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Текст
I .51;-" E 1 0 ct
Nordostdeutsche Sttidte und Landschaften
No.7
Marienburg
yon
Wilhelm chwandt
Mit 19 Illustrationen und 1 Stadtplan
Danzig
Verlag und Druck yon A. W. Kafemann
1501.
505
r 1 CZYTELNI \ tV I
: HtL10ALA M(I
5"'1 l 02
5 1
9g
D er nachstehende Fuhrer hildet die N eubearbeitung
des irn Kafemann'schen Yerlage in 2 Auflagen
erschienenen, von CarJyS'tatck bearbeiteten Fuhrers
\
"Marienburg, das Haupthaus des deutschen
Ritterordens". Einzelne Abschnitte dieses Fuhrerb
sind in die vorliegende neue Bearbeitung hintiber-
genornmen. N eu hinzugekommen sind, ausser del' vollig
veranderten geschichtlichen Einleitung, mehrere Ab-
bildungen, del' Stadtplan und die Beschreibung des in
den letzten J ahren nen Gebauten.
-4--
/
Inhaltsverzeichnis.
Sclte
Verzeichnis der Abbildungen , 7
Sehloss- Besichtigungs-Ordnung , 8
Oeschichtliches.
1m 310rgenlande (bis 1230) I
Ln Preussell (seit 1230) 13
In :J\-larienburg bis 1815 14
[n \Iarienburg seit 1815 (Baugesehiehtliehes) 17
Fuhrer.
V 0111 Bahnhof zum ScIllo 3s-Eingang ,
Durell das Hoehsellloss -
Dureh das '1ittelschloss
Dureh die yo- orhurg .
Dureh die Stadt. , .
21
26
47
(;5
71
Anhang.
luskunft iiber larienlJUrger Adressen
Literatnr
75
80
--
Abbildungen.
Selte
1. Dns Schloi:!i:5portal vom Jahre 1 b50 20
. Schlosstnrm, .Kirche, Pfaffentnrm (Aussenansicht) 22
;, Eingangznllli [ohschlo:,;s.-Hochmeisterpalat. C,,"ach
Photographie van K, \ hiller) 27
4, Kord\\estecke des ITochscl1losses 2J
f>. Hochschlosshot' (Phot. K. }[liller) 32
I, [nnere,; del' )[nrienkirche (Phot. K. hiller) 36
7. 'laden hllJ.'ger Ordens8chillinp,' 3!J
, Spei-:eremter (Phot. K, \1 tiller) 41
9, Herreu:,;tuhe (Phot. K, \litller) . 43
10. TIochmeiE>terB \\ ohnung. Plan. 48
11. Flur 11ll<1 Gang in 110(' ]l1neister l)alast . 51
1 '2, \[eisterE> omTIlerremter (Ph at. E,:, \hiller) 54
13. \[eistet.s Stnhe nach del' Renonttion YOU 1823 58
1 L \[eistercl gro::'!'Ier Fe-:tremter . 6;
15. 1Jenkmul Friedriehs (les Gro....sen (PIlOt. K. \[uller) (if;
1 Ii, GeBaTllt:llliC'ht YOll del' X ogatseite (I'hvt. K. Mtiller) 6!)
17, Hochmebters Pabst, Xogatl,;eite (Phot. K. \Tilller). 70
It', Die ]lOheu Lanhen im Xordende (Phot. K, \ hiller) , 72
1 fl. lfochmelster\\appen . 74
Die fiir diesen Flihrer n e u heschatl'ten \bbildungeu sind
Hitch Photographien aus rlclIl Atelier van Karl )[ulJer in
\I arienburg, Langg-a::-Jse 32, gefertigt nud 1m yorstehendeu
\Yerzeichnis del' \l)bildungen hesonder8 gekellllzeichnet.
---..-
1--
Schloss=Besichtigungs=Ordnung. .
1. Ei ntritt 50 Pfg. fur die Person:
'V ochentags: V ormittags 1-1, Nachmittags
2-6 Uhr.
Sonntags \
J V ormittag-:3 11-1 Uhr,
Feiertags
[I, Eintritt 25 Pfg. fur die Person:
Zu obiger Zeit: fiir vorher angemeldete Yereine
(bzw. ,r ereinbarung- vorLehalten).
III. Freier Eintritt:
1. Fur Hehnlell und )lilitarperi:wnen in Re-
gleitllng des Lehrers bez\\, V orgesetzten, auf
vorherige Vereinharung,
2, Sonntags und Feiertags Kachmlttags 3-5 fur
J eden.
Eintrittskarten erhaltman heim Ober-Schlosswart.
--0-
,IfL \1}.\'(L' \ l'L' 1}.\'1'1.'1;\' ,,\ \ 1"L'l\ l"'L\l!, 1"L'!!, 1'!.. \ l!,1"L' l!,1'.!.' !!\'IfL' l!?(L'!! \'1'1.' l!,l"'L' L ,I....L' ' I"I\' I"I'
\If!..' \ '(L'? If!' \' 1".L'\' 'f!' \ 'f!'l!\, 'f.!.'.!.!,'f!'!!, 1".L'l!, '1L' l! \' 'f!' 1!\,'fL' l! \' l"L'l! \ 'f!..' l!\, 'fL.').!\' 1'!\ \ I"I(!!; f--" (' l!
Gesellschaftshaus
ft1arienburg Wpr.
- ,:J.
.f3es.: tranz t{ennlg.
Grosstes del' Neuzeit entsprechendes
Etablissement del' Stadt.
Freundliche I Restaurations- und Klubzimmer.
SchoneI' Park mit aIten Baumen.
Kegelbahn.
Drci Sale fUr Gesellschaften jeer Grosse.
Empfehlc Diners zu CIvil en Preis en. Kalte und war me
Spel<.;en a Ia carte zu Jeder Tageszeit.
Ausschank van Miinchener, Komgsberger und Grdtzer
Bier, Belliner Weissbier etc.
\V cine del' verschiedensten Marken aus renommirten
\Vein-Hausern.
Nahe am Schloss vor dem Marienthore gelegen.
\:r£.:{(r!t?!t(L{z(fil{fil£(?S7\l%Z\
t:<;}JJ.); ))3( }tJ(t:!/ 7;t(?'/').,\- / 3\:;(j ,31{Jl)<
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fI I
Marienburg Westpr.
R. R"L'lhligs
R.estaurant
Kuhlmannsgasse, Ecke Niedere Lauben
in der Niihe des R.athhauses.
Gr. Friihstiickstisch zu kleinen Preisen
Mittagstisch von 12-2 1 /'2 Uhr
Reichhaltige Speisenkarte
Aufmerksame Bedienung * Civile Preise
Gut gepflegte Biere
H. Weine renommirter Firmen.
FernspI'echer Xo. (ii.
'i!U :
Geschichtliches.
Der deutsche Orden,
del' die Marienburg erbaute, ist aUS bescheidenen An-
fangen erstanden. Sie fUhren ins Morgenland, nach
PaHistina. - Als begeisterte Pilgersehnsucht mit ritter-
lichem Thatendrang sich einte, aus den Randen del' Un-
glaubigen die Statten zu befreien, die durch des Heilands
Leben und Sterben fUr aIle Zeiten geheiligt sind, da
nahm sich einzelller christlicher Ritter Liebessinn del'
schutzbediirftigen Pi1gerscharen hilfreicb an, die wall-
fahrend zum heiligen Lande kamen. Manner aus den
edelsten Fami1ien vereinigten sich in dem Bemiihen,
ihnen die W.ege zu ebnen, sie durch starkes Geleit VOl'
feindlichem Uberfall zu schiitzen, und zumal ihl'e Krallken
und Yerwundeten in Hospitalf'rn zu pfiegen. Damals
entstand im heiligen Lande neben ahnlicben .A.nstalten
auch das Hospital "Sankt Marien del' Deutschen
zu Jerusalem." Es wirkte etwa ein balbes Jahrhundert
in reichem Segen, bis Sultan Saladin im Jahre 1187
Jerusalem eroberte, Da ging es ein; freilich nul', urn
nach kurzer Zeit, wenn al1ch unter anderen Yerhalt-
nissen, einen .x aehfolger zu erhalten.
VOl' Accon wars, im Jahr 1190. Vergeblich miihte
sich das Kreuzfabrerbeer, die Stadt zu stiirmen, die ihre
feste Lage am l\1.ittelmeer und Salad ins sieg-reiche
bcbaren schiitzteu. Da herrschte bitterernste Not im
Christenlager. Yiel Feinde gabs uud wenig Brot, und
base Seuchen wiiteten illIter dem Kriegsvolk. Wahrend
10
Gesch1chtlIChes.
nun die Orden del' J ohanniter und del' Templer mit hin-
gebender Samariterliebe fUr die grosse Zahl del' Kranken
unter den Italienel'll und Franzosen sorgten, mussten oie
deutschen Pilger umfassender Ptlege von Seiten ihrer
Landsleute vorerst entbehren, bis endlich eine .Anzahl
deutscheI' Burger (die iibrigens kaum in irg-end welcben
Beziehungen zu del' alten J erusalemer Stiftung gestanden
haben mogen) erst im Feldlager VOl' del' Stadt (unter
dem Segel eines Schiff's, "vnder welches sy gar vyl1
vnnd manchenn Kranckenn vorsameltenn"), dann - nach
Accons Fal], im Jahre drauf (15. Ju1i 1191) - auch
in del' S tad t, am Thor des heiligell Nicolaus, eine
Krankenpflegeanstalt ins Leben rief, del' mall
wieder den Namen "Sankt Marien-Hospital des
deutschen Hauses (odeI' bIos del' Deutschcn) zu
J e ru s a Ie m" beilegte. Die Grunder hofften, in besseren_
Tag-en das Haupthaus des Hospitals in Jerusalem selbst
aufbauen zu konnen.
Herzog Friedrich von Schwaben, Barbarossas zweiter
Sohn, unterstutzte die nene Stiftung, Kaiser Heinrich YI.
empfahl, die Papste Clemens III. und Colestin III. be-
statigten sic; und reichliche Geschenke, zumeist an Grund-
uesitz in deutschcn und in welschen Landen, sicherten
ihren Bestand. Erst lei tete sie noeh del' J 0 h ann i tel'
.Meister, dann wahlten ihre Ptleger sieh (seit 11U6) den
Fuhrer selbst; und endlich, als das Unternehmen blubte,
walldelte im Jahre 1198 eine Yel'sammlung deutscheI'
FUl'sten noeh zu .Accon die Krankellptleg-ersehar del'
Bru del' v 0 m de u ts ch en lIa use in aller Form zu
einem geistlichen, dem "Deutschell Ritterorden" urn,
den Innocenz III. durch eine Bulle vom 19. Februar
1199 als solchen feierlich besUitigte.
Lieureiche Ptlege del' Kranken (nach del' Johanniter
Regel) llnd mannbafter Kampf gegen die Unglaubigen
(nach del' Templer Regel): das war des neuen Ordens
Losung; und das Gelubde fUr den einzelnen Ordens-
GeschlchtlIches.
11
bruder das alte, mit aIler Stl'ellge gehutete :.\fonchs-
gelUbde: Keuschheit, Armut und Gehorsam,
Ein weisser .Mantel mit schwal'zem Balkenkreuz bildete
die Ordens-Tracht des Rittel'bl'udel's; Kettenpanzer,
Schwel't und Schild schutzten ihn VOl' dem Feinde.
Ausser den R i t tel' b I' U d er n nahm del' Orden
Priesterbruder auf, die den Ritterbl'udern gleich-
berechtigt waren. Die Rittern nicht anstehenden Dienste
in Haus und Bof vel'richteten "dienende Bruder", auch
Halbbruder odeI' Graumiintler (nach ihrer rrracht)
genannt. Bine "Regel del' Bruder" b{'stimmte Recbte
und Pflichten des Einzelnen,
An die Spitze des Ordens trat ein :.\feistel'; Heinrich
"\\.,. alpot von Bassenheim hiess del' erste. Als sich nach
J ahren das Landgebiet des Ordens Immel' weiter mehl'te
und verzweigte, teilte man es in Balleien ein, an
deren Spitze als Yerwaltung-sbearnte Landmeistel' UlW
Landkomtuxe gesetzt wurden, Solche BaIleien waren
1.'huring-en, Osterreich, Hessen, Franken, Koblenz,
Elsass-Burgund, Botzen oder an der Etsch, Utrecht,
Alten- Biesen} Lothrillgen, Sachsell und Westfalen. Die
BaIleiell wiederum zedielell in mehrere K 0 m t u rei e n
oder, \Vie Illan pater sagte, Kornmeuden. Zurn Hause
cines Komturs gehorte ein vol1stiindiger (mindestens aus
zwOlf Brudern bestehender) Rittel'konvent; Verwalter
kleillel'er Ordeushiiuser Itiessen Pfl rger, Komture und
Pfleger hatten sowohl fur die Verteidigung als flir die
Yerwaltung (Yerpachtullg, Bebauung, Besteuernng) des
Zll ihrer Burg gehorigen Landgebiets zn sorgen,
In del' oberRten Verwaltung des Ordens naltm nach
dern IIochmeister die erste SteIIe ein: sein SteIlvertreter,
uer Grosskomtur. Ihm folgte im Range del' Ordens-
111 ar s c hall, er war del' Feldherr und Kriegsministel' des
Ordens. Uber clie Hospi tiller des Ordens flihrte del'
OlJerst-Spittler die Aufsicht, Fur die statutenmassige
12
GCSChll'htliches.
Bekleidung des Ordens sorgte del' Oberst-Trappier.
Del' Schatzmeister des Ordens hiess del' Tressler.
Als Wapp en ftihrte del' Orden ein schwarzes Kreuz
im weissen Felde, Konig Johann von Jerusalem setzte
in das schwarze Kreuz noch ein goldenes, das J erusa!emer
Kriikenkreuz, hillein; und endlich verUeh Kaiser
Friedrich U. dem Hochmeister Hermann yon SaIza (den
er mit seinen N achfolgern gleichzeitig zum Reichsfiirsten
ernannte) noch die ehrenvolle Erlaulmis, im :MitteIschilde
des Wappens den einkopfigen schwarzen deutschen Reichs-
adler im goldenen Felde zu ftihren: es ist del' Adler
Herzog Albrechts, Konig Friedrichs! -
Schon bald nach seiner Griindung bltihte del' neue
Orden unter dr Gunst del' Zeit. Kaiser und Papst
wetteiferten mit Konigen und Edlen, des Ordens Macht
und .A.nsehn zu vergrossern. Gerade dem de u t s c hen
o I'd en angehoren zu diirfen, gaIt bald als hohe und
erstrebenswerte Ehre. Das ,.,. erdienst, in jener Zeit dell
Orden zu grosstem Glanz erhoben zu haben, g-ebiihrt
dem vierten del' Hochmeister, dem genialen, als Mensch
und als Held hoch iiber seiner Zeit stehenden, "frommen,
p;ottesftirchtigen und ehrsamen" Meister Her man n
yon Salza (1210-1239). Er erkannte es bald klar,
dass des Ordens rrage gezahlt waren, wenn er im sinken-
den MorgenIande bUebe. Darum nahm er die sich
bietende Gelegenheit, dem JUDgen Orden eine neue
Statte seiner Wirksamkeit, und zwar bleibender Virk-
samkeit im .A bendlande zu schaffen, freudig auf, als
del' Polenherzog Konrad yon Masovien und Kujawien
seine Hilfe gegen die heidllischen Prnzzen anrief, die
sich in dichtem Wald und unwegsamem Sumpfrevier
zwischen Weichsel und Memel unter ihrer Gotter
und ihres Landes Schutz nul' allzu sichel' fiihlten und
aIlen poluischeon Angriffen auf ihr Gebiet, auf ihren
GIauben, ihren KuIt und ihre Sitten mit Hohn und
Hass begegneten. Nach vorsichtigen YerhandIungen -
Gf>scbichtliches.
1:3
Konrad verspl'ach dem HochmeiEter das Kulmer1and als
Entschadigung - sandte Hermann yon Salza im Jahre 1230
den ebenso tapferen wie umsichtigen Bruder He I'm ann
B a I k e als "Landmeister" in die Lande an derW eichsel, nach
Preussen.
Papstliche Ermunterung zum Kreuzzug gegen die
heidnischen Pruzzen rief zahlreiche Ritter aus Deutsch-
land unter des Orden8 Fahnen; und nun begann del'
dreiundfiinfzigjahrige wechselvoUe und blutige Kampf',
del' mit Errichtung fester Ordensburgen (Thorn, Kulm,
Marienwerder, Elbing-), die das Land schtitzten, anhub
und mit del' volIigen U nterwerfung del' Pruzzen im J ahl'e
1283 endete. Noch wahrend dieses Krieges, wohl im
Jahre 1276, entstand (Ullter dem Landmeister Konrad
yon Thierberg) an del' Heerstrasse yon Thorn und
Marienwerder nach Elbing, auf dem rechten, hohen
Ufer del' Nogat - da wo sie sich im Knie nach Osten
wendet - die Burg, die die Ritter nach ihrer Schutz-
heiligen nannten,
die Marienburg.
Heinrich yon Wilnowe zog mit zwOlf Rittern (nach
del' Zahl del' Apostel) als El'ster in die neue Burg, die
sich an den im gleichen Jahr mit Stadtrecht beschenkten
Ort Marienburg anlehnte.
.Aus del' ersten Anlage del' Burg entwickelte sich
nrns J ahr 1280 del' Kern des jetzigen Hochschlosses
als Sitz des Komturs yon Marienburg. Stolz und
kiihn schaute die Burg in das Land hinein, ein fester
8ttitzpunkt des Ol'dens, ein Schrecken del' tiberwundenen
Pl'eussen,
Residenz des Hochmeisters.
I Genau hundert Jahre nach del' Grtindung des deut-
schen Hospitals in Accon wars, da fiel Accon in die
14
Geschlchthches.
Hande del' Sarazenen, und del' Orden verlete not-
gedrungen seinen Hauptsitz in das Abendland. Yen e dig
wurde Residenz des H oehmeisters
Doch die ganze bisherige Entwiekelung des Ordens,
seine Zukunft wies nach Preussen, und del' Hochmeister
musste einsehn, dass aueh in Venedig seines Bleibens
nicht lange sein konnte. So that Siegfried vo n
Feuchtwangen recht damn, als er Venedig aufgab
und in die .Nahe del' Ereignisse seinen W ohnsitz legte.
Die Marienburg ersah er sieh zum H au p t 4 au s des
deutschen Ritterordens und hielt im September
1309 seinen Einzng in die Burg.
Und nun sah die zum Fiirstensitz erhobene Burg
- allmahlich ZQ ihrer ganzen Pracht und Grosse *)
Ullter den Hochmeistern \Verner von Orseln (1324-30),
Dietrich von Altenburg (1335-41) und Winrich VOll
Kniprode (1351--82) ausgebant J - im Laufe del' Jahr-
hunderte eine gewaltige Geschichte. Sic sah, wie die deut-
schen Ritter deutsches Leben, deutsche Sitte in die
Lande all del' Weichsel und am Pregel brachten, wnnder-
bare Manner, die del' Abend noch im Biissergewand,
del' Tag in glitzerndem Kettenpanzer sah, lanner, die
Fiil'sten mit koniglichem Prunk bewirteten und den
Schilling buchten als Gabe fiir den Spielmann, del' sich
als fahrendel' Sanger ihrer stillen Klause nahte. Sie
sah manch irdische Lust bei festlichem Iahl und
wieder peinliche Enthaltsamkeit am Pasttag, sah wildes
Leben in l'itterlichem Dienst und wieder beschauliche
Andaeht in monehischer Einfachheit. Sie sah zu Win-
l'ichs goldner Zeit vie 1 edle Kiinste und \Tissenschaften
an del' N ogat bltihn. Sie sah das Blinken del' Waffen,
mit denen Heinrich von Planen nach del' verlorelleu
8ehlacht bei Tannenberg (1410) Jagellos raubenden und
*) Verglelche die Reconstructlonshel<.;hnung In dem Fuhrer des Schloss
baumeisters Gehclmen Baul at Dr. Stelubrecht, Berlm, JulIUs Sprmger (zu
haben u, A. benD Ober-:3chlosswart in 'Ianenburg).
Gesclllcbtliches.
1)
brennenden Harden Halt gebot - es war wie des Abend-
rots letztes Aufflammen: die Sonne des Ordens sank.
Zerfall.
Auf Zeiten hochster BlUte folgten lange Jahre
traurigen Zerfalls. Yon jenem Pfingsttag des J ahres
.457 an, da :Meister Ludwig von Erlichshausen del'
Ubermacht und schnodem Betruge weichend, durch
ein Pfortchen Biehend, untel' bittern Thranen seine
Burg verliess, hat erst eine rohe Heiduckenbesatzung,
dann schwedische Soldateska, auch polnischer Starosten
grenzenloser Ubermut und Leichtsinn, einiger Betriiger
blindwiitende "Schatzgraberei", ein grauser Brand im
Jahre 1644, und immer nngehemmt des Wetters mannig-;
fache U llbill an Zillnen und .Mauern seine Alles zer-
stOrende Kraft geiibt. --- -
Am 14. September 1772 zogen preussische Dragoner
in l\1arienburgs Thoren ein: die __--'
preussische l1errschaft
begnnn.
Sie fand die Burg in grauenerregendem Zustand.
ALeI' wenn del' Feind doch Etwas wenigstens noch
verschont hatte, so miihte sich jetzt eine verblendete
Bureaukratie, womoglich Alles zu vernichtelJ, was noch
stand. Es war - mit Eichcndol'fl's W orten"") - die
Zeit del' hausbackeneu Niitzlichkeit, die nicht begreifen
konntc, dass Poesie dem Y olke so niitzlich sei als l\fehI
odeI' Speck. Das Hocl1schloss wurde znr Kaserne fUr
ein Regiment 80ldaten umgelJaut, del' grosse Remtel' im
.Mittelschloss zum Exerzierhaus. Fenster wurden vcr-
luauert, Fliesen ausgebrochen, Gewolbe eillgeschlagen,
*) ElChendorlf, DIe Wlederherstellung des ScbIosses der deutschen
()l uensntter;:u )!arlenburg, Berlin 1844.
16
Geschlchthches,
Stnben und Stiibchen mit vieleI' :Miihe zusammengezimmert
u nd Getreidespeicher, W eberwerkstatten,Lazarette,Pferde-
stalle daraus hergerichtet!
Es sollte noch schlimmer kommen, In den ersten
Jahren des 19. Jahrhunderts machte ein Oberbaurat den
uns heutzutage ung:laublich erscheinenden V orschlag, das
Hohe und Mittlere Schloss ganz abzubrechen und die alten
Ziegel - es gab ja deren eine ganz respektable Menge
- zum Bau eines neuen Magazins zu verwenden.
Gliicklicherweise scheiterte das Projekt am Kosten-
punkte (!), aber die grause ZerstOrung del' Burg nahm
darum doch noch immer ihren Fortgang.
Schon waren samtliche Gewolbe (mit Ausnahme des
del' Kirche) im Hochschloss und im siidostlichen und
nordostlichen Fliigel des :Mittelschlosses eingeschlagen,
nnd man legte schon Hand an, urn den herrlichen Giebel
am :Mittelschlosse einzureissen - da wirkte ein scharfer,
"v. Sch." unterzeichneter Artikel "Ein Beispiel von del'
ZerstOrungssucht in Preussen", den Max von Schenken-
dorfi' im "Freimiithigen", einem damals viel gelesenen
Berliner Blatte, verofi'entlichte, wie ein Blitz aus heite-
rem Himmel. Dem Minister von Schrotter, del' die
Zerstorung del' Burg geduldet hatte, wurden die Augen
geoffnet, und Konig Friedrich Wilhelm III. befahl so-
fort mittels Kabinets-Ordre vom 13. August 1804, dass
fUr die Erhaltung des Schlosses, als eines so vorziig-
lichen Denkmals alter Bagkunst, alle Sorge getragen
werden sollte.
Damals bekam die Burg einen Schutzpatron in ihre
Xahe, den Ober-Prasidenten von Schon, del' sich die
Rettung del' :Marienburg zur Lebensaufgabe erkor. Er
regte schon unterm 22, November 1805 die Wiederher-
Rtellung del' Burg an, "des schonen Denkmals einer
Zeit, in welcher die BegeiEtel'ung fUr das Heiligste er-
habene Bilder schuf, kiihne und grosse Ideen weckte,
nnd den lenschen Beharrlichkeit und Kraft zu ihrer
GescblchtlicheiO.
17
.AusfUhrung gab". 1m Dezern bel' 1815, aIR die K ot des
Ya.terlandes ihr Ende erreicht hatte, wurdeu Schons
V orschliige genehmigt.
Wiederherstell ung.
Es wurde del' .Architekt Costenoble aus )lagdeburg
nach Marienburg berufen, urn im Verein mit dem Pre-
diger HableI' in Marienburg, del' von Allen noch die
genaueste Kenntnis des ehemaligen Zustandes des
Schlosses und del' Bestimmung del' Riiume desselben
hatte, an die Wiederherstellung dieses, wie Schon sagte,
fUr jeden Preussen ebenso wichtigen ais heiligen Wel'kes
zu gehen. .Auf Schons Antrag bewilligte del' Staats-
kanzlel' Furst Hardenberg zu dies em Zwecke 9255 Thll'.
franzosischer Beutegelcler, und mit dies en geringen
Mitteln begann Schon das grosse Werk am 3. .August
1817, dem Gebul'tstage Konig Friedrich Wilhelms III.,
und forderte es, Dank del' allgemeinen Begeisterung und
Opferwilligkeit von Stadt und Land und del' weiteren
Kreise des Vaterlandes, sowie del' Mitgliedel' des Konig-
lichen Rauses. Doch nul' an die Wiederherstellung' del'
Ho chmeisterwo h n ung mit feisters grossem Remtel'
konnte man denken; die iibrigen fJ..'eile des Mittleren
Rauses und das Rohe IIans blieben ihrer einst herr-
lichen GewOlbe beraubt. (Del' nordliche Fliigel des
l\Iitteischlosses wurde zu W ohnungen fUr die Domanen-
beamten und den Proviantmeister eingerichtet, del' ost-
Hehe Fliigel und das Hochschloss blieben seit 1803 zum
Magazin eillgerichtet.)
.Abel' das Werk del' Wieclerherstellung wenigstens
des westlichen Fliigels schritt rustig vol'warts, und so
l::ll.ob sieh nach kanm 10 Jahl'en rastlosel' Al'beit. wie
!4>0' ji in die gesegneten Fluren del' N ogatniederung
stlliniiber1enchtend, das Hochmeisterscbloss, von dem
... .. ringel'el' ais Schinkel ruhmte: "Die Schonbeit
,,- 2
('1EP q
16
Gesch1chthches.
Stuben und Stiibchen mit vielerMtihe zusammengezimmert
nnd Getreidespeicher,W eberwerkstatten,Lazarette,Pferde-
stalle daraus hergerichtet!
Es soIlte noeh schlimmer kommen. In den ersten
Jahren des 19. Jahrhunderts machte ein Oberbaurat den
uns heutzntage ung:laublich erscheinenden V orschlag, das
Holle und Mittlere Schloss ganz abzubrechen und die alten
Ziegel - es gab ja deren eine ganz respektable Menge
- zum Bau eines neuen Magazins zu verwenden.
Glticklicherweise scheiterte das Projekt am Kosten-
pnnkte (!), aber die grause ZerstOrung del' Burg nahm
darum doch noeh immer ihren Fortgang.
Schon waren samtliche Gewolbe (mit Ausnahme des
del' Kirche) im Hochschloss und im siidostlichen und
nordostlichen Fltigel des Mittelschlosses eingeschlagen,
nnd man legte schon Hand an, urn den hen'lichen Giebel
am Mittelschlosse einzureissen - da wirkte ein scharfer,
.,v. Sch." unterzeiehneter Artikel "Rin Beispiel von del'
ZerstOrungssucht in Preussen", den Max von Schenken-
dorff im "Freimiithigen", einem damals viel gelesenen
Berliner Blatte, veroffentlichte, wie ein Blitz aus heite-
rem Himmel. Dem Minister von Schrotter, del' die
ZerstOrung del' Burg geduldet hatte, wurden die Augen
geofl'net, und Konig Friedrich Wilhelm III. befahl so-
fort mittels Kabinets-Ordre vom 13. August 1804, dass
flir die Erhaltung des Schlosses, als eines so vorztig-
lichen... Denkmals alter BalJ.kunst, aIle Sorge getragen
werden soIlte.
l Damals bekam die Burg einen Schutzpatron in ihre
Xahe, den Ober-Prasidenten v 0 n S e h 0 n, del' sich die
Rettung del' Marienburg zur Lebensaufgabe erkor. Er
regte schon ullterm 22. November 1805 die Wiederher-
f'tellung del' Burg an, "des schonell Dcnkmals einer
Zeit, in welcher die Begeisterung- flir das Heiligste er-
habene Bilder schuf, ktihne und grosse Ideen weckte,
nud den 1Ienscheu Beharrlichkeit und Kraft. zu ihrer
j
GescblChtlichei'.
17
AusfUhrung gab". 1m Dezember 1815, aIR die Not des
Vaterlandes ihr Ende erreicht hatte, wurdeu Schons
Y orschHige genehmigt.
Wiederherstellung.
Es wurde del' Architekt Coste noble aus .Magdeburg
nach Marienburg berllfen, urn im Verein mit dem Pre-
diger HableI' in :Marienburg, del' von Allen noch die
genaueste Kenntnis des ehemaligen Zllstandes des
Schlosses und del' Bestimmllng del' Rallme desselben
hatte, an die Wiederherstellung dieses, wie Schon sagte,
fUr jeden Preussen ebenso wichtigen aIs heiligen Werkes
zu gehen. Auf Schons Antrag bewilligte del' Staats-
kanzIer Fiirst Hardenberg Zll dies em Zwecke 9255 Thlr.
franzosischer BeutegeIder, und mit diesen geringen
Mitteln begann Schon das grosse "Verk am 3. August
1817, dem Geburtstage Konig Friedrich Wilhelms III.,
nnd fOrderte es, Dank del' allgemeinen Begeisterllng und
Opferwilligkeit von Stadt und Land und del' weiteren
Kreise des Vaterlandes, sowie del' Mitglieder des Konig-
lichen Rauses. Doeh nul' an die Wiederherstellllng- del'
Hoehmeistel'wohnung mit l\1eisters grossem Remter
konnte man denken; die tibrigen Teile des Mittleren
Rauses und das Hohe Haus blieben ihrer einst herr-
lichen Gewolbe beraubt. (Del' nOl'dliehe Fliigel des
}Iittelsehlosses wurde Zll W ohnllngen fUr die Domanen-
beamten und den Proviantmeister eingeriehtet, del' ost-
Hche Fliigel und das Hochschloss blieben seit 1803 zum
Iagazin eiugerieh tet.)
Abel' das Werk del' Wiederherstellung wenigstens
des westlichen Fliigels schritt l'iistig vorwarts, und so
b sich nach kaum 10 Jahren rastloser Arbeit, wie
-V £ 6 ct m in die gesegneten Fluren del' N ogatniederung
st\..\l 'ntiberleuchtend, das Hochmeisterschloss, von dem
.." ''1l'l'ingerer als Schinkel rtihmte: »Die Schonheit
, *' 2
'WlEP -'
18
GescblChthches,
del' Verhaltnisse, die Kiihnheit del' Gewolbe in den
Remtern, die Originalitat und Con sequenz del' Fsc;aden
am Hauptgebaude des Mittelschlosses sucht man anders-
wo iiberall vergeblich".
Das Hoc h s chI 0 s s blieb in seiner versunkenen
Pracht unberiihrt liegen. Erst im Jahre 1879 gaben
weitere Forschungen und grosser Jahre glanzende poli-
tische Erfolge neuen Mut zur Fortsetzung del' im An-
fang des J ahrhunderts kiihn begonnenen Arbeit, und
im J a\1re 1882 endlich - mnd 600 Jahre nach des
Schlosses Grundsteinlegung - wurde del' Gedanke einer
Wiederherstllung des Hochschlosses durch den da-
rnaligen Kultusminister, jetzigen Ober-Prasid,enten von
Westpreussen, Staatsminister Dr. von Gossler in die
That umgesetzt.
Del' Regierungs-BaumeiGteI', jetzige Geheime Bau-
rath Dr. Steinbrecht wurde mit del' Leitung del'
WiedeI'hersteUungsarbeiten beauftragt, und ihn riihmt
heute das neuerstandne schone Schloss besser als
viele W orte. Dank seiner unermiidlichen Thatigkeit
ist seit 1882 das Hochschloss im Aussern zu Ende
gebracht, im Innern und in del' Umgebung zum gross-
ten rreiIe fertig gestellt. In jiingster Zeit schreiten
die Bauarbeiten von hier zum Hochmeisterpalaste VOl',
wo sich ihnen ein weites Feld del' Thatigkeit aufthut,
denn es gilt, den absichtlich entstellten oder unabsicht-
lich verbauten Raumen ihre urspriingliche Gestalt zu-
I'iickzugeben und die einformig weissgetiinchten Wande
iiberall mit neuem Leben zu fiillen.
Die Staatsregierung, die mit einem jahrlichen Bpi-
trag den Bau vollenden hilrt, findet eine thatkraftige
Unterstiitzung durch den im Jahre- 1884 gegriindeten
" Verein fUr die Herstellung und Ausschmiickung del'
Marienburg", del' sich in qen ersten beiden J ahren
seines Bestehens die vollstandige Ausschmiickung des
Schlossinneren, seit 1885 ausserdem auch noch die For-
Geschichthches,
19
derung del' ausseren Bauthatigkeit am Schlosse zum
Ziel gesetzt hat. Del' Verein steht unter dem V orsitz
des Ober-Prasidenten, Staatsmipisters von Gossler in
Danzig. Del' Mitgliederbeitrag des Vereins betragt
jahrJich 3 Mark.
"Es ist nicht, wie so mancher . . . meint, das Ver-
Jiebtseilt unseres J ahrhunderts ins dunkle Mitteialter,
welches hier ein aites Mauel'werk wieder herstellen
mochte, nul' darum, weil es aIt ist, sondern was hier
den Menschen treibt und zur That bewegt, ist . . . ,
die Mahnung einer heiligen PHicht und die Erkenntnis
des Gliicks, welches Preussen mit so wenigen Landern
theilt, den art noch erretten zu konnen, von welchem
seine Bildung, seine Herrlichkeit, seine Ma.cbt nnd Grosse,
ja sein ganzes Dasein ausging." (J oh. Voigt, 1823.)
Die Id:arienburg erfrent !:;ich, wie des lebhaften In-
teresses weiter Schichten del'13evolkerung, so VOl' AHem
auch del' regsten Anteilnahme unSl'es Herrscherhauses.
Wie Kaiser Friedrich noch als Kronpl'inz, so fordert
jetzt Kaiser Wilhelm die Banthiitigkeit am Schlosse
dnl'ch seine rege und sachknndige, bis ins Einzelne sieh
el'streckende und das Ganze tragende Fiirsorge.
Bei solcher Zeiten Gunst steht zu hofrell, dass in
absehbaren Jahren sowohl Hochschloss wie Hoch-
meisterpalast ihl'e V oHendung erfahren "getreu in alter
Gestalt, el'hoben abel' zu neuen monumentalen Wiil'den
als Kaiserliches Schloss" (Steinbl'echt).
Die Stadt
Marienbul'g ist Kreisstadt im westpl'eussischell Re-
gierungsbezirk Danzig, sie hat etwa 10500 Einwohllel'.
Naheres auf S. 75 fr. im Anhang und auf del' Riickseite
des Stadtplans.
2"
20
Geschlchthches,
Der Kreis
Marienburg enthalt 3 Stadte (Marienburg i. "\Vestpr.,
Neuteich und Tiegenhof), 130 Landgemeindell und
4 Gutsbezirke. Eisenbahnen ftihren VOll l\'larienburg
libel' Dirschan nach Danzig, uach Berlin und nach
Bromberg, libel' Elbing nach Konigsberg und Eydt-
kuhnen, libel' Deutsch Eylau nach Mlawa und Warschau,.
libel' :Mal'ienwerder nach Graudellz und Thorn, libel' .
Miswalde nach Mohl'ungen und .LUlenstein, libel' Kalthof
nach Wernersdorf bezw, Lindenau und :N euteich.
A.usserdem ftihrt von Simonsdorf (bei l\farienburg) eine
Eisenbahn libel' euteich llach rriegenhof. Das :Marien-
burger 'Y erder, die Niederung um l\Iarienburg, ist
wegen seiner Fruchtbarkeit weit und breit bekallnt und
berlihmt. Del' Kreis :\In.rienburg ist reich an w()hl-
thatigeu Stiftungen.
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Der Schloss.ElDgang nach dcr Rcno'atlon vom Jahre Ib5U.
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Fuhrer durch das Schloss.
Vom Bahnhof zum Schloss-Eingang.
"renn wir yom Bahnhof dureh die Langgasse
kommend, am Schanzenplatz yorbei iiber den
M:iihlengraben gehn, ulld am Neuen "Tege VOl' daR
Schlo&8 treten, dann Rtehn wir VOl' del' Ostfront des-
sclben. (.Abb. S. 22.) Zu unsrer Linken, d. h. im Siiden,
dehnt sieh das Hochschloss aus, jetzt im erheblich er-
hbhtell Daehe mit hunten \ erglasten Ziegeln (griin, gellJ,
braun) gcdeekt und am Siidende mit einelll 'on z\, ei
Tiirmchen eingefasstell Giehelbau gesehmuckt. Hoch ragt
ZU UIlsrer Rcehten del' hlendenreiehe Glockenturm
lieI' Burg elllpor. JIm ziert seit 18!)O euenfal1s ein neuE's,
uunteR Daeh, und an del' hocbsten Spitze die gold-
&chilllmernut-' Gestalt einer libermallnsgrossen Ritterfigur
im Harnisch.
.An dcn 'rurm rciht sieh nach X orden zu die
Kirche zu St. larien mit ihrem unter Dietrich von
Altenburg (1335-41) \, eit vorgeuauten neunteiligen
Chore an, .Am Fusse def; dl1l'ch einen zierliehen und
doch etwa viel'mauusItohell Dacbl'eiter (ein Glocken-
turmcLen mit Fahne VOll 1G47) leicht gekronten bunten
DacItcs crhcben sieh t-eit 18!H an diescm Chor neun
sehmucke dreieckigc, Kreuzhhllnen tragende Giebel,
zwischpll deneH 8ich, die trebepfeiler lies Chor nach
ob('n hin abs('h1icRsend, gef,i11ige Fialcll (von vier Saulen
getmgene 'riirruchen) erheben nus n.enen \\ iederum
8tE'iueruc Daehrinnen, 1f aRserspeier, \\ ie Znngell heraus-
ragen. A 1H'h Ji(" mIter dol' Kil'(;he 1iegentle St. .AnnCl1-
kape11e, llie Ifoc1lmeistergruft, - dllR gl'osse Spitzbogen-
22
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Vom Babnbof zum Scbloss-ElDgang.
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Hochschlossturm )laflelJklrL!It., GI.j( kllerhaus, Pfnllentullll.
(Pilot, Fen!. 8ch", !lfl, .\l:mcnlJurg.)
,...
"-
Vom Bahnhof zum Schloss-EIDgang.
23
feoster nnterhalb des Marienbildes spendet ihr tIas Licht-
hat ihren Ziergiebelkranz seit 1895/96 wieder znriick-
erhalten. Dazwischen griisst nns in stiller Grosse von
del' vordersten Nisehe des Chores her das altehrwlirdige
Madonnenbild. (A.bb. S. 22.) Es stellt die Jungfran
.Maria mit dem Christnskinde auf dem Arm dar. Das
Bild tritt aus dem goldnen Hintergrunde einer Maner-
Llende, deren Seitenwiinde himmelLlan gefiirbt nnd mit
goldnen Stemen besiit sind, hoch hervor und ist schon
aus weiter Ferne sichtbal'. Flir «liese Wirkung aus der
Ferne ist es auch Lerechnet, und daher machen die
libergross erscheinenden Teile des Eildes aus del' Xiihe
uetl':lchtet auf den ersten Blick einen eher befremdlichen
als wohlthuenden Eindruck auf den Beschauer.
Die l\ladonna ist dargestellt mit goldnem Gewand
uud weit umwallendem, mit goldnen V 6geln verzierten
rotell lantel. Auf dem Haupte hat sie eine Krone,
nnter del' cin weisser SchIeieI' hervortritt; die rechte
Hand hiilt ein metallenes, vergoldetes Scepter, Das
Christuskind hat ein rotes, mit golunen Blumen ver-
ziertes KIeic1 uud hitlt in de]' linken Halld elue vYeIt-
kngel, wiihrend seine Rechte an 'larias Brust ruht.
Die Figur tier Madonna ist etwa nl, die des
Christuskindes 1,88 III ltoch. Del' Kern des Bildes
besteht aus fester Stuekmasse, auf "elcher in weichem
Stuck farbige Glaspasten eing-cdruckt sind. Diese Pasteu
siud vou undurehsichtigem Glasfluss, meistens viereekig
und vou 1-3 <{em Grose, Die Goldpastrll bestehen
:lUS rotem, lOit eiuem Goldblattel1en belegtew Glasfluss,
welcher lllit ciner UUnnE'1l llurchsiehtigen Glaspla.tte
llucrschmolzeu ist,
Das .Moaikbild stalllmt vielleicht am' uel' Zeit ''lin-
riehs vou Knipl'ode; N' ist woh] cinzig in ::leinoI' .Art
ulld hat eineu hoheu kunstgeschichtlichell 'Y crt. -
Ei!lt schaute die ..Madonll3. wie segnend nul' die
Bittt::l' hill, die Hue Burg verlie:,seu odel' wiedr betreten
24
Vom Be.hnhof zum Scbloss-Emgang,
woUten. Die Sage erzi,hlt, dass einma] wahrend del'
Belagerung del' Mal'ienburg dureh die Polen ein feind-
lieher Sehiitze sich unt-erfing, sein Gesehiitz auf das Bild
zu richten, urn es zu zel'triimmern und damit die Macht
des Ordens zu brechen. Doch das Gesehoss praUte
vom Bilde machtlos nb, und del' Shiitze erblindete auf
del' Stelle znr Strafe fUr seine Frevelthat,
Unterhalb del' l\Iarienkirche, au die Annenkapelle an-
stossend, zieht sich zur Linken des Bechauers jetzt die
innere(Pm'cham-) B e fe st igu ngsma u el' hin, am Stidende
ihren A bschluss in einem Maucrtnrme findend. VOl'
ihr und niedriger als sie erhebt sich in del' ganzen Breite
des Schlosses die aussere (Graben-) :\l3.uer, an deren
Fusse einst des schiitzenden llausgrabens \\T asser standen,
Das llauschen, das dort zwischen del' .Marienkirche
und dem breiten, zinnengekronten rrurllle steht, stellt
daR einstige GlOcknel'hans Zll St, Annen dar. Del'
eben erwallllte Turm diente zur Ordenszeit del' Priester-
schaft des IIanses znr W ohnung; er heisst del' Pfaffell-
turm. Scit 1680 "ar an seiner Stelle ein kasernen-
massiges Gebaude, ein J esuitellcolleg, aufgefiJhrt, welches
erst 18R9 yom Erdboden verschwundell ist, um einr
Reconstruction des urspriinlichen dort vorhaI1l1enen
Bauwerks Platz zu machen, dns gleiehzeitig gegen Be-
Iagerungell die Lucke an del' Kirche einst zu schiJtzeu
hatte. In kllrzem Abstand VOlli Pfatfellturme sehn "ir
den SiidgiebeI del' sogenannten "Gastkammern" auf-
ragen, In den Hanmen dieses Hauses fanden die ZUlli
Besuch im SchIosse weilenden Gaste - nnll derTIoch-
rneister war behr gastfrei - sr. }l;t. ihr Ullterkollimen.
Das kIeinere, auch \ 011 aussen durch die scharf ab-
gesetzte Zwiscbcnmauer deutlich el'kellnbare Stuck heisst
man "die hohen" odei' Siid-Gastkammf'fll, das gl'osmre,
nordlichere "die niederen" oder Xord-Gastkumruern. In
jiingster Zeit sind Jie urspriinglicheu G iebelstucke wieder
an des Rauses Dachrand angebrRcht, Dcl' 'l'Ul'lD in cler
In den Hof des Mlttelscblosses.
25
Nordostecke del' Burg, ii1J*i'f dem Schlossgraben, ist
Grosskomturs Danzk*), (
. Wir lassen zn 11nsrer Rechten das Schnitzthor liegen
- in ihm befand sich einst die Werkstatte del' .Armbrust-
,md Pfeil-Schnitzer - und biegen nach links um die
Ecke. Do. ist ziemlich in del' Mitte del' :K ordflucht del'
Burg das Eingang!:!portal fUr die Schlossbeucher. In
den Raumcn zur Linken dieses Portals wohnte einst
del' Stellvertreter des Ho<'hmeisters, des Ordens Gross-
komtur; zur Hechten de Portals breitete sich die Herren-
Firmo.rie aus, eill Erholnngsort fUr die kmnken und die
alten RitterbriIder, Seit 1897 ist del' ganze Fltigel,
del' bis dahin \Y ohn- und Dienstraume fUr den Landmt
u. s. w. enthielt, vollstandig geraumt Die hasslichen
.Fenster sind ansgebrochen, die inneren Rdume "erden
jetzt im nlten Stil renoviert.
Zum HochschIoss.
Wir tretell durchs Portal in den Schlosshof. Links
sehn wi I' die ktirzlich wit 3 vorspringenden Giebelbauten
und mit den in alter Forlll "icderherg-estellten schbnen
Spitzbogenfenstern geschmiicktc Illllenseite del' Gas t-
kam III ern. Gallz am Siidcnde dieses Fltigels, nach dem
Scblosstnruw zu Hnd hart am "trockenen Graben" ist die
vordem ganzlich zerstOrte Bartholomanskapelle mit
ihrcr in den Schlossho[ hineim ngelldell \T orhalle "ieder
aufgelmut,
Die G:lstkalllllJCrn waren im Jahre 1803 in ein Kriegs-
magazill llII1gewalldel t "orden, nnchdem man samtliche
GewolLc eillguschlagen nnd an Stelle del' friiherE'n Spitz-
Lugenfenstcr, die man vermauert, Speicherlukt)n ange-
}Jracht hatte. -
Den Gastkammcl'l1 gegentiber, als Westtliigel des
:Mittelschlosset!, steht IIochmeisters Palnst mit dem
sich Jlordlich dm all schliesseuden grossen .Festremter.
*) "f)Hlll.k" flucr ,.Dunzkcr Jl:IIUlt man rlie \h(lrte.
26
Zum Hochschlo!!s.
Hochmeisters Palast tritt gegen den F estremter etwa.
6,30 Meter in den Sehlosshof und ebenso nach del'
Nogat hin (nach Westen) bedeutend VOl'. Er ist rings-
urn mit Zinnen gekront.
Del' gegen Westen vorspringende Fliigel erhebt sieh in
vier Gesehossen, namlieh dem unteren, dem oberen Keller-
geschoss, dem Erdgeschoss und uem Prachtgeschoss, die
im Wesentlichen die gleiche Einteilung zeigen. . Die
nach dem Schlosshofe und nach del' N ogat zu gelegenen
Fassaden zeigen reichere Yerzierungen als die iibrigen
Teile. Die Fassade nach dem Schlosshofe (Abb. S. 27)
mIlt durch ihre zierliche Schonheit, ihren leichten uod
1ichten Bau auf. Auf starken, viereckigen Strebepfeilern,
welche bis an die Feosterbrtistung reichen, tragen sechs
schlanke Granitpfeiler, deren Kopfgesimse mit ver-
:;chiedenen Darstellungen in erhabener Arbeit verziert
sind, starke Mauerbogen, iiber denen sich die Zinnen
abkanten. Diese Pfeiler sind zur grosseren Sicherheit wit
del' dahinter liegenden \Vanu in ihrem oberen rreile durch
Bindesteine verbunden. Die Stid- und W estfasade
ist ebenfaIls mit Strebepfeilern versehen Yon deu-
elbell sind in dem vorspringenden westlichen rreile,
welcher im Prachtgeschoss ilohmeisters Sommer-
rem tel' enthalt, vier durch schlunke achteckige Granit-
pfeiler in Rohe del' Remtel'fenster nuterbrochen.
Die inneren Raume des )littelschlosses
werden auf S, 47 f1'. beschrieben.
""ir wendell uns zunachst zum
Hochschloss.
Diesel' Teil del' Burg ist durch die neuesten \Vieder-
herstellungsarbeiten (von 188 au) uo.hezu fertig gestellt
und giebt ein klares lli1d yon dem Zustnnu del' Burg,
wie sie einst die deutschen l{itter schnuten. 'Wer
zuerst das fertige Hochschloss besucht hat, sieht Jen
Fuhrer !lurch das Hochschloss.
:H
unfertigen HocbmeisterpaIast im :Mittelscbloss gleich mit
gnnz anderen Augen all.
f
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It .r
1,- J:-
-
1
f.
II
'I\'
FlDgnll!! .lUlh 1I0ChEChloE'!. Rechts HochllH!lst(jrpalat,
Das ] [ucltehlosf', uueh uas Hohe odeI' H.eehte llau!4,
ist del' a.lteste Tcil del' lnriellburg. Es bildet ein
28
Hod}('hlo:;
regelmassiges Yicreck, dns einen llor yon et'\\ a 32 m
Lange und 27 1lI Breite umschliesst., -
Da naeh dem A uszug-e des Ordells fUr das Hoeh-
schloss weuig odeI' garnichts gethan "fir, "Ill' es arg
zerfallen Hud zel'bl'ochen, oft und g-riilll1lich nmgebaut,
yon 'fl'odJerbnden und Branntweillschenken eir.gez\\ angt,
als :Maden burg ilU Jahre 1772 nn Prensscn tiel. Dalln
wurde es zu eilJerKn.serne eingerichtet, wobei die
Gewolbe nocll geschont wlln}en. K ach del' Stadt hin
wurde im SlidftligeJ ein neuer Eillgang durehgebroehen.
Del' Kl'enzgang "urde an <.len Slid-, 'Vest. und Ost-
ftligeln abgebrochell und statt dessen ein aus Fach-
werk hergestelltel' Y ol'bau bis an das Dach auf-
eftihl't uud die Fltigel auf dic&e \Veise verbreitert.
Die Schiessscharten und Fenster wurden vermauert
und statt ihrer nene Fenster ohne Hiicksicht anf die
vorhanden gewesenen eillgelwueu und mit einem flachen
Bogen liberwOlbt, Die Aussellwande wnrdelJ mit Kalk-
putz bewol'fen, und dieber wieder ziegehu tig angebtrichen.
So bJieb es his 1801, als ans del' Kase1'lle cin Speicher
wurde. J etzt wurdcn samt1iche GewOlbe eillgeschlagen,
del' Schutt in die pnichtigen Kellerraume ge\\ orten und
diese damit zum Teil am:geftillt. Die vier Fltigel
wurden, mit Ausuahme del' Kirche, in niedrige Schlitt-
boden eillgeteilt, und in dell 'Y lilluen kleinc viereckige
Speicherlukell angebmcht, Auch del' letzte Rfst deR
Kreuzganges, del' am .N ordflligel 110ell erlm]t('lJe 'reil,
wurde ganzlich abgebrochen, gli.icklicherweise aber nicht
wie die Ubrigen 1.'eile uurch einen V Ol'bau ersetzt, so
dass diese \Vand unverdeckt blieb. Unbel'ilhrt bei lliesel'
Umgestaltung bUeh nul' die Kirchc; t'reilich war del' ur-
sprlingliclte Aufgang zum Eingallge derselben mit uum
ltztell Rest ues Kreuzgangs verschwlluueu uuu dureh
emeu andel'D, weniger cbollcn, crsetzt,
III diesem traurigen Zlltaude tlieb UD.& IIocLschlo
lange Zeit. Da erhielt zuerst del' 13aurat Blallkelltein
w
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KordweSleckc dcs Ho('hschloses.
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(l'l1ot. FI.-fu. Sch\\ ar?, \rarIenlJurg,)
29
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30
Hochschloss.
vom Ministerium den Auf trag, eine Aufnahme samt-
Hcber Raume del' Marienburg und einen Anschlag fUr
die etwaige "'"iederherstellung des Hochschlosse& zu
fertigen. Er entledigte sich diesel' Aufabe in den Jahren
1691871, wobei er durchWegbrechen von neuemMauer-
werk, Blosslegen alter Fenster, ,Abhacken des Kalkputzes
wieder einen Einblick in die urspl'iingJiche Gestalt und
Einricbtung des HochMchlosses gewann, Dabei bUeb es
aber vorhiufig. Die eigentliche Wiederherstel1ung begann
unter Leitung des Regienmgsbaumeisters Matz erst 1881
mit del' griindlichen Untersuchung del' \\T andflachen
und GewOlbe in del' Schlosskirche und mit Beseitigong
del' Kalktiinche, durch die im 17, J ahrhundert die
Bemalungen del' Gewolberippen und del' 'f andflachen
unter den Fensteroriistungen verdeckt worden waren.
Seit 1882 hat dann del' jetzige Schloclsbaumeister
S teinbrecht die Arbeiten am Hochschloss geleitet, und
nun stebt das Hochschloss im AUBseren in einer nrspriing-
lichen Gestalt dft. Es b1ickt, wie VOl' Zeiten, die Horigen
'rei1e del' Burg weit iiberragend, kiihn in Land hinaus.
(Abb. del' Nordwestecke des Hochschlosses auf S. 29.)
An del' K ol'dwest-, SiIdwest- und Slidost-Ecke er-
heben sieh schhlDke, zinnengekronte Turllle, zwischen
bezw. neben denen die bpitzen Giebel, mit Tiirmchen
und Kreuzblumen aus Sand stein reich verziert, hoch
emporragen. Dnd das Gauze iibel'scbaucud, erhebt sieh
neben del' ScbloEskirche del' 62 m hohe Schlossturm.
Die Aussenmaueru des ILochschlosses zeigen, wie
ehedem, cine grosse Anzahl rrrosserer un,l kleinerer
bpitzbogenfenster und Schies8charten. Rings uuter
dem Dnche zieht sicn naeh aussen und urn den inheren
Hof ein verdeckter \Vehrgan rr mit zahlreichen fiach uber-
\\'Olbten kleinen \ erteidigungsoffnullgell. (.A bb. S, 29.)
Fuhrer durch das Hochschloss.
31
Zur Besichtigung des Inneren
lwmmen wir Yon del' Zugbrticke aus, die vom Scbloss-
hof nach dem IIaupthause ftihrt, zunachst an das
Y orthor. Es ist iiberdacht und mit dem Rilde eines
Hochmeisters (Original in Birglau) geschmtickt. Ibm
zur Linken (ostwarts) steht Thorhiiters "vV' arte", ein
achteckiger, spitzer Wachtturm, an den sich die Um-
wabrungsmauel' des Nord-Parchams, bis zum Pfaffen-
turme hin, anschliesst. Rechts lehnt sich spitzgiebelig
das Pfortnerhau8chen an das Vorthor an und weiter-
hin del' Rest del' Pal'chammauer bis zu dem runden
Mauel'ttirmchen hin, bei dem sie nach Siiden ZQ umbiegt,
urn die Westseite des Hochschlosses zu decken. Diose
ganze A.nlage erstand im Jahre 1894, nach Freilegung
del' Grundmauern, aus einemTriimmerhaufen. (Abb. S. 29.)
Wir ilberschreiten die Briicke iiber den trockenen
Graben, del' das Mittelscbloss vom Hochscbloss trennt,
und gelangen durch die kleinere Pforte des V orthors
in den Zwinger. Beiderseits ill den starken Mauer-
wanden, die ihn einsch1iessen, ftihren Pforten in den
Parcham, d. i. in den terrassenartig zwischen dem
Schlosse einerseits unu der inneren :\fauer alldrerseits
liegenden geraumigen U mgang. Durch oas hohe, in
schlanker Niscbe stehende lIaupttuor und den schl'agen
'rIlOrweg eilen wil' zum Ilochchloshof. (Abb. S.32,)
Tn seiner Mitte steht, \on geschmackvollem Brunnen-
JJ a.uschen i.iberdacht, del' 20 m tiefe Windebrunnen.
Y un uelll ringsum sich hinziehenden Kreuzgullg des
Erdgeschosses (mit 1'01lnengewolbe) fuhrt eine Reihe yon
Eingangcn zu UCll machtigen Kellerraumell. Am siid.
liclJsten Eude der \Vestwand geht mall in die Con-
v e n t s k ii c he; del' ilraten steckt am Sp,iebs, die Koche
bind eillst\\ cilen nicht zn fillUCl1. Ein Blick yom Schlosb-
hof ill die Hohe zeigt un den ringsum Jaufenden
Kreuzgang deR Hauptgeschosses mit seinen ent-
ziich.cndcn 1\:fasswerken iJU Ban vollendet.
32
Fuhrer durch uas lIochschloss.
Aus dem Schlosshofe flihrt dicht am Thorweg eine
gerade 'l'reppe, welehe oben mit einer sebop gearLeitten
Kalksteinumwehrung umgeLen ist, in eincH geraumlgen
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I i"tut t
-t -,
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UI\\'3\!\
IIochs<..hlosshof.
Flur, welcher iru 'Yestcn dllrch cin ruit Glasmalerei
geschmticktes Fenster erhellt wird. Links neLen diesem
Fenster fiihrt in uer ausserell MfLHer einc cl1ge Wendel.
treppe nach den olJercn Stockwerken.
Fuhrer durch das HochchIos!!.
33
Aus dem Flur treten wir durch eiuen hohen ofl'enen
Bogeu iu den oberen Krcuzgang und haben nUll Gelegen-
heit, die zahlreich diese Kreuzgang-Laubcu und ihre
Krenzgewolbe sclnntiekeudcn Skulpturen (hier, wie uoell
nil eilligen allderen Stell en im Schlosse yon Professor
Be h l'e 11 d t nus Herlin geschatfen) ans del' X ahe zu be-
wnnderu llnd au Jetll rrotaleindruck des Ganzell nns zu
treun. 1st's nn nicht so, als mtisste jeden Augenblick
ein Ritterbruder im wallenden weissen 'Iantel lllit dem
sohwarzen Or(lenskreuz, oller ein Priesterbruder in seiner
Kutte uns begegnen?
.Ans dem Kreuzgang kornmen wir <lurch eine zur
Linken befindliche reich gesohnitzte Tlnire in den
KapiteIsaaI,
in welcllem siell ehemals an den gl'o::.sen Kapiteltagen
die OrJensgebietig-er und Komture aus allen Landen
zur llaehmeisterwahl versammelten und uber die An-
gelrgeuheiten ues Orueu1'5, tiber Krieg und Frieden be-
deteIl unll Eutbeheidung tmfell,
OaR GcwOlbo des Kapitelsanls ruht auf drei schlanken
Pfei1ern, deren Kapitale aus )Iarmor in kiinstleriseher
Austiihrung <.lie urei Ordensgeltibde sinnbildli('h dar-
stellen. l<Jrhellt wird del' Saal durch 6 nach <.lem Schloss-
hafe, 3 nnch \r esten \lud 4. nnch dem Kreuzgange ge-
legene Spitzbogeufenster. Sic zeigen iu Glasmalerei
ITocllmeistcJ'. und Lauumeisterwnppeu. Del' Fllssboden
hut farbigcn Flieseubelng. In .er schmalen ostlichen
WantI befIndeu sieh li kleille Offnungcn, welehe naeh
uem Sangerchol' in del' fwgrenzcnden K.irche flihren
\llHl uuzu uestimmt waren, ua Hineintonell des Gesanges
iu deu Krtpitelsaal zu vermitteln. III cler Langswaud
naeh <.lem Kl'eutgallg zu sinu zu beiden Seiten del' Thlire
tiefe Mnuclnischeu, welche mit 'rhtiren versehen \fnren
und zul' ..\_uflJewahruIIg yon Dokumenten dicIlen mochten.
s
34
Fubrer durch tla3 Hocbschloss.
Yon del' dem Hof des .Mittelham,es zugekehl'ten Wand
tretell nns zwei Gemalde entgegen. Das liuke stellt dell
ErzengeJ :\lichael dar, wie er den Drnchen del' Sunde Le-
kampft, das andere zeigt nns den Heiland am Kreuz,
Sunde und 'fod besiegeud, nud daruuteJ' im Bilde die
personificirten Ordeustugendeu: Armut, Keuschheit und
Gehorsam. 'Venden wir uns nach rechts, so s(;haueu
die Bilder del' ersten Hochmeister, von Heinrich
von W nlpot an, auf uns hernieder, sprechende Gestalten
ringsum, auch an del' Sud- unO. \Vest" and, bi::, hin zu
Konrad von Erlichshausell, dem vorletzten del' IIoch-
meister, die in Marienburg regierteu, (Seiu:N achfolgeL'
Ludwig von Erlichshausen musste im Jahre 1457 VOl'
den Polen aus del' Burg £lichen.) Yor dem Hiuaustl'eten
aus dem Saale bleiben wir betrachtellll \ or dem Hilde
del' :Madonna mit dem Jesusknaben stehn, die auf
einem 'fhrone sitzend dargestellt, ihr zur Rechten nnd
ZUl' Linken je eiue ]ngelsfigur, von del' Nische libel' del'
1'hul' auf den Beschauer niederblickt. Alle diee Ge-
m(ilde schuf die Kunstlerhand des Professors S c Ii ape I'
ails Hannover, und zwar die HochnH'isterlJilder unter
.llcnutzung alter fiU den 'Yanden Hoeh erhaltener Bildreste.
Del' Kapitelsaal hat lilJrigens eine herrliche A kustik,
'\Yenn wil', aus dem Knpitelsaalc kommend, dell
N or(lkreuzgullg eutlang gchn, so treffen wir zu-
nachst in del' 1inken \Vand auf {:ine ThiJre, die in
eineu eugen in del' Mauero.icke del' Kirchell\\ and
gelegenen Hinglicheu, tonnenge\\ oILteu L{auLll luhft.
!n de del' Kirchc zugewandtell Schildbogcn sind drei
l.. eslchtshohe bcfindIichc, mit KIappcll Yll'schliessbare
Ofinungen angebracht, welche eillen Blick in die Kirehe,
nnch dem Hochaltal', gestatteu, Diesel' HaulJ1 lw.tte dell
wcck, ,,ie Bruuer, ,\elehe znr Buoce sitzCIl", aufzll-
nehmen, die nacl. o.en Ordensregelu fur die Dauer dcr
Busse Yon del' Bruder Gesell!::ichaft nnd VOll delll gemeill-
schaft1ichen Tisch "zu ondel'll" wnreu.
Fuhrer dUTCh das Hochschloss,
35
Eine zweite schmale Thiire filhrt zu einer In del'
Mauerdicke liegenden engen Treppe, auf del' man zum
Sangerchor hinaufsteigt. .
.Am Ende des Kreuzgaugs gelangen wir schliesslich
zu del' dllreh Ialer Grimmer (aus BerJin) neu "ieder-
hergestellten, aus del' iiltesten Bauzeit des Schlosses
stammendeu, wahrhaft "goldenenl)forte", dem ca. 21/2 ill
in del' Mauerdicke liegenden Eillgange zur Ordenskirche.
Die Seitenwande dieHes Eingangs} welcher eine Y orhalle
bildet, fo5ind mit rohen und verglasten Ziegeln bedeckt,
die wunderliche Tierg-estalten zeigen. Die" eit vor-
treteuuen Gewande uer Spitzbogenthiire haben kleine
Stabsaulen illit hliitterverzierten Kopfgesimsen, Auf den
J>feilersaulen sind rechtR die fimf thoriehten Jungfrauen,
die Lawpcn mngekehrt ha1tcnd, Jinks die fiinf klugen
J ungfrauell, die Lampen aufrecl1t trag-end, in rotem,
gebl'anntem Thon darg-cstellt. Die rlrei Felder del' Wand-
DacIte iilJer c1f.:n glasirten und verziprten Flieseu stelleu
.Iar: faria und Joseph mit dem J esusknuben auf del'
vVanderuugj Maria und Jo::,eph allein und den Jesus-
knaben, u dessell Seiten je ein bartiger )Iann mit
eiueJll Spl'lIcItbanc1e kniet. Die emporsteigenuen Hogen
sinrl1l1it Bl<itterschmuck, ill "elchem aLenteuerliche rrier-
gebilde ItervorIugen, reieh \ erzieri. Diese Skulpturen
illd und waren mit Fm'ben uud Y crgolduugen ausg('-
stattet, woher del' :x Ullle "goldcne Pfone" genommell
seiu wag.
Durell die&c hcrr1ithc Pforte kommen wir in die del'
Sehutzheiligeu des Ordens geweihte
Marienkirche.
Einc Pracht und SChOllhcit umgiebt uns hier, dass "ir
iiucr aIle111 Ans(;haUll \ crgessen, dell Meibter zu Leglilch.-
wiinscllell lIU<l zu hencidell, del' da g-escLafJ'elll Und
Hun LcleLt sich UU\\ illkilrlich del' ganze Haum \ or unserm
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Fuhrer durch das Hochschloss.
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Iarlenklrche.
Fuhrer durch das HochschJoss,
37
Geiste. Yon del' kunstreichcn, praehtvoIlen Sanger-
cmpore zu unsrer Linkeu erschallen Lougesange zur Ehre
Gottes, ringRulU lausehen Hittel'ul'iider des Deutschen
Ol'dens alldaehtig den frommen Klangen, und am Hoeh-
altar, all1 Ende des erhohten Chors, in dem die Priester-
schaft im prachtvol1sten Gestilhle sitzt, celebrirt del'
Priester eine feicrliehe )Iesse, - ,\Yir schreiten durch
den Lettl1er hindurch Lis zu del!) reich mit Gold und
vieltm Piguren gesehmiickten Hocbaltare "\01' (ALL. S. 36)
und \\ erfpn einen Blick zuriick binein in die Kircbe. Da
zeigt sieb uns ein ullvergeslich Bild. Die berrlichen Chor-
stithle, die lllannigfuchen alten \Va.ndbilder, die teilweise
Hoeh mittelalterlicllell Bildfenster (Christus-, )farien-,
Propheten-, Apostelfel1ster), die in leuchtenden ParLen
schill1lllcrndell Gewblberippen, die bUllten, goldstrotzeu-
den Lichtkwllen, das imposante Lesepult aUR Erz, del'
,\ undcl'vol1 gCbchnitztE:: Hoelnneisterstuhl mIl Elide d('s
Chors -. delln als "eltlicher und geist1icher Herr zu-
gleich batte del' Hocbllleister seinen Ehrensitz unter
den Pricsterbriidcrn -, del' mnsterreiche Fliesenteppich:
aIles ibt schou, unu das Auge \\ eiss nicht, wohin e
voller Lust zuerst hiublicken ;:,011. Wit' mu:;s es erst
grwesen sein, als in des Urdells Bliltezeit in solchem
weihevollen Hnmne eine siegge\\ ohllte stolze Ritterschaft
VOl' ihrem JIimmelskonig, ihrer Himmelskonigin demiitig
sich ill die Kniee wart'! - -
Die Kirche ist et\\ a 43 III lang, 10 ill hreit, 15 m
hod!. Dn Altarellde ist dreiseitig ges<:hlossen nnd hat
kein Feu::,ter, dagcgen nach aussen eine tiefe ische mit
Jem :Mosaikbildc (leI' J ungfran )Iaria. (S. 22,)
Ursl'riil1g1ieh l1atte die Kirche nicht ihre jetzige
Grosse, sic chloss viellllehr im Osten lllir del' ansserell
l\Iaucl' dct:; Ostfliigels ah, Erst del' Hochmeisrer Dietrich
yon Altenburg verglossel'te sie nach Osten durch einen
AnLau, iu ucsbcn ErdgescLoss er die St. .Annenkapellf'
und lintel' diesel' die Hochmeistergl'utt anlegte. Das
38
Fuhrer durch Jas Hochschloss.
schone Sterngewolbe del' Kircbe iiherspannt obne Seiten-
scbiff die ganze Lange und Breite del' Kircbe in gleicber
Hohe. Die Au::!!aufer des Gewolbes lOsen sicb in 18-
kurze, balbgeteilte, achteckige Pfeilerstiicke aUS Kalk-
stein auf, deren unteres Eude einen kleillen zierlichell
Tbronhimmel bildet. U nter jedem diesel' rrhronhimme1
stebt die Figur eines lleiligen auf Postamnten, welche
:Jlenscbengestalten sowie Tier- und Tellfelsfratzen zeigen.
Etwas tiefer zieht sich rings nm die Kirche cine llllunter-
brochene Reihe kleineI' Spitzbogen hin, deren vV'tntl-
feldeI' mit Gemilden uud Spl'uehell bedeckt sind. Da
eine Bildfenster, das Hoffenster, wa]' aus Bildteilen zu-
sammengesetzt, welche del' Oberpl'asident von Schon aus
del' Iinoriten-Kirche zu Thorn fill' die larienburg er-
worben hatte; das zwcite Biltlfenster stall1Dlte aus delo
14.. J ahrhundert und hat seinen Ul'prllng zweifel108 in
}Iarienburg. Die Bruehsttieh.e t.lieses }"ellsters sind zu
einem:\ledaillon. und einem Figurent'cllster erganzt, welehe
wir jetzt im Chor;:)chluss del' Kirehe bebell. Die iibl'igcn
Fenster sind durch sehr geluugene Grisailles mit l'eichem
Fal'benschmuck fillsgefiillt, welchc in liem Konig-lichen
lnstitut fUr Glasnmlerei znCharlottenhnrg ltergestelltsilld,
1m Chorschluss Lefindell sieh Zll beilien Seiten Thilren,
welche in kleine gewolhte l{,aume - Sakristeien -
fiibren.
Die schmale Empol'e an lier \Vestwand del' Kirche,
zu welcher vom Kreuzgange ails die oben erwahllte
Wandtreppe fiihrt, ist nach 'Vestell durch drei tiefe
ischen und nnch del' Kirche zu durch einen aut' zwei
Sa-ulen gestiitzten, achtel"kig vorspriugenden Altan mit
hohem ::\littelbau erweitert. und hnt cine reiche, ::;tatt-
liehe Briistung aus Stuck. Die Empol'e diente fruher
als Sangerchor, der ltan als Stand deB Gesangleiters.
Unter del' Bmpore, und Z\\ ar in del' :\litte zwischen den
beiden Sail len, welehe den Altan trH,gen befindet si<.:h
ein schmaler Thul'eingang, welcher iu' eincn kleincn.
Fuhrer !lurch das Hochschloss.
3
quadrath;cben, gewolbtell RaUID fiihrt, Diesel' Raull1
war wabrsrheinlich das Sanktuarium, zur Beisetzung del'
geweihten Hostie wahrend del' Charwoche. Au del'
Nordwand gegeniJ.ber dem Eingang del' Kirche, hangt
ein altes grosses Cl'Ucifix, aus IIo]z geschnitzt, von
kiinstlerischem "\Yert. -
Draussen, VOl' uem Ausgaug del' Kirclte, wird del'
Wanderer durell eine DarstelIllng LIes CrucifiAes zur
Linken LIeI' goluenen Pforte an die :\10rdthat jenes
schurkischen Ritters erinncrt, uer dort im ,J nhre 1330
den wohlverdientell unu sittenstl'engen Hochmeistel'
'Yerner von Orseln el'stach.
Au die Conventskirchc lehllen si<:h nach Silden zu
uie SchIafsiHe (uas Dormitorium) del' Ritter an,
bchwiteher el'helIt und einfacb gehalten.V on uer Decke
haugen einzelne Kronen herab, aUl'h ein lllachtiger Raub-
vogel, del' eiu ullschuldig llaschen in seinen Faugcll
halt. Die 8chlafsale nehmen den Ost- unu Sudflllgel
(les Geschosbes ei II,
1m "\V etfl iigel Iil'gen des II a u3koJU turs und des
Tres::;lcr::, (d, h. lIes Sd1Htzl1leisterb) Stuben, trau1iche
W ohnraulle mit mnlerischelll und lieu1ichem Ausblick
auf N og"nt uull Niederuug.
In 'l'resslers Gellaeh solI dereinst die vom Geheimen
Sanitatsrath
Dr,J aquet inBerlin
durch Jio YerU1itte-
lung des YereilJR fur
die Hel'stellung und
An...schmiickuuf!' del'
){arienburg (vel'gl.
Marlenburger Ordensschilling. S. 18) dem Schlo/:)se
gechellkte einzigartigc \J ilnzen- und lledailIen-
slllunllung ftufgehouen werden, uie iibel' 1100 ver-
bcbieuelle 'hinzen (les Deut!-.chen Ordens ulld eiuige
'fausend preussische, Danziger, Thorner und EllJiuger
40
Fuhrer durch das Hochschloss.
J.'\1tinzen und Denkrntinzen en1hi:ilt, Zur Completirung
diesel' Sammlung werden VOll dem genannten Yereill
uoeh immer Ankiinfe, besonders anch an :\1imzfunden
aus del' Provinz, gemaeht und gem freiwillige Geschenke
RlIgenommen, Erwahnt so11 '" el'den, dasR Kaiser Wilhelm
im Jahre 1898 del' Yereinssammlung eine wertvol1e
Reihe von lednillen aus del' jiingsten Zeit tiLer", ies. -
Del' el'ste Band des auf dl'ei B all de berechneten Kntalogs
del' ,,'iiinzen- und Medaillen-amI111ung in del' :Marien-
burg" ist zurn 18. J anuar 1901 im Druck erschienen.
Er beschreibt die preussischen hinzen del' Samm1ullg
aus del' Zeit bis zurn Jahre 1701.
Das Obergeschoss
des Hochsch10sses entha1t im Ost- und "XVestfliip;cl urn-
fangreiche Speichcrraume, ebenso im ordfliigel illJer
dem Kapite1saal. In deren eincU1 (\Yafl'ensbller iw West-
£liigel) ist die vom Yerein fUI' die Her::;tellullg und .\ us-
sc11lniicknng del' )larienbul'g im Jahre 189 fur
130000 Mark gckaufte 13le II' sehe ""a ff ens am 1111 n 11 g
aufgestellt, die im Ordenslande enttanuen iat und einen
lehrreichen Uberblick ilber die Ent\\ icke1ung des
Watfenwesens von deT vor- und frilhgeschichtlichen Zcit
his in die Gegenwart gewahrt. Spaterhill solI diese
Samm1uIIg durch das ganzc S<::l11us, zur Ausschmiickung
del' einze111en Ri:inl1le, verteilt wel'dclI.
er Stidfliigel im ObergeschosR heherLergt 11o<.:h
z\\ el ausllehmcnd schone Sale, den rOllyentss})cbc-
remter (das lefectorium) unJ dell Conventserholul1gs-
remte.r (die Herrcnstube). Del' erstere (A bb, S, 41) ruht
af sIeben schlauken Pfeilern ("Sieben pfei1crsaa1-) und
wlrd durch 7 mit hiibschen ..\lass\\ erkcn versehcuc z\\ ei-
teilige Spitzbogenfenster erhellt. HI' ist wit 14 nltel'
tUmlichen Leuchtel'kronen, die nus Ge\\ eihen bestehen.
Fuhrer durch rta o Hoch,chlo8s.
41
6 langen Tischen und Banken, yielartigen Fahnen und
GeweLeu und schijrn erzierten Schrimken augestattet;
in einer .Mauernische hilngt eill gewaltip:er Keitel', eine
zweite Nische birgt den Luntgeschmiickten Kamin, und
an del' liohen LangSWalld mahllt das durch drei Gewolbe-
nischen sich hinziehende Gema]de des heiligen Abend-
mallls zurn Danh.gebpt Lei Tische, Besonders die Dar-
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Spmscrcrntl'l" !In Hllch:-,chlo8:J
!-tcllung des freundlich milden Heilands neLcll dern
1instCl'll teuf]h;chen Judas tibt einen eigenen auLer aUb,
Prot'c;::,Eor Schaper hat da Hild gelllRlt.
.An del' "Tand, llie ZUlli Erholungsremter fiihrt, Lefilldet
sich eillo Dnrstel1ung del' \\T nppen unsre8 K.aiers und
einer hohcn Gemahlin, mit Begriissungsspriichen ZUL'
Seite, a\)('h da \\Tappen des Kbnigs von "r[jrttemLerg,
cnd1i('h cinc ueucllktafel mit del' Aufzeidlllung Jer An-
!-prul'hc Kaiser ,Vilhe]ws, die Jerselbe VOL' del! Ver-
l
Fuhrer durch das Hochschloss.
tretern del' we$tpreussischen Stadte hielt, als er (am 7.
und 8. September 1894) in del' )Iarienburg abgestigen
war und sein Hoflager hielt. Zwei Satze aus dieser
Ansprache magen hier ihre Stelle finden:
"Dieses Schloss, in dessen )Iauern die weissen )Iantel
mit dem schwarzen Kreuze VOn den Rittern einst ge-
tragen worden, war die Ho 'hburg des DeutschtullI
gegen den Osten, von ihr going die Kultnr in '1.l1e Lapde
hinaus. So machte ich del' Provinz von Herzen wtinschen,
dass sie die larienburg stets alq ein \Vahrzeichen
des Deutschtums ansehen mage."
Del' Erholungsremter, die Herrenstube (neben dem
SiebenpfeilersaaI), (Ahb. S. 13) jst ein Schmuckkastchen
im Schmnckkastchen. In den frischesten FarLeu, unter
.lenen Hot die Oberhand behalt, prangt das wappenreiche
Gewalbe. 'Vandmalerei und Flieseuteppiclt, 4: bchane
Leuchterkronen mit Rittergestalten im Innern, auell
zwei kunstvoll gearbeitete Schiftsmodelle zieren den VOI'-
nellmen Raum. .Aus den Ge\'t albenisehen <leI' Langs-
wand erheben sich im Relief drei Ritterg-estaltell (Uri-
giuale im Dallingerhause), Heinrich dcn Finkler au!. del'
Falkenjagd darstellend unu eine Kampfscene. 1m ULrj-
geu Lemerken wir hier \\ ieclerulli einen bcholl vel'ziel'ten
Kamin; ausserdem eine reichverzierte Empore fur die
"Kunstpfeifl'('r". Das Gewolbe ruht auf lll'ei Pfeilern.
YOI' del' Herrenstube und dem Speise!:mule zieht
:-;ich Russen ein Gang entlang, in uelll eina \V I1Hchvor-
rich tung und ein Herd sich betindcn: del' Ort, "wo
Bruder Kellermeister den \Vtirzwein Lraut lo .
\Veun wir noch die Lerr1iche Ausicht vom hohen
'Yartturm del' Burg auf uns einwirken lassen wollen,
haben wir Gelegenheit, beim Gang dahin ausser dem
Turmgemach in del' Hohe des oberen Kreuzgangs VOl'
Allem auch die von del' Stadt Thorn tiberlassene eiehene
Fuhrer durch d,l HochschloEs.
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Herren8tlllJe.
44
:Fuhrer durch daB Hocbschloss.
Spindeltreppe zu besicbtigen, die nus dem W obnbnusc
des im Thorner Blutbad 1724 hingerichteten Blirger-
meisters Rosner stnmmt, ein Knnstwerk zup:lejch und
eill ehrwilrdio-es Erinnerungsstiick, - Hier schritt einst-
malR del' Tu'mwachter in die Hohe und del' Knnst-
pfeiffer, del' (bis zum Jahre 1750) obcu die Stunden
auszuhlasen hatte.
Zu den Webrgangen, die sieh dicht uuter dem
Dachrande rings urn daR l-Iochschloss hillzicbell llud
ehemals bei del' Yerteidigung del' 6nrg gute Diellste
leisteten, flihren an drei Stellell de!:. Schlosses enge
rrl'eppen hiuauf. -
Wer davoll liest (S. 15, 16, 28), \\ ie grlindlich die
Jahrhunderte an den! Bau del' :J\larienburg ihrc Zer-
stol'unp:skunst geliut hauen, ja \\ er auch nul' eimnal VOl'
dem Jahre 1881 das Hochschloss gesehen oller Lli('
Photograpbien lJetrachtet hat, die nus jenen Zeiten
stammen, und damn sich vergegen\\ artigt, wie fun:ht-
uar verbaut Jas Ham, "ard, als es zm' 8pei<.:hergewinllung
l'oeine sehonen Gewolbc, uell gaulen Kreuzganp;, die
Giebel, die Fassaden, die Fellster, ja sellJst dns Ul'spriing-
Hehe Dach ,er1iercll musste, "ein niichtcrncr, uber-
putZter Steinkasten, an dem da schdrfste Auge, die
klihnste Phalltasie machtlos abglittcn", "starl'end vom
Schmutz del' Y erwahrlosung", ucr kaon die A rbeit
unsrer Zeit erst recht ,erstellll und \\ tirdigcn, eiller
Zeit, die "ieder gut macht, \Va:::: F1'lihcre \er(larben
J etzt "eht Lloeh wieder deut.,cher Geist Llnrch uiese
Raume. -
.Ehe wir rla Itocbschloss verlassu, unternehmen
wir vom Zwiuger am Yorthor au:; noeb ciuen Gang
;Iber den ::;\ ord-Pal'cl1am nach dem Pfntfcntunne zu,
ZUl' Rechten am aussersten Ende "i1'o hier del' Pm cham
Fuhrer !lurch lIas Hochschlo",
4
durch die Ann e n k a p ell e, die nnter lIem ostlich vor-
81'ringeullen Teile lieI' Sehlosskirche liegt, gesperrt.
Die Annenkapelle
hat z\\ ei Eingallg'spforten, von X orden und Stiden
her, welche Ldde wegen del' Starke del' U mfassungs-
ruauel'll zwei grosse V orhallen bilden. Heide sind
mit in Stuck ausgefiihrten, llie Gewolbefelder fiillen
deu ,iusserst kUIltvolleu ulllI hen'lichen ArLeiten ge
schllliickt. Die Vorhalle, Val' del' wir irn Xoru-Par-
cham stehn, ist die nordliche. In Jem BogenaLschnitt
rcchts ist Jer rrod del' J ungfrau l\Iaria, links .!lie AIl-
hetullg del' heilig-en Ilrei Konige dargcstellt. Uber del'
rrhiire sehn wir llie Krouung- del' heiligen .J ungfrau
und. lIarunter die klllen und die thorichten .Jnngfrauen;
den klugen ollnet Petrus das Himmelsthor, wahrend
Cill 'reufel VOl' einem weit flufgesperrteu Draehenmaul
die thorich tell J ungfrauell erwRrtet, U m diese Dar-
telluugen zieht sich ein Bogen nJit l'eichem Blatter-
Cllllluch., in wel('hem K arrenkbpfe nnll phantastische
rfiel'gcstalten :1ugebracht siull.
Dllrch die V orballe treten wir in die Ann e n k ape II e
ein, Sie ist 18 m lang, 9 ill Dreit und 6 ill hocl!. Del'
UhomuschlusfI ist del' oueren Kirche angepasst drci-
eitig. Das GcwOlbe, bedelltend niedriger wie dns del'
Schlosskirche, ist cbenfalls Sterngewolbe, jedoch VOll
t3infachel'cr Konstruktioll unci im Hundbogen ausgefiihrt.
Die Hippen lies (jewolbes stehen stark hervol' unfl
ruhen auf steinerncn, sehr lierlich geo.rbeitetell Krag-
bteinen. In lIeI' starkcll UU1fasl\ngsf1laner befll1l1eu sich
zu JJeiucu Sciteu des Altars (ie oben in Jel' Kirche)
klcine gewolbte laume, "elche wohl alH Sakl'isteicn ge-
t1ient hl1JJcll. Dus Fellster im CllOrschlnss stellt die
Leilige AUlla Liar, Vie Kapelle prangt jetzt in pI'dchti-
gcm FUl'bcnschmuck.
4G
Fuhrer durch d,IS Hochschloss.
U nter del' Kapelle befindet sich ein drei 'Ietel'
tiefel', mit '"fonuengewolbe tibel'deckter Raum, del'
zur Aufnahme del' Sarge del' Hochmeister diente. Elf
Hochmeistel' wurdeu hier Leigesetzt, Yon ihl'en Ge-
beinen ist nichts auf unserc Zeit gekommen: an ihrer
Stelle baben einstmals die ::\larieulml'ger J esuiteu ihre
Patres beigesetzt. Jm Fussbodell del' Kapelle, etwas
erhbht, sehn wir drei Urabsteine, namlich die Jel'
Hochmeister Dietrich von Altenburg, Heinrich Duseruel'
und Heinrieh von Plauen.
Die siidliche, Ilaeh del' Stadt zu gelegelle Y ol'halle
del' Allnenkapelle fiihl't auf Jen Ost-ParChfll11 zum Be-
grabllisplatz del' Ordensrittel', Sie hat im Grossen
und Ganzen diesel be Einrichtun wie die nordliche.
Yom zeigt sie ein Stabwerk \on Stein und Stuek, oben
mit Blumen, un ten mit vCl'Ziertell, gegliederten Fussen.
Die dreiteiJige Flilche in del' :Mitte tiLer del' Thtire
stellt die KtOeuzauffindnng durch die heilige Helena dar.
Del' UlI1 diese Flache aufsteigeude BogeH entl1lilt l'eichen
Blatterschmuck in Stud\. gearbeitet. An jeder Seiten-
flache del' Y 01'11 aIle stellll Hutcn an del' ,Yand zwei
Heilige mit Spruchbanueru ill den Hiwdell. Auf del'
linken Seitenthi.che sehn "ir uRruucr Christi IIimmel-
fahrt, fluf del' l'echtell das "r e1tgeri<;ht dargestellt.
Kehl'en wir dUl'ch die Anneukapelle auf dell Parl'h3.111
zurtick, so liegt zu Ullbrer H.echtcn von Bo]]ern be-
schlitzt, das Gloekllerhituscheu vn Sn.nkt A Hnell
nud neben ilun, nach dem trocb.uell Graben zu, del'
massige, viel'stOckige })t'ill1cnturm, in denl Val' Zeiteu
l\1eistel's IIofkaplan beschaulich wohute. DerTul'lll hat \ ier
Stock" er1.e, die uutCl'en nlit einfachcm, Jas oherste mit
slll' schonem Sternge\\ olbe uusge:;tattet, und son der-
emst zur Aufbewahrung des Al'chivs unO. ller HiLlio-
thek des Schlosses dienen,
achc1c \\ ir zurliek ZUlli Z" ingcr die Stufen eUJl'0l-
gestlegen sIlld uud eiuen fHiehtigcn Blick in die gart-
Fuhrer durcb daR Ilttelschloss.
47
nerischen Anlagen des 'Vest-Pal'chams geworfeu haben,
u bel' dem del' brcite Hel'l'endanzk bich schwer erhebt,
flihl't uns zuletzt die Y ol'thol'bl'ucke (mit interessnntem
A llsblick auf die Bef'estigungsmauern des Hocbschlosses)
tiber den trockenen Graben hin\\eg auf das Gebiet
des l\fittelschlosses. Unsl'e \Ynnderung durch das
llochschloss ist beendet.
Hochmeisters Palast.
Del' dem Hochschloss zunachst liegende gegen ',esten
yorspringellde Fliigel von Hochmeisters Palast erhebt
sich in vier Gescbosscn, namlich dem uuteren, dem
oberen Kellergeschoss, dem El'dgescho'ls und dem
l'rachtgeschos, die im Wesentlichen die gleiche' Eiu-
teilung zeigen. --
Das Erdgeschoss, in daR zu ebener Erde in del'
pfeilergesttitzten, zierlichen Ostfassade drei Thtiren fUhren,
ist, seitdem es zum llouburcau del' Schlossbauverwaltung
eiugerichtct ist, dem J>ublikmn nkht zuganglich. Del'
dem "trockenen Graben" zunacbst gelegene Eingang
ftihrt znr '" ohnnng des Oberschlosswarts, ,ier ll1it
rl'onuengewblbe verbelJenen Raumen, welche ehedem als
H eizraum fUr leisterR GcmacIJ, als l\1 eisters Kiwhe, als
Kiichenkammer ul1d als Stube des Koehb dieueD TIlochten,
Dic mittlere rrhiire fLihrt zu den Rauruen, die jetzt zum
13aubureau eilJgerichtet sind. Durch eiHen IJIit 'ronneuge-
walbe iibcl'spauntcn Flur geIaugt mall ill den mit hohem
Spitzbogcn bchbngewblbtcn Gang des Erdgeschosses, in
dessen ausscrer 'fond sich del' auf 8. 52 crwahntf'
Ilausbrunnen des Hochrueisters Lefindet. Am Ende des
Gaugcs ftihrt ein huher, verzierter Eingang in vier "\ bllig
all1llichc, im Quaurat neLen einander liegende freundliche
Zi !llmer; sie liegen gerade unter ::\leisters Sonlluerremter,
(lesHen pfeilcr auf d<:w Krcuzungspunkte ihl'cr iUllel'en
"r o,HdlI1Huel'l1 ruht, Ihr scbbncs Spitzbogenge" Olbe rullt
48
Fuhrer durch ,Ias l1ttelschloss,
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II , , : '(.: : \:,k:'.:,': - Emgang zur Schloss-
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raum
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Emtrlttsk,lrten- Verkauf.
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A, :,! elsters Sommer - Remter
B. :)Ielsters \\ mter - Remter.
C, Der obere \lang.
D. )lelsters Stube.
E. Flur
F. Melsters Gemach.
G. HausIlUl.. .
H. '[elsters Sthlafkammer.
.J. '[elsters Hmterkammer.
K. )lelstels Kapelle.
L. Melsters grosser Rrmter.
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- SchloSBhof. -
Plan zu Hochmeisters Wohnung.
Fuhrer llurch dab 'Ilttelschloss.
49
auf je einem achteckigen Granitpfeiler; in den Fenster-
vertiefungen sind, wie auch im Gange, alte, steinel'lle
Sitze. Die Stuben sind dureh 'rhiiren mit einander ver-
bunden und waren ehedem flir Meisters Schreiber, fUr
die Kanzlei und Schafferei bestimmt, AllS dem vierten
diesel' Zimmer fiihrt eine Thiire in del' Ostwand in ei 11
langes zweifenstriges Gemach, dessen Spitzbogengewolbe
auf drei schlanken achteckigeu Granitpfeileru ruht. E:;
war dies die Ratsstube odeI' das Gebietiger-Gemach,
in dem del' Hochmeistel' mit den obersten Gebietigern
des Ordens, dem Grosskomtur, dem Ordensmarschall,
<.lem Obersttrappier, dem Oberstspittler und dem Ordens-
tressler, zu Rate ging. An dies en Raum schliesst sich
die Briefkammer odeI' Briefstube mit einem daran-
stossenden 'ronnengewOlbe; die Stube enthielt wohl das
Ordensarchiv. Aus dem Tonnengewolbe gelangt man
libel' einen sehmaleu Gang auf den Hauptgang.
Dieselbe Einteilung und Gestalt, wie das Erdgeschoss,
zeigt das obere Kellergeschoss, zu welchem die dritte
del' oben enviihuten Thiiren den Eingang bildet, und eben-
so lIas untere Kellergeschoss, in welches man mittels
einer rrreppe yom Gange des obern Kellergeschossf's ge-
Iangtj nul' mit dem Unterschiede, dass in den Keller-
geschossen Gaug und Ranme niedriger, mit flachen Bogen
i.iberwolbt, die Pfeiler nicht mehr geschliften und die
einzelnen Riiume nicht durchweg unter einander ver-
hUllllen sind.
Dcl' fUr das grosse Publikum bestimmte
Haupteingang
ZUlli Hochmeisterpalast liegt unter {eisters Hauskapelle,
in del' Ecke, die durch den vorspringenden Pal a::) t mit
dem sich drau anschliessenden zurtickgebauten F I ii gel
gebildet wird, 'Vir treten hier in einen mit einem
'ronnengewolbe iiberspannten Y orraum mit einem N eben-
zimmer, dem Warteraum fUr die Schlossbesuchel',
4
50
Fuhrer durch das Mlttelschloss.
Vom Schlosshof aus gerade gegeniiber dem Eingang
ZlI dem eben genannten Y orraum fiihrt eine Thiire zur
(modernen) Hanpttreppe des Ranses, auf del' man unter
einem grossen Spitzbogen anf den H a n s fl u I' gelangt.
(Abb. ,51.) Diesel' Flur war von den Polen arg
verwiistet. Das GewOlbe, das sie zum Teil ein-
geschlagen hatten, wurde im Jahre Ib23 unriehtig
\\ iederhergestellt. Es mht auf drei nebeneinander
stehenden achteckigen Granitpteilern und einem allein
stehenden flachen Pfeiler.
Die 'Yappen an ihnen bezeichnen die Geschenkgeber
des Beitrag zu ihrer Renovation. Die zu .Anfang des
vel gangenen J ahrhunderts geiibte U nsitte, durch solche
lllodernen Zuthaten den Eindruck des Altertiimlichen
l'.ll storeu, kehrt im IIochmeisterschlosse an Pfeil ern,
\\T anden, Fenstel'll immer wieder. All diese Erinnerungen
nil die gewiss hoch zu riihmende Freigiebigkeit aus dem
A [}fallg des 19..J ahrlmnderts wirken doch sehr storend
und werden hotfentlieh verschwinden, wenn die neueste,
auch in den Eiuzelheiten mit Recht auf historische
Genauigkeit dring'ende Renovation auch diese Raume
in dcn llereich ihrer rettenden und heilenden rrhatig-
kcit zieht.
Die kleine Thiire gleich neben dem rrreppenaufgang,
znr ltechten des Besuchcr::; - wi!' lassen sic zuniu:hst
unbeachtet - fiihrt van dem Hausflur durch einen
kleincn Gang zu Meistcrs Schlafgernach. Rechts von
diesem Gange liegt die Dienerkarnmel', links die Bade-
stube des IIochmeisters. (Vergl. S. GO.) Wir uleiben
illt grossen Gang.
Del' zur Rcchten del' vier Pfeiler uefindliche Raum
- nach del' Nogat zu - ist in seiner alten Form er-
haltell und wird von einern starken Granitpfeiler gestiItzt,
Hiel' fiihrt zu Hochmeistel's SomrnerI'emter del' durch fimf
Fenster erhellte prachtige, mit hohern, t5chonem Kreuz-
gewolbe gezierte "Gang". (Abu, S. 51.) Eiue kunstvolle
l'uhrer durch das Ilttelscbloss.
51
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Hausflur uuu "Gang" 1m Hocbmcl-tcTschlo<:s.
4
52
Fuhrer durch das 'IltteIschloss.
Leuchterkrone mit Schnitzwerk hangt in ibm von del'
Deeke herab. Di.e naeh innen abgesehwachte Aussen-
wand - zur Heehten - wird in ihrem iiberhangenden
Tei1e von zwei freistehenden schlanken Granitpfei1em
gestiitzt 'und von einem dritten, auf einem Krag-
stein ruhenden, unter dem Hoehmeisters H and fa is S
steht: es ist eine N achbi1dung des urspl'linglieben, ver-
loren gegangenen Haudfasses, Alt ist nul' die grosse, it
Rinnen versehene Steinplat.te, auf del' das Handfass steht.
Heehts neben dem Handfass geht del' 17,26 m tiefe
Hausbrunnen durch aIle Stoekwerke del' Burg hindureh.
In del' link en Wand des Ganges befindet sich (in
del' Riehtung naeh dem Sehlosshof zu) erstens eine kleine
V ol'haIle mit einem Bingang zu Meisters Winter-Remtel',
und zweitens, reehts daneben, eine kleine Thlil'e, welehe
auf eine \Vendeltreppe von 112 Stufen fiibrt; diese
Treppe beginnt im oberen Kellergeschoss und endet auf
den Zinnen. Sie fiihrt zunaehst zu del' Empore libl'
dem Eingang zum Sommer-Remtel', weiter zu dem Boden-
rnum libel' demselben, und mlindet 'auf einen offen en,
mit Zinnen gekl'onten Yerteidigungsgang, - Diesr
Gang wurde im Jahre 1785, his wohin er vol1standig
erhaltell war, zerstOrt. Br ist dann in den J ahren
1825 bis 1836 aus den Beitragen des Ofticiercorps
del' Armee wiederhergestellt, und zwar del' nordliehe
Erker libel' Meisters Sommer-Remter lediglich au dem
'Beitrag des Generals Grafen York von \Vartenburg.
'Venn wir im Hausflur sind, 1iegt am Ende des.
Gauges, ZUl' Linkcn und nacb der:N ogat hin, del'
Eingang zu Meistel's Sommel'-Remter. Zn beiden
Seiten enthalt er steinerne SitzpHitze. tiber ibm be-
findet sich eine (falsehlieh vermauerte) Empore, von
del' herab einst die Musici den IIochmeistE'f und seine
erlauehten "Gaste bei festliehell Gelegellheiten mit
Paukenschall und Drommetenklang empfingen,
Fuhrer durch das !I1ttelschloss,
53
Dureh die grosse, machtige rrhiire treten wir in
Meisters Sommer=Remter,
del' uns du'ch seine majestatische Schonheit mit Be-
wunqerung el'fiillt. (Abb, S. 54.) lan nennt ihn mit
Recht die "p erle d er farien burg". Das hoch auf-
strebende prachtvolle Spitzbogen- GewOlbe tragt ein
einziger aehteckiger, g-latter Granitpfeiler yon 44 em
Durchmesser. Yon seinem aus Kalkstein bestehenden
Knaufe entspringen sechszehn zierliche Gewolberippen
wie PalmenbHitter. Die Hohe des Remters betragt 9.47 m,
die Lange und Breite 14,12 m, In del' ostlichen \Yand,
zunaehst dem Eillganp;e, Lefindet sieh eine breite steillerne
Schankbank. Von diesel' wurden Lei festlichen fahlen
die t Speisell unu Getranke zugereicht, Sie steht mit
del' im Erdgeschoss Le£indlichen Hochmeisterkiiche durch
einen schmalen Gang (neLen dem Hauptgange) und eine
\1' endeltreppe in Yerbindung. 1m Jahre 1833 el'hielt sie
nach einem Entwurfe von Schinkel kunstvoll gearheitete
1'htircn. Rechts nebell ihr sehn wir tinen machtigen
Kamin mit weit iiherhallgendem )fantel.
Dber dem Kamin ist eine Steinkugel eingemauert,
derell Geschichte folgendc ist: Hei del' Helagerullg del'
l\iariellburg durch die Polen im Jahre LBO verriet ein
treuloser Diellel' aus del' Burg dem Polenkonig J agello
dass del' llochmeister Heinrich von P]aueu in dem grosse
Rellltereine Yersammlung del' Fiihrel'der Burgverteidigung
nLhalten wolle; "urde es also gelillgen, den Pfeiler des
H.emters zu zertriimmern, danu "urden die Beratenden
durch uas llfichsturzellde Ge" Olbe samtlich getOtet
werden und die Burg, del' Fuhrer ihrer Yerteidigung
LerauLt, leicht zu nehmen seill. AIs, erabl'edetes Zeichen,
auf welches gesch08ben werden ::,ollte, legte del' Yerratel'
eine rote [titze auf eins del' mittleren Fenster. Die
54
Fuhrer durch das MltteIschloss.
Beschiessung des Remters begllnn, dll flog eine Kugel
durch das bezeichnete Fenster am Pfeiler nahe vOl'bei
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\[C1ters ommcrremter.
ulld schlug in die gegeniiherliegende WaUll, ohne zu
scbaden, Del' Meister war ge" arnt und - gel'ettet.
FJ iihel' las mall Ullter del' Kugel den alten Sprnch:
Fuhrer uurch das Mltte1schloss,
f);)
Als man zelet )lCUOOX (1410) jar,
LJiei:!s sag iell eueh alIen fUn\ ar,
Ver stein '" art gesc hossen in die want.
Hie solI er bleihen czu ejnem e\\ jgell p fant,
)leisters Sommer-Rem tel' wird in del' oberen HaIfte
von zehu grossen Fenstern erhellt, unter denen sich eine
zweite Reihe kleinerer Fenster hinzieht. Die Fenster
sind eill Geschenk del' Prinzen und Prinzessinnen del'
Konig1ichen Familie, deren amen und "Tappen die
kleineren Fenster del' unteren Reihl" enthalten. Sie sind
im Jahre 1828 eingesetzt. Die oberen Fenster stell en
:Momente aus del' Geschichte des Ordens dal', das erste,
dem Eingange gegelluber, die Krankenpflep;e zuJerusalem,
das zweite die Belehllung des Hochmeisters mit dem
goldenen Ring' durch Papst Honorius nL (121), dal>
dritte die Yerleihung del' Reichsfiirstenwtirde und des
Reichsadlers fUr das Hochmeisten\ appen Seitens Kaise'
Friedrichs II. an Hermann von Salza, das vierte die
ZerstOrung des Klosters Oliv3 durch die heidnischen
Preussen (L224), das ftinfte die Grlindllng Thorns durch
Landmeister Hermann Balke (1231), das sechste Hoeh-
meister Siegfrieds van Feuchtwangen Einzug in dieMari{>n-
burg (1309), uas siebente die "El'teilung del' Erlaubnis,
im Hochmeister- Wappen die frauzosischen golden en
Lilien zu ftihren, durch KOllig Ludwig IX. uen Heiligen
all Hocllmeister Heinrich von Hohenlohe" (unhistoriseh!),
das achte den Empfang del' Gesandten des Konigs
Richard II, von England (1385), das nennte die Yer-
teidigung del' Jlarienlmrg na(;h del' Xiederlagp des
Orc1ens bei 'l'annenberg (14.10), das letzte die "Yer-
teiuigung Dr, ..\fartin Luthers durch den letzten Hoell-
meister, Albrecht von Brandcnburg, auf dem Reichstag
zu \V orms" (hat nie stattgefunden I).
Die tiLer del' Eingangsthtire und an del' Kaminseite
uefinu1ichen Fensterblendell enthalten anf Goldgrnnd in
Fresko-l\lalerei 10 Bilder VOIl IIochmeistern und Land-
5G
Fuhrer durch das IltteJschJoss.
meistern, die das Schloss del' l\iunificenz weiland des
Konigs Friedrich Wilhelm IY. verdankt (1854). NUl'
schade, dass sie hier llicht hillgehorell, sind doch einige
anf die Stelle del' 'Vand gemalt, an del' ursprunglich die
ofrene Empore sich hefalld!
Del' Fussboden des Remters wUl'de 1828/29 lllit
srhwarzen und wcissen verglasten ,!'hollfliesen ansgelegt;
die ringsllm an den ,Vanden entlang Iaufenden SitzbiUlke
8i nd im Jahre 1838 "iederhergestellt.
Aus Meiters Sommer-Remter, in welchelll del' Hoch-
mebter seine Ordensgebietiger zu el'llstem Rat versammelte,
fiirstliche Gaste nnd Gesandtschl1ften empfing uud den-
sclben festliche l\lahle gab, gell1ngen wir durch eine rechts
lleben dem Kamin gelcgene, 1860 gefertigte 1'lnire in
Meisters Winter=Remter,
:\1eisters SpeisesaaI. Diesel' Remtcr, dessen GewOloe die-
selbe Form ,,'ie das des Sonnner-l{emters zeigt, aLeI' nur
6,59 III hoch ist, macht 1m Gegensatz zu del' majestatischell
Pracht des erstell einen mehr einfacben, wohn1ichen
und anheilllelnden Iindl'uck. Dns schone Ge\\ Olte ruht
auf einem achteckigel1 nlten GranitpfeiIer, del' 0.0" eichend
von den ubrig-en Pfeilern kein Kopfgesims hat. Die 'Yande
waren nrsprullglich mit den 13i1dnissen del' Hochmeister
geschmuckt, die Conrad und Ulrich von J ullgil1g'ell hatten
lllalen lassen. Dieseluen" aren jeJoch VOl' del' dnrch die
ostpreussischen Stande oe\Virktcll "\Viederherstellung del':!
Hemters (18] 9) derart zerstort, dass man von ihrer Er-
neuerung Abstand nahm, "S euerdings sind Spuren diesel'
Hilder durch ALhael\:ell des "r andput.les wieder bloss-
gelegt. y 011 del' Decke des Helllters hangen 2 Leuchter-
kronen IJerab (i\ achbildung-en del' Kaiserlenc:hter ans
Goslar am Harz), Die oocren Fenster des Remters
enthalten in Glasmalerei die \Y appen tIer lIochmeiter,
we!che. in ler :\brielllml'g ilue nejueDz gellabt hauen
(nut SIegfncd von Feucht" ulwen LeO'illlH.:nd mill l1lit
I d . E . /::) b
JU \\'Jg von 'rhchhauell aufholcnd).
Fhrcr durch das rltteIschlogs.
57
In del' Wand den Fenstel'll gegeniiber befindet sich
die kleine Thiire, welche durch die oben (8, 52) erwiihnte
kleine Y orhalle auf den "Gang" fiihrt. Rechts neben diesel'
rhiire ist wieder eine Schankbank, welche, wie die im
grossen Remter, mit del' im Erdgeschoss gelegenen
IIochmeisterkiiehe dureh eine Wendeltreppe in Yer-
bindung' stand. Del' Fussb09.en enthalt 14 durch
kupferne Deckel versehiossene Ofl'nungen, die Miindun-
gen de]' HeizOfen, welche aus del' im oberen Keller-
gesellOss befindlichen IIeizyorriehtung die warme Luft
ill den Hemter fiihiten. Dergleichen Heizyorrichtungen
gab es in diesem westJiehell Fliigel vier, deren grosste
<.lie unter Meisters grossem Remter war. Sie bestan-
den in eiuem gewolLten !laum, welcher horizontal
durch ein mit mehreren Loehern versehenes GewOlbe
in 2 reile geteilt "aI', Del' untere Raum dlente del'
Fenerung, del' obere war mit Feldsteinen angefiiJ1t,
Diese wurden erhitzt und stromten, wenn die Heizung
heendet und die Feuerung Lerausgenommen war, dureh
ltohren, welehe,in die zu erwarmenden IUiume fiihrten,
die Hitze aus.
.An den kleinen Hemter stosst "l\Ieisters Stube".
1m Fl1ssboden ellll wir "ieder die ::\fiindungen zweier
lIcizl'ohl'en; ausserdem hat diese Stube aueh noeL einen
khinen Kamin. Das 5,02 III hohe Steingewolbe "ird
von cinem achteekigen, mit I eich verziertem Kopf-
g-esimse ,ersehcncn Grallitpfeiler getragen, In Meisters
Stube haIlgen zwei einfachere Leuchterkronen. Die in
(Irr X ordwfillu befindliche Thiire fiihrt iiber einen
sehmalen Gang zum oberen Hausflur. Meisters Stube
wUl'de 1823 auf Kosten del' Stadt Konigsberg wieder-
hergestellt, Zur Ol'denszeit "ar sie in zwei kleinere RlUme
-.:. lVleisters Stl1be nnd Meisters 8tiiLchen - geteiJt,
ill del' PolclIzeit aLer deral'tig vel'Lant worden, dass
mall ihr(' urpriingliche Gt-stn1t bei del' Wiedel'her-
f>8
Fuhrer durch das '[lUelschloss.
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'[elters StlllJe nach d('r RenovatlOD vom .J.lhrp 11:!:!3.
Fuhrer !lurch das \fltte)scblos!:.
59
stellung nicht erkennen konnte. Erst spateI' ersah man
aus alten Rechnungen die frtihere Einrichtung diesel'
Riiume. (Abb. S. 58).
A.us feisters Stube treten wir in Ieisters Gemach,
ein freundliches, durch zwei nach dem Hochschlosse
und drei nach dem Schlosshofe gelegene, geteilte Fenster
erhelltes Zimmer, mit 5,65 m hohem SterngewJilbe.
zwei schlanken Granitpfeilern, Leuchterkronen und einem
Kamin. Dieses Gemach, sowie del' damn stossende
Hausflur waren von den Polen am argsten zugerichtet,
die GewollJe vollstandig eingeschlagen und del' Raum
durch eine Zwischendecke in zwei Stockwerke geteilt.
Die Wiederherstellung beg-ann auf Kosten del' Magistrate
del' Stiidte del' Provinz Preussen im Jahre 1823.
Hier, in leisters Gemaeh, liegt gewohnlich das
}lremdeubuch aus.
[eisters Gemach war zur Ol'denszeit mit dem Haus-
Hur durch eine hohe und breite Thure in del' Nordwest-
ecke des Gemaches verbunden, welche dem heutigen
grossen Treppenaufgang gerade gegentiberlag, Diese
Thtire ist aber nicht wiederhergestellt.
.Aus :\leisters Gemach fiihrt eine fruher schon ans-
gemalte, mit SpitzbogengewOllJe versehene Y orhalle,
deren bunte Glasfenster uns wieder die Beitraggeber
zur \Viederherstellung dieses rreils des Schlosses nennen,
hin zn
Meisters Hauskapelle.
Jin dnrch des )leisters Gebete geweihter Ranm,
DcI' vonlere, nach dem Schloshof zu gelegene Teil
del' Kapelle hat ein schones SterngewOlbe, del' dahinter
liegentle Teil ein einfaches 1'onnengewOlbe. Die Ost-
wand ist yon drri ::;chmalen Spitzbogenfenstern, die
:x ol'rlwand durch ein grosseres Fenster durchbroehen.
Einen mit kostbal'en Deckeu behangenen Altar, eiu
knnstvoll gearbeitetes Bel'llsteinkruzifix, eine alte von
del' Frau Staatsminister von Schon geschenkte BibeJ,
60
Fuhrer durch das httelschlos.
a1tdeutsche OlgemaJde auf Holz, das eine, die heiJ ig-e
Familie darstellend, ein Geschenk Konig Friedrich Wil-
helms III., einen grossen, von den Damen farienburg-s aus
Anlass del' Siikularfeier del' vViedervereinigung West-
preussens mit dem Konigreich Preusscn im Jahre 1872
gearbeiteter. Teppich, einen reich verzierten eichenen Bet-
stuhl und altertiim1iche ChorlHinke hat die Zeit VOl' 1882
hier ihre Aufbewahrungsstatte fillden lassen.
Eille Thlire lleben dem Betpult fiihrt in Ieisters
Hinter1..ammer, die andere - in del' dem Altar gep:en-
libel' gelegenen Westwand - in 1Ieisters Schlaf-
kammer, eineu mit einfachemKreuzgewOlbe tiberdachten
Raum, Das Fenster nennt die Fami1ie Dohna als Wieder-
hcrsteller des Raums: es stellt eine vom Hochmeister
Ludwig von Erlichshausen dem GrafenStanislaus zu Dohna
als Anerkennung tlir seine dem Orden geleistetell wiehtigen
Dienste, 1464, angebotene Gtitersehenkung dar, die del'
Gmf, in pietatvollem Verp;leieh des Ordensbeitzes mit
dem .Mantel del' hei1igell J uugfrau, mit den vYorten ab-
lehut: "fern sePs von Stanislas, del' heiligen Jungfrau
Iantel zu zerreissen."
Die 1'!1lir zur Linken (in del' Siidwand) filhrt in den
grossen Hausflur (8. b1), und zwar durch cinen Gang,
del' zwischen Ieisters Badestubc (zur Rechten) und
:Meisters Diellerknmmer (zur Linken) liep;t. (Yergl. S, 50.)
Durch die lhtir zur Rechtell (in del' N ordwand) gelangt
man in die zwei Stufen tie fer geleg-ene llilltcrkammer
des lloclnueiters, Meisters \raffellkawmer, die
ein einfaches 1'onneugewolbe hat.
In del' west1ichell Aussenwand schn wir zwei liLer ein-
ander gelegeneFensterj einip;e Stufen fiihren zu dem rechts
HeLen dem Fenster in del' Mauer lieg-enden Dallzk des
Hochmeisters. In del' :Mitte del' ordwalld betilldet sieh
ein tiefer steincl'ller Schrank, del' die gauze Dicke del'
Mauer einnimmt und sein Licht durch ein klehles in del'
,,-r and nach dem grossen Itemtcr Lefiud1iches Fellterchen
Fuhrer \lurch daS ..\Ilttelscbloss.
Gl
erhiilt. Er ist durch schwere eichene Thtiren mit eisel'llen
Uberwurfstangen verschlossen.
In dies em Schrank hat die erste Wiederherstellungs-
periode folgende Kostbarkeiten aufbewahrt: 1. einen
silbel'llen, vergoldeten Kelch, welcher ehemals del' :Marien-
kirche in Danzig gehorte, 2, eine in einem Glaskasten
befindliche kostbare Kelchdecke aus Silbergewebe mit
reicheI' Goldstickerei und mit Granaten besetzt, die von
del' Prinzessiu IJuise VOll Preussen, Gemahlin des Ftirsten
Radziwill, gearbeitet und im Jahre 1823 dem Schlosse
geschenkt ist, 3, einen silbel'llen, vergoldeten Feldaltar,
del' aus zwei buchformig zusammenzuklappenden Hiilften
besteht und viele Figuren, biblische Darstellungen und
im Innel'll ringsum ReIiquien anter Glas enthiilt. Er
stammt aus dem Jahre 1388; da Iiess ihn ein Haus-
komtur von Elbing, Thiele v, Lorich, anfertigen. Er
diente zur Abhaltung del' Andacht im Felde und be-
gleitete del' Sage nach auch den Hochmeister Ulrich
von Jungingen ill die Schlacht von Tannenberg. Er ist
wahrscheinIich im 15. Jahrhundert im Kriege von einem
Polen erbel1tet und dewniichst in den Dom zu Gnesen
geIangt. Kronprinz Friedrich Wilhelm, del' nnchmalige
Konig Friedrich "Tilhelm IV., ah ihn hier auf seiner
Heise durch die Provinz Posen bei del' Besichtigung
des Doms und erhieIt ihn auf seinen 'Vnn8ch von dem
Kapitcl des Erzstiftes aIs G('schenk fUr die Marienburg,
In del' dem Fenster gegentiber gelegenen \Vand fiihrt
eine Thtire zu einer (in del' \Yand nach dem Schlosshofe
zu Lefindlichen)geradensteinel'llen Treppe- des )leisterE!
'rrrppe -, welche wir hinabsteigen. Durch eine alter-
ttimlich gearLeitete rrhiire treten wir in
Meisters grossen Remter.
(ALL. S, 63.) Br ist 30,37 m lang, 16,15 m breit
und ,03 m hoch. Sein reizendes Spitzbogengewolbe
steigt ktihn uno erhaben yon 3 schlankell, fichteckigen
62
,Fubrer durcb das Mlttelscbloss
Pfeilern auf, welche in gleicher Entfernung van einander
in del' fitte des Remters stehn. Die Kopfgesimse und
FUbse del' Pfeilel' sind van Kalkstein und mit el'habenen
Figuren \"erziert. Von jedem Endpfeilel' gehen 24, \ am
:Mittelpfeiler 22 zierliche Rippen 7:um Spitzbogen auo;
die Rippen ruhn an den Langswanden auf 7, au den
kllrzen 'Yanden auf 2 Kragsteinen, welche mit Kopfen,
Blumen und 'riergestn.lten geschmiickt sind. Y' on den
Schlusssteinen im Gewolbe ist nul' einer, die Flucht del'
heiligen FamiIie nach Aegypten dal'stellend, alt, die
iibl'igen sind erneuert, Die 'Vande und Gewolberippen
waren ZUl' Ol'denszeit bcmalt. RillS unl Llie Wande
lauten steinerne Sitzbanke. Del' FussboLlen enthalt
36 \ erdeckte liindungen del' Heizl'bhl'en.
El'hellt wi I'd diesel' Festremter in del' westIicheu
Langswand durch 8, in del' ostlichen Lallgswand dllrch
6 hohe Spitzl>ogenfenster. Die erste Herstellungsperiode
versah sie mit Glasmalerei, die van westpreussischell
Kreisen, von den Stadten Danzig und Elbing, vom
Fiirsten Hardenberg und von Besitzern Llel' .Marien-
burger Werder del' Burg geschellkt wurde,
leisters g-ros:ser Remter war del' Yersammlungsort
del' Ordensbriider Lei festlichel' Gelegenheit. Hiel' gaben
sie sich nach ernstel' Beschaftigung del' Lust und Reiter-
keit des Lebens hin, hier erquickten sie sich durch Speise
und Getranke, durch Spiele und Gespl'Rche. N ach dem
Ernste Lust und lleiterkeit, dies deutell auch die Yer-
zierungen del' Kopfgesimse del' drei Pfeiler an, Dn
selm wir tanzende Leute mit N arrenkappen und Spiel-
leute; alll zweiten Pieiler \Veinlaub lllHl Blumen, 3.111
dritten Pfeiler Bva, dem Adam dell Apfel reichend,
Beider Yertreibung aus Llem Paradiese, uud daun Adam
mit del' Feldhacke arbeitenu und Eva am Spilllll'Ucken
nehen del' V\ 7 iege sitzend.
Meistel's grosser Remter behielt t:;eine urspriingliche
Gestalt bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Zum
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Fuhrer durch das 'Ilttelschlos!",
letzten Male diente er einem seiner wiirdigen Zwec1.e
am '27. September 1772, ars die westpreussiscben StandE1
den Stellvertretern Konig Friedrichs II, (Oberburggraf
von Rohde und Oberprasident von Domhardt) huldigten,
Doeh bald wnrde er seiner ",Viil'de entkleidet und zuerst
als Exerzierhans, dann gal', aIs die Franzosen :Marien- I
burg im Jahre 1807 besetzten, als Reitbahn und endlich
als Iilitarlazaret eingerichtet; del' Fussboden wurde
aufgcl'ibSen und et\\ a mit 1 m Schutt und Brde aus-
gefullt, die Fenster zum Teil vermauert und. del' Remter
durch eine Zwischendecke in zwei Stockwerke geteilt.
Erst 1817 begann die Wieuerherstellung des Remters
aus Beitragen del' westpreussischen Kreise und Stadte.
Im Jahre 1901 hat die neueste Wiederherstellungsperiode
mit seiner Renovation begonnen. !
Die Schankbank im Remter gestattet einen Blick in
die zweipfeilerige Con v en ts kiic he, die einen gewaltigen
Schlot an del' .Nord wand beherbergt.
,Vir treten aus dem Rittersaal auf den Hof des Mittel-
schlosses, Links, nach Norden zu, dicht neben dem
Eingang zur Conventskiiche, ftihrt eine Thiire zu dem
im K e II e l' gelegenen Raum, von dem aus J\Ielsters
grosser Remter geheizt wurde.
Durch den VOl' dem Haupteingange zur Hochmeister-
wohnung befindIichen KeIlerhaIs gelangen wir zunachst
auf einer Treppe in einen kleillen Raum im oberen 1
Kellergeschoss. Rechts am Ende del' rrreppe ftihrell
sieben Stufcn in eincn zweiten Kellerraum, und aus
diesem gelangen wir in einen grossen gewolbten Keller,'
del' die HaUte von Meisters grossem H.emter umfasst
und auf clem del' Cl'ste Pfeiler dessellJell ruht. Unser
staunender Blick weilt hier auf einem machtigen Pfeiler
ans Ziegelsteinen, welchel' in del' :Mitte sich erhebt, und
am Sockel einen Durchmesser von 1,57 ill hat; an den
Wanden des GewOlbes sehn wir auf den FussboJen'
acht Kragsteine aufgesetzt, aus welchen die gewaltigen
Fuhrer durch (he Vorburg.
G5
Seingurten des Gewolbes sieh emporheben. Unter
dlesem Gewolbe befinden sieh noeh andere Kellerraume,
ebenso wie sich nordlich noeh mehrere Keller anreihen,
Den Ostfliigel des l\litteIschlosses nohmen die
Gas t k a m mer n ein. Das GewOlbe in den grossen Gast-
kammel'll wird von 7, das in den kleinen von 6 Pfeilern
getragen. Del' Boden ist geflllrt, die Winde sind mit
'raJelung versehen, Yor den Gastkammern (nach dem
Schlosshof zu) zieht sieh in del' ganzen Ltllge des
lIauses ein verbindende1' Gang hill. .Am Slidende des
ganzen Fhigels t1'itt die Barth 0 I u ill it us ka pelle in den
Schlosshof VOl'. Wi1' sehn da1'in einen Altar und ein
Sakmmentshiiusehen, (Vergl. S. 24, unten.)
Jm Nordfliigel liegen die Raume des Grosskomturs
nnd del' IIerrenfirmarie.
Uns1'c \Y Imderung dureh das IIoehmeisterschloss ist
beendet.
Die Vorburg.
WeBn wir aus dem .Mittelschlos3 hiuans, durch das
Schlossportal hindurch libel' dio kleine gemauerte Brlieke
gehn, dann sehn wir zur Linken (gegenliber dem acht-
eckigen 'fllrm, del' VOl' dom in alter Gestalt erhaltenen
X ordwestgiebel des Mittelsehlosses steht nod frliher den
Danzk del' Herrenfirmarie enthielt): jenseits del' Stmsse
Jie ehemalige I.orenzkapelle - jede del' drei "heiIig-
weltliehen" 13nrgeo hat ihJ'e Kapclle! - mit wiederher-
gestelltem schonem Giebel, und damn sieh anschliessend
ein langes, einstOckiges Gebaude; z u l' 1\ e e h ten: wit
hohem spitzem Oaeh den Karwan, das Hans, in dem zur
Ordcnszeit das grosse Geschlitz, die Reise- und die
\Virtschaftswagen, die Schlitten nnd das Ackergerat auf-
bewahrt wurden, [11 ihm wohnte auch uer Karwao!-'herr.
Zwischen Lorenzkapelle nnd Kanvan erhebt sich in
fl'eundlichell Anlagen Jas von Siemcring geschaffene, in
5
1)( j
Fuhrer durch die Vorburg
del' Gladenbe{'kschen :Metal1giesserei gegossene Denkmal
des grosell Iiolligs Friedrich II. Del' Grundstein
zu diesem DCllkmal wunle am 12. September 1872 bei
del' Sakulal'fcier del' 'Yiedervereinig-nng Westpreusseol!
mit Preussen in Gegellwart Kaiser ,rilhelms ues Grosen
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und des Kronprinzen Friedrich ""'ilhelm gelegt; enthullt
wurde das Denkmal am. October 1877 in Gegenwl1rt des
Kronprinzen Friedrich \Vilhelm. Anf hohem Postament
von po1iertem Granitsockel, nn uesRell vier Ecken di
Rundgang urn uas Schlol>s.
67
Hochmeister Hermann yon Salza, Siegfried von Feucht-
wongen, \Vinrich von Kniproe undAlbreehtvonBranden-
burg stehn, erhebt sieh in Uberlehensgrosse die Gestalt
des grossen Konig"s, die Rechte auf den Krtickstock
gesttitzt, das Auge auf das Schloss gerichtet. (Abb, S. 66,)
Einstmals war die "' orburg'" innerhalb del' weit
ausholenden Riugmauern des Schlosses (wie sie auf dem
diesem Fuhrer beigegeLenen Stadtplan zu sehn sind)
bis auf cinen freien Platz in del' l\1itte mit \Yirtschaft&-
gebauden besetzt. Hier stand dos grosse Kornhaus an
del' .K ogat, der Bottichhof, die \Y ohnung des Ke]]E'r-
meisters, das l\1alzhaus, das Brauhaus, die Knechte-
Firmarie, del' Briefstall fUr die Schweiken d. i. die Post-
pferdc (die Briefboten des Ordens hiessen \Vitinge),
del' Steinhof, in dem die Steinkugeln fUr die Geschiitze
lagerten, daR Giesshans, in dem die Geschtitze ge-
gossen wnrdell, del' Tempel, in dem die Speisevorrate
lagcn, die 'rrapperie, die die Y orrate an Kleidung und
"V i1sche del' Ritter enthielt, die Ordensmiinze und andere
Gebaude. Da herrschte wohl fruher ein regeres 'rreiben
als heutzutageI
R.undgang.
Gehn "ir rlurch die Anlagen am Denkmal vorliber
weiter nach Norden, so fUhrt uns del' Weg zur (alten)
.Eisenbahnbriicke, zu deren Rechten wir einen runden
Turm sehn, den schiebelichtf'n odeI' Huttermilchturm,
del' im Jahre 1412 erbaut 1st. Seinem Namen giebt die
Sage folgellde Entstehung: 1m Jahre 1596 ven"eigertell
die Bauern von Gross-Lichtenau, einem Dorfrben im
Marienburgel' "\tVerder, dem polnischen Burhel'rn eine
Lieferl1ng Bnttermilch und schickten ihm spateI' vo]]
Holm ein grosses Fass dieses kostlichell Getrankes zu.
Da ]jess del' Starost vier Lichtenauer Banern so lange in
den Turm perren, bis ie die Buttermilch selbst aus-
5*
68
Rundf!ang urn das Schloss.
getrnnken hatten, Si non vera -. Bine andere Sage
erziihlt, die Banel'll hatten znr Strafe sovielllnttermilch
Hefern mtissen, dass sie ZUl' Znuereitung des lortels
fill' den ganzen Turm allsreichte.
Del' Weg- iiber die N ogntbriicke und liings des
jenseitigeu Ufers der.x ogat schenkt nns einen htibschen
Blick auf Schloss und Stadt. (.AlJu. S. 69.)
Die g-ewaltigen D i m me, die znr Bisgangszeit die
fruehtbaren Werdel' gegen Ubersehwemmung sehtitzen,
stammen aus uer Ol'denszeit unO. redeu neben dem ge-
waItigeu Schloss eine deutliche Sprache von del' genialen
Sel1affeuskraft des Ordens. NT einhard von Querfurt biess
del' Lfilldmeister, del' die Damme schtitten liess.
Bin Spaiergang auf dem hohen Damm des linken
Nogatufers malt uns zur Rechten die Niederung, das
,,)Iarienlmrg'er \Verde]' " , zur Linken Marienburg, das
Schloss und die Staut, VOl' nnsern Blick, 'Vie sieh die
Hauser dort reehts vom Schlosse dl'angeu, so dass flas am
weitesteu naeh rechts stehpn(le schipr umzufallcn drohtl
.Als suehtell sie Schutz lIutel' del' wuchtigen Gewalt des
Schlosses. - Uud dauebcn die stumpfsiuuig eonformeu
"ZeitgelllaSSen" Speicherbauteu und in ihl'em Hinter-
g-runde del' ganz "ein7ige" Giebel, del' wie eine iiber-
fliissig grosse Xase iiber uie Speicher hintibersebaut.
Kehren wir urn! - -
Dber die Scbitfbriicke ouer im Winter tiber die
Eisdecke del' N og-at kOffilllen wir ZUlli Schloss zurtick.
Wenn wil' gleich aw FluBs rechts abbiegeu, bemerkcn
wir bald hin tel' dem grossaJ tig nus eu tgegentretellden Hocb-
meisterpalaste (Abb, S. 70), o.nSi:)pr den lieu el'richteten
sC'honen spitzen Gieheln am Dache del' Westfront des
Hochschlosses, mehr im Y urdcrgruude eine gf1me Reihe
neuer Anlagen au l\1auern und rriinnen (.duu. , 29); ZI1-
uacbst zur Linken dai) mit dern Ol'denskrenz geschmtickte
Ruudgang um das Schloss.
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Rundgan!; urn lias Schloss.
sehmucke Grabellthol', weiterhin den massigen rrurm,
del' den Hel'l'ell-IJanzk darstellt, und del' durch einen
auf hohen Bogen ruhenden Gang mit del' Slid", estecke
des llochschlor::ses verbnnden i:;t, .An den )!nuerll hier
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H<!chmcl:otcrs l'..dast an tier Xogat.
in de] \V e::.tfiueht de Sehlosses wird in letztel' Zeit
fleissig gearlJcltet, naehdcm einilre _leI' delIl Sehlosse sieh
dort anfdrclllgellclen GcLaudc rni Hilfe des [arienburg-
Vereins znm AlJbruch augekanft sil1d.
Fuhrer llurch dIe Stadt
71
Das naeh del' S ogat zu belegelle, von zwei runden
'l'tirmen begleitete, iiberdachte und jetzt vollig wiede'-
hergestellte Thor ist das Rriickthor, das einstll1als
vom Schloss zur X ogatbriicke fiihrte.
Schliesslicb, an del' Sihlseite des Sehlosses, zu del'
wir nach einem Gange durch die Schuhgasse und weiter
nm die noch aus del' Ordenszeit stammende katholische
Pt'arrkirche herum gelangen, sehn wir wieder Val'
uer mit zwei Gieheleekturmen nnd einem vVindeerker
ausgestatteten Hoehschlossmauer die beiden Bfestigungs-
mauel'll, Jinks bis zum lIerrendallLk, rechts bis zur SueI-
ostecke des Schloses, zum Parcluuntnrme, reichcrHl.
K?unten wir himibersehn, so "urden wir bemel'keu.
du!:'s daB aIte Kasernenthor, das man im 18. .Tahrhunucrt
ul1l'ch uie Sudwand des Schloses unrchgebrochell hatte,
nnn nicht mehr ist. Statt dessen erhebt sich au del'
PnrCll3mIllaUer eine kleine zur Stadt fiibrcnde Pforte,
eillern OriginnJ zu Konigsberg i. Pl'. nachgebildet. Da
Pf6rtllerhauschen dazu steht unmittellJar dal1eben im
utlparchaIll,
Die Stadt.
ieht weit von del' Suuostecke des Schl08ses jeneits
del' Stras::,e steht in einer kleinen Anlage eill JJescheidenes
Dellb.lllal VOII rotlichcm Salld"tein. Es gilt dem \ n-
dellken ues hoehgesillnteu BUrgenneisters RHrtholomilus
lUumc, del' in den Zeiten del' X ot g-etren znm Orden
hieJt nod durch seinr gro:;:s3I'tige 'T erteidigung del'
Stadt Iarienbllrg im Jahre 1157 sich lIIlvcI'giingJichen
Hnlllll erworuell hat. ..11s die Stadt, nach de lIoch-
mcistel'S Y crtreillllllg aus del' l3urg, dnn'h schnoden
Verrat in tIie IIallue del' Polen liel, wurcle BJullJe znm
Lohn hir seine deutsche 'l'reue wit mehreren andel'll
Ratshel'rcn auf Befehl des K6nigs Kasirnir in einem
'I'llI'm del' Stadt f'IIthanptet. - Die lnschrit't an dCIll
72
Fubrer durch dIe Stadt.
Denkrnal la\ltet: "Zurn 400 j ahrigell Todestage des fUr
seine Gesinnungstl'eue geopferten M.annes, Die Stadt
Marienburg den 8. August 1860".
Gegentiber del' Stidwand des Hochschlosses fiihrt
eine Strasse zum lUarktplatz. Zu unSl'er Linken ziehn
sich "die niederenLauben", jenseits derStrasse "die
h o n La u be n" zu beiden Seiten des :Mar ktpIatzes
hin. Bei dem gl'ossen Brande yom 26. Juli 1899 ist
eine gauze Reihe del' scbmalen, spitzgiebeligen Hauser
an den hohen Lauben abgebrannt und in neuester Zeit
wieder aufgebaut. (Abb. hiel'unter.)
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"Ho11' Lauben."
Am Ende des Mal'ktes steht das M arienthor.
Ausser del' kathoIischen Pfnl'rkirche am NOl'dende
del' bohen LauLen (naeh dem Schlohs zu) beansprucht
das Uathaus in del' Mittc del' niederen LaulJen
ein besonderes Interesse: es sind die lJeiden Ucb;wde,
die erhaIten bliehen, aIs Heinrich von Plauen im Jahr!'
1410 zur besserell Yertcidigullg del' Bnrg dIe ganz(>
Stadt niedel'brennen Hess.
Fuhrer durch die Stadt.
73
Bin Gang durch das Mal'ientbor zeigt recbts den
Ausstellungsplatz, geracteaus das Kriegerdenkmal (hinter
ihm liegt, durch Biiume verdeckt, die evangeliscbe
Kirche), zur Linken das Kreishaus und weiter nach
vorn die Anlagen, lnmitten diesel' Anlagen ist del' Platz
zu suchen, auf dem Blumes Turm stand, des tapfern
Biirgermeisters Gefangnis und sein Sterbehaus.
Wenn wir durch die Anlagen hindurch gehn, kommen
wi l' an del' neuen Synagoge vorbei zu dem stattlichen
Postgebiiude - Inschriften libel' den Schaltern sagen uns
stolz: "Deutsche Reichs-Post schneller als Schweiken"
(die Postpferde des Ordens), "Deutsche Reiclts-Post
sicherer als Witinge" (die Boten des Ordens) - und
durch die Schulstrasse am Gymnasium vorbei; bis uns
die Querstrasse 1 in ks zum 1'opferthor and nach dem
Markte ZU, re c h ts am Gefangnis vorLei zur Briicke
tiLer den .Miihlengraben, weiter in die Langgasse und
schliesslich ZUUl Bahnhof IJinfiihrt.
Beim Abschied von Madenburg \YoUen wir zusammen-
fasend uns lloch einmal vergegenwartigen, was wir hier
gesehn. Das Schloss des deutschen Ordens Marien-
burg in WestprC'usseu ist (Springer, Kunstgeschichte II,
212) "weitam; das glimzendste Beispiel des mittelalter-
lichen SchlossLaues, die wuchtige Kraft des nordischen
Werkes mit trflnmhafcen Reizell des Slidens vereinigend,
von einem halb mOllehischeu, haIL ritterlichen Geschlecht
l.Jewohnt", es ist die Perle unter den gotischen Bau-
denkmalern des Ostens, und Ullter allen mittelalterlichen
Pl'ofanbauten \vohI del' iotereSsfinteste im ganzen Reich,
die \Viege von Pl'eussens K nltur, del' Grundstein zu
seincr jetzigen Grosse, ein 'Vahrzeichen des Dentschtums.
-..<-
I
I
I
I I t.? I t.? I t.? I t.? I t.? I e I t.? I e I
;11 ;11 ;11 ;11 ;11 /11 ;11 /11
Anhang.
Auskunftstelle.
)LlgistratsLnrcan j'lI Hath:m.;;e.
Droschken.
Die Hotels KOI1i "011 Prcu:;"en"", "Zur \larjenbnrg"" lInd
"Sta.t.lt Leip7iu," :;tellcn Hru,>clrh.ell von Illld /.um HaJuI1lOf,
Gasthofe.
Hotel Konig van Preuss en - L:wgga:,::!e- und \Lllhlengrabell-Ecke.
Hotel zur Marienburg gcgcllllber der SII(lc)stc('ke de::! Selrh):,:'3c'5.
Hotel Stadt Leipzig Kratz:hammcr-lIIHl ;-)(']lIl1icdcga-,,,,en-E('ke.
Deutsches Haus gCg'cnllucr clcm Il utel K (in i!.;" \ on J'rell",sell"',
mil Selr \\ cillcmarkt.
Werderscher Hof - R('hr:tge gegeJlllber dent Hutel K (illig \ on
Prell;sell", all der "';tra",-;e "Grv-;e neistlkltkeit-,
Hotel drei Kronen - am Hinnell\\ all.
Zum Kurfiirsten \ ur dem )larjelltltur, am \.us:,tellllng:,platz:.
Herberge zur Heimat alii \\ elscllcn (3arten (c]l\\ eillemarU).
Bahnhofsgarten aUl Ibhnhuf'.
Stadt Elbing - L:lIlgga;:,;:,e. (ll1h. Ueor!.!, Hecker,)
Weisses Lamm L:tJI!ga:,"(',
Condit.oreien und Cafes.
Kruger - huhe LallbelJ.
Sprengel lliedere. LaulJeu.
Grammelsdorf - Hiellcre L..tllhell,
76
Anbang.
Bierstuben.
A llsser den Gasthofen:
Gesellschaftshaus (mit Garten) - an den stiirltisehen Anlagen,
:.\Iar.::;challstrasse. (Inh, Pranz If ennig.)
Schutzengarten \mit Garten) - in del' :N':ihe des Beminari:!,
J unkergasse,
Unter den niederen Lauben:
Rathskeller - :Eing:lllg yom ...\[arkt, am Rathullse.
Ruhligs Re;,;taurant - liicke Knhlmannsga:,e,
Wiener Cafe (Inh. R 'J'ennig).
KM.ber.
Unter den hohen Laubcn:
Marks (frliher J' e c h n i c k).
Albrecht.
Fereth ("T einstnhe und Delikate;:;sen-HanrllulIg),
Biirgerhalle (fhiher Plincherra).
Zielinski.
Ferner:
Weiss - am ,farienthor.
Kuhnke (jetzt ..;chumacheI') - luatzhammer, gegenliher aer
8chmiede!!'as::>c.
Kluge - am Kratzhammer.
Kurtz - am KratzhanulleI', So. :20.
Liebe - dllnieuega.,e.
Altdeutsche Bierstube u, \\- eillgrosshanalung (1nh. 0, \L e i s sl e1')
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Preuss - Xeu.,tarlt.
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L. Giesow (lnh. II. .;tamm) - hohe Lanl)cn, o, 1).
H. Hempel - niedere Lauben,
Musikalienhandlung und Leihanstalt.
Korber - hohe Lanl)ell,
Anhang,
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Papierhandlungen.
Schilling - niedere LallLen.
von Blericau - niedere Lanbell.
Hinsch - Schmiedegasse.
Gtihrke - "N ellstndt.
Koppenhagen - Kratr.lmmmer,
Kiehl - Kuhlmuul1sgnsse.
Arzte.
Dr. Arbeit, 8anitutsrat, Kreisarzt - [arschallstras:;e.
Dr. Paul Wilczewski, t:anitatsrat - niedere Lauben.
Dr. Thiel - holle Lanbell, .
Dr. Loepp, prnkt, hzt, Zalmarr.t - hohe Lauben.
Dr. Hochmann - niedere Lanbell.
Dr. Bahr - Gerhergasse, gegeniiber dem .Amtsgericht.
Dr. Tiessen - Gerberg'asse.
Dr. Gartenmeister - Schulga"!se, ggellliber der Po'>t.
Dr. Haack - Lang'A"use.
Zahn kiln stIer.
Kuppke, Zalmarzt - hohe Lallben.
Hahn, Zahlltechuiker niedere Lanhen.
Apotheken und Drogerin.
Ratsapotheke - hohe "L:mhen,
Schlossapotheke - hohe l..auben.
Adler.Apotheke - uiedere LunLen.
Schloss-Drogerie - niedere Lau},en,
Drogerie zum Ltiwen - Iliedere Lauhen.
Frisor.
Carl Schmelzer - Kratzhalllmer 5.
Bader.
Ordensbad (luh. llrauereil,e.,it/er .J n h 11 k e): Kalte nnd '\ arllle,
sowie aHe nledizillis('!lell B:ider - G.erLerga,:;se, g'!:J!?;!:JIl-
uber Iler r()t.
In der Nogat an oer 1:!chifl'uriicke (\larienburger .Badl'aktien-
vereiu),
MittelmUhle hei Gehrmann.
7t;
Anhnng.
Rechtsanwalte.
Bank, Jnstizrat nnd X otar - Langgasse, nalle dem Hotel
.,Konig von Preu:,J<;en-,
Bentz, .Jllstizrat ullll X otar - gegeniiber der Post.
Diegner, Heclltsanwalt - Gerberga:;se.
Banken und Kassen.
Marienburger Privat.Aktienbank (\\T{)lke).
Reichsbanknebenstelle (Raahe).
Kreissparkasse.
SUidtische Sparkasse.
Buchdruckereien.
Stamm - TJ ohe Lauben.
O. Halb - Kratzlwwmer.
Koppenhagen - Kratzhammer.
Zeitungen.
Marienburger Zeitung mit Kreishlatt - 4 mal wochentlich.
Nogatzeitung - 3 mal wo{'hentlich.
Westpreussische Zeitung fUr Bienenzucht (Lehrer X a h r ius-
Dammfelile bei \1 arien hurg) - j:ihrlir h 18 mal. Organ
de V creins fur 13ienenzncht IInll Oh;:)tbau in \\ e...t-
prenssen.
Schulen.
Konigliches Gymnasium: Direktor Dr, K an ter.
Konigliches Lehrerseminar: Direkt.)r Schulrnt Schroter,
Landwirtschaftsschule: I )irektor J)r, K n 11 11 k e.
Taubstummenlehranstalt: J)irektor 8cllulrat llolleln\ eger.
Hohere TOchterschule.
Evangelische Gemelndeschule.
Katholische Gemeindeschule.
Fortbildungsschule.
Kochschule fUr schulentlassene M:Idchen.
K lei n kin d erbewa hranstal t.
Anhang.
79
Musik.
Musikverein (Leiter: Kimiglicher Seminarlehrer Linnarz),
Liedertafel (Dirigent: Koniglicher Seminarlehrer Li n n a r z).
MMnnergesangverein (Dirigent: Lehrer Pas c h k e-8andhof),
Kirchenchor (Dirigent: Kantor bchonsee).
Ausflugsorte der Marienburger.
Esaus Garten - ill Kalthrf, am Ende del' Schift'briwke,
Engels Garten - in V ogebang am ogatdamm (5 'Iinnten
yon cler Stadt zu Pn",;;).
Sanssouci (Langes Garten) - in Dmnmfelde (15 Minutell).
Kaisergarten - in Hoppenbrl1cb (15 Minuten).
Schlossgarten - in Hoppellbruch (15 Iinuten),
Krolzicks Garten - in vVillenberg (25 Iinuten).
Bellevue - neuecl Gartenrestaurant an del' Tessendorfer
Chaussee (10 I inutell yom Ba hnhof).
Growes Garten - in Sandhof (:30 'I inutell, an del' Ohausee
Hach Elhin),
Neuhakenberger Wald - Fol',terei (etwa 1 1 / 2 Stunden mit dem
"r agen).
Rachelshof - (5U "\filluten 13allllfahrt auf del' wreich;3elstadte-
balm M arienhl1rg-'l'horn).
Landl'at: Freiherr Senfft yon Pib.LCh.
Pfarrer, e\angeli8che: Felsch, Giirtler,
katholi.;('he: Dekan Dr. Luih ig, Kaplane Gehr-
mann, Fischer.
Rabbiner: "\Veissrock.
Kreisschulinspektor, evangeli-.;ch: Pfal'l'el' Gurtler.
kutholi"ch: Dekan r. ud wig,
.f)I.A ·
'II ,
,:\ I,.
C' \
"i - ..,
i'Ja
80
Anbang.
Literatur.
Zur weiteren Orientierung- liber die Ge8chichte der
\Iarienburg und liher die Herstellungsurbeiten (Henen. unter
anderen, folgende Schriften:
Frick=Oilly=R.abe, 3chlo!:>s 'f arienburg in Preussen. RerUn,
1799-1802.
Joh. Voigt, Geschichte Marienburgs. Klinigsherg, 1824.
Joh. Voigt, Das t;tillleben de3 llochmeisters tIes Deutschen
Ordens und seill Flirstenhof. In Hanmers hbtorischem
'l'a<;chenbuch von 1bjO. (8eite 16 It'.) Leipzig, 18:10.
Eichendorff, Die .Wiederheratellung de::! Schlvsses der
deutschen Ordensritter zu Marienburg. (Konigsberg-)
Berlin, 1844.
Steinbrecht, Prenssen zur Zeit der Landmeister. Berlin,
1088.
Tesdorpff, Die \\Tiederherstellnng der "'\[arienhurg. Konigs-
berg, 1895.
Steinbrecht, Die \Viederherstellung des \fariellbnrger
Schl03cles. Berlin, 1896.
Joachim, Das \fariellburger 'l'resslerbuch cler .Jahre 1399
Lis LlOD. Klllligsherg, 10G,
Hecht, Aua der deutschen O.stmark, (Seite 2(j!J tf.) Ci-nm-
Linnen, 1097.
Fischer, Die \[arienbnrg. lllustrirter Fuhrer. GrautIellz, 1098.
Steinbrecht, Schlo" "arielllJurg in Preu;:Isen, :Fuhrer.
5, .Aul'lage, Herlin, 1891.
W. yon Bremen, Die \[ariel )11 Eine Perle dent-!cher
Baukun<;t, In Velha o ell II II aj.ngs r ollat'4het'ten,
XV, Jahrgang 1!JOl, 0 \1 nf,thelt (Nv. 12). '-fit \h-
bildungen. ..,. \
.
-._
<i'iTEfo.
Geschaftsanzeiger und Bezugsquellenliste.
Bei alien Einkaufen und Bediirfnissen zu empfehlen.
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Conitzer. M. & Sohne. Damenkleider::.tllfle. Seidenwaaren, . 2
Danziger Zeitung .. ... . . 9 11 15
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Gasthof "Stadt Elbing". InhaLer Geurg Becker,. 15
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Grand Restaurant. J. 'Iartill Kurtz . 14
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Marienburger Zeitung nd Kreisblatt, O. Ualb 12
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MUlier, K. Photogral'hisches.A telier. Alisichten vom Schloss 12
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r;. /, ", '--.....---, '" I
'f' * i).l ' ..... -s' . I ... ,j ,,, .... k
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t / r1.:It' .PJ .., iL. : 't'"
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und den Abholestellen vierteljahrIich l\lk" bei Wglich
zweimaliger Zustellung .60 :\Jk., bei der Post ohne
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nommen in del' Expedition, Ketterhagergasse 4.
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1\\7lt'",7lt'
vi'!:",'::::'
3
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1\I.4 ,,\1.../
Vi''::::::'', I::::'
'%3}
\l'L\!!''1
1il3
kfl
...;::'!..'I""
\lrL\\'1
1il3
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,\I...I ,::;,!.'
Neues Adressbuch
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DnI('k IIl1Ll \r erlag 'Oil A. W. Kafemann, Danzig.
Prl'i '. (j \11,., hei \ O1':1n be..,tel1l1l1.u: ;),O "k.
Ueduld ivn: U:ml'ig, Kette1'hag'ergu"'se 1, part, link.."
Tel. IG
(Ueoftnet \\ erl,t.tglich "on ::'-7 Ghl'.)
Il.erl"ll'll (Jit.-Oll
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Marienburger Kalender
Westpreussische Zeitung fur Bienenzucht
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