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                    WOLFGANG F E L IX
BYZANZ UND DIE ISLAMISCHE W ELT IM FRÜ H EREN
11. JAH RH UNDERT



BYZANTINA VINDOBONENSIA Herausgegeben von der Kommission für frühchristliche und ostkirchliche Kunst der österreichischen Akademie der Wissenschaften und vom Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien -------------------------------------------------- BAND X IV -------------------------------------------------- W O LFG A N G F E L IX BYZANZ UND DIE ISLAMISCHE WELT IM FRÜHEREN 11. JAHRHUNDERT G E SC H IC H TE D E R P O L IT ISC H E N B E Z IE H U N G E N VO N 1001 B IS 1055 Mit 1 Landkarte VERLAG D E R ÖSTERREICHISCHEN AKADEM IE DER WISSENSCHAFTEN W IE N 1981
Vorgelegt von w. M. H er b e r t H unger in der Sitzung am 23. April 1980 Gedruckt m it Unterstützung durch das Bundesministerium fur W issenschaft und Forschung Alle Rechte Vorbehalten — ISBN 3700103794 Copyright © 1981 by österreichische Akademie der Wissenschaften Wien Druck: E m st Becvar, A -l 150 Wien
IN H A L T S V E R Z E IC H N IS V o r w o r t B ib l io g r a p h is c h e ......................................................................................................................... 11 S o n s t ig e A b k ü r z u n g e n ........................................................................................... 18 und S ig l e n v e r z e ic h n ib 7 ............... Q A bk ü r zu n g e n .......................................................................................................... 1» Literarische Q u e lle n ....................................................................................................... 21 u ellen ku n d e 1. Quellen griechischer Sprache ............................................................................ 21 2. Quellen lateinischer Sprache ............................................................................ 23 3. Quellen armenischer und georgischer Sprache .............................................. 4. Quellen des muslimischen B e r e ic h e s ................................................................. Nichtliterarische Quellen T e il I : S y r ie n Zeittafel ........................................................................ 37 3» e il u n d a l -Ö a z ï r a ......................................................................... 125 ...................................................................................................................... 131 I I I : U n t e r it a l ie n , S iz il ie n , Zeittafel 45 .............................................................................................................................. 127 Darstellung e il .................................................................................................................. I I : A r m e n ie n Zeittafel T und P h ö n k ie n 28 35 ......................................................................................................................... Darstellung T ........................................................................................... 25 ä g ä is c h e s Me e r ................................... 183 .............................................................................................................................. 184 Darstellung ...................................................................................................................... 180 I N D IC E 8 ................................................................................................................................. 217 1. Prosopographischer I n d e x ............................................................................................2 1 9 2. Geographischer Index ............................................................................................... 2 2 9

VORW ORT Als um die Jahrhundertwende G u s t a v e S c h l u m b e r g e r sein klassisches Werk „L'épopée byzantine“ veröffentlichte, erfuhr darin die byzantinische Ostpolitik auch fur das frühere 11. Jahrhundert erstmals eine umfassende Behandlung. Sie beruhte auf allen damals zugänglichen westlichen und orientalischen Quellen und schöpfte besonderen Nutzen aus den Forschun­ gen V ik t o r v o n R o s e n s , der etwa zwei Jahrzehnte zuvor die Basileios II. betreffenden Abschnitte aus Jahjä b. Said erstmals herausgegeben und mit reichhaltigen Kommentaren erschlossen hatte. In jüngerer Zeit fanden die großen Jahrzehnte des byzantinischen Ausgreifens bis ungefähr zur Jahr­ tausendwende ihre vorzügliche Darstellung in dem weitgespannten Werk von M a r iu s C a n a r d über die Ilamdäniden. Für die Folgejahre hingegen fehlt eine neuere Zusammenfassung, obwohl die historische Eikenntnis auch hier — zumal durch verbesserte Auswertung des gewachsenen orienta­ lischen Quellenbestandes — in vielen Bereichen über S c h l u m b e r g e r s Ergebnisse hinausgelangt ist. Die vorliegende Arbeit setzt sich daher zum Ziel, das Verhältnis des byzantinischen Reiches zur W elt des Islam in der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts zu behandeln. Dem Betrachter stellt sich diese Periode zunächst als Zeit eines gewissen Stillstandes dar, ohne jene unmittelbar ersichtliche Tragweite der Ereignisse, die einer Epoche ihre Signatur verleihen. Eine angemessene Bewertung erfordert daher einen kurzen Blick auch auf die vorangegangenen und die nachfolgenden Ent­ wicklungen. Die byzantinischen Eroberungen des 10. Jahrhunderts im Osten waren durch den zunehmenden Machtverfall des 'abbäeidischen Chali/ats von Baghdad begünstigt worden, an dessen Stelle die Hamdäniden mit mehr Ruhm als Erfolg im Glaubenskrieg eine Abwehr der Byzantiner versuchten. Ein ernster zu nehmender Gegner für Byzanz wurde das von Ägypten nach Syrien ausgreifende fätimidische Chalifat, bis schließlich nach langwierigen Auseinandersetzungen der 1001 abgeschlossene Waffenstillstand zwischen beiden Mächten eine Anerkennung des nunmehrigen Zustandes in Gestalt der Teilung des Einflusses im syrischen Bereich mit sich brachte. Mochte auch in der Folgezeit fallweise das Streben nach Verbesserung der eigenen Stellung hervortreten, so wirkte letztlich auf beiden Seiten stärker der Wunsch nach Vermeidung eines großen Konfliktes und nach Sicherung des Erreichten. Als das byzantinische Reich unter den Nachfolgern
8 Vorwort Basileios’ II. seinen Einfluß in Nordsyrien nicht mehr mit derselben Festigkeit wie früher geltend zu machen vermochte und andererseits Ägypten seine dortigen Ansprüche auch immer nur fallweise verwirklichen konnte, erlangte das Arabertum unter der Dynastie der Mirdäsiden in diesem Zwischenbereich beider Mächte nochmals eine, wenn auch be­ grenzte, politische Bedeutung. Von geringerer Relevanz für die byzantinisch-muslimischen Beziehun­ gen ist hingegen bis in die Anfänge Konstantins IX . der mesopotamischarmenische Raum geblieben. Dort konnte Byzanz seine Politik der Anne­ xionen in Armenien fortsetzen, ohne daß dies eine direkte Konfrontation mit der muslimischen Seite bewirkt hatte ; im Falle der Gewinnung Edessas durch Byzanz hat die Gunst der Lage wenigstens keine nachhaltigen Reaktionen der Gegenkräfte hervorgerufen. Der Westen aber, d. h. Sizilien und Unteritalien, hatte im 11. Jahrhundert keine besondere Bedeutung für die byzantinisch-muslimischen Verhältnisse. Pläne zu einer Vertreibung der Araber aus Sizilien hätten diesem Bereich vielleicht innerhalb der byzantinischen Politik neues Gewicht verleihen können, blieben aber un­ ausgeführt. Mit dem faktischen Verlust Siziliens zu Beginn der Regierung Konstantins IX . scheidet Italien überhaupt als Schauplatz aus. Und auch Syrien beginnt unter diesem Herrscher, für Byzanz an Bedeutung hinter Armenien zurückzutreten. Hatte doch bald nach dem Aufkommen der Mirdäsiden in Syrien bereits das viel folgenreichere Vordringen der türki­ schen Seltfüqen im Iran begonnen, deren immer stärkeres Eingreifen in Armenien in der späteren Regierungszeit Konstantins IX . das sich nähern­ de Ende der byzantinischen Machtstellung im Osten ankündigte. Das Jahr 1055 bildet unter Beachtung dieses Gesichtspunktes mit der Übernahme des Protektorates über das 'Abbäsidenchalifat in Baghdad durch die Selgüqen einen mehr als bloß äußerlichen Einschnitt. Denn die sich daraus ergebende Erneuerung des Baghdäder Chalifats und die Wiederaufhahme des Glaubenskrieges gegen Byzanz sind bereits als Auftakt jener folgenrei­ chen Entwicklungen zu sehen, die zur Auseinandersetzung bei Mantzikert führten. Da wohl viele Leser mit der Topographie des armenisch-syrischen Raumes und der benachbarten Gebiete nicht hinreichend vertraut sein werden und zudem nur wenig Kartenmaterial vorhanden ist, auf das verwiesen werden könnte, bewilligte der Herausgeber die Anfertigung einer historisch-geographischen Karte als Beilage. Um ein Maximum an Informa­ tionen zu bieten und die Kosten dennoch in Grenzen zu halten, diente ein Ausschnitt aus der Verlagskarte „Naher Osten 1 :2 M ill." von FreytagBemdt und Artaria (mit nur minimalen Adaptationen) als Grundlage; die mittelalterlichen Termini erscheinen in R ot (als vierter Farbe). Mit Unter-
Vorwort 9 Stützung von Dr. F. H ild und Dr. W. S e ib t wurde, um den W ert der Karte zu erhöhen, auch eine Reihe von Termini aufgenommen, die in mittelbyzan­ tinischer Zeit eine Rolle spielten, wenngleich sie nicht im Text erwähnt sind — dies allerdings nur in einem beschränkten Ausmaß. Um die Auffindbarkeit der Eintragungen zu erleichtern, erhielt die Karte einen Raster, auf den sich die jeweiligen Koordinaten im geographischen Index beziehen. Daß die Karte auch optisch ansprechend gestaltet wurde, ist das Verdienst von Dr. H. R e s c h e n h o f e r . E s ist dem Verfasser eine innere Verpflichtung, abschließend jener zu gedenken, die dem vorliegenden Werk ihre fördernde Unterstützung ange­ deihen ließen : Prof. Dr. H e r b e r t H u n g e r , Präsident der österreichischen Akademie der Wissenschaften, wandte der Untersuchung bald sein wohl­ wollendes Interesse zu und ermöglichte die Veröffentlichung im Rahmen der Byzantina Vindobonensia. Prof. Dr. H. L. G o t t s c h a l k erteilte seinen R at in orientalistischen Belangen. Prof. Dr. M. M a n o u ss a k a s (Venedig) stellte freundlicherweise die Druckvorlagen für das Umschlagbild zur Ver­ fügung. Dr. W . S e ib t sind zahlreiche wertvolle Hinweise, vornehmlich auf dem Gebiet des Ämter- und Titelwesens sowie bei vielen Armenien und Georgien betreffenden Fragen zu verdanken; außerdem betreute er den Band als Redaktor. Ferner steuerten Prof. Dr. V e r a v . F a l k e n h a u s e n und Dr. J .H . F o r s y t h mehrere Ergänzungen und Berichtigungen bei. Allen genannten Gelehrten sei für ihre Hilfe auch an dieser Stelle aufrichtig gedankt. Klosterneuburg, im Juli 1980 Wolfgang Felix

B IB L IO G R A P H IS C H E A B K Ü R Z U N G E N U N D S IG L E N V E R Z E IC H N IS ' ..................................... Ada Sanctorum Abul-Farag, Chron. Syr. . . . Bar-Hebraei Chronicon Syriacum, edd. et tr. P. J. B runs— B runs—K irsch G.G. K irsch. I— II. Leipzig 1789. Abul-Farag, Chron. Syr. . . . The Chronography o f Gregory Abu! Faraj, the Son o f BUDGE Aaron, The Hebrew Physician commonly known as Bar Hebraeus, being the first part o f his Political H istoiy o f the W orld, tr. E. A. W . BUDGE. Oxford 1932. Abul Farag, ta’rlfc ................Historia dynastiarum arabice et latine ed. E. Pocock. Oxford 1661. Ahrweiler , M e r ...................H. A hrweiler , Byzance et la mer. La marine de guerre, la politique et les institutions maritimes de Byzance aux V IIe— X V e siècles. Paris 1966. A hrweiler , Recherches . . . H .G lykatzi—A hrw eiler , Recherches sur T administra­ tion de l’empire byzantin aux IX e— X Ie siècles. BCH 84 (1960) 1— 111 « H. A hrweiler , Etudes sur les structures administratives et sociales de Byzance. London 1971, V III. Akulian ............................. A. Akulian , Einverleibung armenischer Territorien durch Byzanz im X I. Jahrhundert. Ein Beitrag zur vorseldschukischen Periode der armenischen Geschichte (Dies. Zürich). Grüningen 1912. Amari, S t o r ia .........................M. A mari, Storia dei Musulmani di Sicilia. Seconda edizione, modifica ta e accresciuta dall’ autore, pubblicata con note a cura di C. A. N allino. I— III. Catania 1933— 1937. AASS 1 Für die vollsttadigen bibliographischen Angaben zu den benützten Editionen der Primärliteratur vgl. den Abschnitt Quellenkunde bzw. die entsprechenden Anmerkungen. Arabische, armenische und georgische Namen bzw. Zitate sind zumeist transkribiert. Dabei folgten wir für die Umschrift des Arabischen den Regeln der „Bibliothek des Morgenlandes“ (worin y - j, g » gh), für die des Armenischen denen der REA. Das Georgische haben wir über Vorschlag von V. IMNAISVILI (Tbilisi) in folgender W eise transkribiert: 6 & & CP0 a b g p k Y d 6 e Í v » z « t c i k l 3 ? ? / . m <n 3 ¿ n o p z S *» / j A r ü s t y £) g u w q
12 Bibliographische Abkürzungen und Siglenverzeichnis AmAM, Biblioteca ...............M. Amari, Biblioteca Arabo- Sicula, ossia raccolta di testi arabici che toccano la geografía, la storia ecc. della Sicilia. I—II. Leipzig 1855—1857. Amedroz, Marw&nid Dynasty H. F. Amedroz, The Marw&nid Dynasty at Mayy&ftriqln in the Tenth and Eleventh Centuries A. D. JRAS 35 (1903) 12a—154. ann. Bar................................... Annales Barenses (MOH 88 V 51—56) ann. Benev...............................Annales Beneventani (MOH 88 III 173— 185) anon. Bar................................. Anonymus Barensis (MURATORI, Rer. Ital. Script. V 147— 156) Aristakës C .......................... Aristakès de Lastivert, Récit des malheurs de la nation Arménienne. Traduction française avec introduction et commentaire par M. CANARD et H. B erb ÉRIAN d’après l’édition et la traduction russe de K. YUZBASHIAN (Biblio­ thèque de Byzantion 5). Brüssel 1973. Asolik G-B .......................... Des Stephanos von Taion Armenische Geschichte. Aus dem Altarmenischen übersetzt von H.GELZER u. A. B urckhardt. Leipzig 1907. Asolik M ................................ Histoire Universelle par Étienne Asolik de Tarôn. Tra­ duite de l’Arménien et annotée par F. MACLER. Deuxième partie, Lívtc III (888 [?]— 1004 [?]). Paris 1917. B C H ........................................ Bulletin de Correspondance Hellénique BECKER, Beitrage .............. C. H. B ecker, Beiträge zur Geschichte Ägyptens unter dem Islam. Straßburg 1902. Bréhier , Institutions . . . . L. Bréh IER, Les institutions de l’empire byzantin. Paris *1970. B rockelmann .................... Carl Brockelmann, Geschichte der arabischen Literatur. 2., den Supplementbänden angepaßte Auflage. I—II. Lei­ den 1943— 1949. B rockelmann, Suppl............. Supplementbände I—III zu obigem. Leiden 1937— 1942. B rosset, Histoire .............. M. F. B rosset, Histoire de la Géorgie depuis l'antiquité jusqu’au X IX e siècle. ln partie: Histoire ancienne, jusqu’en 1469 de J.-C. Petersburg 1849. B 8 1 ........................................... Byzantinoêlavica B ury ...................................J. B. B ury , The Imperial Administrative System in the Ninth Centuiy. With a Revised Text o f The Kletorologion o f Philotheos. London 1911. B V ........................................... Byzantina Vindobonensia B y z ........................................... Byzantion B Z ........................................... Byzantinische Zeitschrift CAHEN, D iplom atie...............C. Cahen, La diplomatie orientale de Byzance face à la poussée Seldjukide. Byz 35 (1965) lOff. Cahen, Première pénétration C. Cahen, La première pénétration Turque en Asie Mineure. Byz 18 (1948) 5ff. Cahen , Pre-Ottoman Turkey C. Cahen, Pre-Ottoman Turkey. A general survey o f the material and spiritual culture and history c. 1071— 1330. London 1968. C. Cahen , Qutlumush et ses fils avant l’Asie Mineure. Der CAHEN, Qutlumush Islam 39 (1964) 14ff.
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14 Bibliographische Abkürzungen und Siglenverzeichnis Goldziher , Vorlesungen . ,. I. GOLDZIHER, Vorlesungen über den Islam. Heidelberg *1926. Gr a f ................................... . G. GRAF, Geschichte der christlichen arabischen Literatur. II. Bd.: Die Schriftsteller bis zur Mitte des 15. Jahrhun­ derts (Studi e Testi 133). Vatikanstadt 1947. Gr o u s s e t .......................... . R. Grousset, Histoire de l'Arménie des origines à 1071. Paris 1947 (Ndr. 1973). Grumel, Chronologie . . . . V. Grumel, La chronologie (Traité d’études byzantines 1 ). Paris 1968. G uilland, Recherches . . . . R. G uilland. Recherches sur les institutions Byzantines I—II. Berlin—Amsterdam 1967. G uilland, T itr e s ............... . R. G uilland, Titres et fonctions de l’Empire byzantin (Variorum Reprints). London 1976. G uilland, Patrices . . . . . R. G uilland, Patrices du règne de Constantin IX . Titres X III. Hamidullah .................... . M. Hamidullah. Nouveaux documents sur les rapports d e l'Europe avec l’Orient Musulman au moyen ¿ge. Arabica 7 (I960) 281 ff. H e in e m a n n ....................... . L. HEINEMANN, Geschichte der Normannen in Unteritalien und Sizilien I. Leipzig 1894. Hell ..................................... . 'E)ÀT]VlXil H i n z ................................... . W. H inz, Islamische Münzen und Gewichte (Handbuch der Orientalistik, Eig&nzungsband 1). Leiden 1955. H irsch—Bresslau, . . . . . F. H irsch, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Heinrich II. Vollendet von H. BRESSLAU. I—III. Leipzig Heinrich II. 1862—1875. Hoffmann, Anfänge . . . . . H. Hoffmann, Die Anfänge der Normannen in Süditalien. Quellen u. Forschungen aus ital. Archiven u. Bild. 49 (1969) 95 ff. Ho n ig m a n n ....................... . E. HONIGMANN, Die Ostgrenze des byzantinischen Reiches von 363 bis 1071 nach griechischen, arabischen, syrischen und armenischen Quellen (Corpus Bruxellense Historias Byzantinae 3). Brüssel 1935. HUNGER, Profane Literatur . H. HUNGER, Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner I—II. München 1978. Ist.-fil. iurndt .................... . Patmorbanasirakan Handes, ¡storiko-filologiéeskij zumal. Erevan 1958ff. JA ........................................ . Journal Asiatique Jahjft Cheikho ................. . Jahjft b. Said, Annales ed. L. CHEIKHO SJ (CSCO, Scriptores Arabici III/7). Beirut—Paris—Leipzig 1909. Jahjft PO ............................ . Jahjft b. Said, edd. I. K ratcHKOVsky et A. A. V asiliev . PÓ 18 (1924) 699—833; 23 (1932) 347—520. JAOS .................................. . Journal of the American Oriental Society JOB ................................... . Jahrbuch der österreichischen Byzantinistik JRAS ................................ . Journal of the Royal Asiatic Society Kam&laddln....................... . Kam&laddln, zubdat al-halab min taVîh Halab, ed. SÂMÎ ad-Dahhän I— III. Damaskus 1951—1968.
Bibliographische Abkürzungen und Siglenverzeichnis 15 Kamâladdîn, b u g h ja t............Kam&laddTn, bughjat at-talab ft ta’rlb Halab (Hss. Aya Sofya-Bibl. 3036; Ahmed III.-Bibl. 2925; Faizullah-Bibl. 1404; alle Konstantinopel). K a2DAN, Annjane ...............A. P. K aÄDAN, Armjane v sostave gospodstvujuséego klassa vizantijakoj imperii v X I—X II w . Erevan 1975. K r ETSCHMAYR .....................H. K retschmayr, Geschichte von Venedig I—III. Gotha 1905— 1934. Lane-P oole, E g y p t ............ST. Lane-P oole, a history o f Egypt in the Middle Ages. London 1901. L aurent, Antioche ............V. Laurent, La chronologie des gouverneurs d’Antioche sous la seconde domination byzantine. Mélanges de rUniversité Saint Joseph 38 (1962) 219ff. L aurent, Turcs ..................J. L aurent, Byzance et les Turcs Seldjoucides dans l’Asie occidentale jusqu’en 1081. Nancy 1913. L emerle , Cinq études . . . . P. L emerle, Cinq études sur le X Ie siècle byzantin. Paris 1977. L emerle , Prolégomènes . . . P. Lemerle , Prolégomènes à une édition critique et com­ mentée des „Conseils et Récits" de Kékauménos. Mémoi­ res, Classe des lettres. Brüssel IP série 54 (1960) Fase. I. Lupus ....................................Lupus Protospathariu8, Annales (MGH SS V 51—56) al-MaqrfsT, fcitat ..................al-MaqrlzT, al-maw&'iz wal-i'tibftr fl jik r al-feitat wal-âtfir I—II. Bfll&q 1270 H. al-M aqrlzT,..............................al-MaqrlzT, itti'fiz al-hunaft* bi-a^bftr al-almmat alF&timidengeschichte fttimijjln al-tralaft’ I—III. Kairo 1967— 1973. Marquart, Südarmenien . . J. Marquart (Markw art ), Südarmenien und die Tigris­ quellen nach griechischen und arabischen Geographen (Stu­ dien zur armenischen Geschichte 4). Wien 1930. Matt'ëos B ..............................Matteos Urhayec'i, 2amanakagrut yun. Taigmanut'yuno, neracut'yuno ew canot agrutyunnera H. B artikyani (Übersetzung ins Neuostarmenische). Erevan 1973. Matt'ëos D ...........................Chronique de Matthieu d'Édesse, continuée par Grégoire le Prêtre (Bibliothèque historique arménienne ou Choix des principaux historiens arméniens, traduits en français ... par E .D ulaurier ). Paris 1858. Matt'ëos J ..............................Patmut'iwn Matt'ëosi Urhayec'woy. Jerusalem 1869. Matt'ëos V ..............................Matt'ëos Urhayec'i, 2amanakagrut*iwn. Valarsapat *1898. MGH SS ............................. Monumento Germaniae Histórica. Scriptores MiNORSKY..............................V. Minorsky, Studies in Caucasian Histoiy. London 1953. Moravcsik ...........................G. Moravcsik, Byzantino-Turcica I. Die byzantinischen Quellen zur Geschichte der Turkvölker. II. Sprachreste der Türkvölker in den byzantinischen Quellen. Berlin *1958. O IKONOMID È S ........................N. OlKONOMlDÈs, Les listes de préséance byzantines des IX e et X e siècles. Introduction, texte, traduction et com­ mentaire. Paris 1972. OlKONOMlDÈs, Évolution . . N. OlKONOMlDÈs, L’évolution de l’organisation admini­ strative de l’empire byzantin au X Ie siècle (1025— 1118). TM 6(1976) 125— 152.
16 Bibliographische Abkürzungen und Siglenverzeichnis Op p e n h e im ....................... . M. F r h . v . O p p e n h e im , beerb, 1063. t . D ie Beduinen I— D I. (B d .III W . Caskel). Leipzig 1039. 1043; W ieebuden OOTROGOR8KY.................... . G. OsTROGORSKY, Geschichte des byzantinischen Staates. München *1963. P O ........................................ . Patrología Orientalia Poppe , Dernière expédition . A. Poppe, La dernière expédition rune contre Constan* tinople. BSl 32 (1971) Iff. POTTHAOT .......................... . Repertorium fontium medii aevi, primum ab AUGUSTO Potthast digestum, nunc cura collegii historicorum e pluribus nationibus emendatum et auctum. Rom 1967 ff. Prudhomme .................... . Histoire d’Arménie, comprenant la fin du royaume d 'A n i et le commencement de l'invasion des Seldjoukides, par Arisdaguès de L&sdiverd, traduite par E. PRUD'HOMME. Paris 1864. Pedios R .......................... . Michel Psellos, Chronographie ou Histoire d’un siècle de Byzance (976— 1077). Texte établi et traduit par É . RENAULD. I—II. Paris 1926— 1928 (Ndr. 1967). Quatremére ..................... . Histoire des sultans Mamelouks de l’Egypte, écrite en arabe par Takieddin Ahmed Makrizi, traduite en français et accompagnée de notes par E. QuatremêRB. I—II. Paris 1837— 1845. R amsay ............................. . W. M. R amsay, The historical geography o f Asia Minor. London 1890 (Ndr. Amsterdam 1962). R S ...................................... . Reolencyclopddie der classischen Altertumswissenschaft. Neue Bearbeitung, begonnen von G. W I8SOWA. Stuttgart 1894 ff. R E A ................................... . Revue des Études Arméniennes. Nouvelle série. Paris 1964ff. R E B ................................... . Revue dee Études Byzantines RICE, Harrtn .................... . D. S. R ice, Medieval Harrtn. Anatolian Studies 2 (1062) 36ff. R o z e n ................................ . Baron V. R. R ozen (V. v. R osen), Imperator Vasilij Bolgarobojca. Izvlecenija iz Lètopisi Jach-i Antiochijskago. Petersburg 1883 (Ndr. London 1972). RSBN .................................. . Rivista di Studi Bizantini e Neoellenici SCHLUMBEROER, Épopée . . . G. Schlumberger, L’épopée byzantine à la fin du dixième' siècle I— III. Paris 1896— 1905. ScHLUMBERGER, Sigillographie G. Sc HLUMBERGER, Sigillographie de l'empire byzantin. Paris 1884 (Ndr. Turin 1963). Schreiner , Kleinchroniken . P. Schreiner , Die byzantinischen Kleinehroniken (CFHB X III). I— III. W ien 1975— 1979. ................ . W . SEIBT, Die byzantinischen Bleisiegel in Österreich. I. Wien 1078. S eibt, Miszellen ................ . W . Seist , Miszellen zur historischen Geographie von Armenien und Georgien in byzantinischer Zeit. Handes Amsorya 90 (1976) 633ff. Seibt , S k le r o i...................... . W . Seibt, Die Skleroi. Eine prosopographisch-sigillographische Studie (BV 9). Wien 1976. Seibt, Bleisiegel
Bibliographische Abkürzungen und Siglenveizeichnis 17 Se is t , V a sp u ra k a n ................W . SEIST, Die Eingliederung yon Vaspurakan in das by­ zantinische Reich (etwa Anfang 1019 bsw. Anfang 1022). Hemdes Amsorya 92 (1978) 49—66. Shepard ............................. J. Shepard , Scylitzes on Armenia in the 1040s, and the R ole o f Catacalon Cecaumenoe. REA 11 (1975— 76) 269— 311. Skylitzes Cont........................... E. T80LAKE8, VH owc^cia ttjç xpovoYP«9k< toG 'Icjowou IxuXÍTffij (Ioannes Skylitzes Continuâtes). Saloniki 1968. Sknbat Q .................................. Smbat Sparapet, Letopis*. Perevod s drevnearmjanskogo, predislovie i primeéanija A. O. Galstjana. Ereyan 1974. Smbat V .................................. Smbatay Sparapeti Taregirk', ed. S. AG3LEAN. Venedig 1966. Soobéó. ErmiUda ................... SoobHenija Oosudarstvennogo Ermitaia. Leningrad. L e 8TRANQE, ....................... O. L e Strange, The lands o f the Eastern Caliphate. Eastern Caliphate Cambridge 1905. Le Strange , Palestine . . . O. L e Strange, Palestine under the Moslems, translated from the works o f the medieval Arab geographers. London 1890. TIB .........................................Tabula Imperii Byzantini TM ........................................ Travaux el Mémoires To m a s c h e k ............................ W . T omaschek, Historisch-Topographisches vom oberen Euphrat und aus Ost-Kappadokien, in : Festschrift H. K ie­ pert. Berlin 1898, 137ff. T rinchera ............................ F. T rinchera, Syllabus Granearan membranaran. Nea­ pel 1865. Vannier , Argyroi ................J.-F . V annier, Familles byzantines. Les Argyroi (IX e— X IIe siècles) (Publications de la Sorbonne, Byzantina 1). Paris 1975. Vasiuev — Canard •............ A. A. V asiliev , Byzance et les Arabes. Édition française, préparée par H. Grégoire et M. Canard. I: La dynastie d’Amorium (820—867). I I /l—2: La dynastie Macédo­ nienne (867—959) (Corpus Bruzeüense historias Bizantinas 1—2) Brüssel 1935— 1968. Vestnik Eren. Univ.................. Banker Erevani Hamalsarani. Vestnik Erevanskogo Universiteta. Erevan 1967 ff. Vestnik obü. nauk ............... Vestnik obdestvennyeh nauk AN Arm. S8R. Erevan. V V ......................................... Vizantijskij Vremennik W attenbach—Holtzmann . W. W attenbach—R. Holtzmann, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Die Zeit der Sachsen und Salier. Neuausgabe von F.-J. Schmale. Dannstadt 1967— 1971. WEIL ................................... G. W eil , Geschichte der Chalifen I—III. Mannheim 1846— 1851. WC8TENFELD, Fitimiden . . F. W üstenfeld, Geschichte der Ffttimidenchalifen. Göt­ tingen 1881. WüSTENFELD, .................... F. W üsten FELD. Die Geschichtsschreiber der Araber und Geschichtsschreiber ihre Werke. Göttingen 1882. YUZBASHIAN, Arménie . . . . K. Yl'ZBASHlAN, L'administration byzantine en Arménie aux X e—X Ie siècles. REA 10 (1973/74) 139ff. Zakkar S. Z akkar , The emirate o f Aleppo 1004— 1094. Beirut 1971.
SO N STIG E A B K Ü R Z U N G E N A. armen. a. 0 . b. beg. d. h. Dise. ebd. ed(d). m. Fase. H hi. Hs(s). i. J. Jh. M Ndr. Nr. o. 8. s. a. seleukid. 8. V. U. vgl. J. z. T. V. Anmerkung(en) armenischer Zeitrechnung angegebenen Orts ibn (innerhalb arabischer Namen) begann das heißt Dissertation ebendort edidit (ediderunt) folgend(e) bzw. folium Faszikel (Jahr der) Higra (muslimischer Zeitrechnung) heilig Handschriften) im Jahr Jahrhundert Jahr der byzantinischen Weltära Nachdruck Nummer oben Seite sub anno 8eleukidi8cher Zeitrechnung sub voce unten vergleiche vom Jahr zum Teil
QU ELLEN KU N DE

L IT E R A R IS C H E Q U E L L E N 1 1. Q u e l l e n g r ie c h is c h e r Sprach e Die byzantinischen Historiker haben den Beziehungen zum Osten niemals ihre beständige Aufmerksamkeit zugewandt, und es ist daher kein W erk entstanden, das in der Üherschauung beider Welten dem verglichen weiden könnte, was Jahjä b. Sa**ld von der orientalischen Seite her geleistet hat. Äußerungen zu den Angelegenheiten des muslimischen (aber auch des armenischen) Bereiches erfolgten lediglich dann, wenn der Geschichte* Schreiber oder Chronist subjektiv eine angemessene Wichtigkeit für die byzantinische Reichspolitik zu erblicken meinte. So wird erklärlich, daß die byzantinischen Quellen vor allem für das 1 .Viertel des li.J h . wenig ertragreich sind, weil hier die Bulgarenkriege Basileios’ II. weitgehend im Vordergrund des Interesses standen. Am wichtigsten für den gesamten zu behandelnden Zeitraum ist die Z úvo<J»k Urroptwv des Ioannes Slcylitzes (ver­ faßt etwa im 8. Jahrzehnt des 11. Jh.), doch bietet auch er oft nur fragmen­ tarische, des größeren historischen Zusammenhanges entbehrende Anga­ ben; selbst dort, wo er ausführlicher wird (etwa über die Rolle des Musaraph in Phönikien, die byzantinische Annexionspolitik gegenüber Armenien, die beginnende Wirksamkeit der Sel¿Qqen, die byzantinische Intervention in Sizilien), zeigt sich in gleicher Weise der W ert seiner Darstellung durch häufige sachliche Entstellungen und chronologische Irrtümer (wie dies aus den orientalischen und armenischen Quellen erhellt) beeinträchtigt2. Das (von 811 bis 1057 reichende) Werk des Skylitzes wurde unter geringfügigen Änderungen von Oeorgios Reárenos (um 1 1 0 0 ) ausgeschrie­ ben, der bis in das veigangene Jahrzehnt mangels einer Ausgabe des 1 Hier findet eich nur eine Aufgliederung jener Quellen, deren Bedeutung über den Charakter episodischer Einzelzeugnisse hinausgeht ; auf letztere wird bei gegebenem Fall in den Anmerkungen hingewiesen. * Ausgabe: Ioannis Scylitzae Synopsis historiaran. E ditio princeps. Rec. I.T hurx (CFHB 5). Berlin 1973. — Zum Autor: Hl'XGER, Profane Literatur I 389—393; M o r a v C S U 1 335—340; W . SEIST, Ioannes Skylitzes. Zur Person des Chronisten. JÖB 25 (1976) 85 (speziell zur Abfassungszeit).
22 Quellenkunde Skylitzes an dessen Statt benützt werden mußte3, loannes Zonaras (ca. 2. Drittel 12.Jh.) bringt verhältnismäßig ausführlich, Michael Olykas (2. Hälfte 12. Jh.) in knappster Auswahl aus Skylitzes bekanntes Material4. Ganz auf Skylitzes beruht ferner Nikephoros Bryennios (ca. (.D rittel 12. Jh.) in dem Abschnitt über die Frühgeschichte der Selgüqen5*. Einige über die Skylitzes-Tradition hinausgehende nützliche Mitteilungen bietet das mit dem Tode Romanos’ III. (1034) einsetzende Werk des Michael Attaleiates (t wohl 1084)®. Die Chronographie des „Universalgelehrten“ Michael Psellos ( f wohl 1078) über die Zeit von 976 bis 1078 ist unter Verwendung bester Informa­ tionen hervorragend verfaßt, zudem für die Zeit der makedonischen Dyna­ stie nicht allzu sehr von Parteilichkeit bestimmt; allerdings ist auch er oft sehr knapp und in der Auswahl dessen, was seiner Meinung nach wichtig und damit berichtenswert erschien, reichlich subjektiv7. Neben diesen historischen Werken bemerkenswert ist das unter dem Namen des Kekaumenos gehende STpa-ojyixóv mit Ratschlägen an den Sohn des Verfassers über die militärische und zivile Ämterlaufbahn8; danach folgt in der Überlieferung eine anonyme Mahnrede an einen Kaiser9. In beiden Werken finden sich wertvolle historische und ethnographische Mit­ teilungen fur die Zeit von Basileios II. bis auf Romanos IV ., durch die der Verfasser seine Ratschläge illustrierte. 3 Ausgabe: Georgius Cedrenus Ioannis Scylitzae ope ab I. BEKKERO suppletus et emendatus I— II. Bonn 1838— 1839. — A utor: H unger a.O . I 393 f ; Moravcsik I 273 f. 4 Zonaras: Ausgabe: Ioannis Zonarae Epitomae historiarum libri X V III ex recenskme M. P inderi III. Libri X III— X V III. Ed. T h . Büttner—W obst. Bonn 1897. — A utor: H unger I 416— 419; moravcsik I 427— 429; Seibt , Bleisiegel 236. Olykas: Ausgabe: Michaelis Glycae Annales. R ecognovit I. BEKKERüs. Bonn 1836. — A utor: H UNOER I 422— 426; MORAVCSIK I 344— 348. 3 Ausgabe: Nicéphore Bryennios, Histoire. Introduction, texte, traduction et notes par P. G autier (CFHB 9). Brüssel 1975. — A utor: H unger 1 394— 400; Moravcsik 1 4 43f. * Ausgabe: Michaelis A ttaliotae Historia. R ecognovit I. BEKKERÜS. Bonn 1853. — A utor: HUNGER I 382— 389; MORAVCSIK I 430— 432; L emerle , Cinq études 98. 7 Ausgabe: Michel Psellos, Chronographie ou H istoire d ’un siècle de Byzance (976— 1077). Texte établi et traduit par É .R enauld. I— II. Paris 1926— 1928 (Ndr. 1967). — A utor: HUNGER I 372—382; MORAVCSIK I 437— 444; RB Suppl. X I (1968) 1124— 1182 (K riaras ). MAusgabe: Sovety i rasskazy Kekavmena. Socinenie Vizantijskogo polkovodca X I ▼eka. Podgotovka teksta, w edenie, perevod i kommentarij G. G. LlTAVRlNA. Moskau 1972. — A utor: Einleitung zur Ausgabe; LEMERLE, Prolégomènes, bes. 6— 8. 19— 40; H .G. BECK, Vademécum des byzantinischen Aristokraten. Das sogenannte Strategikon d e s Kekaumenos ( Byzantinische Geschichtsschreiber 5). Graz * 1964, 5— 19. Die Frage, ob d ieser Kekaumenos mit dem bekannten General Katakalon Kekaumenos zu identifizieren ist, läß t sich derzeit nicht sicher entscheiden. • Vgl. H unger I I62f. mit A. 13.
2. Q u ellen l a t e in is c h e r Sprach e Sie betreffen die Ereignisse in Unteritalien und Sizilien. Für die gesamte Zeit von der Jahrtausendwende bis zum Verlust Siziliens durch Byzanz heranzuziehen sind die Annales Barenses, die Chronik des Lupus Protospaiharius und ein als Anonymus Barensis bezeichneter Autor. Einige zusätzliche Nachrichten vermitteln ferner die Annales Beneveniani. Alle diese Annalen sind trotz ihrer fragmentarischen Kürze, chronologischer Irrtümer und häufiger Entstellungen der Personennamen als Gerüst des historischen Ablaufes nicht zu entbehrenl01 . Das Eingreifen Venedigs gegen die Araber in Unteritalien fand seine Darstellung im Chronicon Venetum des lohannes Diaconus ( f nach 1018), der als erster die ältere Geschichte seiner Vaterstadt in umsichtiger Weise beschrieben h a t". Über die Kämpfe zwischen Byzantinern und Arabern auf Sizilien im 3. und 4. Jahrzehnt des 11. Jh. liegen zeitgenössische Mitteilun­ gen in der Vita des hl. Philaretos vor, die in ihrer ursprünglichen griechi­ schen Fassung von Neilos, einem um 1070 verstorbenen sizilischen Mönch, im kalabrischen Exil geschrieben wurde12. Eine Gruppe von Werken zur Geschichte der Normannen in Unterita­ lien behandelt auch deren Wirksamkeit im Zusammenhang mit den byzan­ tinisch-arabischen Auseinandersetzungen im 3. und 4. Jahrzehnt des 11. Jh. Sie alle geben die Version des Normannenhofes wieder und sprechen daher den Normannen in oft übertriebener Weise Verdienst und Bedeutung zu. E s sind das nur altfranzösisch übersetzt erhaltene Werk „Y sloire do li 10 Ausgaben der Annalen : Annales Barenses und Lupus Protospaiharius in Paralleldruck hrag. ▼. G .H .P ektz, MQH SS V. 1844 (Ndr. Leipzig 1925) 51—56. Anonymus Barensis-. R era n Italicaran scrip tores, ed. L. A. Ml’RATORi. Band V. Mailand 1724, 147— 156. Anna• les Beneveniani: MOH SS III (ed. PERTZ). 1839 (Ndr. Leipzig 1925) 173— 185. — Zusammenfassende Behandlung der Autoren: WATTEN BACH—HOLTZMANX 910—912; POTTHAtfT II 251— 253; Chalandon X X IX . X X X V II— X X X IX . 11 Ausgabe: lohannes Diaconus, Chronicon Venetum, ed. G .H .PERTZ. MQH SS V II. 1846 (Ndr. Leipzig 1925) 4— 38. A utor: W attenbach—Holtzmann 331 f. 12 Ausgabe in latein. Übersetzung (die griechische Originalfassung, cod. Neap. gr. II AA 26, ist noch nicht ediert): AA&S April. I. Venedig 1737, 608— 618. A utor: H .-G .B kck , K irche und theologische Literatur im byzantinischen Reich. München 1959, 582.
24 Quellenkunde Normant“ des Mönches Amatus von Monte Cassino (gestorben vor 1106)IS, die „H istoria Sicula“ des Qaufredus Malaterra (verfaßt Ende des 11. Jahr­ hunderts)1 1 *4 und das Epos „G esta Roberti W iscardi“ des Wilhelm von Apulien (verfaßt zwischen 1006 und 1 0 9 9 ) Die Chronik des Amatus wurde durch Leo von Monte Cassino (sp&ter Kardinalbischof von Ostia und daher auch nach diesem Ort genannt, gestorben kurz nach 1162) benützt, der in seiner Chronik Monte Cassinos auch den weiteren Rahmen der Geschichte Unteritaliens gibt16. 11 Ausgabe: Y atoirede li Normant, ed. O .D elarc. Rouen 1802. A utor: WATTENBACH— HOLTZMANN 898—000; POTTHAOT II 211 f.; CHALANDON X X X f. 14 Ausgabe: Herum Italicarum scrip tores (Neuausgabe) V /l, ed. E.PONTIBRI. Cittá di Castelk) 1028. A utor: WATTENBACH—HOLTZMANN 014 f.; POTTHAOT IV 643f.; CHALANDON X X X V I f. 14 Ausgabe: Guillaume de Pouille, La Geste de R obert Guiscaid, ed. M. MATHIEU (Tuti t Monument*, Tuti 4). Palermo 1961. A utor: Mathieu ebd. 11—70; WATTENBACH— HOLTZMANN 915; CHALANDON X X X IX f. '* Ausgabe: Chronica monasterii Cassinensis, ed. W. WATTENBACH. MOH 88 V II. 1846 (Ndr. Leipzig 1925) 674—727. A utor: WATTENBACH—HOLTZMANN 000—002.
3. Q u ellen a r m e n is c h e r u n d g e o r g is c h e r Sprach e E ntere sind unentbehrlich nicht nur für Armenien im engeren Sinne, sondern darüber hinaus fur den gesamten Bereich Obermesopotamiens (alGazlra) und Noidsyriens. Für die Zeit um die Jahrtausendwende steht noch das bis 1004 reichende W eih des Step'anos von Tarön (einer westlich des Van-Sees gelegenen Provinz Armeniens) zur Verfügung, der häufiger unter seinem Beinamen Aaolik (der „Musiker“ , besser noch der „R hetor“ ) genannt wird. Er war Zeitgenosse der im letzten Teil seiner Chronik geschilderten Ereignisse und zeichnet sich durch historische Treue, zuver­ lässige Chronologie und lebendige Darstellung aus17. An ihn anknüpfend stellte im ausgehenden 11. Jahrhundert Aristakës von Lastivert (im Gebiet von Karin, dem heutigen Erzurum) die Geschichte Armeniens bis zum Triumph der Selgüqen bei Mantzikert 1071 dar. Das Werk des wohlunterrichteten und für die spätere Zeit gleichfalls aus eigenem Erleben schöpfenden Autors besitzt großen historischen W ert; einen eigentümlichen Charakter verleihen ihm die elegischen, reich mit Bibelzitaten verbundenen Klagen über die Schicksale des Landes und seines V olkes18. Im Gegensatz zu beiden Vorgenannten war M atttos von Ufhay (Edessa), der nach 1136 bis dahin reichende Annalen verfaßte, kein sonderlich tie fg e h e n d e r Kenner der Geschichte Armeniens; vor allem der erste Teil 11 Ausgabe: Step'anoei TarOnec*woy Asolkan Patmut'iwn Tiezerakan, ed. Sr. MalxaseanC. Petersburg *1886. Frenz. Übersetzung des III. Buches: H istoire Univer­ selle par Étienne Asolik de Tarön. Traduite de l’Arménien et annotée par F. Macler. Deuxième partie, Livre III (888(7]— 1004(7]). Paris 1917. — Deutsche Übersetzung: Des Stephanos von Taron Armenische Gesohichte. Aus dem Altarmenischen fibersetzt von H .G elzer u. A. BURCKHARDT. Leipzig 1907. — A utor: H .T horossian, H istoire de 1z littérature Arménienne. Paris 1961, 124f.; V.lNGUSlAN, Die armenische Literatur, in: Handbuch der Orientalistik 1/7. Leiden 1963, 187; MäCLER (in der Einleitung zur Überset­ zung) CH I—C X V II. " Ausgabe : Patmut’iwn Ariatakisi LasthrertcVoy, ed. K . N. Y uzbaöYAN (Povestvovanie Aristakeaa Lasthrertci, ed. K . N. J uzbaSjan ). Erevan 1963. Franz. Übersetzung : Aristakès de Lastivert, R écit des malheurs de la nation Arménienne. Traduction française avec introduction et commentaire par M. Canard et H. Berbérian d ’après l’édition et la Induction russe de K . YUZBASHIAN {Bibliothèque de Byzantion 6). Brüssel 1973. — Autor: T horossi an 127— 129; Ingusian 187f.; Canard— B erbérian (in der Einleitung zur Übersetzung) X III— X V .
26 Quellenkunde (952— 1051) enthält zudem mehrfach chronologische Irrtümer. Doch kann zur Vervollständigung der oft lückenhaften übrigen Quellen sein Werk nicht entbehrt werdenl9. Schließlich finden sich mehrere verstreute Angaben, teils als Parallel­ überlieferung zu den vorgenannten Autoren, teils mit zusätzlichen Nach­ richten, bei Vardan, Samuel von Ani und Smbat. Von diesen verfaßte Vardan ( f zwischen 1269 und 1271) in summarischer Form eine Chronik von der Erschaffung der W elt bis auf seine Zeit; Samuël, Presbyter von A ni, dessen Lebenszeit in die 2. Hälfte des 12.Jh. fallt, schrieb eine Chronik vom Anbeginn der W elt bis 1180; Smbat, ein armenischer Prinz und Feldherr, der in diplomatischer Mission längere Zeit bei den Mongolen weilte (t 1276), behandelte in seinen Annalen die Epoche von 952 bis in sein Todesjahr20. Eine Behandlung der georgischen Quellen muß von der Besprechung des umfangreichen Werkes Kartlis cxovreba („Georgische Chronik“ ) ausge­ hen, einer Sammlung verschiedenartiger Arbeiten zur Geschichte Geor­ giens. Dabei sind zwei verschiedene Redaktionen zu unterscheiden. Der georgische König Vaxtang VI. (1703— 1723) ließ nämlich einerseits zehn historische Abhandlungen, die vom Anbeginn der Menschheit bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts reichten, zu einer geschlossenen Darstellung 19 Da es bis heute noch keine kritische Ausgabe gibt, sind jew eils die beiden alten Ausgaben parallel zu verwenden (die Versionen weichen zum Teil voneinander ab) : M att'eos Urhayec'i, 2amanakagrut*iwn. Valarsapat *1898. Patmut'iwn Matt'êosi Urhayec'woy. Jeru­ salem 1869. — Übersetzung ins Neuostarmenische : M att'eos Urhayec'i, 2amanakagrut'yun, trad. H . BarTIKYAN. Erevan 1973. Übersetzung (des Jerusalemer Textes) ins Franz.: Chronique de Matthieu d ’Édesse, continuée par Grégoire le Prêtre. { Bibliothèque historique arménienne ou Choix des principaux historiens arméniens, traduits en français. . . par É . D l'LAUBIER). Paris 1858. Die Dissertation von A. E . DOSTOURIAN über M att'ëos Urhayec'i, die in Kürze bei University Microfilms International (Ann Arbor — London) erscheinen w ild, soll auch eine englische Übersetzung des Textes bieten. — A utor: T horossi an 141 f.; Inglisian 191 f. Smbat: Ausgabe: Smbatay Sparapeti Taregirk', ed. S. Agmlean. Venedig 1956. Russ. Übersetzung : Smbat Sparapet, Le topis’ . Perevod s drevnearmjanskogo, predislovie i primecanija A. G. G alstjana. Erevan 1974. Die jüngst erschienene französische Übersetzung: La Chronique attribuée au Connétable Smbat. Introduction, traduction et notes par G. DÉDÉYAN (Documents relatifs à f Histoire des Croisades 13). Paris 1980 behandelt nur die Kapitel ab 1164, bietet aber eine sehr wertvolle Einleitung zum A utor; dazu vgl. ferner T horossian 174; Inglisian 201 f. Vardan: Ausgaben: Hawak'umn Patmut'ean Vaidanay Vardapeti. Venedig 1862. Mecin Vardanay Barjrberdec'woy Patmut'iwn Tiezerakan, ed. M .ËM IN. Moskau 1861. — A utor: T horossian 167— 170; Inglisian 200f. Samuel von Ani: Ausgabe: Samuêli K'ahanayi Anec'woy Hawak'munk' i Groe' Patm agrac' Y alaga Giwti 2amanakac' Anc'eloc* miné'ew i Nerkays, ed. A .T ër -MiK'ELEAN. Valar­ sapat 1893. — A utor: THOROSSIAN I4 4 f.; INGLISIAN 192.
Literarische Quellen 27 verarbeiten (sog. „älterer Zyklus“ ), und andererseits für die Zeit bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, für die es keine entsprechenden Vorarbeiten gab, eine gültige historische Darstellung schaffen (sog. „jüngerer Zyklus“ ). Die vaxtangische Redaktion von Kartlis cxovreba gab M. B r o s s e t 1849 — zusammen mit einer französischen Übersetzung — heraus. E s blieben aber Handschriften erhalten, welche die zehn Arbeiten des älteren Zyklus vor der großen Umarbeitung bieten und bis in das 15. Jahr­ hundert zurückreichen. Der georgische Text ist heute in der vorzüglichen Ausgabe von S. Q a u x Ci Sv il i (K a u c h Ci Sv i l i ) z u benützen. Für das frühere 11. Jh. sind nur zwei dieser zehn Abhandlungen ergiebig : M altane Kartlisa („Chronik Georgiens“ ), das vom 8.Jh. bis 1072/3 reicht, wurde wohl im späteren 11. Jh. von einem anonymen Autor, der aus Ostgeoigien stammte, abgefaßt. Die „Geschichte der Familie Bagrationi“ (Cxovreba da uçqeba Bagratonianta) des Sumbat Davitis-je (Sumbat, Sohn des Davit) geht (allerdings nur mit dem Stammbaum) bis in biblische Zeiten zurück und reicht bis in den Beginn der dreißiger Jahre des 11. Jh.21. 21 Ausgaben: Kartlis c/ovreba-H istoire de la Géorgie depuis l'antiquité jusqu’au X IX e siècle, publiée en Géorgien par M. Brosset. I. Petersburg 1849. — Kartlis c/ovreba, ed. S.Q ai xCisvili (S .G .K aich Cisvili) I. Tbilisi 1955. Darin S. 249—317 Matiane Kartliaa-, S .371— 386 Sumbat Davitis-je. Übersetzungen: M. F. BROSSET, H istoire de la Géorgie depuis l’antiquité jusqu’au X IX r siècle. I : H istoire ancienne, jusqu’en 1469 de J.-C. Petersburg 1849; Matiane Kartlisa. Perevod, w edenie i primeèanqa M. D. LORDKIPANIDZE. Tbilisi 1976; Sumbat Davitis-dze, Istorija i povestovanie o Bagrationach. Perevod, w edenie i primeèanija M .D . LORDK IPAN IDZE (Pamjatniki gruzinskoj ùtoriieebaj literatury 3). Tbilisi 1979. — Literarhistorische Angaben bei M. Brosset, Additions et éclairissements a l’Histoire de la Géorgie depuis l’antiquité jusqu’en 1469 de J.-C. Petersburg 1851, sowie in den Vorworten der genannten Ausgaben und Übersetzungen. Vgl. ferner C. TorMANOEK, Medieval Georgian Historical Literature (V IIth— X V th Centuries). Traditio I (1943) 139— 182. (Den Abschnitt über die georgischen Quellen stellte freundlicherweise W . SEI KT zur Verfügung).
4. Q u ellen d e s m u sl im isc h e n B e r e ic h e s Ihre Sprache ist fast MUMnhKftBljnh arabisch; empfehlenswert scheint eine Gliederung nach regionalen Gesichtspunkten. a) Syrien und Obermeaopotamien (al-Gazlra) Die grundlegende Quelle zum Thema bildet die Chronik von Jahjä b. Satd al-Antäki. Um oder nach 980 geboren, dem Beruf nach Arzt, setzte er als Verwandter des 939 verstorbenen melkitischen Patriarchen Eutychios (Said b. al-Bitrlq) von Alexandreia dessen Geschichtswerk fort. 405 H (heg. 2. Juli 1014) verließ er infolge der christenfeindlichen Maßnahmen des Fätimidenchalifen al-Häkim seine ägyptische Heimat und nahm im byzan­ tinischen Antiocheia Aufenthalt, wo auch die Endfassung seines Werkes entstand. Die Darstellung reichte wohl bis in Jahjäs Todesjahr 1066, ist ab 1028 jedoch bereits unvollständig überliefert und bricht 1034 beim Tode Romanos’ III. ab. Jahjäs Chronik, die formal weder der muslimischen Reichshistoriographie mit ihrem rigorosen annalistischen Schema, noch der ägyptischen Tradition mit ihrem starken biographischen Moment zugeord­ net werden kann, schildert in Verbindung beider Gesichtspunkte mit großer Zuverlässigkeit die Ereignisse in Syrien und Ägypten ebenso wie die im byzantinischen Reich, sodaß dieses Opus mit Recht als ein beide Welten — Byzanz und das Arabertum — überschauendes Geschichtswelk gerühmt wird. Die Frage nach den Quellen Jahjäs ist erst neuerdings weitergehend beantwortet worden : Bei der hier einschlägigen Zeit nach der Jahrtausend­ wende scheint die Verwendung des ägyptischen Chronisten al-MusabbihT (t 1029; vgl. u. S.30) nachweisbar zu sein; hinzu traten wohl in zuneh­ mendem Ausmaß mündliche Berichte (aus zweiter Hand und daher mit möglichen Ungenauigkeiten); fur die Epoche nach al-Häkim konnte sich Jahjä dann vornehmlich auf Autopsie stützen (die Darstellung hat nun ihren Schwerpunkt bei den Ereignissen in Nordsyrien). Auf Benützung christlicher Quellen des nördlichen Syrien weisen die öfters gebrauchten Datierungen nach seleukidischer Ära, ohne daß aber damit die Verwendung
Literarische Quellen 29 byzantinischer Quellen (gleichgültig in welcher Sprache) gewiß wäre, was nur fur die Zeit vor der Jahrtausendwende gesichert sein dürfte22. alr'Azïmï (t nach ! 161) war Verfasser einer großen Geschichte Halabs, die von KamftladdTn (s. u.) reichlich verwertet wurde und durch Zitate bei diesem noch faßbar ist. Erhalten blieb der Auszug einer bis 638 H (1143/4) reichenden Universalgeschichte mit starker Betonung der syrischen Ereig­ nisse. Sie ist für frühere Zeiten Kompilation (u. a. hat er nach eigenen Angaben — f. 50b, f. 180b — Jahjä b. Said benützt) und wird dann vornehmlich fur die selgüqische Periode wichtig; doch ist auch der frühere Teil zur Kontrolle und fallweisen Ergänzung der anderen Quellen nütz­ lich23. Einschlägige Angaben für die syrischen Begebenheiten sind fallweise aus der Chronik des Ibn al-Qalânisï (t 1160) zu erhalten, der eine vom späteren 10. Jh. bis in sein Todesjahr reichende Geschichte von Damaskus verfaßte24. Besonders wichtig ist die Geschichte Halabs des Kamâladdïn b. alr'Adïm ( f 1262), der in schlichtem Stil und klarer Anordnung über das engere Thema hinaus viele anderswo nicht faßbare Tatsachen zu den Geschehnis­ sen in Nordsyrien bringt. Sachlich zeigt er viele Gemeinsamkeiten mit Jahjä b. Said und kann für die Jahre ab 1034 (wo die erhaltene Darstellung Jahjäs abbricht) als dessen Ersatz dienen. Allerdings ergibt ein Vergleich der beiden, daß Kamäladdln zumal an kritischem Sinn weit zurückbleibt (abweichende historische Traditionen etwa werden oft ohne Versuch einer Bewertung nebeneinander gestellt). Von seinem großen enzyklopädischen Werk bughjat at-talab (woraus die Stadtgeschichte ein historisches Kompendium darstellt) sind Anfang und Ende autograph erhalten und zeigen noch die Gliederung in geographischen Überblick, biographisches* ** Ausgaben: Bis zum Jahr 1013: Jahjä b. Said, H istoire, edd. I . K ratCHKOVhKY et A . A. V asilibv . PO 18 (1924) 099— 833; 23 (1932) 347— 620. Nur für den 8ch)uBteil wurde verw endet: Jahjä b. Said, Annales, ed. L.CHEIKHO 8J (CSCO, Scriptores Arabici 111fl. Beirut— Paris— Leipzig 1909. — Zum A utor: Leben, sowie Entstehung und Umfang des W eih s: FORSYTH 1—32; zur Quellenfrage ausführlich ebd. 37ff. (S. 186— 200 über die byzantinischen Gewährsmänner); die Beurteilung von Jahjäs Geschichtsschreibung (z.T . m it Vorigem sich überschneidend) ebd. 297—368 (S. 307—314 zur FYage christlicher Quellen sowie über die Quellenlage nach der Jahrtausendwende). Vgl. auch V asilibv — CANARD I I / l , 80—90; Canard . Sources 300—303; Grap I I 49—61 ; BROCKELMANN 1 164; El* 1 616, s. v. al-Antäkl (CANARD). ** T ext: taYlb, Hs. Bayezid-Bibl. 398 (Konstantinopel). — A utor: E P I 823, s. v. (CAHEN); Cahen , 8yrie 42f. ; BROCKELMANN I 420; DER8., 8uppl. I 686. M Ausgabe: dail taYlfe D im aiq, ed. H .F .A medroz. Leiden 1908. — A utor: Canard , Sources 292f.; BROCKELMANN, Suppl. I 686; AMEDROZ im Vorwort seiner Ausgabe.
30 Quellenkunde Lexikon und annalistisches Geschichtswerk mit reich ausgebreitetem Material2 5 26. Im mesopotamisehen Bereich ist für die Numairiden von Harrän das W eik des Ibn Saddäd ( f 1285) zur historischen Topographie Syriens und der Gazlra von Bedeutung; für die Marw&niden die Chronik des Ibn alAzraq ( f 1176) über seine Heimatstadt MajjäfarTqln'26. 6) Ägypten Von einem der bedeutendsten fatimidischen Historiker, al-MusabbihT (t 1029), ist nur noch ein Fragment seines großen Werkes — und zwar für die Jahre 414 H (heg. 26. März 1023) und 415 H (heg. 15. März 1024) — vorhanden, das aufschlußreiche Angaben über die in dieser Zeit sehr bewegten Geschicke Syriens zwischen Mirdäsiden, Garrähiden und der fätimidischen Regierung enthält27. W ertvolle Mitteilungen über die diplomatischen Kontakte zwischen Ägypten und dem byzantinischen Reich (vornehmlich auch über Art und W ert der Ehrengaben) bringt das anonyme Werk kitäb ad-dahä'ir wa'ttuhaf. Auf Grund von Anspielungen auf Zeitereignisse und durch Vergleich ebensolcher oder ähnlicher Titel samt den ihnen zugeordneten Autoren bei al-MaqrlzI, Ibn Qallikän, Jäqüt und al-Ghuzül! hat sich ergeben, daß zwischen einem ursprünglichen Verfasser zu unterscheiden ist, der gegen Ende der Büjidenzeit in Baghdäd lebte und nach der Machtübernahme durch die Selgüqen (1055) nach Ägypten ging, wo er als Empfangschef für ausländische Gesandte am Fätimidenhof wirkte, und zwischen dem Neubearbeiter al-QädT ar-Raéld ( f 562 H/beg. 28. Oktober 1166 oder 25 Ausgabe: zubdat al-halab min tarlfo Halab, ed. SÂMÏ aD-DahhäN. I—III. Damaskus 1061— 1968. Text der bughjat at-talab fl ta’rty Halab: Has. Aya Sofya-Bibl. 3036; Ahmed III.-Bibl.2925; Faizullah-Bibi. 1404 (alle Konstantinopel). — Autor: VASILIEV—CANARD 11/1, 177— 180; Canard , Hamdanides 22—24; BrockeLMANN 1 404—406; EI' II 753f. (B rockelmann); Cahen , Syrie 62f.; W üstenkelu, Geschichtsschreiber I I30f. (N r.346). 26 Text des Ibn Saddäd : al-a'l&q al-|)atlra fl dikr umarä* as-Sa'm wa’l-GazTra, Has. Bodl. Marsh Oxford 333 und Berlin 9800. — Autor: A medkoz, JRAS 34 (1902) 801—812; V akiliev—Canard II / i , 192— 194; Brockelmann 1 634; E l' I I 444 (B rockelmann). Ibn al-Azraq : Ausgabe: taYtyi MajjftfarTqTn, ed. B. A. L. AW AD. Kairo I960. A utor: A WAD in der Einleitung seiner Ausgabe: AMEDKOZ, JRAS 34 (1902) 785— 800; V anILIEV— Canard l l / l , 113; Brockei.ma.nn, Suppl. 1569f. 27 Text: afcblr Mi<r> Hs. Escorial 534/2; Auszüge auch bei BECKER, Beiträge. Autor: Becker , a.O. 15— 18; Brockelmann I 408; dkks., Suppl. I 571 f.; WUstenkeld , Geschichtsschreiber I 59 (Nr. 181).
Literarische Quellen 31 563 H/beg. 17. Oktober 1167), der vielleicht der Enkel des als gleichnamig zu fassenden Anonymus gewesen ist28. Dieses Werk ist von cd-Maqrïzï ( f 1442) wiederholt herangezogen worden, der darüber hinaus in seiner Topographie Ägyptens und vornehm­ lich in seiner Fätimidengeschichte weitere wichtige Angaben über die Beziehungen zu Byzanz macht. Von Bedeutung ist ferner, was er über die allgemeinen Geschehnisse in Syrien berichtet. Allerdings finden sich öfters durch nachlässige Kompilation verursachte Unvollständigkeiten oder Un­ genauigkeiten, wie eine Überprüfung mittels anderer Quellen erweist20. Die ägyptische Geschichte des Ibn Mujasaar ( f 1278) umfaßt im erhaltenen Hauptteil die Zeit von 1047 bis 1158 und kommt daher nur durch einige Mitteilungen über die fätimidisch-byzantinischen Beziehungen unter Konstantin IX . und Theodora bzw. die damaligen Ereignisse in Syrien in Betracht30. Ibn Toghrïbirdt ( f 1469) deckt zwar den gesamten Zeitraum vorliegender Arbeit; seine kurzen Angaben über die Fätimiden in Syrien sowie zur Geschichte Halaba sind jedoch insgesamt anderweitig reichhaltiger überliefert31. c ) Universalgeachichtsachreibung Für die Vorgänge in Syrien um die Jahrtausendwende ist mehrfach die Fortsetzung der Chronik des Ibn Miskawaih durch Abu &v$ä' ar-Rüdrawarï, einen 1095 verstorbenen 'abbäsidischen Wezir, wertvoll, der die Jahre 369 H/979 — 389 H/999 behandelt hat32. “ Ausgabe: al-Q iift ar-RasId, kit&b ad-dah&’ir wa’t-tuhaf, ed. Mihammad H a m ïd il LÄH. Kuwait 1959. A utor: H amidullah, Documents 281— 284 (der Verfasser ist der Entdecker des W erkes); Canard , Sources 289. ** Ausgabe der F&timidengeschichte : al-MaqrlzT, ittf&z al-hunaf&‘ W-afebír al-a’immat alfttim qjln al-hulafa’ I— III. Kairo 1967— 1973. Ausgabe der Topographie: al-MaqrTzT, alm tw l'k wa’ l-i'tib ir ftdikr al-bitat wa’ l-ât&r I— II. Bül&q 1270 H. — Zum A utor: BROCKELMAN.N II 47— 50; El' III 190 (BROCKELMANN); WüSTENEELD, Geschichtsschreiber II 41— 4 6 (Nr. 482). * Ausgabe: afebtr Miar, cd. H . Massé. I— II. K airo 1919. A utor: EI* **III 894 (Cahen ); B rockelmann, Suppl. 1 574; Massé in der Einleitung seiner Ausgabe. 31 Ausgabe: Annals, ed. W.POPPER (an-nugflm az-z&hira ft mulfik Miar wa’l-Q&hira) II/2 . Berkeley 1909. A utor: EI* I 138, s. ▼. Abu’ l-Mah&sin (POPPER); BROCKELMANN II 51 f.; WCsTENPELD. Geschichtsschreiber II 52f. (Nr. 490). ** Ausgabe: dail k itib tag&rib al-umam, in: The Eclipse o f the Abbasid Caliphate. Original chronicles o f the IVth islamic century, edited, translated and elucidated by H .F .A medroz and D .S . Margolioith . III. Oxford 1921. A utor: El' III 1263 (ZETTERSTÉEN); B rockelmann, Suppl. I 583; W üSTENPELD, Geschichtsschreiber I 76 (Nr. 227) (m it irrigem Todesjahr 513 H).
32 Quellenkunde Einige sonst nicht überlieferte Angaben zu den ersten byzantinischsel^Oqischen Beziehungen finden sich in den Weltchroniken des 1200 verstorbenen Ibn alrÖavzl und seines Enkels Sibt b. aX-Öauzl ( f 1257); hinzu kommen mehrere isolierte Mitteilungen über Syrien. Ihre eigentliche Bedeutung besitzen diese Autoren jedoch erst fur die Zeit des Protektorats der Selgüqen in Baghdäd33. Von einem sonst nicht n&her bekannten Ibn Abi't-Hayfä', d er aus Indizien seines Werkes ins spätere 12.Jh. zu setzen ist, sind Annalen erhalten, die gedrängt auch Nordsyrien im 11. Jh. berühren, aber selten von größerem Interesse sind34. Der berühmte Ibn al-Atïr ( f 1233) gibt in seiner Universalgeschichte fur die Mirdäsiden einen nicht völlig genauen Abriß; während für diese Them a­ tik anderweitig reichhaltigere Überlieferung vorliegt, sind seine sonstigen jahrweisen Angaben zu den byzantinisch-muslimischen Beziehungen wich­ tig; von Bedeutung ist ferner sein Exkurs über Sizilienss. Mit diesem Historiker stimmen Abu'l-Fidä' ( f 1331) und Ibn Haldün ( f 1405) w eitge­ hend überein; gleichfalls auf Ibn al-Atlr beruhen Ibn Abi'd-Dam ( f 1244) und alr'Ainl (t 1451 ). Bei ihnen ist allenfalls die eine oder andere Nachricht neben Ibn al-Atlr von Belang30. Auf einer Vielzahl älterer Chroniken beruhen die Weltgeschichten der christlichen Schriftsteller Abu’l-Fara^ (Barhebraeus) und al-Makln. Abu'lr Fora# (t 1286) gehört mit seinen zahlreichen Werken vornehmlich der * Ibn al-öauzl: Ausgabe: kit&b al-muntaçam ft multaqat al-multazam V II— V III. Haidarabad 1368— 1360 H. Autor: EI* III 751 f. (L aoüOT); Brockelmann I 660— 661; WÜSTENFELD, Geschichtsschreiber I 102 (Nr. 287). Sibt b. al-öauzl: mir’&t az-zam&n ft ta’rlh al-a'j&n. Hss. Paris, Bibi. Nat. 1606 und 5866. Autor: El* III 752 (CAHEN); BROCKELMANN I 224f.; CAHEN, Syrie 64—66; WÜSTENFELD, Geschichtsschreiber I 126 (Nr. 340). M T ext: ta’rlh, Hs. Ahmadija-Bibl. 4916 (Tunis). Autor: CAHEN, Syrie 71 ; ZAKKAR 33. u Ausgabe: al-kim il fi’t-ta’rlh 1— X II. Beirut 1966— 67 (Ndr. nach der Ausgabe von TORNBERG). Autor: EI* III 724 (ROSENTHAL); BROCKELMANN I 4 2 2 f; DERS., Suppl. I 587 f.; W üstenfeld, Geschichtsschreiber I 133 (Nr. 315). M Abu’l-Fidä': Ausgabe: Abulfedae annales Muslemki, arabice et latine opera J .J .R eiske ed. J. G. Chr . Adler I—V. Kopenhagen 1789— 1794. Autor: EI* I U 8 f. (Gibb ); Brockelhann I I 55—57. Ibn Haldün : Ausgabe : kit&b al-’ibar wa-diwSn al-mubtadä' wa’l-b&bar ft ajjlm al-'arab w aVagam wa’ l-barbar. Bd. IV. Beirut 1968. Autor: EI* 825—831 (T albi); BROCKELMANN II 314—317. Ibn Abed-Dam: T ext: taYH>, Hs. Bodl. Marsh 60 (Oxford). Autor: EI* III 683 (R 08ENTHal) ; Brockelmann 1 4 2 3 f.; ders., Suppl. 1 588; Cahen, Syrie 67. al-'Aint: T ext: 'iqd al*¿um&n fi taVlh ahl az-zam&n, Hs. Bayezid-Bibl. 2317 (Konstantinopel). Autor: EI* I 790f. (MARÇAI8); VASILIEV—CANARD II/I, 263f.; BROCKELMANN II 6 4 f.; DER8., Suppl. II 50f.; WüOTENFELD, Geschichtsschreiber II 50f. (Nr. 489).
Literarische Quellen 33 syrischen Literatur an, und so erscheint auch seine Weltchronik in einer umfangreichen syrischen und einer kürzeren arabischen Fassung ; vor allem in ersterer erfolgen wichtige Mitteilungen zur Geschichte Nordsyriens und Obermesopotamiens37. al-Makin ( f 1273) schließlich geht in seinen Anga­ ben zur Geschichte Halaba weit über Ibn al-Atlr und seine Epigonen hinaus, ohne allerdings grundsätzlich Neues zu bieten33. Im wesentlichen dieselben Nachrichten wie die auf Ibn al-Atlr beruhende Vulgata bringt a4Dahabt ( f 1347)3*. Eine späte Quelle ist das wenig belangvolle Exzerpt einer im Auszug bis 1187 erhaltenen Weltgeschichte des Ibn Öunghul (t 1544)40. Noch jünger, aber ungleich wichtiger ist der osmanische Historiker Munafifimbäil ( f 1702). Das arabische Original seines später in einer stark verkürzten türkischen Übersetzung des 18. Jh. bekannt gewordenen Werkes verwendet und zitiert zahlreiche verlorene Quellen, besonders zur Geschichte der kleineren muslimischen Dynastien. Während der Abschnitt über die Mirdäsiden lediglich als Bestätigung der reichhaltigeren Parallelüberlieferung dienen kann, ist von hohem Interesse der Traktat über die Saddädiden von Ganga, den V. M i n o r s k y im Anhang seiner „Studies in Caucasian History“ herausgegeben hat41. d) Der Westen Über Sizilien fast noch besser als Ibn al-AtTr und seine Tradition unterrichtet zeigt sich der Universalgelehrte an-Nuivairi ( f 1332), der in * Chronicon Syriacum : Bar-Hebraei Chronicon Syriacum, edd. P.J. Brun.s—G.G. K irsch. Bd. II (lat. Übers). Leipzig 1789. The Chronography of Gregory Abü’l Faraj, the Son of Aaron, The Hebrew Physician commonly known as Bar Hebraeus, being the first part o f his Political History of the World, tr. E. A. W. BlDGE. Oxford 1932. Arabische Fassung (ta'rlb muhtaçar ad-duwal) : Gregorii Abil-Pharagii historia dynastiarum arabice et latine ed. ED.POCOCK. Oxford 1663. Zum Autor: E l* III 804f., s. v. Ibn al-TbrT (SEGAL); Graf II 272—276; BrockELMANN I 427 f.; A. Bacm.sTARK, Geschichte der syrischen Literatur II. Bonn 1922, 312—320; T h . NöLDEKE, Orientalische Skizzen. Berlin 1892, 253—273. ** Seine Mitteilungen über Halab sind ausführlicher bei Kam&laddTn zu finden. Ausgabe (ta'rlh al-muslimln) : Historia Saracenica arabice exarata a G eorgio E lmacino et latine reddita opera et studio T homae E rpenii. Leiden 1625. Autor: E l' I88f. (P lemkner); G raf II 348—360; Bröckelmann I 425f.; V aniliev—Canard II/I, 188; W üxteneeld, Geschichtsschreiber I I34f. (Nr. 351). *® Text: ta'rlh aHslfcn, Hs. Brit. Mus. Or. 49—50. Autor: E l* 214—216 (DE SOMOGY); B rockelmann I I 57—60; der »., Suppl. I I 457; V aniliev—Canard Il/I, 236f. 40 Text: taYlfr, Hs. Brit. Mus. Or. 5912. Autor: Brockelmann, Suppl. II 411. 41 Aufgabe: V. M inorsky, Studies in Caucasian History. London 1953 (betrifft die daddididen). Text: ta’rlh, Hs. Nur Osmaniye-Bibl. 3171 (Konstantinopel) (MirdftsidenExkurs). Autor: F. BabingER, Die Geschichtsschreiber der Oamanen und ihre Werke. Leipzig 1927, 234f. (Nr.205); E l' IV 779 (K ramern); BROCKELMANN, Suppl. II 637.
34 Quellenkunde einem riesigen Kompendium auch die Geschichte abgehandelt hat42. Ü ber die Beziehungen Siziliens zu den Muslimen des westlichen Mitteimeeres ist einige Male Ib n 'IdärT von Belang, der im früheren 14. Jh. eine grundlegen­ de Geschichte des muslimischen Nordwestens verfaßte43. e) Topographie Für die historische Topographie unentbehrlich ist das geographische Wörterbuch des Polyhistors Jäqüt (t 1229)44. 4* Ausgabe der betreffenden Partien bei Amari, Biblioteca. Autor: V aniliev—Caxard II/I, 229t.-, E l ' III I045f. (KRATHCHKOWSKY); BROCKELMANN II 175; WüsTENKELD, Geachichtsachreiber I 166 (Nr. 399). 43 Ausgabe : al-baj&n al-mughrib ft a^bir mulflk al-Andalua wa’l-Magfarib, ed. R. P. DOZY I—II. Leiden 1848—51. Autor: E l* III 805 (Bonch-V ila); BROCKELMANN 141 If.; DBR.X., Suppl. I 577; WüsTENKELD, Geachichtsachreiber 1 151 (Nr. 373). 44 Ausgabe: J&qflt, kitAbmu'gfim al-buldAn, ed. F. WüsTENKELD. I—VI. Leipzig 1866— 1870. Autor: E l' IV I247f. (B lachèRE); BROCKELMANN I 630—632.
N ic h t l it e r a r is c h e Q u elle n A uf gelegentlich heranzuziehendes Material nichtliterarischer Art (In­ schriften, Münzen, Siegel) wird in den betreffenden Anmerkungen näher eingegangen. Digitized by Google O riginal from UNIVERSITY OF MICHIGAN

T E IL I S Y R IE N U N D P H Ö N IK IE N

Z E IT T A F E L 999 1001 1002 1003/4 1004/5 1007 1008 1009 1009 1010 1011 12 2. Feldzug des Kaisers Basileios II. nach Syrien; nachfolgend Beginn von Verhandlungen zwischen Ägypten (Mission des Patriarchen Orestes) und dem byzantinischen Reich. Abschluß eines Friedensvertrages auf 10 Jahre. Ermordung des hamdänidischen Emirs Sa*fdaddaula von Halab und darauffolgend Vormundschaft des Anstifters Lu’lu’ über die unmündigen Söhne Sa*Idaddaulas. Keine Änderung im Verhältnis zu Byzanz. Exilierung der Söhne Saldaddaulas nach Ägypten; Mitregentschafb von Lu’lu’s Sohn Abfi Nasr Mansflr. Auftreten des falschen Mahdi al-Asfar gegen die By­ zantiner in Syrien; schließlich Unterwerfung der von ihm geführten Bewegung durch den Statthalter von Antiocheia, Nikephoros Uranos. Einkerkerung al-Asfars durch Lu’lu’ in Halab. Tod Lu’lu’s; Nachfolge seines Sohnes al-Mansür. Versuch des Hamdäniden Abu’l-Haigä’, den unbelieb­ ten al-Mansür von Halab zu stürzen; sein Scheitern infolge byzantinischer Passivität und mangelnder Unterstützung durch den Marwäniden Mumahhidaddaula von MajjäfarTqtn. Rückkehr Abu’l-Haigä’s ins byzantinische Exil. Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem im Zusam­ menhang mit der christenfeindlichen Politik des Fätimidenchalifen al-Häkim. al-Mansür von Halab erfüllt seine für ägyptische Hilfe gegen Abu’l-Haigä’ gegebene Zusage zur Unter­ ordnung unter al-Häkim nicht. Flucht der Söhne von al-Husain b. Gauhar nach Syrien; Zaudern des Statthalters von Antiocheia, Michael Koitonites, ihnen Asyl zu gewähren ; schließ­ lich deren Untergang durch den Verrat des Garrähiden al-Mufarrig b. Daghfal.
40 101 f — 1 01 3 1012— 1014/5 1012 1014 Syrien und Phönikien al-Mufarrig b. Daghfal beherrscht de facto ohne Rück­ sicht auf al-H&kim Palästina; Einvernehmen mit den Christen und vermutlich auch mit Byzanz. Trotz der antichristlichen Politik al-Häkims Fort­ dauer der diplomatischen Kontakte zu Byzanz. Handstreich al-Mansürs von Halab gegen die Kiläb; Gefangennahme zahlreicher Vornehmer, darunter von Çâlih b. Miidäs. Flucht $ilih s; nach seinem Vorstoß gegen Halab Gefangennahme al-Mansürs, der gegen (nicht einge­ haltene) Bedingungen wieder frei kommt. 1014— 1016 Fortdauer des Kampfes zwischen §älih b. Miidäs und al-Mançür; Streben beider nach byzantinischer Unter­ stützung, die zuerst al-Mançür, dann §älih b. Miidäs erhält. 1016 Sturz al-Mançürs durch den Festungskommandanten Fath und Flucht auf byzantinisches Gebiet, wo alMansür und seine Familie im Gebiet von Antiocheia ehrenvolles Exil erhalten. 1016 Die von Fath als Protektoren herbeigerufenen Ägyp­ ter fassen unter ’A ll b. Ahmad a4-D aif in Halab Fuß. Verbot jedes Reise- und Handelsverkehrs zwischen dem byzantinischen Reich und Ägypten durch Basileio8 II., mit alleiniger Ausnahme von §älih b. Miidäs. 1016 1017 1017 Übergriffe ägyptischer Truppen gegen byzantinische Grenzsiedlungen. 'Azlzaddaula Fätik Statthalter al-Häkims in Halab. 1020/1 Abfall ’Azfzaddaulas von al-Häkim; Unterstellung 'Azlzaddaulas unter byzantinischen Schutz und E r­ halt des Monopols fur den byzantinischen Orienthan­ del. Hilfeansuchen und Widerruf 'Azlzaddaulas wegen eines militärischen Eingreifens der Byzantiner in Syrien. Darauf Vorgehen des Kaisers gegen den Ver­ bündeten al-Häkims, Gioigi 1. von Georgien. 1021 Infolge des Verschwindens al-H ikim s (13. Feber) kei­ ne weiteren ägyptischen Kriegspläne gegen Halab. Abtretung lokaler Stützpunkte in Phönikien an By­ zanz. 1021
Zeittafel 1022 1022 1023/4 1023/4 1023/4 1024 1024/5 1025 1026 1027 (?) 1027/8 1028/9 1029 1029 41 Ermordung 'Azïzaddaulas ; Sadldaddaula ‘All b. Ah­ mad ad-Daif wird von der ägyptischen Regentin Sittalmulk mit der Verwaltung Halabs beauftragt. Nach dem Tod des von al-Hftkim proklamierten Thronfolgers Flucht eines seiner Söhne und seines Neffen auf byzantinisches Gebiet, wo ihnen Exil gewährt wird. Verstärkung byzantinischer Grenzplätze in Phönikien. Anüstakln ad-DuzbarT wird ägyptischer Statthalter von Palästina. Veihandlungen des Patriarchen von Jerusalem, Nike­ phoros, (im Aufträge Sittalmulks) in Konstantinopel wegen eines politischen Ausgleichs führen zu keinem Ergebnis. Erneuerung des Bündnisses zwischen den Emiren alHassän b. al-Mufarrig, $älih b. Mirdäs und Sinän b. 'Aljän zur Vertreibung der Ägypter aus Syrien und Palästina. Basileios II. lehnt eine Unterstützung ab. Siegreiches Vordringen al-Hass&ns durch Palästina bis an die Grenze Ägyptens; tatkräftige Hilfe durch §älih b. Mirdäs, der sich außerdem Halabs und weiter Gebiete des nördlichen Syrien bemächtigt. Beginn der mirdäsidischen Dynastie. Niederlage des Statthalters von Antiocheia, Michael Spondyles, gegen $älih b. Mirdäs. Täuschung des Spondyles durch Naçr b. Musaraf beim Bau der Festung Manlqa. Eine byzantinische Gesandtschaft beim Fätimidenchalifen az-Zähir unterhandelt wegen eines politi­ schen Ausgleiches. Ägyptische Koalition mit den Kalb (R äff b. Abi'lLail) gegen al-Hassän b. al-Mufarrig und $älih b. Mirdäs. Tod S&lihs in der Schlacht bei Uqhuwäna gegen adDuzbarT; Flucht al-Hassäns; die Söhne Sälihs, Nasr und Timäl, behaupten sich in Halab und al-Gazlra. Ein Vorstoß des Statthalters von Antiocheia, Mkrhael Spondyles. gegen Halab schlägt fehl.
Syrien und Phönikien 42 103 0 August Herbst (?) Herbst November 1031 Mai Frühjahr/ Sommer ( ?) Herbst (?) Dezember 1032 Feber Juli Großangelegter Feldzug des Kaisers Romanos III. nach Noidsyrien; infolge der klimatischen Schwierig­ keiten und der überlegenen arabischen Kampfestak­ tik fluchtartiger Rückzug der Byzantiner. Ende des Kondominiums von Naçr und Tim&l in Halab; letzterer wird zur Beilegung des Thronstreites mit al-GazIra entschädigt. Politische Wiederannäherung an Byzanz durch Nasr b. $&lih erstrebt. Fehlschlag eines Handstreiches beduinischer Araber gegen Teluch und seinen Strategen Georgios Maniakes. Konflikt zwischen al-Hass&n b. al-Mufarrig sowie Räfi* b. Abi’l-Lail und dem ägyptischen Statthalter ad-Duzbarl. Nasr b. Musaraf bemächtigt sich der Festung Bikisrä*Tl in Phönikien und gewinnt ägyptische H ilfe; weitere antibyzantinische Umtriebe folgen. Einsetzen von Gegenmaßnahmen durch den Statthal­ ter von Antiocheia, Niketas von Mistheia, der außer­ dem mit dem Protovestiarios Symeon einen Vergeltungszug gegen die Mirdäsiden unter­ nimmt. Friedensschluß zwischen Nasr b. $&lih und Byzanz. Neuer Feldzug des Niketas in Phönikien. Auswanderung von al-Hass&n b. al-Mufarri¿ und R&fi* b. Abi’l-Lail mit 20.000 Stammesgenossen auf by­ zantinisches Gebiet. Fehlgeschlagener Angriff ad-Duzbarls auf die Emi­ granten; diplomatische Kontakte ad-Duzbarls m it Niketas. Eroberung von Manlqa durch Niketas. Verstärkte Verhandlungen zwischen ad-DuzbarT und Niketas. Sturz und Beseitigung des Führers der Stadtmiliz (ahd&t) von Halab durch Nasr b. S&lih nach Rück­ sprache mit dem Statthalter von Antiocheia. Niederwerfung unbotmäßiger f&natisierter Drusen durch Niketas in Absprache mit Nasr b. S&lih. Eroberung von BikÍ8r&*Tl durch Niketas; Fortsetzung der Verhandlungen mit ad-DuzbarT.
Zeittafel Herbst (?) 1033 Herbst/ W inter (?) W ende 1033/4 (?) 1034/5 1035/6 1035/6 um 1037 1038 1038— 1042 1038 (?)— 1040 (?) 1040/1 (?) 1040/1 1041 43 Wegen innerbyzantinischer Schwierigkeiten abgebro­ chener Feldzug Romanos' III. nach Syrien. Zusammentreffen verschiedener arabischer Gesandt­ schaften in Konstantinopel. Ägyptisch-byzantinische Verhandlungen scheitern am Problem der Stellung Halabs, der Rückführung der Emigranten (al-Hassän b. al-Mufarrig, Rftfi* b. Abi’l-Lail) sowie allfalliger Grenzkorrekturen. Rückführung der Emigranten ins syrische Grenzge­ biet durch byzantinische Truppen. Byzantinischer Flottenvorstoß gegen Alexandreia. Besetzung von Afämija durch al-Hassän b. al-Mufarri¿ im Auftrag von Byzanz. Nach Vertreibung des byzantinischen Vertreters aus Halab Zusammenstoß zwischen Naçr b. $älih und byzantinischen Truppen. Anerkennung und Investitur Nana mit Halab und Hirns durch den Fätimidenchalifen az-Zähir bzw. die Regentschaft al-Mustanfirs ; Feindschaft zwischen Nasr und ad-DuzbarT. Erneuerung des ägyptisch-byzantinischen FriedensVertrages auf 10 Jahre. Politische Wiederannäherung Nafro an die byzantini­ sche Regierung. Byzanz läßt Naçr b. $älih zugunsten ad-DuzbarTs fallen. Schlachtentod Nafro bei Tall Fäs gegen ad-DuzbarT und dessen Verbündeten; Abzug seines Bruders Tim&l und seines Schwagers Sablb b. W attäb mit den übrigen Miidäsiden in die öazTra; nachfolgend Kapitulation auch der Zitadelle von Halab vor adDuzbarT. Neuerliche fätimidische Herrschaft in Halab. Zwangsaufenthalt von al-Hassán b. al-Mufarrig in Konstantinopel. Zusammenstöße byzantinischer und ägyptischer Truppen in den syrischen Grenzgebieten. Versuchte Annäherung der mesopotamischen Mirdäsiden an das byzantinische Reich. Sturz ad-DuzbarTs infolge Abfalls seiner Truppen und dessen Flucht nach Ilalab, wo er bald darauf stirbt.
44 Syrien und Phönikien 1042 Feber Frühjahr Oktober ( ?) 1045/6 1048/9 1049 Frühjahr 1050/1 1050 1051/2 1051/2 1052 1054/5 1055 1054—56 1055/6 1055 Dezember 1056/7 (?) Wiedereinzug der Mirdäsiden unter Timäl b. Çâlih in Halab. Regelung dea Verhältnisses zu Byzanz durch Aner­ kennung des Vertrages von 1031 seitens Tim äls; Verleihung von Ehrentiteln an mehrere Mirdäsiden durch Zoe und Theodora. Kapitulation auch der Zitadelle von Halab vor Timäl b. Sälih. Erneuerung des ägyptisch-byzantinischen Friedens­ vertrages auf 10 Jahre. Nach Entfremdung Timäls von den Fätimiden erfolg­ loser ägyptischer Zug vor Halab. Neuerlicher mißlungener ägyptischer Zug gegen den byzantinischer Hilfe sicheren Timäl b. §älih. Ausgleich zwischen Timäl und Ägypten; seine Inve­ stitur durch den Chalifen al-Mustansir. Infolge Beruhigung der Lage Abzug byzantinischer Truppen nach Westen. Verleihung erhöhter Ehrentitel an mehrere Mirdäsi­ den durch Konstantin IX . Diplomatischer Konflikt zwischen Byzanz einerseits und den ZTrlden Nordafrikas, den ’Abbäsiden und Selgflqen (Tughril Beg) andererseits. Weiteres diplomatisches Taktieren der byzantini­ schen Seite. Nach einer Hungersnot in Ägypten und dem Ersu­ chen al-Mustansirs um Hilfslieferungen von Byzanz widerruft Theodora, die Nachfolgerin Konstan­ tins IX ., den Vertrag. Konflikt und militärische Zu­ sammenstöße mit Ägypten. Fortgesetztes diplomatisches Lavieren des byzantini­ schen Reiches zwischen Fätimiden und Selgüqen (’Abbäsiden). Timäl b. S&lih betont seine politische Äquidistanz zwischen Ägypten und Byzanz durch beidseitige di­ plomatische Kontakte. Machtergreifung Tughril Begs als Protektor des Ä bbäsidenchalifats von Baghdäd. Wiederannäherung zwischen Ägypten und dem by­ zantinischen Reich.
Etwa seit der Mitte des 9. Jahrhunderts hatte die fortschreitende politische Auflösung des 'Abbftsidenchalifats im Zusammenhang mit dem Neuaufstieg des byzantinischen Reiches unter der makedonischen Dyna­ stie zur Wiedererstarkung der byzantinischen Stellung im Osten geführt. D ie seit der Frühzeit arabischer Expansion am Tauros verlaufende Grenze beider Machtbereiche verschob sich vor allem durch die Eroberungen unter Rom anos I. (920—944), Nikephoros II. Phokas (963— 969) und Ioannes I. Tzimiskes (969—976) wesentlich nach Osten. So wurden Kilikien, Zypern, K reta, das nördliche Mesopotamien und die syrisch-phönikischen Küsten­ gebiete dem byzantinischen Reich wiedergewonnen1. Das zentrale Syrien blieb der byzantinischen Macht allerdings ver­ schlossen. Palästina und Syrien waren seit der altägyptischen Zeit vom jeweiligen Staat im Niltal als notwendiges Vorfeld zum eigenen Schutz und für allfallige Großmachtpolitik in Vorderasien beansprucht worden. Ebenso hatten es in muslimischer Zeit die kurzlebigen Herrschaftsbildungen der Tülflniden (868—905) und Ifesldiden (935—968) gehalten. Die letzteren geboten aber nicht mehr über Nordsyrien, wo seit 944 die ursprünglich in Mosul herrschenden Hamdäniden ihre Macht ausbreiteten; Halab wurde die Hauptstadt Saifaddaulas, des gefeierten muslimischen Glaubenskämp­ fers in den Kriegen gegen Byzanz. Nach Saifaddaulas Tode wurde Halab unter seinem Nachfolger Qarghüja dem byzantinischen Reich tributpflichtig und blieb es auch unter dessen Nachfolger Bakgür. Unterdessen waren die nordwestafrikanischen Fätimiden 969 auch in Ägypten zur Herrschaft gelangt und schlugen bald die syrische Politik ihrer Vorgänger ein2. Doch ging ihnen Syrien rasch an die fanatische häretische* 1 Maßgeblich für die Geschickte der arabisch-byzantinischen Beziehungen im 9. und 10. Jh. (genauer gesagt für die Periode von 820—959) ist Vasiliev—CANARD; für das spätere 10. Jh. vgl. Canard, Hamdanides; G. SCHLl’MHERGER, Un empereur byzantin au dixième siècle. Nicéphore Phocas. Paris 1890; DERs., Épopée I—II. * Zur Zeit der Hamd&niden : Canard , Hamdanides 489—505 (Anfänge in Syrien) ; 579— 663 (Saifaddaula); W eil II 672—674; 688—690; Lane-Poole 83—86. — Frühzeit der Ffttimiden in Syrien : WEIL I I I 10—20; 26—30; WüsTENFELD, Fätimiden 110— 115; LanePOOLE 104— 107; I I3f. ; E I 1 III 762f., s. ▼. Mu'izz (GlBB). — Halab nach Saifaddaulas Tod : Canard , Hamdanides 665—681 ; 832—844.
46 Syrien und Phönikien Bewegung der Q&rmaten3 verloren, bis die Fätimiden nach schweren Kämpfen gegen diese, gegen die Byzantiner (die unter Ioannes I. Tzimiskes bis in das nördliche Palästina vordrangen) und den unbotmäßigen türkischen Söldnerführer Alftakln um 980 endlich des Südens und der Mitte des Landes Herr waren. Zu Beginn der Regierungszeit Basileios’ II. (976— 1025) erhielt die byzantinische Stellung im Osten zunächst einen schweren Stoß als Folge der Rebellion des Bardas Skieros in den Jahren 976—9794*. Tripolis ging dem byzantinischen Einfluß wieder verloren, und während Antiocheia zeitweise auf der Seite des Skieros stand, wurde die Grenze im nördlichen Syrien zu Ungunsten von Bzanz weit zurückgedrängt, was daraus zu ersehen ist, daß die Byzantiner 981 eine Burg bei Ra*bän zurückeroberten, etwa 80km nördlich des Tall Hftlid, auf dem unter Nikephoros Phokas die Grenze festgelegt worden war6. Unverändert blieb jedoch in all dieser Zeit die Unterstützung der Hamdäniden in Halab durch Byzanz und damit die Wahrung des eigenen Einflusses in Nordsyrien gegenüber den vordringenden Fätimiden. Denn in Halab stand Bakgür, der Nachfolger Qarghüjas, ebenso unter dem Protek­ torat von Byzanz wie Saifaddaulas Sohn Abu’l-Ma'ftll Sa'daddaula, der sich 977 der Stadt bemächtigte und zum Zeichen der Abkehr von den Fätimiden die Oberhoheit der 'Abbäsiden von Baghdäd anerkannte. Bakgür, der in Damaskus in Dienste der Fätimiden getreten war, suchte sich mit deren Hilfe veigebens 983 und 991 Halaba zu bemächtigen und büßte letzteren Vorstoß mit dem Leben. Sein Gegenspieler Sa'daddaula, der es verstanden hatte, sich mit byzantinischer Unterstüt­ zung zu behaupten — ohne es jedoch mit seinem Tributärverhältnis immer sehr genau zu nehmen — , starb kurz darauf noch im Jahre 991#. Bereits im folgenden Jahr 992 unternahm der fätimidische Feldherr Bangütakln einen neuerlichen — jedoch ebenfalls erfolglosen — Zug gegen Halab, wo auf Sa'daddaula sein Sohn Abu’l-Fadä’il Saldaddaula gefolgt war. Allerdings vermochte der byzantinische Statthalter von Antiocheia, s Qarmaten (sie waren ebenso wie die F&timiden aus der ism&'Tlitischen Siebener-Si'a hervorgegangen): EI* IV 108—204, s.v. Ism&'Tliya (Ma d e w NG); E I' II 821—824, s. ▼. Karmaten (Massionon); Goldziher , Vorlesungen 241—248. 4 Seist , Skleroi 37—49; Canard, Hamdanides 844—849; Forsyth 375—393; Schlau­ berger , Épopée I 354—445. 6 Tripolis: Jahjä, PO 23, 372. Antiocheia: Jahji., a.O. 425. Ra’bän: Jahjà, a.0 . 405; su dessen Lage vgl. S eist , Skleroi 56; Honigmann 104. • Vgl. Canard, Hamdanides 681—693 ; 849—854; FORSYTH 395—397 ; 416—423; W üsten FELD, Fätimiden 150— 153; SEIST, Skleroi 62—64. — Über die Zäge des Bskgür von 983 bzw. 991 handelt Jahj&, PO 23, 412 bzw. 435.
Darstellung 47 M ichael Burtzes (wohl 991 /2—996) nicht, das Vordringen der Ägypter bis v o r Antiocheia — und möglicherweise sogar bis Mar’as — zu verhindern. A ls Bangütakln 994 wieder erschien, schloß er Halab abermals ein und fü g te den Byzantinern am Orontes eine Niederlage zu7. Auch der als Antwort darauf folgende erste Feldzug des Kaisers B asileios II. nach Syrien von 995 brachte keine Entscheidung; Saizar, Hirns und Rafanijja wurden besetzt, Antartfls wieder aufgebaut und armenisch besiedelt, während BangütakTn nach Damaskus zurückwich. 996 b erief Basileios II. den wenig erfolgreichen Michael Burtzes ab; an seine Stelle trat Damianos Dalassenos, der noch im gleichen Jahr einen Vorstoß gegen Tripolis und ‘Arqa unternahm, wogegen Ban^ütakln — ohne Erfolg — Halab und Antartfls angriff. 997 wandte sich Damianos Dalassenos neuerlich gegen Tripolis; Bangfltakln suchte — jedoch auch hierin ohne E rfolg — in Byzanz wegen eines Abfalles von den Fätimiden vorzufühlen, kehrte aber schließlich (gegen zugesagte Verzeihung) nach Kairo zurück. A ls die Ägypter 998 einen Aufstand in Tripolis unterdrückten — wo die Empörer mit den Byzantinern Verbindung aufgenommen hatten — ergriff Damianos Dalassenos die Offensive; er drang gegen Afömija vor und schlug den von Damaskus herbeieilenden Statthalter Gais b. §amsäma in die Flucht. Doch bei der Verfolgung der Ägypter fand Dalassenos den Tod, worauf die Byzantiner in Verwirrung gerieten und eilends einen verlustrei­ chen Rückzug antraten8. Daher sah sich Basileios II. veranlaßt, im Jahre 999 zum zweiten Mal nach Syrien zu ziehen. Saizar wurde neuerlich eingenommen und mit Armeniern besiedelt, Rafanijja nebst einigen anderen Festungen zerstört. Nach einem Vorstoß bis Ba’albakk und Tripolis, bei dem die Byzantiner einen gefährlichen Rückschlag erlitten, trat der Kaiser den Rückmarsch nach Antiocheia an. Wesentliche byzantinische Gewinne dürfte dieser Zug kaum erreicht haben9.* 7 Vgl. Canard, Hamdanides <»6—704; FORSYTH 482—491 ; SCHLIMBERGER, Épopée Il 50—86; HONIGMANN 106. — Zum Beginn des zweiten Kommandos des Burtzes in Antiocheia (früher auf 990 gesetzt) vgl. SEIST, Skleroi 64. — Jahj& zum zweiten Zug des Bangütakin: PO 23, 444—446; zum ersten Zug (964) ebd. 439f. "Überblick: SCHLIMBERGER, Épopée II 86— 114; FORSYTH 492—502. Belege aus Jahjft: PO 23, 442—444 (zum I.Feldzug des Kaisers); 449f. (zum Gegenangriff des Bangütakln); 452 (für die Ereignisse von 997); 455f. (für 998). — Eine kune Zusammenfas­ sung der Jahre 997—999 bei Skylitzes 339,78—340,87 ( —Kedrenos 447,20—448,8). — Zu Rafanijja vgl. u. S.78, A. 108, zu 'Arqa u. S.93, A. 152. * Vgl. allgemein SCHLIMBERGER, Épopée II 150—159; FORXYTH 503—506. Von den Quellen ist am wichtigsten Jahj&, PO 23,457—460; bei Skylitzes (340, 81 ) wird der syrische Feldzug des Kaisers irrig nach dem iberischen des Jahres 1000 angesetzt; ferner entspricht
48 Syrien und Phönikien Hingegen ergab sich als politische Konsequenz der Abschluß eines Übereinkommens zwischen Ägypten und dem byzantinischen Reich. Basileio8 II. hatte schon vor seinem zweiten Feldzug nach Syrien, d. h. spätestens im Frühjahr 999, zwei Gesandte an den F&timidenhof geschickt, einerseits in der Absicht, durch einen Ausgleich mit Ägypten freiere Hand für seine Politik gegenüber den Bulgaren zu erlangen, andererseits aber auch in der Erkenntnis, daß eine weitgehende Verschiebung der Machtver­ hältnisse im Osten nicht möglich war. Diese Mission hatte keinen Erfolg, sodaß Basileio8 II. im Spätsommer 999 den Zug nach Syrien begann*l0. Infolgedessen trat der damals allmächtige ägyptische Regent Bargaw&n dem byzantinischen Friedensvorschlag nun näher, denn zu Beginn des Winters 999/1000, als der Kaiser wieder aus Syrien abzog, erhielt jener der beiden byzantinischen Gesandten, der in Kairo zurückgehalten worden war, gemeinsam mit dem Patriarchen Orestes von Jerusalem den Auftrag, in Konstantinopel im Namen Ägyptens Verhandlungen aufzunehmen11. Orestes, dem von Bargawän weitgehende Vollmachten für die Verhand­ lungen erteilt worden waren, zählte damals zu den einflußreichsten Persön­ lichkeiten des Fätimidenreiches12. Seine Mission wurde auch durch den seine Behauptung, die Emire von Tripolis, Damaskus, Tyros und Berytos (Beirut) hätten sich Basileios II. unterstellt, kaum dem Verlauf des Krieges. Vgl. HONIGMANN' 108. — Zu Saizar vgl. u. S. 51, A. 23. 10 Vgl. Dö LOER, Regesten 788. — Nach Jahjä, PO 23, 460f. bzw. 457 fällt die Aussendung der byzantinischen Gesandten in die Zeit vor dem 2. syrischen Feldzug des Kaisers, der am 6. Sawwäl 389 H (20. September 999) die Reichsgrenze bei Gier al-hadld am Orontes überschritt. — Über Gisr al-hadld als Grenze vgl. Kekaumenos, Strategikon 302, 21, dessen m^poYtçupov die griechische Entsprechung der arabischen Benennung darstellt. Diese „eiserne Brücke“ lag etwa 25 km östlich von Antiocheia und beherrschte die nach Halab führende Straße. Vgl. Cahex , Syrien 134, A.3; Canard, Hamdanides 215, A.393. 11 Das Faktum der Mission nach Jahjä (vgl. A. 10). Bargaw&n, der für den unmündigen al-Häkim die Regentschaft führte, war Eunuch (vielleicht slawischer Herkunft) und führte eine energische Außenpolitik. Vgl. E P I 1041 f. (B.LEWis); Lane-P ooLE. Egypt 124; WU.sTENKELD, Fätiraiden 172. — Der Kaiser zog am 5. Muharram 390 H (17. Dezember 999) aus Syrien ab, um in Tarsos und Mopsuestia (al-Maççïsa) zu überwintern. Auf die Kunde vom Ableben des Kuropalates Dawit' von Taik' brach er zu Ostern (31. März) 1000 unverzüglich dorthin auf, um die byzantinische Anwartschaft auf dessen Gebiete zu verwirklichen. Vgl. Jahjä, PO 23, 457. 460; Asolik III 43= 160— 162 M. '* Orestes war Bruder einer christlichen Gemahlin des Fätimidenchalifen al-'AzIz (975— 996) und dadurch Onkel mütterlicherseits des Chalifen al-Häkim b. al-'AzTz: Jahjä, PO 23, 415. Im Ramadän 375 H (beg. 15. Januar 986) war Orestes Patriarch von Jerusalem geworden. Sein Bruder Arsenios gelangte eben im Jahre 1000, in dem Orestes die Mission nach Konstantinopel durchführte, auf den melkitischen Patriarchenstuhl von Alexandreia. Vgl. Jahjä, PO 23, 415. 462.
Darstellung 49 Sturz Barg&w&ns nicht in Frage gestellt13, und schließlich kam es — wahrscheinlich im Frühjahr 1001 — zum beiderseits erstrebten Vertrag14. Dieser beendete jahrzehntelange bewaffnete Auseinandersetzungen zwi­ schen Ägypten und dem byzantinischen Reich und leitete — mehrfach verlängert — fur mehr als ein halbes Jahrhundert einen zwar oft prekären, aber doch fur beide Mächte vorteilhafteren Zustand der Nichtkriegfuhrung ein. Leider bieten die Quellen (abgesehen von der Angabe über die lOjährige Laufzeit) keine ins einzelne gehenden materiellen Bestimmungen des Vertrages151 6 . Daß im übrigen der Fätimidenhof den diplomatischen Verbin­ dungen zu Byzanz auch protokollarisch hohen W ert beimaß, erhellt aus der prunkvollen Aufnahme einer byzantinischen Gesandtschaft, die in dieser Zeit — vielleicht zur Ratifikation des Vertrages — nach Kairo gekommen w ar1®. Neue politische Entwicklungen in der Zeit nach dem Vertragsschluß nahmen ihren Ausgang von Halab. Dort fiel einige Monate später der letzte regierende Hamdänide Abu’l-Fadä’il SaTdadd&ula der Vergiftung durch eine seiner Sklavinnen zum Opfer (15. Safar 392 H = 3. Januar 1002). Der 13 Die chronologischen Angaben der Quellen Aber die Beseitigung Bargawäns sind widersprüchlich. Ausführliche Motivierung des Überdrusses al-Häkims an Bargaw&n bei AbQ Su¿á* (Eclipse 111 230—232), jedoch inkorrekt s. a. 389 H. Jahjä, PO 23, 462 nennt als Datum Donnerstag, 26. Rabl* II 390 H ; weil dieser Tag aber ein Freitag war, soll es offenbar heißen: Donnerstag, 25. Rabí* II 390 (5. April 1000); vgl. Forsyth 146— 149. 14 Vgl. Dö LGER, Regesten 788. — Jahjä, PO 23, 461 berichtet, daß Orestes nach dem Abschluß des Vertrages in Konstantinopel verblieb und nach vier Jahren dort starb. Da er (a. 0 .415) dessen Amtsdauer — gerechnet von der Übernahme im Ramadän 375 — auf 20 Jahre angibt, fallt der Tod des Patriarchen in den Ramad&n 395 H (beg. 11. Juni 1005) und mithin der Vertragsschluß etwa vier Jahre früher, d.h. in das Frühjahr oder in den Frühsommer 1001. Vielleicht deutet auch die byzantinische Gesandtschaft vom Mai 1001 in Kairo (vgl. u. mit A. 16) auf diesen Termin. 13 Neben dem ausführlichen Bericht Jahjäs, PO 23, 460f. kürzere Angaben bei Ibn alAtîr IX 122 (irrig s. a. 386 statt 391 H ); Ibn QaküQn IV 119; Ibn al-QalänisT54f. ; AbQ Sugft* III 230. Die byzantinischen Quellen schweigen darüber. — Ibn al-QalänisT, der auf Hiläl a$$äbl, d.h. einer von Jahjä unabhängigen Überlieferung beruht, läßt Bargawän allein den ersten Schritt zum Vertrag durch seinen christlichen Emissär Fahd b. Ibrâhîm tun — hier spielt eine unfreundliche Einstellung des Autors gegenüber den Fätimiden mit, und Jahjä war zweifellos besser informiert; vgl. Forsyth 507. — Über die Stellung Halaba läßt sich nur sagen, daß Ägypten den byzantinischen Einfluß zumindest stillschweigend anerkannt haben muß. — Zu DOlger , Regesten 790 vgl. u. S. 134, A. 8. 16 Vgl. al-Qädi ar-Rasîd § 173; derselbe Bericht gekürzt bei Ibn Taghribirdl 77, 13fT. — al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 39f. gibt die Datierung der Gesandtschaft auf den Iß.Öumädä II 391 H (13.Mai 1001). Für den Zusammenhang mit dem abgeschlossenen Vertrag tritt auch Forsyth 533 ein; Canard , Sources 290, A. 13 wollte die Gesandtschaft eher in die vorausgehenden Verhandlungen einordnen. Bei DOLGER, Regesten findet sich keine Erwähnung.
50 Syrien und Phönikien eigentliche Anstifter der Tat war jedoch Lulu', ein früherer Mamluke Saifaddaul&s, der sich bereits mit den Hamdftniden verschwägert hatte, jetzt aber gewaltsam nach der Erlangung der Alleinherrschaft strebte. Sofort nach dem Mord konnte er sich zum Vormund der beiden jungen Söhne Saldaddaulas, Abu’l-Hasan 'AH und Abu’l-Ma'&lT Sarlf, aufschwin­ gen; 394 H (beg. 30. Oktober 1003) fühlte Lulu’ sich dann bereits stark genug, den letzten Schein fallen zu lassen, und schob die beiden Hamd&niden zusammen mit dem Harina Saldaddaulas nach Ägypten a b 17. Obwohl also in Halab eine innere Umwälzung vor sich gegangen war, so änderte sich nach außen an der Stellung Halaba gegenüber Byzanz nichts, weil sowohl Lu’lu’ wie auch sein Sohn AbQ Nasr MansQr, der alsbald an der Regierung beteiligt wurde, das einvemehmliche Verhältnis mit Byzanz weiter pflegten18. Wesentlich nachhaltiger als durch den Sturz der Hamdftniden wurden die nördlichen Gebiete Syriens bis nach al-GazIra hin durch das Auftreten eines falschen Mahdi19 beeinflußt. In Syrien hatte ja die radikale Sl'a auch nach der schließlichen Niederwerfung der Qarmaten durch die F&timiden ihren Einfluß nicht völlig verloren. So erhob sich im Jahre 395 H (beg. 18. Oktober 1004) im Norden des Landes ein Mahdi-Pr&tendent, Ahmad b. al-Husain, zubenannt al-Asfar20, aus dem Stamm der Taghlib21. Dieser zog 17 Kamäladdln I 192, 16—18; 195, Iff.; Jahjä 209, 23—210, 2 CHEIKHO; aKAinl XI 574; al-A^Tml 157a; Muni^imbiïT I 235b. — Lulu* hatte eine Tochter an Saldaddaula ▼erheiratet und soll sie (so Kamäladdln) auf die gleiche Weise beseitigt haben. Die Exilierung der Hamd&niden erfolgte nach Jahjä zwangsweise. Das Einvernehmen Lulus und al-Mansürs zeigt sich im Verhalten des enteren beim Auftreten des falschen Mahdi al-Asfar und des letzteren nach dem Fehlschlag der Restaura­ tion des Hamdftniden Abu'l-Haigä'; vgl. u. S. 54.56 mit A.34 u.40. " Die §T'a hatte mit der Forderung nach alleiniger Berechtigung der Nachkommen 'Alls (des Schwiegersohnes Muhammads und 4. orthodoxen Chalifen) zur Bekleidung des Chalifata sowohl die Umajjaden als auch später die 'Abb&siden bekämpft. Außerdem bildete sie allmählich die Lehre aus, daß der (später als in Verborgenheit lebend gedachte) Itnftm (d. h. der geistliche Leiter der Gemeinde als Träger göttlicher Inspiration) in Gestalt des Mahdi wiederkehren und ein Reich der Gerechtigkeit herauflühren würde. Auch die Orthodoxie der Sunna kennt den Mahdi, läßt ihn jedoch erst am Ende der Zeiten auftieten. Untrennbar mit dem religiösen Anspruch des Mshditums war zwangsweise der politische verbunden, wie ihn etwa die Begründer des Fätimiden- und deB Abnohadenreiches umfassend verwirklicht haben. Vgl. E I' III 120—124, s. ▼. Mahdi (Macdonald); GOLDZIHER, Vorlesungen 216— 224. 3,0 Hierüber ein ausführlicher Bericht bei Jahjä, PO 23,466f. ; atark gekürzt Kamftladdm I 196, I— 10. Uber die indirekte Erschließung aus Skylitzes vgl. u. A. 27. 21 Die Taghlib waren ursprünglich in Zentralarabien ansässig, wohnten jedoch bereite an der Wende zur islamischen Epoche im mittleren Mesopotamien und zogen dann teils nach Dqftr Rabl'a in Obermesopotamien, teils in die rechts vom Euphrat zwischen Manbig und Ruç&fa liegenden Gebiete bzw. selbst bis in das zentrale Syrien. Vgl. E I 1 Etgänzungsband 238—243 (K indermann); Oppenheim 150f.; Ill 351—353.
Darstellung 51 in d e r Tracht eines Derwisches umher und rief überall als Ghftzl zum Glaubenskrieg gegen die Byzantiner auf. Bald nahm die Zahl seiner A nhänger unter Beduinen und seßhaften Bewohnern so sehr zu, daß alA sfa r und sein engster Begleiter mit dem (vermutlichen) Namen alH a m a lf*** den Krieg gegen die Byzantiner begannen. Nach einer ersten Schlappe gelang es al-Asfar, das seit kurzem byzantinische Saizar zu überrum peln23; als aber Basileios II. beim Fätimidenchalifen al-Häkim intervenieren ließ, und dieser hierauf seinen Statthalter in Damaskus an w ies, al-Asfar vom fätimidischen Gebiet aus zu bekämpfen, änderte der M ahdi-Prätendent seine Stoßrichtung, wandte sich nach Norden und über­ fiel das strategisch wichtige Artäh24. V on dort nach Westen ziehend machte er Anstalten, über Gisr al-hadîd gegen Antiocheia selbst vorzudringen, bis ihm unfern der Stadt bei dem Ort M ahrüja25 der Patrikios Blghäs (wohl ni^*aioç)a mit seinen Truppen entgegentrat. Im folgenden Gefecht fand al-HamalT den Tod, während alA sfa r die Flucht ergriff. Die weitere Verfolgung oblag — so ist doch wohl d e r Befund der Quellen zu deuten — nicht mehr Blghäs, sondern dem durch d ie arabischen Chronisten nicht namentlich genannten, aus 8kylitzes aber fü r diese Zeit als Pazifikator Syriens nachgewiesenen Statthalter von ** Die Lesart des Namens ist unsicher; Jahjä 186, 16 Cheikho steht Gamalf; PO 23, 466 Obiges; eg), ferner den kritischen Apparat der Ausgaben. a Saizar (antik Larissa), auf halbem Weg zwischen Affcmqa und Kimi mit wichtigem Übergang über den Orantes; es war seit 999 byzantinisch und nach dem Abzug vieler Bewohner mit Armeniern neu besiedelt worden; Jahjä, PO 23, 457f. Vgl. auch E l' IV 310 (H onigmann); Honigmann 94 mit A.6; 107. 122; Le Strange, Palestine 533f. ** Die Tatsache des fätimidischen Eingreifens nach byzantinischem Drängen erwähnt nur Kamäladdln (vgl. o. A. 20). — Artih, am Nähr Afrln, einem nordöstlichen ZuiluB des Orantes, etwa 20km östlich von Gisr ai-hadId gelegen, beherrschte die von hier nach Halab Ahrende Straße und war daher in den vorangehenden Jahrzehnten wiederholt heftig umkimpft (960—70; 978; 992: Jahjä, PO 18. 814—817; PO 23, 377. 438). Vgl. weiters DU88AL*D 225—227; Le Strange. Palestine 339; Cahkn. Syrie 134. ** Von den Varianten Mahrfina und Mahrüja scheint die letztere dem griechischen Mipw, (mit itazistischer Aussprache) besser zu entsprechen. Zur Lage vgl. JAqOt I 386; HONIG­ MANN 108, A.5; Canard , Hamdanides 228. A.438. ** Hinter dem Namen Blghäs. von dem Jahjä sagt, er sei ein früherer Gefolgsmann des (Bardas) Skieros gewesen, vermutete Honigmann 108, A.6 einen (nicht näher identifizier­ ten) niftüsto«. Da jedoch feststeht, daß Skieros 978 einen Mann dieses Namens zun Kommandanten von Nikaia ernannte, ist es denkbar, in Blghäs diesen Mann oder allenfalls seinen gleichnamigen Sohn zu erblicken. Vgl. SEI KT, Skierai 42 mit A. 115. — Jahjä erwähnt auch seinen Rang J; , d. i. Bis in das frühere 11. Jh. gehörten die meisten Themenstrategen dieser Rangstufe oder der — etwas niedrigeren — der an. Zu Patrikioa vgl. O ikonomidE.- 294 mit A.40. Bl.'HY 27; BkEHlKK 89.
52 Syrien und Phönikien Antiocheia, Nikephoros Uranos27. Dieser vielseitig erfahrene und erprobte Mann28 sollte offenbar damals zugleich den Raubzügen der Stämme Nu- ** Jahjä berichtet nur noch, daß der „Magistros“ (PO 23, 466 die weitere Aufspürung al-Açfars übernahm. Die Tätigkeit des Nikephoros Uranos gegen aufrührerische Araber an der Grenze des byzantinischen Syrien wird von Skylitzes 345, 34—42 ( « Kedrenos 454, 7—18) für 6509M (ind. 14 [beg. I.Sept. 1000]) belegt, doch ist eine spatere Datierung schon deswegen zu erwägen, weil er ßasileios II. auf den iberischen Feldzug begleitete und 450 armen, (beg. 21. März 1001 ) wieder in Armenien tätig war (Jahjä. PO 23, 400; Asolik III 44= 166 M). Bei der Neigung des Skylitzes zur Komprimierung und seinen chronologischen Ungenauigkeiten ist es am wahrscheinlichsten, daß er unter diesem Jahr die Ereignisse mehrerer Jahre vorausgreifend resümiert hat und auch noch die von Jahjä geschilderte al-Asfar-Episode hinzuzurechnen ist. Demnach ist der Nikephoros des Skylitzes mit dem Magistros bei Jahjä identisch; Nikephoros schickte also zuerst den Patrikios Bighäs/Pegasios (als seinen Unterfeldherm) aus, bevor er selbst gegen den hartnäckigen Unruhestifter al-Asfar ins Feld zog. *• Übersicht zu Leben und Werk des Nikephoros Uranos bei J. D ar ROUZÈs, Épistoliere byzantins du Xr siècle (i4rcA»Ve* de l'Orient Chrétien 6). Paris I960,44—48. Er war 979 oder 980 in schwieriger Mission nach Baghdäd geschickt worden, um dem Einfluß des dorthin geflohenen Bardas Skieros entgegenzuwirken, wurde aber 8 Jahre lang festgehalten (wohl nicht auf die Beschuldigung hin, des Skieros Vergiftung geplant zu haben, wie Jahjä, PO 23, 401 f. u. 446 behauptet — doch keine Baghdäder Quelle weiß etwas davon —, sondern um als Pfand zu dienen, einen Vertrag mit Byzanz zu erlangen ; vgl. FORSYTH 400f. 415; SEIKT, Skleroi 48f.). Nach seiner Rückkehr bewährte sich Nikephoros 996—999 in den Bulgaren­ kriegen (Skylitzes 341, 22—25 ; 364, 76-7 8 [«Kedrenos 449, 16— 19; 475, 5—8]; Zonaras III 558f.) und wurde von Basileos II. als Nachfolger des gefallenen Damianos Dalasseno8 999 zum Statthalter von Antiocheia ernannt (Jahjä, PO 23, 459f.). Nikephoros war bereits 979 fJ*<jrr¿ (ein seit Nikephoros II. Phokas verliehener Hoftitel, der im 11. Jh. auch an Strategen und andere Amtsträger vergeben wurde; vgl. OlKONOMlDÈs 294; Bré HIER 111), in den Bulgarenkriegen ftopsonxo; -rr¿ Awcuç (ein Amt, das im 10. Jh. nach Analogie des ftofuorixoç ’AvaroXr^ für einen dauernden Oberbefehl im Westen — vornehmlich wegen der Bulgarenkriege — geschaffen worden war; vgl. OlKONOMlDÈs 329; GULLAND, Recherches I 448; AHRWEILER, Recherches 55—58; BRÉHIER 296) sowie (jutyuTTpo; (ein Rangtitel, der im 9. und 10. Jh. noch selten war und nur hohen Amtsträgem verliehen wurde; vgl. OlKONOMlDÈs 294; Gl*ILLAND, Titres IV, 14—28; bes. 18. 24); ferner war er xavixXcioc, besser ó im toG xxvixXciou, welcher bei der Unterfertigung von Urkunden durch den Kaiser als letzte Kontrollinstanz die Gegenzeichnung vomahm (vgl. F. D ö IjGER, Byzantinische Diplomatik. Ettal 1956, 24f. 50ff.; SEIHT, Bleisiegel 187; OlKONOMlDÈs 311). Diese letztere Amtsbezeichnung steht hinter dem korrumpierten (j-kül bei Jahjä 184, 4 Cheikho bzw. hinter dem unpunktierten wJU*Ji derselben Stelle in PO 23, 460 und wurde von L.M'RENT, Antioche 235, A. I als JiúJi = xavíxXiio' erkannt. Also solcher ist Nikephoros auch in seiner Korrespondenz vorausgesetzt; vgl. D ar R01*ZÊn 46f. Zudem erscheint Nikephoros auf einem Siegel, das im II. Band des Corpus des sceaux publiziert werden wird, als ívIIótoto; nsTpixio; xai im toGxavixXcioo (Hinweis von W. SEIHT). Vgl. dazu auch P. L emerle— A. G i i l l o i — N. Svoronos— D. P apachryssanthoi*, Actes de Lavra I (Archives de VAthos 5). Paris 1970, Nr. 31, Z. I6f.
Darstellung 53 m&ir und Ohataftn ein Ende setzen, die das byzantinische Syrien längere Z eit hindurch beunruhigt hatten29. Nach seiner Niederlage bei Mahrüja war al-Asfar in das Gebiet von Sarü¿ geflohen, das dem Herren von Harrän, W attäb b. Säbiq, unter­ stand30. Als Nikephoros erfahren hatte, daß al-Asfar sich in dem festen Ort K afar AzQz aufhielt, brach er unverzüglich dorthin auf, benötigte jedoch vier W ochen, bis er den hartnäckigen Widerstand der durch viele geflüchte­ te Umwohner verstärkten Verteidiger überwinden konnte. Unter den sehr zahlreichen Gefangenen befand sich auch die Familie al-Açfars, während ihm selbst noch ein weiteres Mal die Flucht gelang31. In dieser Situation ist es verständlich, daß sich die Interessen von al-Asfar und W attäb b. Säbiq darin trafen, den Byzantinern entgegenzutreten. W attäb sammelte an die 6000 Beduinen aus den Stämmen Numair und K iläb32 und griff die Byzantiner an; als deren Führer ist wiederum Nikephoros vorauszusetzen, 29 Nach Skylitzes 345, 34—42 ( = Kedrenos 454, 7—18) wandte sich Nikephoros gegen die Scharen t¿>v .V/j(icpiT¿v xst ‘Apijsoiv, die selbst Antiocheia mit ihren Einfällen bedrohten. Die ersteren sind offensichtlich die Numair; letztere deutete D. S. Rick, Harrän 77 als Ghatafön. W. SEI irr weist auf die Möglichkeit hin, daß das x*i ’\7*9170* des Skylitzes auf eine Haplographie für x, K*7*9 i7¿v zurückgeht, was der Interpretation als Ghataftn noch besser entsprechen würde. Beide Stamme waren aus ihrer arabischen Heimat — dieser aus Jamftma, jener aus dem Higäz — seit dem 7.Jh. nach Syrien abgewandert; vgl. OPPENHEIM 1 221—227; II 3l8f.; III 14. Weniger glücklich ist die Vermutung von N. AUOXTZ, Samuel l’Arménien, roi des Bulgares. Memoiren, Clan* den Ijettren, Brüssel 39 (1938) 24 = Études arméno-byzantines. Lissabon 1968, 368, der unter *A7*917*1 die Banü Wa|ttb sehen und den Namen des Anführers Kurrpivir/;? mit Qinnasrln zusammenbringen wollte ; zweifellos ist unter ihm aber der Numairide Wattäb von Harràn zu verstehen. Vgl. auch A.30. 30 Wattäb b. Säbiq war Begründer der kleinen Partikulaidynastie der Numairiden. Während des Niederganges der Hamdänidenherrschaft in Halab seit den letzten Jahren Sa’daddaulas trat er 380 H (beg. 31. Màrz 990) in Harràn als selbständiger Herr auf und konnte im gleichen Jahr auch Sarüg besetzen; vgl. Ibn Saddäd (Bodl. Marsh 333) 14b. 31 a. — Sarüg, zwischen Euphrat. Edessa und Harràn zentral gelegen, war ein wichtiges Handelszentrum; vgl. E I' IV 189 (Plessxer): Cahex, Syrie 113; CANARD, Hamdanides 92f; LE STRANGE. Eastern Caliphate 108. 31 Die genaue Lage von Kafar Azüz ist unbekannt; nach Jahjà (PO 23, 466) lag es im Gebiet von Sarüg, d. h. wahrscheinlich an der von Blra am Euphrat nach Sarüg führenden Straße; vgl. C anard. Hamdanides 93. A.35; Honigmann 108. Xk-ht wörtlich braucht Jahjà genommen zu werden, wenn er bei der Einnahme von Kafar Azûz 12.000 Menschen in Gefangenschaft geraten läßt. 32 Zu den Numair vgl. o. A. 29: die Kiläb (ebenso wie die Numair zur nonlarabischen Gruppe Qais gehörig) waren um die Mitte des 10. Jh. aus Syrien in die nördliche GazTra gekommen und nahmen die Gebiete zwischen Halab und Rahlia ein. Aus ihnen gingen später die Mndäsiden hervor: vgl. OPPENHEIM 1 222 228: Z aKKar 70 84.
54 Syrien und Phönikien der das Aufgebot Wattftbe zur schleunigen Flucht nötigte und als S ieg er nach Antiocheia zurückkehrte***. Die durch al-Asfar ausgelöste Bewegung kam alsbald zu einem w en ig rühmlichen Ende. Die Byzantiner verlangten von Wattftb b. S&biq d essen Auslieferung, und nach einigem Zögern hielt er es für angezeigt, d ie se r Forderung nachzukommen — umsomehr, als ihm Lulu’ von Halab e in e n guten Teil der Sorge abnahm, indem er selbst sich erbötig machte, a l-A sfa r für unbestimmte Zeit auf der Zitadelle von Halab in H aft zu nehm en. Daher wurde al-Açfar im Sa'b&n 397 H (beg. 22. April 1007) nach H a la b geschafft, wo ihn Lu’lu einkerkerte — offensichtlich auch, um sich s o gegenüber Byzanz verdient zu machen. Erst infolge des Sturzes von L u lu ’s Sohn und Nachfolger al-Mansür erlangte al-Apfar 406 H (beg. 21. J u n i 1015) seine Freiheit wieder34. Viel unmittelbsrer als von der Erhebung al-Asfars wurde Halab aber durch einen gescheiterten Restaurationsversuch der Hamd&niden betrof­ fen. Lulu’, dessen verständige Herrschaft gerühmt wird, war wohl im Muharram 399 H (beg. 5. September 1008) verstorben36. Sein Mitregent und Nachfolger Abü Nasr al-Mançür erscheint dagegen in den Quellen als treuloser, dem Trunk ergebener und den Halabinem verhaßter Tyrann. Wenn als Motiv für manche seiner Maßnahmen die prekäre politische Lage ins Treffen geführt werden sollte, so war jedenfalls der Erfolg äußerst zweifelhaft; zudem hatte al-Mansür mit den entscheidenden Mächten — Ägypten und Byzanz — ohnedies das Einvernehmen herstellen können36. ** Ein rhetorisch gehaltener und daher kaum konkrete Einzelheiten bietender Reflex auf die Erfolge dea Nikephoros Uranos Aber die Araber ist der 10. Brief eines seiner Korrespon­ denten, des Philetos Synadenoa, bei D arrouzÈ.n, a. O. (vgl. A. 28) 256 : Philetos versichert, er wire zur Siegesfeier nach Antiocheia geeilt, bitten ihn nicht Amtspflichten in Kilikien (er war Richter in Tarsos) festgehalten. M Vgl. Jahji, PO 23, 467; Kam&laddTn 1 106, 9f.; wahrscheinlicher ist Lulu’s EinfluB auf Wattäb (so Jahjä) als die listige Täuschung al-Açfars durch Lu’hi’ (dies die Version KamäladdTns). ** Vgl. Kamiladdin I 107, 6—8; 108, 1—4; Jahjä 210, 3f. CHEIKHO; al-'Azimi 159a; MunagÿimbUT 1235b. Kamiladdin gibt als Todesdatum Ende Du’l-Hi¿¿a 399 H an; Jahjis Datum Muharram erklärt aber, warum sich $älih b. Mirdäs 399 H bereits ar-Rahbas bemächtigt hatte (vgl. u. S. 64 mit A. 65). *• Der Versuch, al-Mansfirs Politik auf die genannte Weise zu erklären, bei FORSVTH 638. Doch war das Verhältnis al-Manpürs zu Ägypten zumindest im Anfang nicht ungünstig. Noch im letzten Lebensjahre Lu’lus schickte dessen Mitregent al-Mansür seine Söhne Abu’lQhanä’im und Abu’I-Barakät nach Ägypten, wo sie reich beschenkt wurden und Besitzungen in Palästina erhielten; al-Manpür selbst wurde von al-Häkim mit dem Ehrentitel Murtadäaddaula ausgezeichnet. Politische Zugeständnisse einer der beiden Seiten waren damit schwerlich verbunden. Für die Haltung al-Manßürs gegenüber Byzanz vgl. die Inhaftierung al-Atfars in Halab (oben mit A. 34).
Darstellung 55 Doch gab es noch einen Sohn Sa'daddaulas namens Abu’l-Haig&\ der nach der Machtergreifung Lulu’s in Halab auf byzantinisches Gebiet geflohen war und von Basileios II. den Titel eines Magistros erhalten hatte. Angesichts der steigenden Mißliebigkeit al-MansQrs in Halab fand der Gedanke einer Rückführung Abu’l-Haig&’s in das Erbe seiner Vorfahren Anklang; die Verfechter eines solchen Planes wandten sich an den Marwfrniden Mumahhidaddaula von Majj&farTqln, der Schwager Abu’l-Haig&’s war und außerdem über gute Beziehungen zu Byzanz verfugte37. Mumahhidad­ daula scheint Basileios II. ein verstärktes byzantinisches Protektorat in Ilalab fur den Fall einer Restauration Abu’l-Haigä’s in Aussicht gestellt zu haben, ohne daß dafür eine byzantinische Hilfe beansprucht würde. Des­ halb erhielt Abu’l-Haigä’ die Erlaubnis, sein byzantinisches Exil zu verlas­ sen und kam noch 400 H (beg. 25. August 1009) nach Majj&farTqln, wo ihn Mumahhidaddaula mit Geldmitteln und einer kleineren Schar Reiter verse­ hen ließ; im übrigen war er auf die Hilfe der Kilfib angewiesen, die Mumahhidaddaula aufgefordert hatte, sich Abu’l-Haigft’ anzuschließen38. Tatsächlich leisteten die Kilftb Abu’l-Haigfi’ nach seiner Ankunft in der G&zlra das Versprechen ihrer Gefolgschaft. al-Mançür b. Lu’lu’ mußte handeln, und zwar suchte er einerseits die Kil&b auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen Versprechungen auf Landbesitz machte; andererseits wandte er sich an Ägypten um Beistand, den er bewilligt erhielt, falls ein fätimidischer Statthalter in der Zitadelle zugelassen würde. Unter dieser Bedingung rückten die Truppen von Tripo­ lis unter dem Qfidl 'All b. Äbdalwähid b. Haidara heran39, als gerade Abu’lHai¿&’ vor Halab Stellung bezogen hatte. Im folgenden Gefecht ließen die Kil&b (entsprechend ihren Abmachungen mit al-Mançür) die Sache Abu’l-* ** Mumahhidaddaula, der 2. MarwSnide (Überblick zu seiner 387 H [beg. 14. Januar 997] — 401 H [beg. 15. August 1010] währenden Regierung bei AMEDROZ, Marw&nid Dynasty 126— 131) hatte nach seinem Regierungsantritt eine Tochter Sa’daddaulas geheiratet, die schon Ar Mumahhidaddaulas Vorgänger AbO'AlT ausersehen gewesen war: Ilm al-Azraq 72f. 80. Über seine Huldigung vor Basileios 11. i. J. 1000 vgl. u. S. 134 mit A. 8. * Vgl. Jahjä 210, 4—211, 5 CHEIKHO; KamäladdTn 1 198, 9—200, I. Demzufolge unterstützte Mumahhidaddaula den Abu’l-Haigä' nur mit 200 Reitern. Basileios II. hatte sich einen verstärkten Einflufi in Halab erwartet, denn so ist wohl KamäladdTn 1 199, 6f. aufzufassen : Mumahhidaddaula ersuchte den Kaiser um Erlaubnis, daB Abu’l-Haigä’ sein Exil verlasse, damit er, von ihm (sc. Basileios) beauftragt, in Halab die Macht ausübe, ohne daB Geld oder Truppen Ar seine Einsetzung vom Kaiser benötigt würden. * Tripolis besaB eine ständige Garnison der Fätimiden; vgl. L e Strange , Palestine 349 (Bericht des Reisenden Näfir-i (Jusraw Ar 1047) und (Ar die mamlukische Zeit fortdauernd) Gacdekroy-D emombynek 222. — Sein Qä^T ist der von Jahjä, PO 23, 443 genannte Gegner einer Übergabe von Tripolis an die Byzantiner i. J. 995, welcher der kapitulations­ willigen Partei erfolgreich entgegen trat.
56 Syrien und Phönilüen H&igä’s im Stich, der unter Zurücklassung aller Habe die Flucht ergreifen mußte und — da ihn Mumahhidaddaula offensichtlich unzureichend unter­ stützt hatte — wiederum auf byzantinisches Gebiet zurückkehrte. Der in aller Hoffnung getäuschte Hamdänide flehte von M elitene aus Ba8ileios II. neuerlich um Asyl an, wozu dieser — im Unwillen über die Verwicklungen des von ihm geduldeten Unternehmens — zunächst nicht bereit war. Erst als ausgerechnet al-Mansür b. Lu’lu* beim Kaiser vorstellig wurde, er möge Abu’l-Haigä' aufnehmen, damit er nicht wieder im muslimi­ schen Gebiet Unruhe stifte, ließ Basileios II. schließlich Abu’l-Haigä’ in ehrenvoller Weise nach Konstantinopel kommen, wo er bis an sein Lebens­ ende verblieb40. Byzanz hatte in dem gescheiterten Restaurationsversuch des Hamdäniden nichts gewonnen und nichts verloren. Der Fätimidenchalife al-Häkim war in seinem — dem Vertrag von 1001 zweifellos widersprechenden — Verhalten von der Erwartung geleitet worden, als Lohn für die Unterstüt­ zung al-Mançürs dessen Anerkennung der fätimidischen Oberherrschaft über Halab zu erhalten. Zum Zeichen äußerer Anerkennung ließ al-Mansür auch tatsächlich al-Häkim im Kanzelgebet nennen, während dieser wohl im Ramadän 400 H (beg. 18. April 1010) eine Urkunde über die Betrauung alMansürs mit der Regierung in Halab und die Bestätigung des ihm schon als Mitregenten verliehenen Ehrentitels Murtadäaddaula („W ohlgefallen des Reiches“ ) erließ41. Jedoch dachte al-Mansür nach Beendigung seiner 40 Für die reservierte Haltung Mumahhidaddaulas sprechen folgende Anzeichen: Die militärische Unterstützung Abu’l-Haigäs war viel zu gering; nach seinem Scheitern hat sich Abu’l-Haigä' nicht zu seinem Schwager ins Exil begeben ; dieser setzte sich auch nicht für Abu’l-Haigä' bei Basileios II. wegen der neuerlichen Gewährung des Asyls ein. — Leider schweigt Ihn al-Azraq, bei dem die auswärtigen Beziehungen mitunter sehr kursorisch behandelt werden, über Abu’l-Haigä'. Während seinen zweiten und endgültigen Exils ist Abu’I-Haigä* möglicherweise zum Christentum übergetreten und hat in der byzantinischen Armee Kommandos übernommen. Dies schließt M.CANARD aus einem in Konstantinopel befindlichen Siegel (vgl. H au l E dhem, Müze-i Hömayun — Kurqun mühür katalogu — Arap ve Arap-Bizantin ve Osmanli kurçun mühürlerine mahsustur. Konstantinopel 1321 H [1904] 42, Nr. 31 ), das in arabischer Schrift den Namenszug Abu’l-Hai¿&’ Muhammad b. Sa'daddaula Abu’l-Ma'älT SarTfträgt und auf dem Avers eine Büste des hl. Theodores mit griechischer Legende aufweist; vgl. E l* Ui 130, s. v. Hamd&nids (dort französische Zitierung des konstantinopolitanischen Siegelkata­ logs). An der Zuweisung des Siegels besteht kein Zweifel, aber Ar ein byzantinisches Kommando sehen wir keine Indizien; aus der Avers-Darstellung sollte dergleichen — zumindest im speziellen Fall — nicht geschlossen werden. 41 Wenn bei dem fttimidisch-byzantinischen Friedensschluß von 1001 eine — zumindest stillschweigende — beiderseitige Respektierung des tiatua quo in Halab vorauszusetzen ist, so war dieser nun infolge der wohlwollenden byzantinischen Haltung gegenüber der Restauration Abu’l-Haigä’s insofern weniger verletzt worden, als Byzanz seit Jahrzehnten ein Protektorat über Halab beanspruchte, während hingegen Ägypten die Lage eindeutig zu
Darstellung 57 Zwangslage nicht daran, sich auch tatsächlich Ägypten zu unterstellen. Ein K onflikt um den Besitz von Akäz42 ließ sich noch vermeiden ; als aber dann Ibn Haidara die Erfüllung der politischen Zusagen verlangte, zwang ihn alMansfir, unverrichteter Dinge nach Tripolis zurückzukehren43. In die Zeit der gescheiterten Restauration der Hamdäniden in Halab fallt ein Ereignis, das die Zeitgenossen ungleich weiter und tiefer beein­ druckte: Die Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem auf Befehl des Fätimidenchalifen al-Häkim, dessen (seit einiger Zeit verfolgte) antichristliche Politik mit diesem Akt einen Höhepunkt erreichte. A uf Einzelheiten seiner christenfeindlichen Maßnahmen einzugehen, ist hier nicht der Ort; die Vorgänge rund um die Zerstörung der Grabeskirche sind von berufener Seite geschildert worden, sodaß die Betrachtung darauf gerichtet werden kann, welche Bedeutung dem Ereignis im Hinblick auf die byzantinisch­ ägyptischen Beziehungen zukommt44. seinen Gunsten verändern wollte. — Kamäladdln setzt 1 200, 2—4 Investitur und Bestätigung des Titels in den Ramadän 404 H; da er jedoch a.O. 13—17 über den ftUmidischen Gegenzug unter dem Jahr 402 H spricht, ist es wahrscheinlicher, eine Dittographie anzunehmen CANARD, Hamdanides 710, A. 280 ließ die Frage offen. — Die Nennung al-Häkims im Kanzelgebet: Ibn al-Atlr IX 228 (s. a. 402, da er hier im Mirdas¡den-Exkurs auch die Zusammenfassung über al-Mansür b. Lu*lu* brachte); Abu’lFida III 8; Ibn Haidun IV 544; Ibn Abi'l-Haigä' 121 b— 122a; al-'Ainî XI 574; Munaggimbäsi I 235b. 42 Stadt mit beachtlicher Festung, etwa 40km nördlich von Halab, am Kreuzungspunkt der Straßen Tall Bäsir — Anttocheia und Maras — Halab. Vgl. JäqQt III 607; Le STRANGE, Palestine 405; C.AHEX. Syrie 139; D i ssai D 193. 229; GaI'DEKROY-Demombyxes 91 f. tt Vgl. Kamäladdln I 200, 5—12. Er motiviert nicht, warum al-Häkim mit dem Eingreifen gegen al-Mansür zauderte. Rücksichtnahme auf Byzanz war nach seinem bisherigen Verhalten offenbar nicht der Grund, und zudem hat er 402 H ja auch eine Intervention versucht (Kamäladdln I 200. 13—17). Wahrscheinlich war al-Häkim 400 oder 401 H (eine genaue Chronologie fur al-Mansürs Abfall wird auch nicht gegeben) durch die verstärkte Aktivität der nach dem Besitz Palästinas strelienden Garrähiden unter alMufarrig b. Daghfal behindert (Überblick hiezu: El* II 482ff. s. v. Djarrähid* [Canard]). 44 Gute Übersicht der antichristlichen Maßnahmen al-Häkims hei A. Mkz. Die Renais­ sance des Islams. Heidelberg 1922. 52—55: nach Jahjä b. Sa*Id bei PORsYTH 209 -217. Für die Ereignisse um die Zerstörung der Graheskirehe ist maßgeblich: M. C anard. La destruction de l’église de la Résurrection par le calife Häkim. Hyz 35 (1965) 16—41. — Von den zu Obigem einschlägigen Quellen sind am wichtigsten: Jahjä, PO 23. 491 f.: Ibn alQalänisT 66—68: Sibt b. al-Gauzî (Hs. Par. 5866) 235b—236a: vgl. ferner Ibn al-Atîr IX 208f. (s. a. 398): al-Maqrîzî. hitat II 287. I3f.: al-MaqrTzl. Fätimidengeschichte II 75. 81 : Ibn al-Gauzî VII 239: IIhi TaghrïbirdT II 101. 5: Abu’l-Farag. Chron. Syr. 219 Br i ’Ns K irsch = I84f. Bi 'DGE: von den byzantinischen Quellen Skylitzes 347 . 83 *89 ( = Kedrenos 456. 9—14): ihm folgend Zonaras III 562. 20—563. 2. Aus Jahjä ergibt sich das genaue Datum fur den Beginn der Demolierung mit 5. Safar 400 H (28. September 1009). wonach die Angaben bei Ilm al-Atlr und Ibn al-Qalänisl f*. a.
58 Syrien und Phönikien E s ist fe8tzuhalten, daß man in al-Häkims Vorgehen nicht in erster Linie eine ismällitische „Aufklärung“ gegenüber der bisweilen in frommer Täuschung befangenen Wundergläubigkeit der christlichen Bevölkerung sehen kann. Vielmehr geht eine klare Entwicklung von den christenfeindli­ chen Maßnahmen der früheren Jahre bis hierher. Zwar betraf auch das nunmehrige Vorgehen primär Untertanen des eigenen Reiches, doch ist darüber hinaus eine bewußte Verachtung des Christentums, wie sie aus der Zerstörung eines der größten christlichen Heiligtümer resultiert, so evi­ dent, daß Byzanz (ganz abgesehen von der übrigen christlichen W elt) notwendigerweise betroffen sein mußte — auch wenn diese Handlung in formaler Hinsicht nicht gegen das Abkommen von 1001 verstieß45.* 398 H) ebenso zu berichtigen sind wie Skylitzes und Zonaras (diese verwechseln aKAzTz mit seinem »Sohn al-Häkim). Außerdem wird al-MaqrlzI irren, der den christlichen Wezir alMançQr b. 'AbdQn das Zerstörungsdekret ausfertigen laßt. Dieser Mann, der sich vormals offen geweigert hatte, den Islam anzunehmen (Jahjä, PO 23, 488f.), wäre zu einer solchen Handlung kaum bereit gewesen ; zudem war am 5. Çafar 400 H offenbar noch $älih b. 'All Wezir, der nach al-MaqrlzT (bitat a. O., Fätimidengeschichte 11 81 ) am 11. $afar, nach Jafajjä (a. 0. 492) am I8.$afar auf Befehl al-Häkims beseitigt wurde. ** Sowohl Abu'l-Farag wie auch Ibn al-Qal&nisT und Sibt b. al-GauzI nennen als auslösendes Moment die anscheinend wunderbare Herabkunft des Feuers auf den Altar über dem hl. Grab bei der Osterliturgie, was ihren Angaben nach vielmehr durch Tränkung der Lampenkette über dem hl. Grab mit öl und dessen Entzündung bewirkt worden sei. Wichtiger war es al-Häkim gewiß, das blühende Wallfahrtswesen zu treffen, dessen hervorhebende »Schilderung bei Ibn al-Qalänisl, Sibt b. al-öauzT und dem persischen Reisenden (um 1047) Nâçir-i Qusraw (Sefemäme, tr. SCHEKER 20) in der Behauptung gipfelt, der Kaiser sei selbst inkognito zur Wallfahrt nach Jerusalem gekommen. Nach Jahjä beauftragte der Statthalter von Ramla, Järöb, seinen Sohn jQsuf sowie den späteren (i. J. 405 H [beg. 2. Juli 1014] allerdings hingerichteten) Wezir al-Qusain b. Zähir al-Wazzän (zu ihm vgl. E l2 111 79, s. v. al-Häkim; WüSTENEELD, Fätimiden 198—200) und einen gewissen Abu'l-Fawäris ad-Daif mit der Zerstörung; nach Ibn al-Qalänisl und Sibt b. al-ÖauzT jedoch hätte ad-Daif nur Bericht über den frommen Betrug an den Chalifen erstattet, während als aktiver Teilnehmer statt seiner Ahmad b. JOsuf ad-dä*Tgenannt wild. Folgt man Jahjäs Version, so könnte dieser ad-Paif mit dem vormaligen (392 H [beg. 20. November 1001]) Statthalter von Damaskus, Qut&kln Abü Mançûr ad-Paif, identisch sein (vgl. CANARD, a. O. 21, A. 2), den Ibn al-Qalänisl als ismäTlitischen däT (Missionar) bezeichnet, und von dem Jahjä sagt, er sei 405 H (beg. 2. Juli 1014) als dä*l ad-du'ät (Großmissionar) tätig gewesen (209, 11f. CHEIKHO). — Einer Überbewertung der doktrinär ren ismällitischen Einflösse tritt Canard , a. O. 26 entgegen. Er weist auch auf die Tatsache hin, daß die Aufregung im Okzident noch größer war als im christlichen Orient, wenn man die hier lapidaren, dort ausgestalteten Berichte veigleicht. Rodulfus Glaber etwa, ein um 1050 verstorbener cluniacensischer Mönch, der eine Geschichte seiner Zeit schrieb (vgl. WATTEN BACH—H oltzmann 302—304), läßt gar die Juden von Orleans den Herrscher von Babylon zu dem Sakrileg anstiften (hist. Ill 7). Im Westen stand man eben den politischen Realitäten weitaus ferner als im Osten, der periodisch wiederkehrende Repressionen der Christen durch die muslimische Staatsgewalt zur Genüge erlebt hatte.
Darstellung 59 W ichtig bleibt allerdings die Tatsache, daß weder Ägypten noch Byzanz einen offenen Bruch erstrebt haben, denn selbst auf dem Höhepunkt der antichristlichen Maßnahmen sind die diplomatischen Kontakte der beiden Reiche nicht abgerissen. 403 H (beg. 23. Juli 1012) sandte al-H&kim an Basileios II. ein Ehrengeschenk im W erte von 7000 Dinaren, und 404 H (beg. 13. Juli 1013) erhielten die Gesandten des Kaisers gleichfalls reiche Ehrengaben mit auf den Weg. Im Jahre 405 H (beg. 2. Juli 1014) wurde beim Eintreffen eines byzantinischen Gesandten eine prächtige Parade ausgewählter Truppen abgehalten; al-H&kim und der Thronfolger traten in weißen, juwelengeschmückten Gewändern auf und empfingen den byzanti­ nischen Gesandten mit seinen Geschenken sowie den eigenen, im Vorgänge** nen Jahr nach Konstantinopel geschickten Emissär 'AbdalghänT b. Sa*Id, dem vom Chalifen ein Ehrenkleid verliehen wurde40. In ähnlicher Weise zeigt sich das byzantinische Bestreben, trotz aller Schwierigkeiten ein tragbares Verhältnis zu Ägypten zu bewahren, bei der Affaire um die Söhne des al-Husain b. Gauhar. Beim Sturz dieses nach Bargaw&ns Fall mächtigsten Mannes im Fätimidenreich47 flohen seine Söhne Ga'far, Abfi Gafar und ein noch jugendlicher Bruder der beiden namens Gauhar nach Syrien, wohl vor Sa'b&n 401 H (beg. 10. März 1011 ). Sie beabsichtigten, sich unter byzantinischen Schutz zu stellen; daher ersuchten sie brieflich den Statthalter von Antiocheia, Michael Koitonites48, ihnen Zuflucht zu gewähren. Dieser zögerte, dem Fätimidenchalifen mißliebige Personen aufzunehmen und antwortete, sie sollten warten, bis er beim Kaiser die Erlaubnis für ihre Aufnahme eingeholt hätte. Da die Flüchtlinge nicht warten wollten oder konnten, brachen sie nach dem Iräq auf und ersuchten al-Hassän b. al-Mufarrig (dessen Vater al-Mufarrig b. Daghfal sich zur Zeit ihrer Flucht Palästinas bemächtigt hatte), ihre Durchreise zu gewährleisten. Dieser war jedoch schon zuvor von al-H&kim (durch Schenkung von 200.000 Dinaren) bestochen worden, sie zu ergreifen. Seine oftmals antifätimidische Haltung hintanstellend, forderte er sie auf, sich selbst um ihre Sicherheit zu kümmern und ließ sie bis as-8uwaklä’ im Haur&n gelangen; zugleich aber schrieb er dem Statthalter von Damaskus, * Ober diese Beziehungen (eie fehlen bei D0UJEK. Regesten) vgl. ai-Msqrtzj, Katimidengeediichte II 99 (zu 403 H); 100 (404 H); I07f. (405 H). 47 al-Huaain b. Gauhar wer qa id al-quwwád (Generalissimus) geweaen und wurde un l2.Gumidá II 401 H (21. Januar 1011) gestürzt; vgl. EJ2 II 495 ( DJ a WH a R-Mon K*) ; L ane-P oole, Egypt 124; WC>TENKEU>. Katimiden I93f ** Dieser wild nur bei Jehjä, PO 23.50f. genannt; sein letzter bekannter Vorgänger war Nikephoros Uranos, dessen Spuren sich nach dem Ende der Asfar-Kpisode verlieren (vgl. o. mit A.27f.).
60 Syrien und Phönikien Mubtaraddaula Abu Äbdalläh b. Nazzäl40, er solle sich ungesäumt ihrer bemächtigen. Daraufhin stellte dieser die Flüchtigen und brachte sie um ihr Leben ; die Köpfe der bedauernswerten Opfer wurden im Rabl* II 403 H (beg. 20. Oktober 1012) nach Ägypten gebracht80. Während al-Häkim die Verfolgung der Söhne des al-Husain b. Gauhar betrieb, erlitt die ägyptische Herrschaft in Palästina einen schweren Stoß durch den eben genannten al-Mufarrig b. Daghfal b. al-Garräh, der hier schon lange nach einer Herrschaftsbildung strebte — ein Ziel, das er in seinen bald feindlichen, bald freundlichen Beziehungen zu al-Azïz und alHäkim niemals aufgegeben hatte. Einige Zeit vor der Flucht der Söhne alHusains war es al-Mufarrig b. Daghfal gelungen, den neu ernannten syrischen Statthalter Järüb mitsamt seiner wertvollen Begleitkarawane bei Ghazza zu überfallen und völlig auszuplündem ; Järüfe wurde in der Gefan­ genschaft getötet. Ramla51, das zunächst der Plünderung anheim fiel, wurde der Sitz alMufarrigs. Auf Betreiben des früheren fätimidischen Wezirs Abu’l-Qäsim al-Maghribl62, der sein Leben nur durch die Flucht vor al-Häkim gerettet hatte und daher eifrig Zwietracht zwischen diesem und al-Mufarrig schürte, ließ dieser den SarTf von Mekka, Abu’l-Futüh, zum Gegenchalifen prokla­ mieren und lud ihn nach Ramla ein. al-Häkim erwirkte durch massive Bestechung der Söhne al-Mufarrigs, daß sie ihren Vater schließlich dazu brachten, Abu’l-Futüh fallen zu lassen. Da al-Häkim auch drohte, dessen Cousin als SarTf einzusetzen, leistete Abu’l-Futüh Abbitte und kehrte nach*1 * as-Suwaidä* nennt Jäqüt 111 197 als kleines Dorf im Haur&n, eine Tagesreise von Damaskus. Dessen Statthalter ist möglicherweise mit al-Muzahhar b. Nazzäl gleichzusetzen, dem Verteidiger iron Tripolis i.J. 995, der damals die Stadt an Basileios 11. äbeigeben wollte (Jahjä, PO 23,443); so R ozen, A. 207. 212 und ihm folgend SCHl.rMKERQER, Épopée 11 446. Jahjä, PO 23, 501 f. ; danach fiel die Flucht der Söhne al-Husains in die Zeit, als sich al-Mufarrig b. Daghfal Palästinas bemächtigte. Für letzteres Ereignis ergibt sich aus anderen Angaben Jahjäs [PO 23, 506. 520) als Datierung Sa'bän 401 H, d.h. der übernäch­ ste Monat nach al-Husains Hinrichtung (vgl. A.47). Jahjä wird dahingehend zu verstehen sein, daß sich die Söhne damals an al-Mufarrig gewandt haben, während ihre Flucht aus Ägypten kurz nach al-Husains Tod anzusetzen ist. •'*' Ramla, zwischen Jerusalem und Jaffa nahe Lydda gelegen, war seit der frühislamischen Zeit Verwaltungsmittelpunkt Palästinas gewesen ; vgl. E P 111 1204 (HONIGMAKN) ; Le STRANGE, Palestine 303. 308. 403f. Abu’l-Qäsim entkam in das Iräq; später war er noch bei dem Marwäniden Nasraddau­ la von großer Bedeutung; vgl. den biographischen Überblick E P 111 117 (Z eTTERkTEEn ); vgl. auch u. S. 152, A. 57.
Darstellung 61 Mekka zurück, wo er gegen Anerkennung der fatimidiachen Oberhoheit weiter regieren konnte53. Während sich der fttimidische EinHuß damals kurzzeitig bis ins nördli­ che Mesopotamien ausbreitete54, schritt al-Häkim gegen al-Mufarrig b. Daghfal lange Zeit nicht ein, sodaß jener Palästina von al-Faramä bis Tiberias zwischen Sa'bän 401 und Muharram 404 H (beg. 10. März 1011 bzw. 13. Juli 1013) beherrschte55. Auffällig ist seine entgegenkommende Haltung den Christen gegenüber, was offensichtlich zugleich als Ausdruck einer politischen Annäherung an das byzantinische Reich anzusehen ist, dessen Stellung auch später von hoher Bedeutung für al-Mufarrigs Sohn Hassän war. So ordnete al-Mufarri¿ den Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem an und gab dazu seine Unterstützung56; außerdem ernannte er 403 H (beg. 23. Juli 1012) einen neuen Patriarchen von Jerusalem, Theo­ philos von Hibäl, nachdem dieser Stuhl vakant gewesen war57.*7 **3 ln obiger Darstellung ist auf Grund des inneren Zusammenhanges der übergeordneten Ereignisse die zeitliche Anordnung durch Jahjä, PO 23, 501 f. zugrundegelegt, doch weichen die Angaben anderer Historiker ab. Der ausführliche Bericht bei Abu Sugä' (Eclipse 111 233—238) gibt an, dies alles sei bald nach Bargawäns Fall (Apr. 1000) 390 H geschehen (vgl. dazu o. S.49, A. 13); al-Maqrïzî (Fätimidengeschichte 11 97 f.) bringt die Unterwerfung der Garrähiden erst 401 H ; Ibn al-Atlr IX 123 vorwegnehmend im I. Regierungsjahr al-Häkim8 386 H (996/7). — Für die früheren Geschicke der Garrähiden vgl. E P II 482ff., s. v. Djarrahids (Canard ). :a E s handelt sich um die damals (401 H [beg. 15. Aug. 1010]) erfolgte Unterstellung des 'Uqailiden Qirwäs von Mosul (reg. 391 H [1001] — 442 H [1050]) unter fttimidische Oberherrschaft, die aber von geringer Bedeutung war; als nämlich der bujidische Reichsver­ weser des Abbäsidenchalifat8, Bahaaddaula, mit Krieg drohte, lenkte Qirwäs unterwürfig wieder ein. Vgl. Ibn al-Atlr IX 223 (a. 401); Ibn Haidun III 918, s. v. Banû Masjad; alMaqrlzl, Fätimidengeschichte II 88; al-Makln 257; Abu’I-Farag, tarih 333f; ders., Chron. Syr. 221 Britis —K irsch - 185 Bi/ dge. ,V| Jahjä, PO 23, 506. 520 gibt die Herrschaftsdauer al-Mufarrigs bis zu seinem plötz­ lichen Tod im Muharram 404 mit 2 Jahren und 5 Monaten an; danach obige Datierung. — al-Faramä ist das antike Pelusion; vgl. RE XIX 415, s. v. Pelusion (K ees). Zu al-Mufarrigs Haltung gegenüber den Christen vgl. Jahjä, PO 23, 505. Der Wiederaufbau der Grabeskirche kann damals aber nur begonnen worden sein, da er in späteren Verhandlungen zwischen Byzanz und Ägypten (1027 und 1035) eine Rolle spielte ; vgl. u. S.80f. lOlf. 107. 77 Der letzte bekannte Vorgänger des Theophilos auf dem Jerusalemer Patriarchenstuhl, Orestes, war 1005 verstorben (vgl. o. S.48f., A. 12. 14); hernach war sein Bruder Arsenios (vgl. A. 12) Patriarchatsverweser, denn Jahjä nennt ihn als Administrator i. J.397 H (beg. 27. Sept. 1006). Während der Christenverfolgungen al-Häkims verlor er am 22. Du*l-Qada 400 H (7. Juli 1010) sein Leben (Jahjä, PO 23,496), sodaß von da an die Vakanz zu rechnen sein wird. Für Theophilos gibt Jahjä, a. O. 505 als Herkunftsort Hibäl an (nahe al-Karak östlich des Toten Meeres; vgl. Le STRANGE, Palestine 452) und sagt, daß er 8 Jahre bis zu seinem Tode (d. i. 410 H [beg. 9. Mai 1019]) das Patriarchenamt bekleidete.
62 Syrien und Phönikien Im Muharram 404 (beg. 13. Juli 1013) schließlich sandte al-Hfikim ein Heer unter dem erprobten A ll b. Ga'far b. Fallfth58*nach Palästina und gab den Truppen von Damaskus und der phönikischen Küste Befehl, sich mit ihm zu vereinen. In dieser Lage starb al-Mufarrig eines plötzlichen Todes — höchstwahrscheinlich war er auf Veranlassung al-H&kims vergiftet wor­ den. Seine Söhne wurden aus Ramla und ihren sonstigen Besitzungen ver­ jagt und verloren jegliche Bedeutung, bis al-Hass&n b. al-Mufarrig, den alHfikim durch Vermittlung seiner Schwester Sittalmulk auf Bitten von al-Hass&ns Mutter pardoniert hatte, unter dem nächsten Chalifen az-Zfihir wieder in Syrien zu agitieren begann50. A uf die Christen im ehemaligen Machtbe­ reich der Garrähiden scheint sich deren Sturz nicht nachteilig ausgewirkt zu haben. Zwar floh der Patriarch Theophilos zunächst aus Jerusalem und hielt sich verborgen, kehrte aber nach einiger Zeit zurück und wurde von fAlI b. Ga'far b. Fallfth freundlich empfangen. Ein Zeichen des Nachlas­ sens der antichristlichen Politik al-Hfikims war dann im Safar 404 H (beg. 12. Aug. 1013) seine Erlaubnis, daß Christen und Juden — sogar wenn sie unter Zwang zum Islam übergetreten waren — mit Familie und Besitz auf byzantinisches Gebiet emigrieren durften. Daraufhin wanderte auch der Historiker Jahjft b. Said nach Antiocheia aus, wie er selbst berichtet60. 58 *AU b. öa'far war der Sohn des fötimidischen Eroberers von Damaskus; dort war er selbst 390 H (beg. 13. Dezember 999) — 392 H (beg. 20. November 1001) Statthalter, nachdem er schon gegen BangütakTn gekämpft hatte (Ibn al-Qal&nisT 44—48. 57). Nach seiner Rückkehr vom Zug gegen die Garr&hiden wurde er 405 H (beg. 2. Juli 1014) zum Kanzler und Reichsverweser unter dem Titel du’r-rij&satain (Herr der beiden Ministerien) ernannt, in welcher Stellung er bis ans Ende al-H&kims blieb (al-Maqrbl, F&timidengeschichte 11 98. 105. 110. 115). * Vgl. Jahjft, PO 23, 520; AbQ §ug&\ Eclipse III 238f.; Ibn al-Atlr IX 123 (s. a. 386 [996]). Letzterer resümiert diese Ereignisse schon zum I. Regierungsjahr al-H&kims und behauptet außerdem, al-Hass&n habe sich nach dem Zug des'AlT b. Ga'far zwei Jahre lang als Flüchtling in Palästina herumgetrieben, bis sein Vater al-Mufarrig eine Begnadigung erwirkte — was mit den Angaben bei Jahj& und Abü Sug&* ganz unvereinbar ist. Vielmehr verdankte al-Hass&n nach letzterem seine Amnestie der Fürbitte seiner Mutter bei Sittal­ mulk, worauf er sich bis an al-H&kims Ende ruhig verhielt. Nach AbO Sugft* wurde alMufarrig b. Daghfal durch einen Schreiber namens Ibn al-Mudabbir vergiftet, wohl auf Anstiften al-H&kims, der ihn spater als unbequem empfand und hinrichten ließ. 60 Vgl. Jahjft, PO 23, 519f. und (über seine eigene Auswanderung) PO 18, 708 (s. a. 405 H [beg. 2. Juli 1014]). Bei Jahjft 207, 21 Cheikho steht für den Namen des Patriarchen irrig (Philotheos) statt (Theophilos). Merkwürdig erscheint die Feststellung Jahj&s (PO 23, 506), die Garr&hiden hatten in der Zeit ihrer Macht die Bevölkerung durch wiederholte Beschlagnahmungen und Bedrückungen heimgesucht, sodaß viele syrische Christen auf byzantinisches Gebiet, zumal nach L&diqijja (Lattakia) und Antiocheia, geflohen seien. Dieser Vorwurfdes Chronisten ist doch wohl als Echo der durch Kontributio­ nen zwangsläufig belasteten Stadtbevölkerung gegenüber den beduinischen Garr&hiden aufzufassen und nicht als Beweis eines spezifischen Druckes auf die Christen.
Darstellung 63 Gegen den als unbotmäßigen Vasallen angesehenen al-Mansür b. Lulu’ von Halab hatte al-Häkim schon 402 H (beg. 3. Aug. 1011) militärisch vorzugehen versucht. Obwohl damals die Macht der Garrähiden in Palästi­ na noch ungebrochen war, schickte der Chalife ein Heer unter Befehl von Abu’l-Ma'äH b. Sa*Tdaddaula (einem der beiden durch Lulu’ nach Ägypten verdrängten Hamdäniden) gegen Halab. Doch gelangte das ägyptische Heer angesichts der äußerst zweifelhaften Haltung der Beduinen nur bis Ma’arrat an-Numän®1, worauf der glücklose Abu’l-Ma'älT des Oberbefehls enthoben und in Gewahrsam nach Ägypten zurückgebracht wurde, wo er bis an sein Lebensende blieb. Somit hatte al-Mansür nur mit den Banu Kiläb zu rechnen, die immer drohender auf die versprochenen Landzuteilungen drängten. Sie wollte sich al-Mansür durch Hinterlist vom Hals schaffen; er lud ihre Führer und sonstigen Vornehmen zu einem Gastinahl für den 29.Dul-Qa'da 402 H (22. Juni 1012) ein, wo ihnen die Landzuweisungen bestätigt würden. Etliche Hundert kamen herbei, aber lediglich, um von al-Mansürs Mamluken überrumpelt zu werden; einige wurden getötet, andere hingerichtet, die meisten aber ins Gefängnis gesperrt. Die übrigen Kiläb verließen fluchtar­ tig die Umgebung Halabs und sammelten sich Anfang 403 H (beg. 23. Juli 1012) zu einem Vorstoß gegen Kafartäb42, der aber fehlschlug43. Unter den von al-Mansür in der Zitadelle Halabs festgehaltenen Füh­ rern der Kiläb44 war auch $älih b. Mirdäs, der zum Stifter der Nordsyrien im weiteren U .J h . wesentlich bestimmenden Dynastie der Mirdäsiden werden sollte. 399 H (beg. 5. Sept. 1008) hatte er ar-Rahba (sc. al-Mijädln)* •' Ma'arrat an-Nu’män, zwischen Halab und Hamä gelegen, war in frflhislamischer Zeit als Militärstützpunkt hochgekommen, 968—970 byzantinisch und dann emeut hamdänidisch. Vgl. E I' 111 65 (HONIGMANN); CANARD, Hamdanides 215f. ; LE STRANGE, Palestine 496; Gaideeroy-D emombyneh 109. K Kafartäb war eine kleine Stadt, der Provinz Him? zugerechnet, etwa halbwegs zwischen Ma'arrat an-Nu'raän und Saizar gelegen. Vgl. JSqOt IV 289; LE STRANGE, Palestine 39. 473. ' ’ Der Zug Abu’l-Ma'ftlTs: Kam&laddTn I 200, 13—17. — Der Handstreich gegen die Kiläb: Jahjä 211,7 —19 CHEIKHO; Kamäladdta I 201, 1—202, 12; Ibn al-Atlr IX 228 (s. a. 402); Ibn Raldün IV 544; al-’AzTmT 180b (zitiert Jahjä als Quelle); al-'AinT IX 574f.; MunaggimbääT I 235b. Ihre Zahl gibt Jahjä mit 700, KamäladdTn mit über 1000, die Ibn alAtlr-Tradition mit 500 an. Nach Jahjä wurden die gewöhnlichen Leute unter den Kiläb von al-Mansür als weniger gefährlich angesehen, daher auch besser behandelt als die Führer und im Sawwäl 403 H (beg. 15. April 1013) entlassen. Zu den Kiläb vgl. A.64. ** Die Kiläb aus der nordarabischen Gruppe Qais waren um die Mitte des 10. Jh. aus Syrien in die nördliche Gazlra gekommen, wo sie in den Gebieten zwischen Halab und Rahba (zu letzterem vgl. Anm.65) blieben; vgl. OPPENHEIM I 222—228, der S . 225 die Angaben Sobernheims in der E I' IV 120 berichtigt, $älib hätte sie Anfang des 5. Jh. H ins Gebiet von Halab geführt.
64 Syrien und Phönikien durch Mord an dessen Herren Ibn Muhkän vorübergehend in seine Hand bekommen und formal auch die fetimidische Oberherrschaft anerkannt65. Mit den anderen Kil&b war er in die Hände al-Mançürs gefallen, bis er nach zwei Jahren in der Nacht des 1. Muharram 405 H (2. Juli 1014) aus dem Gefängnis entkam. Sobald er bei seinen Stammesgenossen angelangt war, organisierte er den Widerstand gegen al-Mansür, der zuerst bei leichten Zusammenstößen erfolgreich blieb und, durch den Erfolg verleitet, eine Entscheidung in offener Schlacht fur erfolgversprechend hielt. Mit stärk­ stem Aufgebot — selbst Christen und Juden waren eingezogen worden, was zeigt, daß al-Mansür alles auf eine Karte setzen wollte — rückte dieser gegen Tall Hâçid06 vor, wo Sälih Stellung bezogen hatte. Hier kam es am 13. Safar 405 H (13. August 1014) zum Kampf, in dem ein Großteil der Truppen al-Mansürs mit dessen Brüdern Abu’l-Gais und Abü Sälim die Flucht ergriff; etwa 2000 Mann sollen gefallen sein. al-Mansür selbst fiel nach tapferer Gegenwehr mit vielen weiteren Anführern und Mamluken in die Gewalt von §älih b. Mirdäs67. Infolgedessen kam es zu Verhandlungen zwischen Abu’l-Gais, der die Zitadelle von Halab besetzt hielt, und §älih b. Mirdäs über die Bedingun­ gen für eine Freilassung al-Mançürs. Neben Geld- und Sachleistungen sowie der Freilassung aller noch inhaftierten Kiläb betraf die eigentliche politische Forderung $älihs die Teilung der Herrschaft und sämtlicher Einkünfte in Halab zwischen al-Mançür und den Kiläb. Schließlich sollte die erzwungene Scheidung Sälihs von seiner schönen Frau Tarüd, mit der al-Mansür sich verbunden hatte, widerrufen werden und überdies al-Mansür seine Tochter an Sälih verheiraten. Alle Bedingungen wurden von alMansür beschworen und durch die Stellung von Familienmitgliedern als Geiseln bekräftigt. Nachdem al-Mansür seine Freiheit wieder erhalten hatte und am 22. Sa­ far 405 H (22. August 1014) nach Halab zurückgekehrt war, erfüllte er den materiellen Teil der Bedingungen, worauf auch Sälih die Geiseln entließ; hingegen verwarf er nunmehr die Teilung der Macht mit den Kiläb und die •» ÿ&lih in Rahba: Ibn ai-Atlr IX 211 (b. a. 399); Ibn Baldan IV 580; Ibn Abi’l-Haig*’ 121 b; Munaggimb&sT 1 328b. — ar-Rahba, zur Unterscheidung von anderen gleichnamigen Orten nach seinem Gründer auch Rahbat M&lik Ibn Tauq, später al-Mij&dTn genannt, liegt etwa 45km von Dair az-Zür euphratabw&rts in fruchtbarer Gegend; vgl. D i/ skaI'D 252f. 259. 514; Canard, Hamdanides 95; Cahen , Syrie 156; L e Strange , Eaatem Caliphate 105. 124; DERs., Palestine 517f. 66 Tall H&çid ist eine Örtlichkeit nahe dem Dorf Gibrlh unweit von Halab in östlicher Richtung; vgl. D ahhan z u Kam&laddln I 204, A.3. m Jahjft 211,20—212, 19 CüEiKHO; Kam&laddln I 202, 13—205, 14; ders., bughjat (Hs. Aya Sofya 3036) 467—478; Ibn al-Atîr IX 228 (s. a. 402); Ibn tfakiün IV 544; al-Ainl IX 574—576; Ibn Abi*l-Hai¿&f 122ab; al-Makln 257. 261 ; Muna&imb&sT I 235h—236a.
Darstellung 66 Verheiratung seiner Tochter an Sälih b. Mirdäs. Infolgedessen kam es zur Wiederaufnahme des Kampfes durch $älih und die Kilftb08. Die unablässigen Auseinandersetzungen, von denen die folgende Zeit bis Anfang 1016 erfüllt war, sind durch das Bestreben beider Parteien gekennzeichnet, die Unterstützung des byzantinischen Reiches zu gewin­ nen. Zunächst erlangte sie al-Mansfir b. Lulu’, der von Basileios II. durch die Beistellung von 1000 armenischen Soldaten in Stand gesetzt wurde, die Angriffe der Beduinen Sälihs abzuwehren und die Blockade Halabs zu lockern. Jedoch blieb auch Sälih nicht untätig. Indem er mit dem Kaiser in Korrespondenz trat, hob er die wiederholte Perfidie al-Mansürs hervor (wie sie im vormaligen Mißbrauch des Gastrechtes und im nunmehrigen Bruch von Vertragsbestimmungen vorlag) und versprach darüber hinaus dem Kaiser vorweg die Anerkennung byzantinischer Schutzherrschaft; zur Be­ kräftigung schickte er einen Sohn nach Konstantinopel. Daraufhin veran­ laßt« Basileios II. die Rückberufung der al-Mansür zur Verfügung gestell­ ten Hilfstruppen und ließ ihm bedeuten, sich an die mit $älih b. Mirdäs ausgehandelten Bedingungen zu halten00. Gleichwohl ging der Konflikt weiter, in dem al-Mansür bald in eine äußerst mißliche Lage geriet. Abgesehen davon, daß ihm die byzantinische Unterstützung entzogen war und die Stadt durch Sälih von jeglicher Versorgung abgeschnitten wurde, entzweite sich al-Mansür mit dem Be­ fehlshaber der Zitadelle, Fath. Ihm lastete al-Mansür — zu Recht oder zu Unrecht — nicht nur die Flucht Sälihs, sondern auch Untätigkeit gegen­ über den Belagerern an. Um nicht sein Amt und hernach möglicherweise auch sein Leben zu verlieren, entschloß sich Fath zur Rebellion. In der Nacht des 25. Ragab 406 H (8. Januar 1016) ließ er plötzlich die Trompeten blasen, die Trommeln schlagen und den R u f „Häkim, o Siegreicher, Sälih, o Siegreicher“ erheben. Auf Grund dieser Kriegslist glaubte al-Mansür, der* M Jahjä 212,19—213, lOCHElKHO; Kamäladdln I 206,15—207,13; den., bughjat (Hs. Aya Sofya 3036) 467f. Demnach sollte S&lih erhalten: 60.000 Dinare in Gold (I Dinar als Einheit der Münzpr&gung in Gold — entsprechend dem byzantinischen Solidos — hatte legal 4,233g; rgl. HlNZ II), 120 halabinisdie ratl in Silber (I ratl entsprachen in Halab im 11. Jh. 480 Dirham, d. h. etwa 1,5kg; vgl. HlNZ 30) und 500 verschiedene Gewänder. ** Einzige Quelle ist Jahjä 213, II —18 CHE1KHO. Byzanz erhoffte sich anscheinend in §älih einen wertvolleren Parteigänger als in dem unsteten al-Mansflr, dessen Politik zum Konflikt mit Ägypten und den Beduinen geführt hatte und damit nicht dem byzantinischen Wunsch nach Stabilität in diesem Bereich entsprach. Sälih dagegen besaß im beduinischen Arabertum eine bessere Machtgrundlage als al-Mansflr und empfahl sich außerdem als zuverlässiger Parteigänger der Byzantiner. — Unwahrscheinlich ist die Annahme Z aKKARK (55). Basileios II. habe sich mit den Numair gut stellen wollen, die den Kiläb verwandt waren und im Nordosten (Harrän, Edessa) an das byzantinische Reich grenzten; dem widerspricht das später sehr energische Vorgehen der Byzantiner gegen sie.
66 Syrien und Phönikien sich in seinem Kastell nahe der Stadtmauer aufhielt, Stadt und Zitadelle bereits in Händen Ç&lihs, raffte in Eile möglichst viel von seinem Vermö­ gen zusammen und floh mit seinen Brüdern, seinen Söhnen und einer Bedeckung von Mamluken aus der Stadt. Während sich der Pöbel der Plünderung von al-Mansürs Wohnsitz sowie von Häusern seiner Brüder und einiger Christen und Juden zuwandte, denen tatsächliche oder ver­ meintliche Unterstützung al-Mansürs nachgesagt wurde, nahmen d ie Flüchtigen ihren W eg auf byzantinisches Gebiet und langten tags darauf in Antiocheia an70. Offensichtlich in der Erwägung, sich in al-Mansür ein unter Umständen nützliches politisches Gegengewicht zu $älih b. Mirdäs zu bewahren, beauf­ tragte Basileios II. den namentlich nicht bekannten Statthalter von Antio­ cheia71, daß alle Maßnahmen zur Gewährung des ehrenvollen Exils fur alMansür und seine Beleitung getroffen werden sollten. Im einzelnen erhiel­ ten die — angeblich mehr als 700 — Flüchtlinge über den täglichen 70 Jahjft 213,18— 214,7 CHEIKHO; Kam&laddln 1 207,12— 2 0 9 ,16;al-Azunl 161 ab; Ibn al-Atir IX 230; Ibn Çaldûn IV 544. 580; Abu’ l-F¡d&’ III 8; al-Ainl IX 576f.; Ibn Abi’lHaigft’ 122ab; Munaggimb&sl I 236b. — Die Zitadelle liegt auf einem natürlichen Hügel mit ▼erstarkter Böschung und tiefem Graben in etwa 30 Meter Höhe über der Umgebung, nahe der Mitte der östlichen Stadtmauer. Vgl. EP II 248, s. v. Halab (HERZFELD); C ANARD, Hamdanides 223 mit Anm. 425; Plan ebd. 222. al-Mansürs Wohnsitz dagegen lag nahe dem „Tor der Gärten“ im Westen der Altstadt; vgl. D a h h a n zu Kam&laddln I 87, A .2 ; CANARD, Hamdanides 222; L e STRANGE, Palestine 362. — Zum Vorgehen gegen Christen und Juden sei daran erinnert, daß sie bei Tall H&sid auf Seiten al-Mansürs gegen $6lih mitgekämpft hatten; vgl. o. S.64. — Die Annahme einer Beteiligung al-H&kims an Faths Rebellion wird von Ibn al-Atir und dessen Benützem (Ibn Haldün, al-Ainl, Munaggimb&s!) gebracht; da jedoch Jahjft, Kam&laddln und al-A?ImI darüber schweigen, ist diese Behaup­ tung wenig wahrscheinlich. 71 Der Name des Statthalters von Antiocheia ist nicht überliefert. LAURENT (Antioche 236 mit T. 1) dachte an Theophylaktos Dalassenos, einen der beiden Söhne des Damianos Dalas8eno8, welche nach Jahjft (PO 23, 456) beim Tode ihres Vaters i. J. 998 auf 10 Jahre in ägyptische Gefangenschaft fielen. Auf einem Siegel erscheint Theophylaktos tatsächlich ala 801SÇ von Antiocheia, und nach Jahjft (241, 12— 15 CHEIKHO) wurde ihm 1022 das Strategen­ amt von Anatolikon übertragen. Die Veröffentlichung zweier weiterer Bleibullen und die davon ausgehende Neuordnung der Laufbahn des Theophylaktos legt aber nahe, das Siegel LAURENTS zwischen 1032 und 1034 zu datieren. Vor 1021 war Theophylaktos Protospatharios und Katepano von Iberien (neues Siegel), vor 1022 (nach Jahjft) Protospatharios und Drungarios (vgl. unten); 1022 wurde er — noch immer als Protospatharios — Stratege von Anatolikon (nach Jahjft und einem neuen Siegel); auf dem Siegel LAURENTs erscheint er dagegen bereits als àv&Ù7taToç, 7taTpixioç, ßc<rnj; xai 8où£ ’Avnoxctaç; vgl. W. S e ib t , BZ 70 (1977) 585f. ; zur Biographie vgl. ferner GuiLLAND, Titres XII 97. Jahjft 241, 12f. CHEIKHO nennt T h e o p h y l a k t o s = 7tpcüToa7Mt&àpioç) und j & j j , was offensichtlich jl&jj ( = Spouyyápio;) heißen soll; welche Funktion unter Drungarios zu verstehen ist, läßt sich bei der Vieldeutigkeit des Begriffs und fehlender näherer Angaben nicht sicher sagen (vgl. OlKONOMlDÈs 373, Index s. v. 8pö'jYY*P«><;); wahrscheinlich war er
Darstellung 67 Unterhalt hinaus noch angemessene finanzielle Zuwendungen; außerdem verlieh der Kaiser an al-Mansür, dem die gleichen Ehren und das gleiche Zerem oniell zuteil werden sollten wie einem Regenten, den Titel eines M agistros und Ländereien in der Gegend von Antiocheia. Die Brüder alMansürs, Abu’l-Gais und Abü Sälim, sowie seine Söhne Abu’l-Ghanä’im und A bu’l-Barakät wurden durch Ehrenkleider ausgezeichnet und erhielten gleichfalls ansehnlichen Grundbesitz. al-Mançür selbst hat die Hoffnung a u f eine Rückkehr niemals aufgegeben, und darum erbaute er sich im Bestreben, Halab möglichst nahe zu sein, bei dem D orf Slh al-Lailün72 ein K astell als ständigen Wohnsitz. Auch wird berichtet, daß er an dem mißglückten Feldzug des Kaisers Romanos III. gegen Halab im Sommer 1030 teilnahm und einige Zeit später gestorben ist73. Der neue Machthaber in Halab, Fath, hielt es angesichts der Tatsache, daß Sälih b. Mirdäs sich der wohlwollenden Billigung von Seiten des byzantinischen Reiches erfreute, offenbar für angezeigt, sich Ägypten als dem machtpolitischen Gegengewicht von Byzanz zuzuwenden, weshalb er die Oberherrschaft al-Häkims anerkannte; wenn er darüber hinaus den Statthalter von Afämija, 'All b. Ahmad al-Agamí ad-Daif, um die Unter* Stützung seiner Truppen ersuchte, geschah dies wohl im Bewußtsein seiner Unterlegenheit gegenüber Çâlih und den Kiläb. Sobald ad-Daif Anfang Sabän 406 H (beg. 14. Januar 1016) in Ilalab eintraf, begnügte sich Fath wie bisher mit dem Kommando über die aber TÎjç (vgl. dazu OlKONOMlDÊs 331 ; W. SE1BT, loannes Skylitzea. JÖB 25(1976] 82 f ). Dem SoùÇ ’Avnoxtta«; stand nach dem Taktikon vom Escorial (OlKONOMlDÊs 263, 28) wegen der Wichtigkeit seines Kommandos der Vorrang vor allen Themenstrategen mit Ausnahme des Strategen von Anatolikon und einiger überregionaler Sonderkommanden zu. Die in den Quellen häufigste Bezeichnung des Antiochener Statthalters als 8o¿£ bzw. ^ bedeutet seit dem späteren 10. Jh. einen Armeekommandanten oder Statthalter wichtiger Grenzbezirke mit umfassenden militärischen Befugnissen; vgl. OlKONOMIDÊs 344; LAU­ RENT, Antioche 223ff. ; AHRWEILER, Recherches 52—64. Eine ähnliche Entwicklung nahm die Bezeichnung xotTcmvu bzw. jli» , die in den literarischen griechischen Quellen selten, häufiger dagegen auf Siegeln und in den arabischen Quellen mit Bezug auf Antiocheia erscheint (vgl. L aurent, a. O. 226; Ahrweiler , a. 0. 64—67). Skylitzes benützt außerdem neben 8oùÇ gelegentlich den unbestimmten Terminus ip/wv. w Slh al-Lailün liegt im Gabal Lailün zwischen Antiocheia und Halab nahe dem Nähr Afrln, wo sich dieser nach Norden wendet (heute kurdisch Sädir); vgl. CAHEN, Syrie I52f. ; CANARD, Hamdanides 217. 224; HOXIGMANX 108, A. 8; 109, A. 2. n al-Mansürs Aufnahme im byzantinischen Exil und sein Schicksal: Jahjä 214, 13—18 CheikhO; Kamäladdin I 210, I—12. Nach diesen Quellen war al-Mansür im syrischen Feldzug Romanos’ III. im vorgeschobenen Feldlager bei Tubbal anwesend, d. i. heute Tibil, etwa 20km nordöstlich von Azäz (zu diesem s. o. A. 42); vgl. C a n a r d , Hamdanides 225: Le S t r a n g e , Palestine 546; H o x ig m a x x 112. A.2. Vgl. auch u. S.83.
68 Syrien und Phönikien Zitadelle. Mit Sälih b. Mirdäs hatte noch Fath einen Ausgleich getroffen, indem es nun tatsächlich zu der schon von Sälih und al-Mansür vereinbar* ten Teilung von Land und Einkünften kam. Die verbliebenen Familienmit­ glieder al-Mansürs wurden Sälih übergeben, der sie nach Antiocheia ent­ ließ; ausgenommen blieb die Tochter al-Mansürs, die ihm dieser zur Ehe hatte versprechen müssen, danach jedoch vorenthielt, und mit der sich Sälih nun verband. Das Ergebnis des Machtwechsels in Halab war letzten Endes, daß die Ägypter als Protektoren Faths nun wieder in der Stadt Fuß fassen konnten, nachdem al-Mansür in seiner späteren Zeit mit al-Häkim gebrochen hatte747 5 . Im Verhältnis des byzantinischen Reiches zu Ägypten müssen die letzten Regierungsjahre al-Häkims eine Zeit schwerer Krisen gebildet haben. So wird überliefert, Basileios II. habe damals, als al-Mansür b. Lu’lu’ mit seinem Anhang Zuflucht auf byzantinischem Gebiet fand, auch Anweisung gegeben, die Festung von Antiocheia zu verstärken. Vor allem aber verbot Basileios II. im Jahre 406 H — wie es scheint nach dem ägyptischen Eingreifen in Halab (d.h. bereits 1016) — jederlei Reisen und Handelsverkehr aus dem byzantinischen Reich in fätimidische Gebiete. Von diesem Embargo wurde — aus ersichtlichen Gründen — nur Sälih b. Mirdäs ausgenommen, und auch er nur auf sein ausdrückliches Ersuchen an den Kaiser711. Die Gründe für die Verschlechterung der beiderseitigen Beziehungen sind mittelbar zu erschließen: Es waren die Bedrückung der Christen durch al-Häkim, das nunmehrige Fehlen eines Vertrages nach dessen Auslaufen und die ägyptische Präsenz in Halab76. Verschiedene Maßnahmen al-Häkims sollten der Stärkung der fätimidischen Stellung in Nordsyrien dienen. Von Nutzen wurde ihm die als untadelig und gerecht gerühmte Verwaltung Halabs durch 'All b. Ahmad 74 Jahjä 214, 7—13 CHEIKHO; Kamäladdtn I 213, 1—11. — Daß $älih b. Mirdäs nicht schon nach al-Mansürs Sturz die Alleinherrschaft in Halab ergriff, sondern sich mit seinem Anteil begnügte, läßt den Schluß zu, daß seine Macht damals zur Behauptung gegen Fath und die Ägypter noch nicht ausreichend war. 75 Ausbau von Antiocheia: Jahjä 215,3f. CHEIKHO. — Handelsembargo: Jahjä 214,19f. CHEIKHO; al-'AztmT 161 ab (der Zeitpunkt ergibt sich aus der Reihung der Ereignisse bei Jahjä b. Sa’Td). 76 Daß die Lage der Christen im Fätimidenreich und die Erneuerung des Vertrages von 1001 zu den ungelösten politischen Fragen zählten, zeigt sich darin, daß die nach al-Häkims Ende erneuerten Verhandlungen eben diese Thematik aufwiesen (Jahjä 243, 13—17 CHEIKHO). Wenn damals die Lage der Christen — im Gegensatz zur Zeit während der Zerstörung der Grabeskirche — eine offizielle außenpolitische Rolle spielte, so muß der Grund darin liegen, daß es sich dieses Mal nicht nur um innere Angelegenheiten des Fätimidenreiches handelte, sondern der politische status quo zwischen Byzanz und Ägypten verletzt war. Es erscheint nicht zwingend, darüber hinaus noch wirtschaftliche Motive der Byzantiner anzunehmen (so jedoch CANARD in seinem Artikel über die Fätimiden, E i1 II 850ff).
Darstellung ad-Daif, den er durch die Verleihung des Ehrentitels Sadldaddaula („R icht­ schnur des Reiches“ ) auszeichnete; außerdem sprach er Fath das Lob für seine getroffenen Maßregeln aus und verlieh ihm den Titel Mub&rakaddaula („Segen des Reiches“ ). Auch kehrte er sein Wohlwollen gegenüber der Stadt Halab hervor, indem er ihr für 407 H (heg. 10. Juni 1016) die Steuern erließ. Nicht zuletzt suchte er §älih b. Mirdfts zu umwerben, dem er den Titel Asadaddaula („Löwe des Reiches“ ) verlieh, dies mit der ausgespro­ chenen Erwartung, $älih werde ad-D aif und Fath unterstützen. Çâlih ließ sich jedoch keineswegs täuschen, da nämlich kurz zuvor ein Überfall ägyptischer Truppen auf die Kiläb gänzlich fehlgeschlagen war; als Fath durch reichliche Versprechungen dazu bewogen werden sollte, auch die Zitadelle Halabs den Ägyptern zu übergeben, forderte ihn $älih auf, vielmehr seinerseits die Gelegenheit zu ergreifen und gemeinsam mit ihm die Ägypter zu vertreiben. Dieser Plan scheiterte jedoch an der feindlichen Haltung der Stadtbewohner gegenüber den Beduinen und bewirkte eine weitere Verstärkung der ägyptischen Truppen. Neben den Kräften der Statthalter von Tripolis und Sidon befanden sich bemerkenswerterweise nun auch Kalbiten unter Sinän b. ’Aljän und Tajjiten unter Hassän b. al-Mufarrig. Was diese Beduinenführer wirklich im Sinn hatten, war allerdings zum wenigsten eine Unterstützung alHäkims, sondern sie strebten — ebenso wie $älih b. Mirdäs — danach, die Fätimidenherrschaft in Syrien zu stürzen, wozu sich die drei Emire noch unter der Regierung al-Häkims durch Eid verbanden. Fath ließ sich indes dazu bewegen, gegen die Zusicherung des Statthal­ teramtes von Tyros und die Überlassung sämtlicher Geld- und Sachwerte auf der Zitadelle von Halab diese an die Ägypter zu übergeben. Am l.Ram adän 407 H (1 .Feber 1017) verließ er Halab und begab sich nach Tyros, wo er bis in die Zeit des Chalifen az-Zähir (1021— 1036) blieb; dann wurde er jedoch wegen angeblicher Widersetzlichkeit abgelöst und starb nach einem Zwischenspiel in Jerusalem zuletzt mittellos und vergessen in Tyros77. 77 Vgl. Jahjä 215,4—216, 8 CHEIKHO; Kam&1addin I 213, II—215, 10; al-'Azimi 161 ab; Ibn al-A(Ir IX 230 (a. a. 402); Ibn Hakiün IV 581 ; Abu’l-Fklâ' III8; al-Makin 257f.; aKAinl IX 577f.; Munsggimbääl I 236b; Ibn Abi’l-Haigä' 122a. — Zum Bündnis der drei Emire: Jahjä 244, 17—20 CHEIKHO. Hiebei ist zu berücksichtigen, daß al-Hassän b. al-Mufarrig sich nach dem Sturz der Garrähiden durch al-H8kim mit diesem äußerlich ausgeglichen hatte (▼gl. o. S. 62 mit A. 59). — Die Tajj, ursprünglich südarabischer Herkunft, siedelten schon in den letzten Jahrhunderten vor dem Islam in den nordarabischen Sammar-Bergen und wanderten in islamischer Zeit allmählich in das Ostjordanland. Von da gelangten sie ins südliche Syrien (wo sie noch heute am öaulän und um Qunaitra siedeln) und nach Palästina, wo sie im 11. Jh. in den öarrähiden ihre Exponenten besaßen. Vgl. OPPENHEIM I 166— 170. 350—352.
70 Syrien und Phönikien Bei Faths Abgang verlieh al-Häkim Halab zu ungeteilter Hand an 'Azlzaddaula Fätik, einen Armenier, der einstmals Mamluke d e s Bangütakln gewesen war78. Er verstand es, zu Ç&lih b. Mird&s g u te Beziehungen zu unterhalten, und vermutlich wurde er auch durch ein en schweren Grenzzwischenfall mit dem byzantinischen Reich nicht betroffen. Zur Zeit der Ablöse Faths in Halab hatten nämlich ägyptische Truppen d a s auf muslimischem Gebiet gelegene Kloster Dair Simän79 angegriffen un d die Mönche samt allen sonstigen Christen niedergemetzelt; andere überfie­ len damals aber auch Slh ad-Dair, das knapp an der Grenze gelegene byzantinische Exil von al-Mansür b. Lulu’80, und wüteten dort ebenso gegen die Christen, besonders gegen die Mönche81. In die letzte Regierungszeit al-Häkims, 411 H (beg. 27. April 1020), jedoch noch vor dessen Verschwinden (27. Sawwäl [13. Feber 1021]), fiel dann die Lossagung des ’Azlzaddaula von der fätimidischen Herrschaft. E r hatte auf irgendeine Weise von der Sinnesänderung des völlig unberechen­ baren Chalifen ihm gegenüber Kenntnis erhalten; daraufhin ließ er in H alab Münzen in eigenem Namen prägen und das Kanzelgebet für sich verrichten, wodurch er den Anspruch eines souveränen Herrschers erhob; außerdem ersetzte er die Parteigänger al-Häkims im nördlichen Syrien durch Männer seiner Wahl. Als aber al-Häkim Befehl gab, den abtrünnigen Statthalter militärisch zu bekämpfen, suchte 'Azlzaddaula Verbindung mit dem byzan­ tinischen Reich. Er zeigte Basileios II. die Unterstellung unter seinen Schutz an und versicherte ihn seiner aufrichtigen Ergebenheit. Das neue Nahverhältnis zu Byzanz kommt auch darin zum Ausdruck, daß er das Monopol für den Handel mit dem muslimischen Orient übertragen erhielt. Im Verkehr mit dem Kaiser und den benachbarten byzantinischen Statthal78 Jahjä 216,8—10 CHEIKHO; KamäladdTn 1 216,7—11 ; al-MaqrlzT, F&timidengeschichte II 129; Ibn al-Atlr IX 230 (bezeichnet ihn irrig als Hamd&niden, der sich al-HSkim unterstellte); vgl. weiters die noch in A.77 genannten Autoren. 78 Die Ruinen von Dair Simftn, dem durch das Andenken an den hl. Symeon Stylites berühmten Kloster, sind noch heute im Gabal Sim&n, dem höchsten Teil des Gabal Lailün (vgl. auch o. A.72) sichtbar; vgl. CANARD, Hamdanides 224, A.429; CAHEN, Syrie 152; Honiomann 109. 80 §lh ad-Dair („Vorsteher des Klosters“) ist keine Person, wie R ozen glaubte, sondern durch ED. SACHAU mit Slh al-Lailün (zu diesem vgl. o. A.72) identifiziert worden; vgl. Honiomann 109, A.2; Canard, Hamdanides 712. 81 Jahjä 216, 10— 12 CHEIKHO. — Man wird annehmen können, daß die antichrtstliche Razzia dieser z.T. undisziplinierten ägyptischen Truppen zunächst auf muslimischem Gebiet vor sich ging und dann in den byzantinischen Grenzstrichen ihre Fortsetzung fand. Dagegen kann man hinter diesem Übergriff kaum weitergehende politische Absichten erblicken, etwa um al-Mansür von Restaurationsgedanken in Halab oder die Byzantiner von einem Eingreifen in Nordsyrien abzuschrecken. Für eine neutrale Haltung 'AzTzaddaulas spricht sein baldiges Nahverhältnis zu Byzanz (vgl. unten mit A.82).
Darstellung 71 tem unterließ er den Gebrauch seines fätimidischen Titels täg al-milla („K rone des Reiches“ ), was eher seine aus diplomatischen Gründen zur Schau getragene Bescheidenheit illustrieren sollte, als daß er den Titel nunmehr für gegenstandslos gehalten hätte82. Basileios II., der damals vor dem Beginn seines 1. georgischen Feld­ zuges stand, beabsichtigte, außerdem eine Intervention in Nordsyrien zu Gunsten ’AzTzaddaulas durchzuführen, dessen nunmehriger Gegner al-Hälrim zugleich ein Verbündeter Giorgis I. von Georgien war. Die untereinan­ der widersprüchlichen Angaben Kamäladdlns und Jahjäs sind von der Forschung an Hand der besser begründeten Tradition des letzteren zu einer Gesamtheit gefugt worden83. Demnach ist es nötig, die Angaben Kamäladdlns*4*dahingehend zu verstehen, daß Basileios II. eine Abteilung seiner Armee nach Süden schickte, die bis Marg ad-Dibäg in Kilikien gelangte und 'Azlzaddaula beistehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Syrien das Verschwinden des Chalifen al-Häkim (27. Sawwäl 411 H [13. Fe­ ber 1021] bekannt, woraufhin 'Azlzaddaula — nach dem W egfall der unmittelbaren ägyptischen Bedrohung — gegen jedes weitere byzantini­ sche Eingreifen Stellung nahm. Aus Jahjä b. Said ergibt sich, daß Basileios II. selbst in Philomelion blieb, wo er auch vom Verschwinden alHäkims erfuhr; ihm war daran gelegen, durch die Entsendung eines Teiles seiner Truppen nach Süden sein Hauptziel, den Aufinarsch gegen Georgien, möglichst lange zu verbergen86. Da er dieses Ziel erreicht hatte und eine 82 Jahjä 216,13—16 CHElKHO; Kamäladdln 1218,16—219,1 ; al-MaqrXzl, Fätimidengeschichte I I 129; al-'Azlml 161 b. Der Zeitpunkt des Abfalls'Azlzaddaulas wird in den Quellen nicht genannt, ist aber vor 411 H nicht möglich, da eine aus diesem Jahre stammende Inschrift in Halab noch 'Azbaddaulä und al-Häkim gemeinsam nennt. Vgl. Répertoire chronologique d’épigraphie Arabe, edd. Sauvaget—WlET VI. Kairo 1934, 164 (Nr. 2311). B Jahjä 239, 17—240, 4 CHElKHO; Kamäladdln I 218, 19—219, 7. Die Korrekturen an den Angaben des letzteren zuerst bei ROZEN, A. 372, und danach bei SCHLUMBERGER, Épopée II 478. M Nach Kamäladdln war Basileios II. zur Unterstätzung 'Azlzaddaulas nach Osten aufgebrochen und bereits in Maig ad-Dibäg angelangt, als ‘Azlzaddaula vom Verschwinden al-Häkims erfuhr und darauf nicht nur den Vertrag mit Byzanz als erloschen ansah, sondern dem Kaiser bei jedem weiteren Vorröcken den Kriegszustand ankündigte. — Marg adDibäg, nach Jäqfit IV 477 zehn Milien von al-Maççlça (Mopsuestia) gelegen, ist die fruchtbare kilikische Ebene (griechisch ncftiôç, türkisch Çukur Ova), von Saihän und Caihän (Saros und Pyramos) durchflossen. Vgl. EI* I I 35, s. v. Cilicia (Canard ); RE XI 386f., s. v. Kilikien (R uge); Cahen , Syrie 121. 151 f. Honigmann 133 neigte einer viel weiter östlichen Lokalisierung zwischen Dulflk und al-Hadat zu (so auch in der Karte eingetragen); es sind offensichtlich zwei Gegenden gleichen Namens zu unterscheiden; vgl. Canard , Hamdanides 281, A. 557. * Jahjä betont zweimal, der Kaiser sei nach Philomelion (statt JUtf der Ausgabe von Chekho ist JjJi [Filmll] zu lesen) aufgebrochen, ohne jemandem seine wahren Absich­ ten — den Krieg gegen die Abljäzen (Georgier) — zu enthüllen. Vielmehr zeigte er offen die Kriegsrüstungen gegen Syrien, wofür er alles Nötige in Antiocheia bereitstellen ließ. Da
72 Syrien und Phönikien ägyptische Intervention in Halab nicht mehr akut schien, ließ der K aiser die syrischen Angelegenheiten auf sich beruhen und trat den Feldzug nach Georgien an. Die Wiedeigewinnung des Einflusses in Halab hatte Byzanz demnach zwar nicht erreicht; doch gelang zur selben Zeit eine Erweiterung der Reichsgrenze im äußersten Süden. Im Sawwäl 411 H (beg. 18. Jan. 1021) wurden die Stadt Maraqijja an der phönikischen Küste86 und die Festung al-QawäbT im Gabal Bahrä’87 durch deren Herrn Muhammad b. Hula id alBahrät an die Byzantiner abgetreten. Über den näheren Anlaß ist nichts bekannt; wie aber die Lage der gewonnenen Stützpunkte zeigt, war die byzantinische Grenze nach dem 2. syrischen Feldzug des Kaisers Ba8Üeios II. von 999 merklich nach Norden zurückverlegt worden88. Halab wurde von AzTzaddaula nunmehr ungefährdet regiert; der Regentschaftsrat unter al-Häkims Schwester Sittalmulk, die für seinen erst 16 Jahre alten Sohn az-Zähir die Geschäfte führte, übersandte 'Azlzaddaula sogar ein Ehrenkleid. Obwohl seine verständige Herrschaft gelobt wird, bildete sich dennoch eine Verschwörung auf Betreiben des Festungskom­ mandanten Badr. Dieser stiftete einen indischen Sklaven zum Mord an, dem 'Azlzaddaula am 4. Rabl* II 413 H (7. Juli 1022) zum Opfer fiel. Badr ließ den Täter unter dem Vorwand rächender Justiz sofort umbringen und wurde von Sittalmulk, die wohl nicht ihre Hand im Spiel gehabt hatte, jedenfalls aber ihre Zustimmung zum Geschehenen bekundete, zum Nach­ folger 'AzTzaddaulas ernannt. Ihre wahre Haltung zeigte sich jedoch, als der frühere Statthalter Halabs, SadTdaddaula *AlT b. Ahmad ad-Daif, mit einem ehrenden Schreiben az-Zähirs sich und seinen Truppen Zugang nach Halab verschaffte; durch Überredung oder Gewalt verdrängte er Badr verbreitete sich die Kunde von al-Häkims Verschwinden, und Basileios II., der noch in Philomelion war, machte sich auf den Feldzug gegen die Abbizen. — Zu Philomelion, türkisch Akfehir, an der grofien Straße Dorylaion — Ikonion, der heute die Bagbdädbahn folgt, vgl. R amsay 140; RE XIX 2523 (R uge). w Maraqijja, zwischen B&nij&s und Antartfls gelegen, war später in der Kreuzfahrerzeit von Wichtigkeit; vgl. D ussaud 126; L e Strange, Palestine 354f.; Cahen, Syrie 175; H onigmann 125. 87 Der Cabal Bahrä’ ist ein zerklüftetes Gebirge nördlich von Antartfls und Ra&nqja (vgl. dazu A. 108), benannt nach dem wohl schon in vorislamischer Zeit eingewanderten Araberstamm Bahrä’; in der Kreuzfahrerzeit gab es hier zahlreiche Schlösser der Assassinen. Dazu zählte auch al-ffawäbT, etwa 12 km nordöstlich von Antartfls in unzugänglicher Lage auf einem Ausläufer des Gabal Bahrä’ gelegen. Vgl. D ussaud 139f. mit A.6; 146f., A.3; Le S trange, Palestine 80. 485; CAHEN, Syrie 174. 176; HONIGMANN 100. M Jahjä 228, 5—7 CHEIKHO. Der Name des Abtreters ist nicht ganz eindeutig; Jahjä nennt ihn 244, 5 CHEIKHO Muhammad b. ’All b. Hämid. FORSYTH 551 schreibt Muhammad b. B*hd an-NahränT.
Darstellung 73 aus der Herrschaft und unterwarf dadurch Halab wieder fätimidischer Kontrolle89. Der Übergang der ägyptischen Regierung auf Sittalmulk beeinflußte die byzantinische Politik zunächst infolge der Ereignisse um die Ausschaltung des Thronfolgers al-Häkims, 'Abdarrahmän b. Iljäs b. Ahmad b. al-Mahdl. Er war von al-Häkim im Safar oder Rabl* I 404 H (beg. 12. August bzw. 10. September 1013) zum Nachfolger proklamiert worden und später Statt­ halter von Damaskus gewesen, wo er eine sehr wechselhafte und unbeliebte Regierung führte. Sittalmulk konnte deshalb einiger Zustimmung sicher sein, als sie ihn mit seinen Angehörigen nach Damiette abfuhren und in ein Gefängnis sperren ließ. Später wurde er nach Kairo gebracht und angeblich durch vergiftetes Obst beseitigt; nach seinem Tod behauptete man, er habe selbst Hand an sich gelegt. Zur gleichen Zeit, als'Abdarrahmän b. Iljäs in Damaskus festgenommen worden war, hatten sich sein ältester Sohn 'Abdalazlz und sein Neffe Ahmad zu Çâlih b. Mirdäs gefluchtet, dessen Schutz sie zehn Monate lang genossen. Die Regierung Sittalmulks sparte keine Mühe, die beiden zur Rückkehr zu veranlassen, sodaß sie aus Furcht, es könnte ihnen ein ähnliches Schicksal wie Ibn Iljäs bevorstehen, schließlich auf byzantini­ sches Gebiet flohen. Hier erbaten sie den Schutz des Kaisers, der ihre ehrenvolle Aufnahme verfügte, offensichtlich, um sie im gegebenen Fall dem politischen Vorteil von Byzanz dienstbar zu machen90. Allerdings zeigte sich nach einiger Zeit, daß Sittalmulk an einem Ausgleich mit Byzanz gelegen war. Wieder bediente sich die fätimidische M Für die Beseitigung ‘Azbtddralu hat die auf Ibn al-Atlr IX 230 zurückgehende Tradition (so al-M&qrlzT, Fätimidengeschichte II 129— 131) eine Mittäterschaft Sittalmulks bei der Ermordung angenommen. In den Abschnitten über 'AzTzaddaulas spätere Regierung bei Jahjä 239, 4— 12 Cheikho und Kamäladdln 219, 9—221, 5 handelt jedoch Badr allein; es ist wahrscheinlicher (vgl. ZAKKAK 63f.), daß die Gerüchte um Sittalmulks Rolle bei alHäkims Verschwinden auch solche von ihrer Mittäterschaft in Halab begünstigt haben. Zu ihrer energischen Regierung vgl. E l 1 IV 495f. (W alker ) und W üstenkelo, Fätimiden 214— 217, mit Gesamtüberblick. — In bezug auf die Ablöae Badrs spricht Kamäladdln von gewaltsamer Entfernung, doch nach Jahjä einigte sich Badr gütlich mit açl-Paif (der schon 1016 nach al-Manfürs Sturz in Halab gewesen war; vgl. o. S. 68f.). *° Jahjä 236, 13—22 CHEIKHO. — Das Datum der Proklamation zum Thronfolger gibt Jahjä 207,23—208,2 CHEIKHO; anders al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II lOOf. Genaueres zur syrischen Statthalterschaft vor allem bei Jahjä 226, 15—227, 14 CHEIKHO; daneben bei al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 114 und Ibn al-QalänisT 69 f. Demnach überwarf er sich bald nach seiner Ankunft in Damaskus (Gumädä II 409 H [beg. 15. Oktober 1018]) mit der lokalen Bevölkerung; die ahdät (einheimische Jungmiliz) bemächtigten sich der Stadt, wurden dann aber niedergeworfen. Ibn Iljäs verstimmte ferner auch die Drusen, wodurch alHäkim mißtrauisch wurde. Daraufhin näherte er sich al-Hasaän b. al-Mufarrig, zeigte sich allerdings später loyal gegenüber al-Htkim.
74 Syrien und Phönikien Seite eines hohen Klerikers fur diplomatische Dienste, und zwar erhielt der Patriarch von Jerusalem, Nikephoros01, den Auftrag einer Mission an Basileios II., der nach seinem 2. georgischen Feldzug wieder in Konstanti­ nopel weilte. Von Ägypten sollte in den Verhandlungen in Aussicht gestellt werden : Rückgabe der Kirchen in Ägypten und Syrien an die Christen, Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem, Rückerstattung des Kirchen­ gutes und Garantie des Eigentums der Christen; außerdem sollte der Handel zwischen byzantinischem und fttimidischem Gebiet wieder beidsei­ tig ofifen8tehen und schließlich ein Vertrag zur Sicherung des Friedens abgeschlossen werden. Den politischen Zweck seiner Reise konnte Nike­ phoros aber nicht erreichen9 1 92*9 4 , da — wie Jahjft b. Said es motiviert — während seines Aufenthaltes in Konstantinopel die Nachricht vom Tode der Regentin Sittalmulk bekannt wurde, woraufhin dem Patriarchen Be­ scheid gegeben wurde, seine Mission sei als erloschen anzusehen, und dieser im Safar 415 H (beg. 14. April 1024) über Antiocheia heimkehrte03. Unbeeinflußt von dieser Verhandlungsdiplomatie blieben ohnedies die beiderseitigen Verteidigungsmaßnahmen. Denn vom Statthalter in Antio­ cheia, Konstantinos Dalassenos, wohl einem Sohn des Damianos und Bruder des Theophylaktos Dalassenos, wird berichtet04, daß er 414 H (beg. 91 Nikephoros war Nachfolger des verstorbenen Theophilos (zu ihm vgl. o. A.57) und wurde nach Jahjft 230, 3—6 CHE1KHO am ll.TammOz 1331 seleukid. (11.Juli 1020) Patriarch. 92 Einen persönlichen Erfolg konnte Nikephoros immerhin darin sehen, daß er dem Patriarchen von Konstantinopel, Eustathios (1019— 1025), seinen einwandfreien orthodo­ xen Glauben nachzuweisen vermochte, so daß er definitive Anerkennung im byzantinischen Bereich erfuhr; vgl. Jahjft (s. A.93). 98 Jahjft 243, 13—244, 13 CHEIKHO. — Das Datum für Sittalmulks Tod ist nicht mit Sicherheit festzulegen; nach al-MaqrlzT, Ffttimidengeschichte II 174 starb sie am l.Gumftdft II 415 H (10. August 1024), was — da der Patriarch bereits im Çafar 415 H (beg. 14. April 1024) zurückkehrte — bedeuten würde, daß der Grund für den Fehlschlag der Mission in Sachfragen (etwa dem strittigen Status von Halab) zu suchen wäre. Auch die auf Hilft! asÇftbT zurückgehende Tradition (vgl. Ibn al-Qalftnisl 72, A. 1) gibt Sittalmulk 4 Regierungs­ jahre, sodaß ihr Tod in den Sawwftl 415 H (beg. 6. Dezember 1024) oder sp&ter fiele. Es bleibt jedoch sehr problematisch, die in sich geschlossene und folgerichtige Darstellung Jahj&s zugunsten einer anderen nicht völlig eindeutigen Überlieferung hier wesentlich korrigieren zu wollen. Im übrigen sind aber Jahjfts Worte über die Restauration der Kirchen usw. kaum als Faktum aufzufassen, wie FORSYTH 550 meint, sondern offensichtlich als für die Zukunft berechnete Willenserklärung der f&timidischen Seite; vgl. auch A. 177. 94 Vgl. Jahjft 244,4—7 CHEIKHO. — Konstantinos Dalassenos ist nur durch Jahjft a. O. und 246, 22 CHEIKHO (hier für 416 H) als Katepano von Antiocheia nachgewiesen. Der Beginn seiner Amtszeit steht nicht fest, da zwischen 1016 und 1022 nicht Theophylaktos Dalassenos Statthalter gewesen sein kann, wie LAURENT glaubte (vgl. o. A.71), und da es außerdem sehr fraglich ist, ob der auf Befehl des Kaisers Konstantin VIII. 1026 geblendete Konstantinos Burtzes (vgl. Skylitzes 371,45—47 » Kedrenos 481,12f.) mit einem Statthai-
Darstellung 75 26. März 1023) die Befestigungen des 1021 an Byzanz abgetretenen Maraqijja renovierte und eine Garnison dorthin legte, während die Muslime, offensichtlich als Gegenmaßnahme, zur selben Zeit die Festung TTllaiqa wiederherstellten **6. Die fttimidische Politik Halab gegenüber war nach Badrs Ablöse auf möglichste Erschwerung einer künftigen Sezession gerichtet, weshalb Stadt und Festung immer verschiedene Kommandanten erhielten. Wahrend diese rasch wechselten96, wurde die 414 H (beg. 26. März 1023) erfolgte Ernen­ nung von AnüstakTn ad-DuzbarT zum Statthalter für Palästina von größter Bedeutung97. ter identisch ist, von dem Laurent (Antioche 237. A. 4) ein Siegel veröffentlichte. Konstantinos Burtzes war Patrikios. der Statthalter des Siegels hingegen, von dem weder die Datierung auf 1025 noch die exakte Lesung des Vornamens feststeht. Magistros (Hinweis von W. SEIBT). — Weitere biographische Angaben über die spätere Zeit des Konstantinos Dalassenos bei X. Adontz, Notes Arméno-byzantines. Byz 10 (1935) 173— 176 = Études Arméno-byzantines. Lissabon 1968, 165— 168 (der aber wenig glücklich im Katepano von 1016 auch Konstantinos Dalassenos vermutet): GllLLAND. Titres XII 98— 100; SCHLl*MBERGER, Épopée III 186— 188: vgl. auch u. S.77 mit A. 104. * Über Maraqijja und seine Abtretung vgl. o. S.72 mit A. 86. Die Identifikation von TTllaiqa, das jedenfalls im Cabal Bahra zu suchen ist, schwankt zwischen dem 1031 durch die Byzantiner eingenommenen Argyrokastron (auf der Höhe von Bänijäs) und dem wesentlich weiter im Süden (südöstlich von Antartüs) gelegenen Burg Säfitä. Vgl. CAHEX. Syrie 173, A. 29: DrssAlT) 116. 140. 142, A. 7; HONIGMAXX 114, A. 5; Le STRANGE, Palestine 352: vgl. auch u. A. 155. 96 Kamàladdln 1 221,4—223, 3; ders., bughjat (Hs. Ahmad III.-Bibl. 2925) VII 246a; al-'AzlmT 165a: abMaqrlzT. Fätimidengeschichte II 147; Ibn al-Atlr IX 230; al-Makîn 260f.; aKAinT IX 576f. — Demnach wurde Halab von ad-Daif bald an Sâfiaddaula Abu Abdalläh Muhammad, den Sohn des'Alî b. Gafar (zu diesem vgl. A. 58) übergeben; auf die Zitadelle kam Jumnaddaula. Bereits am 15. Muharram 414 H (9. April 1023) wurde Sâfiaddaula abberufen und durch den Statthalter von Afamija, Sanadaddaula Abü Muhammad al-Hasan b. Muhammad b. Tubän, ersetzt. Bald nach seiner Ankunft in Halab erkrankte er schwer, sodaß der Chalife den Bruder Sanadaddaulas. Sadldalmulk Abu’l-Härit Tubän b. Muham­ mad b. Tu'bän, anwies, sich nach Halab zu begeben; dieser war zuvor Präfekt von Tinnîs gewesen (am heutigen Manzala-See — der aus den Seen von Damiette und Tinnîs entstand — in inselähnlicher Lage gelegene Stadt, die 1193 vor den Kreuzfahrern zerstört wurde ; vgl. RE A I 500, s. v. Thennesos [Kees]). Bei seiner Ankunft am 17. Gumädä I 415 H (27. Juli 1024) vernahm er aber, daß sein Bruder bereits am 22. Rabí' II gleichen Jahres (3. Juli) verstorben war. Ihm folgte er als Kommandant der Stadt nach, während für die Zitadelle ein früherer Mamluke al-Hakims slawischer Herkunft, Abu’l-Härit Mausüf, eintraf. Ungenau läßt al-Maqrlzî auf ad-Daif bereits Sanadaddaula folgen und hält diesen für identisch mit seinem Bruder. w Zur früheren Laufbahn ad-Duzbans vgl. Ibn al-Qalänisi 71 f. ; ad-DahabT (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 171b—172a: Ibn Abi’l-Haigä’ 123b—124a; al-Makïn 269: zusammenfassende Darstellung bei Z a KKAR 129—131. Er war aus Transoxanien gebürtig und osttürkischer Abkunft; 400 H (beg. 25. August 1009) kam er nach Damaskus, wo ihn ein Dailamite in ffctimidischen Diensten namens Duzbar kaufte. Anüstakln, nach diesem ad-Duzbari zube-
76 Syrien und Phönikien Damals war die fatimidische Stellung in Syrien und Palästina wieder gefährdet, weil der Garrähide al-Hassän b. al-Mufarrig von neuem gegen die Fätimiden agitierte und außerdem das Bündnis, welches zwischen Sälih b. Mirdäs, Sin&n b. 'Aljän und al-Hassän b. al-Mufarrig noch unter alH ikim zur Vertreibung der Fätimiden geschlossen worden war, 415 H (beg. 15. März 1024) erneuert wurde*” . Demnach sollte Palästina an Hasaän b. al-Mufarrig fallen, Mittelsyrien mit Damaskus an Sinän b. ’Aljän, und Halab mit dem nördlichen Syrien und den Gebieten bis ’A n a " (d. h. einem Teil der Gazira) an Sälih b. Mirdäs. Auch mit Basileios II. nahmen die drei Emire Verbindung auf, der jedoch offenbar aus realpolitischen Erwägungen zu keiner Unterstützung bereit war*9 8 100. Dessen ungeachtet konnte alHassän b. al-Mufarrig den neuen Statthalter Palästinas, ad-DuzbarT, aus seiner Residenz Ramla vertreiben und bis an die Grenzen Ägyptens Vordringen, ohne daß die ägyptische Regierung angesichts einer großen Hungersnot (nach dem Ausbleiben der Nilüberschwemmung) und eines chaotischen Wirrsals unter den leitenden Beamten nach dem Tode Sittalmulks zu wirksamen Gegenmaßnahmen fähig war101. Während Sinän b. ’Aljän im zentralen Syrien nichts Entscheidendes erreichte, gestalteten sich die Dinge für Sälih b. Mirdäs ähnlich günstig wie fur den Garrähiden al-Hassän b. al-Mufarrig. Während er diesem zunächst in Palästina gegen ad-DuzbarT beistand, hatte er seinen Sekretär und nannt, zeigte sich bei der Verwaltung der Güter seines Herren derart fähig, daß ihn alHäkim in seine Dienste übernahm. 406 H (beg. 21. Juni 1015) schickte er ihn mit dem genannten SadTdaddaula ad-Daif an der Spitze neuer Truppen nach Syrien, wo ad-DuzbarT in der Folgezeit zur vollsten Zufriedenheit als Statthalter von Baalbakk und Kaisareia wirkte, von wo er schließlich nach Palästina berufen wurde. 98 Als Datum für das erneuerte Bündnis der drei Emire kann nach dem Zeugnis Jahjäs, Kam&laddlns, al-Musabbihls und al-MaqrlzTs (vgl. A. 101) nur 415 H gelten, nicht aber 414 (so Ibn al-Atfr; dies übernahm ZAKKAR 92. 96, wodurch er eine ereignislose Zeit von einem Jahr eihielt). 99 'Ana, etwa halbwegs zwischen Raqqa und Baghd&d auf einer Euphratinsel gelegen, war als starke Festung bekannt; vgl. L e STRANGE, Eastern Caliphate 106f. 125; E l x I 361 (Streck ); El* I 461 (Longrigc); Canard, Hamdanides 96f. 100 Ein gemeinsames Vorgehen mit den Führern verschiedener Stämme, die sonst immer durch Feindschaften getrennt waren, hätte Basileios II. vermutlich die Möglichkeit eröff­ net, die byzantinische Stellung in Syrien entscheidend zu verstärken und womöglich die Fätimiden völlig zu vertreiben. In seinem Verzicht wirkte neben dem Einfluß der westlichen Pläne (Feldzug auf Sizilien) aber offensichtlich auch ein großes Maß an vorsichtiger Zurückhaltung und Beschränkung auf das Erreichte mit, wodurch die Ostpolitik des Kaisers nach der Jahrtausendwende einen merkbar konservativen Zug erhielt. In diesem Sinne, aber ohne Bedachtnahme auf die westliche Komponente, auch FORSYTH 557. 101 Jahjä 244, 17—245, 2 CHEIKHO; KamäladdTn I 223, 3—8; ders., bughjat (Hs. Faizullah-Bibl. 1404) 128ab; al-MusabbihT 214—242 (vgl. dazu BECKER, Beiträge 44—47); al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 155; Ibn al-Atlr IX 230; Ibn Qaldûn IV 581 f.
Darstellung 77 Stellvertreter AbQ Mansür Sulaim&n b. Tauq mit dem Befehl in Nordsyrien betraut. Dessen erster Erfolg war die Besetzung von Ma'arrat MasrTnl02, von wo er gegen Halab zog, das unter den Kommandanten von Stadt und Festung, Tu'bän bzw. Mausüf, heftigen Widerstand leistete. Mit der Rück** kehr $&lihs aus Palästina begann am 17.Ramadän 415 H (22. November 1024) die eigentliche Zernierung der Stadt, innerhalb welcher es zu einem Konflikt zwischen dem einflußreichen hamdänidischen Mamluken Abu’lMuraggä’ und Mausüf, von dem sich Abu’l-Muraggä* bedroht fühlte, gekom­ men war. Infolgedessen beeilte sich Abu’l-Muraggft’, den Abfall mit dem Ziel einer Übergabe der Stadt an $älih b. Mirdäs ins Werk zu setzen. Am 13. Du’l-Qa'da 415 H (16. Januar 1025) unternahm er mit seinen Anhän­ gern einen Ausfall und rief die Hilfe S&Iihs an, dem die Stadt gegen Sicherheit für die Bewohner übergeben wurde. Nur die Festung und das ihr benachbarte Kastell, wohin Tu'bän geflüchtet war, hielten sich noch und wurden auf Anweisung Sälihs mit Belagerungsmaschinen berannt103. Am 10. Muharram 416 H (13. März 1025) mußte sich auch das Kastell ergeben, doch setzte die Zitadelle, wohin Tu'bän entkommen war, ihren Widerstand fort. Sälih hatte inzwischen al-Hassän b. al-Mufarrig verspro­ chen, neuerlich gegen ad-DuzbarT zu Hilfe zu kommen; zuvor schien ihm die Eroberung der Zitadelle dringlich, weshalb er den Katepano von Antiocheia, Konstantinos Dalassenos, um Unterstützung ersuchte. Dieser schickte ihm auch 300 Mann und erstattete zugleich Bericht an Ba8ileios II., der aber dem Statthalter seinen Tadel aussprach und die Rückberufung der Hilfstruppe anordnete10*. 101 Zu Ma'arrat MasrTn, nach Jäqüt eine kleine Stadt in der Provinz Qinnasrln fünf Parasangen von Halab, vgl. D issai 'D 170—172; L e Strange , Palestine 361 ; Canard, Hamdanide8 216. 109 Jahjft 245, 5—246, 10 CHEIKHO; Kamâladdln I 227, I—228, 2; ders., bughjat (Hs. Ahmad III.-Bibl. 2925) VII 201 a—202b; aVAzlmi 164b; al-Musabbihi 241 f. 269f. (vgl. dazu BECKER, Beiträge 45); al-MaqrizT, Fätimidengeschichte II 171; Ibn al-Atlr IX 230; Ibn Haldfin IV I28f.; al-'Ainl IX 578; Munaggimbäsl 328a. *M Jahjä 246, 9—247, 2 CHEIKHO. Über die Persönlichkeit des Konstantinos Dalassenos vgl. o. A.94. Vermutlich wünschte Basileios II., dessen Pläne sich damals einem groß angelegten Feldzug zur Vertreibung der Araber aus Sizilien zugewandt hatten, keinerlei andere Verwicklungen (überden sizilischen Zug vgl. u. S. 199f.). — Die Bevölkerung Halaba dachte damals Sälih in solchem Einvernehmen mit Byzanz, daß er in Verdacht geriet, die Stadt ausliefem zu wollen, als er nach der Übergabe ihre Befestigungen zu zerstören begann. Vgl. al-MaqrizT, Fätimidengeschichte II 171 (wohl nach al-Musabbihi 285f. = BECKER 80, 4—13; vgl. dazu DENS. 45). In Wirklichkeit sollte die Entfestigung Halaba die Kontrolle durch die beduinischcn Araber erleichtern; ähnlich ließen die Mirdäsiden 441 H (beg. 5. Juni 1049) Hints und Ma'arrat an-Ku'män entfestigen, als eine ägyptische Expedition nach Norden vorrückte. Vgl. Kamäladdln, bughjat (Ahmad III.-Bibl. 2925) VII 99a—103a; al-MaqrlzI, Fätimidengeschichte II 201, s. a. 440.
fJY.Vrr Lrr. «7âr.<fen ibcTtrag .Salir. •!:* w-r^erc Belagerung der Zitadelle an Abñ Manâûr .Sulaimân b. Tac<^ cr.«i iaa Kofr.rr.ando in der xtafit an Abu kMuraggà*. w-vct er aœ 3 RahT' I 416 H 4. Mai 1<)23| »berma Ia zu ai-Ha»àân b. al-Mufamg nach Palästina zog. Die eingeschloasenen Ägypter gaben sieh angeblich eine Zeit lang der H : Ölung hin. daß die Byzantiner zu ihren Gunsten eingreifen werden: v :m 10.— 13. R a b f II 414 H 10.— 13. Juni 1025 pnanzten sie Kreuze auf der Mauer der Zita­ delle auf. riefen d*-n Kaiser Basüek-s an und verwünschten den Chalifen azZáhir. .S'.n:ie¿li» h knüpfte jedoch der Anführer der Berber. Abu Gum'a. mit den Belagerern Verbindungen an. bis Mausüf ni*, ht mehr umhin konnte, die Festung am l.Gum ádá I 416 H 130. Juni 1025 zu übergaben Vj. Die ägyptischen Truppen erhielten freien A taug bewilligt: durch einen Überfall von Beduinen bei Kafartäb ging ihnen allerdings noch der Rest ihrer Habe verloren. Die prominenten Gefangenen. Mausüf. Tu"bän. und der Q id i von Halab. Abu'l-Fadl b. Abi Usäma. wet.her vormals ÜbergabeVerhandlungen abgelehnt hatte, wurden bis zur Rückkehr S&lihs in der Zitadelle gefangengesetzt. Nach seiner Ankunft am S. Sa"bän 416 H (4. Ok­ tober 1025t gestattete er Tubân. sich mit seinem Vermögen loszukaufen: Mausuf aber verfiel der Enthauptung, und der Qâdl Ihn Abi Usäma wurde lebendig in der Zitadelle begraben. Da Sälih inzwischen im Bündnis mit a 1-Hassan b. al-Mufamg gegen adDuzbarT den Sieg davongetragen hatte, gelang es ihm. seine Machtstellung noch wesentlich zu erweitern. Schon bisher hatten sich in seiner Hand arRahha. Manbig1'*. B a lis"7 und R a fa n ijja "' befunden: nunmehr bemächtig'*'• Jahjä 247. 3—248. 13 C hf.IKHö : Kamiladdin I Î2S. 5—230. 11 : der«., bughjat (Hs. Ahmsd III.-Bibi 2925 1 VII 201a—202b: abMaqrTzT. Fatiniidengr-schichte II 171 : aKAzimi 165a: akAinï IX 57S: Munaggiinhâsi 328s: Ibn al-Atîr IX 231 (nennt sis Datum der Kapitulation irrig 414 H) Ibn Hallikän. Xr. 300 = Cbersetzung ron DF Sl.WE (Paris 1842) I 631 'gleichfalls irrige Chronologie : 13. Du'l-Qada 417 : dc*h trat BECKER a. O. hiefür ein). '* Manbig (das antike Bambyke oder Hierapolisi war vor allem im späten Altertum als Kultzentrum syrischer Gottheiten von Bedeutung: im Mittelalter bereits von minderer Wichtigkeit, liegt es heute verlassen mit ausgedehnten Ruinen. Vgl. RE II 2843f. s. v. Bambyke (B k n zi .n g f r j : E l' III 252—254. s. v. Manbig (HOMGMANN): D i * » aitj 474: LE STRANGE. Palestine 500f. : C a n a r d . Haradanides 233f "r‘ Bilis (das antike Barbalissos) liegt an einer wichtigen, von Halab kommenden StraBe am Euphrat, wo dieser von südlicher in östliche Richtung umbiegt: Ausgangspunkt wichtiger Verkehrswege zu Lande und zu Wasser nach Baghdad. Vgl. RE II 2854f., s. v. BarUliHHOH ( B k NZING FR,: E i2 I 995. s. v. Bilis (Sm RDEL): DissAlD I52f: Le STRANGE. Eastern Caliphate 107: DFR.v. Palestine 417: CANARD. Hamdanides 88. ,tm Rafanijja (das antike Raphana am nördlichen Ende des Libanon) war noch zur Kreuzzugszeit von Bedeutung, lag aber unter Abu*!-Fid&* (I.H. 14Jh.) bereits in Ruinen. Vgl RE I A 232, s. v. Raphana (BEER): Le Strange . Palestine 517; D is s .a u > 98: C a n a r d , Hamdankics 2**5.
Darstellung 79 te er sich auch der Städte Hirns, B&’albakk, §aidä’ (Sidon) und der Festung Hiçn ihn ’A kk ir100, wodurch sich die Herrschaft $ftlihs von Ba’albakk im Libanon bis nach ’Ana am Euphrat erstreckte. Damit waren die Mird&siden zu einer dritten Kraft zwischen Byzantinern und F&timiden in Syrien geworden ; doch az-Z&hir mußte zu all dem gute Miene bewahren: Als $&lih seinen Sekretär AbQ Mansür, den Belagerer der Zitadelle von Halab, zu ihm schickte, sandte ihn az-Z&hir mit erhöhten Ehrennamen und Insignien für $&lih und seine Söhne zurück*110. Das enge Verhältnis von Ç&lih b. Mird&s zu Byzanz erfuhr schon 1026 eine Wendung. Vermutlich infolge von Grenzstreitigkeiten kam es zum Konflikt zwischen S&lih und dem neuen Katepano von Antiocheia, Michael Spondyles. Nach mehreren Einfallen S&lihs in byzantinisches Gebiet mach­ te sich der reichlich selbstbewußte Spondyles auf einen Zug gegen Halab, der jedoch bald mit einer verlustreichen Niederlage des Katepano und seiner schleunigen Rückkehr nach Antiocheia endete111. Nach dieser unrühmlichen Unternehmung erlitt Spondyles — wohl im folgenden Jahre 1027 — einen weiteren Mißerfolg, im Zusammenhang mit dem Bau der Festung Manlqa1121 3im nördlichen Phönikien. In dem durch die Byzantiner nur oberflächlich kontrollierten Gebiet des Gabal RawädTf hatte sich ein gewisser Nasr b. Musaraf ar-Rawâdîfî zum Herren über die dortigen Muslime aufgeworfen. Sein Gehaben erregte den Argwohn der Byzantiner, so daß der spätere Katepano von Italien, Pothos A rgyros"3, noch unter Basileios II. gegen Nasr b. Musaraf ausrückte und ihn nach "* Unzugängliche Festung im Gabel 'Akkär gleich nördlich von Tripolis; vgl. Cahen , Syrie 176; L e STRANGE, Palestine 80. 390; GAUDEFROY-DEMOMBYNES 113. 110 Dazu vor allem Jahjä 248,14— 17 Cheikho und Kam&laddln I 230, 12—14; weiters aKAzTml I65a; Ihn al-Atlr IX 231 ; Ihn {faldón IV 582; al-MaqrlzT, F&timidengeschichte II 176; Abu’l-FidA’ III 10;"al-Maklh 261 f ; al-Ainl IX 578. 111 Konstantinos Dalassenos war 415 H (beg. 15. März 1024) noch Katepano (Jahjä 244, 4 CHEIKHO). Spondyles, dessen Erhebung Skylitzes 370, 35—37 ( = Kedrenos 481, 3—6) unter die Ernennung fragwürdiger Männer durch den neuen Kaiser Konstantin VIII. rechnet, wird bald nach dessen Regierungsantritt (13. oder 15. Dezember 1025; vgl. SCHREINER, Kleinchroniken II 141) sein Amt in Antiocheia angetreten haben. — Zu den Einiallen von 1026 vgl. Skylitzes 378, 44—379, 57 (-Kedrenos 490, 4— 17); Zonaraa III 575,9—576,2; Glykas 581,3—7 ; 582,1— 16. Die Quellen geben als Ursache den Verfall des byzantinischen Ansehens unter Konstantin VIII. an; dies mag zwar S&lih ermutigt haben, doch wird der konkrete Anlaß wahrscheinlich in Grenzkonflikten zu suchen sein. 112 Manlqa (griechisch Mcvtxo«) lag im Gabal RawädTf, dem nördlichen Teil des Gabal Bahrft* (zu diesem vgl. A. 87), ungefähr 30km landeinwärts (etwas nördlicher als Bänijäs) in beherrschender Lage über dem tief eingeschnittenen Nähr Huraiçun. Vgl. Cahen , Syrie 172Í; D lS S A l D 140—142; HON’ IQMANN 110, A.5; GAUDEFROY-DEMOMBYNES 116. 113 Zur Person des Pothos Argyros (von 1029— 1032 Katepano in Italien) vgl. VANNIER, Argyroi 44—46; FALKENHAUSEN '88 bzw. 292, Nr. 42; vgl. auch u. S.201f. mit A. 40—42.
Syrien und Phönikien 80 Antiocheia abführte, wo er für einige Zeit gefangengesetzt wurde. Durch geheuchelten Gehorsam erlangte er seine Entlassung, zeigte sich aber von neuem unzuverlässig und wurde auf Anweisung des Michael Spondyles wiederum ergriffen und eingekerkert. Nasr b. Musaraf versicherte nun Spondyles seiner Loyalität nicht nur durch Leistung eines Eides und Stellung seines Sohnes als Geisel, sondern vor allem auch dadurch, daß er sich erbötig machte, fur die Byzantiner bei ManTqa eine Festung zu errichten, von der aus das umliegende Gebirge wirksam beherrscht werden könnte. Da er sich als den geeigneten Mann darzustellen verstand, diesen Bau trotz der feindseligen Haltung der Muslime zu Stande zu bringen, erhielt er von Spondyles jede nötige Hilfe an Material und Arbeitskräften; ihn selbst aber hielt er fern — unter dem Vorwand, den Muslimen keinen Anlaß fur einen Verdacht liefern zu wollen. Als die Festung schließlich vollendet war und Nasr die Byzantiner noch immer mit nichtssagenden Vorwänden hinhielt, während er bereits von adDuzbarT die Unterstützung fätimidischer Truppen angefordert hatte, er­ kannte Spondyles zu spät, daß er getäuscht worden war114. Wichtiger für die große Politik erwies sich damals die von Byzanz und Ägypten seit längerem angestrebte Verbesserung der beiderseitigen Bezie­ hungen. Im Jahre 418 H (beg. 11. Feber 1027) überbrachte eine byzantini­ sche Gesandtschaft dem Chalifen az-Zähir neben Ehrengeschenken ein Schreiben Konstantins V III. Demzufolge sollte von den Muslimen inner­ halb des byzantinischen Reiches nur das fätimidische, nicht aber das 'abbäsidische Chalifat als rechtmäßig anerkannt werden, weiters die Moschee in Konstantinopel wieder geöffnet, mit Teppichen und Leuchtern versehen und für sie ein Mu’addin bestellt werden. A uf diese Vorschläge hin stimmte az-Zähir der Wiederherstellung der auf Befehl al-Häkims 1009 zerstörten Grabeskirche in Jerusalem zu und gestattete, daß von christ­ lichen Herrschern hierfür Geldspenden und Sachwerte zur Verfügung ge­ stellt würden — allerdings sollte die tatsächliche Verwirklichung des Wiederaufbaues noch lange dauern. Weiters erlaubte der Chalife vielen 114 Jahjft 257, 17—258, 17 CHEIKHO (die Ausgabe hat 257, 24 mit falscher Punktation fur den Ortsnamen, richtig jedoch 258, 18; der Ñamé des Katepano erscheint falsch punktiert 257,21 wie schon 253,17 als statt |_rJxj„yi ); an-NuwairT bei Q l'A T R E MÊRE 1/2, 112, A. 134; Skylitzes 379, 58—74 ( « Kedrenos 490, 14—491,11). Bei letzterem erscheint die legendarische Angabe, Mo-joipaç (d. i. Nasr b. Musaraf) habe 1000 Mann byzantinischer Besatzung niedermetzeln lassen, nachdem er mit dem Emir von Tripolis, Toooßcp (ad-Duzbarl), Truppenhilfe vereinbart hatte. Es widerspricht dies der von Jahjä und an-Nuwairl betonten Femhaltung der Byzantiner unter dem Vorwand, die Muslime in Sicherheit zu wiegen.
Darstellung 81 unter al-Häkim zum Islam Zwangsbekehrten, wieder das Christentum anzunehmen115. Nach dieser Reglung des zwischenstaatlichen Verhältnisses fühlte sich die fätimidische Regierung offenbar stark genug, die zentrifugalen Bestre­ bungen in Nordsyrien zu bekämpfen. Im öum ädä II 419 H (heg. 27. Juni 1028) war Sinän b. 'Aljän, der Emir über die kalbitischen Araber, gestorben. Dies bedeutete die Auflösung des Bündnisses mit Çâlih b. Mirdäs und Hassän b. al-Mufarrig, denn Sinäns Neffe Räfi* b. Abi’l-Lail b. 'Aljän ging auf die Seite der Fätimiden über und erhielt von az-Zähir die Besitzungen seines Onkels und das Emirat über die Kalb bestätigt. Zugleich schickte ihn az-Zähir mit weiteren Verstärkungen für die Truppen ad-Duzbarls nach Syrien zurück; eine Menge beduinischer Araber schloß sich an, und alle traten in den Kam pf gegen Hassän b. al-Mufarri¿, den ewigen Widersacher der Fätimiden. $älih b. Mirdäs hatte der Form nach die Obödienz gegenüber den Fätimiden gewahrt11*; seinen alten Verbündeten Hassän b. al-Mufarrig konnte er jedoch nicht im Stich lassen, sodaß eine große Auseinanderset­ zung die unausweichliche Folge war. Am 25. R abl' II 420 H (13. Mai 1029) kam es bei Uqhuwäna am Jordan117 zur entscheidenden Schlacht, in der $älih — zunächst unerkannt — verwundet wurde und vom Pferde stürzte; danach erkannte ihn (nach der überwiegenden Tradition) der vorbeikom-*1 0 •i5 Vgl. al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 176; den., bitot I 356; vgl. auch DöLGER, Regesten 824. Die staatsrechtliche Anerkennung der Fätimiden war durch die alleinige Verrichtung des Kanzelgebetes in ihrem Namen ausgesprochen. — Zur Moschee in Kon­ stantinopel vgl. R .J axix , Constantinople byzantine. Paris 21964, 258: Nach Konstantin Porphyrogennetos wurde sie bereits 718 im Zusammenhang mit dem damaligen arabischen Zug gegen Konstantinopel begründet — dies ist jedoch fraglich; sicher bestand sie im 10. Jh., da sie auch der Geograph al-MuqaddosT 988 nennt. Sie lag im kaiserlichen Praitorion (zwischen dem Konstantinsforum und dem Milion) bei jenen Baulichkeiten, wo nach Konst. Porph. und al-MuqoddosT die arabischen Kriegsgefangenen konfiniert waren, d. h. auch eine Örtlichkeit für den Gottesdienst benötigt wurde. Eine Wiederherstellung der Grabeskirche hatte schon al-Mufarri¿ b. Daghfal um 1012 angeordnet (vgl. o. S. 61 mit A. 56); verwirklicht wurde sie jetzt ebensowenig wie damals, denn erst 427 H (beg. 4. November 1035) wurde bei einem neuen Abkommen der endgültige Beschluß gefaßt (dazu vgl. u. S. 107 mit A. 192). Der Grund für diese Verzögerung log in den latenten Konflikten der beiden Mächte, vornehmlich wohl infolge des damaligen Ausgreifens der Fätimiden noch Norden und ihres Zusammenstoßes mit dem von Byzanz unterstützten al-Hassän b. al-Mufarri¿. "* Noch Jahjä 248,14— 17 C’HEIKHO hat ihn az-Zähir diplomatisch anerkannt (vgl. auch o. mit A. 110); weiters zeigen die beiden bekannten Golddinare von 417 H (beg. 22. Feber 1026) und 419 H (beg. 31. Januar 1028) die Nomen von az-Zähir und Sälih b. Mirdäs; vgl. C r a w f o r d , Halab 89—91. 117 Uqhuwäna war ein Ort nahe dem See von Tiberios im Jordantal; vgl. Jäqüt I 334.
82 Syrien und Phönikien mende RäfT b. Abi’l-Lail und versetzte ihm den Todesstreich. Das Haupt $älihs überbrachte er dem fätimidischen Oberbefehlshaber ad-DuzbarT, der es dem ChaUfen az-Zähir schickte, während der Leichnam Sälihs am Stadttor von Saklft’ gekreuzigt wurde. A uf die Nachricht von Sälihs Tod floh Hassän b. al-Mufarrig mit seinen Anhängern in die Berge; in Ba'albakk, Hirns, Saidä’, Rafanijja und Hisn ibn 'Akkär aber räumten die Gefolgsleute Sälihs ihre Plätze vor den Parteigängern der Fätimiden. Freilich war die Macht der Mird&siden trotz dieser schweren Erschütterung nicht gestürzt, denn die Söhne Sälihs, Nasr und Timäl. übernahmen eilig die Herrschaft in Halab, und auch die mesopotamischen Besitzungen Rahba, Bälis und Manbig blieben der Dynastie erhalten11\ In dieser Situation glaubte der Katepano von Antiocheia, Michael Spondyles, günstigen Kriegsruhm erwerben zu können; er zog mit seinen Truppen gegen Halab, ohne dazu vom neuen Kaiser Romanos III. Argyros (1028— 1034) ermächtigt worden zu sein. Die Mirdäsiden Nasr und Timäl versuchten — ohne Erfolg — ihn umzustimmen: während dann der Kate­ pano einige feste Plätze belagern ließ und selbst in Q aibär"9 Aufenthalt nahm — ohne jedoch für einen Kam pf bereit zu sein — . wurde er am 29.Gumädä II 420 H (15. Juli 1029) von den Arabern plötzlich überfallen und nach einem beiderseits verlustreichen Gefecht schließlich zur Flucht genötigt. Die Mirdäsiden erneuerten ihre Friedensanträge, Spondyles aber wurde nach diesem weiteren Mißerfolg von Romanos III. in ungnädiger Weise abberufen und durch Konstantinos Karantenos. einen Schwager des Kaisers, ersetzt120. In das folgende Jahr 1030 fallt der großangelegte Feldzug des Kaisers Romanos III. nach Syrien. Fraglos waren die Gründe hiefiir verschiedener Natur. Eine Veranlassung ist darin zu sehen, daß Romanos III. die jugendlichen Mirdäsiden Nasr und Timäl für feindlichen Umtrieben (d. h. vor allem von Seiten ad-I)uzbarTs) nicht gewachsen hielt, weshalb er ihnen nahelegte, Halab an Byzanz zu verkaufen. Dafür hätten Nasr und Timäl Entschädigung in Geld und eine andere Stadt ihrer Wahl erhalten; indes ließen sie den byzantinischen Gesandten — unter allgemeiner Volkswut — Jahj& 253. 4— I6CHEIKHO; Kamâladdïn I 231. 3 —232. 3 ; 237. If.; al-Az1mî 166a; al-Maqrtzl. Fátimidengeschichte 11 177: Ibn al-tjalänisT 71 74; Ibn al-Atlr IX 231 (s. a. 402); Ibn HaldOn IV 562: Ibn TaghrlbirdT 11 135. « ff; al-Mäkln 262f , Ibn Abi’l-HaifcS’ 123b—124a; al-'Ainî IX 578: ad-Dahabî (Hs. Brit. Mus. Or. 4«) 13b: Munaggimb&si 328a. 1** Zu QaibSr, noch heute das Doppeldorf Arsa wa-Qaib&r etwa 40km nordwestlich von Halab, vgl. D is s a i i » 228—230: H o n iu m a sn 111. A .5. ,i0 Jahji 253. 16 —23 (.’HElKHO (zur falsch punktierten Xamensforro des Spondyles vgl. o. A. 114): KamäladdTn I 237. 3 --7 : al-Azlml 166b; Ibn al-Atîr IX 231 (a. 402). Spondyles’ Abberufung: Skylitzes 379. 75—78 ( = Kedrenos 491. 12—15); Glykas 581. 4—7. 11f.
Darstellung 83 in Halab ins Gefängnis werfen. Zum Zweck einer Sicherung der byzantini­ schen Stellung in Halab plante der Kaiser wohl auch eine Wiedereinset­ zung des 1016 gestürzten al-Mansür b. Lu’lu’ 121. Ferner wird Romanos III. d ie zunehmende Entzweiung zwischen Nasr und Tim&l, d. h. eine weitere Schwächung Halabs, nicht entgangen sein, obwohl der offene Thronstreit zwischen Naçr und Tim&l sehr wahrscheinlich erst nach dem syrischen Feldzug des Kaisers ausbrach. Überdies nährte Romanos schon seit dem Mißerfolg des Spondyles bei Qaibftr seinen Unmut gegen die Mird&siden122. Nicht zuletzt wirkte sich die eigenartige Persönlichkeit des Herrschers aus. Ihm waren kaum militärische Fähigkeiten gegeben ; stattdessen besaß er eine deutliche Selbstüberschätzung, verbunden mit der Bewunderung des kultivierten Epigonen fur die Größe der Vergangenheit. Und während auf dem Gebiet des Geisteslebens die Antoninen, besonders Marcus Aurelius, seine Vorbilder waren, strebte er im Kriegswesen danach, in die Spuren Alexanders, Caesars, Augustus’ und Traians zu treten. Der ersehnte Kriegsruhm schien ihm im Westen leichter zu erlangen, aber weniger bedeutungsvoll; ein Sieg im Osten sollte ihm die erstrebte Verherrlichung seiner Regierung verleihen123. 121 Die erstrebte Ablösung der Mird&siden: Jahjft 254, 18—25 CHEIKHO; Kam&laddTn 1 245, 2—6. Die mißglückte byzantinische Gesandtschaft fehlt bei D ö IjGER, Regesten, alMançûr schürte bei Romanos III. gegen die Mird&siden: al-MaqrTzT, F&timidengeschichte II 179; er begleitete den Kaiser auf seinem syrischen Feldzug: Kam&laddTn I 210, 10—12. ,2Ä Der Thronstreit zwischen Naçr und Tim&l wird von Jahjä 257, 4—7 CHEIKHO eindeutig nach dem Feldzug angesetzt, wogegen beide Brüder ja noch zur Verteidigung Halabs zusammenwirkten : a. O. 255, 13—15 CHEIKHO. Diese Tradition findet sich kurz auch bei Kam&laddTn 1 245, 10— 12, doch hat er vorher (237, 8—238, II) ausführlich die Streitigkeiten unter 421 H (beg. 9. Januar 1030), und zwar vor dem syrischen Feldzug, ein erstes Mal berichtet. Er schreibt weiters 238, 16—239, 2 das Vorgehen des Kaisers gegen Halab einem Hilfegesuch Nasrs zu, der sich durch Tim&l bedroht gefühlt habe. Von diesem Ansuchen findet sich in keiner sonstigen Quelle eine Erwähnung; es wäre auch aus inneren Gründen unwahrscheinlich, daß Nasr angesichts des drohenden byzantinischen Eingreifens gerade auf dieser Seite Hilfe gesucht, bzw. daß Nasr und Tim&l ihren Konflikt nicht hintangesetzt haben sollten, wie dies die auch von Kam&laddTn gebrachte Jahj&-Tradition sagt. Wenig überzeugend nimmt C k a w k o k d . Halab 89 -91 einen Konflikt der beiden vor dem Zusammenstoß mit Spondyles bei Qaib&r und eine Wiederversöhnung zur Abwehr der Byzantiner bei genanntem Ort an; die Verdrängung Tim&ls durch Naçr falle zwischen 1029 und 1030, weil Nasr bei A'zäz bereits allein Romanos 111. besiegt habe (vgl. dazu u. S. 85 mit A. 129); letzteres widerspricht jedoch Jahjä 255, 13—15 CHEIKHO. — Romanos* Unmut gegen die Mirdäsiden nach der Schlappt* des Spondyles: Jahjä 254, 1f. CHEIKHO. 123 Die Persönlichkeit des Kaisers: Die brillante Schilderung bei Psellos ist bewußt negativ gehalten, jedoch in wesentlichen Belangen nicht unzutreffend. Vgl. Chronographie III 2 (I 33 R) (Vorbilder im Geistesleben); III 9 (I 37 R) (jene im Kriegswesen); III 7 (I 35 R) (sein Streben nach Ruhm). Zu einer biographischen Übersicht vgl. V a n n ie r , Argyroi 37f.
84 Syrien und Phönikien So brach Romanos am 23. R ab f I I 421 H (31. Marz 1030) von Konstan­ tinopel auf124 und sammelte in Philomelion ein zahlenmäßig überlegenes H eer125, um dessen Kampfeswert es aber nicht zum besten stand. Die Kampfkraft der Araber wurde von der Mehrheit der kaiserlichen Ratgeber unterschätzt, ebenso wie die Schwierigkeiten der dortigen Kriegführung und die Unbilden des Klim as126. Am 16. Ragab 421 (20. Juli 1030) traf Romanos III. in Antiocheia ein, wo er sich eine Woche aufhielt. Sein Einzug gestaltete sich zu einem theatralischen Schauspiel voll Pracht und Glanz — weniger einem Feldzug entsprechend, als den Sieg schon vorweg­ nehmend. Verschiedene Hilfsvölker dienten unter ihren eigenen Anführern im kaiserlichen Heer: Bulgaren, Russen, Abhäzen, Georgier, Armenier, Pet8chenegen und wohl Normannen127. Hier empfing Romanos auch eine Gesandtschaft der Mirdäsiden unter dem Vetter Nasrs und Timäls, Muquallid b. Kämil. Schon vor dem Aufbruch des Kaisers hatten sie eine erste Gesandtschaft mit Ehrengaben und Friedensanträgen abgeschickt, die den Kaiser bereits auf dem Marsch antraf, jedoch nicht die Romanos mehrfach empfohlene zustimmende Aufnahme erfuhr. Nunmehr erklärte Muqallid b. Kämil dem Kaiser die Bereitschaft der Mirdäsiden zur Tributleistung. 124 Die entscheidenden Quellen für den Feldzug sind: Jahjft 254, 3— 257, 2 CHEIKHO (nach ihm die oben zugrundegelegte Chronologie); Kam&laddTn I 239, 6— 245,9; Psellos III 7— 11 (I 35— 40 R) ; weiters Skylitzes 379, 78— 381, 37 ( = Kedrenos 491, 15— 493, 25) und nach ihm Zonaras III 576, 2 —578, 2 sowie Glykas 582, 17—583, 9. Armenische Quellen (betont negative Darstellung des Kaisers): Aristakes 42, 15—44, II = 2 8 —30 C; Matt'ëos 57f. V = c. 42, S.63—65 J = 38f. B = 45f. D. In zweiter Linie zu nennen sind die teils stark legendarischen Angaben der orientalischen Quellen: Ibn al-Atlr IX 405f. (a. 421); ihm folgend Abu*l-Fid&' III 82 (kontaminiert mit dem byzantinischen Vorstoß gegen Halab 426 H ; vgl. dazu u. S. 106 mit A. 191); Ibn Haldûn IV 583; Ibn TaghrTbirdT II 136, 7ff.; Abu’ l-Fara¿, Chron. Syr. 229f. B r cxs —K irnth = 191 BiTCK; kurz Ibn Abi’d-Dam 127b; ad-DahabT, duwal al-lslftm I 194; Ibn al-CauzT. muntazam V III 50; al-’AzlmT 166b; Ibn Gunghul (Hs. Brit. Mus. Or. 5912) IV 187a. — Datum des Aufbruches von Konstantinopel: Jahjft 254, 4f. CHEIKHO. ,3WGanz phantastisch sind hier die orientalischen Quellen. Kamftladdln I 239, 2 und Ibn Abi’d-Dam geben 600.000 Mann; Ibn al-Atlr und ihm folgend Ibn Haldfln. Ibn al-CauzT, alMaqrTzT und ad-Dahabl 300.000; Abu’l-Farag über und Ibn Cunghul genau 100.000 Mann; diesem neigt ZAKK AR 115 zu. Da jedoch Matt'ëos von 10.000 byzantinischen Toten spricht und sagt, der Kaiser sei mit den Trümmern seines Heeres nach Konstantinopel zurückge­ kehrt (vgl. dazu aber auch A. 144). wird man keinesfalls über etwa 20.000 Mann Gesamtstär­ ke gehen können. Schlechter Zustand der byzantinischen Truppen und mangelhafte Beratung des Kaisers: Jahjft 254. 6--I0 CHEIKHO, Psellos III 8 (I 36 R). 127 Chronologie des Einzugs in Antiocheia: Jahjft 255, 4—10 CHEIKHO. Verzeichnis der Hilfsvölker: Kam&laddTn I 240. 3f. (statt [Hazaren] ist j[G e o r g ie r ] zu lesen; die von ihm als [Franken] Bezeichneten sind jedenfalls westliche Söldner der Byzantiner, wofern nicht Normannen). — Zur Prachtentfaltung vgl. Psellos III 8 (I 36 R).
Darstellung 85 Zugleich mit ihm war eine Gesandtschaft des Garrfihiden al-Hass&n b. alMufarrig angekommen, die neben Ehrengaben für den Kaiser auch die Versicherung loyalen Beistandes überbrachte. Romanos behandelte die Gesandten al-Hass&ns sehr freundlich, ließ ihm seine Gunst aussprechen und forderte ihn auf, sich dem byzantinischen Heer bei dessen Nahen anzuschließen. Muqallid b. Kfimil hingegen erreichte für die Mirdftsiden gar nichts; der Kaiser hatte nunmehr von der Inhaftierung seines Gesandten in Halab erfahren und befahl daraufhin, Muqallid b. Kfimil gleichfalls in Gewahrsam zu bringen128. Bald nach dem Aufbruch des Heeres von Antiocheia gegen Halab (23. R a¿ab=27. Juli) machten sich die Strapazen der hochsommerlichen Dune und Darmerkrankungen unangenehm bemerkbar. Zunächst jedoch konnten die Byzantiner in den ersten Augusttagen ein Gefecht bei Qaibfir zu ihren Gunsten entscheiden. Von hier zogen sie in das Gebiet von A’zftz gegen Tubbal, wo Romanos sein Standlager errichten ließ, das mit einem tiefen Graben abgesichert und zusätzlich von ringsum postierten Schildträ­ gern geschützt wurde129*. Die Gegend war wasserlos, und die wenigen Wasserstellen hielten die Araber besetzt. Dennoch beabsichtigte Romanos, sich nunmehr gegen A'zäz zu wenden, und beauftragte den Führer der c£xoußiTfltii:M>, den Patrikios Leon Choirosphaktes, mit seiner Truppe zur Rekognoszierung. Dieser geriet jedoch in einen Hinterhalt der Kil&b, und nach heftigem Kampf, in dem die Byzantiner beträchtliche Verluste an Toten und Gefangenen erlitten, mußten sie in ihr Lager zurückweichen (5. Sa'bän [8. August]); im Zusammenhang mit diesem Gefecht geriet auch Leon Choirosphaktes in Gefangenschaft. Als dann der Patrikios Konstantinos Dalassenos, vormals Statthalter von Antiocheia, die feindlichen Plänk- ’** Zu beiden Gesandtschaften und ihren Ergebnissen vgl. Jahjfi 254, 10—255, 10 CHEIKHO; Kam&laddln I 239,6—8; 245, 2—8. Die erste Gesandtschaft (sie traf den Kaiser in Philomelion an) erwähnt Skylitzes 379, 78ff. ( = Kedrenos 491, 15ff.), und sie wird auch die bei Paellos III 8 (138 R) geschilderte sein. Beide Autoren tadeln scharf die Nichtannah­ me der mirdäsidischen Zugeständnisse durch den Kaiser. Iia Zu Qaibfir vgl. A. 119; zu Tubbal und A'zäz vgl. A.73bzw. 42. — Für den Schutz des byzantinischen Lagers durch die Schildträger führt CANARD, Sources 305, A. 54, die anonyme Taktik (edd. KöCHLY—ROSTOW 142f.) an : rà 8c Sopara xa l rà ç àam&aç tiç rôv xoivôv gápaxa im vrárrciv, ôaru; xùxXoç s e ra i cvojtXoç xai ncp{$oXoç euvcgciiv to a rpárcopa. |S0 Die cgxoußiTai waren eines der vier fJaoiXixà ráy^ara, d. h. der alten Garderegimenter der Hauptstadt, das rangmäßig auf das riy^a rwv <r/oXÖ>v folgte; vgl. AHRWEILER, Recherches 26; B r Eh ier 273. Unter dem apgcov ¿¡•xouflírwv des Skylitzes ist wohl der relativ hochrangige Sopserixoc rüv éÇxouflirttv r^c ’AvaroXîjç zu verstehen; die Teilung des Oberkommandos über die t&cooßirat ist erstmals im Taktikon des Escorial belegt (vgl. OlKONOMIDÈs 265, I6f.; 330).
86 Syrien und Phönikien 1er vertreiben sollte, wurde er gleichfalls besiegt und zog sich fluchtartig zum Standlager zurück131. Hier machte sich unter dem Eindruck der Mißerfolge und des zuneh­ menden Wasser- und Futtermangels Furcht und Verwirrung breit. Da alle — einschließlich des Kaisers — zum Rückzug bereit waren, setzte Romanos für den nächsten Tag (9. August) den Abmarsch fest und ließ zuvor die K a­ tapulte und Belagerungsmaschinen verbrennen, die zur Einnahme der syri­ schen Festungen bestimmt gewesen waren. Dann zögerte er noch einen Tag, bis schließlich am Montag, dem 10. August (7. SaTrön), der endgültige Rück­ marsch begann. Das Scheitern seiner Pläne soll Romanos der Ungunst des Klimas zugeschrieben haben ; wahrscheinlich veranlaßte ihn aber auch eine drohende Verschwörung im eigenen Heer zu schleuniger Umkehr132. Der Abzug des byzantinischen Heeres verlief von Anfang an in völliger Unordnung. Teile der Armenier wandten sich der Plünderung zu; im Gedränge stürzten mehrere Soldaten und Lasttiere in den Graben des Lagers, wo sie von den in Bewegung geratenen Erdmassen verschüttet wurden. Andere wurden in der ausgebrochenen Panik niedergetrampelt, währenddessen sich bereits Streifscharen der Araber unter die Byzantiner mengten, die nach Norden in Richtung Kyrrhos133 flüchteten. A uf diesem 131 Leon Choirosphaktes blieb nur einige Zeit in Gefangenschaft, bis ihn Romanos III. loskaufte; vgl. Skylitzes 383, 95f. ( « Kedrenos 496, 17f.). — Konstantinos Dalassenos war nachweislich 414 H (beg. 26. März 1623) und 416 H (beg. 4. März 1025) Katepano von Antiocheia; vgl. o. mit A.94. 132 Die Chronologie dieser Tage nach der besten Darstellung bei Jahjft 255, 10—256, 20 CHElKHO; dazu noch Kam&laddlh I 240, 1 (von Antiocheia nach Qaibftr in weniger als 10 Tagen). Neben Jahjft beruht Obiges vor allem auf Skylitzes und Psellos (vgl. die Angaben in A. 124). — Eine Verschwörung, die den Kaiser im Kampf verräterisch seinem Unteigang überlassen wollte, wird von der Ibn al-Atlr-Tradition behauptet, wo als Haupt ein gewisser Ibn DQqfts erscheint. Auch nach Matt'ëos wurde Romanos lediglich durch die Warnung des Apuk’ap, der vormals Zelthüter des georgischen Fürsten Dawit* von Taik* gewesen war und seit dessen Tod im byzantinischen Heer diente, vor dem drohenden Verrat seiner Truppen bewahrt. Es dürfte also verschwörerische Umtriebe gegeben haben, als deren Führer R ozen (314) irrig Konstantinos Dalassenos vermutete (unter der Annahme, daB dem Namen Duqft8 korrumpiertes [Soú!;] zugrunde läge). Wenn der Sohn des 8oôÇ gemeint ist, dann sicher der des damaligen ScjÇ, d. h. des Konstantinos Karantenos, der mit dem Kaiser verwandt war, aber nach dem syrischen Feldzug abberufen wurde (vgl. u. A. 141 ). Sein Sohn Nikephoros Karantenos bekämpfte wenig später als Stratege von Naupaktos erfolgreich die Sarazenen zur See; vgl. u. S. 202f. Sollte tatsächlich Dukas zu verstehen sein, käme zeitlich eventuell Andronikos Dukas in Betracht (vgl. D. POLEMIs, The Doukai. A Contribution to Byzantine Prosopography. London 1968, 28). 133 Kyrrhos (arab. Qurüs, armen. Kuris) am Oberlauf des Nähr'Afrln, an einer wichtigen Gabelung der Straßen nach Halab bzw. Antiocheia gelegen; vgl. RE XII 199, s. v. Kyrrhos (HONIGMANN); D ussaid 470f.; Canard, Hamdanides 231 ; Cahen , Syrie 139; HONIGMANN 95. 112.
Darstellung 87 Weg überfiel Nasr b. $&lih b. Mird&s mit einem knappen Tausend an Reitern den Troß des Kaisers, der seine gesamte Habe den Feinden überlassen mußte und angeblich nur durch die Schnelligkeit seines Pferdes und die Tapferkeit der cxalpoi ßotaiXixoi134*der Gefangennahme entkam136. Die Muttergottesikone, die von den Kaisern als „Beschützerin des Heeres“ mitgefuhrt wurde, erfüllte Romanos jedoch mit neuer Zuversicht; er zeigte sich unter den Flüchtigen und ermutigte sie. Im Gebiet von Kyrrhos hielt er sich dann noch über 40 Tage auf, bevor er nach Konstantinopel zurückkehrte136. Für die Muslime dagegen war der Sieg bei A'zäz ein Zeichen göttlicher Huld, und bald verklärte sich dieses Ereignis in frommer Legende137. Was 134 Im späteren 10. Jahrhundert gab es vier cTaipcutt, jede unter einem ¿Taipci¿pxr¿; es waren vorwiegend aus Fremdvölkem rekrutierte Leibgarden des Kaisers. Vgl. OIKONOMIDÊ8 260, 90; 271, 21. 23. 25; 327f.; P. K arun-H ayter, L’hetériarque. JOB 23 (1974) 101— 143. 133 Sowohl KamAladdin I 242, 5f. als auch die Ibn al-AtTr-Tradition beschuldigen den Kaiser sogar, inkognito seine Flucht fortgesetzt zu haben; dazu hatte er seine roten Stiefel mit gewöhnlichen schwarzen vertauscht. Davon wissen weder Jahjä noch die armenischen Chronisten etwas, und solchem widerspricht völlig Psellos III 10 (I 30 R), wonach der Kaiser, gerade an den roten Stiefeln kenntlich, die Flüchtenden schließlich um sich sammelte. — Die Stärke der Mirdäsiden betrug nach al-AzImT 166b, einer Tradition bei Kamäladdln 1 242, If. und Ibn Abi*d-Dam 127b: 700 Reiter (unmöglich ist Ibn al-Öauzi V III50:1000 Infanteristen und nur 100 Reiter, da der Kampf doch der Kavallerie oblag; zu hoch scheint al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 170: 2000 Reiter). Mit dieser Zahl läßt sich die zweite Angabe des Kamäladdln (923 Reiter) und auch jene von Aristakës 44 « 20 C (800— 1000 Mann) ebenfalls vereinbaren, sodaß man auf ein knappes Tausend kommt. 136 Obiges vorwiegend nach Psellos III lOf. (I 39f. R), dem besonders hier zu trauen ist, wo er Romanos günstiger erscheinen läßt. Sehr bezeichnend ist die Erzählung bei Matt'öos von Urhay (57f. V = 64f. J = 30 B*45f. D), wo die Abneigung gegen Byzanz mit legenden­ hafter Ausgestaltung des Rückzugs verbunden ist: Nachdem er Romanos III. als verweich­ lichten, unfähigen Regenten und als Verfolger des wahren (d.h. monophysitischen) Glaubens geschildert hat, berichtet er, daß 14 Tage nach der Flucht ein Landmann aus Kuris den Kaiser halb erfroren und im Wald versteckt gefunden habe. Ohne zu wissen, wer dieser war, rettete er ihm das Leben und ließ ihn einige Tage später nach Mar'aà bringen, von wo Romanos mit den Trümmern seines Heeres nach Konstantinopel zurückkehrte; hernach habe er seinen Retter mit reichen Geschenken geehrt und ihn zum Herrn über das Gebiet von Kuris gemacht. Zur Bezifferung der byzantinischen Verluste durch Matt'öos auf 10.000 Tote vgl. A. 144. 137 Zwei solcher Wundererzählungen bei Kamäladdln I 243, 10—244, 6. Einem Gottes­ gelehrten namens Ibn Numair erschien in der Nacht vor Azäz der Chalife 'All im Traum — zu Pferde, in grünem Gewände, die Lanze in der Hand — und sprach zu ihm: „Erhebe dein Haupt, o Saib, denn deine Sache ist durch mich entschieden.“ Bei diesen Worten erwachte er und gab den Halabinem, die auf den Mauern wachten, Kunde von seiner guten Botschaft. Auch soll der im byzantinischen Heer weilende al-Mansür b. Lu lu* in der gleichen Nacht zum Kaiser gerufen worden sein, der ihm von einem Traum erzählte, in dem ein Gottesmann — und nach der Beschreibung erkannte al-Mansür ihn als Ibn Numair — auf den Mauern Halabs zu sehen war und zum Kaiser mit einem Handzeichen sprach: „Kehre zurück und
88 Syrien und Phonikien die Beute betrifft, betonen beinahe alle Quellen die außerordentliche Prachtentfaltung des Kaisers auf dem Feldzug, und dementsprechende Kostbarkeiten fielen den Siegern in die Hände. Sein Gepäck war a u f wenigstens siebzig Kamelen befördert worden ; das Zelt mit den Schätzen an Schmuckgegenständen, Diademen, Edelsteinen und Perlen schien den Glanz des Kaiserpalastes widerzuspiegeln; der Mantel des Kaisers (sc. der Loros) trug auf Vorder- und Rückseite jeweils ein goldenes Kreuz, das mit großen Rubinen in der Mitte und auf den Seiten verziert war, wogegen die Schleppe, die Ärmel und die Zwischenteile mit Perlen besetzt waren, deren jede ein Gewicht von 2 mitqal hatte. Und als die Krieger der Mirdäsiden den erbeuteten Schatz des Kaisers mit Hilfe eines Troges verteilten, sollen gar auf einen jeden 18 Schalen voll entfallen sein138. Während der demonstrative Eifer des Herrschers fur die Orthodoxie unter den monophysitischen Untertanen des Reiches im Osten Ressenti­ ments gegen die byzantinische Politik verstärkt hatte139, war nach außen steh ab vom Angriff auf diese Stadt!'* Der Kaiser wagte daraufhin nicht mehr, an einen Erfolg zu glauben, und tags danach wurden seine Truppen bei A'ziz geschlagen. 138 Die wertvolle Beute: 70 Kamelladungen bei Kam&laddTn I 240, 5f.; ebenso Abu’lFarag, Chron. Syr. 229 Bruns—K irsch « 191 B udge ; die Ibn al-Atlr-Tradition behauptet gar eine Zahl von 400. Die Pracht des Zeltes: Psellos III 10 (I 38 R). Der Mantel des Kaisers: al-Q&dT ar-RasId §106; sein Schatz: Kam&laddln I 243, 3—6. Vgl. ferner Ibn alÖauzT VIII 50; Ibn Abi’d-Daxn 127b; Ibn Gunghul IV 187b. — Das bei al-QSdl ar-RasTd ala Gewichtseinheit gebrauchte mitqal hatte 3 ,125g; vgl. HlXZ 3. 139 Bezeichnend für die Haltung Romanos* III. gegenüber den Monophysiten ist folgen­ der Bericht des Aristakes (42f. = 28f. C) : Auf seinem Zug kam er am „Schwarzen Berg", dem Amanos, bei zahlreichen Klöstern und Einsiedlerklausen vorbei. Darauf hingewiesen, daß deren Bewohner ohne Unterlaß Gebete für den Frieden der Welt und das Wohlergehen des Kaisers darbrachten, soll Romanos entgegnet haben, daß er diese Gebete nicht brauche und man aus jenen Klöstern viel eher Bogenschützen zum Dienst an seinem Reich nehmen sollte. Gleichfalls im Zusammenhang mit seinem Zug nach Syrien ließ Romanos den in Mar'as residierenden jakobitischen Patriarchen festnehmen und nach Konstantinopel bringen, wo er in einer Disputation die monophysitische Lehre widerrufen und die Orthodoxie be­ schwören sollte. I)a er unbeugsam blieb, verbannte ihn der Kaiser in den Okzident; von seinen sechs Suflraganen unterwarfen sich drei, die übrigen wurden eingekerkert. Nach dem Tod des Patriarchen entzog sich sein Nachfolger den byzantinischen Repressionen durch die Flucht in das muslimische Dijär Bakr. Vgl. Aristakes 43 = 29 C; Abu*l-Farag, Chron. Syr. 229 B r u n s — K irsc h = 191 BUDGE ; Jahjä 252, 12—25 C h e ik h o . Zur Verbindung letzterer Stelle mit den vorgenannten Belegen (trotz mancher Unterschiede in Einzelheiten) vgl. CANARD, Sources 309f. Zufällig blieb auch ein Synodalerlaß des Patriarchats von Konstanti­ nopel aus dem Jahre 1030 erhalten, der die Spannungen zwischen Orthodoxen und Monophysiten im Bereich von Melitene beleuchtet; vgl. G. FlCKER, Erlasse des Patriarchen von Konstantinopel Alexios Studites. Festschrift d. Univ. Kiel. Kiel 1911,6ff, Nr. 3; vgl. auch 21 ff., Nr. 4: 28ff.. Nr. 5. Bei dem oben erwähnten jakobitischen Patriarchen handelt es sich um Johannes VIII. Bar Abdün (1004— 1033): vgl. C an ar d a. O.
Darstellung hin gegen die Mirdäsiden, denen der Krieg gegolten hatte, nichts erreicht w orden. Dennoch gab Romanos III. nach dem Abzug aus Syrien die H offnung auf einen endlichen Erfolg nicht auf. Deshalb übertrug er den Oberbefehl dem Protovestiarios Symeon, der nun zum Domestikos der Scholen des Ostens ernannt wurde und den Auftrag erhielt, für einen Krieg gegen Halab während der kühleren und niederschlagsreicheren Jahreszeit Vorbereitungen zu treffen140. In Antiocheia selbst ersetzte der Kaiser den K&tepano ¡Constantinos Karan teños durch den Eunuchen Niketas von M istheia, der aus Iberien berufen wurde141. Die politische Gesamtlage war zu diesem Zeitpunkt für die Mirdäsiden ausgesprochen ungünstig. Ein byzantinischer Vergeltungszug stand zu erwarten, das Verhältnis zu Ägypten war nicht befriedigend geregelt142. 140 Skylitzes 382, 59—61 ( « Kedrenos 495, 1—3); Jahjä 257, 2—4 CHEIKHO; an dieser Stelle nennt er ihn richtig i (Protovestiarios), als welcher er auch bei Skylitzes 396, 28—30 ( * Kedrenos 511, 8—11) erscheint; Jahjä 259, 21 und 260, 3 hat die Aufgabe von CHEIKHO aber (Protospatharios), was CANARD, Sources 308, A. 61 irrtüm­ lich vorzog. Symeon war unter Konstantin VIII. xzl äpvjyy*pio; tt4; ßiy>.r4; gewesen (Skylitzes 370, 33—35 [ = Kedrenos 480. 21—481, I]; zum Amt, das sich vom Kommando über eines der vier ^xrr.r.y.r tívjixt* im 11. Jh. immer mehr zu einem der höchsten Richterámter entwickelte, vgl. W .SEIST, Ioannes Skylitzes. JÖB 25 [1976] 82f.; OlKONOIIIDEs, Évolution I33f.); er hatte Konstantin VIII. zur Nachfolge Romanos’ III. umgestimmt und dessen Ehe mit Zoe vermittelt (Skylitzes 374, 23—26 [ » Kedrenos 484, 22— 485, 3]). Zum Domestikos der Scholen des Ostens vgl. o. A. 28; die Veranlassung zur Schaffting dieses Kommandos liegt in den Araberkriegen des 10. Jh. 141 Niketas war am Beginn der Regierung Konstantins VIII. fc'** ’Ifopta; (d.h. byzanti­ nischer Militärkommandant von Taik') geworden (Skylitzes 370, 35—37 [Kedrenos 481, 1— 3]; er erscheint hier als Nixt(t«c u ex llwr.'A¿x;)nnd kam nun nach Antiocheia: Jahjä 257, 15 CHEIKHO; Skylitzes 382, 59—61 ( = Kedrenos 495, I—3). Jahjä bezeichnet ihn als Patrikios und Jtij (pxixTcop) : letzteres figuriert als verhältnismäßig hohe Rangstufe, die nicht zum üblichen cursus bonorum zählte und öfters an ehemalige Kleriker verliehen wurde. Im Taktikon des Escorial erscheint sowohl ein rarpíxto: eîvoô/oc xxi paixrt.jp als auch ein fucyurrpo; x*i pzixrcup (OlKONOMIDKs 263, 12. 19; vgl. weiters GlILLAND, Recherches II 212—219; BlUY Il5f.). Niketas ist auch durch ein Siegel belegt (Sthü 'MBKROKK, Sigillo­ graphie 309); die Legende nennt ihn als Trarpíxio;, paixTc.jp xal xareTravoj Mcvi/y^ ’Avno/eia;, was genau mit den Angaben Jahjäs übereinstimmt. Schließlich möchte C an ARD (bei L a t r e n t , Antioche 239f., A.6) in der merkwürdigen Glosse slXj* (Kamâladdîn 1 246, 2) korrumpiertes (3vil) erkennen. — Mistheia war Bistum (später Erzbistum) in Lykaonien an der Südostecke des Beyjjehir Gölü. während der Araberkriege mehrfach umkämpft: vgl. A. S. H a l l , Anatolian Studies 19 (1959) 119—124 mit Karte. Warum Niketas den Karantenos ablöste, wird nirgends klar gesagt: vielleicht war mangelnde Loyalität eines Sohnes auf dem syrischen Feldzug der Anlaß (vgl. o. A. 132), oder es liegt eine sonstige — nicht mehr faßbare — Disharmonie des Konstantinos Karantenos mit seinem kaiserlichen Schwager zu Grunde. 142 Eine Gesandtschaft Nasr b. Sälihs mit Ehrengeschenken aus der Kriegsbeute an den fktimidiachen Hof berichten Kamäladdln I 247, 7—248, 4 und Ibn al-Qalänisi 75. doch ginge es zu weit, mit Z AKK AR (107 f.) anzunehmen, daß etwaige Gefahren von «Seiten der
90 Syrien und Phönilden Außerdem fallt in die Zeit nach dem syrischen Feldzug Romanos’ III. aller Wahrscheinlichkeit nach der Ausbruch des offenen Thronstreites zwischen den Mird&siden Nasr und Tim&l. Beide hatten noch in der Verteidigung Halabs zusammengewirkt, wobei Tim&l den Schutz der Stadt übernahm, während Nasr gegen die Byzantiner zog. Ihre Familien und den Besitz hatten sie in die Wüste in Sicherheit gebracht. Nach dem Rückmarsch der Byzantiner führten Nasr und Tim&l ihre Familien zurück, bei welcher Gelegenheit Nasr seinem Bruder zuvorkam und ihm Stadt und Festung Halab verschloß. Ein Schiedsgericht von Notabein traf schließlich einen Ausgleich in dem Sinne, daß Tim&l mit den mesopotamischen Besitzungen B&lis, Rahba und Manbig entschädigt wurde143. Neben diesen Faktoren dürfte auch von Bedeutung sein, daß die Araber in den Kämpfen m it den Byzantinern merkbare Einbußen erlitten hatten, während die Verluste der letzteren weniger zum Tragen kamen. In Anbetracht all dieser Umstände nahm Nasr b. §&lih eine sehr bescheidene und unterwürfige Haltung Byzanz gegenüber ein. In Botschaf­ ten an Romanos III. versicherte er, daß er zufrieden wäre, in Halab wie ein byzantinischer Statthalter zu regieren, und versuchte, den Kaiser von einem neuerlichen Feldzug abzuhalten. Sogar den byzantinischen Gesand­ ten, der vor Beginn des Krieges in Halab inhaftiert worden war, bat Naçr b. $&lih um vermittelnde Korrespondenz an Romanos III., desgleichen den neuen Statthalter von Antiocheia, Niketas144. Ein deutliches Zeichen dafür, wie das äußere Ansehen des byzantini­ schen Reiches durch den Mißerfolg Romanos’ III. gelitten hatte, bildete ein Vorstoß arabischer Streifscharen in das Thema Teluch145. Dessen Stratege war damals Georgios Maniakes, jener Mann, der hier zuerst in das Ffttimiden dadurch beseitigt waren. Denn der Gesandte Nagrs blieb bis nach az-Zfthire Tod (1039) in Kairo, bis er endlich in Gnaden entlassen wurde, was ZAKKAR (121) selbst zutreffend dahin deutet, daß der Ausgang infolge des schwierigen gegenseitigen Verhältnis' ses (so auch wegen der Stellung Halabs zu Byzanz) so lange in Schwebe blieb. 143 Maßgeblich sind die Angaben Jahj&s 255,8—10 und 257,4—7 CHEIKHO, sowie deren Reflex bei KamäladdTn I 245, 7—12; vgl. weiters al-A?lmI 106b; al-Makln 263. Zum Problem der Datierung vgl. o. A. 122. 144 Nagrs Verhalten gegen Byzanz: Jahjft 257, 8—16 CHEIKHO; Kam&laddln I 247, If. Die byzantinischen Verluste in Syrien gab Matt'ftos von Urhay mit 10.000 Toten an (vgl. o. A. 136), welche Zahl aber höchstens die Verluste an Toten, Verwundeten und Gefangenen insgesamt wiedergeben kann, da nach Jahjft 256, 23—25 CHEIKHO die Zahl der Todesopfer auf byzantinischer Seite gering war, und sich die meisten Gefangenen loskauften; vgl. auch CANARD, Sources 308. 145 Teluch (das antike Doliche, nahe 'Aintftb) wurde 962 durch Nikephoros II. Phokas erobert; der erste bekannte Stratege des gleichnamigen Themas ist Georgios Maniakes. Vgl. E l* II 624, s. v. DulOk (SOURDEL); D ussaud 472; C a h e n , Syrie 115.
Darstellung 91 volle Licht der Geschichte tritt und bald durch seine Wirksamkeit in E dessa, dann als Feldherr in Sizilien berühmt wurde, bis er als Prätendent a u f den Kaiserthron den Schlachtentod fand. Seine außergewöhnliche Persönlichkeit hat auch in der Literatur ihren nachhaltigen Eindruck hinterla88en, wofür nicht zuletzt die schwungvolle Schilderung bei Psellos spricht146. Nach Skylitzes — dessen Bericht ins Legendenhafte abschweift — wandte sich eine Schar von etwa achthundert Arabern gegen den gleichnamigen Hauptort des Themas und stellte an Maniakes die Forde­ rung, ihnen die Stadt zu übergeben, weil der Kaiser gefangen und sein gesamtes Heer zu Grunde gegangen sei. Maniakes nahm zum Schein die Forderungen an und ließ die Araber mit reichlich herbeigebrachten Speisen und Wein ein üppiges Gelage beginnen (vgl. dazu die Darstellung auf dem Umschlag). In der Nacht griff er dann die Betrunkenen an und machte sie nieder ; Nasen und Ohren der Gefallenen wurden als Trophäe abgeschnitten und an Romanos III. geschickt. Auch eine erhebliche Zahl von Kamelen mit Beute der Araber aus dem syrischen Feldzug des Kaisers fiel Maniakes in die Hände. Für seine mutige Tat wurde er von Romanos III. zum Katepano von Koctco Mijíía147 ernannt148. 146 Man hat ans dem Namen Maniakes türkische, d.h. zentralasiatische Herkunft erschlossen; die Bedeutung entspricht einem Adjektivum fur „adelig**, und dieser Eigenn*» me kommt auch sonst vor — so wird schon 568 von Menander Protektor der »Sogdier Mavtag als Gesandter der Türken genannt, und um 1090 heißt ein kumanischer Heerführer bei Anna Komnene Mavuuc; vgl. MORAVCSIK, Byzantino-Turcica II 181. L. BrEhikk, Georgios Maniakes. Tours 1902 vermutete, daß Maniakes in der späteren Regierungszeit Basileios' II. in Bulgarien und (oder) den Grenzgebieten Kleinasiens seine Dienste begann, doch läßt sich für die Zeit vor der Strategie von Teluch nichts Genaues sagen. Psellos VI 76f. (II 1f. R) äußert sich voll Bewunderung (vgl. dazu auch A. 148) in folgender Art: „Wie auf ein Signal sich erhebend und nach und nach vorwärtsstrebend in geregeltem Fortschrei­ ten gelangte er schließlich an die Spitze der militärischen Laufbahn. An zehn Fuß von Körpergröße, nötigte er die, welche ihn betrachteten, ihre Blicke gleichsam wie zu einem Berggipfel zu erheben. Sein Aussehen war weder weichlich noch sonstwie angenehm, sondern gemahnte an ein heraufziehendes Unwetter. Dazu kam der Donner seiner Stimme und die Hände, die geeignet waren, Mauern zu erschüttern und eherne Torsäulen zu zerschmettern, und alles Übrige an diesem Mann stimmte mit solchen Zügen überein. Jeder Barbar fürchtete diesen Mann, der eine, welcher ihn sah und bewunderte ebenso wie der andere, welcher über ihn berichten hörte und davon einen tiefen Eindruck erfuhr.** 147 Schwierig ist die genaue Bestimmung der nur bei dieser Gelegenheit von Skylitzes genannten (vgl. A. 148) Kítcu V. La i 'KKNT. Sceau de Christophore stratège d'Artziké. EO 30 (1931) 460 und ihm folgend Honiomann 210, A.5 vermuteten die Gebiete nördlich des Van-Sees; W. SEIKT dagegen (Miszellen 641 f.) faßt 'Ave* Mrfii* als Gesamt-Vaspurakan auf und sucht Kárcu vielmehr in der Ebene, etwa im Gebiet um Samosata. Es wäre gut denkbar, daß das Thema der Euphratstädte, als deren Stratege Maniakes kurz nachher erscheint (vgl. u. S. 144. A. 34). mit Kitg* M/,4Lz identisch ist. I4* Der Bericht über den Arabervorstoß bei Skylitzes 381.38 382. 58 Í ® Kedrenos 494, I—22) ist offenbar — ähnlich wie die Charakteristik bei Psellos (vgl o. A. 147) - durch eine
92 Syrien und Phönikien Vermutlich stehen auch die damals verstärkten Umtriebe des Naçr b. Musaraf in Phönikien im Zusammenhang mit dem byzantinischen Mißerfolg in Syrien149. Nachdem sich Nasr b. Musaraf durch List in den Besitz der Festung Manlqa gebracht hatte, begann er mit dem Bau einer weiteren Burg namens Bikisrä*!!150. Von dort vertrieben ihn allerdings die Byzanti­ ner, töteten eine große Anzahl seiner Gefolgsleute und setzten die Festung durch Versorgung mit Wasser und Proviant zur Verteidigung gegen Nasr b. Musaraf in Stand. Nach dem Abzug des Kaisers aus Syrien unternahm Naçr nicht nur fortgesetzt Einfalle in die umliegenden byzantinischen Gebiete, sondern plante auch die Wiedergewinnung von Bikisriftl. Hiebei kam ihm die Nachlässigkeit des byzantinischen Befehlshabers zustatten, welcher das in der Festung verfügbare Wasser zur Neige gehen ließ. Nasr b. Musaraf wurde davon unterrichtet, zog mit seinen Anhängern heran und begann die Belagerung, deren Ergebnis die baldige Kapitulation der vom Durst gequälten Besatzung war. Die gleichfalls im Gabal Rawädlf wohnhaften Banu’l-Ahmar erbauten damals eine andere Burg namens Ablätunus zwischen Lädiqijja und BarzOja ; ein weiterer Stamm, die BanQ Ghanäg, errichteten die nach ihnen benannte Festung Hisn BanT Ghanäg, und schließlich legte ein mit diesen blutsverwandter Ibn al-Käsih gleichfalls eine Festung an151. Dadurch Quelle beeinflußt, welche die Taten des Maniakes besonders verherrlichte, wobei die Farben bisweilen sehr stark aufgetragen wurden (vgl. dazu auch FALKENHAl’SEN ‘91 f. bzw. *95f.). — Skylitzes spricht von 280 erbeuteten Kamelen, was angesichts der wohl auf 70 Ladungen zu beziffernden gesamten arabischen Kriegsbeute (vgl. A. 138) als stark übertrieben er­ scheint. 149 Jahjft 258, 17—259, 5 CHEIKHO. Die vorausgehenden Aktivitäten Nasrs im Zusam­ menhang mit dem Bau von Manlqa fallen vermutlich ins Jahr 1027 ; vgl. o. S. 79 f. mit A. 114. Iis0 Bikisrä'Tl lag etwa auf der Höhe von Gabala (bei Jàqùt I 706 jedoch irrig in die Küstenzone verlegt) an der zwar schwierig befahrbaren, aber kurzen Verbindung von Gabala in das Oróntestal, durch beherrschende Lage ausgezeichnet. Aus dem heutigen Namen Banü JiBra'll schloß DEREN ßOlUG auf eine Stätte jüdischer Proselyten der pompeianischen Zeit. Vgl. DrssAlT) 141 f.; C a h k x , Syrie 170—172; Le »STRANGE. Palestine 422. Neuerdings wurde der Name aus dem jüdisch-aramäischen Engelsnamen bê-akzriel helgeleitet: ST. W il d , Libanesische Ortsnamen. Beirut 1973, 215. — Die Ausgabe von CHEIKHO hat im Text irrig statt . 151 Barzüja ist das heutige Qafat Barza am nördlicheren der Seen von Aftraija, nordwestlich von letzterem gelegen; vgl. Cahen. Syrie 160f. 164. 175; Le STRANGE, Palestine 71. 421; CANARI), Hamdanides 207; D i/ ssald I51f.; HONIGMANN 127. — Die genaue Lokalisierung von Ablätunus ist unsicher; HONIGMANX (113, A. I und Karte III) hielt für seine Hafenstadt Antartüs, während SotTtDEL—T h o m ix e (E I * I 989, s. v. Balätunus) ihm zusammen mit Sahjün den Schutz der Ebene von Lädiqijja und der von Gabala zum Orontes führenden Straßen zuschreibt. — Hisn Banl Ghanäg und Hisn Ibn alKäsih sind nicht näher identifiziert: vgl. C a h k x . Syrie 173.
Darstellung 93 beherrschten die Muslime das Gebirge und suchten die angrenzenden byzantinischen Gebiete durch ihre Einfälle heim. Nasr b. Musaraf konnte den f&timidischen Statthalter von Tripolis dazu überreden, gegen das seit 1021 byzantinische Maraqijja vorzugehen. Zu diesem Zweck vereinte Nasr seine Truppen mit jenen des Statthalters, doch ließen sie es auf keinen Kam pf ankommen, als der Katepano Niketas unmittelbar nach seiner Ankunft in Antiocheia zur Hilfe für die Belagerten herbeieilte. Er fand die Feinde bereits abgezogen, ließ die Beschädigungen der Mauern ausbessem und die Burg mit ausreichend Proviant und Ausrü­ stung fur eine neue byzantinische Besatzung versehen. Dann stieß Niketas noch gegen Süden bis A rqa,si vor, wo er zahlreiche Gefangene machte, die Festung durch Feuer zerstören und umfangreiche Vorräte wegschaffen ließ. H ierauf trat er den Rückmarsch nach Antiocheia an, welchen er zugleich mit einem Streifzug gegen Insurgenten im Grenzgebiet von Halab ver­ band183. Unterdessen war der Protovestiarios Symeon bereits zum Feldzug gegen Nasr b. S&lih b. Mirdfts aufgebrochen. Niketas vereinte sich mit Symeon, und gemeinsam stießen sie gegen A'z&z vor, um an Ort und Stelle das Andenken der byzantinischen Niederlage zu rächen; A'zäz wurde im Du’ l-H i¿¿a 421 H (beg. 30. November 1030) belagert und mußte schließlich gegen freien Abzug kapitulieren, weil die Festung mit zahlreichen Flücht­ lingen überfüllt und daher kaum zu verteidigen war. Dann verbrannten die Byzantiner Tubbal und verwüsteten das ganze Land zwischen A'zäz und Tubbal, wobei selbst die Baumpflanzungen umgehauen wurden. Erst jetzt sahen die beiden Feldherm ihr Ziel als erreicht an und ließen vom mirdäsidi8chen Gebiet ab. Die Tilgung der byzantinischen Niederlage und die Loyalitätsbezeugun­ gen von Nasr b. $älih verschafften diesem endlich im Gumädä 1 422 H (beg. 26. April 1031) den angestrebten Frieden. Niketas vermittelte zusammen mit dem byzantinischen Gesandten, der noch immer in Halab war, das Übereinkommen, wonach sich Nasr b. S&lih veipflichtete, an Romanos III. die Summe von 500.000 Dirham jährlich in zwei Raten zu entrichten. DasIS & IS* Zu Maraqijja vgl. A. 86. — 'Arqa, Geburtsort des Kaisers Alexander Severus, lag nach den besten antiken Itinerarien 16 bis 18 Milien nördlich von Tripolis, etwa dort, wo heute die Eisenbahn Tripolis — Horn? die Küste verläßt. 669/70 kam hier die neue byzantinische Grenze zu liegen. Vgl. DusSAUD 83fr. , RE II Ill7f., s. v. Arka 3 (B e n z in g e r ); L e S t r a n g e , Palestine 398; CANARD, Hamdanides 202. I&* Jahjä 259, 6—19 CHElKHO. — Alle genannten Ereignisse fallen in das spätere Jahr 1030, da die folgende Zerstörung von A’zäz mit Du’l-Higga 421 H (beg. 30. November 1030) festgelegt ist (vgl. A. 154).
94 Syrien und Phönikien für Romanos III. bestimmte Exemplar des Vertrages wurde von Naçr b. $älih unterzeichnet; ebenso unterfertigte und siegelte der Kaiser das für den Mird&siden bestimmte Exemplar und übersandte ihm außerdem ein edelsteinbesetztes Kreuz als Garantie für die Einhaltung von byzantini­ scher Seite. Zudem wurde Muqallid b. Kfimil b. Mird&s mit seinen Beglei­ tern aus Antiocheia entlassen, und ebenso gestattete Naçr b. ¡j&lih dem byzantinischen Gesandten die Rückkehr aus H alab194. Unmittelbar nach der Heimkehr der jeweiligen Gesandten machte sich Niketas zum Kam pf gegen Nasr b. Musaraf, die Banu’l-Ahmar und die Banü Ghanäg auf. Zuerst wurde Abl&tunus belagert, das Ibn al-Ahmar gegen freien Abzug auf muslimisches Gebiet übergab. Die Festung wurde ausgebessert, ihre Baulichkeiten vollendet und eine Garnison mit der nötigen Ausrüstung dort stationiert. Von da zog Niketas gegen Hiçn BanT Ghanäg, das gegen die gleichen Zusicherungen kapitulierte und dem Erdbo­ den gleichgemacht wurde ; auch Hisn Ibn al-Käsih wurde eingenommen und zerstört. Danach wandte sich Niketas gegen ManTqa; als er aber sah, daß die Belagerung vermehrten Einsatz der Kriegstechnik erforderte, kehrte er kurz nach Antiocheia zurück. Mit der nötigen Ausrüstung erneuerte Niketas dann den Feldzug, und dieses Mal griff er zu Beginn Rafanijja an, weil die Festungen des Gebirges von hier aus mit Getreide versorgt wurden. Die Mauern ließ er nach der Einnahme schleifen und die gesamte Einwohnerschaft — angeblich 10.000 Menschen — gefangen abführen. Hierauf zog er gegen W esten, befreite aus1 5 4 154 Maßgeblich ist Jahjä 259, 19—200, 18 CHEIKHO (danach die Chronologie); kurz alAzTml 167b; Kamäladdln I 247,1—6; al-Maqrlzl, Fätimidengeschichte II 180; Abu’l-Farag, Chron. Syr. 230 Bruxs—KlR.suH« 192f. B lTl>GE. Weniger brauchbar iat, was Skylitzes 384, 29—385,34 ( - Kedrenos 498,1—6) und ihm folgend Zonaraa III579,6—8 berichten (a. u.). Vgl. auch DOlGEK, Regesten 836. Der Vertrag wird von den byzantinischen Quellen in den September 1031 gesetzt, was im Widerspruch mit der zweifachen Festlegung bei Jahjä 260, 17 steht: Ajjir (Mai) 1342 —Gumädä I 422 H (beg. 26. April 1031). Ferner wissen die orientalischen Quellen nichts davon, daß der Sohn des Herren von Halab den Frieden abgeschlossen habe; der Name "Ajup entspricht arab. jJ\ (Emir) ; ein Sohn Nasrs hieß Mahmüd. Vielleicht handelt es sich bei der Gesandtschaft der byzantinischen Quellen um den Austausch von Ehrengaben nach dem Friedensschluß; eine solche Mission an den Kaiser (die Nasrs Sohn geführt haben könnte) erwähnt Jahjä 260,17f. CHKIKHHO. Als Leiter der entsprechenden byzantinischen Gegenge­ sandtschaft nach Halab hat Romanos III. möglicherweise den — von Skylitzes im Zusam­ menhang mit dem Abschluß des Friedensvertrages mit Halab genannten — Protospatharios Theophylaktos von Athen betraut. Eine zu weitgehende Interpretation der Quellenangaben liegt bei SoHLUMBERGER, Épopée III 107 vor. wenn er behauptet, damals sei ein Defensivund Offensivbündnis abgeschlossen worden.
Darstellung 95 der Festung §8ftt&195 einen byzantinischen Anführer154 und marschierte, ohne sich weiter aufzuhalten, erneut gegen ManTqa. D ie tiefe Schlucht zwischen den Angreifern und der Burg behinderte eine wirkungsvolle Belagerung, sodaß Nike tas befahl, zuerst den Ein­ schnitt mit mächtigen Baumstämmen, Steinen und Erde auszufullen und dann auf dem eingeebneten Gelände die Belagerungsmaschinen in Stellung zu bringen. Als diese bereits die Mauern zum Teil durchbrochen und mehrere Türme zum Einsturz gebracht hatten, eigab sich die Festung nach 13 Tagen Belagerung am lö .D u ’l Higga 422 H (1. Dezember 1031). Über 800 Gefangene wurden gemacht, darunter die Familie des Nasr b. Musaraf; er selbst dagegen war noch vor der Ankunft der Byzantiner geflohen. Auch diese Festung wurde — nach Freimachung des Tales — wieder instandge­ setzt und mit einer Garnison belegt. Jetzt hielt sich nur noch Bikisrä*Tl, dessen Besatzung Niketas ohne E rfolg aufforderte, gegen Freilassung ihrer in ManTqa gefangen genomme­ nen Frauen und Angehörigen sowie gegen Zusicherung milder Behandlung die Festung zu übergeben. Da den Byzantinern die Winterkälte bereits sehr zu schaffen machte, beschloß Niketas den Rückmarsch, nachdem er den Verteidigern von Bikisrä’Tl seine Wiederkehr angekündigt hatte. A uf dem W eg nach Antiocheia unternahm er noch einen Streifzug in das Gebiet von Afömija und stellte auch hier den Respekt vor Byzanz wieder her,s7. Als weitere wichtige Aufgabe dieser Zeit stellte sich der byzantinischen Politik die Unterstützung von al-Hassän b. al-Mufarrig. Durch seine Gesandten, die er zu Romanos III. nach Antiocheia geschickt hatte, erfuhr1 3 *7 133 Säfftä liegt in den südlichen Ausläufern des Gabal Bahrft' (zu diesem vgl. o. A. 87). etwa auf halbem Weg zwischen dem in der Kreuzzugszeit berühmten Hisn al-Akrid und Antartüs; wahrscheinlich ist das im Bericht des Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrcnos 495,1—496, 18), bes. 383, 89 ( = Kedrenos 496, 10) zusammen mit Manlqa als eingenommen bezeichnete Aigyrokastron n ich t mit Säfltä identisch, sondern eher eine eigene Festung, die ihren Namen von Romanos III. Argyros als Erbauer erhielt. Vgl. Dl » A I D 96. 119; ('AHKN, Syrie 170. 176; HOXIGMANN 114, A.5; vgl. auch o. A.95. tM Der byzantinische Anführer erscheint bei Jahjä 262, 12 —14 t'HEIKHO als ^ — sollte dahinter entstelltes Ti-'.ip/r,; stehen ? — und wird in dieser Form nochmals 268. 12 erwähnt. 137 Der I. Feldzug gegen Manlqa : Jahjä 260, 18—261,6; der 2. Zug : a. O. 262. 8—263,7. Daraus bringt Kamäladdln ein sehr kurzes und fehlerhaftes Exzerpt (I 246, I—6) : er verlegt den Zug nach Manlqa und Rafanijja auf 421 H statt 422 H bei Jahjä und an-Nuwairl (dieser bei Ql'ATREMEKE 1/2, 112, A. 134) und setzt den Frieden zwischen Nasr b. Sälih und Byzanz nach der Eroberung der übrigen Festungen durch Niketas an, wogegen letzteres nach Jahjä und an-Nuwairl voranging. Andererseits scheint Jahjä ein Irrtum unterlaufen zu sein, wenn er 261, 5 C’ HEIKHO das schon im Voijahr eingenommene 'Arqa (a. O. 259, 18) nochmals geplündert werden und die Besatzung in Gefangenschaft geraten läßt.
96 Syrien und Phönikien er vom Mißerfolg des Kaisers, was ihn mit tiefem Verdruß erfüllte, weil er gehofft hatte, mit byzantinischer Hilfe seine Besitzungen wieder erlangen zu können. Mit dem Emir der Kalb, R&fi* b. Abi’l-Lail168, hatte sich alHassän schon zu gemeinsamem Voigehen gegen ad-DuzbarT vereint, und im Herbst 1030 kam es zwischen den Truppen ad-Duzbarls und den Arabern al-Hassäns und Räfi's zum Kam pf in der Nähe von Bostra160, wobei die letzteren zunächst die Oberhand behielten, bis sie von ad-DuzbarT schließlich zum Rückzug in die Wüste genötigt wurden. Romanos III. ließ es sich indessen angelegen sein, in einem Brief an alHassän das Klima für den Fehlschlag seines syrischen Feldzuges verant­ wortlich zu machen und ihn zugleich aufzufordem, seine freundschaftlichen Beziehungen zu Byzanz beizubehalten. Ein Gesandter traf al-Hassän erst nach manchen Schwierigkeiten an dessen damaligem Zufluchtsort in der Nähe von Tadmur100, wo er im Zorn gegen ad-DuzbarT ungeduldig eine Botschaft des Kaisers erwartete. In dieser Lage vermochte der byzantini­ sche Gesandte, al-Hassän b. al-Mufarrig die Vorteile eines Übertrittes auf byzantinisches Gebiet vor Augen zu stellen. Wohl im Frühjahr oder Sommer 1031 machten sich mehr als 20.000 Menschen unter al-Hassän b. al-Mufarrig und Räfi' b. Abi’l-Lail mit ihren Zelten und ihrem Besitz auf und zogen an Halab vorbei — wo man fürchtete, Romanos könnte die Garrähiden und Kalbiten zur Machtergreifung in Halab aufgerufen haben — bis sie im Katepanat Antiocheia byzantinisches Gebiet erreichten. Romanos III. ließ al-Hassän auf das zuvorkommendste behandeln und lud seinen Sohn AUäf nach Konstantinopel ein, wo er samt seiner zahlreichen Begleitung vom Kaiser mit aller Huld aufgenommen und vor der Rückkehr zum Patrikios ernannt wurde101. 188 R&fi' b. Abi’l-Lail war 419 H (beg. 31. Januar 1028) durch den Fätimidenchalifen azZihir zum Emirat der Kalb gelangt und Ährte wohl den Todesstreich gegen Çâlih b. Miidäs bei Uqhuwäna 1029 (vgl. o. S. 81 f. mit A. 118). Er hatte sich also in der Zwischenzeit mit den Fätimiden oder wenigstens mit ad-Duzbari überworfen; 429 H (beg. 14. Oktober 1037) jedoch ging er wieder gemeinsam mit ad-DuzbarT gegen Nasr b. $älih vor (vgl. u. S. 108 mit A. 194IT.). IM Zu Bostra, das in Spätantike und Frühmittelalter von hoher Bedeutung war (Sitz der Ghassäniden), heute jedoch nur noch eine ärmliche Siedlung im Haurän darstellt, vgl. E l' I 797, s. v. Bosrä (B u h l ); E I 1 1 1275—1277 (A b ei .); RE III 789—791 (B e x z ix g e r ). 140 Tadmur (das antike Palmyra) war im Mittelalter nur Erinnerungsstätte an vergange­ ne Größe; vgl. E I 1 III 1101—1103 (BUHL); RE XVIII 3, 262—267, s. v. Palmyra (W a t z in g e r ); L e S t r a x g e , Palestine 540ff. 101 So im Anschluß an Jahjä 261, 7—262, 3 CHEIKHO, der hier die Ereignisse eines größeren Zeitraumes zusammenfaßt. Weil der Zug des Niketas gegen ManTqa (Einnahme am I.Dezember 1031) folgt (vgl. o. S.95 mit A. 157), und der FViedensschluß zwischen Byzanz und Nasr b. $älih (Mai 1031 ) vorangeht (vgl. o. S. 93f. mit A. 154), müßte die Auswanderung der Araber auf Sommer oder Herbst 1031 fallen. Der Herbst ist aber wohl bereits durch den
Darstellung 97 Wahrend Niketas seinen zweiten Zug gegen ManTqa führte, war an der Grenze des byzantinischen Gebietes im Öabal as-Summftq162 durch die Umtriebe fanatischer Drusen ein neuer Unruheherd entstanden. Zu beiden Seiten der Grenze kam es zu Plünderungen und Massakern an den Musli­ men und zur Zerstörung von Moscheen. W eil sich ihre Anhangerschar durch steigenden Zustrom aus mirdftsidischem Gebiet immer mehr vergrößerte, hielt der Katepano Niketas ein schnelles Vorgehen für angezeigt. Nach Absprache mit Naçr b. §&lih b. Mird&s ließ Niketas seine Unterbefehlshaber die Drusen im R ab f 1 423 H (beg. 16. Feber 1032) in den scheinbar unzugänglichen Schlupfwinkeln des Gebirges belagern und zur Übergabe vergeblichen Streifzug des ad-Duzbarl gekennzeichnet (vgl. u. S.98 mit A. 166); der Passus von der Bestürzung in H&l&b schließlich weist vielleicht daraufhin, daß der Friede zwischen Naar b. Sälih und Byzanz noch nicht rechtskräftig war. Was Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrenos 495, 1—496, 18) über Niketas, IUv^zpzy (Ibn al-Garräh) und Mv^zpz? (Ibn Musaraf) erzählt, ist mit Kritik aufzunehmen. Pinzaraoh war weder Emir von Tripolis, noch erst kürzlich vom ägyptischen Chalifen abgefallen. T'/Vnrcp (ad-Duzbarî) hat im Öabal Bahrä’ nicht direkt eingegriffen, sondern wurde erst später gegen Byzanz aktiv; die Nachricht, er hätte sich beim Nahen der Byzantiner voll Schreck heimwärts gewandt, kann allenfalls auf spätere Ereignisse (vgl. S.98 mit A. 165) Bezug haben. Unmöglich ist weiters, daß Musaraph damals auf der Flucht im Grenzgebiet von Tripolis gestellt und getötet wurde, da er im folgenden Jahr 423 H (beg. 19. Dezember 1031) höchst aktiv war (vgl. u. S.99f. mit A. 166—169). Schließlich schreibt Skylitzes den Oberbefehl im erneuerten Krieg gegen Musaraph bew. ein bewaffnetes Zusammengehen der Byzantiner mit al-Hassän b. al-Mufarrig dem Protospatharios und fif;z: str\zz6y/ttz Theoktistos zu. Von diesem Zusammenwirken sagt Jahjä kein Wort, und zudem kennt er als Oberbefehlshaber allein Niketas, dem er laufend das Gesetz des Handelns zuschreibt. Im übrigen war der verhältnismäßig rangniedrige Protospatharier Theoktistos weder damals noch gegen Ende der Regierung des Romanos Oberbefehlshaber des Ostens, wie Skylitzes vermuten ließe — sowohl der ’Avt».o/siz: Niketas als auch sein vermutlicher Nachfolger Theophylaktos Dalassenos (vgl. A. 182) waren deutlich ranghöher. Da in den Hetairien vorwiegend Angehörige von Fremdvölkem dienten (vgl. o. A. 134), könnte üieoktistos als aus dem Osten stammender und des Arabischen mächtiger Offizier aufgefaßt werden, der vielleicht schon damals mit der Verbindung zu den Garrähiden in Syrien beauftragt war. Auch in jenem byzantinischen Gesandten, welcher die Garrähiden zur Auswanderung bewog, den Theoktistos zu erken­ nen, scheint naheliegend, ebenso wie seine Mitwirkung bei der Einnahme von Aftmija durch die Byzantiner vgl. u. S. 104 mit A. 186). In Übereinstimmung mit Jahjä berichtet Skylitzes nur die Ehren für al-Hassän b. alMufarrig und seinen Sohn ; der Name des letzteren lautet bei Jahjä 262, I CHE1KHO (ebenso bei anderer Gelegenheit Kamäladdln I 251, I) Alläf und erscheint bei Skylitzes als *A/.zy. Vgl. auch D ö LGER, Regesten 834. — Zu dem laut Skylitzes damals eingenommenen Argyrokastron vgl. o. A. 155. 162 Der Gabal as-Summäq ist der heutige Gabal Zäwija, südwestlich von Qinnasrln, etwa zwischen Maarrat an-Numän und dem Orontes. Er war ein typisches Rückzugsgebiet und auch in der Kreuzfahrerzeit der Sitz fanatischer Heterodoxer (damals Ismalliten). Vgl. D u ssald 215; C a n a r d , Hamdanides 216; C a h e n , Syrie 161 f.; HONIGMANN 113.
98 Syrien und Phönikien zwingen. Ihre Führer verfielen der Hinrichtung, wogegen die Masse der Aufrührer freien Abzug erhielt163. Vermutlich im Herbst 1031 wurden die Ausgewanderten Araber, als sie in den Grenzgebieten zwischen Qastfln und Inab164 ihren Aufenthalt hatten, das Ziel eines — fehlgeschlagenen — Angriffes ad-DuzbarTs. Wahrend er selbst in die Gegend von Af&mija zog und alle Emire der Kil&b aufforderte, mit angemessener Macht zu ihm zu stoßen, schickte er einen starken Trupp gegen die Emigranten voraus. Dieser Vorhut gelang es auch, unvermutet die Zelte der Garr&hiden zu überfallen. Doch R&fi* b. Abi’l-Lail, der in der Nähe war, eilte herbei, stellte die Feinde und trieb sie in eine verlustreiche Flucht, wobei sie alle Gefangenen zurücklassen mußten. A uf die Kunde hiervon zog ad-DuzbarT nach Einbruch der Nacht gegen Af&mija, wo er die Kil&b erwartete. Es war aber niemand gekommen, denn Naçr b. $&lih hatte sie teils durch freundliche Behandlung fur sich gewon­ nen, teils durch Einziehung ihres Landbesitzes oder die Drohung, byzanti­ nische Hilfe anzufordem, eingeschüchtert. W eil ad-DuzbarT letzten Endes gar eine Absprache zwischen Kil&b und Garr&hiden fürchtete, zog er tags darauf eilends nach Damaskus ab. Noch auf dem Rückmarsch richtete er einen Brief an Niketas, worin er behauptete, sein Zug nach Af&mija habe nur die Wahrung f&timidischer Interessen unter Vermeidung jeder nachtei­ ligen Handlung gegen Byzanz zum Ziel gehabt. Trotz dieser wenig glaub­ haften Verantwortung ergab sich eine vermehrte Korrespondenz zwischen ad-DuzbarT und Niketas über ein Friedensabkommen seit dem W inter 1031/2. Man einigte sich schließlich, Gesandte der beiden Herrscher in Sondermission auszutauschen und bei Antartüs Zusammentreffen zu lassen, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten166. IM Jahjä 265,9—20 CHE1KHO; Kam&laddTn 1 248,5 —249,3; al-'Azïmî 168»; al-MaqrlzT, Fätimidengeachichte II 181. — Die Unterbefehlshaber nennt Jahjä 266, 16 CHEIKHO , was offenbar Plural zu (Touftutpx’ic) ist. Die Führer der Drusen werden als o Wj („Missionare“) bezeichnet, d. i. eine der drei KlMsen niedrigerer Amtstriger der Drusen. Vgl. EI* I I 632, s. v. Duruz (HODGSON). — Die Vermutung von Honigmann (114), NiketM könnte dort mit Hilfe von al-Hass&n b. al-Mufarrig die Ägypter bekämpft haben, ist aus den Quellen nicht erweisbar. ,M Zu Qastün (etwa 25 km westlich von Ma'arrat an-Nu'min in der Orontessenke) vgl. HONIOMANN 117, A.6; C a h e x , Syrie 161 ; L e S t r a n g e , Palestine 90; D u s k a u d I69f.; zu Inab (unweit westlich von QMtün gelegen) DUSSAUD 168; CAHEN, Syrie 161. Jahjä 265, 24—266, 23 CHEIKHO; da sich nach 266, 19 die brieflichen Kontakte zwischen NiketM und ad-DuzbarT nach der Zerstörung von Rafanijja und der Eroberung von ManTqa, d. h. im Winter 1031/2, verstärkten, ist der Streifzug des ad-DuzbarT vorher, also wohl im Herbst anzusetzen.
Darstellung 00 A uf Drängen von Naçr b. Musaraf stellte ad-Duzbarl jedoch unvermutet die Bedingung, ein Abkommen mit Byzanz sollte die Anerkennung fütimidischer Oberhoheit Aber Bikisrä'Tl einschließen. Niketas erklärte demgegen­ über, daß es vor der Übergabe oder Einnahme Bikisrft'Ils keinerlei Verein­ barung geben könne; während die Dinge noch in Schwebe waren, zog er mit seinen Truppen gegen die Festung, um sie mit allen Mitteln der Kriegs­ technik zu belagern. Die Hoffnung von Nasr b. Musaraf, es möchte adDuzbarl gelingen, Niketas durch drohenden Aufmarsch im Gebiet von Gabala186 und al-Arwäg167 abzulenken, erfüllte sich nicht ; ebenso wie schon zuvor ein (weiterer?) Streifzug im Gebiet von Inab blieb er ohne E rfolg108. Schließlich wurde Bikisrä’Tl nach 40 Tagen Belagerung am 17. TammQz 1343 seleukid. (17. Juli 1032) von Niketas eingenommen; die Verteidiger batten in Verhandlungen nur erreicht, daß ihnen — von einigen abgesehen — Leben und Unversehrtheit zugesichert wurde, sie aber in Sklaverei geführt und der Entscheidung des Kaisers überantwortet werden sollten. Zwei Gesandte ad-Duzbarls, die früher gekommen waren, mußten auf Anweisung des Niketas in Gabala bleiben und wurden von ihm nach dem Fall von Bikisrä*Tl mit der Nachricht über das Geschehene zurückgeschickt. Die Festung wurde auf Anordnung des Niketas völlig in Stand gesetzt und mit einer entsprechend ausgerüsteten Besatzung gesichert, wonach er sich auf den Rückweg begab und alle Gefangenen zum Kaiser schickte. Über Naçr b. Musaraf ergibt sich aus den Quellen keine eindeutige Gewißheit, doch scheint es, daß er einige Zeit später im Kam pf gefallen ist. ad-Duzbarl selbst zeigte sich dermaßen betroffen, daß er den Chalifen azZähir das allgemeine Aufgebot in Ägypten und Syrien für einen Krieg gegen Byzanz verkünden ließ, während er selbst die arabischen Stämme der Gazlra zum Glaubenskrieg aufrief. Niketas setzte seine Truppen in Bereit­ schaft, wartete jedoch im übrigen die Entwicklung ab und schickte zudem ad-Duzbarl ein Schreiben des Inhaltes, er werde dem Kam pf nicht ausweichen; wenn ad-DuzbarT aber an den diplomatischen Verhandlungen weiter interessiert sei, solle er die Emissäre az-Zähirs zum Kaiser schicken, der mit den seinen umgekehrt verfahren würde. ad-DuzbarT antwortete, seine*1 0 6 IM Cabala, an der Küste etwa 30 km südlich von Lädiqijja gelegen, zugleich Endpunkt von Straßen aus Richtung Afämija und Halab, war ein wichtiger Handelsplatz. Vgl. Le STRANGE, Palestine 459f.; C'AHEN. Syrie I7 0 f.; E I'1 II 353 (E m s s EEKK). 1,7 al-Arwäg (abgeleitet von ar-Rüg) ist die beiderseits des Orantes gelegene Landschaft zwischen Cabal Bahrfi’ und Cabal Summäq. Vgl. ( ,'A.NAKD, Hamdanides 199; H o n k . mann 106 und Karte III. '** Der Kommandant von Inab (zu diesem vgl. A. 164), welcher mit Armeniern dem Ráfi' beim übemunplungsversuch ad-Duzbarls zu Hilfe kam, erscheint bei Jalijä 261, 2 ClIKIKHO als^«jUi , was wohl M,‘in soll (vgl. dazu auch A. 163).
100 Syrien und Phönikien Maßregeln wären yon der Sorge um die Entwicklung der Dinge nach dem Fall von Bikisrfiffi bestimmt gewesen, war aber mit dem Gesandtenaustausch einverstanden, der mit einem Treffen bei Ant&rtüs begann149. Romanos III. hatte im Sinn gehabt, nochmals nach Syrien zu ziehen, war jedoch nur bis Mesanakta*170 gelangt, wo ihn die Nachricht vom Fluchtversuch des als Oppositionellen eingekerkerten Konstantinos Dioge­ nes171 zur Aufgabe seines Planes veranlaßte. Durch die Wirksamkeit des Niketas in Syrien und des Georgios Maniakes in Mesopotamien, wo Edessa 1031 in byzantinische Hand kam, ergab sich eine für Byzanz günstige politische Lage im Osten, die den Gesichtspunkt militärischen Eingreifens durch den Kaiser zurücktreten ließ. Zeichen dafür ist das Zusammentreffen verschiedener Gesandtschaften und Bittsteller in Konstantinopel, im späteren Verlauf des Jahres 1032. Abgesehen von Gesandten der Numairiden in Harrän und der Marwäniden in Dijär Bakr sowie des 'abbäsidischen Chalifen al-Qä’im waren gekommen: al-Hassän b. al-Mufarrig und Räfi* b. Abi’l-Lail ; eine Gesandtschaft des Mirdäsiden Nasr b. §£lih mit den laufenden Abgaben und einer Reliquie vom Haupt Johannes des Täufers, wodurch Nasr die besondere Gunst des Kaisers zu gewinnen trachtete; weiters die beiden Gesandten des Fätimidenchalifen az-Zähir. W as al-Hassän und Räfi' betrifft, strebten sie byzan­ tinische Unterstützung für eine Rückkehr an. Nasr b. $älih ersuchte um die Zusage byzantinischer Hilfe für den Fall eines (wohl fätimidischen) Angrif'* Jahjä 266, 24—268, 16 C h e ik h o . — A.O. 267, 24—268, 2 könnte eine Doublette zu 265, 24ff. vorliegen; auch hier zieht ad-Duzbari gegen Inab, und wieder scheitert das Unternehmen an Raff b. Abi’l-Lail (vgl. o. S. 98 mit A. 165). — Über das weitere Schicksal von Nasr b. Musaraf verlautet aus JahjS (dessen Text für die Jahre ab 1028 nicht mehr vollständig erhalten ist) nichts. Hier könnte vielleicht die von Skylitzes 383, 84—86 ( » Kedrenos 490, 4—6) — allerdings in unrichtigem Zusammenhang — überlieferte Nach­ richt Aufschluß geben, daß Musaraph auf der Flucht im Gebiet von Tripolis eingeholt und getötet wurde. Vgl. dazu A. 161. — Die Zahl der Gefangenen betrug etwa 500, nachdem an die 200 durch die Beschießung mit den Katapulten getötet worden waren. Jener vormals aus Çafrta befreite ¿e—Tl (vgl. A. 156), der dann als Kommandant von Balätunüs in die Gefangenschaft des Ibn al-Musaraf gefallen war, fand nun neuerlich seine Freiheit wieder; vgl. Jahjä 268, 12—14 C’HEIKHO. 170 Mt /xvxxra bzw. AiítÓT«|iov war ein Ort mit großen kaiserlichen Domänen in der Nähe von Phil imelion bzw. des Sees der Vierzig Märtyrer (heute Akçehir Gölü); vgl. R am.say 140f. 171 Der angesehene Patrikios Konstantinos Diogenes war durch seine Frau mit dem Kaiserhaus verwandt und u. a. Dux von Thessalonike gewesen; später jedoch wurde er unter dem Vorwurf des Hochverrats zum Mönch geschoren und inhaftiert — er dürfte der Exponent der Anhänger Theodoras, der Tochter Konstantins VIII., gewesen sein. Vgl. Skylitzes 352, 24f.; 376, 86—92 (»Kedrenos 461, 13—15; 487. 17—23); vgl. auch ScHLfMBEKtiKR, Épopée III I20ff. ; Gl ILl.ANI), Recherches I 449.
Darstellung 101 fes auf H&lab und wollte seine Stellung zum byzantinischen Reich nicht zuletzt auch seinen Gegnern gegenüber durch Verleihung einer Würde hervorgehoben sehen. Den fotimidischen Gesandten schließlich ging es um die Bedingungen für einen Friedensvertrag mit Byzanz172. al-Hassftn b. al-Mufarri¿, der sich damals möglicherweise zum ersten Mal in Konstantinopel aufhielt, erreichte bei Romanos III., daß den Friedensbedingungen mit Ägypten das Ersuchen angefügt wurde, die Garr&hiden in ihre früheren Besitzungen zu restituieren, wie sie unter alHftkim bestanden hatten. Dafür garantierte Romanos das künftige Wohl­ verhalten al-Hass&ns, anderenfalls er der Ächtung und Bekämpfung verfal­ len sollte. Nasr b. Ç&lih erlangte die gewünschte Auszeichnung als Beweis des byzantinischen Schutzes, und zwar verkündete der Kaiser seinen Gesandten in Gegenwart der Vertreter az-Z&hirs und der anderen Abord­ nungen, daß er beschlossen habe, Nasr zum 7corrpixioç àvOÛTwrroç ßcorrj^173 zu ernennen, und daß dieses Nahverhaltnis Beistand gegen jeden Angriff einschließe174. Die Bedingungen für einen Friedensvertrag mit Ägypten im eigent­ lichen Sinne waren dreifacher Art. Der erste Komplex betraf den Kaiser als Protektor des orthodoxen Christentums. Ihm sollte das Recht zustehen, die 172 Zum Zug des Romanos vgl. Skylitzes 385,39—51 ( * Kedrenos 498, 11—499, 2), s. a. 6540 M (beg. 1. September 1031); da jedoch Anfang 1032 bereits intensive diplomatische Friedensfühler zwischen ad-Duzban und Niketas bestanden (vgl. o. S. 99f. mit A. 169), muß der abgebrochene Zug des Kaisers in den Herbst 1031 fallen; umso melir. als Skylitzes zuvor von dem — seiner Version nach im September 1031 erfolgten — Friedensschluß mit Halab berichtet. 173 Patrikios Anthypatos Bestes (bei Jahjft 270, 16 CHKIKHO ist statt offensicht­ lich zu lesen (¿vîVît:«™;]) galt damals sehr ranghoch — allerdings niedriger als Magistros — und kam z.B. mehreren $oGxc<; bzw. XovoHctsi z u ; vgl. ÜIKOXOMIDKs 263, 21 : 294. 174 Jahjft 270. 10—18 CHEIKHO (betr. Nasr b. Sälih); ders. 271,4 —8 (betr. ftarr&hiden). Widersprüchlich ist, was die Quellen über die Reisen von al-Hass&n b. al-Mufarrig nach Konstantinopel mitteilen. Wenn Skylitzes 382, 59—383, 96 ( = Kedrenos 495. 1 —496, 18) zwei Reisen angibt, die erste vor dem von ihm als 1. Zug des Theoktistos gezählten Unternehmen und die zweite danach, so ist dieser Bericht mit Vorbehalten aufzunehmen (vgl. in A. 161), da er zahlreiche sachliche Irrtümer enthält; auch betreffs der Anwesenheit von lliv^apx/ (Ibn al-Garrah) beim Kaiser ist es bedenklich, daß Jahjft b. Sa*Td von einer oder zwei Reisen zu diesem Zeitpunkt nichts erwähnt. Wohl aber könnte die von Jahjft 261,25 262, 3 CHKIKHo berichtete Reise von Ihn al-tiarrfths Sohn Allftf nach Konstantinopel (vgl. o. S. 96 mit A. 161) der Hintergrund für die beiden von Skylitzes behaupteten des Ibn alCarrfth sein. Als dritte Reise nennt Skylitzes 388, 25—29 ( = Kedrenos 502, 5—9) jene, die der Anwesenheit im Kreise der verschiedenen Gesandtschaften bei Jahjft 270, 7f. CHKIKHO entsprechen wird; sie scheint also nach dem oben Gesagten vielmehr die erste Reise darzustellen, und dazu würde Kekaumenos 302, 13—16 (130f. Bkck) passen, der gleichfalls nur von einer Reise des \ \ - z ^ m i t ehrenvoller Aufnahme weiß.
102 Syrien und Phönikien Grabeskirche in Jerusalem erneuern zu lassen*1 7 0 *176, sowie einen Patriarchen dorthin zu entsenden170; darüber hinaus sollten die Christen im fotim idischen Machtbereich die zerstörten Kirchen wieder aufbauen dürfen1771 7 8 . In zweiter Linie handelte es sich um den Status von Halab: W eil die jährliche Abgabenpflicht als Ausdruck der byzantinischen Oberhoheit aufgefaßt wur­ de, sollte die f&timidische Seite jegliche Feindseligkeit gegen Halab unter­ lassen. Drittens wurde von az-Zähir die Einstellung der Unterstützung für Sizilien und alle anderen Feinde des byzantinischen Reiches verlangt170. Die Gegenleistung bestand darin, daß Romanos für die Wiederherstel­ lung der Grabeskirche die Freilassung aller Gefangenen in Aussicht stellte, die während seiner Regierung in den Kämpfen mit den Muslimen gemacht worden waren. Außerdem bekräftigte der Kaiser, seinerseits keine Wider­ sacher der Fätimiden unterstützen zu wollen; hiebei war die Rückführung der Garrähiden von den eigentlichen Friedensbedingungen ausgenommen und in ein zusätzliches dringliches Ersuchen des Kaisers gekleidet wor­ den179. Zuletzt schlug Romanos III. noch eine Begradigung des Grenzver­ laufes vor, wobei die byzantinische Festung Saizar180 gegen die im fctimidi- 175 Die Einigung von 418 H (beg. 11. Feber 1027) über den Wiederaufbau der Grabeskirche (vgl. o. S. 80 mit A. 115) hatte also keine praktischen Auswirkungen gezeigt, wie aus den nunmehrigen Verhandlungen erhellt. 170 Ägypten sollte, was das postulierte Emennungsrecht für einen Patriarchen zeigt, das Protektorat des byzantinischen Kaisers über die heiligen Stätten anerkennen; dieses Recht galt für die Zukunft, weil der Patriarch Nikephoros seit 1020 (vgl. o. A.91) bis nach 1048 regierte (für diesen Zeitpunkt nennt ihn Wilhelm von Tyrus; vgl. Le QUIEN, Oriens Christianus III. Paris 1740, 494f.). 177 Die Aussicht auf Wiederaufbau der zerstörten Kirchen weist darauf hin, daß Jahjä 244,4—7 Cheik HO (zur Mission des Patriarchen Nikephoros) nicht als Faktum, sondern als Absichtserklärung Sittalmulks aufzufassen ist (vgl. o. A. 93). 178 Der seit 1019 regierende Emir Siziliens, al-Akhal, hatte die als ¿ihäd geltenden Einfalle nach Unteritalien wieder aufgenommen (vgl. u. S. I98f. mit A. 28f. ; S. 202 mit A.4I); weiters kam es 1032 zu Piratenstreifzügen in der Adria, die wohl den Kalbiten Siziliens und den Zîrïden Nordafrikas zuzuweisen sind (vgl. u. S. 202f. mit A. 44f.) und daher Ägypten als nominellem Oberherm aufgelastet wurden. 178 Für die byzantinische Politik war al-Hassän b. al-Mufarrig anscheinend nicht wichtig genug, durch die Aufnahme seiner Wiederein Setzung unter die Friedensbedingungen den ganzen Vertrag in Frage zu stellen; andererseits wollte man ihn und sein Anliegen doch berücksichtigen und wählte daher den Weg eines Zusatzes, in der Form einer kaiserlichen Demarche. ,H0 Saizar ist trotz seiner prekären Lage byzantinisch geblieben und den Muslimen erst 1081 während der Expansion der Selgüqen zugefallen. Seine Umgebung war seit je muslimisch und wurde durch Salih b. Mirdäs um 1025 den später dort residierenden Banü Munqid (mit damaligem Sitz Kafartäb) verliehen. Vgl. Hoxicmaxn 122: E I 1 IV 309 -311 (Hoxicmaxn): Z akkak 85f. 200.
Darstellung 103 sehen Machtbereich liegende Festung Af&mija hätte ausgetauscht werden sollen. Diese Vorstellungen der byzantinischen Seite fanden bei az-Z&hir ge­ teilte Aufnahme. Den Bedingungen über die Zugeständnisse an die Chri­ sten stimmte er gegen Freilassung der muslimischen Gefangenen zu; ebenso der wechselseitigen Nichtunterstützung der Reichsfeinde. Hingegen schien es az-Z&hir untragbar, mit Halab eine der bedeutendsten muslimi­ schen Grenzfestungen dem byzantinischen Einfluß zu überlassen, weshalb er vorschlug, Halab überhaupt aus dem angestrebten Vertrag auszuklammem. W eiters verweigerte er die Rückführung der Garrähiden ebenso wie den Austausch von Afämija gegen Saizar. Romanos III. erklärte jedoch, von den Bedingungen bezüglich Halabs nicht abzugehen und ohne Ein­ schluß Halabs keinen Vertrag zu schließen. Daher kam überhaupt keine Vereinbarung zu Stande; die beiderseitigen Korrespondenzen dauerten aber fort und führten schließlich unter Michael IV. zum erstrebten Resul­ ta t181. Nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen strebte die byzanti­ nische Politik eine Demonstration der eigenen Macht gegenüber Ägypten an. Im Herbst 1033 oder dem darauffolgenden W inter ließ Romanos III. die Garrähiden durch den Hetaireiarchen Theoktistos182 mit Heeresmacht in das fätimidische Grenzgebiet Syriens zurückfuhren183*1 8 9 . Um die gleiche Zeit richtete sich ein Flottenvorstoß gegen Ägypten selbst, wobei der 181 Der Gang der Verhandlungen bei JahjA 271, 11—23 CHEIKHO ; ihr Verlauf zeigt, daß die byzantinische Position nach außen hin durch die Tätigkeit des Niketas und des Maniakes bedeutend gestärkt worden war, sodaß Romanos zu keinen wesentlichen Zugeständnissen bereit sein mußte. Skylitzes 387, 12—388, 19 ( = Kedrenos 504, 16—23) behauptet irrefüh­ rend, Romanos III. sei an der Wiederherstellung der Grabeskirche nur durch seinen Tod gehindert worden, und erblickt außerdem in deren Zerstörer "AÇioç statt al-H&kim irrig dessen Vater al-Azlz. 182 Theoktistos wird von Skylitzes (vgl. A. 161) bereits im Zusammenhang mit den byzantinischen Feldzügen gegen Musaraph irrig wie ein Oberkommandierender des Ostens dargestellt, und auch zum vorliegenden Zeitpunkt kann dem Protospatharios bloß ein beschränkter Sonderauftrag zugeschrieben werden. Den damaligen Kommandanten von Antiocheia nennen die literarischen Quellen nicht, doch wäre denkbar, daß Theophylaktos Dalassenos diese Funktion bekleidete. Ein Siegel bezeugt ihn als avOwcaToç, 7tarrpùuoç, ßcottjç xai ftooÇWvTioxcta; ; es ist in Anbetracht seines cursus honorum am ehesten zwischen 1032 und 1034 zu datieren — sicherlich nicht vor 1021, wie LAURENT, Antioche 236 wollte; vgl. S e is t , Bleisiegel 126. A.2; DERS., BZ 70 (1977) 585f. Vgl. auch o. A.71. 189 Die Rückführung der Garrähiden fehlt bei Jahjä (dessen nunmehrige Schlußpartie bereits Lücken in der Überlieferung aufweist; vgl. u. A. 186; vgl. auch o. S. 28); Skylitzes 388, 28f. ( - Kedrenos 502,8f.) setzt sie auf6542 M (beg. I. September 1033), jedoch muß sie vor dem Tod des Kaisers Romanos III. (11. April 1034) stattgefunden haben. Zu den Hetairien vgl. o. A. 134.
104 Syrien and Pbônikien Protosp&tharios Tekneas aus A bydos'M unversehrt am Nildelta vorb ei bis gegen Alexandreia vorstieß und mit großer Beute an Schiffen und Sachw er­ ten zurückgelangte1tó. In die Zeit nach der Rückführung der Garràhiden durch T heoktiatos muß dann die Besetzung von Aftm ija durch die Byzantiner gefallen sein. Die Quellen schreiben diese Unternehmung keinem anderen als al-Hass&n b. al-Mufarrig zu, der mit einem stattlichen Heer unter dem Kreuzesbanner gegen die Festung zog, sie einnahm und plünderte, und die Einwohner in die Gefangenschaft führte. Ein schwieriges Problem bildet die C hronologie, weil die tradierte Festlegung auf 422 H (beg. 29. Dezember 1030) sachlich unhaltbar ist; vielmehr dürfte auf das fortgeschrittene Jahr 1033 oder soga r auf 1034 zu datieren sein"*. Der Name Tekneas ist nicht byzantinisch: er begegnet ein weiteres Mal z. J. 1415 bei einem Grundbesitzer auf Lemnos (Actes de Lavra, edd. P. L kmkrle — A. G l'lLL or— X . S voronos —D. PAl\\uHRYssANTH«>t\ 111. Paris 1979. 168. Z.6). Sollte das Voiderglied m it türkischem tekke (vgl. Morawsik II 303. s. v. Tcxir:) oder etwa mit geoigischem teka (eine Art Filzjacke aus Lammwolle) zu verbinden sein? (Hinweis von \V. SEIBT). Z u seiner Herkunft vgl. u. A. 185. ,Mr> Vgl. Skylitzes 388, 29—33 ( = Kedrenos 502. 9— 14). Die Formulierung betreffend Tekneas ó è; Wy^yj konnte bedeuten, daß er Stratege von Abydos war, als er dieses Sonderkommando erhielt: andernfalls handelt es sich um eine Herkunftsbezeichnung. — Das durch seine Lage am Eingang der Dardanellen wichtige Abydos war nicht nur eine bedeutende Zollstation, sondern zu dieser Zeit auch schon Sitz eines Strategen: vgl. OIKONOMIDKS 260: SEIBT. Skleroi 42: AHRWEILER. Mer 133. ,H,i Die Besetzung Afämijas setzen Ihn al-Atlr IX 420 und danach Abu'l-Fidá* III 76f. und al-Maqrizl. Fätimidengeschichte II 180. auf 422 H (beg. 29. Dezember 1030). Dies ist deswegen unmöglich, weil nach Jahjä b. Sä' kI 271. 9 —23 ('HKIKHO in den byzantinisch* ägyptischen Verhandlungen der Vorschlag eines Tausches zwischen dem byzantinischen Saizar und dem fätimidischen Afämija eine Rolle spielte: diese Verhandlungen waren aber erst nach der Einnahme von Bikisräll durch Byzanz (.Juli 1032) in Gang gekommen (Jahjä 268, 17—269. 15 C'HKlKHo). Ebenfalls nach Jahjä (261.7 262. 3 CHEIKHo) befand sich alHassän b. al-Mufarrig infolge des gescheiterten syrischen Feldzuges Romanos* III. in großer Besorgnis vor ad-I)uzbarï und hielt sich in der liegend von Tadmur (Palmyra) verl)oigen. bis er mit seinem Anhang auf byzantinisches Gebiet auswanderte. d. h. er konnte damals nicht aufSeiten der Byzantiner tätig sein, was aber die Quellen voraussetzen. 432 H (beg. 11. September 1040) war Afamija jedenfalls byzantinisch, vgl. u. S. 111 mit A. 203; da aber 427 H (beg. 4. November 1035) der lang erstrebte byzantinisch-fatimidische Vertrag abgeschlossen wurde (vgl. u. S. 107 mit A. 192), den man 437 H (beg. 19. Juli 1045) erneuer­ te (vgl. u. S. 114 mit A. 210). fallt es schwer zu glauben, ein derart gravierendes Ereignis wie die Besetzung Afamijas habe den laufenden Vertrag nicht außer Kraft gesetzt — zudem käme man vom überlieferten Datum noch weiter ab. 427 H kam al-Hassän b. al-Mufarrig den Byzantinern vor Edessa zu Hilfe (Ibn al-Atîr IX 449 s. a.) und ist kaum gleichzeitig in Syrien tätig gewesen : zudem würde man dann beide Nachrichten an ein und derselben Stelle bei Ibn al-Atlr erwarten - dies gilt auch fiir 426 H (beg. 16. November 1034), weil Ibn alAtír IX 444 s. a. (danach Abu'l-Fida III 82 s. a.) einen fehlgeschlagenen Zug der
Darstellung 105 Zur Abrundung des Gesamtbildes ist es noch nötig, eine Zusammenfas­ sung der äußeren und inneren Verhältnisse Halaba bis in die Zeit Michaels IV. zu geben. Sibladdaula Nagr b. $älih hat nach dem syrischen Feldzug Romanos' III. und der folgenden byzantinischen Racheuntemehmung nicht nur einen Friedensschluß mit Byzanz erlangt, sondern auch das Verhältnis zum Fätimidenreich zu verbessern gewußt. Eine Gesandtschaft m it Ehrengaben aus der byzantinischen Kriegsbeute Nagrs an den F&timidenhof wurde zunächst jahrelang festgehalten (woraus auf die damals ungelöste Problematik der gegenseitigen Beziehungen zu schließen ist). Nach dem Tode az-Zfihirs (13. Juni 1036) schickte sie jedoch die Regent* schaft für seinen Sohn al-Mustangir 428 H (beg. 26. Oktober 1036) mit Ehrenkleidern, der Verleihung einer Reihe von Ehrentiteln und dem Bescheid über die Belehnung Nagrs mit Halab und dem von ihm geforder­ ten Hirn? in die Heimat zurück. Letzteres Zugeständnis sollte die Feind­ schaft zwischen ad-Duzbarl und Na$r b. $älih vergrößern und wirkte zugleich als Beschränkung des bei Hofe mißtrauisch angesehenen adDuzbarT*187. Schon in den letzten Zeiten az-Zähirs muß es aber zu einer Einigung mit Nasr b. $älih gekommen sein, denn der einzige erhaltene D inar Nasrs aus dem Jahre 427 H (beg. 4. November 1036) weist ihn durch Nennung von Namen und Titel az-Zähirs als Bekenner des Britischen Islam und der fatimidischen Oberhoheit aus188. Im selben Jahr 423 H (beg. 16. Dezember 1031), als Nasr gemeinsam m it Niketas die Drusen niederwarf, war Halab durch den Konflikt zwischen Byzantiner gegen Halab als fur sich stehend berichtet. Mit gebotener Vorsicht dürfte daher die Zeitspanne, innerhalb dererdie Annexioh stattfand, aufetwa Herbst 1033 bis Herbst 1034 zu begrenzen sein. Es spricht auch die innere Wahrscheinlichkeit dafür, in der Eroberung von Afämija eine Folge der Rückführung al-Hassäns und der Garrähiden durch Theoktistos — nicht nur zeitlich, sondern auch sachlich — zu erblicken. Die vereinten Kräfte des Theoktistos und der Garrähiden dürften Afämija erobert haben, das nach der Plünderung durch die letzteren in eine byzantinische Festung umgewandelt wurde. — Das Schweigen Jabj&s zu dieser Frage erklärt sich daraus, daß sein Werk zwar bis zum Tod Romanos’ III. erhalten ist, in den letzten Partien aber schon beträchtliche Lücken aufweist; so fehlen die Rückführung der Garrähiden (vgl. A. 183) ebenso wie die Expedition des Tekneas gegen Ägypten und das Ende der Amtszeit des XiketaB (vgl. A. 182). 187 Zur Gesandtschaft vgl. Kamäladdtn I 247, 7—248, 4; Ibn al-QalänisT 75; al-Maqrlzl, F&timidengeschichte II 186. Die Zession von Hirns ging zu Lasten ad-Duzbaris, der auch mit dem Wezir al-Gargarä'T verfeindet war (al-Maqrlzl a. (). ; Ibn al-Atlr IX 500, s. a. 433): letzterer trachtete, die Stellung ad-Duzbans zu beschränken. IM MDer Dinar Nasrs trägt am Avers das sl'itische Glaubensformular und im Feld seinen Ehrentitel ÍSibladdaula; am Revers neben Namen und Titel az-Zähirs den Namen des — vermutlich mirdäsidischen - - Wezirs Abü Bakr Muhammad und das Prägejahr. Vgl. CBAWKOKD, Halab 90f. ; ZaKKAK 127 vermutet Abü Bakr als Wezir, und nicht als Thronfolger. Vgl. auch u. mit A. 191.
106 Syrien und Phönikien Nasr und Sälim b. Mustaftd, dem Führer der ahdät (einer Art Stadt­ miliz) erschüttert worden. Sälim hatte einst durch seinen Abfall von den Fätimiden die Einnahme Halabs für Sälih b. Mirdäs wesentlich erleichtert und war deshalb von den Mirdäsiden in die Verwaltung der Stadt einge­ setzt worden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich Sälim zum Führer derjenigen gemacht hatte, die mit der Byzanz gegenüber konzilianten Politik Nasrs unzufrieden waren. Dies kann daraus gefolgert werden, daß Nasr, als er sich, durch Intrigen veranlaßt, Sälims bemächtigt hatte, ihm zunächst zusagte, sein Leben zu schonen; dann aber zog er den byzantini­ schen Statthalter von Antiocheia zu Rate und ließ Sälim hierauf — unter sophistischem Bruch des Versprechens — erdrosseln180. Das enge Einvernehmen zwischen Nasr b. §älih und Byzanz geriet 426 H (beg. 16. November 1034) in eine Krise. Nachdem ein kaiserlicher Beauftragter (appoonfc) vertrieben worden war, der anscheinend als politi­ scher Vertreter in Halab das Wohlverhalten Nasrs gegenüber Byzanz kontrollieren sollte, unternahmen die Byzantiner einen militärischen V or­ stoß gegen Halab. Nasr b. Sälih lieferte ihnen jedoch ein Gefecht, das mit der Flucht der Byzantiner endete ; er verfolgte sie noch bis A‘zäz und kehrte mit viel Beute unversehrt zurück. Im Interesse einer ausgewogenen Außenpolitik nahm Nasr b. Sälih indes 428 H (beg. 25. Oktober 1036) mit Michael IV. brieflich Verbindung auf und übersandte ihm den festgesetzten Jahresbetrag sowie Ehrengaben. Es scheint, daß Nasr in dieser Zeit der bevorstehenden Übereinkunft zwischen Ägypten und Byzanz durch betonte Wiederanlehnung an den Kaiser Druck auf Ägypten ausüben wollte. Michael IV. bedeutete ihm aber, mit der Regentschaft al-Mustansirs eine Verständigung zu erlangen, und es folgte Nasrs oben genannte Investitur mit Halab und Hirns191. ,H* Über das Wesen der ahd&t und den politischen Hinteigrund vgl. CI. CAHEX, Mouvements populaires et autonomismes urbains dans l’Asie Musulman du moyen âge. Arabica 5 (1958) 239—242; ZAKKAR 259f. 100 Kam&laddîn I 249, 4—250, 2; al-AzTmT 168a (hier die Angabe über die Rücksprache Nafra mit dem Statthalter von Antiocheia). Vermittelnde Verhandlungen waren durch die Intrigen eines christlichen Schreibers Tilm& (Thomas) zunichte gemacht worden, der als Emissär diente, jedoch alles, was er von Sälim zur Mitteilung erhielt, entstellt und mit falschen Beschuldigungen an Nasr b. Sälih weitergab. S&lim wurde in seinem Haus belagert, eigab sich dann aber gegen die Zusicherung Nafra, sein Blut nicht zu veigiefien ; deshalb wurde er — in spitzfindiger Auslegung der Garantie — erdrosselt. Später erfuhr Nasr, dafi er von Tfiraä getäuscht worden war; er ließ ihn gefangennehmen, sein Vermögen einziehen und zuletzt hinrichten. 101 Das kriegerische Zwischenspiel Nafrs mit Byzanz: Skylitzes 396, 38—40 ( - Kedrenos 511, 21—23), s. a. 6543 M (beg. 1. September 1034); Ibn al-Atlr IX 444 (s. a. 426): Abu’l-Fid&’ III 82 (s. a. 426). — Zur Person des byzantinischen Vertreten in Halab sowie
Darstellung 107 Damals war es bereits zu dem für Nasr wenig erwünschten Ausgleich zwischen dem byzantinischen Reich und Ägypten gekommen. 427 H (beg. 4. November 1035) wurde der Friedensvertrag geschlossen, dessentwegen unter Romanos III. so langwierig verhandelt worden war. Von den Bestim­ mungen wird leider nur mitgeteilt, daß die Geltungsdauer 10 Jahre betrug, und Michael IV. gegen Freilassung von 5000 muslimischen Kriegsgefange­ nen nochmals die Zusicherung erhielt, die Grabeskirche in Jerusalem könne unter seiner Mithilfe wiederhergestellt werden*l921 9 3 . ln seinem Verhältnis zum fätimidischen Syrien hatte Nasr seit seiner Investitur mit Hirns die besondere Feindschaft ad-DuzbarTs zu gewärtigen, die noch durch Intrigen des verdrängten Statthalters von Hirns, Ga’far b. Kulaid, geschürt wurde. Was zuletzt das Schicksal Nasrs entschied, war die Tatsache, daß ad-DuzbarT von Michael IV. die Zustimmung dazu erlangte, Nasr aus Halab zu vertreiben, wenn Byzanz die vereinbarte jährliche Abgabe aus Halab gesichert bliebe. Daraus kann gefolgert werden, daß adDuzbarT, der einen zunehmend eigenständigen politischen Kurs verfolgte, für Byzanz nunmehr geeigneter schien, dessen Interessen in Syrien zu dienen, als die Mirdäsiden103. auch zu der des Befehlshabers bei dem gescheiterten Vorstoß gegen Halab teilen die Quellen nichts mit. Letzterer war vermutlich der Statthalter von Antiocheia, d. h. (Constantinos, ein Bruder Michaels IV. (damals tixvt<rrpoç oder bereits npôc&poç), der 6543 M (beg. 1. September 1034) diese Stellung erhielt (Skylitzes 397, 58—60=Kedrenos 512, 19 —21), und zwar in Nachfolge des Niketas, ebenfalls eines Bruders des Kaisers, der bald nach dem Amtsantritt gestorben war (Skylitzes 393, 3f. = Kedrenos 510, 5f. ; vgl. auch L a I’ KKXT, Antioche 240 mit A .4 ; S kibt , Bleisiegel 126). - - In die Zeit der Krise zwischen Byzanz und Nasr b. $älih fallt dann auch die Prägung des oben (mit A. 188) erwähnten Dinars. Neue Kontakte Nasrs mit Byzanz: al-MaqrTzl, Fátimidengeschichte II 186 (die a. O. genannte Gesandtschaft Nasrs nach Kairo muß jene o. mit A. 187 behandelte sein). 192 Als Datum des Abschlusses geben Ihn al-Atïr IX 460 (s. a. 429) und Abu'1-Fidâ* III 96 sowie al-MaqrlzT, Fátimidengeschichte II 187 das Jahr 429 H an. Dagegen bieten Abu'lFarag, Chron. Syr. 236 B nrxs— K irsth = 196 B rooK ebenso wie al-Maqrlzî selbst in einer Doublette a. O. das Jahr 427. Damit harmoniert, daß Skylitzes 399. 16 19 ( = Kedrenos 515, 9-—13) und danach Zonaras III 590, 13 — 16 das Abkommen auf 6544 M (beg. 1. September 1035) setzen: da aber laut Skylitzes der^Vicp. d. h. az-Zähir. gestorben war. so muß dies nach dem 13. Juni 1036 fallen (vgl. auch DOm ; kk , Regesten 843). Die byzantini­ schen Quellen behaupten irrig eine Laufzeit von 30 .fahren. Ferner sagt Jahjá 271, 21— 23 C h e IKHo . die Verhandlungen zwischen Romanos III. und az-Zähir (423 H) hätten w’egen gegensätzlicher Auffassungen zu keinem Ergebnis geführt, bis unter Michael IV. die Angelegenheit nach 3 1 2 Jahren zum gewünschten Ende kam. Dies bestätigt obige Datie­ rung ebenso wüe die höchst wahrschein liehe Erneuerung des Abkommens nach Ablauf der 10 Jahre 437 H (vgl. u. A. 210 ). 193 Feindschaft ad-DuzbarTs: al-MaqrlzT, Fátimidengeschichte II 186. — Intrigen des Ga'f&r b. Kulaid: KamäladdTn I 250, 5 -10. — Korrespondenz ad-Duzbarls mit Byzanz: KamAladdln I 250. 11f. — ad-DuzbarT als eigene politische Größe: Er stand dem Ausgleich
108 Syrien und Phönikien In dieser Lage hatte Nasr b. $älih weder von byzantinischer Seite H ilfe gegen einen Angriff ad-DuzbarTs zu erwarten, noch von den beduinischen Arabern, denn von letzteren konnte ad-Duzbarl die Tajj, die Kalb und selbst einige der Kil&b, aus welchen die Mird&siden hervorgegangen waren, für sich gewinnen. Deren Oberbefehl übertrug ad-Duzbarl an Bftfi' b. Abi’lLail, der wieder auf fätimidische Seite übeigetreten war; auch ’Alläf, der Sohn von al-Hass&n b. al-Mufarrig, zeigte sich jetzt als Anhänger der Fätimiden, indem er sich ad-Duzbarls Kriegszug anschloß. Die vereinte Streitmacht rückte in Richtung auf Hamä vor; ihre Spitzen waren bereits in den WädT al-mulük östlich vor ar-Rastan104 vorgestoßen, als Nasr erkann­ te, daß eine Entscheidung nicht mehr zu umgehen sei, und mit seinen Truppen nahe Salamijja105 Stellung bezog. Dort verlor er ein erstes Gefecht, infolgedessen Hamä von ad-Duzbarï besetzt und ausgeplündert wurde. Nasr zog nun alle verfügbaren Kräfte zusammen und rief auch SabTb b. W attäb von Harrän, den Bruder seiner Frau, und seinen eigenen Bruder Timäl b. §älih aus der Gazlra zu Hilfe. In der entscheidenden Auseinander­ setzung bei Tall Fäs westlich von Latmln196 ergriff Timäl die Flucht, Nasr aber leistete mit seinen Gefolgsleuten tapferen Widerstand, bis er — von einer Lanze durchbohrt — vom Pferd stürzte. Dem tödlich Getroffenen schlug einer das Haupt ab, welches ad-DuzbarT überbracht wurde (15. Sa'bän 429 H [23. Mai 1038]). Der ägyptische Feldherr soll durch dieses Ende Nasrs von tiefer Trauer erfüllt worden sein. Er befahl, den Leichnam auf würdige Weise zu bestatten, der zunächst in der Moschee von Hamä seine Ruhestätte fand. Als Muqallid b. Kämil 440 H (beg. 17. Juni 1048) Hamä wieder den Fätimiden entriß, wurde Nasr b. Sälih in die Zitadelle von Halab überführt und dort beigesetzt197. Nach Nasrs Tod wagten Timäl b. Sälih und Sabïb b. W attäb nicht mehr, Halab zu verteidigen, da ihnen die Ägypter unter Tughän al-Muzaffarl Nasrs mit der fatimidischen Regierung ablehnend gegenüber, andererseits war ad-Duzbarls Politik in Syrien dem Wezir al-öargara 1 seit langem unerwünscht, was schließlich zu adDuzbarTs Sturz fuhren sollte. Vgl. al-Maqrlzl, Fätimidengeschichte II 186; Ibn al-Atlr IX 500 (s. a. 433). Siehe auch o. S. 105 mit A. 187 : u. S. 112f. mit A. 205. 206. ,,,, ai-Pastan (das antike Aivthusa) war ein wichtiger Straßenknoten zwischen Hamä und Hirns am Orontes: vgl. Caxakp , Hanulanides 208: L k Stran<;K, Palestine 519f. iKt Salamijja (das antike SalaminiAs) am Rande der Steppe in noch fruchtbarer Land­ schaft etwa 55 km nordöstlich von Hirns gelegen, war gleichfalls wichtiger Straßenknoten. Vgl. ( VAXARI), Hamdanides 212: K I XIV lOOf. (K r a m k r s ). MHi Latmln ist zwischen Ma'arrat an-Nu'män und Hamä gelegen; vgl. Drss.U'l) 207f. 222: (\AHKN, Syrie 163: L k Stk a xisk , Palestine 493. 11,7 Kamâladdîn I 250, 3 -252, 6; 265, 9— 12; al-Maqrlzl, Fátimidengeseliiehte II I86f. : Ibn al-Qalänisl 75. 78f. ; al-Azïml 168b —169b; Ihn al-Atïr IX 500 (s. a. 433); Ihn Haldün IV 583; Al-Makïn 269; Ihn Abi l-Haigá' 123b -124a; al-Ainï IX 578: MunaggimbâsT 328b.
Darstellung 109 folgten, sondern zogen, begleitet von den Söhnen Nasrs, dessen Frau(und Sablbs Schwester) 'Alawijja as-Sajjida, und mit möglichst viel Geld und Sachwerten in die Gazlra ab. Während die Zitadelle von Muqallid b. Kftmil besetzt blieb, griffen in der herrenlosen Stadt Ausschreitungen und Plünde­ rungen um sich, in denen selbst ein zuvor angekommener byzantinischer Gesandter seines Gepäcks verlustig ging. Währenddessen rückten die Ägypter vor die Stadt, welche vor Tughän al-MuzaffarT kapitulierte, und bald darauf traf auch ad-DuzbarT ein. Mit ihm begann Muqallid b. Kämil Unterhandlungen; weil sich ad-DuzbarT großzügig zeigte und bei freiem Abzug noch die Mitnahme von 80.000 Dinaren und beliebig vielen Sachwert ten von der Zitadelle zugestand, übergab Muqallid b. Kämil am 24. oder 26. Ramad&n 429 H (30. Juni bzw. 1. Juli 1038) die Festung und verließ tags darauf Halab; als Ziel hatte er die Gazlra, wohin bereits Timftl b. $&Hh vorausgezogen war. ad-DuzbarT erwies sich den Stadtbewohnern gegenüber milde und be­ fahl, alles durch die Mirdäsiden beschlagnahmte Eigentum den Besitzern zurückzustellen. Stadt und Festung übertrug er seinen Mamhiken, erstere dem Bangütakln, letztere gemeinsam an Fätik und Sabüktakln. Nach Ordnung der Verhältnisse unternahm ad-DuzbarT noch einen Vorstoß gegen B&lis und Manbig, die ebenfalls genommen wurden; lediglich ar-Rahba konnte er Timäl b. Sälih nicht entreißen. Nachdem er das Fastenbrechen ('Id al-fitr, 10. Du’l-Higèa [13. September]) noch in Halab gefeiert hatte, kehrte er nach Damaskus zurück198. SabTb b. W attäb ließ sich in dieser Zeit das Wohlwollen ad-DuzbarTs durch kostbare Geschenke angelegen sein, die er von seiner Tochter NafTsa al-Awrä’ dem neuen Machthaber Halaba überbringen ließ199. Auch von Seiten der Garrähiden brauchte ad-DuzbarT vermutlich mit keiner Störung zu rechnen, denn in die Jahre seiner Herrschaft in Halab dürfte ein*1 7 ,M KamäladdTn I 265, 1—258, 14; al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 187; al-Aztml 189b; Ibn al-QalänisT 76. 78; Ibn Abi’l-Haigfi' 124a; ad-Dahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 171 f.; al-Makln 289. Zu kleineren Unstimmigkeiten innerhalb der Quellen vgl. ZAKKAR 133, A. 5. — Von der Mission des byzantinischen Gesandten wird nichts weiter gesagt; ob er etwa zwischen den Mirdftsiden und ad-DuzbarT nun doch vermitteln sollte, aber zu spät kam? IW Nach dem Bericht eines von ihm als vertrauenswürdig angesehenen Halabiners gibt al-QädT ar-RäsTd (§ 106) folgende Einzelheiten über die Ehrengaben: ein silberner Tisch im Gewicht von 130 halabinischen rati (I ratl hatte im II. Jh. in Halab 1,5kg; vgl. H inz 30); der Loros des Kaisers Romanos III., den Nasr b. Sälih auf dem syrischen Feldzug des Jahres 1030 erbeutet hatte (vgl. dazu o. S.88 mit A. 138); 50 armenische Sklaven auf ebensovielen gesattelten und gezäumten Pferden; an Musikinstrumenten 1000 Trompeten, 800 silberne Pfeifen, 300 kleine, silberne Hörner; 300 Pferde, davon 30 mit silberbeschlagenen Sätteln; achliefilich an Spezereien Kampfer und Amber, und an Edelsteinen Smaragde.
110 Syrien and Phónikien zweijähriger Zwangsaufenthalt von al-Hass&n b. al-Mufarrig in K onstantinopel fallen, nachdem er sich die kaiserliche Ungnade zugezogen hatte2900. Timftl b. Sálih blieb daher in der Gazlra, und als 431 H (beg. 23. September 1039) Sablb b. W attäb starb, heiratete er dessen Schwester. Xasrs W itwe, as-Sajjida, und übernahm ar-Räfiqa und ar-Raqqa. die bisher numairidisch gewesen waren25,1. Ungeachtet des 1036 erneuerten byzantinisch-ägyptischen Vertrages und im Gegensatz zur Annäherung ad-DuzbarTs an Byzanz, als er die Vertreibung der Mirdäsiden aus Halab beabsichtigte, kam es wahrscheinlich 432 H (beg. 11. September 1040) wieder zu einem Zusammenstoß byzanti­ nischer und fatimidischer Truppen. Die teils verworrenen Angaben der Quellen lassen sich am besten in dem Sinne verstehen, daß damals eine Schar der Kil&b plündernd in das byzantinische Gebiet von Aföm ija eingedrungen war. Die Byzantiner fugten ihnen große Verluste zu und trieben sie in die Flucht. Im Gefolge dieser Ereignisse dürften dann auch fttimidische Truppen unter Tughän al-Muzaffar! bei Afamija und Arma*** al-Hassän b. al-Mufarrig ist im Herbat oder Winter 1033 durch die Byzantiner nach Syrien zurüekgeftihrt worden (vgl. o. S. 103 mit A. 183): 427 H (beg. 4. November 1035) kam erden in Edeasa bedrängten Byzantinern zu Hilfe (Ibn al-Atlr IX 448f. [s. a. 427]; vgl. u. S. 149). Die von Kekaumenoa, Strategikon 302, 16—27 ( = 130f. B e c k ) erwähnte Reise, auf der al-Hassän in Ungnade fiel, nachdem er (302, 13—16) ein erstes Mal sehr ehrenvoll aufgenommen worden war (vgl. o. A. 174). kann also kaum eine Konfinierung in den Jahren 1033—1035 nach sich gezogen haben, da diese unmittelbar auf seine Rückführung nach Syrien hätte folgen müssen: damals stand al-Hassän doch beim Kaiser in Gunst und schwerlich wäre er hinterher den Byzantinern vor Edesaa behilflich gewesen. 427 H (jedoch nach dem 13. Juni 1036; vgl. o. A. 192) wurde der Friedenavertrag zwischen Ägypten und Byzanz erneuert. Sehr wahrscheinlich war al-Hassän b. al-Mufarrig nicht gewillt, sich diesem Ausgleich der beiden Mächte unterzuordnen; zu diesem Zeitpunkt hätte man ihn aber wegen seiner neuliehen Verdienste vor Edessa kaum so schnöde behandelt, und zudem hatte er damals keinen zwingenden Grund, überhaupt nach Konstantinopel zu kommen. Anders liegt die Sache nach der Unterwerfung Halabs und Xordsyriens durch ad-Duzbarl i. J. 1038. Damals kann al-Hassän sehr wohl, von ad-DuzbarT verdrängt, nach Konstantinopel geflohen sein und dort die Ungnade der byzantinischen Regierung erfahren haben, die zuvor auch Nasr b. Sälih zugunsten ad-Duzbaris hatte fallen lassen (vgl. o. S. 107 mit A. 193). Da es höchstwahrscheinlich 432 H (beg. 11. September 1040) wieder zu Kämpfen zwischen byzantinischen und fätimidischen Truppen an der syrischen Grenze kam (vgl. u. S. 111 mit A. 203) und al-Hassän 433 H (beg. 31. August 1041 ) nach dem Tode ad-Duzbarls unverzüg­ lich wieder aktiv in die Verhältnisse Syriens eingriff (Ibn al-Atlr IX 502 [s. a. 433]), dürfte er im Zusammenhang mit den Verwicklungen von 432 H freigelassen worden sein, sodaß sein Zwangsaufenthalt in Konstantinopel wohl auf 1038— 1040 zu datieren ist. 201 Kamàladdln I 258,9—259, 2; Ibn Saddäd (Hs. Berlin 9800) 14b. 23b. 31 a. Vgl. auch R ice , Harrän 80. — ar-Räfiqa liegt am Euphrat nahe Raqqa, zu dessen Sicherung der Chalife al-Mansür diese Garnison anlegen ließ, die später Raqqa überflügelte. Vgl. Le St r a n g e , Eastern Caliphate 101 f. ; C a n a r d , Hamdanides 90f.
Darstellung 111 n&z*02 durch den Domestikos der Scholen des Ostens, Konstantinos (einen Bruder Michaels IV.), geschlagen worden sein. Der Statthalter ad-DuzbarTs in der Stadt Halab, BangütakTn, rechnete offenbar mit weiteren Auseinandersetzungen, da er die christlichen Kauf­ leute aus Halab verwies und vom Statthalter Antiocheias die Entlassung der muslimischen Kaufleute verlangte. Sein Emissär erreichte dort jedoch nichts und mußte froh sein, heil davonzukommen. Sobald ad-DuzbarT von der Lage erfahren hatte, brach er eiligst von Damaskus auf, um einen Zeitvorsprung zu gewinnen; doch traf er zwischen Hamft und Afömija bereits auf byzantinische Truppen, die ebenfalls in größter Schnelligkeit vorgestoßen waren. Es entspann sich ein heftiges Gefecht, aus dem sich die Byzantiner unter Verlusten zurückzogen, nachdem ein Cousin des Kaisers in Gefangenschaft geraten war, und ein hochgestellter Eunuch sein Leben verloren hatte. Der Verwandte des Kaisers mußte gegen angemessenes Lösegeld und eine Anzahl muslimischer Gefangener freigekauft werden2 003. 202 Das von al-MaqrTzT (vgl. A.203) genannte Armanäz liegt zwischen Halab und dem Orontes — nahe dem letzteren — in den Gebirgsausläufern. Vgl. CAHEN, Syrie 153; C a n a r d , Hamdanides 217. 203 Unter 432 H behandeln diese Ereignisse Ibn al-Atlr IX 491 f. ; al-MaqrtzT, Fätimidengeschichte II 188; Abu’l-Farag, Chron. Syr. 239 B runs — K irsch = 199 B u d g e , alMaqrTzT behauptet irreführend, in diesem Jahre habe der Kaiser den Vertrag gebrochen und sei gegen Afömija vorgerückt; ähnlich äußert sich Abu’l-Farag. Dieses war aber bereits byzantinisch (vgl. o. A. 186). Jedoch gibt al-MaqrîzT nach dieser Einleitung aus einer anderen, umfangreicheren Quelle die Motivation durch Plünderungen der Kiläb im Gebiet von Afömija, die Niederlage der fttimidischen Truppen und ad-DuzbarTs Gegenzug. Damit stimmt Ibn al-Atlr überein, nur daß er — ebenso wie al-MaqrlzT in dessen Einleitung — glauben macht, es habe ein Zusammenhang dieser Ereignisse mit den zwischen Timäl b. Çàlih und Byzanz wegen eines Verkaufes von ar-Raqqa geknüpften Kontakten bestanden. Kamäladdln I 258, 15—259, 1 dagegen berichtet als einziger den Zusammenstoß unter dem Jahr 431 H, was wenig Glauben verdient. Anders steht es mit den Führern auf beiden Seiten. Tughän al-MuçaffarT ist dadurch bekannt, daß er im Krieg ad-DuzbarTs gegen die Mirdäsiden 1038 eine wichtige Rolle spielte (vgl. o. S. I08f. mit A. 198); der byzantinische Befehlshaber, welcher die fötimidischen Truppen schlug, erscheint bei ihm als (ftotxtcmxo;)- Nach Skylitzes 399, 22ff. ( = Kedrenos 515, 16—516, I) wurde der Statthalter Antiocheias, Konstantinos (vgl. o. A. 191), nachdem er 1037 Edessa gegen einen Angriff der Muslime zu Hilfe gekommen war, zum Domestikos der Scholen des Ostens ernannt. Er blieb aber weiterhin — zumindest eine Zeit lang — auch Statthalter von Antiocheia. Vgl. SEIHT, Bleisiegel, Nr. 35; vgl. auch u. S. 150, A. 51. Mit großer Skepsis muß die nur von Ibn Abi’d-Dam (Hs. Bodl. Marsh 60) 129a aufgestellte Behauptung aufgenommen werden, 432 H habe ad-DuzbarT Versorgungsgüter für Halab nach Antiocheia geschickt, von wo sie auf Kamelen nach Halab geschafft wurden. Das wäre eine — jedenfalls für diesen Zeitpunkt — sehr unwahrscheinliche Kooperation adDuzbarTs mit dem byzantinischen Reich gewesen.
112 Syrien und Phönikien Damals schickten die Mirdäsiden Tim&l b. $&lih und Muqallid b. K&mil in ihrer Besorgnis, ad-Duzbarl könnte sie auch aus ar-Raqqa vertreiben, Ehrengaben an Michael IV ., um dessen wohlwollende Unterstützung zu erlangen. Wenn der Kaiser wirklich verlangte, sie sollten ihm ar-Raqqa verkaufen, mag darin die Besorgnis liegen, daß die Mirdftsiden im Ernstfall ad-DuzbarT nicht gewachsen sein würden; in ähnlicher Weise hatte Romanos III. seinerzeit den Verkauf Halabs durch die Mirdftsiden ange­ strebt. Zwar befand sich ad-DuzbarT infolge seines damaligen schlechten Verhältnisses zu Byzanz nicht in der Lage, auch gegen ar-Raqqa vorzuge­ hen, doch genügten seine brieflichen Drohungen an die Mirdftsiden, daß sie unter manchen Entschuldigungen die Dinge in Abrede zu stellen bestrebt waren204. So zeigte sich auch die ffttimidische Herrschaft in Syrien durch die Verdienste ad-DuzbarTs mächtig ausgeweitet und gefestigt; dieser dachte jedoch in erster Linie an seine persönliche Macht, und der ffttimidische Wezir Abu’l-Qftsim al-GargarftT wird — abgesehen von seiner Abneigung gegen ad-DuzbarT — nicht völlig grundlos befurchtet haben, er könnte sich zum selbständigen Machthaber aufwerfen und Syrien den Ffttimiden ent­ reißen205. Sowohl die Eroberung Halabs als auch die Investitur ad-DuzbarTs mit dieser Stadt durch al-Mustansir waren gegen den Willen al-Gar^aräls geschehen. Als sich 433 H (beg. 31. August 1041) Angehörige der Truppen von Damaskus nach Kairo begaben und bei al-Gargsrft*T ihrem Mißmut gegen ad-DuzbarT Ausdruck verliehen, sah der Wezir die Gelegenheit gekommen, den mißliebigen syrischen Statthalter zu stürzen. Er schickte die Petenten nach Damaskus zurück und beauftragte sie, im Heer gegen ad-DuzbarT zu agitieren ; außerdem schrieb er an alle Unterstatthalter adDuzbarTs und entband sie vom Gehorsam gegen ihn. Darüber hinaus erwirkte er von al-Mustansir die Investitur von Timftl b. Sälih mit Halab. Es genügt hier, als Resultat festzuhalten, daß ein Großteil des Heeres in Damaskus gegen ad-DuzbarT Stellung nahm, sodaß dieser sich nicht mehr halten konnte und mit wenigen Getreuen, lediglich von Muqallid b. Munqid von Kafartäb mit 2000 Mann geschützt, im RabT* II 433 H (beg. 28. No­ vember 1041) nach Halab floh. Von Kummer und bald auch durch Krank­ heit zermürbt, starb er hier bald hernach am 15. Gumädä I 433*(10. Januar 204 Die Mirdisiden und Byzanz: Ibn ai-Atir IX 491 (a. a. 432); al-Maqrfeî, Fâtimidengeschichte II 188; aKAzIml 170b. Zum vormaligen Verkaufsplan des Kaisers für Halab vgl. o. S.82f. mit A. 121. 204 Zur Biographie al-Car$ar&'ls vgl. EV III823, s. v. al-Mustansir (GlBB—KRAUS); EI* II462, s. v. al-Djardjaràî 4 (Soi’KDEL). Seine Gegenerschafl zu ad-I)uzbari : vgl. o. S. 105 mit A. 187.
Darstellung 113 1042), wo er auch beigesetzt wurde, bis er 448 H (beg. 21. März 1056) in Jerusalem seine letzte Ruhe fand. Das Andenken dieses bedeutenden Mannes blieb bei der Nachwelt lebendig; noch Jahrhunderte später wurde er als „tapfer und tatkräftig, angesehen und untadelig in seiner Regierung“ gerühmt, als „Züchtiger der Beduinen, Vernichter der Rebellen und so vorzüglich in seiner Verwaltung, daß alle Wege in seinen Tagen sicher waren“ *06. Der Tod ad-Duzbarls hatte das letzte Hindernis für die Wiederherstel­ lung der miidäsidischen Herrschaft über Halab beseitigt. Timäl und Muqallid waren zwar zunächst genötigt, sich vorübergehend gegen Qinnasrln zurückzuziehen, doch bald wurden sie von den Halabinem selbst, die sich mit den ägyptischen Truppen entzweit hatten, herbeigerufen. Am 28. Gumädä I I 433 H (22. Feber 1042) übergab Bangûtakîn die Stadt an Muqallid b. Kämil, und tags darauf hielt Timäl b. Sälih seinen Einzug. Die Zitadelle unter S&buktakln hielt sich noch — nach der wahrscheinlicheren Tradition — mehr als sieben Monate bis Mitte §afar 434 H (4. Oktober 1042), und konnte erst infolge Krankheit unter den Belagerten zur Kapitulation gebracht werden. SabuktakTn wurde die Mitnahme beträchtlicher Geldmit­ tel fur sich und die Erben ad-DuzbarTs gestattet, und alle Verteidiger erhielten freien Abzug. Damit war die mirdäsküsche Restauration in Halab abgeschlossen*07. Noch während der Belagerung der Zitadelle erwirkte Timäl b. Çâlih durch eine Gesandtschaft auch die Regelung des Verhältnisses zu Byzanz. Er veipflichtete sich, jährlich jene Abgaben zu leisten, die auch sein Bruder Naçr gemäß dem 1031 geschlossenen Vertrag erstattet hatte. Dafür erhielt Timäl den Rang eines (iáyioTpo; samt dem entsprechenden Ehrensold; Muqallid b. Kämil wurde ßecrapxijs; §älih b. Timäl, ManT* b. Muqallid, Mahmüd b. Nasr b. $älih sowie die Brüder Timäls, ’Atijja und Hasan, erlangten die Würde von narpixioi; ihnen allen wurden über den jeweils entsprechenden Ehrensold hinaus noch beachtliche Geschenke zu ihrer Ernennung übermittelt. Timäl, der von Zoe und Theodora, die damals die 106 Das Lob ad-Duzbarls bei Ibn Taghrlbiidl I I 197, 15ff. — Der Sturz ad-DuzbarTs: Ibn al-Atlr IX 500f. (s. a. 433); Abu’l-Fidi’ III 114; Ibn Ualdün IV 583f.; al-Maqrlzl, Fttimidengeschichte I I 188; al-'Azlml 170b; KamAladdbt I 259, 2—260, 11 ; Ibn al-QalAnisl 76—79; Ibn Abi’l-Haig&' 123b—124a; ad-Qahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 171b—172a; Muna¿gimb&6l 328b. *” Ibn al-Atlr IX 501 (s. a. 433); Ibn Baldfln IV 130. 584; al-Maqrlzl, F&timidengeachichte I I 189; Kamlladdln I 260,12—262,7; al-'Azlml 170b—171 b; al-Makln 269; Ibn alGauzl V III115; Ibn Abi’l-HaigA’ 125a; al-'Ainl IX 578f.; Ilm Abid-Dam 129a; Munaggirobiél 328b.
114 Syrien und Phönikien kaiserliche Gewalt ausübten, Hilfe und Beistand erbeten hatte, konnte nunmehr auf byzantinischen Schutz rechnen208*. Konstantin IX . Monomachos, der nach seiner Heirat mit Zoe die Regierung übernahm (11. Juni 1042), hat die militärische Kraft des Reiches bedenklich geschwächt; in der Außenpolitik zeigte er sich vornehmlich um die Wahrung des Friedens bemüht, und hiefur stand ihm eine gut arbeiten­ de Diplomatie zu Gebote. Diese verstand es in den früheren Regierungsjah­ ren Konstantins IX ., sowohl mit dem 'Abbäsidenchalifat von Baghdäd (bzw. dessen büjidischen Protektoren) korrekte Beziehungen zu pflegen, als auch mit dem Fätimidenchalifat das vertraglich geregelte Verhältnis zu wahren, ohne daß hiebei die byzantinische Stellung gegenüber Halab eine Änderung erfuhr. Als der Zirkle Mu'izz b. Bädis die Unterstellung Nordafrikas unter f&timidische Oberherrschaft zugunsten der Anerkennung des 'abbäsidischen Chalifen al-Qä’im abschaffte, ließ ihm dieser vermutlich im Jahr 435 H (beg. 10. August 1043) auf dem Weg über Konstantinopel Ehrenkleider übersen­ den200. Andererseits war im Jahre 437 H (beg. 19. Juli 1045) die Erneue­ rung des 427 H (beg. 4. November 1035) geschlossenen Abkommens mit den Fätimiden fällig. Wie wichtig der byzantinischen Regierung diese Angelegenheit war, zeigt sich in den äußerst prächtigen Geschenken, die eine Gesandtschaft nach vorausgegangener Korrespondenz dem Chalifen al-Mustansir nach Kairo überbrachte. Es soll die aufwendigste Gesandt­ schaft gewesen sein, die jemals von byzantinischer Seite nach Ägypten gelangt war, und ihr W ert wird mit 30 Zentner Gold oder 300.000 Dinaren angegeben210. 208 Vgl. Kamäladdln I 262, 11—263, 5; er nennt als Regentin nur Theodora, doch übte diese die kaiserliche Gewalt gemeinsam mit Zoe aus, und zwar vom 21. April bis 11. Juni 1042 (SCHREINER, Kleinchroniken II I46f.). — Nichteunuchen stiegen in dieser Zeit von Bestes über Bestarches zum Magistros auf; die Rangstufe Bestarches war zunächst Eunuchen Vorbehalten, jedoch erhielten sie ab dem 4. Jahrzehnt des 11. Jh. auch Nichteunu­ chen — so wie hier. Vgl. O ik o x o m id è s 299f. 208 al-MaqrTzT, Fätimidengeachichte I I 190, datiert die Abschaffung der Obödienz gegen­ über den Fätimiden durch Mu'izz b. Bädis und die Sendung der Ehrenkleider auf 435 H ; a. O. II 212f. gibt er indirekt hiefur aber 441 H (beg. 5. Juni 1049) an, wenn er unter 442 H die Unbotmäßigkeit des al-Mu*izz als Neuigkeit erscheinen läßt. Jedoch setzt auch Ibn al-Atlr IX 521 f. die Abschaffung auf 435 H ; die Einführung des Kanzelgebetes für die 'Abbäsiden verlegen Ibn al-Atlr IX 566 (s. a. 442) und Ibn Baldün IV 130 auf 440 H (beg. 16. Juni 1048). 210 Vgl. vornehmlich al-Qädl ar-Rasld $ 82 und (daraus gekürzt) al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 194. Beide geben als Datum 437 H, ersterer ausdrücklich mit Angabe der neuen Laufzeit bis 447 H, sodaß die Angabe bei Ibn al-Atlr IX 541 (s. a. 439) von 439 auf
Darstellung 115 AU Hindernis für die ausgeglichenen byzantinisch-ftfcimidischen Bezie­ hungen erwies sich allerdings nach einiger Zeit wieder die Entwicklung in Halab, wo sich Timäl b. Sftlih den Fätimiden zunehmend entfremdete. In Widerspruch zu den Bedingungen anläßlich seiner Einsetzung behielt er einen Teil der Schätze zurück, die in der Zitadelle vorgefunden worden waren, und leistete auch nur einige Zeit die vereinbarte Zahlung von jährlich 20.000 Dinaren an den fätimidischen Hof. Der seinerzeit als Intrigant gegen Nasr b. §älih hervorgetretene Statt­ halter von Hirns, Sugä'addaula Ga'far b. Kulaid, zeigte sich neuerlich als Feind der Mirdäsiden und wurde schließlich 440 H (beg. 17. Juni 1048) zusammen mit Abu 'Abdalläh Näsiraddaula b. Hamdän (der in Nachfolge ad-Duzbarls Statthalter von Damaskus geworden war) gegen Halab ge­ schickt211. Einen Ausfall der Halabiner schlug er unter großen Verlusten fur diese zurück; als er jedoch sein Lager in ÇaldT, einem kleinen D orf der Umgebung, aufschlug, brach auf dem vorbeifließenden Quwaiq eine durch plötzlichen Regen verursachte Flutwelle herein, die dem Heer große Ver­ luste zufügte. Näsiraddaula zog fluchtartig nach Damaskus ab und wurde dann unter Bewachung nach Ägypten zurückgebracht. Vermittlungsversu­ che Timäls am Fätimidenhof schlugen einerseits durch die undurchsichtige Haltung des Wezirs Abu’l-Barakät fehl, andererseits war es inzwischen auch zu einem Gefecht bei Kafartäb zwischen Muqallid b. Kämil und 437 H zu verbessern ist. Auch wurde das auslaufende Abkommen so gut wie sicher 427 H und nicht 429 H abgeschlossen; vgl. o. A. 192. Vielleicht gehört in die vorangehende Korrespondenz jene von Psellos mißbilligte Verbindlichkeit des Kaisers gegenüber al-Mustan?ir, so daß Psellos laut eigener Behauptung die Schreiben schärfer stilisierte, bis Konstantin IX. seine Briefe selbst diktierte; vgl. Psellos VI 190 (II 64 R). Ein solches Vorgehen des Psellos scheint allerdings erst zu späterer Zeit denkbar, nicht in den Anfängen seiner Laufbahn; DOlger, Regesten 881 schenkt dieser Voigangsweise wohl zuviel Glauben. An Einzelheiten unter den Ehrengaben nennt al-Q&dT ar-Rasld: 100 silberbeschlagene Kisten mit goldenen, durch Schmelzfluß aus Glas verzierten Gefäßen, ebenfalls 100 an der Zahl; weiters befanden sich unter dem Inhalt 1000 Gewänder aus Brokat, purpurgefärbte und golddurchwirkte Gürtel, goldbestickte Turbane, Schleier, sowie Tücher aus Brokat, in welche die Gewänder eingeschlagen waren. Geführt wurden diese Kostbarkeiten auf 50 Maultieren, denen weitere 150 ausgesuchte Maultiere und Pferde voranzogen; sie waren sämtlich mit Decken aus Seidenbrokat geschmückt. Die Begleitung bildeten 200 aus byzantinischer Kriegsgefangenschaft entlassene Männer. Als Gegengabe erhielt Konstan­ tin IX. Juwelen, Moschus, Aloe und Stickereien aus TinnlS und Damiette, von denen behauptet wird, daß sie die byzantinischen Geschenke an Wert noch übertroffen hätten. *" Sugä'addaula war 1036 zugunsten von Naçr b. Säiih der Statthalterschaft in Hirns entsetzt worden, vgl. o. S. 105ff mit A. 187 u. 193. Näsiraddaula b. Hamdän ist vor allem durch seine maßgebliche Rolle als Kommandant der türirischen Söldner während des Aufstandes gegen al-Mustanpir bekannt; vgl. E I' III 830, s. v. al-Mustansir (Gibb— K r a u s ); L a n e -P o o l e , Egypt I46ff.
116 Syrien und Phönikien Sugä'addaula Ca'far b. Kulaid gekommen, bei dem letzterer in die Flucht getrieben wurde und fiel; danach besetzte Muqallid b. Kfimil auch Hamä und Himç212. Im folgenden Frühjahr entsandte al-Mustansir ein Heer von angeblich 30.000 Mann unter dem Emir Abu’l-Fadl Rifq, der zum Statthalter von Damaskus ernannt wurde, nach Syrien zum Krieg gegen Timäl b. $&lih. Dieser hatte aber die Unterstützung von Byzanz, und ein Emissär des Kaisers begab sich zu Rifq in dessen Lager bei Ramla, um auf die fätimidische Haltung mäßigend einzuwirken. Dennoch nahm der Feldzug seinen Fortgang; Konstantin IX . wurde jedoch der Unterstützung Timäls deshalb enthoben, weil das Unternehmen Rifqs völlig mißlang. Die schlech­ te Stimmung im Heer, dauernde Umtriebe der Beduinen und ein (ange­ sichts widerstrebender Meinungen) ganz unentschlossener Führer — dies alles bewirkte, daß Rifq beim ersten Zusammenstoß von seinen Truppen im Stich gelassen wurde. Und während ein Reitertrupp Timäls mit Leichtig­ keit unter den abziehenden Ägyptern große Beute machte, verfolgten andere den Oberbefehlshaber Rifq, bis er im Cabal Causan213 eingeholt und — mehrfach verwundet — gefangen nach Halab gebracht wurde, wo er nach einigen Tagen starb. Timäl bewies nach diesem neuerlichen Erfolg politische Klugheit, indem er nach der Wiederherstellung geordneter Beziehungen zum Fätimidenhof strebte, wo nach dem Mißerfolg des syrischen Feldzuges der W ezir Abu’lBarakät gestürzt worden war. Abgesehen von der Freilassung der ägypti­ schen Gefangenen ließ Timäl einen Teil der Beute, Gelder aus dem Schatz der Zitadelle von Ilalab und prächtige Ehrengaben nach Kairo bringen. Mit der Führung dieser ins Jahr 442 H (beg. 26. Mai 1050) fallenden Gesandt­ schaft betraute er seinen leitenden Minister ‘AIT b. Ahmad b. al-Aisar, gemeinsam mit seiner eigenen Frau, 'Alawija as-Sajjida, und deren Sohn Wattäb. as-Sajjida beeindruckte in Auftreten und Rede al-Mustansir so sehr, daß er ihr eine Urkunde über die Investitur Timäls mit Halab ausstellen und die Gesandtschaft unter großen Ehren in die Heimat zurückkehren ließ2'4. 21* Kam&laddln I 263, 6—264, 9; ders., bughjat (Hs. Faizullah-Bibl. 1404) 186a—187a; al-Maqrlzl, F&timidengeschichte II 201 ; Ibn al-Qal&nisl 79; al-'Azlml 174b—176a; Ibn alAttr IX 549 (b. a. 440); vgl. IX 232 (s. a. 402); Ibn Haldün IV 584; Ibn Abi’l-HaigÄ’ 124a; Ibn Mujassar 3; ad-Dahabl (Hs. Brit. Mus. Or. 49) 172a; Munaggimb&al 328a. 2.3 Der Cabal Causan, am rechten Ufer des Quwaiq westlich von Halab gelegen, bietet einen guten Überblick über die Stadt; vgl. CANARD, Hamdanides 220; CAHEN, Syrie 156. 2.4 Kam&laddln I 265,1—268,5; ders., bughjat (Hs. Aya Sofya 3036) VI 99a—103b; alMaqrlzl, F&timidengeschichte II 201 f. 209. 213 (in der chronologischen Anordnung der unpräzisen Darstellung bei Kam&laddln vonuziehen); Ilm al-Attr IX 232 (s. a. 402); IX 549
Darstellung 117 Die guten Beziehungen zwischen dem byzantinischen Reich und den Mirdftsiden, der Ausgleich der letzteren mit dem f&timidischen Ägypten und der zwischen den beiden Großmächten bis 447 H (beg. 31. Mai 1055) laufende Friedensvertrag kennzeichnen die weitgehende Beruhigung der Lage im Osten, sodaß im Jahre 1050 ein Teil der rayara der Ostgrenze, und zwar etwa 20.000 Mann berittener Bogenschützen aus Teluch, dem Maüpov opoç und aus Karkaron zum Kam pf gegen die Petschenegen nach Westen abberufen weiden konnten*15. Im Jahre 443 H (beg. 15. Mai 1051) wurde von byzantinischer Seite neuerlich das enge Verhältnis zu den Miidäsiden betont. Als der Minister Timäls, 'All b. Ahmad b. al-Aisar, die festgesetzten Abgaben nach Konstantinopel überbrachte, wurde er von Konstantin IX ., um seine Loyalität zu würdigen und ihn über die anderen Gesandten zu erheben, zum ßcorapx^ ernannt, während Muqallid b. Kämil zum (layiorpo? und Timäl b. $älih zum itpôcSpoç befördert wurden; letzterer erhielt zudem in Erwiderung seiner Gaben aufwendige Ehrengeschenke*16. Damals hatten schon schwere Auseinandersetzungen zwischen dem byzantinischen Reich und der neuen Macht der Sel¿Qqen in Armenien begonnen*17. Da die SelgQqen Verfechter der sunnitischen Orthodoxie waren, geriet die byzantinische Diplomatie in ihrer Rücksichtnahme auf das ifitische Fätimidenchalifat wiederholt zwischen gegensätzliche Inter­ essen. 443 H (beg. 15. Mai 1051 ) schickte der von den Fätimiden abgefalle­ ne ZlrTde Mu'izz b. Bädis einen Gesandten nach Baghdäd, um die Anerken­ nung der 'abbäsidischen Oberhoheit durch Nennung des Chalifen al-Qä’im im Kanzelgebet zu regeln, und um Ehrenkleider zu erbitten. Dementspre­ chend wurde von al-Qä’im der Gesandte AbQ Ghälib as-SaizarT mit den (b. a. 440); Abu’l-Fid*’ III 12; Ibn al-Qalänisl 85; Ibn Mujassar 4f.; al-AiriT IX 578; Ibn TaghrlbiidT II 207. 1,5 Abbau der byzantinischen Truppenstärke: Skylitaes 471, 18—20 ( —Kedrenos 602, 10—21 ). Maûpov ôpoç ist der Amanos; vgl. RE XIV 2385 (HONIGMANN) Karkaron entspricht der Festung Geiger am östlichen Euphratufer; vgl. C a h e n , Syrie * I f .; H o nigm ann 116. Letzterer ordnet — wohl durch ein Versehen — a. 0 .135 Maüpo k und Karkaron dem Thema Teluch zu. *'• Vgl. Kamäladdlh I 268, 11—17; das unpunktierte ^ j-w . i wurde erstmals von P. W it t e r als = vpó«8po< erkannt; vgl. R ic e , Harrän 79, .< 5. Es handelt sich um eine 963 durch Nikephoros II. Phokas geschaffene, zunächst singuläi« Würde, die erst unter Konstantin VIII. an mehrere Personen verliehen wurde, und etwa s> it der Jahrhundertmit­ te als normale Beförderungsstufe nach dem Rang eines (iórfiorpo« Auftritt. Vgl. OtKONOMIDÈS 299; C h . D ie h l , De la signification du titre de proèdre. Mélan).es Schlumberger. Paris 1924, 105ff. *17 1048 unternahmen die Selgüqen ihren ersten regelrechten Feldzug in Armenien unter dem „tauben Hasan“ ; nach dessen Vernichtung durch die Byzantiner folgte (wohl 1048) auf Geheifi Tughril Begs der Rachezug des Ibrählm Inäl; 1049 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Vgl. u. S. 164—170.
118 Syrien und Phônikien erbetenen Ehrenkleidern, einem Vertrag und der schwarzen Fahne der 'Abbäsiden zu Mu’izz geschickt. Als er aber byzantinisches Gebiet betreten hatte, um unter Vermeidung des fötimidischen Territoriums nach Ifriqijja zu gelangen, verfugte Konstantin IX . seine Festnahme. Auch die diplomatischen Demarchen durch einen Gesandten des Selgüqensultans Tughril Beg sowie einen Gesandten von Mu ‘izz b. BSdis blieben erfolglos, weil Konstantin IX . die guten Beziehungen zum fötimidischen H of in keiner Weise gestört sehen wollte. Vielmehr benützte der Kaiser die Gelegenheit, daß gerade ein fötimidischer Gesandter in Konstantinopel weilte, und schickte den 'abbäsidischen Emissär samt seinen Gaben mit. Er wurde in Kairo öffentlich zur Schau gestellt — verkehrt auf einem Kamel sitzend, in den Händen die Ehrengaben, und am Hals die Urkunde des Abkommens zwischen Zlrfden und 'Abbä8iden. Hernach verfugte al-Mustansir, daß der Vertrag zerrissen und die Ehrenkleider mit der Fahne öffentlich verbrannt würden; in gleicher Weise hatte al-Qädir, der Vorgänger (381 H[991]—422 H[1031]) al-Qä’ims auf dem ’Abbäsidenthron, einmal Ehrenkleider verbrennen lassen, die al-Mustansirs Vater az-Zähir dem Sultan Mahmüd von Ghazna ge­ schickt hatte218. Nach Vollzug dieser entehrenden Prozeduren wurde der Gesandte wieder nach Konstantinopel abgeschoben219. Unter dem Eindruck einer solchen Demütigung kam am Sitz des 'Abbäsidenchalifats in Baghdäd im folgenden Jahre 444 H (beg. 3. Mai 1052) eine Denkschrift heraus, worin die Herkunft der Fätimiden von 'All bestritten wurde, und darüber hinaus zahlreiche weitere Angriffe auf die verhaßte Dynastie enthalten waren. Zur Befreiung des Gesandten Abü Ghälib nützte diese Publizistik nichts; allerdings beauftragte Tughril Beg seinen Emissär Abü ‘All b. KabTr, in Konstantinopel zusammen mit einem 2 1 21" Diese Begebenheit ausführlicher bei Ibn al-Aflr IX 350 (s. a. 416): Mahmüd von Ghazna (reg. 388 H [998] — 421 H [1030]) war als Glaubenskämpfer gegen das polytheisti­ sche Indien berühmt. 2,9 al-MaqrTzT, Fätimidengeschichte II 214. 223; um das bei al-Maqrlzl erwähnte Ereig­ nis handelt es sich doch wohl auch bei Ibn Mujaasar 5 (zurückhaltend dahingehend CAHEN, Diplomatie 11, A. 1). — Bei H. IDRIS, der in seiner Abhandlung: Glanes sur les Zlrïdes d’IfrlqTya dans le manuscrit d’Istanbul de l’Itti’äz al-Hunafä’. Arabica 11 (1964) 286—305 mehrere Partien der Fätimidengeschichte al-MaqrlzTs herausgegeben und erklärt hat, die sich mit den Beziehungen zwischen den Fätimiden, Zlrlden und Byzanz befassen, erscheint S. 293 (Text) bzw. 303 (Übersetzung) Tughril Beg selbst in Konstantinopel. Dieser Version folgte der nicht sehr tiefgehende Überblick von A bbas H a m d a n i , Byzantine-Fätimid Relations before the Battle of Manzikert. Byzantine Studies-Études Byzantines I, 2 (1974) 171.aI>er Text s. a. 443 H (beg. 15. Mai 1051) heißt aber in der Kairiner Ausgabe II 213: dXiße çyJi Jiíij , das Wort J>-j (Gesandter) ist offenbar in der Handschrift von Idris'ausgefallen, sachlich aber unentbehrlich. Vgl. auch Ibn Mujaasar 5f.
Darstellung 119 Gesandten der Zlrfden wegen der Rückkehr von Abu Ghftlib vorstellig zu werden. Im Safar 444 H (beg. 2. Juni 1052) wurden die beiden von Konstantin IX . empfangen, der zunächst Klage darüber führte, daß die von und an al-Mu'izz gehenden Gesandtschaften nur Aufruhr und Unruhe schürten ; außerdem wies er jeden Konflikt mit dem Fätimidench&lif&t von sich, wobei er den mit Ägypten laufenden Vertrag betonte. Schließlich verstand er sich dann doch zur Freilassung AbQ Ghälibs220. Andererseits wurde gleichfalls 444 H (beg. 3. Mai 1052) eine byzantini­ sche Gesandtschaft zur Pflege der Beziehungen mit dem F&timidenhof nach Kairo entsandt, wo sie al-Mustansir allerlei Geschenke überbrachte. Ein weiteres Ziel bildete auf dem Rückweg Jerusalem, weil Konstantin IX . der Grabeskirche reiche Gaben zu übermitteln wünschte221. Dennoch verschlechterte sich das beiderseitige Verhältnis nach einiger Zeit wieder. 444 H (beg. 3. Mai 1052) war in Ägypten die Nilüberschwem­ mung ausgeblieben, sodaß sich in der Folge Teuerung, Hungersnot und schließlich die Pest ausbreiteten. Der Chalife al-Mustansir ließ daher im Jahre 446 H (beg. 12. April 1054) durch seinen Gesandten, den QädT Abu 230 Vgl. al-MaqrlzT, Fätimidengeschichte II 223f. Vielleicht in diesen Zusammenhang gehört der Brief des Kaisers mit freundschaftlichen Versicherungen an al-Qä’im, den Abu’lFarag, Chron. Syr. 249 B runs — K irsch = 206f. B u dg e erwähnt; die Datierung 449 H ist jedoch unmöglich, weil Konstantin IX. nach muslimischer Zeitrechnung 446 H gestorben ist; das letzte zuvor berichtete Ereignis fallt auf 442 H. — Eine ähnliche Schmähschrift von Sunniten und Sil ten war schon 402 H (1011) herausgebracht worden; vgl. Ibn al-Atlr IX 236 (8. a.); Ibn al-Cauzl VII 281 f. 221 Bericht mit zahlreichen Einzelheiten bei al-QädT ar-RasTd §85f. (nicht bei DöLGER, Regesten), wonach die Gesandtschaft zur See nach Tinnls kam und von hier mit ihrem Schiff nach Kairo weiterreiste. Unter den Ehrengaben befanden sich türkische Sklaven, alle gleichaltrig, sowie türkische Frauen; besondere Tiere wie weiße Rebhühner, Pfaue und Kraniche, weiße Raben und Stare, große Bären, die auf Musikinstrumenten spielten, sowie Wind- und Jagdhunde; schließlich 1700 Gefäße mit Wein aus den kaiserlichen Magazinen. Der Rückweg erfolgte wieder zu Schiff über Jaffa, von wo aus Jerusalem be­ sucht wurde. Die Grabeskirche erhielt unter anderem zwei Kreuze aus Gold, jedes zweieinhalb Arme lang und entsprechend breit, mit verschiedenen Rubinen und Edelsteinen besetzt, im Gewicht von einem Zentner; weiters zwei goldene Pokale, jeder 20 ratl Wein nach baghdädischein Maß fassend und ebenfalls juwelenbesetzt; goldene Luster, mit Juwelen und Kristall verziert; goldgewirkte und edelsteinbesetzte Schleier; dazu ähnlich Kostbares an Kirchengeräten. al-QädT ar-RasId irrt jedoch, wenn er als Kaiser Michael (VI. ?) nennt, denn da die Gaben fur die Grabeskirche zu Ostern 769 der diokletianischen Ära in Jerusalem zur Schau gestellt wurden, eigibt sich hiefur der 11. April 1053 (vgl. G r u m e l , Chronologie 255); weiters fallt das Ende des Jahres 444 H auf den 22. April 1053. Der Kaiser muß daher Konstantin IX. sein. Vgl. H a m id u l l a h , Documents 289, A. 1; CANARD, Sources 291, A. 14.
120 Syrien and Pbônikien Äbdalläh al-QudáT—, Konstantin IX . ersuchen. Getreide nach Ägypten einzuführen, und es wurde auch die Lieferung von 400.000 Ardabb223 Weizen vertraglich festgelegt. Noch vor der Ausführung starb Konstantin IX . am 7. oder 8. Januar 1055, und Theodora, die nach ihm nochmals die Regierung übernahm, verlangte von al-Mustansir den Abschluß eines Verteidigungspaktes. Da dieses Ansinnen abgelehnt wurde, verhinderte Theodora den Transport des Getreides, worauf al-Mustansir erbost seine Truppen in Bereitschaft setzen ließ, deren Oberbefehl an Maklnaddaula al-Hasan b. Mulhim übertrug und ihn beauftragte, einen Streiftug gegen Lädiqijja zu unternehmen. Ein Versuch Timáis b. Sálih von Halab. zu vermitteln, blieb erfolglos; Ibn Mulhim zog bis vor Afömija und ins Gebiet von Antiocheia, schleppte Gefangene fort und plünderte die Gegend aus224. Als die byzantinische Regierung jedoch SO Galeeren mit Verstärkungen ausschickte, wandte sich das Kriegsglück; nach mehreren Gefechten fiel ein erheblicher Teil des ägypt ischen Heeres mit Ibn Mulhim selbst im R abf I 447 H (beg. 31. Mai 1055) in byzantinische Gefangenschaft22"'. Abu 'AUUlläh al-QuiU*! wurde auch bei anderer Gelegenheit mit diplomatischen Agenden Imtraut; 4SI H (106$) war er fotimidischer Gesandter vor Manbig bei Romano« IV. (vgl. Kamäladdln 11 13). Er wirkte bereits unter al-tiaigarä'T (zu diesem vgl. o. A. .Oo) im Staatssekrvtariat, dann auch unter dem Wezir al-Jazürl (vgl. zu diesem u. A. ••8). Bekannt war er als historischer Schriftsteller: seine verlorenen Werke sind von alMa<|rV/.t reichlich benutzt worden. Vgl. B kckkk . Beiträge 19— 21. ” :l Im 14. Jh. maß I Ardabb etwa 90 Liter , vgl. H inz 39. Ähnliches dürfte für das 11. Jh. gelten keineswegs tier moderne Wert von 197 1! Von etwa 1050 bis zum Tode Konstantins IX. war Romanos Skieros, ein enger Vertrauter des Kaisers. 'b r ü te n ;, zunächst mit dem Rang eines ¡ixviarpo;. später als np'ieVu. l ’ nmittclhar nach dem Tide des Kaisers dürfte Theodora dann Skieros abberufen und den bekannten General Katakalon Kekaumenos zu seinem Nachfolger bestimmt haben; vgl. dazu SKI HT. Sk leroi 79 f. Jener Siegeltypus dagegen, der Romanos Skieros als TtpocSpoç, «TpxTorttÄxp/r,; ‘ VvxTfiXr,; xxi ÄoC»; 'Avrio/cta; belegt, wird von SEIBT. a. O. 82f.. mit triftigen Gründen erst in die Zeit von Isaak 1. Komnenos datiert. — Katakalon Kekaumenos ist durch Siegel als gáviarpoc xai äov; ’AvTioyeix; bekannt: vgl. L a I’KENT, Antioche 243; V. S. S an m u iv sk a .ia . Sfragistika. in: Iskusstvo Vizantii v sobranijach SSSR. Katalog vystavki II. Moskau 1977, 130. Nr.708. Da 'Ilietxlora am Beginn ihrer Regierung aber auch den orparoT^Sáp/r,; des Ostens, den späteren Kaiser Isaak I. Komnenos, abberufen hatte (Skylitzes 479, 4—8 [ = Kedrenos 611, 1—6]), traf der fätimidische Vorstoß die Byzantiner zunächst in einer noch nicht stabilisier­ ten Verfassung an. 22A Vgl. al-MaqrîzT, fcitat I 335; in seiner Fätimidengeschichte II 227ff. finden sich legendarisch kuriose Entstellungen; Ibn Mujassar 7 f.; al-Azïmï 178a. Statt Rabl* I 446 H (beg. 10. Juni 1054) muß es für die Gefangennahme des Ibn Mulhim bei al-MaqrlzT, fritat a. O. aber 447 H heißen, denn zum früheren Zeitpunkt lebte Konstantin IX. noch, und auch der Friedensvertrag lief bis 447 H. In den Zusammenhang mit der Gesandtschaft al-Mustansirs an Konstantin IX . muß
Darstellung 121 Von zwangsläufigem Nachteil fur die Beziehungen zu den Fätimiden war ferner der seitens des byzantinischen Reiches erstrebte Ausgleich mit den Selgüqen. 447 H (beg. 2. April 1055) wurde eine fätimidische Gesandt­ schaft in Konstantinopel Zeuge, wie dem Gesandten Tughril Begs gestat­ tet wurde, dem Wunsch seines Herren entsprechend das Gebet in der dortigen Moschee zu verrichten, wobei natürlich im Kanzelgebet der 'abbäsidische Chalife al-Q&’im genannt wurde. Der Fätimidenchalife alMustangir rächte sich dadurch, daß er befahl, die Schätze der Grabeskirche in Jerusalem zu beschlagnahmen226. Hingegen wußte Timäl b. $&lih gute Kontakte sowohl zu den Fätimiden als auch zu Byzanz aufrecht zu erhalten. al-Mustansir ließ ihm durch eine Gesandtschaft im Muharram 447 H (beg. 2. April 1055) Ehrenkleider über­ bringen, und andererseits hat Timäl die fätimidische Oberherrschaft formal anerkannt, wie sich aus halabinischen Dinaren der Jahre 442 H (beg. 26. Mai 1050) bis 446 H (beg. 12. April 1054) ergibt, die auch den Namen alMustangirs tragen. Als es 447 H (beg. 2. April 1055) zum Bruch zwischen Timäl und seinem Minister ‘A ll b. Ahmad b. al-Aisar kam, der vormals auch als Gesandter in Konstantinopel gewesen war, fürchtete dieser für seine Sicherheit und begab sich nach Ägypten. Seine Stelle wurde von zwei Brüdern, Sälim b. *AlI b. Taghlib und Maslama b. A ll b. Taghlib, eingenom­ men, deren erstgenannter noch im gleichen Jahr 447 H Führer der Ge­ sandtschaft Timáis nach Konstantinopel war. Die Kaiserin Theodora nahm Timäls Ehrengeschenke entgegen, erwiderte sie und entsprach seinem Ersuchen, Sälim b. A ll auszuzeichnen, indem sie ihn an Stelle von Ibn alAisar zum ß*<rrapxTj? ernannte227. Nach Theodoras Tod (27. August 1056) scheint sich auch das Verhältnis zwischen dem byzantinischen Reich und Ägypten wieder gebessert zu haben, weil Michael VI. (1056— 1057) eine Gesandtschaft mit wertvollen* wohl auch der Bericht bei Skylitzes 475, I6f. ( - Kedrenos 607, 6—8), Attaleiates 49, 17— 50, 11 und Glykas 597, 13f. über eine ägyptische Gesandtschaft gehören, die einen Elephanten und eine viel bestaunte Giraffe nach Konstantinopel brachte; vgl. auch DOLGER, Regesten 912. *** Vgl. al-MaqrtzT, tytat I 335. Durch die Verrichtung des Kanzelgebetes für den 'Abbäaidenchalifen war den Fätimiden der Primat innerhalb der islamischen Welt bestritten. In diesem Zusammenhang ist aber auch zu beachten, daß Theodora eine Gesandtschaft mit wertvollen Geschenken an Tughril Beg schickte, die von diesem sehr freundlich aufgenom­ men wurde. Vgl. Aristakës von Lastivert 96=88f. C (s. a. 604 armen, [beg. 8. März 1055]). Vgl. auch DOLGER, Regesten 929. m Die ägyptische Gesandtschaft: Kam&laddln I 269, 13—270, 1. — Fätimidische Dinare in Halad) sind für die Jahre 442, 444, 445 und 446 H belegt; vgl. CRAWFORD, Halab 89. — Timäl, der Ministerwechsel und die Gesandtschaft zu Theodora: Kamäladdln I 270, 4—10.
122 Syrien und Pbönikien Geschenken an den Chalifen al-Mustansir und seine Mutter as-S ajjid a gerichtet haben dürfte228. Der vom Thema her gegebene zeitliche Rahmen ist damit b ereits überschritten, doch sei abschließend die weitere Entwicklung bis zum E n d e der byzantinischen Herrschaft in Syrien wenigstens noch angedeutet. Im Hinblick auf verschiedene Schwierigkeiten resignierte Timfil b. Sfilih im Du’l-Qa'da 449 H (beg. 30. Dezember 1057) zugunsten einer unmittelbaren ffitimidischen Herrschaft, doch schien es der ägyptischen Regierung ange­ zeigt, Timfil im RabT’ I 453 H (beg. 26. März 1061) nochmals mit d e r Regierung zu betrauen. Die aus der Annäherung an die Ffitimiden ersicht­ liche Distanzierung Tim&ls von Byzanz findet einen weiteren Beweis in mehreren kriegerischen Zusammenstößen Timfils mit byzantinischen Trup­ pen im Jahre 454 H (beg. 15. Januar 1062), nachdem einige Festungen an der byzantinischen Seite der Grenze erneuert worden waren. Timfil konnte militärische Vorteile erringen, starb aber noch im gleichen Jahre, und der Streit innerhalb der Mirdäsiden um die Nachfolge hemmte jedes weitere Vorgehen gegen die byzantinische Reichsgrenze. Die Rivalität zwischen dem Bruder Timfils, 'Atijja, und dessen Neffen Mahmüd (der schon 452 H [beg. 6. Feber 1060] vorübergehend Halab regiert hatte) führte dahin, daß der von Timfil zum Nachfolger designierte 'Atijja sich nur mit Hilfe von Byzanz sowie von Seiten des Turkmenenführers Ibn Hfin gegen Mahmüd halten konnte. Als 'Atijja sich des Ibn Hfin entledigen wollte, während Mahmüd hingegen wieder von Byzanz unterstützt wurde, mußte er 457 H (beg. 13. Dezember 1064) Halab aufgeben, worauf er sich in seine mesopotamischen Besitzungen zurückzog. In dieser Situation ereignete sich 459 H (beg. 22. November 1066) der erste selgüqische Einfall nach Syrien unter Afsln, welcher auf Teluch und Antiocheia gerichtet war. Ein weiterer Vorstoß fiel ins folgende Jahr, wobei die Halabiner gemeinsam mit den Invasoren vorgingen. Die Byzantiner verloren damals nach langer Belagerung Artfih und erlitten bei Affimija beträchtliche Verluste. 461 H (beg. 31. Oktober 1068) zog Kaiser2 2“ Theodoras Todesdatum: SCHREINER, Kleinchroniken II 149. — Über die Gesandt­ schaft eines Kaisers Michael berichtet al-QädT ar-RasTd §§ 96—98, der seine Angaben auf den Sohn des Wezirs al-Jazürl (dieser amtierte 1050—1058; vgl. E IXIV 1269, s. ▼. YazflrT [WlET]) stützt, sodaß die zeitliche Bezugnahme auf Michael VI. wahrscheinlicher ist als die auf Michael IV. oder Michael V. Vgl. H a .MIDCI.LAH 290, A.3. An bemerkenswerten Einzelheiten wird berichtet, daß fur al-Mustançir drei Sättel, verziert mit Glasfluß und Gold, bestimmt waren, von denen man fabelte, sie wären einst für die Reittiere Alexanders des Großen bestimmt gewesen ; as-Sajjida erhielt fünf verzierte Tischplatten, goldgeschmiedet und in Schmelztechnik mit Glasfluß aus den Farben tiefrot, schneeweiß, blau, azurfarben und kohlschwarz.
Darstellung 123 Romanos IV. Diogenes selbst nach Syrien und nahm zunächst M&nbig ein, wonach Operationen im Gebiet von A'z&z und Artäh folgten ; dann mußte der Kaiser aber — ohne etwas Bleibendes erreicht zu haben — nach Kleinasien zurückkehren, um die dorthin eingefallenen Turkmenen zu bekämpfen. 463 H (beg. 9. Oktober 1070) rückte der Selgüqensultan Alp Arslan selbst gegen Halab, wandte sich indes auf die Nachricht vom Zug Romanos’ IV. nach Armenien ebenfalls dorthin, wo es am 26. August 1071 zur Katastrophe der Byzantiner bei Mantzikert kam. In dieser Zeit versuchte 'Atijja nochmals mit byzantinischer Hilfe eine Restauration seiner Macht in Halab, doch Mahmüd konnte sich mit Hilfe turkmenischer Söldner behaupten und nötigte 'Atijja, ins Exil zu gehen. 465 H (beg. 17. September 1072) starb'Atijja in Konstantinopel; im Jahr darauf folgte ihm Mahmüd in den Tod. Die Söhne Mahmüds, Nasr und Säbiq, nahmen nun — einander folgend — die Herrschaft ein, innen immer mehr durch die übermächtig gewordenen Söldner und außen durch die Selgüqen sowie die mit ihnen verbündeten 'Uqailiden von Mosul bedrängt. 472 H (beg. 4. Juli 1079) zog Tutus, Sohn des Sultans Alp Arslan, gegen Halab; er machte zwar wieder kehrt, doch folgte ihm unmittelbar Muslim b. Qurais, der bedeutendste 'Uqailide, und besiegelte den Sturz der Mirdäsiden. 477 H (beg. 10. Mai 1084) mußte Muslim b. Qurais dann vor Sulaimän b. Qutlumus, dem Sohn eines Vetters von Tughril Beg, zurückweichen, und Sulaimän hat nicht nur Halab erobert, sondern auch der byzantinischen Herrschaft in Syrien ein Ende bereitet. „In den letzten Jahren mirdäsidischer Herrschaft wurde Syrien von den Türken furchtbar verheert. Die Byzantiner versteckten sich bei jeder Gefahr hinter den Mauern ihrer Festungen und überließen das Land der Plünderung durch die feindlichen Horden“ 2» . m Übersicht für die Periode 1055— 1071 (mit Quellenbelegen) bei ZAKKAR 153— 215; Première pénétration 18—67 ; DERS., Pre-Ottoman Turkey 23— 29. 66— 7 2 .7 6 — 78. 442; HoxiGMANN 117— 123. — Ausgang der Mird&siden; E I' IV 1064f., s. v. Tutus (HoirrsMA); E I' III 1049f., s. ▼. 'Okail (ZETTERSTÉEN); E I' IV 563, s. v. Sulaimftn (ZETTERSTÉEN); WEIL II 126— 130. — Zitat am Schluß: HONICMANX 123. Ca h e x ,

T E IL II ARMENIEN UND AL-ÔAZÏRA

ZEITTAFEL 989— 1016 (1017?) 990/1— 1019/20 990/1—997/8 1000 1011 1010/11— 1061/2 zwischen 1016 und 1021 1019/20— 1039/40 1021 1022 Anfang 1022 1. Hälfte 1022 1022 1022 Ende 1022/3 1023/4 Höhepunkt des Reiches Ani unter Gagik I. Bagratuni. W attäb b. Säbiq, Begründer der Dynastie der Numairiden von Harrän. Abu 'AIT al-Hasan b. Marwän, Begründer der Dynastie der Marwäniden von MajjäfarTqTn. Tod des iberischen Bagratiden Dawit* xoupowavon Taik'; Basileios II. sichert auf einem Feldzug dessen Gebiete (zumindest teilweise) fur Byzanz und nimmt die Huldigung von Mumahhidaddaula b. Marwän entgegen. Sturz Mumahhidaddaulas durch den W ezir Sarwa, der sich in MajjäfarTqTn durch Übeigabe der Stadt an Byzanz absichem will, aber bald durch den Bruder Mumahhidaddaulas, Naçraddaula, gestürzt wird, der eine vorzügliche Regierung entfaltet. Muslimische Einfälle aus Richtung Adarbaigän gegen Vaspurakan. Der Numairide SabTb b. W attäb von Harrän. Erster georgischer Feldzug Basileios’ II. Der König von Vaspurakan, Senek'erim Arcruni, „verkauft“ sein Land an Byzanz ; Vaspurakan wird byzantinisches Katepanat. Gagiks I. Nachfolger Yovhannös-Smbat ver­ macht Ani testamentarisch an Byzanz. Zweiter georgischer Feldzug Basileios’ II. ; die Fortsetzung des Krieges gegen Ädarbai^än (Huwajj) bleibt ergebnislos. Abu’l-Aswär von Ganga unterwirft Dvin endgül­ tig den Saddädiden. Der Katepano von Vaspurakan, Nikephoros Komnenos, entreißt Arcës den Muslimen.
128 1031 1031/2 Winter 1032 1033/4 1034/5 1034/5 1036 1037/8 . 1038 zwischen 1040—41 1041/2 1041/2 zwischen 1042—44 Armenien und al-CazIra Nach inneren Wirren in Edessa dessen Ausliefe­ rung durch den Festungskommandanten Sulaimftn an den Strategen von Samosata, Georgios Maniakes. Maniakes behauptet sich in schweren K&mpfen gegen die von Nasraddaula b. Marw&n und SabTb b. Watt&b unterstützten Muslime. Vorstoß muslimischer Scharen nach Mesopota­ mien (Samosata); Vergeltungszug der Byzanti­ ner in das Gebiet von SabTb b. Watt&b, der zur Tributpflicht gezwungen wird. Erste Eroberung der Festung Berkri durch den Katepano von Vaspurakan, Konstantinos Kabasilas. Ergebnisloser Feldzug von SabTb b. Watt&b m it byzantinischer Unterstützung gegen Nasrad­ daula b. Marw&n. Definitive Besetzung von Berkri durch die By­ zantiner. Einfall der nunmehrigen Verbündeten SabTb b. Watt&b und Nasraddaula b. Marw&n in die by­ zantinischen Gebiete am Euphrat; Belagerung Edessas, das durch den Statthalter von Antiocheia, Konstantinos (Bruder Michaels IV .), und al-Hass&n b. al-Mufarrig entsetzt wird. Endgültiger Friedensschluß zwischen SabTb b. Watt&b, der auf Edessa verzichtet, und dem byzantinischen Reich. Mißglückter muslimischer Handstreich auf Edessa. Fehlgeschlagener Vorstoß Abu’l-Aswärs von Dvin gegen Dawit' von Lori. Tod des Königs Yovhannês-Smbat von Ani; die nationale Partei erhebt Gagik II., den Sohn von Yovhannes’ Bruder Asot (IV .), auf den Thron. Ergebnisloser byzantinischer Feldzug gegen Gagik II., um den Heimfall Anis an Byzanz durchzusetzen. Gagik II. vernichtet türkische Streifscharen.
Zeittafel 1044 1045 1045 Herbst 1045/6 1046— 47 1047/8 1048 1048 (?) Sept. 1048— 49 ( ?) 1049/50 120 Konstantin IX . sichert sich die Hilfe Abu’lAswftrs gegen Gagik II. und verspricht ihm ter­ ritoriale Gewinne. Die probyzantinische Partei des Bestes Sargis liefert Ani an die Byzantiner aus; vergeblicher Widerstand Gagiks II. in Konstantinopel. Widerruf der territorialen Zugeständnisse an Abu*l-Aswär durch Konstantin IX . ; der anschließende byzantinische Feldzug schei­ tert vor Dvin. Zusammenstoß durchmarschierender Truppen der Selgüqen mit den Byzantinern unter dem Katepano von Vaspurakan, Stephanos Leichudes, der besiegt wird. Im Kam pf gegen Abu’l-Aswftr Einnahme mehre­ rer Festungen im Araxes-Tal durch die Byzanti­ ner; größte östliche Erstreckung des Reiches. Auftreten des zweiten falschen Mahdi al-Apfar in al-GazTra gegen die Byzantiner; seine Fest­ nahme durch Nasraddaula b. Marw&n. Erster planmäßiger Feldzug der Selgüqen nach Armenien unter dem „tauben Hasan“ ; schließ­ lich deren Vernichtung durch die Statthalter Katakalon Kekaumenos (von Iberia und Ani) sowie Aaron Bestes (von Vaspurakan). Nachfolgend Rachefeldzug der Selgüqen unter IbrähTm Inäl in Armenien. Keine offensive Kriegführung der Byzantiner; während ihres Wartens auf die Truppen des georgischen Für­ sten Liparit Verwüstung weiter Gebiete durch die Selgüqen (u. a. Zerstörung von Aren). Faktische Niederlage der Byzantiner und Ge­ fangennahme Liparits bei Kaputru. Feldzug der Byzantiner gegen I>vin und Ganga hindert die Selgüqen an der Besetzung des letz­ teren; Erneuerung von Abu’l-Aswärs TributpHieht. Der letzte Saddädide von Ganga stürzt über wine Konzessionspolitik gegenüber Byzanz, worauf Abu’l-Aswär auch die Herrschaft in Gan­ ga übernimmt.
130 1049/50 1053/4 1054 1055/6 1055/6 1055 Dez. Armenien und al-öazlra Unter Vermittlung Nasraddaulas bei Tughril Beg Freilassung des Liparit; dafür Erneuerung der Moschee in Konstantinopel und zeitweise Verrichtung des Kanzelgebetes für Tughril Beg und den 'Abbäsidenchalifen. Ein politischer Aus­ gleich zwischen Byzanz und den Sel¿flqen ge­ lingt nicht. Plünderung von Kars durch die Selgüqen. Zug Tughril Begs nach Armenien ; ausgedehnte Verwüstungen gipfeln in der Belagerung von Mantzikert, das aber durch Basileios Apokapes erfolgreich verteidigt wird. Diplomatische Verhandlungen Tughril Begs mit Theodora, die Gebietskonzessionen ablehnt, aber Tribut in Form von Ehrengeschenken lei­ stet und Tughril Beg das Kanzelgebet in der Moschee von Konstantinopel zugesteht. Muslimische Einfalle in Armenien (auch gegen Ani). Machtergreifung Tughril Begs als Protektors des ’Abbftsidenchalifats in BaghdSd. Fortdauer muslimischer Einfalle auf byzantini­ sches Gebiet, die nach Tughril Begs Tod unter Alp Arslan in regelrechte Feldzüge übergehen.
Durch die arabische Expansion des 7. Jahrhunderts war der größere Teil Armeniens der Oberherrschaft des Chalifenieiches unterworfen worden. Als im 9. Jahrhundert dessen politischer Zerfall einsetzte, konnte die armeni­ sche Fürstenfamilie der Bagratiden ihr Ziel auf die Gewinnung der Unab­ hängigkeit richten und erlangte 885 deren Anerkennung durch das 'Abbäsidenchalifat, 887 auch durch Byzanz. Während des 10. Jahrhunderts ver­ mochten die Bagratiden ihren Machtbereich von einem zunächst verhältnis­ mäßig kleinen Gebiet im Norden aus zu erweitern und erreichten den Höhepunkt der Machtentfaltung unter Gagik I. Bagratuni (reg. 989— 1016 oder 1017)1. Seine Residenz war A ni; über die unmittelbar beherrschten Provinzen des zentralen Armenien hinaus übte er auch eine Oberhoheit über mehrere armenische Fürstentümer in den Grenzgebieten aus, und zwar über Vanand (mit der Hauptstadt Kars) im Nordwesten, über Tasir bzw. Lon im Nordosten und über Siwnik1 im Südosten (Jenseits des Araxes/Erasx). Nur das südliche Armenien, das Reich Vaspurakan (östlich und südlich des Van-Sees) wurden von den Rivalen der Bagratiden, den Arcruniem, regiert. Das Verhältnis Armeniens zum byzantinischen Reich ist gekennzeich­ net durch den Wunsch der Byzantiner nach Kontrolle über die strategisch wichtigen armenischen Gebiete und dessen Verwirklichung in einer schritt­ weisen Annexionspolitik2. 968 erfolgte der Anschluß des westlich vom VanSee gelegenen bagratidischen Fürstentums Tarön unter Umgehung der Erben des verstorbenen Fürsten Asot. Nordwestlich vom eigentlichen Armenien lag das georgisch-armenische Fürstentum Taik* (georgisch T ao); es war zwar auch z.T . von Armeniern bewohnt, wurde aber von den 1 Zu den Regierungsdaten Gagiks (traditionell wurde als Todesjahr 1020 angenommen) vgl. K . N. JUZBA&IAN, K chronologii pravlenqa Gagika I Bagratuni. Antiénaja drevnost’ i srednie veJka 10 (1073) 105ff. 2 Allgemeines: Akuuan, Einverleibung; GROU8SET 511—531 ; J. DE MORGAN, Histoire du peuple arménien depuis les temps les plus reculés de ses annales jusqu’à nos jours. Paris 1919, 124— 156; HONIGMANN 147—156; S. Der NersESSIAN, Armenia in the Tenth and Eleventh Centuries, in: XIIIthInternational Congress of Byzantine Studies (Oxford 1966), Supplement Papen 426—431 — Études byzantines et arméniennes I. Louvain 1973,323— 327; C. ToUMANOFF, The Background to Mantzikert, in: XIIIth Int. Congress (s. o.) 411— 426; DédEyan, Immigration 43—58; Einleitung zur Übersetzung des Ioannes Skylitzes in das Neu-Ostannenische durch H . Bartikyan (R. M. Bartikian). Erevan 1979, 8. XXIII—LXXXIII; S. T. EREMJAN, Prisoedinenie severonzapadnych oblastej Annenii k Vizantii v XI veke. Vestnih obéi. nauk 1971/3, 4— 16; Ê.L. Danielyan, Manazkerta byuzanda-arabakan hakamartutfyan olortum (IX dari erkrord kes — X dar). Ist.-fil. iumal 1977/1, 153—167; V. A. Arutjunova—Fidanjan, Ferna Vaspurakan. VV 38 (1977) 80— 93; DIES., Armjanskie srednevekovye istoriki ob ekspansii vizantijskoj imperii na vostok v X — XI w . Ist.-fil. iumal 1978/2,191— 206; F. Tournebize, Histoire politique et religieuse del’Arménie. Revue de l'Orient Chrétien 8 (1903) 234—239. 677—582.
132 Armenien und al-GazIra iberischen Bagratiden beherrscht und ist als überwiegend georgisch anzuse­ hen. Dessen Regent Dawit' xouportatXarnjs (seit 966) hatte 979 durch sein Eingreifen gegen den Usurpator Bardas Skieros dem byzantinischen Kaiser Basileios II. einen großen Dienst erwiesen ; seine Aktivität innerhalb der byzantinischen Politik wurde Dawit' jedoch zum Verhängnis, als er sich 987 zur Unterstützung des Usurpators Bardas Phokas entschloß. Nach dem Tode des Phokas und dem Zusammenbruch dieser Rebellion mußte der kinderlose Dawit' den byzantinischen Kaiser zu seinem Erben einsetzen, obwohl er den Fürsten Bagrat III. von Abhäzien (georgisch Apgazeti) adoptiert hatte, der von seinem eigenen Vater noch das Reich Georgien (Kartli) als Erbe zu erwarten hatte. Eine solche Machtkonzentration wäre für Byzanz höchst unerwünscht gewesen; als Dawit' im Jahre 1000 unter nicht ganz geklärten Umständen starb, griff daher Basileios II. unverzüg­ lich ein und besetzte Taik'3. Obermesopotamien (al-Gazlra) war das Gebiet von Stämmen der nord­ arabischen Gruppe Qais, die um die Mitte des 10. Jahrhunderts hierher und in das nördliche Syrien gekommen waren. Aus ihnen erwuchsen im Macht­ vakuum zwischen den Chalifaten der 'Abbäsiden und der Fätimiden sowie dem byzantinischen Reich mehrere lokale Dynastien; abgesehen von den hier nicht in Betracht kommenden 'Uqailiden in Mosul und den Mirdäsiden, deren Wirksamkeit überwiegend der Geschichte Syriens angehört, sind es zwei Dynastien, auf die wegen mehrfacher Beziehungen zum byzantini­ schen Reich näher einzugehen ist: die Numairiden von Harrän und die Marwäniden von MajjäfarTqTn. Die Numairiden verdankten ihre Unabhängigkeit der Schwäche des hamdänidischen Regiments während der letzten Jahre Sa'daddaulas. 380 H 3 Zu Dawit’ von Taik’ : SEIBT, Skleroi 44ff. 52. 54. 56; C.T o u m an o ff , The Bagratids of Iberia from the 8thto the 11thcenturies. Le Muaéon 74 (1961) 39f.; M.D. LORDKIPANIDZE, Istorija Gruzii XI — nacala XIII veka. Tbilisi 1974, 49ff.; F o r s y t h 467—471 ; K. S a l ía , Histoire de la nation géorgienne. Paris 1980, 144— 157. — Sein Ende: AristakSs 23 =»4f. C läßt Dawit’ durch Angehörige des azatagund, d. h. des (niederen) Adels bei der Eucharistie vergiftet werden ; Matt’Sos 37 f. V = 46f. J = 25 B » 33 D berichtet auch von einer Adelsver­ schwörung und über den vergeblichen Versuch des Erzbischofs Ilarion, Dawit' bei der Messe zu vergiften, worauf er ihn schließlich gar mit einem Polster im Schlaf erstickt haben soll! Smbat 17f. = 11G kommt letzterer Version nahe, wobei der Bischof allerdings Vrarion heißt. Asotik spricht zwar vom Tode des hochbetagten Dawit' (und dies anläßlich der Schilderung eines Kampfes zwischen Georgiern und Russen, die auch fur Aristakës den Rahmen für die Einstreuung obigen Gerüchtes gab), doch findet sich bei Asotik kein Wort von einer Verschwörung. Auch die Georgische Chronik (Kartlis cxovreba) schweigt hievon, sodaß Dawit' in seinem vorgerückten Alter wohl eines natürlichen Todes starb; jedenfalls ist bezüglich einer byzantinischen Hilfe für eine Verschwörung gegen Dawit' nichts erwiesen, und die Gerüchte um sein Ende spiegeln wohl eine Verleumdungskampagne gegen die probyzantinische Partei des Landes wider.
Darstellung 133 (beg. 31. März 990) machte sich W attäb b. Säbiq an-NumairT, der zunächst Statthalter von Harrän für die Hamdäniden gewesen war, selbständig; im selben Jahr konnte er auch Sarüg besetzen, und 398 H (beg. 17. September 1007) nahm er dem damaligen Machthaber Halaba, al-Mansür b. Lu’lu’, Raqqa ab. Bald nach Erlangung der Herrschaft bemächtigte sich W attäb b. Säbiq auch Edessas (ar-Ruhä’s), das er seinem Cousin 'Utair übertrug, bis e s später an das byzantinische Reich verloren ging4. Die Dynastie der Marwäniden kam ebenfalls 380 H (beg. 31. März 990) zur Unabhängigkeit, als sich nach dem Tode des Kurden B id im Kam pf gegen Hamdäniden und 'Uqailiden sein Neffe Abü ‘All al-Hasan b. Marwän in MajjäfarlqTn behaupten konnte. Abü 'Alls Politik richtete sich auf Armenien, wo die Muslime noch einige wichtige Stützpunkte besaßen: Unmittelbar am Van-See Arces (arab. ArgTs) und Xlat* (Hilät/Afilät)'. etwas von seinem Nordostzipfel entfernt Berkri (BarkirT); nördlich von Xlat* Mantzikert (Manäzgird) ; weiters nahe dem westlichen Ende des VanSees B alis (BidlTs). Im früheren 10. Jahrhundert herrschten über diese Gebiete die Qaisiten von Mantzikert, deren Stellung dann der Ahnherr der Marwäniden, B id Abü 'Abdalläh al-Husain, übernahm, welcher von Majj&farTqTn aus auch auf Xlat*, Mantzikert, A rcis und die Gebiete am Nordufer des Van-Sees Übergriff. Diese Orte wurden stets auch von den Byzantinern beansprucht, weil die traditionelle Stoßrichtung der arabi­ schen Einfalle nach Armenien der von Adarbaigän über diese Orte in Richtung Malatia (Melitene) führenden Straße folgte. 382 H (beg. 9. März 992) wies der erste Marwänide Abü 'AIT al-Hasan b. Marwän die Byzantiner aus dieser Gegend zurück5. 4 Zur Einwanderung der Qaisiten im allgemeinen : O r i ’ KNHKIM I 222—228. - - Überblick zur Geschichte der Numairiden bei R ice , Harrän 74—83. Im einzelnen vgl. zu ihrem Aufkommen Ibn Saddäd (Bodl.) 14b. 31 a; Bemächtigung von ar-Raqqa: Ibn Saddäd (Bodl.) 23a (die grolle Zeit dieser Stadt unter den frühen ’Abb&siden war damals nur noch Erinnerung; vgl. I.K St r a n d e , Eastern Caliphate 101 f.; DKRS., Palestine 518; C a n a r d , Hamdanides 00f.; E I' III 1196); Edessa; Ibn Saddäd (Bodl.) 27a. * Überblick zur Frühzeit der Marwäniden bei A.MKDRoz, Marwänid Dynasty 123f.: Forsyth 480f. — Ihre Anfänge: Ibn al-Atîr IX 80 (s. a. 380); Ibn al-Azraq 59f. — Die Qaisiten von Mantzikert und ihre Stützpunkte: Text des Ibn al-Azraq bei Marqiart , Südarmenien 453f.; demnach unternahm Saifaddaula 328 H (940) einen Zug gegen den Qaisiten Ahmad b. 'Abdarrahmän Abul-Mu'izz, den Herrn von (filât, Dät al-Gauz (Arckê). ArgTs, Barkirl und Manäzgird. — Die Annexionen des Bäd: Asolik III 25 = 129f. M = 186 G-B; weitere reiche Quellenverweise bei MAKyl'AKT, Südarmenien 459. — Abü 'All und Byzanz: Ibn al-Azraq 61 (ihm zufolge wurde nach dem Scheitern der Byzantiner gegen Afÿlât. Manäzgird und BarkirT ein Waffenstillstand auf 10 Jahre geschlossen). Abu’l-Farag Chron. Syr. 213 BRI NS - K irsch = 178 B it n ik . Strategische Lage: M.ARyiART, Südarme­ nien 466f.
134 Armenien und al-GazIra Aba 'All fiel wohl 387 H (beg. 14. Januar 997) einem Anschlag zu Gunsten seines Bruders Mumahhidaddaula Aba MançOr b. Marw&n (reg. bis 401 H [beg. 15. August 1010]) zum Opfer6. Als Basileios II. nach dem Tode des Dawit' xoupoxaXânQç im Jahre 1000 dessen Gebiete, wozu nun auch Mantzikert zahlte7, besetzte, konnte er als weiteres Ergebnis dieses Zuges auch die Huldigung Mumahhidaddaulas entgegennehmen. Dieser wurde hiefur mit der Würde eines (¿¿YHrrpoc ausgezeichnet und zum SooÇ rîjç ’AvaToXîjç ernannt und sehr ehrenvoll entlassen. In Amid, wo der Mörder Aba 'Alls, Aba T&hir Jüsuf b. Damna, unter marw&nidischer Oberhoheit weitgehend selbständig bis 415 H (beg. 15. März 1024) regierte, gaben Gesandtschaften an Fätimiden, 'Abbäsiden und nach Byzanz dem W unsch zu allseitiger politischer Normalisierung Ausdruck8. Damals verlieh Basileios II. an Bagrat III. den Titel xoupo7coXáTV)^9, wie ihn zuvor Dawit' von Taik' besessen hatte; Bagrats Vater Gurgen von e Zum Ende AbQ'Alls vgl. die Literatur bei FORSYTH 530, A. 114. Bezüglich des Datums schwankt Ibn al-Azraq zwischen 386 H (S.72) und 387 H (8.77 und 92); Sibt b. al-CauzT (Hs. Paris 6866) 156a bietet 387 H, und er gibt die maßgebliche Tradition des Hiläl a?-$äbT wieder. 7 Mantzikert war bereits zweimal vorübeigehend byzantinisch besetzt worden — um 931 (vgl. V a s i l i e v — C a n a r d II/l, 266 mit A.3; anders H o n i g m a n n 147) und w&hrend der syrischen Eroberungen Nikephoros' II. Phokas 968/9 (vgl. Jahjä, PO 18, 825f.). — Der Wegbereiter der Marwäniden, Bäd, konnte zur Zeit des Skleros-Aufstandes die entfestigte Stadt fur sich gewinnen und wieder aufbauen (Asolik III 14 = 57f. M = 141 G-B); es bleibt jedoch fraglich, ob er Mantzikert vor 979 besetzte, oder erst, nachdem Dawit* von Taik* die Stadt für seine Hilfe bei der Niederwerfung des Skleros-Aufstandes von Basileios II. zugesprochen erhalten hatte (vgl. H o n i g m a n n 151 fl). Endgültig vermochte Dawit* schließ­ lich nach Bftds Ermordung zwischen 992 und 994 Mantzikert in seine H&nde zu bekommen, und danach teilte es die Geschicke von Taik*. Vgl. Asolik III 38= 151 f. M= 202 G-B; zum Zeitpunkt MARQUART, Südarmenien 472; HONIGMANN 154f. Auch das Eingreifen der Marwäniden (sie hatten Bardas Skieros, als dieser 987 erneut den Purpur nahm, tatkräftig unterstützt) änderte daran nichts (Asolik III 41 = 156ff. M = 205ff. G-B; vgl. SEIBT, Skleroi 51. 53). — Zum Gesamtüberblick vgl. die o. (A. 1) genannte Abhandlung von DANIELYAN. 8 Zur Huldigung Mumahhidaddaulas vgl. Asolik III 43= 163 M= 210 G-B; Jahjä, PO 23 460, welcher allein von der Ernennung zum «¿/¿Jl ($ov; t?,: 'Avaro/rtz) berichtet (d.h. wohl titulare Bestellung fur eines der höchsten Kommandos im Osten); Ibn al-Azraq 84 (nach ihm wurde ein Vertrag auf Gegenseitigkeit geschlossen). SCHLUM BERGER, Épopée II 31, A.3 wollte auch die Angabe bei Abu'l-Farag, Chron. Syr. 213 Bruns—K irsch = 178 BtDGE hierherbeziehen, daß 382 H zwischen dem Kaiser und Abû AIT ein Friede auf 10 Jahre geschlossen wurde ; das ist jedoch verfehlt, wie die gleiche Version bei Ibn al-Azraq 61 beweist (vgl. o. A. 5). Dies ist auch bei DOlger, Regesten 790 in Rechnung zu stellen. — Außenpolitische Haltung Ibn Damnas : vgl. Ibn al-Azraq 86. 9 Die sehr hohe Würde eines xooporra/ár/^ ist schon im 6. Jh. nachgewiesen und blieb in Byzanz bis in das spätere 10. Jh. Verwandten des Kaisers Vorbehalten; bis zum II. Jh. wurde sie aber auch häufig georgischen, seltener armenischen Fürsten verliehen. Vgl. G u i l l a n d . Titres III.
Darstellung 135 G eorgien (Kartli) wurde dagegen nur zum Magistros ernannt. Solche E hrungen änderten nichts an der Tatsache, daß mit TarOn und dem Q roß teil der Besitzungen Dawit's nunmehr das gesamte westliche Arme­ n ie n byzantinisch war. Gagik von Ani protestierte durch sein ostentatives Fernbleiben, während Gurgen in seinem Unmut 1001 einen Feldzug in das byzantinische Taik* unternahm, ohne allerdings etwas auszurichtenl0. Im Jahre 305 H (beg. 18. Oktober 1004) ereignete sich ein kriegerischer Zusammenstoß zwischen W attäb b. S&biq von Harrän und den Byzanti­ nern, nachdem der damals auftretende Mahdi-Prätendent al-Asfar im Machtbereich Wattäbe Zuflucht gesucht hatte. Hier bildeten Ereignisse der syrischen Geschichte ebenso den Anlaß wie bei der Mittlerrolle, die Mumahhidaddaula von Majj&farlqln zwischen Byzanz und dem Hamdäniden Abu’lH&igä’ anläßlich der mißglückten Restauration des letzteren in Halab (400 H [beg. 25. August 1009]) einnahm111 2 . Über die Außenpolitik Mumahhidaddaulas ist sonst im wesentlichen nur sicher, daß er die engen Verbindungen zu Byzanz aufrecht erhielt. Das Ende Mumahhidaddaulas war ebenso gewaltsam und unvermutet wie das seines Bruders und Vorgängers: er fiel einem Anschlag des Wezirs Sarwa zum Opfer, der ihm einst zur Macht verholfen hatte. Sarwa faßte dann den verwegenen Plan, sich durch Auslieferung Majjäfarlqlns an die Byzantiner in der Herrschaft zu behaupten. Doch der letzte überlebende K uder aus der Marwänidendynastie, Nasraddaula Abü Naçr Ahmad, den Mumahhidaddaula von der Residenz ferngehalten hatte, vermochte mit Hilfe des Statthalters von Arzan1*, unterstützt durch die Meuterei der Truppen gegen Sarwa und schließlich von den Bewohnern Majjäfarlqlns selbst herbeigerufen, den Usurpator zu stürzen und seiner Strafe zuzufuhren (Du’l-H i¿¿a 401 H [beg. 6. Juli 1011]). Die nun beginnende und bis 453 H (beg. 26. Januar 1061 ) dauernde Regierung Nasraddaulas wird hoch gerühmt; sie erhielt bald die Legalität von Seiten des’Abbäsidenchalifats in Baghdäd zuerkannt, indem Naçraddaula auf Veranlassung des bQjidischen Protektors des Chalifen die Investitur erteilt wurde. Abgesehen von BQji10 Zu den Bagratkien vgl. Asolik III 4 3 » 164 M » 210 G -B ; Aristakös 24 » 6C ; Georg. Chronik (Kartlis c/ovreba) 209f. BROS«ET; B rossET, Histoire 297; vgl. DENS., Additions 186. — Haltung Gagiks I. von Ani; Asolik III 43 = 165 M « 2 I I G -B ; Gurgen: Asolik III 4 4 » 166f. M » 212 G -B ; vgl. Brosset, Additions 187f. — Der byzantinische Kommandant gegen Gurgen, den Asolik als M sgistros und Kanikleios bezeichnet, ist Nikephoros Uranos, der uns bereits als Statthalter von Antiocheia begegnete; vgl. o. S.52 mit A .27. 11 Zu W attäb und al-Asfar vgl. o. S.53—54 mit A. 30—34; zu MnmahhidaAlmla und. Abu’l-H aigä vgl. S .55—56 mit A. 3 7 -4 0 . 12 Arzan (Hauptort der antiken Arzanene) liegt südwestlich von BkUls und etwa gleich w eit östlich Majj&farlqln, an einem der Zuflüsse des Tigris. Vgl. RE I I 1498, s. v. Arzanene (B a u m g a r t n e r ); EP 1 6 79 f„ a v. Arzan (F r y e ); L e S t r a n g e , Eastern Caliphate 112f.
136 Armenien und al-GazTra den und 'Abbfisiden trat Nasraddaula aber auch in diplomatische Beziehun­ gen mit den FAtimiden und mit Byzanz; ein Zusammentreffen von G e ­ sandtschaften aller genannten Mächte fand am 7.D u ’l-Higga 403 H (19. Juni 1012) statt13. In Georgien (K artli)14 hatte nach dem Tode des Königs Gurgen 1008 sein Sohn Bagrat III. von Apxazeti die Herrschaft übernommen, starb jedoch ebenfalls schon 1014. Alle seine Besitzungen fielen an Bagrats Sohn Giorgi I. (1014— 1027), der auch an seinen Erbansprüchen in Taik' gegen­ über Byzanz festhielt. Im Winter 1015/6 schlug Giorgi in den Grenzgebie­ ten von Taik' eine byzantinische Armee, ohne daß der damals gegen die Bulgaren beanspruchte Basileios II. eingreifen konnte15. Erst nach deren Niederwerfung unternahm der Kaiser 1021 seinen ersten georgischen Feldzug16, in dem Giorgi mit dem Fätimidenchalifen al­ lí äk im verbündet war, während hingegen Basileios II. den Regenten AzTzaddaula von Halab unterstützte. Nach dem Verschwinden al-Hakims beschränkte sich Giorgi im wesentlichen auf eine hinhaltende Kriegfüh­ rung und zog sich schließlich in unzugängliche Festungen von Ap/azeti 13 Sarwa und Byzanz: Ihn al-Azraq 96f.; Außenpolitik Nasraddaula»: nach Ibn al-Azraq 108—110 verlief die Entrevue der (Gesandten in solcher Form, daß dem byzantinischen Vertreter keine Bevorzugung zuteil wurde — damit sollte der Wunsch nach Äquidistanz zu allen Mächten (bei Bestehen korrekter Beziehungen) ausgedrückt werden. — Zur Usurpar tion Sarwas vgl. den Überblick bei A.MKDRoz, Marwänid Dynasty 128—131. 14 Übersicht bei VV. E. Allen, A history of the (Georgian People. London 1932, 84—88; C. Tocmanoff, The Bagratids of Iberia from the 8th to the l l ,h centuries. Le Muséon 74 (1961) 40, Nr.55; 41, Xr.60; 313f.; A. Maxvklichviu, Histoire de Géorgie. Paris 1951, 147 ; M. D. LoHPKIPANlDZK. Istorija Gruzii XI — nacala XIII veka. Tbilisi 1974, 56. 60ff.; K. SALIA, Histoire de la nation géorgienne. Paris 1980, 147—150; 157—159. — In dieser Zeit gelang es, das früher in zahlreiche Machtbereiche aufgeteilte Georgien zu einer inneren Einheit zusammenzuschließen. Nachdem Bagrat III. von seinem Vater Gurgen Mittelgeor­ gien (Kartli) geerbt und in den folgenden Jahren auch Ostgeorgien (Ka/eti und Hereti) gewonnen hatte, befand sich der Großteil des Landes unter seiner Herrschaft; nur die südlichen Grenzgebiete waren teil» in byzantinischer (Tao), teils in muslimischer (Tiflis) bzw. armenischer Hand (die nördlichen Bezirke des Fürstentum» Tasir). 15 Vgl. Aristakês 25 = 7f. C; die entscheidende Auseinandersetzung fand bei Ult'ik statt (am Oltu Çayi, einem der Zuflüsse des Çoruh gelegen; vgl. Hoxmïmaxn 157, A. 5; lÖOf. ; CANARD zu Aristakês 6. A.7). 16 Für beide Feldzüge Überblick mit Belegen bei Gkoisset 547—561; HonkïMAXX 162—167 ; Forsyth 560—569. An Quellen zum 1. Zug (über die Zusammenhänge mit Syrien und Ägypten vgl. aber o. S.71—72 mit A .83—85) sind zu nennen: Aristakês 28—31 = 11—15C; Skylitzes 366, 32—34 ( = Kedrenos 477, 2 -4); Jahjä 239, 13—16; 240, 6—12 CheikhO; Georg. Chronik (Kartlis c/ovreba) 214f. Brosset = BrosseT, Histoire 306f.; Geschichte der Bagrationi 383 = 38f. LoRDKIPAXlDZE: Matiane Kartlisa 284f. = 43 LORDKIPAX1DZE; Samuel von Ani 105 (z. J. 1018); Yakobos Sanahnec'i (t 1085) in: L. X aMKYAN, Hakob Sanahnec'i zamanakagir XI dari. Vestnik Erev. Vniv . 1971/1,40.
Darstellung 137 zurück, während Basileios II. das Land grausam verwüstete, bis er sich vor Winterbeginn nach Trapezunt begab. Im folgenden Jahr 1022 erneuerte Basileios II. den Krieg gegen G iorgi17, sodaß dieser — trotz einer ur­ sprünglichen Koalition mit den armenischen Herrschern und wohl auch mit zwei aufrührerischen byzantinischen Magnaten, den Twrrpixiot Nikephoros Phokas und Nikephoros Xiphias181 9— zuletzt genötigt wurde, auf Taik* vollständig zu verzichten, die in diesem Gebiet noch besetzten Festungen abzutreten und seinen Sohn Bagrat (IV .) als Geisel zu stellen. In diesen Jahren hatte die Gefährdung Armeniens durch muslimische Einfalle aus dem Osten wieder stark zugenommen und weitreichende politische Folgen ausgelöst. Seit der Jahrtausend wende, als Basileios II. dem Emir von Her (H ojj) Frieden gegen Vaspurakan gebot, dauerten kleinere Einfalle offenbar dennoch fort10. Wohl im Jahre 465 armen, (beg. 17. März 1016) ereignete sich ein Vorstoß muslimischer Scharen, unter denen vorwiegend turkmenische Kriegsvölker des Emirs von Qojj und vielleicht seiner Nachbarn zu verstehen sein dürften, gegen Vaspurakan20. 17 Zum 2.georgischen Feldzug vgl. Aristakös 32—39« 16—25C; Skylitzes 367, 56—64 ( = Kedrenos 478, 3—13) (Skylitzes hält die beiden Feldzüge nicht klar auseinander; die MagnatenVerschwörung dürfte erst in das zweite Jahr zu datieren sein, während der — bei ihm erst danach berichtete — Tod des AtTrapinjç [genauer gesagt des Rati, Sohn des Liparit] von Aristakés und den georgischen Quellen klar in das erste Jahr gesetzt wird); Jahjä 240, 18—243, 12; Georg. Chronik (Kartlis cxovreba) 218 BROSSET = BROSSET, Histoire 308f.; Geschichte der Bagrationi 384f. = 39f. LORDKIPAXIDZE; Matiane Kartlisa 287—289*44 Lordkipaxidze . 18 Vgl. Anstakës 32—35-16—21C; Skylitzes 366, 34—367, 55. 64—70 (»Kedrenos 477, 5—478, 3. 13—19); Jahjä a. O.; Georg. Chronik (Kartlis cxovreba) 215—217 Brosset » B rosset, Histoire 307f. ; Geschichte der Bagrationi 383f. » 39 Lordkipaxidze ; Matiane Kartlisa 285—287 »44 Lordkipaxidze ; Samuel von Ani 106 (z. J. 1027). — Vgl. ferner SKIBT, Vaspurakan 59. 19 Her oder Huwajj ist das heutige {fojj nördlich des Urmia-Sees; vgl. Le STRANGE, Eastern Caliphate 166; EV II 1035, s. v. Khoy (HUART); M a r q u a r t , Südarmenien 208, A. 1; SEIHT, Miszellen 640. Der dortige Emir muß zu jenen gehören, denen Basileios auf dem Zug des Jahres 1000 jeden Krieg gegen Vaspurakan verboten hatte: Asolik III 46» 168f. M»214 G-B; vgl. auch Dölgek, Regesten 792. Ein durchgreifender Erfolg wird durch SamuSl von Ani verneint, weil er (104, z.J. 1002) die sarazenischen Einfalle bis zur Abtretung Vaspurakans an Byzanz i. J. 470 armen, (beg. 16. März 1021) 22 Jahre lang dauern läßt. 20 Skylitzes 354, 94—355, 6 (»Kedrenos 464, 10—18) berichtet s. a. 6524 M (beg. I.September 1015) von Einfallen der Agarener, die den König Senek'erim von Vaspurakan zur Abtretung des Landes an Byzanz veranlaßt hätten. Auf diese feindlichen Einfälle beziehen sich mehrfache Zeugnisse armenischer Quellen. Matt'eos von Urhay 46— 48V»57—59J = 30—32B = 40—43D spricht vom Auftauchen türkischer Scharen, wobei die Chronologie zwischen 467 armen, (beg. 17. März 1018) und 465 armen, (beg. 17. März 1016) in der Überlieferung schwankt; doch dürfte 465 das Richtige sein; dies findet sich in der Ausgabe von Vataroapat (46) und wurde in die neuarmenische Übersetzung von
138 Armenien und al-GazIra Am 5. Januar 1017 erlitt die von Dawitf Senek'erim (Sohn des K ön igs Senek'erim Yovhannes) und dem General S&puh befehligte armenische Adelsreiterei eine schwere Niederlage gegen die Eindringlinge21. U nter diesem Eindruck scheint die armenische Seite Verhandlungen mit B yzanz über einen militärischen Beistand beabsichtigt zu haben, die aber, w ie neuerdings wahrscheinlich gemacht wurde, dahingehend verliefen, d aß Dawit' Senekerim seine persönlichen Besitzungen in Vaspurakan w ohl Anfang 1019 an Byzanz abtrat und Gefolgsmann des Kaisers wurde22. Bartikyan (30f.) übernommen — es liegt vielleicht eine Verwechslung der sehr ähnlichen Zeichen für 5 (b) und 7 (() durch den Kopisten vor; vgl. S.G. AGAD2ANOV— K. N . JUZBA&IAN, K istorii tjurkskich nabegov na Armeniju v XI v. Palestinskij Zbomik 13 (1966) 149; vgl. jedoch auch SEIBT, Vaspurakan 55. Ferner enthalten Smbat 23 V = 13f. G und die Chronik von Sebasteia (V. A. A kopjan, Melkie chroniki XIII—XVIII w . Bd. II. Erevan 1956, 130) die Jahresangabe 467 ; vgl. zudem die Übersicht bei DÉDÉYAN, Immigration 59, A.97 und SEIBT, Vaspurakan 50Í. mit A.3. Ein Auftauchen von Türken, die in Zusammenhang mit der Expansion der Selgüqen zu bringen wären, ist jedoch in dieser Zeit noch nicht denkbar; vgl. Cl. Cahen, À propos de quelques articles du Köprülü-Armagani. JA 1954, 275—279; DERS., Première penetration 9. Verursacher des Krieges ist wohl der Emir von Qojj sowie — vielleicht — seine Nachbarn; flojj unterstand ziemlich sicher einem Herrn aus der Dynastie der Rawwädiden (zu dieser vgl. u. A. 23), denn 437 armen, (beg. 24. März 988) war es von diesen besetzt worden und diente ein Jahrzehnt später als Stutzpunkt für einen rawwädidischen Zug gegen Mantzikert. Vgl. Asohk III 19. 38. 41 =71—73. 151 f. 156 M = 147f. 202f. 205 G—B; Matt'öos 30—33 V = 36—40 J = 20—22 B«26—29 D; Ibn al-Atlr IX 391 (s. a. 420) kennt 1044 den Rawwädiden Abul-Haigä’ b. Rablbaddaula als Heim von Urmia. Turkmenen in Diensten der Rawwädiden sind durch Ibn al-Atlr IX 378 für 420 H (beg. 20. März 1029) belegt; damals traten turkmenische Scharen mit 2000 Zelten zu den Rawwädiden über. Diese können sehr wohl auch schon 1016 derartige Hilfskräfte besessen haben, was die pauschale Bezeichnung der Invasoren als „Türken“ verursachte. Vgl. noch MlXORSKY 168; G rousset 551 ; H o n i g m a n n 168 mit A.9f. 21 Die Schlacht fand bei Ostan, einer Stadt am Südostufer des Van-Sees statt und „fand so großen Widerhall, daß die Gefallenen als Märtyrer in das armenische Synaxarion eingingen ; da der 25. Mareri als Gedenktag gilt, können wir den Tag des Schlacht präzise auf den 5. Jänner 1017 festlegen.“ (SEIBT, Vaspurakan 51 ; vgl. hiezu die Belege ebd. A.4; zur Schlacht allgemein ebd. 50f.). 22 Wie SEIBT, Vaspurakan 53—57 darlegt, hat Skylitzes offenbar zwei Personen, nämlich den König Senekerim Yovhannês und seinen Sohn Dawit* Senek'erim, zusammen­ geworfen. Die Ernennung des hochangesehenen alten Königs nur zum Patrikios wäre ein schwer glaubhafter politischer Affront gewesen — er hätte mindestens Magistros werden müssen, und als solcher erscheint er tatsächlich bei Kekaumenos 282, 9. Hingegen ist für Dawit* Senek'erim ein Beginn der Karriere als byzantinischer Gefolgsmann in der Stellung eines mipixio^ xoti oTpiirjo; KaunraSoxia; durchaus glaubwürdig. Aus dieser Differenzierung der Personen ergibt sich eine Zweiteilung der Ereignisse: Zunächst hat sich Dawit* Senek'erim persönlich Byzanz unterstellt, allerdings nicht 6524 M (beg. 1. September 1015), wie Skylitzes (vgl. A. 20) nahelegen könnte, sondern 1018 oder 1019, da es nach Aristakäs 34,10—13= 19C im Jahre 470 armen, (beg. 16. März 1021) „zwei
Darstellung 139 Im Jahre 470 armen, (beg. 16. März 1021) unternahmen die dailamitischen Rawwfididen gleichfalls mit Hilfe turkmenischer Söldner einen Feldzug gegen das östliche Armenien — eine solche Deutung wird den Angaben der Quellen am ehesten gerecht — und griffen Nig sowie Bjni an23. Diese erneute Gefahr einerseits und die Kompromittierung Dawit' Senek erims infolge seiner Verwicklung in die Magnatenverschwörung um Phokas und Xiphias andererseits haben offensichtlich dahingehend zusammengewirkt, daß Senek'erim Yovhannës sich veranlaßt sah, von der Regierung Vaspurakans zugunsten des Kaisers Basileios II. zurückzutreten24. Diese Zession oder drei Jahre*' zurücklag, daß Dawit* „sein väterliches Erbe" dem Kaiser überantwortet hatte. Als Ansatzpunkt für die der Abtretung vorausgegangenen Verhandlungen hat man sich am besten den Wunsch Vaspurakans nach byzantinischer Hilfe gegen östliche Angriffe vorzustellen (nach Tovma Arcruni verkaufte Senek'erim infolge dieser Einfälle sein Land; vgl. Collection d'historiens arméniens, tr. BROSSET Bd. I. Petersburg 1874, 306; vgl. weiters SEIHT, Vaspurakan 65. Die eigentliche Abtretung durch König Senek'erim Yovhannës Anfang 1022 (vgl. u. A. 25) implizierte die Auswirkungen der Magnatenverschwörung (vgl. u. A. 24) sowie wohl auch der Invasion von 1021 (vgl. u. mit A. 23f.). 23 Aristakes 34 = 190 erwähnt den Einfall gewisser „Perser", die wohl mit jenen Dailamiten gleichzusetzen sind, deren Vorstoß gegen Nig und Bjni (im Norden der Provinz Ayrarat, letzteres etwa 40km nördlich von Erevan; vgl. HONIGMANN 175; GROUSSET 580) Matt'eos von Urhay 11—14 V * 13—17J * 7 —9B = 9—12D irrig unter 420 armen, (beg. 29. März 971) bringt; der hier genannte Vasak Pahlawuni ist erst im 3. Jahrzehnt des 11. Jh. gegen die Türken gefallen (Inschrift des Jahres 1029 auf seinen Tod bei L. AUSAN, Sink. Venedig 1879, 148). Vardan 98 (Venedig) * 131 (Moskau) gibt als Datum dafür 470 armen, (beg. 16. März 1021), weist die Invasion jedoch vage den „Türken" zu. Eigentlich selgfkqische Einfälle sind damals noch unmöglich (Vardan nennt gar Tughril Beg!); allenfalls konnten die Dailamiten türkische Söldner herangezogen haben. Vgl. o. A.20. Im übrigen mag Aristakës in seinem Sprachgebrauch Asoük gefolgt sein (den er für die Anfangspartie seines Werkes auch benutzte), welcher die Rawwädiden mehrfach (III 18. 19. 38. 41 =71. 73. 151 f. 156—159 M = 146. 148. 202f. 205—208 G— B) als Perser bezeichnete. Auf Grund dessen sowie aus Munaggimbäft (Hs. Topkapi 2951 ) 501 b bei MlNORSKY 165 (MunaggimbääT stellte seiner Monographie über die Saddädiden kurze Abrisse über Musäfiriden und Rawwädiden voran) dürften sich die dailamitischen Rawwädiden als politische Exponenten ergèben. Deren Regent von 386 H (996) — 416 H (1025) war Abü Naçr Husain b. Muhammad. MARQUART, Südarmenien 400. 517 f. wollte die Dailamiten mit der Dynastie der Musäfiriden verbinden, doch wurden diese bereits 983—984 aus Ädarbaigän vertrieben und nach GHän abgedrängt; auch wenn ihr Herrscher Ibrählm (II.) b. Marzubän b. Ismä*Tl b. Wahsfldän (reg. 374 H [984] — 420 H [1029]) seine Gewalt wieder bis gegen Ädarbaigän ausbreitete, so konnte er keinesfalls bis Armenien expandieren. u Dawit* Senek'erim hatte mit der Magnatenverschwörung sympathisiert (Aristakês 34, 15» 19C); er ging dann zwar rechtzeitig zu Basileios II. über (vgl. SEIBT, Vaspurakan 59 mit A. 22—24), doch bevor diese Verschwörung noch (im Sommer 1022) niedergeworfen war, empfing Basileios II. im Winterlager zu Trapezunt (vgl. A. 25) jene Gesandtschaft des Senek'erim Yovhannës, die ihm Vaspurakan schließlich überantwortete. Es ist naheliegend anzunehmen, daß von Basileios II. auf die Gesandtschaft politischer Druck ausgeübt wurde, der sich aus Dawit's Haltung zur obigen Verschwörung erklärt, möglicherweise aber auch
140 Armenien und al-C&zlra Vaspurakans fand Anfang 1022 statt; in der ersten Jahreshälfte dürfte das Thema Vaspurakan unter dem Katepano Basileios Argyros eingerichtet worden sein25. Er zeigte sich den schwierigen Aufgaben jedoch nicht gewachsen und wurde bald durch Nikephoros Komnenos ersetzt, wahr­ scheinlich im spateren Verlauf des Jahres 1022, als Basileios II. nach Beendigung seines zweiten georgischen Feldzuges in Vaspurakan ein traf26. Der Kaiser beabsichtigte damals, das neu erworbene Vaspurakan durch einen Streiftug in Richtung auf Ädarbai^än zu sichern. Der sehr strenge W inter legte dem byzantinischen Heer die größten Leiden und Entbehrun­ gen auf, sodaß Basileios II., der sich schon zur Belagerung von Q ojj vorbereitete, letztlich gezwungen war, sich mit Ergebenheitsbezeugungen des Emirs zufrieden zu geben. Die Nachhut des nach Vaspurakan abziehen­ den byzantinischen Heeres mußte den feindlichen Plänklern noch viel Beute an Reit- und Zugtieren sowie Ausrüstung zurücklassen27. Der Umfang des neuen Katepanats darf nicht an den früheren Grenzen des armenischen Reiches Vaspurakan gemessen werden, sondern be­ schränkte sich auf das Gebiet zwischen dem Van-See und dem Gebirgskamm der heutigen türkisch-persischen Grenze im Westen des Urmia-Sees. Doch erfuhr es bereits 414 H (beg. 27. März 1023) eine Abrundung, als aus zuwenig Loyalität der Arcrunier im Zusammenhang mit dem Feldzug gegen Georgien. Vgl. S eiht , Vaspurakan 58f. Andererseits kann der Einfall der Dailamiten von 470 armen, (beg. 16. März 1021) bei den Armeniern den Wunsch nach byzantinischer Hilfe verstärkt haben, wie solches schon bei der Invasion von 1016/7 eine Rolle gespielt hatte (vgl. A. 22). Jedenfalls wirkten bei der Zession Vaspurakans mehrere Momente zusammen, während Skylitzes (vgl. A. 20) nur die Gefahr aus dem Osten als Motivation für Senekerim Yovhannês angegeben hat. 25 Übersicht bei Akcliax 32—49; SEIHT, Vaspurakan 61. Als Zeitpunkt steht Anfang 1022 ziemlich fest, denn Jahjä b. Sa*Td setzt die Abtretung zwischen die beiden georgischen Kriege Basileios* II., als dieser im Winterlager zu Trapezunt verweilte (240, 11— 16 C h e i k h o ); auch berichtet Aristakês 31 f. = 15f.C, daß die Gesandtschaft aus Ani am Epiphanietag (6. Januar) mit dem Kaiser zusammentraf, und zudem geben mehrere andere armenische Quellen, vorab Samuel von Ani und Tovma Arcrani, als Zeitpunkt 470 atmen, (beg. 16. März 1021 ) an (vgl. die genauen Nachweise bei SEIHT, Vaspurakan 58f., A. 21 ). Zu Basileios Argyros vgl. Skylitzes 355, 6— 10 ( = Kedrenos 464, 18—22); er ist nach neuer Ansicht ( V a n n i e r , Argyroi 39— 41) mit dem gleichnamigen Katepano von Italien (1010— 1016) identisch; vgl. auch YrZHASHlAN, Arménie 148; SEIHT, a. O. 61 mit A.27. 26 Zur Abberufung des Basileios Argyros und der Nachfolge des Nikephoros Komnenos vgl. Skylitzes a. O. Nikephoros ist wohl Sohn jenes Manuel Erotikos, der 978 Nikaia gegen Bardas Skieros verteidigte (Skylitzes 323, 5—31 [ = Kedrenos 427, 23—429, 5]), und den Bryennios 75, 1—7 und Anna Komnene III 9, 24— 10, 11 Leih als Komnenen bezeichnen. Vgl. GlrllXANl>, Titres XII 89; Seiht, Skleroi 42 mit A. 114f.; YfZBASHlAN, Arménie 148f. 27 Vgl. Aristakês 38f. = 23—25C ; Matt eos 5 lf.V -3 4 B (dieser Abschnitt fehlt in der Jerusalemer Ausgabe und in der Übersetzung von DrLAl’RlER); Smbat 27 V » 16G; zur politischen Motivation vgl. Groi/ sket 561 f.; Honiumann 166f.
Darstellung 141 Nikephoros Koranenos den Muslimen, d. h. vermutlich den Marwäniden, die Stadt A rcëi abnehmen konnte28. Das erfolgreiche Vorgehen des Kaisers gegen Giorgi verschaffte dem byzantinischen Reich Anfang 1022 auch die Anwartschaft auf Ani. Der Nachfolger Gagiks I., Yovhannës Smbat, der Bundesgenosse Giorgis I. von Apxazeti gewesen war, vermachte nämlich aus Angst vor einem drohenden byzantinischen Rachefeldzug sein Land testamentarisch an Basileios II. Yovhannës Smbat war ohne Nachkommen; sein Bruder Asot (IV .), der den Norden und Osten des Reiches von Ani beherrschte, dürfte ähnliche Verpflichtungen gegenüber Basileios II. eingegangen sein, als er sich zu Beginn seiner Regierung der Gegner nur mit byzantinischer Hilfe hatte erwehren können. Auch wenn Yovhannës, der durch Basileios II. zum (¿¿Yiorpoc ernannt worden war und als apgcuv ’Aviou xat TÎjç (icyàXijç ’Appisviaç seine Herrschaft auf Lebenszeit beibehalten durfte, bald Reue empfand und sich der eingegangenen Verpflichtung zu entledigen trachtete, so blieb doch der rechtliche Anspruch des byzantinischen Reiches bestehen29. Als Basileios II. im Jahre 1025 starb, stellte sich die Gesamtlage im armenischen Raum demnach folgendermaßen dar: Selbständigkeit besaßen von den armenischen Königreichen nur noch Vanand (Kars), Tasir (bzw. Lori) und Siwnik**. Anspruch auf Bewahrung der Unabhängigkeit erhob trotz des zugunsten von Byzanz errichteten Testamentes Yovhannës Smbat von Ani. Den Muslimen blieben als Stützpunkte Xlat* (IJilât), wohl unter den Marwäniden, Berkri (Barkirl) im Bereich der Rawwädiden, und Bales (Bidlls), das einem eigenen Emir unterstand. Der Nordosten gehörte den kurdischen Saddädiden, einer gleichfalls muslimischen Dynastie mit * Umfangsbestimmung des byzantinischen Vaspurakan bei Honigmann I69f. ; mehrere untergeordnete Strategien sind durch Siegel belegt: Mantzikert, Berkri (nach seiner Beset­ zung durch Byzanz 1034/5: vgl. u. S. I46f. mit A.43—45), Arckë, Gotoroz und Elabake (zu beiden letzteren vgl. SEIBT, Miszellen 638—640). Vgl. auch SEIST, Vaspurakan 60 mit A. 25. Die Besetzung von Arces berichten Jahjft 244, 8f. CHEIKHO und Aristakês 41 * 26f. C, doch bringt nur Jahjft eine Datierung: 414 H (beg. 27.März 1023). Es ist anzunehmen, daß ein Konflikt zwischen Byzanz und dem Marwftniden N&sraddaula von Majjftfariqln voraus­ ging, falls Arèftft auch jetzt noch — wie unter Bftd und Ab& ‘All (vgl. o. S. 133 mit A. 5) — marwftnidisch war. * Anwartschaft auf Ani: Skylitzes 435, 79—87 ( = Kedrenos 557, 5—13); Aristakês 31 f. —löf. C (ihm zufolge traf die Gesandtschaft aus Ani zu Epiphanie, am 6. Januar 1022, bei Basileios II. im Winterlager zu Trapezunt ein — in diese Zeit ist auch die definitive Zession Vaspurakans anzusetzen ; vgl. o. A. 25) ; Matt'êos 50 V = 33 B (fehlt in der Jerusale­ mer Ausgabe und in der Übersetzung von DULAURIER); Smbat 24f. V = 14f. G; Yakobos Sanahnec’i, in: L. X aCikyax , Hakob Sanahneci zamanakagir XI dari. Vestnik Erev. Univ. 1971 /1,40. 42. Vgl. auch DöLGER, Regesten 813. — Überblick der Ereignisse bei A kulian 56—58; Forsyth 579—581 ; zu Aèot (IV.) vgl. die Angaben bei Honigmann 168, A. I f.
142 Armenien und al-Gazîra den Sitzen Duin (Dvin) und Ganga, deren Hilfe später Konstantin I X . gegen Ani beanspruchte, bis er letztlich mit ihnen darüber in Krieg geriet30. Ob in die erste Zeit Romanos’ III., etwa 1028 oder 1029, der erstm alige Vorstoß von turkmenischen Scharen nach Armenien im Zusammenhang m it der 8el¿0qi8chen Expansion zu setzen ist, muß höchst unsicher bleiben31. Der Schwerpunkt der Ereignisse verlagerte sich in den folgenden Jahren nach Mesopotamien, wo das byzantinische Reich durch die Erwerbung Edessas eine wesentliche Stärkung erfuhr. Der Numairide 'Utair, welcher von seinem Onkel W attäb b. Säbiq h ier eingesetzt worden war, hatte die eigentliche Verwaltung der Stadt bald seinem Vertreter Ahmad b. Muhammad überlassen, bis er ihn trotz seiner 30 Zur Organisation der byzantinischen Ostgrenze sei verwiesen auf: N. OlKONOMlDÈS, L’organisation de la frontière orientale de Byzance aux Xe—XIe siècles et le Taktikon de (’Escorial, in : Actes du XIVeCongrès Intern. d’Études Byzantines I. Bukarest 1974, 286— 902; Y uzbashian, Arménie 140—148. Katepanate bildeten hier Vaspurakan, Iberia (d. i. das seit 1000 byzantinische Taik*), Mesopotamia (das aber nicht im Zwischenstromland, sondern etwa in Armenia IV lag) und Antiocheia; den ftoûxcç bzw. xaTcitovo» dieser Gebiete waren in militärischen Belangen mehrfach Strategen untergeordnet. Von den muslimischen Stützpunkten in Armenien war Xlat’ (ebenso wie Arôêi) unter Bäd und Abü AH marwänidisch, was auch für diese spätere Zeit gelten kann (vgl. u. S. 150 mit A.52); für Baleé nennt Matt ros 62 V - 70 J « 42 B «=49 D einen eigenen Emir zum Jahre 480 armen, (beg. 14. März 1031); Berkri war 425 H (beg. 26. November 1033) rawwididisch, vgl. u. S. 146 mit A.43; zu den Saddädiden vgl. u. S. 153 mit A.58. 91 CAHEN, À propos de quelques articles du Köprülü-Armagani. JA 1954, 275—279; DERS., Le Mälik-nämeh et l’histoire des origines seldjukides. Oriens 2 (1949) 31—37. 50f. hat mit Recht eine Invasion von Türken, die im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Selgüqen stünde, für diese Zeit zurückgewiesen. Zwar behauptete IBRAHIM KAFESOÖLU in den Melanges Fuad Köprülü (Konstantinopel 1953) sogar die Führerschaft von Caghri Beg, dem Bruder Tughril Begs, doch hielt sich Caghri Beg damals mit seinen Stammesgenossen noch in Zentralasien auf. KAFESOÓLU stützte sich für seine These auf späte persische Historiker des 14. und 15. Jh., während Ibn al-Atîr und andere ältere Quellen davon nichts sagen. CAHEN verweist weiters darauf, daß Mahmüd von Ghazna, dessen Herrschaft seit 1025 in Qurftsän fest verankert war, flüchtige Turkmenen nach Westen abdrängte; doch bleibt seine Aigumentation hypothetisch, demzufolge sowie auf Grund jener Inschrift v. J. 1029, die den Tod Vasak Pahlawunis gegen die Türken erwähnt (vgl. o. A. 23), den ersten — im engeren Sinne — türkischen Einfall nach Armenien auf etwa 1028—1029 zu bestimmen; Vasak Pahlawuni, der in der Inschrift als „neulich gefallen" erscheint, dürfte bereits einige Jahre zuvor den Tod gefunden haben. Weiters ist es merkwürdig, daß sich für 1028—1029 keine eindeutigen Zeugnisse über muslimische Einfalle in armenischen Quellen finden ; es ist neben der genannten Inschrift (in der offenbar ein Reflex der Invasion von 1021 zu sehen ist; vgl. auch o. in A. 20) lediglich die merkwürdige Schilderung einer Sonnenfinsternis 478 armen, (beg. 14. März 1029) bei Matt'eos von Urhay 53 V = 35 B (fehlt bei J und D) anzuführen, die als großes Unglück erscheint, das auf die Türken vorausgewie­ sen habe — zu Beginn gibt Matteos allerdings 471 armen, (beg. 16. März 1022) unter Basileios II. als Chronologie! Eine bloße Möglichkeit für die Annahme einer Invasion bildet die Mitteilung bei Ibn al-Atîr IX 378, wonach 420 H (beg. 20. März 1029) turkmenische Scharen mit 2000 Zelten in Dienste der Rawwädiden getreten seien.
Darstellung 143 verständigen Amtsführung — vielleicht aus Eifersucht — beseitigen ließ. Dadurch zog ’Utair die Abneigung der Bewohner Edessas auf sich, die Nasraddaula b. Marw&n von Majjäf&rTqTn brieflich zur Übernahme der Herrschaft aufforderten. Der von Nasraddaula mit militärischer Macht entsandte ZankT bemächtigte sich tatsächlich der Stadt ; jedoch ließ sich. Nasraddaula durch die Fürsprache des Miidäsiden $älih b. Mirdäs von Halab dazu bewegen, U tair und ZankT als gemeinsame Regenten einzuset­ zen. Als ZankT einen Sohn des ermordeten Ahmad b. Muhammad zur Blutrache an ’Utair anstiftete, führte dièse Gewalttat zu einem Aufstand der Banü Numair, wodurch ZankT Anfang 418 H (heg. 11. Feber 1027) gleichfalls sein Leben verlor. Da indes $älih b. Mirdäs für einen Sohn des U tair und einen anderen Numairiden, Ilm Sibl, neuerlich bei Nasraddaula Fürbitte einlegte, nahm dieser von einer unmittelbaren Verwaltung Edes­ sas in seinem Namen nochmals Abstand und übertrug sie an Ilm Sibl und Ibn U tair. Das neue Kondominium war ebensowenig gedeihlich wie jenes von ZankT und ’Utair. Ibn Sibl beabsichtigte, seinen Mitregenten durch eine geheuchelte Einladung zum Gelage aus der Stadt zu locken und dann niedermachen zu lassen, verlor aber durch die Begleiter des Ibn ’Utair selbst das Leben. Ibn 'Utair wollte sich daraufhin aller Befestigungstürme Edessas bemächtigen, in deren wichtigstem ihm der offenbar turkmenische Kennmandant Sulaimän b. al-Kurgl3* hartnäckig Widerstand leistete, bis er in äußerster Bedrängnis Nasraddaula um Hilfe ersuchte. Dieser schickte 1000 Reiter nach Edessa, wo Ibn 'Utair friedliche Gesinnung gegen Nasraddaula zur Schau trug; als er dem Kommandanten der Hilfstruppe nachzustellen versuchte, wurde er jedoch seinerseits getäuscht und getö­ te t» . W eil daraufhin die Witwe Ibn U tairs die Araber zum Kam pf gegen die kurdischen Marwäniden aufrief, übertrug Nasraddaula den Befehl in Edes­ sa an Sulaimän, der zuletzt als Gast an seinem H of geweilt hatte. Doch sah auch Sulaimän zuletzt keine andere Möglichkeit, als die Hilfe der Byzanti­ ner anzurufen. Er wandte sich an Georgios Maniakes, welcher damals* ** Die Namenafonn ist nicht ganz eindeutig; Skylitzea (vgl. in A. 33) bezeichnet ihn als Toôpxoç, aodaB bei Jahjft (vgl. ebd.) i/ y gelesen werden könnte, was vollends (Kurde) oder <SjJr (Georgier) wenig wahrscheinlich macht; so jedoch ROZEN 389ff., A.430. Vielleicht sind Namen und Ethnikon überhaupt zu trennen; so oben im Text. ** Übertragung Edessas an Utair: vgl. o. S. 133 mit A.4. — Wirren in Edessa: vgl. Ibn al-Atlr IX 347 (s. a. 416); Abu’l-FidÄ’ III76; Abu’l-Fara$, taYfy 337 ; ders., Chron. Syr. 231 Bruns—K irsch = l»2f. B udge ; Matt'öos von Urhay 68—64V-6 5 —72J -43B -46— fiOD; Smbat 29f.V - 17f.G; Skylitzes 387, 86—11 ( - Kedrenos 500, 16—601, 16); JahjS b. Said 263, 8—17 Cheikho .

Darstellung 145 er schickte eine Armee, welche in die Stadt eindrang und die Christen in der Sophienkirche belagerte, wohin sie sich mit ihrer Habe geflüchtet hatten. Die Kathedrale wurde mit einem Katapult beschossen, bis die Mauern zusammenstürzten, und hernach dem Feuer überantwortet, sodaß ein Großteil der hier Versammelten verbrannte. Zwar unternahm Maniakes von der Zitadelle her einen kühnen Ausfall, der die völlig überraschten Muslime aus der Stadt vertrieb, doch erhielten die Belagerer mannigfache Hilfe aus den umliegenden muslimischen Regionen, sodaß sie neuerlich in die Stadt eindringen konnten. Endlich kam ein 10.000 Mann starkes byzantinisches Entsatzheer Maniakes zu Hilfe und zersprengte die Belagerer. Maniakes ließ die Mauern der Stadt wieder in Stand setzen und blieb eine Zeitlang ihr Kommandant; vermutlich wurde er aber noch unter Romanos III. abberu­ fen*40. des Maniakes : Jahjft a. O. ; die Hilfe für die Belagerer : Matt'ëos ; Jahjä a. O. ; der Entsatz für die Byzantiner: Ibn al-AtTr, Abu’l-Farag a. O. Fraglich ist, wo in der sehr ausführlichen Darstellung bei Matt'ëos von Uihay die Grenzen zwischen historischen Fakten und Übertreibungen zu ziehen sind. Als verdächtig muß die Liste der muslimischen Verbündeten gelten, von denen eine ganze Reihe nament­ lich angeführt wird, wozu angeblich noch 40 weitere kamen; vgl. dazu D l’LAURlER 49f.; HONIGMANN 137, A.5. Letzterer bezog diese Aufzählung auf den späteren, in allen Quellen als gewaltiges Unternehmen dargestellten muslimischen Angriff von 427 H (1036). Weil aber die ganze Handlung bei Matt'ëos zweimal ausdrücklich mit dem Namen des Kaisers Romanos III. (t 11. April 1034) verbunden ist, sollte statt eines so radikalen Eingriffes in die Überlieferung die konservative Darstellung bei SrHLl'MBERGER, Épopée III 113—116 vorgezogen werden, der Matt eos grundsätzlich folgt, jedoch die offensichtlichen Übertrei­ bungen korrigiert. Von den genannten Verbündeten ist die Teilnahme des Sablb b. Wattäb von Harrän durch Ibn al-AtTr gesichert, ganz unwahrscheinlich dagegen jene des Sibladdaula Nasr b. Çàlih von Halab, der doch 1031 mit Byzanz Frieden geschlossen hatte und 1032 in Absprache mit den Byzantinern gegen die Drusen vorging (vgl. o. S. 93f. mit A. 154 und S.97f. mit A. 163); durchaus möglich wäre die Teilnahme von Kräften der Fätimiden (es war ja die Zeit der Verwicklungen mit Byzanz wegen der Garrähiden; vgl. o. S.98 mit A. 164f.) sowie des 'Uqailiden Qirwäs von Mosul und mehrerer kleiner Dynasten Mesopotamiens. 40 Maniakes schickte dem Kaiser von Edessa jährlich 50 Pfund an Abgaben (Skylitzes 388, 25f. [ = Kedrenos 502, 5f.]), was H o n i o m a n n (135, A. 5) — nicht sehr überzeugend — einer politischen Sonderstellung Edessas zuschreiben wollte. Skylitzes 397, 49—51 ( = Ke­ drenos 512, 9— 12) berichtet von der Abberufung des Maniakes im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Strategen von Vaspurakan durch Michael IV. (6543 M [beg. I.Sep­ tember 1034]); als Nachfolger in Edessa bezeichnet er Leon Lependrenos. Aber Matt'ëos von Urhay sagt (64 V = 73 J = 43 B = 51 D), noch Romanos III. habe Maniakes abberufen und durch Apukap (\\iroxi:rr,;) ersetzt (dieser erschien auf dem syrischen Feldzug als Vertrauter Romanos'111.; vgl. o. A. 132), und dieser war wohl tatsächlich um 1034 Kommandant von Edessa; vgl. W. SEIHT. Rezension zu L e .MERLE, Cinq études. BSl 40 (1979) 53. Die Ausgabe des Smbat (29f. V) erwähnt zwar nicht die Ablöse durch Apukap, doch in der Übersetzung (17f. G) erscheint Apukap als Abul-Bekir (!), Hüter des Zeltes von Dawit* von Taik' (nach einer Smbat-Handschrift .aus Ejmiacin). W. SEIBT (mündliche
146 Armenien und al-Gazlra Ein Teil der zurfickgeschlagenen Muslime wandte sich hierauf gegen das infolge der byzantinischen Konzentration bei Edessa unzureichend ge­ schützte Samo8ata. Die Angreifer vermochten eine Anzahl Feinde zu töten oder gefangen zu nehmen, erlitten aber auf dem Rückweg bei einer nächtlichen Überquerung des Euphrat beachtliche Verluste. Die Byzanti­ ner hingegen unternahmen nicht nur von Samosata aus einen Streifzug nach al-Gazlra, sondern verwüsteten auch von Edessa aus die Gebiete von Aksäs, Sarüg41 und Harrän, deren Herr Sablb b. W attab unter den muslimischen Verbündeten vor Edessa gewesen war, sodaß Öablb schließ­ lich versprach, dem byzantinischen Reich Tribut zu leisten42. Ein weiterer Verlust stand den Muslimen in Armenien bevor. Der Rawwädide Abu’l-Haigä* b. Rablbaddaula, welchem die Festung Berkri unterstand, war mit seinem Onkel, dem Emir von Ädarbaig&n, WahsQdän b. Mamlän, in Streit geraten, worauf WahsQdän die Byzantiner zum Eingreifen ermunterte43. 425 H (beg. 26. November 1033) bemächtigte sich der damalige Katepano von Vaspurakan, Konstantinos (?) Kabasilas der Stadt, wobei anscheinend auf byzantinischer Seite der Armenier Ganji, der Mitteilung) vermutet, Romanos III. habe Maniakes abberufen, um auf die arabische 8eite mäßigend in Richtung auf einen Friedensschluß einzuwirken; neuer Katepano wurde Apuk'ap, und Michael IV. berief dann Leon Lependrenos (zu diesem vgl. auch 8EIBT, Bleisiegel, Nr. 100). 41 Aksäs ist halbwegs zwischen Harrän und Edessa anzusetzen, vgl. HONIGMANN 140, A. 3; zu Sarüg (das seitdem Aufkommen der Numairiden dieser Dynastie unterstand) vgl. o. 8.63, A. 30. 42 Vgl. Jahjä 264, 10—265, 2; 260, 21—270,3 CHEKHO; Abu’l-Farag, Chron. 8yr. 231 f. BRUNS—K irsch - 103 B udge ; die allgemeinen Angaben bei Skylitzes 386, 52—386, 64 ( - Kedrenos 400, 8—16) und Zonaras III 570, 14 über Einfalle der Araber nach Mesopota­ mien bis Melitene i. J. 1032 gehören vermutlich in diesen Zusammenhang. Die an ersterer 8telle Jahjäs nicht näher bezeichnten Muslime sind z. T. dem Numairiden Sablb b. Wattäb direkt zuzuweisen. Denn nach Jahjä 260, 21—270, 3 Cheikho unternahm der Protovestiarios Symeon (den Romanos III. mit einem Rachefekizug nach dem Mißerfolg in Syrien beauftragt hatte, vgl. o. S. 80 mit A. 140) einen Vorstoß von Samosata nach al-Gazlra, um dort unter anderen Arabern auch die Numairiden zu bekriegen. Deren Emire, vorab Sablb b. Wattäb, zeigten sich jedoch unterwürfig und erstrebten die Vennittlung Symeons gegenüber dem Kaiser, worauf sie an letzteren eine Gesandtschaft schickten. 43 Zu den Ereignissen um Berkri vgl. Ibn al-Atlr IX 437 (s. a. 425); Aristakäs 48f. - 36f. C; Matt'öos 74f. V * 86f. J = 50 B - 60f. D ; Skylitzes 388, 33—380, 48 ( » Kedre­ nos 502,14—503, 8); die Angaben sind zum Teil widersprüchlich bzw. unzutreffend. — Den bei Ibn al-Atlr genannten Abü MansOr Wahsüjän b. Mamlän kennt MunaggimbääT (Hs. Topkapi 2051) 502b als rawwädidischen Emir mit Regierungszeit 416 H (beg. 4. März 1025) — 451 H (beg. 17. Feber 1050); vgl. M in o r sk y 168; Abul-Haigä* b. Rablbaddaula nennt Ibn al-Atlr IX 301 (s. a. 420) als rawwädidischen Emir von Urmia (zu dieser Dynastie vgl. o. A.23), der nach der Niederlage der Ghuzz im Frühjahr 1044 (s. dazu in A.00) vom siegreichen Qirwäi b. Muqallad zum Bündnis gegen sie gedrängt wurde.
Darstellung 147 offenbar damals Stratege von Berkri wurde, ebenso eine Rolle spielte wie au f muslimischer Seite der vermutliche Kommandant der Festung, ’AXcip oder Xtrik, der an seinem Herrn in der Hoffnung auf entsprechende Belohnung durch die Byzantiner Verrat beging. Diese Erwartung erfüllte sich nicht; vielmehr kehrte sein Sohn, der sich nach Konstantinopel begeben hatte, unverrichteter Dinge zurück, und Aleim selbst wurde in Berkri gefangengesetzt44*. Bald hernach (11. April 1034) kam Michael IV. an die Regierung, und wohl im Zusammenhang damit wurde Kabasilas abberufen. Der neue Katepano, NtxoXotoç ó BoùXyapoç bzw. XpuocXioç, begab sich mit der Hauptmacht des byzantinischen Heeres weiter nach Arckë. In der Zwischenzeit hatten unter der Vermittlung des Abbfisidenchali* fen al-Q&’im die beiden Rawwfididen ihre Eintracht wiederhergestellt und strebten nach der Wiedergewinnung von Berkri. Hiebei kam ihnen die Sorglosigkeit des byzantinischen Kommandanten (wohl des genannten Ganji) ebenso zu Statten wie die Unterstützung durch geheime Nachrichten des inhaftierten Aleim. Es gelang ihnen, Berkri in einem Handstreich wieder einzunehmen und die byzantinische Garnison samt dem Strategen Ganji niederzumachen. Der byzantinische Gegen schlag erfolgte binnen Jahresfrist unter dem Befehl des Patrikios Nike tas Pegonites, dem auch die varägo-nis8ische Garde (druzina) zur Verfügung stand, wozu noch die überlegene Belagerungstechnik der Byzantiner kam, mit deren Hilfe Berkri neuerlich in ihren Besitz gelangte46. Der seit einiger Zeit in Verbindung mit dem byzantinischen Reich stehende Sablb b. Wattftb unternahm 426 H (beg. 16. November 1034) 44 Die Chronologie nach Ihn al*A}fr, der jedoch irrig sagt, die Muslime hätten Berkri nicht wiedergewinnen können. — Kabseils»’ letzter sicherer Vorg&nger, Nikephoros Korn* nenos, wsr zu Beginn der Regierung Konstantins VIII. unter Anklage des Hochverrats in Verbindung mit Giorgi I. von Georgien abgesetzt, verurteilt und geblendet worden. Vgl. Arietskës 40f. - 26C und Skylitzes 371,64—372,70 ( » Kedrenos 481,22—482,16), welcher seine Schuldlosigkeit behauptet. Kabasilas ist vielleicht jener Konstantinos Kabasilas, der 1042 bei der Erhebung Theodoras beteiligt war, die ihn zum SoùÇ rifc Aúozuc erhob; vgl. Skylitzes 418, 35—40, 422, 21—23 ( = Kedrenos 537, 17—22 ; 641, 12—14). Der bei Skylitzes als byzantinischer Befehlshaber genannte Nikolaos Chryselios „der Bulgare“, wurde von PRUDHOMME (Aristakös 60, A.6) und Grousset (663, A.4) irrig als identisch mit Konstantinos Kabasilas angesehen. Der muslimische Kommandant von Berkri heißt bei Skylitzes ’AXtip, bei Aristakfia Xtrik; Matt'öos kennt als byzantinischen Kommandanten den Armenier Ganji. 44 Die richtige Deutung, daß Ganji für Chryselios, der auf Kabasilas gefolgt war, in Berkri kommandierte, bei YUZBASHIAN, Arménie 160. — Die Wiedereroberung erfolgte nach Aristakös (der keine absolute Chronologie gibt) im folgenden Jahr, was unter Heranziehung Ihn al-AtTrs (1. Eroberung 426 H) 426 H (beg. 16. November 1034) bedeutet; unpr&zise dürfte dagegen die Datierung des Matt'öos (486 armen, [beg. 12. Mörz 1036]) sein. Zum neuen Strategen wurde von Pegonites der Sohn Ganjis, T a ca t, eingesetzt.
148 Armenien und al-ûazba einen Streifzug gegen Nasraddaula b. Marwän, fur den er neben umfangrei­ chen eigenen Rüstungen auch die Hilfe der byzantinischen Garnison von Edessa in Anspruch nahm. Die vereinten Kräfte drangen verwüstend in das Gebiet Nasraddaulas ein, der jedoch inzwischen gleichfalls seine Trup­ pen gesammelt und auch Hilfe von auswärts (so durch den TJqailiden Qirwäs von Mosul) erhalten hatte. Deshalb schien es SabTb b. W attäb angezeigt, das Unternehmen abzubrechen und sich zurückzuziehen. Nasraddaula erhob seinerseits bei Michael IV. Beschwerde wegen des Bruches des zwischen ihm und Byzanz nach den Kämpfen um Edessa abgeschlossenen Friedens und zeigte sich entschlossen, mit zahlreichen Truppen — darunter auch Freiwilligen — Edessa zu belagern. Indes erschien bei ihm eine byzantinische Gesandtschaft, die um Entschuldigung bat und betonte, Michael IV. habe von dem Vorgefallenen keine Kenntnis besessen. W eil ferner Garnison und Kommandant Edessas — dieser war offensichtlich nicht mehr Maniakes, sondern Apuk'ap oder bereits Leon Lependrenos — die Mißbilligung des Kaisers ausgesprochen erhielten, und dieser zudem Nasraddaula ein kostbares Ehrengeschenk übersandte, ließ sich Nasraddaula versöhnen und nahm von dem angedrohten Krieg Ab­ stand4*. Begreiflicherweise versprach sich SabTb b. W attäb nun von einem Zusammenwirken mit Nasraddaula mehr als von dem Verbleib auf byzanti­ nischer Seite. Im Ragab 427 H (beg. 30. April 1036) zogen die beiden gemeinsam gegen die neuerdings in byzantinischem Besitz stehende und wiederhergestellte Stadt as-Suwaidä’, plünderten sie aus und schleppten Frauen und Kinder — nach Niedermetzelung der Männer (angeblich 3500) — in die Gefangenschaft; ebenso erging es der Stadt Alar4 4 *47. Während so am östlichen Ufer des Euphrats Tod und Verwüstung herrschten, wandten sich Nasraddaula und Sabïb b. W attäb der Blockade Edessas zu48. Bald 44 Ibn al-Atlr IX 443 (a. a. 426); Abu’l-Farag, Chron. Syr. 231 Bruns—K irsch -193 Budge ; vgl. DOlgek, Regesten 840. Nasraddaula hatte 1032 durch eine Gesandtschaft an Romanos III. Frieden mit Byzanz erwirkt; vgl. Jahjä 270,3 —6 CHEIKHO. Die Parteinahme der ’Uqailiden für Nasraddaula erklärt sich daraus, daß nach Ibn al-AtTr die Numair 425 H (beg. 26. November 1033) (wenn auch vergeblich) das den ‘Uqailiden gehörige Niÿlblh angegriffen hatten. — Zur Frage des Kommandanten von Edessa vgl. o. A. 40. 47 as-Suwaidä’ ist das heutige Süverek, halbwegs zwischen Edessa und Diyarbakir (Ämid) gelegen: vgl. Cahen. Syrie 114; Hoxiomaxx 136. A.5. Es war vermutlich kurz zuvor, etwa als die Byzantiner 426 H (beg. 16. November 1034) mit SabTb b. Wattäb gegen Nasraddaula verbündet waren, byzantinisch geworden. In der Nachbarschaft von asSuwaidä’ ist wohl auch Alar zu suchen; vgl. Dci.Al'RlER zu Matt'êos, c. XLVII, S.52. 4,1 Ibn al-Atîr IX 448 (s. a. 427); Abu’l-Fidä’ III 86; Abu’l-Farag. Chron. Syr. 223 Bruxs—K irsch = 194f. Bl'DOK; Matteos von Urhay 65f.V = 74f. J = 43f. B = 52D; Smbat 30 V = I8G. Was den bei Ibn al-AtTr und Abu’l-Fidä’ mit Ibn ‘Utair bezeichneten weiteren Verbündeten Sablbs und Nasraddaulas betrifft, so kann der dort genannte Ibn Utair
Darstellung 149 litten die Belagerten unter großem Mangel. Dem Kommandanten (wohl Leon Lependrenos) gelang es zwar, heimlich 5000 Reiter als Verstärkung herbeizuholen, doch gerieten diese vor der Stadt in einen Hinterhalt, und ihr Anführer fiel in Gefangenschaft. Angeblich um dessen Leben zu retten ließen die Bewohner Edessas die Muslime in die Stadt ein, wo bald Plünderung, Gefangennahme und wohl auch Metzelei um sich griffen. Die Zitadelle wurde aber von den Byzantinern weiter verteidigt, und endlich trat dadurch eine Wende ein, daß Konstantinos, ein Bruder Michaels IV. und damaliger Statthalter von Antiocheia, mit einer starken Armee nach Melitene zog. Wie es scheint, wollte er zwar nicht selbst weiter vorrücken, er schickte jedoch eine ausreichende Streitmacht zum Entsatz der Festung von Edessa aus49. Ebenfalls dorthin machte sich der Garr&hide al-Hassän b. al-Mufarrig zur Unterstützung der Byzantiner mit 5000 Reitern auf50. Sablb b. W attäb trat ihm noch vor Edessa in den Weg, verständlicherweise nur ein anderer Sohn Utairs sein als der seinerzeitige Mitregent in Edessa, der ja bereits tot war (vgl. o. S. 143 mit A. 33). Ein Sohn TJtairs muß ohnedies die Festung Sinn ibn TJtair nahe Samosata (JftqQt III 169) behalten haben, von der Ibn al-Atïr (IX 413) zwar behauptet, daß sie gemeinsam mit Edessa durch Ibn Utair den Byzantinern übeigeben worden sei, wogegen jedoch al-AzTmT (ed. Cahex . JA 1938, 135) bekräftigt, daß sie bis 512 H (beg. 24. April 1118) den Numairiden gehörte. Vgl. auch Rice, Harrän 77 f. 49 Matt'êos 65f. V » 74f. J = 44B = 52D unterschiebt Konstantinos Furcht vor den Mus­ limen — obwohl diese in Schrecken versetzt waren —, so daß er nicht weiter vonruckte. Doch betont Skylitzes 399, 22—400, 28 ( = Kedrenos 515, 16—516, I) und danach auch Zonaras III 590, 8—12, daß Edessa gefallen wäre, hätte nicht Konstantinos eine ausrei­ chende Streitmacht von Antiocheia gesandt. Bei dem Entsatzversuch der 5000 byzantinischen Reiter möchte HONIGMAXN 137 weitere durch Matt'êos von Urhay 63f. V = 71 f. J = 42f. B = 50f. D erzählte Vorgänge einordnen, die kursorisch die Begebenheiten einiger Jahre umfassen. Danach ließ Maniakes in dieser Zeit laufend die Truppen verstärken und eine Festung Romanopolis erbauen (im Gebiet von Edessa zu lokalisieren und nicht mit jener identisch, die Romanos I. nördlich des Ananias erbaute: vgl. Hoxir.MANX 92. 137; DERS., Trois mémoires posthumes. Brüssel 1961,96). Im weiteren spricht Matt'êos von großer Hungersnot in Edessa, sodaß der Kaiser (bei ihm immer noch Romanos III.) Brotsäcke durch Soldaten dahinschafTen wollte. Angeblich 60.000 Lanzenträger überschritten bei Ltar (am linken Euphratufer, oberhalb von Samosata; vgl. HoxiGMAXN 137, A. 7) den Euphrat; als sie aber nach Parsur kamen (wohl in derselben Gegend; vgl. DlTLAl'RIER zur Matt'ëos-Stelle), uberfiel sie SabTb (keinesfalls als äibl[addaula] von Halab zu deuten, wie ScHLUMBERGHR, Épopée III 116, A. 1 vermutete, weil dieser damals ein verbessertes Verhältnis zu Byzanz erstrebte; vgl. o. S. 106 mit A. 191), verfolgte sie bis Desnajor (wohl ein Tal zwischen Edessa und dem Euphrat; vgl. DULAURIER zur Matt'ëos-Stelle) und machte sie nieder. Soweit Matt'êos; vielleicht ist dieser Entsatzversuch aber doch von jenem der 5000 zu unterscheiden.. 50 Vgl. Ibn al-AtTr IX 449. Im übrigen stellt er die Dinge so dar, als wäre der Kommandant Edessas selbst mit den von ihm herbeigeholten 5000 Byzantinern in den Hinterhalt geraten. Davon findet sich in den anderen Quellen nichts, sodaß Ibn al-Atir wohl den Kommandanten Edessas mit jenem der 5000 verwechselte.
160 Annenien and al-Gazïra wurde aber durch einen Ausfall der Belagerten in Richtung Harrän z u eiliger Umkehr genötigt, ohne daß er offensichtlich den Entsatz E dessas länger verhindern konnte. Konstantinos wurde von Michael IV. für sein e Verdienste zum Domestikos der Scholen des Ostens ernannt, welches A m t er wenigstens vorerst gemeinsam mit dem Katepanat von Antioche ia führte61. Vermutlich war Sahibs Bundesgenosse Nasraddaula zu diesem Z e it­ punkt bereits anderwärts gebunden. Die Sanäsuna (Sasun), ein kriegeri­ sches Bergvolk Südaimeniens, hatten im gleichen Jahre 427 H die Karawa­ ne der Mekkapilger aus Huräsän, Tabaristän, Ädarbaigän und angrenzen­ den Gebieten überfallen, die dem gewohnten W eg durch Armenien über Bil&t (Xlat*) folgen wollten. Ein Teil wurde getötet, andere ausgeplündert und gefangengenommen; die Beute schaffte man auf byzantinisches H o­ heitsgebiet. Nasraddaula, dem Hilät unterstand, machte sich zum Vergel­ tungskrieg bereit, worauf der Anführer der Sanäsuna einen Frieden gegen Rückgabe von Beute und Gefangenen erstrebte. In Anbetracht der Festig­ keit der armenischen Burgen, des schwierigen Gebirges und eines zu befürchtenden Eingreifens der Byzantiner stimmte Nasraddaula diesem Ausgleich zu6*. Aus mehrfachen Erwägungen heraus machte auch SabTb b. W attäb 429 H (beg. 14. Oktober 1037) seinen Frieden mit Byzanz, wodurch er auf Edessa endgültig verzichtete, das die Byzantiner neu aufbauten und befestigten. Er hatte wohl die Unmöglichkeit eingesehen, die Byzantiner aus Edessa wieder zu vertreiben. Außerdem unternahmen zur selben Zeit die türkischen Ghuzz einen Vorstoß nach Westen, wobei sie bis Urmia " Der Mißerfolg Sahibs eigibt sich indirekt daraus, daß Ibn al-Attr IX 449 von der geglückten Abwehr dea Vorstoßes gegen Harrän und bemach lapidar unter 429 H (IX 490) vom Friedensschhiß mit Byzanz berichtet. — Konstantinos wird durch ein Siegel (8EIBT, Bleisiegel I, Nr. 35) als irpócSpoc, 8o|icanxoc tüv agoXüv tt¡? ’Ava-roXifc xal SoùÇ 'Avnoxciac nachgewiesen, sodaß die von Laurent, Antioche 241 als unwahrscheinlich angesehene Kumulation Domestikos-Katepano eine Zeitlang doch bestanden haben muß; Konstantinos dürfte ferner jener Domestikos sein, der 1040 vor Halab erwähnt wird; vgl. o. 8. 111 mit A.203. M Vgl. Ibn al-Atir IX 449 (s. a.427); die zeitliche Abfolge wird dadurch nahegelegt, daß die Zeremonien des Hagg in den letzten Monat Du’l-Higga fallen, sodaß die Pilger wohl erst nach dem 7. Monat Ragab (als Sablb b. Wa&äb und Nasraddaula ihren Vorstoß gegen Edessa unternahmen) in Armenien unterwegs waren, Bilftt gehörte schon anfangs zum Bereich der Marwäniden (vgl. o. A. 5) und stand auch 1067 unter ihrer Herrschaft (Skylitzes 480, 84 [ «=Kedrenos 018, 23] bezieht sich auf Nasraddaula) ; zur Identifikation des „Hemn von ffilftt" bei Ibn al-AtTr mit Nasraddaula vgl. auch Marquart, 8üdannenien 476f. Offenbar herrschten damals ziemlich verworrene Zustände, sodaß die Armenier gegen die Muslime des nahen (filât zur Selbsthilfe griffen; vgl. Marquart, a. 0 . 488.
Darstellung 151 vordrangen — und möglicherweise sogar einen Streifzug nach Armenien unternahmen — , so daß Sablb b. W attäb ein allfalliger Zweifrontenkrieg drohte, dem er schwerlich gewachsen war53. Abgesehen davon erforderten die Angelegenheiten Syriens, wo damals ad-Duzbarl die flLtimidische Herr­ schaft in beunruhigender Weise nach Norden ausweitete, Sablbs Aufinerksamkeit. Allerdings zog er es schließlich vor, die f&timidische Oberhoheit formal weiter anzuerkennen64. Ein gefährdeter Vorposten des byzantinischen Reiches blieb Edessa weiterhin, wie ein fast geglückter arabischer Handstreich des Jahres 1038 zeigt. Manche Einzelheiten in der Darstellung des Skylitzes mögen stark novellenhafb sein, das Faktum selbst ist aber offensichtlich historisch. Zum damaligen Kommandanten der Stadt, dem Iberer Barasbatze (Varazvace), kamen mehrere Emire, die Vorgaben, auf dem W eg zum Kaiser zu sein und in zahlreichen Kisten Ehrengeschenke mitzuführen. In Wirklichkeit befan­ den sich angeblich je zwei Bewaffnete darin, die nach der Aufnahme in die Stadt von ihren Kumpanen herausgelassen werden sollten, um sich zusam­ men mit ihnen Edessas zu bemächtigen. Doch ein armenischer Bettler soll*7 4 08 Der Friede Sablbs mit Byzanz: Ibn al-Ajlr IX 450 (s. a. 420); die Gefährdung durch die Ghuzz: Ihn al-Atlr IX 381—3 und Abu’l-Farag, Chron. Syr. 238 B runs—K irsch - 108 BUDGE sprechen zum J.420 H Jbeg. 10. Oktober 1037) geradezu von turkmenischen Angriffen auch auf Armenien von Ädarbaigän aus — vielleicht ist M&tt'&os von Urhay 06— 74 V - 75—86 J -4 4 —50 B -5 3 —60 D darauf zu beziehen, der 485 armen, (beg. 12. März 1036) wiederum (vgl. o. in A. 31) eine Sonnenfinsternis von den Türken drohendes Unheil vorauskünden läßt. — Die Ghuzz oder Oghuzen, aus denen dann die Selgflqen hervorgingen, wunderten seit etwa 040 von Zentralasien nach Buräsän ab. Dort blieb während der selgOqischen Expansion ein Teil ansässig, ein anderer wurde zum Aufbruch veranlaßt; von diesem schloß sich eine Gruppierung an fughril Beg und Caghri Beg an, während die andere (um die es sich bei Abu’l-Farag handelt) gegen die Grenzen Armeniens abgedrängt wurde. Vgl. E t1 II 1108, s. v. Ghuzz (Cahen). 44 Für Sablb b. Wattäb waren die Verhältnisse in Syrien seit jeher von Bedeutung. Seine Schwester as-Sajjida hätte Napr b. $älih von Halab geheiratet, dem Sablb b. Wattäb bis zu dessen Schlachtentod gegen ad-Duzbari die Treue hielt ; als ad-Duzbarl danach auch gegen Mesopotamien ausgriff, suchte Sablb ihn zu besänftigen. Vgl. o. S. 108f. mit A. 106—100. Später jedoch verband sich Sablb mit Naçraddaula b. Marwän, dem Gerüchte über Expan­ sionsabsichten ad-Duzbarls gegen Msjjäfarlqln zugekommen waren, und mit Qirwäft von Mosul. Auch in staatsrechtlicher Hinsicht gab Sablb b. Wattäb seiner Wendung gegen die Ftyimiden Ausdruck, indem er das Kanzelgebet für sie zugunsten desAbbäsidenchalifen alQä’im abschaffte (430 H [beg. 4. Oktober 1038]). Das Bündnis gegen ad-Duzbarl kann indes nicht die gewünschte Wirkung erlangt haben, denn auf dessen Drohungen hin mußte Sablb noch im gleichen Jahre des Kanzelgebet und damit die Anerkennung fctimidischer Oberherr­ schaft wieder einführen. Vgl. Ibn al-Atlr IX 465 (s. a.) ; Abu’l-Farag, tarife 343. Wahrschein­ lich damals erhielt Sablb vom Fätfmidenchalifen al-Mustan^ir den Titel sanl'ataddaula watafwatuhä, mit dem er in einer Inschrift seines Sohnes Manf angeführt wird; dazu vgl. Rice, Harrftn 53ff.
152 Armenien und al-öazTra aus einer solchen Truhe arabische W orte gehört haben, worauf der davon verständigte Barasbatze die in den Kisten Verborgenen niedermachen ließ. Hernach wurden die nichtsahnend in der Stadt tafelnden Emire gleichfalls getötet; nur ein einziger soll verstümmelt in seine Heimat entlassen worden sein. — Soweit Skylitzes; leider sagt er nicht, von welchen Arabern dieser Überrumplungsversuch ausging,v>. In der Folgezeit verlor die Herrschaft der Numairiden von Harrän nach dem Tode von SabTb b. W attäb 431 H (beg. 22. September 1039) infolge Teilung an Bedeutung**; von Konflikten mit Byzanz wird hier ebensowenig berichtet wie bei Nasraddaula b. Marwän, dessen kluge, vom Rat trefflicher Wezire unterstützte Regierung eine ausgewogene Außenpolitik notwendi­ gerweise einschloß5 5 *57. Hingegen beginnt damals mit Abu’l-Aswär aus der Dynastie der Saddfididen von Ganga der neue Gegner Armeniens und später des byzantinischen Reiches in Erscheinung zu treten. 55 Vgl. Skylitzes 403, 31 —404, 49 ( » Kedrenos 520, 10—521,6) und danach Zonaras III 591, 12—592, 13. Barasbatze ist wohl nicht mit dem von Skylitzes 376, 92—377, 3 (»Kedrenos 487, 23—488, 4) genannten Georgios Barasbatze identisch, welcher 1028 der Teilnahme an einer Verschwörung gegen Romanos III. beschuldigt wurde und zu den Gründern des berühmten iberischen Klosters auf dem Athos zahlt (Skylitzes ebd.). Vgl. auch V. Sandrov.ska.IA, Odno utocnenie teksta chroniki Skilicy po materialam sfragistiki. Soobéó. Ermitaza 40 (1975) 46ff. M Tod SabTs und Teilung: Kamäladdln I 258, 9—II ; 259, 2; Ibn Saddäd (Hs. Berlin 9800) 14b. 23b. 31a; (Hs. Bodl. Marsh) 33a; vgl. auch Rice, Harrän 80. Demnach kam Sarüg an Hasan, einen Bruder SabTbs; Harrän und Raqqa fielen an zwei weitere Brüder, Mutä'in und Qawäm. Außerdem muß der Sohn Sablbs, Man!*, Besitzungen in al-Gazlra erhalten haben, denn als Timäl b. $älih Raqqa an sich zog, kaufte ad-DuzbarT die Festung Dausar (oder Qal'at Ga*bar, zwischen Halab und Raqqa. etwa gegenüber Çiffih ; vgl. Jfiqût II 621 ), um Timäl unter Kontrolle zu halten. Nach ad-Duzbarls Tod fiel Dausar umgehend an ManT' zurück, während Harrän geraume Zeit unter seinen Onkeln blieb. 57 übersieht zu Xasraddaulas Regierung l>ei A.MKDROZ, Marwänid Dynasty 132—142. Sein Wezir war zunächst Abu’l-Qäsim al-Isbahäni, der ihm als Statthalter von Arzan zur Regierung verholfen hatte (vgl. o. S. 135 mit A. 12) und nach dessen Tod 415 H (beg. 15. März 1024) jener Abu’l-Qäsim al-Maghribî, der vormals in Diensten al-Häkims gestan­ den, dann an der Erhebung des Gegenchalifen Abu’I-FutOh beteiligt war (vgl. o. S. 60, A. 52) und nach seiner Flucht über Mesopotamien schließlich an den Hof Xasraddaulas kam (vgl. dazu Amedroz 133, A. 1). Der Geschichtsschreiber Majjâfarîqlns, Ibn al-Azraq, berührt auswärtige Verhältnisse nur wenig, sodaß für Xasraddaulas Beziehungen zu Byzanz andere Quellen heranzuziehen sind; zum beigelegten Streit mit den Sanäsuna vgl. o. S. 150 mit A.52; zu den guten Diensten, welche Xasraddaula dem byzantinischen Reich sowohl beim Auftauchen des zweiten Mahdi-Prätendenten al-Asfar 439 H (beg. 28. Juni 1047) als auch bei der Freilas­ sung des gefangenen Fürsten Liparit durch Tughril Beg 441 H (beg. 5. Juni 1049) leistete, vgl. u. S. 165 mit A.98; S. 170 mit A. 111.
Darstellung 153 Das kurdische Geschlecht der Saddfididen58 gelangte im spateren 10. Jahrhundert neben den Mus&firiden in Ädarbaigän zur Macht; als es hier den Rawwädiden von Tabriz weichen mußte, behauptete es sich in TranskaukMien, im Gebiet von Ganga. Vermutlich 413 H (beg. 6. April 1022) brachte der noch junge Abu’l-Asw&r das umstrittene Dvin endgültig unter die Herrschaft der Saddfididen und führte dieses exponierte Gebiet wahrscheinlich als selbständiger Regent, ohne für Ganga sonderliches Interesse aufzubringen, wo die Erbfolge nach dem Tod seines Vaters Fadl (1031) auf Abu’l-Aswärs Bruder Müsä und dessen Nachkommen direkt überging. 1040 oder 1041 unternahm Abu’l-Aswär einen Streifzug in dM Gebiet des Königs Dawit* Anholin von Tasir. Dawit' erreichte von den anderen armenischen Herrschern — angeblich durch seine Drohung, sich sonst Abu’ l-Aswär zu unterwerfen und ihm als Führer auf seinem weiteren Krieg zu dienen — die Stellung von Hilfstruppen, zu denen sogar noch Kräfte des Emirs Ga*far von Tiflis kamen. Dawit' fugte mit dieser Verstärkung dem möglicherweise deutlich überlegenen Abu’l-Aswär eine schwere Niederlage zu, worauf dieser alle besetzten Gebiete räumen mußte59.*2 8 68 Die maßgebliche Grundlage für die Kenntnis der Saddfididen wurde durch Herausgabe und Kommentierung des betreffenden Abschnittes aus Munaggimbäsl durch V. MlNORSKY geschaffen. Sie waren Kurden, standen aber nicht in direktem Zusammenhang mit den ursprünglich arabischen, später kurdisierten Rawwädiden (MlNORSKV 35); sie traten um 340 H (051 ) in Ädarbaigän auf, nachdem der Musäfiride Marzub&n b. Muhammad b. Musftfir ▼on den Büjiden gefangen genommen worden war (MunaggimbäfiT 4, 3). Aus Ganga (seit 1804 Elizavetpol’, 1935 in Kirovabad umbenannt, in der Sowjetrepublik Azerbajdzan etwa halbwegs zwischen Tbilisi und Baku gelegen ; vgl. E l* II 975 [BARTHOLD— B ü YLE]) mußten die Saddfididen nach Marzubftns Freilassung um 344 H (955) wieder weichen, doch um 360 H (970) verdrängten sie die Musäfiriden endgültig aus Ganga (MunaggimbäsT 4, 6. 8; vgl. dazu MlNORSKY 39). Nach Marzubäns Tod kamen die Rawwädiden in Ädarbaigän zur Macht, denen 987 auch Dvin zufiel (vgl. M in o r sk y 121; EI* II 678—681 [Ca n a r d ]). MunaggimbääT 4, 13. 16 (vgl. dazu MlNORSKY 42. 50f.) berichtet, Abu’l-Aswär hätte vor seiner ab 441 H (beg. 5. Juni 1049) gerechneten Herrschaft in Arrän (wozu Ganga gehörte) 28 Jahre lang über einige andere Gebiete regiert; demgemäß begann seine Herrschaft in Dvin 413 H (beg. 6. April 1022). — Zur Erbfolge in Ganga (von Fadl auf Müsä, dessen Sohn Laskarl und dessen Sohn Anüfiirwän) vgl. M in o r sk y 40ff. 50 Matt'ëos von Urhay spricht zuvor von Ereignissen des Jahres 489 armen, (beg. 11. März 1040) und sagt dann, der Vorstoß Abu’l-Aswärs habe zur selben Zeit stattgefunden (79—82 V = 92—96 J = 53—55B = 64—67 D). Zudem ist der Zeitraum durch den Tod von Dawit's Verbündetem, Yovhannës Smbat (er starb 490 armen, [beg. II.März 1041]), begrenzt (vgl. u. A. 63). Smbat 33f. V = 20G datiert in die Zeit nach dem Tode Asots. GRorssET 565f. bezog irrig ebenso wie B r o sset , Histoire I 316f. die von Matt'öos geschilderten Ereignisse auf einen Sieg Bagrats IV. über Abu’l-Aswärs Vater Fadl; vgl. dagegen M in o r sk y 43f. Im übrigen irrt Matt'êos darin, daß er Abu’l-Aswär als Großemir der Perser bezeichnet, weil erst 441 H (beg. 5. Juni 1049) die Herrschaft in Arrän (Ganga) an
154 Armenien und a l-6 u lr t Bald hernach (490 armen, [beg. 11. März 1041]) starb YovhannSs Sm bat kinderlos, nachdem ihm zwei Jahre früher sein Bruder Asot (IV .) vorange­ gangen war. Der Sohn Asots, Gagik (II.), war von der Nachfolge durch d a s von YovhannSs Smbat 1022 errichtete Testament ausgeschlossen, worin e r den byzantinischen Kaiser zum Erben bestimmt hatte. Auf byzantinischer Seite dürfte man sich der Problematik dieses Rechtstitels bewußt gewesen sein*60; dessenungeachtet wurde noch unter Michael IV. (t 10. Dezem ber 1041) ein erster Versuch unternommen, Ani militärisch zu besetzen. D ie Byzantiner wurden hierbei durch Dawit* Anholin von Lori unterstützt, erlitten jedoch trotz ihrer Übermacht nahe Ani am Fluß Axurean eine schwere Niederlage durch den armenischen Feldherm Vahram Pahlawuni61. Allerdings gab es auch in Ani selbst eine für Byzanz eintretende Partei, deren Führer der offenbar aus dem Geschlecht der Herrscher von Siwnik* stammende Bestes Sargis Haykazn war62. Er unternahm in der schwanken­ den Lage nach YovhannSs Smbats Tod den Versuch, sich des Staates zu bemächtigen, scheiterte aber an dem als nationaler Führer auftretenden Abu’l-Aswär überging (vgl. A. 58). Nach Mattföos soll die Stärke der Muslime nicht weniger ala 150.000 Mann betragen haben; wirklichkeitsnaher nehmen sich die 3000 Mann Hilfstruppen YovhannSs Smbats, die 4000 Bagrats IV. (nach Smbat 5000) und die 2000 Grigors V. von Siwnik* aus, ebenso wie die 10.000 Mann Dawit's. 60 Zum Testament von YovhannSs Smbat vgl. o. 8.141 mit A.29. AristakSs 57 «45f.C erzàhlt, Konstantin VIII. sei auf dem Sterbelager willens gewesen, das Testament zurück­ zusenden ; der damit beauftragte armenische Priester namens Kiwrakos habe es aber aus schnöder Gewinnsucht später an Michael IV. verkauft. Dahinter könnte der Sachverhalt stehen, daß man in Ani nach dem Tode des gefürchteten Basileios II. in Verhandlungen die eingegangene Verpflichtung rückgängig machen wollte; möglicherweise schienen gegen Ende der Regierung Konstantins VIII. die Aussichten dafür relativ günstig. 61 Matt'öos von Urhay unterscheidet 84V = 97f. J = 56B = 68D und 85f. V - 99f. J - 57 f. B = 69f. D zwei Züge, deren erster unmittelbar nach dem Bekanntwerden von Yovhannös Smbats Tod unter Michael IV. (flO. Dezember 1041 ) erfolgte; den 2.Zug datiert er ebenfalls in das Jahr 490 armen, (beg. 11. März 1041 ); hier ist die Rede vem Sieg Vahram Pahlawunis über die Byzantiner. Hernach, noch immer zu dem selben Jahr, berichtet Matt'öos über einen neuerlichen Einfall der Byzantiner, infolge von Machenschaften Dawit's von Lori. Vermutlich handelt es sich um Ereignisse aus längeren Kämpfen während des Jahres 1041, die bei Matt'Sos allzusehr differenziert erscheinen. Vgl. auch Smbat 36V -21G . M Uber 8argis vgl. Aristakfts 57f.-46f.C ; Matt'öos 84V -97f. J -5 6 B -6 8 f. D; Smbat 36 V - 21 G; Samuel von Ani 107. Auf einer armenischen Inschrift des Jahres 1033 erscheint er mit der byzantinischen Rangtitel-Kombination TtatTpuuoç ¿ v&vtcstoc ftforrjç sowie als dux orientis. Letzteres könnte als armenisches Kommando aufgefaßt werden (dahin weist Smbat 40 V -24G ), sodaß eher nicht anzunehmen ist, es handle sich um ein Synonym für taug (faaw. xaTcicévu) wie YUZBASHIAN, Arménie 158. 172 meint
Darstellung 165 Vahram Pahlawuni, welcher Gagik (II.) auf den Thron eihob83. Sargis mußte sich in die Festung Surmari zurückziehen, von wo aus er mit den Byzantinern in Verbindung treten wollte, jedoch in einem Handstreich Gagiks gefangen genommen wurde84. Die militärische und politische Erfolglosigkeit gegen Ani sowie die innenpolitische Lage des byzantinischen Reiches bewirkten, daß in den beiden nächsten Jahren kein byzantinisches Voigehen gegen Gagik erfolg­ te 85. In dieser Zeit ereignete sich ein Streifzug nicht näher bezeichneter Turkmenen, die aber zumindest mittelbar mit Abu’l-Aswär in Zusammen­ hang zu bringen sind; Gsgik II. und Grigor Pahlawuni88 — letzterer von seinem Lager am Fluß Hurastan nahe Bjni aus87, ersterer mit dem Standort in der Provinz Ayrarat — zwangen die Feinde aber zu einer verlustreichen Flucht88. Als Konstantin IX . Monomachos nach dem Tod des Usurpators Georgios Maniakes seiner Herrschaft sicher war, wandte er sich wieder einer* ** Yovhannös Smbat und Gagik II. sind durch inschriftliche Zeugnisse als Herrscher für 490 armen, (beg. 11. März 1041) belegt, sodaß YovhannSs Smbat in diesem Jahr gestorben ist. Diese Datierung ihr YovhannSs’ Tod gibt auch Matt'Soa 84 V —97 f. J - 58 B = 68f. D; Smbat 36V datiert auf 490 armen., 22G jedoch auf 491 armen. Vgl. GROU83ET 568, A.3; 569, A.5; SHEPARD 285, A.6. Vahram Pahlawuni war der Onkel von Grigor Magistros Pahlawuni und eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit; vgl. Akulian 88f.; AristakSs 46, A.4C. M Da Gagik offenbar in den letzten Monaten d. J. 490 armen, inthronisiert wurde, ist die Gefangennahme von Sargis in die ersten Monate d. J. 491 armen, (heg. 11. März 1042) zu setzen. Matt'Sos datiert auf 490 armen., führt die Erzählung aber kontinuierlich Ober dieses Jahr hinaus. Vgl. SHEPARD 287f. — Zur Lage von SurmaH vgl. u. A. 87. " Laut Matt'Sos 87 V -lO lf. J -5 8 B -71 D führte Gagik nach der Festnahme von Sargis zwei Jahre lang eine glückliche Regierung; wenn Sargis in den ersten Monaten 491 armen, (heg. 11. März 1042) inhaftiert wurde, ergibt sich die Dauer des Zeitraumes bis Frühjahr 1044. ** Grigor Magistros Pahlawuni, Neffe von Vahram Pahlawuni, trat Ende 1044 oder A n fan g 1045, als Gagik II. in Konstantinopel festg eh a lton wurde, in byzantinische Dienste; vgl. SHEPARD 293, A. 31; 296, A. 40. Er war auch als Schriftsteller bedeutend; vgl. GROUSSET 575f.; INGL181AN (vgl. S.25, A. 17) 188f.; AristakSs 51, A.2C; SCHLUHBERQER, Épopée III 484f. * Der Hurastan (baw. Hrazdan) oder Zangi fließt aus dem See von Sevan über Erevan in den Arrnzes; Bjni lag nördlich von Erevan im Distrikt Nig. Vgl. HONIGMANN 176; GROU88ET 580. Bei Smbat 37 V - 22G erscheint irrtümlich der Fluß Axurean anstatt des Hurastan. 88 Matt'êos 87f. V -102J «58f. B=71 D. Hit Hinblick auf die Nähe der Örtlichkeiten dieser Auseinandersetzungen su Dvin vermutet Shepard 288 einen direkten Einfall Abu’lAswirs; viel zu weit ging der Historiker Armeniens des 18. Jahrhunderts, CTamCean , welcher geradezu ein geheimes Bündnis Abu’l-Asw&ra mit Tughril Beg annahm — vgl. nach ihm DULAURIER 307 z. S t Denkbar ist aber, daß es sich um Verbündete Abu’l-Aswftrs handelte, die nach dessen Niederlage ebenfalls die Rache der Armenier zu spüren bekamen; so Minorsky 62.
156 Armenien und al-ôazTra aktiven Politik in Armenien zu. Weil die Aufforderung an Gagik II. zum Thronverzicht wirkungslos blieb, entschloß sich der Kaiser fur ein militäri­ sches Eingreifen und beauftragte nach Anfang 493 armen, (beg. 10. März 1044) den ßc<m}t und neuen 8oùÇ *I(b¡píotc, Michael Iasites69, mit dem Oberkommando im Krieg gegen Ani. Iasites war nicht im Stande, gegen Gagik II. etwas auszurichten, sodaß Konstantin IX . eine weitere Truppen­ macht unter dem Domestikos der Scholen des Ostens, Nikolaos70, dem Iasites zu Hilfe schickte. Überdies trat der Kaiser mit dem Saddädiden Abu’l-Aswär in Verbindung, indem er Nikolaos mit einem Brief nach Dvin schickte, worin er Abu’l-Aswär zum Einfall in das Reich Ani aufforderte. Abu’l-Aswär verlangte zuerst eine schriftliche Anerkennung seiner zukünf­ tigen Eroberungen durch Konstantin IX . ; als der Kaiser in einem Chrysobull71 diese Zusicherung gab, trat Abu’l-Aswär in den Krieg gegen Gagik II. ein72. Die byzantinischen Truppen blieben auch nach der Vereinigung von Iasites und Nikolaos ohne klaren Erfolg; sie mußten sich nach einem Ausfall der in Ani Eingeschlossenen fluchtartig zurückziehen und nahmen 00 Iasites (zur Familie vgl. SKIBT, Bleisiegel I39ff.) war 6546 M (beg. 1. September 1037) Katepano Iberiens, wo Bagrat IV. von Geoigien mit ihm zusammenstieß (Skylitzes 402, 6), und wurde nun neuerlich zum Statthalter designiert; vgl. auch YUZBASHIAX, Arménie 150. 70 Nikolaos wurde durch Konstantin VIII. zum TtpôcSpoç, Soficonxo; twv «jyoXüv und ïïapaxot(i(i)(tfvo; befördert (Skylitzes 370, 30—32 [ = Kedrenos 480, 10—21]); Romanos III. entsetzte ihn (ebd. 382, 50—61 [ =405, 1—3]), doch Zoe berief ihn wieder zum Oberbefehls­ haber der Scholen (ebd. 422, 21—23 [ = 541, 12—14]); unter Konstantin IX. erscheint er dann erneut als icotpoixoi(i(í>(ievo; und 8ojxé<mxoç tcov oyoÀwv (Skylitzes 432, 88—04 [ = Kedrenos 553, 12—10]). —Der TrapaxoifiiopLcvo; stand an der Spitze der xorromTsi (Kammerherren) und war seit dem 10. Jh. einer der Kinflußreichsten im Palast ; vgl. OriLLAXD, Recherches I 202ff. ; OlKONOMlDfis 305. 71 Besondere Urkunden des Kaisers, etwa solche von außenpolitischer Wichtigkeit oder auch Schenkungen betreffend, hießen — da durch Goldsiegel ausgezeichnet — X'ivoi. Vgl. F. DOuskr—J. KarayannopujOs, Byzantinische Urkundenlehre. I. Abschnitt: Die Kaiserurkunden. München 1068, 24f. 72 Vgl. Skylitzes 435, 72—436, 23 ( = Kedrenos 556, 15—550, 2); Matt'êos 06V = 112J = 64 B = 78D (er behauptet von Anfang an den Oberbefehl des Parakamanos, d. h. des Nikolaos, und schweigt über Angriffe der Byzantiner bzw. Abu’I-Asw&rs auf Ani, bevor Gagik II. sein Land verließ); Aristakês 58 = 47C (dieser spielt offenbar auf obige Auseinandersetzungen bloß an, wenn er von vier Kinfallen der Byzantiner nach Armenien spricht). Für Matt'êos und Aristakês lag das Hauptgewicht auf dem Übergang Anis an Byzanz infolge der unter trügerischen Vorspiegelungen unternommenen Reise Gagiks nach Konstantinopel; vgl. ShKHAKI) 200—202. Vgl. ferner Smbat 41 f. V = 25G. Übersicht bei DOLCER, Regesten 860—871.
Darstellung 157 Winterquartier in Ult'ik'73. Abu’l-Asw&r hingegen, der den Armeniern in den Rücken fiel, konnte zahlreiche Gebiete des Reiches Ani besetzen. Von Bedeutung wurde ferner die neuerliche Wirksamkeit des Bestes Sargis. Die armenischen Quellen stellen ihn zwar als gewissenlosen Verräter dar, lassen aber erkennen, daß er zu einflußreich war, um ausgeschaltet zu werden; er trat erneut für einen realpolitisch motivierten Ausgleich mit Byzanz ein und riet Gagik II., der Einladung Konstantins IX . nach Konstantinopel zu folgen; die politischen Möglichkeiten, die Gagik in der Reise erblickte, gaben schließlich den Ausschlag74. Diese Reise sowie die Aktivitäten Abu’ l-Aswärs müssen der Überwinterung des byzantinischen Heeres vorangehen75. In Konstantinopel wurde Gagik unter ehrenden Vorwänden so lange festgehalten, bis der als Regent fungierende Katholikos Petros Getadarj76, der mit Byzanz in Verabredung getreten war, Ani (wohl im Frühjahr 1045) den Byzantinern übergab77. Gagik ertrug sein Schicksal mit großer Würde; 73 Utt'ik* lag in Taik* am Oltu Çayi, einem der Zuflüsse des mittleren Çoruh; vgl. o. S. 136, A. 15. Die Angabe von Matt’èos (vgl. o. A. 72), daß der Parakamanos auf seinem Zug 493 armen, (beg. 10. März 1044) Winterlager bezog, bezieht sich demnach auf die Wende 1044/5; im Frühjahr 1044 hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen begonnen; zu dieser Zeitgrenze vgl. o. A. 65. 74 Saigis war von Gagik II. begnadigt worden; vgl. Aristakês 58 * 47C. Als verhängnis­ vollen Ratgeber zeichnet ihn ebenfalls Aristakês 62 = 50f. C. Matt'êos 93V * 109J = 02 B = 70D schreibt Sargis gar die Initiative zu, daß Konstantin IX. Gagik nach Konstantinopel einladen und dort festhalten sollte. Diese Aufforderung hatte Konstantin IX. gewiß nicht nötig; vielmehr trat neben das militärische Vorgehen gegen Ani (sowohl von byzantinischer Seite als auch durch Abu’l-Aswär) die politische Aktion, wobei Gagik sich in den diplomatischen Zielen Konstantins IX. folgenschwer täuschte — vermut­ lich hoffte er, der Kaiser würde ihn durch Verzicht auf das Testament von Yovhannês Smbat nunmehr definitiv anerkennen. In diesem Sinne auch SHEPARD 291. 75 Als Nikolaos nach seinem gescheiterten Angriff auf Ani in Taik* während des Winters 1044/5 Quartier bezog, hatte Gagik bereits Ani verlassen. Die Feindseligkeiten der Byzanti­ ner und Abu’l-Aswärs gegen Gagik setzten im Frühjahr 1044 ein, und im Sommer oder Herbst trat Gagik seine Reise an. Vgl. die Quellenanalysen bei SHEPARD 292—296; vgl. auch o. A. 65 und 73. 76 Petros (Katholikos seit 468 armen, [beg. 17.März 1019]; vgl. Aristakês 28* 11C) war seit jeher politisch hervorgetreten und mochte auch jetzt die Byzantiner als das kleinere Übel angesehen haben; vgl. Aristakês 11. A.4C. Nach Aristakês 62f. = 52—55C schrieb er einen Brief an den byzantinischen Strategen von Samosata, worin er Bescheid über die Art der Belohnung für eine Übergabe Anis erhalten wollte. Auch bei Mattêos dürfte darauf Bezug genommen sein; vgl. SHEPARD 292f. mit A. 29f. 77 Matt'êos 93—97 V * 109—114 J * 62—64 B = 76—79 D läßt erkennen, daß Gagik län­ ger — wohl einige Monate (vgl. SHEPARD 296, A .40) — in Konstantinopel verweilte; seine Datierung der Annexion auf 493 armen, (beg. 10. März 1044) in Verbindung mit der Tatsache, daß Nikolaos zunächst erfolglos in Taik* überwinterte (vgl. o. A. 73), führt auf einen Zeitpunkt in den ersten Monaten des Jahres 1045. Aristakês 61—63 = 50—55 C
158 Armenien und al-Gazlra als er sich zuletzt in das Unvermeidliche fugte und die Abtretung Anis anerkannte, erhielt er die Würde eines Magistros und Ländereien in Kappadokien, 'Charsianon und Lykandos78. Während Gagik noch in Kon­ stantinopel festgehalten wurde, verließ auch Grigor Pahlawuni sein Hei­ matland, trat die ererbten Besitzungen, besonders Bjni, an Byzanz gegen umfassende Kompensationen ab, und nahm seinen Aufenthalt in Konstan­ tinopel79. In Ani selbst gab es neben Parteigängern der Byzantiner sowie der Könige Bagrat IV. von Georgien und Dawit' Anholin von Lori sogar Sympathisanten Abu’l-Asw&rs, der immerhin mit Gagiks II. Schwester verheiratet war80. Sargis, der offenbar mit Byzanz zerfallen und seines beginnt seinen Bericht unter dem Jahr 494 armen, (beg. 10. Min 1045) ; vielleicht ist damit bereite die tatsächliche byzantinische Besetzung, der Gagiks Abdankung ja vorausging, gemeint, sodaß sich die Ereignisse über die armenische Jahreswende erstreckten. Auf jeden Fall irrt Skylitzes, der eingangs seiner Darstellung (435,72—436,23 [ = Kedrenos 556,15— 559, 2]) erklärt, der Krieg um Ani habe in der 13. Indiktion (diese lief am 31. August 1045 ab) begonnen — in Wirklichkeit fand er in ihr sein Ende, und danach begann der Krieg mit Abu’l-Aswär. 78 Skylitzes 436, 26—28 («Kedrenos 559, 6—8) ist darin zu berichtigen, daß die Abtretung Anis nicht zur Zeit der Reise Gagiks nach Konstantinopel erfolgte; vgl. o. A. 75 und 77. Charsianon und Lykandos waren aus xAciooGpouhervoigegangen, die durch Theophi­ los bzw. Leon VI. eingerichtet worden waren; vgl. TOMASCHEK 145ff.; E. HONIGMANN, Charsianon Kastron. Byz 10 (1935) 129ff.; DE RS., Ostgrenze 66 mit A.4; F. H lL D — M. RESTLE, Kappadokien (TIB 2). Wien 1981 (im Druck). Matt'&os (vgl. o. A.77) nennt an Orten in Kappadokien Kalön-Pelat und Pizu, wohl etwas östlich von Kaisareia; vgl. D É D ÍY A N , Immigration 82; HONIGMANN 175, A.3; H lL D — R e s t l e a. O. 79 Vgl. Aristakäs 62 « 51C (hier der Synchronismus mit dem Aufenthalt Gagiks in Konstantinopel, d. h. im späteren Jahr 1044 oder in den ersten Monaten 1045; vgl. o. A. 66. 75. 77); er spricht nur von Besitzungen in Mesopotamien. Bei Vardan 133 (Moskau) «99 (Venedig) erscheint Grigor dafür als MceoTcoTapiaç- In der Einleitung zu den Briefen Grigors (ed. KOSTANBANC* 1910) belegt ihn der Herausgeber S.44* als jjwrfMrrpoç, ßion^, ¿vci toGxoitûvoç und ftoóg; S. 45* als Herrn von Vaspurakan, Tarön, Manazkert, Arôés, Berkri und Mesopotamien (vgl. ebd. 213). Daraus ergibt sich jedenfalls, daß Grigor Magistros nach 1045 der ranghöchste und mächtigste Mann des ehemaligen Reiches Ani war, während Sargis (vgl. A. 81 ) sich Byzanz entfremdet hatte. 80 Vgl. Ari8takes 62*52—55C über die Ausrichtung der jeweiligen Sympathien; der Text ist wohl so zu verstehen, daß Dawit* (Anholin) von (Dawit*) Dunac*i (d. h. Abu’l-Aswär von Dvin) zu scheiden ist; anders dagegen CANARD—BERBÉRIAN in ihrer Übersetzung 52, A.2. — Abu'l-Aswärs Verschwägerung mit Gagik II.: Aristakäs 96«89C ist mit 62«52C dahingehend zu eiklären, daß Abu’l-Aswär mit der Tochter Aàots IV. bzw. Schwester Gagiks II. verheiratet war; vgl. CANARD—BERBÉRIAN 54; MlNORSKY 22. 51. Daß die georgische Seite in Ani aktiv war, zeigt der Niederschlag in der Georgischen Chronik (Kartlis cxovreba 224 BROSSET« BROSSET, Histoire 319f.), wo behauptet wild, Mariam, die Mutter Bagrats IV. (und Tochter des Königs Senek'erim Arcruni von Vaspurakan) sei von den Bewohnern Anis herbeigerufen worden; von ihr habe dann Liparitdie Stadt
Darstellung 159 Einflusses verlustig gegangen war, lieferte wohl damals eine Reihe von Festungen an Bagrat IV. aus, vermutlich um sie nicht in Abu’l-Asw&rs Hand fallen zu lassen81. Diesem gegenüber dachte Konstantin IX . nicht daran, sein früheres Versprechen zu wahren, sondern verlangte nun die durch Abu’l-Aswär eroberten Teile des Reiches A ni; letzterer weigerte sich jedoch, unter Berufung auf das Chrysobull des Kaisers. Infolgedessen ließ Konstan­ tin IX . Abu’l-Aswär den Krieg eiklären. Als Feldherm bestellte der Parakoimomenos Nikolaos den Iasites, welcher neben der Statthalterschaft von Iberia auch den neuen Kommandobereich (ic y ó Xt) ’Appevút bzw. Ani über­ nommen hatte, zusammen mit dem Magistros Konstantinos ô ’AXavôç. Die Verwaltung von Ani übertrug Iasites für die Dauer seiner Abwesenheit dem Katholikos Petros82. Das Heer, in dem neben byzantinischen Truppen im engeren Sinne auch Streitkräfte Anis unter Vahram Pahlawuni und seinem Sohn Grigor stan­ den, zog im Herbst 104583 gegen Dvin, hinter dessen Mauern sich Abu’lAswär verschanzt hielt, nachdem er durch Ableitung des vorbeifließenden Azat die ganze Gegend in einen Morast hatte verwandeln lassen. Außerdem ließ er in den Weinbergen um die Stadt Bogenschützen einen Hinterhalt legen, die auf ein Signal den Kam pf aufzunehmen hatten. Als die Byzanti­ ner vor die Mauern gelangt waren, wurden sie nicht nur von oben herab beschossen, sondern plötzlich auch im Rücken angegriffen. Unter beträcht­ lichen Verlusten — zu den Gefallenen zählten Vahram Pahjawuni und sein Sohn Grigor — retteten sich Iasites und Konstantinos nach Ani. Sie wurden von Konstantin IX . ihrer Kommandos enthoben; statt des Iasites*• übernommen. Wahrscheinlich hat Liparit — entweder in Übereinstimmung mit Byzanz oder such selbständig — zwischen Gagiks Abreise und der Übernahme Anis durch die Byzantiner seine Tätigkeit entfaltet; vgl. Canard— B erbérian 53 und Shepard 293, A. 32. *' Zur Auslieferung der Festungen vgl. Georg. Chronik (Kartlis cyovreba) 224 BR088ET- BR08SET, Histoire 319 mit A.2; Matiane Kartliaa 299 K auchCiSvili - 49 mit A.212 LORDKIPANIDZE. HONIGMANN 175 wollte darin wie in der Abtretung BJnis durch Grigor Pahlawuni (vgl. o. 8.158 mit A.79) schon die auf Dvin zielende Tendenz der byzantinischen Politik sehen. ** Ausbruch des Krieges mit Abu’l-Aswir : Skylitees 437, 30—36 ( - Kedrenos 559, 9— 16); Matt‘êo s9 8 V ~ ll5 J «6 5 B -8 0 D ; Aristakfia 63-66Í. C. Petros hatte schon nach der Abreise Gagiks die Regierung geführt; vgl. o. S. 157 mit A.76. • Nach Matt'ëos begann der Krieg im Herbst nach der Annexion Anis durch Byzanz; unter den vorausgehenden Erscheinungen berichtet er von einem Erdbeben im Sommer. Gkylitzea und Aristakës komprimieren offensichtlich die Ereignisse, wenn sie den Feldzug unmittelbar auf die Besetzung Anis folgen lassen. Auf Sommer oder Herbst weist ferner der Hinterhalt, den Abu’l-Aswir den Byzantinern in den Weinbergen bei Dvin legen ließ (vgl. u.) — daf&r ist dichte Belaubung vorauszusetzen.
160 Armenien und al-Gazlra wurde der bekannte Kat&kalon Kekaumenos84 Statthalter von Iberia, und an die Stelle des Nikolaos trat als dTpar^yoi; auroxpaTcup85 der Kommandant der (jLeyáXrj ¿Tatpeta, Konstantinos86. Beide hielten es nicht für zielführend, nochmals Dvin anzugreifen, sondern wandten sich gegen eine Reihe anderer Festungen, die von Abu’ lAswär dem Reich Ani entrissen worden waren. Trotz der Entsatzversuche Abu’l-Aswärs fielen 'Ayta Mapta (Surmari), ’A{X7ricp (Anberd) und "Ayioç rpTjyopioç (wohl X or Virap) in die Hände der Byzantiner, während die Festung XeXiSóviov, vermutlich die Zitadelle des heutigen Erevan, hart­ näckig Widerstand leistete87. Auch sie hätte allerdings infolge der hermeti84 Kat&kalon Kekaumenos, einer der bedeutendsten Feklherm der Zeit, stammte aus Armenien, wo er auch nach dem Zug gegen Dvin maßgeblichen Anteil an den Kämpfen gegen die Selgüqen nahm. Der Schilderung seiner Taten bei Skylitzes liegt anscheinend ein enkomia8ti8cher Bericht zugrunde, wie Ähnliches auch für Maniakes und die Phokaden gelten dürfte. Vgl. SüEPARD, bes. 269f.; SEIHT, Vaspurakan 52 mit A.7. Zur Karriere vgl. N. BAnescu, Un duc byzantin du XIe siècle: Katakalon Kékauménos. Bulletin de la section historique de VAcadémie Roumaine 11 (1924) 25—36; L emerle, Prolégomènes 20ff.; K a2dan, Armjane 31 f., Nr.4. 85 Der arpado; auToxpaTcop war der Oberbefehlshaber größerer militärischer Unterneh­ mungen; vgl. R.GriLLAXD, Études sur l'histoire administrative de l’empire byzantin. Les termes désignant le commandant en chef des armées byzantines. EEBS 29 (1959) 35—43; P. K arlin—H ayter , L'hétériarque. L’évolution de son rôle du De Cerimoniis au Traité des Offices. JÖB 23 (1974) 121 f., A. 7. 80 Vgl. Skylitzes 437 , 36-^138, 60 («Kedrenos 559, 15—560, 17); Matt'éos (s. A. 82); Aristakës (s. A. 82); Smbat 42 V = 25 G. Zu dem in diesen Quellen nicht namentlich genannten Fluß Azat vgl. MlXORSKY 26, A.4. Obigen Konstantinos wollte Schlumberger, Épopée III 583 mit Konstantinos Arianites gleichsetzen, der als Dux von Adrianopel 1048 gegen den Petschenegenfuhrer Seltzes geschickt (Skylitzes 458, 47—49; 461, 37—39 [ * Kedrenos 585, 22—586, 2 ; 590, 1f.]) und hiebei tödlich verwundet wurde (Skylitzes 466, 81—467, 85 ; 470, 89f. [ = Kedrenos 596, 16—21; 601, 15f.]). Eher ist jedoch an Konstantinos cT*ip«iápyr^ zu denken, der in denselben Kämpfen mitwirkte, z.T. als a r p a r lo s auToxpáxcjp (Skylitzes 469, 65—471, 7 [«Kedrenos 600, 13—602, 8]), und der jener Kcov<rravTtvoç xpourcórnTos o covoüyoc des Attaleiate8 33, 22 sein dürfte. — Die fuyáXrj ¿raipcía war die angesehenste Leibgarde des Kaisers; vgl. KARLIN— H ayter , a. O. 121—124; AHRWEILER, Recherches 27; OlKONOMIDÈs 265, 30; 270, 21. 23. 25 ; 327f. 87 Die Deutung der bei Skylitzes (vgl. A.88) genannten Eroberungen erfolgte durch P. P eeters , Quelques noms géographiques Arméniens dans Skylitzes. Byz 6 (1931) 435— 440. Surmari (Surb Mari) oder Sürmelü liegt auf einem Gebirgsausläufer in beherrschender Stellung oberhalb der Einmündung des Hrazdan in den Araxes; Anberd ist etwas nördlich von Ëjmiacin zu lokalisieren, Xor Virap südlich von Dvin am Araxes, wo der Überlieferung nach der hl. Grigor der Erleuchter eingekerkert war — beide gleichfalls in schroffer Höhenlage. Honh.MAXX 177 mit A. 2 zog Surb Grigor etwas nördlich von Anberd vor, das in der Literatur als wichtiges (wohl befestigtes) Kloster bezeichnet wird. Für XcXiSoviov hat P eeters scharfsinnig dargelegt, daß ebenso wie bei den vorigen Namen auch hier eine Übersetzung aus dem Armenischen zu Grunde liegen dürfte (f, ycXiScóv= Schwalbe). Tatsäch-
Darstellung 161 sehen Einschließung letztlich kapitulieren müssen, wäre nicht im Septem­ ber 1047 der Aufstand des Leon Tom ikios ausgebrochen. Konstantin IX . benötige schnellstens verläßliche Truppen, weshalb er den Abbruch des Feldzuges in Armenien und umgehenden Marsch nach Konstantinopel befahl. Dadurch war Chelidonion für Abu’l-Asw&r gerettet, und er selbst erhielt gegen feierlichen Eid, sich künftig loyal zu verhalten, den Frieden zugesprochen. Immerhin waren damals die Gebiete zwischen Araxes und Hurastan dem byzantinischen Reich zugefallen, das hiermit seine größte Ausdehnung im Osten erreicht hatte — allerdings nur bis zu den bald einsetzenden Unternehmungen der SelgQqen88. Diese hatten nach dem Tode Mahmfids von Ghazna (1030) ihre Macht zunächst in Qurösftn ausgebreitet ; unter den beiden Brüdern Tughril Beg und Caghri Beg schlugen sie den Sohn MahmOds, Mas'üd, 1040 entschei­ dend bei Dandfiqfin und drangen in der Folge weiter im östlichen Iran vor. Damals stand in Tughril Begs Diensten bereits sein Vetter Qutlumus b. Arslan Isräffl b. Salgüq. Als Tughril Beg gegen Ende_des 5. Jahrzehntes die Macht der Selgfiqen auch in den Westen Irans nach Ädarbaig&n (und damit gegen Armenien hin) ausdehnte, wirkte Qutlumus dabei mit, widerspensti­ Bch findet sich die Bezeichnung Cicefnakberd („Schwalbenfestung“) in der Topographie des heutigen Erevan, wenn auch nur in mündlicher Bezeugung; es liegt nahe, darunter die Zitadelle von Erevan zu verstehen, die bis zur russischen Eroberung von 1827 als „uneinnehmbar“ galt. * Skylitzes 438, 60—439, 5 ( » Kedrenos 560, 17—662, 16) láfit den Krieg durch den Tomikios-Aufstand beendet werden; Matt'öos 100V -117 f. J *•06 B « 81 f. D berichtet hin­ gegen, daß töliarx (d.h. Konstantinos als haiptúfx<l<) zwei aufeinander folgende Züge unternahm, den ersten im Winter 495 armen, (beg. 10. Min 1046), und dann 496 armen, (beg. 10 . März 1047) einen weiteren, zwar ohne Angriff auf Dvin, aber unter großen Verwüstungen des feindlichen Landes. Dieser 2. Zug entspricht zeitlich und sachlich (kein Vorstoß gegen Dvin) dem des Skylitzes. Bei dem nur von Matt'ëos fur Winter 1046/7 überlieferten Zug handelt es sich wohl nicht um eine Doublette (dagegen spricht die sachliche Verschiedenheit); es ist vielmehr wahrscheinlich, daß die Byzantiner, welche sich im Sommer 1046 gegen Tughril Beg gebunden fühlten, der zuvor einen ersten Vorstoß nach Vaspurakan verursacht hatte (vgl. u. S. 162f. mit A. 89 -93), erst im folgenden Winter diesen (in der gedrängten Darstellung des Skylitzes nicht erwähnten) Vorstoß unternommen haben. Vgl. Shepard 301—303. ln die Epoche der Kriege mit Abu’l-Aswär fallt außerdem der Sturz des Katholikos Petros, welcher von Kekaumenos offenbar im Januar 1046 (vgl. SHEPARD 299f.) überra­ schend festgenommen wurde, und zunächst in der Festung XaHoy Arié (heute K&gdariç, etwa 40km westlich Erzurum, an einem der Quellflüsse des Euphrat; vgl. HONIGMANN 6 6 ; Arist&kës 21, A. 1C), dann drei Jahre in Konstantinopel inhaftiert war; schließlich wurde er in ehrenvolle Verbannung nach Sebasteia geschickt, wo er 607 armen, (beg. 7. März 1068) starb: Aristakës 63f. 82 = 66 . 72f.C. Sein Neffe und designierter Nachfolger Xaë'ik Anec'i (bzw. Xaé'atur) wurde vorübergehend ebenfalls festgenommen, konnte aber bald ein geistli­ ches Amt übernehmen : Aristakës ebd. ; vgl. Smbat 46f. = 27 f. G.
162 Armenien und al-ôazlra ge Ghuzz (Turkmenen), die sich in der GazTra noch als unabhängig gebärde­ ten (nachdem ein Teil von Arabern und Kurden bereits vernichtet worden war), den Selgfiqen zu unterwerfen. Für die wenig später einsetzenden Zusammenstöße zwischen Tughril Beg und Byzanz ist damals insofeme bereits der Grund gelegt worden, als in den näher am byzantinischen Machtbereich gelegenen muslimischen Gebieten die Tradition des gihäd noch lebendig war; dadurch konnte die Beutelust der selgüqischen Krieger befriedigt und ihre Aktivität zugleich nach außen gelenkt werden, und Tughril Beg hatte die Möglichkeit, sich durch den gihäd gegen Byzanz verstärkt als für alle Muslime verbindlicher Regent zu erweisen89. Auslösendes Moment dieser Entwicklung wurde eine Niederlage, die im Frühjahr 1044 von Tughril Beg ausgeschickte Truppen bei einem Vorstoß in die GazTra durch die 'Uqailiden erlitten hatten90. A uf ihrem Rückweg * Vgl. CaheNi Premiere pcnetnition 8 I4¡ OERS., Qutlumush 14^~18; DERS.« Prc* Ottoman Turkey 21—24; vgl. auch o. A. 53 (die Ghuzz betreffend). 90 Zu diesem Vorstoß selguqischer Streitkräfte sind die Angaben des Skylitzes 445,72— 447, 23 ( = Kedrenos 570, II—572, 10 ) mit jenen bei Matteos 98— 100V « 115— 117 J = 65 f. B= 80f. D und Aristakes 64—66 = 57 f. C in Verbindung zu setzen; auf Skylitzes beruhen Attaleiates 44, 8 —10 und Bryennios 97, 19—99, 17 sowie Zonaras III 636, 11 — 637, 5 ; von den armenischen Quellen vgl. auch Smbat 42f.V = 25f.G. Zur Niederlage der Ghuzz und ihren Vorstoß gegen Armenien vgl. Ibn al-Atlr IX 387—390 (s. a. 420 H); alAzlmT 172ab (wohl als Doublette dazu ders. 171b über einen türkischen Vorstoß 434 H [beg. 21. August 1042] nach Armenien). Skylitzes unterlag jedoch grundlegenden Irrtümem, da er eine Teilnahme des Qutlumus behauptet, dem er außerdem ein fabelhaftes Ende zuschreibt (vgl. dagegen CAHEN, Qutlumuah 19—23), und darüber hinaus datiert er diesen angeblich von Qutlumus geführten Zug nach Tughril Begs Einzug in Baghdad (1055) und dessen Sieg über al-Basäslri (1058). Zutreffend (da von Matt eos bestätigt) ist die Charakterisierung des Vorstoßes als ursprüng­ lichen Rückzuges aus al-Gazira und späteren Sieges über Leichudes. Matt eos setzt diese Ereignisse in das Jahr 494 armen, (beg. 10 . März 1045); die vorangehenden Naturerschei­ nungen (Erdbeben, blutigrote Verfärbung von Sonne und Mond) werden auch von anderer Seite auf 494 datiert (Arakel, Livres d'histoires, bei : M.-F. B r osset , Collection d'historiens arméniens I. Petersburg 1874 [Ndr. Amsterdam 1979], 564). Das Jahr dürfte daher richtig sein; im besonderen ist der Winter 1045/6 am wahrscheinlichsten, weil Aristakës die Einnahme von Theodosiupolis an dichtem Nebel scheitern läßt. Die Chronologie von Aristakes ist allerdings unklar: seine Einleitung „in diesem Jahr4* folgt auf zuletzt datierte Ereignisse von 493 armen.; 67 = 58C gibt er dann 497 armen, als „zweites Jahr der Knechtschaft44. Der von Skylitzes Kapßcov;; genannte Sieger in der Auseinandersetzung zwischen den Scharen der Selgüqen und den 'Uqailiden, die nach Ibn al-Atlr am 20. Ramadän 435 H (21. April 1044) stattfand, ist im Hinblick auf die Angabe desselben eher Qirwäs b. Muqallad von Mosul (reg. 391 H [beg. 1 . Dezember 1000] — 442 H [beg. 26. Mai 1050]) als Qurais b. Badrän (vgl. die Namensform Xures bei Matt eos von Urhay), Herr von Nisibln seit 425 H (beg. 26. November 1033), der später Qirwäs in Mosul folgte (vgl. ST. LanE-PüOLE, Mohammadan Dynasties. London 1893, 117). — Matt cos nennt drei Anführer der Truppen Tughril Begs, nämlich Poli. Puki und Anazulli.
Darstellung 163 scheinen sie 494 armen. (beg.IO.März 1045) tigrisaufwärts ziehend schließ­ lich an den Van-See gelangt zu sein, wo sie vor Arcës den damaligen Katepano von Vaspurakan, Stephanos Leichudes91, um Gewährung des Durchmarsches nach Ädarbaig&n interpellierten. Ihr Verhalten inmitten des fremden Landes war gewiß nicht so harmlos, bzw. das Vorgehen des Leichudes nicht so leichtfertig, wie es aus Skylitzes scheinen könnte. Als Leichudes den selgüqischen Streitkräften entgegentrat, verlor er den Kam pf und wurde als Sklave nach Tabriz verkauft; die Feinde aber drangen unter großen Verwüstungen bis Valarsawan bzw. Basean vor, wobei sie ihr Ziel Theodosiupolis jedoch nicht erreichten92. Bei der damals offenbar gewordenen Schwäche der byzantinischen Verteidigung im Osten dürfte auch die Auflösung der armenisch-georgischen Nationalmilizen durch Konstantin IX ., welche den Grenzschutz innegehabt hatten, von Einfluß gewesen sein93*9 8 . 91 Der sicher noch junge StephanoB Leichudes bzw. Leichudia (er war erst Patrikios) gehörte den mächtigsten Kreisen an; sein Vater Konstantinos Leichudes war unter Konstantin IX. Ttapaftuvaarcuaiv (Skylitzes 440, 28— 3! [ = Kedrenos 563, 19—22]), d.h. leitender Staatsmann des Reiches (vgl. H.-G. BECK, Der byzantinische Ministerpräsident. BZ 48 (1955) 330— 338; OlKONOMlDÊS, Évolution 131 f.) und 1057, im Rang eines Proedros (dazu o. S. 117, A. 216), einer der Gesandten Michaels VI. zum Usurpator Isaak Komnenos (Skylitzes 496, 81—86 [« Kedrenos 632,16—19]; Attaleiates 43, 21—44,18). Zu Stephanos vgl. auch GuiLLAKD, Titres XIII 9f. w Nach Skylitzes erhielt Leichudes für die Gewährung des Durchzuges reiche Geschenke angeboten mit der Versicherung, dem Land würde beim Durchmarsch keinerlei Schaden erwachsen. Ein solches Angebot bzw. die ihm zugrundeliegende Bitte hätten aber schon viel früher erfolgen müssen, um glaubwürdig zu wirken. Im übrigen ist zu berücksichtigen, daß Skylitzes vorrangig als Lobredner des Kekaumenos auftritt, wogegen er andere Protagoni­ sten ungünstiger darstellt; vgl. auch o. A. 84. Immerhin ist das Schicksal des Leichudes bei Skylitzes um vieles glaubwürdiger als bei Matt'öos von Urhay, demzufolge Leichudes in Her (Bojj) zu Tode geschunden und als ein mit Heu ausgestopfter Popanz zur Schau gestellt wurde. Valaräawan (auch Valaräakert) liegt im Distrikt Bagrewand, etwa auf halbem Wege zwischen Kars und Xlat'; vgl. M. Y ovhannésean (Hovhankesian), Hayastani berdere (Les forteresses de l'Arménie). Venedig 1970, 680ff. Worauf Y rZBASHlAN bei Arist&kös 11, A. 6 C zurückgeht (Lokalisierung am Araxes südlich Karin/Theodosiupolis), ist nicht ersicht­ lich. — Basean, ein Bezirk der Provinz Ayrarat, ist nördlich des oberen Araxes gelegen ; vgl. Aristakës 1 2 , A. 1 C. — Der Fehlschlag gegen Karin (Theodosiupolis), laut Aristakös infolge dichten Nebels, ist ein Indiz für die Datierung auf Winter (1045/6); vgl. o. A.90. 98 Es handelt sich bei dem 'Ißrjpixoc arparon der Quellen um die Miliz (bzw. eher die Reste der alten Adelsreiterei) im Gebiet des Dukats Iberia, zu dem damals vielleicht auch Ani zählte. Im ganzen byzantinischen Reich zeigte sich unter Konstantin IX. der Niedergang der Soldatengüter und ganz allgemein der militärischen Einheiten der Themen zugunsten der besser ausgerüsteten und besoldeten ray^ara. Die Güter jener einheimischen Aristokra­ tie, die bisher wie weitgehend steuerfreie orpaTUimxa xtt,fiara behandelt worden waren (mit der Veipflichtung der Besitzer zur Heeresfolge), wurden im Zuge der jetzigen Reformen voll besteuert, und man verzichtete auf die militärischen Dienste dieser angeblich etwa 50.000 Mann. Zur Problematik vgl. LEMERLE, Cinq études 263fT., bes. 271. 286. 302ff.
164 Annenien und al-GazIra A uf diesen natürlich nicht so geplanten, jedoch erfolgreich verlaufenen Streifzug folgte 497 armen, (heg. 9. März 1048) der erste regelrechte E in fa ll der Selgüqen unter Führung des sogenannten „tauben Hasan“ , e in e s Verwandten von Tughril BegM. Sie überschwemmten die Hochebene v o n Basean und Theodosiupolis und gelangten im Nordwesten bis nach C hal­ cha, im Norden bis Sper, nach Taik* und Arsarunik’, im Süden bis TarOn, Haiteank* und Xoijean*5. Der Katepano von Vaspurakan, Aaron B estes90*, hielt sich für den Selgflqen nicht gewachsen und schrieb dringend an Katakalon Kekaumenos, den Statthalter von Iberien und Ani, um U nter­ stützung. Die breit ausgestaltete Erzählung bei Skylitzes, wie Kekaum enos mit Hilfe Aarons die Feinde am Fluß Stragna aus dem Hinterhalt überfiel, wobei die meisten, darunter Hasan, ihr Leben verloren, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Eindringlinge weitgehend unbehelligt mit aller Beute fast ganz Vaspurakan durchqueren konnten, bis den Byzantinern ihre Vernichtung gelang97. Weniger folgenreich erwies sich dagegen etwa um dieselbe Zeit, 439 H (heg. 28. Juni 1047), das neuerliche Auftreten eines Mahdi-Prätendenten in M Vgl. Skylitzes 448, 48—449, 77 ( - Kedrenos 673, 19—675, 6 ) (danach Zonaraa III 937, 13—16; Biyennios 99, 17—23); Aristakös 67f. «58f. C. Skylitzes nennt den Anführer 'Aoav T&v Xryó|icvev xu?óv und bezeichnet ihn ala Neffen Tughril Begs. Vielleicht handelt ea aioh um den in Durisin belegten Selgüqen Hasan b. Baighü; vgl. Cahen, Première Pénétration 15, A. 1 . — Skylitzes gibt keine nähere Datierung, bleibt in den Angaben recht allgemein und legt das Hauptgewicht auf den Hinterhalt des Kekaumenos am Stragna. Aristakös aber nennt als Jahr 497 armen, (beg. 9. März 1048) und fuhrt die Verwüstungen topographisch näher aus. Durch die sehr wahrscheinliche zeitliche Festlegung des Rachezugs von IbrähTm Tnil auf Herbst 1048 (vgl. u. A. 99) ist der Vorstoß des .tauben Hasan' aber auf einige Monate genau datierbar. M Sper; Bezirk Hocharmeniens gegen die östlichen Grenzgebiete Chaldias am Oberlauf des Coro* (Çoruh); vgl. Aristakös 59, A.2C; Honigmann 63f. — Arèarunik’ : Bezirk der Provinz Ayrarat am oberen Araxes südwestlich Anis; vgl. Aristakös 59, A.3C. — Haéteank': ebenfalls in Ayrarat am hier von Osten nach Westen gerichteten Ananias; vgl. Aristakös 59, A.4C; T omaschek 138; Honigmann 9.16.32. — Xoijean; Bezirk in Armenia IV nördlich von Haäteank*; vgl. Aristakös 59, A.5C; HONIGMANN 198ff. mit Karte IV. — Das von P rudhomme 74, A. 3 als Siwnik' erklärte Sisak des Textes bedeutet in Paraphrase des vorangehenden Jeremias-Zitates Babylon ; vgl. AristakCs 59, A. 6 C. M Aaron Bestes war Sohn des letzten bulgarischen Zaren Ioannes-Vladislav (1015— 1018); zu seiner Laufbahn vgl. L emeRLE, Cinq études 41, Nr. 8 ; M. Lascaris, Sceau de Radomir Aaron. BSl 3 (1931 ) 406ff. ; V. Laurent, La prosopographie de l’empire byzantin. KO 33 (1934) 391—394. w Der Stragna, heute der große Zäb, an der Ostgrenze Vaspurakans (vgl. HONIGMANN 179, A. 5; S eist , Miszellen 639f.), ist weit von den Orten entfernt, die Aristakös nennt. Die Byzantiner ließen offenbar die Feinde ungehindert das Land verwüsten, um sie beim Rückzug zu überfallen und sich dabei möglichst ihre Beute anzueignen — eine alte Taktik aus den Kriegen mit den Arabern. Vgl. Honigmann 179 mit A. 5; SHEPARD 271 f. mit A. 10.
Darstellung 165 Obennesopotamien. Dieser — mit dem Namen al-Asfar gleich jenem falschen Mahdi von 395 H (beg. 18. Oktober 1004) und ebenso aus dem Stamm Taghlib — versammelte in Ra’s al-Ain in der öazlra eine rasch wachsende Anhängerschaft, die er unter der Proklamation des gihfid zu erfolgreichen Streifzügen in das byzantinische Gebiet führte. Als eine byzantinische Gesandtschaft bei Nasraddaula b. Marw&n das Verhältnis beider Mächte von Nasraddaulas Verhalten gegenüber der neuen Bewegung abhängig machte, fugte es sich, daß zufällig gleichzeitig ein Abgesandter alAgfars zu Nasraddaula kam und ihm wegen seiner Abkehr von der Pflicht des gihäd Vorhaltungen machte. Daraufhin ließ Nasraddaula Leute von den Numair dingen, die al-Açfars Vertrauen erwerben und ihn bei gegebe­ ner Gelegenheit überfallen und festnehmen sollten. Der Plan gelang, und al-Asfar wurde nach Amid geschafft, wo ihn Nasraddaula gefangensetzen ließ und so das Einvernehmen mit Byzanz sicherte. Begünstigt wurde das Aufkommen dieses neuen Mahdi-Prätendenten vielleicht durch die Wirren dieser Jahre, als in mehreren Kämpfen unbotmäßige Ghuzz, die vor Tughril Beg nach al-GazIra ausgewichen waren, durch eine Koalition von Arabern und Kurden vernichtet wurden90. Nach dem Untergang des „tauben Hasan“ in Armenien war ein Rache­ feldzug der Selgüqen zu erwarten, und diesen übertrug Tughril Beg offen­ bar noch 1048" seinem Halbbruder Ibrâhîm Inäl, der sich bereits im südwestlichen Iran bewährt hatte l0°. Mit einem starken Heer von Turkme­ w Vgl. Iba al-Atlr IX 540f. (s. a. 439); Abu’l-Farag, Chron. Syr. 247 f. BRUNS— - 205 B udge ; Iba el-G&uzI VIII 132; vgl. auch D ö LGER, Regesten 880. Zum Hintergrund: C a h e n , Première pénétration 13 mit A. I. Zu den Taghlib vgl. o. S.50, A. 21, zu den Numair S. 53, A. 29. Für Ra's al-Ain (östlich von Harr&n, am Oberlauf des Häbür) vgl. E I' III 1209f. (H onig .m a n n ). w Aristakës (vgl. A. 100 ) beginnt seinen Bericht mit den Worten „im folgenden Jahr“, was auf Grund seiner vorangegangenen Datierung 498 armen, (beg. 8 . März 1049) bedeutet. Dieses Jahr nennt auch Matt eos (vgl. A. 100) ; Skylitzes jedoch setzt in seiner ausführlichen Darstellung die Entscheidungsschlacht bei Kaputru (452, 65f.) auf Samstag, 18. September der 2. Indiktion, was 1048 sein sollte, aber damals war der 18. September ein Sonntag. Im Hinblick auf Matt'êos, der ebenfalls Samstag gibt, nahm bereits G kroerer III 484, dem später u. a. HOSIOMANN 180 und G rouskkt 588 folgten, den 18. September (Samstag) 1049 als Schlachttag an, womit allerdings neben Skylitzes auch Ihn al-Atlr (vgl. A. 100) in Widerspruch steht, der unter 440 H (beg. 17. Juni 1048) berichtet. Die einfachste und überzeugendste Lösung ist wohl die schon von P. Orgeln, Kékauménos et la guerre pétchénègue. Byz 13 (1938) 403, A. 1 vorgeschlagene, wonach der Kampf am Abend des Samstags (also am 17. September 1048) begann und bis in den folgenden Morgen dauerte. Vgl. dazu auch Shepard 272, A. 1 1 ; 273. 100 Zum gesamten Feldzug (bis zum Rückmarsch nach Ani) vgl. Skylitzes 449, 78—453, 96 ( - Kedrenos 575, 6—580, 10 ); danach Zonaras III 637, 16—640, 1 ; Aristakës 67— K irsch
166 Armenien und al-öazlra nen, dazu Kabiren sowie Dailamiten*101, zog er gegen einen Feind, dessen Feldherren bezüglich der einzuschlagenden Strategie keine einheitliche Auffassung vertraten. Von den byzantinischen Kommandanten Kekaume­ nos, Aaron Bestes und Grigor Magistros Pahlawuni (dem Dux von Mesopo­ tamien) verfocht Kekaumenos (über Grigors Ansicht wird nichts mitgeteilt) eine offensive Kriegsfuhrung dergestalt, daß den Feinden noch außerhalb der Reichsgrenzen entgegenzutreten sei, solange sie vom Anmarsch er­ schöpft und ihre Reiterei noch nicht voll einsatzfahig war. Aaron dagegen wollte die Streitkräfte zurückhalten, sich auf die Verteidigung der Städte und Festungen beschränken, und im übrigen die Entscheidung Konstantins IX . abwarten. Diese Meinung setzte sich durch, und während der Zeit bis zur Rückkehr des zum Kaiser entsandten Kuriers bezog das byzantinische Heer in der Ebene von Ordoru102 Wartestellung. Da Konstantin IX . den Auftrag erteilte, Kekaumenos und Aaron sollten die Hilfe des kriegserprobten georgischen Fürsten Liparit (Ligan­ tes) 103*1 0 8abwarten, konnte, während dieser sein Heer sammelte, Ibrählm Inäl 82 »58—72 C ; Matt'êos 102—108V= 119—127 J»67—'7 2B -83—88D; Smbat 44f. V -26Í.G ; Ifan al-Atlr IX 546f. (s. a. 440);_Ibn al-ÖauzT V III137; aKA?TmT 174a. Vgl. auch DöLGER, Regesten 894f. — Über Ibrâhîm In&l vgl. CAHEN, Première Pénétration 13f.; DERS., Pre-Ottoman Turkey 22—25. 101 Die Starke der Truppen Ibr&hlra Liftls wird von Skylitzes mit 100.000 Mann (gegenüber 20.000 des „tauben Hasan“) angegeben, war also wesentlich größer als beim vorhergehenden Zug. Für die byzantinischen Truppen gibt Ibn al-Atlr 50.000, Aristakês von Lastivert 60.000 Mann an. — Die Kabiren (Kaßcipoi des Skylitzes) erscheinen im 9 . Jh. in Kaukasien und sind vielleicht jene Kcxßotpoi des Konstantinos Poiphyrogennetos (d. a. i., c. 39f. = 174— 179 Moravcsdc—JENKINS), die sich gegen die Bazaren erhoben und den Ungarn vor deren Landnahme anschlossen ; vgl. Moravcsik, Byzantino-Turcica II 144. — Die Dailamiten (AiXipvttou bei Skylitzes) hatten 434 H (beg. 21. August 1042) die Oberherr­ schaft der SelgQqen anerkannt: vgl. E I2 II 198, s. v. Daylam (MINOR8KY). ,0* Ordoru lag in Basean; vgl. HONIGMANN 180 mit A.2—4; SHEPARD 274, A. 17; GROUSSET 271 ; die griechische Form lautet bei Skylitzes 450, 3 OupxpoG (besser als das ’Ooouprpov im Text des Kedrenos 576, 4). 108 Liparit war vermutlich Sohn des georgischen Feldherm Hrat (Rati, *Op¿Tioc). der als Führer der Truppen König Gioigis 10 21 im 1 . georgischen Feldzug Basileios* II. gefallen war; so bei Skylitzes 367, 59f.; 447, 24—27 (»Kedrenos 478, 7f.; 572, 17—20); bei Aristakês 29» 13C (mit A. 2 ) wird 3rat ebenfalls genannt. Vgl. auch o. A. 17. — Denselben bezeichnet allerdings Matt'êos 108 V » 127 J»72B »88D als Bruder des Liparit, und die georgische Chronik (Kartlis cxovreba 222 BROSSET = BROSSET, Histoire I 316; Matiane Kartlisa 296 » 47 f. LORDKIPANIDZE) schließlich gibt dem Vater auch den Namen Liparit (d. i. der 'Opânoç o Awcapmjç des Skylitzes), sodaß BROSSET, Histoire I 297, A. 1 und ihm folgend PRUDHOMME in seiner Aristakês-Übersetzung 84, A. 1 Liparit als Enkel des Hrat ansahen. Vgl. auch CANARD—BerbéRIAN zu Aristakês 69, A. 1. Jedenfalls war Liparit eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Zeit, stand aber mit dem georgischen König Bagrat IV (1027—1072) auf schlechtem Fuß. Bagrat» jüngerer Bruder Demetrios, der nach Konstantinopel geflohen war, wurde von Liparit zweimal mit
Darstellung 107 ohne Schwierigkeit nach Vaspurakan vorrücken. In Mananali104 wurde das „Festung des Smbat“ genannte Bergland heimgesucht, wo es zu ausge­ dehnten Massakern an Flüchtlingen kam. Dann wandte sich Ibrählm Inäl gegen die wohlhabende Handelsstadt Arenl05, deren Bewohner der Auffor­ derung des Kekaumenos nicht gefolgt waren, in der nahen Festung Theodo8iupoli8 Zuflucht zu nehmen. Während sich die byzantinischen Truppen in schwer zugänglichem Gelände verschanzten, begann Ibrâhîm Inäl den Angriff, wurde aber durch sechs Tage zurückgeschlagen, sodaß Kekaume­ nos den Selgüqen ohne Verzug bei Aren entgegen treten wollte; er scheiter­ te jedoch an Aarons Widerspruch. Damit war das Schicksal von Aren besiegelt, welches von Ibrählm Inäl, als die Belagerung keinen Erfolg versprach, der Einäscherung durch geschleuderte Feuerbrände preisgege­ ben wurde. Die Zahl der Opfer muß groß gewesen sein, und dementspre­ chend war auch die Beute, welche den Selgüqen in die Hände fiell06.*1 0 4 5 6 byzantinischen Trappen herbeigerafen, um den Väterthron zu besteigen. Vgl. die Georg. Chronik (Kartlis exovreba) 223—226 Brosnet = Brosset, Histoire 318—322; Matiane Kartlisa 298—302 * 49—61 LORDKIPANIDZE — und wohl auch Skylitzes 402, 6— 11 ( » Kedrenos 619, 6 — 1 1 ). Im Jahr vor der Schlacht von K&putru gegen Ibrähun Inäl, d. i. 1047 (vgl. auch o. A. 99), führte Liparit zur Unterstützung des byzantinischen Kaisers Krieg gegen Abu’l-Aswär von Dvin : Georg. Chronik (Kartlis exovreba) 226 Brosset = Brosset, Histoire 322f.; Matiane Kartlisa 302«61 LORDKIPANIDZE. An Bagrat IV., der Liparits Ehefrau entehrt hatte, rächte dieser sich, indem er ihn aus Georgien vertrieb. Liparit wurde von Konstantin IX. als 9 ÍX0; xxl /rjfxfia/o; anerkannt; doch vermochte der nach Konstanti­ nopel geflohene Bagrat vom Kaiser schließlich seine Wiedereinsetzung zu erlangen. Liparit erhielt auf Lebenszeit Mcoxta, d. i. Mesxeti, etwa im Gebiet des heutigen Axalcixe (vgl. Karte IV bei HONIGMANN): Skylitzes 447, 24— 448, 47 (»Kedrenos 572, 17—573, 18); Attaleiates 80, 3—11. Vgl. auch DöLGER, Regesten 8 8 6 ; Überblick für all diese Ereignisse auch bei W. E. ALLEN, A history of the Geoigian People. London 1932, 88 —93. 104 In Hocharmenien am gleichnamigen Nebenfluß des obersten Euphrat; vgl. HONIGMANN 64; DERS., RE XIV 1971 f., s. v. Mananalis; CANARD— BERBÉRIAN zu Aristakäs 61, A .l. 105 Aren lag wohl 15 km nordwestlich von Theodosiupolis, auf das der Name des danach verlassenen Aren (Arzan ar-RQm der arabischen Quellen) überging (daher heute Erzurum). Vgl. L e Strange, Eastern Caliphate 117; Honigmann 180; Prudhomme zu Aristakös 79, A. I ; Canard— Berbérian zu Aristakös 67, A.2. — Die wirtschaftliche Blüte von Aren betonen Skylitzes (461,28—30 = Kedrenos 577, 7—10); Attaleiates 148, 13—17; Aristakös 79-67C. 106 Die eingehende Schilderung bei Aristakös von Lastivert (74—79 » 63—67 C) beruht zweifellos auf unmittelbarer Kenntnis der Ereignisse, weshalb auch die Einzelheiten als zutreffend anzusehen sind.Die in elegischer Klage gehaltene Darstellung ist allerdings ohne rechte Verbindung mit dem übrigen Geschehen, wofür die Angaben des Skylitzes heranzuzie­ hen sind. Beide betonen Brand und Massaker; nach Skylitzes sollen 140.000, nach Matt'öos von Urhay 103 V » 12 1 J »68B «84D 160.000 Menschen umgekommen sein; die Beute wurde nach letzerem auf 40 Kamelen fortgeschafft. Daraus erhellt immerhin das außerge­ wöhnliche Ausmaß der Katastrophe.
168 Annenien und al-GazIra Im Anschluß daran wandte sich IbrähTm Inäl gegen die Streitkräfte der Byzantiner, auf deren Seite endlich Liparit mit seinen Truppen eingetrof­ fen war, worauf die vereinigten Heere am Fuß eines Hügels, an dem das Kastell Kaputru lag, Stellung bezogen,07. Kekaumenos wünschte die noch ungeordneten Feinde unverzüglich anzugreifen; diesmal jedoch lehnte Liparit ab, da die Georgier angeblich an einem Samstag — es war wahrscheinlich der Abend des 17. September 1048 — nicht kämpfen woll­ ten. Indessen hatte IbrähTm allerdings den Kam pf bereits eröffnet, so daß auch die Byzantiner die Auseinandersetzung aufnehmen mußten. A uf ihrem rechten Flügel führte Kekaumenos, auf dem linken Aaron Bestes, im Zentrum Liparit; bei den Truppen der Selgüqen stand IbrähTm Inäl dem Kekaumenos gegenüber, während die Namen der beiden anderen Führer nicht mehr erkenntlich sind1 0 7 108. Verlauf und Ergebnis der Schlacht sollten besser nicht an der eingehen­ den Darstellung des Skylitzes abgelesen werden. Das überwiegende Urteil der Quellen widerspricht der bei Skylitzes vorliegenden Tendenz, zu Gun­ sten des Kekaumenos Verlauf und Resultat als unentschieden erscheinen zu lassen. Aus den byzantinischen wie aus den armenischen Berichten wird ersichtlich, daß es den byzantinischen Führern völlig an einheitlichem Zusammenwirken mangelte, was die unerwartete Gefangennahme Liparits durch die selgüqischen Truppen (deren Hauptstoß sich offenbar gegen ihn richtete) nach sich zog. Und selbst bei Skylitzes fehlt es nicht an Einzelhei107 Kaputru bzw. Kontrrpov (Skylitzes 452, 62 [ = Kedrenos 578, 19]) lag in Baaean nahe Ordoru und Ökömi im Bezirk Aijovit; vgl. HONIGMANN 180 mit A. 10; BROSSET, Histoire I 323; vgl. auch o. A.92. 102. — Skylitzes berichtet zuerst, daß sich die Byzantiner vor der Ankunft des Liparit in unzugänglichem Gelände verschanzt hatten, worauf sich 452, 60f. ( = Kedrenos 578, 18) -roü pr,9 tvro; ¿xupúfiamc bezieht, und erwähnt hernach die Ebene am Fuß des bergigen Geländes mit Kaputru. Daraus ergibt sich als wahrscheinlich, daß Kaputru von der Befestigung am Hügel (dem namentlich nicht genannten ¿xúpupa) zu unterscheiden ist; vgl. Shkpaku 276, A.20 gegen Honigmann 180, der beide Örtlichkeiten vermengt, indem er Kaputru auf den Hügel verlegt. 108 Zum Datum der Schlacht vgl. o. A. 99. — Betreffs der Führer bezeichnet Skylitzes 453,75 ( = Kedrenos 579,10) den dem Aaron gegenüberstehenden Selgüqen als Xiopooavtrrj;, wobei die Form des Attaleiates 78,19 XupocaXspt; eine Verstümmelung aus caXâpioç — nach der Glossierung des Attaleiates 277, lf. ein Wüidename — nahegelegt; damit kämen wir etwa auf „Befehlshaber von Huräsän“, der eigentliche Name fehlt. Vgl. Moravcsik II 349. — Zu '\<T7iàpt SeXspioç bei Skylitzes ebd. (dem Liparit gegenüber, angeblich ein Stiefbruder des Ibrähim Inäl) ist wiederum oaXápioi; zu stellen; der „Name“ bedeutet also „Befehlshaber des Heeres“ (pers. sipäh = Heer). Vgl. Moravcsik II 75. Sollte dahinter der von Matt'êos 102V» 1 2 0 J = 6 8 B = 83D als zweiter Anführer der Selgüqen genannte Qutlumuä stehen! Es ist bekannt, daß Qutlumuä bei der Belagerung von Ganga 439 H (beg. 28. Juni 1047) teilnahm (vgl. u. S. 171 mit A. 115), sodaß auch eine Mitwirkung am Feldzug des IbrähTm Inäl von 1048 möglich ist — allerdings bleibt merkwürdig, daß ihn keine weitere Quelle nennt. Vgl. auch Pah EN, Qutlumush 20.
Darstellung te n , die zeigen, daß Ibrfihlm ïnfil das Geschehen bestimmte und als eigentlicher Sieger angesehen werden muß100. Am deutlichsten erhellt diese K onstellation wohl daraus, daß Aaron und Kekaumenos nach der Schlacht unverzüglich in ihre Ausgangspunkte Van bzw. Ani zurückkehrten, woge­ g en Ibrfihlm In&l mit seinem prominenten Gefangenen unbehindert nach 109 Arístakés von Lastivert 81 =69—71 C beschuldigt Aaron, Matt'éos von Urh&y 108V* 127 J = 72B = 8 8 D die Byzantiner insgesamt, Liparit durch Flucht im Stich gelas­ sen zu haben. Demgegenüber behauptet Skylitzes 453, 77—96 ( = Kedrenos 579, 12—580, 1 0 ) (und danach Zonaras 111 639, 12—640, 7) das siegreiche Vordringen der Byzantiner und ihre völlige Überraschung, als Liparit, der — über den Tod seines NefTen von Zorn erfüllt (dieses Faktum wird von Matt'éos bestätigt) — ungestüm vorwärtsstürmte, abgeschnitten wurde und in die Hände der Feinde fiel. Jedoch beweist Arístakés, daß Aaron offensichtlich versagt hat, und selbst aus der für Kekaumenos voreingenommenen Darstellung des Skylitzes zeigt sich, daß Kekaumenos nicht die richtige Strategie angewandt hat, um dem taktisch begründeten Zurückweichen der selgüqischen Truppen zu begegnen. Wenn die byzantinischen Soldaten — laut Skylitzes — bereits Siegeshyranen angestimmt hatten, als die Nachricht von der Gefangennahme Liparits und seiner Begleitung eintraf, ergibt sich, daraus ein sehr bedenklicher Mangel an Koordination unter den byzantinischen Führern. Liparit wurde anscheinend auch die verräterische Haltung eines Teiles der Georgier zum Verhängnis; daß sein Pferd zu Sturz kam — dies auch bei Skylitzes und Arístakés — schreibt Matt'éos einem Georgier zu, der die Kniekehlen des Pferdes durchtrennte. Es ist zu bedenken, daß Liparit und König Bagrat IV. sehr verfeindet waren (vgl. dazu o. A. 103). Auf die Kunde von Liparits Gefangennahme verbrachten Aaron und Kekaumenos — nach Skylitzes — eine schlaflose Nacht, bis sie am Morgen einen Kriegsrat hielten, in dem es als angemessen erachtet wurde, daß Aaron nach Van und Kekaumenos nach Ani zurückkehrten. Dieser Kriegsrat nach dem „Sieg*4 soll wohl nur die Tatsache verschleiern, daß Aaron und Kekaumenos lediglich an raschen Abzug dachten, anstatt den Feind erneut zum Kampf zu stellen. Daher konnte Ibrählm Inäl, der von Skylitzes zuvor in voller Flucht geschildert wird, ungehindert mit den Gefangenen nach Okömi abziehen, das lediglich etwa 20km entfernt lag. Von hier kehrte er nach Rajj ( T z des Skylitzes 453, 5 [ = Kedrenos 580, 14]) zurück; den Weg dorthin mußte er durch das Araxes-Tal oder weiter im Süden entlang des Van-Sees nehmen — ohne daß ihn Kekaumenos oder Aaron daran gehindert hätten. Die Darstellung des Skylitzes — mit dem Ziel, die Schlacht und ihr Ergebnis als ausgeglichen erscheinen zu lassen — birgt also mehrere innere Widersprüche und Unglaub­ würdigkeiten; außerdem wird ihr von den anderen Quellen entscheidend widersprochen. Attaleiates 45, 2—23 ebenso wie Arístakés schildern die Schlacht als eine Niederlage der Byzantiner. Dieselbe Ansicht vertreten Matt'éos von Urhay (der Liparit besonders verherr­ licht; ähnlich hervorhebend Step'anos Orbelean in seiner Geschichte von Siwnik'; vgl. Histoire de la Siounie. tr. M. F. Brosset . Petersburg 1864, 213—215 und in ausgewogener Form die Georgische Chronik (Kartlis c/ovreba 226 B k o s s e t » B r o sset , Histoire 323; Matiane Kartlisa 302 = 51 LORDKIPAXIDZE), die nach langem Schwanken der Auseinander­ setzung einen schließlichen Erfolg der Muslime konstatiert, welche die Byzantiner schlugen und mit vielen anderen Führern Liparit gefangen nahmen. Ähnlich urteilt Ibn al-Atlr IX 546f. (s. a. 440), bei dem (gewisse phantastische Übertreibungen abgerechnet) zudem deutlich wird, daß Tughril Beg froh war, immer mit Unbotmäßigkeit drohende Ghuzz in den Krieg gegen das byzantinische Reich ablenken zu können.
170 Annenien und al-ôazlra Ökömi abzog und dann den Rückmarsch zu Tughril Beg in den Iran antrat"®. Konstantin IX . setzte allen Nachdruck auf die Freilassung Liparits, indem er den Sekretär Aarons, Georgios Drosos, mit wertvollen Geschen­ ken für die Befreiung des georgischen Fürsten zu Tughril Beg entsandte und zugleich das Verlangen nach Waffenstillstand erheben ließ; außerdem ersuchte der Kaiser durch eine Gesandtschaft Nasraddaula b. Marw&n, sich bei Tughril Beg für die Freilassung von Liparit zu verwenden1" . Nasrad­ daula war früher energisch gegen Übergriffe von Seiten der Selgüqen aufgetreten, fand es aber nunmehr für angezeigt, deren Oberhoheit anzuer­ kennen, und war daher im Stande, als Vermittler aufzutreten11*. Sein Emissär Abu 'Abdalläh b. Marwän begab sich zu Tughril Beg, der einerseits tatsächlich, wie die Quellen betonen, von der Persönlichkeit Liparits beeindruckt gewesen sein dürfte; andererseits konnte er Liparit zum Versprechen politischen Wohlverhaltens veranlassen, sodaß er leicht groß­ herzig erscheinen mochte, indem er Liparit sowohl das Lösegeld des Kaisers als auch die Freiheit schenkte"3. Diese Haltung Tughril Begs bewirkte, daß Konstantin IX . die Moschee in Konstantinopel wieder erneuern und auf einige Zeit darin trotz fätimidischen Mißvergnügens das Kanzelgebet für Tughril Begs nominellen Ober-1 0 *3 110 Van ist das "Ißotv bei Skylitzes 453, 95f. ( = Kedrenos 580, 8 f.); vgl. HONIGMANN 181, A. I. Ökömi (KaorpoxcüfAT} des Skylitzes 453, 91 bzw. K«orpox¿(uov bei Kedrenos 580, 3f.) liegt in Basean an einem der Zuflüsse des Araxes, etwa 40 km östlich von Theodosiupolis; vgl. Canard—Berbérian zu Aristakës (2 , A. 2 ; Honigmann 182 mit A. I f. und Karte IV. 111 Zu den Ereignissen um die Freilassung Liparit« vgl. Skylitzes 454, 10—29 ( = Kedre­ nos 580, 20—581, 17); nach ihm Zonaras III 640, 1—15; Attaleiates 45, 7—23; Matt’ëos 108V«127J = 72B = 8 8 D; Aristakës 82-72C ; Vaidan 99f. (Venedig)« 133f (Moskau). Vgl. ferner DöLGER, Regesten 898. Liparit verließ später infolge seiner Streitigkeiten mit Bagrat IV. endgültig Georgien ; er wurde Mönch und starb zwischen 1062 und 1064 in Konstantinopel; vgl. M.BROSSET, Additions et éclaircissements À L’histoire de la Géoigie depuis l’antiquité jusqu'en 1469 de J.-C. Petersburg 1851, 222—227; DERS., Histoire I 323—326; PRUDHOMME zu seiner Aristakës-Übersetzung (Paris 1864) 86 , A. 1 . 1,2 Abwehr eines früheren Einfalles der SelgQqen : Ibn al-Azraq 160f. (doch sicherlich zu früh auf 434 H [beg. 21. August 1042] datiert; vgl. AMEDROZ, Marwänid Dynasty 137). — Naçraddaulas Unterstellung unter Tughril Beg (zum Zeichen dafür ließ er in ganz Dijftr Bala­ das Kanzelgebet für Tughril Beg verrichten): Ibn al-Atlr IX 556f. (s. a. 441); Abu’l-Farag, Chron. Syr. 248 Bruns—K irsch « 206 B udge (ungenau s. a. 442 H). 113 Hier ist Skylitzes gegenüber der anderen Überlieferung, soweit sie eine kostenlose Freilassung behauptet, darin zu folgen, daß Tughril Beg dem Liparit sowohl das Lösegeld des Kaisers als auch die Freiheit gab; vor allem aber bringt Skylitzes statt iigend einer legendarischen Motivation die einzig plausible, daß nämlich Liparit versprach, nicht mehr gegen die Selgüqen zu kämpfen. — Zu den Berichten der einzelnen Quellen vgl. auch Shepard 279, A. 30.
Darstellung 171 herren, den 'abbäsidischen Chalifen al-Qft’im, verrichten ließ. Die Forderung Tughril Bega nach byzantinischer Tributzahlung wurde aus verständlichen politischen Gründen der Form nach zwar zurückgewiesen, dem Inhalt nach aber — unter dem Titel prächtiger Ehrengeschenke — erfüllt"4. Im übrigen braute Konstantin IX . dem Vertragsschluß kaum und ließ angesichts der potentiellen Kriegsgefahr die östlichen Grenzgebiete verstärkt befestigen. Die Auseinandersetzung zwischen Byzanz und den Selgüqen beschränk­ te sich jedoch nicht nur auf Armenien sondern griff auch auf Transkaukasien über. Denn in die Zeit zwischen Herbst 1048 und Herbst 1049 muß nach heutiger Erkenntnis ein byzantinischer Feldzug gegen Ganga (Ganjak) fallen, in dem es nicht nur darum ging, Abu’l-Aswär von Dvin wegen Bruches des Waffenstillstandes zu belangen, sondern vor allem die Selgü­ qen an einer Besetzung des von ihnen bereits belagerten Ganga zu hindern. Die durch Qutlumus befehligten Truppen der Selgüqen wurden durch die vereinigten Byzantiner und Georgier — erstere unter dem Eunuchen und paixTwp Nikephoros, letztere unter Bagrat IV. — zum Abzug gezwungen. Außerdem mußte Abu’l-Aswär den Frieden erneuern und auf den Regenten von Ganga, LaskarT b. Müsä (425 H [beg. 26. November 1033] — 441 H [beg. 5. Juni 1049]), einwirken, daß dieser einen seiner Söhne, Ardaslr, als Geisel stellte. Alles in allem zeigt sich hier ein fur Byzanz viel günstigeres Ergebnis als es auf dem Haupt-Kriegsschauplatz Armenien gegen Tughril Beg erreicht worden w ar"5.1 4 114 Erneuerung der Moschee und Kanzelgebet: Ihn al-Atir; Abu’l-Farag (vgl. A. 1 1 2 ); Abu’l-Fidä' III130. Das Kanzelgebet wurde nur eine Zeitlang für Tughril Beg bzw. al-Q&im ▼errichtet; 447 H (beg. 2. April 1065) erreichte Tughril Beg durch einen Gesandten neuerlich die Nennung des 'Abbäsidenchalifen statt des F&timiden al-Mustanpir: al-Maqrfzf, tjitot I 335. Als Ehrengaben des Kaisers nennt Abu’l-Farag (vgl. A. 1 1 2 ) 1000 seidene und 600 andere Gewebe, 500 Pferde, 300 Esel aus Ägypten und 1000 weiße Ziegen, an Größe fast den Eseln gleich. Der Gesandte Tughril Begs, welcher bei Konstantin IX. die abgelehnte Tributforderung erhob, war ein SarTf (Nachkomme Muhammads) — bei Skylitzes 454, 20 ( —Kedrenos 581, 7) erscheint er als ecpiço« (mit kurioser Erklärung des Namens als Entsprechung für den oùyxcXXoçdes Patriarchen). Da al-QädT ar-Rastd §91 als Tughril Begs Gesandten bei Michael VI. 448 H (beg. 23. März 1056) den S&rtf Näghija b. IsmäH al­ l í asanT nennt, könnte dieser der genannte ccpiçoç sein. Vgl. CAHEN, Diplomatie 13. 1,8 Chronologie und sachliches Verständnis dieser byzantinischen Expedition wurden ▼on V. MiNORSKY auf eine neue Grundlage gestellt. Skylitzes 464,10—27 ( = Kedrenos 593, 6—694,3) läßt seinen Bericht aufdie Darstellung von Tughril Begs Zug nach Armenien ▼. J. 1064 folgen — allerdings greift er in dieser Partie seines Werkes bei der Schilderung der Petechenegenkriege wieder um einige Jahre zurück. Weil Aristakès 96 = 89C unter 504 armen, (beg. 8 . März 1055) ron einem muslimischen Überfall auf Ani spricht, wurde der byzantinische Feldzug daher (vgl. HONIGMANN 182; GROl'SSET 601) als Vergeltung für ein feindliches Vorgehen des (laut Skylitzes zu bestrafenden) Abul-Aswär angesehen. Doch
172 Annenien und al-ûaztta A uf Laâkarî b. MOsfi folgte 441 H (beg. 5. Juni 1049) sein Sohn AnQsirwän, der unter Vormundschaft des Kämmerers (hägib) Abü MansOr stand. Infolge der schwierigen politischen Lage war Abû Mançür bereit, eine Reihe von Grenzfestungen an die nichtmuslimischen Nachbarn abzu­ treten; unter anderem sollten die Byzantiner ar-Rust&q, das heutige Rustavi südöstlich von Tbilisi, erhalten. Dadurch wären die Byzantiner im Stande gewesen, die Verbindung zwischen Ganga und dem damaligen Emirat Tiflis zu unterbrechen. Doch bildete sich gegen diese Konzessions­ politik Abü Mansürs eine Verschwörung, die mit dessen und AnOsirw&ns Sturz sowie der Berufung Abu’l-Aswärs zum Herrscher auch über Ganga endete, nachdem Anüsirwän lediglich zwei Monate regiert h atte"6. zeigt sich ein Hindernis für eine Datierung unter Theodora schon darin, daß Skylitzes als byzantinischen Feldherren den Eunuchen und paixrup Nikephoros nennt und seine Entsen­ dung mit dem besonderen Vertrauen Konstantins IX. zu ihm erklärt. Trotz des chronologi­ schen Irrtums des Skylitzes, der einer Vermengung von Kaputhi (1048) und Mantzikert (1054) entsprungen sein dürfte (so MlNORSKY 61), ist es unwahrscheinlich, daß auch der Name des Kommandanten nicht authentisch sein sollte. Vor allem aber unterscheidet Skylitzes zwischen dem Herren von Dvin, apxuv toG Ttßtou, d.h. Abu'l-Aswär, und dem Herrscher von Ganga, xotT¿px<»v toG KavrÇaxioi». Weil die Vereinigung beider Herrschaften durch Abu’l-A8wär 441 H (beg. 5. Juni 1049) erfolgte (vgl. u. A. 116), ergibt sich mit diesem Jahr der spätest mögliche Zeitpunkt für den Zug des Nikephoros. Schließlich ist der Zusammenhang zwischen dem Unternehmen gegen Dvin und dem Vorgehen der Selgüqen gegen Ganga zu beachten. Dieses wurde von Qutlumus — beginnend mit 439 H (beg. 28. Juni 1047) — eineinhalb Jahre lang belagert (vgl. vor allem al-Azlml s. a. 439; diese Stelle nebst anderen Nachweisen bei MlNORSKY 62 mit A .2; vgl. dazu auch C a h e n , Première pénétration 16 mit A. 1) ; nach der Georgischen Chronik war Ganga bereits dem Fall nahe, als der Entsatz durch Byzantiner und Georgier erfolgte : Kartlis c/ovreba 226 B r o s s e t « B r osset , Histoire 1 323; Matiane Kartlisa 302 K auch CiSv il i * 52 LORDKIPAN1DZE. — Der hier aufscheinende merkwürdige Titel des byzantinischen Feldherm als li/turi „Liktor“ ist wohl als Verstümmelung aus pxixTup zu erklären, und als solcher erscheint Nikephoros bei Skylitzes. Vgl. MlNORSKY a.O. ; zum Titel vgl. o. S. 89, A. 141. Laut Skylitzes traf das vereinte Aufgebot in Persarmenien nur noch auf die Truppen des 'AßipcXex (Abü Mälik), eines Bruders von Qutlumus, der sich heimwärts zurückzog; hierauf schlossen die Verbündeten Abul-Aswär in Dvin ein, verwüsteten die Umgebung und nötigten ihn dadurch, den Frieden zu erneuern. Ferner teilt er mit, Abul-Aswär habe zudem seinen Neffen Artaseiras, Sohn des Phatlum, Herren von Kantzakion, dem Nikephoros als Geisel gestellt (464, 26f. [ = Kedrenos 594, 1]: ’ApraoEÍpav tov utov OaxXoGjA toG oixcíou ¿&CX90G toG tt); KavrÇaxr,v<ov xarâpxovToç yf^), der ihn nach Konstantinopel führte. Wie MINOR4SKY 49 zeigte, handelt es sich bei diesem Artaseiras um ArdasTr, einen der vom zeitgenössischen Panegyriker Qaträn genannten vier Söhne LaskarTs, den Skylitzes entweder mit dem bekannteren Großvater LaskarTs, Fadl(ün), verwechselte (dieser regierte nach MunaggimbäsT 4, 10 von 375 H [beg. 24. Mai 985] bis 422 H [beg. 29. Dezember 1030]), oder aber er hielt OarrXoGfi. für einen Titel der Herrscher von Ganga. Abu’l-Aswär als der damalige Senior des Hauses konnte jedenfalls die Geiselstellung durchaus nahelegen. 114 Diese Ereignisse bei MunaggimbäsT 4,13. Die von außen drohenden Feinde waren die Dido, ein noidostkaukasisches Bergvolk in Daghestan (so deutete MlNORSKY 28f. das bei
Darstellung 173 Da Tughril Beg nach 1049 in mehrfacher Weise im Iran gebunden war, kam es zu einer längeren Pause in den selgflqischen Einfällen nach Armenien. Erst zum Jahre 502 armen, (beg. 8. März 1053) wird die Zerstörung von Kars, der Hauptstadt des kleinen Reiches V anand"7, durch Truppen der Selgflqen — möglicherweise wieder unter Qutlumus — berichtet. Da Kars früher verschont geblieben war, fehlten jegliche Abwehr­ maßnahmen, als die SelgQqen in der Nacht zum Fest Epiphanie, während die Feier der Liturgie im Gange war, die Stadt überrumpelten. Gleich­ wohl mußten sie nach ausgedehnten Metzeleien, Plünderungen und Ver­ wüstungen abziehen, ohne die Zitadelle über der Stadt eingenommen zu haben"8. Im Frühjahr 1054 begann Tughril Beg selbst einen Feldzug nach Armenien, nachdem er den rawwädidischen Herrscher Ädarbaigäns, Abü Mansür Wahsüdän b. Muhammad, sowie Abu’l-Aswär von Ganga zur Anerkennung seiner Oberhoheit genötigt hatte. Im Hinblick auf die eben genannte Ausbreitung der selgüqischen Macht scheint der Vorstoß Tughril Begs das begrenzte Ziel verfolgt zu haben, die gegen das Gebiet der Saddädiden vorspringende byzantinische Grenze zurückzuschieben; fur diesen Charakter seines Zuges spricht auch, daß die von byzantinischer Seite gepflogene Verhandlungsdiplomatie gleichermaßen vor wie nach dem Feldzug Tughril Begs tätig w a r"9.*1 7 MunaggimbäiT korrumpierte , i. e. ), die Abbäzen im Westen sowie Kaxeti im Osten Georgiens und die Byzantiner. Diese alle sollten Abtretungen erhalten; über arRustäq vgl. MlNORSKY 30. Rustavi liegt — von Armenien aus gesehen — jenseits des Mtkvari (bzw. der Kura); die von Skylitzes 464, 20 ( - Kedrenos 693, 13f.) erwähnte „eiserne Brücke“ (aiS^pi y«fupa) dürfte jedoch eher als über die Kura über einen ihrer südlichen Nebenflüsse geführt haben. 117 Kars, wo 962 A&ot III. Bagratuni eine eigene Herrschaft eingerichtet hatte, wurde seit 1029 von Gagik Abas aus einem Seitenzweig der Dynastie regiert; vgl. Canard— B erbêria N zu Aristakes 74, A. 1. Hiezu Aristakes 83f. -74f.C mit der zeitlichen Festlegung zu Beginn des folgenden Kapitels (84 - 75C): „Nach diesen Ereignissen folgte das Jahr 503 unserer Ära.“ Dieses begann am 8 . März 1064, 502 armen, am 8 . März 1053. — Skylitzes 474, 85—475, 12 (»Kedrenos 606, 1—607, 2) erwähnt den Handstreich auf Kars ebenfalls, aber (erstmals erkannt von G froerer III 510f.) mit falscher Chronologie; dazu kommen kuriose Entstel­ lungen über das Zerwürfnis zwischen Qutlumui, den Skylitzes als Eroberer der Stadt nennt, und Tughril Beg. In Wirklichkeit kam es zwischen beiden ein Jahrzehnt später zur Entscheidung; vgl. Cahen, Qutlumush 23. Eine Teilnahme des Qutlumui an dem Zug gegen Kars ist aber möglich, da sie auch von al-AztmT berichtet wird; vgl. Cahen , a. O. 20, A. 28. "• Den Beginn des Armenienzuges setzt Aristakes 84»75C auf Anfang 603 armen, (beg. 8 . März 1054), was mit Ibn al-AtTr IX 598 (446 H [beg. 12. April 1054]) recht gut übereinstimmt. — Wahsüdän regierte 416 H (beg. 4. März 1025) — 451 H (beg. 17. Feber 1059); vgl. MlNORSKY 167f. Zum Zeichen ihrer Unterordnung nannten Wahsüdän und
176 Armenien und al-öazlra Da sich die Byzantiner überall in den Festungen verschanzten u n d nicht daran dachten, Tughril Beg in offenem Gelände entgegenzutreten, wandte sich dieser der Belagerung des in weiter Ebene gelegenen M&ntzikert zu*128. Die Stadt war aber nicht nur dreifach ummauert und während des Sommers mit allem Nötigen versehen worden, sondern besaß zudem in der Person des Patrikios Basileios Apokapes129 einen hervorragenden Befehlshaber. Er verstand es, die Verteidiger mit religiöser und patrioti­ scher Begeisterung zu erfüllen, so daß sie alle Angriffe abschlugen, die vom Feind mit Hilfe von Belagerungsmaschinen und Katapulten versucht wurden. Einen Monat hindurch ließ Tughril Beg jeweils bei Tagesanbruch und am Abend einen Sturm unternehmen, jedoch ohne echten E rfolg; vielleicht war auch Verrat im Spiel. Schließlich verließ er sich mehr auf die Arbeit der Mineure und den Einsatz von Katapulten130. Unterdessen CAHEN, Qutlumush 23. In der Angabe _des Skylitzes, daß Qutlumui mit Mc>x/ (d. i. 'Abdatmalik), Sohn des 'Af&pspio; (Ibrâhîm Inâl) nach Kars geflohen sei, ist wohl ein Reflex darauf zu sehen, daß (so Sibt b. al-CauzT [Par. 1506] 78a) die Söhne des IbrShfm In&l (nachdem ihr Vater als Verbündeter des al-Basäslrl im Aufstand des letzteren sein Leben verloren hatte) am Hof des Qutlumuä blieben. Tatsache wird hingegen die von Skylitzes überlieferte Aktivität des Michael Akoluthos in Chaldia sein. Mit Aristakès stimmt er darin überein, daß byzantinische Truppen — unter denen Skylitzes (474,6 f.) Westeuropäer, resp. Lateiner (Opáy-. ^i) neben Warägern (Bxparr;v.) nennt, Aristakès 88 = 80C offenbar die Waräger (Vrangk') — die Feinde in Chaldia zurückschlugen. Skylitzes gibt dazu den Namen des byzantinischen Führers, und Aristakès nennt den Schauplatz Baberd (am obersten Çoruh, wo er sich nach Osten zurückwendet; vgl. HONIGMANN 54 mit Karte IV; DEES., 181 trennt irrig die Ereignisse in Chaldia und Taik’ von denen in Par/ar und Canet'). Über den eigentlichen Zug Tughril Begs setzt Skylitzes 462, 43—464, 10 ( « Kedrenos 500,7—503,6) erst damit ein, daß Tughril Beg bis ’Oxwjjliwgelangte (so ist seit BROSSET für Któfjuov zu lesen, vgl. HONIGMANN 182, A. If.), d. i. das zwischen Awnik und Du (vgl. o. A. 126) gelegene Ökömi (vgl. o. A. 1 10). 128 Vgl. Skylitzes 462, 51-464, 10 (-Kedrenos 500, 16-603, 5); Aristakès 00— 04-82—86C, Matt'èos 118—122V- 141—145J - 78—81 B -00—102D; Smbat 51— 53-30f.O . Das Hauptquartier Tughril Begs war nach beiden letzteren in K'arglu/ (Mattëos 118V) bzw. K'araglu/; vgl. dazu HONIGMANN 182, A.3. 129 Zu Apokapes bzw. Apuk'ap vgl. o.S.86 , A. 132; S. 145, A.40. Im Jahre 1064/5 war Basileios Apakapes an der unteren Donau gegen die Uzen tätig (Attaleiates 83, 10f.; Skylitzes Cont. 113, 25— 114, 0; Matt'äos 151—153V -182f.J -00f.B -126f.D ) 1077— 1083 war er Statthalter von Edessa, wo er auch gestorben ist (Matt'äos 216. 222f. V - 250f. 268J = 142. 146B- 180f. 186D). Vgl. auch L e m e r l e , Cinq études 50f.; W . S e ib t , Rezen­ sion dazu in: BSl 40 (1070) 53; K aEd a n , Armjane 67ff. 130 Den Verrat betreffend behauptet jedenfalls Aristakès, ein Heerführer aus der Umgebung Tughril Begs habe mittels um einen Pfeil gewickelter Botschaften den Belager­ ten alle Pläne im voraus mitgeteilt. — Vom größten und bedeutendsten Katapult gibt Aristakès 01 f. -8 3 —85C eine ausführliche Beschreibung. Es war nach Matt'äos 1 lOf. V - 142 J -7 0 B - 100D, als Basileios II. 1022 auch gegen Her (Hojj) zog, in Balää zurückgeblieben und offensichtlich in die Hände der Selgüqen geraten. Nach CANARD
Darstellung 177 führten die Dailamiten mit größtem Einsatz den Nahkampf und waren sch on nahe daran, im Osten, wo die Mauern niedriger waren, in die Stadt einzudringen. Der Tod des dailamitischen Führers131 und die Einäscherung d e s Katapultes mit der größten Reichweite132 bestimmten Tughril Beg zu letzt, die Belagerung abzubrechen. Bei seinem Abzug wandte er sich noch gegen Arckë am Van-See, metzelte einen Teil der — im Vertrauen auf die geschützte Insellage — dorthin Geflüchteten nieder, versuchte jedoch nichts gegen die daneben gelegene, als „uneinnehmbar“ geltende Fest­ u n g 188. Als Tughril Beg den Rückmarsch antrat, erweckte er noch den An­ schein, daß er nach Ablauf des Winters 1054/5 wiederkehren würde. Gleichwohl blieb er in Rajj, bis er im Ramad&n 447 H (beg. 24. November 1055) seinen Zug nach Baghd&d unternahm. In diese Zeit fallen verstärkte diplomatische Kontakte Tughril Begs zu Byzanz. Bereits nach seiner (Kommentar sur Aristakös-Stelle) waren die Maschinen der Belagerten nach dem Prinzip einer Armbrust, jene der Angreifer aber mit einem aufschnellenden Wurfann konstruiert. 1,1 Dieser Dailamitenführer erscheint bei Skylitzes 462,64 ( = Kedrenos 591,6) als ’AXxév (d. i. der Fürstentitel B&n) und wird Führer der Chorasmier genannt, welcher den hier dramatisch auf einen Tag zusammengedrangten, von Unterminierung begleiteten Entscheidungsangriff geführt habe. Auch Matt'öos llöf. V * 142J-79B * 100D bietet nicht den eigentlichen Namen, sondern bezeichnet ihn als Oskecam (als „Goldgelockten*'). AristakSs 92 = 85C spricht, wie die neue kritische Ausgabe zeigt, nur von einem „Führer der Dailamiten" (vgl. Canard— B erbérian z . St.); P rudhomme S.99 schrieb noch Ortihnfe und verstand Qutlumuft darunter. Auf diesen Anführer bezieht sich vielleicht Sibt b. al-GauzT (Hs. Par. 1506) 99b über den Tod eines der Söhne Tughril Begs; dessen Frau war eine Qwfirizmierin (vgl. Skylitzes: Führer der Chorasmier). Vgl. Cahen, Première penetration 17,A. 1. Ober seinen Tod weichen die Angaben untereinander ab; laut Skylitzes wurde er beim Versuch, die Mauern mittels fahrbarer Schutzschilder untergraben zu lassen, lebend gefan­ gen und danach enthauptet; nach Matt'öos verlor er infolge einer Gegengrabung sein Leben, und Tughril Beg habe erst nach diesem Unglücksfall das riesige Katapult herbeischaffen lassen ; oder — so Aristakös — war das Katapult vorne mit Schutzd&chem versehen, und er fiel beim Versuch, mit seinen Kriegern über eine von diesem geschlagene Bresche in die Stadt einzudringen. Diese Version scheint mit Skylitzes (der zwar das Katapult nicht erw&hnt) besser vereinbar. m Die Verbrennung erfolgte mittels Naphta, d.h. wohl durch das „griechische Feuer"; vgl. dazu J. R. P artington, A history of Greek Fire and Gunpowder. Cambridge 1960,19—^ 21. 28—31 ; J. Haldon—M. B yrne , A possible solution to the problem of Greek fire. BZ 70 (1977) 91 ff. ; H. R. E llis D avidson, The secret weapon of Byzantium. BZ 66 (1973) 61 ff. — Nach Matt'êos a. O. geschah dies durch einen „Franken" ; Aristakês bezeichnet ihn bloß als byzantinischen Soldaten. 188 Vgl. Aristakös 94-87C ; der Name der Festung war wohl 'Apxcpaßou; vgl. V.LAU­ RENT, Sceau inédit de Christophore stratège d’Artziké. BO 30 (1931 ) 452—465; HONIGMANN 206.
178 Armenien und al-G&zIra Machtergreifung in Baghdad wurde einem Gesandten Tughril Begs gemäß dem Wunsch seines Herren gestattet, in der Moschee von Konstantinopel das Gebet im Namen des 'Abb&sidenchalifen al-Qäun zu verrichten, un­ geachtet der fötimidischen Entrüstung134. Forderungen nach Gebietskom­ pensationen lehnte Theodora ab, sie leistete aber de facto den verlangten Tribut unter der Bezeichnung von „Ehrengaben“ 135. Der Vorstoß Tughril Begs nach Armenien hatte trotz begrenzter Ziele genügt, die byzantinische Stellung im Osten merklich zu erschüttern. Konstantin IX ., der ansonsten allen bedeutenderen Persönlichkeiten we­ nig vertraute, sah sich — wohl gegen Ende 1054 — genötigt, kriegserprob­ te Streitkräfte vom Balkan unter Nikephoros Bryennios nach Osten zu verlegen und den dortigen Oberbefehl an Isaakios Komnenos (den späteren Kaiser) zu übertragen. Theodora, die — wie die versuchte Usurpation des Bryennios nach ihrer Regierungsübemahme (8. Januar 1055) zeigte — einen übermächtigen Einfluß der Militärs zu furchten hatte, berief daher Isaakios Komnenos ab und beauftragte den Eunuchen Theodoras mit der Abwehr der feindlichen E infalle136. Noch unter Theodora, 504 armen, (beg. 134 Tughril Begs angekündigte Rückkehr: Ibn al-Atîr IX 599 (s. a. 446). Seine Gesandt­ schaft in Konstantinopel : al-MaqrlzT, bitat I 335, welcher zurar das Frauenregiment in Byzanz erwähnt und weiters sagt, daß der Gesandte aus dem Iraq kam. Damit ergibt sich ein Zeitpunkt nach Dezember 1055. 135 Vgl. Aristakës 96 = 8 8 f.C zu 504 armen, (beg. 8 . März 1055); die byzantinische Gesandtschaft, welche ran Tughril Beg sehr freundlich aufgenommen wurde, überbrachte ihm als „Ehrengaben4* Pferde, weiße Maultiere, Silber und purpurne Gewänder. Abu’l-Farag, Chron. Syr. 249 f. Bruns—K irsch = 207 B udge bezeichnet dies als Tribut, den Theodora zwecks Frieden geleistet habe (der Sache nach wohl zutrefTend; vgl. die ähnliche Konstella­ tion i. J. 1049, o. S. 171 mit A. 114). Vgl. auch DOLGER, Regesten 929; zur Lage vgl. CAHEN, Première pénétration I7f.; DERS., Diplomatie 12; s. auch o.S. 121, A .226. 130 Zu Isaak Komnenos vgl. Skylitzes 479, 4— 8 ( = Kedrenos 611, 1—6 ); er wird als 0 TpaT07ccSápxv¡t bezeichnet, was daraufhinzudeuten scheint, daß Konstantin IX. der Ernen­ nung eines Domestikos der Scholen des Ostens ausgewichen ist. Der arpaToiccSàpxqç besaß, wenn es keinen Domestikos der Scholen des Ostens gab, dieselbe Befehlsgewalt, war jedoch dem Ansehen nach etwas geringer. Es ist bezeichnend, daß sich Konstantin IX. auch zu diesem Schritt erst entschloß, als die Ereignisse im Osten einen so bedenklichen Verlauf genommen hatten. — Das Kommando des Michael Akoluthos scheint regional begrenzt gewesen zu sein ; vgl. auch o. A. 124. Zur Verlegung der Motxcftovixai ftuvatfuic unter Bryennios in den Osten vgl. Skylitzes 484, 23—25 ( = Kedrenos 616, 3—5). Dazu erklärt er 479, 8— 13 (»Kedrenos 611, 6 — 1 1 ), es habe unter den Türken die Sage bestanden, es sei vom Schicksal vorherbestimmt, daß sie nur von einer ebensolchen Kriegsmacht wie der Alexanders des Makedonen bezwungen werden könnten. Hiebei ist zu beachten, daß diese Truppenverschiebung in Anbetracht der Verhält­ nisse nicht so außergewöhnlich war, wie es aus Skylitzes scheinen könnte. Zuvor waren 1647 gegen Tomikios und 1050 gegen die Petschenegen bedeutende Streitkräfte nach Westen
Darstellung 179 8 . Marz 1055) ereignete sich ein muslimischer Überfall auf Ani, der entwe­ d e r Abu’l-Aswfir von Ganga oder den Selgfiqen zuzuschreiben ist. Im gleichen Jahre verlor der Statthalter von Tarön, Theodoras (Sohn des A aron), gegen einfallende Kräfte der SelgQqen sein Leben137. Zwar kam es bis zu Tughril Begs Tod nicht mehr zu einem großen K on flikt; die Einfalle auf byzantinisches Gebiet dauerten aber fort, wobei d ie Leidtragenden dieses Zustandes zwischen Krieg und Frieden die Armenier waren. Das flache Land stand weitgehend schutzlos den feind­ lichen Vorstößen offen, gegen welche die Byzantiner, deren Kontrolle sich auf die befestigten Städte beschränkte, nur von Fall zu Fall vorgingen. Die Auseinandersetzung mit den Invasoren des Ostens, deren Streifzü­ ge unter Tughril Begs Nachfolger Alp Arslan (1063— 1072) zu regelrechten Kriegsuntemehmungen wurden, gibt der Zeit zwischen der Machtübernah­ me der Selgüqen in Baghdäd und dem entscheidenden Aufeinandertreffen bei Mantzikert ihr Gepräge. Diese Ereignisse sind hier nicht mehr zu verfolgen; lediglich ein kurzer Ausblick mag das Gesagte etwas verdeut­ lichen l38. verlegt worden (vgl. o. S. 117 mit A. 215; S. 161 mit A. 88) ; jetzt erzwangen die Verhältnisse im Osten den umgekehrten Voigang, wozu vielleicht — unter dem Eindruck des TomikiosAufstandes — das Bestreben trat, die Makedonen nicht ausschließlich in Europa zu verwenden (so Gfroerer III 512f.). Hinter der legendarischen Einkleidung, die Selgüqen hätten lediglich die Makedonen gefürchtet, könnte der Einfluß einer Kampagne sichtbar werden, in welcher der Kreis um Bryennios danach strebte, diesem als einem Ntoç*AXi£av$poç die Berechtigung auf den Thron zuzusprechen (Hinweis von W. SEIHT). Nach Konstantins IX. Tod (7. oder 8. Januar 1055: SCHREINER, Kleinchroniken I I 148) fand der Usurpationsversuch des Bryennios durch Theodoros als neuen Domestikos des Ostens jedoch ein schnelles Ende (Skylitzes 479, 2—480, 30 [ » Kedrenos 610, 23—612 , 2]) ; zu letzterem vgl. SEIHT, Bleisiegel, Nr. 49. — Das Siegel des Romanos Skieros als fspócftpo;, orpaTOKcSàpxTjç ttjç 'AvaxoXTjç xat AooÇ 'Avnoxciaç wird jetzt eher in die Zeit nach der Machtergreifung von Isaak I. Komnenos datiert; vgl. Seiht, Skleroi 82fl*, und o. S. 120, A. 224. 137 Beim Angriff auf Ani schwankt Aristakös 96«89C selbst bezüglich der Herkunft der Feinde. Es besteht keine Wechselwirkung mit dem Unternehmen des Nikephoros; vgl. o. A. 115. Theodoros Aaron hatte eine turkmenische Schar, die sich mit ihren Führern überworfen hatte, in seine Dienste genommen, worauf sie das den Marwäniden zugehörige Gebiet von Xlat* angriflen. Als Theodoros die Auslieferung der Rebellen verweigerte, kam es zum Kampf zwischen ihm und anderen Truppen der Selgüqen, wobei Theodoros schwer verwun­ det wurde und bald hernach starb. Vgl. Aristakös 96f. - 89Í.C; zu Xlat* vgl. auch u. S. 180 mit A. 139. 138 Für den Zeitraum 1055—1071 vgl. die Übersichten bei CAHEN, Première pénétration 1 & -4 7 ; ders., Pre-Ottoman Turkey 23—29. 66—72. 442; Grouhset 601—630; HONlGMANN 183—190 (dort auch die einschlägige Literatur).
180 Armenien und t l-O u t o Der bereits erwähnte Einfall selgflqischer Kräfte, gegen die der S ta tt­ halter von Tarön, Theodores, tunkam, steht vielleicht im Zusammenhang mit den Umtrieben des Samuch, den Tughril Beg bei seinem Rückzug m it 3000 Mann zu Zwecken der Plünderung zurückgelassen hatte. Als v ie le byzantinische Truppen des Ostens abgezogen worden waren, um u n ter Katakalon Kekaumenos für die Erhebung von Isaak Komnenos gegen Michael VI. zu kämpfen, schloß sich 1057 dem Samuch der normannische Söldnerfuhrer Erbebios an, welcher sich jedoch bald mit den Turkmenen überwarf und Samuch nach Xlat* abdrängte, wo Samuch auf Befehl d e s Marwäniden Nasraddaula gefangen genommen und nach Byzanz geschickt wurde. Noch während des Bürgerkrieges zwischen Michael VI. und Isaak Komnenos entstand 1057 ein Konflikt, in dem Iwanë, der Sohn Liparits, gegen den Statthalter von Ani die Turkmenen zu Hilfe rief, welche in Armenien plünderten. Im selben Jahr drang eine weitere Streifschar ein, die vor allem Melitene schwer in Mitleidenschaft zog, bis 1058 überwinter­ te, und erst von den kriegerischen Sanäsuna (Sasun) Südarmeniens in Tarön dezimiert wurde139. Unter der antimilitärischen Regierung von Konstantin X . Dukas (1059— 1067) rächte sich die weitgehende Vernachlässigung der Ostgrenze durch andauernde Vorstöße der Turkmenen nach Iberia, Mesopotamia und Vaspurakan. Mit Tughril Begs Tod (1063) kam der vorgebliche Friede zwischen dem byzantinischen Reich und den Selgüqen auch offiziell zur Aufkündigung, und 1064 führte sein Nachfolger Alp Arslan den großen iberischen Feldzug, wobei Ani und die seinerzeit Abu’l-Aswär im Araxesgebiet abgenommenen Festungen für Byzanz verloren gingen. Demgegenüber blieb die Abtretung von Kars (Vanand) durch den letzten König Gagik Abas an Byzanz von untergeordneter Bedeutung. Außerhalb Armeniens wurde in Mesopotamien Edessa wiederholt angegriffen, ebenso erging es Tlxum und Suwaidä’ 140. '* Zu Theodoros vgl. o. A. 137; nach seinem Tode wüteten die Feinde in Hark’ (einem Bezirk von Turuheran, nordwestlich vom Van-8 ee; vgl. CANARD—B erb ÉRIAN zu Ariatakes 6 , A. 4; HONIGMANN 151 mit A. 6 ), bis viele von ihnen auf dem Rückweg im Eis des Ananias ertranken: Aristakes 96f. = 89f.C. — Samuch: Skylitzes 484, 23—486,95 ( = Kedrenos 616, 2—619, 11); auch Aristakes 102 - 93C wird seine Einfälle vor Augen haben, die bis unter Konstantin X. fortdauerten. Nasraddaula ist der ’Aicováoop bei Skylitzes 486, 84 ( ■ Kedre­ nos 618, 23). — Iwanë und die Turkmenen : Aristakes 106—108 = 96—100C; der weitere Vorstoß (Melitene usw.): Aristakes 116—118=105—107C; Matt'Sos 128—131 V = 163— 156 J = 84—86 B= 107—109 D; Abu’l-Farag, Chron. Syr. 257f. B runs—KIRSCH=212f. B udge , 8mbat54f.V = 32G. 140 Zu den Einfällen vgl. etwa 8 kylitzes Cont. 112, 17—113, 24; Matt’Sos 141 f. V= 169f. J = 03B = 1 I8 D (Angriff 1062/3 auf Tlxum; dieses liegt ndrdlich von Amid;
Darstellung 181 Zur Regierungszeit Romanos’ IV. (1068— 1071) erstreckten sich die feindlichen Vorstöße bereits bis tief nach Kleinasien. Während seines syrischen Feldzuges 1068/9 wurde Amorion überfallen, und als er in Armenien operierte, ereignete sich ein turkmenischer Einfall über Lykaonien (Ikonion) nach Kilikien. Nachdem Edessa neuerlich Ziel von Angriffen geworden war, marschierte Alp Arslan selbst 1071 vor Halab; als er aber erfuhr, daß Romanos IV. sich nach Armenien gewandt hatte, folgte er ihm dorthin, wo es am 26. August dieses Jahres zur entscheidenden Niederlage der Byzantiner bei Mantzikert kam; damit ging ihnen ganz Armenien fur immer verloren*141. vgl. Honigmann 186, A.7; vgl. ouch o. A.47); Smbat 5 7 f. V « 34f.0 (Tlxum); Matt'Sos 156—1 5 9 V -187—191J - 102—1 0 4 B -130—133D (Tlxum, Suwaidt'und Edeosa 1066/6); Smbat 62f. V -37Í.G (daos.); Matféos 186—189V-224—2 2 7 J -I23Í.B-157—159D (Wiederholung 1066/7) , Smbat 67—69V-41 f. G (daos.). Alp Arslan vereinte die Besitzungen von Caghri Beg und Tughril Beg; sein Konkurrent Qutlumui war ausgeschaltet. Vgl. CAHEN, Première pénétration 21 ff.; vgl. auch o. A. 127. — Zum iberischen Feldzug: M.Canard , La campagne arménienne du sultan salgOqide Alp Arelan et la prise d’Ani en 1064. REA 2 (1965) 238—259. 141 Vgl. z. J. 1067 gegen Kaisareia und Melitone: Attaleiates 93, 6—94, 13; Skylitres Cont. 119, 6 —120,9; z. J. 1068 gegen Neokaisareia und Amorion: Attaleiates 105,10; 121, 13—122, 12; Skytitees Cont. 126, 24— 127, I; 133, 7—17; z.J. 1069 gegen Ikonion: Attaleiates 136,1 ; Skylitees Cont. 137,18—22. Zum syrischen Feldzug vgl. Attaleiates 104, 20—138, 17; Skylitzes Cont. 126, 4— 139, 6 ; Übersicht bei HONIOMANN 119—121. Alp Arelan vor Halab: vgl. o. S. 123 mit A.229. — Mantzikert: C.CAHEN, La campagne de Mantzikert d’après les sources musulmanes. Byz 9 (1934) 628—642.

TE IL III UNTERITALIEN, SIZILIEN, ÄGÄISCHES MEER

ZEITTAFEL 998 Regierungsunfahigkeit des kalbitischen Emirs von Sizilien, Abu’l-Futüh Jüsuf; sein Sohn Ga'far Regent. 999 (Wahrscheinlicher) Angriff der Muslime auf Salerno; abgewehrt unter Mitwirkung der erstmals in Unteri­ talien auftretenden Normannen. 1002 Fehlschlag der Belagerung Baris durch die Muslime auf Grund des Entsatzes von Seiten des venetianischen Dogen Petrus II. Orseolus. 1002? Streifzüge der Muslime gegen Asculum, Benevent, Capua und Neapel. Belagerung von Montescaglioso (Mona Caveosus) im G olf von Tarent. 1003 1007 Erneuter muslimischer Vorstoß gegen Capua. 1009 Ausbruch des apulischen Aufstandes unter Melo gegen die Byzantiner, vermutlich mit muslimischer Unterstützung. Niederwerfung des Melo-Aufstandes durch den by­ zantinischen Katepano von Italien, Basileios Mesardonites. 1011 1014/5 Fehlschlag eines Aufstandes gegen den Regenten Ga'far auf Sizilien; infolge ethnischer Gegensätze innerhalb der Muslime Reduktion der Heeresstärke. 1016 Belagerung Salemos durch die Muslime; ihre Abwehr vermutlich mit Hilfe der nunmehr zahlreicher in Un­ teritalien erscheinenden Normannen. 1017 — 18 Krieg Melos (mit Unterstützung der Normannen) gegen die Byzantiner endet mit einem durchgreifen­ den Erfolg des Katepano Basileios Boioannes. Mögli­ cherweise auch diesmal Verbindungen Melos zu den Muslimen. Digitized by Google O riginal from UNIVERSITY OF MICHIGAN
186 Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer 1019 Sturz des sizilischen Regenten Ga'far wegen sein er Steuerpolitik; sein Bruder al-Akhal wird Regent und nach Ga'fars und Jfisufs Exilierung Alleinherrscher. Wiederaufnahme des gihäd gegen Unteritalien. Vorstoß der Muslime unter dem vermutlichen A pu lier Rayca nach Calabrien, wohl im Zusammenwirken m it al-Akhal. Streifzug Raycas im Bündnis mit al-Akhal gegen B ari und Palagianum. Der Plan Basileios’ II. zur Vertreibung der Muslime aus Sizilien gelangt durch den Tod des Kaisers n ich t zur Ausführung. Nur erste Abteilungen landen ver­ mutlich in Sizilien. Vernichtung einer Entsatzflotte der nordafrikani­ schen ZlrTden für Sizilien durch Sturm bei Pantelleria. 1020 1023 1025 1026 1027(28?) 1028(29?) 1029 1032 1032 1033 1034 1034/5 1034/5 1035 Streifzug wohl ztrTdischer Korsaren gegen die Kykla­ den. Niederlage des Katepano Christophoros Burgaris gegen die Muslime bei Reggio. Vorstoß Raycas im Bündnis mit al-Akhal gegen Obbianum, dann vor Bari. Invasion der Muslime gegen Cassanum in Calabrien ; nachfolgend Tod des Katepano Pothos Argyros bei deren Abwehr. Streifzug wohl zlrldischer und kalbitischer Korsaren an der illyrischen Küste; Verwüstung von Kerkyra; ihre Vernichtung durch Nikephoros Karantenos mit Hilfe von Ragusa. Dezimierung weiterer Korsaren durch Karantenos. Plünderung von Myra, dann der Kykladen durch zlrTdische Korsaren. Waffenstillstand zwischen dem ZMden al-Mu’izz und dem byzantinischen Reich. Bündnis des sizilischen Emirs al-Akhal mit Byzanz (innere Konflikte in Sizilien aus ethnischen und steuerpolitischen Gründen). Plünderung der Kykladen und der Küste von Thrakesion durch zlrTdische und kalbitische Korsaren; ihre Vernichtung durch den Strategen der Kibyrrhaioten, Kon8tantino8 Chage.
Zeittafel 1 0 3 5 /6 1036/7 1037 1037 (?) 1038 1039 1040 1040 1039— 40 1040 1042 Frühjahr 1042 1042 187 Ausbruch des Bürgerkrieges in Sizilien; al-Akhals Bruder Abfl Hafs von al-Mu'izz durch Entsendung eines Expeditionskorps unter 'Abdall&h b. al-Mu'izz unterstützt. Völlige Niederlage al-Akhals, der den Katepano Konstantinos Opos um Hilfe anruft. Dessen Feldzug in Sizilien fuhrt zu keinem Ergebnis. Ermordung al-Akhals durch Parteigänger der ZlrTden; 'Abdalläh b. al-Mu'izz bemächtigt sich ganz Siziliens. Byzantinischer Feldzug unter Georgios Maniakes mit namhafter normannischer Beteiligung; schwere Nie­ derlage 'Abdallähs bei Rhemata; Belagerung von Sy­ rakus. Aufstellung einer neuen Armee durch 'Abdalläh b. alMu'izz. Nochmalige entscheidende Niederlage 'Abdallähs bei Traina; infolge seines Entkommens Konflikt zwi­ schen Maniakes und dem Flottenkommandanten Ste­ phanos. Als Folge Abberufung von Maniakes. — Fall von Syrakus. Abfall der Sizilier von 'Abdalläh b. al-Mu'izz; nach Ausbruch von Kämpfen dessen Rückkehr nach Afri­ ka. Entstehung mehrerer de facto unabhängiger Herr­ schaften auf Sizilien ; Erhebung von al-Akhals Bruder §amsäm zum nominellen Emir. Apulischer Aufstand, der infolge Eingreifens der Nor­ mannen den Anfang des Verlustes Unteritaliens durch Byzanz darstellt. Abzug aller verfügbaren Truppen aus Sizilien. Flucht von Stephanos und Maniakes’ Nachfolger Pediadites nach Unteritalien. Erfolgreiche Verteidigung des letzten byzantinischen Stützpunktes Messina gegen die Muslime durch Katakalon Kekaumenos. Neuerliche Betrauung von Maniakes mit dem Oberbe­ fehl; in der Folge seine Erhebung gegen die Regie­ rung Konstantins IX . Verlust Messinas; Ende der byzantinischen Präsenz in Sizilien.

Die fur Unteritalien seit dem späten 0. Jh. kennzeichnende Teilung in einen langobardischen und einen byzantinischen Bereich dauerte auch nach der Unterwerfung des Langobardenreiches durch Karl den Großen (774) fort, weil im Süden der Halbinsel das langobardische Herzogtum Benevent bestehen blieb (welches um die Mitte des 9.Jh. durch Abspaltung von Salerno und Capua zu selbständigen Herrschaften verkleinert wurde). Das byzantinische Unteritalien schloß neben Apulien und Calabrien de iure auch die campanischen Seestädte ein, die den Dukat von Neapel bildeten. Dieser war unter selbst gewählten Soüxcç seit dem späteren 8. Jh. autonom, und in der Folge gliederten sich Amalfi und Gaëta unter eigenen Magistraten aus. Der byzantinische Herrschaftsbereich im engeren Sinne umfaßte daher Calabrien und Apulien, d. h. die damaligen Dukate Kalabria und Otranto, die mit dem Dukat von Neapel zum Thema Sikelia zählten (das schon zwischen 687 und 696 durch Iustinian II. geschaffen worden war). Von nachhaltiger Bedeutung für Süditalien wurden die Vorstöße der Muslime (d.h. Araber und Berber). Ursprünglich von den Langobarden infolge deren innerer Streitigkeiten wechselseitig zu Hilfe gerufen, hatten die Muslime seit 840 in Tarent, Bari und Calabrien Fuß gefaßt und führten von weiteren Stützpunkten an der Küste ihre Streifzüge bis weit nach Norden; einen festen Rückhalt besaßen sie in Sizilien, dessen Eroberung die nordafrikanischen Aghlabiden 827 begonnen hatten. Die Vertreibung der Muslime vom italischen Festland war zunächst das Verdienst des italischen Karolingers Ludwig II. (855— 875) und dann — an dessen Tätigkeit anknüpfend — des byzantinischen Kaisers Basileios I. (867— 886), unter dem 876 Bari, 880 Tarent, und bald danach Calabrien dem byzantinischen Reich wiedeigewonnen wurden1. 1 Grundlegende Darstellung der Wirksamkeit des Islams auf die Geschichte Unterita­ liens und Siziliens bis in das spätere 9. Jh. bei Amari, Storia I (passim) und II 1—230, feiner in den betreffenden Abschnitten bei Vasiliev—CANARD; vgl. auch J. B. BURY, Eastern Roman Empire 902—807. London 1912, 294—316; A. V ogt, Basile I**. Paris 1908, 318—331. Einführende Übersicht: R. PANETTA, I Saraceni in Italia. Mailand *1973,11—25 (bis 827); 27— 153 (bis 880). Thema Sikelia: N. OlKONOMlDÊS, Une liste arabe des stratèges byzantins du VII* siècle et les origines du thème de Sicile. RSBN 1 (1964) 121— 130. Dukat von Neapel, Herzogtum Benevent: FALKENHAUSEN '9— 16; *10—18; Gay 16—24. 62—64. 67— 69. Die Dukate Kalabria (etwa Mitte 7. Jh. begründet) und Otranto (kurz nach Mitte 8. Jh. begründet, spiter offenbar zu Kalabria) : Überblick bei Falkenhausbn '5—9; *6—10.
190 Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer Diese militärischen Erfolge leiteten eine Zeit politischer Reorganisa­ tion ein. Etwa zwischen 886 und 891 wurde das Thema Longobardia (m it dem Zentrum Bari) durch Leon V I. (886—912) eingerichtet, nachdem e s möglicherweise zuvor mit Kephallenia verbunden gewesen war2. Kalabria, ursprünglich ein Dukat des Themas Sikelia, wurde nach dem völligen Verlust Siziliens an die Aghlabiden (902) bisweilen mit dem Namen dieses Themas bezeichnet. Ein eigenes Thema Kalabria muß zwischen 938 und 956 geschaffen worden sein, wobei das Thema Sikelia möglicherweise noch fortbestand oder unter Nikephoros II. Phokas wieder begründet wurde, jedoch mit seinem mißlungenen Plan einer Rückeroberung der Insel (964— 5) verschwand3. Im Zusammenhang mit dem verstärkten Interesse dieses Kaisers auch am Westen ist die Einrichtung des Kommandos eines xarotávcd ’IraXiaç zu sehen, wofür erstmals 970 ein urkundlicher Beleg erscheint4. Entweder sollte durch Zusammenfassung der Themen Longobardia und Kalabria eine organisatorische Straffung und Stärkung bewirkt werden (so die traditio­ nelle Ansicht), oder, wenn — nach neuerdings vertretener Auffassung — der Katepano (abgesehen von besonderen Krisenzeiten) lediglich in Longo­ bardia das Kommando führte, hätte die Schaffung des Katepanats ur­ sprünglich einer Art Erneuerung des (751 durch die Langobarden unterge­ gangenen) Exarchats von Italien dienen sollen, ohne daß dies nach dem Fehlschlag in Sizilien und der Ermordung von Nikephoros II. Phokas verwirklicht wurde5. * N. O ik onom idês , Constantin VII Porphyrogénète et les thèmes de Céphalonie et de Longobardie. REB 23 (1966) 118—123; F a l k e n h a u s e n '21—23; *23—26 (Gründung auf 891/2 präzisiert); G a y 170—175. These der Abhängigkeit von Kephallenia : O ik o n o m id ês , a.O. I22f.; FALKENHAUSEN '24; *26f. * F a l k e n h a u se n '28f.; *30f. ; G a y I67f. Für das spätere lO.Jh. weisen auf ein separates Thema Kalabria als Neugründung neben dem (noch) bestehenden Sikelia die im Taktikon des Escorial 266, 29 u. 31 (O ik o n o m id ês ) genannten Strategen von Sikelia und Kalabria. 4 Erste Erwähnung in einer Tarentiner Urkunde: Trinchera 5f., Nr.7. —Zum Begriff Katepano vgl. o. S. 67, A.71. 5 Für einen vereinigten Kommandobereich Gay 343—348; so auch ObTROGORSKY 261 ; für die Identität desselben mit Longobardia L.-R. MÉNAGER, Les actes Latins de S. Maria di Messina. Palermo 1963, 28—30; FALKENHAUSEN '46—49; *48—61. — Nikephoros II. und Sizilien: AMAR!, Storia II 293—313; G.SCHLUMBERGER, Un empereur byzantin au X* siècle — Nicéphore Phocas. Paris 1890, 435—469. — Für eine übergeordnet gedachte Stellung des Katepano spricht die Tatsache, daß im Taktikon des Escorial 263, 32 (OIKONOMIDÊS) der xaTcitàv« ’ItoXúk; genannt ist; 265,29—31 folgen dann die Strategen von Sikelia, Longobardia (dieser verschwindet später, vgl. FALKENHAUSEN '49; *60) und Kalabria.
Darstellung 191 B&8ileios II. war durch die Kriege gegen die Usurpatoren Bardas Skieros und Bardas Phokas sowie durch die bulgarischen Feldzüge und die östlichen Angelegenheiten des Reiches die längste Zeit davon abgehalten, sich dem Westen zuzuwenden. Er griff daher auch nicht in den Feldzug O tto s II. gegen die nach Calabrien einfallenden sizilischen Muslime (982) e in , sodaß die Lage durch periodische Einfalle der sizilischen Muslime gegen das Festland gekennzeichnet blieb. In Sizilien, das zum Herrschaftsbereich der nordafrikanischen Aghlabiden gehörte, hatten die Fätimiden nach deren Sturz (909) gleichfalls die M acht an sich gerissen. Der dritte Fätimidenchalif al-Mansür (946—953) übertrug 948 die Statthalterschaft Siziliens an al-Hasan b. Abi’l-Husain alKalbT (948—965), der die de facto unabhängige Dynastie der Kalbiten begründen konnte, deren fätimidische Protektoren nach der Gewinnung Ägyptens (969) ja auch in Nordwestafrika, das sie den ZirTden übertragen hatten (972), nur noch eine mittelbare Oberherrschaft ausübten. Von alHasans Nachfolgern ist Abu’l-Qäsim (970—982) dadurch bekannt gewor­ den, daß er Otto II. auf dessen Zug nach Unteritalien entgegentrat. Wenn auch Ottos Unternehmen schließlich mit einer schweren Niederlage endete, so mußten die Muslime doch den Tod Abu’l-Qäsims beklagen und vermoch­ ten sich überdies nicht auf dem Festland zu behaupten, das von ihnen erst nach einigen Jahren wieder episodisch heimgesucht wurde4. An dieser Stelle sei betont, daß bei aller scheinbaren Dominanz der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Sizilien und Unteritalien (wor­ auf die stetig erneuerten muslimischen Einfälle hindeuten könnten) un­ zweifelhafte Anhaltspunkte gleichwohl auf lebhafte wirtschaftliche Bezie­ hungen der beiden Seiten im 10. und früheren 11. Jahrhundert hinweisen. Verbindungen der sizilischen Kirche zum festländischen Christentum blie­ ben übrigens gerade infolge der gedrückten Lage der sizilischen Christen bewahrt4*.6 * Anfänge der Kalbiten: A mari, Storia II 231—247. 269—313. Das von einigen okzidentalen Quellen behauptete Bündnis zwischen Abu'l-QSsim und Byzanz gegen Otto II. ist bestimmt unhistorisch; vgl. Gay 335—342; AMARI, Storia II 364—385. — Muslimische Einfalle nach Ottos II. Rückzug: AMARI, Storia II 394—396; Gay 366—368; EICKHOFF 372—374. 6* Der Geograph Ihn Hauqal berichtet (Abfassungszeit 977) von Handelsverbindungen zwischen Sizilien und Neapel, Salerno und Amalfi (vgl. AMARI, Biblioteca 10). Bezeichnend ist ferner, dsß der Bizilische rubäl (Goldmünze; 4 rubftl entsprachen einem byzantinischen Solidus) unter der Bezeichnung tari seit dem Anfang des 10. Jh. in lateinischen Urkunden vornehmlich aus Neapel häufiger zur Angabe des Kaufpreises verwendet wurde als der byzantinische Solidus; auch für das 1 1 . Jh. gibt es Belege. Christliche Nachprägung dieser Münze ist in Salerno nach der Mitte des 1 1 . Jh. bezeugt und beweist, wie sehr sie sich für Handelszwecke empfahl. Vgl. Amari, Storia I I514f. ; 523—626. — Zur religiösen Seite: Das
192 Untoritalien, Sizilien, Agâiacbea Meer Die Höhe der kalbitischen Herrschaft in Sizilien wurde unter A bu 'lFutflh JOsuf (379 H [beg. 11. April 989]—388 H [beg. 3. Januar 998]) erreicht; als dieser — nach einem Schlaganfall linksseitig gelähmt — seinen Sohn Gafar mit der Regentschaft betrauen mußte, bedeutete dies keines­ falls ein Nachlassen der äußeren Aktivitäten. Die Vorstöße gegen d as Festland61* kulminierten vielmehr in der Belagerung Baris von der Landund Seeseite her im Jahre 1002*78 . Ihr Führer war ein Renegat, vermutlich jener Lukas, der seit einiger Zeit das Gebiet von Tricarico an der Grenze Lucaniens und Apuliens von der Festung Pietrapertosa aus verwüstet hatte6. In der seit 2. Mai an­ dauernden Belagerung erhielt der Katepano Gregorios Tarchaneiotes ent­ scheidende Hilfe durch Venedig, das 992 ein Handelsabkommen mit B ysehr zurückgedrängte sizilische Christentum fand mit seinen aktivsten Elementen ein Wirkungsfeld auf dem Festland. Die sizilischen Heiligenleben des späteren 10. und früheren 1 1 . Jh. zeigen das Schweigewicht der Tätigkeit dieser Heiligen in Calabrien. Vgl. ÀMARI, Storia II 466—477. 6b In das Jahr 900 dürfte ein Angriff der Sarazenen auf Salerno zu setzen sein, der weitreichende Folgen zeitigen sollte: Die Tradition von Amatus I 17 läßt von Jerusalem zurückkehrende normannische Pilger an der Abwehr der Sarazenen vor Salerno beteiligt sein, worin — wie neulich wahrscheinlich gemacht wurde — doch das erste Auftreten der Normannen in Unteritalien zu verstehen ist; vgl. HOFFMANN, Anfänge 95— 144. Das „avant mille“ des Amatus für das Erscheinen der Normannen wird bei Leo Ost. I I 37 in Umkehrung als 1001 gegeben und in den ann. Casinenses (MQH SS XXX 1408f.) als 1000; doch ist 999 aus inneren Gründen wahrscheinlich und wird auch vom Chron. Amalfitanum (MURATORI, Rerum Italicarum Scríptores I. Mailand 1738, 211) c. 23 gestützt, das die Ankunft der Normannen auf 999 setzt — wenn auch in irrigem Zusammenhang mit dem Melo-Aufstand (vgl. u. A. 23) ; identisch mit dem Chron. Amalf. ist Romuald von Salerno. Vgl. HOFFMANN 99f.; 102—105. 110. 114. — Dieser Vorstoß der Muslime gegen Salerno ist aber nicht mit jenem zu vermengen, den die unteritalischen Annalen für 1016 berichten (ohne die Normannen zu erwähnen); vgl. dazu u. A .2 1 . 7 Die Belagerung Baris datiert Iohannes Diaconus (ausführlichste Darstellung) auf 1004 (MQH SS VII 35) ; die annales Barenses nennen 1003 (MQH SS VI 53), Lupus Protospatharius (MQH SS VI 56) und der anonymus Barensis (MURATORI V 148) 1002. Die Quellenkritik hat eigeben, daß der richtige zeitliche Ansatz jener der beiden Letztgenannten sein muß ; vor allem berichtet Iohannes Diaconus nach der Expedition gegen Bari Ereignis­ se, die auf 1002 und 1003 fallen. Vgl. H irsch — B r e s s l a u , Heinrich II. Bd.III 145, A.2 (mit weiteren Angaben). 8 Der Name des Führers lautet bei Lupus s. a. Sapi, in den ann. Bar. Saphi, und beim anon. Bar. Fast. Ersterer nennt ihn eaytus, die letzteren apostato aique caiti bew. nur apostato. In eaytus/caiti liegt arab. jtftf qäld („Anführer“ ) zugrunde ; für den eigentlichen Namen vermutete NALLI NO bei Amari, Storia II 397, A.3 Sift. A.GUILLOU und W.H oltzmann, Zwei Katepansurkunden aus Tricarico. Quellen u. Forschungen aus ital. Archiven u. Bibi. 41 (1961) 12, A. 1 nahmen dagegen an, daß arab. käfir („Ungläubi­ ger“) zugrunde liegt; in einer Urkunde des Katepano Gregorios Tarchaneiotes (bei OuiLLOU—HOLTZMANN 18f., mit Kommentar 6— 8 und 12—17) wird der Renegat Lukas, der die genannten Verwüstungen begangen hatte, nämlich als xaçipioç bezeichnet. — Das erwähnte Tricarico liegt in der Region Basilicata, Provinz Matera.
Darstellung 193 zanz geschlossen hatte, welches auch die Verpflichtung zur Abwehr musli­ mischer Einfalle nach Longobaidia einschloß0. Die venetianische Flotte unter dem Dogen Petrus II. Orseolus (991— 1009) segelte am 10. August ab und gelangte am 6. September vor Bari, wo die überraschten Muslime deren Einlaufen in den Hafen nicht verhindern konnten. Petrus, der mit jeglichen Ehren aufgenommen wurde, ließ die bereits Mangel leidende Bevölkerung irisch versorgen; dann wandten sich die unter Gregorios Tarchaneiotes stehenden Verteidiger wieder dem Kam pf zu Lande zu, während Petrus Orseolus die entscheidende Kriegführung zur See übernahm. Hier endeten die Auseinandersetzungen nach drei Tagen mit der Flucht der Feinde in der folgenden Nacht ; wenig spater räumten sie auch die von ihnen besetzten Stellungen zu Lande9 10. Basileios II. erwies seinen Dank für die venetiani­ sche Hilfe dadurch, daß Petrus’ Sohn und Mitregent Iohannes eine Ver­ wandte des Kaisers zur Frau erhielt und später noch zum Patrikios ernannt wurde11. 9 Der Beginn der Belagerung: Lupus a. a. 1002. — Gregorios Tarchaneiotes war wie die meisten seiner nächsten Nachfolger nur Protospatharios (die früheren xartnavo) besaßen zumeist den höheren Rang ¿v&úiraToc itaTpíxioc) und kam 998 oder 999 nach Italien; vgl. F a l k e n h a u s e n J84f. bzw. *87f., Nr.36. — Vertrag mit Venedig: Er war das erste ausdrückliche Handelsabkommen, sch&rfte den Venetianem aber auch die erwähnte Unter­ stützung neu ein. Vgl. DöLGER, Regesten 781 ; K r e t sc h m a v r I 126—129; GFROERER I 362—367 ; A. PERTU8I, Venezia e Bisanzio nel secolo XI, in : La Venezia del Mille (Centro di adtura e eiviUä delta Fondazione Giorgio Cini). Florenz 1966, 119ff. (9 1 m Text des Abkommens s. 166—160). 10 Die Annahme einer Identität zwischen dem Renegaten Lukas und dem Anführer vor Bari (vgl. o. A .8 ) würde auch das Problem des Endes der Belagerung lösen. Während nämlich Iohannes Diaconus und die ann. Bar. den 22. September als Endpunkt geben, nennen Lupus und der anon. Bar. den 18. Oktober. Wenn der muslimische Führer eigentlich Lukas hieß, so könnte der Festtag des hl. Lukas am 18. Oktober versehentlich als Befreiungstag in die Überlieferung eingegangen sein. Unwahrscheinlich ist die Annahme von GFROERER I 416, daß in der Schilderung des Iohannes Diaconus über den Abzug zu Lande (Ceteri autem, qui finitimorum loca erudeli iure mancipando poasidebant, non multum post iUic degentes confusi recesserunt, was auf die Invasoren zu beziehen ist) eine mit den Muslimen sympathisierende Gruppe von Christen gemeint sei, die dem byzantinischen Steuerdruck entgehen wollte. 11 Ehrungen durch den Kaiser: Iohannes Diaconus (MGH 8 8 VII) 36, 8 ; vgl. DöLQER, Regesten 794; K r e t sc h m a y r I 129f.; SCHLUMBERGER, Épopée II 324f. ; GFROERER I 414—419. Die für Iohannes Orseolus bestimmte Byzantinerin namens Maria stammte aus dem Haus der Aigyroi, war aber kaum eine Nichte von Basileios II., wie Iohannes Diaconus behauptet. Näheres vgl. bei V a n n ie r , Argyroi 43f, Nr. 16. — Im übrigen wußte Petrus Orseolus andererseits auch die Beziehungen zu muslimischen Herrschern zu pflegen, die für den Handel wichtig waren — dies zeigen seine Gesandtschaften. Vgl. dazu K r e t sc h m a y r I 129f. 440; vgl. ferner M. N a l l in o , II mondo Arabo e Venezia fino alle Crociate, in: La Venezia del Mille (vgl. A. 9) 176ff.
194 Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer Möglicherweise handelte es sich im Jahre 1002 um ein Vorgehen d e r sizilischen Muslime auf breiterer Front, da eine Reihe von Streifzügen, d ie in den Quellen auf 1001 oder 1002 angesetzt werden, im Zusammenhang mit dem Unternehmen gegen Bari gestanden sein könnten. Von größerem Gewicht als die nicht einheitliche Jahresangabe ist die mit der Belagerung Baris harmonierende Jahreszeit: für Anfang Juni werden Plünderungen in der Gegend von Asculum, für Anfang August in den Gebieten von Benevent, Capua und Neapel berichtet1 12. Die Überfalle fanden 1003 eine abgeschwächte Fortsetzung, als das nahe dem G olf von Tarent gelegene Montescaglioso erfolglos von Muslimen belagert wurde. Für die folgenden Jahre fehlen eindeutige Nachrichten über Feindseligkeiten in Unteritalien; allerdings hielten sich die Muslime im Norden dadurch schadlos, daß sie 1004 Pisa von der See her überfielen und verwüsteten. Die Pisaner rächten sich, indem sie im August 1005 eine muslimische Flotte vor Messina besiegten. Es war dies ihre erste bekannte Seeschlacht; im Verein mit dem Entsatz Baris durch die Venetianer ist hierin ein Beweis für den Aufstieg der italienischen Seestädte zu sehen, die den Muslimen das Gesetz des Handelns zu entreißen begannen. Im Süden der Halbinsel unternahmen die Muslime erst 1007 neuerlich eine Razzia, und zwar wieder gegen Capua13. Unter dem 2. Nachfolger des Gregorios Tarchaneiotes, Ioannes Kurkuas14*, brach im Frühjahr 1009 der Aufstand des Melo (oder Meies) aus, 11 Die arm. Benev. (MOH 8 8 III 177) datieren die Vorstöße auf 1002, der spätere Chronist (12. Jh.) Romuald von Salerno (MOH 8 8 XIX 402) gibt 1001 an. Für den Zusammenhang mit der Belagerung Baris trat schon SCHLUMBERGER, Épopée II307 ein. — Das genannte Asculum (Aacoli) ist jenes in Apulien, Prov. Foggia, und nicht das gleichnami­ ge in Picenum. 18 Montescaglioso liegt in der Region Basilicata, Prov. Matera. Der Ort heißt bei Lupus, der die Invasion auf März 1003 datiert, Mons Caveosua. — Zum Jahre 1005 spricht eine Urkunde des Erzbischofs von Salemo Ober die Zerstörung der Kirche zu Vietri durch die Sarazenen; 1009 ist ebenfalls urkundlich die Rede von Verkäufen aus den Besitzungen dea Herzogs Sergius von Amalfi, der nebst seinem Vater und seinem Großvater durch die Sarazenen gefangengenommen worden und daher in große Geldnot geraten war. Vgl. HOFFMANN, Anfänge 101 mit A. I7f., der jedoch zu weit geht, wenn er in diesen Angaben Indizien für den sarazenischen Angriff auf Salemo von 999 (vgl. o. S. 192 mit A.6b) erblicken möchte. — Pisa: Chron. varia Pisana (MOH SS XIX) 238; vgl. A m a r i , Storia II 398, A. 1; EICKHOFF 374f. — Capua: ann. Benev. (MOH 8 8 III 177) s. a. 1007. 14 Nach der Abberufung von Gregorios Tarchaneiotes 1006 folgte als Katepano Alexios Xiphias, der sein Kommando nur etwa ein Jahr innehatte, und nach dessen Tod kam (nach fitst einem Jahr Vakanz ?) Ioannes Kurkuas. Dieser war wieder ¿v&únotTo; mtTptxio;, nachdem seine Vorgänger Tarchaneiotes und Xiphias lediglich Protospatharioi gewesen waren. Vgl. F a l k e n h a u se n '85 bzw. *88, Nr. 36f. und (zum Rang von Kurkuas) das Urkundenregest a. O. '173 bzw. *189, Nr. 32.
Darstellung 105 w elcher die Langobarden gegen die Byzantiner aufwiegelte und sich Baris bem ächtigte15. Die Muslime nützten offensichtlich die inneren Schwierig­ k eiten der byzantinischen Seite aus, indem sie unter ihrem Anführer, dessen Name als Sati (d. i. Said) erscheint, einen Raubzug in das Tal des C rati mit vorübergehender Besetzung von Cosenza unternahmen16. Sehr wahrscheinlich verschaffte sich Melo auch muslimischen Beistand gegen die Byzantiner, doch laßt sich eine völlige quellenmäßige Gewißheit nicht sicher gewinnen17. Erst der Nachfolger des im Winter 1009/10 verstorbe­ nen Joannes Kurkuas, Basileios Mesardonites (bzw. Argyros)18, vermochte Bari nach Belagerung 1011 einzunehmen. Melo entkam mit seinem Stief­ bruder Datto und fand nach längerem Umherirren eine Zuflucht in Capua; D atto trat in die Dienste von Papst Benedikt V III. und Kaiser Heinrich II., er erhielt einen festen Turm am Garigliano als Zufluchtsstät­ 16 Den Beginn von Melos Aufstand setzen Lupus und Skylitzes 348,07—8 ( « Kedrenos 456, 23—457, 8) übereinstimmend auf 1009. Übersicht über seine bewegte politische Rolle bei G ay 309—413; Chalandon 1 42—61 ; Schlumberger, Épopée II 542—574; vgl. auch u. S. 196f. mit A. 10. 23. 25f. 16 Zum Zug gegen Cosenza: Lupus s. a. 1000 (nennt den Führer cayti Sati); Chron. var. Pisana (MOH 8 8 XIX) 238. ln cayti liegt wieder (vgl. o. A.8) arab. qi*id („Anführer*4); dessen Name muß wohl Sa*id lauten. Vgl. A m a r i , Storia II 308 mit A. 2. 17 Die aim. Bar. s. a. 1011 (soll sein 1000, vgl. o. A. 15) berichten: Hoc anno rebellavit bangobardia cum Meie ad ipsum Curcua mense Mato IX intrante. Et fecerunt bellum in Betete (Bitectum, heute Bitetto unweit südwestlich Baris, vgl. Gay 402), ubi multi Baronets ceciderunt. Et Ismael fecit bellum in Monte Peloso (halbwegs zwischen Venosa und Matera, vgl. Karte II bei Gay ) cum ipsis Oraecis et cecidit illic Pasiano (Name des byzantinischen Führers). Da die ann. Benev. s. a. 1000 von einem Angriff der Araber auf Botuntum (heute Bitonto unweit westlich Baris) sprechen, sind vielleicht Bitectum und Botuntum in den ann. Bar. verwechselt, sodaß hier und in den ann. Benev. die gleichen Ereignisse zugrunde liegen würden; in diesem Sinne H einemann 32; Chalandon I 44. Auch davon abgesehen spricht die Nähe des einen wie des anderen Ortes zu Melos Heimat Bari und der Name Ismael ( - Ismä*fl) für ein Zusammenwirken der Rebellen mit den Muslimen. Diese Annahme bedarf nicht der später von Amari selbst wieder aufgegebenen These (vgl. Storia II 308 mit A.4), in den ann. Barenses sei durchwegs statt Melo der mit ihm nicht identische Ismael vorauszusetzen; cum Meie erklärte er als „im Bündnis mit Ismael**. Die Annahme eines schwer begreiflichen Fehlers im Sinnzusammenhang der ann. Bar. zur Rechtfertigung eines radikalen Eingriffes in den Text wäre überdies methodisch anfechtbar gewesen ; vgl. auch u. A.26. 18 Ioannes Kurkuas ist im September 1000 urkundlich noch nachgewiesen (FalkenhaüSEN ‘85f. bzw. 288); nach dem anon. Bar. starb er 1010. Laut Lupus kam im März dieses Jahres sein Nachfolger Basileios Mesardonites. Dessen Identität mit Basileios Argyros setzt Skylitzes 348, 1—8 ( » Kedrenos 456, 23—457, 8) voraus (nach Skylitzes war er zuvor Stratege von Samos gewesen); über ihn in Vaspurakan vgl. o. S. 140 mit A. 25. Die Gleichsetzung (von FALKENHAUSEN f86, Nr. 38 noch geleugnet; vgl. jedoch *80) ist von V annier, Argyroi 30—41 unter Verwendung von Ergebnissen A.GülLLOUs überzeugend begründet worden. Mesardonites war vermutlich orientalischer Herkunft; vgl. SE1BT, Vaspurakan 61, A. 27 zur Namendeutung.
196 Unteritalien, Sizilien, Ägäiaches Meer te'°. Zum Vorteil für Basileios Mesardonites herrschte damals Ruhe von Seiten der Muslime, die ihre Tätigkeit von Spanien aus gegen das westliche Mittelmeer und Oberitalien verlagert hatten*10. Erst 1016 wird neuerlich von einem Vorstoß der Muslime, nunmehr gegen Salerno, berichtet ; ihre Abwehr gelang dem Fürsten Waimar vermut­ lich bereits mit Hilfe jener Normannen, die zu dieser Zeit in steigender Zahl im langobardischen Unteritalien erschienen21. Hinter diesem muslimischen Angriff sind die Zlrlden Nordafrikas vor­ auszusetzen, nicht aber die Kalbiten Siziliens. Denn auf der Insel war es 405 H (beg. 2. Juli 1014) zu Unruhen gekommen, die ihre Ursache in der Gegnerschaft des Regenten öa'far zu seinem Bruder ’A ll hatten. 'AK unternahm eine fehlgeschlagene Empörung, verlor erst die Freiheit und dann auch das Leben ; außerdem entfernte Ga'far alle Berber und Neger aus der Armee, weil ’A ll sich auf diese gestützt hatte. Das dadurch zahlenmäßig '* Vgl. ann. Bar. 1013 (soll sein 1011; G ay 402, A.3); Leo Ost. II 37; Näheres Ober Melos and Dattos Schicksale bei Gay 407—409; CHALANDON 47 mit A. 1. 10 Der Fürst Mu¿&hid von Dénia, einer der spanischen Teilheirscher nach dem Beginn der Auflösung des umajjadischen Chalifats von Cordoba, beherrschte damals mit seiner Seemacht das westliche Mittelmeer; 1014— 1016 konnte er sich auf Sardinien festeetaen. Vgl. E V III 673, s. V. Mudjähid (LeV I-P R O VENÇAL) ; EICKHOFF 376—378. Im Jahre 1011 wurde Pisa verwüstet (Chron. var. Pisana, MOH SS XIX 238), vielleicht durch Mugfthid. In den folgenden Jahren suchten neuerlich Korsaren das tyrrhenische Meer (Korsika, Küste der Toscana) heim; vgl. Amari, Storia II 398, A. 1; HIRSCH— BRESSLAU, Heinrich II. Bd. III 130. *' Sarazenischer Angriff auf 8alemo: Lupus, anon. Bar., ann. Benev. s. a. 1016. — Rolle der Normannen (von den Annalen nicht erwähnt): Ihr erstes Auftreten in 8alemo bei Ähnlicher Gelegenheit fiel wahrscheinlich auf 999 (vgl. o. A.6b). Hauptquelle dafür ist Amatus I 17, der dann I 19 fortfahrt, daß die Normannen nach der damaligen Abwehr der Sarazenen heimkehrten, mit ihnen eine Gesandtschaft Waimars von Salerno, der in der Normandie Söldner anwerben ließ. Diese Ereignisse müssen jedenfalls vor Frühjahr 1017 fidlen, denn zu diesem Zeitpunkt kamen Normannen bereits der Rebellion des Melo zu Hilfe (vgl. u. S. 197f. m. A. 23—27). Drei weitere Quellen des 11. Jh., Arnulf von Mailand, Wibert von Toul und Desiderios von Monte Cassino, sagen gleichfalls parallel zu Amatus, daß die principes Unteritaliens die Normannen herbeiriefen — darunter sind die Langobardenfür­ sten von Salerno, in zweiter Linie von Capua und Benevent, zu verstehen; nach Leo Ost. II 37 kamen 1017 erstmals Normannen nach Capua (hier hatte ja auch Melo nach seinem ersten Scheitern Asyl gefunden); in Benevent und Salerno konnte Melo Sympathisanten (vornehmlich wohl normannische Söldner) sammeln. Der antibyzantinisch eingestellte Papst Benedikt VIII. hat diese Politik der Langobardenfürsten gutgeheißen. Vgl. dazu H O FF­ MANN, Anfänge 122—134. — Wenn also die Normannen 1017 bereits in Unteritalien eine solch aktive Rolle spielten, ist es wahrscheinlich, daß sie auch 1016 schon in entsprechender Zahl in Salerno weilten und dem Fürsten, der sie hatte anwerben lassen, Hilfe gegen die Sarazenen leisteten. Amatus hätte dann die Einfälle von 999 und 1016 nicht auseinandeigehalten und nur unter ersterem Jahr erwähnt.
Darstellung 197 verringerte Heer wurde nunmehr nur aus sizilischen Arabern rekrutiert. D ie s e inneren Wirren lassen ein Ausgreifen von Sizilien nach Unteritalien undenkbar erscheinen; die ZlrTden hingegen standen damals unter al-Mufizz a u f der Höhe ihrer Macht22. M it jenen Normannen, die sich bei Waimar von Salerno aufhielten, k n ü p fte der vertriebene Melo Verbindungen an23; im Frühjahr 1017 fielen s ie gemeinsam in das byzantinische Apulien ein und errangen große Erfolge g e g e n den Katepano Kontoleon Tomikios, bis endlich der 1018 berufene K atepan o Basileios Boioannes24 im Oktober dieses Jahres Melo und die N orm annen am Aufidus (Ofanto) in der Nähe des antiken Cannae entschei­ d e n d schlagen konnte25. Die Normannen zerstreuten sich zu den langobardiachen Fürsten; einige traten in die Dienste von Melos Stiefbruder Datto. M elo selbst begab sich zu Kaiser Heinrich II. nach Bamberg, um dessen 0 Unruhen in Sizilien : Ihn al-Atlr X 193 (s. a. 484) ; Abu’l-Fidä' III 274; Ibn Bakifln IV 448; an-NuwairT bei Amari, Biblioteca 442f. — Zum Gegensatz der ethnischen Gruppen auf der Insel vgl. Amari, Storia II 55—61. — Die Ztrlden: A mari, Storia II 399. 412—421. Auch später führte al-Mu'izz eine offensive Flottenpolitik: 1026 unterstützte er die siziliachen Muslime gegen Byzanz (vgl. u. S. 201 mit A.37), und 1036/7 begann seine Interven­ tion in Sizilien (vgl. u. S.206 mit A.57); dazwischen liegen mehrere Raubzüge im östlichen Mittelmeer (1027, 1032, 1034 und 1035), an denen zyklische Kräfte teils wahrscheinlich, teils sicher beteiligt waren. Vgl. u. S. 202—204 mit A. 43—52. 0 Irrig behauptet das Chron. Amalfitanum (MURATORI, Herum Italicarum Scriptores I. Mailand 1738,211 ) c. 23, Melo hätte die Normannen 999 nach Apulien geführt — hier ist das Jahr ihres ersten Eingreifens in Salerno (vgl. o. S. 192 mit A. 6b) mit der 2. Rebellion des Melo kontaminiert (ihre Verbindung wollte Gay 406 schon auf 1001 setzen; vgl. aber CHALANDON I 48 mit A.2); Guillelmus Apulus (Wilhelm v. Apulien) I llf. spricht von normannischen Pilgern, die Melo auf dem Mons Garganus traf und zur Eroberung Apuliens aufiörderte — das müßte zwischen dem Zusammenbruch der 1. Rebellion 1011 und 1017 sein; damals war aber der M.Gaigano wohl byzantinisch, und im übrigen stützt keine weitere unabhängige Quelle diese höchst fragwürdige Tradition. Vgl. HOFFMANN, Anfänge 117—119. u Der Katepano Basileios Mesardonites war 1016 abberufen worden (bei Lupus s. a. 1016 ist statt obiit zu lesen: (M it; er starb also nicht etwa in diesem Jahre; vgl. V annier, Aigyroi 40); ihm folgte sein Bruder Leon, der ermordet wurde, und im Mai 1017 kam Kontoleon Tomikios, der zuvor Stratege von Kephallenia gewesen war und zur Familie des bekannten Usurpators von 1047, Leon Tomikios, zählte. Vgl. Lupus s. a. 1017; Skylitzes 348, 3—5 ( - Kedrenos 457, 3—5); vgl. N. ADONTZ, Les Taronites à Byzance. Byz 11 (1936) 31 f. Da er gegen die Empörer keine Erfolge verzeichnen konnte, wurde Tomikios im Dezember 1017 abberufen (Lupus und anon. Bar. s. a. 1017; vgl. HEINEMANN 341 f.) und durch Basileios Boioannes ersetzt, der bis 1028 im Amt verblieb. 0 Einfall in Apulien: Lupus s. a. 1017f.; Amatus I 23; ann. Benev. s. a. 1017; Leo Ost. I I 37; Guillelmus Apulus 152. — Schlacht bei Cannae: Lupus s. a. 1019; ann. Bar. 1021 (soll sein 1019); anon. Bar. 1021 ; Amatus 122; Leo Ost. I I 36; Guillelmus Apulus 1 91—95. — Zur weiteren Geschichte des Krieges vgl. CHALAN DON I 54—57.
198 Unteritalien, Sizilien, Ä giisches Meer Hilfe zu erlangen, und ist dort 1020 gestorben*6. Ob auch in den letzten Jahren der Wirksamkeit Melos eine Verbindung zwischen ihm und den Muslimen bestand, läßt sich aus den Quellen nicht erweisen*7. Währenddessen war in Sizilien der Regent Ga'far durch innere Konflik­ te gestürzt worden. Er hatte eine Steuerreform versucht, in welcher von der unveränderlichen Abgabe auf Grund und Boden (haräg) zugunsten des ertragreicheren Zehnten, der neben Getreide auch auf andere Feldfrüchte erhoben wurde, abgegangen werden sollte. Außerdem entfremdete er sich die Sippenhäupter der Milizen und die städtischen Notabein durch deren verächtliche Behandlung. Schließlich wurde der Regent in einem Aufstand am O.Muharram 410 H (13. Mai 1019) in der Burg von Palermo belagert und wäre in die Hände der Aufrührer gefallen, wenn nicht die Intervention seines allseits respektierten Vaters Jüsuf einen Ausweg zustandegebracht hätte. Den Forderungen der Rebellen nachgebend machte er statt Ga’far seinen zweiten Sohn Ahmad al-Akhal zum Regenten und schiffte sich mit Ga’far nach Ägypten ins Exil ein. Ahmad al-Akhal stellte Ruhe und Gehorsam wieder her und wird zudem von den Chronisten wegen seines Eifers im erneuerten gihäd gelobt28. Es ist darum sehr wahrscheinlich, daß der Vorstoß des Jahres 1020, als ein gewisser Rayca mit den Muslimen Bisinianum (Bisignano) in Calabrien angriff und einnahm, bereits von al-Akhal veranlaßt war. Im Juni 1023 erschien Rayca, von dem die Formulierungen bei Lupus Protospatharius u Zerstreuung der Normannen: Leo Ost. II 37. — Ausgang Melos: Die Reise nach Germanien hatte ihm gewiB Benedikt VIII. nahegelegt, der gegenüber Byzanz die gleiche unfreundliche Politik wie Heinrich II. verfolgte; vgl. HIRSCH— B r e SSLAU, Heinrich H. Bd. I 157. Heinrich II. hat Melo noch zum Herzog von Apulien gemacht: Notae sepulcrales Babenbetgenses s. a. 1020 (MOH SS XVII 640; hier heifit er Ismael; dazu vgl. auch o. A. 17). n Lupus Protospatharius fährt zwischen 1015 und 1020 mehrfache Regentenwechsel an, von denen AMARI II 399 mit A. 1 meinte, sie seien auf die Kalbiten Siziliens zu beziehen, woraus deren intensive Einflußnahme in Apulien erhelle. In Wirklichkeit gehen die Namen Samuel (a. 1015: Samuel rex obiit et reçnavit filias eine) und Aron (a. 1016: Occisas est ipse filias praefati Samaelis a sao consobrino filio Aroais et reçna vit ipse) auf den bulgarischen Zaren Samuel (t 1014), Aaron, den Bruder Samuels (von diesem beseitigt) und Gabriel (t 1015), den Sohn Samuels, der von Ioannea-Vladislav (1015—1018) getötet wurde. 8o schon G ay 417 mit A .3; vgl. ferner OsTROGORSKY 257; C .J ire Cek , Geschichte der Bulgaren. Prag 1876, 189. 196f. Auch die Angabe des Lupus s. a. 1020, mortaas est ipse amira et M elis dax A palias, gibt wohl nur getrübt die Tatsache wieder, daß Jüsuf im Exil nach 1019 gestorben ist (vgl. u. mit A. 28). — Möglich ist aber ein Kontakt Melos mit den Muslimen 1017—18 durchaus, wie dies bereits für 1009—10 äußerst wahrscheinlich ist; vgl. dazu o. A. 17. ** Diese Vorginge berichten nur orientalische Quellen: Ihn al-Atir X 194 (s. a. 484); Abul-Fkii’ III 276; Ibn Qaldün IV 448f.; an-Nuwairi bei AMARI, Biblioteca 444f.
Darstellung 190 unteritalische Herkunft anzudeuten scheinen, im Bunde mit al-Akhal vor Bari. Anderentags zogen die Feinde jedoch ab und überrumpelten das befestigte Palagianum (Palagiano). Um solche Vorfälle in Hinkunft auszu­ schließen, erbaute der Katepano Basileios Boioannes das Kastell Mutulae (M ottola)29. Überhaupt entsprach es seiner Politik, die byzantinische Herr­ schaft durch planmäßige Anlage befestigter Städte zu stärken. Seine Amtszeit, in der die Mehrzahl der langobardischen Fürsten wieder unter byzantinisches Protektorat kam und selbst Kaiser Heinrich II. auf seinem 3. Italienzug (1021— 22), nachdem Boioannes bis an die Grenze des Patri­ monium Petri vorgedrungen war, keine besonderen Erfolge in Süditalien verzeichnen konnte, bedeutet den Höhepunkt der Erneuerung byzantini­ scher Macht in dieser Region30. Im Hinblick darauf und angesichts der Tatsache, daß auch alle anderen byzantinischen Reichsgrenzen befriedet waren31*, konnte Basileios II. der 19 Der Streifzug von 1020: Lupus s. a. 1020; Bisignano liegt etwas abseits des Crati zwischen Cosenza und Rossano. Vgl. Karte II bei Gay . — Angriff auf Bari: Lupus s. a. 1023. Dieser formuliert a. O. Venit Rayca cum laffari mit, ähnlich dann s. a. 1029 Rayca ei Zaffari (Var. laffa ri); s. a. 1020 heißt es Descenderunt Saraceni cum Rayca. Offenbar sollte zwischen den Muslimen, deren Führer zwei Mal als Iaffar erscheint, und zwischen Rayca unterschieden werden, der dann als Exponent unteritalischer Parteigänger der Muslime anzusehen wäre. Ohne nähere Erklärung nimmt auch A mari, Storia II 401 unteritalische Herkunft Raycas an. In Iaffari/Zaffari aber erkannte Amari a. O. die kunja (Vatemame) AbQ öa'far des sizilischen Emirs al-Akhal (ein Sohn Öa'far ist in den orientalischen Quellen belegt). In criti hinter Iaffari/Zaffari liegt wohl eine Entstellung aus caiti, d. i. arab. qä*id („Anführer“) vor. — Palagiano liegt unweit nordwestlich Tarents etwas landeinwärts; nur wenig nördlich davon befindet sich Mottola. Vgl. Gay 417 mit Karte II. — E ickhoff 382 ließ irrig al-Akhal „mit seinem Kaki Gafar“ vor Bari erscheinen, identifizierte Palagianum mit Palasciano westlich von Bovalino Marina in Calabrien und behauptete auf Grund der Vita Leonis Lucae Abbatis (A A 8 S Mart. I 98) Sarazeneneinfalle nach Lucanien, während hingegen diese Vita — vgl. c. 1 — die Zeit vor der beginnenden arabischen Eroberung 827 voraussetzt. Die Angabe der shmlo-sarazenischen Chronik über die Einnahme von Kotomavov durch die Muslime (Juni 1031, s. a. 0639 M; vgl. SCHREINER, Kleinchroniken I 340) bezog Nallino bei A mari, Storia II 401, A.2 irrig s. a. 6630 ( « 1024) auf Casignana in der Umgebung von Bovalino Marina; doch handelt es sich um die Auseinandersetzung bei Cassanum, in welcher Pothos Argyros fiel. Vgl. u. S. 202 mit A. 42. 30 Die von Basileios Boioannes errichteten Festungen sind die sog. Capitanata; vgl. FALKENHAUSEN *56—67 bzw. *67—69; Gay 414—417. — Expansion nach Norden, Zug Heinrichs II.: G ay 418—426; H irsch— BRESSLAU, Heinrich II. Bd.I 196—206; CHALANDON I 62—67; HEINEMANN 42—48. 31 Die Unterwerfung der Bulgaren war 1018 abgeschlossen; vgl. OSTROGORSKY 266— 260; in Armenien wurde 1022 Vaspurakan byzantinisch; vgl. o. S. 138ff. mit A.22—29; OSTROGORSKY 260f.; Georgien mußte die byzantinische Position in Armenien anerkennen; vgl. o. S. 136f. mit A. 16— 18; in Syrien legten Byzanz und die Fätimiden neuerdings wieder verstärktes Gewicht auf die Wahrung des modus vivendi; vgl. o. S.74 mit A.91—93 und 8.77 mit A. 104. Von Süditalien waren die Verbindungen über die Adria umfassend
200 Unteritalien, Sizilien, Äg&isches Meer Verwirklichung seines letzten Planes nähertreten, Sizilien den Muslimen zu entreißen. Im Jahre 1025 entsandte er den Eunuchen Orestes32 mit einer stattlichen Armee aus Russen, Warägern, Türken und Bulgaren, dazu Abteilungen der ráyixara der Makedonen, nach Italien. Die Muslime wurden von ihren Stützpunkten an der calabrischen Küste vertrieben33, und der Katepano Boioannes stellte die Befestigungen des vermutlich während der andauernden muslimischen Einfalle verödeten Reggio wieder her. Man erwartete noch das Eintreffen des Kaisers mit weiteren Truppen und der Flotte, um den eigentlichen Feldzug in Sizilien zu beginnen, als Ba8ileios II. nach plötzlicher Krankheit am 13. oder 15. Dezember 1025 starb34. Obwohl einige Vorausabteilungen des Orestes und Boioannes mit den in Bari stationierten Thementruppen bereits an der sizilischen Küste gelandet sein dürften, wurde nach dem Tode des Kaisers nichts weiter erreicht35. Orestes erwies sich als ungeeigneter Führer; er und Boioannes gingen wohl gesichert, zuletzt durch einen Zug des Katepano Basileios Boioannes nach Dalmatien im Jahre 1024, wodurch die Botmäßigkeit der Kroaten neu bekräftigt wurde: Frau und Sohn des Königs Kresimir III. (1000—1030), welcher Zara angegriffen hatte (dessen venetianischer Prior zugleich byzantinischer Dux von Dalmatien war), wurden gefangen nach Konstantinopel gebracht. Vgl. Lupus und anon. Bar. s. a. 1024 (Name des Königs entstellt zu Cismigus bzw. Cosmizus) ; dazu ST. GULDESCU, History of medieval Croatia. Haag 1964, 129; K retschmayr I 138. 144f.; J .F erluga, L'amministrazione bizantina in Dalmazia (Miscellanea di studi e memorie 17). Venedig 1978, 204. 99 Hinter chUoniti des anon. Bar. (vgl. u. A. 34) bzw. chetonüi der ann. Bar. (u. A. 34) steht die Zugehörigkeit des Orestes zu den xoitmvItou (speziell fur den eigentlichen Kammerdienst beim Kaiser bestimmte Eunuchen, deren Chef der 7capaxoifi<ü|Acvo< war; vgl. GUIIR­ LAND, Recherches I 269; OlKONOMlDÊS 305). Außerdem war Orestes nach Skylitzes 383, 2 ( —Kedrenos 496, 19) Protospatharios, wohl itpü>Tooita&¿pio< tm toü xoitûvoç. 95 Darauf bezieht sich Ibn al-A$IT IX 348 (s. a. 416); die bei ihm so genannte „Insel Qillauria“ ist Calabrien. Wenn Ibn al-Atlr a. O. noch sagt, die Muslime hätten den Großangriff der byzantinischen Schiffe und Truppen unter dem Schwestersohn des Kaisers erwartet, so könnte der byzantinische Führer mit einem Sohn des Iohannes Orseolus, der eine Schwester von Romanos Argyros geheiratet hatte (vgl. auch o. A. 11), verwechselt sein. Vgl. auch A mari, Storia 424, A. 1. 34 Zum Feldzug des Orestes vgl. Skylitzes 368, 82—86 («Kedrenos 479, 9—13); Zonaras III 568, 9—11 ; Glykas 579,9—12; anon. Bar. s. a. 1025; ann. Bar. s. a. 1027 (soll sein 1025; auch ist Ouandalorum in Varangorum zu verbessern). — Reggio: ann. Bar. a. O. : et Regium instaúrate est a Vulcano (Varianten : Bulcano, Bagiano) catepano. — Todesdatum Basileios* II.: SCHREINER, Kleinchroniken II 141. 95 Nur der anon. Bar. s. a. 1025 schreibt den Byzantinern ausdrücklich die Ausfahrt nach Messina zu (et Bugiano cum Barenses barcavit Messinam ); die Angaben des Skylitzes 383, 2—384, 7 («Kedrenos 496, 19—24) über eine Niederlage des Orestes in Sizilien (wovon sonst nichts bekannt ist) dürften doch eher mit der Niederlage des Christophoros Buigaris bei Reggio (vgl. u. A. 38) in Zusammenhang zu bringen sein. Jedenfalls können nur kleinere Abteilungen an der sizilischen Küste gelandet sein.
Darstellung 201 n och 1026 auf das Festland zurück36. Vorerst wirkte die Lage fur die M uslim e auf Sizilien jedoch so weit bedrohlich, daß der Zlrlde al-Mu'izz sich zum Eingreifen veranlaßt sah. Für seine offensiven Unternehmungen zur S ee hatte er 414 H (beg. 26. März 1023) eine stattliche Flotte bauen lassen; n u n liefen trotz der ungünstigen winterlichen Navigationsverhältnisse im Januar 1026 angeblich 400 Schiffe mit regulären Mannschaften und Freiwil­ ligen zum ¿ihäd aus. Jedoch vor der Insel Pantellaria gerieten sie in ein stürmisches Unwetter, in dem ein großer Teil der Flotte zu Grunde ging37. Zu einem ähnlich bedeutenden Vorgehen der muslimischen Seite kam es hernach nicht wieder, sondern es wurden nach dem Ende der byzantini­ schen Angriffsplane die gewohnten Razzien gegen Unteritalien erneut ausgenommen. Orestes erlitt vermutlich gemeinsam mit Christophoros Bulgaria, dem Nachfolger des 1028 abberufenen Basileios Boioannes, im spateren Verlauf des Jahres 1028 oder in der 1. Hälfte von 1029 eine Niederlage bei Reggio383 9 . In der Folge wurde er auf Anordnung Rom anos’ III. mit Truppen aus den Themen Hellas und Makedonien verstärkt; da er dennoch nichts ausrichtete, erhielt er schließlich 1033 seinen Abschied30. Auch Christophoros Burgaris konnte in seiner kurzen Amtszeit keine Erfolge gegen die Muslime erzielen; als im Juli 1029 sein Nachfolger * In seinem Überblick betont Skylitzes 383, 2—384, 10 («Kedrenos 406, 10—407, 4) (¿wischen den Jahren 6637 M [beg. 1. September 1028] und 6530 M [beg. 1. September 1030]) die Unfähigkeit des Orestes (wozu das spätere Eingreifen des von Skylitzes ver­ herrlichten Maniakes umso glanzvoller kontrastieren mußte), erwähnt eine Niederlage durch die Muslime (wohl die bei Reggio; vgl. o. A.35 und u. A.38) und berichtet, daß auch Trup­ penverstärkungen (384, 7—10 = Kedrenos 407, 1—4) keine Wende brachten (dazu unten mit A. 30). — Rückzug von Orestes und Boioannes: ann. Bar. s. a. 1027 (soll sein 1025). 37 Eingreifen der Zlflden: Ibn al-Atlr IX 348f. (s. a. 416); das a. 0. genannte Qauçara ist Pantellaria, vgl. Amari, Storia II 424. — Der Flottenbau: Ibn 'Idärl I 282 (s. a. 414). 38 Die Niederlage des Orestes bei Skylitzes (vgl. o. A.35f.) ist wohl mit der Angabe in der siculo-sarazenischen Chronik (La Cronaca Siculo-Saracena di Cambridge, ed. O. COZZALUZI. Palermo 1800, 86) zu verbinden : xotl cxpám XpiaTo<popo<; Boùpyàpu; c to 'Púyiov. Der Familienname Burgaris des Christophoros ist lediglich an dieser Stelle belegt; als Katepano (und Protospatharios) nennt er sich im September 1028 in einer Inschrift der Kirche flavayia tûv XaXxctov in Thessalonike; vgl. FALKENHAUSEN ‘87 bzw. *01, Nr. 41. Im Juli 1020 wurde er nach Lupus abberufen; daher läßt sich die Niederlage bei Reggio auf das 1. Halbjahr 1020 oder das spätere Jahr 1028 eingrenzen. 39 Verstärkung der Truppen : Skylitzes (o. A. 36). — Abberufung des Orestes: Lupus s. a. 1033; anon. Bar. s. a. 1033; mit Abweichungen Skylitzes 380,54—58 ( » Kedrenos 503,16— 20). Der neue Oberbefehlshaber zu Lande (und Nachfolger des xpixr^ Michael als Katepano; vgl. u. A. 54) Opos erscheint urkundlich in der Form Konstantinos Opos (vgl. Falkenhau8EN 1185 bzw. *202f., Nr. 55), weshalb ,Leon‘ Opos bei Skylitzes a.0. ein Irrtum ist; außerdem verlegt dieser die Berufung von Opos auf 6542 M (beg. 1. September 1033) statt des sich aus Lupus und dem anon. Bar. ergebenden 1. Mai 1033.
202 Unterilalien, Sizilien, Ägäisches Meer Pothos Argyro8 eintraf, mußte der notorische Unruhestifter R ayes bei Bari bekämpft werden40, nachdem er im gleichen Jahre bereits im Bündnis mit al-Akhal von Sizilien das Kastell Obbianum (Uggi&no?) angegriffen und zur Kapitulation gezwungen hatte41. Wahrscheinlich im Juni 1032 über­ rumpelten die Muslime Cassanum (Cassano) und bereiteten den zu Hilfe eilenden Byzantinern am 3. Juli eine Niederlage, in der Pothos Argyros fiel42. Diese Jahre waren überdies durch eine gesteigerte Aktivität von nordafrikanischen bzw. 8izilischen Korsaren im Ägäischen und Ionischen Meer gekennzeichnet. 1027 oder 1028 unternahm eine wohl zTrldische (nordafri­ kanische) Flotte eine Fahrt gegen die Kykladen, doch legten sich ihnen die Strategen von Samos (Georgios Theodorokanos) und von Chios (Beriboes) in den Weg, zersprengten die Feinde und nahmen an ein Dutzend Schiffe samt Mannschaft als Kriegsbeute fort43. 1032 suchten offenbar zfrldische und kalbitische (sizilische) Piraten die illyrische Küste heim und verheerten Kerkyra. Das unter byzantinischem Protektorat stehende Ragusa verband sich daraufhin mit dem Strategen von Naupaktos44, dem Patrikios Nike40 Zu Pothos Argyros vgl. VANNIER, Argyroi 44—46; er war nach Skylitzes 379, 59f. («Kedrenos 490, 20f.) in den letzten Zeiten Basileios* II. als Katepano von Antiocheia tätig; vgl. o. S. 79 mit A. 113. — Rayca vor Bari : anon. Bar. b. a. 1029, demzufolge Pothos Argyros mit ihm kämpfte, der nach Lupus s. a. 1029 im Juli sein Amt antrat. 41 Lupus s. a. 1029; hier steht wiederum Zaffari fur Abö Ga*far- al-Akhal (dazu vgl. o. A. 29). Das hier genannte Obbianum ist vermutlich Uggiano, etwa auf einem Drittel Weges zwischen Tarent und Lecce gelegen; vgl. G ay 433 und Karte II; Amari, Storia II 402: Obbiano, ohne Erläuterung. Der Ausdruck des Lupus a.O. (exfraneo* tradentes) geht anscheinend auf die byzantinische Garnison, die sich ergeben mußte. 42 Lupus s. a. 1031 (Daten); anon. Bar. s. a. 1031 (Tod des Pothos Argyros); Juni 1031 gibt auch die siculo-sarazenische Chronik in späterer Eintragung (vgl. SCHREINER, Kleinchroniken I 329; II 340) — doch müssen diese Ereignisse wohl auf 1032 fallen, weil Pothos im März dieses Jahres noch eine Urkunde ausgestellt hat: T rinchera 24f , Nr. 23; Regest bei F alkenhausen '184 bzw. *202, Nr. 53. — Cassanum liegt in der Prov. Coeenza nördlich des Crati. 49 Vgl. Skylitzes 373, 11—14 (-Kedrenos 484, 10—14); Zonaras III 572, 2—6. Eine chronologische Angabe fehlt: Skylitzes berichtet nachfolgend über das Jahr 6537 M (beg. 1.September 1028), um einiges zuvor (371. 54—58«Kedrenos 481, 22—482, 3) von der Absetzung des Nikephoros Komnenos in Vaspurakan, die nach Aristakês von Lastivert 41 « 26C im Jahre 475 armen, (beg. 15. März 1026) stattfand. Dadurch ergeben sich 1027 oder 1028 als mögliche Varianten. — Zfrldische Herkunft der Piraten ist deswegen wahrscheinlich, weil die Kalbiten Siziliens damals vordringlich die Byzantiner abzuwehren hatten; gegen die Kykladen wandten sich zfrldische Korsaren auch 1034 (vgl. u. A.48). Chios war seit Ende 10. Jh. unter einem eigenen Strategen, Samos seit Ende 9. Jh., beide ans dem Thema der Kibyrrhaioten (vgl. u. A. 49) hervorgegangen. Vgl. AHRWEILER, Mer 108; DIES.. Recherches 51 mit A.6. 44 Naupaktos war Sitz des Strategen von Nikopolis (Skylitzes 372, 74f. « Kedrenos 482, 20f.) und ist geographisch viel näherliegend als das bei Skylitzes (u. A.45) genannte Nauplion. Daher in diesem Sinne bereits C. HOPF, Geschichte Griechenlands vom Beginn
Darstellung 203 phoros Karantenos, gegen die Feinde, welche im Kam pf den größeren Teil ihrer Flotte verloren und von denen nicht wenige zuletzt im sizilischen Meer durch Schiffbruch umkamen46. Es scheint, daß Nikephoros Karante­ nos auch einen weiteren Streifzug von Korsaren durch ihnen zugefügte schwere Verluste ahnden konnte46, doch müssen weiterhin erhebliche Kräf­ te intakt geblieben sein, wie die Ereignisse von 1034 und 1035 im Äg&ischen Meer beweisen. Hier gelangten die Korsaren im September 1034 zu dem vielleicht bedeutendsten Erfolg dieser Jahre, als der berühmte Wallfahrtsort Myra in Lykien von ihnen überfallen und ausgeplündert wurde47. Offensichtlich in Fortsetzung dieser Razzia wandten sich die Piraten, welche ausdrücklich als Afrikaner, d. h. als zürldisch, bezeichnet weiden, gegen die Kykladen und suchten diese heim. Im Mai des folgenden Jahres führten afrikanische und 8izilische Schiffe einen Streifzug ebenfalls gegen die Kykladen sowie die Küsten des Themas Thrakesion im südwestlichen Kleinasien durch48. Angesichts der Lange der Küste, die die Flotte des Themas der Kibyrrhaioten zu kontrollieren hatte, war zur effektiven Abwehr von Einfallen dieser Art eine byzantinische Verstärkung angezeigt. Noch im gleichen Jahre 1035 trat der Stratege der Kibyrrhaioten, Konstantinos4 5 6 7 8 des Mittelalters bis auf unsere Zeit I. Leipzig 1367/8 (Ndr. New York 1070) 73; vgl. weiters AHRWEILER, Mer 134; DIES., Recherches 51 (Naupaktos als Hauptort des Themas Nikopolis). 45 Zur Herkunft der Feinde legen geographische Gründe neben Kr&ften der Zlrlden Nordafrikas auch Beteiligung der Kalbiten des näher gelegenen Sizilien nahe; vgl. Amari, Storia II 425. Quellen sind Skylitzes 385, 52—386, 64 (»Kedrenos 409, 8—16) (er bezeichnet Nikephoros als Sohn von Konstantinos Karantenos, dem Antiochener Statthal­ ter; zu diesem vgl. o. 8.86. 80, A. 132 u. 141 ) und Zonaras II 579, 14—580, 6 (dieser geht wohl auch auf den neuerlichen Zug von 1033 ein; vgl. u. A.46). 46 Einen neuerlichen Erfolg von Karantenos über Korsaren berichtet Skylitzes 386, 82—387, 86 (»Kedrenos 500, 12— 16); dieser ist auf 6541 M (beg. 1.September 1032) zu setzen — Skylitzes sagt irrig toútco Itci, doch die Monate seiner Darstellung schreiten von August (6540 M) über Feber (6541 M) bis März fort (386, 74—81 [ * Kedrenos 500, 3—11]). Auch Zonaras III 570, 14—580, 6 wird sich zum Teil auf diesen weiteren Erfolg des Karantenos beziehen (vgl. auch o. A. 45). Die Annahme einer Doublette zu den Ereignissen von 1032 (vgl. oben mit A.45) ist allerdings nicht völlig auszuschließen (Situation und Führer sind gleich; kein besonderes Indiz ist die an beiden Stellen berichtete Sendung von 500 Gefangenen an den Kaiser — solches kam auch 1035 vor [vgl. u. A. 52]). 47 Skylitzes 306, 37—39 ( = Kedrenos 511,20f.) ; Zonaras III 580, 11 f. Zur Lage (unweit des Meeres auf dem Demre-Plateau) und Geschichte des Wallfahrtsortes (im Gedenken an den bekannten Bischof wohl konstantinischer Zeit Nikolaos von Myra) vgl. RE X V I1088, s. v. Myra (HIRSCHFELD); J .Borchhardt, Myra. Eine lykische Metropole in antiker und byzantinischer Zeit (Istanbuler Forschungen 30). Berlin 1075. 48 Kykladen: Stützes 306, 44f. ( * Kedrenos 512, 3f.); Kykladen und Thrakesion: Skylitzes 308, 75—79 (»Kedrenos 513, 15—20); Zusammenfassung: Zonaras III 580, 16— 500, 1.
204 Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer Chage (Xayc)49, den Invasoren entgegen, fugte ihnen eine völlige Niederla* ge zu und schickte 500 Gefangene an Kaiser Michael IV., während die übrigen an der Küste von Adramyttion (Edremit)50 bis Strobelos (Çifutkalesi)51 gekreuzigt oder in das Meer gestürzt wurden52. In byzantinischen Diensten kämpften zu dieser Zeit gegen die Korsaren nicht zuletzt norman­ nische Krieger im Gefolge des auch durch seine Waffentaten in Sizilien berühmt gewordenen norwegischen Königssohnes Harald Hardraada53. 40 Konstantinos Chage ist 1043 durch die Unterwerfung des aufständischen Strategen von Zypern hervoigetreten: Skylitzes 420, 4— 17 ( * Kedrenos 640, 16—660, 6); vgl. G uiLLAN D , Titres XIII 6. — Kibyrrhaiotön war das wichtigste Flottenthema, unter Leon III. (717—741) aus dem Thema Karabisianoi abgetrennt; vgl. AH RW EILER, Mer 61. 60 Adramyttion lag am ASpapornQvoç xoXtcoç, der Bucht, die Lesbos gegenüberliegt. Das binnenländische Adramyttion hat erst um 1100 den Namen des enteren übernommen. Vgl. RE I 404 (H irschfeld); R amsay in seiner Karte bei S. 178; E. Armao, In giro per il mar Egeo con Vincenzo Coronelli. Florenz 1061, 102. 61 Der Name Strobelos ist mehrfach belegt, hier wohl das antike Temieron, heute Briokastron oder Çifiitkalesi gegenüber von Kos zwischen Myndos und Halikamassos. Vgl. K. AMANTOS, 2/rpoßiXo;. Hell. 11 (1030) 202. “ Skylitzes 308, 03—3 ( « Kedrenos 614, 12—17) ist auf 308, 76—70 ( - Kedrenos 613, 16—20) zu beziehen (vgl. o. S.'203 mit A.48; so schon GFROERER III 176—177, dann SCHLUMBERGER, Épopée III 102) : Hier wie dort stehen Besiegung der Piraten und Sendung von 600 Gefangenen ; an ersterer Stelle heißt es nur allgemein, sie seien von den dortigen Befehlshabern niedeigerungen worden, während die letztere Name und Funktion des Chage angibt. Die Kreuzigungen finden sich im früheren Passus, die Ertrinkung im Meer im späteren ; der geographische Schauplatz ist identisch. 63 Harald Hardraadas Andenken in poetischer Einkleidung hat die altnordische Litera­ tur bewahrt; vgl. Snorris Königsbuch (d. i. Snorri Sturlusons Heimskringla) Bd. III 67—171 (Sammlung „Thule“XVI. Jena 1023), sowie die „Norwegischen Königsgeschichten“, Bd. I 210—317: Erzählungen aus der Zeit Haralds des Harten (Sammlung „Thule“ XVII. Jena 1028). Die zugrundeliegenden historischen Tatsachen sind jene, daß Harald ein Bruder Olafs des Heiligen von Norwegen war, nach dessen Schlachtentod (1030) als ganz junger Mann zum Großfürsten Jaroslav dem Weisen nach Kiev ging, sich mit ruhmvollen Taten die Hand von dessen Tochter Ellisifr (Elisabeth) erwerben wollte und daher in die Dienste des byzantinischen Kaiserhofes trat. Er kämpfte gegen die Muslime vor Edessa, dann im Agäischen Meer, und kam später als Führer der für Sizilien bestimmten Warägerstreitmacht mit Georgios Maniakes nach Sizilien (dazu vgl. u. S . 208 mit A. 64). Über diese Persönlich­ keit vgl. S. B löNDAL, The Varangians of Byzantium. An aspect of Byzantine military history translated, revised and rewritten by B.S. B enedikz. Cambridge 1078, 64ff.; J. Shepard , A note on Harold Hardraada. JÖB 22 (1073) 140f. (seine Ankunft in Konstantinopel wahrscheinlich 1034); D. OBOLENSKY, The Byzantine sources on the Scandinavians in Eastern Europe, in: Varangian Problems (Scando-Slavica, Suppl. I). Kopenhagen 1070,161—163; Poppe, Dernière expédition 22—26; LEM ERLE, Prolégomènes 62—64 (mit umfangreichen Literaturangaben in A. 1); T.C.K endrick, A history of the Vikings. London 1030, 172—174; AMAR1, Storia II 442—446, A. 2; SCHLUMBERGER, Épopée III 232—234. 244—260.
Darstellung 205 Auch in Italien erhob sich das byzantinische Ansehen wieder von jenem Tiefpunkt, den der Tod des Katepano Pothos Aigyros (1032) bezeichnet hatte. Dies ist jedoch zum wenigsten auf die Maßnahmen der kaiserlichen Regierung fur Italien zurückzuführen. Zwar ist die Tatsache, daß den auf Pothos Aigyros folgenden neuen Katepano Michael Truppen aus Anatolikon begleiteten, offensichtlich als Ausdruck der von Romanos III. nun als nötig erachteten Stärkung der byzantinischen Machtstellung aufzufassen; über Unternehmungen Michaels ist indes nichts bekannt54. Bereits im Mai 1033 kam Konstantinos Opos als Amtsnachfolger Michaels nach Italien, der außerdem an Stelle des Orestes den Oberbefehl zu Lande erhielt, während die Flotte einem früheren Kammerherren Basileios’ II., Ioannes, unterstellt wurde55. Das Aufhören muslimischer Einfälle in Unteritalien seit 1033 war vielmehr von zwei außerhalb der Sphäre des byzantinischen Italien stehen­ den Faktoren bedingt. Zum einen ließ sich der ZïrTde al-Mu’izz b. Bfidis wohl ebenso durch die byzantinischen Erfolge zur See wie durch eine Gesandtschaft mit kostbaren Geschenken im Jahre 426 H (beg. 15. Novem­ ber 1034) dazu bestimmen, einen Waffenstillstand abzuschließen, was aus dem Ende der Streifzüge zur See von dieser Zeit an erhellt. Zum anderen sah sich Ahmad al-Akhal von Sizilien aus innenpolitischen Gründen veran­ laßt, eine Anlehnung an Byzanz zu suchen. Zeichen dessen war die Mission des Georgios Probatas nach Sizilien 1034/5, der mit al-Akhal erfolgreiche Friedensverhandlungen führte und dessen Sohn an den H of nach Konstan­ tmopei geleitete. Schließlich ging al-Akhal sogar ein Bündnis mit dem byzantinischen Reich ein und erhielt zur Auszeichnung die Würde eines Magistros56.*4 8 M Zu Michael vgl. Lupus und anon. Bar. s. a. 1032, bei welchem es auch heifit: et adduxü Anatoliki; beide bezeichnen ihn als Protospatharios und eriti tu bilu ke tu ypodromu, epi tu ykyaeon, d. h. xpro;; toGß^Xou xai citt toü ijnroípópou, xotl tnt tüv oixcutxüv, also als Angehörigen beider kaiserlicher Richterkollegien am „Gedeckten Hippodrom“ (vgl. K. E.Z achariae V. LingENTHAL, Geschichte des griechisch-römischen Rechts. Berlin * 1892, 358—380) sowie der kaiserlichen Domänenverwaltung (zum tnt tüv oixsutxüv in dieser Zeit vgl. W. SEIBT, Prosopographisehe Konsequenzen aus der Umdatierung von Orumel, Regesten 933. JÖB 22 [1973] 109; OikonomidEs, Évolution 136—138) — er war also ein Jurist und somit eher Vertreter der Zivilaristokratie als des Militirstandes. 48 Zu Konstantinos Opos vgl. o. A. 39; an der betreffenden Skjrlitzes-Stelle 389, 54—58 (»Kedrenos 503,17—20) wird der Flottenkommandant als de tüv SaXapijmXwv bezeichnet, d. h. als ein Eunuch im Palastdienst. Vgl. G uillaND, Recherches I 282. M Das Faktum der byzantinischen Gesandtschaft bei al-Mu’izz: Ibn I jlil I 286 (s. a. 426). — Sizilien: 8kylitzes 398, 79—82. 99f. ( =*Kedrenos 513, 20—23; 514, 6f.) s. a. 6543 (beg. I. September 1034) ; vgl. DöLGER, Regesten 841. In dem 'AicoX¿9«p des Skylitzes steckt wie in Zoffuri (vgl. o. A. 29) die kunje AbO Ga'far; vgl. Amari, Storia II 433, A. 2.
206 Unterit&Uen, Sizilien, Ägäisches Meer Die dieser Wendung zugrundeliegende krisenhafte Entwicklung auf Sizilien nahm ihren Ausgang von der Problematik einer ausreichenden Finanzierung der Kriegführung, zumal da die durch den seinerzeitigen Regenten Ga'far 405 H (beg. 2. Juli 1014) verfugte Reduktion der Heeres­ stärke in der Folge der byzantinischen Aktivitäten gegen Sizilien seit 1025 den Einsatz von Söldnern unumgänglich machte. So dachte al-Akhal den Gegensatz zwischen Siziliern und Afrikanern (d. h. zwischen den unterwor­ fenen und Í8lami8ierten Einwohnern einerseits und den in mehreren W ellen Zugewanderten andererseits) dahingehend für sich zu nützen, daß er sich auf die Seite der Afrikaner stellte, ihrem Besitz Immunität zusprach und den bará¿ durchgehend von den Siziliern einhob, die sich nach ihrem Übertritt zum Islam zum Teil dieser Besteuerung hatten entziehen können. Es ist die daraus entstehende innere Entzweiung, welche bei der Annäherung al-Akhals an Byzanz 1034/5 bereits ihre Wirkung getan haben muß; 427 H (beg. 5 .November 1035) begaben sich unzufriedene Sizilier ihrerseits zu al-Mu’izz b. Bädis und boten ihm ihre Unterstellung an. Gewiß bedurfte es nicht ihrer angeblichen Drohung, die Insel sonst den Byzanti­ nern auszuliefem, daß al-Mu‘izz die Gelegenheit ergriff, sich maßgeblichen Einfluß auf Sizilien zu verschaffen; den Schein einer Legalität lieferte die Fügung, daß der Führer der Rebellen ein Bruder al-Akhals namens Abü Hafç war, welcher nun gegen das Versprechen, einen Stützpunkt einzuräu­ men, von al-Mu*izz Waffenhilfe erhielt. Mit der Befehlsgewalt über ein Expeditionskorps von je 3000 Mann Fußvolk und Reiterei betraute al-Mu'izz seinen Sohn 'Abdalläh, und dieser errang in Sizilien solche Erfolge, daß al-Akhal 1036/7 völlig geschlagen zum Katepano von Italien, Konstantinos Opos, floh und dessen Hilfe anrief. Opos setzte auch mit einem Heer nach Sizilien über und errang eine Reihe von Erfolgen gegen die Afrikaner; da es jedoch den Anschein bekam, als ob sich die Muslime untereinander wieder verständigen und gemeinsam Wen­ dung gegen die Byzantiner machen wollten, brach er den Feldzug ab und kehrte auf das Festland zurück57.5 1 51 Zur Reduktion der Heeresstárke vgl. o. S. 196f. mit A. 22. — Genesis des Konflikts in Sizilien: Deutung der orientalischen Quellen (Ibn al-Atïr X 196, s. a. 484; Abu’l-Fidi' III 276; an-Nuwairi bei Amari, Biblioteca 444f.; Ibn Haldfln IV 449) bei Amari, Storia II 427—433. Dazu kommt Skylitzes 398, 88f. ( = Kedrenos 514, 7f.) sowie 400, 60—63 ( « Kedrenos 516,16—19) ; der an ersterer Stelle genannte ’Asóx*i]/ ist Abü Haf?, vgl. AMARI, Storia II 433, A. 2. — Unter h&räg ist die zunächst auf den Besitz von Nichtmuslimen erhobene Grundsteuer zu verstehen, deren Leistung seit der Zeit zunehmender Konversio­ nen zum Islam von den Neubekehrten (im Widerspruch zu der bald dahingehend modifizier­ ten Bestimmung, wonach der hará¿ an das jeweilige Territorium gebunden bleiben sollte)
Darstellung 207 Nach dem Abzug der Byzantiner mußte sich al-Akhal in die Zitadelle v on Palermo, al-Q&liça, zurückziehen, wo ihn 'Abdalläh b. al-Mu’izz belager­ te . Ala es unter den Siziliern nunmehr zu einer Spaltung kam, weil ein Teil wiederum die Unterstützung al-Akhals bzw. die Vertreibung des zlrldischen Expeditionskorps wünschte, fiel al-Akhal durch Anhänger der Zlriden einem Attentat zum Opfer, und sein Haupt wurde ’Abdalläh b. al-Mu’izz überbracht, der sich daraufhin ohne weiteren Widerstand Palermos und der übrigen Insel bemächtigte58. Demgegenüber erneuerte Byzanz seinen militärischen Einsatz. Wohl E nde 1037 ließ Michael IV. im ganzen Reich Truppen zum Kampf um Sizilien bereitstellen, deren Oberbefehl Georgios Maniakes als oTpa-njycx; aÙToxpocTcop erhielt; zur See sollte ihm der Patrikios Stephanos, Gemahl der Schwester Michaels IV., zur Seite treten50. Im Zusammenhang mit den militärischen Maßnahmen war offenbar auch eine politische Reorganisation der Verwaltung Süditaliens geplant40. Maniakes — der selbst nicht das Amt des Katepano bekleidet zu haben scheint, wenn er auch als <rrpaT))YÔç aùroxpàrwp diesem bzw. den italischen Strategen in allen Fragen des sizilischen Feldzuges übergeordnet war41 — schickte sich — zusammen mit dem vormaligen Katepano von Antiocheia, ▼erbreitet ▼erweigert wurde. Vgl. EI* IV 1030—34, s. ▼. khar&dj (Cahen); EI* I I 860, s. ▼. fei' (Lokkeoaard). Zug des Opos: Skylitzes 400, 53—401, 66 ( - Kedrenos 516, 19—517, 12) s. a. 6545 M (beg. (.September 1036). Irreführend iat die Angabe, daß Opos 15.000 befreite Gefangene mit sich führte — offenbar rechnete Skylitzes christliche Parteigänger der Byzantiner hinzu, die ins Exil gehen mußten; dahingehend A m ABI, Storia II 436, A. 1. Auf Skylitzes beruht Zonaras III 500, 16—501, II. M Vgl. Ibn al-Atir X 195 (s. a. 484); Abu’l-Fidä' III 276; an-Nuwairl bei Amabi, Biblioteca 445; Nilus, Vita Philareti II 11 (608 CD) (ohne Nennung des Namens von alAkhal; der barbarorum tyrannus, welcher ganz Sizilien in seine Hand bekam, ist'Abdalläh). M Sammlung von Truppen: Nilus II 10 (608 C) (vgl. DöLGER, Regesten 845); Oberbe­ fehl des Maniakes (zu ihm vgl. o. S. 91 mit A. 148 und S. 144 mit A. 34) : Skylitzes 398,91 — 93 («Kedrenos 514, 9—12), s. a. 6546 M (beg. (.September 1037); Lupus gibt 1038 als Kriegsbeginn. — Zum oTpanii'ôç aÙToxpâtiap vgl. o. S. 160, A.85. — Stephanos wird von Skylitzes als (xorr)ápx<»v toG « tóXou bezeichnet, was dem ¿ pouyy*P10< tü » lüotpu« zu entspre­ chen scheint; vgl. GuiLLAND, Recherches I 535—537. 539. 80 In diese Richtung weist die Einrichtung des kurzlebigen Themas Lukania, das für 1042 nachgewiesen ist. Vgl. A. Guillou, La Lucanie byzantine. Byz 35 (1965) 119—149; bes. 128; Falkenhausen *65—70 bzw. *65—'72. *' Die Quellen schreiben Maniakes teilweise (von seiner Amtszeit 1042 ausgehend) auch hier schon dieses Amt zu. Vgl. dagegen aber Falkenhauaen *91 bzw. *95. Maniakes erscheint bei den byzantinischen Historikern als Gestalt von heroischer Größe; vgl. POPPE, Dernière expédition 17. I9f.; o. S.9I f., A. 146. 148. Die westlichen Quellen zeichnen ihn dagegen sehr ungünstig, und zweifellos führte er in Italien ein grausames Regiment, das durch zahlreiche Hinrichtungen gekennzeichnet ist. Vgl. FALKENHAUSEN *59 mit A.447; *95f., Nr. 48.
208 Unteritalien, Sizilien, Agauches Heer Michael Spondyles62 — 1038 mit der Überschreitung der Straße von Messina zum eigentlichen Feldzug an. ln seinem Heer befanden sich unteritalische Einheiten aus Apulien und Calabrien, Lombarden aus Ober­ italien, Russen und skandinavische Normannen — letztere unter dem Befehl des legendären Harald Hardraada, der später vielleicht in ein engeres Verhältnis zu Maniakes trat — sowie einige Hundert französischer Normannen (diese begannen damals schon nachhaltig in die Geschicke Unteritaliens einzugreifen)63 unter Führung der Brüder Wilhelm Eisenarm und Drogo; hinzu kamen byzantinische Truppen des Ostens64.• * •* Der Beiname Michaels, Sfimdili (bei Lupus und dem anon. Bar.), weist auf den als Statthalter Antiocheias unter Romanos III. bekannten Michael Spondyles (zu ihm vgl. o. S.79f. mit A. I ll—114; S.82 mit A. 120). Amari, Storia II 440, wollte obigen Michael mit Michael Dokeianos gleichsetzen, der 1040 Katepano von Italien wurde (vgl. zu ihm u. A.73); gegen diese Identifikation machte Falkenhausen '72, A.544 bzw. *74, A. 175 prosopographische Gründe geltend, und außerdem stand Michael Spondyles als vormaliger Katepano von Antiocheia so gut wie sicher im Rang höher als Michael Dokeianos, der 1040 (vgl. Skylitzes 425, 14— 18 [ « Kedrenos 545, 15— 19]) Protospatharios war. ® Zum historischen Hintergrund vgl. Gay 437—449; CHALANDON I 77—87; HEINE­ MANN 57—70; H.B resslau, Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Bd. II. Leipzig 1884, 288—320. Der Sachverhalt war kurz gefaßt folgender: Ein normannischer Anführer namens Rainulf hatte im Bündnis mit dem Dux Sergius von Neapel gegen den Fürsten Pandulf III. von Capua die Erlaubnis erwirkt, auf dessen Gebiet die Burg Avena anzulegen, und von ihm den Titel ..Graf von Avena" erhalten. Dann ging er auf die Seite Pandulfs, des damals mächtigsten unteritalischen Fürsten über, der im Bündnis mit Byzanz stand, und schließlich wandte er sich dem Fürsten Waimar V. von Salerno zu, der 1038 die Lehnshoheit Kaiser Konrads II. anerkannte. Dieser belehnte auf seinem Zug nach Unter­ italien Waimar V. mit Salerno und Capua, während Pandulf zuletzt nach Konstantinopel floh. Rainulf aber wurde von Konrad II. als Vasall Waimars und als Graf von Aversa bestätigt. Nach Gaufiredus Malaterra (vgl. u. A. 64) war Waimar froh, dem Maniakes auf sein Hilfeansuchen hin eine Anzahl der schwierig zu behandelnden Normannen übersenden zu können ; ihre Stärke wird von Amatus und Leo Ostiensis (vgl. u. A. 64) auf 300 geschätzt. u Zusammensetzung des byzantinischen Heeres: die ann. Bar. s. a. 1041 zählen die Truppen auf, welche zum Kampf gegen die Normannen nach Unteritalien abgezogen wurden (d. h. zuvor in Sizilien standen) ; die ebd. genannten Russi sind wohl als solche und nicht als Varäger aufzufassen — die ann. Bar. s. a. 1027 ( = 1025) nennen beim Feldzug des Orestes Truppen Russorum , Guandalorum ; letzteres ist aber aus Varangorum entstellt (vgl. o. A. 34); die ann. Bar. s. a. 1041 fuhren weiters die ober- und unteritalischen Kräfte an; vgl. ferner Guillelmus Apulus (Wilhelm von Apulien) I 204 (Langobarden, französische Norman­ nen); Skylitzes 425, 7—14 (-Kedrenos 545. 8—15) (Lombarden Oberitaliens); Kekaumenos 282, 19—23 (Litavrin) (Harald Hardraada — zu ihm vgl. o. A.53 — mit 500 Gefolgsleuten). Zu den französischen Normannen: Amatus II 8; Gaufredus Malaterra I 7; Leo Ost. II 66. Amatus und Leo irren jedoch, wenn sie unter den normannischen Führern auch den dritten Bruder Hunfried (alle waren Söhne des Tancred von Hauteville) nennen — dieser ist erst zwischen 1043 und 1045 nach Italien gekommen. Vgl. CHALANDON I 106; SCHLUMBERGER, Épopée III 235, A. 1. — An byzantinischen Truppen des Ostens nennen die ann. Bar. s. a. 1041 solche aus Anatolikon, Opsikion und wohl Thrakesion (die ann. Bar.
Darstellung 209 Zum ersten großen Erfolg gestaltete sich die Eroberung Messinas, wo sich die Normannen besonders auszeichneten. In mäßiger Entfernung südwestlich davon, bei Rhemata (Rametta), stellte sich 'Abdallfih b. atM u'izz zum Kampf, erlitt indes eine schwere Niederlage65. Der byzantini­ sche Vormarsch ging an der Ostküste weiter gegen Syrakus, das völlig zem iert wurde, nachdem Wilhelm Eisenarm den Kommandanten der Muslime getötet hatte66. In der Folge scheint sich die byzantinische Offensive verlangsamt zu haben, sodaß 'Abdllfih b. al-Mu'izz Zeit gewann, während des Jahres 1038/9 eine in Afrika formierte neue starke Armee heranzufuhren67. schreiben Thracici, doch waren Truppen aua Thrakesion unter Michael Dokeianos [zu ihm vgl. o. A .62; u. A. 73] in Unteritalien eingesetzt: Skylitzea 426, 26 [« Kedrenoe 546, 6]; sie konnten zuvor sehr wohl in Sizilien gewesen sein). Möglicherweise wurden in Sizilien auch andere kleinasiatische Truppen verwendet; in obigem Zusammenhang spricht Skylitzes auch vom Táyjia der ^oiÄcpixoi aus Iliaot&ai und Auxâovcç in Unteritalien (vgl. ODCONOMIDÊ8 343 sum Turmarchen der Föderaten von Lykaonien und Pamphylien). 66 Messina: Gaufredus I 7; Amatus II 8 (nennt den Namen der Stadt nicht). Skylitzes schildert stattdessen 403, 22—28 ( = Kedrenos 520, 1—8) die ihm viel wichtigere Schlacht von Rhemata, die wieder von der normannischen Tradition übergangen wurde. Das wechselseitige Verschweigen der Taten anderer seitens der normannischen Quellen bzw. durch Skylitzes erklärt sich offenbar aus den verschiedenen Gesichtspunkten, die Norman­ nen zu verherrlichen bzw. sie mit möglichster Distanziertheit (zugunsten von Maniakes) zu behandeln. Es ginge zu weit, die Berichte über Messina und Rhemata geradezu als Überlieferungen über eine und dieselbe kriegerische Auseinandersetzung aufzufassen, doch stehen diese Ereignisse zweifellos miteinander in unmittelbarem Zusammenhang; Abdallàh b. al-Mu'izz mußte ja auf die Belagerung bzw. Eroberung Messinas reagieren. Skylitzes beziffert die Zahl der muslimischen Truppen auf 50.000 (Tendenz der Hervorhebung von Maniakes' Leistungen; vgl. o. S.91 f., A. 148), was weitaus übertrieben ist, da die orientali­ schen Quellen (vgl. o. A. 57) die Stftrke von 'Abdallfths Expeditionskorps mit 6000 Mann angaben. — Rhemata beherrschte die Verbindung von Messina nach Palermo; vgl. A m a r I; Storia I 569f. 66 Uber die Belagerung und den Ruhm der Normannen vgl. Gaufredus Malaterra I 7 ; sein Arcadius ist Entstellung aus al-qäld („Anführer“); vgl. AMARI, Storia II 446, A. 1. m Skylitzes, der zuvor von den Ereignissen des Jahres 6546 M (beg. 1. September 1037) berichtet hat, spricht 403, 28—30 («Kedrenos 520, 8f.) mit der Einleitung firci Bi davon, daß Maniakes 13 StAdte Siziliens unterwarf; dies geht wohl nicht mehr auf 6546 M, sondern bereits auf 6547 M (beg. 1. September 1038) — sonst erhielte man ein ereignisloses Jahr 1039. Skylitzes setzt übertreibend fort, Maniakes habe sich der ganzen Insel bemäch­ tigt, worin sich wiederum die panegyrische Tendenz seiner Darstellung zeigt. — Die Truppen 'Abdall&hs waren nach Gaufredus Malaterra I 7: 60.000, nach Nilus II 11 gar 100.000 Mann stark (Skylitzes spricht in seinem Bericht über die Schlacht von Traîna [s. u. A.68] bombastisch von 50.000 gefallenen Feinden). Viel wahrscheinlicher beziffert die .anonymi historia Sicula‘ (M u r a t o r i , Rerum Italicarum Scriptores VIII748), die ansonsten mit Amatus, Leo und der übrigen normannischen Tradition zusammengeht, die Muslime bei Traîna auf 15.000—20.000 Mann.
210 Unteritalien, Sizilien, Ägäisches Meer Im Frühjahr oder Sommer 1040 traten sich die Gegner schließlich bei Traina (Apotylvoti, heute Troina) nochmals zu einer großen Schlacht gegen­ über. 'Abdalläh b. al-Mu'izz hatte dort in weitem, offenen Gelände sein Lager aufgeschlagen und glaubte, durch eine Unzahl von Fußangeln, die er im Umkreis hatte ausstreuen lassen, vor einem Angriff der feindlichen Reiterei genügend abgesichert zu sein. Die Truppen des Maniakes hatten jedoch die Beine ihrer Pferde durch Umhüllungen aus eisernen Plättchen geschützt; außerdem vollbrachten die Normannen, von denen wiederum Wilhelm Eisenarm namentlich genannt wird, bravouröse Taten; ferner wurden die byzantinischen Truppen durch einen aufgekommenen Sturm unterstützt, der den Muslimen entgegenblies. 'Abdalläh b. al-Mu'izz wurde erneut eindeutig besiegt; der Flottenkommandant Stephanos konnte aber nicht verhindern, daß 'Abdalläh, sobald er mit geringer Begleitung an die Küste entkommen war, zu Schiff nach Palermo gelangte, von wo aus er den Krieg fortsetzen wollte. Der Ausgang dieser Schlacht muß auch den Kam pf um Syrakus entschieden haben; den Sieg völlig auszunützen war Maniakes jedoch aus mehrfachen Gründen nicht im Stande686 9 . Bereits früher hatten Streitigkeiten um Besoldung und Verteilung der Beute zu Spannungen zwischen Maniakes und den Normannen60 geführt, 68 Vgl. Gaufredus Malatem I 7; Nilus II 11 (608 DE) (der Name des Ortes ist hier ausgefallen, kann aber unmöglich das zuvor genannte Palermo sein; vgl. ÁMARI, Storia II 446, A.2); Skylitzes 405, 80—406, 00 ( « Kedrenos 522, 9—10), der als Namen Apoylvoi bietet. Von diesem westlich des Ätna gelegenen Platz gingen wichtige Verbindungen nach Taormina, Catania und Syrakus; vgl. A m ari a. O. Der Zeitpunkt der Schlacht eigibt sich daraus, daß Skylitzes unter 6548 M (beg. 1. September 1030) zuvor von einem Erdbeben im Feber gesprochen hat. — Die Fußangeln (tribuli) : Nilus I I 11. — Zu Stephanos’ Beurteilung 8. u. in A.70. — Was Syrakus betrifft, wird es von Gaufredus Malatem I 8 bereits als erobert vorausgesetzt. Maniakes ließ es neu befestigen; das Castello Maniace bei der Hafeneinfahrt an der Spitze der Halbinsel Ortygia bewahrt bis heute seinen Namen (dazu vgl. A m a r i , Storia II 451, A. 2). 69 Von den Normannen vollbrachte zweifellos auch Harald Hardraada ruhmvolle Taten in Sizilien, doch ist eine historische Auswertung der hier ganz legendenhaften nordischen Überlieferung (vgl. o. A. 53) nicht möglich. Er soll 80 Städte oder Festungen erobert und den König von Afrika — d. i. 'Abdalläh b. al-Mu'izz — besiegt haben. Vgl. dazu AMARI, Storia II 443f., A.2; P o p p e , Dernière expédition 23f.; C h alá NDON I 02. — 1040/1 verließ Harald Sizilien und erwarb sich große Verdienste bei der Niederwerfung des bulgarischen Aufstandes unter Delianos, sodaß er zum Spatharokandidatos (Rangstufe zwischen Spatharios und Protospatharios; vgl. OlKONOMlDÊs 207) ernannt wurde. Vgl. Kekaumenos 282, 11—284, 7 (L it a v r in ) und dazu L e m e r l e , Prolégomènes 62—64. Fabulöse Berichte über Züge nach Noidafrika und Jerusalem, wie solches die SagaTradition behauptet, beiseite, ist es Tatsache, daß Harald nach Michaels V. Tod in Konstantinopel festgehalten wurde, bis er es heimlich verlassen konnte (so Kekaumenos); geschah dies vielleicht wegen eines befürchteten Einverständnisses Haralds mit den russischen Varägem, die Juni/Juli 1043 Konstantinopel angriffen? Dann wäre es dooh
Darstellung 211 die nach der Schlacht bei Traina darin gipfelten, daß Maniakes einen der Führer und zugleich Sprecher der italischen Normannen, Arduin, öffentlich mißhandeln und die ihm schon lästig gewordenen Normannen nach Unter­ italien zurückkehren ließ70. Die Flucht von Abdalläh b. al-Muizz aber führte Maniakes in seinem Zorn dazu, Stephanos nicht nur mit Schmähun­ gen zu überhäufen, sondern sogar öffentlich zu insultieren. Stephanos rächte sich, indem er umgehend dem unter Michael IV. politisch maßgebli­ chen Orphanotrophos Ioannes eine angebliche Empörung des Maniakes gegen den Kaiser anzeigte. Daraufhin wurde Maniakes auf Anweisung Michaels IV. abgesetzt, gefesselt nach Konstantinopel geschafft und einge­ kerkert. Die weitere Kriegführung in Sizilien erhielten Stephanos und der Praipositos Basileios Pediadites übertragen, die jedoch (und Ähnliches hat für den neben ihnen wirkenden Michael Dokeianos zu gelten) der Lage gar nicht gewachsen sein konnten71. merkwürdig, daß Haralds Konfinierung und sein heimlicher Abgang (letzterer dürfte September/Oktober 1042 erfolgt sein; vgl. POPPE, ft. O. 28f, A. 84) um so viel vorausgingen. Vielleicht aber (so POPPE ebd. 25—29) waren engere Beziehungen Haralds zu Mftniakes der Grund, die auf die Zeit ihres gemeinsamen Kampfes in Sizilien zurückgingen und Harald jetzt verdftchtig machten. — Nun konnte er endlich die von ihm lang erstrebte Warägeiprinzessin Elisabeth (Elliaifr) heiraten; er kehrte nach Norwegen zurück, wo er seinen Neffen Magnus zum Kondominium bestimmen konnte. 1047 wurde er nach Magnus’ Tod Alleinherr­ scher und fiel auf einem Zug nach England 1066 bei Stamfordbridge im Kampf gegen den angelsächsischen König Harold, unmittelbar vor der normannischen Landung in England. Vgl. die o. A. 53 angegebene Literatur. 70 Vgl. Gaufredu8 Malaterra I 8, der Arduin richtig als Verbindungsmann und Dolmet­ scher zwischen Normannen und Byzantinern bezeichnet; Skylitzes 425, 8—426, 3 ( « Kedrenos 545, 8—546,1 ) sieht ihn dagegen irrig als unabhängigen Fürsten an ; Amatus I I 14; Leo Ost. II 66 (nach beiden letzteren war Arduin Lehnsmann des Erzbischofs von Mailand [zu seinen früheren Schicksalen vgl. AMAR1, Storia II 448, A. 1 und 449, A. 1]); Guillelmus Apulus I 206f. — Skylitzes (und hierin stimmt Guillelmus mit ihm überein) entlastet Maniakes dadurch, daß er Michael Dokeianos mit Arduin und den Normannen brechen läßt. Dennoch fugt sich die Tradition Leos, Amatus’ und Malaterras, daß Maniakes Arduin bestrafte, besser in den inneren Gang der Ereignisse und ist daher vorzuziehen. Gaufredus Malaterra behauptet andererseits unzutreffend, die Normannen hätten Sizilien heimlich verlassen; Arduin erhielt von Michael Dokeianos, der dann im November 1040 als Katepano nach Bari kam (vgl. u. S. 213 mit A. 75), den Befehl über mehrere apulische Städte (dazu vgl. u. A.74). — In der bereits gespannten Lage konnten sich alle möglichen Streitpunkte zwischen Byzantinern und Normannen ergeben: in Snorris Königsbuch etwa wird eine Kontroverse um den gesünderen Lagerplatz fur die Krieger schließlich durch das Los zu Gunsten der von Harald Hardraada vorgenommenen Entscheidung bestätigt. 71 Vgl. Skylitzes 406, 90—9 ( - Kedrenos 522, 19—523, 13); Zonaras III 592, 14—593, 15. — Der Praipositos — ein hochrangiger Hofeunuch — hatte wichtige Aufgaben im kaiserlichen Zeremoniell; später wurde das Amt auch zum Rangtitel; vgl. GuiLLAND, Recherches I 333; OlKONOMlDÊS 300; B r é HIER 113; BURY 123f. Bei Kekaumenos 158, 6f. (L it a v r in ) wird Pediadites als Katepano von Sizilien genannt, aber nur hier, sodaß ein
212 Unteritalien, Sizilien, Ägiiachea Meer In eine um nichts geringere Krisis geriet um die gleiche Zeit d ie zTrldische Intervention auf Sizilien. 'Abdall&h b. al-Mu’izz sah sich nach seiner Niederlage bei Traína einem allgemeinen Abfall der Sizilier gegen­ über. Es brachen gegenseitige Feindseligkeiten aus, in denen an die 800 Mann 'Abdallähs ihr Leben verloren haben sollen, und zuletzt blieb ihm keine andere Wahl, als mit dem Rest seiner Armee nach Afrika zurückzu­ kehren. Die Sizilier machten nun einen Bruder al-Akhals, Hasan mit dem Beinamen $amç8m(addaula), zum Emir, neben dem indes noch 439 H (beg. 23. September 1039) mehrere sich als unabhängig gebärdende Machthaber auftraten; darunter an der Ostküste, wo die Byzantiner Fuß gefaßt hatten, Ibn at-Timna in Syrakus und dann in Catania72. Diese Zwietracht unter den Muslimen verschaffte den Byzantinern jedoch keinerlei Vorteile, auf deren Seite sich neben den begrenzten Möglichkeiten von Stephanos und Pediadites der inzwischen in Unteritalien ausgebrochene Aufstand bedenk­ lich auszuwirken begann. Hier nämlich waren offensichtlich die Dienstverpflichtungen und K on­ tributionen für den sizilischen Feldzug Anlaß zu einer gewaltigen Mißstim­ mung unter der Bevölkerung geworden, die sich 1039 in der Meuterei der apulischen, als Verstärkung für Sizilien gedachten Einheiten (xovrapâ-roi, conterait) entlud- Im Januar 1040 fiel der Katepano, Nikephoros Dokeianos, in Asculum der Rebellion zum Opfer, worauf die Empörer unter*7 1 byzantinischer Plan, Sizilien bei der Wiedereroberung zum Katepanat zu erbeben, zwar als möglich (vgl. auch die wahrscheinliche Motivation zur Schaffung des Ulemas Lukania o. A. 60), aber nicht genügend gesichert erscheint; vgl. Lemerle, Prolégomènes 65f. Die Beurteilung von Stephanos und Pediadites kann nicht kritiklos auf Grund der ÄuBerungen von Skylitzes erfolgen. Entsprechend seiner Position als Ruhmredner des Maniakes hatte er dem als unfähig geschilderten Stephanos bereits die Schuld zugeschoben, daß'Abdall&h b. al-Mu'izz nach der Schlacht bei Trains entkam (vgl. o. S. 210 mit A. 68) — in Wirklichkeit dürften die Seeatreitkr&fte des Stephanos zu einer wirkungsvollen Überwa­ chung der Küste kaum ausgereicht haben. In Ähnlicher Weise ergeht sich Skylitzes nach der Abberufung des Maniakes höchst negativ über Stephanos und Pediadites, doch gilt wohl auch hier, daß die beiden mit den ihnen zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln (zumal nach der Rücksendung der Normannen) kaum zu wirksamerer Aktivit&t im Stande waren. Zu Michael Dokeianos vgl. u. A. 73. 71 Ibn al-AtTr X 196f. (s. a. 484); AbuM-Fid*' III 276f.; NuwairT bei A m ä RI, Biblioteca 445f.; Ibn ffaklfin IV 440; Nilus II 12 (608 EF); Skylitzes 405, 80—406, 90 (-Kedrenos 522, 9—19). Die beiden letzteren inen in der Behauptung, *Abdall&h b. al-Mu’izz (d. i. der „Karthager“ des Skylitzes und der „Tyrann der Barbaren“ bei Nilus) sei unmittelbar nach der Schlacht von Traina nach Afrika entflohen; erst der Konflikt mit den Siziliern bewirkte seine Vertreibung; vgl. A m a r i , Storia I I 447, A. 2. Andererseits schließen die orientalischen Quellen die Vertreibung ’Abdall&hs unmittelbar an den Untergang al-Akhals (d. i. 1037, vgl. o. S.206f. mit A.57f.) an, wAhrend die christlichen Autoren keinen Zweifel an dem Oberbefehl 'Abdall&hs bei Traina (1040) lassen (vgl. o. S. 210 mit A.68).
Darstellung 213 Argyrus, dem Sohn des Melo, gegen Bari marschierten. Argyrus bemächtig­ te sich der Stadt, überwarf sich aber hierauf mit den conterait und willigte (wohl infolge der entgegenkommenden Politik des Kaiserhofes) in eine Anerkennung der byzantinischen Oberhoheit ein73. Zu diesen Wirren trat ferner die Tätigkeit des Lombarden Arduin, der nach seiner entehrenden Behandlung durch M&ni&kea nach Unteritalien gegangen war und gegenüber dem Nachfolger von Nikephoros Dokeianos, Michael Dokeianos, der damals noch in Sizilien weilte, seine Ergebenheit vortäuschte, sodafi ihn dieser in amtlicher Eigenschaft nach Apulien schickte. In Wirklichkeit trat Arduin mit den aus Sizilien mißmutig zurückgekehrten Normannen in Verbindung und bemächtigte sich der Stadt Melfi; schließlich erwirkte er unter dem Vorwand einer Pilgerreise nach Rom die Gelegenheit zu einer Begegnung mit dem nunmehrigen Grafen von Aversa, Rainulf, um diesem Normannenfursten die Eroberung Apuliens nahezulegen74*. Während dieser bedrohlichen Entwicklung zogen Stephanos und Pediadites fluchtartig noch 1040 auf das Festland ab; der offenbar als tatkräftig geltende Protospatharios Michael Dokeianos wurde zum Katepano von Italien bestellt und traf mit einem Teil der in Sizilien stehenden Truppen im November desselben Jahres in Bari ein73. Diese weitere Schwächung der byzantinischen Position in Sizilien war gleichwohl fur den Kam pf gegen die nunmehr von den Normannen bestimmte Insurrektion in Apulien ohne Nutzen. Vielmehr wurde 1041 zum Jahr der normannischen E rfolge: Am ” Übersicht Ar die Ereignisse in Unteritalien bis sum Katepanat von Maniakes bei I 06—102; G a y 464—460; Sc h l u m b e r g e r , Épopée III 261—269. — Auf­ stand der contcmti (zu ihnen vgl. G a y 464 mit A.5): Lupus s. a. 1039 u. 1040; anon. Bar. und ann. Bar. s. a. 1040. — Argyrus: Lupus und ann. Bar. s. a. 1040. Zu ihm vgl. VANNIER, Argyroi 58; F a l k e n h a u s e n *68—62 bzw. *59—63; G u il l a n d , Patrices 2f. Er spielt bn Gegensatz zu seiner Haltung anfangs der Vierzigeijahre später wieder auf byzantinischer Seite eine maßgebliche Rolle, bis er unter Isaak I. Komnenos in Ungnade fiel und — offenbar abgesetzt — Italien verließ (1068). 74 Vgl. ann. Bar. und anon. Bar. s. a. 1041 ; Amatus II 16f.; Leo Ost. II 66; Guillelmus Apulus I 241 f. Diese Ereignisse fallen in Herbet und Winter 1040—41 ; im März 1041 besetzten die Normannen Melfi. Vgl. CHALANDON I 96f.; SCHLUMBERGER, Épopée III 262—256. Zum Titel Arduins, der beim anon. Bar. als tepoteriti, d. i. Toiwm)pi)-n% erscheint, vgl. F a l k e n h a u s e n *117 bzw. *120: wohl „Stadtkommandant“. 73 Stephanos und Pediadites flohen 1040, weil bei Skylitzes auf diese Angabe (407, 48— 60 [ « Kedrenos 625, 9f.]) weitere Begebenheiten dieses Jahres folgen. — Zu Michael Dokeianos vgl. G u il l a n d , Patrices 6—7 ; F a l k e n h a u s e n *89 bzw. *93, Nr. 46. Skylitzes 426, 14— 18 (»Kedrenos 645, 15— 19) beurteilt ihn und seine Rolle in Sizilien wohl zu Unrecht sehr negativ ; von großer Energie zeichnet ihn dagegen Attaleiates 34,1—24 (er fiel 1060, bereite im Rang eines ßcorapxi)«, gegen die Petechenegen); vgl. ferner Lupus und anon. Bar. s. a. 1040. Ch a l a n don
214 Unteritalien, Sizilien, Agäisches Meer 17. März erlitten die Byzantiner eine Niederlage bei Venosa, und am 4. Mai folgte eine weitere an den Ufern des Aufidus (Ofanto) nahe dem antiken Cannae, wo ein Großteil der aus Sizilien herbeigefuhrten Truppen den Untergang fand. Michael Dokeianos rettete sich mit Mühe und rief aus Sizilien die letzten verfügbaren Einheiten zu H ilfe; noch vor einer neuer­ lichen Auseinandersetzung enthob ihn jedoch Michael IV. seines Komman­ dos und ersetzte ihn durch den e x a u g u s t u s Boioannes, einen Verwandten des bekannten Katepano Basileios Boioannes. Er war noch weniger vom Schicksal begünstigt als sein Vorgänger und fiel nach verlorener Schlacht bei Montepelo80 am 3. September 1041 in die Gefangenschaft der Norman­ nen76. Michael Dokeianos kehrte nach seiner Abberufung aus Italien nach Sizilien zurück, wo er nichts weiter ausgerichtet haben kann, denn 1042 befand sich lediglich noch Messina in byzantinischer Hand77. Ebensowenig führte das nochmalige Auftreten von Georgios Maniakes zu einer Wende der Lage in Unteritalien oder Sizilien. Michael V. (11. De­ zember 1041—20. April 1042) hatte ihn aus der Haft entlassen; nach dessen Sturz ernannte ihn Zoe umgehend zum Magistros und Katepano von Italien. Maniakes führte in Apulien, wo Argyrus neuerdings von Byzanz abgefallen war, ein Regiment von größter Härte, wurde aber bald von den Ereignissen am Kaiserhof völlig in Anspruch genommen. Die Samtherr­ schaft von Zoe und Theodora bot ja einem tatkräftigen Mann — sei es als Kandidaten des Hofes, als Günstling einer der beiden Kaiserinnen oder als Usurpator — die Möglichkeit, nach der höchsten Gewalt im Staate zu greifen. Dessen war sich Maniakes natürlich bewußt; als Konstantin IX . 76 Untergang der rizilischen Truppen: ann. Bar. s. a. 1041 (genannt Einheiten aus Anatolikon, Opsikion, wohl ThrakeBion, Unteritalien sowie Russen; vgl. dazu o. A .64); letztes Aufgebot : ebd. genannt Macedones, PauUciani et Caiabrenees. Die Erwähnung der Sekte der Paulikianer ist die erste in einer westlichen Quelle, doch sind sie in Italien schon 885 bei Theophsnes Continuâtes 313 (Bonn) belegt. Im Westen hielt man sie für Manichäer; vgl. Guillelmu8 Apulus I 339—344. Dazu: N. G. GaksoTan, The Paulician Heresy. Haag 1967, 13f. mit A.3f.; 150 m. A. 170. — Der exaugustus Boioannes: Als „Verwandter“ von Basileios Boioannes erscheint er bei Skylitzes 426, 23—427, 47 ( = Kedrenos 546, 2—547, 5), als „Sohn“ beim anon. Bar. und Guillelmus Apulus I 345—348. Was in den meisten italischen Quellen alB exaugustus erscheint, erklärte M. Mathieu als entstellten Bei- oder Familiennamen und nicht als Titel : Noms grecs déformés ou méconnus. La Nouvelle Clio 4 (1952) 301—305; danach im wesentlichen Falkenhau.sex '90 bzw. *94; vgl. 'FJ;áxo'j<jTo; in: Prosopographisches Lexikon der Palaiologenzeit. Fasz. 3, Nr. 6049—54. — Überblick der normannischen Erfolge dieses Jahres bei CHALAXDON I 95—101 ; Gay 454—456; SCHLUMBERGER, Épopée III 254—269. 77 Rückkehr des Michael Dokeianos nach Sizilien: ann. Bar. und anon. Bar. s. a. 1041. Über seine dortige Tätigkeit wird von keiner Quelle etwas berichtet.; den Verlust aller Stützpunkte bis auf Messina betont Skylitzes 406,9—16 und 407,45—50 ( = Kedrenos 523, 13—20 und 525, 5—10).
Darstellung 215 — welcher überdies ein persönlicher Freund des mit Maniakes seit langem verfeindeten Romanos Skieros (des Bruders der kaiserlichen Maitresse Skleraina) war — am 11. Juni 1042 als neuer Gemahl Zoes den Thron b estieg, beschritt Maniakes offen die Bahn der Empörung. Als Prätendent a u f den Kaiserthron verließ er Italien (wo Argyrus wieder auf byzantini­ sch e Seite trat) und begann von Dyrrhachion aus den Marsch gegen K onstantinopel, auf dem ihn jedoch im Frühjahr 1043 in siegreicher Schlacht der Tod ereilte78. All diese Ereignisse behinderten eine wirksame Unterstützung der letzten in Sizilien verbliebenen byzantinischen Kräfte. Als einziger Stütz­ punkt auf der Insel behauptete sich noch Messina, wo der später so namhafte Katakalon Kekaumenos das Kommando führte; auch dieses war im Frühjahr 1042 von einer muslimischen Übermacht eingeschlossen, der gegenüber Kekaumenos auf angeblich ganze 300 Mann Kavallerie und 500 Mann Infanterie aus dem T ¿Y (ia t ü v ’Apfxtviáxwv zählen konnte. Deshalb ließ er drei Tage lang die Stadttore hermetisch geschlossen halten, um tags hernach einen überraschenden Ausfall zu unternehmen, der angeblich mit gänzlicher Zersprengung und verlustreicher Flucht der Belagerer endete, die überdies ihr Lager mit wertvoller Beute zurücklassen mußten78. Was das fernere Schicksal der letzten Byzantiner in Sizilien betrifft, ist — selbst wenn die Quellen davon schweigen — gewiß, daß auch Messina trotz der erfolgreichen Verteidigung durch Kekaumenos kurz nach dessen 7* Übersicht dieser Ereignisse bei ScHLUMBERGER, Épopée III 430—456; G a y 460— 468; CHALANDON I 102—104; zu den politischen Hintergründen vgl. SEIBT, Skleroi 77—79; POPPE, Dernière expédition 15—17. Der Schlachtentod des Maniakes fand — entsprechend dem tiefen Eindruck, den seine Persönlichkeit im Osten hinterließ (vgl. o. A. 61) — eine Darstellung im Stil des homerischen Heldenepos durch den Dichter Christophoros Mitylenaios, und wohl von demselben stammt auch ein Grabepigramm. Vgl. P oppe ebd. 19 mit A.56f.; F a l k e n h a u se n '91 bzw. *96. Zu Christophoros Mitylenaios vgl. H u n g er , Profane Literatur II 171. n Vgl. Skylitzes 406, 9—407, 50 ( = Kedrenos 523, 13—625, 10); Zonaras III 593, 15— 594, 6. Die auch stark fur Kekaumenos eingenommene Schilderung des Skylitzes (vgl. dazu o. S. 160, A.84) bietet ein chronologisches Problem, weil sie die erfolgreiche Verteidigung Messinas auf |uaoncvTrlxo<rrr, (d. i. 4. Tag nach dem 3. Sonntag nach Ostern — 4. Tag der folgenden Woche) ansetzt, wogegen Kekaumenos andererseits bereits in der 2. Woche nach Ostern mit der Kunde der glücklichen Abwehr in Konstantinopel gewesen sein soll (Skylitzes 419, 55f. [ = Kedrenos 538, 16—18]; vgl. dazu SCHREINER, Kleinchroniken II 144f.). Vielleicht sollte eher als an eine Verschiebung im Datum des erfolgreichen Ausfalls daran gedacht werden, daß der Kekaumenos äußerst gewogene Skylitzes (bzw. seine Quelle) dessen Anwesenheit in Konstantinopel fiktiv gerade auf jenen Zeitpunkt setzte, als Michael V. gestürzt wurde (denn darauf bezieht sich letztgenannte Stelle), um Kekaumenos auch bei dieser Gelegenheit eine wichtige Rolle spielen zu lassen, ohne daß ihre Unverein­ barkeit mit dessen Wirksamkeit in Sizilien beachtet worden wäre.
216 Unteritalien, Sizilien, Agàisches Meer (noch im Frühjahr 1042 erfolgten) Weggang den Muslimen in die Hände fiel. Unter den muslimischen Teilherrschem der Insel erlangte der zuneh­ mend hervortretende Um at-Timna das Übergewicht; 444 H (beg. 3. Mai 1052) bemächtigte er sich Palermos, wo die städtischen Notabein die eigentliche Gewalt ausgeübt hatten ; durch die Absetzung Çamçâms endete nun auch formal die Herrschaft der kalbitischen Dynastie in Sizilien. Ihn at-Timna, der schließlich einen Großteil der Insel unter seine Herrschaft gebracht hatte und sich als Chalife gebärdete, rief 1061 — von inneren Schwierigkeiten bedrängt — die Normannen zu Hilfe, die dann unter Roger I. ihr Eroberungswerk begannen80. *° A m a r i , Storia I I 464 liât Messina „zu irgendeinem Zeitpunkt, seien es einige Monate oder Jahre“, den Muslimen in die H&nde fallen. Letzteres ist jedoch entschieden zu lange; wenn Kekaumenos trotz seines (laut Skylitzes so gl&nzenden) Erfolges bei der Abwehr der Feinde die Stadt offensichtlich sehr bald danach verlassen hat (vgl. o. A. 79), so tat er dies zweifelsohne auch im Bewußtsein, daß die Lage fur die Byzantiner hoffnungslos war. — Zu Ihn at-Timna vgl. o. S. 212 mit A. 72. Ende der Kalbiten : 444 H als Datum der Absetzung SamfSms hat nur die Chronographie des osmanischen Polyhistors Hag¿T Qallfa (fl 668) bewahrt; vgl. die Stelle bei A m a r i , Biblioteca 624, sowie A m a r i , Storia II 484, A.2; vgl. ferner NuwairT bei A m a r i , Biblioteca 446; Ihn al-Ajfr X 196—198 (s. a. 484); Abu’l-Fidt’ III 278; Ibn RaldOn IV 449.
IN D IC E S

1. P r o so poGRAPHiscHER I n d e x * Aaron, Bruder dea bulgar. Zaren Samuel 198 Aaron, Bestes, Statthalter von Vaspurakan 129, 164, 166, 168, 169, 170 'Abbäsiden, Dynastie des sunnit. Chalifats 44,46, 50, 61,80, 100, 114, 117, 118, 121, 130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 147, 151,171,178 'Abdalazlz, Sohn des 'Abdarrahmän b. Iljäs 73 'Abdalghänl b. Said, fotim¡d. Emissär 59 'Abdallah b. al-Muizz, Expeditionskomman­ dant auf Sizilien 187, 206, 207, 209, 210, 211, 212 'Abdarrahmän b. Iljäs, Thronfolger al-Häkims 73 Abgar V., Fürst von Edessa 144 Bruder des Qutlumus 172 Abu 'Abdalläh al-Qudäl, fotimid. Emissär 119,120 Abu 'Abdalläh b. Marwän, Gesandter von Näsiraddaula b. Marwän 170 Abu 'Abdalläh Näsiraddaula b. Hamdän -> Näsiraddaula b. Hamdän Abü 'Ali al-Hasan b. Marwän, Emir von Majjäfarlqln 55,127,133,134,141,142 Abu 'Ali b. Kablr, Gesandter Tughril Begs 118 Abü Bakr Muhammad, Vertrauter von Nasr b. Sälih 105 Abü G afar, Sohn des al-Husain b. Gauhar 59 Abü Ghälib as-Saizarl, 'abbäsid. Gesandter 117, 118, 119 Abü Gum'a, Berberführer 78 Abü Hafa, sizil. Kalbite 187, 206 Abul-Aswär, Emir von Ganga 127, 128, 129, 152, 153, 154, 155, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 167, 171, 172, 173, 174, 179, 180 Abul-Barakät, fotimid. Wezir 115, 116 Abu 1-Barakät, Sohn von al-Mansür b. Lu lu 54.67 Abul-Fadä'il Saldaddaula -» Saldaddaula Abu 1-Fadl b. Abi Usäma, Qädi von Halab 78 Abul-Fadl Rifq -» Rifq Abu 1-Fara¿, syr.-arab. Polyhistor 32 Abu l-Fawäris ad-Daif Qutakln Abu Man8ùr ad-Daif Abu 1-Fidä\ arab. Historiker 32 Abul-Futüh, Sarif von Mekka und Chalifenprätendent 60, 152, 192 Abu 1-Futüh Jüsuf, kalbit. Emir von Sizilien 185, 186, 198 Abu'1-Gaià, Bruder von al-Mansûr b. Lu lu* 64.67 Abul-Ghanä*im, Sohn von al-Mansür b. Lu lu 54,67 Abu’l-Haigä', hamdänid. Prätendent in Ha­ lab 39, 50, 55, 56, 135 Abul-Haigä* b. Rablbaddaula, Herr von Berkri 138, 146 Abu’l-Härit Mausüf -♦ Mausuf Abu 1-Hasan 'Ali, Hamdänide 50 Abul-Msäh Sa'daddaula -» Sa'daddaula Abu 1-Ma'äli Sarif, Hamdänide 50, 63 Abu 1-Muragga, hamdänid. Mamluke, Kom­ mandant von Halab 77, 78 Abu l-Qäsim, kalbit. Emir von Sizilien 191 * Dynastien, Truppenkörper und Sekten wurden in diesen Index aufgenommen, Stämme und Völker dagegen in den geographischen (Nr. 2).
220 Indices Abu’I-Qàsim al-Cargarirt al-Öaigaril Abu'l-Q&sbn al-Ipbahàril, marwinid. Wesir 152 Abu’l-Q&sim al-Maghribl, arab. Staatsmann 60, 152 AbQ ManpQr, Kämmerer des Saddftdiden AnQ&irwàn 172 AbQ M&npQr -♦ Sulaimàn b. Tauq AbQ ManpQr WahsQjàn b. Muhammad -> WahsQjàn b. Maml&n AbQ Nap Husain b. Ahmad, rawwftdid. Emir 130 AbQ Nap al-ManpQr -» al-Mançûr b. Lulu AbQ Sàlim, Binder von al-Manpür b. Lulu’ 64,67 AbQ Sugà', arab. Historiker und Staatsmann 31 AbQ T&hir JQsuf b. Damna, Herr von Amid 134 Aftln, selgQq. Feldherr 122 Aghlabiden, nordafrikan. Dynastie 189, 100, 101 Ahmad, Neffe des AbdarrahmAn b. Ilj&s 73 Ahmad al-Akhal -♦ al-Akhal AJimad b. AbdarrahmAn Abu l-Mu'izz, Herr von Mantzikert 133 Ahmad b. Muhammad, Vicegerent von Edessa 142, 143 al-'Ainl, arab. Historiker 32 al-Akhal, kalbit. Emir von Sizilien 102, 186,187, 108,100,202,205,206, 207, 212 'AXájr -» 'Allàf Alawijja as-Sajjida -►as-Sajjida 'AXcifi, Kommandant von Berkri 147 Alexios Studites, Patriarch von Konstan­ tinopel 88, 144 Alexios Xiphias, Katepano von Italien 104 Alftakln, tQrk. SöklnerfQhrer 46 'AH, 4. orthodoxer Chalife 50, 87, 118 'AH, Sohn des sizilischen Emirs Abu I-FutQh JQsuf 106 *AH b. Abdalwàhid b. Haid&ra, fetimid. Feldherr und Statthalter 55, 57 AH b. Ahmad b. al-Aisar, Minister von Timàlb. S&lih 116, 117, 121 AH b. Ahmad ag-Paif, ffctimid. Statthalter von Afkmija und Halab 40, 67, 68, 60, 72, 73, 75, 76 AH b. Öa'fiur b. Fall&h, fttimid. Feldherr 62, 75 *AXx¿v, angebl. Führer der Chorasmier 177 Allàf, Sohn von Ràfi' b. Abfl-Lail 06, 07, 101, 108 Almohaden, nordafrikan. Dynastie 50 Alp Arslan, selgQq. Sultan 123, 130, 175, 179, 180, 181 Amatus, normann. Historiker 24, 106 Anonymus Barensis, unterital. Annalist 23 AnQsirwàn, Aaddàdid. Emir 153, 172 AnQstakln ad-Duzbarl -♦ ad-Duzbarl 'ArccX^apáx -♦ llivÇapâx Witó'/a^ -> AbQ Hafç ArroXáfpap -►al-Akhal 'Airováaap -* Napaddaula b. MarwAn Apuk'ap -* Basileios Apokapes Arcunier, armen. Dynastie 131, 140 Ardasir, Sadd&dide 171, 172 Arduin, Vertrauensmann der Normannen auf Sizilien 211,213 Argyrus, Sohn des Melo, unterital. Machtha­ ber 213,214,215 Aristakè8 von Lastivert, armen. Historiker 25, 156, 162, 164, 165, 160, 176 Arsenios, Patriarch von Alexandreia, Par triarchatsverweser von Jerusalem 48,61 'Apraocipaç -►Ardasir ’Aoav -» Hasan, „Tauber** al-Apfar, Mahdi-Pr&tendent 1004/5 30, 50, 51,52, 53, 54, 135 al-Apfar, Mahdi-Prätendent 1047/8 120, 152, 165 Asolik, armen. Historiker 25 Asot, Fürst von Tarön 131 Asot (IV.) Bagratuni von Ani 128, 141, 153, 154, 158 *Ao7cà(ji leXxpioç, selgüq. Anführer 168 Atijja b. $àlih, Mirdàside 113, 122, 123 al-'Azlml, arab. Historiker 20 Asioç -♦ al-Aziz al-'Azlz, Fätimidenchalife 48, 58, 60, 103 'Azlzaddaula Fàtik, fetimid. Statthalter, dann Regent von Halab 40, 70, 71, 72, 73, 136
Prosopographischer Index Bid, Stammherrder Marwftniden 133,134, 141, 142 Badr, Festungskommandant von Halab 72, 73, 75 Bagrat III. von Ap/axeti 132, 134, 136 Bagrat IV. von Georgien 134, 153, 154, 156, 158, 150, 166, 167, 160, 170, 171 Bagratiden, armen, faew. georg. Dynastie 127, 131, 132, 135 Bah&'addaula, bOjid. Protektor des *Abbftsidenchalifats 61 Bakgûr, Emir von Ralab 45, 46 Bangutakln, ftfimid. Feldherr 46, 47, 62, 70 BangOtakln, Mamloke ad-Duzbarls 100, 110 Banü Ghanâg, Machthaber in Phönikien 02.04 Banul-Abmar, Machthaber in Phönikien 02.04 Banü Mtmqid, Machthaber in Syrien 102 Barasbatce, Kommandant von Edessa 151, 152 Bardas Phokas, Usurpator 132, 160, 101 Bardas Skieros, Usurpator 46, 51,52, 132, 134, 140, 101 Bargaw&n, igypt. Regent 48, 40, 50, 61 al-Basistrl, Machthaber im Iraq 162, 176 Basileios I. 180 Basileios II. 30, 40, 41, 46, 47, 48, 51, 52, 55, 56, 50, 60, 65, 66, 68, 70, 71, 72, 74, 76, 77, 78, 70, 127, 132, 134, 136, 137, 130, 140, 141, 154, 166, 176, 186, 101, 103, 100, 200, 202, 205 Basileios Apokapes, byz. Feldherr 86,130, 145, 146, 148, 176 Basileios Argyros, Statthalter von Vaspurakan bzw. Italien 140, 185, 105, 106, 107 Basileios Boioannes, Katepano von Italien 185, 107, 100, 200, 201,214 Basileios Mesardonites -» Basileios Argyros Basileios Pediadites, byz. Feldherr in Sizi­ lien 187,211,212,213 Benedikt VIII. 105, 106, 108 Beriboes, Stratege von Chios 202 Blgh&s, PatrikioB 51,52 Boioannes, exaugustus, Katepano von Ita­ lien 214 221 Büjiden, Protektoren des 'Abb&sidenchalifats 61,114,135,136,153 Caghri Beg, Bruder von Tughril Beg 142, 151, 161, 181 Xaö'ik Anec'i, Neffe der armen. Katholikos Petros 161 XcopooavÍTT^, selgûq. Feldherr 168 Chrístophoros Bulgaria, Katepano von Ita­ lien 186, 200, 201 Chrístophoros Mitylenaios, Panegyriker 215 Xtrik -» 'AXcífi Xurèft Quraii b. Badrftn conterati, apulische Einheiten 212, 213 ad-Uahabl, arab. Historiker 32 Damianos Dalassenos, Statthalter von Antiocheia 47, 52, 66, 74 Datto, Stiefbruder des apulischen Insurgenten Meló 105, 106, 107 Dawit* Kuropalates, Fürst von Taik* 48, 86, 127, 132, 134, 145 Dawit* AnhoKn von Lon 128,143,154,158 Dawit* Senek*erim, Sohn des Senek'erim Yovhannès, Königs von Vaspurakan 138, 130 Débanos, bulgar. Insurgent 210 Demetrios, Bruder Bagrafs IV. von Geor­ gien 166 Drogo, Normannenführer in Unteritalien 208 Drusen, aus der extremen Sfa hervorgegan­ gene Gemeinschaft 42, 73, 07, 08, 105, 145 ad-Duzbail, ffctimid. Statthalter von Palä­ stina und Syrien 41, 42, 43, 75, 76, 77, 78, 80, 81, 82, 06, 07, 08, 00, 100, 101, 104, 105, 107, 108, 100, 110, 111, 112, 113, 115, 151, 152 Ellisifr, Tochter Jaroslava d. Weisen von Kiev 204,211 Erbebios, normann. Söldnerführer 180 Eustathios, Patriarch von Konstantinopel 74
222 Indices Fadl, Saddädide 153, 172 Fahd b. Ibrählm, Emissär Bargawäns 49 Fath, Festungskommandant von Halab 40, 65, 66, 67, 68, 69, 70 Fätik, Mamluke ad-Duzbarls 109 Fätimiden, nordafrikan.-ägypt. Dynastie 44, 45, 46, 47, 48, 50, 55, 56, 59, 60, 61, 64, 68, 69, 70, 73, 75, 76, 79, 80, 81, 82, 90,93,96,98,99, 100,101, 102, 103, 104, 105, 106, 107, 108, HO, 111, 112, 114, 115, 116, 117, 118, 119, 120, 121, 122, 132, 134, 136, 145, 151, 170, 171, 178, 191, 199 <t>p¿Y7 oi, westeurop. Söldner der Byz. 176 Georgios Probatas, byz. Gesandter in Sizi­ lien 205 Georgios Theodorokanos, Stratege von Sa­ mos 202 Ghassäniden, vorislam. arab. Dynastie in Syrien 96 Giorgi I., König von Georgien 40,71, 136, 137, 141, 147, 166 Gregorios Tarchaneiotes, Katepano von Ita­ lien 192, 193, 194 Grigor V., König von Siwnik* 154 Grigor Magistros Pahlawuni, armen. Feld­ herr 155, 158, 159, 166 Gurgen, König von Kartli 134, 135, 136 Gabriel, Sohn des bulgar. Zaren Samuel 198 Ga'far, Emir von Tiflis 153 Ga far, Sohn des al-Husain b. Gauhar 59 Gafar b. jQsuf, kalbit. Regent von Sizilien 185, 186, 192, 196, 197,206 Ga*far b. Kulaid, fetimid. Statthalter von Him? 107, 114, 115, 116 Gagik Abas, König von Vanand 173, 175, 180 Gagik I. Bagratuni (König von Ani) 127, 131, 135, 141 Gagik II. Bagratuni (König von Ani) 128, 129, 154, 155, 156, 157, 158, 159 Gai& b. Sampâma, fetimid. Statthalter von Damaskus 47 Ganji, Kommandant von Berkri 146, 147 al-Gargaräl, fetimid. Wezir 105, 108, 112, 120 Garrähiden, arab. Dynastie in Palästina 39, 57, 61, 62, 63, 60, 76, 85, 96, 97, 98, 101, 102, 103, 104, 105, 109, 145, 149 Gaufredu8 Malaterra, normann. Historiker 24, 211 Gauhar, Sohn von al-Husain b. Gauhar 59 Geoigios Drosos, Sekretär des Aaron Bestes 170 Georgios Kedrenos, byz. Historiker 21 Georgios Maniakes, byz. Feldherr 42, 90, 91, 92, 100, 103, 128, 143, 144, 145, 146, 148, 149, 155, 160, 187, 201, 204, 207. 208, 209, 211,212, 213, 214, 215 Haggf Qalffa, osman. Polyhistor 216 al-Häkim, Fätimidenchalife 39, 40, 41, 48, 49, 51, 54, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 75, 76, 80, 81, 101, 103, 136, 152 al-Hamah, Vertrauter al-Apfars (1004/5) 51 Hamdäniden, syr.-arab. Dynastie 45, 46, 49, 50, 53, 54, 56, 57, 70, 132, 133, 135 Harald Hardraada, norweg. Prinz u. Kriegsheld 204,208,210,211 Harold, König der Angelsachsen 211 Hasan, „Tauber*4, selgüq. Feldherr 117, 129, 164, 165 al-Hasan b. Abfl-Husain al-Kalbl, Begrün­ der der kalbit. Dynastie Siziliens 191 Hasan b. BaighQ, selgüq. Führer 164 Hasan b. §älih, Mirdäside 113 Hasan b. Wattäb, Bruder des Sablb b. Wattäb 152 al-Hassän b. al-Mufarrig, Emir in Palästina 41, 42, 43, 59, 61, 62, 69, 73, 76, 77, 78, 81, 85, 95, 96, 97, 98, 100, 101, 102, 104, 105, 110, 128, 149 Heinrich II. 195, 197, 198, 199 Hunfried, Norraannenfuhrer in Unteritalien 208 al-Husain b. Gauhar, ägypt. Staatsmann 39, 59, 60 al-Husain b. Zähir al-Wazzän, fetimid. We­ zir 58
Prosopographischer Index Uffar -* al-Akhal Ibn Abfd-Dam, arab. Historiker 32 Ibn Abfl-Haig&*, arab. Historiker 32 Ibn al-Ahmar, Machthaber in Phdnikien 94 Ibn al-Atlr, arab. Historiker 32, 165 Ibn al-Azraq, arab. Historiker 30 Ibn al-G&uzl, arab. Historiker 32 Ibn al-Käsih, Machthaber in Phönikien 92 Ibn al-Mudabbir, Schreiber von al-Mufarrig b. Daghfal 62 Ibn al-QalànisI, arab. Historiker 29 Ibn at-Timna, Machthaber auf Sizilien 212, 216 Ibn Gunghul, arab. Historiker 33 Ibn Qaldün, arab. Historiker 32 Ibn Q&n, Turkmenenfuhrer 122 Ibn 'Id&rî, arab. Historiker 34 Ibn Muhk&n, Herr von ar-Rabba 64 Ibn Muja8sar, arab. Historiker 31 Ibn Mulhim, fttimid. Feldherr 120 Ibn Numair, S&ife in Halab 87 Ibn Saddàd, arab. Topograph und Histori­ ker 30 Ibn Sibl, numairid. Regent von Edessa 143 Ibn TaghilbirdI, arab. Historiker 31 Ibn 'U$air, Regent von Edessa 143, 144, 148 Ibrâhîm II. b. Marzub&n, mus&firid. Emir 139 Ibrâhîm ïn&l, Halbbruder Tughril Begs 117,129,164,165,166,167,168,169,176 Ifesldkien, ¿gypt. Dynastie 45 Ilarion, armen. Erzbischof 132 Ioannes, Flottenkommandant in Italien 205 Ioannes, Orphanotrophos 211 Ioannes Kurkuas, Katepano von Italien 194, 195 Ioannes Skylitzes, byz. Historiker 21, 51, 52, 53, 91, 151, 152, 160, 161, 162, 163, 164, 165, 168, 169, 170, 172, 175, 176, 178, 209, 211,212, 215 Ioannes I. Tzimiskes 45, 46 Ioannes-Vladislav, bulgar. Zar 164, 198 Ioannes Zonaras, byz. Historiker 22 Iohannes, Sohn des Dogen Petrus II. Orseolus 193,200 223 Iohannes Diaconus, Venetian. Historiker 23, 193 Isaak I. Komnenos 120, 163, 178, 179, 180, 213 Ismael -> Melo Ism&lliten, If it. Sekte 46, 58 Iwanê, Sohn des Liparit 180 Jahj& b. Said, christl.-arab. Historiker 28f., 62, 71, 74 Jftqüt, arab. Polyhistor 34 Jaroslav der Weise, Großfürst von Kiev 204 J&rüb, fktimid. Statthalter von Ramla, dann Damaskus 58, 60 al-Jazürl, fütimid. Wezir 120, 122 Johannes VIII. Bär AbdQn, jakobit. Pa­ triarch 88 Jumnaddaula, Festungskommandant von Halab 75 JOsuf, Sohn des J&rüb 58 Jüsuf -* Abu’l-Futüh Jüsuf Kalbiten, sizil. Dynastie 102, 185, 186, 191, 192, 196, 198, 202, 203, 216 Kam&laddln b. al-Adlm, arab. Historiker 29,71 Kapßcor^ -> Qirw&l b. Muqallad Katakakm Kekaumenos Kekaumenos Kekaumenos, byz. Feldherr 22, 120, 129, 160, 161, 163, 164, 166, 167, 168, 169, 180, 187, 215, 216 KurrpivÍTT,; -►Watt&b b. S&biq Kiwrakos, armen. Priester 154 Konrad II. 208 Konstantin VIII. 79,80,89,117,147,154, 156 Konstantin IX. 44, 114, 115, 116, 117, 118, 119, 120, 129, 142, 155, 156, 157, 159, 161, 163, 167, 170, 171, 172, 178, 179, 187, 214 Konstantin X. 180 Konstantinos, Bruder Michaels IV., Statt­ halter in Antiocheia 107, 111, 128, 149, 150 Konstantinos, Großhetaireiarch, byz. Feld­ herr 160,161 Konstantinos ó ’AXavoç, byz. Feldherr 159
224 Indices Konstantinos Aríanites, byz. Feldherr 160 Konstantinos Burtzes, Patríkios 74, 75 Konstantinos Chage, Stratege der Kibyrrhaioten 186, 203, 204 Konstantinos Dalassenos, Statthalter von Antiocheia 74, 75, 77, 79, 85, 86 Konstantinos Diogenes, byz. Magnat 100 Konstantinos Kabasilas, Statthalter von Vaspurakan 128, 146, 147 Konstantinos Karantenos, Statthalter von Antiocheia 82, 86, 89, 203 Konstantinos Leichudes, byz. Magnat u. Staatsmann 163 Konstantinos Opos, Katepano von Italien 187,201,205, 206,207 xovraparoi conterati Kontoleon Tomikios, Katepano von Italien 197 Kresimir III., König von Kroatien 200 Laikarl b. MQsä, Saddàdide 153, 171, 172 Leon III. 204 Leon VI. 158, 190 Leon, Bruder des Basileios Mesaidonites 197 Leon Choirosphaktes, byz. Truppenfthrer 85,86 Leon Lependrenos, Kommandant von Edessa 145, 146, 148, 149 Leon Tomikios, byz. Prätendent 161, 178, 179, 197 Leo Ostiensis, unterital. Historiker 24 Liparit, georg. Fürst und Feldherr 129, 130,152,158,159,166,168,169,170,180 AiitapiTTjÇ —* Liparit Ai7tapirr^ Rati, Sohn d. Liparit Lombarden (byzantin. Söldner) 208 Ludwig II. 189 Lukas, unterital. Renegat 192, 193 Lu’hi, Emir von Halab 39, 50, 54, 55, 63 Lupus Protospatharius, unterital. Annalist 23, 198 Auxaovcç (Truppenkörper) 209 Magnus d. Gute, König von Norwegen 211 Mahmüd, Sultan von Ghazna 118,142,161 Mabmfbd b. Naçr b. Çàlih, Mndäside 94, 113, 122, 123 Makedonen (Truppenkörper) 178, 179, 200, 214 al-Makln, christl.-arab. Historiker 32 Maklnaddaula al-Hasan b. Mulhim Ibn Mulhim Maní b. Muqallid, Mirdäside 113 Maní b. Sablb, numairid. Emir von Harrän 151, 152 al-Mançür, 'Abbäaidenchalife 110 al-Mançfhr, Fätimidenchalife 191 al-M&nçür b. 'Abdün, fetimid. Wezir 58 al-Mançûr b. Lulu, Regent von Halab 39, 40, 50, 54, 55, 56, 57, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 70, 73, 82, 83, 87, 133 Manuel Erotikos, byz. Kommandant 140 al-Maqrlzl, arab. Historiker und Topograph 31 Maria, Frau von Iohannes Orseohis 193 Mariam, Mutter Bagrams IV. 158 Marwäniden, Dynastie von Majjäfarlqln 55, 60, 100, 127, 132, 133, 134, 135, 141, 143, 150, 179, 180 Marzubän b. Muhammad b. Musäfir, Emir von Ädarbaigän 153 Maslama b. 'Ah, Minister von Thnäl b. $älih 121 Mas'Od, Ghaznawide 161 Matt'öos von Urhay, armen. Historiker 26, 145,149,153,156,161,162,163,165,169 MaupQf, Kommandant der Zitadelle von Halab 75, 77, 78 McXcx, Sohn d. Ibrâhîm Tnäl 176 Melo, apulischer Insurgent 185, 192, 194, 195, 196, 197, 198, 213 Michael IV. 103, 105, 106, 107, 112, 122, 145, 146, 147, 148, 150, 154, 204, 207, 211,214 Michael V« 122, 210, 214, 215 Michael VI. 119, 121, 122, 163, 171, 180 Michael, Protospatharios, xpirf^, Katepano von Italien 201, 205 Michael Akoluthos, byz. Feldherr 174,176, 178 Michael Attaleiates, byz. Historiker 22 Michael Burtzes, Statthalter von Antiocheia 47 Michael Dokeianos, Katepano von Italien 208, 209, 211,212, 213, 214
Prosqpographischer Index Michael Glykas, byz. Historiker 22 Michael Iasites, Statthalter von Iberia 156, 150 Michael Koitonites, Statthalter von Antiocheia 30, 50 Michael Psellos, byz. Polyhistor und Staats­ mann 22,01,115 Michael Spondyles, Statthalter von Antiocheia 41,70,80,82,83,208 MirdAsiden, syr.-arab. Dynastie 41,42,43, 44, 53, 63, 77, 70, 82, 83, 84, 87, 88, 80, 04,106,107,108,100,110, HI, 112,113, 114, 117, 122, 123, 132, 143 al-Mufarri¿ b. Daghfal, ¿arr&hid. Emir 30, 40,57, 50, 60, 61,62, 81 MugAhid von Dénia, muslim. Fürst in Spa­ nien 106 Muhammad b. Qulaid, Herr von al-QawAbl 72 Mufetaraddaula Abu AbdallAh b. NazzAl, ft. timid. Statthalter von Damaskus 60 al-Muizz b. Büdis, zlrld. Emir von Nordafrika 114, 117, 118, 110, 186, 187, 107, 201,205,206 Mumahhidaddaula, marwAnid. Emir von MajjAfarlqln 30, 55, 56, 127, 134, 135 MunaggimbAsI, oaman. Historiker 33 Muqallid b. KAmil, miidAsid. Emir 84, 85, 04, 108, 100, 112, 113, 115, 116, 117 Muqallid b. Munqid, Herr von Kafarftb 112 MûsA, SaddAdide 153 al-Musabbihl, arab. Historiker 30 MusAfiriden, Dynastie in AJarbaigAn 130, 153 Mouoáp«9 Nasr b. Musaraf Muslim b. Quraii, 'uqailid. Emir von Mosul 123 al-Mu8tan9ir, FAtimidenchalife 43,44,105, 106, 112, 114, 115, 116, 118, 110, 120, 121, 122, 151, 171 Mut&'in, Bruder von Sablb b. WattAb 152 al-Mu?ahhar b. NazzAl, Statthalter von Tri­ polis 60 Naflsa al-AwrA’, Tochter von Sablb b. Wat­ tAb 100 225 NAghija b. IsmAll al-Rasaril, Gesandter Tughril Begs 171 NAtiraddaula b. HamdAn, fttfmid. Statthal­ ter von Damaskus 114 NA*ir-i Husraw, pera. Reisender 55, 58 Najr b. MahmOd, Emir von Halab 123 Na^r b. Musaraf, muslim. Machthaber in Phönikien 41,42, 70, 80, 02, 03, 04, 05, 07, 00, 100, 103 Najr b. $Alih, mirdAaid. Emir 41, 42, 43, 82, 83, 84, 87, 80, 00, 03, 04, 05, 06, 07, 08, 100,101,105, 106, 107,108,100, 110, 113, 115, 145, 140, 151 Najraddaula b. MarwAn, Emir von MajjAfarlqln 60, 127, 128, 120, 130, 135, 141, 143, 144, 148, 150, 151, 152, 165, 170, 180 Neilos, unterital. Biograph 23 Nikephoros, Patriarch von Jerusalem 41, 74, 102 Nikephoros, paixrcop, byz. Feldherr 171, 172, 174, 170 Nikephoros Bryennios, byz. Feldherr und Usurpator 175, 178, 170 Nikephoros Bryennios, byz. Historiker 22 Nikephoros Dokeianos, Katepano von Ita­ lien 212, 213 Nikephoros Karantenos, Stratege von Naupaktos 86,186,201,202 Nikephoros Komnenos, Statthalter von Vaspurakan 127, 140, 141, 147, 202 Nikephoros Phokas, byz. Magnat 137,130, 160 Nikephoros II. Phokas 45, 46, 52, 00, 117, 134, 100 Nikephoros Uranos, Statthalter von Antiocheia 30, 52, 53, 54, 50, 135 Nikephoros Xiphias, byz. Magnat 137, 130 Niketas, Bruder Michaels IV., Statthalter von Antiocheia 107 Niketas von Mistheia, Statthalter von An­ tiocheia 42, 80,00,03,04,05,06,07,08, 00, 100, 101, 103, 105 Niketas Pegonites, byz. Feldherr 147 Nikolaos, Bischof von Myra 203 Nikolaos, Parakoimomenos, byz. Feldherr 156, 157, 150, 160
Indices Nikolaos Chryselios, Statthalter von Vaapurakan 147 Normannen (byz. Söldner) 187, 204, 208, 200, 210, 211,212, 213 Numaúriden, Dynastie in Harr&n 63, 110, 127, 132, 142, 143, 146, 148, 149, 162 an-Nuwairl, arab. Polyhistor 33 Olaf d. Heilige, König von Norwegen 204 *Op«Tioç Rati Orestes, byz. Feldherr in Unteritalien 200, 201,206 Orestes, Patriarch von Jerusalem 39, 48, 49, 61 Oskecam, Beiname eines Dailamitenfuhrers 177 Otto II. 191 Pandulf III., Fürst von Capua 208 Paulikianer, h&ret. Sekte 214 Pediadites -*■ Basileios Pediadites ílrjáoio; Bigh&s Petros Getadaij, armen. Katholikos 157, 169, 161 Petrus II. Orseolus, Doge von Venedig 186, 193 faTXo'jp» Herr von Ganga 172 Philetos Synadenos, Adressat des Nike­ phoros Uranos 64 FlivÇotpàx al-Hass&n b. al-Mufarrig b. alGarr&h FllaaTSoti (Truppenkörper) 209 Pothos Argyro8, Katepano von Italien 79, 186, 202, 206 al-Qfcjft ar-Raild, arab. Historiker 30f. al-Q&dir, 'Abb&sidenchalife 118 al-Q&’im, 'Abb&sidenchalife 100, 114, 117, 118, 119, 121, 147, 151, 171, 178 Qaisiten von Mantzikert, Machthaber in Ar­ menien 133 QarghQja. Emir von Halali 4.V 46 Qarmaten, sl'it. Sekte 46, 50 Qawäm, Bruder von Sablb b. Watt&b 152 Qirw&ft b. Muqallad, *uqailid. Emir von Mo­ sul 61, 145, 146, 148, 151, 162 Quraii b. Badran, uqailid. Emir von Niÿibln 162 Qutakln AbO Mançfir aÿ-Paif, ismftTilit. Großmissionar 68 Qutlumui, Vetter von Tughril Beg 161, 162, 168, 171, 172, 173, 175, 176, 181 R&fi* b. Abfl-Laü, Emir der Kalb 41, 42, 43, 81, 82, 96, 98, 99, 100, 108 Rainulf von Aversa, Normannenfuhrer 208, 213 Rati, Sohn des Lipari$, geovg. Feldhefr 137, 166 Raww&diden, Dynastie in Ädarbaig&n 138, 139, 141, 142, 146, 147, 163, 173 Rayca, muslim. Anführer in Unteritalien 186, 198, 199, 202 Rifq, fetimid. Statthalter von Damaskus 116 Rodulfus Glaber, cluniaoens. Mönch und Hi­ storiker 68 ' Roger I., Normannenfürst 216 Romanos I. 46, 144, 149 Romanos III. 42,43,67,82,84,86,86,87, 88, 89,90,91,93,94,95,96,97,100, 101, 102, 103, 104, 106, 107, 109, 112, 142, 144, 146, 146, 148, 152, 166, 200, 201, 205, 208 Romanos IV. 120, 123, 181 Romanos Skieros, Statthalter von Antiocheia 120,179,215 Russen (byzantin. Söldner) 84, 200, 208, 214 S&biq b. Mahmüd, Mird&side, Emir von Halab 123 Sabüktakln, Mamluke ad-Duzbarls 109, 113 Sa'daddaula, hamd&nid. Emir von Halab 39, 46, 49, 63, 66, 132 Sadldaddaula -» 'Ah b. Abmad aj-Uaif Sadldalmulk, Kommandant von Halab 75 S&ftaddaula, Kommandant von Ralab 75 Saldaddaula, hamd&nid. Emir von Ralab 46, 49, 50, 133 Saifaddaula, hamd&nid. Emir von Halab 45, 46, 50 as-Sajjida, Mutter des F&timidenchalifen alMustançir 122
Proaopographischer Index aa-Sajjida, Frau von N&çr b. Salih 100, 1 1 0 , 116, 161 b. 'All, Atknid. Wesir 68 Salih b. Mirdàs, Emir von Halab 40, 41, 63, 64, 6 6 , 6 6 , 67, 6 8 , 60, 70, 73, 76, 77, 78. 79, 81,06, 102, 106, 143 Q&lih b. Timll, Mird&side 113 Salim b. 'AU, Minister von XimU b. 9&lib 121 Salim b. MustaAd, Führer der ahdà$ von Halab 106 $ampAm(addaula), kalbit. Emir von Sizilien 187,212, 216 Samuch, turkmen. Anführer 180 Samuel, holgar. Zar 108 Samuël von Ani, armen. Historiker 26 Sanadaddaula, Atimid. Statthalter von AAmija, Kommandant von Halab 76 Sargis Haykazn, probyz. Magnat in Ani 120, 164, 166, 167, 168 Sati, muslim. Anführer in Unteritalien 106 Selgüqen, aus dem gleichnamigen Stamm der Ghuzz hervorgegangene Dynastie 44,102, 117, 118, 121,122, 123, 120,130, 138, 130, 142, 161, 160, 161, 162, 163, 164, 166, 166, 167, 168, 170, 171, 172, 173, 174, 176, 170, 180 Senek'erim Yovhannés, König von Vaspura» kan 127, 137, 138, 130, 168 Sergius II., Herzog von Amalfi 104 Sergius IV., Dux von Neapel 208 Sib$ b. al-GauzI, arab. Historiker 32 Sinàn b. 'Aljàn, Emir der Kalb 41, 60, 76, 81 Sittalmulk, Atimid. Regentin Ägyptens 41,62, 72, 73, 74, 76, 102 Skleraina, Maitresse Konstantins IX. 216 Smbat, armen. Staatsmann und Historiker 26 Stepanos von Tarön -+ Asotik Stephanos, byz. Flottenkommandant 187, 207,210, 211,212, 213 Stephanos Leichudes, Statthalter von Vaspurakan 120, 163 Sulaim&n b. al-Kur£l, Kommandant von Edessa 128, 143, 144 Sulaimin b. Qutlumui, selgüq. Führer und Feldherr 123 227 8 ulaimàn b. T*uq, Sekretär von Sàlih b. Mirdàs 77,78,70 Sumbat Davit¿»-3 e, georg. Historiker 26 Symeon, Protovestiarios, byz. Feldherr 42, 80, 03, 146 Öablb b. Wattàb, numairid. Emir von Harrin 43,108,100,110,127,128,146,146, 147, 148, 140, 160, 161, 162 Saddididen, muslim. Dynastie in Transkaukasien 127, 120, 141, 42, 162, 163, 166, 173 Sapuh, Feldhen* von Vaspurakan 138 Sanva, Usurpator in Majjäfailqln 127, 136 Sibladdaula -» Nasr b. Sblih Su¿a'addaula Gafar b. Kulak! -» Gafar b. Kulaid Ta¿at, Sohn des Ganji, Stratege von Berkri 147 Tancred von Hauteville, NonnannenAhrer in Unteritalien 208 TarOd, Frau von Sàlih b. Mird&s 64 Tekneas von Abydos, byz. Flottenfilhrer 104, 106 Theodora 44,100,113,114,120,121,130, 147, 172, 178, 214 Theodoros, Domestikos des Ostens 178, 170 Theodoros, Sohn des Aaron, Statthalter von Tarön 170, 180 Theoktistos, GroBhetaireiarch, Truppenfhhrer 07,101,103,104,106 Theophilos (Kaiser) 168 Theophilos, Patriarch von Jerusalem 61, 62, 74 Theophylaktos von Athen, Protospatharios 04 Theophylaktos Dalassenos, Statthalter von Antiocheia 6 6 , 74, 07, 103 Timàl b. Sblih, mirdàsid. Emir von Halab 41, 42, 43, 44, 82, 83, 84, 00, 108, 100, 110, 111, 112, 113, 114, 116, 116, 117, 12 0 , 1 2 1 , 1 2 2 , 162 Tu'bàn, Kommandant der Stadt Halab 77, 78 Tughàn al-Muzaffarl, Atimid. Feldherr 108, 100 , 1 1 0 , 1 1 1
228 Indices Tughril Beg, segûq. Sultan 44, 117, 118, 121, 123, 130, 142, 151, 152, 155, 161, 162, 164, 165, 160, 170, Î71, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181 TulQniden, muslim. Dynastie Ägyptens 45 Toùoïïcp, Toúoficp -+ ad-Duzbarl Tutuä, Sohn des selgttq. Sultans Alp Arslan 123 Umajjaden, Dynastie des sunnit. Chalifats 50, 196 fUqailiden, Dynastie in Mosul 61, 123, 132, 133, 145, 148, 162 *U(air, numairid. Regent von Edessa 133, 142, 143 Vahram Pahlavuni, armen. Feldherr 155, 159 Vardan, armen. Historiker 26 V&sak Pahlawuni, armen. Feldherr 142 Vrarion -► Ilarion 154, 139, Wahsûdàn b. Maml&n (Muhammad), rawwädid. Emir von Ädarbaig&n 146, 173 Waimar IV., Fürst von Salerno 196 Waimar V., Fürst von Salerno 208 Waräger (byzantin. Söldner) 174,175,176, 200, 204, 208, 210 W&ttäb, Numairide 116 Wa$täb b. Säbiq, numairid. Emir von Harrän 53,54,127,133,135,142 Wilhelm Eisenarm, Normannenführer in Unteritalien 208, 209, 210 Wilhelm von Apulien, unterital. Historiker 24 Yovhannès Srabat, König von Ani 128, 141, 153, 154, 155, 157 127, a?-?ähir, Fätimidenchalife 41, 43, 62, 69, 72,78, 79, 80, 81,82,90,96,99,100,101, 102, 103, 105, 107, 118 Zankl, Feldherr Napraddaulas, Regent in Edessa 143 Zirlden, nordafrikan. Dynastie 44, 10 2 , 114, 117, 118, 119, 186, 187, 191, 196, 197, 202, 203, 205, 207, 212 Zoe 44,113,114,156,214,215
2. G e o g r a p h is c h e r In d e x * 'Apárrela (A2) 'AJiatp** (C3) Abfe&zen (Apeasen) 71, 72f 84, 132, 173, Ämid (Dijftr Bakr, -ApiSa) (D4) 88 , 134, 148, 165, 180 174 "Apirroç (B2) Abl&tunus (Bal&tunus) (B5) 92, 94, 100 •Amorion 181 Abydos 104 * *Apm«p Anberd A/alci/e (E2) 107 'Ana(D5) 76,79 Afel&t -► JJilàt 'AvaßapC« ( Ainzarba) (A4) A/urean (E2 ) 154, 155 Anatolikon (Thema) 66 , 67, 208, 214 *A$ava (A4) Anberd (F2 ) 160 Agarbarán (G3—4) 127, 133, 139, 140, Ani OAviov) (E2) 127, 128, 129, 130, 131, 146, 150, 153, 161, 163, 173 135, 140, 141, 142, 154, 155, 156, 157, 'Atar5 -> al-Hadat 158, 159, 160, 163, 164, 165, 169, 171, Adramyttion 204 179, 180 ’Aîp#voüTÇr( (Artanuÿ) (DE2 ) *Avcj 91 Adriatisches Meer 102,199 Aftmija (’Arapcux) (B5) 43, 47, 51, 67, 75, Antartûs fAvrâpaSoç) (A5) 47, 72, 75, 92, 95, 98, 100 92, 95,97,98,99,103,104,105,110, 1 1 1, Antiocheia (Antftkija) (B4) 39, 41, 42, 46, 120, 122 47, 48, 51, 52, 54, 57, 59, 62, 66 , 67, 68 , Äg&isches Meer 20 2 , 203, 204 71, 74, 77, 79, 80, 82, 84, 85, 86 , 89, 93, Agarener (Araber der byz. Quellen) 137 94, 95, 96, 103, 106, 107, 111, 120, 122, *AytoL Map!« —* Surmari 135, 142, 149, 150, 202, 207, 208 IAy10? f*PVffW Surb Grigor Ägypten 39, 44, 48, 49, 50, 54, 57, 59, 60, Apahunik* (’Arra/owr^) (E3) 61, 63, 67, 6 8 , 69, 71, 72, 74, 76, 77, 78, Ap/azeti (DE2) 132, 136, 141 80, 89,97,98,99, 101,102,103, 105,106, *A<J/apoGç (D2) 107, 108, 109, 110, 113, 114, 115, 116, Apulien 186, 187, 189, 192, 194, 197, 198, 208, 212, 213, 214 117, 119, 120, 121, 122, 136, 191, 198 'Apatßurrroc (B3) 'Aint&b (B4) 90 Aracani -» Arsanias Aksäs (C4) 146 Ararat (F3) Akçehir Gölü 100 Alar 148 Araxes (Eras-/) (FG3) 129, 131, 155, 160, 161, 163, 164, 169, 170, 175, 180 Alexandreia 43, 104 *AXcÇavftp<ovot (al-Iskandarüna) (B4) Arfe* CApTfcnov) (E3) 127, 133, 141, 142, *AX^ (A2) 158, 163, 174 ’Ap/aiôïïoXi: (Ci/e Goÿ) (Dl) Amalfi 191,194 Amanos —> MaOpov opo; Arckè ( ApTr..xé) (E3) 133, 141, 147, 177 • Die Begriffe Byzanz, Byzantinisches Reich, Armenien, Syrien, (Unter)italien, Sizilien, al-Gazlra, Euphrat und Tigris wurden nicht aufgenommen. — Die Koordinaten (z. B. C3 bei *Aßapa) beziehen sich auf die beigelegte historisch-geographische Karte; vgl. oben S. 8 f.
230 Indices Aren fArfs) (D3) 120, 167 Arethusa ar-Rastan Argyrokastron (B5) 75, 95, 07 Arglè -> Arcès *Apx« (BC3) *Apxcp£ßo'j (E3) 177 Arjovit (D3) 168 Annanàz 110,111 Armenia IV (C3) 142, 164, 174 *Ap(uviáx(i>v (AB2) 215 'Apa>|iáw; (B3) 'Arqa fApxa) (B5) 47,03,05 Arràn 153 Ananias (Aracani) (CD3) 140, 164, 174, 175, 180 Aràarunik* (E2) 164 Artâh ( Aprax) (B5) 51, 122, 123 al-Arwëg (Bö) 90 Arzan (D3) 135 Arzan ar-RQm -» Aren Arzanene (*ApÇ*yrtvrt) (D4) 135 Asculum 185, 104, 212 *Ao|JLÓ<J*TOV -♦ Sim s& t Athos 152 ’\T39 iTat Ghataftn ’A?s*p* (DE2) Aufidus (Ofanto) 197, 214 Aversa 208,213 Awnik C'Aßvtxov) (D3) 175, 176 Ayrarat (E2 —3 ) 130, 155, 163, 164 Azat (F2 ) 150, 160 Azat Masía -♦ Ararat Az&z fAfóu») (B4) 57, 67, 83, 85, 87, 88 , 03, 106, 123 Baalbakk f HXiowroXu;) (B5) 47, 76, 70, 82 Baberd (ilatrccp) (D2) 174, 176 Baghdad 44,46,52,76,78,114,117,118, 130, 135, 162, 177, 178, 170 Baghräs (B4) Bagrewand (E3) 163 Bahasnft. (B4) Bahrà', arab. Stamm in Phônikien 72 Baku 153 BxXiXeíouv — * Balëà Bal&tunus -» Abl&tunus Baleé (BotXaXctíjcuv) (E3) 133,135, 141,142, 176 BaÜ^ (BsXi/ot) (C4) Balis (Bap^oXieeoç) (C4) 78, 82, 00, 109 Bamberg 107 Bambyke Manbig Bànij&s (BaXavcoç) (A5) 72, 75 Banü Jisrall -♦ Bikisrà*11 Banu Qais (E3) Barbalissos -» Bàlis Baig&'a -►Partaw Ban 185,186, 189,100,102, 103, 104, 105, 100, 200, 202, 211,213 Barkirl -> Berkri Barsaum& (C3) Barzüja (Bop*£>) (B5) 02 Basean (Baaenavr,) (D2 —3 ) 163, 164, 166, 168, 170, 175 Basean (4>aoiavrf) (C3) 163 Basilicata 102, 104 BaiHiç (D2) '\K*Z (B3) B¿tvou -* Sarü¿ Benevent 185, 180, 104, 106 Berber 78, 180, 106 Bcppois -» Halab Berytos (Beirut) 48 Berkri (ílcpxpí) (E3) 128, 133, 141, 142, 146, 147, 158,174 Beyçehir Gôlû 80 Bidlis Balëà Bikisrifil (Bö) 42, 02, 05, 00, 100, 104 Bira (B4) 53 Bisinianum (Bisignano) 108 Bitectum (Bitetto) 105 Bitonto -> Botuntum Bjni (F2 ) 130, 155, 158, 150 BopÇû -► Barzüja Bostra (Boarà) 96 Botuntum 105 Bovalino Marina 100 Briokastron -♦ Strobelos Bulgaren 48,52, 84,01,136,101, 198, 100, 200 , 210 B’^Xo; - * al-Gubail Calabrien 186,180,101,102,108,100,200, 208, 214 Campanien 180 Canet* (D2 ) 174, 176
Geographischer Index Cannae 197, 214 Capua 185, 189, 194, 195, 196, 208 Caaignana 199 Caasanum (Caaaano) 186, 199, 202 Catania 210, 212 Chaklia (Xaltik ) (CD2) 164, 174, 176 Xaltoy Arie (D3) 161 Xarberd (Qarpüt, Xápitrrc) (C3) 174 X«p7tcÇÎxiOV (C3) Charsianon (A3) 158 Xaootvapi ae-Suwaidà’ Xoti^iÇiov (D2) XcXiÄoviov (Cieemakberd) (F2 ) 160, 161 Xc|a^ —* Him? XepT -♦ Jfqjj Chioa 202 Xlat* (Bilk*, XXcar) (E3) 133, 141, 142, 150, 163, 179, 180 X gmov (Honin) (B3) Xoijean (XopÇiavr4vr¡) (D3) 164, 174 Xor Virap (F3) 160 Xop^ávr, —►Xoijean XoÇavov (C3) Xou^t (D3) Cieemakberd XcXtftoviov Çifutkalesi Strobelos Cordoba 196 Coro* (Çoruh, ’Axapte) (D2 ) 136,157, 164, 174,176 Coaenxa 195, 199, 202 Crati 195, 199, 202 Çukur Ora Marg ad-Dibàg Dailamiten, Völkerschaft am Kaspischen Meer 75, 139, 140, 166, 177 Dair az-Zür (D5) 64 Dair Siman (B4) 70 Dalmatien 200 Damaskus 46,47,48,51,58,59,60,62,73, 75, 76,98, 109, 111, 112, 115, 116 Damiette 73, 75, 115 Dandaqân 161 A*p« (D4) AoLpavotXiç (Daranalik*) (C3) Dat al-Cauz -►Arckè Dausar (C5) 152 AaÇipùv (B2) Degik* (Ttxf.ç) (C3) 231 Deijan (AtpÇTjvr,, TcprC«v) (D3) 174 Deanajor 149 Dido, Bergvolk im Kaukasus 172 Dijàr Bakr (C4/D3) 8 8 , 100, 170 Dijàr Mudar (C4) Dijàr Rabia (D4/E4—5) 50 Aoxcia (B2) Doliche -* Teluch Dorylaion 72 Aporylvai Traîna Du (D3) 175, 176 Dulük -►Teluch Dvin (Tißiov) (F2) 127, 128, 129, 142, 153, 155,156,158,159,160,161,167,171, 172 Dyrrhachion 215 Edesaa (sr-Ruha*, Urhay) (C4) 53, 65, 91, 100, 104, 110, 111, 128, 133, 142, 143, 144, 145, 146, 148, 149, 150, 151, 176, _ 180, 181, 204 Ëjmiacin (F2) 145, 160 Ekeleac* (KcXt^ vt,) (C3) 174 Elabake (Albak) (E4/F3—4) 141 Ehiut fOXvoÚTiv) (D3) Eraax -♦ Araxea Erevan 139, 155, 160, 161 Eranka (’EpÇrpcàv, Enincan) (C3) 174 Erzurum -♦ Karin Euphratstádte (byz. Strategie) 91, 144 al-Farama (Pelusion) 61 Foggia 194 rajtofavía (A3) Cabala (rifiaXa) (A5) 92, 99 Cabal 'Akkàr 79 Cabal as-Summàq 97, 99 Cabal Bahra* 72,75,79,95,97,99 Gabal Causan 116 Cabal Lailün 67, 70 Cabal Rawadlf 79, 92 Cabal Siman 70 Cabal Zawija -» Cabal as-Summàq Gaëta 189 Caihan (Pyramos) (AB4) 71 Ganga (Ganjak, Kxvt& xiov) (G2) 127, 129, 142, 152, 153, 168, 171, 172, 173, 174 Garigliano 195
232 Indices Garni (F2) Gaul&n 69 Gayl (Gail) (D3) 174 Georgien 71,72,74,84,129,132,13S, 136, 140, 147, 166, 168, 166, 167, 170, 171, 172, 173, 199 Geiger -* Karkaron Ghataftn, arab. Stamm in Syrien 53 Ghazza 60 Ghuzz, törk. Stammeagruppe 123, 128, 137, 138, 139, 142, 146, 160, 151, 165, 161, 166, 166, 169, 179, 180, 200 Öibrin 64 Gil&n 139 Gisr al-Hadld (EiSr.po'yc^iipov) (B4) 48, 51 al-Gubail (BußXo;) (A5) Gotoroz (Kotoroc') (F3) 141 Gugark' (EF2) Gnria -* Kuria (Kùppoç) Hereti (02) Hibkl 61 B&bQr (’Aßoppäc) (D6 ) 166 Hadamakert (E3) al-Hadat (’AS>t5) (B4) 71 al-Hadlta (E5) Halab (XÓXt*) (B4) 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49. 60, 51, 63, 64, 66 , 66 , 67, 63, 64, 66 , 67, 6 8 , 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 82, 84, 86 , 86 , 87, 89, 90,93,96,97,99,101,102,103,105,106, 107, 108, 109, 110, 111, 112, 113, 114, 115, 116, 120, 121, 122, 123, 133, 136, 136, 143, 146, 160, 151, 152, 181 Halbst (F2 ) Ham& ('Emçivcta) (B5) 51, 63, 108, III, 116 Hanjët* (XavÇÎ-r) (C3) 174 Hark* (Xápxot) (D3) 180 HarpOt -* Xarberd Harr&n (Káppat) (C4) 63,65,100,127,132, 133, 135, 145, 146, 160, 152, 166 al-H&rQnijja (B4) Hasteank' (’Aaltwvr,^) (D3) 164 Haur&n 59 al-Çaw&bl (B5) 72 Hazaren, Volk an der unteren Wolga und nördlich des Kaukasus 84, 166 Hellas (Thema) 201 Her -» Bojj Van Iberia (Thema) (E2) 66, 69, 129, 142, 154, 156, 159, 160, 163, 164, 180, 181 Ifriqijja 118 Ikonion 72, 181 Imereti (DEI) Inab (Bö) 98, 99, 100 Ionisches Meer 202 Irftq 59,60 Irbil (EF4) (B2) ’Iaaóc; (B4) 136 Hierapolis -» Manbig Hig&z 63 B ükt -» X lat' Bims (Bom*, % uaa) (B6) 43, 47, 63. 77, 79, 82, 93, 106, 106, 107, 108, 114, 115, 116 Hipn al-Akrtd (B6) 96 Hi?n Banl Ghanag 92, 94 Bi?n B&ni’l-Ahmar (B5) 92 Higi Ibn 'Akk&r 79, 82 Hisn Ibn al-K&iih 92,94 Bojj (Buwajj, Her, Xípr) (F3) 127, 137, 138, 140, 163, 176 Hrazdan -» Hurastan Bur&s&n 142,150,151,161,164,168 Hurastan (F2) 166, 160, 161 Quwajj 0ojj Jaffa 60,119 Jamftma 53 Jerusalem 39, 48, 57, 60, 61, 62, 69, 73, 102, 107, 113, 119, 121, 192 Kabiren, kaukas. Volk 166 KatTjijoOv (B4) Kayeti (FG2) 136, 173 Kafar 'Az&z 53 Kafart&b (Ksçipfià, XaÿspXâ) (B5) 63, 78, 102, 112, 115 Kagdariç -» Xaltoy Ariè Kairo 47,48,49,73,90,107,112,114,116, 118, 119 Kaisareia (Palästina) 76
233 Geographischer Index Kaisareia (Anatolien) (A3) 158, 181 Kalabria (Thema) 189, 190 Kalb, arab. Stamm in Syrien 69, 81, 96, 108 Kaion Pelat 158 Káfxaxa (C3) KotvrÇdcxiov Ganga KaTTCTpóv -> Kaputru Kappadokia (Thema) (A3) 158 Kaputhi (K*7wtPóv) (D3) 129,167,168,172 Kar&biaianoi (Thema) 204 K'araglu/ 176 al-Karak 61 Karin (0eo8ootoùiroXiç, Q&tlqal&) (D3) 161, 163, 164, 167, 170, 174, 175 Karkaron (Geiger) (C4) 117 Kara (Kotpac) (E2) 130, 131, 141, 163, 173, 175, 176, 180 Kartli (Fl—2) J32, 135, 136 KqcotpoxcüpiT; -♦ Okömi K<xt*> Mr^tot 91, 144 KcXtÇtjvt, -♦ Ekeleac* Kephallenia 190,197 KcpaooGç (C2) Kerkyra 186,202 K ct Çcov (D2) Kibyrrhaioton (Thema) 186, 202, 203, 204 Kil&b, arab. Stamm in Syrien 40, 53, 55, 63, 64, 65, 67, 69, 85, 98, 108, 110, 111 Kilikien 45,54,71,181 Killiz (B4) Kurxtooç (A3) Klarjeti (DE2) Kogovit (Koxoßir) (EF3) Kokhis Lazistftn KoXcuvciot (C2) Kópwtvot (B3) Konstantinopel 41, 43, 48, 49, 56, 59, 74, 80, 81,84,87,96, 100, 101, HO, 114,118, 121, 123, 129, 130, 144, 147, 155, 156, 157, 158, 161, 166, 167, 170, 172, 178, 200, 205,208, 210, 211,215 Korsika 196 KopT^Tjvr, -» Xoijean Kor«*; (El) Kreta 45 Kur (Kura, Mÿkvari, KGpoç) (FG2) 173 Kurden 143, 153, 162, 165 Kuris Kyrrhos Kykladen 186,202,203 Kyrrhos (QurQs, Kuris) (B4) 86, 87 L&diqijja (AaoÄixcu*) (A5) 62, 92, 99, 120 Langobarden 189, 196, 197, 199 Aápieoa (B3) Aápiaaa -» Saizsr Latmln (B5) 108 AotÇixr, -> Lazist&n Lazistàn (D2) 174 Lecce 202 Libanon (Gebiige) 78, 79 Atpvia (C4) Longobardia (Thema) 190, 193 Lori (Taiir) (F2) 131, 136, 141, 158 Ltar (C4) 149 Lucanien 192, 199 Lukania (Thema) 207, 212 Lu'lu’a (AoOXov) (A4) Lydda 60 Lykandos (B3) 158 Lykaonien 89, 181, 209 Lykien 209 AGxoç (C2) Maarrat an-Nu'mftn (B5) 63, 77, 97, 98, 108 Maarrat Maprln (B4) 77 MahrOja (McpórJ (B4) 51, 53 Majj&farlqln (M ic^cpxcip, M*pTi>pÓ7coXtc, Nprkert) (D3) 55, 127, 132, 133, 135, 143,151 Mailand 211 Makedonia (Thema) 201 Malatia -» Melitene Mananah (MotvàvoXiç) (D3) 167 Man&zgird -» Mantzikert Manazkert -►Mantzikert Manbig (M«|u w t Çc) (B4) 50,78,82,90,109, 120 Manlqa (B5) 41,42, 79, 80, 92, 94, 95, 96, 97,98 Mantzikert (MavrÇuucprt) (E3) 123, 130, 133, 134, 138, 141, 172, 174, 175, 176, 179, 181 Marftgha (G4) Maraqijja (Matpaxcuç) (E5) 72, 75, 93
234 Indices Maraá (rcppatvíxcut) (B4) 47, 57, 37, 88 M&rdln (D4) Marg ad-Dibàg (AB4) 71 Maig ad-Dib&¿ (B4) 71 Masis -* Ararat al-Ma^lça (Mo^ucortot, MaiuoTpa) (A4) 48, 71 Matera 192, 194, 195 Matípov opoç (AB4) 88, 117 Meseta (F2) McyáX^ *Ap(icvta (E2) 159 Mekka 60,61 Melfi 213 Melitene (C3) 56, 133, 146, 149, 180, 181 M cXtt, (D3) Mcvlxoç —►Maniqa Mcpor, -►Mahrfkja Mesanakta 100 Mesxeti (Mc<r/ía) (E2) 167 Mesopotamia (Thema) (C3) 142, 158, 166, 180 Messina 187, 194, 200, 208, 209, 214, 215, 216 Mic9 cpxc¿|i —►Majj&farlqln al-Mijftdln ar-Rahba (Rahbat M&lik ibn Tauq) Mistheia 89 Mokk* (E3) Mons Caveosus (Montescaglioso) 185, 194 Mons Garganas (M. Gargano) 197 Montepelo80 195, 214 Montescaglioso -♦ Mons Caveosus Mopsuestia -♦ al-MaçsIpa Mosul (al-Maupil) (E4) 45, 61, 123, 145, 148, 151, 162 Mottola -♦ Mutulae Mtkvari Kur Müs (MoO;) (D3) Mutulae (Mottola) 199 MooÇapiov (C3) Myra 186,203 Na/cavan (F3) Nähr 'Afrln (B4) 67,86 Nähr al-Aswad (B4) Nahr Huraisun 79 Naupaktos 202, 203 Nauplion 202 Neapel 185, 189, 191, 194, 208 Neokaisareia (B2) 181 Nig (F2) 139, 155 Nikaia 51, 140 Nixr,9 ¿piov -►ar-Raqqa Nikopolis 202, 203 Niçlbln (Nisibis) (D4) 148, 162 Nonnannen 84, 185, 192, 196, 197, 213, 214, 216 Numair, arab. Stamm in Syrien 52, 53,65, 100, 143, 148, 165 Noopcprrai -» Numair Obbianum 186, 202 Ofanto -♦ Aufidus Oghuzen -♦ Ghuzz Okomi (’Oxcúfiiov) (D3) 168, 169. 170. 176 ’( I/.VO'JTIV Ebiut Oltu Çayi (D2) 136,157 Opsikion (Thema) 208, 214 Ordoru (Oùpxpoü) (D3) 166, 168 Orontes (Nahr al-'Aÿl) (B4/5) 47, 48, 51, 92,97,98, 99, 108, 111 Ortygia 210 Ostan (*0<rr«v, Wast&n) (E3) 138 Otranto (byz. Dukat) 189 OùpTpoû — » Ordoru Palagianum (Palagiano) 186 Palästina 40, 41,45,46,54,57, 59,60, 62, 69, 75, 76, 77, 78 Palasciano 199 Palenno 198, 207, 209, 210, 216 Palin (C3) Palmyra Tadmur Pamphylien 209 Pantellaria (Qausara) 186,201 Paiyar (D2) 174, 176 Parsur 149 Partaw (Bardà'a) (G2) flapuálpr^ opoç —►Parear Peri Suyu -» Gayl Petschenegen, türk. Nomadenvolk 84,117. 160, 174, 175, 178, 213 Oamotvr, -► Basean Oaau; (Rioni) (DEI) Philomelion 71,72, 84, 85, 100 Phönikien 40, 41,42, 45, 62, 72, 79, 92
Geographischer Index Pietrapertosa 192 Pisa 194, 196 Pisa 158 rio8av8oç (A4) Pyramos (Gaifcin) (B4) 71 Qaibftr (B4) 82,83,85,86 Qaia, arab. Stammeagruppe 53, 63, 132 xio>v KouX«) Qarat ar-Rffcm (Hromkla, 'Pg>h< <B4) Q arat Bans Baratija Qal*at Gabar -> Dauaar Q&flqal& -♦ Karin Qasttin (B5) 98 Qaupara -» Pantellaria Qinnaçrln (XaXxú;) (B4) 77, 97, 113 Qunaitra 69 QurQs -> Kynrhos Quwaiq (B4) 115, 116 RaT)in fPoßaii) (B4) 46 Rafanijja fPaçotvcoti) (B5) 47, 72, 78, 82, 94, 95, 98 ar-R&fiqa 110 Ragusa 186, 202 ar-Rahba (C5) ar-Rahba (al-Mij&dln) (D6) 53, 54, 63, 64, 78, 82, 90, 109 Rajj 169, 175, 177 Rametta Rhemata Ramla 58,60,62,76,116 Raphana Rafanijja ar-Raqqa (Nixr^ópiov) (C5) 76, 110, 111, 112, 133, 152 Raa al-Ain (D4) 165 ar-Raatan (’Apetiouaa) (B5) 108 Reggio 186, 200, 201 Rhemata 187, 209 Rioni -» Oioiç 'PoJavíó; (A4) Rom 213 *Po>(A«i6iv KouXá QaTat ar-Rtim Romanupolia (D3) 149 Roaaano 199 ftétunik (E3) ar-Ruh&’ -►Edeaaa Rup&fa (ZcpytoÛTroXiç) (05) 50 ar-Ruat&q (Rustavi) (F2) 172, 173 235 Ç&fitt (B5) 75, 95, 100 Çahjün (A5) 92 $aid&’ -►Sidon Saih&n (Saroa) (A4) 71 Salamijja (Salaminiaa) (B5) 108 Çaldï 115 Salemo 185, 189, 191, 192, 194, 196, 208 Salüqijja (ZcXcôxcia) (A4) 8âmarr& (E5) Samoa 202 Samoaata (Sumaia&t) (C4) 91, 128, 144, 146, 148, 149, 157 Samftvilde (F2) Sanahin (F2) San&auna (Saaun), Beigatamm in Sudarmenien (D3) 150, 152, 180 Sardinien 196 Sannln (B5) Saro8 (Saihàn) (A4) 71 Sarüg (Bárvai) (C4) 53. 133, 146, 152 ZàxaXx (C2) Sebaateia (B3) 161 Sc^aoTO’inoXtç (B l— 2) Sevan-See (F2) 155 Siir(poyc9 üpov -> Giar al-Hadld Sidon 69,79,82 Siffîn (C5) 152 Sfiid (D4) Sikelia (Thema) 189, 190 Sim-Gebirge (D3) 174 Erpfapa (Sing&r) (D4) Sinn ibn'Utair 148 £tvu>7n; (Al) Sla (£i<nov) (A4) Siwnik' (PG3) 131, 141, 154, 164 LcaÇoTterpot (B3) Sper 164 Stragna (E3/F3-4) 164 Strobeloa 204 Sumaia&t; -►Samoaata Sûr -♦ Tyroa Surb Grigor fA yio; rptpyôpioç?) 160 Surb Tadeoa (F3) Surmari ('Ayia Mapta) (E2) 155, 160 as-Suwaid&* (al-Gazlra) (C4) 148, 180, 181 ae-Suwaid&* (Haur&n) 59, 60 £u(ji7tó<jiov (B3) Syrakus 187,209,210,212
236 »s Sftdir -> Slh al-Lailün Saizar (LcÇcp, Aápioaa) (Bö) 47, 48, 51, 63, 102, 103, 104 Sammar-Berge 60 Slh ad-Dair -> Slh al-Lailün Slh al-Lailün (B4) 67 Sim&ftt (’Ao(ióoaTov) (C3) Sirak -* McyóXr, 'Appcvia Sirakavan (E2) Traîna (Troina) 187, 200, 210, 211, 212 Trapezunt (TpaiccÇoûç) (C2) 137,130,140,141 Trialeti (EF2) Tricarico 102 Tripolis (Tarftbulus) (A5) 46, 47, 48, 55, 60, 60, 70, 80, 03, 07, 100 Tpuitía (B3) Tuaracoy Tap* (DE3) 175 Tubbal (B4) 67,85,03 Turkmenen (Türken) -» Ghuzz Turuberan (DE3) 175, 180 Tabarist&n 150 Taßia (A3) Tabriz (Taßpc&ov) (G3) 153, 163, 175 Tadmur (náXpopa) (C5) 06, 104 Taghlib, arab. Stamm in Syrien 50, 165 Taik* (Tao, Tate) (DE2) 48, 80, 127, 131, 135, 136, 137, 142, 157, 164, 174, 176 Tajj, arab. Stamm in Syrien 60, 108 Takilt (E5) Tall B&sir (B4) 57 Tall Ffts 108 Tall flftlid (B4) 46 Tall Hftçid 64,66 Taormina 210 Tar&bulus -+ Tripolis Tápavra (B3) Tarent 185, 180, 104, 100, 202 Tarôn (DE3) 131, 135, 158, 164 170, 180 Tarsos (TarsQs) (A4) 48,54 Taiir -» Lori Tat'ew (G3) Tauros 45 Tbilisi -►Tiflis Telavi (F2) Teluch (TcXoúx) (B4) 42,71,00,117,122,144 Tcçpixr, (C3) Termeron Strobelos Theodosiupolis -» Karin Thessalonike 100,201 Thrakesion (Thema) 186,203, 208, 200,214 Tiberias (Tabarijja) 61, 81 Tibil - Tubbal Tißwv Drin Tiittis (T«9>.íe, Tp*Hs) (F2) 136, 153. 172 Tinnls 75,115,110 Tl^um (Tulfeum) (D3) 180, 181 Toscana 106 Totes Meer 61 Túava (A4) Tyros (ÇOr) 48, 60 Tyrrhenisches Meer 106 TÇapavftôe (B3) Uggiano -> Obbianum 'Ulla qa (Bö) 75 UK'ik' (D2) 136,157 Uplisci/e (F2) Uqhuwftna 41,81,06 UAay Edessa Urmia (F4) 146, 150 Unnia-See (F3—4) 137, 140 Utik* (F2) Uzen, türk. Nomadenvolk 176 Vahewunik* 175 Valar&awan (Valar&akert) (E3) 163 Van flßav, W&n) (E3) 160, 170, 175 Vanand (E2) 131, 141, 173 Van-See (E3) 01, 131, 138, 140, 163, 160, 171, 177, 180 Vaspurakan (Bamrpaxavia, Asfarag&n) (EF3) 01, 127, 128,120, 131,133, 137, 138,130, 140, 141, 142, 146, 158, 161, 163, 164, 167, 180, 105, 100, 202 Venedig 185, 102, 103, 104, 200 Venosa 105,214 Vietri 104 Zftb, Großer (Zftb al-alft) -» Stragna Zftb, Kleiner (Zftb al-aafal) (E5) Zangi -> Hurastan Zara 200 3ava/eti (E2) Zr/.a (A2) Zcppíou (C3) Zypern 45, 204