Теги: ökologie wirtschaft innovation nachhaltigkeit nachhaltige entwicklung recycling wiederverwertung ressourcenschonung kreislaufwirtschaft umwelt
ISBN: 2943-3886
Год: 2024
Kreislaufwirtschaft
Die Medienmarke für Kreislaufwir tschaft
6
Abb: Techzaka - stock.adobe.com| Pixabay
November 2024
Resilient versorgt dank Kreislaufwirtschaft
Energie aus der Tonne
Kunststoffrecycling
Familienunternehmen
Die Pioniere
von Interzero
Willi und Julia
Stadler im Portrait
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EN
performed by
Editorial
privat
Pascal Hugo
Redaktionelle Leitung
Energie durch
Kreislaufwirtschaft
Kaum eine Frage ist so entscheidend für die
Zukunft Europas wie die der Energieversorgung. Einerseits sind industriellen Zentren des
alten Kontinents auf eine bezahlbare Energieversorgung angewiesen, um Wohlstand und
Kaufkraft zu erhalten, andererseits zwingen
die weltpolitische Großwetterlage und der
Klimawandel die EU zu einem historischen
U-Turn – weg von fossilen hin zu erneuerbaren
Energieträgern.
Auch die Kreislaufwirtschaft kann hier
ihren Beitrag leisten. Aus Bioabfällen und
landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle
lässt sich mehr Biomethan gewinnen, als gemeinhin angenommen wird. Dänemark macht
es vor: bereits 2030 wird unser nördlicher
Nachbar mehr Biomethan erzeugen, als es
selbst braucht, berichtet Dierk Jensen. Dann
werden die Dänen unabhängig sein vom Import fossilen Erdgases.
Auch die thermische Abfallbehandlung
wird ihren Beitrag zur Wärmewende leisten.
In diesem Zusammenhang wird die zukünftige CO2-Abscheidung zu einer besonderen
Herausforderung, war auf der diesjährigen
VDI-Konferenz Thermische Abfallbehandlung
in Würzburg zu erfahren. Unico van Kooten
vom niederländischen Entsorgerverband Vereniging Afvalbedrijven berichtete dort zudem
vom Umgang der Niederländer mit der Lach-
gasproblematik – und was Deutschland daraus
lernen kann.
Natürlich sollten Abfälle erst dann verbrannt werden, wenn eine sinnvolle stoffliche
Verwertung nicht (mehr) möglich ist. Um den
Kreislauf im Kunststoffbereich zu schließen, ist
das Unternehmen Interzero besonders engagiert. Mitte September durfte ich Interzero zur
Eröffnung eines neuen Labors nach Slowenien
begleiten. Was die Berliner dort tun und warum
das für die Kunststoff-Kreislaufwirtschaft in Europa wichtig ist, lesen Sie im Beitrag ab Seite 32.
Das Unternehmen Stadler sollte jedem
in der Kreislaufwirtschaft ein Begriff sein. Doch
kennen Sie auch die Familie hinter dem Anlagenbauer? Bereits in siebter Generation führen
die Stadlers das Unternehmen, die achte Generation der Dynastie steht bereits in den Startlöchern. Lesen Sie ab Seite 37 ein Portrait über
die Familie Stadler – und erfahren Sie mehr das
Geheimnis ihres Erfolges.
Dies ist die letzte Ausgabe von CIRCULAR
ECONOMY für 2024. Ich hoffe, dass wir Sie in
diesem ersten Jahr von CE gut informiert und
unterhalten haben und wünsche Ihnen und Ihrer Familie Frohe Weihnachten sowie einen guten Start ins Jahr 2025.
Ihr
Pascal Hugo
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Inhalt
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Kreislaufwirtschaft
28 Dänemark auf dem Weg zur
CO2-Wertschöpfungskette
Kann CCS Deutschlands CO2-Problem lösen? Aus Sicht der
dänischen Regierung ist die Technologie zumindest ein Teil der
Lösung.
31 UN-Kohlenstoffmarkt nimmt wichtigen Schritt
Der globale Markt für CO2-Zertifikate benötigt verbindliche
Standards. Das zuständige UN-Gremium hat sich nun auf ein
Regelwerk geeinigt.
Energie aus Abfällen und Reststoffen: Die Kreislaufwirtschaft kann einen deutlichen
Beitrag zur Energiewende leisten. Ab Seite 10.
(Fotos: Reverion)
Titel
10 Geht nicht? Geht wohl
Biogasanlagen haben durch Wegfall der staatlichen Förderung
nach 20 Jahren an Attraktivität verloren. Ein Verfahren in Bayern
könnte die Anlagen wieder in die Gewinnzone bringen.
13 Dänemark hat die Nase vorn
Dänemark hat beim Thema Biogas die Nase vorn. 2030 wollen
die Dänen mehr Biomethan erzeugen, als sie brauchen.
18 Biomethan-Pionier Anker Jacobsen
Anker Jacobsen hat als erster Rohbiogas in Biomethan und CO2
getrennt. Ein Portrait über den dänischen Biogas-Pionier.
20 Der Traum von der klimaneutralen Fernwärme
Klimaneutrale Fernwärme mittels thermischer Abfallbehandlung
ist nicht unmöglich, aber der dorthin Weg ist steinig, teuer und
erfordert Innovationsgeist.
24 Wenn Verbote schaden
In den Niederlanden hat die Zentralregierung schnell auf die
Lachgas-Epidemie reagiert. Was Deutschland von den Niederlanden lernen kann.
26 Von der Mülle zur Multi-Output-Anlage
Vor 25 Jahren gründeten Ferdinand Kleppmann und seine
Mitstreiter die ITAD. Über die Anfänge der Müllverbrennung und
die zukünftigen Herausforderungen.
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34 „Viele Stellschrauben sind den Herstellern
gar nicht bewusst“
Beim Kunststoffrecycling ist noch Luft nach oben. Manica Ulčnik-Krump von Interzero spricht im Interview über oft vernachlässigte Stellschrauben.
40 „Wir wollen Technologieund Marktführer sein“
Interview mit Willi Stadler über die Veränderungen im Recyclingmarkt, die Rolle der Digitalisierung und was er von der Politik
erwartet.
53 Wie geht es bei Soex weiter?
Mit der Soex-Gruppe muss einer der größten europäischen
Textilrecycler Insolvenz anmelden. Wie geht es nun weiter?
44 „Die Recycling-Infrastruktur
ist ein Trümmerfeld“
Interview mit Lavinia Muth über die Soex-Insolvenz und was das
für den Altkleidermarkt bedeutet.
45 Hilfe von den Eidgenossen
Die Regierung von Südafrika hat ein Strategiepapier zum
Management von E-Schrott veröffentlicht, das in Zusammenarbeit mit der schweizer Empa erarbeitet wurde.
46 Smartes Prozessleitsystem hilft
Die britische Münzprägeanstalt The Royal Mint recycelt E-Schrott,
um Edelmetalle zu gewinnen. Ein smartes Prozessleitsystem hilft
dabei.
48 Klinische Einwegmaterialien
aus Kunststoff im Recycling
Bald wird es möglich sein, den vorwiegend operativen Einwegabfall der Krankenhäuser einer stofflichen Verwertung zuzuführen.
Inhalt
37
32
Den ganzen Kreislauf im Blick
Mitte September hat Interzero im slowenischen Lenart bei Maribor
ein neues Labor für Kunststoffe und Rezyklate eingeweiht. Die
Einrichtung ist in Europa einzigartig
Werte und Wertschätzung
Die deutsche Recyclingindustrie ist geprägt von zahlreichen
Familienunternehmen. Eines davon ist der Anlagenbauer Stadler.
Ein Portrait.
(Foto: Interzero)
(Foto: Stadler)
Industrie / Management
Wasser / Abwasser
50 Klärschlammentsorgung bleibt Kostenfaktor
61 Künstliche Quellen im Untergrund
Das Schwammstadt-Prinzip zielt mit der Integration von
blau-grüner Infrastruktur auf eine ausgeglichene Regenwasserbilanz in urbanen Gebieten ab.
Klärschlamm dient als Schadstoffsenke und Ressource für
Wertstoffe. Doch hier sind noch einige Potenziale zu heben.
54 „Kläranlagenbetreiber können
Wertstoffe nicht einfach verkaufen“
63 Die Große macht sich klein
Mit der Intarema 2325 erweitert Erema als Anbieter von Kunststoffrecyclinganlagen seine Post-Consumer-Baureihe nach oben.
Interview mit Dr.-Ing. Marius Mohr, Abteilungsleiter
Wassertechnologien, Wertstoffgewinnung und Scale-up,
Fraunhofer IGB.
56 Wasserwiederverwendung zur Kühlung
im dänischen Kalundborg
64 Outplacement: Unterstützung
in Zeiten des Wandels
Unternehmen können ihre Mitarbeiter bei Kündigung mit Hilfe
eines Outplacements strukturiert unterstützen.
In einer aktuellen Fallstudie wurden die technische
Machbarkeit und der CO2-Fußabdruck für eine Wasserwiederverwendung zur Kühlung untersucht.
Rubriken
3
Editorial
6
Personen
7
Nachrichten
66 Zu guter Letzt / Impressum
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5
Zur Person
Personen
Peter Brunk (BIOTEC) und Carmen Michels (FKuR Kunststoff GmbH) © Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft
(Foto: MIDEWA, Heiko Rebsch)
e.V. (INAK)
Carmen Michels von der FKuR Kunststoffe GmbH hat den Vorsitz der Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft
(INAK) übernommen. Sie folgt auf Peter Brunk von der BIOTEC Biologische
Naturverpackungen GmbH & Co. KG.
Brunk hatte die Initiative seit ihrer Umbenennung von Verbund kompostierbare Produkte im Jahr 2018 geleitet.
Die Übergabe des Vorstands fand im
Rahmen einer Mitgliederabstimmung
am 10. Oktober 2023 statt und ist Teil
einer Neuausrichtung der INAK. Carmen Michels betonte die Bedeutung
der biologischen Kreislaufwirtschaft für
die Transformation hin zu einer zirkulären und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise. Es sei notwendig, natürliche Ressourcen verantwortungsvoll
zu nutzen und biologisch abbaubare
Stoffkreisläufe zu schließen, um langfristige Klima- und Umweltschutzziele
zu erreichen, so Michels. Ein zentraler
Aspekt der INAK sei der sachliche und
faktenbasierte Dialog über den Einsatz
biologisch abbaubarer Werkstoffe. Michels wies darauf hin, dass in diesem
Bereich viele Missverständnisse bestehen und kündigte an, sich für innovationsfreundliche und technologieoffene
Rahmenbedingungen starkzumachen.
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Dies sei wichtig, um innovative Biopolymere auf dem Markt besser zu etablieren. Zusätzlich zu Carmen Michels gehören Marcel Philip Barth von BASF,
Friedrich von Hesler von Novamont
und Karsten Buth von Profectus Films
dem INAK-Vorstand an.
Georg Müller bleibt bis Ende März
2025 der Vorstandsvorsitzende der
MVV. Das teilte der Mannheimer Energieversorger mit. Ursprünglich war
geplant, dass Müller seine Tätigkeit
zum Jahresende 2024 beendet. Diese
Entscheidung wurde im Rahmen eines
laufenden Auswahlverfahrens für eine
Nachfolgeregelung getroffen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oberbürgermeister Christian Specht, und Georg
Müller haben sich den Angaben zufolge auf die Verlängerung geeinigt, um
dem Unternehmen zusätzliche Stabilität während des Übergangs zu bieten.
Damit werde Müller dem Unternehmen
bis zur ordentlichen Hauptversammlung der MVV am 14. März 2025 in
Mannheim zur Verfügung stehen.
MVV-Vorstandsvorsitzender Georg Müller
(Foto: MVV)
Der ehemalige Pressesprecher des
Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE), Bernhard Schodrowski,
kandidiert bei den kommenden Wahlen am 23. Februar für den Deutschen
Bundestag. Der Vorstand der CDU
Spandau hat einstimmig entschieden,
Schodrowski als Kandidaten für die
Bundestagswahl im Wahlkreis Spandau
und Charlottenburg Nord vorzuschlagen, teilte die CDU Spandau mit. Die
formelle Bestimmung des Wahlkreis-
Bernhard Schodrowski
(Foto: CDU Spandau)
kandidaten soll durch die Wahlkreisvertreterversammlung erfolgen, die
Anfang Dezember 2023 tagen wird.
Der 57-jährige Schodrowski ist gebürtiger Spandauer und kommt aus dem
Stadtteil Wilhelmstadt. „Geschlossen
und gemeinsam wollen wir einen Neustart für Deutschland und eine starke
Vertretung für alle Bürgerinnen und
Bürger in Spandau und Charlottenburg
Nord”, sagte Schodrowski. “Sicherheit,
Wirtschaft und Mittelstand sind meine
Herzensthemen, für die ich mich regional und bundespolitisch zu 200 Prozent einsetze.“ Bei der vergangenen
Bundestagswahl hatte der SPD-Abgeordnete Helmut Kleebank 32,6 Prozent
(+0,5 Prozent) der Erststimmen geholt
und damit den Wahlkreis gewonnen.
CDU-Kandidat Joe Chialo musste sich
mit 23,9 Prozent (-7,0 Prozent) geschlagen geben.
Nachrichten
Designierte EU-Umweltkommissarin
Was plant Jessika Roswall?
Welche Schwerpunkte will die designierte EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall im Bereich
Kreislaufwirtschaft setzen? Gegenüber dem EU-Parlament stand Roswall Rede und Antwort.
zur Folge habe. In diesem Kontext
stellt Roswall fest, dass die Preise
für Sekundärrohstoffe häufig höher
sind als die für Primärrohstoffe, da
die Preise der Primärrohstoffe oft
nicht die ökologischen Kosten ihrer
Gewinnung berücksichtigen.
Ein zentrales Anliegen von
Roswall ist die Schaffung eines
effektiven Binnenmarkts für die
Kreislaufwirtschaft. Aktuelle Herausforderungen, wie die geringe
Nachfrage nach Sekundärrohstoffen
und zirkulären Produkten sowie eine
ineffiziente Abfallwirtschaft müssten überwunden werden. Sie verweist auf frühere Berichte, die diese
Themen aufgegriffen haben, und
hebt hervor, dass es noch viel zu tun
gibt, um die Circular Economy in der
EU zu realisieren.
nischen Support zur Sicherstellung
einer reibungslosen Durchführung
der neuen Regelungen.
Die designierte EU-Umweltkommissarin Roswall
hat eine Strategie, um die Kreislaufwirtschaftin der
(Foto: IMAGO/Le Pictorium)
EU zu stärken.
Umsetzung der
Legislativinitiativen
Förderung zirkulärer
Geschäftsmodelle
Ihr Ziel sei es, von einem linearen zu
einem zirkulären Ansatz für Produkte und Materialien überzugehen,
um die Wettbewerbsfähigkeit der
EU zu steigern und gleichzeitig den
ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, beantwortete Roswall eine
entsprechende Frage im Fragebogen
der Abgeordneten.
Roswall betont in ihrer Antwort die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von primären Rohstoffen zu
verringern. Rohstoffabbau und -verarbeitung seien für über die Hälfte
der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, was auch bedeutende Gesundheitsrisiken und
den Verlust der biologischen Vielfalt
Roswall verfolgt drei wesentliche
Pläne, die aufeinander aufbauen
und eine umfassende Strategie zur
Förderung von Nachhaltigkeit und
Wirtschaftlichkeit sowohl im Binnenmarkt als auch in der gesamten Europäischen Union darstellen.
Zunächst liegt ein Schwerpunkt
auf der praktischen Umsetzung der
bestehenden
Legislativinitiativen.
Dabei geht es insbesondere darum,
die umfangreiche Gesetzgebung,
die in der vergangenen Amtszeit
verabschiedet wurde, effizient in die
Praxis umzusetzen. Dies umfasst die
Einrichtung von Monitoring-Mechanismen, die Entwicklung frühzeitiger Warnsysteme sowie den tech-
Der dritte Bestandteil von Roswalls
Strategie ist die Stärkung der Wirtschaftlichkeit der zirkulären Transition. Dies beinhaltet die Förderung
zirkulärer Produkte und Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich
des Elektroschrotts. E-Schrott sei
besonders wertvoll, da er zahlreiche
kritische und wertvolle Materialien
enthälte, deren Rückgewinnung für
die EU von großer Bedeutung sei, so
Roswall. Durch die Förderung dieser
Initiativen erhofft sich die designierte Kommissarin eine effizientere
Nutzung von Ressourcen sowie eine
gesteigerte Wirtschaftskraft durch
innovative Ansätze im Bereich der
Pascal Hugo
Kreislaufwirtschaft.
Stärkung des
Binnenmarktes
Ein weiterer zentraler Aspekt der Pläne ist der Ausbau des Binnenmarkts.
Ziel ist es, die Harmonisierung in
Bezug auf die erweiterte Herstellerverantwortung und die Kriterien für
die Abfallentsorgung zu verbessern.
Hierbei steht die Schaffung klarer
und einheitlicher Standards für zirkuläre Produkte im Vordergrund,
um die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU zu stärken und die
Umweltbelastung durch Abfall zu
reduzieren.
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Nachrichten
Untha shreddert an der Donau
Für die Zerkleinerung von Metallen bei Karletshofer:
(Foto: Untha)
Unthas XR3000C.
Karl Karletshofer ist seit mehr als fünf
Jahrzehnten im Handel und in der Lagerung von Eisenschrotten, Buntmetallen
und Elektronikschrotten aktiv. Eisenschrott, Metalle aus Produktionsbetrieben, elektronische Bauteile, Festplatten
und Leiterplatten werden bei Neu-Ulm/
Deutschland aufbereitet. Um das Leistungsportfolio weiter abzurunden,
wurde nun eine Zerkleinerungs- bzw.
Sortieranlage in Betrieb genommen,
deren Startpunkt eine Untha XR3000C
ist. Mit dieser Anlage kann das Unternehmen nun u. a. Aluminium, Kupfer
und Zinkbleche zerkleinern und sortieren.
Dafür nutzt das Unternehmen
den 1-Wellen-Zerkleinerer von Untha:
die XR3000C eignet sich für die Verwertung unterschiedlich zusammengesetzter Materialströme und kann
individuell an das jeweilige Eingangsmaterial angepasst werden. Je nach
Materialzusammensetzung, Größe und
Stärke wird u. a. das Betriebsprogramm
des Zerkleinerers spezifisch eingestellt
und unterschiedliche Lochsiebe können eingesetzt werden. Dadurch werde
sichergestellt, dass das Material stets
auf die gewünschte Granulatgröße geschreddert wird und Prozesse effizient
abliefen. Zwei Messerreihen sorgen bei
Karl Karletshofer in Zusammenarbeit
mit dem 130 mm Lochsieb dafür, dass
Metallteile auf eine Fraktionsgröße von
rund 130 mm zerkleinert werden. Die
Durchsatzleistung liegt bei rund 6−12
Tonnen pro Stunde − je nach Eingangs-
material. Der Zerkleinerer wird mittels
langsam laufenden wassergekühlten
Synchronmotoren angetrieben und sei
dadurch besonders leistungsstark und
gleichzeitig energieeffizient.
„Die UNTHA XR3000C sorgt bei
uns im Betrieb für die optimale Zerkleinerung von unterschiedlichen Metallen
und bereitet sie optimal auf die nachfolgende Sortierung vor. Das Endergebnis ist ein homogenes und sortenreines
Material, das wir unseren Abnehmern
als hochwertigen Rohstoff weiterverkaufen können. Diese bringen die Metalle dann zurück in den Wertstoffkreislauf“, sagt Geschäftsführer Clemens
Karletshofer.
„Während eines einwöchigen
Testbetriebs bei uns im Unternehmen
konnten wir uns ein umfassendes Bild
von der Leistungsfähigkeit machen. Wir
konnten den Zerkleinerer in Eigenregie
testen“, ergänzt Clemens Karletshofer.
untha.com/de
Tomra Sorting
Preis im dritten Anlauf
Tomra Sorting wurde von EcoVadis mit
der Goldmedaille für ihre Nachhaltigkeitsleistung ausgezeichnet, die die
Fortschritte des Unternehmens in den
Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung hervorhebt.
Es geht um den in Deutschland
ansässigen Teil von Tomra Recycling.
Er wurde von EcoVadis, dem weltweit
tätigen Anbieter unabhängiger Nachhaltigkeitsbewertungen, mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Es ist das dritte
Mal, dass der führende Anbieter von
sensorgestützter Sortiertechnologie für
das Recycling an der Bewertung teilgenommen hat, und dieses Jahr konnte
das Unternehmen seine Leistung im
Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessern und von der Silber- zur Goldmedaille aufsteigen.
www.tomra.com
In eigener Sache
CIRCULAR ECONOMY steht für unabhängigen Journalismus zum Thema Kreislaufwirtschaft. Wir wollen informieren, kritisch hinterfragen, Diskussionen anregen
und dabei unsere Leser unterhalten und
hier und da zum Schmunzeln bringen.
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Doch auch für uns sind die Kosten gestiegen. Nicht nur Journalisten
wollen und müssen für ihre tiefgründigen Recherchen und hochwertigen
Texte bezahlt werden, auch die Produktionskosten sind heute höher als früher.
Um Ihnen auch in Zukunft hochwertigen Journalismus bieten zu können,
ändert sich für unsere Leserinnen und
Leser der Abopreis ab 2025 auf 189
Euro pro Jahr (EU-Ausland: 209 Euro,
Nicht-EU-Ausland: 219 Euro).
Nachrichten
Fachmesse-Duo
RECYCLING-TECHNIK & SOLIDS
Dortmund 2024: Ein Rückblick
Am 9. Oktober 2024 starteten die
Fachmessen
RECYCLING-TECHNIK
und SOLIDS Dortmund mit einem besonderen Event. Rund 400 Aussteller
– das entspricht einem Anstieg von
etwa 35 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr – präsentierten ihre Produkte
und Dienstleistungen, während 4.150
Fachbesucher die Möglichkeit nutzten, sich mit Experten auszutauschen
und das ergänzende Rahmenprogramm zu verfolgen.
Ein neu eingeführter Ausstellungsbereich zur Prozessautomatisierung stieß auf reges Interesse, ebenso wie die separate Start-up Area, in
der neun innovative Jungunternehmen vertreten waren. Ein besonderes Highlight war der „Bulk Masters“
Hackathon, der als frisches Side-Event
viele Teilnehmende anzog.
Teilnehmerfeedback
und Marktentwicklung
Rainer Flaute, Head of Sales and
Business Development bei der Westeria GmbH, blickt auf eine erfolgreiche Messe zurück: „Seit Jahren
sind wir ein fester Bestandteil der
Recycling-Technik Dortmund und haben die beeindruckende Entwicklung
der Messe miterlebt. Sie hat an Größe und Bedeutung gewonnen und
ist daher für uns zu einer wichtigen
Plattform geworden.“ Tobias Meixner, Head of Sales & Marketing der
Hosokawa Solids Solutions GmbH,
betont die langjährige Bedeutung der
SOLIDS Dortmund für Aussteller und
berichtet von qualifizierten Anfragen
potenzieller Kunden.
Die Schwerpunktthemen der
Messe – Digitalisierung, künstliche In-
Qualifizierte Anfragen und konkrete
Projekte prägten zumeist die Dialoge an
den gut besuchten
Messeständen der
Lösungsanbieter .
(Foto: Easyfairs)
telligenz, Nachhaltigkeit und Prozessautomatisierung – spiegeln aktuelle
Trends in der Branche wider. Unter
den Besuchern fanden sich bedeutende Unternehmen wie Evonik,
Bayer und Remondis.
Die Start-up Area bot Raum
für konstruktive Gespräche. Florin
Kolken von der TEL GmbH äußert
sich positiv über die Teilnahme: „Am
Stand konnten wir viele wertvolle
Gespräche führen, einen ersten Geschäftsabschluss erzielen und weitere anbahnen.“
Rahmenprogramm
und Experten
Besonders die Vortragspanels wurden von den Besuchern geschätzt.
Experten wie Christiane Reichwein
und Jan Eilers gaben Einblicke in die
Anwendungsmöglichkeiten künstlicher Intelligenz und nachhaltige
Produktgestaltung. Andreas Kuß
von der EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH bemerkte,
dass die Veranstaltung für ihn ein
voller Erfolg war, geprägt von informativen Gesprächen und Vorträgen.
Zusätzliche Attraktionen, wie
Live-Explosionen auf dem Messevorplatz, zogen ebenfalls Publikumsinteresse auf sich.
Der „Bulk Masters“
Hackathon
Eine besondere Aufmerksamkeit erhielt der „Bulk Masters“ Hackathon.
Hier stellten sich 18 Teilnehmer den
Anforderungen des Ideen-Wettbewerbs für die Prozessindustrie. Helen Schneider von Zeppelin Systems
GmbH lobte die kreativen Ansätze
der Teilnehmenden. Die Herausforderungen umfassten unter anderem
die Entwicklung einer automatisierten Reinigungsmethode für Mischanlagen.
Das Siegerteam wurde mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ausgezeichnet, während die Plätze zwei
und drei mit 3.000 und 1.000 Euro
prämiert wurden. Michael Weigelt
vom TecPart betonte die Bedeutung
solcher Veranstaltungen zur Nachwuchsgewinnung in der Kunststoffindustrie.
Ausblick auf die
nächste Messe
Die nächste RECYCLING-TECHNIK
& SOLIDS Dortmund wird am 18.
und 19. März 2026 stattfinden –
mit einem weiteren „Bulk Masters“
Hackathon.
www.easyfairs.com
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Titel
Biogasanlagen trotz Auslaufen der
Bundesförderung mit Gewinn weiter
betreiben?
Geht nicht?
Geht wohl
Montage der Kraftwerke: Rund 70 Lösungen
(Fotos: Reverion)
sind bereits bestellt.
Biogasanlagen in der Landwirtschaft haben
durch Wegfall der staatlichen Förderung nach 20
Jahren deutlich an Attraktivität für die Betreiber
verloren. Aus Bayern allerdings kommt jetzt ein
Verfahren, das Biogasanlagen auf dem Land wieder in die Gewinnzone bringen dürfte und gleichzeitig die Emissionen spürbar mindert.
Rund 90.000 Rinder werden in den drei Landkreisen Aichach,
Dachau und Fürstenfeldbruck gehalten. Die Kühe erzeugen
durch Rülpsen und Furzen unentwegt Methan. Alle paar
Sekunden geht eine Wolke in die Luft. Am Tag sind das,
konservativ geschätzt, ca. 300 Liter. Das macht im Jahr in
Kilogramm umgerechnet zwischen 80 und 150 kg (bei Hochleistungsrindern). Methan gilt als eines der gefährlichsten
Klimagifte, baut sich aber mit einer Halbwertzeit von acht
Jahren relativ rasch wieder ab, während CO2 für viele Jahrhunderte in der Atmosphäre verbleibt.
Die Landwirte haben keine Chance, die Emissionen der
Rindviecher zu vermindern, denn die Wiederkäuer können
schwer Verdauliches, wie Gras oder anderes faserhaltiges
Futter, verwerten. Der Deutsche Bauerverband erläutert in
einer Broschüre zur Methangasbildung bei Rindern: „Als Nebeneffekt des Verdauungsvorgangs wird dabei Methan frei,
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das beim Wiederkäuen ausgerülpst wird. Methan zählt neben Kohlendioxid, Lachgas und einer Reihe anderer Stoffe zu
Gasen, die das Klima beeinflussen.“
Auf der Habenseite der Landwirte stehen allerdings
Biogas-Anlagen, eine vor einigen Jahre recht beliebte Investitionsform in der Landwirtschaft. Hier ist Methan oft die Basis
des Geschäfts – oder besser sie war es. Denn nun laufen
die Förderungen, die den Betreibern für 20 Jahre Einnahmen
von 20 Cent pro Kilowattstunde garantierten, aus. Bezahlt
werden von der Energiewirtschaft nur noch Spotpreise – und
die sind für die Anlagenbetreiber nicht auskömmlich. Aufs
Konto gehen gerade um die 7 Cent/kWh.
Anlagenbetreiber Matthias Döcke von der Agrofarm
Herwigsdorf bei Görlitz, gegenüber dem MDR-Rundfunk:
„Finanziell trägt sich so eine Anlage dann nicht im Geringsten, geht nicht.“ Bedeutet: Das Ding wird dicht gemacht.
Keine Energiewende von dieser Seite. Die rund 8 Mio. kWh,
die bundesweit 2022 erzeugt wurden, verflüchtigen sich in
eine noch unbekannte Größe. Die rund 1.100 kWh, die eine
Milchkuh in etwa per annum erzeugt, gehen damit als Methan in die Atmosphäre.
Die Chance für Altanlagen
Was tun, fragt sich der Landmann. Die Investition steht betriebsbereit und auch der Leerlauf verschlingt schlussendlich
Geld. Eine Lösung könnte aus Bayern kommen: Geschäfts-
Titel
führer Felix Fischer von Reverion, unweit des Ammersees bei unseren hocheffizienten Festoxid-Brennstoffzellen können
Landsberg/Lech gelegen und inmitten der drei genannten wir die Leistung bestehender Biogasanlagen verdoppeln, inLandkreise beheimatet, sieht in seinem reversiblen Kraftwerk dem wir einen elektrischen Wirkungsgrad von 80 Prozent
auch eine Chance für sogenannte Ü20-Biogasanlagen. Die erreichen.“
Kraftwerke stellen aus Biogas Strom her, anders als BHKW
oder Gasturbinen. Das geschieht in Form von grünem Wasserstoff oder Methan. Fischer: „Darum nennen wir diese
Technik reversibel.“
Denn, die Anlagen sind vor allem auf Wechselbetrieb Das Potenzial, das hinter dieser Idee steckt, verdeutlicht Julieingerichtet. Das ist das ganze Geheimnis: Bei Überschuss an Schauseil, Software-Entwickler bei Reverion: „Es geht hier
im Stromnetz verwandeln die Kleinkraftwerke den günsti- um relevante Energiemengen. Würde man alle Biogaskraftgen Strom über eine Elektrolyse in grünen Wasserstoff, ein werke Deutschlands auf die Reverion-Technologie umstellen,
begehrter Rohstoff der Zukunft, für den
es schon heute zahlreiche Abnehmer
gibt, denn der Stoff ist Mangelware in
der Energiewende. Fischer ergänzt: „Bei
hohen Strompreisen schaltet die Anlage
in weniger als einer Minute automatisch
um und produziert auf der Basis einer
keramischen
Hochtemperatur-Brennstoffzellen wieder Strom.“
Bisherige Brennstoffzellensysteme
sind durch einen klassischen Systemaufbau nicht umschaltbar und nutzen somit
nicht das volle Potenzial der Brennstoffzellen. Bis zu 30 Prozent des Brennstoffs werden darin nicht für die Stromerzeugung genutzt, sondern einfach
verbrannt. Das kostet entsprechend viel
Wirkungsgrad.
Erreicht wird dagegen beim Reverion-Weg ein hoher Wirkungsgrad von 80 Aktuelle Auszeichnung: Die TU München ehrte den ehemaligen Studenten und Reverion-Mitgründer
Prozent, doppelt so viel wie bei einem Stephan Hermann (li.).
herkömmlichen BHKW, die lediglich 40
Prozent erreichen. Ursache für den hohen Wirkungsgrad ist könnte damit die derzeit noch durch Kohleverstromung abder Verzicht auf die Verbrennung mit Luft und Sauerstoff. gedeckte Grundlast komplett ersetzt werden.“
Stattdessen erfolgte eine gezielte elektrochemische OxidieHinter dieser Idee steht ein junges Ingenieurteam, das
rung.
ein Spin-off der TU München darstellt, wo die Idee zunächst
Wie funktioniert das denn? Die Brennstoffzelle besteht als Forschungsprojekt existierte und von den heutigen Ge– grob betrachtet – aus einer Anode und einer Kathode, die sellschaftern Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt wurdurch einen Elektrolyten mit einer festen Ionendurchlässig- de, wie Dr. Stephan Herrmann, CEO und einer der Gründer
keit aus Keramik getrennt sind. Nun wandern die Sauer- erläuterte. Das Team startete zunächst mit fünf Partnern, zu
stoff-Ionen durch diesen Elektrolyten und oxidieren das ein- denen auch Geschäftsführer Fischer zählt. Heute arbeiten
gesetzte Methan. Als Abgas bleibt freilich CO2 zurück, das bereits etwa 80 Mitarbeiter für das bayerische Unternehmen,
allerdings extern weiter genutzt oder sogar im Rückwärtsbe- das in den vergangenen Jahren zahlreiche Innovations- und
Staatspreise als Auszeichnung erhielt.
trieb erneut zu Methan synthetisiert werden kann.
Im letzten Jahr wurde zudem eine strategische PartnerDas Resultat: Betreiber steigern die Bilanz bestehender Biogasanlagen, indem sie das verflüssigte CO2 verkaufen schaft mit dem Technologie-Konzern Bilfinger unterzeichnet.
und sich damit eine neue Einnahmequelle schaffen. In der Die strategische Kooperation mit dem Industriedienstleister
Industrie können die Anlagen in thermische und chemische zielt darauf ab, die Technologie von Reverion in den Markt
Prozesse integriert werden und außer Wärme auch verschie- einzuführen und industriell zu skalieren, denn mit einem ersten Prototyp in Waldmünchen bei einer Leistung von 100 kW
dene Gase für die Nutzung vor Ort liefern.
Reverion gibt sich aufgrund dieses Erfolgs vollmundig: ist erst der Beginn der Entwicklung angestoßen. 500 kW sind
„Durch den Austausch veralteter Verbrennungsmotoren mit der nächste Schritt. Auch von den 100 kW-Anlagen soll eine
Fort mit der Kohle
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Titel
Reihe gebaut werden. So soll die Praxisreife nachgewiesen
werden. Felix Fischer: „Damit sind wir in der Lage, für bestehende Biogasanlagen in verschiedenen Größen, die heute
lediglich Strom erzeugen, eine passende Zukunftslösung anzubieten.“
Insgesamt scheint das Projekt auf einem guten Weg.
Erst im September wurde eine Finanzierungsrunde über 56
Millionen Euro abgeschlossen. Das eröffnet aktuell die Möglichkeit, mit der Serienproduktion der Kraftwerke zu starten
und die bisher abgeschlossenen Kunden-Vorbestellungen
mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen US-Dollar in
die Realität umzusetzen. Rund 70 Anlagen sind vorbestellt.
Die Aufträge kommen von Landwirten ebenso wie von Mittelständlern oder Großunternehmen. Die Produktionskapazitäten werden gegenwärtig erweitert. Rund 50 Anlagen
sollen so hier am Stammsitz in Eresing pro Jahr entstehen
können. Allerdings denken die Gesellschafter bereits über
einen weiteren Standort nach.
Bernd Waßmann
Das Reverion-Kraftwerk kommt im Container: Der Hersteller verspricht signifikante
Leistungssteigerungen, Hier die Umsetzung in Waldmünchen.
Biogasanlagen
Wohl nicht ganz dicht
Methangas: Austritt an Biogasanlagen gefährdet das Klima.
(Foto: IMAGO/Panthermedia)
Messungen durch das Emissions-Kontroll-Institut (EKI) der
Deutschen Umwelthilfe (DUH), die seit dem Spätsommer laufen, dokumentieren den unkontrollierten Austritt des Klimagases Methan in die Atmosphäre. Die Messungen wurden
bislang an fünf Biogasanlagen, einer Gasverdichterstation
sowie einem schwimmenden LNG-Importterminal durchgeführt. Das Ergebnis: An allen Anlagen wurde ein signifikanter Anstieg der Methankonzentration in der Umgebungsluft
gemessen. Die erhöhte Konzentration war in großer Entfernung von den Anlagen nachweisbar.
Methan wirkt über 20 Jahre betrachtet mehr als 80mal stärker als CO2. Mindestens ein Drittel der Erderhitzung
geht auf Methan zurück.
12
6/2024
Als Vorläufersubstanz für bodennahes Ozon schadet Methan zudem der menschlichen Gesundheit, der biologischen
Vielfalt und verringert landwirtschaftliche Erträge. Allein in
Deutschland rechnet die Europäische Umweltagentur jährlich mit 3.300 vorzeitigen Todesfällen durch Ozon.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: „Wir fordern von der Bundesregierung umfassende Kontrollen und
Sofortmaßnahmen, um den stetigen Austritt von Methan an
den Anlagen schnellstens zu stoppen. Die Bundesregierung
muss zudem einen Methan-Minderungsplan mit vorlegen,
der alle relevanten Sektoren umfasst. Dazu zählt neben dem
Energiesektor insbesondere die Landwirtschaft.“
Neben einem umfassenden Monitoring aller relevanten
Quellen und Sofortmaßnahmen gegen Leckagen fordert die
DUH von der Bundesregierung eine nationale Methan-Strategie mit konkretem Reduktionsziel und Maßnahmen in allen
Sektoren. Die Umsetzung der neuen EU-Methan-Verordnung
in nationales Recht muss über die EU-Vorgaben hinausgehen, denn etwa Biogasanlagen werden dort bislang nicht
berücksichtigt.
Die DUH will die Methangas-Messungen unter der Leitung von Axel Friedrich im Umfeld von Biogasanlagen fortsetzen.
bw
Titel
Biomethan
Dänemark hat die Nase vorn
Wer vom zehnten Stock des
Danhostels mitten in der City
von Kopenhagen den Verkehr
beobachtet, der sich auf dem
prächtigen H.C. Andersens
Boulevard abspielt, der sieht
mehr Fahrradfahrende als
in jeder anderen deutschen
Großstadt. Spiegelbildlich erklärt dies, weshalb die Dänen
in vielen Dingen einfach andere Wege gehen als im großen
Nachbarland Deutschland.
Dies gilt auch für das Segment
Biogas.
Wohl kaum jemand kann die Unterschiede der Biogasbranche zwischen
Deutschland und Dänemark besser
erklären als der Chemie-Ingenieur Anker Jacobsen. Er gründete vor mehr als
zwei Dekaden die Firma Ammongas
A/S, die schließlich im Jahr 2022 von
der European Energy AG aufgekauft
und einverleibt worden ist. Das Büro
von Ammongas befindet sich in einem
zeithistorischen bemerkenswerten Gebäude auf dem Gelände von TV Byen,
einer in den sechziger Jahren zu Zeiten
des Kalten Krieges außerhalb von Kopenhagen errichteten „Fernsehstadt“,
bei der im Ernstfall – nämlich eines
Atomkrieges – die Redakteure aus Bunkern heraus hätten weitersenden können.
Das ist – und bleibt hoffentlich – Vergangenheit, denn der Kalte
Krieg war, so zu mindestens die Hoffnung, mit dem Fall der Berliner Mauer
vorbei; ebenso hat sich auch die Welt
des Fernsehens in Dänemark wie auch
anderswo anders entwickelt als damals
vorausgesehen, so dass das einstige
Fernseh-Hochhaus mittlerweile von
innovativen Firmen wie eben der Ammongas genutzt wird, die Rohbiogas
mit ihren Absorption-Know-how in Biomethan und Kohlendioxid zerlegt. Anker Jakobsen kommt, obschon seit zwei
Jahren nicht mehr Chef seiner einstigen
Firma, immer noch regelmäßig ins Büro
und schaut seinen früheren Kolleginnen und Kollegen beratend über die
Schulter.
Nach 2030 erzeugt
Dänemark mehr Biomethan, als es braucht
Alle kennen den 77-Jährigen, begrüßen ihn in den Fluren respektvoll. Er
hat Biogasgeschichte geschrieben, dänische wie auch europäische. War er
es doch, der mit seiner Firma als erster
überhaupt Biomethan aus dem Rohbiogas herauswusch. Derweil legt Johannes Stoedter-Rosien, Analyst beim
dänischen Fernnetzbetreiber Energinet,
im Beisein des Grandseigneurs der dänischen Biogasbranche die energiepolitische Energiestrategie Dänemarks dar.
„Obgleich nach 2030 noch fossiles Erdgas wie das aus Norwegen durch das
dänische Gasnetz fließen wird, ist der
heimische Verbrauch mit Biomethan bis
dahin sogar mehr als abgedeckt. Damit
können dann auch Überschüsse exportiert werden“, so Stoedter-Rosien.
Was für eine Zielsetzung – in
Deutschland ist das aktuell kaum vorstellbar. Jedoch sind das keinesfalls
nur bloße dänische Träumereien; denn
schon gegenwärtig ist fast schon die
Hälfte des fossilen Gases in den dänischen Gasleitungen durch Biomethan ersetzt worden. Exakt 59 größere
Biomethan-Anlagen von landesweit
insgesamt rund 180 in der Regel großen Biogas-Anlagen sind in Dänemark
schon direkt an das staatliche Gasnetz
angeschlossen. Allerdings räumt Stoed-
Früher ein Gebäude für Fernsehstationen, heute Firmensitz von
Ammongas A/S und anderen
innovativen Firmen in Kopenhagen.
(Fotos: Dierk Jensen)
6/2024
13
Titel
Jaime Casasus-Bribian.
ter-Rosien ein, dass nicht alles perfekt
laufe. Das Problem liege darin, dass die
Produktion von Biomethan den des lokalen Gasverbrauches übersteigt und es
deswegen einen lokalen Gasüberschuss
gibt. Dieser sei in einigen Landesteilen,
besonders im Sommer, wenn der Gasverbrauch geringer ist, eine Herausforderung. Zudem ist der Sauerstoffanteil
im Gasnetz, so Stoedter-Rosien weiter,
im Vergleich zu Deutschland höher. Obgleich dies grundsätzlich funktioniere,
sei dies aber nicht gänzlich unproblematisch.
„Heute machen wir
nur noch Biomethan“
Unabhängig dieser netztechnischen
Herausforderungen
demonstrieren
drei Brüder der Landwirtschaftsfamilie
Madsen am Rande des beschaulichen
Dorfes Balling in der Kommune Skive im nördlichen Teil von Jütland, wie
Biomethan-Einspeisung à la Dänemark
14
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aussieht. Nach deutschen Maßstäben
ist es eine große Anlage, in Dänemark
gehört sie mit acht Megawatt Heizleistung eher zu den kleineren. „Früher
haben unsere Kollegen das Biogas für
die Stromproduktion genutzt, heute
machen wir nur noch Biomethan und
das durchaus profitabel“, verrät Boe
Madsen, einer der drei Brüder im Büro
der Madsen Bioenergie I/S.
Das Trio hat in den letzten zehn
Jahren rund neun Millionen Euro investiert, um dahin zukommen, wo man
jetzt steht. Dabei begannen die Brüder
Bo, Per und Kim mit ihren ersten Planungen für eine Biogasanlage im Jahr
2010. Zunächst wollte man die Kommune Skive mit der Wärme aus der
Stromerzeugung versorgen, doch war
am Ende der Wärmepreis nicht wirklich
wettbewerbsfähig, überdies favorisieren die Kommunalpolitiker in Skive zukünftig eine geothermische Lösung für
ihre Wärmeversorgung. So wanderten
und landeten die Überlegungen Stück
für Stück und mit der Intervention von
Anker Jacobsen und trotz aller Skepsis
im regionalen Bankenumfeld schließlich
zur Produktion von Biomethan. Produktionsstart war dann im Jahr 2014. Dafür wurde extra eine Gasleitung gelegt,
elf Kilometer lang, mit 11,5 Zentimeter
Durchmesser, verlegt mit einer Tiefe
von 1,20 Meter im Boden. Die penibel
sauber betriebene Anlage erzeugt aktuell rund 600 Kilogramm Methan pro
Stunde.
Eine derart im großen Maßstab
konzipierte Produktionsstätte landwirtschaftlichen Ursprungs braucht
reichlich Input-Material. Die weitaus
größte Menge beziehen die Madsens
mit 140.000 Tonnen Gülle – 60 Prozent
Schweine- und 40 Prozent Rindergülle
– aus Ställen im Umkreis von zehn Kilometern. Für jede Tonne zahlt das Trio
rund anderthalb Euro. „Wenn Du keinen Bauern haben willst, dann kannst
Du auch kein grünes Gas erzeugen“,
unterstreicht Per Madsen aus seiner
Perspektive die Bedeutung der Landwirtschaft sowohl für die betriebseigene Methanerzeugung als auch für die
gesamte dänische Biomethan-Strategie.
Neben der Gülle landet auch
die eigene Ernte von rund 250 Hektar
Mais, dessen Anbau für die Biogasproduktion aber in Dänemark ab nächstem
Jahr gesetzlich nicht mehr erlaubt sein
wird und dessen Tonnenpreis derzeit
noch bei 45 Euro liegt, sowie Roggen
und Gras – insgesamt rund 10.000 Tonnen – in die Fermenter. Hinzukommen
dann noch weitere 1.500 Tonnen Kartoffelbrei sowie 20.000 Tonnen aus der
Lebensmittelindustrie wie dem Molkereikonzern Arla.
Aminwäsche-Anlage auf der
Biogasanlage in Højslev
im nördlichen Jütland.
Titel
Anlage dank eines
staatlichen Garantiepreises profitabel
Die Anlieferung der Substrate erfordert
dabei eine streng definierte Logistik,
die komplett von einer Lohnunternehmung gemanagt wird. So fahren
ständig 40-Tonner-Tankwagen vor, um
neue Gülle oder andere Substrate für
die Fermenter zu liefern. 800 Dänische
Kronen (DKK) bezahlen die Madsens
für jede Fuhre, umgerechnet rund 100
Euro. Und obwohl die Kosten und der
Aufwand ziemlich groß sind, zeigen
sich die Madsens zufrieden, weil sich
ihre Anlage profitabel betreiben lässt.
So erhält das Trio für jedes Kilogramm Methan einen staatlichen Garantiepries von 6 DKK, umgerechnet
rund 75 Eurocent. Mit diesem Tarif erzielen die Betreiber am Ortsrand Balling
einen jährlichen Umsatz von rund fünf
Millionen Euro. Dabei sagt Boe, dass er
ohne einen staatlichen Garantiepreis
auch heute noch einmal in die Biomethan-Erzeugung einsteigen würde. Ein
wichtiger Schlüssel im Betriebskonzept
der Madsens ist sicherlich die Tatsache,
dass ein Heizkessel mit einer Feuerleistung von einem Megawatt – befeuert
mit dem Stroh aus eigenem Anbau und
regional erzeugtem Holzhackschnitzel
– ausreichend Wärme für die Biogasaufbereitungsanlage von Ammongas
zur Verfügung stellt.
CO2-Abscheidung und
Verwertung geplant
Noch wird das bei der Biogaswäsche
anfallende, konzentrierte Kohlendioxid an die Umgebungsluft abgegeben,
was die Madsens in Zukunft jedoch ändern wollen. Es wird beabsichtigt, dass
Kohlendioxid so aufzubereiten, dass es
Abnehmer in der Lebensmittelindustrie
oder in der Chemie finden wird. Das
wäre eine weitere, lukrative Weiterentwicklung. Zumal in Zukunft, so ist sich
Boe ziemlich sicher, noch weitere Erlöse
aus dem Verkauf von CO2- Zertifikaten
erwirtschaftet werden.
Ganz abgesehen davon ist der
Bedarf an grünem Gas am kommenden
Markt riesig und tendenziell, eben auch
im südlichen Nachbarn Deutschland,
weiterwachsend. „Wenn die Gasrückführungsstationen, die für den Weitertransport benötigt werden, erst mal da
sind, dann kann unser grünes Gas auch
in Deutschland verwertet werden“, so
der 50-Jährige.
Das klingt alles sehr positiv, obgleich auch die ländliche Region um
Skive, südlich des Limfjord, sich in einem tiefgreifenden sozioökonomischen Wandel befindet. Kleine landwirtschaftliche Betriebe gibt es kaum
noch, ländliche Infrastruktur ist weiterhin auf dem Rückzug und auch die
kleine Einkaufsstraße im Zentrum von
Skive strahlt wenig Anziehungskraft
aus. Viele Gewerbeflächen, in denen
einst kleine Einzelhandelsgeschäfte
untergebracht waren, stehen leer. Der
Ort mit 20.000 Einwohnern wirkt trotz
frühsommerlicher Witterung so, als ob
er schon bessere Zeiten gesehen hätte.
Anlage in Højslev soll
über eine Million Tonnen
Inputmaterial schlucken
Dagegen, nur zehn Autominuten östlich von Skive entfernt, strotzt Thomas
Holst in der Steuerungszentrale der
Vinkel Bioenergi Aps vor Zuversicht.
Der 46-jährige Maschinenbauer leitet
seit 2020 die gigantisch anmutende
Biogasanlage, die vor fünf Jahren in der
Ortschaft Højslev mit angeschlossener
Biogasaufbereitungsanlage in Betrieb
ging. Dagegen ist die CO2-Gewinnung
ähnlich wie bei den Madsens nur in Planung.
Nur drei Jahre nach Betriebsbeginn übernahm die Kapitalbeteiligungsgesellschaft Maigaard & Molbech in
einem Joint-Venture-Deal mit der European Energy AG die Großanlage. „Die
Übernahme von Vinkel Bioenergi wird
der erste Schritt bei der Gründung der
6/2024
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Titel
Blick auf die neue, im
Testbetrieb befindliche E-Methanol-Produktionsanlage in
Kassø.
BioCirc-Gruppe sein, die eine führende Kreislauf-Bioökonomie-Gruppe mit
Schwerpunkt Recycling, Waste-to-Energy, Renewable Energy und Power-to-X
sein wird“, wird in einer damaligen
Pressemitteilung Geschäftsführer Bertel
Maigaard zitiert. „BioCirc wird mit der
Übernahme von Vinkel Bioenergi unter
anderem zu einer nachhaltigeren Zu-
men auf rund 1,1 Millionen Tonnen zu
erhöhen“, blickt Holst in die Zukunft.
Damit alles rund läuft, sind insgesamt
25 Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt,
davon sind 15 Lkw-Fahrer, die rund
um die Uhr die festen und flüssigen
Biomasse-Frachten von rund 100 landwirtschaftlichen Unternehmungen und
weiteren Lieferanten heranholen.
In Lego-Größe ist
schon alles fertig,
in der Realität ist
es eher noch im
Werden.
kunft für die Agrarindustrie beitragen“,
fügte er vollmundig hinzu, während
über die Kaufsumme dezent geschwiegen wurde und European Energy zwischenzeitlich ihre Anteile wieder veräußert hat.
Indessen, die Größenordnung der
Anlage in Højslev ist beeindruckend:
5.500 Kubikmeter Biomethan werden
pro Stunde erzeugt, dafür werden pro
Jahr 430.000 Tonnen Input herangefahren. Dabei wollen die strategischen
Investoren die Inputmenge in den
nächsten Jahren noch mal mehr als verdoppeln. „Wir beabsichtigen, bis in die
dreißiger Jahren hinein das Inputvolu-
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Feststoffe werden im Umkreis
von 50 Kilometer herangekarrt, flüssige
Fraktionen im Radius von 30 Kilometern. Industrielle Dimensionen hat die
Annahmehalle für die Feststoffe: Die
Lkws kippen ihre Lasten in eine riesige
Grube, in die mächtige, automatisch
gesteuerte Greifer die Biomasse aufnehmen und dosiert in die jeweiligen
Fördersysteme weitergeben, die zu den
Fermentern führen, die thermophil gefahren werden und mit einer Verweilzeit von 52 Tagen operieren. Während
das Biomethan ins dänische Gasnetz
gelangt, könnte das durch die Aminwäsche separierte CO2 zukünftig wohl
auch eine Option für die Methanolproduktion sein.
E-Methanol-Produkion
in Kassø im großen Stil
Wohin diese Reise schon heute geht,
ist in Kassø in der Nähe der süddänischen Ostseestadt Aabenraa zu beobachten: Dort entsteht derzeit eine Power-to-X-Anlage von European Energy
AG, das erste „eMethanol-Großprojekt“ weltweit. Schon zum Ende des
Jahres soll die Produktion angefahren
werden. „Es ist wie bei der Mondlandung vor mehr als 50 Jahren“, greift
Ammongas-Chef Jaime Casasus-Bribian zu einem Superlativ, als er jüngst
Journalisten aus aller Welt zum Rundgang durch die Baustelle einlud.
Das an allen Ecken gut bewachte Areal auf der landschaftlich wenig
spektakulären dänischen Geest ist
Schauplatz für den Zusammenbau von
komplexen Komponenten, die für die
Herstellung von grünem Methanol im
XL-Maßstab nötig sind. Eine Pioniertat,
in der auch ein industrieller Riese wie
Mitsui große Chancen für die Zukunft
zu erkennen scheint. So sind die Japaner mit einem Anteil von 49 Prozent an
den millionenschweren Investitionen
nur rund 40 Kilometer nördlich der
deutsch-dänischen Grenze liegenden
neuen Produktionsstätte beteiligt. Während das Kohlendioxid aus den Biomethananlagen ein integraler Bestandteil
für die Herstellung von Methanol ist,
sei die eigentliche Herausforderung, so
Titel
Jaime Casasus-Bribian beim Rundgang,
„der Bau von Elektrolyseuren in diesen
großen Dimensionen.“
Am Standort von Kassø sind mehrere 17,5 Megawatt große PEM-Elektrolyseure von Siemens Energy verbaut
worden, schließlich sollen am Standort
jährlich rund 6.000 Tonnen Wasserstoff
erzeugt werden. Der dafür benötigte
grüne Strom kommt zu großen Teilen
von einem neun Quadratkilometer großen Solarpark in unmittelbarer Nähe sowie aus reichlich Windstrom, während
das für den Herstellungsprozess benötigte, grüne CO2 aus der Biogasanlage
in Tøndern stammt, die der Copenhagen Infrastructure (CIP) gehört.
Insgesamt macht die Strombeschaffung rund 70 Prozent der Erzeugungskosten von Methanol aus, der
von Kassø zukünftig entweder über
Lkws abtransportiert und später auch
über Leitungen zum nahen Hafen von
Aabenraa geliefert werden soll. Der
Jahres-Output in Kassø, dessen Standort mehrere wichtige Aspekte wie
Wasserangebot, Verfügbarbarkeit von
erneuerbarem Strom, nahe Anbindung
zu einem Hafen und die Nähe zu Biogasanlagen, erfüllte und deshalb aus-
gewählt wurde, soll bei 32.000 Tonnen
Methanol pro Jahr liegen.
Maersk, Lego und Novo
Nordisk haben sich das
E-Methanol bereits
gesichert
Diese Menge haben sich vier prominente Kunden schon vor Produktionsstart
vertraglich gesichert: Zuallererst ist die
weltweit größte Reederei Maersk zu
nennen, die ihr mit Methanol-Antrieb
ausgestattetes Containerschiff namens
„Laura Maersk“ mit grünem Treibstoff im Hafen von Aabenraa betanken will. Die drei weiteren Abnehmer
sind Circle K, Lego und der Medikamentenhersteller Novo Nordisk. Alle
vier Unternehmen wollen zur grünen
Avantgarde gehören, die den Einstieg
in eine nonfossile Wirtschaft jetzt wagen und dafür um einen mehr als zweifach höheren Preis fürs grüne Methanol
bezahlen, als wenn sie fossil Erzeugtes
akquirieren würden.
„Die E-Methanolproduktion braucht
langfristige Kontrakte, ansonsten wird,
egal wo auf der Welt, nicht in den Bau
von entsprechenden Anlagen investiert“, macht Casasus-Bribian klar und
verweist überdies auf die noch enge
Konkurrenz zum Kraftstoff Bio-LNG
aber auch zu Ammoniak (NH3).
Obschon noch nicht klar ist,
wohin sich die Märkte letzten Endes
entwickeln werden, beabsichtigt die
European Energy nach dem Pionierwerk Kassø, bei der Übrigens 50 Gigawattstunden Wärme (!) anfallen, den
Bau noch größerer Anlagen mit einem
Output von 100.000 Tonnen. Geplant
sind Erzeugungsstätten in Litauen, Spanien, Schweden, USA und in Padborg
in unmittelbarer Nähe zu Flensburg.
Die Zielsetzungen mit diesen neuen
Werken sind jedoch nicht ohne Kohlenstoff zur realisieren. Und da sind alle
Akteure wieder beim Biogas, bei Biomethan und dem biogenen CO2, die
zusammen den Kreislauf zur Erzeugung
von nachhaltigen Kraftstoffen für den
Schwertransport-Bereich zu schließen
vermögen. Kein Zweifel: Die Nachfrage
nach CO2 wird in Zeiten des Klimawandels – paradoxerweise – wachsen. Und
ganz bestimmt nicht nur nördlich der
dänisch-deutschen Grenze.
Dierk Jensen
Im Ort Glansager betreibt das Unternehmen natur energy eine Biogasanlage, die Biomethan von CO2 separiert.
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Titel
Porträt
Biomethan-Pionier Anker Jacobsen
gründete 2002 schließlich die Ammongas A/S. Nun stieg er mit der
gleichen Absorptions-Stripper-Anlage in die dänische Biogasbranche
ein, um das Rohbiogas in reines
Methan (Biomethan) und reines CO2
zu trennen.
Das war damals eine absolute Pionierleistung, die sich in Dänemarks erster Biomethananlage
bewähren sollte. Sie entstand auf
einem landwirtschaftlichen Betrieb
Hashøj auf der Insel Fünen, wo eine
bestehende, kleine Biogasanlage um
eine Biogasaufbereitungsanlage von
Ammongas erweitert wurde. „Die
Zauberei bestand damals darin“, so
Anker Jacobsen heute, „eine riesige
Leistung aus einer kleinen Anlage zu
holen. Mit einer Gasausbeute von in
manchen Perioden über 100 Kubikmetern pro zugeführter Biomasse
wird das separierte Biomethan bis
heute in ein drei Kilometer entferntes Heizkraftwerk geleitet.“
Pionieranlage in Hashøj.
(Fotos: Ammongas A/S)
Auf die Vergärung war er schon
im frühen Kindesalter aufmerksam
geworden. Später entschied sich
der im Jahr 1945 Geborene für das
Studium zum Chemie-Ingenieur.
Wie experimentier- und innovationsfreudig Anker Jacobsen war,
zeigt allein die Tatsache, dass er im
Alter von 37 Jahren ein Patent für
eine
Absorptions-Stripper-Anlage
erhielt, die Benzin aus Benzindämpfen einfangen und verflüssigen
konnte. Das war der Beginn seines
Unternehmens Cool Sorption A/S,
mit der er am Ende so viel Benzin
erzeugte, dass es fast ein Drittel des
jährlichen Verbrauchs in Dänemark
abzudecken vermochte. Ein großer
Erfolg, mit dem sich Jacobsen aber
nicht begnügen mochte. Denn er
verkaufte die Cool Sorption A/S und
18
6/2024
Anker Jacobsen hat sich aus
dem operativen Geschäft verabschiedet und Ammongas im Jahr
2022 an European Energy verkauft.
Was jedoch nicht heißt, dass er seither untätig sein würde. So hat er
ein Fachbuch geschrieben, in dem
er seine Erkenntnisse gespeist aus
einem langen Arbeitsleben zusammengefasst hat. Dabei kommt er
unter anderem zum Standpunkt,
dass die „Kombination aus Methanol- und Biogasproduktion ein optimaler Weg zu kostengünstigem,
grünem Methanol ist, vorausgesetzt
Ammongas deckt 20
Prozent des dänischen
Gasverbrauchs
Trotz vieler technischer Probleme
im Detail und großer Skepsis im
Allgemeinen setzte sich die Technik
von Jacobsen in der dänischen Biogasbranche dann doch durch. Ammongas hat mittlerweile mehrere
Dutzend Anlagen in Dänemark, die
zusammen addiert etwa 20 Prozent
des dänischen Gasverbrauchs produzieren. Auch im Ausland ist die
Nachfrage in den letzten Jahren
stark angestiegen; neben USA, Norwegen eben auch in Deutschland,
wo bislang zwei Anlagen in Betrieb
sind und eine dritte in Lüneburg bis
2026 fertiggestellt sein soll.
Anker Jacobsen
(Foto: Dierk Jensen)
es kann genügend Biogas produziert werden.“ Jacobsen rechnet
vor: „Anfang 2023 produzierten
dänische Biogasanlagen etwa eine
Million Tonnen CO2 pro Jahr. Mit
dem aktuellen Ausbauplan wird diese Zahl sich in den nächsten sieben
Jahren verdoppeln oder sogar verdreifachen.“
Mit diesen dann drei Millionen Tonnen CO2, die man allein
durch Biogas aus Abfällen in Däne-
Titel
Containerlösung zur
Aminwäsche
in Bergen in
den USA
mark erzeugen könnte, ließen sich
rund zwei Millionen Tonnen Methanol herstellen. Allerdings braucht
es dafür eine elektrische Leistung
von weit über 3.000 Megawatt, die
über Wind- oder Solarparks bereit
zu stellen sind, um die Herstellung
von Wasserstoff sowie die Synthese
von Kohlendioxid und Wasserstoff
energetisch klimaneutral zu ermöglichen.
Bedarf nach biogenem
CO2 wird steigen
Da aber die Nachfrage von grünem
Methanol zukünftig weiter höher
liege und der Bedarf auch mit drei
Millionen CO2 nicht abzudecken
sein wird, macht er einen interessanten Vorschlag: „Statt die Strohmengen in Dänemark zu reduzieren,
könne man sie auch wieder steigern, um daraus Methan und CO2
zu gewinnen. „Man könnte jedoch
auch die vier Prozent der dänischen
Ackerfläche betrachten, die derzeit gesetzlich brach liegen müssen. Wenn man sich entscheidet,
zum Beispiel drei Prozent davon mit
Energiepflanzen wie beispielsweise
Rüben anzubauen, wären hieraus
weitere drei Millionen Tonnen CO2
erzielbar“, denkt der unabhängige
Biomethan-Pionier weiter. Sein Fazit:
Eine kostengünstige CO2-Produktion durch Biogas könnte über viele
Jahre hinweg biogenes CO2 für die
PtX-Produktion sichern helfen.
Angesichts dieser Perspektiven ist Jacobsen zutiefst davon
überzeugt, dass der Ausbau der
CO2-Nutzung auf Biogasanlagen
bei Weitem nicht nur in Dänemark,
sondern überall auf der Welt voran-
schreiten müsse. Kein gutes Haar
lässt der Däne im Übrigen auch an
den Klima-Berechnungsmethoden
der IPCC. „Langfristig sollten wir
uns für stark veränderte oder völlig
neue Bilanzierungsmethoden einsetzen, aber kurzfristig wäre es gut,
eine Art autorisierte Anleitung zu
haben, die die Stärken und vor al-
lem die Schwächen des Modells erläutert und insbesondere feststellt.“
Wichtig für ihn ist es in erster Linie, klar festzuhalten, dass das
Verlagern klimaschädlicher Aktivitäten in ein anderes Land selbst noch
gar nichts löst. Zudem: Die Landwirtschaft leiste einen enormen und
lobenswerten Beitrag, der sich aber
nicht in den Berechnungsmethoden
niederschlagen. Wer noch tiefer in
die Gedankenwelt von Anker Jacobsen einsteigen möchte, dem sei sein
Buch, das im nächsten Jahr auch in
Deutsch erscheinen soll, zu empfehlen.
Dierk Jensen
MACHT AUS WENIG
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6/2024
19
Titel
Waste to Energy
Der Traum von
der klimaneutralen
Fernwärme
Klimaneutrale oder gar klimapositive
Fernwärme mittels thermischer Abfallbehandlung ist eine Art Idealzustand, der oft
an die Wand projeziert wird. Unmöglich ist
das nicht, doch der Weg dahin ist steinig,
teuer und erfordert jede Menge Innovationsgeist.
Hansjörg Roll ist sich seiner Sache sicher. Zumindest
wirkt das so, hier in Würzburg, wo VDI und ITAD
jährlich die Konferenz Thermische Abfallbehandlung
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6/2024
veranstalten. Der Technikvorstand des Mannheimer
Energiekonzerns MVV ist gleichzeitig Präsident des
Fernwärmeverbandes AGFW. In dieser Doppelfunktion sprach Roll in seiner gewohnt ruhigen Art über
die Vorzüge der Fernwärme als solches als auch über
die Klimaschutzpläne seines Arbeitgebers.
Bereits bis 2030 will die MVV demnach die
Fernwärme in Mannheim und Umgebung sowie in
Offenbach vollständig grün haben. 2035 soll dieses Ziel auch in Kiel erreicht werden – damit soll
die MVV-interne Wärmewende in den kommenden
zehn Jahren im Wesentlichen umgesetzt werden.
Das ist ambitioniert, denn MVV – nach Angaben
Titel
Rolls der größte Fernwärmeanbieter Deutschlands –
will nicht nur das bisherige Niveau der Fernwärmelieferungen künftig erneuerbar erzeugen, sondern
die Fernwärme weiter ausbauen.
Gelingen soll das mit einem breiten Mix unterschiedlicher Technologien – und die energetische
Nutzung von Abwärme aus thermischen Abfallbehandlungsprozessen ist spielt hier eine wesentliche
Rolle. Bereits 2020 haben die Mannheimer ihre
Müllverbrennungsanlage auf der Friesenheimer Insel in das Fernwärmenetz angeschlossen – in diesem
Jahr folgte das Biomassekraftwerk. Ergänzt werden
soll die grüne Fernwärmeerzeugung unter anderem
mit Flusswärmepumpen und Tiefengeothermie.
Der Wärmesektor wurde
jahrzehntelang
sträflich vernachlässigt
Foto: ARTwithPIXELS - stock.adobe.com
Aktuell spielen fossile Energieträger für die
Fernwärmeversorgung
in Mannheim wie in den
meisten anderen Großstädten noch eine entscheidende Rolle. Jahrelang hatten sich Politik
und Energieversorger nur
auf den Strommarkt und
dessen Dekarbonisierung
konzentriert und den
Wärmesektor
sträflich
vernachlässigt. Energiewende – das war im Wesentlichen
Stromerzeugung mit Photovoltaik
und Wind, aber nur für die wenigsten auch Raumwärme und warmes Wasser.
Dabei ist der Gebäudebereich nach Angaben
der AGFW für 30 Prozent des Endenergieverbrauchs
verantwortlich – und diese 30 Prozent werden in der
Regel fossil erzeugt. Gas hat demnach einen Anteil
von 48,3 Prozent am Wärmemarkt, gefolgt von Öl
mit 23,4 Prozent. Die ebenfalls derzeit noch meist
fossil gespeisten Fernwärmenetze kommen auf einen Anteil von rund 15,2 Prozent.
Der CO2-Fußabdruck des Gebäudesektors ist
entsprechend hoch: Andreas Hauer vom Bayerischen
Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE
Bayern) präsentierte in Würzburg Zahlen, nach dem
der thermische Sektor etwa die Hälfte des CO2 aller
Energiebedarfssektoren emittiert. Allein die Bereiche
Raumwärme und Warmwasser sind für 23 Prozent
der energiewirtschaftlichen Treibhausgasemissionen
verantwortlich.
Das Problem an der Dekarbonisierung des
Wärmemarktes ist, dass er noch träger und schwerfälliger ist als der Strommarkt. Hausbesitzer investieren oft erst nach Jahrzehnten in eine neue Heizung –
und da bis vor kurzem Gasheizungen noch staatlich
bezuschusst wurden, dürften viele fossil betriebenen
Heizungsanlagen neueren Datums und damit noch
lange nicht abbezahlt sein.
Doch der Klimawandel schreitet unaufhörlich
voran – die Fernwärmerohre künftig aus erneuerbaren Quellen zu speisen, kann ein gewaltiger Hebel
Richtung Klimaneutralität sein, der noch vergleichsweise schnell umgesetzt werden kann. Uta Weiß
vom energiewirtschaftlichen Think Tank Agora Energiewende hatte am vor der eigentlichen Konferenz
stattfindenden „Spezialtag“ zum Thema Wärmewende ausführlich zur zukünftigen Bedeutung der
Fernwärme referiert: Weiß zufolge wird der Fernwärmebedarf bis 2050 deutlich ansteigen: von voraussichtlich 122 TWh im Jahr 2025 auf 161 TWh zur
Mitte des Jahrhunderts. Der Fernwärme-Mix wird
dann im Wesentlichen aus Großwärmepumpen,
Geothermie und stromgeführter Wasserstoff-KWK
bestehen, so Weiß.
Fristet die Müllverbrennung
2050 in der Fernwärme ein
Nischendasein?
Abfälle – ob biogen oder fossil – fristen im Fernwärme-Mix des Jahres 2050 laut Agora nur noch ein
Nischendasein. Bis 2050 soll demnach der Anteil
des fossilen Abfalls an der Fernwärmeerzeugung
um etwa ein Viertel sinken. Beim biogenen Abfall
sinkt der Anteil an der Fernwärmeversorgung gar
um 60 Prozent im Vergleich zum aktuellen Versorgungsbeitrag. Uta Weiß begründete die Annahme
in Würzburg im Wesentlichen mit einem sinkenden
Müllaufkommen durch mehr Kreislaufwirtschaft.
Von einem sinkenden Müllaufkommen ist zumindest derzeit in der Statistik noch nichts zu sehen.
Zwar sei der Anteil der thermisch behandelten Restabfälle in den vergangenen Jahren leicht von 12,4
Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf 12,1 Millionen
Tonnen 2023 gesunken, berichtete der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Thermischen
6/2024
21
Titel
Entwicklung der Abfallgruppen in der thermischen Abfallbehandlung in Deutschland.
hen dabei über das Jahr gesehen rund 250.000 Tonnen
Kohlendioxid, wovon etwa
die Hälfte des CO2 biogenen
und die andere Hälfte fossilen
Ursprungs ist.
Würde ein Anlagen(Quelle: ITAD)
betreiber wie beispielsweise
EEW die Hälfte des entstehenden CO2 abscheiden,
wäre die Anlage praktisch klimaneutral, da das biogene CO2 per Definition keine Klimarelevanz hat. Die
Abscheidung von 125.000 Tonnen CO2 mit Hilfe der
technisch ausgereiften Aminwäsche hätte jedoch einen thermischen Energiebedarf von 100 GWh und
einen elektrischen Energiebedarf von 19 GWh zur
Folge. Mit anderen Worten: Von den ursprünglichen
250 GWh thermischer Energie würde allein die Carbon-Capture-Anlage 100 GWh verbrauchen. Die für
Fernwärmenetze zur Verfügung stehende Wärme
Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD),
Bastian Wens, in Würzburg. Im Gegenzug seien
allerdings die Mengen gestiegen, die beispielsweise aus Sortieranlagen an die Abfallverbrennungsanlagen der ITAD-Mitglieder angeliefert worden
seien: 2023 wurden demnach 9,77 Millionen Tonnen Abfälle der Schlüsselnummern 19 12 10 und
19 12 12 thermisch verwertet – 2021 waren es mit
8,75 Millionen Tonnen noch etwa eine Millionen
Tonnen weniger. In der Summe stieg damit der in
den ITAD-Anlagen thermisch verwertete Abfall von
25,30 Millionen Tonnen im
Jahr 2021 auf 25,75 Millionen Tonnen im vergangenen
Jahr.
Bei der Verbrennung
dieser fast 26 Millionen Tonnen Abfall fällt naturgemäß
CO2 an – ob das nun per Gesetz als „erneuerbar“ oder
„unvermeidbar“ deklariert
wird, spielt für die physikalische Wirkung des Kohlendio- Klimaneutrales Deutschland 2045 (Update): Energieträgereinsatz in der Fernwärmeerzeugung
(Quelle: ITAD)
xids in der Atmosphäre keine
Rolle. Hansjörg Roll betonte daher in seiner Keyno- würde dadurch erheblich abnehmen. Im Falle einer
te-Rede zum Beginn der Konferenz, dass die aus- Auskopplung des gesamten CO2-Anteils mit Hilfe
gekoppelte Wärme der Müllverbrennungsanlagen der Aminwäsche wäre die Anlage sogar als „klidurch eine zukünftige CO2-Abscheidung klimaposi- mapositiv“ einzustufen, hätte jedoch laut Hoffmann
tiv wird. Perspektivisch könnte mit CCU auch fossiler einen thermischen Energiebedarf von 200 GWh. Für
Kohlenstoff in der Industrie substituiert werden.
Wärmekunden bleibt da kaum noch was übrig.
Laut Hoffmann könnte eine flexible Fahrweise
von CC-Anlage und Wärmebereitstellung ein Weg
aus dem Entweder-Oder-Dilemma sein. So steigt
der Wärmebedarf in den Monaten der Heizperiode
naturgemäß an, während er in den SommermonaDoch ganz so einfach ist das leider nicht. Michael ten gering ist. Daher könnte im Sommer die entsteHoffmann vom Anlagenbetreiber EEW zeigte am hende Abwärme der Müllverbrennungsanlagen für
Spezialtag, welche Auswirkungen Carbon Capture die CO2-Abscheidung verwendet werden, während
auf die Energieauskopplung von thermischen Abfall- in der Heizperiode die Anlagen auf maximale Wärbehandlungsanlagen hat. So kann eine Anlage, die mebereitstellung gefahren werden. Darüber hinaus
250.000 Tonnen im Jahr verbrennt, beispielsweise könnte mit einer alternativen Kaliumcabonatwärund 100 Gigawattstunden (GWh) elektrische und sche der thermische Energiebedarf im vergleich zur
250 GWh thermische Energie erzeugen. Da bei der Aminwäsche deutlich gesenkt werden. Das würde
Verbrennung einer Tonne Abfall über den Daumen eine zusätzliche Wärmeauskopplung ermöglichen.
gepeilt rund eine Tonne CO2 emittiert wird, entste- Allerdings sei bei diesen Anlagen der Technical Rea-
Mit CCUS zur klimaneutralen
Fernwärme aus Abfall?
22
6/2024
Titel
Verschiedene CCUS-Projekte in der thermischen Abfallbehandlung in Europa
Belgien
Dänemark
Deutschland
Finnland
Frankreich
Großbritannien
Italien
Norwegen
Niederlande
Portugal
Schweden
Schweiz
Indaver Power-to-Methanol-Projekt (Antwerp@c, Hafen von Antwerpen)
CCS-Projekte (ARC, Kopenhagen), (Vestforbrænding, Glostrup), (ARGO, Roskilde) als Teil des C4 - Carbon Capture
CCU-Projekte zur Herstellung von synthetischem Methanol (EEW, Helmstedt); (ZASt, Zella-Mehlis)
CCU-Carbon2x-Pilotprojekt (Fortum, Riihimäki); EnergySampo-CCU-Projekt (Westenergy, Mustasaari)
+ andere CCU-Power-toCCU-Pilotprojekt zur Nutzung von CO2 in der Algenproduktion im Großraum Paris (SUEZ, Créteil), (Syctom,
Saint-Ouen)
CCS East Coast Cluster (SUEZ, Haverton Hill/Teesside); CCS Hynet North West-Projekt (Viridor, Runcorn) usw.
Ravenna Hub CCS-Projekt (Herambiente, Ravenna); Installation eines Heißkaliumkarbonat-Tests (A2A, Corteolona)
CCS-Langschiffprojekt (Hafslund Oslo Celsio, Klemetsrud); CCS Borg CO2-Cluster (Frevar, Fredrikstad),
(Kvitebjorn Bio-El, Fredrikstad), (Sarpsborg Avfallsenergi, Sarpsborg); andere Projekte (Statkraft Varme, Trondheim),
(Returkraft, Kristiansand), (BIR Ressurs, Bergen), usw.
Verschiedene CCUS-Projekte (Twence, Hengelo), (AVR, Duiven), (AVR, Rozenburg), (AEB, Amsterdam),
(HVC, Alkmaar); HyNetherlands CCU-Projekt zur Methanolproduktion (EEW, Delfzijl); OSIRIS-Projekt zur
CO2-Versorgung von zwei Gewächshausclustern (PreZero, Roosendaal) usw.
Power-to-Liquid-Projekt zur Herstellung synthetischer Flugkraftstoffe (LIPOR, Porto)
HySkies CCU-Projekt zur Herstellung synthetischer Flugkraftstoffe (Vattenfall, Uppsala); CCS-Studien (Renova,
Göteborg), (SYSAV; Malmö)
CCS-Untersuchungsstudie (KVA Linth, Niederurnen); alle 29 Schweizer WtE-Anlagen haben sich langfristig
zu CCS verpflichtet
Quelle: Cewep
diness Level niedriger. „Deshalb werden derzeit in
der Branche verschiedene Technologien im kleinen
Maßstab getestet, für den richtigen Ansatzpunkt
des Up-Scaling beziehungsweise die richtigen Rahmenbedingungen im Down-Scaling“, so Hoffmann.
Laut Ella Stengler, Geschäftsführerin des europäischen Waste-to-Energy-Verbandes Cewep, sind
in ganz Europa Anlagenbetreiber in verschiedenen
CCUS-Projekten involviert. In Belgien ist der Ensorger Indaver beispielsweise an einem Power-to-Methanol-Projekt beteiligt, in Dänemark werden mehrere CCS-Projekte durchgeführt und in Frankreich
arbeiten der Suez-Konzern und der Abfallzweckverband der Region Île-de-France Syctom gemeinsam
an einem CCU-Projekt, bei dem Algen mit Hilfe von
CO2 gezüchtet werden.
Ungelöste Fragen nach
Infrastruktur und Kosten
Ein Projekt wie das in Frankreich deutet auf ein Problem hin, dass nach wie vor ungelöst ist: Wohin mit
dem ganzen CO2, wenn es einmal abgeschieden ist?
Für eine klimaneutrale Fernwärme aus der thermischen Abfallbehandlung müssten jährlich rund 19
Millionen Tonnen CO2 abgeschieden werden (siehe
ENTSORGA 1.2023). Zwar soll die Carbon-Management-Strategie der Bundesregierung noch in diesem
Jahr finalisiert und veröffentlicht werden, berichtete
Pascal Hader Weinmann von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) in Würzburg. Doch bis eine geänderte Rechtslage zu entsprechenden Investitionen
und damit die benötigte Infrastruktur bereitsteht,
werden noch viele Jahre ins Land gehen: Die von
Hader Weinmann zitierten Klimaneutralitätsstudien gehen davon aus, dass Anfang der 2030er Jahre
die ersten CCU/S-Projekte laufen werden – im Gesamtumfang von zwei bis vier Millionen Tonnen pro
Jahr. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen dann aber
schon 34 bis 73 Millionen Tonnen CO2 abgeschieden
und gespeichert beziehungsweise verwertet werden.
Völlig unbeantwortet ist derzeit die Frage der
Finanzierung. Die Kosten für Carbon Capture sind
derart hoch, dass sich Anlagenbetreiber mit CC-Anlagen auch gleich aus dem preissensiblen Geschäft
mit der Abfallentsorgung verabschieden können.
Robin Quartier vom Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen (VBSA) brachte
in Würzburg erneut ein umlagefinanziertes Fondsmodell ins Spiel: Jeder Anlagenbetreiber zahlt darin
eine bestimmte Summe pro Tonne Abfall in einen
Fonds – es wird nicht nach Abfallarten differenziert,
um Marktverwerfungen vorzubeugen. Wer eine
CC-Anlage errichtet und betreibt, bekommt die
Mehrkosten aus dem Fonds erstattet. Dadurch würden die Mehrkosten der First Mover auf die gesamte
Branche verteilt und niemand müsste Wettbewerbsnachteile befürchten.
Für eine klimaneutrale oder sogar klimapositive Fernwärmeversorgung aus Abfall sind noch viele
Fragen offen – rechtlich, organisatorisch, wirtschaftlich und technisch. Noch viele VDI/ITAD-Konferenzen
werden sich voraussichtlich in den kommenden Jahren mit diesem Jahrhundertprojekt beschäftigen. Die
nächste findet übrigens vom 30. September bis 1.
Oktober 2025 statt – natürlich in Würzburg.
Pascal Hugo
6/2024
23
Titel
Lachgas-Problematik in den Niederlanden
Wenn Verbote schaden
treten als in Deutschland. Doch auch
hierzulande haben Anlagenbetreiber
zunehmend mit achtlos entsorgten Lachgasbehältern zu kämpfen,
insbesondere in den Partyhochburgen Hamburg und Berlin. Aus dem
Umgang der Niederlande mit dem
Lachgasproblem kann Deutschland
einiges lernen. Denn nicht jede gut
gemeinte Politik hat ein positives Ergebnis zur Folge.
Erstmals konsumierten niederländische Jugendliche Lachgas als
Droge verstärkt während der Coronapandemie – als die Malls menschenleer und Freizeiteinrichtungen
geschlossen waren und hormongesteuerte Pubertierende aus der unerträglichen Langeweile des Alltags zu
fliehen versuchten.
Doch eine Lachgas-Epidemie unUnico van Kooten zeigt in Würzburg in Müllverbrennungsanlagen explodierte Lachgas-Zylinder.
(Foto: Pascal Hugo)
ter Jugendlichen in Folge allgemeiner
Corona-Depression wollte die niederländische ZentralregieLachgas ist in den vergangenen Jahren zu einer
rung verhindern – und reagierte schnell: Zum 1. Januar 2023
hippen Modedroge unter Jugendlichen und jungen
hatte die Regierung den Freizeitkonsum von Lachgas-ZylinErwachsenen geworden. In den Niederlanden hat
dern verboten. Seitdem steht Lachgas auf der Liste II des niedie Zentralregierung schnell reagiert: Seit dem 1.
Januar 2023 zählt Lachgas in den Niederlanden zu derländischen Opiumgesetzes. Das Opiumgesetz – niederländisch Opiumwet – unterscheidet zwischen „harten“ (Liste
den illegalen Drogen. Der hiesigen EntsorgungsI) und „weichen“ Drogen (Liste II). Substanzen, die auf Liste
wirtschaft hat das Verbot aber mehr geschadet als
II geführt werden, gilt unter anderem ein generelles Handelsgenützt. Auch hierzulande strebt die Bundesregie- verbot: Sie dürfen nach Artikel 3 des Gesetzes weder in die
rung ein Lachgas-Verbot an. Was Deutschland von Niederlande eingeführt noch ausgeführt werden. Darüber
den Niederlanden lernen kann.
hinaus dürfen sie nicht produziert, verarbeitet, verkauft oder
transportiert werden.
Unico van Kooten lässt aus wenigen Zentimetern Höhe einen
sichtlich von Flammen angefressenen, bräunlich-metallischen
Gegenstand auf den Boden der Bühne fallen. Ein dumpfes,
metallisches Geräusch ist im Saal des Würzburger Konferenzzentrums zu hören, wo der VDI und die ITAD gerade die
Konferenz „Thermische Abfallbehandlung“ abhalten. „Ganz
schön schwer“, sagt der Vertreter der Vereniging Afvalbedrijven, dem niederländischen Verband der Entsorgungs- und Das strikte Verbot von Lachgas zu Konsumzwecken seit dem
Kreislaufwirtschaft, mit niederländischem Akzent.
1. Januar 2023 hatte für die niederländische EntsorgungsVan Kooten präsentierte in Würzburg Lachgas-Be- wirtschaft allerdings unschöne Nebenwirkungen. So galt bis
hälter, die in den Müllverbrennungsanlagen des Landes ex- zum 31. Dezember 2022 auf die Abgabe von Lachgas-Zylinplodiert sind und dabei erheblichen Schaden an der Entsor- dern ein Pfand in Höhe von 30 Euro. Mit dem Lachgasverbot
gungsinfrastruktur hinterlassen haben. In den Niederlanden fiel die Pfandpflicht auf die Behälter weg. „Die niederlänist das Problem früher und in seiner Wucht heftiger aufge- dische Zentralregierung sagt, wir können auf ein illegales
Die Entsorgung der LachgasZylinder gerät mit dem Verbot außer
Kontrolle
24
6/2024
Titel
Produkt keinen Pfand erheben“, erklärte van Kooten den
Teilnehmern der VDI/ITAD-Konferenz. In der Folge entsorgen
die niederländischen Nutzer der nun illegalen Droge seit dem
1. Januar 2023 ihre gebrauchten Lachgas-Zylinder im öffentlichen Raum oder über den Restmüll.
Der Gesetzgeber habe den Entsorgungsbereich bei der
Novelle des Opiumgesetzes völlig übersehen, so van Kooten.
Die Kosten für die entstandenen Schäden sich beachtlich:
Allein 2023 hätten sich die auf Lachgaszylinder zurückzuführenden Schäden in der Kreislaufwirtschaft auf 150 Millionen
Euro summiert.
„300 Euro Schaden pro Flasche“
Dabei sei das Verbot auch in Bezug auf den Gesundheits- und
Jugendschutz nicht sonderlich erfolgreich. Allein 2023 seien
in den Niederlanden etwa eine halbe Millionen Flaschen illegal verbraucht worden. Etwa 470.000 Flaschen hätten Kommunen und Entsorger abfangen können; doch damit würden
noch immer mehrere 10.000 gebrauchte Lachgas-Zylinder in
den thermischen Abfallbehandlungsanlagen der Niederlande
entsorgt. Jede dritte Flasche explodiert. Jede sechste Flasche
führt zu einem Schaden. „Statt 30 Euro Pfand entstehen
jetzt 300 Euro Schaden pro Flasche“, brachte es van Kooten
in Würzburg auf den Punkt.
Allein bei der AEB in Amsterdam sei zwischen Januar
2023 und Juni 2024 ein Schaden von mehr als 28 Millionen Euro durch Lachgas-Explosionen entstanden. Das seien
durchschnittlich 1,7 Millionen Euro im Monat. Die Lachgasflaschen hätten in diesem Zeitraum zudem 247 Ausfalltage
verursacht.
Entsorgungssicherheit sieht anders aus. Um die weiterhin garantieren zu können, wünschen sich die niederländischen Entsorger und Anlagenbetreiber von ihrer Regierung
Lachgas-Störfall in der Sortieranlage der AEB
„Der Zylinder kam in den Shredder und wurde beschädigt. Dann
flog er mit einem gewaltigen Knall aus dem Shredder und gegen
die Wand des Managerturms. Etwa 1 Meter neben dem Fenster
des Kontrollraums. Dann schlug es in die Decke ein. Schäden sind
an der Wand und am Dach sichtbar. Den Druckzylinder fanden wir
wieder auf dem Flur etwa 7 Meter neben dem Shredder.“
Quelle: Vereniging Afvalbedrijven
neben einer finanziellen Unterstützung für Präventionsmaßnahmen und die erlittenen und noch zu erleidenden Schäden eine Abgabenprämie für leere Zylinder. Rechtlich würde
man damit kein Pfand erheben – was bei einem Produkt,
das es gar nicht geben dürfte, tatsächlich schwierig ist. Dennoch würden Anreize gesetzt, die Lachgaszylinder in einer
getrennten Schadstoffsammlung zu entsorgen.
Niederländer regen obligatorisches
Überdruckventil an
Darüber hinaus regt die Vereniging Afvalbedrijven an, dass
Zylinder künftig so konstruiert werden müssen, dass sie nicht
mehr in Sammelfahrzeugen und Entsorgungsanlagen explodieren können. Ein obligatorisches Überdruckventil würde
das Problem lösen, so der Verband. Eine entsprechende Regelung könnte auch auf europäischer Ebene erfolgen.
Anlagenbetreiber wie die AEB fordern indes ihre Lieferanten auf, Abfälle nur noch geschreddert oder gut aussortiert anzuliefern. Diese Maßnahme habe die Anzahl der
Explosionen in der Anlage in Amsterdam von 40 auf 10 pro
Woche reduziert, so van Kooten. Ziel der AEB sei es, auf maximal fünf Explosionen pro Woche zu kommen. Damit hätte
der Anlagenbetreiber den Wert von vor 2023 erreicht.
Pascal Hugo
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6/2024
25
Titel
ITAD feiert 25-jähriges Jubiläum
Von der Mülle zur
Multi-Output-Anlage
Vor 25 Jahren wurde die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD)
gegründet. Die Mitgliederversammlung
in Würzburg erinnerte an die Anfänge
der Müllverbrennung und benannte die
zukünftigen Herausforderungen.
Als die ITAD 1999 gegründet wurde, war die Abfallwelt in Deutschland noch
eine andere: Nach wie vor
wurden Millionen Tonnen
Siedlungsabfall deponiert
– zu Dumpingpreisen von
10 bis 15 Euro, wie Gründungsvorstand Ferdinand
Kleppmann in einem Interview in dem auf der Mitgliederversammlung veröffentlichten Jahresbericht
erzählt. Bei diesem Preisniveau ist kaum in Richtung
Kreislaufwirtschaft zu denken.
Trotz der Technischen Anleitung Siedlungsabfall und dem darin
enthaltenen Deponieverbot für unbehandelte SiedHistoriker Roman Köster führte die Teillungsabfälle ab Juni 2005
nehmer durch die diskursgeschichtliche
deponierten die meist
Entwicklung der thermischen Abfallbehandkommunalen Deponiebe(Fotos: Meike Rupp)
lung.
treiber munter weiter –
eine Verwaltungsvorschrift wie die TA Siedlungsabfall schafft schließlich kein neues Recht. Rechtssicher
wurde das Deponieverbot überhaupt erst durch eine
Änderung der Deponieverordnung – und die ITAD
hat hier ihren Teil dazu beigetragen, dass das Deponieverbot in die Verordnung kam.
26
6/2024
Doch die Müllverbrennung ist als Methode zur
Abfallentsorgung älter als die Deponieverordnung.
Roman Köster – von der Historischen Kommission
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und
Autor des Buches „Müll – Eine schmutzige Geschichte der Menschheit“ führte während der Mitgliederversammlung durch die geschichtliche Entwicklung
der Müllverbrennung.
In den 1960er Jahren war die
Müllverbrennung kaum umstritten
Demnach begann die Geschichte der neuzeitlichen
Abfallverbrennung in den 1870er Jahren. Viele Teilnehmer der Veranstaltung nahmen interessiert zur
Kenntnis, dass die Technologie der thermischen
Abfallbehandlung bereits in den 1910er Jahren in
ihren Grundzügen entwickelt war – nur die moderne Rauchgasreinigung fehlte. Doch die beiden
Weltkriege sorgten für einen Stillstand in der technologischen Entwicklung – und erst in den 1960er
Jahren erlebte die Müllverbrennung eine weitere
Hochphase.
Der neue Wohlstand der Wirtschaftswunderjahre sorgte für steigende Müllaufkommen und die
Entwicklung neuer Werkstoffe wie beispielsweise
Kunststoff veränderte die Zusammensetzung des
Abfalls, so dass dieser anders als in den Zeiten des
Kaiserreichs nun von selbst brannte.
Sevesounfall veränderte den
gesellschaftlichen Diskurs
Diskursgeschichtlich war die Abfallverbrennung
nicht immer umstritten. In der zweiten Hälfte der
1960er Jahre diskutierten die für die Abfallentsorgung verantwortlichen Kommunalpolitiker und Planer sogar den Bau von Müllverbrennungsanlagen
mitten in Wohngebieten. Erst der Chemieunfall im
italienischen Örtchen Seveso, das sich am 10. Juli
Titel
1976 bei der zum Roche-Konzern gehörenden Chemiefabik Icmesa ereignete, änderte auch die gesellschaftliche Diskursdynamik über die thermische Abfallbehandlung in Deutschland.
Die bis dato in weiten Bevölkerungsteilen unbekannten Dioxine und Furane dominierten plötzlich die Debatte und führten zu teils harten Auseinandersetzungen auf lokaler Ebene, die Mitte der
1980er Jahre ihren Höhepunkt erreichten. In den
1990er Jahren ebbte die Welle ab, auch aufgrund
technologischer Weiterentwicklungen im Bereich
der Rauchgasreinigung und neuer rechtlicher Vorgaben wie der 17. BImSchV.
Doch erst das Deponieverbot 2005 machte
die Müllverbrennung in Deutschland endgültig zum
Mainstream-Entsorgungsweg für nicht-recycelbare
Siedlungsabfälle. Die Vorteile der Technik sprachen
für sich: eine sichere Hygienisierung, weniger Platz
und obendrein waren die Anlagen in der Lage,
Strom und Wärme zu erzeugen.
R1-Formel als wichtiger Eckpfeiler des europäischen Abfallrechts
Das Abfallrecht unterscheidet zwischen einer Anlage zur energetischen Verwertung und einer Anlage, die Abfälle „nur“ beseitigt. Doch wie unterscheidet man eine so genannte Verwertungsanlage
(R1) von einer Beseitigungsanlage (D10)? Heute gibt
es hierfür die R1-Formel, die eine Anlage ab einem
bestimmten Energieeffizienzwert als Verwertungsanlage einstuft. Die ITAD, maßgeblich in der Person
von Dieter Reimann, war an der Ausarbeitung der
R1-Formel beteiligt – und sorgte so abermals dafür, einen wichtigen Eckpfeiler des europäischen
Abfallrechts zu etablieren.
In Zukunft werden sicherlich nicht weniger wichtige Entscheidungen notwendig sein,
um die Abfallentsorgung zu einem wichtigen
Teil der Kreislaufwirtschaft zu transformieren.
Circular Economy, Emissionshandel und Energiewende sind auf europäischer wie nationaler Ebene im Fluss – für die thermische Abfallbehandlung ist die Politik noch immer auf
der Suche nach einer vernünftigen Regulierung, die
Kreislaufwirtschaft, Energiewende und Klimaschutz
gleichermaßen berücksichtigt.
Das bedeutet aber auch, dass die Zukunft
nicht in Stein gemeißelt ist, sondern Einfluss auf die
künftigen Rahmenbedingungen genommen werden kann. Ohne die richtigen Rahmenbedigungen
wird es kaum möglich sein, die Müllheizkraftwerke
Deutschlands in Multi-Output-Anlagen zu transfor-
Anfang November feierte die ITAD auf ihrer
Mitgliederversammlung ihr 25-jähriges Jubiläum.
Auf der Mitgliederversammlung wurde auch der
neue Jahresbericht veröffentlicht. Thema auch
hier: 25 Jahre ITAD
mieren, die nicht nur die Abwärme
nutzen, sondern auch Kohlenstoff für
chemische Prozesse, Metalle für die Industrie oder
Ersatzbaustoffe für die Bauwirtschaft zurückgewinnen. Daher wied der Aufsichtsratsvorsitzende und
ehemalige CEO des Anlagenbetreibers EEW, Bernard Kemper, in seiner Laudatio zum 25-jährigen
Jubiläum darauf hin, dass die ITAD aus seiner Sicht
in Zukunft politischer werden müsse.
Pascal Hugo
6/2024
27
Kreislaufwirtschaft
Kohlenstoffabscheidung und -speicherung
Dänemark auf dem Weg zur
CO2-Wertschöpfungskette
Kann Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) Deutschlands CO2-Problem lösen? Aus Sicht der Regierung
Dänemarks ist es zumindest ein Teil der
Lösung - und ein mögliches Geschäftsmodell.
Die dänische Regierung setzt auf die CCS-Technologie zur CO2-Abscheidung und -speicherung.
Nachdem die ersten Lizenzen für die Offshore-Speicherung von CO2 in der Nordsee bereits vergeben
wurden, folgten drei von insgesamt fünf möglichen
Onshore-Lizenzen. Ebenfalls in der Pipeline sind drei
sogenannte Nearshore-Lizenzen in der Nähe der dänischen Küste: Inez, Liza und Jammerbugt.
Laut Geologischer Forschungsanstalt für Dänemark und Grönland (GEUS) könnten im dänischen
Untergrund bis zu 22 Mrd. Tonnen CO2 gespeichert
werden. Das entspreche zwischen 500 und 1.000
Jahren der gesamten dänischen Emissionen auf dem
derzeitigen Niveau – und ermöglicht Gedankenspiele rund um einen Import von CO2 aus Deutschland
zwecks Speicherung.
90 Prozent der CO2-Emissionen der Müllverbrennungsanlage Amager Bakke in Kopenhagen
sollen künftig abgefangen werden.
(IMAGO/viennaslide)
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„Das dänische Speicherpotenzial ist sehr viel
größer als der dänische Bedarf“, bestätigte Pil Krogh
Tygesen, Teamleader CCS der dänischen Energieagentur, bei einem Vortrag vor Pressevertreterinnen
und -vertretern im Kopenhagener Umweltministerium. Daher könne Dänemark Nachbarländern helfen, ihre Klimaziele zu erreichen.
Bereits 2020 hatte das dänische Parlament beschlossen, dass Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS) einen wichtigen Beitrag zur Erreichung
der dänischen Klimaziele liefern soll. Dänemark will
bis 2030 seine nationalen Emissionen um 70 Prozent
im Vergleich zu 1990 reduzieren und 2050 klimaneutral sein. Die dänische Regierung beschloss, die
Entwicklung von CCUS zu unterstützen und mit insgesamt 2,2 Mrd. Euro zu fördern.
CCS: Kaffee trinken,
Akzeptanz verbessern
Das GEUS wurde beauftragt, die Möglichkeiten der
geologischen Speicherung von CO2 zu untersuchen.
Der Schwerpunkt der Arbeit liege auf der Bereitstellung von Wissen über die geologischen Bedingun-
Kreislaufwirtschaft
gen und die Art und Weise, wie
In Aalborg in Nordjylland plant Dänemark Anlagen, die
bis 2026 vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aufnehmen
CO2 im Untergrund gespeichert
können – mit Option auf Verdopplung der Kapazitäten
werde, machte Nina Skaarup,
(Foto: uslatar - stock.adobe.com)
Leiterin der Abteilung für Geophysik und sedimentäre Basis,
in einem weiteren Vortrag klar.
Hinzu komme die Aufgabe des
Monitorings.
Allerdings gehe es auch
um die Akzeptanz vor Ort. Die
sei vergleichsweise gut, ordnete
Skaarup ein. In Dänemark gebe
es ein hohes Vertrauen in die
Behörden. Dennoch werde zunehmend die Frage gestellt, ob
CCS in Dänemark wirklich notwendig sei. So sorge
2
sich die lokale Bevölkerung beispielsweise um die
Hauspreise, auch wenn bislang kein Verfall der Immobilienpreise in den betroffenen Regionen festgestellt werden konnte. Vorbehalte gebe es auch ge- Auf einen konkreten Preis für die CO2-Abscheidung
genüber dem Import von CO2 aus anderen Ländern. mochte sich Boyesen nicht festlegen. Deutlich wurAusgeschlossen werden könne jedenfalls nicht, dass de aber, dass diese Technologie angesichts hoher
die Diskussion um CO2-Importe in Zukunft zu ei- Kosten nur für einen kleinen Teil der Industrie – vor
nem Problem werden könnte, so Pil Krogh Tygesen. allem der Zementindustrie – infrage kommen wird.
Generell helfe es aber, vor Ort ansprechbar zu sein, Auch die Dänen planen an ihrem größten CO2-Emitwiederholt Fragen zu beantworten und „viel Kaf- tenten, der Zementfabrik Aalborg Portland, eine
fee“ mit der lokalen Bevölkerung zu trinken, sagte CO2-Abscheideanlage, die ab dem Jahr 2030 minSkaarup.
destens 400.000 Tonnen CO2 jährlich aus der Produktion nehmen soll. Eine mögliche Verwertung von
CO2-Importen aus der Abscheidung von Kohlekraftwerken lehnen die Dänen ab.
Praktischerweise liegt das dänische Zementwerk direkt am Hafen Aalborg und unweit des HaDie CO2-Abscheidung vor Ort wird jedenfalls prob- fens Hirtshals, die sich beide auf die Beförderung,
lemlos akzeptiert, wie bei einem Besuch des Müll- Lagerung und Nutzung von CO2 vorbereiten. In
heizkraftwerks in Kopenhagen deutlich wurde – zu- Aalborg plant Dänemark den Bau von Anlagen, die
mal, wenn die Anlage mit zugänglicher Rooftop-Bar bereits im Jahr 2026 vier Mio. Tonnen CO2 pro Jahr
und Skipiste ausgestattet wird. So geschehen beim aufnehmen können – mit Option auf Verdopplung
Amager Ressource Center (ARC), das täglich private der Kapazitäten. Hirtshals will der größte Knotenund industrielle Abfälle aus fünf Hauptstadtgemein- punkt Nordeuropas für die Lagerung und den Transden verwertet und daraus Wärme und Strom pro- port von CO2 zu den leeren Öl- und Gasfeldern in
duziert. Noch stößt das ARC jährlich rund 560.000 der Nordsee werden.
Tonnen CO2 aus, was 13 Prozent der Emissionen der
Für die deutsche Industrie liegen die Häfen
Stadt Kopenhagen entspricht. Der Plan ist, bis zu 90 und Speicherstätten Dänemarks sehr viel näher als
Prozent dieser Emissionen aufzufangen und unterir- die Norwegens. Finanziell vertretbar dürfte das Gandisch zu speichern.
ze aber wohl erst mit einer CO2-Pipeline-InfrastrukDie Abscheidetechnologie dazu wird beispiels- tur werden, auch so viel wurde deutlich. Nichtsdesweise am Carbon Capture Lab in Aarhus getestet. totrotz schreitet Dänemark derzeit im CCS-Bereich
Jan Boyesen, Market Director CCUS, machte deut- voran. „Dänemark ist wirklich schnell, das ist uns
lich, dass mit dem modularen Labor die Technologie bewusst“, sagte Beate Baron, Leiterin der Unterabauf Praxistauglichkeit geprüft werden könne. Insbe- teilung Dekarbonisierung, Klima- und Umweltschutz
sondere könne dies Unternehmen bei der weiteren in der Industrie, bei einem Vortrag in Kopenhagen.
Entwicklung von CO2-Abscheidungstechnologien Nun müsse auch Deutschland schneller werden.
unter industrieähnlichen Bedingungen helfen.
Carsten Kloth, Energate
CO -Drehkreuz im
Norden Dänemarks
Müllheizkraftwerk mit
CCS und Skipiste
6/2024
29
Kreislaufwirtschaft
Gebläsetechnologien in der CO2-Verflüssigung
Immer den passenden Vordruck
mel: Je größer das Gasvolumen, das der Kompressor ansaugt,
desto größer muss er dafür ausgelegt sein. Werden unter atmosphärischen Bedingungen beispielsweise 15 Tonnen CO2
verarbeitet, entspricht das einem Volumen von etwa 8.000
Kubikmetern. Berücksichtigt man einen Vordruck von 1 bar,
halbiert sich schon fast das Gasvolumen und man kann den
Kompressor kleiner auslegen. Die Gesamtvolumenmenge sowie die Anzahl und Größe der Kompressoren entscheiden
darüber, wann sich ein Vorverdichter lohnt. In der Regel ist
eine Förderleistung von 12.000 Kubikmetern für Kompressoren die Obergrenze.
Deutliche Entlastung für Kompressoren
Seit 15 Jahren liefert Continental Industrie Gebläsetechnologien zur Vorverdichtung,
die sich im Zusammenhang mit der CO2 -Verflüssigung besonders eignen.
(Foto: Continental Industrie)
Gelegentlich treten in verschiedenen Produktionsbetrieben Engpässe bei der Verfügbarkeit von
Flüssig-CO2 auf. Verantwortlich dafür ist gegebenenfalls die temporär erhöhte Nachfrage nach CO2
in der Lebensmittel- und Getränkeherstellung, bei
medizinischen Anwendungen oder in der chemischen Industrie. Mitunter spielen saisonale Aspekte
eine Rolle.
Neben branchenspezifischen und saisonalen Gründen kann
es zu weiteren Verknappungen kommen, wenn in die Jahre
gekommene Produktionsanlagen zu Ausfällen führen. Mit
der Folge, dass eine reibungslose CO2-Abscheidung und
-Verflüssigung nicht oder in nicht ausreichendem Umfang
sicherzustellen ist.
Außerdem sind zahlreichere Unternehmen bestrebt,
ihre Anlagen so auszulegen, dass CO2-Emissionen direkt an
der Quelle erfasst werden. Hier sind vor allem Kraftwerke,
Raffinerien sowie Industrieanlagen zu nennen, die das Ziel
der Verflüssigung zur Lagerung oder direkten Weiterverwendung noch stärker verfolgen.
Zur Verflüssigung von CO2 sind hohe Drücke von zum
Teil 25-70 Bar erforderlich, die durch Schrauben- oder Kolbenkompressoren erzeugt werden. Dabei gilt die Faustfor-
30
6/2024
In vielen Fällen lässt sich der Vordruck über Gebläsetechnologien erzeugen, die weitaus günstiger sind als die nachgeschalteten Kompressoren. Vordruck-Gebläse von Continental
Industrie aus Dormagen, die vor der eigentlichen Kompression eingesetzt werden, sind für einen großen Betriebsbereich
konzipiert. So steht eine große Auswahl an Gebläsen den
individuell geforderten Parametern wie Anlaufstrom, Drehzahl, Druck und Leistung flexibel gegenüber.
„Um die Gasvolumina mengenmäßig auf 50 Prozent
zu begrenzen, sind Gebläse mit einer Druckerhöhung von bis
zu 1 bar und mit einem hohem Turn Down-Bereich von bis
zu 50 Prozent erste Wahl“, so Tobias Boeckh, Geschäftsführer von Continental Industrie. „Sie steigern eindeutig die Gesamteffizienz des Verflüssigungsprozesses. Da sie außerdem
noch wartungsfreundlich, turbulenzarm und pulsationsfrei
sind, ist schon viel gewonnen. Ab einem Produktionsvolumen von 4-5 t/h wird das Ganze für unsere Gebläse interessant.“
Bereits seit 15 Jahren liefert Continental Industrie Gebläsetechnologien zur Vorverdichtung in unterschiedlichsten
Branchen, die sich im Zusammenhang mit der CO2 -Verflüssigung besonders eignen. „Neben Kraftwerken, Raffinerien
und Stahlwerken entstehen auch im Verbrennungsprozess
der Zementindustrie große Mengen an CO2. Dieses lässt sich
wie in zahlreichen anderen Fällen über Carbon Capture and
Utilization (CCU) dem Produkt wieder zuführen“, so Tobias
Boeckh.
Continental Gebläse werden in Zentraleuropa gefertigt und sind innerhalb von drei bis fünf Monaten in CO2-Verflüssigungsprozessen einsetzbar. Da die Gebläse auf einem
Grundrahmen fertig montiert das Werk verlassen, sind sie
bei Auslieferung sofort betriebsbereit.
www.continental-industrie.de
Kreislaufwirtschaft
UN-Kohlenstoffmarkt
nimmt wichtigen Schritt
Eines der größten Probleme des Handels mit CO2-Gutschriften ist, dass es bisher noch zu wenig Standards in dem Markt
gibt. Aus diesem Grund arbeiten die Vereinten Nationen seit
mehreren Jahren an einem System, das Integrität in dem
Markt herstellen soll.
Die Regeln für die globalen Kohlenstoffmärkte basieren auf Artikel 6 des Pariser Klimaschutzabkommens von
2015. Während Artikel 6.2 den Handel mit Emissionszertifikaten zwischen Staaten regelt, soll Artikel 6.4 festlegen,
wie ein neuer globaler Kohlenstoffmarkt aussehen soll. Über
solche Märkte kaufen Unternehmen Zertifikate aus Klimaschutzprojekten, um diese finanziell zu unterstützen.
Nun ist auf dem Weg hin zu einem zentralisierten Kohlenstoffmarkt ein wichtiger Schritt getan: Das UN-Gremium,
das den Artikel 6.4 entwickelt, hat sich auf die Ausgestaltung des künftigen UN-Kohlenstoffmarkts geeinigt. Das
neue Regelwerk des UN-Klimasekretariats (UNFCC) enthält
unter anderem Vorgaben für das Setzen von Baselines für
Klimaschutzprojekte, für die Vermeidung von „Leakage“
und für den Nachweis der Zusätzlichkeit der Projekte.
Artikel-6.4-Projekte
sollen auf SDGs einzahlen
Neu ist auch, dass Projektentwickler genau darlegen müssen,
wie mit den Projekten Emissionen reduziert oder entfernt
werden sollen. Dazu zählt, dass sie eine detaillierte Risikobewertung durchführen und potenziell negative ökologische
und soziale Auswirkungen ermitteln müssen.
Künftig müssen die Projektentwickler zudem nicht nur
darlegen, wie ihre Aktivitäten Treibhausgasemissionen verringern sollen – sondern auch, wie die Projekte zu den 17
Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN
SDGs) beitragen können. Zu den SDGs zählen beispielsweise
die Bekämpfung der Armut oder die Verbesserung der Gesundheit der Menschen weltweit.
Neu ist auch, dass die Entwickler von Waldschutzprojekten künftig sicherstellen müssen, dass indigene Gemein-
bakhtiarzein – stock.adobe.com
Der globale Markt für CO2-Zertifikate benötigt
verbindliche Standards. Das zuständige UN-Gremium hat sich nun auf ein Regelwerk geeinigt, den
sogenannten Artikel 6.4 – auch der Schutz der
indigenen Bevölkerung und die Sustainable Development Goals spielen eine Rolle.
schaften an den Projekten beteiligt sind. Die Unternehmen,
die hinter den Projekten stehen, müssen demnach lokale indigene Völker identifizieren und umfassend über ihre Vorhaben informieren.
Warum Artikel 6.4 ein
wichtiger Schritt ist
Auch aus Expertensicht ist Artikel 6.4 ein großer Wurf. Isa
Mulder, die sich bei der NGO Carbon Market Watch mit Kohlenstoffmärkten beschäftigt, nannte den neuen Mechanismus „einen wirklich guten Anfang“. Dem Online-Magazin
„Climate Home News“ sagte Mulder, das Instrument dürfte
„einen großen Beitrag zur Wahrung der Rechte und zum
Schutz von Mensch und Umwelt leisten“.
Mit dem Artikel-6.4-Mechanismus schafft die UN die
Grundlage für einen robusten Markt für CO2-Zertifikate.
„Der Leitfaden entspricht weitgehend den Anforderungen
des Bewertungsrahmens des Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) und ist ein weiteres Indiz für
das Streben nach einer höheren Integrität, einem globalen
Benchmark und einem interoperablen Kohlenstoffmarkt“,
sagte Alexia Kelly, Geschäftsführerin der Carbon Policy and
Markets Initiative bei der High Tide-Stiftung dem Online-Magazin „CSO Futures“.
Paul Siethoff, Green.Works
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Kreislaufwirtschaft
Interzero Plastics Innovations in Slowenien
Den ganzen
Kreislauf im Blick
Die ganze Kunststoff-Recyclingwelt in klein: In Lenart prüft
Interzero Kunststoff-Verpackungen auf Recyclingfähigkeit und
optimiert Rezyklate für den
Einsatz in der Produktion.
(Fotos: Interzero)
Mitte September hat Interzero im slowenischen
Lenart bei Maribor ein neues Labor eingeweiht.
Das Ziel: bestmöglich recycelbare Verpackungen
und für den Einsatz in der Produktion optimierte
Rezyklate. CE war bei der Eröffnungsfeier dabei.
Ganz nah ranfahren dürfen wir nicht. Etwa hundert Meter
vor dem Ort des Ereignisses hat die slowenische Polizei die
Straßen gesperrt, so dass der Taxifahrer sein Ziel gar nicht anfahren kann. Der deutsche Kreislaufwirtschaftsdienstleister
Interzero nimmt an diesem sonnigen Tag Mitte September
in dem kleinen slowenischen Örtchen Lenart ein neues Labor in Betrieb – eine für das Kunststoffrecycling einzigartige
Einrichtung in Europa. Für ein kleines Land wie Slowenien ist
das eine große Sache, weshalb die Präsidentin des Landes,
Nataša Pirc Musar, persönlich erscheint. Die Sicherheitsvorkehrungen sind entsprechend hoch.
Der neue Standort der Interzero Plastics Innovations in
Lenart ist größer und moderner als der bisherige in Maribor.
Die slowenische Stadt Maribor hat eine wunderschöne, mit
EU-Mitteln restaurierte Altstadt und liegt unweit der Grenze
zu Österreich. Wer von Deutschland aus hier hin will, fliegt
am besten bis Graz und fährt anschließend mit dem Auto
noch etwa eine dreiviertel Stunde bis Maribor. 2016 hatte Interzero hier die Tochter Interzero Plastics Innovations gegrün-
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det. „Die Idee war, im Labormaßstab den gesamten Kunststoffkreislauf abzubilden“, erzählt Manica Ulčnik-Krump, die
als Geschäftsführerin der Interzero Plastics Innovations das
Labor leitet. Nach einem Hochwasser im vergangenen Jahr
musste das Kompetenzzentrum von Interzero neue Räumlichkeiten finden, um die Arbeit in Slowenien fortzusetzen.
Ersatz fanden die Berliner in einem Gewerbegebiet im wenige Kilometer von Maribor entfernten Lenart.
Interzero nutzt diese „Recyclingwelt in Klein“, um
beispielsweise Verpackungen auf Herz und Nieren zu untersuchen. Rund 250 Verpackungen prüfen die slowenischen
Experten jedes Jahr auf ihre Recyclingfähigkeit. Erkennen
NIR-Scanner die Verpackung problemlos, als das, was es
ist? Und: besteht die Verpackung wirklich aus dem, was auf
der Erklärung zu Materialien und ihrer Herkunft steht? „Wir
haben hier bereits Kunststofffolien getestet, die laut Verpackungsdeklaration nur aus Polyethylen bestehen sollten“,
berichtet Laborleiterin Ulčnik-Krump. Doch die slowenischen
Experten von Interzero schauen genau hin: Jeder Verpackungsteil wird mit kombinierten Analysemethoden geprüft.
Sie schneiden die Folien auf und schauen sich die einzelnen
Schichten an. „Bei der Untersuchung hat sich herausgestellt,
dass sich zwischen den PE-Oberflächenschichten noch andere sogar nicht kompatible Materialien befanden – die Folie
also eigentlich mehrschichtig war.“ Im Rahmen einer von
Interzero durchgeführten Zertifizierung für die Recyclingfähigkeit einer Verpackung bringt das Punktabzug.
Kreislaufwirtschaft
Interzero geht es um mehr als nur die
Recyclingfähigkeit von Verpackungen
Doch Interzero geht es um mehr als nur um die Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Denn eine pauschale Recyclingfähigkeit sagt noch wenig darüber aus, was man mit
dem Rezyklat anschließend machen kann. „Wir betrachten
bei Interzero den gesamten Kunststoff-Kreislauf“, sagt Ulčnik-Krump. Deshalb recycelt das Unternehmen im Auftrag
ihrer Kunden in Slowenien Kunststoffprodukte und -verpackungen und testet anschließend die Materialeigenschaften
der Rezyklate. An zahllosen Geräten werden bei Interzero
Plastics Innovations die zu Testmustern gegossenen Rezyklate ausgiebig getestet: Es wird gemahlen, geschmolzen,
gemischt, chemisch modifiziert, abgekühlt, gespritzt und
gehämmert; Computer spucken anschließend die jeweiligen
Materialeigenschaften aus – und die Experten in Slowenien
können dann sehr genau sagen, ob das Rezyklat nur noch
für Parkbänke verwendet werden kann oder ob das Rezyklat
in der passenden Rezeptur auch für höherwertige Anwendungen wie beispielsweise neue Verpackungen, Sportprodukte oder Designmöbel geeignet ist.
Die gesamte, komplexe Wertschöpfungskette des
Kunststoffs im Blick zu haben, ermöglicht Interzero völlig
neue Dienstleistungen für ihre Kunden: Wie kann das Design
einer Verpackung so verändert werden, dass sie nicht „nur“
recyclebar ist, sondern sich zur Herstellung möglichst hochwertiger Rezyklate eignen? Welche Einsatzmöglichkeiten für
Rezyklate eröffnen sich, wenn diese oder jene Stellschraube im Produktdesign verändert wird? „Durch unser breites
Spektrum an Laboranalysen können wir Kunden auf eine
ganz andere Art beraten“, sagt Ulčnik-Krump. „Da wir die
Produkte und Verpackungen sowie die Qualität von Kunststoffabfällen sehr gut kennen, können wir die Hersteller bei
der Entwicklung ihrer aus Rezyklat hergestellten Produkte
unterstützen, ohne dabei Kompromisse bei der Produktqualität einzugehen. Ein Rezyklat, das sie vielleicht sogar in ihren Produkten einsetzen könnten.“ Jährlich bis zu 40 neue
Rezepturen für den optimalen Einsatz von Rezyklaten in der
Produktion entwickeln die Fachleute von Interzero nach Unternehmensangaben in Slowenien.
Herausforderung: Kunststoff zu
einem zirkulären Produkt machen
Für Interzero ist die Steigerung der Zirkularität in der Kunststoff-Wertschöpfungskette ein wichtiger Faktor, um die globale Plastikkrise in den Griff zu bekommen. Nach Angaben
des europäischen Kunststoffverbandes PlasticsEurope hat
die Kunststoffindustrie 2022 weltweit rund 400 Millionen
Tonnen Plastik produziert. Seit der Jahrtausendwende hat
sich die Produktionsmenge damit mehr als verdoppelt. Al-
Eröffnung der neuen Laborräume von Interzero Plastics Innovations im slowenischen
Lenart: v.l.: Laborleiterin Manica Ulčnik-Krump, die slowenische Präsidentin Nataša
Pirc Musar, Interzero-Chairman Axel Schweitzer und die deutsche Botschafterin in
Slowenien, Sylvia Groneick.
lein die europäische Kunststoffindustrie hat im Berichtsjahr
58,7 Millionen Tonnen Kunststoff erzeugt – davon basierten
47,2 Millionen Tonnen auf fossilen Rohstoffen.
Der Anteil der recycelten Kunststoffe an der europäischen Produktion – die so genannte Circularity Rate – betrug
mit 7,7 Millionen Tonnen gerade einmal 13 Prozent. Oder,
anders ausgedrückt, 87 Prozent der in Europa produzierten
Polymere wurden 2022 aus Naphtha gewonnen – virgin material, wie es in der Kunststoffbranche heißt. Dieser Wert ist
im globalen Vergleich nicht schlecht: Weltweit wurden 2022
35,5 Millionen Tonnen Post-Consumer Rezyklate in Verkehr
gebracht, was nicht einmal neun Prozent der Gesamtproduktion darstellte.
Kurzum: Kunststoff ist noch immer ein Wegwerfprodukt. „Die Herausforderungen in Zusammenhang mit Kunststoffabfällen sind größtenteils darauf zurückzuführen, dass
unsere Produktions- und Konsumsysteme nicht nachhaltig
sind“, sagte die slowenische Präsidentin, Nataša Pirc Musar,
in ihrer Eröffnungsrede. Die zunehmende Menge an Kunststoffen, ihre Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und
ihr Beitrag zum Klimawandel sowie die Art und Weise, wie
Kunststoffe aus der Perspektive der Kreislaufwirtschaft gehandhabt werden, stünden seit einigen Jahren auf der politischen Agenda der Europäischen Union und Sloweniens.
„Der Übergang zu einer zirkulären und nachhaltigen Nutzung von Kunststoffen, bei der Kunststoffe effizienter eingesetzt und besser wiederverwendet und recycelt werden, ist
unvermeidlich.“
Das Team von Interzero Plastics Innovations im slowenischen Lenart soll ihren Teil zur Lösung des Plastikproblems
mit innovativen Ideen beitragen. „Ich bin überzeugt, Innovation braucht Raum“, sagte Interzero-Chairman Axel Schweitzer in seiner Rede während der Eröffnungsfeier. Raum, um
Neues zu denken und die richtigen Fragen zu stellen. Und
es brauche „ein Team, dass jeden Tag ein bisschen besser
werden will“, so Schweitzer. Das passende Labor hat dieses
Team nun.
Pascal Hugo
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Kreislaufwirtschaft
Interview mit Kunststoffexpertin Manica Ulčnik-Krump von Interzero
„Viele Stellschrauben sind den
Herstellern gar nicht bewusst“
Manica Ulčnik-Krump
(Fotos: Interzero Plastics Innovations)
Beim Kunststoffrecycling ist noch Luft nach oben.
Wie gut oder schlecht ein Kunststoffprodukt
oder eine Verpackung recycelt werden kann, wird
schon in der Designphase entschieden. Manica
Ulčnik-Krump, Geschäftsführerin der Interzero
Plastics Innovations, kennt die aus Recyclingsicht
gängigen Designfehler der Hersteller. Ein Interview über Polymere, Zusatzstoffe und oft vernachlässigte Stellschrauben.
Frau Ulčnik-Krump, welche Eigenschaften muss ein Kunststoff
grundsätzlich aufweisen, damit er gut recycelt werden kann?
Grundsätzlich sind alle Kunststoffe gut recycelbar. Wie gut
ein Kunststoff recycelt werden kann, hängt weniger von den
technischen Eigenschaften des Kunststoffs selbst, sondern
vielmehr von den zugesetzten Additiven ab. Einfach gesagt:
Je weniger Zusatzstoffe – z. B. Polymermatrix-unverträgliche
Additive oder Modifikatoren – ein Kunststoffprodukt enthält,
desto besser und effizienter kann es recycelt werden.
Die technischen Eigenschaften des Polymers selbst
sind für die Recyclingfähigkeit von untergeordneter Bedeutung. Für ein effizientes Recycling sind vor allem Reinheit und
höchstmögliche Homogenität des Kunststoffabfallmaterials
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die wichtigsten Kriterien. Je höher die Materialhomogenität, also je besser das Material vorsortiert und vorgereinigt
ist, desto effizienter ist der Recyclingprozess. Daher sind PIR
(Post-Industrial)- und PCC-Materialien (Post Consumer Commercial) unabhängig von ihren technischen Eigenschaften
gut recycelbar. Wenn wir jedoch über Post-Consumer-Materialien (PCR) sprechen, zum Beispiel die Abfälle aus dem gelben Sack, sind auch gute Sammelsysteme, die eine effiziente
Sortierung ermöglichen, entscheidend.
Sind alle Polymere gleich gut recycelbar, oder gibt es Kunststoffe, die grundsätzlich besser für eine Kreislaufwirtschaft
geeignet sind?
Bestimmte Kunststoffarten sind dafür bekannt, dass sie
leichter recycelbar sind als andere. Laut der Encyclopedia Britannica ist PET der häufigste und am weitesten verbreitete
recycelte Kunststoff der Welt.
Aus chemischer Sicht sind die Polyolefine (PO) (Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP)) mit ihrer relativ „einfachen“ linearen Molekülstruktur am besten für den Recyclingprozess geeignet. Aber auch zwischen verschiedenen
Polyolefin-Typen gibt es Unterschiede: PP ist einfacher wiederzuverwerten, da es eine kleine Menge an PE-Verunreinigungen „tragen“ kann, die dann im Laufe des Recyclingprozesses in die PP-Matrix eingeschmolzen werden. Umgekehrt
funktioniert dies nicht.
Kreislaufwirtschaft
Nehmen Sie z. B. PET-Flaschen: PET ist ein stark hydroskopisches Material. Deshalb ist es entscheidend, dass
während des Recyclingprozesses sichergestellt wird, dass das
Material keiner Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Wäre das garantiert, könnten PET-Flaschen – PET als Monofraktion – theoretisch unbegrenzt oft recycelt werden. Eine unbegrenzte
Anzahl an Recyclingzyklen erfordert jedoch einen sehr hohen
Reinheitsgrad und – im Idealfall – die Vermeidung jeglicher
thermischen Degradierung.
Im Labor im slowenischen Lenart untersucht Interzero die Materialeigenschaften
verschiedener Kunststoffrezyklate.
Darüber hinaus vereinfacht die so genannte „Nichthygroskopizität“ von Materialien die Wiederverwertung. Das
bedeutet, dass Materialien nicht feuchtigkeitsempfindlich
sind und daher kein spezieller Vorwärm-, Trocknungs- oder
Kondensationsprozess für den Recyclingprozess erforderlich
ist. Ein weiterer Vorteil von Polyolefinen gegenüber Polyestern wie PET.
Wie oft können Polymere im Kreis geführt werden? Gibt es da
Unterschiede bei den Kunststoffsorten?
Theoretisch unbegrenzt oft. In der Praxis gibt es jedoch eine
Vielzahl an Faktoren, die den Materialabbauprozess begünstigen und die Anzahl an Recyclingzyklen begrenzen. Hierzu
zählen u. a. die Verarbeitungsbedingungen bei der Erstverarbeitung, mögliche Verunreinigungen aufgrund des Anwendungsbereichs oder Verunreinigungen durch verschiedene
Additive und Modifikationen, die während des ersten Lebenszyklus‘ des Kunststoffs verwendet wurden.
Kein Kunststoff ist gegen diese Art des Qualitätsverlustes beständig, lediglich die Faktoren, die den Abbau verursachen unterscheiden sich.
Mit einem Blick auf ihre tägliche berufliche Praxis: Welche –
aus Recyclingperspektive – Designfehler machen Hersteller
von Kunststoffverpackungen oder Produkten aus Kunststoff
am häufigsten?
Verpackungen, die nur aufgrund von Optik oder aus Marketingsicht aus mehreren Komponenten bestehen, sind aus
Recyclingsicht besonders ärgerlich. Dienen Verbundmaterialien dem Produktschutz, sind also für die Verpackung notwendig, ist das natürlich etwas anderes. Insgesamt wäre es
aus Sicht des Recyclers absolut wünschenswert, dass Verpackungen und Kunststoffprodukte aus Monomaterialen oder
kompatiblen Stoffen bestehen.
Auch die Farbe spielt eine wichtige Rolle für die Sortierbarkeit und damit die Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen und -produkten. Es ist ein Irrglaube, dass
lediglich schwarze, mit Ruß gefärbte Verpackungen nicht
automatisch sortiert werden können. Auch andere Farben
bzw. Pigmentkombinationen können den Sortierprozess erschweren.
Welche Möglichkeiten haben Hersteller denn, die Recyclingfähigkeit ihrer Kunststoffprodukte verbessern?
Neben der Verwendung von Monomaterialien und NIR-detektierbaren (Nahinfrarot) Farben, gibt es weitere Stellschrauben, die vielen Herstellern weniger bewusst sind. Zum
Rutschhemmend und leicht:
innovative Granulat-Beschichtung für Schachtabdeckungen
.
Mit der rutschfesten Epoxidharzbeschichtung des Typs „Pebbletex“ wurde
nun ein neues, in seiner Art einzigartiges Produkt ins Programm aufgenommen, das durch seine besondere Rutschfestigkeit und ein geringes Gewicht
heraussticht.
Durch ihre rutschhemmende Beschaffenheit ermöglicht die Beschichtung selbst bei starker Nässe ein stets
sicheres Befahren der jeweiligen Abdeckung in allen Außenbereichen.
Dadurch wird für alle Verkehrsteilnehmer das Unfallrisiko in erheblichem
Maße reduziert und die Sicherheit
entsprechend erhöht.
Im Vergleich zu Abdeckungen mit
Betonoberfläche überzeugt die Epoxidharzbeschichtung außerdem mit
einem sehr viel geringeren Öffnungsgewicht, was für eine deutlich bessere
Anwenderfreundlichkeit sorgt.
Auch auf lange Sicht kann die neue
Oberflächenbeschichtung punkten:
Sie ist extrem langlebig und korrosionsbeständig.
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Kreislaufwirtschaft
Erkennt ein NIR-Scanner eine
Verpackung korrekt? Interzero
testet es.
Beispiel liegt, um die Effizienz und die Fließeigenschaft zu erhöhen, die eingestellte Verarbeitungstemperatur häufig über
dem tatsächlichen Schmelzpunkt des Kunststoffs. In diesem
Fall braucht das Material aber auch mehr Zeit, um abzukühlen und zu kristallisieren. Die Verarbeitungszykluszeit bleibt
also dieselbe, aber aufgrund der daraus resultierenden thermischen Degradation und damit verbundenen Qualitätsverlust des Materials ist dieses in seinem zweiten Leben weniger
recycelbar.
Computer zeigen die exakten Materialwerte an.
Außerdem wäre es wünschenswert, keine Compounds
mit anorganischen Füllstoffen wie Calciumcarbonat (Kreide)
oder Talkum zu verwenden. Stark gefüllte Materialien beeinflussen die Dichte des Materials. Im Fall von Polyolefinen
werden solche Produkte bei der Sortierung nicht erkannt.
Können mechanisch recycelte Kunststoffe Neumaterialien
auch in hochwertigen Anwendungen eins zu eins ersetzen?
Wenn ja, in welchen Bereichen?
Ja, das ist durchaus möglich und schon heute sind Recyclingkunststoffe in zahlreichen hochwertigen Anwendungen zu
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6/2024
finden. Allerdings muss das Recyclingmaterial für den jeweiligen Einsatzzweck individuell entwickelt werden. Unser
besonders hochwertiges Recompound Procyclen lässt sich in
puncto Fließfähigkeit, mechanischer Eigenschaften, UV-Stabilität und Hitzebeständigkeit exakt auf die Kundenwünsche
abstimmen und erobert so immer neue Anwendungsgebiete. So werden aus Procyclen heute unter anderem Designermöbel, Sportartikel oder Verpackungselemente für dekorative Kosmetik hergestellt.
Mit welchen Einschränkungen bei den Materialeigenschaften
müssen Unternehmen rechnen, wenn sie Rezyklate verwenden?
Dank der hervorragenden Sortier-, Reinigungs- und Verarbeitungstechnologien in Kombination mit einem tiefen
chemisch-physikalischen Verständnis der ergänzenden Compoundierungs-Möglichkeiten, kann schon heute nahezu jede
Qualität der Recyclingrohstoffe sichergestellt werden. Auch
die Farben werden – mit Ausnahme einer hohen Transparenz – immer vielfältiger. Hierbei stellt sich allerdings die Frage nach der tatsächlichen Nachhaltigkeit. Derart aufwendig
verarbeitete Materialien erhöhen den Energieverbrauch oder
begünstigen den Verlust wertvoller Rohstoffe z. B. im Zuge
von mehrfachen Farbsortierprozessen.
Darüber hinaus ist der Einsatz von recycelten Kunststoffen in einigen Branchen nur eingeschränkt oder gar nicht
möglich. Denken Sie z. B. an den kontaktsensitiven Bereich
bei Lebensmitteln oder für Spielzeuge und Medizin- und
Pharmaprodukte. Mit Umsetzung der Vorgaben aus der
PPWR wird die Verfügbarkeit von Rezyklaten für diese sogenannten „Kontakt- und gesundheitssensitiven Anwendungen“ aber ohnehin fraglich.
Frau Ulčnik-Krump, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Pascal Hugo
Kreislaufwirtschaft
Stadler Anlagenbau im Portrait
Werte und Wertschätzung
Willi und Julia Stadler
(Fotos: Stadler)
Die deutsche Recyclingindustrie ist geprägt
von zahlreichen Familienunternehmen. Eines
davon ist der Anlagenbauer Stadler: In achter
Generation gibt es nun schon das Unternehmen
im baden-württembergischen Altshausen. Ein
Portrait über ein Unternehmen, das Werte und
Wertschätzung hochhält – und sich regelmäßig
neu erfindet.
Willi Stadler kennt sie fast alle. Zwei bis drei Mal die Woche
geht der Inhaber von Stadler Anlagenbau durch den Betrieb.
„Von 90 Prozent der Mitarbeitenden hier an unserem Standort kenne ich den Namen“, sagt Willi Stadler im Gespräch
mit CIRCULAR ECONOMY.
Bei seinem Gang durch die Fertigungshallen, Büros
und Sozialräume spricht Willi Stadler gern mit den Mitarbeitern, erkundigt sich nach dem Wohlbefinden, fragt, wie es
den Kindern geht. Wenn man sich mit ihm unterhält, wirkt
das nicht gequält, wie bei jemandem, der Small Talk nicht
leiden kann. Willi Stadler wirkt offen, interessiert und bodenständig. „Ich spreche jeden unserer Mitarbeiter mit Namen an“, sagt Willi Stadler. Und das sind ganz schön viele
Namen. Rund 600 Beschäftigte arbeiten weltweit für Stadler,
die Hälfte davon am Unternehmensstandort in Altshausen,
einer oberschwäbischen Kleinstadt mit 4.000 Einwohnern in
Baden-Württemberg. „Für uns sind Menschen mehr als Personalnummern. Unsere Mitarbeiter schätzen das.“
Vermutlich sagt diese Geschichte mehr über das Unternehmen Stadler aus als jeder Jahresbericht. Denn es geht
um Wertschätzung, und die alten Unternehmerwerte – Ehrlichkeit, Vertrauen, Bescheidenheit und Wohlwollen – sie
sind Willi Stadler wichtig. „Was man verspricht, das hält
man“, sagt Willi Stadler und schaut dabei ernst. „Nicht nur
gegenüber den Mitarbeitern, sondern auch gegenüber den
Kunden. Das weiß der Mitarbeiter, das weiß der Kunde. Ich
glaube, das ist auch ein kleines Erfolgsgeheimnis.“
Die Fluktuation bei Stadler ist entsprechend gering.
Mitarbeiter kommen, um zu bleiben. „Wir haben hier sehr
flache Hierarchien“, erzählt Willi Stadler, „wenn jemand ein
Problem hat, kann er jederzeit zur Geschäftsführung kom-
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Kreislaufwirtschaft
zu einem Metallbaubetrieb. Noch in den 1980er Jahren verdiente die Stadler-Dynastie ihr Geld im Wesentlichen mit der
Herstellung von Metalltüren.
Doch den ersten Kontakt mit der Recyclingindustrie
gab es bereits Anfang der 1970er Jahre. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 hatte Stadler von der Stadt München
den Auftrag erhalten, 200 Altglas- sowie Altpapier-Container zu bauen. Was heute in den meisten Städten Standard
ist, war damals eine echte Neuerung – und ein Großauftrag
für den damals kleinen Betrieb in Altshausen.
Willi Stadler musste überredet werden
Inbetriebnahme einer Sortieranlage in der Nähe von Turin: Stadler ist neben Deutschland auch in Großbritannien, Griechenland, Italien, Spanien, Slowenien, Lateinamerika, Asien und den USA vertreten.
men“. Wenn doch mal jemand kündigt, hat das meist Gründe, die außerhalb des Betriebs zu finden sind. „Wir hatten
mal zwei spanische Ingenieure, die haben gekündigt, weil sie
Heimweh hatten. Sie sagten, ohne Familie geht es nicht.“
Vom Ochseneisen zur Recyclinganlage
Als Anfang der 1990er Jahre die Unternehmensnachfolge
bei Stadler anstand, verspürte Willi Stadler keinen großen
Drang, nach Altshausen zurückzukehren. „Nach dem Studium habe ich vier, fünf Jahre in Italien gearbeitet und habe
mich dort sehr wohl gefühlt“, berichtet Willi Stadler. Das
Unternehmen Stadler hatte damals 26 Mitarbeiter und war
im Wesentlichen noch immer im Metallbau tätig – und der
Junior hatte mit sich zu kämpfen, das süße Leben in Italien
gegen eines in Oberschwaben einzutauschen.
Doch sein Vater – ebenfalls Willy mit Vornamen – hatte den Kontakt zur Recyclingbranche seit den Olympischen
Spielen 1972 stets gehalten. Ende der 1980er Jahre hatte
Ohne Familie geht es auch bei
Stadler nicht. Seit 1993 führt
Willi Stadler das Familienunternehmen, in der inzwischen
siebten Generation. 1791
wurde das Unternehmen als
Dorfschmiede in Altshausen
gegründet, und die Stadlers
verdienten ihr tägliches Brot mit
der Herstellung von Ochseneisen. Ochseneisen sind wie
Hufeisen für Pferde: Ochsen
zogen damals den Pflug über
den Acker – und die Ochseneisen aus dem Hause Stadler
sorgten dafür, dass die Rinder
sich bei ihrer Tätigkeit nicht
so schnell verletzten. Ziemlich
lange waren die Stadlers die
Dorfschmiede in Altshausen.
„Mein Großvater sagte noch: In der Summer School von Stadler lernen Studierende, wie sie eine Anlage betreiben.
‚Willi, es wird sich nie jeder
Bauer einen Traktor leisten können‘“, erzählt Willi Stadler, Stadler erste kleine Sortieranlagen für Gewerbeabfälle erund lacht dabei. Ochseneisen – für Opa Stadler war das noch richtet. „Mein Vater und meine Schwester kamen zu mir
nach Italien und sagten: ‚Sortieranlagen, das könnte doch
ein Geschäft für die Ewigkeit.
Doch den technologischen Wandel hält weder Ochs‘ was sein für die Zukunft.‘ So haben sie mich überredet –
noch Esel auf. Während des 20. Jahrhunderts wandelt sich oder überzeugt, wie man es nimmt“, sagt Willi Stadler und
der Betrieb zunächst zu einer Schlosserei und später dann schmunzelt dabei.
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Kreislaufwirtschaft
26 Mitarbeiter hatte
Stadler, als Willi Stadler die
Unternehmensnachfolge am
1. Januar 1993 antrat. Fast
32 Jahre später ist das Unternehmen in Großbritannien,
Griechenland, Italien, Spanien,
Slowenien, Lateinamerika, Asien und den USA vertreten und
hat Sortieranlagen für sämtliche Stoffströme in die ganze
Welt verkauft. 187,9 Millionen
Euro setzte das Unternehmen
nach eigenen Angaben 2023
um. Eine Erfolgsgeschichte, die
auch viel über den Wert von
Unternehmenswerten verrät.
Um Digitalisierung
und KI kümmert
sich Tochter Julia
Spatenstich für den neuen Lager- und Bürokomplex von Stadler in den USA. Von links nach rechts: M. Everhart, J. Berger, J. Stadler
und W. Stadler. Im Hintergrund ist eine Visualisierung des Gebäudes zu sehen.
Doch wer rastet, der rostet. Die technologischen Megatrends
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz wirbeln Wirtschaft
und Gesellschaft ordentlich durcheinander und sorgen auch
beim Unternehmen Stadler für erneuten Veränderungsdruck. Das Thema Digitalisierung treibt seit gut anderthalb
Jahren Willi Stadlers Tochter Julia im Unternehmen voran.
Während des Gesprächs hielt sich Julia Stadler am Unternehmensstandort in Slowenien auf. Hier betreibt Stadler
unter anderem ein Test- und Innovationszentrum, erprobt
neue Technologien, vieles im Bereich Digitalisierung. Jährlich
veranstaltet Stadler hier eine Summer School, bei der Studierende aus Deutschland und Österreich lernen können,
wie man eine Anlage betreibt. Mit zahlreichen Universitäten
arbeitet Stadler für die Summer School zusammen, dieses
Jahr haben 17 Studierende von elf deutschen und österreichischen Universitäten teilgenommen. Ganz uneigennützig
ist das nicht. „Vielleicht kann man auch eine oder einen für
die eigene Firma gewinnen“, sagt Julia Stadler. Der Fachkräftemangel lässt grüßen.
Julia Stadler hat BWL studiert und auch bei ihr war
nicht von Anfang an klar, ob sie im Familienbetrieb einsteigt.
Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst bei der Boston
Consulting Group in der Strategieberatung. „Dort habe ich
viele Projekte gemacht, einige auch im Bereich Technologie und Digitalisierung“, erzählt Julia Stadler. Nach einigen
Jahren in der Unternehmensberatung gründete sie zusammen mit einem weiteren Mitgründer ihr eigenes Unternehmen „Weitergründer“. Weitergründer ist eine Plattform für
die externe Unternehmensnachfolge, die ein bisschen wie
ein Dating-Portal funktioniert: mittels eines wertebasieren
Matchings schlägt die Plattform Unternehmern einen passenden Nachfolger vor. „In dieser Phase habe ich gemerkt,
dass ich langfristig Unternehmerin sein möchte.“
Doch dann kam die Corona-Pandemie und Julia Stadler, die zu jener Zeit in Berlin lebte, zog es zurück an den
Stammsitz der Familie in Altshausen. In den Lockdowns der
Coronazeit war es auf dem Land deutlich entspannter als in
den Städten. „Da habe ich dann gemerkt, so schlecht ist es
doch gar nicht“, sagt Julia Stadler und lacht. Und: „Ich kann
mir das langfristig auch sehr gut vorstellen.“
Familienverfassung als
moralische Verpflichtung
Doch die Unternehmensnachfolge ist im Hause Stadler
bereits geklärt. Dazu beigetragen hat unter anderem eine
Familienverfassung, die die Stadlers im vergangenen Jahr
im Rahmen eines mehrtägigen Workshops erarbeitet haben. Festgehalten sind hier unter anderem die unternehmerischen Werte Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Vertrauen
und Wohlwollen. „Das ist kein Vertrag, den man einklagen
kann“, sagt Willi Stadler, „aber eine moralische Verpflichtung“.
Bei allem Modernisierungs- und Transformationsdruck
sollen die unternehmerischen Werte der Stadlers auch zukünftig der moralische Kompass sein, der die Firma zu einem
nachhaltigen Unternehmenserfolg führt. Denn das schätzen
sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden an Stadler.
Pascal Hugo
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Kreislaufwirtschaft
„Wir wollen Technologieund Marktführer sein“
Im Interview mit CIRCULAR ECONOMY
spricht Willi Stadler über die Veränderungen im Recyclingmarkt, die Rolle der Digitalisierung und was die Politik tun kann,
um die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
Herr Stadler, welche Trends und Entwicklungen beobachten Sie aktuell im globalen Recyclingmarkt? Welche Veränderungen erwarten Sie in den nächsten fünf
bis zehn Jahren?
Es gibt einen globalen Trend hin zur Kreislaufwirtschaft, bei der Abfall vermieden und Rohstoffe
wiederverwendet/recycelt werden. Immer mehr
Materialien werden sortiert und recycelt. In den
kommenden Jahren wird beispielsweise auch das
Textilrecycling beziehungsweise das Recycling von
E-Schrott massiv zunehmen.
Dabei werden automatisierte Sortiertechniken, vor allem mit KI, den Sortier- und Recyclingprozess verbessern. Höhere Reinheiten können in den
Sortieranlagen erzielt werden, so dass das Recycling
der aussortierten Wertstoffe einfacher wird.
Aufgrund strikterer Umweltvorschiften beispielsweise in der EU und aufgrund des Wunsches
nach mehr Nachhaltigkeit durch die Verbraucher gehen wir davon aus, dass der Recyclingmarkt auch in
Zukunft stark bleiben wird.
Aktuell gibt es leider auch Tendenzen zu mehr
Protektionismus in den einzelnen Ländern. Es wird
über Zölle diskutiert beziehungsweise werden diese
eingeführt und auch die Arbeitserlaubnis für Monteure aus anderen Ländern wird erschwert. Das ist
leider nicht nur in außereuropäischen Ländern der
Fall.
Der Wettbewerb im Recyclingsektor wird immer intensiver. Neue Akteure kommen in den Markt, beispielsweise die chemische Industrie. Welche Strategien verfolgt Ihr Unternehmen, um sich in diesem
dynamischen Umfeld zu behaupten und zu wachsen?
Wir wollen in unserem Bereich, das heißt bei der Lieferung von Wertstoff-Sortieranlagen, Technologie-
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Willi Stadler
(Fotos: Stadler)
und Marktführer sein. Das ist unser Ziel. Einerseits
haben wir eine große Erfahrung und hervorragende Lösungen im Bau von Wertstoff-Sortieranlagen
weltweit. Andererseits schauen wir, dass wir stetig
verbessern – mit neuen, innovativen Lösungen, in
der Maschinentechnik oder bei intelligenten Fließbildern und Layouts zum Beispiel. Die Entwicklung
im Bereich der chemischen Industrie verfolgen wir
mit Interesse. Vor dem chemischen Recycling muss
das Materialgemisch aber auch wie beim werkstofflichen Recycling sortiert werden.
Welchen Einfluss hat die steigende Nachfrage nach
nachhaltigen Lösungen und Kreislaufwirtschaft auf
Ihre Geschäftsstrategie und operative Ausrichtung?
Ein wichtiger Teil unserer Strategie ist, konstant zu
wachsen. Dies aber immer mit der Prämisse, hochprofitabel zu sein, um das Wachstum bezahlen und
neue, innovative Produkte entwickeln zu können.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?
In unserem Unternehmen gibt es eine Abteilung „Digital Solutions“, die von meiner Tochter Julia geleitet
wird. In enger Zusammenarbeit mit Recyclingunternehmen haben wir analysiert, wo wir mit digitalen
Lösungen einen Mehrwert für den Kunden generieren können. Dabei ist eine Plattform entstanden,
die wir STADLERconnect nennen. Diese ist in zwei
Bereiche eingeteilt. Zum einen gibt es den Block der
digitalen Wartung und andererseits haben wir einen
Block, bei dem es um Automatisierung und Materialerkennung geht.
Kreislaufwirtschaft
Haben Sie ein konkretes Beispiel, welchen Vorteil ein Anlagenbetreiber von
der Technik hat?
Ja, ein großes Problem bei Sortieranlagen sind zum Beispiel die sogenannten „Verstopfer“, die sich immer wieder an Engstellen bilden können. Mit
unserem Tool „Blockage Detection“
können wir nahezu jeden zweiten
„Verstopfer“ rechtzeitig erkennen
und dadurch die Verfügbarkeit einer
Sortieranlage massiv erhöhen.
Wie nutzen Sie Datenanalyse und Automatisierung, um die Effizienz und
Qualität Ihrer Recyclingprozesse zu
steigern? Gibt es spezifische digitale Im September hat das Versorgungsunternehmen Iren SpA in der Nähe von Turin eine von Stadler konzipierte
Tools oder Plattformen, auf die Sie Sortieranlage mit einer Jahreskapazität von 100.000 Tonnen Abfall in Betrieb genommen.
setzen?
Unsere recht einfache Philosophie lautet: Sei nahe
Unser Ziel ist, die Daten von unseren Maschinen und
am Kunden, sei nahe am Mitarbeiter, sei nahe am
die Daten von den Materialien auf einer Plattform
Produkt. Das heißt, wir müssen wissen, wo der
zu verbinden. Wie gerade erwähnt – wir können
Kunde seine Pain Points hat. Auch können wir nur
durch die patentierte „Blockage Detection“ die Vergute Ergebnisse erzielen, wenn wir hochmotivierfügbarkeiten steigern. Es gibt dadurch auch weniger
Schäden an der Anlage. Ein anderes
Tool im Bereich der Materialanalyse
ist die ebenfalls zum Patent angemeldete „Bale Analysis“. Mit diesem Tool
kann die Reinheit des verpressten Ballens automatisch und mit hoher Genauigkeit ermittelt werden. Dadurch
entfällt die stupide, manuelle Probenentnahme bei Ballen.
Arbeiten Sie mit anderen Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder
Start-ups zusammen, um digitale Innovationen voranzutreiben?
Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit diversen Hochschuleinrichtungen, aber auch mit Start-ups.
Unter anderem gibt es EU-finanzierte
Projekte, bei denen wir zum Beispiel Stadler will „Technologie- und Marktführer sein“, sagt Willi Stadler. Das Foto zeigt den Messestand des
mit der RWTH Aachen, Recyclingfir- Unternehmens auf der IFAT in diesem Jahr.
men und Firmen, die sich im Bereich
te und zufriedene Mitarbeiter in unseren Reihen
Materialdetektion spezialisiert haben, zusammenarhaben. Und schlussendlich müssen wir versuchen,
beiten. Ein Ziel bei dem Projekt EnEWA ist hier unter
dass wir bei der Technik, bei Sortierkonzepten
anderem, Papier aus LVP-Material und aus Hausmüll
oder auch bei digitalen Lösungen besser sind als
in Zukunft für den Recyclingprozess zu gewinnen.
andere.
Welche langfristigen Ziele und Visionen haben Sie für
Wie integriert Ihr Unternehmen NachhaltigStadler? Können Sie bestimmte Projekte oder Initikeitsprinzipien in seine Geschäftsprozesse und Unativen hervorheben, die maßgeblich für die Zukunft
ternehmenskultur?
des Unternehmens sein werden?
6/2024
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Kreislaufwirtschaft
Ziel der Nachhaltigkeit ist es ja, ein Gleichgewicht
zwischen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zu
haben, so dass die heutigen Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllt werden, ohne die Möglichkeiten für
zukünftige Generationen zu gefährden.
Stadler verkauft seine Anlagen weltweit.
Stadler-Anlage zur EBS-Aufbereitung bei der Breitsamer Entsorgung Recycling GmbH
Im Umweltbereich erstellen wir seit mehreren
Jahren freiwillig einen Umweltbericht gemäß dem
Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Auch sind wir Mitglied im UN Global Compact, bei dem wir uns zu
zehn Prinzipien im Bereich Umwelt, Menschenrechte
und Korruption verpflichten.
Wirtschaftlich gesehen müssen wir nachhaltig profitabel sein, damit die Firma investieren kann,
konkurrenzfähig ist und dadurch unseren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz gewähren kann.
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Gesellschaftlich unterstützen wir viele Vereine
und Organisationen im großen Umkreis, beispielsweise eine Blindenschule für körperlich behinderte
Kinder. Außerdem fördern wir Bildungsprojekte in
Afrika, haben diverse Kooperationen mit Schulen
und Vereinen und bieten allen Kindern
unserer Mitarbeiter auf Wunsch einen
Ausbildungsplatz an. Mit der Gewerbesteuer unterstützen wir die lokale Gemeinde, so dass auch in unserem Ort
entsprechende Investitionen getätigt
werden können. Dies verstehen wir unter Nachhaltigkeit.
Welche politischen und gesetzlichen Veränderungen würden aus Ihrer Sicht den
Recyclingsektor und die Kreislaufwirtschaft weiter voranbringen?
Es sollte verschärfte Vorgaben für die
Herstellerverantwortung geben. Ein Beispiel ist das Design für Recycling. Seit
vielen Jahren wird darüber gesprochen,
aber es passiert – ähnlich wie beim Bürokratieabbau – nicht allzu viel. Außerdem brauchen wir endlich Mindesteinsatzquoten für Rezyklate, die dann auch
kontrolliert werden. Es sollte eine gesetzliche Verpflichtung zum Einsatz von recycelbaren Produkten geben.
Noch immer landet die Hälfte der
Kunststoffe in Deutschland im Hausmüll.
Dieses Rohstoffpotenzial kann man heben, technisch ist das überhaupt kein
Problem. Um die Wertstoffe nicht zu
verbrennen, sollte vor jeder Müllverbrennungsanlage eine Vorschaltanlage platziert sein.
Auch die öffentliche Beschaffung
muss ihren Teil für eine Transformation
zur Kreislaufwirtschaft beitragen. Regierungen sollten in öffentlichen Ausschreibungen einen bestimmten Anteil von
Produkten aus recycelten Materialien verlangen, um die Nachfrage zu erhöhen.
Und zum Schluss das Wichtigste: Die Politik sollte
endlich die Genehmigungsverfahren vereinfachen
und bürokratische Hürden beseitigen. Ein Kunde
von uns möchte zum Beispiel eine hochmoderne
Sortieranlage für Kunststoffe bauen, die aus Hausmüll aussortiert wurden. Seit zwei Jahren wartet er
nun schon auf die Genehmigung!
Herr Stadler, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Pascal Hugo
Kreislaufwirtschaft
Textilrecycling
Wie geht es bei Soex weiter?
Gespräche mit Investoren
Das Zukunftskonzept – und damit auch das künftige Geschäftsmodell – müsse mit ernsthaft interessierten Investoren
besprochen und abgestimmt werden. Üblich sei in solchen
Prozessen, dass potenzielle Käufer eigene Vorstellungen zu
einem Erwerberkonzept entwickeln und dies mit der Verkäuferseite besprechen. Wie dies aussehen könnte, ist noch
offen. Fest steht, dass das Unternehmen gerettet und der
Geschäftsbetrieb weiterlaufen soll.
Neuausrichtung als Recycler
Bereits in den vergangenen Jahren hatte sich das Unternehmen immer mehr vom bloßen Sammler und Sortierer zum
Recycler entwickelt. Der Name wurde deshalb im November
von Textil-Vermarktungsgesellschaft in Soex Textil-Verwertungsgesellschaft geändert.
Damit wollte das 1977 gegründete Unternehmen
auch nach außen die verstärkte Ausrichtung auf die Wieder-
bro
age
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IMA
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Erste, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkte Veränderungen gab es schon im Frühjahr. Walter Thomsen, fast
viereinhalb Jahr lang CEO der Soex-Gruppe, hatte das Unternehmen verlassen. Im April hatte die neue Doppelspitze mit
Marco de Gier und Fred Ponath die Leitung übernommen.
Beide waren bereits vor ihrer Berufung in die Geschäftsführung für die Unternehmensgruppe tätig.
Für Eigenverwaltungsverfahren ist es zudem üblich,
dass die Geschäftsführung durch sanierungs- oder insolvenzerfahrene Praktiker erweitert wird. In diesem Fall kamen die
beiden Görg-Rechtsanwälte Oliver Dankert und Harald Ick.
„Gemäß Paragraph 1 der Insolvenzordnung dient das
Verfahren dazu, die Gläubiger gemeinschaftlich zu befriedigen“, erklärt der Sprecher. Also werde derzeit ein geordneter, strukturierter Investorenprozess aufgesetzt, der dann den
Gläubigern oder auch dem Gericht gegenüber ordnungsgemäß dokumentiert werden könne.
ker
Die Nachricht sorgte für Aufmerksamkeit: Mit der Soex-Gruppe
muss einer der größten europäischen Textilrecycler Insolvenz
anmelden. Aufgrund der Vertraulichkeitsvereinbarungen
dürfen keine konkreteren Details veröffentlicht werden, aber ein Sprecher fasst zusammen, was derzeit im
Headquarter passiert.
verwendung und das Recycling von Alttextilien demonstrieren. Denn nicht die Vermarktung der gesammelten Textilien
stehe im Vordergrund der Unternehmenstätigkeit, sondern
die Verwertung dieser wichtigen Ressourcen, hieß es damals.
Mit dieser strategischen Neuausrichtung reagierte der Konzern unter anderem auf die geänderte Abfallrahmenrichtlinie, die ab 2025 alle EU-Mitglieder zur getrennten Textilsammlung verpflichtet.
Vorbereitung auf EU-Gesetze
Die Gruppe bereitete sich damit bereits seit längerem auf
den erwarteten, massiven Anstieg an Altware vor. Schon
Thomsen ging davon aus, dass künftig noch mehr Textilien
in die Sammlung gegeben werden, die bisher im Restmüll
entsorgt wurden.
Gleichzeitig werden künftig die Hersteller stärker zur
Verantwortung gezogen. Um Textiler bei der „sach- und
fachgerechten Verwertung“ zu unterstützen, hatte Soex
massiv in die Optimierung von Sammlungsverfahren sowie
neue Verfahren zur Verwertung und zum Recycling investiert.
Mit der Umfirmierung wollte sich die Gruppe auch formal noch deutlicher als Recycler und Problemlöser für die
Modebranche etablieren. Es ist anzunehmen, dass dieser
Kurs auch mit neuen Investoren weiter forciert wird.
Kirsten Reinhold, Textilwirtschaft
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Kreislaufwirtschaft
Soex-Insolvenz
„Die Recycling-Infrastruktur
ist ein Trümmerfeld“
Was bedeutet die Soex-Insolvenz für den Altkleidermarkt? Wie stark ist das System im Umbruch
und was heißt das für die Modebranche? Lavinia
Muth, Beraterin für ethische Geschäftspraktiken
und soziale Gerechtigkeit, über das kollabierende
System und Recyclingfantasien der Modebranche.
Frau Muth, wie ist die Insolvenz von Soex einzuschätzen?
Soex ist kein klassischer Recycler, sondern vorrangig Sortierer. Sie sortieren gebrauchte Textilien vor und verkaufen tragbare Ware weiter. Nur der Rest, der nicht tragbar ist, geht
überhaupt in den Recyclingprozess, bzw. wird an Recycler
verkauft. Soex ist derzeit dabei, sich verstärkt im Recyclingbereich aufzustellen.
Das zeigt, wie stark das System ins Wanken gerät. Wir
haben eine immense Überproduktion an Textilien, und der
Markt kann das nicht mehr aufnehmen. Die Nachfrage nach
recyceltem Garn ist quasi nicht existent – Faser-Recycler wie
Södra und Re:Newcell sitzen auf ihrem Material, weil es keine Abnehmer gibt.
Dass sogar Re:Newcell gerettet werden musste, während Giganten wie H&M nicht einmal bereit sind, minimal
zu investieren, sagt alles. Ohne das Kettenglied der Sortierer, die jetzt wegbrechen, kollabiert das ganze System. Wir
stehen vor einer riesigen Investitionslücke, während alle von
Kreislaufwirtschaft reden – doch in der Realität ist die Recycling-Infrastruktur ein Trümmerfeld.
Der Altkleidermarkt ist massiv im Umbruch. Was heißt das für
die Modebranche?
Der Altkleidermarkt ist der Kanarienvogel in der Kohlemine
der Modebranche – und er ist ebenfalls in der Krise. Zivilgesellschaftliche Organisationen, die seit Jahrzehnten Altkleider
sammeln und aufbereiten, sind die wahren Retter, werden
aber von der Industrie und der Politik ignoriert. Noch schlimmer: Die Abnehmer im Globalen Süden, die diese Textilien als
Ware weiterverarbeiten, werden ebenfalls übersehen.
Die Modeindustrie klammert sich an technokratische
Recyclingfantasien, ohne die systemischen Probleme ihrer
globalen Lieferketten zu hinterfragen. Der Gedanke, dass
wir uns durch das Recycling von Altkleidern vom globalen
Rohstoffmarkt abkoppeln können, ist nichts anderes als eine
gefährliche Illusion. Der Umbruch ist nicht nur überfällig – er
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6/2024
Lavinia Muth ist Speakerin, Mentorin und Beraterin für ethische Geschäftspraktiken
und soziale Gerechtigkeit. Bevor sie sich 2022 selbstständig machte, leitete sie die
(Foto: Anna-Maria Langer)
Nachhaltigkeitsaktivitäten von Armedangels.
zwingt uns, die bequemen Lügen zu durchbrechen und endlich ernsthafte Lösungen anzugehen.
Wo sehen Sie zurzeit die größten Herausforderungen in dem
Bereich?
Die Fakten sind vernichtend: Laut dem Textile Exchange Materials Market Report 2024 bestehen nur 7,7 Prozent der
weltweit genutzten Fasern aus recyceltem Material, und
davon stammt der Großteil aus PET-Flaschen, nicht einmal
aus Textilabfällen. Während die Produktion von neuen synthetischen Fasern weiter explodiert, bleibt das Gerede von
Recycling ein leeres Versprechen.
Wir erleben ein System, das sich selbst zerstört, während es sich an fossilen Ressourcen festkrallt und gleichzeitig ‚Nachhaltigkeit‘ predigt. Solange wir die geopolitischen
Machtverhältnisse und die ungleichen Handelsbeziehungen
nicht direkt angehen und die Weiter- und Wiedernutzung
und die Recycling-Infrastruktur endlich aufbauen, bleibt
Kreislaufwirtschaft nichts anderes als eine riesige Greenwashing-Maschine.
Das Interview führte Kirsten Reinhold, Textilwirtschaft
Kreislaufwirtschaft
E-Schrott in Südafrika
Hilfe von den Eidgenossen
Die Regierung von Südafrika hat im Sommer 2024
ein Strategiepapier zum Management von Elektroschrott veröffentlicht, das in Zusammenarbeit
mit der schweizer Empa erarbeitet wurde. Damit
erlässt das Land einheitliche Richtlinien zur fachgerechten und sicheren Handhabung von Elektroabfällen. Die Zusammenarbeit ist Teil eines vom
Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) finanzierten Programms.
Die fachgerechte Entsorgung und Recycling von Elektroabfall
ist besonders wichtig auch für Entwicklungs- und Schwellenländer, die damit einerseits ihre Bevölkerung schützen, andererseits ihre Wirtschaft stärken können.
Mit der Unterstützung der Empa ist Südafrika diesem
Ziel nun ein gutes Stück nähergekommen. Im Juni 2024 hat
das südafrikanische Departement für Forstwirtschaft, Fischerei und Umwelt erstmals eine umfassende Strategie zum
Management von Elektroschrott veröffentlicht. Eine wichtige
Grundlage für diese Strategie lieferte das „Sustainable Recycling Industries“-Programm (SRI), finanziert vom Schweizer
Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).
Im Rahmen des SRI-Programms arbeiten die Empa und
das „World Resources Forum“ (WRF) mit Teams aus mehreren Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen, darunter Südafrika, um das Recycling von Elektroschrott in diesen
Ländern zu verbessern. Dabei gilt es, sowohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen als auch technisches
Knowhow zu vermitteln.
„Dank der Zusammenarbeit mit der Empa und dem
WRF kommen unsere Partnerländer in den Genuss von
ausgewiesenem Expertenwissen“, sagt Philipp Ischer, Programmleiter beim SECO. Das wirke sich sehr positiv auf die
Erarbeitung der nationalen gesetzlichen Grundlagen sowie
auf die Formulierung der relevanten Normen und Standards
aus, so der Experte.
„Eine unserer Aktivitäten im Rahmen des SRI-Programms ist beispielsweise die Ausbildung von Auditoren, die
Recyclingbetriebe auf die Qualität der Prozesse in der Handhabung von Elektroschrott überprüfen“, berichtet Forscher
Manuele Capelli aus dem Empa-Labor „Technologie und Gesellschaft“, das dieses Programm gemeinsam mit dem WRF
leitet. Mitglieder der Forschungsgruppe „Critical Materials
and Resource Efficiency“ (CARE), die über langjährige Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit verfügt, führten
bis 2023 auch Audits für die Schweizer Elektroschrott-Recyclingindustrie durch.
Die Mengen an Elektroabfall steigen in Südafrika wie in anderen Schwellenländern.
Entsorgung und Recycling sind dagegen häufig unzureichend oder unsicher. (Foto: Empa)
„Ein Ziel von SRI ist, nachhaltige Veränderungen zu
fördern, sodass die Aktivitäten auch nach dem Ende des Programms weiterlaufen“, betont Capelli. Ein besonderes Augenmerk gilt daher der Zusammenarbeit mit den Teams vor
Ort. „Unsere Partner sind in Kontakt mit den Behörden und
der Industrie in Südafrika und kennen die landesspezifischen
Herausforderungen im Bereich des Recyclings von Elektronikabfällen genau.“
Rahmenbedingungen geschaffen
Eine Besonderheit stellt in Südafrika beispielsweise das Recycling von Batterien dar. Das Stromnetz ist instabil; stundenlange Stromausfälle sind seit Jahren an der Tagesordnung.
„Als größter Stromproduzent in der Region hat Südafrika keine einfache Möglichkeit, Strom zu importieren“, erklärt Capelli. Aus diesem Grund greifen viele wohlhabende
Haushalte auf eine eigene Solaranlage mit Batteriespeicher
zurück, wodurch mit der Zeit große Mengen an ausgedienten Batterien anfallen. Aufgrund der Erfahrung mit dem
Recycling und der Wiederverwendung von Batterien konnten die Empa-Forschenden den Partnern vor Ort einiges an
Knowhow mitgeben.
Ansonsten sehe sich Südafrika mit ähnlichen Herausforderungen im Elektroschrott-Recycling konfrontiert, wie
andere Schwellenländer, so Capelli: Die Mengen an Elektroabfall steigen, die Entsorgung und das Recycling sind aber
häufig unzureichend oder unsicher. Mit dem neuen Strategiepapier verfügt das Land nun erstmals über umfassende
und einheitliche Richtlinien, um diese Herausforderungen
Bernd Waßmann
besser meistern zu können.
6/2024
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Kreislaufwirtschaft
Britische Münzprägeanstalt recycelt E-Schrott
Smartes Prozessleitsystem hilft
logramm Elektroschrott jährlich. Für das Jahr 2030 wird ein
globales Aufkommen von mehr als 80 Millionen Tonnen prognostiziert, was die Optimierung und den Ausbau der Recycling- und Rückgewinnungsinfrastruktur erfordert.
Um dieser globalen Herausforderung entgegenzuwirken, hat es sich The Royal Mint, die britische Münzprägeanstalt und das älteste Unternehmen des Landes, zur Aufgabe
gemacht, eine neue Lösung für die Rückgewinnung wertvoller Mineralien aus Elektronikschrott zu finden. Mit der Nachhaltigkeitsethik als Kernstück seiner langfristigen Strategie
hat das Unternehmen in eine vielversprechende Technologie
zur Rückgewinnung von Edelmetallen und anderen Materialien aus Elektroschrott investiert, diese kontinuierlich verbessert und skaliert.
Smartes Prozessleitsystem
hilft bei der Skalierung
In seiner neuen Rückgewinnungsanlage plant The Royal Mint, mit Hilfe des PlantPAx-Prozessleitsystems von Rockwell Automation jährlich 4.000 Tonnen Leiterplatten
zu verarbeiten, um Edelmetalle zu extrahieren und wiederzuverwenden.
(Quelle: The Royal Mint)
Neue Technologie zur Rückgewinnung von Edelmetallen, deren Herzstück das PlantPAx-Prozessleitsystem von Rockwell Automation ist, wurde
erfolgreich vermarktet und ist nun bereit für einen
globalen Roll-out.
Elektroschrott gehört zu den am schnellsten wachsenden
Abfallströmen weltweit – dies geht aus den Daten von Statista hervor. Mit 62 Millionen Tonnen im Jahr 2022 hat sich
die Menge der weggeworfenen Elektro- und Elektronikgeräte seit 2010 fast verdoppelt. Dabei wird in keiner anderen Region auf der Welt so viel Elektromüll pro Kopf erzeugt
wie in Europa: 26,8 Kilogramm pro Einwohner in Norwegen,
24,5 Kilogramm in Großbritannien, 23,4 Kilogramm in der
Schweiz, 22,4 Kilogramm in Frankreich – und in Deutschland
sind es 21,2 Kilogramm Elektromüll pro Einwohner.
Zum Vergleich: Obwohl China mit Abstand für das
größte Elektromüll-Aufkommen weltweit verantwortlich ist,
erzeugt jeder Einwohner Chinas im Durchschnitt nur 8,5 Ki-
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6/2024
Die Extraktionstechnologie des kanadischen CleanTech-Start-Ups Excir existierte zu Beginn des Projekts nur in
Form eines Prototyps und musste daher grundlegend weiterentwickelt und skaliert werden, um das Rückgewinnungsziel
von The Royal Mint zu erreichen, bis zu 4.000 Tonnen Leiterplatten pro Jahr zu verarbeiten. Diese technologischen und
verfahrenstechnischen Hürden wurden durch einen engen
Zeit- und Investitionsplan weiter verschärft.
„Es war nie ein einfaches Projekt“, erklärt Phil Hadfield, Managing Director von Rockwell Automation UK. „Wir
waren uns über die zahlreichen Herausforderungen sowie
der Tatsache bewusst, dass wir einige von ihnen nicht beeinflussen konnten. Dennoch waren wir uns sicher, dass
unser erfahrenes verfahrenstechnisches Team und unsere
integrierten Technologien den Extraktionsprozess unter eine
feinmaschige Kontrolle bringen würden. Nach der ersten
Etablierung des Prozesses wussten wir, dass die weitere Entwicklung und eventuelle Skalierung etwas einfacher werden
würde.“
In der neuen Edelmetall-Rückgewinnungsanlage von
The Royal Mint werden die Leiterplatten über ein Fördersystem in einen Reaktor geleitet. Der entstehende Schlamm
wird anschließend mit Hilfe spezieller chemischer Verfahren
getrennt, sortiert und gefiltert, um geschmolzene Edelmetalle, darunter Gold, Silber und Palladium, aus gemischten Materialien in einem streng kontrollierten Ausfällungsprozess zu
extrahieren.
Das einzigartige Chemieverfahren stellt sicher, dass 99
Prozent des Goldes aus Elektroschrott bei Raumtemperatur
Kreislaufwirtschaft
extrahiert werden können, also nicht durch Schmelzen bei
hohen Temperaturen. Dies trägt zur Energie- sowie Kosteneffizienz als auch zur Nachhaltigkeit des Verfahrens bei.
Aber nicht nur Edelmetalle werden im Rahmen dieses
Prozesses weiterverarbeitet. Jede Komponente einer Leiterplatte kann erfasst werden – sogar das Glasfasernebenprodukt wird „entbromt“, wobei gefährliches Bromid entfernt
wird. Dies wird als Bestandteil der Kreislaufwirtschaft von
The Royal Mint und ihrer Netto-Null-Pläne betrachtet.
Das Lifecycle Services-Team von Rockwell Automation lieferte eine komplette Prozesssteuerungslösung auf der
Grundlage seines PlantPAx-Prozessleitsystems, das die Integration von der Instrumentierung im Werk bis hin zur Vorstandsetage gewährleistet und kontextbezogene Berichte
erstellt, um Einblicke in die Optimierung der Produktion zu
ermöglichen.
Das PlantPAx-Prozessleitsystem wird auf globaler Ebene eingesetzt und hilft Unternehmen dabei, bessere und
schnellere Entscheidungen bei der Prozesssteuerung zu treffen. So können sie nicht nur schneller auf lokale Prozessvariablen reagieren, sondern auch auf sich ändernde Spezifikationen, die oft durch Kundenanforderungen bedingt sind.
Für dieses Projekt erwies sich PlantPAx auch deswegen
als ideal, da es sich im Einklang mit dem Wachstum und der
Weiterentwicklung des Prozesses skalieren lässt. Darüber hinaus verbindet es die verschiedenen Geräte in der komplexen Anlage miteinander und steuert sie von einem Ort aus.
Dabei wird ein Interface verwendet, mit welchem die Ingenieure von The Royal Mint dank ihrer über 20 Jahre langen
Zusammenarbeit mit Rockwell Automation bereits vertraut
sind.
„Die Systemarchitektur ermöglicht es verschiedenen
Lieferanten, verschiedene Teile der Anlage herzustellen und
sie dann einfach miteinander zu verbinden, um eine werksweite Infrastruktursteuerung zu ermöglichen, wenn sie in
Betrieb ist“, so Hadfield.
„Das beseitigt das Problem der unterschiedlichen
Steuerungssysteme, die bei Projekten wie diesem häufig vorkommen, und ermöglicht Optimierungen wie gemeinsame
Anmeldungen, Änderungsverwaltung, Alarmmanagement,
Datenprotokollierung und mehr. Diese sind in der gesamten
Anlage sichtbar, was zur Senkung der Gesamtbetriebskosten
beiträgt.“
Jahresziel nach kurzer
Laufzeit übertroffen
Trotz aller anfänglichen Unsicherheiten und zahlreicher Prozessvariablen waren die Ingenieure aller beteiligten Unternehmen hocherfreut, als das System bereits beim ersten
Durchlauf Gold lieferte, und zwar im industriellen Maßstab
und ohne jegliche Erkenntnisse aus einer zwischengeschalteten Pilotphase.
Herausforderung
Eine neue Lösung zur Rückgewinnung von Edelmetallen aus Elektroschrott war sehr vielversprechend - aber
nur, wenn sie entwickelt, skaliert und fein abgestimmt
werden konnte, um eine effiziente Rückgewinnung im
industriellen Maßstab zu erreichen.
Lösungen
Eine Lösung von Rockwell Automation wurde installiert,
die folgende Produkte und Leistungen umfasst:
• PlantPAx-Prozessleitsystem (DCS)
• Bediener-Workstations (OWS), Ingenieur-Workstations
(EWS)
• Umfassende Infrastrukturarbeiten
Ergebnisse
• Gold wurde bereits im ersten Durchlauf erfolgreich
extrahiert.
• 500 Tonnen Rohstoffe wurden bereits extrahiert, womit das anfängliche Ziel von 400 Tonnen im GJ24/25
übertroffen wurde.
• Die Anlage hat ihr kommerzielles Potenzial unter Beweis gestellt und wird nun an weiteren Standorten zum
Einsatz kommen.
Tony Baker, Direktor für Fertigungsinnovation bei The
Royal Mint, sagte dazu: „Nach so vielen anfänglichen Herausforderungen freuen wir uns, dass alles nach Plan läuft.
Tatsächlich haben wir unser Ziel für 2024/25 von 400 Tonnen extrahierten Rohstoffen bereits übertroffen, nachdem
wir Anfang des Jahres 500 Tonnen erreicht hatten.“ Damit
können also bereits mehr als zehn Prozent der Eingangsmenge von bis zu 4.000 Tonnen pro Jahr verwertet werden, die
anderenfalls entsorgt werden müssten.
„Wir arbeiten noch an der Feinabstimmung der Prozesse und der Optimierung der Parameter, aber wir erreichen
bereits eine wirklich gute Materialtrennung sowie effizientere Vor-, Parallel- und Nachprozesse. Der Erfolg des Projekts ist
auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurückzuführen, zu
denen auch die Art und Weise zählt, wie alle Beteiligten bei
der Bewältigung der Herausforderungen zusammengearbeitet haben.“
„Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Rockwell Automation und der Einsatz seiner Prozessleitsystem-Lösung ermöglicht es uns, die technische Machbarkeit der Technologie
für den Betrieb im großen Maßstab zu beweisen. Damit sind
wir auf dem besten Weg zur Erreichung unseres Ziels, 4.000
Tonnen Leiterplatten pro Jahr zu verarbeiten. Die Gespräche
über die Verwendung der zurückgewonnenen Materialien
sind bereits in vollem Gange, ebenso wie die Pläne, die Techwww.rockwellautomation.com
nologie weiter auszubauen.“
6/2024
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Kreislaufwirtschaft
Klinische Einwegmaterialien
aus Kunststoff im Recycling
chen mit anderen plastikreichen Abfallströmen in Schweden,
die rund 1,5-2 Megatonnen betragen, ist das allerdings nicht
so viel.
Um welche Produktkategorien geht es hierbei vorrangig?
Werden diese Bedarfsgegenstände denn bislang bereits zuverlässig getrennt erfasst?
Die Region Västragötaland hat das recht genau erfasst und
im Rahmen der Krankenhäuser wird dieser Abfall auch getrennt vom Haushaltsabfall behandelt. Verpackungsmüll ist
ausgenommen und wird separat gesammelt. Von Handschuhen über Operationsröcke, Spritzen und Schläuche ist da alles dabei. Materialmäßig ist das eine Mischung aus Zellstoff,
PP, PE, PVC, PA und PU.
Großen Anteil am Abfallaufkommen haben die Operateure, bei denen Hygiene
(Bild: IMAGO/Westend61)
allerhöchste Priorität haben muss.
Bald wird es möglich sein, den vorwiegend
operativen Einwegabfall der Krankenhäuser einer
stofflichen Verwertung zuzuführen. In Schweden
ist die Entwicklung recht weit fortgeschritten.
Ein wirtschaftliches Verwerten ist aber erst bei
einem Aufkommen von 100.000 Jahrestonnen
zu erwarten.
Im täglichen Klinikbetrieb fallen Einmal-Materialien aus
Kunststoff in großen Mengen an: Abdeckungen, Spritzen,
Masken, Kapuzen, Handschuhe usw. In der Regel geht dieses Einwegmaterial nach Gebrauch in die thermische Verwertung. Dabei sind in hohem Umfang PP und PE enthalten,
die einen guten Grundstoff für die stoffliche Verwertung
abgeben. Die Chalmers University of Technology in Schweden hat unter der Leitung von Prof. Martin Seemann, hier im
Interview, ein Verfahren entwickelt, das die Gewinnung der
Rohstoffe aus dem Abfall möglich macht. In einigen Jahren
könnten die ersten Anlagen stehen.
CE: Medizinische Einwegartikel – vor allem aus Kunststoffen –
sind bislang ein blinder Fleck in der Recyclinglandschaft weltweit. Geht es hier um nennenswerte Mengen?
Prof. Martin Seeman: Ja und Nein. In Schweden sind das vielleicht 4.000 Tonnen pro Jahr, was erstmal viel klingt, vergli-
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6/2024
Warum ist es notwendig, für eine getrennte Erfassung zu sorgen? Welche Kontaminationsgefahren bestehen?
Wirklich gesundheitsgefährlicher Abfall wird noch einmal
separat behandelt. Die Fraktion, über die wir hier sprechen,
wird in vielen Landesteilen als Hausmüll gewertet.
Würde eine einfache Sterilisierung nicht ausreichen?
Sicherlich, aber es steht hier nicht nur die Sterilisierung im
Vordergrund. Unser Projekt hat als Hauptresultat die Rezirkulierbarkeit von Materialgemischen gezeigt.
Was sind die üblichen Behandlungswege nach der Erfassung?
Generell ist es so, dass derartige Mischfraktionen energetisch
verwertet werden, also Müllverbrennung.
Bislang stehen Recyclingmöglichkeiten offensichtlich noch
nicht zur Verfügung. Wo stecken die Probleme?
Wir haben uns lange Zeit nur um sortenreine Abfallströme
gekümmert, die entsprechend einfach umgeschmolzen werden können. Das liegt auch daran, dass es in der Chemischen
Industrie nur begrenztes Interesse an wirklichem Ersatz zu
Rohölderivaten gegeben hat.
Könnte es sich hier um ein Verfahren handeln, dass konventionelle Recyclingbetriebe durchführen können? Sie sprechen
von Größenordnungen ab 100.000 Jahrestonnen. Ließe sich
das Verfahren ggf. nach unten skalieren?
Unsere Versuchsanlage hat eine Kapazität, die ungefähr
10.000 Jahrestonnen entspricht. Da unsere Vision vorsieht,
zusammen mit der Chemischen Industrie Alternativen zum
Grundstoff Rohöl zu entwickeln, sind kleinere Anlagen als
100.000 Tonnen uninteressant. Wir sollten im Blick behalten,
Kreislaufwirtschaft
Prof. Martin Seemann von der
schwedischen Chalmers-TU sieht
den Praxiseinsatz von Kunststoffrecycling aus klinischem Abfall
bereits in einigen Jahren.
(Foto: Chalmers)
dass ein kleiner Verbund ungefähr 700.000 Jahrestonnen an
Rohmaterial verarbeitet. Größere Standorte erreichen leicht
ein bis drei Millionen Tonnen.
Das sind ziemlich große Dimensionen…
Wir haben in unserer Studie aber auch einen zweistufigen
Prozess untersucht, der zunächst ein „schmutziges“ Pyrolyseöl herstellt, das dann in dem von uns entwickelten Steamcracking-Prozess eingesetzt werden kann. Für die Pyrolyse
könnte man sich da auch kleinere Anlagen vorstellen.
Welche Investitionen sind hier voraussichtlich notwendig?
Da möchte ich ungern vorgreifen, aber Anlagen in dieser
Größenordnung landen für gewöhnlich in einem dreistelligen
Millionenbereich an Investitionen.
Sie sprechen von einem thermischen Vorschlaghammer, der
hier zur Anwendung kommt? Das klingt ziemlich gewaltig.
Aber was kommt hinten raus?
Hinten kommen die Elemente des Einsatzmaterials heraus,
Stecke ich das Rohmaterial der Chemieindustrie in unseren
Prozess, bekomme ich die gleiche Aufteilung wie bei einem
herkömmlichen Steamcracking-Prozess. Das sind dann vor allem die Bausteine der gewöhnlichen Kunststoffe, Ethylen, Propylen, Butadien, die in der Chemieindustrie weiterverarbeitet
werden. Stecken wir anstelle von Rohölderivaten, sortenreinen Kunststoffabfall (PE) in unsere Anlage, erhalten wir auch
etwa die gleiche Mischung, da die molekulare Struktur der
Kunststoffe denen des Einsatzmaterials aus Rohöl entspricht.
Für die Mischmaterialien sieht das dann etwas anders aus,
was den Aufwand, die Gase aufzutrennen, erhöht.
Eignet sich das Verfahren zum Recycling von gemischten
Kunststoffen oder müssen die Abfälle sortenrein sortiert werden?
Entweder sortiere ich vorher Müll oder hinterher das Gas
(Moleküle). Als Verfahrenstechniker sehe ich die Sortierung
der Gase als einfacher an.
Basis des Verfahrens ist eine Zerlegung auf der molekularen Ebene. Das spricht dafür, dass etwas wie neues Material
entstehen müsste, das für medizinische Zwecke eingesetzt
werden kann.
Das gewonnene Material wird wieder höchsten Ansprüchen
genügen. Das ist immens wichtig, um glaubwürdig zu bleiben. Wir müssen wegkommen davon, beim Recycling die
Qualität zu verschlechtern.
Zu welchen Kosten ist das Recycling möglich?
Unsere Berechnungen zeigen, dass Kunststoff deswegen
nicht teurer werden muss. Allerdings haben wir in unserer
Betrachtung nicht die Konsequenzen für die Abfallwirtschaft
berücksichtigt. Die Abfallwirtschaft folgt zumindest hier in
Schweden speziellen Regeln und Tarifen, die nicht so einfach
auf die Materialproduktion appliziert werden können.
In welchem Stadium befindet sich das Verfahren. Wann ist mit
einem breiten Einsatz in der Praxis zu rechnen?
Bis eine Anlage inklusive aller Genehmigungen in Betrieb genommen werden kann, sprechen wir leider noch von fünf bis
sieben Jahren.
Gibt es bereits Interessenten, die das thermochemische Verfahren in die Praxis umsetzen möchten?
Wir sprechen bereits mit verschiedenen Unternehmen der
Chemischen Industrie, die über Relevanz in der europäischen
Kunststoffproduktion verfügen. Das Interview führte Bernd Waßmann
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Wasser/Abwasser
Kùmo - stock.adobe.com
Klärschlammentsorgung
bleibt Kostenfaktor
Die Abwasserbehandlung in Deutschland schützt mit einem 97-prozentigen
Anschlussgrad der Bevölkerung an die
Kanalisation und rund 10.000 Kläranlagen
Grund- und Oberflächengewässer. Dabei
anfallender Klärschlamm dient als Schadstoffsenke und Ressource für Wertstoffe.
Doch hier sind noch einige Potenziale zu
heben.
Die 2017 novellierte Klärschlammverordnung etwa
forciert die Rückführung von Phosphor und schränkt
die bodenbezogene Verwertung deutlich ein. Das
und die zunehmende Nutzung thermischer Verwertungsverfahren stellen die Betreiber von Kläranlagen
vor große Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Investitionen und die Anpassung an neue
technologische Entwicklungen.
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6/2024
„Grundsätzlich ist die Klärschlammentsorgung heute immer ein Kostenfaktor. Ich gehe davon
aus, dass die neuen Verfahren kostenmäßig mindestens auf dem gleichen Niveau liegen werden. Das
liegt vor allem daran, dass durch die zusätzlichen
Produkte wie Bioöl und Biokohle, die wir erzeugen
können, ein Mehrwert entsteht“, erklärt Robert Daschner vom Fraunhofer Umsicht die Perspektive.
Zur Entsorgung von kommunalem Klärschlamm gibt es generell zwei Hauptwege: stoffliche
und thermische Verwertung. Schlammentwässerung und -trocknung dienen dabei als Hilfsprozesse,
um das Volumen zu reduzieren, die Lagerung und
den Transport zu erleichtern und den Heizwert zu
erhöhen.
Die stoffliche Verwertung, etwa in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau, nutzt die im
Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe wie Stickstoff
und Phosphor zur Düngung und Bodenverbesserung. Allerdings sind diese Anwendungen durch die
Wasser/Abwasser
Faulturm zur Phosphorrückgewinnung in der Pilotanlage ePhos auf der Kläranlage Erbach.
genannten gesetzlichen Vorgaben stark limitiert.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt die stoffliche
Verwertung in Deutschland eine kostengünstige
Methode. Allerdings nur noch bis 2029. Danach ist
auch das für die meisten Klärschlämme verboten.
Bei der thermischen Verwertung gibt es zwei
Hauptverfahren: Monoverbrennung und Mitverbrennung. Hinzu kommen noch einige alternative
Verfahren. Das Ziel der Verbrennung ist die weitgehende Mineralisierung des Schlamms, wodurch organische Schadstoffe eliminiert und das verbleibende Volumen reduziert wird.
Strenge Kontrollen
und Grenzwerte
Doch das hat auch seine Nachteile. „Was bei der
Verbrennung und auch bei den pyrolytischen Verfahren passiert, ist, dass wir die ganzen organischen
Schadstoffe zerstören, einschließlich medizinischer
Rückstände, die im Klärschlamm enthalten sind.
Was dann noch zurückbleibt, sind im Wesentlichen
Schwermetalle in den festen Rückständen“, so Daschner. An diesem Punkt müsse man den Kreislauf
wegen der Schadstoffe unterbrechen. Es seien vor
allem Stickstoff und Schwefel sowie Schwermetalle
und Spurenstoffe aus medizinischen Produkten, die
als Hauptkomponenten in größeren Mengen im getrockneten Schlamm enthalten wären.
„Klärschlamm ist einer der bestuntersuchten
Abfallstoffe, mit strengen Grenzwerten. Wenn diese
überschritten werden, darf der Schlamm nicht mehr
in die Landwirtschaft. Die Grenzwerte für Schwermetalle und organische Schadstoffe wurden zuletzt
(Foto: Fraunhofer IGB)
2015 und 2017 verschärft, was in der Konsequenz
auch die Kontrolle der Abwasser-Einleiter verbessert hat“, so Stefan Rehfus vom Ingenieurbüro für
BesserWasser. Wenn der Quecksilbergrenzwert im
Klärschlamm überschritten würde, gingen Betreiber
auf Spurensuche, um die Quelle zu finden, oft bei
Zahnarztpraxen. Diese Kontrollen würden bei der
Verbrennung wegfallen, weil der Schlamm dann
einfach verbrannt würde, ohne nach Schadstoffen
zu schauen. Klärschlamm binde zwar Schadstoffe.
Aber die Hälfte lande im Abwasser, ohne dass man
es richtig kontrollieren könne.
Bei der Mitverbrennung wird Klärschlamm vorwiegend in Braunkohlekraftwerken – und vereinzelt
in Zementwerken – mitverbrannt; gerade erstere sind
nur noch eine Lösung auf Zeit. Einschränkungen ergeben sich durch die Kapazität der Trocknungsanlagen, die Leistung der Rauchgasreinigung und gesetzliche Obergrenzen für den Abfallanteil. In der Praxis
liegt der Klärschlammanteil meist weit unter 25 Prozent, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.
In der Monoverbrennung wird Klärschlamm
ausschließlich als Brennstoff verwendet. In Deutschland dominieren Wirbelschichtfeuerungen, die
robust und flexibel sind. Ein Vorteil der Monoverbrennung ist die Konzentration von Phosphor in der
Asche, die als Sekundärrohstoff wirtschaftlich recycelt werden kann.
Weitere neue Methoden befinden sich meist
noch in der Entwicklung oder Erprobung. Dazu gehören die Vergasung, Pyrolyse und Hydrothermale
Carbonisierung (HTC). Bei der Vergasung wird der
Klärschlamm in ein heizwertreiches Gas umgewandelt. Bei der Pyrolyse bleiben nach der Behandlung
feste Kohlenstoffanteile zurück.
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Wasser/Abwasser
HTC wandelt Biomasse unter Druck in sogenann- Momentan haben wir noch eine Reichweite von etwa
te Biokohle um. Das verbessert die Entwässerung 400 Jahren. Es gibt also keinen akuten Mangel. Derund erhöht den Heizwert. Allerdings entsteht da- zeit haben wir kaum Kapazitäten, um Phosphor aus
bei belastetes Abwasser. Ein weiteres Verfahren, die Klärschlammaschen zurückzugewinnen. Tatsächlich
Schmelzvergasung, kombiniert thermische Verwer- vernichten wir momentan Phosphor“, so Abwassertung mit Phosphorrecycling und wird derzeit pilo- ingenieur Rehfus. Viele Kläranlagen schickten den
tiert.
Klärschlamm direkt nach der Ent„Wir beschäftigen uns mit
wässerung in die Verbrennung,
verschiedenen Arten der thermomeist in Heizkraftwerken. Aktuell
chemischen Konversion, von der
gebe es jedoch nur im Versuchsstaklassischen Verbrennung bis hin
dium Möglichkeiten, Phosphor zuzur Pyrolyse. Auch die hydrotherrückzugewinnen. Eine Überführung
male Karbonisierung wird bei uns
in die Praxis würde die Kosten für
untersucht. Momentan liegt der
die Entsorgung weiter ansteigen
Fokus in unserer eigenen Abteilassen. Besonders für kleinere Klärlung stark auf Pyrolyse-basierten
anlagen sei das ein großes Problem
Verfahren“, so Daschner. Mit den
für die Abwassergebühren.
innovativen Verfahren wie der
„Wir sprechen hier über
Pyrolyse wolle man für die KlärFachleute im Abwasserbereich,
werksbetreiber einen wirklichen
aber keine Chemie- oder VerfahMehrwert schaffen, indem Synrenstechniker“, so Praxismann Rehthesegase und Bio-Öle generiert
fus. Die Technologien, die man für
Phosphorrückgewinnung bräuchte,
würden.
Für ihn ist das Thema Phosphor noch nicht
zu Ende gedacht: Abwasseringenieur Stefan
seien praktisch kleine Chemiefab(Foto: privat)
Rehfus.
riken – mit hohem Druck und extremen Temperaturen. So etwas sei
nicht im Alltag einer Kläranlage umsetzbar. Vielleicht
könnten große Betreiber wie die Berliner WasserbeDie Rückgewinnung von Phosphor, das in Klär- triebe eine Versuchsanlage bauen. Aber für die meisschlamm in großer Menge enthalten ist, gewinnt ten der 10.000 kleinen und mittleren Kläranlagen in
zunehmend an Bedeutung, da es ein wichtiger Be- Deutschland sei das keine Lösung, zumal sie auch
standteil von Düngemitteln und die EU stark von unter Fachkräftemangel litten.
Phosphorimporten abhängig ist.
Eine Forschungsanlage, die sich mit der Wiederverwertung von Phosphor, Kohlenstoff und
Wasserstoff aus Klärschlamm befasst, steht im Innovationszentrum von RWE in Niederaußem. Die- Für eine Energiewende ist auch die Biogasgewinnung
se Multi-Fuel-Conversion-Anlage (MFC) hat zwei aus Klärschlamm wichtig. Diese wird bereits vielHauptziele: Phosphor aus Klärschlamm zurückzuge- fach praktiziert. Sie kann aber noch weiter optimiert
winnen und diesen zusammen mit anderen Brenn- werden. Die Hochlastfaulung etwa, entwickelt vom
stoffen in Synthesegas umzuwandeln.
Fraunhofer IGB, bietet zahlreiche Vorteile gegenIn der Anlage werden Klärschlamm, Klär- über herkömmlichen Methoden, darunter kürzere
schlammasche und Braunkohle bei hohen Tempera- Verweilzeiten, höherer Abbaugrad, verbesserte Entturen und Sauerstoffmangel verarbeitet, um gasför- wässerbarkeit und niedrigere Betriebskosten. Selbst
migen Phosphor freizusetzen und in Phosphorsäure für kleinere Kläranlagen ab 10.000 Einwohnerwerten
umzuwandeln. Parallel dazu wird Synthesegas er- ist dieses Verfahren wirtschaftlich attraktiv, da es den
zeugt, das als Rohstoff für Wasserstoff, Methanol Energiebedarf der Anlage durch die Nutzung von Biound andere chemische Produkte genutzt werden gas erheblich senkt.
kann. RWE treibt gemeinsam mit der Ruhr-Universität Bochum dieses Projekt voran, ein Projektteil wird
in Kooperation mit dem Fraunhofer UMSICHT bearbeitet.
Dennoch gibt es auch hier Probleme. „Das Doch nicht nur Biogas kann energetisch genutzt
Thema Phosphor ist noch nicht zu Ende gedacht. werden. Die Bayernoil Raffineriegesellschaft und das
PhosphorRückgewinnung nötig
Biogas weitere Komponente
Ein Schritt weiter: Kraftstoff
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Wasser/Abwasser
Fraunhofer UMSICHT arbeiten gemeinsam daran,
Klärschlamm, der in kommunalen Kläranlagen regelmäßig anfällt, mithilfe der TCR-Technologie in ein
stabiles Öl, ähnlich Rohöl, umzuwandeln. Das kann
in Raffinerien weiterverarbeitet werden. Zusätzlich
entsteht dabei ein Synthesegas, reich an grünem
Wasserstoff.
Ziel ist es, die Kapazitäten der TCR-Technologie auf mehrere tausend Tonnen nachhaltiges Öl pro
Jahr auszubauen und die Integration dieses Prozesses in Raffinerien zu optimieren, um das volle Potenzial für erneuerbare Kraftstoffe auszuschöpfen.
Bayernoil plant, den Klärschlamm direkt an Raffineriestandorten zu verwerten, um die Effizienz der Logistik und Produktion zu maximieren.
Doch das Projekt stockt. „Ein großes Thema in
Deutschland bleibt die Regulatorik, der Knackpunkt
ist die Phosphorrückgewinnung“, so Daschner. Beim
TCR-Verfahren werde der Phosphor, wie auch die
Schwermetalle, in der Kohle aufkonzentriert. Diese
Kohle darf dann nicht mehr auf landwirtschaftlichen
Flächen ausgebracht werden. Derzeit müsse man
die Kohle daher verbrennen, um aus der Asche den
Phosphor zurückzugewinnen. Diese ganze Kette sei
sehr aufwendig. „Das ist meiner Ansicht nach der
Hauptgrund, warum es bei der Klärschlammverwertung mittels TCR momentan noch hakt. Für weitere
Einsatzstoffe über Klärschlamm hinaus haben wir
bereits Lizenznehmer, die das Verfahren umsetzen
wollen“, so Daschner.
Natürliche Verfahren
zur Entwässerung
Da Klärschlamm zu etwa 98 Prozent aus Wasser
besteht, ist die Entwässerung ein entscheidender
Schritt, um die Entsorgungsmenge zu reduzieren.
Während oft große Maschinen wie Filterpressen
oder Dekanter verwendet werden, hat sich inzwischen für kleine und mittlere Anlagen auch die
ökologischere Methode der Klärschlammvererdung
etabliert.
Das seit den 1990er-Jahren praktizierte Entwässerungsverfahren nutzt Schilf (Phragmites australis) in speziell angelegten Beeten, um Klärschlamm
zu entwässern, zu stabilisieren und zu hygienisieren.
Eine Klärschlammvererdungsanlage besteht aus
großflächigen Beeten, die mit Folie abgedichtet, mit
einer Drainageschicht versehen und dicht mit Schilf
bepflanzt sind. Der Klärschlamm wird auf die Beete
geleitet, wo das Wasser entweder in die Drainageschicht versickert und zur Kläranlage zurückgeführt
wird oder von den Schilfpflanzen aufgenommen
wird und über ihre Blätter verdunstet. Im Wurzelraum entwickeln sich Mikroorganismen, die organische Stoffe abbauen und mineralisieren, was auch
Schadstoffe und Krankheitserreger reduziert. Das
Endprodukt ist eine humusreiche, geruchsneutrale
Klärschlammerde.
Die Vererdungsbeete können das ganze Jahr
über, auch im Winter, mit Klärschlamm beschickt
werden. Über Jahre hinweg wächst die Klärschlammerde im Beet an, bis es nach 8 bis 12 Jahren gefüllt
ist. Nach einer Ruhephase wird die Erde ausgebaggert und zur Verwertung transportiert, während
neue Beete den Schlamm aufnehmen.
Neben der physikalischen Entwässerung durch
die Schilfpflanzen reduziert der biologische Abbau
die Masse des Klärschlamms um weitere 40 bis 50
Prozent. Insgesamt erreicht die Vererdung eine Massenreduktion von 93-98 Prozent. Damit ist es nach
Angaben etwa von Hersteller EKO-Plant deutlich effektiver als maschinelle Verfahren.
Frank Urbansky
Klärschlammverbrennungsanlage VERA in Hamburg.
(Foto: IMAGO/Hanno Bode)
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Wasser/Abwasser
„Kläranlagenbetreiber können
Wertstoffe nicht einfach verkaufen“
Interview mit Dr.-Ing. Marius Mohr, Abteilungsleiter Wassertechnologien, Wertstoffgewinnung und Scale-up, Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Welche Technologien stehen grundsätzlich für die
Klärschlammbehandlung zur Verfügung?
Zunächst wird Klärschlamm anaerob behandelt, um
ihn biologisch zu stabilisieren und Biogas als Energieträger zu gewinnen. Danach erfolgt die Entwässerung des Schlamms. Es gibt auch Technologien,
die den Klärschlamm aufschließen, indem sie die
Zellstrukturen der Bakterien zerstören, entweder
vor oder nach der Vergärung. Eine weitere wichtige
Technologie ist die Behandlung des Schlammwassers
zur Elimination oder Rückgewinnung von Stickstoff.
Welche Stoffe sind am problematischsten zu entfernen?
Grundsätzlich ist die Entfernung von allen Stoffen
aus Klärschlamm schwierig, da es sich um ein komplexes Gemisch handelt. Organische Stoffe können
durch Hitze zerstört werden, was allerdings sehr
energieintensiv ist.
Gibt es Stoffe, die sich gut aus dem Klärschlamm zurückgewinnen lassen? Und wie wirkt sich das auf die
Wirtschaftlichkeit aus?
Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor lassen sich
gut zurückgewinnen. Allerdings sind die Preise für
industriell hergestellte Düngemittel so niedrig, dass
sich die Rückgewinnung oft nicht lohnt. Da die
Rückgewinnung von Phosphor bald gesetzlich vorgeschrieben wird, geht es hier weniger um Wirtschaftlichkeit, sondern eher darum, wie man dies so
effizient wie möglich umsetzen kann.
Wie könnte Klärschlamm weiter verwertet werden,
wenn die landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt
ist und die Verbrennung nur der letzte Ausweg sein
soll?
Das ist eine Herausforderung. Ein spannender Ansatz
wurde im Projekt RoKKa – das steht für „Rohstoffquelle Klärschlamm und Klimaschutz auf Kläranlagen“ – pilotiert, bei dem Stickstoff und Phosphor
aus dem Wasser der Schlammentwässerung zurück-
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Marius Mohr
(Foto: Fraunhofer IGB)
gewonnen werden. Allerdings gibt es bei Phosphor
das Problem, ihn in die Flüssigphase zu bringen, um
ihn effektiv zurückgewinnen zu können.
Gibt es seitens der Politik noch Nachholbedarf, um
die Klärschlammverwertung zu verbessern?
Ja, definitiv. Kläranlagenbetreiber stehen vor dem
Problem, dass sie die von ihnen produzierten Wertstoffe nicht einfach verkaufen können. Außerdem
müssten die tatsächlichen Kosten für Düngemittel in
den Preis einfließen, um zurückgewonnene Produkte konkurrenzfähig zu machen.
Das Interview führte Frank Urbansky
Wasser/Abwasser
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Wasser/Abwasser
(Bild: Billy - stock.adobe.com)
Wasserwiederverwendung zur
Kühlung im dänischen Kalundborg
In ULTIMATE forschen Industrie und
Wasserwirtschaft nach Lösungen zur
Kreislaufwirtschaft und Wasserwiederverwendung. In einer aktuellen Fallstudie
wurden die technische Machbarkeit und
der CO2-Fußabdruck für eine Wasserwiederverwendung zur Kühlung untersucht.
Während sich der Klimawandel verschärft, können
begrenzte Ressourcen wie Süßwasser in bestimmten Regionen saisonal sehr knapp werden. Im Jahr
2019 waren 38 Prozent der europäischen Bevölkerung von Wasserknappheit betroffen [1]. Nach der
Landwirtschaft ist die Industrie der größte wasserverbrauchende Sektor.
In Europa ist die interne Wasserwiederverwendung in der Industrie bereits recht verbreitet. Die
Rückgewinnung von Wasser aus kommunalem Abwasser und die Wiederverwendung wurden jedoch
bisher nur in einigen wenigen Ländern eingeführt,
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6/2024
und zwar in den meisten Fällen für die Landwirtschaft oder andere Bewässerungszwecke. Länder
wie Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland haben bereits ihre eigenen nationalen Gesetze zur Wasserwiederverwendung umgesetzt [2].
Fallstudie Kalundborg (Dänemark)
Die industrielle Symbiose in Kalundborg besteht seit
1972 und verbindet 17 Unternehmen, die verschiedene Wasser-, Material- und Energieströme austauschen. Die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser ist in Dänemark bisher nicht üblich. Die neue
EU-Verordnung über Mindestanforderungen für die
Wiederverwendung von Wasser wurde bisher nicht
umgesetzt [2]. Der Ablauf der kommunalen Kläranlage (mWWTP) beträgt etwas mehr als 7 Mio. m³/a,
ausreichend, um den Kühlwasserbedarf der industriellen Symbiose zu decken. Mehr als 50 Prozent
dieses Abwassers stammt jedoch aus der biotechnologischen und pharmazeutischen Industrie und hat
eine chemische Zusammensetzung, die eine weitere
Wasser/Abwasser
Tabelle 1: Vergleich der Betriebsparameter: Konventionelle UF
(im Dead-End-Modus), u-t UF (im
Crossflow Modus) und NF (im
Crossflow Modus)
fett bevorzugte Einstellungen
positives Ergebnis
mittleres Ergebnis
negatives Ergebnis
Aufbereitung erschwert. Daher wurde dies zunächst
in einer Pilotanlage getestet.
Die Pilotanlage bestand aus einem automatisch gespülten Vorfilter (Sieb, 300 µm), einer UF-,
ultra-dichten (u-t) UF- oder NF-Membran, gefolgt
von einem Kerzenfilter und einer RO-Membran.
Zusätzlich wurde zeitweise ein Zweischichtfilter vor
der Membrananlage getestet. Der Molekulargewichtsgrenzwert (MWCO) von UF, u-t UF und NF
betrug 150 kDa, 4 kDa bzw. 1 kDa. Bei allen drei
Vorbehandlungsmembranen handelte es sich um
Hohlfasermembranen, die automatische hydraulische (backwash; BW) und chemische Reinigungen
(chemical enhanced cleanings; CECs) ermöglichten.
Die neuartige u-t UF-Membran wurde von der Firma
Pentair im Layer-by-Layer-Verfahren entwickelt und
bestand aus Hohlfasern mit einem Durchmesser von
0,8 mm, die von innen nach außen filtrierten. Technische Daten aller getesteten Membranen sind in [3]
und [4] zu finden.
Während der Pilotierung wurden Betriebsparameter wie der Durchfluss, die Ausbeute und die
Überströmgeschwindigkeit, sowie die Häufigkeiten
von BW und CEC variiert. Die chemische Reinigung
bestand aus zwei Schritten: im ersten Schritt wurden NaOH und NaOCl verwendet, im zweiten Schritt
HCl oder Zitronensäure. Die Chemikalien wurden im
Kreislauf über die Membranen geführt und nach
dem Einweichen wieder ausgespült. Die chemische
Reinigung der RO (cleaning in place; CIP) wurde manuell mit NaOH als erstem Schritt und HCl als zweitem Schritt durchgeführt.
Das gereinigte Abwasser der kommunalen KA
Kalundborg diente als Speisewasser für die Pilotanlage. Aufgrund des hohen Anteils an Industrieabwässern (50 Prozent) waren die elektrische Leitfähigkeit
mit 2.300-6.200 µS/cm, die Konzentrationen an
TOC mit 14–50 mg/l und CSB mit 40–160 mg/l, Kalzium mit 85–240 mg/l, Hydrogenkarbonat mit 530–
1300 mg/l und Sulfat mit 280–610 mg/l doppelt bis
viermal so hoch wie in typischen kommunalen Abwässern [5]. Die Zulaufqualität ließ vermehrtes Fouling und Scaling auf der RO-Membran und erhöhten Betriebsdruck erwarten, was zu einem höheren
Energieverbrauch und häufigeren Reinigungen und
somit steigenden Betriebskosten und erschwertem
Betrieb führen kann.
Vergleich der Betriebsparameter
In Tabelle 1 sind die bevorzugten Betriebsparameter
aufgeführt, die während des Pilotbetriebs erarbeitet
wurden.
Die höchsten Durchfluss- und Rückgewinnungsraten wurden mit der herkömmlichen UF erreicht. Für ein großtechnisches System ermöglichen
die hohen Flüsse und Ausbeuten eine geringere
Membranfläche und damit eine geringere Anzahl
von Modulen, um die gleiche Menge an aufbereitetem Wasser zu produzieren. Außerdem ist der
geringere Abwasseranfall bei der UF zu beachten
(kaum Konzentratanfall, nur Abwasser aus BW und
CEC). Bei der konventionellen UF waren der transmembrane Druck (transmembrane pressure; TMP)
und der entsprechende Energieverbrauch niedriger
als bei den anderen Membranen, was aufgrund der
höheren MWCO zu erwarten war und einen großen
Vorteil bedeutet. Die berechnete Häufigkeit der CIPs
war bei der Umkehrosmoseanlage mit UF als Vorbehandlung nur geringfügig höher, was keinen großen
Nachteil darstellt.
Alle getesteten Membranen waren für die
Vorbehandlung der RO geeignet. Am besten geeignet für eine großtechnische Anwendung scheint
jedoch die konventionelle UF zu sein, da sie einen
geringeren Energiebedarf und eine höhere Durchfluss- und Ausbeuteeffizienz aufweist. Die erwarte-
6/2024
57
Wasser/Abwasser
Schema der Pilotanlage mit Probenamepunkten, angeschlossen an einen Teilstrom des Klarlaufs.
ten positiven Auswirkungen des Einsatzes dichterer
Membranen wie der u-t UF oder NF konnten im Pilotbetrieb nicht nachgewiesen werden.
Kühlwasserqualität
Die Anforderungen an die Wasserqualität für Kühlwasser wurden anhand von VDI 2047 Bl. 2 und VDI
3803 Bl. 1 und der spanischen Verordnung zur Wasserwiederverwendung [6] definiert. Für Dänemark
gab es dafür weder Verordnungen noch Richtlinien.
Das Permeat beider RO-Anlagen unabhängig von
der Vorbehandlung entsprach der geforderten Qualität für Kühlwasser hinsichtlich der Konzentrationen
von Aluminium, Karbonathärte, Chlorid, Kupfer,
Leitfähigkeit, Eisen, Magnesium, Sulfat, den gesamten gelösten Feststoffen (TDS), Gesamthärte, den
gesamten suspendierten Feststoffen (TSS) und der
Häufigkeit des Auftretens von E. coli sowie Legionella. Hinsichtlich des Kalziums und des pH-Werts
sind höhere Werte erforderlich, was durch eine übliche Nachbehandlung des RO-Permeats angepasst
werden kann. Die Wasserqualität des RO-Permeats
war für alle Parameter niedriger als die des derzeit
genutzten Rohwassers aus dem See Tissø. Das erzeugte Wasser ist für die Wiederverwendung als
(Quellen: Ultimate)
KA: Kläranlage,
UF: Ultrafiltration,
NF: Nanofiltration,
RO: Umkehrosmose
Kühlwasser in der Industrie sehr gut geeignet. Details hierzu sind in [3] und [4] zu finden.
CO2-Fußabdruck
Mittels eines CO2-Fußabdrucks wurden potenzielle
Umweltauswirkungen der verschiedenen Membranverfahren mit dem Ziel der Wiederverwendung als
Kühlwasser analysiert. Die Funktion des untersuchten Systems ist „die Abwasserbehandlung“ einschließlich aller mit dieser Funktion verbundenen
Prozesse. Zur Veranschaulichung des CO2-Fußabdrucks wurden die Auswirkungen pro m³ produziertem Produktwassers im Vergleich zu anderen Wasserressourcen dargestellt. Die Bilanz bezieht sich auf
das gesamte System der Abwasserbehandlung und
die Systemgrenze umfasst das gesamte kommunale Klärwerk einschließlich der neuartigen tertiären
Behandlung (Bild 2). Als alternative Frischwasserressourcen zur Wasserwiederverwendung wurde Frischwasser aus dem See Tissø oder aus einer potenziellen Meerwasserentsalzung berücksichtigt.
Als Wirkungsindikator wird in diesem Artikel
das globale Erwärmungspotenzial (GWP) für einen
Zeithorizont von 100a (IPCC, 2021) berücksichtigt.
Die wesentliche Eingangsgröße ist der Stromver-
Systemgrenzen
des CO2-Fußabdrucks.
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6/2024
Wasser/Abwasser
Treibhauspotenzial
Treibhauspotenzial der verschiedenen Vorbehandlungsmembranen inkl.
Umkehrosmose.
brauch der Membranen. Die Membranbehandlung
des Kläranlagenablaufs benötigt etwa 0,08 kWh/
(m³ Zulauf) für die UF mit 87 Prozent Rückgewinnung, 0,09 kWh/m³ Zulauf für die u-t UF mit 73 Prozent Rückgewinnung und 0,16 kWh/m³ für die NF
mit 71 Prozent Rückgewinnung.
Alle Szenarien wurden mit dem Strommix aus
Ecoinvent 3.9 für Dänemark mit einem Treibhauspotenzial von 0,211 kg CO2-Äq/kWhel berechnet. Frischwasser aus dem See Tissø hatte aufgrund der sehr
einfachen Aufbereitung mit Heben und Belüften
das geringste Treibhauspotenzial (0,04 kg CO2-Äq/
m³) (Bild 3). Entsalztes Meerwasser wies mit 0,57
kg CO2-Äq/m³ das höchste Treibhauspotenzial auf.
Der Hauptbeitrag in Bezug auf die Wasserwiederverwendung ist der Strombedarf der Membranen,
insbesondere für die RO-Membran. Die Szenarien
zur Wasserwiederverwendung lagen mit 0,33-0,40
kg CO2-Äq/m³ zwischen den beiden anderen Frischwasserressourcen, wobei das Szenario mit UF das
bevorzugte Szenario in Bezug auf das Treibhauspotenzial ist.
In Bezug auf die Meerwasserentsalzung ist zu
betonen, dass der Große Belt im Vergleich zum Mittelmeer, der Nordsee oder dem Atlantik einen recht
geringen Salzgehalt aufweist. Folglich war auch der
Strombedarf (1,5–2 kWh/m³ produziertes Wasser),
der sich auf das Treibhauspotenzial auswirkt, für
eine Meerwasserentsalzungsanlage äußerst gering.
Dennoch ist das Treibhausgaspotenzial im Vergleich
zu wiederverwendetem Abwasser immer noch höher, obwohl dieses Abwasser stark von Industrieabwasser beeinflusst ist und daher einen für Abwasser
recht hohen Salzgehalt aufweist.
Fazit
Die Tests zeigten die höchste Ausbeute für die konventionelle UF, mit ihr wird für eine großtechnische
Anlage weniger Membranfläche benötigt. Ebenso
produziert sie im Dead-End-Modus weniger Abwasser, was ein klarer Vorteil ist.
Das Permeat einer dichteren Membran (u-t
UF, NF) könnte schon als Prozesswasser niedrigerer
Qualität verwendet werden, in Bezug auf Trübung,
Organik und Farbe schneidet es besser ab, als das
der konventionellen UF.
Wasserrückgewinnung sowie Meerwasserentsalzung können die Frischwasserentnahme aus
dem See Tissø reduzieren und somit den lokalen
Wasserstress verringern. Die Wasserrückgewinnung
ist mit einem höheren Energiebedarf und einem
höheren CO2-Fußabdruck verbunden, wenn das
zurückgewonnene Wasser Frischwasser aus dem
See Tissø ersetzt, während sie mit einem geringeren Energiebedarf und CO2-Fußabdruck verbunden
ist, wenn das zurückgewonnene Wasser jenes aus
der Meerwasserentsalzung ersetzt. Von allen Vorbehandlungsmembranen hatte die konventionelle UF
den niedrigsten CO2-Fußabdruck und die höchste
Ausbeute und war daher die bevorzugte Option. In
einer großtechnischen Anlage ist die Ausbeute und
damit der Abwasseranfall aufgrund der hydraulischen Begrenzung der Sekundärbehandlung von
großer Bedeutung.
Jeanette Jährig, Dr.-Ing. Anne Kleyböcker, Fabian Kraus, Dr.-Ing. Ulf Miehe
Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
Line Rodenkam-Melchiorsen, Hasse Milter, Preben Thisgaard
Kalundborg Utility A/S
Leo Vredenbregt, Pentair
Literatur:
[1] European Commission (2024): Water scarcity and droughts – preventing and mitigating water
scarcity and droughts in the EU. Online unter https://environment.ec.europa.eu/topics/water/waterscarcity-and-droughts_en, zuletzt abgerufen am 21. Mai 2024.
[2] Ramm, K.; Smol, M. (2023): Water reuse – analysis of the possibility of using reclaimed water
depending on the quality class in the European countries. In: Sustainability 15, 12781.
[3] Naves Arnaldos, A. (2024): Deliverable D1.3 New approaches and best practices for water recycling
in symbiosis cluster 2024. Submitted.
[4] Jährig, J.; Kleyböcker, A.; Kraus, F.; Rodenkam Melchiorsen, L.; Milter, H.; Thisgaard, P.; Vredenbregt,
L.; Miehe, U. (2024): Performance and life cycle assessment of different pre-treatments for reverse
osmosis to enable water reuse. Submitted to Water Sci. Technol.
[5] Henze, M.; Comeau, Y. (2008): Wastewater characterization. Biological Wastewater Treatment.
Principles Modelling and Design. In: IWA Publishing, London (UK).
[6] Royal Decree 1620/2007: Spanish Regulations for Water Reuse – Royal Decree 1620/2007
of 7 December. Spanish Association for Sustainable Water Reuse ASERSA, Universitat Politècnica de
Catalunya, UPC and Consorci de la Costa Brava, CCB.
6/2024
59
Industrie/Management
Mall
Anforderungen erfüllt
Der Lamellenklärer ist für
stark belastetes Niederschlagswasser geeignet,
ergab eine
Untersuchung
des IKT.
(Foto: Mall)
Der Lamellenklärer ViaTub von Mall
kann uneingeschränkt bei Flächen mit
stark belastetem Niederschlagswasser
eingesetzt werden, bestätigte eine im
Februar 2024 durchgeführte Prüfung
des Instituts für Unterirdische Infrastruktur (IKT). Die Prüfung entsprach
dem im Auftrag des Umweltbundesamts aufgestellten Prüfverfahren und
zeigte, dass ViaTub in seiner Reinigungsleistung sogar besser abschneidet als angenommen.
Die IKT-Prüfung war umfassend:
Die Anlagen wurden vor der eigentlichen Prüfung der Rückhalteleistung
mit 50 Prozent einer Jahresfracht
vorbelastet, um reale Bedingungen
zu simulieren. Nach der Ermittlung
der Reinigungsleistung wurde der
Schlammspeicher mit 100 Prozent der
Jahresfracht gefüllt und ein Spülversuch mit der maximalen Regenspende
durchgeführt.
Zusätzlich wurden der Rückhalt
von Mineralölkohlenwasserstoffen geprüft und das Verfahren der „kommunizierenden Teilstromtrennung“ getestet.
Ergebnis: Der Lamellenklärer ViaTub erfüllt alle Anforderungen des DWA-Arbeitsblatts A 102-2, beim Parameter
abfiltrierbare Stoffe mit Korngrößen bis
63 µm liegt er sogar gut 5 Prozent über
den maximalen Anforderungen. Und
so gibt es den Lamellenklärer ViaTub
zur Behandlung von Oberflächenwasser jetzt in drei Ausführungen: ViaTub
I kommt bei der Einleitung in Gewässer
oder Grundwasser zum Einsatz, ViaTub
II bei Flächen der Kategorie II und ViaTub III entsprechend bei Flächen der
Kategorie III nach DWA-A 102-2.
www.mall.info
Trios
Präzise Parameter
Hohe Ansprüche erfüllen:
Wasserüberwachung mit Trios.
(Foto: Trios)
Sensorikanbieter Trios bietet präzise
Messparameter, die auf die hohen Anforderungen der Wasserüberwachung
zugeschnitten sind. Beginnend mit dem
TW Turb und dem TW ph/EC als erste
Module, deckt die TW Master Series
die kritischen Parameter ab, die für die
60
5/2024
Trinkwasserüberwachung unerlässlich
sind, darunter Nitrat, gelöster Sauerstoff, Chlor und microFlu-Parameter
wie Tryptophan, Chlorophyll, Cyanobakterien, cdom und PAH.
Die TW Master Serie kennzeichnet eine modulare Bauweise und er-
möglicht flexible Kombinationen von
Parametern, um unterschiedliche Anwendungsanforderungen zu erfüllen.
In einer Reihe installiert, erleichtern
die Sensoren die gleichzeitige Analyse mehrerer Parameter in nur einer
Bypass-Installation und vereinfachen
so die Überwachungsverfahren.
Darüber hinaus ermöglicht die
Integration des TW PS300 Versorgungs- und Kommunikationsmoduls
eine nahtlose Datenübertragung an
bestehende Systeme. Durch die interne Kalibrierungsspeicherung entfällt
die Notwendigkeit einer Neukalibrierung, wenn der Sensor verlegt wird,
was eine einfache Bedienung erleichtert.
www.trios.de
Industrie/Management
Regenwasserbewirtschaftung in Kommunen
Künstliche Quellen im Untergrund
Mit derartigen Systemlösungen will Fränkische blau-grüne Infrastrukturen auch dort etabliert ermöglichen, wo kein Platz zur Verfügung steht. Zisternen speichern
(Abb. Fränkische)
das Regenwasser, das sich über grüne Infrastrukturen zur Bewässerung und Verdunstung nutzen lässt.
Städteplanerische und -bauliche
Konzepte wie das Schwammstadt-Prinzip zielen mit der
Integration von blau-grüner
Infrastruktur auf eine ausgeglichene Regenwasserbilanz in
urbanen Gebieten ab.
Dichte Bebauung und zunehmende
Flächenversiegelung lassen Städte verstärkt aufheizen und urbane Hitzeinseln entstehen. Gleichzeitig können Starkregenereignisse verheerende
Überschwemmungen auslösen, da die
Kanalisation überlastet ist. Darüber hinaus ist in den hochverdichteten städtischen Bereichen kaum noch Raum für
die natürliche Versickerung und Verdunstung von Regenwasser vorhanden.
Beides ist jedoch notwendig, um der
Bildung von Hitzeinseln und dem daraus resultierenden Starkregen entgegenzuwirken. Daher muss in Zeiten
des Klimawandels der Umgang mit der
kostbaren Ressource Regenwasser neu
gedacht werden.
Ein Ansatz ist das Prinzip der
Schwammstadt, das den natürlichen
Wasserkreislauf in städtischen Umgebungen nachahmt und Wasser dort zurückhält und verbraucht, wo es anfällt.
Statt Regenwasser abzuleiten, kann
es in unterirdischen Rückhalteräumen
zur Nutzung gespeichert und im Zuge
der Bewässerungsaufgabe verdunstet
werden. Alternativ versickert es vor Ort
langsam in den Boden und erhöht so
den Grundwasserspiegel. Zisternen
spielen in der Schwammstadt eine tragende Rolle: Sie machen das gesammelte Regenwasser für Bewässerungszwecke und nichttrinkbare Anwendungen
wiederverwendbar und reduzieren die
ungenutzte Ableitung.
Fränkische nahm sich des Themas
an: „Wir müssen die Missstände der bisherigen Stadtentwicklung ausgleichen
und den natürlichen Wasserkreislauf
wiederherstellen. Der Großteil des Regenwassers sollte verdunsten, etwa ein
Drittel versickern und nur eine geringe
Menge in die Kanalisation fließen“, erklärt Stefan Weiß, Produktmanager im
Geschäftsbereich Drainage Systeme.
„Zisternen sind ein wichtiger Beitrag
für eine blau-grüne Infrastruktur. Sie
speichern das notwendige Wasser in
ausreichender Menge unterirdisch und
können es zur Verfügung stellen.“
Blau-grüne Infrastrukturen sollen
den natürlichen Wasserkreislauf wiederherstellen. Blaue Infrastrukturen,
wie Seen, Teiche und Kanäle, sammeln das Regenwasser für Trockenperioden. Über grüne Infrastrukturen wie
Grünanlagen, Stadtbäume, begrünte
Dächer und Fassaden lässt es sich zur
Bewässerung und Verdunstung nutzen.
Aber ebenso in Wirtschaft, Industrie,
Kommunen und Haushalten ist Regenwasser ein Gut, das die Trinkwasserres-
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Industrie/Management
sourcen entlastet. Mit dem blau-grünen Ansatz gelangt nur noch wenig
Regenwasser als Oberflächenabfluss in
die Kanalisation.
Allerdings: Aufgrund vorhandener Bausubstanzen und Nutzungskonkurrenzen von Oberflächen können in
dicht bebauten Städten weder blaue
noch grüne Infrastrukturen durchgängig angeordnet werden. Deshalb bedarf es kluger technischer Strategien:
Mit seinen Systemlösungen will Fränkische sicherstellen, dass blau-grüne Infrastrukturen auch dort etabliert werden
können, wo kein Platz zur Verfügung
steht.
Beispiele: Der unterirdische RigoCollect Behälter speichert das Regenwasser, der QuadroLift Pumpenschacht
ermöglicht die Nutzung. Grundelement
der gedichteten Anlagen sind die vom
Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt)
zertifizierten Rigolenfüllkörper Rigofill
inspect. Die Zisternen lassen sich vor
Ort montieren oder werden als Werksrigole geliefert. Bei der Installation auf
der Baustelle sind durch die Modularität der Rigolenfüllkörper vielfältige Anlagengrößen und -geometrien möglich.
Die Ausführung als Fertigteilvariante
ist bis ca. 80 m³ Volumen möglich. Die
Vorteile der Werksrigolen liegen zudem
in der wetterunabhängigen Fertigung
in der Produktionsstätte, der Anlieferung per Lkw just in time und dem Einbau innerhalb kürzester Zeit.
Der QuadroLift Systemschacht
mit entnehmbarer Hochleistungspumpe ermöglicht die Nutzung des gespeicherten Regenwassers aus Zisternen,
etwa zur Bewässerung von Gartenanlagen oder Gründächern. Optional mit intelligenter Steuerung versehen, wird die
Zisterne „smart“: Sie ermöglicht eine
zeitgesteuerte, individuelle und effiziente Organisation der Wasserentnahme
bzw. -verteilung im Zuge einer RegenFraenkische.com
wasserbilanzsteuerung.
Invent rührt in Salt Lake City
effizienten Hyperclassic-Rührwerken für die neue biologische
Nährstoffentfernung zu dieser
Vorreiterrolle bei.
Cyberprop für das Rührwerk Evolution7 in einem MBBR-Becken für Nebenstrom-Nährstoffentfernung.
(Foto: Invent)
Bei der Central Valley Water
Reclamation Facility (CVWRF)
in Salt Lake City handelt es sich
um eine Anlage zur Wasseraufbereitung in Utah, USA. Sie spielt
eine entscheidende Rolle bei der
nachhaltigen Bewirtschaftung der
Wasserressourcen in dieser Region. Invent trägt mit der Lieferung
und Installation von 30 energie-
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Die Anlage im Herzen des Central Valley
ist ein Beispiel für das Engagement der
Stadt Salt Lake City für Umweltschutz
und Wassereinsparung. Die Anlage
deckt ein weites Einzugsgebiet ab und
ist ausgestattet mit moderner Technologie für eine effiziente Abwasserbehandlung und -wiederverwendung.
Das aus verschiedenen Quellen eingeleitete Abwasser wird umfassenden Behandlungsverfahren unterzogen. Dabei
wird sichergestellt, dass die vorgegebenen Grenzwerte für Stickstoff und
Phosphor eingehalten werden, bevor es
in die Umwelt zurückgeleitet wird.
In der Anlage wird ein mehrstufiges Behandlungsverfahren eingesetzt,
das mit der Entfernung von Feststoffen
durch Siebung und Sedimentation beginnt. Anschließend wird mit Hilfe biologischer Nährstoffentfernung (BNR)
Gesamtphosphor und Gesamtstickstoff
entfernt, um sicherzustellen, dass das
Abwasser die Grenzwerte des Bundesstaates Utah einhält.
Verfahren der biologischen Nährstoffentfernung sind dafür bekannt,
dass sie über weite Teile des Prozesses
mit geringem Sauerstoffgehalt (anoxisch) oder sogar ganz ohne Sauerstoff
(anaerob) betrieben werden. Hierfür
ist eine effiziente Durchmischung des
Abwassers erforderlich. Um die Energieeffizienz zu maximieren und den
Wartungsaufwand zu minimieren, hat
sich die CVWRF für den Einsatz von Invent-Rührwerken entschieden.
In den anoxen Zonen der neu
gestalteten Belebungsbecken werden
16 Hyperclassic- Rührwerke Evolution7
eingesetzt, um den Belebtschlamm optimal zu durchmischen. Darüber hinaus
werden zwölf Rührwerke zur Durchmischung der anaeroben Becken und
zwei zur Suspendierung des Rücklaufschlammes eingesetzt. Zusätzlich setzt
CVWRF weitere Invent-Rührwerke im
Chlorierungskanal und in der Nährstoffentfernung im Nebenstrom ein.
Bei der Planung empfahlen die
Ingenieure das Rührwerk Evolution7,
um die Mischeffizienz bei geringerem
Energieverbrauch zu optimieren. Das
Rührwerk Evolution7 wird in zahlreichen Großanlagen weltweit eingesetzt,
im Bundesstaat Utah ist die CVWRF
die erste Kläranlage, die diese Technik
nutzt.
invent-uv.de
Industrie/Management
Benchmark für das Polyolefin-Recycling
Die Große macht sich klein
Das Projektteam zeigt sein Werk: Die Intarema 2325 T-VEplus RegrindPro, so der volle Name, ist die Recyclinganlage
(Foto Erema)
für PO-Mahlgut und erreicht einen Durchsatz von über 4 Tonnen pro Stunde.
Premiere bei Erema: Mit der
Intarema 2325 erweitert Erema
als Anbieter von Kunststoffrecyclinganlagen seine Post-Consumer-Baureihe nach oben. Die
Anlage stellt die größte jemals
gebaute Anlage für das Recycling
von Polyolefin-Mahlgut dar.
Der steigende Einsatz von recycelten
Kunststoffen verlangt auch größere
Recyclingmaschinen. Im PET-Recycling
hat die österreichische Firma Erema
mit dem Typ Vaurema bereits mehrere Großprojekte mit gestemmt. Nun
zieht das Unternehmen im Polyolefin-Recycling nach. Mit der neuen Intarema-Baugröße reagiert der Maschinenbauer auf die Anforderungen des
Marktes. „Gesetzliche Rahmenbedingungen und die Selbstverpflichtung
großer Brands führen dazu, dass unsere Kunden in Zukunft eine steigende
Menge an Kunststoffabfällen zu Regranulaten mit kompromisslos hoher Qualität verarbeiten müssen“, stellt Markus
Huber-Lindinger, Managing Director bei
Erema, fest.
Die neue Anlagengeneration
ist die Antwort darauf: eine flexible
Baureihe für unterschiedlichste Eingangsmaterialien. Mit 13 Baugrößen
für Folien- und 9 Baugrößen für Mahlgutanwendungen soll sie ein breites
Spektrum abdecken. Die Baugröße
2325 mit einem Durchmesser der
Preconditioning Unit (PCU) von 2,30
Metern und einer Extruderschnecke
mit 250 Millimetern Durchmesser ermöglicht die Produktion hoher Mengen hochwertigen Regranulats auf
einer einzelnen Maschine. „Mit einer
Durchsatzleistung von über 4.000 Kilogramm pro Stunde beim Einsatz von
PO-Mahlgut setzt die Intarema 2325
neue Maßstäbe in puncto Leistung und
Effizienz“, betont Huber-Lindinger. Nebenbei ergebe sich darüber hinaus eine
kompakte Stellfläche in Relation zur
hohen Durchsatzmenge.
Die Anlage und
ihre Technologie
Das bewährte Grundprinzip des TVEplus
Counter Current Systems liegt in der
Schmelzefiltration noch vor der Extruderentgasung. Damit ließen sich Regranulate in „bestechend hoher Qualität“
realisieren, wodurch die Anteile recy-
celter Kunststoffe im Endprodukt wesentlich höher ausfallen können als bei
Regranulaten geringerer Qualität. „Unsere umfangreichen Testläufe mit rund
500 Tonnen Material haben es gezeigt:
Die Anlage 2325 überzeugt mit hochqualitativem Regranulat bei gleichzeitig
hohen Durchsätzen – und das Ganze
bei einem sehr stabilen Prozess“, freut
sich Sophie Pachner, R&D Managerin
für Verfahrenstechnik.
Wie alle Intarema-Anlagen ist
auch diese mit der patentierten Counter Current Technologie ausgestattet.
Das Kunststoffmaterial bewegt sich
in der Preconditioning Unit gegen die
Laufrichtung der Extruderschnecke,
was einen konstant hohen Ausstoß
über einen breiten Temperaturbereich
sichern soll. Dieses System, in Kombination mit einem hohen Automatisierungsgrad durch die intelligente
Smart-Start-Bedienführung und die
energiesparende Ecosave-Technologie,
mache die Baureihe benutzerfreundlich
und effizient.
Größter jemals
verbauter Laserfilter
„Wir sind überzeugt, dass die 2325 in
der Lage ist, selbst bei anspruchsvollen Prozessparametern eine sehr hohe
Durchsatzleistung zu erzielen“, gibt
sich Huber-Lindinger selbstbewusst.
Viele Spezial- und Großkomponenten
wurden bei diesem Projekt das erste
Mal verbaut und aufeinander abgestimmt, wie etwa 690-Volt-Motoren
und das bisher größte jemals bei Erema gebaute Laserfiltersystem. Der
Laserfilter 2/406 Quattro hat eine Gesamtfilterfläche von 7.800 Quadratzentimetern und trage mit Bauweise und
präziser Filtration zur hohen Stabilität
der Gesamtanlage bei.
www.erema.com
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Industrie/Management
Vorbereitung auf berufliche Veränderungen
Outplacement: Unterstützung
in Zeiten des Wandels
In einer sich schnell verändernden
Arbeitswelt ist es für viele Arbeitnehmer unerlässlich, sich auf
berufliche Veränderungen vorzubereiten. Outplacement bietet
eine strukturierte Unterstützung,
die Unternehmen ihren Mitarbeitern im Rahmen einer Kündigung
oder in Veränderungsprozessen
bereitstellen können. Diese Art
des partnerschaftlichen Umgangs miteinander kann helfen,
Rechtsstreite zu verhindern und
die Arbeitgebermarke positiv zu
stärken.
Outplacement ist ein Prozess, der dazu
dient, Mitarbeitenden im Trennungsfall
und danach eine Orientierung zu bieten. Ziel ist es, den Betroffenen nicht
nur bei der Jobsuche zu unterstützen,
sondern ihnen auch eine umfassende
Analyse ihrer beruflichen Situation zu
ermöglichen und realistische Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Die
Herausforderungen der beruflichen
Neuorientierung werden durch einen
externen Berater begleitet.
Ein effektives Outplacement-Programm bei der HR-Expertgroup umfasst
mehrere entscheidende Schritte:
Analyse der aktuellen
persönlichen Situation
Zu Beginn erfolgt eine eingehende
Analyse des Status Quo, die wichtige
Fristen, notwendige Formalien und relevante Budgets berücksichtigt. Hierbei
werden auch rechtliche Aspekte behandelt. Die Klärung organisatorischer
Fragen, wie den Status der Direktversicherung, die Situation in der Kranken-
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Muss Mitarbeitern gekündigt werden, lohnt
sich auch für Arbeitgeber ein professionelles
Outplacement.
(Foto: Alexei - stock.adobe.com)
versicherung oder die Sicherung der Liquidität ist ebenfalls Teil des Prozesses.
Bundesland, Steuerklasse und Familienstatus.
Erarbeitung der
beruflichen
Möglichkeiten
Vorbereitung auf
die Bewerbung
In diesem Schritt wird gemeinsam mit
dem Kandidaten erörtert, in welchen
Märkten er tätig sein möchte, wie der
Status der Märkte ist und sich vermutlich entwickelt und welche Fähigkeiten
er für diese oder neue Märkte mitbringt. Die Frage nach der räumlichen
Mobilität und der Offenheit für neue
Beschäftigungsformen wird ebenso behandelt.
Persönliche
Liquiditätsplanung
Eine entscheidende Komponente ist
die Erstellung eines persönlichen Liquiditätsplans, um finanzielle Engpässe
während der Arbeitssuche zu vermeiden. Viele Betroffene vergessen, dass
die mögliche Zahlung des Arbeitslosengeld I nur bis zu maximal 60 Prozent
des letzten Nettoverdienstes – begrenzt
durch die Jahresarbeitsverdienstgrenze
greift. Konkret bedeutet das maximal
zwischen 2.000-2.400 € abhängig von
Vor der Vorbereitung auf die Bewerbung steht im Outplacement der
HR-Expertgroup eine Managementdiagnostik, bei der es gilt, die Denk- und
Verhaltensmuster der Kandidatinnen
und Kandidaten kennenzulernen und
diese zu den gewünschten Berufsbildern zu matchen.
Im Anschluss daran erfolgt ein
weiterer wichtiger Aspekt: die individuelle Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. Hierbei kommt es auf die
Optimierung von Lebenslauf und Bewerbungsunterlagen an, sowie auf
die Durchführung von Interview-Coachings.
Outplacement ist nicht nur für
gekündigte Mitarbeiter von Bedeutung, sondern auch für diejenigen, die
über eine berufliche Neuorientierung
nachdenken. Die steigende Zahl an Anfragen in diesem Bereich verdeutlicht,
dass viele Menschen bereit sind, ihre
Karriere aktiv zu gestalten. Gerade die
Zeit um den Jahreswechsel herum lässt
die Zahl der Anfragen zu solchen Überlegungen deutlich steigen.
Thomas Tettinger, HR-Expertgroup
Das beste
Rentier im
Stall
Industrie/Management
Auch im neuen Jahr sind wir Ihr Premium-Partner
für erfolgreiche B2B-Kommunikation. Gemeinsam
finden wir den besten Weg für Ihren Erfolg.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!
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Zu guter Letzt / Impressum
Foto: : TSUNG-LIN WU - stock.adobe.com
In Zeiten wie diesen
In Zeiten wie diesen neigen Menschen
und Medien zu einer fatalistischen Sicht
auf die Dinge: Brücken kaputt, die Bahn
wieder verspätet, Wachstumsprognose
wieder nach unten korrigiert, politisches Chaos in Berlin, Trump wiedergewählt. Gefühlt wird alles schlechter.
Doch für Menschen wie uns, die
sich für Kreislaufwirtschaft begeistern,
gibt es auch gute Nachrichten: So ist
die Circular Material Use Rate in der Europäischen Union im vergangenen Jahr
Circular Economy ist die Medienmarke für
Kreislaufwirtschaft und zirkuläre Wertschöpfung.
Nr. 5/2024, 43. Jahrgang
Internet: www.circulareconomy.de
Ein Titel der dfv Mediengruppe
Verlag: Deutscher Fachverlag GmbH
Postadresse: 60264 Frankfurt am Main
Hausadresse: Mainzer Landstraße 251
60326 Frankfurt am Main
+49 69 7595-01
Geschäftsführung: Peter Esser (Sprecher), Thomas Berner,
Markus Gotta
Aufsichtsrat: Andreas Lorch, Catrin Lorch,
Dr. Edith Baumann-Lorch, Peter Ruß
Verlagsleitung: Larissa Weightman, +49 69 7595-3125,
larissa.weightman@dfv.de
Redaktion: (V.i.S.d.P.)
Pascal Hugo, red. Leitung +49 7273-9491490;
Bernd Waßmann (Red.) +49 7032-7847381
Redaktionsmail: pascal.hugo@dfv.de
Leitung Produktion: Hans Dreier +49 69 7595-2463
Leitung Logistik: Ilja Sauer +49 69 7595-2201
Layout: Uta Struhalla-Kautz, SK-Grafik
www.sk-grafik.de
Anzeigenpreisliste: Mediadaten 2024
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auf 11,8 Prozent gestiegen. Das ist im
Vergleich zum Jahr 2022 zwar nur ein
leichter Anstieg von 0,3 Prozent, aber
immerhin. Langsam ernährt sich das
Eichhörnchen.
Der Indikator, der auch als Circularity Rate bekannt ist, misst den
Anteil von recycelten Materialien an
der gesamten Materialnutzung in den
Mitgliedstaaten. Er ist eine Art Kreislaufquote, der anders als die Recyclingquote die tatsächliche Zirkularität misst.
Gesamtleitung Anzeigen:
Heidrun Dangl +49 69 7595-2563
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Jahresbezugspreis Europa: 209,00 Euro (inkl. Vertriebsgebühren, zzgl. gesetzlicher MwSt.)
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Die Rechnungslegung erfolgt jährlich. Die Abonnementgebühren sind im Voraus zahlbar. Anfangslaufzeit: 1 Jahr. Verlängerung um je ein weiteres Jahr bei Kündigungsfrist von 3 Monaten zum aktuellen Laufzeitende; Verbraucher abweichend:
Unbefristete Verlängerung bei Kündbarkeit mit Monatsfrist.
Bankverbindungen:
Frankfurter Sparkasse Frankfurt am Main
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Druck: Silber Druck GmbH & Co.KG
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Druckverfahren: Bogenoffset
Nutzungsrechte: Näheres hierzu unter
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Pressespiegel erhalten Sie die erforderlichen Rechte von der
PMG Presse-Monitor GmbH & Co. KG unter
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Für unverlangt eingesandte Beiträge wird keine Gewähr
übernommen. Beiträge, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet sind, stellen nicht in jedem Fall die Meinung der
Redaktion dar. Mit der Annahme zur Veröffentlichung überträgt
der Autor dem Verlag das ausschließliche Verlagsrecht für die
Die Erhebung zeigt signifikante
Unterschiede zwischen den einzelnen
EU-Ländern. Die höchsten Quoten wurden demnach in den Niederlanden mit
30,6 Prozent festgestellt, gefolgt von
Italien (20,8 Prozent) und Malta (19,8
Prozent). Im Gegensatz dazu liegen die
niedrigsten Werte in Rumänien (1,3
Prozent), Irland (2,3 Prozent) und Finnland (2,4 Prozent).
Laut dem Aktionsplan für die
Kreislaufwirtschaft aus dem Jahr 2020
plant die EU, die Einsatzquote von
Kreislaufmaterialien bis 2030 auf 23,2
Prozent zu verdoppeln. Soll das Ziel
erreicht werden, muss die EU einen
Zahn zulegen: Denn würde die Circularity Rate jährlich linear um 0,3 Prozentpunkte ansteigen, würden wir das
Ziel des Aktionsplans erst im Jahr 2061
erreichen. Also doch wieder schlechte
Nachrichten. So ist das, in Zeiten wie
diesen.
Pascal Hugo
Zeit bis zum Ablauf des Urheberrechts. Diese Rechteübertragung bezieht sich insbesondere auf das Recht des Verlages, das
Werk zu gewerblichen Zwecken per Kopie (Mikrofilm, Fotokopie, CD-Rom oder andere Verfahren) zu vervielfältigen und/
oder in elektronische oder andere Datenbanken aufzunehmen.
Im Deutschen Fachverlag erscheinen außerdem folgende
Technische Fachmedien: wwt wasserwirtschaft wassertechnik, packAKTUELL, packREPORT, C2 Magazine, OPE journal,
Man-Made Fibers International, Technische Textilien/Technical
Textiles, MELLIAND, Wochenblatt für Papierfabrikation
Wir verwenden das generische Maskulinum für eine bessere
Lesbarkeit unserer Texte. Aus dem gleichen Grund schreiben
wir Unternehmensnamen nach unseren redaktionellen Vorgaben und verzichten auf werbliche Typografie.
Wir setzen im Inhalt ein nachhaltiges 100% Recyclingpapier ein, das mit dem Label des Blauen Umweltengel
ausgezeichnet ist
ISSN 2943-3886
Beilagenhinweis
Dieser Ausgabe liegen folgende Prospekte bei:
Umweltinstitut Offenbach GmbH, Offenbach
Verlag TK Berliner Konferenz Abfallwirtschaft & Energie
Wir empfehlen diese Beilagen Ihrer besonderen
Aufmerksamkeit.
www.umweltwirtschaft.com
Editorial
ALTHOLZ
A
LTHOLZ QUALIFIZIERT
QUALIFIZIERT ERKENNEN,
ERKENNEN,
SORTIEREN U
SORTIEREN
UND
ND B
BEPROBEN
EPROBEN
UPDATE
U
PDATE 2024.
2024. Eintägiger
Eintägiger Kombi-Lehrgang
Kombi-Lehrgang zur
zur Sachkunde
Sachkunde für
für die
die Zuordnung
Zuordnung von
von Altholz
Altholz nach
nach §
5 und
und d
der
er F
Fachkunde
achkunde zur
zur Durchführung
Durchführung der
der Probenahme
Probenahme nach
nach § 6 Abs.
Abs. 3 sowie
sowie zur
zur Kontrolle
Kontrolle von
von
Altholz zur
Altholz
zur energetischen
energetischen Verwertung
Verwertung nach
nach § 7 der
der Altholzverordnung
Altholzverordnung
Die neue Altholzverordnung verlangt die dokumentierte Einarbeitung und Qualifizierung der Mitarbeiter. Die Anforderungen hierzu werden durch die Verordnung selbst standardisiert.
Die eintägige Schulung vermittelt hierzu die in § 5
der Altholzverordnung geforderte Sachkunde.
Die im Rahmen der Schulung besprochenen
Inhalte basieren auf der Altholzverordnung sowie
praktischen Erfahrungen und sind das Ergebnis der
guten Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium.
Vierteljährlich hat der Betreiber die Prüfung und die
Untersuchung einer Charge durch eine von der
Behörde bekanntgegebenen Stelle durchführen zu
lassen. Dieser Stelle sind die Aufzeichnungen und
Ergebnisse der Eigenüberwachung vorzulegen.
§ 6 Anh. IV schreibt vor, dass die Probenahme zur
Eigenüberwachung von Personen durchzuführen
ist, die über die hierzu erforderliche Fachkunde verfügen.
Zielgruppe
Der im Lehrgang verwendete „Leitfaden“ ist inzwischen zum Standardwerk geworden und wird öffentlich anerkannt und empfohlen.
Die neue Altholzverordnung verlangt weiterhin,
dass der Betreiber einer Altholzbehandlungsanlage
eine Eigenüberwachung durchzuführen hat und
eine regelmäßige Fremdüberwachung sicherstellen
muss.
Angesprochen sind: Betreiber, Leitungs- und Aufsichtsper-sonal sowie Mitarbeiter von Annahmestellen und Verwertungsanlagen, Mitarbeiter von Entsorgungsfachbetrieben, Abfallbeauftragte, Mitarbeiter von Behörden, Ingenieur- und Beratungsbüros.
Der Anlagenbetreiber hat die erzeugten
Holzhackschnitzel und -späne zu beproben. Die Entnahme, die Untersuchung, die Dokumentation und
die Aufbewahrung der Proben erfolgen nach den in
§ 6 Anh. IV der Altholzverordnung beschriebenen
Verfahren.
Anwendung und Umsetzung von Leitlinien, qualitätsgesicherte Aufbereitung und Verwertung
Eigen- und Fremdüberwachung in den verschiedenen Bereichen
Fremd- und Schadstoffe in Althölzern und Auswirkungen auf die Entsorgungswege
Schnellerkennungsmethoden für Holzkontaminatio-
nen, Grenzwerte und deren Handhabung
Kriterien für die Einstufung und Zuordnung (Überwachungsbedürftigkeit, Ampelliste)
Arbeits-, Gewässer- und Brandschutz beim Umgang
mit Althölzern
Qualitätssicherungsmaßnahmen / Praxisbeispiele
Kontrolle von Altholz zur energetischen Verwertung
(§7 und Anhang V der Altholzverordnung)
Referent
Dipl.-Wirt.-Ing. Uwe Groll, ZUUM Gesellschaft für
Technische Überwachung und Zertifizierung mbH,
ehem. Vorsitzender des Bundesverbandes der Altholzaufbereiter und -verwerter, BAV e. V., Berlin
Unterrichtszeiten
09:30 - 17:00 Uhr
Eine Mittags- und zwei Kaffeepausen
Inhalte
Seminargebühren
495,00 € zzgl. MwSt.
ANMELDUNG per Email an mail@umweltinstitut.de, per FAX (069) 82 34 93 oder über unsere Webseite: www.umweltinstitut.de/007
Name
Firma
Offenbach:
Online:
q 15.04.2025 q 23.10.2025
q 12.12.2024 q 27.02.2025
q 12.06.2025 q 28.08.2025
q 19.12.2025
Straße
PLZ/Ort
Telefon
E-Mail
Unterschrift/Datum
Nach Anmeldung erhalten Sie eine
Bestätigung und eine Rechnung. In
der Gebühr enthalten sind ausführliche Seminarunterlagen, Getränke
und Pausensnacks für Präsenzseminare sowie gegebenenfalls digitale
Freiabonnements (wenn Sie Zustimmen) zu thematisch passenden
Fachzeitschriften.
Umweltinstitut
Offenbach GmbH
Aliceplatz 11
63065 Offenbach a.M.
Es gelten unsere Allgemeinen
Geschäftsbedingungen
(www.umweltinstitut.de/AGBs)
und unsere Datenschutzverordnung (www.umweltinstitut.de/GDPR). 21.10.2024
Tel: 069 - 810679
Fax: 069 - 823493
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