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Nordostdeutsche Sttidte und Landschaften
No.7
Marienburg
yon
Wilhelm chwandt
Mit 19 Illustrationen und 1 Stadtplan
Danzig
Verlag und Druck yon A. W. Kafemann
1501.


505 r 1 CZYTELNI \ tV I  : HtL10ALA M(I 5"'1 l 02 5 1 9g 
D er nachstehende Fuhrer hildet die N eubearbeitung des irn Kafemann'schen Yerlage in 2 Auflagen erschienenen, von CarJyS'tatck bearbeiteten Fuhrers \ "Marienburg, das Haupthaus des deutschen Ritterordens". Einzelne Abschnitte dieses Fuhrerb sind in die vorliegende neue Bearbeitung hintiber- genornmen. N eu hinzugekommen sind, ausser del' vollig veranderten geschichtlichen Einleitung, mehrere Ab- bildungen, del' Stadtplan und die Beschreibung des in den letzten J ahren nen Gebauten. -4-- / 
Inhaltsverzeichnis. Sclte Verzeichnis der Abbildungen , 7 Sehloss- Besichtigungs-Ordnung , 8 Oeschichtliches. 1m 310rgenlande (bis 1230) I Ln Preussell (seit 1230) 13 In :J\-larienburg bis 1815 14 [n \Iarienburg seit 1815 (Baugesehiehtliehes) 17 Fuhrer. V 0111 Bahnhof zum ScIllo 3s-Eingang , Durell das Hoehsellloss - Dureh das '1ittelschloss Dureh die yo- orhurg . Dureh die Stadt. , . 21 26 47 (;5 71 Anhang. luskunft iiber larienlJUrger Adressen Literatnr 75 80 -- 
Abbildungen. Selte 1. Dns Schloi:!i:5portal vom Jahre 1 b50 20 . Schlosstnrm, .Kirche, Pfaffentnrm (Aussenansicht) 22 ;, Eingangznllli [ohschlo:,;s.-Hochmeisterpalat. C,,"ach Photographie van K, \ hiller) 27 4, Kord\\estecke des ITochscl1losses 2J f>. Hochschlosshot' (Phot. K. }[liller) 32 I, [nnere,; del' )[nrienkirche (Phot. K. hiller) 36 7. 'laden hllJ.'ger Ordens8chillinp,' 3!J , Spei-:eremter (Phot. K, \1 tiller) 41 9, Herreu:,;tuhe (Phot. K, \litller) . 43 10. TIochmeiE>terB \\ ohnung. Plan. 48 11. Flur 11ll<1 Gang in 110(' ]l1neister l)alast . 51 1 '2, \[eisterE> omTIlerremter (Ph at. E,:, \hiller) 54 13. \[eistet.s Stnhe nach del' Renonttion YOU 1823 58 1 L \[eistercl gro::'!'Ier Fe-:tremter . 6; 15. 1Jenkmul Friedriehs (les Gro....sen (PIlOt. K. \[uller) (if; 1 Ii, GeBaTllt:llliC'ht YOll del' X ogatseite (I'hvt. K. Mtiller) 6!) 17, Hochmebters Pabst, Xogatl,;eite (Phot. K. \Tilller). 70 It', Die ]lOheu Lanhen im Xordende (Phot. K, \ hiller) , 72 1 fl. lfochmelster\\appen . 74 Die fiir diesen Flihrer n e u heschatl'ten \bbildungeu sind Hitch Photographien aus rlclIl Atelier van Karl )[ulJer in \I arienburg, Langg-a::-Jse 32, gefertigt nud 1m yorstehendeu \Yerzeichnis del' \l)bildungen hesonder8 gekellllzeichnet. ---..- 
1-- Schloss=Besichtigungs=Ordnung. . 1. Ei ntritt 50 Pfg. fur die Person: 'V ochentags: V ormittags 1-1, Nachmittags 2-6 Uhr. Sonntags \ J V ormittag-:3 11-1 Uhr, Feiertags [I, Eintritt 25 Pfg. fur die Person: Zu obiger Zeit: fiir vorher angemeldete Yereine (bzw. ,r ereinbarung- vorLehalten). III. Freier Eintritt: 1. Fur Hehnlell und )lilitarperi:wnen in Re- gleitllng des Lehrers bez\\, V orgesetzten, auf vorherige Vereinharung, 2, Sonntags und Feiertags Kachmlttags 3-5 fur J eden. Eintrittskarten erhaltman heim Ober-Schlosswart. --0- 
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Geschichtliches. Der deutsche Orden, del' die Marienburg erbaute, ist aUS bescheidenen An- fangen erstanden. Sie fUhren ins Morgenland, nach PaHistina. - Als begeisterte Pilgersehnsucht mit ritter- lichem Thatendrang sich einte, aus den Randen del' Un- glaubigen die Statten zu befreien, die durch des Heilands Leben und Sterben fUr aIle Zeiten geheiligt sind, da nahm sich einzelller christlicher Ritter Liebessinn del' schutzbediirftigen Pi1gerscharen hilfreicb an, die wall- fahrend zum heiligen Lande kamen. Manner aus den edelsten Fami1ien vereinigten sich in dem Bemiihen, ihnen die W.ege zu ebnen, sie durch starkes Geleit VOl' feindlichem Uberfall zu schiitzen, und zumal ihl'e Krallken und Yerwundeten in Hospitalf'rn zu pfiegen. Damals entstand im heiligen Lande neben ahnlicben .A.nstalten auch das Hospital "Sankt Marien del' Deutschen zu Jerusalem." Es wirkte etwa ein balbes Jahrhundert in reichem Segen, bis Sultan Saladin im Jahre 1187 Jerusalem eroberte, Da ging es ein; freilich nul', urn nach kurzer Zeit, wenn al1ch unter anderen Yerhalt- nissen, einen .x aehfolger zu erhalten. VOl' Accon wars, im Jahr 1190. Vergeblich miihte sich das Kreuzfabrerbeer, die Stadt zu stiirmen, die ihre feste Lage am l\1.ittelmeer und Salad ins sieg-reiche bcbaren schiitzteu. Da herrschte bitterernste Not im Christenlager. Yiel Feinde gabs uud wenig Brot, und base Seuchen wiiteten illIter dem Kriegsvolk. Wahrend 
10 Gesch1chtlIChes. nun die Orden del' J ohanniter und del' Templer mit hin- gebender Samariterliebe fUr die grosse Zahl del' Kranken unter den Italienel'll und Franzosen sorgten, mussten oie deutschen Pilger umfassender Ptlege von Seiten ihrer Landsleute vorerst entbehren, bis endlich eine .Anzahl deutscheI' Burger (die iibrigens kaum in irg-end welcben Beziehungen zu del' alten J erusalemer Stiftung gestanden haben mogen) erst im Feldlager VOl' del' Stadt (unter dem Segel eines Schiff's, "vnder welches sy gar vyl1 vnnd manchenn Kranckenn vorsameltenn"), dann - nach Accons Fal], im Jahre drauf (15. Ju1i 1191) - auch in del' S tad t, am Thor des heiligell Nicolaus, eine Krankenpflegeanstalt ins Leben rief, del' mall wieder den Namen "Sankt Marien-Hospital des deutschen Hauses (odeI' bIos del' Deutschcn) zu J e ru s a Ie m" beilegte. Die Grunder hofften, in besseren_ Tag-en das Haupthaus des Hospitals in Jerusalem selbst aufbauen zu konnen. Herzog Friedrich von Schwaben, Barbarossas zweiter Sohn, unterstutzte die nene Stiftung, Kaiser Heinrich YI. empfahl, die Papste Clemens III. und Colestin III. be- statigten sic; und reichliche Geschenke, zumeist an Grund- uesitz in deutschcn und in welschen Landen, sicherten ihren Bestand. Erst lei tete sie noeh del' J 0 h ann i tel' .Meister, dann wahlten ihre Ptleger sieh (seit 11U6) den Fuhrer selbst; und endlich, als das Unternehmen blubte, walldelte im Jahre 1198 eine Yel'sammlung deutscheI' FUl'sten noeh zu .Accon die Krankellptleg-ersehar del' Bru del' v 0 m de u ts ch en lIa use in aller Form zu einem geistlichen, dem "Deutschell Ritterorden" urn, den Innocenz III. durch eine Bulle vom 19. Februar 1199 als solchen feierlich besUitigte. Lieureiche Ptlege del' Kranken (nach del' Johanniter Regel) llnd mannbafter Kampf gegen die Unglaubigen (nach del' Templer Regel): das war des neuen Ordens Losung; und das Gelubde fUr den einzelnen Ordens- 
GeschlchtlIches. 11 bruder das alte, mit aIler Stl'ellge gehutete :.\fonchs- gelUbde: Keuschheit, Armut und Gehorsam, Ein weisser .Mantel mit schwal'zem Balkenkreuz bildete die Ordens-Tracht des Rittel'bl'udel's; Kettenpanzer, Schwel't und Schild schutzten ihn VOl' dem Feinde. Ausser den R i t tel' b I' U d er n nahm del' Orden Priesterbruder auf, die den Ritterbl'udern gleich- berechtigt waren. Die Rittern nicht anstehenden Dienste in Haus und Bof vel'richteten "dienende Bruder", auch Halbbruder odeI' Graumiintler (nach ihrer rrracht) genannt. Bine "Regel del' Bruder" b{'stimmte Recbte und Pflichten des Einzelnen, An die Spitze des Ordens trat ein :.\feistel'; Heinrich "\\.,. alpot von Bassenheim hiess del' erste. Als sich nach J ahren das Landgebiet des Ordens Immel' weiter mehl'te und verzweigte, teilte man es in Balleien ein, an deren Spitze als Yerwaltung-sbearnte Landmeistel' UlW Landkomtuxe gesetzt wurden, Solche BaIleien waren 1.'huring-en, Osterreich, Hessen, Franken, Koblenz, Elsass-Burgund, Botzen oder an der Etsch, Utrecht, Alten- Biesen} Lothrillgen, Sachsell und Westfalen. Die BaIleiell wiederum zedielell in mehrere K 0 m t u rei e n oder, \Vie Illan pater sagte, Kornmeuden. Zurn Hause cines Komturs gehorte ein vol1stiindiger (mindestens aus zwOlf Brudern bestehender) Rittel'konvent; Verwalter kleillel'er Ordeushiiuser Itiessen Pfl rger, Komture und Pfleger hatten sowohl fur die Verteidigung als flir die Yerwaltung (Yerpachtullg, Bebauung, Besteuernng) des Zll ihrer Burg gehorigen Landgebiets zn sorgen, In del' oberRten Verwaltung des Ordens naltm nach dern IIochmeister die erste SteIIe ein: sein SteIlvertreter, uer Grosskomtur. Ihm folgte im Range del' Ordens- 111 ar s c hall, er war del' Feldherr und Kriegsministel' des Ordens. Uber clie Hospi tiller des Ordens flihrte del' OlJerst-Spittler die Aufsicht, Fur die statutenmassige 
12 GCSChll'htliches. Bekleidung des Ordens sorgte del' Oberst-Trappier. Del' Schatzmeister des Ordens hiess del' Tressler. Als Wapp en ftihrte del' Orden ein schwarzes Kreuz im weissen Felde, Konig Johann von Jerusalem setzte in das schwarze Kreuz noch ein goldenes, das J erusa!emer Kriikenkreuz, hillein; und endlich verUeh Kaiser Friedrich U. dem Hochmeister Hermann yon SaIza (den er mit seinen N achfolgern gleichzeitig zum Reichsfiirsten ernannte) noch die ehrenvolle Erlaulmis, im :MitteIschilde des Wappens den einkopfigen schwarzen deutschen Reichs- adler im goldenen Felde zu ftihren: es ist del' Adler Herzog Albrechts, Konig Friedrichs! - Schon bald nach seiner Griindung bltihte del' neue Orden unter dr Gunst del' Zeit. Kaiser und Papst wetteiferten mit Konigen und Edlen, des Ordens Macht und .A.nsehn zu vergrossern. Gerade dem de u t s c hen o I'd en angehoren zu diirfen, gaIt bald als hohe und erstrebenswerte Ehre. Das ,.,. erdienst, in jener Zeit dell Orden zu grosstem Glanz erhoben zu haben, g-ebiihrt dem vierten del' Hochmeister, dem genialen, als Mensch und als Held hoch iiber seiner Zeit stehenden, "frommen, p;ottesftirchtigen und ehrsamen" Meister Her man n yon Salza (1210-1239). Er erkannte es bald klar, dass des Ordens rrage gezahlt waren, wenn er im sinken- den MorgenIande bUebe. Darum nahm er die sich bietende Gelegenheit, dem JUDgen Orden eine neue Statte seiner Wirksamkeit, und zwar bleibender Virk- samkeit im .A bendlande zu schaffen, freudig auf, als del' Polenherzog Konrad yon Masovien und Kujawien seine Hilfe gegen die heidllischen Prnzzen anrief, die sich in dichtem Wald und unwegsamem Sumpfrevier zwischen Weichsel und Memel unter ihrer Gotter und ihres Landes Schutz nul' allzu sichel' fiihlten und aIlen poluischeon Angriffen auf ihr Gebiet, auf ihren GIauben, ihren KuIt und ihre Sitten mit Hohn und Hass begegneten. Nach vorsichtigen YerhandIungen - 
Gf>scbichtliches. 1:3 Konrad verspl'ach dem HochmeiEter das Kulmer1and als Entschadigung - sandte Hermann yon Salza im Jahre 1230 den ebenso tapferen wie umsichtigen Bruder He I'm ann B a I k e als "Landmeister" in die Lande an derW eichsel, nach Preussen. Papstliche Ermunterung zum Kreuzzug gegen die heidnischen Pruzzen rief zahlreiche Ritter aus Deutsch- land unter des Orden8 Fahnen; und nun begann del' dreiundfiinfzigjahrige wechselvoUe und blutige Kampf', del' mit Errichtung fester Ordensburgen (Thorn, Kulm, Marienwerder, Elbing-), die das Land schtitzten, anhub und mit del' volIigen U nterwerfung del' Pruzzen im J ahl'e 1283 endete. Noch wahrend dieses Krieges, wohl im Jahre 1276, entstand (Ullter dem Landmeister Konrad yon Thierberg) an del' Heerstrasse yon Thorn und Marienwerder nach Elbing, auf dem rechten, hohen Ufer del' Nogat - da wo sie sich im Knie nach Osten wendet - die Burg, die die Ritter nach ihrer Schutz- heiligen nannten, die Marienburg. Heinrich yon Wilnowe zog mit zwOlf Rittern (nach del' Zahl del' Apostel) als El'ster in die neue Burg, die sich an den im gleichen Jahr mit Stadtrecht beschenkten Ort Marienburg anlehnte. .Aus del' ersten Anlage del' Burg entwickelte sich nrns J ahr 1280 del' Kern des jetzigen Hochschlosses als Sitz des Komturs yon Marienburg. Stolz und kiihn schaute die Burg in das Land hinein, ein fester 8ttitzpunkt des Ol'dens, ein Schrecken del' tiberwundenen Pl'eussen, Residenz des Hochmeisters. I Genau hundert Jahre nach del' Grtindung des deut- schen Hospitals in Accon wars, da fiel Accon in die 
14 Geschlchthches. Hande del' Sarazenen, und del' Orden verlete not- gedrungen seinen Hauptsitz in das Abendland. Yen e dig wurde Residenz des H oehmeisters Doch die ganze bisherige Entwiekelung des Ordens, seine Zukunft wies nach Preussen, und del' Hochmeister musste einsehn, dass aueh in Venedig seines Bleibens nicht lange sein konnte. So that Siegfried vo n Feuchtwangen recht damn, als er Venedig aufgab und in die .Nahe del' Ereignisse seinen W ohnsitz legte. Die Marienburg ersah er sieh zum H au p t 4 au s des deutschen Ritterordens und hielt im September 1309 seinen Einzng in die Burg. Und nun sah die zum Fiirstensitz erhobene Burg - allmahlich ZQ ihrer ganzen Pracht und Grosse *) Ullter den Hochmeistern \Verner von Orseln (1324-30), Dietrich von Altenburg (1335-41) und Winrich VOll Kniprode (1351--82) ausgebant J - im Laufe del' Jahr- hunderte eine gewaltige Geschichte. Sic sah, wie die deut- schen Ritter deutsches Leben, deutsche Sitte in die Lande all del' Weichsel und am Pregel brachten, wnnder- bare Manner, die del' Abend noch im Biissergewand, del' Tag in glitzerndem Kettenpanzer sah, lanner, die Fiil'sten mit koniglichem Prunk bewirteten und den Schilling buchten als Gabe fiir den Spielmann, del' sich als fahrendel' Sanger ihrer stillen Klause nahte. Sie sah manch irdische Lust bei festlichem Iahl und wieder peinliche Enthaltsamkeit am Pasttag, sah wildes Leben in l'itterlichem Dienst und wieder beschauliche Andaeht in monehischer Einfachheit. Sie sah zu Win- l'ichs goldner Zeit vie 1 edle Kiinste und \Tissenschaften an del' N ogat bltihn. Sie sah das Blinken del' Waffen, mit denen Heinrich von Planen nach del' verlorelleu 8ehlacht bei Tannenberg (1410) Jagellos raubenden und *) Verglelche die Reconstructlonshel<.;hnung In dem Fuhrer des Schloss baumeisters Gehclmen Baul at Dr. Stelubrecht, Berlm, JulIUs Sprmger (zu haben u, A. benD Ober-:3chlosswart in 'Ianenburg). 
Gesclllcbtliches. 1) brennenden Harden Halt gebot - es war wie des Abend- rots letztes Aufflammen: die Sonne des Ordens sank. Zerfall. Auf Zeiten hochster BlUte folgten lange Jahre traurigen Zerfalls. Yon jenem Pfingsttag des J ahres .457 an, da :Meister Ludwig von Erlichshausen del' Ubermacht und schnodem Betruge weichend, durch ein Pfortchen Biehend, untel' bittern Thranen seine Burg verliess, hat erst eine rohe Heiduckenbesatzung, dann schwedische Soldateska, auch polnischer Starosten grenzenloser Ubermut und Leichtsinn, einiger Betriiger blindwiitende "Schatzgraberei", ein grauser Brand im Jahre 1644, und immer nngehemmt des Wetters mannig-; fache U llbill an Zillnen und .Mauern seine Alles zer- stOrende Kraft geiibt. --- - Am 14. September 1772 zogen preussische Dragoner in l\1arienburgs Thoren ein: die __--' preussische l1errschaft begnnn. Sie fand die Burg in grauenerregendem Zustand. ALeI' wenn del' Feind doch Etwas wenigstens noch verschont hatte, so miihte sich jetzt eine verblendete Bureaukratie, womoglich Alles zu vernichtelJ, was noch stand. Es war - mit Eichcndol'fl's W orten"") - die Zeit del' hausbackeneu Niitzlichkeit, die nicht begreifen konntc, dass Poesie dem Y olke so niitzlich sei als l\fehI odeI' Speck. Das Hocl1schloss wurde znr Kaserne fUr ein Regiment 80ldaten umgelJaut, del' grosse Remtel' im .Mittelschloss zum Exerzierhaus. Fenster wurden vcr- luauert, Fliesen ausgebrochen, Gewolbe eillgeschlagen, *) ElChendorlf, DIe Wlederherstellung des ScbIosses der deutschen ()l uensntter;:u )!arlenburg, Berlin 1844. 
16 Geschlchthches, Stnben und Stiibchen mit vieleI' :Miihe zusammengezimmert u nd Getreidespeicher, W eberwerkstatten,Lazarette,Pferde- stalle daraus hergerichtet! Es sollte noch schlimmer kommen, In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts machte ein Oberbaurat den uns heutzutage ung:laublich erscheinenden V orschlag, das Hohe und Mittlere Schloss ganz abzubrechen und die alten Ziegel - es gab ja deren eine ganz respektable Menge - zum Bau eines neuen Magazins zu verwenden. Gliicklicherweise scheiterte das Projekt am Kosten- punkte (!), aber die grause ZerstOrung del' Burg nahm darum doch noch immer ihren Fortgang. Schon waren samtliche Gewolbe (mit Ausnahme des del' Kirche) im Hochschloss und im siidostlichen und nordostlichen Fliigel des :Mittelschlosses eingeschlagen, nnd man legte schon Hand an, urn den herrlichen Giebel am :Mittelschlosse einzureissen - da wirkte ein scharfer, "v. Sch." unterzeichneter Artikel "Ein Beispiel von del' ZerstOrungssucht in Preussen", den Max von Schenken- dorfi' im "Freimiithigen", einem damals viel gelesenen Berliner Blatte, verofi'entlichte, wie ein Blitz aus heite- rem Himmel. Dem Minister von Schrotter, del' die Zerstorung del' Burg geduldet hatte, wurden die Augen geoffnet, und Konig Friedrich Wilhelm III. befahl so- fort mittels Kabinets-Ordre vom 13. August 1804, dass fUr die Erhaltung des Schlosses, als eines so vorziig- lichen Denkmals alter Bagkunst, alle Sorge getragen werden sollte. Damals bekam die Burg einen Schutzpatron in ihre Xahe, den Ober-Prasidenten von Schon, del' sich die Rettung del' :Marienburg zur Lebensaufgabe erkor. Er regte schon unterm 22, November 1805 die Wiederher- Rtellung del' Burg an, "des schonen Denkmals einer Zeit, in welcher die BegeiEtel'ung fUr das Heiligste er- habene Bilder schuf, kiihne und grosse Ideen weckte, nnd den lenschen Beharrlichkeit und Kraft zu ihrer 
GescblchtlicheiO. 17 .AusfUhrung gab". 1m Dezern bel' 1815, aIR die K ot des Ya.terlandes ihr Ende erreicht hatte, wurdeu Schons V orschliige genehmigt. Wiederherstell ung. Es wurde del' .Architekt Costenoble aus )lagdeburg nach Marienburg berufen, urn im Verein mit dem Pre- diger HableI' in Marienburg, del' von Allen noch die genaueste Kenntnis des ehemaligen Zustandes des Schlosses und del' Bestimmung del' Riiume desselben hatte, an die Wiederherstellung dieses, wie Schon sagte, fUr jeden Preussen ebenso wichtigen ais heiligen Wel'kes zu gehen. .Auf Schons Antrag bewilligte del' Staats- kanzlel' Furst Hardenberg zu dies em Zwecke 9255 Thll'. franzosischer Beutegelcler, und mit dies en geringen Mitteln begann Schon das grosse Werk am 3. .August 1817, dem Gebul'tstage Konig Friedrich Wilhelms III., und forderte es, Dank del' allgemeinen Begeisterung und Opferwilligkeit von Stadt und Land und del' weiteren Kreise des Vaterlandes, sowie del' Mitgliedel' des Konig- lichen Rauses. Doch nul' an die Wiederherstellung' del' Ho chmeisterwo h n ung mit feisters grossem Remtel' konnte man denken; die iibrigen fJ..'eile des Mittleren Rauses und das Rohe IIans blieben ihrer einst herr- lichen GewOlbe beraubt. (Del' nordliche Fliigel des l\Iitteischlosses wurde zu W ohnungen fUr die Domanen- beamten und den Proviantmeister eingerichtet, del' ost- Hehe Fliigel und das Hochschloss blieben seit 1803 zum Magazin eillgerichtet.) .Abel' das Werk del' Wieclerherstellung wenigstens des westlichen Fliigels schritt rustig vol'warts, und so l::ll.ob sieh nach kanm 10 Jahl'en rastlosel' Al'beit. wie !4>0'  ji in die gesegneten Fluren del' N ogatniederung stlliniiber1enchtend, das Hochmeisterscbloss, von dem  ... .. ringel'el' ais Schinkel ruhmte: "Die Schonbeit ,,- 2 ('1EP q 
16 Gesch1chthches. Stuben und Stiibchen mit vielerMtihe zusammengezimmert nnd Getreidespeicher,W eberwerkstatten,Lazarette,Pferde- stalle daraus hergerichtet! Es soIlte noeh schlimmer kommen. In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts machte ein Oberbaurat den uns heutzntage ung:laublich erscheinenden V orschlag, das Holle und Mittlere Schloss ganz abzubrechen und die alten Ziegel - es gab ja deren eine ganz respektable Menge - zum Bau eines neuen Magazins zu verwenden. Glticklicherweise scheiterte das Projekt am Kosten- pnnkte (!), aber die grause ZerstOrung del' Burg nahm darum doch noeh immer ihren Fortgang. Schon waren samtliche Gewolbe (mit Ausnahme des del' Kirche) im Hochschloss und im siidostlichen und nordostlichen Fltigel des Mittelschlosses eingeschlagen, nnd man legte schon Hand an, urn den hen'lichen Giebel am Mittelschlosse einzureissen - da wirkte ein scharfer, .,v. Sch." unterzeiehneter Artikel "Rin Beispiel von del' ZerstOrungssucht in Preussen", den Max von Schenken- dorff im "Freimiithigen", einem damals viel gelesenen Berliner Blatte, veroffentlichte, wie ein Blitz aus heite- rem Himmel. Dem Minister von Schrotter, del' die ZerstOrung del' Burg geduldet hatte, wurden die Augen geofl'net, und Konig Friedrich Wilhelm III. befahl so- fort mittels Kabinets-Ordre vom 13. August 1804, dass flir die Erhaltung des Schlosses, als eines so vorztig- lichen... Denkmals alter BalJ.kunst, aIle Sorge getragen werden soIlte. l Damals bekam die Burg einen Schutzpatron in ihre Xahe, den Ober-Prasidenten v 0 n S e h 0 n, del' sich die Rettung del' Marienburg zur Lebensaufgabe erkor. Er regte schon ullterm 22. November 1805 die Wiederher- f'tellung del' Burg an, "des schonell Dcnkmals einer Zeit, in welcher die Begeisterung- flir das Heiligste er- habene Bilder schuf, ktihne und grosse Ideen weckte, nud den 1Ienscheu Beharrlichkeit und Kraft. zu ihrer 
j GescblChtlichei'. 17 AusfUhrung gab". 1m Dezember 1815, aIR die Not des Vaterlandes ihr Ende erreicht hatte, wurdeu Schons Y orschHige genehmigt. Wiederherstellung. Es wurde del' Architekt Coste noble aus .Magdeburg nach Marienburg berllfen, urn im Verein mit dem Pre- diger HableI' in :Marienburg, del' von Allen noch die genaueste Kenntnis des ehemaligen Zllstandes des Schlosses und del' Bestimmllng del' Rallme desselben hatte, an die Wiederherstellung dieses, wie Schon sagte, fUr jeden Preussen ebenso wichtigen aIs heiligen Werkes zu gehen. Auf Schons Antrag bewilligte del' Staats- kanzIer Fiirst Hardenberg Zll dies em Zwecke 9255 Thlr. franzosischer BeutegeIder, und mit diesen geringen Mitteln begann Schon das grosse "Verk am 3. August 1817, dem Geburtstage Konig Friedrich Wilhelms III., nnd fOrderte es, Dank del' allgemeinen Begeisterllng und Opferwilligkeit von Stadt und Land und del' weiteren Kreise des Vaterlandes, sowie del' Mitglieder des Konig- lichen Rauses. Doeh nul' an die Wiederherstellllng- del' Hoehmeistel'wohnung mit l\1eisters grossem Remter konnte man denken; die tibrigen Teile des Mittleren Rauses und das Hohe Haus blieben ihrer einst herr- lichen Gewolbe beraubt. (Del' nOl'dliehe Fliigel des }Iittelsehlosses wurde Zll W ohnllngen fUr die Domanen- beamten und den Proviantmeister eingeriehtet, del' ost- Hche Fliigel und das Hochschloss blieben seit 1803 zum Iagazin eiugerieh tet.) Abel' das Werk del' Wiederherstellung wenigstens des westlichen Fliigels schritt l'iistig vorwarts, und so b sich nach kaum 10 Jahren rastloser Arbeit, wie -V £ 6 ct m in die gesegneten Fluren del' N ogatniederung st\..\l 'ntiberleuchtend, das Hochmeisterschloss, von dem .."  ''1l'l'ingerer als Schinkel rtihmte: »Die Schonheit , *' 2 'WlEP -' 
18 GescblChthches, del' Verhaltnisse, die Kiihnheit del' Gewolbe in den Remtern, die Originalitat und Con sequenz del' Fsc;aden am Hauptgebaude des Mittelschlosses sucht man anders- wo iiberall vergeblich". Das Hoc h s chI 0 s s blieb in seiner versunkenen Pracht unberiihrt liegen. Erst im Jahre 1879 gaben weitere Forschungen und grosser Jahre glanzende poli- tische Erfolge neuen Mut zur Fortsetzung del' im An- fang des J ahrhunderts kiihn begonnenen Arbeit, und im J a\1re 1882 endlich - mnd 600 Jahre nach des Schlosses Grundsteinlegung - wurde del' Gedanke einer Wiederherstllung des Hochschlosses durch den da- rnaligen Kultusminister, jetzigen Ober-Prasid,enten von Westpreussen, Staatsminister Dr. von Gossler in die That umgesetzt. Del' Regierungs-BaumeiGteI', jetzige Geheime Bau- rath Dr. Steinbrecht wurde mit del' Leitung del' WiedeI'hersteUungsarbeiten beauftragt, und ihn riihmt heute das neuerstandne schone Schloss besser als viele W orte. Dank seiner unermiidlichen Thatigkeit ist seit 1882 das Hochschloss im Aussern zu Ende gebracht, im Innern und in del' Umgebung zum gross- ten rreiIe fertig gestellt. In jiingster Zeit schreiten die Bauarbeiten von hier zum Hochmeisterpalaste VOl', wo sich ihnen ein weites Feld del' Thatigkeit aufthut, denn es gilt, den absichtlich entstellten oder unabsicht- lich verbauten Raumen ihre urspriingliche Gestalt zu- I'iickzugeben und die einformig weissgetiinchten Wande iiberall mit neuem Leben zu fiillen. Die Staatsregierung, die mit einem jahrlichen Bpi- trag den Bau vollenden hilrt, findet eine thatkraftige Unterstiitzung durch den im Jahre- 1884 gegriindeten " Verein fUr die Herstellung und Ausschmiickung del' Marienburg", del' sich in qen ersten beiden J ahren seines Bestehens die vollstandige Ausschmiickung des Schlossinneren, seit 1885 ausserdem auch noch die For- 
Geschichthches, 19 derung del' ausseren Bauthatigkeit am Schlosse zum Ziel gesetzt hat. Del' Verein steht unter dem V orsitz des Ober-Prasidenten, Staatsmipisters von Gossler in Danzig. Del' Mitgliederbeitrag des Vereins betragt jahrJich 3 Mark. "Es ist nicht, wie so mancher . . . meint, das Ver- Jiebtseilt unseres J ahrhunderts ins dunkle Mitteialter, welches hier ein aites Mauel'werk wieder herstellen mochte, nul' darum, weil es aIt ist, sondern was hier den Menschen treibt und zur That bewegt, ist . . . , die Mahnung einer heiligen PHicht und die Erkenntnis des Gliicks, welches Preussen mit so wenigen Landern theilt, den art noch erretten zu konnen, von welchem seine Bildung, seine Herrlichkeit, seine Ma.cbt nnd Grosse, ja sein ganzes Dasein ausging." (J oh. Voigt, 1823.) Die Id:arienburg erfrent !:;ich, wie des lebhaften In- teresses weiter Schichten del'13evolkerung, so VOl' AHem auch del' regsten Anteilnahme unSl'es Herrscherhauses. Wie Kaiser Friedrich noch als Kronpl'inz, so fordert jetzt Kaiser Wilhelm die Banthiitigkeit am Schlosse dnl'ch seine rege und sachknndige, bis ins Einzelne sieh el'streckende und das Ganze tragende Fiirsorge. Bei solcher Zeiten Gunst steht zu hofrell, dass in absehbaren Jahren sowohl Hochschloss wie Hoch- meisterpalast ihl'e V oHendung erfahren "getreu in alter Gestalt, el'hoben abel' zu neuen monumentalen Wiil'den als Kaiserliches Schloss" (Steinbl'echt). Die Stadt Marienbul'g ist Kreisstadt im westpl'eussischell Re- gierungsbezirk Danzig, sie hat etwa 10500 Einwohllel'. Naheres auf S. 75 fr. im Anhang und auf del' Riickseite des Stadtplans. 2" 
20 Geschlchthches, Der Kreis Marienburg enthalt 3 Stadte (Marienburg i. "\Vestpr., Neuteich und Tiegenhof), 130 Landgemeindell und 4 Gutsbezirke. Eisenbahnen ftihren VOll l\'larienburg libel' Dirschan nach Danzig, uach Berlin und nach Bromberg, libel' Elbing nach Konigsberg und Eydt- kuhnen, libel' Deutsch Eylau nach Mlawa und Warschau,. libel' :Mal'ienwerder nach Graudellz und Thorn, libel' . Miswalde nach Mohl'ungen und .LUlenstein, libel' Kalthof nach Wernersdorf bezw, Lindenau und :N euteich. A.usserdem ftihrt von Simonsdorf (bei l\farienburg) eine Eisenbahn libel' euteich llach rriegenhof. Das :Marien- burger 'Y erder, die Niederung um l\Iarienburg, ist wegen seiner Fruchtbarkeit weit und breit bekallnt und berlihmt. Del' Kreis :\In.rienburg ist reich an w()hl- thatigeu Stiftungen. l . ) I . f ' l l ,\ ,wi;; 1 l l. I <. ' (f ) > 111 ,. I 'r l . -  J I '  j '- \- \ ' - t ,'"   :rff:t. j'. ' n . ; f J1:I" \m i  : ''\Ie .::, [;(,r.J!:Dj [JO'I,I - · 'w; , 1\t  'F-rr  I 1t$-  ¥ i:.:t.... 1 I ,4 1i!l1;'T , ,:'  '\ , I' r-l r tltur=l' :  "'J  >,..' .i oJ-'- __  ., .,o\ I 'G....... a.,... J- \.. iU. -   ..::: -- ;-- "t:'.... -:r- : - -- -«,..... ... -.-...",..-.-. Der Schloss.ElDgang nach dcr Rcno'atlon vom Jahre Ib5U.  i\, t,i  ' .  J r -J t I ( 1\, \ 1 ",< . . .1') '. . f" ". i!'  . ' ',..... .. 
Fuhrer durch das Schloss. Vom Bahnhof zum Schloss-Eingang. "renn wir yom Bahnhof dureh die Langgasse kommend, am Schanzenplatz yorbei iiber den M:iihlengraben gehn, ulld am Neuen "Tege VOl' daR Schlo&8 treten, dann Rtehn wir VOl' del' Ostfront des- sclben. (.Abb. S. 22.) Zu unsrer Linken, d. h. im Siiden, dehnt sieh das Hochschloss aus, jetzt im erheblich er- hbhtell Daehe mit hunten \ erglasten Ziegeln (griin, gellJ, braun) gcdeekt und am Siidende mit einelll 'on z\, ei Tiirmchen eingefasstell Giehelbau gesehmuckt. Hoch ragt ZU UIlsrer Rcehten del' hlendenreiehe Glockenturm lieI' Burg elllpor. JIm ziert seit 18!)O euenfal1s ein neuE's, uunteR Daeh, und an del' hocbsten Spitze die gold- &chilllmernut-' Gestalt einer libermallnsgrossen Ritterfigur im Harnisch. .An dcn 'rurm rciht sieh nach X orden zu die Kirche zu St. larien mit ihrem unter Dietrich von Altenburg (1335-41) \, eit vorgeuauten neunteiligen Chore an, .Am Fusse def; dl1l'ch einen zierliehen und doch etwa viel'mauusItohell Dacbl'eiter (ein Glocken- turmcLen mit Fahne VOll 1G47) leicht gekronten bunten DacItcs crhcben sieh t-eit 18!H an diescm Chor neun sehmucke dreieckigc, Kreuzhhllnen tragende Giebel, zwischpll deneH 8ich, die trebepfeiler lies Chor nach ob('n hin abs('h1icRsend, gef,i11ige Fialcll (von vier Saulen getmgene 'riirruchen) erheben nus n.enen \\ iederum 8tE'iueruc Daehrinnen, 1f aRserspeier, \\ ie Znngell heraus- ragen. A 1H'h Ji(" mIter dol' Kil'(;he 1iegentle St. .AnnCl1- kape11e, llie Ifoc1lmeistergruft, - dllR gl'osse Spitzbogen- 
22 fY Vom Babnbof zum Scbloss-ElDgang.  , .  r ... I \'Jf"  1 .J t .!. , , . J -- , -::;;;:;'J t  '), , I ! ' L , .-or- '-- . -. ...... -= . ...-'" -;: - _C-'So<= ,.,,. - . - .. - .f..... -- ""'I. - ': ..f> ..:t-.,:....... .:J' -=- :.:. _ i:;-\  - - . . ..... . . ........... ,...   i 1 ...  --* "," "..  ':... : -i_ 1""-r- - .. ... ...., -.,.,. - ."'f... _ ..,- .. -:. Hochschlossturm )laflelJklrL!It., GI.j( kllerhaus, Pfnllentullll. (Pilot, Fen!. 8ch", !lfl, .\l:mcnlJurg.) ,... "- 
Vom Bahnhof zum Schloss-EIDgang. 23 feoster nnterhalb des Marienbildes spendet ihr tIas Licht- hat ihren Ziergiebelkranz seit 1895/96 wieder znriick- erhalten. Dazwischen griisst nns in stiller Grosse von del' vordersten Nisehe des Chores her das altehrwlirdige Madonnenbild. (A.bb. S. 22.) Es stellt die Jungfran .Maria mit dem Christnskinde auf dem Arm dar. Das Bild tritt aus dem goldnen Hintergrunde einer Maner- Llende, deren Seitenwiinde himmelLlan gefiirbt nnd mit goldnen Stemen besiit sind, hoch hervor und ist schon aus weiter Ferne sichtbal'. Flir «liese Wirkung aus der Ferne ist es auch Lerechnet, und daher machen die libergross erscheinenden Teile des Eildes aus del' Xiihe uetl':lchtet auf den ersten Blick einen eher befremdlichen als wohlthuenden Eindruck auf den Beschauer. Die l\ladonna ist dargestellt mit goldnem Gewand uud weit umwallendem, mit goldnen V 6geln verzierten rotell lantel. Auf dem Haupte hat sie eine Krone, nnter del' cin weisser SchIeieI' hervortritt; die rechte Hand hiilt ein metallenes, vergoldetes Scepter, Das Christuskind hat ein rotes, mit golunen Blumen ver- ziertes KIeic1 uud hitlt in de]' linken Halld elue vYeIt- kngel, wiihrend seine Rechte an 'larias Brust ruht. Die Figur tier Madonna ist etwa  nl, die des Christuskindes 1,88 III ltoch. Del' Kern des Bildes besteht aus fester Stuekmasse, auf "elcher in weichem Stuck farbige Glaspasten eing-cdruckt sind. Diese Pasteu siud vou undurehsichtigem Glasfluss, meistens viereekig und vou 1-3 <{em Grose, Die Goldpastrll bestehen :lUS rotem, lOit eiuem Goldblattel1en belegtew Glasfluss, welcher lllit ciner UUnnE'1l llurchsiehtigen Glaspla.tte llucrschmolzeu ist, Das .Moaikbild stalllmt vielleicht am' uel' Zeit ''lin- riehs vou Knipl'ode; N' ist woh] cinzig in ::leinoI' .Art ulld hat eineu hoheu kunstgeschichtlichell 'Y crt. - Ei!lt schaute die ..Madonll3. wie segnend nul' die Bittt::l' hill, die Hue Burg verlie:,seu odel' wiedr betreten 
24 Vom Be.hnhof zum Scbloss-Emgang, woUten. Die Sage erzi,hlt, dass einma] wahrend del' Belagerung del' Mal'ienburg dureh die Polen ein feind- lieher Sehiitze sich unt-erfing, sein Gesehiitz auf das Bild zu richten, urn es zu zel'triimmern und damit die Macht des Ordens zu brechen. Doch das Gesehoss praUte vom Bilde machtlos nb, und del' Shiitze erblindete auf del' Stelle znr Strafe fUr seine Frevelthat, Unterhalb del' l\Iarienkirche, au die Annenkapelle an- stossend, zieht sich zur Linken des Bechauers jetzt die innere(Pm'cham-) B e fe st igu ngsma u el' hin, am Stidende ihren A bschluss in einem Maucrtnrme findend. VOl' ihr und niedriger als sie erhebt sich in del' ganzen Breite des Schlosses die aussere (Graben-) :\l3.uer, an deren Fusse einst des schiitzenden llausgrabens \\T asser standen, Das llauschen, das dort zwischen del' .Marienkirche und dem breiten, zinnengekronten rrurllle steht, stellt daR einstige GlOcknel'hans Zll St, Annen dar. Del' eben erwallllte Turm diente zur Ordenszeit del' Priester- schaft des IIanses znr W ohnung; er heisst del' Pfaffell- turm. Scit 1680 "ar an seiner Stelle ein kasernen- massiges Gebaude, ein J esuitellcolleg, aufgefiJhrt, welches erst 18R9 yom Erdboden verschwundell ist, um einr Reconstruction des urspriinlichen dort vorhaI1l1enen Bauwerks Platz zu machen, dns gleiehzeitig gegen Be- Iagerungell die Lucke an del' Kirche einst zu schiJtzeu hatte. In kllrzem Abstand VOlli Pfatfellturme sehn "ir den SiidgiebeI del' sogenannten "Gastkammern" auf- ragen, In den Hanmen dieses Hauses fanden die ZUlli Besuch im SchIosse weilenden Gaste - nnll derTIoch- rneister war behr gastfrei - sr. }l;t. ihr Ullterkollimen. Das kIeinere, auch \ 011 aussen durch die scharf ab- gesetzte Zwiscbcnmauer deutlich el'kellnbare Stuck heisst man "die hohen" odei' Siid-Gastkammf'fll, das gl'osmre, nordlichere "die niederen" oder Xord-Gastkumruern. In jiingster Zeit sind Jie urspriinglicheu G iebelstucke wieder an des Rauses Dachrand angebrRcht, Dcl' 'l'Ul'lD in cler 
In den Hof des Mlttelscblosses. 25 Nordostecke del' Burg, ii1J*i'f dem Schlossgraben, ist Grosskomturs Danzk*), ( . Wir lassen zn 11nsrer Rechten das Schnitzthor liegen - in ihm befand sich einst die Werkstatte del' .Armbrust- ,md Pfeil-Schnitzer - und biegen nach links um die Ecke. Do. ist ziemlich in del' Mitte del' :K ordflucht del' Burg das Eingang!:!portal fUr die Schlossbeucher. In den Raumcn zur Linken dieses Portals wohnte einst del' Stellvertreter des Ho<'hmeisters, des Ordens Gross- komtur; zur Hechten de Portals breitete sich die Herren- Firmo.rie aus, eill Erholnngsort fUr die kmnken und die alten RitterbriIder, Seit 1897 ist del' ganze Fltigel, del' bis dahin \Y ohn- und Dienstraume fUr den Landmt u. s. w. enthielt, vollstandig geraumt Die hasslichen .Fenster sind ansgebrochen, die inneren Rdume "erden jetzt im nlten Stil renoviert. Zum HochschIoss. Wir tretell durchs Portal in den Schlosshof. Links sehn wi I' die ktirzlich wit 3 vorspringenden Giebelbauten und mit den in alter Forlll "icderherg-estellten schbnen Spitzbogenfenstern geschmiicktc Illllenseite del' Gas t- kam III ern. Gallz am Siidcnde dieses Fltigels, nach dem Scblosstnruw zu Hnd hart am "trockenen Graben" ist die vordem ganzlich zerstOrte Bartholomanskapelle mit ihrcr in den Schlossho[ hineim ngelldell \T orhalle "ieder aufgelmut, Die G:lstkalllllJCrn waren im Jahre 1803 in ein Kriegs- magazill llII1gewalldel t "orden, nnchdem man samtliche GewolLc eillguschlagen nnd an Stelle del' friiherE'n Spitz- Lugenfenstcr, die man vermauert, Speicherlukt)n ange- }Jracht hatte. - Den Gastkammcl'l1 gegentiber, als Westtliigel des :Mittelschlosset!, steht IIochmeisters Palnst mit dem sich Jlordlich dm all schliesseuden grossen .Festremter. *) "f)Hlll.k" flucr ,.Dunzkcr Jl:IIUlt man rlie \h(lrte. 
26 Zum Hochschlo!!s. Hochmeisters Palast tritt gegen den F estremter etwa. 6,30 Meter in den Sehlosshof und ebenso nach del' Nogat hin (nach Westen) bedeutend VOl'. Er ist rings- urn mit Zinnen gekront. Del' gegen Westen vorspringende Fliigel erhebt sieh in vier Gesehossen, namlieh dem unteren, dem oberen Keller- geschoss, dem Erdgeschoss und uem Prachtgeschoss, die im Wesentlichen die gleiche Einteilung zeigen. . Die nach dem Schlosshofe und nach del' N ogat zu gelegenen Fassaden zeigen reichere Yerzierungen als die iibrigen Teile. Die Fassade nach dem Schlosshofe (Abb. S. 27) mIlt durch ihre zierliche Schonheit, ihren leichten uod 1ichten Bau auf. Auf starken, viereckigen Strebepfeilern, welche bis an die Feosterbrtistung reichen, tragen sechs schlanke Granitpfeiler, deren Kopfgesimse mit ver- :;chiedenen Darstellungen in erhabener Arbeit verziert sind, starke Mauerbogen, iiber denen sich die Zinnen abkanten. Diese Pfeiler sind zur grosseren Sicherheit wit del' dahinter liegenden \Vanu in ihrem oberen rreile durch Bindesteine verbunden. Die Stid- und W estfasade ist ebenfaIls mit Strebepfeilern versehen Yon deu- elbell sind in dem vorspringenden westlichen rreile, welcher im Prachtgeschoss ilohmeisters Sommer- rem tel' enthalt, vier durch schlunke achteckige Granit- pfeiler in Rohe del' Remtel'fenster nuterbrochen. Die inneren Raume des )littelschlosses werden auf S, 47 f1'. beschrieben. ""ir wendell uns zunachst zum Hochschloss. Diesel' Teil del' Burg ist durch die neuesten \Vieder- herstellungsarbeiten (von 188 au) uo.hezu fertig gestellt und giebt ein klares lli1d yon dem Zustnnu del' Burg, wie sie einst die deutschen l{itter schnuten. 'Wer zuerst das fertige Hochschloss besucht hat, sieht Jen 
Fuhrer !lurch das Hochschloss. :H unfertigen HocbmeisterpaIast im :Mittelscbloss gleich mit gnnz anderen Augen all. f . It .r 1,- J:- - 1 f. II 'I\'  FlDgnll!! .lUlh 1I0ChEChloE'!. Rechts HochllH!lst(jrpalat, Das ] [ucltehlosf', uueh uas Hohe odeI' H.eehte llau!4, ist del' a.lteste Tcil del' lnriellburg. Es bildet ein 
28 Hod}('hlo:; regelmassiges Yicreck, dns einen llor yon et'\\ a 32 m Lange und 27 1lI Breite umschliesst., - Da naeh dem A uszug-e des Ordells fUr das Hoeh- schloss weuig odeI' garnichts gethan "fir, "Ill' es arg zerfallen Hud zel'bl'ochen, oft und g-riilll1lich nmgebaut, yon 'fl'odJerbnden und Branntweillschenken eir.gez\\ angt, als :Maden burg ilU Jahre 1772 nn Prensscn tiel. Dalln wurde es zu eilJerKn.serne eingerichtet, wobei die Gewolbe nocll geschont wlln}en. K ach del' Stadt hin wurde im SlidftligeJ ein neuer Eillgang durehgebroehen. Del' Kl'enzgang "urde an <.len Slid-, 'Vest. und Ost- ftligeln abgebrochell und statt dessen ein aus Fach- werk hergestelltel' Y ol'bau bis an das Dach auf- eftihl't uud die Fltigel auf dic&e \Veise verbreitert. Die Schiessscharten und Fenster wurden vermauert und statt ihrer nene Fenster ohne Hiicksicht anf die vorhanden gewesenen eillgelwueu und mit einem flachen Bogen liberwOlbt, Die Aussellwande wnrdelJ mit Kalk- putz bewol'fen, und dieber wieder ziegehu tig angebtrichen. So bJieb es his 1801, als ans del' Kase1'lle cin Speicher wurde. J etzt wurdcn samt1iche GewOlbe eillgeschlagen, del' Schutt in die pnichtigen Kellerraume ge\\ orten und diese damit zum Teil am:geftillt. Die vier Fltigel wurden, mit Ausuahme del' Kirche, in niedrige Schlitt- boden eillgeteilt, und in dell 'Y lilluen kleinc viereckige Speicherlukell angebmcht, Auch del' letzte Rfst deR Kreuzganges, del' am .N ordflligel 110ell erlm]t('lJe 'reil, wurde ganzlich abgebrochen, gli.icklicherweise aber nicht wie die Ubrigen 1.'eile uurch einen V Ol'bau ersetzt, so dass diese \Vand unverdeckt blieb. Unbel'ilhrt bei lliesel' Umgestaltung bUeh nul' die Kirchc; t'reilich war del' ur- sprlingliclte Aufgang zum Eingallge derselben mit uum ltztell Rest ues Kreuzgangs verschwlluueu uuu dureh emeu andel'D, weniger cbollcn, crsetzt, III diesem traurigen Zlltaude tlieb UD.& IIocLschlo lange Zeit. Da erhielt zuerst del' 13aurat Blallkelltein 
w  -- KordweSleckc dcs Ho('hschloses. - - - -  III E - - - -:- ---- - -  - -- -:;;;J - ---,- - - _l _ " - - - - .. (l'l1ot. FI.-fu. Sch\\ ar?, \rarIenlJurg,) 29 - "\.  - .... '"", \t \ \ '\\ 
30 Hochschloss. vom Ministerium den Auf trag, eine Aufnahme samt- Hcber Raume del' Marienburg und einen Anschlag fUr die etwaige "'"iederherstellung des Hochschlosse& zu fertigen. Er entledigte sich diesel' Aufabe in den Jahren 1691871, wobei er durchWegbrechen von neuemMauer- werk, Blosslegen alter Fenster, ,Abhacken des Kalkputzes wieder einen Einblick in die urspl'iingJiche Gestalt und Einricbtung des HochMchlosses gewann, Dabei bUeb es aber vorhiufig. Die eigentliche Wiederherstel1ung begann unter Leitung des Regienmgsbaumeisters Matz erst 1881 mit del' griindlichen Untersuchung del' \\T andflachen und GewOlbe in del' Schlosskirche und mit Beseitigong del' Kalktiinche, durch die im 17, J ahrhundert die Bemalungen del' Gewolberippen und del' 'f andflachen unter den Fensteroriistungen verdeckt worden waren. Seit 1882 hat dann del' jetzige Schloclsbaumeister S teinbrecht die Arbeiten am Hochschloss geleitet, und nun stebt das Hochschloss im AUBseren in einer nrspriing- lichen Gestalt dft. Es b1ickt, wie VOl' Zeiten, die Horigen 'rei1e del' Burg weit iiberragend, kiihn in Land hinaus. (Abb. del' Nordwestecke des Hochschlosses auf S. 29.) An del' K ol'dwest-, SiIdwest- und Slidost-Ecke er- heben sieh schhlDke, zinnengekronte Turllle, zwischen bezw. neben denen die bpitzen Giebel, mit Tiirmchen und Kreuzblumen aus Sand stein reich verziert, hoch emporragen. Dnd das Gauze iibel'scbaucud, erhebt sieh neben del' ScbloEskirche del' 62 m hohe Schlossturm. Die Aussenmaueru des ILochschlosses zeigen, wie ehedem, cine grosse Anzahl rrrosserer un,l kleinerer bpitzbogenfenster und Schies8charten. Rings uuter dem Dnche zieht sicn naeh aussen und urn den inheren Hof ein verdeckter \Vehrgan rr mit zahlreichen fiach uber- \\'Olbten kleinen \ erteidigungsoffnullgell. (.A bb. S, 29.) 
Fuhrer durch das Hochschloss. 31 Zur Besichtigung des Inneren lwmmen wir Yon del' Zugbrticke aus, die vom Scbloss- hof nach dem IIaupthause ftihrt, zunachst an das Y orthor. Es ist iiberdacht und mit dem Rilde eines Hochmeisters (Original in Birglau) geschmtickt. Ibm zur Linken (ostwarts) steht Thorhiiters "vV' arte", ein achteckiger, spitzer Wachtturm, an den sich die Um- wabrungsmauel' des Nord-Parchams, bis zum Pfaffen- turme hin, anschliesst. Rechts lehnt sich spitzgiebelig das Pfortnerhau8chen an das Vorthor an und weiter- hin del' Rest del' Pal'chammauer bis zu dem runden Mauel'ttirmchen hin, bei dem sie nach Siiden ZQ umbiegt, urn die Westseite des Hochschlosses zu decken. Diose ganze A.nlage erstand im Jahre 1894, nach Freilegung del' Grundmauern, aus einemTriimmerhaufen. (Abb. S. 29.) Wir ilberschreiten die Briicke iiber den trockenen Graben, del' das Mittelscbloss vom Hochscbloss trennt, und gelangen durch die kleinere Pforte des V orthors in den Zwinger. Beiderseits ill den starken Mauer- wanden, die ihn einsch1iessen, ftihren Pforten in den Parcham, d. i. in den terrassenartig zwischen dem Schlosse einerseits unu der inneren :\fauer alldrerseits liegenden geraumigen U mgang. Durch oas hohe, in schlanker Niscbe stehende lIaupttuor und den schl'agen 'rIlOrweg eilen wil' zum Ilochchloshof. (Abb. S.32,) Tn seiner Mitte steht, \on geschmackvollem Brunnen- JJ a.uschen i.iberdacht, del' 20 m tiefe Windebrunnen. Y un uelll ringsum sich hinziehenden Kreuzgullg des Erdgeschosses (mit 1'01lnengewolbe) fuhrt eine Reihe yon Eingangcn zu UCll machtigen Kellerraumell. Am siid. liclJsten Eude der \Vestwand geht mall in die Con- v e n t s k ii c he; del' ilraten steckt am Sp,iebs, die Koche bind eillst\\ cilen nicht zn fillUCl1. Ein Blick yom Schlosb- hof ill die Hohe zeigt un den ringsum Jaufenden Kreuzgang deR Hauptgeschosses mit seinen ent- ziich.cndcn 1\:fasswerken iJU Ban vollendet. 
32 Fuhrer durch uas lIochschloss. Aus dem Schlosshofe flihrt dicht am Thorweg eine gerade 'l'reppe, welehe oben mit einer sebop gearLeitten Kalksteinumwehrung umgeLen ist, in eincH geraumlgen r  , . "- I i"tut t -t -, . 1\' \ UI\\'3\!\ IIochs<..hlosshof. Flur, welcher iru 'Yestcn dllrch cin ruit Glasmalerei geschmticktes Fenster erhellt wird. Links neLen diesem Fenster fiihrt in uer ausserell MfLHer einc cl1ge Wendel. treppe nach den olJercn Stockwerken. 
Fuhrer durch das HochchIos!!. 33 Aus dem Flur treten wir durch eiuen hohen ofl'enen Bogeu iu den oberen Krcuzgang und haben nUll Gelegen- heit, die zahlreich diese Kreuzgang-Laubcu und ihre Krenzgewolbe sclnntiekeudcn Skulpturen (hier, wie uoell nil eilligen allderen Stell en im Schlosse yon Professor Be h l'e 11 d t nus Herlin geschatfen) ans del' X ahe zu be- wnnderu llnd au Jetll rrotaleindruck des Ganzell nns zu treun. 1st's nn nicht so, als mtisste jeden Augenblick ein Ritterbruder im wallenden weissen 'Iantel lllit dem sohwarzen Or(lenskreuz, oller ein Priesterbruder in seiner Kutte uns begegnen? .Ans dem Kreuzgang kornmen wir <lurch eine zur Linken befindliche reich gesohnitzte Tlnire in den KapiteIsaaI, in welcllem siell ehemals an den gl'o::.sen Kapiteltagen die OrJensgebietig-er und Komture aus allen Landen zur llaehmeisterwahl versammelten und uber die An- gelrgeuheiten ues Orueu1'5, tiber Krieg und Frieden be- deteIl unll Eutbeheidung tmfell, OaR GcwOlbo des Kapitelsanls ruht auf drei schlanken Pfei1ern, deren Kapitale aus )Iarmor in kiinstleriseher Austiihrung <.lie urei Ordensgeltibde sinnbildli('h dar- stellen. l<Jrhellt wird del' Saal durch 6 nach <.lem Schloss- hafe, 3 nnch \r esten \lud 4. nnch dem Kreuzgange ge- legene Spitzbogeufenster. Sic zeigen iu Glasmalerei ITocllmeistcJ'. und Lauumeisterwnppeu. Del' Fllssboden hut farbigcn Flieseubelng. In .er schmalen ostlichen WantI befIndeu sieh li kleille Offnungcn, welehe naeh uem Sangerchol' in del' fwgrenzcnden K.irche flihren \llHl uuzu uestimmt waren, ua Hineintonell des Gesanges iu deu Krtpitelsaal zu vermitteln. III cler Langswaud naeh <.lem Kl'eutgallg zu sinu zu beiden Seiten del' Thlire tiefe Mnuclnischeu, welche mit 'rhtiren versehen \fnren und zul' ..\_uflJewahruIIg yon Dokumenten dicIlen mochten. s 
34 Fubrer durch tla3 Hocbschloss. Yon del' dem Hof des .Mittelham,es zugekehl'ten Wand tretell nns zwei Gemalde entgegen. Das liuke stellt dell ErzengeJ :\lichael dar, wie er den Drnchen del' Sunde Le- kampft, das andere zeigt nns den Heiland am Kreuz, Sunde und 'fod besiegeud, nud daruuteJ' im Bilde die personificirten Ordeustugendeu: Armut, Keuschheit und Gehorsam. 'Venden wir uns nach rechts, so s(;haueu die Bilder del' ersten Hochmeister, von Heinrich von W nlpot an, auf uns hernieder, sprechende Gestalten ringsum, auch an del' Sud- unO. \Vest" and, bi::, hin zu Konrad von Erlichshausell, dem vorletzten del' IIoch- meister, die in Marienburg regierteu, (Seiu:N achfolgeL' Ludwig von Erlichshausen musste im Jahre 1457 VOl' den Polen aus del' Burg £lichen.) Yor dem Hiuaustl'eten aus dem Saale bleiben wir betrachtellll \ or dem Hilde del' :Madonna mit dem Jesusknaben stehn, die auf einem 'fhrone sitzend dargestellt, ihr zur Rechten nnd ZUl' Linken je eiue ]ngelsfigur, von del' Nische libel' del' 1'hul' auf den Beschauer niederblickt. Alle diee Ge- m(ilde schuf die Kunstlerhand des Professors S c Ii ape I' ails Hannover, und zwar die HochnH'isterlJilder unter .llcnutzung alter fiU den 'Yanden Hoeh erhaltener Bildreste. Del' Kapitelsaal hat lilJrigens eine herrliche A kustik, '\Yenn wil', aus dem Knpitelsaalc kommend, dell N or(lkreuzgullg eutlang gchn, so treffen wir zu- nachst in del' 1inken \Vand auf {:ine ThiJre, die in eineu eugen in del' Mauero.icke del' Kirchell\\ and gelegenen Hinglicheu, tonnenge\\ oILteu L{auLll luhft. !n de del' Kirchc zugewandtell Schildbogcn sind drei l.. eslchtshohe bcfindIichc, mit KIappcll Yll'schliessbare Ofinungen angebracht, welche eillen Blick in die Kirehe, nnch dem Hochaltal', gestatteu, Diesel' HaulJ1 lw.tte dell wcck, ,,ie Bruuer, ,\elehe znr Buoce sitzCIl", aufzll- nehmen, die nacl. o.en Ordensregelu fur die Dauer dcr Busse Yon del' Bruder Gesell!::ichaft nnd VOll delll gemeill- schaft1ichen Tisch "zu ondel'll" wnreu. 
Fuhrer dUTCh das Hochschloss, 35 Eine zweite schmale Thiire filhrt zu einer In del' Mauerdicke liegenden engen Treppe, auf del' man zum Sangerchor hinaufsteigt. . .Am Ende des Kreuzgaugs gelangen wir schliesslich zu del' dllreh Ialer Grimmer (aus BerJin) neu "ieder- hergestellten, aus del' iiltesten Bauzeit des Schlosses stammendeu, wahrhaft "goldenenl)forte", dem ca. 21/2 ill in del' Mauerdicke liegenden Eillgange zur Ordenskirche. Die Seitenwande dieHes Eingangs} welcher eine Y orhalle bildet, fo5ind mit rohen und verglasten Ziegeln bedeckt, die wunderliche Tierg-estalten zeigen. Die" eit vor- treteuuen Gewande uer Spitzbogenthiire haben kleine Stabsaulen illit hliitterverzierten Kopfgesimsen, Auf den J>feilersaulen sind rechtR die fimf thoriehten Jungfrauen, die Lawpcn mngekehrt ha1tcnd, Jinks die fiinf klugen J ungfrauell, die Lampen aufrecl1t trag-end, in rotem, gebl'anntem Thon darg-cstellt. Die rlrei Felder del' Wand- DacIte iilJer c1f.:n glasirten und verziprten Flieseu stelleu .Iar: faria und Joseph mit dem J esusknuben auf del' vVanderuugj Maria und Jo::,eph allein und den Jesus- knaben, u dessell Seiten je ein bartiger )Iann mit eiueJll Spl'lIcItbanc1e kniet. Die emporsteigenuen Hogen sinrl1l1it Bl<itterschmuck, ill "elchem aLenteuerliche rrier- gebilde ItervorIugen, reieh \ erzieri. Diese Skulpturen illd und waren mit Fm'ben uud Y crgolduugen ausg('- stattet, woher del' :x Ullle "goldcne Pfone" genommell seiu wag. Durell die&c hcrr1ithc Pforte kommen wir in die del' Sehutzheiligeu des Ordens geweihte Marienkirche. Einc Pracht und SChOllhcit umgiebt uns hier, dass "ir iiucr aIle111 Ans(;haUll \ crgessen, dell Meibter zu Leglilch.- wiinscllell lIU<l zu hencidell, del' da g-escLafJ'elll Und Hun LcleLt sich UU\\ illkilrlich del' ganze Haum \ or unserm S. 
3\5 Fuhrer durch das Hochschloss.   ) " ' . "' ""' .. . a. , .ft_ "/' t' . " 11 ,  .  ' a.  i '.-:-;f ' ': So. '.... ...... i I \   "f " t \ 1 , \ \ (t . (t , / .'" . \ . .>.. . « I Ii : 1 n I I , 1 '1 t I i I I 111 , : '0 r \: i . 1! t1 11e'  J · iL r Q B ,r ," ... _ -I, =1 f " ,) I I I :..J 1 -, I , . .. . )\ 'i''i}v\\r" ;)S :y -I 't t- )- .. . i.t. _ -. .'  ..".. Iarlenklrche. 
Fuhrer durch das HochschJoss, 37 Geiste. Yon del' kunstreichcn, praehtvoIlen Sanger- cmpore zu unsrer Linkeu erschallen Lougesange zur Ehre Gottes, ringRulU lausehen Hittel'ul'iider des Deutschen Ol'dens alldaehtig den frommen Klangen, und am Hoeh- altar, all1 Ende des erhohten Chors, in dem die Priester- schaft im prachtvol1sten Gestilhle sitzt, celebrirt del' Priester eine feicrliehe )Iesse, - ,\Yir schreiten durch den Lettl1er hindurch Lis zu del!) reich mit Gold und vieltm Piguren gesehmiickten Hocbaltare "\01' (ALL. S. 36) und \\ erfpn einen Blick zuriick binein in die Kircbe. Da zeigt sieb uns ein ullvergeslich Bild. Die berrlichen Chor- stithle, die lllannigfuchen alten \Va.ndbilder, die teilweise Hoeh mittelalterlicllell Bildfenster (Christus-, )farien-, Propheten-, Apostelfel1ster), die in leuchtenden ParLen schill1lllcrndell Gewblberippen, die bUllten, goldstrotzeu- den Lichtkwllen, das imposante Lesepult aUR Erz, del' ,\ undcl'vol1 gCbchnitztE:: Hoelnneisterstuhl mIl Elide d('s Chors -. delln als "eltlicher und geist1icher Herr zu- gleich batte del' Hocbllleister seinen Ehrensitz unter den Pricsterbriidcrn -, del' mnsterreiche Fliesenteppich: aIles ibt schou, unu das Auge \\ eiss nicht, wohin e voller Lust zuerst hiublicken ;:,011. Wit' mu:;s es erst grwesen sein, als in des Urdells Bliltezeit in solchem weihevollen Hnmne eine siegge\\ ohllte stolze Ritterschaft VOl' ihrem JIimmelskonig, ihrer Himmelskonigin demiitig sich ill die Kniee wart'! - - Die Kirche ist et\\ a 43 III lang, 10 ill hreit, 15 m hod!. Dn Altarellde ist dreiseitig ges<:hlossen nnd hat kein Feu::,ter, dagcgen nach aussen eine tiefe ische mit Jem :Mosaikbildc (leI' J ungfran )Iaria. (S. 22,) Ursl'riil1g1ieh l1atte die Kirche nicht ihre jetzige Grosse, sic chloss viellllehr im Osten lllir del' ansserell l\Iaucl' dct:; Ostfliigels ah, Erst del' Hochmeisrer Dietrich yon Altenburg verglossel'te sie nach Osten durch einen AnLau, iu ucsbcn ErdgescLoss er die St. .Annenkapellf' und lintel' diesel' die Hochmeistergl'utt anlegte. Das 
38 Fuhrer durch Jas Hochschloss. schone Sterngewolbe del' Kircbe iiherspannt obne Seiten- scbiff die ganze Lange und Breite del' Kircbe in gleicber Hohe. Die Au::!!aufer des Gewolbes lOsen sicb in 18- kurze, balbgeteilte, achteckige Pfeilerstiicke aUS Kalk- stein auf, deren unteres Eude einen kleillen zierlichell Tbronhimmel bildet. U nter jedem diesel' rrhronhimme1 stebt die Figur eines lleiligen auf Postamnten, welche :Jlenscbengestalten sowie Tier- und Tellfelsfratzen zeigen. Etwas tiefer zieht sich rings nm die Kirche cine llllunter- brochene Reihe kleineI' Spitzbogen hin, deren vV'tntl- feldeI' mit Gemilden uud Spl'uehell bedeckt sind. Da eine Bildfenster, das Hoffenster, wa]' aus Bildteilen zu- sammengesetzt, welche del' Oberpl'asident von Schon aus del' Iinoriten-Kirche zu Thorn fill' die larienburg er- worben hatte; das zwcite Biltlfenster stall1Dlte aus delo 14.. J ahrhundert und hat seinen Ul'prllng zweifel108 in }Iarienburg. Die Bruehsttieh.e t.lieses }"ellsters sind zu einem:\ledaillon. und einem Figurent'cllster erganzt, welehe wir jetzt im Chor;:)chluss del' Kirehe bebell. Die iibl'igcn Fenster sind durch sehr geluugene Grisailles mit l'eichem Fal'benschmuck fillsgefiillt, welchc in liem Konig-lichen lnstitut fUr Glasnmlerei znCharlottenhnrg ltergestelltsilld, 1m Chorschluss Lefindell sieh Zll beilien Seiten Thilren, welche in kleine gewolhte l{,aume - Sakristeien - fiibren. Die schmale Empol'e an lier \Vestwand del' Kirche, zu welcher vom Kreuzgange ails die oben erwahllte Wandtreppe fiihrt, ist nach 'Vestell durch drei tiefe ischen und nnch del' Kirche zu durch einen aut' zwei Sa-ulen gestiitzten, achtel"kig vorspriugenden Altan mit hohem ::\littelbau erweitert. und hnt cine reiche, ::;tatt- liehe Briistung aus Stuck. Die Empol'e diente fruher als Sangerchor, der ltan als Stand deB Gesangleiters. Unter del' Bmpore, und Z\\ ar in del' :\litte zwischen den beiden Sail len, welehe den Altan trH,gen befindet si<.:h ein schmaler Thul'eingang, welcher iu' eincn kleincn. 
Fuhrer !lurch das Hochschloss. 3 quadrath;cben, gewolbtell RaUID fiihrt, Diesel' Raull1 war wabrsrheinlich das Sanktuarium, zur Beisetzung del' geweihten Hostie wahrend del' Charwoche. Au del' Nordwand gegeniJ.ber dem Eingang del' Kirche, hangt ein altes grosses Cl'Ucifix, aus IIo]z geschnitzt, von kiinstlerischem "\Yert. - Draussen, VOl' uem Ausgaug del' Kirclte, wird del' Wanderer durell eine DarstelIllng LIes CrucifiAes zur Linken LIeI' goluenen Pforte an die :\10rdthat jenes schurkischen Ritters erinncrt, uer dort im ,J nhre 1330 den wohlverdientell unu sittenstl'engen Hochmeistel' 'Yerner von Orseln el'stach. Au die Conventskirchc lehllen si<:h nach Silden zu uie SchIafsiHe (uas Dormitorium) del' Ritter an, bchwiteher el'helIt und einfacb gehalten.V on uer Decke haugen einzelne Kronen herab, aUl'h ein lllachtiger Raub- vogel, del' eiu ullschuldig llaschen in seinen Faugcll halt. Die 8chlafsale nehmen den Ost- unu Sudflllgel (les Geschosbes ei II, 1m "\V etfl iigel Iil'gen des II a u3koJU turs und des Tres::;lcr::, (d, h. lIes Sd1Htzl1leisterb) Stuben, trau1iche W ohnraulle mit mnlerischelll und lieu1ichem Ausblick auf N og"nt uull Niederuug. In 'l'resslers Gellaeh solI dereinst die vom Geheimen Sanitatsrath Dr,J aquet inBerlin durch Jio YerU1itte- lung des YereilJR fur die Hel'stellung und An...schmiickuuf!' del' ){arienburg (vel'gl. Marlenburger Ordensschilling. S. 18) dem Schlo/:)se gechellkte einzigartigc \J ilnzen- und lledailIen- slllunllung ftufgehouen werden, uie iibel' 1100 ver- bcbieuelle 'hinzen (les Deut!-.chen Ordens ulld eiuige 'fausend preussische, Danziger, Thorner und EllJiuger 
40  Fuhrer durch das Hochschloss. J.'\1tinzen und Denkrntinzen en1hi:ilt, Zur Completirung diesel' Sammlung werden VOll dem genannten Yereill uoeh immer Ankiinfe, besonders anch an :\1imzfunden aus del' Provinz, gemaeht und gem freiwillige Geschenke RlIgenommen, Erwahnt so11 '" el'den, dasR Kaiser Wilhelm im Jahre 1898 del' Yereinssammlung eine wertvol1e Reihe von lednillen aus del' jiingsten Zeit tiLer", ies. - Del' el'ste Band des auf dl'ei B all de berechneten Kntalogs del' ,,'iiinzen- und Medaillen-amI111ung in del' :Marien- burg" ist zurn 18. J anuar 1901 im Druck erschienen. Er beschreibt die preussischen hinzen del' Samm1ullg aus del' Zeit bis zurn Jahre 1701. Das Obergeschoss des Hochsch10sses entha1t im Ost- und "XVestfliip;cl urn- fangreiche Speichcrraume, ebenso im  ordfliigel illJer dem Kapite1saal. In deren eincU1 (\Yafl'ensbller iw West- £liigel) ist die vom Yerein fUI' die Her::;tellullg und .\ us- sc11lniicknng del' )larienbul'g im Jahre 189 fur 130000 Mark gckaufte 13le II' sehe ""a ff ens am 1111 n 11 g aufgestellt, die im Ordenslande enttanuen iat und einen lehrreichen Uberblick ilber die Ent\\ icke1ung des Watfenwesens von deT vor- und frilhgeschichtlichen Zcit his in die Gegenwart gewahrt. Spaterhill solI diese Samm1uIIg durch das ganzc S<::l11us, zur Ausschmiickung del' einze111en Ri:inl1le, verteilt wel'dclI. er Stidfliigel im ObergeschosR heherLergt 11o<.:h z\\ el ausllehmcnd schone Sale, den rOllyentss})cbc- remter (das lefectorium) unJ dell Conventserholul1gs- remte.r (die Herrcnstube). Del' erstere (A bb, S, 41) ruht af sIeben schlauken Pfeilern ("Sieben pfei1crsaa1-) und wlrd durch 7 mit hiibschen ..\lass\\ erkcn versehcuc z\\ ei- teilige Spitzbogenfenster erhellt. HI' ist wit 14 nltel' tUmlichen Leuchtel'kronen, die nus Ge\\ eihen bestehen. 
Fuhrer durch rta o Hoch,chlo8s. 41 6 langen Tischen und Banken, yielartigen Fahnen und GeweLeu und schijrn erzierten Schrimken augestattet; in einer .Mauernische hilngt eill gewaltip:er Keitel', eine zweite Nische birgt den Luntgeschmiickten Kamin, und an del' liohen LangSWalld mahllt das durch drei Gewolbe- nischen sich hinziehende Gema]de des heiligen Abend- mallls zurn Danh.gebpt Lei Tische, Besonders die Dar- A.., o rT . t- J \\ ) I .  t 1  JII,}r' I  ; Jfij' · ... " ),  I 4-.  ---- ...:t. t -- .\ ---. -- Spmscrcrntl'l" !In Hllch:-,chlo8:J !-tcllung des freundlich milden Heilands neLcll dern 1instCl'll teuf]h;chen Judas tibt einen eigenen auLer aUb, Prot'c;::,Eor Schaper hat da Hild gelllRlt. .An del' "Tand, llie ZUlli Erholungsremter fiihrt, Lefilldet sich eillo Dnrstel1ung del' \\T nppen unsre8 K.aiers und einer hohcn Gemahlin, mit Begriissungsspriichen ZUL' Seite, a\)('h da \\Tappen des Kbnigs von "r[jrttemLerg, cnd1i('h cinc ueucllktafel mit del' Aufzeidlllung Jer An- !-prul'hc Kaiser ,Vilhe]ws, die Jerselbe VOL' del! Ver- 
l Fuhrer durch das Hochschloss. tretern del' we$tpreussischen Stadte hielt, als er (am 7. und 8. September 1894) in del' )Iarienburg abgestigen war und sein Hoflager hielt. Zwei Satze aus dieser Ansprache magen hier ihre Stelle finden: "Dieses Schloss, in dessen )Iauern die weissen )Iantel mit dem schwarzen Kreuze VOn den Rittern einst ge- tragen worden, war die Ho 'hburg des DeutschtullI gegen den Osten, von ihr going die Kultnr in '1.l1e Lapde hinaus. So machte ich del' Provinz von Herzen wtinschen, dass sie die larienburg stets alq ein \Vahrzeichen des Deutschtums ansehen mage." Del' Erholungsremter, die Herrenstube (neben dem SiebenpfeilersaaI), (Ahb. S. 13) jst ein Schmuckkastchen im Schmnckkastchen. In den frischesten FarLeu, unter .lenen Hot die Oberhand behalt, prangt das wappenreiche Gewalbe. 'Vandmalerei und Flieseuteppiclt, 4: bchane Leuchterkronen mit Rittergestalten im Innern, auell zwei kunstvoll gearbeitete Schiftsmodelle zieren den VOI'- nellmen Raum. .Aus den Ge\'t albenisehen <leI' Langs- wand erheben sich im Relief drei Ritterg-estaltell (Uri- giuale im Dallingerhause), Heinrich dcn Finkler au!. del' Falkenjagd darstellend unu eine Kampfscene. 1m ULrj- geu Lemerken wir hier \\ ieclerulli einen bcholl vel'ziel'ten Kamin; ausserdem eine reichverzierte Empore fur die "Kunstpfeifl'('r". Das Gewolbe ruht auf lll'ei Pfeilern. YOI' del' Herrenstube und dem Speise!:mule zieht :-;ich Russen ein Gang entlang, in uelll eina \V I1Hchvor- rich tung und ein Herd sich betindcn: del' Ort, "wo Bruder Kellermeister den \Vtirzwein Lraut lo . \Veun wir noch die Lerr1iche Ausicht vom hohen 'Yartturm del' Burg auf uns einwirken lassen wollen, haben wir Gelegenheit, beim Gang dahin ausser dem Turmgemach in del' Hohe des oberen Kreuzgangs VOl' Allem auch die von del' Stadt Thorn tiberlassene eiehene 
Fuhrer durch d,l HochschloEs. 43 r .... ....'011 ,'\ ' \! 1\  t ;-', \ 1'/1 ... \ ' I J "" , fc ... I . . " t,..... I , '\ . \  .. ,,; \,. I I ...., I . t I ,: \ \ :'f  , I J It " . , to i ' \ I ,,\ L · _'"o: , :;:::: ... ..... .... , I 'V \ , .' ... . f ""4 " .. -I' I /+ l . ' - ..\" t;  , .. ....  1 4 1 ,f I ,  . rt '\ J , ., .... '" I .. , L  tlu\\e\";\9 Herren8tlllJe. 
44 :Fuhrer durch daB Hocbschloss. Spindeltreppe zu besicbtigen, die nus dem W obnbnusc des im Thorner Blutbad 1724 hingerichteten Blirger- meisters Rosner stnmmt, ein Knnstwerk zup:lejch und eill ehrwilrdio-es Erinnerungsstiick, - Hier schritt einst- malR del' Tu'mwachter in die Hohe und del' Knnst- pfeiffer, del' (bis zum Jahre 1750) obcu die Stunden auszuhlasen hatte. Zu den Webrgangen, die sieh dicht uuter dem Dachrande rings urn daR l-Iochschloss hillzicbell llud ehemals bei del' Yerteidigung del' 6nrg gute Diellste leisteten, flihren an drei Stellell de!:. Schlosses enge rrl'eppen hiuauf. - Wer davoll liest (S. 15, 16, 28), \\ ie grlindlich die Jahrhunderte an den! Bau del' :J\larienburg ihrc Zer- stol'unp:skunst geliut hauen, ja \\ er auch nul' eimnal VOl' dem Jahre 1881 das Hochschloss gesehen oller Lli(' Photograpbien lJetrachtet hat, die nus jenen Zeiten stammen, und damn sich vergegen\\ artigt, wie fun:ht- uar verbaut Jas Ham, "ard, als es zm' 8pei<.:hergewinllung l'oeine sehonen Gewolbc, uell gaulen Kreuzganp;, die Giebel, die Fassaden, die Fellster, ja sellJst dns Ul'spriing- Hehe Dach ,er1iercll musste, "ein niichtcrncr, uber- putZter Steinkasten, an dem da schdrfste Auge, die klihnste Phalltasie machtlos abglittcn", "starl'end vom Schmutz del' Y erwahrlosung", ucr kaon die A rbeit unsrer Zeit erst recht ,erstellll und \\ tirdigcn, eiller Zeit, die "ieder gut macht, \Va:::: F1'lihcre \er(larben J etzt "eht Lloeh wieder deut.,cher Geist Llnrch uiese Raume. - .Ehe wir rla Itocbschloss verlassu, unternehmen wir vom Zwiuger am Yorthor au:; noeb ciuen Gang ;Iber den ::;\ ord-Pal'cl1am nach dem Pfntfcntunne zu, ZUl' Rechten am aussersten Ende "i1'o hier del' Pm cham 
Fuhrer !lurch lIas Hochschlo", 4 durch die Ann e n k a p ell e, die nnter lIem ostlich vor- 81'ringeullen Teile lieI' Sehlosskirche liegt, gesperrt. Die Annenkapelle hat z\\ ei Eingallg'spforten, von X orden und Stiden her, welche Ldde wegen del' Starke del' U mfassungs- ruauel'll zwei grosse V orhallen bilden. Heide sind mit in Stuck ausgefiihrten, llie Gewolbefelder fiillen deu ,iusserst kUIltvolleu ulllI hen'lichen ArLeiten ge schllliickt. Die Vorhalle, Val' del' wir irn Xoru-Par- cham stehn, ist die nordliche. In Jem BogenaLschnitt rcchts ist Jer rrod del' J ungfrau l\Iaria, links .!lie AIl- hetullg del' heilig-en Ilrei Konige dargcstellt. Uber del' rrhiire sehn wir llie Krouung- del' heiligen .J ungfrau und. lIarunter die klllen und die thorichten .Jnngfrauen; den klugen ollnet Petrus das Himmelsthor, wahrend Cill 'reufel VOl' einem weit flufgesperrteu Draehenmaul die thorich tell J ungfrauell erwRrtet, U m diese Dar- telluugen zieht sich ein Bogen nJit l'eichem Blatter- Cllllluch., in wel('hem K arrenkbpfe nnll phantastische rfiel'gcstalten :1ugebracht siull. Dllrch die V orballe treten wir in die Ann e n k ape II e ein, Sie ist 18 m lang, 9 ill Dreit und 6 ill hocl!. Del' UhomuschlusfI ist del' oueren Kirche angepasst drci- eitig. Das GcwOlbe, bedelltend niedriger wie dns del' Schlosskirche, ist cbenfalls Sterngewolbe, jedoch VOll t3infachel'cr Konstruktioll unci im Hundbogen ausgefiihrt. Die Hippen lies (jewolbes stehen stark hervol' unfl ruhen auf steinerncn, sehr lierlich geo.rbeitetell Krag- bteinen. In lIeI' starkcll UU1fasl\ngsf1laner befll1l1eu sich zu JJeiucu Sciteu des Altars (ie oben in Jel' Kirche) klcine gewolbte laume, "elche wohl alH Sakl'isteicn ge- t1ient hl1JJcll. Dus Fellster im CllOrschlnss stellt die Leilige AUlla Liar, Vie Kapelle prangt jetzt in pI'dchti- gcm FUl'bcnschmuck. 
4G Fuhrer durch d,IS Hochschloss. U nter del' Kapelle befindet sich ein drei 'Ietel' tiefel', mit '"fonuengewolbe tibel'deckter Raum, del' zur Aufnahme del' Sarge del' Hochmeister diente. Elf Hochmeistel' wurdeu hier Leigesetzt, Yon ihl'en Ge- beinen ist nichts auf unserc Zeit gekommen: an ihrer Stelle baben einstmals die ::\larieulml'ger J esuiteu ihre Patres beigesetzt. Jm Fussbodell del' Kapelle, etwas erhbht, sehn wir drei Urabsteine, namlich die Jel' Hochmeister Dietrich von Altenburg, Heinrich Duseruel' und Heinrieh von Plauen. Die siidliche, Ilaeh del' Stadt zu gelegelle Y ol'halle del' Allnenkapelle fiihl't auf Jen Ost-ParChfll11 zum Be- grabllisplatz del' Ordensrittel', Sie hat im Grossen und Ganzen diesel be Einrichtun wie die nordliche. Yom zeigt sie ein Stabwerk \on Stein und Stuek, oben mit Blumen, un ten mit vCl'Ziertell, gegliederten Fussen. Die dreiteiJige Flilche in del' :Mitte tiLer del' Thtire stellt die KtOeuzauffindnng durch die heilige Helena dar. Del' UlI1 diese Flache aufsteigeude BogeH entl1lilt l'eichen Blatterschmuck in Stud\. gearbeitet. An jeder Seiten- flache del' Y 01'11 aIle stellll Hutcn an del' ,Yand zwei Heilige mit Spruchbanueru ill den Hiwdell. Auf del' linken Seitenthi.che sehn "ir uRruucr Christi IIimmel- fahrt, fluf del' l'echtell das "r e1tgeri<;ht dargestellt. Kehl'en wir dUl'ch die Anneukapelle auf dell Parl'h3.111 zurtick, so liegt zu Ullbrer H.echtcn von Bo]]ern be- schlitzt, das Gloekllerhituscheu vn Sn.nkt A Hnell nud neben ilun, nach dem trocb.uell Graben zu, del' massige, viel'stOckige })t'ill1cnturm, in denl Val' Zeiteu l\1eistel's IIofkaplan beschaulich wohute. DerTul'lll hat \ ier Stock" er1.e, die uutCl'en nlit einfachcm, Jas oherste mit slll' schonem Sternge\\ olbe uusge:;tattet, und son der- emst zur Aufbewahrung des Al'chivs unO. ller HiLlio- thek des Schlosses dienen,  achc1c \\ ir zurliek ZUlli Z" ingcr die Stufen eUJl'0l- gestlegen sIlld uud eiuen fHiehtigcn Blick in die gart- 
Fuhrer durcb daR Ilttelschloss. 47 nerischen Anlagen des 'Vest-Pal'chams geworfeu haben, u bel' dem del' brcite Hel'l'endanzk bich schwer erhebt, flihl't uns zuletzt die Y ol'thol'bl'ucke (mit interessnntem A llsblick auf die Bef'estigungsmauern des Hocbschlosses) tiber den trockenen Graben hin\\eg auf das Gebiet des l\fittelschlosses. Unsl'e \Ynnderung durch das llochschloss ist beendet. Hochmeisters Palast. Del' dem Hochschloss zunachst liegende gegen ',esten yorspringellde Fliigel von Hochmeisters Palast erhebt sich in vier Gescbosscn, namlich dem uuteren, dem oberen Kellergeschoss, dem El'dgescho'ls und dem l'rachtgeschos, die im Wesentlichen die gleiche' Eiu- teilung zeigen. -- Das Erdgeschoss, in daR zu ebener Erde in del' pfeilergesttitzten, zierlichen Ostfassade drei Thtiren fUhren, ist, seitdem es zum llouburcau del' Schlossbauverwaltung eiugerichtct ist, dem J>ublikmn nkht zuganglich. Del' dem "trockenen Graben" zunacbst gelegene Eingang ftihrt znr '" ohnnng des Oberschlosswarts, ,ier ll1it rl'onuengewblbe verbelJenen Raumen, welche ehedem als H eizraum fUr leisterR GcmacIJ, als l\1 eisters Kiwhe, als Kiichenkammer ul1d als Stube des Koehb dieueD TIlochten, Dic mittlere rrhiire fLihrt zu den Rauruen, die jetzt zum 13aubureau eilJgerichtet sind. Durch eiHen IJIit 'ronneuge- walbe iibcl'spauntcn Flur geIaugt mall ill den mit hohem Spitzbogcn bchbngewblbtcn Gang des Erdgeschosses, in dessen ausscrer 'fond sich del' auf 8. 52 crwahntf' Ilausbrunnen des Hochrueisters Lefindet. Am Ende des Gaugcs ftihrt ein huher, verzierter Eingang in vier "\ bllig all1llichc, im Quaurat neLen einander liegende freundliche Zi !llmer; sie liegen gerade unter ::\leisters Sonlluerremter, (lesHen pfeilcr auf d<:w Krcuzungspunkte ihl'cr iUllel'en "r o,HdlI1Huel'l1 ruht, Ihr scbbncs Spitzbogenge" Olbe rullt 
48 Fuhrer durch ,Ias l1ttelschloss, ',,' :J . ;:' l il.,.;<> .>. '>: ,,"',: ,," ", "; « ;' -. ' _:-1:= - -  : : :. II ..." .. - - .. '1 ,  G ,I" /' )I, __' 11' aa: F ",' " . =x_-:::. .1)111 fllillllD.  II , , : '(.: : \:,k:'.:,':  - Emgang zur Schloss- - - '  ' " 1/. ',',II  "-- f,:,,' -_' beli!lcl1tlgung und \Yarte- raum ,* fl I "/' :\'y:,:\,(/: 'v,:' , :'< +t/(-,-  I 1 '-":''1. - , , I/>--"-{ 1/<" ...I...................I .........'.. - -"'-----I---' I I : ':'+1?h\f":  ---r-*::-i--.., --" . 1', ...../1 /1\ : /1\ I" ' I ,,", I I), \ I I A \ I )! I" \J./" ,',u.... '\!" " .4" " .  ... 'I ..: :.... ,/' "  t Emtrlttsk,lrten- Verkauf. I  l } ... , __' . I ;. A, :,! elsters Sommer - Remter B. :)Ielsters \\ mter - Remter. C, Der obere \lang. D. )lelsters Stube. E. Flur F. Melsters Gemach. G. HausIlUl.. . H. '[elsters Sthlafkammer. .J. '[elsters Hmterkammer. K. )lelstels Kapelle. L. Melsters grosser Rrmter. "[:,- , / " , , , / . '( .." " , , , ,It(, , ,.' >:'" I U--. I J ',/ , "" I L - SchloSBhof. - Plan zu Hochmeisters Wohnung. 
Fuhrer llurch dab 'Ilttelschloss. 49 auf je einem achteckigen Granitpfeiler; in den Fenster- vertiefungen sind, wie auch im Gange, alte, steinel'lle Sitze. Die Stuben sind dureh 'rhiiren mit einander ver- bunden und waren ehedem flir Meisters Schreiber, fUr die Kanzlei und Schafferei bestimmt, AllS dem vierten diesel' Zimmer fiihrt eine Thiire in del' Ostwand in ei 11 langes zweifenstriges Gemach, dessen Spitzbogengewolbe auf drei schlanken achteckigeu Granitpfeileru ruht. E:; war dies die Ratsstube odeI' das Gebietiger-Gemach, in dem del' Hochmeistel' mit den obersten Gebietigern des Ordens, dem Grosskomtur, dem Ordensmarschall, <.lem Obersttrappier, dem Oberstspittler und dem Ordens- tressler, zu Rate ging. An dies en Raum schliesst sich die Briefkammer odeI' Briefstube mit einem daran- stossenden 'ronnengewOlbe; die Stube enthielt wohl das Ordensarchiv. Aus dem Tonnengewolbe gelangt man libel' einen sehmaleu Gang auf den Hauptgang. Dieselbe Einteilung und Gestalt, wie das Erdgeschoss, zeigt das obere Kellergeschoss, zu welchem die dritte del' oben enviihuten Thiiren den Eingang bildet, und eben- so lIas untere Kellergeschoss, in welches man mittels einer rrreppe yom Gange des obern Kellergeschossf's ge- Iangtj nul' mit dem Unterschiede, dass in den Keller- geschossen Gaug und Ranme niedriger, mit flachen Bogen i.iberwolbt, die Pfeiler nicht mehr geschliften und die einzelnen Riiume nicht durchweg unter einander ver- hUllllen sind. Dcl' fUr das grosse Publikum bestimmte Haupteingang ZUlli Hochmeisterpalast liegt unter {eisters Hauskapelle, in del' Ecke, die durch den vorspringenden Pal a::) t mit dem sich drau anschliessenden zurtickgebauten F I ii gel gebildet wird, 'Vir treten hier in einen mit einem 'ronnengewolbe iiberspannten Y orraum mit einem N eben- zimmer, dem Warteraum fUr die Schlossbesuchel', 4 
50 Fuhrer durch das Mlttelschloss. Vom Schlosshof aus gerade gegeniiber dem Eingang ZlI dem eben genannten Y orraum fiihrt eine Thiire zur (modernen) Hanpttreppe des Ranses, auf del' man unter einem grossen Spitzbogen anf den H a n s fl u I' gelangt. (Abb. ,51.) Diesel' Flur war von den Polen arg verwiistet. Das GewOlbe, das sie zum Teil ein- geschlagen hatten, wurde im Jahre Ib23 unriehtig \\ iederhergestellt. Es mht auf drei nebeneinander stehenden achteckigen Granitpteilern und einem allein stehenden flachen Pfeiler. Die 'Yappen an ihnen bezeichnen die Geschenkgeber des Beitrag zu ihrer Renovation. Die zu .Anfang des vel gangenen J ahrhunderts geiibte U nsitte, durch solche lllodernen Zuthaten den Eindruck des Altertiimlichen l'.ll storeu, kehrt im IIochmeisterschlosse an Pfeil ern, \\T anden, Fenstel'll immer wieder. All diese Erinnerungen nil die gewiss hoch zu riihmende Freigiebigkeit aus dem A [}fallg des 19..J ahrlmnderts wirken doch sehr storend und werden hotfentlieh verschwinden, wenn die neueste, auch in den Eiuzelheiten mit Recht auf historische Genauigkeit dring'ende Renovation auch diese Raume in dcn llereich ihrer rettenden und heilenden rrhatig- kcit zieht. Die kleine Thiire gleich neben dem rrreppenaufgang, znr ltechten des Besuchcr::; - wi!' lassen sic zuniu:hst unbeachtet - fiihrt van dem Hausflur durch einen kleincn Gang zu Meistcrs Schlafgernach. Rechts von diesem Gange liegt die Dienerkarnmel', links die Bade- stube des IIochmeisters. (Vergl. S. GO.) Wir uleiben illt grossen Gang. Del' zur Rcchten del' vier Pfeiler uefindliche Raum - nach del' Nogat zu - ist in seiner alten Form er- haltell und wird von einern starken Granitpfeiler gestiItzt, Hiel' fiihrt zu Hochmeistel's SomrnerI'emter del' durch fimf Fenster erhellte prachtige, mit hohern, t5chonem Kreuz- gewolbe gezierte "Gang". (Abu, S. 51.) Eiue kunstvolle 
l'uhrer durch das Ilttelscbloss. 51 I I I I :Ii I I II 1 ,,1'/ : ,I II :11\:I: I "I :1/llll _ ' I:' 'I'I' :1 ;:I I ,II't 1 !'ill I t 1',111'4 III" !  J IV / l\l \ I , " ' \\j1 "1, r II '1,1'" ,'\I '\ I', II I 'I ' Ii 'II"/'I I I U I 'i,,' II ,I'I " \ I' ' I ' I I' I I II, ',' III \\ , I'I':: f l I hll1 ' I I ' I ilil , II\! [ ,IIII'I, \ 'I(I I ", I I I ' I,, \ ,I' \" I,ll' " !I'lb ,," "I' '1:11 "t" \ ,\) ijlllll'l .,' !J'1i, , ,I 1.\ .. li MoI I II' 1 \' I' 1,\1' [1,,1, , I I ' ,I I[ I II I,1I1 I I f ,/ II" ' \ 11 I , \ , I ',IIII!I, 1::1 II ' . ,.... I I I illl\, I: I II ,,\ (I  \ \'  I I [" I II" ' IT ';' / I, 1111i II '; 1 :10: '+: " 1 1III',IIi,,1  I II 1  'I I  1 ' ".  11 \ 111i,' ;1 1 11111  '-,..; '1 1 ,\' II 'I b 1:,' ': .. j " I I 1 ' 1 I  1 ! 1'1. ".;>. Ii II I , K - III' "IIIIII Iii , ';, I '" ,' :c-  :  ::! I'  =-=- - - - - \.\ ...\o.........\1...'"'f......  Hausflur uuu "Gang" 1m Hocbmcl-tcTschlo<:s. 4 
52 Fuhrer durch das 'IltteIschloss. Leuchterkrone mit Schnitzwerk hangt in ibm von del' Deeke herab. Di.e naeh innen abgesehwachte Aussen- wand - zur Heehten - wird in ihrem iiberhangenden Tei1e von zwei freistehenden schlanken Granitpfei1em gestiitzt 'und von einem dritten, auf einem Krag- stein ruhenden, unter dem Hoehmeisters H and fa is S steht: es ist eine N achbi1dung des urspl'linglieben, ver- loren gegangenen Haudfasses, Alt ist nul' die grosse, it Rinnen versehene Steinplat.te, auf del' das Handfass steht. Heehts neben dem Handfass geht del' 17,26 m tiefe Hausbrunnen durch aIle Stoekwerke del' Burg hindureh. In del' link en Wand des Ganges befindet sich (in del' Riehtung naeh dem Sehlosshof zu) erstens eine kleine V ol'haIle mit einem Bingang zu Meisters Winter-Remtel', und zweitens, reehts daneben, eine kleine Thlil'e, welehe auf eine \Vendeltreppe von 112 Stufen fiibrt; diese Treppe beginnt im oberen Kellergeschoss und endet auf den Zinnen. Sie fiihrt zunaehst zu del' Empore libl' dem Eingang zum Sommer-Remtel', weiter zu dem Boden- rnum libel' demselben, und mlindet 'auf einen offen en, mit Zinnen gekl'onten Yerteidigungsgang, - Diesr Gang wurde im Jahre 1785, his wohin er vol1standig erhaltell war, zerstOrt. Br ist dann in den J ahren 1825 bis 1836 aus den Beitragen des Ofticiercorps del' Armee wiederhergestellt, und zwar del' nordliehe Erker libel' Meisters Sommer-Remter lediglich au dem 'Beitrag des Generals Grafen York von \Vartenburg. 'Venn wir im Hausflur sind, 1iegt am Ende des. Gauges, ZUl' Linkcn und nacb der:N ogat hin, del' Eingang zu Meistel's Sommel'-Remter. Zn beiden Seiten enthalt er steinerne SitzpHitze. tiber ibm be- findet sich eine (falsehlieh vermauerte) Empore, von del' herab einst die Musici den IIochmeistE'f und seine erlauehten "Gaste bei festliehell Gelegellheiten mit Paukenschall und Drommetenklang empfingen, 
Fuhrer durch das !I1ttelschloss, 53 Dureh die grosse, machtige rrhiire treten wir in Meisters Sommer=Remter, del' uns du'ch seine majestatische Schonheit mit Be- wunqerung el'fiillt. (Abb, S. 54.) lan nennt ihn mit Recht die "p erle d er farien burg". Das hoch auf- strebende prachtvolle Spitzbogen- GewOlbe tragt ein einziger aehteckiger, g-latter Granitpfeiler yon 44 em Durchmesser. Yon seinem aus Kalkstein bestehenden Knaufe entspringen sechszehn zierliche Gewolberippen wie PalmenbHitter. Die Hohe des Remters betragt 9.47 m, die Lange und Breite 14,12 m, In del' ostlichen \Yand, zunaehst dem Eillganp;e, Lefindet sieh eine breite steillerne Schankbank. Von diesel' wurden Lei festlichen fahlen die t Speisell unu Getranke zugereicht, Sie steht mit del' im Erdgeschoss Le£indlichen Hochmeisterkiiche durch einen schmalen Gang (neLen dem Hauptgange) und eine \1' endeltreppe in Yerbindung. 1m Jahre 1833 el'hielt sie nach einem Entwurfe von Schinkel kunstvoll gearheitete 1'htircn. Rechts nebell ihr sehn wir tinen machtigen Kamin mit weit iiherhallgendem )fantel. Dber dem Kamin ist eine Steinkugel eingemauert, derell Geschichte folgendc ist: Hei del' Helagerullg del' l\iariellburg durch die Polen im Jahre LBO verriet ein treuloser Diellel' aus del' Burg dem Polenkonig J agello dass del' llochmeister Heinrich von P]aueu in dem grosse Rellltereine Yersammlung del' Fiihrel'der Burgverteidigung nLhalten wolle; "urde es also gelillgen, den Pfeiler des H.emters zu zertriimmern, danu "urden die Beratenden durch uas llfichsturzellde Ge" Olbe samtlich getOtet werden und die Burg, del' Fuhrer ihrer Yerteidigung LerauLt, leicht zu nehmen seill. AIs, erabl'edetes Zeichen, auf welches gesch08ben werden ::,ollte, legte del' Yerratel' eine rote [titze auf eins del' mittleren Fenster. Die 
54 Fuhrer durch das MltteIschloss. Beschiessung des Remters begllnn, dll flog eine Kugel durch das bezeichnete Fenster am Pfeiler nahe vOl'bei  '" ' ,. \ . ... ...' .., -, " \ , '   , , I J r  "  t I  f.' tli -: I!t  , .. J" I )1. ---- .\ + :+:;t: r II . - . -- -... J) - -..".  \[C1ters ommcrremter. ulld schlug in die gegeniiherliegende WaUll, ohne zu scbaden, Del' Meister war ge" arnt und - gel'ettet. FJ iihel' las mall Ullter del' Kugel den alten Sprnch: 
Fuhrer uurch das Mltte1schloss, f);) Als man zelet )lCUOOX (1410) jar, LJiei:!s sag iell eueh alIen fUn\ ar, Ver stein '" art gesc hossen in die want. Hie solI er bleihen czu ejnem e\\ jgell p fant, )leisters Sommer-Rem tel' wird in del' oberen HaIfte von zehu grossen Fenstern erhellt, unter denen sich eine zweite Reihe kleinerer Fenster hinzieht. Die Fenster sind eill Geschenk del' Prinzen und Prinzessinnen del' Konig1ichen Familie, deren  amen und "Tappen die kleineren Fenster del' unteren Reihl" enthalten. Sie sind im Jahre 1828 eingesetzt. Die oberen Fenster stell en :Momente aus del' Geschichte des Ordens dal', das erste, dem Eingange gegelluber, die Krankenpflep;e zuJerusalem, das zweite die Belehllung des Hochmeisters mit dem goldenen Ring' durch Papst Honorius nL (121), dal> dritte die Yerleihung del' Reichsfiirstenwtirde und des Reichsadlers fUr das Hochmeisten\ appen Seitens Kaise' Friedrichs II. an Hermann von Salza, das vierte die ZerstOrung des Klosters Oliv3 durch die heidnischen Preussen (L224), das ftinfte die Grlindllng Thorns durch Landmeister Hermann Balke (1231), das sechste Hoeh- meister Siegfrieds van Feuchtwangen Einzug in dieMari{>n- burg (1309), uas siebente die "El'teilung del' Erlaubnis, im Hochmeister- Wappen die frauzosischen golden en Lilien zu ftihren, durch KOllig Ludwig IX. uen Heiligen all Hocllmeister Heinrich von Hohenlohe" (unhistoriseh!), das achte den Empfang del' Gesandten des Konigs Richard II, von England (1385), das nennte die Yer- teidigung del' Jlarienlmrg na(;h del' Xiederlagp des Orc1ens bei 'l'annenberg (14.10), das letzte die "Yer- teiuigung Dr, ..\fartin Luthers durch den letzten Hoell- meister, Albrecht von Brandcnburg, auf dem Reichstag zu \V orms" (hat nie stattgefunden I). Die tiLer del' Eingangsthtire und an del' Kaminseite uefinu1ichen Fensterblendell enthalten anf Goldgrnnd in Fresko-l\lalerei 10 Bilder VOIl IIochmeistern und Land- 
5G Fuhrer durch das IltteJschJoss. meistern, die das Schloss del' l\iunificenz weiland des Konigs Friedrich Wilhelm IY. verdankt (1854). NUl' schade, dass sie hier llicht hillgehorell, sind doch einige anf die Stelle del' 'Vand gemalt, an del' ursprunglich die ofrene Empore sich hefalld! Del' Fussboden des Remters wUl'de 1828/29 lllit srhwarzen und wcissen verglasten ,!'hollfliesen ansgelegt; die ringsllm an den ,Vanden entlang Iaufenden SitzbiUlke 8i nd im Jahre 1838 "iederhergestellt. Aus Meiters Sommer-Remter, in welchelll del' Hoch- mebter seine Ordensgebietiger zu el'llstem Rat versammelte, fiirstliche Gaste nnd Gesandtschl1ften empfing uud den- sclben festliche l\lahle gab, gell1ngen wir durch eine rechts lleben dem Kamin gelcgene, 1860 gefertigte 1'lnire in Meisters Winter=Remter, :\1eisters SpeisesaaI. Diesel' Remtcr, dessen GewOloe die- selbe Form ,,'ie das des Sonnner-l{emters zeigt, aLeI' nur 6,59 III hoch ist, macht 1m Gegensatz zu del' majestatischell Pracht des erstell einen mehr einfacben, wohn1ichen und anheilllelnden Iindl'uck. Dns schone Ge\\ Olte ruht auf einem achteckigel1 nlten GranitpfeiIer, del' 0.0" eichend von den ubrig-en Pfeilern kein Kopfgesims hat. Die 'Yande waren nrsprullglich mit den 13i1dnissen del' Hochmeister geschmuckt, die Conrad und Ulrich von J ullgil1g'ell hatten lllalen lassen. Dieseluen" aren jeJoch VOl' del' dnrch die ostpreussischen Stande oe\Virktcll "\Viederherstellung del':! Hemters (18] 9) derart zerstort, dass man von ihrer Er- neuerung Abstand nahm, "S euerdings sind Spuren diesel' Hilder durch ALhael\:ell des "r andput.les wieder bloss- gelegt. y 011 del' Decke des Helllters hangen 2 Leuchter- kronen IJerab (i\ achbildung-en del' Kaiserlenc:hter ans Goslar am Harz), Die oocren Fenster des Remters enthalten in Glasmalerei die \Y appen tIer lIochmeiter, we!che. in ler :\brielllml'g ilue nejueDz gellabt hauen (nut SIegfncd von Feucht" ulwen LeO'illlH.:nd mill l1lit I d . E . /::) b JU \\'Jg von 'rhchhauell aufholcnd). 
Fhrcr durch das rltteIschlogs. 57 In del' Wand den Fenstel'll gegeniiber befindet sich die kleine Thiire, welche durch die oben (8, 52) erwiihnte kleine Y orhalle auf den "Gang" fiihrt. Rechts neben diesel' rhiire ist wieder eine Schankbank, welche, wie die im grossen Remter, mit del' im Erdgeschoss gelegenen IIochmeisterkiiehe dureh eine Wendeltreppe in Yer- bindung' stand. Del' Fussb09.en enthalt 14 durch kupferne Deckel versehiossene Ofl'nungen, die Miindun- gen de]' HeizOfen, welche aus del' im oberen Keller- gesellOss befindlichen IIeizyorriehtung die warme Luft ill den Hemter fiihiten. Dergleichen Heizyorrichtungen gab es in diesem westJiehell Fliigel vier, deren grosste <.lie unter Meisters grossem Remter war. Sie bestan- den in eiuem gewolLten !laum, welcher horizontal durch ein mit mehreren Loehern versehenes GewOlbe in 2 reile geteilt "aI', Del' untere Raum dlente del' Fenerung, del' obere war mit Feldsteinen angefiiJ1t, Diese wurden erhitzt und stromten, wenn die Heizung heendet und die Feuerung Lerausgenommen war, dureh ltohren, welehe,in die zu erwarmenden IUiume fiihrten, die Hitze aus. .An den kleinen Hemter stosst "l\Ieisters Stube". 1m Fl1ssboden ellll wir "ieder die ::\fiindungen zweier lIcizl'ohl'en; ausserdem hat diese Stube aueh noeL einen khinen Kamin. Das 5,02 III hohe Steingewolbe "ird von cinem achteekigen, mit I eich verziertem Kopf- g-esimse ,ersehcncn Grallitpfeiler getragen, In Meisters Stube haIlgen zwei einfachere Leuchterkronen. Die in (Irr X ordwfillu befindliche Thiire fiihrt iiber einen sehmalen Gang zum oberen Hausflur. Meisters Stube wUl'de 1823 auf Kosten del' Stadt Konigsberg wieder- hergestellt, Zur Ol'denszeit "ar sie in zwei kleinere RlUme -.:. lVleisters Stl1be nnd Meisters 8tiiLchen - geteiJt, ill del' PolclIzeit aLer deral'tig vel'Lant worden, dass mall ihr(' urpriingliche Gt-stn1t bei del' Wiedel'her- 
f>8 Fuhrer durch das '[lUelschloss. W' I I . ""  ilil \ \\' ,\''' \ '' kr 1/ / I # / \ \ \ \ , , Ij / __ ....... .# ".. \ "\ III I' (  \ , \ \\ , t It , 1 ( : ,' /  i j \   \',;f ,ij ) : :-.- , \\0 ' \ \  -- 1 \ j 1 1 1 1" 'i/ \ "\\ , . \, ,. III ;, Vi/, \ -' ' I '/\.I" \ J . .\'.,> \ ( ' ,. l?i >Y" ,I' J "r , ' _ :i , t' I ,'" If .' . 'Z t, \' I , .' ,,... -  ""I:! , . ,) ' I I ..... 1% I , ,I' I '"II' tII  I ,I ::, 4 1 1 1 111111 ) I I I I - ( 1 1 1,'-1 hI! I "I i :"i \,i I11I II """". , ! I' "11' 1 1 1 1:1; I;:;;,' I I ' ': ", 1 1 ,1 I,ll I I I, 'I .  I -.."- r '1. I PiII'"l \ ---.. ' I . '., , It  II I 1I I I f ./ ., '...... -t,.-, '<>  . <" '\ ,  $ -.... J_ ",\."ct:.\,!\'>t. 1...:).,. '[elters StlllJe nach d('r RenovatlOD vom .J.lhrp 11:!:!3. 
Fuhrer !lurch das \fltte)scblos!:. 59 stellung nicht erkennen konnte. Erst spateI' ersah man aus alten Rechnungen die frtihere Einrichtung diesel' Riiume. (Abb. S. 58). A.us feisters Stube treten wir in Ieisters Gemach, ein freundliches, durch zwei nach dem Hochschlosse und drei nach dem Schlosshofe gelegene, geteilte Fenster erhelltes Zimmer, mit 5,65 m hohem SterngewJilbe. zwei schlanken Granitpfeilern, Leuchterkronen und einem Kamin. Dieses Gemach, sowie del' damn stossende Hausflur waren von den Polen am argsten zugerichtet, die GewollJe vollstandig eingeschlagen und del' Raum durch eine Zwischendecke in zwei Stockwerke geteilt. Die Wiederherstellung beg-ann auf Kosten del' Magistrate del' Stiidte del' Provinz Preussen im Jahre 1823. Hier, in leisters Gemaeh, liegt gewohnlich das }lremdeubuch aus. [eisters Gemach war zur Ol'denszeit mit dem Haus- Hur durch eine hohe und breite Thure in del' Nordwest- ecke des Gemaches verbunden, welche dem heutigen grossen Treppenaufgang gerade gegentiberlag, Diese Thtire ist aber nicht wiederhergestellt. .Aus :\leisters Gemach fiihrt eine fruher schon ans- gemalte, mit SpitzbogengewOllJe versehene Y orhalle, deren bunte Glasfenster uns wieder die Beitraggeber zur \Viederherstellung dieses rreils des Schlosses nennen, hin zn Meisters Hauskapelle. Jin dnrch des )leisters Gebete geweihter Ranm, DcI' vonlere, nach dem Schloshof zu gelegene Teil del' Kapelle hat ein schones SterngewOlbe, del' dahinter liegentle Teil ein einfaches 1'onnengewOlbe. Die Ost- wand ist yon drri ::;chmalen Spitzbogenfenstern, die :x ol'rlwand durch ein grosseres Fenster durchbroehen. Einen mit kostbal'en Deckeu behangenen Altar, eiu knnstvoll gearbeitetes Bel'llsteinkruzifix, eine alte von del' Frau Staatsminister von Schon geschenkte BibeJ, 
60 Fuhrer durch das httelschlos. a1tdeutsche OlgemaJde auf Holz, das eine, die heiJ ig-e Familie darstellend, ein Geschenk Konig Friedrich Wil- helms III., einen grossen, von den Damen farienburg-s aus Anlass del' Siikularfeier del' vViedervereinigung West- preussens mit dem Konigreich Preusscn im Jahre 1872 gearbeiteter. Teppich, einen reich verzierten eichenen Bet- stuhl und altertiim1iche ChorlHinke hat die Zeit VOl' 1882 hier ihre Aufbewahrungsstatte fillden lassen. Eille Thlire lleben dem Betpult fiihrt in Ieisters Hinter1..ammer, die andere - in del' dem Altar gep:en- libel' gelegenen Westwand - in 1Ieisters Schlaf- kammer, eineu mit einfachemKreuzgewOlbe tiberdachten Raum, Das Fenster nennt die Fami1ie Dohna als Wieder- hcrsteller des Raums: es stellt eine vom Hochmeister Ludwig von Erlichshausen dem GrafenStanislaus zu Dohna als Anerkennung tlir seine dem Orden geleistetell wiehtigen Dienste, 1464, angebotene Gtitersehenkung dar, die del' Gmf, in pietatvollem Verp;leieh des Ordensbeitzes mit dem .Mantel del' hei1igell J uugfrau, mit den vYorten ab- lehut: "fern sePs von Stanislas, del' heiligen Jungfrau Iantel zu zerreissen." Die 1'!1lir zur Linken (in del' Siidwand) filhrt in den grossen Hausflur (8. b1), und zwar durch cinen Gang, del' zwischen Ieisters Badestubc (zur Rechten) und :Meisters Diellerknmmer (zur Linken) liep;t. (Yergl. S, 50.) Durch die lhtir zur Rechtell (in del' N ordwand) gelangt man in die zwei Stufen tie fer geleg-ene llilltcrkammer des lloclnueiters, Meisters \raffellkawmer, die ein einfaches 1'onneugewolbe hat. In del' west1ichell Aussenwand schn wir zwei liLer ein- ander gelegeneFensterj einip;e Stufen fiihren zu dem rechts HeLen dem Fenster in del' Mauer lieg-enden Dallzk des Hochmeisters. In del' :Mitte del'  ordwalld betilldet sieh ein tiefer steincl'ller Schrank, del' die gauze Dicke del' Mauer einnimmt und sein Licht durch ein klehles in del' ,,-r and nach dem grossen Itemtcr Lefiud1iches Fellterchen 
Fuhrer \lurch daS ..\Ilttelscbloss. Gl erhiilt. Er ist durch schwere eichene Thtiren mit eisel'llen Uberwurfstangen verschlossen. In dies em Schrank hat die erste Wiederherstellungs- periode folgende Kostbarkeiten aufbewahrt: 1. einen silbel'llen, vergoldeten Kelch, welcher ehemals del' :Marien- kirche in Danzig gehorte, 2, eine in einem Glaskasten befindliche kostbare Kelchdecke aus Silbergewebe mit reicheI' Goldstickerei und mit Granaten besetzt, die von del' Prinzessiu IJuise VOll Preussen, Gemahlin des Ftirsten Radziwill, gearbeitet und im Jahre 1823 dem Schlosse geschenkt ist, 3, einen silbel'llen, vergoldeten Feldaltar, del' aus zwei buchformig zusammenzuklappenden Hiilften besteht und viele Figuren, biblische Darstellungen und im Innel'll ringsum ReIiquien anter Glas enthiilt. Er stammt aus dem Jahre 1388; da Iiess ihn ein Haus- komtur von Elbing, Thiele v, Lorich, anfertigen. Er diente zur Abhaltung del' Andacht im Felde und be- gleitete del' Sage nach auch den Hochmeister Ulrich von Jungingen ill die Schlacht von Tannenberg. Er ist wahrscheinIich im 15. Jahrhundert im Kriege von einem Polen erbel1tet und dewniichst in den Dom zu Gnesen geIangt. Kronprinz Friedrich Wilhelm, del' nnchmalige Konig Friedrich "Tilhelm IV., ah ihn hier auf seiner Heise durch die Provinz Posen bei del' Besichtigung des Doms und erhieIt ihn auf seinen 'Vnn8ch von dem Kapitcl des Erzstiftes aIs G('schenk fUr die Marienburg, In del' dem Fenster gegentiber gelegenen \Vand fiihrt eine Thtire zu einer (in del' \Yand nach dem Schlosshofe zu Lefindlichen)geradensteinel'llen Treppe- des )leisterE! 'rrrppe -, welche wir hinabsteigen. Durch eine alter- ttimlich gearLeitete rrhiire treten wir in Meisters grossen Remter. (ALL. S, 63.) Br ist 30,37 m lang, 16,15 m breit und ,03 m hoch. Sein reizendes Spitzbogengewolbe steigt ktihn uno erhaben yon 3 schlankell, fichteckigen 
62 ,Fubrer durcb das Mlttelscbloss Pfeilern auf, welche in gleicher Entfernung van einander in del' fitte des Remters stehn. Die Kopfgesimse und FUbse del' Pfeilel' sind van Kalkstein und mit el'habenen Figuren \"erziert. Von jedem Endpfeilel' gehen 24, \ am :Mittelpfeiler 22 zierliche Rippen 7:um Spitzbogen auo; die Rippen ruhn an den Langswanden auf 7, au den kllrzen 'Yanden auf 2 Kragsteinen, welche mit Kopfen, Blumen und 'riergestn.lten geschmiickt sind. Y' on den Schlusssteinen im Gewolbe ist nul' einer, die Flucht del' heiligen FamiIie nach Aegypten dal'stellend, alt, die iibl'igen sind erneuert, Die 'Vande und Gewolberippen waren ZUl' Ol'denszeit bcmalt. RillS unl Llie Wande lauten steinerne Sitzbanke. Del' FussboLlen enthalt 36 \ erdeckte liindungen del' Heizl'bhl'en. El'hellt wi I'd diesel' Festremter in del' westIicheu Langswand durch 8, in del' ostlichen Lallgswand dllrch 6 hohe Spitzl>ogenfenster. Die erste Herstellungsperiode versah sie mit Glasmalerei, die van westpreussischell Kreisen, von den Stadten Danzig und Elbing, vom Fiirsten Hardenberg und von Besitzern Llel' .Marien- burger Werder del' Burg geschellkt wurde, leisters g-ros:ser Remter war del' Yersammlungsort del' Ordensbriider Lei festlichel' Gelegenheit. Hiel' gaben sie sich nach ernstel' Beschaftigung del' Lust und Reiter- keit des Lebens hin, hier erquickten sie sich durch Speise und Getranke, durch Spiele und Gespl'Rche. N ach dem Ernste Lust und lleiterkeit, dies deutell auch die Yer- zierungen del' Kopfgesimse del' drei Pfeiler an, Dn selm wir tanzende Leute mit N arrenkappen und Spiel- leute; alll zweiten Pieiler \Veinlaub lllHl Blumen, 3.111 dritten Pfeiler Bva, dem Adam dell Apfel reichend, Beider Yertreibung aus Llem Paradiese, uud daun Adam mit del' Feldhacke arbeitenu und Eva am Spilllll'Ucken nehen del' V\ 7 iege sitzend. Meistel's grosser Remter behielt t:;eine urspriingliche Gestalt bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Zum 
f I IIII , I .. I  , , ,I II::,':.';: \tr", '. . I; ,'"  .. ' " , f,,!, ... t; i  " '" I,,' : t A',:,' . . , , . J ,0('. , p Fuhrer tlurch das Illtdschlo<; -" . 'Y' AI'  -_... 1- . "I,;, # '(: f',,\' .t, 1/ I "Jj.I\  \'ll I " I \    ,Ii 'I, _ \', r \ I  ", " _- 0\0' " /11 "" '  \ t '!..I.' t ,, "I H. "dtf1i " , 1"_____' 11'lfJII! i"' ./ ,d,-Jlj' : j" II1.J 'ii I 1. :s=- t \ I.W "'14NJ11 - 11:_ '[ "' ,I, :\ ,I' .:1' 1', 't \  1111.,. I  ,_- ..'..... /' ki ' "  -, , :\\" , '\ *l'v " , ,'  1 " ,::-!I", . I, I <.:aJi \/? I,., J t y,,/ , '111"-41. ..... ' ( 7 I\r, : --- --- ..;..-:: r::. f =======,' -- - .. . .s--_  --"'" ....-  -=--  =-= - - ;- ..<  : = 6:) J ,I I" E- f!l!jl' -=- "I" ,   , '" I ",I  1  I,t(; ,':: ,  ,  1,1, ,:,1 \ J ' 1"i"li 'III ' I 1 I I 101, III _ I  I. ,. ' I ' J I , I I. I :" I "1,',,11 II ',I I I I 1111/ 1 !  I I Ii I I I I' I j JI JI I : I' tll " I ;1 1 !I III I I ( j ....:   ---- " ___I!IL ...... \, .. .,. --. ..,.""".. , I', I , ...  e t.O £   "" " -t r, !  , l  I-  , " ....  ::-,  - il. -I " =-!   " ..   J  
ti4: Fuhrer durch das 'Ilttelschlos!", letzten Male diente er einem seiner wiirdigen Zwec1.e am '27. September 1772, ars die westpreussiscben StandE1 den Stellvertretern Konig Friedrichs II, (Oberburggraf von Rohde und Oberprasident von Domhardt) huldigten, Doeh bald wnrde er seiner ",Viil'de entkleidet und zuerst als Exerzierhans, dann gal', aIs die Franzosen :Marien- I burg im Jahre 1807 besetzten, als Reitbahn und endlich als Iilitarlazaret eingerichtet; del' Fussboden wurde aufgcl'ibSen und et\\ a mit 1 m Schutt und Brde aus- gefullt, die Fenster zum Teil vermauert und. del' Remter durch eine Zwischendecke in zwei Stockwerke geteilt. Erst 1817 begann die Wieuerherstellung des Remters aus Beitragen del' westpreussischen Kreise und Stadte. Im Jahre 1901 hat die neueste Wiederherstellungsperiode mit seiner Renovation begonnen. ! Die Schankbank im Remter gestattet einen Blick in die zweipfeilerige Con v en ts kiic he, die einen gewaltigen Schlot an del' .Nord wand beherbergt. ,Vir treten aus dem Rittersaal auf den Hof des Mittel- schlosses, Links, nach Norden zu, dicht neben dem Eingang zur Conventskiiche, ftihrt eine Thiire zu dem im K e II e l' gelegenen Raum, von dem aus J\Ielsters grosser Remter geheizt wurde. Durch den VOl' dem Haupteingange zur Hochmeister- wohnung befindIichen KeIlerhaIs gelangen wir zunachst auf einer Treppe in einen kleillen Raum im oberen 1 Kellergeschoss. Rechts am Ende del' rrreppe ftihrell sieben Stufcn in eincn zweiten Kellerraum, und aus diesem gelangen wir in einen grossen gewolbten Keller,' del' die HaUte von Meisters grossem H.emter umfasst und auf clem del' Cl'ste Pfeiler dessellJell ruht. Unser staunender Blick weilt hier auf einem machtigen Pfeiler ans Ziegelsteinen, welchel' in del' :Mitte sich erhebt, und am Sockel einen Durchmesser von 1,57 ill hat; an den Wanden des GewOlbes sehn wir auf den FussboJen' acht Kragsteine aufgesetzt, aus welchen die gewaltigen 
Fuhrer durch (he Vorburg. G5 Seingurten des Gewolbes sieh emporheben. Unter dlesem Gewolbe befinden sieh noeh andere Kellerraume, ebenso wie sich nordlich noeh mehrere Keller anreihen, Den Ostfliigel des l\litteIschlosses nohmen die Gas t k a m mer n ein. Das GewOlbe in den grossen Gast- kammel'll wird von 7, das in den kleinen von 6 Pfeilern getragen. Del' Boden ist geflllrt, die Winde sind mit 'raJelung versehen, Yor den Gastkammern (nach dem Schlosshof zu) zieht sieh in del' ganzen Ltllge des lIauses ein verbindende1' Gang hill. .Am Slidende des ganzen Fhigels t1'itt die Barth 0 I u ill it us ka pelle in den Schlosshof VOl'. Wi1' sehn da1'in einen Altar und ein Sakmmentshiiusehen, (Vergl. S. 24, unten.) Jm Nordfliigel liegen die Raume des Grosskomturs nnd del' IIerrenfirmarie. Uns1'c \Y Imderung dureh das IIoehmeisterschloss ist beendet. Die Vorburg. WeBn wir aus dem .Mittelschlos3 hiuans, durch das Schlossportal hindurch libel' dio kleine gemauerte Brlieke gehn, dann sehn wir zur Linken (gegenliber dem acht- eckigen 'fllrm, del' VOl' dom in alter Gestalt erhaltenen X ordwestgiebel des Mittelsehlosses steht nod frliher den Danzk del' Herrenfirmarie enthielt): jenseits del' Stmsse Jie ehemalige I.orenzkapelle - jede del' drei "heiIig- weltliehen" 13nrgeo hat ihJ'e Kapclle! - mit wiederher- gestelltem schonem Giebel, und damn sieh anschliessend ein langes, einstOckiges Gebaude; z u l' 1\ e e h ten: wit hohem spitzem Oaeh den Karwan, das Hans, in dem zur Ordcnszeit das grosse Geschlitz, die Reise- und die \Virtschaftswagen, die Schlitten nnd das Ackergerat auf- bewahrt wurden, [11 ihm wohnte auch uer Karwao!-'herr. Zwischen Lorenzkapelle nnd Kanvan erhebt sich in fl'eundlichell Anlagen Jas von Siemcring geschaffene, in 5 
1)( j Fuhrer durch die Vorburg del' Gladenbe{'kschen :Metal1giesserei gegossene Denkmal des grosell Iiolligs Friedrich II. Del' Grundstein zu diesem DCllkmal wunle am 12. September 1872 bei del' Sakulal'fcier del' 'Yiedervereinig-nng Westpreusseol! mit Preussen in Gegellwart Kaiser ,rilhelms ues Grosen \\ r I\. \ 'r( -- \ V 1 \ ( \f It  r \\.t l 1 .$ !)t ijo  r:.    lln  ,jI.  t": .  ti'" . ""U  ""I' I  und des Kronprinzen Friedrich ""'ilhelm gelegt; enthullt wurde das Denkmal am. October 1877 in Gegenwl1rt des Kronprinzen Friedrich \Vilhelm. Anf hohem Postament von po1iertem Granitsockel, nn uesRell vier Ecken di 
Rundgang urn uas Schlol>s. 67 Hochmeister Hermann yon Salza, Siegfried von Feucht- wongen, \Vinrich von Kniproe undAlbreehtvonBranden- burg stehn, erhebt sieh in Uberlehensgrosse die Gestalt des grossen Konig"s, die Rechte auf den Krtickstock gesttitzt, das Auge auf das Schloss gerichtet. (Abb, S. 66,) Einstmals war die "' orburg'" innerhalb del' weit ausholenden Riugmauern des Schlosses (wie sie auf dem diesem Fuhrer beigegeLenen Stadtplan zu sehn sind) bis auf cinen freien Platz in del' l\1itte mit \Yirtschaft&- gebauden besetzt. Hier stand dos grosse Kornhaus an del' .K ogat, der Bottichhof, die \Y ohnung des Ke]]E'r- meisters, das l\1alzhaus, das Brauhaus, die Knechte- Firmarie, del' Briefstall fUr die Schweiken d. i. die Post- pferdc (die Briefboten des Ordens hiessen \Vitinge), del' Steinhof, in dem die Steinkugeln fUr die Geschiitze lagerten, daR Giesshans, in dem die Geschtitze ge- gossen wnrdell, del' Tempel, in dem die Speisevorrate lagcn, die 'rrapperie, die die Y orrate an Kleidung und "V i1sche del' Ritter enthielt, die Ordensmiinze und andere Gebaude. Da herrschte wohl fruher ein regeres 'rreiben als heutzutageI R.undgang. Gehn "ir rlurch die Anlagen am Denkmal vorliber weiter nach Norden, so fUhrt uns del' Weg zur (alten) .Eisenbahnbriicke, zu deren Rechten wir einen runden Turm sehn, den schiebelichtf'n odeI' Huttermilchturm, del' im Jahre 1412 erbaut 1st. Seinem Namen giebt die Sage folgellde Entstehung: 1m Jahre 1596 ven"eigertell die Bauern von Gross-Lichtenau, einem Dorfrben im Marienburgel' "\tVerder, dem polnischen Burhel'rn eine Lieferl1ng Bnttermilch und schickten ihm spateI' vo]] Holm ein grosses Fass dieses kostlichell Getrankes zu. Da ]jess del' Starost vier Lichtenauer Banern so lange in den Turm perren, bis ie die Buttermilch selbst aus- 5* 
68 Rundf!ang urn das Schloss. getrnnken hatten, Si non vera -. Bine andere Sage erziihlt, die Banel'll hatten znr Strafe sovielllnttermilch Hefern mtissen, dass sie ZUl' Znuereitung des lortels fill' den ganzen Turm allsreichte. Del' Weg- iiber die N ogntbriicke und liings des jenseitigeu Ufers der.x ogat schenkt nns einen htibschen Blick auf Schloss und Stadt. (.AlJu. S. 69.) Die g-ewaltigen D i m me, die znr Bisgangszeit die fruehtbaren Werdel' gegen Ubersehwemmung sehtitzen, stammen aus uer Ol'denszeit unO. redeu neben dem ge- waItigeu Schloss eine deutliche Sprache von del' genialen Sel1affeuskraft des Ordens. NT einhard von Querfurt biess del' Lfilldmeister, del' die Damme schtitten liess. Bin Spaiergang auf dem hohen Damm des linken Nogatufers malt uns zur Rechten die Niederung, das ,,)Iarienlmrg'er \Verde]' " , zur Linken Marienburg, das Schloss und die Staut, VOl' nnsern Blick, 'Vie sieh die Hauser dort reehts vom Schlosse dl'angeu, so dass flas am weitesteu naeh rechts stehpn(le schipr umzufallcn drohtl .Als suehtell sie Schutz lIutel' del' wuchtigen Gewalt des Schlosses. - Uud dauebcn die stumpfsiuuig eonformeu "ZeitgelllaSSen" Speicherbauteu und in ihl'em Hinter- g-runde del' ganz "ein7ige" Giebel, del' wie eine iiber- fliissig grosse Xase iiber uie Speicher hintibersebaut. Kehren wir urn! - - Dber die Scbitfbriicke ouer im Winter tiber die Eisdecke del' N og-at kOffilllen wir ZUlli Schloss zurtick. Wenn wil' gleich aw FluBs rechts abbiegeu, bemerkcn wir bald hin tel' dem grossaJ tig nus eu tgegentretellden Hocb- meisterpalaste (Abb, S. 70), o.nSi:)pr den lieu el'richteten sC'honen spitzen Gieheln am Dache del' Westfront des Hochschlosses, mehr im Y urdcrgruude eine gf1me Reihe neuer Anlagen au l\1auern und rriinnen (.duu. , 29); ZI1- uacbst zur Linken dai) mit dern Ol'denskrenz geschmtickte 
Ruudgang um das Schloss.  r- Il r-:. .-. j. toll .......- ;: -- .. i l' : t r  I' _ f . <J I 69   -;;j bO o Z .. 0) 't:!  o   =' .=>    C) ;:i 
7u Rundgan!; urn lias Schloss. sehmucke Grabellthol', weiterhin den massigen rrurm, del' den Hel'l'ell-IJanzk darstellt, und del' durch einen auf hohen Bogen ruhenden Gang mit del' Slid", estecke des llochschlor::ses verbnnden i:;t, .An den )!nuerll hier ? t  :-1 \' ... 7f ){t jf  "- , I JI ! ' . ,j -, i , ... - 1 [ l" r >. & , I'  I I Ie  I ; . I II lIt I .i JI I :l II I I I  r ! t .U r-'. ft" . 'J!.! "*' H<!chmcl:otcrs l'..dast an tier Xogat. in de] \V e::.tfiueht de Sehlosses wird in letztel' Zeit fleissig gearlJcltet, naehdcm einilre _leI' delIl Sehlosse sieh dort anfdrclllgellclen GcLaudc rni Hilfe des [arienburg- Vereins znm AlJbruch augekanft sil1d. 
Fuhrer llurch dIe Stadt 71 Das naeh del' S ogat zu belegelle, von zwei runden 'l'tirmen begleitete, iiberdachte und jetzt vollig wiede'- hergestellte Thor ist das Rriickthor, das einstll1als vom Schloss zur X ogatbriicke fiihrte. Schliesslicb, an del' Sihlseite des Sehlosses, zu del' wir nach einem Gange durch die Schuhgasse und weiter nm die noch aus del' Ordenszeit stammende katholische Pt'arrkirche herum gelangen, sehn wir wieder Val' uer mit zwei Gieheleekturmen nnd einem vVindeerker ausgestatteten Hoehschlossmauer die beiden Bfestigungs- mauel'll, Jinks bis zum lIerrendallLk, rechts bis zur SueI- ostecke des Schloses, zum Parcluuntnrme, reichcrHl. K?unten wir himibersehn, so "urden wir bemel'keu. du!:'s daB aIte Kasernenthor, das man im 18. .Tahrhunucrt ul1l'ch uie Sudwand des Schloses unrchgebrochell hatte, nnn nicht mehr ist. Statt dessen erhebt sich au del' PnrCll3mIllaUer eine kleine zur Stadt fiibrcnde Pforte, eillern OriginnJ zu Konigsberg i. Pl'. nachgebildet. Da Pf6rtllerhauschen dazu steht unmittellJar dal1eben im utlparchaIll, Die Stadt. ieht weit von del' Suuostecke des Schl08ses jeneits del' Stras::,e steht in einer kleinen Anlage eill JJescheidenes Dellb.lllal VOII rotlichcm Salld"tein. Es gilt dem \ n- dellken ues hoehgesillnteu BUrgenneisters RHrtholomilus lUumc, del' in den Zeiten del' X ot g-etren znm Orden hieJt nod durch seinr gro:;:s3I'tige 'T erteidigung del' Stadt Iarienbllrg im Jahre 1157 sich lIIlvcI'giingJichen Hnlllll erworuell hat. ..11s die Stadt, nach de lIoch- mcistel'S Y crtreillllllg aus del' l3urg, dnn'h schnoden Verrat in tIie IIallue del' Polen liel, wurcle BJullJe znm Lohn hir seine deutsche 'l'reue wit mehreren andel'll Ratshel'rcn auf Befehl des K6nigs Kasirnir in einem 'I'llI'm del' Stadt f'IIthanptet. - Die lnschrit't an dCIll 
72 Fubrer durch dIe Stadt. Denkrnal la\ltet: "Zurn 400 j ahrigell Todestage des fUr seine Gesinnungstl'eue geopferten M.annes, Die Stadt Marienburg den 8. August 1860". Gegentiber del' Stidwand des Hochschlosses fiihrt eine Strasse zum lUarktplatz. Zu unSl'er Linken ziehn sich "die niederenLauben", jenseits derStrasse "die h o n La u be n" zu beiden Seiten des :Mar ktpIatzes hin. Bei dem gl'ossen Brande yom 26. Juli 1899 ist eine gauze Reihe del' scbmalen, spitzgiebeligen Hauser an den hohen Lauben abgebrannt und in neuester Zeit wieder aufgebaut. (Abb. hiel'unter.) ... t  · 1\ . I' ' w  't · ''qijl \ I  J J "t \ , . ...::.:   l' ) J li ,.1. , ' 1 " " 11111 '\ I t t } WII ... .. I . I .. t " '7"_ .: '- -.:-- ... -- . .... \i "Ho11' Lauben." Am Ende des Mal'ktes steht das M arienthor. Ausser del' kathoIischen Pfnl'rkirche am NOl'dende del' bohen LauLen (naeh dem Schlohs zu) beansprucht das Uathaus in del' Mittc del' niederen LaulJen ein besonderes Interesse: es sind die lJeiden Ucb;wde, die erhaIten bliehen, aIs Heinrich von Plauen im Jahr!' 1410 zur besserell Yertcidigullg del' Bnrg dIe ganz(> Stadt niedel'brennen Hess. 
Fuhrer durch die Stadt. 73 Bin Gang durch das Mal'ientbor zeigt recbts den Ausstellungsplatz, geracteaus das Kriegerdenkmal (hinter ihm liegt, durch Biiume verdeckt, die evangeliscbe Kirche), zur Linken das Kreishaus und weiter nach vorn die Anlagen, lnmitten diesel' Anlagen ist del' Platz zu suchen, auf dem Blumes Turm stand, des tapfern Biirgermeisters Gefangnis und sein Sterbehaus. Wenn wir durch die Anlagen hindurch gehn, kommen wi l' an del' neuen Synagoge vorbei zu dem stattlichen Postgebiiude - Inschriften libel' den Schaltern sagen uns stolz: "Deutsche Reichs-Post schneller als Schweiken" (die Postpferde des Ordens), "Deutsche Reiclts-Post sicherer als Witinge" (die Boten des Ordens) - und durch die Schulstrasse am Gymnasium vorbei; bis uns die Querstrasse 1 in ks zum 1'opferthor and nach dem Markte ZU, re c h ts am Gefangnis vorLei zur Briicke tiLer den .Miihlengraben, weiter in die Langgasse und schliesslich ZUUl Bahnhof IJinfiihrt. Beim Abschied von Madenburg \YoUen wir zusammen- fasend uns lloch einmal vergegenwartigen, was wir hier gesehn. Das Schloss des deutschen Ordens Marien- burg in WestprC'usseu ist (Springer, Kunstgeschichte II, 212) "weitam; das glimzendste Beispiel des mittelalter- lichen SchlossLaues, die wuchtige Kraft des nordischen Werkes mit trflnmhafcen Reizell des Slidens vereinigend, von einem halb mOllehischeu, haIL ritterlichen Geschlecht l.Jewohnt", es ist die Perle unter den gotischen Bau- denkmalern des Ostens, und Ullter allen mittelalterlichen Pl'ofanbauten \vohI del' iotereSsfinteste im ganzen Reich, die \Viege von Pl'eussens K nltur, del' Grundstein zu seincr jetzigen Grosse, ein 'Vahrzeichen des Dentschtums. -..<- 
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I  I t.?  I t.?  I t.?  I t.?  I t.?  I e  I t.?  I e I ;11 ;11 ;11 ;11 ;11 /11 ;11 /11 Anhang. Auskunftstelle. )LlgistratsLnrcan j'lI Hath:m.;;e. Droschken. Die Hotels KOI1i "011 Prcu:;"en"", "Zur \larjenbnrg"" lInd "Sta.t.lt Leip7iu," :;tellcn Hru,>clrh.ell von Illld /.um HaJuI1lOf, Gasthofe. Hotel Konig van Preuss en - L:wgga:,::!e- und \Lllhlengrabell-Ecke. Hotel zur Marienburg  gcgcllllber der SII(lc)stc('ke de::! Selrh):,:'3c'5. Hotel Stadt Leipzig  Kratz:hammcr-lIIHl ;-)(']lIl1icdcga-,,,,en-E('ke. Deutsches Haus  gCg'cnllucr clcm Il utel  K (in i!.;" \ on J'rell",sell"', mil Selr \\ cillcmarkt. Werderscher Hof - R('hr:tge gegeJlllber dent Hutel  K (illig \ on Prell;sell", all der "';tra",-;e "Grv-;e neistlkltkeit-, Hotel drei Kronen - am Hinnell\\ all. Zum Kurfiirsten  \ ur dem )larjelltltur, am \.us:,tellllng:,platz:. Herberge zur Heimat  alii \\ elscllcn (3arten (c]l\\ eillemarU). Bahnhofsgarten  aUl Ibhnhuf'. Stadt Elbing - L:lIlgga;:,;:,e. (ll1h. Ueor!.!, Hecker,) Weisses Lamm  L:tJI!ga:,"(', Condit.oreien und Cafes. Kruger - huhe LallbelJ. Sprengel  lliedere. LaulJeu. Grammelsdorf - Hiellcre L..tllhell, 
76 Anbang. Bierstuben. A llsser den Gasthofen: Gesellschaftshaus (mit Garten) - an den stiirltisehen Anlagen, :.\Iar.::;challstrasse. (Inh, Pranz If ennig.) Schutzengarten \mit Garten) - in del' :N':ihe des Beminari:!, J unkergasse, Unter den niederen Lauben: Rathskeller - :Eing:lllg yom ...\[arkt, am Rathullse. Ruhligs Re;,;taurant - liicke Knhlmannsga:,e, Wiener Cafe (Inh. R 'J'ennig). KM.ber. Unter den hohen Laubcn: Marks (frliher J' e c h n i c k). Albrecht. Fereth ("T einstnhe und Delikate;:;sen-HanrllulIg), Biirgerhalle (fhiher Plincherra). Zielinski. Ferner: Weiss - am ,farienthor. Kuhnke (jetzt ..;chumacheI') - luatzhammer, gegenliher aer 8chmiede!!'as::>c. Kluge - am Kratzhammer. Kurtz - am KratzhanulleI', So. :20. Liebe - dllnieuega.,e. Altdeutsche Bierstube u, \\- eillgrosshanalung (1nh. 0, \L e i s sl e1') - Xell'3taut o, 7. Lutze - Sen-:ta<1t. Preuss - Xeu.,tarlt. Zum deutschen Kaiser (Inh. Janzen) - Birkga...;e. Buchhandlungen und Leihbibliotheken. L. Giesow (lnh. II. .;tamm) - hohe Lanl)cn, o, 1). H. Hempel - niedere Lauben, Musikalienhandlung und Leihanstalt. Korber - hohe Lanl)ell, 
Anhang, 77 Papierhandlungen. Schilling - niedere LallLen. von Blericau - niedere Lanbell. Hinsch - Schmiedegasse. Gtihrke - "N ellstndt. Koppenhagen - Kratr.lmmmer, Kiehl - Kuhlmuul1sgnsse. Arzte. Dr. Arbeit, 8anitutsrat, Kreisarzt - [arschallstras:;e. Dr. Paul Wilczewski, t:anitatsrat - niedere Lauben. Dr. Thiel - holle Lanbell, . Dr. Loepp, prnkt, hzt, Zalmarr.t - hohe Lauben. Dr. Hochmann - niedere Lanbell. Dr. Bahr - Gerhergasse, gegeniiber dem .Amtsgericht. Dr. Tiessen - Gerberg'asse. Dr. Gartenmeister - Schulga"!se, ggellliber der Po'>t. Dr. Haack - Lang'A"use. Zahn kiln stIer. Kuppke, Zalmarzt - hohe Lallben. Hahn, Zahlltechuiker  niedere Lanhen. Apotheken und Drogerin. Ratsapotheke - hohe "L:mhen, Schlossapotheke - hohe l..auben. Adler.Apotheke - uiedere LunLen. Schloss-Drogerie - niedere Lau},en, Drogerie zum Ltiwen - Iliedere Lauhen. Frisor. Carl Schmelzer - Kratzhalllmer 5. Bader. Ordensbad (luh. llrauereil,e.,it/er .J n h 11 k e): Kalte nnd '\ arllle, sowie aHe nledizillis('!lell B:ider - G.erLerga,:;se, g'!:J!?;!:JIl- uber Iler r()t. In der Nogat an oer 1:!chifl'uriicke (\larienburger .Badl'aktien- vereiu), MittelmUhle hei Gehrmann. 
7t; Anhnng. Rechtsanwalte. Bank, Jnstizrat nnd X otar - Langgasse, nalle dem Hotel .,Konig von Preu:,J<;en-, Bentz, .Jllstizrat ullll X otar - gegeniiber der Post. Diegner, Heclltsanwalt - Gerberga:;se. Banken und Kassen. Marienburger Privat.Aktienbank (\\T{)lke). Reichsbanknebenstelle (Raahe). Kreissparkasse. SUidtische Sparkasse. Buchdruckereien. Stamm - TJ ohe Lauben. O. Halb - Kratzlwwmer. Koppenhagen - Kratzhammer. Zeitungen. Marienburger Zeitung mit Kreishlatt - 4 mal wochentlich. Nogatzeitung - 3 mal wo{'hentlich. Westpreussische Zeitung fUr Bienenzucht (Lehrer X a h r ius- Dammfelile bei \1 arien hurg) - j:ihrlir h 18 mal. Organ de V creins fur 13ienenzncht IInll Oh;:)tbau in \\ e...t- prenssen. Schulen. Konigliches Gymnasium: Direktor Dr, K an ter. Konigliches Lehrerseminar: Direkt.)r Schulrnt Schroter, Landwirtschaftsschule: I )irektor J)r, K n 11 11 k e. Taubstummenlehranstalt: J)irektor 8cllulrat llolleln\ eger. Hohere TOchterschule. Evangelische Gemelndeschule. Katholische Gemeindeschule. Fortbildungsschule. Kochschule fUr schulentlassene M:Idchen. K lei n kin d erbewa hranstal t. 
Anhang. 79 Musik. Musikverein (Leiter: Kimiglicher Seminarlehrer Linnarz), Liedertafel (Dirigent: Koniglicher Seminarlehrer Li n n a r z). MMnnergesangverein (Dirigent: Lehrer Pas c h k e-8andhof), Kirchenchor (Dirigent: Kantor bchonsee). Ausflugsorte der Marienburger. Esaus Garten - ill Kalthrf, am Ende del' Schift'briwke, Engels Garten - in V ogebang am ogatdamm (5 'Iinnten yon cler Stadt zu Pn",;;). Sanssouci (Langes Garten) - in Dmnmfelde (15 Minutell). Kaisergarten - in Hoppenbrl1cb (15 Minuten). Schlossgarten - in Hoppellbruch (15 Iinuten), Krolzicks Garten - in vVillenberg (25 Iinuten). Bellevue - neuecl Gartenrestaurant an del' Tessendorfer Chaussee (10 I inutell yom Ba hnhof). Growes Garten - in Sandhof (:30 'I inutell, an del' Ohausee Hach Elhin), Neuhakenberger Wald - Fol',terei (etwa 1 1 / 2 Stunden mit dem "r agen). Rachelshof - (5U "\filluten 13allllfahrt auf del' wreich;3elstadte- balm M arienhl1rg-'l'horn). Landl'at: Freiherr Senfft yon Pib.LCh. Pfarrer, e\angeli8che: Felsch, Giirtler, katholi.;('he: Dekan Dr. Luih ig, Kaplane Gehr- mann, Fischer. Rabbiner: "\Veissrock. Kreisschulinspektor, evangeli-.;ch: Pfal'l'el' Gurtler. kutholi"ch: Dekan r. ud wig, .f)I.A · 'II ,  ,:\ I,.  C' \ "i - .., i'Ja 
80 Anbang. Literatur. Zur weiteren Orientierung- liber die Ge8chichte der \Iarienburg und liher die Herstellungsurbeiten (Henen. unter anderen, folgende Schriften: Frick=Oilly=R.abe, 3chlo!:>s 'f arienburg in Preussen. RerUn, 1799-1802. Joh. Voigt, Geschichte Marienburgs. Klinigsherg, 1824. Joh. Voigt, Das t;tillleben de3 llochmeisters tIes Deutschen Ordens und seill Flirstenhof. In Hanmers hbtorischem 'l'a<;chenbuch von 1bjO. (8eite 16 It'.) Leipzig, 18:10. Eichendorff, Die .Wiederheratellung de::! Schlvsses der deutschen Ordensritter zu Marienburg. (Konigsberg-) Berlin, 1844. Steinbrecht, Prenssen zur Zeit der Landmeister. Berlin, 1088. Tesdorpff, Die \\Tiederherstellnng der "'\[arienhurg. Konigs- berg, 1895. Steinbrecht, Die \Viederherstellung des \fariellbnrger Schl03cles. Berlin, 1896. Joachim, Das \fariellburger 'l'resslerbuch cler .Jahre 1399 Lis LlOD. Klllligsherg, 10G, Hecht, Aua der deutschen O.stmark, (Seite 2(j!J tf.) Ci-nm- Linnen, 1097. Fischer, Die \[arienbnrg. lllustrirter Fuhrer. GrautIellz, 1098. Steinbrecht, Schlo" "arielllJurg in Preu;:Isen, :Fuhrer. 5, .Aul'lage, Herlin, 1891. W. yon Bremen, Die \[ariel )11 Eine Perle dent-!cher Baukun<;t, In Velha o ell II II aj.ngs r ollat'4het'ten, XV, Jahrgang 1!JOl, 0 \1 nf,thelt (Nv. 12). '-fit \h- bildungen. ..,. \ . -._ <i'iTEfo. 
Geschaftsanzeiger und Bezugsquellenliste. Bei alien Einkaufen und Bediirfnissen zu empfehlen. . Cadinen, 1ll1l::.trirtm' Fllhrer. Ueckeheite. 3 Citron, Hermann, Feille Liq lIellre -\V eiu, }s"ig . 15 Conitzer. M. & Sohne. Damenkleider::.tllfle. Seidenwaaren, . 2 Danziger Zeitung .. ... . . 9 11 15 DUhren, Albert van. (au:,!, Porzellall 11. Steing-ut. Deckelseite 2 Gasthof "Stadt Elbing". InhaLer Geurg Becker,. 15 Gesellschaftshaus. Be::!. Praliz I I ellnig. V urzugs.seite 1 im Text. Grand Restaurant. J. 'Iartill Kurtz . 14 Kafemann, A. W., lJanr,ig. \T erlagr;lmchhundluug. nIustrirte [{ej...,et'tihrer . 7 Kafemann, A. W. Buchuruekerei .. 13 Marienburger Zeitung nd Kreisblatt, O. Ualb 12 Meissler. Oscar. Weinhandlllng, lliere ... 6 Michaelis, Paul. llnehbinderei n. Einrahmungsg't;:,chaft . . 10 MUlier, K. Photogral'hisches.A telier. Alisichten vom Schloss 12 Nogat-Zeitung. Helmuth Stamm. lJeckelseite,. . 4 Rahn, Albert. 'Iu::>chiuen nil' L:wuwirthsehaft und Industrie 10 Rathskeller. .AlthiHturische R:\lIl11e. fuh. Arthur :::;chroeder 5 Ruhligs, R" Restaurant. Y orzugl5seite 2 im 'rext, Schmelzer. Carl. llarlJier- Hlid Frisir-Salon . . , . . . 14 Schroder Nachfl" G. Felix Cylkowski. Fenster-, Spiegel-, 'l'afelgld;:; 14 Schwabe Nachfl., A. H. Unm,- und 'roilette<;eifenfabrik . . 10 Stamm, Helmuth. lllll'h- und Kun&thandlnng. .Tomnal-Lese- zirkel Hud LeihlJi1JIiothek . . . . . . 16 Still, Hermann. Buu- und Gr.tbsteingescluift . 3 Warkentin, J. Oetreiue, Hulz, Kohlen . . , . . .. 8 Wigand, Franz. L.lIIll \\ irthsehaftliche laschinen, Fahrrader. 8 Ziegelel und Thonwaarenfabrik, Marlenburger. 4 
-  -  1:7 En gros. - En detail. lf=:i   ---  f'. ....., rl. II · :1\ 1. niti 'I ij U 'I' , Marienwerder ?randenbur Gotha.   Marlenbur 5 lM . Hohe Lauben No. 21/22.  Grssts nnd rsts Gschfittshans  't f lIr .",: t Damenkleiderstoffe, '  Seidenwaaren,  ,. Leinen- u. Baumwollwaaren. ?  ,I' Gardinen. Mobelstoffe. Tcppiche. ' . i, Schiirzen, Jupons, Tricotagen. ". ' 1 "'[ Herren-, me_elKider-confection ; :I ' I \1.. e]l1.l.}l;.al..ell. I - - . 1f'l1'\ I    :tf.::U: Feste Preise. :EOret 
.) ., . @  .,--*  ., 0 =;:f \,.,v '0 = '<;:  u = . ....c = := :;; <h  .:  r"\ _U = a- '--' -  = = ::: := en I .J_  :::... gr)    \  i= :E ;;   = __ '-c-; . :=:'  !:; ='; CD ;S  ;;; 2-e   E::: en = ';;:  <0;  :=  II' '../ ..g = 3 = f   :II ,  .4'J... .... crJ - t:Jr ...  I rl'-'\ V/IJ'. ..: <o;=!:; .., '-' Q. . <h  .E r'  = 3 E    -e f" I t II 1'1 I", -- , \1 en = -=;;:; r.  r  f: 4::)  't; <h  E "I "II   E ... ::  '?:t : ,i " J 0 I OJ) ::       I"'I\ \ -.,  I ' ?  ;;  fA.. ,-  1 1 Ii' 1 \ I  c.; = c.; ::: ,.,J.,  I  fA crJ,_ u  .....-.! ';:: fA,= '?:t ' I  1-  =  Z6:;;-:;  'rl   c  fA - ,- f 't..'''., \.' fj-  -..  ..  t\ -:1\\ I r = , II) f.1 -!.a 1/ / j/$  f'Jl'!" · ?. ':, H-I!, ;f . . I ;;;r/A I 1J;  r/A l'J;;   . . I,i'}\'i f,,'1od .,. I, ,;1ft / , f .  Ii !JI   '111111'1111 " . I   7  .  ;' if1 I I I ,rs.t. '- ".. < '{ fo : r /  1/ l' ,.,.. _ \l\! I Ml-ii i.t  '.& \ "v"!';.y. ?1 __ .' 'r", G9'- Ii-=:.L 'I 1.\ .,....  /, \ ,/ --", - 1 "", I '!. :i\1  r;. /, ", '--.....---, '"  I 'f'  * i).l '  ..... -s' .  I ... ,j ,,, .... k .... I II ."'P,;!t: .."I ."  i "t....'1;.. :; I 1j;/!(i>V_' {, -  " \ t..., --i t / r1.:It' .PJ .., iL. : 't'" I ,{j, f/;f{/fl   ....... · 'Jf. :5- , 
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