnel sind. Die Wolltuehproduklion land liberwiegend durch die Handwerks-
ziinlte stall, wahrend die Leinenverarbcilung bis in das 19. Jahrhundert aueh im
heimisehen Bereich erfolgle. Da die bier bearbeiteten Qucllen vorrangig Rezepte
i'iir die I lausfarberei oder die Texlilproduklion in Klostern cnthallen, erklarl sieh so
das kehlen der leureren Wollwaren. Von verglcichbaren Lrgebnissen beriehten
Sakuma in seiner Arbeit liber die Niirnberger Tuchmacher sowie Mosler-Chrisloph
in ihrer Unlersuchung iiber Liincburger Testamenle. In den von beiden ausgewerte-
ten Unlcrlagen sind ebenfalls Leinenlueh und -gain haullger aufgefuhrl als Woll-
i об
waren.
I n[) I'asciTolumleilc |%| nach dem AIIlm- der Quelle oline (obere /eilen) und mil Beruek-
siehtigung der Aurmaclumgsart (imlere /eilen)l(,/
Zeit
c
<D
-Q
03
U)
c
<
<D
c
ф
14. Jh.
81.0
U)
c
D
О
CD
E
Ъ
<
о |
(0 CD
c
О О)
a: a*
9.5 9.5
19.0
о
§
15. Jh.
16. Jh.
27.7
45.9 26.5
72.3
33.5
43.4 23.1
66.5
1.8
7.2
3.3
3.3
davon in %
Seide
Leinen
Wolle,
Leinen
Wolle,
Baumwolle
Seide,
Leinen
Leinen,
Baumwolle
Seide, Wolh
Leinen
4.8
4.8
-
-
-
-
-
4.8
14.3
-
-
-
-
-
19.9
20.5
2.4
-
-
0.6
0.6
19.9
25.9
3.6
-
0.6
0.6
23.6
12.1
1.6
0.5
1.6
0.5
-
23.6
38.5
11.5
0.5
1.6
0.5
-
Unter der Vorausselzung, dass „Tuchtk Hachenwarcn aus dem I'aserrohslolT Wolle
und „(jam" Lcinengarne bezeichnet, isl Leinen die am haufigslen in den Qucllen
uenannte I'aserarl (dab. 3, imlere Zeilen). Anleilungen, die Motlen beschrciben, die
sowohl I'iir die I'arbung von Wolle als aueh Leinen dienen sollen, sind ebenfalls 64 * 166 167I64 V<j,I. Zaiuler-Seidel: lexliler llausral, S. 402; vgl. Liidrei: Unidentili/.ierte (iewebenamen,
S. 239 240.
| (>5 Vgl. Koch. Sallow: Tcxtil-Lcxikon, Ikl. 2, S. 5 17.
166 Vgl. Sakuma: Die Niirnberger I uchmacher. S. 93; vgl. Mosler-C'hrisloph: Die materielle Kul-
lur, S. 85.
167 Anleilungen: 14. Лh.: 2 I, I 5..111.: Ibb, lb. Jh.: 182.
I'cirhcvorschriften [Ur das Auszichvcrjahren in den Ouellen
59
von BetleuUmg. Rezeple, die reine Wollfarbungen beschreiben, treten aber immer
noch vergleichsweise selten auf.
Neben dcr Pascrart, die den Farbe-pl l-Werl und mogliehe Beizbehandlungen be-
slimmt, ist liir eine reproduzierbare Farbtiefe bei Farbungen naeh dem Ausziehver-
lahren das Warengewiehl, d.h. die Masse des zu farbenden Subslrales, von Bedeu-
tung. Auf der BasisgroBe des Flaehengewiehles beruhen alle weiteren Flollenzusal-
ze.
Dem Wiegen kam im Mittelalter groBc Bedeutnng zu, nieht nur Waren und Ciii-
ter wurden naeh Gewiehl gehandelt, aueh das beim llandeln verwendele (ield wur-
de dureh Wiegen uberpriifl. Hei den belcgten bzw. erhallenen mitlelallerliehen
Waagen handell es sieh im Wescnlliehen uni gleieharmige Waagen mil Sehalen
oder um Laufgewiehlswaagen, die sehon in romiseher Zeit bekannt waren. Aller-
dings war die mil den millelallerliehen Gcraten zu erziclende (ienauigkeil geringer
als die der romisehen.u,s
Die Laufgewiehls- oder Sehnellwaage hat einen Waagebalken, dessen Sehenkel
niehl gleich lang sind. Am kiirzeren Sehenkel wird die zu wiegende Ware befesligl,
hier kann aueh eine Waagsehale angebraehl sein. Am langercn Sehenkel befindel
sieh das Laufgewiehl, welehes auf dem Sehenkel bewegt wird, bis sieh die Waage
im (ileiehgewiehl befindel. Da die Wagung lediglieh dureh das Bewegen des Ge-
wiehles erfolgl, wird die Waage als Sehnellwaage bezeiehnel.
Balken- oder Sehalenwaagen haben einen gleiehsehenkligen Waagebalken, in
dessen Mille sieh der Drehpunkl bzw. die Aehse der Waage befindel. An den Hn-
den der Balken sind die Waagsehalen aufgehangl. Gewiehlsunlersehiede, d.h. Ab-
weiehungen vom (ileiehgewiehl, werden dureh die Zunge („Ziinglein an der Waa-
gett) angezeigl.u,g Dureh llinzufiigen bzw. I’nlf'emen von Ciewiehlsstiieken kann
die Masse der zu wiegenden Ware beslimml werden (vgl. Tale I 5). fur sehvvere
Laslen wurden enlspreehend grdBere Balkenwaagen verwendel (vgl. Tafel 6).
Liingen-, flaehen- und RaummaBe sowie CiewiehlsmaBe waren seil der Anlike be¬
kannt. Die Hinheilen waren aufeinander bezogen, fuBlen aber niehl aid einem ver-
bindliehen UrmaB. Sehon in der Merowingerzeil und insbesondere unler Karl dem
(iroBen wurde versuehl, einheilliehe MaBe durehzuselzen, was aber niehl gelang,
da im Lauf'e derZeil die kbnigliehen bzw. kaiserliehen Privilegien des Miinzreehles
und der Konlrolle von MaB und (iewiehl auf lokale Obrigkeilen iibergingen. Mil
dem zunehmenden I'ernhandel begannen italienisehe Handler, die von ihren llan-
delsparlnern benulzlen MaBe in Tabellen aufzulisten. Die Verwendung von Nahe-
rungswerlen bei der Uberlragung von Hinheilen fiihrle dazu, dass diese zwar den
I6S Vgl. Jcncmnnn: (ieschichte cIlm‘ Waage. S. 150; \gl. Braun: Iirlnickingicii tier Wellgeschiehte,
S. IV 20; vgl. Orlanderl: Waagen. in: ROMPP online, RD-2.V00005.
16V Vgl. Kriinil/: Oekonomisehe Pn/yklopatlie, Tli. 232, S. 3<S1; vgl. Orlantlerl: Waagen, in:
ROMPP online, RD-23-00005.
60
Larbevorschri/ien /nr das Auszicdivcr/a/iren in den Onellen
glcichen Namen trugen, aber haufig zahlcnmaBig voncinandcr abwichen.170 Dahcr
wurdc bis /u liinIuhrung dcs metrischcn Systems171 cine Viel/ahl von MaBen und
Gewichlen verwendcl, die sieh von Ort /u Oil und aueh im Laufe der /eil erheb-
lieh in ihrer GroBe unlerschieden. Um Linheilen umreehnen /u kbnnen und um den
Handel /u erleiehlern, vvaren dann in der Neu/eil Tabellcnwerke in (iebraueh, die
insbesondere in Handel und Bankcnwesen genut/l wurden.172 173 174 175 Sie lisleten auf, wel-
ehe Linheilen an ein/elnen Orlen i'lblieh waren und wie diese zu einander im Vcr-
hallnis standen. Als Beispiele fur die /um Teil erhebliehen Unterschiede seien hicr
das LangenmaB Pile und das (iewiehlsmaB Pfund aufgeluhrl.
Das MaB fur die Idle leilete sieh vom Absland zwischen Lllenbogen und Millel-
llngerspilze eines ausgewachsenen Mannes ab. Ls belrug in Braunschweig
57,1 cm, in PreuBen 66,7 cm, in Hannover 58,4 cm, in Niirnberg 65,6 cm und in
rrankfurt am Main 54,7 cm. Im Texlilhandcl war zusatzlich die Brabanter Idle mil
einer Lange von 69,5 69,9 cm in (iebraueh und in der friihen Neu/eil wurden au-
Berdem je naeh Warenarl unlersehiedliehe Lllen verwendcl. In der Literatur sind
Seiden-, Tueh- und Leinenellen belegt.17. Das IdlenmaB der verschiedencn Stiidlc
orienlierle sieh an einem Iradierten „NormmaBk\ das die Stadl aufbewahrte oder das
an einem bffenllichen Gcbaude, wie einer Kirche oder dem Ralhaus, angebraehl
war. Ilier konnte vor Ort liberpriifl werden, ob „das rechle MaB“ verwendcl wur-
de.17'1 So ist die Braunschweiger Idle in einen Pfeiler des Ralhauses auf dem All-
sladtmarkt eingelassen. Direkt gegeniiber befindel sieh das Gewandhaus, in dem in
friiheren Zeilen der Gewandhandel stall land.1 /:>
Basis der historischen GewiehtsmaBe ist das Pfund, cine noeh heute umgangs-
spraehlieh verwendele MaBangabe. Das Wort leitcl sieh vom lateinischen pandas -
Gewicht ab und hal seinen Ursprung in der romischen Libra, deren Masse auf einer
bestimmlen Menge an Wei/enkdrnern basierte. Da im Laufe der Zeil die GroBe der
170 Vgl. I liuisiein: Wcltchronik ties Messens, S. 94; vgl. Wittholt: MaB, I. Westlicher Bereich, in:
Angermann cl ill.: LexMa, Ikl. 6, Sp. 366 367.
171 Wiihrciul der l‘iiin/.osischcn Revolution schalTlc die Nalionalvcrsammlimg die alien MaBsys-
teme ah und vereinheitIiehte sie auf Oasis des Meiers. Das Deutsche Reich iihernahm dieses
System erst um 1X70; vgl. PTD: Das metrische System.
172 Vgl. Nelkenhreeher: Allgemeines d'aselienhueh der Mi'uv/-, MaB- und (iewiehtskunde.
173 Vgl. VerdenhaKen: Alle MaBe, S. 21 22; vgl. Idle, in: Pihliograpliisches Inslilul: Meyers
Konversationslexikon. ILL 5, S. 563; vgl. aueh (irimm; DWh, Bd. 3, Sp. 414 und Kriinitz:
Oekonomisehe lm/yklopadie. I'll. 10, S. 742 762; vgl. Kiihnel: Alltag im Spatmittelalter,
S. 34 35; vgl. Rottleuthner: Niehtmetriselie (iewiehte und MaBe, S. 21 25.
174 Xur (iewinnmaximierung wurden lalselie (iewiehte oder/u kur/e Idlen verwendet, so class die
ort I ielie Ohrigkeil I'riili regelnd eingriff. um den Belrug ein/uschranken: vgl. Kiihnel: Alltag im
Spatmittelalter. S. 29 30. /unlie, die sieh aul'die I lerstellung „genormter" (ielaBe und In-
strumente spe/ialisiert lialten, sind in 1 iankreieh ah clem 13. .Hi. nachweishar, in Deutsehland
trelen sie in geringerem Unifang erst /u Beginn der Neu/eil auf; vgl. Witthoft: MaB und (ie-
wielit, S. 3X6.
175 Vgl. Vollralh: Idlen im Matheniatikuntermchl, S. 5 6; vgl. Deimling: Das mittelallerliche
Kirchenporlal, S. 326.; vgl. hekhardt: Stacllreehl Bremen von 1303 I30X, IV I 13, in: Reclits-
ciuellen der Slaclt Bremen, S. 107.
hdrhvvorschnftcn fiir das Ausziehverjdhren in den Quellen
61
(ielreidekorner zunahm, veranderte sich auch das Gewichl des Plundcs. Im Handel
wurde das schwere Handels- (I Pfund -= 16 Unzen = 32 Lot - 128 Quenlehen) und
das leichtere Apolhekerpfund (I Pfund - 12 Unzen = 24 Lot - 96 Quenlehen) mil
einem geringeren (iewichl verwendcl, deren Masse je naeh Orl variierte. Xusalzlich
gab es in cinigen Stadten neben dem sehweren Pfund noch ein leiehtes llandels-
pfund.176 1771 ah. 4: Ausgewiihlte Beispiele fiir das lieutige (iewielit des historischcn Pfunds mid ab»»elei-
leter Linheiten [g]111
Ort
Handelspfund
(schwer) (leicht)
Apotheker
pfund
Vierding
Unze
Lot
Quentchen
Tirol
564.3
-
-
141.075
35.269
17.634
4.409
-
-
420.0
105.000
35.000
17.500
4.375
Wien
562.7
-
-
140.675
35.169
17.584
4.396
Augsburg
-
472.4
-
118.100
29.525
14.763
3.691
Niimberg
-
476.9
-
119.225
29.806
14.903
3.726
-
-
360.0
90.000
30.000
15.000
3.750
Frankfurt/
505.4
-
-
126.350
31.588
15.794
3.948
Main
-
468.0
-
117.000
29.250
14.625
3.656
-
467.7
-
116.925
29.231
14.616
3.654
Hannover |
-
-
350.8
87.700
29.233
14.617
3.654
Wie die Zahlenwerle in Tab. 4 zeigen, kdnnen bei der Verwendung unterschiedli-
eher BezugsgroBen deutlichc (icwichlsdifferenzen auftrelen. So ergibt sich bei-
spielsweise zwisehen dem sehweren Tiroler Pfund und dem hannoverschen llan-
delspfund bezogen auf ein Lot ein Untersehied von 3,018 g. Die MaBsysleme wa-
ren aber in Abhangigkeil von Orl und Zeil kongruente, in sich geschlossene Sysle-
me.
Die Auswerlung der vorliegenden Quellen bezi’iglieh der Warenmenge zeigt, dass
von 403 Anleitungen lur das Ausziehverfahren lediglich (Tin I Rezeple der Quellen
В und H VI aus dem 16. Jahrhunderl das Warengewicht enlhalten. Angaben zur
Warenlange in Lllen oder der Stiickzahl der zu larbenden Ware sind in 24 weiteren
Vorschriflen aus den Quellen ab der Mine des 15. Jahrhunderts zu finden (Tab. 5).
Historische Warcnbezeichnungen standen zwar lur beslimmte Warenparameter,
wie den verwendelen Rohstoff, (iewebebreite und -hinge oder die (iewebedichle
sowie verschicdene Ausi lislungsprozesse. Je nach I lerslel 1 ungsorl konnlen diese
Parameter der enlsprechenden Ware jedoch variieren, was bei Breile und Lange
schon mil den untersehiedlichen (iroBen der Idle zu begriinden isl.
176 Vgl. Kriinit/: Ockonomisclic Ln/yklopadie. I'll. 1 12, S. 460 467; vgl. vgl. Niemann, Kruger:
llaiulhueli der Miiu/cii, MaaBe mul (iewiehte, S. 230; \g|. Vei'ileiihaheii: Alie MaMe. S. 40;
vgl. Rolllenthner: Nichlmelrische (ievvichle uiul MaBe, S. I I.
177 Vgl. Niemann. Kriiger: llaiulbuch der Miin/en. MaaBe und (iewiehle. S. 240 247; vgl.
Verdenlialven; A lie MaBe. S. 40; vgl. Rotlleulliner: N ichlmet risehe (iewiehle und MaBe, S. I I.
62
Idirhevorschri/len fiir das Ausziehvcrfahrcn in den OucHcn
Tab. 5:
Warengewiehl untl -1
iinge b/.vv. Sliiek/ahl
Quelle
Rezept
Warengewicht
Warenlange bzw. Stuckzahl
M III
fol. 183v, 71b
-
1 Elle Leinentuch
W
fol. 32v, 2
-
1 Elle [Tuch]
Au
fol. 24v-25r, 50
-
6 Ellen Zendel
fol. 29v-31r, 54b + c
-
20 NQmberger Ellen Leinwand
N II
fol. 31 r-32r, 55a
-
1 Stock Schetter
fol. 54v, 98
-
6 Ellen Leinentuch
Tr
fol. 16r-17r, 64a
-
1 Elle Tuch
H II
fol. 58v-59, 7
-
10 Oder 11 Ellen Leinentuch
fol. 61-61 v, 11a
-
1 Elle Tuch
fol. 99r-99v, 228
-
1 Elle Tuch
fol. 122v-123r, 330b
-
1 Elle Leinentuch
M V
fol. 177v, 674
-
1 Strang Garn
fol. 225r-225v, 1201
-
Уг Elle Leinwand
fol. 231 v, 1233a
-
6 Garnstrange
fol. 231 v, 1234a + b
-
8 Garnstrange
fol. 91, 253b + c
-
1 Tuch
fol. 91 v, 254
-
1 Tuch
fol. 92, 255b + c
1 Pfd. Wolle od. Gam
1 Tuch
fol. 92v, 256a
-
1 Tuch
В
fol. 93, 257
fol. 93, 258
~
1 Tuch
10 Ellen Tuch
fol. 96, 267a
-
6 Schurz (StOcke SchOrlitz?)
fol. 105v, 303
4 Pfd. Garn
15 Ellen Tuch
fol. 106, 306a
4 Pfd. Garn
15 Ellen Tuch
fol. 106v, 308
1.5 Pfd. Garn
-
H IV
fol. 129-129V, 223
-
20 Ellen Tuch
fol. 129v-130v, 224
-
10 Ellen Tuch
H VI
fol. 50v, 5
fol. 50v, 6b
1/2 Pfd. [Garn]
1 Schurlitz
AuBerdem erfuhren die Gewebcparamcter im Laufc dor Zeit weitere Veranderun-
gen. Iindrei liihrl als Beispiel Florentine!' Inch auf, dessen Sliicklange sich in dor
Zeit von 1317 bis 1524 von 48 56 liber 50 58 auf 39 40 Fllen andcrle.l/N Zusatz-
lich variiertc die Warenbezeiehnung, was sowohl aufeinen Wandel in der Spraehe,
als aueh an Г mangelnde Kenntnisse der Qnellenvei fasser zuruckzufuhren isl. 1* fir
diesen Aspekt sind wieder Beispiele bei Fndrei zu linden. Aus collisch (kblniseher)
Leinwand wird (iolschen, aus hondschootcr sayen wird hundskuttenпч Qualilats- * 176I 7X Vgl. Fndrei: lJnidcnlill/ierlc (iewebennmem S. 255.
176 Vgl. ebtl., S. 236 237. Saye (til. Xeug, cngl. worsted) warcin leiclites Tucli aus geringwertiger
Wollc. I inc tier hesleu Qimliliiten wurtle soil tlem 13. Jalirlniiulerl in tier lieute im IVan/.osi-
selien l ei I Mantlerns gelegenen Slatll I lontlschoole pmtlu/iert; vgl. Verlnilsl: I loiulsehoote, in:
Angermami el al.: I.exMa, Ikl. 5, Sp. 1 16; vgl. Van tier Wee: draperies legeres. S. 428.
Idirhevorschriftenfiirdas Anszichvcrfuhren in den Oned/en
63
eintcilimgen iiber die verarbeitele Lascrmengc sind in der Literalur ebcnfalls belegt,
so beispiclswcise liir Kolncr Barchcnt. Bei einer Lange von 52 Lllen und ciner Idle
Breite wurden fur die beste Qualilal 8 Piund und Iur die zweile Qualilal 7,5 Pfund
Baumwolle verwendet. Angaben zur verarbeileten Leinenmenge werden dabei al-
lerdings nichl gemachl, so dass das Gcsamlgewicht der Ware nieht bekannt ist.1 s<>
Die Umrcchnung historischer Linheilen auf melrische MaBc wurde bereits von
Ploss am Beispiel des aus dem Niirnberger Kunstbueh (Quelle N II, fol. 29v-31r)
stammenden Rezeples 54 crlautert. Die Anleilung bcschreibt die Larbung von 20
Niirnberger Lllen Leinwand mit einem Piund Brasilholz. Ploss gehl von einer
Webstuhlbreile von 80 bis 100 cm aus, so dass naeh seinen Bereehnungen die 20
Lllen Leinwand 10 12 m2 Ware und die eingesetzle Brasilholzmenge naeh heuli-
gen GroBcn 450 g entsprechen wurden.INl Das liir einen reproduzierbaren Farblon
erforderliche Warengewichl ist mil dieser Berechnung aber noch nichl bekannt. Lin
feines leichles Leinwandgewebe (Llachengewicht z.B. 100 g/m2) wiirde bei der
angenommenen Menge 1.000-1.200 g wiegen. Die Larbung mil 450 g Brasilholz
enlsprache einer Larbmitlelmenge von 45 bzw. 37,5 %, aus der sich schon deutli-
che Larbabweichungcn ergeben. Wiirde aber slalt des feineren Materials ein dieke-
res (ievvebe (llachengewichl z.B. 150 g/nr) verwendel, miisste mehr Ware (Wa-
rengewicht = 1.500-1.800 g) mil gleiehbleibender I’arbmitlelmenge gelarbl wer¬
den, d.h. die bei der Larbung errcichbare Larbtiefe ware nochmals deutlich redu-
zierl (Larbmittcl = 30 bzw. 25 %). Liir einzusetzende 1 lillsmittelmengen gelten
vergleichbare Aussagen.
Aus den in den Quellen aufgeliihrten Liingenangaben oder Stiickzahlen kann
daher kein Warengewichl ableilel werden, so dass 98,8 % der Larbevorschrillen
keine Angaben iiber die zu larbende Warenmenge enthallen. Sind hislorische Wa-
renbezeichnungen wie Zendel oder Schetler genannl, kann aus diesen lediglich aid
den verwendeten LaserrohsloITgeschlossen werden.
Die hier bearbeileten Quellen slammen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum
und die aul'geliihrlen MaBe und (iewiehle sind nichl nur sehr vielhillig, sondern
unterscheiden sich auch zahlenmaBig. Da die BezugsgrdBe Warengewichl in den
Larbevorschrillen nichl genannl isl und sich nichl alle Quellen zwcilclslrei einer
Region oder Stadl zuordnen lassen, wird aul cine Umrcchnung der hislorischen
Linheilen in das melrische System verzichlel. Iлn Uberblick der vcrschiedenen in
den Vorschriflen genannten MaBe und Gewichle isl im Anhang dieser Arbeit zu
Linden. ISOISO Vgl. Kiihnel: Alllag im Spiilmitlelalter, S. 3S. I'uBnotc 37.
LSI Vgl. Ploss: RoUaihimgcii, S. 230 mul Ploss: Pitch von alien Parheii, S. 142.
64
I'arhevorschriften fur das Ausziclivcr/ahrcn in den Oue/len
4.2 Wasscrqualitat und -mengc (Flottenvcrhaltnis)
Farbungen nach deni Ausziehverfahren linden in der Farbeflolle, einer vvassrigen
Ldsung dcs Farbsloffes und der benoliglen 11i 1 Ismitlel stall. Die Quadbit des zur
Ilerstellung der I’arbellolle verwendelen Wassers hal Kinlluss aufdas Farbeergcb-
nis. Im Wasser bellndliehe kalkbildende lonen wie Calcium oder Magnesium, die
insbesondere im Alpenraum haufig im Wasser zu linden sind, aber aueh Cisen-,
Kupler- und weilere Melallionen bewirken I'arblonanderungen. Sie wurden deshalb
bei Farbungen mit NalurfarbslolTen als Beizen eingeselzl. Uber die zu verwenden-
de WasserqualiUil wild in vergleichsweise wenigen Anleilungen (10%) eine Aus-
sage gcmachl. Bei der geforderten Wasserarl handelt es sich im Wesenllichcn um
Rcgenwasser oder IlicBendcs Wasser. Regenwasser wild insbesondere bei Rollar-
bungen mit Brasilholz verwendet, hier isl z.T. aueh faules oder weiehes Wasser
aufgefiihrl.ls“ FlicBendes Wasser wild z.B. fur die Vorbereilung von
SafloiTarbeflollcn und zum Ausspiilen der Farbungen benulzl.ls'
Wasser als Losemillel ist in den altercn Quellen lediglieh in 12 % der Vorschriften
genannt und in den jiingeren Ilandsehriflen in ea. ]A der Anleilungen. Uber den
belraehtelen Zeilraum enlhalten 36 % (14. Jh.) bis 22 % (16. Jh.) der Rezeple keine
Angaben zum Losemillel. Vermutlieh war die Verwendung von Wasser so selbsl-
verslandlich, dass es in den Quellen nieht explizil aufgeliihrl wurde.
I ;ih. 6: Losemillel lur die 1 iii belloltenherstel 1 iiiil?.
Zeit
ausgewertete
Vorschriften
nieht
genannt
Wasser
Saure
Losemittel
Lauge Urin182 183 184
Ol
Mischlsg.185
14. Jh.
25
36.0
12.0
32.0
4.0
8.0
-
8.0
15. Jh.
160
23.8
27.5
32.5
6.9
0.6
1.3
7.5
16. Jh.
190
21.6
28.4
24.2
10.5
0.5
2.1
12.6
182 Xu Regenwasser vgl. Quelle II II, I о 1. 61 6lv, Re/ept I I; Quelle Л1, S. 208, 318, Re/epl 18:
Quelle IF 08v, Re/ept 270; Quelle II IV, IЫ. 58v 50, Re/epl 123 oder Quelle Wi. fol. 303,
Re/epl 2. Xu laulem Wasser vgl. Quelle II I, lol. 148, Re/.ept 5 oder Quelle N II, fol. 20v 3 I r,
Re/epl 54. Xu weieliem Wasser vgl. Quelle Ли, lol. 25r 25v, Re/.epl 51 oder Quelle N II, Ibl.
20\ 3 1 r, Re/epl 54.
183 Xu IlieBeiulem Wasser vgl. Quelle Л1, fol. 307, 317/18, Re/epl 15 oder Quelle B, fol. 103
103v, Re/epl 200.
184 Lnthallen die I ■arbeanleitungen Urin, Fell It im ЛI lgemei nen eine Aliersangahe. L.s wire! nieht
klar, oh Irischer saurer odor ahgeslandener alkaliselier I lai n verwendet wild. Dalier wild I larn
in tier Auswerlung gesonderl aulgclislet.
185 Fiir Mischldsungen wurde melir als ein Losemillel verwendel. Ilicr/u gelu>ren Wasser ' ()l,
Wasser ' Siiure ' Main, Wasser ' Siiure ' Lange oder Wasser ' Siiure • Ol.
Fdrhevorschnften Jiir das Aitsziehverfahren in den Onel/en
65
An Stcllc von Wasser wurden z.T. auch Sauren, Laugen odcr Mischungen aus bei-
den zur I Icrstcllnng dcr Flollc bcnulzl (lab. 6). AuBcrdem sind Urin und 01 als
Fliissigkeilszusalze liir die Flolte vorgeschrieben. Abgcsehen von den mil ()1 her-
geslelllen Flollen handelt es sich in alien Fallen um wiissrige Flollen, die sich ledig-
lich im pll-Wert voneinander unlerscheiden.
In der modernen Farbetcchnik ist das Floltcnverhaltnis (FV), das Verhallnis zwi-
sehen zu larbcnder Warcn- und verwendeler Flottenmcnge, ein wichliger Farbcpa-
rameter. \is hal einen deullichen Finfluss auГ die Tiefe des Farbtons. Fin zu langes
FV, d.h. im Vcrgleich zur Ware wird zu viel Flolle verwendet, kann zu reduzierlen
Farbtiefcn liihren (vgl. Tafel 8). Zu kurze Flotlenvcrhaltnisse liihren insbesondere
bei dunklen Farbtonen zu wolkigen, ungleichmaBigcn Farbungen oder im
schlimmsten Fall beim Uberschreitcn der Loslichkeitsgrenze zum Ausfallen des
Farbstoffes.
Die IunГ Farbevorschrilten, die das Warengewichl aufliihrcn, geben keine In-
formalion zur Flotlenmenge, so dass in den Quellen keine Aussagen zum Flolten-
verhaltnis nach modernem Verslandnis enlhalten sind. Fin Teil der Anleilungen
gibl aber einen Findruck von der zu verwendenden Flotlenmenge, die zumindesl
zum Benclzcn bzw. Eintauchen des Substrates ausrcichen soil (Tab. 7).
I ah. 7: Wareiigcwicht, Stiick/.alil bzw. -lange sowie Nottciimciigcn
Quelle
Rezept
Warengewicht, -lange
bzw. Stuckzahl
Flottenmenge
M III
fol. 183v, 71b
1 Elle Leinentuch
so viel, um das Leinentuch
einzutauchen
N II
fol. 29v-31r, 54b+c
20 NQrnberger Ellen Leinen
so viel, dass du die Leinwand
netzen kannst
fol. 54v, 98
6 Ellen Leinentuch
so viel, dass du das Tuch
netzen kannst
Tr
fol. 16r—17r. 64a
1 Elle Tuch
ob du viel oder wenig farben
willst
fol. 122v-123r, 330b
1 Elle Leinentuch
doppelt so viel Wasser, wie
zum Eintauchen benotigt wird
M V
fol. 225r-225v, 1201
1/2 Elle Leinwand
'/„ Mali
fol. 231 v, 1233a
6 Garnstrange
1-2 Mali + 6 Schalchen
fol. 231 v, 1234a+b
8 Garnstrange
1 Mali
fol. 91 v, 254
1 Tuch
1 Kessel
fol. 92, 255b+c
1 Pfd. Wolle, Garn, 1 Tuch
-
В
fol. 105v, 303
4 Pfd. Gam, 15 Ellen Tuch
-
fol. 106, 306a
4 Pfd. Garn, 15 Ellen Tuch
-
fol. 106v, 308
1.5 Pfd. Garn
-
H IV
fol. 129v-130v, 224
10 Ellen Tuch
vier Finger hoch Waid-
aschenlauge
H VI
fol. 50v, 6b
1/2 Pfd. [Garn]
-
Da es sich vorrangig um Stucklarbungen handelt, wird es bei diesen geringen F'lot-
tenmengen Probleme mil der Fgalitat der Farbung gegeben haben. Das Rezepl Ibl.
66
h'drhevorschriften fur das Ausziehverfahren in den Onelien
225r 225v, 1201 aus Quelle M V besehreibt, wie dem begegnet wurde: ,,[...] Vnd
nvni das lei lie Inch / vnd xvuiches in clem lirsten xvasser vnd reih es wo! mi! den
henndten Die erhohle Meehanik dureh Driicken und Reiben verbesserle die
gleichmaBige Durchdringung der Ware mil der Farbeflolte, wodureh dann egalere
Farbungen erreicht werden konnlen. Unlersehiede /wischen a 11eren und neueren
Quellcn in Bezug aid'die Cicnauigkeil der Angaben /ur Substral- und Flotlenmenge
sind nieht erkennbar.
4.3 Beizcn und Beizmittel
Alle wasserlosliehen Nalurfarbsloffe /iehen ohne I Iilfsmitlel/usat/ aus der wiissri-
gen Farbeflolte auГ die Ware auf.ISb Werden die Farbsloffe direkl auf Protein- oder
Cellulosefasern gelarbl, binden sie lediglich liber WassersloHbriiekcn (Abb. 6) und
Van-der-Waals-Krafte an die 1'asern, die FarbstolTaiifnahme ist begren/t.
Insbesondcre im Fall der Celluloselasern slehen weniger leicht /ugangliehe Grup-
pen /ur Verliigung, und dureh die relativ sehwaehen Bindungen sind die
Nassechlheilen der I'arbungen eher schleeht. Der weilaus groBle l ei 1 der Nalur-
larbstoHe wild daher als sog. Bei/enfarbslolT angewendet, indem der F’arbstoff
mittels ciner I3ei/e aul'der Faser fixierl wild. Dadurch wird mehr I'arbslolT an die
baser gebunden, die D’chlheil der Farbung wird verbesserl und der F'arblon wird
leuehlender (vgl. Та lei 9).
\
Abb. (r. Wassersloribriicken /.wischen 1 arbsloГГ (AIi/arin) unci Faserls/
Als Bei/enfarbstoHe kbnnen Naturlarbslorie eingesel/l werden deren Molekiile
funktionelle (iruppen mil freien Flektronenpaaren (011-Ciruppen oder Carbonyl-
I X6 Pine Ausnahme isl die (ieibslolTsehwar/lai bung, da sieli das Seliwar/ nur bei der Verwen-
dung eines Fisensal/.es bildel.
1X7 In Anlehinmg an Vankar: ('hemislry оГ Natural Dyes, S. X0.
Farhevorschriftenfiir das Ausziehvcr/dhren in den Oucdlcn
67
gruppen) in ortho-Slcllung cnthaltcn (vgl. Abb. 7 und Abb. 8). Diese (iruppen kon-
nen mil Melallioncn koordinalivc Vcrbindungen bilden, die als innere Komplexe
bc/eichnel werden. Die Koordinationszahl des Zentralatoms, zweiwertige Metall-
ionen wie Cu2' haben die Koordinalionzahl vicr, dreiwertige lonen wie A13 ’ oder
l;e haben die Koordinationszahl sechs, bestimmt die Anzahl der Liganden, die
sieh um das zenlrale Metallion gruppieren konnen. BeizenfarbstolTe sind im All-
gemeinen zweizahnige Liganden, d.h. sie haben zwei llmklionelle Gruppen, die
dem Metallion Llektronen zur Verfiigung stellen konnen. Die gebildelen Komplexe
werden aueh als Chelate (von lal.: cludae ~ Sehere) bezeiehnet, da die Liganden
das Zenlralalom wie Krebsseheren umfassen.lss Chelate bilden dureh eine Salzbin-
dung und eine koordinative Bindung Komplexe mil 5- und 6-gliedrigen Ringen
aus, die besonders bestiindig sind.IM)
Die Komplexbildung bewirkt eine Molekulvergroberung, die eine Verringerung
der Wasserlbsliehkeil des LarbstolTes und damit verbunden verbesserle
Nasseehlheiten der Farbungen zur Folge hat. Gleiehz.eitig verandert sieh die Lieht-
absorption, was zu leuehlenderen Farbtonen liihrl.
Das bekannteste Beispiel fur einen BeizenfarbstolTist das im Krapp enthaltene Ali¬
zarin. Bei der Komplexbildung wird der in der intramolekularen Wasserstolfbriieke
bellndliehe WasscrstolTdureh das Metallion ersetzt (Abb. 7).
OH
■M+n
OH
Abb. 7: Komplexbiklung bcim Alizarin1,0
Dureh Linsatz untersehiedlieher Beizmelalle kann der l arbton zusatzlieh variiert
werden. Am Beispiel der Krapplarbung (vgl. Та lei 10) zeigt sieh der Linlluss ver-
schiedener Beizmelalle auf die I'arbnuanee. Aluminiumbeizen ergeben Rot-, Zinn-
beizen ergeben Orangerot-, Kupferbeizen Violettbraun- und Lisenbeizen Brauntdne
mil dem BcizenlarbslofT Alizarin.
Weilere Beispiele fur NaturlarbstoHe, die Mctallkomplexe ausbilden, sind Lu-
teolin aus dem Farberwau, Brasilein, der I'arbstoll des Brasilholzes oder das in
griinen Walnusssehalen enthaltene Juglon (Abb. 8, fell: (iruppen liir die Komplex¬
bildung). Linige AnthoeyanlarbstolTe bilden ebenlalls mil Metallen larbige Kom¬
plexe aus. * 190IKS Vgl. Ncnimiillcr: Rompp. Ikl. L S. 644 und Ikl. 3, S. 2205; vgl. auch (irychlok Mcnnickc;
Metal-Complex Dyes, S. 1 2.
LS9 Vgl. Phl/ncr: Innere KomplexvL'rbiiulimgen, S. 242; vgl. Pfeiffer: AnIbnnprin/ipien, S. 95;
vgl. (iryehlol, Mcnnickc; Metal-Complex Dyes, S. I 2.
190 In Anlehiumg an Plil/ner: Innere Komplexvcrbiiulungen, S. 242.
6Х
Farbcvorschriften fur das Aiiszieliver/dhren in den OneUen
Abb. X: I.utoolin, Brasilein imd Juglon
In Abhangigkeil von tier zu larbenden Laser, ist das Beizen untcrschicdlich auf-
wentlig. Proleinfasern haben auf (irund ihres ionischen Charaklers von Nalur aus
AITinilal zu Metallionen. Liber die funklionellcn (iruppen tier Laser, insbesondere
die Aminogruppc, werden Llektronen fur die Ausbildung von Komplcxcn /ur Ver-
iiigung geslelll. Wire! Wolle mil eincr wassrigen Alaunlosung gebeizl, wire! Wasscr
aus der Umgebung des Aluminiumkalions gegen funklionelle (iruppen dcr l;aser
ausgelauschl, es bildel sieh ein ,,Beizmillel-Laser-Komplcx“. Bei einer ansehlie-
Bcnden Larbung mil einem Bei/enfarbsloff wire! weilercs Wasser aus der Umge¬
bung des Melalls nach und naeh dureh funktionelle (iruppen des Farbsloffs ersel/l
(Abb. 9).
Komplexbindungen
Abb. 9:
l;nrbsi()IT-Bei/minel-r'aser-K()mplex|,M
Werden Ccllulosefasern mil wasserlosliehen Melallsal/en wie Aluminiumsulfat
(AL(S().|)0 gebei/l, miissen diese anschlieBcnd dureh cine alkalische Nachbehand-
Iung mil Soda oder Potlasche in wasserunldsliche bzw. sehwer wasserlosliche Ver-
bindungen iiberfuhrl werden.142 Im Palle des Aluminiumsulfats bildel sieh mil So-
daldsung schwerldsliches Aluminiumhydroxid auf der Laser (Abb. 10). Ansehlie-
Bend erfolgl die Larbung mil dem Beizenfarbsloff.
AI2(S04)3 + 3Na2C03 + 3H20 -> 2AI(OH)3 + 2Na2S04 + 3 C02
Л lu ini n in insii I l:i t Soda Aliiiiiiniiimlivdroxid
Abb. 10: Bildimg einer selnver wasserlosliehen Aluminiiimverbmdimg 191 192191 In Anlelnumg an Nicolai, Necliwatal: Aluminiumbei/e, S. 33.L
192 Vgl. (iulrajani: Natural dyes, S. 26.
h'arbcvorschriftcn fiir das Aiiszicdivcr/dhrcn in den Ouedfen
69
Neben tier Beizmiltclarl haben die eingcsetzte Bcizmittclmcngc, tier Beiz-pl l-Wert,
die Beizdauer, die Beiztemperalur sovvie tier Zeitpunkt der Beize Finfluss aid'die
Farbtiefe. Roth el al. nennen liir die Beize mil Alaun Finsatzmengen von 15-25 %
bezogen aufdas Warengewieht.103 Neuere Untersuelumgen zeigen, dass bis zu ei-
ner Konzenlration von 10 % Alaun die Farbtiefe zunimmt, groBere Beizmittelmen-
gen aber keinen signifikanlen Finlluss auf die Farbtiefe haben. Die Beizbehandlung
sol lie liber 60 Minulen koehend erfolgen. Der optimale pll-Wert liegt bei ea. 3,5, er
stellt sieh dureh Hydrolyse des Alauns in der wiissrigen Losung automaliseh ein.w
Unlersuehungen mit anderen Melallbeizen zeigen ahnliehe Frgebnisse.
Besonders groBe Auswirkungen auf die Farbliefe hat der Zeitpunkt der Beize. Sie
kann als Vor-, Direkt- oder Naehbeize durehgefuhrt werden. Die Vorbeize fmdet
zweibadig stall, d.h. die Ware wird in der Beizflottc behandelt, getrocknet und an-
schlieBcnd gelarbl. Bei der Direktbeize wird das Metallsalz in die l arbellolle gege-
ben und gleiehzeilig mit dem Farbstoff auf das Substrat appliziert. Die Naehbeize
ist ein Nuaneierungssehritt im Ansehluss an die Farbung, wobei das Beizmittel
enlweder der Farbeflotte zugefugt oder die Ware in einem Irisehen Bad nachbe-
handelt wird. Probelarbungen zeigen, dass eine vom Farbeprozess abgetrennte
Vorbeize unabhangig vom verwendeten Farbmittel im Vergleieh zur Direktbeize zu
deullieh gesteigerten Farbtiefen llihrt (vgl. Tafcl 1 1).
Bei der Vorbeize bildet sieh der Aluminium-l;aser-Komplex aul der Ware, an
den sieh der Farbstoff bei der Farbung anlagert. Wird wahrend der Farbung gebeizt
beginnt die Komplcxbildung Farbstoff-Aluminium bereits in der Flolle. Die Kom-
plexe sind vergleiehsvveise groB und damit weniger beweglieh als das Farbstollmo-
lekiil allein. Fs zieht weniger Farbstoff auf die Faser auf.
F’iir die Beize wurden seil alters her wasserlosliehe Metallsalze, metallhaltige Wiis-
ser (eisenhaltiges Moorwasser), essigsaure Tonerde (basisches Aluminiumaeetat )
und/oder Gerbsloffc verwendet. In der I lausfarberei wurden zusatzlieh die vegeta-
bilisehen Beizen, d.h. alaun-, kalium- oder oxalsaurehaltige Fxtrakte von Barlapp
(Lycopodium sclayo L.), Slernmiere (Stellaria media L.) oder Sauerampfer (Rumcx 193 194 195 196193 Vgl. Roih cl al.: l iiibcipllan/cn, S. 25.
194 PI l-Werle imicr 3.5 liihicn /.u cincr icdu/icrlcn Alaiinauliialiinc, da die faser Protonen bindet
und ilire positive l.adung zimimmt. Die Auliialime des Alumiiiiumkalions wird eiselnveil. Vgl.
Nicolai, Neelnvatal: Aluminiumbeize, S. 333.
195 Bei der Bei/.e mil t'u( 11 )-lonen auf Wolle /.eigl die 60-miuiilige Behandlimg bei 90 "(’ die
beslen I -lrgebnisse; vgl. Sheffield, Doyle: Uptake ofC’opperdl), S. 204 205. Wird Wolle mil
Fisensal/.en gebei/.l, kann die l aser je nach Wollari bis /u 30 "n der eingesel/len Sal/.menge
aulhehmen. Dei' optimale Bei/-pII liegl zwisehen 3 und 4,5 und die lemperalur sol lie bei
(SO "Г liegen; vgl. Ciiesen, Ziegler: Absorption von F.isen, S. 4S2 4<S3. Das Bindevermdgen
von Wolle fiir Bisenionen hat in der modernen Veredlung bei der selekliven Wollbleiehe Be-
deulung.
196 Vgl. Amelingmeier: Tonerde, in: ROMPP Online RD-20-02130, vgl. Jalin, Wesiermann:
Aluminiumaeetate in: ROMPP Online RD-OI-OI7N7.
70
h'drhevorschrijten fur das Ansziehverfdhren in den Onellen
acetoso L.) vcrwendct.|g7 Besondere Becleulung in dcr handwerkliehen larberci
hatten Alaun und die Vilriolc.
4.3.1 Alaun
Als Alanne be/eichnet man heute kristallwasserhaltige Doppelsalze aus ein- und
dreiwertigen Metal 1-Kationen und Sullationen, wobei an Stelle des einwertigen
Metalls aueh ein Ammoniumion trelen kann. Die allgemeine I'ormel lautet:
Melall(|,,Mela!l('b)(SO.|)2‘12lbO.|1,,s Der am langsten bekannte Alaun ist Kalium-
aluminiumsulfal, aueh Kaliumalaun oder Kalialaun genannl (К A 1( S04) 12 КI20).
Alaun hat seinen Namen von lal. alumen -= T'onerdesalz. Ist in der modernen Litera-
lur allgemein von Alaun die Rede, ist meist Kaliumaluminiumsullat gemeint. Im
Mittelalter war die Zusammensetzung des Alauns nieht bekannt, sowohl alaunhal-
tige Mineralien, als aueh einfaehe Aluminiumsalze oder Mischungcn aus Alaun
und Vitriol wurden als Alaun bezeiehnet. Diesen Saehverhalt besehreibt Beck-
mann, indem er darauf hinweist wie leicht man irren kann, wenn man, ohne
genaue Untersuchung, annimmf, dafi die Alien, an ter einem norh jetzt gehrcinch li¬
chen Namen, ehen dasjenige gedacht hahen, was win jetzt damn ter verstehen.,,|IW
FTsl Paracelsus (1493 1541) unlersehied Salz, Alaun und Vitriol voncinander.“,),)
Sehon bei (irieehen und Romern bekannt, war Alaun wahreiul des Mittelalters die
Univcrsalehemikalie. Nebcn der Anwendung als Beizmittel in der Text! I larberci
wurde er wegen seiner adstringierenden und baklerienablotenden Higensehalten
aueh im medizinisehen Bereieh, in der (ierberci und als I lolzsehutzmiltel einge-
setzt.“(,‘ Alaun wurde aus Syrien, Agyplcn, Cirieehenland und Kleinasien einge-
liihrt, wobei die beste Qualitat aus Phokiia an der kleinasiatisehen Kiiste kam.* 199 200 201 202
Die (jenuesen bauten den Alaun in Kleinasien ab und reinigten ihn dureh Kristalli-
sationsprozesse auf. Aid'der iigaischen Insel Chios, die ihnen als Handelszentrum
diente, betrieben sie den Alaunhandel als Monopol. Sie setzten Prcise lest und be-
11)7 Vl’,1. kcckcl: 1 culclsliirbc. S. 15 76; vgl. Sclnvctll; C'hcmic liir allc Jahrcs/citcn, S. 104 107;
vgl. Rcinking; Anwendung der Bci/en, S. 520; /u weiteren als Bei/mitlel verwcndelen Pllan-
/cn vgl. Taylor: Alleiiialives lo Alum, S. 37 39.
I9X Vgl. llollcman, Wiherg: l.clirhuch tier Anorgamschcn ('hemic, S. 8X2
199 Vgl. Beckmann, lirfindimgen, Ikl. 2, I. Stuck, S. 92 100.
200 Vgl. Ilelmholtll el al.: Aluminium Compounds, S. 5.
201 Als Adstringens (von lal. adslrin^ere /usammen/iehen) vvertlen Suhstanzen he/eiehnel, die
IdweiOe /um Koagulieien hiingen. I*.s enlslehl eine Membran, die Kapillarblulimgen /.um
Stillsland bringen und die Winulheiliing besehleunigen kann; vgl. Iiierzu Vollmer, l-Tan/.:
Chemisehe Produkle, S. 151. Kosmelisch wird Alaun fur Deoslifte genul/l. Dureh die adslrin-
gierende Wirkung /.iehen sieh the llautporen /usammen, die SehweiMabsontlerung wird ver-
mintlerl und gleieh/eitig hemmen die enlhallenen Sulfalionen die Wirkung tier geruchsverur-
saehentlen Ikiklerien; vgl. Vollmer, I’ran/: Chemisehe Produkle, S. 143 144. Beim Alaunger-
ben wirtl leuehter Alaun in die l.etlerhaul gerieben, die in tier Haul vorhantlenen IdweiBe
koagulieien und verfestigen sieh; vgl. I lelmbokit el al.: Aluminium Compounds, S. 5.
202 Vgl. De/sy: Alaun, S. 12; vgl. Beckmann: b.rlmtlungen, Btl. 2, I. Stuck, S. I 14 116.
h'arhevorschriften fur das Auszichvcrjdhrcn in den Quellen
71
slimmlcn iiber die gehandcltcn Mengen, die in die groBen Woll/entren Vcnedig,
Florenz und Brugge geliefert wurden. Von dorl wnrde der Maun in Buropa weiter
verteill.20' Naeh dem Sieg der Tiirken iiber Byzanz (1453) kam der Handel mit
kleinasialisehem Alaun ins Stoeken und die Preise in Buropa stiegen. Bei der Suehe
naeh neuen Eagerstatten wurden 1462 in Toll a bei Civitavecchia (damals im Besitz
des Papstes) groBe Alaunvorkommen gefunden und ein llir den Papst und die Me-
diei eintragliches Alaunmonopol aufgebaul.201 1463 verbot Papst Pius II. alien
ehrislliehen Kaufleulen, orienlalisehen Alaun zu kaufen und sein Nachfolger Paul
II. vcrpfliehlele alle, nur Alaun aus den Minen von To!la zu verwenden. Das
Niehtbeaehten dieses Brlasses wurdc als TodsCmde bezciehnel.2'^ Brst zur Zeit der
Reformalion wurde in Nord- und Mitteleuropa naeh weileren Alaunvorkommen
gesueht, urn Unabhiingigkeit vom katholisehen Monopol zu erlangen.
Die (iewinnung des Alauns ging vom Alaunslein (Alunil) oder vom Alaunschieler
aus. Alunit entsteht durch Binwirkcn von vulkanischer schwelliger Satire aul (ie-
slein. Er enlhaIt etwa 38 % Schwefelsaurc, 34 39 % Tonerde, 10 % Kalium und
Wasscr. Naeh versehiedenen Rost-, Auslaug- und Kristallisationsverlahren erhielt
man den kubisehen oder „rbmiseherC Alaun, der sehr rein war.“(Kl Alaunschieler
enthall Sehwelelkies, Calciumearbonal und Magnesiumearbonal, aber nur wenig
Kaliumsalz. Naeh dem Rosten bildeten sieh wahrend einer 2 3 jahrigen Lagerung
Aluminiumsulfal und Bisensulfat. Naeh noehmaligem Rosten wurde das Alumini-
umsulfat ausgelaugt und durch Zusatz eines Kaliumsalz.es Alaun gefallt. Ubei
weitere Einzelheiten zur (jesehichle des Alauns, zur Alaungewinnung und zum
Alaunhandel informieren versehiedene VerolTenlliehungen.~(,s Die Bedeutung des
Alauns als Universalbeizmiltel zeigt sieh auch in den hier bearbeileten Quellen.
Alaun ist in alien bearbeileten Quellen aulgeliihrt."(,) 203 204 205 206 207203 Vgl. Delamarc, (iiiiiiemi: Colors, S. 47 48; vgl. Jiiltner: Alaun, | 11, in. Angeimann ct al..
Lex Mu. Ikl. I. Sp. 272; vgl. Palard: Ahum, 111. in: Angcrmann el al.: Lc.xMa, Ikl. I. Sp. 272.
204 Vgl. |)c/.sy: Alaun, S. 13; vgl. Day: Textile Cliemieals. S. 100 200; vgl. Palarcl: Alaun 111, in;
Angermann et al.: LexMa, Ikl. L Sp. 272; vgl. Beckmann: Lifnulungen. Ikl. 2, I. Stuck,
S. 123 124.
205 Vgl. I)c/sy: Alaun, S. 130; vgl. Beckmann: Lrlmclungen. Ikl. 2, 1. Stuck, S. 137 140.
206 Vgl. I)e/sy: Alaun, S. 15.
207 Vgl. elxl., S. 14.
20K Vgl. |)e/sy: Alaun; vgl. 'laylor. Singer: Pre-seientilie industrial ehemislry, S. 367 360; vgl.
Agricola: Vom Berg- und I liittenwesen. S. 484 480.
200 Alaun ist in den Quellen als alaun. a/wn. alaw/i, al/awn. alavn. altt/i. alaimcs. alluns. aluns.
(duniinis, (du/nine, alttnwazicr, alaunwazzcr, aqua alununis oder ahunen glacici aulgeliihrl.
(dimicn glacici ist vermutlich ein durch IJmkristallisation aufgereinigter Alaun. aus dem let/le
Resle von Risen- oder Kupfersal/en entfernt wurden; vgl. Braelierl: Malteehniken, S. 10.
72
Farhevorsehrifien jiir das Anszieiiver/ahren in den Onellen
4.3.2 Vitriole
Neben clem Ahum kamen Kuplcr-, Bisen-, Zink-, Chrom- und Zinnsal/c als Beiz-
mittcl zum Binsatz. Sic haben vvie Alaun InnIIuss aid'die Barbliefe, bccinllusscn
aber vor allcm die Nuance des Barbtons, da die metallisehen Zentralatome aid'das
konjugierle Bleklronensyslem des Barbstoffes wirken.
Bisen, Kuplcr und Zink wurden meist in l;orm ihres Vitriols lur die Barbung ver-
wendel. Wie der Alaun gehorten die Vitriole zu den ehemisehen Substanzen, die
sehon im Mittelalter gewonnen wurden. Hire I lerstellung war eng mit dem Bergbau
und der Verhiittung verbunden, die Verlahren waren seit der Antike bekannt. De-
tailliert besehrieben wurden sic erstmals von Vannoeeio Biringuceio (1480 1537)
in seinem zehnbandigen Work Jyirotechnicr und von (icorg Agricola (1494 1555)
in J)e re melalliccr.2I,) Agrieola sehildert neben verschiedenen anderen Verlahren
lur die Vitriolgewinnung, die Herslellung aus Vitriolwasser sowie aus
vilriolhaItigen Brden und (iesteinen. Sic Helen bei der Alaungewinnung an und
wurden dureh Auslaug-, Rost- und Kristallisationsverl'ahren weiter aulbereitet.210 211
Der Name Vitriol, cine verallele Bezeiehnung fur krislallwasserhaltige Sulfate von
zweiwerligen Metallen, insbesondere von Bisen, Kuplcr und Zink, mit der allge-
meinen Bormel M11 S().,nl BO, leitet sich von Ial. vitrum (ilas ab, da grolte Kris-
talle dieser Verbindungen glasartig durehsichtig sind.212 213 Die Vitriole wurden naeh
ihrer l'arbe und llerkunft unterschieden (Tab. 8). Das blaue Vitriol enthalt iiber-
wiegend Kupl'ersulfat, das griine Vitriol Bisensulfat und das weiBe Vitriol Zinksul-
l'at.2b Auf (irund der llerkunft und des untersehiedliehen (iehaltes waren die Be-
zeichnungen lur die Vitriole sehr viellaltig, sie wurden auch begrifllieh nieht im-
mer vom Alaun unterschieden.
1st in historischen Quellen allgemein von Vitriol die Rede, sleht der Begriff
meist fiir das Iiisenvitriol. Das in der mitlelallerliehen Barberei verwendete Vitriol
war aber selten rein, es handelte sieh vorwiegend urn „gemisehtes Vitriol", das
auch als Doppel- oder Adlervitriol bezeichnet wurde. Die beste Qualitat mit einem
hohen Bisen- und einem geringen Kupfergchalt wies das rdmisehe Vitriol, in Quel-
210 Vgl. Schmidlchen: Monlan- uiul I liillenwesen, vvirisclmI'llichc Aspekle, in: Kdnig: Propyliien
I echoikgcschichtc, Ikl. 2, S. 242 243.
211 Vgl. Agricoin: Vom Berg- unci I liillenwesen, S. 484, 489 495; vgl. Schmidtchen: Montan-
imd I liittcnwescih wirlschnftlichc Aspcklc, in: Kdnig: hopylaen Tcchnikgcscliiclitc, Ikl. 2, S.
243.
212 Vgl. Karpenko. Norris: Vitriol in the history, S. 1001; vgl. o.V.: Vitriole. in: ROMIT Online,
RD-22-00998.
213 Vgl. Biaeherl: Malteehniken, S. 262 263; die Unlerscheidung naeh der I'arhe isl seit dem
spalen Mittelalter bekannt, vgl. Ludwig: Vitriol, in: Angermann el al.: LexMa, Ikl. 8, Sp.
1778: \ gl. o.V.: Vitriole, in: ROMIT Online. RD-22-00998.
I'arbevorschriftcn fur das Auszichvcrfahrcn in den Oncllcn
73
len Vitriolum romamim214 215 216 217 * 219 genannt, auf. Hickcl nennt hicr cincn I'iscnsulfatgchalt
von 82 % unci cincn Kupfcrsulfalgchalt von lediglieh 2 %.2I:'
Tab. 8: Vilriole - Namen, ГагЬеп und Synonymc nach tier Quellenlage
Trivialname
Farbe
Chemischer Name, Formel
Synonyme in den Quellen
Eisenvitriol
Griin
Eisen(ll)-sulfat-Heptahydrat
FeS0,-7H20
romiseher Vitriol210
griiner Alaun2,/
2 1У
Linphorwasser, Tragatum
griiner Galitzenstein210
Atramentum
Kupfervitriol
Blau
Kupfer(ll)-sulfat-Pentahydrat
CuS0,-5H20
Kupferwasser220 221 222 223Zinkvitriol
Weifi
Zink(ll)-sulfat-Heptahydrat
ZnS04-7H20
Galitzenstein, Augstein22'
Das im dculschcn Raum gcwonncnc Vitriol war weniger rein. Fi'ir das Sal/burgcr
Zwciadlervilriol sind 24 % Kupfcrantcil imd liir das weitvcrbrcitclc, aus dem
Rammclsbcrg bci (ioslar slammcndc Adlcrvitriol sind 9 % Kupfcrantcil bclcgl."”“
In dcr I-’rCihcn Ncu/cil wurden nach Unlcrsuchungcn von I lickcl die Bcgrillc Vitri¬
ol, Alramcntum und Kupferwasser haufig gleichgesetzl."* In den hicr bcarbcilctcn
214 Romiseher Vitriol ist in /.vvei Anleilimgen (fol. 55 55v, Re/ept I 16 und fol. 194v 195, Re/ept
328) tier Quelle II IV liir die Sehwar/farbung aiilgeluhrl.
215 Vgl. I liekel: Ar/.neisehal/. tleulselier Apotheken. S. 126 und 130.
216 Vgl. I liekel: Лг/neiseliat/. tleulselier Apotheken, S. 126 und 130.
217 Braeheit liihrl die Be/eiehnung alnncn viridiam auf die griine I arbe (lat. viridiv griin) /u-
riiek; vgl. Braeheit: Malleehniken, S. 20.
2 1 S Die Identinkalion von Linphorwasser otler I ragatum als I-.isenvitriol gehl aus tlei Anleilung
(Quelle Bo, lol. 143 144, Re/ept 71) hervt^r: ein gnines sfcincs dcr zaryai als alhuil and
heisfi linp/ior w'asscr odcr irayatum oiler idu/icn viridiam ...
219 Vgl. Quelle II VI, lol. 50 50v, Re/ept 4 und lol. 50v, Re/ept 5. (iriiner (ialit/enslem ist als
Be/.eiehnung liir Lisenvitriol bei Beekmann belegt; vgl. Beekmann: k.rlmtlungen, Btl. />.
Stiiek, S. 394 396.
220 Vgl. Quelle B, lol. 93, Re/ept 257, Quelle II IV, lol. 25S 25<Xv, Re/ept 407 und lol. 258\,
Re/ept 408, Quelle II V, fol. 281 281 v, Re/.ept 32. Kupferwasser ist ein alehenustiseher Be-
grilTliir Vilrit>l b/.vv. ein Synonym lur Kupfervilriol; vgl. Braeheit. Malleehniken. S. 147. \gl.
(irimm: DWb, Ikl. I I, Sp. 2770 u. Kriinit/: Oekonomisehe Lneyklopatlie, Th. 56, S. 555. Im
(iewerbe wurtle z.T. I’isenx ilriol als Kupferwasser be/eiehnel; vgl. Kriinit/: Oekonomisehe
Imeyklopatlie, Th. 56, S. 555.
221 Vgl. Quelle II II, fol. 57 57v, Re/ept 4; hier heibt es: galiczcnslain dcr wo/ gev/ovvr// sev
das ist vcrilriol... “ (iaIit/enstein be/eiehnel Zinkvitriol otler als blauer (ialil/enstein Kupfer¬
vilriol; vgl. Braeherl: Malteehniken. S. 20; vgl. (irimm: DWb. Btl. 4, Sp. I 180 und Kriinit/:
Oekonomisehe Imeyklopatlie. Th. 15, S. 684; Augslein (Quelle II IN', lol. 67v, Re/ept 139,
bycstcin) ist ein weiteres Synonym lur Zinkvitriol; vgl. Braeheit: Malteehniken. S. 31: \gl.
Keferslein: Mineralogia polyglotta, S. 161; vgl. (iabelkover: Arl/ney-Bueh, S. 74.
222 Vgl. Adlervitriol, in: Merek: Merek’s Warenlexikon, S. 3: vgl. o.V.: IJeber gemisehten Vitriol.
S. 378 379, tier (ioslarer Vitriol entlkilt /usiit/lieh noeh Manganverunreinigungen.
223 Vgl. I liekel: Ar/neisehal/tleulselier Apotheken, S. 123 und 125.
74
barhcvorsciiri/icn fiir das Auszichvcrjdhrcn in den Ouc/lcn
QucIIcn ist dcr synonyme Gcbrauch dcs Bcgriffes Atramcntum fur Vitriol bcrcits in
derails dem 14. Jahrhundert slammenden llandschrifl Ml I zu finden.""4
Atramcntum ist ein vieldeutigcr Begril'f. It be/eichnele Risengallustinle (von
lat. atcr, atra, atnun ~ schwarz), die in den Skriplorien als atnuncnhim librarian!
(Biichertinte) oder atramcntum scriptorium (Sehreiblinle)"""' verwendel wurde, er
wurde aber ebenfalls als Bezeichnung fur jede andere Art von schwarzer f'arbe be-
nulzl. So wurde RuB als atramcntum tcctorium, die sehwarze f'arbe der Maler als
atramcntum piclorium und die sehwarze Seluihfarbe als atramcntum sutorium be-
zeiehnet. Sehuslersehwarz ist wiederum bei J. und W. Grimm als Hisenschwarze
(atramcntum ferrarium) bclcgl.“”f’ Kriinitz identifiziert Atrament als Kiesarl, aus
der Vitriol zum Sehwarzlarben sowie fur Tinte gewonnen wurde und Braehert
nennt unler dem Stiehworl Atrament eisen-, kupfer- und zinkhaltige Vitriole, die
fur die llerstellung von (ierbslolTsehwarz dienten.224 225 226 227 * 229 Merrifield llihrt unter dem
Stiehworl ebenfalls mehrere mdgliche Definitioncn auf. Sie nennt kiinstlieh herge-
stellte Rigmente wie Lampensehwarz (LampenruB) oder Pllanzenkohle (charcoal),
die durch die Verbrennung organiseher Materialien enlslanden. Weilerhin nennt sie
mil siedendem Ol und gesehupptem Risen gewonnenes Sehuslersehwarz und mit
(iallapleln, Risenvitriol und Gummi arabieum hergestellte Tinte.22*
fur den Kontext Tcxlilfarberei erscheinl die Idemiflkation des Alramentums als
Hisenvilriol die Wahrseheinliehsle. I'isenvitriol ergibt mil (ierbstoffen ein blausti-
chiges Schwarz. Mit steigendem Kuplergehalt wild der f'arbton immer braunstiehi-
ger, so dass in den Quellen sicher cine Substanz mit hohem Fdsensulfatanteil ge-
meint ist.""4 Die ebenfalls in den Quellen genannte Sehwarze f'arbe konnte ein zu-
vor hergestelltes Gerbstoffsehwarz sein.
4.3.3 Weilere Melalle als Beizmitlel
Ncben den zuvor besehriebenen Beizmitteln sind in den Quellen weitere metallhal-
tige Substanzen oder Metallablalle genannt, die Idnfluss auf den f'arbton haben
kdnnen. AuBer den bei der Gcrbstoffschwar/farbung verwendelen f'eilspanen,
I lammersehlag und Sehliff sind hier (irunspan, Kupferhammerschlag und (ialmei
zu nennen.
Griinspan, ein kupferhalliges, schon im Mittelalter synthetisch gewonnenes
Pigment wurde nach der Quellenlage als f'arbmittel fiir (iriintone, aber ebenso als
Beizmitlel bei der farbung mit Beeren, Brasilholz und weiteren f'arbmitteln ver¬
wendel. f'iir die Beize interessanl war das enthallene Kupfer, das den iiblieherweise
mil einem f'arbmittel erzielbaren f'arbton veninderte. Kupferhammerschlag, cine
224 In dcr 11aiulschri11 M I ist im Rc/cpt fol. 67v, 57 atrament fiir cine Sclnviir/liirbimg gcniiiint.
225 Vgl. Kriinit/: Ockonomischc f.n/yklopiiclie. I’ll. 2. S. 632; vgl. Bnichert: Maltcclmikcn, S. 29.
226 Vgl. (irimm: I)Wb, Ikl. 15. Sp. 20S4 und Ikl. 3, Sp. 373.
227 Vgl. Braehert; Mallcchniken. S. 225.
22(S Vgl. Merri Held, Original treatises. S. xiii; fiir Tinte vgl. ebd., S. 60.
229 Vgl. Nickel: Лг/neisehat/ deutscher Apolheken, S. 125.
Fdrbcvorschrijic/iffir das Ausziehvcrfahrcn in den Oucllen
75
wcitcre Moglichkcit tier Farbeflotte Kupfcr zuzusetzen ist als chupffer aschen in
Quelle М IV, fol. 229v, Rezepl 60 aufgeIlihrl.2''<l Galmei, einc Mischung verschie-
dener carbonat- und si I icathalliger Zinkerze, im engeren Sinn Zinkspal (ZnCOO2'1,
ist in mehreren Quellen als galmey, galmei und perchweis genannt.2'2 Ilier sleht
ebenfalls die Funklion des Zinks als Beizmillel im Vordergrund. Die Bczeichnung
Galmei isl vom lat. cad/nea abgeleitet und bezeiehnete Mineralien, die bei der Ver-
arbeitung mil Kupfcr Messing ergaben.2'” (ialmei wurde im Mitlelaller als Lapis
ca/cuninaris, spater als Calamine oder Kehnis bezeiehnet. Die umfangreichen ITz-
Vorkommen im belgisehen Grenzgebiet zu Aachen waren so bedeulentl, dass sie
fiir die Stadt Kelmis (La Calamine) namensgebend waren.24 Bei dem in Quelle B,
fol. 107v, Rezepl 315b fur die Beize genannten kalmas kann es sieh daher urn den
(ialmei handcln.20
4.3.4 (ierbsloffe
Gerbsloffe, aueh als Tannine bezeiehnet, gehoren zu den natiirlich vorkommenden
Pflanzcnpolyphcnolcn. Die Bezeiehnungen (ierbstoff oder Tannin (franz. fanner
gerben) beziehen sieh auf die I laupteigensehaft dieser Verbindungen. Sie wirken
gerbend auf Proteine, d.h. sie konnen LiweiBmolekiile vernclz.cn, wodurch Leder
enlsteht. (ierbsloffe vverden in hydrolysierbare und niehl hydrolysierbare, kontlen-
sierte (ierbsloffe unlerteill, wobei Iur die Beizbehandlung von Texlilfasern bevor-
zugl die ITsteren genutzt werden. 230 231 232 233 234 235230 Nacli (irinini imd Kriinil/ ist Kuplerasclie cin Synonym liir Kupferliammersclilag. Ikacliert
unlci'schcidcl dici Arlcn von Kuplcrasclic: roles KupferlI)-oxid (Cu.iO), schwar/es Kupl’ei(ll)-
oxid (CuO) und cin (iemisch mis heiden; vgl. (irimm: I)Wb, Ikl. 1 1, Sp. 2760; vgl. Kriinil/:
Oekonomische lineyklopadie, Th. 56, S. 190 u. 222; vgl. Uracherl: Malleclmiken. S. 145.
231 Vgl. Neumiiller: Rdnipp, Ikl. 2, S. 1393.
232 Vgl. Ba, fol. I 19v, Rezepl 15 und fol. I I9v 120, Rezepl 21. M IV, fol. 227v 22Sr, Re/epl 30
und In, fol. lOIr, Re/.epl \2. pcrchweis wird von Ploss als unreiner Zinkspal, also (ialmei, aus
Tirol ideniill/ierl, vgl. Moss: Ikieh von alien I'arben, S. 100. .1. und W. (irimm idenlili/.ieren
(ialmei als /inker/, und unlerseheiden edlen (ialmei (Zinkspal) und Kieselgalmei (Zinkgla-
serz); vgl. (irimm: DWb, Ikl. 4, Sp. 1201. Kriinil/ nennt (ialmei als mil Risen verunreinigles
Ausgangsprodukl fur die Zink- und Messingherslellung; vgl. Kriinil/ Oekonomische
Imcyklopadie, I II. 15, S. S00. Keferslein erwahnl ebenfalls die naliirlichen Verunreinigimgen
durcli Risen, vgl. Keferslein: Mineralogia polyglolla, S. 239.
233 Vgl. Ilolleman, Wiberg: Lehibueh der anorganischen C’hemie, S. 1041, vgl. Ileilfeld el al.:
(ialmei-Rr/bergbau, S. 60; vgl. Polil: (ialmei, in: Angermann el al.: LexMa, 13d. 4, Sp. 1099
1 100.
234 Vgl. Ileilleld el al.: (ialmei-Iir/.bergbau, S. 60; vgl. Nickel: Ar/neischat/ deulscher Apotlie-
ken, S. 104.
235 I3ei (irimm sind ku/nis, calms oder kalmcs als volksliimliche Be/eicliinmgen liir den Kalinus
(Acorns calamus L. od. Calamus aromatiens) belegl. Kalmus enlhall neben elheriscbem ()l
elwa 20 % Sliirke soxvie verschiedene (ierb- und Nillerstoffe. I-r isl allerdings erst seil I aide
des 16. Jahrliunderls in Iinropa lieimiscli; vgl. (irimm: DWb, Ikl. I I, Sp. 73.
76
Fdrbevorschrif/en fiir das Aaszicdiverfahren in den Qucdlen
Die fur die Gerberei und Farberei inleressanten Gerbstoffe sind mit unterschied-
lichem Gehalt vor allem in Gallapfcln und Baumrinden cnlhalten. Naeh der Quel-
lenlage wurde fur die Bei/e bevorzugt der hohe Gerbstoffgehalt von Gallapfcln
oder Gallen genutzt.23^ Die Bczcichnung (iallapfel ist seit dem 15. Jahrhundcrt im
deulsehen Spraehraum in Gcbrauch, regional verwcndctc Synonyme waren Laub-
apfel, Gallen, Knoppern oder Kichapfel.236 237 Gallapfel (vgl. Tafel 24) sind Gcwebc-
wucherungen bei Pflanzcn, die durch Inseklen aus der Familie der Gallwcspcn
(Cy/7//;.v-Spezics) hervorgerufen werden. Sie werden je naeh Pflanzcnfamilic
(Eiche, Rose), Pflanzcnart (Gallcichc (Quercus infectoria Ouv.), Traubenciche
(Ouercus petraea L.) und dem verursachenden Insekl in verschiedene Gruppen
unlerteilt. Aleppogallen entslehen beispiclsweise durch Stich der Gallwespe
(Cynips tincloria Oliv.) auf den Blattern der Galleiche.238 Durch den Insektenstieh
entstehen kugelformige Wucherungen an den Blattern, in denen die Larven des
Insekts Schutz linden und heranwaehsen. Dicser Wachstumsprozess dauert etwa
ein halbes Jahr.239 Erfolgt der Stich in die Fruchtkelchc (Eichcln) der Pflanze, wer¬
den die Gallapfel als Knoppern bczeichnct.240
Bei den cnthaltenen hydrolysierbaren Tanninen handelt es sich um Zuckerester
(vorrangig Glucose) von Phcnolcarbonsauren, wie Gallus- oder Ellagsaurc (Abb.
11). Sie konnen hydrolytiseh in Saure und Zuckcr aufgcspalten werden. Wegen
ihrer Abslammung werden diese Gerbstoffe aueh als Gallo- bzw. Ellagtannine be-
zeiehnet.241
Abb. II: Ciallussaure, Mlagsaure
Nebcn Farbe, form und Herkunft untcrscheiden sich die Gallapfel deutlich in ih-
rem Gerbstoffgehalt (Tab. 9), der aueh die Qualitat bestimmt.
236 Vgl. Quelle M III, fol. 183v, Rezept 71: Vorbcize von Leinen mil Gallapleln (GerbslolT) und
Alaun, Rollarbung mit Brasilholz.
237 Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 3, Sp. 416 und Bd. 4, Sp. I 182; vgl. Adelung: Cirammalisch-kritischcs
Worlerbueli, Ikl. 2, S. 393.
238 Vgl. Selnveppe: NaturlarbstolTe, S. 473 475.
239 Vgl. Neumiiller: Rompp, Ikl. 2, S. 1390.
240 Vgl. Adelung: Grammatiseh-krilisehes Worlerbueli, Bd. 2, S. 1670; vgl. Grimm: DWb, Bd.
I I, Sp. 1483.
241 Vgl. Neumiiller: Rompp, Bd. 2, S. 1452 und Bd. 6, S. 4121; vgl. Sehweppe: Nalurfarbsloffc,
S. 469.
/'drbevorschriften fiir das Ausziehverfahren in den Ouellen
77
Gcrbstoffgehalte vcrschicdcncr Gallaprclartcn2’12
Rohstoff
Gerbstoffgehalt [%]
Aleppo-Gallen
50-70
Knoppern
45
Turkische Gallen
35
Deutsche Gallen
10-15
Uber die Qualitat dcr Gallapfel unci deren Verwcndung in dor Farberci schrcibl
Kriiniiz:
„Man gcbrauchl die Gallapfel insonderheit zur Farbercy, beym Schwarz=, Cirau=
und Braun=Farbcn; auch bedient man sich ihrer, schwarzcs Maar und schwarzc Tin-
tc, wie auch Garbci- und Lcdci-Schwarzc zu machcn. Die liirkischen und schwar-
zen, dicncn mchr die wollenen, die Puisch=GalIus aber die seidenen Zeuge zu far-
ben.“2M
Fiir die Beize werden die Gallapfel zu Pulvcr zcrmahlen und mil Wasscr gckocht.
AnsehlieBend wird die Ware in der heiflen Beize behandelt. Laut Quellcnlagc wur-
den aber ebenso unzcrmahlcnc Gallapfel gekoeht und nachdcm sic wcich geworden
waren vor der Beize zerstoBcn. Die Gerbstoffc slellen auf der Celluloselaser saure
Carboxylgruppcn zur Verfiigung, durch die cine bcsscrc Farbslolifixieriing ermog-
lichl wird. Durch einc ansehlicBendc zweite Beize mil Metallsalzcn, konnen auch
auf Ccllulosefascrn Farbslofflcomplcxe gcbildel werden.242 243 244
Da nattirliche Gcrbmitlel haufig Nalurfarbstoffe cnlhallen, kann bereils durch
die Gerbsloffbeize und cine anschlieBendc Alaunbeize cine deutliche Beige- odcr
Braunlarbung der Ware auftrclcn, die den durch die Farbung rcsultiercnden larb-
eindruck becinflusst (vgl. Tafel 12).245 2464.3.5 Weinstein und Kleie
Weinstein entsteht aus dem in Wcintrauben und andere Beerenfriichten cnthaltenen
Kaliumhydrogentartrat (HOOC-(CHOH)2-COOK), das sich zusammen mil
Calciumtartrat nach der Garung als harte Kruste an den Wanden der Wcinfasscr
abschcidct. Historische Bezeiehnungen fur den Weinstein waren Tartarus odcr
Cremor tartari.2Ab
242 Allc Zahlcnangabcn nach Ilofenk do Graaff: The Colourful Past, S. 288, 294.
243 Vgl. Kriinitz: Oekonomische Hncyklopadic, Tli. 15, S. 688.
244 Vgl. Gulrajani: Natural dyes, S. 25 26. Zusatzlich crmdglicht cine Gerbstoflbeize der Cellulo-
se die Farbung mil basischen 1'arbstoffen (vgl. Кар. 5.2). Die I arbstollb werden fiber lonen-
bindung an die durch den Gerbsloffeingeluhrten Carboxylgruppcn fixiert.
245 Vgl. Wagner: Metallbeize, S. 64.
246 Vgl. Neumiiller: Rompp, Bd. 3, S. 2018; vgl. Olteneder: Kaliumhydrogenlarlrat, in: ROMPP
Online RD-1 1-00214; vgl. Jiittner: Tartarus, in: Angermann et al.: LexMa, Bd. 8, Sp. 484.
78
I'iirhevorschrijten fiir das Auszieiiver/idiren in den Ouellcn
Hr wurdc schon im Mitlclaltcr von den Passbindern aus leeren Passern heraus-
gekratzl und an die Parber verkauft, die ihn bei der Beize verwendeten. Wein¬
stein wurde in seiner urspriingliehen Porm als ,,saurer“ Weinstein (pll ea. 3,5) ver-
wendet, konnte aber ebenso dureh Ciliihen oder Brennen in ealeinierten alkalisehen
Weinstein, der fast reines Kaliumearbonat enlhalt, umgewandclt werden."‘s Nieolai
und Neehwalal haben in Unlersuehungen zur Beize nachgcwiesen, dass Weinstein
ohne gleiehzeitige Alaunverwendung nieht zu ausreiehenden Pehtheiten fiihrt, er
beeinflusst aber die Reinheit und Klarheit der Parbtone.244 Diese Tatsaehe wurde
sehon von Menzi beschrieben, der den Weinstein daher als Hilfsbeize bezeiehnete.
Ililfsbeizen konnen den Beizvorgang besehleunigen und triibende Substanzen be-
seiligen.2M) In den Quellen ist sowohl Weinstein als aueh gebranntcr Weinstein bei
der Parbung genannt, die Bedcutung des Weinsteins als Hilfsbeize zur Prhohung
der Reinheit der Parbtone ist ebenfalls belegt.24
AuBer Alaun, Vitriolen oder (ierbstoffen sind in den Anleitungen 1'iir die Vorbe-
handlung weiterhin Kleie und (jclreidezusalze aufgeliihrt. Diese gehbren wie
Weinstein in den Bereieh der Ililfsbeizen, da sie insbesondere die Reinheit und
Klarheit von Rottonen (ordern. Als Beizmittel wurden Kleie, (ierstenwasser bzw.
ein Teig aus Gerslenmehl vorrangig in der (ierberei verwendet. Dureh saure (ia-
rung enlstehen Gase, die die Гierhaut aulloekcrn und das Pindringen andercr I3eiz-
Idsungen lordern.2^ Peddersen-Pieler erwahnl, dass der Zusatz von Weizenkleie
zur Parbeflolte eine Reinigung des larblons bewirkt.2-" Zu diesem Zvveek ist Kleie
(kirner grisch. <*risch) in zwei Anleitungen der Quelle В (fol. 91 v, 254 und 256)
besehrieben.
4.3.6 Auswertung der I’arbevorsehriflen bezuglieh der Ik'iz- und Beizmittelart
Die Auswertung der Parbeanleitungen bezuglieh der benutzten Beizmittel bzw.
Beizarten zeigl, dass liber den gesamten untersuehten Zeitraum ea. 15 % der Par-
bungen ohne eine Beizbehandlung erlolgen sollen ( fab. 10). Ps ist nieht erkennbar,
dass fiir die Parbung ohne Beize beslimmle Parbsloffe bevorzugt wurden. 247 248 249 250 251 252 253247 Vgl. IIIi. SchTssgmob, S. P).
248 Vgl. Bracherl: Maltcchnikcn, S. 242.
249 Vgl. Nicolai, Ncclnvalal: Alaimhei/.e, S. 334; vgl. Rolli el al.: I-arherpHanzen, S. 26.
250 Vgl. Men/.i: Die Kimsl des Parboils vor Perkin, S. 554.
251 Vgl. weinstain fiir die Rollarbung mil Brasilholz in Quelle II II. 1Ы. 61 61v. Rc/cpl II.
Xcpruntcn w'inslain (alkaliseh) fiir die Rollarlnmg mil Sailor in Quelle Ka, fol. Sr. Weinslein
mil Alaun als Vorbei/c fiir Rollarbung mil Brasilhol/ in Quelle II II. fol. 62, Re/epl 12.
252 Vgl. Kriinil/: Oekonomisehe laieyklopiidie. Th. 17, S. 428; vgl. l.eder, in: Merck: Merck's
Warenlexikon. S. 314: vgl. (irimm: DWb. \k\. 5, Sp. 3737 u. 3739, Ikl. 15, Sp. 2487.
253 Vgl. Peddersen-l ieler: l arben aus tier Nalur. S. 18; vgl. Kremer Pigmenle: hislorisehe und
moderne Pigmenle, Krapp Wur/eln.
Id'irhevorsciirif/en fur das Ausziehvcrfahren in den Ouel/en
79
l ab. 10: Peizmillelantcile [%| unci Bei/varianlcn nach clem Alter tier Qucllcn
Zeit
c
1- 0)
a> D)
T3 C
N
c c
< <
<D
OQ
<D
c
Direktbeize
*Q.
□
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C
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Alaun
Eisen
Kupfer
Zink
c
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<
c
3
CO
<
0)
l—
Q
И
64.3
-
-
-
17.9
3.6
-
85.7
41.2
5.6
6.2
-
11.3
5.6
0.6
70.5
33.3
6.6
8.1
0.5
4.5
3.5
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56.5
0)
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14. Jh. 28
15. Jh. 177
16. Jh. 198
14.3
16.4
14.1
6.2
15.7
6.8
13.6
Ms Beizmittel iibcrwicgt dcutlich Maun, tier fur alle Farblonc verwendet wurdc.
Selbsl Parbungen mil Salran oder Indigo, bei deren I'arbslollcn es sicli um Dirckl-
bzw. Kiipenlarbsloffe handcll, die keinen BeizmiUelzusalz erfordern, wurden nach
tier Quellenlage mil Alaun durchgeliihrl. Bisenbeizen kamen dir die Schwarz- und
Graufarbung und Kuplerbeizen bevorzugt dir Blaularbungcn mil Beeren zur An-
wendung. In den allesten Qucllcn (14. Jh.) hal die Dircklbcizc cincn Anlcil von
liber 80 %. In tier zweilen Htil fie des 15. Jahrhundcrls isl dann erslmals die
Vorbeize in l arbevorschriflen beschrieben und tier Anlcil tier Alaundireklbeize
nimml ab. Allerdings wird nichl zwangslaulig auf Grund tier Vorbeize aul die
Vcrwendung von Alaun wahrend tier eigenlliehen Parbung verziehlel. Kir cine re-
lativ grobe Anzahl tier Vorbeizrezeple isl dir die anschliebende Parbung die eigenl-
lieh niehl erforderliehe Alaunverwendung beschrieben. Daraus isl zu schlieben,
dass nichl erkannl wurde, dass durch den BeizmiUelzusalz die P’arbliele tier Ware
nichl ,,unendlich“ zu sleigern isl.
Besondcrs dcutlich wird tier Binfluss eines Alaunzusalzes bei Parbungen mil
Pigmenlen auf Proleinfasern, bei denen aul'Grund tier AHmilal des Pigmenles zur
Paser kcinc Beize erl'orderlich isl. Plier hal das Beizmillel relardierende Wirkung,
d.h. durch Konkurrenzreaklionen zwischen Pigmenl und Alaun um die iunktioncl-
len Gruppen tier Paser, wird das Aufziehen des Pigmenles behinderl und Parbliele
verringerl (vgl. Talel 13).
Wahrend Piir die Dircklbcizc vorrangig Alaun verwendel werden soil, sind in den
ab Mine des 15. Jahrhunderls auflrelenden Rezeplen ftir die Vorbeize neben Alaun
auberdem CJerbslolTe als Beizmiltel oder Kombinalionsbeizen aus beiden genannl
П'аЬ. I I). Zusatzlich isl die Vcrwendung tier 1 lillsbeize Weinslein oder die Vorbc-
handlung mil einer Laugc beschrieben.
80
h'cirbevorschnften fiir das Anszichverfahrcn in den Quellen
Tab. 1 I: Teilrezepte unci gesonderlc Anlcitimgen Hir die Vorbei/c
Quelle
Entstehungszeit
Alaun
<
Alaun/ g.
Weinstein 2.
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Gerbstoff
Alaun/ ф
Gerbstoff S
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Lauge
gesonderte Beizrezepte
.E 3: 3:
Q) О О
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□ □ С n ^ A O)
TO TO ф Ф TO О ф
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M III
1464- 1473
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1
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Be
1478
1
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1
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W
ca. 1480
1
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1
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Au
ab 1489
1
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N II
3. Drittel 15. Jh.
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Tr
4. Viertel 15. Jh.
1
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1
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H II
15. Jh.
1
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1
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M V
um 1500
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2
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Al
1532
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1
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В
1. Halfte 16. Jh.
7
2
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4
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H IV
1562/1563
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4
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2
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2
H V
1560-1570/71
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1
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Wi
15./16. Jh.
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H VI
16. Jh.
1
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z
13
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4
3
4
6
3
1
3
4.4 Farbc-pH-Wert
Dcr Fiirbe-pl l-Werl isl im Wcscnllichcn von der /u (arbenden Faserarl und vom
vcrwcndctcn Farbmitlcl abhangig. Uni Lasersehadigungcn /u vcrmcidcn werden
Cellulose'lasem neutral odcr alkalisch, Proleinfasern dagegen im sauren pll-
Bereich gefarbt. Vide NaturlarbslolTe liegen im Farbmillel niehl als freie Farbstof-
fe vor, sondern sind /.B. an Zueker gebunden. Um den FarbstolTzu hydrolysieren,
d.h. vom Zueker /u Irennen, und die Fxlraklion aus der Farbepflanze zu iordern,
werden in Abhangigkeil von der Farbstoffarl wassrige, saure oder alkalisehe Lo-
sungen verwendel. Beispielsweise kann Sallorgelb mil Wasser aus dem Farbmiltel
geldsl werden, wahrend liir die Fxlraklion des wasserunldsliehcn Sallorrols
(C’arlhamin) eine alkalisehe Ldsung bendligl wird. Der wasserunldsliehe Kiipen-
(arbslolT Indigo muss in alkaliseher Ldsung und mil weiteren Uilfsmitteln in eine
wasserldsliehe Form liberfiihrl werden, die aul'der Laser fixierl werden kann. Zu-
salzlieh hal der pll-Werl der Ldsung bei einigen L'arbmitleln Linfluss aufden Farb-
lon. Iliervon sind insbesondere die AnlhoeyanfarbsloHc aus Bceren und Bliiten
belroffen, deren Farblon direkl vom pll-Wert der Nolle abhangig isl.
Die Anderung des pll-Werles dureh Alkali- oder Saurezugabe kann aueh naeh der
1'arbsloHexlraklion in der L’arbellolle erfolgen, wodureh das Aufziehen des 1'arb-
Fcirhevorschri/len fiir das Ausziehvcrfahren in den Onellen
SI
sloffcs auf das Substral gefordert wird. So bindet dcr FarbstolT Lutcolin aus dem
Farberwau besser an die baser, wenn der pN-Wert der Farbeflolte zum Basisehen
versehoben wird.2M
In den bearbeitelen Quellenrezeplen sind versehiedenc den pH-Werl der Losung
beeinllussende Substanzen aufgeiiihrt. Fiir saure Flotten werden Lssig (verdiinnle
Lssigsaure), saure Kleielosungen und Salze, fiir basisehc Losungen Asehenlauge,
Urin und Kalk verwendcl. AuBerdem haben sowohl zugeselzle Beizmillel als aueh
einige I'arbmillel Linfluss auf den pll-Wert. So verandert sieh der pH-Werl einer
wassrigen Losung (pH 6) dureh Zusatz von jeweils 10 % Alaun (pll 3,8), Kupfer-
vitriol (pH 5,0), Lisenvilriol (pll 5,5) oder Grimspan (pH 5,6) zum Teil dcullieh. In
einer wassrigen neutralen Flolte mil 10 % Frlenrinde stelll sieh wahrend des Ko-
chens dureh I lydrolyse der Gerbsaure ein pi I-Wert von 5,1 ein.
4.4.1 Saure I lollen
Hssig, die stark verdiinnle Form der Lssigsaure, ist die iillesle bekannte Saure. Fa*
wurde zur Konservierung von Lebensmitteln verwendel, aber ebenso als lleilmillel
und Iiir leehnisehe Anwendungen.2^ Hier wurde Lssig zum Losen von Melallen
oder zur llerslellung kimstlieher Pigmenle genulzl. Kriinilz nennt die Verwendung
von Lssig in der Woll- und Seidenlarberei und besehreibt insbesondere den I * in-
11 uss des Lssigzusatz.es auf den Farbton.“V)
Bleiben Wein oder Bier an warmen Tagen of fen stehen, bildel sieh langsam F.ssig
(Abb. 12). Dieses war sehon den Agyptern und Babyloniern bekannt. Louis Pasteur
besehrieb 1868 erstmals die dalur verantwortliehen Mikroorganismen, die F.ssig-
saurebaklerien mil dem I lauptvertreter Acetohacter aceti. Lssigsaurebakterien sind
in kohlenhydrathaltigcn bzw. naeh einer Ilelegarung ethanolhalligen Pllanzensal-
len enthalten oder konnen aueh von Bliilennektar oder besehadigten Fiiiehten
slammen.2"7
I\ssii>scinrehakterien
H3C-CH2OH + 02 — ► Н2С-СООЫ + h2o
lahanol KssiKsiiurc
Abb. 12: Lssigsaiircprociiiklion
Die Saurekonzenlralion im Lssig wird vom Alkoholgehalt des benutzlen Weines
bzw. Bieres und den Reaklionsbedingungen beeinllusst. Unler F.ssig verstehl man 254 255 256 257254 Vgl. Rcckcl: Teurclsfarbe, S. 75 76.
255 Vgl. Schmitz: Acctum, in: Angcmumn cl al.: LcxMa, Ikl. 1, Sp. 77.
256 Vgl. Kriinii/.: Ockonomischc Lncyklopadie, I’ll. 1 L S. 650 651.
257 Vgl. Kriimcr: Lcbcnsmitlcl-Mikmbiologic, S. 224 225; vgl. IJIbcr, Soyc/: Biolechnologie.
S. 173.
82
Fcirhcvorscliri/ten fur das Ausziehverfahren in den Quellen
heule in tier Regel eine 5 10%igc Iissigsaure.~s In den alien Rezeplcn wire! zvvi-
sehen slarkem Iissig und sehwachem (allem) lissig oder Weinessig unlersehieden.
Naeh Unlersuelumgen von lliekel deulen die Bczcichnungcn aufeine untersehied-
liehe Saurekonzenlralion hin. Sie nennl Iiir gewohnliehen Weinessig eine Konzenl-
ralion von 2 %, liir slarken Weinessig von 3 % und fur den slarkslen lissig einen
Sauregehall von hoehslens 6 %.~^ Dass tier in den Farbeanleilungen verwendele
lissig niehl nur ein Zufallsprodukt war, sontlern geziell hergeslelll wurtle, isl an-
hand zweier Rezeple tier I landsehrifl Bas, dem Koehbueh ties Meisters Hans, er-
siehllieh. Als Beispiel sei hier das Rczepl fol. 6()r 60v, 159 aufgeliihrl:
„von giilem essicli wic m;i[n| den mach[e]n sol. Item Nym weinper vmb sand
miclieIs lag ее sy rechl czeillig werden, vnd z knor oder zer kniisch die mil den
hennden, vnd nym dann ain glasierles peek, vnd time das darein, vnd seez es an die
sonnen vnd lass es vvol v[er|-jaren, vnd lime dann die hiillsen da^uon, vnd geuss das
laulter jn ain lass lein das sauber vnd schon sein. vnd schwenngks mil dem aller
peslen vvein so du jn gehaben maelil, vnd lass das lasslein wider irueken werden vnd
lime den vor geseliriben wein jn das lasslein nil gar zue vol vnd las es slen an tier
vvir[e|m, So hast den aller slerekislen essicli vnd tier haist jn tier Appodeeken
Aeelu[m] Ibrlissimii[m].“
Der lissigzusalz zu I’arbmillelldsungen fdrtlerl die Hydrolyse tier haufig an Zucker
gebundenen naliirliehen Farbsloffe, was deren lixlraklion aus dem larbemalerial
erleiehlerl. Zusalzlieh wirkl er konservierend anf die I arbellolle. In den bearbeite-
len Quellen isl lissig als ezzeich, ezzig, e.s\s/g, essicli und uynetikes aulgefiihrl.
Zur liinslellung eines sauren pll-Werles konnen an Slelle ties lissigs aulk'rtlem ver-
sehietlene Salze wie tier bereils besehriebene Alaun benulzl werden. In den hier
unlersuehlen Quellen wird auBerdem Ammoniumehlorid (NH4C’I), aueh als Am-
moniaksalz oder Salmiak bezeiehnel, verwentlel. Der Name Salmiak leitel sieli von
sal anunoniacum ab, dem Salz, das in tier Oase ties Ra Ammon gefunden wurde,261
in tlen I cirbevorsehriIten isl Ammoniumehlorid als salts anuoniaci, saUmtanis,
salctnnomack tylichs (kristallines Salz), Annotuack, sal anwioniacum und
salarmoniacis aufgeluhrl.Ammoniumehlorid reagierl in wassriger Losung auf
(irund von Hydrolyse sehwaeh saner. Das Salz client noeh heule in tier I’arberei und * 200 201 202258 Vgl. Bmchcrl: Mallcclinikeii, S. 80 81.
250 Vgl. Nickel: Arxneisclial/ tlculsdicr Apollickcn, S. 78.
200 Vgl. Filler!: Maisier llaniisen, S. 270 277. Nci diesem I-ssig liandcll cs sieli nacli der Dellnili-
on von lliekel urn den hssig mil der lioelislen Saurekonzenlralion (Acelttm fnrtissimum): vgl.
lliekel: Ar/neisehal/. deulseher Apollieken, S. 78.
201 Vgl. (irinini: I)Wb, Ikl. 14, Sp. 1000. Zur Ilerleilung und IJmwaiidliiiig des Naniens vgl.
ehenfalls Ploss: Salmiak, S. 4 0. Lant konipp liandcll es sieli bei dem Sal/ tier Oase uni Koeh-
sal/ und niehl uni AmmoniLimelilorid; vgl. Neunuiller: Ronipj), Ikl. I, S. 187 188.
202 Vgl. Quelle VVi, fol. 32v, Re/epl I, Quelle Au, fol. I7r 18r, Re/epl 20, fol. 20v 2 1 r, Re/epl
37, Quelle 1M1, fol. 58v 50, Re/epl 7 oder Quelle Ik fol. 05v, Re/epl 205.
Fdrhevorsehriften fiir das Ausziehverfahren in den Ouellen
83
dor Texlilveredlimg als Saurcspendcr. Kriinilz beschreibl auBerdcm die Verwen-
dung von Ammoniumchlorid als Arzneimitlel.2^
Saure Farbeflotlen konnten ebcnfalls durch die Verwendung von Kleie, Gers-
tenwasser oder Bier erzielt werden. Als Nuaneierungsmiltel in der I arberei sind
saure Kleieabsude seil dem Mittelaller belegl.26'1 Saure Kleielosungen dienlen eben-
lalls zum Abziehen des FarbstolTes von Scherwollflocken oder zum Reinigen des
Farblons bei rolen Farbeflotlen aus Krapp oder Labkraul."*0 Fine weilere Verwen-
dungsmdgliehkeil fur Kleie war die Nulzung als Waidspcise bei der Kiipenlarberei,
was in den Anleilungen zur Kiipenherslellung in Quelle В aufgefiihrl ist. Bier wur-
de naeh Braeherl wegen seiner Fxlraklsloffe als Bindemiltel liir Farben und als
Zusalz fiir Time verwendel.263 264 265 266 Milehsaurehaltiges, saner gewordenes Bier isl seil
dem Millclaller in der Farberei dir die Nuaneicrung belegl.267 268 * Kbcher gibl dir abge-
slandenes Bier einen pll-Werl von 3,5 4 an, frisehes Pilsener hal naeh eigenen
Versuehen einen pH-Werl von 4,5.2ftS Die Verwendung von Bier (starken pyr) isl in
Quelle An in den Rczeplen fob 129v -13()r, 57 und (ol. 13()r, 58 liir eine Griinlar-
bung mil reifen Krcuzdornbecren und eine Gelbfarbung mil unreifen Kreuzdorn-
beeren besehrieben.
In einigen Rezepten isl Waehswiirz, Melwiirz, Waehswasser oder aueli llonigwas-
scr fur die Flottenherslellung genannl.2(,y Ploss idenlifizierl Waehswiirz als millelal-
lerliehen Begriff fiir eine seharfe Lauge.270 Vermullieh handell es sieh hier aber um
das Wasser, das beim Auswasehen der lelzlen llonigresle aus den Waben, beim
Auspressen von Waehs oder bei der Reinigung von I loniggelaBen anliel. Die Ver¬
wendung von Waehs- oder Ilonigwasser isl fiir die llerslellung von Mel, Brannl-
263 Vgl. Kriinit/: Oekonomische I-ncyklopadie, I'll. 31, S. 206.
264 Vgl. Peyer: Bei/.millel, 1. Saurcn inul Sal/e, in: Angcrmaim el al.: I.exMa, Ikl. I, Sp. IS28.
l iir die llerslellung tier Farbeflolle wirtl (ierstemvasser in Quelle II IV, 161. 54v 55, Ke/epl
115 (gcrsicn uY/.s.vtr), ungestamplie (iersle in Quelle II IV, lol. 164 I64v, Re/epl .'27
igersicn die vngeslamp/i sty) und Kleie in Quelle 'Гг, 161. I6r 17r, Re/epl 64 (Liven) veiwen-
del.
265 In Quelle W, 161. 32v, Re/epl 3 soli mil einer Wei/enkleielosung (weissen к/yen) ein roler
I arbsloll aus Schwerwolllloeken exlrahierl und aid vorgebei/les I ueh oder Seitle gelarbl
werden (vgl. Кар. 3.1).
266 Vgl. Braeherl: Malleelmiken, S. 41.
267 Vgl. Reyer: Bei/.millel, 1. Siiuren und Sal/e, in: Angermann el al.: I.exMa, Bd. 1. Sp. 1828.
268 Vgl. Kbcher: I lerslcllung natiirlieher Krapplaeke, S. 18.
266 Vgl. /u Wachswiir/e Quelle M II, fol. I 16v, Re/epl II. 161. I16v, Re/eple 14, 15. 16, 161.
I 16v 120, Re/epl 21, Quelle M IV, lol. 227v 228r, Re/ept 30, Quelle 'Гг, lol. 226v, Re/epl
60. Xu Melwiir/e vgl. IY1 IV 161. 227r, Re/epl 22, Quelle B. lol. 67, Re/epl 270, Quelle II l\’,
lol. 256v, Re/ept 402, Quelle II V, lol. 277, Re/epl 6.
270 Vgl. Ploss: Bueh von alien I'arben, S. 156, Anmerkung II und S. 157. Anmerkung 15. /.ur
Bedeulung der Be/eiehnung Wiir/e vgl. (irimm: I)Wb, Bd. 30 Sp. 2335 und 2358: vgl.
Kriinil/.: Oekonomische Fneyklopiidie, I'll. 240, S. 153.
84
k'cirhevorschnften fitr das Auszudiverfahren in den Oucdlen
wein oder Lssig nachgcwicsen.271 Lassl man das zuckcrhaltigc Wasscr stehen, hi 1-
det sich untcr Sauersloffausschluss zumichst Alkohol (Abb. 13) aus dem dann untcr
Sauersloffeinwirkung wiedcr Lssig cnlstchcn kann.
Ilcfc, Baktcricn
C()H120() ► 2C2H5OH + 2C02
Zuckcr Kt hiiiiol
Abb. 13: Alkoholischc (inning
In den Rczcplcn IM II, fol I 19v 120, 21 und Ml IV, fol. 229v, 60 wird mit Wachs-
wiirz und Asche cine Lauge hergestelll, was die Idenlifikalion von Waehs- bzw.
Metwiirz als zueker- oder alkoholhallige Fliissigkeit sliitzt. Wenn es sieh um cine
starke Lauge nach heuligem Verslandnis, d.h. um cine alkalische Losung handeln
wiirdc, miissle keine Asehe mehr zugeselzt werden. Kin wcilcrcs Beispiel isl die
Anleilung fol. 280v 281, Rezepl 28 der Quelle H V. llier soil mit Ampler,
Waehswiirz und Alaun ein Violetlton erziell werden. Die im Sauerampler cnthaltc-
nen Anlhrachinonfarbstoffe, insbesondere Kmodin, Ibsen sieh aber nur in alkoholi-
sehen oder alkalischcn Lbsungen2 72, so dass Waehswiirz hier eine Lauge besehrei-
ben kbnnle, die Idenlifikalion als ,,zu Alkohol vergorenes Zuckerwasser“ aber
ebenso moglieh ist.
Vermutlieh kann aus der Bezeichnung keine allgemeingiillige Aussage bez.iig-
lich des pll-Werles abgeleilet werden. Ob es sieh im Linzelfall um alkalische oder
ehcr saure bzw. alkoholischc Lbsungen handell, hangt wohl vom genutzlen Karb-
miltel und weiteren, niehl immer aufgefiihrlen Zulalen ab.
4.4.2 Alkalische Molten
Um den pll-Werl in den alkalischcn Bereieh zu verschieben, werden seil alters her
Basen, auch Laugen genannl, eingesetzt. Aus nalurwissensehafllieher Sicht ist
Lauge ein nicht eindeutig abzugrenzender Begriff, der sieh auf wiissrige Lbsungen
von Basen wie Nalronlaugc oder Salzen wie Soda beziehl, in der chcmischen
leehnik aber unabhangig vom pll-Wert ebenso allgemein 1'iir wiissrige Lbsungen
stehen kann.27' Nach J. und W. Grimm bezeiehnet Lauge (ahd. und mild. Louge)
eine „dtzende, mit Salzaujlnsung hereitide Idiissigkcdt “. Braehert weisl daraufhin,
dass der Begriff Lauge in alien Rezepten in der Regel Aschenlaugen oder deren
Misehungen mil gebrannlem Kalk (C'aO, Caleiumoxid) bezeiehnet. Auch Kriinilz
besehreibl Lauge als ein mil Asehe angeriihrtes Wasscr. Ks mussle einige Zeil slc-
hen, wurde dann gekoeht und anschlieBend mil llilfe eincs Laugensaekes gereinigt. 271 272 273271 Vgl. (irimm: DWb, ikl. 10, Sp. 1794 unci Ikl. 27, Sp. 157: vgl. Kriinilz: Ockonomischc
l-.ncyklopiitlic. 1 11. 25. S. 20 22 unci I II. 232, S. I 15; vgl. van Winter Mel, in: Aiigennmin et
al.: I.exMa, Ikl. 6, Sp. 568.
272 Vgl. Schweppe: I laiulbiicli, S. 213.
273 Vgl. Sil/mami: Lange, in: ROMPP Online, К1)-12-00505.
I'drhevorschrijicn fur das Auszicdiverfahren in den Ouellcu
85
Von einem ,,Kaltguss“ wurde gcsprochcn, wenn die Asdic in kallem Wasser ohne
Lrwarmen gelost unci ansehliebend dckanticrl wurdc.271
Asche isl die umgangsspraehliehe Bezeiehnung lur Verbrcnnungsriickstande orga-
niseher Subslanzen wie IIolz oder Knochen. In diesem Riicksland sind anorgani-
sche Bestandleile, insbesondere Alkalisalze, angereiehert. Durch Auslaugen der
enthallencn Verbindungen kann Lange gewonnen werden. Nach Rompp erhall man
bei der vollslandigen Verbrennung von 100 kg IIolz 0,2 2 kg Asche, deren Haupl-
beslandteil Kaliumcarbonal ist, das sich aus dem an organische Saurcrcsle gebun-
denen Kalium bei der Verbrennung gebildel hat.27’*' Zur Laugengewinnung wurde
die Ilolzasehe in Boltichen ausgelaugt, bis die Ldsung etwa 25 % Salze cnlhielt.
Ansehliebend wurde die Lauge in Topfen (Pollen) eingedampfl, woraul'die noeh
hcule gebrauchliche Bezeiehnung fiir Kaliumcarbonal, ,,Pollasche“, beruhl.274 275 276
Der Aschenbedarf war in friiheren Zeilen sehr grob. Sic wurde neben der Lau-
genherslellung als Diingemillel, in der Seifensiederei und lur die (ilasproduklion
benoligt.277 278 279 280 281 biir die (iewinnung einer Gewichlscinheil Potlaschc wurden 2.000 Lin-
heilen IIolz benoligt.27s Um den groben BedaiTzu deeken, bestand an vielen Orten
cine Abgabepllichl lur Asche;270 Audi stand die Aschenproduklion in Konkurrenz
zu anderen Verwendungszwecken lur das IIolz. Neben Bauholz wurden insbeson¬
dere Lichen- und Buchcnrinden zum Gerben bei der Ledcrherslcllung verwendel
und auberdem war Brennholz I lauplenergiclieleranl friiherer Zeilen. Lisle Rege-
lungen lur die Nutzung der Walder sind daher sehon im 12. und 13. Jahrhunderl zu
linden.2*0 In der Regel wurden Abl'allholz, das bei der Waldrodung oder Nulzholz-
gewinnung anllel, und anderweitig niehl verwendbares Schadholz fiir die Aschen-
brennerei verwendel.2*1 Die Qualital der Asche riehtel sich nach der Art der enlhal-
lenen Salze (Kalium- oder Nalriumsalze) und der Konzentration der Salze in der
Asche. Kaliumrciche Ilolzaschen aus Buchen-, Lichen- und weileren Laubholzar-
ten kamen iiberwiegend aus den waldreichen Ciebieten Osleuropas, wahrend soda-
hallige Aschen aus heimischen Pllanzen gewonnen oder aus den holzarmen Gebie-
274 Vgl. (irimm: I)Wb, Ikl. 12, Sp. 238; vgl. Kluge, Seebokl: l4ymologisches Worleibuch, S. 561;
vgl. Bmchert: Malteclmiken, S. 152; Al/kalk isl Ca() uiul wild auch als gebramiter Kalk,
Rrannlkalk odor imgeldschler Kalk be/eichnet. Der Laugensack client /um IdiH'emen (l ilirie-
ren) der nielli wasserldslielien Bestandleile der Asche; vgl. К limit/; Oekonomische
Lncyklopiidie, Th. 66, S. ()6 97 und 1 11. 44. S. 484; vgl. (irimm; DWb, Bd. 1 L Sp. 90.
275 Vgl. NenmiiHer: Rompp, Bd. 3, S. 1736.
276 Vgl. ebd., Bd. 3, S. 2013; vgl. Jiiltner: Pollasehe, in: Angermann el al.: LexMa, Bd. 7, Sp. 134.
277 Vgl. Taylor, Singer: Pre-scienlillc inclnsiria! chemistry. S. 354; vgl. Relers: Asche, in: Anger¬
mann el ah: LexMa, Bd. I, Sp. 1 102.
278 Vgl. Dirlmeierel ah: Luropa im Spatmitlelaller, S. 9.
279 Vgl. Bracherl: Mallechniken, S. 26
280 Vgl. Lohrmann: linergieprobleme, S. 310 312.
281 Vgl. (ielius: Waidasehe line! Pollasehe, S. 91; vgl. Bogucka: Pollaschehandel in l)an/ig,
S. 145; vgl. Pelers: Asche. in: Angermann el ah: LexMa, Bd. 1, Sp. I 102.
86
Fdrbevorschriften fur das Auszic/nvr/d/ircn in den Oucllcn
ten des Millelmeerraumes gelieferl wurden. Uber die llcrstellung der Asehen
schreibl Kriinit/.:
,,/um Asche^Brennen sind imter den Laubbaumen die harlere Alien besser, als die
weiehern; daher Lichen und Biichen die beste unci hauligsle Asche geben, welehe
man jecloch zu anderm (iebrauche schonen mus; urn so mehr, da an andern hier/u
dienlichen llolzarten, als: Birken, Ijien und Lspen, UeberlluB isfVSJ
Die untersehiedliehen Aschequalilatcn unlerscheidel Kriinit/. vvie fblgt:
„Potlasehe, ein weiBes, gemeiniglieh bliiuliches, ealeinirtes alkalisches Sal/., welches
aus gemeiner llol/- oder Pllan/cnasche ausgelaugt wird. Den Nahmen hat sie von
dem Nieders. Poll, ein Topi', ein eiserner Cirapen, weil man die Lange, woraus dieses
Sal/, bereitet wird, in solehen (irapen oder Kesseln abrauelien liiBl, daher sie bey ei-
nigen auch Kesselasehe heiBl. In andern Gegenden kennt man sie imter dem Nah¬
men I luB. Die Drusenasche isl ein solehes aus den getroekneten Weinhelen ausge-
laugtes Sal/, welches, weil es haiiHg von den Waidlarbern gebrauehl wird, auch
Waidasche oder Weidasehe, ITan/.. Vedasse, heiBt. Im Lat. nennl man die Potlasehe
C’inis clavatus und clavellalus, weil sie anianglieh, wie man will, aus den Daubcn al¬
ter Weinfasscr verlerligl wurde, ob sich gleich C’lavus und Clavella in der Bedeu-
tungeiner baBdaube noeh niehl haben wollen linden lassen. bran/.. heiBl sie Cendres
de (iravelee“.2S*
Cielius be/eiehnel die Waidasche als den hislorischen Vorlaufer der Potlasehe. Da-
nacli war Waidasche cine aus Laubholzaschc gewonnene mindere Qualiliil mil 20
50 % Kaliumcarbonal (K2C()0.“>M Dei J. und W. (irimm wie auch bei Kriinit/ wird
Waidasche als „cine aus gehrannten xveinhefen hcrgcsfcllfc lauge, deren sich die
jcirher hei herstellung der waidkiipe hedienten" bcschricbcn und als Synonym liir
Potlasehe definiert. Helen be/eichnel in hislorischen Re/eplen die durch Garung
entslandenen Absonderungen bei der llerstellung von Wein (Schalen, Samen, Stie-
le) und Bier (Iliilsen von ausgcbraulcm Mai/), die mundartlieh hcirnu\ drusen,
gcs(, gcrhc\ haht\ treher oder trester hieben und liir die Aschenproduktion ver-
brannl wurden.
Mit I lol/aschenlauge kbnncn in wiissriger Losung pll-Werte uni 10 erreichl
werden. Iiigene Versuche mil Buchenhol/asche ergaben liir cine 1 ()%ige Asehen-
lauge einen pi I-Wert von 10,5, vergleichbare Werle (10,5 II) er/ielle Kocher.2Kft
Werden in den Quellcn liir die Plollenherstellung stark alkalische Losungcn benb-
tigl, ist Kalk aulgefiihrl. Id* wurde liir die Riickgewinnung von I'arbslolTen ver-
wendet oder dienle bei der Indigolarberei /ur Neutralisation der bei der Verkiipung
enlslehenden Sauren. Der Name Kalk leilel sich vom lat. calx Kalkstein, Kalk
2X2 Vsj.1. Kriinit/: Oekonomische l.neyklopiiilie. III. 2. S. si2.
2X2 Vgl. elxl.. Hi. I 16. S. 272; vgl. auch (irimm: DWh, Ikl. 12, Sp. 2029.
2X4 Vgl. (ielius: llistorisehe l■..\perimenle, S. 164.
2Xs Vgl. (irimm: DWh, Bel. 10, Sp. 762 und Bel. 21, Sp. I56X; vgl. Kriinit/: Oekonomische
Lncyklopiiilie, I'll. 1X6, S. 529 540: (irimm: DWh, Bel. 12, Sp. 2029 und Bil. 27, Sp. 1025.
2X6 Vgl. Koclier: I lerstellung, naliirlicher Kmpplaeke, S. 17.
/'(irbcvorschnftcn /iir das Auszicdivcrfcdiren in den Ouedien ^7
ab.“S7 Unterschieden werden kohlensaurer Kalk (Caleiumcarbonat, Kreide, C aCOO,
gebrannter Kalk (Caleiumoxid, CaO) und gelosehler Kalk (Caleiumhydroxid,
Ca(OH)2).“ss Gebrannter Kalk vvurde im Miltelaller haufig als „lebendiger Kalk“
(lal. calx viva) bezeiehnel.2s<>
(1) CaCO, —^ CaO + C02
(2) CaO + H20 ► Ca(OH)2
(3) K2CO, + Ca(OH)2 ► 2KOH + CaCO.,
Na2CO, + Ca(OH)2 ► 2NaOH + CaCO,
Abb. 14: Kalkbrenncn, -loschen und Laugenbildung
Aus kohlensaurem Kalk entsteht dureh Brennen gebrannter Kalk (Abb. 14, 1.), aus
dem sieh bei der Umsetzung mit Wasser geloschler Kalk bildel (Abb. 14, 2.). Ge-
Idschter Kalk wiederum reagiert mil Potlasehc bzw. Soda vveiler zu Kali- bzw. Nal-
ronlauge und schwcrloslichem Caleiumcarbonat (Kreide, CaCO; Abb. 14, 3.).
Kriinilz besehreibt die Verwcndung von Kalk in der larberei vvie folgt:
„Von den I arbern vvird der Kalk zur Verfertigung einiger I’arben gebrauclit, und von
ilinen unter die nieht iarbenden Ingredien/.ien gerechnet; es ist aber der (iebrauch
desselben nur den Schonlarbern erlaubt. Bey den Waidkupen halt man, wenn die
(jahrimg eingetreten ist, deren Uebergang in die l;aulimg durcli einen /usatz von
gebranntem und mit Wasser geldschten Kalk ab; aueli vvird der Kalk liier deswegen
gebrauclit, weil er aulldsende Kral'te gegen Kdrper, die in bloBeni Wasser nieht aul-
Idsbar sind, besit/.t, welehe higensehaft er gegen die Iarbenden Theile des Waids
und des Indigs in einem hohen (irade aussert/^'''
I’ine weilere Mogliehkeit zur (iewinnung alkaliseher Losungen war die Nutzung
von Urin. Die Tatsaehe, dass abgestandener Urin reinigende liigensehaften hat, war
schon in der Antike bekannl. Urin wurde insbesondere beim Waschen und Walken
von Wolle verwendel.241 Die im Wollfett enthaltenen hettsauren wurden dureh die
Urinbehandlung in losliehe Ammoniakseifen umgewandelt, die auf Sehmutz
dispergierend und emulgierend wirken. Dureh die Reinigung mil Urin bleibt Wolle
vveieh und biegsam, wahrend sie dureh Behandlung mil Soda (Natriumearbonat)
oder Poltasehe (Kaliumearbonal) haufig versprodel, was auf die slarkcre alkalische
Wirkung der beiden zuriiekzufiihren ist. Die I'ullones, die rdmische Ciilde der Wii-
seher und Walker, sammelten den erforderlichen Urin in GefaBen am SlraBenrand.
Kaiser Vespasian (69 79 n. Chr.) belegle sie mil einer Urinsleuer und zog (iewinn
2S7 Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. I I, Sp. 64: vgl. Kluge, Seebolil: IЛymoUigischcs Worterbuch, S. 462.
2XS Vgl. Neunuiller: Rompp, Ikl. 2. S. 2026.
2N9 Vgl. Ikachert: Malteclmiken. S. 132.
200 Vgl. Kriinit/: Oekonomische luicyklopatlie, Th. 32, S. 7<X7 7S<S.
291 Vgl. Bin/: Verweiulung des Names. S. 355: vgl. Vogler: Textilveredlimg in der Antike, S. 34
36 und 2N 29.
88
h'cirbcvorschriflcn fiir das Anszicdivcr/ahrcn in den Oncdlen
aus der Tatsache, dass „Geld nicht stinkr.242 Г-in I lauptgrund I'iir die abnehmendc
Vcrwendung des Urins in der Vercdlung war sein sehleehter Gerueh.“
Lin gesunder Lrwachsener produziert pro Tag 1.200 1.500 mL Urin, wobei die
Menge in Abhangigkeit von der aufgenommenen Hiissigkeilsmenge oder durch die
zusalzliche Anregung der Nierentaligkeil wie z.B. durch Alkohol, variierl. Neben
geloslen Salzen, Aminosauren, Proleinen ele. isl der I IauplinhallsslofT des Urins
IlarnslolT (C()(NII2)2). Die in 24 Stunden abgesonderle Harnmenge enlhalt im
Durehsehnill 20 g I larnslolT, wobei der Gchall durch proleinreiehe Lrnahrung er-
hdht wird.2‘M Der pll-Werl des Urins liegt bei normaler Lrnahrung zwisehen 5,0 -
6,4.2tb Lassl man Urin stehen, untcrliegt er einer aeroben bakteriellen Zersetzung,
bei der IlarnslofTin alkalischen Ammoniak umgewandelt wird (Abb. 15).
CO(NH2)2 + 2H20 —► (NH4)2COj —► 2NH3 + C02+H20
MainstolT Л in viioiiiu vuca rl>oviat Ammoniak
Abb. 15: I larnstoflumwandlung in Ammoniak
Alter sechs Monale gelagerter Urin hat einen pll-Werl von 9 10 und enlhalt neben
Ammoniak verschiedene Ammoniumsalze, wie z.B. Ammoniumcarbonal
((N11,)2C4)0- Alter Urin wurde naeh Braehert als Kammerlauge bezeichnel, was
bei .1. und W. (irimm als allgemeiner Ausdruck fiir Urin belegt isl.2‘,(' Urin wurde in
der Larberei beispielsweise als Alkali fiir die (iarungskiipe bei der Kupenlarbung
mil Indigo aid' Wolle verwendet.
In den hier bearbeitelen Quellen wird haullg Asehe oder cine aus dieser hergeslellte
kaltgegossene Lange genannl.‘,l;7 Die bei J. und W. (irimm beschriebene Waidasche 292 * 294 295 296 297292 Vgl. Winkle: Die sanitaren und bkologischen /ustanclc im alien Rom, S. 14; vgl. Vogler: Tex-
lilveredlung in tier Anlike, lei I 2, S. 29; vgl. Mann: Abwasserteehnik und Wasserreinhallung,
S. X7.
295 Vgl. Pratt: Ammonia's belter, S. 25 24; vgl. Taylor, Singer: Pre-seienlille industrial
chemistry, S. 555.
294 Die Menge an InhallsslolTen unlerliegl sowohl physiologischen als aueh lagesperiodisehen
Sehwankungen, tlaher be/iehen sieh (iehallsangaben auTden sog. 24-h-l larn.
295 Vgl. Pratt: Ammonia's belter, S. 25; vgl. Pouting: Dielionary of dyes and dyeing, S. 174 175;
vgl. Neumiiller: Rdmpp, Ikl. 5, S. 1627.
296 Vgl. Urn chert: Malteehniken, S. 255: vgl. (irimm: DWb, Ikl. I I, Sp. 124.
297 Vgl. ( inis ( /(ivc/lafi (Quelle N I, 161. 226\, Re/.epl 40). nsinni (Quelle W, 161. 52v, Re/.epl I),
hokcnaschc (Quelle (id, 161. 5 12r 512v. IV, Re/.epl 14), piiocliciin uschen (Quelle II II, 161.
66\ 67, Re/epl 22), wcfassc/ic (Quelle (id, 161. 5 12r 5l2v, IV, Re/epl 14). Dei dem in Quelle
(id, 161. 511. Re/epl VI. I 1 genannten hokencr hull gale diiiTte es sieh inn einen wiissrigen
Aus/ug aus Ikiehenhol/asehe handeln. mil dem die I arbung. ausgewasehen vverden soil; vgl.
Kdbler: Neuhoehtleulseh-allsiiehsisehes Worterbueh, S. 54.
h'drhevorschrij’ten fur das Ausziehverfahren in den Quellen
89
aus gcbmnnlen Wcinhefcn ist cbcnfalls in den bcarbeiteten Quellen belegl.2‘)s bine
starke Lauge dienl in einigen Anleilungen zur Naehbehandlung und Nuaneierung
von Brasilholzlarbungen.2^ Kalk bzw. ein damns hergestellter Kalkguss'00 ist ins-
besondere in den Rezeplcn Itir die l;arbstolTriickgewinnung als kalch, chalich,
catch vivi, ungcleschten kalch, /antigen dial, loskalk oder cha/g guess aulge-
fiihrt.'01
4.4.3 Auswerlung dcr Rirbevorschriften beziiglich des I'lollen-pl I-Werles
Die Auswerlung tier Quellen beziigl ich der fur Nirbungcn aid Wolle, Seide und
Leinen verwendelen Notion zeigt, class insgesaml saure und neutral vorbereitete
Rirbeflotlcn iiberwiegen, alkalische Losungen haben einen geringeren Anteil (lab.
12). Naeh dem Lxlrahieren des Farbmiltels wire! in einem (iroBteil der Anleitungen
Alaun I'iir die Direktbeize verwendel, was den pll-Werl der F-arbellotle versehiebt.
Tab. 12:
I ’aserarl und ,,I;lotlen-pl V
\ Antcilc
in %, Л1
Alaundircklbci/c
Zeit
14. Jh.
15. Jh.
16. Jh.
Teilrezepte
-
Al
12
Al
12
Al
sauer
-
-
58.3
85.7
8.3
100.0
neutral
-
-
16.7
50.0
33.3
25.0
Wolle
alkalisch
-
-
8.3
100.0
16.7
50.0
nicht eindeutig
-
-
-
-
16.7
-
keine Angabe
-
-
16.7
50.0
25.0
33.3
Teilrezepte
1
Al
33
Al
43
Al
sauer
-
-
36.4
75.0
25.6
36.4
neutral
-
-
30.3
30.0
32.6
57.1
Seide
alkalisch
100.0
100.0
21.2
28.6
11.6
-
nicht eindeutig
-
-
3.0
100.0
4.7
100.0
keine Angabe
-
-
9.1
33.3
25.6
54.5
Teilrezepte
3
Al
58
Al
47
Al
sauer
33.3
100.0
17.2
70.0
31.9
66.7
neutral
33.3
100.0
34.5
55.0
29.8
43.0
Leinen
alkalisch
-
-
15.5
66.7
17.0
12.5
nicht eindeutig
33.3
100.0
13.8
50.0
2.1
100.0
keine Angabe
-
-
19.0
45.0
19.1
22.0
Aus den betraehleten Rirbevorschriften gehl aber nicht hervor, class dei Xusam-
menhang zwischen Riserarl und Rirbe-pII bekannl war. Ob Satire, Wassei odei 298 299 300 301298 Vgl. gepmit иeinhef/en (Quelle N II. lol. 3 I r 32r, Re/cpl 55) oder hefen von rothem wevn
Quelle Л1, lol. 308. 319, Re/ept 19).
299 Vgl. Quelle II IN', lol. 187v 189, Re/ept 318c
300 Kalkguss wire! von (irimm als (iuss aus Kalkmdrlel delinierl. Kaltguss wire! mil l.auge gleieh-
geset/.l. Vgl. (irimm: l)Wh, Ikl. 1 1, Si-). 66 uiul Sp. 90.
301 Vgl. Quelle M I, lol. 66v 67, Re/ept 52; Quelle Am, lol. 226v. Re/ept 40; Quelle (Jo, lol.
31 Iv, Re/ept IV 14.
90
luirbevorschriftcn fur das Ausziehverfahren in den Ouellen
Lauge fur die Flotte vcrwendct wurde, scheinl eher durch das benutzte Farbmiltel
als durch die zu farbcnde Fascr beeinllussl worden zu sein.
4.5 Farbetemperatur und Farbezeit
Neben dcm eigenllichcn Farberczcpt isl dcr prozesstechnischc Ablauf der Farbung
fur die Reproduzierbarkeit eincs Farbtones von Bcdeulung. Daher miissen die An-
leilungen Angaben zu Farbetemperatur und Farbezeit cnthaltcn. Beide Parameter,
insbesondere aber die Farbetemperatur, konnen einen deutlichen Einfluss auf die
Farbtiefe haben (vgl. Tafcl 15).
Bei Naturfarbstoffen zeigt sich der Temperaturcinfluss haufig durch cine Verande-
rung der Farbnuance. So ist bekannt das sich der Farbton von Krappfarbungen bei
zu hoher Farbetemperatur vom Rotcn ins Braunlichc verandert. Bei der Kupcnfar-
berei mit Indigo oder Waidindigo zeigt sich die Wichtigkeit der Farbetemperatur
ebcnfalls, sic soli bei ca. 50 °C liegen. Ober- und unterhalb dieses Wertes findet
keine vollstandige Verkiipung des Farbstoffcs staff und es wird nur cine unzurei-
chende Farbtiefe erzielt. Um das Einhalten der Vorgabcn zu gcwahrleistcn, wurden
die Farbebehalter indirekt behcizl oder die nicht beheizbaren Flottentroge aus Holz
wurden zum Warmhalten eingepackt. Das erste Gcrat zur Temperaturmessung wird
Galileo Galilei (1564-1642) zugcschricben,'02 die Temperaturmessung war also
wahrend der Hntstehungszeit der bcarbeiteten Quellen noch nicht moglich. Deshalb
sind in den Quellen aueh keine Tcmpcraturangaben im eigentliehen Sinne, sondern
lediglich qualitative Aussagcn zu linden. In cincm groBcn Tcil der Farbeanleitun-
gen sind unterschiedliehe Angaben bcziiglich der Temperatur enlhalten, da in den
Vorschriften zwischen der Fxtraktion des Farbmittels und dcr eigentliehen Farbung
untcrschiedcn wird.™'
Uber 95 % der Anleitungen besehreiben cine Vorbcrcitung der Farbeilotte. Sic er-
folgt kochend, mit heiBem oder warmcm Wasser sowie kalt. Ca. 30 % der Vor¬
schriften cnthaltcn aber dicsbeziiglich keine Angaben (Tab. 13). Uber den gesam-
len betrachteten Zeitraum hat das Ausziehcn des Farbmittels in ciner koehenden
Losung die groBte Bcdeutung. Hin Zusammenhang zwischen dcm Alter der Quel¬
len und der Fxaktheil der Ilinwcisc zur Ilcrstcllung der Idottc ist nicht erkennbar. 302 303302 Dieses ,,Thermoskop“ aus clem Jahr 1596 bestand aus eiuem luftgeliillten (ilaskolben mit an-
gesetzter (ilasrohre. Die Rohre tauelit mit ihrem offenen Fucle in ein mit gelarbtem Wasser ge-
fulltes VorratsgelaB. 1-rwarmt sieh die Luft im (ilaskolben, debut sie sieli aus und drtickt die
Wassersaule in der (ilasrohre naeh unten, kiihlt sie ab, steigt die Wassersaule wieder. Die
Nolle des Wasserpegels wird zur Temperaturan/.eige herange/.ogen; vgl. Leitner, b’inekh: (ie-
sehichtliehes zur Temperaturmessung.
303 Vgl. z.B. Quelle Be, fob 126 127, Rezept 40 (I'lotte sieden, llirben vvenn die 1'lotte abgekiihlt
ist).
Pcii'bevovschnften fih• das Ausziehverfahren in den Ouellen
91
Tab. 13: Qualitative Temperaturangaben fiirdic Plottcnvorbcreilung
Quelle
a
(D
N
C1)
Qualitative Temperaturangaben
•o
c
c1)
.c
о
о
(D
.П
CD
£
CD
14. Jh.
28
-
17.9
75.0
7.1
-
-
15. Jh.
177
2.8
27.7
64.4
1.7
2.3
0.6
16. Jh.
198
4.5
33.3
57.6
2.5
1.5
0.5
0
403
3.5
29.8
61.8
2.5
1.7
0.5
tTie Tcmperaturangabcn fur die Farbung sind ebenfalls nur qualitativer Art, hicr
zeigt sich aber ein Einlluss des Qucllcnalters (Tab. 14). Wahrcnd in iiber 90 % der
Rezepte dcs 14. Jahrhunderts keinc Angabcn zur „Farbetemperalur" cnthallen sind,
mmmt diescr Antcil in den Rezepten der jiingeren Quellen deutlieh ab. Hier sollcn
buit den Vorschriftcn des 15. und 16. Jahrhunderts insgcsaml jcweils ca. 25 % der
farbungen koehend oder mit einer aufgckochten Flotte erfolgen. In den VorschnT-
ten des 16. Jahrhunderts haben die Farbungen, „die heifi, aber nieht koehend"
durehgefuhrt werden einen Anted von ea. 13 %. Bei diesen Farbungen handelt es
sich vorrangig um Rotfarbungcn mit Brasilholz,304 305 in den Rezepten des 15. Jahr¬
hunderts Teh It dieser Minweis noch. Der Anteil lauwarmcr und kalter Farbungen ist
insgesamt bctrachtet gering.
kab. 14: Qualitative Tcmperaturangabcn fiirdic farbung
Quelle
Q.
<D
N
CD
Qualitative Temperaturangaben
CD
П
CD
U)
C
<
■O
c
Q)
sz
c
Q)
sz
о
о
о тз
= s
cfl¬
ee
£
Ш
о
o
ч-
3
СО
._ и
(1) о
SZ ^
3
я
kali
14. Jh.
28
92.9
-
3.6
3.6
-
-
15. Jh.
177
62.1
13.6
10.7
4.0
6.8
2.3
16. Jh.
198
58.6
9.6
15.2
13.1
2.5
1.0
0
403
63.0
11.0
12.0
8.4
4.2
1.5
F)ic Farbedaucr hat bis zur Einslcllung des Gleiehgewiehtes „Farbsloff auf der Fa-
ser о Farbstoff in der Flotte" ebenfalls einen deutliehen Finfluss auf die Farblicfc.
Daher sind aueh in mittelalterlichen Farbevorsehriften Angaben zur Farbedaucr zu
erwarten, aber die mittelalterlichc Wahrnehmung der Zeit war cine andcre als unse-
»*c heutige, von Minutentakten und Produktivitat bestimmlc Sichtweisc.™' In der
304 Vgl. /.B. Quelle Л1, fol. 308, 319, Rezepl 19a (lass es heiB sein wenn du larben wilist, aber
nieht koehen).
305 Vgl. hierzu insbesondere Fouqiiet: Zeit, Arbeit und Mul3e, S. 250IT.
92
Fcirbevorsclirijien fur das Ausziehvcrfahren in deal Quellen
Farberei wurde naeh lerligen Stiickcn enllohnl/00 Fin Tuch war fertig, wenn cs den
gelorderten Farbton erreicht hatte, was insbesondere bei Fiirbungen mil Nalurfarb-
stolTen nicht nur von dor Fiirbezeil sondern ebenso von der Qualilal des eingesetz-
len Farbmittels abhangt. Bei guter Farbmillelqualilal isl die gewiinsehle Farbtiefe
sehneller erreiehl als bei sehleehterer Besehaffenheil. Zusalzlich muss der Finfluss
des Liehls auf den Farbeindruek berueksiehtigl werden. Da „nachls alia Kaizen
you siiuKM)\ wird die handwerkliehe I iiiberei wiihrend des Mittelalters bevorzugt
bei Tagesliehl slattgelunden haben.
IJhren waren zu Beginn des Mittelalters vor allem in Klostern, wo sie zur Beslim-
mung der (iebelszeilen dienten, zu fmden. Benulzl wurden neben der Sonnenuhr
Kcrzen-, 01- und Wasseruhrcn. Der Tag wurde wie heule in 24 Slunden cingeteilt,
zwolf Slunden fur den Tag, zwolf Slunden liir die Naehl. Der Liehllag, an dem das
„Tagwerk“ erbraeht wurde, reiehte allerdings von Sonnenaufgang bis Sonnenunter-
tag, so dass eine Stunde im Sommer Ianger war als im Winter. Naeli heutigen MaB-
stiiben hatte eine Stunde zwischen 30 Minulen im Winter bis zu 90 Minuten im
Sommer. Nur an den Tag- und Naeht-Cileichen im Friihling und im Herbsl waren
alle Slunden des I'ages gleieh lang. Diese Art der Stundeneinleilung bezeiehnet
man als Temporalslundcn. Die Arbeitszeit, das Tagwerk, wurde dureh (iloeken-
schlage der Kldsler und Kirehen beslimmt. Die heule iibliehen gleieh langcn Slun¬
den, die Aquinoktialstunden, konnten erst mil der FinlTihrung der Raderuhren dar-
gestellt werden. Mil der Nutzung des meehanisehen Uhrwerks wurden alle Slunden
des Tages gleieh lang. LeCioIl sprieht vom Ubergang „von einer kirchlichcn zu ei-
ncr weltlichcn Zeileink'ilung".'^ hrsle Raderuhren sind um 1270 in englisehen
Klostern naehgewiesen und ab 1300 als Turmuhren an Kathedralen und Rathausern
groBcr Stiidte. Seil Mitte des 14. Jahrhunderls sind Sanduhren bekannt, mil denen
Slunden oder deren Bruehteile gemessen wurden. '04
Obwohl ab Mitte des 14. Jahrhunderls die Angabe der Aquinoktialstunden moglieh
war, wurden haufig beide Zeilsysleme nebeneinander genulzt, so dass anhand der
Zeilangaben in den vorliegenden Quellen keine gesieherten Aussagen in Bezug auf
die exakte I'arbedauer gemachl werden kbnnen (Tab. 15). Angaben zur Farbedauer
sind in den alteslen I landsehri I ten in ea. 7 % der Vorsehriflen enthallen. Dieser
Anted wird in den jiingeren Quellen groBer. Die enthaltenen Aussagen sind zum
grdBten Teil qualilativer Art. So soil die Ware besonders haufig (ea. 20 %) einge-
legt, hineingestoBen, genelzl oder mehrmals gelarbl werden. Werden leehnisehe 306 307 * 309 *306 Vgl. Dcnckc, Kulin: (iollingen, S. 33S 339.
307 Vgl. Liklers, Poll 1: I in ITihrimg. in die Physik, 13d. 2, S. 432.
ЗОН Vgl. I.eCinlT: Zeit, Arbeit uiul Kullin, S. 29 mul 35.
309 Vgl. Oniun: 1 ’illnclimgcn der Wellgesehiehle S. 25 26; vgl. IJhr, -maelier, I. IJlir, in: Anger-
mann el al.: LexMa, Oil. H. Sp. I 1HI I I S3; vgl. Fouquel: Zeit, Arbeit und Mube, S. 23H.
I'rirbevorschrijten (иг das Ausziehvcrjahren in den Ouellen
95
Vorrichtungen wic die Haspel genutzl, isl angegeben vvie ofl das Tuch in die Floltc
abgclassen werden soil.40
I oh. 15: Angaben/иг Rirbedauer
Farbedauer
Quelle
Teilrezepte
keine Angabe
bis es genug ist
hineinstofien,
einlegen, netzen,
eine Weile,
mehrmals farben
durchziehen,
Liber die Winde
lassen
Zeitangaben
14. Jh.
28
92.9
-
7.1
-
-
15. Jh.
177
59.9
6.2
21.5
3.4
8.5
16. Jh.
198
65.2
6.6
19.2
4.5
5.1
0
403
64.8
6.0
19.4
3.7
6.2
Bei dicsen Farbungen wird die resultierende Farbedauer dureh die gelorderle I'arb-
liele, die Lange dcr (iewebebahn sowie die Qualital des Farbmiltels beeinllusst.
Rczeple mil exakter Angabe der Farbedauer sind ehcr selten zu fmden. Isl eine
Zeilangabe in der Anleilung genannl, beinhallcl diese dann Irolzdem den Hinweis
aid eine moglieherweise erforderliehe Verlangerung der Farbczeil, wie „/.../ kochc
das (jam odcr Inch vier Stimden odea’ incdir darin /.../.41 A11 e in den Vorsehrilten
enlhaltenen Angaben greilen auf die Lrlahrung des Farbers zuriick.
4.6 Hilfsmittcl fur die Farbung
11 i11smillel haben in der modernen Farberei eine grobe Bedeulung und werden viel-
seilig eingeselzl. Sie lordern das Benelzen der zu larbenden Ware (Netzmittel) und
ermogliehen das Farben mil wasserunlosliehen FarbstolTen aus wiissrigen Flollen
(l)ispergiermittel). Besonders wichlig isl ihr Idnlluss aid' das Ziehverhallen von
FarbslolTen, wodureh Farbliel'e und Lgalilal von I'arbungen dureh beschleunigles
(Salze zur Firhohung der Substanlivilat) bzw. abgebremsles Aulziehen
(Lgalisiermillel) begiinsligl werden. Zusalzlieh konnen Farbunlersehiede, die z.B.
dureh sehwankende I’aserqualilat enlslehen, ausgeglichen werden. Bei FarbslolTen
mil keiner bzw. nur geringer AITmilal zur F’aser iibernehmen llilfsmillel den Trans¬
port auf und in die F’aser (Carrier). Fan in der modernen Farberei genutzles llills-
millel soil das Aulziehen und Lgalisieren lordern, ohne den Farblon zu veriindern. 510 511510 Zu ejua 1 ilaliveil Angaben /иг l arbetlaucr vgl. Quelle iVI III, Ibl. IH3v, Re/epl 71 (2 x Hirben);
Quelle IVI I, Ibl. 67, Re/epl 55 oder Quelle II IV. 264v, 452 (hineinsloben); Quelle B, Ibl. OOv,
Re/epl 252 (bis /и 16 x iiber die Winde gelien lassen).
511 Vgl. Quelle M III. Ibl. 195r, Re/epl 155.
94
hdrhevorsehriften jar das Ansziehver/ahren in den Oaellen
Die in dor hislorischen larberei bcnulzten Beizmittel, Siiuren und Laugen konnen
ebenfalls als 11i 11smittcl belrachlel werden. Sic haben aber einen dcullichen Tin-
lluss aul'den Parbton einer larbung und somit cine Sondcrslellung, da beslimmte
Farblbne ohne Zusalz dieser Subslanzen nichl zu erreichen waren.
Weitere in hislorischen Iarbeanleitungen aufgelTihrte Flottenzusalze haben da-
gegen keinen oder nur einen an Г einer I-igcnlarbung beruhenden Binfluss aul'den
Farblon. Sie wirken benelzend, dispergierend oder farbmittelfixierend. Im Wcsenl-
liehen handell es sieh bei diesen Xusalzen um (iummi und Ol, die naeh der Quel-
lenlage immer dann benulzl wurden, wenn die Texlilfarbung mil einem Pigmenl
erfolgle. Die Anwendung dieser niehl ,,texlillypischen“ Hilfsmillel beruhl aul'dem
Ursprung vieler larbcvorschril'len in der Malerei. Pigmenle musslen liir eine
gleichmaBige Verleilung in der Malerfarbe mit einer dispergierend wirkenden Sub-
slanz verselzl werden. AuBerdcm wurden Bindemiltcl bendtigl, vvelehe fur die Ilaf-
lung an Obcrfliichen dienlen. Der Mauplleil der bier belraehlelen Quellen ent-
slamml dem monaslischen Bereich, der im Millelaller in der Buch- und Tal'elmale-
rei liihrend war. Rezeple zur (iewinnung von Malerfarben wurden aul'die Texlil¬
larbung iiberlragen, so dass in den harbeanleilungen (iummi und Ole als llilfsmil-
lelzusiilze aufgefiihrl sind.
(iummi, die bckannlesle Art isl (iummi arabieum, das gelrocknele Bxsiidal'12 der
alVikanisehen Akazienarlen Acacia senega! (L.) Wll.l.D. und Acacia seyal isl ein
saner reagierendes, leiehl wasserlosliehes, hoehmolekulares Polysaeeharid mil her-
vorragenden Bmulgier- und Dispergiereigensehaflen, das bei der 1'arbung mil Pig-
menlen genulzl wurde. (iummi arabieum wurde liber arabische llalen naeh P'uropa
versehilTl, woraufder Name beruhl. 1 is hal adhiisive Bigensehaflen, d.h. es besitzl
die hahigkeil an einer Oberflache zu hallen.4' In Wasser aufgelosles (iummi
arabieum wurde als (iummiwasser bezeichnel. In der Malerei wurde es /um ,,An-
macheir der I’arben verwendel, um fur eine gule Hallung aid'der Oberflache (Pa¬
pier, Pergamenl, Idl'enbein) zu sorgen, wobei allerdings zu viel (iummi zu einem
Absplillern der Parbe liihren konnle.'1’1
Von einheimischen Kirseh-, PHaumen- und anderen Sleinobslbaumen wurde
sog. Kirseh- oder Pllaumengummi gewonnen, das dem (iummi arabieum ahnell,
allerdings dunkler und weniger rein isl.'" 1'hompson weil daraufhin, dass es sieh
bei dem in hislorischen Quellen genannlen (iummi arabieum niehl unbedingl um
ein Imporlprodukl handeln muss. So beschrcibl das von ihm edierlc Rezepl 17 der 312 313 314 315312 Als Pxsiulal hc/ciclmcl man die Ahsuiulcrungeii aus Wimclen oder (ielalkn bei Pllan/en, die
(.lurch Amil/en enlslehen. Reispiele sind Kaulseluik. (iummi arabieum oder I lar/e; vgl. Neu-
miiller: Rompp, Ikl. 2, S. 122S.
313 Vgl. Reneeli: (iummi Arabieum, S. 2 4; vgl. I'AO: Pood Additive Specifications; vgl. Seibel:
(iummi arabieum. in: ROMPP Online RD-07-02 I()9: vgl. Voragen: (ium Arabic.
314 Vgl. Kriinil/: Oekonomisehe lin/yklopadie. Th. 20, S. 346.
315 Vgl. Kilim el al.: I laiulbuch der kiinsllerisehen Tcclmiken, S. 4S.
Fcirhevorsehriften fur das Ansziehverfdhren in den Quellen
95
Handschrill Ms. Amplonius Quart. 189 die llerslellung von Gummi arabicum aus
Kirschgummi durch Ldsen in Wasser und Kochen.316
Fan Gummizusalz zu Farbeflollen senkt die Oberllaehenspannung der Flolle
und lorderl das Benelzen des zu larbenden Substrates, (iummi ist faseralTin und der
im Subslral verbleibende Rest vvirkt vcrsteHend.317 318 319 320 In den bearbeitelen Quellen sind
(iummi arabieum, Kirseh- odcr Pflaumcngummi fiber den gesamlen Zcitraum als
llilismillel lur versehiedene Farbungen genannt.'ls Insbesondere bei Farbungen mil
Pigmenten (Griinspan, Indigo, Lasur, Auripigment, Mennige, Zinnober, Rub) ist
der Gummizusalz erwahnt. Flier stehen die dispergicrcnden Figensehaften des
Gummis im Vordergrund, die die Texlilfarbung mil wasserunlosliehen Pigmenten
erleiehterl.m AuBerdcm ist Gummi fur Farbungen mil Brasilholz und Ahornlaub
sowie BeerenFarbungen aufgeftihrt. Bei diesen Anlcitungcn konnle die Anwendung
aul' der Oberflachenaktivilat des Gummis beruhen, die Benetzbarkeit der zu lar¬
benden Ware wird erleiehlert.
Ole wurden in der Malerei zum Anriihren der Farben verwendel. Dariiber hinaus
dienten sie als Bindemillel. In den bier belraehtelen Quellen sind Lein-, Nuss- und
Olivendl als Zusalze fur Farbellollen mit Pigmenten aufgefiihrl.U)
Die Nulzung von Pflanzendlcn als Bindemillel beruhl auf den Troeknungs-
eigensehaflen der Ole. Im Ol enlhallene mehrfaeh ungesatligte Fellsauren, wie z.B.
Linolensaure, werden dureh SauerslolT-, Liehl- und Temperalureinwirkung im Fail¬
le der Zeit oxidaliv polymerisierl, sie nehmen SauerslolT auf und das Ol wird
316 Vgl. Thompson: Do C'oloribus, S. 143. Zur 11anclschriH vgl. Scluim: Amplonianisehen I land-
sehrilien-Sammlung zu Frfiirl, 448 449.
317 Vgl. Ploss: Buch von alien Parboil, S. 125 127; vgl. Seibel: (iummi arabieum. in: ROM PR
Online RD-07-02 169.
318 Vgl. Quelle In, lol. I0()v, Re/.epl 8; Ibl. I()lr, Re/epl I laib; Ibl. I()lr, Re/epl 14; Quelle («r,
Ibl. 6r; Quelle M II, Ibl. 1 19, Re/epl 3: Ibl. I I9v, Re/epl 8; Quelle W, Ibl. 32v, Re/epl 2;
Quelle Ли, Ibl. 19r, Re/epl 31; Ibl. 21 v, Re/epl 39; Ibl. 24r 24v, Re/epl 49; Quelle N I, lol.
I lv, Re/ept 2b; Quelle N II, Ibl. 53r, Re/epl 92; Ibl. 54r, Re/epl 96; Ibl. 54v, Re/.epl 97;
Quelle iVl IV, Ibl. 227r, Re/ept 20; Ibl. 227r, Re/ept 21; Ibl. 227v, Re/ept 25; Ibl. 227v, Re-
zepl 27; Ibl. 227v, Re/ept 28; Ibl. 227v 228r, Re/ept 30; Ibl. 228v, Re/ept 44; Ibl. 229v 230r,
Re/ept 61; Ibl. 230r, Re/ept 62; Ibl. 230r, Re/epl 63; Quelle II II. Ibl. 66 66v, Re/epl 21; Ibl.
66v 67, Re/epl 22; Ibl. 69v, Re/ept 29; Quelle IVl V, lol. 232v, Re/epl 1244; Quelle II IN,
Ibl. 51 v 52, Re/epl 108; Ibl. 53 53v, Re/ept 111; Ibl. 57 57, Re/epl 120; Ibl. I89v I90v,
Re/epl 320; Ibl. 192 I92v, Re/epl 323; Ibl. I96v 197, Re/epl 331; Ibl. 223v 224, Re/epl
366.
319 Vgl. Quelle Ли, Ibl. 2 1 v, Re/epl 39 (gummi arabieum). Quelle N I, Ibl. I I v, Re/epl 2 (harez
von urahiu), Quelle H II, Ibl. 66 66v, Re/.epl 21 (gumy wasser), Quelle Ли, Ibl. 20v 2lr, Re-
/.epl 37 (Kirsehen harz) und Ли, Ibl. I9r, Re/epl 31 (gummi von pfluwmen puwmen). I'iir Far¬
bungen mil Rigmenlen vgl. Quelle In, Ibl. lOOv, Re/.epl 8 (Ciriinspan) odor Quelle N II, Ibl.
53r, Re/epl 92 (Indigo/Beeren).
320 Quelle IVl IV, Ibl. 228r, Re/epl 33 besehreibt eine l arbung mil Indigo. Der Farbsloff wird
nichl verkiipl, sondern soil mit Ol, Fssig und Sal/ vermiseht und dann gelarbl werden. In
Quelle II II ist auf Ibl. 66v 67 im Re/ept 22 eine Rollarbung mil Mennige und Ol besehrie-
ben.
96
Fdrbevorschrijien jiir das Aaszieliverfahren in den Onellen
lest.221 Wic schncll cin 01 trocknet, hangt von scincm (iehalt an ungesattigten Fetl-
sauren ab. Jc holier die Konzentralion, desto besser ist das Tmcknungsvermdgen.
Das MaB liir das Trocknungsvermbgcns ist die lodzahl (IZ). Schnell Irocknende
Ole haben eine 1Z 170, halblrocknende Ole von 100 170 und nicht trocknende
Ole von ^ 100.ш
Leinol (tin d/i'\ leindl) wird aus den Samen dcr Llachsfaser (Liman
usilalissimu/n L.)'2' gewonnen und gehort auf (mind eines hohen Anteils (bis /u 71
%) der mchrlach Linolensaure /u den irocknenden Olen (1Z: 155-205). Nussol
wird bevor/ugl aus Walniissen gewonnen, die einen Olgehalt von bis zu 60 % auf-
weisen.'2'1 Bs enlhalt einen hohen Anteil der zweifach ungesattigten Linolsaure und
gehdrl zu den halblrocknenden Olen (1Z: 143 162). Olivenol, in den Quellen hau-
fig als Baumbl (paumol, pa/nol) bczeichnel'2\ ist mil einem (iewichtsanteil von bis
zu 58 % im Lruehtfleiseh der Oliven, der Lriiehte des Olivenbaumes (Olea
europaea) enthalten isl/2b Bs ist ein nicht trocknendes ()1 (IZ: 79 80) mil einem
hohen Gehalt der einfach ungesattigten Olsaure. Olivenol diente auch in Iriiheren
Zeiten bevorzugt als Speisedl. AuBerdem wurde es zur Ilerstellung von Marseille!'
Seile, zum Binfellen von Wolle und spater als Maschinenol verwendel. Tournanlol,
ein dunkles, schlechl riechendes, satires Olivenol aus angefaullen oder iiberreifen
I'riichlen wurde in der Tiirkischrollarberei benulzl/27
liin Olzusalz fur die 1’arbellolle ist lediglich in den Quellen Be, IM IV, II II, H
IV, Wi und II VI enthalten.'_s Bis aufzwei Anleitungen, die eine Blaularbung mil 321 322 * 324 325 326 327321 Vgl. Neumiiller: Rompp, IU1. 3, S. 234H; vgl. Orachcrl: Mallcchniken, S. 154; vgl. Slreitber-
gcr, Ik'hler: l.cinol, in: ROMPP Online, Rl)-12-00757; /um Mecluinismus der oxidaliven Ol-
harlung vgl. (ioklschmidl, Slreilberger: I.aekierleehnik, S. 34 36. Die oxidative Polymerisali-
on wil'd seil Mine des 19. Jalirlumderls industriell bei der llerslellung der Ilerstellung der Do-
denbeliige Linoleum und Stragula genul/.l; vgl. hier/.u Stoekmeyer, Stappel: Linoleum und
Stragula, S. 1; vgl. o.V.: Linoleum, in: ROMPP Online, RD-12-01237; vgl. Polh, Ulrieh.
Drying Oils and Related Produets, S. 3
322 Die lotl/ahl slelit fur den (iehalt an Doppelbindungen in einem Ol, und sagt aus, wie viel lod
an 100 g I'elt gebunden wird; vgl. Streitberger: Troeknende Ole, in: ROMPP Online, RD-20-
03232.
Ш Je naeh l laehssorte und in Abhangigkeit von den Anbaubedingungen sind in der I .iteratin'
Olgehalle von 22 44 % genannt; vgl. Korber-( irohne: Nut/.pllan/.en in Deutschland, S. 371.
324 Vgl. Sehieber: WalnuBol, in: ROMPP Online, RD-23-00166.
325 Vgl.Cirimm: DWb, Ikl. I, Sp. I 194.
326 Vgl. Sehieber: Olivenol, in: ROMPP Online, RD-I 5-00555.
327 Vgl. ebd., RD-I5-00555; vgl. Olivenol, in: Merck: Merck's Warenlcxikon, S. 37.
32S Vgl. Quelle Ik, lol. 143 144, Re/ept 71; Quelle М IV, fol. 227r 227v, Re/epl 24; I'ol. 228r,
Re/ept 3.3; Quelle Nil, lol. 66v 67, Re/epl 22; 161. 67v 68, Re/ept 24; fol. 68 68v, Re/.ept
25; 161. 69 69v, Re/ept 28; fol. 69v, Re/.ept 29; Quelle II IV, 161. 51 v 52, Re/.ept 108; 161.
52 52v, Re/ept 109; 161. 53 53v, Re/ept III; 161. 53v 54, Re/ept I 12; lol. 54, Re/.ept I 13;
161. 56 57, Re/ept I 19; 161. 59v 60, Re/epl 125; fol. I89v I90v, Re/.ept 320; 161. I90v 191 v,
Re/ept 321; fol. 192 I92v, Re/ept .323; lol. I92v 193, Re/ept .324; 161. 193 I93v, Re/ept
325; 161. 195v I96v, Re/.ept 3.30b; fol. 266, Re/epl 437b; Quelle VVi, 161. 304, Re/epl 9; lol.
304, Re/ept 10; Quelle II VI, 161. 50 50v, Re/ept 4.
Fdrhcvorschri/icn fur das Auszichvcr/ahrcn in den Ouellcn
97
I Ieidclbeercn besehreiben, handclt cs sich bci alien anderen Vorschriflcn um Far-
bungen mit Pigmcntcn (Griinspan, Auripigment, Mennigc, Indigo, Rub). Am hau-
figsten ist Olivenol aulgeliihrt, so dass nieht die Fixicrung des Pigmentes aul'dor
Fascr sondern das Vertcilen des wasserunlosliehen Farbmitlels in der Flotte im
Vordcrgrund steht. Wo/u das Ol bei der Farbung mit Beeren dienen soil, isl niehl
erkennbar.
Als weileres I Iilfsmittcl ist in zwei Farbeanleitungcn aus den altesten Quellen In
(fob 83v, Rezepl 1) und M I (fol. 67v, Rezept 60) waiehes pcch bzw. ways pech
(weibes oder weiches Pcch?) Iiir das Uberfarben von Rot zu Braun genannt. Peeh
(lat. pix, picis) wurde im Mittelalter vorrangig aus dem Harz von Nadelhdlzern ge-
wonnen. Die zahfliissige braune Masse land als Rohstoff Iiir Kerzen, als Sehmier-
mittel, als Diehtungsmittel, aber cbenso in der Medizin Verwendung.0 Naeh dem
Frweiehungsbereieh werden Weich- (40 °C), Mittel- (70 °C) und Hartpeeh (85 °C)
untersehieden.U() Obvvohl naeh J. und W. (irimm weibes und gclbes Peeh bekannt
waren, handclt es sieh hier vermutlieh um braunes Holzpeeh mit cinem niedrigen
Iirweiehungsbereieh, das zum Abdunkeln der Rotfarbung verwendet vvird.’4 * 550 551529 Vgl. Iliigermann: Pcch, in: Angcrmann ct al.: LcxMa, Ikl. 6, Sp. 1S46 1X47; \gl. o.V.:
I lol/.pcch, in ROMPP online, RD-OS-01672. Vgl. ehenfalls o.V.: Ilol/teer, in ROMPP online,
RD-OX-016X6.
550 Vgl. o.V.: Peeh, in; ROMPP Online, RD-16-00646.
551 Vgl. Grimm: l)Wb, Ikl. 15, Sp. 1516.
5. Farbmittel in den Qucllen
Von tier verwendeten Farbmittelart hangen neben deni erreiehbaren Farbton, die
I lerstellung tier FarbeHotte, die einzusetzenden llilfsmitlel und die Prozessfuhrung
wahrend dor Farbung ab. So werden fur direktziehende Farbsloffe koine Ililfsmillel
benoligt, wahrend BeizenfarbstolTe fur bestimmle Farblone den Zusatz von Melall-
salzen erlbrtlern. Die Auswertiing tier Farbeanleitungen naeh dem Ausziehverfah-
ren beziiglich tier verwendeten Farbmittelart ergab, dass in 99 % tier Rezepte das
Farbmittel genannt ist, lcdiglieh in I tin Г Vorsehriften lehll die Angabe.b2 Dieses
kann auf Ubertragungsfehler oder Unkenntnis ties Quellenverfassers zuriiekzufuh-
ren sein.
Die Hir die Farbung eingesetzte Farbmittelmcnge bestimmt bei einer gegebenen
Warenmenge die erreiehbare Farbtiefe. Die Auswertiing tier Quellen in Bezug auf
die genannten Farbmittelmengen ergab, dass 63,3 % tier Farbeanleitungen keine
diesbcziiglichen Angaben enthalten. Unter Beriieksiehtigung ties Alters tier Quellen
sind aber deutliche Untersehiede zu erkennen (Tab. 16). in den Rezeplen ties
14. Jalirhunderts fell It die I'arbmittelmenge, wahrend die Vorsehriften ties 15. Jahr-
hunderts these zu ea. 30 % und die ties 16. Jalirhunderts zu ea. 50 % enthalten. Auf-
lallig ist dabei, dass Fur die Rotlarbungen immer deutlieh haufiger Mengenangaben
aulgeluhrt sind als lur die antleren Farblone. Ilier zeigt sieh vermutlieh die hohe
Wertsehalzung tier I'arbe Rot. Aubertlem ist denkbar, dass Vorlagen llir these Re-
zepte aus dem handwerkliehen Bereich stammen und somit exakter sind oder auf
langjahriger Frfahrung beruhen.
Tab. 16:
>
r-5
r,
\
Farbmitlelmengi
: [%| lur die I
arbtbne naeh dem Alter tier Quell
e
Zeit
Rezepte
if
C 0)
U)
Blau
Violett
Rot
Gelb
Griin
Schwarz
Grau
Braun
nicht einzu-
ordnen
14. Jh.
28
100.0
-
-
-
-
-
-
-
-
-
15. Jh.
177
70.6
4.5
0.6
11.3
2.3
3.4
4.0
0.6
2.8
-
16. Jh.
198
51.5
3.5
1.5
13.1
9.6
6.1
5.6
2.0
6.6
0.5
0
403
63.3
3.7
1.0
11.4
5.7
4.5
4.5
1.2
4.5
0.2
In den bearbeilelen Quellen sind viele verschietlene Farbmittel lur the Farbungen
genannt. Dabei handelt es sieh vorrangig urn farbstoHliallige Pllanzen, Idinsllich
hergeslciite Pigmente sind aber ebenso aulgeliihrt. Finige f arbmittel wie z.B. Bra- 332332 Vgl. in den Quellen М II, Ibl. I20ra, Re/epl 24; B, Pol. 99v, Re/ept 2S2; II IV, Pol. 51 51v,
Re/ept 107, Ibl. ISO ISOv, Re/ept 319 und Ibl. 262v, Re/ept 423; vgl. unvollstiindige Anlei-
tungen im Anhang.
Farhmillcl in den Onellen
99
silholz, werden fur die unterschiedlichsten Farbtone benulzt.’u Andere wiederum
sind lediglich in eincr Anleilung und liir einen Farbton aufgeliihrt.n'Nuaneie-
rungsmdglichkeiten sind zusatzlich durch den Finsatz imtersehiedlicher Beizniittel
gegeben. Mine Darslellung und Diskussion dcr Farbmittel anhand der mit ihnen zu
erziclenden Farbtone ist daher wenig sinnvoll. Deshalb werden sie bier in Anleh-
nung an Schweppe anhand der chcmischen Struklur der enlhallenen Farbstoffe be-
sproehen.10 Die Finteilung der Pigmente erfolgl nach der Pigmentfarbe. Bei der
Besehreibung werden die historisehe Bedeutung sowie die heute bekannten ehemi-
sehen und larberischen Figensehaiten beri'ieksiehtigt und mit der in den Quellen
geschilderten Teehnik verglichen.
5.1 Anthrachinonfarbstoffe
Fane groBe Gruppe rotfarbender Naturfarbstoffe gehdrt in die Klasse der
A nthrae hi non farbstoffe. Hauptvertreter dieser zu den Beizenlarbstoflen zahlenden
1'arbsto HTclasse sind die Farbstoffe der Krapp- und Labkrautarlen.
Anlhraehinonfarbsloffe sind auBerdem in Kermes, C’oehenille und vielen
Fleehtenarten enthallen. (jemeinsam ist alien FarbsloHen dieser Klasse die Grund-
struktur des Anthraehinons (9,10-Anthracendion, Abb. 16). Anthraehinone besle-
hen aus zwei tiber Carbonylgruppen verkniipften benzoiden Ringen, deren Reste
Ri F<s jc naeh FarbstolTmit Hydroxyl- und/oder Methylgruppen subslilniert sind.
r8
0
R,
"'o'S
rv
'6 1
T Rj
R5
0
R4
Abb. 16: Anthrachinon
5.1.1 Krapp
Krapp war naeh der Literaturlage die bedeulendste larbepllanze, deren larbslolfe
naeh deni Beizenverfahren gelarbt wurden. In der Antike und im Mittelalter wurde
Krapp in einem groBen (iebiet des Nahen Ostens und spater aueh in Furopa ange-
baut. Zum Farben dienten hauptsaehlieh der in Mitleleuropa heimische Krapp, aueh 333 334 335 336 *333 l-Tir Blau: Лк fol. 30K, Rc/cpt 17: liir Rot: In. 1Ы. X3v, Rc/cpt 4; fiirdclb: In. Ibl. IDIr. Rc-
/cpt 10; fur Schwarz: M III. Ibl. IX4r. Rc/cpt 72b oiler lur Braun: N II. Ibl. 29v 3lr. Rc/cpt
54c.
334 Vgl. Quelle B, Ibl. 105v. Rc/cpt 305. (iclbfarbung mil Molkc.
335 Vgl. Schweppe: Naturfarbstoffe, Кар. III.
336 Vgl. Neumiiller: Rbmpp, Bel. I, S. 223; vgl. Jahu. Wcstcrmann: Antbrachinon, in: ROMPP
Online. RD-01-02677.
100
/•'arhmiltcf in den One Hen
Rirbermle (Ruhia tinctorum L., vgl. Tafcl 16, links) gcnannl, und dcr Icvanlinischc
Krapp {Ruhia peregrine! L.), dcr im Nahen Osten und im Kaukasus hcimisch ist.11
Zu den altcstcn Belegen liir die Verwendung des Krapps als Farbmittel gehdren
gelarble Mumienbinden aus Agypten.1lS Die ersten sehriI'lliehen Quellen, die die
Verwendung des Krapps beschrciben, gehen aufalte hebraisehe Gesclzcslexte zu-
riick, die den Krappanbau fur private Zwecke erlaubten, die kommcrziellc Verwen¬
dung aber verbolen. Weilere Naehweise sind bei Ilerodol (ea. 450 v. Chr.), Plinius
und Dioseurides zu linden. In rdmiseher Zeit erselzlen aueh (iermanen und (iallier
die von ihnen zuvor fur Rollarbungen verwendeten Labkrauter dureh Krapp.1™ Zu
Beginn des 7. Jahrhunderts wild beriehtet, dass Krapp in St. Denis bei Paris leu It i-
vierl wurde.1"' Ftwa 100 Jahre spater isl Krapp im „Capitulare tie villis‘\ der Ver-
ordnung I'iir die karolingischen Landgiiter gcnannl.™1
Wahrend des IV1 illelaIters vollzog sieh mit der Finfiihrung des Fruchtwechsels
ein Wandcl in der Landwirtschalt. Stall Felder braeh liegen zu lassen, konnlc statt-
dessen Krapp gepllanzt werden, was den Krappanbau lorderte.™2 Der Anbau land
seit dem 12. Jahrhundert in Seeland, seit dem 13./I4. Jahrhundert im Flsab sowie
am Oberrhein und seit Fnde des 15. Jahrhunderts in Schlesien stall.Noeh zu Be¬
ginn der IViihen Neuzeit unterstiitzte Kaiser Karl V. (1519 1556) den Krappanbau
in den Niederlanden und im 16. und 17. Jahrhundert waren die Niederlande und
Frank reich die I lauplproduzenlen liir Krapp in liuropa.4*1 Krapp behielt Bedeulung
bis in die Zeit des I. Weltkrieges. Das naeh dem riirkisehrot-Verlahren, einem spe- * 339 340 341 342 343 344537 Vgl. Leggett: Aneient and Medieval Dyes, S. I. Der Name Krapp ist aus dem Niederlandi-
sehen (miull. crupmcdc) entlelml; vgl. Kluge, Seebold: Llymologisches Wdrterhueh, S. 535.
Mncl. wurde Krapp als mede (m de) oder inedewort he/eiehnet; vgl. Laseh, Borchling: Mit-
telniederdeutsehes I landworlerbuch, Bd. 2, I eil 2, S. 930. Deutsche Be/eichnungen sind Rote
oder Larbcrmte.
33N Vgl. (iermer: Die l extillarherei im Allen Agypten, S. 7 H.
339 Vgl. Augustyn. Lepsky: RDK-WFB, Ikl. 6, Sp. 1475 1476; vgl. Beckmann: F:rrmdungen, Ikl.
4, I. Stiiek. S. 42 43; vgl. Vogler: (iermanen und Kellen, S. 232.
340 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 4 9. Im Jahr 629 griindet der Lrankenkdnig Da-
gohert cine Messe in St. Denis. Die Lrlaubnis des Konigs enthiilt verschiedene llinweise auf
den dort stattlhulenden Krappliandel; vgl. Ilalsall: Dagobert, King оГthe Franks.
341 Vgl. Krapp, in: I reundeskreis Botaniseher (iarten Aachen e.V.: Der Karlsgarten. Bei den Ka-
pitularien handelt es sieli nm l-rlassc und Verordnungen der Irankiseben Konige. Das
„Cupimlare dc villis vcl cunis impcriidihus\ kur/. als ,X'api(u/arc de villis" be/.cichnel, regel-
te die Verwallung und Bewirtsehartung der konigliehen llolgiiler. l-.s wurde 792 oder 793 ver-
lasst. Als Urheber gellen Karl der (irobe b/w. sein Solin Ludwig der Deutsche; vgl. da/u Ilen-
ning: Das vorinduslriclle Deutschland, S. 4S; Henning weist darauf hin, dass der (iiiltigkeils-
bcrcich des Capitulare (Sikllrankreich oder alle Teile des karolingischen Reiclis) unter Ilisto-
rikern immer tmeh umstritten ist; vgl. auMerdem Kapitel des Capitulare de villis, in: l;reundes-
kreis Botaniseher (iarten Aachen e.V.: Der Karlsgarten; vgl. Beckmann: dcr (iarten Karls des
(irotten, S. 5 I 52,56.
342 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 4 9.
343 Vgl. Reinicke: Krapp, in: Angermann et al.: LexMa, Ikl. 5, S. 1475 1476; vgl. North: Deut¬
sche Wirtschahlsgeschichte, S. 50.
344 Vgl. /aim: Well' dem dcr Salran sell illicit, S. 222.
Furhmittel in den Ouedfen
101
ziellen, dureh die Ablolge von bis zu 20 verschiedenen Verfahrensschritten (Olen,
Beizcn, Fixiercn usw.)lh sehr aufwcndigen larbeverlahren liir Krapp aul'
Cellulosefascrn, erzielte Alizarinrot wurde zu dieser Zeit noch liir die Uniformho-
sen der IVanzosischen Infanterie verwendel. ^
Die im Krapp enthallenen Farbstoffe sind in den Wurzeln der Pflanze zu linden,
wobei sieh der Haupltcil zwisehen der braunen Rinde und dem gclbliehen Wurzel-
lleiseh befmdel. Nach der Ernie wurden die Wurzeln gewasehen, gelroeknel und zu
Pulver zermahlcn (vgl. Tafel 16, reehls).U17 Sehon in der Anlike war ein Qualitals-
unlersehied zwisehen wild waehsendem und kullivierlem Krapp bekannl. AuBer-
dem wusslen die barber, dass der Farbsloffgchall in den Wurzeln dureh Lagern
gesleigerl werden konnle.us Deshalb wurde das naeh dem Mahlen der Wurzeln
gewonnene Pulver vor dem Verkauf noeh bis zu (tinГ Jahre gelagerl. In Europa
wurde Krapp naeh zwei bis drei Jahrcn geernlel und die Troeknung erl'olgle in sog.
Darren (Dorrstubcn). Diese Troeknung im abgeschlossenen Raum konnle negative
Auswirkungen aul'die Farbstoffqualilal habert.'44 Der im Orient angebaute Krapp
enthielt mehr Farbstoff, da die Pllanzen 5 bis 6 Jahre im Boden verblieben und die
Wurzeln ansehlieBend an der Lull gelroeknel wurden. Trotz dieser Qualitalsunler-
sehiede wurde bevorzugt europaiseher Krapp gehandell, da er als leines Pulver zu
bekommen war, wahrend aus dem Orient getroeknele Wurzeln eingeltihrl wurden,
die noeh aulbereilel werden mussten.'50 Wie bei vielen anderen 1 landelsprodukten,
gab es aueh beim Krapp immer wieder Versuehe, das Pulver dureh Sand oder
Krappspiine dureh Ilolzzusatze zu streeken, urn die Ciewinnspanne zu vergrb-
Bern.b|
Krappwurzeln enthalten je naeh llerkunlt 2-3,5 % Anthraehinonlarbslolle (lab.
17), insbesondere Alizarin (1,2-Dihydroxyanthraehinon, CM. Natural Red 8), Pur- 345 * 347 348 * 350 *345 Vgl. Rosenberg, Wie: Analylik von naliirliehen organisehen larbslol fen, S. 37: vgl. liirki-
scbrollarberei vgl. Schaefer: (iesehiehle tier Tiirkisebrollarberei, S. 1723 1732; vgl. tiers.:
Chemismus tier Tiirkisebrollarberei, S. 1733 1737.
34b Vgl. Wagner: Von tier Metallbei/.e /um melallhaltigen l arbstoff, S. b5; fiir die l iirkisehroliar-
berei vgl. Sehaeler: (iesehiehle tier l iirkischrotlarberei, S. 1723 1732; vgl. tiers.: Chemismus
tier Tiirkisebrollarberei, S. 1733 1737; vgl. Prims: Das Ralsel I'arbe, S. 61. Die Slruklur ties
Alizarins wurde IX6N \on C arl Ciraebe untl C’arl Liebermann aulgeklarl. Die l.nlwieklung ei-
nes leebnisehen Verlahrens /.ur Ali/arin-Synlhese begann ISbO in Zusammenarbeil mil tier
liatlisehen Anilin- cV: Sotla-l abrik (BASF) in Iaitlwigshalen. IS70 wurden 270 kg synlheli-
sehes Ali/arin protlu/ierl; \gl. Riehler: I'euriges Krapprol, S. 071.
347 Vgl. Leggell: Ancient and Medieval Dyes, S. 4 0; vgl. Schaefer: Vereilelung tier Krappwur-
zel, S. 1714 1722.
348 Vgl. Zabn: Web' dem tier Salran sehmierl, S. 222; vgl. Rosenberg: Historical organic
dyestuffs. S. 30.
340 Vgl. Kremer Pigmenle: bislorisehe untl motlerne Pigmenle, Krapp Wur/eln.
350 Vgl. l.eggell: Ancient and Medieval Dyes. S. 3; vgl. Zabn: Web' dem tier Sal’ran sehmierl,
S. 222; vgl. 11 о fen к-De (iraalT: Red Dyestuffs, S. 7b.
35 I Vgl. Zabn: Web’ dem tier Salran scbmierl, S. 222.
102
h'arhmittcl in den Omdlen
purin (1,2,4-1nhydroxyanlhrachinon) imd Pseudopurpurin (1,2,4-Trihydroxy-
anlhrachiimno-carbonsaure), die je nach Krappvarielal in unlerschiedlicher Kon-
zentration vorliegen. Alizarin ist dabei mil 38 73 % Anleil dor I Iauptfarbsloff,
wahrend Purpurin (14 23 %) imd Pscudopurpiirin (1,5 15 %) in deullich geringe-
ren Mengen enlhallen sind.°“
Tab. 17: Ali/arin, Purpurin, Pseudopurpurin
Die I arbslolTe liegen in Form leichl aufziispallender (ilykoside vor. Das wichligsle
(jlykosid isl die Ruberylhrinsaure, die bei der Nollenaufbereilung hydrolylisch zu
Alizarin und Zucker aufgespallen wird.W| Zur Aulbereilung der I arbeflollc werden
geraspelle odcr gemahlene Krappwurzeln in ein Tuch eingebunden und iiber Naehl
in Wasser eingeweiehl. AnschlicBend wird die Nolle langsam (1 °C7min.) erhilzl
und ea. 10 Minulen bei Kochtemperalur gehallen.^ Alizarin llirbl Wolle direkl
Orangebraun an, bildel aber mil vielen Melallen leuehlende barblacke und wird
daher im Allgemeinen als Beizenfarbsloff verwendel. Mil einer Alaunbeize enlslehl
ein leuehlendes echles РоГ (\ mil einer Zinnbeize' 7 ein Orange und mil liisenbcizc
ein dunkles Violell. Bei der barbung isl darauf zu achlen, dass die 1 lollentempera-
lur 70 (SO °C’ niehl iiberschreilel, da bei hbheren l emperaturen ein unerwiinschler
Braunslieh enlslehl.oS
In den bearbeilelen Quellen isl Krapp (reczwurcz, ret, rcty oder retti:)w> als Parb-
millel in der Ausziehlarberei in aehl Teilrezeplen fur Rol-, Braun- und (ielblone 352 353 * 355 356 357 358 359352 Vgl. Mait|iKircl, Siebenbom: Ziichdmg und Anhau von Krapp in Deutschland und der Tiirkei,
in: I NK: I-orum l arbeipllan/en ИЩ S. 8b.
353 Schweppe: Naturlarbstolle, S. 200 und 207.
Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes. S. 2: vgl. Richter: beuriges Krappml, S. 971.
355 Vgl. Struekmeier: Naturlarhslofre. S. 40<S.
356 Ali/arin S, das Nalriumsal/ der Ali/arin-3-Sullonsaure, wird in der anorg. C’hemie als qualita-
tiver Naelnveis fur Aluminium verwendel. In schwach alkalischer l.osung bildel sieh bei An-
wesenheil von Aluminium ein hochroler I arblaek. Vgl. Hofmann, .hinder. Dualilalive Analyse,
S. 139.
357 Die Zinnbei/e ist erst ab dem 17. .lahrhunderl belegl. Sic gehl aul'den niederliindisehen barber
Cornelius van Drebbel (1572 1634) /uriick, vgl. da/u llolenk de (iraalT: (iesehielite der l e.x-
tillarberei. S. 30.
358 Vgl. llolenk de (iraalV: (iesehiehle der I extillarberei, S. 29; vgl. Dean: Wild Color, S. 125:
\gl. beddersen-l-icier: barben aus der Natur, S. 114; vgl. Nowak, borkel: Wolle vom Schaf.
S. I 13.
359 Von alul. rct~u Rote. vgl. I.asch, Porehling: Mitlelniederdeutsehes I landwbrterbueh, Ikl. 2,
I eil 2. S. 930., vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen. \k\. 3, Sp. 1446 1447.
I'arhmittel in den Ouellen
103
genannl ( l ab. 18). Die alleste Vorschrift entstammt dor am Iinde des 15. Jahrhun-
derts erslellten Quelle M IV, dcr grobte Teil der Anleitungen ist aber in der friih-
neu/eitlichen Quelle В (16. Jahrhundert) /u linden.
Tab. IX: Krapp in den l•'arbeanleiUlngell
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M IV
fol. 228v, 46
rott
Krapp (reczwurcz), Essig
fol. 91 v, 254
Rot
Alaun/Weinstein-Vorbeize, 1 Korb Krapp (rety, 58
Pfd.), Wasser, Kleie, Mehl, Waidasche, Weinhefen
В
fol. 92, 255b
Rot
Alaun/Weinstein-Vorbeize, 73 Pfd. Krapp (Rety),
Wasser
fol. 92v, 256b
Rosin
Alaun/Weinstein-Vorbeize, /2 Korb Krapp {ret, rety,
12 Pfd.?), Kleie
Wi
fol. 303v, 7
brun rott
2 Lot Krapp (rotti die man vfl niderland bringt),
Alaun, altes Regenwasser
В
fol. 92, 255c
preun, prein
Alaun/Weinstein-Vorbeize, 73 Pfd. Krapp {Rety),
Wasser, Alaun, mit Brasilholz nachbehandeln
В
fol. 91, 253b
Golcigelb
Alaunvorbeize, 31 Pfd. Krapp {Retty) 18 od. 28? Pfd.
Gelbholz, mehrbadig, Wasser
fol. 91, 253c
Goldgelb
Alaunvorbeize, 1 Korb Krapp {Retty) 18 od. 28? Pfd.
Gelbholz, einbadiq, Wasser; Weinhefe
Wahrend in Quelle IVI IV kein Alaun/usatz liir die Rollarbung aulgeliihrt, so dass
hier eher ein Rolbraun erzielt vvird, beschreiben die drei Rollarberezeple der Quelle
В eine Vorbeize der Ware mil Ahum, wodurch ein leuchtendes Rot erreicht wild.
Fur die beiden Braun larbungen soil ebenfalls Ahum verwendel werden, eine erfolgt
zusalzlich mil Brasilholz. Die Cielblarbungen erlblgen in Verbindung mil (lelbholz
ebenfalls auf einer Alaunbeize, hier werden vermutlieh eher Orangetone erzielt.
Die Farbeanleilung aus der llandsehrifl Wi verweist aid die 1 Ierkiinll des Krapps
aus den Niederlanden „rdtti die man \j.l niderland hringt".
Des Weileren ist Krapp in Quelle В liir eine Schwarzfarbung und liir die Iler-
stellung von Waidkiipen aufgelTihrt. Die Sehwarzlarbung (fol. 86 86v, 2421 erfolgt
dureh Rdten von mil Waid blaugelarbter Ware, die ansehliebend mit (ierbstoll-
sehwarz fiberlarbt wild. Bei der Verkiipung liefert der Krapp Kohlenhydrate, die
fur die Reduklion des wasserunldsliehen Indigos erforderlieh sind (vgl. 5.7).
5.1.2 Labkrii liter
Die Wurzeln verschiedener heimiseher Labkraularten, wie eehtes Labkraut
{Galium verum L., vgl. Tafel 17, links), Wiesen-Labkraul (Galium modulo L),
Waldmeister (Galium odoratum L.) oder Klebkraul (Galium aparine L., vgl. Tafel
17, reehts), enthalten neben 2 % Navonoidfarbsloffen (Rutin, vgl. Кар. 5.5) eben¬
falls Anthraehinonfarbstoffe. 360360 Vgl. Biiumler I IcilpIlan/en-Praxis heulc, S. 260.
104
luirhinillc/ in Jen Onci/cn
1 laiiptfarbstoffe sind hicr Purpurin und Pseudopurpurin, wahrend dcr Cichalt an
Ali/arin schr vie! gcringcr ist als beim Krapp.'61
Die Name Labkraul leilet sieh von deni im Blallgewebe enthallenen Laben/ym
C’hymosin ab (ca. 1 nig/ 100 g), das bei (iermanen und Kelten zur Kasebereitung
verwendet wurde.'6J Labkraul wurde auBerdem als Betlslroh oder Lieblrauenslroh
be/eiehnel (engl. Ladies Bedstraw), da es der Legende zulblge zu den Kraulern
gehbrte, die in Belhlehem in der Wiege lagen. In der Mcdizin wurde Labkraul als
I leiImillel gegen Ilyslerie und zur Stillung von Blutungen verwendet.'6' Die Lab-
krautarlen sind in ihren larberischen Ligensehaflen mil deni Krapp vergleiehbar.
Der I arbeprozess vcrlaufl ebenfalls wie beim Krapp.
Labkraul ist lediglieh in zwei Larbeanleitungen der Quelle FI IV (Ibl. 56-57, 1 19
und Ibl. 195v 196v, 330b) aul'geluhrt, wo es als klchcriy oder klchcrich mil Rub,
Safran, Laugc und ()1 1 ur die Larbung von Braunlbnen verwendet werden soil. Hier
handelt es sieh vermutlieh urn das (iemeine Labkraul (Galium aparinc L.), dass
aueh als Klebkraut bezeiehnet wurde.
5.1.3 Kermes, C’oehenille, Sloeklaek
Weilere anthrachinonfarbslofllialtige Larbmillel sind Kermes, Wurzelkermes, C'o-
ehenille und Sloeklaek. Kermes ist ein Larbmillel, das aus den gelroeknelen Kbr-
pern weiblieher Sehildlause gewonnen wird, wobei zwei Aden unlersehieden wer¬
den. Kcrnwcoccus vermilio P. lebl auf Blaltern und Zweigen der in den Regionen
des siidlichen und westliehen Miltelmeeres beheimaleten Kermeseiehe
(Oucrcus cocci/ста L.). Kcrnwcoccus ilicis L. komml auf der im Orient und in der
bslliehen Miltelmeerregion beheimaleten Sleineiehe (Oucrcus ilex L.) vor. Die In-
seklen wurden im Mai und Juni eingesammelt, abgelolel und gelroeknet. In antiker
Zeil wurde Kermes von Lrauen bei Kerzenlieht vor Tagesanbruch geerntel. Zu die-
ser Tageszeil war der Tau noeh niclil verdunslet und die Blatter der Pflanzen waren
noeh weieh. Line Lrau konnte ca. I kg Kermes pro Tag sammeln.'6' Line weilere
Inseklenarl, Porphyrophora polonica L., wurde in Polen, Lilauen, der Ukraine und
Ostdeulsehland gesammell. Diese T'iere wurden als Wurzelkermes, Polnische C'o-
chenille, Deulseher Kermes oder Johannisblut bezeiehnet. Sie ernahren sieh vom
Wurzelsafl des Ausdauernden Kniiiiels (Sclcranthus perennis L.), sind kleiner als * 363 364 *3M Vl'I. Vol'Ilt: (iLM’inancn und Kellen. S. 231 232. Lei anderen Autoren sind fiir liehles l.ab-
krant 70 ‘N. Ali/arin und 15 f'n aus Purpurin angegehen, vg,l. Rosenherg.: Historical organic
dyeslulTs, S. ^9.
V>2 Vgl. Schvvcdt: ( hemic liir allc .1 ahres/eiten. S. 1 10: vgl. PloB: l arberei in der germanisehen
1 lausw irtsehalL S. 15 16; \gI. Hofmann: I'arbepllan/en und 1-iirbedrogen, S. 39.
363 Vgl. Laumler: I leilpIlan/en-Praxis heute, S. 259 260.
364 Vgl. Quelle II IV lol. 56 57, Re/ept I 19 und lol. I95v I96v, Re/epl 330b. Zur Lenennung
der I abkranter vgl. (irimm: l)Wb, Ld. 12. S|). 9 und Ld. I I, Sir 1043 und 1052.
*65 Vi>l. I.eeeett: Ancient and Medieval Dves. S. SO.
/dirhniillel in den OueUen
105
die anderen Kermcsartcn und enthalten weniger FarbstolT.M'b Wurzelkermcs wurde
schon im 12. Jahrhundcrt fiirdic Farbcrei gesammcll. Die Ernie begann mil religib-
sen Zeremonien am Millag des Johannistages, daher aueh die Bczeichnung Johan-
nisblut.'67 Die Pflanzen wurden ausgegraben und der Wurzelkermes abgesammell.
AnschlieBend wurden die Pflanzen wieder in den Boden eingeselzt. Wurzelkermes
land wegen des geringeren Farbsloffgehaltes und der aulwendigen (iewinnung aber
nie allgemeine Verbreilung. Er war im Vergleieh zu den anderen Kermesarlen tell¬
er, da pro Tag und Person nur elwa 90 g geernlel werden konnlen.l6S
Rotfarbungen mil Kermes sind schon aus assyriseher Zeil (7. Jahrhunderl v. Chr.)
bekannl und aueh im alien Testament wird liber Seharlaehlarbungen beriehtet. Im
klassisehen (iriechenland land im 8. Jahrhunderl v. Chr. ein reger Kermeshandel
mil Sardis, der Hauptstadt Lydiens slatt. Dioseurides beriehlel, dass Kermes in Ar-
menien und in Kleinasien gesammelt wurde, Plinius der Altere beriehtet von Asien
und A (Vika. AuBcrdem erwahnl er aueh Lusitania und Sardinien, wobei dieser
Kermes von minderer Qualital sei.In Rom wurde Kermes haulig als Cirundlage
1'iir Purpurfarbungen verwendet.’70 Das Wort Kermes stammt aus dem Armeni-
sehen und bedeulet „kleiner WurmA Der tierisehe Ursprung des l arbmitlels war
grieehisehen, romisehen und mittelalterliehen Verlassern im (iegensatz zu hebra-
isehen und arabisehen Auloren aber nieht bekannl. In rbmiseher Zeil und im Iriihen
Millelaller wurde Kermes fur ein pllanzliches Produkl gehallen und deshalb meisl
als цгапипГ (engl. grain) bezeiehnel. Die ersle genaue Besehreibung des Insekts
ersehien 1551, und es dauerte weitere hunderl Jahre bis der tierisehe Ursprung des
Kermes allgemein bekannl und mil der Lrfindung des Mikroskops im 17. Jahrhun¬
derl eindeutig bewiesen wurde.'71
Neben den purpurgelarbten SlolTen waren die als „ScharlachT bezeiehneten
Waren besonders werlvoll, so dass sie in rbmiseher Zeil haulig als I ributzahlungen
genannl sind. Diese Tradition setzte sieh im Mittelalter foil, in dem sieh l eudalher-
ren und Klbster einen Toil des Zehnten in Form von Kermes zahlen lieBen. Wie
Krapp ist aueh Kermes im „Capitulare dc vil/is" als vermiculo liir die I uehheislel-
lung aulgeluhrl.'7' Zu Beginn des Mittelallers war Venedig das I lauplz.enlrum I In 366 367 * 369 370 371 372 373366 Vgl. Zalm: Well' clcm der Saltan schmierl. S. 223; vgl. Beckmann: laliiulungen, Ikl. 3, I.
Sliick, S. 24
367 Vgl. Riehler: C'oehenille und Kermes, S. 415.
36N Vgl. I.eggetl; Ancient and Medieval Dyes, S. SO S2: vgl. Zahn: Well' dem der SalVan
schmierl, S. 223.
369 Vgl. Leggett; Ancient and Medieval Dyes. S. 72 73.
370 Vgl. ehd.. S. 73 75.
371 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 69 71; \gl. Pouting: Dictionary of dyes and
dyeing. S. 119 120; vgl. Auguslyn. I.cpsky: RDK-WLIL lkl. 6. Sp. 1471 1472; vgl. Beck¬
mann: LiTmdungcn. lkl. 3, I. Stiick, S. 9.
372 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 75.
373 Vgl. Ilopf cl ah: Larhe und harken, in: Beck el ah: R(iA. lkl. S, S. 227; vgl. Kapilel des
Capitulare de villis, in: Lreundeskreis Botaniseher (iarten Aachen e.V.: Der Karlsgat ten.
106
P'arbinillel in den Oncdlen
den Kermcshandcl, auch rotgefarbtes venc/ianischcs Tuch war von groBer Bedcu-
tung. Das Tuch wurdc in vielcn verschiedcncn Rottoncn gefarbt, deren Bezeich-
nungen (Karmin, Karmesin, Scharlach) noch heute benulzt warden, um untcr-
schiedliche Rottonc zu beschreiben. Im 15. Jahrhundert nahm die Bcdcutung des
Kermes zu. Papsl Paul 11. verordnctc 1464 den ,,Kardinalspurpur“ als Farbc fur die
Klcidung der Kardinalc.174 Kardinalspurpur ist ein irrcfiihrender Begriff, denn die
Farbung wurdc nicht mit Purpur sondern mil Kermes und Alaun durchgcfuhrt. Der
Lrlass halle vor allem wirlschaftliche Gri'mdc, da der Papsl zu dicser Zeit das Mo-
nopol auf Alarm aus Tolfa bcsaB und damil an der Anwendung von
Beizenfarbsloffen intcrcssicrt war.
Als die Spanier (Hainan Cortes) 1519-1521 Mexiko eroberlen, lernten sic ein wei-
teres Insektcnfarbmiltel, die Cochenille (vgl. Tafel 18), kennen. Der leuehtend role
Farbstoff wurdc aus den weibliehen Tieren der Schildlausart Dactylopius Coccus
Costa gewonncn.l7>
Cochenille war farbstarker als der bishcr verwendcle Kermes und verdrangte
ihn in der europaischen Farberei innerhalb von 50 Jahren Iasi vollstandig.176 Zahn
berichtel, dass das wcrtvollc Produkl Cochenille haufig durch Kcrmcsbcimischun-
gen gestreckt wurdc.177 Fane wcilerc Frhohung der Farbbrillanz wurdc dann im
17. Jahrhundert mit der Anwendung der Zinnbcizc erreicht. Cochenille in Kombi-
nation mil einer Zinnbcizc ergab das sog. „Hunting Scarlet” und das Scharlach ver-
schiedener Mililaruniformen.17S Mit der Finluhrung der synlhelischen Farbstoffc,
insbesondere der sauren, roten Azofarbstoffc, verlor dann auch Coehenillc an Bc-
dcutung.m
Fin weiteres von Inscktcn produziertes Farbmittcl mil verschiedcncn
Anlhrachinonfarbstoffcn isl der Stocklack, auch als Gummilack, Farberlack oder
Lac-dye bezeichnet. Die Weibchen der in Slid- und Stidoslasicn beheimaleten
Lackschildlaus (Laccifcra lacca Kl-kk, Kcrria laccu od. Kcrria lacca LlNDIN(ibR)
saugen sich an frisehen Zweigen ihrer Wirtspllanzen (Feigen-Arten) lest. Der aus-
gesaugte Pllanzensafl wird durch die Vcrdauung chemisch verandert, die harzarti-
gen Fxkremcnte erslarren und bilden mit der abgestorbcnen Schildlaus rote Kruslen
um die Zweige. Die Inkrustalioncn warden gesammelt und als sog. Stocklack gc- 374 375 376 377 378 379374 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 78 79; vgl. Dyes and dyeing, in: Straycr:
Dictionary of the Middle Ages, lid. 4, S. 236; vgl. Schweppe: NaturlarbslolTe, S. 283.
375 Vgl. Topik et al.: I'rom Silver to Cocaine, S. 76 82. Die siidamerikanische Schildlaus leht
bevor/.ugt auf dor Nopalpflanze (No/hi/cci coccinelli/era), daher wild sic in der Litcratur auch
haullg als Nopalschilcllans he/.eichnet.
376 Vgl. 11 о fen к de (iraalT: Red DystulTs, S. 75.
377 Vgl. Zahn: Well1 dem der Salian schmiert, S. 224.
378 Vgl. Routing: A dictionary of dyes and dyeing, S. 1 19.
379 Vgl. Schweppe: Naturlarbstol're, S. 263. Natiirliche Karminsaure wird heute als Lebensmittel-
larbstolT (I- 120) lur alkoholische (ietranke (Campari) eingeset/.t; vgl. Die Verbraucher-
Initiative e.V.: !• 120 echtes Karmin.
I'arbmittd in den OucUen
107
landclt. Durch Auswaschcn dcr Farbstoffe wurde das Ausgangsmatcrial fur Schel-
,ac,< gcwonnen, der fiir Sicgcllack und Firnis dienle. Im Mittclaller war Venedig
dci wichtigslc Handelsort Fiir Stocklack in Europa. Seine groBte Bedeutung fiir die
baibcrei hattc Stocklack in derZeit von 1790-1870 insbesonderc in England, zuvor
wurde er eher zum Farben von Ledcr als in der Tcxlilfarberei verwendet.380 381 382 383Kermes, Wurzelkermes und Cochenille enthalten die Anthrachinonfarbstoffc Ker-
messaure (C.I. Natural Red 3, C.I. 75460), Karminsaurc (C.I. Natural Red 4,
C.l. 75470) und Flavokermessaure (Laeeainsaure D) in untcrsehiedliehen Antcilen
(Tab. 19). Farberlack enthalt neben Flavokermessaure noeh Laeeainsaure A, В und
Diese Anthrachinonfarbstoffc bilden mit Metallen farbige Komplexe und wer-
den daher als Beizenfarbstoffe verwendet.
Striiktur und Farbstoffgehalt verschiedener hisektenfarbstofle'sl
Karminsaure
Kermessaure
Flavokermessaure
Struktur
он о
Gl. JL
сн3 о
OH 0
CH3 0
он о CH3 0
YTi
Xl^0H
As A M
HO ||
он о
он о
^ OH
0
Kermes >1.0% 1%
Wurzelkermes 0.6% 0.1-0.2 %
Cochenille 9-10 % 0.4-2.2 %
L)ie Zubcrcitung der Farbeflottc ist bei den Insektenfarbstorfen ahnlich. Die ge-
hockneten La use werden gemahlen, in cin Tueh eingebunden und liber Naeht in
Wasser cingewcieht. AnsehlieBcnd wird die Flotte fiir 15-30 Minulcn gekoeht. Die
zuvor gebeiztc Wolle odcr Seidc wird in der Farbeflottc bis zu ausreiehender Farb-
tiefc gclarbl. Stocklack wird ebenfalls fein gemahlen und die enthallenen Farbstof-
fe dureh Koehen cxtrahicrl und anschlieBcnd mit Alaun gcfallt oder direkt aul vor-
gebeizte Wolle aufgefarbt. Mit Insektenfarbstoffen wird auf cincr Alaunbeize ein
ieuehlendes Karmesinrol, auf Zinnbeize ein Seharlaeh und auf Chrom- bzw. Kup-
ferbeize ein Purpur crzielt.'*82
in den Qucllcn schildcrn zwei Anlcitungen fiir die Braunfarbung aus Quelle Wi die
Vcrwcndung von ktekten in Verbindung mit Brasilholz und Alaun (fol. 303, Rezepl
4, fol. 303v, Rezept 5). In Quelle М V sind zwei Lcdcrfarbungcn, die ebenfalls fur
Textilien anwendbar sein sollen, mit lacce bcschricbcn (fol. 38v, Rezepl 105 und
i06). Bartl ct al. identifizieren lacce als Farberlack.ш J. und W. Grimm beschrei-
ben Laeea ebenfalls als das dureh die Lackschildlaus gebildetc Farbharz, wahrend
380 Vgl. Schweppe: Naturfarbstoflc, S. 272 273; Ilofcnk dc CiraalT: The Colourful Past, S. 85 86.
381 Vgl. Schweppe: Naturfarbstofle, S. 220 221, 258, 266 und 269; vgl. Rosenberg, Wei: Analy-
tik von natiirliehen organisehen Larbsloffen, S. 37.
382 Vgl. Ilofcnk de Ciraaff: The Colourful Past, S. 58, 66, 79 und 87.
383 Vgl. Haiti et al.: Liber illuministarum, S. 707 708.
108
h'arhmittel in den OucIIcn
Kriinitz unter dem Stichwort „Lack" neben Stocklack auch Kermes als Rohstoll
nennt, was ebenso bci Augustyn und Lepsky belegt ist.',vl Bci dem genannten
P’arbmittel kann es sich daher sowohl um Kermes als auch um Nirberlack handcln.
5.1.4 Weitere P’arbmillcl mil Anlhrachinonfarbsloffcn
In den Wurzeln versehiedener Ampfcrarlen ((iroBcr Sauerampfer, Rume.x acctosa
L.) sowie der Rinde von Kreuzdorn {Rheniums catharticus L.) und lirle (/Units
glutinosci L.) sind ebenlalls Anthraehinonderivale enlhallen, insbesondere die P'arb-
sloffc Bmodin und Chrysophanol (CM. 75400, Abb. 17). Weitere Inhallsstoffe sind
(ierbstoffe, die je nach Art in unlcrschiedlichen Mcngen vorliegen.limodin und
Chrysophanol sind praktisch unldslich in Wasser, Ibsen sich dagegen gut in alkali-
sehen Lbsungen.
Abb. 17: kmodin (links), Chrysophanol (rechls)'S(’
Mil Sauerampfer crhall man auf einer mil Alaun gebeizlen Wolle gelbe, orangelar-
bene und braunrote l;arblbne.'s/ In Quelle II V, fol. 280v 281, Rezept 28 soil mil
Ampler (Ampjfer), Wachswiirz und Alaun ein Violetllon gelarbt werden. Die iiir
die I'arbung zu verwendenden Pllanzenteile sind niehl naher beschrieben. 1'alls
Wachswiirz ein alkalischer Mollenzusatz ist, ware cine rbtlichc IMirbung mbglich.
Kreuzdorn- und Iirlenrinde enlhallen ebenlalls neben IdavonoidfarbslolTen und
(ierbstoffen das Anthrachinonderival limodin. Die I'arbung mil Kreuzdornrinde
liihrt auf einer Alaunbeizc zu einem dunklen (ielb und nach liingerem Idirben zu
einem Rollon, ahnliches isl fur Iirlenrinde denkbar.'SN Krlenrinde ist in zwei Parbe-
anleitungen mil Kreuzdornrinde als Iirsalz fiir Apfelbaumlaub bei Rollarbungen
genannt (Quelle B. fol. 100, Rezept 285 und Quelle H V, fol. 275v, Rezept 2). Ilicr
soil in alkaliseher Nolle gelarbt werden, aber zur P’arbedauer geben die Vorsehrif-
len keine Auskunll. In zwei weileren Vorschrilten wird Iirlenrinde mil IMlaumen-
baum- und Schlehdornrinde ebenlalls fiir die Rotlarbung benulzt (Quelle B, fol. * 385 386 387 388xX4 Vgl. (irimm: I)Wb. IUI. 12, Sp. 34 und 36; vgl. Kriinil/, Th. 5<S, S. 33X und 347 348; vgl.
AUL'iislуii, I.cpsky: RDK-WP.B, Ikl. 6, Sp. 1471.
385 Vgl. Sclnveppc: NnlurkirbslolI'e, S. 226 227; vgl. Schwctll: C‘hemic Iiir a 1 Ic Jahres/eilen,
S. 104.
386 Vgl. Sclnveppc: NnliirfarhsloITc, S. 21 I und 213.
387 Vgl. Sclnveppc: Naliii larbslolTc, S. 227.
388 Vgl. ebd., S. 378 370; vgl. Ilofenk de (iraaff: The ColomTuI Past. S. 204.
/*’arhmiud in den Queilen
109
100, Rezept 284 unci Quelle II V, fol. 275v, Rezept 1). Da in neutraler Losung ge-
larbt wird, beruht dcr erzielte Rollon vermullieh auf den ebenfalls in den Rinden
enthaltenen kondensierten Gerbsloffcn, die bei liingerem Kochen ebenfalls zu Rol-
lonen fiihren konnen.
5.2 Basische Farbstoffe (Bcrberitze und Schollkraut)
Basische Naturlarbsloffe enlhalten eine quarlare Ammoniumgruppe im Molekiil.
Der bckannlcste Parbstoff diescr Klasse ist das in der Berberitze {Bcrhcris vulgaris
L.) und dem Schollkraul (Cludidoniu/n mains L.) enlhaltene gelblarbende Berberin
(C.l. Natural Yellow 18, CM. 75160, Abb. 18).
Abb. IS: Berberin mil quarlarer Ammoniumgruppe
Durcli die positive Ladling im Molekiil kann der ParbstolT liber Ionenbindung an
satire negaliv geladene Gruppen in Proleinfasern binden (Abb. 19). An unbehandel-
te C’ellulosefasern bindet der Parbstoff nur liber Nebenvalenzbindungen, so dass
hier zur Steigerung der Pehlheil eine (ierbstoffvorbehandlung erlolgen muss. Die
im (ierbstoff enthaltenen sauren Ciruppen ermogliehen dann aueh aid
Celluloselasern die Ausbildung von Ionenbindungen.V)u
Abb. 19: lonenbintlung von Berberin an same (iruppe der Wolle * *3K9 Vgl. Sdiwcppc: NalnrliirbsloHe. S. 440.
МЯ) Vgl. lirimello: The ЛИ of Dyeing, S. 334.
luirbmilicd in den Quellen
I 10
Die Berberilze (vgl. Tafcl 19, links), auch Sauerdorn genannt, ist ein in ganz Iuiго¬
ра verbreiteter Strauch. Die Becren haben einen sauerliehen, zusammenziehenden
Gesehmaek, woraul'der Name Sauerdorn bcruhl.’41
riir Parbungcn mil Bcrbcritzc werden Beerensafl, Blatter, Wurzeln oder Bast-
rinde verwendet.,l;2 Der ParbstolT Berberin bzw. dessen Derivale, ist in alien Ieilen
der Pflanzc, insbesonderc aber mil 1 3 % in der Bastrinde enthalten. Ли I Wolle
und Seide kann in sehwaeh saurem Bad bei 50 60 °C’ direkt gcfarbl werden, man
crhalt ein /ilronengelb. 4
ScholIkrant (vgl. Та lei 19, reehls) ist cine in Buropa und Asien weit verbreilete,
krautige, 30 bis 90 cm hohe Pflanzc, die an Mauern, Ilceken und Zaunen vor-
kommt. Sie bliiht vom I’riihjahr bis zum Herbst und client als StiekstolTanzeiger.
ScholIkraul ist cine sehr alte Arzncipflanze, die bei Augenkrankhciten und gegen
Cielbsucht angewendet wurdc. Sie enthalt das morphinahnlich wirkende Alkaloid
Chelidonin, das auch Bestandteil der llexensalbe gewesen sein soil und als Mittcl
gegen Warzen verwendet wurde.™*1
Schdllkraut, auch Schellkraut oder Schcllwurz'‘b genannt, enthalt den basischen
Farbstoff Berberin im Stangcl und in den Blattern, wo er beim Abbrechen der
Pllanze in einem orangegelben Milchsaft auslrill.m Das im Mai gesammelte, fri-
sche Kraut ergibt beim Koehen mit Wasscr einen braunen Absud, der Wolle gelb
larbl. Auf alaungebeizter Wolle andert sich der Farbton nur wenig, aber die
Waschechheit der l arbung wird verbesserl.'47
Berberitzenwurzeln oder -bast sind in sechs Rezeplen der bearbeiteten Quellen 1'iir
die (iclblarbung aus saurer Nolle genannt (Tab. 20). Iarbungcn mit Schdllkraut
(schelwurz oder schcllc wurtzen) sind in vier Vorschriflcn der bearbeiteten Quellen
zu linden, wobei fiir cine l arbung zusatzlieh ein wenig Brasilholz verwendet wer¬
den soil. Allc I'arbungen erfolgen in saurer Nolle. 391 392 393 394 395 396 397391 VVcilcrc Namen sowolil liir den Strauch als auch fiir dessen Priichle, die Ueeren, sind
hreiscl/u'ciw pciscihccrc\ prei.sc/hecrc, rciselhccrc, fersicii, fcrsichdorn, erhsicInlnr/L
crhsc/durn und crhsaL erhseb crhsich; vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. I, Sp. 1491 und Ikl. 3, Sp. 738
740; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, I3d. I, Sp. 568 579. Kriinil/ nennt die weiteren Namen
Salsendorn. Sauerdorn, Sauraeh, Sauraelulorn und Versich; vgl. Kriinil/: Oekonomisehe
l-.neyklopadie. I h. 4, 201.
392 Vgl. Bracherl: Malleehniken. S. 37 38.
393 Vgl. Schweppe: NalurlarbslolTe, S. 445; vgl. Prunello; The Art ofDyeing, S. 334.
394 Vgl. Ilegemann: Still und (iemeinde Melelen, S. 220; vgl. Schwedl: Ohemie fiir alle Jahres/ei-
len, S. 85; vgl. I)iIg: Schdllkraut, in: Angermann el al.: I.exMa, Ikl. 7, Sp. 1530.
395 Vgl. (irimm: I)Wb, Ikl. 15, Sp. 1457 und Ikl. 14, Sp. 2504; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Ikl.
I.Sp. 923 932.
396 Vgl. Ikacherl: Malleehniken, S. 224.
397 Vgl. Selnveppe: NalurlarbslolTe, S. 452.
P'arbmittel in den Oncd/en
1 1 I
Tab. 20:
Berberil/.e und Seliollkraul in den I
barbeanleilungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M 1
fol. 67-67v, 56b
gel be we
Berberitzenwurzel (paizel wurez), Essig, Harn
M V
fol. 22,2т, 1237
Gelb
1 Vierding Berberitzenwurzel und -aste (wurtz
oder steben von der paisselper stauden),
Alaun
В
fol. 106, 307
gee1
Berberitzenbast (rynnden von Erbsich holtz),
Alaun
fol. 131,227
geel
Berberitzenwurzel (erbesel wurtzel), Wein
H IV
fol. 262-262v, 422
gelb
Berberitzenwurzel (erbbisal wurtzen), Essig,
Harn
fol. 265-265v, 435
gelb
Berberitzenwurzel (bissebaumswurtz), Essig,
Alaun, Harn
In
fol. 101r, 10
gelbiu?
Berberitzenbast (paizzelpaum), Brasilholz,
Auripigment
M II
fol. 119v, 10
lawbuar
Berberitze (Suram), Indigo, Safran
H IV
fol. 129-129v, 223
grien
Berberitzenwurzel (erbesel wurtzel),
WaidkOpe?, mehrbadig
M 1
fol. 68, 63a
gelb
Schollkraut (schelchrawt), Kupferhammer-
schlag, Essig, Alaun
Au
fol. 128v, 55
gelb
Schollkraut (schelwurz), Wein
fol. 129v, 56
gelb
Schollkraut (schelwurz), Wein
Wi
fol. 306, 19
gelw
so viel ihr wollt Schollkraut (schel wurezen),
ein weniq Brasilholz, Alaun, Wachswasser
5.3 Benzochinonfarbstoffe (Saflor)
Die Bezcichnung BcnzochinonlarbslolTc leitet sich von dcr (irimdslniktiir dieser
barbsloffklassc, dem 1,4-Benzochinon ab. In den bier bearbeilelen Quellen isl die
larbepllanze Sailor (Carlha/nus tinctorius L., vgl. Talc I 22, links) aulgeliihrt, die
als rotlarbende Komponenle den BenzochinonfarbslolTCarthamin enthalt.
Sailor, auch Rirberdislel, Bauernsafran, Deutscher Salran, Wilder Salran oder
Palscher Salran genannt, isl cine alte Kullurpllanze.',s Urspriinglich heimiseh im
Orient, wurdc er gegen Hnde des 10. Jahrhundcrts von den Kreuzlahrern in Ilalien,
ITankreich und Spanicn eingefIihrt und im spalcn Mittelalter zu IIandelszwecken
insbesondere im HIsaB und in Thiiringen angebaut.w> Die Kultivierung in Ilofgii-
tern und Klostcrgarlen vor dieser Zeil dienle lediglich der Deckung des l arbsloll-
bedaris Itir die I lauslarberei. 398 399398 Vgl. Mar/.ell: РПап/.еппшпеп, Ikl. 2, Sp. 855 <856: vgl. SauerholT: Pllan/cnnamen, S. I 10
111. Ploss vcmnilct, class die Be/eichnungen Wilder Salran, Bmiern- und l.andsalVan aid'der
Nul/ung des Sallorgelbs als Idsat/ liir den eeliten Salian berulien; vgl. Ploss: Kolliirbimgen.
S. 232.
399 Vgl. Ilopfet a 1.: I'arbe und I arben, in: Beck el al.: R(iA. Ikl. 8, S. 219; vgl. Sehweppe: Natur-
larbslolTe, S. 185; vgl. Legged: Ancient and Medieval Dyes, S. 45 47.
Farhmittel in den Oucllcn
1 12
Die Bliilcnkopfe wurden von Hand gcplliickt und cnlwedcr solorl im Schattcn
gctrockncl (direklcs Sonnenlicht zcrstorl den Tarbslol'iy,0°, um eine dem Saltan
ahnelndc orangefarbene, fascrige Masse zu gewinnen (vgl. Та lei 22, rechts), Oder
fur drei bis vier Tagc in Wasser gewasehen und gcknetct, um den ebenlalls enlhal-
lenen leichtloslichen gelben Larbstoff zu enllemen/101
Carlhamin ((’. I. Natural Red 26, CM. 75140, Abb. 20), aueh Sailor-Rot oder
Sallor-Karmin genannl, bleibl naeh dem Ausziehen des gelben Larbstolfes in den
Bliiten zuriiek, da es im neutralen Milieu unloslich ist.
Gl OH HO G1
0 0 0 0
Abb. 20: Carlhamin naeh Sato et al. ((il (ilukose)10'
Die zu Laiben geformten gewaschcncn Bliiten kamcn in den Handel, I lauptabneh-
mer waren die Scidenfarber/,(b Der C'arthamingchalt liegt zwischen 0,3 0,6 %,
naeh neueren Untcrsuchungen bei 0,9 % bzw. 0,4 1,4 %.,(M
Wird ungewasehener Sailor /um Larben verwendel, muss fur die Rolfarbung zu-
nachsl das Sallorgelb entfernt werden. Brunello, Schweppe und Hofcnk de GraalT
beschreiben dicscn Vorgang,0\ Sailor wird in einen Beulel eingenaht, der iiber
Nacht in Wasser geluingt und am lolgenden Morgen ausgedriickl wird. Dieser Vor-
gang muss wiederholt werden bis das Spiilwasser farblos bleibt. 1st das Sallorgelb
ausgewaschen, wird das rotlarbende C’arthamin mitlels Lauge aus den Bliiten ex-
trahiert. Dazu werden die Bliiten liir einige Zeil in der Lauge behandell, dann aus-
gepresst und ablillriert. Der Lbsevorgang wird einige Male wiederholt. Mit dem
Filtrat kann direkt olme Hillsmittel gelarbt werden. Die Holte wird dazu leicht sail¬
er eingestelll, die Ware wird eingelegl und iiber Nacht bei Raumtemperalur ge- 400 401 402 403 404 405400 Vgl. Ilolenk tie (inmlT: The Colourful Past, S. 160; vgl. Schweppe: NaluiTarbstolTe, S. 1X5.
401 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 45 47; vgl. Dajue. Miindel: Safllower, S. 26.
402 Carlhamin wurtle erstmals 1910 isolicrl; vgl. Sato et al.: Pigments in safllower petals, S. 9632;
vgl. Ohara und Onodera: Structure of Carlhamin. Der Slruklurvorschlag von Takahashi et al.
slammt aus dem Jahr I9<S2, vgl. lakahashi et al.: Coloring matters in Car/hamus /inc/orius;
vgl. ebenlalls Schweppe: Nalurfarbslolfe, S. 1X3; vgl. Ilolenk de (iraaff: The Colourful Past,
S. 159; \gl. l erreiia et al.: Historical textile dyes, S. 334: vgl. Oda: Red Carlhamin, S. 204;
vgl. Clio el al.: hn/ymalic Conversion of Preearthamin, S. 39IX.
403 Vgl. Reckcl: Tcufelsfarbe. S. 69.
404 Vgl. Schweppe: Nalurfarbsloffe, S. 1X4 1X5; vgl. Dajue, Miindel: Safllower, S. 26; vgl. Srini-
vas el al.: Safllower petals, S. 90; vgl. Smith: Safllower, S. 50 51; vgl. terra fusca ObR et al.:
Marklpolen/ial von Sallorer/eugnissen, S. 14.
405 Vgl. Brunello: The Art of Dyeing, S. 340; vgl. Schweppe: Nalurfarbsloffe, S. 1X6; vgl. Ilolenk
de (iraaff: The ( olourful Past, S. 161.
Farbmiltel in den Ouellen
fcirbl.406 407 408 409 410 Die crziellen Farbungen sind haullg Icichl gclbstichig, da in der Nolle Res-
tc dcs Sallorgelbs enthallcn sind, die bcim Farbcn mitaufzichen. Fin rcincrer barb-
ton kann durch cine zusalzlichc Aufreinigimg des extrahierlen Carlhamins erreichl
werden. Schon Kriinilz weisl an I' die Probleme beim Rollarben mil Sailor bin und
beschreibl den Reinigungsvorgang vvie folgt:
„So schon auch die Farbcn crschcinen, vvelclic der Scidc mil dem Sailor ertheilt
werden, so ist cs dcnnocli nicht zu vermeiden, dab sich im Farbcn nichl clwas vom
gelbcn Pigmcnlc dcs Sailors damit vermengen und sic verschlechlern sollle. Uni
dieses zu verluiten, kann man lolgendc Opcralioncn befolgen: Man bereite das
Sallorbad mil Cilronensall zu, |...J und Itirbc nun kleine Lappen von Cattun odor
Feinwand darin aus. Das rollie Pigment legl sicli auf diese happen an und cs bleibt
cine schnuilzige gel be b’liissigkcil zuriick. Soil nun die rollie b’arbc von jenen Lap-
pen abgczogen werden, so wasche man sic in reinem Flubwasser aus und knele sic
hicrauf in eincm gJeichfalJs reinen Wasser, welehem man so oft clwas aufgelosle
kristalliniselie Sode zusetzt, bis alle rollie Farbe von den Lappen abgczogen isl, |...|.
Jelzl seize man der Briilie so viel reinen Cilronensall zu, bis die Sode abgeslumpll
isl, woraul'dann in der rbtJiliclien b'arbebriilie ausgelarbl werden kann. Man gewinnt
auf dicsem Wege viel reinere und glanzendcre Farbcn.“4(,/
Diese von Kriinilz gesehilderle Arbeilsweise zum Aufreinigen des Carlhamins be-
sehreibl auch Dean.40,4
Die liir die Rollarbung mil Sailor vorbereilele I lolle muss ziigig verbrauchl wer¬
den, da Carlhamin in wassrigen Losungen hydrolylisch abgebaul wild, was sich
durch cine zunchmendc Lnllarbung der Losung zeigl. Oie (jeschwindigkeil des
Abba us wird ins be solid ere durch Tcmperalur- und Lichleinwirkung beeinllussl.
Versuche von Kanehira el al. zeigten, dass cine Lrhohung der Farbelemperatur aid
80 °C dazu liihrl, dass ca. 75 % des Carlhamins in der Losung zersclzt werden.
Wird die Flolle achl Slunden dem Lichl ausgeselzl, sinkl der Carlhamingehall der
Nolle ebenlalls deullich.404
Dajue und Miindel erwahnen, dass zum Farbcn schr viel barbsloll benoligl
wird. Sic nennen als bcnbtigtc Menge 1 Hr I kg Haumvvollgarn je nach barblon I kg
(dunkelrot), 500 g (rosa-rol) bzw. 250 g (hellrosa) barbsloll. Ilier handclt es sich
um cinen Irrlum, da nichl der Farbstoff Carlhamin, sondern die barbepllanze Sailor
gemeinl isl.110 Oei einem Carlhaminhochstgehalt des Sailors von 1,4 %, ergeben
sich als einzusetzende I’arbslolTmengen 14 g, 7 g bzw. 3,5 g C’arthamin. Diese Zah-
lenwerte sind allerdings im Vcrglcich zu Finsalzmengen bei barbungen mil moder-
nen synlhetisehen RotfarbstolTcn hoch.411
406 Vgl. Schweppe: NalurliirbslolTc. S. LS6; vgl. Ilobenk tie (iraaff: bhe ( olourful Pasl, S. 160.
407 Vgl. Kriinil/: Oekonomische b.iicyklopatlie. Th. 127, S. 399 400.
408 Vgl. Dean: Wild Color, S. 53.
409 Vgl. Kanehira el al.: Decomposition of Carlhamin, S. 301 302.
410 Vgl. Dajue, Miindel: Safllower, S. 26; nach Leggell: Ancient and Medieval Dyes, S. 45 47
kann mil einem Plimd bxlrakl ein Plund Subslrat karmesinrol geliirhl werden.
41 I Moderne Direkl- und ReaktivfarbslolTc: 2 3 I'arbsloff.
Idirhinittel in den Ouel/en
1 14
Sailor enlhall ncbcn clem Rotf'arbstof'f Carthamin noch 25 30 % (iclbfarbstolle.
Die als Sallorgclb A uncl 13 (CM. Natural Yellow 5) bezeichneten FarbstolTc haben
nach dcm Colour Index die Formel С’МЬМЭ-л ihre Konstitution wird bis heute dis-
kutiert (Abb. 21 ).4I“
Abb. 21: (ielblarbslolTe tics Sailors ((II (ilukosc)11 ’
Die GelbfarbstoH'e sind leieht wasserloslieh und konnen direkt aus heiber Flotle auГ
unbehandelte Wolle odcr Seide gelarbl werdcn. Die Anwendung besehrankl sieh
hauptsachlieh aid'das Gelblarben von Wolle. Aid'alaungebeizler Wolle crhall man
einen leuchtenderen Gelblon.'11*4
Naeh Floss dienle Sallorgelb als Frsatz 1'iir den teuren Sal'ran und erhielt daher die
im deulsehen Spraehraum iiblichen Bezeiehnungcn „Wilder Sal'ran, Bauernsal'ran
oder LandsafranMIn den bearbeilelen Quellcn wird Sailor (wilder sal'ran oder
wilde /;/•/.v/7/g)Mb lur Rot- Braun- und Gelblarbungen verwendet ('Tab. 21). Von
aeht Anleilungen fur die Rotlarbung 1'ehlt lediglich in zwei Vorsehriften das Aus-
wasehen des Sailors. In zwei Rczcplen Hir die Braunlarbung isl das Auswasehen
ebenl'alls nieht genannt. Fntweder sol lie bier bereils gewasehenes Farbmittcl ver¬
wendet werden oder der Reinigungsvorgang wurde vcrgessen. Das Goltinger Re-
z.epl beschreibt das Auswasehen des Sailors falseh, so soil „...wylde/3 saffranji [ge-
nommen werden] and [unler] rcyneme vleterdcme water so large [gewasehen wer¬
den] dat de hade! rot wert alse j blot...". Durch Auswasehen in Wasser wird der
Beutel nieht rot, da sieh der rote FarbstolTnieht in Wasser lost. 412 * 414 415412 Vgl. SIX ( olour Index. Ikl. 4, S. 4227.
414 Vgl. I los ( 'arlhami, in: WHO: WHO monographs, S. 117.
414 Vgl. Reckel: Teul'elsl'aibc, S. 159 160.
415 Vgl. Floss: koinirbimg.cn, S. 242.
41b Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 14, Sp. Ib45; vgl. Floss: Much von alien I'arben, S. 154.
Farhmiltei in den Oucdlen
I 15
Tab. 21: Sailor in den l arbeanleilimgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Waschen
Au
fol. 26r-26v, 52
parisgarn
Saflor (wilden safran), Lauge
X
fol. 31 r-32r, 55a
rot
5 Pfd. Saflor (wilden saffran), Lauge,
X
N II
Essig
3 Vierding Saflor (wilden prisilg), 1 Lot
GrOnspan, Lauge
fol. 54v, 98
rot
fol. 197v, 1018b
(Rot)
1 Pfd. Saflor (wilden Saffran), Lauge,
Essig
X
M V
fol. 225r, 1200
(Rot)
Landsafran (lantsaffran), Lauge, Essig
X
fol. 225r-225v, 1201
Rote
1 Lot Safran (saffran, Saflor), Lauge,
Essig
X
Go
fol. 312v, IV 15
rod
1 od. 2 Pfd. Saflor (wyldefl saffran/3),
Lauge
X
Ka
fol. 8r
rott
2 Pfd. Saflor (wilden saffern oder saff-
lor), Lauge
-
M IV
fol. 230r, 63
zigel farb
Saflor (wilde prisilig), Grunspan, Lauge
-
Al
fol. 307, 15
Brawn
1 Pfd. Saflor (wilden saffran), Lauge,
Essig
X
В
fol. 103-103V, 299
braun
1 Pfd. Saflor (wilden saffran), Lauge,
Essig
X
fol. 105, 301a
negelfarb
1/2 Pfd. Saflor (wildprisilg), 'Л Pfd. gel-
be Blumen, Lauge, Kupfervitriol
-
N II
fol. 54v, 97
gelb
Saflor (wilden prisilg), Grunspan, Lauge
H II
fol. 63-63v, 15
gelb
Rinde von Weidenholz (Marz), etwas
Saflor (wilden saffran), Lauge
В
fol. 105v, 303
Goldfarb
1/2 Pfd. Saflor (wildprisilg), /2 Pfd. Gelbe
Blumen, Grunspan, Lauge
I ui* die Rot- und Braun larbungen isl das Ibsen des C'arlhamins miltels einer alkali-
schen Nolle besehrieben, in fun Г Rezeplen isl allerdings der Verfahrenssehritl des
Absauerns niclit aufgefiihrt. Bei den Salloriarbungen lehll im Allgemeinen der
Alaim/usatz zur Farbellolle. Ilier wurde erkannl, dass dureh Alaun keine tieferen
I’arblbne erreiehl vverden. Uber ein Sieden der I'arbeflolle isl ebenlalls nichls ge-
sagl, daher kann vermutlieh von einer Kaltlarbung ausgegangen werden.
(iclblarbungen mil Sailor sind in drei Anleitungen besehrieben, zwei dieser
Vorsehrillen enthallen zusalzlich andere gelblarbende Pllanzen. Alle Rezeple be-
schreiben die Vervvendung einer alkalischen Nolle. Da ein vorheriges I Ierauslbsen
des gelben Farbsloffes nieht erwahnl ist, werden hier aueh Teile des Carthamins
dureh die Lauge aus dem Sailor exlrahierl. Die Nirbungen werden also keinen rei-
nen (ielblon erreiehen, worauf ebenlalls die Vervvendung eines weileren Gelblarb-
millels hindeutet.
5.4 Carotinoidfarbstoffe
Die Carotinoide, die I'arbslofTklasse ist naeh der Karolte {Daucus carota L.) be-
nannl, umlassen mil liber 600 Bxemplaren die grdBle Klasse der in der Nairn* vor-
Idirhinittcl in den Oucllcn
1 16
kommenden Farbstoffe. Sic liegen als Bestandteile in Baklerien, Algcn, Pilzen und
hoheren Pllanz.cn vor und sind gclb bis violctt gclarbl. Umwandkmgsprodiiktc
pllan/lichcr Nahnmgscarotinoidc sind z.T. Fur Farben im Ticrrcich vcranlwortlich,
bcispiclswcisc die rosafarbenen Federn dcs Flamingos odcr die Rolfarbung bci
Hummern und Krcbsticrcn.117
Fur die Tcxlillarbcrei hatte lediglieh das Crocetin bzw. Crocin, der Ilaupllarb-
sloH'des Safrans (Crocus sativus L.) Bedculung. Lr wurde in der Anlike und vvah-
rend des Mitlclaltcrs zum Farben und fur die Malerei verwendet. In den bearbeite-
len Quellen sind in cinigen Rezepturen aulterdem zerstoltenc Krebse fur die Far-
bung aufgcliihrt.
5.4.1 Safran
Safrail (Crocus sativus L., vgl. Tafel 23) war urspriinglich im Orient beheimatet
und wurde dorl schon vor fiber 3.500 Jahrcn kultiviert. Der Name Safran stamml
aus dem Arabischen, za'/araiC bedeutet (ielb.1 ls Safran lieferl ein leuchlendes
Orangegelb, das schon auf akkadischcn Tonlafeln aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.
erwahnt wurde. Die Phonizier verwendeten Safran als Slofffarbe, die Romcr be-
nutzlen ihn zur Parliimicrung der Lull in ihren Badcrn und es wild beriehtet, dass
cr zu Kaiser Neros /eit auf Roms Straiten gestreut wurde.114 In der Anlike war Saf¬
ran im Millclmcerraum weit verbreitet. Spater wurde cr von den Arabcrn nach
Spanien gebrachl, von wo ihn die Krcuzfahrcr in Nordeuropa einfiihrten. Safran
wurde zeilweise in der (legend urn Leipzig odcr in Lngland (Saffron-Walden, 16. -
18. Jahrhundert) angebaut, und Munder Safran aus der Schweiz ist seit dem 14.
Jahrhundert bekannl. Ileute ist insbesondere Spanien fiir qualitativ hoehwertigen
Safran bekannl.120 Lr war im Mitlelalter ein wichtiges und wcrtvollcs Ilandelsgut,
weil Koche, Arzle, Maler und Farber ihn benulzlen.121 Lr dienle zum farben und
Aromalisieren von Speisen („Safran machl den Kuchen gel"), als Beimischung in
medizinisehen Rezeplen, in Mischung mil Auripigmenl als Buehmalfarbe und zum
Farben von 7'exlilien. L 417 418 419 420 421 422417 Vgl. Schweppe: NalurlarhstolTc, S. 167; vgl. Meyer: ( arotinoide, S. 179; vgl. Men/el, I lari-
mami-Sehreier: Carolinoicle, in: ROMPP Online, RB-03-005S4.
418 Vgl. /aim: Well' clem tier Safran sehmierl. S. 224; vgl. Ilolenk tie (iraalT: The Colourful Past,
S. 204; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Ikl. L Sp. 1249; vgl. Kluge, Seehokl: lUyniologisehes
Wdrlerbueh. S. 779.
419 Vgl. I.eggell: Ancient anti Medieval Dyes, S. 41 42; vgl. /aim: Well' dem der Safran
sehmierl, S. 224; vgl. Jakils: Safran roles (ioltl, S. 9 10; vgl. Auguslyn, l.epsky: RDK-WFIL
Ikl. 6. Sp. 1478; vgl. Beckmann: I'aTintlungen. Ikl. 2, I. Sliiek, S. 81 85.
420 Vgl. (iemeindevcrwaltung Mimtl: Salran von Muntl; vgl. Reinieke: Safran, 2. Anbau untl
Handel, in: Angermann el al.: I.exMa, Ikl. 7, Sp. 1251.
421 Vgl. Jakils: Safran roles (ioltl, S. 10.
422 Vgl. Ilolenk tie (iraalT: The Colourful Past, S. 204; vgl. Auguslyn, l.epsky: RDK-WLlk Ikl. 6,
Sp. 1478; vgl. Beckmann: Frlmdungen, Ikl. 2, I. Sliiek, S. 79 80; vgl. Reekel: Teufelslarbe,
S. 69; vgl. I.eggell: Ancient anti Medieval Dyes, S. 42.
Parbinittel in den One Hen
1 17
Safran wird aus den Stempclladen der Krokuspllan/e gewonnen. C’a. 150.000 BUi-
lennarben werden liir 1 kg (iewtirz mit der Hand gesammelt, wobei sieh der eribr-
derliehe Aufwand bei Anbau und Brute bis heute nieht verandert hat.42' Der noeh
immer hohe Preis423 424 findet seine Begriindung in dicser aulwendigen Iirnte und den
dabei erzielten vergleiehsweise geringen Mengen. Sehon wahrend des Mittelalters
wurde Safran dureh Beimisehungen von Sailor, Ringelblumen oder gelroeknetem
Rindlleiseh geslrcekt, diese Palschung wurde als „SchmiererU bezeiehnel.42*' Bine
weilere Mogliehkeit des Palschens war das Uberllirben bereils extrahierter Safran-
narben mil billigen Parbsloffcn und der anschlieBcnde Vcrkauf als Prischware.
(iemahlener Safran lieB sieh besonders leiehl veiTalschcn bzw. llel hier ein Belrug
weniger auf. Stiidle mit groBcn (iewurzmarklen, wie Vcnedig, Basel oder Niirn-
berg, bestellten daher Safranbesehauer, die die Qualilat und Reinheit der Ware
iiberwaehcn solllen.426 Die Siralen Iur die SalVanverlalsehung waren drakonisch,
tiberfuhrte Bclriiger warden fur Jahre in den Kerker gesperrt und Zeit ihres Lebens
fur unehrlieh erklart, sie wurden lebendig begraben oder aid dem Seheiterhaufen
verbrannt.427 * 429 430 In Niirnberg wurde die Safransehau im Jahr 1441 angeordnet. Xuvor
hatte ein Ulmer Biirger versueht, 13 PI und gelalsehlcn Salran aul dem Markl in
Niirnberg zu verkaufen. Der gelalsehte Safran wurde eingezogen und verbrannt. "
Die Verniehtung der vcrlalsehten Ware musste vom schuldigen Kaulmann bezahlt
werden, die Rntlohnung des Henkers dureh den Verurteilten war im Mittelalter
ebenfalls ublieh.42<; I;ur das Jahr 1508 ist in Breslau ein vergleiehbarer Pall belegt.
Piir den Verkauf von mil Parisrot, Butler, Bssig und Mehl verhilsehtem Salran
wurde der I Iandler gekbpft.'no
Safran enthalt neben den Aromastoffen Pieroeroein und Salranal das (dykosid
CYoein, das mitlels heiBer verdiinnter Saure zu Crocetin (CM. Natural Yellow 6,
423 Die Angaben in der I.iteratin' schwanken: Siewek nennt 147.000. Melchior und Kastnei
100.000 200.000 l aden; vgl. Siewek: Bxotische (ie\viir/e, S. 100; Melchior, Kastner: (iewiir-
ze, S. I4N; /u Anbau und Brute vgl. Лак its: Safran rotes (iokl, S. 9.
424 Im Pigmenthandel kosten 50 g SalVanladen 130,90 C; vgl. Kremer Pigmente: historische und
moderne Pigmente, Produkt 37110 (Safran). Im (iewiirzhandel ist Salran erheblich leurer:
0,1 g SalVanladen 1.09 C; vgl. Oslmann: Safran in Biiden. (irolkre Mengen (50 g) kosten im
(icwiir/.handel ca. 105,00 (; vgl. Tali: SalVanladen.
425 Vgl. Reinicke: Safran, 2. Anbau und Handel, in: Angermann et al.: I.e.xMa, Bd. 7, Sp. 1251;
vgl. Beckmann: Brfindungen, Bd. 2, I. Sliick, S. 90 92; vgl. Xahn: Well dem der Salran
sehmiert, S. 225; vgl. Лак its: Safran roles (iolcl, S. К) II.
420 Vgl. Schmidtchcn: Die 1’echnik des l aibens und (ierbens, in: Kbnig: Propylaen I echnikge-
sehichte, Bd. 2, S. 539 540; vgl. Лак its: Safran rotes (iokl, S. I 1.
427 Vgl. /aim: Weir dem der Safran sehmiert, S. 225; vgl. ebenfalls Breiburghaus el al. (ieheim-
nissc des Safrans, S. 91.
42N Vgl. Roth: (iesehiehte des Niirnbergischen Handels, Bd. 4, S. 221.
429 Vgl. Bothe: Reiehsstadt Prank furl, S. II.
430 Vgl. Klose: Verhallnisse der Stadt Breslau, S. 92.
118
luirhmittel in clcn Quellen
Abb. 22), dcr Ilauptfarbckomponcnte, hydrolysicrt, welches zu den natiirlich vor-
kommendcn Direklfarbstoffen gchorl.411
Abb. 22: Croeetin‘b2
Sairan kann fur die Farbung von Wolle, Seide Lind Cclluloscfasern genutzt wcrden.
Die Fasern konnen im kochenden Farbcbad ohne jcgliche IlilfsmiUel goldgelb ge-
farbt werden. Auf einer Aluminiumbeize werden Orangetonc und auf Zinnbeize
dunkle Gelblone errcicht.4U Der FarbsloITgehall des Salrans liegt nach Angaben
von Sewekow bei ca. 7 % und Roth el al. gebcn fur das Gclbfarbcn von 1 kg Wolle
einen Safranbedarf von 200-250 g an.4'*4 Bei einem Preis von z.Z. ca. 150 C fur
50 g Salran4V'1 ergeben sieh Farbmittelkosten von 600-750 C fur die Farbung. Auf
Grund der schon im Mittelalter anfallenden cnormcn Kosten, diirfle Safran vorran-
gig als Gcwiirz und Medikament sowie in der Buchmalerci eingeselzt worden sein
und in der Farbcrci mengcnmaBig cine eher untergeordnete Rolle gespielt haben,
zumal das Angebot an preiswerteren gelbfarbenden Pflanzen mil besseren
Fchlheiten wie Farberwau odcr -ginster groB war. Cnlgegen dicscr Vermutung cnt-
halt 'A der Instruklionen in den hier bearbeitelen Quellen Safran fur die Gelbfar-
bung.
Von insgesamt 58 Vorschriflcn fiir die Gclbfarbung nach dem Ausziehverfahren
beschreiben elf Anleilungen die Farbung mil Safran und ncun weilere Rezepte
nennen ihn in Kombinalion mit anderen Farbmitleln. Weiterhin sind Rot-, (jriin-
und Braunfarbungcn beschrieben, die ebenfalls Safran in Verbindung mil Brasil-
holz, Griinspan, Klebkraut, RuB oder Walnussschalen, enthalten. Die rcinen Safran-
farbungen linden in saurer Losung stall. Vier Anleilungen beschreiben die Direkt-
farbung, aus der rcine Gelblone resulliercn. Sieben Vorschriften beinhalten die
Direktbcize mit Ahum, so dass orangcslichige Gelblone er/iell werden. Bei alien
anderen Farbungen client Safran der Nuancicrung (Tab. 22).
Dass es sich in den Farbevorschriflen wirklich um Safran und nicht um den
ebenfalls fur die Gelbfarbung nutzbaren Sailor handelt, ist durch die Bezeichnung
der Farbmittel in den Quellen belegt. Safran ist als saffron bczcichncl, wahrend 431 432 433 434 435431 Vgl. SIX': Colour Index, Ikl. 3, S. 3228 und Ikl. 4, S. 4623; vgl. Schwcppc: Naturfarbstolle,
S. 167; vgl. Meyer: Carolinoide, S. 179.
432 Vgl. Sehweppe: NaturfarbstolTe, S. 171.
433 Vgl. 11 о fen к de (iraaff: I'lie Colourful Past, S. 202 207.
434 Vgl. Sewekow: Nalurfarbsloffe, S, 272; vgl. Roth, Kormann, Sehweppe: l arbepllan/en, S. 53.
435 Vgl. FuBnole 424.
О
CH
CH
I'cirbniittel in den Ouel fen
1 19
Saflor als wilder Safran (wilden safran), wildes Brasilholz (wilden prisilg), Land-
safian (hint saffran) odor auch Sa/lor aufgeftihrt ist.436
Tab. 22: Safran in den l;arbeanlcitun^en
Rezept
Quelle
fol. 223v, 1258 gelb
MV fol. 223v, 1259 gelb
fol. 223v, 1260 (gelb)
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Safran (Saffran), Alaunwasser
1 Lot Safran (Saffran), Wasser
Safran (saffran pluemen), Waidopfel, Alaun,
Wasser
fol. 105v, 304a
fol. 106v, 309a
fol. 106v, 309b
goldfarb
geel
gee!
ein wenig Safran (saffran), Waidasche od. krir,
Wasser
1 Lot Safran (saffran), Alaun, Wasser
1 Lot Safran (saffran), Essig, Wein
H IV
fol. 258v, 408 gelb 1 Lot Safran (Saffrans), Kupfervitriol, Alaun
fol. 263v, 427 gelb 1 Lot Safran (Saffrans), Alaun, Wasser
H V
M I
fol. 278, 14 gelb 1 Lot Safran (saffrans), Alaun, Wasser
fol. 278, 15a gilb Safran (saffran), Essig, Wein
fol. 281,31 gelw 1 Lot Safran (saffran), Alaun, Wasser
fol. 67-67v, 56a gelbewe
Safran (saffran), gelbe Blumen, weyd-opfel,
Alaun
М IV fol. 227v-228r 30 aell aelb gelbe Blumen' ein weni9 Safran. (saffran). Gal-
’ У > У mai Alai in WoohcH/nr7 f^iimmi
H II
fol. 62v-63, 14
gelb
untere Apfelbaumrinde (im Fruhjahr geerntet) so
viel du benotigst, etwas Safran (saffran), Lauge,
Alaun
в
fol. 106v, 308
saffran gell
1 Quentchen Safran (saffran), fur 1 Pfennig
Bleigelb, Wasser
2jT7v
fol. 258V-259, 409
gelb
Auripigment, Safran (Saffran), Alaun
fol. 57-57, 120
goltbluemen
1/4 Lot Safran (Saffran), 1 Lot Brasilholz, Wasser,
Gummiwasser
fol. 196V-197, 331
IA,, ]A Lot Safran (Saffran), 1 Lot Brasilholz, Wasser,
goltbluemenn Gumm|wassJ
Wi
fol. 305V-306, 17
gelb
1 grofte Schussel Moosblumen, 1/2 Lot Safran
(saffran), Wachswasser, Essig, Alaun
fol. 306, 18
gelb
2 Lot Auripigment, 1 Lot Safran (saffran), Alaun,
Wachs- od. altes Regenwasser
Ml
fol. 67, 53
rot
Brasilholz, Safran (saffrian), Alaun
M V
fol. 232v, 1243
Rot
Brasilholz, ein wenig Safran (Saffran), Alaun,
Wasser
M II
fol. 119v, 10
lawbuar
Berberitze (suram), Indigo, Safran (saffrian),
Wasser, Alaun
Au
fol. 15v, 20
grun
9 Lot Griinspan, 1/4 Lot Bleigelb, ein wenig Saf¬
ran (saffran), Essig
M IV
fol. 227r, 20
laubvarb
Indigo, galmei gamillen, Safran (saffran), Gum-
mi, Alaun
M V
39v, 114a
viride
Kreuzdornbeeren, ein wenig Safran (croco),
Wein Oder Essig, Alaun, Weinstein
40r, 116a
(Grun)
ein wenig Safran (croco), Honig, Essig, Alaun,
Kupfertopf
436 Vgl. 'i
Iiib. 21, S. 109.
120
Farhmind in den Oucdlen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
H V
fol. 287v, 57
grun
1 Lot GrQnspan, erbsengrofte Menge Safran
(.saffran), Essig
fol. 56-57, 119
ha г farb
2 Teile Klebkraut, 4 Lot Ruft, 1 Settin Safran
(Saffrans), 1 Maft kaltgegossene Lauge, 1Z Lot
oi
H IV
fol. 195v-196v, 330b
fol. 260v-261,418
harfarb
harfarb
2 Teile Klebkraut, 4 Lot Ruft, 1 Settin Safran
{saffrans), 1 Maft kaltgegossene Lauge, Vz Lot OI
Walnussschalen, Safran {Saffran), Alaun, Vz
Wasser, 1/2 Ham
Die Verwendung von Safran als lleilmiUcl und in dcr Buchmalerci war in den mit-
lelalterlichen Klostcrn iiblich. Da die Tcxtilfarbcrczeplc z.T. aus dcr Tradition der
Malcrci slammen, ist cine Ubernahme des Farbmittcls denkbar. Cielblarberezepte
mil Safran sind zwar bis zum Endc des bier betrachleten Zeitraums in den Quellen
enlhalten, auf cine umfangrcichc Nutzung dicser Anleitungen fur die Farbcrci liissl
sich daraus aber nichl schlieUen.
5.4.2 Carolinoidc in Schalenlieren
Schalentiere, wic Hummer odcr Krebse enthaltcn ebenfalls Carotinoidfarbstoffe.
Im Panzer dieser Tiere bcfindcl sich cin blauschwarzer Farbsloff, das Crustacyanin.
Dieser Farbstoff besteht aus cincm Aslaxanlhin-Protcin-Komplex, aus dem beim
Kochen durch Denaluricrung des Proteins dcr rotviolctte CarotinoidfarbstoIT
Astaxanthin freigesetzt wird (Abb. 23).‘ш
Abb. 23: Astaxanthin hs
Der Farbstoffhat nachweislich larbcnde Eigcnschaflcn, die heute in der Lebcnsmit-
telproduktion genutzt werden. Er ist unter der Nummer E 161 j als ZusatzstofNTir
die Tierernahrung zugelassen. Urn Zuchtlachscn die bei Wildlaehsen typische
Flcischfarbung zu geben, wird der Farbsloff dem Fischfulter zugesetzt. Ebcnso cr-
halten weiBfleischige Regenbogenforellcn lachsrotes Fleisch und werden als Lachs-
lorellen vennarktet/iw
Krebse oder Krebsscheren als Farbmittel sind in zwei der bier bearbeiteten
Quellen fur die Rot- und Braunlarbung aufgefiibrt. Die altcslc Handscbrift In cnl- 437 * 439437 Vgl. Wissensehafl-online: Astaxanthin; vgl. o.V.: Astaxanthin, in: ROMPP Online, RD-01-
03537; vgl. Kuhn, Sorensen; Farbstoffe des Hummers, S. 465.
43X Vgl. o.V.: Astaxanthin, in: ROMPP Online, RD-01-03537.
439 Vgl. Furopaische Kommission: Verordnung Nr. 2316/9<S, S. 4; vgl. Ratcnnann: Was 7'iere
hunt maeht, S. 149.
1' cirbnuttel in den One!ten
121
hall ein Rezcpt (fol. lOOv, 7a l b) in dcm Krebsc (chrebsen) allein bzw. mit Griin-
spanzusatz fur cincn Braunrotton (ziegelvar) dicncn sollen und in cincm wcilcrcn
Rezcpt aus der Handschrifi H IV (fol. 256-256v, 399b) wcrden Krebsschercn
(krebsschern) als Slreckmittcl bei cincr Rotlarbung mit Brasilholz verwendct. Floss
wcist bei dcm Rezcpt aus dcr Innsbruckcr Handschrifi daraulhin, dass hicr vcrmut-
lich abcrglaubischc Vorstcllungen zum Ausdruck kommen, verglcichbar mit dcr
Anwendung von rotcn Vcrbandcn zum Blutstillcn.440 441 442 Dcr Farbstoffgchalt in den
Krcbscn diirfte flir cine Rotlarbung dcr Fascr nicht ausrcichen, cine schwachc Ro¬
sa farbung ist aber vorstellbar.
5.5 Flavonoidfarbstoffe
Die Bczcichnung Flavonoide leitet sich von lat. jlavus — gclb ab, wcil cs sich bcim
groBtcn Tcil dcr Flavonoide urn Gelbfarbstoffe handclt. Flavonoide ist cine Sam-
mclbczcichnung flir haufig in Pflanzcn vorkommende Vcrbindungcn, die auf dcr
Molckiilstruktur dcs Flavons (Abb. 24) beruhen.
Abb. 24: l lavon und abgclcitctc Havonc, Havonolc und Anlhocyanidinc
(R - -I-b-OIlZ-OC II.O'"1
Das Farbstoffmolekiil besteht aus zwei aromatischcn (A, B) und cinem hetcrocycli-
schen Ring C. Die aromatischcn Ringc konnen mil clcktroncnlicfcrndcn Gruppcn
substituicrl scin, so dass cin groBcr Tcil dcr Idavonoidfarbstoffc mit Mclallcn
Komplcxc ausbildct und zu den Bcizcnfarbstoffcn zahlt.4 42 Auf Grund strukturcllcr
440 Vgl. Ploss: Buell von alien I'arben, S. 100, Anmerkung 7.
441 Vgl. Non mil Her: Rompp, Iki. 2, S. 1306: vgl. Wat/.l, Rechkemmer: Navonoide, S. 499.
442 Vgl. NenmiiHer: Rompp, Ikl. 2, S. 1306; vgl. Slint/.ing: Flavonoide, in: R()MPF Online, RD-
06-01067; vgl. Wal/I, Rechkemmer: Havonoide, S. 498; vgl. Sclnveppe: Nairn I’arbslolTe,
S. 319.
122
Idirbmillel in den Quellen
Unlcrschiedc an Ring C warden die Flavonoide waiter unterleill.441 In den bier be-
arbeitelen Quellen sind Flavonc (Luleolin in Farberwau), Flavonole (Rhamnetin in
Kreuzdornbccren) und AnthocyanfarbslolTc (Delphinidin in I Ieidelbecrcn) genannt.
Die larbcndcn Komponenten began in der Pflanzc meist als Glykoside vor, die
wahrend der Aufbereitung der Farbeflottc in Farbstoff und Zucker gespalten war¬
den. AuГ der Komplexbildung mit der Beize bcruhen zusatzlieh die meist guten
Waschechtheitcn der Farbungcn.
5.5.1 Flavonc (Farberwau, Farberschartc, Farberginster)
Farberwau (Reseda luleo/a L., vgl. Tafel 20), auch als Farberschartc, Gelbkraut,
Gilbkraut, Wau, Waude, Streichkraut oder Harnkraut bczeichnct443 444 445, ist eine der
altesten heimischen PHanzen fur Gelbfarbungen und wurde schon im Mittelalter in
Nordcuropa kultivicrt.44-'' Dcs Weiteren ist die Vcrwendung vom Wau in der Minia-
turmalerei soil romischcr Zeit belcgt.446 Die altesten Reste dieser Pflanzcnart (Sa-
men) wurden in Pfahlbau-Siedlungen der Jungsteinzeit im Sehweizer Alpcnvorland
gcfunden. Cine Verwendung in der F'arberci ist allerdings nieht bclegt. Weitere
Funde im Stuttgartcr Raum stammcn aus spatkcltischer Zeit (125 v. Chr.). Die in
romischcn Nicderlassungen (Neuss, Xantcn, Koln, 1. Jahrhundert n. Chr.) gcfunde-
ncn Samen legen den Einsatz als Farbepflanze nahe, da schon Vergil (70-19 v.
Chr.) und Vitruv (ca. 80-20 v. Chr.) eine gelblarbcndc PHanze namens Jutum“
bzw. Juteum“ beschreiben. Fiir das damalige Italian ist kcinc andcre Farbcpflanzc
fur Gclb bekannt, daher handclt es sich hier wohl um den Farberwau.447 448 449Fiir das Mittelalter ist Wau cbenfalls unter den Pllanzcnresten aus archaologi-
schen Ausgrabungen belcgt. Beispiele hierfur sind Koln, York (10. Jahrhundert),
Beverly (12. Jahrhundert), Worcester u.a.44s Aus dem IViihcn Mittelalter gibt es
weitere Indizien lur die Nutzung des Waus als Farberpflanze. In Rezepten Пя
Ilandwerker (Mappae Clavicula aus Siiditalien, ctwa 800 n. Chr.) sind Anweisun-
gen zum Gelbfarbcn enthalten. ,,,; Albertus Magnus (1200- 1280) nennt eine PHanze
mit Namen ,,gaada‘\ die weiltes Zeug gelb und blaues grim larbt. Flier handelt es
sich vermutlich um Wau, da die franzosische Bezeichnung ,gaude“ bzw. „vaude“
und die ilalienische ,,guadone“ lautet. Im Niedcrdeutschen soli der Name Waude
443 Vgl. Watzl, Kechkcmmcr: Flavonoide, S. 49X.
444 Vgl. Grimm: DWb, Ikl. 27, Sp. 2607; vgl. Mar/.cll: Pflanzemiamen, Bd. 3, Sp. 1301; vgl. Sau-
erliolT: Pllanzennamcn, S. I 15 I 16.
445 Vgl. Pouting: Dictionary of dyes and dyeing, S. 178; vgl. Reinicke: Wau, in: Angcrmann ct
al.: I.exMa, Bd. <8, Sp. 2078 2079.
446 Vgl. Augustyn, Lepsky: RDK-WI-B, Bd. 6, Sp. 1478 1479.
447 Vgl. Korber-Cirohnc: Nul/pllanzen in Deutschland, S. 417 418; vgl. Meyer: Farbstoffe aus
der Nalur, S. 3 I; vgl. Mcll: Weld, S. 335 334.
448 Vgl. Korber-Cirohnc: Nul/.pllanzen in Deutschland, S. 418.
449 Vgl. Meyer: Farbstoffe aus der Natur, S. 32.
F«rbmittel in den Quellen
123
lm 13. Jahrhundcrt auftreten.4M) Im deutschen Sprachraum wurde dcr Far-
CIWau auch als ,,Farberblumc“ bczcichnct, sicher cin Bclcg fur seine Bcdeutung.
Wauanbau land ab dem 13. Jahrhundcrt in der Picardie sowie in Flandcrn statt, ab
c^cm Jcihrhunderl erl'olgtc der Anbau im Kolner Raum.4*4 Die Farbepflanzc be-
hielt ihre Bedeutung Kir die Farberei bis zur Entdeckung Amcrikas und der damit
vcibundcnen Einfuhr neuer Farbmittel wie Gelbholz.
^iberwau wachst bevorzugt auf armen Boden, die zur optimalcn Farbstoffent-
wicklung moglichst trockcn, kalkhaltig und sandig sein sollcn. Hr wird im Ju-
li/August gesat und im Sommer des nachslen Jahres kurz vor der Samenrcifc geern-
tek Dabei wird die Pllanze mit der Wurzel ausgerissen und in gebiindeller Form
getrocknet.* 451 452
Nach Untersuchungen von Kaiser betragl der Farbstoffgchalt in dcr Pflanze im
Mittel 1,9 %, wobei die grofite Menge des Ilauptfarbsloffes Luteolin (CM. Natural
bellow 2, C.I. 75590, Abb. 25) in Blattcrn und Samen enthalten ist.453 454Abb- 25: Luteolin44
^as ^arben ist vergleichsweisc einfaeh. Durch Auskochen des Pllanzenmaterials in
Passer lasst sich cin farbstofflialtigcr Sud gewinnen, in dem das zu larbendc Mate-
nal direkt gelarbt werden kann. Luteolin ist aber nur bedingt wasserloslich. Die
Ldslichkeit in Alkalien ist deutlich holier, so dass die Farbausbcutc durch cine alka-
lischc Flotte gesteigerl werden kann.
Ohne Beize direktgefiirbl wird auf Wolle cin Bcigegelbton erzieli, aber bereits
lm Mittelalter wurde Wau vorrangig als Beizenfarbstoff verwendet, da die Beize zu
leuchtendcn Gclbtonen und besseren Echtheiten fiihrt. Wau Rirbt mit Alaun gebeiz-
tc Wolle zitronengelb, mit Eisenbeize erhalt man ein griinlichcs Oliv und mit
Chrom entsleht ein Gelborange. Mit der Entdeckung der Chrombcizc halte Wau
allerdings seine hervorragende Stellung als Gelbfarbstoff an das deutlich farbstar-
kere (jelbholz verloren.455
Vgl. Korber-Giohne: Nul/.pflanxen in Deutschland, S. 4IS.
451 Vgl. Reinicke: Wau, in: Angermann ct a 1.: LexMa, Bd. S, Sp. 2078 2079.
452 Vgl. Reckel: Ten Ibis ГагЬе, S. 68.
453 Vgl. Kaiser Quantitative Analyses of Flavonoids, S. 130; vgl. Ferreira et a I.: Historical textile
dyes, S. 334.
454 Vgl. Schweppe: Naturfarbstoffe, S. 322.
455 Vgl. Pouting: Dictionary ofdyes and dyeing, S. 178.
124
I'arhmittel in den Ouellen
liine vveilerc Farbcpflanze, die den I IauplfarbslolT Luleolin enlhall, isl der Farbcr-
ginsier (Genista tinctoria L., vgl. Tafel 21, links). IT isl heimisch in Lngland, in
Millel- und Siideuropa. l'arberginsler isl aus dem Millelaller insbesondere aus eng-
lischcn Quellcn bckannl. ITdienle bier im 14. Jahrhunderl fur „Kendal green" und
„Lineoln green", die dureh Uberlarben von mil Waid er/iellen Blautonen erreichl
wurden.lM>
Xum Farben client (iinster zur Xeil der vollen Bliile, verwendel werden Bliilen,
13liilter und diinne /weige. Der Farbsloff Luleolin liegl in Form von verschiedenen
an Zueker gebundenen (ilykosiden vor. Xusalzlieh isl noeh der Isollavonoid-
farbstoff (ienislein (CM. 75610) enlhallen.h7 Die Farbungen erlblgen an I' gebeizter
Wolle, vvobei zu beriieksiehligen isl, dass der Lnleolingehall lediglieh ea. 0,3 %
belragl.‘hs Fur einen inlensiven Cielblon miissen bezogen aufdie zu larbende Wa-
renmenge ea. 100 % Wau, aber 300-400 % l'arberginsler verwendel werden. Mil
Alaunbeizen erhall man ein Xilronengelb, das dureh Naehbehandlung mil Lisensalz
dunkelbraun, dureh Naehbehandlung mil Kupfersalz griinoliv wird.lv;
Die Farberseharte (vgl. Tafel 21, reehls) enlhall neben anderen I'lavo-
noidfarbslolTen ebenfalls den I IauplfarbslolT Luleolin als larbende Kompo-
nenle.160 Diese Talsache isl ersl seil Mille der lOOOer Jahre bekannl, bis dahin wur-
de der enlhallene Flavonoidlarbsloll als Serralulin bezeiehnel.161 Laul Kaiser sind
je nach PIlanzengroBe insgesaml zwischen 2,8 und 4 % Flavonoide enlhallen, wo-
bei der Farbsloffgehalt in den Bliillern am groblen isl.lb" Die larberisehen Ligen-
sehaflen enlspreehen denen des Waus und Farberginsters.
Die in den bearbeilelen Quellen genannlen Pllanzen fiir die (ielblarbung sind als
gilhlnme, gi/hkraut, tilelh phuneiu phicnien die gel werden und gel I pluemen be-
zeiehnel. Da alle Bezeichnungen Synonyme Hir den I'arberwau, den l'arberginsler,
die Farberseharle und weilere gelblarbende Pllanzen sind, liissl sieh das hier ver-
wendele Farbmillel niehl eindeulig idenlilizieren.‘u" Lediglieh in sechs Anleilungen
deulel die Bezeichnung der l arbepllanze aid die Verwendung von l’arberginsler 456 457 458 459 460 461 462 463456 Vgl. Moll: Dyers’s broom, S. 2<S; vgl. Pouting: Dielionary of dyes and dyeing, S. 89.
457 Vgl. Seliweppe: NaUirfarbstolle, S. 347 348.
458 Vgl. Ferreira el al.: Historical textile dyes, S. 334.
459 Vgl. Selnveppe: NalurlarbsloHe, S. 348.
460 Vgl. Ferreira et al.: Historical textile dyes, S. 334; vgl. Ilolenk de (iraalT: The Colourful Past,
S. 214 und 228.
461 Vgl. Seliweppe: Naturfarbstoffc. S. 349.
462 Vgl. Kaiser: Quantitative Analyses of I lavonoids. S. 130.
463 (iilbblume und (iilbkraul sind andere Oe/eiclinungon I'iir den Farberginster, die Farberscbartc
und den l iirberwau; vgl. (irinini: DVVb, Ikl. 3, Sp. 1329 und Ikl. 7, Sp. 7483; vgl. Kriinil/:
Oekonomisclie lincyklopiiclie. 1 11. 18, S. 531; vgl. Mar/ell: Pllan/ennanien, Ikl. 2, Sp. 607
((iinster), Ikl. 4. Sp. 289 (Scliarle) und Ikl. 3, Sp. 1302 (Wau); vgl. SauerliolT: Pllan/ennanien,
S. Ill, 114 115. (iilbkraul ist ebenso I'iir weitere gelblarbende РПап/еп wie das Scliollkraut
belegt; vgl. Mar/ell: Pllan/ennanien, Ikl. I, Sp. 925.
Furhmittel in den Quellen
125
b/w. Farberscharlc hin/,M Insgesaml sind gel be Blumen, Gilbkraut, Farberginster
und Farberscharte in 16 Rczcplcn fur die Gclbfarbung aulgeluhrl. Teilweise wer-
den zusatzlich weitere Cjelblarbmittel, wie Auripigment, Safran oder Sailor ver-
wendet. Wcilerhin sind drei Grim- und drei Braunlarbungcn beschrieben (Tab. 23).
lab. 23: Flavonlarbstoffhaltige F'arbmittcl in den Farbeanleitimgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M 1
fol. 67-67v, 56a
geibewe
Safran, gelbe Blumen (gelb plumen), weyd-opfel,
Alaun
M II
fol. 119v. 15
gelber
gelbe Blumen (pluemen die gel werden), Galmei,
Alaun, WachswQrz
fol. 120, 23
gelber
gelbe Blumen (pluemen, die gel werdent), Alaun,
Wasser
Au
fol. 23r, 45
gelb
gelbe Blumen (gelbe Blumen), Alaun, Wasser
M IV
fol. 227v-228r, 30
gell, gelb
gelbe Blumen (gell pluemen), ein wenig Safran,
Galmei, Alaun, Wachswiirz, Gummi
В
fol. 105v, 303
Goldfarb
1/4 Pfd. Saflor, 1/2 Pfd. Gilbkraut (geelkraut), Lauge,
Griinspan
H IV
fol. 224-224v, 367a geel
Blumen, die gelb farben (bluemen die geel ferben),
3 Finqer dick Kupferschlag, ein wenig Auripigment
H V
fol. 277V-278, 13
gelb
gelbe Blumen (blomen die geell seindt), Wein,
Alaun
Wi
fol. 305V-306, 17
gelb
grofle gelbe mos blu(o)men, Safran, Wachswas-
ser, Essig, Alaun
H V
fol. 278-278v, 16
gilb
Farberginster oder -scharte (schartt), Lauge
fol. 280v, 26
gelb
Farberginster oder -scharte (schartt), Alaun,
Wachswiirz
M IV
fol. 228v-229r, 48
gelb
1 Hand voll Farberscharte (scharden), Zinkvitriol,
Kalklauge, Alaun
В
fol. 90, 251
fol. 90v, 252
Kefiprue
gelb
10 Schapfen Farbe aus 90v, 252 (3x) (gilbkraut),
Wasser
2 Korbe deutsches und welsches Gilbkraut (gilb¬
kraut), Asche, Weinhefen, Waidasche
fol. 106, 306a
geel
1 Pfd.Gilbkraut (geelkraut), 1 guter Loffel Griin-
span, Lauge
H V
fol. 281 v, 35a
geell
Gilbkraut (geell krauth), Kupferhammerschlag,
Essig, Harn, Alaun, Leim
H IV
fol. 262V-263, 424
blaw (griin?) Indigo, Gilbblumen (gelbluemen), Alaun, Essig
dunckel
Farberscharte od. -ginster (krautt, heischt wait v(e)l
W
fol. 33r, 6b
schart Oder witschen), blaue Flotte, Waidaschen-
griin
lauqe, Wasser
В
fol. 107v, 314
grien
Holunderbeeren, Farberscharte (scharth)
In
fol. 100v, 6
ziegelvar
Mennige, zindlot (Farberscharte?), Essig, Alaun,
Alaunwasser
W
fol. 33r, 6a
praun grun
Farberscharte od. -ginster (krautt, heischt wait v(e)l
schart oder witschen), blaue Flotte, Waidaschen-
464 Die Farberscharte ist in den Quellen М IV, fol. 22Sv 22Dr, Re/ept 4S (schunk'll). II V, fol.
27S 27<Sv, Re/ept 16 und lol. 2S0v, Re/ept 26 (schartt) /u linden. Mit schardc oder schurlen
wil'd die Farberscharte be/eiehnet; vgl. Braehert: Maltechniken, S. S3. In Quelle W, fol. 33r,
Re/.epl 6 ist Farberginster (witschen) oder Farberscharte (waif v(cl) scliartcn) liir die (iriinlar-
bung mit Indigo anfjgeflihrl. Witschc oder wifsclicn ist ein alter Name Гиг den l arbergilister:
vgl. (irimm: l)Wb, 13d. 30, Sp. SI 5.
126
Farbmittel in den One Hen
В fol. 105,301a
lauge, Wasser
lf . V2 Pfd. Saflor, 1/2 Pfd. Gilbkraut (geelkraut), Kupfer-
^ vitriol, Lauge, Grunspan
Im Rczcpt fol. lOOv, 6 dcr Quelle In soil mit Mennige und zindlot Braun gefarbt
werden. Ploss vermutet hier die Verwcndung der Farberschartc, dcrcn Name aid
die ,,gescigten, sclutrtigen Lciubblcitter“ zuriickgcht.465 Bei Marzcll ist unter dcm
Bcgriff ,,Xindelwurzkt der im Alpcnraum bcheimatetc Gelbe Enzian (Genticinct Infect
L.) aufgcfiihrt, dessen Wurzcln nach Schweppe fur die Gclbfarbung von Wolle aid
einer Alaunbeize vcrwendet wurdcn. Allerdings flihrt Marzell das 17. Jahrhunderl
als friihestcn Beleg an.466 In der Vorsehrifl fol. 305v-306, 17 aus der Quelle Wi
soil mit grofien get ben mos bln(o)men und Safran ein Gelb erzielt werden. Hier
konnle es sieh uni die Sumpfdotterblume (Caltha palnstris L.) handeln, bei der al¬
lerdings eine farbcrischc Nulzung in der Lileralur nichl belegt ist.467 *5.5.2 Flavonole (Gelbholz, Krcuzdornbcercn, Saftfarben)
Farbmittel mit Flavonolfarbstoffen, die zum Gelbiarben von Wolle und Seide ver-
wcndet wurdcn, sind im Kernholz des in Siideuropa und der Levante bcheimatcten
Pcriickenstrauches oder Vcnczianischcn Sumachs (Cotinus coggvgria SCOP., vgl.
Tafel 25, links) und des aus Siidamerika stammendcn Farbcrmaulbccrbaumcs
(Chlorophora tinctoria L., alter Name: Monts tinctoria L., vgl. Tafel 25, rcchts)
enthalten. Beide Ilolzarten wurden im deutschen Sprachraum als Gelbholz be-
zeichnet, wahrcnd im Englischen die Farbmittel auch dem Namen nach untersehie-
dcn wurden.'ш Heutc wird das aus Siideuropa stammendc Holz als Fisetholz (cngl.
young fustic) und das siidamcrikanischc Ilolz als Gelbholz (engl. old fustic) be-
zcichnct.
Fisetholz enthalt den Flavonoidfarbstoff Fisetin (Abb. 26, links), dcr sich mit
hciBem Wasser aus den Ilolzspanen extrahieren lasst. Proteinfascrn werden gebeizt
und anschlicBcnd in dcr wiissrigen Farbstoflldsung oder mit cincm die I lolzspane
enthaltenden Beutel heiB gefarbt. Auf Alaunbeize werden Gelb-, auf Zinnbeize
Orange-, auf Chrombeize Rotbraun- und auf Eiscnbeize Olivtone erzielt.469
Nach der Entdcckung Amerikas 1492, wurde Gelbholz aus Siidamerika in Eu-
ropa bekannt und zunehmend fur die Fiirberei vcrwendet. Das Ilolz enthalt den
Flavonoidfarbstoff Morin (Abb. 26, rcchts) als Hauptlarbkomponente und cinen
Cierbstoff namens Maclurin, dcr die erzielbaren Gelbtone haufig zu Brauntonen
465 Vgl. Ploss: Biicli von alien Parboil, S. 126; vgl. Sauerhoff: РПап/.сппатсп, S. I 14.
466 Vgl. Marzcll: Pflanzennamen, Bel. 2, Sp. 627; vgl. Schweppe: Naliirfarbstoffe, S. 435.
467 Vgl. (irimm: DWh, Bel. 12, Sp. 2521; vgl. Kriinitz: Oekonomisehe Fneyklopadie, I’ll. 236,
S. 65.
46X Vgl. (irimm: DWh, Bel. 5, Sp. 2886; vgl. Kriinitz: Oekonomisehe Ivneyklopaclie, Th. 16,
S. 745 765. I’iir die Bencnnung im englischen Sprachraum vgl. Ilolcnk do (iraaff: The
Colourful Past, S. I 76 und 182; vgl. Pouting: Dictionary of dyes and dyeing, S. 87 88.
469 Vgl. I lofenk de (iraaff: flic Colourful Past, S. 176 178.
f'urbmi/iel in den Quellen
127
veiandert. Vor dcm Farben werden die Holzspane dalier in einer wassrigen Losung
mil tierischem Lein gekocht. Der Leim bindel den GerbslolT und mit dcr resultie-
•enden F'arbstofflosung konncn auf Alaunbcize reinc Gelbtonc gefarbl werden. Auf
innbcize werden zitroncngelbe, auf Chrombeize olivgelbe und auf Eisenbeize
uunkelbraune Tone erzielt.470 *Abb. 26:
Fisclin (links), Morin (rcchts)471
^CI Unicrschied zwischen Fiscl- und Gclbholz ist in dcr historischcn Litcralur im
AUgemeinen nichl crsichllich. So tiihrcn J. und W. Grimm bcide Holzartcn untcr
C^C1 Bczeichnung Gclbholz im Dcutschcn Worterbuch auf.472 473 In der Gelbfarbeanlei-
tung fol. 91, Rczcpt 253a + b der Quelle В ist fur einen Goldgelbton gelb prisilgen
hohz (gclbcs Brasilholz, Gclbholz) mit Krapp genannt. Micr wird cbcnfalls nicht
dcutlich, um welche Art cs sich handclt, Oltrogge identifiziert cs als Fisctholz, die
Ucikunlt aus Siidamcrika ist allcrdings ebenso denkbar, da die Handschrift aus dcr
2- Halite dcs 16. Jahrhundcrts stammt.
Plavonollarbstoffc sind cbcnfalls die Hauptfarbstoffc dcr Krcuzdornbccrcn odcr
Kicuzbeeren. Unter dcm Bcgriff Krcuzdornbecren werden die Friichtc von welt-
Wc,t ca. 100 Rhamnusarten zusammengefasst. Die im dcutschcn Sprachraum ver-
wendeten Kreuzdornbccrcn sind die Friichtc dcs Purgicrkrcuzdorns (Rhamnus
<-utharticus L., vgl. Tafcl 26), dcssen Name von lat. purgare ~ saubern, reinigen
abgelcitct ist. Er bezieht sich auf die abfuhrcndcn Eigenschaften dcr Becrcn.47-* Mit
Kreuzdornbccrcn konncn jc nach Reifegrad unterschicdlichc Farbtonc crziclt wer¬
den.
Allen Krcuzdornbecren gemcinsam ist die Hauptfarbckomponcnte Rhamnctin
^•F 75690), neben der je nach Art noch wcitcrc Flavonoidc, das Glykosid dcs
Rhamnetins, das Xanthorhamnin474 (CM. 75695), Rhamnazin (CM. 75700) und
Quercetin (C.I. 75670)) in unterschiedlicher Zusammcnsctzung cnthalten sein kon-
nen (Abb. 27).475 Xanthorhamnin hydrolysiert in heiber verdiinnter Saurc zu
470 Vgl. 11 о fen к do Graaff: The Colourful Past, S. 182~ 185.
471 Vgl.cbd.,S. 176 und 182.
477 v^f Grimm: DWb, Bd. 5, Sp. 2886.
473 Vgl. cbd., Bd. 13, Sp. 2254.
474 Die Vorsilbe Xanlho- deutet auf die gelbe Farbe bin. Sic ist von griech. xanthos - gelb ab«»lei-
lcl: vgl. Neunuiller: Rompp, Bd. 6, S. 4655.
475 Vgl. 11 о fen к de (iraaff: The Colourful Past. S. 194.
128
h'arhmillcl in den Oncdlcn
Rhamnelin und Xucker. Die in den Beeren enlhallenen farbsloffe bilden mil Melal-
len Komplexe und gehoren deshalb /u den Bei/enfarbstoHen.Mit Aluminium-
sal/ er/iell man (ielb-, mil Xinnsalz Orange-, mil f isensalz Oliv- und mil Chrom-
salz Rotbraunlone/77
он он
O-CH,
Abb. 27: Rhamnelin, Xanthorhamnin, Rhamna/in mul Quercetin1/s
Der farbsloffgehall isl in den unreifen Beeren (Iirnle von Juli August, vgl. Talel
27, links) am grbBlen, sie wurden als (ielbbeeren, pcrsischc Beeren oder
Avignonbeeren fur die (ielblarbung (CM. Natural Yellow 13) genulzl/'74 In Merck’s
Waren lex ikon aus dem Jalir 1884 sind die unterschiedlichen Beerenqualitalen be-
schrieben. lliernach handelte es sich bei den einheimischen Beeren urn die schlech-
teste und bei den persischen Beeren urn die beste Qualitat/,S() Pur die (ielblarbung
sind unreife (Un ezyttig) Kreu/.dornbeeren in den bier bearbeiteten Quellen nur in
einer Anleitung (Quelle Ли, fol. 13()r, Rezepl 58) enlhallen.
Reife (vgl. Tafel 27, rechts) b/.w. fast reile Kreu/.dornbeeren waren ein wichti-
ger RohstolT fur die (ievvinnung von Saftgriin oder Blasengriin (C.l. Natural Cireen
2). Saflfarben sind wiissrige, satire, alkalische oder alkoholische Ausziige aus Krau-
tern, Beeren, Blumen, Wurzcln und I Iblzern, die in der Malerei verwendet wur¬
den.,NI I’tir Saflgriin wurden Kreu/.dornbeeren nach mehrtagigem liinweichen in
Wasser mil Alaun und Pottasche verset/t und anschlieBend eingekocht. Das Trock-
nen land in Schweins-, Rinds-, oder Kalbsblasen stall, woraufder Name Blasen-
griin /uruck/uluhren ist. Xum Malen wurde die 1'arbe anschlieBcnd wieder in Was- 476 477 478 * * *476 Vgl. ebtl., S. m.
477 Vgl. 1 lolenk cle (iraall: I he ( olourhil Past, S. 166 167; vgl. Sclnveppe: NalurfarbstoHe,
S. 378 376.
478 Vgl. elxl., S. 330 331.
476 Vgl. ebtl., S. 378 376.
4X0 Vgl. (idlihoLTCii. in: Merck: Merck's Wnrenlexikon. S. 154.
4X1 Vgl. liniclierl: Mnllechniken, S. 21 I 212.
h'arhinillcl in clcni Oucllcn
129
ser gclost/,x“ I'asl rcife Bcercn wurden bei dcr Farbgcwinnung bevorzugt, da die
aus rcifen Bcercn hcrgcstelltc Farbe gclbstichigcr war. In Meyers Konversationsle-
xikon wird zusatzlich fur die ZubereiUmg von Saftgriin auf die Verwendung eines
Kupferkessels hingewiesen, wahrend der Alkalizusalz nicht erwahnl isl.'4s’ Kriinitz
luhrl in seiner umfangreichcn Beschreibung der Saflgriinherslellung ebenlalls die
Verwendung des Kupferkcssels aufund nennt Pottasche an Stelle des Alauns. Ilier
heiBt es:
„Zur Bereitung dieser Farbe sammell man cine gate Quantital, |...|, soldier Bcercn,
wenn sic im Sept, reif geworden sind, zersloBl sic |...|, und Iiissel sic, |...|, 6 bis 8
Tage lang, in irdenen (ielaBen im Keller stehen, [...]. Nach Verlauf dieser Zcil, pres-
set man den Salt [...], aus, [...) Iiissct man |...| sodann in einem kuplerncn Kcsscl,
[...] bis zur Ilonig- Dicke abrauchcn. [...] So bald [...] die erkaltetc Probe |...| die
C'onsistcn/. des bekannlen Hoh I under" Saftcs hat, muB man augenblicklich [...] lcin
pulvcrisirtcn Alaun, |...|, odcr cben so viel gcrcinigtc Pott-Asdic, in den Kcsscl
sehiitten, allcs schncll durcli cinandcr mischcn, and daraaf anvcrziiglich den gan/.en
Salt ausschopfen. So bald cincs von dicscn Sal/.cn in den Salt geschiiltet wird, ver-
andert sicli aacli aagcnblicklich die vorige schmat/.igc I'arbe in ein sellout's (iriin.
Der Salt kann entweder in irdene (ieschirre, die nicht all/.u hoeh sind, gelullel vver-
den, die man im folgenden Winter, mil einfacheni Papiere Iur den Staab verbanden,
auf den Stuben Ol'en setzt, and daselbst bis zar volligen Auslrockinmg stehen
Iiissct. Oder man Ili 1 let ilin in groBe Sclnveins odor Rinds Blasen, steekt in die
obere Oeffnang einer jeden derselben ein Stiiek aasgehohltes Ilohlunder llolz, da-
mit die nodi iibrige Feuchtigkeit aasdiinsten kdnne, schniirt am selbiges die Blasen
lest /a, and liiingt sic den Winter durcli am den Stuben Ofen lieram, bis aaeh darin
der Salt gan/ trocken and consistent geworden isl.“INI
In den bier bearbeiteten Quellen sind Kreuzdornbeeren als 1 intenbeeren,
Wechelbeeren, Wehdornbceren, ScheiBbeeren oder lahruscis spuuirum I ur die
Griinlarbung genannt. Tintcnbccrc ist bei (irimm, Kriinitz und Marzell I ur Bcercn
des Kreuzdorns (Rhamnus catharticus L.) oder des Ligusters (Ligiistnim vulture
L.) belegt. ,ss Schweppe weisl darauf bin, dass mil Liguslerbeeren und Alaun aid
Wolle und Leincn blau gelarbt werden kann, fiir die (irunlarbung aber zusatzlich
ein Ausz.ug aus Ugusterbliittern benotigt wird. Da in den Quellen in keinem Rezept
von einem Blatterauszug die Rede ist, ist bier wohl die Kreuzdornbeere gemeinl. ,{'
Als weitere Bczeichnung fur Kreuzdornbeeren fiibren Grimm und Kriinitz Weg-
dornbeere, Wachcnbcerdorn, Wegedorn oder Webdorn aul.1X7 482 483 484 485 486 487482 Vgl. Kiihn: Farbmalerialien. in: Kiihn el a I.: Ilanilbucli dcr kimsllerisclicn Icchnikcn. S. 34.
483 Vgl. Sallgriin, in: Bibliographischcs Inslilul: Meyer's Kon\ersations-l.exikon, Bil. 14, S. 168
484 Vgl. Kriinit/: Ockonomisclic kn/yklopadic, Tli. 49, S. 103 105.
485 Vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 2, Sp. 1181. Kriinit/: Ockonomisclic kncyklopadic. 111. 185. S. 163;
vgl. Mar/cll: Pllan/cmiamcn. Bd. 3, Sp. 1310. Die Be/eichiumg ScliciBhccic beralit an I abliili-
renden 1 agcnschaI'lcn dcr Bcercn; vgl. l)Wb. Bd. 14, Sp. 2463; vgl. Mar/cll: IMIan/ciinamcn.
Bd. 3, Sp. 1309.
486 Vgl. Schweppe: NaturlarbstolTc. S. 404.
487 Vgl. (irimm: l)Wb. Bd. 27. Sp. 2676, 3079, Bd. 2, Sp. 1181; vgl. Kriinit/: Ockonomisclic
kncyklopadic. 1 11. 49, S. 92, 94; III. I 18, S. 739.
130
Farbmidel in den One!ten
17 Anleitungen der hier bearbcitcten Quellen bcschrciben Griin Farbungcn mil
Kreuzdornbeeren, in scchs Vorschriften ist dabei cin Zusatz von Griinspan bzw. die
Farbung in cincm Kupfertopf vorgcschen (Tab. 24). Unlcr dem in Quelle H П, fol.
59v 60, Rczepl 8 aufgefuhrten perick griin (Berggriin) kann ebenfalls Griinspan
vcrstanden werden, da Berggriin in der Literatur fur Kupfergriin bclegt isl, was
wiederum einc alternative Bezeichnung fur Griinspan war.4ss Wahrend Alaun als
Beizmillel in fast alien Rczepten aufgeliihrt ist, isl der Laugenzusatz lediglieh in
zwei Anleitungen genannt. Allc anderen Farbungen werden in saurcr Flottc durch-
geluhrt. Fine weiterc Instruktion beschreibt die Verwendung von Kreuzdornbecren
mil Indigo und Alaun fur cinen Braun-Griinton. Hier wird aus saurer Losung ge-
farbl, ohne dass der Indigo verkupt wird (vgl. 5.7). *Tab. 24: Krcuzilombccrcn in den FarbeanleiUingen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M II
fol. 119v, 8
gruen
Kreuzdornbeeren (tinkkenper), Alaun, Essig
Ba
fol. 181 r, 4
geilgrun
Kreuzdornbeeren (scheisber), Alaun
Bas
fol. 59r, 154
grun
Kreuzdornbeeren (dimpten), Alaun
Be
fol. 139-141,69 saf grun
1 Becher od. mehr Kreuzdornbeeren (wechelber,
tintenber) Alaun
Au
fol. 129v-130r,
57 grun
Kreuzdornbeeren (wedorn pir), Alaun, Bier
M IV
fol. 227v, 27
gruen
Kreuzdornbeeren (tincken per), Alaun, Essig
MV
fol. 39v, 114b
viride
Kreuzdornbeeren (labruscis spinarum), Alaun,
Essig od. Wein
В
fol. 107v, 312
gra&grien
Kreuzdornbeeren (tyntenper), Alaun, Lauge
H IV
fol. 265, 433
grien
Kreuzdornbeeren (tingterber), Alaun, Essig
fol. 304v, 12
grun
1 Mali Kreuzdornbeeren (wechelber), Alaun
Wi
fol. 305, 14
liechtt loub
1 Mali Kreuzdornbeeren (wechel bere), Alaun,
Kalkwasser
Au
fol. 16r, 22
, grun
Kreuzdornbeeren (tintten per), GrQnspan
H II
fol. 59v-60, 8
griin
Kreuzdornbeeren (wedorn per), evtl. Berggriin,
Alaun, Essig
fol. 60v-61, 9
grun
Kreuzdornbeeren (Waidornbeeren), GrQnspan,
Essig, Alaun
M V
39v, 114a
viride
Kreuzdornbeeren, ein wenig Safran, Wein od.
Essig, Alaun, Weinstein
fol. 39v, 115
viride
Kreuzdornbeeren (wedorn), Kupfertopf, Alaun,
Wein
В
fol. 107, 310a
grienn
25 Mali Kreuzdornbeerensaft (safftgrien per von
den hagendorn), evtl. Grunspan, Alaun, Wein __
Wi
fol. 305, 15
grun
1 Mali reife Kreuzdornbeeren (wechel bere), 1 Lot
Grunspan, Alaun, Essig
Wi
fol. 305, 13
brun satt
grun
1 Mali reife Kreuzdornbeeren (wechelber), 1 Settin
Indigo, Alaun
4KK Vgl. (irimm: I)Wb, Bd. 1, Sp. 1512 und Bd. I I, Sp. 2763 und 2765; vgl. Braclierl: Mallechni-
ken, S. 145; vgl. Kriinitz: Ockonomischen Fncyklopadie, Tli. 20, S. 229; vgl. Augustyn,
Lepsky: RI)K-Web, Bd. 6, Sp. 1480.
Farbmittel in den Oueilen
131
eben Krcuzdornbccren sind ftir die Hcrslellung von Saftgriin in dcr Lilcratur vide
weitcie Pflanzcn belcgt.489 Alle diese Farbmittcl sind in den bearbcitcten Quellen
ebcnfalls /ur SaAgrunfarbungen zu findcn (Tab. 25).
21 Anlcitungen beschreiben die Nutzung von Saftgriin, wobei in sechs Vor-
schiiften das Farbmittel ohne einen Hinwcis auf die Hcrkunft lediglich als
>,Saltgriin“ bezeichnen. 15 weitere Farbcvorschriftcn ftihren Nachtschattenblattcr
und -beeren (Solarium nigrum L.)490, Rautenblatlcr (Ruta gmveolens L.)491,
Schwertlilien (Iris germanica L.)492 493, Wacholdcr (Juniperus communis L.)492 oder
YsoP (Hyssopus officinalis L.). als Rohsloff fur Saftgriin auf.494 495 Weilere Instruktio-
nen beschreiben die Farbung mit frischen Trieben des scgcUhaum, Fspenlaub und
Indigo in Verbindung mil Saftgriin. 4‘ъ
489 Vgl. Bra chert: Mallechnik, S. 211212; vgl. Augustyn, Lcpsky: RDK-WFB, Bd. 6, Sp. 1482
1483.
49^ Ahd. nahiscuto b/.w. mhd. nahtseiiale sind bci Grimm fiir den Schwarzen Nachtschattcn
(Solatium nigrum L.) genannl; vgl. Grimm: DWb, Bd. 13, Sp. 213.
4^l Die Rautc (Ruta graveolcns L.), wegen ihres aromalischcn Dufies aueli Weinraule genannl, isl
1,1 K‘lP- 70 des „Capitularc de villis" genannl. Sic wurde im Millelaller als Gewiirz- und lleil-
pflanzc verwendcl; vgl. Weinraute, in: Freundcskrcis Bolaniseher Garlen Aachen e.V.: Der
Karlsgarlen.
49~ Die blaue Sehwerllilic (Iris germanica L.) isl als plah gilgen pluomen in den Anleilungen
genannl. gi/gc isl cine suddeulsche, vorwiegend alemanniselie Bczeichnung liir die Lilie; vgl.
Grimm: DWb, Bd. 7, Sp. 7504. Die Saflgriingewinnung aus Sehwerllilien fur die mitlelallerli-
e'he Buchmalerei beselireibl Thompson. Dazu wurden Leinenliieher in eine Alaunlosung ge-
buiehl und gelrocknel. Ansehliebend wurden sie in Lilicnsaft gelrankl und gelroeknel. Das
'Tauelien in Alaun- bzw. Liliensafl wurde wiederlioll, bis das Tueh genug Farbe aufgenommen
batle. Zum Malen wurde der b'arbsloff vom Tueh abgelosl; vgl. d’hompson: Medieval Painting,
S. 171.
493 Wacholdcrbeeren (wuchaher her), die Beeren des Wacholdcr (Juniperus communis L.), dien-
len sell on im Millelaller als Gewiirz bzw. auf Cirund des Gelialts an elherisehem Ol als Ileil-
millel, vgl. Cirimm: DWb, Bd. 27, Sp. 57. Brachcrt nennt die Verwendung von unreifen Bee-
rcn fiir die f arbung, vgl. Braeherl: Malleehniken, S. 265. Der Reifcgrad der Beeren isl im Re-
/cPt nieht genannl.
494 Isop^ ispen, /lysoj) sind naeh Cirimm Bezeiehnungen fiir den Ysop {Hyssopus officinalis L.);
vgl. Cirimm: DWb, Bd. 30, Sp. 2575.
495 Segclbaum isl eine Bezeichnung fiir den Sade(l)baum oder auch Slinkwacholder (Juniperus
sabina L.); vgl. Cirimm: DWb, Bd. 16, Sp. 90; vgl. Kriinitz: Oekonomische Fneyklopadie, Th.
129, S. 484; vgl. Marzell: Pflanzennainen, Bd. 2, Sp. 1097. Schwcppe fiihrt aus, dass zum Far-
ben mil l leidewaelioldei- (Juniperus communis L.) Beeren oder frische Triebe verwendcl wei-
den, mit denen auf mil Alaun vorgebeizter Wolle Olivlone ge/arbl werden kdnnen. Waehol-
derspitzen enlhallen den Flavonolfarbsloff Rulin (CM. 75730) als Ilauplfiirbekomponenle; vgl.
Schwcppe: Nalurfarbstoffe, S. 500. Rutin isl gul loslich in heibem Wasser und hydrolysiert
nielil beim t arben; vgl. SDC: Colour Index, Volume 4, S. 4638. Fspenlaub client mil (irunspan
im Rezepl 1Ы. I07v, 313 der Quelle B, fiir die (iriinfarbung. lispe oder Aspe isl ein anderer
Name fiir die in Furopa lieimisehe Zillerpappel (Popuhts tremulu I..). Uber die Verwendung
der Zillerpappel in der Texlillarbung isl nielils belegl, aber Kriinitz erwahnl, dass die Butler
V()n Kiihen, die im Winter mil Fspenlaub ge/ullerl werden, so gelb wie im Sommer isl. Dieses
isl vermutlieh auf enlhallene Flavonoidfarbsloffe zuriiekzufiihren, wie sie fiir die Schwarzpap-
132
Farbmittel in den Quelien
'l ab. 25: Saflgriin in den Larbeanleiliingen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
N II
fol. 54r, 96
grun
Saftgrun (saftgrun), Griinspan, Kreuzdornbeeren
(saftgrunper), Alaun, Gummi, Wasser
M IV
fol. 227r, 21
gruen
Saftgrun (saftgruen), Griinspan, Kreuzdornbeeren
(tinckenper), Alaun, Gummi, Wasser
H II
fol. 68-68v, 25
fol. 53, 110
laubgrun
lop
gruen
2 Lot Griinspan, 1/2 Lot Saftgriin {saftgrun), Ol,
Essig
2 Lot Griinspan, Saftgriin (safftgrien), Kupferge-
fafi, Essig, Ol?
H IV
fol. 191 v—192, 322
laubgrien
2 Lot Griinspan, Saftgriin (Saftgrienn), Kupferge-
fafi, Essig, Ol?
H II
fol. 61, 10
grun
Schwertlilien (plab gilgen pluomen), ein wenig
Griinspan, Kupferhammerschlaq, Leim
MV
fol. 232r, 1236
fol. 223r-233v, 1250
Gruen
gruen
4 Pfd. blaue Lilien {plab gilgen), 1 Vierdung Griin¬
span, Alaun
blaue Lilienblatter {plab lilgen pletter), 1 Lot feinge-
riebener Griinspan
fol. 15r, 18
grun
Nachtschatten {nacht schaden pern), Alaun, Essig
Au
fol. 15r—15v, 19
fol. 128r, 54
grun
grun
Nachtschattenbeeren {nacht schaden pern),
Alaun, heller: Griinspan
Nachtschattenblatter, Weinrautenblatter (nacht
schaden pletter, rautten pletter), Alaun
H VI
fol. 50v, 6b
grun
Wacholderbeeren {wachalter ber), Lauge
M II
fol. 119v, 17
grun
Ysop {hispen),Wasser
fol. 119v—120, 21
grun
Ysop {hyspen), Galmei, Wachswiirz, Asche, Alaun
M IV
fol. 229v, 60
gruen
Ysop {yspen), Kupferasche, Kupfergriin, Wachs-
wiirz, Asche, Alaun
M V
fol. 223v, 1251
grun
4 Handvoll Ysop {ysopp), 1 Lot Griinspan, Alaun,
Essig, Wasser
H IV
fol. 257V-258, 405a
grien
Ysop {ypschen), Kupfergefafi
H V
fol. 281-281V, 32
grun
Ysop {Ispen), Kupferwasser, Asche?, Wasser
H V
fol. 280-280V, 24
grun
frische Triebe vom Sadebaum {segellbaum, das
wirttgresting), Kupferhammerschlag, Honig, Es¬
sig, Salz, Kupfergefafi?
В
107v, 313
grienn
Espenlaub (Espenlaub), Griinspan, Wasser
H IV
fol. 59v-60, 125
gruen
4 Lot Indigo, 1 Pfd. Saftgriin {safftgrien)\ Lauge, Ol
Bei einem groBen Toil der Saflgrimfarbungcn ist wieder der Zusatz von Griinspan
odor die Verwcndung eines Kupferkcssels beschrieben, was nach Thompson cine
in der Malcrci ubliehe Verfahrensweise war/l% In Quelle M IV, 1Ы. 229v, Rezepl
60 ist Griinspan als clnipjfer aschen bzw. chupffer gruen genannt.197 Der iiberwie-
gende Teil der Farbungen soil aus saurer Flotte erfolgen. * 406 407pel (Papains nigra L) bekanut sind. Knospen unci Rinde wurden mil Alaunbei/.e fur die Ciclb-
larbimg von Wolle verwendel. Vgl. Scliweppe: NaliuTarbstolT, S. 365 366; vgl. Lagoni: Die
Schwar/pappel, S. 70 71.
406 Vgl. Thompson: Medieval Painting, S. 170.
407 Vgl. Brachert: Maltechniken, S. 145; vgl. (irimm: DWb, Ikl. II, Sp. 2763; vgl. Kriinilz:
Oekonomischen Lneyklopadie, I'll. 20, S. 220.
13.1
Furbmittel in den Quellen
5-5.3 Wcilerc Pflanzcn mit Flavonolfarbstoffen
Gelbhirbende Flavonolfarbstoffe sind auch in Beeren, Blaltcm, Bliilen odor Rindcn
vcrschicdencr weitercr Pflanzen cnihaltcn. In den Quellen sind Apfelbaumrinde,
Ligusterbcercn und -rinde, unreife Altichbeeren, gahnei gcimillen di phtmen sowie
Lorbeerblatter genannl (Tab. 26).
Wcitcrc Farbmiltcl mit FlavonolfarbstoHcn in den Farbcanlcilimgen
Quelle Rezept
Farbtor
i Farb- und Hilfsmittel
H II
fol. 62v-63, 14
gelb
untere Apfelbaumrinde (affalter rinden, im Fruh-
jahr geerntet) so viel du benotigst, etwas Safran,
Lauge, Alaun
M V
fol. 223v, 1257
Gelb
mittlere Rinde von wilden Apfelbaumen (Rintten
von Wilden affalternn), Alaun
H VI
fol. 51, 8
gel
untere Apfelbaumrinde (affeltern schelfen), Was-
ser, Alaun
H II
fol. 63-63v, 15
fol. 63-63v, 16
gelb
get
untere Rinde von Weidenholz (weidem holcz die
vnder rinden, Marz), etwas Saflor, Lauge, Alaun
unreife Ligusterbeeren (weyden per vmb sand
Johannes tag), Lauge, Essig, Alaun
Au
fol. 23v, 46
gelb
unreife Attichbeeren (adich pernach sant
johanns tag), Wasser
M IV
fol. 227r, 20
laubvarb
Indigo, galmei gamillen di plumen, Safran, Gum-
mi, Alaun
M III
fol. 195r, 133
schwarcz
Lorbeerblatter (laub von den lauberen), Gerbstoff-
schwarz
M V
143v, 440
swertzen
Lorbeerlaub (laub von den lorberen), Gerbstoff-
schwarz
HIV
fol. 225-225V, 370
Schwartz
Lorbeer (lorper), schwarze Farbe
Wi
fol. 303v, 8
rott
Holzapfellaub (wild holcz opfel loub), gleich viel
Ahornlaub, gleich viel kostenn blumen (Kasta-
nienbliiten?), Wachs- od. Regenwasser, Alaun
Apfelbaumrinde (affalter linden) enthalt den Idavonoidfarbstoff Quercetin. Auf
alaungebeizter Ware wird ein Gelbton crzielt/m In Quelle H II wird in den Rezep-
lcn fol. 63-63v, 15 und 16 mil weidein holcz bzw. wevden per gelb gelarbl. Weide
bezeiehnet Pflanzen der Gattung sedix. Ab ea. 1500 wird diese Bezeichnung auf
,,weidcnahnlichc“ Pflanzen wie den Liguster (Ligustrwn vidgare L.) iibertragen.
Die Bezeichnung Rainwcidc isl ftir den Liguster noeh heute iiblich. Die Hand-
thrift isl auf das 15. Jahrhundert datiert, die Identifikation des Weidenholzes als
Ligusterholzfrinde) ware also moglich. Blatter, gelbe Zweige und Rinde des Ligus-
ters enthalten gelbfarbendc Flavonoidfarbsloffe und 6-10 % Gcrbstoffe. Lin Blat-
tcrextrakl farbt mil Alaun und Weinstein gebeiztc Wolle gelb oder gelbbraun an.
Wird alaungcbcizle Wolle mil Beeren- und Blatlcrcxtrakt gefarbt, erhalt man einen
Cminton. Die genannten Weidenbceren sollen urn St. Johannes (24. Juni) geerntel
effaher odcr apfaher isl der mild. Name des Apfelbaumes; vgl. (irimm: I)Wh, IUI. I, Sp. 185
und Sp. 534; vgl. BMZ, Bd. 4, S. 31.
134
I'arbrniUcI in den One lien
werden. Liguslerbecren sincl ab September re if, im Juni werden also imreife Beeren
geerntel. Diese sind bei Brachert fur die (ielbnirbung belegt.'m
Kastanienbliiten (kdslenn hhunen) sind mil Apfelbaum- und Ahornlaub fur eine
Rolfarbung aufgefiihrt. Kdsten (oder kcislen, keslen) ist ein alter siiddeutseher Name
ltir die Rosskastanie (Aeseidus hippoeaslanum L.) und ihre Frucht/00 Die Bliiten
enthalten ein Glykosid des FlavonolfarbstolTes Quercetin, das Isoquercitrin/01 Die
Rosskastanie ist seit dem 16. Jahrhundert in Mitteleuropa heimisch/02
Allichblalter (Sandmens chains L.) sind in den Quellen In und Bas in den Re-
zepten fol. 83v, 2 bzw. fol. 59r 59v, 156 als allichpleler und alichp/eler mil Indigo
liir die Blaufarbung durch Aufstreichen genannt. Sie enthalten vermutlich wie die
Blatter des Sehwarzen Ilolunders (Sandmens nigrus L.) neben Gerbstoffen die
Flavonoidfarbstoffc Quercetin, Rutin und Isoquereitrin als flirbende Komponen-
ten.Mb Die Blatter sind hier wohl Slreckmittel fur den Indigo. Je naeh verwendeter
Menge, diirfte der durch diese Farbung erzielte Blanton grunstichig sein. Unreife
Attichbecren (nil zeiffig und grim) sind ltir die Gclbfarbung genannt.
Bei den ltir eine Grunlarbung mil Indigo und Sal ran genannlen gahnei gandllen
di plumen (Quelle М IV, fol. 227r, 20) konnte es sich laul Oltrogge uni aufZink-
bdden vorkommende Pllanzen wie das im Aachener Raum beheimatete Gelbe
Galmei-Veilchen {Viola ealaminaria (DC.) Lej. s. str.) oder das Dickblalt-
Taschelkraut (Thlaspi ealaminare (Lej.) Lej. & Courtois) handeln. ltir bcidc РПап-
zen ist das Synonym Cialmei-Blume belegt, liber eine Verwendung in der Farberei
ist allerdings nichts bekannt ist.MM Ilier ist aber ebenso denkbar, dass es sich urn
Galmei, ein fur die Beize verwendeles Zinkerz, und urn Farberkamillen (Anthends
lineloria L.) handclt. Sie enthalt FlavonoidfarbslolTe wie Luteolin und wird teeh-
nisch wie Itirberwau verwendel.Mn
Lorbeerbliitter (lanheren laid), lorper) enthalten neben atherischem 01 verschie-
dene I lavonoide (Quercetin, Rutin) und Gerbsloffe.MK> Sie sind bei Schwcppc we-
gen ihres Idavonoidgehaltes als I arbmillel ltir die Gelblarbung von Wolle mil einer
Alaunbeize aufgeluhrt.'07 Als Lorbeer werden sowohl die h’ruchle des Lorbeerbau-
mes (Lauras nohilis L.) als auch der Baum selber sowie seine Zweige und Blatter 499 500 501 502 503 504 505 506 507499 Vgl. (irimm: DWb, Pel. 2S. S|). 541; vgl. Bmcherl: Maltcclmikcii, S. 155 156; vgl. Schwcppc:
N at urfa rhsto Пс, S. 403 404.
500 Vgl. (irimm: DWb, Ikl. I F Sp. 26X u. Sp. 1862.
501 Vgl. Schwcppc: NaturhubsloHc, S. 331. (mine Schalcn und Platlcrdcr Kastanic werden in der
modernen Fileratur Liir l arbungen verwendel. (iriine Schalen larben Rot bis Braun, Blatter
tarben (ielb; vgl. l eddersen-l 'ieler: l arben aus der Nalnr, S. 104 106.
502 Vgl. Beckmann, Frfindungen, Btl. I, 3. Sliick, S. 498 502.
503 Vgl. Schwcppc: NaturfarbsloHe, S. 400.
504 Vgl. Oltrogge: Datenbank; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Bel. 4, Sp. 694 und I 197.
505 Vgl. Schwcppc: NaleirfarbsledTc, S. 349.
506 Vgl. Schdpke: Ar/neipnan/enlexike)n, Fe)rbeerblatler Fauri folium; vgl. I lager et al.: Hagers
I lanelbuch eler pharma/eutischen Praxis, Bel. 3, S. 54.
507 Vgl. Schwcppc: NalurlarbstedTe, S. 371 372.
h'arbmittel in den (hudten
135
bezeichnet.M,s Zwci Anleilimgen tier hier bcarbeiten Quellen bcschrciben die Ver-
wendung tier Blatter als Vorbehandlung 1 ur die Schwarzlarbung auf Leinen.MW I lier
wird nicht klar, ob mil tier Vorbehandlung zunachst ein (ielbton auf dem Subslrat
erzielt wertlen soil, tier dann anschlicGend dureh eine zweite Farbung zu Schwarz
Liberiarbt wird, oder ob die Vorbehandlung mil den in den Blattern enthaltenen
(icrbstollen im Vortlergrund sleht, was bei tier anschlieGenden Verwendung von
GerbstolTschwarz eigentlich nicht erforderlieh ware.
5.5.4 AnthocyanfarbstoiTe in Beeren und Bliiten
AnthocyanfarbstoiTe, ebenfalls eine Unlergruppe tier FlavonoidfarbstolTe, sind role,
violette und blaue l;arbstoffc, die in unlersehiedliehen Mengen in Beeren, Bliiten
und zum Teil auch in Blattern vcrschietlener Pilanzen vorkommen und deren cha-
rakterislisehe Farbungen hervorruien. l)cr Name leitet sich von griech. anlhos
Bliite und kyanos - blau ab. In den Pilanzen liegen die Farbsloffe als Anthocyane,
d.h. als (ilykosidverbindungen tier entsprechenden Farbstoffe (Anthocyanidine)
vor, die bei tier Flottenherslellung dureh Eirhitzen in saurer Losung in
Anthocyanidine und Zuckcr gespallen wertlen.
Das Grundmolekiil aller Anthocyanidine wird als Flavyliumkalion bezeichnet.
P.s enlhall je nach AnthocyanfarbstolT Hydroxyl- untl/otler Methoxygruppen in
ortho-Slellung zur am Ring A befindlichen I lydroxylgruppe (Tab. 27).4(1
1 ab. 27: Strukluren tier Anthocyanidine41
Grundstruktur
Anthocyanidin
Rest Ri
Rest R2
Farbe
Ra
Pelargonidin
-H
-H
Orange
OH
Cyanidin
-OH
-H
Orange-Rot
Delphinidin
-OH
-OH
Blau-Rot
Petunidin
-OH
-OCH-,
Blau-Rot
4oh
Malvidin
-OCH,
-OCH-,
Blau-Rot
OH
Peonidin
-ОСНз
-H
Rot
Lage, Anzahl und Art tier Substiluenten haben Finlluss auf den Farbton tier
Anthocyanidine. Zusatzlich ist die Farbe tier einzelnen AnthocyanfarbstoiTe pll-
Werl-abhangig, was auf Antlerungen in tier Molekiilstruktur dureh Satire- bzw. 508 * 510 511508 Vgl. (irimm: DVVh, Bd. 12, Sp. I 146.
506 In dor Quelle M III (Ibl. I95r, Re/.epl 133) soli das Subslrat vier Stunden im Forbeersud ge-
koelit wertlen, das Re/epl tier Quelle II IV (Ibl. 225 225v, 370) nennt eine Stuntle. Ansehlie-
Oeiul wird in beiden Anleitungen mit (ierbstolTsehwar/ gelarbl.
510 Vgl. Wal/I et ah: Anlliocyane. S. 148; vgl. Neumiiller: Rbmpp, Ikl. I. S. 221 222; vgl.
Diemair et ah: Unlersuclnmgen iiber Anlhoeyane, S. 173 175; vgl. Otteneder, Slint/ing: An-
thoeyane, in: ROMPP Online, RD-01-02670.
511 Vgl. Wat/1 et ah: Anthocyane, S. 148: vgl. Otteneder, Stinl/ing: Anthocyane. in: ROMPP
Online, RD-01-02670; /u den harhen vgl. Rein: berry anlhoeyanins, S. I I.
136
Farbmiitel in den Ouellen
Alkalicinfluss zuruckzufTihrcn ist.512 Diesc pH-Abhangigkeit dcs Farbtones zeigl
sich nicht nur bei dcr Vorbereilung der Farbeflottc, sondcrn cbenso in einer Emp-
findlichkcil dcr Farbungen gegeniiber Sauren und Laugen.513 514 515In den bearbeitcten Qucllcn sind fin* Farbungen mil Anthocyanfarbstoffen l leidel-,
Holunder-, Attich-, Him- und Ligusterbccren, sowic Kornblumen- und Klatsch-
mohnbluten aufgefuhrt, die vcrschicdene Anlhoeyanderivale in unlersehiedlieher
Konzenlration enthalten (Tab. 28).
Tab. 28: Anthoeyanidinderivale in frischen Friichlcn und Bliilen44
Frucht/Bliite
Anthocyanidinderivate
Gehalt [mg/100g]
Brombeere
(Rubus fructicosus agg.)
Cyanidin
~ 115
Heidelbeere
{Vaccinium myrtillus L.)
Cyanidin, Petunidin, Malvidin,
Delphinidin, Peonidin
83-600
Himbeere (Rubus ideaeus, L.)
Cyanidin
10-220
Holunderbeere
(Sambueus nigra L.)
Chrysanthemin, Glykoside des
Cyanidins (Sambucin)
340-980
Schwarze Johannisbeere
(Ribes nigrum L.)
Cyanidin, Delphinidin
80-810
SuBkirsche (Prunus avium)
Cyanidin
350-450
Weintrauben (Vitis vinifera L.)
Pelargonidin, Cyanidin, Petunidin,
Malvidin, Delphinidin
30-750
Klatschmohnbluten
{Papaver rhoeas L.)
Delphinidin, Cyanidin
-
Kornblumenbluten
(Centaurea cyanus L.)
Cyanidin
-
Fiir die Farbe und Stabilitat einiger AnlhocyanfarbstolTe spielen komplex gcbunde-
ne Metallionen cine Rollc. Zinn, Kupfcr, Fiisen, Aluminium odcr Magnesium bil-
den mil Cyanidin, Delphinidin und Pelunidin, Anlhocyanidine mit ortho-standigcn
lunktionellcn Gruppen am Ring A, dunkclviolette bzw. blaugefarbte Komplexe
(Abb. 28). Daher kann dureh Iiinsatz von Melallbeizen der Farbton bei Anwendung
von Anlhoeyanfarbstoffen zusatzlich verandert wcrden.5l:>
512 Vgl. Wolf: BliKcnlarbstoiTe.
513 Vgl. Schwcppe: Nalur■farbslolTc, S. 399.
514 Vgl. Wal/.l el al.: Anlhocyanc, S. 149; vgl. Ollencdcr, Slinl/.ing: Anthocyane, in: ROMPP
Online, RD-01-02670; zu Klalschmohn- und Kornblumenbliilen vgl. Hansel, Slicher:
Pharmakognosie, S. 1201; vgl. Rein: Berry anllioeyanins, S. 14 16; zu I lokmderbeeren vgl.
Pechanek: Sambueus nigra; zu I lokmderbeeren und I Ieidelbeeren vgl. Melo el al.: Anlho-
eyans, S. 143. Zu den in weileren Beeren entbaltenen AnlhoeyanfarbsloiTen vgl. Suomalainen,
Friksson: Beerenfruelite.
515 Vgl. Iliinsel, Slieher: Pharmakognosie, S. 1199; vgl. Bayer: Uber Anlhoeyankomplexe,
S. 1067; vgl. Haas: Anlhoeyane, S. 19.
Farbmittel in den Ouellen
137
Abb- 28: Dclphinidinmclallkomplex516
Hcidelbeeren, andcrc noch gebrauchlichc Namcn sind Blaubecrc, Schwarzbcere,
Waldbeere odcr auch Bickbeere, sind die Friichtc des Heidclbeerstrauchcs
(Vaccinium myrtillus L., vgl. Tafcl 28, links)."7
VioletUarbungen mit Heidclbecrsaft wurden von romischcn Autoren bei den
gallischcn und germanischen Volkern beschriebcn."8 Frische, reifc Hcidelbeeren
cnthaltcn neben 5-12 % Gerbstoflen ca. 0,3 % Anthocyane, vor allem Cyanidin-,
^clphinidin-, Petunidin- und Malvidin-Glykosidc, als farbende Subslanzen.519 In
dcr Literalur sind in Abhangigkeil von der eingesetzten Beize violellblaue (Alaun),
blauviolelle fZinn) und blauschwarze fCisen) Farbtonc auf Wolle angegcbeiv20
Ki uniiz beschrcibt die versehiedenen Farbtonc, die mil Hcidelbeeren erziell werden
konnen wie folgt:
„Fben dicscr Heidclbecrsaft ftirbl mil Alaun und cincm Zusalz von Kupferschlag
schon blau; wclehe Farbc noch dunkler vvird, wenn Gallapfcl dazu genommen wer¬
den. Mischl man zu diesem Salle vier Mahl so viel ungcloschten Kalk, Grimspan
nnd Salmiak, seihel es dureh, und lafil es gehorig einkoehen, so erhall man cine
sehonc Purpurfarbe zuni I;arben.“S21
t)ie Alliehbeere ist die Fruchl dcs Zwergholunders (Sambucus ebulus L., vgl. Tafcl
28, rcchls), dessen after Name Allich ist.'*'22 Die reifen Beeren enlhallen blauc
Anthocyanfarbstoffe, im Wesentliehen Chrysanlhemin und Sambuein (aueh
Sambueyanin genannt), die laut Literalur ohne Zusalz blau ftirben und mit Alaun
l,nd Essig ein Dunkelblau ergeben.523
Holunderbeeren, die Friiehle des Sehwarzen Holunders (Sambucus nigra L.,
vgl. Tafcl 28, Mitte), enthalten die glciehen Farbsloffe wie Altiehbeeren. Laul
516 In Anlehmmg an Haas: Anthocyane, S. 19, Abb. 6.
517 Vgl. Grimm; DWb. Hd. 2, Sp. 83, Bd. 5, Sp. 2322 und Bd. 10 Sp. 803, Bd. 27, Sp. 1070 und
1095, 2, Bd. I, Sp. 1808; vgl. Kriinitx: Oekonomisclie Fncyklopadie. 'I’ll. 22, S. 740; vgl.
MarzcII: Pllanzcnnamcn, Bd. 4, Sp. 936 942.
518 Vgl. Voglcr: Gcrmancn und Kcltcn, S. 237.
519 Vgl. Hansel und Sticher: Pharmakognosie, S. 1266.
520 Vgl. Sehweppe: Nalurfarbstoffc, S. 401.
521 Vgl. Kriinitx: Oekonomisclie Fncyklopadie, Tli. 22, S. 753.
522 Vgl. Grimm: DWb, Bd. I, Sp. 595; vgl. MarzcII: Pilanzennamen, Bd. 4, Sp. 58 60.
523 Vgl. Sehweppe: Naturfarbsloffe, S. 400.
138
/•’arhmittcl in den Ouedien
Schweppc wire! mil den Beeren auf mil Kupfersullal gebciztcn Ccllulosefasern
Violcllblau gelarbl, clinch Behantllung mil Lssig wird die Larbe /.art lila. Auf Wolle
wild mil Alaun ein slumples Braun-Violell erreicht. Mil Alaun und Hssig er/ielt
man ein Dunkelblau."'"1
Ilimbeeren, Liguslerbeeren, Maulbecren und Sehlehen cnthallen ebenfalls
Anthocyanlarbsloffe und werden in den Qucllen liir Blau- und Braunfarbungen
benul/l. Ubcr die ein/elnen InhallsslolTe und das Larben mil Ilimbeeren, den
Lriichten von Rnhus idaens L72\ isl in der Lileralur niehls belegt. Liguslerbeeren,
die Lriichle des Ligusters (Ligustrinn vidgarc L.)'2(\ enlhallen neben den zuvor ge-
nannten Llavonoitlen ebenlalls Cilykoside der AnlhoeyanlarbslolTe Malvidin,
Cyanidin und Delphinidin.*'- Lin kalter Beerenaus/ug ergibl einen rolen Absud,
der Leinen und Wolle mil Zinnbei/e hellblau larbl. Mil einem heiB bereilelen Aus-
zug erhall man ein lieferes Blau. Bei gleichen Teilen Alaun- und Lisenbeize wird
Leinen mall blau und Wolle sehwarzblau gelarbl72s In Quelle 1V1 I, fol. 67, Rezepl
54 werden tinckcn per (Tinlcnbcercn) lur die Blaularbung verwendel. Tintenbeere
isl in der Lileralur als Bezeichnung lur Kreuzdorn- und Ligusterbeeren belegl72)
I3a mil Kreuzdornbeeren (ielb- oder Ciriinlone erziell werden, diirfte es sich im ge-
nannlen Rezepl urn Liguslerbeeren handeln. In der Vorsehrifl Ibl. 68, 64 der glei¬
chen Quelle sind ebenlalls tinckcn per lur die Blau- und Cirunlarbung genannt. Da
sich die Larbungcn in der Rezeplur nielli unlerscheiden, miissen unterschiedliche
Beeren verwendel werden, was aber aus der Anleitung nichl deullich wird. Ligus¬
lerbeeren sind vermullich ebenlalls in Quelle H II, fol. 58v 59, Rezepl 7 genannl.
Obwohl die hier I'iir die Blaularbung aufgefiihrlcn wardernper von Reinking als
I Icidelbeeren idenlifizierl werden,"0 kbnnen aber doch Liguslerbeeren gemeinl
sein, da in andcren Anleilungen der Quelle I Icidelbeeren (fol. 56v 57, Rezepl 3
und fol. 58, Rezepl 5) als solche erwahnl werden.'""1 524 525 526 527 * * 530 531524 Vgl. Schweppc: NaturlarbslolTe, S. 400; vgl. Bracherl: Maltechniken, S. 30 31; vgl. Rolh el
al.: l-arhcrpllan/cn. S. 132 133.
525 Der Name leilel sieli naeh J. unci W. Cirimm vom alul. hint-peri und mhd. hini-her ab, da die
Beeren bevor/ugte Nalmmg der llinde (11irsehknh) gewesen sein sollen. Vgl. Cirimm: DWb,
Bd. 10, Sp. 1332. Ilimbeeren sind nur in IV1 II im Re/.epl I I9v, 12 mil Alaun I'iir die Blau far-
hung, genannt.
526 Der l.iguster isl ein in Luropa lieimiseher bis /u 5 m holier Straueh mil erbsengroben scliwar-
/en I riiehlen. Andere Namen liir den Slraueh sind llartriegel, Rainweide, Mundweide, Zaun-
weide usw., die Beeren werden aueh als I inlenbeeren be/eichnet; vgl. Cirimm: DWb, Bd. 2,
Sp. MSI; vgl. Kriinit/.: Oekonomische l-.ncyklopadie. 111. 7S, S. 745; vgl. SauerholT: Pllan-
/ennamen, S. 1 1 7 I 1 N.
527 Vgl. Schweppc: Natiirlarbstoffe, S. 403.
52N Vgl. Schweppc: Natiirlarbstoffe, S. 404.
520 Vgl. Cirimm: DWb, Bd. 2, Sp. I IS I, Kriinit/: Oekonomische Imcyklopadie, 111. IS5, S. 163;
vgl. Mar/ell: Rllan/ennamen, Bd. 3, Sp. 1310.
530 Reinking vermiilet hier einen Sclireiblehler; vgl. Reinking: l arberei der Pllan/.enlasern, S.
100, Annierkimg 15.
531 Warde be/eichnel cine Weidenpllan/.ung /uni Seluit/ vor Wasser und das mhd. vadc bedeutet
Zaun oder Um/aunung. Der Name l.iguster leitet sieli vom lat. ligarc binden ab, der Liguster
Parbinitte/ in den Oucdlen
139
Als Lrsalz. fiir Auichbccren bei dcr Blaufarbung sollcn in Quelle В fob 12, Rezept
21 jacked pern (Fackelbeeren) benutzl werden. Fackel isl nach Marzell ein Synonym
fiir den Liguslcr (Ligusirum vulgare L.), Faekelbaum lur den Ciemeinen Sehneeball
(Viburnum opulus L.).M2 Die rolen Friiehtc des Schneeballs sind fiir Farbez.wecke
nichl belegt. Ligusterbeeren dagegen wurden fiir Cielb- (unreile Beeren), Griin-
(Bceren und Blatter) und Blaularbungen (reile Beeren) verwendel/
Maulbeeren (maulbbr) sind im Rezept 434 der Quelle Ы IV, lbl. 265, mit Lssig
und Alaun fur eine Braunfarbung genannt. Maulbeere isl sowohl Bezeiehnung lur
den Baum als auch lur dessen Friichle (WciBe Maulbeere - Moms alba L.,
Sehwarze Maulbeere Moms nigra L.).xU Die Beeren sind den Brombeeren ver-
gleichbar und sehmeeken siiB. Die Sehwarze Maulbeere gehorl zu den in Kapilel
70 des „Capindare do vi/lis“ aufgefuhrten Pflanzen/ъ Der Maulbecrbaum und sei¬
ne Friiehte wurden in der Anlike und im Millelaller als Heilmillel, zur Weinhcrslel-
lung und zur Weinlarbung benutzl. Die Wurzeln des Maulbeerbaumes enlhallen
AnthrachinonlarbstolTc mit dem I iauplfarbsloff Morindon.M0 Nach Marzell wurde
die Bezeiehnung Maulbeere (moms) in historischen Quellen aber ebenso liir heimi-
sche Beeren verwendel, die der Maulbeere in Form oder Farbc ahneln. Lr nennt
insbesondere Brom-, Him- und Fleidelbeeren, so dass hier auch die Verwendung
dieser Beeren denkbar ist.M/
Schlehen, die Friiehte des Schleh- oder Schwarzdorns (Primus spinosa L.), enl¬
hallen C’yanidin- und Delphinidinglykoside. Zum Farben werden die reilen Friiehte
verwendel. Sie larben Leinen Rot.*'™ Schlehen sind in zwei Anleitungen als Lrsatz
fiir Mohnbliilen bei Braunlarbungen genannt.
Anlhocyanlarbslorniallige Beeren sollen nach der Quellcnlage insbesondere liir
Blaularbungen eingeselzt werden. 31 Vorschriften liihren Beeren als Farbmitlel
auf, wobei 14 Anleitungen zusalzlich die Verwendung von Griinspan oder anderen
Melallzusalzen vorschreiben (Tab. 29). Neben Ileidel-, llolunder- und Altiehbee-
ren, die cinzeln, zusammen oder als Frsalz liir einander verwendel werden, sind
Ilimbeeren und Ligusterbeeren als Farbmitlel aufgeliihrtZ^ Nahezu alle l arbungen
erfolgen aus saurer Flotte mil ciner Alaundirektbeize. 532 533 534 535 536 537 538wiixl liiiiilig Fiir Flecht/iiime verwendel; vgl. (irimm; I)Wb. Ikl. 27, Sp. ll)S6; vgl. BMZ, Ikl. 4,
S. 201.
532 Vgl. Mar/ell: IMlan/ennamen, Ikl. 5, Sp. I 14; vgl. ebenso (irimm; l)Wb, Ikl. 3. Sp. 1227.
533 Vgl. Ikaeherl: Malteebniken, S. 155 156; vgl. Seliweppe: NaturlarbstolTe, S. 403 404.
534 Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 12, Sp. I79X.
535 Vgl. Selnvar/er Maulbeerbaum, in: I renndeskreis Bolaniseher (iarten Aaehen e.V.: Der
Karlsgarten.
536 Vgl. Seliweppe: Natin farbslolTe. S. 386 387.
537 Vgl. Mar/ell: Pllanzennamen, Ikl. 3, Sp. 218.
538 Vgl. Seliweppe: NaturlarbstolTe. S. 403.
530 I leidelbeeren sind als huidper, hcildcrher, iuiidcl per. haidcr per. l/eihil oder /levdelherlin
genannt. Als sehwarezper (Seliwar/beere) werden sie in II II. lbl. 58v 59, Re/ept 7 und als
heekheren (Biekbeere) in <46, lbl. 31 I v. IV Re/epl 1 I genannt. Bei den in Гг, lbl. 22r 23r.
140
Idirbmillel in den Ouellen
Tab. 29: Beercn in den Farbeanlcilungcn fur die Blaiilarbung
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M 1
fol. 67, 54
plab
Heidel- (haidper) od. Ligusterbeeren (tincken per),
Essig, Alaun
fol. 68, 64b
plab
Ligusterbeeren (tincken per), Essig, Alaun __
M II
fol. 119v, 12
plab
Himbeeren (himper), Essig, Ham, Alaun
fol. 119v, 16
plab
Heidelbeeren (haidper), Wachswurz, Wein Alaun
M IV
fol. 228v, 39
Sat plab
Holunderbeeren (hoierper), 3 od. 4 Hand voll
zeidlper, Essig, Alaun
H II
fol. 56, 1
plab
Heidel- (haidel per) Holunder- (holer per) od.
Attichbeeren, (atieh per), Wasser, evtl. Schwarz
fol. 58v-59, 7
plab
1 Mali wardernper (Ligusterbeeren?), Wein, Alaun
MV
fol. 234r, 1262
Plab
Heidelbeeren (Schwartzper), Wasser, Alaun
Al
fol. 307, 16b
liecht blaw
Heidelbeeren (Heydelberlin), Wasser, Alaun
В
fol. 12, 27
Enndich,
Endich plau
wie viel du willst Attichbeeren (Attichper) od.
fackelpern (Ligusterbeeren?), Wasser, Alaun
H IV
fol. 256v, 400
blaw
Heidelbeeren (Haidlber), Alaun
fol. 259,410
blaw
1 Kopf Heidelbeeren (Heibit), Ham, Alaun
H V
fol. 280v, 27
Blau
Heidelbeeren (heidelbeer), Wachswurz, Alaun
fol. 288, 60
blaw
Heidelbeeren (heidelbeer), Alaun
E
fol. 204v, 2
weit (bio)
Heidelbeeren (heidilbere), Griinspan, Alaun
Be
143-144, 71
blaw
Heidelbeeren (heilderber), Eisenvitriol, Essig,
Alaun, fQr Leinen: Ol
Au
fol. 17r—18r, 26
plab
1 SchQssel Heidelbeeren (haidper), 1 Quentchen
Griinspan, Lauge
M IV
fol. 227r-227v, 24 plab
Heidel- (swarez per), Attichbeeren (atieh per),
Griinspan, Essig, Alaun, Lauge
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Tr
fol. 22r-23r, 77b
Bla
Heidel- (walbren) od. Holunderbeeren (holleren),
Ke/epl 77 geimnnlen milhren kann es sich ebenfalls um I Ieidelbeeren handeln, die bei J. und
W. Grimm aueli als Walbeere oder Waldbeere belegl sind; vgl. Grimm: I)Wb. Bd. 2, Sp. 83,
Bd. 5, Sp. 2322 und Bd. 10 Sp. 803, Bd. 27, Sp. 1070 und 1095, 2, Bd. 1, Sp. 1808; vgl.
Kriinilz: Oekonomisclie luicyklopadic. Th. 22, S. 740; vgl. Mar/.ell: Pllanzennamen, Bd. 4,
Sp. 936 942 und Sp. 945 946. Als nwstlwr sind Heidelbeeren in Quelle II IV, fol. 262, Re-
zept 421 Hir die Braunlarbung genannl. I.aul Grimm isl Moslbecre oder aueli Moosbeere ein
Synonym fur die I leidelbeere, vgl. Grimm: DWb, Ikl. 12, Sp. 2599; vgl. Marzcll: Pllanzenna-
men, Bd. 4, Sp. 952.
Attichbeeren sind in den Quellen als ach(ichpei\ atichper, adith per, atieh per, adieh per und
aliper genannl. In H IV 264, 429 vverden anekbbr als ITsalz 1 uг 1 Ieidelbeeren mil Alaun fur
eine Violelllarbung verwendel. Alike isl eine alle Bezeichnung fur Butler, Bullerbeeren bzw.
Ankcnbeeren sind in der Lileralur im Xusammcnliang mil Rirbungen aber nielli nachgewiesen.
Marzell fiilirl Akle(n)her und Akeheeri als Namen liir Alliebbeeren im sehweizer Sprachraum
auf und bei Brunello isl Aclenbeere belegl. Vgl. Grimm: DWb, Bd. 1, Sp. 378; vgl. Marzell:
Pllanzennamen, Bd. 4, Sp. 60; vgl. Brunello: Art of Dyeing, S. 386. Sowolil I'arbton als aueli
I lerkunfl der I landselirifl (Siiikleiilscliland) lassen eine IdenliHkalion als Alliebbeeren zu.
I Iolunderbeeren sind in den Quellen als hohlern oder hoierper fur Blau-, Grim- und Schwarz-
larbiingen genannl. Vgl. Grimm: DWb, Bd. 10, Sp. 1762. Der ahd. Name des llolunders isl
holan(ai\ holuntar, liolandir, mini, hoiunler, holen(ei\ Iwinder, verkiirzl holder und holler;
vgl. Marzell: Pllanzennamen, Bd. 4, Sp. 64.
Farbinittcl in den Ouellen
141
Griinspan, Wasser
H II
fol. 56v-57, 3
fol. 57-57v, 4
fol. 58, 5
p/ab
plab
plab
Heidel- (haiderper) od. Holunder- (holer per) od.
Attichbeeren (atich per), Griinspan, Alaun
Heidelbeeren (schwarczper), Zinkvitriol, Alaun,
Kupferschlag, Wasser
so viel du willst Heidel- (schwarczper) od. Attich¬
beeren (atichper), Kupferschlag, Essiq, Alaun
M V
fol. 177r, 673a
fol. 232r-232v,
1238
plab
Plab
3 Mali Heidel- od. Holunderbeeren (dauben per,
holerper), Kupferschlag, Alaun
4 Pfd. Heidel-, Holunder- od. Attichbeeren
(Swartzper, holerper, Attichper), Schliff, Essig,
Alaun
fol. 234r, 1264
fol. 234r, 1266
plab
plab
Heidel- od. Schwarzbeeren (haitper, Swartzper),
Kupferschlag, WachswGrz, Alaun
Heidelbeeren (Swartzper), Kupferschlag, faules
Wasser, Alaun
Go
fol. 311 v, IV 11
blaw
sprickerne beren od. Heidelbeeren (beckberen),
Kupferschlag, Lauge, Salz
___ Al
fol. 307, 16a
liecht blaw
Attichbeeren (Attigberlin), Griinspan, Essig, Alaun
В
fol. 100v, 286a
pi aw
Attichbeeren (Attichperlin), Griinspan, Essig,
Alaun
H IV
fol. 264, 428
blaw
Heidelbeeren (Haidelber), anckbor (Attichbee¬
ren?), Kupferasche, Essig, Alaun
^ehn weitere Vorschriflcn schildcrn Violcttnirbungcn (Tab. 30). Hicr wcrdcn cbcn-
,d,ls vorrangig saurc Farbcflottcn mit ciner Alaundirektbcizc vcrwcndcl. Griinspan-
°dcr Mclallzusalzc wcrdcn in dicscn Anlcitungcn nicht vcrwcndcl.
Bccrcn in den I•arbeanlcitungcn fur die VioletUarbungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
MJI
fol. 119v, 13
veyol
Himbeeren (himper), Alaun
Be
fol. 141-143, 70
Viol
reife Heidelbeeren (hei/derber), Essig, Alaun
Au
fol. 22r, 41
feiel, blab
reife Heidelbeeren (heidper), Essig, Alaun
2jyT\r~
fol. 234r, 1265
Feyelplab
Attichbeeren (Attichpery), Wachswiirz, Alaun
В
fol. 102, 292
Veyhel plaw
y2 Seidel Heidelbeeren (haidelper), Essig, Alaun
fol. 256v, 401
Fiol
Heidelbeeren (Haidlbor), Alaun
fol. 256v, 402
violfarb
16? Heidelbeeren (Haidlberg), Metwiirz
H IV
fol. 259v, 412
violfarb
Heidelbeeren (Haidlberg), Alaun
fol. 264, 429
veyhelfarb
1 Mali Heidelbeeren (haid/ber) od. Anckbor
(Attichbeeren), wenn du willst Holunderbeeren
(Holderbor), Alaun
M IV
fol. 230r, 62
veyol
Attichbeeren (atichper), Lasur, Alaun, Weinessig,
Gummi
AnthocyanfarbsloHhalligc Bccrcn wcrdcn auBcrdcm in vicr Vorschriflcn fiir die
Griinfarbung, in jc cincr Anleitung ftir die Rot- und Schwarzfarbung sowic in vicr
Rezepten fiir die Braunfarbung verwendet (Tab. 31). Fur alle Farbtonc wird Ahum
a,s Bcizmittcl vcrwcndcl. Bei der Griinfarbung wcrdcn moglichcrwcisc unrcilc
griinc Bccrcn bcnulzl und bei der Rolfarbung schcinl chcr dcr Gcrbsloffgchall dcr
Bccrcn im Vordcrgrund zu stehen. Bei cincm Vcrglcich dcr (iriinlarbcanlcilungcn
142
k'urhmittei in den Ouellen
mil clenen liir Braunlone ist nicht erkennbar, wclchc I lollenxusatze die unlerschied-
liehen \
arbtone bewirken sollen.
l ab. 31:
Beeren in den
karbeanleitun»
j,en liir weilere l arbtiine
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 101r, 13a
grim
Holunderbeeren (holdern), Alaunwasser
N II
fol. 53v, 94
grun
Heidelbeeren (swarczper), Essig, Wasser,
GrQnspan
MV
fol. 223v, 1254
grien
дгйпе Heidelbeerern (grien haitper), Alaun
В
fol. 107v, 314
grien
Holunderbeeren (holderper), Farberscharte
M IV
fol. 227r, 22
fewrfarb
Attichbeeren (atiper), Zinnober, Parisrot, Metwiirz,
Alaun
In
fol. 101 r, 13b
swarez
Holunderbeeren (holdern), Alaunwasser, Schwarz
M 1
fol. 67, 55a
prawn
Heidelbeeren (haidper), Ham, Alaun
Bas
fol. 59r, 155
prawn
Attichbeeren (attich per), Alaun?
fol. 262, 421
Braun
mostbor (Heidelbeeren?), Essig, Alaun
H IV
fol. 265, 434
Braun
Maulbor, (Maulbeeren, Heidelbeeren?), Essig,
Alaun
AntlwcyanfcirbslolTc sind auBcr in Beeren ebenso in verschiedenen Bliilen xu lin¬
den. In den bearbeileten Quellen werden Kornblumen als choren phunen, plait korn
plomen oder Rockenhluemen sowie Klalsehmohnbliilen als rot rosen in dean korn
die hlette/\ rot choren phunen plete/\ jeldrosen bzw. jeldtt Rossen aulgeliihrl.4'1
Die blauen Blutenblaller der Kornblumen (Centaurea eyanits A., vgl. Tafel 29,
links) enthallen neben einem Derival des Mavonoidfarbsloffes Apigenin den
AnlhoeyanfarbslolT C enlaurocyanin.41 Kri'milz beschreibl die Verwcndung von
Kornblumen in der Malerei. I’r sehildert aber ebenlalls die dureh die pll-
Abhiingigkeit des Farblones eher schleehten larberischen Bigensehaflen:
,,/ur I arberey im (iroBon nulzt der blauc Sail aus den Blumen niehts, indem er, vvie
der Safi aus alien blauen Blumen, unbeslandig isl, und von den laugenbaiten Sal/.en
leielil in das Grime, und von den sauren in das Rolhe geiinderl wild. Kir die Mahler
aber liissel sieh aus den blauen Blumen eine dauerhalle blaue Farbe verlcrligenk42
Der Einsatz von Kornblumen in der Malerei ist ebenlalls in den bier bearbeileten
Quellen belegl. In Anleilungen zur (iewinnung von Tiiehleinfarben wird aus den
blauen Bliilenblallern mil Wasser, (iummi und Alaun eine Malerlarbe gevvon-
nen.v|' 540 541 542540 (irimm und Mar/ell imterselieiclen blaue und rote Kornblumen. Roggenblume isl cine alto
Be/eichiumg liir die blaue Kornblume; vgl. (irimm: I)Wb, Bel. 14, Sp. 1112 und Bd. I I, Sp.
I N21; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Bd. I, Sp. N75. Kornrose unci I-’eld rose sind alte Be/eich-
mmgen liir den Klatschmolin (Rapaver rhocas I..); vgl. (irimm: l)Wb. Bd. I I, Sp. 1820; vgl.
Brachert: Mallechniken. S. 142; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Bd. I, Sp. 875 und Bd. 5,
Sp. 121.
541 Vgl. Scluipkc: Ar/neipllan/.enlexikon, Kornblumenbliiten.
542 Vgl. Kriinit/: Oekonomisehe Kneyklopadie, I'll. 44, S. 7(>().
545 Vgl. Anleilungen liir Tiiehleinfarben im Anliang.
/•'arbmiftel in den Ouellen
143
Die Bliilenblaller ties Klalschmohn (Pupaver rhoeas L., vgl. Tafel 29, rechls)
cnlhallcn Dcrivale tier Anlhocyanfarbsloffe C yanidin und Pelargonidin. AuBerdem
sind (jlykoside des Gclblarbsloffes Qucrcilin vorhandcn. Die Pflanze bliiht von
Mai bis Juli. Der Sail der rolen Bliilenblaller ergiblje nach pll-Werl eine purpurro-
te oder blaue SaftfarbeTM
Kornblumenbliilen sind in den bearbeitelen Quellen in sechs Rezeplen liir die
Blaularbung genannl. Fur alle Farbungen wird eine saure Flotle /um Теi 1 mil
Alaundireklbeize verwendel. Klalsehmohnbliiten sind in einer Anleitung fur die
Rolfarbung und in zwei Vorschriflen fiir die Braunlarbung aulgeluhrl (lab. 32).
I lier wird ebenialls direkl mil Alaun gebeizl.
Kornblumen- und Klatschmohnbliiten in den I arbcanlcilimgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
101 r, 11b
tunchel
plawe
Lasur, Schwarz, Kornblumen (plawe plumen stent
in dem roqgen), Essig, Gummi, Alaun, Harn
M IV
227v, 29
liecht plab
Kornblumen (korn pluemen), Azurit, Alaun?
MV
39r, 111
(Blau)
Kornblumen {flores flauos frumenti), sauren Wein
odereinen Holzapfel, ein wenig Himmelstau
В
fol. 101,288
plane
Kornblumen (plaw korn plomen), Essig, Alaun
H V
fol. 288-288V, 62
blaw
Kornblumen (kornblomen), Essig, Alaun
Wi
fol. 304v, 11
liechtt blaw
12 Hand voll Kornblumen (korn blu(o)men),
Wachswasser, Essig
MV
38v-39r, 107
(Rot)
MohnbIQten (flores rubeos in blado crescentes),
Brasilholzpulver, Vitriol, Sal petri, Alaun, Sal
ammoniacum, (Wasser)
В
fol. 104, 300
braun
MohnbIQten od. Schlehen (feldrosen od. schlehen)
Wasser, Alaun
H V
fol. 278v, 18
Braun
MohnbIQten od. Schlehen (feldtt Rossen von
schlehen), Alaun
Beeren- und Bliilenanlhoeyane sind auBerdem in aehl Anleilungen fiir Blaularbun-
gen mil Indigo genannl. Sie dienen als Slreekmillel liir den leuren FarbstofITndigo
(Tab. 33).
Tab. !.(:
Anlhocyanfiirbslofle und Indigo liir Blaiilarbiing.cn
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Au
fol. 16r-16v, 23
blab
1 Mali reife Heidelbeeren (zeittige heitper), 1 Lot
Indigo (indich), Wasser, Essig
N II
fol. 53 r, 92
plob
Heidel-, (heidelper), Attichbeeren (atichper), Indi¬
go (yndich), Waidasche, Essig, Alaun, Gummi
M IV
fol. 227v, 28
(liecht plab)
tunckel plab
Heidel- (swarez per) od. Attichbeeren (atich per),
ein wenig Indigo (endigs), Kupfersinter, Alaun,
Gummi
M IV
fol. 229v-230r, 61
plab
Heidel- (haidper), Attichbeeren (atichper) Indigo
(indich), Waidasche, Essig, Alaun, Gummi
H II
fol. 56-56v, 2
plab
Heidel- (schwarczper) Attichbeeren (atich per),
Indigo (endich), Alaun, Essig
544 Vgl. Sclnveppe: Nalurl'arbsloffe. S. 405 40b.
144
I''arhmiftcl in den Oue/len
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
MV
fol. 234r, 1263
venedigsch
plab
3 Handvoll Heidelbeeren (Swartzper), 1 Lot
Indigo (Indich), Alaun, Essig
В
fol. 102, 293
pi aw
aleich viel Attichbeeren (atichoer) und Indiao
(endich), starker Essiq, Alaun
H IV
fol. 265V-266, 436
blaw
Komblumen (Rockenbluemen), Indigo (Enndich),
Alaun, Essig
Koines dor aufgelistelen Rezeple bcschrcibt don richligcn Umgang mil dem Kiipen-
larbstolT Indigo. Zuiuiehsl wird mil den Beeren, Fssig und Alaun eine saure Fiirbe-
flolte hergestelll, der anschlieBend Indigo zugemischl wird. Da der Indigo in der
Nolle als Pigment vorliegl, ist in einigen Anleilungen der Zusalz des dispergierend
wirkenden (iummi, vernuillich (iummi arabicum, gelbrdert.
Neben den zuvor beschriebenen Anlhoeyanlarbsloffen aus Beeren und BUilen,
konnen diese auBerdem aus Laub gewonnen werden. Blatter enlhallen viele unler-
sehiedliehe Fa rb si о He, neben den Chlorophyllen ко m men Xanlhophylle,
Carotinoide sowie Anlhoeyane vor. Chlorophylle sind liir (iriinlone, Xanthophylle
I'iir (ielblbne, Carotinoide liir Orange- und Rollbne und Anlhoeyane fur Rol- und
Blautone veranlworllieh. Da der Chlorophyllgehall im Vergleich zu den anderen
Farbsloffen sehr hoch ist, iiberwiegl im Normallall die Farbe (iriin in vielen Vari-
anten. Abgesehen von Ausnahmelallen wie der Blulbuche, werden die Farben der
anderen FarbslolTe iiberdeekl. Im llerbst werden die Chlorophylle abgebaul und die
iiberlagcrlen l;arbslolTe Irelen in Frseheinung. Zusalzlich werden Anlhoeyane syn-
thetisiert, die vor der im Ilerbsl haullg aullrelenden Kombinalion aus tiefen Tem-
peraluren und slarkem Sonnenliehl (I'otoinhibition) seluitzen, die Blatter wiirmen
und Sellwermetalie binden konnen. Fine vermutete Wirkung an Г Schadinseklen
konnte bisher nieht beslatigt werden. 4 lypisehe Beispiele liir besonders intensive
Farbung des Ilerbsllaubs z.eigen die verschiedenen Ahornarten (vgl. Talel 31). Die
I'arbung ist umso intensive!', je kalter das Umgebungsklima isl.vk>
Aplelbaumlaub und Kaslanienbliiten ebenfalls liir die Rollarbung aid Ahornlaub isl
in den bearbeiteten Quellen in achl Anleilungen als Streekmiltel liir Brasilholz bei
der Rollarbung genannt, ein weileres Rezept liihrt es mil Aplelbaumlaub und Kas-
lanienbliiten ebenfalls fur die Rotlarbung auf(vgl. d ab. 34). 545 546545 Vl*I. Chillka, Doring: Autumn Foliage Colors, S. 1640 1641; vgl. Schaefer, Wilkinson: Red
leases. S. 616 6IS; vgl. Fee. (iould: Why Leaves Turn Red. S. 524 531.
546 Vgl. Kremer: Punter Abfall. S. 321.
Farbtafeln
145
Tafcl I: Vcrcinfachlc Darslcllimg dcs Schvorgangcs
5^17
Probe
Lichtart
L*
a*
b*
D65
67.48
10.08
24.03
A
70.06
14.13
27.16
AEq65-A
5.7
F2
69.01
6.53
27.27
AED65.F2
5.0
Tafel 2: rarbkoordinalen 1Л a*, b* unci berechnete I'arbabweiehung
AI- bci Wechscl dcr Liehtarr 547 548547 In Anlehnung an Meyer, Zollinger: I'arbmetrik, S. 2.
548 25 %ige Rirbung mil Ahornlaub auf Baumwolle, I'V 1:35, 60 min. bci 80
146
Farhtafeln
Talc I 3: iLichrcUihcr (links), Tuchscherer (reclils
tv In ti I4M.VI- >4r lutp f !•«'«{’ N^T J
Talc I 4: Wolllarber mil larbeslock (links), larbebaum mil llaspcl (rcchls )>>l>
540 Tuclirauher: llausbucli dcr Mciulclschcn /wollbriidcrstiflung, Ikl. I, fol OOv, Slacllbibliolhck
N urn berg | Abb. 3I7.2"|; 1 uchschcrcr, clxl., Ikl. I, fol. OOv, Stadlbibl iolhck Niirnberg [Abb.
317.2" |.
550 Wolllarber mil I'iirbcslock: llausbuch dcr Landauerschen Zwbllbriidersliflung. Ikl. I, fol. I3r,
Stadtbibliolhek Niirnberg [Abb. 270.2°|; I'arbcbaum mil llaspcl: llausbuch dcr Mendelschen
Zwollbriidcrslillung. Ikl. I, fol. 37v, Sladlbibliolhck Niirnberg [Abb. 317.2 ’].
Farhtafeln
147
Tafcl 5: ttalkcn\vaai>c cincs Kriimcrs (links),
^ SS |
Tafcl 6: (irottc lialkcnwaagc fiir scliwcrc Lastcn (rcchlsf 551 552551 Ikdkcnwaagc cincs Kriimcrs: I lausbiich dcr Mciulclschcn /wolIhriidcrslilUmg. Ikl. 1. I'ol. 75r.
Sladlhihlioihck Niirnhcrg |Abb. 3 17.2"J: grotto Ikilkcnwaagc Гиг scliwcrc hasten: ebd. Ikl. 1.
lol. 5r, Sladlhihlioihck Niirnhcrg |Ahh. 517.2 |.
552 Schwarzlarher mil hdlzcmcm I arbebollich: Amman: Ik'schreibung allcr Sliinde. llol/schniu
Nr. 52.
148
Farhtafeln
1:10
1:20
1:60
Та lei 8:
Farbliele in Abluingigkeil vom Flollenverhallnis (FV)
553
Farbmittel Farberwau
ohne Beize
mit Beize (Al)
Krapp Brasilholz
'Гаlei9: Farblon oline unci mil Alaimbeize am Beispiel von Wan-,
Krapp- unci BrasilliolzFarbungen auf Wolle5M
Beizmetall
Aluminium Zinn Kupfer Eisen
Та Pel 10: Krapplarbung mil Л1-, Sn-, C'u- und Fe-Beize'"'"
Farbmittel Vorbeize Direktbeize AE
Wau 23.4
Та Pel 1 I: Farbliele durcli Vor- bzw. -direklbeize am Beispiel von
Wan- und Brasilholzlarbungen auP WoHe'^ 553 554 555 556553 0.4 "o Sirius Lichlorange 3(iI)-I.L 125%, 0.062 % Sirius Lichtblau CiR-LL 167%, 10 %
Na.'SO., calc., 60 min. bei 85 ( auP Baumwolle.
554 50%ige Wau-, Krapp- bzw. Brasilholzlarbung, 60 min. bei 80 V, I'V -- 1:35, Vorbeize mil
10 % Alaun.
555 50%ige Krapplarbung, I V 1:35. 60 min. bei 80 X, Vorbeize mil 10 %, Alaun, 5 % Zinn-
chlorid, 5 % Kupfersulfal, Nachbeize mil 5 % Fisensulfal.
556 50 %ige Wau- und Brasilholzlarbung, I'V 1:35, 60 min. bei 80 4’, Beizmillel: 10 % Alaun.
Farbtafeln
149
Beizbehandlung
20 4 GallSpfel
Tafcl 12: Farbveranderung von Baumwolle durch Beizbehandlung557 558 559 560Substrat ohne Beize Beize ЛЕ
Wolle
19.2
Seide
5.0
Tafcl 13: FarbticfcndilTcrcnz bei Pigmenlfarbungen durch
55x
nieht erforderliehe Alaunbeize"
Beize
5 % AV 10 % AV 15 % AV
ЛЕ 5.3 2.1
Tafcl 14: Abhaimigkeit der farblicfc von dcr Beizmittelmenge
am Bcispicl von KrapplarbungeiV
vi ’’
20
40 ‘C
60 Ъ
80 ‘C 100 Ъ
Tafcl 15: farblicfc in Abhangigkcil von dcr Farbetemperalur'
557 Beizbehandlung an Г Baumwolle jcwcils 60 min. bei 90 %\ FV l:35.
558 20 %igc Grunspanlarbung, FV - Wollc l:35, Seidc I:70, 60 min. bei 80'ЧЛ: 10% Alaun Di¬
re кlbeize.
559 50 %igc Krapplarbung auf Wollc, FV - 1:35, 60 min. bei 804’.
560 1,1 % Sirius Lichlgelb GD 167%, 0,6 % Sirius Lichlorange 3(H)-LL 125%, 0,27 % Sirius
Lichtgrau C Ci-LL 250%, fV: 1:20, 25 % Na^SO., calc., 60 min. bei 85 ’(’ aul Baumwolle.
150
I-'arhtaji/n
561 Krapp. I’absl: Kohler s Medixiiial-PIlanxen. Bd. 5. lal. 53; gemahlene Krappwurzel, I nto;
Slmckmcier.
562 I-.chics l.abkraul, Kops: Mora Balava, I. I, lal. 33; Klebkraut, Thome: l lora von Deutschland.
Ikl. 4, l al. 91.
563 (ielrockncle ( ochcnillc. I’olo: Struckmeier.
I'arbtafeln
151
Talc I 21: barberninster (Genista lincforiu L. links).
i
[•'arbersehaile (Scrniliihi tinctona I... rcchls) 564 565 566564 Uerberilze. 1 home: llora von Deutschland. Ikl. 2, lal. 22l): Schbllkraul, ebd., Ikl. 2. lal. 105.
565 barber wan. Kops: I lora Ikilava, T. 4, Та Г 308. Waucxlraktpulvcr. koto: Stmekmeier.
566 l arberginster. Kops: b’lora Ikilava. 1. 14, I al. 1106. I arbersehaile. ebd. 1.0. 1 al. 65/».
152
Farhtafeln
I aid 22: Sailor (( uri/iamus fincforius L, links), gelrocknele Sallorbliitcn (rechts)Ml7
laid 22: Salran {Crocus sutivus L.)M,s 567 568 569Talcl 24: (ialV
567 Sailor, Thome: Nora von Deutschland. Bel. 4, ТаГ. 130; gelrocknele ungewasehene
Sallorbltilen, loto: Slruckmeier.
568 Salran. Thome: Nora von Deutschland, Ikl. I. ТаГ. 136.
569 loto: Slruckmeier.
Farhtafeht
153
laid 25: Pcriickenslrauch [Cotinus coggYgria Scot*.. links), larberniaulbeerbaum
(Chlorop/iom tincloria (L..) (i.ua)., liroussonetia tinctorial (I..) Kimlh., rochts)
Talcl 26: Kreuztlom (Rhanmus catharticus I..)
570 Periickenstraiich. .lacqum: I lorae austriacac. Ikl. 3, Та Г 210: larbermaiilbeerbaiim, Шапсо:
Nora die Pilipinas. Atlas II, lam 4IS).
571 Kreii/.dorn, Pabst: Kohler's Medizinal-Pllanzen. Ikl. I, Taf. 63.
572 Kreu/dornbeeren, kotos: Stmckmeier.
154
h'arblcifcln
Та Те I 28: I Ieidelbeere (larrinium myrlilhis 1.., links), Schwarzer Ilolundcr
{Samhucus nigra L.. Milte), Auicli (Samhucus chains L, rcclils)'"'7’'
Та I cl 2C): Kornblumc {Ccniaurca cyan us I.., links), Klalsdimolm (I’a/Hivcr rhocas L. rcchts)^71 * 574 575575 I Ieidelbeere. Thome: Horn von Deutschland. Ikl. 4, Та Г 7: Schwarzer Ilolundcr. elxl.: Ikl. 4.
Taf. l>4: Attich.. Kops: Mora Ikilava. T. 18, ТаГ. 154.
574 Kornblumc. Thome: Mora von Deutschland. Ikl. 3. Taf. 81; Klalschmohn, Pabst: Kohler’s
Medizinal-PIlanzen, Ikl. 3, Taf. 17.
575 Polo: Slruckmeier.
Farhtafeln
Та Те I 32: I Tic (Alnus ^lutinosa L.. links), Sliclcichc (Oucrcus
rohur L.. rechls)
577
576 (ilass: I a 11 Colors, mil freundlicher (ienehmigung von Chris (ilass, Cincinnali.
577 I Tie, I home: llora von Deutschland. I id. 2. Та Г 7: Sliclcichc, cbd.. Ikl. 2. Taf. 3.
57<S (iclrocknclc ITIenrinde. geirocknele l-licheni'inde. lotos: Slruckmcicr.
156
Farblafeln
51l)
Tafel 34: Indigostrauch (Indigofera linctoria L., links), Wait! (Isalis tincforia L., rcchts)'
Talc I 35: Indigo in Sliicken^0
Tafel 36: Alkanna (Alkanna linctoria L. Tmjscii.)^1 579 * *579 Indigostrauch, Pabsl: Kohler’s Medizinal-PIlanzen, lid. 3, Та Г 49; Waid, Lindman: Bildcr ur
Nordens flora, Та Г 213.
5X0 Indigo in Slacken, Krcmcr Pigmcnlc, Aichslellen .
5X1 Alkanna, Blackwell: A curious herbal, Vol. L Taf. I 12.
Farhta/eln
157
Talc I 38: Brasilholz (Ciwsalpinicisuppan L„ links), ^Santlelholz
(Plcrocar/ws MiiliiliinisL. 111., rechts) 582 583582 Walnuss, I’absl: Kohler’s Mecli/inal-Pflanzen, IW. I, Taf. 4; (ietrocknele Walmissschale, I oto:
Slruckmcicr.
583 Urasilholz, Blanco: I’lora tie Pilipinas. Allas I. I .am 121: Santlclholz, Pabsl: Kohler’s
Mccli/inal-Pflan/en I3d. 2, Taf. 176.
158
Farbtajeln
584 Brasilhol/.sloMcr, Ilausbiich dcr Landaucrschcn Zwolfbriidcrsliflung, Bd. 1, fol. 63r, Sladlbib-
liothck Niirnbcrg [Abb. 279.2°|); (ieraspeltes Brasilholz, I'olo: Slmckmcicr.
585 Into: Slmckmcicr.
Farbtafeln
Lapis La/uli, Azuril, Kremer Pigmenlc, Aichstctlcn.
5^7 Malachil, Ciriinspan, Krcmcr Pigmcntc, Aichslcltcn.
160
Farhla/eln
Till'd 44: Auripigmcnt, KorngrbBe 175
• 4
laid 45: Blcigclb (Massicot, links), Blcizinngclb (rcchls)>W
5NX Mcnnigc, gcmahlcncr Xinnobcr, Krcmcr Pigmcntc, Aicbstcttcn.
5ХУ Auripigmcnt, Krcmcr Pigmcntc, Aicbstcttcn.
5W) Blcigclb, Blcizinngclb. Krcmcr Pigmcntc, Aicbstcttcn.
L'arbmittef in den Ouellen
161
Tab. 34: Ahornlaub in den I-arbeanleitungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 101 r, 14
rot
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (massaltereins
laup), Essig, Alaun, Gummi
M II
fol. 119, 3
rot
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (massaltrein lawb),
Essig, Alaun, Gummi
Au
fol. 21 v, 39
fol. 24r-24v, 49
rot
rot
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (massalter laub),
Essig, Alaun, Gummi
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (massalter laub),
Essig, Alaun, Gummi
M IV
fol. 227v, 25
rot
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (massoltens laub),
Essig, Alaun, Gummi
M V
fol. 232v, 1244
Rott
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (mosalte laub),
Essig, Alaun, Gummi
H IV
fol. 223V-224, 366
rot
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (masolter louber),
Essig, Alaun, Gummi
H V
fol. 281 v, 33
Rott
Brasilholz, 1/2 so viel Ahornlaub (holrans Latten),
Essig, Alaun,
Wi
fol. 303v, 8
rott
Holzapfellaub, gleich viel Ahornlaub (masholtrin
loub), gleich viel kostenn blumen (Kastanienblii-
ten?), Wachswasser, Alaun
Line weilere Vorsehrifl beschreibl das Aidslreiehen eincr aus Brasilholz. und
Ahornlaub hergeslclllen Farbellolle. Die Anleilungen sind in den Quellen In, M П,
Ли, N I, 1VI IV, 1VI V, H IV, II V und Wi enlhaltenen und somit liber den gesamlen
untersuehten Zeitraum naehweisbar. Das Ahornlaub ist in den Rezepluren als
massaltereins lau/), massaltrein lawh, massalter lend), massaldrenlauh. massoltcns
lauh, niasollcr louher und holrans Laden aulgeliihrl. J. und W. (irimm, Zedler und
Marzell nennen MaBholder als alte Bezeichnung Iur den Feldahorn (Acer
campestre L.).VM Die Verwendung von IVisehem, geraspellem Feldahornholz und
Baumrinde sowie j ungen und ausgereiften Blallern des Spilzahorns (Acer
plantanoides L.) isl bei Brunello belegt. Mil llolz werden aid Wolle Braunlone, mil
Rinde Rolbraunlone und mil den Blallern grime bzvv. zilronengelbe Гопе erziell.
Uber Rolfarbungen mil Ahornlaub isl in der Lileralur nichls bekannl.
F in* die I lerslel 1 img der Farbellolle werden Brasilholz und Ahornlaub zunaehsl
mil Lssig gekoehl. Naeh Zugabe von Ahum und (iummi wird noehmals aulgekochl
und ansehlieBend gelarbl.
5.6 Gcrbstoffe als Farbmittel
Neben der besehriebenen Anwendung von (ierbslolfen Iiir die Vorbeize aul
C’elluloselasern, wurden hydrolysierbare Tannine aus Ciallapleln, lulen- und Ы-
chenrinde seil alters her in Kombinalion mil Melallen oder Metallsalzen fiir * 3923VI Vgl. (irimm: DWb, Ikl. 12. Sp. 1741: vgl. Zedler: IJniversallexikon, IUI. I, S. 2Kb; vgl.
Mar/ell: Pllan/ennamen, I id. 1, S]-). My
392 Vgl. Brunello: The Art of Dyeing, S. 325.
162
luirhmittel in den Oncdlen
Schwar/-, Grau- und Braunlarbungen verwendet. Mit in Apfclbaum-, Pflaumcn-
oder Schlchcnrinden enthaltenen kondensierten GcrbstolTcn wurden Gelb- und Rot-
Ibnc crzeugl.
Die Schwarzfarbuiig mil Rinden- odor Gallapfclgerbstoffen und Metallzusatzcn hat
cine lange Tradition und gelangte vermutlieh mit den Rdmcrn naeh Nordeuropa.yb
Im Mittelalter vvurde insbesondere ITlenrinde liir die Wolllarbung und in Kombi-
nation mit Gallapfeln fur die Seidenfarbung verwendet. Mit den in den Rinden ent¬
haltenen hydrolysierbaren Gcrbstoffen und Metallzusatzcn (Hammersehlag,
Sehliff) oder Metallsalzen (bisen- oder Kupfervitriol) unter binwirkung von Sauer-
stolTbilden sieh in Abhangigkeit von der llerkunll des (ierbstofles und der Art des
Metalles sehwarze oder braune wasserunlosliehe barbkomplcxe.yM Die GcrbstolT-
komplexe der zweiwertigen Metallionen aus Vitriolen sind larblos bis blaulich und
wasserloslieh. Die Komplexe der dreiwertigen Metallionen sind /.war larbig, aber
sehwer wasserloslieh und besit/en nur eine geringe Affinitat zur baser. Daher muss
der barbstolTkomplex wahrend der barbung auf der baser erzeugt werden, wozu
drei unterschicdlichc Verlahrensweisen moglich sind (Tab. 35).
Tab. 35:
Verfahrensvarianten bei der GerbstolTlarbimg von Wollev^
Variante
Sehritt 1
Sehritt 2
Sehritt 3
1
Beize der Wolle mit
Metall2'
Beize der Wolle mit
Metall:"
alkalisches Bad
Behandlung mit Gerb¬
stofflosung
Behandlung mit Gerb¬
stofflosung
2
Behandlung der Wolle
mit Gerbstofflosung
Behandlung mit MetalP*
Behandlung mit Metall2'
an der Luft oxidieren
3
Bildung des Komplex-
farbstoffes aus Gerb¬
stofflosung und Metalb'
Wolle farben
an der Luft oxidieren
In Variante 1 wird die Ware mil einer Metallsalzlosung vorbchandclt. Werden
dreiwerlige Metallionen verwendet, kann solbrt mit der Gcrbstofilosung weiterbe-
handelt werden. Bei der Verwcndung von zweiwertigen lonen, z.B. aus Vitriolen,
miissen diese zunaehst zu dreiwertigen lonen oxidiert werden. Diese Vcrfahrensva-
riante eignet sieh gut (hr Wolle und Seide, die ein relativ holies Bindevermogen fiir
Metalle aufweisen/^
Bei Variante 2 wird zunaehst mil der Gerbstofflosung bchandclt und erst im
zweiten Sehritt mil der Metallsalzlosung. Audi hicr muss sieh bei der Verwendung
von zweiwertigen Metallionen ein Oxidationssehritt anschlieficn. Dieses gesehieht
durch Verhangen an der bult. Variante 2 ist eher liir die barbung von C’ellulose-
5^3 Vgl. Voder: (iemuuicn imcl Kellen. S. 2TS 2.V).
5lM V‘j,l. Wi/inger: (ieihslofl- unci Blauhol/schwar/, S. 4 und 6.
5У5 Vgl. Wi/inger: (ierbslolT- und Bhiuhol/sehwar/, S. 6: vgl. ebenfalls Sclnveppe: Analyse der
I arbstol'le, S. 2S9 290.
590 Vgl. Daniels: Degradation of artifacts, S. 214.
/*drbiniffel in den Quel ten
163
fasern gecignet, da diese leichter Gerbstoff- als MetalIsalzlosungcn aulhehmen. In
Variante 3 vverden mil zweiwcrtigcn Mctallionen wasscrldslichc Komplexe herge-
slellt, a 11 f die Faser aulgefarbt und ansehlieBend dureh Verhangcn an der Lull zu
Komplexen mil dreiwerligen Mctallionen oxidiert.^7 Werden Metallablalle wie
rostiges Lisen, Feilspane oder SchlilT fiir die Komplcxbildung verwendet, bilden
sich ebenlalls zunachsl die wasserloslichen larblosen Gcrbstoffkomplexe, die anГ-
geiarbt und ansehlieBend dureh Aushangen oxidierl werden.
Gallussaurc + Fc(II)S04 —► |Fc(II)-gallat| + H2S04
hliiulich
|Pc(II)-gallat| + 0,5 02 —► [Fc(IH)-gallat| + H20
sc Invar/
Abb. 29: Biltkmg von (ierbslotTschwarx mil I ^iscnvitrioP
Das Farbcn mil Lisen bzw. Lisensalzen und CierbslolTcn ist mil Allerungselleklen
der Texlilien verbunden. Diese Talsache war schon den Farbcrn vergangener Jahr-
hunderle bekannt, so dass die GcrbstolTschwarzIarbung haufig schon im Millelalter
verboten warZw Bei der Verwendung von Vilriol zur Ilerslellung des Gerbsloll-
komplcxes (Abb. 29) enlslehl bei der Bildung des noeh wasserloslichen zweiwerli-
gen blaulichen Komplexes Schwelelsaure aufder Texlilfaser, die der Ware auch
nach Oxidation und Spiilen einen leichl sauren C’harakter verleihl, und die Hydro¬
lyse des FarbslolTkomplexes und damil die I'reiselzung von Lisen lorderl. Bei der
Verwendung von Meta 11 bzw. M eta 11 a b I a 11 en gelangt fcinsler Metal Islanb aul und
in die Ware, der sich dureh Spiilen und Waschcn nicht vollstandig entlernen lasst,
was zunachsl zu einer Versleilung der Ware liihrt. Im Laufe der Zeit kbnnen dann
beim (iebrauch der Ware unlcr Linlluss von Lichl und Feuchle Allerungsellekte
auitreten, die dureh das aid der Ware verbliebcnc Idsen katalysierl werden. Bei
Cellulosefasern liihrt die dureh Lisenionen hcrvorgerulene Oxidation zu einem zu-
nehmend sauren Cliarakler der Ware, was wiederum die Hydrolyse des l arbsloiies
und die I'reisetzung weilerer Lisenionen bewirkt. Sowohl Hydrolyse als auch Oxi¬
dation lordern den Abbau der Polymerketten und die Vcrringerung der l aserfestig-
keit, was dann zu Rissen in der Ware oder auch zum vollslandigen Verlusl von l a-
sern fiihren kann. Die Mechanismen des I'aserabbaus bei den LiweiBlasern beruhen * 599397 Vgl. Wi/inger: (icrbstolT- unci Blauhol/schwar/. S. 6.
59X Abbikkmg in Anlchiumg an I'uchs: T'inlcn imil Tuschen, S. 2S.
599 Vgl. llolenk tic (iraalT: llofcnk tic (iraalT: The ( olourfiil Past, S. 294; tlics.: (icschichlc tier
Гсхli11iirberei, S. 26; vgl. 1'arbe, l-arbcr, l;arbcnsymbolik, 3. Spc/ilisclic Pmblcmc, in: Angcr-
mann cl al.: LcxMa. Ikl. 4, Sp. 2tS7; vgl. C'asscbaum: Urspnmg tier Intligolarbcrci, 1995,
S. 1331.
164
Farbmiitel in den Quellen
cbcnfalls auf Rcdoxvorgangcn, die die Lichtempfindlichkeit dcr Fascrn erhohen
und auf Dauer ebenfalls zur Festigkeitsverminderung liihren.600
Fine nicht faserschadigcndc, aber kostenintensivere und vcrfahrcnstcchnisch
aulwandigcrc Methode fiir die Sehwarzfarbung war die Kombinationsfarbung mit
Waid bzw. Indigo und Krapp. Diesc Variante wurde von den Farbcrn in der hand-
wcrklichen Farbcrci genulzt und isl in Zunftquellcn belcgl. Mit dcr Entdeekung
Amerikas wurde das Blau- oder Campeeheholz (lluenwtoxyhim campechianum L.)
in Europa bekannl, welches dann bis zur Einliihrung der synlhclischen Farbstofle
dir die Schwarz fa rberei von besondercr Bedeutung war.601
Fin Beispiel fur das Vcrbot des Sehwarzllirbens mit Gerbstoffcn und Metallzusat-
zen ist in der Zunftrolle der Liibecker Tuchfarbcr aus dem Jahr 1500 zu linden:
„Idt schall ock kein farver Fngclsche lackcnn schwart farven aline wedc und mede,
by vorlust dcr farwerye und twintig guldcnn, und wen idt dc koepman alrcdc hebben
wolde, wente idt is bedroch “602 603„Idt will ock ein Frbar Racdt, dat allc dc farwer, so mit mede und wede farwen,
kcinc koclickcn und schlipschwartc mackcnn schoclcnn, by straffc cincs Frbarn
Radcs“WM
Schwarz sollte mit Waid und Krapp gelarbt werden. Sehliffschwarz (Gerbstoff-
sehwarz) durfte bei Strafe nieht benutzt werden. Flielt sich ein Farber nieht an dicse
Vorschrift, musste cr cine Strafe zahlcn und ging seiner Handwerkerehrc verlustig.
Die hier betraehteten Quellen bcinhaltcn vorrangig Anleitungen fiir die Hausfarbc-
rei, so dass der groBte Teil der Vorsehriften die Sehwarzfarbung mit Gerbstoffcn
bcschrcibt. AuBcr den bereits beschriebenen Gallapfeln, werden Erlcn- und Eichcn-
rinde mit Vitriolen oder Metal lab (alien verwendet.
Erlen sind zirkumpolar auf der Nordhalbkugel der Frdc verbreitet und waehscn
bevorzugt auf nassen Standorten. In Mittcleuropa sind Schwarz-, Grau- und Griin-
crle beheimatet.604 Die Rinde der Schwarzerlc (Alnus glulinosa L., vgl. Tafel 32,
links) enthalt neben dem Anthrachinon Emodin und dem Flavonoidfarbstoff Quer¬
cetin ea. 20 % Gcrbstoflc, die zu Gallussaure und Glucose hydrolysieren.605 Di°
600 Vgl. Daniels: Degradation of artifacts, S. 211 und 214; vgl. Jooslen et al.: Halstatt Textiles,
S. 170 171; vgl. Wi/inger: CierbstolT- und Blauholzschwarz, S. 7. Der genannte Fflckl kann
aueli bei Papier oder Pergament aultreten, hier wild dann vom „Tintcnfraf.C gesproehen; vgl.
Sehwedt: C'hcmisehe Lxperimenle, S. 32; vgl. Lehmann: Lrhaltung von hislorisehen Tcxlilicn,
S. 1298.
601 Zu Blauholz vgl. Schaefer: Das Blauholz, S. 326 330; ders.: Rlauholzverwendung, S. 331
335.
602 Zitiert nach Wehrmann: Wanlfarver, S. 486.
603 Zilierl naeli Wehrmann: Want farver, S. 488.
604 Vgl. Aas: Die Schwarzerlc, S. 7 10; vgl. Augustyn, Lepsky: RDK-WIiR, Bd. 5, Sp. 1279-
1280.
605 Vgl. Ilofenk de (iraalT: The Colourful Past, S. 294.
^rhniittel in den Quel ten
165
m e vvird von April bis Anfang Mai geernlet, da zu dieser Zeit der Gehall an was-
^ oshchen Gcrbstoffen besonders hoch ist. Danach wird sic geraspell und kann
cj,SC1 °dcr krctrocknct weitcrverwendct werdcn.606 607 Auf alaungcbcizter Wolle wird
bp 1ы)7П10П erzic,t’ bei e,ncr Vorbehandlung mit Chrom wird der Ton rotlich-
JcUm. bur Schwarz ist der Zusatz von Eisenvitriol oder Eiscnabtallen erforder-
ICT wahrend Kupfervitriol zu einem braunslichigen Schwarz flihrt.
der in Europa heimischen Eichenarlen Slid- oder Sommcreiche
Quwcus robur L., vgl. Take! 32, rechts) und Trauben- oder Winlercichc (Quercus
PU,e“ ^*) endicilt ebcnfalls bis zu 17 % Gerbstoffe. Das Hauplanwcndungsgcbiet
1,1 Eichcnrinde war allerdings die Lohgcrberci.608 Die Erntc der Rinde erfolgt we-
^en der bohen Konzentration hydrolysierbarer Gerbstoffe wie bei der Erlcnrinde
ebcnfalls im Friihjahr. Zu dieser Zeit lasst sieh die Rinde leicht vom Stamm 16-
sen.609
1,1 dcn O^ellen dient bevorzugt Erlcnrinde als Gerbstofflieferant fTir die Schwarz-
Und Giauhirbung. Sie ist als erlein rincien, erlen rintten, erlin rinten, erlyn rinden,
wlem rinten, cortices alni und wasser von cdlcn rinten in 25 Anlcitungen genannt
ab' Eiehcnrindc ist als loe wassir, loch?610, von klainen aichenholtz die rin-
dta und eichen rinden in funf' Anlcitungen fur die Schwarzfarbung genannt.
1 <ib. 36:
Erlen- und liichcnrinde in
den Schwarzlarbeanleitungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
IVI1
fol. 67v, 57
Swarcz
Erlenrinde, Atrament, Schliff, Schwarz, tanch (Alaun?)
M II
fol. 119, 1
fol. 119v, 11
Swarcz
Swarcz
2 Hand voll Erlenrinde, 1 Hand voll Sc hliff, Alaun,
Wasser
Erlenrinde, Schliff, Alaun, Wachswiirz
_fol. 195r, 133
sc h ware z
Schwarz (aus Erlenrinde, Schliff, Hammerschlag etc.)
___ Be
fol. 126-127, 40
Swartz
Erlenrinde, Feilspane, Mehl, Trester, Wein, Alaun
Au
fol. 18v-19r, 30
fol. 19r, 31
fol. 19v, 32
Swarz
swarz
Swartz
2 Hand voll Erlenrinde, 1 Hand voll Schliff, Alaun,
Wasser
Schwarz, Salbeiblatter, Erlenrinde, Eisenfeilspane,
Schliff, knopf aichen laub, Essig, Alaun, Gummi
Erlenrinde, Schliff, rostiges Eisen
__ Nil
fol. 55v, 100
Swarcz
Erlenrinde, Schliff, Alaun, Wasser
Tr
16r—17 r, 64
Swartz
Erlenrinde (Mai), rostiges Eisen (so viel ihr habt),
1Л/oocor
Kleie, Wasser
6°6 Vg|. 11 о fen к do Graaff: The Colourful Past, S. 295.
607 Vg|. Komiann, Schweppe: Fiirbep Hanzen, S. 34.
608 Vgl. Brachcrt: Maltechniken, S. 96; vgl. (irimm: DWb, Bd. 5, Sp. 3591 und Kriinitz:
Ockonomischc lincyklopadic, Th. 80, S. 201.
609 Vgl. Hansel, Stieher: Pharmakognosie, S. 1262 1265; vgl. Schopke: Ar/neipnanzenlexikon,
Eichcnrindc - Quercus cortex; zum Gerbstoffgchalt vgl. Otto Dille: Vegetabile (ierbstoffe.
610 Lohrinde, Cierberlolie: naeli Braeliert tanninhaltiges Material der (ierber, vorrangig aus Rinden
besleliend; vgl. Braeliert: Maltechniken, S. 96. (irimm nennen liier liichenrinde; v<d. Grimm-
DWb, Bd. 5, Sp. 3591.
166
Fnrhinillel in den OueUen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
H II
fol. 64-65, 17
schwarcz
Erlenrinde, Eisenfeilspane od. -hammerschlag,
Wasser
M V
fol. 143v, 440
fol. 144v, 445a
fol. 144v, 445b
fol. 234r, 1268
fol. 234r, 1269
(schwarz)
swartz
swartz
farb
bestatten
Schwartz
Swartz
schwarze Farbe aus Erlenrinde und Hammerschlag
oder Eisenfeilspanen und Schliff
1 Hand voll Schliff, 2 Hand voll Erlenrinde, Wasser
1 Hand voll Schliff, 2 Hand voll Erlenrinde, GrQnspan
Schliff, Erlenrinde, Vitriol, Alaun, Wachswiirz, Wasser
Atrament, Schusterschwarz, Alaun
fol. 86v, 243
schwartz
Erlenrinde, Vitriol, Schliff, Wasser
В
fol. 94, 261
schwartz
Erlenrinde, Schliff, Hammerschlag
fol. 94, 262
schwartz
Erlenrinde, Eisenfeilspane, Wasser
fol. 257, 403a
schwartz
2 Hand voll Erlenrinde, 1 Hand voll Schliff, Wasser,
H IV
Alaun, Ham, Essig
fol. 257, 403b
schwartz
2 Hand voll Erlenrinde, 1 Hand voll Schliff, Wasser,
Schuhmacherschwarz, Alaun, Essig
H IV
fol. 259v, 414
schwartz
Erlenrinde, Schliff, Alaun, Wasser
fol. 277v, 10
Schwartz
Erlenrinde, Eisenfeilspane
H V
fol. 227v, 11
schwartz
Erlenrinde, Schliff, Hammerschlag
fol. 281,29
schwartz
2 Hand voll Erlenrinde, 1 Hand voll Schliff, Wachs-
wGrz, Alaun, Wasser
E
fol. 204v, 1
swartz
Lohwasser
В
fol. 92, 263
schwartz
Уг Topf Eichenrinde, Wasser
H IV
fol. 67v, 139
Dinten
1 Kessel grime Eichenrinde, 4 Lot Vitriol, Wasser
H V
fol. 227v, 12
schwartz
1 Topf Eichenrinde, Wasser
H VI
fol. 50, 3
schwartz
2 Schusseln ungestampfte Gerste, Eichenrinde, Zink-
vitriol, Wasser
Mil lirlcnrintlc soil dor I'arbslolTkomplcx bcvorxugl mil Abfallcn aus dcr Mclall-
vcrarbcilung wic 1’cilspancn, SchlilT, I lammersehlag odor rostigem Ibsen cr/icll
werilen, Vitriol als Mclallkomponcnlc isl lediglich vcrcin/.cll genannl.611 Bci dcm
z. I. aulgcliihrlen Alramenl isl aus dcm Inhall dcr Vorschriflcn nichl abzuleilcn, ob * III61 I leilspline siiul als fiyel spoil risen (Quelle W, Ibl. 32v, Re/ept 2), eiserein veilspenn. (Quelle
An, Ibl. 19r, Re/ept 3 I), nfovlic/i (Quelle IY1 I, Ibl. 67v, Re/ept 60) sowie fiyeloffe oiler fligen
(Quelle Be, Ibl. 126 127, Re/ept 40) aulgefiihri; zu fiyel leile, fiyeln ~ leilen und fiyelel -
geleilt vgl. (irimm: DVVh, Ikl. 3, Sp. 1629: Sehlill ist als slifsfein oiler slifsfeins: (Quelle An,
Ibl. l<Sv I9r, Re/ept 30) genannt. Sinter isl die mud. b/.w. mild. Be/eiehiumg Гйг I lammer-
sehlag otler Schlaeke. Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 16, Sp. 1213. 1 lammersehlag (vgl. Quelle iVl
III Ibl. 193 r, Re/ept 133) meinl in hislorischen Quellen meist lasenhammersehlag. Kup-
rer(hammer)schlag ist als sinner von tie е1шрЦе/\ ehupf/ersehlug, knpffersehlug, elnipfershig
otler hn/)fferfelinn (Kuplerleilspane) genannl und wire! Hir Heerenlarbungen verxvendet. Kup-
lersehlag ist tier grbberc I lammersehlag aus tier Kuplerverarbeitung, tier Ibinere wurtle als
Kupferbraun be/eichnet. Vgl. (irimm: DWb, Ikl. I I, Sp. 2761, 2763 und 276X; vgl. Kriinitz:
Oekonomisehe laieyklopatlie, 1 11. 36, S. 177. Rosliges Risen ist als ronigs eyssen (Quelle IY1 I,
Ibl. 67v, Re/ept 60) erwahnt.
luirhmittel in den Oucllcn
167
cs sich um Kisenvitriol odcr cine zuvor hergestellte schwarzc Farbe handclt/'1" Bei
den Schwarzlarbungen mit Fichenrinde fchlt zum Teil der fur die Bildung des
Farbstoffkomplexes erforderliehe Metallzusatz.
In den bearbeiteten Quellen sind weitere gerbstoffhaltige Mittel aufgeliihrt. In
Quelle B, fol. 95 95v, Rezepl 264 soil mit Rausch und versehiedenen Metallzusat-
zen Schwarz gefarbt werden, in Quelle М IV, fol. 227r, Rezept 23 wird Rausch mit
einem Auszug aus Frlenrinde liir cine Graularbung verwendet. J. und W. (irimm
identifizieren Rausch als Pflanzennamen und als Bezeiehnung fur ein Bleierz, das
bei der Galmcigewinnung anfiel/,n Sowohl die gerbstolThaltigen Rauschbeeren als
aueh das Frz sind bei Grimm liir die Farbung bclegt. Im ersten Rezept bezeichnet
Rausch vermullieh cine gerbstoffhaltige Pflanze, da sonst der liir die Iarbung beno-
tigte Gerbstoff fchlen wiirde. Im zweiten Rezept liefert Frlenrinde den Gerbstoll,
was hicr fur die Deutung des Rauschs als Hrz spricht. In Quelle An, lol. 19r, Re¬
zept 31 sollen knopf aiehen lauh und salhcrcm plclter (Salbcibkittcr) mit Frlenrinde
und weiteren Substanzen liir die Schwarzfarbung verwendet werden. Fine „Knopl-
ciche“ ist in der Fiteratur nieht belegt. Vermutlich handelt es sieh hier um einen
Sehreiblehler und es sind Knoppern, die (iallapfcl der Knoppereiehe (Ouaras
aegilops F.) gemeint.ftN Die Blatter des Salbei (Salvia officinalis F.) enthalten ne-
ben atherischen Olen und Flavonoidl'arbstoH'en aueh Gerbstolle, insbesondere
Rosmarinsaure (bis zu 3,4 %)/''"
Weitere neun Rezepte besehreiben die Graularbung (Tab. 37). Ilier ist die gerb-
stofllialtige Frlenrinde zum Teil in Verbindung mit sehwarzer l arbe (schwvrcz,
sxvarezer varl\ swerez, schustcr swerz und schuch swerz) genannt, worunter cine
zuvor gewonnene Schwarzlarbellotte aus CierbstolTen und Metallzusatzen zu ver-
stehen ist. Da der GerbstolTsehwarzkomplex schleeht wasserlbslich ist und ledig-
lieh gcringc AlTmitat zu Textilfascrn hat, client die sehwarze I'arbe vermutlich nieht
der Farbung sondern lediglich dem Abdunkeln des I'arbtones. Aullallig ist der
Alaunzusatz, der in sieben Anleitungen zu linden ist. F'iir die BiIdling und das Aul-
ziehen des I'arbstoHkomplexes ist er nieht erlbrderlich. 612 613 614 615612 Atramcnt kann im /usammenhang mil (ierbstollsclnvar/larbungen sowohl liir 1 --iscnviliiol als
aueh fiir cine aus ICiscnvitriol und (icrbsloUcn hergestellte Sehwar/laihellotle stehen. Vgl.
Menilielcl, Original treatises, S. xiii.
613 Als Rausch wurden die Rausehbeere (I'acciniunt nligiiwsnm I..), die Preiselbeere (l uccininm
vifi.s iducu L.) und versehiedene Alpenrosenarten be/eiehnet; vgl. hiei/u (irimm: DWb, Ikl.
14, Sp. 305; vgl. Kriinit/: Oekonomisehe Fneyklopadie, 111. 121, S. 255 und III. 22, S. 754
755; vgl. Bracherl: Maltcehnik, S.203; vgl. Mar/ell: Pllaii/ennameii. Ikl. 4, Sp. 050. Xur Na-
mensgebung vgl. Nelolit/.ky: Rausehbeeren, S. 43 44. Naeli C’lasen besland in Augsburg \er-
wcndclcr Rausch aus Rhododcndronarlcn. vgl. C'lascn: I cxli 1 hcrstclking in Augsburg, S. 241.
614 Vgl. (irimm: DWb, Ikl. II, Sp. 1483; vgl. Kriinit/: Oekonomisehe Fncyklopiidie, Th. 41,
S. 704 712.
615 Saehsisehc Landcsanstalt liir Fandvvirtsehart, Saehsisehes I.andesamt fiir Umwell und Geolo¬
gic (llrsg.): Naehwaehsende RohslolTe, S. 27 2N. /ur Rosmarinsaure vgl. Krammer: Rosma¬
rinsaure, in: Rompp-Online. RD-I X-01 703; vgl. I lermann: Labialenblatler, S. 1043.
168
Farbiniltel in den Oncdlen
Tab. 37: Hrlenrincle in den (iiaularbeanleitiingen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M II
fol. 119v, 9a
eysuar
Erlenrinde, loch (Lohe?), Schliff, Schwarz, Met,
Alaun
N II
fol. 54v, 99
grab
Erlenrinde, Schliff, Alaun
fol. 184r, 72a
griseo
Schwarz
M III
fol. 184r, 72b
griseo
Erlenrinde, Brasilholzsud, Brasilholz, Regenwas-
ser, Alaunwasser
M IV
fol. 227r, 23
grab
Erlenrindenwasser, Rausch (Bleierz?)
M V
fol. 123r, 331
griseo
schwarze Farbe od. Erlenrindenflotte [gleiche
Menge wieTuchl, Brasilholzsud, Regenwasser
fol. 277, 9a
grawe-
schwertz
Erlenrinde, Schliff, MetwQrz, Alaun
H V
fol. 280, 23
wuriz graw
Erlenrinde, Schwarz, WachswQrz, Alaun
fol. 281 v-282, 36a
eissengraw
Erlenrinde, Schwarz, Schliff, Alaun
(iallapfel als (icrbstofflielcrantcn sincl als aychephc/, galopfel, galnus, gall upped,
Gal la Ronuma und gullets in vier Anleitungcn lur die Schwarzlarbung und in liinf
Anleitungcn lur die (iraufarbung aufgefuhrt. Die bier aulgelisteten Re/epte be-
sehreiben sowohl larbungcn aid Wolle als aueh auf Leinen. Kinf weitere Vor-
sehriften besehreiben die Schwar/larbung mil einer Kombination aus ITlcnrinden
und (iallapfeln (Tab. 38).
lab. 38: (iallapfel in den l arbeanleilungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 101r, 12
Swarcz
Gallapfel, Bergweifi, Dunkler: Schwarz, Alaun, Ham
W
fol. 32v, 2
Swartz
2 Lot Gallapfel, 3 Lot Vitriol, Eisenfeilspane nach
GutdQnken, Alaun, Wasser, Gummi
M V
fol. 177v, 674
Swartz
6 oder 7 Kugeln Gallapfel, Wasser, Schusterfarbe
В
fol. 95v, 266
schwartz
1 Lot gepulverte Glasgallen, 1 Lot Vitriol, ’/2 Lot Kup-
ferfeilspane, Alaun, Wasser
M V
fol. 99r-99v, 228
graw
1 Lot Kupferwasser, 1 Lot Gallapfel
В
fol. 93, 257
Eschenfarb
1 Korb Gallapfel (9 Pfd.?), 1 Kiibel Kupfervitriol
(10 Pfd.?)
fol. 93, 258
graw
1 Pfd. Gallapfel, 1 Pfd. Kupfervitriol, Alaunwasser
fol. 96, 267a
graw
V? Pfd. Gallapfel, 2 Pfd Kupfervitriol, Wasser
H VI
fol. 50v, 5
groe
4 Lot Gallapfel, 1 Lot Eisenvitriol
Tr
fol. 16r—17r, 64a
Swartz
Erlenrinde (Mai), Gallapfel, rostiges Eisen (so viel ihr
habt) Kleie, Wasser
M V
fol. 99r, 227
schwarez
4 Lot Gallapfel, 4 Lot Kupferwasser, 1 Faustvoll
Schliff und Eisenhammerschlag, Eichenrinde, Was¬
ser?
в
fol. 95v, 265
schwartz
gleich viel Erlenrinde und Espenlaub, 2 Lot Glasgal¬
len, Alaun (od. NH..,CI od. Vitriol), Regenwasser
H IV
fol. 55-55v, 116
schwartz
4 Lot Gallapfel oder so viel du willst, 2x so viel Erlen¬
rinde, fiir 1? Drachme Vitriol
fol. 194v-195,
328
schwartz
4 Lot Gallapfel oder so viel du willst, 2x so viel Erlen¬
rinde, 3 Lot? Vitriol
Farhmittel in den Qncllcn
169
AuBer den Anleilungcn fur die Sehwar/- und Graufarbung mil Gerbstoffen, sincl in
den Quel len ebcnfalls Anleitungen Hi г die Gclb- und Rotlarbung mit kondensierten
Gerbstoffen /u linden. Kondensicrte Gerbstoffe sind Derivate des ITavans, die zu
sog. Proanthocyanidinen kondensiert sind (Abb. 30). Diese larbcn Gelb und bilden
bei Oxidation, beispiclsweisc dureh langcres Sieden, rote Gerbstoffe/116
Abb. 30: Beispiel liirein Proanthoeyanidii/'17
Proanthoeyanidine sind neben FTavonoidfarbstoffen in Blattern und Rinde des wil-
den (Mains sylvesfris L.) und des Kulturapfelbaumes (Mains donwstica L.) enthal-
ten. Rotlarbungen mit Apfelbaumlaub sind in drei Anleitungen der bier bearbeite-
ten Quellen aulgefiihrt. 1 iir die Rotlarbung mit Apfelbaumrinde ist keine Beize
erforderlieh, mil Alaunbeize werden Gelbtone erzielt. Die I cirbung erlolgt mit glei-
ehen Anteilen Substrat und Rinde. Die Rinde muss ITir mehrere Fage in Wassei
eingeweieht werden. Leuehtendere Tone werden erzielt, wenn nur die innere Rinde
lur die l aibung verwendet wird.MS AuBerdem sind Pllaumenbaum-, Kieuzdom-
und/oder Sehlehdornrinde liir die Rotlarbung genannt (Tab. 39). Diese Rinden
wurden z.T. in der Malerei verwendet. Abkoehungen aus Sehlehdorn- und Kieuz-
dornrinden (Prnnns spinosa L.) dienten zur llerstellung von „Dornentinte ,
Schlehdornwurzeln lieferten einen gelben bis roten l arbstoll. Pnaumenbaumiinde
(Prnnns donicstica L.) wurde lur die llerstellung eines Pllaumenbaumlaekes ge-
nutzt.6lv Uber die llirbendcn Inhaltstolle dieser Rinden ist niehts bekannt, veimut-
lieh handelt es sieh aber wie bei der Apfelbaumrinde uni kondensierle Geibslolle. 616 617 * 619616 lm (icgensal/ /u tlcn (iallotaimincn, bei tlenen es sich um (ilykoside der (iallusauie handelt,
beslehen die kondensierten (Jerbsloffe aus Derivalen des l lavan (2-Phenylben/odihydro-
pyran). Diese kondensieren und bilden mileinander grdBere Molekiile: vgl. Seliweppe: Nalur-
larbstolTe, S. 495 und S. 515.
617 Vgl. Sehweppe: NaluiTarbslofle, S. 496.
61X Vgl. Dean: Wild Color, S. 107.
619 Vgl. Braeherl: Malleclmik, S. 205 206 und S. 222; \gl. I'uehs: Tinten und Tuschen, S. 27.
170
h'arhmillcl in den Oucdlcn
l ab. У): Konilensierle (ierbslolTe in den l arbeanleilungcn
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Ba
fol. 181 r. 3
roth
Mittlere Pflaumenbaumrinde (corticem medium
prunorum arborum), Essig, Alaun
Erlenrinde, Pflaumenbaumrinde, Schlehendornrinde
В
fol. 100, 284
fol. 100, 285
Rott
rote
(Erlin rinden, pflaumenbaum rinden, rinden von schle-
hendorn), Haferstroh
Erlenrinde, Apfelbaumlaub od. Kreuzdornrinde (Erlin
rinden, apffel laub oder weedorn rinden), Wasser,
Asche, Salz
H V
fol. 275v, 1
fol. 275v, 2
Rott
Rott
Erlenrinde, Pflaumenbaumrinde, Schlehendornrinde
(Erlin Rinden, Rinden von pflaumenbaum, Rinden von
schlehdorn), Haferstroh
Erlenrinde, Apfelbaumlaub od. Kreuzdornrinde (Erlin
Rinden, Opffell Laub oder wehedorn Rinden), Asche,
Salz
Wi
fol. 303v, 8
rott
Holzapfellaub (wild holcz opfel loub), gleich viel
Ahornlaub, gleich viel kostenn blumen (Kastanienblii-
ten?)
Hll
fol. 62V-63, 14
gelb
untere Apfelbaumrinde (wild affalter rinden, im Friih-
jahr geerntet) so viel du benotigst, etwas Safran,
Alaun, Lauge,
M V
fol. 223v, 1257
Gelb
mittlere Rinde von wilden Apfelbaumen (Rintten von
Wilden affalternn), Alaun
H VI
fol. 51, 8
gel
untere Apfelbaumrinde (affeltern schelfen), Wasser,
Alaun
5.7 Indigoide Farbstoffc
Zu den NaturfarbstoITen mil indigoider Slruktur (Abb. 31), gehoren die beiden
schon scit tier Antikc bekannten FarbslolTe Purpur und Indigo.
Abb. 3 I: Indigoide Slmklur
Purpur, cin Schneckeniarbstoff (Bolinus braiularis L rolslichigcr Purpur;
Hcxapkw trunculns L _ blanslichiger Purpur), hallo soil phonizischer Zeit grobe
Hedeutung und war aui'(irund dor aufwcndigen (iewinnung, fur 1 g I'arbslolT wur-
den mindcslcns 8.000 Schncckcn benotigt6"0, cin schr leurer Farbsloff fur Reiche
odor hochgcslclllc Pcrsoncn und daher Symboliarbe 1'iir Machl und Rcichlum. Mil
dem Unlcrgang ties Romischen Reiches gingen die Kennlnisse liber die Purpuriar-
berei im wesllichen Furopa verloren, im ostromischen Reich iiberleblen sic dage- *b20 Vgl. Willke: I'arbsiolTeliemie, S. 41.
/•'cirhmittel in den Oucdlcn
171
gen noch bis /.um Fall Konstantinopels im Jahre 1453.621 622 Die Rolle des Purpurs als
Symbolfarbc iibernahmen im Westen Furopas im 1 loehmittelaller die Farben Rot
und Blau. Cinzelheiten uber die Bedeutung und den Ablauf der PurpuiTarbcrci kon-
nen in versehiedenen VeroHentliehungen nachgelesen werden/’" Uber das Ausse-
hen des Farbtoncs wird bis heute diskutiert.623 Purpur ist in den bier bearbeiteten
Quellen weder als Farbton noch als Farbsloff genannt.
Indigo (CM. Natural Blue 1) ist der Name des FarbslolTes, der aus dem Indigo-
slraueh (Indigofera tinctoria L., vgl. Tafcl 34, links), heimiseh in Ost- und Wcstin-
dien, und aus dem europaisehen Farberwaid (/satis tinctoria L., vgl. Tafcl 34,
reehts) gewonnen wurde.624 625 626 Die Gcschichlc und die Bedeutung beidcr PHanzen Fur
die Textillarberci ist von versehiedenen Autoren eingehend besehrieben worden.6"
Daher soli bier nur cine Kurzdarstellung erfolgcn.
Waid stammt urspriinglieb aus Siideuropa, von wo er bis I ingland und Schweden
gelangte/126 Fr wurde in Furopa sehon fVtib als Farbmittel verwendet. Caesar be-
rieblele nacb der Froberung Brilanniens in seinem „/> Bello Galhco“ (V, 14) von
den Britanniern, die sieb vor der Sehlaebt mil Waid bemallen, um noch schreckli-
621 Nur in besonders kostbar ausgestatlcten Urkunden, den Purpururkuntlen, Imdel tier karbsioll
auch im Westen noch Anwenclung. Pei tliesen lJrkimclcn wire! tier Beschrcibstolk in tier Regel
Pergamenl, mil Purpur gelarbt untl anschlieMend mil (iokllinte ver/ierl. b.ines tier beeintliu-
ckentlslen untl bekannteslen Beispiele einer solchen Urkunde isl tlas Privilegium Ollonianum
void 13. Februar 962; vgl. lin/ensberger: Purpururkuntlen; vgl. Vatikanisches (iehcimaichi\.
Privilegium Ollonianum; vgl. Briihl: Purpururkuntlen, in: Angermann el ak: LexMa, Bd. 7, Sp.
333 334; vgl. Ma/al: Purpurhandschrillen, in: Angermann el al.: LexMa, Bd. 7, Sp. 332 333.
622 Vgl. Kriil/: 7000 Jahre ('hemic, S. 9; vgl. Porn: Die Purpursehneeke: vgl. tiers.: Purpur im
klassischen Allerlum; vgl. tiers.: Purpur im Millelaller; vgl. Baker: lyrisehei Puipui, vgl.
Xitlerman: Purple Dyes Matle form Shellfish; vgl. Lorke: Vom Intligo /um Purpui, vgl. Vog-
ler: hiirben in der Romerzeil; vgl. Volke: Waschen untl barbell im Alleilum. \gl. Knaggs.
Dyestuffs of the ancients; vgl. Hill/: Texliltechnik /ur /eit ties Allen leslamenls; vgl. John
und Lutlwichoski: Tierische LarbstolTe in tier karberei; vgl. Sandberg: I he red dyes, vgl. Mel-
zer el ak: Der Purpur; vul. Trueb: Antiker Purpur; vgl. Auguslyn, l.epsky: RDK-Wk.P, Bd. 6,
Sp. 1474.
623 Vgl. Zollinger: Welche I’arbe hat der antike lAirpur'.k S. 207Г; vgl. Sponagcl: kleho: Welehe
karbe hat tier antike Purpur?, S. 207 212; vgl. Imming et ak: Welehe h'arhe Italic tier anlike
Purpur? S. 22 24.
624 Vgl. Welsch: Intligo. In: ROMPP Online, RD-09-004S0. Der Name Intligo (nihil, imlich) be-
deutet der „tier indische“ (l arbsioll). lir isl aus dem gr. iniiikon fiber tlas lal. imlicmn in die
dcutschc Spraehe ilbemommen wortlen; vgl. Kluge, Seeboltl: k.lymologisches Wbiteibuch,
S. 43X.
625 Vgl. Kriil/: 7000 Jahre C'hemie, S. 9; vgl. Fox, Pierce: Intligo: Past and Present; vgl. Reckcl:
Teulelslarbe, S. 57 SI; vgl. Miillerotl: Quellen /um Waidanbau; vgl. Benneckenstein: Wait!;
vgl. (lark el ak: Indigo, woad and Tyrian Purple; vgl. See I eltler: Intligo; vgl. C lark et ak: Indi¬
go red, white and blue; vgl. Fischer: Das Wane Wunder; vgl. Miillcr: Kulturgeschichle von
SlolTen untl k'arben; vgl. Ballbur-Paul: Intligo; vgl. Pastoureau: Blue; vgl. MagdelVau: Waitl-
untl Tuchhantlel.
626 Vgl. Leggell: Ancienl anti Medieval Dyes, S. 31.
172
Farbndttei in den One/len
cher auszusehen.627 628 * * 631 632 * * 635 636 Fin wichtiger Bclcg fur den Waidanbau in den karolingisehen
Hausgiitern stamml aus dem „Capitularc de W///.v“ aus deni 8. Jahrhunderl. In Ka-
pitel 43 ist Waid (mtisdo) unter den Materialien aufgelistct, die fur die Tuehma-
eherwerksstatten der Ilausgiiter bereitzuhalten sind/’2s Seit dem 10. Jahrhundert
vvurde iiber den Anbau in Tluiringen, am Niederrhein, im Flsass und in der Nor¬
mandie beriehlet. Fnde des 12. Jahrhunderls verlagerte sieh der Waidanbau in
ITankreich aus der Normandie in das Languedoc, wo er den Reiehtum der Region
um Toulouse begrundele.62^ ITauptabnehmer liir den Waid waren die Tuchzentren
in ITandern, ITankreich und England.M() Der in Tluiringen angebaute Waid war von
besonders guter Qualital, insbesondere farbstarker als Waid aus anderen Regionen
und von daher bei Farbern besonders begehrt/”1 Die Waidproduktion florierte. Sie
vvurde so profitabel, dass sieh die Waidluindler organisierlen und Anbau und I’arb-
stoffqualitat streng iiberwaehten. Dureh die verbesserte Quadbit des Blaus lieB die
Vorliebe liir die rote Farbe naeh und die Bedeutung der blauen Farbe stieg. Zu die-
ser Zeit trug die JungIrau Maria in Gemalden einen blauen Umhang, und die Robe
des franzosischen Kiinigs, bisher rot, war nun blau/”2 Der Waidanbau im Tluirin-
ger Raum war so erfolgreieh und gewinnbringend, dass die Waidluindler 1392 das
Cield fur die (iriindung der Lrlurter Universitat gaben/1" Der Erfolg des Waids
ging einher mil dem FrTolg der europaischen Textilindustrie/"4
Der FarbstoITgehalt des Waids liegt bei ea. 0,2 %, der des Indigoferastrauehes zwi-
sehen 1,5 2 %.bb T'rotz der hdheren F;arbstarke wurde die Verwendung des F’arb-
stoflcs aus dem lndigostraueh zum Sehutz der Waidproduzenten in ITiropa dureh
(iesetze und Verbote lange hinausgezdgert/’^’ In der Reiehspolizei-Ordnung von
1577 wird der aus dem lndigostraueh gewonnene I'arbstolT als ,./•••/ scluidli-
chc, hctriegHche fressendc odcr rorrosiv Idirhe, so man die Teufels Farbe пеппеГ
627 Vgl. Cncsar: Pcllum (iallicum, S. 105; vgl. Volke: C’licmischcs bei C'aesar, S. 28; vgl. Carr:
Woacl, I allooing, and (lie Arcliaeoloj.'.y, S. 5; vgl. dies.; Woad, rationing anti Identity, S. 273
202.
628 Vgl. Ilopfet al.: I'arbe und l arben, in: Reek el al.: R(iA, Ikl. 8, S. 227; vgl. Kapitel des
Capilulare de villis, in: I 'reinuleskreis Botanischer (iarten Aachen e.V.: Der Karlsgarten.
620 Vgl. Delamare, (iiiineau: Colors, S. 44 46; vgl. Reinickc: Waid, -anbau, -handel, in: Angcr-
inann et al.: I.exMa, Bd. 8, Sp. 1020 1030; vgl. North: Deutsche Wirtsehaltsgesehiehte, S. 50.
650 Vgl. Leggett: Ancient and Medieval Dyes, S. 30.
631 Vgl. Rosier: Waidanbau und -handel in Tluiringen.
632 Vgl. Wan/eck: Tarbworlverbiiulungen, S. 132.
635 Vgl. Seelcldcr: Indigo, S. 26.
654 Vgl. Delamare, (iiiineau: Colors, S. 46 47.
635 Vgl. Richter Waitl-lndigo-(iarungskiipen, S. 1333; vgl. Nicolai et al.: barbungen mil Waid-
pulver, S. 348; vgl. Kremer Pigmente: hisloiisehe und motlerne Pigmenle, Indigo.
636 Vgl. Reekel: Teulelslarbe, S. 57 58. Neucrc IJntersuchungen /eigen, dass Waid heute einen
Indigogehall von 0,2 bis 0,5% auTweisl. Der l arbslolTgehall kdnnle aber IViiher holier gewesen
sein, da beiiehtel wird, dass nichl sorg I lilt ig ausgesuchle Samen /.u einer TarbsloTlarmeren Sor-
le verwilderlen, \gl. hier/u Nicolai el al.: Textile Tarbungen mit Waidpulver, S. 348.
IdirhmiUel in den Ouellen
173
beschricben.M/ Dcr einhcimische Waid wurdc erst ab dem 17. Jahrhunderl nach
und nach durch den ans dem Indigostrauch gewonnenen Farbstoff abgeldst.<MS
Pine kur/e Renaissance erlebte Waid wahrend der durch Napoleon verhangten
Kontinenlalsperre in der Zeit von 1806 bis 1813. Das Iiinluhrverbot liir englisehe
Waren betraf nicht nur Rohr/uckcr und Kaffee, sondern ebenfalls die lur die T'ex-
tilproduktion benotigten Rohstoffe wie Baumvvolle und verschicdcnc ParbstolYe,
die meist aus englischen Kolonien importiert wurden. Indigo wurde insbesondere
lur Uniformtuch benotigl, und da die Liefcrungcn ausblieben, wurde die Indigoge-
winnung aus Waid wieder interessant/’™ Mit dem Pnde der napoleonischen Ara
geriet der Waid wieder in Vcrgcssenheit, aber die Prfahrung aus dieser Zeit ITihrte
nach Meinung von Ilistorikern letztendlieh zur Aufklarung der Parbstoflstruktur
und der spateren Realisierung der Indigosynthese sowie zur Vermarktung des syn-
thetisch hergestellten I'arbstolTes in Deutschland.010
Sowohl Waid als auch der Indigostrauch enlhalten die farblose, an Zucker gebun-
dene Indigovorstufc Indoxyl (Abb. 32).
OH
Abb. 32: Riklung von Indigo nils tlcn Vorsturcn611 637 * 639 640 641637 Vgl. Wan/cck: l'arbworlvcrbindimgcn, S. 132.
Ш Vgl. I.eggell: Aneienl and Medieval Dyes. S. 40 41; vgl. C’ardon: ( olours in Civili/alions,
S. 23.
639 Vgl. Vaupel: Kontinenlalsperre, S. 31 I; vgl. Kriit/, Vaupel: C’hemie im angelsaehsischen Kul-
turkreis, S. 41 42.
640 Vgl. Vaupel: Kontinenlalsperre, S. 311. Die Slriikluraiil'klamng ties Indigos erlblgle 1X70
clinch Adolf von Dayer. Der ersle synlheliseh bergeslellte Indigo kam 1X97 aufden Markl.
Vgl. hier/ii Seefelder: Indigo, S. 55 63; vgl. Sehmidt: Indigo und tiers.: Indigo tier ,,Kdnig“
tier L'arbslolTe; vgl. Welseh: Indigo. In: ROMPP Online, RD-09-004X0; vgl. Cartlon: Colours
in Civili/alions, S. 24.
641 Vgl. Ballour-Paul: Indigo, S. 234; vgl. Cooksey: Indigo.
174
luirhmiltcl in den OueUen
Wait! cnthalt Isalan B, der Indigostrauch Indican. ITir die Larbstoffproduklion aus
den Pllanzen wild das Indoxyl durch Lamentation Ireigesetzt. Durch die Reaktion
mit SauerstolT wild es dann /um Indigo oxidiert/1'2 Die LarbstoITgcwinnung aus
den Pllanzen war aulwendig und erforderle verschiedene Arbeitsschritte. Bcim
Waid wurden die Blatter nach dcr Lrnle durch die Waidbauern gewaschen, mit
groBen Steinradern in den Waidmiihlen zermahlen und anschlieBend aulgcschich-
tet. In dcr zcrquetschtcn Pllanzenmassc land durch cinen ersten Garungsprozess(vn
die enzymatische Aulspallung der Vorprodukte in Zucker und Indoxyl statt. Die
angegorene Masse wurde zu Kugeln bzw. Ballcn geformt, die nach dem Trocknen
gelagert oder in Lassern an die Waidhandler verkaufl werden konnten/"14
Beim Waidhandler wurde der Rohfarbstoff ciner zweiten (iarung unterworfen. Da-
zu wurden die Waidbiille im Ilerbst oder Winter zerschlagen und auf Dachboden
mit Wasser und Urin angefeuchtel, was zu starker (ieruchsentwicklung fiihrle. Die
Waidmasse musste rcgelmaBig gewendet und befeuchtet werden, damit sic sich
durch die bei der (iarung entstehende Warme nicht zu stark erhitzte. Im Mai oder
Juni war der Garungsprozess beendet und der in den Pllanzen enthaltcne Larbstoff
zum groBten Toil Ireigesetzt. Die Masse wurde gclrocknct und gesiebt. In Passer
verpackt wurde sie an die Parber verkault/lh
Indigo ist ein wasserunldslicher LarbstolT und besitzt keine AITinitat zu l exti 1 fa-
sern. Piir den l;arbeprozess muss er zuniichst in eine wasserldsliche l;orm, die
Leukoform, auch Leukoindigo oder IndigoweiB genannt, iiberfuhrt (reduziert) wer¬
den. Bei der Reduktion des Parbstofles zum wasserldslichen Leukoindigo verandert
sich seine I'arbe. Indigo ist blau, Leukoindigo ist gelb. Die bei der Reduktion zu-
nachst entstehende Kiipensaure ist zwar wasserldslich, besitzt aber lediglich gerin-
ge AITinitat zu Lasern. List das durch die Umsetzung mit Alkali gebildete Kiipen-
salz (LeukofarbstolT) besitzt Afllnilat und zieht aus dcr Llotte auf die Laser auf.
Dorl wird es anschlieBend durch Oxidation mil Lultsauerslorf wieder in die was-
serunlosliche I'orm uberfuhrt (Abb. 33). * 643 644 645М2 Vl',1. К6гЬсм-(irolinc: Nul/plkm/en in Deutschland, S. 411 412; vgl. Nicolai cl al.: Textile
l arhungcn mil Waidpulvcr, S. 34S; vgl. Wclsch: Indigo, in: ROMPP Online, RD-0()-()04X();
vgl. o.V.: Indiean, in: ROMPP Online, RI)-(W-00474.
643 Rdmpp tlelinierl (iarung als tlen imgesleuerlen Abbau organiseher Subslan/en clinch Mikroor-
gnnixmen oder l.n/yme, wahreiul er I'ermentation als den gesteuerlen Pro/ess betrachtet: vgl.
Neiimiiller: Rdmpp, 1LI. 2, Sp. 13X7 und 1253.
644 Vgl. Imhof: Nut/pllan/endalenbank, I sal is linctoria; vgl. Leggell: Ancient and Medieval Dyes,
S. 32 33.; vgl. Delamare, (iuineau: Colors, S. 44 47. Beispicle liir die genaue Zusammensel-
/ung versehiedener Kiipen gibl Ldmonds: Medieval woad val. Lin an tier Reduklion lies Indi¬
go beleiligles Baklerium „( hloslrium isaliclis" wurde vor kur/cm aus ciner Waidkiipe isolierl,
vgl. hiei/u Padden el al.: Ciosiriilnnn isaltdtw S. 1025 1031.
645 Vgl. Pblscli: (ieslank als Qualilatsmcrkmal, S. 170.
Idirhmittef in den Oue/len
175
Indigo Kiiponsaure Leukoindigo
Abb. 33: Reaktion vom Indigo /.um Leukoindigo
Die I arbung erfolgle moist in dor aus llolz bestchcnden Kiipe, so dass dieser Ar-
beitsschritt der Reduktion mil Bezug auf den L'lottenbehalter als Verkiipung be-
zeiehnet wurde und zum Begriff des Kiipenfarbstoffes fiihrle/'40
1m Laule der (iesehiehte der Kiipenfarberei kamen verschiedene biologisehe und
ehemisehe Varianten der FarbstoITverkupung zum Finsatz. Die iilteste im europai-
schen Raum genutzte Verkiipungsarl war die Garungskiipe, die zunachsl 1 ur die
Larbung mit Waidindigo verwendet wurde. Mit zunehmender Bedeulung des 1 ex¬
port-indigos wurde diese Waidkiipe aui'diesen iibertragen und bis in das 19. Jahr-
hundert in der Larberei genutzt.
l;iir die Garungskiipe wurde der Rohindigo (Waidkugeln oder lndigobarren, vgl.
Talel 35) zerkleinert und mit heiftem Wasser iibergossen. Kleie, Melasse, llonig,
Weinhelen oder aueh Krapp dienten als Kohlenhydratlieleranten. Zum Neutralisie-
ren der bei der Reduktion entstehenden Sauren sowie zum Finslellen des Fir die
I’arbung erlorderliehen pll-Wertes wurden Alkalien zugesetzt. L'iir die l arbung von
Leinen (C’elluloselaser) wurde Kalk oder Pottasche, I ur die Larbung von Wolle
(Proteinlaser) Soda oder Urin verwendet.
Die Reduktion erlblgte dureh WasserstolT, der von aul'den Waidblattern belmd-
lielien Bakterien (z.B. Clostridium isatidis) aus den Kohlchydraten hergestellt wur¬
de. Die dabei entstehenden Sauren wurden dureh den Alkalizusatz neulralisiert.
lane optimale Reduktionswirkung wild mit den Bakterien bei 1 emperaturen um
50 °C erreieht. Die voUstiindige Verkiipung des Indigos erfordert je naeh Larbstoll-
gelialt der L’lotte und Qualitat des eingesetzten I’arbrnittels zwei bis drei Tage. LieU
die Ciarung naeh, wurde Kleie zugesetzt.bl; Zum llalten der Temperatur liber den 646 647646 Der BegrilT Verkiipung isl noeh heule in der modernen 1 arberei gebriiuehlieh. Synlhelisehe
LarbslolTe auf Basis von Indanthren (Indigo i Anthraeen) wenlen mil Natronlauge und
Nalriumilitbionii /um LeukofarbslolT verkiipl und naeh dem Auf/iehen mil WasserslolTpero-
xid /um wassernnldsliehen l arbslolT oxidierl. Diese LarbslolTe werden als Kiipenfarbsloffe
(engl.: vat-dyes) be/eiehnel.
647 Vgl. Ladden el al.: Clostridium isatidis S. 1025 und 1020; vgl. ebenso Nieholson, John:
Baelerial indigo reduelion, S. 1 17 1 LX; vgl. Cassebaum: IJrsprungder Indigolarberei. 1065, S.
X4(X. Krapp/usiil/e dienlen der Reduklionsbesehleunigung, vgl. hier/u: John: Indigo reduelion.
S. 33. Waid/usal/e /.u Indigolerakiipen lielerlen die erlorderliehen Mikroorganismen.
Cassebaum besehreibl die Verwendung von llonig als Kohlenhvdrallieferanl. dureh dessen
176
I'arhmittel in den One/len
langen Zeitraum, wurde hin unci wieder hciBcs Wasscr zur I lotto gegeben odcr der
Flottenbehalter wurde verpackt, um ihn gegen die kaltere Umgebung zu „isolie-
ren“. Beide Varianten sind in den hier bearbeiteten hislorischen Quellen beschrie-
ben.MS
l)er Garungsprozcss musste standig iiberwaeht und konlrolliert werden, da der
FarbstolT bei zu sehneller und heftiger Reaktion irreversibel zu farblosen Substan-
zen abgebaut werden konnte. Mdgliclie Uberreaktionen bei der Verkiipung waren
das ,,Scharf-“ oder ,,Schwarzwerdenifc der Kiipe bei zu groBen Kalkzugaben oder
das „Durchgehen der Kiipe“ bei zu geringen Kalkmengcn.640 Sehwierigkeilen bei
der Oberwaehung der Verkiipung ergaben sieh dadurch, class die Farber noch im
spaten 19. Jahrliundert selten fiber Mcssgerate fur die Prozesskonlrolle verliigten.
„Die Zusal/e wurden olt [...J nach „Scluuifelir bemesse'ii, |...], die Temperalur in
der Re'gel mil der Hand, der pll-Wert mil der Zunge und der Kupemstand mil der
Nase und naeli clem Ausschen der Kiipe' „beslimmrfc.“fo()
Weitere Probleme bereitelen die im gehandelten Farbmitlel enthaltenen Verunrei-
nigungen. In Merck’s Warenlexikon aus clem Jahr 1884 werden fur gute Sorten 40
60 % und fur sehleehtere Sorten 7- 10 % FarbstolTgehalt angegeben/lS| Besonders
stdrend sind Verunreinigungen mil Indirubin, einem mien Pigment, die den Farbton
des zu erreichenden Blaus in Richtung Purpur verandern. Indirubin entstehl bei der
Umsetzung von Indigo aus Indoxyl in ciner Nebenreaktion dureh Uberoxidation
(Abb. 34). Naturindigo kann zwischen 2 15 % Indirubin enlhalten, selbst im syn-
thetischen Indigo ist es in geringer Menge zu linden/^2
Indoxyl 1 satin Indirubin
Abb. 34: Biklung von liulirubin dureh Obemxiilation von liuloxyf>M * 645 * * * * 650 651 652 653Anweiulung die Veikiipungs/eil clenllich reilii/ierl werden konnle; vgl. Cassebaum: Ursprung
der Indigolarberei, 1965,5.326 327.
645 Vgl. Quelle П In den Anleilung Ibl. 75 79, Re/epl 229 und 79 79v, Re/.epl 230 isl das Ver-
paeken ties l lollenbehlillers besehrieben. In der Vorsehrifl lol. 52v, Re/.epl 235 isl das Regie-
Men mil lieibem Wasser genannl.
649 Vgl. o.V.: Indiglarherei, in: Pierer: Universal-I.exikon. Bel. 5, S. 886; vgl. Kriinil/:
Oekonomisehe Imeyklopailie, Th. 232, Sp. 571 572.
650 Xilierl nach Richter: Rlaularben von Wolle, S 741.
651 Vgl. Indigo, in: Merck: Merck's Warenlexikon, S. 224.
652 Vgl. Rosenberg: Historical organic ilyeslulTs, S. 36; vgl. John: Indigo Fxlraction, S. 112
1 13; vgl. Schweppc: Nalurlarbslofle, S. 286.
653 Vgl. Rosenberg: Historical organic dyestuffs, S. 36.
luirbmillel in den Ouel/en
177
Weitcre Verimrcinigungen des aus РПап/сп gewonncnen Indigos sind Indigolcim
und lndigobraun, die sich wahrcnd dcr Verkiipung am Bodcn des Floltenbehalters
absetzen und zu llcckigen Farbungen liihrcn konnen.6M Urn die Beriihrung dcr Wa¬
re mil dem Bodensatz zu vermeiden wurden Siebboden in den Kiipcnbchaltcr ein-
gchangt, die das Absinken der Ware bis zum Bodcn verhinderten. Zusatzlich er-
folgle die Beheizung des Flottentroges indirckt, um ein Aufwiihlen des Bodensat-
zes zu vermeiden.
Nach erfolgler Verkiipung wurden die Textilien (Game, Gewebesliicke) je naeh
gcwiinschlcr Farbtiefc kiirzer odcr langer in der Flollc belassen. Aueh das l arben
in mehreren Passagen zur Lrzielung dunkler Blautone war iiblieh. Der aul die l aser
aulgezogene LeukofarbstolT wurde anschlicBcnd dureh Aushangen an der Full zum
wasserunlosliehen Indigo riickoxidiert.6^ Jedes unndtige Riihren der Iarbeflotle
muss vermieden wcrden, da dureh die Bewegung SauerstolT in die Ilotte gelangt,
der cinen Teil des verkiiplcn Farbstoffes oxidiert. Die Ware darl ebenlalls nicht mil
Lull in Beriihrung kommen, da die Oxidation von sehon aulgezogenem
LeukofarbstolT und daran anschlicBendc erneule Reduktion in der Motte zu fleeki-
gen Farbungen liihrcn kann. Auf der Oberflache der KiipenIlotte bildet sich mil
Luftsauerstoff cine JIauG bzw. ein Scliaum aus oxidicrtem Indigo, die Waidblu-
me. Sie wurde abgesehbpft, getrocknet und ansehlieBend zum Malcn odcr l aiben
weiter vcrwendel/°(’ Nach Untersuchungen von Wendelstadl und Bin/, erleiehteite
die Bildung der Waidblume an der Flottenoberflache und der damit veibundene
Absehluss gegeniiber Luftsauerstoff die vollstandige Reduktion des daiuntei be-
findlichen Farbstoffes.65 7 Mil einer (iarungskiipe konnte 3 6 Monate gelaibt wei-
den. Dazu wurde die Kiipe dureh Waid-, Krapp- und Kleiezusatze regelmaBig aul-
gefriseht, um die Garung in (Ling zu halten.bSS
Varianten der warmen (iarungskiipe, die sich vorrangig dureh die Ait dei zuge-
setzten Alkalien untcrschicden, kamen bis in das 19. Jahrhundert zum Idnsatz. An-
dcre Mbglichkeiten liir die Verkiipung des Indigos boten die sog. kalten Kiipen mil
Operment, Lisenvitriol odcr Zinkstaub in Verbindung mil Kalk als Alkali. 1870
entdeekte Paul Schiitzenberger (1829 1897) Natriumdithionit (1 lydmsullit. 654 655 656 657 658 659654 Vgl. Sclnveppe: FarhstolTc, S. 115; vgl. lndig (Indigo), in: Picrcr: lJnivcrsal-1 .exikon, Ikl. S,
8. <S(S4.
655 Vgl. Imhof: Nut/pllan/endatenbank, Isatis tinetoria. In der modernen Kiipenlarberei wncl
WasserslolTperoxid fur die Oxidation eingeset/t. Da die Ware walirend der Oxidation melit
tmeknel, kann sehr sehnell auf cine nicht geniigende l arhtiele leagieit weiden.
656 Vgl. hier/u (irimm; I)Wh. Ikl. 27, Sp. 1036; vgl. Cassebaum: Ursprung der hidigoIarberei,
1%S, S. 331. Waidblume (nvvdh/um) ist bei Mar/ell auf (inmd der blauen Bliilen aueh als
Synonym fur die Kornblume belegt; vgl. Mar/ell: Pllaiv/ennamen. Ikl. I. Sp. S77.
657 Vgl. Wendelstadl, Bin/: (iarungskiipe, S. 1628 1620.
658 Vgl. Kriinit/: Oekonomisehe Imeyklopiidie, Th. 232, S. 571; vgl. Cassebaum: Ursprung der
Indigolarberei, 1968, S. 332.
659 Vgl. Indigo, in: Merck: Merck's Warcnlexikon, S. 222; vgl. Mohlau: Indigo, in: l.ueger: I.exi¬
kon der gesamten Teehnik, Ikl. 5, S. 172 176.
178
I'arhmittcl in den Ouc/lcn
NcbS.O,), das dann ab 1906 groBtcchnisch von dcr BASF als Reduktionsmitlcl fur
die Verkiipung bci Raumtemperatur in alkalischem Bad hergestellt wurde.600
Natriumdilhionit ist noch heute in dcr modernen Kfipeniarberei von Bedeutung.
Geruchsbelastigungen und Abwasserprobleme infolge holier Salzfrachten 1 uhrten
in den let/ten Jahren aber da/u, dass alternative Moglichkeiten fur die Reduktion
erlbrseht vverden. Dabei werden auch die historischen Verkiipungsarten wieder
bcriicksichtigt.()M
Der mil Indigo /u crreichendc Farbton ist von der Farbstoffqualitat und der ein-
geset/ten Farbstoffmcngc, aber aueh von der Anzahl der 1’arbbader abhangig. Aus
konzentriertem Bad kdnnen tiefschwarze Nuancen gelarbt vverden, danach erzielt
man mittlcre Blautone und zum Schluss, wenn die Farbstoffkonzcntration im Bad
immer mehr nachlasst, werden durch Uberlarben mil gelbcn Farbstoffen (iriintone
erreichl. Wird der verdiinnten Farbckiipe Krapppulver zugesetzt, kdnnen dunkle
Purpurnuanccn erreicht werden. Kombiniert mil anderen natiirliehen Farbmitteln,
ergibt sieh eine breite Farbpalettc, die die besondere Bedeutung des Farbstoffes als
Universal-Farbemittel veranschaulicht.
In den bearbeiteten Quellen sind Indigo, Waid oder Waidblumc in Anleitungen llir
Blau-, Grim- und Braun larbung aufgeluhrt. Die Bezeiehnung Indigo wird schon in
der altestcn Quelle (In, um 1330) in einem Rezept fur das Aufstreichen eines
Blantons verwendet. Waidblume, das aus dem Schaum der Waidkfipe gewonnene
I landelsprodukt, ist erslmalig in der Quelle Be aus dem 15. Jahrhunderl erwahnt. In
den Quellen sind keine Aussagen liber die Ilerkunft des Farbstoffes enthalten, so
dass nicht gekUirt werden kann, ob es sieh um aus Indigolera gewonnenen Indigo
oder um Waidindigo handelt. Lediglich in der Quelle Wi ist im Rezept Ibl. 304, 9
lombardischer Indigo (lanipartischen endich) genannt, womit vermutlieh Indigo
aus Indigolera gemeint ist, der liber eine der lombardischen Stiidte Mantua, Mai-
land oder Pavia gehandelt wurde/'(>“ Reine Blauiarbungen mit Indigo sind in 14
Vorsehrilten beschrieben (Tab. 40) und zwei weitere Vorsehriften sehildern die
Braunlarbung mit Indigo. In keiner Anleitung ist der Hinweis auf die fiir die Far-
bung erforderliche Verkiipung zu linden. Iintweder fehlen die fiir die Reduktion
des wasserunlbsliehen Farbstoffes zur Kiipensaure erforderliehen Kohlenhydrate
oder das alkalisehe Milieu, in dem die Bildung des faseraffinen Kfipensalzes statt-
llndet, ist nicht vorhanden. Da der P’arbslolT wahrend der Farbung wasserunlbslieh ббОббО Vgl. Storey: Manual of Dyes and Fabrics, S. 77; vgl. Schmidt: Indigo, S. 122.
Ы) I Vgl. Blackburn ct al.: Indigo reduction methods, S. 1У5 20b; vgl. Bo/ic, Kokol: Ideological
alternatives to the reduction, S. 304 30<S; vgl. Chavan, C’hakraborty: Dyeing of cotton with
indigo, S. NX 04; vgl. Semet, (irfminger: l,.isen(ll)-Sal/-Komple.\e. S. Ibl Ib4. Neuere IJnter-
suelumgen besehaftigen sieh mit der Anwendung \on Bakterien; vgl. Nicholson und John:
Bacterial indigo reduction, S. I 17 123.
bb2 Im Mittelaller wurde Indigolera aus den Anbaugebieten in Indien fiber Bagdad in den Mitlel-
meerraum exportiert. Der Handel fiber die oberilalienisehen Stiidte ist seit der Mitte des 12.
Jahrlumderts belegt; vgl. Reinicke: Indigo, in: Angermann et al.: LexMa, Bd. 5, Sp. 405.
Farhmillei in den One Hen
179
bleibl, wire! er als Pigment auf die baser aufgebraeht. Olzusatze dienen zum Dis-
pergieren und Fixicren.
Tab. 40:
liuligolarbimgen
in den Quellen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Be
fol. 126, 38
Blouw
Waidblumen (weit bluomen)
W
fol. 33r, 5a
Bio
1 Viertel Waidblumen (Weydtplumen), Regenwasser
M IV
fol. 228r, 33
Plab
Indigo (Indich), Essig, Salz, Leinol
H II
fol. 58v, 6
fol. 69-69v, 28
Plab
Plab
Waid (waid), Waidaschenlauge, Alaun
1 Lot od. so viel du brauchst Indigo {endich), Waid¬
aschenlauge, Ol
В
fol. 89-89v, 249
PI aw
Indigo {Endich), Weinstein, Wasser
fol. 53v-54, 112
fol. 130V-131,225
Bio
Liecht
blaw
1 od. 2 Lot Indigo {Endich), Waidaschenlauge, Ol
diinne Waidflotte {dunns weite), Alaun, NH..|CI
H IV
fol. 192v-193, 324
fol. 259, 411
fol. 266, 437b
fol. 268-268v, 442
Bio
PI aw
enndich
blaw
1 od. 2 Lot Indigo {Endich), Waidaschenlauge, Ol
Indigo {endich), Alaun, Wasser
Indigo {Endich), Leinol
Indigo {enndich), rostiges Eisen Essig, weifter Ham,
Alaun
Wi
fol. 304, 9
Blaw
4 Lot lombardischer Indigo (lampartischen endich),
NH/jCI, Alaun, Wachs- od. altes Regenwasser, Lein-
ol
H VI
fol. 50-50v, 4
ploe
1 Quentchen Waidblume {weidplumen), 3 Lot
Gallapfel, 2 Lot Eisenvitriol, Wasser, Leinol
W
fol. 33r, 5b
Praum
pla
1 Viertel Waidblumen (Weydtplumen), Regenwas¬
ser, Waidasche
H VI
fol. 50v-51, 7b
praun
Brasilholz, Indigo (enditt, wie 2 Bohnen), flieftendes
od. Regenwasser, Alaun
In aeht weitcren Vorsehriften, die die Fiirbung mil Anthocyanlarbstoilen aus Bee-
re n oder Bliiten und Indigo beschreiben (l ab. 33, S. 143), lehlt ebenlalls der Nin-
weis aid die Verkiipung. Die Beeren wiirden /war Kohlenhydrate lielern, aber die
Farbungen linden alle im sauren Milieu statt. Fs liegen keine optimalen Ziehbedin-
gungen llir den FarbstolT vor. Die bier bearbeiteten Quellen belegen, dass die er-
lorderliehen Bedingungen llir die Verkiipung nieht zum „Allgemeinwissen gehor-
ten. Um ausreiehende Farbticfen zu erzielen, musste der Indigo mil Ol und (nimmi
vermischl vvie in der Malerei aulgeslriehen werden oder er wurde 1 ur die l arbung
mil anderen Farbmitteln, vvie z.B. anthoeyanlarbstol fhaltige Beeren, gestreekt.
Die Vorgehensweise und zeilliehe Ablolge beim Anselzen der larbeldipe isl ersl in
einigen Vorsehriften der Quelle В vom Beginn des 16. Jahrhunderls delaillierl er-
lautert. Alle Anleilungen sehildern die Arbeilsweise mil einer (iarungskiipe. Die
ilir die Waidbaklcrien erforderlichen Kohlenhydrate lielern Kleie, Krapp und
Weinhefen. Das alkalisehe Milieu wird durch Asehe erreiehl, die allerdings im Re-
zept 232 vergessen wurde.
ISO
!•'urhmittc/ in den Oncllcn
Die Anleitungen sincl z.T. schr ausfuhrlich in der Schilderung des Ablauls, als
Bcispiel sei hier das Rezept fol. 78 70, 229 (Tab. 41) naher beschrieben, welches
auch llinweise Hi г das an die Verkiipung anschlieBende I'arben enthiilt.
I'nb. 41: Bcispiel liir cine Verkiipimgsanleilimg (Quelle B, lol. 78 79. Re/.ept 229)
Substrat Farbmittel Hilfsmittel
Ablauf
40 Pfd. /2 od. 1
Wolle/ Metzen
Leinen Waid
1 Metzen od.
1 Viertel
Roggenkleie,
1 Vierding
Weinstein,
4,5 Pfd.
Waidasche
x Uhr: Roggenkleie und Weinstein 1 Std. in Wasser
kochen, heil2> an den Waid gieften, riihren, abde-
cken, warm ruhen lassen
x Uhr + 1 Std.: speisen (1 Pfd. Waidasche), riihren,
abdecken, warm ruhen lassen
x Uhr + 2 Std.: speisen (1,5 Pfd. Waidasche), riihren,
abdecken, warm ruhen lassen
x Uhr + 3 Std.: speisen (2 Pfd. Waidasche), riihren,
abdecken, warm ruhen lassen
x Uhr + 6 Std. bzw. + V? Nacht: 1 Std. farben, Kiipe 1
Std. ruhen lassen
bur den Ansatz werden Roggenkleie und Weinstein eine Stunde in Wasser gekocht,
heiB liber den Waid gegeben und geriihrt. AnschlieBend wird der Hottenbehalter
abgedeekt, zum Warmhalten eingepackl und muss eine Stunde ruhen. Im Abstand
von jeweils einer Stunde wird die Kiipe dreimal gespeisl. Dazwisehen wird der Be-
halter immer wieder abgedeekt und die Kiipe muss warm ruhen. Als Waidspeise
client Waidasche, die erste Speise eriblgt mil einem Pfund, die zweile mil cinein-
halb Rfund und die dritte mil zwei Pfund Asche. Nach der dritlen Speisung soil die
Kiipe eine halbe Nacht bzw. seehs Stunden abgedeekt und warm ruhen. Der gesam-
te Prozess erlbrdert einen /eitaufwand von zehn Stunden, an den sich eine einstiin-
dige I'arbung anschlieBt. Vor dem zweiten I’arbedurchgang soil die Kiipe wieder
eine Stunde ruhen.
Wie zuvor beschrieben, diente Indigo nieht nur lur Blaularbung, sondern wurde in
Kombination mil gelben I'arbmitteln ebenfalls liir Ciriintdne verwendet. Griinlar-
bungen mil Indigo sind in elf Vorsehrilten der hier bearbeiteten Quellen zu finden
( l ab. 42)/>b" ITinf Anleitungen beschreiben die einbadige I'arbung, hier fehlt wie¬
der der Ilinweis aul'die Verkiipung. Seehs beinhalten die zweibadige Arbeitsweise.
Hier kann zumindest bei den Instruktionen der Quelle В vermutet werden, dass es
sich bei den I'iir das Blaularben verwendeten lTotten um zuvor hergestellte Gii-
rungskiipen handelt.
Ы)} Quelle II IV, lol. 252v 263, Re/ept 424 nennt ills ITirbtoii Blau. I'iir die l arhung werden aher
/iisiit/lich (iilbblumen verweiulel, so class je nacli Menge elier ein (iriinton erreiclil wird.
Fcu'htniKe/ in den Ouellen
181
Tub. 42: (iriinfarbungen mil indigoidem Farbsloffund (ielbfarbmitteln
Quelle
Rezept
Farbton
einbadig
zweibadig
Farb- und Hilfsmittel
M II
fol. 119v. 10
lawbuar
X
Berberitzenbeeren (suram), Indigo,
Safran, Wasser, Alaun
W
fol. 33r, 6b
dunckel grun
X
Farberscharte od. -ginster (?),
blaue Flotte, Lauge, Wasser
M IV
fol. 227r, 20
laubvarb
X
Indigo, galmei gamillen di plumen,
Safran, Gummi, Alaun
Satgrienn,
fol. 88, 246
schweitzer
grien
X
mit Waid blau farben, gelb farben
В
fol. 107, 310b
grierm
X
2 Kreuzer Waidblumen, 25 Mali
Kreuzbeerensaft, evtl. GrQnspan,
Wasser, Alaun, Wein
fol. 107v, 311
grien
X
mit Waid blau farben, gelb farben
H IV
fol. 59v-60, 125
fol. 129-129v, 223
gruen
X
4 Lot Indigo, 1 Pfd. SaftgrQn, Lau¬
ge, Ol
Berberitzenwurzel, Wein, Wasser,
grien
X
WaidkQpe?, Alaun, NH.(CI
fol. 262V-263, 424
Blaw fgrQn?J
X
Indigo, Gilbblumen, Alaun, Essig
Farberscharte od. -ginster (?),
W
fol. 33r, 6a
praun grun
X
blaue Flotte, Waidaschenlauge,
Wasser
Wi
fol. 305, 13
brun satt grun
1 Mali reife Kreuzbeeren, 1 Settin
X
Indigo, Alaun, Wasser
Die Kiipenlarberei wire! in tier Literatur haullg als Ursprung tier Begrille „Blauer
Monlag" untl „blau maehen" beschrieben/’M Diesen Zusammenhang llihrl erslmals
Kluge in scinem Iitymologischen Worlerbueh von 1953 auf. Naeh seinen Angaben
verblieb Wolle werktags /um Farben ea. /wolf Stunden, sonnlags aber 24 Sluntlen
in tier Kiipe, so tlass sie den ganzen Monlag zum Oxitlieren ausgehangt wurtle untl
die barber niehls zu lun hallen. Allerdings fehlen Belege liir diese Theorie.^ Die
Ilerkunlt des Begriffs „Blauer Monlag" wird unler Spaehwissensehalllern untl Ilis-
lorikern seil den Zeilen von J. untl W. (irimm konlrovers diskulierl. Laul (irimm
hantlelle es sieh beim Blauen bzw. „Gillen" Monlag urspriinglich um den Monlag
vor Asehermillwoeh, tier ab Milte ties 16. Jahrhunderts belegl isl. A He Ciesellen,
niehl nur die in tier ITirberei, hallen arbeilsfrei und konnlen Silzungen ihrer Verei-
nigungen abhalten/’w’ Die Bezeiehnung Itir den freien Tag wurtle spiiter aid jetlen
Freien Monlag iiberlragen untl von den Flandwerkern wurtle „blau gemaehr.
Landmann untl Ciirller leilen den BegriITvom hebraisehen h'lo bzw. h'law als Tag 664 665 666664 Vgl. /М. IJlbcr, Soyc/.: Hioleclinologie, S. 176; vgl. SeeI'clclor: liuligo, S. 42; vgl.
Sellmidlchcii: Die Teclmik des I arbens und (ierbens. in: Kbnig: Pmpyliien 'I eclinikgeschielile.
Ikl. 2, S. 538.
665 Vgl. Kluge: btymologisehes Worlerbueh, S. 84.
666 Vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. 12, Sp. 2515; vgl. Reulecke: Vom blauen Monlag, S. 207 208.
182
Farbmiffel in den Oue/len
ohne Arbeit ab.b6/ bine umlangreiche Betrachtung tier Diskussion geben Wan/eck
in ihrer Arbeit /ur Herkunft von Farbwortverbindungcn unci bouquet in seiner Ver-
offent 1 ichung Liber Zeit, Arbeit und MuBe im Spatmittelalter.6bs Fiir eine Verbin-
dung zwischen tier Kiipenfarberei und dem Blaumachen im Sinne von IVeier Zeit
haben, gibt es keine Quellenbelege.
5.8 Naphthochinonfarbstoffc
Die NaphthochinonfarbstolTe erhielten ihre Bezeichnung nach dem 1,4-Naphtho-
chinon (Abb. 35, links), aul das sich alle FarbsloHe dieser Cjruppen in ihren Gruntl-
strukturen zuriickliihren lassen.
о оно
Naphthochinon Juglon
Abb. 35: Naphthochinon unci .liigloi/,by
Wichlige Vertreter der NaphthochinonrarbslolTe sind dcr I IauptlarbstofT dor Wal-
nussschale, das Juglon, sowie dcr in dcr Alkanna cnlhallcnc LarbstolT Alkannin.
5.S.I Walnussschalc
Die Bezeichnung des Walnussbaumes (.Jughtns regia I,., vgl. Talc I 37, links) leitet
sich von seiner Herkunf't ab. Lr stammt urspriinglich aus dem bsllichen Miltel-
meergebiel, dem Balkan sowie Voider- und Mittelasien. Durch die Romer wurde
die Walnuss in weiten Teilen Slid-, West- und Milleleuropas eingebiirgert. Urn sic
von der heimischen llaselnuss zu unterscheiden, wurde sic als wcilsclie misz be-
zeichnet. Wiilsch oder Welsch ist ein alter BegrilT liir die romanischen Lander,
Volker und Spiaeben.,>7"
Die I riiehte reifen linde September bis An fang Oktober. Sic sind reil', wenn die
grime Heischige Umlnillung (Schale) aulplatzt und die Niisse zu Boden fallen. Zum
I-'arben miis sen die griinen Fruchtschalen (fViseli oder getroeknet, vgl. Talc I 37,
rechts) zuniichsl zerstol.ien werden und ansehlieBend einige Tage lermentieren. Der
()()1 Vgl. Lnntlmnnn: Jitklisch, S. 453.; vgl. (iirilcr: Rotwclsch, S. 175.
668 Siehe Wan/.cck: l arbwoitvcrbiiulimgcii, S. 156 211; siehc l;out|iicl: Zeit, Albeit und MuMe.
S. 251.
66У Vgl. Schweppe: Nnlin IbrbstolTc, S. 160.
670 Vgl. (irimm: DWb, Ikl. 27, Sp. 1316 unci Sp. 1327; vgl. Mar/ell: Pllan/ennamen, Ikl. 2,
Sp. 1053 1054.
lAirbinittel in den Onc/len
183
neben GcrbslolTen und vcrschiedcncn Blavonkomponenten zu ca. 0,2 % cnthaltcnc
l;arbsto(T Juglon (C.l. Natural Brown 7, CM. 75500, Abb. 35, rechts) kann mil hei-
1km Wasser extrahiert werden.071 Das Snbstral wird dirckt aus dcr IMoltc bis zu
ausrcichcndcr I'arbtiefe Braun gelarbt. Bci Verwendung einer Aluminiumbeize
resultiert ebenfalls ein Braun, mil Bisenbeize wird cin Braunschwarz erzielt/’72
In den bearbeiteten Quellcn werden grime Walnussschalen in cincr Anlcitung Ha-
die Sehwarzlarbung und in fiinf wcitcrcn Vorschriftcn liir die Braunlarbung (haar-
farben) benulzl (Tab. 43). 1m Schwarzlarbcrczcpt fehlt die Bisenbcizc. Die Braun¬
larbung crfolgl in saurer ITotle mil einer Alaundirektbeize.
l ab. 43: Naplithoehinonlarbsloff in den larbeanleitimgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 83v, 3
schwa rez
grijne Nussschalen (grun nusschaln)
M 1
fol. 68, 62a
haruar
nuschellreich, grime Walnussschalen (grun
wallisch niischaf), Essig, Alaun, Ham
Au
fol. 22v-23r, 44
fol. 24r, 48a
harnvarbe
harvarb
Grune Walnussschalen (schalen von
welischen nussen), Alaun
Grijne Walnussschalen (grun welisch
nusschalen), Essig, Alaun, ein wenig Ham
MV
fol. 223v-234r, 1261a
harfar
grien muschelnn (Nussschalen?), Essig,
wenig Urin
H IV
fol. 260v-261,418
harfarb
Nuschelin (Walnussschalen), Safran, Alaun,
/2 Wasser, V2 Ham
5.8.2 Alkanna
Die Alkanna {Alkanna tinctoria (L.) TAUsril., Tafel 36), anderc Bezeiehnungen
sind farbende Oehsenzunge, Oehsenzungenwurzel oder Sehminkwurzel, ursprimg-
lich heimiseh im Millelmeerraum, wurde bereils in der Antike liir l arbezweeke
verwendel, halle hint Ploss allerdings wahrend des Mittelalters in der farberei
kaum Bedeutung.
Die Pflanzc enthalt in den Wurzeln neben mengenmaBig unbedeulenden l arb-
stoffen 5 6 % des I Iauplfarbsloffes Alkannin (CM. Natural Red 20, Abb. 36). Zum
Rarben wird die Wurzel im Briihjahr oder Herbst geerntet.bM Alkannin ist nur ge-
ring in Wasser loslich, dagegen gut in organisehen Losemitteln und Olen. Die Гar-
be des Alkannins ist vom pll-Wert der Losung abhangig, im sauren Milieu ist der
Barbstoff Rot, in basiseher Umgebung ist er Blau. Diese higenschalt driickt sieh in
einer Iimpfindlichkeit der Barbungen gegeniiber Sauren und Basen aus. 671 672 673671 Vgl. Sewekow: NatuifaibslolTe, S. 272.
672 Vgl. I lolenk do (iraalT: The Colourful PasL S. 308 300.
673 Vgl. Sehweppe: NaluiTarbstolTe. S. 105 107; \gl. I lolenk de (iraalT: T he C’olourful Oast.
S. 44 45; vgl. Papageorgiou el al.: Cliemie und Biologie von Alkannin, S. 281 284.
184
Furhinitte! in den Onc/lcn
Abb. 36: Alkannin(,/I
Alkanna wire! auf mil Alaun vorgebeizter Wollc oiler Seide gelarbt. Dazu wire! das
Subslrat kochend in einem Wurzelaiisziig bis zu ausreichender I’arblicfc behandell.
Mil der Alaimbeize resultiert cine Violettlarbung. Die Lichlechlhcil dieser Hirbung
isl allerdings mil einer Note von 3 4 eher gering/’7"'
Die Alkannawurzel (alkanne) isl in den bier bearbeilcten Quellen lediglich in einer
Anleitung iur die Hirbung in Verbindung mil Sandelholz aufgefuhrt. Das Rezepl
104 aus Quelle 1VI V, fol. 38r 38v, ursprunglich fur die Lederlarbung gedacht, soil
mil einer Alaimbeize auf Tuch, (iarn oiler Seide ubertragen werden und vermullich
zu einem Rollon fiihren.
5.9 Ncoflavonoidfarbstoffc (Brasilholz)
In die L'arbstoffklasse der Neoflavonoidfarbstoffe gehdrt der role Hirbstoff ties Bra-
silholzes, das Brasilein. Bereils seit dem 10. Jahrhundert wurde das in Sumatra,
Ceylon und Indien beheimalele Ilolz iiber Venedig naeh Kuropa import ierl/'76 Die
Bezeiehnung Brasilholz leitet sieh von arab. hruza ab, was Патте oiler Glut be-
deulet. Als die Portugiesen bei der Rroberung Siidamerikas grofoe Mengen an Rot-
holzern vorfanden, nannlen sie einen der neu gegriindelen Slaaten Brasilien. Der
bisher fur das aus Asien stammende Produkt benulzle Name ging auf das siidame-
rikanisehe Ilolz fiber. Asialisehes Rolholz vvircl heute im Allgemeinen als
Sappanholz {Cacsalpiniu sappan L, vgl. fafel 38, links), siidamerikanisehes als
Brasilholz {Cacsalpiniu hrasiliensis L.) bezeiehnet/’77
Der I'arbstoff isl im Kernholz als farbloses Vorprodukt Brasilia enlhalten, das
dureh Oxidation (z.B. sehon bei Lagerung) in den eigentliehen I'arbstoff Brasilein
(CM. Natural Red 24, CM. 75280) fiber!uhrt wird (Abb. 37).(>7S 674 675 676 677 678674 Vgl. Schwcppc: NiilurliirbstolTe, S. 190.
675 Vgl. llolenk tic (i ran If: The Colourful Past, S. 45.
676 Vgl. Prims: Das Riiisel 1'arbe. S. 62: vgl. Leix: LarbslolTe ties Miltelallers, S. 21; vgl. Angus-
tyn. I.epsky: RDK-WHL Ikl. 6, Sp. 1473.
677 Vgl. llolenk tie (iraaff: The Colourliil Past, S. 142; vgl. o.V.: Hrasilin. in: ROMPP Online,
RD-02-02460; vgl. Ploss: Rotlarbungen, S. 230.
678 Vgl. Schaefer: Die Rothol/er. S. 344.
Furhmittd in den OneUen
185
Abb. 37: Oxidation von Brasilin /11 Brasileinf,/4
Der farbstoffgehalt isl in alterem, abgelagertem Hoi/ gibber als in frischem llol/.
Durch Raspeln dcs Holzes wire! die Oxidation des Brasilins gelordert (vgl. Tafel
39, rcchts). In Niirnberg ist der Bernf des Brasilholzstobers fur das spate 16. Jahr-
hundert belegt (vgl. Tafel 39, links). Zum Teil land das Raspeln des Holzes aber
vielfaeh in Arbeits- und Zuehthausern statt. Das erste Zuchthaus 1 fir Manner, 1595
in Amsterdam gegriindet, 11m Straftater. Beltler sowie Arme aufzunehmen, hieb
deshalb ,,Rasphuysc\6S0
Das Kernholz des Farbmitlels gibt seinen Garbstoff leieht an kochendes Wasser ab,
weshalb das Brasilholz zu den lbsliehen Rothblzern gezahlt wird.bSI Giir die Gar¬
bling wird geraspeltes oder gemahlenes I lolz ein- oder mehrmals in einer wiissrigen
Lbsung gekoeht. Brasilein ist ein Beizenfarbstoff, Wolle und Seide werden deshalb
mit Alaun vorgebeizt und anschliebend in der Garbstofflbsung gelarbt. Ilofenk de
Ciraalf nennt als weiteren SehriU eine Naehbchandlung mit heiber Seifenlbsung/’s“
Mit Brasilein erzielt man auf ungebeizter Ware orange-braune, auf Alaunbeize
blaurote, auf Zinnbeize gelbstiehig-rote sowie auf Risenbeize grauviolette Garb-
tbne.()S^ Wird der pll-Wcrt dureh Laugen ins Basisehe versehoben, wird der Rotton
starker. Da der I'arbton pi 1-abhangig ist, kann bei bereits gelarbten 'lextilen dureh
naehtriigliehe Saure- oder Alkalibehandlung die I'arbe veriindert werden.
In den bearbeiteten Qucllen wird Brasilholz (presilig, presilgen, prisiligis, prisilg
holz, presilien, brisiligen, presillyen holt, presilim, presili und zigelholz) als l arb-
mittel Ilir alle Garblone vervvendet, besonders haullg aber Irir Rot- und Braunfar-
bungen П ab. 44). * 681()14 Vgl. Schweppe: NnUirTubstolTe, S. 413.
бХО Vgl. Wendt: (icschiclitc der so/.ialen Arbeit, S. 2b.
681 Vgl. Selmefer: Die kothbl/er, S. 341.
bX2 Vgl. Ilolenk de (i ran IT: The ColoiiiTul Past, S. 142; vgl. Sehweppe: NatuiTarbslolTe, S. 415
41b.
bX3 Vgl. Rieliter: Magenta aulTlanell, S. 530.
4 Lot Brasilholz. Wasser. VVachswurz
1X6
I'urhmiltel in Jen Onellen
Tab. 44: BrasiIhol/ liir Rol- unci Braun larbungen (Iixtraktions-pl l-Wert, S = saner,
N neutral, Л a I kali sell)
Hi z
CL (/)
XXX
XXX
XXX
XX XXX
X XXX
X X
X X
X X X X XX
fol. 308.19a roth 1 Lot Brasilholz. ungeloschter Kalk. Regenwasser. 1 Lot Alaun
fol. 98v, 278 Rott Brasilholz. Wasser. Alaun. Nachbehandlung mit Leim
fol. 98v. 279b feurroth 4 Lot Brasilholz. 1 ' 2 Lot Alaun. Wasser
fol. 99. 280 f Rot 1 Lot Brasilholz. ungeloschter Kalk. Regenwasser. 1 Lot Alaun
fol. 99v. 283a Rosin Brasilholz. ungeloschter Kalk. Regenwasser. 1 Lot Alaun. scharfe Lauge
fol. 99v. 283b Rosin Brasilholz. ungeloschter Kalk. Wasser. Alaun
fol. 50-50v. 105a hecht rot 1 Lot Brasilholz. 1 Mali Wachswurz. 1 Lot Alaun
Farbmittcl in den Qnellen
187
188
i'arhmittcl in clcn (Juclfcn
Brasilholz als einziges Farbmillcl wire! in 37 Vorschriflen dir Rolfarbungcn und in
zchn wcitcrcn Instruktioncn fur Braun firbungen vcrvvcndcl. Wahrcnd fur die Rol-
farbungen das Auskochen des llolzes bevorzugt in neulraler Losung erfolgt (ca.
50 % dor Anleilungen), iibcrwiegt dir die Braunfarbung die Lxtraktion in alkali-
scher Flotlc (70 %). Die Hxlraktionsbedingungen haben einen Linfluss aid'die I ar-
be der Farbellolle. Die alkaliseh vorbereitete Flolle isl von deutlieh inlensiverer
Farbe (vgl. Tafel 40). Mil beiden Flotten vvird dann anschlieRend mil einer Alaun-
direktbeize gelarbt, dureh die der pH-Werl der Flolle aus dem alkalisehen in den
neulralen bzw. aus dem neulralen in den sauren pH-Bereich versehoben wild.
Aehl weilere Rezcple besehreiben die Blau-, Rot-, Cirau- bzw. Braunfarbung mil
dem Farbholz und einem Kupferzusalz. Als Kupferkomponenle wird Kupfersehlag,
Ciriinspan oder Kupfervilriol verwendel (vgl. Tab. 45).ш Wahrend Blau- und Rol-
lone dureh saure Farbung erreiehl werden sollen, erfolgen die Cirau- und Braunfar¬
bungen in alkaliseher Flolle. Brasilholz als einziges Farbmillel wird in 37 Vor¬
schriflen fur Rolfarbungcn und in zehn weilcren Instruktioncn fur Braunfarbungen
verwendel. Wahrend fur die Rolfarbungcn das Auskochen des llolzes bevorzugt in
neulraler Losung erfolgt (ca. 50 % der Anleitungen), iibcrwiegt fur die Braunfar¬
bung die Lxlraklion in alkaliseher f lolle (70%). Die Lxlraktionsbedingungen ha¬
ben einen Linlluss auf die Farbe der Farbcllolte. Die alkaliseh vorbereitete Flolle
isl von deutlieh inlensiverer Farbe (vgl. Tafel 40). Mil beiden Flotlcn wird dann
anschlicBend mil einer Alaundireklbeize gefarbl, dureh die der pll-Werl der Flolle
aus dem alkalisehen in den neulralen bzw. aus dem neulralen in den sauren pll-
Bereich versehoben wird.
fab. 45: Brnsilhol/ und Kupfer liir Rot- und Braunl;irbungen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
Al
fol. 308, 17
Blaw
2 Lot Kupferhammerschlag, warme Brasilholzlo-
sung, Salz, Essig, Kupfergefafi
В
fol. 100v, 287
Blau
2 Lot Kupferhammerschlag, warme Brasilholzlo-
sung, Salz, Essig, Kupfergefafi
Wo
fol. 115r-116r, 9
rod
2 Lot Brasilholz, 2 Lot Kupfersehlag, Alaun, Was-
ser, Weinessig od. Wein
H IV
fol. 224v-225, 369
fol. 258-258V, 407
rot
rot
Brasilholz, boschgrien (BuschgrQn?) od. Kupfer-
grQn
4 Lot Brasilholz, 11/2 Lot Kupferwasser, Alaun,
Wein od. halb so viel Essig
В
fol. 102v, 294
Seydengra
w
2. Brasilholzsud (B 98v, 278)7, Kupfervitriol,
warmes Wasser, scharfe Lauge od. Weinstein-
wasser
fol. 102v, 295
seydengra
w
Brasilholz, Kupfervitriol, Weinsteinwasser, Lauge
В
fol. 103, 296
Braun
Brasilholz, Weinsteinwasser, Lauge, Kupfervitriol
b84 In Quelle II IV, fol. 224v 225, Re/epl 3b() isl Kupffcr ^ricii liirdie l arbung genannl. Kupfer-
griin wareine anilere Be/eiehnung liir clen (iriinspan; vgl. Braeherl: Malleehniken, S. 145; vgl.
(irimm: I)Wb, Bd. I I, Sp. 2763; vgl. Kriinit/: Oekonomisehe f.neyklopiiclie. Tli. 20, S. 220.
Farhmittel in den Qitcllen
189
Wcilcre Rot- und Braunlarbungcn mil Brasilholz werden in Kombination mil Sal-
ran, Pigmcnlen, Krapp, Kcrmcs odor Indigo durchgcfuhrl. Die rcsllichen Vorschrif-
len, in denen Brasilholz Itir die Farbung benutzt wird, sehildern Gelb-, Gran-, und
Violelllarbungen (Tab. 46). Bei den mil Berberitzenbasl bzw. Safran und Brasil¬
holz durchgeluhrten Gelblarbungen werden keine reinen Gelblone, sondern je naeh
zugeselzter Brasilholzmcnge Orangelone erreiehl. I;iir die Graufarbung wird die
Brasilholzflotte mil Gerbsloffseliwarz kombinierl und liir den Violelllon wird die
mit Brasilholz erfolgle Rotlarbung durch eine Laugenbehandlung nuancierl.
Brasilholz mil wcileren r'arbmitteln fur Rot-, Braun-, (iclb-, Cimu- unci
Violctllarbimgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 100v, 5b
tunchelrot
Zinnober, Brasilholz, Schwarz od. Griinspan,
Alaunwasser, Alaun, Essig, Harn
M 1
fol. 67, 53
rot
Brasilholz, Safran (od. Saflor?), Alaun
M V
fol. 38v-39r, 107
(Rot)
Mohnbliiten, Brasilholzpulver, Vitriol, Sal petri,
Alaun, Sal ammoniacum, (Wasser)
fol. 232v, 1243
Rot
Brasilholz, ein wenig Safran, Alaun, Wasser
Al
fol. 308, 18
roth
1 Lot Zinnober, 1 Lot Brasilholz, Regenwas-
ser, Alaun
В
fol. 98v, 279a
feurroth
1 Lot Zinnober, 2 Lot Brasilholz, Regenwas-
ser, Alaun
H IV
fol. 256-256V, 399b
rot
4 Lot Brasilholz, weiteres Brasilholz, Krebs-
scheren, Alaun
Wi
fol. 303, 3
rott
1 Lot Zinnober, 2 Lot Brasilholz, Alaun, altes
Regenwasser od. Wachswasser
В
fol. 92, 255c
preun, prein
'/•) Pfd. Krapp, Brasilholz, lauwarmes Wasser,
Wasser, Alaun
H IV
fol. 260v, 417
Harfarb
Brasilholz, Mennige, Alaun
Wi
fol. 303, 4
fol. 303v, 5
brun rott
satt brun
1 Lot Brasilholz, 2 Lot Kermes, Alaun, Wein¬
stein, Regen- oder Wachswasser
1 Lot Brasilholz, 2 Lot Kermes, Alaun, Wein¬
stein, Regen- oder Wachswasser
H VI
fol. 50v-51,7b
praun
Brasilholz, Indigo (wie 2 Bohnen), fliefiendes
od. Regenwasser, Alaun
In
fol. 101 r, 10
gelbiu?
Berberitzenbast, Brasilholz, Auripigment,
Alaunwasser
H IV
fol. 57-57, 120
goltbluemen
1/2 Lot Safran, 1 Lot Brasilholz, Wasser,
Gummiwasser
fol. 196V-197, 331
goltbluemenn
Уг Lot Safran, 1 Lot Brasilholz, Wasser,
Gummiwasser
Wi
fol. 306, 19
gelw
so viel ihr wollt Schollkraut, ein wenig Brasil¬
holz, Wachs- od. altes Regenwasser, Alaun
M III
fol. 184r, 72b
griseo
Schwarz od. Erlenrinde, 2. Brasilholzsud
(M III, 183v, 71), Brasilholz
schwarze Farbe oder Erlenrindenflotte [glei-
MV
fol. 123r, 331
griseo
che Menge wie das Tuch], 2. Brasilholzsud
(M V, 122v-123r, 330), Regenwasser
H IV
fol. 260, 416
graw
Brasilholz, Schwarz, Alaun
fol. 264-264V, 430
grau
Brasilholz, Schwarz, Alaun
H IV
fol. 187v-189, 318c
veyhelfarb
1 Lot Brasilholz, 1 Mali Wachswijrz, 1 Lot
Alaun, kaltgegossene scharfe Lauge
190
i'arhmitlcl in den Onedien
5.10 Riboflavin
In Quelle B, fol. 105v, Re/epl 305 ist eine (ielbfarbung mil rostigem Fdsen unci
milchwasser und einer Naehbehandlung mil Lange besehrieben. Milehwasser isl
ein Synonym 1'iir Molke, der grunlieh-gelbe ReslIKissigkeil dcr Kaseherslellung.6}°
Molke cnthalt 0,1 0,27 %, Molkenpulver bis zu 2,7 % Ribollavin (Vitamin B2,
Laetollavin, Abb. 38), einen in vielen pllanzliehen und lierischen Lebensmilleln
vorkommenden natiirliehen F’arbstoff. Ribollavin vvird unler der Nummer L 101 als
gelber LebensmiltelfarbstoiT zum l arben von Mayonnaise, Fdsereme oder Pudding
verwendet/’^’ Die F’arbigkeil des Ribollavins beruhl auf dem Cirundbaustein
Isoalloxazin, bei dem es sieh urn ein heleroeyelisehes Molekiil mil
Carbonylgruppcn handelt. Farbslolfe, die auf dem Isoalloxazin basicren, werden
mil dem Trivialnamen „Flavine44 bezeiehnet.
CHOH
I
CHOH
I
CH2OH
Abb. 38: Riboflavin^7
5.11 Unloslichc Rotholzcr (Sandclholz)
In den bearbeileten I landsehriften isl in einer Farbeanleitung der Quelle IVI V (fol.
38r 38v, Rezepl 104) Sandelholz als Farbmitlel in Verbindung mit Alkanna liir die
Farbung genannl. Bei dem lur Farbezweeken genulzlen Sandelholz handelt es sieh
um das blutrole Kernholz des in Oslindien, Ceylon und den Philippine!! beheimale-
len Pterocarjnis santalinus L. (vgl. Та lei 38, reehts), dass in Bloeken gehandell und
lur die Farberei geraspelt und gemahlen wurde.
Die enlhallenen F’arbslofle Santalin Л, В und C' (Abb. 39) sind selbsl hciU nur zu
einem geringen Anteil wasserloslieh, so dass fiir liele I’arbldne zur F’xlraktion al-
koholisehe Lbsungen verwendel werden miissen. * 686 687b85 V'j.l. (irimm: DWb, Ikl. 12, Sp. 2200; vgl. Kriinil/: Ockonomische Ijicyklopiidie. 1 11. 90,
S. 674.
686 Vgl. Spreer: M i lch verorbcitling, S. 47; vgl. Bel it/ el al.: Lebensmillelchemie, S. 414; vgl.
Mmlenetler: Ribollavin, in: ROMRP-Online, RD-I X-01 3 I 7.
687 Vgl. Neimniller Rbmpp, Bel. 5, S. 3586.
Farhmil/cl in cien Qncllcn
191
Abb. 39: Santalin A und B(,NS
Historisch wurdc Sandclholz haufig in Kombination mil andcrcn Farbmillcln be-
nulzl, um licfc Rot- und Brauntonc zu erreichen.6^ Audi das vorliegende Farbere-
zcpt bcschrcibt cine Farbung bci dcr Sandclholz mil Alkannawurzcl kombinicrl
wild. Mil Sandclholz kann mil cincr Alaunbeize ein Orange-Rot, mit cincr Fisen-
bcizc ein Kastanienbraun crziclt werden. Durch Abkiihlcn dcs Subslralcs in dcr
hcirbcllottc kann die Farbliefc crhbht werden.
5.12 Pigmente
Pigmentc sind laul DIN 55943 im Anwendungsmedium unlosliche Farbmittel.
Wasscrunlbslich bzw. nur gering wasserloslieh, sind sic fur die Farbgcbung von
lextilien aus wassriger Losung sehwer nutzbar. Lediglieh zu den Proleinlasern
Wolle und Seide besleht auf Cirund der in den Fasern vorhandenen Ladungen cine
geringe Affinilat. Die historisch bcdculcndslc Verwendung der Pigmenle war daher
der Bcreich der Malcrci. Frdpigmcnte, wie Oeker oder Umbra, gehoren zu den al-
lesten Subslanzen dir die Farbgcslaltung und wurden bereils liir I lohlenmalereien
verwendet/’i;| Veroffenlliehungen, die sich mit der Kulturgeschichte der Pigmenle
bcschafligen, haben daher immer direkten Bezug zur Malerei/’;“ * 691 692bcSS Scliweppe: I lantlbucli, S. 424 425; die Stmktur dcs Santal in C' ist bis lieute imbckannl.
6S9 Vgl. Ilofenk do (imalT: The Colourful Past, S. 155 157; vgl. I’envira el al.: llislorieal lexlile
dyes, S. 333 334.
b90 Vgl. Dean: Wild Color, S. I 14.
691 Idn Zeugnis der liuhesten Anwendimg von I'aibpigmenlen isl die 1994 im Ardeehe (l;rank-
reieli) entdeekle llbhle Chaiivel-Ponl-сГАге mit Malereien, deren Malereien naeli C11-
Datierungen /..Z. als die iiltesten der Well gellen (ea. 33.500 v. C'hr.) Vgl. Valladas el al.:
Palaeolithie paintings, S. 479. Die l-.rgebnisse dieser Unlersueluingen sind in/wisehen umslril-
len. Neue C1 '-Dalierungen sullen tlnrehgefiilirl werden, l-.rgebnisse liegen bisher noeli nieht
vor. Zu den verwendeten I'arbmilleln vgl. Vignaud el al.: l-'arbslofle prahisioriseher Malereien,
S. 4S. Weilere Belege der Anwendimg von Pigmenten fiir die Wandmalerei sind aus Allamira
(Nordspanien, ea. 1 5.000 v. Chr.), Laseaux (17.000 15.000 v. ( hr.) oiler (,‘alal I liiyiik Cl (irkei.
ea. 6.000 v. Chr.) bekannt. Vgl. Zahn: I'arbe, Kunsl und Teehnik. S. 59 70.
692 Vgl. I i 111 a у: Das (ieheimnis der I'arben; vgl. Bruns: Das Ratsel I arbe.
192
F'urhmittel in den Onellcn
Nach DIN 55944 erfolgl cine allgcmcinc Unlerleilung in anorganischc und or-
ganischc Pigmcntc, die weilerhin in natiirlichc und synlhctisch hergeslellte Produk-
te unlcrschicdcn werden. Natiirlichc anorganischc Pigmcntc vvurden durch Mahlcn
aus Mineralicn gewonnen, wahrend synthctischc anorganischc Pigmcntc durch
Umwandlungcn wic (jliihen, gewonnen wurden. Organischc Pigmcntc sind im we-
sentlichcn Parbsloffe, die durch Vcrlackung und damit Blockicrung dcr
loslichmachcndcn (iruppen, in cine wasscrunloslichc Porm iiberluhrl wurden. Pin
naturlidles organischcs Pigment ist z.B. das wasscrunloslichc Parbmillel Indigo.04'
Bci den in den Quellen aulgcfuhrlcn Pigmcnlcn handcll cs sich urn vcrschicdcnc
natiirlichc, aber auch bcrcits synthctisch hcrgestelltc anorganischc Metallvcrbin-
dungen, die fiir Blau-, Rot-, (iclb- (iriin-, Braun- und Schwarzlarbungen verwendet
werden sol len.
5.12.1 Blaupigmenle
Mincralicn fiir bcslandigc blaue Parbungen waren auBcrgcwdhnlich scllcn und
schwcr xuganglich, so dass auch in dcr Malcrci z.T. РПап/cn- und BccrcnlarbstolTc
/ur Anwendung kamen. Die Idcntillzicrung von Blaupigmcnlcn in millclaItcrlichcn
Rc/cplsammlungcn ist daher schwicrig. So weist Puchs daraulhin, dass dcr Begriff
l и sin’ in alien Anlcitungcn manchmal chcr die Parbe Blau bczeichnet und nicht fiir
cin beslimmtes Parbematerial steht.°‘M Lasur b/w. Bcrglasur sind in den hicr bcar-
bcilctcn I landschriftcn in drei Rc/.cplen als Parbmillcl fiir die Blau- b/w.
Violelllarbung genannt (lab. 47). Die in dcr Ilandschrill In cnthallcnc Anlcilung
beschreibt /wei Varianlcn fiir die Parbung. Pin (iummizusatz ermbgliehl das Dis-
pcrgicrcn dcs Pigments in dcr Parbellotte. Alaun soil vcrmullich als Direklbcixe
dicncn, ist aber fiir die Parbung nicht crfordcrlich.
J. und W. (irimm, Kriinitz und Beckmann idenlifizieren Pasur als Lapislazuli.045
Brachcrt nennl vcrschicdcnc Deutungen fiir den Begriff (Papisla/uli, Azurit, cine
Misclumg aus Indigo und BleiweiB und wcilcrc Matcrialicn), wahrend er Bcrglasur
cindculig als Bcrgblau odcr Azurit idenlifizicrl, was cbcnfalls bci Puchs zu linden
ist.040
Papisla/uli (Pasuril, Pasurslcin, vgl. Та lei 41, links) ist cin schwefelhalligcs Natri-
umaluminiumsilikat dcr Pormcl (Na,[APSi^O,2|S0/,4/ Dcr noch heute beliebte
I lalbedelslcin wurdc schon von den Agyplcrn als Schmuckslcin und fiir Pinlegear-
beiten verwendet. Papisla/uli war ausgesprochen koslbar und leurer als andcrc 693 * 695 696 697693 Vgl. (iroteklaes. Wcbci-Muhmaiin: Pigmcntc, in: ROMPP Online, RD-16-02368.
(04 Vgl. l uclis: Blniiliiibmittcl, S. I.
695 Vgl. (irimm: DWb, Ikl. 12, Sp. 267; vgl. Kriinii/: Ockonomischc I-.псукlopficlic. III. 65,
S. 221; vgl. Beckmann: BiTnulinigen, Btl. 3, 2. Sliick, S. 176 177.
696 Vgl. Brachcrt: Mallecliniken,. S. 39 und 151; vgl. liiclis: Blaularbniittcl, S. I.
697 Vgl. Berke: Clicmic im Altcrlum. S. 2595 vgl. Neunuiller: Rompp, Bel. 3. S. 2320.
Farbmillcl in den Quellen
193
Blaupigmenle, da die Anzahl der Lagcrslatten begrenzt war und der Handel dureh
politisehe Veranderungcn und Kriege beeinilusst wurde.(,0<s Marco Polo besehrieb
1271 die aulwendige, sieh Liber Wochen erstreekende I lerslellung, wobei lediglich
10 % des eingeselzlen Rohmatcrials als Malerfarbe iibrigblieben/,w Der gemahlene
Lapislazuli wurde als Ultramarin bezeiehnet. Dieser Name weisl aufseine llerkunfl
bin, denn Lapislazuli wurde Liber das Mccr aus Asien (Afghanistan) naeh Luropa
importiert.
Nachdcm die Struktur des Lapislazuli 1806 bestimmt wurde, begann die Pro-
duktion des synthelischen Pigmenles, das als Ultramarin verkauft wurde. Ultrama¬
rin wurde u.a. bis zur LinfLihrung der modernen oplisehen Aullieller im Ilaushalt
als „WasehblaiU vcrwcndel. Als Zusatz zum Spiilwasser Liberdeekle es additiv den
bei alterer WeiBwasehe auftretenden Gilb.7()()
Azurit (vgl. Tafel 41, reehts), ein nalurlieh haufiger vorkommendes basisehes Kup-
lerearbonal (2C’uC’OyCu(OII)2 oder C4h[OH/CO*]2), ist sehon als Beslandleil in
den l;arbschiehten ehinesiseher Kunstgegenslande aus vorchristlicher Zeil naehge-
wiesen worden. Andcre gcbrauchlichc Bezeichnungcn waren Kuplcrlasur oder
Bergblau.69 * * * 699 700 701 Azurit wurde bis ins 19. Jahrhundert als Malerfarbe verwendet, gait
aber sehon immer als weniger gutes Blaupigment, weil sieh seine l arbe im l,au(e
derZeit vom Blau zum (iriin veranderle. Bei dieser Reaktion wird aus blauem Azu-
ril untcr Aufnahme von Wasser und Abgabe von C()2 griiner Malaehit
(C4iC(L C4i(OM)2 oder C4i2[(OI l)2/CO,]) (vgl. Tafel 42, links).702 703 704 Dieser Mangel hat
vermutlieh dazu gellihrt, dass sehon die Agypter naeh einem Lrsatz lur den Azurit
suehten./(M Gemahlener Azurit weist je naeh Leinheilsgrad einen hellen himmel-
blauen Larbton auf.
Weiterhin ist in der Litcratur unter dem Begriff Lasur die Verwendung von
„KalkblauX einem hellen blauen Kupferpigment, das aus rcincm Kupfer und (iriin-
span (oder in einem KupfergelaB) mit Kalk und I’ssig gewonnen wurde, belegt.
Andere Materialien sind mit Indigo behandeltes BleiweiB oder cine alehimistisehe
Variante der Zinnobergewinnung, bei der ein blauer Damp! erzeugt wurde. In
69S Vgl. Kuhn: I nrbmalcrialien, in: Kiilin el nl.: Ilaiulbueli clcr кfiiistIcrischcn Techniken, S. .i5
37; fur lielege zu Handel und archaologischen Nachweisen vgl. Derakhshani: Kupler und
I.apisla/uli; vgl. Vogt: I’arben und ilire (ieschichte, S. 27-28; vgl. weilerhin Auguslyn,
l.epsky; RDK-WlilL lid. 6. Sp. 14S3 I4S4.
699 Vgl. Seel el al.: Das (ieheimnis des Lapis lazuli, S. 66.
700 Vgl. Kremer Pigmente: historisehe und moderne Pigmente, Wascliblau.
701 Vgl. Iiraelie'll: Maltecliniken,. S. 39 und 151; vgl. l uelis: Blaularbmillel, S. I.
702 Vgl. Neumiiller: Rbmpp, Bd. 3, S. 2289 und Ikl. 4. S. 2471 2472; vgl. Amelingmeier: A/uril,
in: ROMPP Online, RD-0I-04I90; vgl. Amelingmeier: Malachil, in: ROMPP Online, RD-I3-
00310; vgl. Vogl: barbeii uiul ilire (ieschichte, S. 27; vergleiche weilerhin Auguslyn, Lepsky:
RDK-WLB, Bd. 6, Sp. 1484; Kiilin: rarbmalerialien. in: Kiilin el al.: Ilandbucli der kiinsileri-
sclien Techniken. S. 34 35.
703 Vgl. Ветке: (’hemic im Alterlum, S. 2595 2600.
704 Vgl. liiclis: Blaularbmillel, S. I 3.
194
k'arbmittel in den Quellen
Quelle В sind in den nieht die Textilfarbcrei betrcITenden kunstteehnologischen
Anleitungen versehiedene Varianten dir die llerstellung von Lasur beschrieben.70>
5.12.2 Rotpigmenle
Die Pigmente Mennige und Zinnober sind in den Quellen lur Rot- und Braun lar-
bungen genannt. J. und W. (irimm identili/ieren Mennige (vgl. Tafel 43, links) als
eine rote aus 13lei gewonnene Parbe. Der Name leilet sieh aus dem lateinisehen
minium ab, ahd. Be/eiehnungen waren ///////>;, miniin, minig.7i)h Unter Mennige ver-
steht man heute ein rotes I31ei( 11J V )-oxid der formel Pb304, das bei der Oxidation
von Bleiglatle (Blei(ll)-oxid, PbO) entsteht.705 706 707 * Кriinit/ besehreibt Mennige als
Jebhaft pomeranzenrothen k'arhenkbrpcr, welcher /.../ durch eine starke Calcina¬
tion aus dem Вкус odcr Bleyweifie erhalten vW/y/“.70N
Die l lerstellung aus Bleiweib liber das Xwischenprodukl Bleigelb dureh lange-
res Hrhilzen wurde bereits von den antiken Autoren Plinius und Vitruv besehricben,
gleiehlautende Vorsehriften 1'iir die llerstellung des Pigmentes sind ebenfalls in
mittelalterliehen Quellen zu linden.709 Mennige wurde wahrend des Mitlelalters in
der Buehmalerei insbesondere fur role Initialen verwendet. Der BegrilT ,,Miniatur“
isl von der lal. Be/eichnung lur Mennige abgeleilel.710 Das Pigment isl empllndlich
gegeniiber Sauren, es wird aufgeldst. Die Reaklion mil sehwelelhaltigen Verbin-
dungen liihrl zu einer Versehwarzung und langerer LiehleinlluB liihrl zum
Verbni unen.
Im (iegensalz zum synlheliseh gewonnenen Mennige, kommt das zweite in den
Quellen aulgeluhrle Rolpigmenl Zinnober in der Natur vor. Zinnober, roles Queek-
silbersullid (IlgS), war das ersle leuchtend rote Parbpigmenl, das anliken Kiinstlern
zur Verfugung stand. Wahrend des Mitlelalters wurde mineraliseher Zinnober vor
705 Die Xinnoberre/eptvariante isl in sieben Vorsehriften (vgl. fol. 4, Re/ept 9, Col. 5v 6, Re/epl
13, fol. 0 bv, Re/epl 14, lol. S, Re/epl IS, fol. 9. Re/epl 20, fol. 9 9v, Re/ept 21 und fol. lOv,
Re/epl 25), die DleiweilVIndigovaiianle in einer Vorsehrift (vgl. Ibl. 4, 10), die Kalkblauvari-
anle in vier Vorselirilten (vgl. Ibl. 4, Re/epl I I, Ibl. 7v, Re/epl 17, Ibl. S, Re/.ept 19 (Kupler-
gefilb unci Ibl. К) IOv, Re/epl 24) und die 1 .apisla/ulivariante in /wei Vorseliriflen (vgl. Ibl.
4v 5, Re/epl 12 und Ibl. 0\ 7, Re/ept 15) besehrieben.
706 Vgl. (irimm: DWb, Bd. 12, Sp. 2020. Als weilere Namen nennen (irimm ml inin^vn, mcni^c.
incline, mcnyj’n^c, inclining, meny, nwnyc, inynyc, inynyc. niinv, miniy. min in, mcininy.
707 Vgl. Neunuiller: Rbmpp. Ikl. I. S. 4(>9; vgl. Kaiser: Bleimennige, in: Rbmpp Online, RD-02-
01937; \gl. Kiilin: l arbmaterialien. in: KC'ihn et al.: Ilandbueli der kiinstleriselien Teeliniken,
S. 22.
70S Vgl. Kriinit/: Oekonomisebe luieyklopadie, Tli. SS, S. 360. Bleiweib isl ein natiirlieh vor-
kommendes basisebes Bleieaibonal (2Pb( ()e l>b(()l I):); \g|. Ilolleman, Wiberg: I.ehrbueh der
Anorganisehen ( liemie, S. S04.
709 Vgl. knells, Ollrogge: I’arbenliersiellung, S. 441; vgl. Augustyn, Lepsky: RDK-WfB, Bd. 6,
Sp. 1470. Vorselirilten in den bier bearbeiteten Quellen linden sieli in В 2v, b, 2v 3, 7 und 3,S.
In dieser Quelle sind allerdings keine l iiibeanleilungen mit Mennige entbalten.
710 Vgl. Jiiiiner: Mennige, in: Angermann et al.: LexMn, Bd. 6, Sp. 519; vgl. Rupreebt-Karls-
IJniversilal Heidelberg: Buehmalerei und Buehherslellung.
Farbmittel in den Ouellen
195
allcm in Spanicn abgcbaut. Der natiirlich gewonnene Zinnober war haufig grob-
kristallin unci mil anderen (icsleincn durchsetzl (vgl. Tafel 43, rechls), durch Sub-
limicrcn konntc or aufgcreinigl werden.711 712 713 714 715 Seit deni Miltclaltcr isl auch die synlhc-
tischc (iewinnung von Zinnober bclegt. Dazu wurde ein Gcwichlslcil Schwefel mil
zwei Gewichtsteilcn Quccksilber thermisch uingesetzl.7IJ Die synthetische Gcwin-
nung von Zinnober ist in der Handschrifl Quelle В in llinf Anlcitungcn besehrie-
ben.71'
5.12.3 Gelbpigmente
Fur die Farbung mil gclbcn Pigmcntcn sind in den Qucllen Auripigment und
Bleigelb genannt. Auripigment (vgl. Tafel 44) ist ein natiirlich vorkommendes Mi¬
neral, das auch als Arsengclb, Rauschgelb oder Konigsgelb bezeichnet wurde. Fs
handclt sich uni ein Arsensulfid (Arsen(III)-sultld) der Formcl As2S6. Der Name isl
von lal. ait rum und pignienium abgeleitel und bedeulel ,,Goldlarbc“. Das Pigment
war seit der Antike bekannt und land schon in Agyplen kiinstlerische Anwendung,
auBerdem wurde es als Schminkc und I Iaarentfernungsmiltel verwendet. Wahrend
des Mittelalters land es in der Buchmalerci Verwendung, wobei es bei gleichzeili-
ger Verwendung von Griinspan zu Schwarzungen durch die Bildung von Kupler-
sulfid kommen konnle. Auripigment kommt in der Nalur viellach in Verbindung
mit Realgar (Arsendl)-su!11d, As4S.|), einem roten Arsensulfid, vor. Synlhelisches
Auripigment, das aus der Verschmclzung von Arsen(III)-oxid (Arsenik, As2O0 und
Schwefel entsteht, enlhalt haufig nicht umgeselztes Arsenoxid und isl im Gcgcn-
satz zum reinen Pigment gillig.711
Bleigelb (vgl. Tafel 45, links) isl die gel be orthorhombische Modifikalion des
Blei( 11 )-oxids (PbO, Blciglatte). Fs entsteht als Zwischenprodukt bei der llerslel-
lung von Mennige aus Bleihydroxid oder BleiweiB. Reines Bleigelb wird durch
FichteinПiisse rotlich bzw. braunlich vcrllirbl, da sich die rote, slabilere Form des
Blei( 11)-oxids bildet. In alien Quellen wird es haufig als Massicot bezeichnet.
Durch gcringc Zinnvcrunreinigungen (Bleizinngclb, Pb2SnO.} vgl. Ialel 45, rechls)
711 Vgl. Skelton: History of Western art, S. 44; vgl. Jiiltner: Zinnober, in: Angermann et al.:
FexMa, Ikl. 9, Sp. 022; vgl. Kuhn: I'arbmaterialien. in: Kiihn et al.: Ilandbueh tier kiinstleri-
sehen Teeliniken, S. 20 21.
712 Vgl. I'uelis, Oltrogge: Farbenlierstellimg, S. 442.
713 Vgl. Quelle В fol. la, ke/ept I; fol. 1-lav, ke/epl 2; 1Ы. l-lv, ke/ept 3; Ibl. lv-2, ke/ept 4;
fol. 2, ke/ept 5.
714 Vgl. NeumiiHer: kompp, Ikl. 1, S. 279; vgl. Augustyn. I.epsky: kI)K-Wb.Ik Ikl. 0, Sp. 1470
1477; vgl. (iruntl et al.: Arsenie and Arsenie ('ompounds. S. 23; vgl. Kiilin: l arbmalerialien.
in: Kuhn et al.: Ilandbueh tier kiinstleriselien Teeliniken, S. 20; vgl. Thompson: Medieval
Painting, S. 17X.
715 Vgl. Kriinit/: Oekonomische I'.ncyklopadie, Th. 5, S. 095; vgl. Neumiiller: kompp, Ikl. I,
S. 409; vgl. Augustyn, Lepsky: kDK-WFB, Ikl. 0, Sp. 1477 I47X; vgl. Kiihn: Farbmaleria-
lien. in: Kiihn et al.: Ilandbueh tier kiinstleriselien Teeliniken, S. 27.
1%
h'urhniillcl in den Qitellen
wire! das Pigment dcullich stabiler gegeniiber Lichtcinwirkung.m Ncucrc Untersu-
chungen an alien Geirmldcn /eigen, dass wahrend des Miltclalters und dcr Renais¬
sance nicht wie bisher angenommen, Bleigelb in reiner Form odcr in Misehung mit
anderen Pigmenten als gelbe Malcrfarbe verwendel wurdc, sondern sehon zu dieser
Zeil hiiufig mil dem stabileren Blei/innoxid gearbeitel wurdc.716 717 * 719 7205.12.4 Griinpigmente
In den bearbeilelen Quellen isl das Pigment Griinspan (vgl. Та Icl 42, rechts) aufgc-
luhrt, das zu den allesten synlhelisch hergeslelllen Pigmenlen gehort. Als Griinspan
be/eiehnet man ein Ciemisch aus griinen bis blaucn basischen KuplcriII)-acelaten
mit dcr allgcmcincn Zusammenset/ung 1 -3Cu(OOCCI K)y 1 3Cu(OI l)2 n I l2C).7ls
Fur die Griinspanherstcllung warden Kupferbleche odcr -spiinc in cincm CielaB
mil Fssig, Wein odcr lermentiertem I lain iibergossen und unler Luflabschluss an
einem warmcn Oil (Mislhaulen) fiir einige Zeit gelagerl. Bei dcr im CielaB stattfin-
denden I lydrothcrmalreaktion korrodicrlc das Kupicr und es bildelcn sich Kupler-
salze untcrschicdlichcr Zusammenset/ung. Vorrangig enlstanden basisehe Acetate,
bei Zusal/ von Kochsalz und Urin auch Chloride und Carbonate.m Die entstande-
ne Krustc wurdc abgckralzt und zum Malcn odcr Farbcn verwendet. In Quelle В
sind im kunstlcchnologischen Tei 1 dcr Ilandschrifl sechs Re/epte (Tir die Hcrstcl-
lung von Griinspan enlhalten, die sich weniger in den Zutaten als in den Angabcn
/ur Lager/eil unlerschciden.7 0 Fane Alternative zur CiKinspangcwinnung iiber
Kupferbleche war die Verwendung eines KupfcrgclaBcs I ur die Flottenherstellung
und den I arbepro/ess. Wild dcr Griinspan in einem Kupfcrkcsscl hcrgcstellt, sind
als Flotten/usal/e llonig, Sal/ und Fssig genannt.721 Das CielaB wurdc mit llonig
ausgcstrichen, mit Sal/ bcslrcul und anschlieBend wurdc Fssig /ugegeben.
716 Vgl. Fuchs, Ollrogge: I• arbcnherstclking, S. 441; vgl. Kiilin: Farbinalerialien. in: Kiilin ct al.:
I laiulhuch tier кimstlerisclicn Techniken, S. 26 27.
717 Bei Untersiiclumgen alter (iemakle konnte in den gelhen I’arbparlien liaulig В lei naehgewie-
sen wird werden. Vgl. Kremer Pigmenle: hislorisehe und moderne Pigmente, Bleizinngelh.
7IX Vgl. Neunuillen Rompp, Bd. 2. S. 1551: vgl. Augustyn, l.epsky: RDK-Web, Bd. 6, Sp. 14X0;
vgl. Beckmann: lirlindiingen. Lid. 2, I. Sliick, S. 69 7X; vgl. Kiilin: Farbmalerialien. in: Kiilin
el al.: Ilandbueli der kiinslleriselien Techniken, S. 31 32; vgl. Schvvei/er, Miihlelhalen Kup-
Icrpigmenle, S. I 159 I 160. Bei der hiiiihg iimgangsspraclilich als Ciriinspan be/eielinelen Pa¬
tina a и Г Kupferdacliern liandelt es sieli im (iegensat/ /inn Pigment urn Kupferoxide.
719 Vgl. l-uelis, Ollrogge: I 'arben lierste 11 ling, S. 441; vgl. Bracliert: M a Iteelin i ken, S. 107; vgl.
Nickel; Лг/neiseliat/ deutseher Apotlieken, S. 69 70.
720 Vgl. Quelle B, Ibl. 13, Re/epl 29, fol. 13 I3v. Re/ept 30, I3v, Re/ept 31, fol. 14, Rezeple 32
und 33 und Ibl. I4v, Re/ept 34.
721 llonig reagiert schwaeh saner und vvirkt konservierend; vgl. Bracliert: Mallecliniken, S. 125.
Die Bedeutung dcs BegrilTcs sale- ist viellaltig, in erster Finie ist aber Kochsalz (NaCI) ge-
meinl. Da die Verwendung von Koclisal/ bei der (irunspanlierstellung belegt ist, kann die
(ileiclisel/ung des BegrilTcs Sal/ mil Koclisal/ bier als sicher gelten: vgl. (irimm; DWb,
Bd. 14, Sp. 1705 1709; vgl. Bracliert; Maltecliniken, S. 107.
FarbmiUel in den Ouellen
197
Aus dcr Malcrei ist bekannt, class die Vcrwendung von Griinspan mit schwefel-
haltigen Pigmcnlcn wic Auripigmenl odor Ultramarin, durch KupicrsulHdbildung
zur Verschwarzung fiihren kann, was durch Zwischcnschichlen aus Birnis oder
Bindcmilleln verhindert wurde. Barbvcrandcrungcn durch Aliening des Grunspans
sind ebenfalls nachwcisbar.722 7235.12.5 I3raun- und Schwarzpigmente
Vcrschicdcnc Biscnoxidpigmcnlc, wic Ocker, I Iamalil odcr Umbra, wurden in dcr
Malcrci fiir Braunldne bcnulzl. Sic sind bercils fur die I lohlcnmalcrcicn in Altami-
ra und Lascaux vcrwcndcl worden. Bin Rczcpl dcr Quelle 1VI V (fol. 233r, 1245)
fiihrt fur die Braunlarbung von Lcinen die Vcrwendung von Bisen, Biscnfeilslaub
sowie rosligem Bisen mit Peeh und Alaun auf. flier wild das farbendc Pigment auf
dcr leaser hergeslellt. Alle Zulaten sollen gemiseht und ,,gur gekochl werden. Bei
dcr Rcaklion (Roslen) von Bisen in wiissriger sauerstoffhaltiger Bosung enlstehen
gelbrole bis braun gefarblc Bisenhydroxide und -oxide, insbesonderc BeO(OII), die
I lauplkomponenle des Ockers.72,
Bin Pigment fur Schwarz- und Graufarbungen in historischen Anleitungen ist
dcr Rub. Rub ist ein pulverformiger schwarzer Beslsloff, dcr zu 80 99,5 % aus
Kohlenstoff bestehl. Br enlsleht bei der unvollstandigen Verbrennung oder Pyroly-
se von Kohlenwasscrsloffcn, kann aber aueh als unerwiinschles Produkl bei ande-
ren Verbrennungsvorgangen auftrelen. Die Teilchengrobe liegt zwisehen 5 500 nm
und hat Binfluss auf verschicdene Verarbeilungseigenschaflen des Pigmenles.
Kleine d’eilehen sind dunkler und eher blaustichig, grdbere 3’eilchen sind braun-
slichiger. (irobere Teilehen lassen sich aber leichler dispergieren und die dazu be-
noligte Olmenge ist geringer.724 725 Im Mitlelaller wurde Rub durch die Verbrennung
von Ilarzen und Olcn unler Sauersloffmangel erzeugl. Das Pigment lagerte sieh im
Ofenschacht oder an einem liber das Beuer gesliilpten (iefab ab und wurde abge-
kralzl. Rub wurde auberdem aus verschiedenen I lolzern, Kirschkernen, Walnuss-
schalen oder We in he fen gewonnen.72’'
5.12.6 Pigmenle in den Quellen
Basur bzw. Berglasur sind in in drei Rezeplen als I'arbmillel fiir die Blau- bzw.
Violellfarbung genannt (Tab. 47). Die in der Ilandschrill In enthallene Anleitung
besehreibl zwei Varianlen fiir die I arbung. Bin Gummizusalz ermbglicht das Dis¬
pergieren des Pigments in der Barbellotle. Alaun soil vermullich als Direktbeize
dienen, ist aber fiir die Barbung nichl erforderlich.
722 Vgl. Thompson: Medieval Painting. S. 17S; vgl. Kiilin: (iriinspan, S. 707.
723 Vgl. o.V.: Rost, in: Rompp Online. RD-18-01 SOI; vgl. (iroteklaes, Selnvah: P.isenoxidpigmen-
le, in: Rompp Online, RD-05-00476.
724 Vgl. Neunuiller: Rompp, Ikl. 5, S. 3638; vgl. Wi/ingen (ierbstolT- und Plauhol/sehwar/, S. 5.
725 Vgl. I• Uchs. Ollrogge: I’arbenherstellung, S. 442.
198
/•'arhmittel in den Oucllcn
'lab. 47: Farbcanleilimgen mil Blaupigmenlen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 101 r, 11a
fol. 101 r, 11b
pi awe
tunchel plawe
Lasur (Lasawr), Essig, Gummi, Alaun
Lasur (Lasawr), Schwarz, Kornblumen, Essig, Gummi,
Alaun, Harn
M IV
fol. 230r, 62
fol. 227v, 29
veyol
liecht plab
Attichbeeren, Lasur (Lassur), Alaun, Weinessig, Gummi
Kornblumen, Azurit (perck lassur), Alaun?
Fur die Rotlarbung sind Mennige und Zinnober in /wolf Anleitungen belegt, /wei
weitere Vorschriflen beschrciben die Braunlarbung (Tab. 48). Die Farbungen mil
Mennige linden in alkalischer Hotle ohne Zugabe saner reagierender Salze stall,
womil die Saureempfindlichkeit des Pigments in den historischen Anleitungen be¬
legt ist. (iiiinmi- oder Olzugaben dienen dem Dispergieren sowie Iur die Fixicrung
aufder Fascr. Fur belle Rollbne (lei hJcirb) wird das Pigment BleiweiB zugemisehl.
Die Braunlarbungen erlolgen in saurer Flotte unter Zusatz eines weiteren pflanzli-
chen Farbsloffes.726
Tab. 48: Farbeanleitimgen mil Rotpigmenten
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
H II
fol. 66v-67, 22
liecht rot
10 Lot Mennige (myni), Gummiwasser, Ol, Lauge
H IV
fol. 51v-52, 108 liecht roth
fol. 54, 113 leybfarb
fol. 189v-190v, 320 liecht roth
fol. 193-193v, 325 leybfarb
4 Lot polnische Mennige (bolensche menig), Kup-
fergefaB, Gummiwasser, Ol, Lauge
1 Lot BleiweiB, 1 Settin Mennige (menig), Ol, rei-
nes Wasser
4 Lot polnische Mennige (Pollnische menig), Kup-
fergefaB, Gummiwasser, Ol, Lauge
1 Lot BleiweiB, 1 Settin Mennige (menig), Ol, rei-
nes Wasser
In
fol. 100v, 6
ziegelvar
Mennige (minig), zindlot (Farberscharte?), Essig,
Alaun
H IV
fol. 260v, 417
Harfarb
Brasilholz, Mennige (minie), Alaun
In
fol. 100v, 5a
rot
Zinnober (zynober), Alaunwasser
H II
fol. 66-66v, 21
rod
Zinnober (zinober), Gummiwasser, Wasser
In
fol. 100v, 5b
tunchelrot
Zinnober (zynober), Brasilholz, Alaun, Essig,
Harn, Schwarz od. Griinspan
M IV
fol. 227r, 22
fewrfarb
Attichbeeren, Zinnober (zinober), Parisrot, Alaun,
Metwurz
Al
fol. 308, 18
roth
1 Lot Zinnober (Zinober), 1 Lot Brasilholz, Alaun,
Regenwasser,
В
fol. 98v, 279a
feurroth
1 Lot Zinnober (Zinober), 2 Lot Brasilholz, Alaun,
Regenwasser
Wi
fol. 303, 3
rott
1 Lot Zinnober (zinober), 2 Lot Brasilholz, Alaun,
Regen- od. Wachswasser
726 Ploss vemuilel, class cs sicli liier um die l arberschartc handelt. Fr begriiiulel seine Vermutimg
mil der BedeuUmg des Worles zimhln ausgefransl; vgl. hier/.u (irimm: I)Wb, Ikl. 31,
Sp. 1386 1388; vgl. Ploss: Much von alien l arben, S. 100.
Fuvhmittel in den Quellen
199
Fiir die Gclblarbung isl in den bcarbeilclen Quellen isl Auripigment
(auripigmentum, opriment, Operment gee! oder Sehildfarh bzw. sell ill ft fanv/2/) in
aeht Vorsehriflen fur die Gclblarbung enlhallen, wahrend Bleigelb (plevgeel,
hieigel) lediglieh in je eincr Anleilung fur die Gelb- und Griinlarbung genannl ist
(Tab. 49).
Auripigment soli allein oder in Verbindung mil Pflanzeniarbmillcln, vorrangig Saf-
ran oder Brasilholz, verwendet werden. Fin Teil dcr Farbungen erfolgt in saurer
Molle mil einer Alaundireklbeize, andere Anleilungen enlhallen die dispergierend
und llxierend wirkenden Gummi- und Olzusalze. Bleigelb isl fur beide Farbungen
in Kombinalion mil Safran genannl, fur die Griinlarbung soil zusatzlich Griinspan
verwendet werden.
I ah. 49: Fmbcanleitimgen mil (ielbpigmenten
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
In
fol. 101 r, 9
gelbiu
Auripigment (auripigmentum), Alaun, Essig
H II
fol. 69v, 29
gelb
2 Lot Auripigment (opriment), 1 Maft Wasser, Ol,
Gummi
H IV
fol. 53-53v, 111
fol. 192-192v, 323
gel
geel
2 Lot Auripigment (Operment), 1 Maft Wasser, Ol,
Gummi
2 Lot Auripigment (Operment), 1 Maft Wasser, Ol,
Gummi
In
fol. 101r, 10
gelbiu?
Berberitzenbast, Brasilholz, Auripigment
(auripigmentum), Alaunwasser
H IV
fol. 224-224v, 367a gee!
fol. 258v-259, 409 gelb
Blumen, die gelb farben, 3 Finger dick Kupferschlag,
ein wenig Auripigment (gelbe Schiltfarben)
Auripigment (Schilltfarb), Safran, Alaun
Wi
fol. 306, 18
gelb
2 Lot Auripigment (schilltt farw), 1 Lot Safran, Alaun,
Wachs- od. altes Regenwasser
В
fol. 106v, 308
saffran
gell
1 Quentchen Safran, fur 1 Pfennig Bleigelb
(pleygeel), kaltes Wasser
Au
fol. 15v, 20
grun
9 Lot Griinspan, V2 Lot Bleigelb (bleigel), ein wenig
Safran, Essig
Das Pigment Griinspan (spongrun, spengrun, grunspat, griinspat oder griinspun)1^
isl sehr hauFig in den Quellen aulgeluhrl. Fr dient allein oder in Verbindung mil
verschiedcnen PIlanzenfarbslolTen Iur die Griinlarbung (Tab. 50). Auberdem wird
er als Beizmillel fur die Griinlarbung mil Saftgriin und die Blaularbung mil Bee-
ren- und BliitenfarbslofTen verwendet.
Die Merslellung des Griinspans in einem KupfergelaB besehreiben die Fiirbe-
vorsehrilten der Quellen 1M I (fol. 67v, 59), N I (fol. Iv, 4) und M V (fol. 39v,
1 13). Allerdings fehll in den Rezeplen der Quellen 1M I und N I der Ilinweis auf
das KupfergelaB. I3ie Verwendung von Kuplerkesseln in der Farberei war vermul- 727727 Idcnl i П kill ion nacli Ollrogge, vgl. Ollrogge: Daleiihank.
72X Dcr Name cnlsland clinch Verset/en dcr Silhcn aus Spangriin (spanischcs (iriin). was aucli in
den Quellen belegl isl. Vgl. Kri'init/: Oekonomisehe Pneyklopadie, Th. 20, S. 229; vl’I.
(irimm: DWb, \k\. 9, Sp. 960.
200
Harhmittel in den Oucdlen
lich so sclbstvcrslandlich, class cine bcsondcrc ITwahnung dcs Materials nicht im-
mer a Is erforclerlich angesehen wurde. Die Nirbung erlolgt im Allgcmeinen aus
saurer Nolle, z.T. isl der Zusal/ von Gummi oder 01 aulgeliihrl. Zwei Anleilungen
empfehlen die Verwendung von Auripigmenl /um Aulhcllen des Farbtones.724 Fin-
die Aufhclliing isl nicht nur das /ugegebene Cielb veranlworllieh, hier /eigen sich
auBcrdem Konkurren/reaklionen um die Bindungsslellen an der I;aser, die eben-
lalls bei l arbungen mil (irfmspan tinier Alaun/usal/ zu beobachlen sind. In den
Farberezeplen der alleren Quellen isl die Alaundireklbeize bei der Farbung mit
(iriinspan vorgesehen, in den neueren Anleilungen (M IV) lehll der Alaun, so class
eine groBere I arbliefe erreichl werden kann.
I ah. 50: r'arbeanleilungen mil clem Pigment (iriinspan
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M 1
fol. 67v, 59
grunewe
(Kupfer?)-gefaR>, Honig, Salz, Essig, Alaun
N 1
fol. 1 v, 4
gelgrun
(Kupfer?)-gefa(3>1 Honig, Salz, Essig, Alaun
M V
fol. 39v, 113
viride
1 Teil Honig, Essig, Alaun, Kupfertopf
In
fol. 100v, 8
grim
Griinspan (gri'mspat), Harn, Alaun, Gummi, heller:
Auripigment
Gr
fol. 6r
(Griin?)
Griinspan (gri'mspat), Harn, Alaun, Gummi, heller:
Auripigment
Au
fol. 24v-25r, 50
grun
2 Lot Griinspan (spen grun), Lauge, Alaun, NH4CI,
heller: ein wenig Safran
H II
fol. 67v-68, 24
grun
10 Lot Griinspan (spon grim), KupfergefaB, Ol
M V
fol. 223v, 1253
grien
Griinspan (Spangrien), Wasser, Kupferasche
fol. 52-52v, 109
gryenn
4 Lot Griinspan (Spongrien), KupfergefaB, Ol,
Essig
H IV
fol. 190v-191 v, 321
feingrienn
4 Lot Griinspan (Spongrien), KupfergefaB, Ol,
Essig
fol. 258, 406
grien
Griinspan (Spongrien), Alaun, Wasser
Wi
fol. 305v, 16
grim
2 Lot Griinspan (span grun), KupfergefaB, Essig,
NH^CI, Galitzenstein, Weinstein, Kalk
Au
fol. 15v, 20
grun
9 Lot Griinspan (spongrun), 1/2 Lot Bleigelb
(bleigel), ein wenig Safran
M V
40r, 116a
(Griin?)
Honig, Essig, Alaun, Kupfertopf, ein wenig Safran
H V
fol. 287v, 57
grun
1 Lot Griinspan (spon gron), Safran (erbsengroB)
Ь iir die Braun- und Schwarzlarbung mil Pigmenlen soil nach der Quellenlage RuB
verwendel werden (Tab. 51). Fur die Schwarzlarbung isl RuB das cinzige Farbmil-
lel, wahrend fur Braunlbne zusalzlich Labkraul und Safran benulzl werden. F3ie
Farbungen erfolgen aus saurer, neulraler oder alkalischer Nolle. Im Rezept 2b der
Quelle N I isl die I lerslel 1 ung des RuBes nliher beschrieben. Uber einer Kerze soil
Weihrauch (wirauch) verbrannl werden. Mil cinem dariiber gesliilplen (iel a В wire!
der RuB aufgefangen, abgeslrichen und liir die Farbung mil (iummi und Wasser
gemischl. In der Anleilung 260a aus Quelle В wire! der erforderliche RuB durch
Verbrennen von Nussschalen gewonnen. 720720 Aulliellimg bei der (iriiularbimg: Quelle In, lol. I()()v. Re/ept X und Quelle (ir, Ibl. 6r.
Farhmittel in den Oncdlen
201
l ab. 51: 1 arbeanleitimgen mit Braun- imd Scliwar/.pigmcnte
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
H IV
fol. 222v, 363
harfarb
Ruft (rues), Essig
H IV
fol. 56-57, 119
fol. 195v-196v, 330b
bar farb
harfarb
2 Teile Klebkraut, 4 Lot Ruft (Ruess), 1 Settin
Safran, Lauge, Ol
2 Teile Klebkraut, 4 Lot Ruft (ruess), 1 Settin Saf¬
ran, Lauge, Ol
N 1
fol. 1-1 v, 2b
schvarch
Ruft (ms), Gummi, Wasser
fol. 2v, 6
swarez
OfenruB (kadeloffzam), Wasser, Essig, Alaun
В
94, 260a
Schwartz
gebrannte Nussschalen, Wasser, Essig, Alaun
Pigmente als Farbmillcl sincl in den imtcrsuchlcn Qucllen in insgesaml 4(S Teilan-
leitungcn enlhaltcn. Auf Seide und Wolle kann auf (Fund dcr groBeren ЛHlnilal
dcr Pigmente zu den Proleinfasern im Vergleieh zu Cellulosefasern eine groBcre
Farbtiefe erreichl werden. Naeh der Quellenlage wurden bevorzugl Proleinfasern
(Seide) gelarbt, was bcwciBl, dass die groBcre AITmitat der Pigmente zu diesen
Fasern wahrgenominen wurde (Tab. 52).
Tab. 52:
I 'asciTohslolTc fiir die Pigment larbung
davon in %
Zeit
Vorschriften
insgesamt
keine Angabe
Aufmachung
(Garn, textile
Flache)
Leinen
Wolle, Leinen
Seide
14. Jh.
7
100.0
-
-
-
-
15. Jh.
16
25.1
18.8
12.5
-
43.8
16. Jh.
23
17.4
17.4
-
4.3
60.9
alle Farbungen
369
-
-
15,4
1.9
20.9
Beim Vergleieh der genannten Faserrohstollanteile mit den entsprechenden Durcli-
schnittswerten fur alle Farbungen nach dem Auszichverlahren, zeigl sicli, dass die
Proteinfaser Seide in den Quellen des 15. und 16. Jahrhunderls liirdie Pigmentlar-
bung deutlich bevorzugt wird Der Woll-/Leinenanteil ist im 16. Jahrhundert geiing-
f'iigig roBer als der liir alle Farbungen genannte Anteil.
5.13 Nicht zu identifizierende Farbmittcl
Hinige dcr in den Qucllen genannten I arbmittel lassen sicli nicht eindeutig identili-
zieren und konnen daher keiner der zuvor beschriebenen Farbstolfklassen zugeord-
net werden (Tab. 53). F’s handelt sicli dabei um plcth regen phunen, weyd-dpjci
zeidlper, sprickenw heren und nws hlu(o)men. 730730 1 cilrc/.cplc wurden bei der Auswerlung nicht beriicksichtigt.
202
k'arbinittel in den Ouellen
Tab. 53: Nielli idenliH/ierbare I arhmitlcl in den larbeanleiUmgen
Quelle
Rezept
Farbton
Farb- und Hilfsmittel
M 1
fol. 67, 55b
prawn
plab regen plumen
fol. 67-67v, 56a
Gelbewe
weyd-opfel, Safran, Berberitzenwurzel
M IV
fol. 228v, 39
Sat plab
Holunderbeeren, 3 od. 4 Hand voll zeidlper
Go
fol. 311v, IV 11
blaw
sprickerne beren od. Heidelbeeren, Kupferham-
merschlag
Wi
fol. 305V-306, 17
gelb
1 grofte Schiissel mos blu(o)men, !Z Lot Safran
In Quelle 1M I, fol. 67, Re/epl 55b soli mil plah regen plumen eine Braunfarbung
durchgeliihrt vverden. Die Rezeplvariante 55a nennt I leidelbeeren als Barbmillel.
Regenblume, Regenringel oder Regenringelblume sind Synonyme fur die Ringel-
blume {Calendula officinalis L.) bzw. liir eine Unlerarl (Calendula pluvialis L.).
Bine blaue Regenblume ist niehl bekannl. Aus frischen Ringelblumen kann ein Sail
gepresst werden, mit dem auf Aluminiumbeize gelb gelarbt werden kann.7,1 Re¬
genblume ist auBerdem ein Synonym fiir weilere Pflanzcn wie den Aeker-
Gauchheil (Anagallis arvensis L.), das (iansebliimehen (Beilis perennis L.) oder
verschiedene (iloekenblumen-Arlen (Campanula), die z.T. als blaue Varietaten
auftreten7'2, liber deren Verwendung in der larberei aber niehts bekannl isl. Im
Rezept 56 der gleiehen Quelle (lol. 67 67v) sollen wevd-bpfeh Safran und
Berberilzenwurzel liir eine (ielblarbung benulzl werden. Weidaplel oder Waidaplel
sind in der Literatur liir die larberei niehl belegl. Sowohl J. und W. (irimm als
aueh Krunilz fiihren Weidenapfel als Bezeichnung liir eine Reinellensorte auf.7”
Uber eine Verwendung in der I arberei isl niehts bekannl.
In IM IV, lol. 22Kv, Rezept 39 werden zeidlper mil I lolunderbeeren, Alaun und
Rssig liir die Blaularbung benulzl. Zeidel ist eine alle Bezeiehnung liir den Seidel-
basl (Daphne tnezereum L.) und den BitlersiiBen Naehtsehallen (Solatium dulcama¬
ra L.).’/vl Zeidelbeeren sind als solehe niehl naehweisbar, aus den rolen Bliilen des
Seidelbastes wurde aber eine role Saftfarbe liir Maler gewonnen.7'5 Aus den Beeren
des Sehwarzen Naehlsehatlens wurde Saftgriin gewonnen (vgl. Кар. 5.5.2).
Mil sprickerne beren als ITsalz liir I leidelbeeren soil im Rezept IV, II (fol.
31 1 v) der Ilandsehrifl Go eine Blaularbung durchgeltihrl werden. Marzell Iiihrl
SprickeI als Synonym liir den Baulbaum (k'rangula abuts L.) und den Kreuzdorn
(Rhanums catharticus L.) auf und Kriinilz nennl ebenfalls Spreeken oder Spriekler 731 732 733 734 735731 Vgl. Rmnello: I lie An of Dyeing, S. 33().
732 Vgl. Mar/ell: РПап/еппатсп. Mil. 5, Sp. 447.
733 Die Me/eichnimg Weiileiiiiplel be/ielil sicli аиГАрГек die auf Weideiislamme geplropli war¬
den: vgl. (irimm: l)Wb, Mil. 2K, Sp. 576; vgl. Kriinil/: Oekonomiselie l-ncyklopadie. I’ll. 236,
S. 64.
734 Vgl. (irimm: l)Wb. Mil. 31, Sp. 4l)7 und Kriinil/: Oekonomiselie l.neyklopiitlie. I'll. 36. S. 7<S7.
Mar/ell: РПап/еппатеп, Md. 5. Sp. 63S.
735 Vgl. Kriinil/: Oekonomiselie hneyklopadie. I'll. 36, S. 7%.
Farbmittel in den Ouellen
203
als weilcre Namcn dcs Faulbaums.* 735 736 Nach J. und W. Grimm ist Sprickbeere cine
Bc/eichnung liir Faulbaumbecrcn.7'7 Unreife Faulbaumbeercn sind fiir Grunlar-
bungen, Faulbaumrindc fur Braunfarbungcn nachgewiesen, liber Blaufarbungen
mit den Beeren isl niehts bekannt.73s Unreife Krcuzdornbeeren wurden fiir die
Gclbfarbung und fast reife Krcuzdornbeeren fiir die Saftgriingcwinnung verwendel
(vgl. Кар. 5.5.2). Aueh hier isl die Blaufarbimg in der Lileratur niehl crwahnl.
In Quelle Wi, 1Ы. 305v -306, Nr. 17 soil mil grolicn gelben nws hlu(o)men und
Safran cine (jelblarbung durehgeliihrl werden. Moosblume isl ein Synonym fiir
versehiedene Pflanzen, wie z.B. die Mooshcidc {Bryanthus gmelinii), die Sumpf-
dollerblume (Caldia palustris L.) odcr aueh Goldblumc oder Bullerblume, die
I Ierbstzeitlose (Colchium autumnale) und die Sand-Slrohblumc (Helichrvsum
arenarium)iy\ fiber deren Verwendung in der Farberei niehls bekannl isl.
736 Vgl. Miir/.ell: Pllaii/emiamen, Bel. 5, Sp. 535; vgl. Kriiiiil/: Oekoiiomische I-Incyklopiidic. l'h.
161, S. 660.
737 Vgl. (irirnm: l)Wb. Ikl. 17, Sp. 71.
735 Vgl. Ikaclierl: Mallcclmikcn, S. S3
736 Vgl. Mar/ell: Pllan/.ennamen, Ikl. 5, Sp. 375; vgl. (irimm: l)Wb. Ikl. 12, Sp. 2521; \gl.
Kriinit/: Oekoiiomische Fncyklopadie, I’ll. 236, S. 65.
6. Farbeexperimente nach historischen Anleitungen
Aus tier Verwendung eines bestimmten Farbmillels kann auf einen „(jrundfarblonfcb
gcschlossen wertlen, das lelztendlich imter Beriicksichtigung allcr Farbeparameler
zli er/ielende I arbeergebnis isl aber nichl vorherzuschen. Bei tier Analyse tier Vor-
sehriften bcziiglich tier Aussagen zum erreichbaren Farblon llel auf, dass sieh die
Angaben im Wesentliehen auf die aehl Grundfarbldne Blau, Violell, Rol, Gelb,
Grim, Sehwarz, Cirau untl Braun beschrankten. Allenlalls im Hinbliek auf die Farb-
tiefe wurtle in belle sowie dunkle Tone untersehiedcn untl in wenigen Ausnahme-
lallen war tier Farbton naher prazisiert.
Mit den in den Quellen genannten Farbtonen verbintlen wir z.T. leuehlentle kla-
re Farben. Soli heule cine bestimmle Richlung ties Farblons ausgedriickt wertlen,
erfolgt dieses liber Worlverbindungen, die aus dem taglichen Leben bekannl sind
untl mil denen eine Farbvorslellung verbuntlen isl. Ilierzu gehdren z.B. Farbbe-
zeiehnungen wie Sonnengelb, Zilronengelb, Roslrot otter Bordeauxrol. Diese wci-
lergehenden Beschreibungen tier I'arbe fchlen in den bier unlersuchtcn Quellen.
Daber musslen fur eine uiniassendc Beurleilung tier historischen Vorscbriflen, Far-
bungen auf Basis tier Quellenrezepte nachgeslelll wertlen.
Zunachsl wurden alle Anleilungen nach dem Ausziebverfabren den o.g. Grundfarb-
tdnen ( fab. 54) zugeordnet, wobei die Zuordnung tier selten genannlen Farblone
Jcvh/cir/f\ negcljarh'\ Jiar/ar/Г untl ,-igclJarfr' enlsprecbend ihrer „Farbrieh-
lung“ zu den (irundfarben Rol bzw. Braun erfolgle.710
l ab. 54: Anteile dor I arhU'Vnc |%] nach dem Alter dcr Quelle
davon
Quelle Teilrezepte *- 740и 5 n C
« .2 о ® :E
CO > O' О О
14. Jh.
28
10.7
-
17.9
17.9
10.7
14.3
-
21.4
7.1
15. Jh.
177
17.5
3.4
22.0
10.7
21.5
12.4
4.5
7.3
0.6
16. Jh.
198
14.6
3.5
20.2
17.2
12.6
10.6
5.6
13.1
2.5
alle Quellen
403
15.6
3.2
20.8
14.4
16.4
11.7
4.7
11.2
2.0
E nlcht
^ d § eindeutig
о 2 2
(О О CQ
740 Jcvh/arh" stelit naeh (irimm: l)Wb, Bd. 12, Sp. 509 600 Fur lleischlhrben (haul Farben);
jwgcllurh" ist eiu heller Beigebraunton, bei (irimm: l)Wb, Bd. 13, Sp. 264 isl Nagelchen
odcr Nagelein als alle Be/eichiumg liir die (iewiir/.nelke (Sv~vi>inm aromalicum (F.)
MFRR1LI. & PI-.RRY) belegl. Sakuma ideiitill/iert Ncgeleinlarbe als eiiieu (ielbton; v»l.
Sakuma: Die Niimberger Tuchmacher, S. 119, 1'ubnote 1X4. Juirfarl>“ stelit naeh (irimm:
l)Wb, Bd. 10, Sp. 2X liir haarlarbeu imd meint vvohl meist eiiieu kastanienbraimen Ton;
„г/'^cljiirh" besehreibt vcmuitlich Braimrottbne, wie sie bei Backsteinen iiblich sind.
F1 cirbeexpcrimente nach hislorischcn Anleitungen
205
Wic sich zeigle, sollcn mit clwa eincm FunFlcl der belrachletcn Vorschriftcn Rottb-
nc erziclt wcrdcn. Der Anleil der Rotfarbungen bleibl, iiber den gesamlen Zeitraum
belraehtel, annahernd gleieh. Blau-, Gclb- und Griinlone haben insgesaml mit je-
weils ea. 15 % Anleil gleieh groBc Bedeutung. Schwarz- und Braunlbne sind in
insgesamt jeweils 1 1 % der Vorsehriften aufgeliihrl, besondcrs haufig im 14. Jahr-
hunderl. Violett- und Graulone sind im 14. Jahrhunderl niehl und in den Quellen
des 15. und 16. Jahrhunderts eher selten genannt.
Naeh der Auswertung beziiglich des im Rezept genannten Farbtons, erlblgle eine
weitere Analyse der einzelnen Farblbne im Hinbliek auf die benulzlen Farb- und
I lilfsmittel. Die Auswahl der Farbmiltel Itir Farbeversuehe erlblgle vorrangig an-
hand ihrer Bedeutung in den bcarbeilelen Quellen. Zusatzlich wurden interessant
crscheinende Rezeptvarianten beriieksiehtigt. Farbungen mil gilligen Substanzcn
wie Zinnober oder Auripigmenl, wurden Irolz ihrer naeh der Quellenlage relaliv
groBcn Bedeulung niehl durehgeluhrl.
6.1 Rekonstruktion der Farbebedingungen - Vorvcrsuche
Fxakle Angaben beziiglich der naeh moderncn MaBsliiben erforderlichen Verfah-
rensparameler wie z.B. Flollenverhallnis oder Farbetemperatur, sind in den histori-
schen Farbevorsehriflen niehl zu linden. Da aber gerade diese Parameter einen
deulliehen Fanlluss aufden h'arblon haben, wurde zunaehsl im Rahmen von Vor-
versuehen und mil I Idle modcrncr Rezeple liir Farbungen mil Nalurfarbslollen ein
„Standardlarbevcrfahrenfcfc enlwiekelt, das eine Vergleichbarkeil der Frgebnisse
erlaubt.
Ausgehend von einer zu larbenden Probenmenge von 10 g Ware erfolgten l ar-
beversuehe zur I'estlegung des Holtenverhallnisses, der harbetemperalur und -zeit,
der Beizmiltelmengen sowie zur Vereinheilliehung der Farbelloltenvorbereitung.
Durch die Vereinheilliehung von Flottenvorbcreilung und harbeverlahren wird die
Vergleichbarkeil der gelarblen Proben bei einer anschlieBcndcn Lichteehtheitsprii-
fung ermogliehl. Die Lichlechlheil stehl mil der Farbsloffaggregation in direktem
Zusammenhang. Die I'arbslolTaggregation hiingt wiederum von der l arbstolfkon-
zenlration in der Flolle ab. Konzentrationsabweichungen bewirken liehlheils-
sehwankungen.
Fin wiehtiger Faktor Itir die Fgalital der I'arbung ist das Bewegen der Ware in der
I'lolte. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde das Laborlarbegenit Linilest-Plus'
der Firma Allas fur die F'arbeversuchc benutzt7'11. Dadurch war eine gleichmiiBige
Bewegung der Ware mil 30 Umdreluingen pro Minute durch die Maschine gesi-
ehert. Das Mollenverhallnis war so zu wiihlen, dass eine ausreichende I arbliefe bei
mbgliehst egaler, d.h. gleiehmaBiger I'arbung erreiehl wurde. (iemeinsam ist den 741741 l.milesl'', Allas Materials Testing.
206
i'cirhec.xpcrimetUe nctch historischcn Anlcituugen
Angaben aus tier modernen Lilcratur die Stcigerung des Flotlenverhallnisses bci
abnehmender Warcnmengc (Tab. 55). Um bci Farbungen im Kochtopf, dcr ubl\-
chen Praxis bci dcr I Iauslarbung, das glcichmaBigc Benclzen dcr Ware und cin
egales Farbeergebnis /11 gewahrleislen, muss bci klcincn Substratmengen mchr
Farbeflolle cingcscl/t werden. AiiBerdcm muss bcri'icksichtigl werden, dass bci dcr
Farbung von Wollc bci cincm schr kurzen Floltenverhallnis die Gcfahr cincr Vcr-
lll/.img dcs Substrates zunimmt.
l ab. 55: Substrat- und Wasscrmcngcn b/.w. I;V aus dcr modernen I.itcraturM“
Substrat [g]
Wasser [mL]
FV
1.000.0
16.000-20.000
1:16-1:20
Feddersen-Fieler
500.0
12.000-15.000
1:24-1:30
250.0
8.000-12.000
1:32-1:48
1.000.0
45.500
1:45
Casselman
453.0
27.000
1:60
226.5
18.000
1:80
Cannon
100.0
5.000
1:50
Probe larbungen (vgl. Та I cl 46) bci verschicdcnen I lottenverhaltnisscn zeigten,
dass egale Farbungen mit ausreiehender Farbliefe am chesten bci cincm Flotten¬
verhaltnis von 1:35 erreicht wurden. (iroBere Floltenverhallnisse liihrlen zu ver-
minderter Farbliefc, kiirzere Flotten zu unegalen, lleckigen Farbungen ohne weitere
Zunahme dcr Farbliefc.
Die Farbetemperatur hat ebenfalls Finlluss auf den Farbausfall. Insbesondere bci
Pot larbungen mit Krapp und Brasilholz luhrl die Litcratur Temperaturen von 70
80 °C auf, die mit cincr Farbtonandcrung bei Kochtemperatur begriindcl werden.71'
Ilinweise auf reduzierte I'arbetemperaturen linden sich auch in den Quellen wieder,
wo ,,heiB“, aber „ohne I)ampP\ d.h. nieht kochend gelarbt werden soil.
Wie die Vorversuehe zeigten, ergibt cine Farbetemperatur von 80 °C auf cincr
Alaunvorbeize bei Krapplarbungen leuchtcndc Rottone, wahrend die Farbung bei
Kochtemperatur cine Verschiebung des Farbtones zum Braunen erkennen liisst. Bei
dcr Farbung mit Brasilholz fiihrt die hdherc femperatur zu cincr I'arbvertiefung
ohne Verbriiunen).
In weiteren Vorversuchen wurde die cinzusetzcnde Beizmiltelmcnge bestimmt. Da
sich die Krapplarbungen als besonders empllndlich gegeniiber Veranderungen dcr
Farbebedingungen erwiesen, erfolglen diese Icsls wieder an Krapplarbungen auf
Wolle. Die Beize wurde mil 5, 10, 15 und 20 % Alaun als Vorbcize durchgefiihrt
(vgl. Tafel 14). 742 743742 Vgl. l ecklersen-Ficier: l’arheii aus tier Nairn*, S. 21; vgl. ( asselmau: C raft oft the dyer, S. 63;
vgl. C annon; Dye plants and Dyeing, S. 13.
743 Vgl. Poelimann, Weiscr: IMlan/enfarhen auf Feinen und Wolle, S. 203 204.
I'drhccxpcrimcn/c nach historischen Anlcitungen
207
Fine Beizmittelmenge bis 10 % ties Warengcwichtes luhrt zu cincr deutlich gc-
stcigcrtcn FarbstolTaiifnahme, wahrcnd 15 bzw. 20 % Bcizmittclzusalz nichl zu
ciner wcitcrcn signifikantcn Zunahme dcr Farbliefc ilihrcn.
Zur Vcreinheitlichung dcr Flottenvorbcrcitung mit Bczug auf cinen konslantcn
Farbstoffgchalt, wurdcn wicdcr am Bcispicl Brasilholz Farbungcn dirckl mil den
Holzspancn sowic mil eincm zuvor hcrgcslclltcn Absud durchgcliihrl.
Die l;arbliefe dcr dirckl gelarbtcn Wollproben isl dcullich gcringcr als die 1’arb-
licfc dcr mil dem Absud gefarbten Probcn, so dass fur allc Farbungcn das Farbmit-
tcl vor dcr Farbung cxlrahicrl wurdc. Wild mil Holzspancn dirckl gcfarbl, kann
auBcrdem cine Fleckenbildiing nichl ausgcschlosscn werden, wenn sich Spline dcs
Farbmillcls im Subslrat verhaken.
Wicdcrholungslarbungcn mil Brasilholz und Krapp, bci denen dcr I arbmillcl-
absud lur jede Farbung cinzcln angcsclzt wurdc, ergaben bci sonsl glcichcn Farbc-
paramclcrn Farbtonabwcichungcn von AF ^ 3,5. Urn diese malcrialbcdinglc Streu-
ung dcs Frgebnisscs zu rcduzicrcn, crfolglc lur Farbungcn, die milcinandcr vcrgli-
chen werden solllcn, cin gcmcinsamcr Flottcnansatz, dem die jcwcils crlordcrlichc
Menge entnommen wurdc. So konnlc die Strcuung dcs Farbtones auf cinen AF-
Wcrl von 1 ± 0,5 verkleinerl werden, wclchcr nach modernen MaBslabcn an dcr
Tolcranzgrcnzc liegl (vgl. 2.2.2).
I iir allc im Folgendcn bcschricbcncn I’arbcvcrsuchc wurdcn 10 g Woll- bzw.
Baumwollgcwcbc bci eincm Flollenverhallnis von 1:35 gcfarbl. An ausgcwahllcn
Bcispiclcn crfolglcn zusalzlich Farbungcn mil Scidc. Zur Fill Terming von Tell-
und/odcr Avivagcrcslcn auf den Substraten wurdcn die Probcn vor dem l arbcn mil
eincm mi Idem Wollwaschmillel bzw. mil Marseille!' Seife vorgcwaschcn und an-
schlicBcnd gelrocknel. Die Slandardlarbung crfolglc, wenn nichts andcrcs angcgc-
ben isl, liir 60 Minuten bci 80 °C.
Die cingcsclzlc I 'arbmillclmcngc beziehl sich auf die zu larbcndc Subslralmcn-
ge, d.h. bci dcr Angabc 100 % wurdcn 10 g Substrat mil dem Aquivalcnl cincs Ab-
suds aus 10 g dcs enlsprcchenden l arbmillcls gcfarbl. Bcizbchandlungcn wurdcn
als Vorbeize (V), als Dircklbeize (D) und als Nachbchandlung (N) durchgcliihrl.
Als Bcizmillcl dicnlcn Kaliumaluminiumsulfat-12-hydral (Alaun, A), Kupler(ll)-
sulfal-5-hydral (Kupfcrsulfal, Kupfervilriol, C’u), Fiscn(ll)-sulfal-7-hydral (I'iscn-
sulfal, Fisenvilriol, Fe) und (iriinspan (G).
Die Farbtiefc wurdc anschlicBcnd millcls Farbmessung mil dem Spcc-
Iropholomclcr CM-360()d dcr Firma Minolla unlcr Verwendung dcr Software
SpectraMagic, Vcr. 2.10 (i, bcurlcill.
208
I'arhee.xperinwtUe nc/ch historischcn Anlcitungcn
6.2 Blau- und Violettfarbungcn
Laul Quellenlage bcschrciben 63 Anlcitungcn das I'arbcn von Blautoncn und 13
Anleitungen das I'arbcn von Violetttonen nach dcm Aiisziclivcrfahrcn (Abb. 40).
Beeren, Metall
Beeren
Indigo
Indigo, Beeren
Kornblumen
Indigo, Eisen
Brasilholz, Kupfer
Lasur
Kupfer
Kornblume, Azurit
Indigo, Kornblume
Indigo, Beeren, Kupfer
Lasur, Kornblume, Schwarz
Beeren
Brasilholz
Ampfer
Beeren, Lasur
Kombination: Rot, Blau
о 2 4 6 8 10 12 14 16
Anzahl der Nennungen in den Quellen
Abb. 40: I 'arbmiKel Itir Ulan- (schwarz.) uml Violctllarbimgen (gran)
l ur die Blaullirbung iiberwiegen deullich die Vorschriftcn mil anlhoeyanhaltigen
Beeren, die allein oder in Verbindung mit Kuprciliamincrschlag oder (iriinspan
verwendel werden sollcn. Weiterhin soil mit Indigo gelarbt werden. Zusatzlich sind
Blaularbungen mit ciner Mischung a us Indigo und anlhoeyanhaltigen Beeren und
BKilen besehrieben. Weitere I arbmittel, die aber lediglieh in einzelncn Rezepten
aul'geluhrt sind, sind die Rigmente Azurit und Lasur. I'iir die Violettfarbung iiber-
wiegen ebenfalls die Beerenlarbungen. Lin Rezept besehreibt die Naehbehandlung
ciner Brasilholzlarbung mit I.auge zur Lrzielung von Violetttdnen.
l arbungen wurdenmit lleidelbeeren, I lolunderbeeren, Kornblumenbliiten und
Klatsehmohnbliiten sowie Waidindigo durehgeluhrt. Aul.ierdem land an ausgewahl-
ten Brasilholzlarbungen cine Naehbehandlung mit Lauge stall.
6.2.1 Larbungen mit llcidcl- und I lolunderbeeren
lleidel-, llolunder- und Attiehbeeren werden naeh der Quellenlage einzeln, zu-
sammen oder als l irsatz fiir einander verwendel. Sie werden mil einer Alaundirekt-
beiz.e aus saurer Losung aufgelarbt. In einigen Anleitungen sind zusatzlich kupler-
hallige Metallzusatze aulgeluhrt.11 Beziiglich der l arbelemperatur sind die Anga- 744744 Zur I tirbuiiL’ mil Beeren ohne weitere Zusal/e vgl. Quelle !N1 I. fol. 67, Re/ept 54; Quelle
M II. fol. I l()v. Re/epl 16 oder Quelle M l\'. fol. 22Sv, Re/e|M ЗУ. I iir Anleitungen mil kup-
Farbecxperimenie nac/i historischen An/eitungen
209
ben in den Quellen uneinheitlieh. Lin Teil der Vorsehriften beschreibt die heiBe
Farbung, die reslliehen Rczeplurcn enthalten dagegen keine Angaben.
Liir den Floltenansalz wurden Wildheidelbeeren7,> zerdriickl und iiber Naeht in
Essig (5%ige bssigsaure) eingeweieht. AnsehlieBend wurde die Losiing eine Stun-
de gckoehl, abgekiihlt und llltriert. Die Farbungen erfolglen ohne und mil Direkt-
beize (D). Als Beizmittel dienten jeweils 10 % Alaun (A), Kupfersulfat (C'u) und
Griinspan (Ci). Da in den Quellen keine iibereinslimmenden Aussagen beziiglieh
der Farbetemperatur zu linden sind, wurde 60 Minulen bei 80 °C sowie iiber Naeht
(18 Stunden) bei Raumlemperatur (RT) gelarbt.
I leidelbeerlarbungen an Г Wollc fiihren zu Violetllonen. Bei gesleigerlem
Farbmitteleinsatz wird der Farbton rolstieher, isl aber immer noeh eher hell. Line
Alaundircklbeize bewirkt im Vergleieh zur Farbung ohne Beize keine Larbver-
tidling, der Farbton wirkt aber reiner. Die Kupferdireklbeize hat Cirau-, die
Griinspandirektbcize hat sehwaehc Tiirkistone zur Folge. Deullieh isl der Linlluss
der barbetemperatur zu erkennen. Bei Raumtcmpcralur sind lediglieh violelt-
stiehige (irautone erreiehbar. Bei der Mcidelbeerlarbung auf Baumwolle isl der
Linlluss der Farbetemperatur ebenfalls deullieh siehlbar. Wahrend die heiBe heir-
bung zu hellen Grau- und Brauntonen liihrl, sind bei kaller Farbung mil enlspre-
ehenden Beizmitteln auf Baumwolle Blaulone erreiehbar. Die brhohung der einge-
setzten Larbmiltelmenge hat eine h'arbvertiefung zur bolge. Bei heiBer harbung isl
der Linlluss der Alaundirektbeize im Vergleieh zur Farbung ohne Beize gering. Bei
harbung bei Raumtemperalur bewirkt sie eine leiehle h’arbvertiefung. Die Kupfer¬
direklbeize flihrt zu Blaugrautonen, die Griinspandireklbeize zu einem reineren
Blau (vgl. Tafel 47).
Die Flollenvorbeilung fiir die Holunderbeerrarbung erlblgte wie oben angegeben.
Die Farbungen wurden ohne und mil Direklbeize (D) durehgeliihrl. Als Beizmittel
dienten hier jeweils 10 % Alaun (A) und Griinspan ((j). Auf Grund der mit hleidel-
beeren bei untersehiedlieher h’arbetemperatur erzielten lirgebnisse wurden Wolle
und Seide 60 Minuten bei 80 °C gelarbt, wahrend die Baumwolle zusatzlieh fiber
Naeht (18 Stunden) bei Raumtemperalur (RT) behandell wurde.
Insgesamt isl die h'arbtiefe der Ilolunderbeerlarbungen groBer als die der l lei-
delbeerlarbungen, hier reichen dureh den hbheren Anlhoeyangehall der Beeren an I
Wolle sehon 100 % Farbmittel fiir liefe Farbtone aus. Aul Wolle werden ohne und
mit Alaundirektbeize Violell- und Violeltbrauntbne erziell, der Xusatz von (iriin-
span liihrl zu Graubraunlbnen. Ivin lieferer Blanton ist wie bei der 1 leidelbeerhir-
bung lediglieh bei Raumlemperatur auf Baumwolle mil Griinspanzusalz erzielbar. 745I'crhaltigen /usiit/cn vgl. Quelle Iv, fol. 204v, Re/epl 2; Quelle M IV, lol. 227r 227\, Re/e|M
24 Oder Quelle II IV. fol. 91 9lv, Re/ept 167.
745 |)a in der l.iteratur immer wieder erwiilint wird, class der I'arhstolTgehalt bei wildgewachsenen
Beeren holier sein soil als bei Rlantagenbeeren, wurden Wildheidelheeren verwendel.
210
Ir(ir/)cc.\f)crinu'ti(c nach historischen Anleilungen
Die Alaundireklbci/e fiihrt hier zu eincm zarten blaustichigen Violelt (vgl. Гafcl
47).
Bei den Beerenfarbungen ist der Zusammenhang /wisehen Faserart und Farbetem-
peratur deullieh zu erkennen. Der in den Quellen besehriebene Blauton ist lediglieh
bei der Verwendung einer groberen Farbmitlelmenge aid' Baumwolle bei ka 1 ter
Farbung und gleichzeitigcr (minspanbeize erzielbar. Da nur ein ТеiI der Vorsehril-
ten die Verwendung eines Kupferzusatzes liir die Blauiarbung erwahnt, wurden
vermutlieh alle Farbungen in eincm Kupferkessel durchgefiihrt, da sonst kein Blau
zu erreichcn war. Die fehlende Aullislung des Kupferkesscls zeigt, dass der Zu-
sainmenhang zwisehen Beizmittel und Farbton nieht erkannt wurde. Als Fascrroh-
stolT fur Blautdne mit Beercn komml, wie die hier erzielten Frgebnisse zeigen, nur
die mit Baumwolle zu vcrglcichende Leinenlaser in ITage. Die Ubcrpriifung der 32
Blaularbeanlcitungen mit Beeren bzw. Beeren und Metallzusatzen hinsiehtlieh des
zu larbenden Substrates zeigt, dass in ncun Vorsehriften die Cellulosefaser Leinen
und in vier Anleitungen Scide gelarbt werden soil. Wolle ist nieht aufgeluhrl. In elf
weiteren Rezeptcn ist die Aufmaehung des Farbegules besehrieben. Die Frgebnisse
der hier durchgefiihrten Beerenfarbungen unlersliilzen die These von Ilofenk de
(iraaf, dass es sich bei dein allgemeinen Begriff „(ianC in historischen Quellen um
die Cellulosefaser Leinen handeln muss.7,b
6.2.2 f arbungen mil Kornblumen- und Mohnbliilen
I fir die Blauiarbung mil Kornblumen soli der Sail aus den Blfiten mit Fssig und
Alaun vermischl werden. Mit dieser Misehung wird gelarbt, wobei liber die Farbe-
bedingungen (Temperalur, Zeit) keine Aussagen gemaehl werden. Fur die f'arbe-
versuche wurden zunachst Blulenkdpfe liber Naeht in Fssig (5 %ige Fssigsaure)
eingeweichl, anschliebend 1 Stunde gekochl, abgckiihlt und llllrierl. Da dicse f'ar-
bellotte lediglieh gelbliche Anschmulzungen auf Wolle ergab, wurden liir weitere
Farbeflolten die blauen Bliilenblatter abgezupfl und wie zuvor besehrieben vorbe-
reilet. Fiir die Farbung mil Mohnbliilen wurde mil den mien Bliitenblallern eine
vergleiehbare satire Farbellotte hergestellt. Alle Farbungen erlblglen auf Wolle und
Seide als Standardfarbung (80 °C, 60 Minulen), auf Baumwolle fiber Naeht (18
Stunden) bei Raumtemperalur (RT). Als Direktbeizmittel dienlen jeweils 10 %
Alaun (A) bzw. (irfmspan ((i). gelarbt. Die Farbmitlelmenge belrug jeweils 100 %.
Die Farbungen mil Mohnblfilenblattern haben lielere Farbtdne als die Farbun¬
gen mil Kornblumenblfitenblaltern. Auf Wolle wird mil Kornblumen ein heller
Beigeton erzielt, mil Mohnbliiten ein zartes Rosa. Beide Farbtdne werden durch die
Alaundireklbeize verticil. Auf Seide wird in beiden Fallen ein Rosa erzielt, das bei
Kornblumen durch die Direktbcize mil Alaun blauer, bei Mohnbliiten brauner wird.
Die Direktbcize mil (irfmspan fiihrt bei Kornblumen zu eincm grauen (irfm, mil 746746 Vgl. Ilofenk tie (inuifl: The Colourliil Past, S. 144.
Farhcc.xpcrimen/e nach historischcn Anleilungen
211
Mohnbliiten zu cinem Braun. Die Farbtone auf Baumwollc sind mil Kornblumcn
ohne Beize hell rosa, bei Alaundireklbeize elwas dunkler und bci Griinspanbeize
hellblau. Mil Mohnbliilen wird ohne Beizc ein Blauviolcll, mil Alaunbeize eine
Braunviolctt und mil Griinspan eine braunstichiges Ciriin erzielt (vgl. Tafel 48).
6.2.3 Fiirbungen mit Waidindigo und Kombinalionslarbungcn mil Beeren
In den bcarbeiletcn Qucllcn isl dcr FarbslofT Indigo nach den vcrschicdcnen Beeren
das wichligste Farbmitlel ftir die Blaufarbung. Fr wird rein odcr mil Becrenzusat-
zen geslreckl verwendet. Die Farberczepte mit Waidindigo bzw. Indigo bcschrei-
ben keine Verkiipung, sondern nulzen den FarbstoIT unverkiipt als Pigment. Fr
wird mit Wasser, Fssig odcr Lauge angeteigt und heiB gelarbt.7'17 Weitere Anlei-
tungen beschreiben die zusatzliche Verwendung eines trocknenden Oles bei heiBcr
l;arbung.7‘,K Werden fur die Blaufarbung Hcidcl- odcr I Iolunderbecren in Kombina-
tion mil Indigo bzw. Waidindigo verwendet, wird zunachst eine neutrale, saure
odcr alkalische BeerenIlotlc hergestellt, zu der dann Indigo gegeben wird. Die Far-
bung erfolgl lauwarm odcr heiB.7^ In diesen Anleilungen isl ebenlalls keine
Verkiipung des Indigos beschrieben. Lediglich in der aus der friihcn Neuzeil (1.
Halite 16. Jh.) stammenden Quelle В sind Anleilungen fur die llerslellung der Far-
bekiipe aufgeliihrt (Tab. 41, S. 180). In diesen Vorschriften sind Mengen und Pro-
zcssparameter aufgelistet, und der Ablauf der Verkiipung ist genau beschrieben.
Aufgeliihrt sind vcrschiedenc Alkalien wie Waidasche, aber auch die als Waidspei-
se dienenden Krapp- und Kleiezusatze.
Im Rahmen dieser Unlersuchung wurden Fir die Blaularbung mil Waidindigo un-
lerschiedliche Floltenvarianlen vorbereilet. Fur die erste Variante wurde mit 3 g
Waidpulver (Farbstoffgehall ca. 30 %/M>) und Natriumhydroxid I tir die Baumwoll-
kiipe bzw. Ammoniaklbsung I tir die Wollkiipe sowie Nalriumdilhionil bei 50 C
eine Kiipc hergestellt. Die Zeit bis zur vollslandigcn Verkiipung betrug ca. 20 Mi-
nulen Fir die Baumwollkiipe und ca. 45 Minuten Fir die Wollkiipe. Danach wurden
Baumwoll- bzw. Wollproben 30 Minuten bei 50 °G mit wenig Bewegung gehirbl,
anschlieBend abgequelscht und 30 Minuten an der Full verhangl. Dieser Vorgang
wurde wiederholl. 747 748 749 750747 Vgl. Quelle Be, lol. 126, Re/.ept 38 (Waidblumen ohne weitere Angaben); Quelle II IV, fol.
259, Re/ept 41 1 (Indigo und Wasser); Quelle W, fol. 33r, Re/ept 5a i b (Waidblumen mil
Wasser oder Lauge); Quelle II II, fol. 58v, Re/ept 6 (Waitl und Lauge).
748 Vgl. Quelle M IV, fol. 228r, Re/ept 33 (Indigo, Lssig und ()l); Quelle II II, fol. 69 69v. Re-
zepl 28 (Indigo, Lauge und Ol); Quelle II IV. fol. 53v 54, Re/ept l 12 (Indigo. Lauge und ()l);
Quelle II IV, fol. I92v 193, Re/ept 324 (Indigo, Lauge und Ol).
749 Vgl. Quelle Ли, fol. I6r I6v, Re/.ept 23 (I leidelbeeren, Wasser, Indigo); Quelle N II, fol. 53r,
Re/ept 92 (Indigo, I leidelbeeren. Attiehbeeren, Lssig, (iummi arabieum); Quelle II II, fol.
56v 57, Re/ept 3 (lleidek I blunder- od. Attiehbeeren, (iriinspan. Indigo); Quelle M \', fol.
234r, Re/ept 1263 (Indigo. I leidelbeeren).
750 Mitteilung von llerrn l)r. Kremer. 18.08.2009.
212
I'arhee.xperinwnte nach historischen A nleilungen
I;иr wcilcre 1 arbungen wurdc das Waidpulvcr in Lssig (5 %igc hssigsaure, pH
4,5) b/w. I Iol/aschcnlaugc (pi I 10) angeteigt und liber Nachl stehen gclasscn. Am
naehsten Morgen wurdc unter Riihrcn Lcindl zugeliigt und ansehlieBcnd 60 Minu-
ten bei 80 °C gelarbt. Die Kombinationsfarbung mil Waidindigo und Beeren er-
folgle ebenfalls unler diesen Bedingungen in einer sauren Beercnlosung, in die cine
vergleichbare Mcnge Indigo eingertihrl wurdc. Zusatzlieh wurdc Waidindigo mil
Leinol angclcigl und bei Raumlemperalur aufdas Baumwollgewebe aufgeslriehen.
Blauldnc mil ausrcichcndcr Tide und Lgalilal werden bei der Larbung mil
Waid lediglich durch die Verkiipung des Farbsloffes erzielt, wobei Wolle grund-
salzlich liefer anlarbt als Baumwolle. Die same, hciBe Farbung mil Beeren und
Waid fiihrl auf Wolle zu einem dunklen Braun, auf Baumwolle zu einem hellen
blauslichigen Violell. Der Untcrschied in der Farbliefe beruhl z.T. auf der geringc-
ren Affinilat der Beerenfarbsloffe zur C'ellulosefaser bei Kochtcmpcralur. Die Lar-
bungen, bei denen das Waidpulver mil Saure bzw. Laugc gemisehl und am nachs-
len Tag mil Ol verriihrl wurde, zeigen auf Baumwolle sehwaehe Rosatone mit
blauen Ansehmulzungen, wahrend Wolle eher bniunlieh gelarbt isl. Das mil Ol
aufgestrichene Waidpulver Itihrl je naeh aufgebrachler Menge zu mitlleren bis
dunklen Blausehwarztdnen. Die auf diese Art erzielten Farblone sind nieht waseh-
und reibeeht, da der I'arbsloff nur obcrllaehlieh aufdas (iewebe aufgebracht wurde
(vgl.Tafel 49).
l-in Vergleieh der Rellektionskurven der mit Beeren und Waid erzielten Blautone
zeigl den deullichen f'arbabstand zwisehen der Waidlarbung auf Baumwolle und
Wolle (Abb. 41), der insbesondere auf der groBeren Absorption der Wollprobe im
Wellenlangenbereieh zwisehen 400 und 500 nm beruhl. Die Beerenlarbungen be-
wegen sich in diesem Bereieh zwisehen den beiden Waidlarbungen, wahrend hier
die Refleklion im orangelarbenen und rolen Bereieh des Spektrums holier liegl. Im
Fcirhee.xperimente na eh historisehen Anleitungcn
213
Verglcich zu den Rcfleklionskurvcn dcr leuchtcnden Waidlarbungen verlaufen die
Kurven der Becrenlarbungen eher glcichiormig ohne auffalligc Maxima und Mi¬
nima.
6.2.4 Violettfarbung mil Brasilholz und Laugennachbehandlung
Nach der Quellenlage (z.B. Quelle H IV, Ibl. 187v-189, Rczcpl 3I8e) wurden Bra-
silholzlarbungen einer Naehbehandlung mil Laugen unlerzogen, um Violelllone zu
erzielcn. Liir die hier durchgeliihrte Naehbehandlung wurden verschiedenc unler
Кар. 6.3.1 besehricbene Rollarbungen mil einer aus Buehenholzasehe hergeslelllen
Lauge (pi 1-Werl ea. 10) eine halbe Slunde bei Raumlemperalur im Linilestgerat
naehbehandell.
Durch die Behandlung mit der Lauge verandern sieh bei alien Proben die l arb-
lone deullich. Je nachdcm, wie lief'der Larblon zuvor war, ergeben sieh rol-violelle
bis dunkelviolette Tone. Besondcrs leuehlend isl das Violclt aid Seidengewebe
(vgl. Tafel 46).
6.3 Rotfarbungcn
Pur die Rollarbung naeh dem Ausziehverfahren sind in den Quellen 84 Rezepte
aulgelislel (vgl. Abb. 42). Last die liable der Anleilungen (37) beschreiben l ar-
bungen mil dem neoHavonoidrarbsloHlialligen Brasilholz. Brasilholz in ebenlalls
in Kombinalion mil anthocyanlarbsloffhalligem Ahornlaub in weileren Vorsehril-
len genannl. AuBcrdem soil es mil Zinnober oder mil Salran verwendel weiden.
T^in anderes haufig genanntes T arbmillel 1 ur die Rollarbung isl dei
benzochinonlarbslolThaltige Sailor (7). Die resllichcn Vorschrillen beschreiben
Rollarbungen mil Pigmenlen, Krebsen, gerbslofllialligen Rinden, Aplelbaumlaub
und Kastanienbliilen als h'arbmillel.
Der in der Lileralur immer wieder als wichlige Ressource 1 ur Rolldne genannle
Krapp mil seinen Anthrachinonfarbsloffcn isl in den hier analysierlen Quellen le-
diglieh in vier Anleilungen als Larbmittel genannl. Zu vergleichbarcn lugebnissen
komml Wunderlich, der die Anwendung von Anlhraehinonlarblaeken in dei Male-
re i und Larberei untersuchlc. Naeh seinen Quellenrechcrchen wurde die zui Zeil
der Rdmer bedeulende Texlillarberei mil Krapp Jn huropu erst zu Bcginn der
Neuzeit wieder aitf<regri/fen“.,>* Die im Rahmen dieser Arbeil unlersuehlen Voi-
sehriflen sind in den Quellen IVI IV und В enlhalten, die am Imde des 15. Jahrhun-
derls bzw. in der crslen Halite des 16. Jahrhunderls enlslanden sind. In diese Pe-
riode zu Beginn der IViihen Neuzeil lallt die l orderung des Krappanbaus in den 751 752751 Vgl. Wunderlich, liergerholT: Ali/arin- imd Piiipiirin-l arhlacke, S. I IS5.
752 Vgl. Quelle IY1 IV, Ibl. 22Sv, Re/ept 464; Quelle B. Ibl. 61 v, Re/ept 254; Ibl. 62, Re/ept 255b
und ibl. 62v, Re/ept 256b.
214
Fcirheexpc'iчшсчКс nach historischen Anleitungcn
Niedcrlandcn durch Kaiser Karl V. Die hier er/icllen Frgebnisse unlermauern
Wunderlichs These.
Brasilholz
Brasilholz, Ahomlaub
Saflor
Krapp
Rinden
Mennige
Brasilholz, Zinnober
Brasilholz, Kupfer
Zinnober
Brasilholz, Safran
Mennige, Bleiweifi
Lacca
Brasilholz , Krebse
Saflor, Griinspan
Alkanna, Sandelholz
Brasilholz, Mohnbliiten, Vitriol
Ahorn-, Apfelbaumlaub, Kastanienbliiten
Rinden, Apfelbaumlaub, Kornblumen
Zinnober, Attichbeeren, Parisrot
Brasilholz, Zinnober, Griinspan, Schwarz
0 10 20 30 40
Anzahl der Nennungen in den Quellen
Abb. 42: Farbmittel fur Rotfarbungen
Fur die im Rahmen dieser Untersuehung durchgefuhrten Rotlarbungen wurden
Brasilholz, Krapp und Sailor ausgewahlt. Auikrdem wurde mil einer Miselumg aus
Brasilholz und Ahornlaub geiarbt.
6.3.1 Farbungen mil Brasilholz.
Naeh der Quellenlage wurde mil Brasilholz sowohl aus neulraler als aueh aus alka-
liseher Nolle geiarbt. "" Auikrdem ist iiir die Farbung das mchrmalige Auskoehen
des Ilolzes mit ansehlieiknder mehrsluilger Farbung besehrieben. Das Holz wurde
bis zu dreimal mil jeweils irischem Wasser gekoeht. Fur die Farbung wurde dann
zunaehsl die letzle, iarbstofiarmsle Flotle verwendet. Naeh dem Troeknen wurde in
der zweiten und naeh noehmaligem Troeknen in der erslen Farbflotte geiarbt.
Fur die Brasilholziarbungen (50 % Farbmittel) wurden die llolzspane fur einen Tag
in Wasser eingeweiehl, 4 Stunden gekoehl und anschlieiknd illtrierl (Variante la).
Dieser Vorgang wurde zweimal wiederholl (Variante lb, le). Auikrdem wurde * 754733 Fiir die alkalische lixtraktiou des Brasilhol/.es vgl. Quelle In, fol. S3v, Rezept 4; Quelle Л1,
S. 30<X, Re/ept 10a oder Quelle IF fol. 09. Re/ept 2(S0. l-'urdie wiissrige I ’xtraktioii vgl. Quelle
N II, fol. 29v 3 11\ Re/ept 54b; Quelle M V, fol. 23 I v, Re/ept 1234b und fol. 232v, Re/ept
1241b oder Quelle IF fol. 9Xv, Re/epte 279b.
754 Vgl. Quelle !VI III, fol. l<X3v. Re/ept 71b oder Quelle N II, fol. 29v 3 I r, Re/ept 54b I e.
Pdrhcexperinwntc nach historischcn Anleitungen
215
cine Parbeflolte (.lurch einmaliges Auskochcn dcs Holzes in Lauge hergeslelll (Va-
riantc 2). Gclarbl wurdc 60 Minuten bci 80 °C ohnc Beize, mil 10 % Alaundirekl-
beize (10 % AD) und 10 % Alaunvorbcizc (10 % AV). Dor pll-Wert dcr Farbun-
gcn lag bci den wiissrigen Flottcn im ncutralcn bzw. mil Alaunbcizc im sauren Be-
rcich. Bci dcr mil Lauge hcrgestclllcn Flollc wurdc alkalisch und durch Alaunzu-
salz schwach saucr gelarbt.
Die Farbungen mit neutral angesetzten Flottcn ohnc Beizbchandlung ergeben
hcllc Beige- bis mitllere Brauntone (vgl. Tafcl 50). Rottone sind nur durch cine
Alaunbcizc zu erzielen, wobci dcr Farblon bci dcr Vorbcizc im Vcrglcich zur Di-
rcklbcizc dcutlich liefer ist. Die alkalischc Farbcflottc haltc zwar vor dem Farben
cinen intensiveren Farblon, dicser ist aber auf alien Substralcn nach dcr Farbung
nichl mehr erkennbar. Die Farbtonc sind schr vicl schwiichcr und matter als die bci
eincr ncutralcn Vorbcrcilung dcr LarbcHottc crrcichlcn Lrgcbnissc. Dcutlichc
Farbuntcrschicdc sind zwischcn Wollc bzw. Scide und Baumwollc zu erkennen.
Wahrend die Prolcinfascrn liefe Farbtonc aufweisen, ist auf dcr Cellulosefaser mil
eincr Alaundircklbcizc lediglieh cin Rosaton zu crrcichcn. Auch die Gerbstollvor-
bchandlung dcr Baumwollc liihrl nicht zu cincm lcuchtcndcn tiefen Farbton.
Das mchrmaligc Auskochcn dcr llolzspanc und darauffolgcndcs mehrbadiges
farben mit Zwischcnlrocknung liihrt auf Wollc ohnc Beizbchandlung zu immer
lieferen Braunldncn, mil Alaunvorbcizc zu satlcn Rottonen.
6.3.2 Farbungen mil Krapp
Krapp ist in den bcarbcitclcn Quellen lediglieh in vicr Anlcitungcn aus dcr Iriihcn
Ncuzcil (Quelle IM IV, Ibl. 228v, Rezept 46 sowie Quelle B, lol. 91v, Rezept 254,
lol. 92, Rezept 255b und fol. 92 v, Rezept 256) liir die Rot larbung aufgeliihrl. Die
Vorschriften dcr Quelle В beschreiben jeweils cine zuvor durchzuliihrende
Vorbcizc mit Alaun und im Rezept 255b ist dcr Minweis aul das heihe, aber nichl
kochende Farben enlhallen.
f'lir die farbeflotle wurden 50 % gemahlcner Krapp liber Nachl in Wasser ein-
geweichl, am nachsten Morgen liir zehn Minuten gekocht und anschlieliend lil-
triert. (ielarbl wurdc 60 Minuten bci 80 bzw. 95 °C. Die farbungen erlolglen ohnc
Beize, mil Vor- (V) bzw. mit Direktbeize (D). Als Beizmillel wurdc 10 % Alaun
(A) bzw. 5 % Zinnsalz (Z) verwendet.
Krapplarbungen ohnc Beize ergeben mitllere Brauntone und durch die Direkt¬
beize mil Alaun werden Orangelone erziell (vgl. Tafcl 51). Rottone werden ledig¬
lieh bci eincr Vorbcizc mil Alaun erreichl. Die Vorbcizc mil Zinn liihrl zu Rol-
orangeloncn. Zusalzlich zcigl sich dcr dcutlichc Linlluss dcr Floltcnlempcratur.
Kochcndcs f arben liihrl zu brauneren f arbloncn.
216
I'arheexperinwnte nach historischen /Illicitungen
6.3.3 Larbungen mil Sailor
Fiir die Rolfarbung mil Sailor muss zunachsl das wasserldsliche Sallorgelb entfernl
und der role LarbstolT in einer alkalisehen Ldsung exlrahierl werden. Nach an-
schlieBendem Absauern kann gellirbl werden. Wird der gelbe LarbstolT nicht dureh
Waschen enlfernl, ziehl er bei der Larbung mil auf die l aser auf und beeinllussl
den Larblon. Nach der Quellenlage sollen Rotlarbungen mil Sailor sowohl mil un-
gewaschenem (vgl. Quelle IM V, Ibl. 197v, Re/.epl 1018b) als aueh mil gewasehe-
nem Sailor (vgl. Quelle N И, fol. 54v, Rezepl 98) durehgeliihrl werden.
Die Rollarbung mil Sailor (100 %) wurde mil ungewaschenem und mil gewa-
schenem Sailor durehgeliihrl. Der ungewasehene Sailor wurde cine Stunde mil
Lange (pi I 10) behandelt, anschlieBend mil Lssigsiiure auf pi I 4-5 eingestelll und
liber Naehl (18 Stunden) bei Raumlemperalur aufgefarbt. fur den gewasehenen
Sailor wurde zunachsl das Sallorgelb iiber zwei Tage ausgewasehen und dann wie
zuvor beschrieben weilerverfahren. (ielarbl wurde auf Wolle, Seide sowie Baum-
wolle ohne und mil Direklbeize (D), als Beizmillel dienlen jeweils 10 % Alaun (A)
bzw. Griinspan ((i)-
Die Larbung mil ungewaschenem Sailor aid'Wolle fiihrl zu einem hellen Oran-
gelon (vgl. l afel 51). Wird der Gelbfarbstoff zuvor dureh Waschen aus dem Larb-
millel enlfernl, resullierl auf Wolle ein orangeslichiger Rosalon. Die Alaundirekl-
beize fiihrl zu einem hellen Rosa, die (irimspandircklbeize vcrandcrl den I'arbton
zum Allrosa. Auf Baumwolle und Seide wird mil gewaschenem Sailor ein leuch-
lender Pinklon erreichl. Lin Teil der Larbellolle wurde ersl nach einer Woehe War-
lezeil auf diese Subslrale aulgelarbl. Bei diesen Proben isl ein deutlicher Verlusl an
Larbliefe auf (irund der Aliening der Nolle zu erkennen.
6.3.4 Larbungen mil Brasilholz und Ahornlaub
Ahornlaub isl fiber den gesamlen unlersuehlen Zeilraum in vcrschiedencn Anlei-
lungen als Slreckmillel liir die Rolfarbung mil Brasilholz aufgefiihrl.7^ fiir die
Larbungen wird doppell so viel Brasilholz wie Ahornlaub vcrwendel. Die Farbe-
llollen werden mil Lssig angeselzl, so dass die im Ahornlaub enlhaltenen
Anlhocyanfarbsloffe als rolgefirble Molekfile vorliegen.
Fiir die liier durchgeliihrlen Larbeversuche wurde das Brasilholz (50 %) wie
oben beschrieben (Varianle la) exlrahierl. Das Ahornlaub (25 %) wurde in saurer
Ldsung (5%ige Lssigsaure) fiinf Tage eingeweichl, anschlieBend cine Stunde ge-
koehl und fillriert. (ielarbt wurde mil 10 % Alaundireklbeize bei 80 °C’ fiir 60 Mi-
nulen mil der reinen Ahornlaubldsung und mil einer Mischung aus einem Teil
Ahornldsung und zwei Teilen Brasilholzldsung. Zum Vergleich wurde cine 75
%ige Larbung mil Brasilholz und 10 % Alaundirektbeize durehgeliihrl.
155 Vgl. ckis Re/cpl LI in tier iilteslen Quelle In (fol. IOlr) otler Re/ept X in tier friihneu/eitliehen
Quelle VVi (Ibl. 303v).
Fcirbeexperimente nach hislorischen Anleitimgen
217
Die Farbungen mit reinem Ahornlaub fiihrcn an Г Wollc zu einem Beigeton, an Г
Baumwolle /u einem rotstiehigen Beige (vgl. Tafcl 51). Wire! zusatzlich Brasilholz
verwendet, resulticrt an Г Wolle im Vergleieh zur reinen Brasilholzfarbung ein we-
niger leuchtender, aber dnnklerer, ins Braune versehobener Rotton. Die Ahornlaub-
Brasilholzfarbung an Г Baumwolle ist im Vergleieh zur reinen Brasilholzfarbung bei
annahernd gleieher Farbtiefe eher Rot und weniger Braun.
Die mit Brasilholz, Krapp, sowie Brasilholz/Ahornlaub erzielten Farblone unter-
seheiden sieh in ihren Reflektionswcrtcn deutlieh von der Rotlarbung mit Sallorrot
(Abb. 43). Fan leuehtcndcs Rot ist mit Krapp erreiehbar, das mit Brasilholz erziellc
Rot ist dunkler und enthalt im Vergleieh zur Krapplarbung blaustiehig. Die Brasil¬
holz - A h о rn 1 nbHirbnng zeigt ein vergleiehbares Reflcktionsvcrhalten, wobei sieh
der Braunstieh der Probe im flacheren Verlaul'der Reflektionskurve zeigt. Deutlieh
abweiehend ist der mit Sallorrot zu erzielende Farbton. Das ausgepragte Maximum
im blauen Bercieh des Spektrums und der hohe Anteil der Reflektion im gelben bis
roten Bereieh liihrcn zu einer leuehtenden, brillanten I'arbe. Im Vergleieh zur
Sallorlarbung wirken die anderen Farbungen matt, was sieh auch im Verlaui der
Rellektionskurven widerspiegclt.
6.4 Gclbfarbungcn
58 Rezepte besehreiben (ielblarbungen nach dem Ausziehverlahren. Die ITir diese
F’arbungen aufgeluhrten I'arbmittel spiegcln das breite Angebot an gelblarbenden
Naturlarbstoffen und Pigmenlen wider. lane herausragende Stellung hat hier der
218
I'arbecxfHTimentc nach hislorischcn An/cilun^cn
SalVan, tier in elf Anleitungcn aufgcliihrl ist. Safran isl in tier einschlagigcn Litcra-
tur fur die Tcxtilfarbung belegl, die llaufigkeit tier Nennung dieses extrem teuren
I’arbrnittels in Textillarbere/eplen liberrasehl aber doeh. Sieben Rezeptc nennen
gel be Blumen sovvie (iilbkraul, seehs liihren Berberitze und vier weiterc Anleitun-
gen Auripigment 1'iir die (ielblarbung auf. Zusatzlieh wertlen farberginster, Cielb-
holz, larberseharle, Sehollkraut, Sallorgelb und tier Lebensmittelfarbstoff Ribofla¬
vin aus Molke verwendet (Abb. 44).
Safran
gelbe Blumen, Gilbkraut
Berberitze
Auripigment
Schollkraut
Apfelbaumrinde
Farberginster
Safran, Auripigment
Safran, Brasilholz
Gelbholz, Krapp
gelbe Blumen, Safran
Gilbkraut, Kupfer
Saflor
unr. Kreuzdornbeeren
unr. Attichbeeren
Farberscharte
Ligusterbeeren
Apfelbaumrinde, Safran
Ligusterrinde, Saflor
Safran, Moosblumen
Safran, Bleigelb
Schollkraut, Brasilholz
gelbe Blumen, Saflor
Molke, Eisen
Auripigment, gelbe Blumen
Auripigment, Berberitze, Brasilholz
0 2 4 6 8 10
Anzahl der Nennungen in den Quellen
12
Abb. 44: l nrhmittcl liir (icIbfirbuiiL’cn
Die exnkte Idenlillkalion der in den Quellen I'iir die Cielbfarbung aulgeluhrlen
Hlan/en gestallel sicli scliwierig, da sowolil l arberwau als aucli l arberginster,
l arberscharte und weilere IMlanzen als „(iilbkraul" odor „Gilbblumc" bezeichnel
wurden.7"'’ Die in den Anleilungen verwendelen BegrilTe crlauben daher keine
Riieksehliisse auf die im Speziellen verwendele PHanzenart. I'iiiberwau, -ginsler
und -seharte enthallen als Ilauptlarbsloll das Luteolin (vgl. Кар. 5.5.1), so dass
slellverlretend der l arberwau I'iir die ini Ralnnen dieser Arbeit durehgelTihrlcn I ar-
bungen ausgevvahll wurde. Zusatzlieh wurden l arbungen mil unreifen Kreuzdorn¬
beeren. Sallorgelb und SalVan durchgeluhrt. 756756 Vgl. SiuierlmlT: I’llaii/eniKimen. S. I l I. I 14 I 15.
I'cirbecxperimentc nach historischen Anleitimgen
219
6.4.1 Farbungcn mil Farberwau
l;iir die nachgeslelltcn Farbungcn wurden 25 bzw. 50 % Waupulvcr^7 mil wenig
Wasscr angcleigl und anschlieBend mil weilerem Wasscr bis zum FV 1:35 aufgc-
fuHi. Da das Aufziehen dcs FarbslolTes in einem basischen Milieu verbesserl wird,
wurde ein Teil der Farbungcn mil einer alkalisehen Flolte (pi I 9) durchgeliihrt. Ge¬
larbt wurde 60 Minuten bei 80 °C mit variierlem Beizmilleleinsalz (ohne Bcizmit-
lel, 10 % Alaundirekl- (AD) und 10 % Alaunvorbcize (AV)). Baumwollproben
wurden zusatzlich mil Gerbsloff und Alaun vorbehandell.
Die Farbungcn auf Wollc ohne Beize zeigen malle Beigelone (vgl. Tafcl 52).
Fine Alaundireklbeize, aber insbesondere die Vorbcizc, haben tide Gelbtdne zur
Folgc. Die Frhohung des pl l-Werles liihrl zu einer Farbverlicfung, wobei ein dcul-
lieher Untersehied zwisehen der Vorbcizc und der Dircktbcizc zu erkennen ist. Das
Heraufsetzen der cingcsctzten Farbmittelmcngc liihrl ebenfalls zu einer Vcrticfung
des Gelblones, allcrdings enthalten die Restllolten noeh sehr viel niehl aulgezoge-
nen Farbsloff. Baumwolle zeigl ohne Beize nur ein ,,Anschmulzeif\ mit Alaundi¬
reklbeize einen schwaehen hellen Ciclbton. Wird auf mil Gerbsloff und Alaun vor-
bchandcllcr Baumwolle gelarbt, wird die Farbstoffaufnahme deutlich erhoht. Al-
lerdings ist der crziclbarc Farblon weniger rein, da sieh die Figenfarbe des Gerb-
stoffes bemerkbar maehl.
6.4.2 Farbungcn mit unreifen Kreuzdornbeeren
Fiir die F’arbeversuehe wurden getroeknete, unreife Kreuzdornbeeren fiir vier 3'age
in Wasscr eingeweiehl, cine Stunde gekocht und anschlieBend filtrierl. Gelarbt
wurde mit 100 % Farbmittcl auf Wolle und Baumwolle Hir 60 Minuten bei 80 °C
mit variierlem Beizmitteleinsatz (ohne Beizmiltel, 10 % Alaundirekl- (AD) und
10 % Alaunvorbcize (AV)).
Rcine, tiefe Gelbtdne wurden bei der Farbung mil unreifen Kreuzdornbeeren
niehl erreieht (vgl. Tafel 52). Die (jelblarbungen ohne Bcizmiltclzusatz liihren an I
Wolle und Baumwolle zu Beigetonen. Bei der Direktbeize mit Alaun resultierl aul
Wolle ein orangestichiger (ielbton, der durch eine Vorbcizc noeh sailer wird. Die
Alaundireklbeize liihrl auf Baumwolle zu einem hellen, aber matten Gclblon.
6.4.3 Farbungcn mil Sallorgelb
h'iir die Saflorgelblarbungen wurden 100 % ungcwaschencr Sailor liber Naeht in
einer dellnierten Menge Wasscr eingeweiehl und am nachslen d ag filtrierl. Dieser
Vorgang wurde zweimal wiederholt. Mil dem I'illrat wurde aul'Wolle, Seide und
Baumwolle fiir 60 Minuten bei 80 °C mil variierlem Beizmilleleinsalz (ohne Beiz-
mittcl, 10 % Alaundirekl- (AD) und 10 % Alaunvorbcize (AV)) gelarbt. 757757 I.uteolingcliiill cn. l(),,/n
220
Ir(iii)cc.\j)crifncn(c nach historischcn An/ci/un^cn
Saflorgelblarbungen anf Wolle und Scidc /eigen schon ohne Beize tielere Tone
als vergleiehbare Farbungen mil Wau und unreilen Kreu/dornbeeren. Allerdings
werden keine reinen (iclb-, sondern malle Beigeorangelone erreiehl. Die Direktbei-
ze mit Alaun liihrt zu einer dcullich verminderten l arbtiele und die Vorbeize zeigl
einen geringliigig helleren Iarbton als die larbung ohne Beize. Diese Trgebnisse
zeigen, dass fin* Farbungen mil Sallorgelb auf Proleinlasern kein Alaun erforderlieh
ist, der Farbsloff ziehl direkt auf die l aser auf. Baumwolle weist ohne Beize einen
Beigeton und mil Beize einen ins (ielbe versehobenen Beigelon auf. Ilier liihrt die
Beize zu einer Veranderung der I'arbe (vgl. Tafel 52).
6.4.4 Farbungen mil Safran
Der IlauptfarbslolTdes Salrans, das (Yoeelin, gehdrl zu den Direktfarbsloffen, d.h.
er ziehl ohne weilere Ilillsmiltel aus der wassrigen Farbeflotte aufdas Subslral auf.
Fur die Farbung wurde 1 g ( 5 %) gemahlener Safran in Wasser gelosl. (ielarbt
wurde auf Wolle fur 60 Minulen bei SO °C ohne Beize und mil einer 10 %igen
Alaun vorbeize.
Auf (mind der geringen Farbmittelmenge isl das Resullal bei der Farbung mil
Safran auf Wolle ein heller (ielbton. Die Farbung auf mil Alaun vorgebeizlcr Wol¬
le fiihrl zu einer leiehten Orangelarbung. Da es sieh beim C’roeelin um einen Di-
reklfarbsloff handelt, kann durch die Beize keine Farbverliefung erreiehl werden
(vgl. Tafel 52).
Der Vergleich der Relleklionskurven fur die durchgeltihrlen (ielblarbungen (Abb.
45) zeigl den Finlluss der Beize bei der Farbung mil Wau und unreilen Kreuzdorn-
beeren. Bei beiden f’arbmilleln weisen die Farbungen mil Beize gegeniiber den
Farbungen ohne Beize deullieh veranderle Refleklionswerte auf, wobei die Rellek-
lion der Waularbung lediglieh im blauen Bereieh des Speklrums abnimml, wahrend
die der Kreuzdornbeerenlarbung zusalzlieh aueh einen geringeren Rolanleil auf-
weisl.
Insgesamt liegl die Relleklion der Waularbung im griinen, gelben und orange-
larbenen Bereieh des Speklrums fiber der der Kreuzdornbeerlarbung, was zu einem
reineren und weniger mien (ielb fiihrl. Bei der Farbung mil Sallorgelb isl der Fin-
lluss der Beize minimal, der Farblon isl mit dem der Kreuzdornbeerenlarbung ohne
Beize vergleiehbar. Die Relleklionskurve der mil Safran gelarblen Probe liegl deul¬
lieh liber den Kurven der anderen Proben, die I'arbung isl heller. Der Gelblon isl
mit dem der mit I'arberwau und Alaun behandellen Probe vergleiehbar. Allerdings
ist der Anted der rellektierlen Strahlung im blauen Bereieh des Speklrums grober,
was da/.u liihrt, dass das mit Safran erzielle (ielb griinsliehiger ist als der mit Far-
berwau erreielite (ielbton.
Die dureh nachgeslellle (ielblarbungen erziellen Farbtone liihren lediglieh bei
Wau und Safran zu einem reinen (ielb. Farbungen mil unreilen Kreuzdornbeeren
Fcirbccxpcrimcntc nach historischcn Anleitnnpen
221
und Saflorgelb sincl rotslichig. Dieses Hrgebnis begriindet den groBcn Anted der
farbungen mil SaiVan fur den Farblon Gelb.
Wellenlange X [nm]
Abb. 45: RcHckl ionskurvcn I'in* ciusgewlihlte (ielblarbungcn
6.5 Griinfarbungen
(iriin ist die vorherrschcndc Farbc in der Natur, natiirliehe Farbmiltel mil denen
leuchtende und echte (iriinfarbungen aul'Textilien er/ielt werden konnen, sind je-
doeh ausgesprochen selten. So haben /.B. I arbungen, die aul Protein- oder
Celluloscfasern mil dem griinen РПап/enfarbslolT Chlorophyll durchgeltihrl wer¬
den, keine ausreichendc Farblicfc und sind weder waseh- noch lichlecht. Daher
nutzlen f'arber bereils im Mittelaller auBer den aus der Malerei bckannlen Pigmcn-
ten und Salllarben Kombinalionen aus blauen und gelben Naluriarbstollen liir die
(iriinfarbung. 66 Quellenrezeple beschreibcn die Griinlarbung nach dem Auszieh-
verfahren (Abb. 46).
Deutlieh liberwicgen nach der Qucllenlage die farbungen mil Saltgrim und
(iriinspan. In der Literatur wird das Uberlarben eines (ielbtones mil blaucr Indigo-
llotte bzw. das Uberlarben eines hellen Blautones mil cincr (ielbIiirbeПotte als
wiehligste Art der (iriinfarbung besehrieben. In den hier bcarbcilclcn Quellen sind
aeht Anleitungen mil dieser Variante enthalten.
f'iir die im Rahmen dieser Untersuchung durchgeliihrlcn farbungen wurden
(iriinspan, Saitgriin aus Kreuzdornbeeren und Mehrbadfarbungen mil Waidindigo
und I'arberwau ausgewahlt.
222
Farbccxpcrinicnte nach historischen Anleitnngen
Grunspan, Saftgrun
Kreuzdornbeeren
Griinspan
Kombination: Gelb, Blau
Kreuzdornbeeren, Griinspan
Saftgrun
Griinspan, Safran
Griinspan, Auripigment
Kombination: Grim, Blau
Kreuzdornbeeren, Griinspan, Saftgriin
unr. Heidelbeeren
unr.? Holunderbeeren
Kreuzdornbeeren, Safran
unr. ? Heidelbeeren, Griinspan
Griinspan, Bleigelb, Safran
0 5 10 15
Anzahl der Nennungen in den Quellen
Abb. 46: l arbmillel liir (iriinnirbimgen
6.5.1 Farbungen mil (iriinspan
(iriinspan isl cin synthctisch gcwonnenes Pigment. Pine Farbcanlcitung der Quelle
М I (fol. 67v, Re/ept 59) bcschreibt die (iriinspangewinnung vor der Farbung.
Weitere Vorschriltcn schildern lediglieh die Farbung mil dem bereits vorhandenen
Pigment und enthallen keine Inlbrmationen beziiglich dessen I lerslellung. Die Far-
bungen erlblgen vorrangig saner mil einer Alaundirektbcize.7^
Die im Rahmen dieser Untersuehung durchgcluhrtcn (iriinspanlarbungen wur-
den mil dem nach historischen Rezepten hergcstcllten (iriinspanpigment der I'irma
Kremer durehgel'iihrt. IO bzvv. 20 % Pigment wurden in Wasser gclost und an-
sehliebend 60 Minulen bei 80 °C auf Wolle, Seide und Baumwollc bei eincm durch
die Hydrolyse des (iriinspans sauren pll-Wert gelarbt. Weiteren Farbungen wurde
fin* die Direktbei/.e IO % Alaun (AD) zugegeben und zusatzlieh wurden Farbungen
bei alkalischem pll-Wert durchgeluhit.
Farbungen mil (iriinspan auf Wolle ergeben einen eher stumplen (iriinton. Auf
Seide vverden bei vergleiehbaren Farbungen sehr viel hellerc 7'bne erzielt. Bei der
Farbung in alkaliseher Notte resultiert ein braunstiehiges (iriin bzw. cin Braun.
Baumwollc zeigt bei schwach saurcr Farbung einen sehr geringen Griinsehimmer,
bei alkaliseher Farbung einen wolkigen, schmutzigen Braunton. Die Alaundirekt-
beize liihrt bei saurer Farbung aurCirund von Konkurrenzreaktion zu einer redu-
zierten F’arbtiele. Wurde dagegen der alkalisehen Farbellotte Alaun zugesetzt, zeig-
te das Farbeergebnis (iriinlbne, da der pll-Wert der Farbellotte durch den Alaunzu-
satz. in den neutralcn Bereich verschobcn wurde (vgl. Talel 53).
75S Vgl. Quelle II II, Ibl. 67v 68, Re/epl 24; Quelle II IV, fol. 52 52v, Re/ept I00; lol. I0()v
191 \. Re/ept 32 I, Ibl. 258. Re/ept 406; Quelle Wi, fol. 305 v, Re/ept 16.
Pcirbeexperimc/Ue nach historischen Anleidm^cn
223
6.5.2 Fiirbungcn mil reifcn Krcuzdornbccrcn (Saflgriin)
Die Flottenaufbcreitung fur die Griinlarbung mit Kreuzdornbeercn wird in den
Quellen sehr unlerschiedlich beschrieben. Wiihrend cinige Rezcpte lediglich das
Binweichcn der Beeren iiber mehrere Tage (2 7 Tage) in Wasser oder Fssig mil
anschliebender Fiirbung beschreiben, schildern andere Anleilungen das Auskochen
der Beeren und die zusalzliche Verwendung von Alaun, Alkali und/oder Griin-
span.
Wie Vorversuche zeigten, luhrl ein hciBcr Bcerenauszug zu Gclbtoncn. Daher
wurde liir die im Rahmen dieser Arbeil durchgcfiihrlen Griinfarbungen mil reifcn
Kreuzdorn-bceren ein saurcr, kaller Auszug von 100 % Farbmillel hcrgcstclll, der
ohne und mil Dircklbcize (D) gefarbl wurde. Als Beizmillel wurden 10 bzw. 20 %
Alaun (A) und/oder Griinspan (G) verwendel. Fiir cine weilere Farbellolle wurde
ein kaller, wassriger Bcerenauszug vor der Fiirbung mil 10 % Alaun und 10 %
Potlasche (Kaliumcarbonat) gemischl und uni die Halite eingekochl, wie es in der
Literatur z.B. bci Kiihn oder Kriinilz beschrieben isl.76() Diese Nolle wurde eben-
lalls ohne und mil Dircklbcize (D) durch Alaun (A) und Griinspan (G) aufgelarbt.
A He Farbungen erlblglen 1 ur 60 Minulcn bci SO °C auf Wolle.
Die Fiirbung mil dem sauren Bcerenauszug ergibl ohne Beize auf Wolle einen
Beigelon. Bei Alaundireklbeize werden griinstichigc Gelblone (Senfgelb) erziell,
wahrend die (iriinspanbeize zu dunklen Olivldnen luhrl (vgl. Talc I 54). Durch
glcichzciligc Anwendung beider Beizmitlel resultiercn griinsliehigere Olivldne.
Der wiissrige, mil Alaun und Alkali eingekochle Bcerenauszug ITihrt ohne und mil
Alaun lediglich zu Gclbtoncn. lirsl bei zusiilzlichcr Anwendung einer Griinspan-
bcizc ergeben sich malic (iriinlone. Vermullich hal bei diesen Farbungen, iihnlich
wie im Fall der Blaularbungcn mil Beeren, der verwendele F’lollenbehalter liinlluss
auf den Farblon. Isl der Xusalz des kupferhalligen (jriinspans in der Fiirbeanlcilung
nichl erwiihnl, muss fur die Fiirbung ein Kupferkcsscl verwendel werden.
6.5.3 Kombinalionslarbung mit Waid und Fiirberwau
In den bearbeiteten Quellen sind verschiedene Anleitung liir die (iriinlarbung mil
Waid bzw. Indigo und cincm Gclbfarbmittel aufgeluhrt. Finige Vorschrillen be¬
schreiben die cinbadige Fiirbung, andere die zweibadige Verlahrensweise./bl Die
einbadige Variantc erfordert sehr viel Frfahrung mit dieser Fiirbcwcise, da die De¬
le des Griintones sehon bei der Vorbereitung der farbellotte bcstimml wird. Au-
75V Vgl. liir this Kinweichen der Beeren mil Ahum Quelle Bus, lol. 5Vr, Ke/epl 154: liir alkalisehe
Floiien mit Almm/usiit/ Quelle В, 1Ы. I()7\, Re/ept 312 und Quelle Wi, Ibl. 305, Re/ept 14:
fiir einen (iriinspan/usat/ Quelle Ли, Ibl. I6r, Re/ept 22 oder Quelle N II, Ibl. 54r, Re/epl %.
700 Vgl. Kiihn: I'arhmaterialien. in: Kiihn et al.: llandhueh der kiinstlerischen Techniken, S. 34;
vgl. Kriinit/: Oekonomisehe Fn/.yklopiidie, 1 11. 4V, S. 103 105.
701 Finbadig: vgl. Quelle M IV, Ibl 227r, Re/ept 20. Zweibadig: vgl. Quelle W, Ibl 33r, Re/ept 0a
224
i'arhccxpcrinwntc nach historischcn Anlcitungcn
Bcrdcm muss die Itir das Ciclb vcrwcndelc Farbepllanze im alkalischen Bereich dcr
Kiipe ausrcichcnd stabil scin.
Die zweibadige Farbung kann aid'zwei unterschicdlichc Alien erfolgen. lintwe-
der vvird erst mit einer blaucn Flolte gelarbl, die dann mil der gelben Losung iiber-
larbt wild oder zuvor (ielb gelarbte Proben werden mit einem blauen Farbmillcl
naehbehandell. Beide Varianten sind in den Quellen beschrieben.70" Wird fur die
Blaufarbung eine Waid- oder Indigoktipe verwcndel, ist das nachtraglichc Uberfar-
ben des Blautones mit einem (ielblarbmittel die einfaehere Parbeweise. In der
Gclblarbeflottc bleibl die blaue Farbc des wasserunldslichen Indigos erhalten und
verandert sieh durch das Aul'zichen des GelbfarbstolTes zu Grim. Der Parbton ist
fiir den barber bereits in der Nolle erkennbar, wobei durch Spiilcn und Trocknen
der Ware noch eine geringe Aidhcllung erfolgl. Soil dagegen eine Gelblarbung mil
einer Indigoktipe iiberlarbl werden, ist zu beriicksichtigen, dass Indigo in seiner
wasserloslichen, I'aseral'finen Form ebenfalls gelb gelarbl ist. Ian erzielter Griinton
kann erst nach der Oxidation des Farbstol'I'es beurteilt werden. Unlcr Umstanden
muss die Uberlarbung mehrmals wiederholt werden, wobei durch das I lerausneh-
mcn und Wiedereingehen mit der Ware aueh Sauerstoff in die Kiipe gelangt. Dabei
enlstehender wasserunldslicher Indigo kann sieh auf der Ware ablagern und
Unegalitatcn und fdecken verursaehen.
Fiir die Griinlarbung mit Waid und Wau im Rahmen dieser Untersuchung wur-
den die zunachst mil Waid blaugefarbten Proben mil einer Farbefloltc aus 25 %
Waupulver bei einem pll-Wert von 9 mil 10 % Alaundirektbeize 30 Minulcn bei
SO ,JC iiberlarbl.
Je nach 1'iele der zuvor durchgellihrten Blaufarbung werden belle, eher gclb-
stichige oder dunkle, eher blaustichigc (iriintone erreieht (vgl. Та lei 55). Soil auf
Wolle ein belles Griin erzielt werden, dark zuvor nur kurz mit Indigo gelarbl wer¬
den, da das Substrat den BlaularbsloH'sehr viel sehneller aufnimml als Baumwollc.
Die Frgebnisse zeigen, dass die in der Litcratur haullg besehriebenen blausliehigen
(iriintone auf historischen Texlilicn nicht zwangslaullg mit der sehlechleren Licht-
eehtheil des (ielbfarbmitlels zusammenhangen miissen. Zum einen ist die Fchlheil
des (ielbs vom vcrwcndclen I'arbmillel abhiingig, beim Beispiel Wau ist diese nur
geringltigig sehleehler als bei Waid- bzw. IndigoPirbungen, zum anderen kann der
(iriinlon von An fang an blaustichig gewesen sein.
Die Relleklionskurven der Griinlarbungcn mil Griinspan und Kreuzdornbeeren
zeigen einen gleichlormigen Verlaul', was aid'die eher matten (iriintone hinweisl
(Abb. 47). Die Farbungen mil Waid und Wau haben sowohl aid'Wolle als aueh aid'
Baumwolle ein Maximum bei ca. 500 nm im blau-cyanl'arbenen Bereich des Spckl-
rums und ein Minimum bei 660 nm im mien Bereich. Beide Farbungen sind leueh-
tender als die anderen (iriintone. 762762 Vgl. (ielb aul'Hkm in Duello 15, Ibl. SS, Re/cp! 246; vgl. Bkm mil'(ielb in Quelle iVI II, Ibl.
I \ ()w Re/ept И).
Farhtajeln
225
Farbe-
temperatur
Flotten-
verhaltnis
Flotten-
vorbereitung
Laugennach-
behandlung
Krapp
80 *C 95 *C
AE
3.6
7.7
3.6
Lauge - Lauge +
Seide
Tnlcl 46: l-inllussfakloren aulTarbmn und I'arbnbslaiul AF am
Beispicl von Brasilhol/- unci Knipplarbungcn aul Wollc 763763 Slaiularcllarbimg: 50 %ige I’arbimg anf Wollo, I V 1:35. 60 min. bei SO T , 10 "n Alaunbci-
zc. Holtcnvorbcrcilung: l arbung mil llol/.spanen in dor Nolle (direkl) odor l arbung mil /u-
vor hergestelllem Absud. Nachbehandlung mil I lol/aschcnlauge (p! 1-Werl ca. 10), 30 min.
bci Raiimlcmpcralur.
226
Favbtafeln
Farbmittel [%]
100
100
100
500
Heidelbeeren 500
1000
1000
1000
1000
100
500
Holunder-
beeren
500
500
Farbe-
temperatur
80 *C
80 *C
RT
80 *C
RT
80 *C
RT
80 *C
RT
80
80 *C
80 *C
RT
Talc I 47: Blau- und ViolelUarbimgen mil llcidcl- und I lolimderbeeren
auf Wolle (Wo) und Baumvvollc (Co)704
764 Standardlarbuny: I'V - l:35, 60 min. bci x 'T\ l() % Alaun- bxw. Kuplersullat- odor Griin-
spandircktbci/c b/w. ohnc Bci/c.
Farhlafeln
221
Г a I cl 48: Blau- unci Violelllarbungen mil Korn- unci Mohnbliilen an I Wollc (Wo) uiul Bauimvolle
(Co). Violetllarbungen mil Beeren auf Seide (Sc)
Flotte
Farbe-pH
Farbetemperatur
Farbedauer
Baumwolle
Wolle
Waidkupe
12,5 bzw. 9,5
50 <C
30 min 2 x 30 min
Waid +
Waid, Ol
Waid, Ol
Beeren
+ Saure
+ Lauge
4,5
4,5
10
80 <C
60 min
Waid + Ol
6
RT
aufstreichen
Talc I 40: Blaularbungen mil Waid au Г Wollc (Wo) unci Baumwolle (Co) 765765 Slaiulardlarbunj»: IV l:35, 60 min. bci 80 "С. K)"» Alaun- odor (iriinspandircktbci/e b/w.
ohnc Bei/e.
228
FarhtaJeln
Flotte Substrat
a Wo
b Wo
Wo
c+b
c+b+a
Wo
Wo
Se
a Co
a CoG
ohne
Flottenvorbereitung
neutral alkalisch
Beize
10%
AD
10 % AV ohne 10% AD 10 % AV
\Ш
del 50: Kotlarhungcn mil Brasilhol/. auf Wollc (Wo), Scidc (Sc), unbehandelter Baumwolle
(C o) unci mil (ierbslolTvorgebeizlcr Bauimvolle (C’o(i)766
766 I'loUenvorberciUing: wiissrige b/w. alkalischc Losung (ca. pi I I0), 60 min. bci 80 a ^ I.
Aus/ug. b 2. Aus/ug, c 3. Aus/ug. Stanclarcllarbung: 50 % Brasilholz, I’V I:35, 60 min.
bci 80 I() (,o Alainulirckt- odcr -vorbei/e b/w. ohne Bci/e.
Farbtafeln
229
Farbmittel Substrat
50 % Krapp Wo
100 % Saflor,
gew.
Co
Se
Wo
ohne
Beize
10% AD 10 % AV 10%ZV
ohne
frisch alt
10% AD 10 % AV 10 % GD
100 % Saflor,
ungew.
Ahornlaub +
Brasilholz,
10 % AD
Wo
Wo
25 % + 0 %
Co
25 % + 50% 0 % + 75 %
Га lei 51: Rotlarbungen mil ausgewahllen r'arbmilleln und imiersehiedliehen Beizmilleln 767767 Standardlarbimg Krapp und Ahornlaub/Brasilhol/.: FV l :35, 60 min. bei КО 'ЧЛ I0 "u
Alaundirekt- odor -vorbei/.e b/.w. ohne Bei/e. Slandardlarbung Sailor: 1'V 1:35, 60 min. bei
Raumtemperatur mil frischem b/.w. sieben Tage allem Aus/ug, 10 % 1 )ircklbei/.c b/w. ohne
Bei/.e.
230
I‘'ar/)(a/cln
Farbmittel
Substrat
ohne
Beize
10 % AD 10 % AV
25 % Wau, pH 6
Wo
-
25 % Wau, pH 9
Wo
-
Wo
_
50 % Wau, pH 9
Co
j
Wo
100 % Kreuzdorn-
beeren
Co
-
Wo
-
100 % Saflorgelb
Se
-
Co
-
5 % Safran
Wo
-
'liil'cl 52: (ielblarbimgen mil aiisgewahllen 1'arbmitlcln uiul imtcrschicdlichcn Bei/milleln7',S
76S Staiuhntlliiibung: IV 1:35, 60 min. bei SO X', 10 Alaundirckl- odor -vorbei/.c b/w. ohnc
Bci/c. Baimmolle /usat/lich mil (icibstolT Alaim-Bei/e.
h'arbtafcln
231
Substrat
Farbe-pH
10 % Griinspan
20 % Griinspan
20 % Griinspan
10 % AD
Wolle
5,6 9
Seide Baumwolle
5,6 9 5,6 9
/J
ТмГсI 53: Cnfmspan larbimg
an Г Wolle, Seide inul Baumwolle
w
Auszug
ohne 10% AD
sauer
»
wassrig
+ Alaun
+ Alkali
20 % AD
Та lei 54: larhungen mil re i len Kreu/dornbeeren (100 %) an I Wolle
770
Substrat
Dauer der Waidfarbung
1 x 30 min 2 x 30 min 3 x 30 min
Baumwolle
Wolle
'Гаlei 55: Mehrbadige (iriinlarbung mil Waid inul r'arberwau 769 770 77177 I
769 Standard larbung: I'V l:35, 60 min. bei (SO 4’. I0 % Maimdirekt- b/w. ohne Bei/e.
770 Saurer, kalter Beerenaus/.iig oder Saltgriin (wiissriger, kaher Beerenaiis/ug mil Alaun und
Alkali). Standard larbimg: I'V l:35, 60 min. bei SO l() Alaun- imd'oder(iriinspandi-
rektbei/e.
771 Waidlarbung an Г mil 50 % Wan und l() % Alaunvorbei/e (Wo) oder I0 "» Alaundirektbei/e
(Co) gelarbter Ware. Standardlarbung: I 'V 1:35. 30 min. bei 50 "C.
232
i'arhtafeln
Farbmittel Substrat
Beize
10% FeD 10 % FeV 10 % FeN 10 % CuD 1c°uq
Wo
100 % Gallapfel
Co
H||
■ Я
100 % Eichen- Wq
rinde
i
100%Erlen- Wq
rinde
■
I al'cl 56: Selmar/- und (iraularbungen mil imtcrschicdliclicn
gerbsloriliefernden Subslan/en und Bei/milleln77“
Farbmittel
100 %
Substrat
FeD 10%
Wolle
Erlenrinde
400 % 100% 400 %
Baumwolle
40% 10% 40%
Farbezeit:
1 x 60 min
2 x 60 min
3 x 60 min
4 x 60 min
1 x 240 min
I al'cl 57: Sdnvar/- und (iraularbungen mil lalenrinde Variation tier
Kon/entrationen und tier I arbe/eit77' 772 773772 Standardlarbung: IV l:35, 60 min. bei SO 'V. I0 Vor-, Direkl-otler Naehbei/.e.
773 Slantlardliirbimg: I V l:35. 60 min. bei SO X', I0% I)irektbei/e.
h'urhta/cln
233
Farbmittel
50 % Walnuss-
schale
Substrat
Wo
ohne
Co
Beize
10% AV 10% AD
10% FeD
100% Wal-
nussschale
50 % Krapp
Farbabstand
50%
Brasilholz
ДЕ = 3.9
ohne
10% AD
AE = 6.4
10% GD
AE = 5.3
20% GD
20% GD,
10% AD
Co
ohne Beize, Flotte:
a
c
c+b c+b+a
'I'mI'd 5<X: Braimlarbungen mil ausgewahlten l arhmittcln
an Г Wollc (Wo) unci Bauimvolle (C 'o)771
Mafistab
Note
Farbstoff
Belichtungszeit
8
hervorragend
C.l. Sol.Vat.Blue 8
1000
7
vorzOglich
C.l. Sol.Vat.Blue 5
600
6
sehr gut
C.l. Acid Blue 23
250
5
gut
C.l. Acid Blue 47
150
4
ziemlich gut
C.l. Acid Blue 121
100
3
maftig
C.l. Acid Blue 83
30-40
2
gering
C.l. Acid Blue 109
8-12
1
sehr gering, schlecht
C.l. Acid Blue 104
2-4
Tdcl 59: Lichleehtheilsmal.lstab: Nolen, larbslol'le unci mogliehe Beliebtungs/eil; 774 775774 SiaiulanHarbimg: IV 1:35, 60 min. hei SO "C, 10 "» Vor-. Direkl- oiler Naelihei/e.
775 Vgl. Reumann: Prurverfahren, S. 591; Zahlenwerte 1 ur die moglielie Belidilungs/eil nacli
Rouelle: l.n/.yklopadie Texlilvereillung, Ikl. 3. S. 44X; l olo: Simekmeier.
234
Farhlajcln
Farbmittel Substrat
Beize
ohne Note 10% GD Note 10% AV Note
Wau/ Waid 1x30min
zweibadig
50 % Krapp Co
100 % Eichenrinde Wo
10% FeN 10% CuV 10%CrV
8
10 %FeD 10% FeN 10%FeV
lafel 60: I.ichtcchlhciten ansjjcwiihltcr Ulan-. Violetl-, (iri'm-
Sclnvar/-. (irau- uiul Uraimlarbuimen77^ 776776 StMiiclarclliirbiniL?: I V 1:55, 60 min. bei SO X'. 10 “n Vor-, Direkt- oder Naehbei/e. Waid-
larbung aid'mil 50 % Wan und 10 °<. Maimvorbei/e (Wo) odor 10 % Alaimdireklbeize (Co)
gefarbter Ware. Slandardlaibinm: I V 1:35. 50 min. bei 50 "C.
h'arhtajehi
235
Farbmittel Substrat
Beize
ohne Note 10 % AD Note 10 % AV Note
50 % Brasilholz, a Wo
FFT
50 % Brasilholz, a Co
4 4
50 % Brasilholz, a CoG
■ 5 jjj^l 5
50 % Brasilholz, ...
c+b+a Wo
5
50 % Krapp Wo
l^l 6 7
Brasilholz, Ahorn-
laub Wo
6
100 % Saflor, ungew. Wo
3
100 % Saflor, gew. Co
1
50 % Farberwau Wo
7 7
100%unreife
Kreuzdornbeeren °
6 3 ’-3 ’ 4
100 % Saflor Wo
3 3 3
100 % Saflor Se
1 1
7 7 7
Talel 61: Lichtechtheiten ausgcwahlter Rot- imd (ielblarbungen
777 Slandardlarbimg: I'V l:35. 60 min. bci 80 I0 % Voi- imd I)ircktbci/o b/u. olinc Hci/c.
SafloiTotlarbung bci Raumtemperatur.
236
h'arhlajcln
Farbmittel
1000 % Heidel-
beeren
1000 % Heidel-
beeren
500 % Holunder-
beeren
500 % Holunder-
beeren
100 % Korn-
blumen
100 % reife Kreuz-
dornbeeren, Alaun,
wassrig, Alkali
100 % reife
Kreuzdornbeeren,
sauer
20 % G run span
50 % Walnuss-
schale
50 % Krapp
50 % Krapp
50 % Krapp
hil'cl 62: Waschechlhcilen ausgewahller Шаи-. Violet!-,
(iriin- und Hiaunlai biineeir /N
77(S Standai'illarbimg: I V l:3.\ 60 min. bei N0 (\ l() (’(l Vor-, Direkt- und Naclibei/e b/\v. oline
Hei/e. Beeien- und Komblumenlarbimgen auf Baumwolle bei Raumiemperatur.
h'arhtafcln
237
10 % FeD 10 % FeN
Farbmittel Note Note
Original gewaschen Original gewaschen
'lifeI 63: Waseheehlheiten aiisgewiililler Scliwar/- imd (imiiliirbimgen (Wo)
Farbmittel
50 % Brasilholz,
c+b+a
50 % Brasilholz,
a
50 % Krapp
Brasilholz,
Ahornlaub
50 % Farberwau Wo
3
50 % Farberwau Co
2.5
2,5
100 % unreife
Kreuzdornbeeren
Tnlei 64: Wusehechtheiten aiisgewiililter Rot- unci (ielblarhimgen 7761
3
776 SlaiKlariHarbimg: I ’V 1:35. 60 min. bei NO C.
7N0 Standardlarbung: I 'V 1:35, 60 min. bei N0 X’, I0 "« Vor-, Direkt- uiul Naelibei/e b/w . oline
Bei/e. Wolle: I0 "<■ Alaiinxorbei/e. Biuimwolle: Wan mil l() "n Aliumdireklbei/e, Brasilhol/
mit 10 '!n Alaunvorbei/.e.
238
Farbtafcln
DIN
CCI 13/14
CCI 13/13
Pruflosung
Zeit, Temperatur
CD
C
Ъ)
Seifenlsg., pH 9,8
Tensidlsg.,
pH 6,5
Tetrachlor-
ethen
ч_
О
30 Min., 40 C
15 Min., RT
15 Min., RT
Probe
F A
F A
F A
50 % Brasilholz, 1c+b+a,
ohne Beize, Wo
50 % Brasilholz, 1c+b+a,
10 % AV, Wo
50 % Krapp, 10 % AV, Wo
20% Griinspan, Wo
100 % Kreuzdornbeeren,
sauer, 10 % AD, Wo
100 % Kreuzdornbeeren, wass-
rig, Alaun, Alkali, 10 % AD, Wo
100 % unreife Kreuzdornbee¬
ren, 10% AV, Wo
100 % Saflor, ungewaschen,
Wo
100 % Saflor, gewaschen, Wo
50 % Farberwau, 10 % AV, Wo
500 % Holunderbeeren,
ohne Beize, Wo
500 % Holunderbeeren,
10 % GD, Co
3.5
ш
"O
4.5
4.5
4.5
4.5
4.5
4.5
4.5
ш
"O
ro
LL
Ш
c
'ш
l aid 65: Vergleieli der Nasseelitlieilsnoten ausgewaliller I arbimgen
Note fur die i-'arbandemng (I') imd das Anbluten (Л) naeli DIN I-N 20105-C 01,
(X'l Notes I3/I4iiikK’CI Notes I3/I3
kein Anbluten. keine Fleckenbildung
I'arbtujcln
239
Farbung
Farbton It. Quelle
1000 % Heidelbeeren,
10 % GD, Co
500 % Holunderbeeren,
10 % GD, Co
Blau, Sattblau,
Hellblau, Waidblau
Waid, 30 min., Co,
Blau, Indigoblau
Waid, 30 min., Wo
500 % Heidelbeeren,
10% AD, Wo
500 % Heidelbeeren,
10 % AD, Se
50 % Brasilholz, 10 % AD, Wo
50 % Brasilholz, 10 % AD, Se
Veilchenfarben, Veil-
chenblau
50 % Brasilholz (a), 10 % AV, Wo
50 % Krapp, 10 % AV, Wo
100 % Saflor, gewaschen, Se
Rot, Parisrot,
Feuerrot
100 % Saflor, gewaschen, Co
50 % Brasilholz,
25 % Ahornlaub, 10 % AD, Wo
50 % Wau, pH 9,
10 % AD, Wo
50 % Wau, pH 9,
10 % AV, Wo
100 % reife Kreuzdornbeeren,
10 % AV, Wo
Gelb, Keflprue
100 % ung. Saflor,
10 % AV, Wo
10 % Griinspan, sauer, Wo
100 % reife Kreuzdornbeeren,
Al, Alkali, 10 % GD, Wo
Waid, 25 % Wau, 10 % AD, pH 9,
Wo
GrCin, Feingrijn,
Laubgriin, Saftgrijn,
Dunkelgriin
Probe
SCOTDIC-Nr.
Nr.
675503
B1
676004
B2
675005
B3
693001
B4
935504
V1
895503
V2
954509
V3
955008
V4
035008
R1
055008
R2
937006
R3
017007
R4
075006
R5
258507
G1
258010
G2
196507
G3
197006
G4
436001
Gr1
276503
Gr2
355003
Gr3
Till'd 66: Verglcich dor uadi hislorisdicn larberc/epteii cr/icllcn l urblonc
Idcntillkntioii nncli SC'OTDK'-Nummcr
240
h'arhlafcln
80
70
60
50
40
b* 30
20
10
0 Griin
-10
-20
-40
-30
- Gelb -
^ G3 (58,5) '
<f G2 (67,7)
G1 (72,1) О
—♦ Gr3 (50,7)-
О G4 (68,7)
♦ Blaufarbungen
♦ Violettfarbungen
♦ Rotfarbungen
OGelbfarbungen
♦ Griinfarbungen
_♦ Gr2 (56,1)
_♦ Gr1 (45,5) R5(41'5) ♦
♦ B4 (39,9)
■ V1 (41,5) •
R2 (37,4) “
-*V3 (41,9)
♦ R1 (31,1)
B2 (55,5) V2 (40,9) '
♦ B1 (45,9)
B3 (76,3)'
R4 (62,9)
Rot
R3 (57,8)
♦ V4 (37,2)
-20
-10
-Blau-
0
10
a*
20
30
40
50
60
Talc I 67: ('ll* Lab a:i:-lvi:-Koordinaton dor naoh histonscheii larboro/opton
cr/iollcn l;arbtbnc (in Klammcrn: I Iclligkcit L*)7SI
7X1 /n I. in/clhcitcn dor l iirbuiiLion vl?I. Talbl 31.
I'arbec.xpcrinwntc nach historisdwn An/dfungcn
241
400 450 500 550 600 650 700
Wellenlange к [nm]
Abb. 47: Reneklionskurven fur ausgewahlte (iriinliirbungen
6.6 Schwarz- und Graufarbungcn
Im (iegcnsat/ /u Burdc, die schreibt, class „... Originalqiid/cn zur Schwarzjdrhcrci
im 16. Jahrhuiuler/ nidi/ aufgc/riehcn wcrc/cn konnten ...”7S~, isl als Lrgebnis dcr
Recherche fur die vorliegende Arbeit festzustellcn, class insbesondere die Quellen
aus der IViihen Neu/eil (В, H IV und II V) Anleilungcn /uni Schwar/hirben entlial-
ten (Abb. 48).
Alle Quellen enthallen insgesaml 47 Re/epte fur die Schwarz- und 19 Rezeple
fur die Graularbung naeh clem Ausziehverfahren. In erster Linie wire! mil gerb-
stoffhalligen Rinden bzw. Gallapfeln und Vitriol- oder Melallzusatzen gelarbt. fur
die Sehwarzlarbung iiberwiegl deullieh die lirlenrinde als harbmittel, das in den
Rezepten der iilteren Quellen (In 'Гг, 1334 4. Vierlel 15. Jahrhundert) bevor-
zugl in Kombination mil Melallzusatzen wie z.B. Sehliil oder IIammerschlag, in
den Quellen aus der IViihen Neuzeil (В, 1. Halite 16. Jahrhundert) dann ebenso mit
Vitriol verwendet wircl. (iallaplel werden besonders hiiiilig fur die Graularbung mit
Vitriolen eingesetzl.7N' Weitere I arbmittel fur Schwarz- bzw. Graulone sind Bee-
ren, Brasilholz und das Pigment Rub. Diese werden meisl mit zuvor hergestellter
schwarzer l;arbe, vermutlieh Gerbsloffsehwarz aus Rinde und Vitriol, zum farben
verwendet. 727S2 Vgl. Purdc: Bcdeulimg und Wirkimg, S. 55.
78J hrlenrindc mil Schliffvgl. Quelle IV1 П, Ibl. 1 19, Re/.epl 1; Menrinde mit Vitriol vgl. Quelle
B, fob 86v, Re/ept 243. (iallaplel mit Vitriol vgl. Quelle II VI, Ibl. 5()v, Re/epl 5.
242
h'iirhccxpcrinwntc nach historischcn An/citimgen
Erlenrinde, Eisen
Eichenrinde
Rufi
Schwarz
Eichenrinde, Vitriol
Erlenrinde, Eisen, Vitriol
Erlenrinde, Gallapfel, Vitriol
Walnussschale
Gallapfel, Vitriol
Beeren, Schwarz
Atrament, Schwarz
Erlenrinde, Gallapfel, Eisen
Eichenrinde, Gallapfel, Eisen
Erlenrinde, Atrament, Eisen
Erlenrinde, Eisen, Schwarz
Gallapfel, Kupfer, Vitriol
Gallapfel, Eisen, Vitriol
Rausch, Eisen, Vitriol
Gallapfel, Bergweift, Schwarz
Erlenrinde, Espenlaub, Gallapfel, Vitriol
Waid, Krapp, Gallapfel, Vitriol
Erlenrinde, Eisen, Salbei, Schwarz
Gallapfel, Metall
Brasilholz, Schwarz
Brasilholz, Vitriol
Erlenrinde, Eisen
Brasilholz, Erlenrinde, Schwarz
Gallapfel
Brasilholz, Erlenrinde
Erlenrinde, Rausch
Erlenrinde, Schwarz
Schwarz, Zinkvitriol
Erlenrinde, Eisen, Schwarz
Eichen-, Erlenrinde, Eisen, Schwarz
0 5 10 15 20
Anzahl der Nennungen in den Quellen
Abb. 4N: I'arbmiltel Hir Scliwar/- unci (iranflirbiml»,cii
In der biteratur wire! da mu Г hingcwicscn, dass die Sehwarzlarbung mil GerbstolT
und bison bzw. Vitriol auf (irund der mdgliehen basersehadigung in der handwerk-
liehen I arberei verboten war, und stattdessen mil konzentrierlen Indigokiipen und
Krappzusatzen sehwarz gelarbt wurde. Lediglieh ein Re/.epl aus der Quelle В (lol.
X3v, Rezept 237) besehreibt die Kiipenherstellung fur eine Blaularbung mil an-
sehliclknder Sehwarzlarbung. Allerdings soil aueh in dieser Vorsehrift fiir die
Sehwarzlarbung (ierbsloff (CialliipIcl) und Vitriol verwendet werden.
1m Rahmen dieser Unlersuehung wurden fur die durehgeliihrlen Sehwarz- und
(iraularbungen brlenrindc, biehenrinde sowie (iallapfel in Kombinalion mil bisen-
uiul Ktipfervilriol verwendet.
biir die Vorbereitung der barbellollen wurden die Rinden (100 %) sieben 4’age in
Wasser eingeweicht, eine Stunde gekoeht und ansehliebend Пltriert. Ciallapfel
(100 %) wurden ebenlalls fur sieben Tage in Wasser eingeweieht und ansehlieBend
eine Stunde gekoeht. Allerdings wurde hier der Koehprozess naeli der Halite der
h'urbccxperinwule nach historisclwn An/cifungcn
243
Zeit unterbrochen, uni die in/wischcn vveich gewordenen Gallapfcl /u /erquelschen
und die Fxtraktion des Gerbsloffcs zu erleiehtern. Danaeh wurde die Losung
nochmals cine halbe Slunde gckochl.
Die barbung erlolgle 60 Minulen bei 80 °C. Die Beixe wurde in der Regel di-
rekl (D) durehgeliihrl. Als Beizmittel dienlen Risen- (Fe) und Kupfervitriol (C’u),
wobei Vorversuehe xeiglen, dass fur eine Gerbsloffmenge von 100 % cine
Vitriolmcnge von 10 % ausreichle. GroBerc Konzenlrationen liihrlen nieht zu einer
signifikanten Farbvertiefung. Aus den Vorversuehen war cbcnfalls ersiehtlich, dass
ein mogliehsl liefer Farblon bei einer Dircktbeize nur dureh wiederholtes Farben
oder Verlangern der farbezeit zu erzielen war. Daher wurden Mehrfachlarbungen
mil jeweils 100 % Frlenrinde und 10 % EGsenvitriol sowie Farbungen mil hoherer
Cierbsloff- und Vilriolkonzenlration bei verliingerter I'arebedauer durehgeliihrl.
Die im groBlen Teil der Farbeanleilungen beschriebene Dircktbeize liihrt bei
einmaligem farben lediglich zu Cirautonen. Dureh F’rhdhung der Farbmillclkon-
zentralion isl ebenfalls kein Schwarz zu erreiehen. In Abhangigkeit von der gerb-
stoflliefernden Subslanx unterseheiden sieh die Cirauldne dcutlich voneinander.
Wiihrend mil (jallapfelgerbsloff ein reines Grau erzielt wird, zeigen die Proben, die
mil Rindengerbstoff gelarbt wurden ein braunsliehiges Grau. Besonders an Hal 1 ig
isl dieser Farbstich bei den f arbungen mil Frlenrinde, die auBer (ierbsloffen noeh
verschiedene f'lavonoidfarbsloffe enthallen, die den farblon becinflussen (vgl. Ta-
lel 56).
Die Wiederholungslarbungen mil 100 % lirlenrinde und 10 % Fisenvilriol-
Direklbeixe zeigen sowohl auf Wolle als auch auf Baumwolle eine mil der Anxahl
der f'arbungen zunehmende Farbliefe. Fin liefes Schwarz wird allerdings auch nach
viermaliger farbung nichl erreiehl (vgl. 1'alel 57 und Abb. 49).
Abb. 49:
Kcllcklionskurvcii fiir ein- und mclirstuligc Scliwar/liiibuiiL’cn
244
Ivarhec.\j)criwcntc nach hisforischcn Anlcitungcn
Dureh I Icraufsctzcn dcr Farbmittelkonzentration werden mitllcrc Grautone erzielt,
die dcutlich heller sind als die der viennaligen Stufenlarbung. Wird bei erhohter
Farbmittelkonzentration die Farbezeit verliingert, resultieren ebenlalls lediglieh
Grautone.
Da mil einer Direklbeize sowohl dureh Hrhohen der Gerbsloff- und Beizmitlel-
konzentration als aueh dureh Verlangern der Farbezeit lediglieh Grautone erreieht
wurden, fanden weitere Farbungen mil CiallapfelgerbslolT und Vor- (V) bzvv.
Naehbeize (N) stall. Wird bei der Farbung mil 100 % (ia 1 lapfelgerbsloIT an Stelle
der Direklbeize eine Vor- oder Naehbeize durehgefuhrl, ist ein Sehwarz zu errei-
ehen. Auf Wolle fiihrt die Vorbeize, auf Baumwolle die Naehbeize zur groBeren
Farbliefe (vgl. Tafel 56 und Abb. 50).
Neben dem (ierbsloITgehalt des eingesetzlen Rohsloffes hat aueh die Art und Qua-
lilal des verwendeten Vitriols Bedeutung fur den I'arbauslall. 1 Gsenvitriol fuhrt zu
Cirau- bzw. Sehwarzlonen, wahrend mil kuplerhalligem Vitriol Brauntone erreiehl
werden). Wird mil einem Ciemiseh aus vier 4’eilen Fisen- und einem Teil Kupler-
vitriol gefarbt, isl der Finlluss des Kupfers sehon deutlieh in einer Braunlarbung
des Subslrales erkennbar. Da das I landclsprodukl Hisenvitriol im hier betrachleten
Zeilraum erhebliehe Kuplermengen enthalten konnte (vgl. S. 76 77), war der
Braunstieh des Sehwarz- bzw. (iraulones nur bei Verwendung der besten
Vitriolqualilal zu vermeiden (vgl. Talel 56).
Die ITgebnisse der hier durchgeluhrten CierbslolTsehwarzIarbungen zeigen, dass
der Aufwand zur ITzielung liefer Tone sehr groB war. Die Reinheit des Cierbstoffes
und der Zeilpunkl der Beize hallen einen groBen Finlluss auf die Farbtiefe.
Schwarz isl selbsl mil synthetischen I'arbsloffen larbeleehniseh immer noeh eine
problematische I'arbe. Da es sich bei vielen Sehwarzfarbsloffen nieht um einen
,,ReinfarbstolT\ sondern um eine Farbsloffmisehung handelt, kann es zu Proble-
I'arhcc.xpcrimcnfc naeh historischcn Anleitungen
245
men mil dem Zichvcrhalten auf verschiedcncn Substralen, insbesondere Pasermi-
selumgen, kommen. Zicht cincr der Farbstoffe schneller odor langsamcr auf das
Subslral aufals die anderen in der Miseluing befmdliehen Parbsloffe, sind Parblon-
abweiehungen die Polge und es wird kein reines Sehwar/ erreieht. Daher werden in
den Sorlimenten m eh re re Schwar/marken angeboten, die die Anibrderungen der
unlersehiedliehen Substrate beriieksiehtigcn.
Die mehrbadige Gerbstofflarbung mil Direklbeize hatte groBe Auswirkungen
auf'die Warenqualitat, Wolle wurde mil zunehmender Parbedauer immer troekener
und sprdder, Baumwolle immer steifer. Vermullieh beruhte das Verbol der (ierb-
sloffsehwarz.farbung im handwerkliehen Bereieh nieht auf der dureh Fisenionen
katalysierlen Fasersehadigung, diese zeigt sich erst naeh langerer Zeil, sondern auf
der sieh versehleehternden Warenhaplik.
6.7 Braunfarbungen
Braun isl neben Grim eine ebenfalls in der Nalur haufig auflretende Parbe. Sie ge-
hort zu den gebroehenen Parben, und entsleht dureh Abdunkeln von Gelb-, Orange-
oder Rollonen sowic dureh Misehen aller Parben. Parbmillel, die fiir sieh allein
gellirbl, ,,reine“ Brauntone ergeben, sind selten. Die Palette der Brauntone ist um-
fangreieh und reiehl von einem hellen Sandton liber das Braunrot von Kastanien bis
zum Braunsehwarz dunkler Ilolzarten. Wiihrend des MittelaIters war Braun die
Kleidungsfarbe der Unfreien, die sieh keine Stoffe in reinen leuehtenden Parbtonen
leisten konnlen. Die Pranziskaner wahlten daher Braun als Parbe ihres Ornats, uni
ihr Armutsgeliibde und ihre Demut vorCiott zu symbolisieren.
Brauntone naeh dem Ausziehverfahren sind in 45 Anleitungen der hier bearbei-
lelen Quellen besehrieben (Abb. 51). Die Anleitungen enthalten viele versehiede-
nen Parbmittel, die aueh in Kombinalion miteinander verwendet werden. Vorrangig
sind Parbungen mit Brasilholz, anthoeyanfarbstoffhaltigen Beeren und Walnuss-
sehalen genannt. Weiterhin sollen Sailor, Indigo, gelbe Mavonoidfarbmittel und
das Pigment RuB in Kombination mit Labkraut (К1еЬкгаи17Х1) fur die Braunlarbung
verwendet werden. AuBerdem ist die Kombination von Brasilholz. mil Kermes oder
Krapp aufgefuhrt. Die haufige Verwendung der Rotfarbmittel 1 asst darauf sehlie-
Ben, dass insbesondere rolstiehige Brauntone gelarbt wurden.
hiir die hier durehgeluhrten harbungen wurden Walnusssehalen, Brasilholz und
Krapp verwendet.
7(X4 In den Re/eplen II IV, lol. 56 57, I 19 und 1Ы. I95v l%v, 530 ist klchcrig genaniit. Naeli
(irimm und Маг/ell kann hier das Klebkraul (Galium aparinc 1..), aueh Klebekraut, Kleherieh
oder Kleltenlabkraut, gemeint sein; vgl. (irimm: l)Wb, Ikl. II, Sp. 1043 und 1051; vgl.
Mar/ell: РПап/еппатеп, Ikl. 2, Sp. 563 565. Die Wurzeln der I.abkniuter enthalten versehie-
dene AnthrachinonfarbstolTe und wurden wie Krapp /uni Rotlarben verwendet; vgl. hier/u
Sehvveppe: NaturfarbstolTe, S. 23S.
246
I-arhccxpcnmcnW mull liislorisclicn Anlciliin^cu
Brasilholz
Beeren
Walnussschale
Saflor
Brasilholz, lackten (Kermes?)
Mohnbluten, Schlehen
Kombination: Gelb, Schwarz
Klebkraut, Ruft, Safran
Krapp
Krebse
Ruft
Waidblume
blaue Regenblumen
Brasilholz, Kupfer
Brasilholz, Krapp
Brasilholz, Mennige
Brasilholz, Indigo
Pech, Eisen
Mennige, Farberscharte
Indigo, Kreuzdornbeeren
Krebse, Grunspan
Saflor, Grunspan
Walnussschale, Safran
Farberginster, -scharte, blaue Flotte
gelbe Blumen, Saflor, Kupfer
Anzahl der Nennungen in den Quellen
Abb. 51: Farbmiltel fiir Braunlarbimy.en
6.7.1 Barbungen mil Walnusssehale
Waliuissschalcn cnthallen ncbcn dem HaupirarbstolT Juglon (icrbstoHc und ver-
schicdcnc PlavonoidlarbslolTe. Nach dcr Qucllcnlagc wird das Substral dirckt aus
saurcr Nolle mil und ohne Alaunbei/e gelarbl. Piir die Piirbungen warden 50 und
100 % gelroeknele Walnusssehalen verwendel, die zunaehsl fur sieben Tage in Bs-
sig (5%ige Bssigsiiure) eingevveiehl wurden. AnschlieBend warden die Nollen eine
Slunde sprudelnd gekoehl und fillrierl. Die Beize erlblgle als Vor- (V) und Direkl-
bei/e (I)). Als Beizmillel dienlen 10 % Alaun (A) sowie 5 % Bisensalz (Ге). Cie-
larbl wurde auf Wolle und Baumwolle 1 ur 60 Minulen bei 80 °C\
Die Walnusslarbungen auf Wolle haben eine grdBere 1’arbliefe als die I arbun-
gen auf Baumwolle (vgl.). Die mil einer Alaundireklbeize geiarblen Wollproben
sind heller als die ohne Beize geiarblen Proben, wiihrend die Parbung mil einer
Vorbeize auf Wolle zu einer weileren rarbverlielung fiihrl. Die Bisenbeize, die bei
den meislen anderen 1 arbmilleln eine deulliehe I'arbversehiebung zu dunkleren
Tdnen bewirkl, hal hier nur einen geringen Binlluss. Auf Baumwolle liihrl eine
Alaundireklbeize lediglich zu einer minimalen I'arbverlielung. Die Bisenbeize ver-
sehiebl den Braunlon in Richlung (irau. Die geringe I'arbliele der C’ellulosefaser
beruhl vermullieh aufdem sauren pIBWerl der I-arbellolte (vgl. Та lei 58).
I'cirhcc.xfjcrinien/c nach historischen An/eitungen
247
6.7.2 Farbungcn mil Brasilholz und Krapp
Die Braunfarbung mil Brasilholz crfolgl nach der Qucllenlage mil alkalisch exlra-
hierlen Mollen unler Alaunzusalz. Fur die Farbung mil Krapp wird ein wiissriger
Auszug mil cincr Alaundirekl beize verwendel. Die Alaunbeize IX'ihrt bei beiden
Farbmilleln zu Rollonen. Fur die Braunfarbung mil Brasilholz warden wie in Kapi-
tel 6.3.1 besehrieben Brasilholzspane mehrmals mil Wasser koehend exlrahierl. In
diesen Flollen warden Woll- und Baumwollgcwebc dann naeheinander 60 Minulen
bei 80 °C ohne und mil cincr 10 %igen Alaundircklbcize gefarbt. Bei der Baum-
wol I farbung erfolgle zusalzlieh cine Beize mil (iriinspan.
Bei Farbung mil einem wassrigen Holzauszug werden ohne und mil Beize
Rosalone erreiehl. Frsl die Verwendung von Ciriinspan als Direklbeizmillel fiihrl
liber ein rotslichiges Braun (10 % (iriinspan) zu einem dunklen Braun (20 % (iriin-
span) (vgl. Та Pel 58).
Die Krappfarbeflolle wurdc ebenfalls wie die enlspreehende Rolfarbeflolle vor-
bereilel (vgl. 6.3.2). Gefarbl wurde 60 Minulen bei 80 °C und 95 °C ohne Bcizmil-
lel. Weilere Farbungcn warden mil Eisen- (l;e), Kupfer- (C4i) und Chromsalz (C r)
als Beizmittel durchgefiihrl. Die Beize erfolgle bei diesen Farbungcn als Vor- (V)
und als Nachbcize (N). Die Krapplarbung ohne Beize bei 80°C ergibl Rolbraunld-
ne, wird koehend gefarbl, wird der Braunslich inlensiver. Mil einer Eisenvorbeize
wird ein dunklcs Braun erreiehl, das dureh Naehbeize noehmals dunkler wird. Kap¬
ler- und Chrombeizen ergeben braunviolelle Farblone, wobei hier dureh die
Vorbeize der liefere Ton erreiehl wird (vgl. Tafel 58).
Der Vergleieh der Refleklionskurven fiir die Braunfarbungen zeigl, dass die Ref-
leklion bei den Farbungcn mil Walnussschale und Krapp auf Wolle im blauen Be-
248
I,'(irbc'c.\f)crimcn/c nuch historischen Anleitungeu
reich des Spcklrums goring ist um dann fast linear bis aid 35 bzw. 17 % im rolcn
Bereich anzuslcigcn (Abb. 52). Die Farbtiefc der Walnusslarbung ist deullich ge-
ringer. Die Farbungen mil Brasilholz und Beizmitlel ((iriinspan bzw. Griin-
span/Alaun) an Г Baumwolle rellektieren einen hoheren Rotanteil als die Krapplar-
bung.
6.8 Echthcitspriifungcn an Farbungen nach historischen
Anleitungcn
Neben dem Farblon und der I*arbtiefe wird die Qualilal einer Farbung dureh ihre
Besliindigkeil gegeniiber Beanspruchungen, die zu einer Reduzicrung der Farblicfe
oder einer Veranderung des Farblons liihren konnen, beslimmt. Diese Besliindig-
keil wird als Lchlheil bezeichnel. Sie wird millels versehiedener Vcrlahren, die den
Gebrauch einer gelarbten Ware simulieren, uberpruft. Fur die Lehtheilspriifung an
Farbungen nach historischen Anleilungen sind vor allem die Lichl- und Wa-
schechlheilen von Inlercsse.
6.8.1 Prulung der Lichlechlheil
Die Lichlechtheil beschreibl die Besliindigkeil einer Farbung gegeniiber Ausblei-
chen (Verschielk'n) bei liingerer Belichlung. Insbesondere Sonnenlicht mil seinem
hohen UV-Anteil kann zu einer sichlbaren Farbveranderung fiihren, die sieh als
Abweichung in der I'arbliefe oder als Abweichung in der Farbnuance aulkrn kann.
Bei Kombinalionslarbungen mil mehreren Farbmilleln miissen die
Uehleehlheilen der verwendelen I'arbsloHe vergleichbar sein, um einen slabilen
und dauerhaflen I'arblon zu erhallen. Isl das nichl der I'all, iiberwiegl im Laufe der
/eil zunehmend der I'arblon des echleren l arbsloffes. Bei hislorischen Texlilien
sind grime 1'arbparlien hiiufig blauslichig, was in der Lileralur damil begriindel
wird, dass fur die Blaularbung der lichlechle Indigo, fur die (ielblarbung aber ein
weniger lichlechter I'arbslolT, wie z.B. Berberin, verwendel wurde./s^
Die Lichlechlheil wird (lurch vide unlerschiedliche baktoren beeinllussl. Neben
der Slrahlungsquelle und den pholochemisehen I'igenschallen von Farb- und F'a-
serslolT, sind Lulllemperalur und -feuchle, in der Almosphiire vorhandene Schad-
gase und insbesondere das Aggregalionsverhaltcn des FarbslolTes von Bedeulung.
I 'aibsloflaggregale beslehen aus zusammengelagerlen I'arbslolTmolekiilen. 1'iir das
Aulziehen des FarbslolTes isl die Aggregation eher hindcrlich, da der I'arbslolT vor-
rangig als Mono- oder Dimer an der Faseroberllache adsorbierl wird. Bei einem 785785 Vl’1. Rosenberg: Historical organic dyestuffs, S. Mr, vgl. Pouting: Dictionary of dyes and dye¬
ing, S. SV. Berberin, der I lauptfarbstoff der Berheril/.enwur/el, hat cine geringe bis nuibige
I.iehtechtheit (Nole 2 3): vgl. Ilofenk de (iraaff: Colourful Past, S. 173.
I'iirbecxpennwnte nach historischen Anleitungen
249
Angri IT (.lurch Licht odcr Saucrsloff isl die Lichlcchlhcil aggrcgicrlcr 1 arbstoH'tcil-
chen allcrdings groBer als die monodisperser Molekiile, da lediglich die an der
Oberflache des Aggregals bellndliehen Molekiile der Lichleinwirkung ausgesel/t
sind. Mil steigender Aggregation nimml die Lichlcchlhcil /11, da der Anlcil an nichl
zuganglichen Earbstoffmolekiilen sleigl. Die Tendenz zur Assozialbildung nimml
mil sleigendem Molekulargewicht des Earbstoffes, EarbslolTmelallkomplexc haben
im Allgemeinen bessere Echtheiten als die EarbslolTe allcin, sowie Erhohung der
eingeselzlen Earbsloffmenge zu. Ciegenleilige Wirkung hat die Erhohung der Ear-
bclemperalur.m
Der dirckle Zusammenhang zwischen Lichlechtheil und Teilchenaggregalion
kann Eehler bei der Liehleehlheitspriilung verursachen. Wiederholungslarbungen
miissen nichl zwangslaufig den gleichen Aggregalionszusland aufweisen, woraus
sich dann abweichende Echlheilswerle ergcben.™7 Das Problem diirfle insbesonde-
re bei pflanzlichem Earbematerial auflrelen, das keine gleichbleibende Earbsloll-
konzentralion cnthall. AuBerdcm sind die enlhaltcncn Mengen im Vergleich zu
synlhetischen Earbsloffcn goring, so dass sich Streuungcn shirker aufdas Ergebnis
auswirken. Ein Vergleich der Lichlechlheit isl daher nur sinnvoll, wenn die Earb-
stoHexlraktion und Flollenvorbereilung nach cincm slandardisierlen Verlahren er-
folgl und bereils bei der Earbung auf exakle Temperalur- und Zeitliihrung geachlel
wird.
Eiir die Priifung der Lichlechtheil werden I'arbungen unler dellnierlen Bedingun-
gen dem Liehl ausgesetzl und anschlieBend mil llilfe des mitbelichleten BlaumaB-
slabes (vgl. Tafel 59)7SS, dessen blaue Typlarbungen das unlerschiedliche Ixhl-
heilsniveau von I'arbsloiTen reprascnlicren, beurleill.
ITir die im Rahmen dieser Arbeit durehgeluhrle LichlechlheilsprCilung wurden
insbesondere die Earbungen ausgevvahll, liir die in der Lileralur bisher keine Anga-
ben vorliegen. Der Test erfolgle in Anlehnung an DIN EN ISO 105-B02 liber 200
Slunden mil dem Belichlungsprulgeral Sunlesl C’PS * der Eirma Allas.
Die Elrgebnisse der Liehleehlheilsprufung von Blau- und ViolellEarbungen mil Bee-
ren- und Blulenfarbsloffen zeigen ohne und mil Alaundireklbeize geringe bis ma-
Bige Echlheilen. Lediglich die mil (iriinspan gcbeizlcn Proben aul Baunnvolle ha¬
ben ziemlich gule bis gule Lichlechlheiten.
Die Lichtechlheilen der Griinlarbungen sind alle hervorragend. Sowohl die Ear¬
bungen mil (iriinspan als auch die Earbungen mil reilen Kreuzdornbeeren und
Ciriinspandireklbeize zeigen keinerlei E'arbveranderung. (ileiches gilt I hr die kom-
7X6 Vgl. Bird: Theory and practice о I wool dyeing, S. 13 16; vgl. Bird, Boston: Coloration ol
Textiles. S. X6 90.
7X7 Vgl. heller: Accelerated Aging, S. IXI.
7XX Zur BegrilTsbestimnumg und allgemeinen Durchliilming von Lichtechtheitspriilimgen vgl.
Krat/.el: l.iehteehtheit, S. 1094 1097.
250
I'arhcc.xpcrimcnlc nach historischcn An/cifun^cn
binicrle (iriinfarbung mil Waid unci Wau auf Wolle. Ilicr ist ebenfalls nach dcr Be-
lichtung kcinc Abwcichung vom urspriinglichen Farblon erkennbar.
Schwarzfarbungcn mit (ierbsloffen und Lisen vitriol habcn gutc bis hervorra-
gcndc Lichlcchlhcilcn, wobci die Farbung mit Lichenrindengerbsloff nach dcr Be-
lichtung cine dcullichc Farbabwcichung (Note 5) zeigt, wahrend bci Farbungen mil
(iallapfelgerbsloff kcincrlci Vcrandcrung dcs Farbloncs zu erkennen ist. Dcr Zcil-
punkt dcr Bcizc (Dirckl-, Vor- odcr Nachbcizc) bccinllussl die Lichlcchlheil nichl.
Die Lichtcchlhcilcn dcr Braunlarbungcn mit Krapp iintcr Zusalz von Bison-,
(iriinspan-, Kupfer- odcr Chrombeize sind hervorragend (Note (8), wahrend die
Farbungen mil Walnussschalc zwar immer noch schr gut sind (Note 6), aber doch
schon cine sichlbarc Aufhellung dcs Farbloncs zeigen (vgl. Tafel 60).
Die Lichlcchlhcilcn dcr mil Brasilholz gelarblen Rollone sind chcr goring (Nolen-
bcschrcibung: zicmlich gul). Ilicr zeigt sich dcr Linlluss dcr aufgelarbtcn Farb-
stolTmcngc. Jo liefer die Farbung, dcsto liehlcehlcr dcr Farblon. Die Lehtheilen dcr
Farbungen auf mil (icrbsloff vorbchandcltcr Baum wolle sind cl was besser. Die
Lchlhcil dcr Kombinalionsfarbung mil Brasilholz und Ahornlaub sowic die dcr
Krapplarbung sind schr gul, wobci die Bcizc mil Alaun die Lchlhcil dcr Krapp far-
bung crhdhl. Die Farbung mil ungcwaschcnem Sailor zeigt cine maBige Lchlhcil.
Dcr auf dem belichleten Toil dcr Probe vcrblicbcnc ,,Restfarbton“ beruht vorrangig
auf dem milaulgclarblcn Sallorgclb. Schlcchtcr isl die Lchlheilsnole fur die mil
gewasehenem Sailor durchgefiihrle RolFarbung. Bci dicscr Farbung wcisl dcr bc-
lichlclc 'Foil dcr Probe nach dcr Priifung die urspriinglichc F'arbc dcs Rohgewebes
auf.
Die Lichlcehthcilcn dcr (iclblarbungcn mil F'arbcrwau sind vorziiglich. Auf mil
Alaun vorgcbcizlcr Wolle ist dcr Farblon sogar inlcnsivcr. Die Farbungen mil un-
rcilcn Krcuzdornbccrcn zeigen ohne Bcizc cine schr gutc Lchlhcil, alladings war
die urspriinglichc Farbliefe hier schr goring. Auf dirckl- bzw. vorgcbcizlcr Wolle
wird cine maBige bzw. zicmlich gutc Lchlhcil crrcichl. Bci den
Sallorgclblarbungcn wird die Lichlcchlheil durch das Subslral bccinllussl. Wah¬
rend Farbungen auf Wolle maBige Lehtheilen aufweisen, zeigen Farbungen auf
Scidc schr geringe Wcrlc. Von den im Rahmen dicscr Arbeit liir die Gclblarbung
bcnulzlen Farbmiltcln zcigl Farberwau mil deullichem Abstand die bcslcn
Lichlcchlhcilcn (vgl. Taf. 27).
Im Vcrglcich zu modernen synthclischcn Farbsloffcn weisen die Nalurfarbsloffc
schlcehlc Lichlcchlhcilcn auf. Wenige Farbsloffc liihrcn bci ausrcichender F'arblic-
Ib zu cehlcn Farbungen. Ilicr sind insbcsondcrc Indigo, Krapp, F'arbcrwau, (iriin¬
span und (ierbsloffschwarz zu nennen. Lxtrem schlccht sind dagegen die
Lichtcchlhcilcn von Brasilholz-, Kreuzdornbecr-, Sailor-, I Icidclbccr-, llolundcr-
beer- ( ГаI'd 61) sowic Bliilcnlarbungcn. Tcilwcisc kann die Lchlhcil durch cine
Bcizc auf ausrcichcndc Wcrlc verbesserl werden, allcrdings isl damit immer cine
Vcrandcrung dcs Farbloncs verbunden, insbcsondcrc vvenn ciscn- odcr kupfcrhalli-
251
F'cirbccxperimente nach his/orisclu'n An/eitungen
ge Bcizcn verwendel wcrdcn. Die Ubcrpriifung dor Quellcn beziiglich Angabcn zur
Lichtcchlheit der Fiirbungen zeigl, dass cnlsprcchcndc Hinwcise in vierzehn Vor-
schriflen (3,5 % allcr Rczeple fur das Auszichveriahrcn) enthallen sind. Die Fiirbc-
anleilungen enthallen die Anweisung, die gefarbtc Ware nichl an der Sonne zu
Irocknen, und beziehen sich insbesondere aufRol- und Braunlarbimgen mil Brasil-
holz bzw. Sailor, Gelblarbungen mil Safran und Blaularbungcn mil Beeren.7X,> Die-
se I arbmillcl zeiglen auch im Rahmen der hier durchgefiihrlcn Lichtcchlhcilsprii-
fungen schlechlc Ergcbnissc.
6.8.2 Prillung der Waschechlheit
Neben der Bcsliindigkcit der Farbung bei Lichleinwirkung isl ihre Dauerhalligkeil
bei einer Waschbehandlung ebenfalls von Inleresse. Unlersucluingen zur Kullurge-
schichte dcs Waschens befassen sich in ersler Linie mil den Veranderungen durch
die Einfiihrung von Maschinen und universell einselzbaren Waschmillellormulie-
rungen in der Ncuzcil740 oder beziehen sich allgemcin auf die Korperhygiene,7M so
dass fiber die TexliIpflegc wahrend des hicr bearbcilclen Zeitraums nur wenige Bc-
richle vorliegen.
Die Verwcndung von Seife (saponcm) bei der Tcxlilherslcllung isl schon Kir
das IViihe Millelalter durch die Ncnnung im Кар. 43 des „('apifitlarc dc viHis“ be-
Iegl.7t,“ Die Wiische der Bekleidung erforderle in friiheren Zeilcn einen groBeren
Aufwand als heule, bis in das 19. Jahrhunderl wurdc daher an wenigen Termincn
im Jahr gewaschen.7^ Dazu vvurde die Wiische zumeisl an den Muss gebraehl, da
zum Spiilen IlieBendcs Wasscr bcvorzugl wurdc.7M Zum Waschcn wurden Scilc,
Asche, Urin und evil. Rindcrgalle vcrwcndcl.7>> WeiBe Wiische wurdc im An- 789 790 791 792 793 794 795789 Brasilhol/: Quelle Be, Ibl. 127 129, Re/.ept 41; lol. 98v. Ke/ept 27S; Quelle М V, Ibl. 23 I v,
Rezepl 1233a; Quelle II IV, Ibl. I87v 189, Re/epl 318a, b ' e. Sailor: M V. Ibl. 225r, Re/epl
1200; Ibl. 225r 225v, Re/epl 1201. Safran: Quelle B, Ibl. I06v, Re/epl 309a i h; Quelle II V,
Ibl. 278, Re/epl 15a. Beeren: Quelle: М V, Ibl. I77r, Re/epl 673a. (ierbsloffschwar/: Quelle
Tr, Ibl. I6r 17r, Re/epl 64a. (ielbe Blumen: Quelle: II V, Ibl. 277v 278, Re/epl 13.
790 Vgl. Orlanil: Wiische waschen; vgl. Loren/.-Sehmidl: Weil inul Wandel.
791 Vgl. Deli lie, (irohn: (ieschichten der Reinliehkeil; vgl. Jung: Klcine Kullurgesehiehle der
Maul.
792 Vgl. I reundeskreis Bolaniselier (iarlen Aachen e.V. Der Karlsgarlen.
793 I'iir die Wiische musslen Cieriile /ur meehanisehen Bearheilung tier Wiische (Sehlaghol/),
Behiiller fur die Wasehlauge (Wannen, Zuher, Kessel) und Brennmalerial /um Mrhil/en des
Wassers beschalTl wertlen; vgl. King: Annul und Arbeil, S. 211. IJbliehe Zeilen fiir die grobe
Wiische waien das I riihjahr nach der Sehneesehmel/e und tier Spiilsommer/I lerbsl naeh Ab-
sehluss der I■ rule; vgl. Lorenz-Sehmidl: Werl unci Wandel, S. 162.
794 Vgl. L.oren/-Schmidl: Werl und Wandel, S. 169; Vgl. Sehlegel-Mallhies: (irobe Wiische,
S. 36; vgl. King: Annul unci Arbeil, S. 210. Da harles Wasser /u einem erhbhlen Seilenver-
braueh und durch Reaklion mil der Seife /u Kalkseilcnablagerungen aul der Wiische liihren
konnle, wurdc weiehes Wasser, d.h. Regenwasser, bevor/ugl.
795 Vgl. King: Armul und Arbeil, S. 210. (ieschichle und Bedeulung tier Seife wurden \on Beck¬
mann und anderen besehrieben; vgl. hier/u Beckmann: lirlindungen, Btl. 4, I. Stuck, S. 1 27;
252
Idirheexperi/nenle nach hisforischen An lei (ungen
schluss an die Reinigung im Allgcmcinen noch cincr Rasenbleiche unlerzogen. Der
Zusalz von Asche bei der Wiische crfolgte laul Krunitz nichl bci Wollvvaren und
nicht edit gefarbten Waren, da diese „von der Lange leiden“ und vermutlieh wur-
den die gelarblen Waren aueh bei niedrigeren Temperaturen gewasehen.7^1 Aller-
dings isl die Nutzung von Laugen aus Buchenhol/.asche oder Weinrebenasehe tur
die blcckcntfcrnung in historisehen Quellen bclegt. So enthalt die im Rahmcn die-
ser Arbeit hinsiehllich der Farberei betrachlele Quelle Al, die A1 lerley Malkel, ver-
schiedene Anleilungen dieser Arl/t)7 und ein weitcres Rezepl ist in Quelle W, dem
llausbueh der biirslen von Waldburg-Wolfcgg, enlhallen. Dieses Rezepl Iantet wie
Iblgl:
„Wein jlecken au/.i hringen. Recipe waid langenn. se/uiff die waidlaugen J oder 4
nud dure/i die rehasehen; das mtsscr ny/npf aus weinher, ohs und ole jlecken“m
Die Waseheehlheit einer barbung hangl im Wesentliehen von der Art der Farbsloff-
baser-Bindung und der GroBe des Farbstoffmolekiils ab. Je fester die Bindung, des-
lo waseheehler ist die barbung. Bei barbsloffen, die nicht uber I lauplvalenzbindun-
gen llxiert sind, /.eigen groBcrc Molekiile auf (irund sliirkcrcr Nebcnvalenzkrafle
bessere Lehlheilen. Die bei vielen NaturfarbstolTen ubliche Beizbehandlung hat
eine MoIekfilvergrbBerung zur bolge, die die Nasseehlheil der barbung sleigert.
Line mangelnde Waseheehlheit kann sieh dureh Aulhellung oder Veranderung des
b'arblons auBern.
I ur die Beslimmung der Waseheehlheit liegen viele untersehiedliehe Priifnormen
vor, die sieh vor allem in der Wasehtemperalur, der meehanischen Beanspruehung
wahrend der Wiisehe und dem eingeselzten Wasehmiltel unterseheiden.7" Die
Waseheehlheit wird liber die Anderung der barbe (Ausblulen des barbsloffes) und
fiber das Anbluten milgewasehener Begleitgewebe beurleill. Dazu werden geiarbte
Rroben in Begleitgewebe eingenahl und nach Norm gewasehen. Nach der Wiische
werden die PriiHinge auseinander getrennl, getrocknet, konditioniertS()0 und an-
sehlieBend visuell dureh Vergleieh des barbabslands zwisehen gewaschener und
ungewaschener Probe mil den sog. (iraumaBslaben beurteilt. Je nach (iroBe des
barbabslands wird eine Note vergeben. Die Nolenskala reiehl mil Zwischenslulen 796 797 * 799vgl. (iellendien: (ieschiclile der Seil'e, S. 170 176; vgl. Routh et al.: Soaps, S. 3 6. Uber die
Wasehwirkimg von lJiin berieliten Bin/ und Vogler, vgl. Bin/: Vervvendimg des 1 lames,
S. 355; vgl. Vogler: Textilveredlung in der Anlike, S. 34 36 und 2X 29.
796 Vgl. Krfmit/: Oekonomiselie bneyklopiidie, Th. 233, S. 391.
797 Vgl. bdelslein: Allerley Matkel, S. 303 und 305.
79S Vgl. Bossert, Storek: Das Mitlelalterliehe llausbueh, S. XXVI.
799 Vgl. Miigel el al. I'arbeehtheitspriifungen an I'extilien, S. 17 35 hrlauterungen /.um Begriff
Nasseehlheil gibl Krat/.el: Nabeehlheilen. S. 657 659; Dellnilionen und brklarungen /ur
Waseheehlheit gibt ebenfulls Krat/.el: hrlaulerungen /u den Waseheehtheiten, S. 413 414.
X00 Mil der Trocknung des Priillings iindert sieh mit der Subslralfeuehle aueh der barbeindruek. In
der Praxis wird daher die Beurteilung nach einer Kondilionierung der Proben von mindestens
24 Stunden empfohlen; vgl. Ulshofer: l arbeehtheiten, 3/4, S. 2K.
luirbeexperinienfe nach his/orischen An lei fun gen
253
von 1 bis 5, wobei 1 cine geringe Echlheit und 5 cine schr gutc Echlheil kennzeich-
ncl.
Die Wascheehlheilsprufung im Rahmen dieser Untersuchung erlolglc in Anleh-
nung an DIN EN 20105-C01, da diese Norm am chcslen dem „millelallerlichen
Waschverhaltcnbfc vergleichbare Bedingungen (40 °C Waschlcmpcralur, alkalischer
pll-Wert dureh Seife) vorschreibl. Л1 lc Waschversuchc wurden im LaboiTarbegeriil
Linilest-PIiis11 durehgeftihrl. Die Bewerlung des Anblulcns b/.w. der Anderung tier
Farbe erfolgle zunachst mil den oben besehriebenen GraumaBslaben. Da aber na-
hezu alle Proben nach der Waschc deulliche Veranderungen des Farblons aufwie-
sen und die Beslimmung der Echlheilsnote mil dem MaBslab niehl moglich war
bzw. nicht ausreichlc, wurde die Note zusalzlieh farbmelrisch naeh DIN EN ISO
105-A05 beslimml.
Bei der Priifimg der Wasehechlheil der Blau- und Violcllfarbungen zeigl sicli die
Alkalicmpfindlichkcil der in den Beeren und Bliilen enlhallenen An-
ihocyanfarbstoffe. Alle Proben weisen nach der Priifimg einen deullich veriin-
derlen Farbton auf, wobei die Nolen der mil (iriinspan gebeizlen Proben geringlii-
gig besser sind. Es lalll auf, class die Woll Farbungen nach der Wiische dunkler, die
Baumwolllarbungen dagegen heller sind. Dieses weisl aufeine bessere Fixierung
der Farbsloffe auf der Proteinfaser hin. Die auf Baumwolle mil einer Grimspandi-
rektbeize crreichlcn Blaulbne werden griiner, die Farbungen aul Wolle verandern
sich zu Braun- und (irauloncn. Wahrend die Farbabweichung bei Ileidel- und Ho-
lunderbeeren vorrangig auf einer Anderung des Farblones beruhl, verlieren Korn-
blumcn- und Mohnbliilenlarbungen auBerdem deullich an I'arbliele. Fan Anblulen
der Bcglcilgcwcbe aus Baumwolle und Wolle land niehl slall. Audi bei der
Wascheehlheilsprufung an Grim Farbungen zeigen sich zwischen unbchandcller und
gcwaschener Probe wieder deulliche Farbunlerschiede. Alle Proben sind dunkler
und griiner als die Originalprobe. Braunlarbungen, an denen eine Waschechlheils-
priifung durchgeltihrl wurde, weisen nach der Wiische ebenlalls einen erkennbar
veriinderten F'arblon auf. Allerdings isl der Farbabsland zwischen ungewaschener
und gcwaschener Probe geringer als bei den anderen Farblonen, was in vcrgleichs-
weise hohen Echlheilsnolen zum Ausdruck komml (vgl. laid 62).
Wahrend die Bcizarl auf die Lichlechlheil der Schwarz- und Graularbungen
keinen lanlluss hal, zeigl die Priifimg der Wasehechlheil deulliche Unlerschiede
zwischen den Farbungen mil Direklbeize und denen mil Vor- bzw. Nachbeize (vgl.
Tafel 63). Wahrend die nachgebeizle Wolle sowie die vorgebeizle Baumwolle
durch die Waschbchandlung geringlugig heller geworden sind, zeigen alle mil ei¬
ner Direklbeize durchgefuhrlen Farbungen unabhangig von der Cierbslollquelle
einen deullich dunkleren Farblon.
Die Rollarbungen zeigen nach der Behandlung ebenlalls einen deullich veran-
derlen F'arblon. Die Brasilholzlarbungen auf Baumwolle werden durch die Wasch-
behandlung heller, alle anderen Proben haben nach der Wiische einen dunkleren
F'arblon. Fin Anblulen der Bcglcilgcwcbe aus Baumwolle und Wolle isl lediglich
254
I'arhcc.xpcrimente nuch historisdwn Anleitungen
bei dcr mil Krapp ohnc Beizmillelzusalz durchgefuhrten Farbung anl' Wollc er-
kcnnbar. I licr zciglc das Wollbeglcilgewebe cin Anblulcn (Note: 3,5).
Wic bci den zuvor beschriebenen Frgebnisscn dcr Waschechlheitspriifung Hir
die Blau- und Rot farbung ist aueh bei den (ielblarbungcn eine deulliehe Veriinde-
rung des Farbtones durch die Waschbehandlung zu beobachten, wahrend ein
Anblulcn der Begleilgewebe nichl zu erkennen isl. Fine Vermindcrung dcr Farblie-
fe durch die Wiische ist nichl cingctrclcn, allc Fiirbungen sind dunklcr geworden
(vgl. 'ГаPel 64).
Die Waschechlheilspriilung, cin wichligcs Inslrument dcr Qualitiilskonlrolle in dcr
heuligen Vercdlung, beslehen nur schr vvenige dcr hier durchgefiihrlen Fiirbungen.
Dabci isl die Ursachc nichl cin durch die Wiische verursachler Vcrlust an Farblicfc,
sondern die dcullichc Andcrung dcs Farblons durch die alkalischc Bchandlung.
Nach modernen MaBsliiben wiiren die Farbmillel liir die Farbung von Bekleidungs-
und I leimlcxlilicn, die in rcgclmaBigcn Abstiindcn gcwaschcn werden, ungeeignet.
In IViihcrcn /cilen war der Anspruch an die Waschechlheil von Texlilien zwar ge-
ringer als heule, es wurde nichl so ofl gcwaschcn, aber bei der Wiische mil Scifc
mussle immer mil einer Farbiindcrung gercchncl werden. Allcrdings wird versliind-
lich, warum cchtcrc Farbmillel wic Indigo, Krapp, Kermes odcr Cochcnillc cin so
hohes Anschcn genossen. (iule Nasscchlhcilcn waren mil Icuchtcndcn, dauerhaflcn
Farbtbncn verbunden.
Lichl- und Waschcchlhcilcn bccinflusscn die llandhabung hislorischcr Texlilien
in Mu seen. Durch mangelnde Liehleehlheil werden die Moglichkeilen I'iir die Prii-
senlalion eingeschriinkl, schlechle Wascheehlheilen bedingen Probleme bei der
Fnllernung von Verschmulzungen und der Konservierung der Texlilien.
7. Prinzipien und naturwissenschaftlich-technische
Grundlagen konservatorischen Handelns
Mil der krhallung hislorisehen KulUirgutcs sind die Begriffe „Vorbeugen, Konser-
vieren und ReslauriereiT* verbunden. Unlcr Vorbeugcn wird die Ilerstcllung opti-
malcr Bedingungen lur Aidbevvahrung und Prasenlalion verslanden. Die Konser-
vierung umfassl erhallende Mabnahmen als direkle BingrilTe am Objekl zur Slabili-
sierung des Ist-Zuslands und zum Sehutz vor weilerem Zerfall. Bei einer Reslaurie-
rung soil uliter Beriieksichtigung asthelischer und hisloriseher Zusammenhange
eine bessere Lesbarkeil des Objeklcs erreiehl werden, wozu u.U. aueh erganzende
bzw. rekonslruierende Arbeilen durchgeliihrl werden.M)
Am Anfang der musealen Arbeil zu Beginn des 19. Jahrhunderls stand die Wie-
derherslellung des als ursprunglich gedaehlen Zuslands im Vordergrund. Dieses
liihrle dazu, dass Baudenkmaler z.T. Aus- und Anbaulen erhielten, die eher dem
asthelisehen Rmpfinden der Zeil als den hislorischen Talsachen enlspraehen. Diese
Art der Baurekonslruklion wurde insbesondere von kugene Viollet-Ie-Due' " ge-
pragl. „Der Reslauralor war ein Kiinsller oder ein Handworker, der die „hrneue-
rung“ des vermulelen urspriingliehen Zuslandes eines Kunslwerkes oder Kullurgu-
les anstrebte. [...] ,,Veraltete“ Werke wurden den Siehlweisen oder Moden einei
neuen Zeil angepassl.“s()'
John Ruskin (1819 1900) und spiiler Georg Dehio (1850 1932) sahen in dieser
Vorgehensweise eine Verlalsehung, Hir beide stand die Konservierung im Vorder¬
grund der Arbeilen. Dehio skizzierle die versehiedenen Ansatze anhisslieh einei'
Testrede im Jahr 1905 wie Iblgl:
„Der I Iistorismus des 19. Jahrlnmderls hat aber auber seiner eehten loehtei, del
Denkmalpllege, aueh ein illegitimes Kind gezeugt, das Reslauralionswesen. Sie
werden olt mileinander verweehsell und sind doeli Anlipoden. Die Denkmalpllege
will Bestehendes erlialten, die Restauration will Nichtbestehendes wiederheistellen.
Der Unterschied ist durchschlagend. Auf der einen Seite, die vielleieht verkiu/le,
verblabte Wirklichkeil, aber immer Wirklichkeit aul der andern die l iktion.
Die untersehiedliehe I lerangehensweise wird ebenlalls bei Arbeilen an hisloiischen
Textilien deutlich. Wandleppiche wurden z.B. durch Slicken repariert bzw. eiganzl
und versehmulzle Sliieke einer der I laushallswasehe vergleiehbaren Reinigung un-
terzogen, ohne zu wissen, dass durch diese Arbeilen der hislorische Werl der ()b-
jekte verminderl wird oder die Sliieke Schaden nehmen konnen. * 803 804 805SOI Vgl. die enlspreehenclen Sliclnvorle unter Deulseher Museumshuiul: Das Museum.
N02 hugene Viollet-le-l)ue (1814 1870). IVan/osiseher Arehitekt. Rekonstmierte im Ю. Jahrlum-
dert /.ahlreiehe hislorische liauwerke in I rankreieh, /.Ik Notre Dame in Paris und die Abtei
von Saint Denis.
803 Vgl. Verband der Restauratoren e.V. (VDR): Der Reslauralor.
804 Xiliert nach Dehio: Denkmalseluit/ und Denkmalpllege, S. 274.
805 Vgl. Ilolenk de (iraaf: Vorwort /u Timar-Bala/.sy, I-4islop: Textile Conservation, S. IX.
256
Prinzipien und Grundlagen konservatonschen Ihmdclns
Lin Bcispicl fur die Problematik sind die von Brandis und Jordan-Lahrbachm
besehriebenen Reslaurierungsarbeiten an den Wienhauser Teppiehen, die in den
Jahren von 1923 bis 1939 dureh Carlotta Brinkmann und ihre Werkslatl erfolglen.
Warden zu Beginn der Arbeiten Lehlslellen in den Teppiehen mil Spannsliehen
unlerlegt und mil Wollgarn, das sieh farblieh am Original orienlierle, erganzt, blie-
ben in dem ab 1939 reslaurierlen Speeulum-Teppieh die Fehlstellcn erhalten. Au-
Berdem warden einige zuvor ausgeiuhrte Lrganzungsarbeilen an anderen Teppi¬
ehen wieder enllernl.so7 Noeh 1976 besehreibl Lehmann in der Reslaurierung iibli-
ehe Lrganzungsarbeilen, die dem Original in Material und barblon vbllig gleiehen.
Dabei miisse insbesondere aufdie Liehteehlheil der fur die Larbungen verwendeten
LarbslolTe geaehlel werden, haufig kamen moderne MetalIkomplexfarbstoffe zum
Linsatz.
Ziel der konservatorisehen Arbeiten ist heute nieht mehr die Wiederhcrstellung
eines vermuteten Originalzuslands. Veranderungen dureh Aliening und Lingriffe
friiherer Cienerationen sind Teil des Kulturgutes geworden.MW Mil den Veranderun¬
gen des „konservatorisehen Lcitbildes“ anderte sieh aueh die AusbiIdling der Kon-
servaloren. Bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderls bestand die Arbeit vor-
rangig aus handwerklieher Tiiligkeil, was insbesondere aueh darauf beruhte, dass
viele Konservatoren aus dem kiinsllerisehen Bereieh kamen. Zenz gibt ein Beispiel
fur die Lnde der 70er Jahre in der dslerreiehisehen Reslauralorenausbildung vermil-
lellen Inhalte. Teehniken wie Kunslslieken, Weben und Wirken slanden im Vor-
dergrund, wahrend Spilzenleehnik, ,,l;aserbeslimmung“ und Kunslgesehichle ge-
ringere Bedeulung hallen. (iesehichle der T extiIkunsl und der Mode sowie Muse-
umskunde und Denkmalpllege wurde lediglieh in geringem Umfang vermillell.
Vier Slunden pro Woehe wurde in der Reslaurierungswerkslall praktiseh gearbei-
tel.NI() Die Ausbildung umlassl heute neben dem Lrlernen handwerklieher Arbeils-
giinge, die im zuvor gesehilderlen Beispiel noeh im Vordergrund standen, aueh das
Stadium naturwissensehalllieher und hisloriseher 1 linlergriinde der zu erhallenden
Objekte.SM Der relaliv junge Wissensehaflszweig der Arelkiometrie berueksiehligl
biowissensehallliehe, ehemische, geowissensehallliehe und physikalisehe Inhalte
und Melhoden, aber ebenso arehiiologisehe, kunslgesehiehlliche, denkmalpllegeri-
sehe und reslauralorisehe Belange.
Die Basis der erhallenden Museumsarbeil ist heute die „Charla von Venedig“, die
im Jahr 1964 vom II. Inlernalionalen KongreB der Arehileklen und Teehniker der 06 * * * SIO *S06 Vgl. Bmiulis. Joichin-I uhrbuch: Wcrksiotl ( iirlottu Brinkmunn, S. 23S 249; /u den Waiultep-
piclien vgl. Kolnvagner-Nikokii; Bildslickereien, S. |(SS 249.
<S()7 Vgl. Brandis, Jordan-Lihrbacli: Werkslall (’arlolla Brinkmann, S. 246.
SOS Vgl. Lehmann; Restaurienmg und Kunservienmg, S. 24 25.
X09 Vgl. VDR: Der Restaurator.
SIO Vgl. Zens; hntwieklungsgesehiehte der I extilrestaurienmg, S. 41.
XI I Vgl. Ilolenk de (iraaf: Vorwort /и I imar-Baki/sy, l.astop: Textile Conservation, S. IX; vgl.
VDR; Der Restaurator.
Prinzipien ипс/ Grundlagen konservalorischen llandelns
251
Dcnkmalpflcge verabschicdet wurdc. In Arl. 9. dcr Charla isl lestgehalten, dass die
Reslaurierung immer den Charakler „einer cutsnahmsweisen Ma/.inedune“ hat. „Л7е
jindet clort ihre Greuze, uy; die Uypothese beginnt [...]“. In Art. 12 heittt es J)ie
Flemente, wele/ie dazu hestimmt siucl, feldende Teile zu ersetzen, nuissen sieh deni
Ganzen hannonisch eingliedern, aher dennoch vo/n Originalbestand inUerseheid-
bar sein, damit die Reslaurierung den Wert des Denkincds cds Kunst- und Ge-
sehiehtsdokiunent niehl verfci/sehl.“ Retuschiennelhoden fur 1'chlstellen im Origi¬
nal sollcn also den Bliek des Belraehters niehl vom eigenlliehen Inhalt ablenken,
aber bei genauerem Hinsehcn erkennbar sein. In der modernen Konservienmg sul¬
len mit moglichsl minimalen Eingriffen die Bcdingungen zur Brhaltung des
Kunslwerks verbessert werden. Die dazu durchgellihrlen Arbeiten nuissen reversi-
bel sein, d.h. sie nuissen spaler wieder entfernt werden konnen, um die Anwendung
neuerer Melhoden zu ermogliehen. Dieses Postulat leitete man aus den teilweise
sehadigend wirkenden Rekonstruktionsarbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts ab.
Unter dem Aspekt der Reversibi 1 ilat muss der Rinfluss einer Behandlung bzw.
Nichtbehandlung auf den Zustand eines Objektes betraehtet werden. Dazu miissen
wissensehaflliehe Grundlagen im Kontcxlzusammenhang bekannt sein. Die dureh-
gellihrten Arbeiten sind zu dokumentieren.SIJ
Am An fang der konservatorisehen Arbeit stehen die Aufnahme des ,,lst-Zustands“
und die Planung der erforderliehen Arbeilssehritle. Naeh einer Rohslollanalyse
wird das Schadensbild festgehallen. llandelt es sieh bei dem zu konservierenden
Stuck um eine gelarbte l extilie, muss dieser Tatsaehe Reehnung getragen werden.
Zu beriieksiehtigen sind bier Nass- und Liehteehtheilen der 1'arbungen, sowolil un-
ler den Bedingungen der Konservierungsschritte, als aueh bei der Prasenlation in
der Ausstellung. Die umlassende Dokumentation erlbrdert auBerdeni die Beslim-
mung der vorhandenen 1'arbtone. Woreh weisl daraufhin, dass sieh der Restauralor
niehl mil einer subjektiven sinnliehen I’arbwahrnehmung zulrieden geben sol lie,
sondern stattdessen „Musterkarten mit dejinierten l-'cirbsystemen" zur I land neh-
men sol lie. Sie nennl als Mindestanforderung l ur die Dokumentation „emc stan-
dardisierte Farbkennzeichnung, \\'ie z.B. RAldk und 1 ur bedeutende Objekle wenn
mbglieh eine juKiinvissensehaftliehe FarbancdyseDie Parblonbeslimmung
naeh dem RAL-System ist sieher mbglieh, besser geeignet sind aber liir den texti-
len Bereieh entwiekelten I'arbordnungssysleme, wie z.B. SC’OIDIC , die eine um-
fangreiehere I'arbtonpalette mit exakt dellnierlen Werten lur Buntton, Saltigung
und llelligkeit zur Verlugung stellen. * 3(SI2 Vgl. VDR: Charla von Venedig, Arl. 9 und 12.
SI3 Vgl. Worch: Dokumcnlalion von I cxlilicslauricrimgcn, S. I S3 1S4.
258
Prinzipien unci Grunc/lcigen konservatorischen Ilcmtlelns
7.1 Farbstoffanalyse bci historischen Textilien
Mil dcr Beurtcilung einer Farbung mittels Farbmetrik und der Uberpriifung von
Echtheilseigenschaflen ist noch koine Identifiliation des Farbstoffes vcrbundcn.
Dass dcr Farbeindruck nicht zwangslaufig Ruckschlusse auf don vcrwcndelen
Farbstoff zulasst, schildcrn Timar-Balazsy und Eastop am Bcispiel dcr Unlcrsu-
chungen von Needles und Regazzi, die ungebcizte und mit Aluminium-, Eisen-
sowie Zinnbeizcn behandelle Wollproben mil Alizarin larblen und in sandigcm
Lchmbodcn vergrubcn. Nach einigcn Wochen wiesen alle Proben cine Farbveran-
derung nach Violett auf.814 815 Flier wird deutlich, wie wichtig auBer den Kenntnissen
der Farbstoffe und Farbclcchnik das Wissen iiber die Bcdingungen, denen Textilien
im La life der Zeit ausgesetzt waren, ist. Farbtonveranderungen konnen durch Sati¬
re-, Alkali- und/oder Rcdoxmillcleinflusse verursacht werden, abcr ebcnso konnen
Metalle, hohe Tempcraturcn odcr Luftfeuchligkeil die Ursachen sein. Nach dem
Augenschein kann deshalb ein fur die Farbung vcrwendeter Farbstoff nicht identi-
fiziert werden.
Die verschiedcncn Moglichkeiten zur Anwendung naturwissenschaftlicher Metho-
den bei der Farbstoffanalyse sind in den letzten Jahren in vielen einschlagigen Ver-
bffcntlichungen aufgezeigl und besprochen wordcn,8b daher werden die ublichen
Methoden im Folgcnden lediglich im Uberblick dargestellt.
Fur die Farbstoffanalyse wird zunachst die verwendete Faserart durch mikro-
skopische Untcrsuchung oder Losetests beslimmt.816 In der Aschc einer Probe kon¬
nen dann als Beizen verwendete Metalle, wie z.B. Aluminium, Kupfer oder Zinn,
nachgewiesen werden.817 Fur die ldentiHkation von Beizcnfarbstoffcn miisscn dicse
von der baser abgezogen werden. Urn dabei die farbigen Komponenten aus dem
Mctallkomplex zu losen, ist das Kochen einer gelarbten Probe in Salz- oder Schwc-
felsaure iiblich. Die rcsultierende Lbsung kann anschlieBend mit verschiedencn
Losemitteln ausgeschiittclt und die auftretendcn Farbrcaktionen prolokollicrt wer¬
den, wie llofenk-De Graaff am Bcispiel der Insektenfarbstoffe Kermes, Cochenille
und Wurzelkermes beschreibt (Tab. 56).818 Durch die subjektive visuelle Beurtei-
814 Vgl. Timar-Balazsy, Faslop: Textile Conservation, S. 97 98.
815 Siehe Schweppe: NaturfarbslolTe, Кар. IV; llofenk tie (iraalT: Colourful Past, S. 19 41 und
jeweils am Fntle tier Farbrnillelbesehreibung; Joosten el al.: Ilallstatt Textiles; Rosenberg,
Wie: Analylik von natfirliehen organisehen I-'arbstolTen; Rosenberg: Historical organic
dyestuffs; siehe ebenso die versehiedenen Jahrgange tier Zeilschrift Dyes in History and Ar-
ehaologie (1)11 A), Textile Research Associates, York.
816 I-ur die Fasermikroskopie und Itlenlifizierimg fiber Loseversuehe vgl. Slralmann: Frkennen
und ltlenlillzieren tier Fascrsloffc, vgl. ebenlalls Loske: Methoden tier T'exlilmikroskopie; vgl.
I.alzke, I Iesse: Raslerelcklroncnmikroskopie.
817 Vgl. Sharpies, Westwell: C'hemieal Analysis and Tests, S. 42; vgl. Belir: Tasehenbueh tier
T'extilehemie, S. 339.
818 Vgl. Sharpies, Westwell: Chemical Analysis and T ests, in: Booth el al.: Dyes, S. 42.
Prinzipien unci G run cl lagan konservalorischen Handel ns
259
lung is! diesc Mcthode nur bedingt reproduzierbar, bci photometrischcr Mcssung
im Verglcich zu Standardlosungen kann das Ergcbnis aber abgcsichert wcrdcn.
Tab. 56: Idcnti(Ikation dor InsektenfarbstolTc durch Loseversuchc
Losemittel
Kermes
Cochenille
Wurzelkermes
Salzsaure
leicht pink
leicht pink
orange
Petrolether
-
-
-
Diethylether
Extrakt vollstandig
orange
-
-
Benzen
Losung leicht gefarbt,
Saure etwas klarer
-
-
Trichlormethan
Losung leicht gefarbt
-
-
Ethylacetat
komplette Extraktion
teilweise Extraktion
teilweise Extraktion
1-Pentanol
Extrakt orange
Extrakt orange
Extrakt vollstandig
pink-orange
Die zuvor bcschriebcncn Loseversuchc erfordern relativ groBc Probemcngen, wcl-
che bci historischen Textilien naturgcmafi nicht gegcben sind.814 Auf Grund dcs
Wertcs dieser Objekte gcwinncn probenarmc Untersuclnmgsmethoden sowie zcr-
storungsfrcie Analysen an Bedeulung.* 820
Fur die weitcre syslematische Analyse kommen heute chromatographische und
spektrophotometrische Melhoden zur Anwcndung, 1'iir die erhcblich geringere Pro-
bcnmengen benotigt werden und die exakterc Frgebnisse liefcrn.821 Die Chroma¬
tographic ist ein Verfahren zur Auftrennung eines Stoffgemisches durch unlcr-
schiedliche Verteilung dcr Finzelstoffe zwischen einer slationarcn und eincr mobi-
Icn Phase (Fluens). Die Trennung beruht im Wcscntlichcn auf Adsorptionsvorgan-
gcn an der slationarcn Phase und/oder Verteilungsvorgangen in den nicht mischba-
ren Phascn.822 823 Fiir die Farbstoffanalyse kommen Papier- (PC), Diinnschicht- (DC),
Gas- (GC) und Flochlcistungsflussigkcilschromatographie (HPLC) zum Finsatz,
die sich durch Art und Zustand der verwendeten Phasen voneinander unterschei-
den.s~^ Das aufgetrennte Probengemisch kann fur weitcre Untersuchungen vcrwen-
det werden.
Die Frgebnisse der Chromatographic, die Chromatogramme, werden in innere
und auBere Chromatogramme unterschieden. Innere Chromatogramme entstehcn
bci der Papier- oder Dimnschichtehromatographie824 und zcigen die Finzelkompo-
^19 Vgl. Hofcnk dc Gmaff: Red Dyestuffs. S. 73.
820 Vgl. Fuchs: Arehiiometrisehe Unlersueluiiigen, S. 23.
821 Vgl. Sharpies, Westwell: C’hcmical Analysis and rl'esls, S. 47; vgl. Hofcnk de (iraaff: Red
Dyestufls. S. 74.
822 Vgl. I leisehmann: CTimmatographie, in: Rompp Online, RD-03-01679.
823 Vgl. Sharpies, Westwell: Chromatography, S. 47 52.
824 Bci der Papierchromatografie wild ein Fillerpapier als stalionare Phase und ein Losemitlel
b/w. LosemiUelgemisch als mobile Phase verwendet. Die /11 untersuehende Probe wirtl gelost
und ein kleiner T roplen auf das Fillerpapier gebraeht. Zusalzlieh werden bekannte Vergleichs-
substanzen aulgetragen. Das Papier wird in einer C’hromalographierkammer, meist ein (ilas-
260
Prinzipicn will (iruiullugen konservatorischen Handelns
nenlcn nach dcr Auflrcnnung an untcrschiedlichcn Stcllcn dcr stationaren Phase
(/.B. Papier). Uber den Quotienten Rr (Retenlionsfaktor) aus dcr Laufstreeke der
Substan/ und der Laufstreeke der mobilen Phase kann die Subslan/ identifiziert
werden, die CiroBe des Pleekes gibt Auskunfl uber die Mengc. I3ei der Verwendung
von gleieher stalionarer (Papierart, DC-Plattc) und Пussiger Phase (Eluens-
zusammensetzung) isl der Retenlionsfaktor eine Stoflkonstante.
AuBerc Chromalogrammc stammen aus der Saulenchromatographie, die als
Gas- oder Llussigkeitschromalographic durchgellihrt werden kann. Die IIPLC isl
eine Weiterentwieklung der klassisehen Flussigkeitschromatographic und bictet
dureh eine reduzierte TcilchengroBe der stationaren Phase eine groBerc Lmpllnd-
lichkcit, bessere Auflrennung und Verkur/.ung der Analysedauer.*2" I3ei der Sau-
lenchromalographie legen alle Stoffe den gleiehen Weg dureh die stationare Phase
zuriick, verlassen die Saule aber zu untersehiedlieher Zeit, was dureh einen ange-
schlossenen Deteklor registriert wird.
I'ur die Auswertung der Chromatogramme miissen Vergleiehsmcssungen mit
bekannten Standards dcflnierler Konzentrationen durehgeluhrt werden. Die qualita¬
tive Auswertung erfolgt uber die Retcntionszeit, d.h. die Zeit zu der die Substan/.
im Chromatogramm registriert wurde (Peak), die quantitative Auswertung erfolgt
fiber Peak-Flachen oder Peakhdhen.
Die ehromalographisehen Verfahren werden heule im Allgemeinen bei der Farb-
sloffanalyse zum Auflrennen von FarbstolTmisehungen verwendel und mit spekl-
roskopisehen Messverfahren wie z.B. NMR (engl. Nuclear Magnetic Resonance,
Kernspinrcsonanzspcklroskopic), MS (Massenspektromelrie), U V-Vis-Speklros-
kopie oder Infrarolspektroskopie kombiniert. Die Untersuehung der Ih’oben mit
UV-, visuellem oder Infrarot-Lieht ermoglicht die Aulhahme von entsprcchenden
transmissions- oder Absorplionsspeklren, die mil llilfe von Relerenzspektren
(Vergleichsslandard) inlerpretiert werden konnen. Wird im sichtbaren Bereich des
Lichtes gearbeilet, konnen dureh die Wahl des Losemitlels unterschicdliche Spek-
tren erhalten werden, die die Mbglichkeit zur Idenlillkation erweitern. Beim Arbei-
len im IR-Bereich sldren dagegen farblose Beimischungen niehl.s2/ l-ine anschauli-
ehe Darslellung fiber die vcrschiedenen Mdglichkeiten der I'arbsloffanalyse und
hcluillcr, so in das Losemillel gehiingl, class die Slarlpunkle nichl in I'liissigkeil einlauchen.
Das Losemillel sleigl im I.aiile dcr Zeil im I illerpapier nacli oben und nimml die in dcr Probe
cnlhallcncn Subslan/cn unlcrsehicdlieh wcil mil. Die Diinnschiehtehromalographic vcrlaufl
vergleichbar, allcrdings wird hier als slalionare Phase eine mil einer absorbierenden Sehiehl
versehene Platte verwendel. Zu weileren Details vgl. (iuiochon: Basic Principles of
( hromalography; vgl. I ouchslone: 1 hin Layer (’hromalography, S. 4 5.
(S25 Vgl. Urehm: IIPLC, in: Rbmpp-Online, RD-OX 01905.
X26 Vgl. I leischmann: Chromatographic, in: Rompp Online, RD-03-01679; ITir Details /ur (ias-
und l;lussigkeilschromalographie vgl. Sandra: (ias Chromatography, S. 2 4; vgl. I.embke et
al.: Liquid Chromatography, S. 4 9.
827 Vgl. Schweppe: Nalui'laibslolle, S. 654 659.
Pnnzipicn und Gmndlctgen konservatorischen Ihmdelns
261
deren Abfolgc und Kombination gibt Hofcnk dc Graaff.s2s Durch die slandige Ver-
besserung dcr Analyse- und Messlechnik werden die erforderliehen Mengen an
„Originalsubstanz“ lur die Farbstoffanalyse immer geringer.
Jedes Farbmiltcl enlhalt eine individuellc Zusammensel/img verschiedener
Rcinfarbstoffe b/w. deren Deri vale, insbesondere (ilykosidverbindungen. Um
durch die Analyse nicht nur Farbstoffe zu identifizieren, sondern ebenso Riick-
sehliisse aufdas verwendete Farbmitlel zu ziehen, isl es wichlig bei der Fxtraklion
von der Faser mdglichst viele Komponenlen in unveranderler l;orm abzulosen.
Auch Mengenantcilc sind von Inleresse. Bei der Chromalografie werden die Ver-
bindungen erlasst und untcrschiedcn. Frfolgt die iixtraktion von Beizenfarbstoffen
mitlels Salz- oder Schwcfelsaurc werden nicht nur die Komplexe hydrolylisch ge-
spallen sondern ebenialls die Farbstoffglykosidvcrbindungen, wodurch Informatio-
nen zum Farbmittcl verloren gehen. Diese zusatzliche, unerwunschte Hydrolyse
kann nach neueren Unlcrsuchungen vermieden werden, wenn beim Abziehen der
Komplexe mil weniger starken Sauren wie Ameiscnsaure oder Flhylendia-
mintetraessigsaure (HDTA) gearbeilet wird.s2‘*
Nebcn deni apparativen Aufwand und immer noch bestehenden Problemen mil
Storsubstanzen (z.B. Stcifausriislungen o.a.) erfordert die Farbstoffanalyse, insbe¬
sondere die der NaturfarbstolTe, eine aufwcndigc Interprelalion und Deulung der
Messcrgebnisse. F'iir jede Art der Chromatographic und Speklroskopie werden
Vergleichsstandards zur Identifikation der in der Probe enlhaltenen I'arbslolle be-
notigt. Gccignet sind im Chemikalienhandel erhaltliche reine I'arbslolle, F.xlrakle
aus l arberpllanzen und -insekten oder nach alien Rezeplen durchgeliihrle I'arbun-
gen. AuBerdem konnen gelarbte Textilresle, die in der Restaurierung anlallen, z.B.
aus niehl wiederverwendbarem, geschadigtem Material, fur Vergleichszwecke be-
nutzt werden. Bei dicsem Probematerial werden zusalzliche Finlliisse durch Alle-
rungsprozesse berucksichtigt.Sl(> Allerdings sol lien bei Benulzung gealterler Pro-
ben, In format ionen zu deren Nutzung und Lagcrung vorliegen.
Dienen historische l arberezepte als Basis lur die I lerstel 1 ung von Vergleichs-
proben lur die Farbstoffanalyse, miissen, wie die hier vorliegende Auswertung mil-
telalterlicher Anleitungen zeigt, beim Nachlarben viele I aktoren beachlel werden.
Pliiufig wurden bei der Farbung mehrere Farbmiltel miteinander kombinierl, z.B.
Indigo und Beercn, Brasilholz und Ahornlaub, so dass nicht nur variierlc I arb-,
Beiz- und Hilfsmitlclkonzenlralioncn zu beriicksichtigen sind, sondern ebenso die
Auswirkungen, die Kombinationen bei der Farbung und bei der anschlieBenden
Analyse haben konnen. Untcrschicdliche oder sogar nicht angegebene l arbetempe-
raluren und -zeiten, sowie die Verwendung von in der Vorschrift nicht aufgeluhrten
H2(S Vgl. Hofcnk dc (inuilT: ( olourliil Past, S. 24.
X29 Vgl. Zhang, Laurscn: Mild Iixtraclion Methods, S. 2022, 2024 2025.
K50 Vgl. Schweppe: Nalurfarhsloflc, S. 659.
262
Prinzipicn und GruniUagcn konscrvalorischen flandelns
Arbcitsmitteln, wic z.B. Farbekesseln aus Kupler, crwcitcrn den Rrobenumfang liir
die ITarbeilung eines vcrlasslichen Vergleiehsstandards deutlich.
7.2 Waschcn und Rcinigcn (Nassechtheit)
Versehmut/ungen auf historisehen Textilien sind einerseils „Materie am lalsehen
()rt“, dokumenlieren andererseils aber ebenso Nutzung und Gebraueh.'^1 Wirken
sieh Sehmulz oder Ablagerungen auf der Textilobcrllachc sehadigend aus, muss
ihre Lntlernung in Krwagung gezogen werden'Sl2, wobei zu beriieksiehtigen ist,
dass die Reinigung zu den nicht reversiblen Arbeitsgangen zu ziilden ist, welehe in
ihren Auswirkungen nicht revidierbar sind.M' Als Reinigungsilotten kommen wiiss-
rige Tcnsidlosungen, aber ebenso unpolare Losemittel zur Anwendung, Lehmann
besehreibt auBerdem die Fill terming von felthaltigen Versehmutzungen in sehwaeh
alkalisehen Badern.su EinflussgroBen sind die aus deni Bereieh der I laushaltswa-
sehe bekannten Faktorcn Zeit, Temperalur, Chemie und Meehanik. Mechanik und
Temperatur miissen bei der Reinigung historiseher Textilien auf'Grund ihrer sehii-
digenden Auswirkungen reduziert werden. LITekte, die dureh den Linsatz von Rei-
nigungsmitteln (Chemie) und die Behandlungsdauer insbesondere beziiglieh der
I arbigkeit der Textilien erreiehl werden, miissen vor ihrer Anwendung uberprufl
werden.
Die Behandlung mil wiissrigen Losungen kann dureh die dabei aultretende l;a-
serquellung Probleme verursaehen. Sind in einer Textilie versehiedene RohstolTe
miteinander verarbeitet, kann deren untersehiedlich stark ausgepriigte Quellung zu
Sehaden am Objekt Itihren, die z.B. bei mit Seide beslieklem Leinen zum Reiflen
des Slickgarns Itihren konnen, da die Celluloselaser sehr vie! starker quilll als die
Seide. Martins bemangelt auBerdem, dass die mil der Nassreinigung verbundene
ansehlieBende Trocknung haullg mil einer starken Glaltung verbunden ist, die deni
T extiI insbesondere bei Sliekereien den dreidimensionalen Oberllaeheneharakter
nimmt.,sb
AuBer den mogliehen sehiidigenden Auswirkungen einer Nassreinigung auf die
I'asern, muss zusatzlieh bei getarblen Textilien die Nasseehtheit der F’arbung be-
riieksiehlig werden. Sie beeinflussl das Reinigungs- und Troeknungsvcrhaltcn von
gelarbten Textilien. Nicht nasseehle FarbstolTe konnen dureh Wasehprozesse aus-
bluten oder beim Troeknen zur Fleekenbildung Itihren. Sind die zur Farbung ver-
wendeten FarbstolTe nicht dureh Analysen bekannt, miissen Lehlheitspriifungen * 32Х.Ч Vgl. luilcr: AHcrswcrl Schnuil/, S. 7 10.
S32 Vgl. Martins: Reinigimg historiseher textilien, S. 170; vgl. Tennent: Deterioration and
Conservation, S. 41 42.
K33 Vgl. Ilofenk de (iraalT: Vorwort /и I imar4iala/sy, l-.astop: Textile Conservation, S. IX X.
K34 Vgl. Lehmann: Restaurierimg und Konservierung, S. 24.
K35 Vgl. Marlins: Reinigung historiseher Textilien, S. 170.
Prinzipicn wul GnnuHugcn konscrvatorischen Ilancfalns
263
durchgcfiihrl wcrden. Die in dor modernen Tcxlilproduktion im Rahmen dor Quali-
tatskontrolle iiblichen Priil verfahren fur Waschechthcitcn sind auf (irund ihrer
Priilbcdingungen fur den Einsatz im Rahmen der musealen Arbeit nieht anwend-
bar. Das genormte Verfahren fur Waseheehlheitsbeslimmung mil der sehonendsten
Behandlung der Ware (DIN EN 20105-C 01) llndet in einer alkalisehen Seifenld-
sung (pi I -Wert 9,8) stalt. Es fiihrt /war nieht unbedingt /u einer Verringerung der
Parbtiefe, aber bei NaturfarbsloiTen doeh zu deutliehen Farblonanderungen. AuBer-
dem isl die vorgesehriebene Meehanik des Probenbehalters von 40 Umdrehungen
pro Minute fur hislorisehe Materialien nieht geeignel und das relaliv groBe Flotten-
vcrhaltnis von P50 auf Grund der /uvor besehriebenen Quellungsreaktionen eben-
lalls nieht praktikabel.
Daher kommen fur die Echtheilspriilung im musealen Bereich andere Verfahren
mil pi 1-neutralen Dctergentien und ohne meehanisehe Beanspruehung /uni Pinsat/..
Ein Beispiel ist die in den CCI Notes 13/14 besehriebene Prozedur, bei der zu-
nachst die Wasserechtheit der Farbung iiberpriift wird.NV) Dazu wird die zu priilcn-
de Probe auf einer Polyesterfolie auf Chromalographie- oder FlieBpapier gelegl und
anschlieBend mit einem Tropfen aulbereiletem Wasser versehen. Naehdem die
Fliissigkeil von der Probe absorbierl wurdc, wird diese mil weiterem FlieBpapier
und l'olie abgedeckt und mit einer Glasscheibe beschwerl. Nach wenigen Sekunden
wird iiberpriift, ob Farbstoff auf das FlieBpapier iibergegangen isl. Ist kein
Anbluten des Papiers erkennbar, werden 1*4)1 ie und 1'lieBpapier erselzt und die
Priilzeit auf 2, 5, 15 oder 30 Minulen ausgedchnl. 1st auch nach verkingerler
Priifzeit kein Anblulen lestslellbar, kann der l est mit einer Tensidlosung bei der
liir die Wiische erforderlichen Konzenlration und remperatur wiederholl werden.
1st zu irgendeinem /eilpunkt wiihrend des Versuchs ein Anlarben des MieBpa-
piers zu sehen, darf das cnlsprechende Texlil nieht mil einer wiissrigen Losung ge-
reinigt werden und eine Troekenreinigungsw mil organischen Losemitteln muss in
F.rwagung gezogen werden. Dabei ist zu beriicksiehtigen, dass nieht jedes Iextil
liir die gewerbliehe Trockenreinigung geeignel isl, da auch diese mil einer der Wii-
sehe vergleiehbaren Meehanik verbunden isl. Das iibliche Losemiltel ist
Tetrachlorethen (С2С1,, Perehlorethylen, Per), da es den grbBlen I eil der moglichen
Versehmutzungen lost. Die Behandlung von emplmdlichen fexlilien erfolgt bei
Tcmpcraturcn bis 25 °C auf einem Sauglisch, die Dauer muss der Fmpfindlichkeil
des zu reinigenden Materials angepasst werden.s,s
Wahrend die in der Textilvercdlung iibliche, den heuligen Anspriichen im (ie-
braueh angepasste Priifmethode deutlich veranderle Farblbne zeigt, weisen die Pro- 536 537536 Vgl. (аткМап Conservation Institute (CCI). CXI Notes 13/14.
537 Die Trockenreinigung unilassl Reinigungspro/esse mil organischen Losemitteln. Dieser lie-
gri IT tier Texlilveredlung slelit im (iegensal/ /.ur Nassreinigung, worunler Pro/esse mil Wasser
oiler wassrigen Losungen /u verslehen sind.
83X Vgl. C anadian C onservation Institute (( C l). CCI Notes 13 13; vgl. 'lament: Deterioration anil
Conservation, S. 42.
264
Prinzipicn ши/ Gnuutlagcn konscrvatorisc/icn Ilanc/cJns
ben, die mil den in der Konservicrung verwendeten Reinigimgsmillcln behandell
warden, keine Farbveranderungen auf (vgl. Tafel 65). Bei der Anwendung von
Tensidlosungen isl aber trotzdem Vorsieht geboten. Wie das geringfiigige Anbluten
des aufgeleglen Saugpapiers zeigl, kann das Tensid oberllaehlich angclagerten
I’arbslolT ablosen, der dann aufandere Teile des Texlils iibergehen kann. Die Prii-
I'ung mil dem Lbsemittel Telrachlorelhen bewirkle weder F’arbanderung noeh
Anbluten bei den hicr gelestelen Probcn. Ob Versehmul/.ungen enlfernl werden
and wenn ja, mil welcher Melhodc, wird immer eine Finzelfallenlsebeidung sein.
7.3 Lagcrung und Presentation (Lichtcchtheit)
Textile Materialien sine! hoehmolckulare, teilkristalline Polymere, die durch Ge-
braueh, /eit und iiuBere l.iniliisse strukturellen Veranderungen unterliegen. die als
Aliening bczeiehncl werden. Allerungseffekle werden durch meelianische, ehemi-
sclie und insbesondere photoehemiselie Beanspruehungen verursaeht und kbnnen
deulliehe Anderungen der Materialeigensehaflen bewirken.*'1' Bei der Lagerung
und Priisentation historiseher Textilien muss dalier der Linfluss der Umgebungsbe-
dingungen auf Laser- und Gebrauchswerteigensehal'ten des Textils beriieksiehligt
werden. Luftleuchte und -temperatur rulen bekanntlich Anderungen der Ligen-
scharien hervor, die allerdings meist reversibel sind. Lieht dagegen lost dureh pho-
tochemische Reaktionen irreversible Veranderungen am Material aus, die dureh
Leuehte- und Temperatureinlliisse kalalysiert werden.
Somit ist das Umgebungsklima, d.h. die relative Luftfeuehle und die Tempera¬
tur, in dem das Textil aulbewahrt wird, ein wichtiger Linflussfaktor. Die relative
Lull I'euehte |rL, %] ist das Verhallnis des Wasserdamplgehaltes der Umgebungs-
Iuft zum maximal mogliehen Wasserdampfgehalt bei gegebener Temperatur. Der
Wasserdamplgehalt sleht in direktem Zusammenhang mit der Temperatur, warme
l.ul't kann mehr Wasserdampf aufhehmen als kalte Lult. Kiihlt warme, I'euehte Lull
ab, kondensiert der enthaltene Wasserdampf und sehlagt sich z.B. auf Wanden oder
f'enstern nieder. Bei gegebener Temperatur (z.B. 25 "( ) enthiilt die Raumlul't 70 %
relative Luftfeuehle. Kiihlt die Lull ab, sleigt die relative Luftfeuehle bis zur Siitti-
gungsgrenze (100 %). Wird weiter abgekiihlt. ist das Feuehteaufnahmevermogen
der Raumlul't iibersehritten und der Wasserdampf kondensiert.
Textilien aus Naturfasern lutben ein ausgepnigles Feuehtesorptionsverhalten, das
Linlluss auf die Lasereigensehaften hat. Wird das Textil in zu trockencm Klima
aulbewahrt ( 20 % rL), trocknet es aus, die Lasern versproden und kbnnen an Les-
tigkeit verlieren, ist das Umgebungsklima zu I'euehl, komml es zur Laserquellung
und Ausdehnung des Texlils. IJnterliegt das Klima groBen Schwankungen muss
das textile Objekt standig ,,arbeiten“, so dass ein konslantes Umgebungsklima
XW V»l. Prcscc: (icncral PITccls of Ageing, S. 29 40.
Prinzipicm und Gnmdlcigen konservatorischen Handelns
265
wichtig ist. Fur Muscen mil Tcxtilsammlungcn ist heute nach den Lmpfehlungen
des CCI cine rcl. Luftfeuchtc von 50 % und cin TempcraUirhereich von 15 25 °C
(15 20 °C im Winter, 20-25 °C im Sommer) ublich.,v,° llohe Luflfeuchle 60 %
rL) kombiniert mil erhohten Raumtemperaturen lordert auBerdem die Bi Idling von
Sehimmel auГ Celluloscfasern. Die verursaehenden Verlreler der Gatlungen Asper¬
gillus, PeniciIlium, CUidosporium uvm. sondern Lnzyme wie z.B. Oxidasen,
Cellulasen oder llydrolasen ab, die die Fascrn angrcilcn, woraus Verlarbungen (-
SlockПеекеп) und durch Fascrabbau Fesligkeilsvcrluste resullieren.sn
Bei der Lagerung von Wolltextilien muss eincm mogliehen Befall dureh Seha-
dinseklen, wie z.B. der Kleidermolle (Tincola hisscdlicdla Hum.), deren Larven und
Raupen Wollproleine verdauen konnen, Redlining getragen werden, da diese In-
sekten dureh die oplimierlen Tcmpcratur- und Feuehtewerle gute Lebensbedingun-
gen vorfinden.M2
Die I lauplursaehe Iur Alterungsschadcn an Texlilien oder das Ausbleichen bzw.
Verblassen der Farbe, der Vcredler spriehl bier von Fading oder aueh Verschieben,
beruht auf den dureh Lieht hervorgerufenen Zerselzungsprozessen, die im Lxtrcm-
fall sogar zur Zerstorung der Textilfasern fiihren. Die FITekle sind kumulaliv und
irrcvcrsibcl.s‘h Besonders schadlich isl energiereiehes ultraviolelles Liehl, das zu
einem bedeutenden Anteil im Tagesliehl und verschiedenen kiinslliehen Lichtquel-
len enthallen isl, aber Infrarotlieht kann ebenso schadigend wirken, da es liir eine
Lrwarmung des Objekles sorgl und spezielle photochemische Rrozesse lordert.
Dureh Liehl ausgelosle photoehemisehe Reaklionen linden zu jeder Zeil slalt. Sie
sind die Ursache 1 ur einen Polymerkeltcnabbau, der zu 1’estigkeits- und 1 Jaslizi-
talsminderung fiihrt. So gesehiidigles Material kann dann z.B. in Konservierungs-
prozessen breehen. Zusatzlieh werden dureh die Keltenspaltung vorher gebundene
reaktionslahige Gruppen frei, die пене Angriffsmoglichkeiten 1 ur photoehemisehe
S40 Vgl. Canadian Conservation Institute: CCI Notes 13/1, S. 2; vgl. Kiihn: Umwelthedingimgen.
S. 20 21.
N41 Vgl. Sommer. Winkler: Werkstol'lprulung, S. 9<X6; vgl. К lick et al.: Sehimmelpil/e, S. INI.
N42 Vgl. Doehner: Wollkinule. S. 201 202: vgl. Wudlke: Alternative Methoden /ur liekampl'ung
von Museumsseliadlingen, S. 43. Naeli Auskunl't von I ran Dipl.-Reslauratorin ( armen Mar-
kerl, I ler/og-Anton-Ulrieli-Museum Braunschweig, benul/lc Carlotla Brinkmann bcrcils in
den 30er Jaliren des vorigen Jahrlumilerts Bulan, ein von der damaligen l arbenlabrik Leverku¬
sen (heute Bayer A(i) entwiekeltes Millel /uni Seluil/ vor MottenlralL bei Restaurierungsar-
beilen. Idilan und seine verschiedenen Nachlolgeprodukte haben heute in der Museumsarbeit
keine Bedeutung melir, da die Anwendung mil Nasspro/essen verbunden ist. Mottenscluit/
wil'd heute clinch die Begasung der Objekle mil Slicksloll fiber einen langeien Zeilraum er-
reicht. Zusal/lieh kommen LoeksloflTallen /urn I'.insal/., die bei regelmabiger Konlrolle einen
Befall solorl erkennen lasscn. Zur Iriihen l-ntw ieklungsgesehichle lies Bulans \gl.
Stotter: Mottenscluit/ dureh „Bulan Neu“ und ders.: Moderne Mollenmillcl: vgl. ebenlalls
Haas: BIJBAN ein BegrilT; /ur Begasung mil Slicksloll vgl. Wudlke: Alternative Methoden
/ur Bekamplung von Museumsseliadlingen.
N43 Vgl. Butler, Nicholson: Colours of the North, S. 41: vgl. Meier: Pholochemie der organischen
BarbslolTc, S. Ill; vgl. Tennenl: Deterioration and Conservation. S. 41.
266
Prinzipicn unci tinuullugcn konscrvatorischen llcuulelns
Reaklionen bielen.*1'1 Wic groB tier sehatligende Linfluss durch die Beleuehlung ist,
hangt von tier Faserart, aufgebrachten ITemdstoffen, z.B. FarbstolTen und tier ein-
wirkentlen Liehtart ab. Seitle ist am empfindliehsten gegeniiber liehtinduzierter
Fasersehatligung und Wolle ist am stabilsten. Die Beslandigkeit tier Cellulosefasern
Baumwolle und Leinen bewegt sieh zwisehen diesen Lekwerten.^
Das Ausbleichcn von I’arbungen auf Cellulosefasern geht im Allgemeinen auf eine
oxidative Xerstdrung ties Chromophors tlureh Liehl- und 1'encbleeinПusse in An-
wesenheit von SauerslolT zuriiek (vgl. Abb. 53). In Folgereaktionen kann das Sub-
si rat tlureh Oxidation tier primaren OII-(iruppen oder Spaltung tier glykosidischen
Bindungen verandert wertlen. Katalysicrl wird tier Prozess tlureh Sehwermetalle
wie beispielsweise Risen verunreinigungen aus Farbeprozessen.
Primarreaktionen:
H-F + hv ► H-F*
h-f* + o2 —► h-f + o2*
S e к u n tl a r re a к t i о n e n:
02a + H20 ► 2H202
H202 + Cellulose ► Oxieellulose + H20
h2o2 + h-f —► ho-f + h2o
Abb. 53: Reaklionen beim oxidativen AngrilTauf FarbstolT(ll-F) und l;aserslolTslb
An Proteinfasern linden eher reduktive Prozesse stall, an denen ebenfalls Feuehte
und SauerslolT beleiligl sintl. Beslimmle Aminosauren ties Proteins, z.B. Ilislidin,
geben dabei Flektronen an das Substrat ab, so dass das Protein selbst reduzierend
aul'den F'aserslolT und u. U. auf den Farbstoff wirkt. Dureh Oxidation wertlen die
Cystinbriieken tier Wolle gespalten, wobei Sehwefelwasserstoff und sehwellige
Satire enlslehen, aus denen sieh tlureh I'enehleeinlluss Sehvvefelsaure bilden kann,
die die Ljchtempfindlichkeit tier baser heraufsetzt. Alle Fffekte wertlen dureh
T'emperalurerhdhung beschleunigt.'447
Xusalzliehe Sehiidcn konnen tlureh Luftverunreinigungen auftreten, so dass auf
die Qualitiil tier Lull in Ausstellungs- und Lagerraumen zu aehten ist. Bei Anwe-
senheit von Schwelcldioxid (S02) kann sieh in Verbindung mil I'euehte auf tier
Materialoberllaehe Sehvvefelsaure bilden, die saureempfindliche Cellulosefasern
angreilt. Audi bier wirken Metallverunreinigungen als Katalysatoren. Schadigend
kann auBertlem ein erhohter Ozongehall tier Luft sein. Die tlureh Ozon bedingten
(S44 Vgl. Bresee: Aging of I exliles, S. 41 42.
(S45 Vgl. lennenl: Delerioralion and Conservation, S. 41.
S46 Vgl. Idler: Accelerated Aging. S. 51.
X47 Vgl. Meier: Photochemie der organischen Farbxlofle, S. 114 115 und 117; vgl. I'eller:
Accelerated Aging, S. I7X 1X0; vgl. Sommer, Winkler: WerkstolTkunde, S. 1270.
Pvinzipien und Grundlagen konservatorischen Handel ns
267
oxidaliven Rcaklionen erfordem koine Lichtenergie, d.h. sic laufcn auch im Dun-
kcln ah und bcschlcunigen don Fascrabbau durch Lichtcinwirkung.MS
Tcxlilien gehoren somit zu den besonders liehtempfindliehen Objcklen, liir dcren
Ausstellung eine maximale Beleuehlungsslarke von 50 lx iiblieh ist.’v,l> Durch das
Hcrabsctzen der Beleuehlungsslarke wird der pholoehemisehe Abbauprozess der
Fascrn nichl aufgehallen, sondern nur verlangsaml. Urn die besonders schadliche
ullraviolelte und infrarolc Slrahlung zu reduzieren, miissen weilere Vorkehrungen
gelrolTen werden. Die Presentation im Museum erfordert eine ,,schonende“ Aus-
leuehtung der Objektc bei gleiehzeitiger guter Farbwiedergabe. Direktes Sonnen-
lieht ist zu vermeiden, daher ist der Finsatz von Leuehtslofllampen mil UV-l'illern
iiblieh, die zusalzlich moglichst geringe Warmestrahlung abgeben sollcn.*00
Ш Vgl. Kiihn: Umweltbedingungen, S. 28 2(); vgl. Puller, Nicholson: Colours of the North,
S. 41; /u neueren IJntersuclumgen iiher den I -in Hnss von ()/on an I ()plik und I Jgenscha lien
von Wolle vgl. Quadllieg: Idnwirkung von ()/.on mil Wolle.
<S49 Vgl. Canadian Conservation Institute: CCI Notes 13/1, S. I. Die Peleuehlungsslarke (l.ux,
flxD ist die Mabcinheil liir den l.ichlslrom (Lumen, |lm|), tier von einer Liehlt|iielle mil eine
Llachc trilli (I lx I Im • in'"). In der Arbeilswell ist hei IHiroarheiten eine milllere Peleuch-
tungsstarke von mindeslens 500 lx vorgeschricben, sie kann im Alltag aber auch wesenllieh
holier liegen. wie /.P. 100.000 lx an einem sonnigen Sommertag otler 20.000 lx an einem be-
wolklen Tag. Vgl. hier/.u hordergemeinsehali (iutes Liehl: Licht-Know-how. Die liir Tcxlilien
empfohlenen Peleuehtungswerle kdnnen /uni Zweeke der Photographic kur/lrislig aul 1000 lx
erhdhl werden, vorausgesel/t das Objekt wird ausreichend vor 1 lil/eslrahlung gescluil/l. 1'iir
Keslaurierungsarbeilen ist /uni Tcil eine Peleuehlungsslarke von 2000 lx erlorderlieh. Vgl.
Kiihn: Umweltbedingungen, S. 24 25.
H5() Vgl. Feller: Accelerated Aging, S, 50: vgl. Lehmann: Reslaurierung und Konservierung, S. 2S;
vgl. Kiihn: Umweltbedingungen, S. 26 2<S.
8. Zusammenfassung und Ausblick
VcrwcMidctc Farbmittel. l-4ir jcdcn Farblon ist in den hicr bcarbcitclcn Quellen ein
breiles Sрекtrum an unlersehiedliehen Farbepflanzen oder Pigmenlen aufgeluhrl.
Die Betrachtung der verwendeten Farbmillel in Abhangigkeit vom Alter der Quel-
len macht deutlich, dass nieht alle Farbmiltel liber den gesamten Zeitraum genutzt
werden (Tab. 57). Wahrend in den Quellen des 14. Jahrhunderls (In, M I) eher
„cxotische" Farbmillel wie Pcch oder Krebse und die aus der Buchmalerei bekann-
ten Pigmente fiir die Textillarbung verwendet warden, sind mil Beginn des 15.
Jahrhunderls deutliehe Praverenzen fiir bestimmte pflanzlichc I arbmitlel und Re-
zepte zu erkennen.
Tab. 57: llauHgkeil und pm/.enUialer Anlcil der wiehligslen I'aihmillel
Farbton
Blau
Violett
Rot
Gelb
Griin
Schwarz
Grau
c
3
ra
k.
CD
Rezepte
63
13
84
58
66
47
19
45
Quelle
Beeren/Metall
Beeren
Indigo bzw. Waid
Indigo/Beeren
Beeren
Brasilholz
Brasilholz/Ahornlaub
Saflor
Krapp
Safran
gelbe Blumen/Gilbkraut
Berberitze
Saftgriin/Gr
Kreuzdornbeeren
Griinspan (Gr)
Kombi Gelb/Blau
Kreuzdornbeeren/Gr
Erlenrinde/Eisen
Gallapfel/Vitriol
Brasilholz
14. Jh.
-
1
-
-
1
1
-
-
-
1
-
-
1
-
-
-
-
-
15. Jh.
12
6 5
5
4
18
5 5
1
3
2
1
7
7
5
3
4
11
-
5
16. Jh.
4
8 7
1
5
18
2 2
3
8
3
4
6
4
4
5
2
7
4
5
I
16
15 12
6
9
37
8 7
4
11
5
6
13
11
10
8
6
18
4
10
%
25
24 19
10
44
10 8
5
19
10
10
20
17
15
12
9
69
38
21
22
E %
78
67
39
73
Blaiifarbungen erfolgen zu ea. 80 % mil Beeren und Indigo. 50 % der Vorschrif-
len enthallen Ileidel-, llolunder- oder Attiehbecren mil und ohne Kupfer- oder
Fisenzusalz. Indigo vvird allein in 20 % und mil Beeren als Slreekmiltel in vveileren
10 % der Anleitungen verwendet. Fur Violetttonc iiberwiegen ebenfalls deutlich
mil ca. 70 % die Beerenfarbungen.
Die Kotfarbung wild von Farbeanleilungen mil Brasilholz dominiert. Auber-
dem wild es mil Ahornlaub gestreekt ebenfalls fiir Rottbne verwendet. Beide Vari-
anlen umfassen mehr als die llalfle der Rotlarberezeple. Weitere, im Vergleieh
zum Brasilholz aber deutlich sellencr benulzte Rolfarbmiltel sind Sailor und Krapp.
(ieU)fbnc werden bevorzugl mit Safran erziell. Ilaufig beschrieben sind eben¬
falls Farbungen mit gelben Blumen bzw. (iilbkraul sowie Berberitze. Diese Farb-
Zusanwwnjassiinx und Aushlick
269
mittcl habcn zusammcn cincn Antcil von ca. 40 % an den Vorschriftcn fiir die
Ge Marbling.
bur die Grtinfarbuug werden Krcuzdornbccrcn, Griinspan sowie Saftgrun ver-
wendel. Die ein- b/.vv. zweibadige b'arbung mil einem Blau- und einem Gelbfarb-
mittel ist ebenfalls aufgcliihrl. Insgesamt enlfallcn auf dicse Varianten iiber 70 %
der CiriinlarbeanIeitungen.
Schwarz- und Graufarbiiiigcii erfolgen mil (ierbslolTen. Fiir die Schwarzlar-
bung iiberwiegl mil 38 % Frlcnrindc mil einem Fisenzusatz, fiir die Graularbung
Gallapfcl mil Fiscnvitriol mil einem Anleil von 21 %.
Fiir Brauntbnc isl wiederum in einem Fiinftel der Anleilungen die b'arbung mil
Brasilholz beschrieben. In den anderen Vorschriflen fiir die Braunlarbung spiegell
sieh die Bedeulung des Brauns als Mischfarbe aus vielen unlersehiedliehen Farb-
mitteln wider.
Waid bzw. Indigo, Krapp und Wau. Die in der Literalur zur Gcschichte der Fiir-
berei immer wieder besehriebene Dominanz der Parbmillel Waid bzw. Indigo,
Krapp und Wau in der mittelallerliehen Fiirbcrei, lassl sieh anhand der bier bctrach-
lelen Quellen nur mil Finschrankungcn bzw. nieht belegen.
Die b'arbung mil Indigo bzw. Waidindigo implizierl, dass das Wissen iiber die
aulwendige barbeweise millels Verkiipung allgemein bekannt war. Taylor und Sin¬
ger schildern die Mille des 15. Jahrhunderls iiblichc Verkiipung des Pigmenles mil
llonig und Kalk.SM In den betraehleten Quellen sind Waid, Indigo und Waidblume
fur die Blaularbung in ca. 30 % der Vorschriflen cnthaltcn. Anhand des barbeab-
lauls isl die Verwendung als Kiipcnfarbstoff aber friiheslens fiir die Zeil ab dem 16.
Jahrhundert (Quelle B) bclcgt. Davor isl das Wissen urn den komplexen
Verkiipungsvorgang nieht allgemein bekannl, da allc anderen Vorschriflen ein bar-
bcmilicu schildern, das nieht fiir die Verkiipung geeignel isl. Anhand der Quellen-
lage isl lediglieh die Nutzung der Farbmillel als Pigment nachzuwcisen.
Auf cine besondere Bedeulung des Krapps als Farbmittel fiir Roltdne kann
naeh der Quellenlage liir den hier betraehleten Zcitraum nieht geschlossen werden.
Die Iriihcste Frwahnung entstammt dem Fnde des 15. Jahrhunderls (Quelle 1VI IV).
Krapp ist lediglieh in vicr Teilvorsehriften liir Rotlarbungen genannl, jeweils zwei
wcitcrc Rezeple erlautern Braun- und (jelblarbungen. Das weilaus hauliger benutz-
le b'arbmitlel fiir Rottone isl naeh der Quellenlage das Brasilholz. Dieses bazil
stiilzl die von Wunderlich in seiner 1993 publizicrlen Untcrsuchungcn iiber Krapp-
laeke und Tiirkischrot dargestellten ld'gebnisse.s^
Wiihrend Indigo und Krapp in den Quellen cindcutig idenliIizierl werden kbn-
nen, gestallel sieh die Zuordnung der in den barbcanleitungcn genannlen Cielb-
farbmillel weilaus sehwieriger, so dass die hervorragende Slellung des Farber-
waus als Farbmittel fiir Gelblarbungen wiihrend des Mitlelalters anhand der hier 851 852851 Vgl. Taylor, Singer: Pre-scieiililic iiuluslrial ehemislry, S. 365.
852 Wunderlich: Krapplack und Turkischrol, S. 17.
270
'/Msunwwnfussung und Aushlick
betrachletcn Quellen nichl cindculig bcurtciIt wcrdcn kann. Die heute verwendeten
Pflanzcnnamen Wan odcr 1’iirbcrwau sind in den Quellen nichl zu finden. Ilier
herrschen die Bezcichnungen ,,Gilbblumc“, „GilbkrauG oder „Blumen, die gelb
larben“ vor. Diese Begrifl'e warden im betrachleten Zeitraum nieht nur liir den
Fiirberwau sondern ebenso liir weitere gelblarbcnde Pflanzen gebraueht. Fine Iden-
lillkalion als I’arberwau ware moglich, ist aber nichl zu belegcn.
Farbniittcllicrkunft und -Cfualitat. Moderne synlhelische I’arbstol'fc bzw. I:arb-
sloHTormulierungen enlhallen neben dem reinen FarbsloITvveilere Beimischungen,
die die Riesellahigkeit bei der Dosierung gewahrleislen und die I'cuchlcaufnahme
bei der Lagerung reduzieren. Der I'arbstoffgehalt wild vom llersleller liir die ge-
samte Charge garanlierl. Brgcbcn sich durch veriinderte Produktionsbcdingungcn
andere FarbstoHkonzenlralioncn, im Allgemeinen sleigl dabei der Farbstoi'fgchalt,
erhiilt der Anwender die enlsprechendcn Informalionen aid'dem Gcbindc.*0’ Mil
den angegebenen Faklorcn konnen Rezepluren neu bereehnel und Fchllarbungcn
vermieden werden. Die Farbstoffkonzenlralion in naliirlichen Farbmitlcln isl ge-
geniiber synlhelischen Farbsloffcn vergleiehsweise gering. Sewekow nennl z.B.
Konzenlralionen von 0,3 % liir Carlhamin (nach andcren Unlersuchungen 0,6 bzw.
0,9 %Sv|), 1,5 2 % liir Indigo aus Indigofcra, wovon wiederum nur 20 % reiner
I’arbslolT sind, 1,9 % liir Krapp sowie 1 % liir Groein und 6 % liir Crocetin aus
Salran.s^ Die Konzenlration des I'arbslolTes in modernen I'arbsloHTormulierungen
bleibl konslanl, wahrend der I'arbsloflgehalt in den naliirlichen I’arbmilteln in Ab-
hiingigkeil von Anbau- und Prnlebedingungen schwanken kann sowie zusalzlich
durch Aulbereilungs- und Lagcrbedingungen beeinllussl wird. Da keine glcichblci-
bende Konzenlralion vorliegl, wird das I'arben reproduzierbarer Brgebnisse er-
schwcrt. Die schwankende Qualiliil der eingcsclzlcn I'arbmillel miisste auch den
1'arbern in Iriiheren Zeiten bekannl gewesen sein, so dass Angaben zur Qualiliil des
1’arbmillels zu crwarlen waren.
Anhand der bier bearbcilelen Quellen liissl sich diese These allerdings nichl be-
legen. Beschrcibungen, die Kennlnisse beziiglieh des schwankcnden I’arbsloITge-
halles der eingeselzlen I’arbmillel andeulen, sind in den Vorschriflcn nichl enlhal¬
len. Lediglich in einzelnen Anleilungen wird deullich, dass der untcrschiedliche
I'arbsloITgehall in unreilen und reifen Beeren bekannl war. Diese dilTerierenden
,,Qualilalen“ wurden dann liir verschiedene I’arblone eingesetzl.
Wcilere Angaben zur llerkunll der I’arbmillel, aus denen sich aber cin direkler
Zusammenhang mil einer besonderen Qualiliil nichl z-weifelsfrei belegcn liissl, sind
ersl in den aus dem 16. Jahrhundert slammenden Quellen II IV und Wi zu fin- 53 * 55S53 Pcispicl: Pislicr wurden liir cine l-arbimg 4 g eines 120 "oigen I'arhslolTes verweiulel. Der
пене I 'arhsloff hat cine Kon/enlralion von 150 %, so dass liir cine gleichbleibende l arhliele
die rarbslolVmenge aul'3.2 g reclu/ierl werden muss.
K54 Vgl. Dajue, Miiiulel: Sal’llower. S. 2b; vgl. Srinivasel al.: SalHower petals. S. 00.
S55 Vgl. Sewekow: Naturl'arbslol'le, S. 272.
Zusamnienjdssung und Aushlick
271
dcn.SMl Fur cine Rotfarbung soil Mennige aus Rolen (holensche menig) benul/1
wealcn. Uber cine bcdcutcndc Mcnnigcproduklion im polnischcn Raum wahrend
dcs 16. Jahrhunderts ist in dcr Lilcratur allcrdings nichls bekannt. Fin Rotfarberc-
zept dcr I landschrift Wi (15./16. Jh. (1575, 1579)) fiihrt Krapp aus den Nicdcrlan-
den (rotti die wan v/J niderltmd bring!) aul'und cine wcitcrc Anlcitung fordcrl die
Verwendung von lombardischem Indigo (lampartischcn enclich). Xur Fnlste-
hungszeit dcr Quelle batten die Niederlande Bedeutung fur den Krappanbau. Der
lombardisehe Indigo ist vermutlieh der aus Asien stammende Indigo, der Giber die
Lombardei gehandelt wurde. Der aus Indigofcra gewonnene Farbstoff gewann im
16. Jahrhundert an Bedeutung und wurde zunchmcnd zur Konkurrenz des heimi-
sehen Waidindigos. In dieser Vorschrift ist der einzige llinweis aufeinen Indigo-
import zu linden. Alle anderen Rezepte enthalten zwar neben Waid oder Waidblu-
me aueh die Bczcichnung Indigo, dass es sich dabei um das importierte farbstoff-
reiehere Farbmittel handelt, ist aber nieht aus dem Inhalt abzulesen.
Das naeh der Qucllenlagc fur Rot- und Braun farbungen besonders wichlige
Brasilholz ist das einzige importierte Farbmittel, das bereits in der allesten lland-
sehrill In (um 1330) aufgciuhrl ist.w Der schon im Millelalter bedeutende Handel
mit Brasilholz ist z.B. in den Rcchnungsbuchcrn des niedersaehsischen Klosters
Wienhausen nachgewicscn.^ Der ab dem 15. Jahrhundert zusatzlich aufgefiihrte
Sailor ist beziiglieh Farblon und Fchtheit keine Konkurrenz liir das Brasilholz. Fist
mit der Nutzung von Krapp als Bciz.cnI'arbmittel werden Rottone mil verbesserlen
Fehlheiten moglich.
Trotz des grotten Angebots an hcimischen Farbmitleln fur leuchtende und echlc
(ielbtone, wird in den hicr bearbeitelen Quellen haufig SatVan iiir die Farbimg
verwendet. Dass es sich um den echlcn Safrail und nieht um Sailor handelt, ist
durch die Bczcichnung der Farbmittel in den Vorschriften belegl. Sairan wird
saf/ran genannt, wahrend Sailor als wilder Sairan, wildes Brasilholz oder Fandsal-
ran bezeiehnel ist. Die Nutzung des leuren (jewiirzes ist iiberrasehend, stehl aber in
der Tradition der Buchmalerei. RiieksehKisse, ob die Farbcanleitungen mil Sairan
haufig verwendet wurden, lassen sich allcrdings nieht zichen. In der iruhneuzeitli-
ehen Quelle В ist ITir cine (iclborangclarbung erslmals (ielbholz genannt. Ob das
Farbmittel aus Siideuropa oder bereits aus Siidamerika importierl wird, ist nieht
belegl.
Schwarz- und Graulbnc werden im 15. und 16. Jahrhundert mil Ccrbsloflcn
und Metal 1- oder Vitriolzusatzcn geilirbl, obwohl zu dieser Xeit die (ierbsloiT-
sehwarzlarbung im Ilandwerk bereits verboten ist. Die Fehlheiten dieser Farbun¬
gen sind im Vergleieh zu Farbungen mit anderen Naturfarbstoffen her\'orragend.
Die fur die handwcrklichc Farberei belegte Verwendung von Indigo und Krapp ist * 57<S56 Vgl. Quelle II IV. lol. 51 v 52, Ke/epl ION; Quelle Wi, Ibl. 303v, Re/epl 7 und lol. 304, Re-
/epl 0.
S57 Vgl. Quelle In, lol. <X3v, Re/epl 4.
X5X Vgl. Kolnvaguer-Nikohii: HiItlslickeieien, S. 90 97.
272
Zusanimcnfassung und Aushlick
in einer Vorschrift dcr Quelle В beschrieben. Allerdings wire! auch hier abschlic-
Bend mil (ierbslolTsehwar/ iiberlarbl. I)er hente bckannle fascrschatligende Lin-
fluss der Metallionen bei tier (ierbslolTlarbung ist vermutlieh nichl die Ursaehe ties
Verbots Iur das Ilandwerk, sondern eher die extremen Vcrandcrungcn ties Warcn-
grilTs dureh die Larbung.
Krzicltc Farbtbne. Larbungen mil modernen synthetisehen Larbstoffen sind mil
leuehtenden, brillanten und reinen Larbtoncn verbunden, dureh die unser Kindruck
von Larbigkcit gepragt ist. Die hier bearbeiteten Quellen /eigen deutlieh, dass sieh
these motlerne Vorstellung von Larbigkcit nieht auf die mil Naturfarbstoffen naeh
historisehen Rezepten erzielbaren Larbtonc iibertragen Lisst. Die naehgeslellten
I’arbungen liihren insgesamt zu eher matten und stumplen Larbtoncn. Rcinc, leuch-
lentle Tone sind letliglieh mil einigen ausgevvahllen Rot- und Cielbfarbmitteln er-
reiehbar. Der in dcr Larbcanlcitung genannte Larbton wild undiflerenziert als Cielb,
Blau oder Rot bczcichnct und bcriicksichtigl nieht die gebroehenen oder gctriibtcn
Larben. Allen falls die Kennzcichnung hellerer und dunklerer Tone erfolgl dureh
die Attribute lichf (hell) bzw. .sy/// (dunkel). Die laut Vorschrift zu erzielenden Larb-
tbne wertlen zwar gleieh benannt, aufCirund der untersehiedlichen Larbmittel wei-
chen sie aber deutlieh voneinander ab. Besontlers auHallig ist die Diskrcpanz zwi-
sehen Larbbczcichnung und erzielbarem Larbton am Beispiel tier Rotiarbungcn
erkennbar. Sowohl tier belle, leuchtende Rinkton, tier mit Sallorrot crzielt wirtl, als
auch tier mit einer Mischung aus Brasilholz und Ahornlaub erreichbare eher matte
Rotbraunton ist in den Quellen mil Rot bczcichnct (vgl. Tale I 66).
Die Lage tier einzelnen I’arbungen im Farbmesskoordinatensystem zeigt eben-
Га 11s die groBe Bandbreite an I’arblonen, die sieh hinter einer I’arbbczeichnung ver-
birgl. Je dichter die a*- und b:i:-Werle der Proben am Sehnillpunkt tier Aehsen lie-
gen, deslo geringer ist die I’arbsalligung. Der h’arbton isl eher stumpf. Leuchtende
I'arblone weisen letliglieh die Cielb- und Rotiarbungcn sowie die auf Basis von
Brasilholz erzielten Violelllone auf. Aus tier Bezcichnung ties f’arbtones im Qucl-
lenrezepl kann nieht auf den in tier Praxis erreiehlen I’arbton geschlossen wertlen
(vgl. 'Гаlei 67).
Blaufarhiiiigcn mil Beeren und dem Beizmittel (iriinspan (Bl, 1^2) sowie die
l arbung mil Waitl auf Baumwollc (B3) unlerseheitlen sieh im Blauantcil, wahrend
die Waidlarbung auf Wolle (B4) hohere Gelb- und (iriinanteile aufweisl. Alle
Blautone sind eher stumpf. Die Violcttfarbungcn mil Beeren (VI, V2) sind eben-
falls stumpf, die dureh Naehbehandlung von Rollarbungen mil Brasilholz erzielten
Violelllone haben einen groBeren Rolanteil und sind leuehlender (V3, V4). Die
Larbung auf Seitle ist gelbslichiger (V4), die auf Wolle hat einen groBeren Blauan-
leil (V3).
Rot lar bun go n mil Brasilholz (Rl) und Krapp (R2) sind leuehtend. Die Krapp-
larbung hat im Vergleich zur Larbung mil Brasilholz einen hdheren (ielbanteil und
isl eher Rolorange. I’arbungen mil Sailor sind deutlieh heller und blauslichiger. Die
Larbung auf Baumwollc isl rolcr (R4) als die Scitlenlarbung (R3). Die Rot larbung
'/Msammenfussung und Aush/ick
273
mit Brasilholz und Ahornlaub (R5) hat im Vcrglcich zu den reinen Farbungcn mil
Brasilholz odor Krapp cincn gcringcrcn Rotantcil.
Im Vcrglcich zu alien andcrcn Farbtonen sind die Gclbfarbungcn schr vicl
lcuchtcndcr. Die Waularbung mit Alaundirektbeize (Cil) hat cincn geringen Griin-
stich, die mit Alaunvorbeize zeigt cincn reinen Gclbton (G2). Farbungcn mit
Saflorgclb (G4) und reilen Krcuzdornbccrcn (G3) haben dagegen cincn groberen
Rotantcil als die Waufarbungen. Die Griinfarbungen mit Griinspan (Grl) und
Krcuzdornbccrcn (Gr2) cnthaltcn cincn hoheren Gelb- als CirunanleiI und sind ehcr
matl, wahrend bci dcr Kombinationslarbung mit Waid und Wau (Gr3) durch cincn
im Vcrglcich zu den anderen Farbungcn doppclt so groben Griinanlcil cin rcincrcr
Farbton crrcicht wird.
Rezeptaufbaii und -entwicklung. In dcr modernen Farberei sind die wichtigslcn
Angaben in cincr Farbevorschrift Art und Menge dcs Farbegutes. Die Fascrarl be-
stimmt gccignctc Farbsloffc, NilI'smittcl und insbcsondcrc den pll-Wcrl dcr Flotte.
Mit dcr Nutzung cincr bestimmten FarbstoITgruppe ist wicdcrum die Verfahrens-
liihriing bcziiglich Temperatur und Zeit verbunden. Die Fasermengc bestimmt in
Abhangigkeit vom gcwiinschtcn Farbton die cinzusctzcndcn Farb-, Hill's- und Lo-
scmittclquantitatcn (Flottcnvcrhaltnis).
In den bier betrachlctcn Qucllcn ist dcr zu (arbende Rohstoff* von nachrangigcr
Bcdcutung (vgl. d ab. 58). Die Anlcitungcn dcs 14. Jahrhunderts cnthaltcn zu Icdig-
lich 9,5 % Angaben zur I'ascrart und sclbst in den Vorschriflcn dcs 16. Jahrhun¬
derts fchlcn dicsbcziiglichc llinwcisc in liber 50 % dcr Rczeplc. Uber den ganzen
Zeilraum sind aber I'arbcanlcitiingcn zu linden, die die Aufmachung dcr Ware als
(iarn odcr 7'uch bcschrcibcn. Diese Angaben haben in den friihen Qucllcn cincn
Antcil von ca. 10 %, im 15. Jahrhundert von ca. 27 % und im 16. Jahrhundcrl von
ca. 23 %. Allc wcitcren Rczeplc cnthaltcn kcinc Angaben.
I ah. 58: Angaben /и baser- und Farbmitlelarl b/.w. -menge [%|
Zeit
14. Jh.
15. Jh.
16. Jh.
Teilrezepte
28
177
198
Farbmittelart
100.0
99.4
98.0
Farbmittelmenge
-
29.4
48.5
keine Angabe
81.0
27.7
33.5
Farbegut859 Gam, Flache
9.5
26.5
23.1
Faserrohstoff
9.5
45.8
43.4
Warengewicht
-
-
2.7
Flottenverhaltnis
-
-
-
Unler den zu larbcndcn F'ascrn sind Scidc und Leinen (jcwcils ca. 20 %) besonders
haufig aufgefiihrt, wahrend dcr Antcil an Wollc untcr 4 % licgl. Ilier licgl die Ver-
859 Oline Beiiicksiehligung von Tueli Wolle, (iarn Leinen.
274
Zusanwicnfassung unci Aush/ick
muUmg nahc, class unter (iarn Lcincn und unlcr Tuch Wolltuch zu vcrstehcn ist,
vvodurch dcr Anlcil dcr Wollc abcr Icdiglich geringliigig zunimmt, wahrend die
Anzahl dcr Anlcilungen, die barbungen fur Wolle und Leinen beschreiben, sleigt.
Im Bereieh der I lansllirberei wurden bevorzugt Leinen- und weniger die tcuren
Wollwaren veredell. Seidengarne wurden in Moslem lur Sliekereien verwendel,
hier kann die Ursaehe lur den vergleiehsweise groBen Anleil an Seidenlarbungen
zu suehen sein.
Wahrend die zu verwendende rarbstoff'mt'iige in den Handsehriften des 14. Jahr-
hunderls niehl genannl ist, nimml die Lxaklheil bezuglieh der Larbmiltelmenge im
15. (ea. 30 %) und 16. Jahrhunderl (ea. 50 %) zu. Allerdings kann aus diesen An-
gaben keine verbesserle Reproduzierbarkeil der barbtdne abgeleilel werden, da die
zu larbende basermenge lediglieh in wenigen Anleitungen der Quelle В aus der
ersten I Lillie des 16. Jahrhunderls enlhallen ist, und somit die BezugsgroBe des
Warengewiehles fehll. AuBerdem fehlen Ilinweise auf die verwendeten bliissig-
keitsmengen und damit verbunden auf das Ploltenverhallnis bei der barbung. Line
Reproduzierbarkeil des barbtones ist nieht gegeben.
Bezuglich des barbe-pH-Wertes iiberwiegen saner und neutral vorbereitete biirbe-
llollen, alkalisehe Ldsungen werden eher sellen verwendel (vgl. lab. 59). Die bar-
bungen werden zum grbBten 1'eil mit dem Beizmittel Ahum durehgefCihrl, das den
pll-Werl der barbeflotle ebenfalls in den sauren Bereieh versebiebt. Wahrend in
den Quellen des 14. Jahrhunderls 36 % der Rezepte keine Angaben zur Losemiltel-
art enlhallen, lehlt dieser Ilinweis im 16. Jahrhunderl nur noeh in einem biinftel der
Anleilungen. Aus den barbevorsehriften isl ersiehtlieh, class bei der Wahl des L6-
semiltels die bxlraklion des barbsloffes aus dem barbmittel und nieht der zu lar¬
bende Rohstoff im Vordergrund slehl. Satire barbeflollen mit Beeren werden z.B.
sowohl fiir Seide als aueh fur Leinen verwendel.
l ab. 5(): Angaben /u l.osemillelarl unci -menge [%|
Zeit
14. Jh.
15. Jh.
16. Jh.
Teilrezepte
28
177
198
Warengewicht
-
-
2.7
Losemittelmenge
-
1.6
-
nieht genannt
36.0
23.8
21.6
Wasser
12.0
27.5
28.4
Saure
32.0
32.5
24.2
Losemittelart
Lauge
4.0
6.9
10.5
Urin
8.0
0.6
0.5
Mischungen
8.0
8.8
14.7
IJber den gesamlen hier belrachteten Zeilraum werden die barbmittel zu Liber 95 %
dureh eine Vorbereitung der barbellolte extrahiert (vgl. Tab. 60). Besondere Bc-
deulung hal dabei der heiBe Auszug. b!r ist in den friihen Quellen in 75 % der An-
Zusammenjassung urnl Aushlick
275
Icitungen bcschricbcn und nimmt bis in das 16. Jahrhundcrt geringliigig bis aufca.
60 % ab. Ilicr bctragt dcr Anted der Vorschriftcn ohne Temperalumngaben um die
30 %. Bei der ansehliefknden barbung fchlt bis in das 16. Jahrhundert hinein in
dber 50 % der Rezepte die barbelcmperatur. Vermutlieh sol lie die Temperatur aus
der Vorbereilung iibernommen werden.
Tab. 60: Aiigaben /.u Molteiwoibereilimg, l arbelcmperalur und -dauer |%|
Zeit
Teilrezepte
14. Jh.
28
15. Jh.
177
16. Jh.
198
Flottenvorbereitung ohne
-
2.8
4.5
keine Angabe
17.9
27.7
33.3
kochend
75.0
64.4
57.6
Temperatur heift
7.1
1.7
2.5
warm
-
2.3
1.5
kalt
-
0.6
0.5
keine Angabe
92.9
62.1
58.6
kochend
-
13.6
9.6
. kurz aufkochen
3.6
10.7
15.2
Farbetemperatur
heift. nicht kochend
3.6
4.0
13.1
lauwarm
-
6.8
2.5
kalt
-
2.3
1.0
keine Angabe
92.9
59.9
65.2
bis es genug ist
-
6.2
6.6
Farbedauer einlegen etc.
7.1
21.5
19.2
uber die Winde
-
3.4
4.5
Zeitangabe
-
8.5
5.1
Die Farbedauer ist ebenfalls bis in diese Zeil hochstens in einem Drillel der Vor-
sehriltcn enthalten. Zeilangaben in Stunden treten erstmals im 15. Jahrhundert aid,
behalten aber vergleiehsvveise geringe Bedeutimg. Mier spiegelt sieh die dillerie-
rende baser-, barb- und I lillsmittelqualitat wieder. Schvvankender barbstol Igehall
oder untersehiedliehes Ziehverhalten der basern bedingen 1'iir den gleiehen larblon
eine unterschiedliche b’arbedaucr.
Der Beizprozess (Tab. 61) unterliegt wahrend des hier betraehtelen Zeitraums
deutliehen Veranderungen. 1st in den mittelallerliehen Quellen In, M I, Cr, F, M
II, Ba sowie Bas vorrangig die Direktbeize besehrieben, wird in der zweiten llallle
des 15. Jahrhunderts (1VI III) erstmals eine barbung mil Vorbeize erwahnt. Im 16.
Jahrhundert ist der Anted der barbungen mit Direktbeize dann aid'57 % reduziert.
Der Anted der ohne Beizbehandlung durehzuliihrenden b’arbungen liegt bei ea.
15 % und verandert sieh nieht liber den betraehteten Zeitraum.
276
/Aisammenfassuni’ und AusNick
Tab. 61: Angaben /.nr liei/url |%J
Zeit
Teilrezepte
14. Jh.
28
15. Jh.
177
16. Jh.
198
ohne
14.3
16.4
14.1
Direkt
85.8
70.5
56.5
Beize
Vorbeize
6.2
15.7
Vor- + Direktbeize
-
6.8
13.6
FarbcgeriUe unci technische Milfsmittcl. Grundsat/.lich erfordcrt die Farberei im
Vergleich /11 anderen Arbcitsschritten dcr Texlilherslellung nur wenige technische
Gerate und Ililfsmittel. Uer Farbeprozess umtasst die Vorbereilimg der barb- mid
I lillsmittel, die durch Raspeln von Farbhblzern und -wurzeln, Zerdriieken von Bee-
ren oder Reiben von Pigmcnten odor Beixmitlcln erlolgl. Zum Abtrennen von
РПап/enreslen aus der Farbelbsung warden die Flotten dureh ein Tueli abgcseiht.
Wasserunlosliehe Reste aus Asehenlaugen warden mit llilfe eines Laagensaeks
entlernt. Um bei Flotten, in denen das Pilan/enmaterial wahrend der larbung ver-
blieb, Flecken aafder Ware /.a vermeiden, warde der Kontakt /wisehen Ware and
РПап/enmaterial miltels in den Flottcnbehalter eingelegler Rosie verhindert. Alle
Varianten sind in den I Iandschriften /a linden.
Flotlenbehaltcr bestanden aus Holz, Melall oder glasierter Keramik. Ilolztroge
warden fur die Kiipen Iarberei verwendel, die kein Koehen der Flotte erforderle.
MetallgefaBe wurden lur Direkt- and Beizenfarbungen benal/.t, wobei die Metallart
die Nuance der I'arblone beeinllassen konnte. Sollte das verhindert werden, kamen
glasierte (ielliBe /ar Anwendang, in denen cine Reaktion zwisehen I lotte and Be-
haltermaterial aassehlossen war. Die Art der l arbebehalter ist allerdings in den hier
untersuchten Qaellen nur in Aasnahmellillen genannt. Angaben zum Material sind
z.B. bei (iriinlarbungen za linden, bei denen das l arbmittel Griinspan zuvor in ei-
nem KaplergelaB mit lissig, Alaan and weiteren Zutaten gewonnen werden soli.
1 dr cine gleiehmaBige, egale I'arbang wird die Ware in der I-lotte bewegl. Im
I landwerk sind daza I arbeslocke iiblieh, in den hier bearbeitclen Qaellen ist der
Vorgang im Allgemeinen aber nielit beschrieben. Wenn doeh ein Bewegen stattlin-
det, erlolgt es mit der Hand, last in der aas der friihen Neazeit stammenden Quelle
В ist als technisches I lillsmittel zum Bewegen der Ware die Haspcl beschrieben,
die das l arben von Stiiekware deutlieh erleiehlert. Da die Ware aafder I laspel breit
ge la hit wird, kbnnen auch in kaizen Flotten Knieke and Faltcn vermieden werden.
Zam Troeknen werden die Textilien ausgehangt oder auf Rahmen gespannt, welehe
in den Qaellen der friihen Neazeit ebenfalls belegt sind.
Ressourcenniitzung. In den Farbevorschriften der hier betrachteten Qaellen sind
keine llinweise enthalten, die aaf Probleme dureh cine Vcrknappung des Ileizma-
terials llolz oder dutch versehmutztes Wasser sehlieBen lassen. Die lintsorgung der
Farbellotten ist nielit beschrieben. I.ediglieh aas den gelegentlich enthaltenen all¬
gemeinen Angaben kbnnen Riickschliisse aaf cine Weilerverwendang der Flotten
Zusammenfassiing und Ausb/ick
277
gezogcn werdcn. Die Farbsloffe konnen durch Vcrlackung ausgefallt vverden odcr
die restliehe Flotte wird in Sehwcinsblasen getroeknel, um zu einem spateren Zeit-
punkt mit Wasser gelost zum Farbcn oder Malen benulzt zu werden.
Лиflallig ist der mit 18 Vorsehriften relativ groBe Anteil dcr Anleilungen liir
die FarbstolTwidergewinnung aus Sehcrabiallen. Hntsprechende Vorsehriften sind
liber den gesamten Zeitraum in den Quellen enthalten. Der Prozess erstreekt sieh
vorrangig an Г mil Kermes rotgclarble Wolle. Auf dicse Weise wird die Niitzung
des hoehwertigen und teuren Farbstofles, der insbesondere aus der llamisehcn und
italienisehen Tuehproduktion bekannt ist, in der I lausfarberei ermogliehl.
Zwei Anleilungen dcr Quelle Be schildcrn das Uberiarben von roter Seide, um
den Farbton aufzufrischen.*60 Hier ist zu erkennen, dass Klcidung ein werlvoller
Besitz ist, dessen Aussehcn erhallen werden soil.
Farbetechnik und naturwisscnschaftliches Wissen. Uber den untersuchlen Zeil-
raum sind verschicdcne Verandcrungen der Farbeanleilungen zu erkennen. Wiih-
rend in den Quellcn des 14. Jahrhunderts die Angaben der erforderlichen Fiirbepa-
rameter fast ganzlich fehlen, enthalten die Handsehriften des 15. und 16. Jahrhun¬
derts immer genauere Ilinweise zu den erforderlichen RohstolTen sowie zum Ab-
lauf des Farbeprozesses. Sclbst die nur bedingt messbaren Parameter Tempcralur
und Zeit werden haufiger genannl, setzen aber im Allgemeincn die Frfahrung des
Fiirbers voraus. Trotzdem sind aueh in dieser Zeit Rezeple zu linden, in denen le-
diglieh die bcnulzten Farbmittel aufgelistet sind.SM
Den Quellenverfassern ist nieht immer klar, welcher Floltenzusalz bzvv. welches
Beizmitlel einen beslimmten Farblon hervorruft, und inwieweit andere I arbepara-
meter Finfluss haben. Dieses wird deutIich bei den Beerenlarbungen. Mil lleidel-,
llolunder- oder Atliehbeeren sollen vorrangig Blaulone erzielt werden. Wie die im
Rahmen dieser Arbeit durchgeliihrlen Farbeversuche /.eigen, kann ein Blaulon aber
nur bei kaIter Farbung mit einer Griinspanbeize auf Cellulosefasern erreiehl wer¬
den. Das Beizmitlel Alaun fiihrt allenfalls zu blauslichigen Violelttonen. Der Ilin-
weis auf den f'aserrohsloff fehlt in alien Anleilungen, und (iriinspan ist lediglich in
der Halfle der Vorsehriften genannl. Bei den rcsllichen P’arbungen muss zumindest
ein Kuplerkessel verwendet werden, um die Violetllone Riehlung Blau zu ver-
schieben. Die Kaltlarbung kann auf (irund nieht vorhandener Angaben in den An-
leitungen lediglich vermulet werden. Auf (irund slumpfer Farblone und mangeln-
der Fehtheiten gehoren Beerenlarbungen in den Bcreich der I lauslarberei.
Verschicdcne weilere Bcispielen aus den hier betraehtelen Quel len zeigen, dass die
bei der Flotlenherslellung und anschlieBenden Farbung ablaulenden Prozesse zwar
nieht bis ins Detail verslanden, aber dennoeh beobaehtel wurden.
So orientieren sieh die in den friihen Quellen enlhallenen Farbeanleilungen an
Vorsehriften liir die Buehmalerei, woraufdie haullge Verwendung von Pigmenlen * 861Ш) Vgl. Quelle Be, Ibl. 127 129, Re/epl 41a i h und fol. 129 I 30. Re/epl 42.
861 Vgl. Quelle II IV, fol. 264, Re/epl 42N.
278
Zusammenfassung unci Aushlick
imd das Fehlen der Faserart hinweist. In den Vorschriflen des 15. Jahrhunderls sind
die untcrschiedlichen lextilen Substrate aufgefiihrl, aber erst ab der Wende /um 16.
Jahrlumdert wird auch die Warenmenge beriicksichligl. Trot/dem bleiben die er-
reiehbaren Farbldne insbesondere in Bezug aufihre barbtiele elier Zufallsprodukte,
da nicht das (iewichl, sondern die zu farbendc Sliiekzahl angegeben ist. Die mil
einem Stuck verbundenen Langen- imd Breitcnangaben geben keine Auskunlt fiber
die Basisgrdlk des Warengewichtes.
Die Wahl des Loscmittcls hat Finfluss an Г die Fxlraktion des Farbsloffes. Fin
grofkr Tcil der NaturfarbstolTe liegt als (jlykosidverbindung in den Farbmitteln
vor. Die Verwendung einer sauren Flotle lorderl die Hydrolyse der (ilykoside imd
verbessert die FarbslolTextraklion. Dieses spiegelt sieh in den Handschriflen wider,
da bis auf wenige Ausnahmen z.B. alle Farbungen mil lleidel-, llolundcr- oder At-
liehbeeren aus sauren Flotlen erl'olgen. Dass der Zusammenhang zwischen dem
Losemittel und dem resultierenden Farbton aber nicht immer verslanden wurde,
zeigl dagegen die Verwendung alkalischer Brasilholzllollen fiir die Rotlarbung.
Ilier hat die im Vergleich zur wiissrigen Ldsung dunklere Farbe des Laugenauszugs
keine grolkre Farbtiefe bei der I'arbung zur Folge.
Die Verbesserung der Farbetechnik im Laule des bier untersuehlen Zeitraums liissl
sieh ebenfalls am sieh andernden Ablaut* der Beize erkennen. Im 14. Jahrlumdert
sehildern ea. 86 % der Farbungen eine Direklbeize. Wiehligsles Beizmillel ist
Alaun, das selbst dann verwendel wird, wenn wie bei (irunspanlarbungen keine
Beize erl'olgen muss. Der von der I'arbung abgelrennte Beizvorgang I'iihrt zu deul-
lieh tiel'eren I'arbtdnen. Die zunehmende Anzahl der Vorbeizrezepte in den Quellen
ab dem spiiten 15. Jahrlumdert triigt dieser Talsaehe Reehnung. Die dureh die
Vorbeize erreiehbare 1'arbliefe kann allerdings dureh eine weitere Direklbeize vvah-
rend der I'arbung nicht mehr gesteigerl werden, was sieh in den enlsprechenden
1 arbeanleitungen aber nur bedingl widerspiegelt. So sind in den Quellen des 15.
und 16. Jahrhunderls zu 13 % bzw. ea. 29 % Vorbeizbehandlungen besehrieben,
jeweils die IliiUte dieser Vorschriflen beinhallel aber eine zusatzliche Direklbeize
wahrend der l arbung.
Die in den Quellen enlhallenen Blaularbevorschrilten mil Indigo bzw. Waid sehil¬
dern keine Kiipenlarbung. Das Farbmiltels wird als Pigment mit Leinol und dis-
pergierend wirkenden Flollenzusatzen aul'die Faser applizierl. Die I'arbebedingun-
gen bei der Verwendung in Kombinalion mil Becren zeigen ebenlalls die Unwis-
senheit der Rezeptverfasser. Die Beeren liefern zwar Kohlenhydrale fiir die
Verkiipiing, der vorherrschende saure pll-Wert sorgt aber da fur, dass der I'arbstoll
nicht als I'aseraffmes Kiipensalz vorliegt. Die Nulzung von Waid als Kiipenl'arb-
stoff ist in Quelle В eindeulig belegl, versehiedene Vorsehriften sehildern die Vor-
gehensweise beim Arbeilen mit einer (iarungskiipe. Da diese 1 landsehrifl aber
ebenfalls Vorsehriften enlluill, die die Nulzung des unverkiipten Pigmentes sehil¬
dern, handell es sieh bei der Niehlerwahnung der Verkiipiing wold nicht um das
Zusanunenjassung unci Aushlick
279
„Wahren geheimcn WissensA Das mangelnde Vcrsliindnis fur die Kiipenlarbung
beruht zusalzlieh aufder sich wahrend dcr Reaklion verandernden Parbe der Plotle.
Die fa sera fllne Parbsloffform ist lediglieh sehvvaeh gelblieh, wahrend das Pigment
ein tiefes Dunkelblau aufweisl. Vermullieh beruht an I' dieser Tatsache die ver-
gleiehsweise spate Besehreibung der Verkiipung in den hier betraehteten Quellen.
Anhand der Grunfarbungen sind die Sehwierigkeiten bei der Parbung von leueh-
tenden Parbtonen, aber cbenso die Anwendung naturwissenschafllich-lechnisehen
Wissens dent I ich zu erkennen. Da keine griinen NaturfarbsloITe mit ausreiehender
l;arbtiefc bekannt sind, werden aus der Buehmalerei bekannle Parbmillel wie
Saftgriin oder (iriinspan verwendel. Saftgriin wird durch Pxlraklion verschiedener
Pllanzenmaterialien, (iriinspan durch die chemische Reaklion von Kupl'er und Ps-
sig gewonnen. Die Verwendung von (iriinspan ist bereils in der alieslen Quelle In
beschrieben. Die erreiehlen Parblbne sind eher slumpГ. Die Kombinalion von Blau-
und (ielblarbmitteln liir die (iriinfarbung ist in den Quellen ab dem 15. Jahrhundert
belegl. Dureh die kombinierle Parbung wird der (iriinlon reiner und leuchlender.
Prlolgl die Parbung mehrbadig wird ebenfalls die Parbliefe positiv beeinllussl.
Verglcichsstandards fur die Farbstoffanalyse. Die Beschafligung mit den in Irii-
heren Zeilen verwendeten Naturfarbsloffen hat Bedeutung fiir die hislorische Pi-
nordung lexliler Arlefakte, ihre Konservierung und ggf. Reslaurierung. Malerial-
kennlnisse geben (Kunsl-)l lislorikern und Arehaologen llimveise auf die zu be-
slimmlen Zeilen verwendeten 1'arbeverfahren und kdnnen das lechnische Ver-
slandnis einer Zeilperiode verdeutlichen. Aus der klenlifikalion der verwendeten
Malerialien kann bei einer umfassenden Betraehlung auf die Pnlstehungszeil und
bei guter Quellenlage auch auf die Bntslehungsregion gesehlossen werden. Des
Weiteren ergeben sich Ruckschlusse fiir die Aufbewahrung und Luhaltung lexliler
Kunslschalze.Sb~ Am Beispiel der (irabungen in Ilailhabu weisl die Archaologin
Inga Iliigg auf die liedeutung lexliler Pundobjekle fur die Archiiologie hin und be-
mangell, dass die Brgebnisse lextiltechnischer Untersuchungen bei der (iesamlin-
terprelation eines Pundes viel zu wenig beachtet werden. Sie erlauterl, dass die P.r-
lorsehung lexliler Resle Aussagen liber die ,,gcscllschajllichc Glieclenmg und Sozi-
alstruktur cincs Ortes" erlaubl, die anhand anderer Punde nur sellen greilbar
sind.XM
Historische I arberezepte dienen vielfach als Basis fiir die I lerstellung von Ver-
gleichsproben fiir die Parbsloflanalyse. Dabei diirfen aber nicht nur handwerkliche
Anleitungen im Vordergrund stehen, die farbungen von qualitativ hoclnvertigen
Waren besehreiben, welche sich nur ein geringer Ieil der Bevblkerung leislen
konnle. Urn umfassendcre Angaben zu erhalten, muss ebenso das Quellenmalerial
aus Kldslern oder dem hauslichen Bereich beriicksichligt werden. Dass die aus
Klbslern slammenden Quellen auch in der Praxis genutzl wurden, belegen die von
X62 Vgl. Rosenberg: llistorienl organic dyestuffs, S. 34.
X()3 Vgl. I bigg: Texlilfuiule als Spiegel tier (iesellsehali, S. IN7 IMS.
280
Zusammen/assung und Aush/ick
Kohwagner-Nikolai liir das niedersaehsisehe Kloster Wicnhauscn nachgewicsencn
К a ufc von Maun und Brasilholz.KW Die Ubernahme von handwerkliehen Kntwiek-
1 ungen in den hausliehen Bereieh erfolgt /.war mil /eitlieher Verzogerung, lindel
aber stall. Dureh erweiterlcn Handel ersehlossene Rohsloffquellcn fmden ebenfalls
Anwendung in der hausliehen Farberei. Die im Rahmen dieser Arbeit erhaltencn
Frgebnisse verdeulliehen, dass die in der 1 lauslarberei verwendele Farbmillelpalel-
le sehr viel mehr umlassle als Waid, Krapp und Farberwau. Die auf Basis des Quel-
lenmalerials durehgeluhrlen Versuehe /eigen wiederum, dass anhand einer Farb-
lonbezeiehnung keine Riicksehliisse auf das in der Praxis zu er/ielende Farbeer-
gebnis ge/ogen werden diirfcn. Fist die Beriicksiehligung a Her Parameter, aueh
soldier, die nichl zwangslaufig in den Farbevorsehriften aufgefuhrl sind, ermog-
lieht Aussagen be/uglieh des zu erwarlenden Farbtones. Das Naehlarben hislori-
scher Rezeple selzl demnach ein breites Quellensludium voraus. Das diese Talsa-
ehe in einsehlagigen Veroffentliehungen bisher nieht ausreiehend bchcrzigl wurde,
isl z.B. daran zu erkennen, dass Muster von Blaularbungen mit Beeren in der Lite-
ratur nieht enlhalten sind.
Frkennbar ist ebenfalls, wie wiehlig die Zusammenarbeil versehiedener wissen-
sehafllieher Disziplinen ist. Ciermanisten sind fur die Transkriplion und Uberset-
zung der Quellen verantworllieh, 11istoriker fur die zeilliehe Finordnung. Textile
Praktiker sind aber diejenigen, die aus den in Quellen enthaltenen Angaben Riiek-
sehliisse in Bezug auf die Durehliihrbarkeil und Relevanz ziehen miissen.
Resiimee und Ausblick. In den hier analysierten Quellen zur Kloster- und I laus¬
larberei ist liber den belraehlen Zeitraum eine Verbesserung der Farbeleehnik er-
kennbar. Der Buehmalerei verwandle Pigmenltarbungen, die in den alleslcn Quel¬
len iiberwiegen, werden bis zur Iriihen Neuzeil von „eehlen“ Textilfarbungcn abge-
Ibst. Im llandwerk gewonnenes Wissen zur Steigerung der I'arbtiefe wird im Faille
der/eil in die Vorsehrillen der 1 lauslarberei iibernominen. Die Anwendung impor-
tierter I'arbmittel und handwerklieher (ierate ist ebenfalls belegt. Bei den verwen-
delen Farbmilteln zeigen sieh deulliehe Pralerenzen fur solehe, die auf Grund man-
gelnder llallbarkeit in der handwerkliehen I arberei lediglieh geringe Bedeutung
batten. Fan lei I der Farbevorschriflen muss allerdings trotzdem als „(iedachtnis-
sliilze“ I'lir in der Farberei erfahrene Personen belraehlet werden, da wiehtige An¬
gaben wie Mengen, Losemittelarl sowie Arbeitsgangc wie das absehlieBende
Spiilen fehlen. Fine mdgliehe Reproduzierbarkeit der Farblone naeh heuligem Ver-
slandnis isl allenfalls ansalzweise in f'arbevorsehrilten des 16. Jahrhunderls zu
erkennen. Kohwagner-Nikolai vveisl im Xusammenhang mil der Fntstehung mittel-
alterlieher Bildstiekereien daraufhin, dass die in Kloslern entstandenen Arbeiten
zur I Hire (iottes dienlen und nieht mil einer handwerkliehen Frwcrbstatigkeil ver- 864864 Vgl. Kolnviigner-Nikohii: Bildstiekereien, S. 96 97.
Zitsammcnfassung und Aushlick
281
glichcn wertlen konncn.S6> Somil trifft der Begri IT Quadbit in Bezug an Г die Repro-
du/.icrbarkcit cincs Farbtoncs, wic ihn die Ziinfte liber Ausbildimg und Schau defi-
nierten, hier nicht zu. Das Frrcichen des Farblons, nicht seine Wiederholbarkeil
stand im Vordergrund.
In versehiedenen deutsehen und auslandischen Bibliotheken sind weilere bisher
nicht transkribierle hislorische Texle aus dem betraehlen Zcitraum mil Inhallen zur
Texlillarbcrei vorhanden. Flier seien nur die llandsehrift F 4 aus der Fiirsllich
Sayn-Wittgensleinsehen SehloBbibliothek zu Bad Berlcburg, die I landsehrifl
1028/1959 8° der Trierer Stadlbibliothek sowie die in Prag (Narodni Knihovna)
befindliche Quelle Cod. XI. D. 1().ш’ Da die Hnlwicklung des handwerkliehen Wis-
sens aueh an den Quellen der I lausllirberei ablesbar ist, sollte die im Rahmen dieser
Arbeit begonnene Quellenanalyse zur weiteren Absieherung der Frgcbnisse mil der
Betrachtung dieser Unterlagen fortgefiihrt werden. Durcli die Frweilerung des
Untersuchungszeitraumes auf Zeugnisse aus den folgenden Jahrhunderten, konnlen
Fnlwicklungen, die aufder ErsehlieBung neuer RohsloH'quellen beruhen, wie z.B.
der Import von Farbmitteln aus Amerika, beriieksiehtigt werden.
Iiin Naehstellen von Farbungen eriolgle bisher lediglieh mil ausgewahlten F'arbmil-
teln und sollte durch Farbungen mil den nicht beriicksiehtigten Pllanzen und Pig-
menten erganzt werden. Durch Frstellen einer Datenbank mil Slandardrezepturen,
Abbildungcn von F'arbcproben, Hchlheitspriirungen sowie farbsloHanalylisehen
Details, konnlen die Frgebnisse einer breiteren OITentliehkeit zuganglich gemacht
und liir die Bewertung hisloriseher Funde genutzt werden. Die eingehendere Be-
traehtung der nur am Rande diskulierlen Anleilungen zum Sleilen oder zur Farb-
slollriickgcwinnung erlaubt cinen weiteren F’inblick in die Nutzung und Faitwick-
lung chemiseher Verlahren in der historischen Fextilveredlung. 865 866865 Vgl. Kolnvagner-Nikolai: (iestickle Biklteppiche, S. P>3 194; vgl. tlics.: Iiiklstickcrcicn.
S. 109 I 10.
866 Vgl. Xentmlredaktion millekillcilichcr IlandschriItcnkiitalogc: Manuscripta medievalia
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denen die Amler, Inslrumente, Masehinen und alle Dinge, die zum Berg- und
1 Iiiltenwesen gehoren, nichl nur aid's deullichste besehrieben, sondern aueh
dureh Abbildungen, die am gehorigen orle eingeliigl sind, unler Angabe der la-
leinisehen und deulschen Bezeiehnungen aid's klarsle vor Augen geslelll wer-
den. Sowie sein Bueh von den Lebewesen unler Page. In neuer dl. Ubers.
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Allgemeine Priifgrundlagcn. Beulh, Berlin 1995
DIN LN ISO 105-A02: 1994-10. Textilicn - Farbcchthcitspriifimgcn leil A02:
GraumaBslab zur Bcwerlung dcr Andcrung der Farbe. Beuth, Berlin 1994
DIN LN ISO 105-A03: 1994-10. Textilicn Farbechtheitspriilungcn Tcil A03:
CiraumaBstab zur Bewertung des Anblutens. Beuth, Berlin 1994
DIN LN ISO I05-A05: 1997-7. Textilicn Farbechtheilspriifungen foil A05:
Inslrumentelle Bewertung der Farbe zur Bestimmung des (iraumaBstabszahl.
Beulh, Berlin 1997
DIN LN ISO 105-B02: 1999-09. Textilicn Farbcchtheitspriifungen Tcil B02:
Farbechtheil gegen kiinslliches Lieht: Xenonbogenlicht. Beuth, Berlin 1999
DIN LN ISO I05-B08: 1999-09. Textilicn Farbechtheitspriifungen Tcil B08:
Uberpriifung der blauen Lichteehtheitslyixm aus Wollgewebe 1 bis 7. Beuth,
Berlin 1999
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stimmung der Waschechtheit von Farbungen und Drucken; lest 1. Beulh, Ber¬
lin 1993 ^
10. Abkiirzungsverzeichnis
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ЛЛТСС American Association of'Textile Chemists and Colorists, Triangle Park,
North Carolina, URL: http://www.aatee.org/
AD Alaundirektbeize
ahd. Althochdcutsch
AV Alaunvorbeize
BMX Mittelhoehdeutsehes Worterbuch (Benecke, Midler, Zarneke), Mainzer
Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Akademie der
Wissensehaften zu Gottingen, URL: http://www.mhdwb-online.de/
indcx.html
CX I Canadian Conservation Institute, Ottawa,
URL: http://www.cei-icc.ge.ea/
Cgm Codex germanicus monaeensis
deutsehe llandschrift der Bayerisehen StaatsbibIiothek Munchen
CM. Colour Index, Society of Dyers and Colourists und American Associa¬
tion of Textile Chemists and Colorists
CIL Commission Internationale de I'Lclairage, Wien, URL:
http://www.eie.co.at/
Clm Codex Iatinus monaeensis
lateinisehe llandschrift der Bayerisehen StaatsbibI iothek Munchen
Co BaumwoIIe, Laserkurzzeiehen nach DIN 60001-1
Cod. Codex (llandschrift)
Cpg Cod. Pal. germ., Codex Palatinus germanicus
deutsehe llandschrift der ehemaligen Bibliotheca Palatina (Bibliothek
der pfalzischen Kurliirsten in Heidelberg), seit 1816 in der
Universitiitsbibliothek I leidelberg
Cr Kaliumdichromat (K A'i^O?)
CrV Chromvorbei/.e
('u Kupfer(II)-sulfat-5-hydral (Kuplervitriol, CuSO.p5l LO)
CuV Kupfervorbeize
I) Direktbeize
DC Dunnschichtchromatographie
DLK Deutsche Lehtheilskommission e.V. im DIN, Deutsches Institut fur
Normunge.V., Berlin, URL: hllp://www.dek-nmp51 l.de/
IK1UV Deutsche (iesetzliche Unfallversicherung, Berlin, URL:
http://www.dguv.de/
1)11A Dyes in history and archaeology, altere Ausgaben: Dyes on historical
and archaeological textiles
DIN Deutsches Institut fur Normung e.V., Berlin, URL: http://www.din.de/
DRW Deutsches Rechtsworterbuch, I leidelberger Akademie der
Wissenschaften, URL: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~ed2/drw/
Ahkiirzimgsverzeichnis
319
DTM
DWb
Д1-;
Гс
FeN
FcV
Ibl.
РАО
FV
G
GC
(iHS
IIPLC
IADA
IK’
I PGR I
JS DC
L.
LexMa
L/mL
mhd.
mnd.
MS
N
NFSAT
nhd.
Deutsche Texte des Mittelaltcrs, Berlin-Brandenburgische Akademie
der Wissenschaften, URL: http://dtm.bbaw.de/
Deutsches Worterbuch von Jacob und Wilhelm (irimm, URL:
http://germa/ope. uni-trier.de/Prqjects/DWB
(iesamtlarbabsland, Parba b w e i c h u n g
IZisen( 11 )-suI lat-7-hydrat (Lisenvitriol, FeS(L|*7l BO)
L i sen n ac h be i ze, N u a n c i eru ng
Lisenvorbeize
folio (Seite)
Pood and Agriculture Organization of the United Nations, Pood Quality
and Standards Service (AGNS), Rom, URL: http://www.fao.org/
Flottenvcrhaltnis
(iriinspan (I -3Cu(()0CCI 10:’ 1 -3Cu(()l l)2-nl LO)
Gasehromatographie
CieselIsehaft fur llafen- und Standortentwicklung mbll, heute:
MafcnCity Hamburg GmbH, Hamburg, URL: http://en.hafeneity.eom/
I lochleistungsflussigkeitschromalographie (engl. High Performance
Liquid Chromatography)
Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und
(iraphikreslauratoren, Bern, URL: http://cool.eonservation-us.org/iada/
International Institute for Conservation of Historic and Artistic Works,
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Journal of the Society of Dyers and Colourists, heute: Coloration Tech¬
nology, URL: http://www.sde.org.uk/publications/coltechnol.htm
Linne, Carl von (1707 I 778)
Linne isl der Begriinder der Syslemalik der Arlen und der „binaren
Nomenklatura Der wissenschaflliche Name (z.B. einer Pflanze) selzl
sich aus einem grob geschriebenen Gattungsnamen (lal. Substanliv) und
einem к lei n geschriebenen Arlnamen (lal. Adjektiv) zusammen. Beide
werden kursiv geschrieben. Dcm Namen folgl der Name des
Prstbesehreibers (Aulors), der bei bekannten Systematikern (z.B. Linne)
oft abgekiirzt wird.
Lexikon des Mittelaltcrs, Online-Version: Brepols Publishers, Turnhout,
Belgien, URL: http://www.brepolis.net/
Liter bzw. Milliliter
mittelhochdeulsch
mittelniederdeutsch
M a sse n s i^e к t ros к о p i e
Nachbeize bzw. Nuancierung, Nachbehandlung
North Puropean Symposium for Archaeological Textiles
ne u hoc hde ul sell
320
A hk Hi ’z i mgs \ xn ’zci dm is
NMR
PC4
PT в
RAL
RDK-WLB
Rf
R(iA
rL
RSC’
RT
SIX'
Sc
Sn
S11V
SVL
V
VI)R
Wo
engl. Nuclear Magnetic Resonance, Kcrnspinrcsonan/spcktroskopic
Papierchromatographie
Physikalisch-tcchnischc Bundesanstalt, Braunschweig,
URL: http://www.ptb.de/
recto, Vorderseite eines gezahlten Blattes
RAL gemeinniitzige (imbll, Sankt Augustin, hervorgegangen aus dem
1925 gegrtindeten Reichs-AusschuB liir Liererbedingungen, URL.:
https://www.ral-rarben.de/
Reallexikon zur deutschcn Kunstgesehiehte Online, Wolfgang
Augustyn und Klaus Lepsky,
URL: http://rdk.zikg.net/gsdl/cgi-bin/library.exe
Relent ions faktor
Reallexikon der (iermanisehen Alterlumskunde, Akademie der
Wissensehaflen, (iotlingen, URL:
http://www.uni-goellingen.de/de/107766.html
relative Luftfeuchte [%J
Royal Society of Chemistry, London, URL: http://www.rse.org/
Ran mt cm peral ui-
Soeiety of Dyers and Colourists, Bradford, URL:
http://www.sdc.org.uk/
Seide, Laserkurzzeichen nach DIN 60001-I
Zinn( ll)-ehlorid-Dihydrat, Zinnbeize
Zinnvorbeize
Schweizerische Vereinigung von Larberei-I'achleulen, heule: SVCT
Schweizerische Vereinigung lextil und C’hemie, Reinach, URL:
http://www.svlc.ch
verso, Riickscile eines gezahlten Blattes
Vorbeize
Verband der Restauratoren e.V., Bonn, URL:
h 11 p: //w w w. re s t a u ra t о re n. d d
Wolle, l;aserkurzzeiehen nach DIN 60001-1
11. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Spcktralc Strahlimgsvertcilung verschiedener Normlichtartcn 28
Abb. 2: Modcrnes Rirbcrezepl und Tcmpcraliir-Zeit-Kurve 51
Abb. 3: Ausschnitl aus cincr Polypcptidkcttc Zwillcrion 54
Abb. 4: Ausschnilt aus dcr Ccllulosckcttc 55
Abb. 5: Analyse dcr Quellen beziiglich dcr zu farbenden Fascrrohstoffe 56
Abb. 6: Wassersloffbriickcn zwischen Larbstoff(Alizarin) und baser 66
Abb. 7: Komplexbildung beim Alizarin 67
Abb. 8: Luleolin, Brasilein und Juglon 68
Abb. 9: Larbsloff-BeizaiiiUel-Lascr-Komplcx 68
Abb. 10: Bildung einer schwer wasserlosliehen Aluminiumverbindung 68
Abb. 1 1: (iallussaurc, Lllagsaure 76
Abb. 12: Lssigsaurcproduklion XI
Abb. 13: Alkoholisehe (Lining 84
Abb. 14: Kalkbrennen, -Idschen und LaugenbiIdling X7
Abb. 15: I larnstoniimwandlung in Ammoniak X8
Abb. 16: Anthrachinon W
Abb. 17: Lmodin (links), Chrysophanol (rechts) Ю8
Abb. 18: Berberin mit quartarer Ammoniumgruppe Ю9
Abb. 19: Ionenbindung von Berberin an saure (iruppe der Wolle 109
Abb. 20: Carthamin naeh Sato ct al. (Cil (ilukose) 1 12
Abb. 21: (ielbfarbslof'fe des Sailors (Cil - (ilukose) I 14
Abb. 22: C meet in 1 IX
Abb. 23: Astaxanthin 120
Abb. 24: I’lavon und abgeleitete Llavone, Llavonole und Anthocyanidine
(R -II, -Oil, -OC II,) 121
Abb. 25: Luleolin 123
Abb. 26: Lisetin (links), Morin (rechts) 127
Abb. 27: Rhamnclin, Xanthorhamnin, Rhamnazin und Quercetin 128
Abb. 28: Delphinidinmetallkomplex 127
Abb. 29: Bildung von (ierbstoffschwarz mit Liscnvilriol 103
Abb. 30: Beispiel fiirein Proanthocyanidin 109
Abb. 31: Indigoide Struktur 120
Abb. 32: Bildung von Indigo aus den Vorslufen 173
Abb. 33: Reaklion vom Indigo zum Leukoindigo 175
Abb. 34: Bildung von Indirubin durch Uberoxidation von Indoxyl 176
Abb. 35: Naphlhochinon und Juglon 182
Abb. 36: Alkannin 184
Abb. 37: Oxidation von Brasi 1 in zu Brasilein 185
Abb. 38: Riboflavin 190
Abb. 39: Santalin A und В 191
Abb. 40: Larbmitlel fur Blau- (schwarz) und Violetllarbungen (gran) 208
Abb. 41: Reflektionskurven liir ausgewahlte Blaularbungen 212
Abb. 42: Larbmitlel fur Rotfarbungen 214
Abb. 43: Reflektionskurven fur ausgewahlte Rotfarbungen 217
322 AhhiUhu /g.v \ хч •zcichn is
Abb. 44: Farbmittcl Fur (iclblarbungcn 218
Abb. 45: Rcflcklionskurvcn Fur ausgcwahltc Gclbfarbungcn 221
Abb. 46: Farbmittcl Fiir Griinlarbungcn 222
Abb. 47: Reflcklionskurven fiir ausgcwahltc CiriinFarbungcn 241
Abb. 48: I'arbmiltcl fur Schwarz- und (iraularbimgcn 242
Abb. 49: Rcflcklionskurvcn fiir cin- und mchrslufigc Schwarzllirbungcn 243
Abb. 50: Rcflcklionskurvcn fiir Schwarzlarbungcn mil Variation dcs
Bcizzcitpunktcs 244
Abb. 5 I: I 'arbmiltcl Fiir Braun Firbungcn 246
Abb. 52: Rcflcklionskurvcn fiir ausgcwahltc BraunFarbungcn 247
Abb. 53: Rcaklioncn bcim oxidativcn Angriff auf Farbstoff (H-F) und
Fascrstoff 266
12. Tabellenverzeichnis
Tab. I:
Tab. 2:
Tab. 3:
Tab. 4:
Tab. 5:
Tab. 6:
Tab. 7:
Tab. 8:
Tab. 9:
Tab. 10:
Tab. I i:
Tab. 12:
Tab. 13:
Tab. 14:
Tab. 15:
Tab. 16:
Tab. 17
Tab. 18
Tab. 19
Tab. 20
Tab. 21
Tab. 22
Tab. 23
Tab. 24
Tab. 25
lab. 26
Tab. 27
Tab. 28
Tab. 29
Tab. 30
Tab. 31
Tab. 32
Tab. 33
Tab. 34
'lab. 35
'lab. 36
Tab. 37
Tab. 38
Tab. 39
11istorischc Quellcn mit Rcz.cptcn liir die Textillarbcrci
Rezeptarlen unci Verfahrensvarianten
Fascrrohanteile [%] nach clem Alter tier Quelle ohne (obere Zeilen)
und mit Beriicksichligung der Aufmaehungsarl (unlere Zeilen)
Ausgewahlle Bcispiele fur das heulige Ciewieht des hislorisehen
Pfunds und abgeleitcter Rinheilen [g]
Warengcwiehl und -lange bzw. Stiiekzahl
Losemillel lur die Farbcfloltenherslcllung
Warengewieht, Stiiekzahl bzw. -liinge sowie Flottenmengen
Vitriole Namen, Farben und Synonyme nach der Quellenlage
Gerbsloffgchalte versehiedener Gallapfelarten
Beizmittelanteile [%] und Bcizvariantcn nach clem Alter
der Quellcn
Tcilrezepte und gesonderte Anleitungen fur die Vorbcizc
I;aserart und ,,Flottcn-pFP\ Anteile in %, Al ~ Alaundireklbeize
Qualitative Temperalurangaben lur die Flottenvorbereilung
Qualitative Temperaturangaben lur die Farbung
Angaben zur Farbedauer
Angaben zur Farbmiltelmenge [%] lur die Farblone nach
clem Alter der Quelle
Alizarin, Purpurin, Pseudopurpurin
Krapp in den I;iirbeanleitungen
Struktur und Farbstoffgehalt versehiedener Insektenfarbstoffe
Berberitze und Schollkraut in den Farbeanleilungen
Sailor in den Farbeanleilungen
Safran in den Farbeanleilungen
Flavonfarbsloffhaltige Farbmiltel in den Farbeanleilungen
Kreuzdornbeeren in den Farbeanleilungen
Saflgriin in den Farbeanleilungen
Weitere Farbmitlel mit Flavonollarbsloffen in den
Farbeanleilungen
Strukturen der Anthoeyanidine
Anlhocyanidinderivatc in frisehen Friiehlen und Bliilen
Beeren in den Farbeanleitungen lur die Blaularbung
Beercn in den Farbeanleitungen lur die Violeltlarbungen
Beeren in den Farbeanleilungen lur weitere Farbtone
Kornblumen- und Klatschmohnbliiten in den Farbeanleitungen
Anthoeyanfarbstoffe und Indigo fur Blaularbungen
A horn I a ub in den Farbeanleilungen
Verfahrensvarianten bei der Gcrbslofflarbung von Wolle
1 Glen- und Fichenrinde in den Sehwarzlarbeanleitungen
Flrlenrinde in den Graularbcanleitungen
Gallapfel in den Farbeanleitungen
Kondcnsierte (ierbstoffe in den Farbeanleitungen
.24
.40
.58
.61
.62
.64
.65
.73
.77
.79
.80
.89
.91
.91
.93
.98
102
103
107
111
115
1 19
125
130
132
133
135
136
140
141
142
143
143
161
162
165
168
168
170
324
Tahc/lenverzcicJwis
Tab. 40: Indigofarbungen in den Quellen 179
Tab. 41: Beispiel fur cine Vcrkiipungsanlcitung (Quelle B, fob 78 79,
Rezcpl 229) ?. 180
Tab. 42: Chain larbungen mil indigoidem Farbstoffund (iclbfarbmiltcln 181
lab. 43: NaphthoehinonfarbslolTin den Farbeanleitungen 183
Tab. 44: Brasilholz Hi г Rot- und Braun larbungen (Lxlraklions-pl 1-Wert,
S - saner, N neutral, A ^ alkaliseh) 186
Tab. 45: Brasilholz und Kupler fur Rot- und Braun larbungen 188
Tab. 46: Brasilholz mil weileren Farbmitleln fur Rot-, Braun-, Gclb-,
(irau- und Violelttarbungen 189
Tab. 47: I'arbeanleitungen mil Blaupigmenten 198
Tab. 48: I'arbeanleitungen mil Rolpigmentcn 198
lab. 49: I’arbeanleitungen mil (ielbpigmcntcn 199
l ab. 50: Farbeanleitungen mil dem Pigment (iriinspan 200
l ab. 5 1: I'arbeanleitungen mit Braun- und Schwarzpigmenle 201
Tab. 52: Faserrohsloffe fur die Pigmentlarbung 201
Tab. 53: Niehl identifizierbare Farbmittel in den Farbeanleilungcn 202
l ab. 54: Anteile dcr Farbtone [%J naeh dem Alter dcr Quelle 204
Tab. 55: Substral- und Wassermengen bzw. FV aus der modernen Literalur...206
Tab. 56: Identification der InseklenfarbstolTe durch Ldsevcrsuehe 259
l ab. 57: I laufigkeit und prozentualer Anleil der wiehligslen f’arbmittel 268
Tab. 58: Angaben zu Faser- und Farbmillelarl bzw. -menge [%] 273
Tab. 59: Angaben zu Losemittelarl und -menge [%] 274
Tab. 60: Angaben zu Flotlenvorbereitung, Farbelemperatur und -dauer [%] ...275
Tab. 61: Angaben zur Beizart [%] 276
13. Farbtafelverzeichnis
Tafcl I: Vcrcinfachle Darstellung dcs Schvorgangcs 145
Tafcl 2: Parbkoordinatcn L*, a*, b* und bcrcchnctc Farbabwcichung 145
Tafcl 3: Tuchrauher (links), Tuchschcrcr (rcchts) 146
Tafcl 4: Wollfarber mit Rirbcslock (links), Farbcbaum mit Ilaspcl (rcchls).... 146
Tafcl 5: Balkcnwaagc cincs Kramers (links) 147
Tafcl 6: Grobe Balkenwaage fur schwcre Laslcn (rcchts) 147
Tafcl 7: Schwarzfarbcr mit holzernem Farbcbottich (links) 147
Tafcl 8: Farbtiefc in Abhangigkcit vom Flottcnverhallnis (FV) 148
Tafcl 9: Farbton ohne und mit Alaunbcizc 148
Tafcl 10: Krappfarbung mit A1-, Sn-, Cu- und Fc-Beizc 148
Tafcl 1 1: Farbtiefc durch Vor- bzw. -dircklbcizc 148
Tafcl 12: Farbvcranderung von Baumwollc durch Bcizbchandlung 149
Tafcl 13: Farblicfcndiffcrcnz bci Pigmentlarbungen 149
Tafcl 14: Abhangigkcit der Farbtiefc von dcr Bcizmiltclmcngc 149
Tafcl 15: Farbtiefc in Abhangigkcit von dcr Farbctcmpcratur 149
Tafcl 16: Krapp (Rubia tinctonun L., links), gemahlcne Krappwurzcl (rcchts). 150
Tafcl 17: Fchlcs Labkraut (Galium verum L., links), Klcbkraut
(Galium aparine L., rcchts) 150
Tafcl 18: Getrocknele C'ochenille 150
Tafcl 19: Berberitze (Berberis vulgaris L., links), Schollkraut (Che/idonium
та jus L., rcchls) 151
Tafcl 20: Farbcrwau (Reseda luleola L., links), Waucxtraktpulvcr (rcchts) 151
Tafcl 21: Farberginslcr (Genista tinetoria L., links) 151
Tafcl 22: Saflor (Carthamus tinetorius L., links), gctrocknctc Saflorbliitcn
(rcchts) 152
Tafcl 23: Safran (Croetts sativus L.) 152
Tafcl 24: Gallapfcl 152
Talcl 25: Pcriickcnstrauch (Cotinus eoggygria Scop., links), Farbcrmaul-
beerbaum 153
Tafcl 26: Kreuzdorn (Rhamnus eat hardens L.) 153
Tafcl 27: Unreife (links) und reife (rcchls) Krcuzdornbccrcn 153
Talcl 28: Hcidclbeere ( Vaeeinium myrtillus L., links), Schwarzcr I lolundcr 1 54
Tafcl 29: Kornblume (Centaurea eyanus L., links), Klalschmohn (Papaver
rhoeas L. rechts) 154
Talcl 30: Kornblumcnblulcnblatter 154
Tafcl 31: I Ierbsllaubfarbung am Bcispicl Zuckcrahorn (Acer saeeharum
Marsh.) 155
Tafcl 32: Fi le (Alnus ghitinosa L., links), Stielcichc (Quercus robur L.) 155
Tafcl 33: gctrocknctc P’rlenrinde (links), gctrocknctc Fichcnrindc (rcchls) 155
Tafcl 34: Indigostrauch (Indigofera tinetoria L., links), Waid (Isatis
tinetoria L., rcchls) 156
Tafcl 35: Indigo in Stiickcn 156
Tafcl 36: Alkanna (Alkanna tinetoria L. TAUSCII.) 156
326
Farbfafclvcrzcic/inis
Tafel 37: Walnuss (Juglans regia L., links), gclrocknclc Walnussschalc
(rcchts) 157
Tafel 38: Brasilholz (Caesalpinia sappan L., links), Sandclholz 157
Tafel 39: Brasilholzslofkr (links), geraspelles Brasilholz (reehts) 158
Tafel 40: Brasilholzflottc nach neutraler (links) und alkaliseher Vorbereitung
(reehls) 158
Tafel 41: Lapis Lazuli, reinst (links), Azurit, Korngrofk bis 120 p (reehts) 159
Tafel 42: Malaehit, Korngrofk bis 120 p (links), Griinspan (reehts) 159
Tafel 43: Mennige (links), gemahlener Zinnober, Korngrofk ^ 20 p (reehts)... 160
Tafel 44: Auripigmenl, Korngrofk' 175 p 160
Tafel 45: Bleigelb (Massicot, links), Blei/.inngelb (reehls) 160
Tafel 46: Linflussfakloren auf Farbton und Larbabstand AL 225
Tafel 47: Blau- und Violettfarbungen mil 1 leidel- und Holunderbecrcn 226
Tafel 48: Blau- und Violettfarbungen mil Korn- und Mohnbliiten auf
Wolle (Wo) und Baumwolle (C’o), Violettfarbungen mil Beeren
auf Seide (Se) 227
Tafel 49: Blaufarbungen mil Waid auf Wolle (Wo) und Baumwolle (C’o) 227
Tafel 50: Rotfarbungen mil Brasilholz auf Wolle (Wo), Seide (Se),
unbehandeller Baumwolle (C’o) und mil Gerbstoff vorgebeizler
Baumwolle (C’oCi) 228
Tafel 51: Rotfarbungen mil ausgewahlten Larbmitteln und unterschiedlichen
Beizmitteln 229
Tafel 52: Gclblarbungen mil ausgewahlten l arbmitteln und
unterschiedlichen Beizmitteln 230
Tafel 53: Grunspanlarbung auf Wolle, Seide und Baumwolle 231
Tafel 54: Farbungen mil reifen Kreuzdornbeeren (100 %) auf Wolle 23 1
Tafel 55: Mehrbadige (iriinlarbung mil Waid und Farberwau 231
Tafel 56: Schwarz- und (iraularbungen 232
Tafel 57: Schwarz- und Graularbungen mil Lrlcnrinde 232
Tafel 58: Braunfarbungen mil ausgewahlten Farbmitleln 233
Tafel 59: LichtechtheilsmaBstab: Nolen, Farbstoffe und mdgliehe
Belichlungszeil 233
Tafel 60: Lichtcchlheiten ausgewahlter Blau-, Violetl-, Grim larbungen etc 234
Tafel 61: Lichtechtheilen ausgewahlter Rot- und Gelbfarbungen 235
Tafel 62: Waschechtheitcn ausgewahlter Blau-, Violett-, Griinfarbungen etc 236
Tafel 63: Waschechtheitcn ausgewahlter Schwarz- und Graufarbungen 237
Tafel 64: Waschechtheitcn ausgewahlter Rot- und Gelbfarbungen 237
Tafel 65: Vcrgleich der Nassechtheitsnoten ausgewahlter Farbungen 238
Tafel 66: Vcrgleich der nach historischen Farbcrezepten erzielten Farbtone 239
Tafel 67: CILLab a*-b*-Koordinalen der nach historischen Farberezcplen
erzielten Farbtone (in Klammern: I leiligkeit L:,:) 240
14. Anhang
14.1 Erlauterungen zu den verwendcten Primarquellen
Al - Allcrley IVIatkel
Slandorl:
Signatur:
Titcl: Allcrley Matkcl
Hcrkunft: Mainz
Autor: Peter Jordan
Datierung: 1532
Vorbesitzer:
Bei dor Quelle Al, der „Allcrley Malkel‘\ handelt es sieh um das erste gedruekte
deutsehe Bueh mit Rezepten zur Fleekentfernung und zum Parboil. Die hier ver-
wendete Ausgabe von Peter Jordan in Mainz stammt aus dem Jahr 1532 und wurde
von Kdelstcin veroffentlichl.Sb7 Die Ubersetzung erfolgte durch die Verlasscrin.
Am, Ms. 77
Standort:
Signatur:
Titcl:
I Ierkunlt:
Autor:
Datierung:
Vorbesitzer:
Staatliche Provinzialbibliothek Amberg
Ms. 77
Ambeiger Malerbliehlein
Bayern
Peter Jordan
Unde 15. Jh. (c. 1492)
Die Handschrift Am enthiilt hauptsachlich medizinisehen Texle, die in deulseher
und vereinzelt lateiniseher Spraehe gegen Bnde des 15. Jahrhundcrts (1492) in
Bayern entstanden sind. Die aufgelisteten Parbcrczeptc be linden sieh aid'den Sei-
ten 22 lv 222v und 226v und wurden der Datcnbank von Oltrogge entnoinmen.S6S
Au, Cod. III. 2. 8° 34
Standort: Universitatsbibliothek Augsburg
Signatur: Cod. III. 2. 8° 34
Titel: I Iarburgcr I landsehrift
I Ierkunlt: Bamberg
Datierung: 15. Jh./ 16. Jh.; Dalicrungcn: 1489, 1511, 1516
Vorbesitzer: Maihingen bzw. Ilarburg, Octtingcn-Wallcrslein (chem.)
Die vermutlieh in Bamberg im 15./16. Jahrhundert enlslandene Quelle An enlhall
I'arberezepte au Г den Scitcn 15v 28v und 128r 13()v. AuBerdcm sind cin Wein- 67S67 Zu Transkriplion, Beschreihung und Ubersetzung der I landsehrift vgl. Fdelstein: The
Allerley Matkel, S. 297 321.
328
Anhang
buch und vcrschicdcne mcdizinische und kunsttcchnologischc Rczepte enthaltcn.
Binzclnc Bliilter sind mil 1489, 1511 und 1516 daticrt. Die bearbeiteten Rczepte
entstammen der Edition von Vermeer.*^ Die Ubcrsetzung erfolgte durch die Vcr-
lasserin.
B, Ms. germ. qu. 417
Standort:
Signatur:
Xitel:
Sehreiber:
I lerkunft:
Datierung:
Vorbesitzer
Staatsbibliothek PreuBischer Kulturbesitz Berlin
Ms. germ. qu. 417
Vier puchlin von allerhand farben vnncl anndern kunnsten
Niklas Kreytzer, Kilian (iotz, Peter Ott
Siiddeutsehland
1. I lalftc 16. Jahrhundert
Die Quelle В besteht aus drei Teilen. Buch I („Voigt hernach wie man Zinober
Menig lassnr spangrien, p ley weiss Endieh malcr virnevss allerhand kiith vnnd leym
machcn soil etc:") enthalt aufS. 12 ein Farberezcpt. In Buch II (S. 77- 109) werden
untcr dem Xitel „Volget hernach Das ander puchlin wie man allerlay farbenn auff
wallj vnnd Lein samat vnnd seidenn machcn vnnd ferben soil"" mehrere Rezcpte fur
die Tcxtillarbung aufgelistct und in Buch III („Volget Hernach Das Das dirt
puehnn wie man Leder gerben vnnd allerlay farben ferben soil"") sind auf Seite
104v zwei Rczepte fur die Parbstofiwiedergewinnung zu linden. Alle Rczepte sind
in dcutschcr Sprache in Siiddeutsehland in der 1. Halite des 16. Jahrhundcrts ent-
standen. Als ein Autor ist in l ei 1 II der llandschrift Peter Ott genannt. Die hicr be¬
arbeiteten Rczepte wurden der Datenbank von Oltroggc entnommen.K7,)
Ba, Msc. mod. 12
Standort:
Signatur:
Xitel:
1 Icrkunft:
Datierung:
Vorbesitzer:
Staatsbibl iothek Bamberg
Mse. med. 12
Bayern?
1. Halite 15. Jh.
Die llandschrift Ba ist in der 1. Hiilfte des 15. Jahrhundcrts in Bayern odcr Salz¬
burg verlasst worden. Sic enthalt neben medizinisehen, philosophisehen und theo-
logisehcn Textcn auch vcrschicdcne deutsche I'arberezepte, von denen die hier be- 868 869 870868 Z.uv Transkription, IJherset/img und Beschreibung der llandschrift vgl. Oltroggc: Dalen-
bank.
869 /ur Transkription, Beschreibung und Nummerierung vgl. Vermeer: J'eehniseh-naturwis-
senschaftliche Rczepte S. 1 10 126. Die llandschrift ist nach der Burg Marburg (Sehwa-
ben) der Piirsten zu Oettingen-Wallerslein benannt, aus deren Bibliothek sic urspriinglieh
stamml. Die Bibliothek wurde 1980 an den Preistaat Bayern verkauft und die Sammlung
wurde in die IJniversilatsbibliothek Augsburg iibernommen.
870 Transkription und Ubcrsetzung nach Oltroggc: Datenbank; zur Beschreibung der lland¬
schrift vgl. Degering: Kurz.es Verzeichnis der germanischen I landsehriftcn, S. 76.
Anhang
329
arbeiteten aufdcn Scilen 181 v— 181r zu linden sind. Die aufgelisteten Rezepte ent-
slammcn dcr edition von Floss.S71 Die Nummerierung und Uberselzung erfolgle
durch die Verfasserin.
Bas, A.N.V. 12
Slandort:
Signatur:
Titel:
1 lerkunft:
Datierung:
Vorbesitzcr:
Universitatsbibliothek Basel
A.N.V. 12
Maister Hannscn, dcs von xvirtenberg koch
Niirnberg
1460
Bei der Handschrift Bas handelt es sich um das Kochbuch des ,,Maister Hannscn,
dcs von wirtenberg koch ", das iiberwiegend Luxuskochrezeple lur die Obersehieht
aufliihrl. Die Handschrift ist auf das Jahr 1460 datiert. Die drei enthaltenen Textil-
larberezcpte be linden sich auf den Seiten 59r-59v. Die Edition der Quelle crfolgtc
durch Hhlcrt.*72
Be, Cod. Hist. Helv. XII 45
Standort:
Signatur:
Titel:
Schrcibcr
I lerkunft:
Datierung:
Vorbesitzcr:
Burgerbibliothek in Bern
Cod. Hist. Helv. XII 45
Colmarer Kunstbuch
Jacobus Haller
Colmar
1478
Die Handschrift Be triigt den Kurztitel „Colmarer KunslbuclC. Sie besteht aus vier
leilen (Teil I: „von janven‘\ Teil II: „von of fen thureir, Teil III: „von gold
grundcn“ und Teil IV: „von artznie"), die von zwei Schreibcrn in deutscher und
z.T. lateinischer Sprache verfasst wurden. Sie enthalt neben mallechnischen und
kunsttechnologischen Vorschriften magischc, alchemistische sovvie mcdizinische
Rezepte. Die Farbevorschriftcn be linden sich im Teil I aui den Seiten 126 130,
139-141 und 143- 144. Der letzte Schrcibcr, Frater Jacobus Haller aus Colmar, hat
die Handschrift aui'dcr letzten Seite datiert. Die hicr aufgeiiihrten Rezepte ent-
stammen der Datenbank von Ollrogge.*7' 871 872 873871 Transkriplion nach Ploss: Buch von alien Farben, S. 140, Anmerkung 50 und 51 und dors.:
Germanische I lauswirlschaft, S. 22; zur Beschreihung der Handschrift vgl. Lcitsclnih und
Fischer: Kalalog der I landsehriften der Konigliche Bibliothek zu Bamberg, S. 442 445
und die Beschreibung der Zenlralredaktion mittelalterlieher I landsehriflenkataloge im In¬
ternet: Manuseripta Mediaevalia; zur Datierung vgl. ebenlalls Ollrogge: Datenbank.
872 Transkriplion und Uberselzung nach Fhlert: Maister Hannscn, S. 275 277 und 281 283;
zur Beschreibung der I Iandschrilt vgl. ebd., S. 33 1 348.
873 Transkriplion und Ubersetzung nach Ollrogge: Datenbank; zur Beschreibung der I land-
sell rill vgl. Scarpalelli: I landsehriften in der Schweiz, S. 32.
330
Anhang
F, Fol. 10
Standort: Univcrsitatsbibliothck (ircifswald
Signatur: Fol. 10
Tilcl:
Herkunft: Zislcrzicnscrklostcr Lcubus (Nicdcrschlcsien)
Daticrung: 15. Jahrhundcrt
Vorbesilzcr: chcmals Stadlbibliothck Ulbing
К ist cine Handschrift, die sieh bis zum Unde des II. Weltkrieges in der Stadtbiblio-
tliek Hlbing befand. Sie ist auf dem Transport nach Thorn versehollen. Die zwei
bier aufgeluhrten Rez.cpte (fol. 204v) sind durch cine Kurzabschrift aus dem Jahr
1912 uberlielcrt. Die Handschrift wird auf das 15. Jahrhundert datierl. Der groBtc
Teil des Inhaltes ist wohl 1434 im Zisterzienserkloster Leubus (Niederschlesien)
enlslandcn.,S7‘* Die Ubersetzung erfolgte durch die Verfasserin.
Co, Cod. hist. nat. 51
Standort:
Signatur:
Tiled:
1 Ierkunfl:
Daticrung:
Vorbesilzcr:
Staats- und Univcrsitatsbibliothck Gottingen
Cod. hist. nat. 5 1
(iottinger Farbcbuch
Rostock
1528
Die Handschrift Go ist cine in nicderdeutschcr Sprache verfasste medizinische
Sammelhandschrift. Die Quelle wird auch als „(iottinger FarbcbucfC bezeiehnet.
Als Iintstehungsorl wird Rostock im Jahr 1528 angenommen. Die hier genannten
larberezeple belinden sieh auf den Seilen 31 lv 312v und wurden der Iidition
durch Seidenstickcr entnommen.S7> Die Ubersetzung erfolgte durch die Verfasserin.
Gr, 8° Ms 875
Standort:
Signatur:
Tilcl:
I Ierkunfl:
Daticrung:
Vorbesitzer:
Univcrsitatsbibliothck (ircifswald
Ms 875
Nii rn berg
urn 1430
Die in Deutsell gcschricbcnc Handschrift Gr enthalt neben medizinischcn und
I Iausrezeplen ein Farberezept auf der Seite 6r. Die Handschrift ist vermutlieh urn 874 875874 Zur Transkriplion und Ikschreibimg der Handschrift vgl. Berlin-Brandenhurgische Aka-
demie der Wissenschaften: DI M; vgl. ebenfalls die Besehreihimg der Zentralredaktion
miltelallerlieher I landsehrilienkataloge im Internet: Manuscripta Mediaevalia; vgl. Pasler:
Deulsehspraehige Saehliteralur im Preulknland, S. 145 149.
875 Zur Transkriplion und Besehreihimg der Handschrift vgl. Seidenstickcr: Mai- und farbe-
rezepte S. 287 304; ITganzungen des Autors sind kursiv wiedergegeben.
Anhang
331
1430 in Niirnbcrg cntstandcn. Das Rczcpt wurdc dcr Handschriflcnedition von
Baufcld entnommen.s/6 Die Ubersetzung crfolgtc durch die Verlasserin.
H I, Cod. Pal. germ. 558
Standort:
Signatur:
Titel:
Sehrciber:
Herkunfl:
Datierung:
Vorbesitzer:
Universitatsbibliothek I leidelberg
Cod. Pal. germ. 558
Johannes Kaurhamcr
Regensburg
15. Jh.;auffol. 194 Datierung 1483
Die Mandsehrift H I enthalt eine Sammlung mediziniseher Texte. Die von Johannes
Kaurhamer in Regensburg in dcutseher Spraehe verfasslen Texte stammen aus dem
15. Jahrhundert. Die llandsehrift enthalt zwei fur die Textilfarbcrci rclevante Re-
zepte auf den Seiten 148v und 150v, die in der Datcnbank von Oltrogge zu linden
sind.*77
II II, Cod. Pal. germ. 620
Standort:
Signatur:
Titel:
I Ierkunft:
Datierung:
Vorbesitzer:
Uni versitatsbibl iothek Heidelberg
Cod. Pal. germ. 620
Siiddeutsehland
15. Jh.
Maywaldt, Matheus (16. Jh.); Degler, Bernhard (Zurich)
1545
Die aus Siiddeutsehland stammende, in deutseher Spraehe abgelasste llandsehrill
H II enthalt eine Sammlung von medizinischcn Rezepten und 1 leilmitteln. Die
llandsehrift wird auf das 15. Jahrhundert datierl. Die auf den Seiten 56 69v belmd-
liehen Farberezepte wurden aus der Datenbank von Oltrogge ubernoinmen.s7s
II III, Cod. Pal. germ. 211
Standort:
Signatur:
Titel:
1 Ierkunft:
Datierung:
Vorbesitzer:
Uni versitatsbibl iothek 1 leidelberg
Cod. Pal. germ. 21 1
Siidwestdeutsehland
uni 1500 876 877 878876 Transkription nach Baufcld: (icsuiulhcits- und I Iaushaltslchrcn, S. 1 1; Zur Bcschrcibung
dcr I landschrift vgl. S. XI XVII bzw. S. 1 1.
877 Transkription und Ubersetzung nach Oltrogge: Datcnbank; zur Bcschrcibung dcr I land¬
schrift vgl. Bartsch: Die altdeutschen I landschriftcn, S. 151 154.
878 Transkription und Ubersetzung (auBer Rczcpt 9) nach Oltrogge: Datcnbank; zur Uberset¬
zung von Rczcpt 9 vgl. Reinking: l arberei dcr Pllanzenfasern, S. 199; zur Bcschrcibung
dcr llandsehrift vgl. Bartsch: Die altdeutschen I landschriftcn, S. 157 158.
332
An hang
Die um 1500 in Siidwestdcutschland entstandenc Ilandschrilt H III enthalt neben
eincm ,,RoBarzncibuch“ auch I laushalts- und Farbrczeptc. Das bier vcrwendctc
Rezcpt zur FarbstolTwicdcrgewinnung bcfindcl sich aufden Seitcn 38v-39. Ls ent-
stammt der Datcnbank von Oltrogge.s74
H IV, Cod. Pal. germ. 489
Standort:
Signatur:
Titcl:
I lerkunlt:
Dat icrung:
Vorbcsitzcr:
Univcrsitiitsbibliothek Heidelberg
Cod. Pal. germ. 489
Fei 1 I: Ain gar schones unncl vast nutzHches hanclhucchlin von
aileriayefarhenn lol. 1 -96
Teil II: De colorihus. Von den fa rhenn (1562) fol. 97-149
Teil III: Von den farhen a us der federn zu schrevben lol. 150
269
Siiddeutschland
1562/63
Die aus den Jahren 1562/1563 stammende Handschrilt II IV besteht aus drei Tei-
len, die auBcr Anleitungen zur I Ierstellung von Malfarben und Bindcmitteln weite-
re Vorsehrilten Hir die Tcxtillarberci enthalten. Die hier verwendeten Rezepte be-
linden sich aufden Seiten 49v 91v (Teil I), 129 131 (Teil II) und 187-268v (Teil
III) der Quelle. Alle Rezepte sind in deutschcr Sprache abgefassl und in Sud-
deutschland entstanden. Die Rezepte wurden der Datcnbank von Oltrogge ent-
nommen.KS(l Die Ubersetzung erlblgte durch die Verfasserin.
H V, Cod. Pal. germ. 183
Standort:
Signatur:
Titcl:
Schreibcr:
I lerkunlt:
Dalicrung:
Vorbcsitzcr:
Universitatsbibliothek I leidelberg
C’od. Pal. germ. 183
Michel
Ambcrg (nach Zimmermann)
1570/71 (naeh Zimmermann)
Amberg, Bibliothek des Pfalzgralcn (spat. Kurf.) Ludwig VI.
(1539 83)
Bei der I landsehrift H V handelt es sich um ein llausbuch mit lutherischen Dru-
eken, mcdizinischcn Inhalten und vereinzclten metalltechnisehcn und alehemisti-
sehen Angaben, das in der Zeil von 1560 1570/71 in Amberg entstand. Die bcar-
beiteten 'rexlilfarbeanleitungen sind neben Vorsehrilten zum (ierben und barben 879 880879 Transkriplion und Ubersetzung nach Oltrogge: Datcnbank; Zur Beschreibung der I land¬
sehri ft vgl. Bartsch: Die altdcutschen I landsehrilten, S. 47 48 und die Beschreibung der
Xentralredaktion mittelalterlicher I landschriltenkalaloge im Internet: Manuscripta
Mediaevalia.
880 Zur I ranskription und Beschreibung der I landsehri ft vgl. Oltrogge: Datcnbank.
An hang
333
von Lcder aufden Seiten 275v-288v zu linden. Sic entstammen dcr Datenbank von
Oltroggc.™1
HVI Cod. Pal. germ. 212
Standort:
Signatur:
Titcl:
Hcrkunft:
Datierung:
Vorbesitzcr:
Univcrsitatsbibliothek Heidelberg
Cod. Pal. germ. 212
vtl. Heidelberg
16. Jahrhundcrt
Die aus dem 16. Jahrhundert stammende, vermutlieh in Heidelberg entstandene
deutsehe Handsehrift H VI ist eine Sammclhandschrift mit iiberwiegend mediz.ini-
sehen und magisehen Inhalten. Sie enthalt Farberezcptc auf den Seiten 50-51. Die
bearbeiteten Rezepte und dcren Nummerierung entstammen der Datenbank von
Oltroggc.™2
In, Cod. 355
Standort:
Signatur:
Titel:
Hcrkunft:
Datierung:
Vorbesitzcr:
Universitatsbibliothek Innsbruck
Cod. 355
Tirol
urn 1330
Zisterzienserkloster Stains, Osterrcich
Die Handsehrift In ist eine Sammelhandsehrift in lateinischer und deulseher Spra-
che mit Farbcrezcptcn aufden Seiten 83v und lOOv 100г. Die Vorsehrillen sind
die altesten bekannlen Rezepte in dcutscher Spraehe und wurden erslmals 1884 von
Jeitteles ediert. 11ier wurde die Edition von Ploss aus seinem „Bitch von alten Far-
bcn“ verwendet.™1 Die Ubcrsetzung erfolgte durch die Vcrfasscrin.
Ka, Cod. R. 49
Standort: Badischc Landesbibliothek Karlsruhe
Signatur: Cod. R. 49
Titel:
1 Icrkunft: Schwabcn 881 882 883881 Transkription und Obersetzung nach Oltroggc: Datcnbank; zur Beschreibung dcr I land-
sell rift vgl. die Bcschrcibung dcr Zcnlralrcdaktion mittclaltcrlichcr I landscliriflcnkatalogc
im Internet: Manuscripta Mcdiacvalia, I landsehriftcndokumcnt 32050001,T.
882 Transkription und LJbcrsct/.ung nach Oltroggc: Datcnbank; /ur Bcschrcibung dcr lland-
schrift vgl. Bartsch: Die altdcutschcn I Iandschriftcn, S. 48 und die Bcschrcibung dcr Zcnl¬
ralrcdaktion mittclaltcrl ichcr I landschriftenkataloge im Internet.
883 Transkriplion nach Ploss: Buell von alien I'arbcn, S. 125 127; vgl. Jeitteles: l arbcmittcl
und anderc Rcccptc, S. 338 340. Zur Datierung und Bcschrcibung vgl. Univcrsitalsbiblio¬
thck Innsbruck: I Iandschriftcn dcr Universilatsbibliolhek Innsbruck mit deulschen Texlen
und Litcraturdokumcntation zu den I Iandschriftcn.
334
Anhang
Daticrung: 15./ 16. Jh.
Vorbcsitzcr:
Die I landschrift Ka ist in Dcutsch b/.w. Schwabisch abgelasst. Sic cnthalt neben
medizinischcn und alchemislischen Rezepten verschicdcnc Anlcitungen fur die
1 arberei aufdcn Seiten 1 6v, und 8-19. Die hier aufgenommene Vorsehrift wurde
von Floss verblTentlicht.ssl Die Ubersetzung erlblgte dureh die Verlasserin.
М I, Cgm 824
Standort:
Signatur:
Titel:
1 lerkunlt:
Daticrung:
Vorbesitzer
Miinchcn, Bayerische Staatsbibliothek
Cgm 824
Bbhmen (Schneider)
um 1400 (Schneider)
Augsburg, St. Ulrich und A fra, OSB
Die Ilandschrift IVI I besteht aus einer Sammlung mediziniseher und kunsttechni-
seher Rezepte. Sic ist nach Schneider in bohmiseher Mundart abgelasst und stammt
aus der Zeit um 1400. Die der Datcnbank von Oltrogge entstammenden Parbere-
zeple bellnden sieh auf den Seiten 67-68v, wobei die Rczcptnummerierung von
Oltrogge ubernommen wurde.ss^
M II, Cgm 317
Standort: Bayerische Staatsbibliothek Miinchen
Signatur: Cgm 317
Titel:
1 lerkunlt: Osterreich
Daticrung: 1. Halite 15. Jh. (1. Teil), naeh 1453(2. Teil)
Vorbesitzer: I leiligenkreuz (Niederosterreich), Kloster O.Cist.
IVI II, die Ilandschrift wird aueh als „Oberdeutsches I;arbebiiehlein“ bezeichnel,
besteht aus zwei zusammengebundenen Teilen, einer medizinisch-hauswirt-
scha It lichen und einer hislorischcn Sammelhandschrilt. Die Farbcrczcptc bellnden
sieh am Unde des erslcn Teiles auf den Seiten 119- 120. Dieser Teil der Handschrift
entstammt der 1. Halite des 15. Jahrhunderts (vor 1453). Die vermutlich in Oster¬
reich entstandene Quelle ist in Deutseh (Siidbairisch, Osterreichiseh) abgelasst. Die
Vorschrilten wurden von Floss cdierl, die Ubersetzung erlblgte dureh Oltrogge.SS6 * 885 886<S(S4 Zur I ranskription und Beschreibimg tier I landschri ft vgl. Floss: Bucli von alien I’arhen,
S. 143 unci Anmerkung 55.
885 Transkription und IJhersetzung nach Oltrogge: Datcnbank. Zur Beschreibimg der I land¬
schri ft vgl. Schneider: Cgm 691 867, S. 486 491.
886 Transkription naeh Floss: Buch von alten Farben, S. 155 158; /ur Oherset/ung vgl. Olt¬
rogge: Datcnbank; /ur Beschreibimg der 1 landschri ft vgl. Schneider: Cgm 201 350,
S. 306 316.
Anhang
335
M III, Clm 20174
Standort:
Signatur:
Titcl:
Herkunft:
Daticrung:
Baycrischc Slaatsbibliothck Miinchcn
Clm 20174
Tcgcrnscc
1464-1473
Vorbesit/cr: Tcgcrnscc, KlostcrOSB
Verwandschaft mil Miinchcn cgm. 821 und 822
Die umfangreiche llandschrift M III cnthalt neben grammatischcn, hauswirtschaft-
lichen und mcdi/inischcn Texten cine Sammlung kunsttcchnologischcr Rc/cptc in
lateinischer und dcutschcr Sprache. Sic soil in der Zeit von 1464 1473 im Benedik-
tinerkloster Tcgcrnscc entstanden scin. Die hicr aufgcfiihrten Rc/cptc liir die Tex-
lillarbcrci (Scitcn 183v und 195r) wurden aus der Datenbank von Oltroggc iiber-
nommcn.ss7
М IV, Cgm 720
Standort:
Signatur:
Titcl:
Herkunft:
Daticrung:
Vorbesitzer:
Baycrischc Staatsbibliothck Miinchcn
Cgm 720
Ba i ri sc lies I arbcbiich lcin
Aldcrsbach, Klostcr O.Cist.
4. Viertcld. 15. Jh.
M IV ist cine in ostmitlclbairischcr Mundart abgefasstc llandschrift. Sic cnthalt auf
den Scitcn 224v 230r das „Bairischc l'arbcbiichlcin“. Die llandschrift slammt aus
dun Zistcr/icnscrkloslcr Aldcrsbach und wird auf das 4. Viertel dcs 15. Jahrhun-
derts daticrl. Sic ist in der Datenbank von Oltroggc zu linden.sss
M V, Cgm 821
Standort:
Signatur:
Titcl:
Herkun ft:
Daticrung:
Vorbesitzer:
Bayerische Staatsbibliothck Miinchcn
Cgm 821
Liber illuministanun
Ben ed iktinc г к 1 о st с r 1 ege rn see
l ei 1 I: 2. Halite 15. Jh./fed II: bis 1512
Benediletinerklostcr Tcgcrnscc
M V, die als JAher illuminisfarum“ bczcichnctc I landschrill, bestcht aus zwei Teilen.
Teil I ist in der zweiten Halite dcs 15. Jahrhunderts entstanden und cnthalt im Wesentli-
chen kunsttcchnologischc Rc/cptc. Teil II bestcht aus cincr bis 1512 zusammengetrage-
nen Sammlung tcchnischcr, alchcmistischer, mcdizinischer, mathcmalischer und haus-
wirtschaftlichcr Anlcitungcn, hicr sind aber ebenfalls f’arbcrczcptc zu linden. Die Quelle
stammt aus dem chcmaligcn baycrischcn Benediktinerkloster Tcgcrnscc, liir den zvvei- * 8888S7 Zu Transkription, Bcschreibung und Uherset/ung vgl. Oltroggc: Datenbank.
888 Transkriplion und Ubersetzung nacli Oltroggc: Datenbank; zur Bcschreibung der Iland-
schrift vgl. Schneider: Cgm 691 867, S. 116 127.
336
An hang
ten Toil dor Quelle ist dieser Lmtstehungsort belegt. Die Anleilungen sind vorwiegend in
Mittclbairiseh, zum Teil in Latein verfasst. I arberezepte sind aufden Seiten 30v-32v im
ersten Teil und aufden Seiten 98r, 99r-99v, 122r-123r, 143v, 144v, 177r 177v, 197v,
225r-225v und 231 r-234r im zweiten Teil der Quelle zu linden.ss9
N I, Ms. 181503
Standort: Germanischcs Nationalmuseum Niimberg
Signatur: IIs. 181503
Titel:
Herkunft: Bohmen
Datierung: 2. Halfte 15. Jh.
Vorbesitzer:
Bei der Quelle N I handelt es sieh um das fragment einer llandsehrift in bohmi-
seher Mundart. Die vier erhaltenen Blatter mit Rezepten Iur Textil- und Malerfar-
ben entstammen der 2. Hiilfte des 15. Jahrhunderts. Sie wurden der Datenbank von
Oltrogge entnommen.sw
N II, Ms. Cent. VI. 89
Standort:
Signatur:
Titel:
I Ierkunft:
Datierung:
Vorbesitzer:
Stadtbibliothek Niirnberg
Ms. Cent. VI. 89
Niirnberger Kunstbueh
Niirnberg, Katharinenkloster
3. Drittel 15. Jh.
N II ist eine im Niirnberger Dominikancrinnenkloster St. Katharina im 3. Drittel
des 15. Jahrhunderts entstandene llandsehrift. Die aueh kurz als „Niirnberger
Kunstbueh44 bezeiehnete Quelle enthall ein Kunstbueh, worin neben Anleitungen
I ur Malerei, I'arb- und Zeugdruck verschiedene barberezeple aufgelistet sind. Die
hier aufgefiihrten Rezeple sind aufden Seiten 2()v 22v, 29r 33r und 53r 55v zu
linden, leile der llandsehrift wurden von Ploss veroffentlicht.*41 Die Ubersetzung
erlblgte durch die Verlasserin.
I r, IIs. 1957/1491 8°
Standort: Stadtbibliothek Trier
Signatur: IIs. 1957/1491 8° 889 890 891889 Transkription und IJberselzimg nach Bartl el. al.: Liber illuministarum, S. 96 101,112
I 19, 166 169, 220 221, 266 269, 282 285, 306 307, 366 367 unci 386 399; Zur Be-
schreibung der Ilandsehrifl vgl. Schneider: Cgm 691 867, S. 461 471; vgl. ebenfalls
Bartl el. al.: Liber illuminislarum, S. 34 36.
890 Transkription und IJberselzimg nach Ollrogge: Datenbank; zur Beschreibung der lland-
schrill vgl. Kurras: Die deutsehen millelallerliehen I landsehriLien, S. 74 75.
891 Transkription nach Ploss: Buell von alien Larben, S. 127 154; zur Beschreibung der
llandsehrift vgl. Schneider: Die Ilandsehrilten der Stadtbibliothek Niirnberg, S. 239 240;
vgl. ebenfalls Ploss: Rollarbungen, 228.
An hang
337
Titel: Tricrer Malerbuch
bicrkun ft: E be r h a rtl s к 1 a use n ?
□aliening: 2. II. 15. Jh.
Vorbesil/er:
Die Handschrift Tr Iriigt den Kurzlitcl „Triercr MalcrbuclTf Sie cnlhall ein Hand-
bueh liir die Buehmalcrci und Nachlragc Гиг die Tcxlilpllege und die Textillarberei.
Als Entstehungsort wird das Augustinerehorherrenslift Ebcrhardsklausen in Klau-
sen (Eifcl) in der 2. Hal fie dcs 15. Jahrhunderls vermutet. Die bier bearbeiteten
Rezeple (ff. 16r 17r, 22r-23r) entstammen der Datenbank von Ollroggc.*42
W, ohne Sig.
Slandorl:
Signalur:
Titel:
Herkun ft:
Dalierung:
Vorbesilzer:
Bibliothck der Fursten von Waldburg-Wolfegg
ohne Signalur
Mittelalterliehes I lausbueh
Millelrhein?
3. V. 15. Jh.
Das „Millelallerliche 1 lausbuch“, hier aufgeliihrl mil der Abkiirzung W, enlhalt
neben Anlcitungen 1 ur Hauswirlschafl, Astronomic und Bergbau vcrschiedcnc 1'ar-
berezeple aul'den Seilen 32v-33r. Die deulsehen Texle slammen aus dem drillen
Vieilcl des 15. Jahrhunderls (ea. 1480). Die llandschrifl wurde 1912 von Bosserl
und Slorck cdilicrt.K‘M Die Rezeplnummerierung und Uberselzung erfolgte dureh
die Vcrfasserin.
Wi, Cod. 4° 47
Slandorl: Stadlbibliolhek Winlerlhur
Signalur: Cod. 4° 47
Titel: I lie vaehei an ein hewerte ec/le kunst und niitzliehe wie man sol
fenven lini tuoch wullin tuoch jaden gam mill alien Janven die
da gereehl sind und wie man sy zuo venedig J’erht
Schrcibcr: Thomas Haymhofer
Herkunft: Basel
Dalierung: 15./16. Jahrhundcrt
Vorbesilzer: Winlerlhur, Burgerbibliolhek (17. Jh.)
Die Quelle Wi isl einc aus alchemistischen, astronomisehen und medizinischen
Teilen beslehende Sammelhandsehrill. Dalierl wird sie aul'das 15./16. Jahrhunderl;
zwei der von Thomas Haymhofer vermullieh in Basel verfasslen 1'exle tragen die * 893S92 I ranskriplion und Uberselzung naeh Ollmgge: Datenbank; zur Besehreibung der lland-
sehrill vgl. Bushey: I3ie deulsehen und niederlandisehen I landschrillen, S. 230 235.
893 Transkriplion naeh Bosserl und Slorck: Das Millelallerliche I lausbueh, S. XXV XXVI;
zur Besehreibung der llandschrifl vgl. S. VII IX.
338
Anhang
Jahrcszahlen 1575 und 1579. Die hier bearbeiteten Karberezepte be linden sieh aul
den Seiten 302v-306v und wurden der Datcnbank von Oltrogge entnomincn.SM
Wo, Cod. Guelf. Hclmst. 1213
Standorl: 1 Ierzog-Augusl-Bibliothek Wolfcnbiittel
Signatur: Cod. (iuell. 1 Iclmst. 1213
Titcl:
Herkunft: Norddeulsehland
Datierung: 15. Jh.
Vorbesilzer:
Die aid'das 15. Jahrhundert datierle Quelle Wo entstand vermutlich in einem nie-
dersaehsisehen Klosler im nordlichen I larzvoiiand. Sie enthalt neben medizini-
sehen Rezepten das iilteste erhaltene in mitlelniederdeutschcr Spraehe verfasste
Koehbueh sowie versehiedene ehemiseh-teehnisehe Anlcitungen. Die Textillarbe-
rezepte be linden sieh aid'den Seilen 1 15v 1 17v. Die hier bearbeiteten Rezepte ent-
stammen der Edition durch Wiswe.^"' Die Ubcrsetzung erfolgte durch die Verfasse-
rin. 894 895894 /и Transkriplion, Beschrciimg und Ubcrsetzung vgl. Oltrogge: Datcnbank.
895 Ули■ Transkriplion und Besehreibung der 1 landsehrift vgl. Wiswe: Miltelallerliehe Rezepte
zur I• iirberei, S. 49 58.
nhang
339
4.2 Tabellarische Synopsen weiterer Farbeanleitungen
iiilstrcichcn dcr Rirbcflotlc
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350
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14.3 MaBc und Gewichte in den Qucllen
Die in den Qucllen aufgcliihrten MaBc und Gewichte lassen sich grundsatzlich in
,,beschrcibende“ Mengenangaben, Langen- b/w. BrcitcnmaBc, GewichtsmaBe und
HohlmaBc, welche wiederum in Lliissig- und TrockenmaBe untcrschiedcn werden
konnen, unterteilen.
Beschrcibcndc Mengenangaben werden in den Qucllen fur klcine Mengen verwen-
det, dazu wird z.T. mit GroBenvergleichcn gearbeitet. Hier dienen Bohne (hone),
Lrbsc (erhis), Walnuss (wellische nusz) oder Id (ay, ever) als VergleichsgrdBen.s%
Verwandt mit diesen Angaben ist das MaB “I IandvolD, das in den Qucllen als haul
voll oder hunt vol genannt ist. Grimm und Kriinitz beschreiben es als die Menge,
die cine Hand lassen kann.S4/ Zu den beschreibenden Mengenangaben gehoren
ebenso die in den Qucllen cnthaltcncn Informationen zu kleinen blussigkcitsmcn-
gen. Ls sind lid/iiy lit und glefilin genannt. lit oder lid ist das mhd. Wort fur Deckel
und leitet sich vom ahd. IIlit her. lin oder aueh li ist cine mhd. Verkleinerungssilbe.
Demnach ist ein lidlin ein Deckelchen oder kleiner Deckel, das gfe/.Wn ist ein Glas-
chcn oder kleines Trinkglas.s;s
Das einzige in den Qucllen genannte LangcnmaB ist die Idle (ein, eden), direkt auf-
geliihrt ist die Niirnbergcr Lllc.sw
Zu den in den I arbevorschriften enthaltenen GewichtsmaBcn gehoren neben deni
Pfund, die daraus abgeleiteten Teilgewichle, wie das Vicrding oder Vierteil, die
Unze, das Lot, das Quent, das Settin oder die Drachme.
Das Vicrding, in den Qucllen als vierdung, jirdung oder viertail bezeichnet, be-
schreibt nach (irimm allgemein den vierten Teil von Ltwas, im Deulsehen insbe-
sondere den vierten Teil des IMundes. Das Vierteil ist cine Bczcichnung Iiir den
einzelnen Bruchleil eines in vier Tcile zerlegten (ianzen.l;(,° Die nachst kleincre
(ievviehtseinheit ist die Unze, die in den Qucllen als unicia/n, unicias oder vnez * 897 898 899 900N% Sichc z.B. Quelle II VI, I о 1. 50v 51, Rezept 7 („vnd tint atant darzu als ein honeQuel¬
le II V, Ibl. 287v, Re/ept 57 („vnd als gro/.i saj/ran als ein erhis“), Quelle Л1, lol. 308,
Re/ept 18 (jlni aueh dareyn so grosz als ein wellisehe nusz gestosznen акпиГ), Quelle
Ли, Ibl. 25r 25v, Rezept 51 eier wo! wvi/Г), Quelle II IV, Ibl. 91 91 v, Rezept 167
(„als ein halh ay gros акпиГ), Ibl. 129 I29v, Rezept 223 und Ibl. 131, Rezept 227 („als
gros Alannt als ein Ay vnd halhsouil sal Arnioniae“) und Quelle VVi, Ibl. 304, 10 (,,/ loft
oder ever scha/fen vol houm dly k).
897 Sielie z.B. Quelle IM V, Ibl. 234r, 1263; vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 10, Sp. 421 und Kriinitz:
Oekonomisehe linzyklopadie. I'll. 21, S. 467.
898 Vgl. BMZ, Bd. 1, S. 1000 und 1012; vgl. Kriinitz: Oekonomisehe Lnzyklopadie, Th. 19,
S. 52; vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 7, Sp. 7659ITund 7673.
899 Vgl. Quelle N II, Ibl. 29v 3lr, 54.
900 Vgl. (irimm: l)Wh, Bd. 26, Sp. 281 und Sp. 313
Anhang
351
aufgefiihrl isl. Das Handelspfund wurde in 16 Unzen, als Apothckcnplimd in 12
Unzcn unlerteilt.901 902 903 904 905 906 907 908Das Lot, in den Quellen als loci, loti, lat, lot und loth aufgeliihrt, war wohl ur-
spriinglich die Bezeiehnung fiir cin Bleisliick von beslimmtem Cicwicht. Diese Be-
dcutung isl noch im cngl. lead (= Blei) zu erkennen. Bin Lot war die llalfle einer
Unze und entsprach vier Quenlehen (Quentin) oder 'Л2 Pfund naeh Nandelsgewichl
bzw. '/2.j Pfund naeh Apolhekergewieht.;o2 Fur kleine Mengen sind die gewiehts-
gleiehen Binheilen Quenlehen (quintal, c/uintin, quint, quinllcin, quendn, quent
oder quenlehen), Settin (settich, satin, setin, sxTin, setlin, settil, selling) und
Draehme (clragina) in den Vorsehriflen aufgeliihrt. Sie bezeiehnen alle den vierlen
Teil eines Lots.9(M
Fiir das Abmessen benotigter Miissigkeilsmengen sind in den Quellen versehiedene
BKissigkeitsmaBe aufgefiihrl. Genannt sind Kopf, MaB, Quail, Kiibel, Seidel und
Trinken sowie die TroekenmaBe Seheffel und Melze.
Der Kopf (choph oder Kopf) war ein deni Romer vergleiehbares TrinkgelaB.';(M
Die MaB (ina/3, nw/.i oder mass) war ein IIohlmaB, das fiir Bliissigkeilen, insbeson-
dere Wein und Bier, aber aueh als Cielreide- oder TroekenmaB in (iebraueh war.; ^
Das Quart (Quelle Wo, fol. 1 15v 116r, 9) war naeh Grimm ein Gelriinke- und
BliissigkeitsmaB, mil dem ein Viertel I liissigkeil bezeiehnel wurde.'1,0(1 Kihclin oder
kihalin, (mhd. Kiihelin) kleiner Kiibel, wird z.B. in Quelle B, Tol. 84v, 240 und 241
als MaB fiir eine Nolle aufgefiihrl. Bin Kiibel war ein groBeres lloIzgelaB, das aueh
als MaB dienle. Naeh Kriinilz isl ein Kiibelehen ein holzernes rundes GelaB von
milllerer GroBe, oben offen, mehr breil als hoeh und u.U. oben weiler als unlen.
Kriinilz verweiBl auf die Verwandtsehafl des Wortes mil Kiipe und К life.4,17 In
Quelle B, fol. 102, 292 isl seidlin als MaB fiir Regenwasser genannl. Seidel war ein
Bliissigkeils- und TroekenmaB, das besonders im oderdeutsehen und milleldeul-
sehen Spraehgebiel gebrauehlieh war.l,os Als weilere MaBeinheil fiir Wasser isl in
901 Vgl. (irimm: l)Wb, Bel. 24, Sp. 2272 2274; vgl. Vcrdcnluilvcu: Alle Mafk\ S. 50.
902 Vgl. (irimm: DWh, Bd. 12, Sp. 1204 und 1206; vgl. Kriinilz: Oekonomische
Imcykloplidie, Th. 80, S. 741.
903 Vgl. (irimm: DWb, Bd. 13, Sp. 2376 und 2354; Bd. 16, Sp. 641. (irimm weisen aid'die
Verwechslung von vier und fiinf bin: lat. qnintus der I’iinlte. Vgl. Kriinilz:
Oekonomisehe lineyklopiidie, fh. N9, S. 720. (iegen hnde des 15. Jalniuinderts ent-
spraeh eine Draehme z.B. in Niirnberg 3,725 g; vgl. Kriinil/: Oekonomisehe
hneyklopadie, Th. 9, S. 464; vgl. Xedler: IJniversallexikon, Bd. 7, Sp. 1387; vgl. Baufeld
(llrsg.): Ciesundheits- und I laushaltslehren, S. 175.
904 Vgl. (irimm: DWb, Bd. 1 1, Sp. 1744 1745 und Bd. 15, Sp. 1565.
905 Vgl. elxk, Bd. 12, Sp. 1731; vgl. Kriinilz: Oekonomisehe Bneyklopiidie, Th. 85, S. 266.
906 Vgl. (irimm: DWb, Bd. 19, Sp. 2319; vgl. Kriinilz: Oekonomisehe Bneyklopiidie, I'll. I 19,
S. 270.
907 Vgl. (irimm: DWb, Bd. II, Sp. 2485 und 2489; vgl. Kriinilz: Oekonomisehe
Bneyklopiidie, Th. 54, S. 25 I.
908 Vgl. (irimm: DWb, Bd. 16, Sp. 177.
352
Лnhang
Quelle H II 61 61v, I 1 und 62 62v, 13 das Trinken (trincken) genannt, welches
nach (irimm vom 13. bis /um 16. Jh. cine iibliehc oberdeulsehe MaBcinheil war.909
Schcffcl (schijfcl in Quelle В l()8v, 315) und Met/e (metzlin in Quelle В 81
8Iv, 233; 81 v 82, 234 und 82v-83v, 236 fur Krapp, in Quelle В 91v, 254 fur
Mehl) waren alte, insbesondere 1'iir (ietreide gebrauchliche HohlmaBc. Grimm nen-
nen Seheffel als eine Bc/.eichnung fur ein IIoIzgediB und Mctzc als kleineres Tro-
ckenmaB. Laut Kriinitz war die Metze in Oberdeutsehland ein groBcrcs und in
Obcr- und Niedersaehsen ein kleineres MaB dir troekene Waren, insbesondere Cie-
treide. Melzlin ist wohl eine Verkleinerung von Metze.910
Deswciteren sind in den Quellen cinige als Ilausrat genutzte CiefaBe genannt, die
einen bindruck von der zu verwendenden Menge geben. Hicrzu gehdren Sehiissel,
Kriitze oder Kretze, Gelten sowie schap/jen. Die Sehiissel, z.B. in Quelle В als
schisscl (iir Asehe und in Quelle Wi fur Roggcnklcie genannt, war ein rundcs oder
langrundes GcdiB mit llaehem Boden und Rand. Iis war in verschicdcncn GroBcn
und Ponncn in Benutzung.911
Die Kriitzc oder Kretze, in Quelle В als kreizen genannt, war eine oberdcutschc
Bezeiehnung dir einen gelloehtenen Korb.912 913 914 Der Gclten (gelten) war ein im Ilaus-
halt gebrauchliches HolzgediB mil naeh Verwendungszweek variierender CiroBe.
bs bestand aus langlichen und sehmalen Dauben mit Reifen und war mit zwei her-
ausragenden llandgriffen oder einem Stiel versehen.91' Sehap/fen (vgl. Quelle B,
Ibl. 90, Rezept 251) war eine bairische Bezeiehnung dir eine Schbpfkclle mit ei¬
nem langen Slid.911
14.4 Gcratc und Material
14.4.1 barbe-, Beliehlungs- und Farbmessgcrat
Allas Material resting Technology GmbH, VogelsbcrgslraBc 22, 63589 Linscnge-
riehl
Atlas Linilesl-IMus1 Laborfarbegenil
Suntest CPS i mit Xenon-Bogcnlampe
Koniea Minolta Sensing ITirope B.V., F*disonbaan 14-1 v, NL-3439MN Nieuwegein
Spectrophotometer CM-3600d mil Software SpectraMagie V. 2.10 (i (Cyber-
Chrome Ine., Minolta, 1998)
909 Vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 22, Sp. 591.
910 Vgl. elxl., Bd. 12, Sp. 2152 und Bd. 14, Sp. 2383; vgl. Kriinitz: Oekonomische
bncyklopiidie, Th. 90, S. 29 30. Zw Metzlin vgl. I'uBnote 898.
91 I Vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 15, Sp. 227 und Sp. 2071 2071.
912 Vgl. ebd., Bd. I I, Sp 2073; vgl. Kriinitz: Oekonomische Imcyklopiidie, Th. 47, S. 728.
913 Vgl. (irimm: I)Wb, Bd. 5, Sp. 3062 3064; vgl. Kriinitz: Oekonomische bneyklopadie, Th.
17, S. 1 19.
914 Vgl. (irimm: l)Wb, Bd. 15, Sp. 1534.
353
Anhang
14.4.2 Farbemittel
Kremer Pigmenle GmbH & Co. KG, Hauptstr. 41 47, D-883I7 Aichslettcn
Indigo aus Waid, 50 g, Nr. 36003
Rotholz, gcschnilten, 1 kg, Nr. 36150
WalnuBschalen, gcschnittcn, 1 kg, Nr. 37300
Kreu/dornbccrcn, re if, I kg, Nr. 37380
Krcuzdornbccren, unreif, 1 kg, Nr. 37390
Gallaplel, I kg, Nr. 37400
Sailor, Farbcrdistelbliiten, I kg, Nr. 37420
Griinspan, synth., 500 g, Nr. 44450
Friedrich Traub, Schorndorfcr Sir. 18, D-73645 Wintcrbach
Fichenrinde, 500 g, Nr. 801-07
Krapp, geschnilten, 500 g, Nr. 801-21
Reseda (Farbcrwau), Pulver, 500 g, Nr. 801-36
Mag. pharm. R. Kottas-I Ieldenberg und Sohn, Frcyung 7, A-1010 Wien
Hrlenrinde, geschnilten (Cortex alni cs.), 2 kg
Kornblumenbliitc IA (Floscyani IA), 1 kg
Klatschmohnbliite, geschnilten (Flos rhoeados cs.), 1 kg
Oslmann Gewiirze GmbH, IndustrieslraBe 25, 49201 Dissen a.T.W.
Safran gemahlen, 0,1 g, Nr. 10512
gcsammelte Farbmittel
Wildheidelbeeren, I Iolundcrbeercn
14.4.3 Chemikalien und 11i 1 fsmittel
Honeywell Riedel-de Ilacn, Wunstorfer StraBe 40, D-30926 Seelze
Kaliiimaliiminiumsulfal-I2-hydrat p.A., Nr. 31242
Natriumcarbonat, wasserfrei, reinsl, Nr. 31432
Fssigsaure 100%, reinsl, Nr. 27225
Merck KCiaA, Frankfurter Str. 250, D-64293 Darmstadt
Kupfer(II)-sulfat-Penlahydrat p.A., Nr. 102790
I Gsen( 11 )-sul Fal-I leptahydral p.A., Nr. 103965
Kaliumdichromat p.A., Nr. 104864
Oxalsaure-Dihydrat, Nr. 100495
Zinn(II)-chlorid-I)ihydral p.A., Nr. 107815
Cilronensaure-Monohydrat, rcinst, Nr. 100242
Natriumdithionil (I Iydrosn 1 Ht), Nr. 106507
Natronlauge, etwa 32 %, reinsl, Nr. 105587
GROSSING, An der Bahn 4, 26849 Pilsum
Telrachlorethylcn, 99 % rcinst, Nr. 14002
leslex PRUFTFXTILIFN, Windheckenweg 53, D-53902 Bad Munstercifel
T.0310, AulhellerfVeie Scife nach DIN FN ISO I05-C01 bis C ()5:1993
Die „Cottbuser Studicn zur Gcschichte
von Technik, Arbeit und Umwell“
Angesichts des heutigen Diskussionsstaiulcs solItc nichl cigcns hctonl werden nnissen, class
dieBereiche Technik, Arbeit und Umwell in dcr historischen Darstellung - und nicht nur liier
- untrennbar mileinander verbunden sind.
Die mensehliehe Arbeit bringl bestimmte Technikformen hervor und das jeweilige
Techniksystcm wiederum priigt Arbeitsverhaltnissc und -bedingungcn. Mil dem Mittelsystem
derTechnik nut/.l der Menseli die naturgegebenen Ressourcen, und es sind nichl nur Kapital-
und Arbeitseinsat/., die sieli im lertigen Produkl widerspiegeln, sondern aueh Natur-
vernut/ung. Die Ciesehichte einer Produktion /.u sehreiben ohne diese Naturvernut/ung /u
beriieksiehligen, entsprieht nichl nielir dem heuligen Kenntnisstand.
Freilich miissen Technik, Arbeit und Umwell unter vielerlei Konnotationen besehriebei
werden: Okonomische, politische, gesellsehartliche Bedingungcn sind die wichtigsten davon,
die anlhropologische, humane Dimension nichl minder. Aber diese Ansatze sind bereits
hauliger beriicksiehtigt worden, milunter sind sie in/.wisehen Gegenslande eigener
Disziplinen.
Die Reihe hat hingegen die enge Verkniiplimg jener Bereiehe, die herkbmmlieherweise
getrennl in den Subdis/.iplinen Technikgeschichte, Gcschichte der Arbeit und Umwell-
gesehichte abgehandelt werden, /11111 Thema. Vorrangig sollen also Beitnige aufgenommen
werden, die die Beschreibung und Analyse des Weehselspieles von deehnik, Arbeit und
Umwell /um Gegenstand haben.
Da die Leistung einer Reihe immer als ein Gesamtes gesehen werden muss, soil dieses
Kernanliegen jedocli keinen AusschlieBlichkeitscharakter gewinnen: Studicn /u den
d'eilbereichen, die Baustein /.ur Kenntnis jener Wechselbe/iehungen sind, linden liier genauso
ihren Plat/.. I*in Leitgedanke hat schlieBlich viele Facetten, die /.u beleuchten sind.
Konkret sind es vor allem drei Typen von Uileralur, die die Reihe priigen werden:
• Studicn und Monographien,
• Tagungsbande sowie
• Aufsat/- und Tcxtsammlungcn.
Daniil sollen sowohl neueste lugebnisse der I'orschung und Forschungsdiskussionen prii-
sentierl, wie aueh sehwer beschal Ilia re Beiliiige zu ein/.elnen Themen vorgelegl werden.
Berichte aus der bbrsehung einerseits und Studienmaterialicn andererseits will die Reihe
damit vereinen.
Die Benennung als „C’otlbuscr Studicn zur Gcschichte von deehnik, Arbeit und Umwell"
sehlieBlieh will keineslalls cine lokale Liingren/ung andeulen, sondern den Impuls einer
neugegriindeten IJniversitat im Titel widerspiegeln: Cottbus ist der On der Konzeplion und
Initiation der Reihe, Cottbus will sieli als neuer Arbeits- und Dcnkorl in den Diskurs
einschalten und bietet mil der Reihe cine weilere Plattform. Mtigen viele die Finladung
annehmen und die Reihe zu einem olTenen b'orum milgeslalten!
Cottbuser Studien zur Geschichte
von Technik, Arbeit und Umwelt
Hcrausgegcben von Giinter Bayerl
Band 28
Ulrich Ch. Knapp
Wankel лиг di:m Prui stand
Ursprung, Unlwicklung und Nicdcrgang
cincs innovalivcn Motorcnkonzcptes
2006, 216 Seilen, bi\, 25,50 ('
'SBN 978-3-8309-1637-6
Der von helix Wankel entwickelte Kreis-
kolbemnolor hat liber Jahrzehnte die Paeliwelt,
aber aucli die Laien, in Wankel-Anhanger und
-(iegner gespalten. Die dureh kontmverse
Slandpunkle gekeiinzeiehnele Diskussion wird
vom Aulor anhaiul einer kritisehen Analyse zu
Ursprung, Untwieklung und Niedergang des
WankcTsehen Motorenkon/eples zusanimen-
gelasst und evaluiert. Dabei spiegelt die Ana¬
lyse nieht nur die teelmisehe und >institn-
tionelle< hbene wider, sondern widmet sieli
aueh der komplexen Personlielikeit Wankels
und iliren Wirkungen auf die Durehset/ung
der eigenen Motorenerlindung.
Band 29
Rainer Karlsch, llciko Petermann (llrsg.)
Fur und Wider »Hitlers Bombe«
Studien zur Atomlbrschung in
Deutschland
2007, 352 Seilen, br., 29,90 Г
ISBN 978-3-8309-1 893-6
lm Jalir 2005 ersehien von Rainer Karlsch:
»11itleis Bombe. Die geheime Gesehiehte der
deutsehen KernwalTenversuehe.« Das Buell
losle eine heftige Kontmverse aus. Sind in
Deutschland 1944/1945 nuklcnrc Sprengsatz.e,
bestehend aus viel SprengstolTund nur kleinen
Mengen an Spalt- und I'usionsstolTen geleslet
warden, und wie kann dies naehgewiesen
werden? Zur weiteren Klarung dieser und
anderer ITagen auBern sieli liier erstmals
Kernwalfenspezialisten, Pliysiker, I listoriker
und Journalislen.
Band 31
Reinhold Bauer, James C. Williams,
Wo I Ilia rd Weber (I Irsg.)
Е ГО INI К ZWISCIIEN AR ILS UNI)
arts-Technology between
ARILS AND ARTS
Peslschrifl liir I lans-Joachim Braun
2008, 196 Seiten, br., mil einigen s/w Abb.,
24,90 6, ISBN 978-3-8309-2026-7
Langst bedienen wir uns einer Viellalt von
Teehniken, uni unsere Vorstellungen von
einem erliilllen Leben zu verwirkliehen. Diese
Viel fait kommt aueh ini SehalTen des llistori-
kers und Vorstandes ini 1(4)1 ПТХ' (Interna¬
tionales Komitee liir leelini kgeseh iehte),
1 lans-Joaeliim Braun, zum Ausdruek. Den
internationalen Autoren gelit es darum, das
Verhaltnis zwisehen Teelinik und Kunst,
sowolil ini Siiine der IViilineu/eitliehen lland-
werkskunst, wie im Sinne der sog. »sehonen
Kiinste« zu rellektieren.
Band 32
Wolfgang I loper
ASBES'r IN DER MODERNE
2008, 314 Seilen, br., 34,90 C
ISBN 978-3-8309-2048-9
Die industriehistoriselie Analyse des Werk-
stolTes Asbest erlblgl anhaiul eines pliasen-
orientierten, den kompletlen Uebenszyklus ei¬
nes Artelaktes abbildenden Ordnungssystems.
Mil Milfe dieses innovativen kon/.eptionellen
Ansalz.es der Teehnikgenese wird die komple-
xe und vielsehiclilige Malerie durelidrungen
und liir den Leser geordnet. Nieht nur die
Gesehiehte der Urlhulung und Innovation, des
hrfolges eines Produktes, sondern aueh die
Anibivalenz. industrieller Innovatitinen, die
(iesehiehte des Versehwindens von Artefakten
und Hirer Kntsorgung wird exemplariseh dar-
geslellt.