ISBN: 3-7708-1123-2

Текст
                    QUELLEN UND STUDIEN

ZUR GESCHICHTE

DES DEUTSCHEN ORDENS

BAND 56

Veröffentlichungen der

INTERNATIONALEN HISTORISCHEN KOMMISSION
ZUR ERFORSCHUNG DES DEUTSCHEN ORDENS

BAND 9

herausgegeben von

Prof. Dr. Udo Arnold

KLAUS MILITZER VON AKKON ZUR MARIENBURG Verfassung, Verwaltung und Sozialstruktur des Deutschen Ordens 1190-1309
Verantwortlicher Vorstand: Prof. Dr. Udo Arnold Prof. Dr. Marian Biskup Dr. Guido De Dijn P. Dr. Bernhard Demel OT Winfried Längle Prof. Dr. Zenon Hubert Nowak Die Vignette zeigt einen Ausschnitt aus dem Plan der Stadt Akkon vor 1291 von Paulinus Minorita, Anfang 14. Jh. Oben Tor und Turm St. Nikolai, wo der Orden zwischen den beiden Mauerzügen 1191 sein Hospital errichtete. Gedruckt mit Unterstützung der Wissenschaftlichen Vereinigung für den Deutschen Orden e.V Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme MHitz er, Klaus: Von Akkon zur Marienburg : Verfassung, Verwaltung und Sozialstruktur des Deutschen Ordens 1190-1309 / Klaus Militzer. - Marburg : Eiwert, 1999 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens ; Bd. 56) (Veröffentlichungen der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens ; Bd. 9) ISBN 3-7708-1123-2 © by N. G. Eiwert Verlag Marburg 1999 Printed in Germany Herstellung: Karlheinz Stahringer, Ebsdorfergrund
* INHALTSVERZEICHNIS Vorwort IX Einführung 1 1. Vom Feldspital zum Ritterorden 1190-1198 7 2. Der Ritterorden vor Hermann von Salza 1198-1209 24 3. Hermann von Salza und seine Nachfolger bis zum Fall Akkons 1209-1291 30 4. Die Regel 47 5. Die Mitglieder des Deutschen Ordens 53 5.1.1 Die Ritterbrüder 53 5.1.2 Aufnahme und Ausbildungsstand 55 5.2 Die Priesterbrüder 65 5.3 Die Graumäntler 68 5.4 Die Halbbrüder 70 5.5 Die Familiären und Pfründner 73 5.6 Die Halbschwestern 75 6. Das Leben im Konvent 79 6.1 Der Alltag im Deutschen Orden 79 6.2 Buß- und Strafverfahren im Deutschen Orden 88 7. Zum Selbstverständnis des Deutschen Ordens 96
8. Verwaltung und Verwaltungsaufbau 110 8.1 Der Verwaltungsaufbau in den beiden älteren Ritterorden 110 8.2 Der Verwaltungsaufbau im Deutschen Orden 115 8.2.1 Die Verwaltung des Haupthauses 115 8.2.2 Das Hochmeisteramt und die Hochmeisterwahl 136 8.2.3 Das Visitationsrecht des Hochmeisters 144 8.2.4 Der Hochmeister und sein Haupthaus 147 8.3 Ämterentwicklung und Güterverwaltung außerhalb des Haupthauses in Palästina und im Orient 166 8.4 Ämterentwicklung und Güterverwaltung in den Balleien am Mittelmeer 172 8.4.1 Ballei Apulien 172 8.4.2 Ballei Sizilien 174 8.4.3 Ballei Morea (Griechenland) 177 8.4.4 Ballei Lombardei 178 8.4.5 Ballei Spanien 180 8.4.6 Besitzkonzentrationen in Mittelitalien (Rom und der Prokurator) 183 8.4.7 Ballei Toskana 188 8.4.8 Besitzkonzentration in Südfrankreich 189 8.4.9 Ballei Frankreich 191 8.5 Die Güterverwaltung in den Balleien des Deutschen Reiches 193 8.5.1 Die Anfänge. Erste Kommendengründungen 193 8.5.2 Die Kommende als Verwaltungs- und Wirtschaftseinheit 196 8.5.3 Die Landkomture 207 8.6 Die Anfänge des Deutschmeisteramts und der magister citra mare 213 8.7 Die Balleien im Deutschen Reich 223 8.7.1 Die Partes Inferiores und die Balleien Biesen und Utrecht 223 8.7.2 Die Ballei Böhmen-Mähren 239 8.7.3 Die Ballei Elsaß-Burgund 251 8.7.4 Die Ballei Österreich 261 8.7.5 Die Ballei Thüringen-Sachsen und deren Teilung in die Balleien Thüringen und Sachsen 267 8.7.6 Die Ballei Lothringen 280 8.7.7 Die Ballei Koblenz 285 8.7.8 Die Ballei Marburg 291 8.7.9 Die Ballei Bozen und im Gebirge 299 8.7.10 Die Ballei Westfalen 302 8.7.11 Die Ballei Franken und das Deutschmeistertum 307 8.7.12 Kommenden unter dem Landmeister von Livland 332
9. Einsatz des Deutschen Ordens an den Grenzen der abendländischen Christenheit 9.1 Siebenbürgen 9.2 Preußen । 9.3 Livland 10. Die Brüder - Herkunft und Karrieren 10.1 Probleme einer Sozialgeschichte des Deutschen Ordens 10.2 Die Ritterbrüder in Palästina 10.3 Die Ritterbrüder im Haupthaus in Venedig 1291-1309 10.4 Die Ritterbrüder in den Balleien am Mittelmeer 10.5 Die Ritterbrüder in den Balleien des Deutschen Reichs 10.6 Die Ritterbrüder in Preußen 10.7 Die Ritterbrüder in Livland 10.8 Die Herkunft der Hochmeister, Deutschmeister, Landmeister von Preußen und Livland und der Großgebietiger 10.9 Amterlaufbahnen und Karrieremuster 10.10 Rekrutierung und Rekrutierungsmethoden 10.11 Die Priesterbrüder im Deutschen Orden 11. Der Deutsche Orden in der Phase des Aufbaus und der Konsolidierung - Ergebnisse Quellen- und Literaturverzeichnis Abkürzungsverzeichnis Orts- und Personenverzeichnis 334 334 336 362 387 387 394 397 400 407 424 436 441 449 458 465 469 478 512 513
VORWORT Die geplanten Studien zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Sozialgeschichte des Deutschen Ordens sollen die Zeit von den Anfängen vor Akkon 1190 bis zum Ende des Mittelalters, der Umwandlung Preußens in ein weltliches Herzogtum und bald darauf der Auflösung der selbständigen livländischen Staatenwelt umfassen. Der Orden als eigenständige Korporation bildet das Thema. Das gilt für die Darstellung der Verwaltung und des Verwaltungsaufbaus im Orient, in den Balleien am Mittel- meer und im Deutschen Reich. Im Mittelpunkt der Betrachtung zum Verwaltungs- aufbau in Preußen und Livland stehen daher nicht die Organisations- und Herr- schaftsformen zur Erfassung und herrschaftlichen Durchdringung des Landes (Schulzen, Witinge, Adel, Stände, Städte usw.), sondern der Orden mit seinen Kom- tureien und dem Amteraufbau in den Häusern selbst. Eine scharfe Trennung zwi- schen Landesherrschaft und Korporation ist freilich nicht möglich und wäre künst- lich und unfruchtbar für jede weitere Erkenntnis. Aber der Akzent der Betrachtung liegt auf der Korporation und deren Gliederungen auch in Preußen und Livland. Für eine Beurteilung der Eigenarten der Verwaltung ist der Vergleich mit anderen Ritterorden, vor allem den Templern und Johannitern, und zwischen den einzelnen Zweigen des Deutschen Ordens selbst wichtig und erkenntnisfördernd. Es gilt also Analogien und Unterschiede der Verwaltungen im Orient, den Balleien, Preußen und Livland, aber auch gegenüber anderen Ritterorden herauszuarbeiten und deren Ursachen und Gründe zu erforschen. Dabei war das Vorbild der beiden älteren Rit- terorden vor allem in der Frühzeit von ausschlaggebender Bedeutung. Später traten die Analogien zu Templern und auch zu den Johannitern stärker in den Hinter- grund. Der Deutsche Orden hatte seine ihm eigentümliche Organisationsstruktur gefunden und konnte sie den neuen Umständen und Herausforderungen entspre- chend anpassen. Die Verwaltung wurde von Ordensbrüdern aufgebaut und hätte ohne sie nicht existieren können. Diese an sich banale Feststellung hatte aber weitreichende Fol- gen. Denn die Männer, die in den Orden eintraten, brachten ihre Grundüberzeu- gungen mit, waren der Vorstellungswelt ihrer Standesgenossen und ihrer Her-
kunftsregionen verhaftet. Es ist daher von großer Bedeutung, die sozialgeschicht- liche Fragestellung als Ergänzung zur Verwaltungsgeschichte hinzuzuziehen. In er- ster Linie geht es darum, die soziale und regionale Herkunft der Brüder zu ermit- teln. Dabei ist zu berücksichtigen, daß im Orden nicht nur Ritterbrüder, sondern auch Priesterbrüder, Graumäntler und andere vertreten waren. Deren Rolle und Be- deutung für den Orden und sein Selbstverständnis gilt es heranzuziehen. Fraglich ist ferner, ob in allen Einsatzgebieten (Orient, Preußen und Livland) Brüder aus denselben Herkunftsregionen eingesetzt waren oder ob sich nicht bestimmte Re- gionen einzelnen Einsatzgebieten zuordnen lassen und ob im Laufe der Zeit Ände- rungen eingetreten sind. Während des Mittelalters blieb der Orden kein in sich geschlossener Block, son- dern unterlag wie alle Institutionen einem Wandel, der mit Friktionen verbunden war. Dieser Wandel ist mit seinen mutmaßlichen Ursachen und Folgen darzustellen, besonders in seinen Auswirkungen auf die Verwaltung und die Sozialstruktur in der Korporation selbst. Das geplante Werk wird in drei größere Teile zerfallen. Der erste wird sich mit den Anfängen und dem Aufbau bis zur Übersiedlung des Haupthauses zur Marien- burg in Preußen 1309 beschäftigen. Mit der Verlagerung des Haupthauses in die Marienburg war die Aufbauphase im wesentlichen abgeschlossen. Der Orden hatte die ihm gemäße Organisationsform gefunden und das Baltikum zu seinem Haupt- einsatzgebiet erkoren. An die Anfangsperiode schloß sich eine Phase der Konsoli- dierung und der Blüte an, die bis zur Schlacht bei Tannenberg 1410 zu datieren ist. Ihr folgte alsbald die Krise, die schließlich wenn auch nicht zwangsläufig zum Ende der Rolle des Ordens im Baltikum führte. Der Weg zum Ende war keineswegs ge- radlinig, sondern wurde von mehreren Konsolidierungsversuchen unterbrochen. Dennoch zeigt die Krisenzeit deutliche Veränderungen in der Verwaltung und im Sozialgefüge der Korporation, die einander bedangen und auf einander bezogen waren. Udo Arnold hat mir die bislang ungedruckte Greifswalder Dissertation von Marc Löwener aus dem Jahr 1995 mit dem Titel „Die Einrichtung von Verwaltungsstruk- turen in Preußen durch den Deutschen Orden bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts“ zugänglich gemacht. Eine Einarbeitung, Auseinandersetzung oder gar Übernahme der anregenden Thesen der Dissertation war jedoch nicht möglich, da Löwener zu stellenweise abweichenden, anderen Ergebnissen gekommen ist, als ich sie im vor- liegenden Band vertreten und ausgebreitet habe. Nach Abwägung aller Gründe ha- be ich keine Veranlassung gesehen, meine Darstellung zu ändern. Eine eingehende Auseinandersetzung mit den Thesen Löweners wird an einem anderen geeigneteren Ort zu führen sein, wenn die Dissertation gedruckt und allgemein zugänglich vor- liegen wird. Der vorliegende erste Teil des geplanten Werks hätte ohne den Rat und die Kritik vieler Forscher nicht geschrieben und veröffentlicht werden können. So mancher
Mitstreiter hat mir seine Forschungsergebnisse mündlich erläutert oder mir in Form von Sonderdrucken zugänglich gemacht. Ihnen allen sei gedankt. Insbesondere je- doch gilt Udo Arnold, dem Herausgeber der Reihe „Quellen und Studien zur Ge- schichte des Deutschen Ordens“, in der der erste Band erscheint, mein Dank. Er hat sich der mühevollen Aufgabe des Korrekturlesens unterzogen und manchen Fehler ausgemerzt. Die Fehler, die trotz allem stehen geblieben sind, habe ich selbst zu verantworten. Zu danken habe ich der Wissenschaftlichen Vereinigung für den Deutschen Orden e.V. für die Gewährung eines Druckkostenzuschusses, ohne den der Band nicht hätte erscheinen können. Die bewährte Zusammenarbeit mit der Firma Stahringer hat das Werk zügig und in gewohnt ansprechender Form fertig werden lassen. Die Geschichte des Deutschen Ordens hat mich lange Jahre beschäftigt und im- mer aufs neue fasziniert. Denn sie bietet viele Ansatzpunkte der Betrachtung und gewährt immer wieder neue Einblicke und Erkenntnisse. Das gilt auch für die Ver- waltung und die Verfassung der Korporation. Wenn manch einer das Sujet als lang- weilig oder wenig aufregend betrachtet und lieber beiseite lassen möchte, hoffe ich doch, ihn mit meinem Beitrag wenigstens hin und wieder eines Besseren belehren und sein Interesse auf diese Seite des Ordens lenken zu können. Sollte mir das we- nigstens teilweise gelungen sein, hat sich die Arbeit an dem ersten Band eines ge- planten umfangreicheren Gesamtwerks bereits gelohnt. Köln, am 24. September 1998 Klaus Militzer
* EINFÜHRUNG Die Ritterorden und ihre Erforschung stehen wieder im Mittelpunkt des histori- schen Interesses. In der deutschen Geschichtsforschung behauptet naturgemäß der Deutsche Orden den ersten Rang vor den Johannitern und Templern, die zeitweise wohl zu Unrecht vernachlässigt worden sind. Demgegenüber hat sich die westeuro- päische außerdeutsche Forschung vor allem den beiden älteren Ritterorden, den Templern und den Johannitern, aber auch den spanischen Ritterorden gewidmet und sich weniger um den jüngeren Deutschen Orden gekümmert. Während engli- sche und amerikanische Forscher immerhin auf Aspekte der Geschichte des Deut- schen Ordens eingegangen sind und ihr Augenmerk vor allem auf das Wirken des Ordens im Baltikum gerichtet haben1, hat sich die französischsprachige Forschung der Geschichte des Deutschen Ordens nicht angenommen, wenn man von einzel- nen Aufsätzen zu Kommenden in der Ballei Frankreich absieht, die das Interesse der Lokalforschung auf sich gezogen hat2. Analoges gilt für die italienisch- und spa- nischsprachige Forschung. Spanische Historiker haben sich auf die auf der iberi- schen Halbinsel tätigen Ritterorden konzentriert und dem Deutschen Orden bei wenigen Ausnahmen lange Zeit keine Aufmerksamkeit geschenkt3. Die Lage hat sich mittlerweile etwas geändert. Denn Luis Garcfa-Guijarro Ramos ist in seinem Werk über das Papsttum, die Kreuzzüge und die Ritterorden im 11.-13. Jahrhundert auch auf den Deutschen Orden eingegangen, hat sich aber über die Ballei Spanien nicht geäußert4. Inzwischen hat sich auch die landeskundliche Forschung der Nie- derlande und Belgiens für das Thema interessiert und die Geschichte einiger der in beiden Staaten liegenden ehemaligen Ordenskommenden dargestellt. Die Nieder- 1 Vgl. die beiden Bücher von Urban und das Werk von Christiansen; auch: Forey, Orders, und seine anderen Arbeiten; dazu: Burleigh und andere. 2 Vgl. Paravicini, Preußenreisen, S. 88. 3 Auf dem Congreso Internacional Hispano-Portugues sobre „Las Ördenes Militares en la Peninsula durante la Edad Media“, gedruckt in: Anuario de Estudios Medievales 11, Barcelona 1981, fehlt je- der Hinweis auf den Deutschen Orden, allerdings auch ein Beitrag zum Johanniterorden. 4 Garcfa-Guijarro Ramos, Papado, S. 199ff., 226ff.
länder konnten sich auf die reichhaltige Überlieferung des Archivs der Ballei Ut- recht stützen5, dessen langjähriger Leiter selbst eine Übersicht über die Geschichte der Ballei geschrieben hat6. Da der Orden in den Niederlanden bestehen blieb - wenn auch als protestantischer reformierter Zweig - und auch heute noch existiert, mö- gen von ihm Impulse zur Erforschung der eigenen Geschichte ausgegangen sein. In Belgien ist ein Historisch Studiecentrum Alden Biesen eingerichtet worden, das die Erforschung des Deutschen Ordens in der ehemaligen Ballei Biesen vorantreiben soll7. In beiden Nachbarländern Deutschlands hat also die Beschäftigung mit dem Deutschen Orden zugenommen. Das Interesse an der Korporation ist gewachsen. Schon heute haben Gelehrte beider Länder wichtige Beiträge geliefert und sind auf Konferenzen als geschätzte Gesprächspartner vertreten. Seit jeher war und ist die Lage in Polen anders. Dort haben sich Mediävisten schon frühzeitig mit der Geschichte des Deutschen Ordens befaßt, eben weil dessen Geschichte eng mit der des polnischen Volks verbunden war und Polen auch heute noch einen Teil seiner Identität aus der langen Zeit der Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Orden und besonders der gewonnenen Schlacht bei Tannenberg 1410 bezieht8. Einen solchen Rang hat die Ordensgeschichte in Deutschland nicht gehabt, und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg weder in West-, noch gar in Ostdeutschland, wo die Beschäftigung mit dem Deutschen Orden unerwünscht war, einnehmen können. In Westdeutschland war die Geschichte des Deutschen Ordens und Preußens vorwiegend ein Forschungsgegenstand derjenigen Historiker, die aus dem Osten gekommen waren. Sie fanden sich in mehreren Kommissionen zusammen, ohne jedoch eine breitere Wirkung zu erzielen. Ein Wandel bahnte sich erst an, als der Deutsche Orden selbst eine eigene Reihe, die „Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens“, ins Leben rief und durch sie Publikations- möglichkeiten für Forschungen zum gesamten Spektrum der Ordensgeschichte, al- so auch seiner Geschichte in Palästina, in den Balleien im Deutschen Reich und am Mittelmeer eröffnete. Erst dadurch rückte, auch aufgerüttelt durch die nicht immer sorgfältig begründeten Thesen H. H. Hofmanns9, der Orden in seiner Gesamtheit in den Blickpunkt des Interesses10. 5 Vgl. Inventaris van het Archief. 6 Vey Mestdagh, De Utrechtse Balije. 7 Der erste Band der Publikationsreihe des Historisch Studiecentrum ist unter dem Titel „Bijdragen tot de Geschiedenis van de Duitse Orde in de Balije Biesen“ 1994 erschienen. Ein zweiter und drit- ter Band folgten 1995, ein vierter 1997, ein fünfter 1998. Zur Geschichte des Studiecentrums: vgl. in Bd. 2, S.9ff. 8 Vgl. Wippermann, S.337ff. 9 Staat des Deutschmeisters. 10 Eine Darstellung der Geschichte des Deutschen Ordens insgesamt gilt nach wie vor als ein Deside- rat der Forschung: vgl. beispielsweise Matison, Lehnsexemtion, S. 194.
In Polen hat die Forschung seit den deutsch-polnischen Schulbuchgesprächen 1974 in Thorn zu einer Entkrampfung in der Behandlung des Themas geführt, das nun zumindest in der wissenschaftlichen Forschung sachlich diskutiert wird11. Dazu haben die seit 1981 regelmäßig in Thorn von Zenon Hubert ^4owak organisierten Konferenzen „Ordines militares“ und die seit der Gründung der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens 1985 im ergän- zenden Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Tagungen beigetragen, zumal an bei- den Konferenzserien stets deutsche und polnische Wissenschaftler neben Forschern anderer Nationen teilgenommen haben. Zeugnisse für den Wandel in der Betrach- tungsweise und Behandlung des Themas auf deutscher und polnischer Seite können die Darstellungen von Karol Görski12, Marian Biskup und Gerard Labuda13, sowie die beiden Bücher von Hartmut Boockmann14 sein. Die umfassenderen Darstellungen deutscher und polnischer Historiker konzen- trieren sich im allgemeinen auf den Deutschen Orden im Baltikum und dort beson- ders auf Preußen und vernachlässigen meist die Ordenszweige im Deutschen Reich, die mittelmeerischen Balleien und die Aktivitäten in Palästina, wenngleich niemals übergangen wird, daß der Orden im Laufe eines Kreuzzugs vor Akkon entstanden sei15. Weniger häufig ist der Orden Gegenstand der Forschungen lettischer und esti- scher Historiker. Die Geschichte des livländischen Ordenszweigs wird fast aus- schließlich von deutschen Wissenschaftlern geschrieben16. Der bislang einzige Versuch, den Orden als Ganzes in den Blick zu bekommen, stammt von einem Ordensmitglied selbst, dem ehemaligen Hochmeister Marian Turnier17. Zu nennen ist auch ein schmaler Band von Udo Arnold und Marian 11 Vgl. Udo Arnold, Deutschordensgeschichte und deutsch-polnische Schulbuchgespräche, in: Von Akkon bis Wien, Studien zur Deutschordensgeschichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Festschrift zum 90. Geburtstag von Althochmeister P. Dr. Marian Turnier am 21. Oktober 1977, hrsg. von Udo Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 20), Marburg 1978, S. 344- 353; vgl. auch ebd., den Anhang, S. 354 ff. 12 L’Ordine Teutonico. Alle Origini dello Stato Prussiano, Torino 1971, und auf polnisch: Zakon Krzyzacki a powstanie panstwa pruskiego, Wroclaw 1977. Dazu die ausführliche Stellungnahme Udo Arnolds in: Zeitschrift für Ostforschung 24 (1975), S. 155-164 und auf italienisch in: Römische Historische Mitteilungen 16 (1974), S. 191-204. 13 Dzieje, passim. Dazu die Renzension von Udo Arnold in: Nordost-Archiv NF 1 (1992), S.208- 215. 14 Der Deutsche Orden, München 1981, bereits in verschiedenen weiteren Auflagen, und Ostpreußen und Westpreußen (Deutsche Geschichte im Osten Europas), Berlin 1992. 15 Eine Ausnahme ist: Forstreuter, Mittelmeer, passim. 16 Vgl. besonders die Arbeiten von Hellmann und Angermann. Neuderdings hat Heinz von zur Mühlen, Livland von der Christianisierung bis zum Ende seiner Selbständigkeit (etwa 1180— 1561), in: Gert von Pistohlkors, Deutsche Geschichte im Osten Europas. Baltische Länder, Ber- lin 1994, S. 25-172, eine Darstellung der Geschichte des mittelalterlichen Livlands geliefert, in der ältere Literatur verarbeitet ist. 17 Der deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken.
Turnier18, die in geraffter Kürze das Wesentliche bringen, aber wegen der be- schränkten Seitenzahl viele Wünsche offen lassen müssen, so daß das Buch letztlich denjenigen nicht zu befriedigen vermag, der genauere Informationen wünscht. Inzwischen haben englische und amerikanische Historiker den Deutschen Orden im Baltikum entdeckt und vielseitig beachtete Bücher veröffentlicht19. Wenn manche Rezensenten auch an einzelnen Thesen etwas zu bemängeln hatten, so wurden die Darstellungen in englischer Sprache begrüßt. Sie haben auch zu einer Entkramp- fung und Versachlichung beigetragen. Englische Autoren haben durch eine verglei- chende Schau der Ritterorden, vor allem der drei größeren, der Templer, der Johan- niter und des Deutschen Ordens, neben Hinweisen auf spanische Ritterorden, den Blickwinkel erweitert20. Der vergleichenden Sichtweise, der Konfrontation eigener Forschungsergebnisse mit denen anderer auf internationaler Ebene unter Berück- sichtigung aller Ritterorden diente eine Konferenz in London, deren Tagungsband nun vorliegt21. In der französischen Forschung ist der Deutsche Orden kaum be- achtet worden. Das trifft auch für die Forschung anderer Nationen zu. Jedoch wird durch internationale Tagungen wie die in London das Beispiel des Deutschen Or- dens in den wissenschaftlichen Diskurs dieser bislang dem Thema wenig geneigten Forscher der Ritterorden und der Kreuzzüge eindringen und früher oder später auch eine Rolle spielen. Je mehr Aspekte von Wissenschaftlern unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Erkenntnisinteressen vorgetragen und verglichen wer- den können, um so facettenreicher und erkenntnisfördernder wird das Bild, das wir vom Deutschen Orden werden zeichnen können, auch wenn manchmal Abschied von liebgewonnenen Vorstellungen zu nehmen ist. Der Deutsche Orden war im Laufe des dritten Kreuzzugs entstanden. Seine Ge- schichte blieb mit den Kreuzzügen eng verbunden. Erst mit dem Fall Akkons von 1291 verringerte der Orden sein Engagement im Mittelmeerraum zunehmend und verlagerte seine Aktivitäten in das Baltikum. Die größeren und kleineren Abhand- lungen zu den Kreuzzügen und einzelnen Teilaspekten sind fast nicht mehr zu überschauen22. Analoges gilt für die Geschichte der baltischen Staaten, mit denen die Geschichte des Deutschen Ordens verflochten ist23. Angesichts der Informa- 18 Der Deutsche Orden von seinem Ursprung bis zur Gegenwart, Bad Münstereifel 1992, 5. Auflage. 19 Vgl. die Bücher von W. Urban, Christiansen und Burleigh. 20 Forey, Orders, passim, und neuerdings Ders., Military Orders and Crusades, London 1994. 21 The Military Orders. Fighting for the Faith and Caring for the Sick, ed. by Malcolm Barber, Al- dershot 1994. 22 Vgl. den Abriß von Rainer Christoph Schwinges im Handbuch der europäischen Geschichte, hrsg. von Theodor Schieder, Bd. 2, Stuttgart 1987, S. 174-198; dazu die umfangreicheren Darstel- lungen von Rune im an und Setton, A History of the Crusades, 5 Bde., 1969-1985, 5. Aufl., oder die schmalere Darstellung von Hans Eberhard Mayer, Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1987, 7. Aufl. 23 Vgl. z.B. Handbuch der europäischen Geschichte, Bd. 2, Stuttgart 1987, mit Beiträgen von Günter Stökl für Rußland, Ferdinand Seibt für Polen und Manfred Hellmann für Litauen.
tionsfülle, die zu bewältigen wäre, wollte man eine Geschichte im Stile eines Johan- nes Voigt, des verdienstvollen Historikers und Königsberger Archivars des 19. Jahr- hunderts, schreiben, wären viele Jahre und wohl mehr als ein Leben erforderlich. Jedoch bereitet nicht nur die Informationsfülle Schwierigkeiten, sondern auch der Wandel in den Betrachtungsweisen, die zu Veränderungen in den Geschichtsbildern polnischer und deutscher Historiker geführt haben. Dieser Umbruch setzt sich fort und ist noch keineswegs zu einem solchen Abschluß gekommen, daß sich auf einem sicheren Fundament eine Synthese bauen ließe. So sehr es auch wünschenswert wä- re, eine Darstellung der gesamten Geschichte des Deutschen Ordens zu schreiben, so stehen dem doch erhebliche Forschungslücken entgegen, die bei allem Bemühen noch nicht beseitigt sind24. Angesichts der geschilderten Umstände wird die vorliegende Darstellung der Ge- schichte des Deutschen Ordens nicht jede Beteiligung des Ordens an den Kreuzzü- gen, der letztlich vergeblichen Verteidigung des Heiligen Landes oder den Aktivitä- ten in den übrigen Ländern des Mittelmeerraumes nachspüren und ebensowenig die Eroberungszüge im Baltikum, die einzelnen Kämpfe gegen die einheimische Bevöl- kerung und gegen Auswärtige, gegen orthodoxe Christen und gegen Heiden schil- dern. Im Mittelpunkt soll vielmehr die Ordenskorporation selbst stehen, wie sie ihre Kräfte eingesetzt und organisiert, wie sie ihre Verwaltung aufgebaut, verändert oder angepaßt hat, welche Kräfte in der Korporation die Politik bestimmten, über Ein- fluß verfügten und welchem Wandel ihr Einfluß ausgesetzt war. Zu den Bedingun- gen eines Verwaltungsaufbaus und dessen Veränderungen gehören auch exogene Faktoren, wie erfolgreiche Kreuzzüge oder Fehlschläge, die Politik der Päpste und Kaiser, der Großen im Reich wie in Palästina, auch das Vorbild der älteren Ritteror- den. Auf diese Faktoren ist insoweit einzugehen, als sie Auswirkungen auf den Deutschen Orden und seine Struktur hatten. Analoges gilt für das Deutsche Reich und das Baltikum. In den entsprechenden Kapiteln sind die Interessen der Reichs- fürsten, Kaiser und Könige und der baltischen Völkerschaften zu berücksichtigen, sofern deren Aktivitäten Auswirkungen auf die Ordenskorporation hatten. Ganz im Mittelpunkt der folgenden Darstellung steht jedoch der Aufbau der Ordenskor- poration selbst, nicht etwa die ganze Landesverwaltung in Preußen oder Livland. Es geht ferner um die soziale Zusammensetzung der Konvente des Ordens, um die Herkunft der Ordensbrüder, nicht beispielsweise um die Siedler in Preußen, den eingewanderten Adel in Livland und dergleichen. Die Verwaltung der Güter, Burgen und Länder lag in den Händen von Männern, die ihr Leben dem Dienst im Orden geweiht hatten. Daher liegt es nahe, nach ihrer sozialen und regionalen Herkunft zu fragen, wie es in letzter Zeit wiederholt ge- 24 Vgl. z.B. die Forderung Biskups, Fragen, S. 7ff., die Gesamtheit der Geschichte des Deutschen Ordens als Forschungsobjekt in Angriff zu nehmen; auch Ders., Beziehungen Polens zu Preußen, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas NF 31 (1983), S. 1-27, und Ders., Wendepunkte, S. 1 ff.
schehen ist25. Es ist weiter zu ergründen, mit welchen Vorstellungen die Kandidaten dem Orden beigetreten sind und wie sich ihre Vorstellungen auf Verwaltungsauf- bau, -praxis und die Politik ihrer Korporation ausgewirkt hat. Im Mittelpunkt die- ses Teils der Untersuchung werden die Ritterbrüder, die wichtigste Gruppe inner- halb des Deutschen Ordens, stehen. Da der Orden in Palästina, in christlichen Ländern des Mittelmeerraumes, im Deutschen Reich und im Baltikum tätig war, Besitz erworben hatte und Güter ver- waltete, erstreckt sich die Untersuchung über fast den gesamten abendländischen Raum während des Mittelalters. Die Akzentsetzung auf die Korporation selbst und mithin auf deren Geschichte auch außerhalb Preußens, insbesondere als der Hoch- meister im 13. Jahrhundert seinen Sitz noch nicht in der Marienburg an der Nogat hatte, soll dem borussischen Blickwinkel, der deutschen Ordenshistorikern oft zu Recht vorgeworfen worden ist26, entgegenwirken. Der Deutsche Orden war eben eine Korporation, deren Interessen weit über Preußen hinausreichten und nie auf Preußen beschränkt waren. Die Darstellung reicht in diesem Band bis zum Jahr 1309, als der Hochmeister seinen Sitz von Venedig zur Marienburg verlegt hatte. Damit war ein wichtiger Ab- schnitt in der Geschichte der Korporation erreicht und abgeschlossen. Das Ordens- oberhaupt und der Orden selbst hatten Abschied von der Vorstellung einer Teilnah- me an einem Kreuzzug zur Rückeroberung des Heiligen Landes genommen. Mit der Verlagerung des Haupthauses in die preußische Marienburg waren Verwaltungs- änderungen verbunden, die nicht auf Preußen beschränkt blieben, sondern Auswir- kungen auf den Deutschmeister und seinen Bereich und auf Livland hatten. Jedoch soll die Darstellung der Jahre nach 1309 bis 1410, die als Blütezeit des Deutschen Ordens gelten, einem eigenen Band vorbehalten bleiben, der die Geschichte der Korporation, ihrer Verwaltungs- und Sozialstruktur bis zur Schlacht bei Tannen- berg 1410 enthalten wird. Ihm kann sich ein weiterer Band anschließen, der das 15. Jahrhundert bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen 1525 umfassen wird. 25 Vgl. die Forderungen bei Hellmann, Bemerkungen zur sozialgeschichtlichen Erforschung, S. 126ff., die von seinen Schülern Wojtecki und Scholz wenigstens teilweise eingelöst worden sind. 26 Vgl. Wippermann, S.370ff.
1. VOM FELDSPITAL ZUM RITTERORDEN 1190-1198 Vor der Gründung des Deutschen Ordens hatte sich die Lage der abendländischen Christen in Palästina dramatisch verschlechtert. In mehreren Feldzügen hatte Sala- din einen Großteil der Eroberungen der beiden ersten Kreuzzüge dem Islam zu- rückgewonnen. 1167 fielen Akkon, Jaffa, Askalon, Jerusalem, Sidon, Beirut und Tiberias, ebenso die Templerburg Saphat und die Burg der Johanniter Belvoir im Landesinneren südlich und westlich von Tiberias in seine Hände. 1188 folgten Er- oberungen in der Grafschaft Tripolis und im Fürstentum Antiochien, deren Fürsten dem Ansturm der islamischen Truppen nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat- ten. Immerhin konnte Konrad von Montferrat Tyros halten. In der Grafschaft Tri- polis blieb die gleichnamige Stadt in den Händen der Christen. Die Johanniterbur- gen Krak des Chevaliers und Margat und die Templerburg oberhalb der eroberten Stadt Tortosa konnten die beiden Ritterorden verteidigen. Bohemund von Antiochien rettete wenigstens einen Teil seines Fürstentums durch einen Waffenstillstand mit Saladin. Viel war das nicht. Es handelte sich nur um seine Hauptstadt Antiochia und die Hafenstadt St. Symeon1. Aus Saladins Sicht mochte es absehbar gewesen sein, wann er die christlichen Fürsten ohne große militärische Opfer aus dem Land werde drängen können. Dann hätten sich auch die Templer und Johanniter in ihren Burgen und auch Tyros nicht mehr halten können2. Die Lage der Christen in Palä- stina war verzweifelt. Es hat sicher feinsinnige Fürsten und Adlige gegeben, die im Land geboren, die arabische Lebensart, Dichtung, Kunst und Philosophie zu schätzen wußten und, wie möglicherweise Raimund von Tripolis, einen Ausgleich anstrebten. Aber sie scheiterten am ungebrochenen Kreuzzugswillen der neu aus dem Abendland ge- kommenen Ritter und Fürsten3, so daß ihnen in der Polarisierung infolge der politi- schen Situation 1187-1188 nichts anderes übrig blieb, als Stellung zu beziehen, und 1 Vgl. Riley-Smith, Atlas, S.60f.: Saladin’s Conquests. 2 Runciman II, S.423ff., bes. S.442ff. 3 Runcimanll, S.454f.
das hieß, sich auf die Seite der schon weitgehend geschlagenen Christen zu stellen. So wurden sie in den Strudel der untergehenden christlichen Herrschaften hinein- gezogen. Für die islamische Seite ist Saladin im nachhinein von modernen Historikern an- gekreidet worden, daß er es im Sommer 1187 versäumt habe, Tyros zu erobern, weil die Stadt ihm damals kaum Widerstand hätte entgegensetzen können, sich ein Jahr später aber als ein für Saladins Heer unüberwindliches Bollwerk erweisen sollte4. Tyros wurde in den folgenden Jahren zum Einfallstor abendländischer Truppen in das Heilige Land und zum wichtigsten Brückenkopf zur Rückeroberung von Teilen Palästinas. Nach der für die Christen verheerenden Schlacht bei Hattin am 4. Juli 1187 und dem Fall Jerusalems am 2. Oktober 1187 eilten Boten nach Europa und brachten die Kunde von den Verlusten5. Die beiden Ritterorden informierten ihre Brüder im We- sten6. Aus dem belagerten Tyros reiste Erzbischof Josias von Tyros zu den Königen Europas und zum Papst und forderte Hilfe für die bedrängten Verteidiger der Reste des ehemaligen Königreichs Jerusalem. Unglücklicherweise starb Papst Urban III. bereits am 20. Oktober 1187, so daß er für die Rückeroberung des Heiligen Landes und Jerusalems nicht viel hatte tun können. Sein Nachfolger Papst Gregor VIII. forderte nach seiner Wahl zwar alle Gläubigen zu einem neuen Kreuzzug auf und erließ einen Kreuzzugsablaß, jedoch verschied er schon nach zweimonatiger Amts- tätigkeit am 17. Dezember 1187 in Pisa, so daß wieder kostbare Zeit verging, ohne daß das Papsttum die Kreuzzugsvorbereitungen wirksam hätte vorantreiben können. Der am 19. Dezember 1187 gewählte Bischof von Präneste führte als Clemens III. das Werk im Sinne seiner Vorgänger fort und nahm Kontakte zu Kaiser Friedrich Barbarossa auf, während der Erzbischof von Tyros über die Alpen reiste, um die Franzosen und Engländer für einen Kreuzzug zu gewinnen. Seine Hoffnungen soll- ten sich lange Zeit nicht erfüllen, weil die Könige beider Länder um den englischen Festlandsbesitz stritten. Im Jahre 1189 waren erste Hilfskontingente aus Sizilien und eine pisanische Flot- te mit Mannschaften vor Tyros eingetroffen. Mit ihnen verbündete sich König Gui- do von Jerusalem und zog im August 1189 nach Akkon zur Belagerung der Stadt. Wider Erwarten konnte er sich mit seiner kleinen Streitmacht halten, Angriffe auf seine Stellungen vor Akkon abwehren und mit seinen Männern außerdem noch Hunger und Krankheit in seinem Lager überstehen. Im September und November trafen dringend benötigte Verstärkungen aus Dänemark, Friesland, Frankreich und Deutschland ein. Aus dem Deutschen Reich war Landgraf Ludwig von Thüringen mit einer Schar von Rittern samt Gefolge gekommen. Er hatte den Seeweg vorgezo- 4 Runcimanll, S.456. 5 Runcimanll, S.442ff. 6 Runcimanlll, S.3f.
gen und Friedrich Barbarossa auf dem Landweg nicht begleitet. Templer und Jo- hanniter verstärkten das Belagerungsheer. Im Winter trafen weitere Kreuzfahrer ein, ohne daß die Christen ein zahlenmäßiges oder militärisches Übergewicht gewinnen konnten. In der Zwischenzeit hatte Friedrich Barbarossa ein großes Kreuzzugsheer gesam- melt. Aber das Unternehmen stand unter keinem guten Stern. Schon bald nachdem das Heer die Grenze zum byzantinischen Reich überschritten hatte, begannen Miß- helligkeiten mit byzantinischen Beamten, Auseinandersetzungen mit bulgarischen und serbischen Räubern, Konflikte mit der verschreckten Landbevölkerung und schließlich auch mit dem Kaiserhof in Konstantinopel selbst. Die Scharmützel setz- ten sich nach dem Überqueren der Dardanellen fort. Bei Seleukia (Silifke) ertrank Kaiser Friedrich Barbarossa im Fluß Kalykadnos (Göksu). Damit war dem deut- schen Kreuzzugsheer der Schwung genommen. Die Führung des Heeres übernahm nun der Sohn des Kaisers, Herzog Friedrich von Schwaben, der allerdings in Kili- kien erkrankte und Zurückbleiben mußte. Er stieß erst später in Antiochia (Anta- kya) wieder zu dem damals noch größten Kreuzzugsheer. Jedoch schmolz die Zahl der Kämpfer weiter zusammen. Nur noch Reste der einstmals großen Armee führte Herzog Friedrich von Schwaben schließlich im August von Antiochia nach Akkon, wo er Anfang Oktober eintraf. Vorher war Landgraf Ludwig von Thüringen, der wohl an Malaria erkrankt war, mit seinem Gefolge nach Europa zurückgekehrt, starb aber am 16. Oktober 1190 auf der Heimreise. Zu allem Unglück für das mit großen Erwartungen begonnene Kreuzzugsunternehmen der Deutschen verschied Friedrich von Schwaben am 20. Januar 1191 vor Akkon. Sein Vetter Leopold von Österreich, ein Babenberger, konnte die erneut aufgerissene Lücke in der Leitung des deutschen Kreuzzugskontingents nicht füllen. Dazu traten Hunger und Seu- chen im Belagerungsheer, nicht nur bei den Deutschen. Die Lage der Christen vor Akkon spitzte sich zu und wurde immer besorgniserregender. Es schien so, als ob Saladin nur zu warten brauchte, bis sich die erschöpften Belagerer würden ergeben müssen. Aber wenn Saladin damit gerechnet haben sollte, hatte er sich getäuscht. Denn auch er mußte Rücksicht auf seine eigenen Truppen nehmen, von denen gro- ße Teile kampfesmüde waren, so daß er einen Angriff auf die christlichen Stellungen vor Akkon wohl als zu ungewiß und zu gefährlich eingeschätzt hatte7. Es stand nicht gut um die Belagerungsarmee. Daß sie weiter ausharren konnte, lag auch daran, daß Saladin und seine Truppen in keiner wesentlich besseren Verfas- sung waren. Im Feldlager der Christen herrschte während der gesamten Belage- rungszeit von 1189-1190 Mangel an Lebensmitteln. Die Belagerer mußten hungern, weil nicht genügend Nachschub herbeigeschafft werden konnte. Dazu kamen Krankheiten auch infolge der mangelhaften Ernährung. Im Sommer und Herbst traten vermehrt Darmerkrankungen und andere Infektionskrankheiten auf, die sich 7 Rune im an III, S.27ff.; Röhricht, Geschichte, S. 540 ff.
wie im Herbst 1189 zu Seuchen ausweiten konnten. Die Angriffe auf die Stadtmau- ern von Akkon und die Scharmützel mit Saladins Truppen im Rücken der Belage- rungsarmee brachten den Belagerern mannigfaltige Verletzungen, die behandelt werden mußten. Zur Versorgung der Kranken und Verwundeten hatten die Belage- rer besondere Einrichtungen zu schaffen. Dazu waren zunächst einmal die Johanni- ter aufgerufen, die wahrscheinlich ein größeres Spital vor Akkon errichtet hatten und während der Belagerungszeit unterhielten, auch wenn in den Quellen direkt nichts darüber berichtet wird8. Jedoch reichte das mutmaßliche Johanniterspital bald nicht mehr aus. Entweder bereits im Winter 1189 oder wahrscheinlicher in der ersten Hälfte des Jahres 1190 errichteten die mit ihren Koggen gekommenen Lübek- ker und Bremer Kreuzfahrer ein neues Spital. Sie opferten ein Segel ihrer Kogge und spannten es als Schutz gegen die Sonne auf9. Dieses Notlazarett unter einem Koggensegel lag hinter dem Nikolaifriedhof zwischen dem befestigten Berg Toron (Teil Fuhka) des Feldlagers und dem Fluß Belus10. Der Nikolaifriedhof war vor der Eroberung Akkons durch die Muslime der Hauptfriedhof der Christen gewesen und erhielt nun die gleiche Funktion für die christliche Belagerungsarmee. Neben dem deutschen Spital war vermutlich gleichzeitig oder etwas später an einer Tho- maskapelle ein Spital vor allem für englische Kreuzfahrer entstanden11. Aus ihm ging der spätere Ritterorden vom heiligen Thomas von Canterbury hervor12. Das Spital der Engländer lag ganz in der Nähe des deutschen vor Akkon. Als es 1228/29 von Bischof Peter von Winchester verlegt wurde, erhielt es die Regel des Deutschen Ordens. Diese Eigenmächtigkeit des Bischofs legalisierte Papst Gregor IX.13 Der sich aus dem Spital entwickelnde Ritterorden konnte jedoch nie eine größere Be- deutung erlangen. Als Motive für die Errichtung solcher Spitäler sind neben karitativen auch „natio- nale“ Gründe geltend gemacht worden14. Letzteres ist in der neueren Literatur zu- rückgewiesen worden15, jedoch wohl zu unrecht. Sicher war es nicht das übersteigerte Nationalgefühl des 19. Jahrhunderts, das den nach Nationen operierenden Kreuz- zugsteilnehmern eigene Spitäler als wünschenswert erscheinen ließ, aber nationale Eifersüchteleien, politische Gegensätze, die aus Europa mitgebracht wurden16, spiel- 8 Favreau, Studien, S.42. 9 So die „Narratio“ in: Perlbach, Statuten, S. 159; SRP VI, S.24. 10 Favreau, Studien, S.36f.; Prawer, Histoire II, S.50. 11 Der genaue Zeitpunkt und die zeitliche Abfolge sind unbekannt; Arnold, Entstehung, S. 83. 12 Favreau, Studien, S.42. 13 Forstreuter, Mittelmeer, S.218f. 14 Prutz, Ritterorden, S.63. 15 Favreau, Studien, S.40. 16 Von solchen Eifersüchteleien der Nationen im Paris des 12. Jahrhunderts berichtet Jakob von Vitry aus eigener Erfahrung in seiner Historia occidentalis, S. 92. Uber die Schwierigkeiten zur Überwin- dung solcher Vorurteile: Oexle, Friede, S. 131 f.; Schmugge, Vorurteile, S.454ff. Letzterer sieht in den Universitäten geradezu Brutstätten mittelalterlicher Vorurteile.
ten bei Entscheidungen vor Akkon trotz der insgesamt verzweifelten Lage immer eine Rolle, wie auch die Kreuzzugsteilnehmer je nach Herkunft ihre eigenen An- führer hatten und behielten, sogar nach einer Vereinbarung von 1188 Kreuze von verschiedenen Farben trugen, nämlich die Franzosen rote, die Engländer weiße und die Flamen grüne17. Schließlich sind die unterschiedlichen Sprachen zu berücksichti- gen. Nicht jeder Kreuzzugsteilnehmer verstand den anderen. Schon im alten deut- schen Spital in Jerusalem vor der Eroberung der heiligen Stadt durch Saladin fanden sich vor allem Deutsche ein, weil sie die Sprache des Landes, das Französische, nicht beherrschten18. Also allein schon aus Verständigungsschwierigkeiten scheint ein Spital unter deutschsprachiger Leitung erstrebenswert gewesen zu sein. Den Wunsch nach einem eigenen Spital mögen Querelen der Kreuzfahrer unterschied- licher Herkunft verstärkt haben. Daß Lübecker und Bremer Bürger ein solches Spital für Deutsche aus welchen Motiven auch immer gegründet haben, ist jüngst bezweifelt worden19. Die Nach- richt findet sich in der „Narratio de primordiis ordinis Theutonici“, also der or- denseigenen Darstellung der Anfänge des Spitals, aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und im ungefähr gleichzeitig konzipierten Prolog der Regel des Deutschen Or- dens20. Schließlich wird die Nachricht durch eine allerdings erst im 16. Jahrhundert faßbare Tradition in beiden Hansestädten gestützt21. Jedoch was hat man sich für das Ende des 12. Jahrhunderts unter Bürgern vorzustellen? Dazu zählten sicher nicht nur Handwerker und Kaufleute, sondern auch stadtgesessene Ministeriale des Erzbischofs, so daß die Mehrzahl der in den Schiffen nach Akkon gekommenen Kreuzfahrer Angehörige des ministerialischen Adels gewesen sein werden. Darunter auch „Abenteurer und Pilger“ aus der Gegend zwischen Ems und Ostsee22. Ein Koggensegel konnte aber nur ein Schiffseigentümer stellen und kein mitgereister Abenteurer. Unter dem Aspekt wird man doch eher auf einen Bremer oder mehrere Bremer Schiffsführer tippen müssen. Was hat man sich unter dem Gründungsvor- gang vorzustellen? Die „Bürger“ haben, wie es berichtet wird, Zelte und mög- licherweise Betten aufgestellt, geleitet haben sie das Spital aber nicht. Allerdings wußten sie aus ihren Heimatstädten, wie man ein Spital stiftete und die Stiftung verwaltete. Sie hatten in Deutschland Vorbilder, nach denen sie sich richten konn- 17 Riley-Smith, Crusades, S. 110. 18 Favreau, Studien, S. 14, nach Jakob von Vitry. Vgl. auch Johannes Longus von Ypern, Chronika s. Bertini, in: MGH SS XXV, S. 796. Zur Entstehung „nationaler“ Vorurteile während und auf den Kreuzzügen: Schmugge, Vorurteile, S.444ff. 19 Brünjes, S.212. 20 Perlbach, Statuten, S.22, 129; SRP VI, S.24. Dazu: Arnold, De primordiis. 21 Ehmck, S. 157ff.; Schwarzwälder, Geschichte I, S.44. Eine verzerrte Spiegelung der Tradition findet sich auch in der sogenannten Koelhoffschen Chronik, Nachdruck 1972, fol. 178 v, nicht aufge- nommen in: CS XIII, S.523. 22 So Brünjes, S.212.
ten, nämlich die seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts entstehenden bruderschaftlich organisierten Spitäler vor allem in den Städten. Diese Hospitäler waren die Antwort auf die neue Herausforderung, vor die sich die Städte mit ihren steigenden Bevölke- rungszahlen und damit einhergehend mit ihrer schnell wachsenden Armut gestellt sahen. Ein Laie oder auch ein Geistlicher mit dem Titel „magister“ leitete meist ein solches Spital. Ihm unterstellt waren Spitalbrüder, die wie ihr „magister“ Mönchs- gelübde abgelegt hatten. Diese Hospitäler hatten den Charakter von Klöstern. Ihre Aufgabe war die Pflege von Kranken und Bedürftigen23. Ein solches von einer Bru- derschaft verwaltetes Spital werden die Bürger vor Akkon gestiftet haben. Tatsäch- lich ist in der Mitte des Monats September 1190, also nur kurze Zeit nach dem Stif- tungsvorgang, ein magister Sibrandus als Leiter des neuen Spitals der Deutschen vor Akkon genannt. Guido von Lusignan, König von Jerusalem hat diesen Sibrand 1190 sogar als Gründer und Erbauer der neuen Institution angesprochen24. Welchen An- teil Sibrand an der Errichtung des Spitals und dem Bau der Gebäude hatte, ist un- gewiß. Er wird am Aufbau beteiligt gewesen sein, aber in welchem Maße, weiß man nicht genau. Das Urteil hängt sehr stark davon ab, welchen Wert man dem zitierten Nebensatz der Königsurkunde zumessen will25. Es ist nicht auszuschließen, daß je- ner Sibrand aus Bremen oder Lübeck stammte, jedenfalls bürgerlicher Herkunft war26. Die bürgerlichen Anfänge, gleichgültig ob Sibrand nun Stifter war oder nicht und ob er aus einem bürgerlichen Geschlecht stammte oder nicht, mögen ein Grund ge- wesen sein, weshalb die „Narratio“, die ordenseigene Erzählung über die Anfänge des Spitals, so auffällig den ersten Meister unterschlagen hat. Die Ordenstradition hat ihn jedenfalls unterdrückt, obwohl unter ihm erste Schritte zu einer Verfesti- gung des Feldspitals zu beobachten sind. Denn Guido von Lusignan versprach ihm im September 1190 zu Händen seines Meisters Sibrand das Hospital der Armenier in Akkon oder ein Haus daneben zur Errichtung eines eigenen Spitals, noch bevor Akkon gefallen war und der König über die Liegenschaften verfügen konnte. Dar- aus ist zu schließen, daß sich das von Bremern und Lübeckern gegründete, viel- leicht nur als vorübergehende für die Zeit der Belagerung gedachte Lazarett zu einer dauerhaften Einrichtung entwickelt hatte. Das Spital war 1190 zu einer festen 23 Re icke, Spital II, S. 24 ff. In Bremen ist allerdings ein Spital erst nach 1200 bezeugt, vgl. Brünjes, S.43. 24 Strehlke, Tabulae, Nr.25: ... qui hoc hospitale incepit et edificavit in obsidione Accon. 25 Favre au, Studien, S.47f., hält die Aussage für gewichtig. 26 So Arnold, Entstehung, S. 84. Er verweist auf die Analogie zu den Johannitern, die von Bürgern aus Amalfi gestiftet worden sind; dazu: Hiestand, Anfänge, S. 34ff. Die Identifizierung Sibrands ist trotz seines nicht alltäglichen Namens bislang nicht gelungen. Vgl. Favre au, Studien, S. 47. Sie wendet sich gegen Identifizierungsversuche mit einem Severin von 1186 aus einer gefälschten Ur- kunde. Dazu auch: Forstreuter, Mittelmeer, S. 22; Hubatsch, Montfort, S. 166; Turnier, S.25.
Institution geworden, die schon vor dem Fall Akkons Liegenschaften entgegen- nahm, von denen sie erst nach der Eroberung der Stadt Besitz ergreifen konnte. Wie die Urkunde des Königs von Jerusalem zeigt, wurde das Spital auch von Außen- stehenden nicht mehr als ein Provisorium betrachtet. Daher kann man davon ausge- hen, daß der Gründungsvorgang der deutschen Hospitalgemeinschaft damals einen vorläufigen Abschluß gefunden hatte. Dazu wird Sibrand seinen Beitrag geleistet haben, weshalb ihn der König mit einigem Recht als Gründer ansprechen konnte. Das Feldlazarett hatte seine erste organisatorische Form bekommen, bevor Herzog Friedrich von Schwaben mit den Resten des deutschen Kreuzfahrerheeres von Nor- den her vor Akkon eingetroffen war27. Der Staufer hat seine Hand damals mit Sicher- heit noch nicht im Spiel gehabt. Eine Zeitlang hat sich die Diskussion um die Frage gedreht, ob das Spital vor Ak- kon tatsächlich, wie die „Narratio“ erzählt, eine Neugründung gewesen sei oder an ein älteres Spital angeknüpft oder auch nur die Tradition eines solchen übernom- men habe. Denn es hat in der Tat in Jerusalem ein altes, von Deutschen geleitetes Marienspital gegeben, das vor 1143 gegründet worden sein muß, da es in dem Jahr erstmals in zwei Papsturkunden genannt ist28. Es wurde von einer Bruderschaft mit einem Prior an der Spitze geführt und unterstand als Institution der Aufsicht des Johanniterordens. Die Lage des Spitals in Jerusalem ist bekannt, aber viel mehr weiß man von ihm nicht. Es ist wahrscheinlich ein kleines Spital mit einer zahlen- mäßig geringen Bruderschaft zur Versorgung von Kranken, Bedürftigen und Pilgern deutscher Zunge geblieben, hat sich in keinem Fall zu einem Ritterorden weiterent- wickelt und ging während der Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187 unter29. Die Unterstellung des Jerusalemer Spitals habe dazu geführt, so wird argumentiert, daß der Johanniterorden auf Gütererwerb im Deutschen Reich weitgehend verzich- tet habe. Auf diese Weise sei der geringe Besitz der Johanniter in Deutschland im 12. Jahrhundert zu erklären. Die Deutschen hätten ihre Schenkungen dem Spital in Jerusalem vermacht. Jedoch ist kein Besitz dieses Spitals im Deutschen Reich be- kannt geworden. Das sei auch nicht zu erwarten, wird eingeworfen, da infolge der Eroberung Jerusalems durch die Sarazenen das Spitalarchiv untergegangen sei und auch der Johanniterorden Dokumentenverluste zu beklagen gehabt haben werde30. Außer den Negativnachweisen führen manche als positive Beweise an, daß im Titel des Deutschen Ordens anfangs seltener, dann aber durchgängiger der Ortsname Je- rusalem den Namen Akkon verdrängte. Erstmals ist Jerusalem im Ordenstitel in 27 So zutreffend: Arnold, Entstehung, S. 84; Ders., Feldspital, S.26. 28 Delaville le Roulx, Cartulaire I, Nr. 154f. Müller, Jerusalem, S. 6, und Arnold, Jerusalem, S.417, nehmen „um 1118“ an. Vgl. dagegen Favreau, Studien, S. 13. 29 So Favreau, Studien, S. 12ff., gegen Forstreuter, Mittelmeer, S. 12ff., und besonders Hu- batsch, Montfort, S. 162ff. Zur Lage: Benvenisti, Crusaders, S. 63; Kluger, Abb. 2-4; Probst, Medizinalwesen, S.30f. 30 Favreau, Studien, S. 162.
einer Urkunde Papst Clemens III. von 1191 zu finden31. Sodann hat die „Narra- tio“ angegeben, daß sich der Orden von Anfang an hospitalis sancte Marie Theu- tunicorum in Jerusalem genannt habe, weil man damals die Hoffnung gehegt habe, daß Jerusalem zurückerobert und dann dort das Haupthaus errichtet werde32. Diese Begründung erschien schon vielen Forschern suspekt und hat nie restlos überzeugt33. Die Darlegungen der „Narratio“ wird man aus veränderten Bedin- gungen der Mitte des 13. Jahrhunderts zu verstehen haben, auf die noch zurückzu- kommen ist. Da sich die Spitalgemeinschaft und auch der spätere Orden meist nach Akkon benannten und so von Zeitgenossen bezeichnet wurden, entfalle der Bezug auf das ältere Spital in Jerusalem zumindest für die Zeit der Gründungsphase34. So argu- mentieren die Gegner der sogenannten „Kontinuitätsthese“. Diese Gegner haben weitere Argumente wie eine personelle Kontinuität und eine vermeintliche Über- nahme des Archivs des alten Spitals durch die Neugründung vor Akkon überzeu- gend zurückgewiesen. Sie meinen, daß das 1190 gestiftete Spital eine Neugründung gewesen sei, die sich auch nach ihrer Konsolidierung und Ausbildung zu einer Bru- derschaft weder an das alte Spital der Deutschen in Jerusalem angelehnt, noch die Jerusalemer Tradition aufgenommen habe. Die Neugründung habe sich vielmehr unabhängig von den Traditionen des alten Spitals entwickelt35. Heute haben sich die Vorstellungen einer Neugründung vor Akkon durchgesetzt, weil eben die überzeu- genderen Gründe dafür sprechen. Von Vertretern der Diskontinuitätsthese, namentlich von M.-L. Favre au, ist die Ansicht propagiert worden, daß das alte, den Johannitern unterstellte Jerusalemer Spital der Deutschen nach dem Fall von Jerusalem weiter bestanden und auch Be- sitz vor allem im Deutschen Reich, aber ebenso in Palästina, gehabt habe. Mög- licherweise sei die Urkunde Papst Clemens III. von 1191 gar nicht für die neue vor Akkon gegründete Institution, sondern für Reste der alten, aus Jerusalem vertriebe- nen Korporation ausgestellt worden36. Die Autorin möchte ferner einen Ulricus, magister Theutonici hospitalis^ der 1195 als Zeuge einer Urkunde des Landgrafen von Thüringen in Eckartsberga genannt ist, als Vertreter des alten Jerusalemer Spi- tals ansehen. Jener Ulrich habe die Güter, die das alte Spital im Reich gehabt haben 31 Strehlke, Tabulae, Nr.295. 32 ... quod principali nomine hospitale sancte Marie Theutunicorum in lerusalem nuncuparunt, ea spe et fiducia, ut terra sancta christiano cultui restituta in civitate sancta lerusalem domus fieret eiusdem ordinis principalis, mater, caput pariter et magistra\ Perlbach, Statuten, S. 159; SRP VI, S. 25. 33 Vgl. G rum blat, Urkunden, S. 421. 34 So Favre au, Studien, S. 139££.; Müller, Jerusalem, S. Uff. 35 Favre au, Studien, S. 95 ff.; Müller, Jerusalem, S. 23 ff. Dem folgt auch: Arnold, Entstehung, S. 94 f. 36 Favre au, Studien, S. 144 f.
müsse, verwaltet37. So plausibel diese Erwägungen von Favreau im allgemeinen auch sein mögen, haben sie doch zu heftiger Kritik Anlaß gegeben. Es ist ihr näm- lich nicht gelungen, Besitz des alten Spitals im Deutschen Reich oder in Palästina nachzuweisen, das nach dem Fall von Jerusalem 1187 noch in fänden der Korpora- tion geblieben wäre. Genauso wenig Anerkennung hat ihre Meinung gefunden, daß der 1195 genannte magister Ulrichs ein Angehöriger der alten Spitalgemeinschaft ge- wesen sei38. Wer jener Ulrich war und welches Amt er ausgeübt haben könnte, ist freilich bei den Forschern, die ihn als Mitglied des neuen Spitals ansehen wollen, umstritten. Sommeriad möchte in ihm den ersten Komtur der Ordensniederlas- sung in Halle sehen39. Das ist aber kaum möglich, da die Kommende erst 1200 er- richtet worden ist40. Schon Wolf hatte sich dagegen ausgesprochen, daß Ulrich Komtur von Halle gewesen sei41. Ihm hat Lampe beigestimmt42. In der Tat hätte ein magister des neuen Spitals im Deutschen Reich noch kaum etwas zu tun gehabt, da es einfach zu wenig Liegenschaften gab, als daß ein besonderer Amtsträger hätte eingesetzt werden müssen43. Das Argument hat auch Favreau gebracht44. Ihr ist zuzustimmen. Aber deshalb muß jener Ulrich noch kein Vorsteher eines längst un- tergegangenen Jerusalemer Hospitals gewesen sein45. Man wird mit Lampe wohl annehmen müssen, daß Ulrich entweder der Vorsteher des Akkoner Spitals der Deutschen oder ein Vertreter dieses Spitalleiters gewesen ist, der im Reich für die neue Korporation werben sollte46. Arnold entscheidet sich für die erste von bei- den Möglichkeiten und reiht ihn in die Liste der Vorsteher des Akkoner Spitals ein47. Die These ist letztlich nicht beweisbar, da der Titel magister in der neuen Korpora- tion noch keinen festen Rang bezeichnete48. Deshalb ist es mißlich, aus dem Titel allein weitgehende Schlüsse ziehen zu wollen. Man wird sich also bis zur Vorlage neuer durchschlagender Argumente offen lassen müssen, ob magister Ulrich Mei- 37 UB Ballei Thüringen, Nr. 1; Regest: Regesta Thuringiae II, Nr. 982. Dazu: Favreau, Studien, t S. 142 f. Die Autorin hat ihre Thesen erneut zusammengefaßt, präzisiert und zur Diskussion gestellt: Favreau-Lilie, Alle origine. Zustimmend auch Mayer, Geschichte, S.269, der vor allem darauf Wert legt, daß Konrad III. und Friedrich Barbarossa dem alten Spital Güter im Deutschen Reich ge- schenkt haben müßten. Alles andere sei undenkbar. Das ist freilich kein Beweis, sondern lediglich eine Behauptung. 38 Vgl. vor allem Arnold, Entstehung, S. 91 ff. 39 Sommeriad, S. 5f. Den Vorschlag hat Wojtecki, Studien, S. 91 Anm. 4, aufgegriffen. 40 UB Halle I, Nr. 114. 41 Wolf, Deutsch-Ordenshaus, S.6 Anm. 5. 42 UB Ballei Thüringen, Nr. 1. 43 So schon in meiner Dissertation von 1970, S. 34. 44 Favreau, Studien, S. 143. 45 Die Gegenargumente bei Arnold, Entstehung, S. 93. Auch er meint, daß Ulrich kein Ordensamt im Deutschen Reich gehabt habe. 46 Militzer, Entstehung, S. 34. 47 Arnold, Entstehung, S. 194. 48 Militzer, Entstehung, S. 28.
ster des neuen Spitals oder dessen Vertreter gewesen ist. Eine endgültige Entschei- dung ist nicht zu fällen. Über den Besitz des alten Jerusalemer Spitals der Deutschen im Reich ist, wie ge- sagt, nichts bekannt. Es mag sogar fraglich sein, ob es dort überhaupt Güter erwor- ben hat. Nach dem Fall von Jerusalem sind auch keine Liegenschaften des alten Spi- tals in Palästina oder im Mittelmeerraum ermittelt worden, die an das neue Spital vor Akkon hätten fallen können. Amtsträger des alten Spitals sind nach 1187 nicht mehr nachweisbar, so daß sie auch nicht bei dem Aufbau des neuen Spitals vor Ak- kon hätten mithelfen oder gar Leitungsfunktionen übernehmen können. Das vor Akkon gestiftete Spital der Deutschen war also eine Neugründung ohne Rücksicht auf das alte Jerusalemer Spital. Der Bezug auf Jerusalem im Titel des Deutschen Ordens und eine Anknüpfung an Traditionen des alten Spitals sind erst Ergebnisse der Entwicklung des Ordens. Die Geschichte der neuen Stiftung vor Akkon begann äußerst bescheiden. Sogar der Boden, über dem die Zelte aus Segeltuch gespannt wurden, gehörte dem neuen Spital noch nicht49. Daß aus dem Feldlazarett ein mächtiger Ritterorden werden sollte, war damals noch nicht absehbar. Nachdem Herzog Friedrich von Schwaben im Oktober 1190 vor Akkon einge- troffen war, hat er sich schon bald des neuen Spitals angenommen, wie die „Narra- tio“ berichtet. An ihrer Angabe ist nicht zu zweifeln. Der Herzog kann sich sogar bei seinem Bruder König Heinrich VI. für die Neugründung verwendet haben, wie die „Narratio“ weiter zu erzählen weiß50. Aber laut der „Narratio“ soll das noch nicht alles gewesen sein. Herzog Friedrich von Schwaben habe vielmehr kurz nach seiner Ankunft vor Akkon auch die Leitung des Spitals neu geregelt. Der Herzog habe, wie es heißt, mit dem Rat anderer Adliger seines Heeres das Spital seinem Ka- plan Konrad und einem Kämmerer Burchard anvertraut51. Mit dem Kämmerer soll- te wohl ein Reichsministeriale oder aber ein Ministeriale des Herzogs selbst ge- meint sein. Da jedoch beide Personen sonst nicht nachweisbar sind, hat Favreau zu recht deren historische Existenz angezweifelt52. Sowohl den Kaplan wie den Kämmerer wird es als Leiter des Spitals nicht gegeben haben. Dann aber stellt sich die Frage, weshalb der Verfasser der „Narratio“ Behauptungen aufgestellt hat, die falsch waren und den älteren Zeitgenossen als unglaubwürdig vorkommen mußten. Denn der Verfasser der um die Mitte des 13. Jahrhunderts nach 1244 geschriebenen „Narratio“ mußte damit rechnen, daß er Zeitzeugen antraf, die sich an beide Perso- nen und deren angebliche Ernennung gar nicht erinnern konnten. Aber darum ging es wohl nicht. Vielmehr ist aus der Tatsache, daß der Verfasser den ersten nachweis- 49 Favreau, Studien, S.43, nach der „Narratio“ in: Perlbach, Statuten, S. 159: Lochs etiam, in quo tune manebant, ad eos non spectabat. 50 Perlbach, Statuten, S. 159. Auch Favreau, Studien, S.42, hält die Angabe für glaubwürdig. 51 Perlbach, Statuten, S. 159. 52 Favreau, Studien, S.46ff.
baren Leiter des Spitals vor Akkon Sibrand nicht genannt, dagegen Angehörige aus dem Gefolge Herzog Friedrichs von Schwaben als Vorsteher der Stiftung erfunden hat, auf eine bestimmte Absicht zu schließen, nämlich den neuen Orden möglichst eng an das staufische Herrscherhaus anzubinden53. Der Geistliche und der Ritter sollten möglicherweise auf die beiden Hauptgruppen der Ordensgemeinschaft, Priester- und Ritterbrüder, und auf die doppelte Aufgabe, Spitaldienst und Kampf gegen die Ungläubigen verweisen. Es ging dem Verfasser der „Narratio“ gar nicht um die reale Existenz beider Personen. Beide waren vielmehr Symbole für die Auf- gaben des Ordens und seine Stellung zum Herrscherhaus. So weit war die Entwick- lung der Spitalgemeinschaft 1190/91, also 60 Jahre vor der Abfassung der „Narra- tio“, noch nicht fortgeschritten. Damals hätte eine derartige Erzählung noch wenig Sinn gemacht. Herzog Friedrich von Schwaben hat der neuen Spitalgemeinschaft also weder eine neue Leitung noch eine neue Regel gegeben. Der Kleriker und der Kämmerer aus Friedrichs Gefolge sind aus der historischen Überlieferung zu streichen. Fried- rich hat die neue Gemeinschaft gefördert und in seinen Schutz genommen. Vielleicht hat er sie auch, wie die „Narratio“ berichtet, seinem Bruder Heinrich empfohlen, ohne daß sich daraus sofort absehbare Folgen ergeben hätten. Immerhin gewährte Papst Clemens III. am 6. Februar 1191 der neuen Gemeinschaft seinen Schutz54. Das mag noch auf die Initiative des Herzogs zurückgeführt werden können. Damit war dann der eigentliche Gründungsvorgang abgeschlossen. Bevor der Papst sein Privileg ausstellte, traf die neue Stiftung ein harter Schlag, der ihre Existenz bedrohte oder doch ihre Entwicklung hätte hemmen können. Denn am 20. Januar 1191 war Herzog Friedrich von Schwaben vor Akkon gestor- ben55. Mit ihm hatte die Stiftung ihren wichtigsten Förderer verloren. Trotzdem sollte die wenn auch nur kurze Begegnung des Spitals mit den Staufern später unter veränderten Voraussetzungen ungeahnte Früchte tragen. Vorerst aber sah die Zu- kunft der Gemeinschaft eher düster aus. Nachdem Akkon am 12. Juli 1191 gefallen war, wollte das Spital seinen ihm von König Guido geschenkten Besitz in der Stadt übernehmen. Jedoch erhielt es nicht das Spital der Armenier, sondern mußte sich mit einem Stück Land in der Nähe des Nikolaitores zufrieden geben. Die Hoffnung, mit der Übertragung des armenischen Spitals und dessen Inkoporation auch deren Besitztitel übernehmen zu können, er- füllten sich für die neue Spitalgemeinschaft also nicht56. Sie stieß im Gegenteil auf neue Schwierigkeiten. Die Johanniter bestanden nämlich darauf, daß ihnen alle in 53 Arnold, Entstehung, S. 85, 89£. 54 Streh 1 ke, Tabulae, Nr. 295. Favreau, Studien, S. 38; Müller, Jerusalem, S. 15. Favreau, Stu- dien, S. 143, möchte allerdings die Papstbulle wegen Jerusalems in der Adresse eher für die alte Jeru- salemer Spitalgemeinschaft in Anspruch nehmen. 55 Röhricht, Deutsche, S. 75 f.; Favreau, Studien, S. 49; LdM IV, Sp.960. 56 Favreau, Studien, S.44. Vgl. Riley-Smith, Atlas, S. 102f.
der Stadt vorhandenen Spitäler unterstellt würden, und wiesen ein entsprechendes päpstliches Privileg vor, das aber nicht mehr erhalten ist. Ob die Ansprüche der Jo- hanniter berechtigt waren, ist daher schwer nachprüfbar. Das neue Spital der Deut- schen konnte jedenfalls eine drohende Oberaufsicht durch die Johanniter für sich abwenden57. Trotz aller Schwierigkeiten vermehrte die Gemeinschaft ihren Besitz in und um Akkon und erhielt neue Aufgaben übertragen. Von Heinrich von der Champagne, König von Jerusalem, bekam sie 1193 die am Nikolaitor gelegenen Befestigungsanla- gen angewiesen, für deren Reparaturen an den Mauern, Toren, Gräben und Außen- werken sie zuständig war58. Mit der Verantwortung für den Befestigungsabschnitt am Nikolaitor übernahm die Gemeinschaft zwar Aufgaben, die über die Versorgung von Kranken und Bedürftigen hinausgingen, stellte sie aber noch nicht an die Seite der beiden Ritterorden, der Templer und Johanniter. Ein Jahr später gewährte der- selbe König dem Spital Abgabenfreiheit auf alle für den Eigenbedarf bestimmten Lebensmittel und Kleidungsstücke59. Solche Freiheiten genossen auch die Johanniter und Templer60. Diese Privilegierung und die Übertragung neuer Aufgaben an den Verteidigungswerken Akkons haben einige Forscher als Zeichen für eine beginnende Militarisierung des Spitals und damit als eine Angleichung an die beiden älteren Ritterorden gedeutet61. Jedoch hat Udo Arnold erst jüngst der These widersprochen und zu recht darauf hingewiesen, daß dem Spital keine militärischen Aufgaben, sondern finanzielle Lasten im Rahmen der Verteidigung auferlegt worden seien62. Das Spital habe die Übernahme militärischer Aufgaben nicht erstrebt. Der König habe dergleichen auch nicht verlangt. In der Tat ist von finanziellen Lasten für die Verteidigung nicht auf eine beginnende Militarisierung zu schließen. In diese Anfangsphase fällt vielleicht eine Schenkung Herzog Konrads von Böh- men, der am 9. September 1191 in Neapel gestorben ist, und des Markgrafen Wladi- slaw von Mähren. Beide haben dem Spital wahrscheinlich Besitz in Prag und Trop- pau übertragen. Er wurde dem Orden 1204 von Papst Innozenz III. bestätigt, der den Markgrafen sogar als domus vestre fundator, also als Gründer des Ordens, be- zeichnete. 1222 bestätigte auch König Ottokar I. von Böhmen die Schenkung63. Es mag allerdings fraglich erscheinen, ob das Spital die übertragenen Güter 1191 bereits hatte in Besitz nehmen, und es bleibt offen, wie es diese fernen Liegenschaften hät- 57 Estoire de Eracles XXV,3 (S. 141 f.). Dazu: Favreau, Studien, S.48££.; Müller, Jerusalem, S. 16. 58 Strehlke, Tabulae, Nr. 28. 59 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 30. 60 Favreau, Studien, S.59. 61 Favreau, Studien, S. 59. Zustimmend auch noch Arnold, Entstehung, S. 96. Vorher schon: Hu- batsch, Montfort, S. 169, und allerdings vorsichtiger: Forstreuter, Mittelmeer, S.35. 62 Arnold, Feldspital, S.27f. Skeptisch auch Forey, Orders, S. 19f. 63 Cod. Bohemiae I, Nr. 239; II, Nr. 40; Regesta Bohemiae et Moraviae I, Nr. 660; Militzer, Entste- hung, S.57f.
te verwalten können. So ist die Besitzübertragung der Premysliden eher ein Zeichen für den steigenden Bekanntheitsgrad und das wachsende Ansehen des Spitals, als daß die Güter schon wirtschaftliche Früchte hätten abwerfen und das Spital in Ak- kon unterstützen können. Wichtiger für die weitere Entwicklung der Spitalgemeinschaft zu einem Orden war das Schutzprivileg Papst Coelestins III. vom 21. Dezember 1196, das Zehntfrei- heit für selbstbebautes Neubruchland, das Recht zur Beerdigung auch von Nicht- mitgliedern, sofern sie nicht exkommuniziert oder indiziert waren, allerdings unter Vorbehalt der Rechte der Pfarrkirchen gewährte und alle Rechte und Gewohnhei- ten, vor allem die freie Meisterwahl bestätigte64. Das Spital wurde damit in der kir- chenrechtlichen Ausgestaltung den beiden Ritterorden angeglichen. Es fehlte noch die Exemtion von der Exkommunikationsgewalt der Bischöfe, die erst später er- folgte. Besonders durch das Recht der freien Meisterwahl war das Spital vor Ein- griffen des Johanniterordens geschützt. Die Gemeinschaft erhielt einen ordensähn- lichen Charakter, blieb aber noch der Diözesangewalt der Bischöfe unterworfen65. Die Gleichstellung mit Templern und Johannitern in einem wesentlichen Bereich führte auch noch nicht notwendig zur Militarisierung der Institution. Deren or- densähnlicher Charakter wurde zwar weiter gestärkt, aber nicht der Kampf gegen Ungläubige verlangt. Man wird mit Udo Arnold sagen können, daß das Spital „un- ter Ausschluß militärischer Aufgaben als geistliche Bruderschaft nicht ohne, aber doch von untergeordneter Bedeutung in die Stadt Akkon und das Königreich Jeru- salem integriert“ worden ist66. Die Sichtweise einer schleichenden allmählichen Mi- litarisierung des Spitals seit 1193, wie sie vor allem von M.-L. Favreau getragen wird, ist wahrscheinlich zu sehr von den späteren Ereignissen her geprägt. Dennoch gilt es aber festzuhalten, daß die Privilegien und die errungene Stellung in Palästina das Spital erst zu einem interessanten politischen Partner haben werden lassen. Oh- ne die privilegiale Ausstattung und die erreichte Position hätte der Kaiser kaum sein Augenmerk auf das Spital gerichtet. Um 1195 scheint das Spital für Heinrich VI. interessant geworden zu sein. Er hat- te am 31. Mai 1195 in Bari in Unteritalien das Kreuz genommen und den Kreuzzug daraufhin vorbereitet. Seit dem März 1197 segelten Schiffe mit Kreuzzugsteilneh- mern in das Heilige Land. Im September des Jahres verließ der Hauptteil der Flotte Messina. Der erkrankte Kaiser mußte jedoch Zurückbleiben und starb dort am 28. September 1197. In die Phase der Vorbereitungen Heinrichs VI. zum Kreuzzug und in eine über den Kreuzzug hinausgehende, größer angelegte staufische Mittel- meerpolitik gehörte die Bevorzugung der deutschen Spitalgemeinschaft in Akkon. Heinrich VI. bestätigte ihr im Mai 1197 das Thomasspital in Barletta und schenkte 64 Strehlke, Tabulae, Nr. 296. 65 Favreau, Studien, S. 60£.; Arnold, Entstehung, S. 96; Müller, Jerusalem, S. 16. 66 Arnold, Feldspital, S.29.
ihr im Juli desselben Jahres das Dreifaltigkeitskloster in Palermo67. Beide Urkunden stehen, wie schon die Ausstellungsdaten nahelegen, in einem Zusammenhang mit den Kreuzzugsplänen Heinrichs. Der Kaiser erhoffte sich wahrscheinlich eine Stär- kung des deutschen Elements in Süditalien, aber vor allem in Palästina68. In der Spi- talgemeinschaft suchte er, sich einen zuverlässigen Parteigänger in Übersee aufzubau- en. Für die Spitalgemeinschaft war die Übertragung des Spitals in Barletta insofern von Bedeutung, als sie nun in einem der Haupthäfen zur Verschiffung in das Heili- ge Land eine Niederlassung erhielt, die es ihr ermöglichte, Kreuzfahrer und Pilger bereits vor der Einschiffung in Europa zu betreuen69. Allerdings konnten die Pläne Heinrichs VI. wegen dessen frühen Todes nicht reifen. Die Entwicklung der Spital- gemeinschaft schien wieder einen Rückschlag zu erleiden. Jedoch hatte der Kaiser vorgesorgt, so daß die Auswirkungen seines Todes auf die Spitalbruderschaft gering blieben, wenn auch glänzendere Aussichten, die sich zu Lebzeiten des Kaisers zu eröffnen schienen, zurückzuschrauben waren. Die bereits nach Palästina abgereisten Kreuzfahrer werden im November vom Tod des Kaisers erfahren haben. Sie haben wahrscheinlich in dessen Auftrag im März 1198 die Spitalgemeinschaft oder mit Favreau zu sprechen den Spitalorden in Akkon zu einem Ritterorden erhoben und damit seine Aufgabe der Versorgung von Kranken und Bedürftigen um die Pflicht zum Kampf gegen die Sarazenen und Feinde der Christenheit erweitert70. Nun erst erhielt der Orden militärische Aufga- ben. Die Militarisierung der Spitalgemeinschaft ging also letzten Endes von Kaiser Heinrich VI. aus und war Bestandteil seiner Politik, über deren genaue Ziele freilich wegen dessen frühen Tod nichts Sicheres zu sagen ist. Immerhin konnte die Ge- meinschaft dem Kaiser nur dann von Nutzen sein, wenn sie in die Kämpfe als ste- hende Truppe analog den beiden älteren Ritterorden eingreifen konnte71. Die Ver- sammlung der Kreuzfahrer in Akkon verwies den neuen Orden hinsichtlich der Spitalpflege auf den Johanniter- und hinsichtlich des Kampfes gegen die Feinde der Christenheit auf den Templerorden und deren Regeln. Am 19. Februar 1199 geneh- migte Papst Innozenz III. die Erhebung zum Ritterorden und die Beachtung beider Regeln72. Die Entstehungsphase des Deutschen Ordens hatte damit seinen Ab- schluß gefunden. 67 RI IV,3, Nr. 593, 601. Weitere Schenkungen Heinrichs VI. wahrscheinlich aus demselben Jahr: RI IV,3, Nr. 709, 727. Vgl. Schumacher, Studien I, S. 199; II, S. 1; Forstreuter, Mittelmeer, S. 110, 124; Czendes, S. 135 Anm.9; Mayer, Geschichte, S. 137 f. 68 Favreau, Studien, S. 82 f. So auch Naumann, Kreuzzug, S.211 ff. 69 Hubatsch, Cypern, S.248f. 70 So die „Narratio“: Perlbach, Statuten, S. 160. Dazu: Favreau, Studien, S.68ff.; Müller, Jeru- salem, S. 19; Naumann, Kreuzzug, S.222ff. 71 So zu recht Arnold, Feldspital, S. 29. Skeptisch bleibt Forey, Orders, S. 21, der solche Überle- gungen allenfalls als Hypothese gelten lassen will. 72 Strehlke, Tabulae, Nr.297. Vgl. Müller, Jerusalem, S. 19.
Bis zur Erhebung der Spitalgemeinschaft zum Ritterorden sind nur wenige Mit- glieder mit Namen und Funktionen bekannt. Am Anfang stand ein magister Si- brandus, wohl ein Bürger aus Bremen oder Lübeck73. Am 2. Februar ist ein frater Gerardus, magister hospitalis Alamannorum, quod est in Accork genannt74, acht Tage später ein frater Curaudus, hospitalis Alamannorum preceptor5. In diesem Curau- dus hat man im allgemeinen den Kleriker Konrad gesehen, der nach der „Narratio de primordiis ordinis Theutonici“ von Herzog Friedrich von Schwaben eingesetzt worden sei76. Diese Identifizierung hat Favreau zu recht zurückgewiesen77 Eher könnte man Gerhard und Curaudus zu einer Person zusammenziehen, zumal die beiden in Frage kommenden Urkunden nur in Abschriften überliefert sind, in die sich Lesefehler eingeschlichen haben könnten, und die wenigen Tage zwischen den beiden Ausstellungsdaten eher für als gegen eine Identität sprechen. 1193 und 1194 ist ein Henricus als prior des Spitals zu ermitteln78 79, 1196 ein preceptor Henricus73. Die gleichnamigen prior und preceptor werden häufig mit Heinrich Walpot identifi- ziert80. Von Heinrich Walpot berichtet die „Narratio“, daß er nach der Erhebung des Spitalordens zum Ritterorden zu dessen erstem Meister eingesetzt worden, aber schon früher Bruder des Ordens und ein miles gewesen sei81. Der Vorname des er- sten Hochmeisters ist nicht eindeutig überliefert. Einige Handschriften lesen Her- mann statt Heinrich82. Selbst wenn man darüber hinwegsieht, ist der Identifizie- rungsvorschlag nicht zwingend zu begründen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn verschiedene Vorschläge zur Identität der Amtsträger namens Heinrich ge- macht worden sind. Arnold hat beispielsweise überlegt, den prior Heinrich von den beiden anderen zu trennen, da prior die Bezeichnung für einen geistlichen Vorste- her gewesen sei83. In der Tat ist im Deutschen Orden später der Titel prior Geistlichen vorbehalten gewesen. Denselben Titelgebrauch findet man auch in den Statuten des 73 RRH, Nr. 696; Strehlke, Tabulae, Nr.25. Er ist nicht mit einem Sewerinus hospitalarius von 1186 zu identifizieren. Den Severin hat es wohl nicht gegeben, da die entsprechende Urkunde eine Fäl- schung und der Spitalmeister wohl eine Erfindung des Fälschers ist; Favreau, Studien, S. 47; Mayer, Levantehandel, S. 147ff. 74 RRH, Nr. 699; S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 26. 75 RRH, Nr. 701; S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 27. 76 Vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S.22, der allerdings schon ein Fragezeichen gesetzt hat. 77 Favreau, Studien, S.47f. 78 RRH, Nr. 710, 720; Strehlke, Tabulae, Nr.29f. 79 RRH, Nr. 727; S t r e h 1 ke, Tabulae, Nr. 32. 80 Favreau, Studien, S. 48; Forstreuter, Mittelmeer, S. 22; Hubatsch, Montfort, S. 173; Turn- ier, S.30. 81 Perlbach, Statuten, S. 160; SRP VI, S.28. 82 Perlbach, Statuten, S. 160; SRP VI, S.28. Urkundlich ist er nicht überliefert. Jedoch hat Peter von Dusburg, Chronica 1,2, Heinrich; ebenso die Totenbücher; Favreau, Studien, S. 65 Anm. 8. 83 Arnold, Entstehung, S. 87.
Ordens aus der Mitte des 13. Jahrhunderts84. Den geistlichen Konventsmitgliedern des Ordenshauses in Marburg stand ein prior vor, der von den Päpsten mit beson- deren Rechten ausgestattet worden war85. Sucht man vergleichbare Titel im Johan- niterorden, findet man einen Prior im Haupthaus, der ebenfalls Geistlicher war und den Priesterbrüdern vorstand86. Im Johanniterorden gab es aber auch bereits im 12. Jahrhundert Laienbrüder als Prioren, die besondere Ämter zu verwalten hatten87. Der Vergleich mit den Johannitern, deren Regel die neue Spitalgemeinschaft der Deutschen befolgt haben soll88, liefert also keine sicheren Hinweise. Jedoch war die Bezeichnung prior in bruderschaftlich organisierten Spitälern des Deutschen Reichs nicht ausschließlich, aber doch vorwiegend geistlichen Spitalmeistern vorbehalten89. Da die deutsche Spitalgemeinschaft in Akkon 1193-1194 noch kein Orden war, son- dern eher den Bruderschaften in den Spitälern glich, ist der Hinweis auf die spätere Bedeutung des Titels prior im Deutschen Orden nicht durchschlagend. Aber auch der Hinweis auf die Spitäler hilft nicht viel weiter. Dennoch könnte die Vakanz im Meisteramt zwischen 1194 und 1196, wenn es sich nicht nur um eine einfache Über- lieferungslücke handeln sollte, für einen Amtswechsel sprechen90. Der Vorname Heinrich war nicht so selten, als daß man sich nicht vorstellen könnte, daß es da- mals bereits mehrere Brüder dieses Namens gegeben habe. Sicherheit ist freilich nicht zu erlangen. Wenn man jedoch mit Arnold annimmt, daß der prior nicht mit dem preceptor identisch gewesen sei, gewinnt man Platz für jenen schon ge- nannten magister Ulrich, der 1195 in Thüringen bezeugt ist. Er könnte dann der Leiter der Spitalgemeinschaft gewesen sein. Aber auch das ist mit Sicherheit nicht zu beweisen. Denn jener Ulrich könnte auch ein Beauftragter des Meisters gewesen sein, über dessen Aufgaben und Amt allerdings im einzelnen nichts zu sagen ist. Über die Zahl der Brüder, die im Spital dienten oder vielleicht auch schon Güter weit außerhalb Akkons in Palästina oder seit 1197 in Apulien und Sizilien zu ver- walten hatten, ist nichts zu erfahren. An Amtsträgern findet sich nur der Spitalmei- ster mit dem Titel magister, preceptor oder auch prior. Der prior mag ein Geistlicher gewesen sein. Falls der 1196 genannte preceptor Heinrich mit dem ersten Hochmei- ster Heinrich Walpot identisch sein sollte, ist er ein Laienbruder gewesen. Da die Meister nur mit Vornamen überliefert sind, ist über ihre soziale und regionale Her- 84 Perlbach, Statuten, S. 87f.: Ges. §§40, 42 f. 85 Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 248ff. Zum ersten Prior Ulrich von Dürn: Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 220. Einen Prior gab es im 13. Jahrhundert auch in der Kom- mende Plauen: UB Ballei Thüringen, Nr. 181, 299, 354, und in friesischen Kommenden: Mol, Frie- se Huizen, S. 67. 86 Riley-Smith, Knights, S.338ff. 87 Riley-Smith, Knights, S.341 ff. 88 Favreau, Studien, S.65f. 89 Reicke II, S.26. 90 Die Gründe hat zusammengestellt: Arnold, Entstehung, S. 86f.
kunft nicht viel zu ermitteln. Der erste Meister Sibrand mag ein Bürger Bremens oder Lübecks gewesen sein. Dabei ist immer zu berücksichtigen, daß im ^.Jahr- hundert viele Familien der Bremer Führungsschicht der Ministerialität der Bremer Erzbischöfe angehört haben91, wie ohnehin im 12. Jahrhundert Bürgertum und Mi- nisterialität noch keine Gegensätze bilden mußten. Aber ob Sibrand einem dieser Geschlechter entstammte, ist bislang nicht ermittelt worden. Die Herkunft aus einer stadtgesessenen Ministerialität könnte für Heinrich Walpot zutreffen, wenn er dem gleichnamigen Mainzer Ministerialengeschlecht zuzuordnen ist. Aber auch das ist strittig92. Immerhin scheint so viel sicher, daß die Meister, ihren Namen nach zu urteilen, alle aus dem deutschsprachigen Raum gekommen sind. Es spricht außer- dem viel dafür, daß die übrigen Angehörigen der Spitalgemeinschaft ebenfalls Deut- sche waren, wie der Name des Spitals hospitalis Alamannorum^Teutonici hospita- Us*4 oder ospital, hospitaus (maison) des Alemanz* nahelegt. Entstanden aus der Notsituation des Feldheeres vor Akkon, behielt das Spital und der sich daraus ent- wickelnde Orden im wesentlichen eine Beschränkung auf Deutschsprachige bei, ohne freilich Angehörige anderer Nationen ausdrücklich auszuschließen. 91 Schwarzwälder, Geschichte I, S.45, 52, 63££.; Ders., Entstehung, S.269f., 297f. Demnächst: Hans Georg Trüper, Bremische Ministerialität im Wandel, Diss. phil. Osnabrück/Vechta 1995, der auch im Abschnitt D.3. seiner Arbeit Bremer Kreuzfahrer am 3. Kreuzzug ermittelt hat. Ich danke ihm für die Erlaubnis zur Einsichtnahme in sein Manuskript. 92 Von der Oelsnitz, S.43f.; Schreiber, S.647f.; Forstreuter in: Altpreußische Biographie II, S. 774. 93 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 26 f. 94 UB Ballei Thüringen, Nr. 1. 95 Estoire de Eracles XXV,3-4 (S. 141 f.).
2. DER RITTERORDEN VOR HERMANN VON SALZA 1198-1209 Die junge Gründung schien nicht vom Glück begünstigt zu sein. War in der An- fangszeit Herzog Friedrich von Schwaben, der erste nachhaltige Förderer aus staufi- schem Haus, bereits wenige Monate nach seiner Ankunft in Akkon gestorben und schließlich auf dem Friedhof des neuen Spitals begraben worden, so hatte Kaiser Heinrich VI. kaum einen Plan zur politischen Durchdringung des östlichen Mittel- meerraums entworfen, der neuen Spitalgemeinschaft darin einen wichtigen Platz ein- geräumt und damit begonnen, den Plan in die Tat umzusetzen, als auch ihn der Tod ereilte. Er mag den Kreuzfahrern vor seinem Tod noch mit auf den Weg gegeben ha- ben, das Spital zu einem Ritterorden zu erheben. Aber die damit verbundenen Er- wartungen blieben aus - wenigstens zunächst. Daß die folgenden Jahre dem neuen Ritterorden dennoch eine glänzende Zukunft eröffnen sollten, konnte 1198 noch niemand Vorhersagen. Die Nachfolger Heinrichs VI., Philipp von Schwaben und Otto IV, hatten andere Sorgen, wenngleich beide die Gewogenheit des neuen Ritter- ordens durch Schutzprivilegien und Schenkungen zu gewinnen suchten1. Der Deut- sche Orden wäre trotz des Wohlwollens beider Herrscher mutmaßlich ein kleiner Ritterorden wie der englische St. Thomas-Orden, der aus einem fast gleichzeitig mit dem deutschen Spital gegründeten Hospital vor Akkon hervorgegangen war2, oder wie andere national begrenzte spanische Ritterorden3 geblieben und hätte trotz sei- ner Privilegierung bei weitem nie das Ansehen, die Macht und die Verbreitung wie die beiden älteren Ritterorden, nämlich die der Templer und Johanniter, erreicht4. Uber die ersten Jahre des neuen 1198 erhobenen Ritterorden ist nur wenig be- kannt. Darin unterscheidet er sich nicht von der Spitalgemeinschaft, aus der er her- vorgegangen ist. Es sind Namen von Meistern überliefert, von denen nicht einmal 1 Zu Philipp: RI Nr. 135, 159, 713; V,4, Nr.26. Zu Otto IV: UB Nürnberg, Nr. 127; Hennes II, Nr. 2: Übertragung der Nürnbergerjakobskirche. 2 Forstreuter, Mittelmeer, S.218f. 3 Schwenk, S. 109f£. 4 Nicholson, Templars, S. 17, 20 f., 25ff.
die wichtigsten Amtsdaten feststehen. Heinrich Walpot, in einigen Quellen auch Hermann genannt, wurde als erster Meister 1198 von der Versammlung deutscher Fürsten in Akkon eingesetzt, nachdem sie die Spitalgemeinschaft zu einem Ritter- orden erhoben hatte. Die Herkunft des ersten Meisters ist unsicher. Möglicherweise stammte er aus einer der nicht immer miteinander verwandten Familien Walpot aus dem Rheinland5. Angeblich soll er 1198/99 bei der Bestätigung der Erhebung zum Ritterorden durch Papst Innozenz III. in Rom gewesen sein6. Aber auch das ist un- sicher. An einem 5. November eines unbekannten Jahres ist er in Akkon gestorben. Der nächste überlieferte Meister hieß Otto von Kerpen und ist urkundlich im September 1208 bezeugt7. Er könnte ebenfalls einem rheinischen Adelsgeschlecht entstammen. An einem 7. Februar , wahrscheinlich 1209, ist er in Akkon gestorben8. Mehr ist über ihn nicht bekannt. Heinrich von Tonna genannt Bart hat 1208 eine Pilgerreise in das Heilige Land unternommen, ist möglicherweise in Palästina in den Deutschen Orden eingetreten und bald nach dem 7. Februar 1209 zum Meister gewählt worden. Er ist am 2. Juni 1209 oder spätestens 1210 gefallen und in Akkon begraben. Wenn der Pilger mit dem Meister wirklich identisch ist, stammte Heinrich aus einer Ministerialenfamilie der Landgrafen von Thüringen aus Tonna bei Gotha9. Jedoch ist die Identität immer wieder in Frage gestellt und neuerdings sind beachtliche Gründe gegen eine Gleich- setzung des Pilgers mit dem Meister vorgebracht worden10. Die thüringische Her- kunft des Meisters Heinrich Bart bleibt also zweifelhaft. Entsprechend dem geringen Bekanntheitsgrad und Ansehen waren Adlige und Bürger kaum bereit, dem neuen Orden Güter zu schenken. Ihm fehlten noch die Ablaß- und Almosenprivilegien, die die beiden älteren Ritterorden besaßen und die einen Teil der Kreuzzugsspenden in ihre Kassen fließen ließen. Von 1198 bis 1209/10 sind dem Deutschen Orden im Heiligen Land nur elf Urkunden ausgestellt wor- den, also pro Jahr lediglich eine. Das ist, verglichen mit den Jahren vorher und nachher, sehr wenig. Der Orden erwarb einzelne Besitzungen vor allem in und um Akkon und hatte um 1200 möglicherweise ein Haus in Antiochia. Er erhielt Güter in Tyros, Tripolis, in Armenien und auf Zypern11. Jedoch warfen die Besitzungen 5 Favreau, Studien, S. 72; von der Oelsnitz, S.43f.; Turnier, S.30. Neuerdings Pelech, in: Die Hochmeister, S. 9f. 6 Perlbach, Statuten, S. 160. 7 RRH, Nr. 828; S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 43. 8 Favreau, Studien, S. 72; von der Oelsnitz, S.44f.: unsichere Herkunft; Schreiber, S.648ff.: wahrscheinlich Rheinländer. Für die Herkunft der beiden ersten Meister aus dem Rheinland: Ha ass, Kreuzzugsbewegung, S. 98. Neuderdings: Arnold, in: Die Hochmeister, S. 10 f. 9 Mülverstedt, Woher stammt, S. 66f.; Schreib er, S. 649ff.; von der Oelsnitz, S. 45ff. 10 Fenske, Amtsträger, S. 70ff. Neuerdings Arnold, in: Die Hochmeister, S. 11. 11 RRH, Nr. 772, 774, 776, 810, 812, 821, 828, 839; Strehlke, Tabulae, Nr. 29-32, 34-36, 38f.; Fa- vreau, Studien, S. 73 f.
wohl noch wenig Gewinn ab. Die Einkünfte in Armenien blieben zunächst gering. Immerhin hatte der Orden dort bereits Fuß gefaßt. 1209 erhielt er vier große Ritter- lehen im Fürstentum Achaia bei Kalamata12. Wenngleich die Lehen erst in Besitz ge- nommen und in eine Verwaltungsorganisation einbezogen werden mußten und, so- lange solches nicht geschehen war, dem Orden geringen Nutzen brachten, hatte er doch wie in Armenien in Griechenland Fuß gefaßt. In beiden Ländern waren die Voraussetzungen für eine Erweiterung des Besitzes geschaffen. In Sizilien konnte der Orden Bestätigungen und Erweiterungen seiner Güter in und um Palermo durch den jungen König Friedrich II. und andere Männer errei- chen13. In Apulien versuchte der Orden allerdings lange erfolglos, seinen Besitz in Barletta, vor allem das Thomasspital, zu sichern oder gar zu erweitern14. Allerdings gelang es ihm, Güter bei Eboli in Campanien zu erwerben15. Dennoch war die Be- sitzentwicklung in Sizilien und Unteritalien alles andere als befriedigend. Etwas erfolgreicher war der neue Orden im Deutschen Reich, wenngleich auch dort die Schenkungen nicht reichlich waren. Sieht man einmal von der durchaus zweifelhaften Güterübertragung in Böhmen und Mähren aus dem Jahre 1191 durch Herzog Konrad von Böhmen und Markgraf Wladislaus von Mähren ab, erhielt der Orden erstmals um 1199 Güter in Groß-Sonntag von Friedrich von Pettau16. Das dürfte der älteste Besitz im Reich überhaupt gewesen sein. Im Jahr 1200 baute der Orden in Halle an der Saale ein Spital auf einem Gelände, das ihm Erzbischof Lu- dolf von Magdeburg überlassen hatte17. 1202 übergab Bischof Konrad von Trient die Johanniskirche in Bozen an der Eisackbrücke und regelte deren Verhältnis zum schon bestehenden Spital dort18. Ein Jahr später übertrug Erzbischof Eberhard II. von Salzburg dem Orden das Magdalenenspital in Friesach19. Wann genau der Deut- sche Orden seinen ersten Besitz in Wien erworben hat, weiß man nicht. Es spricht aber einiges dafür, daß es um 1200 geschehen ist20. 1207 ließ sich der Orden die Kir- che im nordhessischen Reichenbach übertragen. Dort entstand in den folgenden Jahren nach weiteren Schenkungen eine eigene Kommende21. Vor seinem jähen Tod 12 Favreau, Studien, S. 75; Forstreuter, Mittelmeer, S. 72. 13 RI V,1,1, Nr. 567, 573; Mongitore, S. 16-22; Forstreuter, Mittelmeer, S. 110; Schumacher, Studien II, S. 1 ff. 14 RI V,1,1, Nr. 90; vgl. Favreau, Studien, S. 76; Forstreuter, Mittelmeer, S. 124; Schumacher, Studien I, S. 199 ff. 15 Forstreuter, Mittelmeer, S. 125. 16 UB Steiermark II, Nr. 203, 324, 337. 17 UB Ballei Thüringen, Nr. 2; Wolf, S. 6ff. Bereits 1203 war das neue Spital in der Lage, Güter zu kaufen; UB Ballei Thüringen, Nr. 3. 18 Tiroler UB II, Nr. 543; Ladurner, S. 8f.; Arnold, Mittelalter, S. 130f.; Hye, Ballei, S.329f. 19 Salzburger UB III, Nr. 115. Zur Korrektur der bisherigen Datierung auf 1213: Arnold, Friesach, S.37ff. 20 Latzke, S.50; vgl. Perger, S. 140ff. 21 Wy ss I, Nr. 1-3; dazu: B ooc km an n, Marburg, S. 139 f.
1208 hat Philipp von Schwaben dem Orden das halbe Patronatsrecht in Ober-Mör- len verliehen, das später von der Kommende Sachsenhausen beansprucht wurde22. 1209 schenkte Kaiser Otto IV. dem Orden die Jakobikirche in Nürnberg mit weite- ren Gütern. Aus dem Besitzkomplex entwickelte sich die Nürnberger Kommende23. 1210 übertrug Herzog Ludwig I. von Bayern, der Kelheimer, dem Orden in ultra marinis partibus die Regensburger Egidienkirche und eine Georgskirche mit Lie- genschaften, dazu die Kirche im fernen Aichach24. Aus der umfangreichen Schen- kung entwickelten sich die beiden Kommenden Regensburg und Aichach25. Mit dem Jahr 1210 ist jener Zeitpunkt erreicht, den man als das Ende eines Zwi- schenspiels bezeichnen könnte. Der Orden drohte, seinen Schwung zu verlieren und in einem Mittelmaß stecken zu bleiben, nachdem er die Stütze an dem Herr- scherhaus der Staufer nach dem Tod Heinrichs VI. eingebüßt hatte. Dazu kam, daß die sich befehdenden Parteien der Welfen und Staufer sich wenig um den Orden kümmerten, da sie andere politische Prioritäten setzten. In den Planungen beider Protagonisten fand der Orden im Gegensatz zur Zeit Heinrichs VI. keinen festen Platz. Die Großen des Reichs und der kleinere Adel hielten sich ebenfalls zurück, so daß der Orden seinen Besitz nur langsam mehren und daher weder im Heiligen Land noch in Sizilien, Apulien oder dem Deutschen Reich einen Durchbruch erzie- len konnte. Der Besitz, den die Brüder trotzdem erwerben konnten, war weit ver- streut. Vergegenwärtigt man sich dessen Lage in den Ländern und Regionen, fällt es schwer, hinter den Schenkungen ein gesteuertes Vorgehen zu vermuten, wie man manchmal lesen kann. So unterstellen beispielsweise einige Autoren, daß sich der junge Orden schon vor der Regierungszeit Hermanns von Salza Stützpunkte an den Paßstraßen nach Italien für den Nachschub an Hilfsgütern und für frisch angewor- bene Ordensbrüder habe schaffen wollen26. Für ein derart gezieltes Vorgehen hätte es einer Planung bedurft, dessen der Orden noch gar nicht fähig war. Der Deutsche Orden war damals noch nicht sehr attraktiv und zog kaum Nach- wuchs an. Er hatte wenig zu bieten und nur geringe Möglichkeiten, im Kampf ge- gen die Muslime zu bestehen oder als Versorgungsinstitut für nachgeborene Söhne zu dienen. Peter von Dusburg, ein Priesterbruder und Ordenschronist des frühen 14. Jahrhunderts, hat berichtet, daß Hermann von Salza die Schwäche des Ordens bedauert habe und ein Auge dafür habe hergeben wollen, wenn er zu Beginn seiner Amtszeit zehn Ritterbrüder unter Waffen hätte halten können27. Dusburg wollte selbstverständlich den zu seiner Zeit erreichten Entwicklungsstand von den gerin- gen Anfängen abheben und wird übertrieben haben. Aber einen realen Hintergrund 22 23 24 25 26 27 RI V, 1,1, Nr. 713; V,4, Nr. 26; Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 39; Sch rod, Gründung, S. 34. Nürnberger UB, Nr. 127f.; Weiss, Franken, S.32; Boockmann, Nürnberg, S.93H. HStA München, RO 4877a; DOZA, Kopiar des DOH Regensburg, Hs. 470, fol. 20. Militzer, Entstehung, S. 118; Weiss, Franken, S.45, 51. Anders: Arnold, Forschungsprobleme, S.25; Ders., Mittelalter, S. 130f. Peter von Dusburg, Chronica 1,5.
mag die Schilderung gehabt haben. Als Hermann von Salza zum Meister gewählt wurde, fehlten dem Orden Ritterbrüder. Die Überlieferung kann bis zu einem gewissen Grad den Mangel an Brüdern be- stätigen. Sie nennt uns nämlich kaum Ritterbrüder und nur wenige Amtsträger. Die schmale Quellenlage ist zum einen durch den geringen Besitz und die wenigen Schenkungen begründet, so daß es keinen Anlaß gegeben hat, Brüder namhaft zu machen, zum anderen aber auch in der kleinen Zahl der Ordensmitglieder. Als die Spitalgemeinschaft 1198 zum Ritterorden erhoben wurde, soll ein Hermann von Kirchheim eingetreten sein28. Jedoch bleibt unsicher, ob es ihn wirklich gegeben hat oder er nicht nur als eine weitere ausschmückende Erfindung der „Narratio“ zu werten ist29. Eine eindeutige Entscheidung ist kaum zu fällen. Nach der Erhebung zum Ritterorden erhielt der Deutsche Orden zunehmend militärische Aufgaben übertragen. Zunächst wurde er 1198 stärker zur Verteidigung Akkons herangezogen30. Erst 1206 folgten weitere Verteidigungsaufgaben in Caesa- rea und 1209 in Tripolis31. Allmählich begann der Orden bei militärischen Operatio- nen Ratschläge zu geben, weil er gefragt wurde. Er muß also um 1200 zu einer wenn auch noch geringen politischen und militärischen Macht herangewachsen sein, die man im Heiligen Land nicht mehr ohne weiteres übergehen durfte. Die Voraussetzung dafür war die Erhebung zum Ritterorden. Jener Akt war jedoch nicht die Folge einer schleichenden Militarisierung der Spitalgemeinschaft bereits vor 1198. Zur Verteidigung von Städten und zur Beteiligung an Feldzügen benötigte der Orden Ritterbrüder und auch Anführer außer dem Meister. Ohne sie hätte er die Aufgaben nicht übertragen erhalten und wäre er nicht um Rat gefragt worden. In der Tat lernen wir als ersten Amtsträger nach dem Meister 1207 und 1208 einen preceptor Gerhard kennen, den man am ehesten als Großkomtur, als einen Stellver- treter des Meisters, ansehen kann32. 1208 ist ein Marschall namens Heinrich ur- kundlich bezeugt. In derselben Urkunde von 1208 ist als erster Spittler ein Bruder Heinrich genannt33. Damit sind noch nicht alle Amtsträger des Haupthauses, die später sogenannten Großgebietiger, nachgewiesen, aber die wichtigsten Amtsträger nach dem. Meister bezeugt. Berücksichtigt man, daß der Orden 1208 ein recht diffe- renziertes Amterwesen kannte, wird man, wie sich gezeigt hat, annehmen müssen, daß der Orden damals in Palästina mehr als zehn Ritterbrüder hatte, einmal ganz abgesehen von den Verwaltern der Güter außerhalb Palästinas. Denn bereits vor 28 Perlbach, Statuten, S. 160. 29 Vgl. Favreau, Studien, S.65 f. 30 RRH, Nr. 744; S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 35. 31 Favreau, Studien, S. 78££. 32 RRH, Nr. 821, 828; Strehlke, Tabulae, Nr.42f.; Milthaler, S. 35. 33 RRH, Nr. 828; Strehlke, Tabulae, Nr. 43: custos infirmorum. In der Urkunde sind ferner zwei Ritterbrüder namens Hugo und Bertoudus genannt. Vgl. Milthaler, S. 39.
1210 muß der Orden Ritterbrüder in Armenien stationiert gehabt haben, da 1209 einer von ihnen die römische Kurie aufgesucht hat34. Außerhalb Palästinas sind wir besonders gut und früh über den Orden in Paler- mo auf Sizilien unterrichtet. 1202-1206, vielleicht sogar bis 1^19, stand ein Gerhard mit den Titeln magister und prior an der Spitze des dortigen Deutschordenshau- ses35 36. In diese Kommende traten damals sogar zwei Sizilianer wohl aus Palermo selbst ein, und zwar ein Constantinus dictus Marmorarius und ein Robertus faber^. Der Nachweis ist gewiß auf eine glückliche Überlieferung zurückzuführen, aber auch darauf, daß die reichhaltige Stiftung Kaiser Heinrichs VI. etwas zu bieten hat- te und daher geschätzt wurde. Außerdem stand sie auch nach dem Tode Heinrichs unter dem Schutz des Stauferhauses und wurde vom jungen König Friedrich II. ge- fördert. Das hob das Ansehen der Kommende und machte sie attraktiv für nachge- borene Söhne des einheimischen Adels und Bügertums. Analoges gilt für Barletta. Dort amtierte 1208 oder 1209 ein preceptor Robert37. In Bozen nahm 1202 ein Or- densbruder namens Konrad die Schenkung des Trientiner Bischofs entgegen38. Mehr Namen von Brüdern sind bislang nicht bekannt geworden. Aber es müssen auch in Sizilien, Apulien und im Deutschen Reich mehr Ordensmitglieder gelebt haben, die Schenkungen an Ort und Stelle, beispielsweise in Friesach, Groß-Sonn- tag, Wien oder Halle an der Saale, entgegennehmen konnten. Die meisten von ihnen blieben aber anonym. Von denen, deren Vornamen überliefert sind, ist nicht bekannt, woher sie kamen und welchem Stand sie angehörten. Es spricht einiges dafür, daß die Amtsträger Deutsche waren, zumindest deutsch sprachen, wohl auch die in Palermo und Barletta. 34 RRH, Nr.838; Potthast I, Nr.3738. 35 Mongitore, S. 16-18, 21 f, 26; Forstreuter, Mittelmeer, S. 120. 36 Mongitore, S. 16-18. 37 Forstreuter, Mittelmeer, S. 134. 38 Tiroler UB II, Nr. 543: Conradus, confrater hospitalis s. Marie Theutonicorum in civitate de Acre. Er wird in Bozen geblieben sein, da er 1212 als Empfänger einer Schenkung in Tirol wieder bezeugt ist. Vgl. Arnold, Mittelalter, S. 130f.
3. HERMANN VON SALZA UND SEINE NACHFOLGER BIS ZUM FALL AKKONS 1209-1291 Hermann von Salza wurde 1209 oder 1210, je nachdem wann Heinrich Bart gefallen ist, zum vierten Meister des Deutschen Ordens gewählt1. Er stammte aus einem Ministerialengeschlecht der Landgrafen von Thüringen2. Möglicherweise ist er 1196 mit Landgraf Hermann von Thüringen in das Heilige Land gezogen und dort in den Orden eingetreten. Jedoch ist diese Hypothese nur ein Versuch, sich vorzustel- len, wie der Ministerialensohn mit dem Orden in Berührung gekommen sein könnte. Wirkliche Anhaltspunkte für eine solche Hypothese fehlen3. Als Meister ist Her- mann eventuell 1209 neben den Meistern der Templer und Johanniter4 oder späte- stens 1210 bei der Krönung Johanns von Brienne zum König von Jerusalem am 3. Oktober in Tyros nachzuweisen5. Urkundlich ist er erstmals am 14. Februar 1211 zu belegen. 1211-1212 reiste er in Begleitung des Hildesheimer Domherrn Wilbrand von Oldenburg durch Palästina, Syrien, Armenien und Zypern6. Im April 1212 er- hielt er während seiner Rundreise von König Leo von Armenien die Burg Amu- dain, die Wilbrand wohl in Begleitung des Hochmeisters besuchte, geschenkt7. Da- mals wurden die Ritterbrüder schon wie Johanniter und Templer mit Machabäern verglichen8. Aber der Deutsche Orden war noch weit davon entfernt, sich mit den beiden älteren Ritterorden messen zu können. Dennoch begannen beide, die Kon- kurrenz des neuen Ordens zu fürchten, wie sich an kleineren Vorstößen, die sich ausweiten konnten, zeigte. So versuchten die Templer bei der Wahl Hermanns von 1 Kluger, S. 7; Favreau, Studien, S. 80. Die ältere Forschung neigte eher zu 1210, die neuere zu 1209; vgl. Arnold, in: Die Hochmeister, S. 12ff. 2 Maschke, Herkunft, S. 104ff. 3 Der Rekonstruktionsversuch einer Ordenskarriere ist zwar plausibel, aber nicht beweisbar und eventuell sogar falsch; vgl. Favreau, Studien, S. 80. 4 Estoire de Eracles XXX,16 (S. 309). 5 Estoire de Eracles XXXI,1 (S. 311). 6 Wilbrandi de Oldenborg, Peregrinatio, S. 162-190; Cohn, S. 3-15; Kluger, S. 8f. 7 RRH, Nr. 859; Strehlke, Tabulae, Nr. 46; Wilbrandi de Oldenborg, Peregrinatio, S. 179. 8 Favreau, Studien, S. 83.
Salza oder kurze Zeit später, dem Deutschen Orden das Tragen weißer Mäntel mit schwarzen Kreuzen verbieten zu lassen. Schließlich wurde 1211 ein Kompromiß er- zielt, mit dem sich die Templer weitgehend durchsetzten. Die Ritterbrüder des Deutschen Ordens durften nun zwar Stamford-Tuche trage$, die aber nicht weiß gefärbt sein sollten9. Den weißen Mantel mit schwarzem Kreuz konnte ihnen erst Friedrich II. wieder verschaffen, als er sich während seiner Kaiserkrönung für die weißen Mäntel des Ordens beim Papst Honorius III. einsetzte. Honorius III. wies alle Proteste der Templer zurück, so daß der Streitpunkt damit für alle Zeiten er- ledigt war10. Hermann von Salza war einer der bedeutendsten Politiker seiner Generation und zählt zu den hervorragendsten Hochmeistern, die jemals an der Spitze des Ordens gestanden haben. Er hätte jedoch seine Fähigkeiten nicht ausspielen können, wenn ihm die Umstände nicht zu Hilfe gekommen wären. Dazu gehörten der Aufstieg Friedrichs II. und seine Auseinandersetzung mit dem Papsttum. Friedrich II. hatte schon als König von Sizilien dem Orden Güter in Sizilien und Süditalien bestätigt, aber ihn sonst nicht sonderlich gefördert11, jedenfalls nicht mehr als andere Orden auch. Daß er dem Deutschen Orden 1214 ein Schutzprivileg ausstellte12, deutet noch nicht auf eine besonders enge Beziehung zu dem Ritterorden. Allmählich begann der Orden, in der Politik des Staufers eine stärkere Rolle zu spielen. Friedrich II. nahm die Zielvorstellungen seines Vaters, des früh verstorbenen Kaisers Heinrich VI., wieder auf und baute wie jener den Orden in seine Planungen als Stütze der staufi- schen Herrschaft ein. Als der junge König 1212 die Alpen überschritten hatte und sich anschickte, die deutsche Königskrone zu erlangen, brauchte er Verbündete. Ein solcher schien der Deutsche Orden auf Grund seiner bisherigen Geschichte zu sein, da er seine Erhebung zum Ritterorden nicht zuletzt dem Staufer Heinrich VI. ver- dankt hatte. Der Staufer traf im Orden auf Gegenliebe, die von Friedrich II. wie- derum nach Kräften gestützt wurde. 1214 schenkte er dem Orden das Spital im thü- ringischen Altenburg mit weiteren Gütern13 und 1216 Reichslehen in Nenewitz und an anderen Orten14. An die Schenkungsurkunden von 1214 ließ Friedrich erst zwei 9 Potthast I, Nr. 4289; Strehlke, Tabulae, Nr. 301. Damals mögen die Tuche tatsächlich noch aus dem englischen Stamford gekommen sein, wurden aber bald eine auch anderswo dicht gewebte Tuchsorte, die nur noch den Namen Stamford beibehielt, weil dort zuerst solche Tuche hergestellt worden sind: Ammann, Deutschland, S.62, 65, 81, 84, 91 f., 94; Favreau, Studien, S. 17f.; nun auch Natalie Fryde, Ein mittelalterlicher Großunternehmer, Terricus Teutonicus de Colonia in England, 1217-1247 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beiheft 125), Stuttgart 1997, S. 61 ff., bes. S. 73 f. 10 Strehlke, Tabulae, Nr. 308, 368; Potthast I, Nr. 6474, 6814; Favreau, Studien, S. 18. 11 RI, V,l,l, Nr. 567, 573, 577; RI, V,4, Nr. 90. 12 RI, V,1,1, Nr. 718. 13 UB Altenburg, Nr. 70; UB Ballei Thüringen, Nr. 5. 14 UB Altenburg, Nr. 80; UB Ballei Thüringen, Nr. 8.
Jahre später sein Siegel hängen15. Aus den Stiftungen entwickelten sich die beiden Kommenden Altenburg und Nenewitz16. Ebenfalls bereits 1214 hatte er dem Orden das Spital in Donauwörth übertragen, aus dem gleichfalls eine Kommende hervor- gegangen ist17. Am 8. September 1216 schließlich vermachte er dem Orden das Spital in Ellingen, an dem allerdings das Chorherrenstift Berchtesgaden Ansprüche er- hob18. Am 30. Januar 1216 hat er dem Orden die Margaretenkapelle in der Burg über Nürnberg und im August den Besitz der Jakobikirche in der Stadt bestätigt19. Die Häufung der Besitzübertragungen und -bestätigungen belegen das erwachte In- teresse des Königs an dem neuen Orden, den er offenbar für sich zu gewinnen und an sich und seine Politik zu binden trachtete. Im Dezember 1216 trafen der König und der Hochmeister Hermann von Salza in Nürnberg zum ersten Male zusammen20. Schon damals scheinen sich beide Männer gut verstanden und Absprachen getroffen zu haben. Jedenfalls überließ der Orden dem König Besitzungen im Deutschen Reich gegen eine jährliche Zahlung von 150 Goldunzen, die der König auf Einkünfte in Brindisi anwies21. Damals mag der Plan ersonnen worden sein, den Deutschen Orden in die Politik des Staufers einzubin- den22. Wenn das zu diesem Zeitpunkt 1216 noch zuviel gesagt sein sollte, so bahnte sich doch eine solche Symbiose zum gegenseitigen Vorteil an. Der Deutsche Orden wurde fortan zu einer Stütze der staufischen Herrschaft im Reich, in Sizilien und in Unteritalien. Im Königreich Sizilien konnte er das deutsche Element verstärken, das ohnehin auf die Staufer angewiesen war, wenn es seinen Einfluß wahren wollte. Auf der anderen Seite hatte der König verläßliche Verbündete, weil mit den Deutschen auch der Deutsche Orden auf ihn setzen mußte. Im Reich hätte der Orden andere Optionen gehabt, die er aber kaum nutzen konnte, wenn er nicht auf eine über das Reich hinausgehende Ausdehnung verzichten wollte. Da ein solcher Verzicht nicht in Frage kam, war der junge Orden umso stärker auf den Staufer angewiesen23. Der Hochmeister konnte sich nicht lange am königlichen Hof aufhalten, sondern mußte in das Heilige Land zurückkehren, weil dort ein neuer, der 5. Kreuzzug ge- plant wurde. Ursprünglich wollte der Kriegsrat, an dem auch der Hochmeister be- 15 UB Ballei Thüringen, Nr. 9; UB Altenburg, Nr. 70. Die Besiegelung erfolgte jedenfalls nach 1215. 16 Wojtecki, Deutsche Orden und Friedrich II., S. 188f. 17 RI, V,l,l, Nr. 739; Acta imperii selecta, Nr. 265; Steichele III, S. 804ff.; Wojtecki, Deutsche Orden und Friedrich II., S. 190; Militzer, Entstehung, S. 119; Weiss, Franken, S. 54. 18 RI, V,1,1, Nr. 877; Hennes, Nr.21 (mit falschem Datum); Woj tecki, Deutsche Orden und Fried- rich II., S. 190 f.; Militzer, Entstehung, S. 120; Grill, S. 3; Weiss, Franken, S. 58; Ders., Ellin- gen, S. 5 f. 19 Nürnberger UB, Nr. 124, 143; Weiss, Franken, S.33. 20 Hennes II, Nr. 6; RI, V,1,1, Nr. 887; Nürnberger UB, Nr.l48f.; Kluger, S. 8. 21 RI, V,1,1, Nr. 887. 22 Vgl. Kluger, S.8f. 23 Zur Entwicklung des Deutschen Ordens zu einem staufischen Hausorden auch: Cleve, Friedrich II., S. 63 ff. (in Einzelheiten wenig verläßlich).
teiligt war, daß Nablus erobert würde. Als jedoch König Andreas von Ungarn und Herzog Leopold von Österreich eintrafen, wurde der Plan umgeworfen und das Nil- delta als neues Angriffsziel festgelegt. Im Mai 1218, nachdem der ungarische König schon wieder abgereist war, brach das Kreuzfahrerheer auf. E|-st im November 1219 fiel Damiette in die Hände der Christen24. Bald stellte sich heraus, daß die Ziele der Kreuzfahrer zu ehrgeizig und letztlich unrealistisch waren. Friedensangebote Al-Ka- mils förderten die Zwietracht unter den Anführern des christlichen Heeres. Nament- lich der König von Jerusalem, der syrofränkische Adel und die französischen Teilneh- mer neigten zum Friedensschluß, während die Italiener, die Templer und Johanniter samt den meisten kirchlichen Würdenträgern und vor allem dem päpstlichen Legaten ablehnten. Der Hochmeister des Deutschen Ordens stellte sich schließlich auf die Seite des Königs von Jerusalem, mit dem er den Kauf der Seigneurie de Joscelin bei Akkon vereinbarte25. Die Parteinahme ließ sich der Hochmeister also vergüten. Im Frühjahr 1220 verließ Hermann mit dem König Damiette und Ägypten. Er segelte nach Italien und bereitete die Kaiserkrönung Friedrichs II. vor. Bei der Gelegenheit ließ er sich den Besitz der Seigneurie de Joscelin vom Papst bestätigen26. Nach der Krönung Friedrichs II. erreichte Hermann von Kaiser und Papst die endgültige Gleichstellung seines Ordens mit Templern und Johannitern. Bereits 1218 hatte Papst Honorius III. auf Bitten Friedrichs II. hin den leidigen Streit mit den Templern entschieden und das Tragen weißer Mäntel mit einem schwarzen Kreuz erlaubt. Im gleichen Jahr hatte der Papst den Orden von der Gerichtsbarkeit der Bischöfe befreit und der alleinigen Jurisdiktion des Papstes unterstellt27. Damals erwirkte, wie schon gesagt, Friedrich II. vom Papst die Genehmigung zum Tragen weißer Ordensmäntel mit schwarzem Kreuz und stiftete 300 Goldmark aus Ein- künften in Brindisi zur Anschaffung geeigneter Tuche28. Zwei Jahre später setzte eine Privilegierungswelle ein. Vom Dezember 1220 bis zum März 1221 stellte Ho- norius III. 57 Privilegien für den Deutschen Orden aus, die den Orden von der Ge- richtsbarkeit der Bischöfe eximierten, das Begräbnisrecht und das Almosensammeln zugunsten des Ordens regelten, Exkommunikationsverbote aussprachen, dem Or- den die Besetzung vakanter Ordenskirchen zusicherten und Reservatrechte des Papstes umschrieben29. In Analogie zum Papst stellte Friedrich II. elf Diplome aus, namentlich Schutz- privilegien und Bestätigungen einzelner Schenkungen30. Diese Diplome sind inso- 24 Runcimanlll, S. 155ff. 25 Dazu: Mayer, Seigneurie, S. 190. 26 Strehlke, Tabulae, Nr.54; Potthast, Nr.6376; Kluger, S.20f. 27 Streh 1 ke, Tabulae, Nr. 305; Müller, Jerusalem, S. 19. 28 RI, V,1,1, Nr. 137; Huillard-Breholies 11,1, S.224f.; Kluger, S.22f. 29 Kluger, S.23 ff., führt sie einzeln auf. ^0 Kluger, S. 29f., führt sie auf. Vgl. dazu Arnold, Deutsche Orden zwischen Kaiser und Papst, S.57ff.
fern eine Besonderheit, als der Kaiser sich in ihnen auf seine Vorfahren berief, die den Orden unterstützt hätten. Die sogenannte Ahnenformel, die Berufung Fried- richs II. auf seinen Vater und Großvater als Gönner des Ordens, hat in der Diskus- sion um die Anfänge des Ordens eine Rolle gespielt. Dabei haben die Forschungen von Favreau auch in dieser Hinsicht neue Wege gewiesen und Überlegungen älte- rer Forscher relativiert. Wie Favreau darlegt, sollte der Orden an das staufische Herrscherhaus gebunden werden, da nicht erst Friedrich II., sondern schon seine Vorfahren Wohltäter des Ordens gewesen seien. Zweitens sollte die Formel das An- sehen des Ordens stärken. Der Kaiser hob durch sie die Korporation als staufischen Hausorden aus der Masse der übrigen Orden heraus und wies dadurch auch auf dessen bevorzugte Stellung gegenüber den Templern und Johannitern hin31. Fried- rich II. nahm also eine Politik wieder auf, die sein Vater Heinrich VI. eingeleitet, aber wegen seines jähen Todes nicht zur Entfaltung hatte bringen können. Im Frühjahr 1221 kehrte Hermann von Salza nach Ägypten zurück. Da Fried- rich II. bei seiner Kaiserkrönung ein Kreuzzugsgelübde abgelegt hatte, hielt der Hochmeister wahrscheinlich eine Fortsetzung des 5. Kreuzzugs für erfolgverspre- chend. Der Kriegsrat nun auch unter Beteiligung Hermanns von Salza einigte sich auf einen Vormarsch auf Kairo (Fustat). Das Unternehmen endete in einem Desa- ster, so daß die Kreuzfahrer in den letzten Augusttagen 1221 einem Vertrag mit Al- Kamil zustimmen mußten, laut dem sie Damiette aufzugeben und Ägypten zu ver- lassen hätten. Der Templermeister und Hermann von Salza sollten die christliche Besatzung Damiettes zur Übergabe der Stadt und zur Vertragserfüllung überreden. Bis zur Einlösung aller Bedingungen blieb unter anderen Hermann von Salza als Geisel des Sultans in Ägypten. Nach der erfolgten Räumung Ägyptens durch das Kreuzfahrerheer begab sich Hermann von Salza wohl im Dezember desselben Jah- res zur Berichterstattung an die römische Kurie32. Der 5. Kreuzzug nach Ägypten hat zwar den Christen einen Mißerfolg beschert, aber dem Deutschen Orden einen unübersehbaren Aufschwung gebracht. Die Zeit- genossen berichteten von Taten der Ritterbrüder, die erstmals ein nennenswertes Kontingent für ein Kreuzzugsunternehmen gestellt haben33. Bei der Belagerung Da- miettes soll der Deutsche Orden allein am 29. August 1219 30 Ritterbrüder verloren haben34. Die Tapferkeit der Ordensangehörigen hat vor allem die deutschsprachigen Kreuzfahrer beeindruckt. Bereits der 1216/17 vor dem Aufbruch nach Ägypten ge- 31 Favreau, Studien, S. 120ff. Dazu: Kluger, S. 30, mit etwas anderer Akzentuierung. Vgl. auch Matison, Aspekt, S. 59; neuerdings Sch aller, Frömmigkeit, S. 502 f. 32 Kluger, S. 34 f. 33 Vgl. Oliverus Scolasticus von Paderborn, Historia Damiatina, S. 169, 176, 196, 210, 215, 217, 252 f., 276 f. 34 Albertus Miliolus notarius regius in: MGH SS XXXI, S. 490; Oliverus Scolasticus von Paderborn, Historia Damiatina, S. 252.
fallene Markgraf Friedrich von Baden hatte dem Orden seinen gesamten Besitz in Ulm vermacht. Sein Bruder Hermann V., Markgraf von Baden, bestätigte später das Vermächtnis35. Ebenfalls vor 1217, also noch vor dem Aufbruch zum 5. Kreuzzug, übertrugen Graf Albert von Bogen und dessen in Palästina gestorbener Bruder ein Gut in Bayern36. Während und nach dem 5. Kreuzzug mehrten sich die Schenkun- gen zugunsten des Deutschen Ordens. 1218 übertrug Graf Adolf von Berg, der vor Damiette gefallen war, den Hof Dieren37. 1219 wies Herzog Leopold von Österreich 6.000 Mark Silber zum Kauf eines predium an38. Sweder von Dingede übergab vor Damiette Güter39. Im gleichen Jahr schenkte Graf Wilhelm von Jülich die Kirche und den Zehnt von Siersdorf, später eine Kommende40. Er war selbst Kreuzzugs- teilnehmer gewesen. 1220 bedachte Walter Berthout aus Mecheln den Orden in Da- miette, weil Ordensangehörige ihn gepflegt hätten41. Der Deutsche Orden war also seiner Tradition treu geblieben und hatte während der Belagerung ein Feldspital un- terhalten. Wahrscheinlich gehörte auch Rutger von Gemert, der Stifter der Kom- mende Gemert, zu den Kreuzfahrern, die sich dem Orden für geleistete Dienste er- kenntlich zeigten. Vielleicht ist Rutger dem Orden sogar in Ägypten beigetreten42. Möglicherweise war auch Dirk von Altena, der die Kirche in Schelluinen schenkte, ein Kreuzzugsteilnehmer43. Einige Anzeichen sprechen dafür, daß Graf Heinrich III. von Sayn die Grundlagen für die Kommende Ramersdorf bei Bonn bald nach 1220 legte, nachdem er vom 5. Kreuzzug heimgekehrt war44. Graf Simon III. von Saar- brücken, einer der Heerführer vor Damiette, schenkte dem Orden bald nach seiner Heimreise 1227 in Saarbrücken einen Platz zum Bau eines Deutschordenshauses45. Alle Teilnehmer hatten den Orden und seine Taten im Nildelta erlebt. Der 5. Kreuz- zug war, was die deutschsprachigen Teilnehmer betrifft, ohnehin eher ein rheini- scher Kreuzzug46. 35 Reg. Markgrafen Baden I, Nr.202f.; Weiss, Franken, S.85; Greiner, S.6. 36 Weiss, Franken, S.46. Das Gut hieß Lusche. Es ist nicht zu identifizieren. 37 LacombletH, Nr. 72; Hennes II, Nr. 7’.in ohsidione Damiete. Vgl. Otten, S. 12. 38 Oliverus Scolasticus von Paderborn, Historia Damiatina, S. 207; Strehlke, Tabulae, Nr. 52-54, 72, 128; Wojtecki, Babenberger, S.319f. 39 De Geer II, Nr.463; RI, V,2, Nr. 10830; Mol, Vechten, S.50. 40 Lacomblet II, Nr. 82; Hennes II, Nr. 8: in expeditione terre sancte. 1225 bestätigte Wilhelms gleichnamiger Sohn die Schenkung; Lacomblet II, Nr. 132. Dazu: Neu, Siersdorf, S. 8f.; Ot- ten, S. 12; Ha ass, Kreuzzugsbewegung, S. 99. 41 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 10f., 16; Hennes II, Nr. 27; vgl. Oliverus Scolasticus von Pader- born, Historia Damiatina, S.215. Dazu: Otten, S. 12; Hezenmans, S.26. 42 Otten, S. 12, 30. 43 Mol, Huizen, S.343. 44 Neu, Ramersdorf, S. 13ff. 45 Hennes II, Nr. 30; Schmidt, Trier, S. 15. 46 Ha ass, Kreuzzugsbewegung, S. 91. Vgl. das Lob auf die Kreuzfahrer aus der Kölner Diözese von Oliverus Scolasticus von Paderborn, Historia Damiatina, S. 230.
Es waren aber nicht nur die rheinischen und andere deutschsprachige Kreuzzugs- teilnehmer, die den Orden schätzen lernten. Vor Damiette schenkten 1219 auch Erardus, Herr von Chacenay, und Andreas von Montbard, Herr von Epoisses, dem Orden Einkünfte in der Champagne, die den Grundstock für die später gebildete Ballei Frankreich darstellten47. Möglicherweise ist der Grund für die Rentenzahlung der englischen Könige an den Deutschen Orden auf Kontakte der englischen Kreuz- fahrer vor Damiette zurückzuführen48. Der Deutsche Orden wurde also durch den 5. Kreuzzug international bekannt. Der europäische Adel begann, sich für ihn zu interessieren. Jedoch ließen sich die Ansätze in England gar nicht und in Frankreich nur geringfügig ausbauen. Auch dafür gibt es Gründe, die bis in die Hochmeister- zeit Hermanns von Salza zurückreichen und auf die noch eingegangen werden soll. Die Jahre nach dem mißlungenen 5. Kreuzzug waren für Hermann von Salza von einer anhaltenden Vermittlungstätigkeit zwischen dem Kaiser und dem Papst ge- prägt. Letzterer verlangte besonders die Einlösung des Kreuzzugsversprechens, das Friedrich gegeben, aber dessen Realisierung er immer wieder hinausgezögert hatte. Beide Seiten versuchten, mit Hilfe des Kreuzzugsgelübdes ihre Positionen in Italien zu verbessern und ihre unterschiedlichen Vorstellungen politischer Lösungen durch- zusetzen. Dabei spielte die Lage der Christen in Palästina und die Wiedereroberung der heiligen Stätten eine zunehmend geringere Rolle. In diesem Spiel der Kräfte nahmen die lombardischen Städte als Machtfaktoren mit steigendem Einfluß teil. Der Ausgleich der Interessen schien Hermann von Salza zeitweise zu gelingen. Er vermochte, sich sein Ansehen beim Papst und beim Kaiser zu erhalten und es bei beiden Autoritäten für seinen Orden dienstbar zu machen. Schließlich versammelte sich im August 1227 in Brindisi ein zahlreiches Kreuz- heer vor allem deutscher Teilnehmer49. Jedoch brach vor der Abfahrt der meisten Teilnehmer eine Seuche aus, der Landgraf Ludwig von Thüringen erlag. Friedrich II. erkrankte ernsthaft und zog sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Pozzuoli zurück. Die Reste des Kreuzheeres ließen sich trotz der Seuche ohne den Kaiser nach Palästina übersetzen. Daraufhin bannte der Papst Friedrich II. und ver- bot ihm eine Teilnahme an künftigen Kreuzzügen. Trotzdem schiffte sich der Stau- fer mit großem Gefolge Ende Juni 1228 ein und ging am 7. November 1228 in Ak- kon an Land. Obwohl Friedrich II. zunächst von den verbliebenen Kreuzfahrern wie vom einheimischen Adel und Klerus hoffnungsvoll begrüßt worden war, änder- te sich die Einstellung vor allem des Patriarchen von Jerusalem, der Johanniter und der Templer, als Gesandte des Papstes forderten, den Kaiser trotz der Einlösung sei- nes Kreuzzugsgelübdes als Gebannten und Eidbrüchigen zu betrachten und zu be- handeln. Die Christen in Palästina spalteten sich in zwei Lager, in Anhänger und 47 Lalore, Nr. 14, 16. 48 Das erwägt Ko epp en, Rente, S. 405 f. Ihm folgt Kluger, S. 171. 49 Dazu und zum Folgenden: Runcimanlll, S. 182 ff.; Kluger, S. 69 ff.
Gegner des Kaisers. In dieser Lage schlug sich der Hochmeister mit seinem Orden auf die Seite Friedrichs II. Der jahrelange Dienst Hermanns von Salza für den Kai- ser, die Entwicklung des Ordens zu einem staufischen Hausorden und die stete Bestätigung und Bestärkung in dieser Rolle erleichterten und förderten die Partei- nahme für den Gebannten, obwohl der Deutsche Orden wie die beiden anderen Ritterorden dem Papst Gehorsam schuldeten. Friedrich II. suchte, die Lage zu ent- schärfen, indem er wenigstens vorübergehend den Oberbefehl über das Kreuzheer abtrat und ihn über Lombarden und Deutsche dem Hochmeister Hermann von Sal- za übertrug. De facto jedoch behielt sich der Kaiser die letzte Entscheidung vor. Bald darauf übernahm er auch wieder den Oberbefehl, als sich herausstellte, daß dieser Schachzug keine Bewegung in die Parteiungen gebracht hatte. Die beiden äl- teren Ritterorden verweigerten sich weiterhin Friedrich II., weil sie von der römi- schen Kurie gestiftet und nur ihr Gehorsam schuldig seien50. Wegen dieser Haltung wurde der Deutsche Orden dem Kaiser um so wichtiger. Angesichts der ablehnenden Haltung großer Teile des einheimischen Adels und der Johanniter und Templer wäre es wohl ein aussichtsloses Unterfangen gewesen, gegen die Muslime etwas mit Waffengewalt ausrichten zu wollen. Friedrich II. zog es daher vor, mit Al-Kamil im Geheimen zu verhandeln. Es gelang, ein Abkommen zu treffen, das am 18. Februar 1229 schriftlich fixiert und ausgefertigt wurde51. Da- nach sprach Al-Kamil den Christen die Stadt Jerusalem und Bethlehem mit einem Korridor nach Jaffa, ferner Nazareth und das westliche Galiläa, Montfort, Toron und muslimische Ländereien um Sidon zu. Allerdings blieben den Muslimen der Tempelbereich mit der Al-Akscha-Moschee und dem Felsendom sowie ein gesicher- ter Zugang zu ihren Heiligtümern. Die Mauern von Jerusalem durfte Friedrich II. wieder aufbauen. Der Vertrag war auf zehn Jahre befristet, sollte sich jedoch nicht auf Bohemunds Fürstentum Antiochien-Tripolis erstrecken. Der Vertrag stieß auf entschiedenen Widerspruch fast aller Seiten. Die Muslime fühlten sich von Al-Kamil verraten. Der Patriarch von Jerusalem mißbilligte den Vertrag und sprach ein Interdikt über Jerusalem aus, falls die Stadt Friedrich II. ein- ziehen lasse. Die Templer verargten dem Kaiser, daß der Tempelbezirk, wo ihr ehe- maliger Besitz in Jerusalem gelegen hatte, den Muslimen vorbehalten blieb. Der Adel von Outremer beargwöhnte die Absicht Friedrichs, sich in Jerusalem zum Kö- nig krönen lassen zu wollen, obwohl er als Vater des unmündigen eigentlichen Kö- nigs Konrad nur Regent war. Trotz der offenen und verdeckten Widerstände zog Friedrich II. am 17. März 1229 mit deutschen und italienischen Truppen, darunter einem Kontingent des Deut- schen Ordens unter der Leitung Hermanns von Salza, in Jerusalem ein. Am folgen- den Tag, dem Sonntag Oculi, fand in der „befreiten“ Stadt ein Gottesdienst statt, an 50 Estoire de Eracles XXXIII,7 (S. 372). 51 Dazu und zum folgenden: Runciman III, S. 191 f.
dem der gebannte Kaiser wohl nicht teilgenommen hat52. Vor und nach dem Got- tesdienst begab sich der Kaiser in Begleitung unter anderen des Hochmeisters zur Grabeskirche, setzte sich die Krone des Königreichs Jerusalem auf und ließ sich auf den Thronsitz nieder. Das Krönungszeremoniell war eingeschränkt worden, um Anstoß beim Papst, der päpstlichen Partei und dem Patriarchen möglichst zu ver- meiden. Daß Friedrich II. dem Gottesdienst ferngeblieben war und einem verkürz- ten Arrangement der Krönungszeremonie zugestimmt hatte, geht wahrscheinlich auf den Rat des Hochmeisters Hermann von Salza zurück53 54. Nach der Krönungsze- remonie verlas Hermann von Salza einen wohl von Friedrich II. lateinisch verfaßten Rechtfertigungsbrief, den der Hochmeister auch ins Deutsche übertrug und erläu- 54 terte . Der Hochmeister Hermann von Salza hatte für den Kaiser in Jerusalem eine wichtige Rolle gespielt. Er hatte ihn mit seinen Brüdern vom Deutschen Orden oh- ne Mitwirken der beiden anderen älteren Ritterorden nach Jerusalem begleitet, ihm zu einer Ausgestaltung der Krönungszeremonie geraten, die eine zukünftige Ver- ständigung mit dem Papst nicht von vornherein ausschloß, jedoch ohne ihm den Triumph einer Krönung in Jerusalem zu nehmen, und die Rechtfertigung öffentlich verlesen, übersetzt und erläutert. Als Meister eines Ordens hatte sich Hermann von Salza weit vorgewagt und für den Kaiser exponiert. Friedrich II. konnte die Über- zeugung gewinnen, daß der Hochmeister und sein Orden ihm eine feste Stütze sei- ner Politik seien55. Die Parteinahme des Deutschen Ordens für Friedrich II. zahlte sich aus. Der Kaiser verhalf dem Orden zu einem großen Teil der hennebergischen Erbschaft, der Seigneurie de Joscelin, und zur Baronie Toron, die allerdings trotz des Vertrags vom 18. Februar 1229 in sarazenischer Hand blieb. Einige Anzeichen sprechen dafür, daß der Meister aus der Seigneurie möglicherweise mit der Hafenstadt Tyros ein weitge- hend autonomes Ordensterritorium schaffen wollte56. Der Kaiser unterstützte ihn in diesem Vorhaben, der aber am Widerstand der einheimischen Barone scheiterte57. Ferner hatte Friedrich II. in Jerusalem dem Deutschen Orden das alte deutsche Spi- tal übertragen, das einst den Johannitern unterstellt worden war, die domus, que olim Theutonici ante amissionem terre sancte in civitate Jerusalimitani tenebant, und das Haus König Balduins an der Straße der Armenier bei der Thomaskirche in der Nähe des Davidsturms58. Der Deutsche Orden erhielt damit Besitz in der Stadt 52 Das zeigt: Kluger, S. 103f. 53 So überzeugend: Kluger, S. 103ff., der die „Selbstkrönung“ als eine „reduzierte Festkrönung“ auf- faßt (S.111). 54 MGH Const. II, Nr. 121-123; RI V,l,l, Nr. 1737b; Kluger, S. 113ff. 55 Favreau, Studien, S. 86ff.; Cohn, S. 128, 144. 56 Kluger, S.51; Arnold, Feldspital, S.33. 57 Kluger, S. 123f.; Mayer, Seigneurie, S.208ff. 58 Strehlke, Tabulae, Nr.69; RI, V,1,1, Nr. 1748; Huillard-Breholles III, S. 126f.
schlechthin, dem Abbild des himmlischen Jerusalems auf Erden, dem Ziel der Pil- ger und Kreuzfahrer, der Stadt, die es zu erhalten und zu schützen galt, was ur- sprünglich die vornehmste Aufgabe der Ritterorden gewesen war. Durch die Besitz- übertragung in Jerusalem hatte der Deutsche Orden in ein^m weiteren Punkt mit den beiden älteren Ritterorden gleichgezogen59. Die Beziehung zu Jerusalem hat der Orden fortan nicht nur in seinem Titel, sondern auch in den von ihm in Auftrag ge- gebenen Geschichtswerken und bildlichen Darstellungen immer wieder herausge- stellt, worauf noch zurückzukommen ist. Im Augenblick der Schenkung der beiden Liegenschaften in Jerusalem wurde der Mitwelt offenkundig, daß der Deutsche Orden eng mit den Staufern verbunden, so- zusagen deren „Hausorden“ geworden war. Er hatte Friedrich II. letztlich gegen den Papst unterstützt, war als einziger Ritterorden mit dem Kaiser nach Jerusalem gezogen, während sich Templer und Johanniter zurückhielten. Durch die Übertra- gung der domus, que fuit quondam Balduini regis Jerosolimitani, predecessoris nostri, in der Nähe des Davidsturms wurde der Orden in die Vorstellungen vom David- königtum des staufischen Hauses eingebunden60. Der Preis, den der Orden dafür zahlte, war die enge Bindung an das Kaiserhaus, der Verlust der Unabhängigkeit und die Verstärkung einer Tendenz, die bereits bei seiner Stiftung als Spitalgemein- schaft und Ritterorden angelegt war, nämlich der Aufnahmebeschränkung auf An- gehörige des Reichs, also zunächst auf Italiener und Deutsche, später nur noch auf Deutsche oder besser gesagt auf Angehörige des Deutschen Reichs unter Ausschluß aller jener, die nicht deutsch sprachen. Der Orden verlor die Möglichkeit, sich ana- log zu den Templern und Johannitern zu einem Ritterorden der abendländischen Christenheit auszuweiten. Die frühzeitige enge Bindung an die Staufer ermöglichte dem Hochmeister Hermann von Salza eine ungeahnte Ausdehnung des Ordens in Palästina, im übrigen Mittelmeerraum, in Italien, im Deutschen Reich und im Balti- kum, führte aber auf der anderen Seite zu einer Verengung, zu einem stärker natio- nal geprägten Orden, als es die beiden anderen überregionalen Ritterorden je gewe- sen sind. Vorerst brachte die Übertragung des Hospitals in Jerusalem dem Deutschen Or- den Beschwerden der Johanniter ein, die nun die Handhabe zu haben meinten, sich den Deutschen Orden mit Hilfe einer Klage an der Kurie unterstellen zu lassen, da das alte Spital ihnen inkorporiert gewesen sei. Der Vorstoß der Johanniter ging ins Leere. Sie konnten ihre Ansprüche nicht durchsetzen61. Allerdings mußte Hermann 59 Kluger, S. 131 f., 137ff. Dazu: Haverkamp, „Heilige Städte“, S. 126f.; R. Konrad, Das himm- lische und das irdische Jerusalem im mittelalterlichen Denken, in: Speculum historiale. Festschrift für J. Spörl, München 1965, S. 523-540. Zur Bedeutung Jerusalems im christlichen Abendland auch: F. Ohly, Schriften zur mittelalterlichen Bedeutungsforschung, Darmstadt 1977, S. 14f., 192f.; G o e z, Wandlungen, S. 35 ff.; Auffahrt, Jerusalem. 60 Kluger, S. 137. Dazu: Schall er, Kaiseridee, S. 118ff. 61 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 24 ff.; Favreau, Studien, S. 91 f.; Müller, Jerusalem, S. 21 f.
von Salza erkennen, daß er seine Politik und sein Wirken zugunsten des Ordens nur fortsetzen konnte, wenn er sich nicht zu sehr einer Seite verschrieb, sondern von beiden, von Kaiser und Papst, als Mittler anerkannt und benötigt wurde. Wie die Auseinandersetzung mit den Johannitern zeigte, besaß die Kurie Möglichkeiten, Druck auf den Orden auszuüben. Noch zu seinen Lebzeiten mußte der Hochmeister erfahren, wie sein Lebens- werk eines Ausgleichs zwischen Kaiser und Papst, den er auch für seinen Orden brauchte, am Widerstand des Lombardenbunds gegen kaiserliche Forderungen zer- brach. Am 20. März 1239 verhängte Papst Gregor IX. zum zweiten Male den Bann über Friedrich II. Am gleichen Tag war der Hochmeister in Salerno, wo er vergeb- lich Heilung von seiner tödlichen Krankheit gesucht hatte, gestorben62. Hermanns Nachfolger im Hochmeisteramt Konrad von Thüringen versuchte, die stauferfreundliche Politik fortzusetzen, und übernahm es, im Auftrag der deutschen Fürsten zwischen Papst und Kaiser zu vermitteln. Er reiste nach Rom, starb dort al- lerdings schon wenige Tage nach seiner Ankunft am 24. Juli 124063. Es mag fraglich erscheinen, ob Konrad überhaupt jemals die Chance zu einer Vermittlerrolle hatte, selbst wenn er länger gelebt hätte. Die Gegensätze zwischen Papst und Kaiser hat- ten sich versteift und waren zu groß geworden, als daß ein Ordensmeister, der dazu noch auf keiner Seite genügend Vertrauen hatte gewinnen können, erfolgreich hätte sein können. Nach Konrads unverhofftem Tod blieb der Orden in seiner Mehrheit staufer- freundlich gesinnt. Jedoch ließ das Engagement für Friedrich II. nach. Auf einem Kapitel in Akkon wählten die Ordensbrüder 1241 Gerhard von Malberg zu ihrem neuen Hochmeister. Auf ihn hatten sich die Wähler vielleicht deshalb geeinigt, weil die Brüder in Palästina kein Ordensoberhaupt mehr wünschten, das in der Reichs- politik stärker als mit den Angelegenheiten des Ordens beschäftigt war, sondern einen, der an Ort und Stelle bleibe und ihren Wünschen entgegenkomme64. In der Tat ist Gerhard von Malberg die meiste Zeit seiner Amtsführung in Palästina geblie- ben, wurde allerdings 1243 als Gesandter des Kaisers an den neu gewählten Papst Innozenz IV geschickt, um eine Vermittlerrolle analog zu seinen Vorgängern zu übernehmen65. Er erreichte nicht viel, wohl auch weil ihm das Geschick dazu fehlte und er kaum ein Interesse an der Vermittlung hatte. Denn er lehnte sich anders als 62 Cohn, S.258ff.; Koch, S. 122f.; Schreiber, S.652. 63 Schreiber, S. 654; Caemmerer II, S. 74ff. Neuerdings Boockmann, in: Die Hochmeister, S. 17 ff. 64 Als Hochmeisterstatthalter hatte er 1240 einen Vertrag mit den Johannitern ausgehandelt; CHJ II, Nr. 2245; Strehlke, Tabulae, Nr. 89. Forstreuter, Mittelmeer, S.25f., meint, daß es sich um einen für den Deutschen Orden günstigen Vertrag gehandelt habe und daß er unter anderem des- halb gewählt worden sei. Das bestreitet Favreau, Studien, S. 93, mit guten Gründen. Man wird das von Forstreuter vorgebrachte Argument wohl verwerfen müssen. 65 Hennes I, Nr. 110; RI, V,1,1, Nr. 3369.
seine Vorgänger stärker an den Papst an. In Anagni ließ er sich von Innozenz IV. mit einem Ring investieren und legte einen Treueid ab66. Eine derartige Zeremonie war neu und ist auch von Gerhards Nachfolgern nicht bezeugt. Sie belegt Gerhards enge Anlehnung an den Papst und dessen Politik. i Gegen einen Wandel in der Politik des Ordens wäre an sicn nichts einzuwenden gewesen. Schließlich war der Deutsche Orden eine geistliche Korporation und dem Papst Gehorsam schuldig. Zudem hatte sich die Situation des Kaisers verschlech- tert, so daß ein Überdenken der bisherigen politischen Standpunkte angesagt gewe- sen wäre. Aber Gerhard von Malberg war nicht der Mann, der solches hätte durch- setzen können. Er war offenbar eine zwielichtige Persönlichkeit. Als erster Hoch- meister wurde er 1244 in Montfort zur Abdankung gezwungen67. Er wollte danach aus dem Deutschen Orden aus- und wahrscheinlich den Templern beitreten, über- legte es sich wieder anders und blieb Angehöriger seines alten Ordens. In der Zwi- schenzeit hatte er vermutlich mit einem gefälschten Siegel im Namen des Ordens Schulden gemacht68, die er aus seinem Privatvermögen bzw. dem seiner Familie be- gleichen sollte. Mit den Söhnen Gerhards, der offenbar als Witwer oder als verhei- rateter Mann in den Orden eingetreten war, ging der Streit um finanzielle Forde- rungen bis 1261 weiter69. Dem Templerorden ist Gerhard zwar nicht beigetreten70, hat aber 1244 oder 1245 Palästina verlassen und wurde mit der baliva Flandrie et Francie abgefunden. Was Papst Innozenz IV, der diese Nachricht in einem Schrei- ben mitteilte, mit der Ballei gemeint hat, ist nicht recht ersichtlich. Jedenfalls kehrte Malberg in die Region zurück, in der seine Familie begütert war und Einfluß hat- te71. An einem 29. November ist er gestorben, wahrscheinlich bald nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land, weil bislang keine Nachrichten über seine Tätig- keit am Niederrhein, in Flandern oder Wallonien aufgetaucht sind. Wahrscheinlich weil sich Gerhard von Malberg nur wenig exponiert, die meiste Zeit im Heiligen Land verbracht und keine glückliche Figur gemacht hatte, waren die auch im Orden entstehenden Gegensätze zwischen Kaisertreuen und Papstan- hängern noch nicht aufgebrochen. Die Zeit, als ein Hochmeister wie Hermann von Salza zwischen beiden Repräsentanten der abendländischen Christenheit vermitteln konnte, waren vergangen. Der Streit hatte sich so zugespitzt, daß eine Parteinahme erforderlich wurde. Davon sollte auch der Deutsche Orden nicht ausgenommen sein. 66 Preuß. UB 1,1, Nr. 147. Vgl. Matison, Lehnsexemtion, S.219. 67 Forstreuter, Mittelmeer, S. 46. Zum Hochmeister neuerdings Arnold, in: Die Hochmeister, S.22f. 68 Pettenegg, Nr. 94 f., 98, 190; Huillard-Breholles VI,1, S.248; Strehlke, Tabulae, Nr.483- 486, 488; Hennes I, Nr. 114f. Gr au weis, Regestenlijst I, Nr. 25, 48 f., 51 f.; Pettenegg, Nr. 217 f., 365, 368, 377. 70 Anders Salles, S. 35, und noch Forstreuter, Mittelmeer, S. 191. Deren Ansicht trifft nicht zu. 71 MGH Epistolae saeculi XIII, Bd. 2, hrsg. von K. Rodenberg, Nr. 127; Hohenlohisches UB I, Nr.236(49); vgl. Bulst, Zur Geschichte, S.216ff.
Nach dem Rücktritt Gerhards von Malberg wurde wohl in Akkon 1244 Heinrich von Hohenlohe zum Hochmeister gewählt, ein schon verdienter Ritterbruder, der aus einer staufisch gesinnten fränkischen Edelherrenfamilie stammte72. Er führte die Politik der Amtsvorgänger vor Gerhard von Malberg fort und versuchte zu vermit- teln. Er blieb daher nur kurze Zeit in Palästina und verbrachte den größten Teil sei- ner Amtszeit in Europa73. Er war der erste Hochmeister, der Preußen betreten und an den Kämpfen im Baltikum teilgenommen hat74. Die Vermittlungstätigkeit Hein- richs von Hohenlohe endete schon früh, nämlich 1245, als Papst Innozenz IV. sei- nen Widersacher Friedrich II. für abgesetzt erklärte. Nun zeigte sich, daß der Or- den kein monolithischer Block war, sondern sich in zwei Richtungen aufgespalten hatte. Der Orden war ein Spiegelbild der adligen Gesellschaft im Reich. Auch dort gab es Familien, die sich unterschiedlichen Lagern verbunden wußten und Angehö- rige im Orden hatten. Der Deutsche Orden blieb dieser Adelsgesellschaft im Reich verhaftet. Im Deutschen Orden war der Hochmeister Heinrich von Hohenlohe staufisch gesinnt und hatte mit Bertold von Tannroda als Deutschmeister einen hochrangigen Parteigänger im Deutschen Reich. Das päpstliche Lager im Orden vertrat der Land- meister von Preußen und Livland Dietrich von Grüningen, der vom Hochmeister nicht abgesetzt, sondern geduldet wurde75. Möglicherweise hatte der Hochmeister auch gar nicht mehr die Macht dazu. Denn die päpstliche Partei scheint so stark ge- wesen zu sein, daß sie 1245 einen der ihren zum Deutschmeister erheben lassen konnte, nämlich Albert von Bastheim76. Er wurde aber bereits im Dezember dessel- ben Jahres von dem staufisch gesinnten Deutschmeister Albert von Hallenberg ab- gelöst. Wahrscheinlich hat sich der Hochmeister auf einem Kapitel in Mergentheim wieder durchsetzen können77. Die staufische Partei im Orden war in Bedrängnis. Heinrich von Hohenlohe hat den Kaiser nicht mehr so wie mehrere seiner Vorgän- ger unterstützen können. Das führte zu einer tiefen Enttäuschung beim Kaiser, der die Güter des Ordens in Sizilien beschlagnahmen ließ. Erst auf seinem Totenbett hat er 1250 die Verfügung zurückgenommen78. Heinrich von Hohenlohe starb am 15. Juli 1249 vor Friedrich II. Wieder stand der Orden vor dem Problem, wen er zu seinem Oberhaupt wählen solle. Dieses Mal kam es allem Anschein nach zu einer Doppelwahl. Die trotz allem staufisch gesinn- 72 Hohenlohisches UB I, Nr. 236 mit Nachweisen. Zu ihm nun: Arnold, in: Die Hochmeister, S.24ff. 73 Forstreuter, Mittelmeer, S. 191; Turnier, S.46f. 74 Peter von Dusburg, Chronica 111,46, 60; Preuß. UB 1,1, Nr. 181 f. 75 Militzer, Entstehung, S. 46 f.; Forstreu ter, Mittelmeer, S. 207f. Zustimmend auch: Wo j tecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S.222f. 76 Militzer, Entstehung, S.47. 77 Hohenlohisches UB I, Nr.230, 236(67); Militzer, Entstehung, S.47f. 78 Fo rst reu ter, Mittelmeer, S. 128; Hellmann, Manfred, S. 67 ff.
ten Brüder erhoben Günther von Wüllersleben zum Hochmeister. Er stammte aus einer thüringischen Ministerialenfamilie des Klosters Hersfeld und hatte seit 1215 als einfacher Ritterbruder in Akkon gelebt, stand also zum Zeitpunkt seiner Wahl bereits im fortgeschrittenen Alter79. Als Gegenkandidat wählte das päpstlich gesinn- te Lager Wilhelm von Urenbach, dessen Machtbereich aber auf die Kommende in Venedig und vielleicht einige andere Ordensniederlassungen der Lombardei be- schränkt blieb. Trotz der geringen Akzeptanz Urenbachs im Orden engte er die Gestaltungsmöglichkeiten Wüllerslebens ein, so daß von ihm wie auch seinem Ge- genspieler kaum etwas bekannt geworden ist. Der Orden hat beide vergessen. Nur wenige Aufzeichnungen erinnerten an ihn. Wüllersleben ist an einem 3. oder 4. Mai wohl 1252 gestorben80. Die Nachfolger Wüllerslebens, nämlich Poppo von Osternohe (1252-1256), Anno von Sangerhausen (1256-1273), Hartmann von Heldrungen (1273-1283) und Bur- chard von Schwanden (1283-1290) haben für die Reichsgeschichte keine große Rol- le mehr gespielt81. Mit dem Untergang der Staufer endete der Streit zwischen Papst- tum und Kaisertum zunächst. Er verlor damit für den Orden an Gewicht und Interesse. Die an Kaiser oder Papst orientierten Fraktionen der Brüder lösten sich auf. Die Hochmeister seit der Mitte des 13. Jahrhunderts von Poppo von Osternohe bis Burchard von Schwanden standen vor anderen Problemen. Konflikte in Preußen und Livland, die Organisation der Ordensherrschaft in beiden baltischen Ländern erforderten ihre Aufmerksamkeit. Dazu trat der drohende Verlust des Heiligen Landes. Bereits 1244 war Jerusalem an die Muslime verlorengegangen. Der Deut- sche Orden hatte dort alle Besitzungen eingebüßt, die er einst von Friedrich II. er- halten hatte. Durch die Erfolge der Muslime geriet Montfort in Gefahr. Die Haupt- burg des Ordens in Palästina und dessen Hauptsitz wurde schon 1266 angegriffen, aber noch nicht erobert. Aber 1270 war die Lage der Burg prekär geworden, weil infolge der Kriegsverwüstungen die Versorgung der Verteidiger erschwert war. Da- to als besuchte der Hochmeister Anno von Sangerhausen Montfort noch einmal und vereinbarte mit den Johannitern die Verproviantierung der Burg aus der Ernte in Mannet82. Im Juni 1271 ließ Baibars Montfort belagern. Am 11. Juni 1271 fiel bereits die Vorburg, einen Tag später kapitulierte die Hauptburg83. Eine rühmliche Rolle hatte der Orden nicht gespielt. Bereits einen Tag nach dem Fall Montforts erschien Baibars mit seinen Truppen vor Akkon, zog jedoch wieder ab. Baibars Tod im Jahre 1277 verschaffte den Christen in Outremer eine letzte Atempause, die sie jedoch 79 Wojtecki, Studien, S. 143ff. 80 Forstreuter, Mittelmeer, S. 207ff.; Schreiber, S. 662ff.; Turnier, S. 47. Auch Militzer, in: Die Hochmeister, S.26f. 81 Zu ihnen vgl. Die Hochmeister, S.27ff. 82 CHL III, Nr. 3400. 83 Forstreuter, Mittelmeer, S. 47ff., 232f.: Übersetzung des Berichts der Eroberung Montforts durch Ibn al-Furat; vgl. Rune im an III, S. 341 f.
nicht nutzten. Statt sich gemeinsam gegen den Feind zu stellen, kämpften sie inter- ne Streitigkeiten aus und befehdeten sich fast noch erbitterter als vorher84. Das Engagement des Deutschen Ordens im Baltikum und in Palästina belastete die Ressourcen, so daß die Brüder Prioritäten setzen mußten. In Preußen und Liv- land wie in Palästina wurde die Lage bedrohlich, im Baltikum durch die Aufstände der heimischen Völkerschaften und im Heiligen Land wegen der Erfolge der Musli- me. Der Deutsche Orden sah sich immer dringender vor die Entscheidung gestellt, ob er sich auf die Verteidigung des Königreichs Jerusalem und dessen Reste oder auf die Errichtung einer Herrschaft in Preußen und Livland und den Heidenkampf gegen die Litauer konzentrieren sollte. Wie nicht anders zu erwarten, gab es im Or- den selbst Befürworter der einen oder anderen Option. Die unterschiedliche Ein- schätzung der Zukunft des Ordens entweder im Baltikum oder im Heiligen Land trat an die Stelle der alten Parteiungen für die Staufer oder für den Papst85. Wahr- scheinlich schon nach dem Tod Heinrichs von Hohenlohe am 15. Juli 1249 suchte eine einflußreiche Gruppe im Orden, den zukünftigen Hochmeister im Land zu- halten. Sie konnte als zwölfte Gewohnheit eine Regelung in das Statutenbuch einfü- gen, die es dem obersten Amtsträger verbot, in eigener Verantwortung nach Europa zu reisen. Er durfte es in Zukunft nur mit Zustimmung des Kapitels, dem er jeweils die Notwendigkeit der Reise darzulegen hatte. Für die Zeit seiner Abwesenheit hat- te der Hochmeister einen Statthalter zu ernennen, wobei das Kapitel zu befragen war. Dem Kapitel stand es zu, den Statthalter während der Abwesenheit des Mei- sters ab- und durch einen neuen zu ersetzen86. Die neue Gewohnheit nutzte offen- bar wenig, weil die gewählten Meister häufig in Europa weilten. Sie konnte die Par- tei, die den Hochmeister im Heiligen Land halten wollte, nicht zufrieden stellen. Daher verschärfte vielleicht schon unter Anno von Sangerhausen (1256-1273) ein Generalkapitel die Vorschrift. Künftig sollten dem Kapitel des Haupthauses die Gründe für die Erfordernis einer Reise nach Europa von denen, die die Anwesen- heit des Meisters wünschten, mitgeteilt werden. Der Hochmeister konnte nach die- ser Vorschrift gar nicht mehr allein entscheiden, ob seine Anwesenheit in Europa erforderlich war oder nicht. Das Kapitel entschied, ob die Gründe stichhaltig wa- ren. Stimmte es einer Reise zu, hatte es einen verbindlichen Termin für die Rückrei- se des Hochmeisters zu benennen. Überschritt der Meister die Frist, galt er als ab- gesetzt87. Nach dem Fall von Akkon wurden die Vorschriften zur Bindung des Hochmeisters an das Haupthaus - nunmehr Venedig - abermals verschärft. 84 Runciman III, S.394ff. 85 Uber die Alternative des Ordens „Heiliges Land oder Baltikum“ in der ersten Hälfte des 13. Jahr- hunderts: Jähnig, Staufer, S. 146ff.; Ders., Ritterorden, S. 101 ff. 86 Perlbach, Statuten, S. 99f.: Gewohnheit 12. 87 Perlbach, Statuten, S. 135: „Gesetze über Meer“ III,1. Vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S.47f.
Die „Partei des Heiligen Landes“ suchte also, den Hochmeister im Haupthaus in Palästina festzuhalten. Die Brüder im Heiligen Land versteiften sich auf die Option des Kreuzzugs gegen die Sarazenen auch noch, als Montfort, die wichtigste Festung des Ordens, 1271 gefallen und der Deutsche Orden auf Akk^n und die Umgebung zurückgedrängt war. Obwohl die Lage der Christen in Palästina kritisch geworden war, kaufte der Orden in Akkon unter dem Einsatz erheblicher Mittel Grundstücke auf, um seinen Besitz dort zu arrondieren88. Vor allem die Brüder im Heiligen Land setzten sich für die Kreuzzugsoption gegen die Sarazenen ein und wollten den Mei- ster daher im Haupthaus halten. Da sie die Mehrzahl der Gebietiger und Brüder auf den im allgemeinen in Akkon oder Montfort tagenden Kapiteln oder General- kapiteln stellten, konnten sie erfolgreich ihre Vorstellungen als neue Gewohnheiten verbindlich in den Statuten verankern. Vor allem in Preußen und Livland formierte sich eine Gegenpartei, die die Erfor- dernisse für den Orden in den baltischen Ländern betonte und die Zukunft des Or- dens im Baltikum sah. Sie konnte sich im Orden vorerst nicht recht durchsetzen, weil im allgemeinen keine Generalkapitel in Preußen oder Livland stattfanden. Erst als die Lage der Christen in Palästina hoffnungslos wurde, stieg der Einfluß der „baltischen Partei“. Das sollte als erster Burchard von Schwanden mit voller Wucht zu spüren bekommen. Er selbst neigte eher der „Partei des Heiligen Landes“ zu. Ihm trat der Deutschmeister Konrad von Feuchtwangen entgegen, der der „balti- schen Partei“ zugerechnet werden kann89. Dafür spricht auch Konrads Karriere. Schließlich ist er 1279-1280/81 Landmeister von Preußen und Livland gewesen90. Diese Amtszeit mag seine Ansichten geprägt haben. Nachdem Burchard von Schwanden 1283 in Akkon zum Hochmeister gewählt worden war, fand er bereits eine wenig hoffnungsvolle Lage vor. Er blieb drei Jahre in Palästina und ist damit einer der wenigen Hochmeister, die sich nach Hermann von Salza längere Zeit im Heiligen Land aufgehalten haben. Zwar versuchte er, von Akkon aus den Gesamtorden zu leiten, mußte aber einsehen, daß das unmöglich war91. Im Mai 1287 hielt er ein Generalkapitel in Frankfurt am Main92, zog mit einem Heer aus Franken und Schwaben nach Preußen93, kehrte jedoch zu Beginn des folgenden Jahres nach Deutschland zu einem Kapitel in Frankfurt im Mai94 und einem anderen in Mainz im Oktober95 zurück. 1289 ließ er sich in alter Tradition 88 Favreau-Lilie, Teutonic knights. 89 Arnold, Deutschmeister; auch schon Ders., Feuchtwangen, S.27f. 90 Militzerin: Fenske/Militzer, Nr.238. 91 NDB III, S.27; APB II, S.649f.; Turnier, S.51 ff. 92 Wyss I, Nr.475; Nürnberger UB, Nr. 750; Mittelrheinische Reg. IV, Nr. 1429. 93 1288 Februar 2 in Elbing: Preuß. UB 1,2, Nr. 523. 94 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 530; UB Ballei Thüringen, Nr. 446; Baader, 29. Jahrbuch, S. 73. 95 Perlbach, Statuten, S. 138.
von Rudolf von Habsburg in den Dienst nehmen und reiste in dessen Auftrag zur Kurie, um die Kaiserkrönung vorzubereiten96, die dann doch nicht stattfand. Da- nach überquerte er nochmals die Alpen, besuchte die Ordenshäuser in den deut- schen Balleien und warb nun für den Kampf gegen die Sarazenen in Palästina. Er fand eine wohl nur geringe Resonanz. Immerhin sollen sich ihm angeblich 40 Rit- terbrüder und 400 Kreuzfahrer angeschlossen haben, als er 1290 von Italien aus nach Akkon übersetzte97. Drei Tage nach seiner Ankunft dankte er ab, trat aus dem Deutschen Orden aus und in den Johanniterorden ein98, für den er 1298-1308 als Komtur die Kommende Buchsee in seiner Schweizer Heimat verwaltete99. Beim Fall Akkons im Mai 1291 wird er sich schon nicht mehr in Palästina aufgehalten haben. Die Ritterbrüder des Deutschen Ordens, die an der Verteidigung Akkons beteiligt waren, haben wahrscheinlich alle den Tod gefunden100. Man hat zu recht immer wieder darauf hingewiesen, daß der Austritt Burchards von Schwanden aus dem Deutschen Orden mit seiner Enttäuschung über den ge- ringen Widerhall auf seine Werbung um Hilfe für Palästina Zusammenhänge. Aber einmal abgesehen davon, daß auch Ritterbrüdern und Gebietigern die hoffnungslo- se Lage der Christen in Palästina aufgehen mußte, scheiterte Burchard mit seinem Werben an der erstarkten und lange vernachlässigten „baltischen Partei“, die mit gu- ten Gründen auf eine aussichtsreichere Zukunft der Korporation in Preußen und Livland verweisen konnte. 96 Preuß. UB 1,2, Nr. 533; RI, VI,1, Nr. 2224. 97 So Nikolaus von Jeroschin in seiner Reimchronik in: SRP I, S. 513f. Peter von Dusburgs Chronik, die Vorlage Jeroschins weiß darüber nichts zu berichten. 98 Forstreuter, Mittelmeer, S. 51 f. 99 Fontes rer. Bernensium III, Nr. 717, 725, 741, 744; IV, Nr.37f., 87, 114, 137, 152, 164, 247, 249, 254, 265, 283, 290; CHJ III, Nr.4479; IV, Nr. 4607, 4610, 4661, 4789. 100 Perlbach, Necrologe, S.364. Nach Favreau-Lilie, Military Orders and the escape, S.207, sollen einige Brüder entkommen sein.
* 4. DIE REGEL Ohne Statuten, Regeln, Konstitutionen, Gewohnheiten oder, wie auch immer man solche Vorschriften bezeichnete, konnte kein Orden auskommen. Ein Ordensmit- glied unterschied sich von einem Weltgeistlichen oder gar einem Laien besonders dadurch, daß er nach einer meist schriftlichen Regel lebte und nach ihr seinen Ta- gesablauf und seine ganze Existenz ausrichtete. Auch der Deutsche Orden hatte solche Vorschriften, die die Brüder zu beachten hatten. Ihre Statuten hatten in der Mitte des 13. Jahrhunderts eine feste Form erlangt und setzten sich aus einem Pro- log, der Regel, den Gesetzen und den Gewohnheiten zusammen. Hochmeister ha- ben sie seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Einvernehmen mit ihren Ka- piteln oder dem Generalkapitel ergänzt und ausgestaltet. Jedoch hat der Orden eine wirkliche Statutenreform während des gesamten Mittelalters nicht vorgenommen1. Bis die Statuten schließlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts schriftlich fixiert wur- den, war eine lange Zeit vergangen, in der der Orden selbst, der Papst und geist- liche und weltliche Würdenträger um eine angemessene Regelung gerungen haben. Schon die Spitalgemeinschaft vor 1198 lebte wahrscheinlich nach einer Regel, die der der Johanniter entlehnt war. Jedoch ist Genaueres darüber nicht bekannt. Als die Versammlung der deutschen Fürsten und Adligen die Gemeinschaft zum Ritter- orden erhob, bestimmte sie, daß die Angehörigen des neuen Ordens hinsichtlich des Spitaldienstes der Johanniter-, ansonsten aber der Templerregel folgen sollten2. Das bestätigte Papst Innozenz III. am 19. Februar 1199 ausdrücklich3. Was aber un- ter der Übertragung zu verstehen ist und wie man sich den Akt vorzustellen hat, ist bislang nicht aufgeklärt. Unwahrscheinlich ist, daß dem Orden die Templerregel im Haus der Templer in Akkon und dazu vom Meister der Templer selbst übergeben worden sei. Falsch ist auf jeden Fall die Überlieferung, daß der Meister der Templer 1 Vgl. Arnold, Reformansätze. 2 Perlbach, Statuten, S. 160; SRP VI, S.27. 3 Strehlke, Tabulae, Nr.297.
einem Mitglied des neuen Ordens den weißen Mantel übergeben habe4. Über die Anfänge der Regel des Deutschen Ordens bleibt also viel im Dunkeln, zumal sich keine Handschrift aus dieser frühen Zeit erhalten hat und man infolgedessen kaum sagen kann, welche Texte aus den Regeln der Johanniter und der Templer damals tatsächlich schon übernommen worden sind. Eine Entscheidung wird ferner da- durch erschwert, daß unbekannt ist, welche Fassung der Johanniterregel der neue Orden 1198 beobachten sollte5. Schon vor 1198 hatte die Spitalgemeinschaft eine ordensähnliche Verfassung und lebte nach racionabiles consuetudines, wie Papst Coelestin III. 1196 geschrieben hat6. Damit hatte er wohl an eine der Johanniterregel angenäherte Verfassung ge- dacht. Als Papst Innozenz III. 1209 dem neuen Orden die consuetudines bestätigte7, hat er wahrscheinlich die schon genannte Kombination aus Templer- und Johanni- terregel im Auge gehabt. Papst Honorius III. bestätigte 1220 wiederum consuetudi- nes, fügte aber noch instituta hinzu, die der Orden habe8. Ein Jahr später erwähnte derselbe Papst das statutum und apostolica scripta, nach denen sich der Orden rich- te9. 1244 legte der Hochmeister Gerhard von Malberg Papst Innozenz IV. fünf Punkte der Regel zur Begutachtung vor. Der Orden wollte zum ersten die Beteili- gung der Diözesanbischöfe an der Aufnahme neuer Brüder, wie sie in der Templer- regel enthalten war, abgeändert wissen. Ferner befürwortete der Meister drei Ände- rungen der aus der Templerregel übernommenen Speisevorschriften und schlug außerdem vor, daß wieder abweichend von der Templerregel die Ritterbrüder ihre Lanzenspitzen abdecken dürften. Der Papst genehmigte die Aufhebung der bisheri- gen Vorschriften und ermächtigte das Generalkapitel des Ordens, auch andere Artikel abzuändern10. Diese Ermächtigung hat der Orden als päpstliche Erlaubnis aufgefaßt, seine Statuten fortan zu ergänzen oder abzuändern, ohne weitere Genehmigungen einholen zu müssen. Die Statuten sind Rom daher vom Orden auch nie wieder zur Begutachtung vorgelegt worden. Da die fünf vom Papst genehmigten Änderungen in die Statuten eingegangen sind, ist die schriftliche Fassung so, wie sie vorliegt, nicht vor 1244 entstanden. Der Herausgeber der Statuten Perlbach denkt an eine größere Statutenrevision auf dem Lyoneser Konzil 1245 durch den Kardinalbischof Wilhelm von Modena, der 4 So zu recht Favreau, Studien, S.65ff. 5 King, Rule, S.20ff., weist mehrere Regelfassungen nach, die alle nicht ganz mit Bestimmungen der Deutschordensregel übereinstimmen. Zur Problematik der Regelentstehung im Johanniterorden: Delaville Le Roulx, Les Statuts, S.341 ff. 6 Strehlke, Tabulae, Nr.296. 7 S t r e h k 1 e, Tabulae, Nr. 298. 8 Strehlke, Tabulae, Nr. 306. 9 Strehlke, Tabulae, Nr. 308, 340. Mit apostolica scripta werden Privilegien gemeint gewesen sein. 10 Strehlke, Tabulae, Nr.470; Perlbach, Statuten, S.XLVIf.
den Orden durch seine Legatentätigkeit im Baltikum genauer kennengelernt habe11. Die Hypothese läßt sich nicht verifizieren, so daß über den Anteil des Kardinalbi- schofs an der Redaktion der Statuten keine sicheren Aussagen zu machen sind. Fest steht nur, daß bald nach 1244 eine Regelrevision stattgefunden haben muß, über die in Einzelheiten Unklarheit herrscht. Da sich Eberhard vor? Sayn in seinen Vor- schriften für die Brüder in Preußen von 1251 auf die Statuten bezog12, muß die Re- daktion vor dem Zeitpunkt vorgenommen worden sein. Bereits von 1264 stammt die erste datierte Statutenhandschrift13. Die Statuten werden also um 1250 redigiert worden sein. Sterns hat die Redaktion auf die Jahre 1244-1249 begrenzt14. Es ist fer- ner als sicher zu betrachten, daß die Teile der Statuten, die auf die Templerregel zu- rückzuführen sind, zum ältesten Bestandteil zählen. Damit ist noch nicht gesagt, daß der Orden vor 1244 eine kodifizierte Regel, ein fertiges Statutenbuch, gehabt habe15. Es ist wohl davon auszugehen, daß der Deutsche Orden zunächst im we- sentlichen die Templerregel beachtete, von der er vielleicht eine Abschrift besaß. Die Regelbestimmungen und einzelne Vorschriften der Johanniter bezüglich des Spitaldienstes gestaltete der Orden nach seinen Bedürfnissen um und paßte sie sei- nen Bedingungen an. Dafür hatte er 1244 die päpstliche Genehmigung erhalten. Im übrigen hat er gerade in dem „Gesetze“ genannten Teil der Statuten eigene Vorstel- lungen entwickelt und kodifiziert. Es lassen sich nicht nur Elemente der Templer- und Johanniterregel in den Statu- ten des Deutschen Ordens wiederfinden, sondern besonders in den Strafbestim- mungen der „Gesetze“ Anklänge an die Dominikanerregel. Wie die Analogien zu erklären sind, ist strittig. Haben die Brüder des Deutschen Ordens die Dominika- nerkonstitutionen für ihre Strafbestimmungen in den „Gesetzen“ oder umgekehrt die Dominikaner die „Gesetze“ des Deutschen Ordens für ihre Kodifikation be- nutzt? Beide Ansichten sind vertreten worden, ohne daß eine alle überzeugende Entscheidung gefallen wäre16. Gleichwohl neige ich bis zum wirklichen Beweis des Qegenteils der Meinung zu, daß der Deutsche Orden die Strafbestimmungen so, wie sie in den „Gesetzen“ überliefert sind, von den Dominikanern übernommen hat, da ich mir nur schwer vorstellen kann, daß ein Bettelorden Strafbestimmungen von einem Ritterorden entlehnt haben soll. H Perlbach, Statuten, S.XLVIIff. 12 Perlbach, Statuten, S.XLVIII, 161 f.; Preuß. UB 1,1, Nr.251. 13 Perlbach, Statuten, S. XVI. Zu weiteren Statutenhandschriften aus dem 13. Jahrhundert: ebd., S.XVIIIf., XXII, XXIV, XXVI. 14 Sterns, Statutes, S.45ff. Perlbach, Statuten, S.XLVIII, nannte die Jahre 1244-1251. Arnold, Regelentwicklung, S. 125, denkt an das Jahr 1251. 15 Das jedenfalls bestreitet Sterns, Statutes, S.41 ff. 16 So Arnold, Statuten, S. 147. Für den Deutschen Orden als Vorreiter treten ein: Sterns, Statutes, S. 98f.; Scheeben, S. 36ff. Für die Dominikaner als Vorreiter: Perlbach, Statuten, S. XXXVII; Schmidt, Handhabung, S. 6; Horst, S. 363ff.
Außer zu Templer-, Johanniterregel und Dominikanerkonstitutionen lassen sich weitere Anklänge an andere Regeln finden, beispielsweise an die Benediktinerregel, die Augustinerregel, die Carta Caritatis der Zisterzienser und sogar an die Franzis- kanerregel. Darauf hat Sterns hingewiesen17. Aber es bleibt fraglich, ob der Deut- sche Orden aus diesen Vorlagen direkt geschöpft oder ob er nicht Elemente der Be- nediktiner- und Augustinerregel wie auch der Carta Caritatis über die Templer- und Johanniterregeln übernommen hat. Das Regelwerk der beiden älteren Ritterorden hatte benediktinisches Gedankengut aufgenommen und für den Dienst an den Kranken und den Kampf gegen Ungläubige umgeformt. Nicht alle Analogien in den Statuten des Deutschen Ordens sind als direkte Übernahmen zu werten18. So interessant die Hinweise auf Analogien zu den Regeln der Benediktiner, Augustiner, Zisterzienser und Franziskaner sein mögen, so wird man erst dann von Übernah- men und von einer Benutzung dieser Regeln bei der Abfassung der Deutschordens- statuten sprechen können, wenn ein genauer philologischer Nachweis geführt wor- den ist. Das ist aber noch nicht geschehen und dürfte auch kaum möglich sein. Bei der Beurteilung der Quellen für die Redaktion der Statuten des Deutschen Ordens ist auch zu fragen, wer sie ausgeführt hat. In den Statuten ist darüber nichts zu finden. Perlbach hat Wilhelm von Modena als Redaktor vermutet19. Sterns weist Wilhelm von Modena nur die Redaktion der Regel, nicht aber der Gesetze und Gewohnheiten zu20 21. Jedoch ist auch das ungewiß. Die Hypothese stützt sich nur auf einen Satz des Prologs, in dem es heißt: nos permoti pietäte fratrum ordinis eiusdem regulam eorum ante confusam et obscuram ad ordinem et intellectum rede- gimuS) ut subnotata per ordinem capitula demonstrabunt2\ Es hat also ein Redaktor Klarheit in die Ordens Vorschriften gebracht. Aber damit ist nicht gesagt, daß jener Redaktor alle genannten Regeln durchgesehen und aus ihnen das für den Orden passend Erscheinende ausgewählt hätte. Aus dem Wortlaut ist vielmehr zu schlie- ßen, daß der Redaktor vorhandene Bestimmungen klarer gefaßt und besser ange- ordnet habe. Wenn sich die Redaktion tatsächlich nur auf die Regel bezog, lagen dem Verfasser hauptsächlich die Templerregel und einige abweichende Bestimmun- gen vor. Der Redaktor der Regel kann der Kardinal gewesen sein, aber das weiß man nicht genau. Es wird sich wohl um eine hochgestellte geistliche Persönlichkeit gehandelt haben, der man die Redaktionstätigkeit übertragen hatte. Wenn man nach einem solchen geeigneten Mann Ausschau hält, fällt der Blick auf den Kardinal, weil er den Orden gekannt hat. 17 Sterns, Statutes, bes. S. 119ff.; dazu: Platter, Statuten, S. 71 ff. 18 So Arnold, Statuten, S. 149f. 19 Perlbach, Statuten, S. XLVIII. 20 Sterns, Statutes, S.48; vgl. Arnold, Statuten, S. 146. 21 Perlbach, Statuten, S.26: Prolog 5.
Wenn also Wilhelm von Modena möglicherweise die Regeln redigiert hat, hat er die beiden anderen Teile der Statuten, nämlich die Gesetze und die Gewohnheiten, nicht bearbeitet. Sterns nimmt an, daß Priesterbrüder im Haupthaus in Akkon oder vielleicht schon in Montfort die beiden noch fehlenden T^ile zusammengestellt hätten, nachdem die Regel revidiert worden war22. Stimmt man der Hypothese, die eine Wahrscheinlichkeit für sich in Anspruch nehmen kann, zu, bleibt es aber höchst fraglich, woher diese Priester die Unterlagen über die Regelwerke verschie- dener Orden bekommen haben, aus denen sie geschöpft haben sollen. Daß in irgendeinem Deutschordenshaus Regeln anderer Orden aufbewahrt worden seien, ist nicht bekannt. Weder aus Akkon noch aus Montfort sind Nachrichten entspre- chend ausgestatteter Bibliotheken überliefert. Das aber wäre die Voraussetzung da- für, daß Ordenspriester Bestimmungen aus so vielen Regelwerken entlehnt hätten, wie es nach der Hypothese von Sterns notwendig wäre. Die Vorstellung, daß die Ordenspriester die Gesetze und Gewohnheiten in Anlehnung an die Templer-, we- niger der Johanniterregel, eventuell an die Dominikanerkonstitutionen, an Be- schlüsse der eigenen Generalkapitel und an päpstliche Privilegien formuliert haben, dürfte viel einleuchtender sein. Die erste Fassung der Statuten war, wie schon Perlbach gezeigt hat, die lateini- sche23. Von ihr sind alle anderen, die mittelhochdeutschen, mittelniederländischen und mittelfranzösischen, abhängig. Da aber die meisten Ritterbrüder kein Latein verstanden, ihnen gleichwohl die Statuten oder Teile daraus während der Mahlzei- ten vorgelesen werden sollten24, mußte die ursprünglich lateinische Fassung in die Muttersprache, also vor allem ins Deutsche, übersetzt werden. Das haben wahr- scheinlich auch die Priesterbrüder getan, vielleicht schon vor 1250, wie Sterns an- nimmt25. Man wird, wenn man dem zustimmt, von einer mit der lateinischen Re- daktion fast gleichzeitigen Übersetzungstätigkeit ausgehen dürfen. Übertragungen in das Mittelfranzösische und das Mittelniederländische werden bald gefolgt sein. »Trotz der erwägenswerten Anregungen der Dissertation von Sterns bleiben manche Fragen offen. So ist den Einwendungen Arnolds zuzustimmen, daß gera- de bei der Herausarbeitung der Vorlagen für die Statuten des Deutschen Ordens eine exaktere philologische Untersuchung wünschenswert gewesen wäre26. Allein der Hinweis auf inhaltliche Analogien genügt für den Beweis von Abhängigkeiten nicht, zumal bestimmte Inhalte aller Ordensregeln indirekt oder direkt auf Bene- dikts Regel zurückzuführen sind. Sie war Gemeingut aller Orden und wurde allen- falls abweichenden Bedürfnissen angepaßt. Der genaue philologische Nachweis von 22 Sterns, Statutes, S.48; Platter, Statuten, S.62. 23 Perlbach, Statuten, S. XLII. 24 Perlbach, Statuten, S. 74: Gesetz 28. 25 Sterns, Statutes, S. 48ff. Zustimmend: Arnold, Statuten, S. 146; Platter, Statuten, S. 62. 26 Arnold, Statuten, S. 149f.
Abhängigkeiten der Statuten des Deutschen Ordens von anderen Ordensregeln kann in diesem Zusammenhang nicht geleistet werden, ist auch für den weiteren Gang der Darstellung von untergeordneter Bedeutung. Als Quelle sind die Statuten dagegen für die folgenden Untersuchungen von eminentem Interesse. Sie liefern Hinweise zur Lösung vieler Probleme, zumal sie ein Stück Selbstzeugnis des Or- dens sind27, auch wenn der Redaktor der Statuten oder eines Teils von ihnen kein Ordensmitglied gewesen sein sollte. Insbesondere die Gewohnheiten, der dritte Teil der Staututen, enthalten eine Vielzahl von Zeugnissen, die die Korporation selbst hervorgebracht hat, um das Leben seiner Angehörigen zu ordnen, ohne daß andere Regeln Vorbilder abgegeben hätten. 27 Vgl. auch Elm, Spiritualität, S.494f.
* 5. DIE MITGLIEDER DES DEUTSCHEN ORDENS 5.1.1 Die Ritterbrüder Die wichtigste Gruppe im Deutschen Orden seit seiner Erhebung zum Ritterorden 1198 waren die Ritterbrüder. Bereits 1216 hatte Papst Honorius III. zweifellos auf Drängen des Ordens bestätigt, daß zum Hochmeister niemand anders als eine mili- taris et religiosa persona, also ein ritterbürtiges Ordensmitglied, gewählt werden dürfe1. Das bedeutete zunächst nur, daß die soziale Herkunft des Kandidaten auf ein adliges Geschlecht beschränkt worden war. Durch den Orden selbst wurde die Bestimmung anders interpretiert. Fortan wurde nur noch ein Ritterbruder aus einem ritterbürtigen Geschlecht zum Ordensoberhaupt gewählt. Priesterbrüder schieden aus, selbst wenn sie, was gelegentlich vorkam, aus einer Adelsfamilie stammten. Die Dominanz der Ritterbrüder war im übrigen auch eine Folge der zunehmenden Mi- litarisierung des Ordens seit 1198. Da die militärischen Aufgaben immer stärker in den Vordergrund traten und die Hospitalität in den Hintergrund drängten, war es nur natürlich, daß die wichtigen Ämter von Ritterbrüdern verwaltet wurden. Das galt insbesondere für Palästina, Preußen und Livland, wo der Orden Heiden bzw. Ungläubige bekämpfen sollte, dagegen weniger für die Balleien im Deutschen Reich, in denen Priesterbrüder einzelne weniger wichtige Kommenden als Komture leiteten. Die Dominanz der Ritterbrüder spiegelt sich schon in der Zusammenset- zung des Wahlmännergremiums für die Hochmeisterwahl wider. Denn in dem Gre- mium saßen jeweils acht Ritterbrüder und nur ein Priesterbruder neben vier Grau- mäntlern oder Sarjantbrüdern2. Die Ritterbrüder hatten keine eigentlichen Vorrechte. Sie mußten wie alle Or- densangehörige auch Armut, Gehorsam und Keuschheit geloben. Infolgedessen sollten sie kein Eigentum besitzen. Selbst ihre Waffen und Pferde gehörten ihnen 1 Pettenegg, Nr. 36; Hennes I, Nr.35; Strehlke, Tabulae, Nr.303; wiederholt 1220 Dezember 15: Hennes I, Nr.49; Pettenegg, Nr.37; Streh 1 ke, Tabulae, Nr.306. Vgl. Maschke, Wand- lungen, S.43; Turnier, S.378. 2 Perlbach, Statuten, S. 92ff.: Gewohnheit 2.
nicht, sondern wurden ihnen von Fall zu Fall zugewiesen, wie die Regel bestimm- te3 4. Die Vorschrift ist jedoch schwerlich konsequent eingehalten worden. Das war auch unmöglich. Denn manche Waffen wie der Harnisch waren auf Körpermerk- male bestimmter Brüder ausgerichtet und konnten nicht ohne weiteres ausgetauscht werden. In der Praxis wird es also doch so gewesen sein, daß Pferde und Waffen be- stimmten Brüdern auf längere Zeit überantwortet wurden, wenn auch laut der Re- gel jederzeit die Möglichkeit bestand, dem Bruder beides zu nehmen. Das verlangte beispielsweise ein Gesetz von solchen Brüdern, die aus dem Orden austreten woll- 4 ten . Sicherlich haben die Ritterbrüder mit ihren Waffen geübt und auch das Reiten in Formationen trainiert. Aber dazu bringen die Statuten nichts. Wir wissen lediglich, daß Ritterbrüder bis zu vier Pferde zugebilligt bekamen5, also in der der ritterlichen Kampfweise üblichen Gleve kämpften. Alle Ritterbrüder sollten dem Marschall un- terstellt sein6. Er wird also ursprünglich das militärische Training geleitet haben. Aber mit der Ausdehnung des Ordens in Palästina und dann nach Preußen und Liv- land war die Bestimmung überholt. Der Marschall führte und trainierte nur noch das Aufgebot am Haupthaus oder auf einem wichtigen Feldzug in Palästina, wenn der Hochmeister nicht anwesend war. Die Möglichkeiten des militärischen Drills waren beschränkt. An Turnieren durften Ritterbrüder nicht teilnehmen, auch nicht an Hochzeiten, die oft mit Turnieren verbunden waren7. Außerdem bestand ein Jagdverbot, das nur dann nicht galt, wenn die Jagd nicht zum Vergnügen, sondern gegen Wölfe, Bären und Löwen veranstaltet wurde. Vögel durfte ein Ritterbruder schießen, wenn er sich im Gebrauch von Pfeil und Bogen oder der Armbrust üben wollte8. Jagd und Turnier waren nicht ein adliges Vergnügen, sondern dienten auch der körperliche Ertüchtigung, der Übung mit den Waffen und dem Vorgehen in Formationen9. Die Verbote zogen also enge Grenzen für die Vorbereitung auf den Ernstfall. Da die Kirche Turniere auch Weltlichen und die Jagd Geistlichen verboten hatte10, konnten die Ritterbrüder zumindest im 13. Jahrhundert gegen beides nicht verstoßen. Dennoch mußte den Ritterbrüdern und den Graumäntlern Zeit und Raum zum militärischen Training gegeben werden. Allerdings ist dazu kaum etwas überliefert. Man weiß nur, daß die Kontingente der Ritterorden als schlagkräftige 3 Perlbach, Statuten, S.46f.: Regel 22. 4 Perlbach, Statuten, S. 60 f.: Gesetz IIcl. 5 Perlbach, Statuten, S. 110: Gewohnheit 42. 6 Perlbach, Statuten, S. 103: Gewohnheit 19: alle die brüdere, die der wäpene pflegent. Dazu gehör- ten auch die Sarjantbrüder. 7 Perlbach, Statuten, S. 50 f.: Regel 28. 8 Perlbach, Statuten, S.47: Regel 23. Jagd- und Turnierverbote enthielt schon die von Bernhard von Clairvaux redigierte Templerregel: Curzon, Nr. 46-48. Dazu Militzer, Jagd, S. 325 ff. 9 Das galt im 13. noch mehr als in den beiden folgenden Jahrunderten, als das Turnier den Charakter eines gefährlichen Spiels bekam, vgl. Fleckenstein in: Turnier, S.626ff. 10 Krüger, Turnierverbot.
Truppen galten und daß man ihnen mehr als den Haufen adliger Kreuzritter zutrau- te. Jedoch schweigen die Statuten über die Vorbereitungen auf den Ernstfall11. In der Etappe, in den Balleien im Deutschen Reich, benötigten Ritterbrüder kei- ne militärische Schulung, weil sie keine Fehden gegen Christen führen durften. Wenn sie also nicht für den Kampf in Palästina, Preußen oder Livland ausgebildet werden sollten, konnten sie auf Kampfübungen verzichten. Die Aufgabe der Ritter- brüder in den Balleien bestand in der Hauptsache in der Verwaltung der Güter und Einkünfte. Dazu benötigten sie Pferde zur standesgemäßen Fortbewegung, aber weder Schwert noch Harnisch. Daß Ritterbrüder gelegentlich dennoch das Schwert gegen Christen und selbst den eigenen Orden erhoben haben, Fehde geführt und damit ihr Gelübde verletzt haben, steht auf einem anderen Blatt. Wenn sie es getan haben, war es schwer, die Tat zu sühnen. Der Orden mußte oft erhebliche Lasten auf sich nehmen. Im Dezember 1271 entschied beispielsweise der Bischof von Worms in einem solchen Fall, daß das Deutschordenshaus in Oberflörsheim den Erschlagenen zu exhumieren und in der Ordenskirche zu bestatten habe. Außer- dem habe das Haus einen eigenen Priester einzustellen, der Messen für den Erschla- genen lese, und ein ewiges Licht zu unterhalten12. Darüber hinaus sei des Erschla- genen in allen Kommenden Deutschlands zu gedenken. Den Ritterbrüdern war also der Kampf in den christlichen Ländern prinzipiell untersagt. 5.1.2 Aufnahme und Ausbildungsstand Wie die Aufnahme der ersten Ritterbrüder nach 1198 vor sich gegangen ist, weiß man nicht. Die „Narratio de primordiis ordinis Theutonici“ berichtet, daß 1198 ein nobilis miles namens Hermann von Kirchheim vor den versammelten geistlichen und weltlichen Würdenträgern, die die Spitalgemeinschaft zum Ritterorden erhoben hätten, der Welt entsagt habe, um fortan Gott in dem neuen Orden als Ritter zu dienen13. Nicht der Orden nahm also den Kandidaten auf, sondern eine Versamm- lung von Ordensfreunden. Daß dieser neue Ritterbruder vom Templermeister einen weißen Mantel verliehen bekommen habe, den in Zukunft alle Ritterbrüder tragen sollten, ist eine Erzählung der „Narratio“, die in das Reich der Phantasie gehört14. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, daß nach der Erhebung zum Ritter- orden eine solche Versammlung von Großen und Mächtigen, die die Umwandlung vollzogen hatten, einen oder mehrere Ritter zu Ritterbrüdern machten, indem Kan- didaten ihre Gelübde vor der Versammlung ablegten und damit Angehörige des 11 Peter von Dusburg, Chronica 11,9, spricht von Waffenübungen, sogar von torneamenta et ludi alii militares im Frieden als Vorbereitung auf den Krieg auch für die Ritterbrüder. 12 Wyss I, Nr.265. 13 Perlbach, Statuten, S. 160. Über die Herkunft des angeblichen Kandidaten ist nichts zu ermitteln. 14 Favreau, Studien, S.67.
neuen Ordens wurden. Die zahlenmäßig kleine Korporation hätte sich gegen ein solches Verfahren gar nicht wehren können, selbst wenn sich Widerstand dagegen gerührt hätte. Es sei aber betont, daß ein derartiges Aufnahmeverfahren anfangs denkbar und wohl auch möglich gewesen ist, daß es so, wie die „Narratio“ es erzählt, aber ebenso wie die Verleihung des weißen Mantels durch den Templermeister in das Reich der Phantasie gehören könnte. Wegen der Erfindungen und Umdeutun- gen ist die „Narratio“ allein kein verläßlicher Zeuge für das frühe Auf nähme verfah- ren. Andere Quellen gibt es dazu jedoch nicht. Schon bald nachdem sich die Korporation gefestigt hatte, riß der Orden das Auf- nahmeverfahren an sich und ließ vor seinen eigenen Vertretern die Gelübde ablegen. Das konnte im Heiligen Land geschehen. Die Redakteure der Ordensstatuten gingen sogar davon aus, daß das die Norm war. Denn ein Kandidat wurde laut dem Aufnah- meritual vom Hochmeister und dem Kapitel als neuer Bruder eingekleidet15. In der Frühzeit tagten die Kapitel meist im Haupthaus im Heiligen Land. Aber, wie Boock- mann hervorgehoben hat, konnten die Kapitel bald nicht mehr so funktionieren, wie es der Wortlaut der Statuten vorgesehen hat16. So konnten denn auch Kandidaten auf Kapitelsversammlungen außerhalb des Heiligen Landes in einer im Reich gelegenen Kommende, die dem Familiensitz des Kandidaten nahe lag, in Preußen oder Livland in den Orden eintreten. Papst Honorius III. hatte dem Orden bereits 1221 gestattet, jeden Kreuzfahrer aufzunehmen, sofern kein kanonisches Hindernis vorliege17. Das Privileg hat Papst Alexander IV. 1257 bestätigt und erweitert18. Wie Kreuzfahrer im Heiligen Land konnten auch solche in Preußen aufgenommen werden. Der Chronist Peter von Dusburg hat einige Beispiele angeführt19. Aber es mögen einige Kreuzfah- rer mehr in Preußen die Gelübde abgelegt haben, als wir heute noch nachweisen kön- nen. Ebenso wie in Preußen werden die Meister in Livland verfahren sein. Dennoch wird man davon auszugehen haben, daß im Laufe der Jahre die Mehrzahl der Brüder nicht in Palästina, sondern im Reich eingetreten sind. Landgraf Ludwig von Thürin- gen ließ sich mit einigen seiner Ministerialen und Vasallen am 18. November 1234 in Marburg einkleiden20. Bereits 1219 war Graf Heinrich von Reichenbach aus ludowin- gischem Hause dem Orden in Reichenbach, seiner eigenen Gründung, beigetreten21. 1267 weihte der Ritter Walter von Nordeck seinen Sohn dem Deutschen Orden und gab ihn in das Haus Marburg, in das er bald darauf noch selbst eintrat22. Die Zahl der 15 Perlbach, Statuten, S. 127f. 16 Boockmann, Herkunft, S. 11. 17 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 320. 18 Streh 1 ke, Tabulae, Nr. 560; vgl. Prutz, Ritterorden, S. 127f. 19 Peter von Dusburg, Chronica 111,52, 213, 245, 284. 20 Peter von Dusburg, Chronica IV,33; Annales Erphordenses Fratrum Praedicatorum in: MGH SS in usum scholarum 42 (1899), S. 88; Chronik von Reinhardsbrunn in: MGH SS 30,1, S. 614. Vgl. Boockmann, Anfänge, S. 142ff.; Caemmerer I, S.390ff. 21 Wyss I, Nr. 7; B oockmann, Anfänge, S. 140. 22 Wyss I, Nr.241, 246.
Ritterbrüder, die in einer Kommende in der Nähe ihres jeweiligen Wohnorts einge- treten sind, läßt sich mühelos vermehren. Es scheint sogar schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts üblich gewesen zu sein, in den Ordensniederlassungen im Reich das Ordenskleid zu nehmen, und dann entweder im Reich $u bleiben oder in Palä- stina, Preußen oder Livland zu dienen. Die um 1250 redigierten Statuten, von denen die Regeln vielleicht ein paar Jahre früher um 1244 oder bald danach verfaßt worden sind23, berichten über die Aufnah- me der Brüder wenig24. Von einem Kandidaten wurde verlangt, daß er eine Probe- zeit durchzustehen habe, damit er das harte Leben im Orden kennenlerne. Ihm wurde aber erlaubt, die Probezeit abzulehnen und gleich Prof eß abzulegen. Ver- zichtete er auf die Probezeit, hatte er den Gehorsamseid abzulegen. Danach über- gab ihm ein Amtsträger oder ein Priesterbruder einen geweihten Ordensmantel. Mit dieser Zeremonie war er als vollberechtigtes Ordensmitglied aufgenommen25. Der Orden nahm zwar auch Kinder als „Oblati“ an. Sie konnten aber erst Brüder werden, wenn sie das 14. Lebensjahr vollendet hatten, also volljährig geworden wa- ren26. Das ist schon alles, was die Statuten selbst zu der wichtigen Frage enthalten. Die Probezeit mag ursprünglich vielen Kandidaten auferlegt worden sein27, so daß das Verfahren einmal die Regel gewesen sein mag. Jedoch wurde die Forderung nach einer Probezeit schon früh, noch vor der endgültigen Redaktion der Statuten, durchbrochen. Denn 1221 hatte Papst Honorius III. dem Orden schon erlaubt, je- den Kreuzfahrer ohne eine solche Probezeit aufzunehmen, falls kein kanonisches Hindernis vorliege28. Von einer Probezeit, die dem Landgrafen von Thüringen ab- verlangt worden sei, ist in den Quellen keine Rede. Es ist auch unwahrscheinlich, daß der Orden von einem solch mächtigen Gönner derartiges gefordert hätte. Wenn die Regel aus der Mitte des 13. Jahrhunderts einem Kandidaten die Möglichkeit einer Probezeit anbot, aber nicht unbedingt verlangte, wird sie in der Praxis wohl eher die Ausnahme geworden sein. Ein Noviziat, wie in vielen anderen Orden so auch bei den Johannitern, wenngleich mit Ausnahmen, vorgeschrieben29, war im 23 Perlbach, Statuten, S.XLVIff.; Arnold in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexi- kon II, Berlin/New York 1980, Sp. 71 ff.; Ders., Regelentwicklung, S. 125. 24 Dazu: Militzer, Aufnahme, S. 7. 25 Perlbach, Statuten, S. 51: Regel 29. Dazu: Forey, Novitiate, bes. S.4f. 26 Perlbach, Statuten, S. 51: Regel 30. Ein Rechtsgutachten des Bamberger Propstes und des Prop- stes von St. Severi in Erfurt und ein zweites von 1341 bestätigten, daß Albert von Brandenburg aus dem Deutschen Orden habe austreten dürfen, da er zwar mit 12 Jahren eingetreten sei, aber mit 15 Jahren seinen Austritt verlangt habe; HStA München, Kurbaiern 11231. 27 Die Johanniter kannten eine Probezeit; Riley-Smith, Knights, S. 232. Ebenso die Templer; Prutz, Ritterorden, S. 26f. Jedoch kamen wenigstens bei den Johannitern Ausnahmen vor; Lut- trel, Hospitaller life, S. 105. Vgl. insgesamt dazu: Forey, Recruitment, und Ders., Novitiate. Wie Forey, Novitiate, S.4f., nachweist, ist das Noviziat auch beim Deutschen Orden nicht ganz aus der Übung gekommen. 28 Streh 1 ke, Tabulae, Nr.320; Prutz, Ritterorden, S. 127. 29 Riley-Smith, Knights, S.232; Luttrel, Hospittaler life, S. 105.
Deutschen Orden, wie es scheint, bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts un- üblich, vielleicht sogar obsolet geworden. In den Dokumenten, die den Eintritt eines Ritters oder Ritterbürtigen in den Deutschen Orden erwähnen, ist in der Fol- gezeit von einem Noviziat nicht mehr die Rede. Das Aufnahmeritual aus der Mitte des 13. Jahrhunderts liefert für unsere Frage wei- tere Informationen30. Danach wurden Kandidaten vom Hochmeister auf einem Kapi- tel aufgenommen. Während der Hochmeister oder dessen Statthalter mit seinen Mit- brüdern im Kapitelsaal beratschlagte, wartete der Kandidat in einem anderen Raum. Zu gegebener Zeit schickte der Meister einen Mitbruder zum Kandidaten und ließ ihn holen. Nachdem jener den Kapitelsaal betreten hatte, kniete er vor dem Meister oder dessen Stellvertreter nieder und bat um Aufnahme. Bevor der Meister der Bitte nachkam, hatte der Kandidat zu bestätigen, daß er keinem anderen Orden angehöre, mit keiner Frau verheiratet, kein Höriger sei, keine Schulden habe und an keiner schwerwiegenden Krankheit (yerholne suche, infirmitas occulta) leide. Ihm wurde be- deutet, daß er aus dem Orden ausgestoßen werde, falls er etwas verschweige31. Alle angesprochenen Punkte konnten für den Orden unangenehme Konsequen- zen haben. Niemand konnte aus eigenem Antrieb einen Orden verlassen, ohne die Zustimmung einer höheren geistlichen Instanz, in den meisten Fällen des Papstes, eingeholt zu haben. Selbst dann waren gerichtliche Auseinandersetzungen zu befürch- ten. Der Deutsche Orden selbst hat sich stets dagegen gewehrt, daß seine Mitglieder aus- und einem anderen Orden beitreten könnten, und sich Privilegien besorgt, die einen Ordenswechsel ausschließen sollten32. Als der Hochmeister Gerhard von Malberg zum Rücktritt gezwungen worden war und dem Templerorden beitreten wollte, bekämpfte der Orden mit Erfolg die Absicht des Abgesetzten33 Wollte ein verheirateter Mann die Mitgliedschaft des Ordens erwerben, mußte er die Zustim- mung seiner Frau haben. Sonst konnte es zu heftigen Auseinandersetzungen kom- men, die dem Ansehen des Ordens schadeten. Meist war die Frau auch zu versor- gen, so daß der Orden möglicherweise finanziell belastet wurde. Außerdem mußte der Mann, der ein vollberechtigtes Mitglied werden wollte, auf ein Zusammenleben mit seiner Frau verzichten34. Sonst blieb beiden nur der Beitritt als Familiäre35. Hin und wieder kam es allerdings vor, daß beide Eheleute als Bruder und Schwester auf- 30 M i 1 i t z e r, Aufnahme, S. 7. 31 Perlbach, Statuten, S. 127. Zu den Johannitern mit analogen Vorschriften außer dem Defekt der heimlichen Seuche: Riley-Smith, Knights, S. 232; vgl. King, Rule, S. 70. 32 Strehlke, Tabulae, Nr. 560. 33 Vgl. oben, S. 41. 34 Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 191. In einer Urkunde von 1269/70 wird daher der einge- tretene Walter von Nordeck als frater, dessen ebenfalls beigetretene Frau als soror, aber auch als relicta sua bezeichnet; Wyss I, Nr. 246. Andere Formen der Aufnahme von Ehepaaren: Lim- burg, Schwestern, S. 21 f. 35 Vgl. Perlbach, Statuten, S.52f.: Regel 32.
genommen wurden und ihren Besitz auf Lebenszeit behalten durften36. Diese Form näherte sich schon sehr dem Familiareninstitut. Auch die Unfreiheit brachte dem Or- den Probleme, da ein Herr, der den Kandidaten nicht freigelassen hatte, Dienste vom Orden hätte fordern können. Im übrigen hatten Geistliche, zu^denen auch die Ritter- brüder zählten, frei zu sein. Daher mußten sich auch Ministenale um die Freilassung von ihren Herren bemühen, was manchmal den Anlaß zu einem längeren Prozeß ge- boten hat37. Schulden eines Kandidaten konnten dazu führen, daß der Orden regreß- pflichtig gemacht wurde. Der Orden drängte also darauf, daß der Kandidat vor seiner endgültigen Aufnahme seine Gläubiger zufrieden gestellt hatte. Bevor Landgraf Kon- rad von Thüringen in den Orden aufgenommen wurde, hatte er einen Schuldentil- gungsplan vorzulegen. Heinrich Landgraf von Thüringen mußte versprechen, seinem Bruder so lange 400 Mark Silber zu überweisen, bis die Schulden in Höhe von 3.000 Mark getilgt seien38. Als 1383 bekannt wurde, daß der Ritterbruder Konrad von Saf- fenberg Schulden hatte, die er bei seiner Einkleidung verschwiegen hatte, verurteilte ihn ein Kapitel unter dem Vorsitz des Hochmeisters Konrad Zöllner von Rotenstein und forderte ihn auf, das Ordenskleid abzulegen. Er wurde aus dem Orden versto- ßen39. Was mit der verholne suche genau gemeint war, ist nicht näher erläutert. Es dürfte sich schwerlich um irgendeine Bagatellkrankheit gehandelt haben, sondern eher um eine unheilbare Erkrankung wie beispielsweise Lepra, die man in der Tat eine Zeitlang verbergen konnte. Eine Lepraerkrankung könnte am ehesten erklären, weshalb der Orden darauf bestand, daß das Verschweigen der Krankheit den Aus- schluß nach sich ziehen würde. Ein Aussätziger konnte kein Ordensmitglied werden. Ein Lepröser war weder erb- noch lehnsfähig und wurde aus der Gemeinschaft der Gesunden ausgeschlossen40. Wahrscheinlich wurden alle diese wichtigen Fragen schon vor dem offiziellen Antrag um Aufnahme in den Orden geklärt. Hatte der Kandidat alle Fragen zur Zufriedenheit des Meisters und des Kapitels beantwortet, hatte er zu geloben, den Kranken zu dienen, das Heilige Land und an- dere Länder vor den Feinden Gottes zu beschützen, über Beratungen im Kapitel und mit dem Meister Stillschweigen zu bewahren, aus dem Orden ohne Zustim- mung nicht ausscheiden und in einen anderen eintreten zu wollen und die Statuten zu beachten. Ferner sollte er dem Hochmeister und dem Kapitel seine besonderen Fähigkeiten offenbaren, damit er zum Nutzen des Ordens entsprechend eingesetzt werden könne41. Der Hochmeister hob also beim Aufnahmeverfahren dem Orden besonders wichtig erscheinende Punkte hervor und schärfte sie dem Kandidaten be- sonders ein. Zu diesen Punkten gehörte der Krankendienst, da der Orden schließ- 36 Uerdinger UB, Nr. 48. Heim, S.37f.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 191; Planta, Adel, S. 173 f. 38 Wyss I, Nr.44. 39 Codex Prussicus IV, Nr. 15; Gersdorf, S.14; Militzer, Aufnahme, S. 9, 15 Anm. 22. 40 Schipperges, S. 72ff.; LdM I, Sp. 1251 f.; Windemuth, Hospitäler, S. 113ff., bes. S. 118. 41 Perlbach, Statuten, S. 127f.
lieh aus einer Spitalgemeinschaft hervorgegangen war und auch nach 1198 Spitäler unterhielt, wenngleich diese Aufgabe während des 13. Jahrhunderts allmählich in den Hintergrund trat. Die Verteidigung des Heiligen Landes war neben dem Spital- dienst die Hauptaufgabe des Ordens, nachdem er zum Ritterorden erhoben worden war. Je mehr der Spitaldienst zurücktrat, um so stärker geriet der militärische Ein- satz in den Vordergrund. Die um 1244 redigierte Regel ging noch davon aus, daß das Heilige Land in erster Linie zu verteidigen sei, obwohl damals schon Preußen und Livland hinzugekommen waren und bald tatsächlich einen höheren Einsatz als Palästina erforderten, in dem die Christenheit und mit ihr der Orden auf verlore- nem Posten standen. Das Aufnahmeritual war auf die Verhältnisse im Heiligen Land zugeschnitten und spiegelt die Auffassungen der „Partei des Heiligen Landes“ in- nerhalb des Ordens wider. Das Geheimhaltungsgebot, das Austrittsverbot aus dem Orden und das Gelöbnis auf die Statuten waren Vorgaben, die sich bei der Aufnah- me von Probanden in verschiedenen anderen Orden wiederfinden. Sie gehörten zum Standard der abendländischen Ordensregeln42. Hatte der Kandidat auf seine Probezeit verzichtet, konnte er nun sofort eintreten. Er hatte mit einer Hand auf dem Evangelium zu schwören, daß er Keuschheit, Ar- mut und Gehorsam gegen Gott, die Meister und die Statuten beobachten werde. Sollte der Meister die Kandidaten nicht selbst aufnehmen, sondern damit einen Stellvertreter beauftragt haben, hatte der Kandidat dennoch seinen Gehorsamseid auf den Meister und die Statuten zu leisten. Erst danach wurde dem neuen Bruder der weiße Ordensmantel verliehen. Der Orden seinerseits stellte dem neuen Mit- glied nur Wasser und Brot und alte Kleidung als Gegenleistung in Aussicht43. Damit wurde das Armutsgelübde noch einmal unterstrichen. Keuschheit, Armut und Ge- horsam waren allgemein übliche Mönchsgelübde und keinesfalls etwas für den Deutschen Orden oder auch nur die Ritterorden Besonderes44. Aber diese Gelübde hatten wegen der Eigenarten der Ritterorden doch erhebliche Auswirkungen auf die Korporation und die von ihr errichteten Herrschaften in Preußen und Livland und auf die Verwaltung in den Balleien des Deutschen Reichs. Am Tag der Aufnahme fand eine Messe statt, an der der neue Bruder teilnehmen sollte, falls der Beichtvater nicht abriet45. Dieser anschließende Gottesdienst hatte eine weitere Bedeutung für den Kandidaten bekommen. Die Verleihung des Man- tels, die ursprünglich wohl im Anschluß an die Eidesleistung vor der Kapitelver- sammlung stattgefunden hatte, wurde nun in die Kirche verlegt und Teil der gottes- 42 Analogien zu Ritterorden: Templerregel 225; Curzon, S. 153; Körner, S. 68. Ferner: Nichol- son, Templars, S. 102 f.; Volgger, Entstehung, S. 27. Vgl. auch die Benedicti Regula VI; ferner Heimbucher, Orden I, S. 159ff. 43 Perlbach, Statuten, S. 128. So auch die Johanniter: Riley-Smith, Knights, S.232. 44 Vgl. Benedicti Regula III, V und öfter. Dazu Bernhard von Clairvaux, De laude novae militiae, vor allem S. 217ff.; Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 15ff. 45 Perlbach, Statuten, S. 128.
dienstlichen Feier. Außerdem wurden im Laufe der Zeit mehrere Benediktionen ein- geführt. Sie sind nicht in allen Statutenhandschriften, aber doch in einigen wesent- lichen, überliefert, und zwar finden sie sich in einer lateinischen, zwei holländischen der niederdeutschen und acht mittelhochdeutschen Handschriften. Da zwei Hand- schriften des 13. Jahrhunderts die Benediktionen enthalten46, müssen sie schon wäh- rend des 13. Jahrhunderts eingeführt worden sein. Nach dieser Überlieferung wurde auch das Schwert geweiht und dem neuen Ritterbruder übergeben47. Eine Schwertwei- he war im Rittertum des 12. Jahrhunderts eine durchaus geläufige Vorstellung, deren Wurzeln bis in das 11. Jahrhundert oder sogar noch weiter zurückreichen. Das rö- misch-deutsche Pontifikale kannte nämlich bereits im 10. Jahrhundert nach Ausweis mehrerer Handschriften eine solche Schwertweihe, die in einigen Fassungen an die entsprechende Weihe im Deutschen Orden anklingt48. Spätestens an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert, also gerade zu der Zeit, als der Deutsche Orden entstand, wurde in Deutschland die früher eher weltliche Schwertleite überall verkirchlicht. Der Segen des Priesters und mithin eine Benediktion des Schwertes wurden zu einem unabdingbaren Bestandteil der Zeremonie49. Auch die anschließende Benediccio ad militem des Aufnahmerituals im Deutschen Orden, die gesprochen wurde, wenn dem neuen Ritterbruder das Schwert umgürtet wurde, damit er es gegen Heiden und Übeltäter zum Nutzen der Kirche, der Witwen und Waisen führe, war in den Schwertleiten des Rittertums vorgeformt. Der Orden hatte also wichtige Elemente einer inzwischen verkirchlichten Schwertleite für weltliche Ritter in sein Aufnahme- ritual aufgenommen und sein Ritual den Bräuchen der adligen Umwelt angeglichen50. Lediglich die Hervorhebung der Glaubensfeinde in der Benediccio ad militem mag eine Zutat des Ordens und ein Zugeständnis an den Ordenscharakter der Feier ge- wesen sein51. Die anschließende Benediccio bei der Überreichung des Mantels und der Einkleidung mit ihm trugen keine Analogie zu einer Schwertleite, wiesen aber auch nicht besonders auf einen Ritterorden und dessen Aufgaben hin52. Die der Ein- kleidung vorausgehenden Benediktionen, nämlich die Bendiccio ensis ad faciendum militem und die Benediccio ad militem erinnerten den neuen Ritterbruder an seine Aufgaben, denen er sich geweiht hatte, nämlich besonders an den Heidenkampf. 46 Perlbach, Statuten, S.XIX, XXII: die Handschriften d5 und n2. 47 Perlbach, Statuten, S. 129. Dem Johanniterorden war die Schwertweihe fremd; vgl. Riley- Smith, Knights, S. 232. Dennoch war das Aufnahmeverfahren auch beim Johanniterorden den Rit- tererhebungen und den dabei gebräuchlichen Zeremonien angeglichen. Bei deutschen Johannitern findet sich die Schwertweihe: Luttrel, Hospitaller life, S. 105 Anm. 62 nach: HASt Köln, Geist- liche Abteilung 129a, fol. 5v-8r. Die deutschen Johanniter hatten eben das Zeremoniell der Ritter- erhebung im deutschen Sprachraum zum Vorbild genommen. 48 Erdmann, Entstehung, S.330. 49 Orth, Formen, S. 143ff., 151 ff., mit weiterer Literatur. 50 Bumkel, S.331 ff.; II, S.414f.; Keen, S. lOlff.; Orth, Formen, S. 143 ff. 51 Perlbach, Statuten, S. 129. 52 Perlbach, Statuten, S. 129f.
Obwohl dem Deutschen Orden in den politischen Konzeptionen Heinrichs VI. und Friedrichs II. die Rolle zugedacht war, den deutschen Einfluß im Heiligen Land und in der Mittelmeerregion überhaupt zu stärken, und der Orden in seinem Titel den Hinweis auf eine Nation trug, enthalten die Statuten noch keine Aufnahmebe- schränkungen nichtdeutscher Kandidaten. Es trifft aber zu, daß der Orden infolge der engen Anlehnung an die staufische Politik im wesentlichen auf die deutsche Na- tion beschränkt blieb. Adlige anderer Nationen mit entgegengesetzten politischen Traditionen und Vorstellungen wählten Johanniter oder Templer, wenn sie einem Ritterorden beitreten wollten. Die schon aus der Entstehungsgeschichte erklärbare Rekrutierungsbeschränkung auf Deutsche wurde durch die Politik der Staufer ver- stärkt, die die Erhebung zum Ritterorden betrieben hatte, weil sie in einer solchen auf eine Nation beschränkten Korporation eine ergebene Stütze ihrer Herrschaft vermuteten. Der Deutsche Orden geriet in die Rolle eines staufischen Hausordens und konnte sie bis zum Ende des Herrscherhauses nicht abstreifen. Danach ließ sich die einmal eingeschlagene Richtung nicht mehr umkehren. Der Deutsche Orden blieb eine Korporation der Deutschen und besonders des deutschsprachigen Adels. Ein erster Hinweis auf adlige Geburt als Aufnahmevoraussetzung findet sich in den Gesetzen, die der Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335-1341) erließ. Er bestimmte, daß nur jemand Ritterbruder werden könne, der dessen würdig und wol dazu geborn sei53. Der Ausdruck wol geborn dürfte eine Umschreibung für vorneh- me Geburt sein. Bald darauf fügte ein Kapitel als Beschluß an, daß nur derjenige als Ritterbruder aufgenommen werden könne, der ritterbürtig sei54. Allerdings sollte der Hochmeister Ausnahmen zulassen können. Da die schriftliche Fixierung und der Beschluß durch ein Kapitel meist nachträglich einen schon länger geübten Brauch sanktionierten, wird man unterstellen können, daß adlige Geburt in der Re- gel schon während des gesamten 14. und möglicherweise auch im 13. Jahrhundert gefordert worden ist55. Jedoch ist aus der Vorschrift nicht, wie es manchmal ge- schieht, zu schließen, daß nun nur noch Landadlige hätten Ritterbrüder werden können. Das städtische Patriziat gehörte damals noch zum Rittertum und galt vie- lerorts dem einfachen Landadel als ebenbürtig. Schließlich ist Karl von Trier (1311 — 1324) aus einem stadtadligen Trierer Geschlecht sogar Hochmeister geworden56. Der ideale Ordensbruder, wie sich der Orden ihn wünschte, war jung, gesund, waffengewandt und möglichst von Adel. Das lassen die Statuten, aber auch die Or- 53 Perlbach, Statuten, S. 149. 54 Perlbach, Statuten, S. 136. Zur späten Datierung, abweichend von Perlbach: Arnold, Elisa- beth, S. 168. 55 Militzer, Aufnahme, S. 8, 14 Anm. 10. Gegenteilige Angaben von Harald Lönnecker, Die Ah- nenprobe und ihre heraldisch-genealogischen Voraussetzungen, in: Mabillons Spur. Zum 80. Ge- burtstag von Walter Heinemeyer, hrsg. von Peter Rück, Marburg 1992, S.382, treffen nicht zu. 56 Das hat überzeugend nachgewiesen: Ni eß, Karl, S. 191 ff. gegen: Schoos. Dazu: Militzer, Nobiles und Patriziat in: LdM VI, Sp. 1206, 1797ff.
denschronistik erkennen57. Junge, gesunde Männer, die mit ihren Waffen umgehen konnten, waren in Palästina, Preußen und Livland im Kampf gegen Heiden, Saraze- nen und Schismatiker unbegrenzt einsetzbar. Besonders der Adlige hielt sich für einen Mann, der zum Kampf mit den Waffen und zur Herrschaftsausübung gebo- ren war. Ständelehren, Fürstenspiegel und Predigten gaben inm darin recht und be- stärkten ihn in seinen Vorstellungen58. Solche Männer, die sich wie selbstverständ- lich zutrauten, Herrschaft auszuüben, benötigte der Orden zur Verwaltung der Länder besonders im Baltikum, aber auch in Palästina und in begrenztem Maß in den Balleien, in denen sich einzelne Kommenden zu selbständigen kleineren Terri- torien entwickelten. Mit dem Wegfall der ursprünglich vielleicht vorgeschriebenen Probezeit fiel eine andere Barriere. Dem Orden wurde nämlich 1221 von Papst Honorius III. erlaubt, auch solche Männer aufzunehmen, die Gewalttaten gegen Geistliche oder Ordens- leute begangen hatten. Sie mußten allerdings vor dem Ordenseintritt vom zuständi- gen Diözesanbischof absolviert werden. Wurde dem Bischof ein solcher Gewalttäter präsentiert, war jener zur Absolution verpflichtet, wenn der Übeltäter gelobte, dem Orden beizutreten59. Für geringere Verfehlungen konnten bald darauf nach einem Zugeständnis desselben Papstes Ordenspriester die Absolution erteilen60. 1255 er- laubte Papst Alexander IV. dem Orden, daß Räuber und Brandstifter, die in den Orden eingetreten und in Preußen oder Livland eingesetzt worden waren, ihre Untaten sühnen und deshalb in ihre Heimat zurückkehren wollten, von Ordens- geistlichen absolviert werden könnten, da sie Reue gezeigt hätten61. Derselbe Papst verlieh 1258 den Ordenspriestern die Vollmacht, Ordensbrüdern, die vor ihrem Ge- lübde Raub und Brandschatzung begangen hätten, die Absolution zu erteilen. Der Orden durfte sogar die Bußen, die solche Übeltäter zahlen sollten, behalten und für den Kampf in Palästina, Preußen oder Livland einsetzen, falls die Geschädigten nicht mehr zu ermitteln seien62. . Die Päpste haben keine Privilegien verliehen, die der Orden nicht gebraucht hät- te. Er hat die Privilegien von den Päpsten erbeten. Die päpstliche Kanzlei hat auf von Orden eingereichte Suppliken reagiert und sie zur Grundlage ihrer Privilegien- formulierung gemacht. Die Anregungen zur Aufnahme von Übeltätern gingen also vom Orden selbst aus. Die Päpste haben sich dem Ansinnen nicht widersetzt. Der Orden hat seine Vorrechte durchaus ausgenutzt. Der Chronist Peter von Dusburg, ein Ordenspriester, berichtet ganz unbefangen von einem thüringischen Straßenräu- 57 Militzer, Aufnahme, S. 10f. 58 Vgl. beispielsweise: Borst, Rittertum, S.222ff.; Keen, S.219ff. 59 Strehlke, Tabulae, Nr. 326. Das Privileg hatten Vorgänger von Honorius III. bereits den Templern ausgestellt: Prutz, Ritterorden, S.26f. 60 Strehlke, Tabulae, Nr. 400. 61 Strehlke, Tabulae, Nr. 532. 62 Strehlke, Tabulae, Nr. 578 f.
ber und Brandstifter, der dem Deutschen Orden beigetreten sei, weil er seine Taten bereut habe. Dieser Ritterbruder namens Heinrich Cunce habe in Preußen ein vor- bildliches Leben geführt63. Jener Cunce war kein Einzelfall. Um 1225 wurde ein Ad- liger der Hildesheimer Diözese zum Eintritt in den Deutschen Orden und zum Einsatz in Palästina gezwungen, weil er Kirchen- und Straßenraub und sogar Blut- schande mit der eigenen Schwester begangen habe64. 1234 befahl Papst Gregor IX. dem Kölner Erzbischof Heinrich von Müllenark, einige in seiner Diözese weilende Ritterbrüder, die vor dem Eintritt in den Orden Gewalttätigkeiten, Brandschatzung und Raub begangen hätten, loszusprechen und besonders Belastete nach Rom zu schicken65. 1266 mußte Bruno von Berlingerode in den Orden eintreten, falls er der Todesstrafe entgehen wollte, die an seinem Vater schon vollstreckt worden sei66. Der Deutsche Orden erhielt so Ritterbrüder, die er bedingungslos im Kampf gegen Heiden, Sarazenen und Schismatiker einsetzen konnte. Der Deutsche Orden war allerdings kein Refugium für Gesetzesbrecher. Die Mehrzahl der Ritterbrüder werden wie in den beiden anderen großen Ritterorden67 auch Männer gewesen sein, die ohne vorhergehende Verbrechen aus verschiedenen Motiven in den Deutschen Orden eingetreten sind, die einen aus ideellen Überzeu- gungen für den Kreuzzug gegen Heiden und Sarazenen, andere aus Versorgungs- gründen oder wegen der Aussicht auf einen sozialen Aufstieg und auf politischen Einfluß. Der Orden war ebensowenig ausschließlich ein Versorgungsinstitut für ver- armte Adlige. Wie Planta anhand der Ballei Elsaß-Burgund darstellen konnte, hat der Orden selten auf materielle Zuwendungen verzichtet, wenn er einen Kandidaten aufnahm, und im Fall der Verweigerung, die zugesagte Schenkung auszuhändigen, Prozesse angestrengt. Andererseits hat der Orden aber auch mittellose Adlige ohne materielle Zuwendungen eingekleidet68. Die Motive für die Aufnahme und den Ein- tritt in den Orden werden vielgestaltig gewesen sein und sind im jeweiligen Einzel- fall kaum mehr ganz aufzuklären. In welchem Alter die Kandidaten eingekleidet wurden, ist unbekannt und auch nicht abschätzbar. Einige mögen gerade volljährig gewesen sein, als sie sich für den Eintritt in den Deutschen Orden entschieden, aber es hat auch Männer gegeben, die älter waren. Minderjährigen war der Beitritt allerdings versperrt. Sie konnten im Orden erzogen werden, hatten allerdings bis zur Volljährigkeit zu warten, wenn sie endgültig in den Orden aufgenommen werden wollten69. 63 Peter von Dusburg, Chronica 111,284. Dusburg konnte sich auf mündliche Überlieferungen stützen. Daher mag die Figur des thüringischen Übeltäters, der sich bekehrte, durchaus historisch sein; vgl. L abu da, Quellen, S. 155. Vgl. ferner unten, S.461f. 64 UB H Hildesheim II, Nr. 137. 65 Wyss I, Nr.39; REK III,1, Nr. 807. 66 UB Duderstadt, Nr.2; Rüdebusch, Anteil, S.69, 219f.; Militzer, Aufnahme, S. 10, 16 Anm.32. 67 Luttrel, Hospittaler life, S. 114. 68 Planta, Adel, S. 154ff. 69 Militzer, Aufnahme, S. 10f.
5.2 Die Priesterbrüder Der Deutsche Orden war aus einer Spitalgemeinschaft hervorgegangen und sollte auch nach der Erhebung zum Ritterorden 1198 weiterhin Kranke, Bedürftige, Pilger und Verwundete betreuen. Der Orden war und blieb ein Spitalorden, wenn auch die Aufgaben eines Ritterordens den Hospitaldienst schließlich überlagerten und verdrängten. Zu einem Spitalorden gehörten in der Regel Priester. Das traf für den Deutschen Orden ebenfalls zu70. Der als prior bezeichnete Vorsteher der Spitalge- meinschaft Heinrich 1193-1194 könnte ein Geistlicher gewesen sein71. Wenn es so gewesen sein sollte, ist er jedoch eine Ausnahme geblieben. Nach der Erhebung zum Ritterorden ist kein Priesterbruder mehr Meister geworden. Weder in Palästina noch in Preußen oder Livland konnten sie hohe Ämter bekleiden. Selbst das Hauptspital in Palästina wurde von einem Ritterbruder geleitet. Nur in den Balleien im Deutschen Reich sind Priesterbrüder in Kommenden, die meist mit einer Pfarre verbunden waren und in der häufig nur Priesterbrüder lebten, Komture geworden. Allerdings blieben auch in den Balleien die wichtigen Kommenden und die Land- komtursämter Ritterbrüdern vorbehalten72. Auf eine Ausnahme ist hinzuweisen. In der Ballei Bozen ist nämlich 1283 der Priesterbruder Konrad von Tscheves Land- komtur gewesen73. In Preußen gab es drei von vier Domkapiteln, die dem Deut- schen Orden inkorporiert waren und nur Priesterbrüder aufnahmen, nämlich die von Kulmerland, Pomesanien und Samland. Das Kapitel des Ermlands blieb selb- ständig74. In Livland ist es dem Orden außer in Kurland nicht gelungen, die Dom- kapitel zu inkorporieren75. Wo eine Inkorporation versucht wurde, war sie nur von kurzer Dauer und mußte bald rückgängig gemacht werden. Priesterbrüder spielten somit in Preußen eine bedeutende Rolle, die sich in beiden baltischen Ländern stei- gern konnte, wenn Priesterbrüder zu Bischöfen oder Erzbischöfen aufstiegen. Daß damit keineswegs immer der Streit zwischen dem Orden und dem Oberhirten vor allem in Livland vermieden wurde, ist häufig zu beobachten. Eigeninteressen der Ämter der Bischöfe und Erzbischöfe wogen oft schwerer als das Gehorsamsgebot der Ordensregeln, der solche Priesterbrüder auch noch als Oberhirten verpflichtet waren. Trotz der Aufstiegsmöglichkeiten, die sich in den Balleien, in Preußen und Livland öffneten, waren die Priesterbrüder nach der Erhebung der Spitalgemein- schaft zum Ritterorden 1198 in den Hintergrund gedrängt worden. 70 Turnier, S. 380. Das formelle Recht, Kleriker aufzunehmen, gewährte Papst Honorius III. 1220: Hennes I, Nr. 49; Strehlke, Tabulae, Nr. 329; Pettenegg, Nr. 37f. Vgl. ferner die Bulle von 1221 Januar 19: S t r e h 1 ke, Tabulae, Nr. 336. 71 Vgl. oben, S. 21 f. 72 Militzer, Entstehung, mit mehreren Beispielen. Vgl. Militzer, Balleien (Karte). 73 Ladurner, S.44f. 74 Gorski, Domkapitel, S. 329ff.; Wenskus, Ordensland, S. 353f.; Poschmann, Bistümer, S. 229 ff.; R a d z i m i h s k i, S. 41 ff. 75 Hellmann, Verfassungsgrundlagen, S.94; Jähnig, Kampf, S.98ff.
Papst Honorius III. bestimmte in seiner Bulle vom 15. Dezember 1220, daß die dem Deutschen Orden beigetretenen Priester die Gottesdienste mit den Ordens- angehörigen feiern, die Mitbrüder seelsorgerisch betreuen und der Disziplinarge- walt des Meisters und des Kapitels unterworfen sein sollten76. Ansonsten hatten die Priesterbrüder kaum besondere Vorrechte, sondern waren ein Teil der Ordenskor- poration und traten nach außen kaum in Erscheinung. Innerhalb der Korporation spielten sie jedoch eine erhebliche Rolle, die vielfach unterschätzt worden ist77. Nach den Statuten aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zelebrierten sie den Gottes- dienst, an dem auch die Ritterbrüder und Graumäntler teilzunehmen hatten78. Sie feierten die Gottesdienste in der Firmarie mit den erkrankten Ordensangehörigen79 und gestalteten das Totengedächtnis80. Vor und nach dem Essen sprachen sie ein Gebet und erteilten den Segen81. Während der Mahlzeit lasen sie aus der Regel oder anderen Büchern vor82. Bei der Aufnahme von Ritterbrüdern oder anderen Ordens- angehörigen waren Priesterbrüder, zumindest einer von ihnen, zum Empfang der Gelübde unentbehrlich. Sie hatten den weißen Ordensmantel mit dem schwarzen Kreuz zu weihen und ihn gegebenenfalls dem neuen Bruder umzuhängen83. Sie sprachen die Benediktionen. Sie unterrichteten ihre Mitbrüder im Glauben84. Bei bestimmten Vergehen hatte ein Priesterbruder die Buße eines straffälligen Ordens- angehörigen in der Kirche öffentlich zu verkünden, und zwar jeden Sonntag nach der Messe aufs neue, bis die Schuld gesühnt war85. Vor der Meisterwahl hatten die Priesterbrüder eine Messe zu zelebrieren86. Mindestens einer von ihnen war als Wähler an der Meisterwahl beteiligt87. Hatten sich die Wahlmänner auf einen Kandi- daten geeinigt und den Namen den wartenden Mitbrüdern verkündet, stimmten die anwesenden Priesterbrüder ein „Te Deum laudamus“ an88. Nach der Hochmeisterwahl behielten Priesterbrüder wichtige Funktionen. Einer von ihnen sollte als Kaplan den Hochmeister stets begleiten89. Dessen Einflußmög- lichkeiten auf den jeweiligen Hochmeister ist nicht zu unterschätzen. Ein anderer 76 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr.306, vgl. Nr.329; Hennes I, Nr.49; Potthast I, Nr.6444. 77 Vgl. besonders Görski, Domkapitel, S. 327ff., der auf die wichtige Rolle hingewiesen hat. Ihm folgt Elm, Spiritualität, S.485. 78 Perlbach, Statuten, S. 120ff. (Venien); auch S.72f.: Gesetze 23f.; S. 117: Gewohnheit 63. 79 Perlbach, Statuten, S.69: Gesetz 12. 80 Perlbach, Statuten, S.36ff.: Regel 10. 81 Perlbach, Statuten, S.40f.: Regel 13. 82 Perlbach, Statuten, S. 43f.: Regel 16 (Lesung zum Abendtrunk, collacio)-, vgl. S. 63: Gesetz IIIb; S. 71: Gesetz 17; S. 74: Gesetz 27f. 83 Perlbach, Statuten, S. 51: Regel 29. 84 Perlbach, Statuten, S. 61: Gesetz Ile. 85 Perlbach, Statuten, S. 85: Gesetz 38. 86 Perlbach, Statuten, S. 92: Gewohnheit 3. 87 Perlbach, Statuten, S.92, 95: Gewohnheit 4, 6. 88 Perlbach, Statuten, S.95: Gewohnheit 6. 89 Perlbach, Statuten, S.98f.: Gewohnheit 11.
konnte, wenn es dem Hochmeister beliebte, über den Zustand der Finanzen und besonders des Schatzes informiert werden. Das war etwas Besonderes, da normaler- weise einfache Ordensmitglieder darüber nicht in Kenntnis gesetzt wurden. Der Hochmeister konnte außer den Großgebietigern noch den Kleinen Komtur, einen Graumäntler und eben einen Priesterbruder einweihen, wenn er es für erforderlich hielt. Eine Informationspflicht bestand nicht90. In einem Punkt unterschieden sich die Priesterbrüder von anderen Ordensmit- gliedern. Sie unterstanden nämlich einem eigenen Prior oder dessen Stellvertreter, jedenfalls im Haupthaus. Ein solcher Prior namens Johann ist 1242 für das Haupt- haus bezeugt91. 1253 lebte ein Stellvertreter des Priors in Akkon92. Prioren gab es auch im hessischen Marburg und im vogtländischen Plauen, jedoch keineswegs in allen Ordensniederlassungen. Die Priesterbrüder bildeten unter ihrem Prior aber keinen eigenen Konvent, wie gelegentlich behauptet worden ist93, sondern waren Mitglieder eines mit Ritterbrüdern und Graumäntlern gemeinsamen Konvents. Innerhalb der Ordensgemeinschaft waren alle Brüder aufgefordert, die Priester- brüder ihres Amtes wegen besonders zu ehren und sie bevorzugt mit allem zu ver- sorgen94. Diese Vorschrift entsprach den Forderungen der Kirchenreform des 11. und 12. Jahrhunderts, die mit ihren Auffassungen von einer Sonderstellung des Kle- rus durchgedrungen war95. Die Kleriker hatten daher auch im Orden einen beson- deren Gerichtsstand. Im Gegensatz zu den Ritterbrüdern hatten sie ihr Schuldbe- kenntnis unter Ausschluß jeder Öffentlichkeit dem Prior zu machen und von ihm die entsprechenden Bußen anzunehmen96. Wo ein Prior fehlte oder nicht anwesend war, mußte ein Priesterbruder an dessen Stelle treten. Die Oberaufsicht über den Prior und die Priesterbrüder des Haupthauses führte der Großkomtur97. Das Aufnahmeritual für Priesterbrüder ist nicht eigens überliefert. Es dürfte ana- log zu dem der Ritterbrüder gestaltet gewesen sein, außer daß die verschiedenen nur für Ritterbrüder geltenden Benediktionen entfallen sein werden. Auch für neu aufgenommene Priesterbrüder galten die Gelübde. Sie mußten wie die Ritterbrüder die Statuten beachten und dem Hochmeister Gehorsam geloben. Priesterbrüder spielten im Deutschen Orden während des 13. Jahrhunderts eine erhebliche Rolle. Anfangs mag ihre Bedeutung noch größer gewesen sein. Nach der Erhebung zum Ritterorden 1198 jedoch schwand ihr Einfluß, und zwar im Laufe der Zeit immer mehr. Zum dominierenden Element im Orden wurden die Ritter- 90 Perlbach, Statuten, S.97 f.: Gewohnheit 9. 91 RRH, Nr. 1108; Strehlke, Tabulae, Nr. 92 92 RRH, Nr. 1206. 93 Wojtecki, Studien, S.59f. Dagegen auch Jähnig, Thüringen, S.311I. 94 Perlbach, Statuten, S.64: Gesetz 2. 95 Feine, Kirchliche Rechtsgeschichte §32 I. 96 Perlbach, Statuten, S. 87-89: Gesetze 40-44. 97 Perlbach, Statuten, S. 106: Gewohnheit 28.
brüder, und zwar je nach der Region in unterschiedlicher Art und Weise. In den Bal- leien blieben Priesterbrüder an einigen Orten die einzigen Vertreter des Ordens und stiegen sogar zu Komturen, in Ausnahmefällen sogar zu Landkomturen98 auf. In Preußen, Livland und Palästina dagegen konnten sie solche Ämter nicht verwalten. Gegen die Leitung derartiger Niederlassungen durch Priesterbrüder sprach schon, daß es sich meist um Burgen in manchmal feindlicher Umgebung handelte. Die Ver- teidigung der Befestigungen lag besser in den Händen von Ritterbrüdern, angeführt von einem Komtur aus ihren eigenen Reihen. Aber selbst in der feindlichen Umge- bung in Preußen, Livland oder Palästina übten die Priesterbrüder eine für die Kor- poration wichtige Funktion aus, wie im folgenden noch zu zeigen sein wird99. 5.3 Die Graumäntler Zeitweise spielte eine weitere Gruppe im Orden eine Rolle: die sogenannten Grau- mäntler. Besonders in der Anfangszeit nach 1198 muß die Zahl dieser Brüder groß gewesen sein. In den Statuten hießen sie noch „Sarjantbrüder“ oder im lateinischen Text fratres sariandi im Unterschied zu den fratres milites, den Ritterbrüdern. Die Unterscheidung ging auf die im Heer und in der Gesellschaft übliche Trennung von milites und servientes, Ritter und Knappen, zurück100. Als Knappen galten adlige Diener der Ritter mit der Aussicht, selbst einmal zu Rittern geschlagen zu werden, Servientes als Diener und Begleiter der Ritter ohne Aufstiegsmöglichkeit, aber auch als eigene Truppenteile, sogar als Fußtruppen. Templer und Johanniter kannten Rit- ter- und Sarjantbrüder. Daher wird der Deutsche Orden 1198 das Institut der Sar- jantbrüder von den beiden älteren Ritterorden übernommen haben101. Diese Sar- jantbrüder dienten beim Deutschen Orden während der Schlacht mit zwei Pferden, während den Ritterbrüdern vier Pferde zustanden102. Die Ritterbrüder kämpften in der taktischen Einheit der Ritterheere, der Gleve103, die Sarjantbrüder dagegen nicht, sondern als Hilfstruppen, sofern sie nicht im klassischen Sinn als Knappen zur Unterstützung der Ritterbrüder eingesetzt wurden. In der Tat hatten sie im Deutschen Orden auch solche Aufgaben. Den Hochmeister begleitete nämlich ein Sarjantbrüder als Schäffer, der für die Versorgung des Meisters, für Zahlungen und dergleichen zuständig war. Während eines Feldzugs trat ein zweiter Sarjantbrüder mit gleicher Funktion zur Unterstützung hinzu104. Der Ordensmarschall und der 98 So 1283 in der Ballei Bozen Konrad von Tscheves; vgl. unten, S. 412. 99 Vgl. auch das Lob der Priesterbrüder bei Peter von Dusburg, Chronica 1,1. 100 Zu Knappe und serviens: Fenske, Knappe, S. 101 ff. 101 Maschke, Schäffer, S. 85. 102 Perlbach, Statuten, S. 110: Gewohnheit 42. 103 Zur Gleve: Schulze, Gleve, passim; auch Fenske, Knappe, S. 103ff. 104 Perlbach, Statuten, S.99: Gewohnheit 11; Maschke, Schäffer, S. 81 f.
Großkomtur hatten jeweils einen Sarjantbrüder in ihrem Gefolge105. Jeder Ritter- bruder hatte einen oder gar zwei scutiferi, also Sarjantbrüder106, die sie während des Ritts zum Schlachtfeld zu Pferd begleiteten107, während des Kampfes selbst aber zu- rückblieben und abwarteten. Einer der wartenden Sarjantbrüder hielt die Fahne in- mitten seiner Kameraden108. * Sarjantbrüder trugen zwar auch das Ordenskreuz auf den Mänteln und hatten die üblichen Gelübde abzulegen, waren aber weniger angesehen, wie sich auch an der Farbe ihrer Mäntel zeigte. Sie trugen nämlich nicht den weißen, sondern einen grauen Mantel mit schwarzem Kreuz und wurden daher später Graumäntler ge- nannt. Als solche begegnen sie seit dem 14. Jahrhundert in den Quellen vor allem in Preußen und Livland als Verwalter weniger wichtiger Ämter109. Ihre Bedeutung für den Deutschen Orden in der Frühzeit, als die Statuten redigiert wurden, also um die Mitte des 13. Jahrhunderts, erhellt sich aus den Bestimmungen zur Hochmei- sterwahl. Denn unter den 13 Wahlmännern, die zur Wahl des Hochmeisters erkoren werden sollten, mußten unter acht Ritter- und lediglich einem Priesterbruder im- merhin vier Sarjantbrüder oder Graumäntler sein110. Im Wahlkollegium des Jahres 1382, das schließlich Konrad Zöllner von Rotenstein wählte, saßen tatsächlich vier Graumäntler111. Die Bestimmungen zur Wahl aus der Mitte des 13. Jahrhunderts sind also noch mehr als ein Jahrhundert später eingehalten worden, obwohl die Be- deutung und Zahl dieser Gruppe damals schon sehr zurückgegangen war. Die Graumäntler oder Sarjantbrüder kamen in den meisten Fällen aus einer ande- ren Schicht als die Ritterbrüder. In Palästina setzten sie sich aus Söhnen von bürger- lichen oder gar bäuerlichen Familien zusammen. Selten werden sie aus adligen Häu- sern gekommen sein, wenngleich auch das nicht in jedem Fall auszuschließen ist. Die Kenntnis über diese Sarjantbrüder des 13. Jahrhunderts sind allerdings gering. Es sind kaum Namen bekannt, geschweige denn ihre familiäre, soziale oder regio- nale Herkunft. t In Preußen und Livland kamen die Graumäntler, wie sie seit dem 14. Jahrhundert durchweg hießen, meist aus dem städtischen Patriziat Preußens und Livlands selbst. So waren die Schäffer des Hochmeisters und anderer Gebietiger Preußens vielfach Söhne von Thorner oder Danziger Geschlechtern112. Sie waren von Anfang an als Sarjantbrüder aufgenommen worden. In Livland lebten 1442 im Konvent von Riga 105 Perlbach, Statuten, S. 103, 106: Gewohnheiten 19, 29. 106 Perlbach, Statuten, S. 113: Gewohnheit 52. 107 Perlbach, Statuten, S. 116: Gewohnheit 60. 108 Perlbach, Statuten, S. 116f.: Gewohnheit 61. 109 J ä h n i g, Verwaltung, S. 88 f.; Ders., Deutschordenskonvent, S. 166, 168. HO Perlbach, Statuten, S.93: Gewohnheit 4. Hl Annales Thorunienses in: SRP III, S. 120 f.; vgl. Maschke, Schäffer, S. 85f.; Gersdorf, S. 7f. Es ist das einzige Wahlkollegium, von dem die Zusammensetzung tatsächlich bekannt geworden ist. 112 Maschke, Schäffer, S. 86.
drei Graumäntler, die aus Preußen stammten, einer von ihnen aus Heilsberg113. 1451 kam der Schuhmeister der Kommende Doblen aus Schlesien. Er war höchstwahr- scheinlich auch ein Graumäntler114. Aus den wenigen Beispielen ist aber keineswegs der Schluß zu ziehen, daß Söhne aus dem städtischen Patriziat grundsätzlich keine Ritterbrüder, sondern nur Graumäntler hätten werden können. In den Balleien im Deutschen Reich war das anders. Dort wurden die meisten Bürgersöhne zu Ritterbrüdern aufgenommen, falls sie nicht die geistlichen Weihen erhalten hatten und Priester waren und deshalb nur Priesterbrüder werden konnten. Das Institut der fratres servientes, der Sarjantbrüder oder Graumäntler, als Teil des Kampfaufgebots des Ordens spielte dort von vornherein eine nur geringe Rolle, da der Orden in den Balleien an keinen Kämpfen beteiligt war und auch keine Fehden führen durfte. Infolgedessen ist die Zahl der Graumäntler in den Kommenden der Balleien nie sehr hoch gewesen115. In der Beschreibung der Ballei Elsaß-Burgund von 1393 beispielsweise findet sich nur jeweils ein Graumäntler in Beuggen, Freiburg und Suntheim116. Auch das Schreiben des späteren Vogtes von Dirschau Werner von Baldersheim aus den Jahren 1416-1418 über die Ballei Koblenz, in dem es heißt, daß alle Ämter in Händen von Graumäntlern und Priesterbrüdern seien117, beruht kaum auf Tatsachen, sondern war von den Vorurteilen eines Adligen geprägt, der die Ver- waltung der Ämter einer Ballei nicht gern in Händen von Bürgersöhnen sah oder in Händen solcher Personen, die er nicht als ebenbürtig anerkennen konnte118. 5.4 Die Halbbrüder Mit der Zunahme des Besitzes ergaben sich Probleme, die der Orden wie andere Mönchsorden auch löste. Er nahm solche Personen, die ihm Güter übertragen wollten, aber aus welchen Gründen auch immer nicht als Ritter- oder Priesterbrü- der oder Graumäntler eintreten wollten oder konnten, zu Halbbrüdern auf. Eine solche Gruppe wird es kaum schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts gegeben haben119. 113 Liv. UB IX, Nr. 811; Arbusow, Geschlechter, S. 57, 64, 75. 114 Liv. UB IX, Nr. 160 (S. 126); Arbusow, Geschlechter, S. 115. 115 Vgl. Benninghoven, Zahl, S. 12ff, nach einer Aufstellung von 1451. Dazu: Mol, Huizen, S. 85. 116 Müller, Beschreibung, S. 19, 26, 37. 117 Regesta Ordinis I, Nr. 2861; GStA Berlin Preuß. Kulturbesitz, ehem. StA Königsberg OBA 2861. 118 Limburg, Koblenz, S.63 Anm. 17; Voigt, Balleien I, S. 314, 349. Ders., Halbbrüder; Reimer, S. 3. Von einer Gefahr der „Verbürgerlichung“ des Ordens im mittel- und niederrheinischen Städte- gebiet, wie Heim, S. 53, sie sieht, kann keine Rede sein. Der damals amtierende Koblenzer Komtur Gerhard von Benesis kam gar nicht aus einer „bürgerlichen“ Familie im eigentlichen Sinne. Das Ge- schlecht hatte vielmehr im sogenannten „Schöffenkrieg“ 1375-1377 Köln verlassen müssen, war nie wieder zurückgekehrt und seitdem im Landadel aufgegangen; Herborn, Führungsschicht, S.270ff. 119 Die Überlegungen Turniers, S.384, treffen nicht zu. Nach Sterns soll das Institut der Halbbrü- der aus angestellten Knechten hervorgegangen sein, die schließlich im Orden Aufnahme gefunden hätten; Arnold, Statuten, S. 150. Ob das zutrifft, ist ungewiß.
Denn in den älteren Teilen der Statuten ist von ihnen noch keine Rede. Erst in den sogenannten „Gesetzen über Meer“, Zusätzen nach der Mitte des 13. Jahrhunderts, wird die Aufnahme von Halbbrüdern erwähnt120. Der Hochmeister Burchard von Schwanden bestimmte 1289 in einem Kapitel in Mainz, daß <^ie Halbbrüder zu Ar- beiten bei Ackerbau und Viehzucht angenommen werden und sich zu Keuschheit, Armut und Gehorsam verpflichten sollten. Ihre Kleidung bestand aus einem langen Rock (beffe), über den sie zur Arbeit einen kürzeren Umhang (schaprüri) mit wei- ten Ärmeln und mit einem halben Kreuz tragen sollten121. Diese Halbbrüder gab es später vor allem in Kommenden der Balleien im Deutschen Reich, jedoch blieb ihre Zahl gering. Sie hatten zu keiner Zeit einen den Sarjantbrüdern oder Graumäntlern vergleichbaren Status in der Ordenskorporation, sondern blieben dienende Brüder. Mit Unterschieden in der Stellung der Halbbrüder ist zu rechnen. Die Vorschrif- ten Burchards von Schwanden dürften uneingeschränkt nur für die Balleien gegol- ten haben. Dort werden die Halbbrüder als Knechte auf den Wirtschaftshöfen in Eigenbetrieb tätig gewesen sein. Aber auch deren Zahl ist nie sehr hoch gewesen. Als der Orden 1287 ein Maastrichter Ehepaar in die Gemeinschaft des Ordens auf- nahm, trat dessen Diener als semi fr ater ebenfalls ein122. Das Anniversarienbuch der Kommende Sachsenhausen am Main aus dem 14. Jahrhundert führt nur neun Halb- brüder auf123. Im Jahrzeitbuch der Schweizer Kommende Hitzkirch auch aus dem 14. Jahrhundert finden sich zwei Halbbrüder124. Ein Knecht der Kommende namens Heini von Hämikon ist nach Palästina gezogen und hat dem Orden dort offenbar als Halbbruder gedient. Er stammte aus einer reichen Bauernfamilie aus Hämikon bei Hitzkirch125. Bei ihm ist ausnahmsweise einmal die Herkunft eines Halbbruders faßbar. In der Ballei Marburg ist im Fragment des Anniversarienbuchs aus der er- sten Hälfte des 14. Jahrhunderts nur ein Halbbruder zu ermitteln126. Es müssen je- doch mehr gewesen sein. Denn in den Rechnungen von 1395 und 1413 werden 16 bzw. 12 Laien- oder Halbbrüder genannt, die auf Höfen in Eigenwirtschaft und auf dem Marburger Haupthof dienten127, wie es schon die Gesetze Burchards von Schwanden bestimmt hatten. Das ist für die Zeit um 1400 eine hohe Zahl. Im 15. Jahrhundert scheint sie zurückgegangen zu sein. Da in den Rechnungen dieses Jahrhunderts keine Halbbrüder mehr zu ermitteln sind, sind möglicherweise keine neuen Halbbrüder mehr aufgenommen worden. Für die Ballei Koblenz sind eben- 120 Perlbach, Statuten, S. 136: Gesetze über Meer V,5. 121 Perlbach, Statuten, S. 138. 122 Hennes II, Nr.495. J23 Jost, Nr. 520, 590, 598, 652, 676, 705, 721, 729, 735. 124 Boesch, S.271, 281 f. 125 Bo esc h, S. 81 £, 273 f.; Wey, Hitzkirch, S. 50. 26 Wyss III, Nr. 1292 S.244; vgl. Wyss I, Nr.623. Braasch-Schwersmann, Marburg, S.201.
falls einige Halbbrüder nachgewiesen128. Auch in anderen Balleien hat es sie gege- ben. Deren Zahl blieb jedoch gering129. Eine besondere Entwicklung nahm das Institut der Halbbrüder in Friesland. Dort hießen sie Laienbrüder, wie gelegentlich auch anderswo. Man mag zweifeln, ob sie in Friesland tatsächlich eine so niedere Stellung eingenommen haben, wie es die Gesetze Burchards von Schwanden vorschrieben. J. A. Mol hält diese Laien- brüder eher für Sarjantbrüder oder Graumäntler, weil sie zumindest 1404 Stimm- recht im Kapitel hatten, was den Halbbrüdern in den Balleien im allgemeinen nicht zugestanden hat und nach den Statuten den Graumäntler zukam. Es ist aber zu be- zweifeln, ob die Gesetze des Hochmeisters überall beachtet wurden und ob in Friesland nicht schon zu Burchards Zeiten eine Entwicklung eingesetzt hatte, die der Hochmeister durch seine Vorschriften gar nicht mehr hatte aufhalten können, nämlich den Aufstieg der sogenannten Halbbrüder zu nahezu vollberechtigten Konventsmitgliedern. In Friesland hat es auf Grund der besonderen Geschichte kaum einen Ritterstand oder Dienstadel gegeben. Daher sah die Elite des Landes die Kommenden des Deutschen Ordens in Nes und Schoten, wie Mol gezeigt hat, eher in der Funktion der gewohnten heimischen Doppelklöster und die Laienbrü- der als Konversen an, die vor allem mit der Güterverwaltung beschäftigt waren und als vollberechtigte Mitglieder der Konvente galten, zumal es an „richtigen" Ritter- brüdern mangelte130. Es fällt jedenfalls schwer, in den friesischen Laienbrüdern Grau- mäntler zu sehen, obwohl sie eher Funktionen von Halbbrüdern ausübten. Man wird vielmehr mit einem Aufstieg dieser Laienbrüder zu vollberechtigten Konvents- mitgliedern rechnen müssen. Wie in Friesland mag es auch anderswo Angleichungsprozesse gegeben haben. Lokale Bedingungen könnten von den Statuten vorgegebene Unterscheidungen ver- wischt haben. Was in den friesischen Kommenden auf Grund andersartiger sozial- geschichtlicher Gegebenheiten zu beobachten ist, trifft in Grundzügen auch auf die Kommenden in den Balleien außerhalb Frieslands zu. Das zeigt sich allein schon daran, daß in den Rechenschaftsberichten der Deutschmeister an den Hochmeister nie Graumäntler oder Halbbrüder genannt sind, obwohl der Auftrag anders gelau- tet hatte131. 1394 beispielsweise sollte der Deutschmeister Johann von Ketz unter an- derem die Zahl der brüder mit dem crütze, halb brüder, halb swester, phründner an- geben. Mitgeteilt hat der Deutschmeister aber nur die Zahl der brüder mit dem crütze, der Halbschwestern, der Pfründner, der weltlichen Kapläne und der Schul- meister, obwohl es Graumäntler und Halbbrüder gegeben haben muß132. Die vom 128 Limburg, Schwestern, S. 19 f. 129 Zur Ballei Lothringen vgl. beispielsweise Schmidt, Trier, S. 310ff. Er kann keine Halbbrüder nachweisen. Zur Ballei Thüringen: S o m m e r 1 a d, S. 93 f. 130 Mol, Huizen, S. 83ff. 131 Militzer, Auswirkungen, S.63. 132 Codex Prussicus V, Nr.55; Hubatsch, Quellen, Nr.25.
Hochmeister ausgesandten Visitierer haben 1451 Graumäntler notiert133, die deutsch- meisterlichen Visitierer dagegen haben zur gleichen Zeit solche Ordensangehörige zu den Ritterbrüdern gezählt134. Wenn die hochmeisterlichen Visitierer keine Halb- brüder ausgemacht haben, könnte es daran gelegen haben, d^ß sie aus Preußen sol- che Brüder nicht kannten und sie möglicherweise zu den ihnen vertrauten Grau- mäntlern machten135. Aus ihrer Sicht konnten sie sich im Recht fühlen, weil damals die scharfen Unterschiede eingeebnet worden waren. Halbbrüder und Sarjantbrüder waren ursprünglich jedenfalls nicht identische Gruppen. Halbbrüder wurden in der Güterverwaltung in untergeordneten Positio- nen vor allem in den Balleien eingesetzt. Sie waren keine vollberechtigten Brüder im Konvent. Im Unterschied zu den vollberechtigten Graumäntlern zählten die Halb- brüder auch nie zur kämpfenden Truppe. Spätestens im 14. Jahrhundert setzten Aus- gleichsprozesse ein, die regional unterschiedlich stark ausgeprägt waren, aber dazu führten, daß sich die Stellung der Halbbrüder der der Graumäntler anglich. Den- noch versuchte man im Orden immer wieder, auf Grund der Ordensregel Unter- scheidungen vorzunehmen. Im Einzelfall fällt die Entscheidung jedoch schwer oder ist unmöglich, ob es sich bei einem dienenden Bruder in den Balleien um einen Graumäntler oder um einen Halbbruder im Sinne der Ordensregel gehandelt hat. 5.5 Die Familiären und Pfründner Außer zu Halbbrüdern konnte der Orden Personen auch als Familiären aufnehmen, wie es beispielsweise im Templerorden schon früher üblich gewesen war136. Bereits Papst Honorius III. hatte dem Deutschen Orden gestattet, Personen aufzunehmen, die in weltlichen Verhältnissen fortlebten, auch verheiratet bleiben durften, sich aber zu einem ehrbaren Lebenswandel verpflichten und ihr Vermögen nach ihrem Tod dem Orden vermachen mußten137. Ein entsprechender Passus findet sich in den Sta- tuten138. Dort hieß es aber auch, daß der zuständige Landkomtur befugt sei, Abwei- chungen zuzulassen, wenn es dem Orden nutze. Je nachdem wie die Aufnahmever- träge oder -absprachen verfaßt waren, hat es also im Institut der Familiären eine erhebliche Bandbreite auch abweichender Bestimmungen gegeben, die von einer lo- 133 Bennighoven, Zahl, S. 12ff. 134 Militzer, Auswirkungen, S. 63. Vgl. auch den Visitationsbericht von 1394: Codex Prussicus V, Nr. 55; Hubatsch, Quellen, Nr.25. 135 Vgl. Thielen, Verwaltung, S. 113 f., der die Unterscheidung zwischen Halbbrüdern und Graumänt- lern daher gar nicht trifft. 136 Turnier, S.387f. 137 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr.306; Potthast I, Nr.6444; Hennes I, Nr.219. $ Perlbach, Statuten, S. 52f.: Regel 32.
sen Affiliation bis zu einem Leben als Halbbruder in einem Konvent oder bis zur zeitweisen Annahme eines Priesters für den Altardienst in einer Ordenskirche rei- chen konnte. Der Familiäre konnte damit rechnen, daß er während seines Lebens versorgt werde und Schutz finde, nach seinem Tod ein würdiges Begräbnis erhalte, daß seiner gedacht und für ihn gebetet werde. Besonders unter dem Aspekt der Me- morie und der Fürbitte mag es zumindest im 13. Jahrhundert erstrebenswert gewe- sen sein, als Familiäre in den Orden Aufnahme zu finden139. Zu den Familiären sind wohl auch zum großen Teil die Wohltäter zu rechnen, die dem Orden Güter übereignet hatten und dafür in das Gebet der Ordensgemein- schaft eingeschlossen waren und im Fall des Interdikts mit einem kirchlichen Be- gräbnis durch den Orden rechnen konnten140. Diese Familiären standen eigentlich außerhalb der Ordenskorporation, waren ihr nur lose verbunden und lebten meist nicht in einem Konvent. Wie die Familiären waren die Pfründner mit dem Orden nur lose verbunden. Pfründner hatten sich oft Wohnung und Verpflegung durch den Orden gegen eine vereinbarte Summe Geldes oder durch eine Liegenschaftsübertragung gesichert. Der Übergang von Pfründnern, die sich eingekauft hatten, zu Familiären oder Wohltätern war fließend. So konnte die Versorgung auf Lebenszeit mit einer groß- zügigen Schenkung verbunden sein, die für den Orden günstiger als für den Pfründner war und den Pfründner einem Familiären gleichstellte. Am 9. Dezember 1270 nahm beispielsweise der Landkomtur von Lothringen im Einvernehmen mit dem Deutschmeister Hermann von Veldenz und dessen Frau Adelheid samt deren zwei Söhnen in den Deutschen Orden auf und gewährte dem Ehepaar eine Leibren- te von den Gütern, die sie dem Orden überschrieben hatten141. Während nun das Ehepaar als Pfründner oder Familiären des Ordens aufzufassen sind, traten deren Söhne als Ritterbrüder ein. Einer von ihnen, nämlich Hermann von Veldenz, wurde 1290-1291 Landkomtur von Lothringen und 1293 Komtur von Dan142. Als Familiä- ren traten 1287 Eheleute, Maastrichter Bürger, dem Orden bei143. Mehrere Familiä- ren, die sich zu unterschiedlichen Bedingungen dem Orden angeschlossen hatten, nennt van Eickels für die Ballei Koblenz144 und Planta für die Kommende Weißen- burg145. Pfründner erhielten wie Familiäre keine Ämter und übernahmen im allgemeinen auch keine Verwaltungsaufgaben. Sie lebten oft in einem Ordenshaus, gehörten aber 139 Planta, Bemerkungen, passim. 140 Limburg, Schwestern, S. 21 ff., 27f.; Heim, S. 58ff.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.203f. 141 Hennes II, Nr.208. 142 Schmidt, Trier, S.281, 310f. 143 Hennes II, Nr.495. 144 Van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S. 59ff. 145 Planta, Adel, S.23f.; Ders., Bemerkungen, passim.
nicht zum jeweiligen Konvent. Es war ihnen freigestellt, außerhalb des Ordenshau- ses zu leben. Die Ausgestaltung des Pfründnervertrags war sehr variabel und der Übergang zu Familiären und auch zu Halbbrüdern fließend146. 5.6 Die Halbschwestern Seit wann der Deutsche Orden Frauen aufgenommen hat, ist ungewiß. Im Feld- spital vor Akkon und später wird es wahrscheinlich keine Frauen gegeben haben. Vermutlich haben erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts, als der Orden schon zum Ritterorden erhoben worden war, vereinzelt Frauen um Aufnahme nachgesucht. Der Andrang der Frauen nahm offenbar bald zu. Wahrscheinlich haben einzelne Frauen Güterübertragungen davon abhängig gemacht, daß sie aufgenommen wür- den, und so den Orden zu einer Stellungnahme gezwungen. Da Frauen im Spital- dienst einsetzbar waren, hat sich der Orden dem weiblichen Geschlecht geöffnet. Leicht ist es ihm jedoch offenbar nicht gefallen. Denn die Regel legte fest, daß Frauen keine vollberechtigten Mitglieder werden könnten. Da Frauen sich, wie es heißt, für bestimmte Aufgaben im Spital und für gewisse Arbeiten in der Viehwirt- schaft besser als Männer eigneten, solle man sie als Halbschwestern zulassen. Der jeweilige Landkomtur habe über die Aufnahme von Frauen zu befinden. Entscheide er sich für die Aufnahme, habe er für geeignete Wohnungen abseits von der der Brüder zu sorgen147. In späteren Kapitelsbeschlüssen verlangte der Orden von den Halbschwestern die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams wie von allen anderen Mitgliedern auch148. Zweifellos hatten die Frauen, die dem Orden beitreten wollten, die Gelübde auch schon vorher ablegen müssen, nur daß diese Vorschrift erst später schriftlich fixiert worden ist. Die Templer hatten in ihrer Regel die Aufnahme von Frauen generell untersagt, die Johanniter dagegen erlaubt149. Die Versorgung von Kranken und Bedürftigen in den Hospitälern war ohne die Mithilfe von Frauen offenbar nicht zu bewältigen. Daher vor allem haben Johanniter und Deutscher Orden im Gegensatz zu den Templern Halbschwestern in dienender Stellung zugelassen. Diese Halbschwestern hatten außer dem Dienst im Spital im Deutschen Orden noch andere niedere Ar- 146 147 148 149 Heim, S.64; Limburg, Schwestern, S. 19ff.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.202f. Fer- ner: Müller, Familiären. Perlbach, Statuten, S. 56: Regel 31. 1302 hat der Landkomtur der Partes inferiores eine Frau na- niens Engelswindis von Nieuwenhuizen als Schwester aufgenommen; Hennes II, Nr. 358; Van der Eycken, Ridders, S. 162. Perlbach, Statuten, S. 136: Gesetze über Meer V,5. Curzon, Templerregel § 70; King, Rule, S. 59: Beschluß des Generalkapitels der Johanniter von 1262. Vgl. Prutz, Ritterorden, S.315f.; Turnier, S.385f.
beiten zu verrichten, beispielsweise die Wäsche und Kleidung der Brüder zu besor- gen150. Wenn man will, könnte man sie als ordenseigene Mägde ansehen. Neben Schwestern, die als Arbeitskräfte willkommen waren, hat der Orden auch hochstehende Frauen aufgenommen, die eher als Pfründnerinnen denn als Halb- schwestern anzusehen sind. Sie hatten dem Orden ihr Vermögen ganz oder zu einem Teil vermacht und erhielten dafür eine lebenslange Versorgung, hatten aller- dings im Unterschied zu den eigentlichen Pfründnerinnen das Gelübde abzulegen und sich den Ordensregeln zu unterwerfen. Aus dem Altenbiesener Nekrolog hat M. van der Eycken auf solche Frauen aus gutem Haus verwiesen, die dem Orden beigetreten waren151. Einige von ihnen waren ihren Männern, andere ihren Söhnen in den Orden gefolgt. Neuerdings sieht K. van Eickels in solchen sorores oder con- sorores Beginen unter dem Schutz des Deutschen Ordens152. In der Tat sind solche sorores aus wohlhabenden Familien nicht mit den dienenden Laienschwestern auf eine Stufe zu stellen. Neben den Halbschwestern, die als einzelne Arbeitskräfte in den Ordensnieder- lassungen, vor allem solchen mit angeschlossenen Spitälern, lebten153 - wenn auch in von den Brüdern getrennten Häusern -, gab es Schwestern, die eigene Konvente mit einer Priorin an der Spitze unterhielten. Eine solche Frauengemeinschaft unter der Regel des Deutschen Ordens existierte im 13. Jahrhundert in Hitzkirch, um 1300 nach Suntheim verlegt und wurde 1311 schließlich der Kommende Beuggen angeschlossen154. Sie wurde noch im 14. Jahrhundert aufgelöst. 1393 ist sie in der Be- schreibung der Ballei nicht mehr erwähnt. In Bern unterstellte sich 1341 ein Frauenkonvent im Rüwenthal dem Deutschen Orden. Ein Jahr später stimmte der Deutschmeister zu. Allerdings durfte der Kon- vent nicht in die Berner Kommende ziehen, sondern sollte ein eigenes Gebäude be- kommen, wie der Deutschmeister ausdrücklich ausbedungen hat. Der Konvent der Deutschordensschwestern in Bern hielt sich nicht lange. Zu Beginn des 15. Jahrhun- derts wurde das Gebäude des Schwesternkonvents zugunsten des Münsterbaus ab- gerissen. 1421 lebte in Bern nur noch eine Schwester, die aber in der Ordensnieder- lassung der Brüder untergebracht war155. 150 So Turnier, S. 386; Heim, S. 57. Diese Funktionen dürften auch einige der in dem Altenbiesener Nekrolog überlieferten Schwestern gehabt haben; Van der Eycken, Ridders, S. 161 ff.; Ders., Aanvullingen, S. 274. 151 Van der Eycken, Ridders, S. 161 ff. 152 Van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.66ff. Dazu Planta, Adel, S. 17f., 23, der für die elsässischen Kommenden Andlau und Weißenburg zu analogen Ergebnissen kommt. 153 Vgl. Braasch-Schwersmann, Marburg, S.201, für Marburg; Demel, Sachsenhäuser Deutsch- ordens-Kommende, S. 53 f., für Frankfurt/Sachsenhausen. 1295 werden Schwestern im Saarburger Spital erwähnt; Hennes II, Nr.327. 154 Boesch, S.282ff.; Heim, S. 55f.; Lampe, Beiträge, S. 51 f.; Häf liger, S.287. 155 Tumler, S. 122; Stettler, S. 1 ff.; Häfliger, S.287.
In Frankfurt am Main bestand ein eigenes Kloster, dessen Konventualinnen nach der Deutschordensregel lebten und unter der Leitung einer eigenen Meisterin stan- den. Der Konvent war von Wicker Frosch, dem Scholaster von St. Stefan in Mainz, einem Frankfurter Patriziersohn, 1344 für 30 Schwestern gestiftet worden. Ihm an- geschlossen war ein Spital für 20 Frauen, das nach dem Willen des Stifters von den Schwestern selbst geleitet werden sollte. 1353 verlieh der Deutschordensprior von Sachsenhausen den ersten Jungfrauen den Schleier156. Die Stiftung blühte auf. Im Anniversarienbuch des Deutschordenshauses vom 14. Jahrhundert sind bereits 31 Deutschordensschwestern verzeichnet157. Trotz der Übertragung der Deutschor- densregel an den Frauenkonvent hatte der Komtur von Sachsenhausen keine Auf- sichtsrechte weder über den Konvent noch das Spital, das vielmehr unter der Obhut bürgerlicher Provisoren stand158. Die Ordenspriester betreuten die Nonnen nicht159. Im 16. Jahrhundert wurde der Konvent dem Orden entfremdet und in ein prote- stantisches Damenstift verwandelt. Eine Besonderheit im Deutschen Orden bildete der Schwesternkonvent beim friesischen Nes. Zwar gab es auch im benachbarten Schoten Deutschordensschwe- stern im Spitaldienst. Sie wohnten aber als Halbschwestern in gesonderten Räum- lichkeiten im Kommendenbereich. Anders verhielt es sich in Nes. Dort lebten Schwestern im eigenen Konvent in Katrijp bei Steenkerk südlich von der Kommen- de Nes. Der Konvent wurde jedoch nicht wie in Hitzkirch und Frankfurt von einer eigenen Meisterin oder Priorin geleitet, sondern blieb dem Komtur und den Prie- sterbrüdern von Nes unterstellt. Vorbild für die Ausgestaltung des Schwesternkon- vents in Katrijp mögen die friesischen Doppelklöster gewesen sein, die auch bis weit in das 15. Jahrhundert hinein von Pröpsten, Äbten oder Prioren geleitet wor- den sind160. Halbschwestern in dienender Funktion vor allem in Deutschordensspitälern und Schwestern in eigenen Konventen waren wie die Halbbrüder einem Angleichungs- prozeß ausgesetzt. In der Ballei Elsaß-Burgund wird man mit einer allmählichen Verschmelzung beider Frauengruppen zu rechnen haben. Dieser Prozeß könnte zur Auflösung des Frauenkonvents in Bern und Beuggen geführt haben. Möglicherwei- se wollten schließlich auch nur noch wenige Frauen als Deutschordensschwestern dienen, so daß es letztlich nur noch Halbschwestern in den Brüderkonventen und 156 Demel, Sachsenhäuser Deutschordens-Kommende, S.53f. 1351 ist aber schon eine Halbschwester Gisela als Zeugin genannt: Pettenegg, Nr. 1254. 157 Jost, Nr. 506, 517, 522, 524, 526, 541, 546, 548, 558, 582, 588, 594f., 600, 626, 629, 701, 715, 725, 732 f., 744, 754, 758 f., 765, 780, 785. 158 Euler, Urkunden, S.323f. Nr. XII. 159 Demel, Sachsenhäuser Deutschordens-Kommende, S. 53 f. Ferner: Ders., Deutscher Orden und seine Beziehungen, S.27; Mann, Reichsstadt, S. 19 f. 160 Mol, Huizen, S. 68ff. Er verweist (S. 75) auf die spätmittelalterliche rechtliche Emanzipation der Frau in Friesland als Grund für die Eigentümlichkeit.
keine eigenen Frauenkonvente mehr gegeben hat. In Frankfurt/Sachsenhausen und in Friesland blieben die Schwesternkonvente erhalten. In Friesland hat es aber ne- ben den Frauenkonventen auch Halbschwestern in den Brüderkonventen gegeben. Es ist ferner zu beobachten, daß das Institut der dienenden Halbschwester sich mehr und mehr dem der Pfründnerin anglich, so daß in Einzelfällen schwer zu ent- scheiden ist, welchen Status eine Frau im Orden eingenommen hat161. Der Versor- gungsaspekt trat im Laufe der Zeit auch beim Ordenseintritt der Frauen in den Vor- dergrund. In Preußen und Livland hat es kaum Ordensschwestern gegeben. Die gelegent- lich genannten Viehmütter in Kommenden könnten weltliche Mägde gewesen sein. Das ist auch vielfach wahrscheinlicher, da sie in den Quellen nur selten als Angehö- rige des Ordens bezeichnet werden. Immerhin hat Anneliese Triller wenigstens eine Deutschordensschwester in Marienwerder, also dem Sitz des dem Deutschen Orden inkorporierten Domkapitels von Pomesanien, ausfindig gemacht162. Zwischen 1454 und 1457 sind in einer Liste je eine Ordensschwester im Danziger und Marienbur- ger Konvent verzeichnet, jedoch ohne deren Namen anzugeben163. In Livland ist eine Halbschwester zum Jahr 1279 erwähnt. Sie starb während eines Brands in Ter- wete164. Einen eigenen Zweig für Halbschwestern hat es im Deutschen Orden während des Mittelalters nicht gegeben. In den Statuten ist nur die Rede von dienenden Schwestern. Die meist als sorores bezeichneten Frauen, die sich dem Orden ange- schlossen hatten, hatten meist keine dienenden Funktionen innerhalb der Kommen- den. Sie zählten zu den Semireligiosen, deren Stellung der Orden je nach Bedürfnis gestaltete. Daß sich der Deutsche Orden Frauenkonvente inkorporierte, war die Ausnahme und ist infolge bestimmter Voraussetzungen geschehen, ohne daß sich aus diesen Konventen ein eigener Ordenszweig für Frauen hätte entwickeln kön- nen. 161 Vgl. Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 198ff.; Van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.66ff. 162 Triller, Mulner, S. 185ff. Vgl. Die Akten des Kanonisationsprozesses Dorotheas von Montau von 1394 bis 1521, hrsg. von R. Stachnik (Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturge- schichte Ostdeutschlands 15), Köln Wien 1978, S. 138, 256, 262f., 287, 306, 401, 441, 472. Diese Or- densschwester Katharina Mulner, eine Witwe, war im Stall (Viehhof) des pomesanischen Domkapi- tels als procuratrix, als „Viehmutter“, beschäftigt. Zu Ordensschwestern ferner: Lampe, Beiträge; Dudik, Schwestern; Gruber, Deutschordensschwestern. 163 Jähnig, Verwaltung, S. 89. 164 Liv. RC, Verse 8720ff.; vgl. Arbusow, Geistlichkeit I, S.66. Ein Name ist nicht überliefert.
6. DAS LEBEN IM KONVENT 6.1 Der Alltag im Deutschen Orden Wer in den Deutschen Orden eintrat - aus welchen Gründen und Motiven auch im- mer mußte wissen, daß er seinen Lebenswandel einem Reglement unterwarf, das bis in Kleinigkeiten seine Verhaltensweisen vorschreiben konnte. Der Orden forder- te eine gewisse Gleichförmigkeit des Lebens seiner Angehörigen, so daß jedes Mit- glied nicht nur durch das besonders gekennzeichnete Kleid und vor allem den Ordensmantel, sondern auch durch sein Verhalten zu erkennen war. Der Ordens- bruder nahm Beschränkungen auf sich, die für seine weltlichen Angehörigen und Standesgenossen nicht galten. Der Kandidat, der dem Deutschen Orden beitreten wollte, hatte Keuschheit, Ar- mut und Gehorsam gelobt1. Auf dieser Grundregel, die als Regel 1 am Anfang der Statuten steht und allen anderen vorangeht, beruhte, wie in anderen Orden auch, das Konventsleben. Infolge dieser Grundregel konnte der Orden seine ihm eigen- tümliche Verwaltung aufbauen, die ihm Lob eingetragen, aber auch Kritik und Neid hervorgerufen hat. Dazu trat als weiteres Moment der Gottesdienst, und zwar nicht nur einmal in der Woche oder einmal am Tag, sondern mehrfach während des Ta- gesablaufs. Der Gottesdienst sollte das ganze zukünftige Leben eines Ordensange- hörigen bestimmen, was sich auch im Lebenswandel ausdrückte. Zur Gestaltung seines Lebens im Dienste Gottes boten die Statuten ein Gerüst, nach dem sich jeder Ordensbruder richten konnte. 1 Perlbach, Statuten, S. 29: Regel 1: Tria vero sunt, que omni religioni substancialia sunt et inter precepta regule continentur, Votum videlicet perpetue continencie, abrenunciacio proprie voluntatis, que est obediencia usque ad mortem, et tercium, quod est votum paupertatis, ut sine proprio vivat is, qui suscepit habitum religionis. - Drü dinc sint, die gruntvestene sint eines iegelichen geistlichen le- benes, unde sint geboten in dirre regelen. Daz erste ist küscheit eweliche, daz ander ist verzihunge eigenes willen, daz ist gehorsam unz an den töt, daz dritte ist antheiz armütes, daz der dne eigen- schaft lebe, swer entphet disen orden.
Die Zugehörigkeit zeigte sich schon am Äußeren eines Ordensangehörigen. Sein Bart war kurz. Priesterbrüder hatten gar keinen Bart. Das Haupthaar war kurz ge- schnitten. Priesterbrüder trugen eine Tonsur2. Die Kleidung des Ordensangehöri- gen war bescheiden, jeder moderne Schnitt oder Schmuck verboten, ihre Farbe be- deckt, geistlich, wie sich die Regel ausdrückte, und nicht bunt oder mehrfarbig, wie sie im Mittelalter bei Hofe üblich war, jedenfalls bei festlichen Anlässen3. Die An- zahl der Kleidungsstücke blieb begrenzt. Jeder Ordensbruder erhielt zwei Hemden, zwei Unterhosen (nidercleit\ zwei Paar Beinlinge4, einen Rock, eine Joppe (iupel, iupellum), eine Kappa, d.h. einen Übermantel5 für die Reise und als Kälteschutz, und ein oder zwei Mäntel mit dem Ordenskreuz, das auch an Kappa, Rock und Joppe auf genäht war6. Hemden, Unterhosen und Beinlinge wurden regelmäßig ge- waschen und bei der Gelegenheit von einem Ordensbruder, meist einem Graumänt- ler daraufhin untersucht, ob die Wäsche noch in Ordnung sei oder ausgebessert werden müsse. Waschen und Stopfen nahmen dem Bruder der Trappier bzw. dessen Mitarbeiter in der Trapperie, der Kleiderkammer und Kleiderausgabe, ab7. Das Wa- schen besorgten wahrscheinlich Ordensschwestern (Halbschwestern) oder sonst Wäscherinnen, die für die Arbeit bezahlt wurden, also Dienerinnen, die in Ordens- häusern oft bezeugt sind. Die Kleidung war entsprechend den Körpermaßen des einzelnen Ordensbruders zugeschnitten. Dazu trug der Bruder einfache Schuhe oh- ne moderne Zutaten8. Der Orden sah es nicht gern, wenn einem bestimmten Bru- der von Verwandten Geschenke gemacht wurden. Wenn einem Bruder Tuche über- reicht wurden, durfte er sie mit Zustimmung des Trappiers behalten und sich daraus einen Mantel anfertigen lassen. Reichte das Tuch für mehr als einen Mantel aus, hat- te er den Tuchrest abzugeben9. Abgetragene Kleider hatte der Bruder der Trapperie zurückzugeben. Der Trappier verteilte solche Stücke an Ordensdiener oder an Ar- me. Bei Kälteeinbrüchen oder in kalten Gegenden war im Winter das Tragen von Schafs- und Ziegenpelzen erlaubt10. Vorgeschrieben war auch die Beschaffenheit und der Umfang des Bettzeugs. Ein Federbett war verpönt, ebenso eine Matratze oder eine Filzunterlage. Für eine sol- che Vergünstigung bedurfte es einer besonderen Erlaubnis, die im Falle der Erkran- kung wohl gewährt wurde11. Im allgemeinen mußte sich ein Ordensbruder mit 2 Perlbach, Statuten, S.40: Regel 12. So auch in der Templerregel §28. 3 Vgl. H. Hundsbichler, in: Alltag, S.232ff. 4 Dazu: H. Hundsbichler, in: Alltag, S. 233. Die Unterhose bedeckte Hüfte und Oberschenkel, die Beinlinge wurden am Gürtel befestigt. 5 Zimmermann, Ordensleben, S.91. 6 Uber mehr Kleidungsstücke verfügten die Johanniter; Riley-Smith, Knights, S.255. 7 Perlbach, Statuten, S. 108: Gewohnheit 34. 8 Perlbach, Statuten, S. 38: Regel 11. Zu allem: Zimmermann, Ordensleben, S. 88ff. 9 Perlbach, Statuten, S. 109: Gewohnheit 38. 10 Perlbach, Statuten, S. 38f.: Regel 11. 11 Perlbach, Statuten, S. 59: Gesetz Ip. Vgl. Zimmermann, Ordensleben, S. 144.
einem leinenen Bettsack, der mit Stroh oder Heu gefüllt wurde und als Unterlage diente, ferner einem Leinentuch als Auflage auf dem Schlafsack, einer Steppdecke (cultra, kolte) aus Leinen oder grober Wolle, einer warmen Zudecke (carpita, carpi- tele) und einem Kopfkissen begnügen. Das war alles. Allerdings konnte der Meister oder ein Komtur weitere Decken verordnen, wenn es zu kalt wurde12. Alle Brüder schliefen gemeinsam in einem großen Saal, dem Dormitorium, aller- dings in eigenen Betten. Nur Amtsträgern war es gelegentlich erlaubt, in eigenen Räumen zu schlafen. Sie lagen nicht wie die meisten weltlichen Verwandten nackt in ihren Betten, sondern schliefen in ihrer Unterwäsche, bekleidet mit Unterhemd, Unterhose und Beinlingen13. So forderten es die Statuten der Templer14, und so hatte es schon der heilige Benedikt geregelt, damit die Mönche keine nackten Körperteile berührten15. Außerdem sollte im Schlafsaal der Deutschordensbrüder stets ein Licht brennen16. Im Schlafsaal hatten die Brüder Truhen für die ihnen übergebenen Sa- chen, beispielsweise für Wäsche zum Wechseln, aber auch diese Truhen sollten keine Schlösser haben. Denn was in ihnen aufbewahrt wurde, gehörte keinem Bruder persönlich, sondern blieb Eigentum der Korporation. Nur Amtsträger und reisende Brüder durften über abschließbare Behältnisse verfügen17. Nach der Complet hatte ein Bruder des Deutschen Ordens Schweigen zu bewah- ren. Erst nach der Prim waren wieder Gespräche erlaubt18. Die Brüder werden also wie die Benediktiner in der Regel kurz nach Sonnenuntergang im Sommer um 20 und im Winter um 17 Uhr schlafen gegangen, und im Winter um 2, im Sommer um 1 Uhr zur Matutin geweckt worden sein19. Wer die Stunde des Aufstehens verpaßte, war von seinem Nachbarn zu wecken. Wer während des Gottesdienstes einschlief, sollte wachgerüttelt werden20. Wann und wieviele Male ein Bruder des Deutschen Ordens zu essen bekam, ist aus den Statuten nicht recht ersichtlich. Benediktiner erhielten ein oder zwei Mahl- zeiten täglich, je nachdem ob Fasten vorgeschrieben war oder nicht. Allerdings ging die Tendenz vor allem in Klöstern in nördlicheren Regionen zu zwei Mahlzeiten täglich hin, da der Körper in kälteren Jahreszeiten und Breitengraden mehr als eine Mahlzeit pro Tag benötigte21. Man möchte daher annehmen, daß die Ritterbrüder 12 Perlbach, Statuten, S. 39: Regel 11; S. 108: Gewohnheit 34. Vgl. die Templerregel §70 (Curzon, S. 31 f.); außerdem die Ausstattung der Johanniter: King, Rule, S. 47f.; ferner: Zimmermann, Ordensleben, S. 143 ff. 13 Perlbach, Statuten, S.44: Regel 17. 14 Templerregel §70 (Curzon, S.31f.). 15 Zimmermann, Ordensleben, S. 140ff. 16 Perlbach, Statuten, S.44f.: Regel 18. 17 Perlbach, Statuten, S.46: Regel 21. So auch die Templerregel: Curzon, S.47. 18 Perlbach, Statuten, S.44f.: Regel 18. Schmitz, Benediktinerorden I, S.31f.; Zimmermann, Ordensleben, S. 135. 20 Perlbach, Statuten, S. 71: Gesetz 16. 21 Zimmermann, Ordensleben, S.38ff.
und die übrigen Ordensangehörigen zwei Mahlzeiten täglich zu sich genommen ha- ben. Das scheint auch so gewesen zu sein. Denn wenn man zweimal am Tag ge- speist habe, so heißt es in den Statuten, dann gebe es abends keine Kollation mehr. Wenn jedoch zur Fastenzeit nur einmal gegessen werde, sollten die Brüder Wein als Kollation bekommen22. Daraus ist wohl zu schließen, daß die Brüder des Deut- schen Ordens außer zur Fastenzeit zweimal speisten. Zur Mahlzeit betrat der Deutschordensbruder einen eigenen Raum, in dem we- nigstens zwei Tafeln aufgebaut waren, nämlich die Konventstafel, an der der Meister mit allen Amtsträgern, Ritter- und Priesterbrüdern und Graumäntlern Platz nahm, und die Tafel für die kranken Ordensbrüder. Nach Beendigung der Mahlzeit der Ordensmitglieder aßen die Diener und nach ihnen die Knechte, beides Personen- gruppen, die dem Orden nicht angehörten, sondern Weltliche waren. Mit den Knechten aßen die Aufsichtspersonen, die dem Orden allerdings angehörten. Dazu konnten sich weitere Brüder setzen, die wegen ihrer Geschäfte keine Gelegenheit gehabt hatten, an der Konventstafel Platz zu nehmen23. Vor der Mahlzeit segneten die Priesterbrüder die Speise. Die einfachen Ritterbrü- der sprachen ein Paternoster und ein Ave Maria. Dreimal in der Woche gab es Fleisch, ansonsten Käse und Eierspeisen. Je zwei Brüder aßen zusammen aus einer Schüssel außer dem Brei, der als Grundnahrung stets für jeden getrennt gereicht wurde. Einen Becher hatte jeder für sich. Besonderen Wert legten die Statuten darauf, daß alle gleichmäßig mit Speise und Trank versorgt würden. Es sollte keiner bevorzugt werden. Allerdings erhielt der Meister viermal mehr als ein einfacher Bruder, damit er denen noch etwas geben könne, die mehr als andere benötigten. Ein starker Esser konnte also einen Zuschlag erhalten. Allerdings galt es als nicht fein, sich um einen solchen Zuschlag zu drängeln, indem jemand beispielsweise die leere Schüssel reich- te. Auf der anderen Seite war übermäßiges Fasten auch nicht gern gesehen24. Weder durch viel Essen noch durch übermäßiges Fasten sollte sich jemand aus der Bruder- schaft hervortun, so Neid erwecken und infolgedessen den Keim zur Zwietracht säen. Die Verteilung von Speise und Trank sollte in brüderlicher Art und Weise ge- schehen, damit die Eintracht unter den Ordensangehörigen erhalten bleibe25. Was den Brüdern serviert wurde, ist in den Statuten nicht genau vorgeschrieben worden. Zu allen Speisen gab es jedenfalls Brot und Brei (m^s)26. Den Kranken sollten kein Rindfleisch oder gepökeltes Fleisch und keine gesalzenen Fische, gesal- zenen Käse, Linsen und ungeschälten Bohnen gereicht werden, weil diese Speisen 22 Perlbach, Statuten, S. 43f.: Regel 16. Zwei tägliche Mahlzeiten sah auch die Johanniterregel vor: King, Rule, S.47; Riley-Smith, Knights, S.252. 23 Perlbach, Statuten, S.41 f.: Regel 13. 24 Perlbach, Statuten, S.40ff.: Regel 13; S.66ff.: Gesetz 8. 25 Analoges galt schon in Benediktiner- und den Reformklöstern: Zimmermann, Ordensleben, S. 74ff. Vgl. ferner die Templerregel: Curzon, S.34, und die Johanniterregel: King, Rule, S.47. 26 Dirlmeier, S.236, 303, 309f. und öfter.
vor allem wohl wegen des vielen Salzes als ungesund angesehen wurden. Auf die Konventstafel konnte man sie jedoch ohne Bedenken stellen27. Ganz allgemein galt für den Orden ein Verbot des übermäßigen Würzens28, wie es in weltlichen Küchen Brauch war29. Das Gesetz richtete sich weniger gegen eine ^chmackhafte Zuberei- tung des Essens, sondern gegen die neu auf den Markt gekommenen Gewürze des Orients, die teuer waren und als Zeichen des Luxus angesehen wurden30. Auch bei der Speisenzubereitung wurde das Gebot der Bescheidenheit und Zurückhaltung beobachtet. Als Getränke erhielten die Brüder wohl Wein oder Bier. Die Statuten sprechen darüber nicht, bemerken aber, daß die Brüder nur während der Mahlzeit oder der Mahlzeiten zu trinken erhalten sollten. Sonst sollten sie Wasser trinken. Das würde bedeuten, daß am Konventstisch kein Wasser gereicht wurde, zumindest nicht nur. Abends nach der None und zur Kollation erhielten die Brüder Wein31, eine Sitte, die auch bei den Benediktinern zu beobachten ist32. Zumindest während eines Feldzu- ges sollten je zwei Brüder vier Quart Wein, also jeder zwei Quart, erhalten, und zwar ohne Rücksicht auf Rang und Stellung33. Leider weiß man nicht, welche Quart gemeint ist. Jedoch kann man wohl damit rechnen, daß sie ungefähr ein Liter ausmachte34, ein Bruder also täglich etwa zwei Liter bekommen sollte. Auch beim Getränk ist der Grundsatz beachtet, keinen Luxus aufkommen zu las- sen. Der Genuß von Wein war erlaubt, jedoch den Wein durch Zusätze zu verfei- nern, verpönt. Der im Mittelalter so beliebte Lautertrank oder Claret, ein meist ge- süßter Gewürzwein35, war den Brüdern verboten. Nur wenn er ihnen außerhalb des Ordenshauses aufgedrängt wurde, durften sie ihn in mäßigen Zügen genießen36. Ebenso war ein Würzwein, der syrupel, siruplum genannt wurde und dem vielleicht Zinnober beigemischt wurde37, verboten. Diese Würzweine waren im Mittelalter sehr beliebt, aber auch kostspielig. Das Gebot der Einfachheit und Armut erforder- te den Verzicht darauf. Die Sorge vor übertriebenem Luxus führte sogar dazu, daß dem Bruder des Deutschen Ordens die Latwergen oder Elektuarien verwehrt wur- 27 Perlbach, Statuten, S. 67f.: Gesetz 8. Zu den Verboten: Probst, Medizinalwesen, S. 107. 28 Perlbach, Statuten, S. 66: Gesetz 7. 29 H. Hundsbichler in: Alltag, S.205 f. 30 Zur Speisenzubereitung in der Marienburg im 14. Jahrhundert: Go Hub. 31 Perlbach, Statuten, S.43f.: Regel 16; S. 57: Gesetz Ib. Bei den Templern lag die Gewährung einer Kollation im Ermessen des Meisters: Templerregel § 16 (Curzon, S. 38 f.). 32 Zimmermann, Ordensleben, S.41 ff. 33 Perlbach, Statuten, S. 116: Gewohnheit 58. 34 Vgl. Dirlmeier, S.317ff. 3$ H. Hundsbichler in: Alltag, S.209. Perlbach, Statuten, S. 58: Gesetz Io. H. Hundsbichler in: Alltag, S. 209. Würzweine waren bei Benediktinern im allgemeinen als Stärkungsmittel erlaubt, bei Zisterziensern außer als Heilmittel verpönt; Zimmermann, Ordens- leben, S. 177, 180.
den38, obwohl sie oft verordnete Arzneien waren, die durch eine Mischung von Drogen mit Honig oder Zucker bereitet, gegen alle möglichen Krankheiten genom- men wurden39. Der Deutsche Orden hat seine Brüder, wenn man die Statuten zu- grunde legen will, lieber durch Diätkost zu kurieren gesucht und auf Medizin weit- gehend verzichtet40. Obwohl der Deutsche Orden, nach seinen Statuten zu urteilen, der Medizin we- nig Vertrauen schenkte und damit benediktinischen Anschauungen folgte, sorgte er doch für seine kranken Mitglieder, wie es sich für einen Orden, der aus dem Spital- dienst hervorgegangen ist, gehörte. Die erkrankten Brüder kamen nicht in das auch Weltlichen zugängliche Spital, sondern in ein den Ordensmitgliedern vorbehaltenes Krankenhaus, Firmarie genannt41. Erkrankte ein Ordensmitglied, durfte es noch drei Tage in seinem Bett im allen gemeinsamen Schlafsaal bleiben, erhielt dort je nach seinem Zustand eine besondere Diät oder eine zusätzliche Mahlzeit und war an Fastengebote nicht gebunden42. War die Krankheit ernsthafter, und hatte sich der Zustand nach drei Tagen nicht gebessert, wurde der Kranke in die Firmarie verlegt. Vorher hatte er seine Beichte abzulegen und, wenn der Priesterbruder es für richtig hielt, das Sakrament der Eucharistie oder sogar jenes der Krankensalbung zu emp- fangen. Auch Amtsträger wurden nach drei Tagen Krankheit in die Firmarie über- wiesen43. Nur der Meister und sein Stellvertreter behielten in solchen Fällen ihre be- sonderen Räume, in denen sie aßen und gepflegt wurden44. In den Statuten war vorgesehen, daß der Großkomtur den kranken Brüdern einen Arzt besorgte45. Ob das jeweils geschehen ist und welche Ärzte für den Or- den tätig waren, weiß man nicht46. War jemand von einer besonders ansteckenden Krankheit wie der Ruhr befallen, wurde er in einen besonderen Raum der Firmarie gebracht, damit er die anderen Kranken nicht störe und anstecke47. Das Gleiche galt für Verwundete, da Eiterungen die übrigen Kranken belästigen konnten48. Genas ein Bruder, konnte er noch eine Zeitlang in der Firmarie bleiben und sich an der 38 Perlbach, Statuten, S. 66: Gesetz 7. 39 Kuhlen in: LdM III, Sp. 1798. 40 Vgl. Probst, Medizinalwesen, S. 106ff. Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser standen der Verabreichung von Medizin skeptisch, sogar ablehnend gegenüber. Die Suche nach körperlicher Ge- sundheit sei Sache der Heiden; Zimmermann, Ordensleben, S. 180, 470. 41 Die Johanniter kannten keine Firmarie, wohl aber der Templerorden; Probst, Medizinalwesen, S. 98ff. Benediktiner hatten ebenfalls eigene Infirmarieen; Zimmermann, Ordensleben, S. 184ff. 42 Perlbach, Statuten, S. 48: Regel 24f.; S. 68: Gesetz 10; S. 69: Gesetz 12. Die Vorschriften sind meist der Templerregel entnommen: Curzon, S. 61 f., 140. Vgl. Probst, Medizinalwesen, S. 99ff. 43 Perlbach, Statuten, S. 68f.: Gesetz 10. Vgl. die Johanniterregel von 1206; King, Rule, S. 42. 44 Perlbach, Statuten, S. 68f.: Gesetze 9-10. 45 Perlbach, Statuten, S. 69: Gesetz 11. 46 Probst, Medizinalwesen, S. 158. 47 Perlbach, Statuten, S. 70: Gesetze 13-14, nach der Templerregel; Curzon, S. 138f., 197. 48 Probst, Medizinalwesen, S. 105.
reichlicheren Tafel stärken, bis er sich den Anforderungen des normalen Konvents- lebens gewachsen fühlte. Aber selbst wenn er wieder am normalen Leben teilnahm und nicht mehr in der Firmarie schlief, konnte er zu seiner Stärkung noch ein paar Tage an der Firmarietafel speisen49. Wie das Leben im Konvent war das der Kranken in der Firmarie von Einfachheit und Gleichheit geprägt. Dem Kranken wurde zusätzliche Fürsorge zuteil. Er erhielt reichlichere Nahrung. Sofern vorhanden, sorgte ein Arzt für die Wiederherstellung der Gesundheit. Als Therapien wurden eher Diäten als Medizin, geschweige denn teure Arzneien wie Latwergen, eingesetzt. Auch im Krankheitsfall sollten alle Brü- der gleich behandelt werden. Eine Ausnahme machten nur der Meister und dessen Stellvertreter. Die Firmarie unterstand nicht dem Spittler, sondern im Haupthaus dem Großkomtur und in den übrigen Kommenden dem jeweiligen Komtur. Firma- rien waren also von den übrigen Spitälern sowohl räumlich als auch organisatorisch getrennt. Infirmarien standen nur Ordensangehörigen offen. Die Firmarie war wie jedes Spital ein Gotteshaus, das ein erkrankter Bruder erst nach Ablegung der Beich- te, dem Empfang des Sakraments der Eucharistie und eventuell der Krankensalbung betreten durfte. In der Firmarie feierten Priesterbrüder mit den Kranken Gottes- dienste. Meist stand in ihr ein eigener Altar. Manchmal verfügte sie sogar über eine eigene Kapelle50. Nicht nur die Firmarie, für die Sonderbestimmungen galten, sondern auch die Kommende selbst galt als Gotteshaus. Entsprechend war der Tagesablauf ihrer Be- wohner geregelt. Der Gottesdienst nahm einen erheblichen Teil der Stunden eines Tages in Anspruch. Der Ordensbruder, und zwar gleichgültig ob Ritter-, Priester- bruder oder Graumäntler, begann seinen Tag mit der Matutin oder Vigil. Dazu wurde er im Winter um 2 und im Sommer um 1 Uhr in der Nacht geweckt. Ausge- nommen waren Samstage und einige hohe Feiertage, an denen die Matutin entfiel51. Bei Morgenanbruch wurde die Messe gefeiert, der sich die Laudes anschlossen. Das war im Winter zwischen 5 und 6 Uhr und im Sommer zwischen 2 und 3 Uhr. Der Tag wurde alle drei Stunden durch Stundengebete unterbrochen, nämlich durch die Prim, die Terz, die Sext und die Non. Die Vesper wurde im Winter um 16 und im Sommer um 19 Uhr gebetet. Den Tag beschloß die Komplet um 17 Uhr im Winter und um 20 Uhr im Sommer. Danach legte sich der Ordensbruder zum Schlafen in sein Bett52. Die Stundenangaben richten sich nach den Sonnenständen in Mittel- 49 Probst, Medizinalwesen, S. 108, vermutet, daß der Orden damit einer Forderung des Arztes Ar- nold von Villanova nachgekommen sei. Analoge Regelungen der Krankenbetreuung auch im Johan- niterorden; Riley-Smith, Knights, S.258 f. ^0 Probst, Medizinalwesen, S. 139ff. 51 Perlbach, Statuten, S. 119. 52 Turnier, S. 441 f. Berechnungen zur Tageszeit nach Schmitz, Benediktinerorden I, S. 31 f. Die Konventsburg vor allem in Preußen und Livland war neben der Befestigung auch ein Gotteshaus; vgl- Arszynski, Deutschordensburg, S. 147ff.
europa. Je nach dem Sonnenstand fanden die Stundengebete in Palermo zu anderen „Stunden“ als etwa in Narwa statt. Für einen Ordensbruder war das allerdings un- erheblich, da er sich nicht nach einer für alle Regionen verbindlichen absoluten Zeit, sondern eben nach dem Sonnenstand richtete. Das Offizium des Ordens folgte zunächst dem der Kanoniker vom Heiligen Grab. Da es vielen Brüdern unverständlich geworden sei, willigte der Papst 1244 ein, daß es mit dem der Dominikaner vertauscht werden dürfe53. Der Deutsche Or- den hat also schon früh enge Beziehungen zum Dominikanerorden gehabt. Aller- dings hat er das Offizium der Dominikaner nicht unverändert beibehalten, sondern im Laufe der Zeit seinen Vorstellungen und Bedürfnissen angepaßt und in den „Ve- nien“ festgelegt, die ein fester Bestandteil der Statuten geworden sind54. Die Hauptlast des Offiziums, die Lesung, das Singen der Psalmen und Hymnen, trugen die Priesterbrüder. Die Laienbrüder, also Ritterbrüder und Graumäntler, be- gnügten sich mit dem Paternoster und Ave Maria, die sie jeweils mehrmals beteten. Zu recht hat Turnier, der verstorbene Hochmeister und Historiograph des Deut- schen Ordens der Neuzeit, auf die Gefahr der Veräußerlichung des Gebets infolge der häufigen Wiederholungen hingewiesen55. Waren Laienbrüder des Lateins mäch- tig, durften sie das Offizium mitmachen56. Jedoch dürfte das eher die Ausnahme ge- wesen sein. Denn die Statuten gingen sogar davon aus, daß Kandidaten nicht einmal das Paternoster und das Ave Maria kannten. Innerhalb eines halben Jahres sollten je- ne beides erlernen. Die Frist konnte um ein weiteres halbes Jahr verlängert werden. Wenn jemand danach beide Gebete noch immer nicht beherrschte, wurde er nicht aufgenommen. Sein Noviziat war damit beendet57. Von den Kandidaten, die Priester- brüder werden wollten, verlangte der Orden, daß solche Novizen binnen eines Jah- res das Ordensoffizium erlernten oder andernfalls das Noviziat abbrächen58. Jeden Freitag außer an hohen Feiertagen empfingen die Ordensbrüder ihre disci- plina. Sie wurden gegeißelt oder geißelten sich selbst. In der Fastenzeit vor Weih- nachten und vor Ostern erhielten die Brüder an drei Tagen in der Woche die Geiße- lung. Davon befreit waren kranke Brüder in der Firmarie und solche, die auf Reisen geschickt worden waren59. Auch diese Übung zur Abtötung der Fleischeslust erin- nert an klösterliche Gepflogenheiten. 53 Pettenegg, Nr. 814; S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 471, 536. Vgl. Elm, Spiritualität, S.5O2f. 54 Perlbach, Statuten, S. 120ff.; Turnier, S.443. 55 Turnier, S.443. 56 Perlbach, Statuten, S.35: Regel 8. In der Regel werden die Laienbrüder wie die Konversen der Zi- sterzienser auf das Beten des Pater Noster und des Ave Maria beschränkt worden sein; vgl. auch Angenendt, S. 544f. 57 Perlbach, Statuten, S.61: Gesetz Ile. 58 Perlbach, Statuten, S. 61: Gesetz Ile; Zusatz aus der Zeit Burchards von Schwanden; vgl. ebd., S. 140: Gesetze Burchards von Schwanden 11,9. 59 Perlbach, Statuten, S.62: Gesetz Ilg.
per normale Tagesablauf eines Deutschordensbruders war bestimmt von Gottes- diensten und Gebeten und gegliedert durch den Ablauf der kirchlichen Tageszeiten. Turnier, selbst ein Ordenspriester, nimmt an, daß das kirchliche Offizium einen Ordensbruder mindestens sieben Stunden am Tag i$ Anspruch genommen habe60. Der Rest blieb für Verwaltung, militärische Übungen, Arbeit im Haus und auf dem Feld. Eine Kommende war also tatsächlich ein Ort des Gottesdienstes, ge- prägt von dem Geist benediktinischen Mönchtums. Ritter- und Sarjantbrüder wie die Priesterbrüder konnten sich als Mönche im benediktinischen Sinne betrachten. Verpflichtungen und Tagesablauf glichen unter normalen Bedingungen denen eines Benediktinerklosters61. Auch die von den Benediktinern geforderte stabilitas loci war dem Deutschen Orden geläufig. Seine Statuten verboten unnötige und nicht ge- nehmigte Reisen und versuchten, die Brüder im Hause festzuhalten62. Starb ein Mitglied des Deutschen Ordens, wurde er auf einer Bahre aufgebahrt, die von einem weißen Tuch mit einem schwarzen Kreuz, also der Deutschordens- fahne, bedeckt war. Eine solche Fahne sollte jede Ordensniederlassung vorrätig ha- ben63. Bald nach dem Tod hatte ein Priesterbruder mit den Exequien zu beginnen, und die Laienbrüder hatten jeweils 100 Paternoster zu sprechen. Die Exequien folg- ten wie auch im Templerorden bis 1244 dem Ritual der Kanoniker der Jerusalemer Grabeskirche, danach dem der Dominikaner, da das alte Ritual den Deutschordens- brüdern unverständlich geworden sei64. Im übrigen sollte der Konvent, dem der ver- storbene Bruder angehört hatte, dessen bestes Kleid und dessen Anteil an Speise und Trank 40 Tage lang Armen geben65. Selbstverständlich wurde der Toten regel- mäßig gedacht und für deren Seelenheil gebetet. Auch in der Sorge um die Toten und im Totengedächtnis glich der Deutsche Orden einem Mönchskloster. Die Besonderheit des Ritterordens bestand abweichend vom Mönchskloster in seiner militärischen Aufgabe. Aber selbst während eines Feldzugs waren die Ritter- brüder und die Graumäntler zur Einhaltung der Gebete und zum Feiern der Messe »verpflichtet, außer wenn kriegerische Verwicklungen solche gottesdienstlichen Ver- richtungen unmöglich machten66. Gerade die als unproblematisch empfundene Ver- bindung von klösterlichen mit ritterlichen oder militärischen Gepflogenheiten in der Deutschordensregel gehört zu ihren Eigentümlichkeiten und zeigt, daß sich die 60 Tu ml er, S. 442. Das unterstreicht für die Johanniter auch Riley-Smith, Knights, S. 250. 61 Das findet sich auch in verschiedenen Anekdoten bestätigt, die Peter von Dusburg mitgeteilt hat, beispielsweise Chronica 111,70; vgl. Volgger, Entstehung, S.27. 62 Vgl. Perlbach, Statuten, S. 50: Regel 28; S. 100: Gewohnheit 13; S. 117: Gewohnheit 64. 63 Perlbach, Statuten, S. 63: Gesetz Illf; S. 71: Gesetz 20. So auch bei den Johannitern: Riley- Smith, Knights, S. 251. 64 Strehlke, Tabulae, Nr. 471, 536. Zur engen Beziehung der Consuetudines der Chorherren vom Heiligen Grab zu den Templern: Elm, Kanoniker, S. 160ff. Perlbach, Statuten, S.36ff.: Regel 10. 66 Turnier, S.442.
Welt an die Ritterorden gewöhnt hatte, während Bernhard von Clairvaux trotz sei- nes Lobes der nova, militia noch Schwierigkeiten hatte, in den neuen Ritterbrüdern Ordensleute oder gar Mönche zu erkennen67. Wenn auch in friedlichen Zeiten die Kommenden Mönchsklöstern geglichen ha- ben, so werden während der Feldzüge kaum alle vorgeschriebenen Gottesdienste und Gebete eingehalten worden sein. Dann konnte ein Ritterbruder wohl keine sie- ben Stunden des Tages dem Offizium opfern. Analoges gilt vom Hochmeister und von Gesandten des Ordens. Es ist schwer vorstellbar, daß beispielsweise der vielbe- schäftigte Hermann von Salza alle Vorschriften pünktlich beachtet habe. Er wie auch andere Ordensbrüder werden sich Ausnahmen von der strengen Befolgung der Statuten haben einräumen lassen oder einfach für sich in Anspruch genommen haben. Ideal und Wirklichkeit werden wie so oft auseinandergeklafft haben. 6.2 Buß- und Strafverfahren im Deutschen Orden In einem Orden, in dem Männer in Konventen manchmal auf engem Raum zusam- menlebten, entstand trotz aller Demut und des Willens zu Gehorsam und zum Dienst für die Ziele des Ordens Streit. Obwohl das Zusammenleben sich an einer Regel ausrichten konnte, kamen Abweichungen oder Auseinandersetzungen um die rechte Auslegung vor. Da der Orden schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die päpstliche Erlaubnis erhalten hatte, Personen mit nicht ganz einwandfreiem Leumund aufzunehmen, mögen gerade durch solche Ordensbrüder Disziplinpro- bleme aufgetreten sein. Zur Regelung von Streitigkeiten und Verstößen gegen die Statuten übernahm der Deutsche Orden ein Disziplinär- und Strafverfahren vor- wiegend von den Templern, entwickelte es aber weiter und paßte es seinen Bedürf- nissen an68. Ein Verfahren gegen einen schuldig gewordenen Bruder wurde meist mit einer Selbstbezichtigung eingeleitet. War ein Bruder aus eigenem Antrieb dazu nicht be- reit, sollten ihn seine Mitbrüder anhalten und ermahnen, sich seinem Oberen zu of- fenbaren. Bei leichteren Delikten hatte die Selbstbezichtigung auch eine strafmil- dernde Wirkung69. Denn ein freiwilliges Geständnis galt als ein Zeichen der Reue im kirchlichen Inquisitionsprozeß wie auch im Strafverfahren anderer Orden. Es ist also keine Besonderheit des Deutschen Ordens, sondern galt als ein Zeichen der Demut vor Gott, der Einsicht und der Umkehr70. Der Mitbruder, der von einer Ver- 67 Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 18ff.; Schumacher, Idee, S. 366ff.; Demurger, S. 44ff.; Volgger, Entstehung, S.27. 68 Dazu grundlegend: Schmidt, Handhabung. 69 Perlbach, Statuten, S. 54f.: Regel 35-36; Schmidt, Handhabung, S. 15f. 70 Schmidt, Handhabung, S. 16ff., mit zahlreichen Beispielen.
fehlung wußte, sollte seine Klage nicht sofort vor dem Oberen vorbringen, sondern erst seinen Mitbruder ermahnen und zur Selbstbezichtigung anhalten. Ein Selbstbe- zichtigungsverfahren kannten auch die Templer71, jedoch anscheinend nicht die Jo- hanniter72. Die zweite Form der Einleitung eines Verfahrens war die Rüge eines Bruders, der von einer Verfehlung wußte, den schuldigen Mitbruder aber nicht zur Selbstbezichtigung überreden konnte73. Auch dieses Verfahren findet sich bei ande- ren Ordensgemeinschaften74 und bei Templern75 und Johannitern76. Gleichgültig ob der sündige Bruder sich nun selbst bezichtigt hatte oder von einem Mitbruder gerügt worden war, eine Verhandlung fand in beiden Fällen vor einem Kapitel statt. Kein Meister oder irgendein anderer Amtsträger hatte die Macht, allein die Buße zu verhängen, wie es ein Abt in Benediktinerklöstern tun konnte. Ein Benediktinerabt entschied letztlich allein, ob er den Rat von Mitbrü- dern einholen wollte oder nicht. Das konnte ein Amtsträger im Deutschen Orden nicht. Der Meister oder Amtsträger im Deutschen Orden leitete zwar das capitulum correctionis, hatte aber nicht die letztendliche Entscheidung zu fällen. Die Entschei- dung traf das Kapitel als Gremium. Ein capitulum correctionis sollte jeden Sonntag stattfinden77 Das weitere Verfahren ist erst aus Gesetzen Winrichs von Kniprode (1352-1382) bekannt, dürfte aber im Kern auch schon für das 13. Jahrhundert gegolten haben, zumal die Templer analoge Verfahrensweisen bereits im 12. Jahrhundert beobachtet hatten. Laut diesen Gesetzen wurde der angeklagte Bruder nach der Selbstbezichti- gung oder Rüge aus der Kapitelversammlung geschickt. Dann fragte der Meister oder Amtsträger die Kapitularen nach der Strafe. Was der beste teil der brüder der sanior pars nach mittelalterlichem Verständnis für gut befand, wurde dem wieder vor die Versammlung zitierten Bruder auferlegt78. Dieses Verfahren beobachteten sowohl Templer als auch Johanniter im Gegensatz zu den Mönchsorden mit der dem Abt gegebenen Machtfülle79. Wahrscheinlich sucht G. Schmidt, der die »Handhabung der Strafgewalt im Deutschen Orden untersucht hat, zu recht den Grund für die Abweichung vom klösterlichen Ideal in der sozialen Zusammenset- zung der Korporationen der Ritterorden, in die vor allem Adlige eintraten, die ihr Standesbewußtsein keineswegs aufgegeben, sondern beibehalten hatten und nicht von einem Oberen allein, sondern von einem Standesgericht, besetzt mit Vertretern 71 Templerregel §§ 389ff. (Curzon, S. 386ff.), vgl. auch §45. 72 Dazu: Riley-Smith, Knights, S.262ff. 73 Perlbach, Statuten, S. 54f.: Regel 35-36; S. 78f.: Gesetz 34; Schmidt, Handhabung, S. 26f. 7^ Schmidt, Handhabung, S.28ff. 75 Templerregel §§ 398-401; vgl. Schmidt, Handhabung, S. 32f. 76 Riley-Smith, Knights, S.262. 7 Perlbach, Statuten, S. 59: Gesetz II. $ Perlbach, Statuten, S. 78f.: Gesetz 34; S. 154f. Vgl. Schmidt, Handhabung, S.36ff. 9 Riley-Smith, Knights, S.262ff.; Schmidt, Handhabung, S.37f.
ihrer Gruppe, gerichtet werden wollten80. So ist denn auch die interne Gerichtsbar- keit des Deutschen Ordens der den adligen Brüdern bestens bekannten Schöffenge- richtsbarkeit und den Standesgerichten nachgebildet. Bei dem gesamten Verfahren war sicher zu stellen, daß ein mißgünstiger Bruder keine falschen Anschuldigungen erhob. Wenn also ein Bruder seine Schuld nicht eingestand, mußten zwei Mitbrüder die Missetat bezeugen81. Diese Sicherung gegen falsche Beschuldigungen haben auch Templer und Johanniter vorgesehen und die Beweisführung weiter ausgebaut82. Es konnte nun vorkommen, daß eine Missetat zwar keinen Ordensangehörigen, wohl aber weltlichen Personen bekannt geworden war. Jene Zeugen konnten ihre Klage vor dem Oberen eines Ordenshauses erheben. Für den Orden war eine solche Lage insofern mißlich, weil eines seiner Mitglieder von außerhalb beschuldigt wurde, und damit die Tat kaum ordensintern zu regeln war. Es bestand vielmehr die Gefahr, daß die Tat außerhalb des Ordens ruchbar wurde. Andererseits mußte der Orden ein Interesse daran haben, daß keine Ge- rüchte entstanden, sondern allen Anschuldigungen nachgegangen werde, damit kein Schandfleck am Orden haften bleibe. Diese Begründung für sein Vorgehen in sol- chen Fällen hat der Orden selbst in seinen Statuten festgehalten83. Wenn ein oder mehrere Weltliche ihre Klagen allein oder zusammen mit Ordens- brüdern dem Oberen vorgetragen hatten, berief jener zwei oder drei der angesehen- sten Brüder des Konvents und beauftragte sie mit der Untersuchung des Falles. Wie das Untersuchungsgremium vorging, ob es nur die Klageführenden vernahm oder zusätzliche Ermittlungen anstellte, ist nicht klar. Seine Erkenntnisse legte es jeden- falls dem nächsten Kapitel unter Ausschluß der weltlichen Klageführenden und des Beschuldigten vor. In dem Kapitel fiel die Entscheidung. Der Obere als Leiter des Kapitels hatte das Urteil zu verkünden, das die Besten unter den Brüdern gefunden hatten84. Diese Form der Handhabung von Klagen Weltlicher gegen Ordensangehö- rige findet sich weder bei den Templern noch bei den Johannitern. Sie ist spezifisch für den Deutschen Orden und dürfte daher von ihm entwickelt worden sein. Mehr als über das Strafverfahren, die Anklage, die Beweiserhebung und das Ur- teil ist über die Strafen und die zugehörigen Straftatbestände zu erfahren. Der Or- den unterschied vier Gruppen von Tatbeständen je nach der Schwere der Verletzung der Rechtsordnung, nicht nach der Einstellung des Täters oder dessen sozialem Rang. Psychologische Gesichtspunkte blieben bei der Beurteilung einer Tat weitge- hend unberücksichtigt. Es ging um die Feststellung von Tatbeständen, die eine Ver- letzung der gültigen, von Gott gewollten Rechtsordnung waren. Die soziale Her- 80 Schmidt, Handhabung, S.49f. 81 Perlbach, Statuten, S. 78: Gesetz 34. 82 Schmidt, Handhabung, S. 37 f.; Riley-Smith, Knights, S.265 f. 83 Perlbach, Statuten, S. 78 f.: Gesetz 34. 84 Perlbach, Statuten, S. 78 f.: Gesetz 34; Schmidt, Handhabung, S. 74ff.
kunft spielte keine Rolle. Vor den Statuten waren alle Brüder gleich, da sie alle die gleichen Gelübde abgelegt hatten. $ Zur einfachen Schuld gehörten die Beförderung fremder Briefe, der Umgang mit bösen Frauen während einer Reise, das lustvolle Reden überfeine Sünde außer zum Zwecke des Abscheus, das Lügen in betrügerischer Absicht, das Entfernen aus dem Ordenshaus bzw. das Fernbleiben vom Ordenshaus über die gesetzte Zeit hinaus, das Speisen mit Weltlichen an Orten, in denen es eine Ordensniederlassung gab, das Verspotten von Mitbrüdern, das Vorwerfen alter Bußen, das Schlagen von Knechten außer in den von den Statuten erlaubten Fällen, die verbotene Jagd und das unter- sagte Spiel. Wer eine solche Schuld auf sich geladen hatte, hatte an einem oder drei Sonntagen Geißelungen im Kapitel zu empfangen. Zusätzlich wurde ihm an einem, zwei oder drei Tagen Essen entzogen. Ferner hatte er sich, getrennt von den Mit- brüdern, an einen ungedeckten Tisch zu setzen und die reduzierte Mahlzeit einzu- nehmen. Von zusätzlichen Reichnissen wie einer Pietanz blieb er ausgeschlossen85. Diese Buße konnte einem Bruder, falls er sich selbst bezichtigt und er insofern öf- fentlich bereut hatte, ganz oder teilweise erlassen werden86. Denn die Selbstdemüti- gung war ein wesentlicher Teil der Wiedergutmachung. Auch während eines Feld- zugs mußte ein bußfälliger Bruder seine Strafe auf sich nehmen. Er durfte nicht mit den Mitbrüdern zusammen essen, sondern, von ihnen getrennt, in dem Zelt des Meisters, dessen Statthalters oder des Marschalls. Er durfte während der Dauer der Strafe nicht reiten, sondern mußte mit den Knechten den Marsch zu Fuß machen87. Beim Angriff wird er, was allerdings nicht gesagt ist, doch wieder zur Kavallerie übergewechselt sein. Ansonsten hätte sich der Orden selbst geschwächt, da der schwer bewaffnete Ritter damals noch den Fußtruppen überlegen war. Eine schwere Schuld, also ein Grad schwerwiegender, war die Schädigung durch Versäumnis, die Weggabe bedeutender Güter ohne Erlaubnis der Vorgesetzten, der Versand und Empfang heimlicher Briefe, der Besuch von übelbeleumdeten Herber- gen, die Übernachtung und das heimliche Essen und Trinken außerhalb der Kom- mende, die frevelhafte Zurückweisung von Speise, Trank und Waffen in der Kom- mende, Verleumdungen, die Trunkenheit trotz Ermahnungen, die Unterstützung einer Missetat, das Schlagen eines Mitbruders, der Widerspruch gegen den Befehl eines Vorgesetzten und Bitten um zusätzliche Versorgung in einer Firmarie. Wer eine derartige schwere Schuld auf sich geladen hatte, hatte eine der Jahrbuße ver- gleichbare Strafe verwirkt. Ferner verlor er das Kreuz auf seinem Mantel88. Ihm wurde also bedeutet, daß er nicht mehr würdig sei, dem Orden anzugehören. Es stand im Ermessen der Oberen und deren Kapitel, wie lange die Buße gelten sollte. $5 Perlbach, Statuten, S. 80 f.: Gesetz 36; Schmidt, Handhabung, S. 96ff. $6 Schmidt, Handhabung, S. 15ff.; Sterns, Crime, S. 89ff. 7 Perlbach, Statuten, S. 118: Gewohnheit 65. 8 Perlbach, Statuten, S. 81 f.: Gesetz 37; vgl. Sterns, Crime, S. 90.
Die Buße dauerte zwar kein Jahr, war aber eine demütigende Strafe. Denn der ge- strafte Bruder durfte nicht mehr in einem Saal mit den Mitbrüdern schlafen, son- dern hatte sein Nachtlager bei den Sklaven oder, wenn es sie nicht gab, bei den Die- nern oder Knechten. Mit jenen sollte er auch speisen, aber nicht an einem Tisch, sondern auf dem Boden kauernd. Dreimal in der Woche mußte er bei Wasser und Brot fasten, wobei der Obere ihm zwei Tage erlassen konnte. Jeden Sonntag wurde er von einem Priesterbruder nach der Messe gegeißelt, entweder in der Kirche, also vor Ordensbrüdern und weltlichen Kirchgängern, oder im Kapitel. Der dritte Grad der Schuld, die gravior culpa, bestand in der Verwundung eines Christen außer in Notwehr, der Konspiration gegen den Meister oder die Oberen, dem Verrat der Kapitelsbeschlüsse und -beratungen, dem Diebstahl und der Hehle- rei, also demnach auch im verbotenen Besitz von Gütern89, in der Verschleuderung von Ordenseigentum, der Aufgabe von Ordensprivilegien, dem Geschlechtsverkehr mit einer Frau, dem Verlassen des Ordenshauses bis zu zwei Tagen oder wenig mehr ohne Erlaubnis, dem Austritt aus dem Orden ohne Genehmigung und einem lieder- lichen Lebenswandel nach dem Ordensaustritt, selbst wenn der betreffende Bruder die Genehmigung zum Verlassen des Ordens erhalten hatte. Außerdem drohte man jemandem, der den Orden bereits einmal verlassen hatte, zurückgekehrt und auf ge- nommen worden war, nun aber den Orden wieder auf geben wollte, die Jahrbuße an, falls er nochmals aufgenommen werden wollte. Eine gravior culpa beging auch derjenige, der in einer Sache an eine ordensfremde Instanz appellierte und dadurch die Ordensprivilegien verletzte, die eine solche Appellation an weltliche Gerichte, aber auch an Bischöfe und Erzbischöfe, außer an den Papst, ausschlossen90. Für alle Vergehen der dritten Stufe war die schon beschriebene Jahrbuße vorgesehen, die für sie tatsächlich für ein Jahr zu verhängen war und von der der Meister oder ein an- derer Oberer nichts erlassen konnte. Handelte es sich bei dem Verurteilten um einen Wiederholungstäter oder um einen, der seine Missetat eine längere Zeit verübt hatte, war die Strafe sogar noch zu verschärfen. Er konnte dann in Eisen gelegt und in einen Kerker geworfen werden. In besonderen Fällen war der Obere sogar be- fugt, die Jahrbuße zu verlängern und mit Zustimmung der Brüder auch auf lebens- länglichen Kerker zu erkennen91. Der vierte Grad der Verfehlung, die gravissima culpa, bestand darin, daß sich ein Kandidat den Ordenseintritt mit Hilfe von Simonie oder Lügen erschlichen, oder Hinderungsgründe verschwiegen hatte, daß sich ein Bruder hatte bestechen lassen, ferner in Fahnenflucht, Apostasie und Homosexualität. Alle, die eine derartige 89 Nach einem Zusatz sollte sogar ein schon begrabener Bruder, bei dem noch verbotener Besitz ge- funden wurde, wieder ausgegraben und auf dem Feld außerhalb der geweihten Erde verscharrt wer- den; Perlbach, Statuten, S. 83f.: Gesetz 38,4. 90 Perlbach, Statuten, S.61: Gesetz Ild; vgl. Sterns, Crime, S.90f. 91 Perlbach, Statuten, S. 83f.: Gesetz 38.
Schuld auf sich geladen hatten, sollten aus dem Orden verstoßen werden. Wegen Jer Vergehen beim Ordenseintritt konnte der Meister mit Zustimmung des Kapitels Gnade üben. Fahnenflucht, Apostasie und homosexuelle Handlungen waren unent- schuldbar92. In späteren Zusätzen wurde gefordert, daß homosexuell auffällig ge- wordene Brüder zu lebenslangem Kerker zu verurteilen seien. Die für diesen Grad Jer Verfehlung verhängte Verstoßung aus dem Deutschen Orden führte nicht zu einem weltlichen Leben, sondern bedeutete den Übertritt in einen strengeren Or- den oder andernfalls lebenslange Kerkerhaft. Die Delikte und Strafen erinnern an entsprechende Vorschriften der Templer, sind jedoch vereinfacht worden93. Sie richteten sich nach den Bedürfnissen des Or- dens. Einfache Verstöße zogen eine geringe Strafe nach sich. Sobald aber wesent- liche Teile der Statuten in Gefahr gerieten oder dagegen verstoßen wurde wie gegen die alles andere in den Schatten stellenden Gebote der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit, um so gravierender wurden die Strafandrohungen. Daß schließlich Fahnenflüchtige und Apostaten in einem Orden, der Heiden und Ungläubige zu bekämpfen hatte, keinen Platz finden konnten, ist nur zu verständlich94. Solche Straffälligen wurden anderen Orden mit strengerer Zucht und Klausur überantwor- tet, die nicht mit den Glaubensfeinden in Berührung kamen. Ein Orden, der Straf- täter aufnehmen durfte, brauchte ein Strafrecht zur Disziplinierung seiner Mitglie- der. Er benötigte es aber auch, um sein Ansehen wahren und Kritik von außen zum Verstummen bringen zu können. Wie die Laienbrüder konnten auch die Priesterbrüder bußfällig werden. Wie sonst hatten sie auch im Strafrecht und in der Handhabung der Bußen eine beson- dere Stellung, die ihren Priesterstand berücksichtigte. Wie es in den Statuten hieß, sollten alle Angehörige des Ordens die Priesterbrüder wegen ihrer Priesterweihe besonders ehren95. Daher verstand es sich, daß auch die Handhabung des Strafverfah- rens gegen sie ihrem Stand angepaßt werden mußte. Die Einleitung des Verfahrens unterschied sich zunächst nicht von der der Laienbrüder. Es gab die Selbstbezichti- gung wie die Rüge durch Mitbrüder oder eine Klage von Fremden. Selbstbezichti- gung, Rüge oder Anklage wurden wie bei Laienbrüdern während eines Kapitels in Gegenwart eines Komturs oder Oberen vorgetragen. Aber den Vorsitz in dem Ver- fahren übernahm der Prior, der Vorgesetzte der Priesterbrüder. Nach der Anhörung berieten der Prior, der Komtur oder Obere mit dem Kapitel über die Art der Misse- tat und die dafür verhängte Buße. Doch die Buße, die die Brüder im Kapitel gefun- den hatten, verkündete wiederum der Prior. Gab es in kleineren Konventen keinen 92 Perlbach, Statuten, S. 86 f.: Gesetz 39. Zu den immer wieder auftauchenden Vorwürfen der Ho- mosexualität, die selten bewiesen wurden: Nicholson, Templars, S. 133. 93 Schmidt, Handhabung, S. 101 ff.; Sterns, Crime, S.91. 94 Zu Verstößen auch: Sterns, Crime, S. 93ff. 95 Perlbach, Statuten, S.64: Gesetz 2.
Prior, hatte der Leiter eines solchen Hauses den Priesterbruder einer größeren Kommende zu überstellen, in der das Amt eines Priors besetzt war96. Da der Orden jedoch nur wenige Konvente mit Prioren unterhielt, dürfte diese Bestimmung kaum lange Zeit Geltung gehabt haben. Die Stelle des Priors im Strafverfahren dürfte ein älterer angesehener Priesterbruder eingenommen haben. Die leichte Form der Buße für die minder schweren Vergehen unterschied sich nicht von der der Laienbrüder97. Zusätzlich zu jenen Vergehen traf einen Priester- bruder das Verdikt einer leichten Buße von drei Tagen, wenn er innerhalb eines Jah- res nicht gelernt hatte, die Messe nach den Gewohnheiten des Ordens zu zelebrie- ren98. Das wird selten vorgekommen sein. Erst der Hochmeister Konrad von Feuchtwangen sah 1292 die Notwendigkeit, eine solche Regelung zu treffen und schriftlich zu fixieren. Für die beiden schwereren Grade der Schuld, der gravis und der gravior culpa, war die eingeschränkte bzw. uneingeschränkte Jahrbuße fällig. Der Priesterbruder mußte zwar auch wie der Laienbruder fasten, aber nicht am Tisch der Knechte oder auf dem Boden sitzend, sondern, getrennt von anderen Mitbrüdern, allein in einer besonderen Kammer an einem mit einem Tischtuch be- deckten und an Fastentagen unbedeckten Tisch. Vom Gottesdienst und gottes- dienstlichen Verrichtungen war er suspendiert, konnte aber zu niederen Diensten bei der Messe zugelassen werden und durfte heimlich, unter Ausschluß der Ge- meinde die Messe lesen. Die Geißelung, die dreimal in der Woche vorgesehen war, blieb dem bußfälligen Priesterbruder nicht erspart. Aber er erhielt die Geißelung nicht in der Kirche vor der Gemeinde, sondern ohne Publikum. Hatte ein Priester- bruder die schwerste Schuld auf sich geladen, erhielt er die Jahrbuße auf erlegt und konnte sein Amt verlieren, was auch schon bei der schwereren Schuld möglich war. Zur schwersten Schuld rechnete man auch die Verletzung des Beichtgeheimnisses, die allein zum Ausschluß aus dem Orden führte99. Erkrankte ein Priesterbruder, wurde die Buße ausgesetzt. Starb er innerhalb der über ihn verhängten Jahrbuße, wurde er wie ein Bruder beigesetzt. Nur beim schwersten Vergehen gab es auch für Priesterbrüder kein Pardon mehr100. Die Bußen gegen straffällig gewordene Priesterbrüder waren nahezu von gleicher Schwere wie die gegen Laienbrüder, berücksichtigten jedoch den besonderen Stand der Priester und deren Weihe und ersparten ihnen daher demütigende Strafen vor einem großen Publikum, vor allem vor solchen Personen, die dem Orden nicht an- gehörten. Daß Priesterbrüdern nur bei Verletzung des Beichtgeheimnisses der Aus- stoß aus dem Orden drohte, mag daran gelegen haben, daß die Delikte Fahnen- 96 Perlbach, Statuten, S. 87: Gesetz 40. 97 Perlbach, Statuten, S. 87 f.: Gesetz 41. 98 Perlbach, Statuten, S. 140; vgl. S.61: Gesetz Ile. Dazu: Neu, Bildungsbestrebungen, S.274. 99 Perlbach, Statuten, S. 88f.: Gesetze 42-44; Schmidt, Handhabung, S. 107f. 100 Perlbach, Statuten, S. 89: Gesetz 45; Schmidt, Handhabung, S. 108.
flucht und Apostasie bei ihnen weniger zu befürchten waren. Denn sie zogen nicht in das Feld gegen Heiden und Ungläubige und gerieten weniger in die Gefahr, ge- fangen zu werden und während der Gefangenschaft von ihrem Glauben abzufallen. Das Erschleichen der Aufnahme in den Orden durch Simcmie, Lügen oder Ver- schweigen von Hinderungsgründen dürfte bei Priestern kaum vorgekommen sein Ja sie im Orden keine wichtigen Führungspositionen einnehmen konnten und in anderen Orden bessere Karrierechancen hatten. Aus späterer Zeit weiß man, daß die meisten Priesterbrüder nicht in den Gebieten eingesetzt waren, in denen der Orden im Kampf gegen Heiden und Schismatiker stand, sondern in der sicheren Etappe, den Balleien im Deutschen Reich101. Aber auch dort fehlten bald Priester- brüder. Der Orden mußte sich also von Anfang an um Priester bemühen und hatte sich nicht umgekehrt des Andrangs von eintrittswilligen Priestern zu erwehren. Im Spätmittelalter konnte sogar in einzelnen Kommenden wie Nürnberg und Köln der Gottesdienst durch Priesterbrüder nicht mehr aufrecht erhalten werden, da sie fehl- ten. Dort lasen Priester anderer Orden oder Weltgeistliche die Messen102. Der Deutsche Orden war kein Priesterorden. Infolge der Militarisierung des Or- dens wuchs vielmehr der Einfluß der Ritterbrüder. Der Priesterbruder erhielt we- gen seiner Weihe eine Sonderstellung im Strafverfahren des Ordens. Ihm blieben demütigende Bußen, vor allem solche vor aller Augen, erspart. Diese Sonderstel- lung verdankte er seinem Stand, nicht einem gestiegenen Einfluß auf die Ordenslei- tung und die Amterbesetzung. Sowohl die Regelungen des alltäglichen Konventslebens als auch die Bußbestim- mungen und das Strafverfahren zeugen von dem Bemühen, alle Brüder gleich zu behandeln. Lediglich die Priesterbrüder genossen wegen ihrer Weihen eine Sonder- stellung. Bei den Laienbrüdern wurde nicht nach der Herkunft unterschieden. Dy- nastensöhne genossen im Orden grundsätzlich keine Vorteile gegenüber Brüder aus anderen Ständen. Im Gegenteil sollte im Prinzip jede Bevorzugung ausgeschlossen sein. Der Grundsatz der Gleichheit unter den Brüdern ist das hervorstechende Merkmal dieses Teils der Statuten. Dem entsprach auch die Ausgestaltung der Ge- richtsbarkeit, in der der Meister keinen herausragenden Rang beanspruchen konnte, sondern die im Kapitel versammelten Brüder das jeweilige Urteil über ihresgleichen fällten. 101 Benninghoven, Zahl, S. 19; Militzer, Beziehungen, S.263. 102 Franziskaner und Karmeliter übernahmen in Nürnberg 1394 und 1400 die Meßverpflichtungen im Spital; Weiss, Franken, S.209, 211, 342. In Köln wurde den Karmelitern 1402 die Lesung der Messe in der Kommendenkirche St. Katharinen übertragen; HASt Köln, HUA 1/9795. Als der ehemalige Königsberger Großschäffer Winrich von Mansteden 1477 eine Messe in St. Katharinen in Köln stif- tete, beauftragte er ebenfalls die Karmeliter mit der Lesung der Messen: HASt Köln, Karmeliter LJ 2/109; Katharinen U 3/739; Katharinen Akten 80, fol. 6v. Vgl. Limburg, Mansteden, S. 208.
7 ZUM SELBSTVERSTÄNDNIS DES DEUTSCHEN ORDENS Da der Deutsche Orden der jüngste der drei großen Ritterorden gewesen ist, die Gründungsversammlung ihm die Johanniter und vor allem die Templer als Vorbil- der gegeben, auf deren Regeln und Gewohnheiten verwiesen und der Papst als höchste Autorität der Christenheit solches genehmigt hatte, brauchte der junge Or- den kein ganz neues Bild von sich zu entwerfen. Er konnte sich an die Selbstdar- stellungen der beiden älteren Orden anlehnen, was er auch getan hat. Er übernahm die „Idee des geistlichen Ritterordens“1. Diese Idee hatte anfangs etwas Irreales, weil sich die Menschen nur schwer vor- stellen konnten, wie sich Mönchtum und Kriegertum, Kontemplation im Kloster und Heidenkampf miteinander verbinden ließen. Trotz hochgestellter und angese- hener Befürworter der neuen Symbiose von Mönchtum und Kriegertum hat es im- mer Gegner und Kritiker gegeben2. Die Verbindung adlig-ritterlicher und monasti- scher Vorstellungen war im 10. und zu Beginn des 11. Jahrhunderts unbekannt und verstieß gegen die gegebene Ordnung, die das öffentliche Leben in Aufgabengebiete schied und sie verschiedenen, klar getrennten Ständen zuwies3. Wer in ein Kloster eintreten wollte, konnte kein Krieger bleiben. Nur aus den besonderen Bedingun- gen des Heiligen Landes ist es zu erklären, daß dort „Mönche“ doch zum Schwert griffen. In Europa blieb der Mönchsritter weiterhin eine Besonderheit. Dort lag der Gedanke eben nicht „in der Luft“4. In Palästina hatten der Patriarch und das Kapitel von Jerusalem schon sehr früh die Möglichkeit, einen Ritterorden vom Heiligen Grab zu stiften. Die Kanoniker selbst waren anfangs in die Verteidigungsanstren- gungen Jerusalems aktiv einbezogen. Aber zur Gründung eines eigenen Ritter- 1 Vor allem: Schumacher, Idee. 2 Nicholson, Templars, S. 25ff., 35ff., 41 ff. Beispiele für Aversionen selbst im 14. Jahrhundert: Fleckenstein, Rechtfertigung, S.21. 3 Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 17f.; vgl. Oexle, Dreiteilung, S. 5ff. 4 So Schumacher, Idee, S. 14f. Dagegen: Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 20. Vgl. Chri- st i a n s e n, S. 70 ff.; A n g e n e n d t, S. 606 f.
ordens ist es dann doch nicht gekommen5. Statt dessen entstand unter kräftiger Mitwirkung Bernhards von Clairvaux der Templerorden als erster vom Papst unter- stützter und genehmigter Ritterorden. Ihm widmete Bernhard von Clairvaux seine berühmte Schrift „De laude novae militiae“ und verlieh dar^it der neuen Vereini- gung kraft seiner Autorität eine Legitimation6. Bernhard sprach von einer nova militia, einem novum militiae genus und erklärte sie zur Speerspitze des Heils im Hause Davids. Die militia bekämpfe körperlich die Feinde Christi und in spiritueller Hinsicht die Dämonen und vereinige so beides, nämlich Mönchtum und Rittertum. Die nova militia unterscheide sich von der mili- tia in vielerlei Hinsicht. Der miles Christi töte Heiden und diene dadurch Christus. Werde er selbst erschlagen, sei ihm das ewige Leben gewiß. Der neue miles schütze Jerusalem, die civitas Domini, und wahre den Christen den Zugang zu den heiligen Stätten. Die nova militia unterscheide sich in ihrer Lebensform vom weltlichen Rit- tertum. Ihre Mitglieder lebten in Zucht und Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit, erfüllten also die Gelübde des Mönchtums. Bernhard hat die milites als Mönchsritter geschildert, wenngleich er den Begriff monachus in dem Zusammen- hang auch vermieden hat. Er verglich sie mit den Machabäern des Alten Testaments. In seinen Augen waren sie geradezu die Machabäer seiner Gegenwart7. Das Werk Bernhards von Clairvaux war lateinisch geschrieben und für die Temp- ler bestimmt. Es hat die Ritterbrüder im Deutschen Orden nicht direkt erreicht. Das lag zum einen daran, daß die wenigsten von ihnen des Lateinischen mächtig waren, und zum zweiten daran, daß sie kein Exemplar des Bernhardschen Werks besaßen. Dennoch hat das Lob Bernhards und dessen Rechtfertigung der nova mili- tia über die Templer- und Johanniterregel das Selbstverständnis des Deutschen Or- dens mitgeprägt. Wie Templer und Johanniter waren auch die Ritterbrüder des Deutschen Ordens Mönchsritter8, zählten sie zur nova militia Christi und galten wie jene als neue Machabäer. Seit der Teilnahme des Deutschen Ordens am 5. Kreuz- zpg nach Ägypten wurden sie in zunehmendem Maße als adlethae Christi und novi Machabei bezeichnet9. Im Prolog zu den Regeln aus der Mitte des 13. Jahrhunderts hat sich der Deut- sche Orden selbst in die Reihe der Streiter des Alten Testaments wie besonders der Machabäer gestellt, da er den Kampf gegen die Feinde des Glaubens wie jene aufge- 5 Elm, Kanoniker, S. 141 ff. Dazu nun auch Luttre 11, Templars, S. 195ff. Melville, Debüts, S.23ff.; Demurger, S.22ff. 7 Bernhard von Clairvaux, De laude novae militiae, S.217ff. Dazu: Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 17. 8 Die Vereinbarung von monastischen und ritterlich-adligen Lebensformen war in der Anfangszeit des Deutschen Ordens den Zeitgenossen viel selbstverständlicher als zur Zeit Bernhards von Clair- vaux; vgl. oben, S. 96; dazu: Nicholson, Templars, S. 13f. Bedenken erheben Kahl, Stellung, $• 37ff.; Elm, Spiritualität, S. 511 ff. Eavreau, Studien, S. 83, mit Nachweisen.
nommen habe10. Der Prolog weist den Priesterbrüdern die Aufgabe zu, die Ritter- brüder zur Einhaltung der Regeln, zur Feier der Gottesdienste und zum Empfang der Sakramente anzuhalten und im Fall des Kriegs zu tapferem Kämpfen zu ermah- nen11. Von Mönchen oder Mönchsrittern spricht auch der Prolog nicht. Ebensowenig findet sich eine derartige Wendung in den übrigen Teilen der Statuten. Die Vereini- gung von mönchischen und ritterlichen Idealen, wie sie den geistlichen Ritterorden eigen war, ist dennoch in den Statuten verankert. Die drei Mönchsgelübde Keusch- heit, Armut und Gehorsam hatten die Ritterbrüder wie die anderen Mitglieder des Ordens zu geloben. Sie hatten die klösterlichen Stundengebete zu verrichten, waren andererseits aber auch zum Kampf gegen Heiden, Ungläubige und überhaupt alle Feinde des wahren Glaubens verpflichtet12. Dazu kam noch die Sorge für Kranke und Bedürftige, der Spitaldienst, da der Orden aus einem Feldspital hervorgegangen war. Diese Tradition hat der Deutsche Orden nie verleugnet, auch wenn sie im Lauf der Zeit immer mehr in den Hintergrund getreten ist13. Der erste Chronist des Deutschen Ordens Peter von Dusburg, der seine Chronik im Auftrag des Hochmeisters Werner von Orseln (1324-1330) verfaßte14, benutzte den Prolog der Regel und variierte vielfach das Motiv des für den Glauben kämp- fenden Ritterbruders in der Nachfolge der alttestamentlichen Vorbilder vor allem der Machabäer und in der Christi als die militia Christ?5. Sein ganzes Werk ist dar- auf ausgerichtet, seiner Gegenwart den Spiegel der angeblich besseren Vergangen- heit vorzuhalten, als die Ritterbrüder noch ein gottgefälliges Leben führten, keusch und gehorsam waren und in Armut verharrten, als sie noch im Vertrauen auf Chri- stus die Heiden bekämpften und sich wie wahre Machabäer aufführten. Mehrere Beispiele, die Dusburg im einzelnen schildert, sollten seine These untermauern, sei- ne Zuhörer aufrütteln und dazu bringen, daß sie den Altvorderen nacheiferten16. Das Latein, in dem Dusburg seine Chronik geschrieben hat, verhinderte eine weite- re Verbreitung, da die meisten Ritterbrüder der Sprache nicht mächtig waren17. Erst die Übertragung ins Deutsche durch Nikolaus von Jeroschin sorgte für eine Ver- 10 Perlbach, Statuten, S.23ff. 11 Perlbach, Statuten, S.26. 12 Daher ordnet Elm, Spiritualität, S. 511 ff., die Ritterbrüder und Ritterorden dem Semireliogiosen- tum zu. Denn Ritterbrüder seien weder Mönche noch Kanoniker, sondern etwas Eigenständiges, Neues gewesen. 13 Zum Selbstverständnis in den Statuten: Wiechert, S. 131 ff.; Volgger, Entstehung, S.26f. 14 Peter von Dusburg, Chronica, Epistola, S.26. Dazu: Boockmann, Geschichtsschreibung, S.449f. 15 Peter von Dusburg, Chronica, Prolog, S. 28 ff. 16 Boockmann, Geschichtsschreibung, S.454; Arnold, Geschichtsschreibung, S.77; Pollaköw- na, Chronique, S. 82ff., Militzer, Aufnahme, S. 10; Dygo, Deutschordensritter, S. 165ff. Auch: Wippermann, S. 42 ff. 17 Die beiden Herausgeber der Chronik Peters von Dusburg K. Scholz und D. Wojtecki vermu- ten daher (S. 10 f.), daß der Zweck der Chronik gar nicht der moralischen Erbauung der Ordensbrü- der, sondern der Rechtfertigung nach außen gegolten habe.
breitung der Taten der Vorfahren während der Eroberung Preußens18. Außer der Chronik waren namentlich in preußischen Konventen in deutscher Sprache gehalte- ne Legenden- und Bibeldichtungen verfügbar, die durch Beispiele die Brüder an ih- re Bestimmungen ermahnen sollten und ihnen ihre besondere Aufgabe und Identi- tät vermittelten19. Bücherbesitz allein vermag noch nicht viel über die Wirkung der durch die Schriften vermittelten Inhalte zu sagen. Jedoch geben die Statuten weitere Hinweise zur Wirkungsgeschichte. Die Regel schrieb nämlich vor, daß zumindest in Konven- ten mit zwölf Brüdern mit einem Komtur an der Spitze nach der Zahl der Jünger Christi während des Essens vorgelesen werde, damit nicht nur der Gaumen etwas schmecke, sondern auch die Ohren zu hören bekämen, also auch geistige Speise ge- reicht werde20. Das war nicht neu, sondern findet sich schon in der Benediktiner- regel und folglich auch bei den Templern21. Aber während die Mönche im allgemei- nen Latein verstanden haben, war das von Ritterbrüdern des Deutschen Ordens nicht zu erwarten22. Die Statuten rechneten sogar damit, daß eintrittswillige Kandi- daten nicht einmal die üblichen Gebete, das Paternoster und das Ave Maria, fehler- los sprechen konnten23. Es war auch nicht ohne weiteres erwünscht, daß sich die Ritterbrüder weiterbildeten, da das nicht zu ihren Aufgaben gehörte. Der Zweck des Ritterordens bestand nun einmal nicht in der Pflege des Lateins, in der Vertie- fung in die Bücher oder in der Beschäftigung mit Wissenschaften24. Wenn daher die Identität des Ordens durch Lesungen gestärkt werden sollte, konnte es nur durch muttersprachige Texte geschehen. Man benötigte also Übersetzungen. Sie hat der Orden herstellen lassen. An erster Stelle sind die Statuten zu nennen, die zumindest seit 1264 deutschsprachig verfügbar waren25. In jedem Haus sollte man die Regel und Gesetze schriftlich vorliegen haben, und, wo sie noch nicht vorhanden seien, sollten sie sorgfältig abgeschrieben werden, damit die Brüder sie an jedem Sonntag und zusätzlich wenigstens dreimal im Jahr vorgelesen erhielten26. » Neuerdings hat Stefan Kwiatkowski herausgestellt, daß die Spiritualität der Rit- terbrüder traditionellen Wegen der Frömmigkeit verhaftet war. Ihre Tätigkeiten 18 U. Arnold in: Verfasserlexikon VI, S. 1081 ff. 19 Grundmann, Schrifttum, S.34ff.; Richert, Literatur, S.276ff. 20 Perlbach, Statuten, S.41: Regel 13. Peter von Dusburg berichtet auch von solchen Tischlesungen, deren Gegenstände früher Christus, Maria und die Heiligen gewesen, nun aber Taten von Königen und Fürsten und andere seculi vanitas seien; Chronica 111,81. Vgl. Potkowski, Spirituality, S.217ff. 21 Curzon, S. 34 (Templerregel); Grundmann, Schrifttum, S. 37. 22 Vgl. Perlbach, Statuten, S. 34f.: Regel 8. 23 Perlbach, Statuten, S. 61: Gesetz Ile. 24 Militzer, Universität, S.258ff. 25 Perlbach, Beiträge, S.358ff.; Grundmann, Schrifttum, S.23, 39; Eis, S.63. 26 Perlbach, Statuten, S. 71: Gesetz 17; S. 74: Gesetze 27-28. Die Bestimmung wurde in den soge- nannten „Gesetzen über Meer“ von vor 1264 nochmals eingeschärft: ebd., S. 134: Nr. 1,5. Vgl. Pot- kowski, Spirituality, S.217ff.; Grundmann, Schrifttum, S. 37f.
folgten eher streng liturgischen Formen und fanden in der Gemeinschaft und im Kollektiv statt. Die Einbindung in alte Vorstellungen von sich wiederholenden Ty- pen, Mustern und Präfigurationen erlaubten dem Ordensmitglied keine ihm eigene individuelle Gotteserfahrung. Die Statuten schlossen religiösen Individualismus aus, forderten die gemeinsame Teilnahme am Gottesdienst, an der Kommunion, am Gebet und auch Bußleistungen vor der Gemeinschaft. Die alte Form der Frömmig- keit hatte sich im Einklang mit Vorstellungen der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ausgebildet, stieß aber schon gegen Ende des Jahrhunderts auf neue Formen der Gotteserfahrung wie der Mystik, denen der Orden nur schwer habe gerecht werden können27. Die Interpretation der Welt als ein Kampf des Guten gegen das Böse, wo- bei der Mensch auf Seiten Gottes zu stehen habe, habe schließlich nicht mehr aus- gereicht, wie der genannte Autor zum Abschluß bilanziert28. Durch die Lesungen während der Mahlzeiten bekam der Bruder aber eine Vor- stellung von der Bedeutung seines Ordens, von dessen besonderer Stellung in der Christenheit und seiner Aufgabe in der Welt. Ihm wurde aber auch die der Tradi- tion verhaftete Denkweise des Ordens vermittelt. Es war schließlich nicht nur die besondere Tracht, das gemeinsame Wohnen, die Ehelosigkeit, die den Ritterbruder von seinen weltlichen Standesgenossen unterschied, sondern auch das durch die Statuten, Chroniken und andere Werke vermittelte Bewußtsein seiner Sonderstel- lung und seiner Aufgabe, nämlich des Heidenkampfs als miles Christi oder novus Machabaeus, freilich auch des Spitaldienstes, der aber nicht nur in Preußen und Livland, sondern auch in den Balleien und schon früher in Palästina in den Hinter- grund getreten war29. Es ist allerdings zu betonen, daß der „normale“ Ritterbruder die Lesungen passiv über sich ergehen ließ. Er pflegte nicht wie ein Mönch die lite- rarische Bildung. Anstelle des eigenen Lesens samt anschließender Meditation trat das Kriegshandwerk samt den Vorbereitungen dazu und in geringerem Maß der Spitaldienst. Man wird Hans-Dietrich Kahl darin zustimmen, daß infolgedessen die Symbiose von Mönch und Krieger letztlich doch nicht gelungen ist30. Die Ritter- brüder wurden nicht zu echten Mönchen und haben das Ideal, das Bernhard von Clairvaux vorgeschwebt haben mag, nicht erreicht noch erreichen können. Das gilt nicht nur für den Deutschen Orden, sondern für alle übrigen Ritterorden ebenso. Trotz notwendiger Einschränkungen waren Ritter- und Spitalorden die beiden Pole des Selbstverständnisses, zwischen denen das Denken der Ordensangehörigen pendelte. Der Spitalgedanke wich nie ganz aus den Köpfen der Brüder, zumal der 27 Kwiatkowski, Devotio, S. 110ff. 28 Ebd., S. 130. 29 Eis, S.67, hebt die Bedeutung der Lesungen während der Mahlzeiten besonders hervor. 30 Kahl, Stellung, S.42ff. Nach Elm, Spiritualität, S.511, wurde eine solche Symbiose auch gar nicht erstrebt. Elm sieht in den Ritterorden eine eigenständige Organisationsform im umfassenden Be- reich des Semireligiosentums.
Prolog in den Statuten die Herkunft ihres Ordens aus einer Spitalgemeinschaft be- richtet und die Brüder bei Tischlesungen auf diesen Sachverhalt aufmerksam ge- macht wurden. Das Schwanken zwischen Heidenkampf und Hospitalität zeigt sich auch in den bevorzugten Patrozinien des Deutschen Ordens^ In den Balleien ver- fügte der Orden über mehrere Spitäler mit dem Elisabethpatrozinium. Außerdem stand in Marburg die wichtige Elisabethkirche, die dem Orden inkorporiert war. Der Hochmeister Konrad von Thüringen hatte wesentlich zur Heiligsprechung Eli- sabeths, seiner Schwägerin, beigetragen. Durch ihn war die Verehrung der fürst- lichen Heiligen, die sich selbst gedemütigt hatte, eine Sache des Deutschen Ordens geworden und lange Zeit geblieben. Die Erhebung und Umbettung der Gebeine der heiligen Elisabeth am l.Mai 1236 in Gegenwart Kaiser Friedrich II., von Erzbischö- fen, Bischöfen, Großen des Reichs und Vertretern des Ordens zählte zu den glän- zenden kirchlichen Festen, die das Ansehen des Ordens steigerten und seine Ver- bindung zur heiligen Elisabeth hervorhoben31. Elisabeth war seitdem zwar nicht nur, aber doch auch und das in steigendem Maße eine Heilige des Deutschen Or- dens und deutete auf die Aufgabe des Spitaldienstes hin32. Der andere Heilige, mit dem sich der Orden identifizierte, war der heilige Georg, ein Patron, den die Byzantiner als Schlachtenhelfer seit jeher verehrt hatten. Im Abendland galt er zunächst mehr als Märtyrer. Erst im 11. Jahrhundert und dann besonders während der Kreuzzüge setzte sich auch im Westen die Auffassung durch, daß der Heilige ein himmlischer Helfer in einem Kriegszug sei. Nicht nur der Deutsche Orden, sondern auch die Templer verehrten ihn in besonderem Maße. Im Deutschen Orden hat er jedoch zunächst noch nicht die überragende Rolle ge- spielt, wie man es eigentlich erwarten sollte33. Erst am Ende des 13. und seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts erfreute sich der heilige Georg einer erhöhten Wert- schätzung, aber auch nicht überall im Orden, sondern vorzüglich im preußischen Ordenszweig. Der heilige Georg stieg zu einem von den Ritterbrüdern in Preußen sehr verehrten Patron auf34. In die Anfänge der Georgsverehrung in Preußen führt das Konventssiegel der Brüder, das den heiligen Georg zeigt35. Allerdings blieb die- ses Siegel nur kurze Zeit in Gebrauch und wich einem solchen mit Maria im Siegel- et Boockmann, Anfänge, S. 141 ff.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.6ff.; Dies., Marburg und Niederlassungen, S. 50 f. 32 Arnold, Elisabeth, S. 169ff.; Guth, Elisabeth, S. 136ff.; Ders., Patronage, S.245ff. 33 P. Schreiner, Aspekte der politischen Heiligenverehrung in Byzanz, in: Politik und Heiligenver- ehrung im Hochmittelalter, hrsg. von J. Petersohn (Vorträge und Forschungen 42), Sigmaringen 1994, S. 373 f.; Erdmann, Entstehung, S. 255 ff.; B r au n f e 1 s - E s c h e, S. 88ff., besonders S. 91 ff.; Nicholson, Templars, S. 112ff.; vgl. LdM IV, Sp. 1273f. (mit weiterer Literatur). Schon früher: Beissel, Verehrung II, S. 43 f. 34 Arnold, Elisabeth, S. 166ff. 33 Schmid, Siegel, S. 183f.
bild. Später zogen unter dem sogenannten Georgsbanner ein rotes Kreuz auf wei- ßem Grund die Kriegsgäste mit dem Orden in den Kampf gegen die Litauer36. Man hat darauf hingewiesen, daß die Bevorzugung des heiligen Georgs als Pa- trons mit einer Verengung des Ordens auf den Adel in Zusammenhang zu bringen sei. Auf die Zugangsbeschränkungen zugunsten des Adels ist noch zurückzukom- men. Aber soviel ist schon jetzt festzuhalten, daß sich nämlich der Ordensritter aus adligem Geschlecht eher im Drachentöter Georg als in der den Kranken dienenden Elisabeth wiederfinden konnte. Georg als Streiter für die Kirche gegen das Böse, als das man den Drachen deutete, konnte dem Ritterbruder einleuchtender als Vorbild für die Ziele vorgestellt werden, die er im Orden selbst zu verwirklichen gedachte. Während der heilige Georg mehr in preußischen und die heilige Elisabeth stärker in deutschen Ordenshäusern in den Balleien verehrt wurden, fand in livländischen Kommenden der als dunkelhäutiger Ritter dargestellte Mauritius eine besondere Zuneigung37. Der Komtur von Ascheraden führte diesen Heiligen in seinem Siegel38. Die Kriegsleute und Beamten auf den landesherrlichen Schlössern Livlands hatten sich zu Schwarzhäuptergenossenschaften zusammengeschlossen, weil sie den dun- kelhäutigen Anführer der Thebaischen Legion verehrten. In livländischen Städten gab es Schwarzhäupterkompanien der ausländischen und einheimischen Kaufgesel- len39. Neben der Gottesmutter genoß vor allem der heilige Mauritius in Livland und dem livländischen Ordenszweig eine besondere Verehrung. Der Deutsche Orden hatte nicht nur die Antipoden Elisabeth und Georg oder Mauritius als Hauptheilige, sondern auch und früher als alle drei die Gottesmutter Maria40. Sie ist nicht ausschließlich Patronin des Deutschen Ordens oder der Ritter- orden allgemein gewesen41, sondern schon vorher der Benediktiner, Zisterzienser, Prämonstratenser und der nachfolgenden Bettelorden. Alle diese Orden haben ihr Bild von der Gottesmutter geformt und propagiert. Schließlich haben die Kreuzzü- ge die Marienverehrung unter dem Adel gefördert. Der Deutsche Orden trat also als Schutzbefohlener der Maria zu einem Zeitpunkt auf, als deren Verehrung in den Mönchs- und Ritterorden weit verbreitet war und in der Welt der Laien populär wurde und besonders die Phantasie des Adels zu beschäftigen begann. Damals wur- 36 Ekdahl, Banderia, S.26; Paravicini, Preußenreisen II, S. 139ff. Es wird daher kein Zufall sein, daß Markgraf Heinrich von Meißen 1252 dem Deutschen Orden in Livland zu Ehren des Märtyrers Georg eine Kirche schenkte; UB Ballei Thüringen, Nr. 121; vgl. dazu Nr. 188. 37 Das angebliche Banner des livländischen Marschalls zeigte den heiligen Mauritius: Ekdahl, Ban- deria, S. 276 f. 38 Arbusow, Geschlechter, S. 132. 39 Angermann, Livland, S. 13, 15 mit weiterer Literatur. Ferner: Suckale-Redlefsen, S. 68ff-, 174 f., 180, 192 f.; 256 f. 40 Vgl. G u t h, Patronage, S. 245. 41 Dazu: Nicholson, Templars, S. 116f.
. j;e Himmelskönigin zu einer gottgleichen Person erhoben, der zu dienen ein UC . p 42 Verdienst sein mußte . Die besondere Verehrung der Maria im Deutschen Orden zeigte sich in der Benen- nung dreier wichtiger Burgen nach der Namenspatronin, nämlich der Marienburgen in Preußen, Livland und Siebenbürgen. Die preußische Mairienburg war mit einer übergroßen Marienstatue geschmückt, von der heute nur noch karge Reste vorhanden sind. Jeder Ritter- und Priesterbruder hatte im Tagesablauf zahlreiche Ave Maria zu beten. Sie fanden in der Gottesmutter, der Himmelskönigin, der engsten Fürspreche- rin bei Christus, die selbst in einer gottgleichen Stellung gedacht werden konnte, eine mächtige Schutzheilige, die ihren Orden und sie selbst vor Gefahren bewahrte43. In der Vorstellungswelt der Ordensbrüder hat sie es auch getan. Sie erschien wankelmüti- gen Brüdern im Traum und wies sie auf den rechten Weg44, sagte Verwundeten und Sterbenden als Preis für ihren Einsatz im Kampf das ewige Leben zu45, heilte Wun- den46, half in und nach der Schlacht47, überzeugte heidnische Prußen vom rechten Glauben, so daß sie sich bekehrten48, und bestrafte die, die das Ordensland, das ihr geweiht war, bekriegten49. Dafür bringt Peter von Dusburg zahlreiche Beispiele, die die Überzeugung der Brüder in dieser Gewißheit festigen sollten. Er berichtet auch von der besonderen Beziehung wenigstens eines Ritterbruders zur Jungfrau Maria50. In Bedrängnis hatte der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen (1303-1311) den Ritterbrüdern in Preußen geboten, nach jeder Höre ein Ave Maria zu beten, und die Priesterbrüder zu weiteren Gebeten und der Antiphon „Salve Regina“ verpflichtet, da- mit durch die Fürsprache der Gottesmutter Unheil vom Orden abgewendet werde51. Analoge Vorstellungen beherrschten die Brüder in Livland. Nach Aussagen der livländischen Reimchronik sahen sie sich im Schutze der Gottesmutter. Sie hielten sich für Werkzeuge Gottes in der Verbreitung und Sicherung des Glaubens. Die Ritterbrüder in Livland wurden also sehr stark von den Vorstellungen des militäri- schen Heidenkampfs beherrscht und zogen daraus die Rechtfertigung für ihr Vor- gehen gegen die Heiden. Dabei war ihnen der Schutz der Gottesmutter wichtig und gab ihnen ein Gefühl der Sicherheit gegen den Ansturm der Feinde52. ^2 Beissel, Verehrung I, S. 63 ff.; D e 1 i u s, Geschichte, S. 156 ff.; G r a e f, Maria, S. 194 ff. Dazu: LdM IV, Sp. 251 ff.; Schreiner, Maria, S. 315 ff. 43 Vgl. Dygo, Role; Rosenberg, Marienloh, S. 323ff.; Schreiner, Maria, S. 384ff. Zur Bedeu- tung Mariens in der Literatur des Deutschen Ordens: Eis, S. 72f.; Richert, Literatur, S.277ff. 44 Peter von Dusburg, Chronica 111,12, 350. 45 Peter von Dusburg, Chronica III, 41, 85. 46 Peter von Dusburg, Chronica 111,131. 47 Peter von Dusburg, Chronica 111,141, 333. 8 Peter von Dusburg, Chronica 111,207. Sn ^eter von Dusburg, Chronica, Suppl. 18-19. 51 pCter von Dusburg, Chronica 111,79-81. e eter VOn Dusburg, Chronica 111,305. 52 Vgl. KJavips.
An vielen offiziellen Dokumenten des Ordens hingen Siegel mit dem Bild der Gottesmutter. Maria war auf den Siegeln des Hochmeisters, des Konvents des Haupthauses, des magister citra mare, des Deutschmeisters, des Landkomturs von Bozen53, der Komture von Fellin, Goldingen, Marienburg und Dünaburg und des Vogts von Kandau54. Die Ritterbrüder aus Livland führten in der Schlacht ein Ban- ner, das Maria mit dem Christuskind auf dem Arm zeigte55. Ein Marienbanner be- saß auch der preußische Ordenszweig. Es ist hin und wieder neben der Hochmei- sterfahne erwähnt56, so auch anläßlich der Schlacht bei Tannenberg 1410. Es hatte übergeordnete Bedeutung und war das Banner einer größeren Einheit. Das Spital vor Akkon, aus dem der Deutsche Orden hervorgegangen ist, war von Anfang an der Gottesmutter geweiht. Bereits 1192 ist es als Hospitale novum sancte Marie im „Liber censuum“ der römischen Kirche verzeichnet57. Es stand also unter dem Schutz der Himmelskönigin. Diese Tradition hat der Orden nach seiner Mili- tarisierung nicht aufgegeben, sondern beibehalten. Er blieb ein Marienorden. Die Gottesmutter war stets ein spiritueller Bezugspunkt aller Ordensangehörigen und ein wichtiger Ansatzpunkt zur Identifikation für den gesamten Orden. Daneben hatten die sich allmählich im Laufe des 13. und dann des 14. Jahrhunderts herausbil- denden Zweige des Ordens im Reich, in Preußen und in Livland Heilige, die je- weils besonders von ihren Angehörigen verehrt wurden. Außer der Gottesmutter, die seit der Spitalgründung die Patronin des Ordens war, findet sich im Titel des Ordens ein weiteres Identifikationsmerkmal von hoher Bedeutung, nämlich Jerusalem. Der Orden nannte sich hospitalis s. Marie Teutoni- corum in Jerusalem, domus hospitalis s. Marie Theutonicorum Jerosolimitani oder ordo fratrum hospitalis sancte Marie Theutonicorum ]erosolimitanorum. Manchmal konnte in der Adresse „Jerusalem“ entfallen, wenngleich es zum vollen Titel stets gehörte und nie aufgegeben worden ist. Der Forschung ist schon lange aufgefallen, daß der Bezug auf Jerusalem zu einer Zeit in den Ordenstitel auf genommen wurde, als die Stadt selbst in den Händen der Sarazenen war und der neue Orden dort gar keinen Besitz hatte. Das Haupthaus des Ordens lag auch gar nicht in Jerusalem, sondern stets in Akkon bzw. Montfort, solange die Christen sich in Palästina haben halten können. Auffallend ist auch, daß Urkundenaussteller aus dem Heiligen Land zunächst fast ausschließlich Akkon statt Jerusalem als Adresse für den Orden ange- geben haben58. Erst unter Hermann von Salza begann man auch im Orient seit 1217 53 Schmid, Siegel, S. 179ff.; Kluger, Abb. 12; Mi 1 itzer, Entstehung, Abb. 1, 2, 14. 54 Arbusow, Geschlechter, S. 131 f. 55 Ekdahl, Banderia, S.274f. 56 Ekdahl, Banderia, S. 26; Rosenberg, Marienlob, S. 329. Ein Marienbanner führten neben dem Georgsbanner auch die Kriegsgäste in Preußen; Paravicini, Preußenreisen II, S. 139ff. 57 Liber Censuum, S.238; Favreau, Studien, S.39. 58 Favreau, Studien, S. 141 f. Auch: Favreau-Lilie, Alle origini, S.29ff.
t rusalem statt Akkon als Hauptsitz des Ordens zu akzeptieren59. Auffallend ist aber auch, daß die Päpste Clemens III. und Coelestin III. in Urkunden von 1191 und 119^ Jerusalem in den Ordenstitel eingefügt haben60. Die Erklärung des Sachverhalts ist nicht einfach. M.-L. F^reau meint dazu, daß Vertreter des Ordens mit gezinkten Karten gespielt und beide Päpste getäuscht hät- ten. Dieselben Unterhändler, die von den Päpsten die ungewöhnlichen Adressen er- schlichen hätten, hätten 1197 auch Kaiser Heinrich VI. dazu gebracht, in zwei Privi- legien im Ordenstitel Jerusalem einzufügen61. Warum aber legte das Spital und die Spitalgemeinschaft und der spätere Ritterorden einen solchen Wert auf Jerusalem im Titel, obwohl jedermann wohl wissen konnte, daß das Haupthaus in Akkon lag? Wenn man dem Papst noch Unwissenheit unterstellen kann, ist das beim Kaiser nicht möglich. Er wenigstens muß darüber informiert gewesen sein, wo das Haupt- haus des Ordens lag, zumal sein Bruder Friedrich von Schwaben im Akkoneser Hospital begraben wurde. M.-L. Favreau sieht als Motiv hinter den anrüchigen Me- thoden den Wunsch, sich den Besitz des alten Jerusalemer Hospitals vor allem im Deutschen Reich einzuverleiben. So eingängig diese These auf den ersten Blick zu sein scheint, hat sie doch einen gravierenden Schwachpunkt. Es ist nämlich bislang kein Besitz des alten Spitals im Reich ausfindig zu machen gewesen62. Daran kran- ken alle Ausführungen der Autorin, deren Hypothese zu recht auf teilweise heftige Ablehnung gestoßen ist. Daß die Ordensadresse mit Jerusalem als Bestandteil an der Kurie nicht unum- stritten war, belegt die Tatsache, daß schon der Nachfolger Papst Coelestins III. Papst Innozenz III. dem Deutschen Orden diese Ortsangabe in den von ihm ausge- stellten Privilegien verweigerte. Innozenz III. gebrauchte fast konsequent Akkon im Ordenstitel. Dessen Nachfolger Honorius III. gewährte dem Orden dagegen fast durchgängig Jerusalem im Titel. Ihm ist die päpstliche Kanzlei auch später gefolgt63. Seit 1219 benutzte der Orden unter seinem Hochmeister Hermann von Salza selbst Jerusalem und nie mehr Akkon im Titel64. In diesen Zusammenhang gehören zwei Urkunden des ungarischen Königs An- dreas von 1211 und 1212. Mit ihnen schenkte er dem Orden das Burzenland65. Er bezeichnete die Brüder als cruciferi de hospitali sande Marie Theutonicorum quod quondam fu.it in lerusalem sed modo peccatis exigentibus sitam est in Accaron bzw. 59 60 61 62 63 64 65 Favreau, Studien, S. 157f. Daß sich die Littera von Papst Clemens III. von 1191 nicht auf den neuen Orden, sondern auf das alte Spital in Jerusalem bezogen haben soll, wie Favreau, Studien, S. 144ff., meint, ist nicht ein- leuchtend. Dagegen schon: Müller, Jerusalem, S. 15, mit überzeugenden Argumenten. Favreau, Studien, S. 147ff. So schon Arnold, Entstehung, S. 91 ff.; Ders., Jerusalem, S.419ff. Favreau, Studien, S. 150ff. Favreau, Studien, S. 161. F Siebenbürgen I, Nr. 19, 22; Hubatsch, Quellen, Nr.3; Strehlke, Tabulae, Nr. 158, 159.
Hospitalis sancte Marie de Accaron que quondam fuit in Jerusalem. Daraus hat man lange Zeit geschlossen, daß der Deutsche Orden aus dem alten Jerusalemer Spital hervorgegangen, also die Stiftung des Spitals vor Akkon gar keine Neugründung gewesen sei. Dem hat M.-L. Favreau widersprochen und gemeint, daß der Orden nur Ansprüche auf das alte Spital und vor allem dessen Besitz erhoben habe, wie sie schon bei der Interpretation von Papst- und Kaiserurkunden argumentiert hat66. Doch so einfach liegt der Fall nicht. Beide Urkunden des ungarischen Königs sind nur in Transsumpten von 1278 überliefert, so daß der Titel hätte geändert und der prekären Situation des Ordens im Heiligen Land zur Zeit der Transsumierung angeglichen werden können67. Die Aufnahme von Jerusalem in den Titel wäre dann ein Hinweis auf den Verlust des Hauses in der Heiligen Stadt 1244. Aber auch ein solcher Hinweis bietet keine be- friedigende Erklärung. Denn Transsumpte wurden im allgemeinen sorgfältig herge- stellt. Man müßte starke Gründe anführen können, weshalb der Orden auf einer Veränderung seines Titels bestanden und seine Absicht auch hätte durchsetzen kön- nen. Solche Gründe sind bisher nicht in die Diskussion eingebracht worden. Es ist auch nicht ersichtlich, worin sie bestanden haben sollten. Scheidet eine Abänderung des Titels während der Transsumierung 1278 aus, bleibt zu erklären, wie die merk- würdigen Formulierungen in die beiden Urkunden des ungarischen Königs gekom- men sind. Zweifellos wird man H. Boockmann recht geben, wenn er schreibt, daß Deutschordensbrüder dem König erzählt hätten, eigentlich liege ihr Haupthaus in Jerusalem und sei nur vorübergehend in Akkon untergebracht68. Nach der Erzäh- lung der Brüder habe der König die Urkunden formuliert. Das wird wohl zutref- fen. Denn woher hätte König Andreas sonst seine Kenntnisse schöpfen sollen? Aber müssen sie ihm deshalb erzählt haben, daß sie gar keinem neuen Orden ange- hörten, sondern die Tradition des alten Spitals in Jerusalem fortsetzten? Sollten sie wirklich geglaubt haben, durch Urkunden des ungarischen Königs Rechtstitel auf Besitz im Deutschen Reich zu erlangen, der dem ungarischen König gar nicht un- terstand ? Im übrigen gehörte der König gar nicht zu den abendländischen Autoritä- ten wie Papst und Kaiser, von deren Zustimmung man eine universelle Anerken- nung von Rechtsansprüchen erwarten konnte. Es fällt daher schwer zu glauben, der Orden habe dem ungarischen König eine solche Geschichte erzählt, weil er Besitz des alten Spitals in Jerusalem übernehmen wollte. Dabei ist zu beachten, daß man von diesem angeblichen Besitz bislang keine Spur gefunden hat und man ihn nur als „sicherlich“ vorhanden annimmt69. 66 Favreau, Studien, S. 103, llOf. Dem hat sich auch Boockmann, Deutsche Orden, S. 30ff., ange- schlossen. 67 So Mü 11 er, Jerusalem, S. 29. 68 Boockmann, Deutsche Orden, S.31. 69 Boockmann, Deutsche Orden, S.31; vgl. Favreau, Studien, S. 96.
Ist Jerusalem im Titel des Deutschen Ordens nicht anders als mit Hilfe von we- nig schönen Motiven wie der Habgier nach Gütern eines untergegangenen Spitals zu erklären? Den Schlüssel zur Lösung könnte Jerusalem selbst bieten. Es ist keine Stadt wie jede andere, sondern noch vor Rom die heilige Stadt schlechthin, in den Augen der Zeitgenossen das irdische Abbild des himmlischen Jerusalem und im al- legorischen Sinn die Kirche70. In und bei dem historischen Jerusalem hatte Christus mit seiner Mutter Maria gelebt und gelitten. Jerusalem war das Ziel der ersten Kreuzzüge in den Orient, auch noch des 3. Kreuzzugs, während dessen die Anfän- ge des Ordens vor Akkon gelegt worden waren71. Bis 1244 hatte der Orden das Of- fizium der Kanoniker vom Heiligen Grab beobachtet. Erst danach übernahm er mit päpstlicher Zustimmung den Ritus der Dominikaner, weil den einfachen Brüdern der Sinn des alten Offiziums nicht mehr einleuchte72. Jerusalem hätte also schon sehr früh ein spiritueller Mittelpunkt sein können und wäre daher in den Titel auf- genommen worden. Aber die Erklärung befriedigt noch nicht ganz. Das Offizium der Kanoniker vom Heiligen Grab hat der Orden wohl erst über- nommen, als der Hochmeister Hermann von Salza 1229 mit Kaiser Friedrich II. Je- rusalem betreten und das alte Spital der Deutschen dort übertragen erhalten hatte73. Aber selbst wenn der Orden das Offizium schon vorher beobachtet haben sollte, hatte er nun nach der Spitalsübertragung eine echte, auch im Orient vertretbare Je- rusalemlegitimation erworben. Der Deutsche Orden hatte wie die übrigen beiden Ritterorden eine Niederlassung in der heiligsten Stadt. Darum scheint es gegangen zu sein und nicht um eine Inkorporation eines stets gefährdeten Spitals und dessen vermeintlichen Besitzes im Reich. Wenn das so war, ist das Problem der Aufnahme der Adresse Jerusalem in den Ordenstitel anders zu beurteilen. Es ging nicht um eine Inkorporation, die sich nur postulieren, aber bislang nicht erhärten läßt, son- dern um das Streben nach Gleichstellung mit den beiden älteren Ritterorden. Diese Politik scheint früh eingesetzt zu haben, und zwar, falls man tatsächlich die Littera Clemens III. von 1191 schon so deuten darf, bereits kurze Zeit nach der Gründung des Spitals vor Akkon, spätestens aber nach der Konsolidierung der Spi- talgemeinschaft oder des Spitalordens in Akkon 1196. Dieser Politik dienten auch die von König Andreas von Ungarn ausgestellten Urkunden. Sie sind eher ein Zeugnis für den ideellen Anspruch des jüngsten Ritterordens, nicht aber für ein Schielen nach einem fragwürdigen Rechtstitel. Wenn der Hinweis auf Jerusalem als Zeichen der Gleichwertigkeit mit den älteren Ritterorden aufgefaßt werden konnte, 70 Haverkamp, „Heilige Städte", S. 126f.; Mähl, S. 14ff.; Konrad, Jerusalem, S. 523ff.; Ohly, Sinn, S. 14 f. 71 Zu Wandlungen des Jerusalembildes im Laufe der Kreuzzüge: Goez, S.35ff. Strehlke, Tabulae, Nr.471, 536; Pettenegg, Nr. 814; Turnier, S. 443. Dazu: Elm, Spiritualität, S.502f. ** Strehlke, Tabulae, Nr. 69; Kluger, S. 126ff.
dann war die Aufnahme der Heiligen Stadt in den Ordenstitel eine Referenz, die der Orden dem König bot, damit jener ihn mit der Aufgabe im Burzenland betraue. Beide älteren Ritterorden, Templer und Johanniter, hatten Häuser in Jerusalem besessen und dort ihre Hauptniederlassungen gehabt. Beide führten Jerusalem im Titel auch nach dem Verlust der Heiligen Stadt an Saladin: Domus militiae TempH Hierosolymitani bzw. Hospitale sancti lohannis Iherosolimitani. Mit der Übertra- gung des Spitals der Deutschen an den Deutschen Orden 1229 war nun auch im Orient die Gleichstellung mit den beiden älteren Ritterorden nicht nur ideell, son- dern auch tatsächlich erreicht74. Die Jerusalemsymbolik und die damit verbundenen Vorstellungen und Ausdeu- tungen führen noch weiter und über das bisher Festgestellte hinaus. Der Deutsche Orden hatte von Friedrich II. die curia regis in Jerusalem neben dem Davidsturm erhalten. Damit geriet der Orden in eine Verbindung zum davidischen Königtum. Er konnte nun seine Legitimation direkt von König David herleiten. Den Versuch einer solchen Legitimation haben Ordenschronisten immer wieder variiert und ver- tieft75 76. Während der Besitz in Jerusalem zunächst nur als Beweis für die Gleichran- gigkeit des Deutschen mit den älteren Ritterorden diente, entwickelte die Erinne- rung an ihn sehr schnell ein Eigenleben. Er galt schließlich als Beleg dafür, daß der Orden sich in der Nachfolge alttestamentlicher Vorbilder wähnen konnte. Der Orden hatte in seinem Titel ein weiteres Identifikationsmerkmal von erheb- licher Bedeutung. Er galt nämlich als ein Orden der Deutschen. Schon die Grün- dung vor Akkon war als Spital speziell für deutsche Kreuzzugsteilnehmer gedacht und erhielt daher von den Belagerern die Bezeichnung hospitale Alamannorum7*3. Später wurde der Orden immer wieder kurz als Ordo Theutonicorum oder derglei- chen genannt. Das wesentliche Merkmal, das ihn von anderen unterschied, war sei- ne weitgehende Beschränkung auf deutschsprachige Brüder. Das war im Orient neu. Im allgemeinen wurden die im Heiligen Land bleibenden Kreuzfahrer in eine christliche Gemeinschaft integriert, die ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl entwickelt hatte, zwar weitgehend französischsprachig, aber keineswegs auf gebürtige Franzo- sen beschränkt, sondern im Grunde im abendländischen Sinn international war. Das galt analog auch für die beiden Ritterorden der Templer und Johanniter. Beide waren prinzipiell nicht auf ein Land oder eine „Nation“ festgelegt, wenn auch das deutschsprachige Element in beiden nur schwach vertreten war. J. Richard hat schon vor Jahren darauf verwiesen, daß die Gründung eines Ordens, der den Zu- 74 So auch Kluger, S. 131. 75 Kluger, S. 136 ff. Dazu: Prolog zur Regel: Per Ibach, Statuten, S. 23 ff.; Peter von Dusburg, Chronica 1,1; Die Jüngere Hochmeisterchronik in: SRP V, S. 45, 60; auch die Chronik der vier Or- den von Jerusalem in: SRP VI, S. 106ff. Vgl. ferner: Arnold, Deutschordens-Historiographie, S. 74 ff. 76 So nennt die erste Urkunde, die das Spital erwähnt und von König Guido von Jerusalem ausgestellt worden ist, die Neugründung am 7. Oktober 1190; Strehlke, Tabulae, Nr. 25.
im wesentlichen auf eine „Nation“ beschränkte, ein Zeichen für das Ende der Integrationsfähigkeit des Königreichs Jerusalem und damit für dessen einsetzende Auflösung gewesen sei77. In den Statuten des Deutschen Ordens findet sich nirgends ein Hinweis auf die Beschränkung auf die deutsche Nation. In der Tat hat der Orden auch Nichtdeut- sche aufgenommen78, worauf schon hingewiesen worden und noch zurückzukom- men ist. Sicher ist aber, daß in ihm in der überwiegenden Mehrheit deutschsprachige Brüder gelebt haben. Das war im Heiligen Land wie auch im lateinischen Abendland bekannt und wurde so akzeptiert. Der Deutsche Orden war im Kern ein Ritteror- den der deutschsprachige Adlige aufnahm. Die Beschränkung auf Deutschsprachige trat in der Anfangszeit des 13. Jahrhunderts noch nicht in den Vordergrund, sondern bekam erst am Ende des 14. und besonders im 15. Jahrhundert in der Vorstellungs- welt Gewicht. Tatsache bleibt aber, daß der Orden als einziger der drei großen Rit- terorden weitgehend national begrenzt war, obwohl er seine Aktivitäten nicht auf den deutschen Sprachraum beschränkte, sondern darüber hinausgriff, im Heiligen Land, in Preußen und Livland und auch in Mittelmeerländern wie Griechenland, Italien, Sizilien und Spanien tätig war und Besitz erwarb79. Der Deutsche Orden ist im Selbstverständnis seiner Mitglieder in erster Linie ein Ritterorden und in zweiter auch ein Spitalorden gewesen, jedoch nie ein Missions- orden. Dazu hatten seine Angehörigen, insbesondere die Ritterbrüder, gar nicht die Kompetenz. Die Aufgabe der Mission hat er nie für sich beansprucht. Ihm oblag der Kampf gegen die Muslime, denen die heiligen Stätten, vor allem Jerusalem, ent- rissen werden sollten. Dem Ziel dienten die Kreuzzüge. Im Bann dieser Kreuzzugs- ideologie ist der Orden entstanden. Wie andere Kreuzzugsteilnehmer auch widmete er sich zunächst der Sicherung und Eroberung der heiligen Stätten. Darin sah er lange Zeit seine vorzügliche Legitimation. Erst in zweiter Linie bekämpfte er im Baltikum die Heiden mit dem Ziel, die Mission im Heidenland zu ermöglichen und militärisch abzusichern80. Die Mission selbst überließ er in Preußen den Dominika- nern und Franziskanern81. 77 Richard, Royaume, S. 229; so auch Favreau, Studien, S. 71. 78 Vgl. beispielsweise Forstreuter, Mittelmeer, S.214. 79 Dazu: Christiansen, S. 82, 214. 0 Vgl.. auch Borchardt, Military Orders, S.253. 1 Vgl. Alt an er, S. 160 ff. (für Preußen), S. 186 ff. (für Livland). Ferner: Niedermeier, Franziska- ner> S. Iff.; Roth, Dominikaner; Joachim, Kulturzustand, S. 14ff.; Jähnig, Entstehen, S. 38f.; D y g o, Studia, S. 259ff.; B i s k u p, Verhältnis, S. 64 ff.
8. VERWALTUNG UND VERWALTUNGSAUFBAU 8.1 Der Verwaltungsaufbau in den beiden älteren Ritterorden Als der Deutsche Orden gestiftet wurde, brauchten seine Mitglieder keinen neuen Verwaltungsschematismus zu entwickeln. Einmal ganz abgesehen davon, daß damit bei mittelalterlichen Organisationen ohnehin nicht zu rechnen wäre, konnte der Orden auf die anerkannten Vorbilder der beiden älteren Ritterorden zurückgreifen. Da er die Regel der Templer weitgehend übernommen hatte, entlehnte er von ihm zum größten Teil die Grundsätze des Verwaltungsaufbaus, ohne sich sklavisch an das Vorbild zu halten. Wie schon die Regel hat er auch die Verwaltung seinen eige- nen Bedürfnissen entsprechend umgewandelt und den gegebenen Bedingungen an- gepaßt. Um 1200 hatten die beiden älteren Ritterorden Besitzkomplexe zu Kommenden mit einem Komtur an der Spitze zusammengefaßt. Die unterste Verwaltungseinheit bildete die Komturei1 2. Mehrere Komtureien oder Kommenden unterstanden einem Prior, Kastellan oder (Land-)Komtur. Die entsprechenden Verwaltungsbezirke hie- ßen Priorate, Kastellaneien oder Kapitularkomtureien im Johanniterorden. Dem glich der Aufbau im Templerorden, der seinen Besitz ebenfalls in Kommenden als untersten Einheiten organisiert hatte, die einem Komtur, minister, magister oder baiulus unterstanden. Mehrere Kommenden waren einem commendator provincie unterstellt. Ihr Verwaltungsbezirk hieß Provinz oder Ballei, provincia, baillia oder terra1. Dabei blieb es weder im Templer- noch im Johanniterorden. Beide gestalte- ten ihre Verwaltungen weiter aus. So gliederte der Johanniterorden seit dem ausge- 1 Prutz, Entwicklung, S. 44; Militzer, Entstehung, S. 18ff.; Riley-Smith, Knights, S. 341 f.» 352 ff.; Schnürer, Templerregel, S. 30; Schüpferling, S. 192 ff.; B ulst-Thiele, Sacrae Do- mus, S.26f. und öfter; Demurger, S.90f. 2 Vgl. Curzon, Regel, Nr. 87, 111-113, 125, 581 und öfter. Ferner: Marquis d’Albon, Cartulaire, mit zahlreichen Belegen für Südfrankreich, Spanien und Portugal.
henden 12. Jahrhundert aus größeren Einheiten kleinere Verbände aus und übergab sje einem besonderen Funktionär zur Aufsicht. Diese kleineren Verbände blieben aber den Vorstehern der umfassenden Provinz unterstellt. Das Verfahren läßt sich für das Johanniterpriorat Frankreich, dem zeitweise ein prior ^lormannie und ande- re unterstellt waren3, für das Priorat Anglie, dem ein preceptor Cantie unterstand4, und für das Priorat Alemannie nachweisen5. Sodann gab es bereits im 12. Jahrhun- dert Ansätze zur Zusammenfassung mehrerer Priorate zu Großkomtureien, wie seit 1171 im Amt des preceptor citra mare bezeugt ist6. Um 1200 existierten schon die Großkomtureien von Italien und Spanien. Im 13. Jahrhundert kam die Großkomtu- rei Deutschland hinzu7. Wie der Johanniterorden zerteilten auch die Templer größere Einheiten. So zer- fiel das Verwaltungsgebiet des Meisters von Frankreich in die Balleien Paris mit der Ile de France seit 1152, Burgund seit 1174, Laon, die Diözesen Laon und Reims um- fassend, seit 1180, die Piccardie seit 1190 und die Normandie seit 12098. Die größere Provinz Provence umfaßte die ihr unterstellten Gebiete St. Gilles, Arles, Jalez, Montpellier, Carcassonne, Rodez, Toulon und die Gascogne9. Auch scheint die Pro- vinz England bereits um 1200 in Balleien aufgeteilt gewesen zu sein10 11. Ferner hatte der Templerorden seit 1166 ein stets vergebenes Amt eines magister citra marex\ Das Amt kannte der Johanniterorden zwar auch, wurde aber von ihm nur zeitweise bei Bedarf besetzt. Beide Ritterorden haben bis zur Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert ein ausge- prägtes Verwaltungssystem entwickelt. Bei beiden bildeten die um eine Kommende gruppierten Güter die Grundlage. An der Spitze dieser untersten Einheit stand der Komtur, in den Quellen commendator, preceptor, magister, provisor oder derglei- chen und in der französisch dominierten Umgangssprache comandeor oder ähnlich genannt. Ihnen übergeordnet waren die Leiter der Provinzen, zu denen mehrere Kommenden zusammengefaßt waren. Unter Provinz ist kein territorial abgeschlos- sener Bezirk, sondern eine Verwaltungseinheit zu verstehen, deren Güter in mehre- ren Territorien verstreut liegen konnten. Die Provinzvorsteher hießen auch magister, preceptor, prior, aber auch commendator. Andere Bezeichnungen kamen ausnahms- weise vor. Der Templerorden hatte kleinere Einheiten aus seinen größeren Bezirken 3 CHJ I, Nr. 1056f., 1172; Riley-Smith, Knights, S. 353 f. 4 CHJ I, Nr. 868 f.; Riley-Smith, Knights, S. 357 f. 5 CHJ I, Nr. 825, 865; II, Nr. 1184, 1204, 1224; Riley-Smith, Knights, S. 358 f. 6 CHJ I, Nr.426, 477, 1022, 1026, 1056f.; II, Nr. 1460, 1464. Dazu: Delaville-Le Roulx, Hospi- talliers, S.358ff.; Riley-Smith, Knights, S. 366. 7 Riley-Smith, Knights, S. 368f.; Luttrell, Hospitäler Province, passim. 8 Leonard, S. 115f., 119f., 132, 138, 150. 9 Leonard, S.28-31, 36f., 47-61, 76-82. 10 Parker, S. 18ff., 125. 11 Leonard, S. 15ff.
ausgegliedert. Das hatte auch der Johanniterorden getan, aber doch in einem gerin- geren Ausmaß. Die Johanniter faßten vielmehr ihre Provinzen lieber zu Großkom- tureien zusammen. Bei Templern und Johannitern stand an der Ordensspitze je- weils ein Meister, der über einen Stab von Mitarbeitern im jeweiligen Haupthaus verfügte. Beide Orden hatten also einen dreigliedrigen Verwaltungsaufbau geschaf- fen : Meister - Provinzialoberer - Komtur. Sie hatten den Aufbau allmählich, wenn auch nicht überall zu einem viergliedrigen System ausgeweitet: Meister - Landmei- ster - Provinzialoberer (Landkomtur) - Komtur. Die Aufgabenverteilung im Haupthaus, die Stellvertretung des Meisters, die Auf- gaben der Heerführung, der Versorgung und anderes waren ebenfalls von den bei- den älteren Ritterorden vorgebildet worden. Der Deutsche Orden konnte auf diese Vorbilder zurückgreifen und analoge Strukturen schaffen. Im Templerorden stand hinter dem Meister an zweiter Stelle der Seneschall. Er war der nächste Berater des Meisters und dessen rechte Hand. Er vertrat ihn im Falle der Abwesenheit12. Der Meister setzte ihn im Einvernehmen mit dem großen Kapitel ein13. Ein solcher Se- neschall namens Robbertus ist bereits 1132 bezeugt14. Ein weiterer wichtiger Amtsträger war der Marschall, zuständig für Ausrüstung, Heerwesen und im Fall der Abwesenheit des Meisters Oberbefehlshaber des Temp- lerkontingents im Kriegsfall15. Der Meister setzte ihn ebenfalls im Einvernehmen mit dem Kapitel ein. An der Marschallswahl durften allerdings die Provinzialoberen der europäischen Balleien nicht teilnehmen16. Die hohe Bedeutung des Amts im Orden spiegelt sich auch darin, daß der Marschall und nicht der Seneschall nach des Meisters Tod die Leitung des Ordens übernahm und die Wahl eines neuen Meisters einleitete17. Damit sind die wichtigsten Amtsträger des Haupthauses aufgezählt. Einen Spittler als Beauftragten für die Ordnung und Versorgung des Hauptspitals und der Spitalpflege überhaupt hat der Templerorden als einen Amtsträger von her- vorragender Bedeutung nicht gekannt. Der Trappier, zuständig für die Bekleidung der Ordensangehörigen, wurde zwar vom Meister im Einvernehmen mit dem Kapitel eingesetzt, unterstand jedoch in seiner Amtsführung dem Komtur des Königreichs Jerusalem18. Dieser Komtur war gleichzeitig auch der Treßler des Haupthauses, in dessen Händen alle Gelder zusammenflossen. Er verwaltete den Ordensschatz im Haupthaus. Er versah den Trappier mit Geldern für Neuanschaffungen, erhielt die gesamte Kriegsbeute außer den Waffen und verfügte über alle Schiffe des Ordens in 12 Curzon, Regel, Nr.51 ff. 13 Curzon, Regel, Nr. 87. 14 Marquis d’Albon, Cartulaire, Nr. 52. 15 Curzon, Regel, Nr. 101-108. 16 Curzon, Regel, Nr. 87, 108. 17 Curzon, Regel, Nr. 198-203. 18 Curzon, Regel, Nr.87, 112, 130f.
Akkon19. Der Komtur des Königreichs von Jerusalem wurde vom Meister im Ein- vernehmen mit dem Kapitel ernannt, ebenso die Komture von Akkon und Jerusa- lem, die es neben dem Komtur des Königreichs noch gegeben hat. Der Komtur von Jerusalem war bis zum Verlust der Heiligen Stadt 1187 der Verwalter des Haupthau- ses in Jerusalem. Seine besondere Aufgabe hatte darin bestanden, Pilger zum Jordan zu begleiten und zu beschützen20. Wichtige Leitungsfunktionen waren also nach dem Meister, der in allen Dingen eine oberste Aufsicht ausübte und für alles die Verantwortung trug, in die Hände be- stimmter Amtsträger gelegt, dem Seneschall und vor allem dem Marschall, der wegen der Bedeutung des Kampfes gegen die Sarazenen den Seneschall an Rang überflügelt hatte, offiziell aber gleichwohl an zweiter Stelle hinter dem Meister rangierte, wie sich in den Bestimmungen zum Wahlkapitel der Templerregel zeigt21. Die Ämter eines Seneschalls und eines Marschalls gehen wohl in die Anfangszeit des Ordens zurück, als die Gemeinschaft noch im wesentlichen in einem Haus in Jerusalem zusammen wohnte. Die Regelung des Kleidungswesens und der Finanzen erfolgte wahrscheinlich später, als es schon einen Komtur des Königreichs von Jerusalem gegeben hatte, dem man die Aufgaben übertragen konnte. Zu den Ämtern im Haupthaus gehörten weitere Unterabteilungen mit eigenen Vorgesetzten, die aber für die Geschichte des Deutschen Ordens von geringerem Belang sind und daher übergangen werden können. Nachdem der Johanniterorden im 12. Jahrhundert mit verschiedenen Ämtern und Zuständigkeiten in der Verwaltung des Haupthauses experimentiert hatte, entwik- kelte er allmählich unterhalb des Meisteramts eine Gruppe von Ämtern, die zusam- men die Spitze des Ordens bildeten. Zu ihnen gehörte der Großkomtur, der Mar- schall, der Spittler, der Trappier und der Treßler22. Sie alle wurden vom Meister im Einvernehmen mit dem Kapitel ernannt. In der Rangfolge verwalteten der Groß- komtur und der Marschall die wichtigsten Ämter, 1206 gefolgt vom Treßler, dessen Bedeutung aber sank, und dann vom Spittler und Trappier. Ihre Aufgabenbereiche entsprachen denen im Templerorden. Der Großkomtur war der eigentliche Stellver- treter des Meisters, besonders bei dessen Abwesenheit vom Haupthaus. In der Zeit zwischen dem Tod des alten und der Wahl des neuen Meisters galt er als Oberhaupt des Ordens. Er verwaltete mit Hilfe seiner Untergebenen die Ordensgüter im Ori- ent, versorgte das Haupthaus mit allem Notwendigen und führte gelegentlich auch ein militärisches Kommando. Sein Amt ist seit 1150 belegt. Ihm untergeben war der Kleinkomtur, der den Großkomtur vor allem bei der Versorgung des Haupthauses unterstützte. Allerdings ist sein Amt erst 1235 bezeugt23. 19 20 21 22 23 Curzon, Regel, Nr. 111-119. Curzon, Regel, Nr. 120-124. Curzon, Regel, Nr. 87. Riley-Smith, Knights, S.279ff. Riley-Smith, Knights, S.304ff.
Mit der zunehmenden Militarisierung des Ordens bekam der Marschall, bezeugt seit ca. 1160, eine immer größere Bedeutung. Einige Forscher vermuten, daß die Entwicklung des Amts durch die konkurrierenden Templer beeinflußt worden sei24. Schließlich unterstanden dem Marschall im 12. Jahrhundert alle Ritterbrüder, außer den wichtigsten Amtsträgern, und alle Sarjantbrüder. Er führte nach dem Meister den militärischen Oberbefehl und war trotz des Großkomturs Leiter des Haupt- konvents. Ihm unterstanden die Verwalter der militärischen Ausrüstungsstätten, der Marstall, die Flotte und teilweise auch die Kastellane, weil sie Burgen, eben militä- risch wichtige Befestigungsanlagen, zu verteidigen hatten25. Der Spittler nahm im Johanniterorden ursprünglich einen sehr hohen Rang ein, da der Orden aus einer Spitalgemeinschaft hervorgegangen ist und erst nachträglich in Analogie zu den Templern militärische Aufgaben übernommen hatte. Sein Amt ist seit 1155 nachweisbar26. Ihm unterstanden das Armen- und Spitalwesen des Or- dens. Vor allem hatte er bis 1187 für das Hauptspital in Jerusalem und 1191-1291 für das in Akkon, 1297-1309 für das in Limassol auf Zypern und seitdem für das auf Rhodos zu sorgen. Er war auch der Vorgesetzte für den Infirmarius, der die Firma- rie verwaltete, die Krankenstube, die den Brüdern vorbehalten war27. Der Trappier ist spät bezeugt, nämlich erst 1206. Sein Amt war weniger bedeu- tend. Er rangierte hinter dem Spittler und war zuständig für die Bekleidung der Or- densangehörigen, aber nur für diejenigen im Haupthaus und im Königreich Jerusa- lem28. Das Treßleramt ist sehr alt und schon 1135 erwähnt. Es wurde anfangs wohl zwei Ordensbrüdern anvertraut, aber seit der Mitte des 12. Jahrhunderts von einem Bru- der verwaltet, der die Gelder einnahm, Ausgaben tätigte, auch zur Versorgung des Haupthauses mit Wein und Kerzen beitrug, sowie die Pietanzen verteilte. Er verfügte über einen Stab von Schreibern, führte Register und war schließlich zu einer monat- lichen Abrechnung verpflichtet. Sein Ansehen sank im Laufe des 12. und 13. Jahr- hunderts29. Eine Eigentümlichkeit des Johanniterordens war das Amt eines Priors im Haupt- konvent. Er wurde zwar nicht vom Generalkapitel gewählt, genoß aber die Privile- gien und das Ansehen solcher vom Kapitel gewählten Amtsträger. Das Amt ist seit der Mitte des 12. Jahrhunderts bezeugt. Der Prior war ein Priesterbruder und der Vorgesetzte aller Priesterbrüder im Haupthaus. Er hatte eine fast bischöfliche Dis- ziplinargewalt über alle Priesterbrüder des Ordens. Kein Amtsträger durfte einen Priesterbruder aufnehmen, ohne ihn vorher dem Prior präsentiert zu haben. Er üb- 24 So Riley-Smith, Knights, S. 314. 25 Riley-Smith, Knights, S.313ff. 26 CHJ I, Nr. 237. 27 Riley-Smith, Knights, S.335ff. 28 Riley-Smith, Knights, S.312f. 29 Riley-Smith, Knights, S.310ff.
te zudem eine oberste Gerichtsbarkeit über alle Priesterbrüder aus. Im übrigen war er für die Ordenskirche am Hauptsitz verantwortlich. Ihm vertrauten erkrankte Amtsträger ihre Schlüssel mit der Maßgabe an, sie nach ihrem Tod den Vorgesetzten auszuhändigen. An allen Generalkapiteln war er beteiligt un^ mußte zu allen hin- zugezogen werden30. Der Johanniter- hatte wie der Templerorden zum Teil sogar in Anlehnung an je- nen eine Verwaltungsspitze geschaffen, die den Meister entlasten konnte. Es gab eine Aufgabenverteilung unter den Amtsträgern und eine Hierarchie. Die wichtig- sten Funktionäre des Haupthauses hatten Untergebene, denen sie einen Teil ihrer Aufgaben delegieren konnten. Beide Ritterorden hatten bis zum Ende des 12. Jahrhunderts also bereits eine mehrgliedrige Provinzialverwaltung geschaffen und die Aufgaben im Haupthaus an Amtsträger verteilt. Die Verwaltung der Güter in den Provinzen wie die im Haupt- haus deckten sich bei den beiden älteren Ritterorden nicht ganz. Jedoch gab es bei allen Unterschieden im Detail große Übereinstimmungen. Es fragt sich, ob und wie der neue Deutsche Orden sich der Vorbilder der beiden älteren Ritterorden bedient und sie zum Aufbau der eigenen Verwaltung genutzt hat. 8.2 Der Verwaltungsaufbau im Deutschen Orden 8.2.1 Die Verwaltung des Haupthauses Als der Deutsche Orden 1198 zum Ritterorden erhoben worden war, wurde ihm nach der „Narratio de primordiis ordinis Theutonici“ vorgeschrieben, daß er sich hinsichtlich des Spitalwesens wie schon vor 1198 an die Johanniterregel zu halten habe, sonst aber die Templerregel zu beachten sei31. Die Vorschrift hat Papst Inno- zenz III. am 19. Februar 1199 bestätigt32. Da sich in den Statuten deutliche Anklän- ge, sogar wörtliche Übereinstimmungen mit der Templerregel finden lassen, hat sich der Deutsche Orden an die Vorgabe gehalten. Er wird auch die Johanniterregel für das Spitalwesen zu Rate gezogen haben, selbst wenn sich keine so eindeutigen Übernahmen aus einer der überlieferten Fassungen der Johanniterregel haben fest- stellen lassen. Die Forschung hat an der Richtigkeit der Darstellung der „Narratio“ in dieser Hinsicht keine Bedenken erhoben33. Eine andere Frage ist jedoch, wie der neue Orden die in der Templerregel bzw. in geringerem Maße in der Johanniterregel 30 Riley-Smith, Knights, S. 338ff. 31 Perlbach, Statuten, S. 160. 32 Strehlke, Tabulae, Nr.297; Hageneder-Haidacher, Register I, Nr. 564 (570). 3 Favreau, Studien, S.65f.
festgeschriebenen Verwaltungsstrukturen der beiden älteren Orden übernommen und für seine Bedürfnisse umgewandelt hat. Welche Ämter mit welchen Kompeten- zen hat er übernommen und seit wann hat er sie besetzt? War es überhaupt mög- lich, schon 1198/99 eine den älteren Ritterorden vergleichbare Ämterhierarchie auch nur im Haupthaus aufzubauen ? Bestand dazu die Notwendigkeit, und war es über- haupt sinnvoll? Der Redaktor der Regel des Deutschen Ordens berichtet in dem Prolog, der um 1250 entstanden ist, von den geringen Anfängen der Korporation34. Das Gleiche hebt die schon genannte „Narratio“ hervor35. Die Nachricht ist auch durchaus glaubhaft. Man kann hinzufügen, daß sich die Lage bis 1198 nicht wesentlich geän- dert hatte. Ein bemerkenswerter Aufschwung setzte erst nach 1200 ein. Die „Narra- tio“ berichtet anläßlich der Erhebung zum Ritterorden nur von einem Meister, nämlich Heinrich Walpot, und daß damals noch ein Mann namens Hermann von Kirchheim eingetreten sei36. Sehr viel mehr Ritter- und Priesterbrüder wird der Or- den 1198 nicht gehabt haben. Es bestand daher noch gar nicht die Möglichkeit, eine Ämterhierarchie vergleichbar den beiden älteren Ritterorden aufzubauen. Selbst für eine analoge Verwaltung des Haupthauses in Akkon fehlten Personen. Wenn in der Überlieferung daher nur Meister, magistri, nachzuweisen sind, spiegelt der Befund die Wirklichkeit wider. Der Deutsche Orden brauchte in seiner Frühzeit um 1200 keine weiteren Funktionäre außer dem Meister, der in den Quellen meist magister, aber auch preceptor und gelegentlich wohl auch prior ohne weitere Zusätze genannt wurde37. Bis kurz vor dem Regierungsantritt Hermanns von Salza 1209 finden sich keine anderen Amtsträger im Haupthaus als der Meister, der die Verwaltungsaufga- ben offenbar noch allein ohne institutionalisierte Hilfe bewältigen konnte. Nachdem sich eine Verwaltungshierarchie gebildet hatte, reichte der Titel magi- ster nicht mehr aus. Im Unterschied zu anderen wurde das Ordensoberhaupt magi- ster generalis genannt. Der Titel setzte sich im Laufe des 13. und endgültig im 14. Jahrhundert in lateinisch verfaßten Urkunden und Akten durch, während im Deutschen Hochmeister, homeister, oder ähnlich üblich wurde38 39. Der erste Großkomtur ist 1207-1208 bezeugt. Er trug den Titel preceptor53\ Später hieß er auch commendator und erhielt zur Unterscheidung von anderen Amtsträgern 34 Perlbach, Statuten, S.22. 35 Perlbach, Statuten, S. 159. 36 Perlbach, Statuten, S. 160. Zum Namen des ersten Meisters: Müller, Jerusalem, S. 17; Arnold, Entstehung, S. 94. 37 Militzer, Entstehung, S.28, 33; Streh 1 ke, Tabulae, Nr.25-28, 30, 32, 42 f., 48, 63 und öfter. Der Titel prior könnte auch für einen anderen Amtsträger benutzt worden sein; Arnold, Entstehung, S.87. 38 Vgl. Turnier, S.413. 39 Strehlke, Tabulae, Nr. 42f.
den Zusatz magnus^. Magnus preceptor, magnus commendator, grant commandeor oder der gröze commendür waren fortan die gewöhnlichen Amtsbezeichnungen40 41. Schließlich setzte sich magnus commendator bzw. Großkomtur in verschiedenen Schreibweisen durch. Gelegentlich ist er besonders in der Frühzeit einfach als Stell- vertreter des Hochmeisters genannt worden, meist in Verbindung mit seinem Titel Großkomtur42. Wenig jünger als das Amt des Großkomturs ist das des Marschalls. Erstmals ist ein Heinrich als marescalcus 1208 bezeugt43. Es ist jedoch durchaus möglich, daß es noch ältere Amtsträger gegeben hat, die nur nicht überliefert sind. Sicher ist das Amt erst nach der Umwandlung in einen Ritterorden 1198 geschaffen worden, so daß die Entstehung des Marschallamts in die Jahre 1198-1208 fallen muß. Im gleichen Jahr wie der Marschall ist der Spittler bezeugt. 1208 wurde nämlich ein Bruder namens Heinrich als custos infirmorum bezeichnet44, 1228 ein Heinrich, vielleicht derselbe Bruder, als hospitalarius45. Das blieb fortan der offizielle lateini- sche Titel. Im Deutschen hieß er Spittler, spiteler oder ähnlich. Mit den drei Gebietigern, dem Großkomtur, dem Marschall und dem Spittler, waren die wichtigsten Tätigkeitsbereiche im Orden abgedeckt, nämlich die Stellver- tretung des Meisters durch den Großkomtur, der militärische Bereich durch den Marschall und der Spitalbetrieb durch den Spittler. Es ist zwar nicht eindeutig über- liefert, aber doch anzunehmen, daß die drei Großgebietiger, wie sie später genannt werden sollten, schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts von der Versammlung der Brüder gewählt und nicht nur allein vom Meister ernannt wurden46. Es ist möglich und wohl auch wahrscheinlich, daß vor dem Regierungsantritt Hermanns von Salza 1209 keine weiteren Ämter im Haupthaus vergeben worden sind. Eine darüber hin- ausgehende Ämterdifferenzierung war wohl unnötig, weil der Orden seine spätere Größe noch längst nicht erreicht hatte, sondern zu Beginn des 13. Jahrhunderts im- mer noch in kleinen Anfängen steckte. Der Deutsche Orden hatte also bis zur Wahl Hermanns von Salza zum Hoch- meister 1209 drei wichtige Ämter geschaffen. Wenn man den Großkomtur mit dem Seneschall der Templer gleichsetzen will, entsprach der Aufbau im Haupthaus dem der Templer, die die Stellvertretung des Meisters durch den Seneschall und den Mar- schall kannten, jedoch nicht den Spittler. Hinsichtlich des Spittlers könnte man an eine Übernahme vom Johanniterorden denken. Stutzig machen muß aber, daß der 40 Strehlke, Tabulae, Nr.63, 74, 77f., 80, 83f., 87, 91, 100, 112, 119-123, 125; RRH, Nr. 1090. 41 Milthaler, S. 8, 135. 42 Strehlke, Tabulae, Nr.77f., 80, 84, 87, 91, 100, 119-123, 125; RRH, Nr. 1090, 1206. 43 Strehlke, Tabulae, Nr. 43. 44 Strehlke, Tabulae, Nr. 43. 45 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 63. 46 So bestimmten es die in der Mitte des 13.Jahrhunderts redigierten Statuten des Ordens; Perlbach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8.
Deutsche Orden den Titel Seneschall nicht übernommen hat, sondern wie im Jo- hanniterorden vom Großkomtur, preceptor, preceptor magnus oder ähnlich sprach. Sollte trotz der überragenden Bedeutung der Templerregel für die Abfassung der Statuten der Ämteraufbau eher den Johannitern entlehnt sein? Der Eindruck, daß der Johanniterorden für den Aufbau der Verwaltung im Haupthaus des Deutschen Ordens wichtiger als der Templerorden gewesen sei, verstärkt sich, wenn wir die beiden übrigen Großgebietigerämter ins Auge fassen. Der Trappier ist erstmals 1228 bezeugt: Counradus trapparius*7. Sein Titel lautete im Lateinischen trapp ar ins, traperarius, draperius oder dergleichen47 48 und im Deut- schen trapir, drapier oder ähnlich49. Er war für die Kleiderverwaltung zuständig. Möglicherweise hat schon vorher ein Bruder eine vergleichbare Aufgabe erfüllt, oh- ne daß er deshalb ein Amt gehabt hatte. Als wichtiges Amt, dessen Träger vom Ge- neralkapitel gewählt wurde, war es jedenfalls jünger als die drei oben genannten, nämlich Großkomtur, Marschall und Spittler. Erst sehr spät ist die Existenz des letzten der fünf Großgebietigerämter zu bele- gen. 1240, also ein Jahr nach dem Tod Hermanns von Salza, ist ein Evrardus thesau- rarius nachzuweisen50. Man wird aber davon ausgehen können, daß das Amt minde- stens in den letzten Lebensjahren des Hochmeisters Hermann von Salza geschaffen worden ist. Als in einer Urkunde von 1228 alle wichtigen Amtsträger des Ordens, insbesondere die Großgebietiger genannt worden waren, fehlte der Treßler51. Mil- thaler hat daraus geschlossen, daß es das Amt damals noch nicht gegeben habe oder, falls doch, von untergeordneter Bedeutung gewesen sei52. Auch wenn man mit dem „argumentum e silentio“ vorsichtig umgehen soll, spricht in diesem Fall viel für die Meinung des genannten Autors. Man kann daher folgern, daß das Amt zwi- schen 1228 und 1240 oder eher 1239 als Großgebietigeramt geschaffen worden ist. Nach den um 1250 redigierten Statuten wurde der Treßler wie seine Kollegen vom Generalkapitel gewählt53. Der Templerorden kannte zwar auch einen Trappier, aber keinen Treßler. Jedoch war der Trappier dem Seneschall und dem Marschall nicht gleichgestellt, sondern unterstand dem Komtur des Königreichs Jerusalem, der auch die Finanzverwaltung des Haupthauses und der Zentrale in seinen Händen hatte. Dagegen glich die Zen- tralverwaltung des Deutschen Ordens stärker der der Johanniter, die ebenfalls die fünf vom Generalkapitel zu wählenden Amtsträger unter denselben Bezeichnungen hatten: Großkomtur, Marschall, Spittler, Trappier und Treßler. Das Vorbild der Jo- 47 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 63. 48 Milthaler, S.40. 49 Perlbach, Statuten, S.97f. 50 Strehlke, Tabulae, Nr. 89. 51 Strehlke, Tabulae, Nr. 63. 52 Milthaler, S.41. 53 Perlbach, Statuten, S.97: Gewohnheit 8.
hanniter scheint also stärker als das der Templer für den Aufbau der Zentralverwal- tung des Deutschen Ordens gewesen zu sein. Das wird sich bei einem Vergleich der Kompetenzen der Ämter bestätigen. Die Großgebietiger sind zwar als Vertreter des Meisters au| der Verwaltung des Haupthauses erwachsen, waren aber schon im frühen 13. Jahrhundert keine bloßen Hausbeamten mehr, sondern Vertreter der Ordenszentrale und zuständig für die Spitalpflege und den Kampf gegen die Ungläubigen in Palästina, wie auch die Kom- petenzen der von den jeweiligen Generalkapiteln der beiden älteren Ritterorden ge- wählten vergleichbaren Amtsträger nicht auf ein Ordenshaus beschränkt waren. Sie alle verwalteten Ressorts der Ordenszentrale mit überregionaler Zuständigkeit, oh- ne daß man sie als Ressortminister im modernen Sinne bezeichnen könnte. Aus den „Gewohnheiten“ der um 1250 redigierten Statuten des Deutschen Or- dens ist genauer zu ermitteln, was die Großgebietiger im einzelnen zu tun hatten, welche Untergebenen ihnen zuzuarbeiten hatten, wer sie wählte und einsetzte. Der Großkomtur war die rechte Hand des Meisters und erster Anwärter auf dessen Statthalterschaft. Während einer kurzen Abwesenheit vertrat er den Meister, anson- sten war er nicht automatisch Stellvertreter des Meisters, sondern mußte dazu mit Zustimmung des Kapitels jeweils ernannt werden54. Die Wahl konnte auch auf einen anderen Ritterbruder fallen, jedoch wird der Großkomtur in der Regel ernannt worden sein55. Der Großkomtur hatte die Verwaltung des Haupthauses unter sich. Dazu gehörten das Finanzwesen an der Zentrale, also die spätere Konventskasse, ferner die Getreide- und überhaupt die Versorgung des Haupthauses mit Nah- rungsmitteln. Ihm unterstanden in Friedenszeiten alle Ritter- und Priesterbrüder im Haus, dazu alle Handwerker und Sklaven. Er war zuständig für das Transportwesen zu Wasser und zu Lande, da er über Wagen und Schiffe verfügen konnte. Er hatte auch die Aufsicht über die handwerklichen Betriebe am Haupthaus. In den Statuten ist besonders das Schnitzhaus hervorgehoben, in dem Wurfmaschinen hergestellt wurden56. Er hatte die in der Firmarie für kranke Brüder und im Spital für ordens- fremde Kranke, Bedürftige und Pilger benötigten Arzneien, Mediziner und Nah- rungsmittel zu besorgen57. Er verwahrte jeweils einen von drei Schlüsseln zum Schatz und zum großen Ordenssiegel58. Ohne ihn konnten also keine Gelder aus dem Tresor genommen, damit auch keine größeren Zahlungen der Zentrale getätigt und keine Verträge geschlossen werden, die mit dem großen Siegel bekräftigt wer- den mußten. In Friedenszeiten vertrat er den Marschall, war dann also verantwort- lich vor allem für den Marstall und die zugehörigen Werkstätten59. Während eines 4 Perlbach, Statuten, S. 106-108: Gewohnheiten 30, 32. $ Perlbach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 22; Milthaler, S. 15. $ Perlbach, Statuten, S. 106: Gewohnheit 28. Perlbach, Statuten, S.69: Gesetz 11; S. 107: Gewohnheit 312. 59 Perlkach, Statuten, S.97: Gewohnheit 9; S. 103: Gewohnheit 18. Perlbach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 21; S. 106f.: Gewohnheit 30.
Feldzugs war er dem Marschall unterstellt, behielt aber die Aufsicht über das Trans- portwesen und die Versorgung des Ordensaufgebots mit Lebensrnitteln60. Dieses Amt mit den beschriebenen Kompetenzen ist nur bedingt mit dem eines Seneschalls der Templer zu vergleichen. Einerseits war der Seneschall stets der Ver- treter des Großmeisters61, auch ohne daß er vom Kapitel dazu ernannt wurde, wie es in bestimmten Fällen im Deutschen Orden zu geschehen hatte. Andererseits hat- te der Großkomtur im Deutschen Orden Aufgaben übertragen erhalten, die im Templerorden der Komtur des Königreichs von Jerusalem zu erledigen hatte: die Finanzverwaltung, das Verpflegungs-, Transport- und Verkehrswesen und die Sorge für die Firmarie62. Im Johanniterorden war der Großkomtur bereits im 12. Jahrhundert Stellvertreter des Großmeisters während dessen Abwesenheit, ohne daß es eines besonderen Be- schlusses bedurft hätte. Er hatte Aufgaben in der Finanzverwaltung, war aber eher der oberste Güterverwalter in Palästina und glich in seinen Kompetenzen daher dem Komtur des Königreichs von Jerusalem im Templerorden. Er versorgte das Haupthaus mit allem Notwendigen und beaufsichtigte die Werkstätten. Ob er alle diese Aufgaben schon um 1200 ausgeübt hat, mag zweifelhaft sein. Denn das Amt eines Großkomturs ist erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts ständig besetzt worden. Vorher, anscheinend sogar bis 1206, wurde es nicht als ein Amt betrachtet, das stets besetzt werden mußte63. Man könnte daher zweifeln, ob der Großkomtur der Jo- hanniter Vorbild für den vergleichbaren Großgebietiger im Deutschen Orden gewe- sen ist64. So viel Analogien sich zum Großkomtur im Johanniterorden auch finden lassen, so ist er doch nicht unmittelbares Vorbild für den Deutschen Orden geworden. Noch weniger kommt das Seneschallamt des Templerordens dafür in Betracht. Der Deutsche Orden hatte sein Großkomtursamt mit Befugnissen ausgestattet, die im Templerorden auf den Seneschall und den Komtur des Königreichs Jerusalem ver- teilt waren. Vor allem war in den beiden älteren Ritterorden die Stellvertretung des Meisters anders gestaltet. Im Deutschen Orden hatte das Kapitel ein größeres Mit- spracherecht. Dem Großkomtur des Deutschen Ordens unterstand der Vicepreceptor oder kleine Komtur, der der Hauskomtur des Haupthauses gewesen ist und insbesondere die Aufsicht über die Werkstätten, die Handwerker und Knechte hatte65. Unter der Bezeichnung „kleiner Komtur“ ist das Amt nur in den Statuten bezeugt. Später 60 Perl b ach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 22. 61 Curzon, Nr.99 f. 62 Curzon, Nr. 83, 89, 111, 113, 115f., 119, 196 f. 63 Riley-Smith, Knights, S.304ff. 64 Milthaler, S.9, 112, bezweifelt es. 65 Perlbach, Statuten, S. 108f.: Gewohnheit 35f. 1230 erstmals bezeugt: Bruno minor preceptor, Strehlke, Tabulae, Nr. 74.
übernahm dessen Aufgabe der Komtur bzw. Hauskomtur des zentralen Hauses. Er wurde deshalb meist Hauskomtur genannt, weil die allgemeine Aufsichtspflicht eines Komturs im Haupthaus in den Händen des Großkomturs gelegen hat. Ein weiterer Untergebener des Großkomturs war der preceptor e^ensarum, commen- dur von der spise oder Speisekomtur. Er hatte auf Anweisungen seines Vorgesetzten die Brüder des Haupthauses mit Speise und Trank zu versorgen und den Hochmei- ster, den Großkomtur oder den Marschall samt den eventuell vorhandenen Gästen während der Mahlzeiten mit besonderen Speisen zu bedienen66. Eine Analogie zum Vicepreceptor enthält die Templerregel nicht. Dagegen hatte der Johanniterorden seit 1235 einen parvus preceptor mit vergleichbaren Aufgaben wie jener im Deutschen Orden67. Aber es ist zweifelhaft, ob der eine vom anderen solches übernommen oder ob nicht beide unabhängig voneinander das Amt und den Titel gebildet haben. Einen Speisekomtur findet man im Templerorden. Er hieß dort comandeor de la viande und war für die Versorgung der Konventsmitglieder und der Amtsträger verantwortlich68. Bei den Johannitern fehlt ein vergleichbares Amt, wenn auch die Funktion von einem Ritterbruder oder einem anderen Ordens- angehörigen ausgeübt worden sein könnte. Dem Obersten Marschall im Deutschen Orden unterstanden alle Ritter- und Sar- jantbrüder des Haupthauses. Er hatte für deren Bewaffnung zu sorgen. Dazu ver- fügte er über den Marstall, „Karwan“ genannt, über Zeughäuser, eine Sattlerei und eine Schmiede69. Das Schnitzhaus zur Anfertigung von Wurfmaschinen, Armbrü- sten und Bogen gehörte dagegen, wie schon erwähnt, zum Geschäftsbereich des Großkomturs70. Diese Verteilung der Werkstätten ist nicht recht einsichtig. Sie könnte ein Hinweis darauf sein, daß der Großkomtur ursprünglich alle Werkstätten beaufsichtigt hatte und erst einen Teil seiner Kompetenzen abgeben mußte, als das Amt eines Marschalls besetzt wurde. In Friedenszeiten war die umrissene Zuständigkeit des Marschalls im wesentlichen auf die Zentrale beschränkt. Er war der Marschall des Haupthauses. Im Falle der Ab- wesenheit des Meisters und des Großkomturs übte er als Statthalter die Befehlsgewalt aus71. Sonst konnte er nichts ohne die Zustimmung des Meisters tun, hatte allerdings in dringenden Fällen und bei Gefahr in Verzug die Möglichkeit, Waffen aus dem Schnitzhaus auch ohne vorherige Zustimmung des Großkomturs zu holen und ver- teilen zu lassen, Pferde oder Maultiere zu kaufen, Sättel oder andere Ausrüstungsge- genstände von geringem Wert zu verschenken oder Pferde auszuleihen72. Perlbach, Statuten, S. 114f.: Gewohnheit 55f.; S. 116: Gewohnheit 59. 7 Nr. 1063; Riley-Smith, Knights, S.308. Curzon, Nr. 150-152. 70 perlkach, Statuten, S. 103: Gewohnheit 19. 71 perlkach, Statuten, S. 106: Gewohnheit 28. 72 pCrlkach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 22; S. 106f.: Gewohnheit 30. erlbach, Statuten, S. 104ff.: Gewohnheiten 21, 23f., 27, 29.
Im Kriegsfall hatte der Meister die oberste Befehlsgewalt. Hatte er darauf ver- zichtet oder war er nicht anwesend, ordnete der Marschall das Aufgebot und befahl den Angriff. Andernfalls führte er die Anordnungen des Meisters aus und setzte sie durch. Er sorgte für die Disziplin der Truppe im Lager und während des Marsches. Im Notfall konnte er ohne Erlaubnis des Meisters Befehle erteilen. Bei Abwesenheit des Meisters war der Marschall Oberbefehlshaber, auch wenn der Großkomtur an dem Feldzug teilnahm73. Schon Milthaler hat hervorgehoben, daß die den Marschall betreffenden Be- stimmungen fast wörtlich aus der Templerregel übernommen worden sind74. In der Tat kann man als Vorbild für den militärischen Teil der Regelungen in den Statuten die Templerregel annehmen. Für diesen Bereich hat der Johanniterorden keinen Einfluß ausgeübt. Er hatte sein Marschallamt einige Zeit vor dem Deutschen Orden selbst nach der Templerregel gestaltet75 76. Zur Erfüllung seiner Aufgaben hatte der Marschall mehrere Untergebene, die sich auch beim Templerorden mit zum Teil gleichen oder wenigstens analogen Rechten wiederfinden lassen. An erster Stelle stand der vicemarschalcus oder mei- ster der schiltknechte™. Er verwaltete im Auftrag des Marschalls den Marstall und war vor allem für die Versorgung der Pferde verantwortlich. Außerdem konnte er Knappen annehmen, die für Sold oder umsonst dienen wollten, und sie Ritterbrü- dern zuordnen. Er hatte mit diesen Knappen einmal in der Woche, meistens frei- tags, Beratungen abzuhalten. Er war der wichtigste Vertreter des Marschalls. Nach dem Verlust Palästinas ist das Amt wohl eingegangen. In Preußen ist es nicht mehr bezeugt77. Außer dem Adjutanten, als den man den vicemarschalcus bezeichnen könnte, hat- te der Marschall Untergebene, die das Sattelhaus, die Schmiede, die Harnischkam- mer und die Ställe beaufsichtigten78. Dazu kam ein Turkopole, der die Fahne trug. Er wurde vom Marschall eingesetzt und war der Vorgesetzte aller Turkopolen. Im Kriegsfall begleitete ein weiterer Turkopole den Marschall79. Turkopolen waren ein- heimische Hilfstruppen aus Palästina, die in eigenen Verbänden teilweise zusammen mit den Sarjantbrüdern kämpften, also nicht zur schweren Reiterei wie die Kontin- gente der Ritterbrüder zählten80. Für diese Unterämter im Bereich des Marschallamts und für die Hilfstruppen wa- ren der Templerorden und seine Regel vorbildlich. Aus ihr schöpften die Gewohn- 73 Perlbach, Statuten, S. 103ff.: Gewohnheiten 19, 22, 24; S. 111 ff.: Gewohnheiten 46-52, 60f., 63. 74 Curzon, Nr. 101-109; Milthaler, S.20. 75 Riley-Smith, Knights, S.314. 76 Perlbach, Statuten, S. 109: Gewohnheit 39. 77 So schon Milthaler, S.20. 78 Perlbach, Statuten, S. 103: Gewohnheit 19; S. 110: Gewohnheit 40f. 79 Perlbach, Statuten, S. 103: Gewohnheit 19; S. 111: Gewohnheit 44. 80 Vgl. Riley-Smith, Knights, S.325.
heiten des Deutschen Ordens. Der Orden hat die meisten Bestimmungen nicht nur fast wörtlich übernommen, sondern das Marschallamt nach dem Vorbild der Temp- ler tatsächlich gestaltet und erst später Veränderungen durchgesetzt, wie sich am Amt des vicemarschalcus gezeigt hat. Am konsequentesten von allen Großgebietigern hat der Spittler die Verbindung seines Amts mit dem Haupthaus bewahrt. Während alle anderen Großgebietiger allmählich ihre Beschränkungen auf die Zentrale abzubauen begannen und ihre Kompetenzen auszudehnen suchten, blieb der Spittler der Verwalter des Spitals am Haupthaus. Bei der Entscheidung über die Errichtung neuer Spitäler oder der Übernahme von bereits bestehenden Spitälern wirkte er nicht mit. Das blieb dem Meister und den Landkomturen überlassen81. Der Spittler hatte auch keine Befug- nisse in den Firmarien der Ordensbrüder. Diese Aufgabe lag im Kompetenzbereich des Großkomturs82. Der Spittler beaufsichtigte das Spital, in das Nichtordensange- hörige aufgenommen wurden, nämlich Arme, Pilger und auch Kranke. Dieses Spi- tal lag beim Haupthaus in Akkon. In Montfort, das zeitweise Hauptsitz des Ordens gewesen ist, hat der Orden kein Spital unterhalten, weil die Burg zu abseits lag und zu ihr weder Pilger noch Hilfsbedürftige in nennenswerter Zahl gekommen sein dürften. In Montfort lebten im wesentlichen nur Ordensangehörige. Das war in Akkon, der eigentlichen Hauptstadt des Königreichs Jerusalem im 13. Jahrhundert, anders. Dort lebten Hilfsbedürftige und Kranke in großer Zahl. In der Stadt trafen stets aufs neue Pilger ein. In ihr hatte auch der Johanniterorden sein Hauptspital bis zum Verlust Akkons 1291 errichtet83. Wenn ein Kranker im Spital des Deutschen Ordens aufgenommen werden wollte, hatte er zuerst seine Sünden zu beichten und das Sakrament zu empfangen. Dann erhielt er ein Bett angewiesen. Der Kranke war nämlich nicht in ein weltliches Pfle- geheim oder Krankenhaus, sondern in ein Gotteshaus eingetreten, das dem Dienst an Kranken, Bedürftigen und Pilgern gewidmet war84. Dieser mittelalterlichen Tra- dition blieb das Spitalwesen des Deutschen Ordens verpflichtet. Daher wurde im Krankensaal der Gottesdienst gefeiert. Die sonntägliche Messe, eine Prozession zwischen den Betten und das Besprengen der Bettlägerigen mit Weihwasser wurden in der Regel besonders betont. Sie galten als ebenso wichtig wie die Versorgung der Spitalinsassen mit Speise und Trank. Der Spittler hatte also die geistliche Versor- gung der Kranken und Bedürftigen in erster Linie sicherzustellen und dann auch genügend Nahrungsmittel heranzuschaffen. Die Spitalinsassen sollten im übrigen VOr den Brüdern, die sie pflegten, essen. Erst kamen die Armen und Kranken, dann gl Merlbach, Statuten, S.31: Regel 4. Perlbach, Statuten, S.69: Gesetz 11. 83 ^ley-Smith, Knights, S.332. gl- Schipperges, Garten, S.215ff.; Probst, Medizinalwesen, S. 15ff.
die Brüder. Denn der Dienst an ersteren galt als Gott wohlgefälliges Werk, als Dienst an Christus selbst85. Dem Spittler unterstand das Hilfspersonal im Spital, das er selbst aussuchen konnte. Er gebot auch über die Brüder und Ordensschwestern, die im Spital einge- setzt waren86. Namentlich war ihm wenigstens in der zweiten Hälfte des 13. Jahr- hunderts ein Kellner untergeben, dem in der Hauptsache die materielle Versorgung des Spitals oblag87. Der Spittler hatte ferner für Ärzte zu sorgen, die die Kranken untersuchen sollten. Fraglich ist allerdings, ob der Deutsche Orden tatsächlich Ärz- te beschäftigt hat. Im Heiligen Land sind bisher keine Mediziner im Dienst des Or- dens nachgewiesen88. Im Abendland war es bis weit in das 13. Jahrhundert hinein und in vielen Spitälern des Deutschen Reichs noch viel länger unüblich, Ärzte zu konsultieren. Anders waren die Bräuche im Orient. Byzantinische und arabische Krankenhäuser kannten angestellte Ärzte. Diese Tradition haben die Johanniter übernommen und in ihren als vorbildlich geschilderten Spitälern mehrere Ärzte, sogar Spezialisten, beschäftigt89. Ob jedoch der Deutsche Orden dieses Vorbild der Johanniter nachgeahmt hat, ist ungewiß. Im Reich und in Preußen hat er eher die alten Traditionen aufgegriffen und auf Ärzte verzichtet. Es dauerte noch eine gerau- me Zeit, ehe ausgebildete Mediziner in Spitälern des Deutschen Ordens praktizier- ten. Wenn die Kompetenzen des Spittlers im Gegensatz zu denen der anderen Groß- gebietiger nur auf das Spital beim Haupthaus beschränkt blieben und er, solange der Orden in Palästina engagiert blieb, kein „Generalinspekteur“ des Spitalwesens im Orden gewesen ist90, so hatte er gegenüber anderen Gebietigern dennoch eine Sonderstellung. Er brauchte nämlich keine Rechenschaft über seine Ausgaben abzu- legen. Er führte eine eigene Kasse und konnte bei außergewöhnlichen Anforderun- gen vom Großkomtur Zuschüsse verlangen, die jener ihm ohne Prüfung der Be- rechtigung zu geben hatte. Der Großkomtur hatte also in keiner Weise über die Ausgaben zu entscheiden, auch nicht auf dem Umweg über Sondermittel. Der Spittler hatte lediglich den Hochmeister von Zeit zu Zeit über die wirtschaftliche Lage des Spitals zu informieren91. Daraus entstand die im gesamten Orden vielfach beobachtete Praxis, daß manche Spitäler, jedoch keineswegs alle, über eigene Kassen mit gesonderten Einnahmen verfügten und über die Ausgaben nicht regelmäßig Re- chenschaft ablegen mußten. Die Spitäler entwickelten sich zu von den Konventen 85 Vgl. Probst, Medizinalwesen, S.20ff. 86 Perlbach, Statuten, S.32-34: Regel 6; S.52: Regel 31; Milthaler, S.25. 87 Perlbach, Statuten, S. 137: Kapitelbeschluß §13; Probst, Medizinalwesen, S.34. 88 Probst, Medizinalwesen, S. 36. 89 Probst, Medizinalwesen, S. 35 f.; Wickersheimer, Organisation, S. 696ff. 90 So Probst, Medizinalwesen, S.34f., der sich gegen Darstellungen von Schumacher, Geschichte, S. 62, und andere wehrt und Milthaler, S. 24f., ausdrücklich zustimmt. 91 Perlbach, Statuten, S. 107: Gewohnheit 31.
abgetrennten Wirtschaftseinheiten92. Nahm der Spittler an einem Feldzug teil, ver- lor er seine Sonderstellung und war wie andere Ritterbrüder dem Marschall unter- stellt93. In der deutschen Forschung nimmt man im Anschluß an tylilthaler meist an, daß der Deutsche Orden zwar die Vorschriften zur Krankenversorgung und zum Spitalwesen vom Johanniterorden übernommen, das Amt eines Spittlers jedoch selbständig geschaffen habe94 95. Die Templer konnten in der Tat kein Vorbild sein, weil sie ein vergleichbares Amt nicht kannten. Im Johanniterorden war die Sorge für Kranke und Arme anfangs eine der Hauptaufgaben des Meisters selbst. Das wird auch für die Spitalgemeinschaft der Deutschen gegolten haben, bevor sie 1198 zum Ritterorden erhoben worden war. Nun hat der Johanniterorden jedoch schon früher einen vergleichbaren Amtsträger gekannt, der aber einen anderen Titel getra- gen hat: custos hospitalis infirmorum, custos infirmorum, procurator infirmorum, oder custos egrorum*. Custos infirmorum war auch der Titel, der dem ersten nach- weisbaren Spittler des Deutschen Ordens beigelegt worden ist96. Das sollte zu den- ken geben. Da der Johanniterorden schon im 12. Jahrhundert einen Beamten für das Krankenwesen bzw. für die Aufsicht über das Hauptspital nach dem Meister ge- kannt hat und der Deutsche Orden den Titel dieses Amtsträgers übernommen zu haben scheint, ist damit zu rechnen, daß der Deutsche Orden sein Spittleramt dem im Johanniterorden nachgebildet hat. Der Deutsche Orden könnte vielleicht konse- quenter gewesen sein und mag den Spittler sofort zu einem der Großgebietiger des Haupthauses gemacht haben, während im Johanniterorden der Prozeß des Auf- stiegs des Spittlers zu einem der wichtigsten Amtsträger nach dem Marschall erst im Laufe des 13. Jahrhunderts abgeschlossen war. Es könnte aber auch sein, daß der Spittler im Deutschen Orden zunächst eine Stellung analog der im Johanniterorden eingenommen hat und er erst im Laufe der Jahre bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zum Großgebietiger aufgestiegen ist. Beide Möglichkeiten sind denkbar. Eine zu- friedenstellende Entscheidung ist wegen Quellenmangels nicht zu fällen. Sicher ist jedenfalls, daß das Spittleramt nach dem Vorbild der Johanniter ausgestaltet worden ist. Spätestens zur Mitte des 13. Jahrhunderts zählte der Spittler zu den Großgebie- tigern und nahm damit eine Stellung ein, die der Amtsträger im Johanniterorden noch nicht erreicht hatte. Zur Finanzierung der Spitäler konnte der Meister Almosensammler aussenden. Der Orden hatte seit 1221 das Recht erhalten, Almosen sammeln zu dürfen97. Je- doch verfestigte sich dieser Aufgabenbereich nicht zu einem selbständigen Amt, 92 Militzer, Wirtschaftstätigkeit, S. 6. 93 Perlbach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 22. 94 Milthaler, S.25; Probst, Medizinalwesen, S.34. 95 Riley-Smith, Knights, S.335. 96 S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 43. 97 Strehlke, Tabulae, Nr.312, 124f., 331, 335.
sondern blieb ein Auftrag, den der Meister oder ein Landkomtur einem Bruder von Zeit zu Zeit geben konnte98. Das Almosensammeln hat für den Deutschen Orden keine große Rolle gespielt und dürfte höchstens zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine begehrte Einnahmequelle gewesen sein. Einen Almosenpfleger hat es hingegen bei den Templern gegeben. Er hatte allerdings noch andere Aufgaben. Denn er war für die gesamte Armenpflege des Ordens zuständig, hatte kranke und büßende Mitbrü- der zu versorgen und anderes mehr99. Der Johanniterorden kannte ebenfalls einen Almosenier oder custos elemosine, der aber nicht mit dem petitor elemosynarum des Deutschen Ordens zu vergleichen ist100. Obgleich Almosen vom Deutschen Orden anfangs vor allem für das Spital am Haupthaus und die übrigen Spitäler in den Pro- vinzen gesammelt wurden, unterstand das Almosensammeln nicht der Aufsicht des Spittlers. Es blieb vielmehr eine Aufgabe des Meisters bzw. der Landkomture, Al- mosenbitter über Land zu schicken, wenn sie es für richtig hielten. Der Trappier war der Verwalter der Kleiderkammer des Haupthauses und stand im Rang an vierter Stelle hinter dem Spittler. Er hatte jeden Bruder mit Kleidung auszustatten, sofern jener im Haupthaus diente. Die übrigen Konvente hatten eige- ne Kleiderkammern unter der Leitung besonderer Trappiere oder von Brüdern, die dafür verantwortlich waren. Zur Grundausstattung eines Ritterbruders gehörten zwei Hemden, zwei längere Unterhemden (nidercleit), zwei Paar Beinlinge, ein Rock, eine kürzere Joppe, ein längerer Kapuzenmantel (cappa), ein oder zwei Män- tel ohne Kapuzen, womit die weißen Ordensmäntel mit dem Kreuz gemeint waren, ein Bettsack, eine Matratze (carpetel), ein Leinentuch, ein Kissen und eine Stepp- decke (colte). Die Kleidung samt der Unterwäsche zum Wechseln und dem Bett- zeug ließ der Trappier vor der Ausgabe mit einem für jeden Bruder gesonderten Zeichen versehen. Er wird auch die Schuhe ausgegeben haben, die in der „Regel“ zwar erwähnt, in den „Gewohnheiten“ aber übergangen worden sind. Er nahm die Unterwäsche zum Reinigen entgegen, sorgte für kleinere Reparaturen oder gab, falls eine Reparatur nicht mehr möglich oder sinnvoll erschien, neue Kleidung her- aus. Selbstverständlich hatte er darauf zu achten, daß die Kleidungsstücke dem je- weiligen Bruder auch paßten101. Man wird davon auszugehen haben, daß dem Trap- pier eine kleinere Schneiderwerkstatt unterstanden hat und daß er Wäscherinnen beschäftigte und beaufsichtigte, wenn dergleichen in den Statuten auch nicht aus- drücklich erwähnt ist. Da ein Trappier nach der Templerregel über solche Werkstät- ten verfügte102, legt die Analogie zum Templerorden solche Werkstätten unter der Aufsicht des Trappiers auch im Deutschen Orden nahe. 98 Perlbach, Statuten, S. 34: Regel 7. 99 Milthaler, S.25. 100 Riley-Smith, Knights, S.336f. 101 Perlbach, Statuten, S. 38 f.: Regel 11; S. 108: Gewohnheit 34. 102 Curzon, Nr. 130.
Der Trappier des Haupthauses mußte in einer Kleiderkammer noch weitere Aus- rüstungsgegenstände bereit halten. Er gab nämlich auch die Waffenröcke heraus, al- so Kleidungsstücke, die über dem Harnisch getragen wurden und wohl mit dem Deutschordenskreuz gekennzeichnet waren, ferner ein die Schulter bedeckendes, gefüttertes Kleidungsstück, das unter der Rüstung getragen' wurde, sogenannte spaldenire. Dazu versah er die Ritterbrüder mit Knielingen, die aus Stoff waren und auch unter der Rüstung zu tragen waren, wäpenhüte, wohl Bundhauben für den Marsch anstelle der Helme, die während des Kampfes aufzusetzen waren, wäpen- hentschen, wohl Lederhandschuhe anstelle der Eisenhandschuhe während des Kampfes oder unter den Eisenhandschuhen zum Schutz der Haut, Gürtel und an- dere Kleidung, die die Ritterbrüder anzulegen hatten, wenn sie den Konvent verlie- ßen, vor allem aber wenn sie in den Kampf zogen. Jeweils nach dem Winter wech- selten die Brüder beim Trappier ihre abgetragene gegen neue Kleidung ein. Über die alten Kleidungsstücke durfte der Trappier nur in begrenztem Maße verfügen. Die meisten Stücke hatte er dem Marschall oder dem Großkomtur zu geben, die sie den ohne Sold dienenden Knappen überließen103. Der Deutsche Orden hat sich in der Ausgestaltung des Trappieramts eng an die Templerregel angelehnt. Allerdings war der Trappier im Haupthaus der Templer dem Komtur des Königreichs Jerusalem unterstellt104, während er im Deutschen Orden als Großgebietiger dem Hochmeister direkt unterstanden hat. Während im Deutschen Orden der Großkomtur dem Trappier die Mittel für Neuanschaffungen zu geben hatte105, war bei den Templern konsequenterweise der Komtur des König- reichs von Jerusalem zuständig. Ob der Trappier der Templer tatsächlich die ihm zugeschriebene Aufgabe, auf die regelrechte Kleidung der Brüder zu achten, hat wahrnehmen können, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Da ihm eine Polizeifunk- tion nicht zustand, ist die Vorschrift, wenn sie so gemeint gewesen sein sollte, zu- mindest wirkungslos geblieben. Eine derartige Funktion hat der Deutsche Orden auch nicht übernommen. Im Johanniterorden ist das Amt des Trappiers zwar erst 1206 nachweisbar, könnte aber älter sein. Der Trappier zählte bei den Johannitern zu den vom Generalkapitel gewählten Amtsträgern. Jedoch konnte es keine große Bedeutung erlangen, so daß bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Be- denken über die Kompetenzen des Amtes laut wurden. Seit 1302 wurde den Brü- dern Geld gegeben, damit sie ihre Ausstattung selbst besorgten und auf eigene Kosten reinigen ließen106. Der Trappier hatte in diesem Orden Kompetenzen einge- küßt. Immerhin hatte er zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Stellung, die der eines Großgebietigers im Deutschen Orden entsprochen hat. Dagegen hatte der Trappier Perlbach, Statuten, S.39: Regel 11; S. 108: Gewohnheit 33. 104 Curzon, Nr. 130f. 1 $ Erlbach, Statuten, S.106: Gewohnheit 28; Milthaler, S.27. 6 King, Rule, S. 127; Riley-Smith, Knights, S.312f.
im Templerorden einen deutlich geringeren Rang inne. Das weist darauf hin, daß der Deutsche Orden sich zwar bei der Ausgestaltung der Amtskompetenzen eines Trappiers an die Templerregel gehalten, aber bei der Einordnung des Amts in die Ämterhierarchie des Haupthauses den Johanniterorden zum Vorbild genommen hat. Der letzte Großgebietiger und, im Rang auch an unterster Stelle stehend, war der Treßler. Er verwaltete den Tressel und die Kasse des Meisters107. Hervorgegangen ist das Amt aus der Verwaltung des Tressels, des Ordensschatzes. Denn in den „Ge- wohnheiten“ der Statuten steht über das Treßleramt, Gold und Silber solle der Treßler mit Wissen des Meisters und des. Großkomturs empfangen108. Über den Stand des Schatzes hatte der Treßler jeden Monat vor dem Meister oder dem Groß- komtur und sachverständigen Brüdern Rechenschaft abzulegen109. Almosen, Geld- oder andere wertvolle Geschenke hatte der Hochmeister dem Treßler weiterzurei- chen. Weder der Treßler noch ein anderer Bruder oder Amtsträger außer dem Hochmeister durfte Depositen entgegennehmen, die im Tressel aufbewahrt werden sollten110. An den Schatz konnten weder der Hochmeister noch der Treßler allein. Zur Schatztruhe gab es drei Schlüssel, von denen je einen der Hochmeister, der Großkomtur und der Treßler hatten111. Die Verfügungsgewalt des Hochmeisters über den Schatz war also an die Zustimmung von zwei Großgebietigern gebunden. Der Hochmeister durfte ohnehin allein nur über 100 Byzantiner verfügen, mußte bei einer Ausgabe bis zu 500 Byzantinern sich mit zehn Mitbrüdern beraten und bei einer noch höheren Summe die Genehmigung des Generalkapitels einholen112. Wie der Hochmeister durfte auch der Marschall in eigener Verantwortung Anweisun- gen auf den Schatz machen. Allerdings war seine „Kreditlinie“ auf drei Byzantiner begrenzt113. Ansonsten hatten der Marschall und der Großkomtur ihre Ausgaben, die sie selbständig machen durften, aus den ihnen zustehenden laufenden Einnah- men zu finanzieren114. Zum Schatz gehörten auch die wichtigsten Dokumente und das große Siegel, die ebenfalls in einer Kiste aufbewahrt wurden, zu der der Hoch- meister, der Großkomtur und der Treßler je einen Schlüssel hatten115. In den Statuten steht eine Bestimmung, die der Orden anscheinend ohne Vorbild beschlossen hatte und die zur Ausbildung einer hochmeisterlichen Kammer führte. In der 16. „Gewohnheit“ heißt es über die Bezahlung des Aufwandes für den Hoch- 107 So Milthaler, S.28. 108 Perlbach, Statuten, S. 109: Gewohnheit 37. 109 Perlbach, Statuten, S. 107: Gewohnheit 31. 110 Perlbach, Statuten, S. 101 f.: Gewohnheit 17. 111 Perlbach, Statuten, S. 99f.: Gewohnheit 9. 112 Perlbach, Statuten, S. 98: Gewohnheit 10. 113 Perlbach, Statuten, S. 104: Gewohnheit 21. 114 Perlbach, Statuten, S.65: Gesetz 4. 115 Perlbach, Statuten, S. 103: Gewohnheit 18.
rneister, daß die anfallenden Kosten nicht von den Balleien zu tragen, sondern vom Treßler zu begleichen seien. Die Balleien seien lediglich verpflichtet, Gelder vorzu- strecken, die der Treßler später zurückzuzahlen habe116. Das bedeutete aber zu- nächst nur, daß der Hochmeister auf seinen Reisen nicht den Balleien im Orient, am Mittelmeer, im Deutschen Reich oder sonstwo zur Last fallen, sondern aus dem Schatz bezahlt werden sollte. Wie die Bedürfnisse des Hochmeisters im Haupthaus zu finanzieren seien, war damit noch nicht geregelt. Es müßten Belege für eine von der Wirtschaftsführung des Haupthauses getrennte Kasse gefunden werden, wenn man schon um 1250 von einer Kasse des Hochmeisters sprechen wollte. Dafür las- sen sich jedoch aus den Statuten keine eindeutigen Belege beibringen. Da auch sonst keine Hinweise darauf zu finden sind, kann von einer hochmeisterlichen Kas- se noch keine Rede sein. Im Haupthaus wurden die Kosten für den Meister aus den allgemeinen Einkünften und aus dem Schatz gedeckt. Die Bestimmung zur Finan- zierung der hochmeisterlichen Reisen war eine Neuerung des Deutschen Ordens, führte aber noch nicht zur Bildung einer eigenen hochmeisterlichen Kasse, die vom Schatz zu trennen wäre. Der Schatz aber unterstand der Aufsicht des Hochmeisters und des Großkomturs, abgesehen von der des Treßlers. Er war also nicht der allei- nigen Verfügungsgewalt des Ordensoberhauptes überlassen117. Die Statuten bieten ein diffuses Bild von der frühen Finanzverwaltung im Haupt- konvent. Man wird der Wirklichkeit am ehesten nahekommen, wenn man unter- stellt, daß der Deutsche Orden in diesem Bereich eine Entwicklung durchmachte, die noch nicht zum Abschluß gekommen war, als die Statuten redigiert wurden, und davon ausgehen können, daß es anfangs nur einen Schatz gegeben hat, über den der Meister mit seinen wichtigsten Vertretern, dem Großkomtur und dem Mar- schall, verfügen konnte. Allerdings waren die Kompetenzen unterschiedlich verteilt. Denn der Marschall hatte eine geringere Zugriffsmöglichkeit auf den Schatz als der Meister. Mit dem Aufblühen des Ordens wuchs die Bedeutung des Schatzes, zu dessen Verwaltung ein eigener Amtsträger, der Treßler, abgestellt werden mußte. Das bedeutete aber noch nicht, daß der Schatz für die Finanzierung der laufenden Geschäfte nicht mehr herangezogen worden wäre und eigene Kassen für einzelne Amtsträger eingerichtet worden wären. Vielmehr wurden aus dem Tressel die Aus- gaben für den Hochmeister, für den Großkomtur und für den Marschall, also für das Ordensoberhaupt und die wichtigsten Amtsträger, sowie für das Haupthaus be- stritten, soweit keine anderen Einnahmen vorhanden waren, beispielsweise in Form VOn Kompensationsgeschäften. Es hat mithin um die Mitte des 13. Jahrhunderts n°ch keine hochmeisterliche Kasse, aber auch keine Konventskasse des Haupthau- ses gegeben. Jedoch waren Ansätze zu einer Trennung der Zuständigkeiten vorhan- en- Die Regelung der Versorgung des Hochmeisters auf seinen Reisen war ein Perlbach, Statuten, S. 101: Gewohnheit 16. Perlbach, Statuten, S. 106: Gewohnheit 28.
Ansatzpunkt für die Bildung einer hochmeisterlichen Kasse, die vom Schatz zu trennen war und eigene Einkünfte erhalten sollte. Die Naturaleinkünfte des Groß- komturs bildeten den Anfang zu einer Entwicklung hin zu einer eigenen Konvents- kasse, aus der die Ausgaben des Haupthauses bestritten werden konnten. Ob dieser Prozeß noch in Palästina zu einem Abschluß gekommen ist, ist schwer zu entschei- den. Darauf ist noch zurückzukommen. Die Bestimmungen der Deutschordensstatuten zur Finanzverwaltung gehen zum großen Teil auf die Templerregel zurück. In der Einordnung des Treßlers in die Ver- waltungshierarchie zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede. Ein selbständiges Treßleramt war den Templern unbekannt. Denn der Komtur des Königreichs von Jerusalem war gleichzeitig der Treßler des Haupthauses. Er verfügte allein über den Schatz, besaß als einziger den Schlüssel zur Schatztruhe und zahlte Gelder auf An- weisung des Meisters aus118. Im Johanniterorden dagegen wurde der Treßler vom Generalkapitel ernannt und hatte also einen den Großgebietigern des Deutschen Ordens vergleichbaren Rang. Anfangs gab es zwei Amtsträger für die Verwaltung des Schatzes. Jedoch sank noch im 12. Jahrhundert einer von ihnen zu einem Unter- gebenen des Treßlers ab. Zur Zeit der Erhebung des Deutschen Ordens zum Ritter- orden hatten die Johanniter nur noch einen Treßler, der den gesamten Geldverkehr des Haupthauses überwachte, übrigens auch Abschriften der Regel und der Be- schlüsse des Generalkapitels in seinen Gewölben aufhob. Zuständig war er für das Haupthaus und die Konvente im Königreich Jerusalem119. Stellung und Zuständig- keiten des Treßlers der Johanniter zeigen also mehr Übereinstimmung mit dem Treßler des Deutschen Ordens, als es bei dem Treßler der Templer der Fall gewesen ist. Wie beim Trappier- ist auch beim Treßleramt zu beobachten, daß der Deutsche Orden zwar zahlreiche Bestimmungen der Templerregel zur Finanzverwaltung übernommen hat, das Treßleramt aber in enger Anlehnung an den Johanniterorden ausgestaltet hat. Es ist schon M i 11 h a 1 e r aufgefallen, daß der Deutsche Orden von den Templern und ihrer Regel eher die Kompetenzbeschreibungen der Ämter, Zuständigkeiten und sachliche Abgrenzungen übernommen habe, sich dagegen in der Ämterorgani- sation von den Templern unterscheide. Daß die Übereinstimmungen der Statuten des Deutschen Ordens mit der Templerregel hinsichtlich des Marschallamts beson- ders eng waren, ist weniger auffällig. Denn der Deutsche Orden sollte sich in dem Bereich an den Templern ausrichten, weil sie damals dafür das wichtigste Vorbild al- ler Ritterorden, auch der Johanniter, waren. Es überrascht daher ebenso wenig, daß der Deutsche Orden das Marschallamt nach dem Vorbild der Templer ausgerichtet hat. Die Übereinstimmungen der Vorschriften der Deutschordensstatuten mit der Templerregel für die Ämter des Trappiers, aber auch noch des Großkomturs waren 118 Curzon, Nr. 89, 111. 119 Riley-Smith, Knights, S.310ff.
erheblich, weniger beim Treßler. In der Ausgestaltung der Ämter ergaben sich gra- vierende Unterschiede besonders hinsichtlich des Trappiers und des Treßlers120. Das Amt des Spittlers hatte deutliche Analogien zu dem im Johanniterorden. Das über- rascht nicht, da die Johanniter dem Deutschen Orden als Vorbild für das Spitalwe- sen vorgegeben waren. Trotz der Vorbehalte M i 11 h a 1 e rs ist beim Aufbau der Ämterhierarchie im Haupt- haus des Deutschen Ordens an das Vorbild der Johanniter zu erinnern. Bei ihnen finden sich Amtsträger im Rang von Großgebietigern, die sich in ihren Kompeten- zen und Titeln mit den Großgebietigern im Deutschen Orden gut vergleichen las- sen. Die Übereinstimmungen gehen manchmal bis in Einzelheiten, so daß es schwer fällt zu glauben, der Deutsche Orden habe die Ämterhierarchie ohne Kenntnis der Hierarchie des Johanniterordens entwickelt. Man könnte einwenden, daß einige Amtsträger des Johanniterordens spät faßbar, manche sogar erst im 13. Jahrhundert zu belegen sind. Dennoch könnte der Johanniterorden für den Deutschen Orden zum Vorbild geworden sein, da letzterer seinen Ämteraufbau nach 1200 begonnen hatte und alle Ämter nach denen der Johanniter nachzuweisen sind. Für die Orga- nisation der Verwaltung des Haupthauses, insbesondere für die Entwicklung der Großgebietigerämter, war also nach allem, was wir wissen, der Johanniterorden das entscheidende Vorbild. Wenn auch die Templerregel für die Kompetenzen, die Aufgabenbegrenzung und -Verteilung vorbildlich geworden und von den Johannitern die Ämterhierarchie ab- geschaut worden war, so bedeutete das nicht, daß der Deutsche Orden sofort das Vorbild beider Ritterorden übernommen hätte. Er hat vielmehr allmählich und mit Rücksicht auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten die Verwaltung des Haupthau- ses ausgebaut. Anfangs hat der Meister noch ohne weitere besondere Funktionsträ- ger die Zentrale geleitet. Spätestens 1208 waren ihm der Großkomtur, der Marschall und der Spittler zur Seite getreten. Noch später folgten der Trappier und der Treß- ler. Der Deutsche Orden hat auch nicht alles nachgeahmt und weder von den Templern alle Bestimmungen der Regel noch von den Johannitern die gesamte Äm- terhierarchie des Haupthauses übernommen. Der Deutsche Orden hat vielmehr von den beiden Ritterorden das ausgewählt, was ihm zuträglich erschien, und das Übernommene teilweise umgewandelt und seinen eigenen Vorstellungen angepaßt. Der Meister leitete den Orden, aber er tat es nicht allein und aus eigener Macht- vollkommenheit. Er war vielmehr an den Rat der Brüder gebunden. Dinge von ge- ringerer Bedeutung entschied er allein, wichtigere mit dem Rat angesehener Brüder, genannt der kleine Rat, bedeutende nach einer Beratung mit dem Kapitel. Der Mei- ster sollte nicht der Mehrheit, sondern dem sanior pars folgen. Falls dieser sanior ?ars der angesehenen Brüder zerstritten war, blieb die Entscheidung dem Meister 120 Milthaler, S.32.
vorbehalten121. Das Generalkapitel, an dem jährlich einmal auch Amtsträger und Brüder, die nicht dem Haupthaus angehörten, teilnehmen sollten, war die wichtig- ste Instanz im Deutschen Orden. Falls ein Meister gestorben war, hatte es das neue Ordensoberhaupt zu wählen. Es setzte die Großgebietiger und einige Landkomture ein, genehmigte Grundstücksveräußerungen und Ausgaben über mehr als 500 By- zantinern122. Jedoch blieben solche Beschlüsse die Ausnahme. Die meisten Ent- scheidungen traf der Hochmeister selbst oder mit dem Rat seiner Großgebietiger oder anderer angesehener Brüder123. Die Großgebietiger und die sanior pars, die Versammlung angesehener Brüder, bildeten den kleinen oder engeren Rat, wie er in den Statuten, besonders in den „Gewohnheiten“, häufiger vorkommt124. Was die Statuten forderten, war die eine Seite. Ob sich die Meister daran hielten stand auf einem anderen Blatt. Schon zu der Zeit, als der Deutsche Orden noch in Palästina engagiert war, erhob sich die Frage, wo das Haupthaus des Ordens stand und mithin die Gebietiger zu suchen waren. Anfangs lag es fraglos in Akkon. Am 8. Dezember 1216 hatte Papst Honorius III. bestätigt, daß der Orden sein caput et magistra in perpetuum in Akkon haben solle125. Das hat Honorius III. nochmals be- tont. Spätere Päpste haben es bis 1262 bestätigt126. Dort blieb auch bis 1291 das Hauptspital des Ordens. Jedoch hatten die Brüder schon unter Hermann von Salza 1226-1228 mit dem Ausbau einer Burg Montfort-Starkenberg nordöstlich von Ak- kon begonnen127. Sie war beim Tode Hermanns von Salza 1239 noch nicht vollendet. Allerdings war der Bau wohl so weit vorangetrieben worden, daß in ihn ein Kastel- lan mit einer Besatzung hineingelegt werden konnte. Nach einer Vermutung Forst- reuters soll der 1230 als Zeuge genannte castellanus Conradus Dessohen bereits der Kastellan Montforts gewesen sein128. Möglicherweise ist er identisch mit dem 1240 genannten Kastellan von Montfort namens Konrad129. Um diese Zeit hat er eine so wichtige Position im Orden errungen, daß er als einziger Kastellan vom Ge- neralkapitel gewählt wurde130. Er war damit den fünf Großgebietigern gleichge- stellt. Eine derartige Heraushebung war außergewöhnlich und ohne Vorbild. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß der Amtsinhaber einen Titel trug, der sonst im Orden nicht üblich war. Schon allein daraus ist abzuleiten, daß der Orden der 121 Perlbach, Statuten, S.49: Regel 27. 122 Perlbach, Statuten, S. 91: Gewohnheit 2a; S. 97: Gewohnheit 8; S. 98; Gewohnheit 10; S. 101 f.: Gewohnheit 17. 123 Vgl. Milthaler, S.30f. 124 Milthaler, S.31f. 125 Strehlke, Tabulae, Nr.303. 126 Strehlke, Tabulae, Nr.303, 306, 424, 607, 623. 127 Hubatsch, Montfort, S. 187; Mayer, Seigneurie, S. 210 f.; Kluger, S. 74ff.; Pringle, Ha , S. 52ff.; Ders. und andere, Qal’at Jiddin, S. 161. 128 Strehlke, Tabulae, Nr. 74; Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 46 f. 129 Strehlke, Tabulae, Nr. 89. 130 Perlbach, Statuten, S.97: Gewohnheit 8.
Burg Montfort eine besondere Rolle zugedacht hatte. In der Tat versuchten die Hochmeister, in und um Montfort ein autonomes Herrschaftsgebiet aufzubauen131. Aber war die Burg damit schon zum Haupthaus des Ordens aufgestiegen ? In Montfort fand einmal ein Generalkapitel statt, als 1244 Gerhard von Malberg abdankte und Heinrich von Hohenlohe zum neuen Hochmeister gewählt wurde132, ^eitere Hinweise für eine zentrale Rolle der Burg sind nicht so sicher, wie sie man- chen Forschern erscheinen. So ist es nicht erwiesen, daß der Tressel in der Burg auf- bewahrt wurde. Forstreuter möchte aus der Tatsache, daß in zwei Urkunden Akkon oder Montfort als Auszahlungsstelle des Ordens angegeben sind133, schlie- ßen, daß der Tressel in Montfort gelegen habe, weil andernfalls nur Akkon und nicht auch die entlegene Burg genannt worden wäre134. Milthaler hat dagegen schon vor Forstreuter gemeint, daß der Tressel in Akkon geblieben sei, da eine Urkunde von 1257 die Wendung in thesauro nostro Acconensi gebraucht habe135. Dieser Streit ist letztlich nicht zu entscheiden. Sicher ist nur, daß das Hauptspital in Akkon geblieben ist. Das ist insofern von Belang, als in den Statuten nur im Zu- sammenhang mit dem Spital vom Haupthaus (principalis domus, oberstes hüs) die Rede ist. An diesem Haus solle der Orden stets ein Spital unterhalten, da er die Krankenpflege vor seiner Erhebung zum Ritterorden betrieben habe136. Dort solle der Orden auch Arzte anstellen. Wieder ist die Rede von der principalis domus que caput est ordinis bzw. von dem obersten hüse, daz da houbet ist des ordens. Gemeint ist eindeutig das Spital in Akkon137. Der Redaktor der Statuten ist also davon über- zeugt gewesen, daß das Haupthaus des Ordens in Akkon lag, weil der Orden dort sein Spital unterhalten hat. Beim Tressel mag man zweifeln und wegen der interpretationsfähigen Quellen vermuten, daß er in der als sicher geltenden Burg untergebracht worden sein könn- te. Dann hätte der Treßler häufiger die Burg aufgesucht, vielleicht dort sogar seinen Hauptsitz gehabt. Die übrigen Großgebietiger außer dem Spittler, der auf jeden Fall in Akkon bleiben mußte, sind nach den erhaltenen Urkunden öfter in Akkon als in Montfort bezeugt. Da die Zahl der infrage kommenden Dokumente gering ist, ist der Hinweis allerdings auch nicht sehr beweiskräftig. 131 132 133 134 135 136 137 Mayer, Seigneurie, S.210ff. Forstreuter, Mittelmeer, S.46; Schreibens.656, 659. Strehlke, Tabulae, Nr. 99 f. Forstreuter, Mittelmeer, S.46. Strehlke, Tabulae, Nr. 112; Milthaler, S.42. Feribach, Statuten, S.31: Regel 4. Forstreuter, Mittelmeer, S. 190, möchte die Bestimmung auf Montfort beziehen, weil er die Wendung semper hospitale teneatur bzw. spitale habe zu allen eiten mit „ein Hospital einzurichten“ paraphrasiert. Die Regel 4 legt aber lediglich den Unterhalt eines schon bestehenden Spitals für alle Zeiten fest. Eine solche Institution hatte der Deutsche Orden je- doch nur in Akkon, nicht in Montfort. Ferlbach, Statuten, S.32: Regel 6.
Die Frage stellt sich, ob es einen solchen Gegensatz zwischen Akkon und Mont- fort als Hauptsitz des Ordens überhaupt gegeben hat und ob der Orden selbst ihn als solchen empfunden hat. Beide Orte lagen nicht weit von einander entfernt, so daß man durchaus von einem Haupthaus Akkon-Montfort sprechen könnte, wobei Montfort eine Dependance von Akkon geworden war138. Denn Akkon spielte ge- genüber dem abgelegenen Montfort weiterhin die bedeutendere Rolle. Schließlich war die Hafenstadt der Hauptort des Königreichs Jerusalem. Dort unterhielten der Templer- wie der Johanniterorden ihre Haupthäuser, obwohl sie in der Umgebung der Stadt wie der Deutsche Orden feste Burgen unterhielten139. Jedoch behielten die beiden älteren Ritterorden eindeutiger als der jüngere Deutsche Orden ihre Zentra- len in der Hafenstadt. Das Merkmal des Haupthauses war zunächst, daß es der bevorzugte Sitz der Hochmeister, vor allem aber der Großgebietiger, war. Der Idee nach sollte wohl auch das Generalkapitel dort abgehalten werden140. Aber das scheint kaum der Fall gewesen zu sein. Da der Hochmeister reiste und nur selten in Palästina anzutreffen war, fanden wichtige Generalkapitel außerhalb des Haupthauses und teilweise auch ohne Mitwirkung der Großgebietiger statt. Die Aufnahme der Schwertbrüder Liv- lands in den Deutschen Orden wurde 1236 und 1237 auf zwei Generalkapiteln in Marburg beraten141. Im Februar 1239 fand ein Kapitel in Würzburg statt142. Der Landgraf Konrad von Thüringen wurde im gleichen Jahr wohl in Marburg zum Hochmeister gewählt143. Er leitete vielleicht 1240 ein Generalkapitel in Mergent- heim144. Dort fand 1248 möglicherweise ein weiteres Generalkapitel statt145. 1256 trat Poppo von Osterna in Rom von seinem Amt als Hochmeister zurück. Auf demselben Kapitel wählten die Brüder Anno von Sangerhausen zum neuen Mei- ster146. 1272 tagte ein Generalkapitel in Sachsenhausen am Main147, 1274 und 1279/80 in Marburg148, im September 1280 wieder eines in Mergentheim149, 1287 und 1288 in 138 Vgl. .Forstreuter, Mittelmeer, S. 189. 139 Riley-Smith, Atlas, S. 107. 140 Forstreuter, Mittelmeer, S. 190. 141 Keyser, Untersuchungen, S.25; Benninghoven, Schwertbrüder, S.310ff.; Braasch-Schwers- mann, Marburg, S. 11. 142 Weiss, Franken, S.68, spricht irrtümlich vom Hochmeister Konrad von Thüringen, der erst später gewählt wurde. Vgl. Herzig, S.27f. 143 Schreiber, S.654f. 144 UB Ballei Thüringen, Nr. 75; vgl. Wojtecki, Studien, S. 156f.; Weiss, Franken, S. 77. 145 Wojtecki, Franken, S. 626; Weiss, Franken, S. 77. 146 Schreiber, S.665, 668. 147 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 303; Militzer, Entstehung, S. 143. 148 Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 13. 149 Weiss, Franken, S. 55.
Sachsenhausen150, 1289 in Mainz151 und 1292 wieder in Marburg152. Demgegenüber ; nur 1244 in Montfort Gerhard von Malberg abgesetzt und Heinrich von Hohen- lohe zum Hochmeister gewählt worden. Von Akkon als Versammlungsort eines Ge- neralkapitels wissen wir zumindest aus den Jahren 1282, 1284^85 und 1290153. Wie der Hochmeister reiste und nicht nur in Akkon Generalkapitel einberufen hatte, begleiteten ihn gelegentlich auch Großgebietiger wie beispielsweise der Spitt- ler Eckart, der 1289 zusammen mit dem Hochmeister Burchard von Schwanden auf dem Generalkapitel in Mainz anwesend war154. Der Großkomtur Eberhard von Sayn, der wohl 1249-1257 das Amt innehatte, wurde vom Hochmeister und dem Kapitel 1250 zusätzlich zum Deutschmeister ernannt und als Sonderbeauftragter nach Preußen und Livland geschickt, um dort die Ordensdisziplin herzustellen155. Die Großgebietiger lebten also nicht ständig in der Zentrale, sondern konnten wie die Hochmeister selbst in Geschäften des Ordens unterwegs sein, in den Balleien, in Preußen oder in Livland. Die Reisen der Hochmeister und deren Einbindung in die Politik der Kaiser und Päpste haben frühzeitig Kritik innerhalb des Ordens hervorgerufen. Schon Her- mann von Salza mußte sich am Ende seines Lebens auf einem Generalkapitel in Marburg 1237 Vorwürfe anhören, daß er sich womöglich in einen blutigen Krieg einlasse und helfe, die lombardischen Städte unter das Joch des Reichs zu werfen156. Dahinter stand wahrscheinlich die Furcht der Brüder und Amtsträger, daß sich ihr Meister zu sehr um fremde Angelegenheiten und zu wenig um den Orden und des- sen Aufgaben kümmere. In der Tat hat Hermann von Salza kaum das Haupthaus besucht, weil er meist auf Reisen in Italien oder im Deutschen Reich gewesen ist. Das Gleiche gilt von den meisten seiner Nachfolger. Solche diplomatischen Reisen und Dienste in fremder Sache versuchte der Orden zu begrenzen. In einem Beschluß wohl aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde dem Hochmeister verboten, Palästina zu verlassen, es sei denn, daß er das General- kapitel von der Notwendigkeit der Reise überzeuge und es ihm dann die Erlaubnis dazu erteile157. In den 60er Jahren hat ein Generalkapitel die Vorschrift verschärft. Nun sollte nicht mehr der Meister die Notwendigkeit der Reise darlegen, sondern die Brüder im Abendland hatten ihre in einem Kapitel versammelten Mitbrüder des Orients von der Notwendigkeit zu überzeugen. Das Kapitel im Orient entschied, 150 151 152 153 154 155 156 157 Militzer, Entstehung, S. 76. Perlbach, Statuten, S. 138 Keys er, Untersuchungen, S.31. Schreiber, S.671 f.; UB Ballei Thüringen, Nr. 395 f. erlbach, Statuten, S. 138. i 1 i t z e r, Entstehung, S. 48 f.; Wo j t e c k i, Studien, S. 44 f.; M i 11 h a 1 e r, S. 35. *s berichtet der Hochmeister selbst in einem Schreiben, das in den Annales Piacentini Gibellini überliefert ist: MGH SS XVIII, S.475f.; vgl. Kluger, S. 164, 176. er bach, Statuten, S. 99f.: Gewohnheit 12.
ob es die Reise des Meisters genehmigte oder nicht. Im positiven Fall hatte der Mei- ster den Zeitpunkt seiner Rückkehr anzugeben. Überzog er die Frist und folgte er nicht der Aufforderung des Kapitels zur Rückkehr, sollte er als abgesetzt gelten. Als eine Art Wahlkapitulation hatte jeder Meister nach seiner Wahl die Einhaltung der Bestimmung zu geloben158. Die Wahlkapitulation wurde nach dem Fall von Akkon nochmals verschärft. Gleichzeitig wurde auch den Großkomturen und Spittlern verboten, das Haupthaus zu verlassen159. Genützt haben die Beschlüsse wenig und die Reisen der Hochmeister kaum eingeschränkt. Akkon blieb bis zu seinem Fall 1291 das ideelle Zentrum des Ordens. Dort hielten sich meist auch die Großgebietiger auf. Die Hochmeister waren allerdings immer we- niger an das Haupthaus in Palästina zu binden. Sie beriefen oft Generalkapitel und an- dere wichtige Beratungen und Zusammenkünfte außerhalb der Akkoneser Ordensnie- derlassung ein, und zwar meist im Deutschen Reich in so wichtigen Kommenden wie Marburg, Sachsenhausen oder Mergentheim. Denn auch die Brüder in den Balleien im Deutschen Reich, in Preußen und in Livland brauchten wie die Mitbrüder im Orient Entscheidungen des Ordensoberhauptes. Schließlich entwickelten sich schon früh In- teressengegensätze zwischen denen, die Prioritäten im Baltikum, und denen, die eher die Zukunft des Ordens im Heiligen Land sahen. Beide Gruppierungen stellten dem- entsprechend unterschiedliche Anforderungen an das Verhalten der Hochmeister. 8.2.2 Das Hochmeisteramt und die Hochmeisterwahl Der Hochmeister war zwar bei wichtigen Entscheidungen an den Rat seiner Mit- brüder und bei besonders gravierenden Problemen an die Zustimmung seines Kapi- tels gebunden, aber er hatte doch in vielen alltäglichen Sachen, die die Brüder und den Orden betrafen, freie Entscheidungsmöglichkeiten. Er leitete den Orden und repräsentierte ihn nach außen. So war es jedenfalls gedacht und in den ursprüng- lichen Statuten festgehalten. Wenn ein Hochmeister in einer bestimmten politischen Situation seine überragende Stellung einbüßte, war das weder von vornherein ge- wollt, noch von den Stiftern oder den Redakteuren der Statuten beabsichtigt. Der Hochmeister sollte vielmehr das Ordensoberhaupt sein und kraft seiner Amtsauto- rität mit dem Rat der Brüder oder des Kapitels handeln. Er allein durfte von allen anderen außer von den drei Hauptgelübden Keuschheit, Gehorsam und Armut ent- binden160, Bußen aufheben161, Bestimmungen der Gesetze ändern162 und anderes 158 Perlbach, Statuten, S. 135: Gesetze über Meer III,1. 159 Perlbach, Statuten, S. 145. 160 Perlbach, Statuten, S. 55 f.: Regel 37. 161 Perlbach, Statuten, S.64f.: Gesetz 3. 162 Perlbach, Statuten, S. 76: Gesetz 31.
hr Er stand an der Spitze der Ämterhierarchie im Deutschen Orden. Ihm waren Großgebietiger, aber auch die Landkomture und Komture Gehorsam schuldig. Er gab während eines Feldzugs den Befehl zum Angriff und nicht der Marschall163. Er stellte Zahlungsanweisungen bis zu einer bestimmten Höh< ohne den Rat ande- rer Mitbrüder aus164. Jedoch war er kein unumschränkter Herrscher, sondern blieb immer wieder an den Rat der Brüder und die Zustimmung seines Kapitels gebun- den So durfte er Zahlungen über 100 Byzantiner nur mit der Zustimmung von zehn Mitbrüdern und über 500 Byzantinern nur unter Zuziehung des Kapitels lei- sten165. Er hatte nur einen von drei Schlüsseln zum Schatz und zum Kapitelssiegel166 und konnte daher allein weder Geld aus der Schatztruhe nehmen, noch das Siegel zur Ausfertigung von Verträgen benutzen. Seine Stellung glich der eines Abtes eines Mutterhauses im Zisterzienserorden. Wie sehr ein Hochmeister dem Orden seinen Stempel aufdrücken konnte, hing von seinem politischen Geschick ab. So prägend wie Hermann von Salza ist keiner seiner Nachfolger mehr geworden, obwohl es unter ihnen auch bedeutende Politi- ker gegeben hat, die an das große Vorbild heranreichten, wie beispielsweise Winrich von Kniprode. Ein Orden mußte darauf bedacht sein, daß eine solch wichtige Persönlichkeit an der Spitze der Korporation sorgfältig ausgesucht wurde. Dazu war das Wahlverfah- ren entsprechend zu gestalten. Auch in dieser Hinsicht konnte der Deutsche Orden auf erprobte Verfahren der beiden älteren Ritterorden zurückgreifen. Er brauchte also keine neuen zu entwickeln. Sobald der Hochmeister lebensgefährlich erkrankte und den Tod nahen fühlte, hatte er einem bewährten Bruder, dem er vertrauen konnte, sein Amtssiegel zu übergeben. Dieser Bruder, der auf solche Art und Weise Stellvertreter des Hochmei- sters geworden war, hatte das Siegel zu verwahren und erst dem neugewählten Mei- ster zu überreichen. Bis zur Neuwahl waren alle Brüder des Ordens diesem vom Hachmeister ausgesuchten Stellvertreter zu Gehorsam verpflichtet. Allerdings stand es den Brüdern frei, den vom verstorbenen Meister ernannten Vertreter durch einen anderen zu ersetzen, der ihnen besser geeignet erschien167. Das Auswahlverfahren eines Stellvertreters durch den sterbenden Hochmeister ähnelte zwar dem in den beiden älteren Ritterorden, setzte aber doch andere Akzente. Im Templerorden wurde im allgemeinen der Marschall Stellvertreter des gestorbenen Meisters. Hatte sich der Marschall an dessen Sterbebett nicht eingefun- en’ fiel die Aufgabe der Stellvertretung dem Komtur des Königreichs von Jerusalem 163 164 Perlbach, Statuten, S. 105: Gewohnheit 24. 16$ erlbach, Statuten, S. 98: Gewohnheit 10. 166 perlkach> Statuten, S. 98: Gewohnheit 10. I67 p^kach, Statuten, S.97f.: Gewohnheit 9; S. 103: Gewohnheit 18. erlbach, Statuten, S. 90: Gewohnheit 1-2.
zu. Starb der Meister in der Grafschaft Tripolis oder dem Fürstentum Antiochien wurden der Komtur des Landes Tripolis bzw. der Komtur des Fürstentums Antio- chien Stellvertreter, sofern der Marschall nicht mit dem Meister in diese Gebiete ge- zogen war und deshalb die Stellvertretung übernehmen konnte168. Das Verfahren war also im Templerorden gegenüber dem im Deutschen Orden stärker formalisiert und der Willkür des Meisters entzogen. Es stand fest, wer in der Amterhierarchie die Stellvertretung zu übernehmen hatte. Dem sterbenden Meister blieb keine Mög- lichkeit, einem ihm genehmen Ritterbruder das Siegel und damit die Statthalter- schaft zu übergeben. Abweichend vom Templerorden war das Verfahren im Johanniterorden geregelt. Nach dem Beschluß des Generalkapitels von 1206 hatte der sterbende Meister sein Siegel einem bewährten Bruder, dem er vertraute, zu überreichen. Das entsprach dem Verfahren im Deutschen Orden. Aber dieser Bruder wurde im Gegensatz zu den Bestimmungen im Deutschen Orden kein Stellvertreter mit allen Rechten eines Meisters auf Zeit, sondern hatte das Siegel so schnell wie möglich dem Konvent des Haupthauses abzuliefern. Die Ordensleitung lag in den Händen des Großkom- turs169. Vor der Wahl eines neuen Hochmeister des Deutschen Ordens wurden die Be- gräbnisfeierlichkeiten, die Almosen an die Armen, die Jahrzeiten und die Gebete für den Toten und dergleichen Anordnungen für das Totengedächtnis geregelt. Das soll uns in diesem Zusammenhang nicht weiter beschäftigen. Nach den Trauerfeier- lichkeiten setzte der Orden - wer genau, ist nicht gesagt - den Termin für die Wahl des neuen Ordensoberhauptes fest. Zu dem Wahlkapitel kamen alle Brüder, die an der Wahl teilnehmen mußten (fratres ad eleccionis negotium necessarii). Sie lasen die Regel und die Gesetze der Statuten und ließen eine Heilig-Geist-Messe zelebrieren. Jeder Bruder betete 15 Paternoster. Anschließend wurden 13 Arme gespeist. Man bat auch andere, nicht dem Orden angehörende Geistliche um Fürbitte für eine gu- te Wahl. In den Ordensniederlassungen zelebrierten Priesterbrüder eine Messe, sprachen Gebete und speisten drei Arme170. Eine vergleichbare Vorbereitung auf den eigentlichen Wahlvorgang wird es auch bei den beiden anderen Ritterorden ge- geben haben. Zumindest wird die Bitte um göttlichen Beistand nicht gefehlt haben. Allerdings haben weder Johanniter noch Templer in ihren Regeln dergleichen so ausführlich wie der Deutsche Orden festgelegt171. Nach den geistlichen Zeremonien begann der eigentliche Wahlvorgang damit, daß der Stellvertreter des Meisters, der das Siegel erhalten hatte, mit Zustimmung des 168 Curzon, Nr. 198, 201. 169 King, Rule, S. 45; Riley-Smith, Knights, S. 275. Das Verfahren wurde schon 1170 beobachtet. Vgl. auch Sarnowsky. 170 Perlbach, Statuten, S. 92: Gewohnheit 3. 171 Vgl. aber Curzon, Nr. 198f., 205.
Wahlkonvents einen Ritterbruder zum Wahlkomtur ernannte. Der Wahlkomtur ko- tierte einen weiteren, die beiden einen dritten usw., bis sie 13 Brüder waren, die den Wahlausschuß bildeten. In ihm sollten ein Priesterbruder, acht Ritterbrüder und vier Graumäntler (Sarjantbrüder)172 vertreten sein. Auch ^iabe man sich davor zu hüten, daß zu viele Mitglieder des Wahlkonvents aus einer Provinz kämen. Ein gewisser landschaftlicher Proporz sollte gewahrt sein. Der Wahlausschuß mußte sich dann noch dem Wahlkonvent stellen, der nun zum letzten Mal die Möglichkeit hatte, ein Mitglied durch einen anderen Ordensbruder auszutauschen. Anschlie- ßend bestätigte der Wahlkonvent die Zusammensetzung des Wahlausschusses und beauftragte ihn mit der Wahl. Die 13 Wahlmänner schworen mit ihren Händen auf dem Evangelium, den würdigsten und geeignetsten Ritterbruder zum neuen Mei- ster zu wählen. Der Stellvertreter ermahnte sie nochmals und wies sie auf die Ver- antwortung gegenüber dem Orden und Gott hin. Dann mußten sich die übrigen Brüder des Wahlkonvents verpflichten, den vom Wahlausschuß einstimmig oder mit Mehrheit gewählten Meister anzuerkennen173. Die Beratungen im Wahlausschuß, die getrennt von dem Kapitel in einem beson- deren Raum stattfanden, begannen damit, daß die Wahlmänner überlegten, ob je- mand aus ihrem Kreis in Frage komme. Ein solcher Bruder hatte das Gremium zu verlassen. Kam er doch nicht in die nähere Wahl, konnte er zurückkehren und sei- nes Amtes walten. Andernfalls ging er in den Raum, in dem das Kapitel versammelt war. Dann ernannte das Kapitel statt seiner einen anderen Bruder zum Wahlmann, der wie die übrigen Wahlmänner ermahnt und vereidigt wurde. Nachdem diese Hürde genommen war, nannte der Wahlkomtur, nämlich der Lei- ter des Wahlausschusses der 13 Brüder, den Namen des Ritterbruders, den er für den besten Kandidaten für das höchste Ordensamt hielt, und forderte die übrigen Wahlmänner auf, ihre Zustimmung zu geben oder ihrerseits Namen zu nennen. Wa- ren alle derselben Meinung oder hatte sich schon eine Mehrheit auf einen Kandida- ten geeinigt, war die Wahl entschieden. Traten Meinungsverschiedenheiten auf, mußte in Verhandlungen eine Einigung oder zumindest eine Stimmenmehrheit für einen Bruder erzielt werden. Die Abstimmung im Wahlausschuß blieb geheim. Da- her ist über das Abstimmungsverhalten oder Verhandlungen in dem Ausschuß nie etwas bekannt geworden. Nach der einstimmigen oder mehrheitlichen Einigung auf einen Kandidaten traten die 13 Wahlmänner wieder vor das Wahlkapitel, und der Wahlkomtur verkündete den Namen des neuen Meisters. Nach der Bekanntgabe des Namens stimmten die Priesterbrüder sofort ein Te laudamus an. Man ließ die Glocken läuten. Der Statthalter des verstorbenen Hochmeisters führte den Gewählten vor den Altar und übergab ihm dort zum Zei- In der Gewohnheit 4 steht: alii fratres, andere briider. Damit können nur die Graumäntler gemeint gewesen sein. $ Merlbach, Statuten, S.92ff.: Gewohnheit 4.
chen seiner neuen Würde den Fingerring und das Siegel174 und erinnerte ihn an die Verantwortung, die er mit dem Amt übernommen habe. Anschließend tauschten der Priesterbruder wohl aus dem Wahlausschuß175 und der Statthalter mit dem Hochmeister Bruderküsse aus. War die Wahl auf einen Ritterbruder gefallen, der nicht am Wahlkapitel teilgenommen hatte und also auch nicht anwesend war, wurde die Investitur mit Fingerring und Siegel nachgeholt176. Es lohnt sich, das Wahlverfahren im Deutschen Orden mit dem der beiden älte- ren Ritterorden zu vergleichen, um Analogien, Übernahmen oder Neuentwicklun- gen feststellen zu können. Beginnen wir mit dem Wahlverfahren beim Templeror- den und werfen danach einen Blick auf die Meisterwahl im Johanniterorden, um dann die Besonderheiten im Deutschen Orden hervorzuheben. Nach der Templerregel hatte der Marschall als Statthalter des Meisters bzw. bei dessen Abwesenheit der Komtur des Königreichs von Jerusalem, des Landes Tripo- lis oder des Fürstentums Antiochien ein Kapitel einzuberufen, das in jedem Fall im Haupthaus des Ordens in Jerusalem oder nach dem Fall der Heiligen Stadt in Ak- kon stattzufinden hatte. An diesem Kapitel nahmen die Mitglieder des Haupthauses und alle Amtsträger im Orient teil. Sie wählten zunächst den Grant Comandeor, der vom Augenblick seiner Wahl an Statthalter des Meisters war und das Meistersie- gel führte. Der Grant Comandeor legte zusammen mit dem Marschall und den Komturen des Königreichs von Jerusalem, des Landes Tripolis und des Fürstentums Antiochien den Wahltag fest, zu dem alle comandeors des provinces mit ihren Amts- trägern und angesehenen Brüdern im Haupthaus zu erscheinen hatten. Vermutlich wurden auch Brüder aus den abendländischen Provinzen des Ordens geladen. Not- wendig scheint das nicht gewesen zu sein. Am Tag der Meisterwahl versammelten sich die Mitglieder des Haupthauses und die sonstigen Amtsträger und Brüder vor allem aus dem Orient. Nach eingehender Bera- tung mit angesehen Mitbrüdern schickte der Grant Comandeor zwei oder drei Brüder aus dem Versammlungsraum und fragte das Gremium, wen von den zweien oder drei- en man mit den Wahlvorbereitungen betrauen wolle. Wer von ihnen die meisten Stim- men auf sich vereinen konnte, wurde der comandeor de l’eslection. Ihm wurde von dem Gremium ein zweiter nach dem gleichen Verfahren zur Seite gestellt. Beide wur- den von dem Kapitel an ihre Verantwortung erinnert. Dann kooptierten sie zwei wei- tere Brüder, die vier wieder zwei usw., bis sie zwölf Brüder waren. Die Zwölf erwähl- ten sich einen Ordenskaplan als Dreizehnten. Er galt als Stellvertreter Jesu Christi. Die 13 Wahlmänner sollten aus verschiedenen Provinzen und Nationen kommen. Hatte sich der Wahlausschuß auf diese Art und Weise gebildet, traten seine Mit- glieder erneut vor den Grant Comandeor, der sie nochmals ermahnte. Der comari' 174 Perlbach, Statuten, S. 95: Gewohnheit 6 175 In der Vorlage ist nicht genau definiert, welcher Priesterbruder gemeint war. 176 Perlbach, Statuten, S. 94f.: Gewohnheit 5-6.
jeOr de l’eslection bat darauf seine Mitbrüder, die nicht im Wahlausschuß waren, um Fürbitte. Danach zog sich der Wahlausschuß zurück und begann, sich seiner Aufgabe zu widmen. Er sollte für das höchste Amt zunächst eine geeignete Persön- lichkeit aus der Gruppe der im Orient dienenden Brüder, ers$ danach eine solche aUS abendländischen Konventen suchen. Konnten sich die Wahlmänner auf keinen Kandidaten einigen, trat der comandeor de reslection mit einem weiteren Mitbruder aus dem Gremium vor das Wahlkapitel und bat um weitere inständige Gebete der Mitbrüder. Der Templerorden wollte die Einigung der 13 Wahlmänner auf einen Kandidaten. Er kannte bei diesem Wahlverfahren das Mehrheitsprinzip nicht. Hatte sich das Wahlmännergremium auf einen Kandidaten geeinigt, traten die 13 Brüder vor das Wahlkapitel, verpflichteten die Versammelten einschließlich des Grant Co- mandeor auf ihr Votum und gaben erst danach den Namen preis. Mit der Verkündi- gung durch das Wahlmännergremium vor dem Wahlkapitel wurde der Bruder zum Großmeister des Ordens177. Etwas weniger detailliert waren die bei der Meisterwahl zu beobachtenden Vor- schriften der Johanniter aus dem Jahr 1206. Nach dem Tod des Meisters wurde zu- nächst ein Generalkapitel einberufen. Das war offenbar eine der Aufgaben des Haupthauses, dem auch das Siegel des verstorbenen Meisters übergeben worden war. Zum Generalkapitel sollten alle Amtsträger und sonstige angesehene Brüder der Häuser im Orient kommen. Hatten sich die geladenen Brüder zum Kapitel ver- sammelt, wurde das Siegel des verstorbenen Meisters in ihrer Mitte aufgestellt und ein Wahlkomtur bestimmt, der das Wahlkapitel leiten sollte. Er ernannte einen Prie- ster-, einen Ritter- und einen Sarjantbrüder. Die drei, später als Triumvirat bekannt, kooptierten einen vierten, die vier einen fünften usw., bis sie 13 Brüder waren. Sie bildeten den Wahlausschuß und hatten vor dem Wahlkomtur und dem Wahlkapitel zu geloben, daß sie den Besten zum Meister wählten wollten. Der Wahlkomtur und das Wahlkapitel versprachen ihrerseits, daß sie die Meisterwahl der 13 Brüder aner- kennen würden, sei sie nun einstimmig oder mit Stimmenmehrheit erfolgt. Die Be- ratungen im Ausschuß blieben geheim. Derjenige, auf den sich die Wahlmänner schließlich geeinigt hatte, wurde Meister und als solcher vom Kapitel anerkannt178. Trotz aller Analogien der Wahlen in den drei großen Ritterorden gab es erheb- liche Unterschiede. Das betraf schon den Wahlort. Während Templer und Johanni- ter die Wahl im Haupthaus festlegten, ließen es die Statuten des Deutschen Ordens offen, wo der Hochmeister zu wählen sei. In der Tat sind mehrere Hochmeister außerhalb des Haupthauses in Akkon oder Montfort erkoren worden, viele sogar nicht einmal im Heiligen Land, sondern im Deutschen Reich. Unterschiedlich wa- j*en die Einflußmöglichkeiten einzelner Amtsträger auf die Wahl. Bei den Templern konnten weder der Marschall oder die drei Provinzialkomture des Orients den J77 Curzon, Nr.200-221. $ King, Rule, S.45ff.; Riley-Smith, Knights, S.275.
Grant Comandeor ausschalten, der die Geschäfte des Meisters bis zur Neuwahl führte und das Wahlkapitel leitete, noch hatte der Grant Comandeor die Chance die Wahl durch die 13 Wahlmänner zu beeinflussen. Bei den Johannitern ernannte der Wahlkomtur immerhin die ersten drei Wahlmänner, das sogenannte Triumvirat und konnte daher durch eine geeignete Personalentscheidung die Meisterwahl in eine ihm genehme Richtung lenken. Jedoch wurde der Wahlkomtur selbst durch das Wahlkapitel und nicht durch einen bestimmten Amtsträger ernannt. In den beiden älteren Ritterorden hatte die Genossenschaft der Brüder jedenfalls bei der Meister- wahl eine starke Stellung. Darin unterschied sich der Deutsche Orden von seinen beiden Vorbildern. Bei ihm ernannte nämlich der sterbende Hochmeister seinen eigenen Statthalter, der das Wahlkapitel leitete, den Wahlkomtur aussuchte und zu- mindest ein Erststimmrecht hatte. Der Wahlkomtur kooptierte zwölf weitere Brü- der. Jedoch war er in der Auswahl der Brüder nicht souverän, sondern mußte sie dem Statthalter und dem Wahlkapitel zur Begutachtung und Genehmigung vorstel- len. Der Statthalter und das Wahlkapitel hatten die Möglichkeit, die getroffene Aus- wahl zu korrigieren und einen oder mehrere Wahlmänner auszusondern und durch andere zu ersetzen. Die gemessen an den beiden anderen Ritterorden starke Stel- lung des Statthalters war eine Sonderentwicklung im Deutschen Orden. Zu recht hat eine neuere Arbeit auf den Umstand verwiesen, daß der sterbende Hochmeister mit Hilfe des Statthalters in dem besonderen Wahlverfahren Einfluß auf seine Nachfolge ausüben konnte179. Stärker als in den beiden älteren Ritterorden war es dem Hochmeister des Deutschen Ordens möglich, für eine Kontinuität seiner Poli- tik zu sorgen, wenn es ihm gelang, einen Statthalter zu ernennen, der mit seinen Vorstellungen einverstanden war. Mit Hilfe eines geeigneten Statthalters konnte der sterbende Hochmeister die Fortsetzung seiner Politik auch gegen die Genossen- schaft seiner Mitbrüder und gegen die Kapitelsversammlung mit Erfolg planen, wenn die im Wahlkapitel vertretenen Brüder uneins waren. Gegen die geschlossene Front der Mitbrüder war auch der beste Statthalter machtlos. In allen drei großen Ritterorden wurde das Oberhaupt auf Lebenszeit gewählt. Das Meisteramt war bei ihnen das einzige, dessen Inhaber erst mit dem Tod aus- schied, wenn es auch die Möglichkeit der Resignation gab. Die förmliche Abset- zung blieb die Ausnahme und wurde nur selten angedroht und noch weniger ausge- führt. Als der Orden den Hochmeister an das Heilige Land fesseln wollte und ihm eigenmächtige Fahrten nach Europa verbot, kündigte man ihm die Absetzung an, falls er den Termin der Rückkehr aus Europa überschreite, wenn er einmal mit Zu- stimmung des Kapitels reisen durfte180. 179 Nieß, S. 36 ff. Nicht sehr aufschlußreich: Lückerath, De electione, S. 33ff. 180 Perlbach, Statuten, S. 99: Gewohnheit 12 (mittelniederländische Version); S. 135: Gesetze über Meer III,1.
Alle Amtsträger im Deutschen Orden außer dem Hochmeister, auch die Großge- tiger, hatten ihre Ämter während der jährlich am Kreuzerhebungstag, dem 14 September, stattfindenden Generalkapitel zur Verfügung zu stellen, waren da- nach im Amt zu bestätigen oder durch andere, neu gewählt^ Brüder zu ersetzen181. Diese Befugnis wurde dem Hochmeister und seinem Kapitel noch vor 1309, vor der Übersiedlung in die preußische Marienburg, beschnitten. In den sogenannten Ge- setzen Siegfrieds von Feuchtwangen, die ihm oder seinem Vorgänger Gottfried von Hohenlohe zugeschrieben werden, also aus dem Ende des 13. oder spätestens dem Beginn des 14. Jahrhunderts stammen, verzichtete der Hochmeister auf die Einberu- fung eines jährlichen Generalkapitels. Vielmehr war nun ein solches Kapitel alle sechs Jahre zu Philippi und Jakobi, jeweils am 1. Mai, im Haupthaus zu veranstal- ten. An dem Kapitel sollten auch die drei Landmeister, Deutschmeister und Land- meister von Preußen und Livland, teilnehmen182. Dem Hochmeister blieb nur die Möglichkeit, einen einmal ernannten Landmeister nach nunmehr sechs Jahren ab- zulösen und auch das nur, wenn er die Macht dazu hatte. Nach diesen Gesetzen war ihm die Befugnis dazu beschnitten. Denn er war mit seinem Kapitel vielmehr an das Votum der Brüder in den deutschen Balleien, in Preußen oder Livland ge- bunden. Die Brüder hatten schon vorher in ihren Provinzialkapiteln zwei Kandida- ten ausgewählt, von denen der Hochmeister mit seinem Kapitel einen ernennen mußte183. Die Verringerung der Generalkapitel auf einen Sechsjahresturnus und der Zweier- vorschlag der Brüder aus den jeweiligen Provinzen schränkte die hochmeisterliche Gewalt ein und war das Ergebnis erfolgreicher Selbständigkeitsbestrebungen der Landmeister. Die Landmeister hatten seit jeher eigene Generalkapitel für ihre Pro- vinzen einberufen, auf denen die Amtsträger Rechenschaft abzulegen hatten, die nicht vom Generalkapitel ernannt wurden. Mit der Rechenschaftslegung hatten sie auch ihre Ämter zur Verfügung zu stellen und waren unter Mitwirkung der Provin- zjalkapitel zu bestätigen oder durch andere Brüder zu ersetzen. Das Hochmeisteramt war ein Element der Kontinuität im Deutschen Orden. Sei- ne Stellung glich der eines Abtes im Benediktiner- oder Zisterzienserorden. Sie war aber nicht absolut. Der Hochmeister war vielmehr wie alle übrigen Amtsträger ge- halten, Rat einzuholen und zu befolgen184. Als Ratgeber konnte er sich in erster Li- nie auf die Großgebietiger stützen, die in der Regel im Haupthaus saßen und infol- gedessen jederzeit befragt werden konnten, wenn der Hochmeister anwesend war. Sie wußten im allgemeinen kraft ihrer Ämter über die wichtigen Dinge im Orden 181 Perlbach, Statuten, S.96f.: Gewohnheiten 7a, 8; S. 102: Gewohnheit 18. 183 ^er^ac^’ Statuten, S. 145. Perlbach, Statuten, S. 146. In dieser Bestimmung findet sich der erste Hinweis auf die später häu- 184 Vork°mmenden Zweiervorschläge, die die Provinzialkapitel der Zentrale zu liefern hatten. erlbach, Statuten, S.96: Gewohnheit 7.
Bescheid. In besonderen Fällen mußte der Hochmeister allerdings vor einer Ent- scheidung die Zustimmung des Generalkapitels einholen. Der Hochmeister führte die Geschäfte des Ordens und repräsentierte ihn, blieb aber trotz aller Kompeten- zen in die Korporation eingebunden und ein Teil von ihr. 8.2.3 Das Visitationsrecht des Hochmeisters Das wichtigste Recht des Hochmeisters bestand in seiner Befugnis, alle Ordenshäu- ser selbst zu visitieren oder Mitbrüder mit der Visitation zu beauftragen. Solange die Brüder noch ausschließlich ihre Niederlassung in Akkon bewohnten und keine weiteren Häuser gegründet hatten, war eine Visitation überflüssig, da der Meister seine Mitbrüder tagtäglich kontrollieren konnte. Visitationen wurden erst erforder- lich, als der Orden Güter außerhalb Akkons und der Umgebung und vor allem jen- seits des Meeres in Europa erworben hatte und durch Brüder verwalten ließ. Daß in der Regel, dem ältesten Teil der Statuten, nichts von Visitationen verlautet, mag dar- an liegen, daß sie noch den ursprünglichen Zustand wiedergibt und Veränderungen nicht berücksichtigt hat. In den beiden älteren Ritterorden waren Visitationen schon um 1200 als Mittel der Kontrolle zur Einhaltung der Regeln längst üblich. Beide hatten das Kontrollinstrument von den Zisterziensern übernommen, bei de- nen Väteräbte ihre Tochterklöster zu visitieren hatten185. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts ergab sich im Deutschen Orden offenbar die Notwendigkeit, Regelungen für die Visitationen zu treffen. In den sogenannten „Gesetzen über Meer" nach 1250, aber vor 1264 hatte der Hochmeister das Recht und die Pflicht, im Einvernehmen mit dem Generalkapitel Visitierer in die Verwal- tungsgebiete anderer Gebietiger zu schicken. Von ihnen sollte einer ein Laienbru- der, also wohl ein Ritterbruder, sein, der als „Komtur" des Unternehmens galt, mit- hin den Vorsitz führte186. Später bestanden die Delegationen, die die Hochmeister zur Visitation aussandten, stets aus einem Ritterbruder, der die oberste Befehlsge- walt hatte, und einem Priesterbruder187. Der Hochmeister hatte schon vor der Mitte des 13. Jahrhunderts das Recht, im Einvernehmen mit dem Generalkapitel Visitierer zu schicken. Die „Gesetze über Meer" haben nur eine Praxis festgeschrieben, die schon längere Zeit in Übung war. Ein solcher Visitierer aus der Mitte des 13. Jahrhunderts ist auch bekannt, nämlich der Großkomtur Eberhard von Sayn188, der in einem Schreiben von 1251 die Brüder 185 Forey, Orders, S. 167ff.; Feine, Rechtsgeschichte, S.313. 186 Perlbach, Statuten, S. 134: 1,6; vgl. auch S.60: Gesetz Ilb, Zusatz nach 1250. 187 Vgl. beispielsweise Perlbach, Statuten, S. 162f.: livländische Visitationsstatuten von 1334. 188 Wojtecki, Studien, S. 44 f. Anm. 230; Fenske/Militzer, S. 562 Nr. 756.
jn Preußen aufforderte, seinen Anweisungen Folge zu leisten, da er vom Hochmei- ster und dem Generalkapitel mit der Visitation der Ordenshäuser im Preußenland beauftragt sei. Er sende zunächst seinen Mitbruder Otto189. Über diesen Ordensan- gehörigen ist nichts bekannt. Er könnte ein Priesterbruder gewesen sein, der zu- sammen mit Eberhard von Sayn zur Visitation ausgesandt worden war. Otto hatte den Mitbrüdern in Preußen neue, vom Generalkapitel beschlossene Verhaltensmaß- regeln zu übermitteln, nach denen sich die preußischen Brüder in Zukunft zu rich- ten hatten. Wenn Otto ein Priesterbruder gewesen sein sollte, haben wir ein frühes Zeugnis für eine der später gut bezeugten üblichen Visitationen. Der Ritterbruder Eberhard von Sayn, gleichzeitig Großkomtur, führte die Visitation an, war sozusagen deren „Komtur“, wie es in den „Gesetzen über Meer“ hieß, während der Priesterbruder ihm unterstellt war. Die Überlieferung berichtet nur selten von Visitationen. Immerhin ist aus dem 13. Jahrhundert eine weitere bekannt. Zum Jahr 1287 erzählt nämlich die livländi- sche Reimchronik, daß der Hochmeister und das Generalkapitel zwei Brüder nach Livland geschickt hätten. Der eine sei der Ritterbruder Volmar von Bernhausen190 und der andere ein Priesterbruder namens Sivert gewesen191. Nach deren Ankunft in Livland beriefen sie im Haupthaus des dortigen Ordenszweigs in Riga ein Kapitel ein. Über die Beratungsgegenstände ist nichts überliefert. 1334 hat der Hochmeister wieder zwei Visitatoren, einen Ritter- und einen Priesterbruder, nach Livland ge- schickt. Sie verkündeten auf einem großen Provinzialkapitel in Riga im Beisein des livländischen Meisters Eberhard von Monheim neue Gesetze192. Die Übereinstim- mung der Visitation von 1334 mit der vermuteten von 1287 ist so groß, daß kein Zweifel daran bestehen kann, daß der Hochmeister schon damals im Einvernehmen mit dem Generalkapitel eine Visitationsreise angeordnet hatte. Nach den neuen Vorschriften, die Eberhard von Sayn den preußischen Brüdern 1251 mitteilen ließ, sollte es jedem Landmeister verboten sein, von sich aus ohne Zustimmung des Hauptkonvents Visitationen seines Verwaltungsbezirks anzuord- nen193. Neben den wichtigeren Visitationen, die der Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel anordnete, hat es also Visitationen der Landmeister von Preußen und auch wohl solche der Landmeister von Livland und der Deutschmei- ster gegeben. Allerdings waren die drei Landmeister nur befugt, ihre Gebiete visi- Ueren zu lassen. Möglicherweise hatten sie Visitationen ohne Hinzuziehung der J89 Perlbach, Statuten, S. 161 ; Preuß. UB 1,1, Nr.251. Penske/Militzer, S. 799 Nr.3 1 RC, Vers 10347ff.; vgl. Dragendorff, S.22f.; Arbusow, Visitationen, S. 179f. 193 Perlkach, Statuten, S. 162f. Perlbach, Statuten, S. 161 § 6; Preuß. UB 1,1, Nr. 251 § 6: Item nullus preceptor provincialis visita- ^ores mittat sine consensu conventus.
Kapitel ihrer Haupthäuser, also Elbings in Preußen und Rigas in Livland194, durch- führen lassen. Das wurde ihnen nun durch die Beschlüsse des Generalkapitels im Heiligen Land, übermittelt durch den Großkomtur Eberhard von Sayn, verboten Ohne Zustimmung eines Kapitels war kein Landmeister mehr befugt, eine Visita- tion anzuordnen. Seitdem der Hochmeister 1309 die Marienburg als seinen Hauptsitz gewählt und bezogen hatte, gab es keinen Landmeister von Preußen mehr. Visitationen für Preu- ßen veranlaßte nun der Hochmeister mit seinem Kapitel selbst195. Visitationen der Deutschmeister sind erst seit dem 14. Jahrhundert bezeugt. Die Deutschmeister ver- anlaßten solche Bestandsaufnahmen immer zu Beginn ihrer jeweiligen Amtszeit196. Visitationen aller Häuser in allen Ordenszweigen konnte nur der Hochmeister mit seinem Kapitel befehlen. Im 13. Jahrhundert ist es noch das Generalkapitel gewesen, ohne daß immer gesagt werden kann, wer an einem solchen „Generalkapitel“ teil- genommen und ob es sich nicht doch im wesentlichen um eine Versammlung der Brüder des Heiligen Landes gehandelt hat. Seitdem der Hochmeister jedoch seinen Sitz in die Marienburg verlegt hatte, trat an die Stelle des Generalkapitels bzw. des Großen Rats immer häufiger und schließlich fast ausschließlich das Kapitel der hochmeisterlichen Zentrale. Dazu gehörten die Großgebietiger und einzelne Kom- ture preußischer Ordenshäuser197. Mit Hilfe der Visitationen verschafften sich die Ordensoberen eine Übersicht über den Zustand der Kommenden und Provinzen. Darauf war vor allem der Hochmeister angewiesen, der nicht gleichzeitig in allen Gegenden, in denen der Orden engagiert war, anwesend sein und sich durch eigene Anschauung ein Bild machen konnte. Die Visitationen dienten der Kontrolle der Amtsträger, da deren Vorgesetzte, Landmeister und Hochmeister, durch Personen ihres Vertrauens die Amtsgeschäfte und den Zustand der Ordensgüter begutachteten. Die Überprüfung der Wirtschaftsführung war nur die eine Seite, wichtiger vor allem im 13. Jahrhun- dert war eine Beaufsichtigung der Lebensführung der Brüder in oft weit entfernten Gegenden. Die Visitatoren hatten darauf zu achten, daß alle Brüder auch in entlege- nen Konventen sich an die Statuten hielten und nach ihnen lebten. Die Vorschriften, die der Visitator Eberhard von Sayn den preußischen Mitbrüdern einschärfte, bezo- gen sich vor allem auf solche Umstände, weniger auf die Wirtschaftsführung. Für jeden zentral gelenkten Orden war es wichtig, daß die Mitglieder die für alle gülti- gen Regeln einhielten. Daher verlangte Eberhard von Sayn auch von den in Preußen lebenden Brüdern, daß sie die im Heiligen Land geltenden Gewohnheiten strikt be- 194 Ein Haupthaus des Deutschmeisters hat es im 13. Jahrhundert wohl noch nicht gegeben. Es ist je- denfalls nicht nachzuweisen. Später residierte der Deutschmeister auf der Burg Horneck am Nek- kar. 195 Wenskus, Ordensland, S.356. 196 Solche Visitationen sind seit 1361 überliefert; Militzer, Auswirkungen, S.62f. f 197 Darauf ist noch zurückzukommen. Vgl. zunächst Wenskus, Ordensland, S.354; Thielen, S.3
chteten198, und verbot dem Landmeister, neue Regeln einzuführen. Alle Neuerun- a bedürften der Zustimmung des heimischen Kapitels und besonders der Geneh- migung des Hochmeisters und des Generalkapitels im Heiligen Land199. Nachdem der Hochmeister in die preußische Marienburg gezogen war, achtete er darauf, daß den deutschen und livländischen Ordenszweigen keine Regelabwei- chungen vorkamen, und beauftragte die Visitatoren in diese Gebiete, auf das statu- tengerechte Leben der Brüder zu achten und darüber genau zu berichten. Trotz al- ler Unterschiede in der Wirtschaftsführung der Kommenden, im Verwaltungsaufbau der Provinzen, der sozialen und regionalen Herkunft der Brüder in den Ordens- zweigen sollten überall die für alle gültigen Statuten beachtet werden. Abweichun- gen waren nur mit Genehmigung der Hochmeister und der Generalkapitel zulässig und kamen dementsprechend selten vor. 8.2.4 Der Hochmeister und sein Haupthaus Der Deutsche Orden hatte sein Haupthaus anfangs zwar in Palästina, aber der Hochmeister war seit Hermann von Salza häufig auf Reisen außerhalb des Landes und diente vor allem dem Kaiser200, da der Orden zum staufischen Haus- oder Reichsorden geworden war. Auch Hermanns Nachfolger Konrad von Thüringen (1239-1240) bemühte sich in seiner kurzen Amtszeit um einen Ausgleich zwischen Kaiser und Papst wie Hermann von Salza, wenngleich vergeblich201. Gegen den Vor- wurf einer Vernachlässigung Palästinas zugunsten anderer Aufgaben im Reich und im Baltikum hatte sich schon Hermann von Salza auf dem Marburger Kapitel von 1237 rechtfertigen müssen. Als damals die Inkorporation des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden vollzogen worden war, erhob eine Oppositionsgruppe Bedenken gegen ein zu starkes Engagement des Ordens außerhalb des Heiligen Landes202. Die Furcht einiger Ordensbrüder über zu geringe Aufwendungen zur Verteidigung der christlichen Positionen im Orient verquickte sich mit politischen Überlegungen, nämlich ob der Orden eher dem Kaiser oder dem Papst zu folgen habe, falls beide, wie sich zeigen sollte, nicht zu versöhnen waren. Dazu kam, daß 198 Perlbach, Statuten, S. 162 § 19; Preuß. UB 1,1, Nr.251 § 19: Item omnes fratres clerici et milites et alii fratres teneantur secundum consuetudines terre sancte, secundum quod vires expetunt. 99 Perlbach, Statuten, S, 161 § 16; Preuß. UB 1,1, Nr. 251 § 16: Item nullus preceptor habeat potesta- tem novas consuetudines ordinandi nisi de consensu conventus et confirmacione summi magistri et capituli ultramarin! Itinerare: Lorck; vgl. Kluger. 201 r' ’ b a e m m e r e r, S. 62 ff.; S c h r e i b e r, S. 653 ff. P^uillard-BrehollesV, S. 93; Koch, S. 118; Arnold, Deutsche Orden zwischen Kaiser und Papst, s.62f.; Kluger, S. 173.
nach dem Rückzug der Staufer aus dem östlichen Mittelmeer Reichstreue nicht mehr unbedingt mit dem Kreuzzugsanliegen gegen die Sarazenen zu verbinden war Diesem Anliegen aber hatte der Orden seine Entstehung zu verdanken gehabt. Als nach dem plötzlichen Tod Konrads von Thüringen in Rom 1240 ein Kapitel wohl im Orient den bisherigen Obersten Marschall Gerhard von Malberg aus einem Freiherrengeschlecht von der Eifel wählte, ist erstmals ein offener Bruch in der stauferfreundlichen Tradition des Ordens festzustellen. Denn Gerhard ist wohl von der Partei im Orden gewählt worden, die den Hochmeister im Heiligen Land halten wollte. Sie wandte sich damit gegen eine enge Bindung an das Reich und vor allem an das staufische Herrscherhaus. Mit Malberg trat an die Ordensspitze ein Mann, der einem Geschlecht entstammte, das dem Reich nicht eng verbunden war und nicht zu den Anhängern der Staufer gehörte. Für eine Änderung der Politik konnte die antistaufische Partei im Orden gute Gründe vorbringen. Denn die Aus- einandersetzungen zwischen Papst und Kaiser eskalierten derart, daß der Bruch un- vermeidlich erschien. Eine enge Bindung besonders an den Kaiser hätte das Ende des Ordens herbeiführen können. Das scheint Gerhard von Malberg befürchtet zu haben und öffnete sich daher stärker der päpstlichen Gruppierung. Diese Neu- orientierung konnte nicht ohne Folgen in der Ordenskorporation selbst bleiben. Es bahnte sich'ein Richtungsstreit im Orden an. Als Gerhard von Malberg 1244 zum Rücktritt wegen Unregelmäßigkeiten gezwungen worden war, mag die Begründung nur ein Vorwand gewesen sein203. Der stauferfreundlichen Partei kam es wohl mehr darauf an, einen Gegenspieler an der Spitze des Ordens zu entmachten. Jedenfalls wählte das Kapitel in Akkon 1244 wieder einen Vertreter der kaiserlichen Richtung, nämlich Heinrich von Hohenlohe aus einer traditionell stauferfreundlichen Edel- herrenfamilie204. Der neue Hochmeister Heinrich von Hohenlohe begab sich nach Europa und versuchte, an die alte Tradition der Vermittlung zwischen Kaiser und Papst anzu- knüpfen. Das gelang nicht, vielmehr erfolgte bereits 1245 der endgültige Bruch zwi- schen Papst und Kaiser. Daraufhin zog Heinrich nach Preußen. Im Deutschen Reich blieb dagegen der Landmeister von Preußen Dietrich von Grüningen, der Vertreter der päpstlichen Partei im Orden. Der Richtungsstreit innerhalb der Kor- poration setzte sich fort, ohne allerdings in aller Schärfe ausgetragen zu werden. Denn schließlich blieb Dietrich von Grüningen in seinem Amt als Landmeister von Preußen, obwohl er einer anderen Partei als der Hochmeister anhing und stärker auf den Papst setzte, dagegen die Sache des Kaisers für verloren hielt205. 203 Arnold, Deutsche Orden zwischen Kaiser und Papst, S. 63ff. 204 Schreiber, S.658ff.; Wojtecki, Studien, S.42f. 205 Arnold, Deutsche Orden zwischen Kaiser und Papst, S. 65f.; Forstreuter, MittelmeeG S. 207ff.; Militzer, Entstehung, S. 46 f.
Nach dem Tod Heinrichs von Hohenlohe scheinen sich beide Parteien auf einen Hochmeister geeinigt zu haben, über den wenig bekannt ist, nämlich Günter von Wüllersleben (1249-1252)206. Er war wohl noch einmal ein Anhänger der kaiser- lichen Partei. Jedenfalls haben die Gegner ihre Vorstellungen vpn einer stärkeren Anlehnung an den Papst, verbunden mit einem größeren Engagement in Palästina, nicht durchsetzen können. Jedoch lassen sich die Strömungen innerhalb des Ordens nicht allein auf Kaiser- oder Papstanhänger reduzieren. Die ordensinternen Partei- ungen waren vielfältiger und komplizierter und sind in allen Einzelheiten heute wahrscheinlich gar nicht mehr zu rekonstruieren. Günter von Wüllersleben ernannte seinen Großkomtur Eberhard von Sayn zum Deutschmeister und schickte ihn als seinen Bevollmächtigten nach Preußen und Livland zur Visitation und Durchsetzung von Reformen207. Die Abordnung des Großkomturs sollte wohl auch den Einfluß Grüningens beschränken und die Mög- lichkeiten seiner Anhänger einengen. Ausgeschaltet wurde die „päpstliche Partei“ nicht. Im Gegenteil ist Grüningen zum Nutzen des Ordens weiterhin vor allem an der Kurie tätig geblieben208. In die Zeit des wenig bekannten Hochmeisters Günter von Wüllersleben fällt wahrscheinlich eine Entscheidung des Generalkapitels, die das Ordensoberhaupt an das Heilige Land binden sollte209. Vielleicht ist der Beschluß sogar als eine „Wahlka- pitulation“ des Meisters zu deuten. Sollte das zutreffen, hätte Wüllersleben bei sei- nem Amtsantritt zu geloben gehabt, das Heilige Land nicht zu verlassen, auch nicht von sich aus darauf zu drängen, nach Europa segeln zu wollen. Sollte die Anwesen- heit des Meisters in Europa notwendig sein, habe er mit Zustimmung des Kapitels einen Statthalter zu ernennen, den das Kapitel allerdings während der Abwesenheit des Meisters ohne weiteres durch einen anderen Ritterbruder ersetzen könne210. Günter von Wüllersleben scheint sich während seiner Amtszeit 1249-1252 nur im Heiligen Land aufgehalten zu haben. Denn er segelte nicht selbst nach Europa, sondern schickte einen Bevollmächtigten, den Großkomtur Eberhard von Sayn, um Reformen in den Balleien und in Preußen und Livland durchzusetzen211. Wüllerslebens Nachfolger Poppo von Osternohe (1252-1256) mußte scheinbar noch einmal eine Zeit der inneren Spannungen überstehen. 1256 trat er zurück, vielleicht nicht ganz freiwillig, wie vermutet wird. Möglicherweise hatte er sich ge- 206 Dazu: Schreiber, S.662f.; Wojtecki, Studien, S. 144 f. 207 Preuß. UB 1,1, Nr.251; Perlbach, Statuten, S. 161 f. 208 Wojtecki, Studien, S. 133ff.; auch: Altpreußische Biographie I, S.237f. 09 Zur Datierung: Perlbach, Statuten, S.XLIX: „um 1250“. Zustimmend: Arnold, Deutsche Or- den zwischen Kaiser und Papst, S. 67. 0 Perlbach, Statuten, S. 99f.: Gewohnheit 12. 1 Preuß. UB 1,1, Nr.251; Perlbach, Statuten, S. 161 f.
gen Wilhelm von Urenbach als Gegenhochmeister durchzusetzen212. Nach seinem Rücktritt 1256 forderte und erhielt er auch schließlich eine angemessene Versor gung. Er war nämlich 1260-1265 Komtur von Regensburg und ist als solcher wohl gestorben213. Als Hochmeister hatte er das Ende der Auseinandersetzungen zwi sehen Friedrich II. und dem Papsttum erlebt. Danach verlor der Streit im Orden er- heblich an Schärfe, weil der Anlaß für die Auseinandersetzungen unter den Brüdern verschwunden war, wenngleich der Gegensatz aufflammen konnte, sobald die Prot- agonisten Kaiser und Papst ihre Kämpfe aufleben ließen. Denn der Orden büßte zwar mit dem bald nach dem Tod Friedrichs II. erfolgten Aussterben des Staufer- hauses seinen Charakter als staufischer Hausorden ein, blieb aber nach wie vor ein Reichsorden, der dem Reich und seinem Repräsentanten, dem Kaiser, stärker als dem Papst verpflichtet war. Poppos Nachfolger Anno von Sangerhausen (1256-1273) und Hartmann von Heldrungen (1273-1282) regierten lange Zeit und unangefochten214. Beide waren an- scheinend häufiger im Deutschen Reich und im Baltikum als im Heiligen Land, so daß auch der Gegensatz zwischen einer Gruppe von Befürwortern eines stärkeren Engagements in Palästina und deren Gegnern ausgeglichen gewesen schien. In die Amtszeit beider Hochmeister fiel sowohl der Aufstand der Prußen, Kuren, Semgal- ler und anderer Stämme im Baltikum sowie deren Niederwerfung als auch der Vor- marsch der Sarazenen und vor allem der Verlust Montforts 1271. Seit 1271 war das Haupthaus des Ordens wieder allein in Akkon angesiedelt. Weder im Baltikum noch in Palästina sind Stimmen gegen die Amtsführung beider Hochmeister laut geworden. Die Bedrohung des Heiligen Landes sollte die Brüder in Palästina nun doch ver- anlassen, den Hochmeister erneut stärker an sich zu binden. Zweifellos war bei al- lem Engagement für die Missionierung der Heiden im Osten die Verteidigung der heiligen Stätten bedeutsamer und prestigeträchtiger. Denn der eigentliche Kreuz- zug richtete sich gegen die Ungläubigen im Heiligen Land und nicht gegen die Hei- den im Baltikum. Diesen Vorstellungen blieb der Deutsche Orden verhaftet und konnte sich ihnen gar nicht entziehen. Daher kaufte er noch Besitzungen der hei- mischen syrofränkischen Adligen zu einem Zeitpunkt, als sich jene schon absetzten und ihre palästinensischen Güter zu Geld machten215. Gerade diese Käufe belegen, daß der Orden Palästina trotz aller Rückschläge und Absatzbewegungen des syro- fränkischen Adels nicht aufgegeben hatte. Damals verschärfte das Generalkapitel im 212 Arnold, Deutsche Orden zwischen Kaiser und Papst, S. 67; Forstreuter, Mittelmeer, S. 208 ff- Gegen die These: Turnier, S.46f. Zur Doppelwahl schon: De Wal, Histoire I, S.356ff.; Ders-, Recherches II, S. 318 f. 213 Weiss, Franken, S.472. Neuerdings Militzer, in: Die Hochmeister, S.27ff. 214 Dazu nun die Artikel in: Die Hochmeister, S. 31 ff. . 215 Strehlke, Tabulae, Nr. 108-111, 114, 117, 119-122. Vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 189; auC Prawer, S.225f.
-Kgen Land die Ausreisebeschränkungen für den Hochmeister. Wenn die Mitbrü- j ihn nun in Europa brauchen sollten, hatten sie einen Antrag zu stellen, über Jen das Kapitel entschied. Selbst im Falle einer Zustimmung durfte das Kapitel dem feister keine generelle Erlaubnis erteilen, sondern mußte ihfn einen verbindlichen Termin zur Rückkehr setzen. Ließe er ihn verstreichen, sei er seines Amtes entho- ben ohne daß es dazu einer besonderen weiteren Entscheidung bedürfe216. Der Ka- 'telsbeschluß fällt in die Jahre nach 1264 und vor 1289. Das Datum ist nach der er- haltenen Überlieferung nicht näher einzugrenzen. Der Beschluß könnte jedoch eine Art „Wahlkapitulation“ des 1273 in Akkon gewählten Hochmeisters Hartmann von Heldrungen oder dessen Nachfolgers Burchard von Schwanden (1282-1290) gewe- sen sein. Beide haben am Anfang ihrer Amtsführungen mehrere Jahre in Palästina gelebt217. Eine Entscheidung ist nicht zu fällen. Tatsache ist aber auch, daß beide längere Zeit in Europa als in Palästina gewirkt haben. Die Brüder im Heiligen Land haben also ihre rigorosen Beschlüsse nicht ganz umsetzen können. Von Burchard von Schwanden ist bekannt, daß er sich sehr um Palästina geküm- mert hat. Er blieb nicht nur die längste Zeit im Heiligen Land, nämlich von seiner Wahl in der Mitte des Jahres 1283 bis zur Mitte des Jahres 1286218. Erst danach ist er in das Reich gezogen, wo er am 24. März 1287 in Würzburg bezeugt ist219. 1289 rei- ste er im Auftrag Rudolfs von Habsburg über die Alpen nach Rom, um die Kaiser- krönung vorzubereiten220. Er diente also wie viele seiner Vorgänger den deutschen Königen und Kaisern. Im gleichen Jahr kehrte er über die Alpen zurück und führte 1290 ein letztes Aufgebot von 40 Ritterbrüdern und 400 Kreuzfahrern nach Akkon, das damals bereits belagert wurde und im Jahr darauf fallen sollte221. In Akkon an- gekommen, resignierte er, trat aus dem Deutschen Orden aus und in den Johanni- terorden ein und verließ das Heilige Land wohl noch vor dem Fall Akkons 1291222. Als Motiv für den spektakulären Schritt wird seine Unzufriedenheit mit dem seiner Ansicht nach zu geringen Engagement des Deutschen Ordens für das Heilige Land vermutet. Burchard von Schwanden hätte tatsächlich Gründe für seine Unzufriedenheit an- führen können. Denn schon seit geraumer Zeit wurden im Orden Gegenpositionen zu denen der Gruppe im Heiligen Land aufgebaut. Freilich mußte allmählich auch den Ritterbrüdern im Haupthaus in Akkon aufgefallen sein, daß die christlichen 216 217 218 219 220 221 222 Perlbach, Statuten, S. 135: Kapitelsbeschlüsse 1264-1289 III,1. Schreiber, S.669ff. DOZA, Urkunde von 1286 Juni 27, ausgestellt in Akkon. Monumenta boica, Bd. 49, S. 251. RI VI,1, 2224. ^ter von Dusburg, Chronica IV,70; Nikolaus von Jeroschin in: SRP I, S. 513 f. Die Zahlen sind ^cht zeitgenössisch, eher eine Ausschmückung Jeroschins und daher unsicher. Sicher ist wohl, daß s etzte Aufgebot zahlenmäßig gering war. °jtecki, Studien, S. 100f. Vgl. Militzer, in: Die Hochmeister, S. 38ff.
Bastionen in Palästina nur noch schwer gegen die sarazenische Übermacht zu halten waren und daß das christliche Lager durch die Absatzbewegungen des syrofränki- schen Adels zusätzlich geschwächt wurde. Das dürfte den Brüdern in Europa eben- sowenig verborgen geblieben sein. Ferner war es verständlich, wenn die Ritterbrüder in Preußen und Livland um ihre Erfolge bangen mußten, wenn ihnen die Unter- stützung versagt werden sollte, weil der Orden seine Kräfte auf den Orient konzen- trieren würde. Die Brüder im Baltikum kannten die Anstrengungen, die sie hatten auf sich nehmen müssen, um die letzten, noch gar nicht lange zurückliegenden Auf- stände zu unterdrücken und verlorene Gebiete zurückzuerobern. Die Ritterbrüder in Preußen und Livland hatten es aber schwerer, mit ihren Vorstellungen durchzu- dringen, da die letzten Wahlkapitel in Palästina getagt hatten und das Haupthaus in Akkon lag. Die Generalkapitel und das Kapitel des Haupthauses gaben aber den Ton an. In beiden Kapiteln hatten Brüder aus dem Heiligen Land das Übergewicht. Das war so, seitdem der Orden zum Ritterorden erhoben worden war und hatte sich nicht geändert. Eine Oppositionspartei hatte also gegen die Mehrheit der Brü- der aus dem Heiligen Land in den Kapiteln des Haupthauses und gegen Vorstellun- gen, die in einem Kreuzzug in erster Linie einen Krieg gegen die Sarazenen und in zweiter Linie einen Feldzug gegen Heiden sahen, zu kämpfen. Schon vor dem Fall Akkons hatte sich eine einflußreiche Oppositionsgruppe um den Deutschmeister Konrad von Feuchtwangen gebildet. Sie wurde durch die Sorge um die Zukunft des Ordens zusammengehalten, war aber auch der Herkunft ihrer Mitglieder nach homogen zusammengesetzt. Gemeinsame Herkunft und ein ge- meinsames Ziel machten die Stärke der Gruppe aus. Sie sah keine Entwicklungs- möglichkeit des Ordens im Heiligen Land mehr, sondern größere Chancen im Bal- tikum. Als Anführer einer solchen Gruppierung hatte Konrad von Feuchtwangen die besten Voraussetzungen, da er 1279-1281 Landmeister von Livland und 1279- 1280 gleichzeitig Landmeister von Preußen gewesen war223. Er verweigerte Bur- chard von Schwanden offenbar eine großzügige Unterstützung für dessen letzten Zug nach Akkon während eines Kapitels in Mainz im Oktober 1289, an dem der Hochmeister, der Deutschmeister und der Oberste Spittler Eckhart teilgenommen hatten224. Hochmeister und Deutschmeister trafen sich noch einmal im Frühjahr 1290 in Erfurt auf einem Hoftag König Rudolfs225. Auch dort scheint Burchard von Schwanden von beiden Verhandlungspartnern, dem Deutschmeister und dem Kö- nig, enttäuscht gewesen zu sein. Beide verweigerten ihm die Hilfe, die er zur Vertei- digung des Heiligen Landes zu benötigen glaubte. Die sogenannte „preußische Partei" um Konrad von Feuchtwangen sollte recht behalten. Akkon hatte keine Zukunft mehr. Die Stadt fiel 1291 an die Sarazenen. 223 Fenske/Militzer, S.222 Nr.238. 224 Perlbach, Statuten, S. 138. 225 Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S. 24.
. jer Verteidigung fand der Hochmeisterstatthalter und Oberste Trappier Werner Bolanden den Tod. Konrad von Feuchtwangen wurde nach der Katastrophe noch im Jahr 1291 in Europa zum neuen Hochmeister gewählt. Mit dem Verlust Akkons hatte die Gruppe im Orden, die ein starkes Engagerrent im Orient forder- an Boden verloren. Mit dem neuen Hochmeister trat an die Spitze des Ordens ein Mann, der die Aufgaben im Baltikum in den Vordergrund schob226. Dazu paßt die Beobachtung von M.-L. Favreau-Lilie, daß der Deutsche Orden im Gegen- satz zu Templern und Johannitern nichts für die nach Zypern geflohenen verarmten Flüchtlinge aus Akkon getan habe227. Es ist ein Zeichen dafür, daß der Deutschen Orden seine Ziele neu definiert hatte und seine Kräfte fortan im Baltikum zu kon- zentrieren gedachte. Für das Überleben des Deutschen Ordens erwies sich die Hin- wendung zum Baltikum insofern als überaus wichtig, als der Orden der Adelswelt Westeuropas eine neue Aufgabe vorstellen konnte, die nur er in Angriff genommen hatte und die er auch meisterte228. Konrad von Feuchtwangen konnte seine Vorstellungen noch nicht ganz durchset- zen. Er mußte einer Verlagerung des Haupthauses nach Venedig zustimmen. Die Übersiedlung nach Preußen blieb ihm verwehrt. Erst seinen Nachfolgern gelang es, das Haupthaus in die Marienburg zu transferieren. In den Regierungsjähren Kon- rads von Feuchtwangen war die Zeit dafür wohl noch nicht reif. Allerdings sind die Probleme einer Verlagerung des Haupthauses auch nicht zu unterschätzen. Der Verlust des Haupthauses in Akkon traf den Deutschen Orden schwer und konnte lange Zeit nicht ausgeglichen werden229. Denn viele Gewohnheiten waren auf die Zentrale im Heiligen Land zugeschnitten. Im Haupthaus saßen die Großge- bietiger, von denen der Großkomtur die Geschäfte bei Abwesenheit des Hochmei- sters führte230. Im Haupthaus lag der Schatz, der Tressel, zu dem der Hochmeister, der Großkomtur und der Treßler je einen Schlüssel hatten231. Diese Aufteilung der Schlüssel war nur sinnvoll, wenn der Tressel sich im Haupthaus befand. Wichtiger war noch, daß die Hochmeisterwahlen in der Regel im Haupthaus in Palästina stattfinden232 und daß nach einem Zusatz zu den Statuten von vor 1264, vielleicht auch um 1250, an der Wahl der Landmeister von Preußen, der Deutschmeister und die Landkomture von Österreich, Apulien, Griechenland (Romania) und Armenien und, falls wegen der Entfernung möglich, auch der livländische Meister teilnehmen Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.28ff.; Ders., Deutschmeister. 228 Favreau~Lilie, Military Orders and the escape, S.223. Auf die Bedeutung der Propaganda für den Deutschen Orden im Baltikum hat zu recht Nichol- 229 7° n’ Templars> S. 107, hingewiesen. ur Bedeutung des Verlusts von Akkon für die drei großen Ritterorden: Nicholson, Templars, 23q ' ^5ff.; für den Deutschen Orden insbesonders: Arnold, Akkon Venedig Marienburg, passim. 231 Orstreuter, Mittelmeer, S. 192f. 232 pCrlkach, Statuten, S. 98f.: Gewohnheit 9. h°rs treu ter, Mittelmeer, S. 192.
sollten233. Diese Bestimmung machte nur aus der Sicht des Haupthauses in Akkon bzw. Montfort Sinn. Während die drei Landmeister schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts so bedeutend und einflußreich geworden waren, daß sie nicht mehr übergangen werden konnten, vertraten die Landkomture von Griechenland und Ar- menien keine großen einkommensstarken oder mitgliederreichen Provinzen. Sie wurden geladen, weil sie in relativer Nähe des Haupthauses in Palästina amtierten Das Gleiche darf man von den beiden Landkomturen von Apulien und Österreich vermuten. Eine Bestätigung dafür mögen die Kapitelsbeschlüsse aus der Zeit vor 1264 liefern. Danach waren der Deutschmeister, die beiden Landmeister von Preu- ßen und Livland zur Hochmeisterwahl zu laden. Hinzuziehen konnte man den Provinzial von Apulien und gegebenenfalls andere Landkomture nahe gelegener Balleien234. Nach den Bestimmungen der Statuten war die Hochmeisterwahl also auf das Haupthaus in Akkon oder Montfort zugeschnitten. Analoges gilt für die Ernennung der höheren Amtsträger. Gemäß den Statuten bestimmte der Hochmeister mit Zustimmung des Generalkapitels die Großgebieti- ger und den Kastellan von Montfort, der also auch zu ihnen zählte235. In gleicher Weise wurden die Landkomture von Armenien, Griechenland, Sizilien, Apulien, der Deutschmeister, der Landkomtur von Österreich, die Landmeister von Preußen und von Livland und der Landkomtur von Spanien ernannt236. Der Deutschmeister und die beiden Landmeister von Preußen und Livland waren so wichtige Amtsträ- ger, daß ihre Ernennung durch den Hochmeister und das Kapitel unmittelbar ein- leuchten. Daß jedoch die Landkomture der Balleien rund um das Mittelmeer und von Österreich in diesem Abschnitt teilweise noch vor den wichtigen Landmeistern aufgeführt werden, kann nur mit der Lage der Provinzen mit günstigen Verkehrs- verbindungen zum Haupthaus in Akkon zusammengehangen haben. Lediglich bei der Ballei Österreich mögen andere Gesichtspunkte hinzugetreten sein237. An den nördlichen Gestaden des Mittelmeers lagen also Balleien, deren Landkomture der Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel im Haupthaus einsetzte. Die meisten von ihnen waren zur Hochmeisterwahl in dasselbe Haupthaus zu laden. Diese auf Akkon bzw. Montfort bezogene Ordnung ließ sich nicht ohne weite- res umstoßen. Änderungen bedurften einer längeren Zeit. Daher hat Konrad von Feuchtwangen das Haupthaus nicht sofort nach Preußen verlegen können, sondern in Venedig gelassen. Die Stadt an der Lagune als Sitz des Haupthauses war wohl zu- nächst ein Kompromiß238. Sie lag auf halbem Weg zwischen Preußen und Palästina. 233 Perlbach, Statuten, S.91 f.: Gewohnheit 2a. 234 Perlbach, Statuten, S. 134. 235 So Forstreuter, Mittelmeer, S. 190. 236 In dieser Reihenfolge: Perlbach, Statuten, S.97: Gewohnheit 8. 237 Militzer, Entstehung, S.68ff.; vgl. unten, S.262ff. 238 So Forstreuter, Mittelmeer, S. 193; Arnold, Venedig, S. 148ff.
Aber diese geographische Gegebenheit wird die Brüder weniger bewegt haben. Richtiger wird für sie schon gewesen sein, daß die seit den Anfängen des Ordens wachsenen, auf das Haupthaus in Akkon bezogenen Strukturen kaum geändert werden brauchten. Venedig vermochten die Landkomture ^rings um das Mittel- meer ebenso leicht wie Akkon zu erreichen. Noch bedeutsamer war wahrschein- lich daß Venedig den Verkehr zwischen dem Abendland und dem Orient vermittel- te Eine Rückeroberung der heiligen Stätten war ohne die Mithilfe Venedigs gar nicht denkbar. Jeder künftige Kreuzzug hätte seinen Anfang mutmaßlich in der La- gunenstadt nehmen müssen. Die Verlegung des Haupthauses ließ dem Orden also die Möglichkeit zum Eingreifen im Orient und damit zur Rückeroberung der ver- lorenen Güter dort, falls sich die Christen zu einem neuen Kreuzzug aufraffen würden. Wenigstens die Option eines Kreuzzugs nach Palästina blieb so erhalten. Ob der Hochmeister Konrad von Feuchtwangen mit der Wahl Venedigs als Sitz des Haupthauses weitergehende Absichten habe verschleiern wollen, er also in Wirk- lichkeit schon einen Sitz in Preußen zu verwirklichen gesucht habe239, ist nicht zu belegen. Er wird aber die Gruppierung im Orden, die ein Engagement im Orient noch nicht aufgeben wollte, mit seiner Entscheidung beruhigt haben. Daß das Haupthaus zunächst in Venedig belassen wurde, verdeutlicht aber auch die selbst nach dem Fall von Akkon noch einflußreiche Gruppe der Befürworter einer Kreuz- zugsteilnahme gegen die Sarazenen. Der Verlust des Heiligen Landes hatte weitere Auswirkungen auf die Ordenszen- trale. Nach den Statuten hatte der Treßler die Kosten für den Hochmeister und sei- ne Amtsführung zu begleichen. Nur in Ausnahmefällen konnte der Meister die Or- densprovinzen dazu heranziehen. Jedoch hatte der Treßler das, was die Provinzen für den Meister vorstreckten, zu vergüten240. Für das 13. Jahrhundert ist weitgehend unbekannt, aus welchen Quellen der Tressel und die persönliche Kasse des Mei- sters, die beide vom Treßler verwaltet wurden, ihre Mittel erhielten241. Man kann nur vermuten, daß in erster Linie Überschüsse der Güter im Heiligen Land die Kassen des Treßlers füllten. Dazu sind Abgaben und Überweisungen aus Europa gekommen. Möglicherweise haben die dem Hochmeister und seinem Kapitel direkt unterstellten Provinzen dem Treßler eine regelmäßig wiederkehrende Steuer zahlen niüssen. Denn 1290 erwähnte Papst Nikolaus IV, daß alle Ordenshäuser in Europa ein Drittel ihrer Einkünfte in das Heilige Land transferierten242. Aber ob das auch ur die Balleien im Deutschen Reich gegolten hat, weiß man nicht. Es wäre immer- ln niöglich, daß die deutschen Ordenshäuser die Unternehmungen im Baltikum 239 240 241 242 So eine Mutmaßung von Forstreuter, Mittelmeer, S. 193. erlbach, Statuten, S. 101: Gewohnheit 16. Milthaler, S.28. $r r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 665.
stärker unterstützt haben. An eine derartige Aufteilung könnte man denken, ohne daß sich solche Mutmaßungen durch Dokumente erhärten ließen243. Sicher scheint trotz allem zu sein, daß der Hochmeister infolge der Verluste im Hei- ligen Land und des Falls von Akkon materielle Einbußen zu verkraften hatte, schon allein weil die Überschüsse aus Palästina entfielen. Die Einkünfte des Deutschordens- hauses in Venedig, das zum Haupthaus erhoben wurde, dürften kein gleichwertiger Ersatz gewesen sein. Wie Anno von Sangerhausen, Hartmann von Heldrungen und Burchard von Schwanden mit dem Problem, mit dem sie auch schon konfrontiert gewesen sein werden, fertig geworden sind, weiß man nicht. Da zumindest die bei- den erstgenannten Hochmeister den größten Teil ihrer Amtszeit in den Balleien oder im Baltikum verbrachten, mögen ihre Ausgaben von den Landkomturen und den Landmeistern bestritten worden sein, auch wenn die Statuten solches eigentlich ausschlossen. Wie aber Burchard von Schwanden in den ersten drei Jahren seiner Amtsführung in Palästina das Problem gelöst hat, bleibt sein Geheimnis. Jedenfalls muß er den Mangel schon gespürt haben. Er hat zwar seinem Widersacher, dem Deutschmeister Konrad von Feuchtwangen, 1287-1288 einen Teil von dessen Kom- petenzen genommen und Landkomturen zurückgegeben, aber sich und seinem Amt dadurch keine neuen Einnahmen erschlossen, sondern nur den Konkurrenten ge- schwächt und in die Schranken verwiesen244. Die Enttäuschung über die mangelhaf- te Ausstattung des höchsten Amtes im Orden und über den Widerstand gegen eine Erweiterung der Einnahmen könnten ein weiterer Grund für die Resignation Bur- chards und seinen Übertritt zum Johanniterorden 1290 gewesen sein. Mit dem Verlust von Montfort und Akkon, den Haupthäusern des Ordens, der Übersiedlung nach Venedig und der Minderung der Einkünfte ging ein Prestigever- lust des Hochmeisteramts einher. Der Deutschmeister und die beiden Landmeister von Preußen und Livland bekleideten 1291 längst keine gering geschätzten Ämter mehr wie noch zu Zeiten eines Hermann von Salza. Obwohl sie vom Hochmeister und dem Generalkapitel eingesetzt wurden und jeweils auf dem Generalkapitel nach einem Jahr ihre Ämter zur Verfügung stellen mußten245, also im Idealfall vom Hoch- meister und dem Kapitel abhängig waren, sah die Verfassungswirklichkeit anders aus. Gewiß wechselten die Inhaber der drei Meisterämter häufiger als die Hochmeister, die nur zum Rücktritt gedrängt werden konnten, vielfach aber bis zu ihrem Tod das Amt verwalteten. Dennoch gelang es Amtsinhabern wie Dietrich von Grüningen oder Konrad von Feuchtwangen, Gegenpositionen zur Politik der Hochmeister und ihrer Zentrale aufzubauen und durchzuhalten. Den drei Gebietigern in Europa kam dabei die Neigung der Brüder in Palästina entgegen, den Hochmeister im Heiligen Land zu halten, so daß er in Europa nur begrenzt eingreifen konnte. 243 Vgl. auch Nieß, S. 166. 244 Vgl. Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.24. 245 So nach Perlbach, Statuten, S. 96f.: Gewohnheiten 7-8.
Schließlich verlor der Hochmeister 1291 mit dem Fall Akkons die ihm eigene Aufgabe des Kampfs gegen die Ungläubigen zur Sicherung bzw. Wiedergewinnung jer heiligen Stätten. Für die Verwaltung der Güter in den Balleien brauchte der Or- den ihn nicht unbedingt. Den Kampf gegen die Heiden im Baltikum führten die Landmeister mit ihren Brüdern. Dem Hochmeister blieb in Wnedig nur die Hoff- nung auf einen neuen Kreuzzug zur Rückeroberung des Heiligen Landes246. Eine solche Hoffnung war zunächst nicht grundlos, wenn man den kirchlichen Propa- andisten trauen wollte. Aber sie trog dennoch und verlor im Laufe der Zeit immer mehr an Überzeugungskraft. Das Heilige Land blieb dem christlichen Abendland verloren. Der Verlust der dem Hochmeister ureigenen Aufgabe des Kampfes gegen die Sarazenen, der Rückgang seiner Einkünfte, der Wandel im Orden selbst und die Hinwendung eines Großteils der Ritterbrüder zum Heidenkampf im Baltikum be- schleunigten den Prestigeverlust des höchsten Amtes im Orden und seiner Inhaber. Die Auswirkungen sollten sich bald zeigen. Nachdem Konrad von Feuchtwangen nach dem Fall Akkons 1291 oder spätestens 1292 zum neuen Hochmeister gewählt worden war, konnte er den Autoritätsverfall zunächst auffangen. Denn er konnte sich auf eine Partei stützen, die sich schon vor seiner Wahl unter seiner maßgeblichen Mitwirkung aufgebaut hatte, deren Mitglie- der er schon vor seiner Wahl in wichtige Schaltstellen gebracht hatte247. Danach setzte er als Hochmeister diese Personalpolitik mit Erfolg fort. Schon als Deutsch- meister hatte er ein Verfahren erprobt, das ihm zusätzliche Mittel zuspielte. Denn er hatte nach seiner Ernennung zum Deutschmeister 1284 das Amt eines Landkom- turs von Franken, das er vorher selbst innegehabt hatte, nicht mit einem Nachfolger besetzt und die Zahlungen der Häuser der Ballei weiterhin für sich beansprucht. Er hatte also neben den Einkünften eines Deutschmeisters noch die eines Landkom- turs von Franken. Erst 1288 hat wahrscheinlich der Hochmeister Burchard von Schwanden einen Landkomtur von Franken eingesetzt und dadurch die Position des Deutschmeisters und des Anführers der „preußischen" Partei wenigstens finan- ziell geschwächt248. Nachdem Konrad nun zum Hochmeister gewählt worden war, besetzte er das von ihm vorher verwaltete Amt eines Deutschmeisters nicht, son- dern vereinnahmte die Einkünfte weiterhin für sich. Auf diese Weise konnte er die niateriellen Einbußen des Hochmeisteramts ausgleichen, möglicherweise sogar einen Überschuß verbuchen. Erst 1294 wurde Konrads Parteigänger Gottfried von 246 247 248 Vgl. Forey, Military Orders in the Crusading, S. 334ff.; Luttrell, Crusades, S. 127f., 130ff.; Schein, The West; Dies., Fidelis. Vgl. Housley, Later Crusades. Vgl. Arnold, Deutschmeister, S.28ff. Weiss, Franken, S. 147f. Arnold, Deutschmeister, S. 30, vermutet, daß bereits ein Jahr früher Marquard von Mässing Landkomtur von Franken geworden sei. Der Titel ist für ihn 1287 jedoch nicht belegt. Ganz überzeugen die vorgebrachten Argumente nicht, daß Marquard bereits 1287 Landkomtur von Franken gewesen sei.
Hohenlohe neuer Deutschmeister249. Wie der Unterhalt des Hochmeisters nach 1294 geregelt worden ist, weiß man nicht. Es ist jedoch anzunehmen, daß Konrad von Feuchtwangen eine ihm genehme Regelung gefunden und durchgesetzt haben wird250. Daß Konrad von Feuchtwangen dagegen das Amt des Deutschmeisters mit dem eines Hochmeisters habe vereinen und seine Residenz im Reich habe aufschla- gen wollen, ist eher unwahrscheinlich251. Zunächst konnte der neue Hochmeister Konrad von Feuchtwangen seine preußi- schen Pläne nicht verwirklichen. Eine offenbar starke Gruppierung im Orden er- zwang eine andere Politik. Als sich 1300 der Oberste Marschall und der Ritterbru- der Joachim in Zypern aufhielten, mögen sie einen neuen Kreuzzug vorbereitet haben. Auch die Vereinigung der Balleien Apulien, Morea und Zypern in der Hand eines Landkomturs, des Guido de Amendolea, könnte auf solche Bestrebungen, die über die Amtszeit Konrads von Feuchtwangen hinausreichten, zurückzuführen sein252. Außerdem hielten Konrad von Feuchtwangen Erfordernisse des höchsten Amts fest, die ihn an der Verwirklichung seiner eigentlichen Pläne hinderten. Kon- rad von Feuchtwangen blieb von 1291-1295 in den Balleien und reiste einmal 1294 über die Alpen nach Venedig zum neuen Haupthaus, dem er jedoch nur einen kur- zen Besuch abstattete253. Er wurde wie viele seiner Vorgänger in die Reichspolitik eingespannt, secretarius und consiliarius König Adolfs von Nassau und als dessen Gesandter nach Venedig geschickt254. Dadurch daß er, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Venedig, in den Balleien blieb, ließ er zumindest für die ersten Jahre seiner Amtszeit offen, ob sich der Orden nun nur auf das Baltikum beschränken oder an einer Rückeroberung der heiligen Stätten beteiligen wolle. Wenn auch die Chancen für einen neuen Kreuzzug schlecht standen, kämpfte doch der Papst da- für, freilich letztlich vergeblich. Der Hochmeister konnte Reste der mittelmeeri- schen Gruppierung, die sich auf den Papst berief, durch seine hinhaltende Politik ruhighalten. Als Konrad von Feuchtwangen 1295 nach Preußen reiste, scheint er eine Ent- scheidung zugunsten eines stärkeren Engagements des Ordens im Baltikum getrof- fen zu haben. Er förderte die Melioration im Preußenland und sorgte sich um ein gutes Verhältnis zur dortigen Geistlichkeit, besonders zu den preußischen Bischö- fen. Ein von ihm im April 1296 einberufenes Kapitel in Elbing wird der Beratung über den Zustand Preußens und über die Zukunft des Landes und des Ordens im 249 Militzer, Entstehung, S. 170; Ders., Hochmeister, S. 49; Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.30f.; Wo jtecki, Studien, S. 17, 33 Anm. 145. 250 So Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.31. 251 So Wojtecki, Studien, S. 17, 33; auch mit Einschränkungen: Arnold, Konrad von Feuchtwan gen, S. 30. 252 Forstreuter, Mittelmeer, S.56; Arnold, Venedig, S. 149f.; Militzer, Role, S. 52f. 253 Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.28ff. 254 RI VI,2, Nr. 282; Forstreuter, Mittelmeer, S. 143; Wojtecki, Studien, S. 33.
Baltikum gedient haben255. Wenn er damals schon eine Übersiedlung des Haupthau- ses von Venedig nach Preußen geplant haben sollte, so konnte er sein Vorhaben nicht mehr verwirklichen. Denn er starb im gleichen Jahr am 4. Juli in Prag wäh- rend einer Reise in die Balleien und wurde in der böhmischen^Kommende Drobo- vice beigesetzt256. Anfang Mai 1297 wurde auf einem Generalkapitel in Venedig der von Konrad von Feuchtwangen als Deutschmeister eingesetzte Gottfried von Hohenlohe gewählt257. Obwohl Gottfried zur sogenannten „preußischen“ Partei des verstorbenen Vorgän- gers gehörte, setzte er dennoch dessen Politik nicht konsequent fort. Das lag unter anderem in seinem Charakter begründet. Gottfried war nicht der durchsetzungsfä- hige Politiker, der auch gegen Widerstände seinen Grundsätzen treu blieb, sondern war in hohem Maß abhängig von den Ratschlägen seiner Umgebung258. Nach seiner Wahl hatte sich diese Umgebung geändert. In Venedig, dem Wahlort, hatte offen- sichtlich jene Gruppierung die Oberhand behalten, die einen erneuten Kreuzzug gegen die Sarazenen befürwortete und gegen ein starkes Engagement im Baltikum eingestellt war. Denn der neue Hochmeister Gottfried von Hohenlohe hatte als eine Art „Wahlkapitulation“ zu beschwören gehabt, daß er einer Ladung des Kapitels seines Haupthauses - das lag damals immer noch in Venedig - zu folgen habe. Ge- horche er einer dreimaligen Ladung nicht, sei er seines Amts enthoben259. Der Hochmeister wurde durch die Bestimmung an das Haupthaus in Venedig gefesselt und war in seiner Bewegungsfreiheit von der Zustimmung des Kapitels, also vor al- lem der in Venedig lebenden Großgebietiger, abhängig. Noch stärker eingeschränkt wurden die Handlungsvollmachten durch die in zwei holländischen Handschriften überlieferten Gesetze, die keinem Hochmeister zuge- schrieben sind, wie es sonst üblich war. Da in den Handschriften den beiden ersten nach dem Fall von Akkon 1291 gewählten Hochmeistern Konrad von Feuchtwan- gen und Gottfried von Hohenlohe Gesetze zugeordnet worden sind, hat der Her- ausgeber der Statuten M. Perlbach die anonym überlieferten Bestimmungen für den Nachfolger der beiden Siegfried von Feuchtwangen (1303-1311) in Anspruch genommen260. Dem hat K. Forstreuter widersprochen und die Gesetze als Wahlkapitulation Gottfrieds von Hohenlohe gedeutet261. Die handschriftliche Über- lieferung schließt in der Tat nicht aus, daß die sogenannten Gesetze Siegfrieds von Feuchtwangen in Wirklichkeit eine Wahlkapitulation Gottfrieds von Hohenlohe ge- Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S. 31 f. Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S.32. Vgl. auch Forstreuter, Mittelmeer, S. 193 f. 2 ? Militzer, Hochmeister, S. 51; Perlb ach, Statuten, S. 144; Ni eß, S. 293 ff. 2Sq auch Forstreuter, Mittelmeer, S. 196. 26n Perlkach, Statuten, S. 144. 261 Perlkach, Statuten, S. 145. Ihm folgt Nieß, S.23f. Pots treu ter, Mittelmeer, S. 194 f. Ihm folgten Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S. 29; hzer, Entstehung, S. 144. Mi-
wesen sind. Denn in den beiden holländischen Handschriften folgen auf zwei Para graphen ohne Überschrift und Zuordnung zu einem bestimmten Hochmeister die aber auf Grund der mittelhochdeutschen Überlieferung eindeutig Gottfried von Hohenlohe zuzuschreiben sind, die nur hier abgeschriebenen fraglichen Bestim mungen. Der neu gewählte Hochmeister Gottfried von Hohenlohe hat also gar nicht zwei unterschiedlichen Gesetzen zustimmen müssen, sondern hatte eine aus_ führliche Wahlkapitulation zu akzeptieren, von der in anderen Handschriften aber nur Teile aufgenommen worden sind. Diese Überlegungen können zutreffen262 263, je_ doch ist eine eindeutige, allseits annehmbare Einordnung kaum zu erreichen. Wir gehen zunächst davon aus, daß besagte Gesetze zur Wahlkapitulation Gottfrieds von Hohenlohe gehört haben, weil uns diese Zuordnung noch immer die wahr- scheinlichste zu sein scheint, werden aber anläßlich der Behandlung seines Nachfol- gers noch einmal darauf zurückkommen. Hatten schon die eindeutig Gottfried von Hohenlohe zuzuordnenden Gesetze den neuen Hochmeister an das Haupthaus in Venedig gebunden, so legten ihm die anonym überlieferten Bestimmungen enge Fesseln an. Denn eine Überquerung der Alpen wurde zusätzlich an die Zustimmung der drei Landmeister gebunden, wäh- rend sie sonst nur vom Willen des Kapitels abhing wie auch schon am Ende der Zeit, als das Haupthaus noch in Akkon gelegen hatte. Nun jedoch wurde das ganze Verfahren so kompliziert, daß der Hochmeister kaum je die Gelegenheit erhalten hätte, das Haupthaus in Venedig zu verlassen, wenn die Bestimmungen konsequent angewandt worden wären. Denn falls einer der drei Meister, Deutschmeister, Mei- ster von Preußen oder Livland, den Hochmeister in sein Gebiet holen wollte, hatte er seinen Wunsch den beiden anderen mitzuteilen, die dem Begehren ihres Mitge- bietigers zuzustimmen hatten. Alle drei schickten dann Boten an das Kapitel in Ve- nedig, das die Gründe für den Wunsch, den Hochmeister die Alpen überqueren zu lassen, anhörte, prüfte und danach entschied. Stimmte es zu, hatte der Hochmeister zu einem festgesetzten Termin zurückzukehren. Auch durfte er jenseits der Alpen keine Entscheidungen treffen, für die die Zustimmung des Kapitels notwendig ge- wesen wäre. Die Kosten der Reise hatte der einladende Landmeister zu tragen . Verstieß der Hochmeister gegen eine der Bestimmungen, sollte er seines Amts ent- hoben sein. Die politischen Entscheidungsmöglichkeiten wurden sogar noch weiter eingeschränkt. Denn das Ordensoberhaupt durfte ohne die Zustimmung des Kapi- tels weder den Großkomtur noch den Obersten Spittler aus dem Haupthaus schik- ken und auch mit dem Willen des Kapitels nur für einen Monat. Das bedeutete, daiS die beiden Großgebietiger allenfalls die Venedig benachbarten Kommenden in den 262 So Militzer, Hochmeister, S. 51. Anders: Nieß, S. 24. 263 Insbesondere sollte das Deutschordenshaus bzw. die Ballei Koblenz geschont werden. Darau noch zurückzukommen, weil die Bestimmung für das Problem der Bildung der Kammerba von Belang ist.
galleien Österreich, Bozen oder Lombardei besuchen konnten. Die Gebiete der jrei Landmeister jenseits der Alpen blieben ihnen verschlossen. Selbst wenn es dem Hochmeister gelungen war, eine Reiseerlaubnis zu bekom- men, konnte er in den Gebieten der drei Landmeister nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern war, auch wenn die Zustimmung des (Jeneralkapitels nicht gefordert war, an den ausschlaggebenden Rat der Meister und Brüder der jeweiligen Provinz gebunden. Das galt auch für die hochmeisterlichen Boten oder Visitierer. Ferner hatte der Hochmeister stets am Kreuzerhöhungstag, dem 14. September, wie üblich ein Kapitel im Haupthaus zu halten. Alle sechs Jahre hatte er außerdem an philippi und Jacobi, dem 1. Mai, ein Generalkapitel einzuberufen, zu dem der Deutschmeister, die beiden Meister von Preußen und Livland mit je zwei Brüdern und die Landkomture von Österreich, Bozen und der Lombardei mit je einem Bru- der zu laden waren. Der hauptsächliche Sinn dieses Kapitels bestand darin, die Amtsführung des Hochmeisters zu überprüfen und ihn gegebenenfalls abzusetzen. Nach den üblichen Gesetzen und Gewohnheiten konnten auch die Landmeister von den Komturen und erfahrenen Brüdern der jeweiligen Provinz abgesetzt wer- den. Die Möglichkeit blieb bestehen. Aber nach dem Tod eines solchen Landmei- sters oder nach dessen Absetzung bestimmte nun nicht mehr der Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel den Nachfolger, sondern die Brüder der je- weiligen Provinz wählten aus ihrer Mitte zwei Kandidaten, von denen der Hoch- meister mit Zustimmung des Kapitels einen zu bestätigen hatte. Dem Hochmeister waren erhebliche Fesseln angelegt worden. Er war enger denn je an das Haupthaus gebunden. Mochte Konrad von Feuchtwangen noch beabsich- tigt haben, das Haupthaus nach Preußen zu verlegen, so war dem nun ein Riegel vorgeschoben worden. Denn eine Verlegung des Haupthauses war an die Zustim- mung des Kapitels, der drei Landmeister und des Landkomturs der Lombardei ge- bunden und damit ein vorerst aussichtsloses Unterfangen geworden264. Die „Wahlkapitulation“ belegt dreierlei. Einmal zeigt sie die Stärke der „mittel- meerischen“ Partei in der Ordenszentrale und jenseits der Alpen. Ihr wäre es gelun- gen, den Hochmeister im Haupthaus zu halten, wenn sie die Gesetze tatsächlich in praktische Politik hätte umsetzen und konsequent anwenden können. Zum zweiten belegt die „Wahlkapitulation“ eine durchaus beabsichtigte Stärkung der Rechte der Korporation insgesamt, da einschneidende Kontrollen sowohl der Hochmeister als auch der Landmeister durch die Kapitel festgelegt worden sind. Zum dritten ver- deutlicht sie die gestärkte Stellung der Landmeister, in deren Bereiche der Hoch- ^eister nicht mehr, wie es früher häufig geschehen war, ohne deren Zustimmung ^greifen konnte. Der Hochmeister durfte nun nicht mehr wie noch Burchard von chwanden Kommenden einer Ballei einer anderen zuweisen oder in die Balleiver- Waltung eingreifen und nicht mehr wie Konrad von Feuchtwangen Ämter zur eige- 64 Perlbach, Statuten, S. 145f.
nen Versorgung unbesetzt lassen. Die Einflußmöglichkeiten der Hochmeister auf die Gebiete der drei Meister wurde beschränkt und damit der Teilung des Ordens in drei Zweige, die sich schon früher angedeutet hatte, weiter Vorschub geleistet Wenn man sich einmal vorstellen will, daß es der „mittelmeerischen“ Partei ge- lungen wäre, den Hochmeister über längere Zeit in Venedig festzuhalten, hätte der Hochmeister gegenüber den Landmeistern wahrscheinlich weiter an Ansehen ein- gebüßt. Denn im Unterschied zu den drei Meistern hatte das nominelle Oberhaupt des Ordens in der Lagunenstadt keine echte Aufgabe mehr, die ihn zur Leitung des Ordens legitimiert hätte, da ein Kreuzzug, auf den die Brüder in Venedig wohl ge- hofft haben mögen und den der Oberste Marschall 1300 in Zypern wohl mit vorbe- reitete, trotz allem in immer weitere Ferne rückte. Die „Wahlkapitulation“ beruhte auf Vorstellungen, die sich nicht lange aufrecht erhalten ließen. Denn es war gar nicht möglich, das Ordensoberhaupt aus den Kon- flikten besonders in Preußen und Livland herauszuhalten. Wenn keine andere Or- densinstanz entscheiden oder einen Streit schlichten konnte, weil beispielsweise der zuständige Landmeister selbst Partei war, war der Hochmeister gefordert. Indem der Orden sein Haupthaus weit von der Frontlinie weg nach Venedig und nicht wie die Templer und Johanniter zunächst nach Zypern, also nahe dem noch möglichen Einsatzort gegen die Ungläubigen, verlegt hatte, hatte er signalisiert, daß er seine Hauptaufgabe nicht mehr in einer Rückeroberung Palästinas wie die beiden ande- ren Ritterorden erblickte. Er leistete in Preußen und Livland einen Beitrag zum Heidenkampf, der Hauptaufgabe des Ordens neben dem immer mehr in den Hin- tergrund tretenden Spitaldienst. Angesichts dieser Lage mußte der Hochmeister früher oder später nach Preußen oder Livland gerufen werden. Den dortigen An- forderungen des Heidenkampfes konnte er sich auf die Dauer nicht entziehen oder ihr entzogen werden, ohne daß die Ordenskorporation insgesamt Schaden genom- men hätte. Früher oder später mußte eine andere Lösung gefunden werden, als die „mittelmeerische“ Partei wahrscheinlich Gottfried von Hohenlohe aufgezwungen hatte. Gottfried von Hohenlohe hat sich zunächst an die Bestimmungen gehalten und überquerte erst 1298 die Alpen, kehrte 1299 aber wieder nach Venedig zurück . Dieses Verhalten muß den Brüdern in Preußen unverständlich gewesen sein. Denn sie verlangten während eines Kapitels in Elbing eine stärkere Berücksichtigung ihrer Belange. Im Grunde ging es ihnen wohl darum, daß der ehemalige Parteigänger Konrads von Feuchtwangen dessen Politik wieder aufnahm, fortsetzte und letzten Endes das Haupthaus nach Preußen verlegte265 266. Außerdem mag es auch um perso- nalpolitische Entscheidungen gegangen sein. Denn Anfang August 1299 ist ein Kon rad von Babenberg als Landmeister von Preußen bezeugt, gegen den die preul 265 M i 1 i t z e r, Hochmeister, S. 52. 266 Preuß. UB 1,2, Nr. 713.
sehen Brüder Vorbehalte hatten und dessen Ernennung sie rückgängig machen sollten. Das ist ihnen auch gelungen267. Beide Anliegen schließen sich nicht aus, wenn man unterstellen kann, daß Konrad von Babenberg der Kandidat der „mittel- meerischen“ Partei gewesen ist, die durch diese Ernennung ein Gegengewicht gegen die „preußische“ Partei in deren ureigenem Gebiet schaffen wollte. Jedoch ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, mit welcher Partei sich Konrad von Babenberg iden- tifizierte. Das Interesse der Gebietiger und Brüder in Preußen, aber auch in Livland war verschieden von dem der „mittelmeerischen“ Partei in Venedig. Die Wahlkapitula- tion Gottfrieds von Hohenlohe ist daher vor allem auf Forderungen der Brüder des Haupthauses zurückzuführen. Gottfried von Hohenlohe entzog sich beiden Par- teien und nahm in den folgenden Jahren eine unentschiedene Haltung ein, die keine Gruppe, weder die in Preußen noch die in Venedig, zufriedenstellte268. Aber Gott- frieds wichtigste Machtbasis lag weder in Italien noch im Baltikum, sondern in den süddeutschen Balleien. Wie sein Vorbild Konrad von Feuchtwangen ernannte er 1299 keinen Deutschmeister, sondern reservierte sich die Einkünfte des Amts bis 1302269. Die Einkünfte und der Rückhalt in den Balleien gaben ihm für eine kurze Zeit eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den ordensinternen Parteiungen. Aber schon im Oktober 1303 setzte ihn ein Generalkapitel in Elbing, an dem der Groß- komtur, der Treßler des Haupthauses sowie die Landmeister teilnahmen, ab und Siegfried von Feuchtwangen ein270. Gottfried von Hohenlohe hat seine Absetzung später nicht mehr als rechtmäßig betrachtet, ist weiterhin als Hochmeister aufgetreten und hat als solcher gesiegelt271. Aber er hat die Absetzung nicht mehr rückgängig machen können. Siegfried von Feuchtwangen hat sich gleich nach seiner Wahl in Elbing zum Haupthaus nach Venedig begeben, wohl um auch dort als Hochmeister anerkannt zu werden. In Venedig sollen die Brüder ihm die strittige Wahlkapitulation, die wir Gottfried von Hohenlohe zugeschrieben haben, aufgezwungen haben272. Diese These vertritt U. Ni eß. Einleuchtend ist sie nicht. Siegfried von Feuchtwangen wurde in Elbing gewählt, bevor Gottfried von Hohenlohe seinen Rücktritt vom Amt widerrief. Siegfried von Feuchtwangen reiste also als gewählter Hochmeister nach Venedig. Weshalb sollte er als Amtsträger eine „Wahlkapitulation“ einer Gruppierung im Or- den beschwören ? Selbst derjenige, der die These einer „Wahlkapitulation“ Siegfrieds von Feucht- bangen für wahrscheinlicher hält, wird den grundsätzlichen Überlegungen, die sich 267 So Ni eß, S. 17 f. 268 ---- 269 270 271 272 Militzer, Hochmeister, S. 53. Ni eß, S. 19; vgl. die Liste der Deutschmeister ebd., S. 235. Preuß. UB 1,2, Nr. 805; vgl. Peter von Dusburg, Chronica 111,283. Militzer, Hochmeister, S. 54 f. $° Ni eß, S. 24. Unkritisch dazu: Uh lieh, Beitrag, S. 85 £f.
an die Betrachtung der einschränkenden Bestimmungen anknüpfen, zustimmen können, nämlich daß das Hochmeisteramt eng an das Haupthaus und die „mittel- meerische“ Partei gebunden, das korporative Element im Orden gestärkt wurde und eine Teilung der Korporation in drei Zweige einsetzte. Vom neuen Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen weiß man wenig. 1305 schrieb er dem preußischen Landmeister Konrad Sack aus Venedig über die Umtrie- be des abgesetzten Gottfried von Hohenlohe273. Noch 1307 hielt sich Siegfried von Feuchtwangen im Haupthaus auf. Wahrscheinlich hat er Venedig seit seiner Reise vom Generalkapitel in Elbing nach Italien 1303/04 nicht verlassen274, sich also For- derungen des Kapitels im Haupthaus gebeugt, das an den Beschränkungen, die es bereits Gottfried von Hohenlohe auf erlegt hatte, festhielt. Jedoch wurde der Auf- enthalt in Venedig immer problematischer. Der Prozeß gegen die Templer und de- ren sich abzeichnender Untergang sowie die Forderungen nach einer Union der Ritterorden zum Zwecke eines neuen Kreuzzugs gegen die Sarazenen und Türken275 haben den Plan zur Verlegung des Haupthauses reifen lassen. Aber erst der offene Krieg des Papstes Clemens V. gegen Venedig, sogar zum „Kreuzzug“ hochstili- siert276, weckte die Befürchtung, daß das Ordensoberhaupt in der Lagunenstadt nicht mehr sicher sei. Anfang des Jahres 1309 verließ Siegfried von Feuchtwangen Venedig und erreichte bereits am 30. März Wien277. Wohl am 14. September 1309 zog er in die Marienburg an der Nogat ein und berief dort erstmals ein Generalkapitel ein278. Offiziell war damit das Haupthaus von Venedig zur Marienburg in Preußen übertragen worden. Dort im vom Orden selbst beherrschten Land war der Hoch- meister sicherer als in Italien. Aber Siegfried von Feuchtwangen hat seinen Sitz in Venedig nicht sofort aufgegeben. Das Ordenshaus an der Lagune unterstand noch längere Zeit dem Hochmeister. Denn 1312 trat dort ein frater Bertoldus factor loci s. Trinitatis fratrum Alemannorum als Stellvertreter des Komturs und des generalis maiistri auf279. Später unterstand die Kommende dem Landkomtur der Ballei Lom- bardei280. Wie schon seine Vorgänger löste auch Siegfried von Feuchtwangen das Problem der angemessenen finanziellen Ausstattung des Hochmeisteramts, indem er sich wichtige Ämter vorbehielt und nicht besetzte. In Preußen schied gleich nach der Übersiedlung zur Marienburg der Landmeister Heinrich von Plötzkau aus dem 273 Preuß. UB 1,2, Nr. 820; vgl. Nieß, S. 219ff. Nr. 18f., dazu ebd., S.20ff. 274 Forstreuter, Reiserechnung, S. 122ff. 275 B ul st-Thiele, Prozeß; Di es., Sacrae Domus, S. 318 ff.; Fo re y, Military Orders, S. 223 ff.; $ar ber, Trial; Demurger, S.241 ff. 276 Housley, Clement V., S.36f.; Zorzi, Venedig, S. 167ff. 277 Pettenegg, Nr. 883. 278 Peter von Dusburg, Chronica 111,295, 304; dazu: Nieß, S. 32. 279 Forstreuter, Mittelmeer, S.253 Nr.33. 280 Forstreuter, Mittelmeer, S.254 Nr.34.
und wurde zum Großkomtur des neuen Hauses an der Nogat befördert281. AmtEinkünfte des Landmeisteramts flössen dem Hochmeister bzw. dem Treßler zu, j damit die Kosten der hochmeisterlichen Haushaltung zu bestreiten hatte. Aber das war nicht die einzige Neuerung. Die Übersiedlung des Hochmeisters zur Ma- ’enburg zog weitere Änderungen in der Verwaltung nach sich, die aber erst in die folgende Periode gehören und in den entsprechenden Abschnitten erörtert werden S°Bis zur Übersiedlung des Hochmeisters in die Marienburg war das Verhältnis des Ordensoberhauptes zu seinem Haupthaus von Spannungen gekennzeichnet, die of- fen ausbrechen konnten oder latent vorhanden blieben. Unter Hermann von Salza konnte das Haupthaus noch keine dominierende Rolle spielen. Aber schon zu sei- ner Zeit brach ein Konflikt aus, der bis 1309 nie ganz gelöst werden konnte. Es handelte sich um die Frage, ob der Orden eher eine stauferfreundliche Politik be- treiben, sich in die Pläne der Herrscher aus dem Stauferhaus einbinden und für Reichsdienste einspannen lassen oder eher den Forderungen der Päpste nachkom- men solle. Nachdem sich Friedrich II. aus dem östlichen Mittelmeerraum zurück- gezogen und auf die Konflikte im Abendland zu konzentrieren hatte, wandten sich die Brüder des Haupthauses in Akkon oder Montfort als wichtigste Vertreter der im Orient lebenden Ordensangehörigen vom Kaiser ab und den Päpsten zu, die den Kreuzzugsgedanken eher als die Kaiser zu fördern schienen. Nach dem Untergang des Stauferhauses verlor der Gegensatz zwischen einer päpstlichen und einer kaiser- lichen Partei im Orden zwar an Schärfe, war aber nicht auf gehoben und konnte je- derzeit aufbrechen. Jedoch traten diese Parteiungen allmählich in den Hintergrund und wurden von anderen Zielvorstellungen überlagert. Die Brüder des Haupthau- ses verlangten eine Förderung ihrer Anliegen der Kämpfe gegen die Sarazenen, die eigentlichen Kreuzzüge, während die Brüder im Baltikum auf ihren Heidenkampf und ihre Aufgabe zur Sicherung der Mission verwiesen. Mit dem Untergang der abendländischen Herrschaft in Palästina und der Übertragung des Haupthauses nach Venedig verlor die Ordenszentrale zwar an Gewicht, behielt aber dennoch be- deutende Funktionen, so daß es ihr gelang, den Hochmeister zumindest zeitweise an sich zu binden und zur Übernahme der in ihr herrschenden Vorstellungen zu zwingen. Jedoch blieb dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Der Orden wandte S1ch schließlich doch dem Baltikum zu. Wenn man auch nicht genau weiß, wie die Entscheidung für die Verlagerung des Haupthauses von Venedig zur preußischen Marienburg gefallen ist und welchen Anteil der Hochmeister Siegfried von Feucht- bangen daran hatte, bleibt dieser folgenreiche und zukunftsweisende Beschluß mit seinem Namen verbunden. ^ter von Dusburg, Chronica 111,295.
8 .3 Ämterentwicklung und Güterverwaltung außerhalb des Haupthauses in Palästina und im Orient Bei der Organisation seines Besitzes konnte sich der Deutsche Orden wieder am Vorbild der beiden älteren Ritterorden ausrichten. Als der Deutsche Orden 1198 die Templerregel übernommen hatte, besaß er noch nicht so viele Güter, daß es zu deren Verwaltung einer eigenen Organisationsstruktur bedurft hätte. Er hatte auch nicht das Verwaltungsschema eines der beiden älteren Ritterorden vorgegeben er- halten, an welches er sich in der Folge zu halten hatte. Der Deutsche Orden ent- wickelte vielmehr seine Verwaltung und Organisation nach seinen Bedürfnissen, al- lerdings in Anlehnung an die Vorbilder der beiden älteren Ritterorden282. Als der Deutsche Orden 1198 zum Ritterorden erhoben wurde, war die Verwal- tungsstruktur der Johanniter schon recht kompliziert, aber in ihrer Entwicklung noch keineswegs abgeschlossen283. Die unterste Einheit bildete die Kommende mit einem Komtur an der Spitze. Ihm unterstand eine mehr oder weniger große Anzahl von Brüdern, denen besondere Aufgaben zugeteilt gewesen sein konnten. Diese In- haber von Hausämtern waren den Komturen rechenschaftspflichtig. Im 12. Jahr- hundert schoben sich zwischen Komture und den Meister sogenannte Prioren, die mehrere Komtureien unter sich hatten. Ihre Verwaltungsbereiche hießen Priorate. Der Prior ernannte die ihm unterstellten Komture, verlangte Rechenschaft von ih- nen, führte Visitationen durch und forderte Gehorsam. Das erste Priorat im Westen war das von St. Gilles in Südfrankreich um 1120. Im Laufe der Zeit kamen mehrere Priorate hinzu. Solche Prioren wurden vom Generalkapitel ernannt und waren ihm Rechenschaft schuldig. Ihnen unterstanden manchmal nur für eine gewisse Zeit Komture von Provinzen, die sich ebenfalls Prioren nannten, aber nicht vom Gene- ralkapitel eingesetzt worden waren, wie der Prior der Normandie, der wohl dem Prior von Frankreich unterstellt blieb. Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden Verwaltungseinheiten, die mehrere Priorate umfaßten und Großkomtureien hießen. 1171 ist ein solcher Grand Commandeur d'Outremer (preceptor citra mare) erwähnt284. Daneben gab es zeit- weise einen Großkomtur für Frankreich. Beide sind nie gemeinsam im Amt be- zeugt. Daher wäre es denkbar, daß der Grand Commandeur d’Outremer die Aufga- ben eines Großkomturs von Frankreich ausübte und das Amt eines Großkomturs von Frankreich nur dann besetzt wurde, wenn ein Grand Commandeur d’Outre' mer nicht amtierte285. Großkomture gab es ferner für Spanien seit 1170 und für Ita- 282 Vgl. Forey, Military Orders, S. 148ff. 283 Zum folgenden: Riley-Smith, Knights, S.341 ff. 284 CHJ I, Nr.426, 477, 1022, 1026, 1056f.; II, Nr. 1460, 1464. 285 Riley-Smith, Knights, S.366f.
seit 1188286- Das deutsche Großpriorat ist im 12. Jahrhundert entstanden. Denn ist Arleboldus prior Alemanie bezeugt287. Ihm waren wohl schon im ker ^hundert mehrere Prioren unterstellt, die nicht vom Generalkapitel, sondern 12 deutschen Großprior ernannt wurden288. Jedoch sind die^ Abhängigkeiten für ^^eit noch nicht klar zu erkennen289. Möglicherweise waren einige der genannten Großkomture nur zeitweise zur Erledigung bestimmter Aufgaben ernannt worden nd hatten infolgedessen gar keine festen Amtssprengel oder Provinzen290. Was der Deutsche Orden also zur Zeit seiner Entstehung bis zu den Anfängen unter Hermann von Salza 1209 vorfand, war ein mehrstufiger Verwaltungsaufbau: Großmeister und Generalkapitel als Spitze und darunter Prioren und, ihnen unter- eben, Komture. In manchen Teilen des Abendlandes war der Aufbau schon erwei- tert, wenn man die Großkomture als Institutionen mit Sprengeln gelten lassen will: Großmeister und Generalkapitel - Großkomtur - Prior - Komtur. In Randgebieten der Priorate hatten sich zeitweise, aber für längere Zeiträume größere Bereiche mit mehreren Kommenden zu eigenen Verwaltungseinheiten mit einem Oberen an der Spitze, vielfach Prior genannt, herausgegliedert, wie das Priorat der Normandie aus dem Priorat von Frankreich. Im 13. Jahrhundert kam die Einteilung in Zungen hin- zu, die sich aus dem Zusammenleben der Brüder aus verschiedenen Nationen im Haupthaus ergaben291. Die Entwicklung des Verwaltungsaufbaus der Johanniter erscheint auch deshalb wenig klar, weil die Titel der Amtsträger nach ihren Funktionen nicht deutlich ge- schieden waren. Leiter von Ordenshäusern konnten commendator, preceptor, aber auch prior, magister oder procurator wie die ihnen übergeordneten Amtsträger hei- ßen292. Etwas klarer ist die Verwaltungsgliederung der Templer um 1200 zu erkennen. In den altfranzösisch verfaßten Statuten aus dem Ende des 12. Jahrhunderts sind für den Westen die Landkomture von Frankreich, England, das Poitou, Aragon, Portu- gal, Apulien und Ungarn genannt. Sie setzte der Meister zusammen mit dem Gene- ralkapitel ein293. 1208 gab es bereits einen bonorum Theutonie provisor294. Seit 1227 hieß er preceptor oder commendator wie die übrigen Landkomture und wurde vom 289 290 291 292 293 294 6 Riley-Smith, Knights, S.341 ff. 7 CHJ I, Nr. 825; vgl. Hafkemeyerin: Wiegand, Johanniter-Orden, S. 335 und S. 612 (Liste der 288 ^eutsc^en Croßprioren). Dazu: Riley-Smith, Knights, S.358. Hafkemeyerin: Wienand, Johanniter-Orden, S. 326 ff. azu auch: Riley-Smith, Knights, S.358f. Riley-Smith, Knights, S.370. 1iey-Smith, Knights, S.284f., 342. ° besonders Riley-Smith, Knights, S.341; auch Luttrell, Hospitaller Province, S.21 f. ~Urzon, Nr. 87. $ St Halberstadt, Nr. 16.
Meister und dem Generalkapitel ernannt295. Die Gebiete der Landkomture von Frankreich und Aragon (Provence) waren schon im 12. Jahrhundert in kleinere Pro vinzen unterteilt, denen eigene Obere vorstanden296. Die Gebiete der Präzeptoren für Deutschland und das Poitou oder Aquitanien wurden erst im Laufe des 13. Jahr- hunderts in kleinere Bezirke zerlegt297. Diese Landkomture wurden von den vorge- setzten Landmeistern ernannt. Die unterste Verwaltungseinheit des Templerordens war wie bei den Johannitern die Kommende mit einem Komtur an der Spitze, der innerhalb des Ordenshauses Brüder mit besonderen Aufgaben betrauen konnte. Die Komture erhielten ihre Ämter von den Landkomturen oder den Landmeistern, je nachdem wer ihr unmittelbarer Vorgesetzter war. Die Vorsteher der Häuser hießen commendator, magister oder preceptor. Dieselben Titel konnten auch ihre Vorge- setzten tragen. In solchen Fällen geben nur Zusätze Aufschluß über den jeweiligen Aufgabenbereich. Als der Deutsche Orden mit der Organisation seiner Verwaltung begann, fand er beim Templerorden einen dreistufigen Aufbau vor: Meister und Generalkapitel - Landkomtur - Komtur. Er war in bestimmten Regionen schon vierstufig erweitert worden: Meister und Generalkapitel - Landmeister - Landkomtur - Komtur. An- ders als der Johaniterorden hatten die Templer bereits seit 1166 einen magister citra mare als stets besetztes Amt eingerichtet. Die Amtsinhaber waren für den gesamten europäischen Besitz des Ordens zuständig und sind auch in allen Provinzen Euro- pas tätig gewesen. Allerdings hatten die magistri citra mare meist für längere Zeit eine Provinz verwaltet, bevor sie vom Meister und dem Generalkapitel mit einem solchen Amt betraut wurden. Auch in der neuen Würde behielten sie meist die Ver- waltung ihrer alten Provinz in ihren Händen. Sie sind also fast nie ausschließlich magistri citra mare gewesen, sondern hatten wahrscheinlich stets als materielle Grundausstattung und als Grundlage ihrer Autorität ein Landmeister- oder Land- komtursamt inne. Im allgemeinen blieb ihre Amtsführung auf die Provinz be- schränkt, deren Landmeister oder Landkomtur sie waren. Sie wurden nur zu be- sonders schwierigen oder wichtigen Entscheidungen von anderen Landmeistern oder Landkomturen hinzugezogen. Sie können also als Statthalter der Templermei- ster in Europa gelten298. Trotz entwicklungsbedingter Eigentümlichkeiten hatten beide Ritterorden ein in wesentlichen Punkten vergleichbares Provinzialsystem zur Verwaltung ihrer Güter hervorgebracht. Es galt im Westen wie im Osten, in Europa wie in Palästina. An der Spitze stand jeweils der Meister mit dem Generalkapitel. Von beiden wurden die 295 Schüpferling, S. 192. 296 Leonard, S.28f., 115. ff 297 Leonard, S. 95ff.; Schöpf erling, S. 192; Hammerstein, S. 6. Zu England: Parker, S. 18 125. 298 Leonard, S. 15ff.; Militzer, Entstehung, S.22.
1 r größerer Provinzen ernannt, aus denen wiederum kleinere Gebietseinhei- Verw^ter ejgenen Provinzialoberen ausgegliedert sein konnten. Auf der untersten te” U verwalteten Komture die Kommenden, die Verwaltungs- und Wirtschaftsein- •"n zugleich waren. Dem Zeitgenossen Jakob von Vitry, Bischof von Akkon ^lA-1224, erschien die Verwaltung der Johanniter und Templer gleich zu sein. Er laubte keine wesentlichen Unterschiede erkennen zu können299, und darin hatte er Als Jakob von Vitry seine Beobachtungen niederschrieb, schickte sich der Deut- sche Orden an, mit den beiden älteren Ritterorden gleichzuziehen. Zwar war da- mals der Verwaltungsaufbau noch keineswegs abgeschlossen, aber über Anfänge war der Orden doch schon hinausgelangt. Wie die Hochmeister mit ihren General- kapiteln im Haupthaus mit den gewachsenen Verpflichtungen und Aufgaben in Anlehnung an die beiden älteren Ritterorden neue Ämter geschaffen und besetzt hatten, so richteten sie erst dann Balleien oder Provinzen ein und übergaben sie be- sonderen Amtsträgern, wenn es eine effektive Verwaltung zu erfordern schien. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn zuerst dort eine Provinzialveraltung eingerich- tet wurde, wo der Orden den umfangreichsten und bedeutendsten Besitz erworben hatte. Das war zunächst und zuerst im Königreich Jerusalem der Fall. Aber dieser Besitz wurde vom Haupthaus in Akkon bzw. Montfort aus verwaltet. Weder für die Grafschaft Tripolis noch das Fürstentum Antiochien hat der Orden jemals Land- komture ernannt. Die in diesen Herrschaften liegenden Häuser und Besitzkomple- xe unterstanden dem Haupthaus300. Daß in Palästina keine Provinzen eingerichtet wurden, lag auch daran, daß der palästinensische Hauptbesitz des Ordens, vor allem seine Burgen, um Akkon konzentriert lagen301. Es lohnte sich daher nicht, im Heiligen Land selbst ein Provinzialsystem aufzubauen. In Kleinasien, im ehemaligen Königreich Armenien, hatte der Deutsche Orden frühzeitig Besitzungen erworben, die Papst Innozenz III. 1209 bestätigte302. König Leo JI. von Armenien erweiterte den Besitz 1212303. Hermann von Salza hat 1211 — 1212 in Begleitung von Wilbrand von Oldenburg Kleinarmenien besucht und die dortigen Güter inspiziert304. Zwei Burgen, die der Orden 1212 erhalten hatte, hat Wilbrand auf seiner Reise durch Armenien berührt, nämlich Cumbetefort und Amudain (Adamodanam)™. 1236 erwarb der Orden von König Hethum I. von Ar- 299 300 301 302 303 304 305 Historia Hierosolimitani I 65 in: Gesta Dei per Francos II, S. 1084. g. Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 35 ff.; Favreau, Studien, S. 73 ff. *gl. Riley-Smith, Atlas, S. 107. Pehlke, Tabulae, Nr.298; Potthast I, Nr.3755. lke» Tabulae, Nr.46; RRH, Nr. 859. Teildruck auch in: Forstreuter, Mittelmeer, S.234f. estätigte Papst Innozenz III. den Besitz: Strehlke, Tabulae, Nr.47. S. 10 ff. * ilbrandi de Oldenborg, Peregrinatio, S. 176, 179.
menien weiteren wichtigen Besitz, darunter mehrere Burgen306. Damals formulierte der armenische König, daß der Orden suum negotium in veram fraternitatem et so roritatem aufgenommen habe. Hans Eberhard Mayer schließt daraus, daß thum I. sein Königreich in eine „freilich unklar definierte Verbindung“ zum Orden gebracht habe307 308. Jedoch muß man sich dieser weitgehenden Interpretation nicht an schließen. Die Aufnahme in die fraternitas und sororitas bezog sich eher auf den König selbst und seine Frau oder auch dessen Familie, die in die Gebetsverbrüde- rung oder als Familiären aufgenommen worden waren. Darauf jedenfalls deutet der Begriff sororitas. Allerdings wird man Mayer zugestehen können, daß auch solche Bindungen den Orden verpflichteten und zu Verteidigungsanstrengungen veranlaßt haben könnten. Der Orden hatte also Interesse an der Region, da er sich sonst kaum um eine Besitzerweiterung bemüht hätte. Noch 1271 hat er seine Befesti- gungsanlage in Harunia durch den sogenanten „Schwarzen Turm“ verstärken las- O_308 sen Kurt Forstreuter hat wohl zu recht angedeutet, daß sich einem aufstrebenden Orden an der Grenze von Kleinarmenien die Möglichkeit zum Aufbau einer eigen- ständigen Herrschaft geboten habe, wenn es dem Orden gelungen wäre, dem Feind den Grund und Boden zu entreißen und den Besitz über die bestehenden Grenzen des christlichen Reiches hinaus zu erweitern309. Der Orden hat die Option nicht ge- nutzt und gar nicht erst den Versuch unternommen, eine derartige Herrschaft im Nordosten des damaligen Königreichs Armenien aufzubauen. Die Gründe dafür liegen nicht offen auf der Hand. Möglicherweise waren mit der 1236 einsetzenden Eroberung Preußens die Kräfte des jungen Ordens zu stark gebunden, als daß er noch eine nennenswerte Zahl von Ritterbrüdern nach Armenien hätte schicken können. Vielleicht waren aber auch die Kreuzfahrer nicht dazu zu gewinnen, den Orden im Kampf gegen die Feinde der abendländischen Christenheit an der nord- östlichen Grenze Armeniens zu unterstützen. Ohne Kreuzfahrer, allein auf die or- denseigenen Streitkräfte gestützt, wäre ein solches Unterfangen von vornherein aus- sichtslos gewesen. Beide Gründe könnten zusammen die Entscheidung beeinflußt haben. Jedoch mögen noch andere hinzugetreten sein, die dazu geführt haben, daß sich der Orden in Kleinarmenien passiv verhalten hat. Anno von Sangerhausen be- suchte 1271 noch einmal die Gegend und schlichtete dort einen Streit310. Ansonsten hat sich in dem Randgebiet kein Hochmeister mehr sehen lassen. Mit Armenien war Zypern in der Verwaltungsorganisation verbunden. Zypern hatte für die Kreuzfahrerstaaten in Palästina eine besondere Bedeutung. Denn tu 306 Strehlke, Tabulae, Nr. 83; RRH, Nr. 1060; Forstreuter, Mittelmeer, S. 235f. Dazu: RdeY Smith, Templars, S. 113ff. 307 Mayer, Geschichte, S.242. 308 Pringle und andere, Qal’at Jiddin, S. 160f. 309 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 61 ff.; Arnold, Europa, S. 162 f. 310 RRH, Nr. 1379; Predelli, Nr. 59; Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 64 f., 236f.
ii Kreuzfahrer war die Insel eine mögliche Station auf der Reise in das Heilige a d Auf Zypern hatte der Deutsche Orden von König Amalrich II. (1194-1205) in Lefkara und wohl auch in Nikosia, der Hauptstadt, erhalten. 1209 bestä- • te Papst Innozenz III. Besitz in Lefkara. Emen größeren Un^fang nahmen die Güter auf Zypern erst an, als Friedrich II. zu seinem Kreuzzug aufgebrochen war und eine Reichslehnschaft über Zypern beansprucht hatte. Da der Kaiser Verbünde- te benötigte und sie im Deutschen Orden zu finden hoffte, sah es für kurze Zeit so aUS als könne der Orden im Gefolge des staufischen Herrscherhauses auf der Insel eine größere Rolle spielen. Als Friedrich II. jedoch aus dem Orient nach Europa zurückgekehrt war, brach die staufische Herrschaft über Zypern schnell zusammen. Daniit sanken auch die Aussichten des Deutschen Ordens, auf der Insel in mit den beiden älteren Ritterorden vergleichbarer Weise Fuß zu fassen. Die Besitzungen des Deutschen Ordens auf Zypern blieben gering311. Die Hoffnungen, die sich an das staufische Herrscherhaus geknüpft hatten, erfüllten sich nicht. Die Güter auf Zy- pern wurden mit denen in Armenien zu einer Ballei mit einem Landkomtur an der Spitze zusammengefaßt. Diese Ballei trug die Bezeichnung Armenien. Die Ballei Armenien führte ein schattenhaftes Dasein. Namen von Komturen, al- so Vorstehern von Ordenshäusern, in Armenien oder Zypern sind nicht bekannt, ebensowenig ein einziger Name eines Landkomturs. Nach einer Vermutung von Riley-Smith sei die Ballei bald nach der Verleihung des bedeutenden Lehens Harunia (Haryniye), also noch vor der Mitte des 13. Jahrhunderts, errichtet wor- den312. Vorher sei der Großkomtur des Haupthauses für die Besitzungen in Arme- nien zuständig gewesen. Das mag sein, ist aber nicht zu beweisen. Die Ballei ist lediglich in den um 1250 aufgezeichneten Statuten erwähnt. Nach den in ihnen ent- haltenen Gewohnheiten spielte der Landkomtur von Armenien im Orient sogar eine bedeutende Rolle, besser gesagt, sollte er sie nach den Vorschriften der Verfas- sung spielen. Jedes Mal, wenn am Kreuzerhöhungstag, dem 14. September, ein gro- ßes Kapitel im Haupthaus zelebriert wurde, war der Landkomtur von Armenien und Zypern vorher einzuladen. Er hatte auf dem Kapitel sein Amt zur Verfügung Zu stellen und Rechenschaft abzulegen. Danach konnte er oder auch ein anderer Ritterbruder zum Landkomtur von Armenien und Zypern bestellt werden313. Er zählte also neben einigen anderen zu den Provinzialgebietigern, die vom Hochmei- ster lrn Einvernehmen mit dem Generalkapitel ernannt wurden314. Nach Zusätzen in Mehreren Statutenhandschriften aus der Zeit um 1260 war er unbedingt zur Hoch- H^eisterwahl zu laden315. Zumindest bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts 311 p orstreuter, Mittelmeer, S. 54ff.; Hubatsch, Cypern, S. 289ff. (mit dem Abdruck der Urkun- 312 313 p^ey-Smith, Templars, S. 115. 314 erlkach, Statuten, S. 102: Gewohnheit 18. 315 p^kach, Statuten, S.97: Gewohnheit 8. erlbach, Statuten, S.91 f.: Gewohnheiten 2-3.
hinein gehörte er zu den angesehenen und bedeutenderen Amtsträgern. Einen Teil seines Prestiges mag er aus der Lage seiner Ballei an der Grenze zu den Ungläubi gen gezogen haben. Mit dem Vormarsch der islamischen Heere auch in Armenien verlor die Ballei ih- re Bedeutung. Da der Deutsche Orden nach dem Fall von Akkon 1291 sein Haupt- haus im Orient eingebüßt hatte, nach Venedig und 1309 nach Preußen verlegte, war die Ballei Armenien endgültig an den Rand des Ordensinteresses gerückt. Die im 14. Jahrhundert entstandene altfranzösische Statutenredaktion kannte den Land- komtur von Armenien schon nicht mehr und hatte ihn durch den Landkomtur von Spanien ersetzt316. Damals hatte der Orden jedoch schon seinen Besitz in Armenien verloren, noch bevor das Königreich Armenien untergegangen war. Auf Zypern ver- fügte er im 14. Jahrhundert noch über Besitzungen, über die einzelne Ordensbrüder wachten. Aber er ging allmählich verloren, auch weil der Orden an ihm kein Inter- esse mehr zeigte317. Schon in Palästina, Armenien und auf Zypern hatte sich der Deutsche Orden nicht sklavisch an seine Vorbilder gehalten. Die Johanniter hatten ihren Besitz in den Gebieten Kastellanen und Komturen anvertraut, die keiner Provinzialverwal- tung unterworfen waren. Die Templer kannten die Komture des Königreichs Jeru- salem, von Tripolis und Antiochien, die der Deutsche Orden nicht eingeführt hatte. Der Deutsche Orden hatte im Orient nur die Organisationsform übernommen, sich ihrer aber nach seinen Bedürfnissen zur Verwaltung des Besitzes bedient. Es lag ihm fern, einen Landkomtur von Antiochien zu ernennen, nur weil die Templer beispielsweise einen solchen Amtsträger in ihrer Regel führten. 8.4 Amterentwicklung und Güterverwaltung in den Balleien am Mittelmeer 8.4.1 Ballei Apulien Mindestens gleichzeitig mit Gütern im Königreich Armenien und auf Zypern hatte der Deutsche Orden Besitz im Königreich Sizilien erhalten, und zwar sowohl auf dem Festland in Apulien wie auf der Insel Sizilien. Am 20. Mai 1197 hatte Kaiser Heinrich VI. den Brüdern vom Hospital der Deutschen das von ihnen gegründete Thomasspital bei Barletta bestätigt und weitere Güter geschenkt318. 1197 oder ein paar Jahre früher hatte er den Brüdern die Burg Mesagne in der Terra d’Otranto 316 Perlbach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8. Vgl. Riley-Smith, Templars, S. 115, 117 317 Fo rst reut er, Mittelmeer, S. 57, 65 f.; Hubatsch, Cypern, S.280ff. 318 RI IV,3, Nr. 593; Pergamene di Barletta, Nr. 37; Hennes I, Nr. 1; Schum ach er, Studien I, $•
.•beitragen. Sein Sohn Friedrich II. bestätigte den Besitz 1221319. Jener hatte bereits 1218 mit dem Deutschen Orden Güter in Deutschland gegen Einnahmen von 150 Unzen Gold in Brindisi getauscht320. Vor 1214 hatte der Orden in Brindisi das Spital der Deutschen erhalten, das dort mindestens schon seit 1191 ^gestanden hatte321. Auch in Bari muß der Orden unter Friedrich II. Besitzungen erworben haben, wenngleich der Ursprung des Ordenshauses in der Hafenstadt noch nicht geklärt ist322- Denn 1221 ist Bari in einer Urkunde Friedrichs II., in der er alle von ihm und seinen Vorgängern übertragenen Besitzungen bestätigte, noch nicht aufgeführt323. Man wird daher vermuten dürfen, daß durch den Herrscher bald nach 1221 die Grundlage für die Kommende in Bari gelegt wurde. 1231 verlieh der Kaiser dem Orden umfangreiche Ländereien bei Corneto am Abhang des Appenin zwischen Melfi und Ascoli Satriano324. Diese Schenkung nahm an Bedeutung zu, als dem Or- den 1260 das Augustinerchorherrenstift S. Leonardo di Siponto übertragen wurde325. Im 14. Jahrhundert stieg dieses Haus in der Nähe von Manfredonia zum Haupthaus der Ballei auf und löste die ältere Zentrale in Barletta ab326. Seit 1225 ist ein Landkomtur von Apulien bezeugt, nämlich ein Ritterbruder na- mens Ludwig. Er war noch 1231 Landkomtur327. Ihm unterstanden ein Komtur von Barletta, dessen Amt seit 1208/09 zu belegen ist, und ein Komtur von Brindisi, seit 1218 bezeugt. Seit 1240 ist ein Komtur von Bari bekannt328. Später kamen Komture von Corneto und S. Leonardo hinzu329. Das Haupthaus der Ballei stand damals noch eindeutig in Barletta. Dort blieb es auch bis weit in das 14. Jahrhundert hin- ein330. In Barletta fand Hermann von Salza seine letzte Ruhestätte331. Nach einer Vermutung H.E. Mayers hat Hermann von Salza im dortigen Ordenshaus ein Ar- chiv angelegt und so einen zweiten Hauptsitz des Ordens geschaffen332, den er für seine diplomatische Tätigkeit im Dienst von Kaiser und Papst benötigte. Denn we- 319 RI IV,3, Nr. 727; Huillard-Breholles 11,1, S. 163-165; Favreau, Studien, S. 62. 320 Schumacher, Studien I, S.201. 321 RI V,l,l, Nr. 741; Strehlke, Tabulae, Nr. 147; Acta imperii inedita I, Nr. 121; A. Primaldo Coco, I Cavalieri Teutonici nel Salento, Taranto 1925, S. 77 Nr. 121. Nach Schumacher, Studien I, S. 201, kam das Spital um 1200 an den Deutschen Orden. ^22 So Forstreuter, Mittelmeer, S. 127. Ferner: Schumacher, Studien I, S.213. 323 Strehlke, Tabulae, Nr. 149. 324 RI V, 1,1, Nr. 1890f.; Huillard-Breholles III, S.303f. 325 Regesto di S. Leonardo, Nr. 194ff.; Schumacher, Studien I, S.201 f. 2b Schumacher, Studien I, S.208ff., 213. 27 Forstreuter, Mittelmeer, S. 132. 8 Forstreuter, Mittelmeer, S. 134. $ Schumacher, Studien I, S. 208ff.; Regesto di S. Leonardo, Nr.203: Henricus preceptor ecclesie s. Leonardi 1265. 33? ^c^umacher, Studien I, S. 203. 332 Mer V°n Dusburg> Chronica 1,5; Schreiber, S. 652; Kluger, S. 192. *LE. Mayer im Vorwort zum Nachdruck von Streh 1 ke, Tabulae, S. 77; vgl. Kluger, S. 28.
gen seiner Beanspruchung durch die beiden Repräsentanten der Christenheit kam er nur selten nach Akkon in das Haupthaus des Ordens und konnte daher kaum auf das Hauptarchiv des Ordens zurückgreifen, weil es zu sehr am Rande seines Tä tigkeitsbereiches lag und ihm wenig Nutzen bringen konnte. Die Hafenstadt Barlet- ta mit Verbindungen zum Orient bot ihm ungleich bessere Möglichkeiten. 8.4.2 Ballei Sizilien Fast gleichzeitig wie in Apulien konnte der Deutsche Orden Besitzungen auf der südlich vorgelagerten Insel Sizilien erwerben. Er verdankte seinen ersten Besitz wie auf dem Festland auch dem staufischen Herrscherhaus. Kaiser Heinrich VI. über- trug dem Deutschen Spital in Akkon 1197 noch vor dessen Erhebung zum Ritter- orden das Kloster St. Trinitatis bei Palermo, das er den gegen ihn revoltierenden Zisterziensern genommen hatte333 334. Durch weitere Schenkungen der Nachfolger Heinrichs VI. in seiner Wirtschaftskraft gestärkt, überflügelte es alle anderen Or- denshäuser auf der Insel und stieg zum Haupthaus der Ballei auf. Es hieß später einfach Mansio oder im Italienischen heute noch La Magione™. Ein weiterer Be- sitzkomplex entstand in und um Messina. Er war möglicherweise anfangs eine selb- ständige Kommende, kam aber schon im 13. Jahrhundert unter die Aufsicht der Magione und wurde dieser Kommende einverleibt. 1217 hatte der Orden von Fried- rich II. 200 Unzen Gold aus Einkünften in Messina erhalten335. Im Laufe des 13. Jahrhunderts, teilweise erst in der zweiten Hälfte, sind Besitzkomplexe in ande- ren Teilen der Insel zu Kommenden zusammengefaßt worden: Agrigent spätestens 1277, Gurfa bei Polizzi spätestens 1291, Busamara später Corleone seit 1307336. Der Besitz in und um Corleone, ursprünglich von Palermo aus verwaltet, scheint erst um 1300 ausgegliedert und zu einer selbständigen Kommende erhoben worden zu sein. Bereits 1202 ist ein magister Gerardus in Palermo bezeugt. Er war der erste Kom- tur der Magione und der erste Amtsträger des Deutschen Ordens in Sizilien über- haupt337. Wahrscheinlich war er ein Priesterbruder, da er auch als rector ecclesie be- zeichnet worden ist. Jedoch ist das nicht sicher, zumal er später 1206 und 1219 nur noch als magister erscheint338. Auf die Initiative dieses Ordensbruders Gerhard 333 Mongitore, S. 13f.; Hennes I, Nr.2; vgl. Powell, S.237 334 Forstreuter, Mittelmeer, S. 110f.; Schumacher, Studien II, S. lff.; Mongitore, S. 18-22, 26 30, 37-39. 335 Hennes I, Nr.28; Streh 1 ke, Tabulae, Nr. 146; Schumacher, Studien II, S. 5. 336 Forstreuter, Mittelmeer, S. 123. 337 Mongitore, S. 16-18. 338 Mongitore, S.21 f., 26.
führt Po well mit einem gewissen Recht die Schenkungen Heinrichs VI. und seines Sohnes Friedrich II. in Sizilien zurück. Jener Gerhard hat nach der Auffassung Po- wells dafür gesorgt, daß der junge Deutsche Orden wenigstens in Sizilien und a pulien, dem süditalienischen Herrschaftsbereich der Hohenstaufen, den beiden äl- teren Ritterorden, den Templern und Johannitern, gleichgestellt wurde339 340. Diese Po- litik hat der Hochmeister Hermann von Salza dann aufgegriffen, gefördert und sChließlich die Gleichstellung seines Ordens auch außerhalb Siziliens und Apuliens erreicht. Lange bevor in Apulien ein Landkomtur bezeugt ist, ist ein solcher in Sizilien nachweisbar, und zwar 1212 Jordanus omnium domorum ordinis Theutonici praecep- tor in Sicilia^. Da er damals mit der Zustimmung der Brüder des Deutschordens- hauses in Palermo ein Zinslehen vergeben hat, wird er seine Residenz in der Mario- ne in Palermo gehabt haben. Auffallend ist, daß wenigstens anfangs das Amt eines Komturs von Palermo und das eines Landkomturs von Sizilien nie zusammen ge- nannt worden sind. Daher wäre es durchaus möglich, daß der Landkomtur von Si- zilien in den frühen Jahren gleichzeitig der Vorsteher des Ordenshauses in Palermo gewesen ist und ein Komtur allenfalls die Aufgaben eines Hauskomturs erfüllt hät- te. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts setzte sich allmählich der Sprachgebrauch durch, daß der Landkomtur preceptor generalis oder preceptor magnus domorum in Sicilia oder auch einfach domus Theutonice s. Trinitatis, der Leiter der Magione da- gegen parvus preceptor und im 15. Jahrhundert meist locumtenens Mansionis ge- nannt wurde, weil er als Leiter des Hauses Funktionen eines Hauskomturs wahr- nahm und bei Abwesenheit des Landkomturs dessen Stellvertreter war341. Der Landkomtur lebte meist in Palermo, wo das Haupthaus der Ballei stand. Daher werden die sonst unüblichen Amtsbezeichnungen verständlich342. Für die Kreuzfahrer war Sizilien wohl weniger wichtig als die Häfen Apuliens. Für den Deutschen Orden hatte die Insel als Herzstück des Königreichs Sizilien dennoch eine besondere Bedeutung, weil das staufische Herrscherhaus seinen „Hausorden“ vor allem auf der Insel förderte und so viele und ertragreiche Güter schenkte, daß sie schon im 13. Jahrhundert erhebliche Überschüsse abgeworfen ha- ben müssen343. Andererseits bildete der Orden für die Staufer einen Rückhalt in einem Reich, dessen Untertanen zumindest Heinrich VI. noch nicht vollständig er- 339 Powell, S.237ff. 340 Mongitore, S.22. 1 Vgl. die Zusammenstellungen von Forstreuter, Mittelmeer, S. 120-123. Nicht in allen Einzelhei- 342 ten Zutre^enc^: Schumacher, Studien II, S.3, 5f. Dazu nun Toomaspoeg, S. 447, der meint, daß erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts ein Ab- schluß in der Balleientwicklung in Sizilien erreicht worden sei und sich dann eine Terminologie der 343 vf1 Verfestigr habe- gl- Schumacher, Studien II, S.2ff.; Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 111; M i 1 i t z e r, Wirtschafts- tetigkeit, S. 7f.
geben waren. Im Gegenteil haben einheimische Große und Klöster gegen das neue Herrschergeschlecht immer wieder aufbegehrt. Die Besitzübertragungen stärkten zwar einerseits den Deutschen Orden selbst, boten den Staufern aber andererseits die Gewähr, daß sie sich in ihrem neuen Reich auf einen ihnen ergebenen Parteigän- ger verlassen konnten. Wie die Erhebung des Deutschen Spitals zu einem Ritter- orden in Akkon auf einem politischen Konzept Heinrichs VI. beruhte, nämlich mit Hilfe eines stärkeren deutschen Einflusses Herrschaft im Orient auszuüben, so ge- hörte zu dem Konzept auch die Stärkung des deutschen Elements im Königreich Si- zilien. Diese Vorstellungen hat Heinrichs Sohn Friedrich II. auf gegriffen und wei- tergeführt. Der Deutsche Orden erhielt also im politischen Konzept Friedrichs II. wie bei seinem Vater Heinrich VI. nicht nur die Aufgabe eines Parteigängers und einer politischen Stütze in Palästina, sondern auch in Sizilien und Apulien. Wegen dieser Bedeutung der Besitzungen des Ordens in Sizilien und Apulien werden die Landkomture von Sizilien und Apulien vom Hochmeister und dem Ge- neralkapitel eingesetzt worden sein, wie die Statuten vorschrieben344. In Zusätzen bald nach der Mitte des 13. Jahrhunderts ist zwar nur vorgesehen, daß der Land- komtur von Apulien zur Meisterwahl zu laden sei345 346, aber es wäre möglich, daß da- mals die Ämter eines Landkomturs von Sizilien und eines solchen von Apulien in einer Hand vereint waren, wie vielleicht 1261 in der Hand des Dietrich (Todinus, Teodinus, Tudinus) von Middelburg (Micilburg, Mittilburg), preceptor Theutonico- rum in Sicilia et Calabria™3. Jedoch wäre es auch möglich, daß nach dem Fall der Staufer die Ballei Sizilien für den Deutschen Orden an Bedeutung eingebüßt hatte und der Landkomtur von Apulien nur deshalb zur Wahl geladen wurde, weil er in Barletta residierte, dem Ort, von dem Schiffe in den Orient ablegten und in dem sich die wichtigsten europäischen Amtsträger einschiffen konnten. Wie dem auch sei. Solange die Staufer Kaiser und Könige stellten und das Königreich Sizilien be- herrschten, waren die Balleien Apulien und Sizilien für den Orden von erheblicher Bedeutung, wie sie auch im politischen Kalkül der Staufer eine Rolle spielten. Mit dem Untergang des staufischen Königshauses verloren beide Balleien an Interesse für den Orden, wie man schon an den Statuten ablesen möchte. 344 Perlbach, Statuten, S.97: Gewohnheit 8. 345 Perlbach, Statuten, S.91 f.: Gewohnheit 2, 3; S. 134: Gesetze über Meer 1,1. 346 Mongitore, S. 37; vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 120. Unsicher ist, ob Calabria als die densprovinz Apulien gedeutet werden darf.
8.4.3 Ballei Morea (Griechenland) Ob Angehörige des Deutschen Ordens am 4. Kreuzzug, der sich gegen Byzanz richtete, beteiligt waren, ist unbekannt347. Bei der Aufteilung 4er Beute wurde der Orden jedoch nicht übergangen. Allerdings ist der Umfang der Beute nicht genau bekannt. Wenn der Orden Besitzungen in und um Konstantinopel erhalten haben sollte, ist davon nichts mehr in der Überlieferung zu finden. Solche Güter sind dann bereits 1261 mit der Rückeroberung Konstantinopels verloren gegangen oder wurden ihm 1311 von der Katalanischen Kompanie weggenommen348. Lediglich auf der Peleponnes konnte sich der Orden länger halten und dort eine Tradition bilden, die auf uns gekommen ist. 1209 erhielten die Templer, Johanniter und der Deutsche Orden je eine Baronie in Achaia oder Morea, wie man die Peleponnes damals nann- te. Die vier Ritterlehen umfassende Baronie des Deutschen Ordens lag im südlichen Messenien bei Kalamata. In dem Gebiet übernahm der Orden um 1300 von Graf Florens von Hennegau und dessen Frau Isabella die Burg Chateau Neuf. In den an die Republik Venedig gefallenen Hafenstädten Methone (Methöni) und Korone (Koröni) hatte der Orden Besitz erworben und unterhielt in beiden Städten Nieder- lassungen349. Zum zentralen Ort in Morea stieg jedoch Mostenitza im Gebirge an der Grenze von Elis und Arkadien westlich vom antiken Psophis und dem heutigen Tripötema auf. Weshalb der Orden in einen so abgelegenen Ort den Hauptsitz der Ballei verlegt hat, ist schwer zu verstehen. Zur Verwirrung trägt eine Urkunde von Papst Gregor IX. von 1241 bei, in der das Oberhaupt der Kirche von einem precep- tor und Brüdern in Monstonitio in der Diözese Koröni spricht350. Forstreuter hat daher erwogen, ob der Orden seinen Hauptsitz nicht in einem anderen Moste- nitza, vielleicht einem Ort mit einer Brücke über einen Fluß in der Ebene von Kala- mata, gehabt, ihn erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts in das Gebirge verlegt und den neuen Sitz nach dem alten benannt habe351. Das ist zwar eine plausible, aber bislang unbewiesene Hypothese. Uber die Verwalter der einzelnen Ordenshäuser ist kaum etwas bekannt. Namen von solchen Amtsträgern des 13. Jahrhunderts sind bislang nicht ermittelt worden. 1236 ist erstmals in einer Bulle des Papstes Gregor IX. ein preceptor von Griechen- land erwähnt, allerdings ohne daß sein Name genannt wäre352. Ordensintern hieß die Ballei Achaia oder Romania (Rümenie). Um 1250 zur Zeit der Redaktion der Statuten wurde dem Landkomtur auf erlegt, einmal im Jahr ein Kapitel zu halten, ^7 Dazu Rune im an II, S. 111 ff.; Ostrogorsky, S. 342 ff. 4$ Forstreuter, Mittelmeer, S.71 f. Forstreuter, Mittelmeer, S.72; Rühl, S.329f. 0 Forstreuter, Mittelmeer, S.237f.: Anlage 9. 1 Forstreuter, Mittelmeer, S. 73f. Registres de Gregoire IX, Nr. 3408, 6071; vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S.237f.: Anlagen 9-10.
auf dem die ihm unterstellten Amtsträger, also wohl die Komture von Niederlas sungen auf der Peleponnes, ihre Ämter zur Verfügung stellen und Rechenschaft ablegen sollten353. Die Ballei Griechenland wird also mehrere Kommenden umfaßt haben. Man wird sie in Koröni, Methöni, in oder bei Kalamata und vielleicht schon im Gebirge bei Mostenitza vermuten dürfen. Urkundliche Nachweise solcher Amts- träger fehlen bislang. Auf die Bedeutung der Ballei in der frühen Zeit des Deutschen Ordens deutet die Tatsache hin, daß der Landkomtur von Griechenland zusammen mit anderen wich- tigen Amtsträgern vom Hochmeister und dem Generalkapitel eingesetzt wurde354 Ein hohes Ansehen wird der Landkomtur nicht genossen haben, da er nicht zu den Hochmeisterwahlen geladen wurde, wie es für viele der Provinzaloberen der Mit- telmeerballeien vorgesehen war. Mit dem Vormarsch der Griechen in die Peleponnes und mit deren militärischen Erfolgen, die ihnen seit der Mitte des 13. Jahrhunderts die östliche Hälfte der Halb- insel brachte355, wurden die ehemals sicher scheinenden Besitzungen des Ordens zum umkämpften Gebiet. Die wenigen Ordensburgen bildeten nun Grenzbastio- nen. Zwar hat der Orden infolge dieser Auseinandersetzungen seinen Besitz nicht aufgegeben und sich nicht abgesetzt, aber er hat auch nicht viel zu einer Erweite- rung getan. Er verlor das Interesse an den Gütern auf der Peleponnes, da er in einem Ausbau seiner Stellung in Morea und im Kampf gegen orthodoxe Christen dort keinen Sinn für sich und seine Aufgabe sah. Nicht daß sich der Orden ge- scheut hätte, gegen orthodoxe Christen zu kämpfen. Das Gegenteil lehrt die Ge- schichte des livländischen Ordenszweigs und seiner oft mit Erbitterung geführten Kriege gegen orthodoxe Russen. In Griechenland sah die Ordensführung seit der Mitte des 13. Jahrhunderts wohl keine erkennbare Zukunft für den Orden mehr. Das Amt eines Landkomturs von Griechenland haben seit dem Ende des 13. Jahr- hunderts vielfach Landkomture von Sizilien und Apulien mitverwaltet356. Auch das ist ein Zeichen für das mangelnde Interesse des Ordens an seiner Ballei auf der Pe- leponnes. Im 15. Jahrhundert trat ein Wandel ein, der jedoch an der Stellung der Ballei innerhalb des Ordens wenig ändern sollte. 8.4.4 Ballei Lombardei Umfangreichen Besitz konnte der Orden in Norditalien erwerben. Dort spielte Ve- nedig auch für den Orden eine große Rolle. Die Stadt an der Lagune war einer der 353 Perlbach, Statuten, S. 59f.: Gesetz Ilb; S. 102: Gewohnheit 18. 354 Perlbach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8. 355 Ostrogorsky, S.387ff. 356 Forst reu ter, Mittelmeer, S. 86.
chtigsten Häfen für deutsche Kreuzfahrer, die sich oft in Venedig zur Überfahrt W1 h Palästina einschifften. Venedig war an der Eroberung Akkons beteiligt gewe- 11 und hatte sein Quartier dort nicht weit vom Haupthaus des Ordens357. In den venetianischen Städten Koröni und Methöni auf der südwestliche^ Peleponnes hatte der Orden Niederlassungen errichtet. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn der Deutsche Orden schon früh Beziehungen zur Republik Venedig geknüpft hatte. In der Tat sprechen venetianische Akten des 16. Jahrhunderts davon, daß bereits der poge Pietro Ziano dem Orden 1208 die Zollinsel (isola della Doana) auf Bitten eines Bruders Konrad (priore Oradino) angewiesen habe, damit der Orden dort Pil- ger versorgen könne358. 1258 unterstützte der Doge Reniero Zeno den Orden beim Bau der Trinitatiskirche und stattete die Niederlassung zum Dank für dessen Hilfe gegen die Genuesen in Akkon mit weiteren Gütern aus359. Da die Besitzungen des Ordens im Deutschen Reich im Laufe des 13. Jahrhunderts erheblich zunahmen, der Nachschub aus dem Reich nach Palästina reichhaltiger wurde und mehr Ritter- brüder aus Deutschland in das Heilige Land versetzt wurden, stieg Venedig zu einem für den Deutschen Orden noch wichtigeren Hafen als die ehemals bedeuten- deren Hafenstädte Apuliens auf. Denn Venedig lag verkehrsgünstiger zum Reich und zum Baltikum, dem zweiten bedeutenden Einsatzgebiet des Ordens nach dem Heiligen Land. Trotz der Bedeutung Venedigs für den Deutschen Orden unterhielt die Ballei Lombardei ihr Haupthaus nicht in der Hafenstadt, sondern in Padua, wo auch das Balleiarchiv untergebracht war. Über die Anfänge des Ordens in Padua ist nicht viel bekannt. Bereits 1240 amtierte dort ein Landkomtur360. Die Anfänge der Ordens- niederlassung in Bologna gehen wohl bis zum Jahr 1221 oder sogar noch weiter zu- rück. 1221 bezeugte ein frater Otto hospitalis Theotonicorum Bononie eine in Bolo- gna ausgestellte Urkunde des Kardinals Hugo von Ostia361. Zwei Jahre vorher hatte Kaiser Friedrich II. dem Orden Güter bei Bologna übertragen362. Sie könnten den Kern der Besitzkonzentration gebildet haben, aus der sich die Kommende entwik- kelt hat. Seit wann man jedoch von einer Kommende in Bologna sprechen kann, ist nicht sicher. Zumindest leiteten im 14. Jahrhundert Komture das Ordenshaus in Bo- 10gna . Vor 1232 erhielt der Orden Precenicco (deutsch: Brixenei) nördlich der Lagune von Marano von Meinhard II. dem Alten, Grafen von Goerz, übertragen. ^7 Riley-Smith, Atlas, S. 103. 359 F°rstreuter, Mittelmeer, S. 139 f.; Arnold, Venedig, S. 145. Forstreuter, Mittelmeer, S. 140; P red eil i, S. 1380 f.; vgl. die Annales Januenses, in: MGH SS 360 p^LS.239f. Dazu: Perlbach, Venedig, S. 270; Arno 1 d, Venedig, S. 147ff. 361 pstreuter> Mittelmeer, S. 146 f., 250f. 3^2 p°rstreuter> Mittelmeer, S. 147f. 363 Nr. 1049; Huillard-Breholles I, S.674: 1219 September 6. Ors treu ter, Mittelmeer, S. 149.
1232 bestätigte dessen gleichnamiger Neffe die Schenkung364. Seit wann die umfan reichen Besitzungen von einem Komtur verwaltet wurden, ist noch nicht genau er- mittelt. Als letzte kam eine Niederlassung in Stigliano, in deutschen Quellen Astian genannt, hinzu. 1282 hatte Avantius von Stigliano im Palast der Hochmeisters in Akkon dem Deutschen Orden seinen gesamten Besitz vermacht, vor allem Bur und Stadt Stigliano, dazu Güter in Padua und Treviso. Nach seiner Rückkehr hat er die Schenkung in Italien angefochten. Erst nach einem langen Prozeß gelangte der Orden 1321 in den ungestörten Besitz der Schenkung365. Die Bedeutung der Schen- kung zeigt sich auch darin, daß der Landkomtur der Ballei Lombardei im 15. Jahr- hundert seinen Sitz in Stigliano hatte366 367. Andere Güterkonzentrationen wie die in Parma und Umgebung wurden nicht zu Kommenden zusammengefaßt, sondern von den schon bestehenden Ordensniederlassungen verwaltet. Spätestens 1240 wurden die Ordenshäuser in Norditalien zu einer Ballei zusam- mengefaßt. Seit dem Jahr ist ein Landkomtur nachweisbar. 1240-1242 war es ein Mann namens Omnibonus oder Honebonus, sindicus minister et rector domus ordi- nis s. Marie Alamannorum in Lombardia et Marchia (oder genauer: Marchia Tarvi- sina)2^7. Später bürgerte sich der Begriff Ballei Lombardei und Landkomtur in der Lombardei mit vielfältigen sprachlichen Variationen ein. Wohl weil die Ballei relativ spät entstanden ist, wurde sie nicht mehr in den Kata- log der Ordensprovinzen aufgenommen, deren Landkomture vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel eingesetzt werden sollten. Der Landkomtur der Ballei Lombardei fehlt in dem entsprechenden Abschnitt der Gewohnheiten. Das muß aber nicht bedeuten, daß die Landkomture nicht doch vom Hochmeister und dem Generalkapitel ernannt worden sein könnten. Denn die Tatsache, daß der Orden sein Haupthaus nach dem Fall von Akkon 1291 zunächst nach Venedig ver- legte, spricht dafür, daß der zuständige Landkomtur den übrigen Provinzialoberen der Mittelmeerballeien gleichgestellt gewesen ist und wie jene vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Kapitel ernannt worden sein wird. 8.4.5 Ballei Spanien In Spanien hatten Muslime eigene Reiche gegründet und gegen die Christen be- hauptet. Gegen diese Anhänger des Islams kämpften die christlichen Königreiche 364 RI V,1,1, Nr. 1950; Huillard -B reholles IV,1, S. 319 f.; Regesten Görz und Tirol I, Nr.444; Pet tenegg, Nr. 136; Monumenta Duc. Carinthiae IV, Nr.2038. 365 Forstreuter, Mittelmeer, S. 151 f., 251: Anlage 28; S.254: Anlage 34. 366 Vgl. die Visitationen von 1435-1440 und 1451: Forstreuter, Mittelmeer, S. 154; Benning ven, Zahl, S. 13. 367 Forstreuter, Mittelmeer, S. 155, 249f.
Fürstentümer von Leon und Kastilien, Navarra, Aragon und Katalonien und bZW Portugal. Die Kämpfe nahmen im 12. Jahrhundert kreuzzugsähnliche Formen SPatjl47 hieß Papst Eugenius III. die Ausdehnung der Kreuzzüge auf Spanien gut. ch hatten schon vorher zahlreiche Kreuzfahrer an den Feldzügen gegen die w uren in Spanien und Portugal teilgenommen, teilweise nur sozusagen als Zwi- chenstation auf dem Weg zu ihrem eigentlichen Ziel, dem Heiligen Land. Seit 1147 S doch kämpften sie mit der Zustimmung der höchsten kirchlichen Autorität des Abendlands368. An der Grenze der christlichen zu den muslimischen Herrschaften wurden Templer und Johanniter eingesetzt, damit sie Übergriffe ab wehrten, aber auch die Eroberung weiterführten. Unterstützt von den beiden Ritterorden haben vor allem Ferdinand III. der Heilige (1217-1252) und sein Sohn Alfons X. der Weise (1252-1284) die Reconquista fortgesetzt369. Beide Herrscher waren mit dem Staufer- haus verwandtschaftlich verbunden. Ferdinand III. hatte Beatrix, eine Tochter Phi- lipps von Schwaben, also eine Nichte Kaiser Friedrichs II., geheiratet370. Über diese Verwandtschaft könnte der Deutsche Orden als staufischer Hausorden nach Spa- nien gekommen sein. Das kastilische Königspaar Ferdinand III. und Beatrix sollen dem Deutschen Or- den 1222 La Mota mit zugehörigen Orten übertragen haben. Dort habe der Orden dann eine Kommende eingerichtet. La Mota del Marques lag 20 km nordwestlich von Tordesillas am Duero, damals also nicht mehr unmittelbar an der Grenze zu muslimischen Herrschaften. 1231 verlieh dasselbe Königspaar dem Deutschen Or- den den Ort Higares am Tajo, heute ein Stadtteil von Mocejön ungefähr 14 km ost- nordöstlich von Toledo371. Dort kam der Orden schon eher an die Grenze zu den Mauren. Der dortige Besitz wurde allerdings bereits 1355 wieder verkauft. Die Schenkung des Königspaares nahm 1231 ein Hernandus ... magister entgegen. In dem Ordensbruder hat man den Hochmeister Hermann von Salza erkennen wol- len, der dann tatsächlich einmal persönlich in Spanien gewesen wäre372. Jedoch ist die Vermutung auf Skepsis und Ablehnung gestoßen373, die durchaus berechtigt sind. Zwar ist in der Urkunde mit Hernandus der Hochmeister Hermann von Salza gemeint, aber er wurde als Adressat genannt, weil er das Oberhaupt des Ordens 368 369 370 371 372 373 Kurth, Anteil, S. 131 ff.; Von es, S. 120 ff. Riley-Smith, Knights, S.356f.; C. Erdmann, in: HZ 134 (1926), S.383; Vones, S.97f., 104ff., 147 ff.; Sire, Character, S.21 ff.; Barquero Goni, S.28ff.; Forey, Spanish Reconquista, S.205, 212 ff. Dazu die einschlägigen Beiträge vom Congreso Internacional Hispano-Portugues sobre „Las Ordenes Militares en la Peninsula durante la Edad Media“, gedruckt in: Anuario de Estudios Me- dievales 11, Barcelona 1981. Der Deutsche Orden wurde auf dem Kongreß nicht berücksichtigt. Ferrero Alemparte, S.232ff.; Vincke, Nachrichten, S.263; Isenbu rg, Stammtafeln I, Tafel 5. Forstreuter, Mittelmeer, S. 90f.; Duque de Alba, Documentos, S. 7 ff.; Ferrero Alem- Parte, S.245ff. So Forstreuter, Mittelmeer, S.90f. Kluger, S.164.
war. Die Schenkung nahm vor Ort ein Beauftragter des Hochmeisters entgegen Dessen Name ist unbekannt, wie auch der Ordensbruder anonym blieb, der di Schenkung 1222 entgegengenommen hatte374. Der Hochmeister Hermann von Salz hat also spanischen Boden höchstwahrscheinlich nie betreten. In welchem Ausmaß der Deutsche Orden an den 1233 einsetzenden Eroberungen in Spanien, die die Mauren auf den äußersten Süden des Landes, das Königreich Granada, zurückdrängten, beteiligt war, ist schwer zu beurteilen. Die Quellen schweigen über einen kriegerischen Einsatz des Ordens weitgehend, so daß dessen Rolle eher bescheiden gewesen sein wird. Er hatte sich längst in anderen Gegenden engagiert, die ihm eine vergleichsweise bessere Zukunft zu bescheren schienen. Da- her haben die Kreuzzüge in Spanien den Orden weniger gereizt. Wenn Papst Cle- mens IV. 1265 in einem Kreuzzugsaufruf allen jenen einen Ablaß gewährte, die den Templern, Johannitern, spanischen Ritterorden und anderen Orden, die sich an den Kämpfen beteiligen wollten, Spenden zukommen ließen375, so mag damit auch der Deutsche Orden gemeint gewesen sein. Jedoch hat der Papst ihn nicht ausdrücklich genannt, weil dessen Beitrag zum Kampf gegen die Mauren gering war. Immerhin erhielt er bei der Verteilung des Landes nach den Eroberungen Güter in Sevilla, Carmona und Cordoba. Der Besitz in Cordoba wurde wohl schon im 14. Jahrhun- dert verkauft. In Sevilla und Carmona veräußerte der Orden seine Güter 1453. Der letzte Komtur von Spanien, der Spanier Johann, gab La Mota 1465 einem Lands- mann namens Didacus de Castilla, Domherrn von Cuenca. Mit letzterem einigte sich der Deutschmeister dahin, daß Didacus in den Deutschen Orden eintrete und für ihn die Güter verwalte. Das hat Didacus auch getan, aber gleichwohl den letzten Besitz in Spanien dem Orden entfremdet376. Uber die Verwaltung der spanischen Güter des Deutschen Ordens ist wenig be- kannt. Als erster Landkomtur von Spanien ist 1255 Eberhard von Mörsberg ge- nannt. Er ist 1245-1246 Landkomtur von Lothringen gewesen und entstammte einem im Unterelsaß beheimateten gleichnamigen Adelsgeschlecht377. 1282 ist Vol- mar von Bernhausen als Landkomtur von Spanien bezeugt378. Er kam aus einer schwäbischen Reichsministerialenfamilie, begann seine Laufbahn 1257 als einfacher Ritterbruder im preußischen Königsberg, wurde 1268 Komtur von Heilbronn am Neckar und 1268-1272 Landkomtur von Franken. 1287 ist er im Kampf gegen die heidnischen Litauer in Livland gefallen379. Es ist durchaus möglich, daß er längere 374 Fo rst reut er, Mittelmeer, S. 92. 375 CHJ III, Nr. 3123; Clemens IV Registres IV, Nr. 15. 376 Ferrero Al em parte, S. 265 ff.; Forstreuter, Mittelmeer, S.97ff. 377 Mone, Urk. Unterelsaß, S. 159 Nr. 21. Dazu: Mirbach-Harff, Deutsche Orden in Spanien, S. 147; Ders., Beiträge I, S.25; Forstreuter, Mittelmeer, S.94; Militzer, Entstehung, S. 86 378 De Geer II, Nr.627; UB Ballei Thüringen, Nr.365. 379 Fenske/Militzer, S. 799 Nr.3.
. vor J282 und auch noch ein paar Jahre danach das Amt eines Landkomturs von Zelt V verwaItet hatte. Für einen weiteren Nachweis fehlen die Dokumente. SPDie Landkomture von Spanien gehörten zwar nicht zu den höchsten Amtsträ- im Deutschen Orden, hatten aber auch keine bedeutungslosen Ämter zu ver- galten Zumindest für das 13. Jahrhundert wird man sagen müssen, daß der Orden die Ballei Spanien noch nicht zu den lästigen Anhängseln einer überholten Er- werbspolitik gerechnet hat. Das belegen auch die Statuten, nach denen der Land- komtur von Spanien durch den Hochmeister und das Generalkapitel eingesetzt werden sollte380. Allerdings ist der Landkomtur nicht unter den wichtigen Amtsträ- ern genannt, die laut den Gesetzen einmal im Jahr ein Kapitel einzuberufen hatten. Nur die altfranzösische Redaktion hat den Landkomtur von Spanien statt des Landkomturs von Armenien in diesem Zusammenhang aufgeführt381. Dieser Be- fund ist nicht überzubewerten, da in keiner Statutenredaktion unter den in dieser Bestimmung genannten Amtsträgern der doch recht wichtige Landkomtur von Sizi- lien genannt ist. Die verwandtschaftlichen Beziehungen des kastilischen Königshauses zu den Staufern haben dem Deutschen Orden den Weg nach Spanien geebnet. Die spani- sche Reconquista lockte nichtspanische Kreuzfahrer an, hat die Ritterorden, darun- ter den Deutschen Orden, nach Spanien geführt, um auch an dieser Front gegen is- lamische Völker zu kämpfen. Allerdings blieb der Anteil des Deutschen Ordens an der Reconquista bescheiden, gemessen an dem Einsatz der Templer und Johanniter, ganz zu schweigen von den spanischen Ritterorden. Trotz aller Verluste an Doku- menten, womit zu rechnen ist, beweisen auch die wenigen Namen von Ordensbrü- dern und Amtsträgern in der Ballei Spanien, daß sich der Orden an der Reconqui- sta kaum beteiligt hat. 8.4.6 Besitzkonzentrationen in Mittelitalien (Rom und der Prokurator) Außer den bisher behandelten Balleien oder Ansätzen zu solchen Provinzbildungen verfügte der Deutsche Orden über anders organisierten Besitz im Mittelmeerraum, n erster Stelle sind die Güter in Mittelitalien im Bereich von Rom zu nennen. Wie * e anderen Orden auch konnte es sich der Deutsche Orden auf die Dauer nicht sten, nicht in Rom vertreten zu sein. Bereits 1220 bestätigte Papst Honorius III. Orckn den Besitz der Kirche St. Maria in Domnica auf dem Monte Celio. rscheinlich hatte Honorius III. die Kirche dem Orden wenige Jahre zuvor 380 Perlb 381 Perlb ach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8. ach, Statuten, S. 59 £.: Gesetz IIb; vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 95.
selbst verliehen382. 1312 nahm Papst Clemens V. dem Orden die Kirche und übergab sie seinem Neffen Bernhard383. Damals hatte der Besitz in Rom für den Orden schon an Wert verloren, weil der Papst nach Avignon gezogen war. Solange die Ku- rie jedoch in Rom blieb, war es für den Deutschen Orden sehr wichtig, in Rom an- sässig und dort vertreten zu sein. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwarb der Deutsche Orden umfang- reichen Besitz in Viterbo. Dort unterhielt er auch eine Niederlassung, die dem Pro- kurator in Rom unterstellt blieb. In dem Ordenshaus in Viterbo hielt sich der Pro- kurator auf, wenn der Papst Rom verließ und sich nach Viterbo zurückzog384. dortigen Ordenshaus saß zumindest 1301 ein Komtur namens Guerranti, vermut- lich ein Ordensbruder namens Werner385. Wahrscheinlich hatte die Ordensniederlas- sung schon früher einen Komtur. Da die Überlieferung nicht so günstig ist, lassen sich keine weiteren Angaben machen. Auch in Montefiascone und Orvieto hatte der Orden Häuser erworben, schon weil der Papst dort Sommerresidenzen unterhielt386. Der Prokurator konnte also in ordenseigenen Unterkünften wohnen, wenn er dem Papst im Sommer aus Rom in die Berge folgte. Beide Ordenshäuser in Montefias- cone und Orvieto kamen nach dem Wegzug des Prokurators aus Rom nach Avi- gnon unter die Aufsicht des Landkomturs der Toskana bzw. der Lombardei. Die Hauptaufgabe des Generalprokurators in Rom war nicht die Güterverwal- tung, sondern die Vertretung der Ordensinteressen an der Kurie. Zur Bewältigung seiner Aufgaben konnte der jeweilige Generalprokurator gewerbsmäßige Prokura- toren, also an der Kurie zugelassene Rechtsanwälte, hinzuziehen387. Als der Deutsche Orden 1198 zum Ritterorden erhoben wurde, war das Prokura- torenwesen noch nicht voll entwickelt. Die Kurie wehrte sich gegen ständige Vertre- ter einer Interessenpartei, die in Rom präsent sein wollten388. Die beiden älteren Ritterorden scheinen damals noch keine Generalprokuratoren mit einem ständigen Sitz in Rom unterhalten zu haben. Die Johanniter haben anfangs wohl nur von Fall zu Fall Mitbrüder als Prokuratoren in die Ewige Stadt geschickt und wieder abberu- fen, wenn eine Entscheidung gefallen oder ein gewünschtes Privileg ausgestellt wor- den war. Erst seit 1221 mehren sich die Anzeichen dafür, daß die Johanniter einen ständigen Prokurator an der Kurie unterhielten389. Für die Templer wird das Glei- 382 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 1; vgl. Forstreuter, in: ebd., S. 18ff.; Ders., Mittel- meer, S. 15 8 ff. 383 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 45; Forstreuter, in: ebd., S.21; Ders., Mittelmeer, S. 158, 160. 384 Forstreuter, Mittelmeer, S. 161 ff. 385 Berichte der Generalprokuratoren I, S. 193. 386 Forstreuter, Mittelmeer, S. 164f. 387 Forstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 12ff. 388 Forstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 12f. 389 Riley-Smith, Knights, S.379f.
zutreffen390. Auch sie begannen erst im 13. Jahrhundert, ständige Interessenver- ^ter am Sitz des Papstes zu unterhalten. tr<Weder Templer noch Johanniter haben in ihren frühen Regeln oder Regelergän- n die Stellung ihrer Prokuratoren in Rom festgelegt. Aucl| das ist ein Anzei- gen dafür, daß diese Positionen noch nicht fest in die Ämterhierarchie eingefügt ^aren, sondern daß sich die Entwicklung noch im Fluß befand. So fehlt denn auch • den Statuten des Deutschen Ordens jeder Hinweis auf den Generalprokurator in Rom Gemeinsam ist allen drei Ritterorden, daß ihre Generalprokuratoren von den Meistern im Einvernehmen mit den jeweiligen Generalkapiteln eingesetzt und abbe- rufen wurden. Nur den Meistern waren sie rechenschaftspflichtig. Im Unterschied zu anderen Gebietigern, die von den Meistern und den Kapiteln ernannt wurden, bedurfte die Ernennung der Generalprokuratoren der Zustimmung der Kurie, ohne die sie auch gar nicht erfolgreich hätten wirken können391. Obwohl die Generalpro- kuratoren in den Regelwerken nicht genannt sind, wuchsen sie dennoch zu wichti- gen Amtsträgern in den Ritterorden heran. Am 28. Juli 1220 wandte sich der Deutschordensbruder Otto in Orvieto an Papst Honorius III. und verlangte die Auslieferung des Siegels der Kirche St. Maria in Domnica durch die Kleriker von St. Stefan in Monte Celio. Die Kirche hatte der Papst also wohl gegen den Widerstand der Kleriker von St. Stefan dem Deutschen Orden übertragen. Der Ordensbruder Otto hatte nun die Aufgabe übernommen, mit Hilfe des Papstes die Ansprüche des Ordens durchzusetzen und den Besitz der Kirche zu sichern392. In Otto wird man schon einen Prokurator des Deutschen Or- dens erkennen können393. Er wird mit jenem Ordensbruder Otto identisch gewesen sein, dem derselbe Papst wenige Tage vorher am 24. Juli zusammen mit dem Priester Johann de Giso 5000 Goldunzen mit der Bitte überantwortet hatte, sie dem Bischof Pelagius von Albano für die Finanzierung des Kreuzzugsunternehmens in Ägypten weiterzuleiten394. Fraglich bleibt allerdings, ob jener Otto schon ständig an der Ku- rie saß oder nicht doch noch vom Hochmeister in alter Art und Weise mit einem Auftrag versehen worden war und nach Erledigung der Angelegenheit Rom wieder zu verlassen hatte. 1257 ist Johann von Capua erstmals als generalis procurator totius ordinis hospita- w s; Marie Teutonicorum ]erosolimitani bezeugt395. Dieser Johann von Capua, ein taliener, war der erste sicher nachweisbare Generalprokurator des Deutschen Or- ens, lebte ständig in Rom und stand in engem Kontakt zur Kurie. Er war magister, 390 391 392 393 394 395 rundage, Lawyers, S.346ff. ors treu ter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 15. erichte der Generalprokuratoren I, Nr. 1; Regesta Honorii III., Bd. 1, Nr. 2584. ors treu ter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 18, 52; Ders., Mittelmeer, S. 158. H, Rodenberg, Epistolae saec. XIII., Bd. 1, Nr. 124. enchte der Generalprokuratoren I, Nr. 16f.; Registres Alex. IV, Nr. 1651; Potthast II, Nr. 16701; 0 ex Moraviae III, Nr. 244; Regesta Bohemiae et Moraviae II, Nr. 131, 135.
ist mindestens seit 1232 päpstlicher Notar gewesen und war damals wohl schon längst dem Orden beigetreten, auch wenn ein direkter Beleg fehlt. Johann von Capua war also ein gelehrter Mann, in Rechtsfragen bewandert, Magister und No- tar. Außerdem war er Angehöriger der päpstlichen Kanzlei und vielfach Beauftrag- ter des Papstes. Gleichgültig, ob Johann von Capua schon um 1230 Ordensmitglied gewesen ist oder nicht, konnte der Orden schwerlich einen besseren Anwalt seiner Interessen an der Kurie anstellen. Wegen seiner Nähe zum Papst hatte er Zutritt zu den Entscheidungsträgern und konnte infolge seiner Zugehörigkeit zur kurialen Verwaltung alle Aufträge selbst erledigen. Auf Prokuratoren war er eigentlich nicht angewiesen, weil er die Wege zum Erfolg selbst genügend kannte. Da seine vielfälti- gen Aufgaben ihm jedoch keine Zeit ließen, sich nur auf die Angelegenheiten des Ordens zu konzentrieren, war er gezwungen, weltliche Prokuratoren mit der Erle- digung bestimmter Aufgaben zu betrauen. Am Ende seiner Karriere lernte er noch seinen Nachfolger Hermann von Livland an. Um 1270 hat er sein Amt aufgegeben. Vielleicht ist er zu dem Zeitpunkt oder bald darauf gestorben396. Die Einrichtung des Amtes eines Generalprokurators ist mit der Person Johanns von Capua eng verknüpft. Er war Angestellter der Kurie und konnte Rom daher nicht verlassen. Die Vorbehalte der Päpste gegen ständig anwesende Interessenver- treter waren ihm gegenüber nicht aufrechtzuerhalten. Der Deutsche Orden hatte seinerseits die Möglichkeit, die Vorzüge einer ständigen Vertretung durch seine eigenen Mitglieder zu beobachten und zu testen. In der Verbindung von Ordens- mitgliedschaft und Angehörigkeit zur kurialen Kanzlei in der Person Johanns von Capua liegt die Erklärung dafür, daß der Deutsche Orden früh, vielleicht sogar noch vor den beiden älteren Ritterorden, einen ständigen Vertreter, einen General- prokurator, an der Kurie unterhalten und nicht mehr wie früher seine Belange mit wechselnden Beauftragten vertreten hat. Seit den Tagen Johanns von Capua hat der Deutsche Orden jedenfalls einen ständigen Vertreter an der Kurie in Rom, dann in Avignon und schließlich wieder in Rom unterhalten397. Johann von Capua war auch im Deutschen Orden eine außergewöhnliche Er- scheinung. Er war Italiener und Rechtsgelehrter. Seine unmittelbaren Nachfolger sind keine Notare oder Rechtskundige mehr gewesen und stammten aus deutsch- sprachigen Familien, soweit die Namen Aufschluß geben. Aber alle Generalproku- ratoren seit Johann von Capua bis zur Übersiedlung der Päpste nach Avignon 1309 waren gleichzeitig Beamte der Kurie. Die enge Verbindung von Angehörigen des Ordens mit der päpstlichen Verwaltung konnte für den Orden nur von Vorteil sein. Selbst zur Zeit der härtesten Auseinandersetzungen der Päpste mit Friedrich II. hat die Kurie weitere Brüder des Deutschen Ordens in ihre Dienste gezogen. Gregor IX. hatte beispielsweise den Ritterbruder Konrad von Straßburg als Marschall in 396 Forstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 52 ff., mit Nachweisen. 397 Forstreuter, Mittelmeer, S. 167; Ders., in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 62 ff.
Diensten398. Ein Kämmerer desselben Papstes soll laut dem Bericht Hart- seine1^ von Heldrungen über die Vereinigung der Schwertbrüder mit dem Deut- Orden 1236/37 ebenfalls ein Bruder desselben Ordens gewesen sein399 *. Papst S<r k n IV. hatte 1263 den Priesterbruder Wulfard als Kaplan ^und Beichtvater und 14 mann von Livland als Türwärter (hostiarius)^. Letzterer war zumindest 1277 Generalprokurator401. Türwärter und Generalprokurator war auch Gottfried Lesch 12g5-i289402- Er stammte wohl aus einem hohenlohischen Ministerialengeschlecht Franken und ist 1279-1283 Landkomtur von Österreich gewesen403. Die gleiche Ämterkombination wie bei Gottfried Lesch findet sich bei dessen Nachfolger Her- mann oder Heinrich von Miel (Mile) 1297-13O2404. Er dürfte Rheinländer gewesen sein und aus einer kleinen Adelsfamilie aus Miel bei Rheinbach stammen405. Das Türsteheramt war gewiß kein vornehmes Offizium an der Kurie, aber es bot dem Generalprokurator und über ihn dem Deutschen Orden den Zugang zum Papst. Damit konnte der Orden ein gewisses Maß an Einfluß bewahren, wenn es ihm auch nie wieder gelungen ist, eine so bedeutende Stellung an der Kurie zu er- ringen, wie sie einst Johann von Capua innegehabt hatte. Inwieweit die General- prokuratoren und die übrigen Amtsträger an der Kurie aus dem Deutschen Orden die Politik der Ordens vor allem in den kritischen Zeiten der Auseinandersetzungen der Päpste mit den Kaisern aus dem Haus der Staufer beeinflußt und mitgestaltet haben, ist schwer abzuschätzen und bislang weitgehend unbekannt. Aber man wird vermuten dürfen, daß durch sie die Partei der Papstanhänger im Orden gestärkt worden ist. Andererseits wird auch verständlicher, daß die Päpste gegen den Deut- schen Orden nicht energisch vorgegangen sind, obwohl sich starke Kräfte im Or- den stets für die Kaiser aus dem staufischen Haus eingesetzt haben und den Päpsten nicht verborgen geblieben sein dürfte, daß der Orden zu einem staufischen Haus- orden geworden war. 398 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 6; RI V,2, Nr. 13299; Fontes rer. Bernensium II, Nr. 183; SRP V S-171 (Bericht Hartmanns von Heldrungen). 399 SRP V, S. 171. 00 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 23; Preuß. UB 1,2, Nr. 190; Liv. UB III, Nr. 374a (S. 58); Codex Warm. III, Nr. 609; Registres d’Urbain IV, Bd. 2, Nr. 213; Potthast II, Nr. 18496. Vgl. 4QI Orstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S.60. 4Q2 F°rstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S.65f. und Nr.30. 403 F°rs*reuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S.68f. ens e/Militzer, S.417 Nr. 545. Er war kein Landkomtur von Franken, wie dort irrtümlich an- 404 |e8eben W°rden ist 405 FahStreUter’ *n: ^er^c^te der Generalprokuratoren I, S. 71, und ebd., Nr.2 (S. 172), 36, 39. G ne/’ S-282; II, S. 95; vgl. Limburg, Koblenz, S. 98; auch Forstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 71.
8.4.7 Ballei Toskana In der Toskana hatte Friedrich II. dem Deutschen Orden vielleicht im September 1232 Güter am Trasimener See (Lago Trasimeno) geschenkt406. Diesen Besitz tauschte der Orden 1300 gegen einen gleichwertigen in Viterbo ein407. Am Trasime- ner See war es nicht gelungen, eine Kommende einzurichten. Wahrscheinlich waren die Besitzungen nicht umfangreich genug. 1229 hatte der Orden ein Spital in Ca- stiglione d’Arezzo, heute Castiglione Fiorentino, 17 km südlich von Arezzo in den Abruzzen übernommen und 1232 in der Umgebung Ländereien geschenkt erhal- ten408. Westlich davon besaß er in Asciano ein weiteres Spital, für das der Orden eine Kirche bauen wollte. Zur Unterstützung des Vorhabens gewährte Papst Cle- mens IV 1265 einen Ablaß409. Dieser Güterkomplex, der vielleicht auf zwei Kom- menden aufgeteilt war, unterstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts einem eigenen Landkomtur. Denn 1318 ließ in Rom ein Theodericus preceptor domus s. Marie de Monte Rozanese de Viterbio in Tuscia ordinis Alamannorum eine Urkunde des Pap- stes Honorius III. transsumieren410. 1321 verpachtete frater Johannes de Saxonia ... preceptor et procurator ac yconomus domus s. Marie de Monteroccanense prope Vi- terbium ... ac omnium hospitalium et domorum ordinis et hospitalis predicti in Ro- ma et Romana provincia et in tota Tuscia generalis einen Weinberg in Viterbo411. Im selben Jahr vergab fr. Johannes sacerdos de Sasonia tamquam viri fratris Johannis domini et magistri generalis ordinis s. Marie Elemannorum Güter in der Umgebung von Castiglione dArezzo gegen einen Zins412. Unklar ist, wer mit magister generalis Johannes gemeint sein könnte. Der Hochmeister war es nicht. Denn der hieß da- mals Karl von Trier. Es könnte sich um Johann von Kärnten, den Landkomtur der Lombardei, gehandelt haben413 414. Er ist 1317-1322 in dem Amt bezeugt und über- nahm 1326 selbst die Aufgabe des Johann von Sachsen als generalis provincialis in Roma, Romana provincia, patrimonio b. Petri et tota Tuscia constitutus^. Land- komtur der Ballei Lombardei ist er damals nicht mehr gewesen. Das Amt hatte Dietrich von Trier, ein Bruder des schon genannten Hochmeisters Karl von Trier, 406 Huillard-Breholles IV, S. 392 ff.; RI V, 1,1, Nr. 2003; Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 165; Schu machet, Studien I, S. 216. 407 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 33 (S. 192f.). 408 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr.5; Forstreuter, Mittelmeer, S. 166. 409 Registres Clement IV, Nr. 1587; Forstreuter, Mittelmeer, S. 166. 410 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 55. 411 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 68. .. 412 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 69. 1317 war der Ordensbruder Landkomtur von Apu ie Forstreuter, Mittelmeer, S. 133. 413 Forstreuter, Mittelmeer, S. 155. 414 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 81.
wenn auch nur für kurze Zeit, als Landkomtur von Bozen die Balleien Lom- k^dei Apulien und Sizilien mitverwaltete415. D Man könnte mit Forstreuter annehmen, daß Dietrich, der Komtur von Viter- bo nach dem Abzug des Generalprokurators nach Avignon L|ndkomtursfunktio- über Güter und Ordensangehörige in Mittelitalien und Rom übernommen ha- ße416 Das wird wohl zutreffen. Jedoch konnten die Ansätze zu einer Balleibildung in Mittelitalien nicht ausreifen. Bald nach dem Wegzug des Generalprokurators nach Avignon gerieten der Besitz und die dortigen Ordensbrüder mehr und mehr unter die Befehlsgewalt des Landkomturs der Lombardei. Der Orden verlor das In- teresse an diesem Besitz. Als der Generalprokurator nach der Rückkehr des Papstes diesem nach Rom folgte, unterwarf er sich und seiner Weisungsgewalt die verbliebe- nen Güter in Rom und Mittelitalien. 8.4.8 Besitzkonzentration in Südfrankreich In Südfrankreich in Arles im Arelat, einem Teil des Deutschen Reiches, und in Montpellier, seit 1204 zu Aragon gehörig, erwarb der Deutsche Orden Besitz, der keiner Ballei zugeordnet werden kann. Am 15. März 1228 hatte der Rat von Mont- pellier dem Hochmeister Hermann von Salza und dem Orden, vertreten durch die Brüder Johann de Gordone und Wilhelm von Muteis, das Martinsspital in der Vor- stadt übertragen417. Am 22. Juni 1230 forderte Papst Gregor IX. den Rat und die Bürger Montpelliers auf, es in ihren Schutz zu nehmen418. Erstaunlich ist, daß der Rat Montpelliers ausgerechnet den Deutschen Orden mit der Spitalsverwaltung be- auftragt hat. Forstreuter vermutet hinter der Schenkung Handelsinteressen, da der Deutsche Orden den Kaufleuten Montpelliers möglicherweise von Kaiser Fried- rich II. eine Handelserlaubnis in Akkon erwirkt habe419. Das bleibt eine Hypothese, die zwar ansprechend, aber nicht zu beweisen ist. Seit 1263 ist in Montpellier ein Komtur (preceptor) bezeugt. Seitdem gab es dort also eine Kommende. 1307-1308 leitete ein Bruder namens Walter von Annut die Ordensniederlassung420. 1343 bereits hat der Generalprokurator Helmich Rone das Spital samt allem Besitz in Montpellier verkauft. Ein Jahr später hat der Hochmei- ster Ludolf König das Geschäft bestätigt421. Der Kaufpreis betrug 1500 Gulden, die er Prokurator zugunsten des Ordens verwandt habe. 41 a F°rstreuter, Mittelmeer, S. 155; Ladurner, S.59. 417 F°rstreuter, Mittelmeer, S. 166. 4.R trehlke, Tabulae, Nr. 152; Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 3. 419 pllaire Maguelonne, Nr. 330. 420 pstreuter’ Mittelmeer, S. 104; vgl. RI V, Nr. 1752. 421 pstreuter> Mittelmeer, S.243ff. Nr. 16-18. Orstreuter, Mittelmeer, S. 105f., 246 Nr.20.
In Arles sind die Anfänge des Ordensbesitzes noch nicht recht faßbar. Ansche' nend gehen sie in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück, wenn man unter stellt, daß die in Arles begüterten Kreuzfahrer, mit denen der Deutsche Orden in Palästina zu tun bekommen hatte, dem Orden auch Besitz in Arles übertragen ha- ben422. Auch das ist eine ansprechende Vermutung, die aber bislang nicht bewiesen worden ist. Der Orden hat jedenfalls um 1300 Güter in Arles in der Nähe des Tho- masspitals der Johanniter in der Vorstadt Trinquetaille besessen. Jedoch blieb der Besitz gering. Zur Ausstattung einer eigenen Kommende hat er wohl nicht gereicht Jedenfalls ist bisher kein besonderer Amtsträger des Deutschen Ordens in Arles be- kannt geworden423. Als der Generalprokurator Heinrich von Dorpat 1329 den Besitz in Montpellier und Arles verpfändete, nannte er domos et mansiones ipsorum magistri hospitalis et ordinis de Montepesulano et de Arelate424. Das besagt für die Art und Weise der Ver- waltung der Güter in Arles wenig. Wichtiger könnte schon eine Notiz in einer Ab- rechnung sein. Als nämlich Papst Innozenz VI. 1354 eine Türkensteuer verlangte, zahlte auch der preceptor domus Theutonicorum Trencat^25. Ob man der Notiz tat- sächlich entnehmen kann, daß sich damals in Arles ein Komtur des Deutschen Or- dens aufgehalten habe, ist doch zweifelhaft, zumal weitere Nachweise fehlen und keine Namen solcher Amtsträger überliefert sind. Als Papst Gregor IX. sich 1376/77 wieder nach Rom begeben hatte, war ihm der Generalprokurator Heinrich Brunner gefolgt426. In dem 1378 beginnenden großen Schisma schlug sich der Orden auf die Seite der in Rom residierenden Päpste. Eine Vertretung bei den Gegenpäpsten in Avignon unterhielt er fortan nicht mehr. In dieser Zeit scheint der ohnehin unbedeutende Besitz in Arles verloren gegangen zu sein427. Nach der Beseitigung des Schismas hat der Orden nie wieder versucht, den alten Besitz zurückzubekommen. Er hatte allen Wert verloren, da die Päpste in Rom blieben und die Generalprokuratoren folglich in der Ewigen Stadt residieren mußten. Die Besitzungen in Montpellier und Arles sind ein Zeichen dafür, daß der Deut- sche Orden am Anfang seiner Entwicklung mehrere Optionen hatte, wie auch die Errichtung der Ballei Spanien gezeigt hat. Er hat die Option in Südfrankreich nicht genutzt. Die dortigen Besitzungen wurden für den Orden erst interessant, als die Kurie nach Avignon gezogen war und der Generalprokurator hatte nachfolgen müssen. Er hat jedoch nie in Montpellier oder Arles gewohnt. Das wäre zu weit von der Kurie entfernt gewesen. Er hat vielmehr ein Etablissement in Avignon 422 So die Vermutung von Forstreuter, Mittelmeer, S. 107. 423 Forstreuter, Mittelmeer, S. 108f. 424 Berichte der Generalprokuratoren I, Nr. 85. 425 Gallia Christiana Novissima III, Nr. 1588 (S. 679). 426 Forstreuter, in: Berichte der Generalprokuratoren I, S. 125f. 427 Forstreuter, Mittelmeer, S. 109.
Ibst gemietet428. Jedoch werden die Güter in beiden südfranzösischen Städten Generalprokurator unterstellt worden sein, nachdem er dem Papst nach Avi- ^on gefolgt war. Er konnte die Überschüsse aus dem Besitz verwenden, die Güter iTleihen und verpfänden, wie es Heinrich von Dorpat 1329 g^an hat429. Helmich Rone verkaufte 1343 mit hochmeisterlicher Zustimmung den Besitz in Montpellier und legte die Kaufsumme zum Nutzen des Ordens an. Wahrscheinlich brauchte er Geld, um die Zustimmung der Kurie zu dem in Kalisch am 8. Juli 1343 geschlosse- nen Friedensvertrag des Ordens mit Polen zu erlangen430. Rs ist zwar nicht überliefert, aber man wird doch mit einem gewissen Recht ver- muten dürfen, daß die Verwalter der südfranzösischen Besitzungen zum Unterhalt Jes Generalprokurators in Avignon beitragen mußten, wie es die Häuser des Or- dens in Mittelitalien haben tun müssen, solange die Kurie in Rom geblieben war. Mit dem Weggang des Prokurators von Avignon nach Rom hatten die schon durch Verkäufe reduzierten Güter in Südfrankreich für den Orden weiter an Wert ver- loren. 8.4.9 Ballei Frankreich Die Güter der Ballei Frankreich lagen zweifellos nicht in den Grenzen des Deut- schen Reiches. Insofern werden sie kaum zum Verwaltungsbereich des Landkom- turs von Deutschland oder des Deutschmeisters während des größten Teils des 13. Jahrhunderts gehört haben. Die Anfänge der Besitzentwicklung gehen auf Schenkungen von Adligen der Champagne vor Damiette in Ägypten zurück431. Zur späteren Ballei gehörte als wichtigste Kommende Beauvoir im Department de lAube. Dazu kamen im Laufe des 13. Jahrhunderts eine Niederlassung in Orbec in der Grafschaft Nevers, von der die Häuser in Villiers, Pont-Saint-Didier und Pignol ab- hängig waren, die aber nicht lange bestanden haben. Ferner ist die Pfarrkirche von Vaudeville im Department Meuse zu nennen, die von der Kommende Beauvoir ab- hing, aber einen geschlossenen Besitzkomplex bildete, den ein Priesterbruder ver- waltete. Ob der Orden in Saint-Michel de l’Hermitage im Department Eure-et-Loir eine eigene Niederlassung unterhielt, ist zweifelhaft432. Jedoch lebte dort zumindest zeitweise ein Priesterbruder, der auch mit der Verwaltung der Besitzkonzentration 429 ^erichte ^er Generalprokuratoren I, Nr. 83; Schäfer, Deutsche, S. 163f. erichte der Generalprokuratoren I, Nr. 85. 431 T° F°rstreuter, Mittelmeer, S. 105f. 432 £*lore’ Nr. 14-16, 19f., 26, 39. Arbois de Jubainville, S. 63ff.; Paravicini, Preußenreisen I, S. 88f. Vgl. Lalore, S-XXXVII-XLII.
beauftragt war433. Kleinere Konvente existierten jedoch bis in das 14. Jahrhunde nur in Orbec und bis in das 15. Jahrhundert ausschließlich in Beauvoir. Ab 1451 sind nur noch Priesterbrüder in der Ballei zu finden. Bereits 1225 verkaufte ein Johannes de Ressia, preceptor domus hospitalis Teutoni corum sancte Marie in regno Francie, Güter in Bonneval im Department Eure-et Loir434. Spätestens damals hatte der Orden seine Güter vor allem in der Champagne zu einer Provinz zusammengefaßt und einem Landkomtur unterstellt. Wieso die an sich geringen Besitzungen im Norden des französischen Königreichs jenseits der Alpen außerhalb der Mittelmeerregionen zuerst in einer Ballei organisiert wurden ist ungewiß. Möglicherweise hielten die Ordensbrüder eine Erweiterung des Besit- zes in Frankreich für denkbar. Vielleicht meinten sie aber auch, daß sie die Güter durch eine besondere Organisationsform besser nutzen und gegen Übergriffe wirk- samer schützen könnten. Der Landkomtur von Deutschland hatte keinen Anteil an der Entwicklung. Er war wohl kaum der Vorgesetzte der Brüder in der Champagne und gewiß nicht des 1225 erstmals bezeugten Landkomturs. Als die Ballei Frankreich von Karl von Trier seit 1295 in Personalunion mit der Ballei Lothringen verwaltet wurde, scheint diese außerhalb des Deutschen Reichs liegende Ballei unter die Oberaufsicht des Deutsch- meisters gelangt zu sein435, zumal sich die Personalunion unter dem Landkomtur Heinrich von Rinkenburg (1333-1353) fortsetzte436. Schließlich verkaufte Georg von Langeln, Landkomtur von Lothringen, mit der Zustimmung des Deutschmei- sters Hartmann von Stockheim 1501 den Besitz der Ballei Frankreich dem Kloster Clairvaux, weil die Gebäude verfallen seien, die Güter zu weit entfernt lägen und daher dem Orden nichts einbrächten437. Eine Einflußnahme des Hochmeisters auf die Verwaltung der Ballei Frankreich ist nicht nachzuweisen. Man wird sich die Entwicklung am ehesten so vorstellen können, daß der Orden 1225 - aus welchen Gründen auch immer - die Güter in der Champagne und dem übrigen Königreich zu einer Ballei Frankreich zusammen- faßte. Vielleicht ging die Initiative dazu auch von den Brüdern der dort liegenden Ordenshäuser oder dem französischen Adel aus. Da die Entwicklung nicht den Auf- schwung nahm, den sich die Brüder vielleicht erhofft hatten, der Besitz vielmehr stagnierte und die Ballei keine größere Rolle spielen konnte, verlor die Ordenszen- trale ihr Interesse an der Provinz. Nachdem Karl von Trier die Ballei in Personaluni- on mit der deutschmeisterlichen Ordensprovinz Lothringen verwaltet hatte, geriet 433 Lalore, Nr. 27. 434 Lalore, Nr. 26. . 435 Lalore, Nr. 92, 95, 104f, 107, 110, 112, 118-120; Nieß, Karl von Trier, S. 11; Schmidt, Trier, S. 281 f. Dazu: Paravicini, Preußenreisen I, S. 89. 436 Lalore, Nr. 133f.; Schmidt, Trier, S.292f. 437 Lalore, Nr. 201.
iiei Frankreich unter die Oberaufsicht des Deutschmeisters, der schließlich Jlol die Erlaubnis zu deren Verkauf gegeben hat. 8.5 Die Güterverwaltung in den Balleien des Deutschen Reiches 8.5.1 Die Anfänge. Erste Kommendengründungen So wichtig der Besitz im Mittelmeerraum, besonders in Apulien und Sizilien, für den Deutschen Orden gewesen ist und so sehr das staufische Herrscherhaus den Orden gerade dort für seine Politik einzusetzen gedachte, so gewannen die Güter im Deutschen Reich im Lauf der Zeit zunehmend an Bedeutung. Der Orden war als ein Ritterorden der Deutschen gegründet worden. Die nationale Beschränkung, die sich schon im Titel ausdrückte, mußte sich allmählich auch in der Güterverwal- tung bemerkbar machen. In den Deutschen Orden traten vorwiegend deutsche Adli- ge ein, deren Verwandte sie mit Besitz ausstatteten. Angehörige deutscher Adelsge- schlechter gaben ihm um ihres Seelenheiles willen Liegenschaften. Dagegen haben Adelsfamilien anderer Nationalitäten andere Orden bevorzugt, beispielsweise die Johanniter oder Templer. Die Schenkungen vor allem des deutschen Adels führten schließlich dazu, daß der eigentliche Rückhalt des Ordens für dessen Aktivitäten in Palästina, in Siebenbürgen oder im Baltikum im Deutschen Reich lag. Von dort ka- men hauptsächlich die Gelder zur Finanzierung der Unternehmungen, und im Reich wurden die meisten Ritter- und Priesterbrüder angeworben und nach Palästi- na oder in das Baltikum geschickt. Im Deutschen Orden hatte sich die Auffassung verbreitet, daß in Thüringen sein ältester Besitz zu suchen und dort zum ersten Male eine Ballei eingerichtet worden sei . Wann und wie die Tradition entstanden ist, bleibt ungewiß. Jedenfalls ist sie oft aufgegriffen und bekräftigt worden439. In der Tat ist nicht zu bestreiten, daß der Orden schon früh Kontakte nach Thüringen gehabt hat. 1195 war jener bereits ge- nannte, nicht ganz genau einzuordnende magister Ulricus Zeuge einer in Eckarts- erga ausgestellten Urkunde des Landgrafen Hermann von Thüringen440. Er gehör- te w°hl der vor Akkon neu gegründeten Spitalgemeinschaft der Deutschen an, & eichgültig ob er nun deren Meister oder deren Beauftragter gewesen ist, der mög- lc erweise Männer anwerben und um materielle Unterstützung bitten sollte441. Ob 439 D°l8t,ThÜringen’ S-93fL 44q okcnecker, Porstendorf, S.367; Feger, Mainau, S.21. 441 v Thüringen, Nr. 1; Regesta Thuringia II, Nr. 982. VS1- oben, S. 14 ff.
er erfolgreich gewesen ist, weiß man nicht. Es dauerte noch einige Jahre, ehe nen nenswerte Güterschenkungen zu verzeichnen waren. Dennoch findet sich in Th“ ringen der Nachweis für einen frühen Besitztitel. Denn im Jahr 1200 übertrug Erz bischof Ludolf von Magdeburg den fratres de hospitale Theutonico in partihu transmarinis eine Hofstätte im Westen der Stadt Halle bei der Brücke über die Un strut. Dort hatten die Brüder bereits mit dem Bau eines Armenspitals begonnen Die Übertragung fand die Zustimmung des Haller Burggrafen Gevehardus und der Haller Bürger442. Aus dem Wortlaut der Urkunde hat man geschlossen, daß der Or- den den Platz an der Brücke schon vor 1200 erworben und sofort mit dem Spital- bau begonnen und der Erzbischof lediglich eine schon eingeleitete Baumaßnahme im nachhinein gebilligt habe443. Jedoch ist der Schluß keineswegs zwingend. Mit den Vorbereitungen zum Bau des Spitals hätten die Brüder noch im selben Jahr 1200 beginnen können. Denn es ist wenig wahrscheinlich, daß sie Gebäude errichtet hätten, ohne den Grund und Boden dafür zu besitzen. Manche Historiker haben der Ballei Österreich den ältesten Besitz im Deutschen Reich zugeschrieben444 und stützen sich dabei auf eine Urkunde von 1222, in der Friedrich von Pettau die Schenkung seines Vaters in Groß-Sonntag, heute Velika Nedelja in Slowenien, anerkannte445. Daraus ist geschlossen worden, daß die dorti- gen Güter bereits vor 1200 an den Orden gekommen seien. Jedoch ist die frühe Da- tierung auf Kritik gestoßen. Sicher ist die Übertragung vor 1220, dem Todesjahr des Vaters von Friedrich Pettau, geschehen, vielleicht 1203, wie Arnold meint446. Aber das bleibt auch nur eine Hypothese. Noch früher, nämlich 1193, also zu einem Zeitpunkt, als die Spitalgemeinschaft noch gar nicht zum Ritterorden erhoben worden war, sollen die Brüder das Spital in Sachsenhausen am Main, heute einem Stadtteil Frankfurts, erworben haben447. In der Tat sind 1193 fratres hospitalis in Sachsenhausen genannt448. Sie waren Brüder, die das neu errichtete Spital am Main verwalteten, gehörten aber nicht der Akkone- ser Spitalgemeinschaft an449. Solche bruderschaftlich organisierten Hospitäler ohne Zugehörigkeit zu einem bestimmten Orden waren keine Seltenheit450. Außerdem ist bekannt, daß Kaiser Friedrich II. das Sachsenhausener Spital erst 1221 dem Deut- schen Orden bestätigt hat, nachdem der Reichsministeriale Ulrich von Münzenberg 442 UB Halle I, Nr. 114; UB Ballei Thüringen, Nr.2; Regesta Thuringia II, Nr. 1179; Hennes I, Nr.5. 443 Wolf, St. Kunigunde, S.6f.; Sommeriad, Thüringen, S.5f.; auch: Wojtecki, Studien, S.51. 444 Turnier, S.94. 445 UB Steiermark II, Nr. 203. 446 Arnold, Friesach, S.40f. 447 So Sch rod, Gründung, S. 37, 54. 448 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 30. 449 So schon Niedermayer, S. 6. 450 Vgl. Re icke, Spital I, S.53ff.
• e Ansprüche daran dem Kaiser aufgelassen hatte451. Man kann also allenfalls an- hrnen, daß das Spital auf einem Hoftag in Fulda 1219 übertragen worden sei452, n' Bestätigung von 1221 wurde erforderlich, weil der Reichsministeriale seine An- 'ehe nicht ohne weiteres hatte aufgeben wollen. ^Auf ein hohes Alter deuten die Nachrichten über die Kommenden in Böhmen und Mähren. 1222 bestätigte nämlich König Ottokar von Böhmen Besitzübertra- en Herzog Konrads von Böhmen und Markgraf Wladislaus von Mähren an den Deutschen Orden453 454. Da Herzog Konrad am 9. September 1191 vor Neapel ge- torben ist, müßte er die Schenkungsurkunde spätestens 1191 ausgestellt haben. Lei- der ist die Schenkungsurkunde selbst nicht erhalten, und König Ottokar hat in sei- nem Diplom nicht erläutert, um welche Güter es sich im einzelnen handelte. Jedoch bestätigte Papst Innozenz III. 1204 dem magister und den Brüdern in Prag Besitzun- gen in Troppau, die ihnen der König von Böhmen und der Markgraf von Mähren ge- schenkt hätten. Der Papst bezeichnete den Markgrafen als domus vestre fundator^. Man möchte also angesichts dieser Überlieferung annehmen, daß der älteste Besitz des Ordens im Deutschen Reich in Prag und Troppau zu suchen sei. Ob jedoch die Angaben Ottokars in seiner Urkunde von 1222 stimmen, muß bezweifelt werden. Da der König in seinem Privileg keine Orte nannte und den Besitz nicht spezifizier- te, sich auch nicht auf ein Diplom bezog, das der Orden ihm vorgelegt hätte, ist es fraglich, ob der Orden jemals eine Schenkung von den genannten Herrschern erhal- ten hat. Wie hätte Herzog Konrad vor Neapel Kontakt zu der kleinen und noch weitgehend unbekannten Spitalgemeinschaft in Akkon aufnehmen können? Man wird also gut daran tun, die Nachricht einer solch frühen Besitzübertragung mit Skepsis aufzunehmen. Sollte sie trotz aller Einwendungen zutreffen, ist der älteste Besitz des Ordens in Böhmen und Mähren zu suchen. Er stammte dann allerdings aus einer Zeit, als der Orden als solcher noch gar nicht existierte, sondern eine un- bekannte Spitalgemeinschaft gewesen ist. Nach einer ebenfalls alten Tradition soll Graf Konrad II. von Oettingen 1196 den Deutschen Orden bzw. die dem Orden vorangegangene Spitalgemeinschaft wäh- rend eines Kreuzzugs kennen und schätzen gelernt haben. Nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land habe er das Ordenshaus in Oettingen gestiftet455. Für die Tradition lassen sich zwar einige erwägenswerte Gründe anführen, aber letztlich überzeugen sie nicht. Es ist vielmehr davon auszugehen, daß die Grafen von Oet- tlrigen dem Orden erst wesentlich später den Grund und Boden zur Errichtung einer Kommende an ihrem Stammsitz schenkten, nämlich wohl erst nach 1225, als 452 ^°deX ^oeno“^rancoIurtanus 1» Nr.55; vgl. Militzer, Entstehung, S. 112 f. ° Demel, Sachsenhäuser, S.39f. Ihm folgt Weiss, Franken, S. 128. °dex Bohemiae II, Nr. 239; Quellen zur Geschichte des DO, Nr. 4; Regesta Bohemiae et Mora- 454 I’ Nr- Dazu: Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 147f.; Jan, Bratri, S. 6. 455 M eX Bohemiae Nr. 40. °pfenzitz, Oettingen, S. 1 ff.
Graf Ludwig, der bis 1225 als Augsburger Domherr bezeugt ist, dem Deutschen Orden beitrat456. Von der schönen Tradition wird man Abschied nehmen müssen 8.5.2 Die Kommende als Verwaltungs- und Wirtschaftseinheit In der Literatur, auch der wissenschaftlichen, findet man immer wieder die Ansicht vertreten, daß eine Ordensniederlassung oder sogar eine Kommende mit einem Komtur an der Spitze schon zu dem Zeitpunkt anzunehmen sei, an dem der Orden an einem bestimmten Ort eine größere Schenkung erhalten oder umfangreiche Gü- ter erworben habe. Diese Ansicht ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Es mag manchmal so gewesen sein, daß der Orden sofort nach dem Erwerb einer ertragrei- chen oder bedeutenden Liegenschaft dort ein Ordenshaus errichtet hat. Als bei- spielsweise Burggraf Konrad von Nürnberg 1294 dem Orden seine Burg Virnsberg übertragen hatte457, hat der Orden dort noch im selben Jahr oder jedenfalls bald darauf eine Kommende gegründet. Bereits 1299 ist Konrads Sohn als Komtur des neuen Ordenshauses auf der Burg bezeugt458. Der Burggraf hatte also dem Orden Virnsberg als „Mitgift“ seines Sohnes übertragen. Zu dessen standesgemäßer Ver- sorgung mußte der Orden schon einen Konvent auf der Burg schaffen. Dazu wird die Überlegung getreten sein, daß die Burg und die zugehörigen Güter am besten durch ihre Umwidmung in eine Kommende zu sichern waren, da sie damit unter kanonischem Recht stand. Wenn dem Orden ein Spital übertragen wurde, mußte er früher oder später einen Ordensbruder abstellen, der die Institution zu beaufsichtigen hatte. Aus der anfäng- lichen Aufsicht mag sich in vielen Fällen schnell eine Ordensniederlassung mit meh- reren Brüdern entwickelt haben. 1209 hatte zum Beispiel König Otto IV. dem Deutschen Orden die Nürnberger Jakobskirche geschenkt. An ihr errichtete der Orden ein Spital, das 1210-1213 ein Ordensbruder namens Friedrich als Verweser leitete459. Daraus entwickelte sich eines der wichtigsten Ordenshäuser im Deutschen Reich mit einem Komtur an der Spitze. Analoges gilt für Übertragungen von Patro- natsrechten an den Orden. 1278 schenkte beispielsweise Graf Wernhard II. von Leonberg das Patronatsrecht an der Kirche in Gangkofen in Bayern. Zwei Jahre später ist dort ein Priesterbruder als Komtur nachweisbar460. Schenkungen von Burgen, Spitälern und Patronatsrechten führten vielfach sehne zur Errichtung von Kommenden, aber eben nicht in allen Fällen und noch weniger 456 Militzer, Entstehung, S. 124; zustimmend: Weiss, Franken, S.90. 457 Nürnberger UB, Nr. 867. 458 Wilhelm, Corpus IV, Nr.3166; Weiss, Franken, S. 124f., 486. 459 Nürnberger UB, Nr. 127, 134; Weiss, Franken, S.32. 460 Regesta boica IV, S. 773; Weiss, Franken, S. 118, 120, 426.
nach der Liegenschaftsübertragung. Es konnten mehrere Jahre vergehen, ehe SOt°Komtur an der Spitze solcher Güter nachzuweisen ist. Die Zeitspanne zwischen j111 Schenkung und dem ersten Nachweis einer Ordensniederlassung mit einem £er tur jst meist nicht mit fehlenden Quellen zu erklären, sond^n war tatsächlich ^°handen und entsprach der damaligen Wirklichkeit. Außerdem entstanden an vie- v°r KirChen, deren Patronatsrechte dem Orden übertragen worden waren, niemals Kommenden. Eine fromme Stiftung mußte also nicht sofort zur Gründung eines llständigen Ordenshauses führen. Der Erwerb von Besitz und Rechten war zwar stets die Voraussetzung für die Errichtung einer Kommende, aber nicht mehr. Es b keine Zwangsläufigkeit. Der Orden entschied selbst, wie er seinen Besitz ver- walten wollte, wenngleich er manchmal wie im Fall des Nürnberger Burggrafen und dessen Übertragung der Burg Virnsberg wahrscheinlich gar nicht anders handeln konnte, als dort einen Konvent zu bilden und dessen Leitung dem in den Orden eingetretenen Burggrafensohn anzuvertrauen. Jedoch hing die Entscheidung auch in diesem Fall von dem Willen des Ordens ab. Da solche Kapitelsbeschlüsse schriftlich meist nicht festgehalten wurden, ist nur indirekt festzustellen, ob ein Konvent ein- gerichtet worden ist oder nicht. Ein solcher indirekter Beleg liegt dann vor, wenn es gelingt, einen Komtur nachzuweisen. Was war ein Konvent mit einem Komtur an der Spitze im Bereich der späteren Balleien? In der Regel des Deutschen Ordens ist nur einmal die Rede von Ordens- häusern, in denen ein vollständiger Konvent vorhanden sei. Nach der Bestimmung in den Statuten waren damit zwölf Brüder gemeint, denen ein Komtur als Drei- zehnter vorgesetzt war. Der Konvent war also der Schar der Jünger Jesu nachgebil- det. In einem solchen vollständigen Konvent sollten Tischlesungen stattfinden, da- mit nicht nur der leibliche Hunger, sondern auch das Bedürfnis nach dem Worte Gottes befriedigt werde461. Nach dem Wortlaut der Statuten zu urteilen, haben die Redaktoren der Regel damit gerechnet, daß es auch Ordenshäuser mit unvollständi- gen Konventen, also mit weniger als zwölf Brüdern, gegeben habe. Es erhebt sich die Frage, ob solchen unvollständigen Konventen nicht auch Komture vorstehen konnten oder ob sie von Brüdern mit anderen Titeln geleitet worden sein könnten. Soweit sich Brüderzahlen überhaupt erschließen lassen, haben im Bereich der Bal- ten anfangs in den meisten Kommenden weniger als zwölf Brüder unter einem eiter mit dem Komturstitel gelebt. Die Kommenden im Deutschen Reich haben a s° kaum einmal die Idealzahl von zwölf Brüdern unter einem Komtur erreicht, he’ 1,e K°mmende war anfangs wohl die unterste Verwaltungs- und Wirtschaftsein- und lm Bereich der Balleien. In ihnen wurden die Abgaben gesammelt, verkauft n‘ k S?nst verwertet, Überschüsse erwirtschaftet und weitergeleitet. Wenn auch Sn' lrnmer die erforderliche Zahl von zwölf Brüdern mit einem Komtur an der e erreicht wurde, versahen sie dennoch ihre gottesdienstlichen Obliegenheiten. 461 Perlk l lbach, Statuten, S.41: Regel 13.
Die Kommenden waren in gewisser Hinsicht Spiegelbilder des Haupthauses. D Leben im Haupthaus war Vorbild für das der Brüder in den Kommenden im Reich Wie im Haupthaus Brüder mit Aufgaben betraut wurden, versahen auch in den Kommenden Brüder bestimmte Ämter, blieben aber dem jeweiligen Komtur re chenschaftspflichtig. Der Stellvertreter des Komturs war der Hauskomtur, der in größeren Niederlas sungen schon im 13. Jahrhundert bezeugt ist, wie beispielsweise in Marburg 1260462 463 1241 in Nürnberg der subcommendator Hertoldus^, 1300 ein vices gerens commen- datoris in Gottern464. In der ursprünglichen Regel des Deutschen Ordens findet er sich nicht. In den Gewohnheiten ist der lateinische Titel vicepreceptor mit deiner commendüre übersetzt worden465. Erst in den Gesetzen Burchards von Schwanden von 1289 ist der Hauskomtur als ein Amts träger erwähnt466, wie er sich schon vorher in den Balleien herausgebildet hatte. Denn der vicepreceptor oder kleine commen- dür ist nicht ohne weiteres mit einem Hauskomtur in den Balleien zu vergleichen dessen Stellung als Vertreter des Komturs eher der Machtfülle eines Großkomturs im Haupthaus entsprochen hat. Das Amt des Hauskomturs ist wie das des Groß- komturs aus der Notwendigkeit einer Stellvertretung bei Abwesenheit des eigentlich verantwortlichen Amtsträgers entstanden467. Allerdings ist der Titel „Hauskomtur“ doppeldeutig. Er konnte nämlich nicht nur den Stellvertreter, sondern auch den Vorsteher einer Kommende bezeichnen, wenn herausgestellt werden sollte, daß er einem anderen Komtur oder Landkomtur unterstand. So wurde der Kölner Komtur gelegentlich Hauskomtur genannt, weil er dem Koblenzer untergeordnet war468. Ebenso hieß der Vorsteher der Prozeltener Niederlassung 1309 zunächst Hauskom- tur469. Analoge Beobachtungen hat Heim in der Ballei Elsaß-Burgund gemacht470. Im Unterschied zum Haupthaus hat es in den Kommenden innerhalb des Deut- schen Reichs niemals Marschälle gegeben. Da der Orden gegen römisch-katholische Christen keine Kriege, nicht einmal Fehden führen durfte, war ein Anführer einer Heerschar wie im Heiligen Land, in Armenien, Griechenland, Spanien oder im Osten überflüssig. Wenn dennoch gelegentlich wie für die Kommende Marburg ein marscalcus erwähnt ist, hatte er andere Funktionen als der Oberste Ordensmar- 462 Wyss I, Nr. 170; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.226. 463 Nürnberger UB, Nr. 297. 464 UB Ballei Thüringen, Nr. 643. Bei dem Amtsträger in Gottern ist es ungewiß, ob er nur einen vor übergehenden Auftrag erhalten oder ein Amt innegehabt hatte. 465 Perlbach, Statuten, S.98: Gewohnheit 9; S. 108f.: Gewohnheiten 35-36. 466 Perlbach, Statuten, S. 139. 467 Das betonen sowohl Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 226, wie auch Heim, S. 113, trot ihrer Verweise auf die Ordensregel. 468 Vgl. Lim burg, Koblenz, S. 19f. 469 Hohenlohisches UB II, Nr. 465(63). 470 Heim, S. 113.
In Marburg hatte er die Aufsicht über den Pferdestall. Ihm oblag die Versor- SC^ der Pferde und die Pflege der Wagen, Sättel, des Zaumzeugs und derglei- gung47i in Barletta hieß ein solcher Amtsträger folgerichtig auch nicht Marschall, n 1277 preceptor quadrigarum*72. Einen vergleichbaren Amtsbereich hatte S0IJi ^heinlich auch der 1290 als Zeuge genannte Seneschall Symeon oder der 1346 Wa te Ordensbruder Jakob, Seneschall von S. Leonardo di Siponto473. er^jaCh dem Hauskomtur war in den Kommenden im Reich, aber auch in Italien i s£zilien der Trappier der wichtigste Mann. Das belegen Nachrichten vor allem U dem späten Mittelalter. Trotzdem darf man wohl analoge Kompetenzverteilun- für eine etwas frühere Zeit voraussetzen. Der Trappier war im allgemeinen für den gesamten Finanzhaushalt verantwortlich, hatte also auch Funktionen, die im Haupthaus dem Treßler zufielen. In den Balleien hieß der Trappier daher auch ge- legentlich Treßler oder thesaurarius. Beide Bezeichnungen meinten in den meisten Fällen denselben Amtsträger. So war es in Marburg, wie sich anhand der Rechnun- gen besonders deutlich darstellen läßt474. Ein solcher Trappier-Treßler verlieh Geld, schloß mit Kaufleuten Handelsgeschäfte ab, entlohnte Handwerker und sorgte für die Finanzierung des Wirtschaftshofes an der Kommende. Ein Marburger Trappier ist erstmals 1252 bezeugt475. Eine analoge Verquickung der Ämter findet sich auch in der Kommende Sachsenhausen wenigstens im 15. Jahrhundert. Der dortige Funk- tionär Nikolaus von Molhusen wurde 1440-1463 einmal Trappier und ein anderes Mal Treßler oder Schatzmeister genannt476. Vergleichbare Trappiere amtierten in Sachsenhausen wenigstens schon seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts477 ebenso in Mergentheim478. In Beuggen war das Amt des Trappiers wie in Marburg mit dem des Treßlers verbunden479. Fraglich bleibt jedoch, ob die Kompetenzfülle, die sich vor allem anhand der Rechnungen des Marburger Ordenshauses für das 14. Jahr- hundert beschreiben läßt, auch für die Aufbauphase, für das 13. Jahrhundert, gelten kann oder ob für jene Zeit eher eine Ämtertrennung in Anlehnung an das Haupt- haus f zu vermuten ist. Dafür würde sprechen, daß zumindest in der Koblenzer Kommende während des 13. Jahrhunderts Trappier und Treßler keine identischen mtsträger gewesen sind, sondern offenbar verschiedene Aufgaben wahrgenommen 479 ?raasch-Schwersmann, Marburg, S.244f. 4'. ^er8amene Barletta, Nr. 142. 474 ^esto Leonardo, Nr. 260. 475 wraasch“Schwersmann, Marburg, S.227ff. 476&Sl’Nr109- Nr 203*^& Nn 1955’ 1967, 1976, 1978> 2081’ 2083> 2085; Jost’ S'43 Nr’182’ S’45 Nr'196f” S’46 Kr,; r wur£fe schließlich Komtur von Mainz: Jost, S. 105 Nr. 799; Hartmann, Komture 477Cod ’S'122- 478 Hoh?i^°en°'Francofurtanus I, Nr. 875; Reimer II, Nr. 58; Jost, S. 18 Nr. 38. 479 Hei ch'Sches UB n> Nr. 84. S. 114.
haben480 481. Leider lassen sie sich nicht näher eingrenzen, da sich keine Rechnungen Verwaltungsrichtlinien oder dergleichen Quellen aus der Zeit erhalten haben. Auch in der im 13. Jahrhundert noch wichtigen Kommende Barletta in Süditalien amtierte ein thesaurarius^. Dort verschmolz wohl erst seit dem 14. Jahrhundert das Amt des Treßlers mit dem eines Trappiers. Ein weiteres wichtiges Amt in den Kommenden des Reichs war das des Zinsmei sters, der Geld- und Naturalabgaben einzog und die Ablieferung in seinen Büchern vermerkte. In Marburg ist er 1342 erstmals bezeugt482. Dort scheint er zu den ein- zelnen Hebestellen geritten zu sein, um mit den Verantwortlichen an Ort und Stelle abrechnen zu können483. Zinsmeister hat es seit dem 14. Jahrhundert auch in Nürn- berg484, Sachsenhausen485 und Beuggen486 gegeben. Ob aber der Nürnberger Zins- meister wie sein Marburger Kollege über Land geritten ist, mag zweifelhaft sein Denn mit der Aufgabe hatten die Nürnberger Brüder einen eigenen Konventualen beauftragt, den sie Überreiter nannten487. Einen Überreiter bestellte auch der Kom- tur von Sachsenhausen. Zumindest ist ein solcher Amtsträger 1456 belegt488. Mit dem Verkauf von Überschüssen waren in Köln, Koblenz und Utrecht Schäffer be- traut489. In Altenbiesen sind seit 1313490 und in Maastricht seit 1399491 solche Schäf- fer genannt. Im 15. Jahrhundert gab es sogar einen für die Ballei Biesen zuständigen Schäffer492. Die Vorräte im Hause selbst verwahrte der Kellner oder cellerarius. In Marburg hatte er für das Brauen des Biers und die Pflege des Weins zu sorgen. Von den Überschüssen verkaufte er vor allem Getreide und bekam dadurch Geld in seine Kasse. Außerdem war er für die Führung des Wirtschaftshofs an der Kommende verantwortlich493. Ein solches Amt ist in Marburg schon sehr früh, nämlich 1236, bezeugt494. Ebenso frühzeitig ist ein Kellner in Nürnberg belegt495. Später finden 480 Hennes I, Nr.490 (1296), vgl. ferner Nr.232, 307. 481 Pergamene Barletta, Nr. 137. 482 Wyss II, Nr. 723. 483 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.238ff. 484 Baader, S. 13f. 485 Pettenegg, Nr. 1536; J o s t, S. 34 Nr. 132, S.39 Nr. 156. 486 Heim, S. 115. 487 Baader, S. 59, 77. 488 Pettenegg, Nr. 1668. 489 Regesta Ordinis Theutonicorum I, Nr. 8306, 8755f., 8986; Maschke, Schäffer, S. 74. 490 Grauwels I, Nr. 108, 116, 118, 120, 129, 132, 151, 155, 159, 263-265, 275 (1307-1386). 491 Grauwels I, Nr.297; II, Nr. 1471; III, Nr. 1876. 5 492 Grauwels I, Nr.302, 307, 324, 326, 330, 361, 365, 368-371, 375f., 380f„ 387, 389f., 398, 402, 412f., 417, 420f., 425L, 431, 434, 438, 446, 449f.; III, Nr. 1833. 493 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.241 f. 494 Wyss I, Nr. 56. 495 Nürnberger UB, Nr. 283; Baader, S. 65.
vpllner in Sachsenhausen496, Beuggen497 und Maastricht498, aber auch in einer s,c. eren Kommende wie 1295 in Hüttenheim499 * ein ders in großen Kommenden war ein Küchenmeister für die Versorgung der Pfründner, Knechte, Mägde, Lohnarbeiter und ander^ Angehörige des es’ Speisen zuständig. Er beaufsichtigte das in der Küche arbeitende Perso- j und hatte darauf zu achten, daß genügend Lebensmittel vorhanden waren500. h ein Amtsträger, ein magister coquine oder coquinarius, ist in Marburg 1280 u£t501. Seit dem 14. Jahrhundert begegnet das Amt im Deutschordenshaus Sach- senhausen502 und 1444-1467 in Maastricht503. Manche Kommenden hatten einem magister edificie oder Baumeister die Sorge für den Erhalt der Baulichkeiten der Niederlassung übertragen, wie 1295 in Hütten- heim504, 1350 in Nürnberg505, 1460-1467 in Maastricht506 und 1477 sogar für die ge- samte Ballei Biesen nachzuweisen ist507. Im Konvent von Sachsenhausen gab es zeit- weise einen Fischmeister508 und im Koblenzer Ordenshaus einen Schiffsmeister, einen magister navium™. Bedingt durch lokale Besonderheiten, mag es in einzel- nen Kommenden weitere Amtsträger gegeben haben, die sonst nicht nachzuweisen sind. Hervorzuheben ist das Amt eines Hofmeisters. Er war in Beuggen der wichtigste Amtsträger nach dem Komtur und dessen Stellvertreter, dem Hauskomtur. In Beug- gen verwaltete er den Wirtschaftshof, der der Kommende angeschlossen war510. Hofmeister oder provisores curie konnten aber auch Ritterbrüder oder Graumäntler sein, die wichtige Höfe außerhalb des Kommendenbereichs beaufsichtigten. Diese Höfe konnten ursprünglich sogar selbständige Kommenden gewesen sein, die aber im Laufe der Zeit aufgegeben und größeren Ordensniederlassungen angegliedert worden waren. In Nürnberg hieß eine solcher Verwalter der ehemals selbständigen Kommende Wolframs-Eschenbach Pfleger oder provisor511. Das Sachsenhausener 496 Codex Moeno-Francofurtanus II, Nr.259; Jost, S. 19 Nr.46. 497 Heim, S. 115. 498 499 500 501 502 503 504 505 506 Grauwels I, Nr. 428. Baader, S. 73. Braasch-Schwersmann, Marburg, S.241 f. Wyss I, Nr.382. Codex Moeno-Francofurtanus II, Nr. 228, 259, 325. Grauwels I, Nr. 365, 428. Baader, S. 75. Baader, S. 15. 507 Grauwels I, Nr.403, 405, 421, 428. 508 ?rauwels L Nr.452. 509 {?St’S'96Nr.698. 510 Hennes H> Nr.413, 415 (1321). 5ii ?eiT’S116f- er> S.60; Militzer, Entstehung, S. 117.
Ordenshaus unterhielt provisores curie in Nieder-Wöllstadt und Preungesheim512 j analoger Weise hatte der Marburger Komtur einzelne bedeutendere Höfe an provis res übertragen513. Im 15. Jahrhundert wurden diese Ämter meist weltlichen Amtleu ten anvertraut. In Italien taucht gelegentlich der Titel preceptor domus seu grangie auf, wie 1305 für einen Hofverwalter eines Außenbesitzes der apulischen Kommen de S. Leonardo di Siponto514. Er ist dem Hofmeister in den deutschen Balleien ver gleichbar. Herausgehoben aus dem Kreis der dem Komtur bzw. dessen Stellvertreter, dem Hauskomtur, verantwortlichen Amtsträger eines Hauses waren die Pitanzmeister und die Spitalmeister, da beide Sondervermögen verwalteten, das dem unmittelba- ren Zugriff des Komturs entzogen war. Pitanzen waren Stiftungen meist weltlicher Personen, die dafür vom Orden ein Totengedächtnis während eines Gottesdienstes verlangten. Im Anschluß an das Gedächtnis erhielten die teilnehmenden Brüder von den Stiftern festgelegte Reichnisse meist in Form von zusätzlichen Getränken, vor allem von Wein, oder auch von Speisen. Beispiele für solche Sondervermögen unter eigener Verwaltung eines Pitanzmeisters finden sich in Bern, Ulm, Altenbiesen515, Marburg516, Sachsenhausen517, Münster518 und an anderen Orten. In den meisten Fäl- len hatte der Orden das Amt Geistlichen, also Priesterbrüdern, anvertraut. Vom Kommendenhaushalt getrennt war das Spitalvermögen, zumindest in den größeren Häusern. Schon die Gewohnheiten aus der Mitte des 13. Jahrhunderts hatten festgelegt, daß der Spitalmeister nicht zur Rechnungslegung wie sonst alle übrigen Amtsträger verpflichtet sei, sondern mit dem Hochmeister nur seine Wirtschafts- führung abzusprechen habe519. Daraus mögen sich die von der Kommendenwirt- schaft getrennten Haushalte der Spitäler entwickelt haben. Es ist aber auch damit zu rechnen, daß der Orden bei der Übernahme von Spitälern Auflagen hinnehmen mußte, die eine getrennte Haushaltsführung erzwangen. Ob sich nun aus den Or- densgewohnheiten oder aus Auflagen die getrennte Wirtschaftsführung entwickelt hat, ist nicht mit letzter Sicherheit zu entscheiden. Das eindrucksvollste Beispiel für ein Sondervermögen, über das der Spitalmeister verfügen konnte, bietet das Nürn- berger Ordensspital, für das sich sogar ein eigenes Urbar erhalten hat520. Analoge 512 Codex Moeno-Francofurtanus II, Nr.43; Jost, S. 88 Nr. 584, 591, S. 104 Nr. 794. 513 Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 18f., 25f., 36ff. 514 Regesto Leonardo, Nr.227, 229; Appendice Nr.2-7, 9-11. 515 Militzer, Wirtschaftstätigkeit, S. 7. Zur Ballei Biesen: Grauwels I, Nr. 160, 167, 258, 297, 32 , 329; II, Nr. 1419, 1422-1424. 516 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.229ff. 517 Pettenegg, Nr. 1399; Jost, S. 85 Nr. 547, S. 100 Nr. 745; Niedermayer, S. 162. 518 Hennes II, Nr.458. 519 Perlbach, Statuten, S. 107: Gewohnheit 31; vgl. Probst, Medizinalwesen, S. 520 Urbare Nürnberg, S. 81 ff.; Boockmann, Nürnberg, S. 89ff.; Militzer, S. 6; Arnold, Agrarwirtschaft, S. 60. Wirtschaftstätig e
i-Itnisse sind in Marburg zu beobachten521. Auch dort hatte das Spital eigene VeI7a. £te Jer Spitalmeister verwaltete. Ob jedoch diese Trennung des Spital- ^in ens vom übrigen Kommendengut in allen Ordensniederlassungen, denen ^^ler angeschlossen waren und die teilweise sogar aus il^ien hervorgegangen • T vollzogen worden ist, ist zweifelhaft. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts S1u ’ nd nämlich im Orden das Interesse am Spitaldienst zunehmend. Die Be- SCRwerden gegen Nachlässigkeiten und gegen eine ungenügende Versorgung mehr- S sich selbst an den Orten mit noch funktionstüchtigen Spitälern wie in Marburg oder Nürnberg522. Das läßt darauf schließen, daß die Brüder kein Interesse mehr an einem Sondervermögen zugunsten der Spitäler hatten. In der Tat fehlen solche Ur- bare und Rechnungen wie für die Spitäler in Nürnberg oder Marburg. Das kann nicht nur an der gewiß mangelhaften Überlieferung liegen, sondern ist wenigstens zum Teil darauf zurückzuführen, daß das Sondervermögen aufgelöst und dem allge- meinen Kommendengut eingegliedert oder gar nicht erst geschaffen worden war, wenn nicht Auflagen eine andere Handhabung erzwangen. Mit dem Verlust des Sondervermögens büßte der Spitalmeister einen Teil seiner Funktion und vor allem Selbständigkeit ein, die ihm die Statuten noch zugebilligt hatten. In manchen Kom- menden mit angeschlossenen Spitälern sind seit dem 14. Jahrhundert keine eigenen Spitalmeister mehr ernannt worden. Jedenfalls sind sie nicht mehr nachweisbar. Vielleicht haben andere Amtsträger wie Hauskomture oder Trappiere die Spitäler geführt. Selbst in Marburg mit einem größeren Spital und einem Sondervermögen wurde nicht immer ein Spitalmeister ernannt. Vielmehr hatten Hauskomtur, Trap- pier oder Pitanzmeister zeitweilig dessen Aufgaben übernommen523. Die Priesterbrüder hatten im Deutschen Orden in erster Linie die Seelsorge der Laienbrüder, also der Ritterbrüder und der Graumäntler, in ihren Händen. Dane- ben hatten sie jedoch weitere Aufgaben. Da dem Orden Patronatsrechte geschenkt worden waren und er sich Pfarreien inkorporiert hatte, mußte er für den Gottes- dienst sorgen. Dazu setzte er die Priesterbrüder als Pfarrer ein, die dann auch eine Kirchgemeinde zu betreuen hatten. In den deutschen Balleien, aber auch in Apu- lien, Sizilien und der Lombardei kam es nicht selten vor, daß ein Priesterbruder Komtur wurde. Meist war er dann auch gleichzeitig Pastor der inkorporierten arrkirche am Ort der Kommende. Neben der geistlichen Betreuung der Gemein- e oblag ihm zusätzlich die Oberaufsicht über die Güterverwaltung des Ordens- auses. Von solchen Pfarrkomturen wurden beispielsweise die Kommenden der t Un^ Neustadt Mühlhausens, in Reichenbach und Saalfeld in Thüringen524, in 521 522 523 524 ^aasch-Schwersmann, Marburg, S.237f. dJaasch-Schwersmann, Marburg, S. 235 f. In Nürnberg stiftete Konrad Groß im 14.Jahrhun- n em neues leistungsfähigeres Spital: Knefelkamp. Dazu: Reicke, Spital I, S. 129ff. „ aasch-Schwersmann, Marburg, S.238. mmerlad, S. 89, 220ff.
Bern in der Schweiz525, in Welheim im Vest Recklinghausen526, die Kommenden N und Schoten in Friesland527 und andere mehr geführt. Die Leitung einer OrdensniCS derlassung konnte nur in den Gebieten, in denen der Orden in keine Kämpfe ge Ungläubige, Heiden oder Muslime verwickelt war, Priesterbrüdern übergeben wer^ den. Pfarrkomture waren also eine Besonderheit der Balleien im Deutschen Reich' in Frankreich, Italien und Sizilien. Dort wurden im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Niederlassungen Priesterbrüdern anvertraut. Die großen und wichtigen Korn menden blieben allerdings in den Händen von Ritterbrüdern. War der Pleban gleichzeitig Komtur einer Niederlassung, war er auch der Vorge- setzte der übrigen Priesterbrüder. In einigen größeren Konventen gab es jedoch ne- ben dem Komtur, der dann ein Ritterbruder sein mußte, eigene Vorgesetzte der Priesterbrüder. In Marburg war es ein Prior. Auf ihn ist zwar schon in einem ande- ren Zusammenhang hingewiesen worden, soll aber noch einmal eingegangen wer- den. Als sich die Marburger Kommende der besonderen Förderung der Thüringer Landgrafen erfreute, war das Amt des Priors ausgezeichnet worden. Denn dieser Amtsträger erhielt von Papst Innozenz IV. 1246 das Vorrecht, an hohen Feiertagen beim Lesen der Messe eine Mitra tragen zu dürfen528. Seit 1250 war er berechtigt, den Ordensbrüdern Absolution zu erteilen529. Diese und andere Auszeichnungen des Marburger Priors hingen mit dem Elisabethspital, mit der Verehrung der heili- gen Elisabeth und mit den Wallfahrten zu ihrem Grab zusammen530. Dergleichen Vorrechte genossen Prioren in anderen Konventen nicht. Denn die eigentliche Auf- gabe eines Priors bestand in der Aufsicht über die Priesterbrüder, in der Sorge um den Gottesdienst, um die Einhaltung der vorgeschriebenen Gebete, der Totenge- dächtnisse und Anniversarien. In diesem Zusammenhang hatte er wahrscheinlich auch eine gewisse Disziplinargewalt über die ihm unterstellten Priesterbrüder. Die Statuten des Deutschen Ordens verliehen ihm jedenfalls ein solches Recht531. Derartige Prioren amtierten zumindest im 13. Jahrhundert in Barletta532. Auch in Plauen gab es zeitweilig Prioren533 *. Nachdem dem Deutschen Orden 1278 das Klo- ster Zschillen übertragen worden war, hatte er versprochen, zwölf Priesterbrüder zur Pflege des Gottesdienstes und aller geistlichen Verpflichtungen im ehemaligen Kloster zu unterhalten und einen Priesterbruder als Propst vorzuschlagen, der 525 Turnier, S. 120. 526 Esch, Welheim, S. 81 ff. 527 Mol, Friese Huizen, S.318ff. 528 Wyss I, Nr. 81. 529 Wyss I, Nr.98. 530 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.248ff. 531 Perlbach, Statuten, S. 87: Gewohnheit 40. 532 Pergamene Barletta, Nr. 93. r 533 UB Ballei Thüringen, Nr. 153, 159, 179f., 183-186, 190f., 299, 354, 435, 452, 462, 477, 515, 54 549f., 605.
iti Archidiakon sein sollte. Der Propst hatte dem Bischof von Meißen g?elC Treueid zu leisten wie alle anderen Pröpste und Archidiakone der Diözese e^n^n per Orden mußte also auf seine vom Papst gewährten Exemtionsrechte ge- aUCüber der bischöflichen Gerichtsbarkeit verzichten. Der Zsctyllener Propst hatte ^seinem Konvent die Stellung eines Priors gegenüber den Priesterbrüdern. Er lei- 111 die neue Kommende nicht. Denn neben ihm amtierte ein Komtur, meist ein bruder, der dem Bischof nicht unterstellt oder eidlich verpflichtet war534. Ana- 1 1 e Verhältnisse finden sich in Schiffenberg. Die dortige Kommende ist aus einem hemaligen Augustinerchorherrenstift hervorgegangen, das Erzbischof Balduin von Trier 1323 aufgehoben und dessen Besitz und Rechte er zur gleichen Zeit dem Deutschordenshaus in Marburg übertragen hatte535. Auch in diesem Fall knüpfte der Erzbischof die Schenkung an bestimmte Bedingungen. Der Orden hatte einen Rekognitionszins zu zahlen und einen Propst zu präsentieren, den der Erzbischof dann investierte. Der Orden hatte in Schiffenberg zwölf Brüder zu unterhalten, da- von die Hälfte Priesterbrüder. Im Laufe der Zeit wurde der Rekognitionszins ermä- ßigt und die Brüderzahl nach unten korrigiert. Aber die Institution des Propstes blieb. Neben den Propst trat häufig ein Komtur, so daß der vom Erzbischof einge- setzte Amtsträger nur für die Priesterbrüder wie ein Prior zuständig war und für die Aufrechterhaltung der Gottesdienste zu sorgen hatte, jedenfalls immer dann, wenn ein Komtur an seiner Seite stand. Ansonsten hatte er auch die Aufgaben eines Komturs zu übernehmen536. Solche Kommenden mit Ritter- oder Priesterbrüdern als Komturen an ihrer Spit- ze bildeten zunächst die unterste Verwaltungseinheit der abendländischen Besitzun- gen des Deutschen Ordens. Im Laufe der Zeit traten in Ausnahmefällen kleinere Verwaltungseinheiten hinzu, die Kastnereien. Sie wurden anfangs von Ordensbrü- dern, Ritter- oder Priesterbrüdern, als Hofmeister oder mit vergleichbaren Amtsbe- zeichnungen verwaltet, später immer häufiger weltlichen Personen anvertraut. Ur- sprünglich selbständige Kommenden konnten zu Kastnereien absinken. Es kam aber auch vor, daß größere Kommenden aus unterschiedlichen Gründen Besitz- komplexe zu Kastnereien zusammenfaßten wie den Hof oder das Amt Fritzlar urch die Marburger Kommende537 oder einen Ordenshof in einer wichtigen Stadt a s Kastnerei unterhielten wie die Ellinger Kommende in Nördlingen538. Die Kommenden konnten analog zum Haupthaus mehrere Brüder mit Ämtern ausstatten. Das waren die sogenannten Hausämter, deren Inhaber dem Komtur Re- enschaft schuldig waren. Jedoch bestanden trotz zahlreicher Analogien Unter- 53s $a^ei Thüringen, Nr. 319; Sommeriad, S.21, 89 ff.; Pfau, Grundriß. 536 ^rySSl1’ Nr-44Z 537 ßraasch"$chwersmann, Marburg, S.29ff.; Ka 1 bfuß, Augustinerchorherrenstift I, S.27ff. 538 asch’^hwersmann, Marburg, S. 18ff. 1 nzer, Auswirkungen, S.67ff.
schiede, wie sich besonders am Amt des Marschalls zeigte. Dazu kam, daß im t fe der Zeit die Aufgabenbereiche einzelner Hausämter immer mehr von dem in de ' Statuten vorgegebenen Rahmen abwichen, wie sich besonders bei der Betracht ** des Trappiersamts einzelner Ordenshäuser erwiesen hat. Es ist stets damit zu rech’ nen, daß nicht in jedem Haus zu jeder Zeit alle in den Statuten genannten Hausäm' ter besetzt waren. Einen derart gegliederten Verwaltungsaufbau wie im Haupthau konnten sich nur größere Kommenden im Reich und in den Mittelmeerballeien lei sten. Die meisten kleineren und mittleren Kommenden kamen mit weniger Amts trägem aus. Vielfach werden in solchen Konventen nach dem Komtur nur noch ein oder zwei Inhaber von Hausämtern gelebt haben. In den Balleien haben auch nach Aussage der zur Verfügung stehenden Quellen nicht in Jeder Kommende zwölf Brü- der unter einem Komtur gewohnt, wie es die Statuten nahelegten539. Auf eine solche Zahl von Konventualen kamen nur größere Häuser. Daneben hat es stets Ordens- niederlassungen gegeben, in denen weniger als zwölf Brüder unter einem Komtur gelebt haben540. Einen gewissen Anhaltspunkt gibt ein Verzeichnis der Besetzung der Ordenshäuser um 1400, das die hochmeisterlichen Visitatoren für ihren Auf- traggeber, den Hochmeister, angefertigt haben541. Danach haben in der Ballei Fran- ken nur drei von 20 Kommenden, nämlich Mergentheim, Nürnberg und Ellingen, und im Deutschmeistertum eine von drei Kommenden, nämlich Frankfurt-Sachsen- hausen, in der Ballei Elsaß-Burgund nur Beuggen, in der Ballei Koblenz nur die na- mengebende Kommende, in der Ballei Biesen nur Maastricht, in der Ballei Utrecht nur Utrecht, in der Ballei Marburg nur das Haupthaus, in der Ballei Thüringen die Kommenden Alt- und Neustadt Mühlhausens und Eger, also in der Regel die Haupthäuser der Balleien, die Zahl von zwölf Brüdern erreicht oder überschritten. In den Balleien Österreich, Bozen, Lothringen und Sachsen kam um 1400 keine Ordensniederlassung auf zwölf Brüder ohne den Komtur. Zu diesen Balleien ist wohl auch Westfalen zu zählen. In allen Balleien kam es dagegen vor, daß Priester- brüder zu Komturen werden konnten. Die Fälle waren anfangs noch seltener, häuf- ten sich aber im Laufe der Zeit, ohne allerdings Jemals zu überwiegen. Die wichti- gen Komtursämter blieben stets in den Händen der Ritterbrüder. Der Orden hat nicht von vornherein ein Netz von Ordensniederlassungen ge- plant. Erst wenn genügend Besitz vorhanden war, der verwaltet werden mußte, übertrug er einem oder mehreren Brüdern eine solche Aufgabe. Daraus konnte sich eine Kommende entwickeln. Die Leiter solcher Niederlassungen sind als erste Amtsinhaber nachzuweisen. Das ist schwerlich auf eine mangelhafte Überlieferung 539 540 Perlbach, Statuten, S.41: Regel 13. ^ert Für Thüringen vgl. die Zusammenstellungen von Wojtecki, Studien, S. 65ff. Im 13. Jahrhun^^ hatten vielleicht die Kommenden Altenburg, Zschillen und Alt- und Neustadt Mühlhausens z oder mehr Ordensbrüder in ihren Konventen. 541 Benninghoven, Zahl, S. 5ff.
.•ckzuführen, sondern dürfte den Tatsachen entsprochen haben. Die Komture ^rTdie ersten Amtsträger des Ordens im Deutschen Reich gewesen. Die Einrich- Sin einer Güterverwaltung auf unterster Ebene war der erste Schritt zum Aufbau tun$ allmählich komplizierter werdenden Verwaltungsstruktur^n den Balleien. eir^ Jen Kommenden lebten neben den Ordensangehörigen schon seit dem T hrhundert Familiäre, Pfründer, Halbbrüder und andere Personen, die sich dem Orden unter bestimmten Bedingungen angeschlossen hatten, auch ohne die in der Re el geforderten Gelübde abgelegt zu haben. Kaum eine größere Kommende kam ohne weltliches Personal aus, das für verschiedene Dienstleistungen im Haus, im Wirtschaftshof, auf dem Feld oder in der Kirche gebraucht wurde542. Weltliche Die- nerschaft wird der Orden schon im 13. Jahrundert eingesetzt haben, auch wenn sie erst seit dem 14. Jahrhundert in größerer Zahl nachzuweisen ist. Möglicherweise war deren Zahl zunächst noch gering und hat im Laufe der Zeit zugenommen. 8.5.3 Die Landkomture Die Kommenden waren zu Balleien zusammengefaßt, denen Landkomture vorstan- den. Diese Oberen galten als Vorgesetzte der Komture, der Verwalter der einzelnen Ordenshäuser. Aufgaben und Kompetenzen der Landkomture waren nicht in jedem Fall klar definiert und gegenüber denen der untergebenen und vorgesetzten Amts- träger abgegrenzt. Es hat Überschneidungen und, daher rührend, wohl Streit um Entscheidungsbefugnisse gegeben. Das ist auch gar nicht verwunderlich, weil in den Anfängen des Ordens alle Entscheidungen im Ermessen des Meisters und seines Kapitels gelegen haben und sich erst im Lauf der Zeit die Notwendigkeit zur Dele- gation von Aufgaben ergeben hat. Im Bereich der deutschen Balleien verzögerte sich die Entwicklung, weil der spätere Deutschmeister ursprünglich als Landkom- tur.fungierte und nach und nach Aufgaben an seine ihm unterstellten Landkomture delegierte. Weder der Hochmeister noch der Deutschmeister haben alle Kompeten- zen abgetreten, sondern sich Entscheidungen in Einzelfällen vorbehalten, ohne daß in den Statuten festgehalten worden wäre, wie solche Fälle jeweils zu handhaben seien. Immerhin läßt sich schon anhand der Statuten ein wohl im großen und gan- zen zutreffendes Bild von den Aufgaben eines Landkomturs um 1250 gewinnen. unächst einmal war der Landkomtur die dem Komtur übergeordnete Instanz lerd' ^UC^lt und Ordnung der Brüder, die in seiner Ballei lebten, zuständig. Al- oder^8 War er *n se*nen Entscheidungen stets an die Zustimmung seines Kapitels der B verst^n^Seren Mitbrüder gebunden. Er beaufsichtigte den Lebenswandel rüder seines Sprengeis und konnte eingreifen, wenn er es für erforderlich hielt. 2 Vgl- beispielsweise Heim, S.117f.; Müller, Beschreibung, S.XX.
Er konnte Fastenerleichterungen verordnen543. In besonderen Fällen stand es in * nem Ermessen, einem Mitbruder den Kauf von Liegenschaften über den Wert einer Mark Silbers zu erlauben oder ihn damit zu beauftragen, mehr als eine solch*1 Summe zu verleihen544. In der entsprechenden Vorschrift ist auch der Meister 6 nannt, der eine solche Erlaubnis erteilen konnte. Daher wird diese Kompetenz an fangs dem Meister allein zugestanden haben und erst im Zuge der Ausbreitung des Ordens über Europa an andere Amtsträger, darunter die Landkomture, übergegan gen sein. Ein Landkomtur hatte dafür zu sorgen, daß die Jahrzeit des verstorbenen Hochmeisters begangen wurde. Allerdings war diese Bestimmung auf eine Ausnah- mesituation zugeschnitten. Denn ein Landkomtur wurde nur dann in die Pflicht genommen, wenn das Ordensoberhaupt außerhalb des Heiligen Landes an einem Ort gestorben und begraben worden war, in dem keine Kommende stand. Dann hatte der betreffende Landkomtur für eine Jahrzeit in dem nächstgelegenen Or- denshaus zu sorgen545. Eine wichtige Pflicht eines jeden Landkomturs bestand darin, daß er jährlich ein großes Kapitel einberief. Auf ihm sollten die Amtsträger der Ballei, also vor allem die Komture als Vorsteher der Ordensniederlassungen, Rechenschaft ablegen und ihre Ämter zur Verfügung stellen. Dazu waren schriftliche Abrechnungen vorzule- gen. Diese schriftlichen Vorlagen prüfte der Landkomtur nicht allein, sondern mit ihm die zum Kapitel gehörigen verständigeren Brüder. Für den Bereich der deut- schen Balleien war diese Pflicht zunächst dem Deutschmeister als ältestem Land- komtur in dem Gebiet auferlegt und wurde dann im Lauf des Aufbaus der Balleien auf Landkomture ausgedehnt546. Die angeführten Kompetenzen standen den Landkomturen nicht von Anfang an zu, sondern waren ihnen im Lauf der Zeit zugewachsen, weil die Zentrale im fernen Orient gar nicht mehr alle Aufsichtspflichten wahrnehmen konnte und der Deutschmeister, der sie ursprünglich übertragen erhalten hatte, auch überfordert war und delegieren mußte. Den Landkomturen wurden noch vor 1264 weitere Auf- gaben überantwortet, denen sich einige von ihnen möglicherweise schon früher mit oder ohne Zustimmung ihrer Oberen gewidmet hatten. Nach den „Gesetzen über Meer“ hatte der Landkomtur die Genehmigung zu erteilen, falls ein Mitbruder fremdes, also nichtordenseigenes Gut transportieren wollte547. Der Landkomtur mußte um Erlaubnis gefragt werden, wenn ein Fremder, ein Nichtordensangehöriger, im Kleid des Ordens mitreisen wollte548. Wahrscheinlich war die Bestimmung au eine Kreuzzugsteilnahme zugeschnitten, ist aber gleichwohl allgemein formuliert. 543 Perlbach, Statuten, S.42 f.: Regel 15. 544 Perlbach, Statuten, S. 57: Gesetz If. 545 Perlbach, Statuten, S.90: Gewohnheit 2. 546 Perlbach, Statuten, S.59f., 96f., 102: Gesetz Ilb, Gewohnheiten 7a, 18. 547 Perlbach, Statuten, S. 135: 11,4. 548 Perlbach, Statuten, S. 136: VI,1.
lungen über das Zusammenleben der Brüder im Konvent mußten mehr und ^egjen unteren Befehlsebenen überlassen werden. Im allgemeinen gehörte dieser me -ch zU Jem Aufgabenkomplex der Komture. Aber einige Ausnahmen waren ^erelLandkomturen vorbehalten. So konnte der Landkomtur ^kranken oder alten Brüdern das Tragen von langen Mänteln (beffen) im Sommer erlauben, während Ihe Kleidungsstücke sonst nur im Winter üblich waren oder allein von Priester- k°'’dern während des gesamten Jahres benutzt wurden549. Schließlich durfte ein Schüler, der als angehender Priesterbruder in den Orden aufgenommen worden war nur mit Zustimmung des Landkomturs die Weihen empfangen550. Der Land- korntur hatte seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einem Ordensgeistlichen eine Frist zu setzen, innerhalb der jener seine Schulden zu begleichen hatte. Die Überwachung der Anordnung oblag dagegen dem zuständigen Komtur des Hauses, in dem der Bruder lebte551. In diesem Fall ging eine Kompetenz auf die unterste Ebene über. Hinsichtlich der Aufsicht über die Priesterbrüder ist eine Verlagerung vom Deutsch- meister auf die Landkomture zu beobachten, eine Tendenz, die, wie schon gesagt, auch sonst zu beobachten und geradezu bezeichnend für die Entfaltung der Or- densverwaltung in den deutschen Balleien gewesen ist. Nach den „Gesetzen über Meer“ bald nach 1264 bestimmte noch der Deutschmeister über den Büchernachlaß von verstorbenen Priesterbrüdern und verteilte die Bücher auf Häuser, die ihrer be- durften552. Unter dem Hochmeister Burchard von Schwanden (1282-1290) wurde die Bestimmung geändert, falls der Hochmeister mit seinem Kapitel nicht lediglich eine ohnehin schon länger geübte Gewohnheit sanktioniert hat. Nach dem Kapi- telsbeschluß hatte der Deutschmeister nur noch seine Zustimmung zu geben, falls ein Buch verkauft werden sollte. Dagegen lag die Verteilung der Bücher eines ver- storbenen Priesterbruders unter die Häuser der Ballei in den Händen des jeweiligen Landkomturs553. Den Landkomturen wuchsen weitere Disziplinarrechte zu. Ursprünglich wird der Orden ein zentrales Gefängnis für solche Brüder unterhalten haben, die schwe- re Vergehen auf sich geladen hatten554. Nach der Ausbreitung des Ordens reichte ein zentraler Kerker nicht mehr aus. Spätestens Konrad von Feuchtwangen (1291-1296) egte mit der Zustimmung seines Kapitels 1292 fest, daß jeder Landkomtur ein oder gar zwei Gefängnisse in seiner Ballei zu unterhalten habe. In sie waren Jene Brüder zu werfen, die längere Zeit außerhalb der Ordenshäuser einen möglicherweise un- züchtigen Lebenswandel geführt hatten. Gefangen und eingekerkert sollten also vor 549 p 11 550 pC| acb’ Statuten, S. 137: Gesetze über Meer VI,9. 551 pCr bacb’ $tatuten> S. 136: Gesetze über Meer V,4. 552 perikaCh’ $tatuten’ S. 135: Gesetze über Meer 11,2. 553 pCr 1 aCh’ $tatuten> S. 135: Gesetze über Meer 11,1. 554 Derlbach, Statuten, S. 139: §4. le gravior und gravissima culpa-. Perlbach, Statuten, S. 84-87: Gesetze 38-39.
allem solche Brüder werden, die dem Orden den Rücken gekehrt hatten, ohne d die Erlaubnis ihrer Oberen erhalten zu haben. Übrigens sollten die flüchtigen Brü der in der Ballei in Gewahrsam gehalten werden, aus der sie geflohen waren Wu ' den sie im Bereich einer anderen Ballei aufgespürt, waren sie an die Heimatballei überstellen555. Das hat mit einigen Zusatzbestimmungen der Hochmeister Dietrich von Altenburg (1335-1341) bestätigt556. Nach den Kapitelsbeschlüssen desselben Hochmeisters Dietrich von Altenburg mußte der Rat und wohl auch die Zustim mung des zuständigen Landkomturs eingeholt werden, falls ein Bruder den Orden verlassen und in einem anderen einen gottgefälligeren Lebenswandel führen woll- te557. Ein solches Zustimmungsrecht lag ursprünglich sicher nicht im Kompetenzbe- reich eines Landkomturs, sondern wird ihm im Lauf des 13. oder gar zu Beginn des 14. Jahrhunderts zugewachsen sein. Man erfährt erst aus den Gesetzen Dietrichs von Altenburg, daß ein Landkomtur über die Bußen solcher Brüder, die ein Amt ausgeschlagen hatten, informiert sein mußte558. Dieses Informationsrecht wird sich bald zu Kompetenzen verfestigt haben, so daß schließlich ein Landkomtur die Bu- ßen verhängte, verschärfte oder milderte. Ferner präsentierte der Landkomtur nach den Statutenzusätzen unter Konrad von Feuchtwangen geeignete Weltpriester für freie Pfarrstellen, falls nicht genügend Priesterbrüder zur Verfügung standen559. Ebenso wichtig wie die Aufsichtspflichten waren die Rechte der Landkomture bei der Aufnahme neuer Ordensmitglieder. Zwar war die Einkleidung von Brüdern ursprünglich das Vorrecht des Meisters im Einvernehmen mit dem Kapitel, aber be- reits das Aufnahmeritual aus der Mitte des 13. Jahrhunderts hatte damit gerechnet, daß ein Stellvertreter des Meisters Kandidaten einkleiden ließ560. Allerdings ist an keiner Stelle der Statuten vermerkt, daß Landkomture zur Aufnahme von Ritter- brüdern befugt gewesen wären. Dennoch könnten sie es in Stellvertretung des Mei- sters getan haben. Sicher ist jedoch, daß Landkomture laut den Regeln, dem älte- sten Teil der Statuten, also wenigstens um 1250, berechtigt waren, Halbschwestern und Familiären aufzunehmen und mit Verheirateten Verträge zu schließen, die für den Orden günstig waren und den Verheirateten einen besonderen Status im Rah- men des Familiareninstituts einräumten561. Die Landkomture hatten also einen ge- wissen Spielraum, wenn sie wichtige Persönlichkeiten, reiche oder dem Orden ge- wogene Männer an sich binden wollten. Andere Aufgaben gingen an die Landkomture über wie das Almosensammeln. Papst Honorius III. hatte dem Orden 1221 Ablaßprivilegien für Almosensammhin- 555 P e r 1 b a c h, Statuten, S. 141: § 7. 556 Perlbach, Statuten, S. 149: §4. 557 P e r 1 b a c h, Statuten, S. 149: § 5. 558 Perlbach, Statuten, S. 149: §3. 559 P e r 1 b a c h, Statuten, S. 141: § 5. 560 Perlbach, Statuten, S. 127f. 561 Perlbach, Statuten, S. 52f.: Regel 31-32.
1’ hen562- Der Orden hat sie genutzt. Ursprünglich scheint der Hochmeister ger^ Jerjie Almosen für die Spitäler erbaten, über Land geschickt zu haben. Aber Brüden schon vor, daß Landkomture neben den Hochmeistern solche Almo- aussandten563. Wahrscheinlich wegen der Baukosten xjrar die Errichtung 5611 Kirchen und Häusern aus Stein an die Zustimmung der Hochmeister gebun- V°n ging schon bald an die Landkomture über und zählte wenigstens seit der w11' des 13. Jahrhunderts zu deren Kompetenzbereich564. einer der wichtigsten Aufgaben eines Landkomturs gehörte die Aufsicht über die Spitäler. Ursprünglich zählte sie zu den Kompetenzen des Meisters. Nun konn- der Landkomtur mit dem Rat der verständigen Brüder, also seines Kapitels, die Genehmigung zur Errichtung von Spitälern in oder bei Ordensniederlassungen er- teilen. Wurde dem Orden ein bereits bestehendes Spital angedient, hatte der Land- komtur mit seinem Kapitel bzw. dem Rat verständiger Brüder über die Annahme zu entscheiden. In der Regel, dem ältesten Teil der Statuten, ist unter „Landkom- tur" neben anderen oft noch der Deutschmeister verstanden worden565. Die Kom- petenz zur Annahme von Spitälern ist also im Lauf der Zeit vom Hochmeister über den Deutschmeister auf die Landkomture übergegangen. Das Gleiche gilt von der Sorge für den Spitalbetrieb. Der Landkomtur hatte die Möglichkeit, Änderungen im normalen Spitalsgottesdienst anzuordnen. Er hatte im Bedarfsfall mit dem Rat der Brüder Ärzte hinzuzuziehen566. Daß die Sorge für die Spitäler vom Hochmei- ster über den Deutschmeister an die Landkomture tatsächlich übergegangen ist, be- legen die Gesetze Burchards von Schwanden von 1289 und Konrads von Feucht- wangen von 1292567. Die Norm, wie sie in den Statuten festgehalten ist, muß nicht unbedingt die tat- sächliche Kompetenzfülle der Landkomture widerspiegeln. Wie sich schon anhand der Analyse der Statuten zeigte, wuchs der Aufgabenbereich der Landkomture der deutschen Balleien. Er ist nicht gleich geblieben, sondern hat sich gewandelt. Die übergeordneten Amtsträger, zunächst der Hochmeister und dann auch der Deutsch- meister, waren gar nicht mehr in der Lage, das Leben in den Konventen, die Er- werbspolitik und die Verwaltung der Güter zu überwachen. Sie waren gezwungen, Aufgaben zu delegieren. Wie und wann sich solche Delegationen ausgewirkt haben, ist anhand der erhaltenen Dokumente nur schwer zu überprüfen, weil aussagekräf- Quellen fehlen. Immerhin geben Bestallungsurkunden des Landkomturs von saß-Burgund einige Fingerzeige. 563 p‘rehIke> Tabulae, Nr. 321, 362. 564 p }bach> Statuten, S.34: Regel 7. 565 peri Ch’ Statuten> S. 58: Gesetz II. 5^6 p6r}bacb’ Statuten, S.31: Regel 4. 567 per bach> Statuten, S. 32: Regel 6. er‘bach, Statuten, S. 140: § 10; S. 141: §6.
Der Hochmeister Heinrich von Hohenlohe hatte dem Landkomtur von Fl Burgund Gottfried 1247 die Vollmacht erteilt, an seiner Statt (vices nostras) in ' vier Diözesen von Konstanz, Lausanne, Basel und Straßburg zu handeln. Dies*1 Handlungsvollmacht bestätigte der Deutschmeister Eberhard von Sayn 1251568 £u den Kompetenzen, die Gottfried übertragen erhalten hatte, zählten der Hochrnei ster wie der Deutschmeister das Recht, Komture einzusetzen (procuratores consti tuendi\ Verträge zu schließen (pontractus quoslibet exercendi) und im übrigen alle Angelegenheiten, die aus Klagen vor Gericht oder aus Verträgen herrührten, zu er ledigen. Ansonsten sollte Gottfried die beiden Oberen vertreten und alle Aufgaben wahrnehmen, deren Entscheidung ihnen zustünde. Alle diese Kompetenzen er- streckten sich nur auf die Ordensgüter und Brüder der Ballei Elsaß-Burgund, deren Gebiet mit den vier Diözesen umschrieben wurde. Außer den beiden Bestallungsurkunden und den Bestimmungen in den Statuten sind keine normativen Quellen zu Kompetenzen der Landkomture überliefert. Be- zieht man die Urkunden in die Betrachtung ein, zeigt sich, daß die Landkomture zwar die ihnen auferlegten Pflichten im allgemeinen auf sich genommen, aber daß Vorgesetzte immer wieder in die Kompetenzbereiche eingegriffen haben. So wurde beispielsweise 1244 der vagabundierende abtrünnige Ritterbruder Ehrenfried von Neuenburg von den Straßburger Bürgern dem Deutschmeister und nicht dem zu- ständigen Landkomtur ausgeliefert569. Jedoch sind solche Aktionen nur selten schrift- lich festgehalten worden. Im allgemeinen genügten mündliche Verabredungen, so daß wir über die Modalitäten meist nicht informiert sind. Am häufigsten wurden die Oberen bei Güterverkäufen oder bei einem Liegen- schaftstausch hinzugezogen. In solchen Fällen handelten die Landkomture oft selb- ständig, wie beispielsweise die Landkomture von Thüringen-Sachsen 1260, 1265, 1270 und 1271570. Charakteristisch für die anfangs noch schwache Stellung der Land- komture ist, daß 1248 der Deutschmeister einen Verkauf von Gütern durch den Landkomtur bestätigen mußte571. Die Deutschmeister, aber auch Hochmeister, lie- ßen sich nie ganz ausschalten, sondern griffen bei derartigen Geschäften immer wieder ein und genehmigten sie kraft ihrer übergeordneten Kompetenz, teilweise auch ohne Hinzuziehung der zuständigen Landkomture572. Das muß nicht heißen, daß sie sich von den Landkomturen vorher nicht hätten informieren lassen. Das Gegenteil konnte der Fall sein. In den ausgefertigten Dokumenten jedoch und da- mit vor der Öffentlichkeit übernahmen Deutschmeister oder Hochmeister die Ver antwortung für die Geschäfte, ohne daß die Landkomture erwähnt wären. Bei e 568 Einige Urkunden, S. 147ff. Nr. 2; Wirtembergisches UB V, Nr. 1268. «2 569 UB Ballei Thüringen, Nr. 88; Urkunden Straßburg 1,1, Nr. 289; Wojtecki, Studien, S.44, 130 Fenske/Militzer, S. 466f. Nr. 612. 570 UB Ballei Thüringen, Nr. 155, 182, 224, 234. 571 UB Ballei Thüringen, Nr. 98. 572 UB Ballei Thüringen, Nr. 97, 212, 272.
wichtigen Erwerbungen wie der des Klosters Zschillen (heute Wechselburg) sonders^ Angelegenheit vor einem großen Kapitel im Beisein des Hochmeisters, WUrf) utschmeisters und des Landkomturs von Thüringen-Sachsen beraten und ^es c|1jec|en573- In analoger Weise hatte der Hochmeister Karl vfen Trier 1323 seine entS' tnung zur Übertragung des Augustinerchorherrenstifts Schiffenberg an das peutschordenshaus Marburg gegeben574. Abschließend wird man feststellen können, daß den Landkomturen allmählich • ne Aufgabenbereiche zugewachsen sind, für die sie allerdings nie ausschließlich verantwortlich waren. Es lag vielmehr im Belieben ihrer Oberen, der Deutschmei- ster und der Hochmeister, einzugreifen, wenn es ihnen opportun erschien. Bei be- sonders wichtigen Geschäften haben sie es auch getan, weil die Vertragspartner es wohl verlangt hatten. Denn die Zustimmung des Hochmeisters und dessen Siegel unter einem Dokument galt mehr als das eines Landkomturs - jedenfalls noch im 13. Jahrhundert. Zu den Aufgaben der Landkomture gehörte schließlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, aber teilweise auch schon früher, eine Aufsicht über den Lebens- wandel der Brüder in der Ballei und, damit verbunden, eine gewisse Disziplinarge- walt. Sie hatten das Recht zur Aufnahme von Halbbrüdern und Familiären, wäh- rend ihnen die Kompetenz zur Einkleidung von Ritter- und Priesterbrüdern erst allmählich zuwuchs. Sie hatten dem Bau von Kirchen und Häusern in Stein zuzu- stimmen, Almosenbitter auszusenden, für die ausreichende Pflege der Kranken in Spitälern zu sorgen und sich jährlich auf einem Kapitel Rechenschaft von den un- tergebenen Amtsträgern, also insbesondere von den Komturen der Ordenshäuser, geben zu lassen. Sie setzten die Komture in ihrer Ballei ein, wenn man die Bestal- lungsurkunden des Landkomturs von Elsaß-Burgund verallgemeinern darf. Ferner vertraten sie den Orden in Klagen und bei Vertragsabschlüssen, sofern die Vorge- setzten die Sachen nicht an sich gezogen hatten. 8.6 Die Anfänge des Deutschmeisteramts und der magister citra mare ückblickend mag man zu der Ansicht gelangen, daß der Deutsche Orden sein rovinzialsystem von den beiden älteren Ritterorden übernommen, etwas verändert Un dann angewandt habe. So ist es jedoch nicht gewesen. Er hat zwar die Organi- sationsstruktur des Johanniter- und des Templerordens zum Vorbild genommen, r sie nur dann angewandt, wenn der Besitz einer organisatorischen Zusammen- 574 w/B Ballei Thüringen, Nr. 298 f., 308 f., 319. Wyss II, Nr.447f.
fassung zu einer Provinz bedurfte. Erst wenn der Orden mehrere Kommenden ode Besitzkonzentrationen geschaffen hatte, faßte er sie zu einer Ballei zusammen und unterstellte sie einem Landkomtur. Auch dabei folgte er keinem vorgefertigten Schema. Außerdem sind noch während des gesamten 13. Jahrhunderts Wandlungen in der Balleienaufteilung und der Zuordnung einzelner Kommenden zu den Or densprovinzen zu beobachten. Selbst am Ende des 13. Jahrhunderts war der Prozeß nicht abgeschlossen. Schließlich wurde noch 1415 die Kommende Ootmarsum, die ursprünglich zur Ballei Utrecht gehört hatte, der Ballei Westfalen zugewiesen575 576. Die erste abendländische Provinz war gar nicht im Deutschen Reich, sondern auf Sizilien entstanden. Dort amtierte bereits 1212 ein Jordanus omnium domorum ordi- nis Theutonici preceptor in Sicilia57h. Im Königreich Sizilien, in dem der Orden vor allem von den Staufern umfangreichen Besitz erhalten hatte, ergab sich offenbar zum ersten Male das Bedürfnis, verschiedene Besitzungen und deren Verwalter un- ter die Aufsicht eines Provinzialoberen zu stellen. Warum das geschehen ist, weiß man nicht genau, da Kapitelsprotokolle, die möglicherweise darüber hätten Auf- schluß geben können, nicht erhalten sind, wahrscheinlich damals gar nicht angelegt worden sind577. Man kann allenfalls mehr oder weniger begründete Vermutungen äußern. Ferner ist nicht immer zweifelsfrei der Zeitpunkt der Errichtung einer Bal- lei anzugeben. Da keine Kapitelsprotokolle erhalten oder angelegt worden sind, ist eine Verwaltungsänderung nur an dem Ergebnis abzulesen, das heißt in diesem und den folgenden Fällen an den Titeln der Amts träger. Wenn jedoch ein Landkomtur in einer Urkunde erstmals erwähnt ist, braucht das noch nicht zu bedeuten, daß er auch in jenem Jahr ernannt und damals die Ballei eingerichtet worden sei. Denkbar ist durchaus, daß die Ernennung und die Errichtung einer Ballei bereits ein oder auch mehrere Jahre zurücklagen. Das kann auf Jordan, den ersten Landkomtur von Sizilien wie auch für andere Amtsträger zutreffen. Den Umstand gilt es zu beachten, wenn man Aussagen über den Aufbau des Provinzialsystems des Deutschen Ordens machen will. Die Überlegungen und Behauptungen stützen sich eben nicht auf Kapitelsproto- kolle, sondern auf Erwähnungen von Amtsträgern in Urkunden, die in der Regel nicht zur Durchsetzung oder Absicherung einer Verwaltungsänderung ausgestellt wor- den sind. Feststellbar ist also fast nie der Akt einer Ernennung eines Provinzialoberen, sondern meist nur das Ergebnis eines solchen Verwaltungsaktes, der sich unter Um- ständen erst Jahre später in den erhaltenen Dokumenten niederschlagen konnte. Im Deutschen Reich taucht 1218 in einer Urkunde König Friedrichs II. ein Her' mannus magister preceptor domorum eiusdem hospitalis in Teutonia auf578. Schon 575 De Geer II, Nr.651 (Bestätigung von 1417). Dazu: Dorn, S. 45f.; Reese, S.238 f. 576 Mongitore, S.22; Forstreuter, Mittelmeer, S. 120. , ye 577 Kapitelsprotokolle sind erst aus dem Ende des 15.Jahrhunderts erhalten; Biskup in: Prot° der Kapitel, S. VII ff. 578 Hennes I, Nr.32; RI V, Nr. 165.
i re vorher, am 23. Januar 1216, hatte derselbe König demjenigen Ritterbru- zwel uicunque Pr0 temPore fHerit magister et precipuus procurator omnium bono- der’ 4 ue supradictum hospitale in partibus Alemanie vel nunc habet vel in posterum f^h't nebst dessen Gefolge den Unterhalt am Hofe gewährt, sobft er das Hof- bave besuche579. Leider ist in der Urkunde von 1216 kein Name angegeben, so daß kgeIldentifizieruI1S erschwert ist und man nicht ohne weiteres sagen kann, daß sich eine dem Amtsträger von 1216 derselbe wie 1218 verstecke. Zudem hat man auf ^.inte[jrkunde von 1204 verwiesen, in der sich ein Amtsträger des Johanniterordens eJnQsurnrnus procurator ... in Alemania bezeichnete580, und gemeint, daß sich der Ti- tel im Deutschen Orden nach dem des Johanniterordens gerichtet habe581. Man könnte dann weiter unterstellen, daß der Titel von 1216 einem Formular entstamm- te das angewandt wurde, obwohl es noch gar keinen entsprechenden Amtsträger ’ eben habe. Jedoch ist diese Unterstellung abzulehnen. Denn die Johanniterur- kunde wurde nicht in der königlichen Kanzlei ausgestellt, so daß der 1204 benutzte Titel des Johanniterordens dieser Kanzlei nicht geläufig gewesen sein dürfte. Der Titel des Johannitermeisters kann also nicht unmittelbar das Vorbild für die Formu- lierung in der Königsurkunde gewesen sein. Die umständliche Beschreibung des Zuständigkeitsbereichs des Deutschordensamtsträgers von 1216 deutet zudem auf eine Verwaltungsneuerung hin, der die Kanzlei irgendwie gerecht werden wollte. Man wird also mit einiger Sicherheit davon ausgehen können, daß 1216 oder nur wenig vorher im Deutschen Orden ein neues Amt geschaffen worden war. Die Kompetenzen des Amtsinhabers erstreckten sich auf Besitzungen und Niederlas- sungen im Deutschen Reich. Ob der magister 1216 auch schon Hermann geheißen hat, ist wohl wahrscheinlich, aber nicht zu beweisen. Dieser magister, preceptor oder precipuus procurator in Teutonia oder in partibus Alemanie hatte eine analoge Funktion wie der schon früher 1212 bezeugte Landkomtur von Sizilien und war zu- nächst nur ein Landkomtur von Deutschland. Ihm unterstanden wie dem Land- komtur von Sizilien Komture, aber noch keine Landkomture. Wer das neue Amt geschaffen hat, ist schwer zu sagen. Möglicherweise ist dem Hochmeister Hermann von Salza die Neuerung zuzuschreiben. Der Hochmeister hielt sich immerhin “1216 in Deutschland und Italien auf582 und könnte also die Änderung durch- haben. Gegen den Willen des Hochmeisters wird das neue Amt nicht ge- ,a.fn wor<^en sein. Ob dem aber ein Kapitelsbeschluß zugrunde gelegen hat, ist Und bleibt ungewiß. 579 580 581 582 B rVk" en Nr-20 ’ S t r e h 1 k e, Tabulae, Nr. 254; P e 11 e n e g g, Nr. 16; RI V, Nr. 842; “[ehollesI;S43g &&> ’ > II, Nr 1184 C°hn,T19ff’ M'ttelmeer’ S'10 Anm' L Huillard-
Trotz des an sich eindeutigen Titels bleiben Fragen nach dem Kompetenzbe ’ des neuen Provinzialoberen offen. Erstreckte sich dessen Verfügungsgewalt tat^ k^ lieh über alle Ordensbesitzungen und -niederlassungen im Reich? Zur Beantwo ' tung könnte man darauf hinweisen, daß Hermann Otter 1224 in einer Urkunde de' Hochmeisters Hermann von Salza preceptor domus nostre per universam Alem $ niam genannt worden ist583, und daraus schließen, daß der Hochmeister dessen Amt so definiert habe, weil er ihn als Verantwortlichen über alle Güter und Kom menden im Deutschen Reich gesetzt habe. An der Tragfähigkeit dieses Schlusses bleiben jedoch Zweifel bestehen. Die Belege für den neuen Amtsträger sind noch gering. Erst ein paar Jahre später findet sich wieder ein Nachweis. 1232 hing Heinrich von Hohenlohe sein Amtssie- gel an eine Urkunde des Bischofs Hermann von Würzburg. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm und trägt die Umschrift: S[igillum] [Pre]CEPTORIS FRA- TRU[m] I[n] ALEMANIA584. Daneben benutzte Heinrich von Hohenlohe ein wei- teres Siegel mit der Umschrift: Sfigillum] PRECEPTORIS ALLEM ANNIE585. Anfangs hatte der Landkomtur von Deutschland, als den man den frühen Deutschmeister bezeichnen könnte, noch ein geringes Ansehen. Wichtige Entschei- dungen traf der Hochmeister selbst. Daher haben sich nur wenige Urkunden erhal- ten, aus denen auf den Kompetenzbereich des Amtsträgers geschlossen werden kann. Überzeugender als die Ausdeutungen von Titeln wären nämlich Nachweise über konkrete Eingriffe in die Verwaltungstätigkeit verschiedener Kommenden in allen Teilen des Reiches. Daran jedoch hapert es. Aus späterer Zeit weiß man, daß die Balleien Elsaß-Burgund, Lothringen, Fran- ken, Marburg, Thüringen, Sachsen und Westfalen dem Deutschmeister unterstan- den. Dazu kamen noch die Balleien Biesen und Utrecht im Nordwesten. Für Kom- menden und Besitzungen der ersten Gruppe der Balleien lassen sich immer wieder einmal Einwirkungen des Landkomturs von Deutschland bzw. des Deutschmeisters erkennen, wie beispielsweise 1219 für Mainz586, 1225 für Sumiswald587 und Würz- burg588, 1226 für Halle und Altenburg589, 1231 für Speyer590, 1234 für Griefstedt und Marburg591, 1240-1241 für Bremen592, 1244 für Straßburg593, 1247 für Regens- 583 UB Ballei Thüringen, Nr.27; Wyss I, Nr. 14 (mit dem Datum 1225). Zur Datierung vgl. die Anga ben Lampes im UB Ballei Thüringen. 584 Wirtembergisches UB III, Nr. 818. 585 Vgl. Wojtecki, Studien, S.30f. 586 Gudenus III, S. 1086. 587 Fontes rer. Bern. II, Nr. 47. 588 Hohenlohisches UB I, Nr. 61. 589 UB Halle I, Nr. 191-193; UB Ballei Thüringen, Nr. 36-39. 590 Urkunden Speyer, Nr. 46. 591 Wyss I, Nr.40f. 592 Bremisches UB I, Nr. 215, 225. 593 Urkunden Straßburg I, Nr. 289.
594 und 1248 für Langeln595, ferner 1238-1250 mehrfach in Thüringen596 und bürg häufiger in Franken597. Weniger eindeutig ist die Frage zu beantworten, 1223" Gebiete im Nordwesten, die schließlich in den beiden Balleien Biesen ok/Uütrecht organisiert waren, dem Landkomtur von Deutschland bzw. dem Ulld chmeister unterstanden haben oder nicht. Eindeutige Belege für ein Eingrei- ^eU(ies Amtsträgers aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts fehlen. Aus der zwei- ^en Hälfte desselben Jahrhunderts lassen sich einzelne Anhaltspunkte dafür finden, ß der Deutschmeister damals als Oberster anerkannt und bei wichtigen Entschei- j en zugezogen wurde, wie beispielsweise bei der Übernahme und Inkorpora- Un^des Klosters Bethlehem in den Deutschen Orden 12 8 6598. Seit 1300 gehörten beide Balleien dann ohne Zweifel zum deutschmeisterlichen Gebiet. Nicht ganz einfach ist die Frage zu beantworten, ob die Ballei Koblenz anfangs dem Deutschmeister bzw. dem Landmeister von Deutschland unterstanden hat oder seit ihrer Entstehung dem Hochmeister direkt unterstellt blieb. Mit Ein- schränkungen hat sich Hans Limburg für letztere Möglichkeit entschieden599. Dagegen habe ich Bedenken erhoben, weil meines Erachtens Limburgs Auffas- sung zu sehr aus der Sicht des 14. und 15. Jahrhunderts geprägt ist600. Denn neben Eingriffen der Hochmeister in die Verwaltungstätigkeit der Koblenzer Komture, die Limburg sorgfältig aufgelistet hat601, finden sich Verwaltungsakte der Deutsch- meister, auf die Limburg auch schon hingewiesen hat602. 1220 bemühte sich der Landkomtur von Deutschland Hermann bei Kaiser Friedrich II. um eine Bestäti- gung der Schenkung des Hofs Dieren durch Graf Adolf von Berg603. Dieren wurde in der Folgezeit zu einer Kommende ausgebaut, die dem Koblenzer Komtur unter- stand. Als der Hof 1269 verkauft werden sollte, hatte der Koblenzer Komtur eine Vollmacht des Hochmeisters Anno von Sangerhausen eingeholt604. Der Verkauf kam jedoch nicht zustande. Als die Neusser Bürger 1245 ihr Spital dem Deutschen Or- den unter der Bedingung übertrugen, das Vermögen und die Einkünfte der Institu- tion ungeschmälert zu lassen und nicht für Bedürfnisse des Ordens in Palästina zu verwenden, bezeugte der Deutschmeister Bertold von Tannroda die Einschränkung und verlieh ihr damit Gültigkeit605. Das Neusser Spital hat sich der Orden dann 594 Hohenlohisches UB I, Nr. 236(63). SmllsenburS’Nr-86- 597 H I, i ThürinSen’ Nr. 64, 93; UB Mühlhausen, Nr. 10Z 598 n°h“lohisclles UB I, Nr. 51, 184, 236(67); Nürnberger UB, Nr. 301. 599 Geerll, Nr. 632f. if.1?. u r Koblenz, S. 31 ff.; vgl. ten Haaf, S.29; Forstreuter, Mittelmeer, S. 195. 1 ‘‘zer, Entstehung, S.143ff. [ '"bürg, Koblenz, S.31 ff. h‘mburg. Koblenz, S.36ff. , ennesl, Nr.32. REK°nT^et’UBI1’ Nr'596' ’> Nr. 1194; Hennes II, Nr.65. 600 601 602 603 604 605
doch nicht einverleiben können606. Ferner ist auf die auffällige sen, daß 1280-1284 der Koblenzer Komtur Mathias von Lon Amt eines Deutschmeisters innegehabt hat607. Zumindest die Zeugnisse von 1220 und 1245 dürften als ein starkes Indiz daf” gelten, daß der Landkomtur von Deutschland bzw. der Deutschmeister anfangs als Vorgesetzter auch der Kommende und Ballei Koblenz gegolten hat. Daß die Hoch meister stets die Möglichkeit hatten, unter Ausschaltung der Deutschmeister in die Verwaltung der Balleien einzugreifen, solange ihre Stellung im Orden noch unge brochen war, soll damit nicht bestritten werden. Im Gegenteil haben Hochmeister sogar immer wieder ohne erkennbare Beteiligung der Deutschmeister in die Verwal- tungsangelegenheiten der dem Deutschmeister auch unstrittig unterstellten Balleien eingegriffen608. Sind für Koblenz noch Hinweise anzuführen, die eine Zugehörigkeit der Ballei zum deutschmeisterlichen Bereich plausibel erscheinen lassen, auch wenn sie nicht restlos zu überzeugen vermögen und Zweifel bestehen lassen, so fehlen solche Hin- weise für die Ballei Österreich fast ganz. Lediglich an der Errichtung der Ballei war der Deutschmeister in irgendeiner Form beteiligt. Jedoch ist seine Rolle in dem Ver- fahren nicht genau zu definieren609. Es ist allerdings auch zu beachten, daß zunächst der Besitz in der späteren Ballei Österreich unbedeutend gewesen ist, so daß für den neuen Provinzialoberen kaum Anlaß bestanden haben dürfte, Regelungen zu treffen. Erst nachdem eine Ordensprovinz Österreich geschaffen worden war, konnte der Orden im Südosten des Reiches seinen Besitz vergrößern und mehrere Kommenden gründen. Jedoch hat der Deutschmeister seit der Errichtung der Ballei nicht mehr in die Verwaltung eingegriffen. Die Ballei war seitdem dem Zuständig- keitsbereich des Deutschmeisters offenbar entzogen worden. Ob die Ballei Böhmen jemals dem Deutschmeister unterstanden hat, ist nicht zu entscheiden. Sie wurde jedenfalls spätestens 1233 dem Landmeister von Preußen unterstellt. Ebenso ungewiß ist, ob die Güter und Kommenden der späteren Ballei Bozen zum Verwaltungsgebiet des Deutschmeisters gehörten. Eingriffe des Amts- trägers in die Verwaltung des Besitzes an der Etsch und im Gebirge sind nicht nach- weisbar. Man weiß auch nicht, ob die Ballei Frankreich dem Landmeister von Deutschland oder dem Deutschmeister im frühen 13. Jahrhundert untergeordnet war oder wie die Balleien am Mittelmeer dem Hochmeister und dem Generalkapi tel direkt unterstand. Gegen diese direkte Unterstellung spricht, daß die Komture der Ballei Frankreich in den Statuten nicht erwähnt sind. 606 Wisplinghoff, Geschichte Neuss I, S. 693; Reiche, Spital I, S. 126. Vgl. ferner: REK B , Nr. 1578; Lacomblet, UB II, Nr. 358; Hennes II, Nr. 83. 607 Limburg, Koblenz, S.37ff.; Wojtecki, Studien, S.24; Militzer, Entstehung, S. 144. 608 Militzer, Entstehung, S. 144f. 609 Militzer, Entstehung, S.63ff. Tatsache zu verwei nig gleichzeitig das'
R der Geltungsbereich des Amts eines Landmeisters von Deutschland oder chmeisters anfangs so schwer abzugrenzen ist, liegt einmal an den trotz allem DeUtSgn Quellen, die darüber Auskunft geben können. Aber die Quellenarmut ist Wenl‘cht allein, die eine Entscheidung so schwer macht. Es kojnmt vielmehr zum eS hinzu, daß die ersten Hochmeister Hermann von Salza (1209-1239) und zweiten Thüringen (1239-1240) Persönlichkeiten waren, die wichtige Beschlüs- se*11 ZOgen, selbst trafen und nicht delegierten. Da beide Hochmeister häufi- 56 im Reich und in Italien als in Palästina anzutreffen waren, ließen sie untergebe- ger Amtsträgern nur geringe Entfaltungsmöglichkeiten. Mehrere ihrer Nachfolger wie Heinrich von Hohenlohe (1244-1249), Anno von Sangerhausen (1256-1273), Hartmann von Heldrungen (1273-1282) oder Burchard von Schwanden (1282- 1290) haben einen vergleichbaren Führungsstil gepflegt, in die Verwaltung der Bal- leien eingegriffen und ihre übergeordnete Stellung gegenüber den Deutschmeistern zur Geltung gebracht. Damals jedoch hatten sich die Strukturen der Verwaltung in den Balleien schon weitgehend gefestigt. Unter Hermann von Salza war dieser Stand noch lange nicht erreicht. Zu der Zeit war das Amt eines Landkomturs von Deutschland bzw. Deutschmeisters unbedeutend und weit von seinen späteren Ein- flußmöglichkeiten entfernt. Da das Amt vor nicht langer Zeit, wohl erst 1216, ge- schaffen worden war, seine Kompetenzen noch nicht festgeschrieben worden waren und die Hochmeister auch im Reich eine dominierende Rolle spielten, wird man nicht erwarten können, daß der neue Amtsträger überall eingegriffen und darüber Urkunden ausgestellt hat, die dann erhalten geblieben oder sonstwie überliefert worden sind. Aber das werden nicht die einzigen Gründe gewesen sein, weshalb so wenig über diesen Amtsträger in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhundert be- kannt ist. So modern die Verwaltungsorganisation des Deutschen Ordens dem in der Neu- zeit lebenden Historiker anmuten mag, so war sie doch mittelalterlichen Vorbildern verpflichtet, der eigenen Zeit verhaftet und noch weit von einem neuzeitlichen An- staltsstaat entfernt. Die modern anmutende Verwaltung war im übrigen das Ergeb- nis einer längeren Entwicklung im 13. Jahrhundert, die bis in das 14. Jahrhundert ineinreichte und auch später Veränderungen und Modifizierungen erfuhr. Sie stand nicht von vornherein fest. Der Orden gestaltete sie nicht nach einem vorgefertigten an, sondern reagierte mit Verwaltungsänderungen auf Anforderungen der Besitz- entwicklung. Er griff zwar auf Vorbilder der beiden älteren Ritterorden zurück, unlu-T jed°ch nac^ seinen Bedürfnissen um. Bezogen auf den 1216 bezeugten das iarn. °der wenig früher eingesetzten Landkomtur von Deutschland bedeutet Ei ’ 1k •^ln wahrscheinlich eine Aufgabe übertragen worden ist, die nicht in allen ^eruli e*ten definiert war. Er sollte wohl der Provinzialobere für alle Komture, a.ter von Besitzkonzentrationen und Ordensbrüdern in der Teutonia oder Ale- dem^rV^80 ^titschen Reich, sein. 1216 war er der einzige Provinzialobere in e iet. So viele Besitzkonzentrationen hat es 1216 im Reich noch gar nicht ge-
geben. Komture sind meist erst nach dem Jahr eingesetzt worden. Damals hatt Orden umfangreiche Besitzungen, die später zu Kommendenbildungen Anlaß ben haben, in Groß-Sonntag, Halle, Bozen, Reichenbach in Hessen, WüHib^' Aichach, Regensburg, Göflan, Mörlen, Friesach, Wiesbaden, Altenburg, heim, Lana, Ellingen, Nennewitz (Nenewitz) und Koblenz610. Es hat also umfan reichere Güterkomplexe in den späteren Balleien Österreich, Thüringen, Boz Hessen, Franken, Koblenz und Elsaß-Burgund gegeben. Diese Balleien existierten damals aber noch nicht. Der preceptor in Teutonia oder magister in partibus Alema nie gebot mithin über keine Landkomture. Er selbst war noch ein einfacher Land komtur wie jener Jordan, der Landkomtur von Sizilien. Man könnte den neuen Amtsträger Landkomtur von Deutschland nennen, um ihn von dem späteren Deutschmeister, dem Landkomture unterstellt waren, zu unterscheiden. Von seinem Mitbruder in Sizilien unterschied sich der Landkomtur von Deutsch- land allerdings von vornherein durch die Größe seines Verwaltungsgebiets, das laut seines Titels das gesamte Deutsche Reich umfaßte. Zunächst lag es an den ersten Amtsträgern selbst, wie sie ihr Amt ausgestalteten, wie weit sie ihre Kompetenzen ausdehnten, wo sie sich durchsetzen konnten und wo sie Zugeständnisse machen mußten. Ein Rahmen war abgesteckt. Wie er ausgefüllt wurde, lag auch an den neu- en Amtsträgern selbst. Sie hatten auf alle Fälle bessere Entwicklungsmöglichkeiten als die Landkomture von Sizilien. Denn es war schon damals absehbar, daß der Schwerpunkt der Besitzentwicklung nicht in Unteritalien, sondern im deutschspra- chigen Raum liegen würde. Der noch wenig einflußreiche Landkomtur von Deutschland war nicht der einzi- ge Amtsträger des Deutschen Ordens im Abendland. Zu der Zeit, als der Orden seinen Provinzialoberen für die Güter im Deutschen Reich ernannte, entlehnte der Hochmeister Hermann von Salza eine Institution der beiden älteren Ritterorden. Der Templerorden kannte das Amt eines magister citra marey das seit 1166 anschei- nend regelmäßig besetzt wurde611. Im Johanniterorden wurde eine analoge Würde Ritterbrüdern nur zur Lösung bestimmter wichtiger Probleme vergeben612. Her- mann von Salza richtete sich in diesem Fall, soweit man weiß, nach den Gepflogen- heiten im Templerorden. 1219 stellte ein Chuniement magister summus omnium hospitalium Theutonico- rum ex ista parte maris eine Urkunde aus. Er hatte Güter in Friaul verkauft, die dem Spital in Friesach gehörten613. 1221 verzichtete Hermannus ex hac parte maris mandato superioris magistri preceptor constitutus zusammen mit anderen Ordens 610 Vgl. Turnier, S. 603. 611 Leonard, S. 15ff.; Demurger, S. 90. Vgl. Forey, Military Orders, S. 167, der allerdings me daß das Amt nicht ständig vergeben worden sei. jg 612 Riley-Smith, Knights, S.366ff.; Forey, Military Orders, S.168; Militzer, Entstehung, 613 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 136, 201; Militzer, Entstehung, S.38.
.. j rn auf Rechte und Privilegien der Priesterbrüder in der Mainzer Diözese614. krU leichen Jahr bestätigte Bischof Otto von Würzburg, daß Albert von Hütten- * zugunsten des Deutschen Ordens auf alle seine Güter in Hüttenheim verzich- hel* n der Orden im Haus Hüttenheim durch einen Priester u>d einen Scholaren eine Messe lesen lasse, und daß jener Albert dem Orden seinen Besitz in sheim übergebe, sich aber die Nutznießung auf Lebenszeit vorbehalte. Mehrere Ordensbrüder bezeugten die Abmachung. Unter ihnen ist jedoch keiner, der als magister dtra mare in Frage käme. Dieser magister hat jedoch sein Siegel zum Zei- chen seiner Zustimmung zu dem Vertrag an die Urkunde anhängen lassen. Das Sie- lbild zeigt die heilige Jungfrau, in der Rechten ein Kreuz, in der Linken einen Li- lienstengel haltend, im Kniestück. Die Umschrift lautet: Sfigillum] MAG[ist]RI HOSPlTALfis] Sfancte] MARIE CITRA MARE615. Noch einmal ist das Amt nach- weisbar. Als Eberhard von Hohenlohe am 21. November 1223 dem Deutschen Or- den sein Eigentum in Wallmersbach für den Fall seines Todes vermachte, hängte je- ner magister citra mare sein Siegel an die Urkunde. Unter den Zeugen ist er nicht eigens genannt616. Nach 1223 ist das Amt nicht mehr bezeugt. Offenbar hatte ein solcher Amtsträger neben einem aufstrebenden Landkomtur von Deutschland kei- nen Platz. Kompetenzen, die dem magister citra mare im Deutschen Reich zugefal- len waren, waren an den Landkomtur von Deutschland, den späteren Deutschmei- ster, übergegangen. Ein mit ihm konkurrierender Amtsträger wurde nicht mehr benötigt. Das Amt wurde folglich abgeschafft. Das Ansehen des Landkomturs von Deutschland stieg trotz der ausgeschalteten Konkurrenz nur langsam. Als der Landkomtur Hermann Otter 1226 thüringischen Komturen den Auftrag erteilte, einen Streit mit dem Kloster Pforta wegen der Be- sitzungen in Porstendorf beizulegen und zu dem Zweck die Besitzungen dort dem Kloster zu verkaufen, genügte ihnen der Auftrag Hermann Otters nicht. Der Hochmeister Hermann von Salza mußte noch seine Zustimmung geben617. Erst da- nach waren die Komture zum Handeln bereit. Das geringe Ansehen des Landkom- turs spiegelt sich noch in den um 1250 verfaßten Statuten wider. Als Amtsträger, die der Hochmeister mit dem Kapitel des Haupthauses einsetzen sollte, nannte die ach- te Gewohnheit den Deutschmeister erst nach den Landkomturen von Armenien, nechenland, Sizilien und Apulien618. Damals dürfte jedoch das zugrundeliegende rotokoll überholt gewesen sein. Die wenig später verfaßten Gesetze stellten denn auc die Meister von Livland, Deutschland und Preußen an die Spitze vor die mit- 61 4 i u enus IV, S. 869; UB Halle I, Nr. 172; UB Ballei Thüringen, Nr. 16: entweder Oktober 5 oder 615 H<A er-13 ZU datieren' 616 H k München, Ritterorden, Urkunde 6094a; vgl. Baader, S. 69f.; Weiss, Franken, S. 39. enlohisches UB I, Nr. 53; Wirtembergisches UB III, Nr. 670. Die Urkunde liegt im DOZA. 617 jjß *egehimschrift ist nicht mehr ganz erhalten. Deutlich lesbar ist: ... ARIE CITRA MARE. 618 Pe le Ij Nn 191“193; UB Ballei Thüringen, Nr.36-41. ach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8.
telmeerischen Landkomture619. Dabei ist es geblieben. Von nun an Landmeister stets vor den Landkomturen620. Agierten die Spätestens 1235 war die Ballei Elsaß-Burgund entstanden. Da sie dem Deutsch meister unterstellt blieb, hob sich das Amt aus der Reihe der übrigen Provinziaf oberen heraus. Er stieg zum Landmeister auf und erhielt den gleichen Rang wie * ne in Preußen und Livland. Durch die Unterstellung von Landkomturen war aus dem Landkomtur von Deutschland endgültig der Deutschmeister geworden621 Der Gewinn an Einfluß und Ansehen stützte sich freilich nicht allein auf den Verwal tungsakt, sondern war mit der Besitzentwicklung im Reich verbunden. Denn in Deutschland, im Amtsbereich des Deutschmeisters, gewann der Orden seine wich- tigsten und gewinnträchtigsten Güter, deren Überschüsse er dringend für seine Ak- tivitäten in Palästina und im Baltikum benötigte. Trotz des Ansehensgewinns des Deutschmeisters blieb der Hochmeister weiter- hin der dominierende Amtsträger im Orden. Das zeigte sich schon daran, daß der Hochmeister im Reich Statthalter einsetzen und mit besonderen Vollmachten aus- statten konnte. Solche Statthalter oder Sonderbevollmächtigte sind nicht mit den Deutschmeistern zu verwechseln. Hermann von Salza ernannte 1236 Ludwig von Oettingen zu einem solchen Sonderbevollmächtigten. Ihm übertrug er die Aufgabe, die Verhandlungen mit Vertretern der Schwertbrüder aus Livland zu führen, da sich deren Ankunft in Marburg verzögert hatte und Hermann von Salza nicht länger auf sie warten konnte. Nachdem die Gesandten schließlich eingetroffen waren, berief Ludwig von Oettingen in Marburg ein Kapitel ein und lud dazu 70 Ordensbrü- der622 623. Er nannte sich 1236 in einer von ihm selbst ausgestellten Urkunden plerisque Alemanie partibus hospitalis sancte Marie provisorh2\ In einer anderen, nicht von ihm ausgestellten Urkunden von 1236 ist er unter dem Titel vicem magistri in Ale- mannia tune habens als Zeuge aufgeführt624. Die Bezeichnungen lassen sich am be- sten so deuten, daß Ludwig von Oettingen als Stellvertreter des Hochmeisters im 619 Perlbach, Statuten, S. 59: Gesetz IIb. 620 Militzer, Entstehung, S. 43. 621 Im allgemeinen wird in der Literatur nicht zwischen dem Amt vor 1235 und danach unterschieden, sondern unterschiedslos vom Deutschmeister gesprochen. Dagegen ist solange nichts einzuwenden, als man sich im klaren ist, daß mit der Unterstellung eines Landkomturs 1235 das Amt des Deutsc meisters aus der Reihe der normalen Landkomture ausgeschieden war und sich in die Reihe der we nigen Meister eingereiht hatte, die entweder Landkomture als Untergebene hatten oder an der Spit ze von Ordenszweigen standen, denen Länder zugeordnet waren. 622 Vgl. den sogenannten Bericht Hartmanns von Heldrungen: SRP V, S. 169-172. Der Bericht starnm_ wohl in der vorliegenden Form aus dem 16. Jahrhundert, geht aber auf eine Vorlage des 13. Jahr derts zurück; Arnold, Beiträge, S. 152. Vgl. ferner: Caemmerer II, S.50; Keyser, S.24, ninghoven, Schwertbrüder, S.310f. , 623 Nürnberger UB, Nr.282; Baader II, S. 52. Die Urkunde ist nur kopial überliefert: StA Nürn Salbücher 131, fol. 28v-29r. 624 HStA München, Ritterorden, Urkunde 6089a; vgl. Militzer, Entstehung, S.45.
chen Reich mit besonderen Aufgaben betraut worden war. Er war ein Sonder- ^^Tlmächtigter, wie es im Grunde wohl auch der magister citra mare gewesen ist. ^Sonderbeauftragte haben auch Hermann von Salzas Nachfolger eingesetzt, so . ielsweise 1245 Heinrich von Hohenlohe den Landmeister^von Preußen Diet- ’ch von Grüningen, der auch vices magistri gerens per Alemaniam geheißen hat625, sollte die Schulden des Hochmeisters Konrad von Thüringen an der Kurie be- 1 chen. Dietrich von Grüningen blieb der letzte der von Hochmeistern eingesetz- ten Sonderbeauftragten im Verwaltungsbereich des Deutschmeisters. Dessen gestie- nes Ansehen duldete nun keine Sonderbevollmächtigten des Ordensoberhauptes neben sich. Als der Hochmeister Gunther von Wüllersleben (1249-1252) die Or- densdisziplin in den Balleien, in Preußen und Livland wieder herstellen wollte, schickte er mit der Zustimmung des Generalkapitels seinen Großkomtur Eberhard von Sayn, ernannte ihn aber vorher zum Deutschmeister. Als solcher ist er am 2. Mai 1251 in Marburg bezeugt626. Dessen Nachfolger im Deutschmeisteramt Dietrich von Grüningen (1254-1256) benutzte das Deutschmeistersiegel sogar für Urkunden, die Preußen betrafen, ob- wohl er gleichzeitig Landmeister von Preußen gewesen war627. Das Deutschmeister- amt hatte so an Ansehen und Gewicht im Orden gewonnen, daß es nun nach dem Hochmeisteramt an zweiter Stelle rangierte. Aus einem Landkomtur vergleichbar einem solchen von Sizilien war schon nach wenigen Jahren eines der bedeutenden Meisterämter geworden. 8.7 Die Balleien im Deutschen Reich 8.7.1 Die Partes Inferiores und die Balleien Biesen und Utrecht Unterstellt man, daß der magister in Teutonia oder per Alemaniam oder wie auch immer er genannt worden sein mag, auf Grund seines Titels für alle Güter in den Grenzen des Deutschen Reichs zuständig gewesen sein soll, änderte sich der Kom- petenzbereich spätestens 1228. Im Mai des Jahres vereinbarte magister Henricus do- Theutonicorum in partibus inferioribus mit dem Heilig-Kreuz-Stift in Cambrai, a der Orden das Patronat der Pfarre Massemen (Masmines) in Flandern erhalte Und dem Stift dafür eine jährliche Rente zahle628. Im März des folgenden Jahres ver- gütete derselbe Amtsträger auf Einkünfte in Diksmuide und auf Güter im Gebiet 625 14 626 wrenneS Ij Nr-12L Wyss I, Nr. 79. 627 ^.^mk^gisches UB V, Nr. 1268; Einige Urkunden der DO-Ballei Elsaß-Burgund, Nr. 2. 62g p? *tzer’ Entstehung, S.49. Orkonden Pitsenburg I, Nr. 67f.
von Brügge und Veurne629. 1230 bezeugte der magister Heinrich die Schenkun zwei eigenhörigen Familien an das Ordenshaus Altenbiesen630. Als Graf Hei V°l von Nassau und seine Frau Mechtild 1231 dem Deutschen Orden die Patronat rechte an den Kirchen in Bieseberg und Zeuzheim schenkten, nahmen die fratre domus antedicte Henricus in Frankenvort, Ludewicus in Confluentia et Henricus ' Bisen preceptores eins domus memorate auttentice in hac parte gerentes die Gab entgegen631. Das Patronatsrecht von Zeuzheim gehörte 1254 der Koblenzer Kom mende632. Der preceptor von Altenbiesen hatte sich also um eine Angelegenheit einer Nachbarkommende gekümmert. Aber das allein ist nicht das Interessante an der Urkunde. Aus ihr geht vielmehr hervor, daß die drei Komture einen besonderen Auftrag erhalten hatten. Wer ihnen den Auftrag auttentice erteilt hatte, ist nicht ge- sagt. Wahrscheinlich war damit der Hochmeister gemeint, der gemeinsam mit dem Kapitel Ordensbrüder mit Sondervollmachten ausstatten konnte. Bei Heinrich han- delte es sich sicher um den preceptor in partibus inferioribus. Da ihm der Koblenzer Komtur gleichberechtigt zur Seite stand, gehörte Koblenz nicht zu der Ordenspro- vinz Partes inferiores, ebensowenig die Kommende in Frankfurt. Auf beide wird zu- rückzukommen sein. Der Verwaltungsbereich des Landkomturs der Niederlande, des magister in parti- bus inferioribus, reichte von Flandern über Brabant bis an den Niederrhein und er- faßte im wesentlichen den Bereich der späteren Balleien Biesen und Utrecht633. Da- zu zählten anfangs noch der Besitzkomplex in Flandern und Brabant, der später zur Kommende Mecheln gehörte634, und die Kommende Welheim, für die zumin- dest 1254 der magister in partibus inferioribus zuständig gewesen ist635. Später war sie Teil der Ballei Westfalen636 637 *. Die Provinz der Partes inferiores hat lange Zeit bestanden, wenngleich nicht im selben Umfang. Seit dem ersten Amtsträger Heinrich im Mai 1228 lassen sich bis 1328, wenn auch nicht lückenlos, Nachfolger ermitteln. 1228-1238 amtierte jener schon erwähnte Heinrich, der gleichzeitig Komtur von Altenbiesen gewesen ist . 629 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 69 f. 630 Hennes II, Nr. 37; Grauwels I, Nr. 10. 631 Wyssl, Nr.21; Gudenus III, S. 1098 Nr. 645; Hennes I, Nr. 86 632 Wyss, I, Nr. 124. 633 So schon Meinen, S.422f.; auch: Limburg, Partes, S.268. Anders: Van der Linden, Namen, S. 198. 634 Die Pfarre Massemen (Masmines), um die sich der Landkomtur der Partes inferiores gekümmert hatte, unterstand später der Kommende in Mecheln und damit dem Koblenzer Komtur; Lirn bürg, Partes, S.261; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.230ff., 235ff. 635 Mittelrheinisches UB III, Nr. 1248; Schetter, Welheim, S. 114. 636 Esch, Welheim, S. 82; vgl. unten, S. 306. jj, 637 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 67-70, 78 und Anhang IV; De Geer I, Nr. 195f.; HenneL Nr. 37, 52; Grauwels I, Nr. 10; Limburg, Partes, S.261 f.; Van der Eycken, Ridders,
folgten 1241 Ludwig638 und 1243 Albernus (Albero). Beide hatten ebenfalls das ejnes Komturs von Altenbiesen inne639. 124 8 war ein Konrad Landkomtur der inferiores640. Ob er wie seine Vorgänger gleichzeitig Komtur von Altenbiesen *ar sen ist, weiß man nicht. Allerdings ist in einer späten Abschrift für das Jahr ein r tfried als Altenbiesener Komtur bezeugt641, so daß damals schon beide Ämter etrennt verwaltet worden sein könnten. Nach Konrad gelangte Walter de Porta Ca- % ’ aus einem Koblenzer Patriziergeschlecht in das Amt. Er war 1249-1272 Komtur von Koblenz642 und 1253-1254 Komtur von Altenbiesen und Landkomtur der Partes ‘ feriores643. Gegen diese These sind Bedenken erhoben worden. Denn in einer aller- dings nur abschriftlich und fehlerhaft überlieferten Urkunde von 1253 ist ein Werner als Komtur von Koblenz genannt. Da zu der Zeit zwei Hochmeister amtierten und um Anerkennung warben, könnte Walter als Parteigänger des einen aus dem Amt als Komtur von Koblenz verdrängt und durch Werner als Anhänger des anderen Mei- sters ersetzt worden sein644. Sicher ist die Deutung nicht, da in der Urkunde wie manches andere auch Werner für Walter verlesen worden sein könnte. Wenn es nun auch nicht sicher zu belegen ist, besteht doch Einigkeit darüber, daß Walter von der Porta Castri zum ersten Male eine Verbindung der Partes inferiores mit der Ballei Koblenz hergestellt und sich und der Ballei Koblenz Besitzrechte in Brabant gesichert hat, die ehemals zum Gebiet der Ballei der Niederlande gehört hatten. Unter ihm ha- ben sich wahrscheinlich Verselbständigungsbestrebungen vor allem der später zur Bal- lei Utrecht zählenden Kommenden verstärkt. Darauf ist noch zurückzukommen. Ob Hermann von Rickel 1260 tatsächlich Landkomtur der Partes inferiores gewe- sen ist, wie man dem Cartulaire de l’eglise Saint Lambert de Liege entnehmen kann und wie es in der Literatur auch zu lesen ist645, bleibt fraglich. Denn Hermann von Rickel ist 1269 Komtur von Altenbiesen gewesen. Er hätte also ein niederes Amt in der Ballei übernommen, dessen Landkomtur er schon gewesen war. 1273-1274 müßte er dann wieder Landkomtur derselben Provinz gewesen sein646. Das will nicht einleuchten. Dazu kommt ein weiteres. In der fraglichen Urkunde von 1260 638 639 640 641 642 643 644 645 646 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 78. De Geer II, Nr.505-507; vgl. Limburg, Partes, S.262. Van der Eycken, Ridders, S.24, iden- tifiziert Albernus (Albero) mit einem gleichnamigen Priesterbruder, aber kaum zu Recht. Das wäre auch ganz ungewöhnlich, da Priesterbrüder keine so hohen und wichtigen Ämter übertragen erhiel- ten, auch in den Balleien nicht. De Geer I, Nr. 212. Van der Eycken, Ridders, S.61. Limburg, Koblenz, S. 187. Ronden Pitsenburg I, Anhang IV; REK III,1, Nr. 1774; Mittelrheinisches UB III, Nr. 1248, 4, Schetter, Welheim, S. 114; Limburg, Partes, S.262£.; Van der Eycken, Ridders, S. 85. an Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.236f. artulaire St. Lambert de Liege II, Nr. 571; Limburg, Partes, S. 263; Van der Eycken, Rid- ders, S. 113. 5 Vgl. unten, S. 226.
ist ein Heinrich von Warden als Komtur von Altenbiesen genannt. Einmal ganz ab gesehen davon, daß im gleichen Jahr ein Walter als Altenbiesener Komtur bez ist647, hätte Heinrich sein Amt spätestens 1266 an den Ritterbruder Gerhard ver!^ ren, der in dem Jahr als Komtur von Altenbiesen belegt ist648. Heinrich wäre dann wieder 1276 in sein altes Amt zurückgekehrt649. Im 13. Jahrhundert waren Karriere Sprünge nicht so selten wie später, aber solche Sprünge nahezu gleichzeitig bei zwei Amtsträgern wird niemand für möglich halten. Die Urkunde von angeblich 1260 gehört also in die Jahre 1272-1278, als tatsächlich Hermann von Rickel Landkomtur der Partes inferiores gewesen ist650. Für die Zeit von 1254-1270 fehlen Nachweise für einen Landkomtur, wahrscheinlich weil das Amt nicht besetzt war. In der Zeit wa- ren 1266 ein Ritterbruder namens Gerhard und 1269 der schon genannte Hermann von Rickel Komture von Altenbiesen. 1270 wurde Mathias von Frankfurt Landkomtur der Partes inferiores651. Er war kein Komtur von Altenbiesen mehr. Denn das Amt bekleidete 1270 wohl noch Her- mann von Rickele. Ihm folgte Dietrich von Papenhoven 1271-1274652. Die vorher nahezu selbstverständliche Verbindung der beiden Ämter eines Landkomturs der Partes inferiores und des Komturs von Altenbiesen war nun aufgebrochen und löste sich immer mehr, so daß an die Spitze der Kommende ein Komtur treten konnte, der mit dem Landkomtur nicht identisch war. Mathias von Frankfurt verkaufte Gü- ter im Raum Mecheln an den Koblenzer Komtur Walter, der als sein mittelbarer Vorgänger für einige Jahre Landkomtur der Partes inferiores gewesen war. Hans Limburg folgert wohl zu Recht, daß damals ein Interessenausgleich ausgehandelt worden ist. Der Koblenzer Komtur erhielt die Oberaufsicht über Güter in und um Mecheln und in Brabant, auf die der Landkomtur der Partes inferiores verzichten mußte, obwohl sie ihm ursprünglich unterstellt worden waren und sie seinem Auf- sichtsbereich näher als dem des Koblenzer Komturs gelegen waren653. Dem Mathias von Frankfurt folgte der mehrfach genannte Hermann von Rickel (1273-1274) im Amt654. Dessen Nachfolger wurde wahrscheinlich Nikolaus von Horn, der 1278 bezeugt ist655. In diese Zeit gehört auch wohl eine von Gr au weis zu 1270 datierte Urkunde656. 647 Van der Eycken, Ridders, S. 155. 648 Hennes II, Nr. 187. 649 Cartulaire St. Lambert de Liege II, Nr. 675. 650 Eingehendere paläographische und diplomatische Untersuchengen müßten die These noch erhärten. 651 Grauwels I, Nr. 59f.; Hennes II, Nr.486; Limburg, Partes, S.263; Van der Eycken, R1 ders, S. 153. 652 Grauwels I, Nr.60; Hennes II, Nr.486; Van der Eycken, Ridders, S. 104. 653 Limburg, Partes, S.263; Ders., Koblenz, S.20f. 654 Grauwels I, Nr.64; II, Nr. 1344. 655 Grauwels I, Nr.68f.; Hennes II, Nr. 490; Van der Eycken, Ridders, S. 79. 656 Grauwels I, Nr. 59; vgl. Limburg, Partes, S.263.
«7—1283 war Eckbert von Stockem Landkomtur der Partes inferiores657. Aus sei- 1 Anitsz^1 stammen die ersten Nachweise dafür, daß der Deutschmeister der Vor- ner te des Landkomturs der Partes inferiores gewesen ist. Denn 1282 schlichteten £eS pjoChmeister Hartmann von Heldrungen, der Deutschmeister Mathias von der • jer vorher Komtur von Koblenz gewesen war, und der Landkomtur der tes inferiores Eckbert von Stockem einen Streit des Klosters Bethlehem mit dem Orden und der Kommende Doesburg, die später zur Ballei Utrecht zählte658. Viel- leicht ist Eckbert von Stockem wie viele seiner Vorgänger noch gleichzeitig Komtur von Altenbiesen gewesen. Zumindest verwaltete er dieses Amt 1284 nach seinem Aus- scheiden als Landkomtur659. Eckberts Nachfolger Dietrich von Horst war 1284-1285 nur Landkomtur der Partes inferiores, ohne Komtur von Altenbiesen zu sein660. 1286-1287 folgte Konrad von Mandern als Landkomtur der Partes inferiores. Sein Oberer war der Deutschmeister. Ihm war der Komtur von Utrecht Dietrich von Holland untergeben661. Konrads Stellvertreter (yice gerens) hieß Dietrich von Weve- linghoven, der möglicherweise das Amt eines Komturs von Altenbiesen bekleide- te662. Derselbe Dietrich stieg wenige Jahre darauf selbst zum Landkomtur der Partes inferiores auf. Als solcher ist er 1293-1295 bezeugt663. Walter von Papenhoven er- hielt das Amt 1300-1302664. Damals hatte es bereits an Bedeutung verloren. Dirk von Holland, ein unehelicher Sohn des Grafen Wilhelm II. von Holland, war noch einmal um 1312 Landkomtur der Partes inferiores^5. Er war bereits lange Zeit vorher Komtur von Utrecht gewesen (1287-1313) und hatte 1297-1304 das Amt eines Komturs von Koblenz innegehabt666. Schon als Komtur von Utrecht hat- te er eindeutig Aufgaben eines Landkomturs wahrgenommen und sich als Vorge- setzter anderer Kommenden der sich herausschälenden Ballei Utrecht erwiesen667. Die Hauptstütze seiner Amtsgewalt fand Dietrich von Holland in Utrecht, wo er Komtur war. In Altenbiesen amtierte während Dietrichs Zeit als Landkomtur der 657 De Geer II, Nr. 626; Grauwels II, Nr. 1346; III, Nr. 1822; Van der Eycken, Ridders, S. 127. 658 De Geer II, Nr.627. 659 Grauwels I, Nr. 79. Gr au weis I, Nr. 79; II, Nr. 1347; Van der Eycken, Ridders, S. 79. 66? De Geer n’ Nr. 631 f.; I, Nr.274. 2 Hennes n’ Nr. 495; Grau wels I, Nr. 82. 664 GrauwelsI> Nr. 88; III, Nr. 1827; Van der Eycken, Ridders, S. 158. Grauwels I, Nr. 101; III, Nr. 1847-1849; Hennes II, Nr. 358; Van der Eycken, Ridders, S.104. 665 c r au weis I, Nr. 124. Das überlieferte Datum 1317 aus einer Abschrift des 18. Jahrhunderts kann nicht stimmen; vgl. Limburg, Koblenz, S.42; Mol, Friese Huizen, S.43, 344; Van der Eycken, eLrs> s-77- 667 y1iITl°UrS’ Koblenz, S.41 f., 187; Mol, Friese Huizen, S.43. S • De Geer II, Nr. 552 (Urkunden von 1294).
Partes inferiores Gerhard von Loon als Komtur, ein Sohn des Grafen Arnold Loon. Er nannte sich als erster seit 1322 Landkomtur von Biesen668. V°n Noch einmal taucht in den Quellen die Amtsbezeichnung Landkomtur der P inferiores auf. Johann von Hoenhorst trug den Titel 1328 und 1333669 £r es gleichzeitig Komtur von Utrecht und nannte sich auch Landkomtur von Utrecht6^* Schaut man sich die Reihe der Landkomture der Partes inferiores an, stellt fest, daß sie im allgemeinen von Altenbiesen aus tätig geworden sind. Sie wareiT^11 fangs meist und später gelegentlich gleichzeitig Komture von Altenbiesen. Ihr Tä' tigkeitsbereich erstreckte sich über alle Kommenden in den späteren Balleien LFt recht und Biesen, zeitweise auch über Güter der späteren Kommenden Mecheln und Welheim. Die Kommende Welheim unterstand spätestens 1313 dem Landkom tur von Westfalen671, wird also wohl um 1300, vielleicht auch schon früher jener Ballei zugeschlagen worden sein. Ein genauer Zeitpunkt ist nicht zu ermitteln, muß Jedoch zwischen 1254 und 1313 liegen. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte der Orden Besitzkonzentrationen in Flandern und Brabant in und bei Oudenburg, Diksmuide, Massemen, Brüssel und Mecheln672. Im östlichen Seeflandern errichtete er ein Haus in Frankendijk, das 1241 dem Kloster Ten Duinen verkauft wurde673. Schon vor 1229 verzichtete er auf Ansprüche an das Johannisspital in Diksmuide674. Ein procurator der Güter in Bra- bant und des Hauses in den Vier Ämtern war 1234 Egidius Berthout aus dem Ge- schlecht der Herren von Mecheln675, von denen ein Angehöriger, nämlich Egidius Herr von Oudenburg, vor Damiette in Ägypten gekämpft und dort den Orden mit Gütern begabt hatte676 677 *. Dem procurator Egidius Berthout folgte 1235 Walter Moel- nare mit dem Titel in quattuor officiis Flandrie preceptor generalis**77. Walter könnte nur Komtur des Hauses in den Vier Ämtern gewesen sein. Jedoch scheint sein Titel 668 Grauwels I, Nr. 124, 138, 141 f., 144; Hennes II, Nr. 396, 421, 425, 428; Regesten Aachen II, Nr. 306, 313. 669 Grau wels I, Nr. 158; III, Nr. 1856; Hennes II, Nr. 435, 441; De Geer II, Nr. 573; Van der •Eycken, Ridders, S. 75f. 670 De Geer II, Nr. 469; Oorkondenboek Overijssel IV, Nr. 996, 1560£.; Regesten Utrecht, Nr. 825, 845 f. 671 Westfälisches UB VIII, Nr. 785; Hennes II, Nr. 391; M i 1 i t z e r, Entstehung, S. 109. 672 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 9-11, 13, 16-18, 43f., 51, 54f., 67-70, 77f„ 81; Mol, Friese Huizen, S. 39; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S. 229ff.; Ders., overgang. 673 Oorkonden Pitsenburg I, Anhang V; Mol, Friese Huizen, S. 39, 343. Vgl. Gottschalk, Am *c ten, S.21 f.; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.232. 674 Oorkonden Pitsenburg I, Nr.69f.; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.230. 675 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 77. ygj. 676 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 9-11, 16, 120. Weitere Schenkungen der Familie: ebd., Nr. auch: Lampe, Pitzenburg, S.226ff.; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, 677 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 78. Falsch gedeutet von Lampe, Pitzenburg, S. 234: Korre Mol, Friese Huizen, S. 343. Vgl. Gottschalk, Ambachten, S.21 f.
tor generalis auf einen größeren Verwaltungsbezirk zu deuten, so daß er als PreCe& Iger des Egidius Berthout, des procuratoris in Brabant, angesehen werden Nicht auszuschließen ist aber, daß beide Männer vom Landkomtur der Partes ^friores mit Sondervollmachten zur Lösung bestimmter begrenzter Probleme in . r Bereich ausgestattet worden waren678. Wenn diese These zutreffen sollte, än- j n sich die Bedingungen bald darauf. Denn 1253 war ein Wilhelm von Vilvoor- A preceptor in Brabancia et Flandriab7\ Den Titel trug 1271 noch einmal ein Ja- Aso der 1269-1270 als Komtur von Mecheln nachweisbar ist679 * 681. Die Komture von Mecheln siegelten später noch mit einem Typar, dessen Umschrift Sigillum com- ^endatoris Flandriae et Brabantiae lautete682. Damit war ein eigenes Amt für die Verwaltung der Güter in Brabant geschaffen worden683. Der Komtur von Mecheln führte die Tradition des Praezeptors von Brabant und Flandern fort. Wenn wir nun versuchen, uns anhand der Nachrichten ein Bild zu machen, sieht es so aus, als ob der Orden 1228 den Bereich der „Niederlande“ der Zuständigkeit des Landkomturs von Deutschland entzogen und einem eigenen, dem deutschen Landkomtur gleichrangigen Amtsträger unterstellt hätte684. Denn Eingriffe des Deutschmeisters in die Partes inferiores sind erst seit 1282 belegt. Gegen die Her- auslösung des Gebiets der „Niederlande“ könnte sprechen, daß der magister oder preceptor dieses Gebiets in den Gewohnheiten der Ordensstatuten nicht genannt wird, besonders nicht in dem Kapitel, das die vom Hochmeister und vom Generalka- pitel zu bestellenden Amtsträger behandelt685. Denn wer sonst als der Hochmeister mit seinem Generalkapitel sollte den Amtsträger ernannt haben, wenn er wirklich aus dem Kompetenzbereich des Landkomturs von Deutschland herausgenommen worden war? Aber haben die Gewohnheiten alle Amtsträger auf gezählt, die der Hochmeister im Einvernehmen mit dem Kapitel einsetzte? Beide Hinweise sind für eine Entscheidung zugunsten der einen oder der anderen Hypothese nicht hinreichend. Denn es ist ungewiß, ob die Gewohnheiten alle Amtsträger aufgezählt haben. Andererseits könnte man anführen, daß der Land- komtur von Deutschland oder der Deutschmeister vor 1282 nur wenige Gelegen- heiten hatte, in den „Niederlanden“ einzugreifen und daß urkundliche Nachweise vor 1282 verloren gegangen sein könnten. Bei Abwägung aller Argumente wird man sagen müssen, daß angesichts der relativ dichten Überlieferung das Fehlen deutsch- meisterlicher Eingriffe vor 1282 stärker als der mangelnde Nachweis in den Statuten 679 $° Van ^ic^eH, Deutschordensballei Koblenz, S.235f. 6$ O°rkonden Pitsenburg I, Anhang VIII-IX. 6$ 1 O°rkonden Pitsenburg I, Nr. 152. 682 O°rkon<len Pitsenburg I, Nr. 143, 145. 683 S>Orkonden Pitsenburg I, Nr. 166; Limburg, Partes, S.267. 684 v° auch van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.237ff. 685 p^’ auch Arnold, Duitse Orde, S. 189 ff. erlbach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8.
ins Gewicht fällt. Die höhere Wahrscheinlichkeit spricht also dafür, daß der pre tor in partibus inferioribus 1228 dem Landkomtur von Deutschland, dem Vorläufe des Deutschmeisters, gleichgestellt worden war. Unter ihm entwickelte sich nach 1234 eine Ordensprovinz in Flandern und Brabant, die aber ihren Besitz weit hend einbüßte und schließlich auf das Ordenshaus in Mecheln beschränkt war, des sen Komture eine Zeitlang die Tradition der nicht zur vollen Entfaltung gebrachten Ballei fortführte. Diese Kommende löste der Komtur von Koblenz Walter de Porta Castri aus dem Verband der Partes inferiores heraus und nahm sie für seine Provinz Koblenz in Anspruch, als er für wenige Jahre 1253-1254 gleichzeitig die Ämter eines Komturs von Altenbiesen, von Koblenz und eines Landkomturs der Partes in feriores verwaltete. Das Amt eines Meisters oder Landkomturs der Partes inferiores war oft mit dem eines Komturs von Altenbiesen verbunden. Der Meister hatte also seinen Sitz meist im südlichen Teil seines Bezirks. Von Altenbiesen aus wurde auch wohl das Deutschordenshaus in Utrecht um 1231 gegründet686. Vom Landkomtur soll der er- ste Utrechter Komtur Antonius Ledersac von Printhagen aus dem Limburgischen ernannt worden sein, der 1248-1262 im Amt bezeugt ist687. Angeblich soll er die Aufgabe erhalten haben, die Aufsicht über alle Güter im Stift Utrecht, in Holland, Seeland, Friesland und Geldern auszuüben688 689. Jedoch ist dieser Auftrag nur in einer spät überlieferten Chronik des Deutschen Ordens aus Utrecht überliefert. Es beste- hen daher große Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit gerade ihrer Aussagen über die frühe Entwicklung des Ordens in der späteren Ballei Utrecht. Die Chronik beschreibt aus ihrer späten Sicht die Aufgaben eines Landkomturs des 15. Jahrhun- derts, die aber einem einfachen Komtur noch nicht zukamen. Trotz der chronikali- schen Beschreibung wird man dem Antonius Ledersac von Printhagen also schwer- lich schon Funktionen eines Landkomturs zusprechen können, ebensowenig seinen unmittelbaren Nachfolgern. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bahnte sich eine Entwicklung an, die zur Bildung einer Ballei Utrecht führte. Diese Entwicklung haben die Grafen von Holland bewußt gefördert. Auf die Bedeutung der Grafen für die Verwaltungsglie- derung des Ordens im Nordwesten hat erstmals J. A. Mol aufmerksam gemacht . Mehrere Angehörige des Grafengeschlechts sind in den Orden eingetreten und ha- ben ihm zahlreiche Güter vermacht. Auf Grund ihrer Rolle als Stifter und wegen ihrer Angehörigen im Orden haben sie auf eine eigenständige Entwicklung in ihrem Herrschaftsgebiet hingearbeitet. Nachdem Dietrich von Holland, ein unehelicher Sohn des Grafen Wilhelm II. von Holland in den Orden eingetreten und Komtur 686 Mol, Friese Huizen, S.39. 687 De Geer I, Nr.212, 229, 240, 251; II, Nr.541. 688 Mol, Friese Huizen, S.41. 689 Mol, Friese Huizen, S.41 ff.; Ders., Vechten, S.50ff.; Ders., Vechten, S.211 ff.
echt geworden war, hat er als erster Komtur 1294 Funktionen eines Provin- von Utr auSgeübt, ohne schon den Titel eines Landkomturs zu führen690. Diesen xialoberen erstma|s Ludwig von Kinzweiler 1321 für sich in Anspruch691. Th^.H^er Tätigkeit Dietrichs von Holland in Utrecht zerbracl^ die alte Einheit der ‘ ^feriores. Wenn er selbst und einer seiner Nachfolger, nämlich Johann von ?arteihorst, auch noch den alten Titel eines preceptoris in partibus inferioribus führ- H°en hat’en sie doch kaum noch die Funktionen des alten Amts. Sie trugen den ten’i eLer als eine Art Ehrentitel. Denn beide stützten sich hauptsächlich auf Ut- cht und die davon abhängigen Kommenden. In Utrecht hatten sie ihren Sitz. ^Eine zu Utrecht analoge Entwicklung ist in Biesen zu beobachten. Als Dietrich von Holland Komtur von Utrecht war, nannte sich 1293 Dietrich von Wevelingho- ven zwar Landkomtur der Niederlande692, aber zwei Jahre später lediglich Land- komtur von Biesen693. 13 10 trat der Komtur von Altenbiesen Giso von Biesen (von Aachen, von Hergenrath) als Vorgesetzter des Komturs von Bernissem auf und übte mithin Landkomtursfunktionen aus694. Gerhard von Loon führte 1316-1325 neben dem Titel eines Komturs auch den eines Landkomturs von Biesen695 696. Damit hatte sich endgültig eine Ballei Biesen etabliert. Die Einheit der Provinz der Partes inferiores hatte sich schon im Laufe der zwei- ten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelockert. Die Auflösungstendenzen in der Ballei wurden von den Grafen von Holland gefördert, die eine eigenständige Provinz in ihrem Herrschaftsgebiet wünschten. Dietrich von Holland ist es wohl als erstem ge- lungen, als Komtur von Utrecht Landkomtursfunktionen in seinem Bereich auszu- üben. Als er Landkomtur der Partes inferiores wurde, setzte eine analoge Entwick- lung in Altenbiesen ein. Es entstanden zwei Balleien, die dem Deutschmeister als ih- rem Oberen unterstanden. Zwischen beiden Balleien hatte die Kommende Koblenz mit dem ihr unterstellten Ordenshaus in Mecheln gleichsam einen Keil geschoben. Bis zur endgültigen Teilung der Partes inferiores hatte der Orden umfangreichen Besitz erworben, entsprechend den Besitzkonzentrationen Kommenden gegründet und Komturen zur Verwaltung anvertraut. In der Ballei Biesen ist an erster Stelle le namengebende Kommende selbst zu nennen. 1220 hatte der Orden von Graf rno*d von Loon (Looz) und der Äbtissin von Biesen eine Kapelle übereignet er- a ten . Sie bildete die Keimzelle der späteren Landkommende. 1230 ist dort be- 690 691 R6 GeerII>Nr.552. 697 e£esten Utrecht, Nr.491. Er stammte aus einem Jülicher Ministerialengeschlecht; Fahne I, S.224f. Grauwels HI, Nr. 1827. 694 $ Uwel*I, Nr. 88. 695 H auweN II, Nr. 1358; Van der Eycken, Ridders, S. 72. 141 pH?5 Nr. 396, 421, 425, 428; Regesten Aachen II, Nr. 306, 313; Grauwels I, Nr. 124, 138, 696 Hen Van ^er Eycken, Ridders, S. 92. Sell0065 Nr-14; Grauwels I, Nr. 2. Dazu: Hezenmans, S. 27; Buntinx, Duitse orde,
reits ein Ordensbruder bezeugt697, 1235 ein magister ohne Namen erwähnt698 1230 nannte sich Heinrich der magister der Partes inferiores auch magister von Altenb' sen699. 1252 amtierte der Ritterbruder Wilhelm als Komtur von Altenbiesen700 sejt' dem gehörte Altenbiesen zu den hervorragenden Ordenshäusern der Ballei, auch wenn es nicht immer Sitz des Landkomturs war701. Weiter als in Altenbiesen reichen die Anfänge der Kommende in Siersdorf Zu rück. In dem Ort schenkte Graf Wilhelm von Jülich dem Deutschen Orden 1219 vor Damiette in Ägypten eine Kirche702. 1257 muß dort eine Ordensniederlassung bestanden haben703. Der erste Komtur namens Volkwin ist 1267 genannt704. Bis in die Jahre um 1220 gehen die Anfänge der Kommende Gemert zurück705. 1249 leitete die Niederlassung ein provisor namens Arnold706. Er unterstand damals möglicher- weise dem Komtur von Lüttich. Das Deutschordenshaus in Gemert löste sich aber bald von Lüttich707. 1266 trug der Vorgesetzte des Konvents bereits den Titel precep- tor7™. Dessen Nachfolger wurden regelmäßig Komture genannt709. Im Jahr 1230 übergab Wilhelm von Bekkevoort seine Lehengüter in Bekkevoort dem Deutschen Orden710. Eine Niederlassung ist dort bereits 1255 belegt711. 1257 stand Arnold von Veldeken dem Haus als Komtur vor. Vielleicht hatte er aber schon in Engheramus einen Vorgänger gehabt. Engheramus ist allerdings nur im Nekrolog der Ballei erwähnt und könnte der namentlich nicht überlieferte Komtur gewesen sein712. Jedoch bleibt das unsicher und lediglich eine ansprechende Vermutung. 1242 schenkte der Edle Daniel von Voeren dem Deutschen Orden Güter bei Sint Pietersvoeren713. Jedoch war diese Schenkung noch nicht der Ansatzpunkt zur Kommendenbildung, die erst ein paar Jahre später anzusetzen ist. Als ein Ritter 697 Hennes II, Nr.37; De Geer II, Nr.464. 698 Hennes II, Nr. 48. 699 Hennes II, Nr. 52; Oorkonden Pitsenburg I, Anhang IV 700 Grauwels I, Nr. 33. 701 Zur Entwicklung: Buntinx, Duitse orde, S.3ff.; Ders., Ouden Biesen. 702 Hennes II, Nr.8. 703 Hennes II, Nr. 125. 704 Hennes II, Nr. 191. Zur weiteren Geschichte: Neu, Siersdorf, S. 260ff.; auch: Bers, Verwal- tungsbericht, S.429ff.; Van der Eycken, Ridders, S. 176. 705 Otten, S.38ff.; Ermen, S.35f. 706 Otten, S.40, 61; Hezenmans, S. 78; OB Noord-Brabant 1,1, Nr. 232. 707 Vgl. unten, S. 233. 708 OB Noord-Brabant 1,1, Nr. 299. 709 1270 Waltherus de Clivo und 1293 Alardus dictus de Horst: OB Noord-Brabant 1,1, Nr. 322, 4 ’ Hennes II, Nr.318. Zur Kommende außer Otten und Hezemans noch: Brokken, De vesti ging, S. 1 ff. 710 Hennes II, Nr.36; Grauwels II, Nr. 1153. 711 Hennes II, Nr. 109; Grauwels II, Nr. 1154. 712 Van der Eycken, Ridders, S.53, 150, 168; Ermen, S. 36. 713 Hennes II, Nr. 58; Gr au weis III, Nr. 2289.
•• lieh auf Hof und Gut Sint Pietersvoeren verzichtete, begann der Orden, 1266' naI^jo£ dje Besitzungen zu einer Kommende zusammenzufassen714. Ein Kom- Um eßens Gerhard ist jedoch erst 1311 zu ermitteln715. Um 1250 schenkte Herzog tur.n3jch II. von Brabant dem Orden das Patronatsrecht in Vug^it716 *. An der Kirche ^nd eine Priesterkommende. Ein Priesterbruder ist dort 1270 und ein Komtur eLtStaKarnensnennung 1334 bezeugt. 1465 war der Pfarrer und Priesterbruder Wil- Ä“ „„ Roesmer dor. Komtur". D Um 1250 muß auch schon eine Ordensniederlassung in Bernissem bestanden ha- ben Denn 1254 erlaubte Heinrich, der Elekt von Lüttich, die Verlegung des Hauses nach St. Trond (St. Truiden)718. 1257 war aber Heinrich von Mechelen noch Komtur von Bernissem719. Das Haus wurde demnach wohl 1259 in die Stadt verlegt720. 1261- 1264 ist Gerhard Ledersac von Printhagen als Komtur von St. Trond (St. Truiden) nachzuweisen721. Lange blieb die Kommende freilich nicht in der Stadt. Denn be- reits 1277 ist wieder die Rede von dem Deutschordenshaus in Bernissem722. Seitdem blieb die Kommende dort. Von erheblicher Bedeutung für den Orden wurde die Schenkung des Patronats- rechts an St. Andreas in Lüttich 1255723. Vier Jahre später erlaubte der schon erwähnte Heinrich, Elekt von Lüttich, dem Orden, sich an seinem Bischofssitz niederzulas- sen724. 1260 stand bereits ein Komtur namens Walter an der Spitze des dortigen Konvents725. Als Gerhard Ledersac von Printhagen 1261 Komtur von Lüttich ge- worden war, trat er sogar als Vorgesetzter der Kommende Gemert auf726. Allerdings war die Unterstellung wohl an die Person Printhagens gebunden. In den folgenden Jahren hat kein weiterer Komtur von Lüttich derartige Funktionen ausgeübt. Über die Gründe für das Auftreten Printhagens gegenüber der Kommende Gemert lassen sich nur Vermutungen äußern. Die Niederlassung in Lüttich blieb nur kurze Zeit eine vollständige Kommende. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts sind meist Prie- sterbrüder als Pfarrer von St. Andreas und St. Gangulf nachzuweisen. Den Kom- 714 Hennes II, Nr. 184, 187; Grauwels III, Nr.2292f. 716 G.rauwels HI, Nr.2296; vgl. Van der Eycken, Ridders, S. 177. $ Die Nachricht, daß Vught eine Stiftung des Dietrich Berthout von Mecheln gewesen sei, ist mit Skepsis aufzunehmen; vgl. Ermen, S.36f. 71R „ enmans- s-28ff.; Ermen, S.36f. 719 vnesII>Nr-105; Grauwels II, Nr. 1334. 720 H n der Eycken> Ridders. S.95, 170. 721 uennes H> Nr. 142; Grauwels II, Nr. 1336. 722 uennes H. Nr. 160, 163, 176; Grauwels II, Nr. 1339, 1341. 723 HnesII>Nr.245. 724 r nnesII> Nr. 111; Grauwels III, Nr. 1843. 725 Hrauwels III, Nr. 1845. 726 Cid1».?65 Nr-154; Van der Eycken, Ridders, S. 106. “ Noord-Brabant 1,1, Nr. 282.
turstitel trugen sie nicht727. Vermutlich wurde das Amt eines Komturs in Lüttich nicht besetzt, weil dort kein Konvent mehr bestanden hat. Zu den Erwerbungen des 13. Jahrhunderts gehört noch ein Hof in Holt, den Raso de Houte 1281 anläßlich seines Eintritts in den Deutschen Orden übertragen hatte. Der Besitz entwickelte sich jedoch nicht zu einer Kommende, sondern wurde stets von Altenbiesen aus mitverwaltet728. Im 14. Jahrhundert kamen weitere Kommenden in der Ballei Biesen hinzu. 1322 wurde St. Egidien in Aachen dem Deutschordenshaus in Altenbiesen übergeben729. Eine vollständige Kommende entstand dort allerdings auch nicht. Der Priesterbru- der, der als Pfarrer von St. Egidien präsentiert und eingesetzt worden war, galt gleichzeitig als provisor oder Pfleger der Niederlassung wie schon 1322 der Priester Thomas von Aachen730. Mehr als ein Priesterbruder hat selten in dem Aachener Or- denshaus gewohnt731. In Maastricht hatte der Orden 1287 Besitz geschenkt bekommen732. Jedoch war er nicht umfangreich genug, um eine Kommendengründung zu rechtfertigen. Als der Orden jedoch 1358 die Erlaubnis erhalten hatte, eine Kapelle beim Servatiusstift zu errichten733, änderten sich die Voraussetzungen. Bald darauf wurde in Maastricht eine Ordensniederlassung errichtet, der spätestens 1390 Ruprecht von Virneburg als Komtur vorgestanden hat734. Im 15. Jahrhundert zog der Landkomtur von Alten- biesen nach Maastricht (Neuenbiesen) und residierte dort, wo auch fortan die Ballei- kapitel stattfanden. Erst im 15. Jahrhundert entstand in Gruitrode eine kleinere Niederlassung. 1416 hatte nämlich Johann von Loon, Herr von Heinsberg, dem Landkomtur von Alten- biesen die Herrlichkeit Gruitrode verkauft735. 1435 genehmigte der Kölner Erzbi- schof Dietrich von Moers die Übertragung736. Schon vorher, nämlich bereits 1426, 727 Hennes II, Nr.496; Grauwels III, Nr. 1847-1850 und öfter. 728 Hennes II, Nr. 272; Grauwels III, Nr. 1821. Van der Eycken, Ridders, S. 147, verweist auf einen Komtur namens Laurentius van Tricht im Altenbiesener Nekrolog. War er wirklich ein Amts- träger in Holt ? 729 Regesten Aachen II, Nr.304; Hennes II, Nr.410 (mit falschem Datum 1321). Vgl. Quadflieg, Das Deutsche Haus, S. 163f. Der Orden hatte bereits 1258 Güter in Aachen erworben; Hennes II, Nr. 139. Sie waren aber wohl nicht umfangreich genug, um auf ihnen eine Kommende gründen zu können. 730 Regesten Aachen II, Nr.306; Van der Eycken, Ridders, S.24. 731 Zur Geschichte: Quadflieg, Das Deutsche Haus, S. 161 ff. 732 Hennes II, Nr.495. 733 Hennes II, Nr.465. 734 Grauwels I, Nr. 284; Van der Eycken, Ridders, S. 166, verweist auf frühere Amtsträger, die aber Hauskomture genannt wurden. Allerdings könnten sie trotzdem die Funktionen von Komtu- ren ausgeübt haben. Vgl. Van der Eycken, Dagelijks leven, S.235f. 735 Grauwels III, Nr. 1675. 736 Hennes II, Nr.479-481.
ist von einem Ordenshaus in Gruitrode die Rede737. Ein Komtur ist jedoch nie ein- gesetzt worden. Gruitrode zählte wie Aachen zu den kleineren Niederlassungen, Jie während des Mittelalters zu keinen vollwertigen Kommenden ausgebaut wur- den738- t Zeitweise amtierten im 13. und 14. Jahrhundert auch einzelne Komture in Geleen, ohne daß sich dort jedoch auf Dauer ein Ordenshaus hätte halten können739. Analo- ges gilt von Damereis, wo der Orden im 13. Jahrhundert einen Komtur eingesetzt hatte, die Niederlassung aber nicht zur Kommende ausgestaltete, sondern den Be- sitz schließlich verpachtete740. Erst der Neuzeit gehören die Gründungen in Köln und Ordingen an741. Einen Sonderfall bildete die Kommende Ramersdorf. Sie war ursprünglich ein Teil des sogenannten Deutschmeistertums. Erst 1371 verkauft der Deutschmeister Philipp von Bickenbach die Kommende der Ballei Altenbiesen, zu der sie dann bis zur Auflösung des Ordens im Reich zählte742. Die Ballei Utrecht hatte ihren Namen nach ihrem Haupthaus und ihrer wichtig- sten Niederlassung an dem Bischofssitz Utrecht. 1231 hatte Sweder von Dingede dem Orden einen Hof bei der Stadt geschenkt743. Ein Jahr später soll schon mit dem Bau der Kommende begonnen worden sein, und zwar innerhalb der Stadtmauern, wie die Chronik des Deutschordenshauses von Utrecht zu erzählen weiß744. Da je- doch zwei Urkunden von 1346 berichten, daß die Niederlassung erst damals in die Stadt verlegt worden sei745, nimmt man im allgemeinen an, daß die erste Niederlas- sung vor den Toren Utrechts gelegen habe. Trotz der beiden urkundlichen Zeugnis- se hält neuestens J. A. Mol die Aussage der Chronik für zutreffender und meint, daß die Niederlassung von Anfang an in der Stadt gebaut worden sei746. Es ist nicht einfach, eine Entscheidung zu fällen. Jedoch können wir das Problem auf sich beru- hen lassen, da es für unsere Fragestellungen nicht so bedeutend ist. Wichtig für den Orden war zweifellos auch, eine Niederlassung am Bischofssitz in Utrecht zu ha- ben, ob nun inner- oder außerhalb der Stadtmauern. Wegen der Bedeutung des Bi- schofssitzes für den Orden verwundert es nicht, daß bereits 1248 ein erster Komtur der Niederlassung bezeugt ist. Er hieß Antonius Ledersac von Printhagen und 737 Grauwels III, Nr. 1678. 738 Habets, Archäologische wandelingen, S. 57ff. Der erste Komtur von Gruitrode amtierte 1490- 1502; Van der Eycken, Ridders, S. 65, 172. 739 Van der Eycken, Ridders, S. 173f. 740 Van der Eycken, Ridders, S. 171. 741 Otten, S. 56; Van der Eycken, Ridders, S. 173f.; Militzer, Jungen-Biesen. 742 Neu, Ramersdorf, S. 42f.; Arnold, overgang; Militzer, Entstehung, S. 140. Zum Deutschmei- stertum: unten, S. 331 ff. 743 De Geer I, Nr. 194; vgl. Mol, Vechten, S.201. 744 De Geer I, S.246. 745 De Geer II, Nr.315, 317. 746 Mol, Friese Huizen, S.39.
stammte aus einem angesehenen limburgischen Adelsgeschlecht747. Nach der Auflö- sung der Provinz Partes inferiores stieg das Deutschordenshaus in Utrecht zur Resi- denz des Landkomturs auf748. Älter als in Utrecht waren Besitzungen des Ordens in Schelluinen. Das Patro- natsrecht an der Pfarrkirche des Ortes hatte Dietrich von Altena dem Orden bereits 1220 übertragen749. Spätestens 1248 bestand dort eine Kommende750. Eine größere Bedeutung erlangte die Niederlassung, in der vorwiegend Priesterbrüder lebten, nicht. 1241 schenkte Graf Wilhelm II. von Holland dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarrkirche von Maasland751. Dort soll der Orden schon 1243 eine Niederlas- sung errichtet haben752, die allerdings erst 1265 bezeugt ist753. In Maasland lebten wie in Schelluinen vorwiegend Priesterbrüder. Der erste 1278 nachweisbare Komtur war der Priesterbruder und Pfarrer des Ortes Johann754. Mit dem Patronatsrecht von Maasland hatte derselbe Graf auch das Patronatsrecht an der Kirche von Val- kenburg geschenkt755. Wahrscheinlich entwickelte sich an der Kirche ebenfalls ein kleinerer Priesterkonvent756. Eine größere Bedeutung erhielt die Niederlassung aber erst, nachdem der Orden 1388 auch das Patronatsrecht der nahegelegenen Kirche in Katwijk erhalten hatte757. Nach Katwijk wurde die Kommende wohl noch am Ende des 14. Jahrhunderts verlagert. 1248-1249 schenkten die Bürger von Middelburg dem Deutschen Orden Güter758. Die erste Kommende in der Gegend wurde aber nicht in Middelburg, sondern in Zandvoort errichtet. Bereits 1273 gab es dort ein Deutschordenshaus759. 1294 ist Bertold Radinc als dessen erster Komtur bezeugt760. Zehn Jahre zuvor hatte der Or- den das Patronatsrecht am Nordmünster in Middelburg erhalten761. Die Schenkung dürfte ausschlaggebend dafür gewesen sein, daß der Orden seine Kommende doch noch von Zandvoort nach Middelburg verlegte762. 747 De Geer I, Nr.212. 748 Uber das weitere Schicksal der Landkommende und Ballei: De Vey Mestdagh, De Utrechtse Balije. 749 De Geer II, Nr.489; vgl. Mol, Vechten, S.201, 203f. 750 De Geer II, Nr.207. 751 De Geer II, Nr.504. 752 So die Vermutung von Mol, Friese Huizen, S.42. 753 De Geer II, Nr.511. 754 De Geer II, Nr.512. Zur Geschichte der Kommende weiter: Visser, De commanderij, S.443ff. 755 De Geer II, Nr.504. 756 So Mol, Friese Huizen, S.42. 757 De Geer II, Nr.517; Inventaris ADO Utrecht, Nr. 1925. 758 De Geer II, Nr.540f. 759 De Geer II, Nr. 547. 760 De Geer II, Nr.552. 761 De Geer II, Nr.548. 762 Vgl. Mol, Friese Huizen, S.45, und die dort angegebene Literatur.
Obwohl schon 1256, also sehr früh, ein Komtur des Deutschen Ordens in Ophe- mert nachzuweisen ist763, blieb die Kommende selbst unbedeutend, bis 1328 der Or- den das Patronatsrecht an der Pfarrkiche von Tiel vom Stift in Arnheim kaufen konnte. In Tiel errichtete der Orden sofort eine Niederlassung, in der die Kom- mende Ophemert aufgegangen ist764. 1415 ist ein Komtur in Tiel bezeugt765. 1268 übertrug Graf Floris V. von Holland dem Deutschen Orden das Patronats- recht an der Peterskirche in Leiden766, wo ein Konvent von Priesterbrüdern ent- stand. 1272 ist eine Ordensniederlassung erwähnt767. Sie wurde von einem Priester- bruder, der den Komturstitel trug, geleitet. Er war meist gleichzeitig Pfarrer der Peterskirche in der Stadt768. Die Kommende Ootmarsum soll bereits 1262 gegründet worden sein769. Als sol- che ist sie jedoch erst 1273 erwähnt770. 1290 ist ein Komtur ohne Namensnennung bezeugt771. Jedoch blieb die Kommende nicht im Verband der Ballei Utrecht. Der Deutschmeister Konrad von Egloffstein (1396-1416) hatte mit dem Rat seines Kapi- tels verfügt, daß sie zur Ballei Westfalen zu schlagen sei, da sie näher zu Westfalen als zur Ballei Utrecht liege, insbesondere aber weil die Brüder in der Ballei Westfa- len außer im Haupthaus in Münster keine Konvente unterhalten und ordentliche Gottesdienste feiern könnten. Damit neu aufgenommene Brüder das Konventsleben erlernen könnten, solle die Kommende Ootmarsum neben dem Haupthaus in Mün- ster dazu dienen, junge Brüder in den vorgeschriebenen gottesdienstlichen Verrichtun- gen zu unterweisen. Die Übertragung bestätigte Konrads Nachfolger, der Deutsch- meister Dietrich von Weitershausen, noch einmal 1417772. 1276 wurde dem Deutschen Orden das Kloster Bethlehem bei Doesburg übertra- gen. Jedoch stieß die Transaktion auf entschiedenen Widerstand unter anderen auch des Bischofs von Utrecht. Der Orden sah sich daher gezwungen, auf das Kloster zu verzichten, erhielt an dessen Stelle vom Bischof von Utrecht das Patronats recht der Pfarrkirche von Doesburg773. In der Folge entstand in der Stadt eine Priesterkom- mende. 1406 ist ein Komtur noch ohne Namensnennung erwähnt774. 763 De Geer II, Nr.566. 764 De Geer II, Nr. 571-573; vgl. I, S. LXXVI. 765 De Geer II, Nr.577. 766 De Geer II, Nr. 597f. 767 De Geer II, Nr.599. 768 Belonje, De Leidse commandeurs, S.47ff.; Loopstra, De Leidse commanderij, S.33ff. 769 Hezenmans, S.25. 770 Dorn, S.45 Anm.305. 771 De Geer II, Nr.645. 772 De Geer II, Nr. 651. Zur Geschichte: Dinge Ide in, Over eenige goederen, S. 17ff., 93 ff.; Snuif, Commanderie, S. 1 ff.; vgl. auch unten, S. 306. 773 De Geer II, Nr. 623-633; REK III,2, Nr. 2677; Sloet, Nr. 977; UB Ballei Thüringen, Nr. 365; vgl. Mol, Vechten, S.202f. 774 De Geer II, Nr.638.
In Rhenen erhielt der Orden 1277 das Patronatsrecht vom Grafen von B heim775. Dort entwickelte sich eine der vielen Priesterkommenden der Ballei recht. 1420 war Dirk Koeken Komtur und Pfarrer von Rhenen776. Wann in Bunne ’ Drenthe eine Kommende entstanden ist, ist unklar. 1343 ist dort jedenfalls ein Komtur allerdings ohne Namen erwähnt777. Seitdem dürfte es in Bunne eine Nieder lassung gegeben haben. 1395 schenkte Guy de Chastillon, Graf von Blois, dem Or den das Patronatsrecht in Schoonhoven778. 1443 ist dort ein Komtur ohne Namens nennung erwähnt779. Damals war spätestens die letzte Kommende der Ballei Utrecht entstanden. Eine Sonderrolle spielten die beiden friesischen Kommenden Nes und Schoten Die Anfänge von Nes reichen über das Jahr 1243 zurück. Damals existierte schon eine Niederlassung in dem Ort780. Die Grundlagen dazu dürften also ein paar Jahre früher gelegt worden sein. Nes war eine Priesterkommende mit einem Priesterbru- der als Komtur und einem Prior an der Spitze781. 1258 ist ein Komtur allerdings noch ohne Namen erwähnt782. Der erste namentlich bekannte Priesterkomtur war 1395 Hesselus783. Von Nes aus wurde in Schoten ein Priesterkonvent gegründet, der in gewisser Abhängigkeit von Nes blieb. An der Spitze des neuen Konvents stand kein Komtur, sondern ein Prior784. Als erster Amtsträger ist 1397 der Prior Sifridus Swarte bezeugt785. Beide Ordenshäuser nahmen für sich insofern eine Sonderrolle in Anspruch, als die Priesterbrüder in den Konventen das Recht der Wahl ihrer Vorgesetzten und der Aufnahme neuer Brüder beanspruchten. Der Komtur von Nes meinte sogar, das Recht zur Einsetzung des Priors von Schoten zu haben. Am Ende des 14. Jahrhun- derts spitzte sich die Lage zu, als der Utrechter Landkomtur Gerhard Splinter van der Enghe diese Rechte für sich reklamierte und gemäß den Statuten Gehorsam von den friesischen Brüdern forderte. Der Landkomtur drang mit seinen Vorstellungen nicht durch, sondern mußte sich 1395 und 1397 mit einem Kompromiß begnügen. Danach blieben beide Häuser dem Landkomtur von Utrecht unterstellt und zahlten ihm eine jährliche Beisteuer. Aber sie behielten ihre Autonomie, und zwar das 775 De Geer II, Nr.658. 776 De Geer II, Nr.664. 777 De Geer II, Nr.668; vgl. Mol, Vechten, S.202. 778 De Geer II, Nr. 678 f. 779 Inventaris ADO Utrecht, Nr. 2586. 780 De Geer II, Nr.522. Zu den Anfängen: Mol, Friese Huizen, S.51 ff. 781 Mol, Friese Huizen, S.66ff. 782 De Geer II, Nr.524. rf 783 De Geer II, Nr.531. Zur Reihenfolge der Komture und Amtsträger: Mol, Friese Huizen, S.3 784 Mol, Friese Huizen, S.53ff., 66ff. 785 De Geer II, Nr. 532. Zu den Amtsträgern: Mol, Friese Huizen, S. 323f.
. zur Wahl ihrer Oberen in ihren Konventen und zur Aufnahme von neuen ^eC . Schoten wurde allerdings aus der Abhängigkeit von Nes gelöst786. $*0- wichtige Frage ist, ob die von den friesischen Häusern am Ende des 14.Jahr- derts behaupteten Rechte alt oder eher im Laufe der Zeit usurpiert worden wa- hun Frage ist schwer zu beantworten. J. A. Mol neigt dazu, die Rechte der fischen Häuser für ursprünglich zu halten. Nes habe zwar einem Meister der partes inferiores unterstanden, aber weder einem Komtur von Utrecht noch dessen Kollegen aus Altenbiesen, sondern sei den beiden letzteren gleichgestellt gewesen787. Die Hypothese kann gute Gründe für sich anführen. Dennoch ist die Entwicklung auch anders vorstellbar. Es könnte sein, daß Nes sich allmählich aus der Bindung an einen Oberen, sei es nun der Meister der Partes inferiores oder der Landkomtur von Utrecht gewesen, gelöst hat und bestrebt war, eine eigene Ballei zu gründen. Man muß nicht mit M o 1 von der Voraussetzung ausgehen, daß der Orden bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Ballei in Friesland habe errichten wollen. So ging der Orden im allgemeinen nicht vor. In den meisten Fällen faßte er erst Güter und Ordensniederlassungen zu einer Provinz zusammen, wenn genügend Besitzun- gen angesammelt und Niederlassungen gegründet worden waren und sich von da- her die Notwendigkeit zu einer Balleibildung ergab. Eine solche Notwendigkeit wird man für Friesland im 13. Jahrhundert schwerlich unterstellen wollen. Aber wie auch immer man die Entwicklung in Friesland deuten will, sicher ist, daß es zumin- dest im 14. Jahrhundert starke Bestrebungen gegeben hat, die beiden friesischen Or- denshäuser zu einer eigenen Ballei zusammenzufassen und den Landkomtur von Utrecht nicht mehr als Vorgesetzten anzuerkennen. 8.7.2 Die Ballei Böhmen-Mähren Ob die Güter des Deutschen Ordens im Königreich Böhmen, also in Böhmen und Mähren, anfangs unter der Oberaufsicht des Landkomturs von Deutschland bzw. des Deutschmeisters gestanden haben, ist nicht mehr nachweisbar. Dokumente, aus denen Eingriffe dieses Amtsträgers abgelesen werden könnten, haben sich nicht er- halten. Aus dem Fehlen solcher Hinweise ist aber auch nicht zu schließen, daß die Güter in Böhmen und Mähren niemals dem Landkomtur von Deutschland unter- standen hätten. Die Überlieferungsdichte ist für die Anfänge der Geschichte des ruens im Königreich gering, woraus neuerdings Ivan Hlaväcek nochmals be- sonders hingewiesen hat788. Außerdem hat es wenige Anlässe für ein Eingreifen des 787 GeerI1, Nr-531f- °lj Friese Huizen, S.97ff.; Ders., Fryske frijheid; Ders., Friese vrijheid; Ders., Deutschher- 788 ret1’ S' 116‘ hlaväcek, Deutschherrenritter, S. 131 ff.
Amtsträgers gegeben. Zudem war das Amt eines Landkomturs von Deutschi damals noch unbedeutend, so daß er kaum zu wichtigen Entscheidungen hera zogen, sondern in solchen Fällen eher der Hochmeister bemüht wurde. Noch be der Landkomtur von Deutschland und spätere Deutschmeister mehr Ansehen und Einfluß gewinnen konnte, wurde über die Güter in Böhmen und Mähren ande entschieden. Spätestens 1233 wurden die Besitzungen in Böhmen und Mähren zu einer Ball * zusammengefaßt. Am 6. Februar des Jahres verkaufte nämlich Rudgerus in terra Boemie commendator in Prag dem Kloster Tepl die beiden Pfarrkirchen in Witschin (Vidzin) und Neumarkt (Utery). Zeugen der Urkunde waren zehn Ordensbrüder wahrscheinlich der Prager Kommende789. Fraglich ist, was unter dem Amt des in terra Boemie commendator zu verstehen ist. In der älteren Literatur wurden zwei Thesen vertreten. Max Millauer hielt Rutger für einen Komtur von Prag790, wäh- rend Johannes Voigt in ihm den ersten Landkomtur der Ballei Böhmen sah791. Da der Amtsträger Güter verkaufte, übte er zumindest Funktionen eines Landkomturs aus. Denn einfachen Komturen waren Verkäufe von Ordensbesitz verboten. An der Formulierung des Titels sollte man sich nicht stören. Denn es kam auch später vor, daß der Landkomtur nur Böhmen oder nur Mähren in seinem Amtstitel führte oder daß die Ballei nur Böhmen oder Mähren hieß, obwohl jeweils beide Länder gemeint waren792. Daher spricht also mehr für die These Voigts, daß Rutger als Landkomtur der neuen Ballei Böhmen anzusprechen und mehr als nur ein einfacher Komtur der Prager Kommende gewesen ist793. Residiert hat der erste Landkomtur allerdings in Prag, wo er möglicherweise gleichzeitig Komtur war. Es ist also durchaus denkbar, daß der Prager Komtur zum ersten Leiter der neu geschaffenen Ballei Böhmen- Mähren bestellt wurde. Im gleichen Jahr 1233 verkaufte Hermannus Balko, frater et magister de domo Teotunica, dem Prämonstratenserstift Seelau (2eliv) fünf Dörfer und ein Patronats- recht an der böhmisch-mährischen Grenze bei Iglau (Jihlava)794 795. Gegen die Echtheit der Urkunde sind Bedenken erhoben worden, weil sie nur in einer Handschrift des Stifts überliefert ist und daher eine Fälschung der Prämonstratenser sein könnte . 789 Codex Bohemiae III, Nr. 33; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,8, Nr. 2645. Erhalten nur in einer Abschrift des 17. Jahrhunderts. An der Echtheit der Urkunde besteht kein Zweifel. 790 Millauer, S.205. 791 Voigt, Ballei Böhmen, S.6; vgl. Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 151 ff. 792 Militzer, Entstehung, S. 58 f. es 793 Zurückhaltender formuliert Hlaväcek, Deutschherrenritter, S. 134f. Seiner Meinung nach ha e 1237 noch keine ausgeprägte Organisations- oder gar Verwaltungsstruktur des Ordens in Bo und Mähren gegeben. Die Errichtung von Kommenden setzt er erst später bis zur Mitte des 13. Ja hunderts an: ebd., S. 135ff. 794 Codex Bohemiae III, Nr. 48; Codex Moraviae II, Nr. 233; Regesta Bohemiae et Moraviae I, r- 795 So Voigt, Ballei Böhmen, S.6. Ihm folgt: Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 139.
1 ben sich die Bedenken nach eingehenden Untersuchungen des Herausge- jedoch codex Bohemiae G. Friedrich nicht halten lassen, so daß an der Echt- bers des zweifejn £st796. Für die Meinung Friedrichs spricht eine weitere Ur- h^J11 aus dem August desselben Jahres, durch die Bischof Robert^von Olmütz den 6 f von Gütern an das Stift bestätigte, da, wie es heißt, Hermannus cognomi- ^er^UgalkOf frater et magister de domo Theutonica, ihn in Prag persönlich darum n^Sen habe797 * 799. Da an der Echtheit dieser Urkunde überhaupt kein Zweifel besteht, ge^g piermann Balk also im Sommer 1233 in Prag gewesen sein. Das paßt auch durchaus in sein Itinerar. Denn im Frühjahr und Sommer des Jahres ist er nicht in Preußen nachzuweisen. Dagegen war er am 19. Juni 1233 in Breslau und verlieh dort Güter Damals nannte er sich procurator in Poloma7™. Im Spätsommer kehrte er nach Preußen zurück und stellte am 28. Dezember 1233 die Kulmer Handfeste aus. Darin bezeichnete er sich als per Sclavoniam et Prusiam preceptor7™. Die urkundlichen Zeugnisse deuten einen Wandel in der Verwaltung der Güter in Böhmen an. Aber wie sind sie zu erklären? Es scheint so gewesen zu sein, daß 1233 oder wenig früher die Güter in Böhmen und Mähren zu einer Ballei zusammenge- faßt worden sind. An die Spitze der Provinz trat wohl der Komtur des Prager Or- denshauses. Er führte den Titel Landkomtur, behielt seinen Sitz aber weiterhin in Prag und stand zugleich an der Spitze der Niederlassung. Die neue Ballei wurde der Oberaufsicht des Landkomturs von Deutschland, wenn es eine derartige Aufsicht schon gegeben haben sollte, entzogen und dem Landmeister von Preußen Hermann Balk unterstellt, der seit 1230 mit einer Schar von Ritterbrüdern den Heidenkampf gegen die Prußen mit dem Ziel führte, das Volk zu missionieren und dessen Gebiet zu erobern. Dafür benötigte er Geld und andere materielle Unterstützung. Als Hinterland für seine Unternehmung wurde ihm die Ballei Böhmen übergeben, fer- ner die Güter in Schlesien, die allerdings nie so umfangreich waren, daß sie zu einer eigenen Balleibildung ausgereicht hätten. 796 Codex Bohemiae III, Nr. 48. 797 Codex Bohemiae III, Nr.49; Codex Moraviae II, Nr.234; Regesta Bohemiae et Moraviae I, Nr. 802. Auch diese Urkunde ist nur in einer Handschrift des Stifts Seelau überliefert, läßt sich aber einem bestimmten Schreiber des Bischofs zuordnen, so daß an ihrer Echtheit keine Zweifel aufgekommen sind. Die Urkunde wurde 1243 auch noch von König Wenzel I. von Böhmen bestätigt: Codex Bo- hemiae IV, Nr. 19; Codex Moraviae III, Nr. 36 f. 799 ^reuß- Regesten, Nr. 115; Regesten Schles. Gesch. I, Nr. 410. Preuß. UB 1,1, Nr. 105. Als Aussteller ist auch der Hochmeister Hermann von Salza genannt. Aber le Auffassung, daß der Hochmeister damals in Preußen gewesen sei, wie von Cohn, S.205ff., ver- beten, ist allgemein auf Ablehnung gestoßen, vgl. Maschke in: Altpreußische Forschungen 8 j^?31), S. 152 (Rezension); ferner: Ten Haaf, S. 84 Anm. 48; Kluger, S. 184. Zur Handfeste: lsch, Kulmer Handfeste, S. 6ff., mit weiterer Literatur. Die These Cohns hat neuerdings Lö- Wener in seiner noch ungedruckten Dissertation aufgegriffen und datiert auf 1232. Er nimmt aber ?Uch an> daß sich Hermann Balk im Jahr 1233 in Schlesien und Böhmen und Mähren aufgehalten habe.
Als Hermann Balk 1233 in Breslau weilte, wird er den Piastenherzog Hei ’ den Bärtigen von Schlesien für den geplanten Winterfeldzug 1233/34 in Preuß gewinnen gesucht und Siedler für die eroberten Gebiete angeworben haben800 Ab^ er hat auch Gelder durch Verpachtungen und durch Verkäufe in der neuen Balp Böhmen-Mähren erhoben. Diese Gelder verwandte er für seine Unternehmungen Preußen. Die neue Ballei diente dem Landmeister also zur Unterstützung i^ Kampf gegen die Prußen. Zunächst machte sich die Bindung an Preußen noch nicht stark bemerkbar. Außer der Aktion Hermann Balks 1233 ist von Geldüberweisun gen oder sonstiger materieller Unterstützung zugunsten des Preußenlandes nichts bekannt. Man wird aber vermuten dürfen, daß es solche Transferleistungen weiter- hin gegeben hat801. Es bestehen weitere deutliche Hinweise auf eine Abhängigkeit der Ballei vom Landmeister in Preußen. Rutgers Nachfolger im Amt eines Landkomturs von Böh- men-Mähren Ludwig von Baldersheim wurde 1263 Landmeister von Preußen, be- hielt aber sein Amt als Landkomtur bis 1264 bei802. Er konnte also über den Teil der Einkünfte der Ballei verfügen, die einem Landkomtur zustanden. Ludwigs Nachfol- ger Helwig von Goldbach, 1269 als Landkomtur von Böhmen bezeugt, stieg in Preußen in hohe Ämter auf und wurde 1286 sogar Marschall803. 1299 bestätigten ne- ben dem Hochmeister auch der Landmeister von Preußen Konrad von Babenberg und der Landkomtur von Böhmen Ditold die Schenkung von Burg und Herrschaft Deblfn in der Nähe von Brünn (Brno)804. Das reichte noch nicht. Denn der neue Landmeister von Preußen Ludwig Schippe mußte der Schenkung im gleichen Jahr abermals zustimmen805. Die zur Unterstützung der Eroberung Preußens geschaffe- nen Verhältnisse blieben in der Folgezeit bestehen. Als Ergebnis gilt es festzuhalten, daß die Ballei Böhmen-Mähren spätestens im Jahre 1233 geschaffen und im gleichen Jahr als einzige Ordensprovinz des Deut- schen Reiches unter die Oberaufsicht des Landmeisters von Preußen gestellt wor- den ist806 *. Der Besitz des Deutschen Ordens in Böhmen und Mähren war bereits in der er- sten Hälfte des 13. Jahrhunderts umfangreich und hoch privilegiert. König Ottokar I. 800 Vgl. Zientara, Preußische Fragen, S. 86ff.; auch Kluger, S. 184f. 801 Über die Bedeutung der Güter in Böhmen und Mähren für die Ritterorden: Borchardt, Milhary Orders, S. 248 ff. 802 Woj tecki, Studien, S.37f. 803 PKB GStA Berlin, ehern. Archiv Königsberg, Urk. LI Nr. 60; vgl. Regesta Ordinis Theutonicorurn II, Nr.212; dazu: Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 116f., vgl. S. 154; Lampe, Goldbach, S.6 Zur preußischen Karriere auch: Wojtecki, Studien, S. 175f. 804 Preuß. UB 1,2, Nr. 725; Regesta Ordinis Theutonicorurn II, Nr. 360. z . 805 Preuß. UB 1,2, Nr.726; vgl. Militzer, Entstehung, S.62f. Zur Geschichte: Jan, Neznämä 806 Militzer, Entstehung, S. 63; zustimmend: Wenskus, Ordensland, S. 358. Zurückha ten Hlaväcek, Deutschherrenritter, S. 134f.
B ' hmen hatte am 26. August 1222 alle Schenkungen bestätigt und alle Güter V°n n dens in beiden Ländern von der niederen Gerichtsbarkeit, allen Zöllen und ^eS befreit807. Allein schon wegen der umfassenden Privilegierung bot sich die jF einer Provinz an. Wann der Orden seinen ersten Besitz in Böhmen und ® ...U erWOrben hat, ist nicht sicher zu ermitteln. In der schon genannten Urkun- d König Ottokars I. wurden Besitzungen erwähnt, die einst Herzog Konrad von de.vrnen und Markgraf Wladislaw von Mähren dem Orden übertragen hätten. Da J'e entsprechenden Urkunden verloren sind, ist man auf Mutmaßungen angewie- Schenkt man den Angaben Ottokars Glauben, muß der Orden bereits 1191 Güter in Böhmen erhalten haben, da Herzog Konrad am 9. September 1191 vor Neapel gestorben ist808 809. 1204 bestätigte Papst Innozenz III. dem magister und den Brüdern in Prag Besitzungen in Troppau (Opava). Der Papst nannte den Markgra- fen »Gründer des Ordenshauses“ (domus vestre fundator)™. Gemeint war Wladi- slaw III- Heinrich. Drei Jahre später bestätigte derselbe Papst dem Orden Schen- kungen des böhmischen Königs und des Markgrafen von Mähren bei Prag und Repin810. Damit hatte er die Brüder Ottokar I. und Wladislaw III. Heinrich ge- meint811. Da in der Papsturkunden von 1204 ein magister erwähnt wurde, nehmen einige Forscher an, daß damals bereits eine Prager Kommende bestanden habe812. Sicher ist es nicht. Denn die von mir für den Deutschen Orden in Anspruch ge- nommene domus sancte Marie in Prag von 1217 und deren 1222 und 1229 erwähnte Komtur Friedrich gehörten dem Johanniterorden an813. Ein Haus des Deutschen Ordens ist in Prag also nicht ausdrücklich nachzuweisen. Allerdings deuten einige Hinweise darauf, daß dort eine Niederlassung mit Ordensbrüdern, vielleicht sogar mit einem Komtur an ihrer Spitze, bestanden hat. Einmal abgesehen von dem in der Papsturkunde genannten magister, mußten die in und bei Prag gelegenen Güter be- aufsichtigt und die Einkünfte verwaltet werden. Solche Aufgaben hat der Orden meist Mitbrüdern übertragen. Demnach wird der Orden seine erste Kommende in Böhmen-Mähren in Prag errichtet haben. In der Nähe der Residenz der herrschen- den Fürstenfamilie mußte sie dem Orden von großem Wert sein. Es ist daher nicht verwunderlich, daß der erste Landkomtur von Böhmen seinen Sitz ebenfalls in Prag hatte. Die Prager Kommende blieb die wichtigste Niederlassung im Königreich Böhmen, solange der Landkomtur dort seinen Sitz hatte. 808 ^°^em’ae Nr. 239; Regesta Bohemiae et Moraviae I, Nr. 660. gl. Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 147 f.; Jan, Bratri, S.6f.; Hlaväcek, Deutschherrenritter, 809 Henburg, Stammtafeln I, Tafel 23. §10 p°jCX B°hemiae II, Nr. 40.; Regesten LHA Dresden I, Nr. 152. 811 I ° eX B°hemiae II, Nr. 67; Regesten LHA Dresden I, Nr. 171. §12 rj 5 n u r g> Stammtafeln I, Tafel 24. 813 c Miszellen, S. 209; Jan, Peceti, S. 8; Hemmerle, S. 11. °dex Bohemiae II, Nr. 133, 228, 332; vgl. S. 513.
Bis in die Anfänge des 13. Jahrhunderts reicht der Deutschordensbesitz in Tr pau (Opava) zurück. Denn 1204 bestätigte Papst Innozenz III. dem Orden do Güter814. Ob damals schon eine Kommende bestanden hat, ist zwar möglich hin und wieder behauptet worden815, aber nicht sicher zu belegen. 1237 erhielt d Orden das Patronatsrecht an der Troppauer Pfarrkirche bestätigt816, das ihm wohl schon um 1200 übertragen worden war817. Daher wird man vermuten dürfen daß wenigstens ein Priesterbruder in Troppau gesessen hat. 1253 sind dort Ordensbrü der nachweisbar818. 1270 ist Leopold als Komtur von Troppau genannt819. Seitdem sind dort meist Priesterbrüder als Komture nachzuweisen. Mit der Kommende Troppau eng verbunden und von ihr verwaltet war Jägerndorf (Krnov), wo der Or- den seit 1281 das Patronatsrecht an der Pfarrkirche hatte820. Bis in die Anfänge des Ordens in Böhmen reicht der erste Besitz in Repin, den Papst Innozenz III. 1207 bestätigte821. 1278 amtierte dort ein Komtur Jesco, wohl ein Priesterbruder822. Später gehörte zu Repin eine Außenstelle in Vysokä Libeh bei Melnik. Sie war ein Wirtschaftshof, der dem Komtur von Repin unterstand823. Noch vor der ersten Nennung eines Landkomturs von Böhmen hat der Orden auch in der wichtigen Stadt Pilsen (Plzen) 1224 das Patronatsrecht an der Pfarre er- halten824. Daraus wird sich eine kleine Ordensniederlassung entwickelt haben. 1322 bekam der Orden das schon mehrere Jahre bestehende Spital in der Stadt übertra- gen825. Spätestens zu dem Zeitpunkt muß eine zahlreichere Brüderschar am Ort ge- lebt haben. 1382 befanden sich vier Brüder in der Kommende. Zusätzlich waren zwei Brüder im Spital tätig826. Der Komtur der Niederlassung wird in der Regel ein Priesterbruder gewesen sein, wie es 1410 nachweisbar ist827. Als der Orden die Ballei Böhmen einrichtete und sie dem Landmeister von Preu- ßen unterstellte, hatte er in der Provinz also schon erheblichen Besitz angehäuft. Das mag nächst den weitreichenden Privilegien ein weiterer Grund gewesen sein, die Ballei einzurichten und sie und ihre Mittel dem Landmeister Hermann Balk zur Unterstützung seiner Eroberungen in Preußen anzuweisen. 814 Codex Bohemiae II, Nr.40; Regesten LHA Dresden I, Nr. 138. 815 Hlaväcek, Miszellen, S.209; Jan, Peceti, S. 8. 816 Codex Bohemiae III, Nr. 162. 817 Kouril, S. 143. 818 Codex Moraviae III, Nr.235; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,1, Nr. 107. 819 Codex Moraviae V, Nachtrag 41; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,2, Nr. 712. 820 Codex Moraviae VI, Nr. 194; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,4, Nr. 1258; Kouril, S. 145. 821 Codex Bohemiae II, Nr. 67; Jan, Bratri, S. 5. 822 M i 11 a u e r, S. 52 f. 823 Hemmerle, S.45, 57, 98, 108, 116, 125, 158. 824 Mil lau er, S. 55 f. 825 Millauer, S.55f. 826 Hemmerle, S. 46 f. 827 Mil lau er, S. 56.
Die günstige Entwicklung der ersten Jahre setzte sich fort. 1233 schon tauschte neu ernannte Landkomtur von Böhmen Rutger Besitz in und bei Pitschkowitz zr ckovice) gegen Güter in Leitmeritz (Litomerice) ein828. Dieser Tausch führte als- bald zur Bildung einer Kommende, die zu den reichsten der Ba^Jei zählen sollte829. 1326 ist ein Komtur Habel oder Gallus erwähnt830. 1382 lebten in der Kommende llerdings nur noch drei Brüder. Der ehemalige Reichtum der Kommende war be- reits im 14. Jahrhundert geschrumpft831. Wenige Jahre später 1237 bestätigte König Wenzel I. dem Orden mehrere Besit- zungen832, unter anderen in Pitschkowitz, ferner in Mährisch Kromau (Moravsky Krumlov) und Austerlitz/Neu-Sedlitz (Slavkov), dazu die Patronatsrechte an den Pfarreien von Hostraditz (Hosteradice) und Rhotowitz, gemeint war wohl Rohoter, eine Wüstung zwischen Mackovice und Frysava833. Diese Besitzkomplexe hat der Orden nicht erst 1237 erhalten, sondern bereits vorher besessen, ohne daß man ge- nau sagen könnte, seit wann er über sie hatte verfügen können. Wenigstens in Pitschkowitz ist 1233 Ordensbesitz nachweisbar. In Mährisch-Kromau erhielt der Orden 1313 noch ein Spital übertragen834. 1370 ist dort ein Komtur Johann nach- weisbar835. 1382 lebten in der Kommende vier Brüder und drei Kapläne, die dem Orden nicht angehörten836. In Austerlitz/Neu-Sedlitz ist bereits 1243 ein Komtur namens Ulrich bezeugt837. Daß Ulrichs Nachfolger Gottfried auch als Offizial des Olmützer Bischofs Bruno von Schauenburg amtierte, mag die Bedeutung der Kom- mende unterstreichen838. 1382 lebten in der Kommende zwölf Brüder839. Es handel- te sich also um eine vergleichsweise große Niederlassung840. Relativ früh ist auch für Hostraditz ein Komtur bezeugt, nämlich 1248 ein Ordensbruder namens Kon- rad841. Daß die Kommende zumindest wirtschaftlich bedeutend war, belegt die Tat- sache, daß 1382 immerhin sechs Brüder in ihr lebten842. Einen großen Tag wird sie 828 Codex Bohemiae III, Nr. 33; bestätigt 1237: ebd., Nr. 54. 829 So Hemmerle, S. 11. 830 Regesta Bohemiae et Moraviae 11,3, Nr. 1168. 831 Hemmerle, S.46. 832 Codex Bohemiae III, Nr. 54. 833 Kouril, S. 144. 834 Hemmerle, S. 16. 835 Jan, Slavkov, S.50. Zur Kommende: Kouril, S. 144. Sloschek, S. 166ff., möchte die Kommende auf Templergut zurückführen, da der Deutsche Orden dort 1312 das Erbe der Templer angetreten habe. Diese These dürfte nicht zu halten sein. 836 Hemmerle, S.47. 83? Codex Bohemiae IV, Nr. 18, 20, 38; Codex Moraviae III, Nr. 38f.; Hlaväcek, Deutschherrenrit- ter, S. 135. 838 Regesta Bohemiae et Moraviae 11,1, Nr.200f.; Kouril, S. 144. 9 Hemmerle, S. 47. $ ° Dazu: Jan, Slavkov, S. 39ff. 84? C°dex Bohemiae IV, Nr. 143; Jan, Peceti, S. 9, 22. 2 Hemmerle, S.47.
1272 gehabt haben, als der Hochmeister Anno von Sangerhausen sie besucht 843 Gemessen an den anderen, bisher aufgeführten Kommenden fiel Rhotowitz ab P 1370 ist der erste Komtur namens Rymobothus genannt844. Zwölf Jahre später leb ten in der Ordensniederlassung lediglich drei Brüder845. König Wenzel I. von Böhmen bestätigte dem Deutschen Orden 1241 die Übertra gung des Ortes Miletin durch die Edelfrau Domaslava von Miletin846. 20 Jahre s ” ter übertrug König Ottokar II. dem Orden die hohe Gerichtsbarkeit über den Ort847. Trotz der umfangreichen Privilegierung blieb die Niederlassung unbedeu tend. 1382 lebten nur drei Brüder in ihr848. 1403 verpachtete der Orden die Kom mende dem königlichen Hofmeister Jan Krusina von Lichtenburg auf Lebenszeit hat sie aber nie wieder einlösen können849. 1242 schenkte der Edle Johann von Polnä dem Orden das Dorf Drobowitz (Dro- bovice)850. Daraus entwickelte sich eine der größten Kommenden der Ballei. Wohl schon 1269 ist mit einer voll ausgestalteten Niederlassung mit einem Komtur an der Spitze zu rechnen851. Im Jahr darauf fand in dem Haus wahrscheinlich ein Bal- leikapitel statt, an dem auch der Drobowitzer Komtur Gottfried teilgenommen hat852. Als der Hochmeister Konrad von Feuchtwangen aus Preußen in das Reich zurückkehrte, starb er 1296 in Prag und wurde in Drobowitz beigesetzt853. 1382 lebten in der Kommende zehn Ordensbrüder854. Die Kommende zählte also zu den wichtigsten Niederlassungen der Ballei. Zu dem Ordenshaus gehörte auch die 1253 von König Wenzel I. geschenkte Kapelle und spätere Pfarrkirche in Czaslau (Cäslav)855. In Polna (Polnä) nordwestlich von Iglau (Jihlava) hatte der schon genannte Edle Johann von Polnä dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarrkirche abgetreten, was König Wenzel I. 1242 bestätigt hatte856. Ein Komtur ist dort erst 1370 nachweisbar. Damals amtierte ein Johann, wohl ein Priesterbruder857. Zwölf Jahre später lebten in 843 Kouril, S. 144. 844 Jan, Slavkov, S.50. 845 Hemmerle, S.46. 846 Codex Bohemiae IV, Nr. 8; Codex Moraviae III, Nr. 25. 847 Millauer, S. 114f. 848 Hemmerle, S.46. 849 Voigt, Böhmen, S.28; Mil lau er, S. 175 ff.; Hemmerle, S. 27, 30. 850 Codex Bohemiae IV, Nr. 13. 851 So Jan, Peceti, S. 9. 852 Codex Moraviae V, Nachtrag 41; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,2, Nr. 712. 853 Mil lau er, S. 50 ff.; Arnold, Feuchtwangen, S. 32 f. 854 Hemmerle, S.46. 855 Codex Bohemiae IV, Nr. 276; Mil lau er, S. 60. 856 Codex Bohemiae IV, Nr. 13; Kouril, S. 145. 857 Jan, Slavkov, S.50.
j Niederlassung drei Brüder mit drei Kaplänen, die dem Orden nicht angehörten, z^^wird erwähnt, daß der Orden das Patronatsrecht an der Kirche in Aussig z ' nad Labern) habe* 859. Als sich 1318 ein Streit um die Pfarrbe|etzung erhob, ent- h* d der böhmische König zugunsten des Ordens, der darauf den Priesterbruder sC. nn ajs Pfarrer präsentierte. Johann ist auch als Pfarrer bestätigt worden860. Spä- J0 man von den Rechten des Ordens an der Pfarre nichts mehr. Im Rech- nungsbuch der Ballei von 1382, das sonst genaue Angaben über alle Niederlassun- und Filialen enthält, fehlt die Pfarre von Aussig. Wahrscheinlich hat der Orden sie"vor 1382 weggegeben. In Königgrätz (Hradec Krälove) hat der Orden wohl schon vor 1251 ein Hospital besessen, das ihm der böhmische König übertragen hatte. 1251 nämlich bestätigte König Ottokar II. die Schenkung und genehmigte zugleich Besitzübertragungen zweier Bürger der Stadt861. Wahrscheinlich hat der Orden damals auch schon die Jakobikirche in der Prager Vorstadt betreut862. Zu den bedeutenden Kommenden zählte die Niederlassung trotz des Spitals und des Patronatsrechtes nicht. Erst 1364 ist ein Bruder namens Johann als Komtur bezeugt863. 1382 lebten in dem Ordens - haus lediglich zwei Brüder864. Zu einer der wichtigsten Niederlassungen des Deutschen Ordens in Böhmen sollte sich die Schenkung der Stadt Komotau (Chomutov) entwickeln. 1252 über- trug Friedrich von Komotau seine Stadt dem Orden865. 1261 schenkte der böhmi- sche König ihm die Gerichtsbarkeit über den Ort866. Den Besitz in und um Komo- tau dehnte der Orden systematisch aus und damit auch die Hochgerichtsbarkeit867. Spätestens 1281 bestand in der Stadt eine Kommende, von der sich ein Siegel erhal- ten hat868. 1332 war Friedrich von Salza Komtur von Komotau869. 13 82 gehörte das Ordenshaus zu den reichsten Niederlassungen in der Ballei. Es konnte elf Ordens- brüder unterhalten870. 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 Hemmerle, S.47. Codex Bohemiae IV, Nr. 158. UB Aussig, Nr. 15 f., 20; H e m m e r 1 e, S. 20. Codex Bohemiae IV, Nr. 223. Millauer, S.46ff.; Hemmerle, S. 13. Millauer, S.46 ff. Hemmerle, S.46. Codex Bohemiae IV, Nr.240; Weizsäcker, Rechtsgeschichte, S. 11. egesta Bohemiae et Moraviae 11,1, Nr. 296. f’emmerle, S. 12f. egesta Bohemiae et Moraviae 11,4, Nr. 1229; Jan, Peceti, S. 11, 21. H°dex Moraviae VII,3, Nr. 288. sehj^j111 ere> 5-45. Vgl. die Übersicht bei Graus, Dejiny, S.450. Dazu: Weizsäcker, Rechtsge-
Die Anfänge der Kommende in Deutschbrod (Nemecky Brod) sind nicht meh restlos zu klären. 1261 amtierte dort jedenfalls ein Priesterbruder als Pfarrer871 £) F Orden muß also vor 1261 das Patronatsrecht übertragen worden sein, da der Kom tur meist gleichzeitig Pfarrer des Ortes gewesen ist. 1270 war ein Priesterbrude Helmich als Komtur von Deutschbrod Zeuge einer Urkunde des böhmische Landkomturs Ludwig von Baldersheim872. 1382 lebten in der Kommende fünf Or densbrüder873. Die Niederlassung zählte nicht zu den kleinen, aber auch nicht zu den größeren und bedeutenderen Ordenshäusern. 1264 erhielt der Orden das Patronatsrecht im mährischen Osovä Bityska (Vitis) nordwestlich von Brünn bestätigt874. Daraus entwickelte sich eine eher kleine Kom- mende, in der 1382 vier Ordensbrüder lebten875. Ein Komtur ist im 13. Jahrhundert nicht bezeugt. Bereits vor 1255 hatte Heinrich von Neuhaus dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarre der Stadt unter seiner Stammburg geschenkt. Ulrich von Neuhaus hatte den Besitz erweitert. Alle diese Erwerbungen bestätigte der Sohn Ulrichs Witego 1255. Der Orden hatte sich im Gegenzug verpflichtet, in der Stadt ein Spital zu unterhalten und zwölf Kranke oder Bedürftige zu verpflegen876. In Neuhaus (Jin- drichüv Hradec) entstand sehr bald eine Kommende, die einige Bedeutung für die Ballei hatte. 1270 ist ein Konrad als Komtur bezeugt877. 1382 lebten in der Niederlas- sung immerhin neun Brüder878. 1294 erhielt der Orden das Patronatsrecht an der Kirche von Deblfn in Mähren879. Fünf Jahre später schenkte Gertrud, die Witwe des Burggrafen Bernhard von Mei- ßen, dem Orden ihre Burg und Herrschaft Deblm. Die Schenkung wurde vom Hochmeister in Wien im Beisein des Landkomturs von Böhmen Ditold und vom preußischen Landmeister Ludwig Schippe bestätigt880. Trotz der scheinbar großzü- gigen Ausstattung blieb die Ordensniederlassung unbedeutend. 1382 lebten in ihr lediglich zwei Brüder und ein Kaplan881. 1302 schenkte Albrecht von Seeberg dem Orden das Patronatsrecht, das Spital und zwei Mühlen in Bilin (Bilina) nebst weiteren Gütern in der Nähe des nordböh- 871 Regesta Bohemiae et Moraviae 11,1, Nr. 324. 1265 siegelte der Priesterbruder Gottfried als Pfarrer. Codex Bohemiae V, Nr.447; Jan, Peceti, S.24. 872 Codex Moraviae V, Nachtrag 41; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,2, Nr. 712. 873 Hemmerle, S.46. 874 Kouril, S. 145. 875 H e m m e r e 1 e, S. 47. 876 Hemmerle, S. 17. 877 Codex Moraviae V, Nachtrag 41; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,2, Nr. 712. 878 Hemmerle, S.46. 879 Codex Moraviae V, Nr. 5, 31; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,5, Nr. 1642. 880 Preuß. UB 1,2, Nr. 724, 726; Hemmerle, S. 15f. 881 Hemmerle, S.47.
Ortes882. Die Schenkung richtete sich an den preußischen Ordenszweig, d^e Ballei dem Landmeister von Preußen unterstellt war. Jedoch überwies der wel • ter jje Güter dem Landkomtur von Böhmen als seinem Vertreter in der • Die sich entwickelnde Kommende war zwar nicht unbedeutend, aber auch . iC1 Abr vroß. 1382 wohnten in ihr fünf Ordensbrüder wohl einschließlich des nick1 s^883 ^^Krenowitz (Krenovice) soll der Orden 1305 eine Kommende gegründet ha- 884 Das ist aber ungewiß. Der Orden besaß an dem Ort das Patronatsrecht und ließ die Güter durch ein oder zwei Priesterbrüder verwalten. 1382 lebten dort nur zwei Brüder885. Die Niederlassung war die kleinste der Ballei. Die Ballei Böhmen-Mähren gehörte zu den begüterten Ordensprovinzen mit zahlreichen Niederlassungen, die zum Teil hoch privilegiert waren und erheblichen wirtschaftlichen Gewinn abwarfen886. Das erste Besitzverzeichnis der Ballei von 1382, das schon häufiger herangezogen worden ist, erlaubt einen Vergleich, da es die Brüderzahl in den einzelnen Kommenden angibt. Auf den Angaben beruhen die folgenden tabellarischen Zusammenstellungen, die einen Überblick über die einzel- nen Ordenshäuser und deren Bedeutung ermöglichen sollen. Verteilung der Ordensbrüder auf die Kommenden der Ballei Böhmen-Mähren887 Ortsname deutsch Ortsname tschechisch Zahl der Brüder Zahl der Kapläne Austerlitz/Neu-Sedlitz Slavkov 12 — Komotau Chomutov 11 — Drobowitz Drobovice 10 — Neuhaus Jindrichüv Hradec 9 — Mährisch Kromau Moravsky Krumlov 4 3 Repin Repin 6 — Troppau Opava 6 — Pilsen Plzen 6 Hostraditz Hosteradice 6 Polna Polnä 3 3 Deutschbrod Bilin Nemecky Brod 5 Bilina 5 - qo-» DB 1,2, Nr. 776; Regesta Bohemiae et Moraviae 11,6, Nr. 1927. 884 t] mmerle’ S.46. 885 2emmerle> S.16. 886 D mmerle’ S'47- 887 NlchT?raUS’ DS,iny’ S’ ch Hemmerle, S.45- 448ff. Zu den Anfängen der Ordenshäuser nun: Jan, Bratri, S. 5ff. -48. Vgl. Graus, Dejiny, S.450, mit abweichenden Zahlen.
Ortsname deutsch Ortsname tschechisch Zahl der Brüder Ossowa Bittischka Osovä Bityska 4 Pitschkowitz Byckovice 3 Miletin Miletin 3 Prag Praha 3 Rhotowitz Hrotovice/Rohoter 3 Deblin Deblin 2 Krenowitz Krenovice 2 Königgrätz Hradec Krälove 2 Zahl der Kapläne 1 20 Niederlassungen mit insgesamt 105 Ordensbrüdern und sieben Kaplänen lebten laut dem Visitationsbericht von 1382 in der Ballei Böhmen-Mähren. Damit zählte sie zu den vermögenden Ordensprovinzen im Reich. Selbst wenn man berücksich- tigt, daß viele Güter erst nach 1233 hinzugekommen sind, geben die Zahlen doch einen Eindruck von der Wirtschaftskraft dieser Provinz zur Zeit der Eroberung Preußens und lassen erahnen, welch wertvolle Hilfe sie dem Landmeister Hermann Balk bei dessen Unternehmungen im Baltikum gewesen ist. Auffallend groß war die Zahl der Patronatsrechte und daher die Anzahl der Priesterbrüder, die vielfach auch das Komtursamt ausübten. Im 13. Jahrhundert hat der Deutsche Orden Besitzungen in Schlesien gehabt. Vielleicht hatte er auf Grund der engen Beziehungen zu einigen Piastenherzögen888 gehofft, daß die schlesischen Güter der Ansatzpunkt für die Bildung einer eigenen Ballei werden könnten. 1244 hatte König Wenzel I. von Böhmen dem Orden das Spital in Görlitz geschenkt889, das der Orden jedoch nicht halten konnte. Im schle- sischen Reichenbach verfügte er über Besitz, den der Landkomtur von Böhmen und Mähren 1269 Bischof Anselm von Ermland übertrug890. Auch an diesem Ort zer- schlugen sich die Hoffnungen auf eine Besitzkonzentration. Wahrscheinlich hatte der Landkomtur die Güter deshalb aus seiner Hand dem Bischof gegeben. Die Be- sitzungen in Schlesien verflüchtigten sich, blieben gering und führten zu keiner eigenen Balleibildung. Die wenigen Güter in der Grenzregion zwischen Schlesien und Mähren wurden der Ballei Böhmen-Mähren zugeschlagen. 888 Zientara, S. 99ff.; Jasinski, Stosunski, S. 397ff. 889 Codex Bohemiae IV, Nr. 44. 890 Kouril, S. 145; Mirbach-Harff, Beiträge II, S. 116f.
8.7.3 Die Ballei Elsaß-Burgund Elsaß notierte der Verfasser der Colmarer Annales minores zum Jahr 1212, daß putsche Orden entstanden sei891. Die Nachricht ist vielleicht so zu verstehen, der Orden damals in das Elsaß gekommen war und erste Besitzungen erworben In der Tat bestätigte König Friedrich II. 1214, also zwei Jahre später, dem Or- den Besitzungen in Ingemarsheim, die jener vom Ritter Burchard Wolf erhalten ha- ße892 In den folgenden Jahren lassen sich weitere Erwerbungen in Gebweiler, Mül- hausen, Straßburg und der Baseler und Straßburger Diözese nachweisen893. Dazu kamen Schenkungen im Bereich der heutigen Schweiz in Sumiswald, Köniz, Bern und Hitzkirch, ferner in Fräschels894. In den weit auseinander liegenden Gebieten werden Ordensbrüder als Pfarrer oder Verwalter tätig gewesen sein, ohne daß sich darüber etwas in der schriftlichen Überlieferung niedergeschlagen hätte. Der erste Amtsträger, der urkundlich nach- weisbar ist, war ein Gottfried. Er trug 1231 erstmals den Titel magister in Rubea- co895. Die erste Kommende der späteren Ballei lag also, soweit wir wissen, im elsäs- sischen Rufach (Rouffach). Der dort amtierende Ordensbruder Gottfried wurde zur treibenden Kraft in der Balleibildung im Südwesten des Reiches. 1232 bestätigte Papst Gregor IX. einem magister und den Brüdern des Ordens in Ruiaco das Patro- natsrecht an der Kirche in Köniz samt der damals schon wichtigeren Filialkirche in Bern896. 1234 übergab der Bischof von Straßburg dem Gottfried, magister ... in Ru- biaco, Güter in Gebweiler897. Im gleichen Jahr empfing derselbe Gottfried Besitzun- gen des Ritters Gunter von Landsberg in Gebweiler898 899. Wie die urkundlichen Zeug- nisse nahelegen, war dieser Gottfried anscheinend der einzige Amtsträger in dem Bereich der nachmaligen Ballei und nahm Aufgaben wahr, die später Landkomturen überlassen waren. Ein Jahr später trug er Titel, die ihn als Landkomtur von Elsaß- Burgund auswiesen, nämlich am 17. April 1235 procurator in Alsacia und am 19. Juni 1235 procurator in Alsacia, Burgundia et Briscaugia™. 891 MGH SS XVII, S. 189. RI V, Nr. 718. Zur Lokalisierung des Ortes und zur Identifizierung mit Ingersheim bei Colmar: Mirbach-Harff, Beiträge I, S. 1. 8 Militzer, Entstehung, S. 79. 895 ^ihtzer, Entstehung, S. 79 f. $9$ B Pfarrei Rufach, Nr. 5; Regesten Bischöfe Straßburg II, Nr. 978; Militzer, Entstehung, S. 79. °ntes rer. Bern. II, Nr. 118, liest Rinaco. Danach hat die Forschung ein Ordenshaus in Reinach an- genommen. Den Irrtum hat Heim, S. 15f., aufgedeckt. Zustimmend: Militzer, Entstehung, S. 80. 897 UR n 898 Tin öeuS8en’ -£GO 28, S.96; Regesten Bischöfe Straßburg II, Nr. 1029. 899 t ,Beu88en’ ZGO 28, S. 95. ”eim, S. 16, 159
Die Entstehung der Ballei Elsaß-Burgund ist das Werk Gottfrieds gewesen V den Gütern um Ruf ach und im Elsaß ausgehend, hat er seine Befugnisse über T Burgunds und Schwabens ausgedehnt. Im Titel der Landkomture stand Elsaß ° an erster Stelle und konnte sogar stellvertretend für alle anderen Landschaften scheinen. Das erste Haupthaus der Ballei ist Rufach im Elsaß gewesen. Mit de Siegel eines Komturs von Rufach hat Gottfried noch später als Landkomtur p-p * gelt900. g e' Nach dem 19. Juni 1235 fehlen während mehrerer Jahre weitere Belege für Gott frieds Tätigkeit als Landkomtur. Der Grund dafür kann nicht in einer Überliefe rungslücke liegen. Am 21. August 1240 ist er zwar an erster Stelle in einer Zeugenrei- he noch vor den Priesterbrüdern, aber ohne Titel aufgeführt901. Aus seiner Stellung unter den Zeugen geht hervor, daß er ein Amtsträger gewesen ist, ansonsten hätte er hinter den Priesterbrüdern rangieren müssen. Erst 1241 ist er wieder als preceptor ... in Alsacia genannt902 und von 1241 bis 1245 nahezu jedes Jahr ein oder mehrere Male als Landkomtur bezeugt903. Dann wurde er offenbar abgesetzt. Für kurze Zeit im Jahr 1246 folgte ihm Konrad von Solms904. Seit 1247 hatte Gottfried sein Amt wieder und übte es bis 1255 aus905. Man könnte aus der Karriere des Ordensbruders Gottfried schließen, daß er mit seinem Tatendrang und Ehrgeiz nicht unbedingt auf Verständnis bei seinen Vorge- setzten gestoßen ist. Namentlich die lange Zeit von 1235-1241 könnte darauf hin- deuten, daß der damalige Deutschmeister Heinrich von Hohenlohe die Herr- schaftsgelüste seines Untergebenen nicht geduldet und ihm den Titel genommen hat. Seine Absetzung im Jahre 1246 ist ein weiterer Hinweis, daß Gottfried in den Deutschmeistern und unter deren Beratern wenig Freunde hatte. Gottfried hat sich trotzdem immer wieder durchsetzen können und ist wohl als Landkomtur von El- saß-Burgund 1255 oder bald darauf gestorben. Von dem Landkomtur Gottfried haben sich zumindest in Abschrift Urkunden erhalten, die als Bestallungen durch den Hochmeister und den Deutschmeister an- gesehen werden können906. 1253 bestätigte der Bischof von Basel einen Schieds- spruch seines Domdekans wegen eines Streits zwischen Gottfried, dem gubernator 900 Freiburger UB I, Nr. 171; Wirtembergisches UB V, Nr. 1268; Walter, S. 7; Militzer, Entstehung, S. 83. Auch das Siegel, das Gottfried 1245 benutzte, dürfte das Rufacher Komturssiegel gewesen sein und ist doch wohl nur verlesen in: UB Zürich II, Nr. 632. Das Siegelbild zeigt einen Arm, ein Kreuz haltend, nicht wie Wey, S. 148, meint: bewaffneter Arm, ein Schwert haltend. Vgl. auC Heim, S. 159. 901 UB Beuggen, ZGO 28, S.98; Heim, S. 159. 902 UB Beuggen, ZGO 28, S.99; Heim, S. 159. 903 Heim, S. 159. 904 UB Beuggen, ZGO 28, S.lOOff.; UB Zürich II, Nr.639; Roth von Schreckenstein, Zur schichte, S.26; Wojtecki, Studien, S.36f. 905 Heim, S. 160. 906 Militzer, Entstehung, S.83; vgl. Heim, S. 17f.
Alsatiam et Burgundiam und dem Konstanzer Frauenkloster im Paradies um ’ ^patronatsrecht und andere Güter in Jettenhausen. Zum Nachweis seiner Zu- daS rl'zkeit legte Gottfried zwei Vollmachten vor, die der Bischof inserieren ließ. In s;*neinen hatte der Hochmeister Heinrich von Hohenlohe 124^ Gottfried zu sei- de Stellvertreter in den vier Diözesen Konstanz, Lausanne, Basel und Straßburg nemesetzt und ihn ermächtigt, procuratores zu ernennen. Gemeint waren damit wohl Komture. 1251 hatte der Deutschmeister Eberhard von Sayn Gottfried die 1 iche Vollmacht erteilt907. Heinrich von Hohenlohe hatte also Gottfried nach des- sen Absetzung 1246 im folgenden Jahr wieder eingesetzt. Daß Eberhard von Sayn ihm 1251 eine analoge Vollmacht gegeben hatte, mag daran gelegen haben, daß der Deutschmeister den Landkomtur trotz der Einsetzung durch den Hochmeister er- neut bestätigen mußte. Möglich wäre aber auch, daß es 1249-1253 infolge einer Doppelwahl nach dem Tod Heinrichs von Hohenlohe keine einheitliche Ordens- spitze mehr gegeben hat, die Gottfried hätte bestätigen können, und daß deshalb der Deutschmeister, der gleichzeitig Sonderbeauftragter des Hochmeisters in Ak- kon gewesen ist, eine Vollmacht hatte ausstellen müssen. Denkbar ist aber auch, daß der Deutschmeister ein Kapitel einberufen hatte, auf der alle Amtsträger, eben auch der Landkomtur von Elsaß-Burgund Gottfried, Rechenschaft abzulegen und zu- rückzutreten hatten, wie es die Statuten vorschrieben. Eberhard von Sayn hätte dann den Landkomtur in seinem Amt bestätigt. Welche Gründe tatsächlich für die Erteilung von zwei Vollmachten vorgelegen haben, ist kaum zu entscheiden. Man möchte aus dem Vorgehen des Hochmeisters und des Deutschmeisters schließen, daß in der Frühzeit des Ordens alle Landkomture in analoger Form er- nannt worden seien, daß sie also vom Hochmeister und vom Deutschmeister einge- setzt wurden, auch wenn sie dem Deutschmeister unterstellt blieben. Aus späteren Jahrhunderten weiß man, daß eine Ernennung durch den Deutschmeister ausrei- chend war. Da aber für das 13. Jahrhundert weitere vergleichbare Dokumente feh- len, bleiben die Überlegungen hypothetisch, obgleich sie eine Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen können. Selbst wenn der Landkomtur von Deutschland Heinrich von Hohenlohe anfangs mit der Errichtung der Ballei Elsaß-Burgund nicht einverstanden gewesen sein soll- te, hat die Bildung der Ordensprovinz im Südwesten des Reiches auf die Initiative des Komturs von Rufach hin Folgen für Hohenlohe und seine Amtsnachfolger ge- nabt. Sieht man einmal von dem magister in partibus inferioribus ab, von dem man nicht weiß, ob er dem Landkomtur von Deutschland unterstellt blieb, war Gott- ned der erste Provinzialobere unter einem Amtsträger für das gesamte Deutsche eich. Heinrich von Hohenlohe, der das Amt ausübte, hatte nun nicht mehr nur °rnture wie andere Landkomture auch, sondern einen Provinzialoberen unter lch. Das unterschied Hohenlohe und seine Nachfolger von seinen Vorgängern und V^irtembergisches UB V, Nr. 1268; Einige Urkunden, Nr. 2.
allen anderen Landkomturen, auch dem magister in partibus inferioribus. Vor konnte der Amtsträger lediglich durch die Weite seines Verwaltungsgebiets e’ Vorrang vor anderen Landkomturen im Mittelmeerraum beanspruchen, danach hob er sich durch seine Stellung über Landkomture von ihnen ab. 1235 war ein Weg be schritten worden, der zunächst vielleicht den Unwillen der Deutschmeister ode der Hochmeister hervorgerufen hat, dann aber konsequent beschritten wurde Ab 1235 kann man zu recht von einem Deutschmeister statt von einem Landkomtur von Deutschland sprechen. Schon in den unmittelbar folgenden Jahren wurden im Gebiet des Deutschmeisters weitere Balleien gebildet. Bis 1235 hatte der Orden in dem Gebiet der neuen Ballei Elsaß-Burgund schon beträchtlichen Besitz angehäuft. Daher wird es außer dem Landkomtur Gottfried weitere Güterverwalter an einigen Orten gegeben haben, selbst wenn keine Komtu- re nachzuweisen sind. In einem so großräumigen Gebiet konnte ein Mann allein nicht alles entscheiden. Allerdings mußten die Verwalter noch keine Komture sein. Aber das sollte sich bereits zur Amtszeit Gottfrieds ändern. Die älteste Kommende der Ballei lag in Rufach (Rouffach) im Elsaß. Ihr stand seit 1231 der Ordensbruder Gottfried vor908, der sich später zum Landkomtur von Elsaß-Burgund aufschwingen sollte. Der Sitz der Kommende wurde 1278 nach Suntheim südlich vor den Toren Rufachs verlegt. Nachdem die Armagnaken den Weiler 1444 zerstört hatten, zogen die Ordensbrüder wieder in die Stadt und blie- ben seitdem dort ansässig909. Rufach war nicht lange der Hauptsitz der Ballei Elsaß- Burgund. Nachdem der Ritter Ulrich von Liebenberg aus einer kiburgischen Mini- sterialenfamilie 1245 seinen Hof Beuggen am Oberrhein vermacht hatte, entwickelte sich dort schon 1247 ein Konvent910. 1252 war der bereits häufiger genannte Gott- fried Landkomtur der Ballei und Komtur von Beuggen911. Er hatte also seinen Haupt- sitz von Rufach nach Beuggen verlagert, weil die dortige Kommende über Gerichts- rechte verfügte und wirtschaftlich stärker war912. Aber auch in Beuggen blieb der Hauptsitz nicht. Er verlagerte sich am Ende des 14. Jahrhunderts nach Altshausen. In der Umgebung des Ortes hatte der Orden 1228 Besitz erworben913, der durch Schenkungen und Käufe in der Gegend erweitert und seit 1265 von dem Deutschor- denshaus in Bienburg aus verwaltet wurde914. Zwei Jahre später bereits hatte der Orden Bienburg aufgegeben und den Konvent nach Altshausen verlagert915. 1273 ist 908 UB Pfarrei Rufach, Nr. 5; Regesten Bischöfe Straßburg II, Nr. 978. 909 Müller, Beschreibung, S.XVIII; Heckmann, Auswirkungen, S. 115f., 122; Planta, Adel, S. 910 UB Beuggen, ZGO 28, S. 100-103; Heim, S.25f. 911 UB Beuggen, ZGO 28, S.113; vgl. Heim, S.32, 160. 912 Dazu: Heim. 913 Heim, S. 10. 914 Wirtembergisches UB VI, Nr. 1810. 915 Wirtembergisches UB VI, Nr. 1960.
Jer erste Komtur namens Merbod erwähnt916. 1288 hatte erstmals ein Land- d°rttur Altshausen zu seinem, allerdings vorübergehenden Hauptsitz erwählt917. rY Landkomture hatten sich noch nicht festgelegt. In der Zeit blieb im allgemei- Jie zentrale Verwaltung der Ballei in Beuggen. Erst seit 140Ql verlagerten die Landkomture ihren Hauptsitz endgültig nach Altshausen, wo sie ihre Residenz im 15. Jahrhundert ausbauten918. Bevor die Ballei wohl auf Initiative des Ritterbruders Gottfried 1235 entstanden war hatte der Orden in Sumiswald in der Schweiz das Patronatsrecht der Pfarrei Jes Ortes von den Herren von Sumiswald erhalten919. Durch weitere Schenkungen und Käufe konnte der Orden seinen Besitz abrunden und Herrschaftsrechte erwer- ben. 1250 ist der erste Komtur namens Heinrich erwähnt920. Damals muß ein Hos- pital in Fräschels in der Nordschweiz in den Händen des Ordens gewesen sein921. Von dem Spital hört man noch 1228922 und dann nicht mehr. Es ist dem Orden ver- loren gegangen. 1226 schenkten König Heinrich (VII.) und Kaiser Friedrich II. dem Orden das Patronatsrecht der Kirche in Köniz. Von ihr hing die Filialkirche in Bern ab, die auch an den Orden gelangte923. 1253 amtierten in Bern Priesterbrüder924. Die Filial- kirche in der aufstrebenden Stadt des Schweizer Oberlands war längst bedeutender als die Mutterkirche in Köniz geworden. 1276 wurde die Filiale abgetrennt und zur Pfarrkirche erhoben925. 1256 hatte noch ein provisor namens Burchard beide Nieder- lassungen in Bern und Köniz geleitet926. 1271 ist jedoch schon in Bern ein selbständi- ger, von Köniz unabhängiger Pfarrkomtur tätig gewesen927. Seitdem unterstand die Niederlassung in Bern stets Pfarrkomturen, während in Köniz Ritterbrüder Kom- ture wurden, da die Pfarrkirche nach der Abtrennung ihrer wichtigen Filiale in Bern an Bedeutung eingebüßt hatte928. 916 Wirtembergisches UB VII, Nr. 2362. Bereits ein paar Monate früher ist ein Komtur allerdings ohne Nennung eines Namens erwähnt: ebd., Nr. 2342. 917 Wirtembergisches UB IX, Nr. 3697; vgl. Roth von Schreckenstein, Mainau, Urkunde Nr. 9. 918 Vgl. Heim, S. 103ff.; dazu: Vanotti, S.239ff.; auch Ebner, S.223ff. 919 920 921 922 923 Fontes rer. Bern. II, Nr. 47. Fontes rer. Bern. II, Nr. 301; Planta, Adel, S. 76; vgl. Wojtecki, Deutsche Orden unter Fried- rich II., S. 213. Nach Mül in en, S. 132, soll schon 1243 ein Komtur Bertold amtiert haben. Jedoch handelt es sich bei ihm wohl um den Deutschmeister Bertold von Tannroda; vgl. Militzer, Ent- stehung, S. 82; dazu nun auch Häfliger, S. 277f., 281. Fontes rer. Bern. II, Nr. 50. 924 925 926 Fontes rer. Bern. II, Nr. 77; dazu Häfliger, S.277. RI V, Nr. 1637, 4010; Fontes rer. Bern. II, Nr. 64, 80; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II, S. 191 f.; Heim, S. 8. Fontes rer. Bern. II, Nr. 339, 442, 448. Fontes rer. Bern. III, Nr. 187. 927 r°nteS reE Bern- H’ Nr* 392* 92R r?™65 reE Bern‘ IH’ Nn 8‘ D*zu: Stettler; Häfliger, S.278f., 282f.
In Mülhausen (Mulhouse) erhielt der Orden wahrscheinlich 1232 seinen Besitz. Damals bestätigte König Heinrich (VII.) dem Orden eine Schenkung ehemaligen Schultheißen der Stadt Rüdiger Roth929. Bereits 1236 muß dort eine derlassung bestanden haben930, wenngleich ein Komtur erst 1293 nachzuweisen ist93* Da sich Gottfried 1235 Landkomtur von Elsaß, Burgund und Breisgau nannte vermutet man, daß der Orden damals bereits Güter in oder bei Freiburg besessen habe932. Aber das ist zweifelhaft. Der erste Beleg für ein Ordenshaus in der Stadt liegt für das Jahr 1256 vor933. Der Orden mag also vor 1256 Güter erworben, aber nicht sehr lange vor dem Jahr eine Niederlassung gegründet haben. 1263 ist der er ste Komtur namentlich genannt, nämlich Konrad von Fischenbach934. 1236 oder 1237 erwarb der Orden Güter in Hitzkirch in der Schweiz935. Ob aller- dings damals schon eine Niederlassung gegründet worden ist, bleibt ungewiß. 1241 sind in Hitzkirch Priesterbrüder nachweisbar936. Drei Jahre später stand ein Komtur an der Spitze des Ordenshauses937. Zur Kommende Hitzkirch gehörte auch die Burg Tannenfels, die der Orden 1348 erworben hat938. In dem wichtigen Schloß wurde zunächst ein Konvent mit einem eigenen Verwalter an der Spitze eingerichtet. Als erster Komtur ist Peter von Stoffeln 1349 bezeugt939. In der Folgezeit wurde Tan- nenfels häufiger mit der Kommende Sumiswald verwaltet940. Nachdem die Burg 1388 von den Schweizern im Sempacher Krieg wegen der österreichfreundlichen Haltung des Ordens zerstört worden war, sank die ehemals selbständige Kommen- de zu einer unselbständigen Kastnerei der Kommende Hitzkirch ab941. Analog zu Tannenfels ist die Entwicklung der Niederlassung in Altishofen zu be- urteilen. 1312 verkaufte Graf Otto von Straßberg, Landvogt von Burgund, dem Landkomtur Bertold von Buchegg Ort und Patronatsrecht von Altishofen mit al- lem Zubehör942. 1315 ist ein Priesterbruder namens Hugo Pfarrer von Altishofen gewesen943. Die Pfarrei entwickelte sich nicht zu einer eigenen Priesterkommende, 929 Planta, Adel, S. 13. 930 Cartulaire Mulhouse, Nr. 9. 931 Cartulaire Mulhouse, Nr. 124. Dazu: Faust, S.256f. 932 Heim, S. 11, 159. 933 Freiburger UB I, Nr. 141. 934 Freiburger UB I, Nr. 192. Zur Niederlassung: Hellmann, Freiburg, S. 18ff.; Brommer, Frei bürg, S. 332, 335 ff. 935 Wey, S.27; Boesch, Jahrzeitbuch, S.259; Heim, S. 11. 936 Wey, S.27. 937 Wey, S. 148; Boesch, Jahrzeitbuch, S.260; Heim, S. 11; Häfliger, S.279f. 938 UB Beuggen, ZGO 30, S. 283-285. 939 Wey, S. 152. 940 Wey, S. 152-154. 941 Müller, Beschreibung, S.XVf., 10f.; Wey, S.82; Häfliger, S.287. 942 Segesser, Kirchturm, S.217-219, Beilage 2. 943 Segesser, Kirchturm, S.224f., Beilage 5.
Jern blieb eine von dem Komtur von Hitzkirch abhängige Kastnerei944. Mit s°n beiden Kastnereien Tannenfels und Altishofen zählte die Kommende Hitz- ch zu den bedeutenderen Niederlassungen des Ordens in der Ballei Elsaß-Bur- d945- ^Seit 1260 begannen Ministeriale der Abtei Reichenau dem Deutschen Orden Gü- zu übertragen. Besonders wichtig war 1271 die Schenkung der Insel Mainau durch die Ritter von Langenstein946. Diese Schenkung könnte der Anlaß gewesen sein im Bereich der Reichenau eine Kommende zu gründen. Dazu wählte der Or- jenzunächst die Burg Sandegg aus. 1272 ist ein Komtur von Sandegg bezeugt947. Noch im gleichen Jahr jedoch wurde die Kommende auf die Insel Mainau verlegt, wo zu 1272 ein Komtur allerdings ohne Namensnennung bezeugt ist948. Denn die Burg Sandegg hatte der Orden in einem Vergleich mit der Abtei Reichenau abgetre- ten und dafür die Mainau samt Zubehör und Besitzungen am Ufer zugesprochen erhalten949. Der erste namentlich bekannte Komtur der Mainau war 1273 Rudolf von Iburg950. Er war möglicherweise identisch mit dem Landkomtur, der 1272 den Tauschvertrag mit dem Reichenauer Abt ausgehandelt hatte951. Die Mainau war eine Stiftung des Reichenauer Ministerialenadels und blieb die Kommende, in der eine große Zahl von Angehörigen des Landadels der Umgebung aufgenommen wurde, sozusagen eine Hauskommende der Reichenauer Ministerialität und des späteren Landadels der Umgebung. Sie entwickelte sich zu einem der reichsten und bedeu- tendsten Ordenshäuser der Ballei Elsaß-Burgund952 mit Niederlassungen in der Bi- schofsstadt Konstanz und in der am nördlichen Ufer des Bodensees gelegenen Stadt Uberlingen, wo der Orden Patronatsrechte hatte und die Stadtpfarre durch Prie- sterbrüder versehen ließ953. Schon vor 1258 muß der Orden Besitzungen im elsässischen Andlau besessen ha- ben, da damals bereits ein Deutschordenshaus erwähnt ist954. Zehn Jahre später ist ein Komtur namens Walter bezeugt955. Viel weiß man über die Kommende nicht. 944 Wey, S. 112ff.; Segesser, Kirchturm, S. 196ff.; Müller, Beschreibung, S. XVI, 11; Häfliger, S.287. 945 Insgesamt: Wey; Boesch, Jahrzeitbuch. 946 Feger, Mainau, S.36ff. 947 Thurgauisches UB III, Nr. 583. Nach Feger, Mainau, S.45f., soll bereits 1270 eine Kommende auf der Burg Sandegg errichtet worden sein. Das Datum dürfte zu früh sein; vgl. Heim, S. 11. Roth von Schreckenstein, Mainau, Urkunde Nr. 5. Feger, Mainau, S. 54ff.; Diefenbacher, Urbar, S. 18ff. hurgauisches UB III, Nr. 594; Regesta ep. Constantiensium I, Nr. 2329. ° Heim, S. 162; Diefenbacher, Urbar, S.20. eger, Mainau, S.63ff.; Diefenbacher, Urbar, S.20ff.; Roth von Schreckenstein, Mainau. Müller, Beschreibung, S. 5f. Faust, S.250. ÜB Straßburg III,2, Nr.9; Planta, Adel, S. 17f. 948 949 950 951 952 953 954 955
Angeblich sollen ihr 1312 die benachbarten Templergüter übertragen worden sein956 Trotzdem blieb sie unbedeutend und wirtschaftlich schwach. Im kleinen elsässischen Städtchen Gebweiler (Guebwiller) erhielt der Orden erst spät Besitz957 und konnte ihn nur langsam vermehren. 1250 hatte er Besitzungen i Sulz (Soultz). Jedoch blieb er dort nicht, sondern zog in das nahe Gebweiler, wo er erstmals 1270 nachzuweisen ist. Komture standen dem Ordenshaus seit dem 14. Jahrhundert vor. Wahrscheinlich sind damals die in der Nachbarschaft gelegenen Besitzungen zu einer Kommende zusammengefaßt worden. Der erste Komtur war 1331 Nikolaus von Beingen958 959. Jedoch ist eine Kommende bereits 1270 und 1298 be- 959 zeugt . Bedeutender war die Kommende in Straßburg (Strasbourg), der elsässischen Bi- schofsstadt. In ihr hatte der Orden zwar erst 1268 Besitz erworben960, aber bereits 1273 amtierte dort ein Komtur, der Ritterbruder Walter961. Wenn auch die Einkünfte des Hauses begrenzt blieben und wie 1393 nur Priesterbrüder im Konvent lebten von denen einer Komtur war, hatte die Niederlassung wegen ihrer Nähe zum Bi- schofssitz eine Bedeutung962. Die Nähe zum Bischofssitz zeichnete ebenfalls die Kommende in Basel aus. 1268 hatte der Orden eine Hofstatt am Kunostor erhalten963. Da die Besitzentwicklung zunächst stagnierte, blieben die Güter anfangs unter der Verwaltung des Beuggener Komturs964. Allmählich entwickelte sich ein Konvent am Ort. 1286 ist das Amt eines Komturs ohne Namen, 1293 Bertold von Freiburg als Komtur von Basel er- wähnt965. Die Kommende konnte nie umfangreichen Besitz anhäufen, hatte aber eine gewisse Bedeutung für den Orden, da in Basel zeitweise der Bischof resi- dierte966. 956 Faust, S.250. 957 Die Erwähnung zum Jahr 1234 ist nicht auf Gebweiler, sondern auf Gebschweier zu beziehen: UB Beuggen, ZGO 28, S.95f.; Regesten Bischöfe Straßburg II, Nr.978. So neuerdings: Faust, S.255. 958 UB Beuggen, ZGO 28, S.267f.; vgl. Heim, S. 11 f. Anders Mirbach-Harff, Beiträge I, S.28, 34. Ihm folgend: Turnier, S. 127, und Müller, Beschreibung, S.XVIII. 959 Planta, Adel, S. 11. 960 UB Straßburg 11,2, Nr. 9. Voigt, Balleien I, S. 77, glaubt, daß der Orden bereits 1215 in der Sta t Besitz erworben habe, und stützt seine Aussage auf Strehlke, Tabulae, Nr.48. Jedoch bezieht sic das in der Urkunde erwähnte Straceburg auf die Ordensburg Starkenberg-Montfort in Palästina, vgl. Heim, S. 11 Anm. 35. 961 UB Straßburg III,1, S.445; Planta, Adel, S. 15f. 962 Müller, Beschreibung, S.43ff.; Seyboth, Straßburg, S.281. 963 UB Stadt Basel II, Nr. 11; Wackernagel, Geschichte I, S. 177. 964 UB Stadt Basel II, Nr. 311. 965 UB Stadt Basel II, Nr.548; III, Nr. 113; Heim, S. 11. 280} 966 Wanner, Deutschritterhaus; Staehelin, Beitrag, S.25ff.; Planta, Adel, S. 12; HäfHger\ ’ .n- der S.285f. auf die zeitweise gestiegene Bedeutung der Kommende während des Basler Konzi weist.
. -(ingste Kommende der Ballei entstand in Kaisersberg (Kaysersberg). 1295 er- • 1 der Orden vom Ritter Walter von Kaisersberg und dessen Frau einen Hof in Kleinstadt. Komture gab es dort erst im 14. Jahrhundert, wie 1331 Peter von ^er i t Strasburg • * Anfangs gehörte noch der Hof in Dan, einem Flecken 25 km nordwestlich Hage- zwischen Offwiller und Zinswiller zur Ballei Elsaß-Burgund. Denn 1245 hatte Eberhard, Herr von Ettendorf, den Hof dem Landkomtur Gottfried von Elsaß- ßurgund für den Orden geschenkt968. Jedoch wurde der Hof schon ein Jahr später zur Ballei Lothringen geschlagen969. Die Ballei Elsaß-Burgund hatte bis in das 14. Jahrhundert ihren Besitz erweitert und dessen Verwaltung den neuen Bedingungen angepaßt. Daher unterstanden dem Landkomtur schließlich seit dem 14. Jahrhundert 15 Kommenden, von denen die Kommende Tannenfels eingegangen ist. Tannenfels und Altishofen wurden Kastne- reien, die vom Hitzkircher Komtur mitverwaltet wurden. Die wirtschaftliche Lei- stungsfähigkeit der Kommenden war sehr unterschiedlich. Dementsprechend lebten mehr oder weniger Ordensbrüder in den einzelnen Konventen. Allerdings hing die Zahl der Brüder nicht nur von der Wirtschaftskraft einer Kommende, sondern auch von Anforderungen an den Orden ab. Daß beispielsweise in der Kommende Bern viele Priesterbrüder lebten, obwohl die Leistungsfähigkeit der Besitzungen begrenzt war, stand im Zusammmenhang mit dem Patronatsrecht an der Pfarrkirche in der aufstrebenden Stadt im Schweizer Oberland. Die große Rolle der Ritterbrüder in Beuggen war durch die Funktionen einer Landkommende bedingt, die Altshausen erst im 15. Jahrhundert vollständig übernahm. Daher wohnten in Altshausen um 1400 weniger Ordensbrüder als in Beuggen. Der Wirtschaftskraft nach überragte Altshausen Beuggen dagegen schon. Für das Jahr 1414 ergeben sich folgende Zah- len, die einen Vergleich der Kommenden der Ballei untereinander ermöglichen und zugleich ein Zeugnis für die bedeutende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Bal- lei darstellen. 24 (1872), S.267f.; vgl. Heim, S. 12; Müller, Die elsässischen Deutschordenskommenden, 968 S’20°’ ^9 M°ne’ ^künden Unterelsaß, ZGO 15, S. 155 f. Nr. 15; Heim, S. 11; Schmidt, Trier, S. 18. °ne, Urkunden Unterelsaß, ZGO 15, S. 156 Nr. 16-17; Schmidt, Trier, S. 18f.
Die Ballei Elsaß-Burgund 1414970 Kommenden Ritterbrüder Priesterbrüder Brüder insgesamt Einkünfte in rh. fl. Altshausen 3 4 7 2155~~—~ Beuggen 10 4 14 1797V4 Mainau 3 3 6 2226 3/4 Freiburg 3 3 6 1543 Straßburg 3 4 7 12583/4 Bern — 8 8 595V4 Hitzkirch 3 - 3 6063/4 Köniz 1 3 4 571 Sumiswald 1 2 3 367 >/4 Basel — 1 1 291 Mülhausen 1 2 3 4713/4 Suntheim/Rufach 1 2 3 433 V2 Gebweiler — 1 1 1573/4 Andlau — 2 2 5343/4 Kaisersberg - 1 1 170V4 Altishofen — 1 1 344 1414 war Mainau die Kommende mit den höchsten Einkünften. Ihr folgte Altshau- sen, dann Beuggen, Freiburg und Straßburg. Eine Mittelgruppe bildeten Hitzkirch mit Altishofen, Bern, Köniz, Andlau, Mülhausen und Suntheim/Rufach. Alle übri- gen Kommenden waren arm und hatten entsprechend wenig Ordensbrüder. Einen vollständigen Konvent mit zwölf Brüdern und einem Komtur an der Spitze gab es nur noch in Beuggen, sonst nicht. Die Ballei Elsaß-Burgund verselbständigte sich nach ihrer Entstehung nicht, son- dern blieb anders als die Provinz der Partes inferiores unter der Oberaufsicht des Deutschmeisters. Damit hatte sich zunächst zögernd, aber dann doch durchgängig ein Organisationsprinzip durchgesetzt, nach dem Kommenden in einer Ballei unter einem Landkomtur zusammengefaßt und Balleien unter einem Meister, eben dem Deutschmeister, gestellt waren. Seitdem die Ballei Elsaß-Burgund bestand, war aus dem Landkomtur von Deutschland ein Deutschmeister geworden, der über Lan komture gebieten konnte. Mit der Unterstellung der Ballei Elsaß-Burgund begann 970 Militzer, Wirtschaftstätigkeit, S. 14; Müller, Beschreibung, S.XX; vgl. ferner Ders., sen; Ders., Beuggen; Ders., Mainau; Ders., Die elsässischen Deutschordenskommenden, _ Die schweizerischen Deutschordenskommenden. Dazu: Ders., Finanzwesen, mit abweichenden len.
fstieg des Deutschmeisters zu einem der wichtigsten Amtsträger nach dem der eister. 1235 jedoch stand der Deutschmeister noch am Beginn seines Auf- ^°C Es scheint, daß es anfangs im Orden Widerstand gegen die Einrichtung einer StlHgS‘Elsaß-Burgund gegeben hat. Dem für die Entwicklung ^im Südwesten des . us entscheidenden Ordensbruder Gottfried wurde sogar eine Zeitlang der T 1 dkomturstitel nicht zugebilligt. Woher der Widerstand gekommen ist, bleibt un- Einzelne Hinweise deuten sowohl auf den Hoch- wie auf den Deutschmeister, jer allerdings von der Entwicklung am meisten profitiert hat. 8.7.4 Die Ballei Österreich Die Umstände, die zur Bildung der Ballei Österreich geführt haben, sind zwar im einzelnen nicht ohne jeden Zweifel zu erhellen, lassen sich aber doch wahrschein- lich machen. Wenn man alle Nachrichten im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich sogar ein in sich schlüssiges Bild. Im Juni 1236 war der Babenberger Friedrich II. der Streitbare, Herzog von Österreich und Steiermark, geächtet worden. Kaiser Friedrich II. wollte dessen Reichslehen einziehen und nicht wieder zu Lehen ausgeben, sondern einer Reichs- verwaltung unterstellen. Zu dem Zweck kam der Kaiser 1237 nach Österreich und verlieh der Stadt Wien die Reichsunmittelbarkeit. Trotz solcher Anfangserfolge ge- lang es ihm nicht, Herzog Friedrich II. auszuschalten. Er mußte mit seinem Wider- sacher einen Kompromiß eingehen und sich mit ihm aussöhnen. Aber selbst nach dem Ausgleich hielt Kaiser Friedrich II. an seinem Plan fest, wollte durch eine Hei- rat mit der Nichte des Herzogs dessen Länder an sich ziehen und nach italieni- schem Vorbild durch Generalkapitäne verwalten lassen. Auch das Vorhaben schei- terte, weil sich die Nichte Gertrud weigerte, den gebannten alternden Kaiser zu ehelichen971. In diesem Zusammenhang hatte Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden in Wien ein Privileg ausgestellt, das alle Ordenshäuser in den Herzogtümern Österreich und Steiermark und der Mark Krain mit ihren preceptores, Untertanen und Gütern von der niederen Gerichtsbarkeit und allen landesherrlichen Abgaben befreite972. ach dem in Italien und in Palästina erprobten Verfahren suchte der Kaiser, den Or- en durch besondere Privilegierungen an sich zu binden und als seinen Parteigänger ln ®sterreich, der Steiermark und der Krain zu gewinnen. Bevor sich jedoch Bindun- &en an den Kaiser festigen konnten, kam es zu dem Vergleich der Kontrahenten. 972 HhUrZ’ Handbuch I, S.230; Mitteis, Staat, S.354. erzog Friedrich II. von Österreich und Steiermark bestätigte das Privileg am 28. Dezember 1239: abenberger II, Nr. 344. In der Bestätigung ist die Kaiserurkunde überliefert.
Dem Orden gelang es, sein gutes Verhältnis zum Herzog wieder herzustellen sich auch darin zeigte, daß der Herzog das Privileg des Kaisers bestätigte. ’ WaS Kaiser Friedrich II. und der Hochmeister Hermann von Salza hatten bereits * Frühjahr 1236 die Alpen überquert. Beide hatten am 1. Mai des Jahres an der Feie1 der Translation der Gebeine der heiligen Elisabeth in die neue Elisabethkirche de Deutschen Ordens in Marburg teilgenommen973. In Marburg fand bald nach dern Ereignis ein Kapitel statt, auf dem über die Aufnahme der Schwertbrüder Livlands in den Deutschen Orden beraten wurde974. An dem Kapitel hat der Hochmeister schon nicht mehr teilgenommen, sondern war dem Kaiser gefolgt, hielt sich vom August bis November in Oberitalien auf und kam Anfang Januar 1237 nach Wien975 Da die im Marburger Kapitel versammelten Brüder ohne den Hochmeister keine Entscheidung über die Inkorporation des Schwerbruderordens treffen wollten einigten sie sich darauf, Ludwig von Oettingen, Konrad von Thüringen, Hartmann von Heldrungen, Ulrich von Dürn und Wichmann, den Komtur von Würzburg, mitsamt einem Gesandten der Schwertbrüder namens Johann von Magdeburg zum Hochmeister nach Wien zu schicken. Dort trafen sie mit ihm Ende Dezember 1236 zusammen976. Damals hat sich in Wien wohl auch der Deutschmeister Heinrich von Hohenlohe auf gehalten977. Am Ende des Jahres 1236 und zu Beginn des folgenden waren alle wichtigen Gebietiger, sofern sie für den Besitz und die Verwaltungsstruk- tur des Ordens in Europa von Bedeutung waren, in Österreich versammelt. Daher waren die Voraussetzungen für weitreichende Entscheidungen gegeben, die der Hochmeister mit dem Rat seiner wichtigsten Mitbrüder hätte fällen können. Diese Versammlung einflußreicher Ordensbrüder mit dem Hochmeister an der Spitze fand in einem Land statt, in dem der Orden reich privilegiert worden war. Die Güter in Österreich und der Steiermark hatte schon der Babenberger Herzog Luitpold VI. von der niederen Gerichtsbarkeit befreit. 1233 und 1239 bestätigte des- sen Nachfolger Herzog Friedrich II. das Privileg978. Kaiser Friedrich II. hatte es er- weitert und auf die Güter des Ordens in der Krain ausgedehnt979. Trotz der Privile- gierung waren die Ordensgüter wegen des Streits des Babenberger Herzogs mit dem Kaiser gefährdet. Sie konnten leicht als Beute einer der beiden Parteien einge- zogen werden. 973 Beumann, Friedrich II., S. 151 ff.; Fräse, Translation, S. 39f. Nicht restlos geklärt ist, ob der Hochmeister Hermann von Salza an dem Festakt teilgenommen hat: Cohn, S.237. 974 SRP V, S. 168 ff. 975 Cohn, S.234; Lorck, S. 101; Wojtecki, Babenberger, S.325. 976 SRPV, S.170; Benninghoven, Schwertbrüder, S.354. 977 Militzer, Entstehung, S.45, 63. Heinrich von Hohenlohe ist zumindest 1237 Januar 1 in Graz dem Hochmeister zusammen bezeugt: Hennes I, Nr. 95. 978 UB Babenberger II, Nr. 313, 344; UB Steiermark V, Nr. 303. j 9, 979 RI V, Nr.2222; UB Steiermark V, S.454; UB und Regestenbuch Krain II, Nr. 93; Quellen ien Nr. 17195.
dem durch die Privilegien hervorgehobenen Gebieten Österreich, Steiermark ^Krain und in dem angrenzenden Kärnten lagen zudem wichtige Paßstraßen, die un ^ejch Italien verbanden. Diese Pässe mußten zumindestens die Ordensbrü- ^aS aus dem Osten des Reichs benutzen, wenn sie zum Kampf gegen die Sarazenen Heilige Land geschickt wurden980. Die Pässe waren aber auch für Reisen aus T Süden in die Balleien und nach Preußen von Bedeutung, besonders für die rj hmeister, die nicht nur in Akkon oder Montfort residierten, sondern über Ve- nedig in die Balleien, nach Preußen oder später Livland reisen wollten. Auch wenn solche Reisen der Hochmeister über die Pässe nach Wien und weiter in das Balti- kum oder die Balleien selten bezeugt sind, mußte das Ordensoberhaupt ein Interes- se an der Sicherheit der Paßstraßen und an hinreichenden Stützpunkten und Über- nachtungsmöglichkeiten für sich und die Ordensbrüder haben. In der besonderen politischen Situation der Jahre 1236-1237 und zur Sicherung der gefährdeten, aber wegen der Pässe wichtigen Besitzungen hat der Hochmeister Hermann von Salza mit seinen Ratgebern wahrscheinlich die Ordenshäuser in Österreich, der Steiermark und der Krain zu einer eigenen Provinz zusammenge- faßt und einem Landkomtur unterstellt981. Am 6. Dezember 1236 ist Ortolf von Traiskirchen als erster Amtsträger bezeugt. Er gab damals Weingärten und Land in Marburg (Maribor) an der Drau in Pacht. Die Gefälle sollten an das dortige Or- denshaus gezahlt werden. Ortolf führte den Titel commendator domus Theutonico- rum per Austriam et Styriam**2. Seine Amtsgewalt erstreckte sich also über die Be- sitzungen in den Herzogtümern Österreich und Steiermark, aber auch der Krain, wie sich anläßlich seines Eingreifens zugunsten des Krainer Besitzes in Marburg (Maribor) gezeigt hat. Zu der neuen Ballei gehörte wahrscheinlich auch von Anfang an das Ordenshaus Friesach in Kärnten, obwohl die Landschaft erst 1272 im Titel eines solchen Landkomturs auftauchte983. Man kann also mit einiger Wahrscheinlich- keit davon ausgehen, daß am Ende des Jahres 1236 die Ballei Österreich während eines Kapitels in Wien mit Zustimmung des Hochmeisters geschaffen oder, falls der Hochmeister erst Ende Dezember 1236 oder gar im Januar 1237 nach Wien gekom- men sein sollte, die Errichtung der Ballei bestätigt worden war. Zu ihr gehörten von Anfang an die Güter und Häuser in Österreich, Steiermark, Krain und Kärnten. Anders als die schon früher entstandene Ballei Elsaß-Burgund wurde die 1236 geschaffene Provinz nicht dem Deutschmeister, sondern dem Hochmeister und em Generalkapitel unterstellt. In den Gewohnheiten der Statuten des Deutschen ens ist nämlich im 8. Kapitel über die Wahl von Amtsträgern der Landkomtur $81 VT*°Id’.Venedig, S. 145ff.; Borchardt, Military Orders, S.251. -g ' Wojtecki, Babenberger, S.325, mit analogen Überlegungen, der aber die staufisch-babenber- 982 UB QCn Auseinandersetzungen nicht für ausschlaggebend ansehen möchte. 983 p Steier»ark II, Nr. 341. ttenegg, Nr.472; Militzer, Entstehung, S.65f.
von Österreich hinter denen von Armenien, Griechenland, Sizilien, Apulien Deutschland und vor denen von Preußen, Livland und Spanien genannt. Alle d^^ Amtsträger sollten nur vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalk ein- oder abgesetzt werden können984. Der Landkomtur von Österreich war wenigstens in ordensrechtlicher Hinsicht dem Deutschmeister gleichgestellt S° es auch schon damals absehbar gewesen sein dürfte, daß die drei Landmeister übrigen Landkomture an Einfluß und Ansehen überflügeln würden. Dieser Prozeß war um die Mitte des 13. Jahrhunderts allerdings noch im Fluß. Außerdem war der Orden aus alter Tradition, wie die Gewohnheit zeigt, laut der vor allem Landkom ture der Balleien des Mittelmeerraumes vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel eingesetzt wurden, noch mehr auf das Heilige Land als auf den Osten und das Baltikum fixiert. Zu den für den Orden im Heiligen Land wichtigen Provinzen zählte wegen der Pässe als Verbindungslinien des Ordens zu seinen Hauptrekrutierungsgebieten im Reich seit 1236 die Ballei Österreich. Aus der Unterstellung unter den Hochmeister und das Generalkapitel folgte auch das Recht des neuen Landkomturs zur Teilnahme an der Hochmeisterwahl. Denn in den Zusätzen zur zweiten Gewohnheit aus der Zeit vor 1264 steht, daß der Land- komtur von Österreich zur Hochmeisterwahl zu laden sei985. Jedoch schon bald dar- auf und noch vor 1264 war es nach einem Kapitelsbeschluß nicht mehr erforderlich, den Landkomtur von Österreich dazuzuladen. Unabdingbar war nur die Anwesen- heit der drei Landmeister von Deutschland, Preußen und Livland. Im Belieben des Wahlkapitels stand es, Landkomture aus nahe gelegenen Balleien hinzuzuziehen, wie den Landkomtur von Apulien, der in dem Beschluß ausdrücklich genannt ist986. Der Landkomtur von Österreich hatte also seinen Einfluß nicht halten können. Seit 1236 war sein Ansehen im Laufe der Jahre gegenüber dem der Landmeister gesunken. Als Akkon 1291 verloren gegangen war und der Orden sein Haupthaus nach Ve- nedig verlegt hatte, erließ wahrscheinlich der Hochmeister Gottfried von Hohenlo- he oder spätestens dessen Nachfolger Siegfried von Feuchtwangen eine neue Ord- nung zum Besuch der Generalkapitel in Venedig. Außer den drei Landmeistern bzw. deren Vertretern sollten auch die Landkomture von Österreich, Bozen und der Lombardei teilnehmen987. Die Teilnahmeberechtigung an den Generalkapiteln ver- dankte der Landkomtur aber nicht einem Anstieg an Ansehen und Gewicht im Or- 984 985 986 987 Perlbach, Statuten, S. 97; vgl. auch S. 59 f.: Gesetz IIb, nach dem diese Amtsträger zur Rec en schaftslegung vor dem Generalkapitel verpflichtet waren. Perlbach, Statuten, S.91. Perlbach, Statuten, S. 134. M eß» Perlbach, Statuten, S. 145 f. Zur Datierung: Forstreuter, Mittelmeer, S. 194 f. Anders S.23ff., der sich Perlbach anschließt und die Gesetze Siegfried von Feuchtwangen, dem * ger Gottfrieds von Hohenlohe zuschreibt. Eine endgültige Entscheidung für eine der beiden thesen ist kaum möglich. Dazu ausführlicher oben, S. 159 f.
sondern allein der geographischen Nähe seiner Ballei zum neuen Haupthaus in den’ j. ais der Hochmeister seine Residenz 1309 in die Marienburg an der Nogat preußen verlagerte, verlor der österreichische Landkomtur seine ihm vorüberge- ifnd eingeräumten Rechte endgültig. neper Landkomtur von Österreich wurde 1236 zwar dem Hochmeister und dem eralkapitel direkt unterstellt, konnte aber seine anfangs gleichrangige Stellung • dem Deutschmeister und den beiden Landmeistern von Preußen und Livland *cht halten. Sein Gebiet war zu klein, die Ordenshäuser nicht reich genug und in- folgedessen die wirtschaftlichen Ressourcen zu gering, als daß er mit dem Deutsch- meister hätte konkurrieren können. Wo der Orden den ersten Besitz in der späteren Ballei Österreich erworben hat, ist ungewiß. Manche vermuten, daß der Salzburger Ministeriale Friedrich von Pet- tau bereits 1199 Güter in Groß-Sonntag geschenkt habe. Jedoch wird die frühe Da- tierung der Besitzübertragung nicht zu halten sein988. Der älteste Besitz des Ordens in der Ballei dürfte daher in Wien zu suchen sein. Dort hatte der Orden wohl be- reits um 1200 Güter übertragen erhalten989. Ein Deutschordenshaus ist 1237 be- zeugt, ein Komtur namens Hirzo 125O990. Die Niederlassung befindet sich noch heute an der Stelle, an der sie im 13. Jahrhundert gegründet worden ist. Im Herzogtum Österreich konnte der Orden einige Jahrzehnte nach dem Besitz- erwerb in Wien eine zweite Kommende in Wiener-Neustadt errichten. Ersten Besitz erhielt er 1245991. Bereits 1250 amtierte Heinrich von Witzeindorf als erster Komtur von Wiener-Neustadt992. Von dieser Kommende war die Pfarrei Gumpoldskirchen abhängig, deren Pfarrer Priesterbrüder des Ordens waren und zeitweise eine eigene, von der Kommende unabhängige Wirtschaftsführung unterhielten993. In Kärnten entwickelte sich aus einer Schenkung von 1203 die Kommende Frie- sach. Am 28. Dezember 1203 hatte der Salzburger Erzbischof dem Deutschen Or- den das dortige Spital übergeben994. Spitalbesitz in Friaul verkaufte der Orden be- reits 1219995. Als erster Komtur ist 1250 Ortolf von Traiskirchen zu ermitteln, der 988 Die Schenkungsurkunde, die am ehesten Entscheidung zulassen würde, fehlt. Die Schenkung ist aus der Bestätigung des Sohnes Friedrichs von Pettau von 1222 zu erschließen: UB Steiermark II, Nr.203. Dazu: Turnier, S. 94; Arnold, Friesach, S.40f. Latzke, S.50; Perger, S. 140ff. Quellen Wien 1,9, Nr. 17195, 17200; Regesten Frühgeschichte Wien, Nr. 379, 596, 648; Duellius, istoria III, S. 78 Nr. 2; Pettenegg, Nr. 229; vgl. ferner: Klebel, Studien. 1 ettenegg, Nr. 193. £^.{en Wien 1,9, Nr. 17200; Pettenegg, Nr. 229; Duellius, Historia III, S. 78 Nr. 2; vgl. c ön, Wr. Neustadt, S. 11, 127; ferner Mayer, Geschichte I. S Wr‘ Neustadt, S. 10. ^az urger UB III, Nr. 661; Monumenta Carinthiae IV, Nr. 1692. Zur Datierung: Arnold, Frie- 995 ’ S’W-J ferner: Voigt, Balleien I, S. 11. °rstreuter, Mittelmeer, S. 136. 989 990 991 992 993 994
1236 der erste Landkomtur von Österreich gewesen war996. Außer in Friesach terhielt der Orden kein weiteres Haus in Kärnten. tin- In der Steiermark entstand aus der Schenkung Friedrichs von Pettau um 1203 di erste Kommende in Groß-Sonntag (Velika Nedelja)997 Spätestens 1227 lebten do Ordensbrüder998. Der erste Komtur namens Werner ist 1247 genannt999. In dernseT ben Herzogtum entwickelte sich eine zweite Kommende in Graz. Dort hatte Fried rieh II. der Streitbare, Herzog von Österreich und Steiermark, dem Orden Güter und eine Kirche in der Stadt übertragen1000. 1239 ist eine Niederlassung bezeugt1001 Ein Komtur namens Heinrich ist allerdings erst 1298 zu ermitteln1002. In der Mark Krain gab es im 13. Jahrhundert nur die Kommende Laibach (Lju- bljana). Seit 1256 erwarb der Orden Güter in und bei der Stadt1003. Ordensbrüder sind dort 1263 erwähnt1004. Ein Komtur namens Dietrich amtierte spätestens 1269 in Laibach1005. Dieser Kommende wurde 1268 das Patronatsrecht der Kirche von Tschernembl (Örnomelj) vom Herzog von Kärnten geschenkt1006. Die Kirche in Möttling (Metlika) war zunächst eine Filialkirche von Tschernembl. In beiden Kir- chen versahen Priesterbrüder den Gottesdienst. In Tschernembl bildeten sie zeit- weise eine unabhängige Kastnerei, allerdings nie eine eigenständige Komturei. Eine solche baute der Orden an der Filialkirche im wichtigeren Möttling aus. Seit 1310 ist dort eine Kommende nachzuweisen1007. Eine 1247 genannte Niederlassung in Marburg (Maribor) an der Drau konnte sich nie zu einer Kommende entwickeln. Die dortigen Güter wurden schließlich dem Deutschordenshaus in Groß-Sonntag zugeschlagen1008. Eine Ballei Österreich ist wohl am Ende des Jahres 1236 vom Hochmeister und seinen wichtigsten Mitbrüdern auf einer Zusammenkunft, also wahrscheinlich einem Kapitel, in Wien geschaffen worden. Sie wurde dem Hochmeister und dem Generalkapitel direkt unterstellt. Der Grund für diese Sonderbehandlung ist einmal 996 Quellen Wien 1,9, Nr. 17200; Pettenegg, Nr. 229; Duellius, Historia III, S. 78 Nr. 2. 997 UB Steiermark II, Nr.203. Zur Datierung: Arnold, Friesach, S.40f. 998 UB Steiermark II, Nr.324; Aschbauer, Beiträge, S.234. 999 UB Steiermark III, Nr. 15; Duellius, Historia III, S. 97 Nr.4. Wojtecki, Deutsche Orden un- ter Friedrich II., S. 43, nennt einen Komtur fälschlich zum Jahr 1219. 1000 UB Steiermark II, Nr.303; UB Babenberger II, Nr.313; Wojtecki, Babenberger, S.321 f. 1001 Diplomataria sacra ducatus Styriae II, S. 183 Nr. 3. 1002 Pettenegg, Nr. 752. Zum Deutschen Orden in Kärnten und in der Steiermark: Aschbauer, Beiträge. 1003 UB und Regestenbuch Krain II, Nr. 232. 1004 UB und Regestenbuch Krain II, Nr. 318. 1005 Monumenta Carinthiae V, Nr. 1. . 1006 UB und Regestenbuch Krain II, Nr. 381 (mit falschem Datum); Pettenegg, Nr. 451; Urkun im DOZA 1268 Sept. 4. jer 1007 Kozina, Geschichte, S. 77. Am 10. Februar 1310 erhielt der Orden einen Ablaß für den Bau Kommende in Möttling: Urkunde im DOZA. 1008 Militzer, Entstehung, S.66.
Bedeutung der Alpenpässe nach Italien, besonders nach Venedig, zum zwei- >n 'der diffizilen politischen Situation des Jahres 1236 zu suchen. Infolge der Un- ten*ellung der Ballei unter den Hochmeister und das Generalkapitel war der p^Xchmeister nie für die neue Provinz zuständig. 8.7.5 Die Ballei Thüringen-Sachsen und deren Teilung in die Balleien Thüringen und Sachsen In der Diskussion um die Entstehung der Ballei Thüringen-Sachsen ist die Beweis- führung bis in die jüngste Zeit durch alte Urkundeneditionen und Fälschungen des Ordens behindert worden1009. Entgegen allen anderen Behauptungen ist tatsächlich erst 1236 ein Th. als Landkomtur, nämlich als de domo Theutonica dictus commen- dator sive rector domorum nostri ordinis per Thuringiam et Saxoniam constituta- rum, bezeugt. Damals schloß Arnold, der Komtur von Bremen, einen Vertrag mit dem Domkapitel in Bremen an der Weser. Das Domkapitel sicherte dem Orden den unbestrittenen Besitz des Bremer Heilig-Geist-Spitals, den Gottesdienst während eines Interdikts hinter verschlossenen Türen und Chorherrenstühle für Ordensbrü- der im Dom zu. Diesen wichtigen Vertrag siegelte der Ritterbruder Th. mit seinem Amtssiegel1010. Da die Urkunde jedoch nur abschriftlich überliefert ist, ist das Siegel nicht erhalten, so daß sich nicht überprüfen läßt, ob der Amtsträger schon dasselbe Typar wie seine Nachfolger benutzt hat. Das erleichtert die Diskussion nicht. Erschwerend kommt hinzu, daß schon ein Jahr früher ein Ritterbruder namens Th. als frater hospitalis domus Theutonicorum de partibus transmarinis eine Schen- kung zugunsten des Deutschordenshauses Bremen entgegengenommen hatte1011. In ihm hat man gelegentlich den ersten Landkomtur der Ballei erblicken wollen. Das ist zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht zu beweisen. Es ist nicht einmal si- cher, ob beide Brüder mit den gekürzten Vornamen identisch sind. Denn so selten waren Ordensbrüder namens Dietrich, Theodericus oder ähnlich nicht. Die Unsicherheit wird noch verstärkt, wenn man bedenkt, daß der Bremer Korn- er anfangs einen ungewöhnlich formulierten Titel getragen hat. Arnold nannte sich 1236 nämlich commendator sive rector domorum per Bremensern provinciam consti- tutum^2, Man hat daraus geschlossenen, daß in der Bremer Diözese ursprünglich Vgl. Hofmann, Staat, S. 37; Grumblat, Urkundenfälschungen, S. 307ff.; Militzer, Entste- 1010 t Un$’ 70. Einen Überblick über die Geschichte der Ballei bietet nun: Jähnig, Thüringen. 1011 t 1$ Thüringen, Nr.62; Bremisches UB I, Nr. 199; auch Brünjes, S.235 Nr. 6. B Ballei Thüringen, Nr. 60; Bremisches UB I, Nr. 190; Brünjes, S.234 Nr.4-5. Nach Brün- 1V’ soll Th. mit Dietrich von Seulingen aus einem braunschweigischen Ministerialenge- 1012 kei Duderstadt identisch sein. Aber auch die Vermutung läßt sich nicht beweisen. Ballei Thüringen, Nr.62; Bremisches UB I, Nr. 199. Daraus leitet Brünjes, S.41, eine Gleich- rangigkeit ab.
die Errichtung einer Ballei geplant gewesen seien und daß der Bremer Ko Landkomtursfunktionen wahrgenommen habe. Der Bremer Komtur sei dem komtur von Thüringen-Sachsen gleichgestellt gewesen1013. Jedoch legt die Überlief ' rung eine andere Deutung nahe. Der Bremer Komtur Arnold schloß zwar eine6' Vertrag ab. Aber der Landkomtur von Thüringen-Sachsen mußte ihn besiegeln da mit er gültig wurde (ut predicta perpetuum robue firmitatis obtineant). Er tat es d consilio et consensu fratrum nostrorum Bremensium. Deutlicher ist wohl keine Un terordnung auszudrücken1014. Es ist jedoch nicht ganz von der Hand zu weisen daß der Bremer Komtur wie andere auch, versucht hat, sich eine eigene Ballei und damit eine größere Unabhängigkeit zu schaffen. Das ist ihm jedoch damals noch nicht ge lungen. Der Bremer Komtur unterstand also zumindest 1236 einem Landkomtur Seine Niederlassung zählte zu einer neuen Provinz. Diese Provinz ist wohl erst 1236 geschaffen worden. Jedenfalls ist sie vorher nicht nachzuweisen. Sie erstreckte sich, wie der Titel des Amtsträgers bezeugt, auf Or- denshäuser in Thüringen und Sachsen. Dazu zählte auch die Bremer Kommende Damals gab es keine zwei Provinzen, die in Personalunion verwaltet worden wären wie manchmal behauptet wird1015, es war vielmehr eine Ballei entstanden, in der Güter und Häuser in den beiden genannten Landschaften zusammengefaßt waren. Zur Stützung der gegenteiligen These hat man auf eine Urkunde von 1238 verwie- sen, in der ein frater H. de Heldenowe commendator Saxonie genannt ist1016. Ob sich hinter dem Namen der bekannte Hartmann von Heldrungen verbirgt, wie K. H. Lampe, der Herausgeber des Urkundenbuchs der Ballei Thüringen, vermu- tet1017, oder nicht, ist nicht zu entscheiden. Es wäre immerhin möglich. Denn die Urkunde ist nur in zwei späten, vielfach fehlerhaften Abschriften erhalten. Wenn aber in den Abschriften der Name verballhornt sein sollte, könnte auch der Titel unvollständig wiedergegeben worden sein. Aber auf solche Vermutungen allein sind wir gar nicht angewiesen. Denn der angebliche Landkomtur von Sachsen einigte sich mit dem Kloster Neuwerk über die Benutzung der Mühle in Gimritz zugun- sten des Deutschordenshauses in Halle. Halle zählte später zur Ballei Thüringen. Daher spricht viel dafür, daß auch H. de Heldenowe wie sein Vorgänger ein Land- komtur der neuen Ballei Thüringen-Sachsen gewesen ist. 1013 So Brünjes, S.41 f., 47, der davon ausgeht, daß der Landkomtur von Thüringen-Sachsen ledig ein „Mitsiegler“ gewesen sei. Nach der allerdings nur abschriftlich überlieferten Urkunde ist e Landkomtur jedoch der einzige, der in der Siegelankündigung genannt wird. 1014 Die engen Beziehungen der jungen Bremer Kommende zur werdenden Ballei Thüringen-jac _ zeigen sich auch darin, daß die ersten Ordensbrüder offenbar aus den Regionen der späteren leien Thüringen und Sachsen gekommen sind, wie Brünjes, S.46f., 178, selbst hervorgehoben 1015 Vgl. Wojtecki, Studien, S. 51. Vor ihm schon: Voigt, Balleien I, S. 102f.; Ders., Ballei gen, S.93ff.; Sommeriad, S. 85; Prothmann, S. 13. 1016 UB Ballei Thüringen, Nr. 68; UB Halle I, Nr.229. 1017 UB Ballei Thüringen,Nr. 68 S. 58 Anm. 2.
. jestens bis 1283, dem Ende der Amtszeit des Landkomturs Albert von Arn- dorf blieb die Ballei Thüringen-Sachsen bestehen. Da Ammendorf möglicher- ^^e sogar bis 1287 sein Amt ausgeübt hat1018, könnte die Ballei sogar noch vier |änger Bestand gehabt haben. Dann trat jedoch eine ^nderung ein. Wahr- peinlich hat der Hochmeister Burchard von Schwanden auf einem Generalkapitel ?C prankfurt vom 4.-18. Mai 1287 die Ballei in zwei Provinzen geteilt und jeweils nen Landkomturen unterstellt1019. Der erste Landkomtur der neuen Ballei Thü- . en jst 1287 belegt und hieß Heinrich von Hochheim1020. Ein Jahr später traten uf einem weiteren Generalkapitel in Frankfurt am Main die beiden Landkomture von Thüringen und Sachsen Heinrich von Hochheim und Heinrich von Reichau emeinsam auf1021. Von 1287/88 an hat es also zwei selbständige Balleien von Thü- ringen und Sachsen gegeben, die aus einer Provinz hervorgegangen sind. Unklar bleibt noch, durch wen und wann die Ballei Thüringen-Sachsen geschaf- fen worden sein könnte. Läßt man das Jahr 1236 Revue passieren, stößt man auf das Generalkapitel in Marburg, das am Ende des Jahres 1235 zusammengetreten war. Hermann von Salza hatte es einberufen, aber verlassen müssen, weil ihn andere Aufgaben nach Italien riefen. Er ist aber zur Erhebung der Gebeine der heiligen Elisabeth am l.Mai 1236 wieder nach Marburg gekommen. Die eigentliche Aufgabe des Generalkapitels bestand in der Beratung über die Vor- und Nachteile einer In- korporation des Schwertbrüderordens. Der Hochmeister war wegen der feierlichen und für den Orden wichtigen Zeremonie nach Marburg gekommen1022. Trotz der schwierigen Beratungen über eine Inkorporation und der Teilnahme an den Zere- monien wird genügend Zeit geblieben sein, im Bereich des Deutschmeisters Verwal- tungsänderungen vorzunehmen und die neue Ballei Thüringen-Sachsen zu schaffen. Ein Beweis ist nicht zu führen, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit dürfte dafür sprechen, daß der Hochmeister seine Hand im Spiel hatte, als die Verwaltungsände- ning vorgenommen wurde. Dann jedoch dürfte dies in Marburg während eines Ge- neralkapitels geschehen sein. Im Unterschied zu den Balleien Böhmen und Österreich blieb die neue Ballei dem Deutschmeister unterstellt, wie dessen häufige Anwesenheit in dem Gebiet und Einmischungen in Angelegenheiten der Provinz belegen1023. Nach der Ballei El- saß-Burgund war sie die zweite Provinz, die eindeutig dem Deutschmeister unter- stellt blieb. Sie war nicht die älteste Ballei des Deutschen Ordens. Das traf schon gar nicht auf die Ballei Thüringen zu, die aus der Provinz Thüringen-Sachsen her- 1018 1019 1020 1021 1022 1023 Vgl. Wojtecki, Studien, S.65, 99; Sommeriad, S.213. Militzer, Entstehung, S. 76. OB Ballei Thüringen, Nr. 433; UB Mühlhausen, Nr. 339. UB Ballei Thüringen, Nr. 446. SRP V, Nr. 170; Coh n, S. 236f. B Ballei Thüringen, Nr. 64, 98 f.; UB Ilsenburg, Nr. 86; UB Mühlhausen, Nr. 107; vgl. Milit- Zer> Entstehung, S. 73.
vorgegangen ist. Trotzdem liest man manchmal in der Literatur das Gegenteil £)’ Autoren können sich sogar zur Verteidigung ihrer Hypothese auf eine späte Übe16 lieferung des Ordens selbst stützen1024. Dennoch ist sie nicht aufrecht zu erhalt Die Partes inferiores hatten sich schon eher abgespalten. Die Ballei Böhmen war früher dem Landmeister von Preußen unterstellt worden. Selbst die dem Deutsch meister unterstehende Ballei Elsaß-Burgund war ein Jahr vorher eingerichtet wor den. Wenn man bei der Provinz Elsaß-Burgund unterstellen darf, daß die Versuche des Rufacher Komturs Gottfried von 1235 auf wenig Gegenliebe gestoßen waren, er sei- ne Balleibildung hatte zurücknehmen müssen und erst später wieder aufgreifen können, so ist die neue Provinz in Mitteldeutschland jedenfalls mit dem Willen der Ordensoberen wohl während eines Generalkapitels geschaffen worden. Insofern war sie tatsächlich die erste Ballei, die der Orden als Korporation eingerichtet hatte Unter dieser Einschränkung mag man sie als die älteste Ballei unter dem Deutsch- meister ansprechen. Läßt man die vorangegangenen Versuche des Rufacher Komturs Gottfried beiseite, war seit 1236 spätestens aus einem Landkomtur von Deutschland endgültig ein Deutschmeister geworden, dem nicht nur Komture, sondern nun auch Landkomture unterstanden. Diese Entwicklung war vom Hochmeister und dem Kapitel, wenn unsere Überlegungen zutreffen, eingeleitet worden. Sie führte dazu, daß der Deutschmeister zu einem der einflußreichsten Ordensgebietiger auf- stieg. Möglicherweise ist die Ordenstradition, daß die Ballei Thüringen die älteste Pro- vinz sei, aber anders zu deuten. Vielleicht ist sie entstanden, weil sich in der Ballei alte Besitztitel fanden. In der Tat ist in Thüringen das älteste nachweisbare Gut in den Händen des Deutschen Ordens zu suchen, wenn man von undeutlichen Hin- weisen und interpretationsbedürftigen Nachrichten aus Böhmen und Österreich ab- sieht. Denn im Jahr 1200 schenkte Erzbischof Ludolf von Magdeburg mit der Zu- stimmung des Burggrafen Gebhard von Querfurt und einiger Bürger Halles dem Orden einen Platz am Ufer der Saale bei der Stadt, wo Ordensbrüder bereits mit dem Bau eines Spitals begonnen hätten1025. Aus dem Wortlaut der Urkunden hat man geschlossen, daß der Orden schon vor 1200 mit dem Spitalbau begonnen habe. Gebhard von Querfurt, Burggraf von Magdeburg und Halle habe den Brüdern das Grundstück gegeben, da er im Heiligen Land an der Erhebung des Ordens zum Ritterorden beteiligt gewesen sei und damals dessen Tätigkeit kennen und schätzen gelernt habe1026. Das bleibt eine mehr oder weniger ansprechende Vermutung. Si eher ist nur, daß der Orden sich 1200 in Halle angesiedelt und mit dem Bau eines 1024 Vgl. Voigt, Ballei Thüringen, S. 95; Sommeriad, S. 5. . 1025 UB Ballei Thüringen, Nr. 2; UB Halle I, Nr. 114; Hennes I, Nr. 5; Regesta archiep. Mag e gensis II, S. 61; Regesta Thuringia II, Nr. 1179. 1026 So Wolf, Halle, S. 7f.; Sommeriad, S. 6.
• 1s begonnen hatte. Bereits 1221 stand ein Komtur namens Philipp an der Spitze jgj. Niederlassung Ü Gerade in Thüringen erhielt der Orden infolge der besonderen Gunst der Land- afen und Kaiser Friedrichs II. in schneller Folge weitere Güter ^bertragen, die ihn gr Qründung neuer Häuser veranlaßten. 1214 schenkte Kaiser Friedrich II. dem Orden das Spital in Altenburg1027 1028. Sieben Jahre später leitete ein Komtur namens pjeinrich die Niederlassung1029. 1216 schenkte der Kaiser Güter in Nenewitz1030. Ein Komtur ist dort 1248 namentlich bezeugt1031. Diese Kommende in der Nähe von Al- tenburg hatte aber keinen Betand und verlor um 1300 ihre Selbständigkeit. Der Be- sitz fiel an die Kommende in Altenburg, in deren Konvent die verbliebenen Brüder aufgenommen wurden1032. Vor 1221 erhielt der Deutsche Orden von Erzbischof Siegfried II. von Mainz das Augustinerchorherrenstift Porstendorf übertragen, wo bereits 1221 ein Komtur namens Konrad amtierte1033. Der Orden konnte den Besitz jedoch nicht halten. Er verkaufte ihn dem Kloster Pforta, das schon früher in Por- stendorf begütert gewesen war1034. Die Brüder des Deutschen Ordens siedelten mit dem Komtur nach Altenburg über. Rudolf, der Nachfolger Konrads, war 1226 be- reits Komtur von Altenburg und Porstendorf1035. Durch die Inkorporationen der Güter der ehemaligen Kommende Nenewitz und der Restbesitzungen der verkauf- ten Kommende Porstendorf stieg die Niederlassung in Altenburg zu einer der wichtigsten der Ballei Thüringen auf. Der Besitz des Altenburger Ordenshauses wurde vor allem von Reichsministerialen vermehrt. Im 13. Jahrhundert unterhielt der Orden dort sogar eine Schule1036. Bereits vor 1221 hatte der Orden Besitz in Zwätzen erworben1037. 1221 lebte näm- lich schon ein Priesterbruder Hugo in dem dortigen Konvent1038. Ein Komtur ist al- lerdings erst 1252 namentlich belegt1039. Diese Kommende stieg im Lauf des 13.Jahr- 1027 UB Ballei Thüringen, Nr. 16; vgl. Wolf, Halle, Tabelle 1; Sommeriad, S.218; Wojtecki, Stu- dien, S. 65. 1028 UB Ballei Thüringen, Nr.5; Regesta Thuringia II, Nr. 1586; RI V, Nr. 732; Hennes II, Nr.3; vgl. 1029 1030 1031 1032 1033 1034 1035 1036 1037 1038 1039 Woj tecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 188ff. UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Sommeriad, S. 215; Wojtecki, Studien, S. 66. UB Ballei Thüringen, Nr. 8; Regesta Thuringia II, Nr. 1690; Huillard-Breholles I, Nr. 482. UB Ballei Thüringen, Nr. 98; Sommeriad, S.225; Woj tecki, Studien, S. 69. Sommeriad, S.35ff.; Wojtecki, Studien, S. 54. UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Regesta Thuringia II, Nr. 1983; Militzer, Deutscher Orden und Kirche, S. 33. UB Ballei Thüringen, Nr. 36-43. Sommeriad, S.32ff.; Dobenecker, Porstendorf, S.367ff.; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 189, 215; Ders., Studien, S. 54. Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 189f.; Ders., Studien, S. 54. UB Ballei Thüringen, Nr. 14. UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Regesta Thuringia II, Nr. 1983. B Ballei Thüringen, Nr. 122; vgl. Sommeriad, S.229; Wojtecki, Studien, S.69.
hunderts zur Landkommende, zum Sitz des Landkomturs auf, der in dem J-[ auch das Balleiarchiv aufbewahrte1040. aus In Nägelstedt amtierte zwar schon 1221 ein Komtur namens Heinrich1041 a^e umfangreich kann der Besitz des Hauses noch nicht gewesen sein. Nachdem de Orden ein Jahr später Güter in dem Ort vom Mainzer Mariengradenstift gekauf* hatte, verfügte er über die wirtschaftliche Grundlage zur Unterhaltung eines Kn vents in Nägelstedt1042. Im Vogtland übergaben die Vögte von Plauen dem Orden 1224 ihr Patronatsrecht an der Plauener Pfarrkirche1043. An ihr, deren Pfarrer Priesterbrüder waren, entwik- kelte sich eine Priesterkommende, an deren Spitze ein Prior stand. Als erster ist 1260 ein Priesterbruder Hermann als ein solcher Amtsträger bekannt geworden1044 Seit 1265 nahmen die Prioren auch den Komturstitel an, der schließlich die ältere Bezeichnung Prior verdrängte1045. Die Niederlassung in Plauen blieb trotzdem wei- terhin eine Priesterkommende1046. Im thüringischen Mühlhausen errichtet der Orden sogar zwei Kommenden - eine Ausnahme während des Mittelalters1047. 1227 hatte König Heinrich (VII.) dem Or- den die Blasiikirche der Altstadt übertragen1048. 1243 schenkte Konrad IV, der Sohn Friedrichs II., dem Orden das Patronatsrecht an der Marienkirche in der Neu- stadt1049. Bereits 1246 amtierten Pfarrkomture in der Alt- und in der Neustadt1050. Damals hatten sich zwei Priesterkommenden in der Stadt gebildet, deren Komture gleichzeitig Pfarrer der beiden Pfarrkirchen waren. Im Lauf des 13. Jahrhunderts er- langte der Orden die Patronatsrechte über fast alle Kirchen der Stadt1051. Für die Seelsorge unterhielt er viele Priesterbrüder in beiden Konventen, die fast reine Prie- sterkommenden mit Pfarrkomturen an der Spitze geblieben sind1052. 1040 Sommerlad, S. 83; Wojtecki, Studien, S.55. 1041 UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Sommerlad, S.223; Woj tecki, Studien, S. 70. 1042 UB Ballei Thüringen, Nr. 18-20; Sommerlad, S. 7; Wojtecki, Studien, S. 55f. 1043 UB Ballei Thüringen, Nr. 26; UB Vögte Plauen I, Nr. 50; Regesta Thuringia II, Nr. 2191. 1044 UB Ballei Thüringen, Nr. 153. 1045 Sommerlad, S.225; Woj tecki, Studien, S. 74. 1046 Vgl. Wojtecki, Studien, S. 59 f., der zwei Konvente in derselben Kommende annimmt, nämlic einen Priester- und einen Ritterbrüderkonvent. Die Hypothese ist jedoch nicht zu halten. Auch in Plauen hat es nur einen Konvent gegeben, in dem meist Priesterbrüder gelebt haben. 1047 Zu einer Analogie in Köln seit dem 16. Jahrhundert vgl. Militzer, Beziehungen, S. 25 Ders., Jungen Biesen. - 1048 UB Ballei Thüringen, Nr. 46; UB Mühlhausen, Nr. 70; RI V, Nr. 230; Regesta Thuringia , Nr. 2449. . . 1049 UB Ballei Thüringen, Nr. 80; UB Mühlhausen, Nr. 98; Hennes II, Nr. 483; Regesta Thuring III, Nr. 1083. 1050 UB Ballei Thüringen, Nr. 92; UB Mühlhausen, Nr. 101; Wojtecki, Studien, S. 71, 73. 1051 Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich IL, S. 194. 1052 Wojtecki, Studien, S. 71 ff.
din aus dem staufischen Herrscherhaus hatte 1258 dem Orden das Patro- ^°^cht an der Pfarrkirche in Eger übertragen1053. 1260 ist bereits ein Komtur al- natJ,re s ohne Namensnennung erwähnt1054 1055. Im Jahr darauf hieß der Komtur Wal- 1055 ob er ein Priesterbruder gewesen ist, ist unbekannt. Sein^ Nachfolger waren vielfach Pfarrkomture1056. V 1264 hatte der Orden von den Vögten von Plauen das Patronatsrecht an der pf rkirche von Reichenbach erhalten1057. Seit 1279 sind dort Pfarrkomture be- eugt1058- Die Niederlassung hatte stets den Charakter einer Priesterkommen- de1059- Im Jahr 1278 übertrug Bischof Witego von Meißen dem Deutschen Orden das Augustinerchorherrenstift Zschillen, heute Wechselburg. Wegen angeblicher Aus- schweifungen und Exzesse der Chorherren sah der Bischof keine Möglichkeit zur Reformierung unter Beibehaltung der alten Ordensregel und unterstellte das Stift daher der Aufsicht des Deutschen Ordens. Allerdings hatte jener Bedingungen zu erfüllen. Er mußte sich zum Gehorsam gegenüber den Bischöfen von Meißen und Merseburg in allen den Angelegenheiten verpflichten, die mit dem ehemaligen Stift Zschillen zusammenhingen, und zur Feier der Gottesdienste Priesterbrüder unter- halten, an deren Spitze ein Propst stehen sollte. Außerdem durfte der Orden keine Einkünfte aus den Gütern des ehemaligen Stifts zugunsten des Heiligen Landes, Preußens oder Livlands verwenden1060. Neben dem Propst regelte stets ein Komtur die weltlichen Geschäfte. Seit 1283 sind Komture und seit 1292 Pröpste aus dem Deutschen Orden nachzuweisen1061. Wegen der besonderen Schenkungsbedingun- gen nahm die Kommende Zschillen immer eine Sonderstellung in der Ballei ein. Der Orden mag wegen des reichen Stiftsbesitzes die Offerte des Meißener Bischofs trotz der Einschränkungen gern angenommen haben, konnte sich aber des neuen Reichtums nicht ungeschmälert erfreuen, da Streitigkeiten um die rechte Auslegung des Schenkungsvertrags nicht ausblieben, immer wieder einmal aufkamen und Ko- sten verursachten. 1053 UB Ballei Thüringen, Nr. 140. 1054 UB Ballei Thüringen, Nr. 151. 1055 UB Ballei Thüringen, Nr. 159. 056 Wojtecki, Studien, S. 75. 57 UB Ballei Thüringen, Nr. 180; UB Vögte Plauen I, Nr. 116. Eine frühere Erwähnung in einer Ur- kunde von 1263 ist unbrauchbar, da die Urkunde sich als eine Fälschung des Egrer Notars Grego- 10 r*us Wernher erwiesen hat: UB Ballei Thüringen, Nr. 174; Flach, Urkundenfälschungen, S. 86ff. UB Ballei Thüringen, Nr. 313; Wojtecki, Studien, S. 76. 1060 S°mmerlad> S.226. UB Ballei Thüringen, Nr. 298; Sommeriad, S. 17ff., 89f.; Wojtecki, Studien, S. 62 f.; Milit- 1061 QCr’ deutscher Orden und Kirche, S.33f. ommerlad, S.228f.; Wojtecki, Studien, S. 76.
In Schleiz erhielt der Orden 1284 das Patronatsrecht1062. 1297 war Heinrich Braunschweig Pfarrkomtur von Schleiz1063. Der Konvent in dem Ort blieb klein V° j bestand fast ausschließlich aus Priesterbrüdern1064. Im gleichen Jahr 1284 erhielt de Orden von Graf Otto von Orlamünde das Patronatsrecht der Pfarrkirche in Wef mar1065. Ein Pfarrkomtur ist dort allerdings erst 1310 nachzuweisen1066. Auch Weima' blieb ein kleiner Priesterkonvent1067. 1289 hatten die Vögte von Plauen dem Ord ihre Patronatsrechte in Asch und Adorf übertragen1068. An beiden Orten entstanden kleinere Priesterkommenden mit Pfarrkomturen an der Spitze, und zwar seit 1314 in Asch und seit 1328 in Adorf1069. Noch vor 1292 hatte der Orden Besitz in Wallhausen erworben, so daß er dort eine Kommende einrichten konnte. Ein Komtur namens Gottfried ist jedenfalls 1292 bezeugt1070. Die Kommende blieb nicht lange bestehen. Denn nachdem Markgraf Friedrich von Meißen 1331 Dorf und Feste Liebstedt gegen das Patronatsrecht in Wallhausen eingetauscht hatte1071, zog sich der Orden aus Wallhausen ganz zurück. In Liebstedt errichtete er sehr bald eine neue Niederlassung, der mindestens seit 1339 ein Komtur vorstand1072. Sie gehörte zu den größeren Ordenshäusern der Ballei. Einige Jahre vor dem Gütertausch, nämlich 1306, hatten die Brüder Heinrich und Gunther, Grafen von Schwarzburg, dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarrei in Saalfeld geschenkt1073. An ihr bildete sich eine der zahlreichen Priesterkommenden der Ballei. Seit 1319 wurde sie von einem Pfarrkomtur geleitet, von denen der erste nachweisbare Heinrich von Kürbitz geheißen hat1074. Als letzte der ständig zur Ballei Thüringen gehörigen Kommenden ist Vargula zu nennen. 1340 kaufte der Orden dem Kloster Fulda die dortige Burg ab. Ein Jahr später verwaltete ein Ritterbruder namens Heinrich Hotterman als Komtur die Neuerwerbung1075. Jedoch hat der Orden die Burg nicht lange halten können. An- 1062 UB Ballei Thüringen, Nr. 404. 1063 UB Ballei Thüringen, Nr.602; Woj tecki, Studien, S. 76. Vgl. ferner: Sommeriad, S.226f., des- sen erster Komtur Konrad von Feuchtwangen von 1284 aus der Liste zu streichen ist. Er war Deutschmeister. 1064 Sommeriad, S.226f.; Wojtecki, Studien, S.76f. 1065 UB Ballei Thüringen, Nr. 397. 1066 UB Ballei Thüringen, Nr. 740. 1067 Sommeriad, S.228. . . 1068 UB Ballei Thüringen, Nr.462; Sommeriad, S. 17. Urkunden mit früheren Ausstellungsdaten sin Fälschungen. 1069 Sommeriad, S.215, 217. 1070 UB Ballei Thüringen, Nr. 534; Sommeriad, S. 22, 227; Wojtecki, Studien, S. 77. 1071 UB Vögte Plauen I, Nr. 706; Sommeriad, S.23, 40. 1072 UB Mühlhausen, Nr. 921; Sommeriad, S. 219. 1339 hieß der Komtur Konrad Eckebrecht. 1073 UB Ballei Thüringen, Nr. 705; Sommeriad, S.22f. 1074 Sommeriad, S.226. 1075 UB Mühlhausen, Nr.935; Sommeriad, S.42f., 227.
. i mußte er sie wegen hoher Verschuldung 1385 dem Rat der Stadt Erfurt ver- ge r und erhielt dafür die erhebliche Summe von 3050 Schock Meißener Gro- kauef?076 SC Außer den genannten Kommenden zählten in der Anfangszeit^weitere Niederlas- en zur Ballei Thüringen bzw. zum später thüringischen Teil der Provinz Thü- sU *n_Sachsen. An erster Stelle ist auf Griefstedt hinzuweisen. Die Anfänge des dortigen Ordenshauses reichen bis 1234 zurück1077. Eine Niederlassung ist 1248 be- zeugt1078» ein Konvent drei Jahre später erwähnt1079. 1261 ist als erster Komtur ein Ritterbruder namens Ludwig zu ermitteln1080. Damals gehörte die Kommende noch zur Ballei Thüringen-Sachsen. 1284 oder 1285 übergab der Hochmeister Burchard von Schwanden sie der Ballei Marburg1081. Die Übertragung Griefstedts an Marburg steht im Zusammenhang mit einer umfassenden Verwaltungsänderung in dem Raum. Denn damals hat derselbe Hochmeister wohl auch die alte Ballei Thüringen- Sachsen in zwei selbständige Provinzen geteilt. Eine weitere Besitzkonzentration gehörte wenigstens anfangs zur Ballei Thürin- gen bzw. Thüringen-Sachsen. 1281 hatte der Orden als Mitgift eines eintretenden Bruders einen Hof in Erfurt erhalten1082. Im Jahr darauf sind Ordensbrüder in der Stadt tätig gewesen1083. 1290 tauschte der Hochmeister Burchard von Schwanden das Patronatsrecht an der Nikolaikirche an der Lehmannsbrücke in Erfurt gegen die Lorenzkirche in Fahnern bei Gotha ein1084. 1291 verwaltete ein Hermann von Halle als rector curie die verbliebenen Güter in der Stadt Erfurt1085. Möglicherweise ist er vormals Pfarrer an St. Nikolai gewesen. 1293 gehörten der rector und die Brüder noch zur Ballei Thüringen1086. Wenige Jahre später wandten sie sich mit ihren Kla- gen an den Komtur in Marburg. Um 1300 muß also der Hof in Erfurt der Ballei Marburg zugeschlagen worden sein1087. Nördlich und nordwestlich von den Ordenshäusern der Ballei Thüringen lagen die Niederlassungen der späteren Provinz Sachsen. Über die Geschichte der aus der 1076 UB Stadt Erfurt II, Nr.907, 914, 928; Sommerlad, S.43f. 1077 UB Ballei Thüringen, Nr. 55f.; Wyss I, Nr.45. 1078 UB Ballei Thüringen, Nr. 100; Wyss I, Nr. 85. in^ UB $ailei Thüringen, Nr. 116; Wyss I, Nr. 104. 1 $0 UB Ballei Thüringen, Nr. 163; Wojtecki, Studien, S. 73. 1 UB Ballei Thüringen, Nr. 395f.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 22. Zur Geschichte: 10 Anderson, Griefstedt; Heldmann, Hessen, S. 82ff. Vgl. auch: Wojtecki, Studien, S.58f. 82 Wyss I, Nr. 397; UB Ballei Thüringen, Nr. 348; UB Stadt Erfurt II, Nachtrag Nr. 7. Vgl. Held- 1083 J113011’ Hessen, S. 88f.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.28f. 1084 n Thürin$en’ Nr. 371; Wyss I, Nr. 406. tt Ballei Thüringen, Nr. 478, 480, 505; Wyss I, Nr. 500, 508, 537. 1086 UR BaUei Thüringen, Nr. 510. 1087 wT Ballei ThürinSen’ Nr. 544; Wyss I, Nr. 567. yss II, Nr. 1; Lachmann, Deutschordensbriefe, S. 393f.; Braasch-Schwersmann, Mar- burg, S. 28.
Ballei Thüringen-Sachsen hervorgegangenen Provinz Sachsen fehlen im Gege zur Ballei Thüringen noch eingehende Untersuchungen. Die Lücke wäre noch * schließen. Die Ballei Sachsen war ärmer als die benachbarte Provinz Thüringen S’U hatte weniger Niederlassungen, die zudem meist geringer als die thüringische6 Kommenden begütert waren. n Der älteste Besitz des Ordens in dem Raum lag wahrscheinlich in Dommitzsch Dort hatte bereits 1214 Graf Friedrich von Brena dem Orden Güter geschenkt1088 Diesem Besitz gliederte der Orden weitere Güter an und errichtete eine Kommen de. Wann das geschehen ist, ist ungewiß. Ein Komtur namens Otto, vielleicht Otto von Reichau, ist erst 1278 nachweisbar1089. Eine der ältesten Kommenden im Gebiet der späteren Ballei Sachsen lag in Lan- geln. Sie war auch eine der reichsten und wichtigsten Niederlassungen in dem Raum. 1219 hatte der Orden das Dorf und das Patronatsrecht an der Pfarrkirche ge- kauft. Ein Jahr später bestätigte Kaiser Friedrich II. dem Orden den neuerworbe- nen Besitz1090. 1262 ist der Ritterbruder Bedecke als erster Komtur des Hauses in Langeln bezeugt1091. 1221 übertrug Pfalzgraf Heinrich dem Orden die Burgkirche in Elmsburg im Elm1092. Die Burg muß bald darauf auch in die Hände des Ordens gelangt sein. Denn in ihr entstand eine kleinere Niederlassung. 1252 ist dort ein Ordenshaus be- legt1093. Zehn Jahre später stand Johann von Wegeleben an der Spitze dieser Kom- mende1094. Auch in den folgenden Jahren sind in Elmsburg noch Komture nachzu- weisen. Jedoch blieb die Niederlassung klein und wirtschaftlich schwach. Sie verlor infolgedessen im 14. Jahrhundert ihre Eigenschaft als selbständige Komturei, sank zu einer Kastnerei ohne Konvent und eigenverantwortliche Vorsteher ab und wurde fortan von Lucklum aus verwaltet1095. Im Elm erhielt der Orden 1260-1262 eine weitere Burg Reitling geschenkt1096. 1267 saß dort ein commendator curie namens Bodo1097. Reitling ereilte das gleiche Schicksal wie Elmsburg. Die Niederlassung war zu gering ausgestattet, als daß sie als selbständige Kommende hätte bestehen können. Sie sank zu einer Kastnerei ab und wurde schließlich ebenfalls von Lucklum aus verwaltet. 1088 Diplomatarium Ileburgense, Nr. 7; Prothmann, S. 13. 1089 UB Ballei Thüringen, Nr.299; Wojtecki, Studien, S. 100. 1090 UB Langeln, Nr. 5-9. 1091 UB Langeln, Nr. 25. 1092 Behr, Burow, S. 7. 1093 1094 1095 StA Wolfenbüttel, Urk. Abt. 31 Nr. 6. UB Langeln, Nr. 25. fc>üttel, 1318 hieß der Verwalter bereits commendator grangie sive curie Elmesborckr. StA Wo e Urk. Abt. 31 Nr. 89. 1096 UB Langeln, Nr.25; UB H Halberstadt II, Nr. 1013, 1025, 1144. 1097 Codex Anhaltinus II, Nr. 242.
f und Kirche von Lucklum hatte der Orden 1263 erhalten1098. Bereits zwei “ter leitete ein Komtur namens Boteken die neue Niederlassung1099. Der Jahre ^.traum zwiSchen der Schenkung des Hofs und der Errichtung einer Kom- kU^de ist schon für sich allein ein Zeichen für die Bedeutung und ^Wirtschaftskraft ^^übertragenen Besitzes. In der Tat zogen im 14. und 15. Jahrhundert die Land- ^eS e von Sachsen meist nach Lucklum als ihrem Hauptsitz. Lucklum stieg also u^Landkommende der Ballei auf. Z Älter als Lucklum war die Niederlassung in der Reichsstadt Goslar. Dort über- der ehemalige Vogt der Stadt dem Orden 1227 ein von ihm kurz zuvor gegrün- detes Spital. König Heinrich (VII.) bestätigte die Schenkung im gleichen Jahr1100. Trotz der Förderung durch das staufische Herrscherhaus blieb die Resonanz in der städtischen Bevölkerung gering, so daß der Besitz nur langsam wuchs. Seit 1254 stieß das Deutschordensspital zudem auf die Konkurrenz einer städtischen Spital- gründung, die darauf angelegt war, die Ordensinstitution überflüssig zu machen oder in die Neugründung zu überführen1101. Daher verwundert es nicht, daß erst um 1258 von einem Deutschordenshaus in Goslar die Rede ist1102. Noch später, nämlich 1292 ist der erste Komtur namens Konrad genannt1103. Inzwischen hatte der Orden seit 1287 in Weddingen rund 9 km nordnordöstlich von Goslar umfangrei- chen Besitz erworben1104. Dorthin außerhalb der Stadtmauern verlagerten die Gos- larer Komture ihren Sitz seit dem 14. Jahrhundert1105. 1227 hatte Herzog Albert von Sachsen dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarrkirche von Dahnsdorf geschenkt und die Übertragung zwei Jahre später noch- mals bestätigt1106. Der Besitz in und um den Ort blieb gering. Jedoch mußte seit 1227 zumindest ein Priesterbruder den Gottesdienst versehen und daher in Dahns- dorf residieren. 1248 sind erstmals Ordensbrüder in dem Ort bezeugt1107. 1271 ist von einem Deutschordenshaus die Rede1108 und 1296 als erster Komtur ein Werner zu ermitteln1109. Eine bedeutende Niederlassung des Ordens ist die Priesterkom- mende in Dahnsdorf nie geworden1110. 1098 UB H Halberstadt II, Nr. 1070; Asseburger UB I, Nr. 316, 319f. 1099 UB Ballei Thüringen, Nr. 182. 1100 UB Goslar I, Nr. 486 f.; UB H Hildesheim II, Nr. 238. 101 UB Goslar II, Nr. 26. 102 UB Goslar II, Nr. 56. 3 Goslar II, Nr. 439. 110S UBGoslar U> Nr. 357 f. 110a W°itecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S.204. 1107 , ühlmann, Dahnsdorf, Nr. 1-2. 110« c ühlmann, Dahnsdorf, Nr.4 1109 * Wolfenbüttel, 8 N XVII Nr. 1. U10 V 1 Todenbüttel, Urk. Abt. 31 Nr. 44. Codex Anhaltinus II, Nr. 814 f. 8 • Bünger/Wentz, Bistum Brandenburg II, S.499ff.
Die Brüder Goderich, Walter, Burchard und Albrecht von Barby schenkten d Orden 1242 das Dorf Bergen bei Magdeburg1111. Der Besitz wuchs allmählich an 61X1 daß eine eigene Kommende errichtet werden konnte1112. 1285 ist das Amt ' S° Komturs bezeugt. Der erste namentlich bekannt Amtsträger war 1310 Hildebrand von Graforst1113. Zu einer reichen oder wohlhabenden Niederlassung des Orden hat sich Bergen nicht entwickeln können1114. Graf Bernhard I. von Anhalt übergab dem Orden 1258 sein Dorf Büro mitsamt der Pfarrkirche1115. Aus der Schenkung entwickelte sich eine kleinere Priesterkom mende. 1296 ist ein Deutschordenshaus erwähnt. Damals lebte ein Priesterbruder als Pfarrer von Büro mit weiteren Brüdern in der Niederlassung1116. 1304 hieß der erste namentlich bekannte Komtur Arnold1117. Die Kommende blieb stets unbedeu tend1118. Im 14. Jahrhundert kamen zwei weitere Niederlassungen in der Ballei Sachsen zu den schon bestehenden hinzu. 1318 schenkte Herzog Otto von Braunschweig dem Orden seinen Hof in der Neustadt von Göttingen mit dem Patronatsrecht der dor- tigen Marienkirche1119. Fünf Jahre später stand an der Spitze der neuen Niederlas- sung Borchard von Winnigstedt als Komtur1120. Eine größere Bedeutung konnte das Deutschordenshaus in Göttingen nicht erreichen1121. Noch später siedelte sich der Orden in Aken an der Elbe an. Herzog Rudolf von Sachsen hatte ihm 1355 das Spi- tal in dem Ort übereignet1122. Bereits im Jahr darauf amtierte ein Komtur dort1123. Eine Spitalübertragung an den Deutschen Orden war im 14. Jahrhundert zu einer Seltenheit geworden, weil er damals schon sein Ansehen als Spitalorden eingebüßt hatte. Zu der Zeit waren die meisten städtischen Obrigkeiten zu Konkurrenzgrün- dungen übergegangen und hatten versucht, die Probleme mit von ihr verwalteten und kontrollierten Institutionen in den Griff zu bekommen1124. Zumindest zum späteren Bereich der Ballei Sachsen ist die Kommende in Bremen zu rechnen. Der Deutsche Orden kam in der Hansestadt an der Weser vor 1230 in 1111 Codex Brandenburgensis 11,1, Nr. 146 f.; Prothmann, S.30, 35, 142. 1112 Codex Brandenburgensis 11,1, Nr.234f.; Prothmann, S.30. 1113 Codex Brandenburgensis 11,1, Nr. 367; Prothmann, S. 95, 140. 1114 Zur Geschichte: Prothmann. 1115 Codex Anhaltinus II, Nr.241; Behr, Burow, S. 7. 1116 Codex Anhaltinus II, Nr. 814 f.; Behr, Burow, S. 9. 1117 UB Waterler, Nr. 37; Behr, Burow, S. 9. Zur Geschichte: Behr, Burow. 1118 Vgl. Bünger/Wentz, Bistum Brandenburg II, S.506ff. 1119 UB Göttingen I, Nr. 85; Fahlbusch, Deutsche Orden in Göttingen, S. 610. 1120 UB Göttingen I, Nr. 103. 1121 Vgl. Fahlbusch, Deutsche Orden in Göttingen. 1122 Behr, Aken, S.222ff. 1123 Behr, Aken, S.226ff. 1124 Re icke I, S. 130 ff.
Besitz des Spitals1125. 1236 verwaltete ein Komtur namens Arnold die Niederlas- ^en 1126 pie Kommende bestand also, als die Ballei Thüringen-Sachsen geschaffen sUnrjen ist. Jedoch blieb sie nicht lange im Verband dieser Ballei. Denn bereits am W°t i 1248 gab der Komtur von Münster seine Zustimmung einem Vertrag des s Esicus und seiner Mitbrüder des Deutschordenshauses in Bremen mit . m Bremer Bürger, der dem Orden 100 Mark übergeben hatte und dafür eine T^'brente und nach seinem Tod einen Jahrtag verlangte1127. Daraus habe ich seiner- zeit geschlossen, daß die Kommende spätestens 1248 der Oberaufsicht des Komturs von Münster in Westfalen unterstanden habe. Daran hat Brünjes berechtigte Zweifel erhoben. Denn so eindeutig wie 1236 im Falle der Unterstellung unter den Land- komtur von Thüringen-Sachsen ist die Unterordnung der Kommende nicht ausge- drückt. Brünjes meint, daß erst seit 1266 eine Zugehörigkeit der Bremer Kom- mende unter den Landkomtur von Münster zu begründen sei. Es ist wohl nicht ganz auszuschließen, daß der Bremer Komtur sich erst nach der Mitte des 13. Jahr- hunderts dem Münsteraner Komtur unterordnete. Jedoch bleibt die auffallende Tat- sache bestehen, daß ein an sich unbedeutender Amtsträger einen Vertrag im fernen Bremen vermittelte, ohne daß irgendwelche Verbindungen bestanden hätten. Ein- leuchtender erscheint mir daher, daß schon seit 1248 eine Unterordnung Bremens unter den Komtur von Münster anzunehmen ist. Der Titel „Komtur“ für einen werdenden Provinzial ist in der Anfangszeit des Ordens nicht ganz ungewöhnlich, wie auch das Beispiel Elsaß-Burgund zu zeigen vermag. Man wird also trotz der Einwände daran festhalten können, daß der Bremer Komtur seit 1248, jedoch späte- stens nach der Mitte des 13. Jahrhunderts zur Ballei Westfalen zählte. Aber auch in dieser Ballei blieb die Kommende nicht, sondern wurde im 14. Jahrhundert dem Or- denszweig im Reich genommen und dem livländischen Meister unterstellt1128. Rätselhaft bleibt die Erwähnung eines Komturs von Magdeburg in einer Urkun- de von 12241129. Später ist in Magdeburg kein Deutschordensbesitz nachweisbar. Einige Forscher haben daher den Komtur als Vorläufer des Leiters der Kommende in Bergen angesehen1130. Die Hypothese scheitert schon daran, daß der Orden in Bergen 125 Bremisches UB I, Nr. 154; Schumacher, Bremen, S. 186ff.; Brünjes, S. 36ff., der die kompli- zierte Überlieferung im einzelnen nachzeichnet. Vgl. oben, S. 267f. Die im Bremisches UB I, Nr. 175 zu 1233 datierte Urkunde mit dem Komtur Gebhard gehört in die Zeit nach 1238. Zu 1238 ist ein Komtur Hartmann bezeugt; Brünjes, S.44f. 1128 ?5emisches UB I, Nr.237; Schumacher, Bremen, S.219; Brünjes, S.240f. Nr. 17f. ilitzer, Entstehung, S. 165; Ders., in: Fenske/Militzer, S. 789ff.; vgl. nun auch Brün- !.es» S\61ff., 199ff. Letzterer möchte die Kommende bereits seit 1244 in engere Verbindung zum 1129 »Lydischen Zweig des Deutschen Ordens bringen (S. 51). 1130 B Thüringen, Nr.27; Wyss I, Nr. 14; Regesta Thuringia II, Nr.2254. r, Burow, S. 8; Sommeriad, S. 48ff. Der von Sommeriad, S. 220, genannte angebliche MabUr V°n Magdeburg Konrad Wise war Komtur von Marburg: Braasch-Schwersmann,
Erwähnung Kommende erst 1257-1274 Besitz erwarb, also fast eine Generation nach der ersten eines angeblichen Komturs von Magdeburg. Die Autorin, die sich mit der Bergen besonders befaßt hat, vermutet, daß der Besitz in Magdeburg dem Ternplero den übergeben worden sei1131. Jedoch befriedigt der Hinweis nicht, da sich für die Ve ' mutung keine Anhaltspunkte finden lassen. Wahrscheinlich versteckt sich hinter dern angeblichen Komtur von Magdeburg von 1224 schon ein Komtur von Marburg Eine weitere Urkunde bereitet Schwierigkeiten. 1285 ist ein Komtur Hermann mit Deutschordensbrüdern in Höxter an der Weser genannt1132. Ein Komtur und Konvent in dieser Stadt ist weder vorher noch später nachzuweisen, so daß berech tigte Zweifel an der Existenz einer Ordensniederlassung in Höxter bestehen. Ver- mutlich handelt es sich bei dem Komtur und den Brüdern um Angehörige eines an- deren schon vorhandenen Konvents. Die Balleien Thüringen und Sachsen sind aus der Ordensprovinz Thüringen- Sachsen hervorgegangen. Die Provinz Thüringen-Sachsen ist 1236 geschaffen wor- den. Vermutlich war Hermann von Salza daran beteiligt, als er an einem Kapitel in Marburg teilnahm. Die Teilung in die Balleien Thüringen und Sachsen muß 1287 ge- schehen sein. Die Verwaltungsänderung geht wahrscheinlich auch auf die Initiative des Hochmeisters zurück, und zwar Burchards von Schwanden. Die Ballei Thürin- gen war die reichere von beiden und hatte mehr Kommenden, vor allem Priester- kommenden. Dagegen blieb die Ballei Sachsen wirtschaftlich schwach. Die Land- komture von Thüringen residierten seit dem 14. Jahrhundert meist in Zwätzen, die von Sachsen meist in Lucklum. 8.7.6 Die Ballei Lothringen Es vergingen mehrere Jahre, ehe nach der Entstehung der Balleien Elsaß-Burgund und Thüringen-Sachsen wieder eine Ordensprovinz aus dem dem Deutschmeister direkt unterstellten Bereich herausgeschnitten wurde. Spätestens 1245 schließlich wurden die im Norden der Ballei Elsaß-Burgund liegenden Kommenden und Gü- terkomplexe zur neuen Ordensprovinz Lothringen zusammengefaßt. Denn in dem Jahr ist erstmals ein Ritterbruder namens Eberhard als Landkomtur der Ballei be- zeugt1133. Die neuere Arbeit von Rüdiger Schmidt möchte die Möglichkeit offen halten, daß die Ballei schon vor 1245 entstanden sei. Als wahrscheinlichen Zeitraum nimmt er die Jahre 1221-1245 an1134. Da er jedoch keinen früheren Landkomtur a s 1131 Prothmann, S.42. 1132 UB Langeln, Nr. 38. 1133 Hennes II, Nr. 68f.; ferner: UB mittelrh. Territorien III, Nr. 880; ZGO 15, Nr. 16 f. 1134 Schmidt, Trier, S. 79 f. Urkunden Unterelsaß, in'
Eberhard von 1245 kennt und seine allgemein gehaltenen Überlegungen nicht jenen n, steht seine Hypothese auf tönernen Füßen. Sollte man tatsächlich an- ^rZ n müssen, daß der Provinzialobere bis zu zwanzig Jahren oder sogar länger 06 keiner Urkunde genannt worden wäre ? Das ist sehr unwahrscheinlich, wie sich inu d von Ämterlisten leicht belegen läßt. Ein Landkomtur konnte sich nicht ver- an ken Seine Entscheidungen und Ratschläge wurden von den Komturen wie von ckn weltlichen Wohltätern des Ordens verlangt. Ein weiterer Gesichtspunkt spricht für die Errichtung einer Ballei Lothringen im T hr 1245- Denn im März 1245 hatte Eberhard von Ettendorf seinen Hof Dan zwi- schen Offwiller und Zinswiller, 25 km nordwestlich von Hagenau im Unterelsaß, dem Landkomtur von Elsaß-Burgund Gottfried von Rufach übertragen1135. Schon ein Jahr später war der Landkomtur von Lothringen für den Hof zuständig1136. Das deutet darauf hin, daß es 1245 eine Verwaltungsumgestaltung für die Kommenden im Westen des Reichs gegeben hat. Die Ballei Elsaß-Burgund wurde auf den süd- lichen Teil beschränkt, während der nördliche Teil des Unterelsaß, ferner Lothrin- gen und die Besitzungen im Hochstift Trier, in Luxemburg und den benachbarten Regionen an die neu errichtete Ballei Lothringen fielen. Dazu gehörte auch der Hof Dan, der wohl noch 1245 dem neuen Landkomtur Eberhard unterstellt wurde1137. Strittig ist auch, ob der Landkomtur namens Eberhard mit anderen gleichnami- gen Amtsträgern im Orden identifiziert werden kann. Lampe möchte ihn mit Eberhard von Sayn, dem Großkomtur, Stellvertreter des Hochmeisters und Deutsch- meisters, gleichsetzen1138. Er ist jedoch mit seinem Vorschlag auf einhellige Ablehnung gestoßen. Im allgemeinen hielt man den Landkomtur für identisch mit Eberhard von Mörsberg, Ritterbruder in Dan und später 1255 Landkomtur von Spanien1139. Dagegen hat Rüdiger Schmidt Bedenken erhoben und eingewandt, daß der Land- komtur nie mit dem Familiennamen genannt sei und allein der Vorname nicht aus- reiche, den Landkomtur von Lothringen mit dem Landkomtur von Spanien zu identifizieren1140. Der Hinweis Schmidts ist insofern berechtigt, als die Identifi- zierung nicht zu beweisen ist. Jedoch bleibt auffällig, daß der Landkomtur von Spa- nien Eberhard von Mörsberg die Bürgschaft von zwei Rittern entgegennahm, die versicherten, daß der Hof in Dan durch den Ordenseintritt eines Adligen nicht be- rstet werden solle1141. Das Interesse des Landkomturs von Spanien an dem kleinen °i im Unterelsaß wäre unverständlich, wenn man nicht doch eine Beziehung des H * Urkunden Unterelsaß, in: ZGO 15, Nr. 15. 1137 ;rkunden Unterelsaß> in: ZGO 15, Nr. 16. 1138 I Dan: Schmidt> Trier> S. 18f. H39 c arnPe’ Altpreußische Biographie II, S. 595. ° zuerst Mirbach-Harff, Beiträge I, S. 25. Danach: Wojtecki, Studien, S.44; Forstreu- 1140 q6? Mhtelmeer, S. 94; Militzer, Entstehung, S. 87. 1141 uvmidt>Trier>S-275f- rkunden Unterelsaß, in: ZGO 15, Nr.21.
Landkomturs von Spanien zum Hof Dan unterstellen könnte. Dann aber wäre ’ Identifizierung des spanischen Landkomturs mit dem lothringischen wahrschein TT wenngleich nicht beweisbar1142. Trotz der Einwände Schmidts halte ich es also fü’ möglich, daß Eberhard von Mörsberg um 1240 in den Deutschen Orden eingetrete F ist, unter dem ersten Landkomtur von Elsaß-Burgund die Verwaltungspraxis erlern te, 1245 bei der Übergabe des Hofes Dan an den Landkomtur von Elsaß-Burgund anwesend war und die Aufgabe übertragen erhielt, den Hof samt den zugehörigen Gütern zu verwalten. Er wurde im Spätherbst des Jahres 1245 zum ersten Land komtur von Lothringen und 1255 Landkomtur von Spanien1143. Bevor der erste Landkomtur 1245 nachweisbar ist, hatte der Orden im Bereich der späteren Ballei umfangreiche Güter erworben. Es hatten sich Besitzkonzentra- tionen herausgebildet, die zu Kommenden ausgestaltet werden konnten, wenngleich Komture der einzelnen Niederlassungen erst nach 1245 zu belegen sind. Der älteste Besitz lag wohl in Metz. Vermutlich 1210 erhielt der Orden Güter in Memmers- bronn (Narbefontaine) bei Metz, die er 1245 dem Sohn des Wohltäters, nämlich Bertram von Wolmeringen, gegen eine jährliche Rente zurückgab1144. Damals hat es bereits ein Ordenshaus in Metz gegeben. Ein Komtur ist allerdings erst 1290 na- mentlich erwähnt, nämlich Arnold1145. Die Metzer Kommende leiteten meist Pfarr- komture1146. Wahrscheinlich gehörte das Ordenshaus zu den weniger begüterten der Ballei1147. Möglicherweise hat der Orden in Metz auch ein Spital unterhalten. Ein solches hatte er jedenfalls in Memmersbronn (Narbefontaine) an der Straße über Saarbrücken nach Kaiserslautern und Mainz1148. 1221 übertrug Herzog Walram von Limburg, Graf von Luxemburg, dem Deut- schen Orden ein Spital in Luxemburg im südlichen Vorort der Oberstadt an der Flandrischen Straße1149. Schon damals muß der Orden Brüder zur Verwaltung des Spitals eingesetzt haben. Drei Jahre später ist neben dem Spital ein Ordenshaus be- zeugt1150. 1285 stand ihm der Priesterbruder Walter vor1151. Komture sind erst im 14. Jahrhundert nachweisbar. Die Niederlassung in Luxemburg hat nie große Bedeu- tung erlangen können1152. 1142 Auch Schmidt, Trier, S. 276, erwägt mögliche Identifizierungen des Landkomturs von Spanien mit anderen Ritterbüdern des Vornamens Eberhard. 1143 Militzer, Entstehung, S. 87. 1144 Hennes II, Nr.69; Lempfried, S.5f. 1145 Hennes II, Nr.311. 1146 Lempfried, S. 19. dazu' 1147 Lempfried, S.41, hält sie für sehr begütert. Dagegen schon: Voigt, Balleien I, S.99f. Vg • Schmidt, Trier, S. lOf. 1148 Schmidt, Trier, S. 11. 1149 Reuter, S. 186f.; Schmidt, Trier, S. 11 f. 1150 Hennes II, Nr.484. j\Jr 18> 1151 Urkunden- und Quellenbuch altluxemb. Territorien V, Nr. 157; vgl. ferner: V, Nr. 183; » 1152 Reuter; Schmidt, Trier, S. 11 f.
• Jahr später als in Luxemburg 1222 haben die Bürger Saarburgs ihr Spital dem Einchen Orden übergeben1153. Der Orden hat es unterhalten und gefördert. Im hundert waren in ihm sogar Ordensschwestern tätig. Selbst als der Orden uf es verzichtet hatte, übernahm er es auf Bitten der Bürger sechs Jahr später • j 1154 Im Lauf der Zeit verfiel es jedoch. Ein Komtur ist in Saarburg 1293 er- t Er hieß Volzo1155. Eine Zeitlang mag während des 13. Jahrhunderts in Me- T* sWald/Miderswald, einer Wüstung bei Saarburg, eine eigene Ordensniederlassung einem Spital bestanden haben. Sie wurde jedoch samt dem Spital und allem Be- süz der Saarburger Kommende inkorporiert1156. 1227 erhielt der Orden von Graf Simon III. von Saarbrücken ein Grundstück in Saarbrücken zum Bau eines Ordenshauses. Graf Simon hatte den Orden vor Da- miette kennen und schätzen gelernt. Er beließ es nicht bei der einmaligen Liegen- schaftsübertragung, sondern schenkte dem Orden weitere Grundstücke, Gerecht- same und Güter1157. In Saarbrücken wird daher wohl schon im 13. Jahrhundert ein Ordenshaus gegründet worden sein. Einige Anzeichen sprechen dafür, daß Kom- mendenbauten zur Mitte des Jahrhunderts bereits standen1158. Ein Komtur ist aller- dings erst 1313 bezeugt, nämlich Johann, von dem man nicht weiß, ob er Ritter- oder Priesterbruder gewesen ist1159. Von Dan ist schon die Rede gewesen. Der dortige Hof wurde dem Deutschen Orden 1245 übereignet und kam noch im gleichen Jahr, jedoch spätestens 1246 an die Ballei Lothringen1160. 1255 ist ein Ordenshaus nachzuweisen1161. Ob in diesem Zeitraum jener schon erwähnte Eberhard Komtur der Niederlassung gewesen ist, ist zweifelhaft. Der erste sicher bezeugte Komtur von Dan war 1293 Bertold, der gleichzeitig das Landkomtursamt von Lothringen bekleidet hat1162. In Einsiedel bei Kaiserslautern besaß der Orden bereits vor 1253 ein Haus mit einem Spital und einer Kapelle. Der Besitz war ihm von dem Reichsministerialenge- H53*Hennes II, Nr. 19; Ewig, S. 82. 1154 Hennes II, Nr.322, 327,506; Schmidt, Trier, S. 14. H55 Hennes II, Nr.320; Ewig, S. 89. 1156 Schmidt, Trier, S. 14; Ewig, S. 83. Zur Kommende: Ewig, passim. 157 Hennes II, Nr.30; Mittelrheinisches UB III, Nr.334; Mittelrheinische Regesten II, Nr. 1848; vgl. 115 Schmidt’Trier’ S. 15f. Vgl. Klewitz, S. 55, der vor allem Details zur Bausubstanz und Ausgrabungsergebnisse mitteilt. Allerdings ist von der mittelalterlichen Bausubstanz wenig erhalten geblieben, nur die Kapelle und ein Keller. Ob man mit dem Autor (S. 61) ein Spital annehmen muß, bleibt zweifelhaft und ist eher U5 UnWahrscheinüch. 1160 J\e?esten Nassau-Saarbrückischen Lande I, Nr.963; Schmidt, Trier, S. 16. 1161 H^Unden Unterelsaß, in: ZGO 15, Nr. 15-17. 1162 nUnden Unterelsaß, in: ZGO 15, Nr.21f.; UB Straßburg I, Nr. 389; vgl. Planta, S. 18ff. ennes II, Nr.320; Schmidt, Trier, S. 18f., 280. Er war wohl nicht identisch mit dem in Freu- en nachweisbaren Bertold von Nordhausen, wie Voigt, Balleien I, S.672, meint. Zweifelnd auch: °jtecki, Studien, S.40.
schlecht von Hohenecken zu einem nicht mehr näher eingrenzbaren Zeitpu L- übertragen worden1163. Ein Komtur namens Johann ist dort 1281 bezeugt1164 jy Kommende gehörte zu den kleineren Niederlassungen der Ballei1165. le 1293 schenkten Gerhard Herr von Beckingen und sein Bruder Jakob, Kanonik des Trierer Simeonsstifts, dem Deutschen Orden ihren gesamten Besitz in Beckin gen und Umgebung1166. Auf den Gütern entwickelte sich bald eine Niederlassun der 1320 als erster Komtur Otto von Hofelt vorgestanden hat1167. Die Kommende konnte ihre Besitzungen jedoch nicht in dem Maße, wie vielleicht angenommen vermehren und blieb daher in ihrer Entwicklung stehen1168. Die wichtigste Kommende der Ballei - zumeist gleichzeitig Sitz des Landkomturs - lag in Trier. Man weiß nicht genau, wann sich der Orden in Trier niedergelassen und wann er den ersten Besitz dort erworben hat. Jedenfalls bestand 1242 ein Deutsch- ordenshaus an der Mosel1169. Es entwickelte sich zur wirtschaftlich stärksten Nie- derlassung der Ballei1170. Ein Komtur ist allerdings erst 1316 nachzuweisen. Damals übte das Amt Heinrich von Trier aus, vermutlich ein Ritterbruder1171 1172 *. Daß kein Komtur im 13. Jahrhundert zu ermitteln ist, mag daran liegen, daß es damals noch keinen gegeben hat. Möglicherweise war es anfangs nicht erforderlich, für die Lei- tung des Hauses einen verantwortlichen Amtsträger zu ernennen, da der Landkom- tur diese Aufgabe mit übernahm, wie beispielsweise Johann von Kawilre (1266- 1281), der wahrscheinlich Landkomtur von Lothringen und Komtur von Trier ge- • 1172 wesen ist Die Ballei Lothringen ist also wohl 1245 geschaffen worden. Damals gab es im Bereich der Provinz zwar schon Besitzkonzentrationen, die auch von einzelnen Or- densbrüdern verwaltet worden sein mögen, aber Kommenden mit Komturen an der Spitze sind erst nach der Entstehung der Ballei nachweisbar. Die Besitzentwicklung der Ballei blieb wohl hinter den Erwartungen zurück. Jedenfalls gehörte Lothrin- gen immer zu den ärmeren Ordenprovinzen unter dem Deutschmeister. 1163 Hennes I, Nr. 147; II, Nr.99; Rembe, S.2; S c h m i d t, Trier, S. 17. 1164 Baur, Urkunden II, Nr. 338; Fendi er, Einsiedel, S. 176. 1165 Fendler, Einsiedel; Schmidt, Trier, S. 16ff. 1166 Mittelrheinische Regesten VI, Nr.2126; Schmidt, Trier, S. 177f. 1167 Schmidt, Trier, S.24, 307, 511. 1168 Dazu: Schmidt, Trier, S. 177ff. Qff 1169 Mittelrheinisches UB III, Nr. 744; Mittelrheinische Regesten III, Nr. 293; Schmidt, Trier, 1170 Vgl. S c h m i d t, Trier, S. 26 ff. 1171 Schmidt, Trier, S.291. -nen 1172 Schmidt, Trier, S. 278. Er möchte S. 276 in einem 1246 genannten Bruder Bartholomäus Komtur sehen. Dafür gibt die herangezogene Urkunde allerdings keine hinreichenden in vgl. Hennes II, Nr. 75.
8.7.7 Die Ballei Koblenz weitere Ballei im Westen entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts Koblenz. ' Entwicklung dieser Provinz ist insofern komplizierter, als anders als sonst üb- h eine Kommende den Namen der Ballei gab und der Koblenzer Komtur Funk- •C n eines Landkomturs ausübte. Das hat zu unterschiedlichen Einschätzungen U°führt Hans Limburg, der die Provinz eingehend untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, daß man im Falle von Koblenz gar nicht von einer Ballei, sondern nur von einem Kommendenverband sprechen könne, da die von Koblenz abhängi- n Leiter von Ordenshäusern nicht eigenständig gewesen seien und nicht eigenver- antwortlich hätten handeln können. Die Leiter solcher Ordenshäuser hätten eher die Stellung von Hauskomturen als die von Komturen in anderen Balleien gehabt1173. Diese Deutung, die die Sonderstellung von Koblenz hervorheben soll, überzeugt mich nach wie vor nicht. Gründe, die gegen eine solche Sonderstellung vorgebracht worden sind, bestehen weiter und sind nicht entkräftet. Zunächst einmal hieß der Koblenzer Komtur oft nicht nur einfach commendator, sondern erhielt eine seine Stellung kennzeichnenden Zusatz wie preceptor noster superior, commendator ...Su- perior, summus magisterm. Allerdings fehlt die Bezeichnung Landkomtur oder Bal- lei im Titel des Koblenzer Amtsträgers fast ganz. Das analoge Beispiel der Ballei Marburg zeigt, daß das Fehlen des Landkomtur- titels nicht schon an und für sich ein Hinweis auf eine andere Organisationsform als auf das sonst bekannte Provinzialsystem sein muß. Die Feststellung bleibt gültig, auch wenn - wie man zugeben kann - das Beispiel Marburg nicht in jedem Punkt mit dem Fall Koblenz übereinstimmt1174 1175. Dennoch unterschieden sich beide Provin- zen Koblenz und Marburg von anderen Balleien dadurch, daß die Verbandsbildung von einem Haus ausgegangen ist und auf dieses Haus bezogen blieb. Die Entste- hung der Ballei Elsaß-Burgund ging zwar auch von der Kommende Rufach aus und war wahrscheinlich das Werk des Rufacher Komturs Gottfried, aber Rufach konnte sich nicht zur Landkommende entwickeln, weil Gottfried zielstrebig Ordensbesitz in anderen Landschaften unter seine Oberaufsicht stellen wollte und Rufach nicht als Mittelpunkt seiner Verwaltung angesehen hat. In der Provinz Koblenz blieb da- gegen die erste Niederlassung an der Moselmündung in den Rhein, am Deutschen Eck, wie es später nach dem dort gelegenen Deutschordenshaus hieß, das Haupt- es und der Komtur dieses Hauses der Vorgesetzte anderer abhängiger Häuser, b ^lnter der Diskussion um die Frage, ob man im Falle von Koblenz oder Mar- Urg von einer Ballei reden könne oder besser von einem Kommendenverband sprechen solle, steht ferner eine jeweils unterschiedliche Ansicht von dem, was eine 1174 Limburg, Koblenz, S.23. Zustimmend: Braasch-Schwersmann, Marburg, S.42. Limburg, Koblenz, S.19f. Braasch-Schwersmann, Marburg, S.41 f.; vgl. unten, S.291 ff.
Ballei im Deutschen Orden sei. Deshalb sei nochmals auf die besonderen Aufgaben eines Landkomturs eingegangen und auf das, was eine Ballei ausmachen könnte Die Statuten des Deutschen Ordens haben leider nicht definiert, was eine Ordens- provinz sein solle. Andernfalls wäre die Diskussion um diese Frage einfacher zu führen. Allerdings haben die Statuten den Landkomturen einige Aufgaben Vorbe- halten, die er allein oder mit dem Rat seines Kapitels zu bewältigen habe1176. Dazu gehörte die Entgegennahme von Spitalsschenkungen. Nahm ein Landkomtur eine solche Schenkung an, hatte er auch für die Aufrechterhaltung des Spitaldienstes zu sorgen und Brüder für die Krankenpflege abzustellen. In seinem Ermessen lag es, Schwestern in den Orden aufzunehmen und bei der Aufnahme von Familiären Son- derbedingungen zu gewähren. Wollte ein Bruder des Ordens oder ein Schüler die höheren Weihen empfangen, also Priesterbruder werden, hatte er die Erlaubnis sei- nes Landkomturs einzuholen. Der Hochmeister Burchard von Schwanden gab den Landkomturen die Vollmacht, Bücher aus den Nachlässen je nach Bedarf unter die Häuser ihrer Balleien zu verteilen. Von den Landkomturen hing es ab, ob einem Bruder oder einer Kommende Ausnahmen von der allgemeinen Fastenregelung er- teilt wurde, ob ein alter oder kranker Bruder beffen tragen, ob ein Bruder mehr als eine Mark Silber einem Fremden leihen, fremdes Eigentum auf einer Reise als Bote mitnehmen oder einem Fremden für die Reise das Ordenskleid geben durfte. Wenn einer Ballei Priesterbrüder fehlten, konnte der Landkomtur inkorporierte Kirchen oder Kapellen Weltgeistlichen anvertrauen. Besonders wichtig war wohl, daß jede Ballei ein Gefängnis für ungehorsame oder sonst straffällige Ordensbrüder unter- hielt. Das wurde in den Generalkapiteln seit dem Ende des 13. Jahrhunderts immer wieder gefordert. Ungehorsame oder Straffällige sollten dem zuständigen Land- komtur ausgeliefert werden. Ohne Wissen des Landkomturs durfte kein Bruder in dessen Ballei bestraft oder aus dem Orden entlassen werden. Vor allem waren die Landkomture verpflichtet, jährlich ein Kapitel abzuhalten, vor dem alle Amtsträger der Ballei Rechenschaft abzulegen hatten. Sie ernannten die Komture der Ordens- häuser und vertraten den Orden in allen Angelegenheiten der Ballei nach außen, auch vor Gericht. Es ist fast unmöglich, für alle Punkte Nachweise beizubringen. Das gilt aber so- wohl für die Landkomture wie für die beiden Komture von Koblenz und Marburg. Soweit sich Belege finden lassen, haben die Komture von Marburg und Koblenz alle Aufgaben der Landkomture wahrgenommen. Beide Komture unterschieden sich in ihren Funktionen nicht von den ausdrücklich als Provinzial bezeichneten Amtsträ- gern im Bereich des Deutschen Reichs. Daher wird man schwerlich behaupten kön- nen, daß Koblenz und Marburg in einem „ordensrechtlichen Sinne“ keine Balleien gewesen seien1177. Es ist allerdings vorstellbar, daß beide Komture auf eine formale 1176 Vgl. die Ausführungen oben im Abschnitt über die Landkomture, S. 207ff. 1177 So Braasch-Schwersmann, Marburg, S.42.
Erhebung ihrer Verwaltungseinheiten zu Balleien verzichtet und auf deren Aner- kennung im Gegensatz zum Rufacher Komtur nicht bestanden haben. Wichtige Ordenshäuser mit abhängigen Filialkommenden hat es auch im Gebiet der späteren Ballei Franken und dem Deutschmeistertum gegeben. Sie haben sich nicht zu Landkommenden von Balleien entwickeln können, weil sie in andere Or- ganisationsstrukturen eingebunden worden sind. Bei Koblenz und Marburg war das anders. Beide Kommenden behielten ihre von ihnen abhängigen Ordenshäuser und blieben Landkomturen gleichgestellt. Wegen ihrer Aufgaben, die solche von Land- komturen waren, gelangten sie in den gleichen Rang. Ihre Verwaltungsgebiete beka- men balleiähnlichen Charakter und unterschieden sich schließlich nicht mehr von den übrigen Ordensprovinzen. Den Komturen von Koblenz und Marburg unter- standen eben Vorsteher selbständiger Ordenshäuser, wie Landkomture anderer Bal- leien Komturen vorgesetzt worden waren. Darin daß ein Balleioberer über andere ihm untergeordnete Vorsteher von Niederlassungen gebieten konnte, bestand ein wesentliches Merkmal einer Ballei. Es erscheint letztlich von untergeordneter Be- deutung, ob der Balleiobere nun Landkomtur genannt wurde oder Komtur der Hauptkommende seines Verwaltungsbereiches war. In der unterschiedlichen Amts- bezeichnung spiegelte sich schließlich nur noch die verschiedenartige Entwicklung zu einer Ordensprovinz wider1178. Betrachtet man Koblenz unter den dargelegten Gesichtspunkten, erhebt sich die Frage, wann die „Ballei“ oder der „Kommendenverband“, wie Hans Limburg die Verwaltungseinheit lieber nennt1179, entstanden sein könnte. Seit 1250 hatte der Komtur von Koblenz seine Oberaufsicht über die Ordensniederlassung in Köln durchgesetzt1180. 1256 verwaltete ein Komtur das Kölner Ordenshaus. Er unterstand dem Koblenzer Komtur1181. Im Lauf der Zeit dehnte der Koblenzer Komtur seine Zuständigkeit über weitere Häuser aus und stiftete in seinem Gebiet weitere Nieder- lassungen, die ihm unterstellt blieben1182. Seit ungefähr der Mitte des 13. Jahrhun- derts »wird man von einer Ballei Koblenz oder, wenn man an einer Sonderstellung von Koblenz im Sinne Limburgs festhalten will, von einem „Kommendenver- band“ balleiähnlichen Charakters sprechen können. Die älteste Kommende und zugleich die bedeutendste war das Ordenshaus in Koblenz am sogenannten „Deutschen Eck“ an der Mündung der Mosel in den Rhein. Das Eck erhielt seinen Namen nach der Niederlassung des Deutschen Or- dens. An der Stelle befand sich ein Spital, das der Trierer Erzbischof 1216 dem Orden 1178 Dieser Ansicht hat sich neuerdings wenigstens für das 13.Jahrhundert van Eickels, Deutschor- densballei Koblenz, S. 259 ff., angeschlossen. 1179 Limburg, Koblenz, S.22f. 1180 Hennes II, Nr. 84. 1181 Hennes II, Nr. 118. 1182 Limburg, Koblenz, S.20ff.; Militzer, Entstehung, S.93f.
übertragen hatte1183. Bereits 1219 stand ein Komtur namens Ludwig an der S * der Niederlassung1184. Die Kommende dehnte ihren Besitz über das Mittelrhei 6 biet und die Länder am Oberlauf der Mosel aus und hatte vor allem Weineinkünft ' die weit über die Befriedigung des Eigenbedarfs reichten1185. e’ Wenig später als in Koblenz dürfte in Köln eine Niederlassung entstanden sein Schon 1217 war ein Priester namens Vrowin in den Orden eingetreten1186 £)as könnte darauf hindeuten, daß der Orden in der Stadt Fuß gefaßt hatte. Jedoch erst als der Kölner Bürger Heinrich Halverogge vor 1217/1218 dem Orden das von ihm gegründete Spital zu Ehren von Maria und Katharina an der Severinstraße samt einer Kapelle übertragen und der Orden mit dem Stift St. Severin einen Vergleich über die Pfarrechte geschlossen hatte, hatte er einen Kristallisationspunkt für eine Niederlassung im Süden der größten Stadt des Deutschen Reichs erlangt1187. 1256— 1257 stand ein Komtur an der Spitze der Niederlassung1188. 1218 hatte Graf Adolf von Berg dem Deutschen Orden vor Damiette seinen Hof Dieren geschenkt1189. Aus der Schenkung entwickelte sich vielleicht schon früher als in Köln eine Kommende. Denn bereits 1230 ist ein Komtur namens Friedrich von Rheden nachweisbar, der über ein eigenes Kommendensiegel verfügte1190. Dieren blieb im 13. und 14. Jahrhundert im Kommendenverband von Koblenz. 1420 über- trug der Hochmeister das Haus dem Landkomtur von Altenbiesen, um Schulden zu tilgen1191. Aber auch dort blieb es nicht, sondern wurde 1434 der Ballei Utrecht verkauft1192. Zu dieser Ballei gehörte die Kommende Dieren bis zu ihrer Auflösung. 1221 schenkte Walter Berthout, Herr zu Mecheln, dem Deutschen Orden eben- falls vor Damiette Güter in Brabant, unter anderen auch in Mecheln1193 1194. 1234 war ein Sohn Walters namens Egidius procurator der domus Theutonicorum in Braban- ciaXV)\ Der Hauptsitz des Prokurators wird Mecheln gewesen sein. Jedoch ist erst 1183 Hennes I, Nr. 22; Pettenegg, Nr. 24; Limburg, Koblenz, S. 15; Hennes, Commenden, S.5ff.; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S. 19ff. 1184 Hennes I, Nr.41; II, Nr. 11. 1185 Zur Geschichte: Hennes, Commenden, S. 5ff.; Limburg, Koblenz, S. 15ff.; Kerber/Lies- s e m, passim. Auch: Arnold, Weinbau, S. 91 ff. 1186 Limburg, Koblenz, S. 16; HASt Köln, Schreinsbuch 290, fol. 14r. 1187 Quellen Köln II, Nr. 60, 67; Lacomblet II, Nr. 75; Hennes II, Nr.9-12; REK III,1, Nr.230; Mittelrheinische Regesten II, Nr. 1411; Limburg, Koblenz, S. 15; Militzer, Deutsche Orden in großen Städten, S. 198; van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.21 ff. 1188 Hennes II, Nr. 118, 122; Lacomblet II, Nr.432. , 1189 Hennes II, Nr.7; Lacomblet II, Nr. 72; De Geer II, Nr.462; Limburg, Koblenz, van Eickels, Deutschordensballei Koblenz, S.25f. 1190 De Geer II, Nr.463. 1191 De Geer II, Nr.477. 1192 De Geer II, Nr.479. 1193 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 16. 1194 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 77
e-ne Kapelle des Deutschen Ordens in der Stadt bezeugt1195. Ein Komtur na- 125 fakob amtierte dort 12691196. Weshalb das Haus und der Besitz in und um Me- ^el?S Junj in Brabant dem Kommendenverband bzw. der Ballei Koblenz zugefallen C ist schwer zu sagen. Nach der ansprechenden und wohl auch zutreffenden Ver- ist’ von Limburg hat der Koblenzer Komtur Walter de Porta Castri (1249- ^2) der möglicherweise 1253-1254 gleichzeitig Komtur von Altenbiesen und Landkomtur der Partes inferiores gewesen ist, die Besitzungen in Brabant sich und Koblenz vorbehalten, als er sein Amt als Landkomtur der Partes inferiores späte- stens 1270 an Mathias von Frankfurt verlor. Jener Mathias erreichte zwar, daß der Koblenzer Komtur für den Besitz in und um Mecheln bezahlte, konnte den Ko- blenzer aber nicht mehr aus Brabant verdrängen, obwohl die Güter ursprünglich zu den Partes Inferiores gehört hatten1197. Diese Besitzvermehrung in dem von Koblenz weit entfernten und abseits gelegenen Mecheln wird die Provinzbildung gefördert haben, da die Kommende auch verwaltungsmäßig gegen Ansprüche der näher gele- genen Balleien zu sichern war. Über die Kommende Judenrode in der Pfarrei Neurath bei Grevenbroich im Rheinland ist wenig bekannt. Die Anfänge reichen wohl bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Ein erster Komtur namens Christian ist 1261 genannt. Mit ihm zusammen ist auch die Kommende erstmals erwähnt1198. Zwischen 1272 und 1281 wurde die Niederlassung in Muffendorf bei Bonn von Koblenz aus gegründet. 1281 ist ein provisor der Niederlassung ohne Namen ge- nannt. 1284 stand dem Hof ein provisor namens Heinrich vor1199. Auch die folgen- den Vorsteher des Hofes in Muffendorf hießen meist provisor oder Pfleger. Erst seit dem 15. Jahrhundert wurden sie häufiger als Komture bezeichnet1200. Die Niederlas- sung blieb unbedeutend und wirtschaftlich schwach, so daß sich ein Konvent nicht entwickeln konnte und der Pfleger oft der einzige Ordensbruder am Ort gewesen ist. In Ibersheim am Oberrhein ungefähr elf Kilometer nördlich von Worms könnte der Orden seit 1250 Besitz erworben haben. Erwähnt werden dortige Ordensgüter allerdings erst 1282. Ein Komtur ist 1285 genannt1201. Jedoch ist über die Anfänge des Ordenshauses wenig bekannt. Insbesondere ist nicht zu ermitteln, weshalb die Koblenzer Kommende über Besitz so weit im Süden am Oberrhein verfügen konn- te. 1195 1196 1197 1198 1199 1200 1201 Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 98. Oorkonden Pitsenburg I, Nr. 144. Limburg, Koblenz, S. 20 f.; Ders., Partes Inferiores, S.263.; van Eickels, Deutschordensbal- lei Koblenz, S.26ff., 234f.; Ders., overgang; vgl. oben, S.225f., 230. Hennes II, Nr. 155; Lacombletll, Nr. 502; Limburg, Koblenz, S. 16. Hennes II, Nr.268, 285. Limburg, Koblenz, S. 16; Ders., Anfänge, S. 64 ff. Hennes I, Nr. 299. Dazu: Limburg, Koblenz, S. 16 f.
Als letzte Kommende entstand die Niederlassung in Rheinberg. Bereits 1274 h te Albert von Are dem Orden die Burg Traar bei Rheinberg vermacht1202. Nachd Georg von Eick dem Orden seinen Besitz in Rheinberg übertragen und der K-i601 Erzbischof Heinrich II. von Virneburg seine Zustimmung dazu gegeben hatte F einigte der Orden den Besitz in Traar und Rheinberg und erhob ihn zu einer K mende1203. °m‘ Die Beziehungen des Koblenzer Komturs zu den Kommenden in Köln und Me cheln waren wohl enger als zu den übrigen Ordenshäusern. Zumindest waren zeit weise das Schäfferamt in Köln und das Rentmeisteramt in Mecheln dem Koblenzer Oberen direkt unterstellt1204. Daneben gab es jedoch Niederlassungen wie Dieren und Judenrode, deren Komture Rechtsgeschäfte im Rahmen ihrer Kompetenzen selbst abgeschlossen und besiegelt haben1205. Man kann also schwerlich behaupten die in der Koblenzer Ballei zusammengefaßten Ordenshäuser hätten an ihrer Spitze nur Amtsträger gehabt, die Funktionen von Hauskomturen ausgeübt hätten und daß sie mithin also alle nur Stellvertreter des einzigen Komturs in Koblenz gewesen seien. Es hat abhängige Kommenden wie die in Köln gegeben, deren Vorsteher tat- sächlich vielfach den Rang von Hauskomturen gehabt haben mögen. Aber schon hinsichtlich der Kommende Pitzenburg in Mecheln sind Einschränkungen ange- bracht. Nach den erhaltenen und publizierten Urkunden hatten die dortigen Kom- ture Geschäfte abgeschlossen wie andere vergleichbare Amtsträger auch1206 1207. Sie wa- ren bis 1344 sicher keine bloßen Hauskomture und damit lediglich Befehlsempfänger der Koblenzer Komturs. Die Oberen der Deutschordenshäuser in Dieren und Ju- denrode sind Komture im allgemein gültigen Sinne gewesen, die den Koblenzer Komtur nur als Provinzialoberen anerkannten. Auf die besonderen Beziehungen der Hochmeister zur Koblenzer Kommende ist in anderem Zusammenhang zurückzukommen. Die Eingriffe der Hochmeister wa- ren jedenfalls nicht so gravierend, daß sie eine Entwicklung des Kommendenver- bands zu einer Ballei hätten verhindern können, wie manchmal behauptet wird . Diese Frage wird uns noch bei der Behandlung der Errichtung einer hochmeister- lichen Kammer und der Kammerballeien beschäftigen. 1202 Hennes II, Nr.223. r£ 1203 Hennes II, Nr.401; REK IV, Nr. 1009; Limburg, Koblenz, S. 16f.; Pick, Rheinberg, S. 1204 Limburg, Koblenz, S.29f. Dazu: Militzer, Entstehung, S.91. 1205 So auch Limburg, Koblenz, S.21 f. 1206 Vgl. Oorkonden Pitsenburg I und II mit zahlreichen Belegen. 1207 Limburg, Koblenz, S.22f.
8.7.8 Die Ballei Marburg ßallei Koblenz ist die Bildung einer Ordensprovinz Marburg vergleichbar. An- setzte der Orden anscheinend große Erwartungen in die. Entwicklung der tj* derlassung. Die Voraussetzungen waren außerordentlich günstig. Denn in Mar- burg hatte die heilige Elisabeth von Ungarn, die Witwe des Landgrafen Ludwig IV. Thüringen, 1228 ein Franziskushospital gegründet, das außerhalb der Stadt- rnauern am Ufer der Lahn lag. Nach ihrem Tod ließen die Landgrafen die Kranken- station in den Händen von Elisabeths Beichtvater, dem Magister Konrad von Mar- burg- Infolge der Bemühungen des Magisters wurde das Grab der Elisabeth zum Ziel vieler Pilger, die oft Heilung von Krankheiten suchten. Nachdem der gefürch- tete Ketzerrichter Konrad von Marburg 1230 ermordet worden war, stellte sich den Landgrafen erneut die Frage nach der Zukunft der Stiftung der Elisabeth und des Grabes als Ziel der Wallfahrten. Sie entschieden sich schließlich, das Spital dem Deutschen Orden zu übertragen. Im Sommer 1234 reiste Landgraf Konrad von Thüringen nach Italien und verhandelte mit Kaiser Friedrich II., dem Hochmeister Hermann von Salza und dem Papst Gregor IX. wegen der Übergabe des Spitals und der ins Stocken geratenen Heiligsprechung Elisabeths. Beide Ziele hat er erreicht. Das Spital übertrugen die Landgrafen 1234 dem Orden. Kaiser und Papst bestätig- ten die Schenkung1208. Noch im gleichen Jahr trat Konrad von Thüringen am 18. November mit zwei Klerikern und neun Adligen in den Deutschen Orden ein1209. Der Termin fiel auf den Vorabend jenes Tages, an dem Elisabeth beigesetzt worden war. Er galt fortan als ihr Festtag. Am Pfingstsonntag 1235 verkündete der Papst die Heiligsprechung Elisabeths. Zur Zeit der Heiligsprechung Elisabeths hat es eine Ordensniederlassung in Mar- burg gegeben. 1236 ist als erster Komtur ein Winrich bezeugt1210. Im August 1235 hatte der Orden mit dem Bau der Elisabethkirche im damals modernen gotischen Stil begonnen. Sie sollte eine ältere Kapelle ersetzen. Wenige Monate später erlebte die noch junge Niederlassung einen glänzenden Tag. Denn am 1. Mai 1236 versam- melten sich zur Feier der Erhebung und Umbettung der Gebeine der heiligen Elisa- beth in die im Bau befindliche Kirche Kaiser Friedrich II. mit Erzbischöfen und Bi- schöfen, den Landgrafen von Thüringen, dem Hochmeister Hermann von Salza und anderen Würdenträgern des Ordens1211. Wenige Wochen darauf fand in Marburg ein 1208 1209 1210 1211 Wyss I, Nr. 40-42. Peter von Dusburg, Chronica IV,33; auch in: SRP I, S. 199. Dazu: Caemmerer. Wyss I, Nr. 56. Werner, Elisabeth, S. 121 ff.; Boockmann, Anfänge, S. 141 ff. Auf die politische Bedeutung des arburger Kultakts für Friedrich II. und für dessen Darstellung und Werbung für seine Position Jrn Reich hat jüngst}. Petersohn, Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit, in: Politik und Hei- ^enverehrung im Hochmittelalter, hrsg. von}. Petersohn (Vorträge und Forschungen 42), Sig- maringen 1994, S. 136 f., nachdrücklich hingewiesen.
Generalkapitel des Ordens unter der Leitung des Hochmeisters Hermann von S 1 zur Aufnahme des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden statt. Die Ink * poration des Ordens wurde wieder in Marburg im Juni 1237 auf einem General^' pitel bestätigt1212. a Das Marburger Ordenshaus hob sich aus der Masse der übrigen Niederlassun nicht nur in Hessen durch Feierlichkeiten, den Elisabethkult und die rasche Fol der Generalkapitel hervor. Ferner ragte es durch die hohe Zahl der Priesterstelle heraus. Denn 1244 bestätigte Papst Innozenz IV. die Bestimmungen der Hochrnei ster Hermann von Salza und Konrad von Thüringen, daß in Marburg sieben Prie sterbrüder mit je zwei Diakonen, Subdiakonen und Akolythen dienen sollten1213 An deren Spitze stand wie im Haupthaus ein Prior. Der erste Amtsträger war Ul- rich von Dürn aus einem edelfreien Geschlecht1214. Seit 1246 hatte der Prior das Recht, an hohen Feiertagen bei der Messe in der neuen Elisabethkirche die Mitra zu tragen1215, die eigentlich zu den bischöflichen Amtsinsignien gehörte. Wegen der reichen Privilegierung Marburgs und seiner Bevorzugung als Ort der Generalkapitel hat man das Ordenshaus als Zentrum des Ordens ansehen wollen und zumindest vermutet, daß es zur Ordenszentrale hätte ausgebaut werden sollen. Durch den Ordenseintritt des Landgrafen Konrad von Thüringen, dem mehrere Ministeriale und Lehnsmannen folgten, die zu den höchsten Würden aufstiegen, glaubten einige Forscher zudem, daß der Orden auf dem Wege zu einem thüringi- schen Haus- oder Familienorden gewesen sei1216. Jedoch ist die Euphorie, die auch durch die Studien Woj teckis, die zum größten Teil nur seine Ergebnisse zu Thü- ringen und Hessen, nicht jedoch die zu anderen Gegenden brachten, ausgelöst wur- den, einer Ernüchterung gewichen. Es ist in der Tat fraglich, ob die Hochmeister Hermann von Salza und Konrad von Thüringen ernsthaft erwägen konnten, das Haupthaus des Ordens aus dem Heiligen Land nach Marburg zu verlegen, ohne daß sie hätten befürchten müssen, beim Papst auf energischen Widerstand und ge- genüber dem Adel aller deutschen Lande auf Legitimationsprobleme zu stoßen. Denn wie sollte ein Ritterorden, der den Heidenkampf und die Verteidigung der heiligen Stätten im Orient noch auf seine Fahne geschrieben hatte, die Verlagerung des Haupthauses in die sichere Etappe rechtfertigen? Wie hätte er sich gegenüber den beiden älteren Ritterorden, den Johannitern und Templern, behaupten können. 1212 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 309ff., 358ff. 1213 Wyss I, Nr.77. f . 1214 Wojtecki, Studien, S. 120; Ders., Deutsche Orden im württembergischen Franken, Keys er, S. 29; Cäsarius von Heisterbach III, S. 386. Wei" 1215 Wyss I, Nr. 81. Vgl. dazu insgesamt noch: Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 12 •> ner, Elisabeth, S. 121 ff.; Ders., Mater, S.455ff.; Demel, Elisabeth, S. 74ff.; auch: Peters Ludowinger, S.28ff. £änge, 1216 Boockmann, Deutscher Orden, S. 51 ff.; Ders., Thüringen und Hessen; Ders., S. 141 ff.; Werner, Mater, S.467f.
j i schwer vorstellbar, daß eine konkrete Absicht bestanden habe, den u ’ptsitz nach Marburg zu verlegen1217. H*UP jer Mitte des 13. Jahrhunderts brach die stürmische Aufwärtsentwicklung der Ah rger Niederlassung ab. Die Erwartungen in den Elisabeth^ult erfüllten sich . £t pügerbesuche nahmen ab. Der Orden förderte die Wallfahrten nicht, ver- ?1C zudem allmählich sein Interesse an dem Spitalbetrieb und schränkte ihn ein. Von u ebungen, Marburg zur Zentrale des Deutschen Ordens im Reich oder gar dar- über hinaus zu machen, ist nichts mehr zu spüren. Gelegentlich wurde Marburg noch als bevorzugte Ausbildungsstätte für junge Ritterbrüder genannt1218, ohne daß daraus aber abzuleiten ist, daß Marburg zu einem geistigen Zentrum des Ordens geworden sei. Ebenso zurückhaltend ist die Meinung aufzugreifen, der Deutsche Orden habe sich zumindest vor der Mitte des 13. Jahrhunderts auf einen thüringischen Haus- oder Familienorden hin bewegt. Dem liegt wohl eine Überzeichnung des thüringisch-hes- sischen Elements zugrunde. Die übrigen Förderer, die Babenberger, Wittelsbacher und die vielen kleineren Dynasten und Familien des niederen Adels anderer Land- schaften werden die Meinung schwerlich geteilt haben. Auch Angehörige aus ihren Reihen sind wie die Herren von Hohenlohe zu höchsten Ämtern im Orden aufge- stiegen1219. Die Herrschaftsgebiete der Landgrafen von Thüringen in Thüringen und Hessen waren nur zwei Landschaften, in denen der Orden Besitz erhalten und Brü- der angeworben hatte. Franken und Schwaben dürften schon damals von vergleich- barem Gewicht gewesen sein. Wenn man auch von der Vorstellung einer Ordenszentrale in Marburg Abschied nehmen muß und der Orden seine Erwartungen nicht erfüllt sah, bleibt dennoch die Tatsache bestehen, daß die Niederlassung am Grab der heiligen Elisabeth von Anfang an hoch privilegiert war, so daß sie sich von vergleichbaren Ordenshäusern im Reich abhob. In der zweiten Hälfte des 13. und in der ersten Hälfte des 14. Jahr- hunderts nahm der Besitz der Kommende stetig zu, und zwar sowohl durch Schen- kungen als auch durch gezielte Käufe zur Abrundung der vorhandenen Güter1220. Hinsichtlich der Privilegierung, des Besitzumfangs und der Höhe der Einkünfte konnte schließlich keine andere Ordensniederlassung in Hessen mehr mit der in Marburg konkurrieren. Die älteste Niederlassung der späteren Ballei stand allerdings nicht in Marburg, sondern in Reichenbach in Nordhessen am Fuße des Meißners. 1207 hatten Graf Hedrich von Ziegenhain, ein Sohn des Landgrafen Ludwig III. von Thüringen, sei- 1217 So zu Recht: Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 13; vgl. auch Petersohn, Ludowinger, 1218 S‘28ff' 1219 tachmann> Deutschordensbriefe, S.389, 401; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 14f. 122Q Weller, Hohenlohe II, S.265f.; Militzer, Gottfried von Hohenlohe, S.49. raasch-Schwersmann, Marburg, S.44ff.
ne Frau Lukargis, eine geborene Ziegenhain, Graf Ludwig von Ziegenhain C Burkard von Falkenstein mit seiner Frau, Albert von Hackeborn mit seiner Fr und Graf Heinrich von Wegebach dem Deutschen Orden die Reichenbacher Kirch* übertragen1221. Die Schenkung warf jedoch Probleme auf. Denn kirchenrechtlich hätten die Herren gar nicht über das Patronatsrecht verfügen können, weil deren Vorfahren es schon einem Nonnenkloster vermacht hatten. Allerdings hatten die Nonnen den Ort verlassen und waren weggezogen, so daß an dem Ort der Gottes dienst ausgefallen sei. So argumentierten die Herren. Ihnen schloß sich Erzbischof Siegfried von Mainz an und übertrug 1211 seinerseits die Kirche dem Deutschen Orden1222. Der ursprüngliche Rechtstitel des Ordens war also zweifelhafter Natur Dennoch hat er sich durchgesetzt. Vielleicht konnte er sich behaupten, weil die Landgrafen von Thüringen und mit ihnen das staufische Herrscherhaus schon da- mals den Orden unterstützten. Wenn das stimmen sollte, haben die Landgrafen nicht nur selbstlos gehandelt, sondern durchaus eigene politische Pläne verfolgt, die darauf gerichtet gewesen sein könnten, ihren Einfluß im Nordwesten ihrer Herr- schaft auszudehnen und gegen den Mainzer Erzbischof zu sichern1223. Ob die Landgrafen eine solche Politik verfolgt haben, ist nicht mehr genau zu erkennen. Der Deutsche Orden setzte sich jedenfalls in Reichenbach schnell fest. Bereits 1219 ist von einer domus des Ordens die Rede1224. 1225 war ein Heinrich Komtur von Reichenbach1225. In ihm ist ein Graf von Reichenbach zu vermuten, entweder Vater oder Sohn, da beide dem Orden beigetreten waren1226. Die Entwicklung der Kom- mende geriet alsbald ins Stocken. Große Schenkungen blieben aus. Wahrscheinlich hat die Gründung der Kommende Marburg die Weiterentwicklung Reichenbachs gehemmt. Die Niederlassung in Nordhessen blieb daher ökonomisch schwach und konnte dementsprechend nur wenige Brüder unterhalten. Seit dem 14. Jahrhundert lebte dort meist nur noch ein Priesterbruder zur Aufrechterhaltung des Gottesdien- stes in der inkorporierten Kirche. Spätestens in dem Jahrhundert geriet die Kom- mende stärker unter die Kontrolle des Marburger Komturs1227. Noch vor der Übertragung des Elisabethspitals hatte der Orden Güter in Ober- flörsheim bei Alzey in der Pfalz erhalten1228 und den Besitz durch Schenkungen und Käufe vermehrt1229. Wieso die Güter dem Marburger Komtur unterstellt wur- 1221 Wyss I, Nr. 1. 1222 Wyss I, Nr.3. 1223 So Boockmann, Anfänge, S. 139f. 1224 Wyss I, Nr.5f. 1225 Wyss I, Nr. 14. 1226 Wyss I, Nr.9; Militzer, Entstehung, S. 95. Anderer Meinung: Boockmann, Anfänge, Anm. 35. 1227 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.34f.; Heldmann, Hessen, S.6ff. 1228 Wyss I, Nr. 12. 1229 Wyss I, Nr.57f.
ist nicht mehr zu ermitteln. Möglicherweise unterstanden einzelne Güter dem ^en’ 1 ^meister direkt, der sie dann dem Marburger Komtur übergeben hätte1230. jas ist ungewiß. Seit 1251 übte der Marburger Komtur jedenfalls eine Ober- ht über die Güter in der Pfalz aus1231. Da sie von Marburg a|s nicht direkt zu ^rwalten waren, beauftragte der Komtur Brüder damit. 1253 sind drei Ordensbrü- jer in Oberflörsheim bezeugt1232. 1271 ist erstmals ein Komtur dort erwähnt, dessen Name nicht überliefert ist1233. Ebenfalls vor der Übertragung des Elisabethspitals wurde in Obermöllrich öst- lich von Fritzlar der Grund zu einer Kommende gelegt. 1231 schenkten die Land- afen von Thüringen Heinrich und Konrad, letzterer der spätere Hochmeister, dem Deutschen Orden Güter in dem Ort1234. Bereits drei Jahre später stand dort ein Ordenshaus, eine domusm5. 1255 leitete ein Bruder namens Jakob die Niederlas- sung als Komtur1236. Allerdings verlor die Kommende im 14. Jahrhundert ihre Be- deutung. Der Verwaltungsmittelpunkt wurde in die Stadt Fritzlar verlegt, die dem Orden eine bessere Vermarktung seiner Überschüsse gewährte1237. In der Stadt hatte der Orden schon 1304 einen Wirtschaftshof erworben1238. Der Vorsteher des Stadt- hofs hieß meist provisor curie, aber auch Komtur. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte in ihm kein Ordensbruder mehr. Weltliche Amtleute verwal- teten im Auftrag des Ordens den Besitz und die Einkünfte1239. Östlich von Fritzlar liegt Felsberg. Das Patronatsrecht an der Pfarrkirche erhielt der Orden 1247 von Herzog Heinrich von Lothringen und Brabant1240. Seit dem 14. Jahrhundert lebten dort ein Pfarrer und ein Komtur, außer ihnen nur wenige Or- densbrüder. Seit 1477 wurde das Komtursamt nicht mehr besetzt1241. 1234 hatten die Landgrafen von Thüringen dem Orden Güter in einer Wüstung bei Kirchheim geschenkt1242. Weitere Schenkungen, Käufe und Verpfändungen mehrten den Besitz, so daß sich der Orden in und um Kirchheim einen großen Gü- terkomplex mit eigenen Vogtei- und Gerichtsrechten schaffen konnte. Dazu zählte auch d;e Kirchheimer Pfarrkirche, deren Pfarrer der Orden stellte. 1405 ist erstmals 1230 1231 1232 1233 1234 1235 1236 So Heldmann, Hessen, S.70; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 15. Wyss I, Nr. 107; Mi 1 itzer, Entstehung, S.97; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 15. Wyss I, Nr. 119. Wyss I, Nr.265. Wyss I, Nr.24. Wyss I, Nr.38. Wyss I, Nr. 130. 7 Braasch-Schwersamnn, Marburg, S. 17ff.; Dies., Hessen, S.74ff. Niederlassungen, S. 54ff.; Heldmann, 1238 1239 Wyss II, Nr. 65. B L 124n w,raasc"'Schwersmann, Marburg, S. 18f.; Dies., Niederlassungen, S.54ff. 1241 B ySS’ Nr’82, 86, 116’ 1247 w,raasch‘Schwersmann, Marburg, S.20f. z Wyss I, Nr.45.
ein Priesterbruder als Komtur erwähnt. Er war einer der vielen Pfarrkomture in den Balleien. Jedoch saßen im 15. Jahrhundert meist nur noch weltliche Verwalter in Kirchheim1243. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verfügte der Orden wahrscheinlich über Besitz in Wetzlar1244. 1287 ist dort eine Ordensniederlassung bezeugt, der der Hochmeister Burchard von Schwanden die bislang zur Ballei Koblenz gehörige Pfarrkirche in Herborn überwies1245. Seit 1293 sind Komture bezeugt1246. Das Haus blieb jedoch klein und beherbergte außer den Amtsträgern stets nur wenige Ordensbrüder1247. 1323 gelang dem Orden eine beträchtliche Ausweitung seines Besitzes in Hessen. Damals übergab der Trierer Erzbischof der Marburger Kommende das herunterge- wirtschaftete Augustinerchorherrenstift Schiffenberg bei Gießen1248. Allerdings muß- te der Orden dem Erzbischof Zugeständnisse machen, die ihm wegen seiner gegen- über den Diözesangewalten privilegierten Stellung schwer gefallen sein dürfte. Er mußte nämlich dem Erzbischof jährlich einen Rekognitionszins zahlen. Der Leiter des aufgehobenen Stifts und neuen Ordenshauses sollte zwar vom Marburger Kom- tur im Einvernehmen mit seinem Kapitel ausgewählt und präsentiert, aber vom Erzbischof ernannt und investiert werden. Der Erzbischof behielt sich außerdem das Recht auf Visitationen und andere Kontrollen vor. Der Leiter des neuen Hauses hatte ein Propst zu sein, dem zwölf Ordensbrüder, davon mindestens sechs Prie- sterbrüder unterstehen sollten. Die hohe Zahl der Brüder hat der Orden auf Dauer nicht halten können. Er senkte auch die Anzahl der Priesterbrüder zeitweise bis auf zwei. Die Leitung wurde schon bald nach der Übernahme einem Komtur anver- traut1249, während der Propst wohl analog zum Marburger Prior auf die Aufsicht über die Priesterbrüder beschränkt wurde. Von Visitations- und Kontrollrechten des Erzbischofs war bald keine Rede mehr. Dem Orden ist es also schnell gelungen, den Einfluß des Erzbischofs zurückzudrängen. Die wirtschaftliche Misere des ehe- maligen Chorherrenstifts konnte der Orden jedoch nicht ganz beheben. Schiffen- berg blieb eine Kommende mit ständigen Geldsorgen1250. Weitere Verwaltungsschwerpunkte hatte die Ballei in Groß-Seelheim, Merzhau- sen, Stedebach, Seibelsdorf, Gelnhausen, Friedberg und Görzhausen. Sie haben sich zu keinem Zeitpunkt zu selbständigen Kommenden entwickelt, sondern blieben ab- 1243 Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 35 f. 1244 Lampe, Beiträge, S.44ff. 1245 Wyss I, Nr.475. 1246 Wyss I, Nr.569. 1247 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.25f.; Dies., Niederlassungen, S.57ff. 1248 Wyss II, Nr.447. 1249 Wyss II, Nr.496. 1250 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.29ff.; Heldmann, Hessen, S. 97 ff.; Kalbfuß; Mi- litzer, Deutscher Orden und Kirche, S.34f.
hängige Kastnereien ohne Konvent und ohne Komture1251. Hervorzuheben ist die von weltlichen Amtleuten verwaltete Kastnerei in Friedberg, weil die Marburger Komture wegen dieses städtischen Besitzes in die Burgmannschaft der Reichsburg Friedberg aufgenommen wurden. Das gleiche Recht in Friedberg hatten auch die Komture von Frankfurt-Sachsenhausen1252. Alle genannten Kommenden oder Verwaltungsschwerpunkte waren unmittelbar der Aufsicht des Marburger Komturs unterworfen. Sie waren teilweise sogar von Marburg aus eingerichtet worden. Daneben gab es weitere Niederlassungen, die zu- nächst anderen Balleien angehörten und erst später der Marburger Kommende zu- gewiesen worden waren. Dazu zählte in erster Linie die Kommende Griefstedt, de- ren Anfänge bis in das Jahr 1234 zurückgehen und deren Ausgestaltung zu einer voll entwickelten Kommende spätestens 1261 abgeschlossen war. Denn damals stand ein Komtur an der Spitze des Konvents. Im Zuge einer Neuordnung im Nordosten des Reichs und der Teilung der Ballei Thüringen-Sachsen in zwei selb- ständige Ordensprovinzen nahm der Hochmeister Burchard von Schwanden 1284/85 mit Zustimmung des Generalkapitels die Kommende Griefstedt aus dem bisherigen Verband Thüringen-Sachsen heraus und gliederte sie der Ballei Marburg an1253. Eine Generation später wurde die sich seit 1281 zu einer Kommende entwickeln- de Niederlassung in Erfurt der Ballei Thüringen genommen und Marburg überge- ben1254. Seit ca. 1300 war der Marburger Komtur als Vorgesetzter der Erfurter Or- densverwaltung zuständig1255. In Erfurt residierten meist Pfarrkomture, die seit 1335 bezeugt sind1256. Aus einem anderen Verwaltungsbereich kam Herborn an die Ballei Marburg. 1231 hatte Graf Heinrich von Nassau dem Orden das Patronatsrecht der Pfarrkriche in Herborn geschenkt1257. Noch im gleichen Jahr bestätigte König Heinrich (VII.) die Schenkung. Von ihm ist zu erfahren, daß das Patronatsrecht ein Reichslehen war, das der Graf von Nassau als Afterlehen der Landgrafen von Thüringen getragen hatte1258. Es ist also durchaus möglich, daß die Übertragung wenigstens indirekt auf eine Initiative der Landgrafen zurückzuführen ist. Jedoch gelangte das Patronats- recht mit den zugehörigen Gütern nicht unter die Aufsicht einer Niederlassung im Herrschaftsbereich der Landgrafen, sondern unter die der Komture von Koblenz, 1251 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.36ff. 1252 Braasch-Schwersmann, FriedbergerWirtschaftshof; Dies., Niederlassungen, S.67ff. 1253 Vgl. oben, S. 275. 1254 Vgl. oben, S. 275. 1255 Lachmann, Deutschordensbriefe, S.393f. 1256 Wyss II, Nr. 605; vgl. Heldmann, Hessen, S. 88f.; Braasch-Schwersman, Marburg, S.28f.; Sommeriad, S.38. 1257 Wyss I, Nr.20. 1258 Wyss I, Nr.23.
die seit 1254 als Obere der Pfarrer von Herborn nachzuweisen sind1259. Erst der Hochmeister Burchard von Schwanden übertrug wohl auf einem Generalkapitel in Frankfurt-Sachsenhausen 1287 die Pfarre der Kommende in Wetzlar1260. Damit ge- langten die Herborner Pfarrer wenigstens indirekt unter die Aufsicht der Komture von Marburg, da die Wetzlarer Kommende zur Ballei Marburg gehörte. In Herborn lebten seit der Übertragung meist zwei Priesterbrüder, die zugleich den Besitz in der Stadt und der Umgebung verwalteten. Die Pfarrei, der ein Wirtschaftshof ange- gliedert war, bildete zwar eine eigene Hebestelle, hatte aber eher den Charakter einer Kastnerei als den einer selbständigen Kommende. Komture wurden die Pfar- rer in Herborn nie genannt1261. Die Marburger Ordensprovinz, die sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts gebil- det und die in den folgenden Jahrzehnten ihren Zuständigkeitsbereich infolge von Eingriffen der Hochmeister, besonders des Hochmeisters Burchard von Schwan- den, erweitert hatte, behielt lange Zeit Eigentümlichkeiten, die aus ihrer Entste- hungsgeschichte zu erklären sind, bei und unterschied sich dadurch von anderen Balleien. Analog zu Koblenz hatte sich die Ballei um ein starkes Haupthaus entwik- kelt, dem ein Komtur vorstand. Dieser Komtur nahm Funktionen eines Landkom- turs wahr. Aus der Marburg eigentümlichen Balleistruktur ist wohl zu erklären, daß in der Marburger Ordensprovinz gemessen an anderen Balleien viele Kastnereien, also selbständige Wirtschaftseinheiten oder Hebestellen ohne Komture an ihren Spitzen, bestanden und daß die Marburger Komture seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr dazu übergingen, Komtureien in Kastnereien umzuwandeln und schließ- lich weltlichen Amtleuten zur Verwaltung anzuvertrauen. Seit der Mitte des 13. Jahr- hunderts und darüber hinaus während des gesamten Mittelalters hat es jedoch Kommenden mit Komturen und weiteren Ordensbrüdern vielfach in Hausämtern gegeben, die dem Komtur von Marburg als ihrem Oberen unterstanden. Man kann daher zu Recht von einer Ballei Marburg sprechen, auch wenn die zeitgenössischen Quellen diesen Begriff zunächst nicht benutzten und erst seit der Mitte des 14. Jahr- hunderts auf die Marburger Provinz anwandten1262. 1259 Wyss I, Nr. 124. 1260 Wyss I, Nr.475. 1261 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.27f.; D i es., Niederlassungen, S. 62f.; Lampe, Beiträ- ge, S. 11 ff. 1262 Militzer, Entstehung, S.99; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.42f.
8.7.9 Die Ballei Bozen und im Gebirge Die Ballei Bozen trägt in den Quellen unterschiedliche Bezeichnungen: „im Gebir- ge“, „an der Etsch“ oder einfach nach dem Haupthaus „Bozen^1263. Analog zu Mar- burg und Koblenz hat sie sich von einer besonders wichtigen Niederlassung aus, eben dem Deutschordenshaus Bozen, entwickelt. Es ist von vornherein vorauszu- setzen, daß es wegen der besonderen Entstehungsweise Schwierigkeiten geben wird, ein genaues Datum für die Errichtung einer Ballei anzugeben1264. Die Keimzelle der Ballei in den Alpen lag eindeutig in Bozen. Am 9. April 1202 bestätigte Bischof Konrad II. von Trient dem Deutschordensbruder Konrad für den Orden das von einem Bozener Bürger gestiftete Spital an der Mündung des Eisack in die Etsch und übergab dem Orden die Johanneskirche in Bozen samt deren Gü- tern und Einkünften. Er bestimmte ferner, daß die Brüder keine Toten außer ihren Mitbrüdern und den in ihrem Hospital gestorbenen Kranken beerdigen und nie- manden taufen dürften. Exkommunikationen sollten über sie nur mit Genehmi- gung des Bischofs von Trient ausgesprochen werden1265. Der Ordensbruder Konrad ist 1212 nochmals erwähnt1266 und dürfte der erste Leiter einer neuen Niederlassung in Bozen gewesen sein. Schon allein die Tatsache, daß der Orden ein Mitglied zum Bischof von Trient sandte, um die Bestätigung des Spitals zu erwirken und eine zu- sätzliche Privilegierung und weitere Güterübertragung zu erreichen, zeigt, daß der Orden größten Wert auf den Besitz gelegt hat. Das Spital lag außerordentlich günstig am Zusammentreffen zweier wichtiger Paßstraßen, nämlich erstens der über den Reschen und zweitens der über den Bren- ner. Von Bozen führte die Straße südlich an der Etsch entlang nach Verona und wei- ter in die Lombardei, nach Venedig und Süditalien1267 1268 mit den Hafenstädten, von denen die Schiffe zum Heiligen Land ablegten. Der Orden war auf Nachschub an Geld, Waren und Menschen aus dem Deutschen Reich angewiesen. Menschen, Gü- ter. und Geld mußten über die Tiroler Pässe oder östlich davon durch Kärnten oder Krain transportiert werden. Daher war es für den Orden günstig, Stützpunkte an den Paßstraßen zu besitzen. Eine weitere Auffälligkeit zeichnet Bozen aus. Der erste nachweisbare Amtsträger in Bozen nannte sich 1234 hospitalarius et provisor126*, gelegentlich auch precep- 1263 Militzer, Entstehung, S. 100. 1264 In der Literatur werden unterschiedliche Daten genannt: Turnier, S. 622: 1283; Koch, Beiträge, S.57: 1240; Ladurner, S. 40: 1269; Innerebner, Balia, S. 118: 1287. 1265 Tiroler UB II, Nr.543; Ladurner, S. 8f.; Praxmarer, S. 19f.; Arnold, Mittelalter, S. 130. 1266 Tiroler UB II, Nr. 632. 1267 Stolz, Geschichte Tirols, S. 254ff; Ders., Geschichte des Zollwesens, S. 111 ff., 261 ff, 268, 291 ff. 1268 Tiroler UB III, Nr. 1006.
tor1269, seit etwa 1240 überwog der Titel preceptor12™. Aber vor 1240 stand im Titel meist hospitalarius1271. Das ist insofern auffällig, als sich Analogien aus anderen Ge- genden, in denen der Orden Spitäler erhalten hatte, nicht finden lassen und die Sta- tuten eine Trennung des Amtes eines Komturs (preceptors) von dem eines Spittlers, dem Leiter des Spitals (hospitaUrius), nahe legen, da der Spittler in seinen Abrech- nungen gegenüber dem Komtur freiere Hand haben sollte1272. In Bozen dagegen lag die Verwaltung von Kommende und Spital in einer Hand. Als in den Jahren 1234-1237 das Spital in Lengmoos auf dem Ritten erworben wurde, verwaltete es derselbe Friedrich, der als hospitalarius et preceptor in Bozen amtierte. Auch auf dem Ritten waren Kommende und Spital noch nicht getrennt1273. Als Adelheid, die Witwe des Edelfreien Hugo von Täufers, 1254 dem Orden ihr Spi- tal bei Sterzing übertrug, nahm die Schenkung der Komtur von Bozen und Leng- moos entgegen1274. Damals scheint sich die Spitalverwaltung von der allgemeinen Verwaltung der beiden Kommenden getrennt zu haben. Aber in Lengmoos oder Sterzing standen noch keine eigenen Kommenden. Im gesamten späteren Bereich der Ballei Bozen gab es offenbar nur einen Amtsträger, den Komtur von Bozen. Erst 1263 ist in Sterzing ein eigener Komtur bezeugt1275. Zur gleichen Zeit begann sich Lengmoos von Bozen zu lösen. Das Spital auf dem Ritten mit der Ordensnie- derlassung erhielt eine eigene von Bozen unabhängigere Verwaltung. 1268 ist der er- ste Komtur für Lengmoos allein zu belegen1276. Mit den Spitälern Sterzing, Leng- moos und Bozen hatte der Orden vom Brenner aus in Richtung Italien Stationen erworben, durch die er Ordensbrüder und Material über Süditalien in das Heilige Land transportieren konnte. Fast gleichzeitig mit dem Spital in Lengmoos auf dem Ritten hatte der Orden auch entlang der Straße zum Reschenpaß Güter erworben. Ihm schenkte Kaiser Friedrich II. 1235 die Kirche in Schianders1277 Zweifellos hat der Orden die Seelsor- ge alsbald durch einen Priesterbruder ausüben lassen. Aber ein Ordenshaus ent- 1269 Tiroler UB III, Nr. 1014. 1270 Tiroler UB III, Nr. 1108, 1113, 1118, 1146, 1159, 1182. 1271 Acta Tirolensia II, Nr. 697, 734, 736, 744, 777, 796, 802, 911, 932, 936. 1272 Perlbach, Statuten, S. 107: S. 32ff.: Regel 6; Gewohnheit 31. Zur Eigenständigkeit der Spitäler mit eigener Verwaltung und eigenen Einkünften: Arnold, Agrarwirtschaft, S. 60; Militzer, Wirtschaftstätigkeit, S. 6. 1273 Tiroler UB III, Nr. 1064*; vgl. Arnold, Lengmoos, S.413; Praxmarer, S.44ff.; Hye, Ballei, S.331. 1274 Pettenegg, Nr. 260f.; vgl. Hye, Ballei, S. 330; Praxmarer, S. 59ff.; Kustatscher, Leng- moos, S.359; auch: Wojtecki, Deutsche Orden und Friedrich II., S.213. 1275 Hye, Ballei, S.333. 1276 Hye, Ballei, S. 333; Arnold, Lengmoos, S. 414, möchte den ersten Komtur für Lengmoos erst 1277 ansetzen. 1277 Tiroler UB III, Nr. 1036; Hye, Ballei, S.330; Ladurner, S. 18; Nössing, Schianders, S.389ff.
stand doch wohl erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Denn ein Pfarrkomtur Kon- rad ist erst 1309 bezeugt1278. Als letzte Kommende kam südlich von Bozen in Trient an der Etsch eine Nieder- lassung hinzu. 1283 übernahm der Orden das verarmte Augustir^rkloster Santa Ma- ria Coronata unter der Bedingung, daß Priesterbrüder in der Klosterkirche wie frü- her Gottesdienste feierten. Der Tridentiner Bischof genehmigte die Übertragung, so daß der Orden von dem Kloster Besitz ergreifen konnte1279. Bereits fünf Jahre spä- ter stand an der Spitze der neuen Niederlassung ein Komtur namens Konrad1280. Mit der Kommende in Trient hatte sich der Orden entlang der Etsch bis in das ita- lienischsprachige Gebiet Tirols ausgedehnt. Hier hatte die Ballei ihren südlichsten Standort erreicht. Neben den Schenkungen, die zu Kommenden ausgebaut wurden, hatte der Or- den vor allem Patronatsrechte erhalten, die zu keinen selbständigen Ordenshäusern heranwuchsen, aber doch als Stützpunkte an den Paßstraßen gelten können. Dazu gehört Lana. 1215 hatte Friedrich II. dem Orden das Patronatsrecht an der Kirche in Lana1281 und vier Jahre später das der Pfarrkirche St. Leonhard im Passeiertal1282 geschenkt. Später, nämlich 1396, erlangte der Orden noch das Patronatsrecht an der Kirche in Sarnthein1283 1284. Die drei Kirchen und deren Pfarrer unterstanden dem Bo- zener Komtur. Die Bildung der Ballei Bozen ging vom Komtur von Bozen aus. Er verwaltete zunächst die Spitäler in Bozen und Lengmoos und nahm auch das Spital in Sterzing entgegen. Eine Trennung von Spital- und Kommendengut wurde erst im Laufe der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts vorgenommen. Der Bozener Amtsträger war lan- ge Zeit gleichzeitig Spittler und Verwalter der Kommende. Selbständige Verwal- tungseinheiten hat es neben der Kommende Bozen zunächst nicht gegeben. Erst nach der Mitte des 13. Jahrhunderts änderten sich die Verhältnisse. Der Wandel läßt sich am Titel des Bozener Komturs ablesen. Am 15. Februar und am 16. September 1269. nannte sich Dietrich von Wevelinghoven aus einem edelfreien niederrheini- schen Geschlecht noch Komtur von Bozen, am 20. Dezember desselben Jahres aber schon preceptor balie Bozanensism\ Damals wird eine Ballei bestanden haben. 1278 Ladurner, S. 55. Nach ihm (S. 40) soll sich in Schianders schon im Lauf des 13. Jahrhunderts eine eigene Niederlassung gebildet haben. Nach Nössing, Schianders, S.391, soll erst in den 30er Jah- ren des 14. Jahrhunderts eine Kommende entstanden sein. Der Ansatz ist wohl zu spät. 1279 Pettenegg, Nr.613; Ladurner, S.41ff.; Hye, Ballei, S.331; Mi 1 itzer, Deutscher Orden und Kirche, S. 35 f. 1280 Pettenegg, Nr.659; Hye, Ballei, S.333. 1281 Tiroler UB II, Nr. 674. 1282 Tiroler UB II, Nr. 747; Hye, Ballei S. 330. 1283 Ladurner, S. 74; Hye, Ballei, S. 331. Dazu nun ausführlich Kustatscher, Sarnthein. 1284 Ladurner, S.26, 36f.; Pettenegg, Nr.459; Wojtecki, Studien, S.38; Militzer, Entstehung, S. 105.
Zwei Jahre später ist auch als erster selbständiger Komtur der von Sterzing beze Seitdem gab es mindestens eine vom Haupthaus in Bozen getrennte Kommende Bozen und Lengmoos wurden dagegen noch jahrelang weiter vom Landkomt selbst verwaltet1285. Die Häuser in Südtirol und die neu entstandene Ballei waren nie dem Deutsch meister unterstellt gewesen. Für ihn waren die Paßstraßen über die Alpen auch we niger wichtig als für den Hochmeister. Aber auch das Ordensoberhaupt hat sich zunächst kaum um die relativ arme Provinz gekümmert. Erst als das Haupthaus des Ordens wegen des Verlustes des Heiligen Landes nach Venedig verlegt werden muß- te, nahmen sich die Hochmeister der Ballei an. In den sogenannten Gesetzen Sieg- frieds von Feuchtwangen, die vielleicht schon seinem Vorgänger zuzuordnen sind wurde festgelegt, daß der Landkomtur von Bozen an den jährlichen Generalkapi- teln im Haupthaus zu Philippi und Jakobi (l.Mai) teilnehmen solle1286. Daraus wird man ableiten dürfen, daß nach dem sonst beobachteten Brauch der Landkomtur von Bozen auch vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Kapitel eingesetzt wurde. Dieses Recht nahm der Hochmeister aber erst in Anspruch, als er sein Haupthaus in Venedig aufschlagen mußte und für seine Tätigkeit als Oberhaupt des Ordens in besonderem Maß auf die Alpenpässe und auf die Unterstützung durch die Kommenden und Balleien in seiner Umgebung angewiesen war. Dazu zählte insbesondere die Ballei Bozen an den wichtigen Alpenpässen in das Deutsche Reich. 8.7.10 Die Ballei Westfalen In Westfalen konnte der Deutsche Orden erst später als in anderen Landschaften Güter erwerben. Reich ist er dort nie geworden. Die Ballei Westfalen galt stets als eine arme Ordensprovinz. Weshalb der Orden in Westfalen nicht recht hat Fuß fas- sen können, ist schwer zu sagen. Der häufig angeführte Hinweis, daß der westfäli- sche Adel engere Beziehungen zum livländischen Zweig des Deutschen Ordens un- terhalten und daher keine Veranlassung gesehen habe, eine Ballei unter dem Deutschmeister zu unterstützen, vermag nicht zu überzeugen1287. Es muß vorläufig offen bleiben, wo die wahrscheinlichen Ursachen für die auffallende Enthaltsamkeit des westfälischen Adels zu suchen sind. 1285 Vgl. Militzer, Entstehung, S. 105. ^e_ 1286 Perlbach, Statuten, S. 145 f. Nr.3. Zur Datierungsproblematik: oben, S. 159 f. An sich sollten neralkapitel am Kreuzerhöhungstag (14. September) stattfinden: Perlbach, Statuten, S. 102- wohnheit 18. 1287 Geisberg, Beziehungen, Bd. 30, S.298ff.; Turnier, S. 161. Ein anderer Erklärungsversuc Fiebig, Brackei, S.422.
In Westfalen sind erstmals 1238 Ordensbrüder erwähnt, als sie Zehnten mit Bi- hof Ludolf von Münster tauschten1288. 1245 ist ein provisor domus Wehlinctorpe namens Everwin nachweisbar1289. Er war also der Verwalter einer Ordensniederlas- sung Münster im Kirchspiel Albachten. In dem Ort werden^ möglicherweise schon 1238 oder kurze Zeit vorher Brüder gewohnt haben. Jedenfalls ist dort mit einer kleinen Niederlassung zu rechnen1290. In Münster, dem Sitz des Bischofs, hat- te der Orden damals offenbar noch keinen geeigneten Platz für eine Kommende ge- funden. Erst 1245-1247 erwarb er Grundbesitz in der Stadt1291. In ihr residierte 1248 der erste namentlich genannte Komtur, ein Ritterbruder namens Gerhard1292. Wer dieser Gerhard gewesen ist, weiß man nicht genau, da in der fraglichen Ur- kunde kein Familien- oder Herkunftsname angegeben ist. Es spricht aber eine ge- wisse Wahrscheinlichkeit für die Hypothese Wojteckis, daß er mit dem 1245- 1246 in Münster genannten Ordensbruder Gerhard Ledersack identisch sei und, wenn man dem zustimmt, aus einer im Stift Lüttich ansässigen niederadligen Fami- lie Ledersack von Prenthagen stamme1293. Jedoch ist die Hypothese nicht sicher zu beweisen. Gerhard Ledersack war in jedem Fall vor 1245 in der Kommende Alten- biesen dem Orden beigetreten1294, ist dann möglicherweise nach Münster gegangen, wo er 1245 und 1246 und dann wiederum am 28. März 1247 einfacher Ritterbruder gewesen ist1295. 1248 mag er Komtur von Münster gewesen sein. Ein Jahr später hielt er sich in Utrecht auf, wo sein Sohn Arnold das Komtursamt bekleidete1296. Ob er 1252 in die Ballei Biesen zurückgekehrt ist und dort gelebt hat, ist ungewiß1297. 125 8 jedenfalls residierte er in Welheim1298. Erst danach ist er vielleicht von 1260-1261 als Komtur von Lüttich1299 und 1262-1264 im Amt eines Komturs von St. Trond bzw. Bernissem zu belegen1300. Möglicherweise war er 1265-1267 Komtur von Altenbie- sen1301. Um 1272 hielt er sich jedenfalls bis 1283 wieder als einfacher Ritterbruder in 1288 Westfälisches UB III, Nr. 347; vgl. Holthaus, Georgskommende, S. 13f. 1289 Westfälisches UB III, Nr. 439. 1290 Holthaus, Georgskommende, S. 13. 1291 Westfälisches UB III, Nr.439, 471; Holthaus, Georgskommende, S. 14. 1292 Bremisches UB I, Nr. 237. 1293 Wojtecki, Studien, S. 37; zustimmend Brünjes, S. 59. 1294 Hennes II, Nr. 71; Grauwels I, Nr.21. *295 Westfälisches UB III, Nr. 467. *296 OB Sticht Utrecht III, Nr. 1208; De Geer I, Nr.212. 1297 Hennes II, Nr.52f. Den Urkunden ist nicht zu entnehmen, daß Gerhard Ledersack Angehöriger der Ballei Biesen gewesen ist. Anders: Van der Eycken, Ridders, S. 106. 1298 Westfälisches UB VII, Nr. 975. 1299 Van der Eycken, Ridders, S. 106. Die Datierung ist unsicher. Sie bezieht sich auf eine Urkunde, gedruckt in Cartulaire St. Lambert de Liege II, Nr. 571. Zur Datierung: oben, S.225f. 00 Hennes II, Nr. 160, 176; Van der Eycken, Ridders, S. 106. Ql Van der Eycken, Ridders, S. 106.
Altenbiesen auf1302. Gerhard Ledersack von Prenthagen könnte also 1248, vielleicht auch schon ein oder zwei Jahre früher, Komtur von Münster gewesen sein, auch wenn er 1246 und 1247 nur als einfacher Ritterbruder bezeichnet worden ist. Stutz' machen muß aber, daß Gerhard nach 1248 lange Zeit bis 1262 kein Amt innegehabt hat, zumindest in keinem nachweisbar ist. Das erhöht nicht gerade die Wahrschein- lichkeit einer Identifizierung des Komturs Gerhard von 1248 mit dem Adligen aus dem Stift Lüttich, zumal der Vorname Gerhard nicht selten ist1303. Die Kommende in Bremen an der Weser hatte seit 1236 zur damals entstandenen Ballei Thüringen-Sachsen gehört. 1248 bemühte sich der Komtur von Münster um das Zustandekommen eines Vertrags des Deutschordenshauses in Bremen mit einem Bremer Bürger über eine Seelgerätstiftung1304. Daraus ist zunächst auf eine Abhängigkeit der Bremer Kommende vom Münsteraner Komtur geschlossen wor- den. Dagegen hat neuerdings Brünjes Bedenken erhoben und gemeint, daß damals ein „kollegiales Miteinander" zwischen beiden Amtsträgern geherrscht habe1305. Obwohl ein gesundes Mißtrauen gegen ein „kollegiales Miteinander“ durchaus an- gebracht sein kann, ist eine derartige These nicht ganz von der Hand zu weisen. Auffallend bleibt dann aber, daß die Bremer Kommende 1285 unzweifelhaft als Teil der Ballei Westfalen erscheint1306. Vor dem Hintergrund bleibt das angeblich „kolle- giale Miteinander“ bemerkenswert und kann trotz aller Bedenken durchaus als Keimzelle der Ballei Westfalen betrachtet werden, auch wenn man zugestehen will, daß eine Verfestigung der Verwaltungsstruktur zu einer vollgültigen Ballei erst eini- ge Jahre später, vielleicht nach 1266, erfolgte1307. Wenn man berücksichtigt, daß in Randgebieten einer Ballei gerade im 13. Jahr- hundert immer wieder Korrekturen vorgenommen wurden, einzelne Ritterbrüder gestaltend zur Steigerung auch ihres eigenen Ansehens und ihrer eigenen Hand- lungsspielräume eingreifen konnten, wird man derartige Vorgänge auch für Bremen und für Münster und besonders für den Ritterbruder Gerhard Ledersack von Prent- hagen voraussetzen dürfen. Diese Organisationsversuche kamen möglicherweise so- gar weiter verbreiteten Bestrebungen innerhalb des gesamten Ordens entgegen. Vielleicht sahen die Gebietiger die Notwendigkeit, in einer Landschaft, deren Adel noch keine engen Beziehungen zum Deutschen Orden unterhielten, die Ordenspra- senz zu verstärken. Die zumindest später engen Beziehungen des westfälischen 1302 Vgl. Van der Eycken, Ridders, S. 106. 1303 1263 ist ein weiterer Komtur Gerhard in Münster bezeugt: Westfälisches UB III, Nr. 704. Ho t haus, Georgskommende, S. 15, hält ihn für identisch mit Gerhard Ledersack, was aber auszusc ßen ist. Der 1263 bezeugte Komtur von Münster könnte aber mit dem von 1248 personeng ei sein. In dem Fall wäre der Komtur von Münster nicht mit Gerhard Ledersack zu identifizieren. 1304 Bremisches UB I, Nr. 237. 1305 Brünjes, S. 59. 1306 So auch Brünjes, S. 59f. 1307 Zu einem solchen Zeitpunkt ist die Ballei mit Bremen auch nach Brünjes, S. 60, vorhanden.
Adels zu Livland könnten eine Rolle bei den Überlegungen der Ordenskapitulare espielt haben. Denn wenn auch die Führungspositionen im livländischen Ordens- zweig noch nicht von westfälischen Adelssöhnen besetzt waren, muß doch eine größere Anzahl einfacher Ordensbrüder aus Westfalen nach Livland gezogen sein, da sonst die spätere Entwicklung des livländischen Zweigs zu einem Aufnahmebek- ken für Westfalen schwer zu erklären wäre1308. Als der Schwertbrüderorden 1237 dem Deutschen Orden inkorporiert wurde, mag er gar nicht genügend geeignete Brüder aus Westfalen gehabt haben, um die Führungspositionen mit westfälischen Adelssöhnen in Livland besetzen zu können. Auch um dem abzuhelfen, könnte der Orden die Ballei Westfalen errichtet haben. Jedoch weiß man zu wenig über solche möglichen Überlegungen. Falls sie angestellt worden sein sollten, blieb der Erfolg aus. Die Erwartungen erfüllten sich nicht. Der westfälische Adel verhielt sich über 1237 hinaus dem Deutschen Orden gegenüber reserviert. Seine Spendenfreudigkeit blieb stets begrenzt. 1263 ist ein Komtur von Münster namens Gerhard bezeugt, der aber wohl nicht mit dem gleichnamigen Amtsträger von 1248 zu identifizieren ist1309. Seitdem sind Komture regelmäßig belegt. Der Besitz in und um Münster ließ sich nur langsam mehren1310. Reich ist die Kommende nie geworden, auch wenn sie als die vermö- gendste der Ballei gegolten hat. Obgleich der Komtur von Münster seit 1248, als die Bremer Kommende ihm unterstellt worden war, Funktionen eines Landkomturs ausübte, blieb die projektierte Ballei schwach und instabil. Es fehlten weitere Or- denshäuser in einer näheren Umgebung Münsters. Die Bremer Kommende lag zu weit entfernt. Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts kamen nur wenige Besitzkonzentratio- nen hinzu. Um die Mitte des Jahrhunderts erwarb der Orden Güter in Brackei bei Dortmund1311. Dort wurde 1290 eine Niederlassung errichtet1312. Fünf Jahre später leitete ein Caesarius als Komtur das Haus1313. 1266 erhielt der Orden von Graf Gottfried III. von Arnsberg einen Hof in Mülheim an der Mohne1314, auf dem bereits 1275 ein Komtur namens Konrad bezeugt ist1315. Erst 1305 schenkte die Familie Dwerg dem Orden Besitz in Osnabrück1316. Eine Niederlassung ist 1382 erwähnt, zwei Jahre später ein Komtur1317. 1308 Militzer, in: Fenske/Militzer, S.32ff. 1309 Vgl. oben, Anm. 1303. 1310 Vgl. Holthaus, Georgskommende, S. 16, 20ff. 1311 Fiebig, Brackei, S.363f. 1312 Hennes II, Nr. 308, 314; Rübel, Brakei, Regest 1-2; Fiebig, Brackei, S. 369. 1313 Rübel, Brakei, Regest 4; Fiebig, Brackei, S. 369, 384. 1314 Westfälisches UB VII, Nr. 1220. 1315 Seibertz, UB I, Nr. 336; Hennes II, Nr. 233; Fischer, Mülheim, S. 61. 1^16 Sudendorf, Commende, S.2f.; Hennes II, Nr. 370-372. 1317 Sudendorf, Commende, S. 7.
In Brackei, Mülheim und Osnabrück waren Ordenshäuser auf Gütern entst den, die der Ballei Westfalen geschenkt worden waren. Allein mit diesen Kommen' den wäre die Einrichtung und Weiterführung einer Ballei wohl kaum zu rechtferti' gen gewesen, zumal die Bremer Kommende dem Landkomtur von Westfalen ' 14. Jahrhundert wieder entzogen worden ist1318. Wie anderen Balleien, beispielsweise Marburg, sind der kleinen Provinz Westfalen Ordenshäuser aus anderen Verwal tungseinheiten zugeordnet worden. In diesem Zusammenhang ist an erster Stelle die Kommende Welheim zu nennen. Dort hatte der Orden 1252 Besitz erworben der spätestens 1254 vom Komtur Gerhard Cukenmester verwaltet wurde1319. Wef heim gehörte ursprünglich zu den Partes Inferiores und kam erst um 1300 an die Ballei Westfalen1320. Zu Welheim wurde die 1313 übertragene Pfarre Duisburg ge- schlagen1321, die um 1500 eine eigene Verwaltungseinheit unter der Leitung eines Pfarrkomturs bildete1322. Der Deutschmeister Konrad von Egloffstein (1396-1416) übertrug die zur Ballei Utrecht zählende Kommende Ootmarsum dem westfälischen Landkomtur, weil Ootmarsum näher an der Ballei Westfalen als an der Ballei Utrecht liege, insbeson- dere aber weil die Brüder in Westfalen außer in Münster keine Konvente unterhalten und der Regel entsprechende Gottesdienste halten könnten. Auch in der zugewiese- nen Kommende in Ootmarsum sollten die eintrittswilligen Kandidaten und Novi- zen die gottesdienstlichen Verrichtungen kennenlernen und einüben können. 1417 bestätigte der Deutschmeister Dietrich von Weitershausen die Übertragung1323. Mit den Ordenshäusern in Bremen, Mülheim und Brackei hatte der Komtur von Münster allmählich eine Stellung erreicht, die ihn in eine Reihe mit anderen Land- komturen stellte. Das zeigte auch sein Titel. 1285 ist ein Heinrich zum ersten Male als Landkomtur von Westfalen genannt1324. Sein Nachfolger Johann Vrenkinc war zugleich Komtur von Bremen1325 und wird seinen Hauptsitz wohl in der Bremer Niederlassung gehabt haben, also weit außerhalb des eigentlichen Kernbereichs der Ballei. Das mag besondere Gründe gehabt haben, die nicht mehr nachvollziehbar sind. In der Regel blieb der Landkomtur in den westfälischen Ordenshäusern. Im 14. Jahrhundert hatte er seinen Hauptsitz in Münster1326. Das wird auch im 13. Jahr- hundert im allgemeinen der Fall gewesen sein. Im 15. und zu Beginn des 16.Jahr- 1318 Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 790f. 1319 Westfälisches UB VII, Nr. 783, 973; UB mittelrheinische Territorien III, Nr. 1248; Esch, Welheim, S. 82 f.; vgl. auch: S che 11er, Welheim, S. 106ff. 1320 Militzer, Entstehung, S. 109; vgl. auch oben, S. 224. 1321 Westfälisches UB VII, Nr. 785. 1322 Dorn, Westfalen, S. 8. 1323 De Geer II, Nr. 651; vgl. oben, S. 237. 1324 Bremisches UB I, Nr. 425. 1325 Bremisches UB II, Nr. 31, 46; Westfälisches UB III, Nr. 1224; Militzer, Entstehung, S. HO- 1326 Holthaus, Georgskommende, S. 16.
jerts residierte er meist in Brackei bei Dortmund1327. In den folgenden Jahrhun- j wurde die Niederlassung in Mülheim an der Mohne zum dauernden Sitz des dertcn 1328 Landkomturs . Westfalen ist als letzte Ordensprovinz im Reich entstanden. Si$ blieb die ärmste trotz ihrer wachsenden Bedeutung für den livländischen Zweig des Deutschen Or- jens und aller Zuwendungen durch die Deutschmeister. Sie gehörte zu den Ballei- en die stets dem Deutschmeister unterstellt geblieben ist. 8.7.11 Die Ballei Franken und das Deutschmeistertum Nachdem sich bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts bis auf die Ballei Westfalen alle Ordensprovinzen gebildet hatten, war der süddeutsche Raum von solchen Organi- sationstendenzen weitgehend ausgespart worden. In Franken, Teilen Schwabens, dem Rhein-Main-Gebiet und in Bayern blieben die Kommenden noch mehrere Jah- re ohne Aufsicht durch einen Landkomtur. Das lag nicht daran, daß der Orden dort keinen nennenswerten Besitz erworben hätte. Das Gegenteil war der Fall. Bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts zählte der süddeutsche Raum zu den Gebieten, in denen der Orden reiche Kommenden unterhielt und viele Ordensbrüder hatte an- werben können. Süddeutschland war schon damals eine der wichtigsten Regionen des Ordens geworden. Dort hatte er die meisten Kommenden und den ertragreich- sten Besitz1329. Der dort ansässige Adel war ihm wohlgesonnen, übereignete ihm auch weiterhin Güter und vertraute ihm nachgeborene Söhne an. Es kann kein Zweifel daran aufkommen, daß sich Süddeutschland zu einem Kernland des Ordens herausgebildet hatte. Von Süddeutschland aus betrachtet, hatte der Orden bis zur Mitte des 13. Jahr- hunderts, abgesehen von Westfalen und Bozen, seinen Besitz in den angrenzenden Gebieten in Balleien zusammengefaßt. Diese Balleien lagen wie ein Kranz um das Herzstück, die spätere Ballei Franken und das sogenannte Deutschmeistertum. Man wird voraussetzen dürfen, daß die späte Entstehung der Ballei Franken kein Zufall war, sondern daß dahinter eine Absicht, ein politischer Wille, gestanden hat. Es ist daher anzunehmen, daß die erstarkenden und im Orden immer wichtiger werden- den Deutschmeister dafür verantwortlich zu machen sind. Sie wollten wahrschein- lich die Kommenden des Kernbereichs keinem Landkomtur übergeben, sondern de- ren Wirtschaftskraft sich selbst nutzbar machen. Die Hypothese ist letztlich nicht stringent zu beweisen, erklärt aber am ehesten die späte Bildung der Ballei Franken. 327 Fiebig, Brackei, S.370. 328 Fischer, Mülheim, S.64; Dorn, Westfalen, S.78f. So auch Demel, Deutsche Orden und seine Besitzungen, S.22f.
Es hat nicht an Versuchen gefehlt, in dem Kernland Provinzen zu bilden Meh re größere Kommenden hatten sich kleinere untergeordnet oder Filialkommende6' gegründet. Aber alle derartigen Organisationstendenzen führten zu keinem durch* schlagenden Erfolg, wie man ihn bei den Balleien Koblenz oder Marburg beobach' ten kann und manchen Komturen der späteren Ballei Franken auch vor Augen e standen haben mag. Alle derartigen Versuche wurden unterdrückt oder verloren ihren Impetus, als die Ballei Franken schließlich doch errichtet worden war. Als erste große Schenkung erhielt der Orden in diesem Raum 1209 die Jakobikir ehe in Nürnberg von König Otto IV1330. Bald darauf, ein bis vier Jahre später, ver- waltete ein Ordensbruder namens Friedrich die Niederlassung1331. In ihr lebten ein Priesterbruder und fünf weitere Brüder, die über erhebliche Geldmittel verfügten und Käufe tätigten. Die neue Niederlassung erfreute sich auch der Gunst des staufi- schen Herrscherhauses. 1216 übertrug Friedrich II. dem Orden die Margaretenka- pelle in der Burg1332. Um 1236 stand ein Komtur namens Arnold an der Spitze des Hauses. Ein Ordensbruder Konrad verwaltete damals das Spital, das der heiligen Elisabeth gewidmet war1333. Im Lauf der Zeit entwickelte sich die Kommende zu einer der reichsten in Süddeutschland und im Deutschen Reich überhaupt. Neben Marburg unterhielt der Orden in Nürnberg ein größeres Spital, das über eigene Mittel verfügte. Dieses Spital wurde während des gesamten Mittelalters betrieben, obwohl in anderen Kommenden der Spitalgedanke verkümmerte und der Spital- dienst eingeschränkt wurde1334. Wegen der wirtschaftlichen Leistungskraft und des bedeutenden Elisabethspitals hat der Nürnberger Komtur alsbald Aufsichtsrechte über kleinere benachbarte Kommenden erhalten, und zwar über jene in Hüttenheim und Wolframs-Eschen- bach. In Hüttenheim hatte Albert von Hüttenheim dem Orden 1213 Besitz zur Er- richtung eines Ordenshauses überlassen1335. 1254 amtierte dort ein Komtur namens Ingebrand1336. Allerdings ist an dem Ort bereits seit 1221 mit einer kleineren Nie- derlassung zu rechnen1337. 1287 übergab der Hochmeister Burchard von Schwanden dem Nürnberger Spital den Deutschordenshof in Hüttenheim1338. Damit war die selbständige Entwicklung der Kommende beendet. Zwar sind auch noch nach 1287 1330 Nürnberger UB I, Nr. 127; Weiss, Franken, S. 32. 1331 Nürnberger UB I, Nr. 134. 1332 Nürnberger UB I, Nr. 142; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 197f. 1333 Nürnberger UB I, Nr.283; Weiss, Franken, S.34, 456. 1334 Weiss, Franken, S. 31 ff., 232ff.; Schrötter, Deutschordenshaus, S. 56ff.; Boockmann, sehe Orden in Nürnberg, S. 89ff.; Militzer, Deutsche Orden in den großen Städten, Urbare Nürnberg; vgl. auch Militzer, Balleien (Karte). 1335 Baader, Urkundenauszüge I, S.68f.; Weiss, Franken, S.39. 1336 Monumenta boica XXXVII, Nr. 325 S. 365f.; vgl. Weiss, Franken, S. 436. 1337 Militzer, Entstehung, S. 117. 1338 Nürnberger UB I, Nr. 750; Baader, Urkundenauszüge I, S. 73.
• 1328 Komture in Hüttenheim bezeugt1339, aber die Übertragung des „Hofs“, k1S jt wahrscheinlich die Kommende gemeint war, führte zu einer wachsenden Abhängigkeit vom Nürnberger Komtur. Die Hüttenheimer Niederlassung war zu einer Filiale Nürnbergs geworden1340. Nach 1328 wurde die Niederlassung aufgeho- ben und in eine von Nürnberg aus verwaltete Kastnerei umgewandelt. 1456 trat der Nürnberger Komtur sie dem Deutschordenshaus Ellingen ab1341. Ähnlich wie Hüttenheim erging es der Kommende in Wolframs-Eschenbach. Dort hatte der Orden um 1220 von Poppo von Wertheim Besitz und vor allem das Patronatsrecht an der dortigen Kirche erworben1342. Bereits 1236 ist ein preceptor ohne Namen erwähnt1343. 1253 hieß der Komtur Heinrich1344. 1306 ist Albrecht der Schenk als letzter Komtur von Wolframs-Eschenbach nachzuweisen1345. Danach ge- riet die Kommende vollends in Abhängigkeit vom Nürnberger Komtur, der den Konvent aufhob, die Güter seit 1326 durch einen „Pfleger“ und seit 1328 durch einen weltlichen Amtmann verwalten ließ. Wolframs-Eschenbach war wie Hüttenheim zu einer unselbständigen, von Nürnberg aus betreuten Kastnerei abgesunken1346. Der Nürnberger Komtur hatte also wenigstens in der zweiten Hälfte des 13. Jahr- hunderts Funktionen eines Landkomturs ausgeübt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er schon früher eine Oberaufsicht über die beiden kleineren Niederlassungen in sei- ner Nachbarschaft beansprucht hatte. Jedoch fehlen dafür hinreichende Nachweise. Immerhin hat der Nürnberger Komtur zeitweise alle Voraussetzungen zur Bildung einer Ballei mit einem Haupthaus in Nürnberg analog zu Koblenz und Marburg ge- schaffen1347. Diese Provinzbildung wurde verhindert, weil Nürnberg bereits einer neuen Ballei Franken zugeschlagen worden war. Daher machte es für den Nürnber- ger Komtur keinen Sinn mehr, abhängige Kommenden zu beaufsichtigen. Es war zweckmäßiger, durch die Umwandlung von ehemals abhängigen Kommenden in Kastnereien die Wirtschaftskraft auf das Deutschordenshaus in Nürnberg und sein Spital zu konzentrieren und damit die eigene Stellung und die des Hauses in der Ballei zu stärken. Wenig später als in Nürnberg wurde der Grund für eine Kommende in der eben- falls bedeutenden Stadt Regensburg gelegt. 1210 schenkte Herzog Ludwig I. von Bayern dem Orden die Egidienkirche1348. 1224 war der Priesterbruder Heinrich von 1339 Weiss, Franken, S.436f. 1340 Militzer, Entstehung, S. 116 f.; Weiss, Franken, S. 38. 1341 Weiss, Franken, S.325. ^42 Baader, Urkundenauszüge I, S. 53; Weiss, Franken, S. 41. 343 Nürnberger UB I, Nr. 282. 344 Weiss, Franken, S.426. 345 Regesta boica V, S.93; Weiss, Franken, S.426. 4$ Müitzer> Entstehung, S. 117; Weiss, Franken, S.43f. 134^ Mil*tzer’ Entstehung, S. 117f.; zustimmend: Weiss, Franken, S.44f. $ Codex ep. Ratisbonensis I, Nr. 299, 318. Nach einem Vidimus von 1257-1260.
Wildenau ihr Pfarrer1349. Damals wird es bereits eine kleinere Niederlassung e ben haben. 1237 stand ihr Konrad Ubelacker als Komtur vor1350. Seitdem hat^' Komture in Regensburg gegeben. Allerdings büßte die Kommende im Laufe <1^ Zeit ihre einst wichtige Stellung im Süden der Ballei ein und verlor gegenüber ren Ordenshäusern an Bedeutung1351. Dem suchte der Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen (1303-1311) offenbar vorzubeugen, indem er die Regensburger Kom mende von allen ordensinternen Abgaben befreite1352. Er begründete seinen Erlaß zwar mit den Verdiensten seines Anhängers, des damaligen Regensburger Komturs Marquard von Mässing. Das mag durchaus ein Motiv gewesen sein. Aber ein weite- rer Grund für die Privilegierung wird in der geringen Wirtschaftskraft des Ordens- hauses zu suchen sein, die das Prestige des Hauses zu gefährden begann. In besonderer Beziehung zu Regensburg stand Gangkofen. 1278 hatte Graf Wernhard II. von Leonberg dem Orden das Patronatsrecht von Gangkofen samt den zugehörigen Gütern übergeben. Er verlangte dafür, daß an dem Ort eine Kom- mende errichtet werde, die dem Hochmeister unmittelbar unterstellt bleibe. Zumin- dest ist bald ein Ordenshaus eingerichtet worden. Denn schon 1280 verwaltete der Ritterbruder Hermann von Mansdorf die neue Niederlassung als Komtur1353. Es mag auch sein, daß die Kommende zunächst dem Hochmeister direkt unterstellt wurde. Jedoch fehlen dafür Beweise. Trotz oder auch wegen der Sonderstellung konnte die Kommende ihren Besitz kaum ausdehnen. Sie blieb eine bescheidene Niederlassung mit geringem Besitz. Die Beziehungen zu Regensburg blieben eng, weil die ersten Brüder wohl aus dem Regensburger Konvent nach Gangkofen ge- kommen sind und weil der Regensburger Komtur anstelle des entfernt residieren- den Hochmeisters Aufsichtsrechte wahrgenommen haben wird1354. Trotz der engen Beziehungen kann man nicht von einer Unterstellung der Gangkofener Kommende unter eine Oberaufsicht durch den Regensburger Komtur sprechen1355. 1214 schenkte Friedrich II. dem Deutschen Orden eine Kapelle in Donauwörth über der Donau1356. Der Inhaber der Kapelle hatte das Recht, Almosen für die Ar- men zu sammeln. Daraus hat man wohl zu Recht geschlossen, daß der Kapelle ein Spital angeschlossen war, das ebenfalls in den Besitz des Ordens überging. Wahr- scheinlich hielten sich seitdem einzelne Ordensbrüder in der Stadt auf, da die Ka- pelle, das Spital und deren Güter betreut werden mußten. Von einer Kommende ist 1349 Codex ep. Ratisbonensis I, Nr. 358. 1350 Regesta boica IV, S. 745; Weiss, Franken, S.46, 471. 1351 Militzer, Entstehung, S. 118; Weiss, Franken, S. 45ff., 243ff.; auch: Militzer, Balleien ( ar te). 1352 Ni ess, S.223f. Nr. 22. 1353 Regesta boica IV, S. 773; Weiss, S. 120, 426. 1354 Militzer, Entstehung, S. 118. 1355 Zur Kommende: Weiss, Franken, S. 118ff., 270ff.; Demel, Gangkofen, S. 19ff- f 1356 RI V, Nr. 739; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 190; Weiss, Franken,
dings erst 1280 zu sprechen. Ein Jahr später hieß der Komtur Marquard1357. a h einem zunächst vielversprechenden Ansatz war die Entwicklung der Nieder- 1 ung ins Stocken geraten, so daß die Bildung einer Kommende lange auf sich aSSten ließ. Zu den reichen Niederlassungen hat Donauwörth qje gehört. Das Spi- 1 führte ein Schattendasein, bis es vom Komtur Heinrich von Zipplingen 1340 er- weitert wurde. Die Erweiterung blieb unter seinen Nachfolgern bestehen1358. Der S italbetrieb in Donauwörth ist allerdings eher als Ausnahme zu werten. Denn im allgemeinen hatte der Orden bereits am Ende des 13. Jahrhunderts sein Interesse an Spitälern verloren. Mit der Niederlassung in Donauwörth war die im benachbarten rechtsdonaui- schen Lauterbach verbunden. 1254 erhielt der Deutschmeister vom päpstlichen Le- gaten die Bestätigung, daß Friedrich II. dem Orden die Pfarrkirche in Lauterbach übertragen habe. Diese Übertragung bekräftigte der Augsburger Bischof Hartmann von Dillingen im folgenden Jahr1359. 1276 ist eine Niederlassung in Lauterbach nachweisbar, die aber wohl schon etwas früher bestanden hat. 1289 ist dort erstmals ein Komtur namens Dietrich belegt1360. 1294 befahl der Hochmeister Konrad von Feuchtwangen dem Komtur und den Brüdern des Hauses in Lauterbach, alle An- ordnungen seines Vorgängers Burchard von Schwanden (1282-1290) einzuhalten1361. Der Hochmeister hat nicht mitgeteilt, um welche Anordnungen es sich gehandelt hat, aber man wird vermuten können, daß Burchard von Schwanden analog zu sei- nen Eingriffen in die Balleien Thüringen-Sachsen, Marburg und Franken das Deutschordenshaus Lauterbach der Kommende in Donauwörth unterstellt hat viel- leicht zur Stärkung des Spitals1362. Die Niederlassung in Lauterbach verlor allmäh- lich ihre Selbständigkeit. 1310 ist zum letzten Male ein Komtur erwähnt. 1334 leb- ten dort noch Ordensbrüder. Danach ist der Besitz in Form einer Kastnerei von Donauwörth aus verwaltet worden1363. Burchard von Schwanden wird die Nieder- lassung in Lauterbach also der Aufsicht des Komturs von Donauwörth unterstellt haben, was Konrad von Feuchtwangen bestätigt hat. In Ellingen, der späteren Landkommende, erhielt der Orden 1216 von Friedrich II. das Spital geschenkt1364. Jedoch konnte der Orden es zunächst nicht in Besitz neh- men, weil das Stift Berchtesgaden ältere Ansprüche geltend machte. Es dauerte eine lange Zeit, bis die Ansprüche des Stifts abgegolten werden konnten. Als Konrad IV. 1357 Weiss, Franken, S.55, 415. 13c8 Wei.ss’ Finken, S. 54ff., 247ff.; Steichele III, S. 804ff. 1 Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 194 f.; Weiss, Franken, S. 56. 60 Weiss, Franken, S.56, 684f. 1367 N-eß’ S‘212f Nr. 9 (Druck). 13 Militzer, Entstehung, S. 120; zustimmend: Weiss, Franken, S. 57; Nieß, S. 8. 13, Weiss, Franken, S. 57; Steichele III, S. 808; Militzer, Entstehung, S. 120. 4 Nürnberger UB I, Nr. 145; RI V, Nr. 877; Huillard-Breholles I, S.480f.; Weiss, Franken, $-57f.; Ders., Ellingen, S. 5f.; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 190f.
dem Orden das Spital bestätigte1365, konnte die Korporation sich durchsetzen von dem Spital Besitz ergreifen. Bereits 1253 ist Otto von Ulm als erster Ko bezeugt1366. Von nun an mehrte der Orden den Besitz um Ellingen, wo ein^d^ reichsten und wichtigsten Kommenden entstand1367. er Die später errichtete Niederlassung in Obermässing kann als Tochterkommend Ellingens auf gefaßt werden. 1277 gab die zur eichstättischen und hirschbergische6 Ministerialität zählende Familie von Mässing ihr Patronatsrecht an der Pfarrkirche zu Obermässing mit anderen Gütern dem Deutschen Orden1368. Dieser Besitz wur de zunächst wohl von Ellingen aus verwaltet. 1281 vermachte Bertold von Mässin dem Orden im Fall seines kinderlosen Todes seinen gesamten Besitz in Obermäs sing, vor allem sein zur Ober- und Unterburg gehöriges Eigengut1369. Er wiederhol- te sein Vermächtnis 1284, knüpfte daran aber die Bedingung, daß in Obermässing eine Kommende errichtet werde1370. Nachdem Bertold 1285 gestorben war, brach ein Streit um die letztwillige Verfügung aus, den der Hochmeister Burchard von Schwanden zusammen mit dem Grafen von Oettingen 1287 beilegen konnte. Der Orden behielt die Burg Obermässing mit dem Patronatsrecht, mußte jedoch auf an- dere Güter verzichten1371. Eine selbständige Kommende entstand zunächst noch nicht. Die Burg und das Patronatsrecht unterstanden vielmehr dem Ellinger Kom- tur Marquard von Mässing1372. Nachdem er jedoch 1291 zum ersten Komtur von Obermässing ernannt worden war1373, lockerten sich die Beziehungen zwischen der neuen Kommende und Ellingen. Obermässing wurde ein selbständige Niederlas- sung, obwohl der Besitz zunächst nicht umfangreich war. Den Aufstieg der Tochterkommende zu einem eigenständigen Ordenshaus hat Obermässing der Stifterfamilie zu verdanken, die zwar 1285 im weltlichen Zweig aus- gestorben war, aber in Marquard von Mässing, der bis zum Großkomtur (1306/07) aufstieg und 1315 als Komtur von Regensburg gestorben ist1374, einen Vollender der Absichten der Stifter im Orden selbst hatte. Auf Marquard von Mässing ging zwei- fellos auch die Verfügung des Hochmeisters Siegfried von Feuchtwangen (1303— 1311) zurück, daß die Kommende Obermässing von allen ordensinternen Abgaben wie die Niederlassung in Regensburg zu befreien sei1375. Ob damit eine Exemtion 1365 Huillard-Breholles IV, S.830ff. 1366 Weiss, Franken, S.60, 419. 1367 Grill, Ellingen; Weiss, Franken, S.57ff., 226ff.; Militzer, Balleien (Karte). 1368 Weiss, Franken, S. 114. 1369 Monumenta boica XLIX, Nr. 110; Wilhelm, Corpus I, Nr.462. 1370 Regesten Bfe. v. Eichstätt, Nr. 982. 1371 Monumenta boica XLIX, Nr. 156. 1372 Weiss, Franken, S. 115. 1373 Regesta boica IV, S. 505. 1374 Weiss, Franken, S.399L 1375 Ni eß, S. 223f. Nr. 22 (Druck der Urkunde).
dem Verband der Ballei Franken beabsichtigt und tatsächlich verbunden war, ist fUS lieh und den Urkunden nicht zu entnehmen1376. Die Kommende blieb nicht beim Orden. 1465 hat der Deutschmeister Ulrich von Lentersheim sie dem Hoch- tift Eichstätt für 11.700 Gulden verkauft, da er Geld für die Unterstützung des Or- dens in Preußen benötigte1377. $ Wann der Deutsche Orden in Ulm seine ersten Güter erhalten hat, ist nicht mehr sicher zu ermitteln. Markgraf Friedrich von Baden stiftete als Kreuzzugsteilnehmer dem Orden seinen Besitz bei Ulm. Er fiel 1216 in Ägypten. Sein Bruder Hermann V. von Baden erfüllte das Vermächtnis seines Bruders und bestätigte die Stiftung vor 1231, dem Todesjahr Hermanns1378. Leider trägt die Urkunde kein Datum. Da sich Markgraf Hermann aber 1221 an einem Kreuzzug beteiligt hatte, liegt die Annahme nahe, daß er die Bestätigung vor oder während des Kreuzzugs ausgesprochen ha- be1379. Gleichgültig ob Markgraf Friedrich von Baden dem Orden 1216 eine Schen- kungsurkunde übergeben hat oder ihm in einem mündlichen Vermächtnis Güter übertragen hat, konnte der Orden erst in den Genuß der Güter kommen, nachdem Hermann von Baden die Schenkung oder Übertragung bestätigt hatte. Das war spä- testens 1231 und wohl frühestens 1221 möglich. Ein Ordenshaus ist in Ulm erst 1256 nachweisbar1380. Eine kleinere Niederlassung muß aber schon 1226 bestanden haben, da Markgraf Heinrich von Burgau damals unser Vrowen ze Ulme, die hus- vrowe ist des goteshusen der Tütschenherren Äcker übergeben hat1381. Ein Komtur der Niederlassung ist 1270 erwähnt1382. Der erste namentlich bekannte Komtur war 1277 Friedrich von Giengen1383. Die Ordenstradition nennt einen anderen Stifter als den Markgrafen von Baden. Sie bezeichnet Meinloh von Söfflingen als Gründer der Ordenshauses in Ulm. Jener könnte mit dem Ritterbruder Meinloh identisch sein, von dem das Anniversar der Ulmer Kommende behauptet, daß er dem Orden die kirchen und wonung gegeben habe1384. Diese Tradition wird in der Geschichtsschreibung im allgemeinen nicht verworfen, sondern mit der urkundlichen Überlieferung verbunden und so gedeu- tet, daß Meinlohs Stiftung, von der allerdings sonst nichts bekannt ist, erst die Er- 1376 Anders: Weiss, Franken, S. 118. 1377 Weiss, Franken, S.326. 1378 Wirtembergisches UB III, Nr.630; Regesten Markgrafen v. Baden I, Nr.202; Hennes I, Nr.479. 1379 So Weiss, Franken, S. 85. Ferner: Greiner, S.6f. 1380 Wirtembergisches UB V, Nr. 1372; Weiss, Franken, S. 86. 81 Wirtembergisches UB IV, S. 401, Nachtrag Nr. 102. Die Überlieferung ist unsicher, da die Urkunde nur in einer spätmittelalterlichen Übersetzung vorliegt. Laut Wirtembergisches UB X, Nr. 4888 ge- höre die Urkunde in das Jahr 1296. Vgl. dagegen: Greiner, S. 6; unentschieden: Weiss, Fran- ken, S. 85 f. 13R1 UImisches UB I, Nr. 105. 3 Wirtembergisches UB VIII, Nr. 2867; Weiss, Franken, S. 87, 483; Greiner, S. 136; Köllen- 1384 , erger’ Ritterorden, S. 196. ampe, Anniversarienkalender Ulm, S. 174; Greiner, S. 6; Weiss, Franken, S. 85.
richtung einer Kommende in Ulm ermöglicht habe, da der markgräfliche Be * den der Orden erhalten hatte, außerhalb der Stadt gelegen habe1385. Es besteht als ’ eine Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Ordenstradition einen wahren Kern enthält und zwar dergestalt, daß ein sonst unbekannter Meinloh von Söfflingen dem Ord ’ den Platz für den Bau einer Niederlassung in Ulm übertragen hat, die Errichtu einer Kommende aber nur durch die reichhaltige Schenkung des Markgrafen mö^ lieh geworden ist. Der Besitz der Ulmer Kommende wuchs im 13. Jahrhundert ste tig, so daß das dortige Deutschordenshaus zu den bedeutenden Niederlassungen zählte. Die enge Verbindung mit einer ökonomisch aufstrebenden Stadt wird die wirtschaftliche Entwicklung der Kommende gefördert haben1386. Eng mit der Ulmer Kommende war die Entstehung der Niederlassung in Gien- gen verbunden. Wahrscheinlich hat Friedrich von Giengen, der erste Ulmer Kom- tur, bei seinem Ordenseintritt Güter in Giengen eingebracht, die den Grundstock zu der späteren Kommende bilden sollten1387. 1275 muß in Giengen ein Deutsch- ordenshaus bestanden haben1388. Der erste Gienger Komtur war 1286 ein Bruder namens Albert1389. Das Ordenshaus blieb jedoch unbedeutend und war nur mit we- nig Besitz ausgestattet. Im Konvent lebte stets nur eine kleine Zahl von Ordensbrü- dern. Am Ende des 14. Jahrhunderts verlor der Ulmer Komtur seinen Einfluß auf die Kommende in Giengen zugunsten des Komturs der Kapfenburg. 1391 war Wal- ter von Kaltenthal gleichzeitig Komtur der Kapfenburg und von Giengen1390. Zu Beginn des 15. Jahrhundert wurde das Ordenshaus aufgelöst und der überwiegende Anteil der Güter der Kommende Kapfenburg überantwortet1391. Eine der wichtigsten Kommenden gründete der Orden in Mergentheim. 1219 war Andreas von Hohenlohe in den Orden eingetreten. Er hatte sein Erbe erhalten und eingebracht. Den Teilungsvertrag mit seinen Brüdern bestätigte 1219 Bischof Otto von Würzburg1392. Noch im gleichen Jahr folgten Heinrich und Friedrich von Ho- henlohe ihrem Bruder Andreas und traten in den Orden ein. Wie ihr Bruder ver- machten sie ihr Erbe dem Orden1393. 1220 bestätigte Kaiser Friedrich II. die Schen- kungen1394. Dazu gehörten die beiden Burgen in Mergentheim. Der Umfang der Übertragungen war so groß, daß der Orden wahrscheinlich sofort eine Kommende 1385 Militzer, Deutsche Orden in den großen Städten, S. 195. 1386 Greiner, S. 5-8; Militzer, Deutsche Orden in den großen Städten, S. 194ff.; Specker, Ulm, S. 86ff.; Ders., Kommende; Weiss, Franken, S. 85ff., 251 ff. 1387 Militzer, Giengen, S. 34ff.; zustimmend: Weiss, Franken, S. 89. 1388 Wirtembergisches UB VII, Nr. 2474. 1389 Wirtembergisches UB IX, Nr. 3515; Weiss, Franken, S. 89, 431. 1390 Militzer, Giengen, S. 31 f. 1391 Militzer, Giengen, S. 31 ff.; Weiss, Franken, S. 88ff., 256. 1392 Hohenlohisches UB I, Nr. 37f.; Wirtembergisches UB III, Nr. 624, 626. 1393 Hohenlohisches UB I, Nr. 40; Wirtembergisches UB III, Nr. 625, 627. . 0eUt- 1394 Hohenlohisches UB I, Nr. 44; Wirtembergisches UB III, Nr. 638-640. Dazu: Wojtecki, sehe Orden im württembergischen Franken, S. 57ff.; Weiss, Franken, S. 73f.
‘chtete. Ihr erster Komtur war 1221 ein Ritterbruder namens Heinrich, der wohl dem 1219 eingetretenen Heinrich von Hohenlohe identifiziert werden darf1395. entheim war die Hauskommende der Edelherren von Hohenlohe. Derartige K mmendentypen finden sich vor allem in Süddeutschland. D^e Edelherren von Hohenlohe sorgten auch weiter für ihre Kommende, schenkten selbst Besitzungen und veranlaßten verwandte Edelherrengeschlechter und ihre Ministerialen zu Zu- wendungen. Dank dieser Besitzübertragungen gelang es dem Orden, in und um Mergentheim eine eigene Herrschaft aufzubauen und den Ort 1340 zu einer Stadt erheben zu lassen1396. Schließlich verdrängte er die Johanniter aus dem Ort, die seit 1190 ein Spital unterhielten und 1207 das Patronatsrecht an der Pfarrkirche bekom- men hatten. Die Johanniter mußten 1355 ihre Besitzungen in Mergentheim dem Deutschen Orden verkaufen, konnten ihr Patronatsrecht allerdings behaupten1397. In Abhängigkeit von Mergentheim entstand in Archshofen ein kleineres Ordens- haus. 1267 hatte der hohenlohische Ministeriale Friedrich von Archshofen dem Or- den seinen Ansitz vermacht1398. Im 13. Jahrhundert gehörte die Burg noch zur Kom- mende in Mergentheim. Erst 1312 ist ein eigener Komtur namens Heinrich von Schlüsselberg nachweisbar1399. Ihm folgte noch Gottfried von Hohenlohe-Brauneck 1333-1336 im Amt1400. Dann verlor die wirtschaftlich gering fundierte Kommende ihre Selbständigkeit wieder an das Mergentheimer Mutterhaus. 1321 inkorporierten der Deutschmeister Eberhard von Sulzberg und der Landkomtur von Franken Konrad von Gundelfingen im Einvernehmen mit dem Hochmeister Karl von Trier Archshofen der Mergentheimer Kommende. 1370 trat der Mergentheimer Komtur den Ansitz Archshofen der Kommende Ellingen ab1401. Aber auch dort blieb der Besitz nicht, sondern gelangte im 15. Jahrhundert an die Kommende in Rothenburg ob der Tauber. 1460 verkaufte der Deutschmeister das Haus mit Zustimmung seines Rats1402. Wie Archshofen war auch Prozelten ursprünglich von Mergentheim abhängig. Mergentheimer Komture hatten bereits im 13. Jahrhundert in der Umgebung von Prozelten Besitz erworben, ihn aber noch nicht zu einer größeren Verwaltungsein- heit zusammengefaßt. Dazu bestand erst Anlaß, nachdem Elisabeth von Hohenlo- 1395 1396 1397 1398 1399 1400 1401 1402 UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Hartmann, Komture Mergentheim, S.24ff.; vgl. Militzer, Ent- stehung, S. 121; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S.58; Weiss, Fran- ken, S. 76, 440; Weller, Geschichte II, S. 265ff. Seiler, Deutsche Orden als Stadtherr, S. 165ff.; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergi- schen Franken, S.58; Weiss, Franken, S.73ff., 219ff.; Demel, Mergentheim, S. 149ff.; Merz- bacher, Mergentheim, S. 43 ff.; H e c k / H ermann, Deutsche Orden und Mergentheim. Weiss, Franken, S.221. Wirtembergisches UB VI, Nr. 1955. Hohenlohisches UB II, Nr. 36; Weiss, Franken, S. 84, 415; Borchardt, Institutionen, S. 35ff. Hohenlohisches UB II, Nr. 840,10-11; Weiss, Franken, S. 415. Weiss, Franken, S.274. Weiss, Franken, S.325; Borchardt, Institutionen, S.38.
he, eine geborene Gräfin von Wertheim, verheiratet mit Gottfried von Hohenloh zwischen 1305 und 1311 ein Spital in Neubrunn gestiftet und dem Deutschen Ord ’ übergeben hatte1403. 1312 hatte sie dem Orden noch das Gericht und ihren Besitz in Neubrunn übertragen1404. 1317-1319 erwarb dieselbe Gräfin für den Orden die Bu Prozelten. Dazu kamen weitere Güter. 1319 ließ die Gräfin ihr in Neubrunn gestif tetes Spital nach Prozelten verlegen1405. Die Besitzanhäufung, die Verfügung über eine wichtige Burg, die Verwaltung eines Spitals und die Pflicht zur Seelsorge in Neubrunn und Prozelten werden den Orden veranlaßt haben, in Prozelten eine Kommende einzurichten. 1321 amtierte dort als erster Komtur der Ritterbruder Walter von Riedern1406. Anfänglich scheint der Orden auch in Neubrunn ein eigen- ständiges Haus unterhalten zu haben. Denn 1329-1336 sind Hauskomture bzw Komture in Neubrunn nachweisbar1407. Dann wurde der Neubrunner Konvent aber aufgelöst und mit dem in Prozelten zusammengelegt. Die Prozeltener Kommende löste sich schnell aus ihrer Abhängigkeit von Mergentheim und wurde Kammergut des Deutschmeister1408. 148 3 tauschte der Deutschmeister mit dem Mainzer Erz- bischof Prozelten samt allem Zubehör gegen Schloß und Stadt Neckarsulm und Scheuerberg1409. 1193 hatte der Reichsministeriale Kuno von Münzenberg in Sachsenhausen am linken Mainufer gegenüber der Reichsstadt Frankfurt ein Spital gegründet1410. Je- doch waren die fratres hospitalis, die das Spital leiteten, noch keine Brüder des Deutschen Ordens1411. Erst 1218 ist das Spital dem Deutschen Orden wohl auf einem Hoftag in Fulda übergeben worden. 1221 bestätigte Friedrich II. dem Orden die Schenkung1412. Im gleichen Jahr verzichtete Ulrich von Münzenberg auf alle Rechte seiner Familie an der Stiftung1413. Dem Orden war die Schenkung so wich- tig, daß er dort sofort eine Kommende errichtete. Bereits 1221 ist ein Komtur na- mens Heinrich bezeugt1414. Der Besitz des neuen Ordenshauses wuchs schnell. Sachsenhausen stieg zu einer der wichtigsten Kommenden im Deutschen Reich 1403 Lampe, Entstehung, S.41 f. 1404 Hohenlohisches UB II, Nr. 465,26. 1405 Lampe, Entstehung, S.44; Brunner, Neubrunn, S.65 f. Nr.3. 1406 Weiss, Franken, S.225. 1407 Weiss, Franken, S.225. 1408 Weiss, Franken, S.226. Zur Kommende: Lampe, Entstehung, S.39ff.; Ders., Zins- und Güt Register; Brunner, Neubrunn; Seiler, Deutsche Orden als Stadtherr, S. 158ff. 1409 Brunner, Neubrunn, S. 86f. Nr. 7d—1. 1410 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 30. 1411 Anders: Schrod, Gründung, S.37, 54. 1412 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 55. 1413 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr. 56. , . 1414 UB Ballei Thüringen, Nr. 16; Köllenberger, Ritterorden, S. 194f.; Niedermayer, Fran S.22.
ri4i5 jn der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erreichte sie einen mit Marburg aU 1 ichbaren Rang. 1272 und 1287 hielten in ihr Anno von Sangerhausen und Bur- v£r d von Schwanden Generalkapitel ab. Weitere Generalkapitel könnten in Sach- C nhausen 1273, 1288, 1292 und 1300 stattgefunden haben1415 1416. Als Residenz hatte die Kommende den Deutschmeistern dagegen sicher nicht gedient, auch wenn das Ge- nteil hin und wieder behauptet wird1417. ® Schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte der Sachsenhäuser Komtur eine überragende Stellung eingenommen. 1231 übte schon der erste Komtur Funk- tionen eines Landkomturs aus. Denn damals empfingen fratres domus antedicte Heinricus in Frankenfurt, Ludewicus in Confluentia et Heinricus in Bisen precepto- res vices domus memorate autentice in hac parte gerentes, eine Schenkung des Gra- fen Heinrich von Nassau und dessen Frau Mechtild1418. Das Grafenpaar hatte dem Orden Patronatsrechte an den Kirchen in Bieseberg und Niederzeuzheim übertra- gen. Niederzeuzheim gehörte später zum Bereich des Koblenzer Komturs1419. Der Präzeptor von Biesen namens Heinrich war der Landkomtur der Partes inferio- res1420. Da die Patronatsrechte nie der Kommende Sachsenhausen zugefallen sind, muß der Komtur von Frankfurt-Sachsenhausen wie der Landkomtur der Partes in- feriores tätig geworden sein1421. Er nahm also eine Stellung analog zu denen von Ko- blenz und Marburg ein. Damals hatte der Sachsenhäuser Komtur einen Schritt auf dem Weg getan, der ihm den Aufstieg zu einem Provinzialoberen hätte bringen können. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, in welchem Bereich der Sachsenhäuser Komtur Befehlsgewalt hatte. Es ist zunächst auf Mainz zu verweisen, wo der Kom- tur über Güter verfügte, die später einem eigenen Amtsverwalter unterstellt worden sind. 1218 hatte Friedrich II. das „Judenmünster“ in Mainz, das die Herren von Bolanden geschenkt hatten, dem Orden bestätigt1422. Es sollte der Kristallisations- punkt einer neuen Kommende werden. Jedoch lag das erste Ordenshaus nicht in Mainz, sondern im rechtsrheinischen Kastel. Es hat 1268 ein Komtur namens Diet- rich geleitet1423. Er verlegte den Konvent nach Mainz, wo er 1271 Komtur war1424. Seitdem saßen seine Nachfolger ebenfalls in Mainz1425. Die Mainzer Kommende 1415 Niedermayer, Frankfurt; Demel, Sachsenhäuser, S. 37ff.; Mann, Reichsstadt, S. 11 ff. Die Quellen sind zum großen Teil gedruckt in: Jost, Deutsche Orden. 1416 Demel, Sachsenhäuser, S. 50; Wojtecki, Studien, S.35f.; Mann, Reichsstadt, S. 16. 1417 So Weiss, Franken, S. 129. J418 Hennes I, Nr. 86; Wyss I, Nr. 21. 419 Er erhielt das Patronatsrecht 1254 bestätigt: Hennes I, Nr. 156. 1420 Vgl. oben, S. 224. J421 Militzer, Entstehung, S. 113f. ^2 ^ennes I, Nr. 33; RI V, Nr. 966; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S.200f. . Gudenus IV, S.909-911; Hartmann, Liste, S. 122. 424 Hennes I, Nr.216. 5 Hartmann, Liste, S. 122ff.
wurde auf Besitz des Sachsenhäuser Ordenshauses gegründet. Auch als ein Ko in Kastel und später Mainz amtierte, übte der Sachsenhäuser Komtur noch ' F Oberaufsicht aus. Er vertrat 1286 in einem Streit um das Zehnt- und Patronatsrecht einer Wiesbadener Kapelle den Orden im Auftrag des Deutschmeisters Konrad von Feuchtwangen1426. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts versuchten beide Ordenshäuser ihre Besitzungen durch Tausch und Kauf zu entflechten. Seitdem verlor der Sach’ senhäuser Komtur sein Aufsichtsrecht über die Mainzer Kommende. In Weinheim an der Bergstraße entstand im 13. Jahrhundert eine weitere Nieder lassung auf dem Grund und Boden der Sachsenhäuser Kommende. 1273 ist erstmals ein Ordenshaus in Weinheim erwähnt1427. 1277 ist ein Komtur Sigelo bezeugt1428. Die Kommende blieb unbedeutend und wirtschaftlich schwach. Sie geriet im 14. Jahr- hundert in Abhängigkeit von Horneck. 1472 inkorporierte der Deutschmeister Ul- rich von Lentersheim die Kommende Weinheim dem Sachsenhäuser Ordenshaus Seitdem saßen in Weinheim Hauskomture, die von den Frankfurter Komturen ab- hängig waren. Weinheim sank zu einer Kastnerei herab, die aber im Mittelalter noch nicht von weltlichen Amtleuten verwaltet wurde1429. In Süddeutschland und im Rhein-Main-Gebiet hat es also Organisationstenden- zen gegeben, die analog zu Koblenz und Marburg zu Provinzbildungen hätten füh- ren können. Am deutlichsten, frühesten und fortgeschrittensten waren die Ansätze dazu in Sachsenhausen. Später, aber auch deutlich zu beobachten, waren sie am Bei- spiel der Kommende Nürnberg. Dann folgten Ansätze in Mergentheim. Bei allen anderen Beispielen Regensburg, Donauwörth, Ellingen und Ulm sind solche Ent- wicklungen nicht über Anfangsstadien hinausgekommen. Obwohl keiner der Ansätze in dem beschriebenen Raum zum Erfolg geführt hat, sind sie dennoch beachtenswert, weil sie verdeutlichen, wie solche um ein Haupthaus gescharten Kommendenver- bände entstehen konnten und wie vielfältig solche Organsationsformen waren. An- gesichts mehrerer geglückter Formen einer Balleientstehung um ein Haupthaus und auch mißlungener Versuche scheint die Diskussion darüber, ob eine Provinz um ein Haupthaus oder nur eine von Anfang an auf einen Gebietsbereich angelegte Pro- vinz Ballei genannt werden dürfe, wenig hilfreich. Überlegungen, die sich daran an- knüpfen, scheinen von zweifelhafter Aussagekraft zu sein. Beide Typen von Balleien hat es gegeben. Beide konnten zudem in unterschiedlicher Art und Weise ausgestal- tet sein. Das gilt insbesondere von den von einem Haupthaus aus entstandenen bal- leien. 1426 Codex Moeno-Francofurtanus I, Nr.454; vgl. ferner: Baur, Urkunden I, Nr. 83, 280. 1427 Regesten Pfalzgrafen I, Nr. 900. 1428 Wirtembergisches UB VIII, Nr.2667; Köllenberger, Ritterorden, S.202. 2ur 1429 Militzer, Entstehung, S. 115; Niedermayer, Frankfurt, S. 108; Voigt, Balleien I, Geschichte: Köllenberger, Ritterorden, S. 114ff.; Christ, Deutschordens-Besitz, c Hofgüter, S. 3 ff.
Außer den Kommenden, die sich in Richtung von Landkommenden bewegten, hat es in dem süddeutschen Bereich andere Ordenshäuser gegeben, die durchaus bedeu- tend waren, aber nie abhängige Filialniederlassungen gebildet hatten. Die Zahl dieser gewöhnlichen“ Kommenden ist ungleich größer als die der bislang vorgestellten. Ebenso weit in die Vergangenheit wie die Anfänge der schon genannten bedeu- tenden Kommenden reichen die des Ordenshauses Aichach zurück. 1210 schenkte nämlich Ludwig I. von Bayern zusammen mit der Egidienkirche in Regensburg auch die Kirche in Aichach und die Georgskirche in Cham1430. In Cham hat sich der Orden nicht durchsetzen können. In Aichach hatte er dagegen Erfolg. 1221 ist erstmals ein Priesterbruder namens Otto bezeugt1431, der die Pfarrseelsorge versah. 1250 leitete ein Komtur namens Dietrich die Niederlassung1432. Mit ihm lebten acht Ordensbrüder in Aichach, ein für damalige Verhältnisse recht großer Konvent. Wie das benachbarte Blumenthal an den Orden gekommen ist, ist strittig1433. Jedenfalls reichen die Anfänge in das 13. Jahrhundert zurück. 1296 hat es eine von Aichach ab- hängige Niederlassung in Blumenthal gegeben. 1302 war Herbort Komtur von Aichach und Blumenthal1434. Das Hofgut Blumenthal im Südwesten von Aichach wurde nie zu einer eigenständigen Kommende neben Aichach ausgebaut. Der Aichacher Komtur war gleichzeitig auch Komtur von Blumenthal. Am Ende des 14. Jahrhunderts, als die Stadt die Rechte der Kommende in Aichach beschnitt, sie- delte der Komtur endgültig nach Blumenthal über1435. In Würzburg übertrug Bischof Otto von Würzburg den Königshof am linken Mainufer 1219 dem Deutschen Orden1436. 1224 bestätigte Friedrich II. die Liegen- schaftsübertragung1437. Damals geriet der neue Besitz wohl kurzzeitig unter den Einfluß des Mergentheimer Komturs1438. Jedoch trat schon 1221 der Ritterbruder Wicmannus de Wirceburg als Zeuge auf1439. Umstritten ist, ob Wichmann schon Bruder eines Würzburger Konvents gewesen sein könnte oder ob es sich bei dem Namenszusatz um eine Herkunftsbezeichnung gehandelt hat1440. Die Frage, ob der Nachname des Ritterbruders auf einen kleineren Konvent schließen lassen kann oder nicht, ist endgültig nicht zu entscheiden. Sie ist auch im vorliegenden Zusam- menhang von geringerem Interesse. Denn die Voraussetzungen für eine wirtschaft- 1430 1431 1432 1433 1434 1435 1436 1437 1438 1439 1440 Codex ep. Ratisbonensis I, Nr. 318. Baader, Urkundenauszüge I, S. 69 f. Regesta boica IV, S. 751. Steichele II, S. 196; Wagner, Pfarrei, S. 79. Weiss, Franken, S. 54. Weiss, Franken, S. 270. Zur Geschichte: ebd., S. 51 ff., 267ff.; Steichele II, S. 35ff.; Wagner, Harrei, S. 67 ff. Urkundenregesten Stadt Würzburg, Nr. 12. Uuillard-Breholles II, S.400ff.; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 198f. Weiss, Franken, S.65; Seiler, Deutsche Orden als Stadtherr, S. 169. Baader, Urkundenauszüge I, S. 69 f. Weiss, Franken, S.65.
lieh gut fundierte Kommende schuf erst Graf Otto III. von Botenlauben, der Soh des bekannten gleichnamigen Minnesängers aus dem Hause der Grafen von Henn berg, als er 1230 dem Orden beitrat und Besitz im Wert von 2900 Mark Silber ein' brachte, von denen wohl 1000 Mark der Würzburger Niederlassung zugefallen sind1441. Nun blühte das Würzburger Ordenshaus auf. Bereits ein Jahr später stand ihm ein Komtur vor1442. Er hieß Wichmann und dürfte mit dem bereits 1221 ge nannten Ordensbruder identisch sein. Der Besitz der Kommende wurde weiterhin vermehrt. Die Niederlassung stieg zu einem der bedeutenden Ordenshäuser in der Ballei Franken auf. Daß das Haus in der Residenzstadt der Würzburger Bischöfe lag, die für den Orden in Franken wichtige Gesprächs- und Verhandlungspartner waren, hat die Entwicklung gefördert1443. Eine kleinere Kommende entstand in der Bischofsstadt Speyer. 1220 hatte Bischof Konrad III. von Scharfenberg dem Orden ein Spital bei der Stephanskirche in der Stadt gegeben und zur Bedingung gemacht, daß der Orden zwölf Arme unterhal- te1444. Bereits 1231 gab es eine kleinere Niederlassung1445. Umfangreich war der Be- sitz des Ordenshauses nie. 1249 verwaltete wohl nur ein Ordensbruder das Spital und das Haus1446. Erst 1258 ist ein Komtur namens Ludwig nachweisbar1447. In der Folgezeit konnte der Besitz nicht mehr nennenswert vermehrt werden. Speyer blieb eine der ärmsten Kommenden im Reich. 1303 mußte der Deutschmeister Winrich von Bosweiler allen Ordensangehörigen gebieten, ihre Kosten selbst zu tragen, falls sie die Kommende in Speyer besuchen wollten. Bosweilers Nachfolger haben die Verfügung immer wieder bestätigt1448. Vielleicht gleichzeitig mit Speyer ist die Grundlage für die Kommende Ramersdorf gelegt worden. Sie soll schon durch die Grafen von Sayn in den Jahren 1220-1230 ge- stiftet worden sein1449. Das schließt H. Neu aus dem Baubefund der erhaltenen Ka- pelle des Ordenshauses. Denn die Kapelle soll in der ersten Hälfte des 13. Jahrhun- derts, sogar im dritten Jahrzehnt gebaut worden sein. An der Datierung sind bisher wenig Zweifel geäußert worden, so daß weitgehende Einigkeit darüber herrscht, daß der Orden die Kapelle wohl um 1230 oder etwas früher habe errichten lassen. Ur- kundlich gesichert ist die Existenz einer Niederlassung in Ramersdorf jedoch erst 1441 Weiss, Franken, S.66; Herzig, Würzburg, S. 13ff. 1442 Monumenta boica XXXVII, Nr. 230. 1443 Herzig, Würzburg; Ders., Urkunden, S. 32 ff.; Weiss, Franken, S. 64 ff., 256 ff.; Stamm in ger. 1444 Urkunden Speyer, Nr.33; Hennes II, Nr. 16. 1445 Urkunden Speyer, Nr. 46. 1446 Militzer, Entstehung, S. 123. 1447 Militzer, Entstehung, S. 123. Zu den Komturen: Köllenberger, Ritterorden, S. 194. 1448 Neue Urkunden zur pfälzischen Kirchengeschichte, Nr. 62, 70; Militzer, Entstehung, Fendler, Speyer, S. 209. Zur Geschichte: Fendi er, Speyer, S. 205ff. . e. 1449 Immerhin wird 1271 der verstorbene Graf Heinrich von Sayn als Beschützer der Kommen nannt: REK III,2, Nr.2444.
T hre 12461450. 1254 regierte ein Komtur namens Werner die Kommende1451. Die aj ^erlassung erreichte einen gewissen Wohlstand. 1371 verkaufte sie der Deutsch- ter Philipp von Bickenbach der Ballei Biesen, zu der sie seitdem gehörte1452. 111 Die Kommende in Heilbronn am Neckar soll eine Stiftung der f delherren von Dürn gewesen sein. In der Forschung wird neuerdings allgemein angenommen, daß die Edelherren den Boden für das Ordenshaus um 1225 geschenkt hätten, als Ulrich von Dürn in den Orden eingetreten sei. Das palatinm regium in Heilbronn, auf dessen Grund die Kommende errichtet wurde, wäre dann das wichtigste Ausstat- tungsgut Ulrichs gewesen. Außerdem hätten die Edelherren weitere Besitzungen hinzugefügt, über deren Umfang aber nichts bekannt ist. Heilbronn hätten die An- gehörigen des Edelherrengeschlechts von Dürn als ihre Hauskommende gestiftet1453. Dem hat zuletzt A. Seiler widersprochen. Er führt die Anfänge der Kommende auf eine Stiftung des Würzburger Bischofs zurück1454. Wegen der Quellenarmut ist eine endgültige Entscheidung nicht zu fällen. Jedenfalls entwickelte sich die Kom- mende nicht so, wie es wohl beabsichtigt war. Wenn Ulrich von Dürn in Heilbronn in den Orden eingetreten sein sollte, verließ er sie schon bald und zog nach Mar- burg, wo er zum Prior aufstieg und die Erhebung der Gebeine der heiligen Elisa- beth zu einem glänzenden Fest gestaltete. Am Ende seines Lebens wohnte er in Mergentheim1455. Die Edelherren von Dürn spielten für die weitere Entwicklung der Kommende keine Rolle mehr. Ein erster Komtur ist in Heilbronn 1268 belegt. Er hieß Volmar und ist mit Volmar von Bernhausen zu identifizieren1456. Die Heil- bronner Kommende konnte ihren Besitz zwar im Lauf der Zeit mehren, zählte aber nie zu den bedeutenden Niederlassungen1457. Die Anfänge der Kommende in Oettingen liegen im Dunkeln. Nach einer Tradi- tion des Ordens soll dort ein Haus bereits 1196 errichtet worden sein1458. Die Anga- 1450 Neu, Ramersdorf, S. 15ff. 1451 Lacomblet II, Nr.405; Hennes II, Nr. 107. 1452 Neu, Ramersdorf, S.21 f.; Arnold, overgang. 1453 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 78f. Ferner: Hess, Gründung, S. 140ff.; Diefenbacher, Territorienbildung, S. 19f.; Weiss, Franken, S. 103f. 1454 Seiler, Deutschordenshaus, S.46ff. 1455 Vgl. oben, S. 292. 1456 Wirtembergisches UB VI, Nr. 1976; UB Heilbronn I, Nr. 21; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 79; Arnold, Heilbronn, S. 132f.; Diefenbacher, Territorien- bildung, S. 20. Dagegen möchte ihn Seiler, Deutschordenshaus, S. 50f., mit einem Angehörigen des Heilbronner Patriziergeschlechts Lemlin in Verbindung bringen. Allerdings fehlt ein eindeuti- ।. Ser Nachweis für einen Volmar Lemlin im Deutschen Orden. Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 78ff.; Diefenbacher, Territo- rienbildung, S. 19ff., 112ff.; Weiss, Franken, S. 102ff., 242f.; Diefenbacher, Zentren, S.49ff.; 1458 Arnold, Heilbronn, S. 123 ff. opfenzitz, Oettingen, S. 1 ff., greift die Tradition auf und versucht, sie als zutreffend zu be- weisen.
ben sind jedoch kaum glaubhaft und meist auf Skepsis gestoßen. Man wird dav auszugehen haben, daß die Grafen von Oettingen ihren Bruder Ludwig ausstattT ten, als er vor 1236 dem Orden beigetreten ist. Allerdings ist der genaue Zeitpunkt von Ludwigs Ordenseintritt unbekannt. Er ist 1225 noch als Augsburger Domk noniker und 1236 als Bruder des Deutschen Ordens bezeugt1459. In den Jahren zwi sehen 1225 und 1236 muß er in den Deutschen Orden übergetreten sein. Vor dem Übertritt wird die Grundlage für die Errichtung einer Hauskommende der Grafen von Oettingen an ihrem Residenzort gelegt worden sein1460. Die Grafen privilegier- ten ihre Kommende, statteten sie weiterhin mit Gütern aus und gaben so das Vor- bild für ihre Ministerialen und Lehensträger, die ihnen nacheiferten. 1253 ist schon der erste Komtur namens Konrad Welzo genannt1461. Zu den herausragenden Kom- menden hat Oettingen wohl nicht gehört. Die Komture verfügten schließlich über eine Niederlassung von mittlerer Wirtschaftskraft1462. 1237 erhielt der Deutsche Orden von Helmerich, dem Sohn Hartwichs Küchen- meisters von Rothenburg, eines Würzburger und Reichsministerialen, bei dessen Eintritt in den Orden umfangreichen Besitz in und bei Rothenburg ob der Tau- ber1463. Allerdings wurden die Güter zunächst von Würzburg aus verwaltet. Das än- derte sich erst, nachdem der Würzburger Bischof Iring von Reinstein dem Orden 1258 die Pfarrkirche in Detwang mit der zugehörigen Filialkirche in Rothenburg übergeben hatte1464. 1286 war die Filialkirche von der Mutterkirche getrennt und selbst zur Pfarrkirche der Stadt erhoben worden. Seit dem Zeitpunkt fungierte ein Priesterbruder als Pfarrer in Rothenburg. Um diese neue Pfarrei entwickelte sich ein Priesterkonvent meist mit einem Pfarrkomtur an der Spitze. Nur selten hatten in Rothenburg Ritterbrüder das Amt eines Komturs inne. Heinrich Pincerna (Schenk) war der erste namentlich bekannte Komtur von Rothenburg. Er ist 1290 bezeugt1465. Seitdem kann man von einer eigenständigen Komturei sprechen, die sich von Würzburg gelöst hatte. Eine Abhängigkeit von dem Mutterhaus bestand nicht mehr. Die Rothenburger Komture haben nur wenige Schenkungen erhalten und ihren Besitz meist durch Käufe vermehrt1466. 1459 Wojtecki, Studien, S. 43. 1460 Militzer, Entstehung, S. 124; zustimmend: Weiss, Franken, S. 90. 1461 Weiss, Franken, S.91, 466, gegen Hopfenzitz, Oettingen, S.222, der 1252 angibt. 1462 Dazu: Hopfenzitz, Oettingen; Weiss, Franken, S.90ff., 264ff. Vgl. auch Hopfenzitz, tu dien, der das Urbar der Kommende von 1346/47 herausgegeben und ausgewertet hat. 1463 RI V, Nr. 2272; Huillard-Breholles V, S. 100ff.; Weigel, Rothenburg, S. 11, 18; Würzburg, S. 41 f.; Weiss, Franken, S. 108; Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedric S.200. 1464 Weigel, Rothenburg, Regest 4; Herzig, Urkunden, Nr.26. 1465 Weigel, Rothenburg, Regest 16; Weiss, Franken, S. 108ff., 237ff.; Borchardt, Institutio S.764. 1466 Weigel, Rothenburg; Weiss, Franken, S. 108ff., 237ff.; Borchardt, Institutionen, S. 19
Wohl um 1240 schenkten die Grafen von Henneberg dem Deutschen Orden die pfarrei in Münnerstadt1467. 1251 war bereits ein Priesterbruder Pfarrer in der Stadt1468- Seitdem hat sich ein Priesterkonvent gebildet. 1274 ist erstmals ein Komtur enannt, nämlich Bertram, wahrscheinlich ein Priesterbruder1469, ^n die Stelle der pfarrkomture traten seit dem 14. Jahrhundert vielfach Ritterbrüder, die das Kom- tursamt ausübten1470. Münnerstadt kann als Hauskommende der Grafen von Hen- neberg gelten. Das Grafengeschlecht hat die Niederlassung entsprechend gefördert und verwandte und abhängige Familien zu Schenkungen veranlaßt. Ein kleines Spi- tal wurde noch im 13. Jahrhundert neben der Kirche gebaut und unterhalten. Auch nachdem sich die Stifterfamilie schon im Lauf des 13. Jahrhundert von ihrer Haus- kommende zurückgezogen hatte, erfreute sich die Niederlassung weiterhin der Un- terstützung durch den Adel und durch die in der Stadt ansässigen Geschlechter. Trotzdem wirkte sich der Rückzug des Grafengeschlechts aus. Denn weil dem Or- den der Rückhalt der Grafen fehlte, konnte er eine Stadtherrschaft, die im 13. Jahr- hundert angelegt und greifbar war, nicht verwirklichen1471. Dennoch erreichte die Kommende einen gewissen Wohlstand und kann zu einer Mittelgruppe innerhalb der Ballei Franken gezählt werden. Seit dem 14. Jahrhundert schadeten dem Orden die Auseinandersetzungen mit der Stadt und den Bettelorden um die geistliche Ver- sorgung der Bürger1472. Eine sehr wichtige Kommende entstand auf der Burg Horneck am Neckar. Auf ihr pflegte der Deutschmeister im 14. und 15. Jahrhundert zu residieren. Dort hatte er seine Kanzlei und sein Archiv, das 1525 durch aufständische Bauern vernichtet wurde1473. Die Burg wurde 1254-1258 von Konrad von Horneck geschenkt. Er war mit seinen beiden Söhnen Konrad und Werner in den Orden eingetreten1474. Er hat dort mit seinen Söhnen gelebt und war ihr erster Komtur. Denn der 1258 bezeugte Komtur Konrad dürfte mit dem älteren Konrad von Horneck, dem Stifter, identisch sein1475. Ihm folgte sein Sohn Werner im Amt. Denn ein Komtur Werner ist 1277 be- legt, der mit Werner von Horneck zu identifizieren sein dürfte1476. Die Kommende war also eine Familienstiftung, deren Leitung zunächst in den Händen der Angehö- rigen des Geschlechts gelegen hat. Die Gründungsgeschichte der Kommende Hor- 1467 Schöffler, Münnerstadt, S. 10ff.; Rugel, Münnerstadt, S.32ff. 1468 Regesta boica IV, S. 752. 1469 Urkundenregesten Stadt Würzburg I, Nr. 38; Weiss, Franken, S. 97, 451; Schöffler, Münner- stadt, S. 13, 322. 147^ Münnerstadt, S.324ff.; Weiss, Franken, S.452ff. 1 1 Seiler, Deutsche Orden als Stadtherr, S. 163f. RugeL Münnerstadt, S. 31 ff.; Schöffler, Münnerstadt; Weiss, Franken, S. 96ff., 259ff. 14^4 Wei.SS’ Franken, S.384; Lampe, Auflösung, S.66f. 147- Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S.81. 1476 wr° 15 (1863)’ Nr*125 S-304f Wirtembergisches UB VIII, Nr. 2667 f.
neck ist durch ein Tryptichon überliefert, das der Deutschmeister Ulrich von Le tersheim (1454-1479) in Auftrag gegeben hatte. Das Gemälde hält also eine Tradi/11' innerhalb des Deutschen Ordens fest. Sie ist glücklicherweise durch die allerd’ gestörte Überlieferung weitgehend zu erhärten. Nach dem Aussterben der StifterfaS milie erlebte die Kommende einen Aufschwung, der sie schließlich für den Ha sitz des Deutschmeisters geeignet erscheinen ließ1477. UPl Wann die Kommende in Weißenburg im Unterelsaß gegründet worden ist, bleibt umstritten. Es ist vorläufig nicht einmal sicher zu ermitteln, wann dem Deutschen Orden der erste Besitz der späteren Kommende übertragen worden ist1478. Nach Planta soll es 1250 geschehen sein1479. Ein Deutschordenshaus hat es sicher 1258 gegeben. Zwei Jahre später ist der erste Komtur nachweisbar1480. Die Kommende konnte ihre Güter zunächst nur langsam vermehren. Erst im 14. Jahrhundert scheint sie einen Aufschwung erfahren zu haben1481. Im rheinischen Waldbreitbach an der Wied hatte der Deutsche Orden von der ihm auch sonst gewogenen Gräfin Mechthild von Sayn das Patronatsrecht an der Pfarrkirche erhalten. Der Orden gelangte aber nicht ohne weiteres in den Genuß der Schenkung. Da die Gräfin ihren Besitz dem Zisterzienserinnenkloster Seyne (Sion, Marienspiegel) in Köln vermacht hatte, mußte der Orden die Ansprüche des Klosters ablösen. Die Aufgabe übernahm Burchard von Hornhausen im Auftrag des Landmeisters von Preußen 12611482. Erst danach bestätigte der Kölner Erzbi- schof Konrad von Hochstaden dem Orden das Patronatsrecht pro utilitate fratrum existencium in Pruscia14*3. Die Gräfin hatte also das Patronatsrecht zur Unterstüt- zung des Heidenkampfs gegen die Prußen vergeben, so daß der Landmeister gefor- dert war. Später hat Waldbreitbach nie wieder unter der Aufsicht des Landmeisters gestanden. Obwohl Waldbreitbach im Einzugsbereich der Koblenzer Kommende lag, hat es im Mittelalter nie zur Ballei Koblenz gehört, sondern wurde ihr erst 1602 verkauft1484. Der Grund dafür mag in der Sonderstellung zu suchen sein, die der Güterkomplex wegen seiner - wenn auch nur kurzfristigen - Bindungen an den 1477 Boockmann, Stifterbild, S. 14ff.; Weiss, Franken, S. 131 ff.; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 81 ff., dessen Skepsis gegen den Wahrheitsgehalt der Bilderzählung ich nicht teile. Ferner: Diefenbacher, Territorienbildung, S.25f., 238ff.: Abdruck der Urbare von 1553-1555. 1478 Fendi er, Weißenburg, S. 164f.; Ders., Kammerkommende, S.20ff. 1479 Planta, S.21 f. 1480 Weiss, Franken, S. 130f. Nach Fen dl er, Kammerkommende, S.24, 248, ist der erste Komtur so gar erst 1261 namentlich bezeugt. Planta, S. 22, dagegen führt schon für das Jahr 1258 einen Komtur an. 1481 Über die Kommende ist noch wenig bekannt. Vorläufig vgl. Fendi er, Weißenburg, S. 163 ff- $ 1482 Preuß. UB 1,2, Nr. 152; Mittelrheinische Regesten III, Nr. 1741. Er führte den Titel: gerens vic magistri domus Theutonicorum de Prussia in partibus Alemannie. 1483 REK III,1, Nr.2139; Hennes I, Nr. 192. 1484 Meese, S. 12; Limburg, Koblenz, S. 17; Militzer, Entstehung, S. 125.
j ejster von Preußen hatte. Der Besitz in Waldbreitbach war nicht umfang- Es dauerte daher einige Jahre, bevor sich dort ein Konvent bilden konnte. n1C erste Komtur, ein Ordensbruder namens Hermann, ist 1284 nachweisbar1485, pie Kommende ist stets eine kleine, wirtschaftlich unbedeutende Ortfensniederlas- sung geblieben. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nahmen umfangreiche Schenkungen an den Deutschen Ordens ab. Sie kamen nur noch selten vor. Eine solche Ausnahme war 1263 die Übertragung des Benediktinerklosters in Schweinfurt durch Bischof Iring von Würzburg. Die Übertragung wurde noch im selben Jahr von Papst Urban IV. enehmigt1486. Zunächst errichtete der Orden in dem heruntergewirtschafteten Klo- ster noch keinen Konvent, sondern ließ den Besitz vorerst von Münnerstadt aus verwalten1487. 1273 jedoch ist ein Bertold als Komtur von Schweinfurt bezeugt1488. Damals muß es also einen Konvent des Ordens in dem ehemaligen Kloster gegeben haben. Obwohl sich der Orden um das Kloster bemühte, gelang es ihm jedoch nicht, die neue Kommende zu einem reichen Haus auszugestalten. Dazu traten un- gewisse Besitzverhältnisse. Denn erst 1283 wurde das Kloster dem Orden formell inkorporiert. Bis zu dem Zeitpunkt hatte sich der Würzburger Bischof offenbar eine endgültige Entscheidung vorbehalten. Außerdem belasteten maßlose Forderun- gen das Verhältnis zur Stadt Schweinfurt, so daß der Kommende der notwendige Rückhalt bei den Bürgern fehlte. Das alles führte dazu, daß die Kommende nicht gedeihen konnte und vor allem wirtschaftlich schwach geblieben ist1489. Schließlich hatte der Orden wohl die Hoffnung aufgegeben, die neue Kommende auf gesunde Füße zu stellen, und verkaufte sie 1437 der Reichsstadt Schweinfurt1490. Das erlöste Geld konnte er in zukunftsträchtigere Erwerbungen anlegen. Ebenfalls spät bekam der Orden Güter im schwäbischen Winnenden übertragen. 1288 hatte Bertold III. von Neuffen dem Orden das Patronatsrecht an der Pfarrkir- che geschenkt1491. In Winnenden sollte der Orden nach dem Willen des Stifters eine Kommende errichten. Die Brüder für den neuen Konvent kamen aus dem Deutsch- ordenshaus in Heilbronn. Bei der Besitzübertragung war bereits Heinrich von Ba- chenstein zugegen gewesen, dem wohl die Leitung des entstehenden Ordenshauses übertragen wurde. 1292 ist er als erster Komtur bezeugt1492. Über die kleine Kom- 1485 Hennes I, Nr. 284; Militzer, Entstehung, S. 125. 1486 Monumenta Suinfurtensia, Nr.25; vgl. Monumenta boica XLIX, Nr. 131; dazu: Weiss, Franken, S. 111; auch Voigt, Balleien I, S.53f.; Militzer, Deutscher Orden und Kirche, S. 36. ^87 Militzer, Entstehung, S. 126; zustimmend: Weiss, Franken, S. 112. J488 Regesta Thuringia IV, Nr. 895; Weiss, Franken, S. 112, 481. 89 Vgl. Müller, Gült- und Zinsbücher, S. 553 ff. 4?0 Weiss, Franken, S.241 491 Wirtembergisches UB IX, Nr.3743; Weiss, Franken, S. 106; Köllenberger, Ritterorden, S. 89. 2 Wirtembergisches UB X, Nr.4282; Weiss, Franken, S. 107, 491.
mende, die nie viel Besitz anhäufen konnte, ist wenig bekannt, auch weil ihr A 1525 ein Opfer des Bauernkriegs geworden ist. lv Obwohl die Spendenfreudigkeit für den Orden erheblich nachgelassen hatte langen ihm doch noch spektakuläre Erwerbungen. Die Voraussetzung dazu > meist, daß ein ihm gewogener Landesherr oder reicher Adliger dem Orden helf wollte und ihn für seine jeweiligen Zwecke einzuspannen hoffte. Das traf auf Ko rad II. den Frommen, Burggrafen von Nürnberg, aus dem Hause Hohenzollern zu Er wird von seiner Frau Agnes aus dem Geschlecht der Edelherren von Hohenlohe die dem Orden Mergentheim geschenkt und mehrere Söhne in den Orden hatten eintreten lassen, in seiner Absicht unterstützt worden sein1493. Das Ehepaar be- stimmte die Söhne Friedrich und Konrad für den Deutschen Orden und stiftete bei deren Aufnahme die Burg Virnsberg in Franken1494. Die Burg war so wichtig und das zur Burg gehörige Gut so umfangreich, daß sogleich ein Konvent einziehen konnte. 1299 ist als erster Komtur der neuen Niederlassung Friedrich, der Sohn des Stifterpaares, genannt1495. Er starb 1303. Ihm folgte sein Bruder Konrad, der bis da- hin als einfacher Ritterbruder in Würzburg gelebt hatte. Konrad starb bereits 13041496. Virnsberg war also eine Hauskommende der Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause der Hohenzollern. Die Burggrafen haben ihre Kommende auch nach dem Tod Konrads weiter gefördert und ihre Ministerialen und Lehnsträger zu Schenkungen angehalten, so daß Virnsberg schließlich zu einer der bedeutenden und reichen Kommenden in Franken aufsteigen konnte. Allerdings stagnierte die Entwicklung seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, vor allem weil die Burg- grafen ihr Interesse an ihrer ehemaligen Hauskommende verloren1497. Als letzte Kommende kam die Kapfenburg oberhalb von Lauchheim an der Jagst in den Besitz des Deutschen Ordens. Wieder war es eine Burg, die den Orden zwang, einen Konvent einzurichten. 1363 hatte die Kommende Mergentheim das Patronatsrecht der Pfarrkirche in Lauchheim gekauft. Ein Jahr später gelang es dem Mergentheimer Komtur Marquard Zöllner von Rotenstein, die Kapfenburg für 4100 Pfund Heller zu erwerben1498. Die Mergentheimer kauften weiter gezielt Güter zur Abrundung ihres Besitzes im Umkreis der Burg. Schließlich ließ sich die Burg mit den Patronatsrechten und den ertragreichen Gütern nicht mehr von Mergentheim aus verwalten. In der Kapfenburg wurde ein Konvent eingerichtet. 1379 ist mit Jo- hann von Ketz der erste Komtur der Kapfenburg bezeugt. Er erwarb die nahe gele- 1493 Isenburg I, Tafel 60. 1494 Nürnbergisches UB I, Nr. 867; Wilhelm, Corpus III, Nr. 1972a-b; Monumenta Zollerana Nr. 389; Hohenlohisches UB II, Nr. 145,2. y 1495 Monumenta Zollerana II, Nr. 432; Hohenlohisches UB II, Nr. 145,10; Wilhelm, Corpus Nr. 3166. 1496 Weiss, Franken, S. 125f., 486f. 1497 Weiss, Franken, S. 124ff., 272ff.; Rechter, Land, S.29ff., 263ff. 1498 G er lach, Chronik, S. 25; Köllenberger, Ritterorden, S. 121.
Burg Gromberg1499. Trotz der späten Gründung entwickelte sich die Kapfen- $ene rhnk ihrer tüchtigen Komture zu einem wohlhabenden, vorbildlich geführten bUjSverwalteten Ordenshaus1500. Un^js 1379 schließlich die Kommende Kapfenburg als letzte aller fcnittelalterlichen jerlassungen errichtet worden war, hatte der Orden in dem Kerngebiet, das bis Mitte des 13. Jahrhunderts noch nicht in Balleien eingeteilt war, 32 Kommen- den gegründet1501, nämlich in alphabetischer Reihenfolge: Aichach, Archshofen, Donauwörth, Ellingen, Gangkofen, Giengen, Heilbronn, Horneck, Hüttenheim, kapfenburg, Lauterbach, Mainz, Mergentheim, Münnerstadt, Nürnberg, Obermäs- sing, Oettingen, Prozelten, Ramersdorf, Regensburg, Rothenburg, Sachsenhausen, Schweinfurt, Speyer, Ulm, Virnsberg, Waldbreitbach, Weinheim, Weißenburg, Win- nenden, Wolframs-Eschenbach und Würzburg. Die Kommenden sind nicht alle zur gleichen Zeit entstanden und haben nicht alle das Ende des 15. Jahrhunderts erlebt. Die Kommende Archshofen hat wohl nur zwei Komture gehabt und verlor ihre Selbständigkeit spätestens 1321, also bevor die Kapfenburg erworben wurde. Die Kapfenburg verleibte sich die Kommende Giengen im 15. Jahrhundert ein. Hütten- heim und Wolframs-Eschenbach wurden im 14. Jahrhundert Kastnereien der Nürn- berger Kommende, Lauterbach, auf Donauwörther Besitz gegründet, fiel im 14. Jahrhundert an Donauwörth zurück. Prozelten hat der Deutschmeister 1483 dem Erzbischof von Mainz im Tausch gegen Güter am Neckar zur Stärkung seiner Residenz Horneck überlassen. Ramersdorf kam 1371 an die Ballei Biesen. Die Kommende in Schweinfurt wurde 1437 der Reichsstadt verkauft. Der Orden stieß also unrentable Häuser ab, konzentrierte den Besitz und ordnete kleine Niederlas- sungen größeren Kommenden als Kastnereien unter. Er sparte dadurch Personal. Trotz aller Veräußerungen und Konzentrationen blieb die Dichte der Kommenden im süddeutschen Raum beachtlich. Dort hatte er seine ertragreichsten Besitzungen, verfügte er über eigene kleine Herrschaften und Burgen. Die zahlreichen und viel- fach auqh wirtschaftskräftigen Kommenden boten mehr Adelssöhnen Plätze als an- dere Balleien. In Franken lebten stets mehr Ordensbrüder als in anderen Ordens- provinzen. Zwar sind genaue Zahlen erst spät überliefert, geben aber ein Bild, das durchaus auch in analoger Weise für eine frühere Zeit zutrifft. Nach einem Visita- tionsprotokoll von 1409 verteilten sich die Brüder auf die einzelnen Balleien in fol- gender Weise: 149Q i 150q Iach, Chronik, S.26f.; Köllenberger, Ritterorden, S.202; Weiss, Franken, S.277, 437. 15q1 ilitzer, Auswirkungen, S.69ff. Ur Lage: Militzer, Balleien (Karte).
Verteilung der Brüder auf die Balleien 140915?2 Ballei Ritterbrüder Priesterbrüder Insgesamt Franken/Deutschmeistertum 117 79 196 ~~~ Österreich 17 23 40 Lombardei 5 4 9 Apulien 13 4 17 Sizilien 7 1 8 Bozen 5 10 15 Elsaß-Burgund 30 49 79 Lothringen/Frankreich 19 9 28 Koblenz 37 16 53 Biesen1502 1503 19 16 32 Utrecht1504 1505 40 7 47 Marburg 22 55 77 Thüringen 53 51 104 Sachsen 14 13 27 Westfalen - - 26 Insgesamt 398 303 758 Die Ballei Franken ist, wie auch noch die Zahlen für 1409 belegen, die wichtigste, reichste und mitgliederstärkste Ordensprovinz gewesen. Jedoch ist sie erst spät, nachdem die meisten übrigen Provinzen schon eingerichtet worden waren, entstan- den. Der erste Landkomtur von Franken war Gerhard von Hirschberg, der am 2. Februar 1268 eine Urkunde des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen siegelte. Er nannte sich conmendator fratrum domus Theutonice per Bawariam et Franconiam et Sweviam15Q5. Pfalzgraf Rudolf wollte in den Deutschen Orden eintreten, ihm seinen gesamten Besitz übertragen und die Pfalzgrafenwürde verkaufen. Ihres Inhalts we- gen ist die Urkunde problematisch1506, so daß man sich allein auf sie nicht verlassen sollte. Da aber eine weitere Urkunde existiert, in der Gerhard von Hirschberg als provincialis die Beilegung eines Streits der Stadt mit der Kommende Mergentheim 1502 Benninghoven, Zahl, S. 1 ff. Die im Visitationsprotokoll mitgeteilten Zahlen sind nicht vollstän dig und auch nicht frei von Irrtümern. Die Zahlen für das Deutschmeistertum und die Ballei Fran ken sind unvollständig. Die Kommende Oberflörsheim gehörte nicht zur Ballei Franken, son zur Ballei Marburg. 1503 Die Zahlen für die Ballei sind unvollständig. 1504 Die Zahlen für die Ballei sind unvollständig. 1505 Wirtembergisches UB VI, Nr. 1981. # 1506 Roth v. Schreckenstein, Zur Geschichte, S.24. Dazu: Decker-Hau ff, Verkauf, S. 7
ist an der Tatsache, daß er 1268 Landkomtur von Franken gewesen ist, zu zweifeln. An der letzten Urkunde hängt sogar noch sein Siegel. Es zeigt rb ' tus als Weltenrichter auf einem Regenbogen, rechts bzw. links Alpha und T* r :e mit einem Kreuz darüber. Die ergänzte Umschrift lautet: (Sigillum Pre- e 1TORIS FRA[n]CONIE SVEVIE BAVWARIE TEV[tonicorum] OR[dinis]1507. Dem entspricht auch die Ordenstradition, die Gerhard von Hirschberg als ersten dkomtur von Franken und als dessen Nachfolger Volmar von Bernhausen ennt1508 Dem bisherigen Ergebnis widerspricht scheinbar eine Urkunde angeblich vom 20 Oktober 1261, in der Volmar von Bernhausen als commendator provinciarum Franconiae, Sveviae et Bavariae bezeichnet worden ist1509. Die Ausfertigung der Ur- kunde ist nicht mehr erhalten. Von ihr wurde 1296 eine beglaubigte Abschrift, ein Vidimus, hergestellt, das im 15. Jahrhundert in das Kopiar der Nürnberger Kom- mende eingetragen wurde, weil dem Schreiber des Kopiars das Original schon nicht mehr vorgelegen hat. Aus dem Kopiar ist uns die Urkunde überliefert, also in einer Abschrift von einer Abschrift1510. Wegen der verwickelten Überlieferung kann der Verdacht aufkommen, daß das Datum in einer der beiden Kopien nicht richtig wie- dergegeben worden ist. Der Verdacht verstärkt sich, wenn man die Zeugen und die übrigen in der Urkunde genannten Personen und deren sonst bekannte Lebens- und Amtsdaten vergleicht. Macht man sich die Mühe, stellt man fest, daß sie wie der Landkomtur besser in eine spätere Zeit passen, am besten in das Jahr 12711511. Ein Abschreiber hat wohl aus Versehen eine Zehn im lateinisch geschriebenen Da- tum unterschlagen. Gerhard von Hirschberg war also der erste Landkomtur von Franken. Er ist 1268 in dem neuen Amt, das auch damals wohl erst eingerichtet worden ist, nachweisbar. Noch im gleichen Jahr 1268 folgte Volmar von Bernhausen. Er führte dasselbe Amtssiegel wie Gerhard von Hirschberg1512. Erst dessen Nachfolger Heinrich von Mässing li$ß sich ein anderes Siegel schneiden. Es zeigte im Bild den auf dem Esel reitenden Christus und trug die Umschrift: SIGILLVM PROVINCIALIS FRAN- CONIE1513. Der Grund für den Austausch des Siegelstempels ist nicht einfach zu 1507 Wirtembergisches UB VI, Nr. 1964; Hohenlohisches UB I, Nr. 313. Vgl. 800 Jahre Deutscher Or- den, S.390f. 150Q DOZA, ^s- 266; HStA München, DOLit. 166 von 1726. Vgl. Militzer, Entstehung, S. 129. «E Baader, Urkundenauszüge I, S. 71. 1511 M!Htzer’Entstehung, S. 128. Militzer, Entstehung, S. 128; zustimmend: Weiss, Franken, S. 139f. Die Meinung von Woj- tecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S.99f., der an Volmar von Bernhausen als 1512 Eandkomtur von Franken festhalten will, ist abzulehnen. 1513 plrtemkergisches UB VI, Nr.2012; Militzer, Entstehung, S. 129; Weiss, Franken, S. 398. 800^ München, Ritterorden 1291; vgl. Regesta boica IV, S. 767; Militzer, Entstehung, S. 132; 00 Jahre Deutscher Orden, S. 391 f.
durchschauen. Es könnte sein, daß Heinrich von Mässing einer verkleinerten Pr vinz vorgestanden hat. Als Gerhard von Hirschberg 1268 Landkomtur von Franken wurde, war der Deutschmeister Werner von Battenberg möglicherweise nicht im Land oder er krankt, jedenfalls ist er noch im September 1267 und dann erst wieder im Dezem ber 1270 nachweisbar1514. Es wäre also denkbar, daß Gerhard ein weites Gebiet zu erteilt erhalten hatte oder für sich beanspruchte, als der Deutschmeister nicht in der Lage war, dagegen Einspruch zu erheben. Franken, Schwaben und Bayern waren in der Tat die Landschaften, in denen die Kommenden der späteren Ballei lagen. Aber Gerhard von Hirschberg selbst und sein Nachfolger haben sich im wesentlichen um Probleme fränkischer Kommenden gekümmert, nämlich um solche von Mergent- heim, Ellingen und Hüttenheim1515, und kaum um solche von Kommenden in Schwaben und Bayern. Gerhard hatte immerhin noch in Schwaben amtiert, als er die Verzichtsurkunde des Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen besiegelte. Für eine der- artig wichtige Entscheidung hätte eigentlich der Deutschmeister hinzugezogen wer- den müssen. Das hat Gerhard aber nicht getan und mithin deutschmeisterliche Kompetenzen an sich gezogen. Der Anspruch Gerhards von Hirschberg, den sein Nachfolger durch die Übernahme des Siegels fortführte, ließ sich wohl nicht auf- rechterhalten. Bei der Amtsübernahme durch Heinrich von Mässing wurde der Kom- petenzbereich des neuen Amts zunächst auf fränkische Kommenden beschränkt. Daher wurde das alte Siegel eingezogen, als Volmar von Bernhausen aus dem Amt schied. Der neue Landkomtur Heinrich von Mässing (1273—1280)1516 erhielt ein Sie- gel, das seine reduzierte Zuständigkeit auf Franken ausdrückte. Trifft das zu, dann trat die Veränderung 1272 ein, als Gerhard von Hirschberg Deutschmeister (1272- 1279)1517 war. Der Ritterbruder, der für sich als Landkomtur einen weiten Bereich reklamiert hatte, beschnitt als Deutschmeister dem ihm unterstellten Landkomtur von Franken die Kompetenzen und sorgte dafür, daß der Landkomtur ein anderes Siegel führte, als er selbst einst benutzt hatte1518. Die Beziehungen der Deutschmeister zur Ballei Franken blieben eng. Einzelne Deutschmeister haben das Amt eines Landkomturs von Franken nicht besetzt, weil sie die Einkünfte selbst beanspruchten und die Ballei als Hausmacht einsetzen woll- ten1519. Das behinderte zunächst den Aufstieg des Landkomturs von Franken zu dem nach dem Deutschmeister schließlich wichtigsten Gebietiger im Reich. Ob- wohl es den Anschein hat, als ob einzelne Deutschmeister wie Gerhard von Hirse berg (1272-1279) oder Konrad von Feuchtwangen (1284-1290) das neue Amt gern 1514 Wojtecki, Studien, S. 24. 1515 Militzer, Entstehung, S. 131; Weiss, Franken, S. 141 ff. 1516 Weiss, Franken, S.398. 1517 Wojtecki, Studien, S.24. 1518 Vgl. Weiss, Franken, S. 144, 158. 1519 Weiss, Franken, S. 144ff.
chränkt oder gar abgeschafft hätten, setzte es sich, einmal ins Leben gerufen, ^eSCi und eroberte immer mehr Kompetenzen, ohne sich jedoch aus der engen zbndung zum Deutschmeister zu lösen. Bald nach 1300 hatte der Landkomtur 6 Franken seine Oberhoheit über die Kommenden in Franke^, Bayern und c°hwaben durchgesetzt, die fortan bis zum Ausgang des Mittelalters zur Ballei zäh- 11 1520 jgu sollten • Zur Ballei Franken gehörten folgende Kommenden, auch wenn sie während des Mittelalters nicht alle selbständig blieben, sondern größeren Ordenshäusern als Kastnereien angegliedert, aufgelöst oder verkauft wurden: Aichach, Archshofen (1400 verkauft), Donauwörth, Ellingen, Gangkofen, Giengen (im 15. Jahrhundert Kapfenburg angegliedert), Heilbronn, Hüttenheim (1287 Nürnberg unterstellt), Kapfenburg, Lauterbach (1294 Donauwörth unterstellt), Mergentheim, Münner- stadt, Nürnberg, Obermässing, Oettingen, Regensburg, Rothenburg, Schweinfurt (1437 der Stadt Schweinfurt verkauft), Ulm, Virnsberg, Winnenden, Wolframs- Eschenbach (1375 Nürnberg unterstellt) und Würzburg. Diese süddeutschen Kom- menden waren dem direkten Zugriff des Deutschmeisters entzogen. Das bedeutet allerdings nicht, daß er nicht doch in die Verwaltung dieser Kommenden eingegrif- fen hätte. Je nach ihrer Durchsetzungskraft gegenüber den Landkomturen taten es die Deutschmeister auch, einmal wegen der weiterhin bestehenden engen Beziehun- gen, der räumlichen Nähe, da die Deutschmeister in der Regel auf der Horneck am Neckar residierten, und kraft ihrer Amtskompetenz, wenn es um wichtige Ent- scheidungen ging, die ein Landkomtur eigentlich nicht allein treffen durfte. Dem Deutschmeister blieben an Main, Rhein und Neckar noch eine Anzahl von Kommenden direkt unterstellt. Sie waren keiner Ballei zugeordnet. Später im 14. Jahrhundert bildeten sie das sogenannte „Deutschmeistertum“. Dabei handelt es sich um folgende Kommenden: Horneck (bis zum Bauernkrieg 1525 die eigentliche Residenz der Deutschmeister, vor allem im 15. Jahrhundert), Mainz, Prozelten (1483 gegen Neckarsulm und Scheuerberg eingetauscht), Ramersdorf (1371 der Ballei Bie- sen übertragen), Sachsenhausen, Speyer, Waldbreitbach, Weinheim und Weißenburg. Sie wurden erst im 14. Jahrhundert zu einer Provinz analog zu den Balleien zusam- mengefaßt, ohne daß an ihrer Spitze ein Landkomtur gestanden hätte. Die Häuser dieser „Provinz“ blieben dem Deutschmeister und seiner Kammer direkt unterstellt und bildeten das sogenannte „Deutschmeistertum“. Jedoch fand diese Entwicklung erst in der folgenden Periode ihren Abschluß. T 13. Jahrhundert hatten sich alle Provinzen im Deutschen Reich ausgebildet, re Entstehung war ein allmählicher Prozeß, der sich über mehrere Jahrzehnte ^gezogen hatte. Die Gründe für die Errichtung von Balleien waren vielfältig. Bei einigen mag der Ehrgeiz einzelner Ritterbrüder ausschlaggebend gewesen sein, bei 520 Vgl. Weiss, Franken, S. 158, nennt das Kapitel von 1311 als Zeitpunkt, der aber nur das Ende eines längeren Prozesses gewesen ist.
anderen stand am Anfang eine mächtige Kommende, die sich andere Häuser a r dern konnte, und bei dritten mag die Ordenszentrale die Notwendigkeit einer?' sammenfassung von Kommenden zu einer Ballei gesehen und deren Erricht durchgesetzt haben. Häufig wird man über mehr oder weniger begründete Verrrnf tungen, welche Motive für die Einrichtung einer Ballei ausschlaggebend waren' nicht hinauskommen, da sich Kapitelsprotokolle aus der frühen Zeit nicht erhalt ' haben. Was den Zeitpunkt der Errichtung einer Ballei angeht, wird davon auszu hen sein, daß eine Provinz nur kurze Zeit vor dem ersten Nachweis eines Land komturs eingerichtet worden ist. Man wird vielleicht zugestehen können, daß die Entscheidung zur Errichtung einer Ballei ein Jahr vor dem Nachweis eines Land komturs gefallen sein könnte, aber mehr wohl nicht. Zwei Balleien, nämlich die Partes inferiores und Thüringen-Sachsen, zerfielen in zwei selbständige Provinzen aber sonst blieb die einmal gefundene Provinzialgliederung stabil und überdauerte zum Teil sogar das Mittelalter. Ein Wandel trat dagegen im Verhältnis des Deutsch- meisters zu seinen Balleien und Landkomturen ein. Er wird uns noch in den ent- sprechenden Kapiteln zu beschäftigen haben. 8.7.12 Kommenden unter dem Landmeister von Livland An der Ostseeküste standen Niederlassungen, die keinem Landkomtur untergeord- net waren. An erster Stelle ist das Haus in Lübeck zu nennen. 1234 hatte der Deut- sche Orden ein Spital in der Hansestadt betrieben, es aber wieder verloren, weil das Engagement des Ordens am Widerstand des Lübecker Bischofs gescheitert war1521. Dennoch hat der Orden in Lübeck Grundbesitz behalten. Dabei handelt es sich um ein Haus an der Burgstraße, das ursprünglich dem Schwertbrüderorden gehört hat- te und 1237 nach dessen Inkorporation an den Deutschen Orden gefallen war. Es blieb bis in das 16. Jahrhundert hinein dem livländischen Ordenszweig und vor al- lem dem livländischen Meister unterstellt und diente als Sammelstelle für Ritterbrü- der, die in Livland, aber auch in Preußen eingesetzt werden sollten1522 *. Im Haus in Lübeck warteten solche Kandidaten jeweils eine günstige Schiffspassage ab, die sie in ihren Einsatzort brachte. In der Lübecker Niederlassung hat nie ein Konvent be- standen. Kein Komtur hat sie je geleitet. In Dänemark und Holstein hatte der Schwertbrüderorden Besitz, der 1237 nut der Inkorporation an den Deutschen Orden gefallen war. Er wurde aber bereits im 1521 UB Lübeck I, Nr.66; Graßmann, Lübeck und der Deutsche Orden, S.39; Lisch, Geschi S.19f. .ert- 1522 Wehrmann, Haus, S.461 ff.; Brehmer, Zusammenstellung, S.239; Benninghoven, c brüder, S. 212 f.
13. Jahrhundert veräußert1523. Wie der Besitz verwaltet wurde, ist unbekannt Amts träger sind aus diesem Bereich bislang nicht ermittelt worden. Ob die Anfänge des Deutschordensbesitzes in Mecklenburg in die Zeit J Schwertbrüderordens zurückreichen, ist ungewiß1524. Der Deutsche g erst um 1240 Liegenschaften in Krankow erworben zu haben1*15 Um diese zu süte, hat er mögliche™ Güter des ehemal.gen SehwrtbrüderordeL ve" äußert und den Erlös m Grundbesitz m und um Krankow angelegt 1268 ist ein Komtur namens Johann von Ratzeburg in Krankow bezeugt1525 Bin P / Orden noch einen Hof in Wismar1522 Aber die späte Investition scheint S™fJ lhn "ichti528e j nt ZU Aabfen‘ B55. °5p ^rk.aufJe er seinen gesamten Besitz in Mecklen- burg , der von Anfang an dem livländischen Meister unterstanden hatte1527 1528 1529 Der Verkauf des mecklenburgischen Besitzes hängt damit zusammen, daß der liv- ländische Meister einen Ersatz in der Kommende Bremen erhalten hltte Sie war dem Meister unterstellt worden, bevor er die Kommende Krankow mit allen Cü tern verkaufte .Die Bremer Niederlassung bot dem livländischen Ordenszweig grö’ ßere Vorteile als das Ordenshaus Krankow, weil Bremen näher an dem haupfsäch liehen Rekrutierungsgebiet der Livländer als Krankow lag1530. auptsach- 1523 Benninghoven, Schwertbrüder, S.212f. 1524 Benninghoven, Schwertbrüder, S.214. 1525 Lisch, Geschichte, S.21L c 107 Nr 3- Fenske/Militzer, S. 525 1526 Mecklenburgisches UB II, Nr. 1150; Lisch, Urkunden, S. 197 Nr. , Nr. 696. 1527 Mecklenburgisches UB VIII, Nr. 5135. Ritterorden, S. 14. 1528 Liv. UB II, Nr.959,961, 964; vgl. Lisch, Geschichte, S.19ff.; Kuh , 1529 Militzer, Entstehung, S. 164. .. c lqqff 1530 Militzer, in: Fenske/Militzer, S.790ff.; vgl. auch Brunjes, S.199tt.
9. EINSATZ DES DEUTSCHEN ORDENS AN DEN GRENZEN DER ABENDLÄNDISCHEN CHRISTENHEIT 9.1 Siebenbürgen Schon im Jahr 1211 hatte König Andreas II. von Ungarn den Deutschen Orden in sein Land gerufen, ihm das Burzenland (terra Borzd) geschenkt und mit der Siche- rung der Grenze gegen die Kumanen beauftragt1. Die Schenkungsurkunde hat die Forschung neuerdings wieder intensiv beschäftigt, weil der ungarische König den vor Akkon gegründeten Orden mit dem alten Marienspital der Deutschen in Jeru- salem in Verbindung gebracht hat. Jedoch kann der Hinweis auf diese Urkunde schwerlich eine bestimmte Hypothese stützen oder widerlegen, wie schon hinrei- chend ausgeführt worden ist2. Interessanter ist in vorliegendem Zusammenhang die Frage, weshalb der König den Deutschen Orden, der noch gar nicht als herausra- gende militärische Organisation hervorgetreten war, und nicht einen der beiden äl- teren, durch ihre Aktionen ausgewiesenen Ritterorden, also entweder die Templer oder die Johanniter, berufen hat. Während der Deutsche Orden seine große Bewäh- rungsprobe erst vor Damiette in Ägypten 1218-1221, also mehrere Jahre nach der Berufung an die Grenze zu den Kumanen, bestanden hat, hatte die ungarische Kro- ne mit dem Einsatz von Templern und Johannitern im eigenen Land schon gute Er- fahrungen gemacht3. Den wichtigsten Grund für die Bevorzugung des Deutschen Ordens durch Kö- nig Andreas sieht man in dessen verwandtschaftlichen Beziehungen. Er selbst war mit Gertrud aus dem Haus Andechs-Meranien verheiratet. Sie hatte ein großes Ge- folge deutscher Edelherren in das Land gebracht und förderte das deutsche Ele- ment. Beider Tochter Elisabeth wurde 1211 mit Landgraf Ludwig von Thüringen verlobt4. Die angeheirateten Verwandten waren Anhänger des staufischen Herr 1 UB Siebenbürgen I, Nr. 19; Hubatsch, Quellen, Nr.3. 2 Vgl. oben, S. 105 ff. 3 Zimmermann, Ritterorden, S.271, mit weiterer Literatur. 4 Zimmermann, Ritterorden, S.271 f.
cherhauses, das seit Kaiser Heinrich VI. den Deutschen Orden zu seinem Haus- orden gemacht hatte. In der dynastischen Verbindung wird also der ausschlagge- bende Grund für die Berufung des Deutschen Ordens in das Burzenland zu suchen sein» Der Deutsche Orden nahm die Einladung an und schickte Ritterbrüder zur Ver- teidigung der Grenze. Sie unterstanden einem magister namens Theodericus5. Bald nach ihrer Ankunft begannen die Brüder das ihnen übertragene Gebiet mit Burgen zu sichern. Die Hauptburg, auch wohl der Sitz des magister oder preceptor, wie er auch genannt wurde6, wird die allerdings erst 1240 erwähnte Marienburg am Alt ge- wesen sein7 *. Der magister oder preceptor hatte wahrscheinlich mehr Befugnisse als ein einfacher Komtur und wird mit einem Landmeister oder wenigstens einem Landkomtur zu vergleichen gewesen sein. Wie die Burgen verwaltet wurden, weiß man nicht. Man kann nur vermuten, daß auf ihnen jeweils ein Komtur als Befehls- haber gesessen hat. Jedoch sind dazu keine Nachrichten erhalten. Es ist auch unbe- kannt, was aus dem 1212 genannten magister Theodericus geworden ist, ob er die ganze Zeit im Burzenland verbrachte, im Kampf gefallen ist oder später andere Ämter übernommen hat. Allein der Vorname reicht für einen Identifikationsversuch nicht aus. Die anfängliche Begeisterung für den Deutschen Orden hielt bei König Andreas II. nicht lange an. Bereits nach der Rückkehr von seinem Kreuzzug 1218 kam es zu Spannungen mit dem Orden, die zu einem Entzug der Güter durch den König führten. Der endgültige Bruch konnte noch einmal vermieden werden. 1222 gab Andreas dem Orden das konfiszierte Gebiet zurück und erweiterte sogar den Zu- ständigkeitsbereich des Ordens um Länder der Kumanen in der östlichen Walachei und im Osten der Kreuzburg (ad terminos prodnicorumf. 1225 aber vertrieb König Andreas den Orden endgültig aus dem Burzenland. Alle Versuche, sich insbesonde- re mit Hilfe des Papstes des Landes wieder zu bemächtigen, schlugen fehl. Der Kö- nig vermutete wohl zu Recht, daß der Orden beabsichtigte, im Burzenland unter Einschluß der 1222 neu hinzugekommenen Gebiete eine eigene Herrschaft zu er- richten. Das wollte und konnte der König nicht dulden. Die übrigen Vorwürfe über Verstöße des Ordens gegen Verträge mit der ungarischen Krone dürften weniger ins Gewicht gefallen sein, wenn sie überhaupt zutrafen und nicht nur vorgeschoben waren9. Die Schwierigkeiten im Burzenland sollten den Hochmeister Hermann von Salza veranlassen, bei erneuten Hilfsersuchen sorgfältiger zu planen und die Aktionen 5 6 7 8 9 UB Siebenbürgen I, Nr.22 (1222); Zimmermann, Ritterorden, S.274. UB Siebenbürgen I, Nr. 44, 53. Zimmermann, Ritterorden, S.275, 298. UB Siebenbürgen I, Nr.31; Zimmermann, Ritterorden, S.275ff. irnmermann, Ritterorden, S.288ff., mit weiterer Literatur; vgl. Arnold, Feldspital, S.32f.
vorsichtiger abzusichern. Die Tätigkeit des Ordens im Burzenland blieb eine ku Episode, die deshalb in der Verwaltungs- und Sozialgeschichte des Ordens kaum Spuren hinterlassen hat. Bevor der Orden in dem ihm übertragenen Land eine ab gestufte Verwaltung hatte aufbauen und den Leiter des gesamten Unternehmens in der Ordenshierarchie hatte einordnen können, war er schon wieder vertrieben wor den. 9.2 Preußen Auf die Vorgeschichte der Berufung des Deutschen Ordens nach Preußen gehen wir nicht in allen Einzelheiten ein, da sie in unserem Zusammenhang von geringerer Bedeutung ist. Wichtig für uns ist nur, daß der polnische Herzog Konrad von Ma- sowien aus dem Haus der Piasten erhebliche Probleme im Norden seines Herr- schaftsgebiets mit den Prußen hatte, die sich seinen Versuchen, sie zum Christen- tum zu bekehren und sich zu unterwerfen, mit Erfolg widersetzten. Sie gingen sogar zum Gegenangriff über, unternahmen Überfälle bis weit in das Herzogtum hinein und verwüsteten das zu Konrads Herrschaft gehörende Kulmerland. Nach der Beratung mit den Großen seines Reichs schickte er 1226 Boten zum Hochmei- ster des Deutschen Ordens und bot ihm die Verteidigung der Grenzen an. Welche Zugeständnisse der Herzog dem Orden machte oder welche Verhandlungslinie sei- ne Gesandten verfolgen sollten, weiß man nicht. Er scheint dem Orden kein schrift- liches Angebot unterbreitet zu haben, obwohl der Chronist Peter von Dusburg sol- ches zu berichten weiß10. Möglicherweise hat er dem Orden durch seine Gesandten das Kulmerland als Ausgangsbasis angeboten. Das konnte er leichteren Herzens tun, weil er über das Land infolge der prußischen Kriegszüge kaum noch verfügen konnte. Der Orden hätte es erst erobern und sichern müssen. Nach gängiger Vorstellung hat sich der Hochmeister Hermann von Salza im März 1226 von Kaiser Friedrich II. in Rimini durch eine mit einer Goldbulle besie- gelte Urkunde das Angebot des Herzogs bestätigen und durch Zugeständnisse des Kaisers erweitern lassen. Danach habe der Kaiser dem Orden die Schenkung des Kulmerlands bestätigt und ihm das eigentliche Siedlungsgebiet der Prußen als Nie- mandsland, über das der Kaiser kraft seines Amts verfügen zu können meinte, übergeben11. Neuerdings hat T. Jasinski die Goldbulle von Rimini in das Jahr 1235 datiert und dargelegt, daß 1226 die preußische Angelegenheit am kaiserlichen Hof beraten, Preußen jedoch nicht dem Orden, sondern Ludwig, Landgraf von Thüringen, verliehen worden sei. Nach dem Tod Ludwigs habe der Hochmeister 10 Peter von Dusburg, Chronica 11,5. 11 Preuß. UB 1,1, Nr. 56; Hubatsch, Quellen, Nr. 5; Lohmeyer, Kaiser, S. 380ff.
Beratungen mit dem Herzog von Masowien aufgenommen. Erst als infolge des Streits um das Dobriner Land die Vertreibung des Ordens aus Preußen gedroht ha- be habe der Hochmeister die Position seines Ordens durch päpstliche und kaiser- liche Privilegien zu stützen gesucht12. Die Goldbulle wirft meh| Fragen auf, als sie beantwortet und wird also bis in die jüngste Zeit hinein kontrovers diskutiert13. Über diese Kontroverse gehen wir auch hinweg, weil sie für unser Thema von ge- ringerem Interesse ist. Der Hochmeister hat wahrscheinlich auch wegen des Fehlschlags seiner Pläne im ßurzenland, aus dem der Orden kurz zuvor vertrieben worden war, gezögert. Viel- leicht schickte er 1227 oder wahrscheinlich erst 1228 einen Ritterbruder namens Konrad von Landsberg und einen ungenannten Gefährten nach Polen, um die Lage zu sondieren. Beide Brüder gerieten in einen Feldzug der Prußen, wurden schwer verletzt, sollen jedoch wegen ihrer Tapferkeit einen guten Eindruck gemacht ha- ben14. Am 23. April 1228 ließ sich der Orden das Kulmerland nochmals von Herzog Konrad von Masowien verleihen, der sich zudem verpflichtete, die Zustimmung sei- ner Erben und der polnischen Fürsten einzuholen15. Damals hatte sich die Lage an der Grenze gegenüber 1226 verschärft. Denn die Prußen hatten Erfolge errungen und bedrohten nun Masowien selbst. Da der Orden immer noch zögerte, mit einer größeren Schar zur Abwehr der Feinde einzugreifen, versuchte der Herzog die Grenze im Norden durch einen von ihm und dem Bischof von Plock 1228 gestifte- ten Ritterorden, den Dobriner Orden, zu stabilisieren16. Im gleichen Jahr wurde der Orden von Calatrava, ein spanischer Ritterorden, in Thyrnau (Tymawa) bei Me- we (Gniew) an der Weichsel im Westen zur Abwehr der Prußen angesetzt17. Beide Ritterorden erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen nicht. Noch ließ sich der Hochmeister des Deutschen Ordens Zeit und wartete ab. 1229 und 1230 bestätigte Herzog Konrad von Masowien mehrfach die Übertragung des Kulmerlands und fügte die Burg Nessau (Nieszawa) hinzu18. Diesen Übertragungen stimmten der Bischof von Plock und Bischof Christian von Preußen zu. Der Papst 12 13 14 15 16 17 18 Jasinski, Zlota Bulla. Kluger, S. 54 ff., mit Literaturnachweisen. Hervorzuheben: L abu da, Urkunden, S. 303 f. Ferner: Weise, Interpretation, S. 15ff., über die Urkunde insbesondere S.23f.; Matison, Aspekt, S.49ff.; Dies., Lehnsexemtion, S. 195ff.; Caspar, Hermann von Salza, S. 28f.; Stengel, Hochmeister, S. 190 ff.; Zinsmai er, S. 147f.; Arnold, Probleme, S. 47 f.; Boockmann, Deutsche Orden, 80ff.; Biskup/Labuda, S. 118ff.; Löwener, S. 51 ff. Neuerdings: Willoweit, Handfeste, S-5ff., der den Deutschmeister Hermann Otter als Überbringer des herzoglichen Angebots ansieht. Die Hypothese läßt sich kaum begründen. Peter von Dusburg, Chronica 11,5; Wojtecki, Studien, S. 124 f. Preuß. UB 1,1, Nr. 64; L abu da, Urkunden, S. 304. Preuß. UB 1,1, Nr. 66-68; Nowak, Milites Christi, S. 339ff., mit weiterer Literatur. Prydrychowicz, S.315ff.; Nowak, Milites Christi, S.344. reuß. UB 1,1, Nr. 75 f.; L abu da, Urkunden, S. 305.
genehmigte alles19. Am 30. Juni 1230 soll der Herzog im sogenannten Kruschwitzer Vertrag dem Orden das Kulmerland vollständig, ohne sich irgendwelche Recht vorzubehalten, überschrieben haben. Danach waren auch alle Rechtsansprüche Dritter, etwa der Bischöfe von Preußen, Plock und Leslau (Wloclawek) oder des pommerellischen Herzogs Swantopolk, abgelöst20. Dieser Vertrag ist oft als Fäl- schung des Ordens betrachtet worden21. Neuerdings hat wiederum T. J a s i n s k i die Echtheit der Urkunde betont22. Auch über diese Kontroverse gehen wir hinweg Vermutlich benötigte der Orden die Urkunden ob Fälschung oder nicht, um vom Papst eine Bestätigung seiner uneingeschränkten Rechte im eroberten Kulmerland zu bekommen. Der Papst hat sie auch 1234 in Rieti erteilt23. Er nahm das Kulmer- land und alle den Prußen abgenommenen und eroberten Gebiete in den Schutz des Stuhles Petri, übertrug die Länder kraft seines Amts dem Deutschen Orden, behielt sich die Errichtung und Dotierung von Bistümern in den Ländern vor und bedang sich einen jährlichen Zins, den Peterspfennig, als Anerkennung der päpstlichen Oberhoheit aus. Als der Papst sein Privileg ausstellte, hatte der Orden alle konkur- rierenden Kräfte in Preußen ausgeschaltet und war daher in einer starken Verhand- lungsposition. Erst nach der Privilegierung durch den Herzog von Masowien, deren Bestätigung durch die Bischöfe von Preußen und Plock und den Papst sandte der Hochmeister Hermann von Salza 1230 eine Schar von Ritterbrüdern an die Weichsel, an deren westlichem Ufer die beiden im Land gebliebenen Brüder mit Hilfe des polnischen Herzogs bereits eine Burg „Vogelsang“ gegenüber von Thorn (Torun) errichtet hat- ten24. Die kleine Schar, die sich in „Vogelsang“ festsetzte, befehligte der magister Hermann Balk. Ihm zur Seite standen Dietrich von Bernheim als Marschall und drei weitere namentlich genannte Ritterbrüder. Dazu kamen Helfer, deren Zahl und Stand nicht spezifiziert worden sind. Wie groß die vom Hochmeister geschickte Gruppe gewesen ist, weiß man nicht genau. Jedoch ist mit geringen Zahlen zu rech- nen. Als erstes rückte Hermann Balk von der Burg „Vogelsang“ weicheisabwärts zur Burg Nessau vor, die er ausbauen ließ. Beide Burgen bildeten die Ausgangs- punkte für die beabsichtigte Rückeroberung des Kulmerlands und die Eroberung des Preußenlands. 19 Preuß. UB 1,1, Nr. 72-74, 77, 80. 20 Preuß. UB 1,1, Nr. 78. 21 Labuda, Urkunden, S. 299f. Zuerst als Fälschung benannt: Perlbach, Die ältesten preuß. Ur künden, S. 636ff. Dazu: Jähnig, Verfassung, S. 62. 22 Jasinski, Uwagi. 23 Preuß. UB 1,1, Nr. 108. , ß 24 Peter von Dusburg, Chronica 11,10. Zur Eroberung Preußens: Ewald, Eroberung. Die These, a Hermann von Salza seine Ritterbrüder nach Preußen zur Ausbildung für den eigentlichen Einsa^ im Heiligen Land geschickt habe, wie sie in der englischen Literatur oft vertreten wird, dür te wegig sein. Vgl. Riley-Smith, Crusades, S. 162, nach Christiansen.
pie wenigen Ritterbrüder wären kaum in der Lage gewesen, gegen die Prußen et- was auszurichten, sondern waren immer auf fremde Hilfe, vor allem auf Kreuzfah- rer angewiesen. Aus dem Grund erbat und erhielt der Hochmeister 1230 und wie- der 1232 Kreuzzugsbullen, die in den Kirchenprovinzen Breme|i und Magdeburg, in Polen, Pommern, Mähren, Holstein, Gotland und Böhmen verkündet werden sollten25. 1231 ließ Hermann Balk mit Unterstützung des Herzogs von Masowien über die Weichsel setzen und in Thorn eine Burg errichten bzw. erneut befestigen26. Während der Arbeiten lebten die sieben Ritterbrüder in Verhauen auf einer Eiche, immer bereit, mit Schiffen zu fliehen und sich nach Nessau zurückzuziehen27. Der befürchtete Angriff der Prußen blieb aus. Thorn bildete 1231 den ersten Brücken- kopf am rechten Weichselufer28. 1232 kam ein Kreuzfahrerheer an die Weichsel. Mit dessen Unterstützung drangen die Brüder nach Kulm (Chelmno) vor und bauten die Burg Altkulm (Althaus, Starogröd). In dem Jahr scheint der Orden mit Hilfe der Kreuzfahrer das Kulmerland weitgehend in seine Herrschaft gebracht zu ha- ben29. Spätestens 1232, sollte man meinen, müßten Probleme aufgetaucht sein, die noch keine wichtige Rolle spielten, solange das Kulmerland in Feindeshand war. Nach der Errichtung der Burg Altkulm (Althaus) und beim weiteren Ausgreifen in das eigentliche Preußenland mußte sich die Frage stellen, welche Rechte der Herzog von Masowien abgetreten, welche er sich vorbehalten hatte und ob die anderen Be- rechtigten auf ihre Ansprüche verzichten wollten. Jedoch hört man nichts von Kla- gen und Ansprüchen gegen den Orden. Vielleicht hielten sich der Herzog und die anderen Herren zurück. Damals ist von einem Gegensatz zwischen dem Orden und den polnischen Herzögen noch nichts zu spüren. Im Gegenteil kamen einige von ihnen 1233 mit großem Gefolge an die Weichsel und begannen mit der Unter- werfung des Prußenstammes der Pomesanier. Sie zogen die Weichsel abwärts und bauten auf dem „Schloßberg“ am Weichselufer eine Burg, die sie noch im selben Jahr an den Steilhang verlegten und Marienwerder (Kwydzin) nannten30. Am Fuße der Burg siedelten sie wie in Kulm und Thorn auch in Marienwerder Bürger an und schufen damit die Grundlagen für die Entstehung von Städten31. 1234 schließlich si- cherte der Orden das Kulmerland durch den Bau der Burg Rehden (Radzyri) an der Grenze zu Pomesanien32. 25 Preuß. UB 1,1, Nr. 81, 87. 26 J. Chudziakowa, Torun najdawniejszy i wczesnosredniowieczny, S. 17ff. und A. Czacharow- ski, Torun sredniowieczny, S. 34ff., in: Biskup, Torun. 2g ?eter von Dusburg, Chronica III,1. Uber kleinere Scharmützel mit prußischen Adligen: Peter von Dusburg, Chronica III,7. _ ^eter von Dusburg, Chronica III,8. Peter von Dusburg, Chronica III,9. 31 Jasinski, Rolle, S.97ff. 2 Peter von Dusburg, Chronica 111,12.
Gleichgültig ob der Kruschwitzer Vertrag eine Fälschung des Ordens gewesen ‘ oder nicht, die Brüder haben das Dokument in dieser Zeit der Konsolidierung ihrer Herrschaft im Kulmerland benutzt und dem Papst vorgelegt, der die wesentlichen Bestimmungen bestätigte. Der Herzog von Masowien sollte damit als Konkurrent des Ordens im Kulmerland und im eigentlichen, noch weitgehend uneroberten Preußenland ausgeschaltet werden. Wenn der Vertrag also eine Fälschung war, ist er ein Zeichen für die allmähliche Entfremdung der alten Vertragspartner, weil ihre In- teressen auseinanderzudriften begannen. Dem Deutschen Orden ist die Ausschaltung der Konkurrenten auch gelungen Der Dobriner Orden und sein Besitz kamen 1235 an den Deutschen Orden. Er wurde inkorporiert33. Einige Brüder, die sich verweigerten, wurden 1237 in die Burg Drohiczyn am Bug umgesiedelt, die sie 1238 nach einem Angriff des Fürsten von Halicz und Vladimir verlassen mußten34. Sie zogen sich daraufhin in ihre Heimat nach Mecklenburg zurück, wo sich ihre Spuren 1240 verlieren35. Der vom Herzog von Masowien gegründete Konkurrenzorden war damit auch ausgeschaltet. In dieser Zeit der Konsolidierung seiner Macht im Kulmerland kam dem Orden ein Umstand zustatten, der ihm einen weit schwierigeren Mitbewerber um die Herrschaft vom Hals schuf. 1233 geriet nämlich Bischof Christian von Preußen in die Gefangenschaft der Prußen. Der Deutsche Orden tat nichts zu seiner Befreiung. Bischof Christian hatte dem Orden zwar auch seine Besitzungen im Kulmerland übertragen, sich aber im Vertrag von Rubenicht von 1231 zwei Drittel des Preußen- landes vorbehalten, da sie ihm vom Papst übertragen worden seien36. Fünf Jahre dauerte die Gefangenschaft des Bischofs, die der Orden dazu nutzte, die Missionie- rung der Unterworfenen Dominikanern anzuvertrauen und die Ansprüche des Bi- schofs abzubauen. Bevor Christian sich wieder in die Mission einschalten konnte, ist er gestorben37. Er war der eigentliche Verlierer im Machtpoker mit dem Deut- schen Orden. Der Herzog wird mit dem Ergebnis kaum zufrieden gewesen sein. Er war schließlich aus dem Kulmerland verdrängt worden und hatte seinen Herrschaftsbe- reich nicht auf das Preußenland ausdehnen können, wie er es bei der Berufung des Deutschen Ordens geplant haben wird. In den 30er Jahren besaß er auch nicht mehr die Macht, die Verhältnisse zu seinen Gunsten zu ändern, da er seine Mittel für andere Zwecke einsetzte. Der in der Historiographie umstrittene Vertrag von Kruschwitz hat damals kaum noch eine Rolle gespielt. Gegen den Herzog brauchte der Orden den Vertrag nicht mehr zu verwenden. Er war auch überflüssig gewor 33 Preuß. UB 1,1, Nr. 118 f. 34 Preuß. UB 1,1, Nr. 126; Nowak, Milites Christi, S. 350f.; Kuhn, Ritterorden, S.57ff. 35 Mecklenburgisches UB I, Nr. 511: die letzte Nachricht vom Dobriner Orden aus der Gegen Wismar. Vgl. Benninghoven, Schwertbrüder, S.308 36 Preuß. UB 1,1, Nr. 83. 37 Blanke, Missionsmethode, S. 363; L abu da, Urkunden, S.314f.
Jen seitdem der Papst im Privileg von Rieti 1234 dem Orden das Kulmerland und Jas Preußenland verliehen hatte. Damit hatte der Orden ein Dokument in den pjänden, dessen Echtheit nicht angezweifelt werden konnte. j)rei Jahre nach dem Einsatz einer Schar von Ritterbrüdern un|er dem Komman- do des magister Hermann Balk hatte der Orden seine Macht im Kulmerland konso- lidiert, alle Konkurrenten weitgehend ausgeschaltet und die Angriffe der Prußen auf die eroberten Gebiete reduziert. Der Orden hatte außerdem schon damit begonnen, das benachbarte Pomesanien in seinen Herrschaftsbereich einzubeziehen. Vom nunmehr gesicherten Kulmerland aus unterwarf der Orden mit Hilfe der Kreuzfahrer unter der Leitung des Markgrafen von Meißen die Pomesanier endgül- tig und zerstörte 1236 deren Burgen Stuhm (Sztum), Riesenburg (Prabuty) und an- dere38. 1237 errichtete er mit Unterstützung der im Land gebliebenen Gefolgsleute des Markgrafen die Burg Elbing (Elbing) am Rande des Drausensees und wandte sich gegen die Pogesanier, die ebenfalls unterworfen wurden39. Das Rückgrat der Ordensherrschaft bildete noch die Weichsel und deren Neben- flüsse, die der Orden offenbar beherrschte und die er als Nachschubwege nutzte. Am Flußufer lagen seine Stützpunkte. Das Landesinnere dagegen suchte er noch nicht systematisch zu erfassen. Die Strategie des Ordens bestand offensichtlich dar- in, die prußischen Stämme möglichst einzeln zu unterwerfen, die Unterworfenen dann von ihren Nachbarn im Westen zu trennen, ihnen damit den Nachschub vor allem an westlichen Waffen zu nehmen und das Erlernen westlicher Kampfestechni- ken zu erschweren. Diese Strategie behielt der Orden bei der Unterwerfung der üb- rigen Stämme bei. Den Warmiern, Natangern und Barten nahm er die Verbindung über das Frische Haff zur Ostsee und legte 1239 die Burg Balga (Weselnoje) an40. Von der gesicherten Seeseite her drang er dann in das Landesinnere vor und errich- tete in den folgenden Jahren Burgen im Binnenland41. Die Unterwerfung Preußens erlitt zunächst einen jähen Rückschlag, als sich die Prußen seit 1243 gegen die Ordensherrschaft erhoben und mit dem Herzog Swan- topolk von Pommerellen verbanden. Damit hatten die Prußen die befürchtete Ver- bindung mit einem westlichen Nachbarn hergestellt. Sie brachten den Orden in er- hebliche Schwierigkeiten. Ein großer Teil der neu errichteten Burgen ging verloren. Das Kulmerland blieb dem Orden jedoch ungeschmälert erhalten. Hier konnten die Aufständischen keine Erfolge erzielen. Dem Orden gelang es, den Aufstand nach 38 Peter von Dusburg, Chronica 111,14. 39 Peter von Dusburg, Chronica 111,15-16. Die von den meisten Forschern angenommene Datierung wird von Jan Powierski, Pocz^tek walk Krzyzaköw o panowanie nad Zalewem Wislanym i za- iozenie Elbl^ga, in: Nautologia 28,2 (1993), S.2-21, in Zweifel gezogen. Er datiert auf den Sommer 1238. 40 Peter von Dusburg, Chronica 111,19. Peter von Dusburg, Chronica 111,27.
und nach zu ersticken und Herzog Swantopolk zu besiegen. 1249 wurden di Kämpfe mit dem Christburger Frieden beendet42. Obwohl der erste Aufstand der Prußen die anfänglichen Verwaltungsstrukturen beschädigt und teilweise vernichtet hatte, läßt sich dennoch ein ungefähres Bild vom Aufbau der frühen Ordensverwaltung im Preußenland erkennen. Über dem gesamten Land, dem Kulmerland und den den Prußen abgewonnenen Ländern Po mesanien, Pogesanien, Natangen und Barten, stand der vom Hochmeister ernannte Meister Hermann Balk, der in der Kulmer Handfeste von 1233 als magister per Sclavoniam et Prusiam bezeichnet wurde43. Er war Landmeister von Preußen und gleichzeitig auch von Böhmen, dessen Landkomtur ihm unterstellt wurde. Die Bal- lei Böhmen mit Besitzungen in Schlesien sowie Güter in Kujawien dienten als der materielle Rückhalt für die Eroberung Preußens44. Unter dem Landmeister stand der ebenfalls in der Kulmer Handfeste von 1233 genannte Marschall Theodericus45. Er war wohl mit dem von Peter von Dusburg er- wähnten Dietrich von Bernheim identisch, der schon 1230 als Marschall mit Her- mann Balk nach Preußen gekommen sein soll46. Dietrich verlor sein Amt während des ersten Prußenaufstands an Berlwin von Freiberg und fiel in der Schlacht bei Rondsen 1243 zusammen mit seinem Nachfolger47. In der Zeugenreihe der Kulmer Handfeste von 1233 werden dem Marschall drei Ritterbrüder Heinrich von Sayn, Poppo von Osternohe und Albert von Langenberg vorangestellt. Sie mögen Unteranführer des Ordensaufgebots gewesen sein48. Jedoch bleibt das ungewiß. Unter ihnen könnten sich auch Gesandte des Hochmeisters verbergen. Hinter dem Marschall sind in der Kulmer Handfeste zwei provisores aufgezählt, nämlich ein Gerwinus, besser Berlwinus, für das Kulmerland und ein Ludewicus in Quedin49. Berlwin entstammte einer Ministerialenfamilie der Markgrafen von Mei- ßen. Er stieg 1242/43 zum Marschall von Preußen als Nachfolger des schon ge- nannten Dietrich von Bernheim auf und verlor sein Leben in der Schlacht von Rondsen 124350. Der provisor wird im allgemeinen als einfacher Komtur von Kulm gedeutet, hat jedoch eher die Funktion eines Landkomturs des Kuhnerlands gehabt. Das gilt dann auch für Ludewicus in Quidin provisor, der als Landkomtur für die neu eroberten Gebiete vorgesehen war und in der Tat 1250 und 1251 als preceptor 42 Dazu: Patze, Frieden von Christburg, S.417ff., besonders S.439ff.; Wenskus, Bedeutung, S.97ff- 43 Preuß. UB 1,1, Nr. 105 44 Militzer, Entstehung, S.60f.; Wenskus, Ordensland, S.358. 45 Preuß. UB 1,1, Nr. 105. 46 Peter von Dusburg, Chronica 11,11. 47 Peter von Dusburg, Chronica 111,40; Wojtecki, Studien, S. 129. 48 So Wenskus, Ordensland, S. 357. 49 Preuß. UB 1,1, Nr. 105. 50 Peter von Dusburg, Chronica 111,40; Wojtecki, Studien, S. 129f.
provisor Pruscie bzw. in Pruscia, bezeichnet wurde51. Unter dem Landmeister Wnnnn Balk standen also zwei Funktionsträger, der eine als Landkomtur des K Tmerlands in Kulm und der andere als Landkomtur von Preußen oder dem er- oberten und noch zu erobernden Teil des Preußenlandes mit c^pm Sitz auf Queden, einem Weichselwerder bei Marienwerder. Für die Zeit der Eroberung Preußens bestreitet Wenskus die Existenz von festen Konventen auf Ordensburgen mit Komturen an der Spitze52. Das wird wohl zutref- fen Aber man muß dennoch annehmen, daß die neuen Ordensburgen Thorn (To- run), Kulm (Chelmno), Rehden (Radzyri), Graudenz (Grudzi^dz), Elbing (Elbing), Balga (Weselnoje) und andere einem Ritterbruder als Kommandanten unterstellt worden und daß diesem Kommandanten Ritterbrüder und zur geistlichen Versor- gung auch Priesterbrüder zugeordnet waren53. Denn nach den Statuten hatten die Brüder auch während eines Krieges gottesdienstliche Verpflichtungen einzuhalten. In der Tat ist wenigstens 1246, also noch vor dem Christburger Vertrag von 1249, ein Alexander als commendator Elbingensis bezeugt54. Diese mit Kommandanten und Ritterbrüdern besetzten Burgen, die zumeist noch Holz-Erde-Konstruktionen gewesen sind und weit von den im 14. Jahrhundert üblichen Burgenformen entfernt waren, boten die Ansatzpunkte für eine flächendeckende Verwaltung, für eine sich im Laufe der Zeit bildende hierarchische Befehlsstruktur. Die wohl noch von Her- mann Balk und seinen Beratern initiierten Ansätze gingen jedoch im ersten Prus- senaufstand unter. Nach dem Friedensschluß von Christburg 1249 mußte eine Ver- waltung neu aufgebaut werden55. Der Aufbau der Verwaltung nach 1249 scheint in wesentlichen Teilen nach Ver- hältnissen außerhalb Preußens geplant und durchgeführt worden zu sein. Die Anre- gungen kamen dieses Mal aus der Ordenszentrale in Akkon und nicht aus Preußen selbst. Dafür ist der Gesandte des Hochmeisters Eberhard von Sayn verantwortlich 51 Preuß. UB 1,1, Nr. 233 f., 252; UB Pomesanien I, Nr.4. Er führte allerdings das Landmeistersiegel: Schmid, Siegel, S. 184f. Nach Grzegorz, Entstehen, S. 38, sollen die beiden Landkomtursämter erst 1248 von dem Sonderbeauftragten Eberhard von Sayn eingeführt worden sein. Das ist so nicht haltbar. Da Heinrich von Merwitz seinen Landkomturstitel bereits 1248 ausdrücklich führte, ist Eberhard von Sayn dafür nicht verantwortlich zu machen. Eberhard von Sayn kann also höchstens vorhandene Strukturen bestätigt und in ein dem Orden bekanntes System eingefügt haben. Vgl. Preuß. UB 1,1, Nr.206; Wojtecki, Studien, S. 145; Militzer, Entstehung, S.48f. 52 Wenskus, Ordensland, S.357. Peter von Dusburg, Chronica 111,12, berichtet sogar von einem Kapitel in der Burg Rehden. Das onnte sich allerdings auch auf eine spätere Zeit beziehen. Gegen feste Besatzungen mit Ritter- und nesterbrüdern spricht nicht, daß gelegentlich weltliche Anführer der Kreuzfahrer Burgkomman- anten auf Zeit gewesen sein sollen. So Arszyhski, Bauherr, S. 148. Ob allerdings die in der f V°n O^Va überlieferte Nachricht (SRP I, S. 67f.) im Sinne Arszyriskis zu deuten ist, bleibt 55 UB kL Nr. 181; Jähnig, Verfassung, S. 64. vgl- Voigt, Geschichte II, S.430ff.
zu machen. Jedoch geriet der Neuaufbau in eine Phase der Auseinandersetzungen innerhalb des Ordens um den rechten Weg. Auch nach dem Tode Friedrichs II. 125q gab es nämlich eine große Zahl von stauferfreundlich gesinnten Ritterbrüdern, die wahrscheinlich sogar die Mehrheit ausmachten, und eine kleinere Zahl, die eine Po litik eher in Anlehnung an den Papst befürworteten. Allerdings hat es damals keine festgefügten Parteiungen im Orden gegeben. Die Präferenzen konnten wechseln Dennoch hat der Streit um die „richtige“ Politik zu inneren Wirren geführt56, die den Orden besonders in Preußen belastet haben. Der preußische Landmeister Diet- rich von Grüningen (1249-1258) gehörte zu denen, die sich an die Kurie anlehnen wollten57. Dagegen war die Ordenszentrale noch traditionell stauferfreundlich ge- sinnt. In Akkon wurde 1250 der Großkomtur Eberhard von Sayn zum Deutschmeister bestellt und mit Sondervollmachten für Preußen und Livland ausgestattet58. Er und nicht der einer anderen Partei angehörende Landmeister leitete wahrscheinlich den Verwaltungsneuaufbau in Preußen ein und führte gleichzeitig Reformen durch. Das Kulmerland erhielt nun einen Landkomtur, dem Komture und Konvente in den Burgen Althaus, Kulm, Thorn, Graudenz, Rehden und Nessau unterstellt waren59. Eberhard von Sayn bekräftigte 1251 das Verbot der Lehnsvergabe durch den Land- komtur und behielt solche Lehnsakte dem Hochmeister und dem Generalkapitel vor, wie es schon der Hochmeister Heinrich von Hohenlohe (1244-1249) bestimmt hatte60. Diese Besonderheit blieb dem Kulmerland. Das aus dem Westen stammende und sich im Deutschen Reich durchsetzende Wort „Ballei“ fehlt in Preußen, wurde der Sache nach aber wie im Reich und in den Mittelmeerländern eingeführt, auch in Anlehnung an die beiden anderen großen Ritterorden. Strittig ist, ob das eigentliche Preußen auch nach dem ersten Prußen- aufstand eine solche „Ballei“ bilden sollte, wie sich vor dem Aufstand abgezeichnet hatte. Einige Hinweise sprechen in der Tat dafür, daß das neu eroberte und wieder unterworfene Gebiet des größeren Preußenlandes eine eigene Einheit, eine „Ballei“ bilden sollte. Erstens hat es, wie auch die Bestätigung der Kulmer Handfeste durch Eberhard von Sayn belegt61, 1250-1251 einen preceptor bzw. provisor für Preußen gegeben, als Dietrich von Grüningen Landmeister war. In diesem Amtsträger ist al- so nicht der Landmeister für das gesamte Ordensland zu sehen. Zweitens könnte die Neigung des Ordens, daß er vorgefundene Länder als Verwaltungseinheiten bei- 56 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 208 ff. . , 57 Wojtecki, Studien, S. 133ff.; Benninghoven, Schwertbrüder, S.462. Beide unterscheiden nie zwischen den Ämtern des Landmeisters, des Landkomturs von Preußen sowie eines Stattha Fenske in: Fenske/Militzer, S.277ff. Nr. 329, folgt ihnen weitgehend. 58 Fenske/Militzer, S. 562 Nr.756; Militzer, Entstehung, S.48f. 59 Wenskus, Ordensland, S. 358. Dazu: Jähnig, Verfassung, S. 64. 60 Preuß. UB 1,1, Nr.251; Perlbach, Statuten, S. 161 §3. 61 Preuß. UB 1,1, Nr. 252.
i . jt dafür sprechen62 *. Drittens kann man dem Beauftragten des Generalkapitels, j mit den näheren Umständen im Preußenland nicht vertraut war, ein schemati- ches Vorgehen und ein Ausrichten nach westlichen Vorbildern zutrauen. Viertens icht Eberhard von Sayn in seinen Verhaltensmaßregeln für die Brüder in Preußen 1251 von commendatores urbium et provinciarum^. Nimmt man die Vorschrift wörtlich, müßte man mit mindestens zwei Balleien rechnen. Ein gewisser Schematismus ist der Neuordnung des Gesandten nicht abzuspre- chen Denn wie im Kulmerland scheint er auch für Preußen sechs Komtureien vor- esehen zu haben. In Preußen allerdings war jede Komturei einem bestimmten alten prußischen Stammesgebiet zugeordnet, nämlich Christburg (Dzierzgön) für Pomesanien, Elbing (Elbing) für Pogesanien, zugleich das Haupthaus des Ordens in Preußen, Zantir für das Werder, Balga (Weselnoje) für Warmien und Kreuzburg (Slawskoje) für Natangen. Königsberg (Kaliningrad) sollte später für das noch nicht eroberte Samland hinzukommen64. Gelegentlich führten diese Komture statt des Burgennamens den Stammesnamen in ihren Titeln65. Das würde die Intention der Verwaltungsneuordnung unterstreichen, nämlich die Stammesgebiete zu erhalten und der Aufsicht eigener Komture zu unterstellen. Für die innere Verwaltung des Landes hatten die Komture ihre Vögte, jedenfalls im eigentlichen Preußen. Diese Vögte waren die Ansprechpartner der einheimischen Bevölkerung und für die Ord- nung im Lande zuständig. Im Kulmerland hat es nur einen Vogt gegeben, der dem Landkomtur zugeordnet war66. Das würde drauf hinweisen, daß die Komture im eigentlichen Preußen Aufgaben wie der Landkomtur des Kulmerlands hatten und mithin ein ihnen übergeordneter Landkomtur überflüssig erscheinen konnte. Eber- hard von Sayn hat sicher altbewährte Muster aus der Zeit vor dem ersten Prußen- aufstand übernommen, aber versucht, Neues mit Altem zu verbinden. Aber wie der Neuaufbau nach der Vorstellungen Eberhards von Sayn genau aussehen sollte, ist nur noch schwer abzuschätzen. Betrachtet man jedoch alle Hinweise und Belege im Zusammenhang, scheint Eberhard von Sayn einen Landkomtur auch für Preußen vorgesehen zu haben, so daß dem Landmeister drei Landkomture unterstehen soll- ten, nämlich der vom eigentlichen Preußen, der vom Kulmerland und der von Böh- men-Mähren. Das Amt eines Landkomturs von Preußen hat sich jedoch nicht lange gehalten. Es wurde bald nach Eberhard von Sayns Weggang auf gegeben und nicht mehr besetzt, weil die Komture im eigentlichen Preußen dessen Aufgaben über- 11 hatten und ihm daher keine echten Funktionen geblieben waren. Es war Verflüssig geworden. 62 63 64 65 66 Wenskus, Ordensland, S. 358. Zustimmend: Grzegorz, Entstehen, S. 38. Pre<UBl,l,Nr.251. ß enskus, Ordensland, S. 358f. I ?1SP^SWeüe 1278 commendator in Natangia, 1254 Sambie commendator'. Preuß UB 1,1, Nr. 283; ’ ’ r.362; Wenskus, Ordensland, S.359. Wenskus, Ordensland, S. 359.
Als Eberhard von Sayn Preußen visitierte und Verhaltensmaßregeln mitteilen ließ war die Lage des Ordens in den prußischen Gebieten außer dem Samland und einf gen anderen östlichen Stammesregionen so weit gefestigt, daß er Elbing Zurn Haupthaus, zur principalis ceteris domibus in Prusia, bestimmen konnte. Dort sollte das jährliche Generalkapitel für Preußen am Kreuzerhöhungstag (14. September) stattfinden. Standen wichtige Entscheidungen an, waren mindestens acht fratres dis- creciores aus Balga und Christburg hinzuzuziehen. In Elbing wurde auch wohl das Siegel der fratrum Theutonicorum in Prusia aufbewahrt67, mit dem Privilegien für domini feodales in Prusia und alii homines annuum censum debentes besiegelt wür- den68. Das eigentliche Preußen unterschied sich also vom Kulmerland auch da- durch, daß der Landmeister im Einvernehmen mit dem Kapitel oder den fratres dis- creciores Lehen vergeben durfte. Auffallend ist, daß zum Generalkapitel in Preußen die Brüder von Balga und Christburg hinzugezogen werden mußten, dagegen nicht der Landkomtur von Kulm oder dessen Komture. Beachtenswert ist auch, daß das Siegel der Brüder in Preußen für Privilegienerteilungen im eigentlichen Preußen, nicht im Kulmerland gültig sein sollte, offenbar weil sich der Hochmeister mit dem Generalkapitel solche Verleihungen vorbehalten hatte. Prüft man die Verhaltensmaßregeln Eberhards von Sayn, stellt man fest, daß der Gesandte des Hochmeisters in seinen Vorschriften zu einer Neuordnung von zwei Ordensprovinzen ausgegangen ist, nämlich dem Kul- merland und dem eigentlichen Preußen, denen je ein Meister oder Landkomtur vorstehen sollte. Fraglich ist nur, ob über beiden der Landmeister von Preußen ste- hen sollte. Denn von ihm ist in den Verhaltensregeln Eberhards von Sayn keine Re- de. Möglicherweise diente das Programm der Entmachtung des Landmeisters von Preußen Dietrich von Grüningen, des Anführers der päpstlichen Partei im Deut- schen Orden. Wenn die Neuordnung mit der Absicht einer Entmachtung Grünin- gens verknüpft war, hat sich zumindest dieser Teil der Reform nicht durchsetzen lassen. Die Verhaltensregeln gewähren auch einen kleinen Einblick in das Zusammen- leben der Brüder. Hervorzuheben ist die starke Stellung der Konvente. Die Einset- zung bzw. Absetzung von Komturen und Landkomturen sollte nur mit dem Rat der Konvente möglich sein. Kein Landkomtur durfte ohne die Zustimmung des je- weiligen Konvents Visitatoren schicken. Kein preceptor war befugt, ohne die Zu- stimmung des Konvents neue Verhaltensmaßregeln zu erlassen. Ihnen mußte zudem der Hochmeister mit seinem Kapitel in Palästina zustimmen, wenn sie Gültigkeit erhalten sollten. Der preceptor Prusie durfte das Land nicht ohne die Erlaubnis der 67 Das entsprach dem alten Konventssiegel von 1232; Schmid, Siegel, S. 183 f.; Preuß. UB 1,1, Am Christburger Vertrag von 1249 hing ein Siegel mit anderer Umschrift: CONVENTUS FR TRUM PRUCIE; Schmid, Siegel, S. 184. 68 Preuß. UB 1,1, Nr. 251
vente verlassen, um entferntere Gegenden aufzusuchen. Die Vorschrift könnte ich gegen Dietrich von Grüningen gerichtet haben, der sich nur noch selten in Preußen aufgehalten hatte69. Aber ob mit dem preceptor Prusie tatsächlich der Landmeister und nicht der Landkomtur gemeint war, den man im Gegensatz zum Landmeister auf jeden Fall im Land halten wollte, ist nicht eindeutig zu entschei- den Nach dem gesamten Aufbau der Verhaltensregeln zu urteilen, ist eher an den Landkomtur zu denken. Im Gegensatz zu späteren Jahren ist Eberhard von Sayn noch davon ausgegan- gen, daß es in Preußen nach dem Aufstand Kommenden gegeben hat, die weniger als die eigentlich verlangte Zahl von zwölf Brüdern aufwiesen. In den Balleien ha- ben solche mangelhaft besetzten Kommenden immer bestanden, deren Zahl wohl noch im 13. Jahrhundert zugenommen hat. In Preußen war das aber die Ausnahme. Immerhin verpflichtete Eberhard die Komture mit zwei Brüdern, daß er einen von ihnen zum cellerarius bestelle. Das wichtige Amt eines Kellermeisters mit der Auf- gabe der Vorratshaltung sollte in den Händen eines Ordensbruders bleiben und kei- nem weltlichen Diener übertragen werden, falls einmal nicht genügend Brüder in der Kommende leben sollten. Hervorzuheben ist die fortgeschrittene Entwicklung der Schriftlichkeit. Abge- setzte Komture hatten ihren Nachfolgern schriftliche Inventare zu übergeben. Das jedenfalls verlangte Eberhard von Sayn in seinen Richtlinien 1251. Das schriftliche Inventar war allerdings nicht ausreichend. Erforderlich war in gleicher Weise das mündliche Zeugnis der Konventsbrüder über die Beschaffenheit der Kommende. Jedes Jahr sollte ein Brief an das Haupthaus in Palästina über den Zustand des Lan- des und das Zusammenleben der Brüder in den Konventen gesandt werden. Jedes zweite oder wenigstens dritte Jahr war ein Bruder als Bote zu schicken, der über al- les zu berichten hatte. Die Kommunikation zwischen dem Haupthaus in Palästina, dem Hochmeister und dem Generalkapitel auf der einen und dem Ordenszweig in Preußen auf der anderen Seite sollte intensiviert werden. Mutmaßlich hat Eberhard von Sayn analoge Verhaltensregeln auch für Livland erlassen, die allerdings nicht er- halten sind. Der Informationsaustausch sollte die Entfremdung der Ordenszweige lm Baltikum vom Haupthaus des Ordens in Palästina verhindern. Daher wurde den Brüdern ausdrücklich vorgeschrieben, daß die consuetudines terre sancte verbindlich seien. Damit die Gewohnheiten nicht in Vergessenheit gerieten, wurde den Brüdern ln Preußen und wohl auch in Livland eine Ordensregel eingeschärft, nämlich daß an jedem Sonntag während der Kapitelsversammlung des Konvents je ein Artikel aus den Statuten vorgelesen werde70. So aufschlußreich die erhaltenen Verhaltensmaßregeln für Preußen auch sein mö- 8en, so bieten sie doch nur einen Ausschnitt. Es gilt zu überprüfen, wie er ergänzt 70 Pe.ta^erte Nachweise: Wojtecki, Studien, S. 133ff. Perlbach, Statuten, S. 74: Gesetz 27 f.
und modifiziert werden kann und muß. Dazu ist die übrige Überlieferung heranzu ziehen. In den Urkunden nahmen schon vor der Regelung durch Eberhard von Sayn die Komture von Balga und Christburg Sonderstellungen ein. Sie waren die Kommandanten der damals wichtigsten Burgen im Kampf des Ordens um die Un terwerfung der Prußen. Daher war beispielsweise ein Heinrich von Hornstein Komtur von Balga, 1249 Statthalter des Landmeisters und bezeugte als solcher den Christburger Vertrag71. Die Stellvertretung hatte auch Heinrich Stange, Komtur von Christburg 1249 und 125472. Für eine gewisse Vorrangstellung Christburgs spricht auch, daß 1258 ein Hauskomtur des dortigen Konvents als Zeuge einer Urkunde ge- nannt ist73. Sonst fehlen Belege für Hauskomture anderer Kommenden in den über- lieferten Urkunden aus der Zeit vor dem großen Aufstand. Ferner gab es einen Marschall, der in den Verhaltensregeln Eberhards von Sayn nicht genannt ist. Das Amt hat es bereits 1233 gegeben. Es ist in der Folgezeit im- mer wieder besetzt worden74. Dieser Marschall hatte augenscheinlich noch kein eigenes Gebiet zu betreuen. Er ist anders als in späteren Jahren häufig in der Umge- bung des Landmeisters oder dessen Stellvertreters zu finden75 und wird hauptsäch- lich im Haupthaus anzutreffen gewesen sein, wenn er nicht mit einer Kriegsschar unterwegs war. Als Eberhard von Sayn 1251 die Kulmer Handfeste erneuerte, bezeugten dies an erster Stelle die beiden Landkomture von Preußen (provisor Pruste) und des Kulmer- lands, dann der Marschall. Es folgten die Komture des preußischen Gebiets, nämlich von Christburg, Elbing, Balga, Zantir, dann die Komture des kulmischen Gebiets, nämlich von Kulm, Thorn und Rehden76 77. Den vier Komturen des preußischen stan- den drei des kulmischen Teils gegenüber. Die Tendenz der stärkeren Betonung des eigentlich preußischen zuungunsten des älteren Kulmer Teils in den Verhaltensre- geln Eberhards von Sayn bestätigen sich in der von demselben Bruder bekräftigten Kulmer Handfeste. Neben den von Eberhard von Sayn zur Bekräftigung der Kulmer Handfeste 1251 aufgebotenen Komturen gab es noch Kommenden in Althaus (Altkulm) seit 1244 , Graudenz seit 125078 und Nessau mindestens seit 125079, aber tatsächlich wohl schon früher, da die Burg vor der Eroberung des Kulmerlandes und Preußens vom Orden erbaut worden und anfangs eine der wichtigsten Rückzugslinien gewesen ist, 71 Preuß. UB 1,1, Nr. 206, 213, 218; vgl. Wojtecki, Studien, S. 142. 72 Preuß. UB 1,2, Nr. 60; Perlbach, Preuß. Regesten, Nr. 319; Wojtecki, Studien, S. 147. 73 Preuß. UB 1,2, Nr. 67. Zum Vizelandmeister: Arm gart, Handfesten, S. 304 ff., 311. 74 Voigt, Namen-Codex, S. 5. 75 Vgl. Preuß. UB 1,1, Nr. 105, 181, 218, 252, 283; 1,2, Nr. 37, 75. 76 Preuß. UB 1,1, Nr. 252. 77 Preuß. UB 1,1, Nr.272; Voigt, Namen-Codex, S. 17. 78 Voigt, Namen-Codex, S.31. 79 Preuß. UB 1,1, Nr. 325; 1,2, Nr. 60, 104; Voigt, Namen-Codex, S.41.
.. jen Brüdern für den Fall von Niederlagen oder erfolglosen Feldzügen als Auf- c basis diente. Das alles waren zusätzliche Konvente im Kulmerland. Im eigent- lichen Preußen saß wohl noch ein Komtur mit einem Konvent in der Kreuzburg als dem Verwaltungsmittelpunkt für Natangen. Der Name ein^s solchen Amtsträgers ist allerdings nicht überliefert80. Dazu kamen Besitzungen in Kujawien, also außer- halb des Ordenslandes. Für diese Güter ist 1257 ein Komtur von Orlow (Orlowo) bezeugt81, 1293 ein Komtur von Morin82 und 1301 Johann Sachs als Komtur von Brest (Brzesc)83. Das wichtigste Ereignis der 50er Jahre des 13. Jahrhunderts war für den Orden die Eroberung des Samlands 1254 dank eines Kreuzfahrerheeres unter der Leitung König Ottokars von Böhmen und die Gründung von Königsberg84. Schon vor dem Bau der Burg hatte der Orden 1254 Burchard von Hornhausen zum Komtur des neu eroberten Landes ernannt85. Ihm übergab der Landmeister die Burg Königsberg und unterstellte ihm einen Konvent86. Seitdem führten Hornhausen und seine Nachfolger den Titel eines Komturs von Königsberg. Burchard selbst hat ihn selten getragen, da er in den Urkunden meist als Vizelandmeister von Preußen bezeichnet worden ist87. Die anfängliche Vereinigung des neuen Amts eines Komturs von Kö- nigsberg mit der Vizelandmeisterstellung zeigt, welchen Wert der Orden der Erobe- rung des neuen Landes und der Burg am Pregel, aber sicher auch dem Amtsträger selbst beigemessen hat. Noch Burchards Nachfolger Dietrich Rufus (1256-1262) konnte sich auf besondere Vollmachten des Landmeisters für seinen Komtureibe- reich berufen und dort im Namen des Landmeisters auftreten88. Als Eberhard von Sayn 1251 die Verwaltungsneuordnung wahrscheinlich anläßlich eines preußischen Provinzialkapitels einleitete, war das gesamte Siedlungsgebiet der Prußen noch nicht in der Hand des Ordens. Das für das 13. Jahrhundert relativ dicht besiedelte Samland hatte der Orden nicht erobert. Aber auch nach der Unterwerfung der Samen waren die Kämpfe im Norden und Nordosten Preußens keineswegs been- det. Die Auseinandersetzungen mit den Nadrauern, Schalauern und Sudauern dauer- ten an. Erst 1260 konnte der Orden die Unterwerfung der prußischen Stämme als 80 Wenskus, Ordensland, S. 359. 1274 nannte sich Rudewicus zwar noch Komtur von Kreuzburg, hatte seinen Sitz aber schon in Brandenburg: Preuß. UB 1,2, Nr. 323. 81 Preuß. UB 1,2, Nr. 37. 82 Preuß. UB 1,2, Nr. 610. 83 Preuß. UB 1,2, Nr. 760. 84 Peter von Dusburg, Chronica III,71f.; vgl. Gause, Geschichte I, S. 12ff.; Ders., Gründung; Ders., Der deutsche Orden. 85 Preuß. UB 1,1, Nr. 283. 86 Peter von Dusburg, Chronica 111,72. 88 Preuß* UB hl, Nr.298, 302, 306, 327. Zur Person: Fenske/Militzer, S.347f. Nr.410. Sami. UB, Nr. 72, 74. Armgart, Handfesten, S. 304f., der sich dagegen wehrt, daß aus der Voll- macht des Landmeisters, qui nobis vices suas delegavit, schon auf eine Bestallung zum Vizelandmei- ster zu schließen sei, wie es gelegentlich geschehen ist.
abgeschlossen betrachten89. Damit hatte er seine Herrschaft aber noch kein endgültig gesichert, wie sich bald zeigen sollte. eswegs Nach dem Frieden von Christburg von 1249 konnte nun auch die bereits 1243 von Papst Innozenz IV. befohlene und von Bischof Wilhelm von Modena als päpst lichem Gesandten geplante und vorbereitete Bistumsorganisation durchgeführt werden. Das Kulmerland wurde ein eigenes Bistum, dessen Bischof 600 Morgen Land zugesprochen erhielt. Im eigentlichen Preußenland sollten Bischöfe für Pome- sanien, das Ermland und das Samland eingesetzt werden. Ihnen war ein Drittel des Landes abzutreten. Später haben sie ein Drittel ihres Anteils ihren Domkapiteln überlassen90. Die Kapitel und Bischöfe haben jedoch die Oberhoheit des Ordens kaum gestört. Bis auf das ermländische Domkapitel gelang es dem Orden, sich alle anderen zu inkorporieren. Die Bischofsvögte, die die innere Verwaltung der bi- schöflichen Anteile in ihren Händen hatten, waren meist Ritterbrüder des Deut- schen Ordens91. Im übrigen brauchen uns die Bistümer für unsere Fragen weniger zu interessieren. Zu beachten ist allerdings, daß sich die Domkapitel bis auf das ermländische aus Priesterbrüdern des Deutschen Ordens zusammensetzten. Diese Priesterbrüderkonvente waren für den Deutschen Orden insofern wichtig, als aus ihren Reihen Diplomaten, Rechtsgelehrte und Theologen kamen, die den Orden in vielfältigen Fragen beraten konnten92. Sie waren unter Umständen in der Lage, ein Gegengewicht zu den von Ritterbrüdern beherrschten übrigen Konventen des Or- dens zu bilden. Möglicherweise haben die Päpste die Inkorporation der Domkapitel erlaubt, weil sie dadurch eine Klerikalisierung des Ordens zu erreichen hofften93. Falls der Plan bestanden haben sollte, ist er jedenfalls mißglückt94. Der Einfluß der Priesterbrüder in den Domkapiteln wie in den Ordensburgen auf die Politik des Deutschen Ordens blieb gering. Das konnte in den Jahren der Eroberung des Preu- ßenlands auch gar nicht anders sein. Die Priesterbrüder blieben aber auch später Berater, Schreiber in den Kanzleien95 96, entwarfen Bildprogramme für Altäre , Skulpturenschmuck usw. und schrieben auch Bücher, aber an der Definition der Ordenspolitik besonders in Preußen waren sie allenfalls indirekt beteiligt. 89 Voigt, Geschichte, III, S. 154ff.; Schumacher, Geschichte, S.41 f.; Labudain: Biskup/La- buda, S. 151 f. 90 Preuß. UB 1,1, Nr. 143; Schmauch, Besetzung, S. 649, 676, 701, 722; Poschmann, S. 227ff.» Frölich, Bistum, S.5ff. 91 Wens kus, Ordensland, S. 353f. 92 Vgl. Gorski, Domkapitel, S. 329ff. und neuerdings Radzimihski, S.41ff. 93 So Görski, Domkapitel, S.336. 94 Militzer, Beziehungen, S.263. 95 Dazu nun Armgart, Handfesten, bes. S. 286 ff. Arm gart weist aber darauf hin, daß nicht nur Priesterbrüder als Schreiber in der noch kleinen und erst rudimentär ausgebildeten Kanz ei Landmeister tätig waren. .. .. 96 Uber solch ein eher konventionelles Bildprogramm des Graudenzer Altars: L abu da, Spiritu S.45ff.
Die Neuordnung der Verwaltung wurde infolge des großen Aufstands von 1260 hhaltig gestört. Zahlreiche Burgen gingen an die Aufständischen verloren, vor n^m 1263 der natangische Komturssitz auf der Kreuzburg97. Lediglich Pomesanien und das Kulmerland blieben fast ungestört in den Händen des Onkens. In den übrigen Ländern Preußens konnte der Orden nur wenige Burgen halten, nämlich insbesondere Königsberg, Elbing und Balga. Von ihnen aus organisierte er die Wiedereroberung jes Landes. Allerdings gelang ihm die sich bis 1274 hinziehende Unterwerfung der Aufständischen nicht ohne Mitwirkung von Kreuzfahrern. Weitere neun Jahre sollte es noch dauern, bis der Orden Nadrauen, Schalauen und vor allem Sudauen zu- rückerobert hatte98. Nach der Unterwerfung mußte die Verwaltung wiederum reorganisiert werden. Dieses Mal kamen die Anregungen jedoch nicht von außen, sondern aus dem preu- ßischen Zweig des Deutschen Ordens selbst. Die von Eberhard von Sayn geplanten Strukturen waren im Aufstand untergegangen und wurden nicht mehr berücksich- tigt. Eine Unterscheidung zwischen dem Amt eines Landmeisters und eines ihm unterstellten Landkomturs von Preußen entfiel spätestens nach der Niederschla- gung, aber wahrscheinlich schon während des Aufstands. Nun gab es nur noch den Landmeister, dem im preußischen Teil die Komture und im Kulmerland der Land- komtur unterstanden. Das Amt eines Landkomturs des Kulmerlands blieb also er- halten99. Die Änderungen betrafen besonders den preußischen Teil des Ordenslandes, weil dort der Aufstand neue Bedingungen geschaffen hatte. Der Komturssitz von Natan- gen wurde von der eroberten Kreuzburg 1266/67 noch während des Aufstands nach Brandenburg (Uschakowo) verlegt, das aber auf warmischem Gebiet lag. Die wie- der zurückgegebenen Bischofsdrittel störten die alten, an den prußischen Ländern angelehnten Einheiten und schufen insbesondere bezüglich des Ermlands neue ter- ritoriale Zusammenhänge, die im Lauf der Zeit zusammenwachsen konnten. Das Ergebnis der Neuordnung führte also zu einer Zerstörung der alten prußischen Länder. Vor allem versuchte der Orden nun, die Verwaltung zu intensivieren. Er legte im Kulmerland neue Burgen an und besetzte sie mit Komturen und dazu gehörigen Konventen, und zwar Birglau (Bierzglowo) (127O)100, Engelsburg (Pokrzywno) 97 Wenskus, Ordensland, S. 359. 98 Voigt, Geschichte III, S. 189ff.; Schumacher, Geschichte, S.42 f.; Labudain: Biskup/La- buda, S. 178 ff. 99 Als letzter Landkomtur von Preußen kann eigentlich nur Ludwig von Queden bis 1251 angespro- chen werden; Preuß. UB 1,1, Nr. 252. Dann ist das Amt nicht mehr eindeutig nachweisbar. Man könnte höchstens die Vizelandmeister unter Dietrich von Grüningen als Landkomture von Preußen ansehen, weil sie sich manchmal preceptores von Preußen nannten. Richtig durchgesetzt hat sich das ln Amt im preußischen Ordenszweig jedenfalls nicht. v°igt, Namen-Codex, S. 21.
(1278), Schönsee (Kowalewo) (1278), Welsas (Wieldz^dz) (1278)101, Roggenhausen (Rogözno) (1285)102, Papau (Papowo) (1288)103, Wenzlau (Unislaw) (1289)104 und Gollub (Golub) (13O5)105. Dieses Prinzip verfolgte der Orden auch im eigentlichen Preußen. Während vor dem Aufstand die Kommenden meist an der Weichsel und am Haff gelegen hatten, gründete der Orden nun zur Sicherung der Herrschaft Kommenden im Landesinneren, und zwar Brattian (Bratian) (1278)106, Tapiau (Gwareisk) (128O)107, Labiau (Polessk) (1288)108, Bartenstein (Bartoczyce) (1295)109, Lochstädt (13O5)110 und Gerdauen (Shelesnodoroshnyj) (1315)111. Labiau wurde be- reits 1289 nach Ragnit verlegt112 und stieg bald zur Hauptetappenstation für die „Litauerreisen“ des Adels auf113. Eine Sonderstellung nahm Mewe (Gniew) ein. 1276 hatte der Pommerellenherzog Sambor II. dem Orden das Land Mewe links der Weichsel geschenkt114. Es war da- mals der einzige größere Besitz des Ordens am linken Weichselufer. Jedoch konnte der Orden ihn nicht sofort in Besitz nehmen. Es dauerte noch sechs Jahre, bevor Mestwin II., der letzte der pommerellischen Herzöge aus dem Hause der Sambori- den, 1282 seine Zustimmung zu der Schenkung erteilt hatte115. Nach der nun endgül- tigen Besitzübertragung ließ der Orden in Mewe eine Burg erbauen, die von einem Komtur verwaltet wurde. 1283 ist bereits Theodericus de Spire, Dietrich von Spyr aus einem thüringischen Ministerialengeschlecht, als erster Komtur von Mewe bezeugt116. An der Weichsel wurde die Kommende Zantir aufgegeben und 1280 oder bald darauf abgebrochen117. Der Konvent wurde in die Marienburg (Malbork) an der 101 Preuß. UB 1,2, Nr. 366. 102 Preuß. UB 1,2, Nr. 459. 103 Preuß. UB 1,2, Nr. 524. 104 Preuß. UB 1,2, Nr.607; Voigt, Namen-Codex, S. 107. 105 Voigt, Namen-Codex, S.30. 106 Voigt, Namen-Codex, S.62. 107 1280-1281 Ulricus Bauwarus: Peter von Dusburg, Chronica 111,205 f. 1290 urkundlich genannt: Preuß. UB 1,2, Nr. 557. 108 Preuß. UB 1,2, Nr. 529. 109 Voigt, Namen-Codex, S. 83. 110 Voigt, Namen-Codex, S.91. 111 Voigt, Namen-Codex, S. 85. 112 1289 wurde nach dem Bau der Burg Bertold Brühaven, ein Österreicher, Komtur von Ragnit und gebot über 40 Ritterbrüder und über mehr als 100 Bewaffnete; Peter von Dusburg, Chronica 111,235. Urkundlich ist Konrad Stange 1291 als erster Komtur von Ragnit bezeugt; Preuß. UB 1,2, Nr. 576. Vgl. Wenskus, Ordensland, S. 359f. 113 Vgl. Paravicini, Preußenreisen; Conrad, Litauerzug. 114 Pommerellisches UB, Nr. 278. 115 Pommerellisches UB, Nr. 336f.; Peter von Dusburg, Chronica IV,213. 116 Pommerellisches UB, Nr. 352-354; Preuß. UB 1,2, Nr. 415; Wojtecki, Studien, S. 193f.; dazu: Grzegorz, Struktura, S. 31 ff. 117 Peter von Dusburg, Chronica 111,208.
Nogat überführt. Im Jahr 1280 ist zum letzten Male ein Ritterbruder namens Hein- rich als Komtur von Zantir erwähnt118. Dieser Heinrich ist höchstwahrscheinlich identisch mit Heinrich Wildenau (Wilnowe, Wildenow, Wilenowe), der in den fol- genden Jahren als Komtur der Marienburg belegt ist. Er war auch einer der Zeugen der Marienburger Handfeste vom 27. April angeblich aus dem J^hre 1276119. Jedoch ist die Handfeste nur abschriftlich überliefert und gehört wahrscheinlich in das Jahr 1286120. Der Konvent wird also mit seinem Komtur erst 1279, eher etwas später, von Zantir in die Marienburg übergesiedelt sein Die Kommende Elbing behielt ihre Rolle als Haupthaus des preußischen Or- denszweigs, ohne daß der Aufstand daran etwas geändert hätte. In Elbing fand 1285 ein Generalkapitel statt121. Dort trafen 1299 die preußischen Gebietiger zusammen und verabschiedeten eine Ermahnung an den Hochmeister Gottfried von Hohenlo- he, daß er ihre Belange zukünftig stärker berücksichtige122. Nach Elbing hatte der Thorner Komtur Konrad Sack als Statthalter des Landmeisters eingeladen. Gekom- men waren der Landkomtur von Kulm mit den meisten seiner Komture und die Komture aus dem preußischen Teil, von denen jene fehlten, die bis auf Ragnit ihre Ämter auf den neuen Burgen erst nach dem Aufstand erhalten hatten. Obgleich El- bing Haupthaus des preußischen Ordenszweigs war, hat sich der Landmeister in der Kommende nicht ständig aufgehalten, sondern ist im Land herumgezogen und mit ihm seine Schreiber, Notare und Kapläne. Für die tägliche Verwaltungsaus- übung blieb der Titel eines Haupthauses ohne größere Folgen. Der Marschall, der den Landmeister häufig vertrat und als Vizelandmeister am- tierte, hatte weiterhin kein eigenes Verwaltungsgebiet erhalten. Er ist wie schon vor dem Aufstand häufig in der Umgebung des Landmeisters zu finden und ist daher zu dessen Gefolge zu rechnen123. Der letzte Marschall von Preußen war Konrad von Thierberg d.J. im Jahr 1288124. Danach wurde das Amt nicht mehr vergeben. Erst nach der Übersiedlung des Hochmeisters in die Marienburg hat es wieder einen Marschall gegeben, nun allerdings den ehemals in Palästina und Venedig zum Haüpthaus des Ordens zählenden Obersten Marschall. Nach dem urkundlichen Befund und der sonstigen Überlieferung sieht es so aus, als habe der preußische Landmeister Meinhard von Querfurt das Amt des preußischen Marschalls nach dem Tod Konrads von Tierberg d.J. nicht wieder besetzt und seien seine Nachfol- ger dem Vorbild gefolgt. Der Entschluß, das eigentlich wichtige Amt unbesetzt zu lassen, mag dadurch erleichtert worden sein, daß die prußischen Aufstände der Ver- 118 Preuß. UB 1,2, Nr. 380. 119 Preuß. UB 1,2, Nr. 348. Er war 1298 Komtur der Marienburg: Voigt, Namen-Codex, S. 35. 120 Vgl. dazu Powierski, Chronologia. 121 Preuß. UB 1,2, Nr. 467; Codex Prussicus I, Nr. 173; Codex Warmiensis I, Nr. 71. 122 Preuß. UB 1,2, Nr. 713. 123 Vgl. Preuß. UB 1,2, Nr. 319, 323, 339, 362-64, 366, 369, 381 f., 386, 389f., 415, 483, 499, 524. 124 Preuß. UB 1,2, Nr.524; vgl. Voigt, Namen-Codex, S.5.
gangenheit angehörten und eine Phase der Herrschaftskonsolidierung eingesetzt hatte, für die der Landmeister keinen Marschall benötigte. Die wichtige Aufgabe der Landesverteidigung im Norden und Nordosten des Landes lag in den Händen der Komture von Königsberg, Ragnit und in begrenztem Maß in denen des Korn turs von Labiau. Der Marschall war dort ohnehin selten tätig geworden. Diese Verwaltungsgliederung blieb nicht bestehen125, sondern änderte sich wieder als 1308/09 Pommerellen an den Orden fiel und der Hochmeister 1309 seinen Sitz von Venedig in die Marienburg verlegte. Erst danach entwickelte sich die oft be- staunte klare hierarchische Struktur, von der Ordensspitze ausgehend bis hinunter zum einfachen Befehlshaber vor Ort. Eine Eigentümlichkeit des preußischen Gebiets ist im späten 13. Jahrhundert ge- wesen, daß die dortigen Kommenden in Friedenszeiten in der Regel wenigstens zwölf Brüder mit einem Komtur an der Spitze gehabt zu haben scheinen, wie es die Regel vorgeschrieben hat126. Das war in Preußen nach dem Frieden von Christburg noch nicht und hat es in den deutschen Balleien von Anfang an nie gegeben. In den Balleien lebten oft weniger als zwölf Brüder. Das dürfte auch für die Balleien am Mittelmeer gegolten haben. Daß in preußischen Konventen nach etwa der Mitte des 13. Jahrhunderts in der Regel oder sogar mehr als zwölf Brüder in einem Konvent lebten, wird auch darin begründet gewesen sein, daß das Preußenland noch lange nicht befriedet und endgültig unterworfen war. Selbst nach der Niederschlagung des letzten großen Prußenaufstands von 1260-1273/74 und sogar bis 1283 mußte der Orden weiteren Widerstand fürchten, der schnell in einen allgemeinen Aufruhr hätte umschlagen können. Außerdem hatte der Orden im Norden und Osten einen heidnischen Feind, die Litauer, zu denen nach dem Aufstand prußische Adlige, die sich nicht ergeben wollten, geflohen waren. Diese Prußen warteten auf einen An- laß, um ihre alte Fehde gegen den Orden wieder aufleben lassen zu können127. Der Orden mußte also zumindest an den Grenzen große Garnisonen unterhalten. Von daher mag es sich ergeben haben, daß der preußische Ordenszweig die Forderung der Statuten nach der ideellen Zahl von zwölf Brüdern mit einem Komtur an der Spitze erfüllte oder übertraf, während in anderen Gegenden die Kommenden sehr viel weniger Brüder zählten. In den preußischen Konventen gaben die Ritterbrüder den Ton an, da sie als kämpfende Einheiten gebraucht wurden. Sie besetzten in den Kommenden die Äm- ter, selbst die sogenannten Hausämter. Auch darin unterschied sich der preußische Ordenszweig von den deutschen Balleien, in deren Kommenden Komturs- und Hausämter von Priesterbrüdern verwaltet werden konnten. 125 Zur Verwaltungsgliederung: Labuda in: Biskup/Labuda, S.202ff.; Wenskus, Ordensland, S. 358 ff. 126 Perlbach, Statuten, S.41: Regel 13. 127 Peter von Dusburg, Chronica 111,217, 223, 225, 227, 253, 262.
Am frühesten und häufigsten sind nach dem großen Aufstand Hauskomture oder Stellvertreter ihrer Vorgesetzten nachweisbar, so bereits 1273 in Zantir, der Vorgän- erin der Kommende Marienburg, in der seit 1299 solche Amtsträger zu belegen sind128- Voraus ging Königsberg 1278129, für das in den Jahren c^nach immer wieder j-lauskomture als Urkundenzeugen genannt sind130. Sodann sind Christburg seit 1285 mit mehreren Belegen131, Balga seit 1288132, seit 1290 Elbing mit zahlreichen Nachweisen133, 1290 Brandenburg und Roggenhausen134, 1293 Rehden135, 1294 Nes- sau136, seh 1296 Thorn mit mehreren Belegen137 und 1306 auch noch Graudenz138 zu nennen. Ein Trappier ist seit 1290 in Königsberg mehrfach erwähnt139, ebenso 1296 in der Marienburg140. Ein magister pistorum, der die Backstuben und die Mehlvorräte be- aufsichtigte, war seit 1290 in Königsberg141 und seit 1300 in Elbing im Amt142. Ein Mühlmeister kontrollierte wenigstens 1290 die Mühlen der Königsberger Kommen- de143. In Elbing amtierte zudem seit 1304 ein Waldmeister, der den Holzeinschlag beaufsichtigte, regelte und insgesamt die Waldwirtschaft kontrollierte144. Karwans- herren, die für den Fuhrpark, aber auch für die Pferdeställe zuständig waren, hat es 1290 in Roggenhausen145, seit 1295 in der Marienburg146 und seit 1300 in Elbing ge- geben147. Die Kommende Christburg zeichnete sich dadurch aus, daß 1285-1298 ein Ritterbruder balistarius gewesen ist148. Man wird wohl unterstellen dürfen, daß er die Wurfmaschinen bedienen konnte, vor allem aber für ihre Instandhaltung zu sor- 128 Preuß. UB 1,2, Nr. 317, 715, 821, 850. 129 Preuß. UB 1,2, Nr. 362. 130 Preuß. UB 1,2, Nr. 514, 572, 594f., 706f., 740, 791 f. 131 Preuß. UB 1,2, Nr. 455, 685, 795 f., 830, 874 f. 888. Dabei ist zu berücksichtigen, daß allein in Christ- burg vor dem großen Aufstand ein Hauskomtur zu belegen ist; vgl. oben, S. 348. 132 Preuß. UB 1,2, Nr. 531, 825, 886. 133 Preuß. UB 1,2, Nr.559-61, 738f., 757, 761, 793, 823, 836, 887. 134 Preuß. UB 1,2, Nr. 557, 569, 771. 135 Preuß. UB 1,2, Nr.612f., 860. 136 Preuß. UB 1,2, Nr. 617, 647. 137 Preuß. UB 1,2, Nr. 661, 742, 797, 826. 138 Preuß. UB 1,2, Nr. 860f. 139 Preuß. UB 1,2, Nr. 572, 707, 740. 140 Preuß. UB 1,2, Nr. 654. 141 Preuß. UB 1,2, Nr. 572, 707, 740. 142 Preuß. UB 1,2, Nr. 739, 764, 823. 143 Preuß. UB 1,2, Nr. 572. J44 Preuß. UB 1,2, Nr. 823, 896f. 45 Preuß. UB 1,2, Nr. 569. 6 Preuß. UB 1,2, Nr. 633, 715, 821. 47 Preuß. UB 1,2, Nr. 738, 764. 148 Preuß. UB 1,2, Nr. 475, 723.
gen hatte. Einen solchen magister balistariorum hatte 1288 auch die Kommende Balga149. Ein wichtiges Amt war das des socius oder Kumpans. Mit ihm wurden junge R{t terbrüder betraut, von denen ihre Vorgesetzten meinten, daß sie einmal höhere Am ter übernehmen und Verantwortung tragen könnten. Die Kumpane sollten in der Begleitung der Amtsträger für ihre späteren Tätigkeiten ausgebildet werden. Sie durchliefen eine „Verwaltungslehre“ im Orden selbst. Solche Kumpane hatten seit 1285 der Landkomtur von Kulm150 und seit 1289 der Landmeister151. Die jungen Ritterbrüder mögen in den Zeugenlisten der Urkunden nicht immer genannt und wenn sie aufgeführt wurden, nur unregelmäßig mit ihren Titeln verzeichnet worden sein, so daß ihre Zahl größer war, als sie heute noch nachzuweisen ist. Auffallend ist nun, daß nicht nur der Landmeister und der Landkomtur von Kulm solche Kumpa- ne hatten, sondern auch der Komtur von Balga 1288152, der Komtur der Marienburg 1290153, der Komtur von Elbing mehrfach seit 1290154, der Komtur von Christburg 1298155 und der von Roggenhausen 1301156. Selbst der Vogt des Samlandes hatte 1298 einen Kumpan157. Nicht nur an der Spitze, sondern auch in den einzelnen Kommen- den wurden also junge Ritterbrüder für höhere Aufgaben ausgebildet. Der preußi- sche Ordenszweig begann, in zunehmendem Maße sein Personal im Lande selbst heranzuziehen und machte sich damit allmählich von den anderen Zweigen unab- hängig. Die Häufigkeit, mit der Hausämter für einzelne Kommenden genannt werden, kann etwas über die Bedeutung der Ordenshäuser aussagen. Es lohnt sich daher, sich anhand einer Tabelle die Zahlen zu vergegenwärtigen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß sich nicht alle Dokumente erhalten haben, sondern viele ver- nichtet worden sind. Dennoch wird man unterstellen können, daß die erhaltenen Urkunden ein einigermaßen zutreffendes Bild vermitteln. 149 Preuß. UB 1,2, Nr. 531. 150 Preuß. UB 1,2, Nr. 459, 473, 581 und öfter. 151 Preuß. UB 1,2, Nr. 541 f., 760 und öfter. 152 Preuß. UB 1,2, Nr. 530. 153 Preuß. UB 1,2, Nr. 567. 154 Preuß. UB 1,2, Nr. 559, 738f., 750, 761, 764, 859, 887, 896f. 155 Preuß. UB 1,2, Nr.689f. 156 Preuß. UB 1,2, Nr. 759. 157 Preuß. UB 1,2, Nr. 687, 740, 778, 791.
Verteilung der Hausämter in den Kommenden von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1309 Kommende Haus- kom- tur Trap- pier Kar- wans- mei- ster Wald- mei- ster Back- mei- ster Müh- len- mei- ster bali-^ starius socius Insge- samt — Elbing 10 2 - 2 3 - - 10 27 Königsberg 9 — 3 — 3 1 — — 16 Christburg 6 — — — — — 2 5 13 Marienburg 8 3 1 — — — — 1 13 Balga 3 — — — — — 1 1 5 Roggenhausen 2 — 1 — — — — 1 4 Thorn 4 — — — — — — — 4 Rehden 3 - - - - - — - 3 Nessau 2 — — — — — — — 2 Brandenburg 1 - - - - - - - 1 Graudenz 1 — — — — — — — 1 Zantir 1 — — — — — — — 1 In der obigen Tabelle sind die Kumpane mit zu den Hausämtern gezählt worden, obwohl sie eigentlich nicht dazu gehörten. Sie waren eher Mitglieder des Gefolges der Komture als Amtsträger des Ordenshauses. Dennoch erscheint das Verfahren berechtigt, weil die Zahl der Kumpane etwas über die Bedeutung der Komture und damit auch der Häuser selbst aussagt. Rechnet man also die Kumpane unter die Hausämter, zeigt sich die herausragende Stellung der beiden Kommenden Elbing und Königsberg. Ihnen kamen mit Abstrichen nur noch die Kommenden Christ- burg und Marienburg gleich. Auf alle anderen fallen nur wenige Nachweise. Für viele Komtureien, gerade für jene erst nach dem letzten Aufstand eingerichteten Häuser, sind Hausämter gar nicht zu belegen. Es wird sie dennoch in irgendeiner Form, wenn auch nicht alle, gegeben haben. Aber deren Amtsinhaber spielten im preußischen Ordenszweig offenbar nur eine so untergeordnete Rolle, daß sie als Zeugen gar nicht erst herangezogen worden sind oder, wenn sie eine Urkunde be- zeugten, ihre Ämter nicht erwähnenswert waren. Die Nennung von Amtsträgern in en Zeugenreihen der Urkunden liefern also Anhaltspunkte für die Bedeutung der °mmenden im preußischen Ordenszweig. Nach diesen Kriterien ragten Elbing Und Königsberg, sodann Christburg und die Marienburg heraus. Die übrigen Kom- menden fielen den vier gegenüber deutlich ab. as anhand der Hausämter gewonnene Bild bestätigt sich, wenn man auszählt, e che Komture wie oft in den Urkunden bis 1309 genannt worden sind. Danach
steht der Christburger Komtur mit 57, gefolgt vom Königsberger mit 51 und dem Eibinger mit 45 Belegen an der Spitze. Abgesetzt von ihnen gibt es eine Mittelgru pe mit über 20 Belegen: Marienburg, Roggenhausen und Brandenburg. Erwähnens wert sind noch Balga mit 19 und Thorn mit 18 Belegen158. Aber auch von diesen Zahlen ist einschränkend zu sagen, daß mit hohen Urkundenverlusten zu rechnen ist, so daß die mitgeteilten Belege zunächst nur Anhaltspunkte liefern können, die durch weitere Nachforschungen zu verifizieren sind. Trotz aller Einschränkungen wird hinter den Zahlen noch die alte Einteilung des eigentlichen Preußens durch den Orden, der jedem Land zunächst eine Kommende zugeteilt hatte, sichtbar. So war Christburg immer noch für Pomesanien, Elbing für Pogesanien gleichzeitig Haupthaus, Zantir bzw. Marienburg für das Werder, Balga für Warmien, Kreuzburg bzw. nach dem Aufstand von 1260 Brandenburg für Na- tangen und Königsberg für das Samland zuständig. Am ausgeprägtesten war die einem Provinzial analoge Stellung des Komturs von Königsberg. Er war nicht nur für seine Kommende verantwortlich, sondern wurde nahezu regelmäßig hinzugezogen, wenn es um Angelegenheiten der von Königs- berg aus gegründeten Deutschordenshäuser in Tapiau und Labiau/Ragnit ging159. Die überragende Stellung des Königsberger Komturs im Samland wird ferner durch die Tatsache unterstrichen, daß die Kommende Tapiau bereits wenige Jahre nach ihrer Stiftung wieder aufgehoben wurde. Ab dem Jahre 1297 verwaltete ein Königs- berger Ritterbruder namens Werner die Niederlassung, ohne den Titel eines Kom- turs, sogar ohne einen Amtstitel überhaupt zu führen160. Seit 1304 wurde der für Tapiau zuständige Ritterbruder provisor bzw. pfleger genannt161. Wenn es in Tapiau jemals einen vollständigen Konvent mit mindesten zwölf Brüdern und einem Kom- tur an der Spitze gegeben haben sollte, hat er nur wenige Jahre bestanden. Bereits am Ende des 13. Jahrhunderts wurde von dort Personal zugunsten anderer Kom- menden abgezogen und die Verwaltung einem „Pfleger“ übergeben. Im Haus eines Pflegeamts brauchte der preußische Ordenszweig keinen vollständigen Konvent zu unterhalten. Der Pfleger in Tapiau kam aus dem Königsberger Konvent und blieb dem dortigen Komtur unterstellt. Eine dem Königsberger Komtur vergleichbare Stellung haben die übrigen Kom- ture der Hauptkommenden Christburg, Balga, Brandenburg, Elbing und Marien- burg nicht erreichen können. Abhängige Kommenden oder Pflegeämter wie im Samland konnten sie in der sogenannten Landmeisterzeit bis 1309 nicht aufbauen. Jedoch wurden sie in den Zeugenlisten in der Regel vor anderen Amtsträgern auf- 158 Errechnet nach Preuß. UB 1,2. Selbst wenn man Nachweise in den übrigen einschlägigen Publika tionen hinzunehmen würde, käme es zu keiner nennenswerten Modifikation. 159 Preuß. UB 1,2, Nr. 557 (1290), 576 (1291), 768 (1301), 777f. (1302), 791 (1303), 814 (1304), 850 (1305), 879-81 (1307). 160 Preuß. UB 1,2, Nr. 677, 768. 161 Preuß. UB 1,2, Nr. 814, 850, 880f.
führt. Als der Stellvertreter des Landmeisters Konrad Sack, der gleichzeitig Körn- te von Thorn war, 1299 in Elbing ein Regionalkapitel für Preußen einberufen hatte und er den Hochmeister im Namen seiner Mitbrüder mahnend an die preußischen Belange erinnerte, bezeugten dies der Landkomtur von Kuln% die Komture von Königsberg, Elbing, Balga, Brandenburg, Christburg und Marienburg. Erst dann folgten weitere Komture, und zwar nach dem von Ragnit eine Anzahl der Amtsträ- er aus der kulmerländischen Provinz162. Dieselbe Reihenfolge ist in anderen Do- kumenten nicht immer eingehalten. Jedoch folgten nahezu übereinstimmend auf den Landkomtur von Kulm die Komture der eigentlichen preußischen Hauptkom- menden und erst nach ihnen andere Amtsträger. Die Komture von Königsberg, Brandenburg, Balga, Christburg, Elbing und Marienburg sind zwar nie als Land- komture bezeichnet worden, hatten aber die Stellung und die Aufgaben solcher provinzialoberen und rangierten daher in der Reihenfolge vor allen übrigen Komtu- ren. Das galt in besonderem Maße von dem Amtsträger im samländischen Königs- berg. Er hatte nach der Niederschlagung des großen Prußenaufstands die Hauptlast der Verteidigung gegen die äußeren Feinde, insbesondere die heidnischen Litauer, zu tragen und daher eine besondere Verantwortung. Zur Bewältigung seiner Aufga- be hatte der Orden ihn mit Vollmachten ausgestattet, die er keinem anderen Kom- tur gewährt hatte. Daß der Thorner Komtur in den Zeugenreihen nicht so häufig auftaucht, liegt auch daran, daß er dem Landkomtur des Kulmerlands untergeben war. 1299 stand er nur deshalb an der Spitze und leitete das Eibinger Provinzialkapitel, weil er der Statthalter des Landmeisters war. Ansonsten ist er fast stets erst nach den Komturen der preußischen Hauptkommenden aufgeführt. Auch im Kulmerland löste der Orden schon vor 1309 Konvente auf, weil sich die in den Statuten vorgeschriebene Zahl von zwölf Brüdern nicht halten ließ. In einem der Jahre zwischen 1303 und 1306 teilte der Komtur von Schönsee Otto seinem Landmeister Konrad Sack mit, daß er in seinem Haus den Ritterbruder Ulrich von Zulichov wegen erwiesener Unterschlagungen abgesetzt habe. Ein anderer Ritter- bruder sei gestorben und ein dritter altersschwach. Er benötige unbedingt ein oder zwei Brüder zu seiner Unterstützung163. Die Bitte des Komturs spricht nicht dafür, daß er einem vollständigen Konvent vorgestanden habe, selbst wenn man berück- sichtigt, daß er die Priesterbrüder nicht erwähnt habe. Aber Schönsee wurde noch nicht aufgelöst. Das Schicksal traf jedoch Roggenhausen, eine Kommende, die erst nach dem großen Aufstand geschaffen worden war. Der Niederlassung stand seit 06 nur noch ein provisor vor164. Die Kommende war also zu einem Pflegeamt her- Preuß. UB 1,2, Nr. 713. 164 Jreuß-UBI’2,Nr.871. reuß. UB 1,2, Nr. 861 f. Die Kommende wurde also schon vor dem Erwerb Pommerellens ihres °nvents beraubt. Anders: Wenskus, Ordensland, S. 363.
abgestuft worden. Daß gerade im Kulmerland mehr Kommenden in Pflegeämter und Vogteien umgewandelt wurden, mag auch mit der gegenüber dem eigentlichen Preußenland größeren Dichte der Ordensniederlassungen Zusammenhängen. Jeden falls setzte sich diese bereits vor 1309 beginnende Entwicklung verstärkt fort und führte zu weiteren Einbußen an Kommenden im Kulmerland, aber auch im eigent liehen Preußen. Im 13. Jahrhundert ist also mit Konventen zu rechnen, die wie die Ordenshäuser in den Balleien im Deutschen Reich und am Mittelmeer nicht mehr die volle Brü- derzahl, wie sie die Statuten forderten, aufwiesen. Sie blieben dennoch wie im Reich Kommenden unter der Leitung eines Komturs. Damals setzte jedoch im Or- densland Preußen eine Entwicklung ein, die dazu führte, daß alle Ordenshäuser oh- ne die volle Brüderzahl ihren Status als Kommenden einbüßten und zu Vogteien oder Pflegeämtern herabgestuft wurden. Diese Entwicklung, die im 14. Jahrundert zum Abschluß gekommen war, hatte im vorhergehenden Jahrhundert erst einge- setzt. Was im 14. Jahrhundert die Regel war, wurde im 13. Jahrhundert noch nicht konsequent durchgeführt. Es sind lediglich erste tastende Versuche zu verzeichnen. In der Tradition als Spitalorden begann der Deutsche Orden schon bald im Preu- ßenland Spitäler zu bauen. In Thorn muß ein Spital schon vor 1242 vor den Toren der Stadt errichtet worden sein. Spätestens 1242 beanspruchte der Orden ein Auf- sichtsrecht165. Vielleicht hat auch der Orden und nicht die Stadt das Spital bauen lassen, zumindest die Mittel dazu bereitgestellt. 1257 amtierte ein Ordensbruder als provisor hospitalis in Thorn166. Von der Stadt Elbing verlangte der Orden 1242 einen Platz zum Bau eines Spitals, das dann allerdings an anderer Stelle mit Hilfe der Bürger gebaut wurde167. Die Oberaufsicht beanspruchte der Orden für sich. Die eigentliche Leitung des Spitals lag allerdings in den Händen einer Bruderschaft. 1266 sind solche procuratores be- zeugt, die keine Brüder des Deutschen Ordens, sondern Mitglieder der Spitalbru- derschaft gewesen sind168. Die Oberaufsicht wird zunächst der Eibinger Komtur ausgeübt haben, da sonst kein Spitalmeister oder Spittler erwähnt ist. Weitere Spitäler hat der Orden in Königsberg und Kulm gegründet169. Über den genauen Zeitpunkt ist nichts bekannt. 1304 ist das Königsberger Spital erwähnt, 1311 das Kulmer, das aber wesentlich älter gewesen sein muß. Über die Verwaltung beider Spitäler weiß man aus der Landmeisterzeit bis 1309 nichts. In den Jahren der Herrschaftskonsolidierung in Preußen hat der Orden dem Spi- talwesen jedenfalls kein besonderes Augenmerk geschenkt. Während das Thorner 165 Preuß. UB 1,2, Nr. 138; Probst, Medizinalwesen, S.41. 166 Preuß. UB 1,2, Nr. 37. 167 Codex Warmiensis I, Nr. 3; Probst, Medizinalwesen, S. 40ff.; Czaja, Socjotopografia, S. 13 Jähnig, Sakraltopographie, S. 40 f. 168 Codex Warmiensis I, Nr.49; Probst, Medizinalwesen, S.44. 169 Probst, Medizinalwesen, S.45.
. 1 von Ordensangehörigen beaufsichtigt wurde, ist das Spital am preußischen pT nthaus in Elbing von einer bürgerlichen Bruderschaft geführt worden. Wäh- n d in den Balleien im Deutschen Reich dem Orden zumindest in der ersten Hälf- r des 13- Jahrhunderts noch zahlreiche Spitäler übergeben vjurden, offenbar weil die Zeitgenossen ihm eine große Kompetenz in der Führung von Hospitälern zubil- r ten hat er in Preußen die Tradition des Spitalordens nur in geringem Maß ge- flegt5. Im Preußenland stand die Herrschaftsssicherung ganz im Vordergrund. F Die Priesterbrüder waren in Preußen, wie in der von Kämpfen geprägten An- fangszeit nicht anders zu erwarten war, in der Minderzahl und vielfach auf Gottes- dienste innerhalb der Burgen und der geistlichen Versorgung der Ritterbrüder be- schränkt. Inwieweit sie schon damals Pfarrkirchen übernommen hatten und an der Mission beteiligt waren, ist ungewiß. Im allgemeinen geht die Forschung davon aus, daß der Deutsche Orden die Missionierung der einheimischen Bevölkerung zu- nächst den Dominikanern und dann vor allem den Franziskanern überlassen habe, während er den Einfluß der Zisterzienser systematisch auszuschalten suchte170. Die am Ende des 13. Jahrhunderts bestehenden Priesterkonvente an den Domkirchen im Kulmerland, in Pomesanien und dem Samland mögen eine Rolle gespielt haben, waren aber Ausnahmen. Von ihren Aktivitäten ist aus der Anfangszeit auch wenig bekannt geworden. Der Aufbau der Verwaltungsstruktur im Ordensland Preußen verlief nicht gerad- linig, sondern war von Brüchen und Verwerfungen gekennzeichnet. Der Aufbau unter Hermann Balk und seinen Nachfolgern wurde durch den ersten preußischen Aufstand 1243-1249 unterbrochen. Hermann Balk scheint zwei Landkomture ein- gesetzt zu haben, einen für das Kulmerland und einen für das eigentliche Preußen. Ihm unterstand außerdem der Landkomtur von Böhmen-Mähren, dessen Ballei sei- ne materielle Basis für die Eroberung sein sollte. Eberhard von Sayn hat nach dem Aufstand bei der Reorganisation der Verwaltung an alte Vorbilder angeknüpft und auch zwei Landkomture für das Ordensland vorgesehen. Jedoch konnte das Amt eines Landkomturs von Preußen nicht durchgesetzt werden. Es hatte keine eigent- lichen Funktionen mehr und mußte daher aufgegeben werden. Dessen Aufgaben hatten die Komture der Stammesgebiete übernommen. Nach der Niederschlagung des zweiten Aufstands 1274 und den folgenden Jahren suchte der Orden durch Gründungen neuer Kommenden die Verwaltung und die herrschaftliche Durchdrin- gung seines Landes zu intensivieren. Die neuen Kommenden konnten nie das An- sehen der alten erringen. Eine besondere Aufgabe hatte der Komtur von Königs- erg, dem die Verteidigung des Landes gegen die heidnischen Litauer zugefallen ^ar. Er übte Funktionen eines Landkomturs aus. Innerhalb der Konvente wurden y gaben an Brüder vergeben. Dabei war die Verwaltung der größeren Kommenden starker als die der kleineren vor allem im Kulmerland differenziert. Am Ende des 70 Biskup, Verhältnis, S. 64ff., mit älterer Literatur.
13. Jahrhunderts gab es schon Ordenshäuser, deren Brüderzahl unter 13 gefallen war Einige von ihnen verloren ihren Status als Kommenden und wurden nur noch von Vögten oder Pflegern geleitet. Eine Sonderstellung nahmen die Kumpane ein, die seit dem Ende des zweiten Preußenaufstands vermehrt nachzuweisen sind. Sie waren meist jüngere Ordensbrüder, die für Führungspositionen geschult werden sollten 9.3 Livland Am 22. September 1236 errangen die Litauer bei Schaulen (Siauliai) einen glän- zenden Sieg über die Schwertbrüder und die sie begleitenden Kreuzfahrer. Die Nie- derlage war so schwer, daß der Schwertbrüderorden um seine Existenz bangen mußte. Sie erschütterte zudem die gesamte livländische Staatenwelt und ließ Be- fürchtungen um das Überleben des Christentums in diesen Ländern aufkommen. Jedoch hat nicht erst die verlorene Schlacht die Schwertbrüder wachgerüttelt. Einige Gebietiger haben vielmehr schon vorher über die Zukunft ihres Ordens nachge- dacht und eine Anlehnung an einen mächtigeren Orden für wünschenswert angese- hen. Volkwin von Naumburg, der Meister der Schwertbrüder, hatte daher versucht, ein Übereinkommen mit dem Deutschen Orden zu treffen. Welche Vorstellungen er damit verbunden hat, insbesondere ob er schon an eine Inkorporation gedacht hat, ist ungewiß171. Die Überlieferung des Deutschen Ordens hat die Vorgänge vor der Niederlage so dargestellt, als ob der Schwertbrüdermeister bereits seit 1231 eine In- korporation in den Deutschen Orden gewünscht und angestrebt habe. Ob eine sol- che Sichtweise den Vorstellungen des Schwertbrüdermeisters gerecht wird, ist zwei- felhaft. Die Vorteile einer Inkorporation für den Schwertbrüderorden werden von der Forschung in den dann gesicherten Nachschubwegen, der reichen Privilegierung des Deutschen Ordens, die dem Schwertbrüderorden zu einem Übergewicht in sei- nen Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof von Riga und dessen Suffraganen hätte verhelfen können, und in der besseren Absicherung des nordestnischen Besit- zes gegen dänische Ansprüche gesehen172. Sollten die genannten Gesichtspunkte den Vorstellungen des Schwertbrüdermeisters entsprochen haben, bleibt zu fragen, was er als Gegenleistung dem Deutschen Orden anzubieten gedachte. Das wissen wir nicht genau. Die Deutschordensüberlieferung zeichnet die Vorstellungen des Meisters jedenfalls zu einseitig auf eine vollständige Inkorporation hin und proji- ziert das schließlich durch die Niederlage erzwungene Ergebnis auf die vorangegan- genen Verhandlungen seit 1231. 171 Bericht Hartmanns von Heldrungen in: SRP V, S. 169; Liv. RC, Verse 1847-1858; Liv. UB I, Nr. 149. 172 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 308; Urban, Baltic Crusade, S. 156ff.; Christiansen, S.98.
jn den Verhandlungen vor der Niederlage zögerte der Hochmeister Hermann Salza, auf das Verlangen der Schwertbrüder einzugehen. Denn damals war der rwtsche Orden mit der Eroberung Preußens beschäftigt. Eine Ausdehnung seiner Aktivitäten auf Livland hätte er kaum verkraften können. 123^ versuchte Volkwin erneut, engere Beziehungen zum Deutschen Orden zu knüpfen. Damals ließ sich Hermann von Salza für den Plan gewinnen, eine Verbindung beider Orden zu prü- fen Er schickte daher im Frühjahr 1235 Ehrenfried von Neuenburg, Komtur von Altenburg, und Arnold von Neuendorf, Komtur von Nägelstedt, beide aus der Bal- lei Thüringen-Sachsen173, als Gesandte nach Livland, um die Lebensgewohnheiten der Schwertbrüder und die Voraussetzungen für einen eventuellen Zusammenschluß zu prüfen. Beide kehrten erst im Frühjahr 1236 zurück und rieten von einer Inkor- poration ab, da die Schwertbrüder eine gewisse Autonomie für sich forderten und gegen ihren Willen nicht in andere Regionen versetzt werden wollten174. Der Schwertbrüdermeister hatte also gar nicht an ein bedingungsloses Aufgehen im Deutschen Orden gedacht, sondern wollte ein Eigenleben seines Ordens unter dem Schild des mächtigeren Deutschen Ordens erhalten. Da der Hochmeister an dem Kapitel in Marburg, auf dem die Gesandten im Mai 1236 ihre Eindrücke vortrugen, nicht teilnahm, dessen Stellvertreter Ludwig von Oettingen die Entscheidung allein nicht verantworten mochte, zumal es innerhalb des Ordens starke Vorbehalte gegen die Inkorporation zu den vorgestellten Bedin- gungen gab, beschlossen die Brüder, die Angelegenheit dem Hochmeister zur Ent- scheidung zu überlassen175. Im Dezember 1236 traf Ludwig von Oettingen mit sei- ner Gesandtschaft den Hochmeister in Wien176. Hermann von Salza befürwortete die Inkorporation unter der Voraussetzung, daß er die Zustimmung des Papstes er- halte. Am 1. April 1237 brach Hermann von Salza von Wien auf. In seiner Begleitung befand sich Johann von Magdeburg als Gesandter des Schwertbrüdermeisters. Ge- meinsam zogen sie über die Alpen und trafen den Papst in Viterbo. Die Verhand- lungen mit ihm gestalteten sich schwierig, weil der Papst darauf bestand, daß Har- nen und Wierland mit Reval dem König von Dänemark ausgeliefert werde. Als schließlich Gerlach der Rote in Viterbo eintraf, brachte er die Nachricht von der Niederlage der Schwertbrüder bei Schaulen mit177. Infolgedessen brach die Verhand- lungsposition der Schwertbrüder in sich zusammen. Ihnen blieb nichts anderes als 173 Zu ihnen: Benninghoven, Schwertbrüder, S. 461 Nr. 158 f.; Wojtecki, Studien, S. 130ff.; Fenske/Militzer, S.462f. Nr.607, S.466f. Nr.612. 4 $^F V, S. 170; Benninghoven, Schwertbrüder, S. 310f. Vgl. Hellmann, Deutsche Orden im Politischen Gefüge, S. 490f., der den Schwertbrüdern eine Überschätzung ihres Gewichtes vorhält. Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 11; Benninghoven, Schwertbrüder, S. 311f.; Held- mann, Hessen, S.26f. 177 ^iUt2er’ Entstehung, S.45, 63; vgl. Cohn, S. 244f.; Koch, S. 112f. F V, S. 171; Peter von Dusburg, Chronica 111,28.
die bedingungslose Inkorporation übrig. Der Papst ließ sich dafür gewinnen, nach dem der Hochmeister Hermann von Salza insgeheim, offenbar ohne sich mit de beiden anwesenden Schwertbrüdern abzustimmen, die Abtretung Nordestlands an Dänemark zugesichert hatte. Noch in Viterbo erhielten die beiden Gesandten Johann von Magdeburg und Ger lach der Rote als erste Schwertbrüder am 12. Mai 1237 vom Papst die Deutschor densmäntel verliehen178. Danach schickte der Hochmeister beide Brüder zusammen mit Hartmann von Heldrungen in das Reich zurück und beauftragte den Unter- händler Ludwig von Oettingen, 60 Ritterbrüder zur Unterstützung der restlichen Schwertbrüder in Livland auszusuchen. Im Juni 1237 gab der Hochmeister auf einem Generalkapitel in Marburg die Vereinigung beider Orden bekannt179. Zu- nächst hatte er erwogen, Dietrich von Grüningen zum Oberbefehlshaber des Hilfs- kontingents zu ernennen und mit den 60 Ritterbrüdern nach Livland zu senden besann sich aber eines anderen, da er Dietrich von Grüningen für zu jung und we- gen der kurzen Zeit seiner Ordenszugehörigkeit auch für zu unerfahren hielt. Er betraute vielmehr den bewährten Landmeister von Preußen Hermann Balk zusätz- lich mit dem heiklen Kommando und ernannte ihn zum Landmeister von Livland180. Die Aufgabe Hermann Balks bestand anfangs darin, die kritische Lage des inkor- porierten Schwertbrüderordens wieder zu festigen. Mit den 60 Ritterbrüdern konn- te er in etwa die Verluste der Schwertbrüder infolge der Schlacht bei Schaulen aus- gleichen181. Mit allem Gefolge mag die Truppe, die sich von Marburg aus in Marsch gesetzt hatte, rund 650 Mann stark gewesen sein182. Jedoch fand der neue Landmei- ster trotz seines großen Kontingents noch eine annähernd gleich große Zahl an Schwertbrüdern samt Dienerschaft vor. Das wird ihm zwar die Konsolidierung der Herrschaft in Livland erleichtert, aber die Integration der Schwertbrüder in den Deutschen Orden erschwert haben, da sich letztere die Vereinigung mit dem Deut- schen Orden wohl anders vorgestellt hatten183. Neben der Konsolidierung und der Integration war Hermann Balks schwierige Hauptaufgabe, die Bedingungen des Papstes durchzusetzen. Denn er mußte gegen den Widerstand der verbliebenen Schwertbrüder Nordestland an die Dänen auslie- fern. Im Grunde war das Festhalten der Reste der Schwertbrüder an Nordestland sinnlos geworden, da sie in ihrer geschwächten Lage dem politischen Druck des Papstes und des dänischen Königs gar nicht hätten widerstehen können. Der Deut- 178 SRP V, S. 171. 179 SRPV, S. 171; Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 11; Heldm ann, Hessen, S. 26f.; Ben ninghoven, Schwertbrüder, S.358ff. 180 Bericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 171. Dazu die Kontroverse: Hellmann, Deut sehe Orden im politischen Gefüge, S.490f.; Benninghoven, Rolle, S. 176ff. 181 Benninghoven, Schwertbrüder, S.347, rechnet mit 50 gefallenen Ritterbrüdern; vgl. ebd., S. 182 So die Schätzungen von Benninghoven, Schwertbrüder, S.359, 407. 183 Benninghoven, Schwertbrüder, S.359, 407.
sehe Orden hätte ihnen auch nicht zu helfen vermocht, weil er sich weder den Kö- nig noch den Papst wegen der ohnehin gefährdeten nördlichen Teile Estlands zum Gegner machen wollte. Der Balanceakt des Hochmeisters zwischen Kaiser und Papst war an sich schon schwer genug durchzuhalten und wär| gescheitert, wenn Jer Deutsche Orden in der Frage Nordestlands auch nur den Anschein einer Wi- dersetzlichkeit gegen das päpstliche Gebot gezeigt hätte. Im Jahr 1238 waren die Verhandlungen zur Entscheidungsreife gediehen. König Waldemar von Dänemark und der Landmeister Hermann Balk schlossen nach der Vermittlung durch den Le- gaten Kardinal Wilhelm von Modena in Stensby im dänischen Seeland am 7. Juni des Jahres einen Vertrag, laut dem der Orden dem dänischen König Harrien, Wierland und die wichtige Stadt Reval (Talinn) übergab. Die übrigen südlich gelegenen estni- schen Landschaften konnte der Orden dagegen behaupten, so daß der Landmeister nicht mit leeren Händen zurückkehren mußte und sein Gesicht wahren konnte184. Im Orden war die Reaktion auf den Vertrag von Stensby zwiespältig. Die mit Hermann Balk 1237 in das Land gekommenen Deutschordensbrüder haben den Gebietsverlust wahrscheinlich hingenommen. Anders verhielten sich die ehemaligen Schwertbrüder. Sie erzwangen sogar den Rücktritt Hermann Balks als Landmeister von Livland. An seine Stelle trat der 1237 unterlegene Kandidat Dietrich von Grü- ningen185. Hermann Balk ist im Februar 1239 noch in Würzburg nachweisbar und muß am 5. März desselben Jahres gestorben sein186. Infolge der Durchsetzung des Vertrags von Stensby hat es in Livland also interne Wirren gegeben. Fraktionen innerhalb des Ordens stritten um die politischen Ziele und vor allem um die Frage der Einhaltung oder Nichtachtung des Vertrags von Stensby mit seinen Folgen. Der rechtmäßig eingesetzte Landmeister hatte das Land verlassen müssen. Es ist die Frage, wie der rücktrittswillige Hermann Balk seine Nachfolge geregelt hat. Trotz aller Unregelmäßigkeiten in den beiden Amtsjahren Balks als Landmeister von Livland wird man ihm doch nicht unterstellen wollen, daß aus eigenem Antrieb einen neuen Meister eingesetzt habe. Denn das war al- lein dem Hochmeister und dem Generalkapitel vorbehalten. Hermann Balk hat Dietrich von Grüningen daher nur als seinen Statthalter ernennen können187. Davon spricht auch der sogenannte Bericht Hartmanns von Heldrungen, die Hauptquelle über diese Ereignisse. Deshalb ist es fraglich, ob der Titel praeceptor fratrum domus Theutonicorum in Livonia, der Dietrich von Grüningen in einer Urkunde vom 184 Liv. UB I, Nr. 160. Dazu: Benninghoven, Schwertbrüder, S. 364ff.; Donner, S. 214ff.; Ur- ban, Crusade, S. 160 f. 185 Bericht Hartmanns von Heldrungen in: SRP V, S. 171 f.; Hermann von Wartberge, in: SRP II, S.34f. 186 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 462 Nr. 161; Fenske/Militzer, S. 97f. Nr. 46. Dazu: Hellmann, Deutsche Orden im politischen Gefüge, S.491 $7 So schon Dragendorff, S. 85; vgl. Arbusow, Geschlechter, S. 63. Der Bericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 172, spricht auch nur von einer Statthalterschaft (aldo an seiner stadt).
19. April 1239 zuerkannt wurde, seine wirkliche Stellung korrekt wiedergibt188 Wahrscheinlicher ist, daß er damals noch Statthalter war, wenngleich er faktisch schon die Funktionen eines Meisters ausübte. Grüningen ist nach dem 19. April 1239 nach Deutschland gereist. Dort wird er im selben Jahr oder möglicherweise auch erst 1240 auf einem vermuteten Generalkapitel in Mergentheim zum Landmei ster von Livland ernannt worden sein189. Er mag das Amt bis 1241 ausgeübt haben obwohl er 1240-1241 mit dieser Amtsbezeichnung nicht nachzuweisen ist190. Weder Hermann Balk noch sein unmittelbarer Nachfolger Dietrich von Grünin- gen werden die Zeit gefunden haben, die Verwaltungsstruktur in Livland grundsätz- lich zu ändern. Das konnten sie auch schon deshalb nicht, weil der Orden Livland nicht erobert hatte, sondern nur das Erbe des inkorporierten Schwertbrüderordens angetreten hatte. Der Deutsche Orden hatte mithin auch die Schwächen in der Stel- lung des Vorgängers übernommen. Anders als der Deutsche Orden nach Preußen ist der Schwertbrüderorden nicht als in sich gefestigte Korporation nach Livland gerufen worden, sondern vielmehr 1202 von Theoderich von Treiden, dem Abt von Dünamünde (Daugavgnva), vielleicht nicht einmal im Einvernehmen mit dem Bi- schof von Livland Albert von Bekeshovede gegründet worden, um die Eroberungen und Missionserfolge unter den Liven abzusichern191. Der neue Orden war von An- fang an als Instrument zur Herrschaftssicherung des Bischofs und der Kirche ge- dacht. Weder der Abt von Dünamünde noch der Bischof von Riga wollten ihm eigene Territorien zugestehen. Der Orden mußte sich einen „unabhängigen Ordens- staat“ erst selbst schaffen und gegen Konkurrenten behaupten192. In der Tat haben die Schwertbrüder mit der allen Ritterorden innewohnenden Eigendynamik gegen jeden Widerstand ein eigenes Territorium aufgebaut und sind nicht bloße Helfer der Bischöfe von Riga (Riga) geblieben. Der Schwertbrüderorden hat sein Herrschaftsgebiet im Laufe der Zeit erheblich erweitern können und ist schließlich sogar zur Vormacht in Livland aufgestiegen. Einen Mitstreiter um die Macht im Norden Livlands, nämlich den dänischen Kö- nig, hatte der Orden sogar ausschalten können. Denn nach der Schlacht am Dom- berg von Reval 1233 hatten die Schwertbrüder die Dänen vertrieben und Nordest- land für sich erobert193. Nun blieben nur noch der Bischof von Riga und die Stadt Riga als ernstzunehmende Mitstreiter um die Macht. Die Bischöfe von Oesel-Wiek und Dorpat (Tartu) begannen erst ihre Herrschaften aufzubauen, so daß sie den 188 Liv. UB I, Nr. 163. 189 Zur Reise: Benninghoven, Schwertbrüder, S. 368. Ferner: Wojtecki, Studien, S. 134. Er ist 1240 in Mergentheim bezeugt: UB Ballei Thüringen, Nr. 75 (ohne jeden Titel). 190 Wojtecki, Studien, S. 134; Fenske/Militzer, S.277f. Nr.329. . 191 So Hellmann, Deutsche Orden und Riga, S. 4f. Anders: Benninghoven, Schwertbrü S. 37 ff.; G n e g e 1 -Wa i t s c h i e s, S. 45ff. Dazu: Ekdahl, Rolle, S. 222. 192 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 75 ff. 193 Benninghoven, Schwertbrüder, S.287ff.
jen zunächst nicht gefährdeten. Aber es war absehbar, daß sie ebenfalls zu des- konkurrenten aufsteigen könnten. Dem Schwertbrüderorden ist es auch nie ge- fen2en, sich die Domstifte zu inkorporieren und auf diese Weise die bischöflichen Rächte zu binden. Ganz im Gegenteil blieben die Schwertbqjder anders als der peUtsche Orden der Jurisdiktion des Bischofs von Riga unterworfen. Die daraus resultierenden Konflikte waren unüberbrückbar und ein Erbe, das die Herrschaft auch des Deutschen Ordens in Livland belasten sollte194. Die Unterstellung des Deutschen Ordens unter die Jurisdiktion der livländischen Bischöfe, nicht nur des Bischofs von Riga, hatte Papst Gregor IX. in seiner Inkorporationsbulle ausdrück- lich hervorgehoben195. Der Landmeister Dietrich von Grüningen hat die Unterstel- lung unter die bischöfliche Jurisdiktion 1254 noch einmal anerkannt196. Auf dem Höhepunkt der Machtentfaltung des Schwertbrüderordens erstreckte sich sein Territorium von der Düna in einem schmalen Streifen nach Norden und erweiterte sich nördlich der Treidener Aa immer mehr und nahm schließlich in Nordestland den breitesten Raum ein. Dazu kamen Exklaven in Kurland, auf den Inseln Oesel und Dagö sowie südlich des Stifts Dorpat das Land Adsel bzw. der größte Teil davon. Als Erbe der Schwertbrüder trat der Deutsche Orden die Herr- schaft in den Gebieten an, gab aber Nordestland an die Dänen ab. Trotzdem blieb der Deutsche Orden in Livland die stärkste Macht mit dem umfangreichsten Land- besitz197. Dem Schwertbrüderorden war die Templerregel verliehen worden198. Er ist ein reiner Ritterorden ohne Spitaldienst gewesen und hat daher auch keine Spitäler ge- gründet oder betreut. Er unterschied sich also in diesem Punkt vom Deutschen Or- den, was möglicherweise bei einigen Deutschordensbrüdern auch zu Vorbehalten gegen eine Inkorporation geführt hat. An der Spitze des Schwertbrüderordens stand ein Meister. Der erste war ein Rit- terbruder namens Wenno 1204-1209. Ihm folgte Volkwin von Naumburg 1209- 1236* der in der Schlacht bei Schaulen gefallen ist199. Weitere zentrale Ämter sind nicht überliefert. Wahrscheinlich hat es im Haupthaus einen Trappier zur Verwal- tung der Kleider- und Zeugkammer und einen Treßler als Verwalter des Schatzes und der Kasse gegeben200. Man wird auch voraussetzen dürfen, daß der Orden einen Marschall hatte, der das Ordensaufgebot anführte, falls der Meister verhin- 194 Hellmann, Verfassungsgrundlagen, S. 83ff.; Ders., Deutsche Orden im politischen Gefüge, S. 496 ff. 195 Liv. UB I, Nr. 149; Benninghoven, Schwertbrüder, S. 357f. Preuß. UB 1,1, Nr.299; Liv. UB I, Nr.274, 277; Strehlke, Tabulae, Nr.249f. 19R Benninghoven, Schwertbrüder, Karte 13. jq Neinrici Chronicon VI,4; Benninghoven, Schwertbrüder, S. 54f. Benninghoven, Schwertbrüder, S. 420ff., 424ff.; Fenske/Militzer, S. 462 Nr. 606, S. 707 Nr. 946. Q So Benninghoven, Schwertbrüder, S. 58.
dert war. Das Marschallsamt ist in den Quellen zwar nicht genannt, aber F. B e ninghoven hat einige Argumente zusammengetragen, die dessen Existenz wahr scheinlich machen. Nach F. Benninghoven soll ein Schwertbruder namens Ar nold (1205-1211) der erste Marschall gewesen sein201. Dessen Nachfolger wurde wohl ein Ritterbruder namens Rutger oder Rüdiger. Er ist jedenfalls nach der In korporation von 1238-1239 als Marschall bezeugt202 und könnte daher das Amt auch vor 1237 innegehabt haben203. Der Hauptsitz des Ordens und damit auch der Sitz des Meisters lag in Riga. Die dortige Kommende galt als das Haupthaus des Ordens. In ihm wird anfangs auch der Marschall gesessen haben. Der Marschall Rutger scheint jedoch seinen Sitz 1230 zumindest vorübergehend nach Fellin (Viljandi) verlegt zu haben, da er dort als Komtur des Hauses belegt ist204. Außer dem Haupthaus gab es zur Blütezeit noch sechs weitere Kommenden mit Komturen an der Spitze. Das nach Riga Zweitälteste Haus scheinen die Schwertbrüder 1207 in Wenden (Cesis) errichtet zu haben205. Da- mals verwaltete es Wikbert von Soest (1207-1208) als Pfleger206. Ihm folgten Brüder namens Bertold (1208-1217), Rudolf von Kassel (1218-1234) und Reimund/Rem- bold (1234-1236)207. 1209 wurde wahrscheinlich die Kommende Segewold (Sigulda) gegründet208. Allerdings ist ein Komtur namens Gerfried Wridecke erst 1231 be- zeugt209. Möglicherweise so alt wie Segewold ist die Niederlassung in Ascheraden (Aizkraukle) gewesen, die der Meister Wenno gebaut haben soll. Die Burg verwalte- te 1209 der Komtur Hartmut, falls die Angaben in der livländischen Reimchronik stimmen210. Spätestens 1211 ist Markward Bauerbach als Komtur bzw. Pfleger von Ascheraden belegt211. Seit 1221/22 verfügte der Schwertbrüderorden über die feste Burg Fellin, in die er vermutlich einen Konvent legte212. Ein Komtur ist dort aller- dings erst 1234 bezeugt. Er hieß Rikolf213. Vorher um 1230 hat in ihr vielleicht der Marschall das Kommando gehabt. Die Meister (Komture) auf den Konventsburgen hatten nicht nur die Aufsicht über ihre Konvente, sondern übten auch Herrschaft über ihnen zugeteilte Gebiete 201 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 58 f., 422 Nr.2; Fenske/Militzer, S. 88 Nr. 29. 202 Liv. UB I, Nr. 163; III, Nr. 159a. 203 Benninghoven, Schwertbrüder, S.430f. Nr. 8; Fenske/Militzer, S. 556 Nr. 746. 204 Hildebrand, Livonica, Nr.21 §51. 205 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 82. 206 Liv. RC, Verse 687 ff. 207 Benninghoven, Schwertbrüder, S.444 Nr.54, S.443 Nr.45, S.422f. Nr.3f.; Fenske/Miützer’ S. 606 Nr. 821, S. 114 Nr. 66, S. 533 Nr. 707, S. 535 Nr. 713. 208 Benninghoven, Schwertbrüder, S.82. 209 Benninghoven, Schwertbrüder, S.435 Nr.24; Fenske/Militzer, S. 739f. Nr. 992. 210 Liv. RC, Verse 640 f., 660 f. 211 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 117, 431 f. Nr. 12; Fenske/Militzer, S. 102f. Nr. 51. 212 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 176. 213 Benninghoven, Schwertbrüder, S.443 Nr.46; Fenske/Militzer, S. 542 Nr. 726.
aus Jedoch hatte der Schwertbrüderorden neben den Meistern oder Komturen noch Vögte als Amtsträger. Sie stellten das Bindeglied zwischen dem Orden und Jen unterworfenen Stämmen, erhoben die Abgaben, hielten Gericht und boten die zur Verteidigung des Landes verpflichteten Männer auf214. Solche Vögte sind bereits 1221 für Ugaunien und Sakkala bezeugt215. Namentlich bekannt sind Vögte beider Gebiete zwei Jahre später, nämlich Mauritius (Moritz) für Sakkala und ein Johann für Ugaunien216. Mauritius/Moritz saß möglicherweise in Fellin. Denn dort hielt er sich während eines Aufstands auf und wurde vor der Kirche erschlagen217. Auch der 1234 genannte Vogt von Sakkala wird seinen Sitz in Fellin gehabt haben218. 1234 sind ferner Vögte für Harrien, Jerwen und Oesel bezeugt219. Da die Überlieferungsdichte gering ist, wird man mit Benninghoven noch andere Vögte voraussetzen dürfen. Nimmt man an, daß der Deutsche Orden den Verwaltungsaufbau der Schwertbrü- der weitgehend übernommen hat, lassen sich weitere Vogteien für die Schwertbrü- derzeit erschließen, nämlich für Kurland, Karkus (Karksi), Mocha-Waigele (Vaiga) und Wenden220. Dazu kam noch ein Vogt der Semgaller, der zur Zeit des Meisters Burchard von Hornhausen vertrieben wurde221. Ob dagegen in Riga, Reval, Adsel (Gaujiena) und Ascheraden jemals Vögte gesessen haben, ist unsicher. Für eine sol- che Annahme gibt es nur geringe Anhaltspunkte222. Außer in Livland hat der Schwertbrüderorden wohl Verwalter seiner Besitzungen in Dänemark, Holstein und Mecklenburg gehabt223. Wie groß die Konvente der Kommenden zur Schwertbrüderzeit gewesen sind, weiß man nicht. Sie mögen nach überschlägiger Berechnung in der Regel mehr als zehn Ritterbrüder umfaßt haben224. Neben der ausschlaggebenden Gruppe der Rit- terbrüder, die alle Ämter besetzten, lebten in den Konventen auch Priesterbrüder, deren Zahl jedoch nie so groß wie die der Ritterbrüder gewesen ist. Soweit bekannt, haben sie nie irgendwelche Ämter gehabt. Sie wirkten in der Mission mit und dien- ten den Ritterbrüdern als Beichtväter und Seelsorger225. Als dritte Gruppe gab es die ,dienenden Brüder, vergleichbar den Graumäntlern im Deutschen Orden. Wie 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 Benninghoven, Schwertbrüder, S.227. Heinrici Chronicon XXV,5. Benninghoven, Schwertbrüder, S. 434 Nr. 21, 23; Fenske/Militzer, S. 362 Nr. 462, S. 453 Nr. 596. Heinrici Chronicon XXVI,5. Hildebrand, Livonica, Nr.21 § 50. Hildebrand, Livonica, Nr.21 §50; Benninghoven, Schwertbrüder, S.225. Vgl. Fenske/Militzer, S. 759, 761 f., 764, 768, 779-781. Liv. RC, Verse 5239 ££.; D r a g e n d o r f f, S. 93. Vgl. Benninghoven, Schwertbrüder, S. 225 f. Benninghoven, Schwertbrüder, S. 212ff., 226. Ein provisor bonorum ist erst 1261 in Lübeck be- fugt: UB Bistum Lübeck I, Nr. 151. Benninghoven, Schwertbrüder, S.223, 406ff. enninghoven, Schwertbrüder, S.223f.
hoch ihre Zahl war, ist unbekannt. Schätzungen, daß sie das Zehnfache der Ritter brüder ausgemacht hätten226, bleiben eine unbewiesene Vermutung, die zudem von einer nicht belegbaren Hypothese ausgeht, daß nämlich ein Schwertbruder stets mehrere dienende Brüder an seiner Seite gehabt haben müsse. Selbst wenn ein Schwertbruder mehrere Männer zu seiner Unterstützung besonders im Kampf be nötigte, mußten sie keine Ordensangehörigen sein. Es konnte sich auch um weit liches Personal handeln. Die von Benninghoven angegebenen Zahlen dürften daher viel zu hoch angesetzt sein. Aus allerdings späterer Zeit, dem 15. Jahrhundert weiß man, daß die Zahl der dienenden Brüder bzw. Graumäntler im Deutschen Or- den viel geringer als die der Ritterbrüder gewesen ist. Ihr Anteil machte weniger als 15 % aus227. Nach allem, was man ermitteln kann, ist davon auszugehen, daß die Ritterbrüder im Schwertbrüderorden nicht nur die dominante Gruppe bildeten, sondern auch zahlenmäßig alle anderen übertrafen. Erst die schwere Niederlage bei Schaulen 1236 mag die Übermacht der Ritterbrüder im Orden gefährdet haben, da in der Schlacht fast die Hälfte von ihnen gefallen ist228. Ob sich damals tatsächlich Priesterbrüder und dienende Brüder gegen die Allmacht der Ritterbrüder aufgelehnt haben, ist nicht überliefert. Der Orden hatte auch genug zu tun, den Vormarsch der heidni- schen Litauer und deren Verbündeter zum Stillstand zu bringen und die Abfallbe- wegungen der Völker an den Randgebieten der Ordensherrschaft aufzuhalten229. Der Schwertbrüderorden hatte 1236 bei Schaulen zwar eine schwere Niederlage hinnehmen müssen, war aber keineswegs vernichtet. Immerhin wird die Hälfte der Ritterbrüder überlebt haben, weil sie an dem Feldzug gar nicht teilgenommen hatte, sondern zur Bewachung von Ordensburgen abgestellt worden war. Ein Teil der überlebenden Schwertbrüder hatte wichtige Ämter inne, war Komtur, Hauskomtur oder Vogt in den Burgen, Burgbezirken oder Landschaften. Diese Brüder waren nicht ohne weiteres bereit, ihre Ansprüche aufzugeben und auf einmal erobertes Land zu verzichten. Sie mußten zwar vor der Übermacht der Feinde zurückwei- chen, durften aber hoffen, daß sich ihnen das Glück mit der Zeit wieder zuwende. Die Inkorporation in den Deutschen Orden bedeutete für diese Amtsträger die Chance, mit dem starken Rückhalt des größeren Ordens die Krise zu überwinden und die durch die Schlacht bei Schaulen verlorene oder angeschlagene Vormacht- stellung in Livland zurückzuerobern. Der Vertrag von Stensby und der Verlust von Nordestland paßten in die Vorstellungswelt dieser Schwertbrüder nicht hinein. Da Hermann Balk mit seinem Gefolge kein Land eroberte, hatte er sich an die vom Schwertbrüderorden geschaffene Struktur zu halten. Er mußte die alten Or 226 So Benninghoven, Schwertbrüder, S.224. 227 Liv. UB XI, Nr. 160. 228 Vgl. Benninghoven, Schwertbrüder, S.347ff. 229 Dazu vor allem: Benninghoven, Schwertbrüder, S. 349ff.
j sburgen übernehmen und besetzen. Neue Konventsburgen oder Vogteien wären erst im Lauf der Zeit zu gründen gewesen, wenn ihm die Brüder die Zeit dazu ge- lassen hätten. Reval ging verloren. Aus der Schwertbrüderzeit waren somit als Kon- ventsburgen Ascheraden, Fellin, Jerwen (Järvere), Riga, Segqjvold und Wenden übernommen worden. In Riga blieb der Sitz des Meisters bzw. Landmeisters wie zu Zeiten der Schwertbrüder230. Dort regierten seit 1237 Hermann Balk und dessen Nachfolger. Bis um 1300 wurden sie vom Hochmeister während eines Generalkapi- tels ernannt. Die nächstwichtige Position im Orden war das Landmarschallsamt. Hermann Balk konnte es nicht neu besetzen. Denn der Amtsinhaber Rutger, ein ehemaliger Schwertbruder, der wohl seit 1211 Landmarschall gewesen ist, behielt seinen Rang auch nach der Inkorporation des Schwertbrüderordens231. In Ascheraden war 1234 ein Bruder namens Bernhard Meister. Er ist wohl in der Schlacht an der Säule 1236 gefallen, falls er nicht, wie Benninghoven vermutet, mit Bernhard von Münster identisch ist. Dann hätte er allem Anschein nach sein Amt 1237 verloren und wäre nach Fellin versetzt worden, wo er 1248 als einfacher Ritterbruder bezeugt ist232. Als Komtur von Ascheraden ist Bernhard jedenfalls nicht mehr belegt. In Fellin und Jerwen sind Amterwechsel zu beobachten. Die 1234 genannten Meister bzw. Vögte finden sich nach 1237 nicht mehr in ihren Wür- den. Man kann nur vermuten, daß deren Nachfolger Deutschordensbrüder gewesen sein könnten, die mit Hermann Balk in das Land gekommen waren233. Anders ver- hält es sich bei den beiden Kommenden Segewold und Wenden. In Segewold war 1234-1235 ein Albert Befehlshaber, dem 1237-1238 ein Gerfried Wridecke folgte. Wridecke ist aber schon 1231-1232 Komtur von Segewold gewesen. Er war also mit Sicherheit ein ehemaliger Schwertbruder234. In Wenden waren 1234-1236 ein Rei- mund und Rembold Komture. Beide waren höchstwahrscheinlich identisch. Es handelt sich wohl nur um eine Namensvariation. 1237 folgte ihm Rudolf von Kas- sel, der bereits 1218-1234 Komtur von Wenden gewesen war, also auch ein ehemali- ger Schwertbruder235. Der Segewolder Meister Albert wird an der Säule gefallen sein, da er aus den Quellen verschwindet. Genau weiß man es allerdings nicht. Ger- fried Wridecke wird Albert ersetzt und das Meisteramt übernommen haben, bevor Hermann Balk in Livland eingetroffen war. Das Meisteramt in Segewold war also be- setzt und für den neuen Landmeister nicht mehr verfügbar. Der Meister Reimund/ Rembold von Wenden ist als Gesandter des Schwertbrüderordens am 30. März 1236 ln Marburg bezeugt236. Er kann also nicht an der Säule gefallen sein, muß aber das 230 Vgl. Neitmann, Riga und Wenden, S. 59ff. Fenske/Militzer, S. 556 Nr. 746. 2^ Fenske/Militzer, S. 112f. Nr.62, S.459 Nr.603; Benninghoven, Schwertbrüder, S.437 Nr.29. 234 Vgl' Fenske/Militzer, S.756, 761. 23S penske/Militzer, S. 76 Nr. 6, S.739f. Nr. 992. 236 ^enske/Miiitzer> S.372f. Nr.482, S. 533 Nr. 707, S. 535 Nr. 713. ericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 169.
wichtige Amt während seiner Abwesenheit an seinen Vorgänger Rudolf von Kassel verloren haben. Hermann Balk konnte das Amt jedenfalls auch nicht neu besetzen Der 1234 genannte Meister von Reval Johann ist wohl identisch mit Johann Se lieh237, der 1233 als Befehlshaber auf dem Revaler Domberg gegen den päpstlich Gesandten und dessen Anhänger genannt wird, der seinen eigenen Meister Volkwin gefangennehmen ließ, als jener ihn in dem von ihm als richtig angesehenen Vorge hen hindern wollte, und der am 30. März 1236 als Gesandter in Marburg weilte Er kehrte zwar 1236 nach Livland zurück, nahm aber wohl an der Schlacht bei Schau- len nicht teil. Da Hermann Balk Nordestland an Dänemark abtreten mußte, verlor Johann sein Revaler Amt. Er wurde vielleicht schon damals von Hermann Balk nach Palästina versetzt, wo er 1244 Kastellan der Deutschordensburg Montfort und nach 1244, aber vor 1253 Oberster Marschall war238. Bei Johann Selich handelt es sich wahrscheinlich um eine Strafversetzung, die Hermann Balk vornahm, um sich eines besonders ungebärdigen, aber wohl auch fähigen Mannes zu entledigen. Die Schwertbrüder haben nach der Inkorporation, aber vor dem Eintreffen Her- mann Balks mit seiner Truppe Schlüsselpositionen besetzt. Dazu gehörten das Mar- schallamt und die Komtursämter von Segewold und Wenden. In Ascheraden, Fellin und Wenden dagegen scheint Hermann Balk neue Männer eingesetzt zu haben. Sie waren wohl Deutschordensbrüder, die Hermann Balk aus Marburg mitgebracht hatte239. Von ihnen ist Jerwen besonders hervorzuheben, da die Burg in dem einzi- gen Land des Ordens lag, das von den Bischöfen unabhängig war und in dem der Orden auch die Pfarrstellen besetzen konnte240. Nach den erhaltenen Quellen zu urteilen, sieht es so aus, als habe Hermann Balk die Schwertbrüder geschont, sei ih- ren Vorstellungen entgegengekommen und habe ihr Selbstwertgefühl nicht verletzen wollen. Das mag der Grund dafür gewesen sein, daß er sie in wichtigen Positionen beließ, besonders im Marschallamt und den beiden Komtursämtern. Er hat aber drei ebenso wichtige Ämter Ritterbrüdern anvertraut, die keine Schwertbrüder ge- wesen, zumindest als solche nicht nachweisbar sind, sondern zu den mitgezogenen Deutschordensbrüdern gehört haben werden. Allerdings ist nicht ganz klar, ob schon Hermann Balk die Führungspositionen in Ascheraden, Fellin und Jerwen vergeben hat, da die neuen Amtsinhaber erst seit 1248 zu belegen sind241. Denkbar wäre daher auch, daß Hermanns Nachfolger Diet- rich von Grüningen nach dem erzwungenen Rücktritt des ersten Landmeisters 237 Benninghoven, Schwertbrüder, S.440ff. Nr.40f. 238 Fenske/Militzer, S. 595f. Nr. 804. 239 Benninghoven, Schwertbrüder, S.364, spricht davon, daß es der Schwertbrüdergruppe sei, „hinter dem Meister Hermann Balk die wichtigsten Schlüsselstellungen besetzt zu halten zu: Neitmann, Grafschaft, S. 18ff. jjv- 240 Benninghoven, Schwertbrüder, S. 367 f.; zustimmend: Hellmann, Deutsche Orden un land, S. 13. 241 Fenske/Militzer, S. 752, 756, 761.
einen radikalen Schnitt erzwungen hätte. Für Dietrich von Grüningen als Initiator eines Neuanfangs würde sprechen, daß 1239 und in den beiden folgenden Jahren neue Männer in den bis dahin von ehemaligen Schwertbrüdern besetzten Ämtern uftauchen. 1241 wurde ein Werner der neue Landmarschall, deiikaum als ehemali- Schwertbruder anzusprechen ist, da ein Schwertbruder gleichen Namens nicht bekannt ist242. Dietrich von Grüningen könnte es auch gewesen sein, der Johann Se- lich nach Palästina geschickt hat. Denn jener Schwertbruder ist erst 1244 im Heili- gen Land bezeugt. Trotzdem spricht einiges dafür, daß die Politik der Entmachtung Jer ehemaligen Schwertbrüder bereits von Hermann Balk eingeleitet und von Diet- rich von Grüningen dann konsequent fortgeführt worden ist. Einflußreiche Schwertbrüder, die wie Johann von Magdeburg, Reimund/Rembold und Gerlach der Rote zu den Inkorporationsverhandlungen mit dem Deutschen Orden nach Deutschland geschickt worden waren, haben nach 1237 keine Ämter mehr übertra- gen bekommen243. Andere näher bekannte Schwertbrüder wie Helmerich von Döh- len und Friedrich Tumme haben im Deutschen Orden ebenfalls keine Karriere ma- chen können244. Das alles spricht für ein Eingreifen bereits durch Hermann Balk. Eine Ausnahme könnten die Vögte der Stiftsterritorien gemacht haben. Es deutet nämlich manches darauf hin, daß Heidenreich, der Vogt des Bischofs von Riga 1238-1245, vor der Inkorporation Vogt von Harrien gewesen ist245. Ebenso könnte Konrad, der Schenk des Bischofs von Reval von 1245, mit einem gleichnamigen Schwertbruder identisch sein246. Allerdings hätte Konrad dann aus dem Orden aus- treten müssen. Sonst hätte er schwerlich Schenk des Revaler Bischofs werden kön- nen. In der Tat ist für ihn 1245 auch keine Ordenszugehörigkeit mehr vermerkt247. Wie das Beispiel Heidenreichs zeigt, ist es immerhin möglich gewesen, daß Schwertbrüder nach der Niederlage bei Schaulen und der Inkorporation in den Deutschen Orden in Stiftsterritorien, vor allem im Rigaer Stift, als Vögte Verwen- dung fanden. Möglicherweise hat Hermann Balk diese Entwicklung geduldet und sogar gefördert, da er auf diese Art und Weise mißliebige Männer abschieben und nut Posten zufrieden stellen konnte, aus denen heraus sie wenig Einfluß auf den Orden selbst auszuüben vermochten. Trotz allem hatte Hermann Balk nur geringe Gestaltungsmöglichkeiten, als er die Leitung des Ordens in Livland antrat. Die von den Bischöfen abhängige Stellung des livländischen Ordenszweigs mußte er hinnehmen. Den nördlichen Teil Estlands nut der wichtigen Stadt Reval hatte er an Dänemark auszuliefern. Die Organisation des Ordensterritoriums in Kommenden und Vogteien hat er übernommen. Auch 42 Fenske/Militzer, S. 751 f., 756, 761, 776, 781. 4 Fenske/Militzer, S.432f. Nr. 569, S. 533 Nr. 707, S. 535 Nr. 713, S.531 f. Nr. 739. 44 Fenske/Militzer, S.174f. Nr. 174, S.658f. Nr. 886. 2^ Benninghoven, Schwertbrüder, S.439 Nr.35; Fenske/Militzer, S.308 Nr.368. 247 Benninghoven, Schwertbrüder, S.435 Nr.25; Fenske/Militzer, S.387 Nr.501. 7 Liv. UB III, Nr. 179a.
darin blieb ihm keine andere Wahl, da die Burgen die Organisationsform vorschrie ben248 und er keine Zeit hatte, neue befestigte Verwaltungszentren zu schaffen An Eroberungen konnte er nicht denken, da er mit der Konsolidierung nach der Schlacht bei Schaulen genug zu tun hatte. Die einzigen Änderungen, die er einleite te, waren Personalwechsel in einigen Ämtern. In wahrscheinlich drei Burgen ersetz te er die Kommandanten durch neue Deutschordensritter. Dem Selbstwertgefühl der ehemaligen Schwertbrüder trug er insofern Rechnung, als er im Landmar schallsamt und in zwei Komtursämtern Schwertbrüder beließ. Eine wenn auch be- grenzte Auswechslung des Führungspersonals erschien schon deshalb geboten, weil die 1235-1236 in Livland weilenden Brüder des Deutschen Ordens ein schlechtes Bild von der Ordensdisziplin im Schwertbrüderorden geliefert hatten. Die vom Deutschen Orden geforderte Disziplin war aber nur mit Hilfe von neuen Männern durchzusetzen. Nach den schlechten Erfahrungen mit den noch nach der Inkorpo- ration von 1237 amtierenden Schwertbrüdern hat wohl Hermann Balks Nachfolger Dietrich von Grüningen nach 1238 die Personalpolitik verschärft und anscheinend alle ehemaligen Schwertbrüder entmachtet. In einem weiteren Punkt übernahm Hermann Balk Vorstellungen des Schwert- brüderordens. In Livland hat der Deutsche Orden nämlich wie sein inkorporierter Vorgänger nur als Ritterorden fungiert und in alter Tradition auf die Gründung und Betreuung von Spitälern verzichtet. Im Unterschied zu Preußen, wo der Spital- dienst zwar auch keine große Rolle gespielt hat, hat er im livländischen Ordens- zweig ganz gefehlt249. Daher hat es in Livland auch kein Spittleramt gegeben. Der livländische Ordenszweig scheint nicht einmal eine ausreichende Zahl von Fir- marieplätze für die eigenen Brüder unterhalten zu haben. Denn wenn livländische Meister erkrankten, gingen sie zurück in die deutschen Balleien und ließen sich dort pflegen. So berichtet die livländische Reimchronik von Walter von Nordeck, daß er 1273 wegen einer Erkrankung um seine Amtsentlassung gebeten und sich nach der Gewährung seiner Bitte in das Deutsche Reich zurückgezogen habe250. Eine weitere wichtige Folge der Inkorporation war, daß der Ordenszweig einen Teil seiner Selbständigkeit verlor. Der Landmeister wurde nämlich seit 1237 vom Hochmeister und einem Generalkapitel bestellt251 252. Die ehemaligen Schwertbrüder und die später hinzugekommenen Deutschordensbrüder verloren also den Einfluß auf die Meisterwahl. Erst um 1300 änderte sich die Lage wieder. Denn damals wähl- ten die Brüder im livländischen Ordenszweig zwei Kandidaten aus ihren Reihen, von denen der Hochmeister im Einvernehmen mit seinem Kapitel einen ernannte • 248 Dazu: Benninghoven, Burgen, S. 567ff.; auch: U rb an, Organization, S. 525ff. 249 Darauf hat besonders Hellmann, Deutsche Orden und Riga, S. 10, zu Recht aufmerksam ge macht. 250 Liv. RC, Verse 8072 ff. 251 Vgl. Schwartz, Wahlen, S.453ff.; Benninghoven, Schwertbrüder, S.359. 252 Perlbach, Statuten, S. 146.
i on Hermann Balks Nachfolger Dietrich von Grüningen begann, die Herr- in ft des Deutschen Ordens in Livland auszubauen und durch neue befestigte v menden und Vogteien zu sichern. Für die Wiek setzte er bereits 1241 einen Kmtur namens Robert ein253. Jener Robert mag seinen Sitz^schon damals in Leal habt haben, wenngleich der Ort dem Orden noch nicht ganz gehörte. Jedenfalls ^urde der Amtsnachfolger des Komturs der Wiek 1254 ausdrücklich als Komtur von Leal (Lihula) bezeichnet254. Damit hatte der Landmeister einen Befehlshaber im Norden an der neuen Grenze zu dem den Dänen abgetretenen Gebiet ernannt. Die Maßnahme galt der Sicherung der Ordensherrschaft gegenüber den Dänen in Har- rien. Ebenfalls im Norden wurde zur Sicherung der Provinz Sakkala die Burg Karkus (Karksi) erbaut und mit einem Vogt besetzt. Vielleicht ist schon der 1248 genannte Hermannus de Karchus Vogt dieser Burg gewesen255. Ihm könnte 1248 ein Ritter- bruder namens Werner gefolgt sein256. Nachdem die Burg 1298 zerstört worden war, wurde sie bald darauf wieder aufgebaut. Sie blieb der Sitz eines Vogts257. Dietrich von Grüningen selbst und seine Nachfolger wandten ihre Aufmerksam- keit stärker dem Süden, vor allem Kurland, zu. Seit 1242 leitete er die Rückerobe- rung Kurlands ein, die ihm auch zwei Jahre später gelang258. 1245 ließ er in Goldin- gen (Kuldiga) eine Burg bauen259. Eberhard von Sayn, der Sonderbeauftragte des Hochmeisters in Deutschland, Preußen und Livland zur Wiederherstellung der Or- densdisziplin, war 1252 von Preußen nach Livland gezogen und hatte dort mit dem Bischof von Kurland Vereinbarungen über die Teilung des eroberten Landes zwi- schen dem Orden und dem Stift nach preußischem Vorbild im Verhältnis 2:1 zu- gunsten des Ordens getroffen. Bis 1254 blieb Eberhard von Sayn vorwiegend in Kurland260. Währenddessen schuf er die neuen Grundlagen im südlichen Teil Liv- lands. Ihm wie auch Dietrich von Grüningen ging es zunächst vor allem darum, Kurland gegen die noch nicht unterworfenen Samen und die Litauer zu verteidigen. Er hatte dazu in die Burg Goldingen einen Konvent gelegt, dem ein Komtur vor- stand261. Der erste Amtsträger war ein Bruno262. 253 Fenske/Militzer, S. 543 Nr. 727. 254 Dragendorff, S. 88, meint, daß erst 1254 ein Komtur in Leal gesessen habe, hält aber den Komtur von Leal für den Nachfolger des Komturs der Wiek. 255 Liv. UB III, Nr. 200a. 256 Liv. UB III, Nr. 200a; Benninghoven, Schwertbrüder, S.446 Nr. 62. 257 Dragendorff, S.95. 58 Liv. RC, Verse 2332ff.; Bericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 171 f.; Hermann von Wartberge, in: SRP II, S. 35. J'-v'UB r’Nr-223;Liv. Rc> Verse 2406 ff. 0 Liv. UB I, Nr.264f.; III, Nr.25a; IV, Nr.2735; Preuß. UB 1,1, Nr.261f., 265; Militzer, Entste- nung, S. 49. 262 HV U® I, Nr. 171; Liv. RC, Verse 2406ff.; Hermann von Wartberge, in: SRP II, S. 35. Liv. UB I, Nr.236, 373; Fenske/Militzer, S. 150 Nr. 124.
Eberhard von Sayn ließ auch die Burg Memel (Klaipeda) errichten263. In die ß wurde wohl schon damals eine Besatzung gelegt, deren erster Komtur Bernhard 1254-1258 belegt ist264. Damals ging es noch nicht um die Sicherung des Landw nach Preußen. Denn zu Eberhards Amtszeit waren die Samen noch gar nicht unter worfen. Die neue Burg sollte wahrscheinlich in erster Linie der Verteidigung gegen Übergriffe der prussischen Samen wie der Litauer, vielleicht auch schon als eine Ausgangsbasis für einen Eroberungszug in das Samland dienen. Erst nach der Nie derwerfung der Samen konnte Memel eine Sicherungsfunktion des Landwegs über nehmen, um den Nachschub vom Seeweg unabhängig zu machen. Denn der Schiffsverkehr ruhte in den Wintermonaten, in denen die meisten und erfolgver- sprechenden Angriffe gegen die Feinde, also besonders die heidnischen Litauer aber auch die orthodoxen - das waren in den Augen der katholischen Kirche Schis- matiker - Russen, vorgetragen werden konnten, aber auch gefährliche Angriffe von selten der Gegner zu erwarten waren. Unterstützt wurden die Komture in Kurland durch anfangs zwei Vögte, die 1252— 1256 nachzuweisen sind265. 125 8 saß der eine Vogt Bernhard von Haren in Goldin- gen und der andere in Wartajen (Värtäja)266. Der eine war also für das nördliche und der andere für das südliche Kurland zuständig. Die Aufteilung dürfte schon 1252 gegolten haben. Dem einen Vogt war also das den Christen 1236 verbliebene Vrede- curonia im Norden zugewiesen worden, das an das Stift Riga gefallen war. Zum Zuständigkeitsbereich dieses Vogts wird auch noch die vor 1236 vom Schwertbrü- derorden beherrschte Landschaft Bandowe gehört haben. Dem zweiten Vogt unter- standen die im Süden bis zur Memel neu eroberten Gebiete. Diese Gliederung des Landes verlor 1260 nach der Niederlage des Ordens gegen die Litauer bei Durben und dem Abfall der Kuren an Bedeutung267. Die Niederlage des Ordens brachte Veränderungen im Verwaltungsaufbau, die aber kein so hohes Ausmaß wie zur gleichen Zeit im preußischen Ordenszweig er- reichten. Denn in Livland konnte der Orden einen allgemeinen Aufstand verhin- dern und den Abfall auf die südlichen Stämme begrenzen. Nach der Wiederherstel- lung der Ordensherrschaft in Kurland gab es nur noch einen Vogt, der seinen Sitz in Goldingen hatte268. Zwar ist 1282 ein Ritterbruder namens Johann als Vogt von 263 Bericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 172; Peter von Dusburg, Chronica, Suppl-3» Forstreuter, Memel, S.371. Memel sollte auch der Sitz des Bischofs von Kurland werden. Da er wurden Stadt und Burg 1252 geteilt, wie, ist unsicher. Der Plan wurde um 1300 aufgegeben. Seit e residierte der Bischof in Piken (Piltene), das Domkapitel seit 1298 in Windau (Ventspils). 264 Fenske/Militzer, S. 113 Nr. 64a. 265 Dragendorff, S. 92; Fenske/Militzer, S. 764. 266 Fenske/Militzer, S. 759, 780. 267 Peter von Dusburg, Chronica 111,84. 268 Fenske/Militzer, S. 759.
kein (Sabile) bezeugt269, aber man wird in Betracht ziehen müssen, daß er mit Jo- 6 von Ochtenhusen, dem Goldinger Vogt, identisch war270. Dafür spricht auch, ^ß^ur ein einziges Mal ein Vogt von Zabeln zu ermitteln ist und er keinen Nachfol- ehabt hat. Daher wird man festhalten können, daß es in Uürland auch 1282 nur Vogt gegeben hat, der seinen Hauptsitz in der Kommende Goldingen hatte. 61 Infolge des Abfalls der Kuren und der Rückeroberung Kurlands konnte der Or- den seine Stellung gegenüber dem Bischof stärken und zwei Drittel des Landes für sich behaupten, während der Bischof mit seinem Kapitel auf das restliche Drittel in drei Teilen beschränkt blieb. Im Gegensatz zum übrigen Livland unterstand der Orden in Kurland nicht der bischöflichen Obödienz. Der Meister konnte den Bi- schof 1263 sogar dazu überreden, dem Orden beizutreten und ihm das Domkapitel zu inkorporieren. Das Kapitel bestand seitdem aus Priesterbrüdern. Nur in Kurland konnte der Orden Verhältnisse wie im benachbarten Preußen schaffen271. Infolge der Niederlage des Ordens bei Durben 1260 und dem anschließenden Aufstand ging auch die Dünaburg (Daugavpils) im Südosten des Landes verloren. Es ist nicht ganz sicher, ob der Heinrich Sazendob commendator Nieschowski um 1245 Komtur von Dünaburg gewesen war272, es also vor dem Aufstand eine Kom- mende in Dünaburg gegeben hat. Jedenfalls hat dort eine Burg gestanden, in der eine Besatzung gelegen haben muß. Diese Burg wurde während des Aufstands zer- stört und 1277 wieder aufgebaut. Komture sind dort erst wieder seit dem 14. Jahr- hundert bezeugt273. Ob der Orden bereits vor der Niederlage bei Durben 1260 Ostlettgallen in sei- nem Besitz und es möglicherweise von den Schwertbrüdern übernommen hatte, ist nicht sicher zu entscheiden. Die vorgebrachten Argumente reichen dafür nicht aus274. Nachweisbar ist nur, daß 1263 ein Komtur auf der Wolkenburg in Ostlettgal- len saß. 1272 ist sein Siegel bezeugt, so daß das Amt vergeben gewesen ist275. Zwei Jahre später verzichtete Fürst Konstantin von Polock auf das Land zugunsten des Deutschen Ordens276. Damit war der Weg zur Herrschaftskonsolidierung in Ost- lettgallen frei geworden. Den Weg hat der Orden konsequent beschritten. Noch vor der endgültigen Eroberung und Sicherung Kurlands wurde 1265 die Burg Mitau (Jelgava) in Semgallen gebaut277. In ihr wird der Landmeister eine Besat- 269 Liv. UB I, Nr. 477. 220 Fenske/Militzer, S. 759, 785. 271 Arnold, Edmund, S. 195ff., 202ff. 273 ^ermannvon Wartberge, in: SRP II, S. 148; Fenske/Militzer, S.560f. Nr. 753. 2y. ragendorff, S. 95. Zur Lage: Mugurevics, Lieclbas, S. 101, 103. 275 enninghoven, Schwertbrüder, S. 315 f.; Hellmann, Lettenland, S. 192 ff. enninghoven, Schwertbrüder, S.317; Dragendorff, S.91 f.; Fenske/Militzer, S. 785. Zur 27z T?$e: Mugurevics, Lieclbas, S. 96, 98. 277 }*!’• UB I, Nr. 378. lv- RC, Verse 7391 ff.; Hermann von Wartberge, in: SRP II, S.44.
zung zurückgelassen haben, über die aber nichts bekannt ist. Erst 1272, also nach der Niederwerfung der Semgaller, ist ein Komtur namens Johann bezeugt278 mals wurde auch noch in Oppemelle (Upmale) in Semgallen ein Konvent eingerich tet, dessen Komtur Gerhard 1272 erwähnt wird279. Tief im Landesinneren ließ Jer Landmeister Walter von Nordeck (1270-1273) die Burg Terwete (Tervete) anlegen die er einem Konvent zur Verteidigung überließ280. Daß dem Konvent ein Komtur vorgestanden hat, ist zu vermuten. Während der Schwertbrüderzeit und in den Anfangsjahren des Deutschen Or dens regierte der Landmeister in der Kommende Riga allein. Er hat allenfalls Haus- ämter vergeben. 1253 trat erstmals ein Komtur an die Spitze des Rigaer Konvents Seitdem beaufsichtigten Komture die Verwaltung des Hauses. Das blieb auch nach der Niederlage bei Durben 1260 unverändert so281. Die Ordensniederlassung in Ri- ga war zwar nach wie vor das Haupthaus des livländischen Zweigs und Sitz des Landmeisters, aber der Konvent begann, sich von der Bevormundung durch den Meister zu lösen. Er gewann gegenüber dem Oberhaupt des livländischen Zweigs an Eigengewicht. In den Jahren nach der Niederlage bei Durben 1260 galt es auch, die Nordgrenze zu sichern. Dem diente einmal der 1265 erstmals erwähnte Vogt von Waigele (Vaiga) namens Düring. Bekannt ist noch dessen Nachfolger Gottfried 1295282. Ihre Aufga- ben übernahm im 14. Jahrhundert der Komtur von Talkhof (Kursi). Ferner baute der Orden 1265 zur Sicherung der Grenze zum dänischen Wierland die Burg Weißen- stein (Paide) im Land Jerwen283. Ein Komtur ist dort allerdings erst 1287 ohne Na- mensnennung erwähnt284. An der Grenze der Provinzen Wiek und Sakkala amtierte 1265 ein Komtur in Pernau (Pärnu)285. Da jedoch bis 1325 keine Nachfolger bekannt geworden sind, ist der Komturssitz wohl wieder aufgegeben worden, vielleicht weil der Orden seine Kräfte nicht zersplittern, sondern auf die gefährdeten Grenzen konzentrieren wollte. Dazu gehörte die Nordgrenze einstweilen nicht. Die Niederlage des Deutschen Ordens bei Ascheraden 1279 hat seine Herrschaft in Livland nicht mehr ernsthaft gefährdet, wohl aber zum erneuten Abfall der Sem- galler geführt. Die drei Burgen und Konvente in Mitau, Terwete und Oppemelle gingen an die Aufständischen verloren. Terwete wurde auch nach der Niederwer- fung der Semgaller nicht wieder aufgebaut und das Amt eines Komturs von Oppe- melle nicht mehr besetzt. Der Meister Wilken (Wilhelm) von Nindorf ließ 1286 den 278 Liv. UB I, Nr. 432. 279 Liv. UB I, Nr. 432; Fenske/Militzer, S. 769. 280 Liv. RC; Verse 8021 ff.; Dragendorff, S.90f.; zur Lage: Mugurevics, LiecTbas, S. 96. 281 Fenske/Militzer, S. 772. 282 Fenske/Militzer, S. 779; Dragendorff, S.94. 283 Liv. RC, Verse 7513ff.; Hermann von Wartberge, in: SRP II, S. 44; D ragendorff, S. 91. 284 Liv RC, Verse 10393f.; Dragendorff, S.91. 285 Fenske/Militzer, S. 769.
nßerg im Semgallerland befestigen und dort einen Konvent mit einem Kom- ^el der Spitze hineinlegen286. Die Burg und der Konvent bildeten den Ausgangs- tUnkt für die Rückeroberung des Landes in den Jahren 1288-1290. Schon bald nach ^Unterwerfung der Semgaller 1290 löste der Orden die Kommende auf dem Hei- r r berg auf. Vielleicht hatte auch der erstmals um 1288 erwähnte Vogt von Rosit- en (Reczekne) die Rückeroberungsbemühungen unterstützt287. Jedoch scheint das Amt danach lange Zeit nicht mehr besetzt worden zu sein. Erst seit 1348 sind wie- der Vögte in ununterbrochener Reihenfolge bis 1422 zu belegen288. Nach der Niederwerfung der Semgaller gestaltete der Orden die Herrschaft neu. Das Land wurde nun dem Komtur von Mitau zugeteilt, in dessen Händen sich die Verwaltung konzentrierte. Der erste Komtur von Mitau nach der Reorganisation hieß Johann Lesch und amtierte 1305-1312289. Im östlichen Lettgallen trat an die Stelle der während des Aufstands aufgegebenen Kommende Wolkenburg die Vogtei Rositten. Vielleicht sicherte schon am Ende des 13. Jahrhunderts ein Konvent in Dünaburg das Land gegen Süden und schützte gleichzeitig die Flußschiffahrt auf der für Livland wichtigen Wasserstraße, der Düna. Nach der Rückeroberung Semgallens 1290 trat eine Zeit der Ruhe und des relati- ven Friedens ein. Es hat zwar auch weiterhin Auseinandersetzungen und Kämpfe mit den Litauern und Russen gegeben, aber sie gefährdeten die Ordensherrschaft nicht mehr. Der Orden konnte nun damit beginnen, die beherrschten Gebiete stär- ker zu gliedern, analog zu Preußen herrschaftlich intensiver zu durchdringen und dadurch einer effektiveren Verwaltung zu unterwerfen. In Kurland trat neben die beiden Kommenden Goldingen und Memel seit 1290 eine dritte im Norden, näm- lich Windau290. Dort sind seit 1291 Komture namentlich bekannt291. Gleichzeitig mit der Errichtung der neuen Kommende in Windau 1290 hob der Landmeister Haold/ Halt die Stellung des Goldinger Komturs und gab ihm Befugnisse eines Landkom- turs in Kurland. Denn der Goldinger Komtur sollte grundsätzlich der Statthalter des Landmeisters in Kurland und die übrigen Häuser, insbesondere Windau, ihm unterstellt sein. Da von Memel nicht die Rede war, wird der dortige Komtur gegen- über Goldingen seine Selbständigkeit bewahrt haben. Mit den übrigen Häusern, die ebenfalls dem Goldinger Komtur gehorchen sollten, wird der Landmeister außer Windau weitere Ordensburgen ohne Konvente gemeint haben292. Da der Goldinger Komtur seine Sonderstellung nicht aufrecht erhielt, gegenüber Windau nicht durch- setzte und auch nicht ausbaute, blieb die zugestandene Oberhoheit über Kurland & RC; Verse 9934ff., 11802ff.; Dragendorff, S. 88. ?öo Dragendorff, S.96f.; Fenske/Militzer, S.499f. Nr.655. 2 Fenske/Militzer, S. 775. Fenske/Militzer, S. 766. 2qi UB I, Nr. 536; Dragendorff, S. 91. enske/Militzer, S. 784. iv. UB I, Nr. 536; Dragendorff, S. 60.
weitgehend ohne Folgen. Im Laufe der Zeit verlor er seine Vorrechte. Eine Ball Kurland wie in Preußen das Kulmerland ist nicht entstanden. ei In Semgallen blieb es bei der einzigen Kommende Mitau. Weitere kamen nicht hinzu. Im südöstlichen Lettgallen hat der Orden die Kommende Wolkenburg arn Rasno-See aufgegeben und statt dessen eine Vogtei in Rositten eingerichtet Dj Südgrenze an der Düna sicherte die Dünaburg, die 1277 erbaut und nach ihrer Zer Störung wieder errichtet worden war. Ob sie damals schon eine Kommende wie später am Ende des 14. Jahrhunderts gewesen ist, ist ungewiß, wohl auch unwahr scheinlich. Im Norden wachten die Vögte von Fellin. In Karkus scheinen erst im 14. Jahrhun- dert wieder Vögte regiert zu haben293. Dem Felliner Vogt trat seit 1287 ein Komtur im nördlicher gelegenen Weißenstein294 und seit 1305 ein Vogt in Oberpahlen (Pölt- samaa) zur Seite295. Im Nordwesten lagen die Kommenden in Pernau und Leal Während für Leal eine durchgängige Komtursliste zunächst seit 1307 gegeben ist bestehen für Pernau Unsicherheiten, da eine regelmäßigere Reihe der Komture erst seit 1325 zu erstellen ist296. Man wird also damit zu rechnen haben, daß in Pernau nicht immer ein Konvent unterhalten worden ist. Im Kernland des ehemaligen Schwertbrüderordens lagen die Kommenden in Ri- ga, Ascheraden, Segewold und Wenden. Sie wurden vom Deutschen Orden weiter- hin unterhalten. Dazu kam Dünamünde (Daugavgriva). Der Deutsche Orden kauf- te nämlich 1305 das zerstörte Kloster an der Mündung der Düna und errichtete an seiner Stelle eine Burg, die er einem Komtur übergab297. Seit 1305 sind dort solche Amtsträger nachweisbar298. Damit hatten sich die Organisationsbemühungen des Ordens bis 1309, dem Ende der ersten Periode, erschöpft. Weitere Gründungen von Kommenden oder Vogteien gehören den folgenden Zeitabschnitten an. Wie in Preußen hat es in Livland von Anfang an Komture und Vögte gegeben. Dieses System hatte der Orden mit der Inkorporation von den Schwertbrüdern übernommen, die beide Ämter nebeneinander kannten. Der Deutsche Orden hat das System weiter ausgebaut. Komture waren die Vorgesetzten der Konvente in Or- densburgen. Sie hatten gemäß den Statuten für das Wohl der Brüder zu sorgen, hat- ten die Aufsicht über die Verwaltung des Konvents und der Burg, aber auch über das der Burg zugeteilte Land und wie im Fall des Goldinger Komturs sogar eine Art Oberaufsicht über eine jüngst gegründete Schwesterkommende. Den Komturen waren vielfach, aber nicht immer Vögte zugeordnet, die die Ver bindung zwischen den Ordensbrüdern als Herren und den Untertanen herstellten. 293 Fenske/Militzer, S. 762f. 294 Dragendorff, S.91. r S 96 295 Fenske/Militzer, S.768. Ohne Namen bereits 1304: Liv. UB II, Nr.608;Dragendorf> 296 Fenske/Militzer, S. 764, 769. 297 Liv. UB I, Nr. 614; Peter von Dusburg, Chronica IV,100. 298 Fenske/Militzer, S. 754f.
• erhoben die Abgaben und saßen über die Einheimischen zu Gericht299. Diese te erhielten ihre Amtsbezeichnungen meist nach Stammes- oder Ländernamen, 1 o Vögte der Kuren, Vögte in Sakkala usw. Sie waren in ihren Aufgabenbereichen a d Kompetenzen den Ordensvögten in Preußen vergleichbar. Solche Aufgaben yntten in Livland auch die Vögte, die Konventen in Ordensburgen zugeordnet wa- ren wie die Vögte von Fellin, Goldingen300, Memel301 und Wenden302, ebenso die vom Deutschen Orden gestellten Stiftsvögte303, die es auch in Preußen gegeben hat. Außer den angeführten Vögten hat es auch solche gegeben, die sich schon zur Schwertbrüderzeit nach Burgen benannten. Der Vogt von Jerwen, ursprünglich viel- leicht nach der Landschaft genannt, errichtete eine Burg an einem Ort gleichen Na- mens und führte fortan den Burgnamen in seinem Titel. Ursprünglich könnte er zu den anfangs erwähnten Vögten gehört haben. Jedoch erreichte er schon im 13. Jahr- hundert den Rang eines Komturs, verfügte über einen Konvent in seiner Burg und erfüllte die Aufgaben eines Komturs. Wohl mit Rücksicht auf die althergebrachte Bezeichnung wurde sein Titel nicht geändert. Daß der Vogt von Jerwen 1290 zu re- gelmäßigen Getreidelieferungen nach Goldingen verpflichtet war304, spricht nicht gegen seine Gleichstellung mit einem Komtur. Wahrscheinlich von Fellin ausgehend und nach diesem Vorbild gründete der Deutsche Orden in Rositten, Oberpahlen und wohl auch damals schon in Karkus Vogteien, deren Befehlshaber den Rang von Komturen hatten und deren Aufgaben erfüllten. Diese Entwicklung schied den Verwaltungsaufbau in Livland von dem in Preußen, wo Vögte und Vogteien einen anderen Rang einnahmen und andere Funk- tionen zu erfüllen hatten. Die Landmeister hatten Stellvertreter oder Statthalter, von denen einige in diesem Amt bezeugt sind, beispielsweise Andreas von Felben 1243 und Andreas von West- falen 127O305. Andere waren Komture oder Vögte und vertraten als solche den Mei- ster, wie 1256 Ludwig, der Komtur von Riga306, 1260-1261 Georg, der Komtur von Segewold307, oder 1305 Heinrich von Eck, der Vogt von Jerwen308. Einmal ist auch der Landmarschall als Vertreter des Landmeisters bezeugt, und zwar 1279-1280 Gerhard von Katzenelnbogen309. Bei anderen Stellvertretern des Landmeisters mag 299 D r a g e n d o r f f, S. 60 f. 300 Fenske/Militzer, S.756, 759. 301 Liv. UB I, Nr. 540. 302 Fenske/Militzer, S. 781 f. 303 Fenske/Militzer, S. 785. 304 Liv. UB I, Nr. 536. 05 Fenske/Militzer, S.750. Fenske/Militzer, S.431 Nr.567. Fenske/Militzer, S.255 Nr.293. Fenske/Militzer, S. 193 Nr.201. 09 Fenske/Militzer, S.373 Nr.483.
man zweifeln, ob sie wirklich Statthalter gewesen sind oder nicht vielmehr von de Ordenszentrale besondere Aufgaben übertragen bekommen hatten, die sie in Liv land durchführen sollten. Sie hießen zwar Statthalter oder Stellvertreter des Land meisters, waren in Wirklichkeit aber Sonderbeauftragte des Hochmeisters und des Generalkapitels. So trug Helmerich von Würzburg 1262 zwar den Titel eines Statt halters des Landmeisters von Preußen und Livland, kam aber offenbar vom Haupt haus in Palästina, wo er zuletzt 1253 als Oberster Trappier bezeugt ist. Noch im gleichen Jahr 1262 wurde er Landmeister von Preußen310. Mit welchem Auftrag er in das Baltikum gekommen ist, weiß man allerdings nicht. Ein anderer solcher Statthalter war 1281-1282 Mangold, der gleichzeitig das Amt eines Landmeisters von Preußen innehatte311. Da er an dem Kapitel in Akkon teilgenommen hatte, auf dem Burchard von Schwanden zum Hochmeister gewählt worden war, wird sich seine Stellvertretung wohl auf eine Wahlabsprache beschränkt haben. Denn der Landmeister von Livland war nicht zu dem Kapitel gereist. Wie in Preußen und in Palästina hatte der livländische Ordenszweig einen Mar- schall, der für Livland zuständig war, eben ein Landmarschall, der nicht mit den häufig auch Marschall genannten Amtsträgern einzelner Kommenden zu verwech- seln ist. Er war der Anführer des livländischen Ordensaufgebots, wenn der Land- meister abwesend war. Welche Aufgaben er in Friedenszeiten zu bewältigen hatte, ist den Quellen nicht zu entnehmen. Jedoch dürften sie im wesentlichen dieselben wie die seiner Amtsbrüder in Preußen und Palästina gewesen sein312. Ein Amtssitz ist nicht bekannt. Möglicherweise lebte er im Haupthaus in Riga und zählte zu den Beratern des Landmeisters. Namen der livländischen Landmarschälle sind nur lük- kenhaft überliefert. Nach dem ehemaligen Schwertbruder Rutger folgte 1241 viel- leicht ein Werner. 1279 ist Gerhard von Katzenelnbogen im Amt belegt, danach erst wieder 1300 ein Heinrich und 1306 ein Kuno313 314. Es ist daher wie in Preußen nicht auszuschließen, daß das Amt jeweils längere Zeit unbesetzt geblieben ist. Vögte und Komture, die den Landmeister zu vertreten hatten, aber nicht nur sie, brauchten für ihre eigenen Burgen und Konvente Hauskomture oder Stellvertreter. Aber solche Amts träger sind in Livland während des 13. Jahrhunderts kaum einmal nachzuweisen. Über die innere Organisation der livländischen Konvente ist ohne- hin wenig bekannt. Einmal ist in Goldingen ein Hauskomtur erwähnt, ein vicecom- mendator^. Man muß jedoch davon ausgehen, daß ein Komtur einen Stellvertreter benötigte, der die Befehlsgewalt in der Konventsburg übernahm, wenn der Vorge- setzte verreiste, in das Feld zog oder andere Aufgaben außerhalb der Burg erfüllte. 310 Fenske/Militzer, S. 740 f. Nr. 993. 311 Fenske/Militzer, S.473f. Nr. 573. 312 Dragendorff, S.51f. 313 Fenske/Militzer, S. 751. 314 Liv. UB I, Nr. 603; D rag end off, S. 63.
häufiger finden sich Marschälle einzelner Kommenden, und zwar in der 1241-1248, in Fellin 1241-1248, in Memel 1254, in Riga 1241-1272315 und viel- i • ht in Wenden 1241316. Eine breit gefächerte Ämterhierarchie findet sich nur im Ri aer Konvent, dem Haupthaus des livländischen Ordenszwei^. Dort sind außer i Marschall auch noch Schenken 1253 und Kämmerer 1241 bezeugt317. Kämmerer ind in Memel 1291318, in Goldingen 1300319 und vielleicht in Leal 1241 erwähnt320, per 1253 genannte Truchseß (dapifer) des Landmeisters wird dem Rigaer Konvent zuzuordnen sein321. Die Ausbeute an Nachweisen für Hausämter ist also gering und auch für das Haupthaus dürftig. Erstaunlich ist, daß bis auf eine Ausnahme keine Kumpane zu ermitteln sind. Le- diglich 1295 ist ein Kumpan des Vogts von Waigele belegt322. Dagegen fehlen Hin- weise auf solche Amtsträger der Landmeister und Landmarschälle. Es ist allerdings schwer vorstellbar, daß es Kumpane im livländischen Ordenszweig nicht häufiger gegeben habe. Denn diese Ämter waren besonders geeignet für die Ausbildung von Ritterbrüdern, denen man Führungspositionen anvertrauen wollte und die infolge- dessen an der Seite erfahrener Gebietiger an wichtige Aufgaben herangeführt wer- den sollten. Es ist freilich zu beachten, daß die Statuten keine Kumpane kennen und sie aus Palästina auch nicht bekannt sind. Da jedoch im benachbarten Preußen Landmeister und Komture Kumpane gehabt und deren Karrieren gefördert haben, wird man doch unterstellen können, daß die livländischen Meister das preußische Vorbild übernommen haben, zumal zumindest ein Kumpan eines Vogts in Livland überliefert ist. Wie der preußische Landmeister mit der Ballei Böhmen einen Rückhalt im Reich hatte, so verfügte der livländische Ordenszweig über vergleichbare Güter. Sie rühr- ten zunächst vom Schwertbrüderorden her, den der Deutsche Orden auch in dieser Hinsicht beerbt hatte. Bei den außerlivländischen Besitzungen handelt es sich zu- nächst um ein Gut Lyndell in Dänemark, das noch 1299 im Besitz der Livländer war,tdanach nicht mehr in Ordenshänden nachweisbar ist, und um das Dorf Rieps- dorf in Holstein, das 1261 dem Lübecker Bischof verkauft wurde323. Über die Ver- waltung dieses Besitzes weiß man nichts. Möglicherweise hatten nie Ritter- oder Priesterbrüder die Leitung der Güter in Händen gehabt, sondern sie weltlichen Amtsträgern überlassen, die die Erträge nach Livland überwiesen. 315 Fenske/Militzer, S. 757, 766, 773, 784. 316 Dragendorff, S.64. 317 Fenske/Militzer, S. 773f. 318 Liv. UB I, Nr. 540. 3D Liv. UB I, Nr. 603. 3?? ^-V Nr. 169; vgl. Dragendorff, S. 64f. -$2? ?iV‘ UB I) Nr.252; Fenske/Militzer, S. 601 Nr. 815. $22 R1V* UB HI, Nr. 560a; Fenske/Militzer, S. 543 Nr. 728. enninghoven, Schwertbrüder, S.212f.
Wichtiger für den Deutschen Orden war das Haus der Schwertbrüder in Lübeck das Boten, Rittern und Knechten als Unterkunft diente, bevor sie sich nach Liv" land, aber auch nach Preußen einschifften. In das Lübecker Ordenshaus zogen n auf genommene Ritterbrüder zur Überfahrt nach Livland noch im 15. Jahrhundert324 Wer das Haus im Mittelalter verwaltete, weiß man nicht genau. 1261 ist ein Ordens brüder als provisor bonorum in Lübeck erwähnt325. Aus späteren Jahrhunderten feh len Nachweise. Seit 1500 haben die livländischen Meister das Haus verpachtet, sich aber vorbehalten, daß Boten und Ordensbrüder dort übernachten könnten326. Das Haus wird aber wohl schon vor 1500 an Lübecker Bürger unter der Bedingung ver- geben worden sein, Ritterbrüdern, Boten und Gesandten des Ordens Übernach- tungsmöglichkeiten einzuräumen. Eine anfänglich vom Orden geplante Ausweitung des Besitzes in der Travestadt wurde aufgegeben, als der Versuch 1234 fehlschlug sich das Heilig-Geist-Spital einzuverleiben. Damals hatte die Lübecker Bürgerschaft das Spital zwar dem Orden übertragen, der Bischof aber seine Zustimmung verwei- gert. Er setzte sich schließlich durch327. Danach mag der Orden von der ursprüng- lichen Absicht, einen Konvent mit einem Komtur in Lübeck einzurichten, Abstand genommen haben. In Mecklenburg konzentrierte der Orden seinen zum Teil von den Schwertbrü- dern übernommenen Besitz in Krankow bei Wismar. Von 1268-1356 sind dort Komture bezeugt, die dem livländischen Meister unterstanden328. Jedoch ließ der Meister 1355 die Kommende Krankow und eine Jahr später den erst 1330 erworbe- nen Hof in Wismar veräußern329. Damit hatte der livländische Ordenszweig seine Güter bis auf die in Lübeck und Bremen verkauft. Die Kommende in Mecklenburg war überflüssig geworden, weil der Meister in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die ursprünglich zur Ballei Thüringen-Sach- sen und danach zur Ballei Westfalen gehörende Bremer Kommende erhalten hatte. Über die Einzelheiten der Übertragung sind wir nicht unterrichtet. Sicher ist, daß bereits 1313 der livländische Meister Gerhard von Jork den Bremer Komtur zu sei- nem Bevollmächtigten ernannt hatte. Dadurch wurde die Kommende wohl noch nicht aus dem Verband der Ballei Westfalen gelöst. Jedoch wurden damals offenbar engere Beziehungen geknüpft, die sich festigten. Die Eingliederung der Kommende in den livländischen Ordenszweig muß 1339 oder wenig früher erfolgt sein. Denn 324 Militzer, in: Fenske/Militzer, S.62; Brünjes, S.40. 325 UB Bistum Lübeck I, Nr. 151. 326 Wehrmann, Haus, S. 461 ff.; Graßmann, S. 38; Brehmer, Zusammenstellung, S. 239, 24 Anm. 70; Militzer, Entstehung, S. 164; Ders., Deutsche Orden in den großen Städten, S. 192. 327 Graßmann, S.39f. 328 Fenske/Militzer, S. 788. . 329 Mecklenburgisches UB VIII, Nr.5135; Liv. UB II, Nr.959, 961, 964; Lisch, S. 14ff.; Kuhn, S. 1 - Militzer, Entstehung, S. 164.
den Jahren wurde mit Wilhelm von Haren ein Ritterbruder Bremer Komtur, der 111 rher in Livland gelebt hatte. Es ist daher anzunehmen, daß der livländische Mei- v° ihn ernannt hatte. Nach ihm kamen die meisten Bremer Komture aus Livland Snd wurden vom livländischen Meister bestellt330. । U Der Schwertbrüderorden hatte auch Besitz auf Gotland erworben, den Papst In- nozenz III. 1213 bestätigte331. Über das Schicksal des gotländischen Besitzes ist we- nig bekannt. Dem Deutschen Orden gelang es auch nicht, auf Gotland eine Kom- mende zu errichten. Das schaffte er allerdings an der nordwestlich davon gelegenen schwedischen Küste. Dort bestätigte Papst Urban IV. 1262 dem livländischen Or- denszweig umfangreichen Besitz, der auf Schenkungen des schwedischen Adligen Karl Ulfsson zurückgeht332. Auf diesen Gütern entstand in Ärsta eine Kommende. Vielleicht war ihr erster Komtur der seit 1285 nachweisbare, zum livländischen Or- denszweig gehörende Ritterbruder Johan Elofsson aus einem schwedischen Adels- geschlecht333. In Livland hat er nicht gelebt, sondern ist nur in Schweden nachweis- bar, so daß die Annahme, er habe bereits das Deutschordenshaus Ärsta geleitet, wahrscheinlich ist. Jedoch ist keine Sicherheit zu gewinnen. Der erste nachweisbare Komtur der schwedischen Niederlassung war 1308-1312 Heinrich Burggraf von Stromberg. Ihm folgten weitere Ritterbrüder bis 146 5334. In dem Jahr verließ der letzte Komtur Gerhard von Walien Schweden und wurde 1466 Vogt von Oberpah- len in Livland335. Ärsta wurde im folgenden Jahr mit allem Zubehör verkauft336. Die Kommende Ärsta hatte von Anfang an unter der Oberaufsicht des livländi- schen Meisters gestanden. Diese Abhängigkeit mochte daher rühren, daß die livlän- dischen Meister die Nachfolge der Schwertbrüdermeister angetreten hatten. Die Schwertbrüder hatten aber vor ihrer Inkorporation in den Deutschen Orden 1237 Besitz in Gotland und vielleicht auch auf dem schwedischen Festland gehabt. Die Inkorporation des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden 1237 führ- te dazu, daß die ehemaligen Funktionsträger ihren Einfluß verloren. In wichtige Ämter gelangten schnell neue Männer, eben Brüder des Deutschen Ordens, die Hermann Balk mitgebracht hatte. Auch nach Balks Rücktritt blieb der livländische 330 331 332 333 334 335 336 Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 790 f., vgl. S. 292 Nr. 347. Diplomatarium Svecanum I, Nr. 153; Eimer, S. 54; Nyberg, Spuren, S.200. Liv. UB VI, Nr. 2741; E i m e r, S. 56 Anm. 9. Fenske/Militzer, S.203f. Nr.214. Laut Eimer, S.63, soll er schon 1281 Ordensbruder gewesen sein. Fenske/Militzer, S. 787. Vgl. die Liste bei Eimer, S. 106. Die Indizien, Israel Birgersson, den Bruder der heiligen Birgitta von Schweden, als Mitglied des Deutschen Ordens anzusprechen, rei- chen nicht aus und sind widersprüchlich. Nyberg, Spuren, S.200, stimmt Eimer dagegen zu und uhrt Israel Birgersson sogar als Komtur von Ärsta an. Dazu reichen die Anhaltspunkte noch weni- ger. Für Angehörige schwedischer Geschlechter ist eine Mitgliedschaft im Deutschen Orden, ge- weige denn die Verwaltung des Amts eines Komturs von Ärsta, kaum zu belegen. Fenske/Militzer, S.696f. Nr.931. iv. ÜB XII, Nr.482; Eimer, S. 112ff.; Nyberg, Spuren, S.201.
Zweig eng mit dem preußischen verbunden337, wie sich schon aus der Tatsache er- gibt, daß mehrere Landmeister aus Preußen kamen und dorthin zurückkehrten oder auch zeitweise die Ämter der Landmeister von Preußen und Livland in ihren Händen vereinigten. Viele Amtsträger kamen damals nicht mehr aus Nieder- deutschland, der eigentlichen Herkunftsregion der Schwertbrüder. Erst seit der Amtszeit Wilhelms von Nindorf änderte sich das, wenn auch von einer „Verselb- ständigung“ von der sogenannten preußischen Bevormundung noch keine Rede sein konnte338. 337 Neitmann, Grafschaft, S.55; Wojtecki, Identität, S.65ff. 338 Gegen Wojtecki, Identität, S.66, 68; Neitmann, Grafschaft, S. 55.
io. DIE BRÜDER - HERKUNFT UND KARRIEREN 10.1 Probleme einer Sozialgeschichte des Deutschen Ordens Der Darstellung einer Sozialgeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert bis zur Übersiedlung des Haupthauses in die Marienburg 1309 stehen erhebliche Hindernisse gegenüber. Sie setzen schon ein, wenn man sich Rechenschaft über die Zahl der Ordensbrüder geben will, ganz zu schweigen davon, daß man diese Zahl auch noch auf Ritter-, Priester- und dienende Brüder (Sarjantbrüder oder Grau- mäntler) aufteilen müßte. Über die Graumäntler ist ohnehin während der gesamten Ordenszeit wenig bekannt geworden. Das gilt - wenn auch nicht in so starkem Maß - für die Priesterbrüder in der Anfangsphase ebenso. Jedoch weiß man auch über die wichtigste Gruppe, die Ritterbrüder, aus dem 13. Jahrhundert nicht viel. Besser informiert ist man nur über hohe Funktionsträger des Ordens, also insbe- sondere über die Hochmeister, Deutschmeister und Landmeister von Preußen und Livland. Während über Landkomture und Komture in den Balleien und in Preußen und Livland schon eine Menge an Fakten zusammengetragen worden sind, klaffen in der Reihe der Großgebietiger des Haupthauses des Ordens, also der Großkom- ture, Obersten Marschälle, Trappiere, Spittler und Treßler erhebliche Lücken, so- wohl was die Amtsträger, die Amtszeiten als auch deren Herkunft betrifft. Diese Lücken werden kaum zu schließen sein, da die Überlieferung infolge des Verlustes von Akkon 1291 für immer gestört und ein erheblicher Teil der Dokumente ver- oren gegangen ist. Besonders nachteilig für alle Untersuchungen zur Sozialgeschichte des Deutschen p rdens wirkt sich die Tatsache aus, daß man namentlich über die Zahl der im Hei- den Land tätigen Ordensbrüder wenig verläßliche Angaben machen kann. Nach em Ordenschronisten Peter von Dusburg, der in der ersten Hälfte des 14.Jahrhun- erts geschrieben hat, soll Hermann von Salza den Wunsch geäußert haben, daß er $ern e*n Auge geben wolle, wenn er nur zehn Ritterbrüder unter Waffen halten
könne1. Die Zahl wird man nicht wörtlich nehmen, aber doch unterstellen dürfe daß im Deutschen Orden 1209 oder 1210 nur wenige Ritterbrüder lebten. Die kle^ nen, bescheidenen Anfänge des Ordens und die zunächst geringe Personaldecke hat auch die „Narracio de primordiis ordinis Theutonici“ aus der Mitte des 13. Jahrhu derts hervorgehoben2. Peter von Dusburg hat die „Narracio“ gekannt und verwer tet3. Er kann daher nur bedingt als unabhängiges zweites Zeugnis für die Aussage herangezogen werden, aber beide Quellen geben das Selbstverständnis im Orden wieder, das von der Gewißheit der bescheidenen Anfänge durchdrungen war. Diese Auffassung dürfte von der Wirklichkeit nicht weit entfernt gewesen sein. Die ursprünglich bescheidene Ausgangsposition muß sich bald zum Besseren ge- wandelt haben. Denn derselbe Hochmeister Hermann von Salza spielte bereits im Kreuzzug gegen Damiette 1219-1221 eine beachtliche Rolle4. Das wäre ihm nicht möglich gewesen, wenn er nicht über eine größere Zahl an Ritterbrüdern hätte be- fehlen können. In der Tat berichtet Peter von Dusburg von einem erstaunlichen Aufstieg des Ordens unter dem Hochmeister Hermann von Salza. Wenn er aller- dings berichtet, daß bald nach Hermanns Tod die Zahl der Ritterbrüder 2000 betra- gen habe5, wird er übertrieben haben. Ganz von der Hand zu weisen ist die Zahl je- doch nicht. In Livland rechnet Benninghoven um 1240 mit 120-180 Ritterbrüdern oder ungefähr 18-20 in jedem Konvent6. Legt man die Zahlen für Preußen zugrunde, werden vor dem großen Aufstand der Prußen von 1273 wohl 350-400 Ritterbrüder in den preußischen Konventen gelebt haben. Für die deutschen Balleien kennen wir Zahlen aus der Zeit um 1400. Damals wohnten in den dortigen Kommenden 450- 500 Ritterbrüder7. Viel mehr oder weniger werden es um 1300 auch nicht gewesen sein. Um 1250 ist allerdings mit weniger Ritterbrüdern zu rechnen, da in der zwei- ten Hälfte des 13. Jahrhunderts neue Kommenden errichtet wurden, in denen auch Ritterbrüder tätig waren. In den Balleien am Mittelmeer wirkten um 1400 nicht ein- mal 50 Ritterbrüder8. Ihre Zahl wird im 13. Jahrhundert höher gewesen sein, da die dortigen Ordenshäuser damals wenigstens teilweise noch wichtige Etappenstatio- nen auf dem Weg ins Heilige Land gewesen sind. Rund um das Mittelmeer außer dem Heiligen Land wird man in der Mitte des 13. Jahrhunderts wohl mit 200 Ritter- 1 Peter von Dusburg, Chronica 1,5. 2 Perlbach, Statuten, S. 159f. 3 Boockmann, Geschichtsschreibung, S.450. 4 Kluger, S.9ff. 5 Peter von Dusburg, Chronica 1,5. 6 Benninghoven, Schwertbrüder, S.407. 7 Benninghoven, Zahl, S. 12ff. Es fehlen dort Böhmen und Mähren. Dazu: Militzer, in: Fens ke/Militzer, S. 15. 8 Benninghoven, Zahl, S. 12ff. Es fehlen Angaben zu den Balleien Spanien und Morea (Griechen land).
..i n _ vielleicht auch ein paar weniger - rechnen dürfen. Einen erheblichen ’ herheitsfaktor stellt allerdings die Ballei Armenien dar, weil es kaum Anhalts- t^kte für eine Abschätzung der Größe der Besatzungen der dortigen Ordensbur- Pun Ritterbrüdern gibt. Man kennt nicht einmal den Leiter der Ballei. Da je- geI\ die Burgen an einer von Muslimen bedrohten Front lagen9, muß der Orden gesatzungen unterhalten haben, die in der Lage waren, Angriffen zu widerstehen. Es ist deshalb durchaus vorstellbar, daß der Orden in Armenien zeitweise bis zu 100 Ritterbrüder stationiert haben könnte. Jedoch bleibt das eine Vermutung, die vorläufig durch keine zeitgenössische Überlieferung gestützt werden kann. Auch in Spanien hat der Orden in die Kämpfe gegen die Mauren eingegriffen, aber wohl nur geringe Kontingente ins Feld geführt10. Immerhin haben sich einige Ritterbrüder an der Reconquista beteiligt. Selbst bei geringen Kontingenten wird man zehn Ritter- brüder anzunehmen haben. Alles zusammengenommen kann die Zahl der Ritter- brüder rund um das Mittelmeer von Spanien bis zu Armenien einschließlich Zy- perns um 1250 wohl bis zu 200 betragen haben. Vor analogen, vielleicht sogar größeren Schwierigkeiten steht derjenige, der die Brüderzahl in Palästina abschätzen will. Der Orden war in Akkon, Montfort und vorübergehend auch in Jerusalem begütert, ferner in Tyros und Sidon, wo 1261 ein Komtur saß, sodann in Tripolis und Antiochia. Dazu kamen weitere Besitzungen an der Küste und im Hinterland11. Der wichtigste Besitz mit mehreren Burgen grup- pierte sich um Montfort und bestand im wesentlichen aus der vom Orden erworbe- nen Seigneurie de Joscelin12. In einer Burg wie Qal’at Jiddin und Castrum Regis bei Montfort lagen vielleicht je 20 bis 30 Ritterbrüder13, in der Hauptburg sicher mehr. Der Orden verfügte über weitere solcher Befestigungen im Norden des Königreichs Jerusalem und in der Grafschaft Tripolis14. Es ist ferner zu beachten, daß der Orden unter Hermann von Salza und seinen unmittelbaren Nachfolgern den Schwerpunkt seines Wirkens im Nahen Osten hatte. Denn dort lagen die heiligen Stätten, die es zu erobern und zu verteidigen galt. Die übrigen Einsatzgebiete im Burzenland und lm Baltikum spielten demgegenüber noch eine Nebenrolle. Das änderte sich erst seit der Mitte des 13. Jahrhunderts15. Man wird daher vermuten dürfen, daß die Mehrzahl der einsatzfähigen Ritterbrüder zumindest bis in die Mitte des 13. Jahr- $ Vgl. For st reu ter, Mittelmeer, S. 61 f.; Riley-Smith, Templars, S. 113 ff. 10 So Forstreuter, Mittelmeer, S.92f. 1 For st reu ter, Mittelmeer, S. 35 ff.; Prutz, Besitzungen. Mayer, Seigneurie; vgl. Riley-Smith, Atlas, S. 102, 107; Pringle und andere, Qal’at Jiddin, S.159ff.; Ders., Hall, S.52ff. 14 ° Schätzung von Pringle, Qual’at Jiddin, S. 162. 15 v Rjley"Smith> Atlas, S. 107. g • beispielsweise Kluger, S. 186ff., gegen frühere Versuche vor allem der deutschen Historiogra- P le) den Hochmeister Hermann von Salza für die Staatsbildung im Baltikum in Anspruch zu neh- men.
hunderts hinein in Palästina stationiert waren. Um wieviele es sich jedoch genau handelt hat, ist auch mit Hilfe dieser Überlegungen nicht zu fassen. Es fehlen vfsi' tationsberichte oder sonstige verwertbare Zahlenangaben aus der Zeit. Wir wissen nicht einmal, wieviel Brüder 1291 an der Verteidigung Akkons beteiligt waren und gefallen sind. Das Altenbiesener Nekrolog hält lediglich den Todestag des Anfüh rers des Ordenskontingents Heinrich von Bolanden fest und spricht von multi fra tres, die mit ihm im Kampf getötet worden seien16. Daher läßt sich nur mit Ein Schränkungen die Ritterbrüderzahl in Palästina um 1250 mit ungefähr 400 ansetzen Diese Zahl paßt in etwa mit der zusammen, die der Patriarch von Jerusalem 1244 nach der Niederlage der Christen bei La Forbie nordöstlich von Gaza nannte. Da- mals soll der Deutsche Orden 400 Männer verloren haben17. Fraglich ist, ob damit nur Ritterbrüder oder nicht auch weltliche Kreuzzugsteilnehmer gemeint gewesen waren. Denn 400 Ritterbrüder hat der Orden 1244 schwerlich ins Feld führen kön- nen, ohne seine Burgen von Verteidigern gänzlich zu entblößen. Am Beginn der Amtszeit Hermanns von Salza war die Zahl der Ritterbrüder sehr viel geringer als 400, wenn auch die angeblich vom Hochmeister erwähnte Zahl von zehn Brüdern stark untertrieben war. Nach dem Fall der Burg Montfort 1271 wird die Anzahl der in Palästina lebenden Ritterbrüder wieder abgenommen haben. 1290 hatte der Hochmeister Burchard von Schwanden noch einmal 40 Ritterbrüder nach Akkon gebracht18, die wohl alle oder von denen zumindest die meisten bei der Ver- teidigung der Stadt gefallen sind. Die Verteidigung der Burg Montfort und der Stadt Akkon und der Feldzug nach Ägypten, der vor Damiette scheiterte, waren nicht die einzigen kriegerischen Einsätze, an denen der Deutsche Orden beteiligt war. Eine ganze Reihe von Kämpfen und Scharmützeln hat auch dem Orden einen hohen Blutzoll abverlangt, so daß immer wieder Ritterbrüder in großer Zahl aus Europa für den Kampf im Heiligen Land gewonnen werden mußten. Nachdem sich der einheimische christliche Adel ab 1250 aus Palästina zurückzu- ziehen begonnen hatte, ruhte die Verteidigung der abendländischen Positionen im Nahen Osten immer stärker auf den Schultern der drei großen Ritterorden, die 1258 in der Grabeskirche von Akkon einen gegenseitigen Beistandspakt geschlossen 16 17 18 Perlbach, Necrologe, S. 364. RRH, Nr. 1124f.; vgl. Forey, Orders, S. 78 f. Dort auch weitere Zahlen für Templer und Johanniter. Barber, Knighthood, S.93ff., meint, daß die Templer im 12.Jahrhundert 600 Ritter- und 2000 Sar jantbrüder unterhalten hätten. Riley-Smith, Crusades, S.60, und, ihm folgend, Sire, S.20, ne men dagegen an, daß die Johanniter jährlich nur 300 Ritterbrüder in Palästina zur Verfügung gena hätten. Das ist wohl zu niedrig gegriffen. Würde diese Angabe zutreffen, käme der Deutsche Or^ allenfalls auf eine annähernd gleich hohe, eher jedoch auf eine geringere Zahl an Ritterbrüdern. zu: Runciman III, S.233ff. SRP 1, S. 513 f. Die Nachricht ist nicht über allen Zweifel erhaben. Sie wird allein von Nikolaus vo Jeroschin mitgeteilt, steht in dessen Vorlage, der Chronik Peters von Dusburg, dagegen nicht, e S.205.
Die Meister der drei Orden versprachen sich gegenseitig, falls einer von ih- kabenaCh Europa reisen müsse, daß die beiden anderen den Orden des abwesenden schützten und dessen Brüdern mit Rat und Tat zur Seite stünden19. Die rinbarung war nötig geworden, weil die Bedrohung des K^stenstreifens durch zT Muslime zugenommen hatte und nicht nur größere Schlachten, sondern auch Qh rmützel ihre Tribute forderten. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Ritterbrüder aller drei Orden im Heiligen Land kann daher nicht hoch gewesen SelWenn man die Zahlen zusammenfaßt, ergibt sich folgende Tabelle: Zahl der Ritterbrüder um 1250 Palästina 400 Balleien am Mittelmeer 200 Deutsche Balleien 400 Preußen 400 Livland 180 Insgesamt 1580 Um 1250 verfügte der Deutsche Orden also wahrscheinlich über ungefähr 1600 Rit- terbrüder. Mögen die Zahlen auch ungenau und nicht mehr als grobe Schätzungen sein, geben sie doch wenigstens einen Eindruck von der Stärke des Deutschen Or- dens und von der Verteilung der Ritterbrüder in ihren Einsatzgebieten. Auffallend ist die geringe Zahl der Ritterbrüder in Livland. Aber dennoch haben sich die Prio- ritäten des Deutschen Ordens verschoben, als er den Schwertbrüderorden inkorpo- rierte und im Baltikum einen neuen Schauplatz eröffnete. Allein schon die Zahl der Brüder und Funktionsträger übertraf die im Heiligen Land. Wegen der beiden Ein- satzgebiete im Baltikum erhielt schon damals der Osten Europas ein Übergewicht gegenüber dem Orient oder hatte, wenn man Armenien mit zum Einsatzgebiet im Heiligen Land zählen will, zumindest gleichgezogen. Die Zahlen belegen, daß sich der Schwerpunkt des Ordens auch unabhängig von der zunehmend schlechteren Lage er Christen im Heiligen Land vom Mittelmeer zum Baltikum zu verlagern begann. Die in der Tabelle genannten Zahlen treffen nur für ein Jahr um die Mitte des -Jahrhunderts zu. Sie erfassen nicht die Ritterbrüder, die im Lauf des 13.Jahrhun- erts in den angeführten Gebieten gelebt und gewirkt haben. Deren Zahl ist erheb- höher gewesen. Wenn wir uns im folgenden davon ein Bild zu machen versu- . f0’ kann es ebensowenig wie das eines Jahresdurchschnitts exakt sein, sondern lc nur der Wirklichkeit annähern. 19s l trenlke, Tabulae, Nr. 116; CHJ II, Nr.2902; vgl. Barber, Knighthood, S. 155f.
Für den livländischen Zweig des Deutschen Ordens ist wahrscheinlich zu chen, daß Ritterbrüder im 13. Jahrhundert durchschnittlich nicht länger als 15 Jah^ gedient haben, weil sie in dem Zeitraum meist nach wenigen Jahren gestorben sind oder erschlagen wurden. Wenn sie Glück hatten, wurden sie nach einigen Jahren ’ die Heimat zurückversetzt20. Man darf wohl unterstellen, daß die durchschnittliche Lebenserwartung der Ritterbrüder in Palästina vergleichbar gering gewesen ist, weil die Kriege und Scharmützel mit den Muslimen und das ungewohnte Klima ebenso hohe Opfer forderten. Jedenfalls werden die Todesfälle in den palästinensischen Konventen des Deutschen Ordens nicht geringer, eher höher als in Livland gewesen sein. Stimmt man dem zu, und nimmt man 400 Ritterbrüder jährlich an, kommt man in rund 50 Jahren von dem ägyptischen Kreuzzug nach Damiette bis zum Fall von Montfort (1219-1271) auf mindestens 1200 Ritterbrüder, die im Heiligen Land eingesetzt worden sind. Vor 1219 mögen es ungefähr 200 und nach dem Fall von Montfort bis zum Fall von Akkon noch einmal insgesamt 400 gewesen sein. Das heißt also, daß bis 1291 wohl mindestens 1800 Ritterbrüder im Heiligen Land gelebt haben müssen, eher mehr als weniger. In Livland werden 1200-1400 Ritterbrüder in den Jahren 1237-1309 gedient ha- ben. Nach denselben Berechnungsgrundlagen wie für Livland kommt man für Preußen auf eine Zahl von 2400-2800 in dem vergleichbaren Zeitraum von 1230— 1309. Die Lebensbedingungen für die Ritterbrüder waren in Preußen und Livland weitgehend dieselben. Die Lebenserwartungen waren infolge der inneren und äuße- ren Auseinandersetzungen gering. Die Verluste in Schlachten und Scharmützeln mußten in beiden Einsatzgebieten wie in Palästina auch stets durch Zuzug aus dem Deutschen Reich ausgeglichen werden. Anders ist die Lage in den mittelmeerischen Balleien zu beurteilen. Hohe Verlu- ste hatte der Orden nur in Armenien, vor allem infolge der Offensive der Truppen Baibars 126621. Zwar hat sich der Orden danach noch nicht ganz aus Armenien zu- rückgezogen, aber sein Engagement doch begrenzt. Denn über einen Einsatz von Ritterbrüdern des Deutschen Ordens hört man aus dieser Gegend nichts mehr. In Griechenland und Spanien fochten allenfalls kleinere Ordenskontingente. Die Häu- ser der Balleien Sizilien, Apulien und der Lombardei waren zwar reich, unterhielten aber wahrscheinlich nur wenige Ritterbrüder. Selbst als das Haupthaus nach dem Fall Akkons 1291 nach Venedig verlegt wurde, stieg die Zahl der Ritterbrüder in der Ballei nur geringfügig. Im Haupthaus saßen zwar die Großgebietiger, nämlich der Großkomtur, der Oberste Marschall, der Trappier, der Spittler und der Treßler, aber keine nennenswerte Anzahl an Ritterbrüdern, die der Orden im christlichen Ober italien auch nicht benötigte, da er in die Auseinandersetzungen der oberitaliem sehen Mächte gar nicht eingreifen durfte. Die im Haupthaus in Venedig lebende 20 Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 13f. 21 Fors treu ter, Mittelmeer, S. 64 f.; Runciman III, S. 322 ff.
rbrüder waren also fast ausschließlich Großgebietiger samt dem Hochmeister, Rltt^umindest zeitweise dort residierte, aber auch kein großes Gefolge unterhielt. Lebenserwartung der in den Balleien am Mittelmeer dienenden Ritterbrüder ^.ie i Löher als die der Brüder an der Front im Orient und irrt Baltikum gewesen W! Angesichts des geringen Engagements in Armenien, der späten Errichtung von mmenden in Griechenland und der wenigen Ritterbrüder in den italienischen Balleien wird man bis 1309 wohl kaum mit mehr als 500 Männern rechnen können. In den deutschen Balleien lebten zu Beginn des 13. Jahrhunderts weniger Ritter- brüder als später, weil viele Ordenshäuser erst errichtet werden mußten. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts mögen sich mehr als 400, vielleicht bis zu 500 Ritterbrü- der in den deutschen Kommenden aufgehalten haben. Sie werden auch zum Teil in das Baltikum oder nach Palästina geschickt worden sein. Manche kamen nach einer Reihe von Jahren zurück, um ihren Lebensabend in den sicheren Kommenden im Reich zu verbringen. Eine große Zahl hat aber nie die Balleien verlassen. Jene Män- ner lebten länger als ihre gefährdeten Mitbrüder im Osten und im Orient. Man wird daher einen langsameren Austausch der Brüder in den Balleien annehmen dür- fen, so daß man wohl bis 1309 mit insgesamt ungefähr 2400 Ritterbrüdern in den deutschen Balleien rechnen kann. In tabellarischer Form zusammengefaßt, ergeben die bisherigen Überlegungen folgende Zahlen: Anzahl der Ritterbrüder des Deutschen Ordens bis 1309 Palästina 1800 Ordenszentrale in Venedig 1291-1309 50 Balleien am Mittelmeer 500 Balleien im Deutschen Reich 2400 Preußen 2800 Livland 1800 Insgesamt 9350 In den Deutschen Orden sind also bis 1309 nahezu 10.000 Männer als Ritterbrüder eJngetreten. Alle diese Zahlen - das soll noch einmal betont werden - können nur a s ungefähre Richtwerte gelten, an denen im folgenden unsere Kenntnisse der tat- ac hch bekannten Ritterbrüder gemessen werden sollen. Nur indem man die ver- £jutete Gesamtzahl angibt, kann man abschätzen, welchen Wert Aussagen über die er unft der Brüder, deren Abstammung oder über ihre Karrieren haben. Die ge- UnjUten Zahlen bieten trotz aller Bedenken, die gegen sie erhoben werden können, trotz aller Ungenauigkeiten, die in ihnen stecken, einen notwendigen Orientie- nSSrahmen für die weitere Diskussion.
Noch schlechter steht es mit Zahlen für die Priesterbrüder von den Anfängen b’ 1309. Eine Gesamtzahl ist weder für den Zweig im Heiligen Land noch in den Bal leien oder gar in Preußen und Livland zu ermitteln. Es fehlen bislang auch alle An' haltspunkte für eine mehr oder weniger begründete Schätzung. Immerhin lassen sich für die Priesterbrüder noch einige Hinweise über die regionale und soziale Zu sammensetzung geben. Für die Graumäntler (Sarjantbrüder) ist selbst das nicht möglich. Sie fallen daher für eine Analyse nach der regionalen und sozialen Her kunft aus. 10. 2 Die Ritterbrüder in Palästina Fragt man danach, wieviele Ritterbrüder aus Palästina bekannt sind, fällt die Ant- wort leicht. Es sind nur sehr wenige. Am vollständigsten sind noch die Namen der Großgebietiger überliefert22. Bekannt sind zwölf Großkomture und einer ihrer Stellvertreter, drei Kleinkomture, zehn Marschälle, acht Spittler, sieben Trappiere, sechs Treßler und vier Kastellane von Montfort, die eigentlich nicht zu den Groß- gebietigern zählten, aber doch eine herausragende Position im Orden eingenommen haben. Dazu kommen 37 weitere Ritterbrüder, darunter ein Komtur von Sidon und zwei Kumpane. Da einige Personen mehrere Ämter nacheinander bekleidet haben, schrumpft die Zahl der bekannten Ritterbrüder weiter zusammen. So bleiben noch 46 der Großgebietiger einschließlich des Kleinkomturs und des Kastellans von Montfort und weitere 36 Ritterbrüder. Das sind während der langen Zeit von der Gründung bis zum Fall von Akkon 1291 nicht einmal 100 Ritterbrüder. Gerade 5 % der vermuteten 1800 Ritterbrüder des Zeitraums sind bekannt. Nachnamen oder Hinweise zu einer Identifizierung bieten allenfalls 40 von ihnen. Das sind nur noch 2%. Der Anteil, der bearbeitet werden kann, ist also so klein, daß sich kaum be- gründete Aussagen über die Herkunft der Ritterbrüder machen lassen. Hinzu kommt, daß die 2% nicht nach statistischen Gesichtspunkten, also nach keinem Stichprobenverfahren, ausgewählt worden sind und daher auch nicht als repräsenta- tiv für die Gesamtheit gelten können. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die Namen der Ritterbrüder in fremder Umgebung entstellt wiedergegeben worden sind. Aus den angeführten Gründen sind alle Angaben, die sich dem spärlichen Ma- terial abgewinnen lassen, als Anhaltspunkte zu werten, aber nicht als unumsto liehe Tatsachen anzusehen. Im Jahr 1215 waren ein Drabodo de Utinge Großkomtur und ein Ludwig von Hörselgau Marschall23. Der Marschall stammte aus einem thüringischen Ministerin 22 Vgl. die Listen bei Milthaler, S.35ff.; Forstreuter, Mittelmeer, S.211 ff. 23 RRH, Nr. 879; Strehlke, Tabulae, Nr.48.
schlecht24. Woher Drabodo de Utinge kam, ist dagegen ungewiß. Dem Namen ien? gönnte er einem oettingischen Ministerialengeschlecht zuzuordnen sein. Die *aCfen von Oettingen hatten den Orden bereits 1196 in Palästina während eines K uzzugs kennen und schätzen gelernt25. Möglicherweise ist e^ner ihrer Begleiter N blieben und der 1198 zum Ritterorden erhobenen Korporation beigetreten. Sollte das zutreffen, kam der Großkomtur aus Franken. Der nächste namentlich bekannte Großgebietiger war Gerhard von Malberg, der spätere Hochmeister (1240-1244). Er bekleidete 1239-1240 das Marschallamt. Er war Rheinländer und gehörte einem Dynastengeschlecht an26. Der 1230-1240 ge- nannte Kastellan von Montfort Konrad Dessohn dürfte mit Konrad von Nassau identisch sein, der 1228/29 erstmals im Heiligen Land bezeugt ist und 1244 Groß- komtur wurde27. Er kam sicher nicht aus der Grafenfamilie, sondern entstammte einer der zahlreichen Ministerialen- oder Burgmannengeschlechtern gleichen Na- mens28. Auf das Rheinland verweisen der 1228/29 genannte Ritterbruder Heinrich von Koblenz29 und der 1253 bezeugte Kastellan von Montfort Peter von Koblenz30, auch wenn für beide keine bestimmte Familienzugehörigkeit nachzuweisen ist. Aus einer rheinischen Dynastenfamilie stammte Eberhard von Sayn, der 1249-1257 das Amt eines Großkomturs bekleidete31. Aus Hessen kam wahrscheinlich der 1244 ge- nannte Marschall Werner von Merenberg32. Konrad von Solms aus einer hessischen Grafenfamilie ging, nachdem er 1246-1249 Landkomtur von Elsaß-Burgund, Kom- tur von Marburg und Landkomtur der Partes Inferiores gewesen war, in das Heilige Land und wurde dort Oberster Marschall. Als solcher ist er 1258 bezeugt und hatte das Amt wohl noch bis 1283 inne33 *. 1246 verzichtete Dietrich, der Sohn des Kölners Appollonius und seiner verstorbenen Frau Gertrud, auf sein Erbe in seiner rheini- schen Heimat. Er galt als frater domus Theutonice ultramarine54. Die sonst in Köln unübliche Bezeichnung deutet darauf hin, daß er sich in Palästina aufhielt35. Der zur gleichen Zeit bezeugte Kastellan von Montfort und Marschall Johann Se- Üch, ein ehemaliger Schwertbruder Livlands, wird dem Magdeburger Patriziat zu- 24 Fenske, Amtsträger, S. 74ff. 25 Hopfenzitz, Oettingen, S. lff. 26 Milthaler, S.38; Schreiber, S.655ff. 27 RRH, Nr. 1002, 1021, 1097, 1120f.; Streh 1 ke, Tabulae, Nr. 63, 98f. Gensicke, Landesgeschichte, S.226ff. RRH, Nr. 1002; Strehlke, Tabulae, Nr.63. 30 RRH, Nr. 1206. 31 Fenske/Militzer, S. 562 Nr. 756. 33 xv7RH’ Nr* 112°f-J Strehlke, Tabulae, Nr.98f. 34 rr^tec^’ Studien, S.37f.; Heim, S.39; Van der Eycken, Aanvullingen, S.269. 35 $. Köln, Schreinsbuch 307, fol. 9v. lc er ist das nicht, da sich ultramarina auch auf das Haupthaus in Akkon bzw. Montfort im Heili- gen Land beziehen könnte.
geordnet36. Dessen Nachfolger in beiden Ämtern Helmerich von Würzburg ka aus Franken37. In Sachsen dürfte die Heimat des Johannes de Saxonia, Sasse Sax Sas zu suchen sein. Er war 1274-1277 Treßler und 1280 Vertreter des Spittle ’ Vielleicht war er 1246-1248 Komtur von Mergentheim, 1266-1269 Landkomtur der Lombardei und hielt sich 1274 als einfacher Ritterbruder im Haupthaus de Ballei in Padua auf. Sein Nachname deutet die Herkunft an und war wohl kein Familienname38. Ob aber alle Träger des Nachnamens Sasse identisch waren ist ungewiß. Zwar fehlen unter den in Palästina weilenden Ritterbrüdern die Thüringer nicht ganz. Abgesehen vom Marschall Ludwig von Hörselgau ist 1215 Gunther von Wül- lersleben, der spätere Hochmeister, als einfacher Ritterbruder im Heiligen Land be- zeugt39. Aber die Thüringer stellten bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts keineswegs die Mehrheit der identifizierten Ritterbrüder, traten vielmehr deutlich in den Hin- tergrund. Wenn man bei der geringen Zahl der bekannten Brüder überhaupt eine Aussage machen kann, wird man als Tendenz festhalten dürfen, daß in Palästina zwar auch Thüringer dienten, aber meist Ritterbrüder aus anderen Gegenden, näm- lich dem Rheinland, Hessen und Franken, nachzuweisen sind. Die für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts festgestellte Tendenz setzte sich fort. Der 1280 als Trappier bezeugte Heinrich von Bolanden, der 1291 bei der Verteidi- gung Akkons fiel, war ein Rheinländer aus einem angesehenen Reichsministerialen- geschlecht40. Konrad von Solms, 1258-1261 und 1283 Oberster Marschall, war ein Angehöriger einer hessischen Grafenfamilie41. Der 1253 nachweisbare Kastellan von Montfort Peter von Koblenz, der 1261 einfacher Ritterbruder war42, der Treßler Hermann von Köln 1282 und Jakob von Ramersdorf 1282 kamen sicher aus dem Rheinland43, wenn auch ihre genaue Familienzugehörigkeit ungewiß bleibt. Nach Holland deutet der Vorname Florentius, den ein Ritterbruder 1273 trug44. Am Nie- derrhein wird Konrad von Millendunck geboren worden sein, der 1282 in Palästina diente45. Aus Westfalen mag der Großkomtur namens Johann de Westfalia (1277— 1280) gekommen sein46. Der 1277 in Palästina genannte Ritterbruder Vellenberg dürfte identisch sein mit dem 1265 bezeugten Komtur von Würzburg Ulrich von 36 Fenske/Militzer, S. 595f. Nr. 805. 37 Fenske/Militzer, S. 740 f. Nr. 993. 38 Hartmann, Mergentheim, S.27; Forstreuter, Mittelmeer, S. 155, 231. 39 RRH, Nr. 879; Strehlke, Tabulae, Nr.48; Schreiber, S.632ff. 40 Scholz, Beiträge, S. 243. 41 Wo j tecki, Studien, S. 36f. Anm. 198. 42 Forstreuter, Mittelmeer, S.47; RRH, Nr. 1206. 43 RRH, Nr. 1308-10; Strehlke, Tabulae, Nr. 120-122; Forstreuter, Mittelmeer, S.210, 212, 2 44 RRH, Nr. 1390; Strehlke, Tabulae, Nr. 126. 45 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 251. 46 Milthaler, S.35.
yellenberg> aus der Oberpfalz stammend47. Unter den Großkomturen ist mit Hart- jxaann von Heldrungen auch ein Thüringer aus edelfreiem Geschlecht vertreten48, ^ber er blieb eher die Ausnahme. Weitere Forschungen, die bislang noch fehlen, werden die Kenntnisse über die Herkunft der Amts träger und Ritterbrüder in Palästina vertiefen. Jedoch ist schon . zt festzuhalten, daß eine Mehrzahl der Ritterbrüder im Heiligen Land bereits seit der Amtszeit Hermanns von Salza (1209-1239) aus anderen Regionen als Thüringen kamen. Das Rheinland und Hessen waren neben Franken Schwerpunkte, wie man trotz aller Einschränkungen auf Grund der geringen Zahlen wohl behaupten darf. Fest steht auf jeden Fall, daß der ganz überwiegende Teil der Ritterbrüder deutschsprachig gewesen ist. Der Deutsche Orden nahm kaum Fremde auf. Das gilt für die Korporation in Palästina wie auch anderswo. Zwar ist Jakob von Amigdala aus der Adelsfamilie im Heiligen Land 1265 als confrater des Deutschen Ordens ge- nannt49, aber damit dürfte ein Familiarenverhältnis gemeint gewesen sein. Dessen Enkel Guido und Peter jedoch sind wohl um 1280 dem Orden beigetreten50. Sie gehörten zu den wenigen Ritterbrüdern aus dem französischsprachigen Adel des Landes. Eine Karriere im Orden hat wohl nur Guido gemacht51. Peter blieb allem Anschein nach einfacher Ritterbruder. In dieser Hinsicht unterschied sich der Deutsche Orden nur graduell von den beiden anderen Ritterorden, den Templern und Johannitern, die ebenfalls kaum Söhne des französischsprachigen palästinensi- schen Adels aufgenommen haben, sonst allerdings internationaler zusammengesetzt waren, wenn auch in beiden das französischsprachige Element dominierte52. 10. 3 Die Ritterbrüder im Haupthaus in Venedig 1291-1309 Nach den erhaltenen Dokumenten zu urteilen, kann die Ordenszentrale in Venedig von 1291-1309 nur mit einer geringen Zahl an Ritterbrüdern besetzt gewesen sein. Zu ihnen kamen die Großgebietiger, nämlich Großkomtur, Oberster Marschall, Oberster Trappier, Oberster Spittler und der Treßler. Aber von ihnen sind nicht alle RRH, Nr. 1413; vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 211 (zum Jahr 1272). Oettingische Regesten, Nr. 107; fehlt bei Weiss, Franken, S.493 und Herzig, Würzburg, S.99. 48 Wojtecki, Studien, S. 155ff.; Fenske/Militzer, S. 802f. 49 RRH, Nr. 1339a. 50 Favreau, Kreuzfahrerherrschaft, S.26ff.; Mayer, Geschichte, S.244. 1 Er ist vielleicht mit dem Landkomtur von Apulien Guido de Amendolea 1292-1311 zu identifizie- ren; Forstreuter, Mittelmeer, S. 192f. Jedoch ist die Identifizierung sehr ungewiß. Der Land- komtur könnte auch aus einer italienischen Familie stammen. 2 Forey, Orders, S. 132ff.
Amtsträger bekannt und manche nur mit Vornamen genannt, so daß sichere Au sagen erschwert sind. Alle in Venedig lebenden Großgebietiger waren Deutsche. Sie entstammten bis auf Karl von Trier der landgesessenen Ministerialität. Karl von Trier kam aus einer stadtgesessenen Ministerialenfamilie. Viele von den Großgebietigern hatten ihre Karrieren in den Balleien des Deutschen Reichs begonnen, bevor sie in das Haupt haus gerufen worden sind. Bis auf drei Amtsträger kamen sie nicht aus Thüringen sondern aus Trier an der Mosel, Franken und Tirol. Konrad von Babenberg aus" einem Bamberger Ministerialengeschlecht war 1287-1288 Komtur von Würzbure 1288-1289 Landkomtur von Franken, 1292-1294 Komtur von Frankfurt/Sachsen- hausen, 1296 Oberster Trappier und 1297 Großkomtur in Venedig, wurde 1298— 1299 Landmeister von Preußen und ist 1300 zum letzten Mal als Oberster Spittler wohl in Venedig belegt53. Der 1300 bezeugte Oberste Marschall Heinrich von Trabac war nach einer Vermu- tung Forstreuters ein Angehöriger der fränkischen Ministerialenfamilie Thier- berg. Heinrich Klieber von Syvelnhem war 1303 Großkomtur, ist 1306 als einfacher Ritterbruder in Lengmoos in der Ballei Bozen und 1309-1311 als Komtur des Or- denshauses auf dem Ritten belegt. Er stammte wohl aus Tirol54. Karl von Trier aus einer stadtgesessenen Ministerialenfamilie Triers an der Mosel war 1304 Großkom- tur, bereits vor 1288 in den Deutschen Orden eingetreten und 1291 Komtur von Beauvoir, gleichzeitig Landkomtur der Ballei Frankreich geworden. 1295 war er auch Landkomtur von Lothringen. Das Amt besetzte er bis 1303. 1305 ging er nach Frankreich zurück und übernahm wieder das Amt eines Komturs von Beauvoir und Landkomturs der Ballei Frankreich. 1311 wurde er schließlich zum Hochmeister ge- wählt55. Ihm war 1306-1307 Marquard von Mässing im Amt eines Großkomturs gefolgt. Auch er begann seine Laufbahn in den deutschen Balleien. 1279-1282 ist er als Rit- terbruder in Regensburg bezeugt. Er wurde 1285 Komtur von Ellingen, ist 1287 als einfacher Ritterbruder in den Balleien zu finden, übernahm 1291-1295 die beiden Ämter eines Komturs von Nürnberg und Obermässing und wurde 1296-1297 53 54 55 Wojtecki, Franken, S.99; Weiss, Franken, S.399; Forstreuter, Mittelmeer, S.211 f.; Arnol , Deutsche Orden und Venedig, S. 149, meinen, daß Konrad von Babenberg in Famagusta zu belegen sei. Jedoch ist das keineswegs sicher. In einem Notariatsinstrument steht nur, daß der Marse a Heinrich von Trabac eine Summe Geld in Famagusta erhalten habe, die er, der Spittler Konrad von Babenberg und Heinrich von Nistenio geliehen hatten. Die Summe wurde in Venetianischen r sehen ausgeliehen, jedoch in Byzantinern zurückgegeben. Das deutet darauf hin, daß Konrad nie^n Famagusta war, sondern in Venedig an der Geldleihe beteiligt war. Nach Famagusta hatte ein . densritter namens Joachim (lachinus) den Marschall begleitet; Notai Genovesi in Oltremare. rogati a Cipro di Lamberto di Sambuceto (3 Iuglio-3 Agosto 1301) hrsg. von V. Polonio ( 0 Storica di fonti e studi 31), Genua 1982, S. 156 f. Nr. 140. Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 211, 253; Nieß, S.222; Ladu rner, S. 55; Pettenegg, Nr. 8 Schmidt, Trier, S. 281 ff.; Nieß, S. 9ff.
dkomtur von Franken. 1299 ist er wieder als einfacher Ordensbruder in den |ieien anzutreffen. 1303 erhielt er das Amt eines Komturs von Marburg und ist hließlich als Großkomtur 1306-1307 bezeugt. Er war ein Gefolgsmann des Hoch- meisters Siegfried von Feuchtwangen, den er aber nicht in d(£ Marienburg nach Preußen begleitete. Er blieb vielmehr in den Balleien, wo er 1311-1314 als einfacher Ritterbruder nachzuweisen ist. 1314 wurde er nochmals Komtur von Regensburg und ist im Jahr darauf gestorben56. Aus Thüringen stammte Reinhard von Sundhausen, ein Angehöriger eines land- gräflichen Ministerialengeschlechts. Er war 1296 Komtur von Nägelstedt, 1298 Komtur von Altenburg und 1299 schließlich Treßler in Venedig57. Aus dem Bereich der Ballei Thüringen kam auch der Angehörige einer Ministerialenfamilie Dietrich von Colditz, 1274-1275 Konventuale im preußischen Christburg, 1283 Komtur von Zschillen in Thüringen, 1296-1298 Komtur von Eger. Schließlich wurde er 1304 Oberster Tappier in Venedig und kehrte bald darauf in die Ballei Thüringen zurück, wo er 1308 zum letzten Mal als Zschillener Konventuale zu belegen ist58. Keiner be- stimmten Familie ist ein Wolfram zuzuweisen, der 1297 Oberster Marschall und Oberster Spittler und 1304 Großkomtur gewesen ist59. Ob mit diesen Amtsträgern alle Großgebietiger, die in Venedig residiert haben, erfaßt sind, bleibt ungewiß. Es klaffen doch erhebliche Lücken zwischen den nach- gewiesenen Amtszeiten, so daß damit zu rechnen ist, daß einige der Gebietiger in den erhaltenen Dokumenten nicht genannt und daher für die Nachwelt verloren sind. Das wird durchaus plausibel, wenn man sich vorstellt, wie leicht im ehemali- gen Haupthaus während der Auflösung 1309 Dokumente verschwunden oder ab- sichtlich vernichtet worden sein können. Es kann auch sein, daß im und für das Haupthaus in Venedig eine geringere Zahl an Urkunden ausgestellt worden sind, weil vor allem die Großgebietiger weniger Aufgaben hatten und sie daher auch kaum schriftlich fixieren mußten. Angemerkt sei noch, daß Gerhard von Runkel aus einem bedeutenden Edelher- rengeschlecht des Westerwalds 1303 den Hochmeister nach Venedig begleitet hatte, um wahrscheinlich in der Ordenszentrale Aufgaben zu übernehmen. Er war ein Bruder des Kölner Erzbischofs Siegfried von Westerburg und hatte vorher 1285- 1291 die Kommende Ramersdorf und danach 1308-1322 das Ordenshaus in Siers- dorf jeweils als Komtur geleitet60 *. Er verstärkte also die rheinische Brüderschar in Venedig. 56 57 Weiss, Franken, S.399f.; Nieß, S.26ff. 58 w°-teCki> Sludien’ S’67’ 71> 78’ 104' Wojtecki, Studien, S. 177 ff. Der 1304 in Venedig genannte Konventuale Heinrich von Forburg 59 (Frohburg) war ein Priesterbruder: ebd., S. 76, 117. Ors treu ter, Mittelmeer, S. 211. an der Eycken, Ridders, S. 116; Neu, Ramersdorf, S. 18f.
10.4 Die Ritterbrüder in den Balleien am Mittelmeer Von den mittelmeerischen Balleien sind aus Armenien und Griechenland (Romania) bislang keine Brüder aus dem 13. Jahrhundert bekannt geworden. Aus Spanien ken- nen wir nur wenige Namen. Immerhin waren die beiden bekannten Landkomture Eberhard von Mörsberg und Volmar von Bernhausen deutsche Adlige aus Ministe- rialenfamilien des Elsaß bzw. Schwabens. Eberhard von Mörsberg könnte vor seinem Amtsantritt als Landkomtur von Spanien 1255 Landkomtur der neu eingerichteten Ballei Lothringen mit dem Hauptsitz in Trier an der Mosel 1245-1246 gewesen sein61. Gegen die Identifizierung sind allerdings Bedenken geltend gemacht wor- den62. Sie widerlegen zwar nicht unbedingt die Identität beider Landkomture, wei- sen aber nachdrücklich darauf hin, daß die Identifizierung nicht bewiesen und mit den bisher vorgebrachten Dokumenten auch nicht zu beweisen ist. Volmar von Bernhausen, der 1282 als Landkomtur von Spanien belegt ist, hatte schon ein ereig- nisreiches Leben hinter sich. Erstmals ist er 1257 als Ritterbruder im preußischen Königsberg belegt, wurde 1268 Komtur von Heilbronn am Neckar, stieg 1268-1272 zum Landkomtur von Franken auf und ist 1287 in Livland im Kampf gegen die Li- tauer gefallen63. Beide Ritterbrüder können nicht die einzigen Landkomture von Spanien gewesen sein. Sie müssen außerdem noch eine Anzahl an Ritter- und Priesterbrüdern in ih- rem Gefolge gehabt haben. Jedoch ist von ihnen nichts überliefert oder bislang be- kannt geworden. Im südfranzösischen Montpellier sind mehrere Komture ermittelt worden, von denen die beiden ersten allerdings nur mit Vornamen genannt sind64. Daher ist über sie nicht viel zu sagen. Von dem 1307-1308 amtierenden Komtur namens Walter von Annuto (Annut) hat Forstreuter vermutet, daß er aus dem belgischen Han- nut im Hesbay nahe der flämisch/wallonischen Grenze gekommen sein könne65. Die Vermutung ist zwar vorerst nicht zu erhärten, aber auch nicht von vornherein von der Hand zu weisen. Immerhin hätte ein solcher mutmaßlich zweisprachig auf- gewachsener Ritterbruder die Interessen des Ordens in der Provence besser als ein deutscher Adliger vertreten können. Für weitreichende Schlüsse über die Zusammensetzung der Konvente in der Ballei Spanien und der südfranzösischen Häuser reicht das bisher bekannt gewordene Ma- terial nicht aus. Die Überlieferung ist zu bruchstückhaft für begründete Aussagen. 61 So Mirbach-Harff, Beiträge II, 16/17, S. 25; NF 11, S. 147; Turnier, S. 625; Forstreuter, Mittelmeer, S. 94; Wojtecki, Studien, S.44; Militzer, Entstehung, S. 87. 62 Schmidt, Trier, S.275f. 63 Fenske/Militzer, S. 799. 64 Forstreuter, Mittelmeer, S. 105, 243. 65 Fo rs treu t er, Mittelmeer, S. 243ff.
fangreicher ist das überlieferte Namensgut aus den drei Balleien auf italieni- Boden. Die Schwierigkeit, die sich einer Auswertung entgegenstellt, besteht $ . daß die deutschen Namen oft so dem italienischen Sprachgebrauch angepaßt dar i’ sinJ5 daß sich die deutsche Entsprechung nur mühsam herausschälen und W° hmal auch lediglich erahnen läßt. Das schränkt die Aussagekraft der überlie- n Namen ein, ganz abgesehen davon, daß vielfach Ritterbrüder und sogar Amtsträger ausschließlich mit Vornamen erwähnt worden sind. In den Balleien Sizilien, Apulien und Lombardei gaben deutschsprachige Ritter- brüder den Ton an. Sie besetzten die meisten Ämter66. Diese Behauptung gilt es, zu überprüfen und eventuell zu modifizieren. Bei einigen Brüdern, deren Vornamen überliefert sind, ist nicht sicher zu entscheiden, ob sie aus dem Reich oder Italien kamen, ob sie deutsch oder italienisch gesprochen haben, zumal ursprünglich deut- sche Vornamen von italienischen Geschlechtern übernommen worden sind und bi- blische Vornamen überhaupt keine Entscheidung zulassen. Bei den Zuordnungen bleiben also erhebliche Unsicherheitsfaktoren bestehen, die nicht ohne weiteres zu beseitigen sind. Trotz allem lassen sich besonders in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts über- raschend viele Italiener auch in Amtspositionen nachweisen. Einer der bedeutend- sten von ihnen war Johann von Capua, ein Mitarbeiter des Hochmeisters Hermann von Salza, und der erste Generalprokurator des Ordens an der römischen Kurie. Er wird Priesterbruder gewesen sein, wenngleich über seine Priesterweihe nichts ver- lautet67. Johann von Capua war nicht der einzige Italiener im Deutschen Orden. Wenden wir uns zunächst der Ballei Sizilien zu, so ist auf Henricus de Taranto, Landkomtur von Sizilien 1235-1236, zu verweisen68. Es liegt nahe, in ihm einen Ritterbruder aus Tarent zu vermuten69. 1235 trat ein Sizilianer Diatricus Lih in den Orden ein und ist ein Jahr später als Ritterbruder in Palermo zu ermitteln70. Er wird jener Diatricus gewesen sein, der 1237-1244 das Amt eines Komturs von Palermo verwaltete71. Die 1236 genannten Brüder Goffredus de Butera, Matheus de Caserta und Baro werden ebenfalls Männer gewesen sein, die Italienisch als Muttersprache gebrauchten72. 66 Vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 120ff. 67 Berichte Generalprokuratoren I, S. 52 ff. 68 Forstreuter, Mittelmeer, S. 120. Toomaspoeg, S.454f., meint dagegen, daß es sich auch um einen deutschen Ritterbruder gehan- delt haben könne, der beispielsweise im Deutschordenshaus von Trient gelebt und gewirkt und da- her seinen Nachnamen erhalten habe. ßattaglia, S.43-46. Zu ihm Toomaspoeg, S.455, der nachweist, daß der dem Bruder sonst ge- gebene Zuname Libertus nicht in der Quelle steht, sondern nur Lih zu lesen sei. Ein Zuname fehlt 71 den Komtur. An dessen sizilianischer Herkunft ändert das allerdings nichts. 7? Orstreuter, Mittelmeer, S. 122. ßattaglia, S.45f.
Aber auch der 1277 genannte Komtur von Agrigent Johannes de Jerlando, dessen 1303 bezeugter Nachfolger Johannes de Ganga und wohl auch der 1305 erwähnte Komtur von Agrigent Hieronymus könnten Italiener bzw. Sizilianer gewesen sein73 Ebenso deuten die Namen der Komture von Gurfa Thomasius und Jacobus de Ver dili auf italienische Abstammung74. In Apulien weisen die Namen des 1240 genannten Komturs von Brindisi Ronce vallus, des 1230 bezeugten Komturs von Castelluccio Henricus de Zaverla und des 1235 erwähnten Komturs von Foggia Johannes de Tiano auf Italiener im Deutschen Orden75. Ob der 1290 nachweisbare Landkomtur von Apulien Friedrich von Roma- rado Deutscher gewesen ist, ist zweifelhaft76. Eher wird man italienische Abstam- mung vermuten dürfen. Auch in San Leonardo finden sich Ritterbrüder und Amts- träger, deren Namen auf italienische Familien deuten, wie Fredericus de Carbonito 1288 Komtur77, Johannes de Troya, 1292 Komtur78, Johannes Luprandus, 1305 Kom- tur79 80, die Ritterbrüder Riccardus de Norsa von 1295 und Robertus de PrecinaSQ, der 1304 Komtur von Palermo81 und 1307-1311 Komtur von San Leonardo war82 83, eben- so der 1301 genannte Ritterbruder Robertus de Clarello*\ Der erste Landkomtur der Lombardei Omnibonus, Honebonus 1240-1242 wird ebenfalls als Italiener anzusprechen sein84. Einer seiner Nachfolger namens Felix, Landkomtur 1247-1250, stammte aus Verona85. Die übrigen sind Deutsche gewesen. Ebensowenig wie für die italienischen liegen für die deutschen Ritterbrüder und Amtsträger der italienischen Balleien sorgfältige genealogische Untersuchungen vor. Das mag wenigstens zum Teil an der schwierigen Überlieferung liegen, vor allem daran, daß in fremdsprachiger Umgebung die den Urkundenausstellern eigentüm- lich klingenden Namen verstümmelt wiedergegeben wurden. Dennoch lassen sich einige Beobachtungen machen und zumindest vorläufige Ergebnisse festhalten86. 73 Forstreuter, Mittelmeer, S. 123. 74 Forstreuter, Mittelmeer, S. 123. 75 Forstreuter, Mittelmeer, S. 134. 76 Forstreuter, Mittelmeer, S. 132. 77 Regesto San Leonardo, Nr. 214. 78 Regesto San Leonardo, Nr. 217. 79 Regesto San Leonardo, Nr. 226. 80 Regesto San Leonardo, Nr. 220. 81 Forstreuter, Mittelmeer, S. 122. 82 Regesto San Leonardo, Nr. 231-236. 83 Regesto San Leonardo, Nr. 221. 84 Forstreuter, Mittelmeer, S. 155. rr 85 Forstreuter, Mittelmeer, S. 147 Anm.22; Rolandini Patavini Chronica, in: MGH SS XIX, S.9 86 Hinweise zu der regionalen und sozialen Herkunft deutscher Ritterbrüder in Sizilien bietet n Toomaspoeg, S.453ff. Auf ihn ist für das folgende zu verweisen.
1248-1261 genannte Landkomtur von Sizilien Todinus de Mittelburg*7 dürfte dem holländischen Middelburg auf der Insel Walcheren stammen, wo der Or- jUS in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Niederlassung errichtete. Viel- 11cht kam sein Nachfolger Johannes Walhorn 1262-126487 88 ebenfa^s von Walcheren. Aber das bleibt vorerst eine Vermutung. Aus den Niederlanden, und zwar aus dem niederländischen Limburg, stammte Terrinus (Dietrich) von Papenhoven, der 1265 Komtur von Palermo, 1267 Landkom- tur von Sizilien und 1270 Komtur von Altenbiesen war89. An dessen Stelle als Land- komtur von Sizilien trat ein Florentius von Holland 1269-1279. Wenn der Name allein nicht ausreichen mag, ihn zu einem Angehörigen des holländischen Grafenhau- ses zu erklären, so dürfte seine Herkunft aus den Niederlanden wegen des seltenen Vornamens als sicher gelten, zumal der Nachname auf dieselbe Region verweist90. Dessen Nachfolger Nikolaus von Tuynto (= Twente) 1281-1283 kam ebenfalls aus den Niederlanden. Dasselbe wird man von seinem Stellvertreter Nikolaus Flamin- gos vermuten dürfen91. Aus dem Rheinland kam Dietrich von Kleve, Ritterbruder in Sizilien seit 1258 und 1268 Stellvertreter des Landkomturs. Ob jener Dietrich jedoch ein Angehöriger des gleichnamigen Grafengeschlechts gewesen ist, bleibt ungewiß92. Heinrich von Bolanden, Landkomtur von Sizilien 1289-1290, gefallen 1291 in Akkon, und aus demselben Geschlecht ein weiterer Heinrich, Landkomtur von Sizilien 1299, stamm- ten aus dem Rheinland. Vielleicht gehörte auch der Landkomtur Friedrich von Bola 1283-1287 zu dem Reichsministerialengeschlecht93. Wohl nicht von den Grafen von Leiningen, aber einer gräflichen Ministerialenfamilie stammte der Landkomtur Wil- helm von Leiningen 129994. Vom Oberrhein wird Heinrich von Worms gekommen sein, der Stellvertreter des Landkomturs von 129995. Wilhelm von Lechenich, auch Wilhelm Lange von Lechenich genannt, 1302 Komtur von Gurfa und 1308 Landkomtur von Sizilien, wird aus dem Rheinland nach Italien geschickt worden sein. Er könnte einem gleichnamigen Burgmannen- 87 Battaglia, Nr. 80-83, 87f., 97-100; Forstreuter, Mittelmeer, S. 120; Toomaspoeg, S. 455, 460. 88 Fo rs treu ter, Mittelmeer, S. 120; Toomaspoeg, S. 457, 460. 89 Battaglia, Nr. 107-109; Forstreuter, Mittelmeer, S. 120ff.; Mol, Friese Huizen, S.44; Ders., Rechten, S.213f.; Toomaspoeg, S.456. 90 Forstreuter, Mittelmeer, S. 121; Mol, Friese Huizen, S. 43 f.; Gr au weis I, Nr. 60. Nach Too- maspoeg, S. 456, 461, sei er ein Angehöriger des holländischen Grafenhauses gewesen. 92 S°rstreuter’ Mittelmeer, S. 121; Mol, Friese Huizen, S.44. °°maspoeg, S.457, 460, der die Abstammung von dem Grafengeschlecht unterstellt, da der Vor- 93 pame Dietrich in der Familie üblich gewesen sei. °rstreuter, Mittelmeer, S. 121. Vgl. Toomaspoeg, S.456f., 461, der Identität von Friedrich 94 ^einrich unterstellt. 95 pstreuter> Mittelmeer, S. 121. Ors treu ter, Mittelmeer, S. 121.
und Schultheißengeschlecht des Erzbischofs von Köln entstammen96. Aus dem loth ringischen Metz wird Heinrich von Metz gekommen sein, der 1282 als Bruder ’ ' Palermo, 1283 als Hauskomtur, 1289 Komtur (parvus commendator) von Palermo1 1291-1292 Stellvertreter und 1295 Landkomtur von Sizilien gewesen ist97. Ein ßUr’ chard von Masmünster, der 1290 in Palermo bezeugt ist, könnte aus dem Elsaß stammen98. Heinrich von Thierberg war aus Franken nach Sizilien gezogen und hatte dort 1292-1295 das Amt eines Landkomturs verwaltet99 100. Andere Namen sind schwer zu deuten. So könnte sich hinter dem 1301 genann ten Komtur von Gurfa Wilhelm von Julers™ ein Wilhelm von Jülich verbergen, zu- mal der Vorname auf das bekannte rheinische Grafengeschlecht verweist. Bei dem Komtur wird es sich aber wahrscheinlicher um einen Angehörigen einer Ministeria- lenfamilie gehandelt haben. Festzuhalten bleibt also, daß zumindest seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nie- derländische und rheinische Ritterbrüder in der Ballei Sizilien stark vertreten waren und oft das Amt eines Landkomturs besetzt hatten. Dagegen hatten in der ersten Hälfte desselben Jahrhunderts Italiener einen großen Teil der Ritterbrüder gestellt und auch viele Ämter verwaltet. Wesentlich schwieriger als für die Ballei Sizilien ist die Zusammensetzung der Konvente in der Ballei Apulien zu bestimmen. Die meisten Landkomture und Komture sind nur mit Vornamen überliefert. Das gilt auch für die wenigen nament- lich bekannten Ritterbrüder der Ballei. Insgesamt war, nach dem überlieferten Na- menmaterial zu urteilen, der Anteil der Italiener an den Konventen während des ge- samten 13. Jahrhunderts größer als in der Ballei Sizilien. Die Komture von San Leonardo Frederico de Carbonito (1288)101, Johannes de Troya (1292—1301 )102, Johannes Luprandus (1305)103, Robertus de Precina (1307- 1311 )104 waren wohl Italiener. Das gilt auch für die Ritterbrüder Riccardo de Norsa (1295) und Roberto de Clarello (13O1)105. Dennoch gibt es Hinweise auf eine süddeutsche Herkunft einzelner Amtsträger. Konrad von Basel, der Komtur von Barletta 1224-1229106, dürfte vom Oberrhein gekommen sein. Rheinländer war wohl der 1231 bezeugte Ritterbruder Alberich 96 Forstreuter, Mittelmeer, S. 121, 123; Fahne I, S.241. 97 Forstreuter, Mittelmeer, S. 121 f.; Toomaspoeg, S.461. 98 Toomaspoeg, S.453, 461. 99 Forstreuter, Mittelmeer, S. 121. 100 Forstreuter, Mittelmeer, S. 123. 101 Regesto San Leonardo, Nr. 214. 102 Regesto San Leonardo, Nr. 217, 221 f., 225. 103 Regesto San Leonardo, Nr. 226. 104 Regesto San Leonardo, Nr. 231-236; Pergamene Barletta, Nr. 169. 105 Regesto San Leonardo, Nr. 220 f. 106 Pergamene Barletta, Nr.66, 80, 82; Forstreuter, Mittelmeer, S. 134.
Luxemburg, vielleicht auch der Ritterbruder Konrad von Bruch107. Der 1278 ge- v°n re Landkomtur von Apulien Wilhelm von Omen ist wohl ein Angehöriger des n3Knnlohischen Ministerialengeschlechts Ohrn gewesen108. h°in der Ballei Apulien ist auch ein Mitglied eines palästinensischen Adelsge- hlechts Amtsträger geworden, falls Guido de Amendolea, Landkomtur von Apu- l’en 1292—1311» tatsächlich mit Guido de Amigdala zu identifizieren ist und nicht einer süditalienischen Familie angehörte109. Auf palästinensische Herkunft deutet möglicherweise auch der Name eines Ritterbruders in Barletta Sarracenus, 1272 ein- facher Bruder und 1274 procurator der Kommende Barletta110. Die Herkunft der Ritterbrüder und Amtsträger der Ballei Lombardei ist genauso wenig deutlich zu erkennen wie im Fall der Ballei Apulien. Zu viele Brüder sind nur mit Vornamen überliefert. Immerhin scheinen anfangs Italiener die Ballei gelei- tet zu haben. Omnibonus (1240-1242) und Felix (1247-1253) waren höchstwahr- scheinlich Angehörige italienischer Geschlechter. Das änderte sich nach der Amts- zeit von Felix. Denn dessen Nachfolger sind wohl alle Deutsche gewesen. 1261 war ein Ulschalk Landkomtur der Lombardei111. Nun ist der Vorname nicht eben häufig, kommt aber gleichwohl im Deutschen Orden ein weiteres Mal vor. Ein Träger dieses Namens war nämlich 1257 Komtur von Oettingen112. Es drängt sich daher die Vermutung auf, daß beide Amtsträger ein und dieselbe Person gewesen sind, dessen Familie dann wohl im fränkischen Ries ansässig gewesen ist. Auffallend ist, daß 1266-1269 ein Johann de Saxonia, Saxo Landkomtur der Bal- lei Lombardei war. Er ist 1274 als einfacher Ritterbruder in Padua belegt113. Es hat aber auch einen Mergentheimer Komtur gleichen Namens 1246-1248 gegeben, der aus „Sachsen“ gekommen sei114. Sollte die Analogie zufällig sein, oder hat es zeit- weise engere Verbindungen zwischen süddeutschen Kommenden und der Ballei Lombardei gegeben? Der 1282-1283 genannte Landkomtur der Lombardei Hein- rich Manstoch entstammte dem Ravensburger Stadtadel, könnte also auch über eine süddeutsche Kommende in das Amt gelangt sein. Er war 1289-1292 Landkomtur von Österreich115. Ob der 1254 bezeugte Komtur von Padua namens Heinrich von Trento als Deutscher anzusprechen ist, ist schwer zu entscheiden116. 109 110 111 112 113 114 115 107 Forstreuter, Mittelmeer, S. 134. 08 Forstreuter, Mittelmeer, S. 132; Hartmann, Komture Mergentheim, S. 33. Forstreuter, Mittelmeer, S. 132f.; vgl. oben, S.397. Fergamene Barletta, Nr. 119 f. Regesten Ebf. Salzburg I, Nr. 365. ^Jopfenzitz, Oettingen, S.222; Weiss, Franken, S.466. ^orstreuter, Mittelmeer, S. 155, 231. art mann, Komture Mergentheim, S. 27. S StUdlen’ S*40f« Anm. 213; Militzer, Entstehung, S. 172; Forstreuter, Mittelmeer, 116 F°rstreuter, Mittelmeer, S.230.
Für die drei Balleien auf italienischem Boden bestätigt sich für die erste H”lf des 13.Jahrhunderts die Feststellung Forstreuters, daß der in Italien reich b terte Orden einheimische Kandidaten nicht hat zurückweisen können117. Fors^ reu ter führt das auf die vorurteilslosere Handhabung der Aufnahme von Ritt brüdern durch die im Mittelmeerraum stärker verankerten Hochmeister zurück Die starke Verankerung vieler Hochmeister im Mittelmeerraum ist vielleicht ein Grund, aber nicht der einzige gewesen. Erklärungsbedürftig wäre vor allem die Tat sache, daß bereits nach der Mitte des 13. Jahrhunderts die Hochmeister ihre angeb lieh vorurteilslosere Politik weitgehend aufgegeben haben. Italienische Ritterbrüder haben seitdem kaum mehr höhere Ämter besetzt, wenngleich es einigen wenigen doch noch gelungen ist. Der Rückgang ist nicht dadurch zu erklären, daß die Hochmeister seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ihre Bindung an den Mittelmeer- raum gelockert hätten, was sie im allgemeinen nämlich nicht getan haben. Ein weiterer und wohl schwerwiegenderer Grund für den Rückgang der italie- nischsprachigen Ritterbrüder ist in der Konsolidierung der Balleien zu suchen. Die meisten Kommenden waren vor der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden. Die ertragreichen Schenkungen hörten damals auf, so daß der Orden sich nicht mehr gedrängt sah, Söhne von einheimischen Wohltätern aufzunehmen und ihnen Ämter zu übertragen, die auch für deutsche Kandidaten attraktiv waren. Der wichtigste Grund für den Rückgang der italienischen Brüder aber scheint gewesen zu sein, daß der Orden nach dem Fall des Hauses der Staufer und des Un- tergangs ihrer Herrschaft in Italien seine Attraktivität für den einheimischen Adel eingebüßt hatte. Der Deutsche Orden hatte den Status eines Hausordens der Herr- scherfamilie und damit auch die Unterstützung durch das Herrscherhaus verloren. Ohne eine solche Hilfe versiegte der Strom der Schenkungen in Italien und damit auch das Drängen einheimischer Familien um Aufnahme ihrer Söhne. Der Orden hatte an Ansehen unter dem einheimischen Adel eingebüßt, der sich deshalb mit Bitten um Aufnahme nachgeborener Söhne zurückhielt und kaum mehr ein Interes- se an einer Karriere eines Angehörigen in diesem Orden hatte. Denn eine Karriere eines Angehörigen im Deutschen Orden brachte der betreffenden Familie kaum noch Vorteile, konnte sich vielmehr nachteilig auswirken. Im übrigen boten sich an- dere Orden oder Stifte als Ersatz für die Versorgung nachgeborener Söhne an. In den drei italienischen Balleien haben von Anfang an Ritterbrüder aus dem nie- der-, mittel- und oberrheinischen Raum und aus Süddeutschland zunächst neben italienischen Brüdern und dann weitgehend allein eine herausragende Rolle gespie t. Soweit man überhaupt aus der geringen Zahl der identifzierten Ritterbrüder Schlüs se ziehen darf, kann man mit allen Vorbehalten feststellen, daß Ritterbrüder aus en genannten Regionen Deutschlands schließlich die Ämter und Konvente besetzten, nachdem Italiener ihr Interesse an dem Orden weitgehend verloren hatten. 117 Forstreuter, Mittelmeer, S.215.
10.5 Die Ritterbrüder in den Balleien des Deutschen Reichs n man davon ausgehen darf, daß in den Balleien des Reichs x%n den Anfängen 1200 bis 1309 ungefähr 2400 Ritterbrüder gelebt haben, muß man nach der ge- enwärtigen Forschungslage feststellen, daß von ihnen nur ein Bruchteil bekannt und ein noch geringerer Anteil identifiziert ist. Dennoch lassen sich vor allem im Anschluß an Forschungen Wojteckis Aussagen machen. Wojtecki hat sich in seinen Studien zur Personengeschichte des Deutschen Or- dens, soweit sie veröffentlicht sind, auf Thüringen konzentriert118. Er hat in seine Untersuchungen Priesterbrüder einbezogen, die im folgenden zunächst außer Be- tracht bleiben sollen, weil die Zahl der identifizierbaren überlieferten Priesterbrüder zu gering für tragfähige Aussagen ist. Wojtecki kommt im Gebiet der Ballei Thüringen während des 13.Jahrhunderts auf 97 Ritterbrüder, die er bestimmten Familien zuordnen kann119. Danach stamm- ten aus dem Einzugsbereich der Ballei Thüringen-Sachsen, nämlich dem eigent- lichen Thüringen, der Region um den Harz (Ostsachsen), dem Vogtland und den wettinischen Landen (Sachsen) 92 Ritterbrüder. Das sind 95%. Nur fünf Ritterbrü- der, also gerade 5%, kamen aus anderen Landschaften, und zwar Hessen, Franken, Schwaben und der Schweiz. In den Konventen der Kommenden der Ballei Thürin- gen-Sachsen und später der Ballei Thüringen lebten also Ritterbrüder, deren Fami- lien in der Nachbarschaft ansässig waren. Bereits im 13. Jahrhundert waren die Landsleute nahezu unter sich und hatten Fremde weitgehend ausgeschlossen. Wenn wir die fünf landfremden Ritterbrüder beiseite lassen, gehörten von den 92 verbliebenen einheimischen Brüdern 51 der Ministerialität der in den genannten Landschaften ansässigen Landesherren an. Dazu kamen 15 Reichsministeriale vor- wiegend aus dem Vogtland, aber auch aus Mühlhausen. Beide Gruppen bildeten zu- sammen 72 % aller identifizierten Ritterbrüder. Nahezu drei Viertel der wichtigsten Gruppe im Orden entstammten also Familien, die bald zum niederen Adel zusam- menwachsen sollten. Nur wenigen der Reichsministerialen wie den Herren von Weida gelang der Aufstieg in die Gruppe der Landesherren. Ritterbrüder aus dem Patriziat spielten kaum eine Rolle. Sie stellten ohnehin mit rund 8 % nur einen geringen Teil. Aufschlußreich ist bei dieser Gruppe die Tatsache, aß sie meist als Konventsbrüder in der Kommende ihrer jeweiligen Heimatstadt zu mden sind. Heidenreich Fleming, Arnold von Dresden und Gottfried Knewer- nau waren Ritterbrüder in Altenburg. Ihre Familien zählten zu den Geschlechtern °j tecki, Studien, ist nur ein Teildruck einer umfassenderen Dissertation „Beiträge zur Personal- und Sozialgeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert“, Diss. phil. Münster 1968. Der un- 11Q ruckte Teil ist nur schwer zugänglich. 119 ^tecki, Studien, S. 78f.
der gleichnamigen Stadt. Bertold Klaue, Bruno von St. Kilian und der Priesterbr der Konrad Schuneman stammten aus dem Patriziat der Stadt Mühlhausen w für die Familie Brunos von St. Kilian ministerialische Bindungen zu vermuten sind1 Alle drei waren in eine der beiden Kommenden in der Reichsstadt eingetreten Al bert Heckil-Häckel aus einer vornehmen Bürgerfamilie Egers ist im Deutscho denskonvent in Eger als Ritterbruder nachweisbar. Lediglich bei Heinrich von Scherbda geht die bisher feststellbare Gleichung nicht auf. Er gehörte wohl einem Eisenacher Geschlecht an, was aber nicht sicher ist, und trat wahrscheinlich in der Kommende Griefstedt in den Orden ein120. Was für die Ritterbrüder und teilweise auch Priesterbrüder aus dem städtischen Patriziat deutlich zu belegen ist, trifft auch für die Ritterbrüder aus den übrigen Gruppen zu. Sie waren in der überwiegenden Mehrzahl in den Kommenden einge- kleidet worden, die den Stammsitzen ihrer Familien benachbart lagen und die von ihren Angehörigen und Vorfahren oft mit Gütern bedacht worden waren. So finden sich Söhne der Reichsministerialenfamilien von Kohren, von Crimmitschau, von Leisnig und von Colditz in dem Altenburger Konvent. Die Kommende lag in der Nähe der Stammsitze der Reichsministerialen, und deren Familien hatten gerade diese ihnen benachbarte Niederlassung wiederholt mit Gütern bedacht121. Die Burggrafen von Kirchberg übertrugen ihre Güter vorwiegend der Kommen- de Zwätzen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß sie einen Komtur namens Hei- denreich stellten, der wohl in Zwätzen dem Orden beigetreten ist122. Die beiden Kommenden in Mühlhausen konnten sich bis zur Zerstörung der Reichsburg in der Stadt durch die Bürger 1256 auf die Reichsministerialität stützen. Auch nach der Zerstörung der Burg blieben enge Bande zu den ehemaligen Reichsministerialen be- stehen. Sie ließen sogar einige Söhne in den Mühlhäuser Konventen einkleiden, ob- wohl die neu aufgenommenen Ritterbrüder in der Mühlhäuser Niederlassung kaum Gebietigerposten erringen konnten, da in beiden Kommenden der Stadt stets Prie- sterbrüder als Pfarrer der Alt- und Neustädter Kirche die Komtursämter besetz- ten123. Zu vergleichbaren Ergebnissen für einige Kommenden der Ballei Elsaß-Burgund ist Planta gekommen. Er unterstreicht, daß im 13. Jahrhundert die überwiegende Mehrzahl der identifizierten Ritterbrüder ministerialischen oder niederadligen Fa- milien entstammten. Nur wenige kamen aus edelfreien Geschlechtern, die zudem nicht zu den bedeutenden der Region zählten. Ein noch erheblicher Anteil setzte 120 Wojtecki, Studien, S. 79, 104 Anm. 75, S. 106 Anm. 122, S. 107 Anm. 138, S. 110 Anm.242, S. I12 Anm. 278 f., S. 113 Anm. 300, S. 117 Anm. 416. 121 Vgl. Wo j tecki, Studien, S. 54. 122 Wojtecki, Studien, S. 55. 123 Sommeriad, S.220ff.
• h aus Söhnen patrizischer oder bürgerlicher Familien zusammen. Meist traten die S1C didaten in die Kommenden ein, die in der Nähe ihrer jeweiligen Familiensitze rn diesen Kommenden blieben sie lange Zeit und verbrachten teilweise sogar lagen, . 124 © *hr g^zes Leben in ihnen . 1 Analoge Beobachtungen lassen sich für andere Kommenden machen. Sie brau- chen nicht eigens aufgezählt zu werden, da sie nichts Neues bringen, sondern ledig- lich bestätigen, was schon gezeigt worden ist. Angeregt von ihren Herren, den Kai- sern Königen oder Landesherren, folgten deren Ministeriale dem Beispiel und schenkten den ihren Sitzen benachbarten Ordensniederlassungen Güter. Sie erwar- teten dafür, daß der Orden ihre nachgeborenen Söhne aufnehme. Die überwiegend aus der Ministerialität stammenden Kandidaten wurden in der Mehrzahl der Fälle in den Kommenden eingekleidet, die den Sitzen ihrer Familien benachbart lagen und denen sie schon früher Güter übertragen hatten oder spätestens nach dem Ein- tritt eines Sohnes Güter übereigneten. Der Kreis der Wohltäterfamilien einer Kom- mende deckte sich vielfach mit dem Umfeld der Geschlechter, denen die eingeklei- deten Brüder entstammten. Es drängt sich geradezu der Schluß auf, daß der Orden gar nicht anders hätte handeln können, als die Söhne der Wohltäterfamilien aufzu- nehmen, weil er auf deren Wohlwollen weiterhin angewiesen war. Da die meisten Brüder aus der näheren Umgebung stammten, wurden die Komtursstellen vorwie- gend mit Angehörigen des benachbarten Adels besetzt. Eine zu häufige Nichtbe- rücksichtigung einheimischer Adelssöhne hätte die Brüder in den Konventen vor den Kopf gestoßen, aber vor allem den einheimischen Adel brüskiert. Das für die Ballei Thüringen-Sachsen bzw. die seit 1287 selbständige Ballei Thü- ringen erzielte Ergebnis ist auf andere Ordensprovinzen zu übertragen, wenngleich Besonderheiten zu beobachten sind. Die Landkomture der nur wenig älteren Ballei Elsaß-Burgund entstammten zum überwiegenden Teil Familien, die in dem Ein- zugsbereich der Provinz ansässig waren. Das gilt wohl schon für den ersten Land- korntur Gottfried von Rufach (1235-1245, 1247-1256). Er ist zwar keiner bestimm- ten Familie zuzuordnen, dürfte aber aus der Gegend der kleinen elsässischen Stadt Rufach gekommen sein125. Für ein Jahr wurde dessen Amtsführung von Konrad von Solms aus einem hessischen Grafengeschlecht unterbrochen126. Über den Nachfol- ger Gottfrieds namens Dietrich ist nichts weiter bekannt127. Von ihm übernahm der Hesse aus einem Reichsministerialengeschlecht Hartmud von Kronberg das Amt, aber nur für ein Jahr. Er war von Marburg aus nach Preußen gezogen, nach Mar- urg zurückgekehrt, hatte für ein Jahr das Amt eines Landkomturs von Elsaß-Bur- 12S Planta’ S.235ff. und den Katalog der Ordensbrüder S. 188ff. Amtsdaten: Heim, Beuggen, S. 159f. I27 x °itecki, Studien, S.36f. Anm. 198. ditzer, Entstehung, S. 84f., 175.
gund übernommen und war dann wieder in die Nähe seines Familiensitzes gezogen wo er 1273 in Frankfurt-Sachsenhausen zum letzten Mal zu ermitteln ist128. ’ Die folgenden Landkomture von Elsaß-Burgund Reinlohe von Stotzheim (1268 1270, 1274-1275, 1278-1286), Konrad genannt Wernher von Hattstatt (1271—1273\ Rudolf von Ofnadingen (1275-1276), Ulrich von Klingen (1277-1278) und Bertold von Gebzenstein (1287-1289) stammten aus dem Elsaß, Schwaben oder der Schweiz also alle aus dem Einzugsbereich der Ballei129. Der nur kurze Zeit amtierende Land’ komtur Friedrich von Gotha (1289-1291) ist keiner bestimmten Familie zuzuord nen, dürfte aber aus Thüringen gekommen sein130. Ihm folgten wieder zwei „einhei mische“ Landkomture, nämlich Rudolf Kücheli aus dem Freiburger Patriziat (1292 1298-1299) und Engelward von Sulz (1292, 1295-1297)131. Die Amtszeit Engelwards wurde möglicherweise von Werner von Battenberg 1293 unterbrochen132. Nach Engelward kam für kurze Zeit der Hesse Heinrich von Dernbach (1299) in das Amt eines Landkomturs133. Ihn löste ein Grafensohn aus der Schweiz, Bertold von Buchegg, ab (1305-1321 )134. Bis auf kurze Unterbrechungen durch Ordensbrüder aus Thüringen und Hessen blieb die Landkomturswürde in Elsaß-Burgund in den Händen des im Bereich der Ballei ansässigen Adels bzw. städtischen Patriziats. Analoge Verhältnisse finden sich in der Ballei Marburg. Die dortige Kommende und Ballei verwalteten bis 1279 nur Hessen, nämlich Konrad von Büdingen (1244— 1248, 1258), Werner von Battenberg (1252), Gerlach von Zwehren (1252, 1263— 1279), Ludwig von Münzenbach (1257) und Hartmud von Kronberg (1261-1263). Ihnen folgten Hermann von Rickel (1280-1281), dessen Herkunft bislang nicht ge- klärt ist, und Burchard von Schwanden (1281-1282) aus einem Schweizer Ge- schlecht. Nach Schwanden kamen wieder zwei Hessen, nämlich Konrad von Man- dern (1285, 1289-1295) und Gerlach von Diedenhausen (1286-1288). Sodann am- tierten immer nur für wenige Jahre Johann von Nesselröden aus dem Eichsfeld (1295-1297), Werner von Lauterberg (1298) aus dem Harz, Dietrich von Mündel- heim (1302) unbekannter Herkunft und Marquard von Mässing (1303-1304) aus Franken. Ihn löste wieder ein Hesse ab, Heinrich Döring (1304-1307) aus einem Marburger Burgmannengeschlecht. Auf ihn folgte Heinrich von Vargula (1308- 1310) aus Thüringen135. 128 Wojtecki, Studien, S.38 Anm.202. 129 Militzer, Entstehung, S. 175; vgl. die Angaben bei Heim, Beuggen, vor allem S. 161 ff. 130 Wojtecki, Studien, S.40 Anm.212. 131 Militzer, Entstehung, S. 175f.; vgl. dazu die Angaben von Heim, Beuggen, S.40, 44. 132 Nieß, S. 239. Andere Datierung: Wojtecki, Studien, S. 46 Anm. 234, nach Feger, S. 51 f- Konjektur zu 1272 ist aber problematisch. 133 Wojtecki, Studien, S.41 Anm.215. 134 Nieß, S.239; Heim, Beuggen, S. 166f.; Leupold, S. 15ff. 135 Vgl. Braasch-Schwersmann, Marburg, S.211.
besonders wichtige Ballei Franken blieb auch in den Händen des einheimi- k Adels. Landkomture wurden nur Angehörige solcher Geschlechter, die außer SC P nken selbst in den angrenzenden, zum Einflußbereich der Ballei gehörenden 10 dschaften wie Bayern und Schwaben ansässig waren: Gerhard von Hirschberg aus Franken, Volmar von Bernhausen (1268-1272) aus Schwaben, Heinrich 1 Mässing (1273-1278) aus Franken, Ulrich von Schauenstein (um 1281) aus Bay- V°n Konrad von Feuchtwangen (1282-1283) aus Franken, Konrad von Babenberg 1289) aus Franken, Gottfried von Hohenlohe (1290-1294) aus Franken, Mar- ard von Mässing (1296-1297) aus Franken, Hermann Lesch (1298-1300) aus Franken, Eberhard von Sulzberg (1301-1302) aus Schwaben, der als einziger engere Beziehungen zur Ballei Elsaß-Burgund und seine Laufbahn als Komtur von Beug- gen begonnen hatte, Ulrich (1302) und Konrad von Gundelfingen (1306, 1311-1324) aus Schwaben136. Regional noch begrenzter war die Herkunft der ersten identifizierbaren Komture von Koblenz, die auch als Verwalter der Ballei, also als Landkomture anzusprechen sind. Walter de Porta Castri (1249-1272) und Matthias von Lonnig (1274-1295) ent- stammten dem Koblenzer Stadtadel137. Erst nach ihren Dienstzeiten übernahm das Amt ein Landfremder, nämlich Dirk von Holland, ein Bastardsohn des holländi- schen Grafen Wilhelm II. (1297-1304). In der Ballei Lothringen hatte als erster ein Eberhard das Amt eines Landkom- turs inne (1245-1246). Er wird meist mit Eberhard von Mörsberg aus dem Unter- elsaß identifiziert138. Er wäre dann identisch mit dem 1255 bezeugten Landkomtur von Spanien. Das ist jedoch nicht mit letzter Sicherheit zu beweisen. Es bleibt eine ansprechende Hypothese, für die einige Gründe vorgebracht werden können. Sollte die Identifizierung nicht zutreffen, ist über die Herkunft des ersten Landkomtur von Lothringen wenig zu sagen. Eberhards Nachfolger ist nur mit seinem Vorna- men überliefert: Konrad (1254-1264)139. Über seine Herkunft weiß man nichts. Dessen Nachfolger war Johann von Kawilre (1266-1281), der möglicherweise einer luxemburgischen Adelsfamilie von Kahler entstammte140. Der nächste Landkomtur ist wieder nur mit dem Vornamen überliefert: Gerhard (1284-1285), so daß über seine Herkunft keine Angaben zu machen sind. Erst von dessen Nachfolgern ist die Herkunft sicherer zu ermitteln, nämlich Bertold von Nordhausen (1287) aus Thü- ringen141, Hermann von Veldenz (1290-1291) aus dem Bereich der Ballei Lothringen und Karl von Trier (1295-1310) aus der Stadt Trier142. J36 Weiss, Franken, S.398ff. 13s Limburg, Koblenz, S. 32 ff., 187. ° auch Nieß, S. 12. Dagegen: Schmidt, Trier, S.275f. 1 Schmidt, Trier, S.277. 141 q° Schmidt’Trier, S. 278. 142 oCJlrn^dt’ Trier, S.280; vgl. die Ergänzungen von Nieß, S. 12f. Schmidt, Trier, S.281 ff.
Anders als in den übrigen Balleien des Deutschen Reichs gestaltete der Orden d’ Besetzung der Landkomtursstelle in Bozen. Gleich der erste namentlich beka e Inhaber des Amts Dietrich von Wevelinghoven (1266-1270) stammte vom Nied C rhein. Seine Nachfolger kamen ebenfalls nicht aus dem Land Tirol, sondern Hein' rieh von Falkenstein (1272) aus dem Breisgau, Konrad von Dettelbach (1274) au Franken und Wolfram von Adelmannsfelden (1277-1282, 1284) aus Schwaben. Erst Konrad von Tscheves (Tschöfs), der 1283 die Amtszeit Adelmannsfeldens unter brach, könnte ein Tiroler gewesen sein. Er war aber kein Ritter-, sondern ein Prie sterbruder143 und insofern eine Ausnahme, da im allgemeinen die Landkomtursstel- len mit Ritterbrüdern besetzt wurden. Seit 1285 folgten wieder Landfremde, und zwar Gottfried von Donaustauf (1285-1288) aus Bayern, Hartmann von Helfen- stein (1297-1299) aus dem Rheinland, Konrad von Schiverstat (1302-1304) wohl aus dem Mittelrheingebiet, Hartmann von Gundelfingen (1305) und Leopold von Wem- dingen (1309-1311), beide aus Franken144. Analog zu Bozen wurde auch das Landkomtursamt der Ballei Österreich verge- ben. Allerdings kam der erste Amtsträger Ortolf von Traiskirchen (1236) aus dem Bereich der Ordensprovinz. Aber schon sein Nachfolger war ein Landfremder, nämlich Konrad von Osternohe (1244-1249) aus Franken. Nach ihm erhielt 1250 Konrad von Immerfeld das Amt. Seine Herkunft ist bislang unbekannt. Möglicher- weise stammte er wieder aus dem Bereich der Ballei. Das ist jedoch ungewiß. Die nächsten Landkomture von Österreich waren wieder Landfremde, und zwar Kon- rad von Feuchtwangen (1259, 1271-1279), Ludwig von Henneberg (1265-1266), Gottfried Lesch (1279-1283), alle aus Franken, Heinrich Manstoch (1289-1292) aus dem Ravensburger Patriziat, Heinrich von Gleina (1298-1299) aus Thüringen, Eberhard von Sulzberg (1301) aus Schwaben und Hermann Lesch (1306-1312) aus Franken145. Der Anteil der Franken an den Landkomturen der Ballei Österreich ist auffallend hoch. Daß in der Ballei Böhmen während des 13. Jahrhunderts keine einheimischen Ad- ligen zu Landkomturen ernannt worden sind, mag eher einleuchten, als daß in den Balleien Bozen und Österreich auf Einheimische verzichtet wurde. Denn der Or- den war zwar nicht nach seinen Statuten auf Deutsche beschränkt, stützte sich aber de facto auf Deutsche oder Deutschsprachige, wenngleich Ausnahmen vor allem in den Balleien außerhalb des Deutschen Reichs vorgekommen sind. Lassen wir die nur mit Vornamen überlieferten Landkomture von Böhmen beiseite, sind aus- schließlich Landfremde als Landkomture zu belegen, nämlich Ludwig von Balders heim (1241-1262, 1264, 1270-1272) aus Franken, Helwig von Goldbach (1269) aus Thüringen, Heinrich von Byern (1272?, 1293, 1295, 1301-1305) aus Ostsachsen, Ar- 143 Ladurner, S. 44 f. 144 Vgl. Arnold, Mittelalter, S. 135f.; Praxmarer, S.235ff. 145 Zur Herkunft: Wojtecki, Studien, Register.
Id Kropf (1279) aus dem Nordgau und Johann Waldeser (1304-1306) aus Ost- chsen. Alle Landkomture hatten vor ihrer Amtszeit in Preußen gedient und dort teilweise hohe Ämter verwaltet146. In dieser personellen Verflechtung spiegelt sich die enge Anbindung der Ballei Böhmen an Preußen, seitdem Hermann Balk sein Eroberungswerk begonnen hatte. In der Tatsache, daß der Landmeister von Preu- ßen die Landkomture von Böhmen ernannte, mag am ehesten die Erklärung dafür zu suchen sein, daß einheimische Adelssöhne kaum Chancen auf eine Beförderung an die Spitze ihrer Heimatballei hatten. So wie im Fall der Ballei Böhmen ist die große Zahl der landfremden Amtsträger in den Ordensprovinzen Österreich und Bozen nicht zu erklären. Einige Forscher haben den Befund so zu deuten versucht, daß beide Provinzen schon seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Kammerballeien des Hochmeisters gewesen seien und daher das Ordensoberhaupt fremde Männer zur Verwaltung der Güter geschickt habe147. Aber die Ansicht hat sich so nicht halten lassen und mußte mehrfach modi- fiziert werden. Es ist überhaupt fraglich, ob es damals schon Kammerballeien gege- ben hat. Gerade die Besetzung der Landkomtursämter von Bozen und Österreich ist ohne große Mühe damit zu erklären, daß die Landkomture schon früh zu den Amtsträgern zählten, die vom Hochmeister und dem Generalkapitel eingesetzt wer- den mußten. Darin mag ein Grund dafür gelegen haben, daß lokale Gewalten kaum Einfluß auf die Ämtervergabe besonders in Bozen und Österreich ausüben konn- ten, obwohl der einheimische Adel und die Landesherren den Orden unterstützten und Interesse an der Aufnahme von Adelssöhnen aus ihren Herrschaften hatten. Gemeinsam war den Balleien Böhmen, Bozen und Österreich, daß Landesherren und Adel auf die Vergabe der Landkomturstellen kaum Einfluß ausüben konnten. In Böhmen ernannte der Landmeister von Preußen den Provinzialoberen, in Öster- reich und Bozen der Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel. Das Ergebnis war in allen drei Provinzen, daß Landfremde sie verwalteten. In dieser Hinsicht glichen die drei Provinzen den italienischen Balleien, an deren Spitze zu- mindest seit der Mitte des 13. Jahrhunderts und dem Untergang des Stauferhauses auch Landfremde standen, weil lokale Instanzen keinen Einfluß mehr ausübten und der Orden sich den Zugriffsmöglichkeiten der neuen Landesherren entzogen hatte. Die Landkomture der italienischen Balleien wurden wie die von Österreich und Bozen vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel ernannt, jeden- falls solange der Hochmeister in Akkon bzw. Venedig residierte. Noch nicht genügend geklärt ist die Herkunft der Landkomture der Partes infe- ri°res bzw. der beiden aus ihr entstehenden Balleien Biesen und Utrecht. Bei den . ^ur Herkunft und Laufbahn: Wojtecki, Studien, Register. vor allem Wojtecki, Studien, S.20f., neuerdings auch Nieß, S. 163ff. Vgl. auch Arnold, Mittelalter, S. 135 f. Auf das Problem der Kammerballeien ist in anderem Zusammenhang noch ein- mal zurückzukommen.
meisten Amtsträgern handelt es sich um Angehörige von Familien, die in den Bere’ chen der Ordensprovinzen ansässig waren, oder um Rheinländer aus der benach' barten Ballei Koblenz wie Walter von Porta Castri, der als Koblenzer Komtur auch das Amt eines Landkomturs der Partes inferiores 1253-1254 verwaltet hatte148 £)er 1270-1271 amtierende Landkomtur der Partes inferiores Matthias von Frankfurt stammte ebenfalls aus einem Koblenzer Stadtadelsgeschlecht149. Später 1286-1287 ist mit Konrad von Mandern noch ein Hesse bezeugt150. Aber ansonsten hatte der ein heimische Adel wohl die Stellen für seine Söhne reserviert151. Er hatte eine Politik wie viele seiner Standesgenossen in den übrigen Balleien mit Ausnahme von Böh- men, Österreich und Bozen betrieben. Noch stärker als die Landkomturs- waren die Komtursstellen regionalen Einflüs- sen ausgesetzt. Das traf in hohem Maß auf alle jene Ordensniederlassungen zu die als sogenannte „Hauskommenden“ von Dynasten gestiftet worden waren. So blieb das Deutschordenshaus Mergentheim stets im Einflußbereich der Edelherren von Hohenlohe, von denen gleich zu Beginn drei Angehörige, nämlich Andreas, Fried- rich und Heinrich, in den Orden eingetreten und im Haus tonangebend geblieben sind. Andreas war, auch ohne daß er Je ein Amt verwaltet hätte, ein viel gefragter Ratgeber im Umkreis der Hoch- und Deutschmeister152. Heinrich von Hohenlohe wurde erster Komtur der neuen Kommende 1221-1224 und stieg über verschiedene Stufen zum Hochmeister (1244-1249) auf153. Den Edelherren von Hohenlohe folgten Angehörige verwandter Familien oder deren Ministeriale, so daß sich Komture und Konventuale der Kommende Mergent- heim im 13. Jahrhundert fast nur aus Mitgliedern der Geschlechter rekrutierten, die im Einzugsbereich des Ordenshauses begütert waren. Nach den sorgfältigen Zu- sammenstellungen Wojteckis gehörten 19 Komture zu diesem Verwandtenkreis mit ihren Ministerialen. Nur zwei Komture kamen aus anderen Regionen, nämlich Gerlach von Zwehren aus Nordhessen, dem Bereich des Hauses und der Ballei Marburg, und Heinrich von Mässing aus einer Gegend, deren Adel die Kommen- den in Nürnberg oder eher noch Ellingen bevorzugte154 155. Vielleicht ist zu den Aus- nahmen auch Johannes Saxo zu zählen, der möglicherweise aus Sachsen stammte . Von den .68 nachweisbaren Konventualen Mergentheims sind sieben zu nennen, die nicht unbedingt zum Mergentheimer Einflußbereich gehörten156. Das waren 148 Limburg, Koblenz, S.32f. 149 Limburg, Koblenz, S.20 Anm.43; Van der Eycken, Ridders, S. 153. 150 Wojtecki, Studien, S.40 Anm.210. 151 Vgl. Van der Eycken; Mol, Friese Huizen, S.38ff. 152 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 59, und S. 107 Anm. 192. 153 Wojtecki, Studien, S.42f. Anm. 221. 154 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 74ff. 155 Vgl. Hartmann, Komture, S. 27. ,r 156 Vgl. Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 74-76 mit Anm., S. 10h
• ut viel mehr als 10%. Der heimische Adel schickte also seine Söhne vorwiegend die Mergentheimer Kommende, in der sie stets die überwiegende Mehrzahl stell- Manche der Ritterbrüder, die in Mergentheim eingekleidet werden sind, mögen ihren Gelübden entsprechend in das Heilige Land, nach Preußen oder Livland ge- zogen sein, um dort die Christenheit vor den „Feinden Gottes“ zu schützen157. Schaut man sich jedoch die Listen an, fällt auf, wie lange sich manche Brüder in Mergentheim aufgehalten haben. So ist ein Ritterbruder namens Eberswin, dessen Herkunft wir nicht kennen, von 1268-1301 in der Kommende fast Jahr für Jahr, darunter einige Zeit als Komtur, nachzuweisen158. Wie er scheinen andere eine lange - vielleicht sogar die gesamte - Zeit ihres Ordenslebens in der Kommende Mer- gentheim verbracht zu haben, ohne je im Dienst der Ordensidee gegen Heiden oder Sarazenen gekämpft zu haben. Im 13. Jahrhundert hat es trotz allem eine Fluktuation gegeben. Manche Brüder wurden an die Front in das Heilige Land oder in das Baltikum geschickt. Einige kehrten erst nach Jahren zurück und erhielten dann einen Ruhesitz in einem Or- denshaus in den Balleien, wie mehrere Beispiele belegen können159. Sie blieben je- doch die Ausnahme. Eine „Hauskommende“ wie Mergentheim war normalerweise das Auffangbecken eintrittswilliger Adels- und in geringerem Maß Bürgersöhne der Umgebung. Deshalb waren solche Ordenshäuser auch den Einflüssen und Einfluß- nahmen der regionalen Adelsgeschlechter stärker als etwa Komtureien im Heiligen Land oder dem Baltikum ausgesetzt. Die „Hauskommenden“ blieben ihrer Jeweili- gen Region verhaftet. „Hauskommenden“ wie Mergentheim finden sich im Süden des Deutschen Reichs öfter. Die Hohenzollern hatten sich mit Virnsberg eine solche Kommende geschaf- fen und die Komtursstelle nacheinander mit ihren Angehörigen besetzt, nämlich mit Friedrich (1296-1303) und Konrad von Hohenzollern (13O4)160. Auch Oettingen kann als „Hauskommende“ bezeichnet werden, wenngleich kein Angehöriger des Grafengeschlechts an die Spitze der Kommende getreten ist. Die Grafen von Oet- tingen vermachten dem Deutschen Orden umfangreichen Besitz bei ihrer namenge- benden Burg, als Ludwig von Oettingen nach 1225 dem Orden beitrat. Er wurde zwar kein Komtur, aber wie Andreas von Hohenlohe ein einflußreiches Mitglied des Ordens in der Umgebung des Hochmeisters Hermann von Salza und zeitweise mit Sondervollmachten ausgestattet161. J57 Perlbach, Statuten, S. 127. Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 74 f. J*9 Vgl. unten, S.450ff. Weiss, Franken, S. 124ff. Weiss, Franken, S.90ff.; Militzer, Entstehung, S.44.
Außer solchen Dynastengeschlechtern haben kleinere Adelsfamilien, auch Mirf steriale, ihre „Hauskommenden“ gegründet. Ein besonders gut erforschtes Beis ’ ? bietet die später als Sitz des Deutschmeisters so wichtige Burg Horneck am Neck Sie wurde dem Orden von der Ministerialenfamilie der von Horneck übertm^ ui ctneri Der erste Komtur der neuen Niederlassung war der Wohltäter selbst, nämlich Kon rad von Horneck. Ihm folgte sein Sohn Werner im Amt. Mit ihm war die Familie erloschen162. Die Kommende verlor folgerichtig ihren Charakter als „Hauskom mende“. Die beiden nach Werner kommenden Komture Gerhard von Hirschberg (1282) und Engelhard Schenk von Limpurg (1294-1299) stammten nicht vom Nek- kar, sondern aus Franken163. Die hirschbergisch/eichstättischen Ministerialen von Mässing stifteten ihre Burg Obermässing dem Deutschen Orden und schufen sich damit ihre „Hauskommende“. Als erster Komtur amtierte dort 1291 als Mitglied der Familie Marquard von Mässing164. Es konnte auch geschehen, daß sich Adelsfamilien zusammenschlossen und eine Kommende stifteten. So handelten beispielsweise Ministeriale des Klosters Reichen- au und gründeten die Kommende Mainau. Die Stifterfamilien stellten die meisten Konventualen und auch Komture. Zwar kamen nicht alle Leiter der Niederlassung aus der Reichenauer Ministerialität oder der benachbarter Herren wie der Bischöfe von Konstanz und der Habsburger, sondern auch von entfernter ansässigen Fami- lien. Die ersten beiden Komture Rudolf von Iburg (1272-1273) und Heinrich von Falkenstein (1274) stammten aus Geschlechtern, die ihren Sitz weiter entfernt in der Schweiz bzw. im Breisgau hatten. Nachdem jedoch mit den beiden Landfremden die Gründungsphase abgeschlossen war, verengte sich der Kreis der regionalen Her- kunft für die folgenden Komture. Nur Rudolf von Urach aus einem schwäbischen Grafengeschlecht störte die geschlossene Reihe der Komture aus benachbarten Mi- nisterialenfamilien165. Die Kommende in Bremen an der Weser war eine Stiftung der Bürger der Hanse- stadt. Aus der städtischen Bevölkerung mögen die meisten der allerdings nur mit Vornamen und daher schwer zu identifizierenden Ritterbrüder des Hauses gekom- men sein. Daraus erklärt sich möglicherweise auch die Interpolation der Ordens- brüder in eine Urkunde, daß bestimmte Güter nicht zugunsten von Unternehmun- gen in Livland und Preußen verwandt werden dürften. Die Einkünfte sollten eben den Brüdern vor Ort weitgehend erhalten bleiben und in erster Linie zu deren Un- terhalt dienen166. 162 Boockmann, Stifterbild, S. 14ff. 163 Vgl. die Komtursliste bei Diefenbacher, Territorienbildung, S.471 f. 164 Weiss, Franken, S. 114ff. 165 Vgl. Feger, S. HOff. 166 Vgl. Brünjes, S.51f., der allerdings eine andere Deutung für die Interpolation anbietet.
Obwohl Kaiser Friedrich II. dem Deutschen Orden das Spital in Ellingen über- n hatte, geriet die aus der kaiserlichen Schenkung erwachsende Kommende ^hnell unter den Einfluß des regionalen Adels, besonders der benachbarten Dyna- sten Sie sahen in der Niederlassung alsbald ihre „Hauskommer^de“ zur Versorgung ihrer nachgeborenen Söhne, und zwar zunächst die Grafen von Hirschberg und nach deren Aussterben die Edelherren von Heideck167. Als von den heimischen Führungsgruppen gestiftete und geförderte Ordenshäu- ser sind auch die Niederlassungen Nes und Schoten in Friesland aufzufassen. In diesen Häusern wurden Angehörige dieser Gruppen eingekleidet und folgerichtig mit Leitungsaufgaben betraut. Wegen der Besonderheiten der friesischen Sozialver- fassung haben sich in den friesischen Häusern von Anfang an bis über das 15. Jahr- hundert hinaus Eigenheiten erhalten, die sonst nicht zu beobachten sind168. Gerade an den friesischen Kommenden ist die Bindung an die benachbarten Familien und die Einbettung in die Region mit ihren Eigentümlichkeiten besonders deutlich zu studieren. Neben den „Hauskommenden“ des hohen Adels, einzelner Ministerialen und Adels- oder vergleichbarer Gruppen wie in Friesland hat es aber in allen Regionen Kommenden gegeben, die weniger auf bestimmte Familien angewiesen waren. Dazu gehören im allgemeinen die zahlreichen von deutschen Königen und Kaisern, be- sonders von Friedrich II., gestifteten Niederlassungen169, ebenso die von Erzbischö- fen und Bischöfen gegründeten Häuser. In ihnen hat der benachbarte Adel zunächst meist keinen so starken Einfluß auf die Aufnahme in die jeweiligen Konvente und auf die Wahl der Komture nehmen können. Die Rekrutierungsbasis war meist weit- räumiger und die Herkunft der Leiter dieser Niederlassungen regional weit gefä- chert. Trotzdem galt schon damals auch für diese Häuser, daß der benachbarte Adel im allgemeinen die Mehrzahl der Ordensbrüder in den Konventen stellte und dem- entsprechend häufiger die Komtursstellen besetzen konnte. In Ausnahmefällen wie in Ellingen konnten solche Häuser allmählich den Charakter von „Hauskommen- den“ der benachbarten Adelsfamilien annehmen. Anders als in „Hauskommenden“ hatten die Brüder in den übrigen Ordenshäu- sern mit dem Willen der vorgesetzten Gebietiger, des Deutschmeisters und des Landkomturs, zu rechnen, die oft genug ihre Vertrauenspersonen in einflußreiche Ämter zu bringen suchten. So wurde Poppo von Osternohe (Osterna) nach seinem Rücktritt vom Hochmeisteramt 1256 schließlich 1260 mit dem Amt eines Komturs von Regensburg abgefunden. In Regensburg als Alterssitz verbrachte er seinen Le- ensabend, aber nicht als einfacher Ritterbruder, sondern als der Leiter der Kom- 1A2 Weiss, Ellingen, S. 6. 68 Mol, Friese Huizen, S. 51 ff., 74ff., 89ff. Vgl. Wojtecki, Deutsche Orden unter Friedrich II., S. 188ff.
mende170. Gerhard von Hirschberg wurde nach einem arbeitsreichen Leben für den Orden in Preußen, Livland und den deutschen Balleien 1282 mit der damals noch kleinen und unbedeutenden Kommende Horneck am Neckar als Alterssitz abge funden171. Auf weitere Umbesetzungen auch auf Komtursebene hat neuerdin s U. Arnold aufmerksam gemacht, auf die starke Einflußnahme der Hoch- und der Deutschmeister in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hingewiesen und dabei die Rolle Konrads von Feuchtwangen heraus gearbeitet172. Trotz der Einschränkungen bleibt die Tatsache bestehen, daß die Kommenden der Balleien im Deutschen Reich schon im 13. Jahrhundert regionalen Einflüssen ausgesetzt waren. Ihr Rekrutierungsgebiet deckte sich weitgehend mit der Ausdeh- nung ihres Besitzes. Der dort ansässige Adel stellte sehr oft die Komture der Nie- derlassungen. Die regionale Einbindung ist bei „Hauskommenden“ stärker als bei anderen gewesen. Deren Sonderstellung konnte verloren gehen, wenn sie den Cha- rakter einer „Hauskommende“ einbüßte. Bis auf die Balleien Österreich, Bozen und Böhmen kamen die meisten Landkomture aus dem Balleibereich, einer Region, die zwar nicht so kleinräumig wie die der Kommenden war, aber eben auch regio- nal begrenzt blieb. Die starke Bindung der Konvente, Komtursämter und auch noch der Ämter der meisten Landkomture an den regional ansässigen Adel war eine Besonderheit der Balleien im Deutschen Reich. Dem deutschen Adel entstammten die meisten Ritter- brüder im Reich wie in den Kampfgebieten im Orient und im Baltikum. Diesem Adel verdankte der Orden einen großen Teil seiner materiellen Ausstattung haupt- sächlich im Reich. Diese Ausstattung war als Grundlage für die erfolgreiche Bewäl- tigung der Aufgaben im Osten wie im Orient erforderlich. Der Orden blieb weiter- hin auf das Wohlwollen des Adels angewiesen173. In den Gebieten außerhalb des Deutschen Reichs im Orient und im Baltikum brauchte der Orden noch keine Rücksicht auf spezielle regionale Adelsinteressen zu nehmen. Daher hatten der Hochmeister und seine Vertreter dort in den Einsatz- möglichkeiten der Brüder und in der Beförderung bestimmter Brüder freiere Hand. Deshalb sollte auch die regionale Vielfalt der Herkunft der Brüder in diesen Ein- satzgebieten bis in die Reihen der Amtsträger hinein größer sein. Der Nepotismus und damit verbunden eine Form der verbotenen Simonie174 waren also in der An- fangsphase in den Balleien des Deutschen Reichs für den Orden eine höhere Gefahr als in den übrigen Ordensgebieten. 170 Weiss, Franken, S.472. 171 Wojtecki, Studien, S.47. 172 Arnold, Deutschmeister, S. 30 ff. 173 Militzer, Einbindung, S. 142ff.; Boockmann, Herkunft, S. 13f. jen 174 Simonie in Form einer Ämtervergabe nach vorhergehenden Schenkungen wurde beispielsweise Templern in ihrem Prozeß vorgeworfen, vgl. Barber, Knighthood, S. 223 ff.
pie Forschung hat sich nicht nur mit der regionalen, sondern auch mit der sozia- Herkunft der Ritterbrüder intensiv beschäftigt. Für die Brüder in den Balleien trifft zU’ was den Orden insgesamt festgestellt worden ist. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen entstammte Ministerialengeschlechtern. Soweit sich die Brü- jer identifizieren lassen, kamen nach den Feststellungen Wojteckis während des p Jahrhunderts in der Ballei Thüringen 53 % aus dem einfachen Ministerialenadel, 9% aus Grafen-, 11% aus edelfreien Familien, 17% aus Reichsministerialengeschlech- tern, 1% aus freiritterlichen Familien und 10% aus dem städtischen Patriziat175. Wojtecki hat schon selbst die Gruppe der Reichsministerialen in solche unter- teilt, die ihrer Stellung und Bedeutung nach den Dynasten gleichzustellen seien, und in solche, die im Lauf des 13. Jahrhunderts mit den übrigen Ministerialen zum niederen Adel verschmolzen. Teilt man die Reichsministerialen nach diesen Vorga- ben auf, entfielen auf den entstehenden Niederadel zwei Drittel und auf den Hoch- adel lediglich ein Viertel. Den Rest bildeten Brüder aus dem Patriziat, deren Anteil noch geringer ausfällt, wenn man die Priesterbrüder wegläßt, die Wojtecki in sei- ne Rechnung einbezogen hat. Wojtecki hat auch schon darauf hingewiesen, daß die Mehrzahl der Amtsträ- ger in der Ballei Thüringen dem Niederadel entstammten, nämlich von insgesamt 28 Landkomturen der Ballei Thüringen-Sachsen bzw. Thüringen während des 13. Jahr- hunderts 20 des Niederadels gegenüber sechs aus dem Hochadel176. Der Anteil des Niederadels an den Landkomturen lag sogar noch etwas höher als der an den Brü- dern insgesamt, der des Hochadels dementsprechend etwas niedriger. An der Vor- herrschaft des Niederadels in der Ballei Thüringen-Sachsen bzw. Thüringen kann also während des 13. Jahrhunderts kein Zweifel herrschen. Hartmut Boockmann hat zu Recht auf die sozialgeschichtliche Bedeutung dieser Tatsache hingewiesen. Denn in die Korporation des Ordens wurden Söhne von eigentlich noch unfreien Ministerialen aufgenommen und Angehörigen edel- freier Familien gleichgestellt. Indem Ministerialensöhne Ämter anvertraut erhielten, bekamen sie Befehlsgewalt auch über Angehörige solcher Geschlechter, denen die Eltern der Befehlshaber im Orden gedient hatten und denen sie noch untertänig waren. Im Orden konnten Söhne aus Ministerialenfamilien einen Aufstieg nehmen, der ihnen im weltlichen Bereich meist verwehrt blieb177. In der Ballei oder in einer Kommende konnte der ehemalige Angehörige eines Ministerialengeschlechts von einem Grafensohn Gehorsam fordern, während in dem Territorium, in dem die Kommende oder Ballei lag, genau das Gegenteil vorgelebt wurde. Die Aufstiegs- Wojtecki, Studien, S. 79. Die Zahlen beziehen sich nur auf die Kommenden der erst 1287 abge- trennten Ballei Thüringen, jedoch auf die Landkomture einschließlich der Landkomture der Ballei Thüringen-Sachsen. In den Zahlen Wojteckis sind auch Priesterbrüder enthalten. Schließt man sie 1 aus’ fällt der Anteil des Patriziats erheblich. Wojtecki, Studien, S. 80. B°ockmann, Deutscher Orden, S.60f.
möglichkeiten in der Korporation weitgehend ohne Rücksicht auf die Standes schranken hat die Attraktivität des Deutschen Ordens für die Ministerialität und den späteren Niederadel gesteigert. Das Ergebnis, das Wojtecki anhand der Untersuchung des Personalbestands der Ballei „Thüringen“, wie er sie nennt, erzielt hat, läßt sich verallgemeinern. Auch in den anderen Balleien des Deutschen Reichs kam die überwiegende Zahl der Rit- terbrüder aus dem Ministerialenadel und später dem Niederadel ohne eigene Herr- schäften, also aus einem bevorzugten Stand im Dienste der Herren. Zur weiteren Untermauerung der These sei die bedeutende Ballei Franken herangezogen. Diese Ordensprovinz wurde bis 1309 von zwölf Landkomturen regiert. Von ihnen stammten acht aus Ministerialengeschlechtern und drei aus Dynastenfamilien. Frag- lich ist die soziale Herkunft eines nur mit Vornamen überlieferten Amtsträgers. Ein Viertel der Landkomture kam also aus dem Hochadel und nicht ganz drei Viertel aus dem niederen Adel. Analoges ist von den Komturen zu ermitteln. Wenn man die Pfarrkomture beiseite läßt und jede Person nur einmal zählt, auch wenn sie in mehreren Häusern das oberste Amt verwaltet hatte, sind bis 1309 in der Ballei Franken 127 Ritterbrüder als Komture nachzuweisen. Von ihnen lassen sich 78 nicht einordnen. Von den restlichen 49 Ritterbrüdern stammten zehn aus Grafen- und edelfreien Familien, drei aus der Reichs- und 35 aus der regionalen Ministerialität und einer aus dem Patriziat178 179. 20 % der Komture aus dem hohen Adel stehen 78 % aus dem Niederadel gegenüber. Das Patriziat spielte offenbar keine Rolle. Es ist al- lerdings zu berücksichtigen, daß sich in der hohen Zahl der nicht identifizierten Komture noch der eine oder andere Bürgersohn verbergen könnte. Unter den Nichtidentifizierten werden sich auch eine Reihe von Ministerialensöhnen befun- den haben. Dagegen ist kaum damit zu rechnen, daß in der Dunkelziffer noch Dy- nastensöhne zu finden sein werden, da die Überlieferung dieser Familien sehr viel günstiger als die der kleinen Adligen und bürgerlichen Geschlechter gewesen ist . Daraus ist zu folgern, daß der Prozentsatz der niederadligen Familien an den Kom- turen noch höher gewesen sein wird, während die 20 % für den Hochadel eher zu hoch gegriffen sind. Trotz der beträchtlichen Dunkelziffer bleibt es dabei, daß das Patriziat bei der Verteilung der Komtursstellen keine Rolle gespielt hat. Die Analyse der sozialen Herkunft der hohen Amtsträger in der Ballei Franken bestätigt also die Ergebnisse aus Thüringen. Sie deutet sogar auf eine noch größere Dominanz des Niederadels als in Thüringen hin. Schaut man sich einzelne Kommenden in den Balleien an, offenbaren sich Unter schiede, die zu einer differenzierten Betrachtung zwingen. Im gut untersuchten Mergentheim standen an identifizierbaren Brüdern, einschließlich der Priester r der, einem Anteil von bloß 60% aus dem Niederadel 40% aus dem Hochadel ge- 178 Alle Angaben nach: Weiss, Franken, S.398ff. 179 Vgl. Forey, Orders, S. 134.
über180- Das ^st e*n erheblich höherer Anteil des Hochadels, als in der Ballei ken insgesamt und in Thüringen festzustellen ist. Allerdings sind nur 46 % aller 5« --lieferten Mergentheimer Brüder einer Familie oder einem Stand zuzuordnen. F ist wie in der Ballei Franken so auch in der Kommende Mergentheim damit zu rechnen, daß unter den nicht identifizierten Männern kaum Angehörige des hohen Adels, wohl aber solche niederer Stände zu finden sein würden, wenn man ihre Herkunft ermitteln könnte. Aber selbst wenn man diese Überlegung einbezieht, bleibt der Anteil des hohen Adels an den Mergentheimer Brüdern bemerkenswert. Diese Besonderheit spiegelt sich auch in der Besetzung des Komtursamts wider. Zwar sind nur etwa die Hälfte der Komture zu identifizieren. Aber von dieser Hälf- te entstammten mehr als ein Drittel (rund 37%) dem Hochadel und die restlichen rund 63 % dem niederen Adel. Wieder ist bei einer Würdigung der Zahlen zu be- rücksichtigen, daß die Söhne des hohen vollständiger als die des niederen Adels er- faßt sind. Aber auch dann bleibt die hohe Zahl der Komture aus dem Dynastenadel bemerkenswert. Wo j tecki führt die Besonderheit auf die Tatsache zurück, daß die Mergentheimer Kommende eine Stiftung der hochadligen Hohenlohe gewesen sei, also die „Hauskommende“ einer edelfreien Familie181. Neben Mergentheim gab es Kommenden, in denen der Hochadel keine Komture stellte, wie etwa in Ellingen, das keine Hauskommende einer Adelsfamilie, aber von analoger Bedeutung wie Mergentheim gewesen ist. Daher dominierten in Ellingen die Söhne von Ministerialen deutlicher als in Mergentheim182. Aus der Entstehungsgeschichte heraus erklären sich auch einander scheinbar wi- dersprechende Urteile verschiedener Historiker. Wenn beispielsweise Otto Feger für die Mainau feststellt, daß die Kommende durchaus ministerialisch gewesen sei und sich ein Gegensatz zwischen höherem und niederem Adel nicht behaupten lasse183, so ist das, wie er selbst betont, angesichts der Entstehungsgeschichte als „Haus- kommende“ einer Ministerialengruppe verständlich. In die Kommende traten eben vorzüglich Angehörige dieser Ministerialenfamilien ein und besetzten dann auch die Ämter. Bis 1309 ist nur ein Mitglied des hohen Adels als Komtur der Mainau belegt, nämlich Rudolf von Urach 1289184. Auf der anderen Seite meint Peter H e i m in seiner Untersuchung zur Kommende Beuggen, einen „gewissen Unterschied“ zwischen edelfreien und ministerialischen Ordensbrüdern feststellen zu können. Zwar gebe es keine rechtlichen Unterschiede der aus verschiedenen Ständen in den Orden eingetretenen Brüder, aber doch eine Bevorzugung der aus edelfreien oder gräflichen Häusern stammenden Ritterbrü- 180 181 182 183 184 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 77. Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 77 Vgl. Weiss, Franken, S.419f. Feger, S. 115. Feger, S. 113.
der in den Zeugenreihen185. Beuggen war eine Stiftung des Reichsministerialen Lud wig von Liebenberg, wurde aber nie die„Hauskommende“ dieser Familie186. Dah konnten in Beuggen Ritterbrüder aus dem Hochadel eine andere, bedeutendere Rolle als in der Mainau spielen, wenn auch keine so dominierende wie in de „Hauskommende“ der Hohenlohe in Mergentheim. Denn wenn in Mergentheim ein Mitglied der Hohenlohe in den Orden eintrat, hatte es Anspruch auf das hoch ste Amt des Hauses. Die Komtursstelle wurde ihm kaum streitig gemacht, weil ein großer Teil der Ritterbrüder der Niederlassung aus der hohenlohischen Ministeriali- tät, also aus von den Edelherren abhängigen Familien, stammte187. Schließlich konn- ten die Hohenlohe die Politik und vor allem die Personalpolitik der in ihrem Territo- rium liegenden Kommende direkt oder indirekt über ihre Ministerialen beeinflussen Den Wünschen der Hohenlohe konnte sich der Orden gar nicht entziehen. In Beuggen dagegen sind von zehn Komturen bis zum Jahr 1309 acht dem Nie- der- oder Ministerialenadel und nur zwei dem Dynastenadel zuzuweisen188. Söhne aus dem hohen Adel hatten in Beugen zwar die Möglichkeit, zu Komturen ernannt zu werden, hatten aber keinen Anspruch darauf wie die Hohenlohe in ihrer „Haus- kommende“ in Mergentheim. Solche Kommenden wie Beuggen hat es in den deut- schen Balleien in größerer Zahl als „Hauskommenden“ nach dem Muster Mergent- heims gegeben. Was für die hohenlohische „Hauskommende“ Mergentheim zu demonstrieren ist, galt auch für einige andere „Hauskommenden“ in der Ballei Franken wie in ande- ren Ordensprovinzen. In der „Hauskommende“ der Hohenzollern, der Burg Virns- berg, erhielten die Söhne des Dynastengeschlechts die Komturswürde, wenn sie in den Orden eintraten189. Analoges ist für die „Hauskommende“ der Vögte von Weida und Plauen in Plauen in der Ballei Thüringen190 und auch für die Kommende Rei- chenbach in Hessen zu belegen191. Im Fall Reichenbach ist zu beobachten, daß die Niederlassung schnell ihren Charakter als „Hauskommende“ einbüßte, als die Gra- fen von Ziegenhain das Interesse an ihr verloren und schließlich ausstarben. Rei- chenbach ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Ein solches Schicksal traf früher oder später mehrere „Hauskommenden“. Eine solche Kommende, an der die hoch- 185 Heim, Beuggen, S.40 f. 186 Heim, Beuggen, S.25ff. 187 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 77. 188 Die Zahlen nach den Angaben von Heim, Beuggen, S. 160ff. 189 Weiss, Franken, S.486f. 190 191 Wojtecki, Studien, S. 59. Boockmann, Anfänge, S. 140, meint allerdings, daß der in den Deutschen Orden eingetretene Graf von Reichenbach kein Komtur geworden sei. Aber das ist wenig wahrscheinlich. Allerdings 1 nicht sicher zu beweisen, daß der Reichenbacher Komtur Heinrich mit dem eingetretenen Crf identisch ist. Man wird Boockmann sicher zustimmen können, daß das Muster einer „Haus mende“ im Fall Reichenbach nur teilweise realisiert worden ist.
n Stifter ihr Interesse verloren hatten und die daher eine von der Stifterfamilie gängige Entwicklung nahm, war beispielsweise auch die Heilbronner Kom- Una de am Neckar, an der die Edelherren von Dürn ihr Interesse verloren, wenn sie ^^Is eines an ihr gehabt haben. Denn neuerdings ist bestritte|i worden, daß die T^Tlherren von Dürn die Kommende gestiftet hätten192. In den „Hauskommenden“ war der Einfluß der meist hochadligen Stifter beson- ders groß. D°rt konnten sie ihren Angehörigen die höchsten Ämter verschaffen. Aber die Bedeutung der hochadligen Geburt ist für die Karriere von Ritterbrüdern uCh in anderen Kommenden keineswegs zu unterschätzen. In solchen Niederlas- sungen spielte die Rücksichtnahme auf den hohen Adel, den sich der Orden nicht verprellen durfte, eine Rolle. Schließlich waren von einer Dynastenfamilie mehrere Ministerialen- und Vasallengeschlechter abhängig, deren Söhne ebenfalls im Orden waren. Außerdem waren die ständischen Unterschiede trotz allem von Belang, wenn auch nicht de iure, so doch de facto. Selbst die Idee des Rittertums hat die Standesschranken zwischen dem hohen und dem niederen Adel, den nobiles, den von Geburt her freien, und den aus der Ministerialität, der Unfreiheit, aufgestiege- nen Adligen nicht ganz eingeebnet. Sie blieben vielmehr bis in das Spätmittelalter hinein erhalten und wurden auch beachtet, wenngleich ein Auf- und Abstieg in ge- ringem Ausmaß möglich blieb193. Es wäre höchst verwunderlich, wenn gerade in Ordenshäusern in den Balleien, die innerhalb der adligen Herrschaften lagen und deren Konventuale dem Einfluß und Gedankengut ihrer Familien und Standesgenossen ausgesetzt und verhaftet blieben, diese Unterschiede aufgehoben worden wären. Sieht man genau hin, war das auch gar nicht der Fall. Die Unterschiede blieben, wurden allenfalls etwas stär- ker als im weltlichen Bereich eingeebnet. Daher hatten hochadlige Kandidaten im Orden im allgemeinen bessere Aufstiegschancen als Ritterbrüder aus dem niederen Adel. Diese Chancen waren in „Hauskommenden“ größer als in solchen Ordens- häusern, die wie die Mainau vom Niederadel beherrscht wurden. Der Aufstieg vom Komtur über ein Landkomtursamt zu einem höheren Amt war in den Balleien dem Sohn eines Hochadligen eher als einem aus dem Niederadel vergönnt. Da ein Dy- nastensohn selten allein in den Orden eintrat, ihm vielmehr häufig Söhne aus den Ministerialen- und Vasallengeschlechtern der Dynasten folgten oder sie schon im Orden lebten, fand er von Anfang an eine ihm aus Familientradition ergebene Ge- ° gschaft, auf die er sich in seiner Laufbahnplanung stützen konnte. Daß solche amilienbande auch im Orden nützlich waren, hat Udo Arnold an der Karriere °nrads von Feuchtwangen und an den Mitteln, mit denen er seine Politik durch- Seiler, Deutschordenshaus, S.46ff. Vgl. dagegen Wojtecki, Deutsche Orden im württembergi- 193 schen Franken, S.78f. Pieß, Abgrenzung, S. 181 ff.
zusetzen verstanden hat, gezeigt. Konrad stammte zwar nicht aus dem hohen Ad hat aber gleichwohl familiäre Beziehungen in den Dienst seiner Politik gestellt194 10.6 Die Ritterbrüder in Preußen Über die Teilnehmer des Ordens am burzenländischen Unternehmen 1211 ~1225 können wir hinweggehen, da sie bis auf eine Ausnahme nicht bekannt sind. 1212 ist ein magister Theodericus genannt, der wohl als Anführer der Schar der Deutsch- ordensbrüder im Burzenland gelten kann195. Jedoch ist über ihn weiter nichts zu er- mitteln. Politisch und rechtlich besser abgesichert begann der Deutsche Orden die Unter- werfung Preußens 1230, nachdem er schon seit 1226 einzelne Brüder zur Sondie- rung an die Weichsel geschickt hatte. Aber auch in Preußen bleibt wie im Burzen- land die Tätigkeit vieler Brüder im Dunkel der Geschichte. Nach unserer Schätzung müssen in Preußen von 1230 bis 1309 ungefähr 2800 Ritterbrüder gelebt haben. Es können ein paar hundert mehr oder weniger gewesen sein. Eine exakte Zahl ist nicht zu errechnen196. Wegen der fehlenden Unterlagen sind ohnehin nur Näherungswerte zu geben. Aus Urkunden und Chroniken lassen sich 468 Namen von Ritterbrüdern ermitteln197. Das sind nicht einmal 17% aller Ritterbrüder in Preußen während des Zeitraums von 1230 bis 1309. Ferner hat der Ordenschronist Peter von Dusburg mitgeteilt, daß Markgraf Dietrich von Meißen 1272 in Preußen seine Zustimmung zum Ordenseintritt für 24 Adlige seines Gefol- ges gegeben und sie ausgestattet habe198. Die Namen der 24 neuen Ritterbrüder hat der Chronist nicht angegeben. Der eine oder andere könnte mit später in sonstigen Quellen erwähnten Brüdern identisch sein. Außerdem ist nicht auszuschließen, daß einige nur mit Vornamen überlieferte Ritterbrüder, die getrennt gezählt worden sind, in Wirklichkeit ein und dieselbe Person gewesen sind, so daß sich die Zahl der 194 Arnold, Deutschmeister, S. 30 ff. 195 UB Siebenbürgen I, Nr.22; Militzer, Entstehung, S.35f.; Zimmermann, Siebenbürgen, S.274, 276 f. Über die Herkunft und die Laufbahn des magister im Deutschen Orden ist nichts zu ermit- teln. Der Vorname allein ist nicht hinreichend, um darauf weitreichende Hypothesen aufbauen zu können. Die Forderung Zimmermanns nach einer Identifizierung des Meisters ist daher nicht zu er füllen. 196 Vgl. oben, S.392f. 197 Anzuführen ist in erster Linie das Preuß. UB 1,1-2; ferner: UB des Bisthums Culm, UB Pommesa nien, Codex Warmiensis, Pommerellisches UB, UB Bisthums Samland, Preuß. Regesten; Peter von Dusburg, Chronica. Hinweise zur Herkunft liefert vor allem Wojtecki, Studien; ferner: Sc o Beiträge; Fenske/Militzer; Weichbrodt, Gebieter; auch die verschiedenen Arbeiten Mülverstedt. 198 Peter von Dusburg, Chronica 111,133.
•chlich überlieferten Namen reduzieren würde. Jedoch spielt diese Überlegung der weiteren Analyse keine entscheidende Rolle, da die Herkunft der lediglich in. yornamen bekannten Ritterbrüder in den meisten Fällen weder sozial noch re- II^1 nal zu bestimmen ist. Nur bei wenigen Ausnahmen, in denei| Peter von Dusburg finen Hinweis gegeben hat, sind solche Ritterbrüder in die folgenden Untersuchun- gen einbezogen worden. $ yon den 468 namentlich bekannten Ritterbrüdern sind 199 lediglich mit Vorna- men überliefert. Das sind 42,5%. Bei 66 Ritterbrüdern ist zwar der Nachname mit- eteilt, aber bislang keiner bekannten Familie zuzuordnen. Das macht immerhin 14 1 % der Fälle aus. Mit mehr als der Hälfte der überlieferten Namen ist also nach dem heutigen Stand der Kenntnisse wenig anzufangen. Es ist nicht zu erwarten, daß sich der Prozentsatz in der Zukunft entscheidend verbessern ließe. Bei lediglich 43 4 % der überlieferten Namen ist die regionale Herkunft zu bestimmen oder mit einiger Wahrscheinlichkeit einzugrenzen. Dazu kommen noch die 24 im Jahr 1272 eingetretenen Gefolgsleute des Markgrafen von Meißen, deren Heimat man zum größten Teil in der Markgrafschaft und der näheren Umgebung vermuten darf. Aber selbst wenn man zu den 203 Ritterbrüdern, deren Herkunft zu ermitteln ist, jene 24 Meißner hinzuzählt, kommt man auf den geringen Prozentsatz von 8 % aller Rit- terbrüder, die bis 1309 in Preußen gedient haben müssen. Es ist keineswegs auszu- schließen, daß der Prozentsatz in Wirklichkeit noch geringer gewesen ist. Aus den dargelegten Überlegungen folgt, daß alle Aussagen über die regionale Herkunft der Ritterbrüder erheblicher Einschränkungen bedürfen199. Die Zahlen, mit denen im folgenden gearbeitet wird, lassen allenfalls Tendenzen erkennen, aber keine sicheren Urteile fällen. Alle Aussagen beziehen sich auf die wenigen identifizierten Ritter- brüder und sind vor dem Hintergrund der vielen unbekannten Brüder und der mangelnden Repräsentativität zu werten. Aus Thüringen im engeren Sinn kamen vermutlich 52, aus dem Vogtland 13 Rit- terbrüder. Aus der Markgrafschaft Meißen und „Sachsen“ stammten 17 Ritterbrü- der200, die wohl auch zu den „Thüringern“ im weiteren Sinn zu zählen sind, da sie alle aus dem Gebiet kamen, in dem seit dem 13. Jahrhundert die Kommenden und Güter der Ballei Thüringen lagen. Aus Ostsachsen, dem Erzstift Magdeburg und »Niedersachsen“ dienten 40 Ritterbrüder in Preußen. Sie waren vermutlich in Kom- menden der Ballei Sachsen eingekleidet worden. Aus Oberdeutschland, also den Landschaften südlich der Mainlinie, Schwaben, Bayern, Franken, Oberrheingraben, sterreich und dem Nordgau, waren 49 Ritterbrüder nach Preußen gezogen. Aus em Rheinland mit Hessen, Nassau und Brabant waren 14 Ritterbrüder nach Preu- en geschickt worden. Aus anderen Landschaften stammten nur wenige Brüder, wie 200 tyZU °ben’ S-387f£ le 1272 eingetretenen 24 Adligen aus dem Gefolge des Markgrafen von Meißen sind in der Zahl nicht enthalten.
beispielsweise aus Böhmen und Schlesien sechs, aus Pommern und Brandenb vier und aus Westfalen mit Bremen vier. Außerdem sind noch drei Prußen und Pole zu ermitteln201. urg ein Von den identifizierbaren Ritterbrüdern stammten also 40,4% aus dem Bereich der Ballei Thüringen, 19,7% aus dem Bereich der Ballei Sachsen. Oberdeutsche machten gerade 24,1 % und Rheinländer noch weniger, nämlich 6,9%, aus. Alle an- deren Herkunftsregionen spielten keine Rolle. Hervorzuheben ist vielleicht, daß immerhin drei Prußen als Ritterbrüder nachzuweisen sind, von denen einer sogar Komtur geworden ist, und zwar Qualo, der 1251 Komtur von Zantir war202. Die beiden anderen Walo (Hwalo) 126O203 und Heinrich Tuvel 1305 sind einfache Ritter- brüder geblieben204. Wie unsicher alle Zahlenangaben sind, die nicht mit statistischen Methoden abge- sichert sind und auch nicht mehr abgesichert werden können, und wie sehr der Ausschlag in eine bestimmte Richtung gehen kann, wenn neue Namen gefunden oder einige bislang unbekannte Ritterbrüder identifiziert werden, mag das Beispiel der 24 Meißner demonstrieren, die 1272 dem Orden in Preußen beigetreten sind205. Man könnte sie zu den namentlich bekannten Ritterbrüdern hinzurechnen, da ihre Herkunft hinreichend sicher überliefert ist. Würde man so verfahren, erhielte die Markgrafschaft Meißen in dem Zahlenwerk ein Gewicht, das ihr nach den sonstigen bisher erarbeiteten Ergebnissen schwerlich zukommen würde. Tatsache bleibt je- doch, daß die Meißner zu dem Zeitpunkt ihres Ordensbeitritts und für ein paar Jahre danach das mitteldeutsche, thüringische Element in der Bruderschaft in Preu- ßen gestärkt, ihm vielleicht sogar zu einer Dominanz verholfen haben. Trotz aller Einschränkungen am Zahlenwerk war der Anteil der Mitteldeutschen auch ohne die 24 Meißner sehr hoch. Der Anteil der Ritterbrüder, die nachweislich ihre Heimat im Bereich der beiden Balleien Thüringen und Sachsen hatten, lag bei fast 60%, wobei 40% auf Thüringen und 20% auf Sachsen entfielen. Die Ober- deutschen machten nicht einmal ein Viertel aus. Der Anteil der Rheinländer war noch sehr gering. Die Zahlen dürften zumindest in der Tendenz der Wirklichkeit nahe gekommen sein. Die durch die Analyse der Herkunft der Ritterbrüder festgestellte Tendenz läßt sich durch eine Untersuchung der Komture festigen. Denn die Namen der Amtstra- ger, besonders der Komture, in Preußen sind besser und dichter als die der Ritter- 201 202 203 204 205 Peter von Dusburg, Chronica 111,52: nobilis vir de Cracovia. Preuß. UB 1,1, Nr.252; vgl. Wenskus, Ordensland, S.366. . , Preuß. UB 1,2, Nr. 104. Vermutlich steht die Schreibart für den prußischen Namen Qualo und nie für Walo im Sinne eines Welschen. , Preuß. UB 1,2, Nr. 838f.; Wenskus, Ordensland, S.367. Ob der 1276-1285 bezeugte RitterbrU^s Arnold von Colmense ein Pruße oder Deutscher aus Kulmsee gewesen ist oder ob er gar nie Preußen stammte, bleibt ungewiß; vgl. Preuß. UB 1,2, Nr. 348, 446; UB Bisthums Culm I, Nr- Peter von Dusburg, Chronica 111,133.
..jer überliefert, wenngleich auch bei jenen Überlieferungslücken festzustellen . d Im Zeitraum bis 1309 lassen sich insgesamt 157 solcher Amtsträger, Komture, tf rschälle, Landkomture und Landmeister, in Preußen ermitteln. Sehr viel mehr werden es nicht gewesen sein. Allerdings ist ein erheblicher Teil^der Gebietiger nur Vornamen überliefert, nämlich insgesamt 73 oder 46,5%. Neun Amtsträger sind bislang nicht zu identifizieren. Das heißt also, daß etwas mehr als die Hälfte für eine nähere Untersuchung ihrer regionalen Herkunft entfallen. Der hohe Anteil nicht identifizierbarer Personen schränkt das Ergebnis wieder empfindlich ein und mahnt zur Vorsicht. Weniger als die Hälfte aller wichtigen Befehlshaber von den Komturen an auf- wärts, nämlich nur 75 oder rund 48%, lassen sich Familien aus bestimmten Regio- nen zuordnen. Aus dem Bereich der Ballei Thüringen, dem eigentlichen Thüringen, dem Vogtland und dem weiteren Bereich der wettinischen Herrschaften, kamen 24 oder 32%, aus dem Bereich der Ballei Sachsen, also Ostsachsen, dem Erzstift Mag- deburg und Niedersachsen, 22 oder 29,3%, aus Oberdeutschland 19 oder 25,3% und aus dem Rheinland lediglich 8 oder 10,7% der erfaßbaren Amtsträger. Ein Ge- bietiger stammte aus Schlesien und ein weiterer war ein geborener Pruße, eben je- ner 1251 genannte Komtur von Zantir namens Q^/o206. Stellt man die Anteile der Regionen an Ritterbrüdern und an den Gebietigern ge- genüber, ergibt sich folgende Tabelle: Die Herkunft der Ritterbrüder und Gebietiger im Preußenland 1230-1309 Herkunftsregion Ritterbrüder Gebietiger Ballei Thüringen 40,4% 32,0% Ballei Sachsen 19,7% 29,3 % Oberdeutschland 24,1 % 25,3 % Rheinland 6,9% 10,7% Übrige Regionen 8,9% 2,7% Insgesamt 100,0% 100,0% Trotz kleiner Abweichungen bestätigt die Untersuchung der Herkunft der Gebieti- ger das Bild, das für alle überlieferten und identifizierbaren Ritterbrüder gewonnen w°rden ist. Hinsichtlich der Herkunft der Ritterbrüder allgemein wie der Amtsträ- ger sind über 60% aus dem Bereich der Balleien Thüringen und Sachsen gekom- men. Allerdings stammten signifikant mehr Gebietiger aus dem Bereich der Ballei achsen, als ihnen nach ihrem Anteil an den Ritterbrüdern zugestanden hätte. Wäh- Preuß. UB 1,1, Nr. 252; vgl. oben, S. 426.
rend die Oberdeutschen einen Anteil an Ämtern besetzen konnten, der ihrer Ritt brüderzahl entsprach, stellten die Rheinländer nahezu doppelt soviel Amtsträger wie sie an nachweisbaren Ritterbrüdern in Preußen hatten. Wichtig ist, daß die Ge’ bietiger im allgemeinen aus den Regionen stammten, aus denen besonders viele Rjt terbrüder nach Preußen gezogen waren. Viele Gegenden, aus denen nur wenige Rit terbrüder in Preußen dienten, wurden bei der Ämtervergabe offenbar übergangen Es ist schon erstaunlich genug, daß ein Pruße hatte Komtur werden können. Bei ihm handelte es sich wohl um eine Ausnahme in einer Zeit, als der Orden nicht ge- nügend Ritterbrüder hatte und auf jeden Mann angewiesen war. Die später in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachgewiesenen Prußen haben keine höheren Ämter mehr ausgeübt. Die Untersuchung der Herkunft der Amtsträger bestätigt bei kleineren Abwei- chungen die Vorherrschaft der Mitteldeutschen im preußischen Zweig des Deutschen Ordens in der Phase des Aufbaus und der Konsolidierung der Ordensherrschaft bis 1309. Die sich gegenseitig stützenden Zahlen dürften somit der Wirklichkeit ent- sprochen haben, auch wenn man mit einzelnen Abweichungen rechnen muß. Je- doch würden mögliche Abweichungen das Gesamtbild vermutlich nicht wesentlich verändern. Von den bislang gewonnenen Ergebnissen weicht das Bild ab, das sich aus der Analyse der Herkunft der Landmeister von Preußen ergibt. Aus dem Bereich der Ballei Thüringen kamen sechs, aus Ostsachsen drei, aus Franken sieben und aus Schwaben zwei Landmeister. Aus dem Rheinland stammte noch keiner. Der Land- meister Mangold (1280-1282) ist nur mit dem Vornamen überliefert. Alle Versuche, ihn einer bestimmten Familie oder Region zuzuordnen, haben bisher nicht über- zeugt207 208. Lassen wir ihn beiseite, dann standen neun Mitteldeutschen ebenso viele Oberdeutsche gegenüber. Da man davon ausgehen kann, daß alle Landmeister be- kannt sind und keine Überlieferungslücken bestehen, erstaunt das Ergebnis ange- sichts der Gesamtzahlen für die Ritterbrüder und die Gebietiger. Das Ergebnis war so schwerlich zu erwarten. Das Bild des Gleichgewichts zwischen Mittel- und Oberdeutschen im Landmei- steramt wird allerdings dadurch relativiert, daß die Meister aus Mitteldeutschland länger als die Oberdeutschen im Amt waren. Die neun Oberdeutschen brachten es insgesamt auf 30, die Mitteldeutschen dagegen auf mindestens 49 Amtsjahre. War- um die Landmeister aus oberdeutschen Geschlechtern in der Regel nur wenige Jan re amtierten, ist nicht recht zu erklären. Immerhin lassen sich einige Hinweise fin den, die zu einer Lösung des Problems beitragen könnten. Poppo von Osterno^ und Konrad von Feuchtwangen wurden Hochmeister und schieden deshalb aus 207 Fenske/Militzer, S.457f. Nr.573. 208 Vgl. Turnier, S.48, 338f.
14 Irnrich von Würzburg fiel 1293 in Löbau209. Konrad von Babenberg oder von 14 llstadt wurde Oberster Spittler im Haupthaus und ist als solcher 1300 bezeugt210, pieser Ritterbruder ist übrigens vor seinem Dienst in Preußen Großkomtur in Venedig gewesen. Man wird daraus schließen können, daß er^als Kandidat der Ordenszentrale durchgesetzt worden ist. Wie im Fall Babenbergs mögen weitere Ritterbrüder vom Hochmeister im Einvernehmen mit dem Generalkapitel zu Land- meistern ernannt worden sein, weil sie deren Vertrauen genossen, unabhängig da- von, ob sie den Brüdern in Preußen genehm waren oder nicht. Die Einflußnahme der Ordenszentrale auf die Besetzung des Meisteramts in Preußen könnte wenig- stens zum Teil die auffällig große Zahl der Oberdeutschen in dem Amt wie auch deren gemessen an den Meistern aus Mitteldeutschland kurze Amtszeiten erklären. Darauf ist noch in anderem Zusammenhang zurückzukommen. Schwieriger als die regionale Herkunft ist die standesmäßige Zusammensetzung der Bruderschaft in Preußen zu bestimmen. Bekannt ist der Stand nur von 168 Rit- terbrüdern bis 1309, wenn man auch jene hinzurechnet, für die die Standeszugehö- rigkeit nicht sicher ist, sondern nur wahrscheinlich gemacht werden kann. Aber selbst dann haben wir allenfalls 4-7% aller Ritterbrüder erfaßt, die in Preußen von 1230-1309 gedient haben. Alle Überlegungen zur Beurteilung der sozialen Her- kunft der Ritterbrüder im preußischen Ordenszweig gehen also von einer noch schmaleren Basis als die zur regionalen Herkunft aus. Die schmale Basis geht wie- derum auf eine lückenhafte Überlieferung und nicht auf eine nach statistischen Grundsätzen des Zufallsprinzips getroffene Auswahl zurück und ist daher auch nicht repräsentativ im Sinne der Statistik. Das gilt es bei allen Aussagen aufgrund der gewonnenen Zahlen zu berücksichtigen. Dennoch lassen sich Tendenzen erken- nen, wenn auch manche Prozentangaben nur als Annäherungswerte zu verstehen sind. Von den 168 Ritterbrüdern können mit hinreichender Wahrscheinlichkeit 109 der Ministerialität eines Fürsten, Erzbischofs, Bischofs, Grafen oder Edelherren zuge- ordnet werden. Zur Reichsministerialität zählten 18 Ritterbrüder. Das waren etwas mehr als 10%. Allerdings gehörten mindestens sieben Ritterbrüder dieser Gruppe zu Geschlechtern, die im 13. Jahrhundert schon den Aufstieg zu Landesherren schafften, wie die Vögte von Gera, Weida und Plauen. Diese bedeutenden Reichsmi- nisterialenfamilien sind ihrem Status und Selbstverständnis nach eher zu den Edel- den Ministerialen zu zählen, während die einfachen in der territorialen Ministerialität oder im Niederadel aufgingen. Dieser Gruppe können sie schon im 13. Jahrhundert zugerechnet wer- en- Schöffenbarfreie sind eine zu vernachlässigende Größe. Der eine Ritterbruder freien und Dynasten als zu Reichsministerialenfamilien 210 Fenske/Militzer, S. 740 Nr. 993. Weiss, Franken, S.399; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S.99f.; Mi- Ltzer, Role, S.52f.
aus einer schöffenbarfreien Familie kann ebenfalls den Ritterbrüdern aus der Min- sterialität zugeschlagen werden. Es bleiben als weitere Gruppen die Edelfreien mit 13 Ritterbrüdern oder rund 8 % und die Dynastensöhne mit 21 Brüdern oder 12,5%. Außerdem sind noch sechs Ritterbrüder aus bürgerlichen Familien nachzu weisen. Das sind nicht einmal 4%, ein sehr geringer Anteil, der nicht mit der zufäl ligen Überlieferung, der schmalen Ausgangsbasis und der statistisch eigentlich unzulässigen Erhebungsmethode allein erklärt werden kann. Bürgersöhne haben vielmehr im preußischen Ordenszweig bereits im 13. Jahrhundert keine Rolle ge- spielt. Fassen wir die Zahlen in einer Tabelle zusammen, ergibt sich folgende Aufstel- lung: Der soziale Herkunft der Ritterbrüder in Preußen 1230-1309 Soziale Herkunft Anzahl % Anzahl % Dynasten 21 12,5 Edelfreie 13 7,7 ► 41 24,4 Reichsministeriale hoch 7 4,2 Reichsministeriale nieder 11 6,5 Ministeriale 109 64,9 > 121 72,0 Schöffenbarfreie 1 0,6 Bürgersöhne 6 3,6 6 3,6 Insgesamt 168 100 168 100 Faßt man die Ritterbrüder, deren Familien im 13. Jahrhundert eine eigene Herr- schaft aufbauten oder alle Voraussetzungen dazu hatten, also Söhne von Dynasten, Edelfreien und bedeutenden Reichsministerialen, zusammen und stellt sie denen ge- genüber, deren Geschlechter bald zum Niederadel zusammenwuchsen, also Ange- hörigen von einfachen Reichsministerialen, Ministerialen und Schöffenbarfreien, standen 121 Brüder aus der Gruppe des Niederadels 41 des hohen Adels gegenüber. 72 % entfielen auf die erste und 24 % auf die zweite Gruppe, auf Bürgersöhne nur 4%. Der niedere Adel stellte im 13. Jahrhundert im preußischen Ordenszweig den größten Anteil. An dem Ergebnis, das schon D. Wojtecki herausgearbeitet hat , ist nicht zu rütteln. Nur rund ein Fünftel machten die Dynasten und Edelfreien 211 Wojtecki, Studien, S.90.
Der Anteil des hohen Adels erhöht sich auf ungefähr ein Viertel, wenn man die aUSLandesherren aufsteigenden Reichsministerialen vor allem des Vogtlands hinzu- ^echnet Das ist schon ein erheblicher Anteil, der wahrscheinlich auch damit zu er- kfren ist, daß durch die Überlieferung der Hochadel begünstigt wurde. Denn die Landesherren aufgestiegenen adligen Häuser verfügten über eigene Archive, die • eifach erhalten sind. Zudem richtete sich das Augenmerk der Zeitgenossen mehr auf die Geschichte der großen Familien. Schließlich hat die moderne Forschung sich jen Genealogien der hervorragenden Geschlechter nachhaltiger als denen der einfa- chen Adligen gewidmet. Die Möglichkeit, daß der Sohn eines Dynasten, Edelfreien oder bedeutenden Reichsministerialen der Aufmerksamkeit der Historiker entgan- gen sei, ist geringer als bei den Ritterbrüdern aus einer kleinen Landadelsfamilie212. Das heißt also, daß sich das Verhältnis der Dynasten und Edelfreien zu den Mini- sterialen höchstwahrscheinlich zugunsten der letzteren verschieben würde, wenn mehr Namen bekannt wären und mehr identifiziert werden könnten. Das gilt auch, wenn wir die bedeutenderen Reichsministerialen zur ersten Gruppe rech- nen. Der Anteil des hohen Adels, der späteren Landesherren, ist in der erstellten Tabelle höher ausgefallen, als er in Wirklichkeit gewesen ist. Ein analoges Argu- ment trifft auf die Bürgersöhne zu, deren Zahl mutmaßlich steigen würde, wenn mehr Brüder bekannt und identifizierbar wären. Dennoch dürfte sich an dem prozentualen Verhältnis zum niederen Adel kaum etwas ändern. Der Anteil der Bürgersöhne an den Ritterbrüdern in Preußen bliebe klein. Es ist auch nicht aus- geschlossen, daß sich der Prozentsatz, gemessen an den Brüdern aus dem niederen Adel, verringern würde. Eine gute Kontrollmöglichkeit des gewonnenen Ergebnisses bietet eine Untersu- chung der zu Komturen, Marschällen, Vizelandmeistern und Landmeistern ernannten Ritterbrüder, also der entscheidenden Amtsträger in Preußen, nach ihrer ständischen Herkunft. Die Liste der Gebietiger ist zwar vollständiger als die der Ritterbrüder, aber keineswegs lückenlos. Auch für die Komture und Höherrangigen gelten die schon diskutierten Einschränkungen. Manche sind nur mit Vornamen überliefert, andere ihrer sozialen Herkunft nach nicht zu bestimmen. Für die Zeit bis 1309 lassen sich 68 Gebietiger erfassen und einordnen. Man wird noch weitere sechs Gebietiger, die schon vor 1309 in Preußen lebten, aber erst nach 1309 in Gebietigerrängen nachzuweisen sind, hinzuzählen müssen und kommt dann auf 74 Ritterbrüder, die sich, wie folgt, verteilen: Vgl. Forey, Orders, S. 134; Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 53.
Die soziale Herkunft der Gebietiger im Preußenland 1230-1309 Soziale Herkunft Gebietiger vor 1309 Gebietiger nach 1309 % in % Dynasten 11 2 17,6 ' 12,5 ' Edelfreie 5 0 6,7 29,7 7,7 24,4 Reichsministeriale 4 0 5,4 , 4,2 J hoch Reichsministeriale 5 0 6,7 ' 6,5 ' nieder Ministeriale 40 4 59,5 > 67,6 64,9 72,0 Schöffenbarfreie 1 0 1,4 . 0,6 J Bürgersöhne 2 0 2,7 2,7 3,6 3,6 Insgesamt 68 6 74 100,0 100,0 100,0 100,0 Aus der oberen Gruppe kamen 13 Amtsträger aus dem Dynastenadel und stellten 17,6%, von den Edelfreien fünf oder 6,7% und vier von dynastengleichen Reichs- ministerialen oder 5,4%. Diese Gruppe stellte zusammen 29,7% der bekannten und identifizierbaren Gebietiger bis 1309, einschließlich der beiden Dynastensöhne, die bald nach 1309 in die Gebietigerränge aufgestiegen sind, aber vor 1309 noch kein solches Amt verwaltet hatten. Aus der niederen Reichsministerialität, der Mi- nisterialität und den Schöffenbarfreien kamen 46 Gebietiger, dazu weitere vier Rit- terbrüder, die zwar schon vor 1309 in Preußen wirkten, aber erst nach 1309 in die Gebietigerränge aufstiegen. Diese Gruppe stellte also 50 Brüder oder zusammen 67,6%. Aus dem bürgerlichen Patriziat stiegen nur zwei zu Komturen auf. Sie machten 2,7% aus. Der Anteil der später zum niederen Adel zusammenwachsenden Gruppen war deutlich niedriger als ihr Gesamtanteil an den sozial einordbaren Ritterbrüdern, nämlich 68 % an Gebietigern gegenüber 72 % an Ritterbrüdern insgesamt. Dagegen war der Anteil des höheren Adels deutlich höher, und zwar fast 30% an Gebieti- gern gegenüber knapp 25 % an Ritterbrüdern insgesamt. Während der prozentuale Anteil der Ritterbrüder aus Dynastengeschlechtern und Familien der bedeutenden Reichsministerialität an Gebietigern größer als ihr jeweiliger Anteil an Ritterbrü dern insgesamt war, fällt das Ergebnis für Ritterbrüder aus edelfreien Familien an ders aus, nämlich 6,7% zu 7,7%. Der Unterschied ist zwar nicht groß, aber doc signifikant. Die Ritterbrüder aus der Gruppe der Edelfreien stammten eben viel ac aus Familien, die ihren Stand wegen ihres geringen Besitzes, mächtigerer Nach a oder aus anderen Gründen nicht halten konnten, sondern im 13. oder 14. Jahr
Jert wie die Ministerialen im niederen Adel aufgingen, teilweise sogar schon früher • Jie Ministerialität eines Dynasten eingetreten waren oder ausstarben. Die Gruppe der Edelfreien gehörte ihrer Bedeutung und ihres sozialen Ansehens nach in ihrer Mehrheit eigentlich schon zur größeren Gruppe des niederen A^els. Berücksichtigt man diese Tendenz im Zahlenwerk, erlangte die um die Edelfreien vermehrte Grup- e des niederen Adels nahezu 75 % aller bestimmbaren Gebietiger. Die Dynasten und die ihnen gleichen Reichsministerialen erreichten kaum mehr als ein Fünftel. Die Analyse der hohen Amtsträger in Preußen bestätigt also eindrucksvoll die These von der Vorherrschaft des niederen Adels im Orden schon von Anfang an. Im 13. Jahrhundert waren Söhne aus Ministerialenfamilien tonangebend. Komture, Marschälle, Landmeister und deren Stellvertreter aus diesen Geschlechtern übten Herrschaft aus, zwar nur als Vertreter der Ordenskorporation, aber innerhalb fest- gelegter Grenzen doch so wie die Herren in ihrer jeweiligen Heimat. Die ehemals unfreien Ministerialen konnten im Orden eine ihren Herren vergleichbare Stufe er- klimmen. Daß das sozialgeschichtlich von großer Bedeutung war, ist schon gesagt worden und nochmals zu unterstreichen213. Trotz der Vorherrschaft des Ministerialenadels im Deutschen Orden entfielen die Standesvorteile der Dynasten nicht ganz. Wenn man sich nämlich anschaut, wie die Karrierechancen in den einzelnen Gruppen verteilt waren, ergeben sich deutliche Unterschiede. Dazu vergleichen wir die Zahlen der Ritterbrüder insgesamt mit de- nen der Gebietiger und geben für die einzelnen Gruppen Prozentzahlen an. Auf diese Weise ist folgende Tabelle entstanden. Anteil der Gebietiger an den Ritterbrüdern im Preußenland 1230-1309 Soziale Herkunft % % Dynasten 61,9 Edelfreie 38,5 53,7 Reichsministeriale hoch 57,1 Reichsministeriale niedrig 45,5 Ministeriale 40,4 41,3 Schöffenbarfreie 100,0 Bürgersöhne 33,3 33,3 Fast 62% aller Dynastensöhne konnten im preußischen Ordenszweig Komturs- arnter oder noch höhere Positionen erlangen. Bei den bedeutenden Reichsministe- rialen lag der Prozentsatz fast ebenso hoch, nämlich bei 57%. Dagegen war der Vgl. Boockmann, Deutscher Orden, S.60f.
Anteil bei Edelfreien geringer bei knapp unter 40%. Er lag sogar noch unter dem der Ministerialen, freilich deutlich über dem der Bürger. Der außergewöhnlich Anteil der Schöffenbarfreien kann außer Betracht bleiben. Denn es gab nur einen nachweisbaren Ritterbruder, der diesem Stand angehörte. Er wurde Gebietiger Die Möglichkeiten der Brüder aus der Ministerialität und den kleinen Reichsministeria lengeschlechtern, zu Gebietigern aufzusteigen, drücken sich in den Prozentzahlen günstiger aus, als sie in Wirklichkeit gewesen sind. Denn der größte Teil der nicht identifizierten und nicht bekannten Ritterbrüder gehörte wahrscheinlich dieser Gruppe an, während nur wenige Dynastensöhne unbekannt geblieben sein dürften Die Zahl der Komture aus dieser Gruppe wird sich aber nicht in einem vergleichba- ren Maße erhöhen, da die Namen der Amtsträger weitaus besser als die der einfa- chen Ritterbrüder überliefert sind. Die Karrierechancen der Brüder aus der zweiten Gruppe, den unbedeutenden Reichsministerialen, Ministerialen und den wenigen Schöffenbarfreien, waren daher erheblich geringer als der Prozentanteil von rund 41 % andeutet. Der Unterschied zur ersten Gruppe war in Wirklichkeit also noch augenfälliger. Läßt man die Edelfreien aus der ersten Gruppe heraus, erhöht sich der Prozentsatz schon auf 60%. Weit über die Hälfte aller Dynastensöhne und Männer aus der bedeutenderen Reichsministerialität hatten die Chance auf ein Ge- bietigeramt, während aus der Gruppe des niederen Adels nur 40%, wahrscheinlich erheblich weniger, die Möglichkeiten zu einem solchen Aufstieg hatten, während die Chancen der Bürgersöhne noch schlechter waren. Ritterbrüder aus Dynastengeschlechtern oder der bedeutenderen Reichsministe- rialität konnten im preußischen Ordenszweig also eher als Söhne des übrigen Adels oder Ministerialität oder gar des Bürgertums mit einem Aufstieg in ein bedeutendes Amt rechnen. Der standesrechtliche Vorteil der Dynastensöhne eröffnete jenen bes- sere Karrierechancen als den übrigen Ritterbrüdern. Die standesrechtlichen Unter- schiede waren im Orden also keineswegs aufgehoben, hatten in der Korporation aber an Schärfe verloren. Denn es gab auch Dynastensöhne, die zeitlebens einfache Ritterbrüder geblieben sind und Komturen aus dem niederen Adel gehorchen muß- ten. Solche Dynastensöhne hatten vielfach nicht etwa deshalb keine Karriere ge- macht, weil sie kurze Zeit nach ihrem Ordenseintritt in einer Schlacht gefallen oder so schwer verwundet worden waren, daß sie zur Ausübung eines Amts nicht mehr geeignet erschienen. Man muß vielmehr damit rechnen, daß einige durchaus gesun- de Dynastensöhne nicht aufgestiegen sind. Insgesamt hatten sie zwar die besseren Möglichkeiten zu einer erfolgreichen Karriere, aber ihnen fielen die Ämter nicn einfach kraft eines Geburtsvorrechts zu. Am vollständigsten zu erfassen sind die Inhaber des Landmeisteramts. Bis 1 sind 20 Landmeister nachzuweisen214. Sie lassen sich nach bewährtem Muster in einer Tabelle zusammenstellen. 214 Vgl. Voigt, Namen-Codex, S.3f.
Soziale Herkunft der preußischen Landmeister 1230-1309 SoziakHerkunft Zahl der Landmeister % Tlngewiß 2 2 < 10 10 Dynasten 1 5 Edelfreie 4 ’ 7 20 • 35 Reichsministeriale hoch 2 10 Ministeriale 11 11 55 55 _ Insgesamt 20 20 100 100 Söhne von Schöffenbarfreien, kleinen Reichsministerialenfamilien und Bürgern sind keine Landmeister geworden. Diese Gruppen sind daher in der Tabelle ausgespart. Ein Landmeister ist nicht zu identifizieren, da er nur mit Vornamen (Mangold) überliefert ist. Sein angeblicher Zuname „von Sternberg“ ist eine apokryphe Erfin- dung215. Hermann Balk ist ständisch nicht einzuordnen216. Daß kein bürgerlicher Ritterbruder unter den Landmeistern zu finden ist, ist nicht weiter erstaunlich. Be- merkenswerter ist schon die Tatsache, daß kein Landmeister einem kleinen Reichs- ministerialengeschlecht entstammte. Ansonsten weichen die Prozentzahlen doch er- heblich von denen der vorhergehenden Tabellen ab. Zunächst ist der hohe Anteil der Ministerialensöhne am Landmeisteramt hervorzuheben. Mit 55% überragten sie die Angehörigen der ersten Gruppe deutlich. Sehr gering war der Anteil der Dy- nasten an dem Amt, ebenso der Prozentsatz der bedeutenderen Reichsministeria- len. Dagegen lag der Anteil der Edelfreien an dem Amt über dem der Gebietiger insgesamt. Das mag die Einschätzung stützen, daß diese Edelfreien ihrem Ansehen und Sozialprestige nach eher den Ministerialen als den Dynasten zuneigten. Da es sich bei den Landmeistern um kleine Zahlen handelt und schon eine Per- son mehr oder weniger 5 % ausmacht, kann auf geringe Unterschiede kein großes Gewicht gelegt werden. Dennoch läßt sich feststellen, daß Ritterbrüder aus Dyna- stenfamilien kaum in das oberste Amt in Preußen gelangten, in dem dagegen die Ministerialen dominierten. Zählt man die Edelfreien zu letzteren hinzu, stellte diese Gruppe mit 75 % ein deutliches Übergewicht im Amt eines Landmeisters von Preu- en bis 1309. Bezeichnend für die Dominanz des niederen Adels in der höchsten uhrungsposition in Preußen mag die Tatsache angesehen werden, daß der einzige rafensohn im Landmeisteramt, nämlich Sieghard von Schwarzburg, nicht einmal ein Jahr lang (1306) tätig war217. 21a J?nske/Militzer, S.437f. Nr.573. 217 ^nske/Militzer, S.97f. Nr.46. Woitecki, Studien, S.201.
Aus den unvollständigen und statistisch nur bedingt auswertbaren Zahlen ergibt sich also, daß auch der preußische Ordenszweig von Ritterbrüdern aus kleinen mi nisterialischen Geschlechtern beherrscht wurde. Diese Brüder besetzten die meisten Ämter, vor allem das wichtige Landmeisteramt. Die standesrechtlichen Vorteile de Ritterbrüder aus Dynastenfamilien blieben insofern erhalten, als sich ihnen eine Karriere schneller als anderen eröffnete. Zumindest konnten sie das Amt eines Komturs eher als andere erreichen. Das Landmeisteramt blieb ihnen jedoch bis 1309 weitgehend verschlossen. Es wurde in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle von Söhnen von Ministerialen oder kleinen Edelfreien besetzt. 10.7 Die Ritterbrüder in Livland Nachdem der Schwertbrüderorden in den Deutschen Orden inkorporiert worden war, zog der neue Landmeister Hermann Balk 1237 von Preußen aus mit 60 Ritter- brüdern nach Livland218, um dort die nach der Schlacht bei Schaulen erschütterte Position des Schwertbrüderordens zu konsolidieren. Das ist ihm gelungen. Gleich- zeitig gliederte er den Rest der Schwertbrüder, deren Zahl auf 60 geschätzt werden kann219, in den Deutschen Orden ein. Diese Gruppe der Schwertbrüder war stark genug, ihre Tradition aufrecht zu erhalten und Eigeninteressen jedenfalls zum Teil gegenüber der Gesamtpolitik des Deutschen Ordens durchzusetzen220. Zu den Tra- ditionen des inkorporierten Ordens gehörte es auch, daß er seine Rekrutierungsba- sis in Niederdeutschland hatte. Dem Schwertbrüderorden traten fast ausschließlich Söhne von Adelsfamilien aus einem Raum von Westfalen im Westen bis zur Magde- burger Börde im Osten und von Nordhessen im Süden bis zu den Küsten im Nor- den, einschließlich Holsteins und Lübecks bei221. Die Ritterbrüder des Deutschen Ordens werden zum Teil aus Preußen, aber auch aus den Balleien abgezogen wor- den sein. Vielleicht haben der Hochmeister und das Generalkapitel in Marburg 1237 Rücksicht auf Traditionen des Schwertbrüderordens genommen und vorwiegend Ritterbrüder aus Niederdeutschland für Livland abgestellt222. Da der Deutsche Or- den jedoch damals wie gleichfalls später nur geringen Besitz in Norddeutschland hatte und infolgedessen nur wenige Adelssöhne der Region aufnehmen konnte, 218 219 220 221 222 Bericht Hartmanns von Heldrungen, in: SRP V, S. 171. Andere Zahlen bei Benninghoven, Schwertbrüder, S. 359, der aber auch die Ziffer 60 für richtiger hält. Benninghoven, Schwertbrüder, S.348. Benninghoven, Schwertbrüder, S.348, meint sogar, daß die Reste des Schwertbrüderordenss^ genug gewesen seien, dem Deutschen Orden ihren Willen aufzuzwingen. Vgl. ebd., S. 368 N e i t m a n n, Grafschaft, S. 18 ff.; Wo j t e c k i, Identität, S. 68. Benninghoven, Schwertbrüder, S.223f.; Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 14. Benninghoven, Schwertbrüder, S.361 f.
ßte das Generalkapitel Ritterbrüder auch aus anderen Landschaften, vor allem 111X1 Ostsachsen, Thüringen und östlich anschließenden Gegenden, schicken. Jedoch *uS i t die Aussage mehr auf Vermutungen und Rückschlüssen, da die Namen der Ritterbrüder unbekannt sind. Die livländische Reimchronik berichtet gelegent- . i von Einkleidungen in den Balleien nach verlustreichen Schlachten, so 1259 und 1279/80223. 1287/88 habe sich sogar der Hochmeister Burchard von Schwanden um die Aufnahme von Ritterbrüdern für den livländischen Zweig gekümmert und Adelssöhne aus Schwaben und Franken einkleiden lassen224. Diese Ritterbrüder sind allerdings namentlich nicht zu fassen. Die Zahl der namentlich bekannten und ihrer Herkunft nach einzuordnenden Ritterbrüder ist für den livländischen Zweig des Deutschen Ordens bis 1309 eher geringer als für den preußischen Zweig. Man wird für den Zeitraum von 1237- 1309 schätzungsweise 1200-1400 Ritterbrüder, die in Livland gedient haben, an- setzen müssen. Namentlich bekannt sind 215, viele bloß mit Vornamen, regional oder sozial einzuordnen lediglich 85. Überliefert sind also 15-18% der Ritterbrü- der mit Namen, aber nur für 6-8% ist die familiäre oder regionale Herkunft zu ermitteln. Der Anteil der bekannten und einzuordnenden Ritterbrüder des livlän- dischen ist also tatsächlich geringer als der des preußischen Zweigs des Deutschen Ordens. Der uns heute noch bekannte geringe Anteil ist durch die Ordenstradi- tion, Überlieferungsverluste und zum Teil auch durch die Forschungslage bedingt. Da die Auswahl nicht nach statistischen Grundsätzen getroffen worden ist, sind gegen die Bearbeitung des Materials dieselben Bedenken wie schon bei der Inter- pretation der Zahlen für den preußischen Ordenszweig zu erheben. Die ermittel- ten Anteile sind also nur mit Vorsicht zu deuten. Dennoch lassen sich Tendenzen feststellen, die trotz aller Mängel in der Erhebung der Zahlen Aussagen ermög- lichen225. Der Ausgangspunkt der weiteren Erörterung sollen Zahlen sein, die die Funk- tionsträger und Ritterbrüder nach ihrer regionalen Herkunft erfaßt. Angesichts der später offensichtlichen Dominanz der Westfalen im livländischen Ordenszweig war ihr Anteil in der ersten Periode 1237-1309 gering. Selbst wenn man den Raumbegriff „Westfalen" bis über die Weser hinaus ausdehnt, kommt man mcht einmal auf 20 % aller einordbaren Ritterbrüder. Die bekannten westfälischen Brüder kamen aus dem Münsterland, der Grafschaft Arnsberg, dem kurkölnischen Herzogtum Westfalen und dem Stift Paderborn, dagegen keiner aus der Grafschaft RC’ Verse 5565 ff-, 8796 ff. 225 RC’Verse 108°5 ff. azu und zum folgenden: Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 11 ff.; ferner: Ders., Recruit- ment, S.270ff.; Ders., Bruninieki, S.47ff.
Herkunft der Ritterbrüder und Funktionsträger in Livland 1237-1309226 Herkunftsraum Meister Land- mar- schall Komtur/ Haus- Ritter- bruder Ingesamt Vogt amt Zahl °7 /o Westfalen 3 0 8 0 4 15 —- 17,6 Wesergebiet 0 0 1 0 1 2 2,4 Tiefebene 2 0 7 0 4 13 15,3 Rheinland 0 0 1 0 3 4 4,7 Niederrhein 0 0 1 0 0 1 1,2 Mittelrhein 3 1 2 0 1 7 8,2 Ostsachsen 5 0 8 0 4 17 20,0 Osten 2 0 2 0 1 5 5,9 Ostseeküste 2 0 3 1 6 12 14,1 Süddeutschland 3 0 0 0 3 6 7,0 Livland 0 0 0 0 2 2 2,4 Skandinavien 0 0 0 0 1 1 1,2 Ingesamt 20 1 33 1 30 85 100,0 Mark226 227. In der Anfangs- und Aufbauphase spielten märkische Ritterbrüder, die spä- ter den höchsten Anteil stellen sollten, noch keine Rolle. Aus der norddeutschen Tiefebene, dem Stift Osnabrück, den Grafschaften Hoya und Oldenburg und dem Erzstift Bremen stammten viele Ritterbrüder. Das eigentliche Rheinland und das Niederrheingebiet waren schwach vertreten228. Höher sind die Zahlen für das Mit- telrheingebiet und Hessen. Selbst aus Franken und dem Erzstift Salzburg stammten Ritterbrüder. Hoch war der Anteil der Ritterbrüder, die in Ostsachsen und sonsti- gen östlichen deutschen Territorien geboren waren. Beträchtlich war auch der Pro- zentsatz der Brüder, deren Familien an der Ostseeküste in Holstein, Mecklenburg und sogar Pommern saßen. Auch ein Live ist als Ritterbruder belegt. Er hieß Yke- mele229. In der Aufbauphase nahm der Deutsche Orden in Livland gelegentlich An- gehörige einheimischer Völkerschaften auf, wie er es auch in Preußen getan hat. Aber diese Ritterbrüder hatten im Orden kaum Aufstiegschancen. In Livland ist keiner von ihnen in einem Amt bezeugt. 226 Vgl. die Tabelle 5 in: Fenske/Militzer, S. 32. . e 227 Vgl. Neitmann, Grafschaft, S. 18ff. Sie mißt der Rolle der Westfalen schon anfangs eine o Bedeutung bei. Vgl. dagegen: Militzer, in: Fenske/Militzer, S. 33f. 228 Das bestätigt auch die neuere Untersuchung von Mol, Nederlandes ridderbroeders, S. 11- 229 Fenske/Militzer, S. 744 Nr.999.
pie Süddeutschen, aber auch die große Zahl der Ostsachsen, Thüringer, Meißner j dessen sind nach der Inkorporation des Schwertbrüderordens in den Deut- zen Orden nach Livland gekommen. Sie hatten die Lücken zu füllen, die die ver- nichtende Schlacht bei Schaulen in die Reihe der Schwertbrüder gerissen hatte. Her- mann Balk blieb 1237 nichts anderes übrig, als seine eigenen Dbute mitzubringen. Sie stammten aus anderen Regionen als die Schwertbrüder und später die meisten Ritterbrüder des livländischen Ordenszweigs. Der Deutsche Orden hat zunächst wOhl auf Brüder gesetzt, die aus Regionen stammten, in denen er seinen Nach- wuchs rekrutierte. Die hohe Zahl der Ritterbrüder aus Herkunftsländern, die später nicht mehr zu den typischen Rekrutierungsgebieten des livländischen Ordens- zweigs zählten, erklärt sich also aus der Tatsache, daß der Deutsche Orden zur Auf- rechterhaltung der Herrschaft und zu deren Konsolidierung eigene Brüder mit- brachte, weil er den Schwertbrüdern nicht recht trauen konnte und weil deren Zahl nach der Schlacht dezimiert war. In dem Zeitraum von 1237-1309 entfallen etwa ein Drittel aller identifizierten Ritterbrüder auf einfache Brüder und zwei Drittel auf Amtsträger, und zwar auf Vögte, Komture, Landmarschälle und Landmeister. Im Unterschied zu Preußen sind für Livland größtenteils nur Namen von Gebietigern überliefert. Einfache Rit- terbrüder, die kein Amt übertragen erhalten hatten, blieben meist anonym. Auffallend ist die Herkunft dieser Gebietiger. Die drei Süddeutschen hatten das höchste Amt in Livland bekleidet. Beträchtlich war auch der Anteil der Ritterbrü- der aus dem Mittelrheingebiet, aus Ostsachsen und anderen östlichen Regionen und von der Ostseeküste an Komturen, Vögten, Landmarschällen und Landmeistern. Diese Häufung bestätigt die These, daß Hermann Balk und die ihm folgende Or- densleitung lange Zeit Männer aus den Balleien oder Preußen abgezogen und nach Livland geschickt haben, damit jene dort eine Ordnung, Verwaltung und Herr- schaft im Sinne des Deutschen Ordens durchsetzten. Vor allem in Leitungsfunktio- nen stützte sich der Orden auf Brüder, die aus seinen Hauptrekrutierungsgebieten stammten und in Deutschordenshäusern ausgebildet worden waren. Der Orden verzichtete zunächst auf niederdeutsche Ritterbrüder und drängte deren Anteil an der Macht und in den Ämtern zurück. Dennoch blieb das aus der Schwertbrüder- zeit herrührende niederdeutsche Element im livländischen Ordenszweig stark ge- nug> so daß es gegen Ende der Periode verstärkt Landsleute in Führungspositionen bringen konnte. Der erste Westfale, der zu Meisterwürden aufstieg, war Heinrich von Dincklage aus dem Niederstift Münster (1295-1296)230. Seine Familie siedelte aber eher am Rande Westfalens. Zudem blieb er damals noch eine Ausnahme. Die Vorherrschaft der Westfalen setzte erst später ein. Nach ihrer ständischen Herkunft sind noch weniger Ritterbrüder des livländi- Schen Zweigs einzuordnen, als regional zu bestimmen waren. Damit sinkt die Aus- 230 Fenske/Militzer, S. 173f. Nr. 172.
sagekraft der Zahlen abermals. Deutlich wird immerhin die Dominanz der Ministe rialen im livländischen wie schon im preußischen Zweig des Deutschen Ordens' Zunächst sollen die Zahlen in Form einer Tabelle vergegenwärtigt werden. Soziale Herkunft der Ritterbrüder in Livland 1237-1309231 Herkunft Meister Land- mar- schall Komtur/ Haus- Ritter- brüder Insgesamt Vogt amt Zahl °/ /o Grafen/Edelfreie 3 1 2 0 6 12 . 16 Ministeriale, 4 0 1 0 0 5 6.6 bedeutende Ministeriale 8 0 16 0 14 38 50,7 Altfreie, Vasallen, 2 0 6 0 3 11 14,7 Landadel Patriziat 1 0 3 1 4 9 12 Insgesamt 18 1 28 1 27 75 100 Familien aus der Ministerialität stellten die meisten Ritterbrüder und Amtsträger. Altfreie Westfalens und Vasallengeschlechter Holsteins oder Landadelsfamilien un- bestimmter ständischer Zugehörigkeit gehörten trotz ihrer standesrechtlichen Son- derheiten ihrem Sozialprestige nach zu den Ministerialen. Unter den Grafen- und Edelherrengeschlechtern, die Ritterbrüder für Livland gestellt hatten, sind keine be- deutenden Dynasten zu finden. Sie hatten nur regional begrenzten Einfluß. Das trifft auch auf die „bedeutenderen Ministerialen“ unter den Ritterbrüdern zu. In Livland finden sich keine Angehörigen großer Reichsministerialengeschlechter bei- spielsweise des Vogtlands, wie sie in Preußen gedient haben. Obwohl in Livland wie in Preußen die Ministerialen dominierten, hat es den Anschein, als ob die stän- dische Zusammensetzung der livländischen Konvente sozial niedriger als in Preu- ßen gewesen ist. Während in Preußen hin und wieder Söhne von Dynasten zu fin- den sind, fehlen sie in Livland weitgehend. Nach Livland zogen die Söhne kleinerer Landesherren und vorwiegend Angehörige der einfachen Ministerialität. Trotz der insgesamt gesehen ständisch homogenen Zusammensetzung der livlän- dischen Konvente ist analog zu Preußen zu beobachten, daß die Söhne von Grafen eher Ämter erhielten als andere. Von sechs Angehörigen von Grafengeschlechtern wurden vier Gebietiger, und zwar einer Komtur, einer Landmarschall und zwei Meister. Von fünf Ritterbrüdern, die zu bedeutenderen Ministerialenfamilien zU 231 Vgl. die Tabelle 14 in: Fenske/Militzer, S.51.
• ftlen sind, stiegen einer zum Komtur/Vogt und vier zu Meistern auf. Wie in Preu- ? ;ct in Livland zu beobachten, daß die Angehörigen der Edelherrenfamilien ge- . ere Aufstiegschancen hatten. Von insgesamt sechs Ritterbrüdern erhielten nur ^ei den Gebietigerrang. Von ihnen kam einer zu Meisterehre|. Gegenüber Preu- ßen ist hervorzuheben, daß im livländischen Zweig immerhin vier von neun Ritter- brüdern aus dem städtischen Patriziat Gebietiger wurden und einer von ihnen sogar das Meisteramt innegehabt hat. Ferner ist ein weiterer Unterschied festzuhalten. Während in Preußen kaum ein Grafensohn an die Spitze des preußischen Ordens- zweigs treten konnte, gelang es in Livland immerhin zweien. Allerdings ist zu beto- nen, daß die ständischen Unterschiede nicht so groß wie in den preußischen Kon- venten gewesen sind. Die Zusammensetzung der livländischen war im großen und ganzen homogener als die der preußischen Konvente. Die Karrierechancen der Grafensöhne und der Angehörigen der bedeutenderen Familien waren zwar besser als die der Ritterbrü- der aus der einfachen Ministerialität, aber die Vorteile scheinen geringer als in Preu- ßen gewesen zu sein. Das mag auch daran gelegen haben, daß die Ritterbrüder aus Grafen- und Edelherrengeschlechtern entweder nur kurze Zeit in Livland blieben wie Gerhard von Hirschberg oder ihre Standesvorteile wegen des geringen Anse- hens der Familien nicht in die Waagschale werfen konnten. Mit der homogenen ständischen Zusammensetzung der livländischen Konvente mag es Zusammenhän- gen, daß ein Meister dem städtischen Patriziat entstammte232. Verglichen mit preußischen Konventen zeigten die livländischen eine größere ständische Vielfalt der Herkunftsfamilien. Das hing mit den in den Herkunftsregio- nen vorhandenen Sonderformen des ständischen Aufbaus der Gesellschaft zusam- men. Da der livländische Ordenszweig seine Ritterbrüder auch in Regionen rekru- tierte, aus denen der preußische Zweig kaum Brüder anzuwerben pflegte, erhielt sich eine wahrscheinlich schon zur Schwertbrüderzeit vorhandene größere ständi- sche Vielfalt der Herkunftsfamilien in livländischen Konventen. Diese größere Viel- falt hat auch noch über das Jahr 1309 hinaus bestanden. 10.8 Die Herkunft der Hochmeister, Deutschmeister, Landmeister von Preußen und Livland und der Großgebietiger $° wichtig wie die Analyse der sozialen und regionalen Herkunft der Ritterbrüder i es deutschen Ordens insgesamt und seiner Zweige ist die Frage nach der Her- Un 1 der führenden Amtsträger im Vergleich miteinander. Es stellt sich die Frage, Ernst von Ratzeburg: Fenske/Militzer, S.524f. Nr.695.
ob die Hochmeister aus den gleichen Gruppen wie die Mehrzahl der Ritterbrüde oder die übrigen wichtigen Amtsträger stammten oder ob Unterschiede festzustef len sind. Welche Region stellte die meisten Hochmeister und Amtsträger? Lassen sich Analogien zu einzelnen Ordenszweigen herstellen oder gab es signifikante Un terschiede? Die Beantwortung dieser und anderer Fragen ist insofern von Bedeu tung, als der Hochmeister einen fürstengleichen Rang einnahm und die Landmei ster Herrschaft wie Dynasten, wenngleich im Auftrag ihrer Korporation, ausübten Die obersten Ämter verliehen den Trägern ein Sozialprestige, das sie im weltlichen Bereich möglicherweise nie erreicht hätten. Diese Ämter werden daher begehrt ge- wesen sein. Wenn also dieselben Familien oder Geschlechter aus gleichen Regionen oder desselben Standes die hohen Chargen besetzten, wird man nach den Gründen zu suchen haben. Hinzu kommt, daß die Namen der Hochmeister und der übrigen Meister gut überliefert sind, wenn auch einzelne Meister nur mit Vornamen genannt sind. Außerdem hat sich die Forschung intensiv mit diesen Männern befaßt233. Die Forschungslage ist also besser als bei einfachen Ritterbrüdern. Ausgangspunkt aller weiteren Erörterungen sollen die in Tabellenform zusam- mengestellten Zahlen sein, soweit sie sich ermitteln lassen. Wenn man die Daten nach dem Stand der Familien, aus denen die obersten Ge- bietiger kamen, zusammenstellt, ergibt sich die folgende Tabelle, die gleich anschlie- ßend eingefügt sei, damit die Zahlen zusammen mit den Daten über die regionale Herkunft diskutiert werden können. Wenden wir uns zunächst den Hochmeistern zu. Insgesamt haben in dem Zeit- raum von 1209-1309 zwölf Meister amtiert. Das ist für eine statistische Auswertung eine geringe Zahl. Dennoch zeigt die Tabelle zur Herkunft der wichtigen Amtsträ- ger deutliche Häufungen. Läßt man die beiden Hochmeister aus dem Rheinland und aus der Schweiz beiseite, kamen fünf aus Thüringen und fünf aus Franken, wo- bei die Franken vor allem am Ende der Periode dominierten, während die Thürin- ger eher anfangs im Vorteil gewesen sind. Die Verteilung der Herkunft im obersten Ordensamt stimmt weder mit der der Korporation in Preußen noch mit der in Liv- land überein. In Palästina dagegen haben die Thüringer kaum ein Übergewicht ge- habt. Im Gegenteil scheinen Rheinländer und Oberdeutsche bereits unter Hermann von Salza die Mehrzahl der Brüder im Orient gestellt zu haben234. Das belegen auch die allerdings spärlichen Nachweise zur Herkunft der obersten Gebietiger, der Großkomture, Obersten Marschälle, Spittler, Trappiere und Treßler. Nach dem Ver- lust von Akkon 1291 und der Verlegung des Haupthauses nach Venedig dominierten 233 Listen der Amtsträger, teilweise mit Angaben zur Herkunft finden sich in: Schreiber; v. de Oelsnitz; Milthaler; Fenske/Militzer; Militzer, Entstehung, S. 34ff., 169 f.; ^orj-e reu ter, Mittelmeer, S. 21 if. Dazu vor allem: Wojtecki, Studien; Ders., Identität. Vgl. aUC Arbeiten von Mülverstedt, die Angaben zur Herkunft enthalten, wenngleich sie nicht immer verlässig sind. 234 Vgl. oben, S. 394ff.
Herkunft der obersten Amtsträger des Deutschen Ordens 1209-1309235 Herkunft HM DM LMP LML Insgesamt235 236 GGB Insgesamt237 Zahl % Zahl % Zahl % Zahl % Zahl % Zahl % Zahl % Franken 5 41,7 9 50 7 38,9 1 5,88 22 33,8 7 33,3 29 33,8 Thüringen/ Vogtland 5 41,7 2 11,1 6 33,3 2 11,8 15 23,1 3 14,3 18 20,9 Ostsachsen 0 0 0 0 3 16,7 5 29,4 8 12,3 2 9,5 10 11,6 Hessen 0 0 2 11,1 0 0 3 17,6 5 7,7 3 14,3 8 9,3 Rheinland 1 8,3 3 16,7 0 0 0 0 4 6,16 5 23,8 9 10,5 Westfalen 0 0 0 0 0 0 2 11,8 2 3,08 1 4,8 3 3,5 Schwaben 0 0 0 0 2 11,1 0 0 2 3,08 0 0 2 2,3 Schweiz 1 8,3 1 5,65 0 0 0 0 2 3,08 0 0 2 2,3 Salzburg 0 0 0 0 0 0 1 5,88 1 1,54 0 0 1 1,16 Lübeck 0 0 0 0 0 0 1 5,88 1 1,54 0 0 1 1,16 Bremen 0 0 0 0 0 0 1 5,88 1 1,54 0 0 1 1,16 Mecklen- 0 0 0 0 0 0 1 5,88 1 1,54 0 0 1 1,16 bürg Eichsfeld 0 0 1 5,65 0 0 0 0 1 1,54 0 0 1 1,16 Insgesamt 12 100 18 100 18 100 17 100 65 100 21 100 86 100 4»- 235 Die Siglen bedeuten: HM Hochmeister, DM Deutschmeister, LMP Landmeister von Preußen, LML Landmeister von Livland, GGB Großgebietiger. Bei der Einteilung der regionalen Zugehörigkeit wurden Landschaften und keine Balleien zugrundegelegt, da zumindest im 15. Jahrhundert im Orden selbst die Herkunft der Ritterbrüder nach solchen Landschaften klassifiziert wurde. 236 Die Gesamtzahlen sind nur unter Vorbehalt zu verwerten, vgl. unten, S. 448 Anm. 248. 237 Die Gesamtzahlen sind nur unter Vorbehalt zu verwerten, vgl. ebd.
Die standesmäßige Herkunft der obersten Amtsträger im Deutschen Orden 1209-1309238 Herkunft HM Zahl % DM Zahl % LMP Zahl % LML Zahl % Insgesamt238 239 GGB Zahl % Insgesamt240 Zahl % Zahl % Dynasten 1 8,3 5 27,8 1 5,85 1 6,25 8 12,7 1 5,9 9 11,25 Edelfreie 5 41,7 4 22,2 3 17,7 2 12,5 14 22,2 3 17,6 17 21,25 Reichs- ministeriale 0 0 0 0 1 5,85 0 0 1 1,6 1 5,9 2 2,5 Minister! ale Vasallen Altfreie 6 50 8 44,4 12 70,6 12 75 38 60,3 10 58,8 48 60 Patriziat 0 0 1 5,6 0 0 1 6,25 2 3,2 2 11,8 4 5 Insgesamt 12 100 18 100 17 100 16 100 63 100 17 100 80 100 238 Zu den Siglen vgl. oben, Anm. 235. 239 Die Gesamtzahlen sind nur unter Vorbehalt zu verwerten, vgl. unten, S. 448 Anm. 248. 240 Die Gesamtzahlen sind nur unter Vorbehalt zu verwerten, vgl. ebd.
dje Pranken in diesen Gebietigerstellen. Bis zur Verlagerung des Haupthauses aus Palästina 1291 haben allerdings Ritterbrüder aus Thüringen die meisten Hochmei- ster gestellt, nämlich fünf gegenüber nur zwei Franken. Der Verlust von Akkon hat also einen entscheidenden Wandel in der Besetzung des höchs^n Ordensamts zur folge gehabt. Erst von dem Zeitpunkt an büßten die Thüringer ihren Einfluß auf die Hochmeisterwahlen ein. In den Statuten heißt es zwar über die Hochmeisterwahl, daß man darauf zu ach- ten habe, daß unter den Wahlmännern keine provincia bzw. kein land die Mehrheit stelle, sondern daß die Wahlmänner aus verschiedenen Provinzen oder Ländern kä- men241. Damit waren nicht die deutschen Territorien, sondern Ordensprovinzen ge- meint. Der lateinische Text macht es wahrscheinlich, daß ursprünglich Vertreter der mittelmeerischen Balleien beteiligt wurden, während der deutsche Text eher an sol- che der „Länder" der Meister, also des Deutschmeisters und der Landmeister von Preußen und Livland, denken läßt. Man hätte also erwarten sollen, daß vor 1291 weniger Thüringer in das oberste Amt gewählt worden seien, weil sie in den Ballei- en am Mittelmeer keine Mehrheit hatten. Daß dennoch bis 1291 eine Dominanz der Thüringer zu beobachten ist, wird darauf zurückzuführen sein, daß die Hochmei- ster durch die Ernennung ihrer Stellvertreter vor ihrem Tod Einfluß auf die Wahl nehmen konnten und daß dieser Stellvertreter den Wahlkomtur bestimmte, der sei- nerseits wiederum die Zusammensetzung des Wahlmännergremiums erheblich zu steuern vermochte242. Es bedurfte erst des tiefen Einschnitts von 1291, damit die Be- vorzugung der Mittel- gegenüber den Oberdeutschen beendet werden konnte. Wenn man die soziale Herkunft, den Stand der Familien, der Hochmeister unter- sucht, ist ein derartiger Einschnitt wie bei der Analyse der regionalen Herkunft nicht zu beobachten. Der Verlust von Akkon hat die Auswahlkriterien der Hoch- meisterkandidaten hinsichtlich ihrer standesmäßige Herkunft nicht berührt. Sieht man einmal von Konrad von Thüringen aus einem der mächtigsten Dynastenge- schlechter des Deutschen Reichs und dem Freien aus der Schweiz Burchard von Schwanden ab, standen fünf Hochmeister aus edelfreien Familien fünf aus der Mi- nisterialität gegenüber. Diese ständische Zusammensetzung spiegelt in keiner Weise die der Korporation insgesamt oder einer ihrer Zweige wider. Denn Edelfreie und Dynasten haben einen unverhältnismäßig hohen Anteil am obersten Ordensamt er- rungen. Das Bild bestätigt die Ergebnisse, die sowohl bei der Analyse des preußi- schen wie des livländischen Ordenszweigs erzielt wurden, daß nämlich Söhne des hohen Adels Karrierevorteile hatten. Sie gelangten eher in gehobene und höchste Positionen als Angehörige der Ministerialität oder gar des Patriziats, das bis 1309 keinen einzigen Hochmeister stellen konnte. Die in der Welt gültige ständisch ge- gliederte Ordnung blieb auch im Orden wirksam und war allenfalls nicht mehr al- Perlbach, Statuten, S.93: Gewohnheit 4. 242 So zutreffend: Nieß, S.36f.
lein ausschlaggebend, da sie durchbrochen werden konnte. Außerdem mögen Rück sichtnahmen auf die mächtige Verwandtschaft eine Rolle gespielt haben. Daee scheinen Kaiser und Könige keinen Einfluß auf die Wahl des Ordensoberhau ausgeübt zu haben, wie es bei den beiden anderen Ritterorden vermutet wird243 Obwohl die Söhne aus dem hohen Adel leichter an die Spitze des Ordens gelan gen konnten, bleibt es sozialgeschichtlich dennoch bemerkenswert und war für die Zeitgenossen brisant, daß nämlich Angehörige der Ministerialität, also eines unfrei en Standes, zu Hochmeistern gewählt werden und damit Positionen besetzen konn- ten, die soviel Sozialprestige und Einfluß verliehen, daß sie manche Dynasten über- flügelten. Schon der erste Hochmeister dieser Periode Hermann von Salza aus der Ministerialität der Landgrafen von Thüringen ist dafür ein beredtes Beispiel244. Unterschiede und Übereinstimmungen fallen besonders ins Auge, wenn man die Ergebnisse der Herkunftsanalyse der Hochmeister mit den entsprechenden Zahlen für die Deutschmeister und die beiden Landmeister konfrontiert. Anfangs hatten die drei Meister noch kein besonders hohes Ansehen im Orden. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts jedoch erlangten sie innerhalb der Korporation eine Stellung, die der des Hochmeisters nahekam. Mit dem Hochmeister zusammen waren sie die wichtigsten Amtsträger und prägten die Politik des Ordens. Das Amt des Deutschmeisters besetzten 22 Ritterbrüder, von denen 18 zu identi- fizieren sind245. Unter ihnen ragten die Franken mit neun Angehörigen heraus. Sie stellten die Hälfte aller Amtsträger. Aus dem Rheinland kamen immerhin drei, da- gegen nur je zwei aus Thüringen und Hessen und je einer aus dem Eichsfeld und der Schweiz. Daß die Ritterbrüder aus fränkischen Geschlechtern zumindest seit 1232 im Deutschmeisteramt dominierten, hing auch damit zusammen, daß der wichtigste Besitz und die Kommenden, auf die sich der Amtsträger insbesondere verlassen konnte, in Franken und den benachbarten Landschaften lagen. Die Ballei Franken bildete auch später noch zusammen mit dem sogenannten „Deutschmei- stertum" die Hauptstütze der Deutschmeister. Von 19 Landmeistern in Preußen sind 18 zu identifizieren246. Aus Thüringen ein- schließlich des Vogtlands kamen sechs, aus Franken sieben, aus Ostsachsen drei und zwei aus Schwaben. Neun Mitteldeutsche standen neun Oberdeutschen gegenüber. Es fehlten Hessen und Rheinländer in dem Amt. Diese Aufteilung nach Regionen erinnert an die im Hochmeisteramt. Jedoch gab es entscheidende Unterschiede. Die Oberdeutschen im Landmeisteramt von Preußen konzentrierten sich nicht auf be- stimmte Zeitabschnitte, sondern waren nahezu gleichmäßig über die Periode bis 243 Vgl. Barber, Knighthood, S. 106 f.; Sire, S.36. 244 Maschke, Herkunft, S. 104ff.; Kluger, S. 7. 245 Wojtecki, Studien, S. 10ff.; Militzer, Entstehung, S. 169f. 246 Vgl. Voigt, Namen-Codex, S.3f.
1309 verteilt. Im Unterschied zum Hochmeisteramt ist beim Landmeister von Preu- ßen kein Wandel in der Besetzungspolitik zu beobachten. Von 19 livländischen Meistern sind 17 ihrer Herkunft nach zu bestimmen247. Sie kamen aus einem weiteren Umkreis als bei allen anderen hohe$ Würdenträgern im Orden. Fünf stammten aus Ostsachsen. Sie bildeten mit den Thüringern die Mehr- heit, nämlich etwas mehr als 40%. Oberdeutschland, nämlich Franken und das Erzstift Salzburg, stellten nur zwei Meister. Vergleichsweise stark vertreten waren Hessen mit drei Amtsträgern. Aus Westfalen stammten zwei und von der Nord- und Ostseeküste (Bremen, Lübeck und Mecklenburg/Vorpommern) drei Meister. Die Abweichungen von den Herkunftsregionen der preußischen Landmeister erklä- ren sich für den livländischen Ordenszweig aus Problemen der Aufbauphase, in der der Orden regionale Wünsche nicht erfüllen konnte, sondern auf Reserven zurück- greifen mußte, wo er solche finden konnte. Nach einer Zeit der Konsolidierung baute der livländische Zweig eigene Rekrutierungsgebiete aus. Seitdem wurden Niederdeutsche stärker mit dem Meisteramt betraut. Besonders aufschlußreich ist die Gegenüberstellung der vier Meister. Während sich im Hochmeisteramt die Ritterbrüder aus der Ministerialität mit denen aus dem hohen Adel die Waage hielten, stammten die Hälfte der Deutschmeister aus dem hohen Adel und nur rund 45 % aus der Ministerialität. Ein Deutschmeister kam aus einem städtischen Geschlecht. Im Bereich der Balleien konnte sich das geburtsständi- sche Prinzip eher als in anderen Ordenszweigen durchsetzen, weil die Landesherren, Dynasten und Edelfreien unmittelbaren Zugriff auf ihre Stiftungen, die „Hauskom- menden“, hatten und über sie Familienbeziehungen stärker als im fernen Palästina griffen. Sehr deutlich sind die Unterschiede zum preußischen und livländischen Ordens- zweig. Beide Meisterstellen waren zum überwiegenden Teil in Händen von Ritter- brüdern aus der Ministerialität, nämlich zwischen 60 und 70%. Aus dem hohen Adel und den zu Dynasten aufsteigenden Familien der bedeutenden Reichsministe- rialität kamen in Preußen fünf oder rund 30 % zu Meisterwürden. In Livland war der Anteil des hohen Adels an den Landmeistern noch geringer, nämlich nur rund 20%, während der der Ministerialität bei 75% oder zusammen mit den Vasallen und Altfreien bei rund 80% lag. Ein Landmeister von Livland stammte aus dem städtischen Patriziat. In dem eroberten Preußen und dem 1237 neu erworbenen Liv- land war also der Anteil des hohen Adels in der Führungsposition geringer als beim Deutschmeister-, aber auch als beim Hochmeisteramt. Allerdings stellte der hohe Adel auch in Preußen und Livland mehr Meister als seinem Anteil an Ritterbrüdern insgesamt entsprach. Das geburtsständische Prinzip war auch in den fernen öst- lchen Ländern nicht aufgehoben, nur stärker als im deutschen Zweig zurückge- Fenske/Militzer, S. 750.
drängt. Dazu kam, daß das Baltikum im 13. Jahrhundert noch nicht zu dem bev zugten Einsatzgebiet der Ritterbrüder aus dem hohen Adel geworden war. Insgesamt lassen sich in den Führungspositionen des Ordens, Hochmeister Deutschmeister, Landmeister von Preußen und Livland, 52-53 Ritterbrüder ident/ fizieren248. Die geringe Zahl ist einmal auf Amtsträger, die nur mit ihren Vornamen überliefert sind, zurückzuführen und zum zweiten darauf, daß einzelne Ritterbrü der vom Deutschmeister zum Hochmeister aufstiegen oder als Landmeister von Preußen auch Landmeister von Livland waren oder beide Posten tauschten. Darauf ist noch zurückzukommen. Die Führungselite im Deutschen Orden war also relativ begrenzt. Von den identifizierten 52-53 Ritterbrüdern kamen aus Mittel- und Ober- deutschland etwa gleich viele, nämlich jeweils etwas mehr als ein Drittel. Aus dem Rheinland und Hessen stammten ungefähr je 17%. Die restlichen Prozentpunkte verteilten sich auf Westfalen und die Regionen an der Nord- und Ostsee. Bei der Frage nach dem Stand der Herkunftsfamilien dieser Amtsträger erreichten Angehö- rige von Dynasten-, edelfreien und bedeutenden Reichsministerialengeschlechtern wenig mehr als ein Drittel, Söhne von einfachen Ministerialen, Altfreien und Vasal- len dagegen fast 60 %. Nur karge 4 % entfielen auf Angehörige stadtgesessener Ge- schlechter. Trotz aller Karrierevorteile der Ritterbrüder aus dem hohen Adel blieben auch die Führungspositionen in der überwiegenden Mehrheit in den Händen von Mini- sterialensöhnen. Den stadtgesessenen Geschlechtern, die sich von ihrem Sozialpre- stige und Selbstverständnis her dem niederen Adel und den Ministerialen auf dem Land ebenbürtig fühlten, gelang es nicht, einen wesentlichen Anteil an der Füh- rungspositionen zu besetzen. Der Deutsche Orden blieb eine Korporation, die von der landgesessenen Ministerialität der Territorialherren, weniger der Reichsministe- rialität beherrscht wurde. Diese dominierende Position sollte der im wesentlichen aus der Ministerialität hervorgehende niedere Adel im Orden behaupten. Die Grundlagen dazu wurden bereits in den Anfängen gelegt. 248 Die in den beiden vorhergehenden Tabellen gegebenen Gesamtzahlen sind errechnet und tre en nicht die Wirklichkeit, da Ritterbrüder über die Ämter der Landmeister oder der Großgebietiger Hochmeistern aufsteigen, auch von einem Großgebietigeramt zum Landmeisteramt oder von.eJ, • Landmeisteramt in ein anderes wechseln konnten. Die Gesamtzahlen waren also in Wirk ic kleiner als die in den Tabellen errechneten Ziffern. Vgl. dazu unten das Kapitel „Ämterlaufba und Karrieremuster“ (S. 449 ff.), mit mehreren Beispielen.
10.9 Ämterlaufbahnen und Karrieremuster Eine Untersuchung der Karrieren im Deutschen Orden kann zeigen, welche Statio- nen ein Ritterbruder durchlaufen mußte, um ein hohes Amt übertragen zu bekom- men. Dabei ist die Frage nach der Qualifikation zwar zu stellen, aber nur selten zu beantworten, weil die Quellen darüber meist schweigen. Die Wahl zum Hochmei- ster beispielsweise war geheim. Von welchen Überlegungen sich die Wahlmänner bei ihren Entscheidungen hatten leiten lassen, blieb stets im Dunkeln. Selbst die mei- sten Brüder werden nichts Genaues gewußt haben, auch wenn sie am Wahlkonvent teilgenommen hatten249. Über die Qualifikationen wird man also kaum stichhaltige Aussagen machen können. Solche Bewertungen, die man gelegentlich findet, stüt- zen sich auf Beurteilungen meist später lebender Chronisten oder beruhen auf Rückschlüssen aus den Taten der Männer. Eine Untersuchung der Karrieren kann aber noch eine andere Frage beantworten. Sie kann nämlich Aufschluß darüber geben, ob es in der ersten Periode bis 1309 zu- mindest in den Führungspositionen eine personelle Verzahnung der Ordenszweige im Deutschen Reich, in Palästina, Preußen und Livland gegeben hat oder ob schon im 13. Jahrhundert eine Separierung der Zweige zu beobachten ist. Betrachten wir zunächst den Werdegang von Hochmeistern250. Die ersten Würden- träger sind als einfache Ritterbrüder in das hohe Amt gewählt worden, wie Hermann von Salza 1209-1239 und dessen Nachfolger Konrad von Thüringen 1239-1240. Bei Konrad von Thüringen, der aus höchstem Adel stammte, war es wohl keine Frage, daß er sofort das Meisteramt beanspruchen konnte und auch übertragen erhielt. Je- de andere Lösung wäre als Zumutung nicht nur für den Ritterbruder selbst, son- dern für die deutsche Adelswelt, von der der Orden schließlich abhing, angesehen worden. Konrads Nachfolger Gerhard von Malberg (1240-1244) ist seit 1239 in Pa- lästina nachweisbar, wo er mindestens 1240 Oberster Marschall und Stellvertreter des Meisters gewesen ist251. Genauer sind wir seit Heinrich von Hohenlohe über die Ämterkarrieren infor- miert. Heinrich von Hohenlohe ist 1219/20 in den Orden eingetreten. Schon vorher war er für den geistlichen Stand vorgesehen gewesen und Kanoniker in Würzburg geworden. Vielleicht ist er mit dem 1221-1225 belegten Mergentheimer Komtur Heinrich identisch252. 1232 wurde er zum Deutschmeister ernannt. Das Amt ver- waltete er wahrscheinlich bis 1240; er trat zurück und erhielt es 1242 oder ein Jahr 49 Vgl. Perlbach, Statuten, S. 94: Gewohnheit 5. 50 Dazu nun: Die Hochmeister, S.9ff. 1 Strehlke, Tabulae, Nr. 89; Milthaler, S. 38; Schreiber, S. 656; Udo Arnold, in: Die Hoch- meister, S.22f. ^52 So Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 60; Ders., Studien, S. 42; Weiss, Franken, S.440.
vorher erneut. Die weitere Zerstückelung von Heinrichs Amtszeit als Deutschm ster in mehrere Perioden, wie man es in der Literatur manchmal findet, trifft ka zu, da der angebliche Deutschmeister Ludwig von Oettingen lediglich ein Sond*1^ beauftragter des Hochmeisters und nicht der Inhaber eines regulären Ordensamt' gewesen ist253. 1244 wurde Heinrich von Hohenlohe in Palästina zum Hochmei gewählt. Er starb 1249254. er Der Hochmeister Günter von Wüllersleben (1250-1252) ist seit 1215 im Orden nachweisbar, ohne daß er mit letzter Sicherheit in Ämtern nachgewiesen werden könnte. Allerdings gibt es Amtsinhaber namens Günter ohne weitere Zunamen Sie könnten zu einer Karriere Wüllerslebens zusammengestellt werden, wie es auch schon geschehen ist. Da jedoch der Vorname Günter nicht so selten war, daß er al- lein als ein Kriterium für eine Identifizierung ausreichen könnte, bleiben solche Zu- sammenstellungen letztlich eine Hypothese, die nicht zu beweisen ist255. Poppo von Osternohe (Osterna) war wie Heinrich von Hohenlohe schon früh für den geistlichen Stand bestimmt worden. Er ist seit 1211 Kanoniker des Würz- burger Domstifts gewesen und 1219 oder bald darauf in den Deutschen Orden ein- getreten. 1233 ist er als einflußreicher Ritterbruder in Preußen nachweisbar und war dort Zeuge der berühmten Kulmer Handfeste256. 1241 wurde er für ein Jahr Land- meister von Preußen. Dasselbe Amt übte er ein zweites Mal 1244-1246 aus. 1247 ging er in den Bereich der Balleien zurück, wurde 1252 zum Hochmeister gewählt und trat 1256 in Rom zurück257. Von 1260-1265 ist er als Komtur des Deutschor- denshauses in Regensburg an der Donau nachweisbar. Die Kommende wird ihm als Alterssitz angewiesen worden sein. Dort dürfte er auch gestorben sein und seine letzte Ruhestätte gefunden haben258. Anno von Sangerhausen war 1254-1256 Landmeister von Livland, bevor er in Pa- lästina zum Hochmeister gewählt wurde. In dem höchsten Ordensamt ist er 1257— 1272 nachzuweisen259. Sein aus der gleichen Region stammender Nachfolger Hart- mann von Heldrungen ist zusammen mit Konrad von Thüringen 1234 in Marburg in den Deutschen Orden eingetreten260. Der damals noch junge Ritterbruder hat unter seinen Mitbrüdern ein gewisses Ansehen genossen, da er bei der Inkorpora- 253 Militzer, Entstehung, S.44ff. Anders: Wojtecki, Studien, S.42f.; Ders., Deutsche Orden im württembergischen Franken, S.60, und ihm folgend: Weiss, Franken, S.440. 254 Schreiber, S.658. Dazu: Udo Arnold, in: Die Hochmeister, S.24ff. . 255 Vgl. Schreiber, S. 662 f.; Wojtecki, Studien, S. 144 f.; Militzer, in: Die Hochmeister, S. 26 256 Preuß. UB 1,1, Nr. 252. 257 258 Schreiber, S. 664f. . Weiss, Franken, S.48, 472. Zur Tradition des Begräbnisorts Breslau: Schreiber, S.668; Wa t^ S.29ff. Der 1266 in Thorn nachweisbare Poppo dürfte kaum mit dem ehemaligen Hochmeister^ identifizieren sein: Codex Warmiensis I, Nr.49. Dazu nun Militzer, in: Die Hochmeister, • •_ Schreiber, S. 668 f.; Wojtecki, Studien, S. 154. Dazu nun Gerard L abu da, in: Die Hoc ster, S. 31 ff. 259 260 Peter von Dusburg, Chronica IV,33.
tion des Schwertbrüderordens in den Deutschen Orden 1236-1237 eine Rolle ge- spielt hat261. Ob er allerdings mit dem 1238 erwähnte Hartmann von Heldenowe, dem Landkomtur von Thüringen-Sachsen, zu identifizieren ist, bleibt eine Hypo- these, die - wenngleich ansprechend - letztlich nicht zu erhärten ist262. Ebenso ist nicht erwiesen, daß er 1240 Deutschmeister gewesen sei. Denn der Vorname allein, mit dem ein entsprechender Amtsträger überliefert ist, rechtfertigt diese Identifizie- rung noch weniger263. Er ist zu der Zeit und in den folgenden Jahren häufig in der Umgebung der Hochmeister zu finden, so daß er zu den angesehenen und ge- schätzten Brüdern ohne Amt gehört haben dürfte, die gerade in der Anfangszeit des Ordens zahlreich nachzuweisen sind und von den Hochmeistern mit Sonderaufga- ben betraut wurden. 1261-1262 ist er schließlich als Großkomtur in Palästina nach- zuweisen. Es ist das einzige Amt, das er der Überlieferung nach bekleidet hatte, be- vor er 1273 zum Hochmeister gewählt wurde. Er starb 12 8 2264. Burchard von Schwanden trat vor 1270 in den Deutschen Orden wohl in der Kommende Hitzkirch ein. Dort ist er 1270 als Konventuale bezeugt. 1275 war er Komtur von Köniz in der Schweiz, stieg 1277 zum Landkomtur von Thüringen- Sachsen auf, behielt das Amt bis 1279 und wurde 1281-1282 Komtur von Marburg, also Leiter der benachbarten Ballei in Hessen. 1283 wurde er zum Hochmeister ge- wählt. 1290 legte er in Akkon kurze Zeit vor der Eroberung der Stadt durch die Sarazenen sein Amt nieder und trat in den Johanniterorden über. Als Johanniter- komtur ist er noch im 14. Jahrhundert bezeugt. Der Übertritt des resignierten Hochmeisters in den Johanniterorden hat die Ordenschronistik, auch schon Peter von Dusburg, beschäftigt265. Das Motiv für den ungewöhnlichen Schritt dürfte in der Enttäuschung Burchards über den geringen Einsatz des Ordens zur Rettung Akkons und des Heiligen Lands zu suchen sein266. Burchard sollte der letzte im Heiligen Land gewählte Hochmeister bleiben. Burchards Nachfolger Konrad von Feuchtwangen wurde 1291 auf einem Gene- ralk^pitel in Venedig zum Hochmeister gewählt. Er war 1259 Landkomtur von Österreich gewesen. Ob er dann nach Palästina gegangen und dort Treßler gewor- den ist, ist bislang nur eine Vermutung, die noch eines Nachweises bedarf267. 1271 — 1279 ist Konrad jedenfalls wieder Landkomtur von Österreich gewesen und wurde 261 SRP V, S. 168 ff.: Bericht Hartmanns von Heldrungen. 262 Das behauptet Wojtecki, Studien, S. 156, in Anlehnung an Lampe in: UB Ballei Thüringen, Nr. 68. Vgl. Militzer, Entstehung, S. 74. 263 Bremisches UB I, Nr.215. Für eine Identifizierung spricht sich aus: Wojtecki, Studien, S. 157. 264 Schreiber, S.669ff.; Wojtecki, Studien, S. 156f. Dazu nun Udo Arnold, in: Die Hochmeister, S.36ff. 265 Peter von Dusburg, Chronica IV,70. 266 Schreiber, S. 671 ff.; Woj tecki, Studien, S. 100f.; vgl. auch Turnier, S. 51 f. Dazu nun Milit- zer, in: Die Hochmeister, S. 38 ff. ' Arnold, Konrad von Feuchtwangen, S. 8.
im Frühsommer 1279 zum Landmeister von Preußen und Livland ernannt. Beid Ämter verwaltete er zwei Jahre lang. Einige Monate länger war er Landmeister von Livland. Dann wurde er 1282-1283 Landkomtur von Franken und stieg 1284 zum Deutschmeister auf. Als solcher ist er 1291 zum Hochmeister gewählt worden F starb am 5. Juli 1296 in Prag268. r Gottfried von Hohenlohe ist dem Deutschen Orden in Mergentheim um 1280 als 14jähriger Jüngling beigetreten. Er wurde 1290 Landkomtur von Franken und 1294 Deutschmeister. Danach ist er 1297 auf einem Generalkapitel in Venedig zum Hochmeister gewählt worden. 1303 trat er auf einem Kapitel in Elbing zurück be- reute aber diesen Schritt und suchte, ihn rückgängig zu machen. Er beanspruchte weiterhin das Hochmeisteramt für sich, fand jedoch nur bei wenigen Ordensbrü- dern Anerkennung. 1310 ist er gestorben, ohne sein altes Amt wiederbekommen zu haben269. An die Stelle Gottfrieds von Hohenlohe ist Siegfried von Feuchtwangen auf dem- selben Eibinger Generalkapitel von 1303 gewählt worden, auf dem der alte Hochmei- ster seinen Rücktritt erklärt hatte. Siegfried von Feuchtwangen war 1298 Deutschmei- ster und ist am 3. August 1299 als Komtur von Wien bezeugt. Er starb als erster Hochmeister auf der Marienburg in Preußen270. Schaut man sich die Karrieren der Hochmeister seit Hermann von Salza bis zu Siegfried von Feuchtwangen an, fällt auf, wie wenige Amtsträger aus dem morgen- ländischen Zweig des Ordens gekommen sind. Hermann von Salza ist gewiß in Pa- lästina gewählt worden. Gerhard von Malberg war Oberster Marschall vor seiner Wahl, die wohl in Palästina erfolgt ist. Hartmann von Heldrungen war Großkom- tur, bevor er Hochmeister wurde. Für Günter von Wüllersleben läßt sich allenfalls eine Laufbahn in Palästina und im Mittelmeerraum vermuten. Alle anderen gewähl- ten Kandidaten kamen aus anderen Ordenszweigen, vor allem aus den Balleien. Nach dem Fall von Akkon wurden in das höchste Ordensamt nur solche Ritterbrü- der gewählt, die Deutschmeister waren oder das Amt kurz vorher ausgeübt hatten. Immerhin war es auch zwei Landmeistern von Preußen bzw. Livland gelungen, das höchste Amt zu erringen. Sieht man von den beiden ersten Hochmeistern seit 1209 ab und läßt Günter von Wüllersleben, dessen Ämterlaufbahn nicht einwandfrei zu rekonstruieren ist, beisei- te, hatten alle Kandidaten vor ihrer Wahl verantwortungsvolle Posten bekleidet. Da- bei hatten die Inhaber von Ämtern in den Balleien, besonders die Deutschmeister, die größte Chance, Hochmeister zu werden. 268 Arnold, Konrad von Feuchtwangen; Ders., Deutschmeister, S. 23ff.; Fenske/Miützer’ S.222 Nr.238. Dazu nun Ulrich Nieß, in: Die Hochmeister, S.41 ff. r 269 Militzer, Hochmeister; Weller, Geschichte II, S.266ff. Ferner Militzer, in: Die Hochmeist S.46ff. . ter> 270 Schreiber, S. 689; Wojtecki, Studien, S. 49. Dazu nun Ulrich Nieß, in: Die Hochmeis S. 51 ff.
Analysiert man die Karrieren der drei Landmeister, zeigt sich, daß mehr als drei Viertel aller Deutschmeister seit Heinrich von Hohenlohe (1232-1240, 1242) aus Jen Balleien, also aus dem Verwaltungsbereich des Meisters selbst, kamen271. Ledig- lich bis zum Fall von Akkon 1291 sind einzelne Amtsträger (insgesamt fünf) nach- zuweisen, die vorher in Preußen, Livland oder Palästina tätig gewesen sind, nämlich Dietrich von Grüningen (1254-1256), Eberhard von Sayn (1251-1254), Werner von Battenberg (1266-1271), Gerhard von Hirschberg (1272-1279) und Konrad von Feuchtwangen (1284-1290). Nach 1291 haben alle Deutschmeister vor ihrer Ernen- nung Ämter im Bereich der Balleien verwaltet und sich in den Balleien ausgezeich- net. Etwas anders sehen die Karrieremuster in Preußen und Livland aus. Die Mehr- zahl der preußischen Meister hatte vor der Ernennung in Preußen gedient272. Je- doch wurde immerhin mehr als ein Viertel von ihnen aus den Balleien als Meister nach Preußen geschickt. Diese Art der Auswahl traf insbesondere für die Anfangs- jahre zu. Nach 1291 hatten sich vier von sechs Meistern in Preußen, einer in den Balleien und einer in Livland für das Amt qualifiziert. Ein analoges Bild liefern die Meister von Livland273. Vor 1291 erwarben sich acht von 15 Amtsträgern ihre Verdienste in Livland selbst, jedoch vier in den Balleien und drei in Preußen. Nach 1291 sind die Landmeister von Livland wohl ausschließ- lich aus dem Kreis der Ritterbrüder in den livländischen Konventen genommen worden. In den Zahlen spiegeln sich die Probleme der Aufbau- und Konsolidierungsphase der Ordensherrschaft in beiden baltischen Ländern. Im Osten war der Orden auf neue Männer aus dem Reich angewiesen, da er die Förderung einheimischer Ritter- brüder ablehnte und deren Aufnahme stark einschränkte. Zudem kosteten die Kämpfe mit Aufständischen und den heidnischen Litauern Opfer auch unter dem Führungspersonal. Beide Zweige waren also anfangs auf den Zuzug nicht nur ein- facher Ritterbrüder, sondern auch von Persönlichkeiten, die Leitungsfunktionen übernehmen konnten, angewiesen. Schließlich hatten sich die Brüder in den Kon- venten beider Zweige noch nicht so abgeschottet, daß sie sich gegen den Zuzug aus anderen Zweigen hätten wehren können. Die Autorität der Hochmeister und ihrer Kapitel war wenigstens bis nahezu 1291 noch groß genug, daß sie Meister ernennen konnten, wie es die Statuten vorschrieben274, und nicht an Vorauswahlen der Brüder in Preußen oder Livland gebunden waren. Nach dem Fall von Akkon 1291, dem dadurch hervorgerufenen Autoritätsverlust der Hochmeister und dem damit zusammenhängenden Prestigegewinn der drei 271 Zu den Deutschmeistern: Wojtecki, Studien, S.22ff.; Militzer, Entstehung. S.44ff., 169f. 27^ V°igt, Namen-Codex, S. 3 f.; Turnier, S. 618; Verbesserungen bei Wojtecki, Studien. 2? Vgl- die Liste bei Fenske/Militzer, S. 750. Perlbach, Statuten, S. 97: Gewohnheit 8.
Landmeister sorgten die Ritterbrüder und Amtsträger in den Ordenszweigen z nehmend dafür, daß nur noch Ritterbrüder aus ihren Verwaltungsbereichen Mei' sterwürden erlangten275. Damals begann allmählich die später deutlicher zu beob achtende Verselbständigung der Teile, die sich bald Zweige nennen sollten. Jedoch hatte sich die Trennung in Zweige noch nicht verfestigt. Es gab vielmehr immer wieder Ritterbrüder, die von den Balleien nach Preußen oder Livland gingen und von dort zurückkehrten, vielfach um ihren Lebensabend außerhalb der Kampfge biete in einer Kommende im Reich zu verbringen. Die Ämterlaufbahnen einiger Ritterbrüder mögen die Thesen verdeutlichen Schon Hermann Balk ist ein Beispiel für den ursprünglichen Zusammenhang aller Teile des Ordens. Er trat in den Balleien in den Orden ein und wurde 1230 der Lei- ter der Eroberung Preußens und der erste Landmeister Preußens. 1237 war er au- ßerdem noch Landmeister von Livland, trat 1239 von beiden Ämtern zurück und zog nach Deutschland, wo er 1239 ein letztes Mal in Würzburg zu belegen ist. Er wird im gleichen Jahr gestorben sein276. Johann Selich ist ursprünglich ein Schwertbruder gewesen. Er wurde 1236 als einer der Gesandten des Meisters des Schwertbrüderordens nach Marburg zu Ver- handlungen über eine Inkorporation seiner Bruderschaft in den Deutschen Orden geschickt, kehrte aber noch im gleichen Jahr nach Livland zurück. Nach erfolgter Inkorporation wurde er in das Heilige Land versetzt, wo er 1244 Kastellan von Montfort war und bald darauf zum Obersten Marschall aufstieg. In Palästina ist er vor 1253 gestorben277. Vielleicht handelte es sich bei Johanns Einsatz in Palästina um eine „Strafversetzung“, da er auf Grund seiner Vergangenheit zu den Opponenten gegen Hermann Balk und von diesem betriebene Politik der Abtretung Revals und Nordestlands an Dänemark gezählt haben könnte278 279. Eberhard von Sayn ist 1249-1257 im Amt eines Großkomturs nachweisbar. Er wird in Palästina seine Karriere begonnen haben. Allerdings weiß man über seine Anfänge dort nichts. Zur Durchsetzung von Reformen wurde er 1251 zusätzlich zu seiner Würde als Großkomtur mit dem Deutschmeisteramt betraut. Als Vertreter des Hochmeisters reiste er, ausgestattet mit Vollmachten, nach Preußen und Liv- land, um auch dort die Einhaltung der Statuten einzuschärfen. Nachdem er seine Aufgabe erfüllt hatte, verließ er 1254 das Baltikum, legte sein Deutschmeisteramt nieder und kehrte nach Palästina zurück, wo er noch bis 1257 als Großkomtur be- • 279 zeugt ist . 275 Vgl. oben, S. 418, 439, 453. 276 Fenske/Militzer, S.97 Nr.46. 277 Fenske/Militzer, S. 595 Nr. 804. 278 Benninghoven, Schwertbrüder, S.295f., 381, 440f. 279 Fenske/Militzer, S. 562 Nr. 756; Militzer, Entstehung, S.48ff.; Perlbach, Statuten,
plelmrich von Würzburg trat vermutlich 1237 in Würzburg in den Deutschen Or- den ein. 1246 ist er als Ritterbruder in der dortigen Kommende bezeugt. Dann ging er nach Palästina, wurde 1251 Kastellan von Montfort und zwei Jahre später Ober- ster Trappier und Stellvertreter des Obersten Marschalls. Das J^apitel versetzte ihn spätestens 1262 in das Baltikum, wo er zunächst im gleichen Jahr die Meister von Preußen und Livland vertrat und dann selbst für mehr als ein Jahr Landmeister von Preußen wurde. Als solcher ist er am 12. Juli 1283 in der Löbau gefallen280. Hartmud von Kronberg aus dem bekannten hessischen Adelsgeschlecht trat vor 1250 in den Deutschen Orden in Hessen ein, zog nach Preußen, wo er vielleicht 1251-1254 Komtur von Elbing281, danach sicher von 1257-1259 Komtur von Thorn gewesen ist. Er trat ab und kehrte in seine Heimat zurück. Dort ist er 1260 als Bru- der in der Kommende von Marburg bezeugt, deren Leitung er 1261-1262 in seinen Händen hatte. 1273 ist noch als einfacher Ritterbruder in Frankfurt-Sachsenhausen nachweisbar282. Volmar von Bernhausen aus Schwaben ist erstmals 1257 als einfacher Ritterbruder in Königsberg festzustellen. Er blieb dort jedoch nicht, sondern ging zurück in das Reich und wurde mutmaßlich 1268 Komtur von Heilbronn am Neckar283. Im glei- chen Jahr stieg er zum Landkomtur der wichtigen Ballei Franken auf, an deren Spitze er bis 1272 nachzuweisen ist. Spätestens 1282 wurde er Landkomtur der Bal- lei Spanien. Im Auftrag des Hochmeisters zog er von dort nach Preußen und Liv- land, wahrscheinlich um beide Provinzen zu visitieren284. 1287 ist er in Livland im Kampf gegen Semgaller und Litauer gefallen285. Gerhard von Hirschberg aus einem fränkischen Grafengeschlecht trat wohl um 1250 in Ellingen in den Deutschen Orden ein. Er war dann häufig im Gefolge der Hochmeister und anderer Würdenträger des Ordens zu finden, 1252 in Würzburg und 1255 in Memel. Unklar bleibt, ob er Konventuale der Deutschordenshäuser in Würzburg und Memel gewesen ist. Jedenfalls blieb er nach seinem kurzen Aufent- halt, in Memel, das damals noch dem Meister von Livland unterstand, im Baltikum und wurde 1257-1259 Vizelandmeister von Preußen. Auch nach seinem Rücktritt vom Amt hielt er sich noch mindestens bis 1263 in Preußen auf und ging dann zu- 280 Fenske/Militzer, S.740 Nr.993. 281 Der Komtur ist nur mit Vornamen überliefert. 282 Vgl. Gensicke, Kronberg, S.300; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.211; Voigt, Namen- Codex, S. 28, 56. Die Angabe Mülverstedts, Die Beamten II, S. 88, daß er aus Bayern stamme, ist falsch. 283 Das wird neuerdings von Seiler, Deutschordenshaus, S. 49f., bestritten. Aber dessen Zuweisung Zu einem Heilbronner Patriziergeschlecht lassen sich auch nicht beweisen, allenfalls wahrscheinlich machen. 284 So Dragendorff, S.23. Fenske/Militzer, S. 799 Nr.3; Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 111 Anm.274; Weiss, Franken, S.398.
rück in das Reich, wo er 1264 wieder in Würzburg zu belegen ist. 1268 wurde er de erste Landkomtur von Franken, übte das Amt aber nicht einmal ein Jahr aus. 1272 F 1279 war er Deutschmeister, trat zurück und ist 1280 in Ellingen nachzuweisen Zu letzt verwaltete er 1282 als Komtur die Burg Horneck. Er ist an einem 29. April ver mutlich im Jahre 1283 gestorben286. Nicht selten kehrten Ritterbrüder aus Preußen und Livland in die Balleien zu rück, wenn sie eine Zeitlang im Baltikum gedient hatten. Sie erhielten ihre Alterssit ze in den sicheren und ruhigeren Kommenden im Reich. Johannes von Wegeleben aus dem halberstädtischen Raum beispielsweise war zunächst 1262 Komtur von Elmsburg im Elm bei Braunschweig gewesen, zog im Jahr darauf nach Preußen wurde für eine kurze Zeit Landmeister, ist aber bereits zu Beginn des Jahres 1264 wieder in die Balleien zurückgegangen, wo er 1264 Komtur von Langeln wurde 1276 reiste er als Bote des samländischen Bischofs Christian nach Palästina287. Mög- licherweise ist er dort geblieben und gestorben. Konrad von Mandern aus einem hessischen Ministerialengeschlecht der Landgra- fen von Thüringen ist erstmals 1263-1266 als Landmeister von Livland bezeugt. 1266 dankte er ab und reiste zurück in das Reich. Wegen seiner Ortskenntnisse wurde er 1268 vom Hochmeister nochmals nach Livland geschickt. 1285 war er dann Komtur von Marburg, 1286-1287 Landkomtur der Partes inferiores und 1289- 1295 wieder Landkomtur von Marburg. Als solcher ist er am 5. Mai 1295 gestor- ben288. Daß Ritterbrüder aus den Balleien nach Preußen und Livland geschickt wurden, ist auch später vorgekommen, zumal die Balleien die Rekrutierungsbasis des Or- dens waren und blieben. Daß aber verdiente Brüder in die Balleien zurückkehrten, dürfte eher ein Charakteristikum der Frühzeit des Ordens im Baltikum gewesen sein, als es dem Orden noch nicht gelungen war, seine Herrschaft zu konsolidieren und für die alten und gebrechlich werdenden Brüder eine Versorgung in den Firma- rien der Ordenshäuser aufzubauen289 290. Infolge der verlustreichen Kämpfe im Heili- gen Land in den 80er Jahren des 13. Jahrhunderts soll sich die Lage der Spitäler und Kommenden in den Balleien wegen der Aufnahme verwundeter oder kranker Brü- der so verschlechtert zu haben, daß die Hochmeister Burchard von Schwanden und Konrad von Feuchtwangen 1289 und 1292 eingeschritten seien und befohlen hätten, die Spitäler wieder ihrer eigentlichen Bestimmung, nämlich der Versorgung der kranken und schwachen Nichtordensangehörigen, zuzuführen und die Ordensbrü- der auf andere Art und Weise zu versorgen oder auf andere Häuser zu verteilen 286 Fenske/Militzer, S.326 Nr.409. 287 Wojtecki, Studien, S. 112. 288 Fenske/Militzer, S.436 f. Nr.572. 289 Dazu: Probst, Medizinalwesen, S. 109ff. von 290 Perlbach, Statuten, S. 140f.: Gesetze Burchards von Schwanden, Nr. 10; Gesetze Konra s Feuchtwangen, Nr. 6. Vgl. Probst, Medizinalwesen, S. 39.
7 r Überlastung der Spitäler in der kritischen Zeit könnten auch heimgekehrte Rit- rbrüder aus dem Baltikum beigetragen haben. Aber die Versorgung verwundeter nd kranker Brüder aus dem Orient und Baltikum war sicher nur ein Grund und vielleicht nicht einmal der entscheidende für die Misere der Spitäler. Ausschlagge- bender dürfte das mangelnde Interesse der meisten Ordensangehörigen an diesen Einrichtungen gewesen sein291. Im 13. Jahrhundert, der Aufbau- und Konsolidierungsphase vor allem im Balti- kum, sind nicht nur alte und kranke Ritterbrüder zurück in die sichere Etappe ge- schickt worden, es ist vielmehr ein reger Austausch des Führungspersonals zu be- obachten. Es kam zwar vor, daß Komture oder sogar Landmeister in Preußen und Livland aufstiegen und dort, wo sie ihre Laufbahn begonnen hatten, starben, aber nicht selten wechselten Amtsträger von Preußen nach Livland oder umgekehrt, zo- gen aus dem Reich nach Preußen oder Livland und kehrten zurück, um in den Bal- leien wichtige Funktionen zu übernehmen. Einige Beispiele für solche Karrieren sind ausgebreitet worden. Einen analogen Austausch von Amtsträgern wird es auch mit Palästina gegeben haben. Daß es dafür sehr viel weniger Nachweise gibt, hängt mit der - gemessen am Deutschen Orden im Baltikum - schlechteren Quellenlage für den Orden im Heili- gen Land zusammen. In den gewiß vorhandenen Austausch werden auch die Ballei- en rund um das Mittelmeer einbezogen worden sein. Jedoch ist auch für sie die Quellenbasis schmal. Erschwerend kommen Namensverstümmelungen infolge der Sprachunterschiede der deutschsprachigen Brüder zu den Notaren oder Schreibern, die vorzüglich der heimischen Idiome, aber nicht der Sprache der Ritterbrüder mächtig waren, und unterschiedliche Gewohnheiten der Nach- und Familienna- mensbildungen, die die einheimischen Schreiber statt der deutschen Familiennamen anwandten, weil die deutschen Zunamen den Schreibern zu ungewöhnlich oder gar falsch erschienen sein mögen. Wegen der Quellenprobleme bleibt die Annahme eines Austausches von Ritterbrüdern aus den Mittelmeerballeien mit Palästina vor- läufig eine Vermutung, die noch einer eingehenderen Begründung bedarf. Trotz aller Schwierigkeiten der Identifizierungen, auf die manche Autoren hinge- wiesen haben292, kann man als ein Charakteristikum des ersten Jahrhunderts des Bestehens des Deutschen Ordens festhalten, daß es einen breiten Austausch von Amtsträgern zwischen den Ordenszweigen im Baltikum, im Reich und in Palästina und wohl auch mit den Balleien um das Mittelmeer gegeben hat. Es war noch nicht üblich, daß ein Ritterbruder in einen Ordenszweig eintrat, in ihm Karriere machte und dort starb. Die Verselbständigung der Zweige war nicht so weit fortgeschritten, daß sie sich gegen den Zuzug von Ritterbrüdern aus dem jeweils anderen Zweig ab- geschottet hätten. Die Selbständigkeitsbestrebungen, die die Landmeister pflegten 29^ ^1- Militzer, Role. 2 Vgl. Forstreuter, Mittelmeer, S. 120ff., 132ff.
und während der Schwächeperiode der Hochmeister vor dem Fall Akkons und d nach zu institutionalisieren suchten, hatten noch nicht zu einer Einschränkung de' Aufstiegsmöglichkeiten geführt und zur gänzlichen Auflösung der Einheit der Or denskorporation geführt. Die Korporation bildete noch eine Einheit, die sich auch im Austausch der Funktionsträger zeigte293. Der Austausch betraf allerdings nur manche Amtsträger, nicht den einfachen Rft terbrüder oder Inhaber lediglich eines Hausamts. Die einfachen Brüder und niede ren Chargen blieben auch im 13. Jahrhundert fast immer in den Zweigen, in denen sie eingekleidet oder nach der Einkleidung in ihrer Heimatkommende geschickt worden waren. Der einfache Bruder einer preußischen Kommende blieb in der Regel in Preußen meist bis zu seinem Tod oder kehrte allenfalls als kranker oder ge- brechlicher Mann in die Balleien zurück. Das Gleiche traf für den Bruder in Liv- land oder Palästina zu. Diese einfachen Ritterbrüder oder kleinen Amtsträger bilde- ten jedoch schon damals wie später auch die Mehrheit in den Ordenszweigen. Für sie galt schon im 13. Jahrhundert das Prinzip der lebenslangen Zugehörigkeit zu einem Ordenszweig. Zwar ist nicht viel über die Vorstellungen und Meinungen die- ser Mehrheit bekannt, aber man wird vermuten dürfen, daß ihre Identifizierung mit dem Ordenszweig, in dem sie lebten, stark gewesen ist und daß sie einer Versäulung des Ordens, einer Abschottung der Zweige, die einer Regionalisierung gleichkam, geneigt waren und solche Tendenzen unterstützten. Vielleicht haben die Brüder im Deutschen Reich nicht in gleichem Maß an ihrer Ballei gehangen, zumal sie ihre Berechtigung und Legitimation aus dem Einsatz des Ordens in Palästina zur Verteidigung des Heiligen Landes und zur Wiedergewin- nung der Heiligen Stätten und in Preußen und Livland zur Missionierung und zur Sicherung der Mission bezogen. Die Tendenz zum Verbleib in der „Heimatkom- mende“ oder „Heimatballei“ war jedoch bei den im Reich verbliebenen Brüdern gegeben, sofern sie keine besonderen Aufgaben übertragen erhielten. Denn Amts- träger wurden im 13. Jahrhundert häufiger auch über Balleigrenzen hinweg versetzt, einfache Ritterbrüder oder solche in niederen Ämtern dagegen weniger. In den deutschen Balleien setzte die „Regionalisierung“ in den Kommenden ein, also auf einem noch begrenzteren Raum als in Preußen oder Livland. 10.10 Rekrutierung und Rekrutierungsmethoden Wie der Deutsche Orden seine Kandidaten aussuchte und für sich gewann, weiß man nicht genau. Die Statuten enthalten dazu wenig. Sie verlangten nach der „Re gel“ eine Probezeit eines Kandidaten, damit er das Leben im Orden kennen lernen 293 Militzer, Einbindung, S. 144 ff.
könne. Außerdem mußte er volljährig, das heißt mindestens 14 Jahre alt, sein294. Minderjährige nahm der Orden zwar als sogenannte Oblati an, weigerte sich aber, sie ohne weitere Prüfung nach dem Erreichen der Volljährigkeit aufzunehmen. Auch die Oblati hatten sich dem üblichen Aufnahmeverfahren zu unterwerfen295, per Wunsch nach Aufnahme in den Orden wird in den wenigsten Fällen von den Knaben selbst geäußert worden sein, sondern ging in der Regel auf den Wunsch der Eltern zurück. Solchen Ansinnen stand der Orden ablehnend gegenüber, konnte sich ihnen aber im Bereich der Balleien nicht immer entziehen. So weihten Walter von Nordeck von Amöneburg und seine Frau Luckard ihren Sohn Friedrich dem Deutschen Orden und übergaben ihn dem Haus in Marburg zur Erziehung. Die Kommende kam der Bitte der Erziehung des jungen Adligen nach, stellte jedoch die Bedingung, daß Friedrich nach dem Erreichen der Volljährigkeit aus freiem Ent- schluß dem Orden beitreten solle296. Es wird wohl nur wenige Oblaten gegeben ha- ben, die sich dem Willen ihrer Eltern widersetzt hätten. Der Druck von der elter- lichen Seite war groß. Aber auch der Orden hatte meist ein Interesse am Eintritt des Oblaten, weil vielfach eine ansehnliche Schenkung damit verbunden war, die im Falle der Weigerung verloren gegangen wäre. Um 1250 wurde ein Aufnahmeritual aufgezeichnet, das aber wohl schon längere Zeit gegolten hat. Danach hatte der Kandidat unter Eid zu versichern, daß er mit keiner Frau verlobt, weder Höriger noch Leibeigener, schuldenfrei sei und an kei- ner Krankheit leide. Erfüllte er die Voraussetzungen, konnte er Ritterbruder wer- den und hatte zu geloben, den Kranken zu dienen, das Heilige Land und andere Länder gegen Heiden und Ungläubige zu verteidigen. Außerdem hatte er den Statu- ten zu folgen, besonders die Gebote der Keuschheit, der Armut und des Gehor- sams zu beachten297. Die adlige Geburt als Aufnahmevoraussetzung war noch nicht ausdrücklich gefor- dert. Solche Bestimmungen tauchten erst im 14. Jahrhundert auf298, dürften aber die schriftliche Fixierung eines älteren Brauches gewesen sein299. Um 1250 jedoch hatte der Orden durch Aufstände und Kriege in Preußen, Livland und Palästina so viele Brüder verloren, daß er kaum wählerisch sein konnte. 1257 trat daher Johann von Capua an Papst Alexander IV. heran und bat um ein Privileg, daß Neuaufgenommene den Orden nicht wieder verlassen dürften. Denn der Orden brauche neue Brüder ad 294 295 296 297 298 299 Perlbach, Statuten, S. 51: Regel 29-30. Perlbach, Statuten, S.51: Regel 30; vgl. Forey, Orders, S. 136 f. Wyss I, Nr.241. Perlbach, Statuten, S. 127 f.; vgl. dazu: Forey, Orders, S. 132ff. Perlbach, Statuten, S. 136. Zur Datierung: Arnold, Elisabeth, S. 168. Militzer, Aufnahme, S. 8. Bereits im 13. Jahrhundert forderten die Johanniter adlige Herkunft als Voraussetzung für die Aufnahme als Ritterbruder; Sire, S. 12. Noch früher verlangten es die Temp- ler, die sogar ein Verschweigen nichtadliger Abstammung bei der Aufnahme bestraften; Barber, Knighthood, S. 191 f.
pugnam idoneos et ad triumphale bravium expeditos™. Die kriegerischen Fähigkeit standen damals wenigstens im Vordergrund. Kampferprobt und siegessicher sollten ' sein. Das traf besonders auf junge, gesunde Adlige zu. In diese Richtung gingen auch die Vorstellungen, die den Statuten zugrunde lagen. Gesund und jung sollte der Kan didat sein. Als dritte Eigenschaft trat seit der Mitte des 13. Jahrhunderts immer mehr die adlige Geburt in den Vordergrund. Denn der junge und gesunde Ritterbruder von Adel war nach den Vorstellungen der Zeit und der damals lebenden Standesgenossen ein Mann, der kampftüchtig, in der Führung der Waffen geübt und zur Herrschafts ausübung geboren war300 301. Solche Männer brauchte der Orden nicht nur nach den be- sonders hohen Verlusten in Preußen, Livland und Palästina, sondern zu jeder Zeit Anfänglich hatte der Hochmeister neue Ritterbrüder vor den im Kapitel versam- melten Kapitularen in einem feierlichen Akt eingekleidet. Jedoch ging bereits das Aufnahmeritual aus der Zeit um 1250 erstmals davon aus, daß der Hochmeister Amtsträger des Ordens oder selbst einfache Ritterbrüder beauftragen könne, Män- ner in den Orden aufzunehmen. In einem solchen Fall hatte der Kandidat einen be- sonderen Gehorsamseid auf den Hochmeister zu leisten302. Ein derartiges Vorgehen wird schon zu Zeiten des Hochmeisters Hermann von Salza (1209-1239) vorge- kommen, wenn nicht gar die Regel gewesen sein, da es schwer vorstellbar ist, daß der vielbeschäftigte Mann sich auch noch in jedem Einzelfall um die Einkleidung gekümmert haben soll. Die wenigen erhaltenen Nachrichten sprechen jedenfalls da- gegen. Die Aufnahme der Grafen von Reichenbach 1219-1220 geschah nicht vor dem Kapitel. Die Beteiligung des Hochmeisters ist auch nicht erwähnt303. Das Glei- che gilt für die Aufnahme eines Grafen von Nassau, des Landgrafen Konrad von Thüringen mit seinem Gefolge, Franks von Kronberg, des Grafen von Rietberg, von Bürgern von Trier und Aachen und anderen304. Wie vor allem die reichhaltige Marburger Überlieferung nahelegt, wurden Kandi- daten vielfach in der Kommende aufgenommen, die den Sitzen ihrer Familien am nächsten lag. Man wird daher davon ausgehen können, daß die Landkomture, viel- leicht auch schon die Komture, möglicherweise nach Rücksprache mit dem Hoch- meister oder dem Deutschmeister das Recht hatten, Männer in den Orden aufzu- nehmen. Konrad Landgraf von Thüringen wurde jedenfalls am 18. November 1234 mit zwei Klerikern und neun Adligen in Marburg eingekleidet305. Wer die Aufnah- 300 Strehlke, Tabulae, Nr. 560. 301 Vgl. Militzer, Aufnahme, S. 13. 302 Perlbach, Statuten, S. 127. 303 Wyss I, Nr. 7, 9. 304 Wyss I, Nr. 19, 44, 118; vgl. ferner: ebd., Nr. 103, 129, 254, 279, 333, 448, 465, 510, 534, 600; U Ballei Thüringen, Nr.26, 106, 430; Hennes II, Nr. 139, 172, 272, 278. D i Chronica 305 Monumenta Erphesfurtensia, in: MGH SS in usum scholarum, S. 88; Peter von Dusburg, IV,33. Vgl. Boockmann, Anfänge, S.32f.; Braasch-Schwersmann, Marburg, S.9; Cae merer, S.390f.
vorgenommen hat, ist nicht bekannt. Ein Marburger Komtur ist erst 1236 be- zeugt306- Ein solcher Amtsträger kann es also nicht gewesen sein. Vielleicht ist an einen hochmeisterlichen Gesandten zu denken. War ein Kandidat aufgenommen und eingekleidet worden, gönnte er von dem Ordenshaus, in dem die Zeremonie stattgefunden hatte, nach Palästina, Preußen oder Livland geschickt werden307. Das war die eine Möglichkeit der Aufnahme, daß sich nämlich Kandidaten selbst um die Einkleidung bewarben. Sie scheint sehr häu- fig vorgekommen zu sein. Aber es konnte auch sein, daß der Hochmeister Bevoll- mächtigte aussandte, um Brüder anzuwerben. Das legt jedenfalls das Aufnahmeritual aus der Mitte des 13. Jahrhunderts nahe. Nach dem Vorbild der Hochmeister haben wahrscheinlich die Landmeister von Preußen und Livland Gesandte in das Reich geschickt, um geeignete Kandidaten anzuwerben. Es mag auch vorgekommen sein, daß ein Bevollmächtigter einen Kan- didaten angeworben hatte, die Einkleidung mit dem feierlichen Gelöbnis aber erst in Preußen stattfand. Peter von Dusburg erzählt jedenfalls die Geschichte eines Bruders Hermann, der bereits dem Orden beigetreten sei, aber auf dem Weg zur Einkleidung in Preußen noch an einem Turnier teilgenommen habe308. Der Deutsche Orden hatte bereits 1221 von Papst Honorius III. das Recht erhal- ten, Kreuzfahrer aufzunehmen und einzukleiden309. Von dieser Möglichkeit hat der Orden nicht nur in Palästina Gebrauch gemacht, sondern auch in Preußen und Liv- land. 1272 beispielsweise ließ Markgraf Dietrich von Meißen 24 adlige und waffen- kundige Dienstmannen aus seinem Gefolge einkleiden und stattete sie großzügig aus310. Aber auch einzelne Kreuzfahrer oder Dienstmannen eines das Kreuzfahrtge- lübde erfüllenden Landesherren ließen sich in Preußen in den Orden aufnehmen311. Es waren nicht immer die lautersten Charaktere, die der Orden gewann und die er an der Front im Baltikum oder im Orient einsetzte. Peter von Dusburg berichtet von einem Thüringer namens Heinrich von Cunce, der als Straßenräuber und Übel- täter Angst und Schrecken verbreitet hätte, bis er sich bekehrt habe und dem Orden in Preußen beigetreten sei312. Der Sachse Johann von Ilberstedt habe ein junges Mädchen vergewaltigt und sei aus Reue in den Orden eingetreten313. Peter von Dus- burg hat nicht nur fabuliert, sondern mündliche Überlieferungen wiedergegeben, die durchaus Zutreffendes enthalten konnten. 306 307 308 309 310 311 312 313 Braasch-Schwersmann, Marburg, S.211. Ein Beispiel liefert Peter von Dusburg, Chronica 111,45. Peter von Dusburg, Chronica 111,80. Für analoge Beispiele aus dem livländischen Ordenszweig: Neitmann, Grafschaft, S.46ff. Strehlke, Tabulae, Nr. 320. Peter von Dusburg, Chronica 111,133: ... viros nobiles et in armis strenuos de familia sua ... Peter von Dusburg, Chronica 111,245, 284, 350. Peter von Dusburg, Chronica 111,284. Peter von Dusburg, Chronica 111,350.
Der Deutsche Orden hat tatsächlich Gewalttäter aufgenommen. So wurde 1225 ein Adliger der Hildesheimer Diözese zum Eintritt gezwungen, weil er Kir chen- und Straßenraub, sogar Blutschande mit der eigenen Schwester begangen ha be314. Papst Gregor IX. beauftragte 1234 den Kölner Erzbischof Heinrich I von Müllenark damit, einige Brüder, die sich in seiner Diözese aufhielten und vor ihrem Eintritt wegen Gewalttaten, Raub und Brand exkommuniziert worden seien, loszu sprechen und bei besonders schweren Vergehen zur Absolution nach Rom zu schik- ken315. Falls Bruno von Berlingerode 1266 der Todesstrafe entgehen wollte, die an seinem Vater schon vollstreckt worden war, mußte er sich im Deutschen Orden ein- kleiden lassen316. Solche Brüder wurden kaum in der Heimat gelassen, sondern als- bald nach Preußen, Livland oder Palästina geschickt, wo sie im Einsatz für den Glauben ihre Sünden abbüßen konnten. Die Berechtigung der Aufnahme solcher Kandidaten hatte sich der Orden schon von Papst Honorius III. (1216-1227) ver- briefen lassen, der ihm gewährt hatte, daß Brüder für kleinere Vergehen vor ihrer Einkleidung im Orden Absolution erhalten könnten317. 1255 gab Papst Alexander IV. den Deutschordenszweigen in Preußen und Livland das Recht, Brüder, die vor ih- rem Ordenseintritt von Raub und Brand gelebt hätten, die Absolution zu erteilen318 319. Der Deutsche Orden ist allerdings kein Auffangbecken gescheiterter oder krimi- neller Elemente gewesen, deren man sich entledigte, indem man sie vorwiegend nach Preußen oder Livland abgeschoben hätte. Die Mehrzahl der Ritter- und Prie- sterbrüder sowie Graumäntler unterschied sich kaum vom Durchschnitt der Stan- desgenossen, außer daß sie in den Augen ihrer Mitmenschen frommer waren, durchdrungen von ihrer Sendung und überzeugt von ihrem Dienst für die gute Sa- che, nämlich der Ausbreitung und Sicherung des wahren Glaubens. Wenn der Deutsche Orden von seinen Kandidaten im allgemeinen forderte, daß sie jung, gesund und möglichst von Adel zu sein hatten, so mag ein Grund darin gelegen haben, daß er von solchen Männern die Beherrschung des Kriegshandwerks und Übung in den Waffen erwarten konnte. Die Mitgliedschaft in einem Ritteror- den bot Adelssöhnen die Möglichkeit, ihr Rittertum mit dem Dienst für Gott zu verbinden und im Kampf für die Christenheit gegen die Heiden und die Ungläubi- gen zu bewähren, um dann des himmlischen Lohns sicher sein zu können . Wenn ein bayerischer Franziskanerpater in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts klagte, wenn ein Edelmann ein Kind habe, das schiele, hinke, an einem Kropf, an lahmen Gliedern leide oder ein Krüppel sei, so lasse er es einen Mönch oder einen Priester 314 UB H Hildesheim II, Nr. 137. 315 Wyss I, Nr. 39; REK III,1, Nr. 807. 316 UB Duderstadt, Nr.2. Vgl. Rüdebusch, Anteil, S.69, 219f.; Militzer, Aufnahme, S. 10, 16« 317 Strehlke, Tabulae, Nr.400. 318 Strehlke, Tabulae, Nr. 532; vgl. Prutz, Ritterorden, S. 128f. 319 Peter von Dusburg, Chronica 111,64. Ferner: Fleckenstein, Rechtfertigung, S. 97f.; Sc u eher, Idee, S. 364 ff.; Borst, Rittertum, S. 222 ff.; Ke en, S. 71 ff.
jen dann sollte ein solches Kind jedenfalls nicht im Deutschen Orden Aufnah- me r. i’ 320 fxie finden per Orden brauchte aber nicht nur junge, kampferprobte und -bereite Männer, sondern auch erfahrene Persönlichkeiten, die Herrschaft ausüben, Menschen führen und Ämter verwalten konnten. Solche Brüder benötigte der Orden auch in Preu- ßen, Livland und Palästina. In den Balleien waren Straßenräuber und Missetäter, die in Preußen und Livland einzusetzen waren, fehl am Platz. In die Kommenden im Reich konnten durchaus ältere Männer aufgenommen werden, deren Erfahrungen jn Rechtsprechung und Verwaltung und deren politische Verbindungen sich der Or- den zunutze machen konnte. Obwohl der Deutsche Orden, wie schon sein Name andeutet, vorzüglich den deutschen Adligen vorbehalten war und blieb, mußte er vor allem in den nicht von Deutschen besiedelten und beherrschten Gebieten zulassen, daß auch Nichtdeut- sche eingekleidet wurden. In Palästina gab er dem Drängen des morgenländischen fränkischen Adels nach und nahm einige Angehörige auf, wie vielleicht Jakob von Amigdala und sehr wahrscheinlich dessen Enkel Guido und Peter* 321. In Preußen ließ er den Eintritt einheimischer Prußen zu, wenn auch in geringer Zahl, und wohl auch nur Söhne solcher Prußen, die dem Orden treu gedient hatten und deren Familien er fester an sich binden wollte322. In Livland ist ein Live als Ritterbruder bezeugt323. Es mögen mehr Nichtdeutsche als einfache Brüder im Orden gedient haben, die freilich heute wegen der mangelhaften Überlieferung nicht mehr zu er- mitteln sind324. Schließlich wäre es politisch unklug gewesen, wenn der Orden wenigstens an- fangs Polen, deren Herzog Konrad von Masowien ihn geholt hatte, von der Auf- nahme ausgeschlossen hätte. Peter von Dusburg berichtet von einem adligen Mann (nobilis vir) aus Krakau, der dem bedrängten Orden um 1245 mit Lebensmitteln zu Hilfe gekommen und vom Orden aufgenommen worden sei325. Bei dem Krakauer könnte es sich um einen polnischen Adligen gehandelt haben, dessen Name aller- dings nicht überliefert ist. Einige weitere Polen im Orden hat E. Maschke ermit- telt326. Ratibor aus dem Hause der pommerellischen Samboriden trat beispielsweise vor 1269 in den Orden ein327. 320 321 322 323 324 325 326 327 Schreiner, Mönchsein, S. 597f.; vgl. Militzer, Aufnahme, S. 11. Favreau, Kreuzfahrerherrschaft, S. 17, 26, 28. Wenskus, Ordensland, S.366ff. Fenske/Militzer, S. 744 Nr. 999: Ykemele. Militzer in: Fenske/Militzer, S.34; Benninghoven, Schwertbrüder, S.466 Nr. 176. Peter von Dusburg, Chronica 111,52. Der Begriff nobilis wird von Peter von Dusburg nicht nur für Edelfreie oder auch nur für Adlige gebraucht. Er ist in seiner Chronik mehrdeutig. Maschke, Wandlungen, S.40. Maschke, Wandlungen, S.40; vgl. Peter von Dusburg, Chronica 111,213, der Ratibor, den Bruder Swantopolks, mit Wratislaw, den Sohn Swantopolks, verwechselt.
Im Ostseeraum schlossen sich Dänen dem Orden an, unter anderen 1347 Ott der Sohn König Christophs II. von Dänemark328. Nachdem der Orden Ärsta b°' Stockholm erhalten hatte, konnte er auch Schweden die Aufnahme nicht mehr weigern. Zumindest sind einzelne schwedische Adlige im 13. Jahrhundert im OrJ nachweisbar329. den In der Ballei Böhmen-Mähren war der Orden auf Schenkungen des bodenständi gen, freilich vielfach schon deutschsprachigen Adels und Bürgertums angewiesen Er konnte daher nicht alle Wünsche auf einen Ordenseintritt ablehnen. So sind nicht nur im 13. Jahrhundert mehrfach Tschechen in der Ballei als Ritterbrüder > belegen330. In der Ordensprovinz Frankreich sind gelegentlich Franzosen als Mitglieder des Deutschen Ordens zu ermitteln331. In der Ballei Spanien finden sich einzelne spani- sche Ordensbrüder332. Die Brüder des Jakobsspitals in Andravida auf dem Pelepon- nes, das dem Deutschen Orden 1237 übertragen wurde, waren französischsprachig. Sie dürften nach der Inkorporation Deutschordensbrüder geworden sein333. Italiener konnte der Deutsche Orden insbesondere im 13. Jahrhundert schlecht abweisen, da er nicht zuletzt von ihnen reiche Schenkungen erhalten hatte und mit ihnen als Nachbarn in Sizilien, Süd- und Norditalien leben mußte. Der wichtigste italienischsprachige Ordensbruder war zweifellos Johann von Capua, der erste Ge- neralprokurator des Ordens und gleichzeitige Familiäre und Beamte des Papstes334. Daneben dienten weitere Italiener in Konventen des Deutschen Ordens auf der Halbinsel und auf Sizilien335. Die Ausnahmeerscheinung eines Johann von Capua kann nicht darüber hinweg- täuschen, daß die nichtdeutschen Brüder im 13., spätestens im 14. Jahrhundert aus fast allen wichtigen Funktionen verdrängt oder mit solchen Ämtern nicht mehr be- traut wurden. Sie blieben im allgemeinen einfache Ritter- oder Priesterbrüder oder waren ohnehin nur Graumäntler. Die entscheidenden Positionen gelangten schon im Laufe des 13. Jahrhunderts auch in den außerdeutschen Provinzen in die Hände von deutschsprachigen Ritter- oder Priesterbrüdern und blieben auch in deren Händen. 328 Fenske/Militzer, S.493 Nr.646. 329 Eimer, S.63, 106. 330 Codex Bohemiae III, Nr. 33; IV, Nr. 223; Regesta Bohemiae et Moraviae I, Nr. 557, 801, 813, Nr. 1229; Hemmerle, S. 24f. 331 Lalore, Nr.43. 332 Forstreuter, Mittelmeer, S. 91 Anm. 8, S. 98. 333 Maschke, Wandlungen, S. 40. 334 Forstreuter in: Berichte Generalprokuratoren I, S. 52ff. 335 Forstreuter, Mittelmeer, S. 136, 147 Anm.22, S.216; Berichte Generalprokuratoren I, Nr. Regesto Leonardo, Nr.214, 217f., 220ff.; Pergamene Barletta, Nr. 66ff.
Kein Paragraph in den Statuten des Deutschen Ordens hat auf die Aufnahmebe- chränkung zugunsten deutschsprachiger Männer hingewiesen. Dennoch wurde der Orden von deutschsprachigen Adligen beherrscht. Nichtdeutsche fanden zwar Auf- nahme im Orden und konnten anfangs besonders in den auße^deutschen Balleien am Mittelmeer in Führungspositionen gelangen, wurden aber seit dem Ende des 13 Jahrhunderts zurückgedrängt und nicht mehr in höhere Ämter befördert. Sie blieben meist einfache Brüder, während im Gegensatz zu ihnen deutschsprachige Brüder auch in den außerdeutschen Balleien vermehrt zu Komturen und Landkom- turen aufstiegen, also die Führungspositionen besetzten. 10.11 Die Priesterbrüder im Deutschen Orden Während über die Herkunft der Ritterbrüder des 13. Jahrhunderts noch einigerma- ßen verläßliche Aussagen zu machen sind, gilt das für die Priesterbrüder in sehr be- schränktem Maße. Meist sind die Ordenspriester in den Urkunden und erzählen- den Quellen nur mit Vornamen genannt, mit denen allein wenig anzufangen ist. Hin und wieder wird ein Bruder als Pfarrer einer bestimmten Kirche oder als Prie- ster eines Konvents bezeichnet, aber auch solche Hinweise helfen meist nicht weiter. Nützlich sind lediglich echte Herkunfts- oder Geschlechter- und Familiennnamen, die jedoch den Priesterbrüdern seltener als den Ritterbrüdern beigelegt wurden. In der wissenschaftlichen Literatur hat sich die Vorstellung, daß die Priesterbrü- der aus anderen sozialen Schichten als die Ritterbrüder kamen, weitgehend durch- gesetzt. Vor allem Forscher, die sich mit dem preußischen Ordenszweig beschäftigt haben, betonen immer wieder, daß die Ordenspriester vor allem dem Bürgertum oder auch dem Bauernstand entstammten336. Während die Ritterbrüder aus dem Deutschen Reich nach Preußen und Livland gezogen seien, seien die Priesterbrüder aus der ortsansässigen Bevölkerung meistens der preußischen Städte rekrutiert wor- den337. Analoges wird für Livland angenommen338. Man hat immer wieder auf die Bestimmung der Statuten hingewiesen, daß im Gegensatz zu den Ritterbrüdern für die Priesterbrüder keine ständische Aufnahmebeschränkung bestanden habe, und daraus gefolgert, daß die Ordenspriester in der Regel aus anderen Ständen und Re- gionen als die Ritterbrüder gekommen seien. Für eine derartige These sind auch Be- lege beigebracht worden, die jedoch meist aus dem 14. und 15. Jahrhundert und nicht aus der frühen Zeit der Ausdehnung des Ordens stammen. Es gilt daher zu 336 Vgl. aber auch beispielsweise Heim, S.50 f., für die Kommende Beuggen und die Ballei Elsaß-Bur- gund. ^37 Gorski, Domkapitel, S.335; Nowak, Rolle, S. 33; Jähnig, Verwaltung, S. 89. 3$ Vgl. Militzer, Recruitment, S.270.
prüfen, ob solche Vorstellungen, wie sie vor allem anhand von Quellen einer ren Zeit erarbeitet worden sind, auf das 13. Jahrhundert zutreffen. späte- Eine Prüfung ist leicht zu fordern, aber schwer durchzuführen, weil die Quelle läge teilweise desolat ist. Denn das Heilige Land und die Mittelmeerballeien fall als Untersuchungsgebiet aus, da zu wenig Namen von Priesterbrüdern überliefert sind. Anders stellt sich die Lage in den Balleien dar. Für die Konvente, die schließ lieh zur Ballei Thüringen zählten, hat Wojtecki Material zusammengestellt339 Abgesehen von Priesterbrüdern, die nur mit Vornamen überliefert sind, hat er 28 mit Herkunfts- oder Familiennamen aufgelistet. Davon kann er die Hälfte, nämlich 14 Brüder, bestimmten Familien zuweisen. Alle diese Priesterbrüder kamen aus der Region der Ballei. Das dürfte, den Namen nach zu urteilen, auch für die meisten der restlichen 14 Ordenspriester, die keinem Geschlecht zuzuordnen sind, gelten Erstaunlich ist nun, daß von den 14 identifizierten Priesterbrüdern lediglich drei einer bürgerlichen Familie, dagegen sechs Ministerialen-, zwei Reichsministerialen- geschlechtern, einer einem edelfreien und zwei einem Grafengeschlecht zugewiesen werden können. Es ist zu bedenken, daß es leichter sein dürfte, einen Bruder, der einem Adels- oder Patriziergeschlecht entstammte, als einen solchen aus einfachen Kaufmanns- oder Handwerkerkreisen oder sozial noch tiefer stehenden Gruppen ausfindig zu machen. Zudem liegt der Prozentsatz der identifizierten Priesterbrüder wohl noch unter dem der Ritterbrüder. Aus allen diesen Gründen sind die Zahlen gewiß nicht überzubewerten. Bevor wir zu weitergehenden Überlegungen schreiten, soll zusätzliches Namen- material herangezogen werden. Wojtecki selbst hat für das 13.Jahrhundert auch die Brüder des Mergentheimer Konvents untersucht und fünf Priesterbrüder mit Nachnamen gefunden, von denen er zwei keiner bestimmten Familien zuweisen konnte. Die restlichen drei Brüder waren Ulrich von Dürn aus einem Edelherren- geschlecht und Heinrich von Stübig und Siegfried von Weikersheim aus Ministe- rialenfamilien340. Im Konvent von Beuggen in der Ballei Elsaß-Burgund fand Heim Albrecht von Schlans aus einer Ministerialenfamilie der Bischöfe von Chur und Ulrich Rintkauf aus einem ritterlichen Freiburger Patriziergeschlecht341. In der Ballei Franken amtierte 1280-1294 ein Konrad von Heidingsfeld aus einem Ministe- rialengeschlecht als Pfarrkomtur im fränkischen Münnerstadt und Heinrich Schenk von Töging 1290-1291 als Pfarrkomtur in Rothenburg, bevor er 1292-1301 Bischo von Kulm wurde342. Die Brüder der Ballei Biesen hat Van der Eycken zusammengestellt. Für die meisten Priesterbrüder des 13. Jahrhunderts, auch die mit Herkunfts- oder Famihen 339 Wojtecki, Studien, S. 66-77, 103-119. 340 Wojtecki, Deutsche Orden im württembergischen Franken, S. 74f., 105f. 341 Heim, S. 51. 342 Weiss, Franken, S.451, 478.
namen, hat er keine soziale oder regionale Zuordnung angegeben. Immerhin kann er die Herkunft Wilhelms von Brustem (1280), Friedrichs von Lemborg (1261-1262) und Wilhelms von Warrut (1280) aus adligen Geschlechtern wahrscheinlich ma- chen343. Ein 1270 genannter Gottfried von Schiderich dürfte de$ bekannten Kölner Patrizierfamilie entstammen344. Den Namen der nicht identifizierten Priesterbrü- dern nach zu urteilen, kamen die meisten von ihnen aus dem Umkreis der späteren Ballei Biesen. Die wenigen ergiebigen Untersuchungen zur Herkunft der Priesterbrüder und die auch nicht zahlreichen Stichproben scheinen zu bestätigen, daß die Priesterbrü- der in den Konventen der deutschen Balleien vorwiegend aus der Region kamen, in der die Kommenden der jeweiligen Ordensprovinz lagen. Der Einsatz von Priester- brüdern scheint in den Balleien also regional begrenzter als der der Ritterbrüder ge- wesen zu sein. Priesterbrüder fanden allem Anschein nach vor allem dort Verwen- dung, wo sie rekrutiert worden waren, wenngleich Ausnahmen wie bei Ulrich von Dürn zuzugestehen sind. Der Anteil des hohen und niederen Adels war im 13. Jahr- hundert zumindest erheblich, so daß der sozialen Herkunft nach der Unterschied zu den Ritterbrüdern noch nicht so sehr ins Gewicht gefallen sein wird, wie er in den folgenden Jahrhunderten gewesen sein mag. Die Analyse der Herkunft von Priesterbrüdern in preußischen Konventen des 13. Jahrhunderts stößt auf fast unüberwindliche Hindernisse, weil die Brüder nahe- zu ausschließlich mit Vornamen überliefert sind. Aber man kann auch ohne eine eingehende Untersuchung unterstellen, daß sie anfangs nicht aus Preußen selbst ge- kommen sein konnten. Denn die Prußen mußten erst dem Christentum gewonnen werden, und christliche Zuwanderer in Dörfern und Städten waren noch nicht so zahlreich, daß sie viele Brüder hätten stellen können. Der Orden war daher zu- nächst auf seine Priester in den Balleien, dem Hauptrekrutierungsgebiet überhaupt, angewiesen und hatte anfangs jedenfalls Priesterbrüder aus den Balleien nach Preu- ßen zu senden. Erst am Ende des 13. Jahrhunderts mag allmählich ein Wandel einge- treten sein. Es ist daher zu erwarten, daß sich auch die soziale Zusammensetzung der Gruppe der Priesterbrüder in Preußen im 13. Jahrhundert noch nicht sehr von der in den Balleien unterschieden hat. In der Tat hat Wojtecki einzelne Adlige unter den in preußischen Konventen lebenden Priesterbrüdern nachweisen können. Der 1293 bezeugt Johann von Tonna kam aus einer thüringischen Ministerialenfamilie, ebenso Heidenreich Stange, der 1294-1303 Angehöriger des samländischen Domkapitels war345. Vom Priesterbruder Gottfried von Mulhusen aus dem Jahre 1254 darf man eine Herkunft aus Thüringen, Vielleicht sogar aus der Stadt Mühlhausen, wo der Orden immerhin zwei Priester- $43 Van der Eycken, Ridders, S.38, 88, 156. 44 Van der Eycken, Ridders, S. 121; Ders., Aanvullingen, S.269. 345 Wojtecki, Studien, S. 146ff., 217ff.
kommenden unterhielt, vermuten346. Der 1283 genannte Notar des Landkom von Kulm Petrus, magister de Maguntia, wird aus Mainz nach Preußen gekom sein347. Für Gottfried und Peter ist allerdings die soziale Herkunft nicht zu errnü teln. 1246 ist der bekannte Ulrich von Dürn in Preußen gewesen, hat sich abe kaum längere Zeit dort aufgehalten348. Das gilt auch von den Bischöfen Christian von Mühlhausen und Friedrich von Husen, die ihre Diözesen Samland bzw Kul merland nur selten aufgesucht haben349. Beide stammten aus dem Reich. Heinrich Schenk von Töging war 1292-1301 Bischof von Kulm und kam aus einer fränki sehen Ministerialenfamilie350. Alle drei Bischöfe waren auch Priesterbrüder des Deutschen Ordens. Noch schlechter als für Preußen ist die Ausgangslage für Livland. Die dort tätigen Priesterbrüder sind entweder gar nicht erwähnt oder nur mit Vornamen genannt worden351. Die 1282 bzw. 1301 belegten „Priesterbrüder“ Konrad von Salzwedel und Johann von Säbele kamen wohl aus dem Reich. Jedoch ist ungewiß, ob sie tat- sächlich Priester gewesen sind352. Hingewiesen sei wenigstens noch auf zwei Bi- schöfe, die dem Orden angehörten und - wenn auch nur für eine kurze Zeit - in Livland tätig waren, nämlich der Bischof von Litauen Christian von Kirchberg aus einem thüringischen Grafengeschlecht353 und Edmund von Werth, Bischof von Kurland, aus einer rheinischen Adelsfamilie354. Im 13. Jahrhundert stammten zumindest in den Balleien die meisten Priesterbrü- der aus der Region, in der sie tätig waren. Sie wurden in geringerem Ausmaß als die Ritterbrüder versetzt. Damals kamen viele Ordenspriester aus Adelsfamilien, sogar aus solchen des Hochadels. Ein Übergewicht von Söhnen aus dem Bürgertum oder gar niederen Ständen ist nicht feststellbar. In Preußen und Livland war die Lage in- sofern anders, als der Orden keine Priester aus der Region selbst anwerben konnte, da die unterworfenen Völker noch nicht oder nur oberflächlich christianisiert und die Zuwanderer nicht zahlreich genug waren, als daß sie viele Priester hätten stellen können. Der Orden war also gezwungen, Priesterbrüder aus dem Reich in das Bal- tikum zu holen. Die soziale Herkunft dieser Brüder wird sich kaum von der in den Balleien unterschieden haben. Jedoch sind alle Aussagen hinsichtlich der Priester- brüder mit Fragezeichen zu versehen, da die Zahl der identifizierten Brüder, die in den Balleien lebten, sehr klein und die der Brüder im Baltikum noch geringer ist. 346 Preuß. UB 1,1, Nr. 303; UB Bisthums Culm I, Nr. 36. 347 Pomerell. UB, Nr. 366. 348 UB Bisthums Culm I, Nr. 13; Cod. Warm. I, Nr. 12. 349 Wojtecki, Studien, S. 188 f. 350 Weiss, Franken, S.478; Arnold, Deutschmeister, S.28. 351 Arbusow, Geschlechter, S. 105ff. 352 Arbusow, Geschlechter, S. 88 Nr. 575, 577. 353 Wojtecki, Studien, S. 148 ff. 354 Arnold, Edmund von Werth, S. 190ff.
11. DER DEUTSCHE ORDEN IN DER PHASE DES AUFBAUS UND DER KONSOLIDIERUNG - ERGEBNISSE Die Zeit von der Stiftung des Spitals und des Ordens 1190/98 bis zur Verlegung des Haupthauses zur Marienburg an der Nogat in Preußen 1309 war geprägt vom Auf- bau und von der Konsolidierung des Erreichten. Anfangs war es noch keineswegs absehbar, daß der neue Orden einmal ein ernst zu nehmender Konkurrent der bei- den älteren Ritterorden, der Templer und Johanniter, werden sollte. Der Beginn war eher bescheiden und blieb selbst in der Erinnerung des Ordens so haften. Auf die Anfänge von einem kleinen Spital aus haben die Statutenhandschriften wie die Or- denschronisten immer wieder hingewiesen und diese Tatsache hervorgehoben, um anschließend um so stärker das Wachstum und die darauf folgende Größe des Or- dens hervorzuheben. Darin sahen die Brüder ein sichtbares Zeichen der Hilfe Got- tes, der Gottesmutter Maria und der übrigen Ordenspatrone zugunsten ihrer Kor- poration. Der moderne Historiker vermag diesen Glauben nicht mehr teilen. Er sieht andere, profane Kräfte am Werk. In erster Linie ist auf das staufische Herr- scherhaus zu verweisen, das den neuen Orden unterstützte und in seine politischen Planungen vor allem im Orient einzubauen gedachte. Ohne die politischen Inten- tionen der Kaiser Heinrich VI. und Friedrich II. hätte der Orden nicht so schnell den Gipfel erreicht, den er bereits unter seinem ersten bedeutenden Hochmeister Hermann von Salza erklommen hatte. Alle wichtigen Weichenstellungen hat Her- mann von Salza vorbereitet und ausführen lassen. Das bedeutendste Einsatzgebiet des Deutschen Ordens war unter Hermann von Salza noch eindeutig das Heilige Land. Die Rückeroberung Jerusalems mit Hilfe von Kreuzzugsteilnehmern stand im Mittelpunkt der Überlegungen und wohl auch lrn Zentrum der Vorstellungswelt der Mitbrüder. Im Heiligen Land versuchte Her- rnann von Salza ein ordenseigenes Territorium aufzubauen. Er ließ sich Land an der Grenze zu den Muslimen übertragen. Von einer gesicherten Basis aus versuchte er ann, von Feinden besetzte Gebiete zu erobern und sie ohne Bindungen an ältere errschaftsverhältnisse dem Orden zu unterwerfen und durch Brüder verwalten zu assen. In analoger Weise ging er in Armenien, in Siebenbürgen und vielleicht in Pinien vor. In allen diesen Fällen scheiterte die Herrschaftsbildung. Sie gelang je-
doch in Preußen und in begrenztem Maß in Livland, auch wenn dort die Versuch sich größere Teile russischen Gebiets einzuverleiben, nach der Schlacht auf dem P pussee 1242 aufgegeben wurden1. 1“ An allen Fronten deckten sich Einsatzgebiete und Herkunftsregionen der Brüd nicht. Ritter- und Priesterbrüder, Graumäntler und Halbbrüder kamen aus MitteT europa, zum größten Teil aus dem deutschsprachigen Raum. Sie waren und bliebe Fremde in einer für sie ungewohnten Umgebung. Sie brachten eigene Vorstellungen von Verwaltung, Herrschaftsausübung, die sie in ihrer Heimat vorgefunden, und ein eigenes Selbstbewußtsein und Selbstverständnis, die ihre Kindheit und Jugend geprägt hatten, mit. Sie trafen auf Gemeinschaften mit fremden Sprachen, Gewöhn heiten und Rechtssystemen und vor allem auf Gemeinschaften anderen Glaubens Jedoch selbst wenn die Glaubensunterschiede entfielen, blieb eine Annäherung an die Einheimischen schwierig. Denn die Ordensbrüder konnten beispielsweise we- gen der Pflicht zum Zölibat keine Frauen aus dem bodenständigen Adel heiraten. In der Kluft zur einheimischen Führungsschicht wird einer der Gründe dafür zu su- chen sein, daß auch in der Anfangszeit nur wenige Angehörige der einheimischen Bevölkerung in den Orden aufgenommen worden sind. Das gilt für Preußen2, mehr noch für Livland3. Die Vorbehalte gegenüber den Fremden, den Beherrschten, blie- ben bestehen, obwohl in der Anfangsphase jeder Ritterbruder gebraucht werden konnte, da der Orden damals noch nicht über genügend einsatzfähige, kundige und erfahrene Brüder verfügte. Vorbehalte gab es aber offenbar nicht nur auf Seiten der aus dem Reich kommenden Brüder, sondern auch beim einheimischen Adel. Mögen solche Vorbehalte gegenüber dem Orden zunächst auch geringer gewesen sein, so wuchsen sie doch im Laufe der Zeit an4. Die Beschränkung eines Ritterordens auf eine Sprachnation, eben die Deutschen, war in Palästina bis zum Ende des 12. Jahrhunderts ungewöhnlich und ist als ein Zeichen für die nachlassende Integrationskraft des Königreichs Jerusalem zu deu- ten5. Andererseits war sie aber auch eine Hilfe für die deutschsprachigen Pilger und Kreuzfahrer, die des Französischen, der lingua franca im Königreich, nicht mächtig waren. Infolge seiner engen Bindung an das staufische Herrscherhaus und seine mangelnde Bereitschaft zur Integration blieb der Deutsche Orden ein Fremdkörper in der Gesellschaft von Outremer, in der sich ein ihr eigentümliches Eigenbewußt- sein ausgebildet hatte. Allerdings standen die Deutschen damals nicht allein. Engli sehe Kreuzfahrer und solche anderer „Nationen“ sonderten sich ab und bildeten eigene Gruppen. 1 So auch zuletzt Arnold, Europa, S. 162f. 2 Wenskus, Ordensland, S.366ff. 3 Militzer in: Fenske/Militzer, S.34. 4 So Boockmann, Herkunft, S. 17 5 So Richard, Royaume, S.229; Favreau, Studien, S. 71 f.
Trotz der in der Heimat erworbenen Erfahrungen und Vorstellungen hat der i-crhe Orden nicht ohne weiteres die Methoden einer Adelsherrschaft im Reich uf seine Einsatzgebiete außerhalb des Reichs übertragen. Das sonst nicht zu beob- achtende besondere Vorgehen des Ordens, von einem Grenzgebiet aus durch Er- oberung heidnischer oder muslimischer Länder eine unabhängige Ordensherrschaft ufzubauen, ist nicht ohne weiteres auf Vorbilder aus dem Reich zurückzuführen. Oder sollten sich noch Traditionen der Ostsiedlung, der Herrschaftsbildungen jen- seits der Elbe auswirken? Eher dürfte die Politik des Ordens auf Entwürfe des Hochmeisters Hermann von Salza und seiner Berater zurückgehen. Sie führte erst spät in Preußen zu dem gewünschten Erfolg. Jedoch war die Vorstellung, daß ein Adliger Herrschaft eher als andere ausüben könne und zur Herrschaft gleichsam geboren sei, im Reich weit verbreitet. Insofern kam der Drang zur Ausbildung or- denseigener Territorien dem Selbstverständnis der meisten Ritterbrüder, der tonan- gebenden Gruppe im Orden, entgegen6. Der Aufbau der Ordensverwaltung lehnte sich zunächst stark an das Vorbild der Johanniter an und übernahm überraschend wenig typische Elemente von den Templern. Der Deutsche Orden ging allerdings bald eigene Wege und gestaltete sei- ne Verwaltung zwar in Anlehnung an die der beiden älteren Ritterorden aus, aber nach eigenen Bedürfnissen um. Er hielt sich nicht sklavisch an die ihm gegebenen Vorbilder, sondern schuf seine Ämter besonders zur Verwaltung der Güter in der Etappe in Europa nach den Erfordernissen, die auf ihn zukamen, und ging nicht von einem bereits vorgefertigten Schema aus. Er probierte aus, verwarf und gestal- tete um, so daß im Laufe der Zeit Änderungen im Verwaltungsaufbau zu beobach- ten waren. Auch das war ein Charakteristikum der Aufbauzeit. Erst im Lauf der Konsolidierung verfestigten sich die Strukturen, so daß Veränderungen erschwert und kaum noch vorgenommen wurden, weil sie schließlich auf erhebliche Wider- stände stießen und ohne großen Aufwand nicht mehr möglich waren. Die Verwaltung, die in den deutschen Balleien errichtet wurde, war nicht ohne weiteres auf Preußen und Livland zu übertragen. In Preußen hatte der Orden noch versucht, dem Landmeister Landkomture zu unterstellen und das gesamte Gebiet in Balleien einzuteilen, hat aber bald nach dem ersten preußischen Aufstand (1243- 1249) davon Abstand genommen. Außer dem Kulmerland ist keine eigene Ballei mit einem Landkomtur mehr errichtet worden. In Livland hatte der Orden 1237 auf Verwaltungsstrukturen, die der Schwertbrüderorden geschaffen hatte, Rücksicht zu nehmen. Außer geringfügigen Korrekturen blieb ihm kaum eine Eingriffsmöglich- en in das vorhandene System der auf Burgen gestützten Komtureien und Vogteien. n Livland hat der Orden erst gar nicht versucht, Balleien aufzubauen. Es ist nicht ein ach, plausible Gründe für das unterschiedliche Verhalten anzuführen, da der 6 Militzer, Aufnahme, S. 11 ff.
Orden selbst über sein Vorgehen keine Rechenschaft abgelegt hat. Es bleiben Ve mutungen, die mehr oder weniger überzeugen. Die Brüder, die in das Baltikum, nach Preußen oder Livland, nach Palästina Ar menien, Siebenbürgen oder Spanien geschickt wurden, lebten fern von ihren Fam ' lien, die damals kaum Einfluß auf die Karrieren ihrer Angehörigen nehmen konn ten. Anders war die Situation in den Balleien im Deutschen Reich. Die sogenannten „Hauskommenden“, Gründungen von Fürsten, Edelherren oder Adelsgruppen, bo ten den interessierten Familien die Möglichkeit, einen Angehörigen zum Komtur wenn nicht zum Landkomtur oder gar zum Deutschmeister befördern zu lassen" Diese „Hauskommenden“ bildeten sozusagen die Einfallstore für die Welt in den Orden. In der Tat läßt sich oft beobachten, daß solche Stifterfamilien ihre nachge- borenen Söhne dem Orden weihten, der sie schnell zu Komturen eben dieser Kom- menden ernannte7. Solche von den eigenen Familien veranlaßten Beförderungen wa- ren in Preußen, Livland oder im Orient nicht möglich. Nur selten reichte der Arm einer Adelsfamilie so weit, daß sie die Karriere eines ihrer Angehörigen hätte be- schleunigen können. Eine Ausnahme mag Konrad von Thüringen gewesen sein, der wenige Jahre nach seiner Einkleidung in den Deutschen Orden ohne Zwischenstu- fen sofort zum Hochmeister gewählt wurde. Es ist in letzter Zeit in der Forschung immer wieder hervorgehoben worden und auch gar nicht zu bestreiten, daß die Mehrzahl der Ritterbrüder der Ministerialität entstammte. Neben ihnen bildeten die Edelfreien und Dynasten im Orden eine Minderheit. Noch geringer war die Zahl der Bürgersöhne aus dem Patriziat. Die Priesterbrüder und Graumäntler werden vorwiegend aus anderen Gruppen gekom- men sein. Man denkt vor allem an Bürgersöhne, ohne jedoch genauere Angaben machen oder gar Zahlen nennen zu können, weil die überlieferten Hinweise zu spärlich sind. Von erheblicher sozialgeschichtlicher Bedeutung ist, daß in der wich- tigsten Gruppe der Ritterbrüder die Ministerialensöhne dominierten. Während de- ren Väter vielfach noch nicht den Makel der Unfreiheit abgestreift hatten, lebten deren Söhne im Orden gleichberechtigt neben den Edelfreien und Dynasten. Gleich- wohl waren nicht alle Standesschranken aufgehoben. Ständische Unterschiede wer- den in den Balleien stärker als in den anderen Einsatzgebieten durchgeschlagen sein. Jedoch allein schon die wenigstens prinzipielle Gleichstellung der Ministeria- lensöhne mit den Angehörigen edelfreier Geschlechter im Orden bedeutete für die aus der Unfreiheit aufstrebenden Ministerialen einen sozialen Aufstieg. Über die Motive, die Kandidaten veranlaßt haben könnten, in den Deutschen Or den einzutreten und sich nach Preußen, Livland oder Palästina versetzen zu lassen, weiß man kaum etwas. Viele von ihnen mögen dorthin in der Gewißheit gezogen sein, daß der Kampf gegen Heiden und Ungläubige ein gottgefälliges Werk sei un himmlischen Lohn verheiße, zumal wenn es durch ihren Einsatz gelingen so 7 Militzer, Einbindung, S. 143££.
rusalem, die heilige Stadt schlechthin, zu befreien. Aber religiöse Motive allein e,chen zur Erklärung kaum aus. Es ist daher immer wieder darauf hingewiesen Horden, daß ein nachgeborener Sohn aus einer Ministerialenfamilie vor allem in Preußen und Livland, aber auch im Orient in Positionen gelangen konnte, die ihm • weltlichen Stand für immer verwehrt worden wären. Im Baltikum beispielsweise konnte er Herrschaft wie diejenigen ausüben, denen seine Familie in der Heimat zu dienen hatte. Der mögliche steile Aufstieg aus dem fast noch unfreien Dienst eines Ministerialen zum Herrschaft ausübenden Befehlshaber im Orden und zum Vorge- setzten sogar über Söhne aus Dynastengeschlechtern mag die Bereitschaft zum Ein- tritt in den Orden und zum Kampf im Baltikum oder Orient gesteigert haben. Da- zu können andere Motive getreten sein, auch solche weniger ehrenhafter Natur. Bei den meisten wird mit einem in sich verschlungenen Motivbündel zu rechnen sein. Bei den Brüdern, die in den Balleien blieben und Komture von „Hauskommenden" ihrer Familien wurden, stand dagegen der Versorgungsaspekt im Vordergrund. In den Balleien unterschied sich der Orden in solchen Fällen schon bald nicht mehr von Stiften und Benediktinerklöstern. Die Attraktivität des Deutschen Ordens rührte gerade in der Aufbauphase daher, daß den Kandidaten die Möglichkeit zu einem Gott wohlgefälligen Kampf gegen Ungläubige und Heiden geboten wurde. Durch diesen Kampf gewannen die Brüder nach der Meinung der Zeitgenossen Machabäern gleich im Himmel einen Gnaden- schatz, an dem viele durch Schenkungen oder andere Werke, beispielsweise auch durch den Eintritt von Angehörigen, teilhaben wollten. Diese Attraktivität konnte sich der Deutsche Orden erhalten, weil er nach dem Verlust des Heiligen Landes das Christentum im Baltikum gegen Heiden und „Schismatiker", wie die orthodo- xen Christen genannt wurden, verteidigte. Daher war der Entschluß der Hochmei- ster, ihren Hauptsitz von Venedig nach Preußen zu verlegen, eine Notwendigkeit, wenn sie ihre Funktionen als oberste Leiter des Ordens beibehalten wollten. D,er Orden war, wie sich herausgestellt hat, nie monolithisch. Es hat vielmehr immer unterschiedliche Anschauungen gegeben, für die sich verschiedene Gruppie- rungen eingesetzt haben. Manche Brüder verwarfen das Engagement der Hochmei- ster für Papst und Kaiser und verlangten eine stärkere Konzentration auf die wirk- lichen Belange des Ordens, wie unter anderem Hermann von Salza anempfohlen Worden ist. Solche Stimmen werden im 13. Jahrhundert nie ganz verstummt sein. Aber dem Ordensoberhaupt blieb oft gar nichts anderes übrig, als sich in die a endländische Politik einzumischen, weil er sich und den Orden nicht heraushal- konnte. Der Ofden war im Lauf des 13. Jahrhunderts zu einem zu bedeutenden a tor herangewachsen, als daß er als Bündnispartner nicht umworben worden wä- re‘ Waf eine Folge des Wachstums des Ordens, daß ihm die Möglichkeit einer neutralen Position gar nicht mehr blieb. le heftigSten Auseinandersetzungen drehten sich um andere Fragen, die aller- lngs mit der Einbindung des Ordens in die Politik der großen Mächte der abendlän-
dischen Christenheit zu tun hatten. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gin im wesentlichen um die Frage, auf welche Seite sich der Orden zu stellen habe Sollt8 er Parteigänger des Papstes oder des Kaisers werden bzw. bleiben? Die Ordensmitglig6 der haben um den rechten Kurs gerungen. Bedingt durch die Herkunft vieler Ritter brüder aus der Reichsministerialität oder der Ministerialität kaiserfreundlich gesinnter Fürsten überwog meist die Partei, die den Kaiser zu unterstützen gedachte. Dabei spielte auch das politische Kalkül der Brüder mit, die im Orient und im Mittelmeer raum eingesetzt waren. Sie sahen keine Zukunft ohne die Anlehnung an das staufische Herrscherhaus, dem sie ihre Stellung in Italien und auch im Heiligen Land weitgehend verdankten. Daß es den Staufern gelungen war, den Deutschen Orden zu ihrem „Hausorden“ zu machen, wirkte sich bis in die letzten Jahre ihrer Herrschaft aus. Nach dem Untergang der Staufer verlor der Gegensatz zwischen kaisertreuen und päpstlich gesinnten Gruppierungen an Schärfe. Er blieb und konnte jederzeit aufbrechen, wurde aber von anderen Vorstellungen überlagert. An die Stelle des al- ten Gegensatzes trat der Streit um die Bestimmung, den Zweck und das Ziel des Ordens. Waren sie im Orient oder eher im Baltikum zu suchen? Die traditionell starke, auf das Heilige Land fixierte Partei suchte den Hochmeister im Orient bzw. nach dem Verlust Akkons 1291 in Venedig zu halten, während die im Baltikum ein- gesetzten Brüder eine angemessenere Berücksichtigung ihrer Belange einforderten. Auffällig ist, daß sich beide Gruppierungen aus weitgehend getrennten Herkunfts- regionen rekrutierten. Während im Orient und am Mittelmeer viele Oberdeutsche und Rheinländer bezeugt sind, hat die moderne Forschung in Preußen und Livland vorwiegend Thüringer, Sachsen und andere Nord- und Mitteldeutsche nachgewie- sen. Auch wenn kein direktes Quellenzeugnis vorliegt, jedenfalls bislang noch nicht zu Tage gefördert worden ist, liegt der Schluß nahe, daß die unterschiedliche Her- kunft der Brüder im Mittelmeerraum und im Baltikum die Frage nach der Priorität des Ordenseinsatzes, nämlich Heiliges Land und Krieg gegen die Sarazenen oder Baltikum und Bekämpfung des Heidentums, verschärft hat. Dabei hatten die Brü- der im Baltikum mit ihren Bemühungen den schwereren Stand, weil das Ziel einer Eroberung Jerusalems, sei es auch noch so illusionär geworden, die Gemüter star- ker als das Baltikum in ihren Bann zog. Das belegt auch die Herkunft der Kreuz- fahrer, die den Orden in Preußen unterstützten. Sie kamen vorwiegend aus Mittel- deutschland, auch aus Niederdeutschland, Böhmen, Österreich und aus Polen, dazu einzelne schlesische Piasten8. Rheinländer traten erst spät auf, nämlich 1362 ein Graf von Jülich zusammen mit Graf Engelbert III. von der Mark9 und dann erst wieder in größerer Zahl im 14. Jahrhundert10. 8 Vgl. Peter von Dusburg, Chronica 111,9-10, 13-15, 25 £., 38, 46, 53-55, 71, 71> 91, 93, 125, 127, 13h 9 Peter von Dusburg, Chronica 111,98; vgl. Arnold, Engelbert III. 10 Paravicini, Preußenreisen I, S.49 ff.
Trotz aller Meinungsunterschiede, die auch in einer geistlichen Korporation auf- treten konnten, lebten die Brüder nach einer allen gemeinsamen Regel, den Statuten des Deutschen Ordens, die um 1250 schriftlich fixiert und seitdem bis zum Ende des Mittelalters nicht mehr wesentlich reformiert worden sind11. Wenn sich ein Kan- didat einkleiden ließ, hatte er sich den Bestimmungen der Statuten unterworfen. Sein Leben folgte fortan einer Regelhaftigkeit. Die Statuten schrieben den Tagesab- lauf, Speise und Trank, die Kleidung und vieles andere mehr bis hin in Kleinigkei- ten der Lebensführung vor. Der Orden hat zwar dem Kandidaten nach dem Auf- nahmeritual nur Wasser und Brot, Mühsal und Entbehrungen versprochen12, was aber eine überspitzte Formulierung war. Die eintrittswilligen Adelssöhne werden diese Ankündigung kaum wörtlich genommen haben. Den Kandidaten wird bewußt gewesen sein, daß sie sich einer Disziplin unterge- ordnet hatten, die sie in der Form von zu Hause aus nicht kannten. Sie waren zu Gehorsam, Armut und Keuschheit gezwungen. Infolge des Gehorsamsgebots wa- ren die Standesunterschiede, die im weltlichen Bereich gültig waren, aufgehoben. Ein Dynastensohn hatte die Befehle eines Vorgesetzten zu befolgen, wenn er sich nicht strafbar machen wollte. Von einem Dynastensohn wurde also eine Selbstent- äußerung und Unterordnung verlangt, die er trotz des auch im ritterlichen Tugend- system verankerten Demutsideals im weltlichen Bereich nicht zeigen mußte13. Infol- ge der Keuschheit verzichtete der Ordensritter auf die Gründung einer eigenen Familie und auf legitime Erben. Seine Ämter konnte er daher nur bedingt für sein eigenes Geschlecht nutzbar machen. Dazu trat das Armutsideal, das ihm keinen persönlichen Besitz gestattete. Selbst seine Kleidung, Waffen, Ausrüstungsgegen- stände und Pferde hatte der Orden ihm nur widerruflich zum Gebrauch überlassen. Die zuständigen Amtsträger waren befugt, ihm jederzeit alles wieder zu nehmen und einem anderen zu geben. Wegen dieser drei Säulen der Ordensregel konnte einem Ritterbruder ein Amt übertragen werden, ohne daß der Orden eine Entfrem- dung zu befürchten hatte. Der Amtsträger war zu einer jährlichen Rechenschaftsle- gung verpflichtet, absetzbar und konnte gegebenenfalls mit neuen Aufgaben betraut werden. Der Aufbau der Ordensverwaltung in Preußen, Livland, dem Reich und auch im Mittelmeerraum und in Palästina beruhte auf diesem System und erhielt daher seine modern anmutende, an eine Beamtenbürokratie erinnernde Form. Schaut man genauer hin, waren die Prinzipien der Armut und des Gehorsams nicht immer streng gewahrt. Am ehesten wurde noch die Keuschheit eingehalten. Schon im 13. Jahrhundert gab es Karrieren von Ordensbrüdern im Schatten von Verwandten und die Förderung von Brüdern aus derselben Herkunftsregion14. Je- 11 Vgl. Arnold, Reformansätze; Ders., Regelentwicklung, S. 126f. 2 Perlbach, Statuten, S. 128 und S. 134: Gesetze über Meer 1,8; vgl. ebd. S. 51: Regel 29. 13 LdM III, Sp.693f. Vgl. Boockmann, Herkunft, S. 12f.
doch fehlte ein festes System der Patronage. Stand und Region verloren in der Ko poration ihre sonst herausragende Bedeutung für das Fortkommen. Wichtiger w wohl die Bewährung im Dienst des Ordens, wobei die Fürsprache von höher^^ stellten Gönnern in der Korporation nicht fehlen durfte. In der Aufbau- und ersteh' Konsolidierungsphase des 13. Jahrhunderts war die Disziplin innerhalb des Ordens noch stark genug, Auswüchse zu unterbinden. Die Idee des Dienstes für das ge meinsame Ziel der Ausbreitung und Sicherung des christlichen Glaubens und der Eroberung der heiligen Stätten im Orient verband, obwohl es Streit um den rechten Weg dorthin gegeben hat und dieser Streit auch immer mit Personen und dem Stre ben nach Einfluß und Posten verbunden war. Gerade mit der weitgehend noch ungebrochenen Idee des Dienstes an einer gottge- fälligen Sache ist die Beobachtung in Übereinstimmung zu bringen, daß in dieser Pha- se Ritterbrüder immer wieder versetzt worden sind, und zwar aus Preußen nach Liv- land oder umgekehrt, aber auch in den Orient und von dort wieder in das Baltikum Aus den Balleien wurden Brüder an die Front geschickt und kehrten zurück, teilweise zu Altersruhesitzen in Kommenden der Balleien. Der Austausch von Ordensbrüdern die sich bewährt hatten, war ein Zeichen für die Bereitschaft zum Einsatz für die Idee des Ritterordens. Allerdings ist ein Austausch einfacher Brüder seltener zu beobachten und wohl auch kaum vorgekommen. Wer sich im Orient nicht bewährt und keine Ämter übertragen erhalten hatte, blieb dort. Analoges galt für Preußen und Livland. Auf der unteren Ebene ist schon eine Versäulung der Einsatzgebiete zu beobachten, die es bei dem Führungspersonal jedenfalls noch nicht gegeben hat. Die Vorstellung von einem Ritterorden, dessen Brüder Mönchtum und Rittertum miteinander verbinden könnten, war schon damals zum Scheitern verurteilt. Vielleicht war ihnen selbst bewußt, daß sie keine Mönche oder Kanoniker waren, sondern eine eigenständige Form des Zusammenlebens zwischen Kirche und Welt gefunden hat- ten15. Die Ritterbrüder waren jedenfalls keine Mönche und deren Korporationen keine Mönchsorden. Der Tagesablauf der Brüder glich zwar weitgehend dem der Benediktiner und Zisterzienser, aber den Ritterbrüdern war nicht wie den Mönchen die Kontemplation empfohlen, sondern von ihnen wurde Kampf und Kampfbereit- schaft mit allen Folgen, auch denen des Blutvergießens, erwartet16. Mit dieser Not- wendigkeit haben sich nicht alle Kirchenlehrer abfinden können. Daran setzte vielfach ihre Kritik schon früh an, wenngleich sie im Deutschen Reich kaum zu vernehmen war17. Aus dem Reich aber kamen die meisten Ritterbrüder, die im Orient, in Preu- ßen und Livland dienten. Wie hätten sie ihre Tätigkeit in Frage stellen sollen, wenn es die Kirchenlehrer ihrer Heimat nicht getan haben? 15 So Elm, Spiritualität, S. 511 ££., der die Ritterorden den „Semireligiösen“ zuordnet. .. 16 Vgl. insbesondere H.-D. Kahl, Die Spiritualität der Ritterorden als Problem, in: Die Spirüua 1 der Ritterorden im Mittelalter (Colloquia Torunensia Historica 7), Torun 1993, S. 280 ff. 17 Vgl. Forey, Military Orders, S. 204ff.
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ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS APB Altpreußische Biographie CHJ Cartulaire General de l’Ordre des Hospitaliers HZ Historische Zeitschrift Lac. Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins MGH Monumenta Germaniae Historica, Scriptores (SS), Constitutiones, Epistolae NDB Neue Deutsche Biographie REK Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter RI Regesta Imperii RRH Regesta regni Hierosolymitani UB Urkundenbuch ZGO Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins
ORTS- UND PERSONENREGISTER In das Register wurden die Stichwörter „Deutscher Orden“ und „Hochmeister“ nicht aufgenommen, da sie fast auf jeder Seite vorkommen. Die Bewohner einer Landschaft, eines Reiches oder Territoriums wurden unter dem Stichwort des geographischen Begriffs subsumiert. So sind also die Armenier unter Armenien usw. erfaßt. In Ausnahmefällen sind die Stammesnamen unter der von dem jeweiligen Stamm bewohnten Landschaft ausgeworfen, wie beispielsweise „Liven“ unter „Livland“. Im allgemeinen wurde die Zugehörigkeit eines Amtsträgers zum Deutschen Orden nicht eigens vermerkt, nur in Zweifelsfällen zugefügt. Wenn also nichts anderes angegeben ist, gehörte beispielsweise ein Komtur usw. dem Deut- schen Orden an. Hatte ein Amtsträger im Laufe seines Lebens im Orden mehrere Ämter verwaltet, wur- de nur das höchste Amt, in dem er nachgewiesen ist, angegeben. War er Landkomtur mehrerer Balleien geworden, findet sich hinter seinem Namen nur die Bezeichnung „Lktr.“ ohne weiteren Zusatz. Anson- sten ist stets vermerkt, wo er sein Amt ausgeübt hat. Die Leiter des Ordens vor Hermann von Salza sind im Register mit dem Titel „HM“ belegt worden, obwohl sie ihn noch nicht trugen. Ein Stern (*) bedeu- tet, daß das Stichwort nur in den Anmerkungen der angegebenen Seite zu finden ist. Umlaute bleiben bei der alphabetischen Einordnung unberücksichtigt. Folgende Abkürzungen wurden benutzt: Bf. - Bi- schof, DM - Deutschmeister, DO - Deutscher Orden, DOBr. - Deutschordensbruder, DOH - Deutschordenshaus (Kommende), Ebf. - Erzbischof, Gr. - Graf, GK - Großkomtur, Hktr. - Hauskomtur, HM - Hochmeister, Hz. - Herzog, Hzt. - Herzogtum, JGK - Johannitergroßkom- turei, JKO - Johanniterkommende, JO - Johanniterorden, JOP - Johanniterpriorat, Kg. - König, Kgr. - Königreich, Ktr. - Komtur, Ldgr. - Landgraf, Lktr. - Landkomtur, LM - Landmeister, Mgr. - Markgraf, TO - Templerorden, TOB - Templerballei, TOP - Templerprovinz A Aa, Treidener 367 Aachen 460 DOH 234 f. - -, Pfleger 234 St. Egidien 234 Thomas von, Pfleger Aachen 234 s. Biesen Abendland, s. Europa Abruzzen 188 Achaia, Fürstentum 26, 177 Adelmannsfelden, Wolfram von, Lktr. Bozen 412 Adorf 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 Adsel, Land 367, 369 Agrigent, DOH 174, 402 - -, Ktr. 402 -----, s. Ganga, Hieronymus, Jerlando Ägypten 33-35, 185, 191, 228, 232, 313, 334, 390, 392 Aichach 27 - , DOH 27, 220, 319, 327, 331 - -, Ktr. 319 ----, s. Dietrich, Herbort Aken 278 - , DOH 278
- Ktr. 278 Spital 278 Akkon 3 f., 7-14, 16-25, 28-30, 33, 36, 40-46, 75, 104-108, 133, 136, 144, 151-153, 156f., 172, 174, 176, 179, 189, 193 f., 264, 387, 389f., 396, 403, 445, 451-453, 458, 474 - , Bf. von 168 ---, s. Vitry - , Grabeskirche 390 - , Haupthaus DO 51, 67, 116, 123, 132-136, 141, 148, 150, 152-156, 160, 165, 169, 180, 253, 263, 334, 343f., 382, 392, 413, 442 - -, Spital 123, 126, 132 f. - , Haupthaus JO 123, 134 - -, Spital 114, 123 - , Haupthaus TO 47, 113, 134, 140 - -, Ktr. 113 - , Hospital der Armenier 12, 17 - , Nikolaifriedhof 10, 24 - , Nikolaitor 17 f. - , Quartier der Venezianer 179 - , Thomaskapelle 10 Albachten 303 Albano, Bf. von, Pelagius 185 Albernus (Albero), Lktr. Partes Inferiores 225 Albert, Ktr. Giengen 314 - , Ktr. Segewold 371 Alden Biesen 2; s. Altenbiesen, Biesen Alexander, Ktr. Elbing 343 Al-Kamil, Sultan 33 f., 37 Alpen 8, 31, 46, 151, 158, 160-162, 192, 262, 267, 299, 302, 363 Altena, Dietrich von 236 Altena, Dirk von 35 Altenbiesen, DOH 200, 202, 224, 227f., 230-232, 234, 303 f., 390 - -, Ktr. 224-228, 230-232, 239, 289, 303, 317 ------, s. Albernus, Biesen, Gerhard, Gottfried, Heinrich, Ludwig, Porta Castri, Papenhoven, Rickel, Walter, Warden, Wevelinghoven, Wilhelm ---, Pitanzmeister 202 ---, Schäffer 200 Altenburg 407 - , DOH 32, 206*, 216, 220, 271, 407 f. - -, Ktr. 271, 363, 399 ------- s. Heinrich, Neuenburg, Rudolf, Sundhausen - , Spital 31, 271 - , Dietrich von, HM 62, 210 Althaus (Altkulm, Starogröd) 339, 344 - , DOH 348 ---, Ktr. 349 Altishofen 256 - , DOH 256 f., 259f. Altshausen 254 - , DOH 254f., 259f. - -, Ktr. 255 ------, s. Merbod Alzey 294 Amalfi 12* Amendolea, Guido von, Lktr. Apulien 158, 397* 405 Amigdala, Guido von, DOBr. 397, 405, 463 - , Jakob von 397, 463 - , Peter von, DOBr. 397, 463 Ammendorf, Albert von, Lktr. Thüringen- Sachsen 269 Amudain, Burg 30, 169 Anagni 41 Andechs-Meranien, Gertrud von 334 Andlau 257 - , DOH 76*, 257, 260 - -, Ktr. 257 ------, s. Walter Andravida, Jakobsspital 464 Anhalt, Gr. von, Bernhard 278 Annut, Walter von, Ktr. Montpellier 189, 400 Antiochia (Antakya) 7, 9, 25, 389 - , Fürstentum 7, 138, 169 - -, TO Ktr. 138, 140f., 172 ---, Fürst von, Bohemund 7, 37 Appenin 173 Appollonius 395 Apulien 22, 26 f., 29, 172, 174-176, 179, 193, 203 - , Ballei DO 158, 172f., 328, 392, 401 f., 404f. - -, Lktr. 153 f., 158, 173, 175 f., 178, 188*, 189, 221, 264, 397*, 402, 404 f. ------, s. Amendolea, Ludwig, Middelburg, Ohm, Romarado, Saxo, Trier - , TO Meister 167 Arabien 124 Aragon, Kgr. 181, 189 - , TO Meister 167 f. Archshofen, DOH 315, 327, 331 - -, Ktr. 315, 327 ------, s. Schlüsselberg, Hohenlohe-Braunec - , Burg 315 - , Friedrich von 315 Are, Albert von 290
Arelat 189 Arezzo 188 Arkadien 177 Arleboldus, JO Prior 167 Arles 189-191 DOH 190 f. J -, Ktr. 190 JKO 190 Thomasspital 190 - TOB 111 Vorstadt Trinquetaille 190 Armagnaken 254 Armenien (Kleinarmenien) 12, 17, 25 f., 28, 30, 170, 198, 391-393, 469, 472 - , Ballei 171 f., 389, 392, 400 - -, Lktr. 153 f., 171, 183, 221, 264 - , Kgr. 169f., 172 ---, Hethum L, Kg. von 169 f. ---, Leo, Kg. von 30, 169 Arnheim, Stift 237 Arnold, Ktr. Bremen 267f., 279 - , Ktr. Büro 278 - , Ktr. Metz 282 - , Ktr. Nürnberg 308 - , Ktr. Siersdorf 232 - , Schwertbrüdermarschall 368 Arnsberg, Grafschaft 437 ---, Gr. von, Gottfried III. 305 Arsta, DOH 385, 464 - -, Ktr. 385 -----, s. Elofsson, Stromberg, Walien Asch 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 Ascheraden (Aizkraukle) 378 - , DOH 371 f., 380 - , Schwertbrüderhaus 368f., 371 f. - -, Ktr. 368, 371 -----, s. Bauerbach, Bernhard, Hartmut, Münster (Bernhard v.) Asciano 188 Ascoli Satriano 173 Askalon 7 Aube, Departement 191 Augsburg, Bf. von, Hartmann von Dillingen 311 Domstift, Domherren 196, 322 Augustiner 50 Aussig (Üsti nad Labern) 247 Austerlitz/Neu-Sedlitz (Slavkov) 245 DOH 245, 249 - -, Ktr. 245 ------, s. Gottfried, Ulrich Avignon, Kurie 184, 186, 189-191 (B Babenberg, Konrad von, GK 162 f., 242, 398, 411, 429 Babenberger 9, 261 f., 293 - , Gertrud 261 - , s. Österreich, Hz. Bachenstein, Heinrich von, Ktr. Winnenden 325 Baden, Mgr. von 313 f. ---, Friedrich 35, 313 ---, Hermann V. 35, 313 Baibars, Sultan 43, 392 Baldersheim, Ludwig von, LM Preußen 242, 248, 412 - , Werner von, Vogt Dirschau 70 Balga (Weselnoje), DOH 341, 343, 345f., 348, 351, 357f. - -, Ktr. 348, 358 ------, s. Hornstein ------, Kumpan 356 f. - -, Hktr. 355, 357, 359 ---, magister balistariorum 356 f. Balk, Hermann, LM 240-242, 244, 250, 338 f., 341-343, 361, 364-366, 370-375, 413, 436, 439, 454 Baltikum 1, 3-6, 39, 42-46, 49, 63, 65, 109, 136, 147, 150, 152 f., 155-159, 163, 165, 179, 193, 198, 222, 250, 263 f., 347, 361, 382, 389, 391, 393 f., 415, 418, 448, 453-457, 461, 468, 472-474, 476 - , vgl. auch Livland, Preußen Bamberg, Domstift, Propst 57* - , Stift 398 Barby, Albrecht von 278 - , Burchard von 278 - , Goderich von 278 Bari 19, 173 - , DOH 173 - -, Ktr. 173 Barletta 26, 174 - , DOH 29, 173, 176, 199, 204, 404 f. - -, Ktr. 173, 404 ------, s. Basel, Robert ---, preceptor quadrigarum 199 ---, Prior 204 ---, Trappier 200 ---, Treßler 200
Thomasspital 19 f., 26, 172 Baro, DOBr. Palermo 401 Bart von Tonna, Heinrich, HM 25, 30 Barten 341 f. Bartenstein (Bartoczyce), DOH 352 - -, Ktr. 352 Bartholomäus, DOBr. 284* Basel, DOH 258, 260 - -, Ktr. 258 ------, s. Freiburg - , Bf. von 252, 258 - , Diözese 212, 251, 253 - , Konzil 258* - , Kunostor 258 - , Konrad von, Ktr. Barletta 404 Bastheim, Albert von, DM 42 Battenberg, Werner von, DM 330, 410, 453 Bauerbach, Markward, Ktr. Ascheraden 368 Bauwarus, Ulrich, Ktr. Tapiau 352* Bayern 35, 196, 307, 330f., 411 f., 425, 455* - , Franziskaner 462 - , Hz. von, Ludwig I. der Kelheimer 27, 309, 319 Beauvoir, DOH 191 f., 398 - -, Ktr. 398 ------, s. Trier Beckingen 284 - , DOH 284 - -, Ktr. 284 ------, s. Hof eit - , Gerhard Herr von 284 - , Jakob Herr von, Kanoniker 284 Bedecke, Ktr. Langeln 276 Beingen, Nikolaus von, Ktr. Gebweiler 258 Beirut 7 Bekeshovede, Albert von, Bf. von Riga 366 Bekkevoort, DOH 232 - -, Ktr. 232 ------, s. Veldeken, Engheramus - , Wilhelm von 232 Belgien 1 f. Belus, Fluß 10 Belvoir, Burg 7 Benedikt, Heiliger 81 Benediktiner 50 f., 82*-84, 87, 89, 99, 102, 143, 473, 476 Benesis, Gerhard von, Lktr. Koblenz 70* Bentheim, Gr. von 238 Berchtesgaden, Chorherrenstift 32, 311 Berg, Gr. von, Adolf 35, 217, 288 Bergen 278 - , DOH 278-280 - -, Ktr. 278 ------, s. Graforst Berlingerode, Bruno von, DOBr. 64, 462 Bern 251, 255 - , DOH 76f., 202, 204, 255, 259f. - -, Ktr. 204, 255 ------, s. Burchard ---, Pitanzmeister 202 - , Münster 76 - , Rüwenthal, Kloster 76 Bernhard, Ktr. Memel 376 - , Ktr. Ascheraden 371 - , Neffe von Papst Clemens V. 184 Bernhausen, Volmar von, Lktr. 145, 182f., 321, 329f., 400, 411, 455 Bernheim, Dietrich von, Marschall Preußen 338, 342 Bernissem, DOH 231, 233 - -, Ktr. 233, 303 ------, s. Ledersac, Mechelen Berthout von Mecheln, Walter 35, 288 - , Egidius, Lktr. Brabant und Vier Ämter 228 f., 288 - , Egidius, Herr von Oudenburg 228 Bertold, Lktr. Lothringen 283 - , Ktr. Schweinfurt 325 - , Ktr. Wenden 368 - , Hktr. Venedig 164 - , DOBr. 28* Bertram, Ktr. Münnerstadt 323 Bethlehem 37 - , Kloster 217, 227, 237 Bettelorden 102 Beuggen 254 - , DOH 70, 76f., 199-201, 206, 254, 259f., 421 f., 465*, 466 - -, Ktr. 254, 258, 411 ------, s. Gottfried, Sulzberg ---, Hktr. 201 ---, Hofmeister 201 ---, Kellner 201 ---, Trappier 199 ---, Treßler 199 ---, Zinsmeister 200 Bickenbach, Philipp von, DM 235, 321 Bienburg, DOH 254 Biesen (Aachen, Hergenrath), Giso von, Ktr. Altenbiesen 231 Biesen (Altenbiesen), Ballei 2, 76, 200f., 206, 216 •, 224, 228, 231 f., 234f., 303, 321, 327f., 331, 4661.
_ Lktr. 228, 231, 234, 288, 413 _ __ s. Loon Äbtissin von 231 Bilin (Bflina) 248 f. DOH 249 __ Ktr. 249 Spital 248 Birgersson, Israel 385^ Birglau (Bierzglowo), DOH 351 - -, Ktr. 351 Bieseberg 224, 317 Blumenthal, DOH 319 - -, Ktr. 319 ------, s. Herbort Bodo, Ktr. Reitling 276 Bogen, Gr. von, Albert 35 Böhmen 26, 195, 240 f., 248 f., 270, 339, 426, 474 - , Kgr. 239, 243 - Kg. 247 ---, Konrad Hz. von 18, 26, 195, 243 ---, Ottokar I. Kg. von 18, 195, 242 f. ---, Ottokar II. Kg. von 246 f., 349 ---, Wenzel I. Kg. von 241*, 245 f., 250 Böhmen-Mähren, Ballei 218, 239-242, 244, 246, 249f., 269f., 342, 383, 388*, 412, 414, 418, 464 - -, Lktr. 240, 244 f., 248-250, 342, 345, 361, 412 f. ------, s. Baldersheim, Byern, Ditold, Goldbach, Kropf, Rutger, Waldeser Bola, Friedrich von, Lktr. Sizilien 403 Bolanden, Familie 317 - , Heinrich von, Trappier 390, 396, 403 - , Werner von, Trappier 153 Bologna, DOH 179 - -, Str. 179 Bonn 35, 289 Bonneval 192 Bosweiler, Winrich von, DM 320 Boteken, Ktr. Lucklum 277 Botenlauben, Gr. von, Otto III. 320 Bozen 29, 299 - , Ballei 65, 68*, 161, 206, 218, 220, 299, 301 f., 307, 328, 398, 413 f., 418 - -, Lktr. 104, 161, 189, 264, 301 f., 412 f. ------, s. Adelmannsfelden, Dettelbach, Donau- stauf, Falkenstein, Gundelfingen, Helfenstein, Schiverstat, Trier, Tscheves, Wemdingen, Weve- linghoven DOH 299, 302 - -, Ktr. 299-301 ------, s. Friedrich, Konrad - -, Spittler 299-301 - , Eisackbrücke 26 - , Johanniskirche 26, 299 - , Spital 26, 299-301 । Brabant 224-226, 228 f., 288 f., 425 - , Ballei 230f. ---, Lktr., s. Berthout, Jakob, Moelnare, Vilvoorde - , Hz. von, Heinrich II. 233 - , s. Lothringen Brackei 305 - , DOH 305-307 - -, Ktr. 305 ------, s. Caesarius Brandenburg 426 - , Albert von, DOBr. 57* Brandenburg (Uschakowo), DOH 349*, 351, 357 f. - -, Ktr. 358f. - -, Hktr. 355, 357 Brattian (Bratian), DOH 352 - -, Ktr. 352 Braunschweig 456 - , Hz. von, Otto 278 - , Heinrich von, Ktr. Schleiz 274 Breisgau 412, 416 Bremen 10-12, 21, 23, 279, 304, 384, 416, 426, 443, 447 - , Ebf. von 23 - , Diözese, Erzstift 339, 426, 438, 443, 447 - , Dom, Domkapitel 267 - , DOH 216, 267f., 278f., 304-306, 333, 384, 416 - -, Ktr. 267f., 279, 306, 384f. ------, s. Arnold, Esicus, Haren, Vrenkinc - , Heilig-Geist-Spital 267, 279 Brena, Gr. von, Friedrich 276 Brennerpaß 299f. Breslau 241 f., 450* Brest (Brezesc), DOH 349 ---, Ktr. 349 ------, s. Sachs Brienne, Johann von, Kg. von Jerusalem 30 Brindisi 32f., 36, 173 - , DOH 173, 402 - -, Ktr. 173, 402 ------, s. Roncevallus - , Spital der Deutschen 173 Brixenei (Precenicco), DOH 179 f. - -, Ktr. 180
Bruch, Konrad von, DOBr. Barletta 405 Brügge 224 Brühaven, Bertold, Ktr. Ragnit 352* Brünn (Brno) 242, 248 Brunner, Heinrich, Prokurator 190 Bruno, Ktr. Goldingen 375 Brüssel 228 Brustem, Wilhelm von, DOBr. Biesen 467 Buchegg, Gr. von 410 ---, Bertold, Lktr. Elsaß-Burgund 256, 410 Buchsee JKO 46 Büdingen, Konrad von, Ktr. Marburg 410 Bug 340 Bulgaren 9 Bunne, DOH 238 - -, Ktr. 238 Burchard, Ktr. Bern und Köniz 255 - , Kämmerer 16 Burgau, Mgr. von, Heinrich 313 Burgund 252 - , Landvogt von 256 ---, s. Straßberg - , TOB 111 Büro 278 - , DOH 278 - -, Ktr. 278 ----, s. Arnold Burzenland, s. Siebenbürgen Busamara, DOH 174 Butera, Goffred, DOBr. Palermo 401 Byern, Heinrich von, Lktr. Böhmen-Mähren 412 Byzanz, Reich 9, 101, 124, 177 C Caesarea 28 Caesarius, Ktr. Brackei 305 Calatrava, Orden von 337 Cambrai, Heilig-Kreuz-Stift 223 Campanien 26 Capua, Johann von, Prokurator 185-187, 401, 459, 464 Carbonito, Friedrich von, Ktr. S. Leonardo di Siponto 402, 404 Carcassonne, TOB 111 Carmona 182 Caserta, Matthäus von, DOBr. Palermo 401 Castelluccio, DOH 402 - -, Ktr. 402 -----, s. Zaverla Castiglione d’Arezzo (Castiglione Fiorentino) 188 Castilla, Didacus von, Domherr 182 Catrum Regis 389 Chacenay, Erardus, Herr von 36 Cham 319 Champagne 36, 191 f. - , Heinrich von der, Kg. von Jerusalem 18 Chastillon, Guy de, Gr. von Blois 238 Chateau Neuf, DO Burg 177 Christburg (Dzierzgön), DOH 345 f., 348, 357 f 399 - -, Ktr. 348, 358 f. ------, s. Stange ------, Kumpan 356 f. - -, Hktr. 348, 355, 357 ---, balistarius 355, 357 - , Vertrag 342 f., 346*, 348, 350, 354 Christian, Ktr. Judenrode 289 Chur, Bf. von 466 Clairvaux, Zisterzienserkloster 192 - , Bernhard von 54*, 84*, 88, 97, 100 Clarello, Robert von, DOBr. S. Leonardo di Siponto 402, 404 Colditz, Familie 408 - , Dietrich von, Trappier 399 Colmar 251 Cordoba 182 Corleone, DOH 174 Corneto 173 - , DOH 173 - -, Ktr. 173 Crimmitschau, Familie 408 Cuenca, Domstift 182 ---, Domherren, s. Castilla Cukenmester, Gerhard, Ktr. Welheim 306 Cumbetefort, DO Burg 169 Cunce, Heinrich von, DOBr. Preußen 64, 461 Czaslau (Cäslav) 246 D Dagö 367 Dahnsdorf 277 - , DOH 277 - -, Ktr. 277 ------, s. Werner Damereis, DOH 235 - -, Ktr. 235 Damiette 33-36, 191, 228, 232, 283, 288, 334, 388, 390, 392
Dan 259, 281, 283 DOH 74, 259, 281-283 J Ktr. 283 _ - s. Bertold, Mörsberg Dänemark 8, 332, 362, 364, 367, 369, 372 f., 375, 383, 454, 464 Kg. 363, 365 f. _ Christoph II. 464 __ Waldemar 365 Otto, DOBr. 464 Danzig 69 DOH 78 Dardanellen 9 David, Kg. 97, 108 Deblin (Deblm) 242, 248 DOH 248, 250 Dernbach, Heinrich von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Dessohen, Konrad, Kastellan Montfort 132, 395 Dettelbach, Konrad von, Lktr. Bozen 412 Detwang 322 Deutschbrod (Nemecky Brod) 248 DOH 248 f. - -, Ktr. 248 ----, s. Helmich Deutsches Reich 3, 5 f., 8, 13-16, 26 f., 29, 32, 39, 42f„ 56, 105, 124, 135f., 141, 147f., 150f., 158, 165, 179, 189, 191, 193, 214-216, 219-221, 223, 235, 246, 253, 263, 286, 288, 299, 302, 307f., 316, 322, 331, 344, 364, 366, 373 f., 383, 392, 401, 407, 412, 415, 445, 455-458, 461, 465, 468, 470 f., 476 - , Balleien 2 f., 46, 53, 55-57, 60, 63, 65, 68, 70- »73, 95, 100-102, 104, 129, 135 f., 143, 147, 149, 155-159, 161, 163, 193, 197-199, 203 f., 206-211, 219, 223, 254, 263, 286, 354, 360f., 374, 387f., 391, 393 f., 398 f., 407, 412, 418-420, 423, 436, 439, 447, 449f., 452-454, 456-459, 463, 467f., 471-473, 475 f. - , Kaiser und Könige 5, 19, 36, 40-43, 46, 106, 147-151, 165, 173, 176, 187, 337, 365, 409, 417, 473 f. - -, vgl. auch Staufer ~ -, Adolf von Nassau 158 ~ -, Friedrich I. Barbarossa 8f., 15=:' - -, Friedrich II. 26, 29, 31-34, 36-43, 62, 101, 107f., 150, 165, 171, 173-175, 179, 181, 186, 188f., 194f., 214f., 217, 251, 255, 261 f., 271 f., 276, 291, 300f., 308, 310f., 314, 317, 319, 336, 344, 417, 469 --, Heinrich VI. 16f., 19f., 24, 27, 29, 31, 34, 62, 105, 172, 174-176, 335, 469 - -, Heinrich (VII.) 255 f., 272, 277, 297 --, Konrad III. 15:;' - -, Konrad IV. 37, 27$ 311 - -, Otto IV. 24, 27, 196, 308 --, Philipp von Schwaben 24, 27, 181 - -, Rudolf von Habsburg 45, 151 f. Deutschland (Deutsch) 2, 8, 11, 23, 32, 36 f., 39, 46, 51, 61 f., 108 f., 193, 215, 220, 222, 375, 402, 405 f., 412, 464, 470 - , JOP, JGK 111, 167, 215 - , TO Meister 167 f. - , vgl. auch Mittel-, Nieder-, Ober-, Süddeutsch- land, Tiefebene norddeutsche Deutschmeister 6, 72-74, 76, 104, 143, 145 f., 152— 154, 156-158, 160-163, 182, 191-193, 207-209, 211-223, 227, 229-231, 235, 237, 239-241, 252- 254, 260-265, 267, 269f., 280f., 284, 295, 302, 306f., 311, 313, 315, 317f., 320f., 323f., 327, 330-332, 337*, 344, 387, 414, 416f., 441, 443- 449, 452-454, 456, 460, 472 - , s. Bastheim, Battenberg, Bickenbach, Bos- weiler, Egloffstein, Grüningen, Hallenberg, Hermann, Ketze, Konrad von Feuchtwangen, Gottfried und Heinrich von Hohenlohe, Lentersheim, Lonnig, Otter, Sayn, Stockheim, Sulzberg, Tannroda, Weitershausen Deutschmeistertum 206, 235, 287, 307, 316, 328, 331, 446 Diedenhausen, Gerlach von, Ktr. Marburg 410 Dieren 35, 217, 288 - , DOH 217, 288, 290 - -, Ktr. 288 -----, s. Rheden Dietrich, Meister Siebenbürgen 335, 424 - , Lktr. Elsaß-Burgund 409 - , Lktr. Toskana 188 f. - , Ktr. Aichach 319 - , Ktr. Kastel und Mainz 317 - , Ktr. Laibach 266 - , Ktr. Lauterbach 311 - , Sohn des Appollonius, DOBr. 395 Diksmuide 223, 228 -, Johannisspital 228 Dincklage, Heinrich von, LM Livland 439 Dingede, Sweder von 35, 235 Dirschau, Vogtei 70 --, Vogt 70 -----, s. Baldersheim
Ditold, Lktr. Böhmen-Mähren 242, 248 Dohlen, DOH 70 ---, Schuhmeister 70 Dobriner Land 337 Dobriner Orden 337, 340 Doesburg 237 - , DOH 227, 237 - -, Ktr. 237 Döhlen, Helmerich von, Schwertbruder 373 Dominikaner 49-51, 86 L, 107, 109, 340, 361 Dommitzsch 276 - , DOH 276 - -, Ktr. 276 -----, s. Otto, Reichau Donau 310 Donaustauf, Gottfried von, Lktr. Bozen 412 Donauwörth, DOH 32, 310 f., 318, 327, 331 - -, Ktr. 311 -----, s. Marquard, Zipplingen - , Spital 32, 310 f. Döring, Heinrich, Ktr. Marburg 410 Dorpat (Tartu), Bf. von 366 - , Stift 367 - , Heinrich von, Prokurator 190 f. Dortmund 305, 307 Drau 263, 266 Drausensee 341 Drenthe 238 Dresden, Arnold von, DOBr. Altenburg 407 Drobowitz (Drobovice) 246 - , DOH 159, 246, 249 - -, Ktr. 246 -----, s. Gottfried Drohiczyn 340 Duderstadt 267* Duero 181 Duisburg 306 - , DOH 306 - -, Ktr. 306 Düna 367, 379 f. Dünaburg (Daugavpils), DOH 377, 379 f. - -, Ktr. 104, 377 -----, s. Sazendob Dünamünde (Daugavgriva), DOH 380 - -, Ktr. 380 - , Kloster 366, 380 - -, Abt 366 -----, s. Treiden Durben 376-378 Düring, Vogt Waigele 378 Dürn, Herren von 321, 423 - , Ulrich von, Prior 22*, 262, 292, 321, 466-468 Dusburg, Peter von, DOBr. 27, 56, 63, 87*, 98 f 103, 336, 387f., 424f„ 451, 461 Dwerg, Familie 305 E Eberhard, Treßler 118 Eberswin, Ktr. Mergentheim 415 Eboli 26 Eck, Henrich von, Vogt Jerwen 381 Eckart, Spittler 135, 152 Eckartsberga 14, 193 Eckebrecht, Konrad, Ktr. Liebstedt 274* Eger 273, 408 - , DOH 206, 273, 408 - -, Ktr. 273, 399 ------, s. Walter, Colditz Egloffstein, Konrad von, DM 237, 306 Eichsfeld 410, 443, 446 Eichstätt, Stift 312 f., 416 Eifel 148 Einsiedeln 283 - , DOH 284 - -, Ktr. 284 ------, s. Johann - , Spital 283 Eisack 299 Eisenach 408 Elbing (Elbing) 341, 343 - , DOH 146, 158, 162-164, 343, 345f., 348, 351, 353, 357-359, 452 - -, Ktr. 343, 348, 358 f., 455 ------, s. Alexander, Kronberg ------, Kumpan 356f. - -, Hktr. 355, 357 ---, Backmeister 355, 357 ---, Karwansmeister 355 ---, Trappier 357 ---, Waldmeister 355, 357 - , Spital 360 f. Elis 177 Elisabeth, Heilige, s. Thüringen, Elisabeth von Ellingen, DOH 205 f., 220, 309, 311 f., 315, 318, 327, 330 f., 414, 417, 421, 455 f. - -, Ktr. 312, 398 ------, s. Mässing, Ulm - - Spital 32, 311 f., 417 Elm 276, 456
Elmsburg 276 DOH 276 __ Ktr. 276, 456 __---, s. Wegeleben Elofsson, Johan, Ktr. Arsta 385 Elsaß 182, 251 f., 257f., 281, 324, 400, 404, 410f. Elsaß-Burgund, Ballei 64, 70, 76 L, 198, 206, 212, 216, 220, 222, 251-255, 257, 259-261, 263, 269f., 279-281, 285, 328, 395, 408 f., 411, 465*, 466 - -, Lktr. 211-213, 251-253, 255-257, 281 f., 409f. _----, s. Battenberg, Buchegg, Dernbach, Dietrich, Gebzenstein, Gotha, Gottfried, Iburg, Klingen, Kronberg, Kücheli, Ofnadingen, Solms, Stotz- heim, Sulz, Wernher von Hattstatt Ems 11 Engelsburg (Pokrzywno), DOH 351 - -, Ktr. 351 Enghe, s. Splinter Engheramus, Ktr. Bekkevoort 232 England 8, 10 f., 24, 36, 470 f. -,JOP 111 - , Kg. von 36 ---, Rente 36 - , TO Meister 167 - , TOP 111 Epoisses 36 Erfurt 152, 275 - , DOH 275, 297 - -, Ktr. 297 ---, Rektor 275 -----, s. Halle - , Lehmannsbrücke 275 - , Nikolaikirche 275 - , Rat 275 - , Stift St. Severi, Propst 57* Ermland 351 - , Bf. von 350 ---, Anselm 250 Bischofsvogt 350 Domkapitel 350 Esicus, Ktr. Bremen 279 Estland 362, 364-367, 370, 372 f., 454 Etsch 299, 301 Ettendorf, Eberhard Herr von 259, 281 Eure-et-Loir, Departement 191 f. Europa (Abendland) 8f., 39, 41 f., 109, 140-142, 144, 148 f., 151-153, 155, 157, 165, 168, 171, 181, 208, 220, 262, 390 f., 470 f. Everwin, Provisor Wehlinctorpe 303 F Fahnern 275 - , Lorenzkirche 275 Falkenstein, Gr. von, B^-kard 294 - , Heinrich von, Lktr. Bozen 412, 416 Famagusta 398* Felben, Andreas von, LM-Statthalter Livland 381 Felix, Lktr. Lombardei 402, 405 Fellin (Viljandi), DOH 371 f., 380f., 383 - -, Ktr. 104 ---, Marschall 383 ---, Vogt 380 f. - , Schwertbrüderhaus 368 f., 371 f. - -, Ktr. 368 - - -, s. Münster, Rikolf, Rutger (Rüdiger) Felsberg 295 - , DOH 295 - -, Ktr. 295 Feuchtwangen, Konrad von, HM 45, 94, 152-159, 161-163, 209-211, 246, 311, 318, 330, 411 f., 423 f., 428, 451-453, 456 - , Siegfried von, HM 103, 143, 159, 163-165, 264, 302, 310, 312, 399, 452 Fischenbach, Konrad von, Ktr. Freiburg 256 Flamen 11, 400 Flamingus, Nikolaus von, Vizelktr. Sizilien 403 Flandern 223 f., 228 - , Ballei 41, 228, 230 f. ---, Lktr., s. Jakob, Moelnare, Vilvoorde Fleming, Heidenreich, DOBr. Altenburg 407 Florentius, DOBr. 396 Foggia, DOH 402 - -, Ktr. 402 ------, s. Tiano Franken 42, 45, 187, 217, 293, 307, 326f., 330f., 395-398, 404f., 407, 410-412, 416, 425, 428, 437, 442 f., 445-447, 455, 468 - , Ballei 157, 206, 216, 220, 287, 307-311, 313, 320, 323, 328, 331, 411, 420-422, 446, 455, 466 - -, Lktr. 157, 182, 315, 328-331, 398-400, 411, 452, 455 f. ------, s. Babenberg, Bernhausen, Konrad von Feuchtwangen, Gundelfingen, Hirschberg, Hohenlohe, Lesch, Mässing, Schauenstein, Sulzberg Frankendijk, DOH 228 Frankfurt 77, 194, 316 - , Mathias von, Lktr. Partes Inferiores 226, 289, 414
Frankfurt-Sachsenhausen, DOH 27, 45, 71, 76*- 78, 134-136, 194, 199-201, 206, 269, 298, 316- 318, 327, 331, 410, 455 - -, Ktr. 77, 200, 224, 297, 316-318, 398 ------, s. Babenberg (Konrad v.), Heinrich ---, Fischmeister 201 - -, Kellner 201 ---, Küchenmeister 201 ---, Pitanzmeister 202 ---, Prior 77 ---, Trappier 199 ---, Treßler 199 ------, s. Molhusen ---, Überreiter 200 ---, Zinsmeister 200 - , Spital 316 Frankreich 8, 11, 33, 51, 166, 189, 192, 204, 464 - , Ballei 1, 36, 41, 191-193, 218, 328, 464 - -, Lktr. 192, 398 ------, s. Ressia, Rinkenburg, Trier - ,JOP, JGK 111, 166 f. - , Meister TO 111, 167 f. - , vgl. Südfrankreich Franziskaner 50, 95*, 109, 361, 462 Fräschels 251, 255 - , Spital 255 Freiberg, Berlwin von, Marschall Preußen 342 Freiburg, Bertold von, Ktr. Basel 258 Freiburg/Br. 256, 410, 466 - , DOH 70, 256, 260 - -, Ktr. 256 ------, s. Fischenbach Friaul 220, 265 Friedberg 296 f. - , Reichsburg 297 Friedrich, Ktr. Bozen und Lengmoos 300 - , Ktr. Nürnberg 196, 308 - , JO Ktr. Prag 243 Friesach 29 - , DOH 220, 263, 265 f. - -, Ktr. 265 ------, s. Traiskirchen - , Magdalenenspital 26, 220, 265 Friesland 8, 22*, 72, 77*, 78, 204, 230f., 238f., 417 Fritzlar 295 - , DOH 295 ---, Provisor 295 - , DO-Amt 205 Frosch, Wicker, Mainzer Scholaster 77 Frysava 245 Fulda 195, 316 - , Kloster 274 G Galiläa 37 Ganga, Johann von, Ktr. Agrigent 402 Gangkofen, DOH 196, 310, 327, 331 - -, Ktr. 196, 310 ------, s. Mansdorf Gascogne, TOB 111 Gaza 390 Gebweiler (Guebwiller) 251, 258 - , DOH 258, 260 - -, Ktr. 258 ------, s. Beingen Gebzenstein, Bertold von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Geldern 230 Geleen, DOH 235 - -, Ktr. 235 Gelnhausen 296 Gemert, DOH 35, 232 f. - -, Ktr. 232 ------, s. Arnold - , Rutger von 35 Genua 179 Georg, Heiliger 101 f. - , Ktr. Segewold 381 Gera, Vögte von 429 Gerdauen (Shelesnodoroshnyj), DOH 352 - -, Ktr. 352 Gerhard, HM 21 - , GK 28 - , Lktr. Lothringen 411 - , Ktr. Altenbiesen 226 - , Ktr. Münster 303-305 - , Ktr. Oppemelle 378 - , Meister (Ktr.) Palermo 29, 174f. - , Ktr. Sint Pietersvoeren 233 Gertrud, Frau des Appollonius 395 Giengen 314 - , DOH 314, 327, 331 - -, Ktr. 314 ------, s. Albert, Kaltenthal - , Friedrich von, Ktr. Ulm 313 f. Gießen 296 Gimritz 268 Giso, Johann von, Priester 185
Gleina, Heinrich von, Lktr. Österreich 412 Goerz, Gr. von, Meinhard II. 179 - -, Meinhard III. 180 Göflan 220 Goldbach, Helwig von, Marschall Preußen 242, 412 Goldingen (Kuldiga) 375 DOH 375, 377, 379, 381-383 - -, Ktr. 104, 375 -----, s. Bruno - -, Hktr. 382 ---, Kämmerer 383 - - Vogt 376f., 381 ----, s. Haren, Ochtenhusen Gollub (Golub), DOH 352 - -, Ktr. 352 Gordone, Johann von, DOBr. 189 Görlitz 250 - , Spital 250 Görzhausen 296 Goslar 277 - , DOH 277 - -, Ktr. 277 -----, s. Konrad - , Spital 299 - , Vogt 277 Gotha 25, 275 - , Friedrich von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Gotland 339, 385 Gottern, DOH 198 ---, Hktr. 198 Gottfried (von Rufach), Lktr. Elsaß-Burgund 212, 251-256, 259, 261, 270, 281, 285, 409 Gottfried, Ktr. Altenbiesen 225 - , Ktr. Austerlitz/Neu-Sedlitz 245 - , Ktr. Drobowitz 246 - , Ktr. Wallhausen 274 - , Vogt Waigele 378 - , DOBr. 248* Göttingen 278 - , DOH 278 - -, Ktr. 278 -----, s. Winnigstedt - , Neustadt 278 ---, Marienkirche 278 Graforst, Hildebrand von, Ktr. Bergen 278 Granada, Kgr. 182 Graudenz (Grudzi^dz) 343 - , DOH 344, 348, 357 - -, Ktr. 348 - -, Hktr. 355, 357 - , Altar 350* Graz 262*, 266 -, DOH 266 ---, Ktr. 266 $ ----, s. Heinrich Grevenbroich 289 Griechenland (Griechen) 26, 109, 178, 198, 392 f. Griechenland (Romania, Morea, Achaia), Ballei 158, 177f., 388*, 392f., 400 - -, Lktr. 153 f., 158, 177, 221, 264 ------, s. Amendolea Griefstedt 275 - , DOH 216, 275, 297, 408 - -, Ktr. 275, 297 ----, s. Ludwig Gromberg, Burg 327 Groß, Konrad 203* Groß-Seelheim 296 Groß-Sonntag (Velika Nedelja) 26, 194, 220, 265 - , DOH 266 - -, Ktr. 266 ------, s. Werner Gruitrode, DOH 234 f. Grüningen, Dietrich von, LM 42, 148 f., 156, 223, 344, 346f., 351*, 364-367, 372-375, 453 Guerranti (Werner), Ktr. Viterbo 184 Gumpoldskirchen, DOH 265 Gundelfingen, Hartmann von, Lktr. Bozen 412 - , Konrad von, Lktr. Franken 315, 411 - , Ulrich von, Lktr. Franken 411 Gurfa, DOH 174, 402 - -, Ktr. 402-404 ------, s. Lange von Lechenich, Thomasius, Verdili, Jülich H Habel (Gallus), Ktr. Pitschkowitz 245 Habsburg, Familie 416 - , s. Deutsches Reich, Könige Hackeborn, Albert von 294 Haff, Frisches 341, 352 Hagenau 259, 281 Halberstadt, Stift 456 Halicz, Fürst von 340 Halle an der Saale 29, 194, 270 - , Burggraf 194, 270 ---, s. Querfurt - , DOH 15, 26, 194, 216, 220, 268, 271
- Ktr. 15, 271 ------, s. Philipp --, Spital 270 f. Unstrutbrücke 194 Hermann von, DO Rektor Erfurt 275 Hallenberg, Albert von, DM 42 Halverogge, Heinrich 288 Hämikon, Familie 71 - , Heini von, DOBr. Hitzkirch 71 Hannut 400 Haold/Halt, LM Livland 379 Haren, Bernhard von, Vogt Goldingen 376 Haren, Wilhelm von, Ktr. Bremen 385 Harrien 363, 365, 369, 375 - , Schwertbrüdervogt 369, 373 Hartmut, Ktr. Ascheraden 368 Harunia (Haryniye), Burg 170 f. Harz 407, 410 Hattin, Schlacht bei 8 Hattstatt, s. Wernher Haupthaus DO 44 f., 54, 56, 104 f., 115, 119-121, 135, 136, 143, 147-166, 171, 198, 265 - -, Großkomtur 28, 67, 69, 84 f., 116-119, 121 - 124, 127-131, 136, 153, 160, 163, 165, 171, 198, 206, 223, 281, 312, 344, 387, 392, 394-399, 429, 442, 451 f., 454 ------, s. Babenberg (Konrad v.), Gerhard, Held- rungen, Klieber von Syvelnhem, Mässing, Plötzkau, Sayn, Utinge, Westfalen, Wolfram - -, Marschall 28, 54, 68, 91, 117-123, 125, 127- 131, 137, 148, 158, 198f., 353, 372, 387, 392, 394-399, 442, 449, 452, 454 ------, s. Malberg, Heinrich, Hörselgau, Meren- berg, Selich, Solms, Thierberg (Trabac), Wolf- ram, Würzburg --, Vizemarschall 122 f. --, Prior 67, 93, 94 ------, s. Heinrich, Johann - -, Spittler 28, 85, 117f., 123-126, 131, 133, 135 f., 152, 160, 387, 392, 394, 397-399, 429, 442 ------, s. Babenberg (Konrad v.), Eckart, Hein- rich, Severin, Wolfram - - Trappier 80, 118, 126-128, 130f., 153, 382, 387, 392, 394, 396-398, 442, 455 ------, s. Babenberg (Konrad v.), Bolanden, Kon- rad, Würzburg - -, Treßler 118, 128-131, 133, 153, 155, 163, 165, 199, 387, 392, 394, 396f., 399, 442, 451 ------, s. Eberhard, Konrad von Feuchtwangen, Sundhausen ---, Hauskomtur, Kleiner Komtur 120f., 198, 394 ----------------------------, Hochmeisterkaplan 66 ---, Kellner 124 - -, Schäffer 68, 69 ---, Speisekomtur 121 - -, Turkopole 122 - JO 114, 141 - -, Großkomtur 113 f., 118, 120, 138 ---, Kleinkomtur 113, 121 - -, Marschall 113 f., 118, 125 ---, Prior 114 ---, Spittler 113 f., 118, 125 ---, Trappier 113 f., 118, 127 - - Treßler 113 f., 118, 130 - TO 113, 140 f. ---, Ktr. Kgr. Jerusalem 112 f., 118, 120, 127, 130, 137, 140 f., 172 - - Marschall 112f., 117f., 137f., 140f., 162 - -, Seneschall 112, 117f., 120 ---, s. Robbertus ---, Speisekomtur 121 ---, Trappier 112, 118, 126f. Heckil-Häckel, Albert, DOBr. Eger 408 Heideck, Herren von 417 Heidenreich, Vogt Ebf. Riga 373 Heidingsfeld, Konrad von, Ktr. Münnerstadt 466 Heilbronn 455* - , DOH 182, 321, 325, 327, 331, 423 - -, Ktr. 321, 400, 455 ---, s. Bernhausen -,palacium regium 321 Heiligenberg, DOH 378 Heiliges Land 5f., 8, 19, 25, 27f., 30, 32, 41, 43- 45, 56, 59f., 62, 96, 104, 106, 108f., 136, 141 f., 146-153, 155-157, 169, 171, 179, 181, 195, 198, 208, 263 f., 270, 273, 292, 299f., 302, 338*, 373, 387f., 390-392, 394-397, 415, 451, 454, 456-459, 466, 469, 473 f. - , Heilige Stätten 36, 97, 109, 150, 155, 157f., 292, 389, 458, 476 - , Heiliges Grab, Kanoniker 86 f., 96, 107 Heilsberg 70 Heinrich, HM 21 - , Marschall 28, 117 - , Prior 21, 65 - , Spittler 28, 117 - , LM Livland 382 - , Lktr. Partes Inferiores 223 f., 232, 317 - , Lktr. Westfalen 306 - , Ktr. Altenburg 271
Ktr. Frankfurt-Sachsenhausen 224, 316 f. Ktr. Graz 266 Ktr. Nägelstedt 272 Ktr. S. Leonardo di Siponto 173 * Ktr. Sumiswald 255 Ktr. Wolframs-Eschenbach 309 Pfleger Muffendorf 289 Heinsberg 234 Heldenouwe, H. von, Lktr. Thüringen-Sachsen 268, 451 Heldrungen, Hartmann von, HM 43, 150 f., 156, 187, 219, 227, 262, 268, 364f., 397, 450-452 Helfenstein, Hartmann von, Lktr. Bozen 412 Helmich, Ktr. Deutschbrod 248 Henneberg, Gr. von 38, 320, 323 - , Ludwig von, Lktr. Österreich 412 Hennegau, Gr. von, Florens 177 - , Gr. von, Isabella, Frau des Florens 177 Herborn 296-298 Herbort, Ktr. Aichach und Blumenthal 319 Hergenrath, s. Biesen Hermann, Magister citra mare 220 - , DM 214 f., 217, 451 - , Ktr. Höxter 280 - , Ktr. Waldbreitbach 325 - , Prior Plauen 272 - , DOBr. Preußen 461 Hernandus, DOBr. 181 Hersfeld, Kloster 43 Hertold, Hktr. Nürnberg 198 Hesby 400 Hesselius, Ktr. Nes 238 Hessen 26, 219, 292-294, 296, 395-397, 407, 409 f., $14, 422, 425, 436, 438 f., 443, 446-448, 451, 455 f. Hieronymus, Ktr. Agrigent 402 Higares 181 Hildesheim, Diözese 64, 462 - , Domstift 30 Hirschberg, Gr. von 312, 416 f., 455 - -, Gerhard von, DM 328-330, 411, 416, 418, 441, 453, 455 f. Hirzo, Ktr. Wien 265 Hitzkirch 251, 256 - , DOH 71, 76 f., 256 f., 260, 451 - -, Ktr. 256, 259 Hochheim, Heinrich von, Lktr. Thüringen 269 Hochmeister, s. Altenburg, Bart von Tonna, Feuchtwangen, Gerhard, Heinrich, Heldrun- gen, Hohenlohe, Kerpen, Kniprode, König, Konrad, Malberg, Orseln, Salza, Sangerhausen, Schwanden, Sibrand, Thüringen, Trier, Uren- bach, Walpot, Wüllersleben, Zöllner von Rotenstein Hochstaden, s. Köln, Abf. Hoenhorst, Johann von, Lktr. Partes Inferiores 228, 231 Hofelt, Otto von, Ktr. Beckingen 284 Hohenecken, Familie 284 Hohenlohe, Familie 187, 293, 315, 414, 421 f. - , Agnes von 326 - , Andreas von, DOBr. 314, 414 f. - , Eberhard von 221 - , Elisabeth von 315 f. - , Friedrich von, DOBr. 314, 414 - , Gottfried von 316 - , Gottfried von, HM 143, 157-160, 162-164, 264, 353, 411, 452 - , Heinrich von, HM 42, 44, 133, 135, 148f., 212, 216, 219, 223, 252 f., 262, 314 f., 344, 414, 449 f., 453 Hohenlohe-Brauneck, Gottfried von, Ktr. Archs- hofen 315 Hohenzollern, Familie 326, 415, 422 - , s. Nürnberg, Burggrafen Holland 230, 396 - , Gr. von 230f., 403, 411 ---, Dietrich von, Lktr. Partes Inferiores 227, 230f., 411 ---, Floris V. 237 - -, Wilhelm II. 227, 230, 236, 411 - , Florentius von, Lktr. Sizilien 403 Holstein 332, 339, 369, 383, 436, 438 Holt, DOH 234 Horn, Nikolaus von, Lktr. Partes Inferiores 226 Horneck, DOH 146*, 318, 323 f., 327, 331, 416, 418 - -, Ktr. 323, 418, 456 ----, s. Hirschberg, Horneck, Schenk von Limpurg - , Burg 323, 416 -, Familie 416 ---, Konrad, Ktr. Horneck 323, 416 ---, Konrad, Sohn Konrads, DOBr. 323 ---, Werner, Sohn Konrads, Ktr. Horneck 323, 416 Hornhausen, Burkhard von, LM Preußen/ Livland 324, 349, 369 Hornstein, Heinrich von, Ktr. Balga 348 Hörselgau, Ludwig von, Marschall 394, 396
Horst, Dietrich von, Lktr. Partes Inferiores 227 Hostraditz (Hosteradice) 245 -, DOH 245, 249 - -, Ktr. 245 ----, s. Konrad Hotterman, Heinrich, Ktr. Vargula 274 Hout, Raso von, DOBr. 234 Höxter 280 -, DO Ktr. 280 ---, s. Hermann Hoya, Grafschaft 438 Hugo, DOBr. 28*, 256, 271 Husen, Friedrich von, Bf. von Kulm 468 Hüttenheim, DOH 201, 220, 308 f., 327, 330 f. - -, Ktr. 308 f. ----, s. Ingebrand ---, Baumeister 201 ---, Kellner 201 - , Albert von 221, 308 I Ibersheim 289 - , DOH 289 - , Ktr. 289 Iburg, Rudolf von, Ktr. Mainau 257 Iglau (Jihlava) 240, 246 Ilberstedt, Johann von, DOBr. Preußen 461 Ile de France 111 Immerfeld, Konrad von, Lktr. Österreich 412 Ingebrand, Ktr. Hüttenheim 308 Ingersheim 251 - , DOH 220 Islam, s. Muslime Italien 27, 33, 37, 39, 46, 109, 135, 163 f., 178, 180, 183, 185, 199, 202, 204, 215, 219, 261-263, 267, 269, 291, 300, 392 f., 401-406, 413, 464, 474 - , JGK 111, 166 f. - , vgl. auch Lombardei, Mittel-, Süd- und Unter- italien J Jaffa 7, 37 Jägerndorf (Krnov) 244 Jagst 326 Jakob, Lktr. Flandern und Brabant 229, 289 - , Ktr. Obermöllrich 295 - , Seneschall Barletta 199 Jalez, TOB 111 Jerlando, Johann von, Ktr. Agrigent 402 Jeroschin, Nikolaus von, DOBr. 98, 151* 390:;- Jerusalem 7f., 13-16, 37-39, 43, 97, 104-109, 334 389, 469, 473 f. - , Al-Akscha-Moschee 37 - , Davidsturm 38 f., 108 - , Felsendom 37 - , Grabeskirche 38, 87 - , Haus Kg. Balduins 38f., 108 - , Königreich 8, 19, 33, 37f., 44, 108, 114, 123, 134 150, 152, 169, 389, 470 - -, Kg. von, 13, 33, 37f. ------, s. Brienne, Champagne, Lusignan - -, JKO 130 - , Marienspital der Deutschen 11, 13-17*, 38f., 105-108 ---, Prior 13 - -, Spitalarchiv 13 f. - , Patriarch 36-38, 96, 390 - , Spital JO 114 - , Straße der Armenier 38 - , Tempel 37 ---, Haupthaus TO 113, 140 ------, s. Haupthaus TO - , Thomaskirche 38 Jerwen (Järvere) 369, 378 - , DOH 372, 381 ---, Vogt 381 ------, s. Eck - , Schwertbrüderhaus 371 f. ---, Schwertbrüdervogt 369 Jesco, Komtur Repin 244 Jettenhausen 253 Joachim, DOBr. 158, 398* Johann, Prior 67 - , Lktr. Spanien 182 - , Ktr. Austerlitz/Neu-Sedlitz 245 - , Ktr. Einsiedeln 284 - , Ktr. Königgrätz 247 - , Ktr. Maasland 236 - , Ktr. Mährisch Kromau 245 - , Ktr. Mitau 378 - , Ktr. Polna 246 - , Ktr. Saarbrücken 283 - , Vogt Zabeln 377 - , Vogt Ugaunien 369 - , DOBr. 247 Jordan, Fluß 113 - , Lktr. Sizilien 175, 214, 220 Jork, Gerhard von, LM Livland 384
Judenrode, DOH 289 f. - Ktr. 289 -----, s. Christian Jülich, Grafschaft 231* - Gr. von 404, 474 -----, Wilhelm 35, 232 Jülich (Julers), Wilhelm von, Ktr. Gurfa 404 K Kahler, Familie 411 Kairo (Fustat) 34 Kaiser, s. Deutsches Reich Kaisersberg (Kaysersberg) 259 - , DOH 259 f. - -, Ktr. 259 -----, s. Strasburg - , Walter von, Ritter 259 Kaiserslautern 282 f. Kalamata 26, 177 f. Kalisch, Friede von 191 Kaltenthal, Walter von, Ktr. Kapfenburg und Giengen 314 Kalykadnos (Göksu), Fluß 9 Kandau, Vogt 104 Kapfenburg, Burg 326 - , DOH 314, 326 f., 331 - -, Ktr. 314, 326 -----, s. Kaltenthal, Ketz Karchus, Hermann von, Vogt Karkus 375 Karkus (Karksi) 369, 375 - , DOH 375, 380f. - -, Vogt 375, 380f. -----, s. Karchus, Werner - , Schwertbrüdervogt 369 Karmeliter 95* Kärnten, Hzt. 263, 265 f., 299 -----, Hz. von 266 - , Johann von, Lktr. 188 Kassel, Rudolf von, Ktr. Wenden 368, 371 f. Kastel, DOH 317f. - -, Ktr. 317f. -----, s. Dietrich Kastilien, Kgr. 181 Kastilien und Leon, Kg. von 183 -----, Alfons X. 181 -----, Ferdinand III. 181 Katalanische Kompanie 177 Katalonien, Grafschaft 181 Katrijp 77 Katwijk, DOH 236 Katzenelnbogen, Gerhard von, Marschall Livland 381 f. Kawilre, Johann von, Lktr. Lothringen 284, 411 Kent, JOP 111 $ Kerpen, Otto von, HM 25 Ketz (Kötz), Johann von, DM 72, 326 Kiburg, Familie 254 Kilikien 9 Kinzweiler, Ludwig von, Lktr. Utrecht 231 Kirchberg, Burggr. von 408, 468 ---, Christian, Bf. von Litauen 468 ---, Heinrich, Ktr. Zwätzen 408 Kirchheim 295 - , DOH 295 f. - -, Ktr. 296 - , Hermann von, DOBr. 28, 55, 116 Klaue, Bertold, DOBr. Mühlhausen 408 Kleinasien 169 Kleve, Gr. von 403 - , Dietrich von, Vizelktr. Sizilien 403 Klieber von Syvelnhem, Heinrich, GK 398 Klingen, Ulrich von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Knewer-Knau, Gottfried, DOBr. Altenburg 407 Kniprode, Winrich von, HM 89, 137 Koblenz 225, 288, 411, 414 - , Ballei 70f. , 74, 160*, 206, 217f., 220, 225, 230f., 285-291, 296, 298 f., 308 f., 318, 324, 328, 414 - -, Ktr., Lktr. 198, 217f., 226f., 230, 285f„ 289f., 297f., 411, 414 ------, s. Benesis, Holland, Lonnig, Ludwig, Porta Castri, Werner - , DOH 160*, 199 f., 206, 218, 220, 224-287, 289, 324 - -, Ktr. 288, 317 ------, s. Ludwig - -, Schäffer 200 - -, Schiffsmeister 201 ---, Trappier 199 ---, Treßler 199 - , Deutsches Eck 285, 287 - , Spital 287 - , Heinrich von, Kastellan Montfort 395 - , Peter von, Kastellan, Montfort 395 f. Koeken, Dirk, Ktr. Rhenen 238 Kohren, Familie 408 Köln 70*, 288, 395, 467 - , DOH 95, 198, 200, 287f., 290 - -, Ktr. 287 - -, Hausktr. 198
- Schäffer 200, 290 Ebf. von 404 ---, Dietrich II. von Moers, 234 ---, Heinrich II. von Virneburg 290 ---, Heinrich von Müllenark 64, 462 ---, Konrad von Hochstaden 324 ---, Siegfried von Westerburg 399 - , Jungenbiesen, DOH 235 - , Katharinenspital 288 - , Severinstraße 288 - , Stift St. Severin 288 - , Zisterzienserinnenkloster Seyne 324 - , Hermann von, Treßler 396 Komotau (Chomutov) 247 - , DOH 247, 249 - -, Ktr. 247 ------, s. Salza - , Friedrich von 247 König, Ludolf, HM 189 Königgrätz (Hradec Krälove) 247 - , DOH 247, 250 - -, Ktr. 247 ------, s. Johann - , Prager Vorstadt 247 - -, Jakobikirche 247 - , Spital 247 Königsberg (Kaliningrad) 5, 182, 349 - , DOH 345, 349, 351, 357f., 400, 455 - -, Ktr. 349, 354, 358 f., 361 ------, s. Hornhausen, Rufus - -, Hktr. 355, 357 ---, Backmeister 355, 357 ---, Großschäffer, s. Mansteden ---, Karwansmeister 357 ---, Mühlmeister 355, 357 ---, Trappier 355 - , Spital 360 Köniz 251, 255 - , DOH 255, 260 - -, Ktr. 255, 451 ------, s. Burkhard, Schwanden Konrad, HM 21 - , Trappier 118 - , Lktr. Lothringen 411 - , Lktr. Partes Inferiores 225 - , Ktr. Bozen 29, 299 - , Ktr. Golar 277 - , Ktr. Hostraditz 245 - , Ktr. Mülheim/Möhne 305 - , Ktr. Neuhaus 248 - , Ktr. Porstendorf 271 - , Ktr. Schianders 301 - , Ktr. Trient 301 - , Spitalmeister Nürnberg 308 - , DOBr. 179 - , Kaplan 16, 21 - , Schenk Bf. von Reval 373 Konstantinopel 177 - , Kaiserhof 9 Konstanz 257 - , Bf. von 253, 416 - , Diözese 212, 253 - , Kloster zum Paradies 253 Korone (Koröni) 177-179 Krain, Mark 261-263, 266, 299 Krak des Chevaliers 7 Krakau 426*, 463 Krankow 333, 384 - , DOH 333, 384 - -, Ktr. 333, 384 ------, s. Ratzeburg Krenowitz (Krenovice) 249 - , DOH 249 f. Kreuzburg (Slawskoje) 335 - , DOH 345, 349, 351, 358 - -, Ktr. 349, 351 ------, s. Rudewig Kreuzzug, Kreuzfahrer 1, 4-11, 13, 19f., 23*, 24, 32-37, 39, 45f., 55-57, 64, 101 f., 107-109, 148, 150-152, 155, 157-159, 162, 164f., 170f., 175, 177, 179, 181-183, 185, 190, 195, 208, 313, 335, 339, 341, 349, 351, 362, 388, 390, 395, 461, 470 f., 474 Kronberg, Hartmud von, Lktr. 409, 455, 460 Kropf, Arnold, Lktr. Böhmen-Mähren 412 f. Kruschwitz, Vertrag 338, 340 Krusina von Lichtenburg, Jan, Hofmeister 246 Kücheli, Rudolf, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Küchenmeister von Rothenburg, Hartwich 322 Küchenmeister von Rothenburg, Helmerich, DOBr. 322 Kujawien 342, 349 Kulm (Chelmno) 339, 343 - , DOH 342, 344, 348 - -, Ktr. 342, 348 ------, s. Freiberg - , Bf. von 350, 466, 468 ---, s. Husen, Schenk von Töging - , Bischofsvogt 350 - , Domkapitel 65, 361
Handfeste 241, 342, 344, 348, 450 - , Spital 360 Kulmerland 336-342, 344-346, 349, 351, 359-361, 380 - , Lktr. 342-346, 348, 351, 353, 359, 361, 427, 468, 471 ---, s. Freiberg, Merwitz ---, Kumpan 356 - , Vogt 345 Kumanen 334 f. Kunimund, Magister citra mare 220 Kuno, LM Livland 382 Kürbitz, Heinrich von, Ktr. Saalfeld 274 Kurland 367, 369, 375-377, 379 f. - , Bandowe 376 - , Bf. von 375-377, 468 - -, s. Werth - , Domkapitel 65 - , Kuren 150, 376f., 381 - , Schwertbrüdervogt 369 - , DO Vogt 381 - , Vredecuronia 376 L La Forbie 390 La Mota del Marques, DOH 181 f. Labiau (Polessk), DOH 352, 358 - -, Ktr. 352, 354 Lahn 291 Laibach (Ljubljana) 266 - , DOH 266 - -, Ktr. 266 - 7 -, s. Dietrich Lana 301 - , DOH 220 Landsberg, Günter von, Ritter 251 - , Konrad von, DOBr. 337 Lange von Lechenich, Wilhelm, Lktr. Sizilien 403 Langeln 276 - , DOH 217, 276 - -, Ktr. 276, 456 -----, s. Bedecke, Wegeleben - , Georg von, Lktr. Lothringen 192 Langenberg, Albert von, DOBr. Preußen 342 Langenstein, Ritter von 257 Laon, Diözese 111 - , TOB 111 Lauchheim 326 Lausanne, Diözese 212, 253 Lauterbach 311 - , DOH 311, 327, 331 - -, Ktr. 311 ------, s. Dietrich Lauterberg, Werner vorij Ktr. Marburg 410 Libertus, Dietrich, DOBr. 401* Leal (Lihula), DOH 375, 380, 383 - -, Ktr. 375 ------, s. Robert ---, Kämmerer 383 Lechenich 403 f. - , s. Lange Ledersac von Printhagen, Antonius, Ktr. Utrecht 230, 235, 303 - , Gerhard, Ktr. 233, 303 f. Lefkara 171 Leiden 237 - , DOH 237 - -, Ktr. 237 - , St. Peter 237 Leinigen, Gr. von 403 - , Wilhelm von, Lktr. Sizilien 403 Leisnig, Familie 408 Leitmeritz (Litomerice) 245 Lemborg, Friedrich von, DOBr. Biesen 467 Lengmoos 300 - , DOH 300, 302 - -, Ktr. 300, 398 ------, s. Friedrich, Klieber von Syvelnhem - , Spital 300 f. Lentersheim, Ulrich von, DM 313, 318, 324 Leon, Kgr. 181 Leonberg, Gr. von, Wernhard II. 196, 310 Leopold, Ktr. Troppau 244 Lesch, Gottfried, Lktr. Österreich 187, 412 - , Hermann, Lktr. 411, 412 - , Johann, Ktr. Mitau 379 Leslau (Wloclawek), Bf. von 338 Lettgallen 377, 379 f. Liebenberg, Ludwig von 422 - , Ulrich von, Ritter 254 Liebstedt 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 ------, s. Eckebrecht Lih, Dietrich, Ktr. Palermo 401 Limassol, Spital JO 114 Limburg, Hzt. 230, 236, 403 - , Walram Hz. von, Gr. von Luxemburg 282 Limpurg, s. Schenk
Litauen, Litauer 44, 102, 182, 352, 354, 359, 361 f., 370, 375 f., 379, 400, 453, 455 - , Bf. von 468 -----, s. Kirchberg Livland 5, 6, 43-45, 53-55, 57, 60, 63, 65, 69, 78, 100, 103, 109, 135, 146, 162, 182, 222, 263, 273, 305, 332, 344, 362-364, 366f., 369, 373-382, 384, 392, 400, 415f., 418, 436, 438-441, 447, 453-456, 459-464, 468, 470, 472 f. - , Ordenszweig 3, 42, 45 f., 56, 102-104, 136, 143, 145, 147, 149, 152, 163, 178, 223, 302, 305, 307, 332, 347, 374, 378, 382 f., 385-388, 391-394, 436f., 439-442, 445, 447, 449, 453f., 458, 461- 463, 471, 475 f. - -, LM 56, 143, 145, 152-154, 156f., 160-162, 221 f., 264 f., 279, 332f., 364-367, 371-375, 377f., 381-387, 436, 439-441, 443-448, 450, 452-455, 457, 461 -----, s. Balk, Konrad von Feuchtwangen, Grüningen, Haold/Halt, Jork, Monheim, Nindorf, Nordeck, Sangerhausen, Würzburg -----, Statthalter 381 f. --------, s. Felben, Mangold, Westfalen, Würz- bürg - Marschall 102*, 368, 371, 373 £., 381-383, 439 f. -----, s. Heinrich, Katzenelnbogen, Kuno, Rutger (Rüdiger), Werner - , Schwertbrüderorden 134, 147, 187, 222, 262, 269, 292, 305, 332f., 362-374, 376-378, 380, 383-386, 391, 395, 436, 439, 441, 451, 454, 471 - -, Meister 362f., 367, 372, 385, 454 -----, s. Arnold, Bauerbach, Bertold, Döhlen, Hartmut, Kassel, Magdeburg, Naumburg, Reimund (Rembold), Rutger, Selich, Soest, Tumme, Wenno, Wridecke - , Liven 366, 438, 463 - , Schwarzhäupter 102 - , Hermann von, Prokurator 186 f. - , vgl. auch Baltikum Löbau 429, 455 Lochstädt, DOH 352 - -, Ktr. 352 Lombardei 37, 43, 203, 299, 464 - , Ballei 161, 178-180, 328, 392, 401, 405 - -, Lktr. 161, 164, 179f., 184, 188f., 264, 396, 402, 405 -----, s. Felix, Kärnten, Manstoch, Omnibonus, Saxonia, Trier, Ulschalk - , Lombardenbund 40 - , Städte 36, 135 - , vgl. auch Italien Longus von Ypern, Johann 11* Lonnig, Matthias von DM 218, 227, 411 Loon (Looz), Arnold Gr. von 228, 231 - , Gerhard von, Lktr. Biesen 228, 231 - , Johann von, Herr zu Heinsberg 234 Lothringen 404 - , Ballei 72*, 206, 216, 259, 280, 282-284, 328, 411 - -, Lktr. 74, 182, 280-284, 398, 400 -----, s. Bertold, Gerhard, Konrad, Langeln, Mörsberg, Nordhausen, Rinkenburg, Trier, Veldenz - und Brabant, Heinrich Hz. von 295 Lübeck 10-12, 21, 23, 332, 384, 436, 443, 447 - , Bf. von 332, 383 f. - , DOH 332, 384 -----, Pfleger 384 - , Burgstraße 332 - , Spital 332, 384 Lucklum 277 - , DOH 276f., 280 - -, Ktr. 277 -----, s. Boteken Ludwig, Lktr. Apulien 173 - , Lktr. Partes Inferiores 225 - , Lktr. Preußenland 342 - , Ktr. Griefstedt 275 - , Ktr. Koblenz 224, 288, 317 - , Ktr. Riga 381 - , Ktr. Speyer 320 Luprandus, Johann, Ktr. S. Leonardo di Siponto 402, 404 Lusche 35 Lusignan, Guido von, Kg. von Jerusalem 8, 12, 17, 108* Lüttich, Heinrich Elekt von 233 - , DOH 232 f. - -, Ktr. 232-234, 303 -----, s. Arnold, Ledersac, Walter - , St. Andreas 233 - , St. Gangulf 233 - , Stift 303 f. Luxemburg 282 f., 411 - , DOH 282 - -, Ktr. 282 -----, s. Walter - , Flandrische Straße 282 - , Grafschaft 281
---, Gr., s. Limburg Spital 282 Alberich von, DOBr. Barletta 404 f. Lyndell 383 Lyon, Konzil 48 M Maasland, DOH 236 - -, Ktr. 236 ----, s. Johann Maastricht 71, 234 -, DOH 200f., 206, 234 - -, Ktr. 234 ----, s. Virneburg ---, Baumeister 201 ---, Kellner 201 ---, Küchenmeister 201 ---, Schäffer 200 - , Servatiusstift 234 Machabäer 30, 97f., 100, 473 Mackovice 245 Magdeburg 278 f., 395 - , Börde 436 - , DO Ktr. 279 f. - , Diözese 339 - , Erzstift 425, 427 - , Johann von, Schwertbruder 262, 363 f., 373 - , Ludolf, Ebf. von 26, 194, 270 Magister citra mare, DO 104, 213, 220 f. ---, s. Kunimund, Hermann - , TO 111, 168, 220 - , s. Preceptor citra mare Mähren 26, 195, 240f., 248, 339 - , Mgr. von, Wladislaw III. Heinrich 243 ---, Wladislaw 18, 26, 195 Mährisch Kromau (Moravsky Krumlov) 245 - , DOH 245, 249 - -, Ktr. 245 ----, s. Johann - , Spital 245 Main 331, 425 Mainau 257 - , DOH 257, 260, 416, 421-423 - -, Ktr. 257 -----, s. Falkenstein, Iburg, Urach Mainz 23, 282, 468 - , DOH 45, 71, 135, 152, 216, 317f., 327, 331 - -, Ktr. 199-, 317f. ----, s. Dietrich, Molhusen - , Diözese 221 - , Ebf. von 294, 316, 327 --, Siegfried II. von 271, 294 - , Judenmünster 317 - , Mariengradenstift 2^2 - , Stift St. Stefan, Scholaster 77 - , Stift St. Stefan, Scholaster, s. Frosch Mainz (Maguntia), Peter von, DOBr. Preußen 468 Malberg, Gerhard von, HM 40-42, 48, 58, 133, 135, 148, 395, 449, 452 Mandern, Konrad von, LM Livland 227, 410, 414, 456 Manfredonia 173 Mangold, LM Preußen 382, 428, 435 Mannet 43 Mansdorf, Hermann von, Ktr. Gangkofen 310 Mansteden, Winrich von, Großschäffer 95* Manstoch, Heinrich, Lktr. 405, 412 Marano 179 Marburg 291, 410 - , Ballei 71, 202, 206, 216, 220, 275, 285, 287, 291, 296-299, 306, 308 f., 311, 317f., 328, 410, 414 - -, Ktr., Lktr. 202, 275, 279*, 280, 286, 291, 294-298, 317, 395, 399, 451, 461 ------, s. Battenberg, Büdingen, Diedenhausen, Döring, Kronberg, Lauterberg, Mandern, Mässing, Mündelheim, Münzenbach, Nessel- röden, Rickel, Schwanden, Solms, Vargula, Winrich, Wise, Z wehren - , DOH 22, 56, 67, 101, 134-136, 147, 198-206, 213, 216, 222 f., 262, 269, 279*, 280, 287, 291- 294, 297, 308, 317, 321, 363f., 371 f., 409f., 436, 450, 454 f., 459 f. --, Haupthof 71 - -, Hktr. 198, 203 --, Kellner 200 --, Küchenmeister 201 --, Marschall 198 f. --, Pitanzmeister 202 f. - -, Prior 22, 67, 204, 292, 296, 321 ------, s. Dürn - -, Spital 203 f., 291, 294f., 308 ------, Spitalmeister 203 --, Trappier 199, 203 --, Zinsmeister 200 - , Elisabethkirche 101, 262, 291 - , Konrad von, Magister 291 Marburg (Maribor) 263 - , DOH 266
Margat, Burg 7 Maria, Gottesmutter 101-104, 107, 469 Marienburg (Malborg)/Preußen - , DOH 6, 78, 83*, 103, 143, 146 f., 153, 164 f., 265, 352-355, 357f., 387, 399, 452, 469 - -, Ktr. 353, 358 f. -----, s. Wildenau -----, Kumpan 356 f. - -, Hktr. 355, 357 ---, Karwansmeister 355, 357 ---, Trappier 355, 357 ---, Marienstatue 103 Marienburg (Alüksne)/Livland - , DOH 103 - -, Ktr. 104 Marienburg/Siebenbürgen 103, 335 Marienwerder (Kwydzin) 78, 339, 343 Mark, Grafschaft 437 f. ---, Gr. von der, Engelbert III. 474 Marmorarius, Constantin, DOBr. 29 Marquard, Ktr. Donauwörth 311 Masmünster, Burkhard von, DOBr. Palermo 404 Masowien 337 - , Hz. von, Konrad 336-340, 463 Massemen (Masmines) 223, 228 Mässing, Familie 312, 416 - , Bertold von 312 - , Heinrich von, Lktr. Franken 329 f., 411, 414 - , Marquard von, GM 157*, 310, 312, 398 f., 410f., 416 Mauren 181 f. Mauritius, Heiliger 102 Mauritius (Moritz), Vogt Sakkala 369 Mecheln 35, 226, 228, 288 f. - , DOH (Pitzenburg) 224, 228, 230f., 288-290 - -, Ktr. 229 f., 289 -----, s. Jakob ---, Rentmeister 290 - , Heinrich von, Ktr. Bernissem 233 - , Herren von, s. Berthout Mecklenburg 333, 340, 369, 384, 438, 443, 447 Meinloh, DOBr. Ulm 313 Meißen, Bf. von 205, 273 ---, Witego 273 - , Burggr. von, Bernhard 248 ---, Gertrud, Frau Bernhards 248 -, Markgrafschaft 425f., 439 ---, Mgr. von 341, 425 -----, Dietrich 424 f., 461 -----, Friedrich 274 ----, Heinrich 102* Melfi 173 Melnik 244 Memel (Klaipeda) 376, 455 -, DOH 376, 379, 381, 383, 455 - -, Ktr. 376 -----, s. Bernhard ---, Marschall 383 ---, Kämmerer 383 ---, Vogt 381 Memmersbronn (Narbefontaine) 282 - , Spital 282 Merbod, Ktr. Altshausen 255 Merenberg, Werner von, Marschall 395 Mergentheim 314 f., 326, 328 - , DOH 42, 134, 136, 206, 314-316, 318, 321, 326-328, 330f., 366, 414f., 420-422, 452, 466 - -, Ktr. 315, 319, 326, 396, 405, 414 f., 422, 449 -----, s. Eberswin, Hohenlohe, Mässing, Saxonia, Zöllner von Rotenstein, Zwehren ---, Trappier 199 - JKO 314 - , Burgen 314 Merseburg, Bf. von 273 Merwitz, Heinrich von, Lktr. Kulmerland 343* Merzhausen 296 Mesagne 172 Messenien 177 Messina 19, 174 - , DOH 174 Metherswald/Miderswald, DOH 283 - , Spital 283 Methone (Methöni) 177-179 Metz 282, 404 - , DOH 282 - -, Ktr. 282 -----, s. Arnold - , Heinrich von, Ktr. Palermo 404 Meuse, Departement 191 Mewe (Gniew) 337, 352 - , DOH 352 - -, Ktr. 352 -----, s. Spyr Middelburg 236, 403 - , DOH 236 - , Nordmünster 236 - , Dietrich von, Lktr. Sizilien und Apulien 176, 403 Miel 187 - , Heinrich (Hermann) von, DO Prokurator 187
Miletin (Miletin) 246 DOH 246, 250 Domaslava von 246 Millendunck, Konrad von DOBr. 396 Mitau (Jelgava) 377 DOH 378, 380 - -, Ktr. 378 f. ------, s. Johann, Lesch Mitteldeutschland 426, 428 f., 445 f., 448, 474 Mittelitalien 188 f., 191 - , vgl. auch Italien Mittelmeer, Mittelmeerraum 4, 6, 16, 24, 39, 62, 148, 165, 183, 192 f., 344, 391, 406, 452, 474f. - , Balleien am 2f., 129, 154f., 161-164, 172, 178, 180, 206, 218, 222, 254, 264, 354, 360, 388f., 391-393, 400, 445, 457, 465 f., 475 - -, Lktr. 254 Mittelrhein 288, 406, 412, 438 f. Mocejön 181 Mocha-Waigele (Vaiga) 369 - , Schwertbrüdervogt 369 Modena, Wilhelm von, Kardinal 48-51, 350, 365 Moelnare, Walter, Lktr. Flandern 228 f. Moers, s. Köln, Ebf. Mohne 305, 307 Molhusen, Nikolaus von, Ktr. Mainz 199 Monheim, Eberhard von, LM Livland 145 Montbard, Andreas von 36 Montefiascone 184 Montferrat. Konrad von 7 Montfort, DO Burg 37, 41, 43, 45, 51, 104, 123, 132-135, 141, 150, 154, 156, 165, 169, 258*, 263, 372, 389f., 392, 395, 454 - -,t Kastellan 132, 154, 372, 394-396, 454f. ------, s. Dessohen, Koblenz, Nassau, Selich, Würzburg Montpellier 189, 191 - , DOH 189-191, 400 - -, Ktr. 189, 400 ------, s. Annut - , Martinsspital 189 - , TOB 111 Morin, DOH 349 - -, Ktr. 349 Mörsberg, Eberhard von, Lktr. 182, 280-282, 400, 411 Mosel 284f., 287f., 398, 400 Mostenitza, DOH 177f. Möttling (Metlika) 266 - , DOH 266 Muffendorf, DOH 289 ---, Pfleger 289 -----, s. Heinrich Mühlhausen /Thüringen 272, 407 f., 467 Altstadt, DOH 203, 2^)6, 272, 408, 467 f. -----, Ktr. 203, 272 ---, Blasiikirche 272, 408 - , Neustadt, DOH 203, 206, 272, 408, 467f. -----, Ktr. 203, 272 ---, Marienkirche 272, 408 - , Reichsburg 408 - , Christian von, Bf. von Samland 456, 468 Mülhausen (Mulhouse)/Elsaß 251, 256 - , DOH 256, 260 - -, Ktr. 256 - , Schultheiß 256 ---, s. Roth Mülheim/Möhne 305 - , DOH 305-307 - -, Ktr. 305 -----, s. Konrad Mulhusen, Gottfried von, DOBr. Preußen 467 Müllenark, s. Köln, Ebf. Mündelheim, Dietrich von, Ktr. Marburg 410 Münnerstadt 323 - , DOH 323, 327, 331, 466 - -, Ktr. 323, 466 -----, s. Bertram, Heidingsfeld Münster 303, 305 - , Bf. von, Ludolf 303 - , DOH 202, 237,303, 305 f. - -, Ktr. 279, 303-306 -----, s. Gerhard, Ledersac ---, Pitanzmeister 202 - , Niederstift 439 - , Bernhard von, Ktr. Fellin 371 Münsterland 437 Münzenbach, Ludwig von, Ktr. Marburg 410 Münzenberg, Kuno von 316 - , Ulrich von 194 f., 316 Muslime (Islam, Sarazenen) 7f., 10, 13, 20, 27, 37f., 43-46, 63f., 104, 109, 113, 148, 150, 152, 155, 157, 159, 164f., 172, 180, 183, 204, 263, 389, 391 f., 415, 451, 469, 471, 474 Muteis, Wilhelm, DOBr. 189 N Nablus 33 Nadrauen 349, 351
Nägelstedt, DOH 272 - Ktr. 272, 363, 399 -----, s, Heinrich, Neuendorf, Sundhausen Narwa, DOH 86 Nassau 425 - , Gr. von 460 - -, Heinrich 224, 297, 317 -----, Mechtild, Frau Heinrichs 224, 317 - , Konrad von, Kastellan Montfort 395 Natangen 341 f., 345, 349, 351, 358 Naumburg, Volkwin von, Schwertbrüdermeister 362 f., 367, 372 Navarra, Kgr. 181 Nazareth 37 Neapel 18, 195, 243 Neckar 146*, 182, 323, 327, 331, 400, 416, 418, 423, 455 Neckarsulm 316, 331 Nennewitz (Nenewitz) 271 - , DOH 31 f., 220, 271 - -, Ktr. 271 Nes, DOH 22*, 72, 77, 204, 238f., 417 - -, Ktr. 77, 204, 238 -----, s. Hesselius - -, Prior 22*, 238 Nessau (Nieszawa), Burg 337-339 - , DOH 344, 348, 357 -----, Ktr. 348 - -, Hktr. 355, 357 Nesselröden, Johann von, Ktr. Marburg 410 Neubrunn, DOH 316 - -, Ktr. 316 - , Spital 316 Neuenburg, Ehrenfried von, Ktr. Altenburg 212, 363 Neuendorf, Arnold von, Ktr. Nägelstedt 363 Neuffen, Bertold III. von 325 Neuhaus (Jindrichüv Hradec) 248 - , DOH 248 f. -----, Ktr. 248 -----, s. Konrad - , Spital 248 - , Heinrich von 248 - , Ulrich von 248 - , Witego von 248 Neumarkt (Ütery) 240 Neurath 289 Neuss 217 - , Spital 217 Neuwerk, Kloster 268 Nevers, Grafschaft 191 Niederdeutschland 386, 436, 439, 447, 474 - , vgl. auch Tiefebene, norddeutsche Niederlande (Niederländisch) 1 f., 51, 159f., 403f. Niederrhein 41, 224, 301, 396, 406, 412, 438 Niedersachsen 425, 427 Nieder-Wöllstadt, DOH, Pfleger 202 Nieuwenhuizen, Engelswindis von, DOSchwester 75* Nikosia 171 Nildelta 33, 35 Nindorf, Wilhelm (Wilken) von, LM Livland 378, 386 Nistenio, Heinrich von, DOBr. 398* Nogat 6, 164, 265, 353, 469 Nordeck, Friedrich von, Sohn Walters, DOBr. Marburg 459 - , Luckard von, Frau Walters 459 - , Walter von, LM Livland 56, 58*, 374, 378, 459 Nordgau 413, 425 Nordhausen, Bertold von, Lktr. Lothringen 283*, 411 Nördlingen, DO-Hof 205 Nordseeküste 436, 447f. Normandie, JOP 111, 166 f. - , TOB 111 Norsa, Richard von, DOBr. S. Leonardo di Siponto 402, 404 Nürnberg 32 - , Burg 308 ----, Margaretenkapelle 32, 308 - , Burggraf von 197 ----, Friedrich, Ktr. Virnsberg 326, 415 - -, Konrad II. 196, 326, 415 ----, Konrad, Ktr. Virnsberg 326 ----, s. Hohenzollern -, DOH 27, 95, 196, 198, 200, 206, 220, 308, 318, 327, 329, 331, 414 - -, Ktr. 196, 308 f., 398 ----, s. Arnold, Friedrich, Mässing - -, Hktr. 198 ----, s. Hertold ----, Baumeister 201 ----, Kellner 200 - -, Spital 196, 202 f., 308 ----, Spitalmeister 196, 308 --------, s. Konrad ----, Überreiter 200 ----, Zinsmeister 200 - , Jakobikirche 24, 27, 31, 196, 308 - , Spital 203*
o Oberdeutschland 425-429, 442, 445-448, 474 Oberdeutschland, vgl. auch Süddeutschland, Oberrhein Oberflörsheim 294 - , DOH 55, 295 - -, Ktr. 295 Obermässing, Burg 312 - , DOH 312 f., 327, 331, 416 - -, Ktr. 312, 398, 416 -----, s. Mässing Obermöllrich 295 - , DOH 295 - -, Ktr. 295 -----, s. Jakob Ober-Mörlen 27, 220 Oberpahlen (Pöltsamaa), DOH 380f., 385 - -, Vogt 380f., 385 -----, s. Walien Oberpfalz 397 Oberrhein 289, 403 f., 406, 425 Ochtenhusen, Johann von, Vogt Goldingen 377 Oesel 367, 369 - , Schwertbrüdervogt 369 Oesel-Wiek, Bf. von 366 Oettingen 322, 395 - , DOH 195, 321 f., 327, 331, 405, 415 - -, Ktr. 322, 405 -----, s. Ulschalk, Welzo - , Gr. von 312, 322, 395, 415 ---, Konrad II. 195 ---, Ludwig, DOBr. 196, 222, 262, 322, 363 f., »415, 450 Offwiller 259, 281 Ofnadingen, Rudolf von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Ohrn, Wilhelm von, Lktr. Apulien 405 Oldenburg, Grafschaft 438 - , Wilbrand von, Domherr 30, 169 Olmütz (Olomouc), Bf. von, Bruno von Schau- enburg 245 ---, Robert 241 Omnibonus (Honebonus), Lktr. Lombardei 180, 402, 405 Ootmarsum, DOH 214, 237, 306 - -, Ktr. 237 Ophemert, DOH 237 Oppemelle (Upmale), DOH 378 - -, Ktr. 378 ----, s. Gerhard Orbec, DOH 191 f. Ordingen, DOH 235 Orient 140f., 147 f., 152f., 155, 165 f., 171 f., 174, 176, 208, 292, 391, 3^3, 418, 457, 461, 472-474, 476 - , Balleien im 129, 135 - , vgl. Palästina Orlamünde, Gr. von, Otto 274 Orlow (Orlowo), DOH 349 - -, Ktr. 349 Orseln, Werner von, HM 98 Orvieto 184, 185 Osnabrück 305 - , DOH 305 f. ---, Ktr. 305 - , Stift 438 Ossowa Bittischka (Osovä Bityska, Vitis) 248 - , DOH 248, 250 Osternohe (Osterna), Poppo von, HM 43, 134, 149f., 342, 417, 428, 450 - , Konrad von, Lktr. Österreich 412 Österreich, Ballei 161, 194, 206, 218, 220, 261, 263-267, 269f., 328, 412-414, 418 - -, Lktr. 153 f., 161, 187, 263-266, 405, 412f., 451 ------, s. Konrad von Feuchtwangen, Gleina, Henneberg, Immerfeld, Lesch, Manstoch, Osternohe, Sulzberg, Traiskirchen - , Hzt. 256, 261-263, 265, 270, 352*, 425, 474 ---, Hz. von, Friedrich II. der Streitbare 261 f., 266 ------, Leopold VI. 9, 33, 35 ------, Luitpold VI. 262 Ostia, Hugo von, Kardinal 179 Ostsachsen 407, 412 f., 425, 427f., 437-439, 443, 446 f. Ostsee, Ostseeküste 11, 332, 341, 436, 438f., 447 f., 464 Otranto, Land 172 Otter, Hermann, DM 216, 221, 337* Otto, Prokurator 185 - , Ktr. Dommitzsch 276 - , Ktr. Schönsee 359 - , DOBr. Aichach 319 - , DOBr. Bologna 179 - , DOBr. 145 Oudenburg 228 Outremer, s. Palästina
p Paderborn, Stift 437 Padua, DOH 179f., 396 ---, Ktr. 405 -----, s. Trento Palästina 2f., 5-8, 14-16, 20, 22, 29f., 35f., 39- 46, 53-57, 63-65, 69, 71, 96, 100, 104, 113, 120, 122, 124, 130, 132, 134-136, 147, 149-156, 162, 165 f., 168-170, 172, 179, 190, 193, 217, 219, 222, 258*, 261, 346f., 353, 372f., 382f., 389-397, 405, 442 f., 447, 449-463, 470, 472, 475 - , vgl. auch Orient Palermo 26, 29 - , DOH 29, 86, 174 f., 401, 404 - -, Ktr. 175, 403 -----, s. Gerhard, Lih, Metz, Papenhoven, Precina ---, Kleinkomtur (Hktr.) 175, 404 - , Dreifaltigkeitskloster 20, 174 Papau (Papowo), DOH 352 - -, Ktr. 352 Papenhoven, Dietrich von, Lktr. 226, 403 - , Walter von, Lktr. Partes Inferiores 227 Papst 1, 5, 8, 13, 22, 31, 33, 36-44, 47, 51, 58, 63, 86, 88, 92, 96f., 105-107, 147-150, 158, 165, 173, 185-187, 190, 292, 335, 337f., 340 f., 344, 346, 350, 363-365, 464, 473 f. - , Alexander IV. 56, 63, 459, 462 - , Clemens III. 8, 14, 17, 105, 107 - , Clemens IV. 182, 188 - , Clemens V. 164, 184 - , Coelestin III. 19, 48, 105 - , Eugenius III. 181 - , Gregor VIII. 8 - , Gregor IX. 10, 40, 64, 177, 186 f., 189 f., 251, 291, 367, 462 - , Honorius III. 31, 33, 53, 56 f., 63, 65*, 66, 73, 105, 132, 183, 185, 188, 210, 461 f. - , Innozenz III. 18, 20, 25, 47f., 105, 115, 169, 171, 195, 243 f., 385 - , Innozenz IV. 40-42, 48, 204, 292, 350 - , Innozenz VI. 190 - , Nikolaus IV. 155 - , Urban III. 8 - , Urban IV. 187, 325, 385 - , Legat 33, 36, 49, 311, 350, 365, 372 Paris, TOB 111 - , Universität 10* Parma 180 Partes Inferiores, Ballei 223, 225, 231, 236, 253, 260, 270, 306, 332 - -, Lktr. 75*, 223-227, 229-232, 239, 254, 289, 317, 395, 413 f. ------, s. Albernus, Frankfurt, Heinrich, Hoen- horst, Horst, Konrad, Ludwig, Mandern, Papenhoven, Porta Castri, Rickel, Solms, Wevelinghoven ---, Vizelandkomtur 227 ------, s. Wevelinghoven Passeiertal 301 Peipussee 470 Peleponnes 177-179, 464 Pernau (Pärnu), DOH 378, 380 - -, Ktr. 378 Pettau, Friedrich von 26, 194, 265 f. Pfalz 294 f. Pfalzgraf Heinrich 276 Pforta, Kloster 221, 271 Philipp, Ktr. Halle 271 Piasten, s. Schlesien Picardie, TOB 111 Pignol 191 Pilsen (Plzen) 244 - , DOH 244, 249 - , Spital 244 Pilten (Piltene) 376* Pincerna, s. Schenk Pisa 8 Pitschkowitz (Byckovice) 245 - , DOH 245, 250 - -, Ktr. 245 ------, s. Habel Pitzenburg, s. Mecheln Plauen 272 - , DOH 22*, 67, 204, 272, 422 - -, Ktr. 272 - -, Prior 22*, 67, 204, 272 ------, s. Hermann - , Vögte von 272-274, 422, 429 Plock, Bf. von 337f. Plötzkau, Heinrich GK, LM 164 f. Pogesanien 341 f., 345, 358 Poitou, TO Meister 167 f. Polen 2 f., 191, 337, 339, 426, 463, 474 - , DO Prokurator 241 ---, s. Balk - , Hz. von 339 Polizzi 174 Polna (Polnä) 246
DOH 246, 249 - Ktr. 246 ---, s. Johann Johann von 246 Polock, Fürst von, Konstantin 377 Pomesanien 339, 341 f., 345, 351, 358 - , Bf. von 350 - , Bischofsvogt 350 - , Domkapitel 65, 78, 361 Pommerellen 338, 352, 354, 463 -, Hz. von, Mestwin II. 352 ---, Ratibor, DOBr. 463 ---, Sambor II. 352 ---, Swantopolk 338, 341 f., 463* ---, Wratislaw 463* Pommern 426, 438, 447 Pont-Saint-Didier 191 Porstendorf, DOH 221, 271 - -, Ktr. 271 ---, s. Konrad, Rudolf - , Augustinerchorherrenstift 271 Porta Castri, Walter von, Lktr. 225 f., 230, 289, 411, 414 Portugal 110*, 181 - , TO Meister 167 Pozzuoli 36 Praeneste, Bf. von 8 Prag 18, 159, 195, 240 f., 243, 246, 452 - , DOH 240 f., 243, 250 - -, Ktr. 240f., 243 - , JKO 243 - -, Ktr. 243 ---, s. Friedrich P/ämonstratenser 102 Preceptor citra mare JO 111, 166, 220 Precina, Robert von, Ktr. S. Leonardo di Siponto 402, 404 Premysliden 19 Preungesheim, DOH, Pfleger 202 Preußen 2f„ 5f„ 42-45, 53-55, 57, 60, 63-65, 69, 70, 78, 98, 100, 103, 109, 124, 135, 146, 148, 153-155, 158f., 161 f., 170, 172, 223, 241 f., 244, 246, 250, 263, 265, 273, 283*, 313, 324, 332, 336 f., 341, 343 f., 347, 350f., 354, 361, 363, 366, 374-377, 379-382, 384, 399f., 409, 413, 415f., 418, 424f., 429, 431 f., 435f., 438-441, 447, 450, 452-456, 459-463, 465, 467-473 - , Bf. von 158 ---, Christian 337f., 340 - , Ordenszweig 42, 45 f., 49, 56, 101 f., 104, 122, 136, 143, 145f., 149, 152, 162f., 223, 343-347, 351, 353 f., 359, 376, 382f., 386-388, 391-394, 413, 426-429, 431-434, 436f., 439-442, 445, 447, 449 f., 453-456, 458, 461-463, 465, 467, 471, 475 f. < --, Landmeister 143, 145 f., 152-154, 156f., 160- 163, 165, 218, 221-223, 240 f., 244, 248-250, 264f., 270, 324f., 338, 343 f., 346-349, 351, 353f., 359, 364, 382f., 386f., 398, 413, 427f., 431, 433-436, 441, 443-448, 450, 452-457, 461, 471 ------, s. Babenberg (Konrad v.), Balk, Konrad von Feuchtwangen, Grüningen, Hornhausen, Mangold, Plötzkau, Querfurt, Sack, Schippe, Schwarzburg, Wegeleben, Würzburg ------, Statthalter (Vizelandmeister) 348 f., 351*, 353, 359, 382, 431, 433, 455 --------, s. Hirschberg, Hornhausen, Hornstein, Rufus, Sack, Stange, Würzburg ------, Kumpan 356, 383 - -, Marschall 242, 338, 342, 348, 353 f., 427, 431, 433 ------, s. Bernheim, Freiberg, Goldbach, Tierberg -, Prußen 103, 150, 241, 324, 336-342, 344-346, 348 f., 353 f., 361, 388, 426-428, 463, 467 - , vgl. auch Baltikum Preußenland 338-341, 345f., 349-354, 358, 360 - , DO, Lktr. 342 f., 345, 348, 351, 361, 471 --, s. Queden Provence 400 Prozelten, DOH 198, 315f., 327, 331 - -, Ktr. 316 ------, s. Riedern --, Hausktr. 198 - , Burg 316 - , Spital 316 Psophis 177 Q Qual’at Jiddin 389 Qualo, Ktr. Zantir 426 f. Queden, DOH 342 f. - -, Ktr. 342 ------, s. Queden - , Ludwig von, Lktr. Preußenland 342f., 351'’ - , s. Marienwerder Querfurt, Gebhard von, Burggraf 194, 270 - , Meinhard von, LM Preußen 353
R Radinc, Bertold, Ktr. Zandvoort 236 Ragnit, DOH 352, 358 - -, Ktr. 352-354, 359 ------, s. Brühaven, Stange Ramersdorf, DOH 35, 235, 320 f., 327, 331 - -, Ktr. 321, 399 ------, s. Runkel, Werner - , Jakob von, DOBr. 396 Rasno-See 380 Ratzeburg, Ernst von, LM Livland 441* - , Johann von, Ktr. Krankow 333 Ravensburg 405, 412 Recklinghausen, Vest 204 Regensburg, DOH 27, 216 f., 220, 309 f., 312, 318, 327, 331, 398 - -, Ktr. 310, 312, 398 f., 417, 450 ------, s. Mässing, Osternohe, Ubelacker - , Egidienkirche 27, 309, 319 ---, Pfarrer, s. Wildenau - , Georgskirche 27 Rehden (Radzyn) 339, 343 - , DOH 344, 348, 357 - -, Ktr. 348 - -, Hktr. 355, 357 Reichau, Heinrich von, Lktr. Sachsen 269 - , Otto von, Ktr. Dommitzsch 276 Reichenau, Abtei 257, 416 - -, Abt 257 Reichenbach/Hessen 26, 293 f. - , DOH 56, 219, 293 f., 422 - -, Ktr. 294, 422* ------, s. Reichenbach - , Nonnenkloster 294 - , Gr. von 460 ---, Heinrich, Ktr. Reichenbach 56, 294, 422*, 460 ---, Heinrich, Sohn Heinrichs, DOBr. 294, 460 Reichenbach/Schlesien 250 Reichenbach/Thüringen 273 - , DOH 203, 273 - -, Ktr. 203, 273 Reims, Diözese 111 Reimund (Rembold), Ktr. Wenden 368, 371, 373 Reinach 251* Reitling 276 - , DOH 276 - -, Ktr. 276 ------, s. Bodo Repin 243 f. - , DOH 244, 249 - -, Ktr. 244 ------, s. Jesco Reschenpaß 299 f. Ressia, Johann von, Lktr. Frankreich 191 Reval (Talinn) 363, 365, 369, 371, 373, 454 - , Bf. von 373 ---, Schenk 373 ------, s. Konrad - , Domberg 366, 372 - , Schwertbrüderhaus 372 - -, Ktr. 372 ------, s. Selich Rheden, Friedrich von, Ktr. Dieren 288 Rhein 287, 331 Rheinbach 187 Rheinberg 290 - , DOH 290 Rheinland 25, 36, 187, 289, 324, 395-397, 399, 403 f., 406, 412, 414, 425-428, 438, 442f., 446, 448, 468, 474 - , vgl. auch Mittelrhein Rhein-Main-Gebiet 307, 318, 331 Rhenen, DOH 238 - -, Ktr. 238 ------, s. Koeken Rhodos, Spital JO 114 Rhotowitz (Rohoter) 245 - , DOH 246, 250 - -, Ktr. 246 ------, s. Rymobothus Rickel, Hermann von, Lktr. 225 f., 410 Riedern, Walter von, Ktr. Prozelten 316 Riepsdorf 383 Riesenburg (Prabuty) 341 Rietberg, Gr. von, DOBr. 460 Rieti, Bulle von 338, 341 Riga 366 - , DOH 69, 145f., 371, 378, 380, 382f. - -, Ktr. 378, 381 ------, s. Ludwig ---, Kämmerer 383 ---, Marschall 383 ---, Schenk 383 ---, Truchseß 383 -, Ebf. (Bf.) von 362, 366f. ---, s. Bekeshovede ---, Vogt 373 ------, s. Heidenreich
Haupthaus der Schwertbrüder 368 f., 371 Stift 373, 376 Rikolf, Ktr. Fellin 368 Rimini, Bulle von 336 Rinkenburg, Heinrich von, Lktr. 192 Rintkauf, Ulrich, DOBr. Beuggen 466 Ritterorden 1, 4f., 8, 19-21, 39, 60-62, 87f., 96, 100, 137, 183, 185, 390, 471 - , Johanniter 1, 4, 7, 9f., 12*-14, 17-20, 22, 24f., 30, 33 f., 36-40, 43, 46-51, 57f., 61*, 62, 64, 68, 75, 80*, 82*, 84* f., 87*, 89f., 96f., 107f., 110- 115, 117-128, 130f., 137f., 140-142, 144, 151, 153, 156, 162, 166-169, 171 f., 175, 177, 181-184, 186, 190, 193, 213, 215, 219f., 292, 334, 344, 390, 397, 446, 451, 459*, 469, 471 ---, Großkomtureien 166, 215 ---, Meister 30, 141, 391 ---, Prior 22, 166 ---, Priorate 166 - , spanische 1, 4, 24, 182 f., 337 ---, Calatrava 337 - , Templer 1, 4, 7, 9, 18, 20, 24 f., 30 f., 33 f., 36- 39, 41, 47-51, 54*, 58, 60*, 62-64, 68, 73, 75, 80*-84*, 87, 89f., 93, 96f., 99, 101, 107f„ 110- 115, 117-123, 125-128, 130f., 137f., 140-142, 144, 153, 162, 164, 166-169, 171 f., 175, 177, 181- 184, 186, 193, 213, 219f., 245*, 258, 279, 292, 334, 344, 367, 390, 397, 418*, 446, 459*, 469, 471 - -, Meister 30, 34, 47, 55, 140f., 391 - , Thomas von Canterbury 10, 24 Robbertus, TO Seneschall 112 f. Robert, Ktr. Barletta 29 - , Ktr. Leal 375 - yfaber, DOBr. 29 Rodez, TOB 111 Roesmer, Wilhelm von, Ktr. Vught 233 Roggenhausen (Rogözno), DOH 352, 357, 359 - -, Ktr. 352, 358 ------, Kumpan 356, 357 - -, Hktr. 355, 357 ---, Karwansmeister 355, 357 Rom 25, 40, 107, 134, 148, 151, 183, 186, 188-190, 450 -, Kurie 29, 34, 37, 39f., 46, 48, 64, 104f., 149, 183-186, 191, 223, 338, 344, 462 ---, s. Papst ---, Kämmerer 187 ---, Marschall 186 ---, Türwärter, Türsteher 187 - , Monte Celio 185 - , Prokurator DO 183-187, 189-191, 401, 464 ---, s. Brunner, Capua, Dorpat, Lesch, Livland, Miel, Otto, Rone - , Prokurator JO 18^f. - , Prokurator TO 184 f. - , St. Maria in Domnica 183-185 - , St. Stefan 185 Romarado, Friedrich von, Lktr. Apulien 402 Roncevallus, Ktr. Brindisi 402 Rondsen 342 Rone, Helmich, Prokurator 189, 191 Rositten (Reczekne), DOH 379-381 - -, Vogt 379-381 Rote, Gerlach der, Schwertbruder 363 f., 373 Roth, Rüdiger, Schultheiß von Mülhausen 256 Rothenburg ob der Tauber 322 - , DOH 315, 322, 327, 331 - -, Ktr. 322, 466 ------, s. Schenk von Töging - , s. Küchenmeister Rubenicht, Vertrag 340 Rudewig, Ktr. Kreuzburg 349* Rudolf, Ktr. Altenburg und Porstendorf 271 Rufach (Rouffach) 251 f. - , DOH 251 f., 254, 260, 285 - -, Ktr. 251, 253 f., 270, 281, 287 ------, s. Gottfried Rufus, Dietrich, Ktr. Königsberg 349 Runkel, Gerhard von, DOBr. 399 Russen 376, 379, 470 Rutger (Rüdiger), Marschall Livland 368, 371, 382 - , Lktr. Böhmen-Mähren 240, 245 Rymobothus, Ktr. Rhotowitz 246 S S. Leonardo di Siponto, DOH 173, 199, 202, 402, 404 - -, Ktr. 173, 402, 404 ------, s. Carbonito, Heinrich, Luprandus, Precina, Troya ---, Seneschall 199 ------, s. Jakob, Symeon - , Augustinerchorherrenstift 173 Saale 270 Saalfeld 274 - , DOH 203, 274 - -, Ktr. 203, 274 ------, s. Kürbitz
Saarbrücken 282 f. DOH 35, 283 - Ktr. 283 -----s. Johann Gr. von, Simon III. 35, 283 Saarburg, DOH 76*, 283 - -, Ktr. 283 -----, s. Volzo - , Spital 283 Säbele, Johann von, DOBr. Livland 468 Sachs, Johann, Ktr. Brest 349 Sachsen 268, 396, 407, 414, 425, 461, 474 - , Ballei 206, 216, 267, 269, 275 f., 278, 280, 297, 328, 425-427 - -, Lktr. 268 f., 277, 280 -----, s. Reichau - , Hz. von, Albert 277 - -, Rudolf 278 Sachsenhausen, s. Frankfurt-Sachsenhausen Sack, Konrad, LM Preußen 164, 353, 359 Saffenberg, Konrad von, DOBr. 59 Saint-Michel de l’Hermitage, DOH 191 Sakkala 369, 375, 378 - , Vogt 381 - , Schwertbrüdervogt 369 -----, s. Mauritius (Moritz) Saladin, Sultan 7-11, 13, 108 Salerno 40 Salza, Friedrich von, Ktr. Komotau 247 - , Hermann von, HM 24, 27f., 30-32, 34, 36-41, 45, 88, 104f., 107, 116-118, 132, 135, 137, 147, 156, 165, 167, 169, 173, 175, 181 f., 215f., 219- 223, 241*, 262f., 269, 280, 291 f., 335f., 338, 363 f., 387-390, 397, 401, 415, 442, 446, 449, 452, 460, 469, 471, 473 Salzburg, Eberhard Ebf. von 26, 265 - , Erzstift 438, 443, 447 Salzwedel, Konrad von, DOBr. Livland 468 Samboriden, s. Pommerellen, Hz. von Samland 345 f., 349, 358 f., 376 - , Bf. von 350, 456, 468 -----, s. Mühlhausen - , Bischofsvogt 350 - , Domkapitel 65, 361, 467 - , Vogt 356 - , Kumpan 356 - , Samen 349, 375 f. Sandegg, Burg 257 - , DOH 257 - -, Ktr. 257 Sangerhausen, Anno von HM 43 f., 134, 150, 156, 170, 217, 219, 246, 317, 450 Saphat, Burg 7 Sarazenen, s. Muslime Sarnthein 301 Sarracenus, DOBr. Barletta 405 Säule 371 Saxo, Johann, Lktr. 188, 396, 405, 414 Saxonia (Sasse, Saxo, Sas), Johann, Treßler 396 Sayn, Gr. von 320 ---, Eberhard GK, DM 49, 135, 144-146, 149, 212, 223, 253, 281, 343-349, 351, 361, 375 f., 395, 453 f. ---, Heinrich III. 35 ---, Heinrich, DOBr. Preußen 342 ---, Mechthild 324 Sazendob, Heinrich, Ktr. Dünaburg 377 Schalauen 349, 351 Schauenstein, Ulrich von, Lktr. Franken 411 Schaulen (Siauliai) 362-364, 367, 370-374, 436, 439 Schelluinen 35 - , DOH 236 Schenk (Pincerna), Albrecht, Ktr. Wolframs- Eschenbach 309 - von Limpurg, Engelhard, Ktr. Horneck 416 - von Töging, Heinrich, Ktr. Rothenburg ob der Tauber 322, 466, 468 Scherbda, Heinrich von, DOBr. Griefstedt 408 Scheuerberg 316, 331 Schiderich, Gottfried von, DOBr. Biesen 467 Schiffenberg, Augustinerchorherrenstift 205, 213, 296 - , DOH 205, 296 - -, Ktr. 205, 296 ---, Propst 205, 296 Schippe, Ludwig, LM Preußen 242, 248 Schiverstat, Konrad von, Lktr. Bozen 412 Schianders 300 - , DOH 300 f. - -, Ktr. 301 ------, s. Konrad Schlans, Albrecht von, DOBr. Beuggen 466 Schleiz 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 ------, s. Braunschweig Schlesien 70, 241, 250, 342, 426 f. - , Piastenherzöge 242, 250, 336, 474 ---, Heinrich der Bärtige 242
Schlüsselberg, Heinrich von, Ktr. Archshofen 315 Schönsee (Kowalewo), DOH 352 - -, Ktr. 352, 359 -----, s. Otto Schoonhoven, DOH 238 - -, Ktr. 238 Schoten, DOH 72, 77, 204, 238f., 417 ---, Prior 238 -----, s. Swarte Schuneman, Konrad, DOBr. Mühlhausen 408 Schwaben 45, 182, 252, 293, 307, 330f., 400, 407, 410-412, 416, 425, 428, 437, 443, 446, 455 - , Hz. von, Friedrich 9, 13, 16 f., 21, 24, 105 Schwanden, Burchard von, HM 43, 45 f., 71 f., 86*, 135, 151 f., 156 f., 161, 198, 209, 211, 219, 269, 275, 280, 286, 296-298, 308, 311 f., 317, 382, 390, 410, 437, 445, 451, 456 Schwarzburg, Gr. von, Gunther 274 ---, Heinrich 274 ---, Sieghard, LM Preußen 435 Schweden 385, 464 - , Birgitta von 385* Schweinfurt 325, 331 - , DOH 325, 327, 331 - -, Ktr. 325 -----, s. Bertold - , Benediktinerkloster 325 Schweiz 46, 71, 204, 251, 255 f., 259, 407, 410, 416, 442 f., 445 f., 451 Schwertbrüderorden, s. Livland Seeberg, Albrecht von 248 Seeflandern 228 Seeland 230, 365 Seelau (Zeliv), Prämonstratenserstift 240 Segewold (Sigulda), DOH 371 f., 380 - -, Ktr. 381 -----, s. Georg - , Schwertbrüderhaus 368, 371 f. - -, Ktr. 368 -----, s. Albert, Wridecke Seibelsdorf 296 Seigneurie de Joscelin 33, 38, 389 Seinsheim 221 Seleukia (Silifke) 9 Selich, Johann, Ob. Marschall DO 372 f., 395, 454 Semgallen 150, 369, 377-380, 455 - , Schwertbrüdervogt 369 Sempach, Schlacht bei 256 Serben 9 Seulingen, Dietrich von, Lktr. Thüringen-Sachsen 267* Severin, Spittler 12*, 21* Sevilla 182 Sibrand, HM 12 f., 21, 23 Sidon 7, 37, 389 - , DOH 389 - -, Ktr. 389, 394 Siebenbürgen 103, 105, 108, 193, 334-337, 389, 424, 469, 472 - , Meister 335 ---, s. Dietrich Siersdorf, DOH 35, 232 - -, Ktr. 232, 399 ------, s. Runkel, Volkwin Sigelo, Ktr. Weinheim 318 Sint Pietersvoeren, DOH 232 f. - -, Ktr. 233 ------, s. Gerhard Sivert, DOBr. 145 Sizilien 8, 22, 26f., 29, 31 f., 42, 109, 172, 174-176, 193, 203 f., 214, 402, 464 - , Ballei 174 f., 199, 214, 328, 392, 401, 404 - -, Lktr. 154, 175 f., 178, 183, 189, 214 f., 220 f., 264, 401, 403 f. ------, s. Bola, Bolanden, Holland, Jordan, Lange von Lechenich, Leiningen, Middelburg, Taranto, Thierberg, Trier, Tuynto (Twente), Walhorn, Worms ---, Vizektr., s. Flamingus, Kleve, Metz - , Kgr. 32, 172, 175 f., 214 ---, Kg. von 31 Skandinavien 438 Slowenien 194 Soest, Wikbert von, Ktr. Wenden 368 Söfflingen, Meinloh von 313 f. Solms, Gr. von 409 ---, Konrad, Ob. Marschall DO 252, 395 f., 409 Spanien, iberische Halbinsel 1, 109, 110*, 180-183, 198, 392, 464, 469, 472 - , Ballei 180, 182 f., 190, 388*, 389, 392, 400, 455, 464 - -, Lktr. 154, 172, 182f., 264, 281 f., 400, 411, 455 ------, s. Bernhausen, Johann, Mörsberg - , JGK 111, 166 - , Ritterorden 1, 4 Speyer, Bf. von 320 ---, Konrad III. von Scharfenberg 320 - , DOH 216, 320, 327, 331 - -, Ktr. 320
------, s. Ludwig Spital 320 Stephanskirche 320 Splinter van der Enghe, Gerhard, Lktr. Utrecht 238 Spyr, Dietrich von, Ktr. Mewe 352 St. Gilles, JOP 166 - , TOB 111 St. Kilian, Bruno von, DOBr. Mühlhausen 408 St. Leonhard im Passeiertal 301 St. Symeon 7 St. Trond (St. Truiden), DOH 233 - -, Ktr. 233, 303 ------, s. Ledersac Stamford 31* - , Tuche 31 Stange, Heidenreich, DO Kanoniker 467 - , Heinrich, Ktr. Christburg 348 - , Konrad, Ktr. Ragnit 352* Starkenburg, s. Montfort Staufer 17, 19, 24, 27, 29, 31 f., 34, 36, 39f., 42-44, 62, 147f., 150, 165, 171, 174-176, 181, 183, 187, 193, 214, 273, 277, 294, 308, 334 f., 344, 406, 413, 469f., 474 - , Beatrix, Tochter Philipps von Schwaben 181 - , Konradin 273 Stedebach 296 Steenkerk 77 Steiermark, Hzt. 261-263, 266 Stensby, Vertrag 365, 370 Sternberg, Mangold von, LM Preußen 435 Sterzing, DOH 300 - -, Ktr. 300, 302 - , Spital 300 f. Stigliano (Astian), DOH 180 - , Astianus von 180 Stockem, Eckbert von, Lktr. Partes Inferiores 227 Stockheim, Hartmann von, DM 192 Stockholm 464 Stoffeln, Peter von, Ktr. Tannenfels 256 Stotzheim, Reinlohe von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Strasburg, Peter von, Ktr. Kaisersberg 259 Straßberg, Gr. von, Otto 256 Straßburg (Strasbourg) 212, 251, 258 - , Bf. von 251, 258 - , Diözese 212, 251, 253 - , DOH 216, 258, 260 - -, Ktr. 258 - - -, s. Walter - , Konrad von, DOBr. 186 Stromberg, Heinrich Burggraf von, Ktr. Arsta 385 Stübig, Heinrich von, DOBr. Mergentheim 466 Stuhm (Sztum) 341 Sudauen 349, 351 Süddeutschland 307f., 315, 318, 327, 331, 405 f., 438, 439 - , vgl. auch Oberdeutschland, Oberrhein Südfrankreich 110*, 189, 190 f. Süditalien 20, 31, 299 f., 464 - , vgl. auch Italien, Unteritalien Sulz (Soultz) 258 - , Engelward von, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Sulzberg, Eberhard von, DM 315, 411, 412 Sumiswald 251, 255 - , DOH 216, 255f., 260 - -, Ktr. 255 ------, s. Heinrich - , Herren von 255 Sundhausen, Reinhard von, Treßler 399 Suntheim 254 - , DOH 70, 76, 254, 260 Swarte, Siegfried, Prior Schoten 238 Symeon, Seneschall 199 Syrien 30 T Tajo 181 Talkhof (Kursi), DOH 378 - -, Ktr. 378 Tannenberg, Schlacht bei 2, 6, 104 Tannenfels 256 - , DOH 256f., 259 - -, Ktr. 256 ------, s. Stoffeln Tannroda, Bertold von, DM 42, 217, 255* Tapiau (Gwareisk), DOH 352, 358 - -, Ktr. (Pfleger) 352, 358 ------, s. Bauwarus, Werner Taranto, Heinrich von, Lktr. Sizilien 401 Tarent 401 Tauber 315, 322 Täufers, Adelheid von, Frau Hugos 300 - , Hugo von 300 Tepl, Kloster 240 Ter Duinen, Kloster 228 Terwete (Tervete), DOH 78, 378 - -, Ktr. 378
Th., Lktr. Thüringen-Sachsen 267f. Thierberg, Familie 398 - , Heinrich von, Marschall Preußen 398, 404 - , Konrad von d. J., Marschall Preußen 353 Thomasius, Ktr. Gurfa 402 Thorn (Torun) 3, 69, 338 f., 343, 450* - , DOH 344, 348, 357 - -, Ktr. 348, 353, 358 f., 455 ------, s. Kronberg, Sack - -, Hktr. 355, 357 - , Spital 360 f. Thüringen 22, 25, 31, 43, 63 f., 193 f., 203, 217, 268, 270-272, 292 f., 352, 394, 396-399, 407, 410, 412, 420 f., 425-427, 437, 439, 442 f., 445-447, 461, 467, 474 - , Ballei 72*, 193, 206, 216, 220 f., 267-272, 274- 276, 280, 297, 328, 399, 407, 409, 419 f., 422, 425-428, 466 - -, Lktr. 269, 272, 280 ------, s. Hochheim - , Ldgr. von 14, 25, 30, 56, 204, 271, 291-295, 297, 399, 445 f., 456 - -, Elisabeth 101 f., 204, 262, 269, 291-293, 321, 334 ---, Heinrich 59, 295 ---, Hermann 30, 193 - -, Konrad, HM 40, 56 f., 59, 101, 134, 147 f., 219, 223, 262, 291 f., 295, 445, 449 f., 460, 472 ---, Ludwig III. 8f., 293 ---, Ludwig IV. 36, 291, 334, 336 Thüringen-Sachsen, Ballei 212, 267, 269, 275 f., 279f., 297, 304, 311, 332, 363, 384, 407, 409, 419 f. - -, Lktr. 213, 267-269, 451 ------, s. Ammendorf, Heldenouwe, Schwanden, Seulingen, Thyrnau (Tymawa) 337 Tiano, Johann von, Ktr. Foggia 402 Tiberias 7 Tiefebene, norddeutsche 438, 474 - , vgl. auch Niederdeutschland Tiel, DOH 237 - -, Ktr. 237 Tirol 29*, 301 f., 398, 412 Töging, s. Schenk Toledo 181 Tonna 25 - , Johann von, DOBr. Preußen 467 - , s. Bart Tordesillas 181 Toron (Teil Fuhka) 10 Toron, Baronie 37 f. Tortosa 7 Toskana, Ballei 184, 188 f. - -, Lktr. 184, 188 $ ------, s. Dietrich, Kärnten, Saxo Toulon, TOB 111 Traar, Burg 290 Trabac, s. Thierberg Traiskirchen, Ortolf von, Lktr. Österreich 263, 265, 412 Trasimener See 188 Treiden, Theoderich von, Abt Dünamünde 366 Trento, Heinrich von, Ktr. Padua 405 Treviso 180 Trient 301 - , Bf. von 299, 301 - -, Konrad 26, 29, 299 - , DOH 301, 401* - -, Ktr. 301 ------, s. Konrad - , Augustinerkloster Santa Maria Coronata 301 Trier 62, 284, 398, 411, 460 - , DOH 284, 400 - -, Ktr. 284 ------, s. Kawilre, Trier - , Ebf. von 287, 296 ---, Balduin 205 - , Hochstift 281 - , Stift St. Simeon 284 ---, Kanoniker, s. Beckingen - , Dietrich von, Lktr. Lombardei 188 f. - , Heinrich von, Ktr. Trier 284 - , Karl von, HM 62, 188, 192, 213, 315, 398, 411 Tripolis, Grafschaft 7, 37, 138, 169, 389 - -, Ktr. TO 138, 140f., 172 - -, Gr. von, Raimund 7 - , Stadt 7, 25, 28, 389 Tripotema 177 Troppau (Opava) 18, 195, 243 - , DOH 244, 249 - -, Ktr. 244 ------, s. Leopold Troya, Johann von, Ktr. S. Leonardo di Siponto 402 Tschechen 464 Tschernembl (Örnomelj) 266 - , DHO 266 Tscheves (Tschöfs), Konrad von, Lktr. Bozen 65, 68*, 412
Tübingen, Pfalzgr. von, Rudolf 328, 330 Tumme, Friedrich, Schwertbruder 373 Türken 164 Türkensteuer 190 Tuvel, Heinrich, DOBr. Preußen 426 Tuynto (Twente), Nikolaus von, Lktr. Sizilien 403 Tyros 7f., 25, 30, 38, 389 - , Ebf. von 8 - -, Josias 8 U Ubelacker, Konrad, Ktr. Regensburg 310, 312 Überlingen 257 Ugaunien 369 - , Schwertbrüdervogt 369 ---, s. Johann Ulfsson, Karl 385 Ulm 35, 313f. - , DOH 202, 313 f., 318, 327, 331 - -, Ktr. 313 f. ------, s. Giengen ---, Pitanzmeister 202 - , Otto von, Ktr. Ellingen 312 Ulrich, DO magister 14 f., 22, 193 Ulschalk, Lktr. Lombardei 405 Ungarn, Andreas Kg. von 33, 105-107, 334 f. - , Elisabeth, s. Thüringen - , TO Meister 167 Unteritalien 19, 26, 32, 220 - , vgl. auch Italien, Süditalien Urach, Gr. von 416 ---, Rudolf, Ktr. Mainau 416, 421 Urenbach, Wilhelm von, HM 43, 150 Utinge, Drabodo von GK 394, 395 Utrecht, Ballei 2, 206, 214, 216f., 224f., 227f., 230f., 235, 237f., 288, 306, 328 - -, Lktr. 227, 231, 236, 238 f., 413 ------, s. Hoenhorst, Holland, Kinzweiler, Splinter - , Bf. von 235, 237 - , DOH 200, 206, 230f., 235f., 239, 303 - -, Ktr. 230f., 235 ------, s. Hoenhorst, Holland, Ledersac - -, Schäffer 200 - , Stift 230 V Valkenburg, DOH 236 Vargula 274 f. - , DOH 274 f. - -, Ktr. 274 ------, s. Hotterman - , Heinrich von, Ktr. Marburg 410 Vaudeville, DOH 191 Veldeken, Arnold von, Ktr. Bekkevoort 232 Veldenz, Adelheid von, Frau Hermanns 74 - , Hermann von, Lktr. Lothringen 74, 411 Vellenberg, Ulrich von, Ktr. Würzburg 396 f. Venedig 6, 158, 177-180, 267, 299, 474 - , DOH 43, 153-160, 162-165, 172, 263-265, 302, 353 f., 392 f., 397-399, 413, 429, 442, 451 f., 473 f. ---, Hktr. 164 ------, s. Bertold - , Doge, s. Zeno, Ziano - , Trinitatiskirche 179 -, Zollinsel (Isola della Doana) 179 Verdili, Jakob von, Ktr. Gurfa 402 Verona 299, 402 Veurne 224 Vier Ämter, Ballei, Lktr., s. Berthout, Moelnare Villanova, Arnold von, Arzt 85* Villiers 191 Vilvoorde, Wilhelm von, Lktr. Flandern und Brabant 229 Virneburg, Ruprecht von, Ktr. Maastricht 234 - , s. Köln, Ebf. Virnsberg, Burg 196 f., 326 - , DOH 196 f., 326 f., 331, 415, 422 - -, Ktr. 196 f., 326, 422 ------, s. Nürnberg, Burggrafen Viterbo 184, 188, 363 f. - DOH 184 - -, Ktr. 184, 189 - - -, s. Dietrich, Guerranti Vitry, Jakob von, Bf. von Akkon 10* f., 169 Vladimir, Fürst von 340 Voeren, Daniel von 232 Vogelsang, Burg 338 Vogtland 67, 272, 407, 425, 427, 431, 440, 443, 446 Volkwin, Ktr. Siersdorf 232 Volzo, Ktr. Saarburg 283 Vrenkinc, Johann, Lktr. Westfalen 306 Vrowin DOBr. 288 Vught, DOH 233 - -, Ktr. 233 ------, s. Roesmer Vysoka Liben 244
w Waigele (Vaiga), Vogt 378, 383 ---, s. Düring, Gottfried ---, Kumpan 383 Walachei 335 Walcheren 403 Waldbreitbach 324 - , DOH 325, 327, 331 - -, Ktr. 325 -----, s. Hermann Waldeser, Johann, Lktr. Böhmen-Mähren 413 Walhorn, Johann, Lktr. Sizilien 403 Walien, Gerhard von, Ktr. Arsta 385 Wallhausen 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 -----, s. Gottfried Wallmersbach 221 Wallonien, Wallonen 41, 400 Walo (Hwalo), DOBr. Preußen 426 Walpot, Familien 25 - , Heinrich, HM 21, 23, 25, 116 Walter, Ktr. Altenbiesen 226 - , Ktr. Andlau 257 - , Ktr. Eger 273 - , Ktr. Lüttich 233 - , Ktr. Luxemburg 282 - , Ktr. Straßburg 258 Warden, Heinrich von, Ktr. Altenbiesen 226 Warmien 341, 345, 351, 358 Warrut, Wilhelm von, DOBr. Biesen 467 Wartajen (Värtäja), DOH 376 - Vogt 376 Wechselburg 213, 273 - , s. Zschillen Weddingen 277 - , DOH 277 Wegebach, Gr. von, Heinrich 294 Wegeleben, Johann von, LM Preußen 276, 456 Wehlinctorpe, DOH 303 - -, Provisor 303 -----, s. Everwin Weichsel 337-339, 341, 352, 424 Weida, Vögte von 407, 422, 429 Weikersheim, Siegfried von, DOBr. Mergentheim 466 Weimar 274 - , DOH 274 - -, Ktr. 274 Weinheim 318 - , DOH 318, 327, 331 - -, Ktr. 318 ------, s. Sigelo Weißenburg 324 $ - , DOH 74, 76:i’, 324, 327, 331 - -, Ktr. 324 Weißenstein (Paide), DOH 378, 380 - -, Ktr. 378, 380 Weitershausen, Dietrich von, DM 237, 306 Welfen 27 Welheim, DOH 204, 224, 228, 303, 306 - -, Ktr. 306 ------, s. Cukenmester Welsas (Wieldz^dz), DOH 352 - -, Ktr. 352 Welzo, Ktr. Oettingen 322 Wemdingen, Leopold von, Lktr. Bozen 412 Wenden (Cesis), DOH 371 f., 380-383 ---, Marschall 383 ---, Vogt 381 - , Schwertbrüderhaus 368, 371 f. - -, Ktr. 368 ------, s. Bertold, Kassel, Reimund (Rembold), Soest ---, Vogt 369 Wenno, Schwertbrüdermeister 367 Wenzlau (Unislaw), DOH 352 - -, Ktr. 352 Werder 345, 358 Werner, Marschall Livland 373, 382 - , Ktr. (Pfleger) Tapiau 358 - , Ktr. Dahnsdorf 277 - , Ktr. Groß-Sonntag 266 - , Ktr. Koblenz 225 - , Ktr. Ramersdorf 321 - , Vogt Karkus 375 Wernher, Gregorius, Notar 273* - von Hattstatt, Konrad, Lktr. Elsaß-Burgund 410 Werth, Edmund von, Bf. von Kurland 468 Wertheim, Gr. von 316 ---, Poppo 309 Weser 278, 304, 437f. Westerburg, s. Köln, Ebf. Westerwald 399 Westfalen 302-305, 396, 426, 436-439, 443, 447 f. - , Ballei 206, 214, 216, 224, 228, 237, 279, 302, 304-307, 328, 384 - -, Lktr. 228, 279, 305 f.
------, s. Heinrich, Vrenkinc kurkölnisches Hzt. 437 Andreas von, LM-Statthalter Livland 381 - , Johann von, GK 396 Wettiner, Familie 407, 427 Wetzlar 296 - , DOH 296, 298 Wevelinghoven, Dietrich von, Lktr. 227, 231, 301, 412 Wichmann, Ktr. Würzburg 262, 319 f. Wied 324 Wiek 375, 378 - , Marschall 383 Wien 26, 29, 164, 248, 261-263, 265, 363 - , DOH 263, 265 f. - -, Ktr. 265, 452 ------, s. Siegfried von Feuchtwangen, Hirzo Wiener-Neustadt 265 - , DOH 265 - -, Ktr. 265 ------, s. Witzeindorf Wierland 363, 365, 378 Wiesbaden 220, 318 Wildenau, Heinrich von, DO Pfarrer Regensburg 309 f. - , Heinrich, Ktr. Marienburg und Zantir 353 Wilhelm, Ktr. Altenbiesen 232 Winchester, Peter Bf. von 10 Windau (Ventspils), DOH 379 - -, Ktr. 379 - , Domkapitel 376* Winnenden 325 - , DOH 325-327, 331 - -, Ktr. 325 ------, s. Bachenstein Winnigstedt, Borchard von, Ktr. Göttingen 278 Winrich, Ktr. Marburg 291 Wise, Konrad, Ktr. Marburg 279* Wismar 333, 340*, 384 Witschin (Vidzin) 240 Wittelsbacher, Familie 293 Witzeindorf, Heinrich von, Ktr. Wiener-Neustadt 265 Wolf, Burchard, Ritter 251 Wolfram GK 399 Wolframs-Eschenbach, DOH 201, 308 f., 327, 331 - -, Ktr. 309 ------, s. Heinrich, Schenk - -, Pfleger 201, 309 Wolkenburg, DOH 377, 379 f. - -, Ktr. 377 Wolmeringen, Bertram von 282 Worms 289 - , Bf. von 55 - , Heinrich von, Lktr. Sizilien 403 Wridecke, Gerfried, Ktr. Segewold 368, 371 Wulfhard, DOBr. 187 Wüllersleben, Günther von, HM 43, 149, 223, 396, 450, 452 Würzburg 319, 365, 454-456 - , Bf. von 320f., 325 - -, Iring von Reinstein 322, 325 - -, Otto 221, 314, 319 - , DOH 134, 151, 216, 319f., 322, 326f., 331, 455f. - -, Ktr. 262, 319 f., 396, 398 ------, s. Babenberg, Wichmann - , Domstift, Kanoniker 449 f. - , Königshof 319 - , Stift 322 -, Helmrich von, Trappier 382, 396, 429, 455 Y Ykemele, DOBr. Livland 438, 463* Ypern, s. Longus Z Zabeln (Sabile), DOH 377 ---, Vogt 376 f. ------, s. Johann von Säbele Zandvoort, DOH 236 - -, Ktr. 236 ------, Radinc Zantir, DOH 345, 348, 352 f., 357f. - -, Ktr. 348, 352 f., 426 f. ------, s. Qualo, Wildenau - -, Hktr. 355, 357 Zaverla, Heinrich von, Ktr. Castelluccio 402 Zeno, Reniero, Doge 179 Zeuzheim, Nieder- 224, 317 Ziano, Pietro, Doge 179 Ziegenhain, Gr. von 422 ---, Friedrich 293 f. ---, Ludwig 294 ---, Lukargis, Frau Friedrichs 294 Zinswiller 259, 281 Zipplingen, Heinrich von, Ktr. Donauwörth 311 Zisterzienser 50, 83* f., 86*, 102, 143 f., 174, 361, 476 Zöllner von Rotenstein, Konrad, HM 59, 69
Marquard, Ktr. Mergentheim 326 Zschillen, Augustinerchorherrenstift 204, 213, 273 -, DOH 204-206* - -, Ktr. 205, 273, 399 ------, s. Colditz ---, Propst 204 f., 273 Zulichov, Ulrich von, DOBr. Schönsee 359 Zwätzen 271 - , DOH 271 f., 280, 408 - -, Ktr. 271, 408 -----, s. Kirchberg Zwehren, Gerlach von, Ktr. Marburg 410, 414 Zypern 25, 30, 114, 153, 158, 162, 171 f. - , Ballei 158, 170f., 389 ---, Lktr. 158 | -----, s. Amendolea - , Haupthaus JO 162 - , Haupthaus TO 162 - , Kgr. 171 ---, Amalrich II. Kg. von 171