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Текст
DER
EISENBETONBAU
EIN LEITFADEN
FÜR SCHULE UND PRAXIS
VON
C. KERSTEN
VORM. OBERINGENIEUR,
STUDIENRAT AN DER STÄDTISCHEN BAU GEWERK SCHULE BERLIN
TEIL Ui
ANWENDUNGEN IM HOCH- UND TIEFBAU
MIT ANHANG:
Kohlesparende und wärmehaltende Betonbauweisen,
Schlackcnrerwertung, Leichtbeton u. a.
Mit G32 Textabbildungen
11. Auflage
BERLIN 1922
VERLAG VON WILHELM ERNST & SOHN
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung
in fremde Sprachen, vorbehalten.
Vorwort zur 7. Auflage.
(Auszug.)
Das Buch soll dem Schüler einen Überblick über die mannig-
fachen Anwendungsmöglichkeiten des Eisenbetons verschaffen und
ihm Gelegenheit geben, das im Teil I1) Gebotene für die in der
Hoch- und Tiefbaupraxis vorkommenden Fälle auszuwerten, so daß
diese 7. Auflage mit der vor 7 Jahren erschienenen i. Auflage
eigentlich nur noch Titel und allgemeine Stoffeinteilung gemein hat
Die Umarbeitung des Buches war eine durchgreifende und in der
Hauptsache bedingt durch die großen Fortschritte, die der Eisen-
betonbau in den letzten Jahren genommen hat. Die Anzahl der
Abbildungen und Abbildungsgruppen ist von 467 auf 593 gestiegen.
Sehr viele Abbildungen sind mit schwarz angelegten Querschnitts-
flächen in starker Verkleinerung ausgeführt, um eine größere Über-
sichtlichkeit zu gewinnen und an möglichst vielen Beispielen —
ohne große Umfangsvermehrung des Buches — die unbegrenzte
Formgebungsmöglichkeit des Eisenbetons zu kennzeichnen. Für den
Schulunterricht haben sie insofern noch besonderen Wert, als sie
vom Unterrichtenden zum großen Teil zu Konstruktionsaufgaben
fllr die Schüler zweckmäßig verwandt werden können, insbesondere
zur Ausarbeitung von Eisenbiegeplanen und von Massen- und
Schalungsauszügen. Für fast alle Anwendungsformen sind Beweh-
rungsbeispiele gegeben. Der Ingenieur muß in seinen Technikern
Hilfskräfte erhalten, die ihm die mehr elementaren Dinge, wie
Ausarbeitung von Biegeplänen und Massenberechnungen, abnehmen
können und die vor allem auch in der Lage sind, nach skizzen-
haften Angaben des Ingenieurs die genaueren maßstäblichen Bau-
pläne anzufertigen.
i) Kersten. Der Eisenbetonbau, Teil I, Ausführung und Berechnung
der Grundformen. 11. Auflage 1920. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn.
Berlin W G6.
IV
Vorwort
Die Textorweiterungen sind besonders in den Abschnitten über
den Hochbau erfolgt, insbesondere in dein Kapitel Über Dach- und
Hallenbauten. Die Kenntnis zweckmäßiger Dachausbildungen in
Eisenbeton ist für den Architekten ebenso wichtig wie für den Bau-
ingenieur. In allem ist auf das rein Praktische besonderer Wert
gelegt, z. B. auf die Ausführung wasserdichter Kelleranlagen, Maschinen-
isolierungen, Fußböden, Eindeckungen von Beiondächern usw. In
besonders eingehender Weise sind die Krag- und Konsolbauten
behandelt worden, da diese gerade für den Eisenbetonbau besonders
charakteristisch sind. Überall ist Einseitigkeit in der Behandlung des
Stoffes nach Möglichkeit vermieden; es ist danach gestrebt worden,
die Erfahrungen vieler in genügend ausführlicher Weise zu Papier
zu bringen.
Die Einteilung des ganzen Stoffes entspricht jetzt mehr den
Unterrichtszwecken wie früher. Der Verfasser war bei dieser Neu-
einteilung bemüht, den verschiedenen an ihn ergangenen Wünschen
aus den Kreisen der im Lehrberuf stehenden Fachkollegen Rechnung
zu tragen.
Wie in den früheren Auflagen ist auch jetzt wieder auf 'eine
leicht verständliche Behandlung des Stoffes besonderer Wert gelegt,
so daß das Buch in seiner neuen Fassung auch zum Selbststudium
und zum Gebrauch bei den vielfach in Mode gekommenen Eisen-
beton-Sonderkursen wohlgceignet sein dürfte. Natürlich ist die Fülle
des zu behandelnden Stoffes eine viel zu große, als daß der Leitfaden
auch nur im entferntesten Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.
Um das Buch in dem vorgczcicbncten Rahmen zu erhalten, mußte
sich der Verfasser nach wie vor starker Einschränkungen bei den
einzelnen Kapiteln befleißigen und so manches Kapitel, welches für
den Anfänger und den Nichtfachmaun weniger wichtig und lehrreich
ist, ganz fortlassen oder nur in aller Kürze berühren.
Dresden-N. 23, im September 1913.
C. Kersten.
Vorwort zur 10. Auflage.
Oer Inhalt des Buches ist in zeitgemäßer Weise umgearbeitet
und ergänzt worden. So haben insbesondere die Kapitel, die die
neuzeitlichen Deckenformen, die Dacheindeckungen und
die Pfahlgründungen behandeln, eine durchgreifende Nebenbear-
beitung erfahren. Der Schüler und Architekt muß die verschie-
denen Gesichtspunkte kennen, welche für eine ungefähre Beurteilung
der Vor- und Nachteile aller neuzeitlichen Bauweisen in Betracht
kommen. Das gilt namentlich auch von den neuartigen Wand-
ausbildungen, die bezüglich ihrer Zweckmäßigkeit vom Stand-
punkt der Wärmehaltung und des Kohlesparens zu beurteilen sind.
Alle diese Fragen sind ziemlich eingehend behandelt und durch
viele Konstruktions- und Rechnungsbeispiele näher erläutert worden.
Die Wichtigkeit dieser in einem besonderen Anhang gegebenen
Besprechungen läßt es berechtigt erscheinen, wenn hier der Ver-
fasser zum Zweck besseren Verständnisses auch Dinge bringt, die
dem Eisenbetontechniker eigentlich etwas ferner liegen. Ein kleines
Mehr an dieser Stelle ist aber zur schnelleren Klärung der für den
Augenblick so ungemein wichtigen Fragen des Siedlungs- und
Wohnhausbaues wohl besser als ein Zuwenig1). Daß bei dieser
Gelegenheit auch die Herstellung und Verwendung von Schlacken-
beton und Leichtbeton behandelt wurde, dürfte selbstverständlich
erscheinen.
Schließlich ist auch noch der Schiffs- und Waggonbau
berücksichtigt worden, soweit es nach Ansicht des Verfassers den
Bedürfnissen des Buches entspricht. Ausführungen mannigfachster
Art haben gezeigt, daß der Eisenbetonschiffbau schon jetzt einen
hohen Grad von Vollkommenheit erreicht hat Er wird namentlich
*) Man vgl. meine Vorschläge über die zeitgemäße Neuordnung des Bau-
achulunterrichtes in der Deutschen Bauzeitung 1920, S. 3, sowie in der Zeit-
schrift für gewerblichen Unterricht 19J1, Nr. 11, 12.
VI
Vorwort.
für den Ersatz der eisernen Flußschiffe Uber 500 Tonnen, die nach
dem Versailler Vertrag dun Alliierten nuszuliefern sind, ernstlich in
Betracht kommen. Und auch der Waggonbau wird auf Grund der
bisherigen guten Erfahrungen ernstere Beachtung verdienen.
Die Anzahl der Abbildungen ist um 60 Stilrk vermehrt und
älteres Material durch neuere Darstellungen ersetzt worden.
Bei Abfassung des’ Anhanges, der sich vornehmlich mit den
sogen, „sparsamen“ (besser „kohlesparenden“) Bauweisen beschäftigt,
sind mir die Herren Obering. Gaßner, Reg.-Baumeister Halle
•und Dipl.-Ing. von Schwarze in liebenswürdigem Entgegenkommen
behilflich gewesen. Ich sage ihnen auch an dieser Stelle meinen
Dank für alle Mühewaltung.
Abschließend gibt der Verfasser der Hoffnung Ausdruck, daß
auch diese 10. Auflage trotz der wirtschaftlichen Notlage neue Freunde
in den Schüler- und Technikerkreisen finden wird. Eine italienische
Übersetzung des* Buches erscheint-bei L. Avalle, Turin.
Berlin W 35, im April 1921.
C. Kersten.
Vorwort zur 11. Auflage.
Die durchgreifende Neubearbeitung der io. Auflage machte es
möglich, sich bei der vorliegenden 11. Auflage auf kleine Berichtigungen
und Verbesserungen des Textes zu beschränken. Das Buch bildet
nunmehr auch eine wichtige Ergänzung des völlig neubearbeiteten
III. Teiles „Rechnungsbeispiele“, auf dessen Erscheinen zu Anfang 1923
schon jetzt aufmerksam gemacht werden möchte.
Das große Interesse des Auslandes an dem Werke „E\ynbcton-
bau“ kennzeichnet sich dadurch, das außer einer franzÖMrfien und
einer italienischen Übersetzung nunmehr auch eine spanische sich in
Vorbereitung befindet.
Berlin W35, im September 1922. *
C. Kersten.
Inhalt.
I. Anwendungen im Hochbau.
A. Die Zwischendecke»« Seite
Vorzüge der Eisenbetondecken, Wärmescfrutz, Schalldämpfung,
Auflagerung, Deckenbelag, Verputz, Ausführung, Einteilung i
i. Vollplatten im Eisenbeton.
Gewöhnliche Eisenbetonplatten 7
Bimsbetonplatten .... 11
Wölb- und V outenplatten 13
2. Rippenhohlplatten in Eisenbeton.
Allgemeines, Schalblecbe . . ......................... 14
Bauweisen Ast, Koenen (Plandecke), Giese . . 15
3. Eisensteindecken.
Bauweisen Kleine, Förster, Bimsbetonsteine . 17
4. Hohlkörperplatten mit ebener Untersicht.
Allgemeines . . . 19
Bimsbetondecken.......................................24
Bauweisen Rhenus, Ackermann, Wörner, Hermanns, Geißler,
Sieg...................................... ... .25
Bauweisen Lehmann, Zöllner, Zübliu ...................27
Bauweise Wayss (Rohrzellendecke) . . . 28
Bacula (Kastendecke) . . . 30
« Wrissenberg.................................. ; 31
5. Werkmäßig hergestellte Hohldecken, ohne Schalung
verlegt.
Allgemeines......................................... 32
Bauweise Herbst (Zylinderstegdecke) ..................34
Bauweisen Tilrk, Kiefer, Bayer, Großmann, Gißhammer,
Lehmann, Guske, Ortogen, Wünsch, Bimsbeton . . . . 35
Bauweise Siegwart..................... . 38
„ Visintini (Gitterträger)...................... «39
v! 11 Inhalt,
h. Pl.ittenbalkendecken in Eisenbeton. Seite
Allgemeines............................................. .41
Verschiedenartige Ausfllhrungsformen 44
7. Decken besonderer Formgebung.
Kassettendecken . . 47
Pilzdecken............................................... so
Außergewöhnliche Formen .... 51
Oberlichtdecken in Glaseisenbeton . 53
B. Die Stlttzeu.
Allgemeines, Eiseneinlagen . . 55
Anschluß der Balken, Ausbildung des Säulenfußes ...............57
Umschnürter Beton, Schleuderbeton, Querschnittsverstärkungen . 59
C. Die Zwischenwände.
Allgemeines 61
Bauweisen Monier, Rabitz; Drahtziegel-, Streckmetall-, Prüßwände,
Glasbausteine . .62
D. Die Treppen.
Allgemeines, Einteilung und Berechnung . 66
Ausführung von Kunststeinstufen . . .69
Auslührung ganzer Treppenanlagen . 73
Gewundene Wangenträger, Freitreppen . . . 76
E. Krag- and Konsolbauteii.
Allgemeines .... . . Jl
a) Balkone und Erker................................... 79
b) Galerien für Saal-, Kirchen- und Theaterbauten (Rang- «
konstruktionen, Galerieeinbauten) . . Si
c) Konsolen und Stützen für Kranbahnen 87
F. Sonstige Anwendungsfomien im ein fliehen Hochbau.
Tür- und Fensterstürze, Gesimse...............................89
Schornsteinkasten bei eisenbewehrten Brandmauern, Decken-
öffnungen ................................................9r
Wandrahmenwerke in Eisenbeton mit dazwischenliegender Aus-
mauerung .............................................. 95
Befestigung von Transmissionen und Lichtleitungen . 96
Rampen . . . ..... 98
Inhalt
JX
Seite
Durchfahrten und Straßenüberbrückungen.....................99
Ganze Bauwerke in Eisenbeton............................... 100
Fußböden für Geschäfts- und betriebstechnische Räume 102
G. Dach- und Hallenbauten.
i. Dachabdeckungen und -isolierungen 105
2. Dachhaut auf eisernem Tragewerk 109
3. Balkendächer ........................116
Zeltdächer........................ .... 11S
Sheddächer (Laternen- und Sägesheds)............... 119
Vordächer . . .... . . . 124
Fachwerke . . . . 125
Mansardendächer . . ... .... 125
4. Hallen mit rahmenförmigen Balken- und Bogen-
bindern.
Einteilung, Fußgelenke, Ausführung . 129
Zweistielige Rabmenbinder . .... 131
Rahmenbinder, mit Mittelstütze.................... >34
„ für drei- und mehrschiffige Hallen 134
Einstielige Hallen (Bahnsteighallen) .... 138
Bogenbinder . . . . 139
5. Gewölbe . 141
6. Kuppeln . 148
II. Anwendungen Im Grund- und Mauerwerksbau.
A. Grundbantßn.
Flachgründungen....................*.....................151
Maschinenfundamente, Isoliermittel in Form elastischer Unter-
lagen ............................................... 157
Gewölbe und Steifrahmen zur Abfangung von Lasten . 160
Werkmäßig erzeugte Rammpfähle ... . 160
Im Baugrund erzeugte Pfähle (Ortspfähle)
a) Löcher durch Rammen hergestellt . 167
b) „ „ Bohren „ .169
Kranfahtbahnen auf Eisenbetonpfählen . 174
Landungsstege, Lösch- und Ladebühnen . 175
Senkbrunnen ... 175
Inhalt.
Seite
II. Intevkellerungeu, wasserdichte Kelleraulagen . 176
C. Mauern gegen Wind-, Erd- und Wasserdruck.
1. E infriedigungs- und Blendmauern 182
2. Schießwände (Kugelfänge) ... . z . . 184
3. Mauern gegen Erddruck (Stütz- und Futter mauern).
Wandpfeiler mit dazwischen gespannten Platten . 185
Vollwände mit eingespannten Kragplatten . 186
Winkelstützmauern *.............................. 186
Stützmauern besonderer Ausführungsart 190
4. Spundwände .... 191
5. Mauern gegen Erd- und Wasserdruck (Bollwerke,
Ufer- und Kaimauern) . 192
IIT. Anwendungen im Bau von Leitungen und
Behältern.
A. Röhren, Kanäle und Durchlässe . 194
B. Flüssigkeitsbehälter.
Allgemeines.................. . . 198
Behälter mit rechteckigem Grundriß . 199
„ „ kreisförmigem „ .......... 203
Hochbehälter in Gebäuden und auf besonderem Traggestell
(Wasser türme)....................................... 207
Schwimmbecken und Thermal Wasserbehälter . rj . 218
Turbinenkammern . . •' 220
C. Behälter zur Aufbewahrung fester Körper.
Kalkbehälter, Eiskeller .... *221
Zellensilos, Kohlenbunker, Erztaschen 222
Güterwagen in Eisenbeton . 228
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
Wehre, Staudämme 230
Uferdeckungen . . . . 231
Landungs-, Seestege........................... . 233
Senkkasten (Schwimmblöcke), Schiffe . ..........233
Inhalt. XI
Seite
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
a) Land- und forstwirtschaftliche Bauten.
Stallungen, Scheunen, Landhäuser . 239
Grenzmauern, Futterkrippen nsw. 240
b) Straßen- und Eisenbahnbau.
Schwellen, Verladebühnen, Putzgruben, Lokomotivschuppen 241
Auskragungen für Straßenverbreiterungen, Randsteine . . 244
c) Industrielle Bauten, Schornsteine (Kransäulen, Kühl-
türme. Öfen, Schornsteine) . . . 244
d) Maste (Telegraphen-, Lichtmaste)....................248
e) Bauten für sportliche und wissenschaftliche Zwecke
(Rennbahnen, künstliche Berge) . . . 249
f) Bergbau . 250
Anhang.
1. Neuzeitliche Wandauslührungen im Hochbau,
a) Allgemeines......................................... 251
b) Hohlwände aus Betonplatten 253
c) Hohlblockwände................................... 260
d) Vollblock-(Leichtstein-) Wände 262
e) Gußbetonwände.................................... 264
f) Wände nach dem Thermosverfahren . . . 265
2. Feststellung des wärmetechnischen Wirkungsgrades
einer Wand.
Allgemeines , . . . 265
Rechnungsbeispiele................................ 268
Vergleichstabelle für die verschiedenen Bauweisen 270
Kobleverbrauch ... ... .271
3. Verwertung der Schlacke als Baustoff ... 272
4. Leichtbeton und leichte, auch kohlesparende Dach-
eindeckungen . . ................. 277
5. Feuerfeste, feuersichere, glutsichere Bauweisen 281
Erklärungen für abgekürzte Zeitschriftentitel.
B. u. E. « Beton u. Eisen, Verlag W. Ernst & Sohn, Berlin.
Mitt. = Deutsche Bauzeitung- „Mitteilungen über Zement-,
Beton- und Eisenbetonbau“ (Beilage).
Arm. B. « Armierter Beton (Zeitschrift eingegangen).
Bauing. = Der Bauingenieur (Verlag Jul. Springer, Berlin).
Z. d. Bauv. = Zentralblatt der Bauverwaltung, Verlag \V. Ernst
& Sohn, Berlin.
Spars. Bauw. = Sparsame Bauweise, Sitzungsberichte des Arbeits-
ausschusses im Reichsverband zur Forderung sparsamer
Bauweise, Verlag R. Mosse. Berlin (eingegangen).
II. f. E. = Handbuch für Eisenbetonbau, 3. Auflage, Verlag
W. Ernst & Sohn, Berlin.
I. Anwendungen im Hochbau.
A. Die Zwischendecken.
Sowohl bei Geschäftshaus- als auch bei Speicher- und
Fabrikbauten machen sich die Vorzüge der Eisenbeton-
dedren1), namentlich der Eisenbeton-Rippendecken, immer
mehr geltend. Zunächst bieten sie eine vollkommene
Feuersicherheit; sie erleiden bei einem Brande keine schäd-
lichen Formänderungen, bekommen keine Risse und können
die Belastungen weiter tragen. Der umhüllende Beton schützt
das Eisen gegen Rost, weshalb besondere Ummantelungen
und Anstriche unnötig sind. Größtmögliche Sicherheit ist
auch gegen Einbruchsgefahr vorhanden. Weiterhin besitzen
die Decken aus Eisenbeton eine große Widerstandsfähigkeit
gegen heftige Erschütterungen und eignen sich deshalb in
bester Weise für Fabrikgebäude. Ihre Tragfähigkeit ist eine
ganz bedeutende, ebenso ihre Steifigkeit gegen Durchbiegen.
Die geringe Konstruktionshöhe bedingt eine Ersparnis an
Umfassungs- und Scheidemauerwerk und eine Vergröße-
rung der Raum- und Fensterhöhen, mithin mehr Luft- und
Lichtzuftthrung (vgl. z. B. Abb. 191). Eine weitere Folge
der geringen-Stärke und der günstigen baulichen Anordnung
ist eine gewisse Billigkeit der Verbunddecken andern Decken
gleicher Tragfähigkeit gegenüber. Bei Verwendung weit-
gespannter Unterzüge sind sie billiger als reine Eisendecken,
vor allem dann, wenn hygienische Gesichtspunkte praktisch
berücksichtigt werden müssen. Gerade in dieser Hinsicht
sind die Verbunddecken den Holzbalkendecken bei weitem
überlegen. Ausfüllungsstoffe, welche der Gesundheit insofern
») Vgl. Leitfaden, Teil I, ll.Aufl.
Kersten, Der Ei senbetonbau. II. ll.Aufl. 1
1. Anwendungen im
*»I• .•< 1:i< h sind, als sie Brutstätten für Mikroorganismen bilden
und l> Dichtigkeit festhalten, können vermieden werden. Eine
Staubablagerung ist unmöglich, da freiliegende Träger-
llanschen fehlen. Wasserdichtigkeit kann ebenfalls erzielt
werden, und zwar entweder durch geeignete Betonmischung
oder durch einen mindesten* 1,5 bis 2 cm starken Zement-
estrich (1 TI. Zement -p 1 TI. Sand oder rTl. Zement + 2 TI.
Sand + 0,5 TI. Kalk teig oder 1 TI. Zement 4- 3 TI. Sand
+ 1 TL Kalkteig).
Ein weiterer Vorzug der Veibunddecken ist die kurze
Herstellungsdauer. Die Rohstoffe werden in einfachster
Weise angeliefert und schnell verarbeitet. Jedenfalls wird
man Verbunddecken immer dort mit Vorteil anwendeÄ,
wo es sich um umfangreiche Bauten handelt. Verschiedene
Deckenformen, wie Visintini, Siegwart, Herbst usf., bezwecken
durch fabrikmäßige Herstellung der einzelnen Deckenteile
die Fortlassung der immerhin ziemlich kostspieligen und
zeitraubenden Schalung und erreichen dadurch eine ganz
bedeutende Verkürzung der Bauzeit. Dazu kommt noch der
Vorteil größter Dauerhaftigkeit — Unterhaltungskosten fallen
gänzlich fort — sowie der Umstand, daß die Gestaltungs-
und Anpassungsfähigkeit der Verbunddecken, mag der Grund-
riß noch so schwierig sein, eine ganz hervorragende ist
(vgl. z. B. Abb. 160). Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben,
daß die Decken aus Eisenbeton eine vorzügliche Gebäude-
verankerung abgeben, welche Tatsache insbesondere bei
schlechtem Baugrund, in Bergwerks- und in Erdbeben-
gegenden von großer Bedeutung ist.
Wärmeschutz wird durch Anordnung von Hohlräumen
erzielt, ebenso durch Linoleumbelag mit Gipsestrich oder
mit 2 cm starken Korksteinplatten1) oder auch — was
am vorteilhaftesten ist — durch Zwischenlagen von Schlacken-
beton und Sand. Die gleichen Mittel sind anzuwenden,
wenn es sich darum handelt, die Hellhörigkeit *) der eisen-
l) Korkstein besteht aus einem Gemenge von zerkleinertem reinen Kork
mit mineralischem Bindemittel, durchtränkt mit heißflussigem Pech. Er ist
sehr bearbeitungsfähig, feuersicher, wärme- und schallisolicrend.
*) Näheres vgl. Kerbten. Der Eisonbetonbau. Teil I. 11. Aufl.
]. Anwendungen du Hocbjbau.
3
verstärkten Betondecken zu mildem. Die Träger und Platten
müßten von dem Mauerwerk abgetrennt werden, z. B. durch
Filzunterlagqn, Korkstein usf. Filz, oft mit Paraffin durchtränkt,
verwendet man auch gern bei Maschinenfundamenten, also
bei starken Erschütterungen, Kork mehr bei starken Be-
lastungen mit unbedeutenden Erschütterungen.
Die Beurteilung der Schalldurchlässigkeit der Decken bereitet
durch das Übergreifen in das Gebiet der Raumakustik große
Schwierigkeiten. Ein und dieselbe Deckenbauweise bewährt sich
in verschiedenen Bauwerken, bei verschiedenen Spannweiten, Dicken,
Belastungen und Unterteilungen ganz verschieden. Es ist auch zu
berücksichtigen, daß die Schallübertragung von oben nach unten
größer ist als von unten nach oben; denn im letzteren Fall kommt
nur der Luftschall in Frage. Das Zweckmäßigste bleibt in jedem
Falle eine Überschüttung der Decke mit Schlacken- oder Bims-
sand (Kiessand erhöht zu sehr das Eigengewicht). Außerdem ist
auf genügende Koustruktionshöhe zu sehen, um starke Trägerdurch-
biegungen zu vermeiden. Und schließlich sei noch an die vorteil-
haften Eigenschaften der porösen rheinischen Schwemmsteine aus
Bimssand erinnert1). Im übrigen sei aber ausdrücklich darauf auf-
merksam gemacht, daß die eigentliche und wichtigste Aufgabe der
Isolierung nicht das Behindern der bereits entstandenen Schall-
wellen, als vielmehr das Behindern der Einleitung zur Sch all-
en twicklung ist Welche Wirkung soll denn auch die beste
Isolierung eines Kegelbahn-Hohlraumes ergeben, wenn die versteifen-
den oder stützenden Teile der Isolierung beispielsweise mit der
Massivdecke verbunden werden, die über der Kegelbahn liegt, oder
mit der massiven Untergeschoßmauer, an die die Kegelbahn oft
unmittelbar angrenzt? Hier ist es vor allem wichtig, die einlei-
tenden Schallwirkungen (Anwerfen der Kugeln, Anschieben der Bahn-
wandungen, Aufschlagen der um fallen den Kegel, Rücklauf der Kugel
in der Rinne) abzudämpfen.
Zur Auflagerung der Decken können i’/s oder 2 Stein
starke Mauern (38 bzw. 51 cm) genommen werden. Nur
bei Platten von ganz geringer Spannweite und Belastung
sind Ausnahmen gestattet. Zwischenwände von 12 cm Stärke
>) Eine gute Litornturübersioht zur Frage der SehaUdfi-mpfung und
W Arm ©Isolierung bietet der 2 Ergänzungsbana des Handbuches für Eisen-
betonbau (Böhm-Gera), S. 3. Berlin 1917. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn.
1*
4 I. Anwendungen im Horhbau.
und sonstige sich nicht selbst tragende Scheidewände sind
auch dann bei der Berechnung der darunter befindlichen
Decken als Belastung zu berücksichtigen, wenn sie durch
mehrere Stockwerke übereinander angeordnet sind. Werden
dagegen die Wände in besonderer Weise mit Eisen verstärkt,
so kann man sie bei der Deckenberechriuhg unberücksichtigt
lassen (vgl. S. 63).
Als Deckenbelag kann z. B. gewählt werden:
a) 3 cm starker Holzboden (am besten Eiche) auf einbetonierten,
schwalbenschwanzförmig geschnittenen Polsterhölzern 8X8,
in Entfernungen 'von So bis 100 cm genagelt. Die Verwen-
dung von Bauschutt oder Schlacke als Füllstoff ist nicht so
empfehlenswert wie reiner, trockener S?nd oder Schlacken-
wolle;
b) Linoleum1) auf 2 cm starken, beiderseits gehobelten, pech-
durchtränkten Korksteinplatten verkittet. Die Korkunterlage
läßt sich sowohl auf 2 bis 3 cm starken, genuteten und ge-
federten Blindböden aufhageln, als auch unmittelbar auf
Beton in Mörtel oder heißflüssigem Korksteinkitt (Va cm
stark) verlegen;
c) Linoleum auf 2 bis 3 cm starkem Gipsestrich;
d) Linoleum unmittelbar auf den — gut axisgetrockneten — Beton
verklebt, und zwar mit Schellackkittmasse (nicht mit Dextrin
oder Stärkekleister):
e) Parkett (2,5 cm stark) in Asphalt (1 cm) oder auf Blindboden
verlegt:
f) Bohlenbelag mit Lagerhölzern im Beton.
g) Fliesen auf Asphalt;
h) Asbest in allen Farben;
i) 2 bis 3 cm starker Asphalt- oder Zementestrich mit Fluat-
an strich. Auch Gips, Sanitas, Terralith, Schoja, Xylolitli,
Granito usf. Die Oberfläche kann glatt bleiben, aber auch
gemustert werden. Meist auf Terrassen. Baikonen und in
Keller räumen;
k^ Asphalt auf gegossener, recht feüer Betonschicht.
9 Linoleum setzt sich aus zwei Schichten zusammen, einem kräftigen
Jutegewebe, das unten lackiert ist, und einer Deckschicht von oxydiertem
Leinöl, Korkmehl, Kolophonium und Kaurigummi. Dicke 1.6 bis 3.75 mm.
[. Anwendungen im Hochbau. 5
Bei größeren Flächen — Asphaltbelag ausgenommen — sind
vorteilhaft Ausdehnungsfugen vorzusehen (vgl. Abb. 204).
Zum Verputz nimmt man gewöhnlich Weißkalkmörtel,
r Teil Kalk+2 bis 3 Teile Sand, welchem auch Gips bei-
gegeben werden kann. In feuchten Räumen, Stallungen,
Fabriken usw., ist ein Verputz aus verlängertem Mörtel
(1 Teil Kalk +1 Teil Zement+4 bis 6 Teile Sand) zu
empfehlen oder auch ein Putz aus reinem Portlandzement.
Der Putz wird durch Rohr oder Drahtgeflecht festgehalten.
Bei Zierdecken kann ein Holz- oder Gipsverputz vorgesehen
werden. Doch genügt es auch, namentlich in Arbeitsräumen,
die Deckenunterfläche ohne Verputz zu belassen oder
nur zu weißen. Jedenfalls ist immer zu beachten, daß ein
Verputz um so besser haftet, je rauher die Betonfläche ist.
Der Putz ist kräftig an die rauhe Fläche anzuwerfen und mit
einem Reibebrett zu glätten. Das Verputzen muß sofort nach
dem Ausschalen beginnen1).
Was nun die Ausführung der Decken selbst anlangt, so
werden bei allen Bauarten, mögen sie in Einzelheiten noch
so verschieden voneinander sein, die Eisen stets in den ge-
zogenen Teil der Platten bzw. des Balkens gelegt, und zwar
möglichst nahe der höchstbeanspruchten Zugfaserschicht Die
Zugfestigkeit des Betons wird für gewöhnliche Fälle rechnerisch
außer acht gelassen. Die Verschiedenartigkeit der praktischen
Deckenausführung hat keinen nennenswerten Einfluß auf die
Berechnung an sich; nur das in Rechnung zu setzende Eigen-
gewicht wird sich von Fall zu Fall ändern. (Vgl. Teil I.)
Spannweiten von mehr als 3 bis 4 m sind für ebene
belastete Platten nicht zu empfehlen, weil in solchen Fällen
die Anordnung von Unterzügen wirtschaftlicher sein würde.
Es ist überhaupt falsch, bei Anwendung des Eisenbetons die
sonst bei Holz- und Eisenkonstruktionen üblichen Decken-
stützweiten wesentlich zu überschreiten.
Die Einteilung der Decken erfolgt entweder nach Art
ihrer Bauform oder nach Art ihrer Herstellung. Genaue
i) Vgl. Kersten. Der Eisunbetunbuu. Teil I, U. Aufl.
G
I. Anwendungen im Hochbau.
Grenzen sind im allgemeinen schwer einzuhalten. In Abb. i
sind die gebräuchlichsten Deckenformen schematisch zusammen-
gestellt:
Abb. 1
aus Zementmörtel zu tun;
a) einfache Vollplatte, beiderseits
eingespannt;
b) .einfache Vollplatte, beiderseits
frei aufliegend;
c) gewölbte Vollplatte, in gleicher
oder sich nur unwesentlich ver-
ändernder Stärke durchgeführt;
d) gewölbte Vollplatte mit ebener
Rückenfläche;
e) gewöhnlicher Plattenbalken mit
sichtbar bleibenden Rippen;
r’i* gewöhnlicher Plattenbalken mit
angehängter Rabitzdecke zurEr-
zielung einer ebenen Untersicht;
g) Steineisenplatte (bewehrte Zie-
gelsteindecken) ohne und mit
Druckplatte; statt der Rippen hat man es hier nur mit Fugen
h) Rippenplatte mit eingefügten Lcichtsteinen und einer Unter-
sicht-Betonschicht ;
i) Rippenplatte mit eingefügten Leichtsteinen, die unmittelbar
auf die Schalung verlegt werden; an der Untersicht wird also
nur der Rippenbeton zwischen den Steinen sichtbar;
k) Rippenplatte mit eingefügten, im Querschnitt rechteckigen Hohl-
körpern auf ebener Untersicht-Betonschicht;
1) Rippenplatte mit eingefügten, im Querschnitt runden Hohl-
körpern auf ebener Untersicht-Be^schicht;
m) Rippenplatte mit cingefügten Hodiplatten, sonst wie unter i)
angegeben;
n) Rippenplatte mit eingefugten Hohlkörpern,' die unten nasen-
förmige Ansätze haben, um jegliche Betonschalung zu ver-
meiden; der Beton tritt nach dem’ÄÜsrüsten der Decke nirgends
in Erscheinung;
o) Rippenplatte mit sichtbar bleibenden Rippen (Hohlplatten);
die hohlraumbildenden Schalkörper (Bleche) werden wieder
fortgenommen;
1. Anwendungen im Hochbau.
7
p) Plattendecke aus fabrikmäßig hergestellten und fertig an-
gelieferten Formbalken, ohne und mit besonderer Druckschicht;
q) Plattendecke wie vor, aber mit dazwischenliegenden Hohl-
körpern' und einer nachträglich aufzubetonierenden Druck-
schicht.
Bei allen Platten, außer bei Platte o), verbleiben die hohlraum-
bildenden Körper in der Decke; sie dienen als Seitenschalung für
die Betonstege und als Unterschalung für die Druckschicht.
'fern '
1« Vollplatten In Eisenbeton«
Die Regeln zur Herstellung solcher Vollplatten sind im
Teil I bereits eingehend besprochen worden. Es genüge
an dieser Stelle die in Abb. 2 gegebene Darstellung einer
Geschäftshausdecke. Alle Einzelheiten sind der Ab-
bildung zu entnehmen.
Zweckmäßig erscheint oft die Verwendung von ^ims-
beton1). Bimsbetondecken haben ^ewfsse Vorteile. Sie
sind leicht, ^ffo?(iern also kleinere J-Profile und geringere
F^dämenifretten/ Sie haben eine große Isolierfiftngkelt,
geben also einen guten „Abschluß gegen Wärme und Kälte
ab. Infolge der Zellenstruktur' sind sie besonders scfillT**
sicher. Putz und Stuck haften ausgezeichnet infolge der
Porosität. Auch wird das Schwitzen und Tjopfen vermieden,
wie langjährige Erfahrung gelehrt hat. Die Betonfestigkeit
ist allerdings eine nur geringe, was zur Folge hat, daß der
Bimsbeton, von Hohlkörperdecken gemäß Abb. 28 u. 29 ab-
gesehen, zumeist nur für Dacheindeckungen in Frage kommen
kann. Die sehr geringe Zugfestigkeit macht auch Risse-
bildungen leichter möglich. Schließlich ist auch der Einwand
nicht ganz unberechtigt, daß der Bimsbeton wegen seiner
großen Porosität dem Eisen (selbst‘bei fetter Mischung) nur
wenig Schutz bieten kann. Vgl. weiterhin S. 113, sowie
Kersten, Der Eiaenbetonbau, Teil I, n. Aufl.
Bisweilen sieht man Deckenausfühmngen gemäß Abb. 3, bei
welchen der Bimsbeton in Deckenmitte in der Zugzone Verwendung
J) Vgl. weiterhin die Seiten 1t, iS. 24, 110.
I. Anwendungen im Hochbau.
L. Anwendungen im Hochbau
9
findet. Man geht von dem Gedanken aus, den Kiesbeton nur an
den Auflagern (wegen .der Schubspannungen) und in der Druckzone
zu verwenden, den Bimsbeton aber dort wo Spannungen eigentlich
Abb. <
nicht auftreten, da die Zugspannungen ja allein vom Eisen auf-
genommeu werden sollen. Derartige Ausführungen können nicht
empfohlen werden, da leicht eine Trennung der beiden verschiedenen
Betonsorten eintreten kann.
Abb. 4.
Werden gemäß Abb. 4 flußeiserne I-Eisen verwandt,
so ist auf eine vorteilhafte Lagerung derselben im Mauer-
werk zu ächten. Es empfiehlt sich gemäß Abb. 8 eine
Auflagerlänge von 25 bis 30 cm und die Benutzung von
Auflagersteinen bzw. 1 bis 2 cm starken flußeisernen
Auflagerplatten, damit der Druck auf das Mauerwerk die
zulässigen Grenzen nicht überschreitet. Außerdem sind Ver-
I"
Anwendungen im Hochbau.
ankerungen durch i m lange Ankerflacheisen 50 X 10 mm
vorzusehen. Freiliegende Träger sind zum Schutz gegen
Feuer mit einer Verkleidung von eigens ge-
formten Ziegeln oder von Mörtelputz (ver-
längertem Zementmörtel) auf Rohrung, Draht-
geflecht oder Drahtziegeln1) oder mit einer
3 bis 5 cm starken Betonverklei-
dung zu versehen (vgl. Abb. 4g).
Ebenso kann man Streckmetall
verwenden, wie Abb. 5 zeigt1).
Wird keine ebene Unter-
Ahb. 5. ansicht der Decken verlangt
(z. B. in Fabriken und Lagerräumen), so
können die Platten unmittelbar auf die eisernen
Unterzüge gelegt werden (Abb. 4 a bis g).
Man spart dann wesentlich an Deckengewicht
und kann die Platte sogleich für den Fuß-
bodenbelag verwenden.
Legt man die Deckenplatte am Bauort
durchlaufend über die oberen Trägerflanschen
fort, so ist bei Anordnung der Einlagen zu
berücksichtigen, daß über den Stützpunkten
negative Momente auftreten (Abb. 4 c bis g).
Will man sich die Schalung ersparen, f} können
Platten in Breite der Trägerentfernung fabrikmäßig
hergestellt und dann in abgebundenem Zustande
an Ort und Stelle verlegt werden. Sie sind
mit Falz versehen und werden nach dem
Verlegen mit Zement gedichtet. Schließlich
kann dann noch eine besondere Zement- oder
Asphaltschicht aufgebracht werden, um den
Boden fugenlos zu machen (Abb. 4 a).
i) Die Herstellung des Drahtziegels erfolgt in Form ausgeglühter Draht-
netze mit viereckigen Maschen, auf deren Kreuzungen ziegemärt gebrannte
zum Festhalten dos Mörtels besonders geeignete Tonkörperchen auf gepreßt
werden. Die Maschen weite des Limin starken Drahtgeweo es beträgt 20 mm
Vgl. Abb. 130 auf S. 64.
Es genügt schließlich auch ein heißer Steinkohlenteeranstrich. An
die frisch geteerte Fläche wirft man zweckmäßig grobkörnigen, bis erbsgroßen
Sand und schlämmt dann zweimal mit Kalkmilch.
L Anwendungen im Hochbau.
11
Bimsbeton-Kassettenplatten nach Ausweis der
Abb. 6 bieten den Vorteil größerer Leichtigkeit und schöner
Untersicht §ie werden in fertigem Zustand angeliefert und
verlegt. Vgl. S. in u. na.
Bei Decken ohne Nutzlast (z. B. beim Abschluß eines
Treppenhauses gegen die Dachkonstruktion, vgl. z. B.
Abb. 97) kann die Auflagerung auf die Unterflanschen der
Träger erfolgen (Abb. 4n, o). Diese Unterflanschen können
nun außerhalb der Decke liegen und müssen dann einen
Ölfarbenanstrich erhalten, oder sie können von einem Rabitz-
bzw. Drahtgeflechtmantel umhüllt sein. Besser ist es aber,
wenn die Plattenunterfläche tiefer liegt als Trägerunterkante,
so daß der ganze Unterflansch vom Deckenbeton eingehüllt
ist. Die Einlagen sind dann entsprechend zu biegen
(Abb. 4n, o, p). Zum Schutz der I-Eisen kann der Beton
am Steg hochgeführt werden (Abb. 4n, p).
Will man eine solche Unter-
flanschdecke für die Anbrin-
Abb. S.
gung eines Fußbodens verwert-
bar machen, so ist eine Über-
tragung der Nutzlast durch
Mager-, Schlacken- oder Bimsbeton notwendig. Lagerhölzer
werden in die Auffüllung eingebettet (Abb. 7) oder auf die
Oberflanschen gelegt.
Um einen möglichst großen Schall- und Wärmeschutz
zu erhalten, kann man Doppeldecken verwenden. Die
Nutzlast wird dann von der oberen Decke aufgenommen,
während die untere, wesentlich schwächer konstruierte
Decke lediglich ihr Eigengewicht zu tragen hat. Man
kann für die untere Platte auch eine einfache, 2 bis 3 cm
12
]. Anwendungen im Hochbau.
starke Gipsplatten- oder Rabitzdecke *) nehmen, die nötigen-
falls ab und zu durch Bindedrähte an der’ Trageplatte auf-
gehängt ist (Abb. 9). Der Zwischenraum beider Platten
Abb. 9.
tungsröhren aller Art.
kann leer blei-
ben und eignet
sich dann be-
sonders gut für
die Durchfüh-
rung von Lei-
Andernfalls kann man schall-
dämpfende, leichte Baustoffe, wie Gipsschutt, Asche, Bims-
sand, Korkstein oder Schlacke, als Füllstoff verwerten (vgl.
z Parkett , faenbefon
8tossaftf
Abb. 10.
auch die Deckenausführung
nach Abb. 10).
Bei größeren Träger-
entfernungen als 3 bis 4 m
wäre es unratsam, ebene
Platten zu nehmen, da dann
das Eigengewicht zu groß werden würde und deshalb zu
starke Träger genommen werden müßten, die schließlich
auch eine zu bedeutende Bauhöhe, verlangen. Man nimmt
dann bisweilen Wölbplatten von .6 bis 12 cm Stärke mit
Abb 11. Abb. 1’2
einem Stich V10 his l/u (Abb. 11 u. 12). Zu geringe Stichhöhen
bedingen zu starke Horizontalschübe. Bei mittleren Gewölbe-
stärken ist das Eisennetz an der Leibung angeordnet und in
gleicher Weise zusammengesetzt wie bei den ebenen Platten,
nur daß die Tragstäbe gebogen sind. Es entspricht solche
Anordnung der Wirkung einer beiderseitigen, gleichmäßig ver-
*) Dio Rabitzdecke besteht in der Regel aus einen) ungefähr SO mm-
maschigen Gewebe von 1 bis 3 mm starken verzinkten Eisen drehten. Das
Netz wird straff angezogen und mit einer Mischung von Kalkmörtel, Gips
und KAlberiiaaren so lange beworfen, bis sich eine feste, genügend starke
3 bis 5 cm dicke Decke gebildet hnt. (Vgl. auch S. 64.)
L Anwendungen im Hochbau.
13
teilten Belastung. Doch können — bei einseitiger Belastung
des Gewölbes oder bei Einzellasten — Zugbeanspruchungen
auch in der Rückenzone auftreten. In solchen Fällen; empfiehlt
sich eine Doppelbewehrung; Abb. 12 zeigt eine gewölbeartige
Ausbildung der Deckenplatte mit ebenem Rücken; die Einlagen
sind zum Teil um die Trägerflanschen gebogen worden.
Die Wölbplatten stützen sich naturgemäß auf die Unter-
flanschen der Träger. Zur Auffüllung nimmt man wiederum
Schlacke, Mageibeton usw. Doppelgewölbe machen die Decke
schall- und wärmesicher, sind aber reichlich teuer. Man kann
auch hier, wie bei den ebenen Doppeldecken, für die untere
Platte eine schwache Rabitzdecke nehmen und sie nötigenfalls
durch Drähte am Gewölbe aufhängen (Abb. 4r).
Voutenplatten gemäß Abb. 4I bieten den Vorteil
eines größeren Einspannungsgrades. Bei der sogenannten
Koenenschen Voutenplatte (Abb. 13) hängen die einzelnen,
nahe aneinander liegenden Rundeisenstäbe im mittleren,
unten ebenen Teil der Platte kettenlinienartig durch. An
den Auflagern erheben sich die Einlagen mit entgegen-
gesetzter Krümmung bis nahe an die Oberkante der Platte,
woselbst sie um die 'Oberflanschen der Träger umgehakt
oder — was besser ist — in das Nachbarfeld weiter-
geführt weiten. Die in den berechneten Abständen an-
geordneten Rundefeenstäbe zweier benachbarter Platten-
felder sind gemäß Abb. 14 gegeneinander
versetzt, damit sie über den Trägem an-_____________________i. . i 1
Abb. 13. Abb. 14.
einander vorbeigehen und letztere von beiden Seiten um-
klammern. Die Plattenoberkante muß mindestens 3 cm über
Trägeroberflansch liegen.
Durch die Befestigungsart der Tragstäbe und die Voutenbildung
wird die Platte an den Auflagern eingespannt und das positive
i । I. Anwendungen im Hochbau.
HivguiigMiiuinent in Plattenmitte vermindert. Die Verstärkung des
ijnei’M hnitts nach den Auflagern hin entspricht auch der nach dorthin
zunehmenden Schubkraft. Gleichzeitig schützen die Voutenkörper die
von ihnen eingeschlossenen Träger vor Feuer und Rost, so daß nur
noch der Unterflansch derselben ummantelt zu werden braucht Außer-
dem erleichtert der voutenförmige .Anschluß an die Träger eine wirk-
same architektonische Ausbildung der großen Deckenflächen. Wie
zwischen Trägern kann die Voutenplatte auch unmittelbar zwischen
die Wände mit Hilfe von Ankern eingespannt werden. Den Vorteilen
der Voutendecken steht als Nachteil die umständliche und teure
Schalung gegenüber,.
Bezüglich der Decken zwischen I-Eisen vgl. weiterhin die
Abb. 4, 23, 26, 45* 58 u. 971).
2. Rippenliohlplatten in Eisenbeton.
In statischer Hinsicht hat man es hier mit Plattenbalken
zu tun, deren Rippenteilung eine sehr enge ist (Abb. 15).
Ihre Herstellung beruht auf
*1 O Fl r h der künstlichen Schaffung von
Abb 15 Hohlräumen (Aussparungen);
die hierzu dienenden Schal-
körper — in der Regel Bleche — können nach Fertigstellung
der Decke zu weiterem Gebrauch wieder fortgeriommen werden.
Man vermeide nach Möglichkeit Qlzu geringe Stegstärken,
damit die Eiseneinlagen keine zu mangelhafte Betonumhüllung
erhalten. Will man eine ebene Untersicht haben, so können
an den Rippen Kanthölzer vermittels einbetonierter Drähte
befestigt und an diesen der Rabitz- oder Stukkaturputz oder
das Rohrgeflecht angeheftet werden.
Abb. t6 zeigt Schalformen aus Schwarzblech mit Vorrichtungen
zur genauen Einstellung der Voutenentfernung. Die Länge der
Schalbleche beträgt im allgemeinen 1,0 m; doch können auch Bleche
bis zu 2,5 m Länge geliefert werden. Die Bleche haben verschiedene
Feststellmöglichkeiten. Nach a erfolgt die .Feststellung mit Holz-
latten, nach b durch Umbiegungen und nach c durch Abkantungen
Die Vollplatten zwischen oder auf eisernen Trägem haben für Dach-
eiiidnckungen besondere Bedeutung (vgL S. 109), ebenso für Bröokentnfeln
auf eisernem Tragwerk (vgl. Kersten, Balkenbrücken. 5. Auf!.).
I. Anwendungen im Hochbau.
15
der Schallbleche. Schräge Seitenflächen gemäß Abb. d haben eine be-
sonders leichte Fortnahme der Bleche zur Folge. Zum Feststellen und
Aussteifen der Bleche können auch Spannhaken oder Schließen verwandt
Abb. 16.
werden, welche in entsprechende Aussparungen greifen. Zum Aus-,
gleich an den Enden werden Paßstücke mit oder ohne Kopfblech
hergestellt. Die Formgebung dieser Paßstücke kann gemäß Abb. i6e, f
erfolgen.
Blechformen bedingen ein großes Anlagekapital, Holzformen
dagegen viel Unterhaltungskosten. Die Bretter verquellen schnell
und erschweren die Beseitigung der Schalformen.
In Abb. 17 ist
der Querschnitt einer
Ast-Decke (Ed.
Ast u. Co., Wien)
dargestellt; die
Rippen sind ungefähr
50 cm voneinander
entfernt.
Bekannt ist auch
die 'Koenenschc
PI an decke, eine
mit Rippen bzw.
Hohlräumen ver-
sehene Platte, die mit einer unterhalb der Träger durchgehenden
ebenen Decke verbunden ist.
Quer- und Längsschnitt in Abb. 18 u. 19 zeigen, daß unter
den Rippen freitragende oder aufgehängte Holzbalken oder Latten
16
I. Anwendungen im Hochbau.
angeordnet sind, die eine verschiedene Höhe haben können. Die
Latten ermöglichen sowohl eine leichte Ausführung der Rippen -
platte als auch eine bequeme Befestigung der ebenen Unterdecke.
e In die Rippen der Tragplatte sind Eisenstäbe von i cm Durchmesser
eingebettet, natürlich so tief «als möglich. Stärke des Druckgurtes
5 bis io cm. Bei der geringen Rippenteilung von 25 cm wird die
4 ebene Untersicht durch angenagelte bzw. mit verzinktem Draht an-
gebundene Rohrung und Putz (ohne Schalung) durch Gipsdielen,
Tonplatten. Drahtputz u. dgl. gebildet oder’ als Zierdecke aus Stuck
oder Holz unmittelbar befestigt. Die ebene Unterdecke geht unter-
halb der Träger ununterbrochen durch, so daß ein Reißen der-
selben entlang den Trägern oder ein Durchscheinen der letzteren
nicht ein tritt. Zum Zwecke der Stampfarbeit tragen die Holzbalken
etwa 1 m lange blecherne Lehren, die nach erfolgtem Stampfen
wieder entfernt werden.
Größte Trägerentfernung ist etwa 3,5 m. Bei starken Be-
lastungen wird die Nutzhöhe (Ä— d) dadurch vergrößert, daß man
die Betonrippen bis zur Unterdecke herunterfiihrt. Die entsprechend
tiefer gelegten Holzbalken werden nach erfolgtem Stampfen nebst
den Blechlehren wieder fortgenommen. Die Unterdecke wird an ein-
betonierten Haftern aus verzinktem Eisendraht befestigt.
> Die Giese-Decke (A. G. Dyckerhoff & Widmann) erscheint in-
Abb. 26.
nach Maßgabe der Abb. 20 verwendet wird,
.allgemeinen 5 cm stark gemacht, während die
sofern noch vor -
teilhafte r, als die
Stampfform, ein
Bacula-Gewebe,
gleichzeitig als
spätere Unterdecke
.Die Platte wird -im
Stege in drei Höhen
L Anwendungen im Hochbau.
17
von 20, 25 und 30 cm zur Anwendung kommen. Bei 30 cm Höhe
können Wbhnhausdecken bis 8 m weit gespannt werden. Vgl. weiter-
hin Mitt. 1917. S. 6, sowie B. u. E. 1915, S. 29.
3. Eisensteindeeken1).
Die Verwendung des Zementmörtels und des Betons be-
schränkt sich hier auf die Ausfüllung von Steinfugen und die
Einbettung der Eiseneinlagen, sowie auf die Herstellung
einer tragfähigen Druckschicht. Die Steindecken sind also
keine Eisenbetondecken im eigentlichen Sinne des Wortes,
sollen aber trotzdem hier mit Erwähnung finden, zumal sie
in statischer Beziehung den gewöhnlichen Decken aus Eisen-
beton (namentlich bei starken Fugen) sehr ähnlich sind.
Vorteile dieser Decken den Eisenbetondecken gegenüber:
Gewinnung eines fußwarmen und schalldämpfenden Bodens
(insbesondere bei Hohlsteinen nach Ausweis der Abb. 21)
für Wohn- und Geschäftsräume. Den
Abb. 21.
Hohlkörperdecken gegenüber besteht der
Nachteil des größeren
Eigengewichtes. Die
Steine selbst können
Voll- und Hohlsteine
sein, die Eiseneinlagen
Rund- oderBandeisen.
Abb. 22.
Hochkant gestellte Bandeisen benötigen allerdings eine größere
Deckenstärke, da die Nutzhöhe h* kleiner wird (Abb. 22).
i) Man vgl. den Runderlaß des preußischen Staatakommissars für da»
Wohnungswesen vom 23.11.1918 über die Berechnung ebener Steindecken hei
Hochbauten (Zentralbl. d. Bauverw. 1918, S. 505, oder Beton-KalenJör).
Kersten. Der Eisrnbetonbau. II. 11. Aufl. 2
18
I. Anwendungen im Huchbau.
Am bekanntesten ist die Klein esche Decke (Ahb. 23) geworden.
Bei Verwendung dieser Deckenform ist man an keine bestimmte
Steinart gebunden; man kann sowohl Voll- oder Hohlziegel als
auch poröse Loch- oder Schwemmsteine1) nehmen. In der Zug-
zone sind zwischen den Steinen hochkantig gestellte Bandeisen vor-
gesehen. Man nehme die Mörtelmischung nicht magerer als 1 TI.
Zement + 1 TI. Kalk 4» 5 bis 6 TI. Sand; am besten ist aller-
dings reiner Zementmörtel. Für die Herstellung der Decke ist °ine
vollkommene Schalung erforderlich, welche bei Verwendung von
I-Deckenträgem mittels Hängeeisen an diese befestigt werden kann.
Werden gewöhnliche Ziegel verwandt, so nimmt man bei
1,5 m Spannweite Bandeisen von 1,2 mm Stärke, und zwar werden bei
Wohnhausbelastung die Bandeisen in jede zweite Fuge, bei Geschäfts-
hausbelastung in jede Fuge verlegt. Abb. 234 zeigt die Ausführung
Abb. 24.
einer kreuzweis bewehrten Decke.
einer aufgestelzten Dachdecke
in Kleinescher Bauweise. Vgl.
auch Abb. 142.
Bimsbetonsteine gemäß
Abb. /(Bauweise Paul Dahm,
Neuwred) sind besonders
leicht; sie halben nur glatte
Flachen. Einheitliches For-
mat 15 • 20 • 25 cm. Dit Ab-
bildung zeigt verschiedene
Stellungen der Steine, je nach
Spannweite und Belastung
der Decke. Abb. 24 d veran-
schaulicht die Ausführung
Zur Vermeidung von Risse-
bildungen im Putz muß dieser ziemlich kräftig angetragen werden
(Steine nach Abb. 29 mit durchgängiger Steinuntersicht sind in dieser
Beziehung vorteilhafter; sie sind auch leichter, lassen aber mehr
Bruch entstehen).
Die Förster-Decke kann ebenfalls mit Eiseneinlagen ausge-
fllhrt werden. Der Raum für die Eismeinlagen wird geschaffen,
indem der in dem Wölbstein an der Oberfläche zwischen den
beiden Nuten liegende Steg nach Ausweis der Abb. 25 mit dem
l) Der Schwemm- oder Bimssandstein. wird auR dem Bimssand
durch Beimischung von hydraulischem Kalk hcrgehtellt
T. Anwendungen im Hochbau
19
Mauci hainmei beseitigt wird, so daß der Stein eine ausgehöhlte
Form erhält. In diese Kanäle werden Rund* und Bandeisen ein-
gcbracht, die dann mit Mörtel
umhüllt weiden. Diese An-
oidnung ist insofern vorteil-
haft, als die Eiseneinlagen
nicht nur in einer Mörtelfuge
liegen, sondern vollständig
durch Mörtel bzw. durch das
Tonmaterial der Wölbsteine
umschlossen sind, so daß eine
Einwirkung’auf das Eisen durch
Feuer oder durch andere schädliche Einflüsse nicht stattfinden
kann. Abb. 26 zeigt eine solche Förster-Decke während der Aus-
führung.
4. Hohlkörperplatten mit ebener Untersicht1)«
Hohlkörperdecken aus Eisenbeton eignen sich vor-
nehmlich für Wohn- und Geschäftshausbauten. Sie haben
vor den unter 1 besprochenen Vollplatten mancherlei Vorteile.
Man ist in der Lage, mit ihnen große Lichtweiten bei Fort-
lassung sichtbarer Rippen zu überdecken, Lichtweiten, deren
Uburdeckung mit Vollplatten selbst bei Berücksichtigung von
Einspannungen und von kreuzweiser Bewehrung nicht mehr
möglich ist. Sichtbare Rippen sind namentlich bei Wohn-
häusern, sowie in öffentlichen Gebäuden aus architektonischen
') Der 2. Ergnnzungsband des Handbuches für Eisenbetunbau, bearbeitet
v<jb K, Böhm-Oera (.»Neuere Hohlkörperdeoken”), enthält sehrljeuchtenswerte
kritiHche Untersuchungen, weshalb auf diese Arbeit empfehlend hin gewiesen
w»-rdon muß. Vgl. außerdem den Erlaß dos Berliner Polizeipräsidiums für
Lisciihrtiin-Rippendcoken vom 22. 11. 1913.
2*
20 I- Anwendungen im Hochbau.
Gründen oft nicht erwünscht, ebenso auch aus hygienischen
und betriebstechnischen Gründen. Rippen stören die Licht-
zufuhr und gestatten kein so gutes Durchlüften der Räume,
wie das bei Decken mit ebener Untersicht der Fall ist. Der
Vorzug solcher ebenen .Untersicht kann mehr oder minder
dadurch erreicht werden, daß man an eine Vollplatte mit
vortretenden Rippen nachträglich eine Rabitzverkleidung
(vgl. Abb. 9) anhängt. Sobald es sich aber um Decken
über Räumen mit hoher Innentemperatur und namentlich
um solche mit hohem Feuchtigkeitsgehalt der Luft handelt,
kann unter Umständen ein schnelles Schwellen und Faulen
der Rabitzdecke eintreten.
Hohlkörperdecken sind zweifellos auch tropfsicherer als
andere Deckenarten, ein Umstand, der für die Ausführung
in Stallgebäuden und gewissen Fabrikbetrieben von Wichtig-
keit ist. Andere Decken könnten nur dann mit Vorteil in
Frage kommen, wenn für eine in jeder Beziehung gute Durch-
lüftung des Raumes gesorgt wird. schlechten Lüftungs-
einrichtungen würden sich schließlicl.^auch Hohlkörperdecken
nicht so gut bewähren können.
Die Außenflächen der Steine müssen, um ein gutes
Anhaften des Putzes und gleichzeitig ein einwandfreies
Festsitzen der Steine im Beton zu ermöglichen, möglichst
rauh und uneben sein. An solchen Flächen haftet der
Putz stets besser als an Betonflächen. Anderseits ge-
nügt bei diesen Betondecken oft ein Abgraten und Weißen
der Fläche, während bei den Füllkörperdecken, und einem
späteren Durchscheinen der Steine vorzubeugen, ein be-
sonders guter und stark aufgetragener Putz verwandt werden
muß. Es können Brennschäden an den Steinen sichtbar
werden, und das Dunkelrot der gebrannten Steine wird nie
ganz verschwinden. Die Betonstreifen bei Ausführungen nach
Abb. 28a „schlagen durch“ was nur durch besondere Putz-
halter nach Abb. 38 c vermieden werden könnte. Putzstreifen-
bildungen vermeidet man vor allem durch Steine mit unteren
Ansätzen gemäß Abb. 39, die gleichzeitig die Einhaltung eines
stets gleichen Steinabstandes ermöglichen, allerdings auch die
I. Anwendungen im Hochbau.
21
Nutzhöhe h' etwas vermindern. Man mache diese Ansätze
nicht zu dünn, da sie sonst leicht abbrechen und außerdem
ein teilweises Durchdringen der weichen Betonmasse ermög-
lichen, was dann nicht ohne Einfluß auf die untere Sichtfläche
bleiben würde. Ein weiterer Vorteil dieser unteren Ansätze
der Steine ist in dem Umstand zu suchen, daß ein Freiliegen
der Eisen bei unvorsichtigem Stampfen von vornherein aus-
geschlossen ist. Die Fußverbreiterungen müssen genügend
groß sein, um ausreichende Rippenbreiten und damit auch
ein sachgemäßeres Stampfen zu ermöglichen.
Bei den Hohlkörperplatten kann beträchtlich an
Schalungsholz gespart werden. Allerdings bezieht sich
diese Ersparnis nicht etwa auf den Unterbau, sondern
auf die eigentliche Schalfläche (Brettfläche), an der man
30 bis 50 vH. sparen kann. Zu berücksichtigen ist außerdem,
daß auch kurze Bretter (Abfallstücke) Verwendung finden
können, ebenso billigere Brettersorten. Teure Vouten-
schalungen kommen nicht in Frage.
Das Verlegen der Decken ist verhältnismäßig einfach,
leicht zu überwachen und vollzieht sich schnell. Fehler beim
Verlegen der Eiseneinlagen sind so gut wie ausgeschlossen
(man vgl. z. B. Abb. 28 i, n).
Müssen die Hohlkörper von weit hergeschafft werden,
so können leicht Bauverzögerungen eintreten. Nachteilig
ist auch der Umstand, daß nicht nur bei der Anfuhr,
sondern auch beim Aufstapeln an der Baustelle durch
Aufschlagen von Hölzern, Baugeräten u. dgl. viel Bruch
veranlaßt werden kann. Je länger die Lagerzeit, um so
größer in der Regel der Bruchverlust Es ist jedenfalls
eine mißliche Sache, wenn nach erfolgter Ausschalung
einer Deckenuntersicht zerbrochene Steine in die Er-
scheinung treten. Man ist nicht immer in der Lage, die
entstandenen Öffnungen ihrer Größe wegen einfach mit
Mörtel zuzuwerfen. Ausbesserungen dieser Art erfordern
jedenfalls beträchtliche Kosten, eine Tatsache, mit der bei
Vollplatten nicht gerechnet zu werden braucht. Um all-
zuviel Bruch zu vermeiden, müssen die Hohlkörper eine
22
I. Anwendungen im Hochbau,
genügende Festigkeit haben und dürfen vor allem nicht zu
dünnwandig ausgeführt sein.
Bezüglich der Schall- und Wärmesicherbeit sei auf S. 3 ver-
wiesen. Nicht in jedem Falle sind die Hohlkörperdecken schall-
und wärmesicherer als Decken anderer Art. Die größere Kon-
struktionshöhe der Decken ist an sich für Schallisolierung —
der geringeren Durchbiegung der Tragelemente wegen —
zweifellos von Vorteil. Schallmildemd s5nd Tone und Bims-
steine. Doch kann in der Regel eine einwandfreie Schall-
sicherheit nur durch Beschüttung erzielt werden, die aber die
Ausführung verteuert und Eigengewicht wie Gesamtstärke der
Decke erhöht. Jedenfalls kann man durch Schaffung von
Hohlräumen allein keine Schällsicherheit erzielen; die Aus-
sparungen können sogar gute Resonanzböden bilden.
Die Kostenfrage ist schwer zu beantworten und hängt von
sehr viel Nebenumständen ab. Bei großen Spannweiten sind
die Hohlkörperdecken oft billiger als die
Rippendecken in Eisenbeton, insbesondere
dann, wenr hei diesen Rippondecken die
Schaffung Jmer ebenen Untersicht durch
angehängte Putzdecken verlangt wird.
Der Wandanschluß der Decken erfordert
aber verhältnismäßig viel Beton, da hier
die Decke bei ihrer großen Konstruk-
tionshöhe vollwandig ausgeführt werden
muß. Man ist aber in der Lage, nach. Maßgabe der
Abb. 27 die Gesamtbreite der Platte durch Steinvorkragung
zu vermindern.
Schließlich ist auch noch zu berücksichtigen, daß die
bedeutenden Konstruktipnshöhen ein Mehr an Wand-
mauerwerk bedingen, sofern die Geschoßhöhen nicht ent-
sprechend herab gemindert werden können. Verwendet man
z. B. zur Herstellung einer möglichst schallsicheren Decke
eine Kiessandauffüllung, so wird man selbst in den einfachsten
Fällen unter 20 bis 25 cm Konstruktionshöhe nicht auskommen.
Alles in allem: Die Hohlkörperdecken können nur dann wirt-
schaftliche Vorteile bieten, wenn bei großen Spannweiten eine
I. Anwendungen im Hochbau.
23
ebene Untersicht der Decke, eine einwandfreie Putzfläche und
eine möglichst große Schall- und Wärmeisolierung verlangt wird.
Nachteilig ist weiterhin der Umstand, daß man sich die
Verminderung der Momente durch Berücksichtigung von Ein-
spannungen lange nicht in dem Maße zunutze machen
kann, wie das bei Vollplatten der Fall ist. Von Nachteil ist
es auch, daß die Aufnahme von Wandlasten senkrecht zur
Rippenlage schwierig ist, da die Anordnung von Querträgern
nur dann erfolgen kann, wenn die offenen Seiten der Steine
zuvor geschlossen werden. Daß die Ausführung solcher
Querträger möglich ist, zeigt Abb. 29.
Eine nachträgliche Anbringung schwerer Körper (Trans-
missionen, Beleuchtungskörper usw.) ist bei Hohldecken nur
sehr schwer möglich, zweifellos auch ein Nachteil gegenüber
den Vollplatten.
Die Eiseneinlagen der Rippen müssen durch Bügel oder
besondere Abstandhalter in richtiger Lage erhalten bleiben.
Namentlich muß bei Verwendung von Schlackenhohlsteinen
darauf geachtet werden, daß die Eisen nicht in unmittelbare
Berührung mit den Steinen kommen, da ein gelegentliches
Zerfressen des Eisens durch die Säuren des Schlackenbetons
sehr wohl möglich ist. Weiterhin ist darauf aufmerksam zu
machen, daß mit dem Eisenquerschnitt bei Hohlkörperdecken
nicht so sparsam vorgegangen werden kann als bei den Voll-
platten, weil man bei den Hohlkörperdecken durch die Steine
in der Seitenentfernung der Eisen festgelegt ist. Man spare
auch nicht an Bügeln sowie an Verteilungsstäben, die, in der
Druckschicht gelegen, namentlich dann von Wichtigkeit sind,
wenn man es mit besonders breiten und dünnwandigen Steinen
zu tun hat (Abb. 281).
Je nach Belastung und Spannweite werden zumeist
verschiedene Steinstärken verwendet und auch verschieden
starke Druckplatten über den Steinen hergestellt. Werden
Steine von großen Breiten genommen (im* allgemeinen
nicht zu empfehlen), so ist die Druckplatte entsprechend
zu bewehren (Abb. 35).
24
L Anwendungen im Hochbau.
Abb. 28 zeigt verschiedene Ausfuhr ungsmöglichkeiten von
Hohlkörperplatten, und zwar fast ausschließlich solche mit ebener
Untersicht ’
Bimsbeton-Hohlkörperdecken nach ASb. 28a\ b, c, d
bieten den Vorzug besonderer Leichtigkeit. Nachteilig ist bei a,
daß kein allzu sicheres Sitzen der Steine im Beton ermöglicht
werden kann; besser ist in dieser Beziehung eine Ausführung
nach b. In beiden Fällen ist auch der Nachteil vorhanden, daß’-
der genaue Steinabstand nur schwer eingehalten werden kann,
schwerer jedenfalls als bei den in c und d gezeigten Steinarf-
fhhrungen. Nachteilig ist außerdem noch der Umstand, daß bei a
Abb. 29/30.
und b, sofern nicht beson-
ders kräftiger Verputz ge-
nommen wird, ein Durch-
scheinen der Rippen leicht
möglich ist. Die Ausfüh-
rung einer Remy sehen
Decke zeigt Abb. 29.
Abb. 30 liefert den
Beweis, daß bei solcher
L Anwendungen im Hochbau.
25
Deckenart auch Querrippen eingefaßt werden können. Die LJ- Steine
liegen zwischen zwei Hohlkörpern und umschließen die Querrippen,
während die Längsrippen, wie bei der einfachen Bewehrung, von
den Hohlkörpern eingeschlossen werden.
Abb. 28 e: Bimsbetondecke des Schwemmstein Werks
Heimbach, G. m. b. H., Neuwied a. Rhein. Auch diese
Steine sind, zumal sie von Hohlräumen durchzogen werden, leicht
handlich, billig im Transport und besonders schalldämpfend. Sal-
peterausschläge sind unmöglich, da Bimssand ein reines vulkanisches
Produkt ist. Im vorliegenden Falle werden die nach oben offenen
Hohlräume der Steine mit trockenem Bimskies oder dgl. aus-
gefüllt; erst dann kann die Druckschicht aufgestampft werden. —
Eine Deckenausführung nach f ist noch leichter und billiger, aber
nicht so schall- und wärmeisolierend. Die Hohlräume der Steine,
nach unten liegend, bleiben unausgeftillt. Wird für die Steine fein-
körniges Material genommen, so wird kein Verputz nötig. Eine
glatte Untersicht kann man sich durch Annageln oder Anschrauben
von etwa 3 cm dicken Bimsbetonplatten verschaffen.
Der Beton ist möglichst feinkörnig zu verwenden.
Zur Herstellung der Hohlräume verwendet man besonders
leichte Stoffe, wie Bims- und Schlackenbeton, Tonkörper,
Ziegel, Draht- und Rohrgewebe1), Bleche u. dgl. Alle
diese Körper dienen gleichzeitig als Schalung fiir die
Rippen der Platten und verbleiben dauernd in der
Decke.
Abb. 28 g zeigt die Ausführung der Rhenusdecke (E. U. Janssen
& Co , G. m. b. U., Kalk-Höhenberg b. Köln). Die Hohlkörper sind
aus Leichtbeton mit Eisenbewehrung her gestellt, und zwar mit Kern-
form und Schablonen für die Außenwandungen, stellen also keine
Maschinenarbeit dar. Es sind Rohrglieder, die in Längen bis zu
6 m geliefert werden, also eine bedeutende Ersparnis an Schalholz
gestatten. (Die Rhenusdecke gehört eigentlich zu Abschnitt 5:
vgl. z. B. die Siegwartdecke auf Seite 39.1
Hohlkörper nach Bauweise Ackermann (Abb. 28h) haben 10 bis
• 28 cm Höhe, ermöglichen also ganz bedeutende Spannweiten. Bei
den größeren Höhen ist die Ausführung der Steine allerdings vier-
i) Wegen der leichten Schilfrohrkasten kann kein Stampfbeton, sondern
muß Gußbeton verwandt werden. Das ist als ein Nachteil anzusehen und
macht die Anwendung solcher Decken für große Belastungen und Spann-
weiten fraglich. Auch saugt das Rohrgewebe die Feuchtigkeit des Betons
zu schnell auf.
26
L Anwendungen im Hochbau.
kammerig. Man gebraucht beispielsweise bei 25 em Steinhöhe und
5 cm Überbeton nur 0,10 cbm Betonmasse für die tragfähigo Decke.
Die Abb. 28 h zeigt gleichzeitig einen Steinputzhalter, der in den in
den Abb, a und b dargestellten Fällen zweckmäßig Verwendung finden
könnte, ebenso bei Anordnung breiterer Rippen fllr Aufnahme von
Wandlasten (vgl. Abb. 54)-
. Die Wörnerdecke nach
Abb. *28 i weist Eisenab-
standhalter auf, Bandeisen
von 10X1,5 mm Stärke, die
auseinanderziehbare Spira-
len bilden. Für kleine
Spannweiten und Belastun-
gen genügen Anordnungen
nach Abb. 31 u. 32. Druck-
schichten sind natürlich immer von besonderem Vorteil.
Abb. 28 k stellt die „Sicherheitsdecke* von R. Hermanns dar.
Die Hohlkörper bestehen aus ei’- yi Gemenge von Gips und Kokos-
fasern und sind in der SohlpSftte mit einer Drahtgeilechteinlage
versehen. Bemerkenswert ist die Festlegung der Zugeinlagen in
den Rippen durch wagerecht liegende Eisenstäbchen, di<A alle gleiche
Länge haben und an den Enden winkelrecht oder hakenförmig um-
gebogen sind.
Die in Abb. 28I veranschaulichte Geißler’sche Bauweise
ist insofern bemerkenswert, als sie keine durchgehende Druckplatte
aufweist. Der Druckgurt der Rippen ist seitlich durch die Schlacken-
beton-Hohlplatten begrenzt.
Die Siegdecke nach Abb. 28 m ist der Sicherheitsdecke von
Hermanns (Äbb. k) sehr ähnlich. Die als Schalung wie als Unter-
decke dienenden Hohlkörper bestehen aus einer Gipsmasse, in die
Drahtgewebe und Schilfrohr so eingebettet sind, daß sie ein ge-
nügendes Widerstandsvermögen erhalten. Das Verlegen der Hohl-
körper von nicht mehr als 2 m Länge erfolgt auf Hölzern von
etwa 12/14 vm Stärke, die unter dem Stoß angebracht werden
müssen. Um die Hohlkörper gegen das Eindringen des Wassers
beim Betonieren zu schützen, werden sie vor der Verwendung mit
wasserabwehrenden Mitteln getränkt.
Abb. 28 n veranschaulicht die Hohltondecke der Hohlton-
Eisenbeton -Vertriebsgesellschaft m. b. H.» Köln a. Rh. Die rohr-
I Anwendungen im Hochbau.
27
artig geformten Steine zeigen besondere Ansätze ftlr ein gutes
Haften im Beton und für die sachgemäße Verlegung der Bügeleisen.
Bei der Leichtsteindecke Bauweise Lehmann bestehen die
zwischen den Tragrippen eingebetteten Steine aus einem sehr porigen
Gemisch von gesiebter Koksasche, Gips und Sägespänen. Die Steine
(man vgl. auch Abb. 28b) werden in Formen gegossen, in welche
vorher dünne Dach-
teerpappe eingelegt -yr-
ist. die dann die OmkQQQ
äußere Umhüllung
der Steine bildet. ÜLi |
Die Pappe haftet gut II I
an dem Stein fest II 1
und verhindert bei || j
der Herstellung der Abb. 33.
Decken die Auf-
saugung des Wassers aus dem Beton. Die Herstellung der Decke ist
aus Äbb. 33 ersichtlich.
Bei der Zöllnerschen Zellendecke werden leichte, dünn-
wandige Hohlsteine aus gebranntem Ton oder Bimsstein verwendet.
Abb. 34.
Die Hohlsteine können entweder unmittelbar auf die Schalung
gelegt werden oder mittelbar durch eine vorher aufgebrachte Beton-
schicht (Abb. 34)-
Die Herstellungsweise der Hohlkörperdecke Bauweise Züblin
(Abb. 35) ist die folgende: Auf ein rechtwinklig sich kreuzendes
Gefüge von Schalbalken, welche zugleich die Bodenschalung
für die Betonrippen • a bilden, werden kastenförmige, vorher
betonierte Hohlkörper b mit der geschlossenen Seite nach unten
28
T. Anwendungen Im Hochbau.
verlegt, so daß dazwischen sich kreuzende hohle Kanäle entstehen,
in welche die Trageisen verlegt werden und die man dann aus-
stampft. Gleichzeitig wird die obere offene Seite der Hohlkörper
mit einer ebenfalls vorher angefertigten dünnen Eisen betonplatte c
von 21/} bis 3 cm Stärke abge'Sckt. über welche dann noch eine
obpre Schicht (zugleich Platte ^Knd Druckschicht des Trägers) von
5 bis 7 cm Stärke samt der nötigen Eisenverstärkung an Ort und
Stelle und gleichzeitig mit der Betonierung der Träger av-fgebrächt
wird. Zur besseren Verbindung des Hohlkörperdeckais mit der oberen
Betonschicht wird ersterer mit vorstehenden Bügeln d versehen.
Die Hohlkörper haben eine Größe von 96 X,96 cm und/oder
4 Versteifungsrippen, also entweder einen Querschnitt nach Abb. 36
oder Abb. 37. Dieselben sind aus Schlackenbeton gepreßt und mit
einem Drahtgewebe verstärkt; die Wandstärke beträgt Tl/a bis 2 cm.
Die Hohlkörper werden in Höhen von 17 bis 40 cm angefertigt, sn
daß die Gesamthöhe der fertigen Decke 25 bis 50 cm und das Eigen- •
gewicht derselben 215 bis 395 kg/qm beträgt.
Abb. 38.
Die Waysssche Rohrzellendecke (Abb. 38). Eigenartig an
dieser Decke ist die Ausfüllung der Rippenzwischenräume durch
1. Anwendungen im Hochbau.
29
sog. Rohrzellen, welche die Begrenzung der Seitenfläche der Balken,
der Schalung für die Platte und zugleich die Berohrung für die Unter-
sicht bilden. Die Rohrzelle ist ein i m langer Hohlkörper aus Rohr-
gcflecht,. welches über Holzrähmchcn gezogen wird, die etwa 25 cm
voneinander entfernt sind. Das Rohr wird durch Stahlbänder an die
Holzrähmchen gepreßt, so daß das Rohrgetlecht die während der Her-
stellung der Decke nötige Tragfähigkeit erhält. Zur Herstellung der
Zellen dient die Rohrzellenmaschine, auf welcher ein Arbeiter in
10 Std. 200 bis 250 Zellen erzeugen kann. Die zur Verwendung
kommenden Materialien (Schilfrohrgewebe, 0,5 bis 0,8 cm stark, dicht
geflochten — Stahlbänder, 12 X 0,2 bis 0,3 mm stark — Rahmenholz,
20 mm stark) sind nicht teuer und überall leicht zu beschaffen, so
daß die Zellen an der Baustelle angefertigt werden können. Die
Zellen sind außerordentlich leicht, etwa 5 bis 8 kg/qm Fläche. Bei
Zellen von größeren Abmessungen kann ein Mittelstcg gemäß Abb. 39d
notwendig werden, damit sie die Belastung durch den aufgebrachten
Beton ohne Einschlag tragen können.
Die Herstellung der Decke erfolgt auf einer ebenen Schalung,
auf welcher die Rohrzellen in Abständen entsprechend der Balken-
breite verlegt werden. Die Verbindung an den Stößen der Zellen
geschieht durch leichtes Antreiben. Da, wo die Decke zugleich
auch die Last einer Scheidemauer aufzunehmen hat, muß unter
derselben in der Decke eine entsprechende Stegverbreiterung vor-
genommen werden. Durch
Verwendung von Zellen
geringerer Höhe an diesen
Stellen wird auf einfache
Weise eine •Verstärkung des
Druckgurtes gemäß Abb. 39a
erzielt Abb. 39b zeigt die
Herstellung eines für große
mit Rostausbildung; durch
Abb. 39.
Lastaufnahme bestimmten Mauerträgers
Aussparen mit Rohrzellen wird eine
bedeutende Ersparnis an Beton und Gewicht erzielt.
Will man eine Plattcnbalkendecke mit ebener Untersicht her-
stcllcn, so ist die einfachste Art der Ausführung die in Abb. 39 c
angegebene, wobei die äußersten Zellen mit ihren Wandungen die
Begrenzung und Schalung für den Balken bilden. Eine solche
Decke ist sogar kaum teurer als eine Decke ohne ebene Untersicht,
da sie nur eine ebene Schalung ohne Holzverschnitt für die Stege
erforderlich macht.
30
I AtiWMiihmtfvii un II «<• 111 »nu.
bei Putz ist aut den Deckvnnntcr -ichten leicht aufzubringen.
Will man eine vollkommen bewehite Unterricht haben, so bringt
man vor dem Betonieren in die Stege Rohrgewebestreifen ein;
diese bleiben dann nach dem Abbinden des Betons an demselben
haften.
Bei den Bacula-Decken (Abb. 40» wird statt des gegen
Stampfarbeit nur wenig widerstandsfähigen Rohrgewebes ein Gewebe
aus 6 bis 10 mm starken Holzstäbchen von quadratischem Quer-
schnitt genommen, wobei die
Stäbchen in Zwischenräumen von
5 mm durch Drahtgeflecht zu
einer Matte miteinander ver-
bunden werden. Diese Matten
Abb. 40.
werden auf die Seiten- uM^ Oberteile der rechteckigen Latten-
rahmen genagelt. Abb. 41 zeigt Rüstung und Schalung (ter Decke;
die Zelle liegt von einem Pfosten zum anderen Irei auf.
Abb. 42
Bei der Kastendecke (Abb. 42) sind die unten offenen Kasten
von 1 cm dicken Brettern gemacht. Eine 3 cm starke Unterschicht
sorgt für eine gleichartige Untersicht der Decke, bedingt aber natur-
gemäß — im Gegensatz zu Abb. 41 — volle Schalfläche.
Die Eisenbeton-Hohldecke, Bauweise Wrissenberg (Abb. 43).
zeigt Hohlkörper ans leichten, dünnen, durch Einschieben anein-
andergefügten Rohren aus dünnem Schwarzblech.
I. Anwendungen hn Hochbau.
31
Auf der ebenen Schalung wird zunächst eine etwa I cm starke
Streuschüttung aus Kiesbeton hergestellt; dann werden die einzelnen
Rohre durch Ein-
schieben zu von
Auflager nach
Auflager reichen-
den Rohrsträngen
aneinandergefügt
und -«rttreh Dar-
übcilegen von
einfachen Rund-
Abb. 43, 44.
eisenbiigeln zu Paaien vereinigt In die Rundeisenbügel werden
d;mn die Deckeneisen eingelegt. Soll die Decke über stutzende
Wände oder Träger durchlaufen, so sind die Eisen gemäß
Abb. 44 nach oben abzubiegen. Es werden dann die Ver-
stärkungbrippen bis etwa Oberkante Blechrohr fcrtiggestellt und
hierauf die Abstände von Rohrpaar zu Rohrpaar mit Schlacken-
oder Bimsbeton ausgefüllt, der also mit den Einlagen selbst nicht
in Berührung kommt. Nachdem die Blechrohre so mit Kiesbeton
und Schlackenbeton allseitig umhüllt sind, wird die mindestens
5 cm starke Druckplatte aus Kiesbeton gestampft. Die Rohre
müssen natürlich steif genug sein, um beim Stampfen den nötigen
Widerstand zu leisten. Es ist auch darauf zu achten, daß die
bewehrten Tragrippen stets mit ganz frischem Beton an die Decke
an.bchließen, da eine Abbindenaht hier unter Umständen gefährlich
werden könnte. Um das Eindringen des Betons in die Rohre zu
Verhindern, kann man diese an den Enden gemäß Abb. 44 eindrücken.
Abschließend
die meisten der
zwischen I-Eisen
finden können. So
zeigt Abb. 45 die
Anwendung von
Ackermann - Stei-
nen für solchen
hall (bei Kahn-
eisenbewehrung).
sei darauf aufmerksam gemacht, daß
eben besprochenen Deckenarten auch
und Eisenbetonunterzügen Verwendung
Abb. 45.
Abb. 46 zeigt die Anordnung ver-
schieden hoher Rahmenzellen gemäß Abb. 38, um einen
stärkeren Druckgurt für den als Plattenbalken ausgebil-
32
l. Anwendungen im 'Hochbau.
Abb. 46.
üJXMmnij pnaiiwTiinn;
Ml»
OWilWl
gHIIIIIIHI 11111»
am
Abb. 47.
deten Längsunterzug zu erhalten, wäh-
rend in Abb. 47 die Anordnung der
Rahmenzellen für eine Decke wieder-
gegeben ist, deren Rippen als durch-
laufende Balken berechnet sind (vgl.
Teil I, 11. Aufl^ S. 240). Derartige An-
ordnungen sind natürlich auch mit Hohl-
körpern anderer Art möglich.
5. Wertmäßig hergestellte Hohldecken, ohne Schalung verlegt1).
Bei den soeben besprochenen Hohikörperdccken er-
folgte die Herstellung der eigentlichen Tragkörper auf
der Baustelle, also nicht auf ebener Erde. Die fabrik-
mäßig hergestellW Hohldecken sind in rein konstruktiver
Beziehung nur^zum Teil, in wirtschaftlicher Beziehung
aber nur in seltenen Fällen vorteilhafter. Vorteilhaft ist
die Ersparnis an Schalung, * welcher Vorteil durch die
Erfordernisse von Aufzugseinrichtungon oft wieder auf-
gehoben wird. Außerdem werden zur Herstellung der
Tragkörper zumeist besonders maschinelle Einrichtungen
nötig, deren Anschaffung und Unterhaltung zumeist teuer
ist. Vorteilhaft ist weiterhin die Möglichkeit de^ .schnellen
Schaffung eines Arbeitsbodens, da die Tragkörper in er-
härtetem Zustand vom Lager kommen. Die Herstellung
der Tragkörper erfolgt in den Werkstätten zu ebener
Erde, unter einer genaueren Aufsicht, als solche auf dem
Bauplatz möglich ist. Hat der Unternehmer die Balken
auf Lager, so kann die Bauzeit beträchtlich verkürzt
werden. Man ist auch von der Jahreszeit nicht abhängig;
ebenso wird eine Verzögerung der Maurerarbeiten vermieden.
Die Nachteile der werkmäßig hergestellten Hohldecken
sind im allgemeinen die folgenden: .Zumeist ist mit einem
großen Gewicht der Einzelteile zu rechnen, das natur-
gemäß das Deckengewicht erhöht (Aussparungen der
*) Auch bezüglich dieser Deckenfonncn «ei auf die Arbeit von Böhm-
Gera verwiesen (8. 19, Anmerkung 1).
I. Anwendungen im Hochbau
33
Stege nach Abb. 52 h vermindern das Gewicht, dürfen aber
aus statischen Gründen nicht zu groß gemacht werden); oft
kostspielige Transporte vom Werkplatz bis zur Baustelle (nur
selten ist die Einrichtung fliegender Werkstätten am Bauplatz
möglich); die Gefahr gewisser Bruchverluste (man spare nicht
allzusehr an Bewehrungseisen und Bügeln und richte diese
Bewehrung nicht nur für die Aufgabe der Balken als Trag-
element, sondern auch für die Gefahren des Transportes ein;
insbesondere müssen seitliche Konsolauskragungen gemäß
Abb. 52c entsprechend bewehrt sein); die Erfordernis be-
deutender Trägerhöhen, namentlich dann, wenn man Lager-
hölzer für Brettboden benötigt. Eine gewisse Baustoff-
verschwendung wird dadurch bedingt, daß man die Träger
für gewöhnlich als freiaufliegende Balken konstruieren muß,
daß man also nicht mit einer Verminderung der Biegungs-
elemente infolge Einspannung an den Auflagern bzw. über
den Stützen (wie bei durchlaufenden Trägem) rechnen kann.
Werden keine seitlichen Verbindungen der Träger nach
Maßgabe der Abb. 52f vorgesehen, so sind Einzeldurch
Biegungen der Träger bei Wirkung von Einzellasten sehr leicht
möglich; desgleichen die Bildung von Putzrissen. Überhaupt
hattet der Putz am Beton schlechter als an der Unterseite
v>n Füllkörpern. Die Decken geben keine so gute Ver-
sinket ung der Umfassungsmauern ab und sind, sofern keine
Auffüllung (Aufbetonschicht) vorgenommen wird, im all-
wmcinen nicht schallsicherer als gewöhnliche Eisenbeton-
<l< ( ken. Die im vorigen Kapitel besprochenen Füllkörper-
<!r< ken sind in dieser Beziehung entschieden vorteilhafter.
m hwicrigkeiten besonderer Art treten
»leltarh dann ein, wenn man Unterzüge
1 e-finiigt; oft ist keine genügende Beton-
• Ihp It/onc beim Balken vorhanden, und
•rh.irUhrh ist es noch als ein Nach-
»•»’ unzuschen, daß die Balken ver-
•< lucdmcr Art und Länge in größerem
I nilang auf Lager gehalten werden müssen, um gegebenen-
•. i« mit einer Bauausführung nach Auftragserteilung sofort
hilf. 1‘r i iM< nhi lOllblUL II. 11. Au.fl.
34
1. Anwendungen im Hochbau.
beginnen zu können (Kapitalaufwand). Nach Ausweis der
Abb. 48. sind bei unregelmäßig gestalteten Raumgrundrissen
zur Abdeckung ganz verschiedene Balkenlängen notwendig.
Noch größere Schwierigkeiten treten ein, sobald man genötigt
ist, winkelrecht oder schräg verlaufende Wände abzufangen.
Ebenso lassen sich nachträglicheÄnderüngv’ndes Bauprogramms
nicht so einfach und leicht berücksichtigen wie bei den
früher besprochenen Decken form en.
Eine ausgleichende Mörtelschicht — etwa für Auf-
bringung von Linoleum — wird zumeist nicht zu um-
gehen sein. Soll diese Mörtelschicht, z. B. bei der Zylinder-
stegdecke (Abb. 49), zu einer Druckschicht werden, so
bleibt es . immer sehr. fraglich, ob sich der neue Auf-
beton mit dem alten Balkenbeton sachgemäß verbindet.
Man kann eigentlich nur von einem rein mechanischen
Diese eben genannte
Zylinderstegdeckc (Bau-
weise ' Herbst) bildet ge-
wissermaßen den Über-
gang der Füllkörperdecken
zu den Decken aus werk-
mäßig hergcstellten Form-
balken. Es ist eine Decken-
Abb. 49. Abb. 50.
art, welche zeitraubende Einschalung entbehrlich macht und nur
etwas StUtzholz für die Mitten größerer Spannweiten benötigt.
Die tragenden Stege aus Beton, bewehrt mit Bandciseneinlagen,
sind in der Fabrik hergestellt und werden mit Füllzylindern aus
Schlackenbeton oder gebranntem Ton gemeinsam verlegt. Die
Stege haben eine Höhe von 20 cm und eine Mittenentfernung von
I. Anwendungen im Hochbau.
35
25 cm. Die Zylinder sind 25 cm lang und an den Seiten rauh ge-
lassen, um die Haftfestigkeit zu erhöhen.
Die ohne Unterschalung balkenmäßig verlegte Decke wird
mit Zementmörtel vergossen und dann mit irgend einem Fußboden
versehen. Die Bauhöhe einschließlich Deckenputz beträgt ungefähr
22 bis 26 cm.
In statischer Hinsicht soll die ganze Decke ein einheitliches
Tragwerk bilden; die aufgestampfte Deckplatte soll die nutzbare
Trägeijiöhe vergrößern und den Druckgurt bilden. was aber in
statischer Beziehung anzuzweifeln ist. Bevor die obere Betonschicht
die entsprechende Festigkeit erlangt hat, darf jedenfalls die Decke
nicht belastet werden.
Abb. 62.
Abb. 52a: Hohldecke Bauweise Türk (W. Türk und Sohn,
Mannheim). Die Träger zeigen die Querschnittstorm eines J-Eisens,
• itid also in rein statischer Beziehung durchaus zweckmäßig ent-
worfen. Man hat eine glatte Untersicht; doch fehlt eine seitliche
Ve: Bindung der Träger, weshalb bei Einzelbelastungen ein ver-
»ihirdcnartiges Durchbiegen der Träger und demzufolge ein Reißen
dei l’ulzcs eintreten kann. Es erscheint daher angebracht, den
\ufbrtun mit quergelegten Verteilungseisen zu versehen und durch
i und Quernuten dafür zu sorgen, daß der Auf beton sich gut
3»
36
I. Anwendungen irn Hochbau.
mit dem Druckgurt der Balken verbindet. Den Schubspannungen
in den Stegen ist durch Bügel Rechnung getragen. Bei der sta-
tischen Berechnung kann die Druckbewehrung, die auch für den
Transport der Balken nicht ohne Bedeutung ist, mit berücksichtigt
werden. Trägerhöhe 16 cm. Herstellung der Träger in gewalzten,
auf Brettern sitzenden Blechformen.
Abb. 52b: Bauweise Kiefer. Der Vorteil der größeren Stärke
der Druckflanschen wird wieder aufgehoben durch die Verminde-
rung der Flanschbreite. Die Hohlräume können mit leichten
Stoffen ausgefüllt werden. Der Überbeton füllt den Raum zwischen
den Obergurten aus.
Abb. 52c: Stegbalkendecke von Bayer. Hier ist, von an sich
richtigen statischen Erwägungen ausgehend, der Untergurt der
Träger ganz fortgelassen und lediglich durch eine Verstärkung des
Steges zwecks Unterbringung der Zugeisen ersetzt worden. Die
Träger sind also auch Verhältnis mäßig leicht. Da abeAwohl immer
eine ebene UntersichJ,jder Decke verlangt wird, werden die Minder-
kosten der Träger rfrch die Erfordernis eines nachträglichen An-
biingens einer Putzdecke wieder aufgehoben. An den Enden werden
die Träger zweckmäßig als volle Betonklötze »gefirmt. Druckschicht
mindestens 2 cm stark. 4
Abb. 52d: Bauweise Großmann, Leipzig. ‘Eine kräftige
Tliigerausbildung, auch für Decken mit Stoßlasten geeignet Einzel-
durchbiegungen können aber nicht verhindert werden. In statischer
Beziehung Ähnlichkeit mit dem Siegwartbalken (S. 39) und den
eisernen Blechträger-Kastenquerschnitten. * •
Abb. 52e: Bauweise Gißhammer, Wien. Eine mehrteilige
Betondecke, deren leicht zu handhabende'Träger in 50 bis 100 cm
Abb 53.
Abstand verlegt werden. Die Formung der Stegbalken ist derart,
daß die werkmäßig hergestellten Deckplatten in verschiedener Höhe
1. Anwendungen im Huchbau. 37
ungeordnet werden können.. Die Abbildung zeigt Holz- und Massiv-
lußboden. Eingeschobene Gipsplatten zur Erzielung einer ebenen
I ’n Ursicht verteuern die Ausführung, werden auch eine Putzstreifen-
hildung nicht gänzlich ausschließen, da Einzeldurchbiegungen der
Träger hier noch leichter möglich sind als bei den bisher be-
sprochenen Ausführungen. Abb. 53 zeigt die — wohl nicht immer
-befriedigende — architektonische Verwertung der Gißhammerdecke
ivgl.^kindbch. f. E. IX. 1. Teil, S. 133).
Abb. 52 f: Bauweise Lehmann, Karlsruhe, der in Abb. a ge-
zeigten Bauweise Türk sehr ähnlich. Doch ist hier durch ent-
sprechende Formgebung der Flanschen Vorsorge dafür getroffen, daß
Einzeldurchbiegungen verhindert werden. Vgl. hierzu auch Dar-
stellung g. Die Bügel sind schlecht geformt; weitaus besser ist
die in Abb. c angegebene konsolgemäße Bügelanordnung. Ein Auf-
beton ist nicht nötig; es genügt ein Vergießen der Fugen. Be-
merkenswert ist schließlich noch die Tatsache, daß Aussparungen
fies Steges gemäß Darstellung h vorgesehen sind.
Abb. 52i: Dreiwandbalken von Guske, Karlsruhe. Im Grund-
gedanken der Lehmanndecke ähnlich, nur daß hier der Steg nicht
in der Mitte, sondern an der Seite — gelegentlich durch dünn-
wandige Querstege ausgesteift — (Unterschied von I- und Q-Eisen).
Jeder Balken stützt sich auf den Nachbarbalken. Beachtenswert ist
die in Abb. 54 gezeigte Möglichkeit, einen unsichtbaren Unterzug in
die Decke einzubauen.
Abb. 52k: Oxtogenbalkendecke, Zürich. Winkelförmige, be-
sonders leichte Balken, die sich gegenseitig abstützen. Nachteilig ist
dis Nichtvorhandensein einer ebenen Untersicht sowie eine gewisse
hwierigkeit bei der Maueiautlagerung.
38
1. Anwendungen im Hochbau.
Abb, 521: Bauweise Wünsch, Budapest Balken mit kräftiger
Druckzone und mit Querstegen, deren Ausbildung nach Auweis der
Abbildung Einzel durchbiegungen verhindern hijft
Abb. 52 m: Bimsbeton-Kassetten platt en nach Bauweise Dahm,
Neuwied. Platten von 50 cm Breite mit Isolierhohlräumen und
seitlichen Fühiungsleisten zur Vermeidung von Einzeldurchbie-
gungen. Eine druck verteilen de Aufbetonschicht wird sich immer
empfehlen, sofern die Platten nicht für Dacheindeckungen Ver-
wendung finden (vgl. S. 11r). .
Abb. 05.
fabeton
Bims, Schlacke, Asche
Intel
U---- 'W-
tobi»! -. .. . /
, Bunsdiele, . L
“ 2,0m lang ™ Bimsbeton
Abb. ift.
Abb. 55 zeigt die Verwendung von Hohlbalken, der Firma
Zement-Industrie „Glück aut“ G. m. b. H. Freiberg i. Safhsbn zur
Herstellung von Decken nach Art der gewöhnlichen Wohnhaus-
decken (vgl. Mitt. 1917, S. 170).
Als guter Er-
satz einer Holz-
balkendecke
kann die in
Abb. 56 dar-
gestellte Aus-
führung gelten.
Die eingefügten
Bimsdielen werden bis zu 2 m lang gemacht. Die Trag-
balken bestehen im unteren Teil aus nagelbarem Bimsbeton-
Vgl. Sitzungsberichte des Reichsverbandes zur Förderung
sparsamer Bauweise 1920, S. 108.
Die in den Abb. 57 bis 59 dargestellte Siegwart-Decke
besteht aus einzelnen, fabrikmäßig hergestellten, fertig und erhärtet
in den Handel kommenden hohlen Balken aus Eisenbeton, den
sog. Siegwart-Balken, die nur an den Auflagern nebeneinander ver-
I. Anwendungen Im Hochbau.
39
legt zu werden brauchen. Die Decke als solche ist eigentlich dann
fertig und kann sofort belastet und als Arbeitsboden verwendet
werden. Das Verlegen geht so schnell vor sich, daß vier bis sechs
Abb. ö7.
Mann in einem Tage mehr als 100 m* Decke
fertig legen können. Die Herstellung der Balken
erfolgt auf maschinellem Wege. Die Beweh-
rung besteht aus Rundeisen, welche zum Teil
bei den Auflagern nach oben
geführt werden. Die Zwischen-
räume der verlegten Balken
werden mit Beton ausgc
gossen, weshalb die Seiten-
flächen der Balken rauh be-
lassen sind. Die Siegwart«
Decke kann sowohl bei freier
Endauflagerung, als auch zwi-
schen Unterzügen verwandt
werden (vgl. Abb. 57 u. 58).
Abb. 58.
Dyckerhon \ Widmann A.-G. stellen in ihrer Karlsruher Fabrik
sechs verschiedene Balkcnprofile her, Profil 12 bis 23, nach Balken-
höhe (in cm) benannt.
Bauweis« Visintini (Gitterträger). Visintini baut richtige
Fachwerkträger in Eisenbeton von 15 bis 40 cm Höhe und
cm Breite, bei welchen diejenigen Stäbe, die lediglich Druck-
spannungen aufznnrbmen haben, nur aus Beton bestehen, während»
alle anderen Stäbe, die ausschließlich oder bei entsprechender Be-
lastung Zugspannungen erhalten, mit Einlagen versehen sind. Diese
Einlagen bestehen in den Gurten aus durchgehenden Rundeisen,
um die sich die Einlagen der Streben mit ihren umgebogenen
Enden legen. Del umhüllende Betonkörper an den Knotenpunkten
vcihindert ein Gleiten zwischen den Eisen der Gurtungen und
Mi eben und wiikt somit ebenso wie eine Vernietung der Eisen-
einUgvn untereinander. In den Stäben der Druckgurte wären zwar
uh( Rücksicht aut deren Tragfähigkeit Eiseneinlagen nicht immer
I. Anwendungen im Hochbau.
unbedingt nötig, doch erweisen sie sich erforderlich, um die Ver-
bindung der Gurtungs- und Strebeneinlagen in einfacher Weise
zu sichern.
Beim Aneinanderstoßen zweier Balken in Längsrichtung bildet
sich eine schwalbenschwanzförmige Nut, welche mit ^leinen Eisen-
einlagen versehen ist und nachher, mit Zementmörtel vergossen,
genügende Sicherheit gegen das einzelne Dnrchfedern der Balken,
mithin gegen Längsrisse in der Decke gibt. Um einen Holzboden
Abb. 6i.
I. Anwendungen im Huchbau.
41
anzubringen, werden in die schwalben sch wanzförmige Nut, noch
bevor der Zementmörtel erhärtet, kleine Holzschwarten eingebettet,
auf welche der Blindboden genagelt werden kann.
Die Herstellung der Visintini-Balken erfolgt mittels hölzerner
Kasten mit eisernen Kernen und braucht nicht immer in der
^abrik zu geschehen, sondern kann auch in unmittelbarer Nähe
des Bahes vollzogen werden, wodurch an Transportkosten gespart
wird. Die Herstellung selbst erfolgt derartig, daß die Balken in
umgelegtem Zustande (Öffnungen nach obey) ausgegossen werden.
Der zur Herstellung dienende Modellkern (Abb. 61) besteht aus
drei Winkeln d, e, f, die mit dazwischenliegenden Schalbrettern //.
A und i so vefbunden sind, daß durch Auswechseln der Schal-
bretter von ver-
schiedener Länge
Modellkerne flh
die Herstellung
verschieden hoher
Gitterträger ohne
weiteres gebildet
werden können.
Abb. 62 zeigt
eine Visintini-»
Decke bei Ver-
wendung von Unterzögen und Stützen. Über Verwendung dieser
Träger im Brückenbau vgl. Kersten, Balkenbrücken» 5. Aufl.
Abb.
6. Plattenbalkendecken In Eisenbeton.
Decken in Plattenbalkenform, auf Schalung hergestellt,
sind in Teil I eingehend besprochen worden. Abb. 63 u. 64
zeigen die Ausführung einer Werkstättendecke, mit genauer
Angabe aller erforderlichen Eiseneinlagen. Außerdem sei auf
die Abb. 2, 225 u. 276 verwiesen.
Soll eine beliebig gestaltete Grundfläche abgedeckt
werden, so ist zunächst — größere Raummaße voraus-
gesetzt — die Säulenteilung festzulegen. Über die Säulen
werden dann nach der einen Richtung die Hauptträger,
nach der anderen Richtung je nach Bedarf die Neben-
träger angeordnet, die ihrerseits wieder durch die kon-
42
I. Anwendungen im Hochbau.
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’. Anwendungen im Hochbau«
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44 1. Anwendungen im Hochbau.
tinuierlich fortlaufende Platte verbu\den werden. So zeigen
beispielsweise die Abb. 65 bis 97 verschiedenartige Decken-
Abb. 66.
1200—
Abb. 67.
ausführungen für ein und den-
selben Lichtraum. Es ist von
Fall zu Fall zu untersuchen,
welche Lösung die wirtschaft-
lich beste ist.
In Abb. 68 ist
die Ausbildung
der Zwischen-
decke eines Wasserturmes dargestellt Die
Ständer sind außen durch einen ringförmig
laufenden' Randbalken miteinander verbunden.
acht
ver-
Abb 68.
Will man bei besonders weit gespannten oder stark belasteten
Balken an Baustoff und Bauhöhe sparen, so können Doppel-
balken gemäß Abb. 69 zur Verwendung gelangen (vgl. auch
Abb. 171b). Sie werden auf den Fensterpfeilern angeordnet und er-
Abb. 69.
sparen diejenigen Träger,
die sonst auf die Fenster-
stürze zu liegen kämen. Da-
mit die zusammengekup-
pelten Balken auch äußer-
lich als Ganzes wirken, kann man, wie die Abbildung zeigt, eine Rabitz-
verspannung vornehmen, die
/Andernfalls empfehlen sich
zur Aussteifung besondere
Querstege in gewissen Ab-
ständen , desgleichen Hohl-
körper gemäß Abb. 39. —
Ein anderes Beispiel eines
auch eine gute Querversteifung abgibt.
Ahb. 70.
s»
I. Anwendungen im Hochbau.
45
geteilten Steges, hier als Abschlußdecke gegen den Dachraum ge-
dacht, bietet Abb. 70. Eine Ausführung gleichen Charakters, aber
einfacherer Art veranschaulicht Abb. 71.
Zur Verringerung der Deckenstärke in Raummitte und zur
Erreichung einer festen ebenen Untersicht, die für eine nachträgliche
steinhauermäßige Bearbeitung geeignet ist, können gemäß Abb. 72
verschieden schwere Auffüllungen genommen werden, und zwar in
dem mittleren, niederen Teil Schlacke (800 kg/cbm) und in den
Seitenfeldern Kiessand (1600 kg/cbm). Auf diese Weise konnte
mechanisch eine volle Einspannung der mittleren Träger erzielt
werden, trotzdem kein breiter Druckgurt vorhanden ist und trotz-
dem die Nutzlast 500 kg/qm und die Spannweite 10,20 m betrug.
Die fehlende Druckzone wurde durch eine entsprechende Druck
einlage ersetzt (Vgl. Mitt 1911, S. 13.)
Nachteilig ist bei allen vorgenannten Ausführungen, daß die
Einschalungen bedeutende Kosten verursachen. Um nun diese
Kosten etwas herabmindern zu können, kann man die Platten aus
fertigen Dielen bilden, während nur die Rippen in der üblichen
Weise auf Rüstupg herzustellen sind. Abb. 73 veranschaulicht
eine dem Regierungsbaumeister Dr.-Ing. W. Kunze, Dresden,
geschützte Bauart. Die Stoßfugen der rd. 25 cm breiten, an der
Unterseite ausgesparten Dielen werden beim Verlegen satt mit
Zementmörtel gefüllt; sie weisen eine Nut auf, so daß sich eine
Art Mörteldttbel zwischen zwei parallelen Dielen bildet. Vgl. auch
B. u. E. 1920, S. 116.
46
I. Anwendungen im Hochbau.
Eine ähnliche Ausführung zeigt Abb. 74 (Bauweise Mertens).
Die Dielen werden aus Leichtbeton hergestellt (1600 kg/cbm) und
außerdem mit Hohlräumen versehen, so daß die Deckengewichte
etwa den Kleineschen Hohlsteindecken entsprechen. Die Dielen
kommen aus glatten Formen, werden auch mit glatter Unteransicht
geliefert und machen jeden Deckenputz entbehrlich. •
Abb. 74.
Was die Bewehrung anbelangt, so sind in allen
Fällen die Rundeisen am gebräuchlichsten. Für die
- Breite----*
Abb. 75.
Platten kann auch Streckmetall
(Abb. 75) Verwendung finden. Kahn-
eisen nach Abb. 76 zeigen seitlich
flache Lappen (Flügel), die je nach
Bedarf auf besonderen Maschinen ab-
getrennt und unter 55° als „Bügel“
abgebogen werden. Leschinsky ver-
wendet neben den Rundstäben Profileisen, um die Schalung
daran aufhängen zu können, also die Rüstung zu ersparen
Abb. 77
Abb 7*
T. Anwendungen im Hochbau. 47
(Abb. 77). Den gleichen Zweck erreicht man bei Ver-
wendung von sog. „Bulbeisen“ (Abb. 78), schienenförmigen
Profileisen mit durchbrochenem Steg und ringförmigen
Bügelschlingen, welche in den Lochungen stecken und bei
größeren Bauwerken durch Eisenkeile fest angetrieben werden.
I 7. Deeken besonderer Formgebung.
Kassettendecken in Eisenbeton geben eine gute
dekorative Wirkung ab; sie gestatten außerdem einen
sparsamen Stoffverbrauch und sind für Räume jeder
Größe anwendbar. Die Verschiedenheiten der architek-
tonischen Ausbildung sind unbegrenzt. Die Trägerrippen
werden entweder nach der einen Richtung nur blind an-
geordnet oder — was das vorteilhaftere ist und sich
namentlich bei nahezu quadratischem Grundriß sehr emp-
fiehlt — nach beiden Richtungen zur Lastübertragung
herangezogen.z Die auf eine Feldbreite entfallenden Ein-
lagen werden in der betreffenden Rippe vereinigt, so daß
jede Rippa für sich einen P attenbalken darstel’.t. Sollen
A ob y
48
I. Anwendungen im Hochbau.
besonders künstlerische Motive für die Kassettierung ge-
wählt werden, so empfiehlt sich eine vorherige Herstellung
der Platten in Gipsformen (Abb. 80).
sehen Kunstgewerbeaussteilung in Dresden (Firma Dyckerhoff u.
Widmann, A.-G.). Jeder Putz, jede Verkleidung ist vermieden. Die
< »mamente sind vom Bildhauer bearbeitet. Die Kassettenplatten
wurden in Gipsformen in der Werkstatt horgestellt, mit vergoldeten
Mosaiksteinchen (im Bilde durch die Lichtwirkung erkennbar) ver-
sehen und nach Abwaschung mit verdünnter Salzsäure am Bauort
I. Anwendungen im Huchbau.
49
in" das inzwischen fertiggestellte Tragegerippe verlegt. Mischungs-
verhältnis 1:3:3; Vorlagemischung an den Sichtflächen 1: 3.
Beim neuen Hauptbahnhof in Leipzig sind quadratische
Kassetten platten nach Abb. 8 t zur Anwendung gelangt.. Sie wurden
auf dem Boden fertig gestampft und dann in die Nuten der Rippen
v» liegt. Für die Zwecke des Verlegens dienten zwei Bügel in den
Umfassungen. Mischungsverhältnis 1 Teil Zement + 3 Teile Dolo-
* mitgrus.
Beispiele von Kassettenausbildungen an Ort und Stelle (in
Schalungen) zeigen die Abb. 82 bis 84. Ein weiteres Beispiel ist
in Abb. 85 dargestellt, die Überde'ckung des Auditorium Maximum
im neuen Kollcgiengebäude der Universität Freiburg i. B. Der
Grundriß der Decke ist eine Ellipse von 17,6 X 23,6 m. Nutzlast
500 kg qm. Gewählt wurde eine Kassettendecke aus sich kreuzenden
Plattenbalken. Die Einlagen der kürzeren Spannweiten gehen glatt
durch, während die Eisen der Längsträger an den Kreuzungsstellen
über diejenigen ^ier Querträger hinweggeführt sind. Wegen der
dadurch bedingten Verringerung der Nutzhöhen wurden an diesen
Kreuzungsstellen Ergänzungsstäbe vorgesehen. Eingefaßt ist die
Decke durch einen .in sich geschlossenen Auflager-Ringbalken von
90 cm Höhe. Näheres Mitt. 1911, S. 1.
Beim Neubau des Museums für Völkerkunde in Hamburg
wurden Kassettenschalen in Eisenbeton auf dem Boden hergestellt,
die auf der Unterseite die gewünschte Architektur, auf der Ober-
seite die nötige Deckenform zeigen (Abb. 86). Diese Kassetten-
schalen waren im Spiegel 3 cm stark und erhielten als Bewehrung
ein Geflecht von 6 mm-R.-E. und 100 mm Maschenweite. Die
Herstellung der Schalen erfolgte in Holzformen, welche innen mit
Weißblech ausgeschlagen waren. Die Kassetten schalen bildeten
Kersten, Der Eisonbetonbau. IT. ll.Aufl. 4
50
I. Anwendungen im Hochbau.
später die Schalung ihr die ^tragenden Eisenbetondecken. Das hier
zur Anwendung gelangte Verfahren kann recht empfohlen werden.
Näheres B. u. E. 1911, S. 219. Vgl. weiterhin Mitt. 1915, S. 154
(Zierdecken mit Balken Bauweise Oetimichen, Dresden).
Neuerdings gelangen die trägerlosen Pilzdecken»
namentlich in AirWika, mehr und mehr zur Anwendung.
Die Bezeichnung „pilzdecke^ ist dadurch» gegründet, daß
der Säulenanschluß an die Decke sehr an die AJntersicht
Abb. 87.
eines Pilzes erinnert (vgl. Abb. 88). Der Umständlichkeit
der Einschalung dieser Säulenköpfe kann Idurcl) Ver-
wendung fabrikmäßig her-
gestellter Stahlformen ab-
geholfen werden.*Die Vor-
züge einer glatten Decken-
untersicht (man vgl. auch
S. 20) sind vor allem
größere Reinlichkeit, bes-
sere Raumbeleuchtung, Er-
sparnis an Schalungs- und
Putzkosten und größere
Ausnutzung der ver-
In Abb. 87 ist die Pilz-
ftigbaren Stockwerkshöhe.
decke einer gewöhnlichen Plattenbalkendecke gegenüber-
Abb. 88.
I.' Amvrndungcn im Hochbau.
gestellt, während Abb. 88 die
schäftsraumes veranschaulicht.
Die Säulen haben runden
oder vieleckigen Querschnitt
und sind zumeist mit Um-
schnürung versehen (vgl. S. 56).
Die Bewehrung der Decken-
felder selbst kann nach Aus-
weis der Abb. 89 kreuzweise
erfolgen. Im übrigen vgl. die
einschlägige Literatur (u.a. Be-
ton u. Eisen 1914, S. 276 —
1915, S. 122, 195 — 1916,
S. 143 — 1917, S. 132, 158,
212, 233 — 1918, S. 22 — 1919,
38, 99. — Mitt. 1919, S. 149, 155. -
Der Bauingenieur 1920, S. 237).
gute Lichtwirkung eines Ge-
Abb. 89.
S. 93, 118 — 1920, S. 13,
Arm. Beton 1917, S. 29. —
Für Räume unter 3 m Lichtweite nimmt man in der
Regel einfache Plattendecken, andernfalls Rippendecken.
Eine Verbindung beider Deckenarten zeigt Abb. 90. Eine
Ausführung nach Abb. 91 entspricht besonderen Wünschen
des Architekten. Nach Abb. 92 ist ein halbkreisförmiges
Eisenbetongewölbe mit kassettierter Untersicht, im Quer-
Alib. 90. Abb. VI.
schnitt dargestellt, an Eisen-
betonträgem aufgehängt. Be-
sondere Vorkehrungen zur Auf-
nahme des Horizontalschubcs
Abb. 93.
4tl
52
I. Anwendungen im Hochbau.
sind also nicht mehr nötig. Im linken Teil der Abbil-
dung ist die Ausführung einer Fensterkappe dargestellt.
0,90
Mi/e/t*
\ bunter
9.S0-
- Z*
Abb. 94.
Decken bieten die Abb. 93 bis 95.
ßacfrqftn tage* ,
Einige weitere Beispiele für
die Möglichkeit der verschieden-
artigsten Formgebungen von
Die Backöfen der in Abb. 94
gezeigten Decke eines Bäckereigebäudes wiegen je 35 t; sie sind
durch eine 15 cm starke Schlackenauffilllung und eine Schamotte-
schicht nach unten hin isoliert. Abb. 95 zeigt die Formgebung
einer Decke in einem Färbereigebäude. Eine Zwischengeschoßdecke
IJbMwui
Eine in Eisenbeton ausgeftihrte Abschlußdecke eines
Treppenhauses zeigt Abb. 96. Aus Abb. 97 ist die Form-
gebung einer zwischen I-Trägern aufgehängten Monier-
decke im Neubau der Münchener Universität ersichtlich.
1. Anwendungen im Hochbau.
53
Der Mittelteil ist kassettiert; gegen die Wandumfassung fällt
die Decke um etwa 1,0 m und ist gegen die Auflager zu
konsolartig übergefUhrt.
Bei den Oberlichtdecken in Glaseisenbeton werden
ßie sonst üblichen guß- und schmiedeeisernen Rahmen
und Rippen durch Eisenbeton ersetzt, der mit den Glas-
prismen zu einer einheitlichen großen Platte zusammen-
’ gefügt ist. Vielfache Prüfungen und Probebelastungen haben
die Zweckmäßigkeit solcher Ausführungen erwiesen. Frei-
liegende Eisenteile, die verrosten können, fehlen hier; Zer-
störungserscheiriungen infolge ungleichmäßiger Temperatur-
ausdehnungen der verwandten Baustoffe sind nicht zu be-
fürchten. Ein besonderer Kostenaufwand für zeitweilig zu
wiederholende Anstriche erübrigt sich. Weitere Vorteile sind
die erhebliche Unempfindlichkeit gegen chemische Zersetzung,
die hohe Tragfähigkeit und Feuersicherheit, sowie die zumeist
geringeren Kosten gegenüber Oberlichtern in gußeisernen
Rahmen1). »Die Glasbetonkonstruktionen werden je nach dem
Bestimmungszweck nach Stärke und Tragfähigkeit abgestuft,
desgleichen nach den jeweilig zu beachtenden optischen Grund-
sätzen. Die Herstellung der Glasbetonplatten kann entweder
— bei geringeren Abmessungen — in der Werkstatt oder, wo
dies nicht angängig ist, an Ort und Stelle erfolgen.
Vielfach verwandt werden die Solfac-Glaseisenbeton •
decken der Allg. Stern-Prismen• Gesellschaft, Berlin. Sie haben
ein großes Widerstandsvermögen gegen Beschädigungen und geben
eine gute Belichtung ab. Abb. 98 zeigt die Konstruktionsweise der
Solfac-Decke, die Lagerung auf I-Eisen (mit Dehnungsfugen) und
<liv Lagerung auf einen Betonunterzug. Zu besonders wirkungs-
vollen harmonischen Raumabschlüssen können wechselweis kristall-
helle und farbige Gläser in stilgerechter Gliederung verwandt
werden. Abb. 99 stellt einen Schnitt durch zwei „Solfac-Kassett-
köipci“ dar, wie solche von der genannten Gesellschaft neuerdings
in den Handel gebracht werden. Die äußeren Flächen der Füße
’) Eiserne Rahmen müssen in der R»jgol nach Maß besonders nnge-
1 iiigl werden, amim oft eine erhebliche Verlängerung der Lieferfrist und bei
«>uU»iHeii noch UesmuhTi» Kosten f ürModellfinderungen im Gefolge Laben kann.
I. An Wendungen im Hochbau.
sind rar besseren Haftung zwischen Beton und Glas kreuzweise
geriefelt1).
Ausführungen des Deutschen Luxfer-Prismen -Syndikats (Bau-
weise Keppler) zeigen die Abb. 100 u. ioi. Die Öffnungen werden,
Abi). 98.
wie bei der zuletzt genannten Solfac-Glasplatte, am Bau verschalt,
darauf die einzelnen Glaskörper und Zugeisen eingelegt und die
Fugen vergossen. Am Rande sind die Oberlichter gemäß Abb. 100
mit einer Ausdehnungsfuge umgeben« welche mit Goudron oder
Gummizement gedichtet wird. Als Lagermittel dient in der Regel
Asphaltpappe. Eine Ausführung mit Betonunterzügen zeigt Abb. 101,
eine solche mit eisernen Unter-
zügen Abb. 102.
Schließlich sei noch ein in
Abb. 103 dargestelltes Oberlicht
i) Wenn an sieh auch Beton und Glas, namentlich wenn e» durch Sand-
strahlgebläse aufgerauht ist, gut aneinander binden, so kann doch eine
kreuzweise Riefelung der Tlaftflachcn nur vorteilhaft sein.
I. Anwendungen im Hochbau.
55
erwähnt, wie es beim Bau der New Yorker Untergrundbahn ange-
wandt wurde. Die runden Glaskörper, unten flaschenbodenartig
ausgehöhlt, liegen in einem Netzwerk von Eisenbetonbalken. Vgl.
weiterhin B. u. E. 1918, S. 103 (Festigkeits- und Bruchversuche mit
D uplex-Oberlichtplatten).
B. Die Stützen.
Über Ausführung und Berechnung von Stützen in Eisen-
beton vgl. Teil I, 11. Aufl. Stützen dieser Art erfordern keine
Unterhaltung und sind durchaus feuersicher. Jegliche Um-
mantelungen, die für die Feuersicherheit eiserner Stützen
notwendig sind, kommen in Fortfall.
Der Querschnitt der Stützen ist zumeist quadratisch.
Runde und vieleckige Querschnitte werden seltener verwandt,
da die Einschalung umständlicher und teurer wird. Ebenso
gelangen rechteckige Querschnitte (mit unsymmetrischer Ein-
lage) nur in besonderen Fällen, namentlich bei exzentrischer
Belastung und bei Rahmenpfosten, zur Anwendung.
Um die Knicksicherheit der Stützen zu erhöhen, werden
die Einlagen so weit als möglich vom Querschnittmittel-
punkt entfernt gelegt; immerhin muß zwischen Betonaußen-
fläche und Einlage noch ein genügender Abstand vorhanden
sein, damit der Beton imstande ist, ein Rosten der einzelnen
Stäbe zu verhindern und ihnen einen wirksamen Schutz
gegen Feuersglut zu bieten. Die Einlagen sind zumeist
Rundeisen, welche gleichgeteilt im Querschnitt und gleich-
laufend zueinander angeordnet sind. Man nimmt für den
Eisenquerschnitt der Längsstäbe vorteilhaft 0,8 bis 2 vH. des
GesamtstützenquerschnittsJ).
Die Anordnung von mehr als 4 tragenden
Rundeisen ist nur bei besonders großen Querschnitts-
flächen von praktischem Nutzen. Das Innere der
Stützen kann man auch nötigenfalls zwecks Unter-
bringung eines Leitungsrohres hohl gestalten (Abb. 104)’
1) Unter 1 vH. zu gehen, ist im allgemeinen nicht vor-
teilhaft; anderseits würde bei einem zu großen Eisengehalt
d<.r Bctonquerschnitt zu gering ausfaUen und dementsprechend eine Knick-
gotuhr um so leichter möglich sein.
Abb. 104.
56
[. An wend äugen im Hochbau.
Natürlich kann solche Querschnittverminderung eine gewisse Herab-
setzung der Tragfähigkeit im Gefolge haben.
Abb. 105.
Die Kanten der Stütze können zum Schutz gegen
Beschädigung gemäß Abb. 105 mit Winkeieisen (Vor-
stoßschienen) verkleidet werden. Andernfalls empfiehlt
sich ein Abschrägen der scharfen*Kanten, die sonst
zu leicht abgeschlagen werden können; ein nach-
trägliches Ausbessern bleibt stets eine mißliche Sache.
Um einem Anlegen der einzelnen Stäbe vorzubeugen
und einen gegenseingen Halt der Einlagen beim Stampfen zu
erzielen, werden in Entfernungen von 20
bis 30cm Querverbindungen durch Rund-
eisendrähte vorgesehen (vgl. Abb. 109
u. 115). Diese Drahtbügel können ver-
schiedentlich angeordnet sein. Y)ie von
Considdre eingeführten Stützen aus
spiralförmig umschnürtem Beton
bieten den großen Vorteil besonderer
Schlankheit1) (Abb. 106 u. 107). Dünner
und enger gewickelte Spiralen leisten bei
gleichem Eisenaufwand mehr als dickere
Spiralen bei größerer Ganghöhe. Durch
Versuche ist außerdem festgestellt
worden, daß die von der Querdehnung
abhängige Wirkung der Umschnürung
für fettere Betonsorten eine geringere
ist als für magere von geringerer
Druckfestigkeit, daß sich für den fetten
Beton ein wesentlich stärkerer Abfall
Abb. 106/107. in der Festigkeitszunahme! zeigt. So
ergab sich gegenüber der gewöhn-
lichen Eisenbetonsäule der Festigkeitszuwachs durch die
Umschnürung beim fetten Beton zu 11, beim mageren zu
i) Dio üblichen Eisenbetonstüteeu sind den eisernen Stützen gegenüber
noch ziemlich stark, weil die verlangte Sicherheit Im allgemeinen eine ver-
hältnismäßig hohe ist.
Über Spiralnmschnürte Säulen vgl. Kersten, Der Eisenbetonbau, Teil 1.
11. Anil.
I. Anwendungen im Hochbau.
57
48 vH., war also mehr als 4 mal so groß für den Beton von
fast nur der halben Druckfestigkeit.
Gehen die Stützen durch mehrere Stockwerke,
so ist nach oben hin der Querschnitt entsprechend der Be-
lastungsabnahme geringer zu nehmen; es macht sich dadurch
fein Abkj-öpfen der Einlagen in Höhe der
Nutzdecke notwendig. Den Stoß der Längs-
eisen lege man nicht in die untere Säule
(Abb. 108 a), sondern gemäß Abb. 108 b in
die obere Säule, indem man die Eisen
etwa 30 bis 50 cm über Deckenoberkante
hinausstehen läßt.
Abb. 10S.
Der Anschluß der Balken an die Stütze erfolgt zumeist
durch geradlinig begrenzte Vouten1) nach Maßgabe der
Abb. 109.
Abb. 110.
Abb. 87 (S. 50). Säulen und Balken bilden
ein einheitliches Ganzes und wirken auch
statisch als ein solches zusammen. Ein
anderes Beispiel, nach welchem die obere
Stütze gelenkartig aufgesetzt ist, bietet
die Abb. 109. Architektonisch besonders
ausgestaltete Balkenanschlüsse zeigen die
Abb. 110 u. in.
Abb. 111.
i) Besser ..Trägeranlauf“ oder Schräge“.
5S
I. Anwendungen im Hochbau.
Was die Ausbildung des Säulenfußes anbelangt, so
ist zu unterscheiden zwischen einer festen Verspannung mit
dem Fundament gemäß Abb. 114U. 115 (Pfosten eingespannter
Rahmen und einstieliger Bahn-
steighallen), einem stumpfen
Aufsetzen 4äuf das Fundament
oder einer gAenkartigen Lage-
’ Abb. 118.
Abb. 114.
Abb. 115.
rung gemäß
Abb.116
(Pfosten ge-
leqkartig gela-
gerter Rahmen,
Pendelsäulen).
Steht die
Stütze lose auf
einem Stampf-
betonfunda-
ment, so ist
eine Verbreiterung des Stützenfußes gemäß Abb. 112b und c
notwendig; eine Ausführung nach Abb. 112a ist zu bean-
Abb. IW.
standen. Breitere Stützenfüße machen eine besondere Be-
wehrung, etwa nach Abb. 113, nölig. In Abb. 116 sind
gelenkartige Lagerungen dargestellt, wie solche insbesondere
für Rahmenbinder in Frage kommen. Sie bezwecken, dem
I. Anwendungen im Hochbau.
59
Bauwerk jede Bewegungsfreiheit zu sichern. Nach Abb. 116g, h
sind besondere Gelenkquadem vorgesehen, die in einem eisen-
bewehrten Fundamentblock gelagert sind. In einfacheren Fällen
genügt es, die Gelenkwirkung durch einfaches stumpfes Auf-
setzen (d) oder durch Zusammenführung der Einlagen in eine
Linie, also durch absichtliche Schaffung weniger widerstands-
fähiger Querschnitte zu erzielen. Vorteilhaft sind in jedem
Falle Zwischenlagen von Asphaltpappe oder Teerfilz1).
Erhält die Stütze keinen Unterbau aus Stampfbeton oder
Backsteinmauerwerk, sondern soll sie unmittelbar auf den
Baugrund, bei Vermeidung einer Pfahl-
gründung, gesetzt werden, so machen sich
größere, allseitig ausladende Fundament-
platten gemäß Abb. 117 nötig2). Derartige
Platten können bei günstigem Baugrund
Stützenlasten von 100 bis 300 t noch mit
Abb. 117.
Sicherheit aufftehmen. Sie sind derartig zu bemessen und zu
bewehren, daß sie genügend biegungsfest werden und den
Druck möglichst gleichmäßig übertragen.
Säulen aus umschnürtem Gußeisen sind bereits im Teil I
besprochen worden. Das an sich spröde Gußeisen wird durch Um-
schnürung nach Maßgabe der
Abb. ro6 biegsam gemacht. Bei
Versuchen in Dresden (vgl.B. u. E.
19’16, S. 225) erzielte die Um-
schnürung einer Eisenbetonsäule
eine Festigkeitserhöhung von 122
auf 188 t.- Durch Zugabe von
10 vH. gewöhnlichem Gußeisen
mit 6000 kg/qcm Würfel Festig-
keit erreichte man 976 1, also
die fünffache Bruchlast.
Der Querschnitt der Säule ist
aus Abb. 11S zu ersehen.
Bisweilen gelangen auch
Stützen aus Schiender-
— m---------~
Abb. 118.
0 Über Pondclstützen vgl. Kersten, Balkenbrücken, 4. Aufl.. S. Ito.
*) Vgl. den Abschnitt „Gründungen'*.
6Ü
L Anwendungen Im Hochbnu.
beton1) zur Anwendung. Die Abb. 119 bis 121 zeigen eine derartige
Ausführung im Bflde (Neubau des Oppelner Textilosewerkes, Beton
u. Eisen 1913, S.
58). Zunächst wurde das Eisengerippe aut
maschinellem Wege hergestellt, dann dieses
Gerippe unter Zuhilfenahme von Distanz-
streifen aus Beton in die Holzform einge-
bracht (Abb. 120) un^ darauf die genau be-
messene Betonmenge. Du^ch das Schleudern
des Betons erzielte man schließlich den aus
Abb. 121 ersichtlichen Säulenquerschnitt. Zur
Ermöglichung einer besseren Verbindung der aufgestellten Säulen
mit den Shedbindem wurden schon bei der Herstellung in den
Kopf der Säulen eine Anzahl Rundeisen mit einbetoniert, die etwa
60 cm weit hervorragten.
Ist man nach dem Ausschalen
einer gewöhnlichen quadratischen
Abb. 128.
Stütze aus irgendwelchen Gründen zu einer nachträg-
lichen Querschnittsverstärkung genötigt, so kann
man gemäß Abb. 122 die alte Säule mit Eisenbeton um-
manteln, ein Mittel, das auch dann mit Vorteil angewandt
n Über Sohlend erbet on im allgemeinen vgl. Teil L 11. Anfl.
I. Anwendungen Im Hochbau.
61
werden kann, wenn eine schon länger bestehende Säule in-
folge größer gewordener Auflast zu stark beansprucht wird.
Die Verstärkung bestehender Eisenstützen kann in einer aus
Abb. 123 ersichtlichen Weise erfolgen; die Winkelstütze ist feuersicher,
| gleichzeitig aber auch tragfähiger und knickfester geworden.
C. Die Zwischenwände1).
Die Verwendung eisenverstärkter Innen- und Außen-
wände kann im Hochbau gewisse Vorteile bieten: sie sind
feuer_und einbruchsicher* *), trocknen schnell aus und haben
ein geringes Eigengewicht, da sie wesentlich dünner sind als
Wände anderer Bauart (durchschnittlich 5 bis 8 cm Stärke
und weniger). Infolge ihrer geringen Dicke gestatten sie
größere Raumabmessungen. Sie besitzen eine große Trag-
fähigkeit und haben besondere Unterzüge nicht nötig. Außer-
dem bieten %ie keine Schwierigkeiten in der Behandlung der
Ansichtsflächen (vgl. hierzu Teil I, n. Aufl.). Es lassen sich
mit Leichtigkeit Stuckomamente, Marmorplatten u. dgl. an-
bringen, ebenso Anstriche mit Weißkalk, Fluaten, öl usw.
Auch kann man die Außenseiten des Wandkörpers mit
Schlacken- oder Bimsbeton ausstampfen, welcher späterhin
vom Steinmetz wie Sandstein behauen und profiliert wird.
Trotz mancher Vorteile haben sich die Wände aus
Eisenbeton noch nicht sehr eingebürgert, zumal sie in der
Regel wegen der beträchtlichen Schalkosten recht teuer
werden können. Man verwendet sie zumeist nur in
Fabriken und Lagerhäusern. Für Wohnräume können sie
insofern unvorteilhaft sein, als sie schlechte Wärmeleiter
bilden und unter Umständen den Feuchtigkeitsgehalt der
Luft erhöhen helfen. Außerdem sind sie nicht nagelbar;
ein Einschlagen von Haken und Nägeln ist nur mit
Zuhilfenahme von Steinbohrern und Holzdübeln mög-
') Über freistehende Wände vgl. Abschnitt 11, C, 1 und über Außenwände
(Hohlblockwände) den Anhangaußerdem vgL die Abschnitte über Wasser-
behälter, Silobauten und Stützmauern.
*) W&nde in Eisenbeton sind schon von 3 cm ab glutsicher. (Vgl. die
im Anhang wiedergpgebenen Feststellungen der Berliner Baupolizei.)
62
I. Anwendungen im Hochbau.
lieh1). Sie haben in unbearbeitetem, ungeputztem Zustand
ein schlechtes Aussehen, weshalb man des öfteren eine Back-
steinverkleidung vorsieht. Da die Vertikalbelastung der Wände
größtenteils eine sehr geringe ist, empfiehlt sich Ziegelmauer-
werk als Füllung zwischen Eisenbetonpfeilem und -pfosten (vgl.
Abb. 207). Man nehme in solchen Fällen das Mauerwerk
höchstens einen Stein stark, da sonst die Kosten zu beträchtlich
werden. Zur Ausfüllung verwendet man auch Schlacken- und
Bimsbeton oder nagelbare Zementdieken, die auf dem Bauplatz
angefertigt sind. Dadurch werden die Baukosten in oft be-
trächtlichem Maße vermindert. Tür- und Fensteröffnungen
.Ti können bei den Eisenbetonwänden durch wandstarke
Hölzer oder durch” C-Profileisen eingefaßt werden. Die
an diesen Einfassungen endigenden Einlagen sind fest
mit ihnen zu verbinden. Zum Einschlagen fvon
Nägeln dienen besondere Holzleisten, welche in den
Beton eingebettet sind (vgl. Abb. 124).
Schall-Xpnd Wärmeisolierung kann durch Verwendung
von Hohlblo&en (s. Anhang) sowie durch Erstellung von
Abb. 124
Doppelwänden mit
Hohlraum oder Aus-
füllung, oder durch
Kork- bzw. Kork-
steinbelag erzielt
werden (namentlich
bei Außenwänden).
Man verwendetauch
W andbekleidungen
aus besonders vor-
gerichteten Filzen,
welche dann mit
Rohrgewebeputz versehen werden (auch Torfoleum s. Anhang).
Eisenbetonwände werden gemäß Abb. 125 mit wage-
recht liegenden Trag- und lotrecht stehenden Verteilungsstäben
versehen, die sich rechtwinklig kreuzen und wie bei den Platten-
i) Nicht belastete WAnde können in Schlacken- oder Bimsbeton her-
gestellt werden und sind dann nagelfAhig (vgl. den Anhang).
I. Anwendungen im Hochbau.
63
decken abwechselnd durch Drähte miteinander verbunden sind.
In der Regel ist nur ein Einlagenetz in Wandmitte erforderlich.
'Treten noch Biegungsbeanspruchungen auf (durch Anschüttungen
oder durch Winddruck), so empfiehlt sich die Anordnung zweier
Netze, die den Außenflächen der Wand so nahe als möglich
gelegt werden (vgl. Abb. 125). Ein guter Anschluß ans Mauer-
werk wird dadurch erzielt, daß man die wagerechten Tragstäbe
ungefähr 10 cm hineinragen läßt. Man nehme also in solchen
Fällen bei der Netzteilung auf die Fugenlage Rücksicht. Bei
Herstellung von Hohlwänden genügt eine innere Wandstärke von
3 und eine äußere von 5 cm bei 10 bis 15 cm Abstand (s. Anhang).
Größere tragende Wandausführungen zeigen die Abb. 126
bis 128. Die erstgenannte Abbildung veranschaulicht die für
eine Türöffnung zweckmäßige Sonder-
bewehrung. Die in Abb. 127 dargestellte
Eisenbetonwand ist 30 cm stark, 4.20 m
hoch und 14 m weit gespannt, dient zur
Aufnahme einer Deckenlast, sowie zum
Abfangen ven Mauern und Deckenträgern.
Abb. 12G.
Das aufzunehmende Moment beträgt 355 mt. Die Beweh-
rung ist eine doppelte: 4 = 98 cm2, /i' = 3o cm2. Eine
Zf 50 4550 4f50 Zf50
alt Eisenbeton - Fach-
werkträger mit steigen-
den und fallenden Dia-
gonalen ausgebildete
Zwischenwand, gleich-
lalh mit anschließenden
Decken, 34 cm stark,
4f50 3f50 4f50
----------3Q30------------
* Abb. 12a
64
L. Anwendungen im Hochbau.
zeigt Abb. 128. Die Gesamtbelastung beträgt 230 t. Die
Wand zeigt drei Unterbrechungen zum Einfügen von
Zwischentüren. Der Wandträger ruht auf zwei Eisen-
betonständern; die Lagerung selbst erfolgt auf Bleiplatten
(vgl. Beton u Eisen 1911, S. 397).
Hölzerne Türgestelle (-geschränkc)
haben den Nachteil des Quellens und
Werfens, während die gewöhnlichen
t-Ei^nrahmen der Tür keinen siche-
ren Anschlag bieten. Vorteilhafter
sind für dünne Eisenbetonwande Tür-
zargen aus besonders gewalztem Profil-
eisen. Abb. 129 zeigt eine solche Tür-
zarge, wie sie das Fassoneisen-Walzwerk L. Mannstaedt u. Cie. lietert.
Der Grundgedanke der Rabitz-Bauweise1) ist der,
die Festigkeit der Wand durch straffe Spannung des in
Wandmitte befindlichen *Netzes (1 mm Drahtstärke bei
2 cm Maschen weite) zu erreichen. Haben die Wände eine
bedeutende Länge, so werden noch besondere Ver-
strebungen Vorgesehen. Beim Anschluß an Mauerwerk
geschieht die Befestigung des Drahtnetzes an schwalben-
schwanzförmigen Holzdübeln, welche in das Mauerwerk
eingelassen sind. V Statt des teuren Betons nimmt man
zumeist eine Mischung von Kalk, Gips (bis 20 vH.), Sand
und Leimwasser. Hat der Bewurf auf einer Seite angezogen,
sitzt er also fest in den Drahtmaschen, so wird sofort —
vor seiner Erhärtung — die andere Seite beworfen. Diese
Rabitzwände werden einfach (5 cm Dicke) oder doppelt
(je 3 cm Dicke mit 5 cm Zwischenraum) hergestellt. Zwecks
Anbringung von Kleider- und Bilderhaken wird
eine durchgehende Latte auf dem Drahtgeflecht
befestigt und späterhin mit verputzt.
Die Herstellung der Drahtziegel-Wände*)
weist den gleichen Grundgedanken auf: straffes
Abb. 180. Anspannen des Drahtnetzes an den seitlichen
Vgl. Fußnote S. 12.
) Vgl. Fußnote S. 10. *
Begrenzungen durch Haken. Auch hier wird nur selten
Zementputz verwandt, sondern zumeist eine Mischung von
i TI. Gips+ 2 TJ. Kalkmörtel (Abb. 130).
Die Herstellung von Streckmetall-Wänden (vgl. Abb. 75)
geschieht in folgender Weise: Bei Holzfachwerk wird das
Streckmetall ohne weiteres seitlich auf Holzpfosten oder Bretter
genagelt und in Entfernungen von 50 bis 80 cm durch 5-mm-
Rundeisen verspannt. Bei vorhandenem Eisenfachwerk werden
diese Rundeisen mittels Klammem an den Flanschen befestigt;
das Streckmetall wird mit Drahtschlingen aufgebunden. Ist
weder Holz- noch Eisenfachwerk vorhanden, so wird
zunächst ein Gerippe aus Eisendrähten hergestellt und auf
dieses das Streckmetall mit Drahtschlingen geheftet. Gewöhn-
liche Wandstärke 4 bis 5 cm. Als Mörtel ist Kalkmörtel mit
ao vH. Gipszusatz zu empfehlen.
Besonders für landwirtschaftliche Bauten gut geeignet sind die
eisenbewehrten Steinwände nach Bauweise Prüß. Dieselben werden
gebildet aus senkrecht und wagerecht in zwei verschiedenen Ebenen
straff nebeneinander gespannten Bandeisen von 26 X 1*/< mm Starke,
deren Abstand voneinander 53 ein beträgt. Die so entstandenen
quadratischen Felder werden
mit porösen Steinen in Zement-
mörtel ausgemauert, und zwar
daß das Bandeisen voll-
ständig in Zement eingebettet
ei. Durch den innigen Ver-
bind zwischen Stein, Eisen und
Zement ist die Wand imstande,
bei großer Widerstandsfähig-
keit gegen seitlichen Druck
ai< h von Stütze zu Stütze frei
b»i tiagen.
Abb. 131 zeigt eine ver-
• » denlliche Ausmauerung des Bandeisennetzes: a = Trapezsteine,
6 Mauvi steine, hochkantig, c = Platten aus Stücksteinen, d=Kies-
»• i..n| l.itu-n, e = Verblendsteine.
• f. 11. Der Eisenhotonbau. II. 11 Autl.
5
66
T. Zuwendungen im Hochbau.
fcuerdings verwendet man auch hohle Glasbausteine, Patent
Falconnifcr (Glashüttenwerk Adlerhütte in Schlesien), welche sich
ebensogut für Wände als auch für Oberlichter eignen (Abb. 132).
Sie werden mit drahtdurchzogenem Beton gefugt, ersparen also eine
besondere Einrahmung und sind nicht teurer als Doppelfenster,
wohl aber dauerhafter als solche.
Sie sind stets klar und hell und
bilden einen vorzüglichen Schutz
gegen Wärme und Kälte, Feuchtig-
keit und Geräusch. Sie besitzen bei
vierfacher Sicherheit eine Druck-
festigkeit von 16 kg/cm2 und können
bis auf 10 ma ohne besondere Versteifung verlegt
werden.
Eine Glasfüllung ^nach Bauweise des Deut-
sehen Luxfer-Prismen-Syndikats Berlin ist aus
Abb. 133 zu ersehen. **“ Abb. 133.
Die gerade für die Jetztzeit sehr wichtigen *
Hohlsteinwände sind im Anhang eingehend besprochen worden.
Abb. 132.
D. Die Treppen.
Die Treppen aus Eisenbeton bieten in erster Linie den
Vorzug größter Feuersicherheit (vgl. den Schluß des Anhanges).
Bekanntlich ist es beim Brande von Wichtigkeit, daß die
Treppe so lange wie möglich benutzbar bleibt. Treppen
aus Eisen und Stein ohne Rabitz, Drahtziegel- oder Streck-
metallumhttllung werden sehr bald vom Feuer zerstört und
sind sogar gefahrbringender als hölzerne Treppen, weiche
auch dann noch benutzt werden können, wenn sie bereits vom
Feuer erfaßt worden sind. Granit und Sandstein zersplittern
zu schnell1), und Eisen bedingt sogar bei den meisten Bränden
eine gänzliche Zerstörung infolge des durch die Hitze er-
zeugten Glühendwerdens. Die glühenden Eisenteile sind un-
begehbar, biegen sich durch und verursachen beim Herab-
stürzen nicht nur eine allgemeine Zerstörung des darunter be-
i) Siehe auch .Bericht über die Feuergefährlichkeit von Steinmaterial bei'
Treppen*; Beton u. Eisen 1905, S. 219u. 249; sowie Zement und Beton 1905. S. 121.
I. Anwendungen im Hochbau.
67
Endlichen, sondern auch in den meisten Fällen den Zu-
sammenbruch des angrenzenden Mauerwerks. Alle diese
Nachteile sind beim Eisenbeton ausgeschlossen. Die Her-
stellung besonders abgetrennter Treppenhäuser, eine Be-
dingung vollkommener Feuersicherheit, ist hier nicht nötig.
Ein weiterer Vorzug, der Eisenbetontreppen ist ihre un-
begrenzte Formgebung, die Möglichkeit, sie jedem noch so
verwickelten Grundriß anzupassen. Man baut eingespannte,
weit auskragende und aufgehängte Treppen, ebenso auch
Wendeltreppen. Schwierige Steinschnitte kommen in Fortfall.
Die Einteilung der Treppen kann nach verschiedenen
Gesichtspunkten erfolgen, nach der Art des Grundrisses, der
Form der Achse, nach der Art der Ausführung oder auch
nach der Zweckbestimmung. Am besten ist wohl die Ein-
teilung nach statischen Gesichtspunkten und nach Ausführungs-
weise. Man unterscheidet:
i. Frei tragende Treppen aus einseitig ein-
gespannten«Stufen (Abb. 134, 135).
Jede Einzel-
stufe, mind. 25 cm
tief in die Wand
eingelassen, ist als
eingespannter Bal-
ken von der Stärke
(77 — 2 cm) x) und
der Breite b zu be-
rechnen. Die Eisens
rtnlagen liegen in.
der oberen Zone.
Der Umstand, daß
Abb. 134 u. 135.
»ic h jede Stufe auf die darunter liegende Stufe stützt, dafi
aIro die unterste Stufe die ganze Last des Treppenlaufes
Auf den Podestträger oder den Fußboden überträgt, soll bei
<kr Berechnung der Einzelstufe unberücksichtigt bleiben. Nur
hri der Berechnung des Podestträgers soll dieser Umstand
'.uh Eiliger nehme man ä=» 2
5*
Anwendung' n itn Hochbau.
— im Hinblick auf die oft nicht ganz zuverlässige Ein-
spannung der Stufen im Mauerwerk — Berücksichtigung
•f den. Ungünstiger als gleichmäßig verteilte Nutzlast (zumeist
ijJo kg/qm) wirken zwei Einzellasten von je 100 kg am Stufen-
ende in einem Abstand von 50 cm.
Die Podestplatte ist von Mauer bis Podestträger
gespannt und kann bei geringer Spannweite mindestens mit
- gerechnet werden. An den Auflagern ist etwa die
Hälfte der Einlagen nach oben zu biegen und namentlich im
Podestträger gut zu verankern.
Der Podestträger, beiddfrseits im Mauerwerk frei auf-
liegend, erhält als Belastung:
a) Eigengewicht des Trägers selbst,
b) Eigengewicht und Nutzlast der halben Podestplatte
(einschl. Putz und Belag), %
c) Eigengewicht und Nutzlast (etwa 500 kg für 1 qm
Grundfläche) des halben steigenden Treppenlaufes.
Diese Last wirkt also nur auf einer Seite des
Trägers. ♦
Der Träger ist als Plattenbalken für freie Endlagerung
zu berechnen. Die Platte liegt aber nur an einer Seite.
Einige der Einlagen möchten an den
a " Auflagern nach oben gebogen werden.
,d k Jx>
p 2. Treppe mit beiderseits
p < 7 • k. j -n frei auflie'genden oder teilweise
d eingespannten Stufen (Abb. 136).
Abb-1SÖ- Die Berechnung der Stufen erfolgt
ftir gleichmäßig verteilte Nutzlast.
3. Treppen mit Laufplatten in Eisenbeton, die
von Podest- zu Podestträger gespannt sind (Abb. 137a)?
Die Stufen (aus Stampfbeton, Granit o. dgl.) werden nach-
träglich aufgesetzt.
Die Podestplatte ist hier einseitig eingespannt, muß
also mit Schrägen an den Podestträger angeschlossen werden.
Volle Einspannung liegt nur dann vor, wenn die Platte
I. Anwendungen im Hochbau.
69
Abb. 137.
auch im Mauerwerk ganz eingespannt ist (was aber selten
<u trifft).
Für die Laufplatte gilt als Stützweite die wagerechte
Entfernung l von den Mitten der Podestträger. Der An-
schluß an die Podestträger hat ebenfalls mit Vouten zu
erfolgen. Die negativen Momente sind durch entsprechende
Anordnung der
Einlagen genügend
zu berücksichtigen.
4. Treppen
mit Wangenträ-
gern in Eisen-
beton (Abb. 137 b).
Die Laufplatte
»pannt sich* von
Wange zu Wange.
Die Wangenträger gehen von Podest zu Podest und
sind als Plattenbalken mit einseitig angeordneter Platte von
der Durchschnittsstärke 1,4 >d zu berechnen. Die Nutzlänge
ist im Grundriß zu messen.
Die Berechnung der übrigen Bauteile erfolgt wie früher
angegeben.
5. Treppen mit windschief verlaufenden Platten.
Hier sind nur Annäherungsrechnungen möglich.
Es sollen im folgenden die verschiedenen Arten der
Treppenausführungen in Eisenbeton näher besprochen werden.
Trittstufen aus Beton werden in der Regel fabrik-
if.iüig hergestellt, sind billig und können in allen gangbaren
Gi”lkn sofort geliefert werden. Sie sind
Hihgct ah Stufen von Haustein und können jwwk;.:;
t ir< h besonderen Belag aus Eichenholz,
(rinh J/1), Torgament, Terrazzo, Marmor
‘rr Linoleum genügend widerstandsfähig X-
Abnutzung gemacht werden. Andern- U " ‘
II- • \ 5 klithateinholz vgl. S. 104.
Abb. i:*.
70 I* Anwendungen im Hochbau.
*
falls ist eine besonders fette Mischung (i : i bis i: 2) mit
einem Zuschlagmaterial von besonderer Festigkeit (Granit,
Basalt) als Abdeckung zu verwenden1)« Es dürfen an der
Oberfläche keine großen Sandkörner sichtbar sein, da solche
bei Benutzung der Treppe schnell herausgestoßen werden.
Die Kanten der Stufen runde man ab oder schütze sie durch
verankerte Winkeleisen oder durch Treppenvorstoßschienen.
Abb. 138 zeigt die Anwendung einer Manstädt-Schiene. Die-
selbe besteht aus poliertem Gelbmetall und wird durch ein-
gestampfte Lappen, die mit der Schiene vernietet sind,
gehalten. Die Befestigung
I । r des Holzbelages geschieht
zweckmäßig durch Holz-
schrauben auf vorher ein-
' betonierten Holzdübeln
Abb m (Abb. 139). Marmor- oder
Granitplatten, etwa 4 bis.
cm stark, befestigt man mit Kitt oder Traßmörtel. Ein
Fluatanstrich -der seitlichen Stufenflächen und ein Bearbeiten
derselben mit Hammer und Meißel kann sich für gewisse
Fälle ebenso empfehlen wie ein Polieren nach dem Erhärten,
durch welches ein marmorähnliches Aussehen erzielt wird.
Eine besondere Bewehrung der Stufen ist bei kleinen Längen
und geringen Belastungen nicht erforderlich. Bei größeren
freien Längen aber wird eine Einlage durch Profileisen,
besser durch zwei und mehr Rundeisen von 8 bis 12 mm
Durchmesser notwendig.
Die Stufen können nun an beiden Enden auf Wangen-
träger aus Eisen oder Eisenbeton gelegt oder auch — bei
freitragenden Treppen — an einem Ende fest im Mauerwerk
eingespannt sein. Im letzteren Fall sind die Eisen in die
obere, sonst in die untere Zone zu legen.
Die Abb. 140 zeigt freitragende und die Abb. 141
beiderseits aufliegende Stiegenstufen. Die Einmauerung der-
selben geschieht in gleicher Weise wie bei den Steinstufen.
’) Neuerdings hat man einen Zusatz von Knrbomndum für stark be-
gangene Treppen mit gutem Erfolg verwendet.
1. Anwendungen im Hochbau.
71
Es genügt hierfür der dreieckige Querschnitt; besser ist aber
die Auflagerung durch besonderen rechteckigen Ansatz.
(»r ungute Emgritlstiefe ins Mauerwerk = 25 cm. Man erreicht
natürlich die Einspannung am sichersten, wenn die Stufen
w.ihrend des Aufbaues der Umfassungsmauern verlegt werden.
Ki% zur Fertigstellung der Aufmauerung sind die freien Stufen-
rntlen cinzurüsten bzw. zu stützen. Da aber diese Art der
Aimiilhrung den Fortgang der Bauarbeiten recht behindern
kann, begnügt man sich in der Regel mit Aussparungen von
Schlitzen und einem nachträglichen Versetzen der Stufen.
H ut ’ dann aber unbedingt notwendig, die Stufen durch
Eisenkeile in ihrer Lage zu sichern und mit Zementmörtel
gut zu vergießen.
Ein Erlaß der Berliner Baupolizei vom 19. März 1913
»<li reibt lolgendes vor:
A. Ein gespannte Stufen aus Kunststeinen, deren Tragfähig-
keit unter der Voraussetzung der' festen Einspannung erprobt und
demgemäß genehmigt worden ist, dürfen im allgemeinen nur mit
<l«-m Fortschreiten des Treppenhauses eingebaut, aber nicht nach-
11.»glich eingefügt werden, da das nachträgliche Einfügen eine feste
I mspannung nicht gewährleistet.
Wenn dagegen in allen Podesthöhen die Podestträger oder
Toclestplatten, auf die sich je ein Lauf stützt, mit wachsendem Bau
»•idnungsmäßig eingespannt werden, dann können auch die Stufen
ir* Trepp'enlaufs nachträglich eingelassen werden, wobei ein sorg-
72
I. Anwendungen im JJochbau.
faltiges Auszwicken und Ausstampfen der Aussparungen nach Möglich-
keit erfolgen muß. Die Podestträger sind für die Belastung des
darauf ruhenden Treppenlaufes zu berechnen, wobei angenommen
wird, daß die eine Hälfte des Laufes von der Wand aufgenommen
wird, während die andere Hälfte den Träger belastet.
B. Wenn Treppenläufe aus ansteigenden Steineisendecken
gebildet werden, so müssen die dazugehörigen Podeste durch Trager
unterstützt werden. Es ist also nicht zulässig, geknickte Läufe, welche
teils Treppe, teils Podest bilden, als Steineisendecke zu konstruieren.
Dagegen bestehen bei ihrer Ausführung in Eisenbeton keine Bedenken,
wenn die Knickstellen durch Bügel und doppelte Eiseneinlagen
genügend gesichert sind.
Die Stampfform der fabrikmäßig erzeugten Stufen stellt
man in der Regel aus Blechen her, die von kräftigen Holz-
leisten umschlossen werden. Die Innenfläche bestreicht man
mit Formöl. Man nimmt auch eiserne verstellbare Stufen-
formen, ebenso hölzerne. Gewöhnliches Mischungsverhältnis
ist 1:2:2 (auch 1:1: 2, wenn der Kies stark mit feinem
Zusatzstoff versetzt ist). Die Stufen müssen mindestens
2 Monate alt sein, bevor sie zur Verwendung angeliefert werden.
Sind fabrikmäßig hergestellte Stufen aus irgendwelchen
Gründen, so z, B. im
Hinblick auf eine zu lange
Lieferzeit, nicht zu ver-
wenden, so muß die
Treppe nach vorheriger
Einschalung an Ort und
g; Stelle gestampft werden,
fe? Das Stampfen erfolgt
gewöhnlich erst dann,
wenn die Treppenmauern
bereits hochgeführt sind. Der
nötige Einband im Mauer-
werk wird ausgespart.
Abb. 142 u. 143 stellen
eine Treppenausbildung mit
I-Profilen und Kleine-
Abb. ui. -scher Platte dar (vgl. S. 18).
1. Anwendungen im Hochbau.
73
Die Anordnung und Verbindung der Wangen- und Podestträger
geschieht in gleicher Weise wie bei den eisernen Treppen. Die
Stufen sind aufgemauert und mit Holzbelag versehen.
Im Verbundbau werden bei einfachen Treppen, deren
Wangen aus I- oder E-Eisen bestehen (vgl. Abb. 144), eisen-
bewehrte Platten zwischen diese Träger und die Umfassungs-
wände verlegt und hierauf die einzelnen Trittstufen versetzt.
Vorteilhaft ist dann eine
feuersichere Ummante-
lung der Trigereisen.
Bei größeren Treppen-
anlagen werden die
Wangenträger fortge-
lassen und die Stufen
Abb. 146 u. 146.
auf eine tragende, zwischen den Podestträgem verspannte
Fiillungsplatte (Abb. 145) oder auf ein ansteigendes Monier-
gewölbe (Abb. 146) gestampft.
Abb. 147 zeigt die Ausbildung einer Treppe mit frei-
tragender Laufplatte. Die Stärke der Platte beträgt 11 cm.
Alle 14 cm liegt eine Rundstange von 10 mm Durchmesser.
Die Podestplatte ist 10 cm stark und enthält alle 30 cm
1 Rundeisen von ebenfalls 10 mm Durchmesser. Die Bie-
74
1. Anwendungen im Hochbau.
gungen der Eisen sind aus den genannten Abbildungen
ersichtlich. Die Stufen sind mit Zementputz versehen und
durch Vorstoßeisen geschützt.
Eine Treppenausführung mit
Wangenträgern und auf-
betonierten Stufen zeigt Abb. 148. Podest- und Wangenträger
können profiliert werden. Man
versieht zu diesem Zwecke die
Innenseite der Schalung in ent-
sprechender Weise mit Leisten und
erreicht dadurch eine gewisse Be-
lebung derSchauflächen. Zu gleichem
Ziel kann man schließlich auch durch
steinmetzmäßige Bearbeitung der
Betonflächen gelangen.
Eine ähnliche Ausführung (Neubau einer Gemeinde-
schule in Stettin) ist aus den Abb. 149 u. 150 ersichtlich.
Abb. 149.
Abb. 150.
Die vorderen Teile der Stufen
und die Ansichtsflächen sind
Anwendungen im Hochbau.
75
aus i Teil Zement und 2 Teilen gesiebtem Kies her-
gestellt1). Die Wangenträger schließen die Stufen seitlich
Abb. 152.
ab, wodurch u. a. ver-
mieden wird, daß
beimTreppenreinigen
das Schmutzwasser
an den Wangen hin-
abläuft. Die Form-
gebung einer anderen
Treppe beim glei-
chen Bauwerk ist in
Abb. 151 gekennzeich-
'net. Zur Unterstützung
der Wangen- und Po-
destträger mußte hier
Abb. 153.
Abb 154.
*) Vgl. Beton u. Eisen 1911 S. 10.
eine Stütze ange-
ordnet werden, die
eine Längsbeweh-
rung aus Winkel-
eisen erhielt. Eine
andere Ausführung
mit Zwischenstütze
zeigt Abb. 152.
Beim Vorhan-
densein eines be-
76
1. Anwendungen im Hochbau. %
sonderen Treppenhauses von rechteckigem Grundriß kann
die Treppe, wie Abb. 153 zeigt, ohne und mit Zwischen-
stützen ausgeführt werden. Im ersteren Falle sind die
Stufen seitlich einge-
spannt worden. Ist
eine solche Einspan-
nung aus gewissen
Gründen nicht möglich,
so muß man zu ge-
brochenen Tragplatten
oder Wangenträgem
(Abb. 154) seine Zu-
flucht nehmen. Soll
eine Unterstützung
Abb. 156.
nach unten hin vermieden werden, so kann man auch noch Kon-
solen für die Podestplatte vorsehen oder die Podeste nach oben
an dort befindliche Stützpunkte (Eisenbetonträger) aufhängen.
1. Anwendungen im Hochbau.
77
In Abb. 155 ist eine Treppe mit gewundenem Wangen-
träger zur Darstellung gebracht. Der Treppenlauf ist mit
einer Eisen-
betonwand ver-
spannt.
Einen in
Eisenbeton her-
gestellten, bis
zum traglähigen
Baugrund hin-
abgeführten >
Unterbau einer
Freitreppe
«eigt Abb. 156
Empfehlenswert
(vgl. auch Beton u. Eisen 1910, S. 229).
ist bei solchen Stufen, die gegen Nieder-
•chläge nicht geschützt sind, ein leichtes Gefälle der Auftritts-
flachen nach vorn.
In Abb. 157 ist dielAusbildung eines Treppenaufganges
fllr eine Balkenbrücke dargestellt (vgl. auch Kersten, Brücken
ICiienbtton, Teile 1 und 11).
IL ’frffpeiiftUfider sind gewöhnlich aus Eisen herge-
Ml *<1 werden an hervorragenden Eisenteilen angeschraubt.
Ü1R ritiimt auch 1 lol/gcliindcr, zu deren Befestigung zapfen-
artlg* Vertiefungen im Beton vorgesehen werden.
E. KrftÄj- und Konsolbauten.
bür die Herstellung auskragender Bauteile erscheint der
Eisenbeton besonders geeignet. Soweit es sich um den
Hochbau handelt, kommen hier in Frage: Balkone und Erker,
Auskragung ganzer Geschosse, Gesimse, Fabrik-, Saal- und
Theatergalerien, Kirchenemporen, Rampen, Ladebühnen,
Konsolen für Kranbahnen u. dgl. Auskragende Dadhformen,
Vordächer, Bahnsteighallen, Straßenverbreiterungen usw.
werden an anderer Stelle besprochen.
Die einfachste Form einer Auskragung besteht in der
Verlängerung der Decke über die Außenmauer hinaus,
1. Anwendungen im Hochbau.
entweder als Platte (bei geringer Ausladung und geringer
Belastung) oder als Plattenbalken (Abb. 158 a, b). Im ersteren
Falle ist darauf zu achten, daß die Platten nach dem Rande
zu nicht allzusehr geschwächt werden.
Aus den genannten Abbildungen ist
die zweckmäßige Anordnung der Zug*
einlagen zu ersehen; die aufgebogenen
Deckeneisen werden als Konsol-
beifrehrung benutzt. Ein* Verlegen
der Druckplatte an die Unterseite
(Abb. 72) empfiehlt sich nur in be-
sonderen Fällen, am wenigsten für
Kragteile außerhalb des Gebäudes.
Hat man es mit Freiträgern zu tun, so
ist darauf zu achten, daß die zulässige Kantenpressung
bei der Einspannung im Mauerwerk nicht überschritten
wird1). Oftmals sind hier Eisenbetonstützen in den
Mauern von Nutzen; die Bewehrung erfolge gemäß
Abb. 158 c.
Bei allen Kragteilen ist zu beachten, daß die Orte des Größt-
moments und der Größtschubkraft fast immer zusammen fallen.
Auf die Schubkräfte ist besonderer Wert zu legen: die Bügel und
Eisenabbiegungen sind richtig zu verteilen. Bei Erkerträgern ver-
teilen sich die Schubspannungen, sofern nur eine Kopfbelastung
vorliegt, gleichmäßig bis ans Auflager. Als Tragstäbe verwende
man viele und dünne Einlagen. Bei Rippenanordnung (Abb. 158d)
sind ftlr die Platte genügende Verteilungspisen vorzusehen. Die
Rippen selbst möchten möglichst in Eisenbetonfrontstützen einbinden
(Abb. 172). Druckeinlagen ermöglichen hier eine Verminderung
der Einspannungshöhe.
*) Ein Erlaß der Berliner Baupolizei vom 19. März 1913 schreibt
über eingespannte, tragende Bauteile folgendes vor:
Eisenbetonkonstruktionen, deren Festigkeit mehr oder weniger auf der
Wirksamkeit ihrer Einspannung im Mauerwerk beruht, z. B Konsolen, ein-
gespannte Treppen, eingospannte Decken, sind nur dann zulässig, wenn der
einzuspannende Bauteil mit dem Mauerwerk, das die Einspannung erzielen
soll, zugleich hergestellt wird.
Beton läßt sich in eine im Mauerwerk ausgesparte oder nachträglich
ausgehauene Öffnung in der Regel nicht so fest hineinstampfen, daß ein voll-
kommen einwandfreies Fe stiegen der nachträglich eingebrachten Konstruktion
erzielt werden kann, wie es bei der Benutzung von anfänglich festen Bau-
materialien, wie Eisen. Stein Kunststein im allgemeinen möglich Ist.
I. Anwendungen im Hochbau.
79
a) Balkone und Erker.
Die Ausführungen können gemäß Abb. 159 erfolgen.
Liegt eine einfache Balkoneinspannung im Mauerwerk vor,
so muß die zur Einspannung nötige Auflast mit mindestens
zweifacher Sicherheit (ohne Nutzlasten) vorhanden sein. Die
Brüstung kann ebenfalls in Eisenbeton erstellt werden; für
eiserne Brüstungen werden für die Befestigung der Eck-
ständer Holzdübel einbetoniert.
Abb. 160.
Abb. 161.
Bei Erkerausbildungen ist es fast immer nötig, die
I rager bis zur nächsten Mauer durchzuführen (Abb. 159 a)
tlcr mit einem besonderen Querträger im Deckenfeld ab
uf.ingen (Abb. 159b). Man suche in jedem Falle die
80
1» Anwendungen im Hochbau.
Brüstungsträger — durch Anordnung großer Fensteröffnungen
und durch Verwendung von Leichtsteinen — nach Möglich-
keit zu entlasten. Besonders empfehlenswert ist der Eisen-
Abb. 162.
$
tye 1Z5tmw)
Front-
Stein-’
haben
Eine
beton für Erker von
nicht rechteckiger
Grundrißform (Abb.
160). Abb. 161 zeigt
eine Erkerausführung
an einem Ge-
schäftshause, des-
sen Traggerippe
ein steifes Rah-
menwerk darstellt
und dessen
träger die
ausfüllungen zu tragen
(vgl. auch Abb. 207).
Galerieanordnung an der Front-
seite eines Fabrikgebäudes ist
in Abb. 162 dargestellt.
Einen andern Galeriequerschnitt
zeigt Abb. 163. Unter der Platte
sind zwei große geschweifte Kon-
solen angebracht, die
auf dem Bauplatz
fertiggestellt und an
Ort und Stelle ver-
legt wurden, eine
w —<
Abb. 163.
Ausführungsweise, die
Abb
Abb. 165.
104. allerdings nur selten empfohlen werden kann.
Lm vorliegenden Falle handelt es sich um
die Galerie im 7. Stock eines großen Hotels in Zürich
(vgl. B. u. E. 1914, S. 25S).
Abb. 164 gibt ein Beispiel für eine Loggia-
ausführung.
Abb. 165 zeigt, wie vorteilhaft sich der Eisen-
beton für eine Auskragung der Obergeschosse —
bei teurem oder felsigem Baugrund -7- eignen
kann. ।
I. Anwendungen im Hochbau.
81
b) Galerien für Saal-, Kirchen- und Theaterbauten.
Für Galeriebauten aller Art eignet sich der Eisenbeton
in bester Weise: Die Feuersicherheit ist eine vollkommene.
Es lassen sich sehr weite Auskragungen ermöglichen; im
übrigen läßt sich die Zahl der Rangstützen auf einen Mindest-
wert herabdrücken. Die Stützen sind dünn und schlank,
nehmen also dem Theaterbesucher wenig Aussicht weg.
Jedenfalls muß ’von jedem Punkte des Zuschauerraumes aus
freier Ausblick auf die Bühne vorhanden sein. Decken und
Wände können derartig geformt werden, daß sie gleichzeitig
— durch Schaffung von Hohlräumen — für Heizungs- und
Ventilationszwecke geeignet sind. Für Auskragungen von
höchstens r,5 bis 2 m können einfache Platten in Frage
kommen; größere Auskragungen machen besondere Trag-
balken erforderlich. Zur Herabminderung der toten Last
verwendet man Bimsbeton- oder hohle Stufen, ebenso auch
möglichst leichte Brüstungen. Da die Galerien gegen den
Zuschauerraum in der Regel steil abfallen, müssen die Trag-
balken zumeist geknickt werden. Freiträgergemäß Abb. 158c
können nur dann Anwendung finden, wenn Gewicht und
Stärke der Umfassungsmauern zur Herstellung der Stabilität
genügen.
Einige Anwendungsbeispiele zeigen die Abb. 166 bis 172.
Will man eine ebene Untersicht haben, so verwendet man
Abb. 1GG.
Abb. 1G8.
Rabitz- oder Duroverkleidungen gemäß Abb. 168 u. 171a.
Bemerkenswert sind die in letztgenannter Abbildung ver-
anschaulichten Rippenkonsolen des 1. Ranges im Neuen
Stadttheater Duisburg. Man hat hier Stahlgußlager, als Gleit-
lager ausgebildet, verwandt, die'eine gute Ausdehnungs-
Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 6
82
I. Anwendungen im Hochbau.
möglichkeit der Konstruktion schaffen und den Stützungen ledig-
lich senkrechten Druck zuweisen (vgl. B. u. E. 1912, S. 437).
Abb. 171 zeigt die Ausführung einer 4 m auskragenden Emporen-
decke in der St. Marienkirche in Offenbach
Abb. 169/170.
a. M^in. Die feste Einspannung im Mauer-
Abb. 171.
werkspfeiler hätte hier statisch schon genügt Die Brüstung
ist in Bimsbeton ausgeführt (vgl. B. u. E. 1912, S. 443).
Abb. 172 zeigt
einen von der
Firma Gebrüder
Rank, München,
ausgeführten
Galeriebau von
2,50 m Auskra-
gung über Mauer-
flucht. Die Kon-
solen sindinEnt-
femungen von
3 bis 4 m an-
geordnet und
stehen in Verbindung mit einem 64 cm breiten Unterzug, der
auf den Mauerpfeilern liegt und die Mauerauflast zu tragen bat.
Der Boden ist s.chräg gelegt; zu den
Stufen ist Magerbeton genommen.
Bei dem Tragwerk im 2. Rang
des neuen Münchener Volks-
Abb. 173
theaters ist die Untersicht durch
I. Anwendungen im Hochbau.
83
eine Rabitzdecke verkleidet (vgl. Abb. 173). Einmal wird
dadurch — vom ästhetischen Zweck abgesehen — die Akustik
^des Raumes erhöht, und zweitens ist eine vorzügliche Venti-
lation geschaffen, indem
die verbrauchte Luft durch
den hergestellten Hohlraum
abgeführt wird.
Rangbauten im Neuen
Theater zu Frankfurt a. M.
sind in den Abb. 174,175,176
zur- • Darstellung gelangt.
Stützen sind durchweg vermieden worden, ebenso sichtbar
bleibende Tragbalken. Die Kragplatten binden in einen über
die Mauerpfeiler durch-
laufenden Eisenbeton-
balken ein und sind
außerdem noch mit der
anschließenden Korri-
dordecke verspannt.
Auch bei der in Abb. 176
dargestellten, fast 5 m
auskragenden Rangkon-
sole wurde von der Verwendung besonderer Tragbalken ab-
gesehen. Die Platte mußte eine Stärke von 50 cm am Auf-
Abb. 176.
lager erhalten und mit der anschließenden massiven Eisen-
betondecke über dem Vestibül in unmittelbare Verbindung
gebracht werden. (Vgl. auch B. u. E. 1912, S. 41.)
6*
84
L Anwendungen im Hochbau.
Im Neuen Stadttheat^r in Duisburg werden die Sitzreihen
der Galerien von Zweigelenkrahmen getragen (Abb. 178), an
Abb. 177.
die sich die Unterzüge einer Foyerdecke
anschließen. Der Rahmen selbst bleibt dem
Besucher infolge einer Rabitzyerkleidung
vördqpkt. Abb. 177 zeigt die Formgebung
eines Auditoriumbinders mit Decken und
Brüstungswänden in Eisenbeton; die Rabitz-
wände dienen lediglich zur Herstellung von
Räumen für Unterbringung von Putzzeug u. dgl.
Für den Einbau einer Galerie in einen Saal können
steife Rahmenbinder, will man Zwischenstützen vermeiden, gute
Abb. 178.
Dienste leisten. Sie kommen besonders auch für Kinotheater
in Frage. So ist aus den Abb. 179 bis 181 die Formgebung
eines Galerie-Einbaues für das Kolosseumtheater zu Pforzheim-
ersichtlich. In den bestehenden Saal sollte, an den Seiten
8 bis 9 m, in der Mitte 5 m hervortretend, eine Galerie ein-
gebaut werden, ohne durch Stützen den Raum zu teilen. Ein
Balken war nur an einer Stelle statthaft, die durch den
Grundriß der bestehenden Umfassungsmauer gegeben war;
I. Anwendungen im Hochbau.
85
Nebenbalken und Konsolen waren nicht erlaubt. Das
Haupttragwerk wurde als Rahmen ausgebildet mit be-
Abb. 179.
außen hin übt dieses Tragwerk nur lotrechte Auflager-
drücke aus; ein Schub auf die Seitenmauem ist also aus-
geschlossen. Es beweist Rieses Beispiel in ganz hervor-
^««1-
4
wo
m i <i ,*
fyrrtnJwrurty ty28”%n § j
Abb. 18u.
tagender Weise, wie sich im allgemeinen der Eisenbeton
gegebenen Verhältnissen bildsam anpassen läßt und wie
er im besonderen dazu berufen ist, den einzig zweck-
mäßigen Baustoff für die Innentragwerke unserer Theater-
leuten abzugeben.
86
I. Anwendungen im Hochbau.
Abb. 182 zeigt die Galeriedecke eines von der Firma
M. Pommer, Leipzig, erbauten Kinematographentheaters.
Abb. IM.
Der Raum hat eine lichte Breite von 13 m; die Galeriedecke
mit 2,70 bis 3 m Ausladung ist 6,70 X 13 m groß. Sie wird
von fünf Kragbalken mit 25 X 44 cm mittlerem Querschnitt
getragen. Der die Decke tragende Unterzug mit 13 m Licht-
weite hat einen Querschnitt von 30 X 75 cm. Auch die
Brüstung ist in Eisenbeton hergestellt, ebenso der hinter der
Galerie befindliche Projektionsraum.
Nach Abb. 183 kann der die Galerie tragende Unter-
zug gleichzeitig als Balustrade dienen und die Galerie
I. Anwendungen im Hochbau.
87
nach dem Haupt-
saale abschließen.
Die Aussparungen
des Pfostenfachwerks
verringern das Eigengewicht des Trägers.
Einen Schnitt durch die Brüstung einer Galeriedecke,
mit dieser fest verspannt, zeigt Abb. 184.
c) Konsolen und Stützen für Kranbahnen (Abb. 185).
Verwendet man eiserne Träger für die Kranbahn, so
genügen Konsolen in Eisenbeton, die mit der Stütze oder
der Wand sinngemäß zu verankern sind. Einseitig wie
beiderseits angeordnete Konsolen beanspruchen die Stützen
auf Biegung, sofern keine seitliche Absteifung durch an-
schließende Dachplatten (c) oder Zwischendecken (f) vor-
handen ist. Eine durchgehende Unterstützung der eisernen
Kranbahn durch einen kontinuierlich fortlaufenden Eisen-
betonunterzug zeigt Abb. e. Ausführungsbeispiele von
Kranunterzügen in Eisenbeton sind aus den Abb. f, h
und i ersichtlich. Abb. k veranschaulicht die Formgebung
einer Kranstütze in einem Bootsmagazin; die Stützen
Stehen hier in Entfernungen von 7 m. Auf der einen
Seite ist die Stütze geradlinig begrenzt, auf der andern
seite, der Hallenseite, setzen die Säulenschäfte bei den
88
I. Anwendungen im Hoch bau.
Auskragungen ab. — Bemerkenswert ist schließlich noch
die in Abb. g dargestellte Konsolausftihrung für einen 10-t-
-------to - —
Abb. 186
r
Kran in einer Stampfbetonwand.
Die Konsolen binden in durch-
laufenden Unterzügen em, die
auf Verdrehung beansprucht sind
und zur Erreichung der nöti-
gen Verspannungsauflasf bei un-
günstigster Kranstellung dienen
sollen.
Ein Beispiel für die nach-
trägliche Anbringung einer Kon-
sole an eine bestehende Eisen-
betonstütze zeigt Abb. 186.
VgL weiterhin die Abb. 72,
276 bis 279, 311, 326, 327, 526,
6or, 602, 605, 613.
I. Anwendungen im Hochbau.
89
F. Sonstige Anwendungsformen Im einfachen
Hochbau.
Tür- und *Fensterstürze, Gesimse.
Die Überdeckung von Tür- und Fensteröffnungen kann
entweder durch die im Bau an Ort und Stelle in Schalung
hergestellten ‘Eisenbetonstürze oder durch fertig ein-
gebrachte Betonstürze erfolgen. Letztere haben den Nach-
teil, daß sie sehr schwer und deshalb auch schwierig zu
verlegen sind. Man kann sie aber der Breite nach in mehrere
Teile zerlegen (Abb. 188). Den Anschlag des Sturzes kann
man entweder mit dem ersten Teilstück zusammen als ein
Abb. 187. Abb. 168.
Stück herstellen, oder man bildet den Anschlag dadurch, daß
man ein Teilstück gemäß Abb. 188 b entsprechend tiefer legt.
Die Ausführung in Eisen-
» beton wird dann wohl
immer billiger ausfallen
als die Verwendung von
Eisenträgern.
Abb. 189.
Stürze in Eisenbeton
sind besonders dann am Platze, wenn
sie in Verbindung mit der Decke her-
gestellt werden können (Abb. 187).
Aber auch bei Holzbalkendecken
verwendet man vielfach Eisenbeton-
stürze, zumal diese einen guten An-
schlag für die Fenster geben. Man
läßt vielfach die Eisenbetonstürze
nach außen hin sichtbar und ver-
Abb 190.
zichtet auf Putz wie auf eine Verkleidung durch Mauerwerk.
90
I. Anwendungen im Hochbau.
Abb. 18’9 zeigt eine fabrikmäßig hergestellte Fenstersohlbank,
Abb. 190 einen an Ort nnd Stelle hergestellten Fensterbalken, der
gleichzeitig als Wandbalken dienen soll (vg). auch S. 96), und Abb. 191
eine Saxoniadecke (Bauweise Wolle) mit verminderter Konstruktions-
höhe nach den Fenstern zu.
Sind besonders große Lichteinfallflächen
nötig, so muß man den Fenstertlberlagen gemäß
Abb. 192, 193, 195 möglichst kleine Höhen geben
oder die Deckenträger im Sturzbalken aufhängen
(vgl. Abb. 208 sowie Mitt. 1917, S. 13). Der
Sturzträger kann völlig in der Decke ver-
schwinden. Zweckmäßig ist es in diesem Falle,
Abb. 191.
Abb. 192—195,
die Hauptträger senkrecht zur UmfassungsmaueiL zu legen und die
Nebenträger parallel zu ihr; es ergibt^ich auf d free Weise eine starke
Entlastung der Fenster üb erlagen.
Abb. 194 zeigt die Formgebung einer
Hauptgesimsauskragung. Ausführungen in
reicherer Ausgestaltung bieten die Abb. 196
u. 197 (Fa. Kell u. Löser, Dresden). In
dem einen Falle ist eine Verblendung der
Eisenbetonkonstruktion nach außen hin
vorgenommen worden; im anderen Falle
(Abb. 197) hat man Vorsatzbeton gegen
verwandt. Die Brüstungen, hier 12 cm stark,
sind durch eine innere, 1/9 Stein starke Ziegelstein-
wand isoliert worden. In beiden Fällen sind die
Pfeiler der Umfassungswände
aus Eisenbeton erstellt.
negative Gipsmodelle
Abb. 196.
Abb. 197. Abb. 198.
Gesimse in Eisenbeton können mit der Stockwerk-
decke oder der Dachdecke in unmittelbarem Zusammen-
hänge stehen. Andernfalls handelt es sich um einfache
Kragplatten (Abb. 193), die gleichzeitig als Schutz an-
I. Anwendungen im Hochbau.
91
gehängter Profilformen, Terrakotten u. dgl. zu dienen haben.
Durch Verwendung von Vorsatzbeton und j Kassettierung
der Untersichtfläche lassen sich
schöne architektonische Wirkun-
gen erzielen. Ein Beispiel solcher
Ausführung zeigt Abb. 198. Ge-
schoßdecke und Fenstersturz lie-
gen tiefer als die Gesimsplatte;
sie sind durch eine fortlaufende
Eisenbetonwand an der Mauer-
rückseite miteinander verbunden.
Abb. 199 zeigt die etwa 1,0 m weit
ausladenden, auf schlanken Pfeilern auf-
ruhenden Eisenbeton-Hauptgesimse der
Deutschen Bücherei zu Leipzig (vgl.
Mitt. 1917, S. 30).
Schornsteinkasten bei eisen-
bewehrten Brandmauern und
D ecken Öffnungen.
Gemauerte Schornsteine müs-
sen an der Nachbargrenze in
der Regel eine Wangenstärke von
mindestens 25 cm erhalten. Für
die Ausführung der Brandmauern
m Beton oder Eisenbeton (Auf-
lösung in Eisenbetonstützen und
riegel mit dazwischenliegender
\usmauerung, vgl. S. 95) be-
nimmt die Berliner Baupolizei fol-
gendes (Bestimmung vom 19. März
••”3):
1. Konstruktionsteile aus Beton oder Eisenbeton als Abschluß
Rauchrohre gegen die Nachbargrenze sind in 25 cm Stärke
25 cm starken Mauerwerk gleichzustellen, wenn die
nvinlagen gegen schädliche Einwirkungen der vorbeistreichenden
92
I. Anwendungen im Hochbau.
Feuergase an allen Stellen durch eine Betonumhüllung von mindestens
4 cm geschützt sind.
2. Ein bloßes Anlehnen eines auf einer Seite offenen ge-
mauerten Schornsteinkastens gegen Wände oder Konstruktionsteile aus
Eisenbeton von größerer Höhe ist unzulässig, weil wegen der
entstehenden langen vertikalen Stoßfugen leicht Abtrennungen des
Schornsteinkastens von der Brandmauer besonders durch den Druck
der heißen FeuÄgase ent-
stehen können.
Aus diesem Grunde müs-
sen zur Vermeidung solcher
bedenklichen Fugen die Rauch-
rohre gegen die Betonwand
oder Eisenbetonriegel ent-
weder eine Wange von min-
destens 12 cm Stärke erhalten,
oder es muß der ganze Schorn-
steinkasten aus Beton her-
gestellt werden (Abb. 200).
Die Anlehnung des
Schomsteinka«.<ens an Riegel
aus Eisenbet/Jl von mäßiger
Höhe ohne dazwischenliegende
gemauerte Wange ist nur
dann zulässig, wenn noch eine
besondere Verbindung als
Sicherung gegen Lostrennen
erfolgt und die senkrechten
Anschlußfugen gut mit Zementmörtel geschlossen wdrden (Abb. 201)*
Die Auflager der Eisenbetondecken an Schorn-
steinkasten sind so auszufUhren, daß die Schornstein-
wangen nicht belastet werden1). Ist keine Auskragung
des Mauerwerks möglich, so sind die Auflager auf der
ganzen Länge des Rohrkastens abzufangen. Bei fabrik-
mäßig hergestellten Formbalken (S. 32) ist flir die Balken-
auflager ein Rahmen aus Winkeleisen gemäß Abb. 202 zu
VgL den diesbezüglichen Erlaß des Polizeipräsidenten von Berlin.
Beton u. Eisen 1912, S. 220.
1. Anwendungen im Hochbau.
93
nehmen, der am Schomsteinkasten entsprechenden befestigen
ist. Für gewöhnliche Eisenbetonplatten genügt eine kreuzweise
Das Gesagte hat auch Gültigkeit für alle Decken-
öffnungen; bei größeren Einsteigöffnungen, Licht- oder
Fahrstuhlschächten sind die Seiten der Öffnungen durch einen
eisernen oder einen Eisenbetonrahmen abzufangen,
Ausdehnungsfugen1). jfr
Ausdehnungsfugen dienen dazu, die durch Temperatur-
änderungen, durch ungleichmäßige Setzungen der Gründungs-
körper und durch die Verlängerung des Betons beim Abbinden
entstehenden Nebenspannungen, die leicht zu Rissebildungen
führen können, unschädlich zu machen. Bewegungsfugen sind
auch vorteilhaft für den Baufortschritt.
Der Zweck kann auf verschiedene Weise erreicht werden. Einige
Ausflihrungsmöglichkeiten zeigt Abb. 204:
a) Teilung des Unterzuges und der ganzen Stütze bis zum Funda-
ment hinunter;
b) Teilung des Unterzuges allein; Lagerung auf Eisenplatte;
c) freie Endlagerung der Platte auf der einen Seite;
d) freie Endlagerung des Balkens (samt Platte) auf der einen
Seite; es genügt ein sauberes Abschleifen der Fuge; sonst
nimmt man auch Metallstreifen oder Pappzwischenlageh;
l) VgL auch Leitfaden. Teil 1,17. Aufl. sowie den Aufsatz des Ver-
la ssers in der ..Bauwelt* 1918, S. 9 („Kisaefreie und bewegungsfähige Eisen-
Betonbauten“).
94
I. Anwendungen im Hochbau.
e) die Bewegungsfuge ist entgegen Ausführung d so angeordnet,
daß der beiderseitige Voutenanschluß der Decke symmetrisch zu
Abb. 204.
Stützenachse bleibt;
f) Auslegerträger mit ‘
eingehängtem Feld
(vgl. auch Abb. 205);
g) Ausführung wie a:
die Stütze zeigt acht-
eckigen Querschnitt;
.Abb. 205.
h) Fugendeckung mit Blechstreifen, in den Zementestrich
verlegt;
i) Fugeudeckung mit Zinkblech, das sich frei bewegen kann; es
darf kein Reißen der darübergeklebten Pappe statttinden;
k) Dehnungsfuge nach Art des Gerberträgers; die Fuge ist mit
Fensterkitt ausgefüllt.
Abb. 206.
Insb»wndere machen
es lange uebäudefronten
notwendig, Dehnungs-
fugen anzuordnen, und
\zwar werden sie mög-
lichst dort vorgesehen,
wo sie weder architek-
tonisch noch konstruktiv
stören. So zeigt Abb. 206
die Ausbildung einer
Dehnungsfuge in einer
senkrechten Außen-
wandflache der Deut-
schen Bücherei zu Leipzig (Vgl. Mitt 1917, S. 28). Natürlich müssen
solche Fugen durch alle getroffenen Teile hindurchgeführt werden,
also auch durch Dachhaut, Gesimse und Decken.
Ober Dehnungsfugen vgl. weiterhin die Abb. 248, 252, 463, 499
u. 530 sowie B. u. F. (912, S. 100, 194, 239, 263, 421,
J. Anwendungen im Hochbau.
95
1913, S. $, 235: 1915, S. 51; 1916, S. 95. — Mitt. 1912, S. 25, 162.
1918, S. 28. — Arm. B. 1912, S. 8, 377; 1917, S. 175.
Wandrahmenwerke in Eisenbeton mit dazwischen-
liegender Ausmauerung.
Größtenteils werden die Außenmauern in gewöhnlichem
Mauerwerk aufgeführt und nur die Decken, Unterzüge, Stützen,
Dächer und Treppen (gegebenenfalls auch die Gründungen)
aus Eisenbeton hergestellt (vgl. Abb. 224). Die Außenmauern
müssen aber sehr stark ausgeführt und deshalb auch durch-
gehend gegründet werden. Will man beim Aufbau der Außen-
mauern an Baustoff sparen, so schafft man mittels Pfeiler und
Schwellen steife Rahmen, die dann noch mit höchstens 1 Stein
starkem Backstein- oder Schwemmsteinmauerwerk oder mit
fabrikmäßig hergestellten Zementplatten auszufüllen sind.
Ebenso nimmt man Ziegelwände, die mit ihrem dunklen Rot
Abb. 20:.
zu dem grauen Beton eine hübsche architektonische Wirkung
geben.. Ist Luftisolierung verlangt, so können senkrecht
gestellte Hohlsteine in zwei Lagen Verwendung finden
96
L Anwendungen im Hochbau.
(vgl. Anhang). Das Vorteilhafte solcher Bauweise besteht
(neben beträchtlicher Baustoffersparnis) auch darin, daß man
zunächst das gesamte Baugerippe nebst Dach vollkommen
fertigstellt und erst dann, wenn ein Arbeitsboden geschaffen
ist, mit dem Ausfüllen der Zwischenfelder beginnt. Die
Wände sind nagelbar. Außerdem können, da das Mauer-
werk nur als Aus-
füllung dient, Licht-
öffnungen von be-
liebiger Größe vor-
gesehen werden.
Ein Beispiel dieser
Bauweise bildet das
Bureaugebäude der
A.-G. Wayss u. Freytag,
Neustadt a. d. Haardt
(Abb. 207). Die Aus-
bildung eines Wand-
trägers zeigt Abb. 208 a.
Nach Abb. 2oSb ist ein Nebenträger am Wandträger der Fassaden-
maucr aufgehängt worden.
Den Übergang zu den rein gewerblichen Bauten bilden
solche Häuser, welche — wie es in den Großstädten recht
häufig der Fall ist — Wohn- und Geschäftsräume' vereint
haben. Die Geschäftsräume liegen im Untergeschoß und stehen
durch möglichst große Öffnungen mit der Straße in Verbindung.
Von den oberen Wohnräumen sind sie durch feuersichere Eisen-
betondecken abgeschlossen. Die Außenmauem, oft auch die
Mittelmauem, sind im Untergeschoß soweit als möglich ver-
schwunden und in Pfeiler aufgelöst. Man hat es gleichsam mit
einem festen, einheitlich aus Eisenbeton bestehenden Unterbau
zu tun, welcher das eigentliche Wohnhaus zu tragen hat.
Befestigung von Transmissionen und Licht-
leitungen.
Umfangreichste Anwendung hat die neue Bauweise
bei Anlage von Fabriken, Geschäftshäusern und anderen
I. Anwendungen im Hochbau.
97
gewerblichen Bauten gefunden. Hier handelt es sich in
erster Linie um gute Raumausnutzung und große Helligkeit
der Räume. Je größer die Erschütterungen durch Maschinen-
betrieb sind, um so vorteilhafter ist es, viel Unterzüge, also
eng gespannte Platten zu verwenden. Transmissionen lassen
sich bequem an den Stützen und Unterzügen anbringen, Die
Hängelager sind an der Decke (Abb. 209) *), die Konsollager
an den Stützen zu befestigen (Abb. 210). Eine Lagerbefestr-
.gung an Hängesäulen aus Eisenbeton zeigt Abb. 211. Es
empfiehlt sich in jedem Falle, die
beimAusrichten derTransmissionsanlage ein leichtes Verschieben
.der Lager immer noch möglich ist. Schon beim Stampfen
müssen für die Bolzen zum Befestigen der Traversen Guß-
rohrstücke in die Bal-
ken eingesetzt werden.
- ft-----
Für ge-
wöhnlich kann
aber die Lage
der Transmis-
sionen erst wäh-
rend oder nach
Beendigung des
Abb. 212.
’) Besser ist eine ; Aus-
führung n«ch Abb. 227.
Kersten. Der Eisenbetonbau. XL U. Aufl.
98
I. Anwendungen itn Hochbau.
Banes bestimmt werden. In dieser Hinsicht bieten die Ankerschienen
Bauart Jordahl, Dr. Bauer oder Manz besondere Vorteile. Abb. 212
u. 213 zeigen die Jordahlschiene der Deutschen Kabneisen-Gesell-
schaft Jordahl & Co., Berlin, die, zugleich als Bewehrungseisen
dienend, an den Unterseiten der Unterzüge, oder auch an den Seiten-
flächen derselben nach Ausweis der Abb. 214 u. 215 eingelegt
werden kann. Besondere Vorteile: sichere Befestigung, Vermeidung
aller Stemmarbeiten, Möglichkeit nachträglicher Verschiebungen der
Transmissionsteile, Verwendung gewöhnlicher Hängelager, Bestellung
der Walzprofile in beliebigen Längen.
Lichtleitungen sind im Deckenfeld nach Möglichkeit parallel
zu den Deckeneisen, also nicht
Hf
Abb. 216.
senkrecht zu ihnen, anzuordnen.
Die für die ^Befestigung notwen-
digen Holzeinlagen sind aut der
fertigen ISchalungl zu} verlegen.
Eine andere Befestigungsart zeigt
Abb. 216.
Die Planung der Transmis-
sions- und Lichtanlagen hat in
jedem Falle frühzeitig genug zu
erfolgen, um ein nachträgliches Versetzen
immer kostspielig ist, zu vermeiden1).
der Dübel und Eisen, das
Rampen.
Die Ausführung von Rampen
nach gleichen Grundsätzen, wie
bis 165) ange-
geben. Abb. 217a
zeigt den Unter-
bau einer Güter-
halle, auf Pfählen
gegründet. Als
Abschluß nach
den Ladeseiten
erfolgt im'^gemeinen
auf S. 78 (Abb. *158
Abb. 217.
hin kann, sofern keine Unterkellerung vorgesehen ist, auch
eine tragende Eisenbetonwand gemäß Abb. 217b genommen
i) Vgl. fluch B. u. E. 1910, 8. 202; 1013, 8. 248, 253, 442; 1914, S. 390; 1916,
S. 111: 1919, S. 131; 1920, S. 30. 69. — Mitt. 1913. 8. 192. — Beton-Kalender
1920, S. 463.
I. Anwendungen ün Hochbau.
99
werden. Nach den Abb. 218 u. 219 sind besondere Grün-
dungen der Rampe vorgenommen; Abb. 219 zeigt eine
Ausführung, bei welcher der Randbalken der Rampe mit
SchrägStreben gegen die Fundamente der Wandstützen ab-
gestützt sind. Zum Schutz der Kanten der Rampenplatte
dienen in der Regel durchlaufende Eisenschienen, C-Eisen
(Abb. 220) oder Winkeleisen.
Durchfahrten und Straßenüberbrückungen.
Ein einfaches Beispiel einer Straßenüberbrückung zeigt
Abb. 221 *), ein Beispiel einer Straßen durch fahrt Abb. 222.
Im letzteren Falle dient das Brückenwerk zur Aufnahme
eines zweigeschossigen Verbindungsbaues. Die Spannweite
f beträgt 13 m, die Breite 10,35 Statisch wäre es am
t vorteilhaftesten gewesen, fünf Rahmenbogen gemäß Abb. 2221
zu verwenden, man wählte jedoch ___________________________
— lediglich aus architektonischen 1 F| Fl IF1 IFI "1
Abb. 221. Abb. 222.
') Über Straßenüberbrückungen vgl. auch Kersten, Brucken in Eisen-
beton. Teil T, 4. Auf!., Abschn. IX. ..Überdachte Brörkengänge“.
100
I. Anwendungen im Hochbau.
Gründen — nur drei Rahmen und verstärkte die Decke an
den entsprechenden Stellen, um den nötigen Druckgurt für
die Rahmenträger zu erhalten1).
Ganze Bauwerke in Eisenbeton.
Abb. 223 stellt den
Querschnitt eines Fabrik-
neubaues der Firma Th.
Lehmann, Halle, dar, Abb.
224 den Schnitt eines In-
dustriepalastes der Firma
A. Vetterlein & Co., Leip-
zig. Das Dach der zuletzt
genannten Ausführung ist
Abb. 224.
’) VgJ. weiterhin B. u. E. 1U11, 8. 196.
F. Anwendungen im Hochbau.
101
102
I. Anwendungen im Hochbau.
in Holz ausgeführt. Die Decken und Balken sind im
Mischungsverhältnis i : 2% • 2VSt die Säulen 1 : iVa : il/2
hergestellt; für die Säulen wurde eine Höchstbeanspruchung
von 45 kg/qcm zugelassen. Näheres vgl. Beton u. Eisen
1911, S. 381.
Abb. 225 zeigt Bewehrungseinzelheiten für ein Lagerhaus
(vgl. hierzu auch Abb. 64). ,
Hingewiesen sei noch auf die große Sicherheit der Eisen-
betonbauten gegen Blitzgefahr. Die Baustoffe an sich bieten
eine natürliche Blitzableitung; die ausgelöste Elektrizität verteilt
sich Uber das ganze Dach (sofern es auch aus Eisenbeton besteht)
in großer Fläche und kann infolge Bewehrung der Wände und
Stützen in vielen Strahlen zur Erde gelangen. Besondere Fang-
stangen und Erdleitungen sind also nicht unbedingt notwendig.
Außerdem ist keine Lebensgefahr vorhanden, da die Leiter allseitig
von Beton umgeben sind. Nur dort, wo keine unmittelbare Be-
rührung von Eisen vorhanden ist, kann unter Umständen eine
örtliche Zertrümmerung eintreten, die aber wohl nie die Festigkeit
des Ganzen beeinträchtigen wird. Besteht . das Dach nicht aus
Eisenbeton, so sind natürlich, wie bei allen Häusern, Auffange-
stangen und Leitungen vorzusehen.
Fußböden für Geschäfts- und betriebstechnische
Räume.
Über Belag von Zwischendecken vgl. S. 4.
Fußböden für fabriktechnische Räume müssen vor
allem widerstandsfähig gegen mechanische Abnutzung (Be-
fahren in Textilfabriken) und gegen die dadurch hervor-
gerufene Staubbildung sein. Ebenso müssen sie wider-
standsfähig gegen Säuren, öle, Fäkalien u. dgl. sein. Um
möglichste Wasserdichtigkeit zu erzielen, muß die Bildung
von Haarrissen vermieden werden.
Für nicht unterkellerte Räumlichkeiten genügt unter Um-
ständen ein 1 bis 2 cm starker Zementestri-ch 1:2 bis 1:3 auf
entsprechender Unterlage aus Eisenbeton oder 10 bis 20 cm starker
Stampfbetonschicht 1:8 bis 1:12. Zu fette Estrichmischung (z. B.
1:1) hat nicht nur größere Staubentwicklung, sondern auch schnellere
Rissebildung im Gefolge.
L Anwendungen im Huchbau.
103
Als Härtemittel verwendet man vielfach einen Zusatz von
Eisenfeil spanen. Das metallische Eisen wird aber schon von
ganz schwachen Reagentien angegriffen; an feuchter Luft und in
reinem Wasser wird sogar das Eisen allmählich in pulvrigen
Eisezrost verwandelt, der dem Beton schadet. Vorteilhafter ist
ein Zusatz von Eisenoxydglanz, einem oxydierten Eisen, das
gegen alle chemischen Reagentien wiederstandsfähig ist, dabei
fettfrei ist und, der Mischung in beliebig feiner Mahlung zu-
gesetzt, der Oberfläche den glitzernden Schimmer des echten
Sandsteins verleiht Eisenoxydglanz wird von der Farbenfabrik
S. H. Cohn, Berlin-Neukölln, in verschiedenen Tönen und Körnungen
geliefert.
Als ein weiteres brauchbares Mittel, die Widerstandsfähigkeit
des Betons gegen mechanische Abnutzung zu erhöhen, hat sich das
von der Firma Droese & Fischer, Berlin-Friedenau, in den Handel
gebrachte Anstrichmittel „Betonmurolineum“ erwiesen1). Es
verhütet nicht nur die Bildung von Staub, sondern auch die schädi-
gende Einwirkung der in den Maschinenölen enthaltenen Fettsäuren.
Das genannte Mittel geht mit dem Beton eine chemische, mechanisch
also nicht trennbare Verbindung ein und erhöht sowohl die Wasser-
dichtigkeit als auch die Druckfestigkeit des Betons. Ebenso wird
die Bildung von Haarrissen eingeschränkt. Der Beton ist zweck-
mäßig erst dann mit dem Murolineum zu streichen, wenn er drei
bis vier Wochen alt ist. Ein Zusetzen des Mittels beim Anmachen
des Betons darf hier nicht erfolgen.
In Fabrikräumen, deren Fußböden dauernd starken Schlägen
und Drücken ausgesetzt sind (Räume für Eisenbearbeitung,
Schmieden usw.), eignet sich ein Holzfußboden aus Eichen-, Hart-
holz- oder Steinholzklötzen in Würfel von etwa 8 cm Kantenlänge,
in Asphalt oder Goudron mit konischen Fugen auf Asphaltpappe
verlegt. Wichtig ist, sofern man auf den Holzfußboden verzichten
will, in jedem Falle eine elastische Zwischenbettung aus Schlacken*,
Sand- oder Bimsschüttung, oder aus Schlacken- oder Bimsbeton.
(Schlackenbeton ist recht zu empfehlen; er weicht am wenigsten
aus, ist leicht und billig.) Auf solche Zwischenbettung wird ein
mindestens 3 cm starker, rauher Schotterbetonestrich aufgebracht
i) Auf Veranlassung der genannten Firma sind Versuche im Staatl.
Materialprüfung samt Groß-Lichterfelde vorgenommen worden. Sie ergaben,
daß Betonkörper gleicher Beschaffenheit unter der Einwirkung eines Sand-
strahlgebläses von 8 Atm. ohne Anstrich 56,7 g und mit Anstrich nur 33,0 g
Abnutaungsverlnst erlitten.
104 !• Anwendungen im Hochbau.
Bei Verwendung von Kleinpflaster genügt als Zwischenbettung schon
eine satt gestampfte Schlacken- oder Sandunterlage.
Für Schulen, Krankenhäuser und Geschäftsräume kommen
neben den genannten Forderungen (Widerstand gegen mecha-
nische und chemische Einwirkungen) noch andere in Betracht,
die die Verwendung besonderer Beläge bedingen. Diese
Beläge sollen feuer- und schwammsicher, schalldämpfend
und fuß warm sein; sie sollen ein elastisches Begehen und
ein sicheres Auftreten ermöglichen, desgleichen ein leichtes
und gründliches Reinhalten. Das wöchentlich mindestens
einmal erforderliche Nässen darf nicht ungünstig auf den
Fußboden einwirken. t
Stcinzeugplattcn sind fußkalt, können auch ihrer Glätte
wegen als Belag oft nicht in Frage kommen.
Steinholz1)» breifönnig auf den Beton aufgebracht, wird
vielfach verwandt, verlangt aber eine gewisse Austrocknungsfrist
und eine besondere Geschicklichkeit der Leute beim Aufträgen. Die
im Steinholz enthaltene C hlormagnesiumlauge bann ^rlurch ihre
Verunreinigungen schädlich wirken; es empfiehlt sich eine isolierende,
abdichtende Zwischenschicht aus Asphalt oder Goudronmasse. die
so rauh sein möchte, daß das Steinholz an ihr sicher haftet. Nötigen-
falls genügt ein sorgfältiges Abgleichen der (»beriläche mit Zement-
mörtel i: 3 oder ein Einbürsten von dicker Magnesitmilch unmittel-
bar vor dem Auf bringen des Steinholzes.
* Will man einen sofort begehbaren Arbeitsboden haben, so
verwendet man vorteilhafter das Steinholz in Form fabrikmäßig,
unter hohem hydraulischen Druck hergestellter Platten, die sogen.
Xylolithplatten der Deutschen Xylolith(Steinholz-)fabrik in Pot-
schappel bei Dresden. Diese Platten lassen sich vollkommen wie
Holz bearbeiten, also sägen, fräsen, nageln und bohren und zeigen
etwa die doppelte Widerstandsfähigkeit gegen Abnutzung als unsere
besten Harthölzer. Dabei sind sie fußwarm, schalldämpfend und
elastisch. Die Fugen sind vollkommen geschlossen, erweitern sich
auch nicht. Die Platten werden, um Musterungen zu ermöglichen,
in dreierlei Farben geliefert. Für Fußböden kommen fast aus-
schließlich Stärken von 12 bis 14 mm in Frage, für Stutenbeläge
9 Steinholz besteht in der Hauptsache aus einem hochprozentigen
Magnesit als Bindemittel, einer säurebeständigen Farbe und einer ent-
sprechenden Auswahl von Füllstoffen (Sägespane. Qunrz.mebl. Glassand,
Korkabffille, Asbest, Kieselgur 0. dgl).
1. Anwendungen im Hochbau.
105
vgl. S. 63) 20 bis 26 mm. Die Befestigung der Platten, in der Regel
20 20 oder 25 X 25 cm groß, erfolgt auf dem Beton durch Magnesia*
Mörtelmassc. Verwendet man ftlr große Flächen einbetonierte, mit
Karbolineum getränkte Lagerhölzer, so kann man Platten in Größe
von^ioo < 100 cm nehmen.
Über Fußböden vgl. B. u. E. 1912. S. 263, 342; 1913» S. 73,
I44j 330; 1914. S. 23, 43, 1S2; 1915, S. 294; (916, S. 23; 1917,
S. 25S; 19TS, S. 147; 1919, S. *223: 1920, S. 19, 59, 95, 115. —
Mitt. 191S. S. 116. — Arm. B. 1919, S. 125. — Außerdem vgl. ..Beton-
fußböden und Fußbodenplatten“ (Deutscher Zementbund).
*
G. Dach- und Hallenbauten.
Die Dächer aus Eisenbeton bieten, sofern sie voll-
kommen in Eisenbeton ausgeführt werden, den Vorteil
größter Feuersicherheit. Bestehende Holzdachstühle können
durch nachträglich angebrachte Rabitz- oder Monierver-
kleidungen oder durch eine entsprechende Ausbildung der
Bodendecke feuersicher gemacht bzw. vom oberen Raum
abgetrennt werden (vgl. z. B. Abb. 96 u. 97). Von den
Dächern in Eisen gilt das gleiche wie von den Treppen in
Eisen: die glühenden Teile biegen sich durch, zerschlagen
die Bodendecke und zerstören das darunter Befindliche. Sind
auch die Anlagekosten einer Dachausführung in Eisenbeton
zumeist höher als die eines Holzdaches, so werden die
wirtschaftlichen Vorteile — namentlich bei industriellen
Bauten — ausschlaggebender sein. Es lassen sich in be-
wehrtem Beton weite, luftige Dachräume mit wenig oder gar
keinen Stützen, Zangen und Streben herstellen. Die Unter-
seite der Betonhaut kann in gleicher Weise behandelt werden
wie bei den Decken. Will man den schädlichen Einflüssen
der Außentemperatur vorbeugen, so empfiehlt sich die An-
ordnung von isolierenden Luftschichten (vgl. Abb. 249, 251,
315 sowie S. 108).
1« Dachabdeckungen und -Isolierungen.
Die Abdeckung eines jeden Daches erfordert besondere
Aufmerksamkeit. Witterungseinflüsse und steter Temperatur-
wechsel machen den Beton rissig und die Verwendung der
106
L Anwendungen im Hochbau
Dachräume als Wohn- und Arbeitsstätte, wenn nicht gerade
unmöglich, so doch im hohen Grade unbequem. Die Dächer
bieten dann keinen Schutz gegen Regenwasser. Wasserdichte
yerputze nützen im allgemeinen auch nicht viel, da sich bald
Haarrisse einstellen werden. Auch Anstriche mit Teer,
Asphalt und den dazugehörigen Zusammensetzungen machen
den Eisenbeton nicht dauernd dicht. Man ist zur Ver-
wendung besonderer bituminöser Abdeckungen genötigt, will
man nicht seine Zuflucht zu den sonst üblichen Deckungs-
arten (Schiefer, Metall, Ziegel usw.) nehmen.
Ein gutes und brauchbares Eindeckungsmittel hat
mancherlei Bedingungen zu erfüllen; es darf nicht rissig
werden, muß Luft- und wasserdicht, isolierend, fäulnisfest, ab-
tropffest, möglichst geruchlos, wetterbeständig, sturm- und
hagelschlagsicher, schmiegsam (nicht steif und brüchig) und
— billig sein. Es muß weiterhin auch fest gegen Ruß sein,
sich leicht verlegen können, muß glatt und faltenlos bleiben
(auch bei großer Sonnenbestrahlung), darf nicht austrocknen,
muß späterhin wenig oder gar keine Anstriche benötigen,
die besonders bei steilen Dächern viele Kosten verschlingen.
Es muß möglichst für alle Klimata und» Zonen sowie
für alle möglichen Neigungswinkel der Dachflächen geeignet
sein. Die Klebemasse darf nicht durch Innenwärme des
Gebäudes verzehrt werden; desgleichen darf keine all-
mähliche Zersetzung der Imprägniermasse Getreten. Be-
dingung für eine dauernd gute Bewährung jeder Eindeckung
ist eine trockene, glatte und ebene Oberfläche des Betons;
es genügt ein einfaches Abziehen mit dem Richtscheite.
Verwendet man einfache Pappeindeckungen, so muß man
darauf achten, daß die Pappe eine genügende Stärke erhält. Eine
Tränkung mit Steinkohlenteer (und Produkten daraus) empfiehlt
sich im allgemeinen nicht, da Steinkohlenteer zu schnell ausgezogen
wird und auch riecht. Die allmähliche Zersetzung der Tränkungs-
masse hat ein Auswaschen derselben zur Folge, das von Zeit zu Zeit
Erneuerungsansprüche erforderlich macht. Werden diese Anstriche
zu dick aufgetragen, so fließen sie unter Umständen bei starker Hitze
ab und verunreinigen die Regenrinnen.
I. Anwendungen im Hochbau.
107
Vorteilhattier, aber auch nicht wärmeisolierend ist die Verwendung
ein^r doppellagigen Asphaltpappeindeckung bzw. einer Asphaltfilz-
deckung, die aber nur für Flachdächer in Frage kommen kann und
etwa alle 2 Jahre neu geteert werden muß.
Einen vorzüglichen Wärmeschutz bietet eine Holzzementein-
deckung. Den Hauptbestandteil bilden drei bis vier Lagen Papier,
welche durch eine dehnbare, wasserdichte Masse, den sogenannten
Holzzement, verbunden und 8 bis 10 cm hoch mit kleinem Kiesel-
schotter überschüttet sind. Zwischen der Betonfläche und den Papier-
lagen liegt eine Pappschicht Soll zur Isolierung noch eine Korklage
verwendet werden, so ist der Holzzement unmittelbar auf den Kork
zu verlegen. Nachteilig für die Verwendung einer Holzzementein-
deckung ist ihr großes Gewicht (160 bis 180 kg/qm) und der Umstand,
daß sie nur für ganz flache Dächer in Frage kommen kann.
Von den bituminösen Abdeckungsmitteln hat sich das Ruberoid
der Ruberoid-Gesellschaft m. b. H., Hamburg, gut bewährt. Ruberoid
ist eine zähe, lederartige Wollfilzpappe, die mit wasserfestem, wetter-
beständigem Tränkungsstoff („Ruberoid“) gesättigt ist. Beiderseits ist
ein Überzug von der gleichen Zusammensetzung, aber in härterer Form
vorgesehen. Ruberoid wird mittels erhitzten, flüssigen Goudrons1)
auf den trockenen Beton verklebt. Eine Auflösung der Klebe- und
Imprägnierungsmasse ist selbst bei größter Sonnenhitze so gut wie
ausgeschlossen. Die Klebemasse bleibt gleichmäßig zäh und elastisch.
Die einzelnen Bahnen erhalten an den Kanten einen Überschlag von
5 bis 10 cm. Die Ruberoideindeckungen bleiben durchaus glatt und
faltenlos und sind für jede Dachneigung geeignet. Sie haben zumeist
eine mattgraue Färbung.
Des weiteren kann man — besonders bei Mansarden-
dächem — eine Schiefereindeckung verwenden. Man kann
sie Entweder auf eine Holzschalung nageln, die an ein-
betonierten Holzleisten oder an vorstehenden Eisenstäbchen
befestigt ist, oder unmittelbar auf den Beton (Bimsbeton).
Metall, ohne Zwischenlage auf den Beton verlegt, eignet sich
wenig als Deckmittel, da es die Wärme zu gut leitet und
deshalb schädliche Spannungen im Beton erzeugt, die sich
im Auftreten von Rissen bemerkbar machen. Allenfalls
0 Goudron wird von Trinidat-Asphalt durch Mischen mit 25 vH. Rück-
ständen von der Petroleumdestillation n er gestellt. Es ist jedenfalls nicht mit
Pech, dem Rückstand von destilliertem Holzteer, zu verwechseln.
108
1. Anwendungen im Hochbau.
empfiehlt sich noch Kupferdeckung bei Kuppeldächern,
Kirchen und Grabmälern. Zinkblech ist ohne Holzschalung
oder Papplage nicht zu verwenden, da es schnell von fettem
Beton zerfressen wird. Schließlich kommen auch noch
Ziegeldeckungen für Eisenbetondächer in Frage, und zwar für
eine Dachneigung ctg a 5*1,25.
Bei einer Werkstätte in Dresden liegt auf der Eisen-
betondecke eine Flachschicht aus porösen ZiegelhQhlsteinen,
deren Oberseite zur Aufnahme einer Ruberoidlage einen
Zementglattstrich erhielt (vgl. Abb. 226 u. 227).
Vielfach liegt ein Bedürfnis nach einer besonders
wirkungsvollen Isolierung vor. Ein sehr gutes Isolier-
mittel ist eine 3 bis 4 cm starke Korklage, die unmittel-
bar auf den Beton gelegt und mit Ziegel oder Dachpappe
wasserdicht abgedeckt wird1). Man kann auch Korkstein
verwenden, eine Mischung von geschrotetem Kork und
einem Bindemittel (Pech, harzsaure Tonerde und über-
schüssiger Ton). Spezifisches Gewicht nur 0,3; Druck-
festigkeit etwa 17 kg/qcm. Gleichfalls wärmeschützend ist
eine 6 bis 8 cm starke, im ersten Monat noch nagelbare
Schlacken- oder Bimsbetonschicht mit Dachpappenbelag,
auch ein gutes Mittel, um das bei Winterkälte stattfindende
Herabtropfen des eingedampften Wassers, verursacht durch
Heizung des Dachraumes, zu verhindern. Zwecks Ver-
Eino besondere Korkdecke, an dem Dachstuhl aufgehängt, Ist teuer
und wenig wirksam, trotzdem sie einen isolierenden Hoblraum schafft.
I. Anwendungen im Hochbau.
109
meidung jeglicher Tropfenbildung empfiehlt sich dann noch
did’ Anbringung von Löchern in den Seitenwänden unmittel-
bar unter der Dachfläche, um eine Luftemeuerung möglich
zu machen1).
Die Entwässerungsanlagen für Betondächer bieten nichts
Neues. Auch die Rinnen werden bisweilen in Eisenbeton ausgeführt
(Abb. 241). Man kann
auch, wie Abb. 22S, 229
Abb. 22*. Abb. 229.
zeigen, die Häugerinne entbehren, wenn man durch entsprechendes
Aufbetonieren das Wasser nach einzelnen Abfallrohren leitet.
K 2. Dachhaut auf eisernem Tragewerk.
Die Abb. 230 bis 233 zeigen verschiedene Ausführungs-
möglichkeiten von Eisenbetoneindeckungen eiserner Dach-
binder1). Solche Eindeckungen, zu-
meist nur 6 bis 8 cm stark, werden '
— mit Holzschalung — in gleicher
Weise hergestellt wie die ebenen Decken.
Man tut im allgemeinen vorteilhaft,
Zwischenpfetten einzuschalten, also
nach Abb. 230 eine Unterteilung des Pfettenabstandes a
vorzunehmen. Es werden zwar stärkere Obeigurtstäbe
nötig; dafür wird aber die erforderliche Plattenstärke (in
der Regel 5 cm) um so geringer. Bei größeren Flächen
Abb. 230.
0 Über Verwendung von Biinsbctondeoken vgl. S. 11, 24. vun unter-
gehängten Rabitz- oder Öurodecken. Abb. 251, 264, 344.
3) Vgl. auch Kersten, Der Eisenhochbau. 2. Aull., Verlag von Wilhelm
Ernst <fc Sohn, sowie Beton u. Eisen 1907, S. 176.
110
I. Anwendungen itn Hochbau
empfiehlt sich die Anordnung von i cm starken Aus-
dehnungsfugen, die in etwa io m Entfernung zu legen
Abb. 231.
sind und mit Asphalt ausgefüllt werden. Eine aufgestelzte
Dachdecke in K leine sch ef ^Bauweise mit Bims- oder
Schlackenaufftillung (vgl. S. 18) zeigt Abb. 234.« Abb. 235
bietet Einzelheiten der Bimsbetoneindeckung für die Loko-
’Pariga'Loch, - oder Kcdksteuv
Abb. 234.
motiv-Reparaturwerkstätte Stendal; a zeigt den Schnitt durch
die Dachplatte, den Schnitt durch den Oberlichtträger,
c und d Schnitte durch die Oberlichtzargen.
Man kann auch fabrikmäßig hergestellte Kassetten-
hohlplatten (die Abb. 236 u. 237 zeigen die gewöhnliche
I. Anwendungen im Hochbau.
111
Abb. 236 u. 237.
Abb. 238.
112
I. Anwendungen im Hochbau.
Ausführung, Abb. 238 zeigt einen Oberlichtanscffluß) oder
Kassettenvollplatten (Abb. 239 bis 243) verwenden, die
200 -----------'---------->J
F V#\ i
rk------------- 4Z» -------------SH
Abb. 239.
von Pfette zu Pfette
gehen, eine Holzver-
schalung entbehrlich
machen und die Ein-
deckungsarbeit zu
jeder Jahreszeit ge-
statten. Neuerdings
verwendet man —
des geringen Eigen-
gewichts wegen —
solche Kassettenplat-
ten zumeist aus Bims-
beton ; sie werden
mit Hakenschrauben
befestigt. In beson-
ders umfangreichem
Maße, namentlich in
Westdeutschland,
sind die Remyschen
Kassettenplatten (Fr.
Remy Nachf., Neu-
wied a. Rh.) zur An-
wendung gekommen
(vgl. Abb. 239). Ein-
zelheiten dieser Bau-
L Anwendungen im Huchbau.
113
weise bieten die Abb. 240 (Platte mit eiserner Kastenrinne),
241 (Platten als Kastenrinnen}, 242 (Platten mit Oberlicht-
anschluß) und 243 (Firstpunkt).
Bimsbeton
wird, besonders in
^den Industrie-
gegenden sehr viel
angewandt; er ist
sehr leicht, wärme-
isolierend und oft
billiger als Kies-
beton. Die untere
Sichtfläche wird
| zweckmäßig mit
; Zementmilch abge-
schlämmt und
Abb. 242.
dann zweimal mit Kalkfarbe gestrichen. Die obere Fläche wird
mil Ruberoid oder einem gleich guten bituminösen Stoff ab-
gedcckt1). Das Abdichten der Fugen erfolgt durch Zinkblech' (Nr. 14
bzw. 16), ebenso die Überdeckung der Dehnungsfugen. Bei Mischung
1 Teil Zement 4- 3 Teile Bimssand
4“ 3 Teile Quarzsand kann man mit
etwa T40 kg/qcm höchster Druck-
I fcstigkeit rechnen. Vgl. auch S. 7 u. 24,
I sowie Teil I, 11. Auflage.
Abb Abb. 244 zeigt eine Ausfüh-
rung, bei welcher Eisenbeton-
sparren (etwa 12 • 13 cm) in 60 cm Abstand verlegt und
durch dünne Platten in sinnreicher Weise untereinander ver-
bunden werden.
Empfehlenswert erscheint weiterhin die Verwendung der
patentamtlich geschützten Leichtsteindachdecke Bauweise
Zomak (Firma Hans Zomak, Berlin ^30). Diese TJecke,
die bis zu 3 m gespannt werden kann, besteht nach Maß-
gabe der Abb. 246 aus nur 6 cm starken porösen Hohl-
J) Bimsbeton ist porös, saugt also Wasser ein. Die Eindeckung der
DachflAcho darf deshalb nur dann erfolgen, wenn der Beton vollkommen
trocken ist Andernfalls ist zu befürchten, daß die Klebemasse aufgelöst wird.
Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 8
j [4 I. Anwendungen im Hochbau.
steinen in Ton und hat ein Gewicht von nur etwa 50 kg/qm.
per Hohlraum beträgt etwa 60 vH. des Steinquerschnitts,
pie einzelnen Steine werden durch Zementmörtel zu einer
flatte zusammengefügt, deren Längsfugen durch Rund-
gisen bewehrt werden. Abb. 247 zeigt, daß die Decke
kontinuierlich über ihre Untersttttzungsträger gespannt und
somit vollkommen unabhängig von der Trägerlage ist.
besonders geformte Windhaken schützen die Decke gegen
^bheben durch Unterwind. Die Schalung wird auf hochkant
Abb. 244 u. 245.
gestellte Bretter gelegt, die auf den unteren Flanschen der
j.Träger stehen und mit Holzkeilen gegen den oberen
j^nsch gepreßt werden. Die Oberfläche der Decke ist
infolge des Ebenmaßes der Steine vollkommen glatt, weshalb
ein besonderer Estrich behufs Aufklebens der Pappe im
^gemeinen nicht nötig ist. Zur Befestigung von Rinnen-
den, Traufbrettern u. dgl. dienen Holzdübel. Die Stoß-
keilen der Pappbahnen können nach Maßgabe der Abb. 246
^ch Dreikantleisten gesichert werden. Abb. 248 zeigt
schließlich, daß bei Verwendung von Steinen, die aus fettem
ryon hart gebrannt sind und eine rötliche Farbtönung besitzen,
I. Anwendungen im Hochbau.
115
auf die Pappe verzichtet werden kann *). Alle Fugen werden
mit wasserdichtem Zementmörtel ausgefiillt. Gewicht dieser,
namentlich für Räume mit hoher Innentemperatur (Gene*
ratorenhäuser u. ähnl.) geeignet erscheinenden Decken etwa
0 Neuerdings verwendet die Firma Zomak für die Abdeckung der Längs-
fugen teilkreisförmig gebogene Kuppen, die sioh überdecken und der Dach-
lliiche das Aussehen einer Eindeckung wie Mönch und Nonne geben. (Abb. a.)
8*
116
I. Anwendungen im Hochbau.
70 kg/qm, — Nach Mitteilung der ausführenden Firma sind
beide Deckenarten bereits in großem Umfange zur An-
wendung gekommen: vgl. auch Zentralblatt für das deutsche
Baugewerbe, 1918, Nr. 49.
Über Abdeckungen mit Tektonplatten (Holzbeton) ।
vgl. den Anhang.
Will man in Höhe der Pfetten- oder Gurtunterkante. eine
glatte Sichtfläche (und gleichzeitig eine isolierende Luft-
schicht) haben, so kann man
gemäß Abb. 249 u. 250 entwerfen.
Man starripft die Platten ent-
weder — wie bei den Decken —
von Pfette zu Pfette oder legt
sie in fabrikmäßig hergestellten
Stücken zwischen J-Eisen, die
vM Gurt- zu GuAträger gehen.
Schließlich genügt auch eine
Rabitzverkleidung der hölzernen
Pfetten.
Sind die eisernen Binder
gegen Feuer zu schützen, so
kann man an den Untergurt eine leichte Rabitzdecke an-
hängen, die dem Ganzen, vom Innenraum betrachtet, das
Aussehen eines Bogendaches verleiht (Abb. 251).
3. Balkeudäclier.
Balkendächer in Eisenbeton sind im allgemeinen nach
den gleichen Regeln zu entwerfen wie die auf S. 41 be-
sprochenen Balkendecken (aber für geringere Nutzlasten). Das
gilt insbesondere von den Flachdächern, die für industrielle
Anlagen sehr in Frage kommen.
Die Gefahr, daß wegen Temperaturänderungen Risse-
bildungen im Beton erzeugt werden, ist bei den Dach-
flächen natürlich in höherem Grade vorhanden, als bei
den Zwischendecken. Sind keine Isolierstoffe (vgl. S. 108)
in ausreichendem Maße verwandt worden, so sind Aus-
I. Anwendungen im Hochbau.
117
dehnungsfugen in etwa 20 m Abstand vorzusehen, und
zwar längs wie quer zur Gebäudeachse. Vgl. auch S. 93.
Die Dichtung der Fugen geschieht entweder durch Ausfüllung
derselben Knittels eines elastischen Stoffes oder durch ge-
eignete Vorkehrungen in der Dachdeckung. Die Teilungsfuge
kann quer durch die Platte gehen (Abb. 252). Besser ist eine
durchgehende Teilung durch Balken und Stütze (Abb. 252a)
oder auch nur durch einen Balken (Abb. 252b). Gleitfugen
gemäß Abb. 252 c
Fundamente sind
nicht mit zu teilen.
Bei Laternensheds
können die Ober-
lichter gemäß
Abb. 267 zur
Trennung ver-
w;*idt werden.
Das in Abb. 253
dargestellte Flach-
dach ist mit Holz-
zement eingedeckt; auch die Dachreiter sind in Eisenbeton ausgeführt.
Abb. 254 zeigt eine Kinosaaldach decke mit gewölbter Untersicht
Abb. 2M.
Von der Verwen-
dung von Steif rahm en
mußte aus bestimmten
Gründen bei der Pla-
nung abgesehen wer-
den, ebenso, wegen
zu schwacher Außen-
wände, von der Aus-
118
I. Anwendungen im Hochbau.
Abb. 255.
führung eines Gewölbes. — Abb. 255 bietet das Beispiel eines mit
dem Maner werk fest verbundenen Dachbalkens. Von einer statisch
einwandfreien Einspannung kann hier natür-
lich, wegen zu geringer Auf last, keine Rede
sein. Abb. 256 zeigt die Formgebung eines
Dachvorsprunges; vgl. auch Abb. 198. —
Abb. 257 zeigt die Verwendung von Visintini-
balken, die fabrikmäßig hergestellt und in völlig ab-
gebundenem Zustand an Ort und Stelle verlegt werden (vgl. S. 40).
Ein Spitzdach ist in Abb. 258 dargestellt.
Zeltdächer.*
Abb. 259 u. 260 zeigen die Aus-
yir f1s---------bildung des Zeltdaches des in Abb. 523
•LL -IL dargestellten Wasserbehälters. Das
Abb. 258. g cm starke, ohne Rippen ausgeftihrte
Dach hat an der Spitze und am unteren Auflager kräftige
Verstärkungen. Gedeckt ist das Dach mit Ziegeln; es ist
3 cm hoch mit Bimsbeton aufgestampft, auf welchen die
Biberschwänze genagelt werden.
Ein Zeltdach mit überkragender Dachplatte zeigt
Abb. 261. Eine andere, recht bemerkenswerte Ausführung
einer Autogarage mit einem nach allen vier Seiten ab-
fallenden Dach zeigt Abb. 262. Die Auflagerbalken (Fuß-
pfetten) längs der Wände, als Zugbänder anzusehen, ruhen
auf Stützen, die ins Mauerwerk eingelassen sind. Mittel-
stützen sind trotz der beträchtlichen Raumabmessungen
(20,74 x18,18 m) nicht vorgesehen worden; trotzdem üben
die Dachflächen keinerlei Schub aus. In der Dachmitte ist
eine vcglaste Laterne 5,3 X6,iom angeordnet
I Anwendungen im Hochbau
119
Abb. 259 u. 2G0.
Sheddächer.
Sheddächer sind lediglich als eine
besondere Form der zuvor besprochenen
Balkendächer anzusehen, die besonders für Textilfabriken
(z. B. Webereien) in Betracht kommen. Die Räume dieser
Fabriken benötigen wegen ihrer großen wagerechten Aus-
120
Anwendungen im Hochbau.
dehnung eine Lichtzuführung von oben. Man unterscheidet
zwischen Laternen- und Sägesheds.
Sägesheds sind im allgemeinen nicht so zu empfehlen
wie die Laternensheds, das sind Flachdächer mit auf-
gesetzten Oberlichtern, die eine bessere Lichtwirkung
haben und in ihrer Lage unabhängig von der Himmels-
richtung sind, in der das Gebäude liegt. Die Entwässe-
rung ist eine einfache. Die Oberlichter setzt man auf
etwa 30 cm hohe bewehrte Balken, und zwär am besten
auf eiserne Rahmen, die am Beton befestigt sind. An den Ober-
lichtern ist die Dachplatte ausgespart, so daß an diesen Stellen
diePlattenbalken als einfache rechteckige Träger frei durchgehen.
Abb. 263.
Es empfiehlt sich aus statischen Gründen, die Balkenhöhe an
diesen Stellen gemäß Abb. 263 zfr vergrößern. Nach Abb. 264
ist am Dachgebälk eine leichte Rabitzdecke angehängt; an
den Lichtöffnungen sind Zierlichter vorgesehen1).
Weitere bemerkenswerte Vorbilder
bieten die Abb 265 bis 268.
Bei dem Bau einer Richtehalle der
Daimler-Motoren-Gesellschaft Untertürk-
heim (vgl. Mitt. 1920, S. 137) wurden zur
Ersparnis an Zeit und Schalungsarbeit
Abb. 265.
9 Bel einfachem Oberlicht kann Im Winter eine starke Schweißwasser-
bildung eintreten. Die zweite Llchtdeoke gleiont die Temperaturunterschiede
besser aus, beeinträchtigt allerdings die Liohtzufuhr.
1. Anwendungen im Hochbau.
121
nur die von Stütze zu Stütze laufenden Hauptträger an Ort und Stelle
zwischen • Schalungen*- betoniert, die Nebenträger dagegen, in 2,5 m
Abstand liegend und 10 m lang, auf dem Boden neben dem Bauwerk
Abb. 266 u. 267.
betoniert, dann mit Kran hochgehoben und verlegt Über diese Neben-
träger wurden dann Remysche Bimsdielen gemäß Abb. 236 verlegt.
Eine Autogarage in Wien (Abb. 269) setzt sich aus Steif-
Abb. 26S. Abb. 269.
Binderentfemung 5,10 m. Die rippenlose Dachplatte ist von Ober-
lichtöffnungen 1,7 X 7»3 m unterbrochen, die zwischen den Bindern
liegen. (Vgl. weiterhin Arm. Beton 1913, S. 8.)
122
I. Anwendungen im Hochbau.
Bei den Sägesheds müssen die Glasflächen nach Norden
gerichtet sein; ihre Ausführung ist etwas umständlicher als
die der eben besprochenen Laternensheds.
Eine dem Eisenbau entsprechende, in
der Anordnung der Bewehrung aber
Abb. 273.
1
nicht ganz vorbildliche Ausführung zeigt Abb. a 70. Nach Abb. 2 71
sind die .massiven Zug-
balken durch freiliegende
Eisenanker ersetzt; Binder-
abstand 8,8 m. (Näheres
vgl. Arm.Beton 1912,8.60.)
Es entsteht auf diese
Weise eine leichter aus-
sehende, weniger schat-
tenwerfende Konstruk-
tion. Noch vorteilhafter
I. Anwendungen im Huchbau.
123
124
L Anwendungen im Hochbau.
ist es in dieser Beziehung, auch die eisernen Zuganker fort-
zulassen und gemäß Abb. 273 zu Steifrahmen mit geknicktem
Obergurt überzugehen.
Einfacher gestaltet sich eine Ausführung mit senkrecht stehendem
Oberlicht gemäß Abb. 273. — Bemerkenswert sind schließlich noch
die in den Abb. 274 u. 275 gezeigten Ausftthrunpsartcn. Besonders
die in letztgenannter Abbildung gezeigte Shedform mit zwei schrägen
Glasflächen in jedem Säulenfeld (Entwurf Dr. Bauer) kann für bestimmte
Textilbetriebe gewisse Vorteile bieten.
Vordächer.
Vordächer in Eisenbeton sind einseitig auskragende
Bauteile und als solche nach den auf S. 78 vermerkten An-
gaben auszubilden. Am vSteilhaftesten ist es, wenn der
Kragarm die * Fortsetzung einer Decke darstellt. Wie in
solchem Falle die Bewehrung anzuordnen ist, zeigen Abb. 276
u. 277 in ausführlicher Weise. Bei einer Bäckerei in Bielefeld
(vgl. Arm. Beton 1911, S. 277)
wurde das Vordach gemäß Abb. 278
in Glas abgedeckt. Auch hier
bilden die Kragbalken die Fort-
setzung der Deckenbalken. Ein
konsolartig mit dem Binderpfosten
Abb. 278.
in Verbindung stehendes Vordach ist aus Abb. 379 er-
sichtlich (Güterschuppen auf Bahnhof Dortmund). Die Ent-
fernung der einzelnen Rahmenbinder beträgt hier 4,50 m,
die Spannweite der Tragrippen 10 m. Die Auskragungen
des Schutzdaches betragen 3,16 m und sind auf beiden
Seiten gleich.
Über weitere Kragformen beim Erstellen von Dach-
bauten in Eisenbeton vgl. die Abb. 266, 309 bis 311, 326,
337 u. 330.
I. Anwendungen im Hochbau.
125
Fachwerke.
/ Fachwerkbinder sind bisher nur vereinzelt ausgeführt
worden. Sie kommen nur bei großen Spannweiten in Frage
und bedingen unter gewöhnlichen Verhältnissen beträchtliche
Herstellungskosten, die den wirtschaftlichen Vorteil der Bau-
stoffersparnis zumeist in den Hintergrund stellen. Beispiele
von Fachwerkausftihrungen
ersichtlich. Bei dem in Abb. 282 gezeigten Binder, ein Gegen-
stück zu dem in Abb. 353 dargestellten Binder, ist zwischen
den unteren Gurtungen eine wagerechte Decke angeordnet,
um Staubablagerungen auf den unteren Gurtstäben vorzubeugen
-• ——
Abb. 283.
Abb. 283.
(vgl. Arm. Beton 1912, S. 48). Abb. 383 bietet das Beispiel
eines Pfostenfachwerkes (Bauweise Vierendeel, vgl. Kersten,
Balkenbrücken), bei dem aber, entgegen den Angaben der
Skizze, das Auflagerende unbedingt vollwandig gemäß
Abb. 382 ausgeführt werden muß.
Mansardendächer.
In statischer Hinsicht hat man es hier zumeist mit
allseitig geschlossenen Rahmen (Abb. 287) bzw. mit
Bogenrahmen mit aufgenommenem Horizontalschub zu
tun (Abb. 288). Wird der Raum gemäß Abb. 284 durch
wagerechte Zwischendecken unterteilt, so spricht man von
einem mehrgeschossigen, sonst von einem eingeschossigen
Mansardendach. In jedem Falle werden nur senkrechte
126
I. Anwendungen hn Hochbau.
Kräfte aufs Mauerwerk übertragen. Nach Ausweis der
Abb. 384 sind trotz einer Spannweite von 12,5 m keine
Stützen angeordnet.
Abb. 285.
hauses auf die Decke
Abb. 28h>
Eine Dachluke kann
gemäß Abb. 285 in Eisen-
beton ausgeführt werden.
Abb. 286 zeigt eine
Abstützung des zurück-
springenden Dachge-
schosses eines Waren-
des darunter befindlichen
Obergeschosses. Es wurde hier mit Rücksicht
Ahl». 2SG.
auf baupolizeiliche Bestimmungen bezüglich
der Gebäudehöhe notwendig, mit dem oberen Teil der
Straßenfronten hinter die Baufluchtlinie zurttckzutreten.
Die symmetrische Form-
gebung eines steifrahmi-
gen Trapezdaches mit auf-
gesetztem Holzbinder zeigt
Abb. 287. Die Binderent-
femung beträgt 3,90 m.
Die Bogenrippen des
Mansardendaches eines Fa-
brikgebäudes haben, wie
Abb. 288 zeigt, Parabel-
form. Die Rippen wurden
I. Anwendungen im Hochbau.
127
t als elastische Bogen ohne Gelenke berechnet und haben
in ihrer ganzen Länge gleichen Querschnitt und doppelte Ein-
lagen. BesondereZug-
stangen zur Aufnahme
des Horizontalschu-
bes waren nicht er-
forderlich, da die
Rundeisen der Rippen
mit denen der dar-
unterliegenden Rippen des vierten Geschosses in geeigneter
Weise verbunden wurden. Es nimmt dann der Überschuß
an Eisenquerschnitt der Deckenrippen den Horizontalschub
auf. Es werden also auch hier nur senkrechte Kräfte aufs
Mauerwerk übertragen.
Abb. 290.
Bei dem in Abb. 2S9
dargestcllten Dachbin-
der wird der Mittel-
teil von einem steifen
Rahmenwerk gebildet,
an welches sich zu
beiden Seiten gebo-
gene Balken (auf drei
Stützen) anschließen. Binderentfernung 3,90 m.
Nach Abb. 290 sind zwei Rahmenbinder, durch Bleiplatten ge-
trennt, übereinander gesetzt. Das Zugband für den oberen Rahmen
ist in den Riegel des unteren Rahmens verlegt, während das Zugband
des unteren Rahmens mit der Geschoßdecke zusammenfällt.
Ist man aus architektonischen Gründen zu einem
spitzen Dachaufsatz genötigt, so empfiehlt sich oftmals —
der Billigkeit halber — ein Aufbau in Holz. Er ist
außerdem leicht, belastet also das eisenbewehrte Tragwerk
in nur geringem Maße. Nach Abb, 291 wird das Dach
durch Aneinanderreihen mehrerer Steifrahmen gebildet,
bei Fortfall einer die Rahmen verbindenden Eisenbeton-
dachhaut. Der untere Riegel kann entweder als Geschoß-
decke oder auch, wie die Abbildung zeigt, als ein-
fache Dachabschlußdecke ausgebildet werden (Mitt. 1911,
s. 153)'
128
L Anwendungen im Hochbau.
Abb. 293.
Schnittansicht der Hälfte» des zweiten
Obergeschosses und des Dachgeschosses
vom neuen Hauptzollamtsgebäude in
• Würzburg. In Höhe
der Geschoßdecke ist
H ein altanartiger Austritt
vorgesehen, y ।
vikV 294 > Hgt eine
andere Verbindungs-
Abb. 29». möglichkeit der höl-
zernen Dachhaut mit dem
Eisenbetonrahmenwerk. Nach
Abb. 295 erfolgt die Auf-
lagerung der Platten durch
Winkellaschen, die an der
Seitenfläche des Binders be-
festigt sind.
Abb. 295.
Schließlich sei noch auf die Ausführung von
Mansarddächern mit aufgehängter Geschoß-
decke aufmerksam gemacht. Abb. 296 zeigt ein
Abb. 296. * Beispiel hierfür. Das darunterliegende Geschoß
I. Anwendungen im Hochbau.
129
sollte keine Stützen erhalten; außerdem sollte die Decke, hier also
£er Rahmenzuggurt, keine zu großen Unterzugshohen erhalten.
4. Hallen mit rahmenförmigen Balken- und Bogenbindern.
Steifrahmen sind Tragwerke aus geraden oder gebogenen
Querbalken (Riegeln) und aus Pfosten (Stielen), die infolge
starker Voutenverbindung ein in statischer Beziehung einheit-
liches Ganzes bilden, unabhängig vom Mauerwerk und fähig,
Q EZI ZZi CZ1 ZZ\ LaJ
Abb. 297.
* auch Winddruckkräfte zu übertragen. Abb. 297 zeigt einige
der wichtigsten Grundformen, und zwar:
1. einstielige Rahmen mit eingespanntem Stiel (a);
2. zweistielige Rahmen (mit Fußgelenken)
Querbalken parabolisch (b), gerade (c), einfach
gebrochen (d), doppelt gebrochen (e), Dreieck-
binder (f), Trapezbinder (g)t mit auskragendem
Riegel (ä);
3. mehrstielige Rahmen (mit Fußgelenken)
Grundform d mit einer Pendelstütze (i), Grund-
form c mit zwei Pendelstützen (k), Grundform b
mit zwei Fußgelenkstützen (Z).
Die Pfosten nehmen nicht nur Achsialkräfte, sondern
auch Biegungsmomente auf, müssen also stärkere Ab-
messungen erhalten als bei freier Auflagerung der Balken
(Abb. 298). Abb. 299
u. 300 zeigen die
Momentenflächen
für gleichmäßig ver-
Abb. 299 u. 300.
Abb. 2ÜR.
Kersten. Der Eisenbotonbau IT. 11.Aufl. 9
I. Anwendungen im Hochbau.
130
9
’ teilte und für Windbelastung, und zwar für einen Rahmen
mit Fußgelenken.
F uß gelenke bilden im allgemeinen die Regel. Die in jedem
Falle auftretenden Seitenkräfte werden von den Fundamenten
aufgenommen. Andernfalls (z. B. bei mangelhafter Gründung)
sind Zugbänder gemäß- -^bb. 305 vorzusehen, die
zumeist unterhalb Fußbodenkante liegen. Über
Ausbildung der Fußgelenke vgl. S. 58. Beigrößeren
Hallenbauten sind oft Stahlbolzengelenke nötig.
Abb. 301 zeigt ein Beispiel hierfür (Bolzen-
durchmesser 47 mm, Dachpappe in der Gelenk-
fuge, Blei zwischen Winkeleisen und Bolzen).
Die Rahmenecken sind besonders stark zu bemessen und
zu bewehren, weil hier die größten negativen Momente auf-
treten. Es sind genügend viel Bügel
vorzusehen. Eisenstöße sind hier zu
vermeiden. Die Häüpteinlagen des
Riegels und des Pfostens müssen mög-
lichst weit in den anderen Rahmen-
teil hineingeführt werden. Die Riegel
werden dann, da gemäß Abb. 299
teilweise Einspannung vorliegt, etwas
entlastet. Um allzu große Vouten-
höhen zu vermeiden, empfiehlt sich die
Verwendung von spiralumschnürtem
Beton gemäß Abb. 302 (vgl. Leit-
faden Teil I).
Die Dachplatte nimmt hier an
der Aufnahme der Momente ebenso teil wie die Deckenplatte
beim gewöhnlichen Plattenbalken. Sehr dünne Platten haben
allerdings nur einen sehr geringen Einfluß.
Plattenverstärkungen gemäß Abb. 222 auf S. 99
sind oft zweckmäßig. Der Platten-
einfluß wird natürlich Null, sobald
die Platte in den Zuggurt zu liegen
kommt. Ausbildungen der Trauf-
Abb. 303. kante zeigen die Abb. 303 u. 304. Abb. 30+.
ß/d
Abb. 301.
T. Anwendungen im Hochbau.
131
Zweistielige Rahmenbinder.
Abb. 305 zeigt das System eines 16,60 m weit gespannten
Rahmens, als Zweigelenkbogen mit aufgenommenem Horizontal-
schub berechnet. Ein ähnlicher Rahmen, ebenfalls mit Zug-
band, ist nach Abb. 306 auf einen darunter befindlichen ein-
fachen Rahmen gesetzt. Man kann auch
nach Maßgabe der Abb. 307 zwei Gelenk-
setzen, daß der obere die Laterne bildet. Der untere ruht auf Pfahl-
böcken mit Schrägpfählen (vgl. Mitt. 1915, S. 37). Bemerkens-
wert ist schließlich noch der in Abb. 308
gezeigte Zweigelenkrahmen mit hoch-
gelegtem Zugband; das Zugband hat
hier Einzellasten aufzunehmen (Kleider-
aufzüge in einem Zechenbetriebe)1).
Abb. 309 zeigt die Ausbildung
d£s Außen- und Mittelschuppens des
neuen Fahrzeugdepots in der Persius-
straße, Berlin. Die konstruktive Aus-
bildung der Binder des Mittelschuppens ist aus Abb. 310
ersichtlich. Er hat eine Dachbreite von 13 m bei 9 m
Stützenentfemung und beiderseitig 2 m Dachüberstand. Die
Abb. 309.
9 Vgl. Betun u. Eisen 1912, S. 421.
9*
9 132
L Anwendungen Im Hochbau.
Säulen sind gelenkartig auf Betonkappen mit Bleiunterlage
aufgesetzt. Die Berücksichtigung der horizontalen und verti-
kalen Kräfte bedingte einen kräftigen Voutenübergäng in die
Binderbalken.
Eine ganz bedeutende einseitige Auskragung zeigt der in
Abb. 311 dargestellte Hallenbinder der Firma Dücker u. Co., Düssel-
dorf (Holstenbrauerei, Altona). Die Kraglänge beträgt 9 m. Vgl.
Abb. 312 zeigt den Eisenauszug sowie einige Querschnitte
des Rahmens der Betonhalle in Leipzig (erbaut für die Iba)
9W
Abh 312.
1 Anwendungen im Hochbau
134
L Anwendungen im Hochbau.
und Abb. 313 die Ausbildung der Dachhaut. Binderentfernung
4,70 m.
Rahmenbiuder mit Mittelstlitze.
Abb. 314 stellt den Querschnitt einer Straßenbahn-
Wagenhalle mit Pendelstütze für
sechs nebeneinander-
liegende Gleise dar
(Ausführung der
Firma Dyckerhoff u.
Widmann, Akt.-Ges.).
Vorliegender Ent-
wurf erwies sich > auf
Grund eines .Aus-
schreibens zweck-
mäßiger und billiger
als eine Ausführung in
Eisen. Die Binder liegen in 5,55 m Entfernung. Die Deckung
ist aus Plattenbalken gebildet und trägt einen Dachreiter mit
Drahtverglasung. Die Einzelfundamente der Seitenstützen
sowie die Traufkante der Decke sind durch Wandträger mit-
einander verbunden. Die Wandausfttllung erfolgt durch 12 cm
starke Backsteine in verlängertem Zementmörtel. Der obere
Teil der Wände ist verglast.
Rahmenbinder für drei- und mehrschiffige Hallen.
Die Systemfigur einer dreischiffigen Halle bietet Abb. 315.
Der Hauptschiffbinder ist ein steifer Rahmen mit eingespannten
Pfosten; die Rahmen der Seitenschiffe sind steif angeschlossen,
1 Anwendungen im Hochbau.
13.’r
aber gelenkartig aufs
Fundament gesetzt.
Der in Abb. 316 dar-
Abb. 31G.
Abb. 315.
gestellte Magazinbinder wird durch einen steifen Rahmen mit
Gelenkfußpunkten gebildet; die Enden der Verlängerung des
oberen Rahmenriegels lagern frei auf den am Fußende ein-
gespannten Frontstützen. Binderabstand 5 m. An den Stützen
der Rampenseite sind Konsolen für eine Laufschiene ange-
bracht. Vgl. B. u. E. toi3» S. 62.
Abb. 817.
Abb. 317 zeigt den Querschnitt des Wagen- und Loko-
motivschuppens der Salzburger Eisenbahn- und Tramway-
Gesellschaft. Das Dach des Mittelschiffs ist so weit gehoben,
daß ein seitlicher Lichteinfall möglich ist. Die Entfernung
der Hauptbinder beträgt 5,50 m. Zwischen den Säulen der
Umfassungswände befindet sich eine Ausfüllung durch 30 cm
starkes Ziegelmauerwerk.
Die in Abb. 318 veranschaulichte Halle stellt eine
Rahmenkonstruktion ohne Zugband, mit Fußgelenken ver-
sehen, dar. Die Binder treten seitlich oberhalb des Seiten-
daches in die Erscheinung. Binderentfernung 5 m. Fundament-
. 136
I. Anwendungen im Hochbau.
block und Pfostenfuß sind miteinander verankert, um eine ge-
wisse Bewegungsfreiheit zu lassen. Näheres vgl. Mitt. 1912, S. 21.
Einen Rahmenbinder mit Ausleger
auf der einen Seite und durchgehender
Entlüftungslaterne mit Oberlicht zeigt
Abb. 319, eine Ausführung der Firma N^ax Pommer, Leipzig.
Bei dem in Abb. 320 dargestellten Rahmenbau ist
Abb. 320.
die Mittelöffhung zur Laterne ausgebildet; die Eisenbeton-
platte wird hier durch Oberlicht ersetzt. Jedes Haupt-
binderfeld weist zwei Zwischenbinder auf, die auf starke
Oberlichtträger und
sind. Der letztere
Abb. 321.
einen hohlen Firstträger abgestützt
dient sowohl zur Auflagerung des
Oberlichtes als auch zur Schaffung
eines Laufsteges. Bemerkenswert sind
die großen Spannweiten der Seiten-
binder l).
Abb. 321 zeigt die Verwendung von zweistieligen Rahmen
mit Konsolauskragung.
i) BezftgUch statischer Berechnung > gl. Beton u. Eisen 1913, S. toi.
I. Anwendungen im Hochbau.
137
Eine Anlage, die in den Seitenschiffen noch besondere
Galeriezwischendecken aufweist, zeigt Abb. 32a; es ist ein
Querschnitt durch die Seitenräume der Betonhalle auf der
Baufachausstellung Leipzig 1913, eine Ausführung des Zement-
- baugeschäfts Rud. Wolle, Leipzig, Der linke Teil der Ab-
bildung stellt einen Schnitt durch die Decken, der rechte
Teil einen Schnitt durch den Binder selbst dar. Die Binder-
entfernung beträgt 4,0 m.
Eine ausgiebige Anordnung geräumiger Oberlichter zeigen die
in Abb. 323 u. 324 dargestellten Hallenbinder (vgl. auch Beton u.
Abb. 383 n. 324.
138
I. Anwendungen iin Hochbau.
Eisen 1911, 8. 236). Die Stutzen, Unterzüge und die zwischen den
Oberlichtern liegenden Kragplatten sind in Kiesbeton ausgeführt,
die Dachdecken in der Zugzone in Bimsbeton. Jene Kragplatten
erhielten zur Erzielung besserer Isolierfähigkeit einen etwa 3 cm
starken Verputz aus Bimsmörtel. Die Stutzen sind, von den Wind-
portalen der Endfelder abgesehen, gelenkartig gelagert1).
Abb. 325.
Die Dachbinder eines von der Firma Butzer, Dortmund, erbauten
Tonerdesilos wurden nach Ausweis der A^b. 325 als zwei Zweigelenk-
rahmen mit geknickten Querriegeln und zwischen ihnen liegendem,
gelenkartig eingehaktem Dreiecksbinder konstruiert.
Einstielige Hullen (Bnlinsteighullen)«
Die Dachflächen werden entweder nach einer Seite fallend
oder nach einwärts fallend angeordnet, Im letzteren Falle
(bei Bahnsteighallen) können die Regenabfallrohre direkt an
den Stützen hinabgeftthrt werden. Für die Berechnung auf
einseitigen Schnee- und Winddruck sind die Säulen als auf-
। rechtstehende, fest im Fundament ver-
| spannte Konsolträger anzusehen.
**-WO——900-
| Abb. 326 zeigt zunächst eine
.J f Rampenüberdeckung mit gleichlangen
a Kragarmen, die steif mit dem Stiel
verbunden sind. Die Stütze ist ein-
Xzso^^6'1 gespannt; das anschließende Mauer-
Abb. 32G. werk erhält keinerlei Belastung. Binder-
entfernung 7,s m. In Längsrichtung werden die Stützen durch
einen Versteifungsbalken miteinander verbunden.
Abb. 327 zeigt den Querschnitt einer einstieligen und
einer zweistieligen Bahnsteighalle für den Hauptbahnhof
Nürnberg. Zur Überdeckung der Bahnsteige sind drei
i) Die Hallen In Eisenbeton kosteten 57.50 Mark für 1 qm bebaute Fl&ohc;
die alten Bauten (hölzerne Shedbinder auf eisernen S&ulen) kosteten 40 Mark.
1. Anwendungen im Hochbau.
139
große zweistielige Hallen und vier kleine einstielige Dächer
ausgeführt worden. Die verhältnismäßig tiefe Fundierung
war durch die erforderliche hohe Aufschüttung bedingt.
Die Stützen sind 10,73 m voneinander entfernt angeordnet;
berechnet sind sie für den ungünstigsten Fall einer einseitigen
1
Abb. 327.
Schneelast auf dem Dach und gleichzeitigen horizontalen
Winddrycks. Die Säulen wurden bis zum Kämpfer in Muschel-
kalknachahmung — durch nachträgliches Scharrieren — her-
gestellt. Oberhalb des Kämpfers wurden die Ansichtsflächen
so belassen, wie sie aus der sorgfältig bearbeiteten Schalung
kamen; sie erhielten nur einen Anstrich mit Zement, dem
etwas Kalkmilch beigefügt wurde.
Bogenbinder«
Zweigelenk-Bogenrahmen von 20 m Lichtweite und 5 m
Abstand weist die Montagehalle der Fahrzeugfabrik Ansbach
auf (Abb. 328). Die Dachdecke ist zur Verringerung des
Eigengewichts und zur besseren Isolierung des Tnnenraumes
in Bimsbeton ausgeführt.
Abb. 328.
Abb. 329.
140
I. Anwendungen im Hochbau.
Abb. 329 zeigt die Formgebung des Rahmenbogenbinders
des Eispalastes Hannover (mit Zugband). An den Innen-
seiten der Binderpfosten sind 2,5 m weit ausladende Galerie-
konsolen angeordnet. Vgl. auch Abb. 170.
Die in Abb. 330 dargestellte
Bogenhalle (Güterhalle) mit beider-
seitigen Auskragungen ist insofern
bemerkenswert, als für die Platten
beider Kragarme sowie für die
Strecken b der Hauptöffnung
Bimsbeton verwandt worden ist.
Alle Rahmenteile, die Längsbalken
sowie die dazu gehörigen Plattenstrecken a sind in Kies-
beton ausgeführt. Über ähnliche
Abb. 309 u. 316.
Die neuen Viehhallen
auf dem Schlachthof in
Osnabrück (Firma P. Kossel
u. Cie., Bremen) zeigen ein
Mittelschiff und zwei kleine
Seitenschiffe 7#bb. 331).
Das Dach des Mittelschiffes Abb-331,
ist so weit gehoben, daß ein seitlicher Lichteinfall möglich
ist (vgl. auch Abb.
Güterhallenbinder vgl.
317). In den Mittelstützen sind aber
Gelenke angeordnet, so daß der obere
Teil der Mittelhalle, vom Unterbau
abgetrennt, einen Bogenrahmen für
sich bildet. Sämtliche Füße sind
gelenkartig ausgebildet1).
Oberlichtanordnungen können ge-
mäß Abb. 332 u. 333 ausgeführt werden,
sind die Binderständer in den Seiten-
Abb. 332 u. 333.-
Nach Abb. 334
mauern durch starke Sturzbalken verbunden (Maschinenbaus
der städtischen Müllverbrennungsanstalt Frankfurt a. M.).
An* Binderunterkante ist ein Gewölbe zwecks Erzielung
Bezüglich Berechnung vgl. Mitt. 1913, S. 11.
1. Anwendungen im Hochbau.
141
einer glatten Untersicht angehängt. Binderentfemung 5,2 m.
Oben ist ein hölzerner Dachstuhl aufgesetzt.
falls mit angehängter Decke und aufgesetztem Holzdach, zeigt
Abb. 335 (Markthalle in Stockholm). Außerdem ist hier für
seitlichen Lichteinfall gesorgt. Vgl. Beton u. Eisen 1912, S. 380.
5. Gewölbe«
Glatte Bogendächer mit Zugband, den freitragenden
gebogenen Wellblechdächern entsprechend, können bis 25 m
freitragend gespannt werden. Die Dächer sind sehr leicht
und gestatten die Beibehaltung der üblichen Mauerstärken.
Die gewöhnliche Pfeilhöhe beträgt bis Z/7. Bei den
' größeren Spannweiten empfiehlt sich eine Netzeinlage in der
, Leibungs- wie in der Rückenzone, sowie ein Stärkerwerden
des Gewölbebogens nach den Kämpfern hin
Bei kleinen Spannweiten werden die Trag- und
Verteilungsstäbe in die Leibungszone gelegt;
doch wird auch hier eine Doppelbewehrung
an den Kämpferenden stets empfehlenswert
sein. Der Horizontalschub wird durch ver-
ankerte Trägerprofile oder durch besondere
Eisenbetonträger aufgenommen, welche in den
Kämpfern längs des tragenden Mauerwerks
eingebettet und in wagerechtem Sinne biegungs-
fest gemacht sind. Sie übernehmen den Gewölbescbub und
übertragen ihn auf die Zugstangen, die die Kämpferbalken
über den Raum hin miteinander verbinden. Diese Zugeisen
(Abb. 338).
Abb. 336.
142
* I. Anwendungen im Hochbau.
können zur Verhütung eines Durchbiegens am Gewölbe
aufgehängt sein (Abb. 338); sie können auch zum Tragen
von Beleuchtungskörpern dienen. Bei größeren Spannweiten
verwende man Spannschlösser (Abb. 338). Um vollkommenen
Feuerschutz zu haben, können die Eisen mit Beton um-
hüllt, durch Rabitzgewölbe vom Innenraum abgeschlossen
(Abb. 344) oder auch mit einer abschließenden Nutzdecke
(Abb. 353) in Verbindung gebracht werden. In jedem Falle
ist auf eine durchaus zuverlässige Verankerung der Zugbänder
besonderer Wert zu legen. Die in wagerechtem Sinne
beanspruchten Kämpferbalken können Formgebungen gemäß
Abb. 336 erhalten; nach Abb. 336c dient der Balken gleich-
zeitig als Dachgesims. — Eine Lichtzuftihrung kann sowohl
durch Laternen und shedförmige Oberlichter, als auch durch
eingefügte Glasbausteine (vgl.
S. 53 u. 66) erzielt werden.
Abb. 337 zeigt die Auf-
lagerung eines 19,2 m weit
gespannten Eisenbetongewöl-
bes auf 40 cm starker Ziegel-
wand (Holzbearbeitungsfabrik
Brüning u. Sohn bei Hanau).
Die gegenüberliegenden
Längsträger sind in Ab-
ständen von 3,80 m durch
den, die wiederum in den
Abb. 837.
flußeiserne Zugbänder
Viertelpunkten der Spannweite am Gewölbe aufgehängt sind.
Über Berechnung des Gewölbes vgl. Beton u. Eisen 1911,
S. 290.
Eine Gewölbeausführung der Firma Franz Schlüter-Dortmund
ist in Abb. 338 dargestellt. Die Zugbänder sind hier paarweise
an geordnet worden. Die genannte Firma führt auch Bogendächer
mit gabelförmiger Anordnung der Zuganker aus, wie aus Abb. 340
ersichtlich ist. Die in Entfernungen von gewöhnlich 6 m liegenden,
aus Winkeleisen gebildeten Hauptanker werden nahe der Seiten-
mauer gabelförmig in Nebenanker auseinandergezogen, so daß die
freitragende Länge der den Horizontalschub aufnehmenden Kämpfer-
I. Anwendungen hn Hochbau.
143
Abb. 338 u. 839.
träger auf V3 der Entfernung der Hauptanker
(d. i. gewöhnlich 2 m) vermindert wird1).
Bisweilen ist es wünschenswert, das Zug-
band höher zu legen. Beispiele von Bogen-
dächern mit überhöhten Zugbändern bieten
die Abb. 341 u. 342.
Bei dem in Abb. 342
---
Abb. 341.
war aus akustischen
dargestellten Saalbau
Gründen ein hoher Raum nötig; die Anbrin-
i) Bei einfacher Anordnung der Anker ergeben
sich bei weitgespannten Dächern derartig starke
Profile für die L&ngstr&ger oder enge Teilungen für
die Anker, daß ein erheblicher
Mehraufwand an Baustoff sowie
;; ein wenig gefälliges Aussehen
des Innenraumes infolge der engen
Ankerteilung erzielt wird.
Abb. 340.
144
I. Anwendungen im Hochbau.
gung einer Putzdecke
unterhalb des Zugbandes
war deshalb nicht möglich.
In beiden Fällen dienen
die Zugbänder zum Tra-
gen von Beleuchtungs-
körpern.
Ein gewölbtes Dach
mit Oberlicht auf bewehr-
ten Betontlägern, die in
Entfernungen von 4,70 m
durch Eisenbetonsäulen
(45 • 45) gestützt sind, zeigt
Abb. 343. (Maschinen-
halle in Hanau.) Zug-
stange und Hängeeisen be-
stehen gleichfalls aus be-
wehrtem Beton, so daß
diese Ausführung voll-
kommen feuersicher ist.
Zur Aufnahme des Hori-
zontalschubes in den Kämp-
fern dienen 5 Rundeisen,
die an der Außenseite der
Eisenbetonbalken liegen.
Abb. 343.
Abb. 344 zeigt die Dachausführung für die Wandelhalle des
Bades Johannisbad. Das obere Gewölbe ist das Traggewölbe. Zur
Aufnahme des Horizontalschubes sind Schließen in Entfernungen
I. Anwendungen im Hochbau
145
von 3,21 m angeordnet. Das untere Scheingewölbe ist mittels
Hängeeisen am Traggewölbe befestigt. Es schafft einen Wärme
gegen Feuersgefahr. Die Eindeckung des Daches erfolgte mittels
Zinkbleches, welches auf einer Holzschalung, die auf dem Beton mit
Zwischenluftschichten angebracht wurde, befestigt ist.
lin folgenden sollen noch einige Gewölbeformen besprochen
werden, die im eigentlichen Sinne zu den Dächern nicht zu
rechnen sind, sondern nur den Abschluß gegen ein eisernes oder
hölzernes Dach bilden. Derartige Gewölbe finden sich nament-
lich in den Längsschiffen von Kirchen. Sie sind in der Regel
derartig steif gebaut, daß sie nicht nur sich selbst tragen,
sondern auch imstande sind, im Falle eines Brandes die
herabfallenden Teile des Holzdaches mit Sicherheit aufzufangen.
Infolge großer Pfeilhöhe ist der Horizontalschub gering,
weshalb Zugbänder zumeist unnötig sind,
des Unterbaues fallen verhältnismäßig ge-
ring aus, da auch das Eigengewicht
klein ist.
Das in Abb. 345 dargestellte Tonnen-
gewölbe der St. Martinskirche in Ebingen
(Württemberg) hat 14 m Spannweite. Ab-
stufungen in Längsrichtung dienen zur
Aufnahme der Holzschwellen des Dach-
stuhles. Der Gewölbeschub wird durch
Die Abmessungen
Abb. 345.
10
Kersten. Der Eisenbeton bau. [I. 11. Aufl.
146
I. Anwendungen im Hochbau.
wagerecht liegende, biegungsfeste
Träger aufgenommen, die im Mauer-
werke verankert sind.
Ein Tonnengewölbe von ge-
ringerer Spannweite (7 m) und
Stärke (10 cm) zeigt Abb. 346.
Die Tonnenkämpfer sind als hori-
zontal liegende Balken ausgebildet
und nehmen den sehr geringen
Schub auf, den sie in die Stim-
mauern übertragen (vgl? Beton u. Eisen 1910, S. 323).
:i den Bogenbindern (Rippenbogen) sind die
Gewölbe in einzelne Rippen aufgelöst, zwischen denen die
Dachhaut wie bei
Abb. 347 sind die
zu einem Ganzen
zusammengekuppel-
ten Rippen eines
Kirchengewölbes
dem Beschauer in
voller Höhe sichtbar
einem Plattenbalken gespannt ist. Nach
Abb. 347.
geblieben, nach Abb. 348 dagegen verdeckt worden. Im letzteren
Fall sind die Rippen immer dort, wo die nach oben gelegten
Längsbalken angreifen, durch Querstege ausgesteift.
Abb. 349.
Abb. 350.
]. Anwendungen im Hochbau.
147
Bei einem gotischen Kirchengewölbe in Belgien (Abb. 349
u. 35°) erfolgte die Verstärkung der Rippen durch 15 mm-
Eisen. Die Felder sind kreuzweise durch Rundeisen von
6 mm Durchmesser bewehrt; die Haupteinlage ist dabei die-
jenige, welche, der Kappenform folgend, sich auf die Diagonalen
abstützt (vgl. Beton u. Eisen 1905, S. 266).
Abb. 351 zeigt das Bindersystem der neuen Magdalenen-
kirche in Straßburg i. E. (vgl. Beton u. Eisen 1912, S. 79).
Das System schließt sich an die Strebenbogenkonstruktion
der gotischen Kirchen an, nur daß
hier infolge Verwendung des Eisen-
betons große Außenpfeiler entbehr-
lich wurden.
Abb. 35t. Abb. 852. Abb. 953.
Abb. 352 veranschaulicht einen Dachaufbau von fast
7 m Höhe und Abb. 353 eine vereinigte Dach- und Decken-
konstruktion für einen Kuhstall. Die Bogenrippen bilden
hier allein das Tragwerk; das Dach ist in Holz aufgesetzt.
Der Raum über dem Stall dient als Heu- und Bodenraum
(Nutzlast 350 kg/qm).
Abb. 954.
Abb. 955.
10*
148
T. Anwenduirgen im Hochbau.
Eine ebene freitragende Decke hätte sehr starke Umfassungs-
mauern und wesentlich größere Konstruktionsmaße bedingt.
Das Zugband liegt in der Decke; die Hängeeisen sind um-
mantelt worden (Mitt. 1910, S. 33).
Die Abb. 354 u. 355 zeigen zwei Beispiele von Großkon-
jtruktionen in Eisenbeton, und zwar Abb. 354 die Bogenbinder
der Markthalle in Breslau und 355 die Binder der evangelischen
Garnisonkirehe in Ulm.
Vgl. weiterhin die auf S. 139 bis 141 behandelten Rahmen-
konstruktionen.
6« Kuppeln«
Die Kuppeln in Eisenbeton sind entweder stark belastete
Tragkuppeln oder weniger belastete Dach- und Zierkuppeln,
wie man solche zur Vermeidung von angehängten Schein-
konstruktionen verwendet. Sie werden entweder in Rippen-
md Füllplattenform hergestellt oder in Form dünner Schalen.
Letztere enthalten ein Gefüge von Meridianen und Ringen
aus Rund- oder Profileisen. Die eigentliche Kuppelhaut be-
steht dann aus einem Netz dünner Rundstäbe.
Bei den glatten (Voll-) Kuppeln, die innerhalb
eines Parallelkreises gleiche Wandstärke haben, sind die
Tragstäbe gemäß Abb. 356 in Meri-
dianrichtung und die Verteilungs-
/__________________\ stäbe als konzentrische Horizontal-
\ l rin£e anSeor^net Der Horizontal-
|—ffl schub wird durch eine kräftige^ in
I [T der Form den Verteilungsstäben ent-
Ahb 356. sprechende Kämpfereinlage aufge-
nommen, die in gewissen Abständen
verankert ist. Derartige Kuppeldächer wurden vielfach mit
Kupferplatten abgedeckt, die durch besondere Vorrichtung
leicht und sicher im Beton befestigt werden können. An
Stelle des nicht mehr zu beschaffenden Kupfers kann man
verzinktes oder verbleites Eisenblech mit entsprechender
Abtönung durch Beizen verwenden; doch darf das Blech
dem Beton nicht unmittelbar anliegen, weil es durch
alkalische Ausscheidungen leicht angegriffen wird. Emp-
I. Anwendungen im Hochbau.
149
fehlenswert ist auch warm aufgetragener Montanwachs oder
Braunkohlenbitu m en.
Im evangelischen Vereinshaus in
rechteckiger Raum in einer aus Abb. 357
ersichtlichen Weise kuppelförmig über-
deckt. Ein kreisrunder, 1,20 m hoher
Laternennng weist einen Durchmesser
von 8 m ‘auf und trägt vermittels eines
unten befindlichen Konsolringes eine
Zierverglasung. Auf den oberen Rand
stützt sich ein kegelförmiges Oberlicht.
Die. Rippenkuppeln zeigen
ein System von Tragrippen und da-
zwischen liegenden Scheiben. Die
Tragrippen sind im Scheitel zumeist
durch einen druck- und biegungs-
festen Ring verbunden, desgleichen
an den Fußenden durch einen zugfesten Kämpferring. Als
Beispiel sei auf die in Abb. 358 dargestellte, 26,80 m weit
gespannte Kuppel des Orpheum-
theaters in Bochum verwiesen; ins-
gesamt sind hier acht symmetrisch
verteilte Doppelrippen angeordnet.
Die Kuppel der Friedrichstraßen-
passage in Berlin hat eine Spannweite
von rund 30 m (Arm. B. 1909) und die
des Pumpwerkes der alten Emscher in
Duisburg* eine solche von rund 41 m
(Mitt. 1913, S. 41)-
ir bemerkenswerten Eisenbetonkuppel in
St. Blasien (A.-G. Dyckerhoff u. Widmann) zeigt Abb. 359 (Beton
u. Eisen 1912, S. 345). Auf ein zoseitiges Zeltdach mit einer
Stützweite von 33,70 m stützt sich
das eigentliche glatte Kuppelgewölbe
von 15,40 m Durchmesser und 1,50 m ------**
Stich. Im Fußring der Auflagerung p 7
wirkt ein Zug von 156 t. Der Scheitel ~
liegt 35 m über Fußboden. An Abb. .%9.
Düsseldorf wurde ein
Abb. 357.
Abb. 35S.
Den Schnitt einer
15U
I. Anwendungen im Hochbau.
diese Eiscnbetonkuppel ist eine Zierkuppel aus Duromaterial an-
gchängt.
Schließlich sei noch auf die in Abb. 360 dargestellte neue
Festhalle in Breslau
(Jahrhunderthalle) auf-
merksam gemacht, die
eine Kuppellichtweite
von 65 m aufweist, die
größte Kuppel-
spannweite der Welt
(A.-G. Dj'ckerhoff und
Widmann). Höhe des
Kuppelraumes 40 m, lichte Weite des Halleninnern 95 m, Fassungs-
vermögen 9000 Personen. Abb. 361 zeigt ein Schnittmodell dieser
gewaltigen Halle mit den dazu gehörigen Anbauten1). Vgl. Arm. B.
1914, S. 8. sr, 93-
i) Vgl. den Aufsatz des Verfassers ..Unser heutiges Modellbauwosen*.
Beton u. Eisen 1014. 8. 81.
TT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
151
II. Anwendungen im Grund* und Mauer*
werksbau.
A. Grundbauten.
Ist der Baugrund ein schlechter oder die Belastung un-
gleichmäßig, so wird ein zuverlässiges Fundament durch
Herstellung breiter Stützen- und Mauerfüße, durch mecha-
nische Verdichtung des Untergrundes (Zementeinspritzungen)
oder auch, wenn fester Baugrund noch zu erreichen ist,
durch Anwendung von Pfählen und Brunnen geschaffen. In
allen diesen Fällen, also sowohl für unmittelbare als auch
für mittelbare Gründung, wird der Eisenbeton — wie kein
anderer Baustoff — in umfangreichstem Maße verwandt.
Namentlich bieten die
Flachgründungen
ganz besondere Vorteile anderen Gründungsarten gegenüber.
Sie verlangen nur wenig Bodenaushub, weil ihre Sohle nicht
tief liegt und der Übergang der Tragwerk-
breite zur Breite der Sohle nach Maßgabe i ।
der Abb. 363x) sehr schnell erfolgen kann. Tz yT
Deshalb bedingen sie auch weniger Baustoff
und sind daher zumeist billiger als Pfahl- .' 1
und Brunnengründungen. Außerdem bieten - -
sie eine gleichmäßige Verteilung der Boden- Abb. 862.
pressung und verhindern Teilsetzungen, weil
sie ein einheitliches Ganzes bilden*). Bei Moorboden ist
eine vorherige chemische Untersuchung hinsichtlich des Vor-
handenseins schädlicher Stoffe nötig. Man lege in solchen
Fällen die Gründungsplatte möglichst außerhalb des Grund-
wassers (s. Arm. B. 1916, S. 159).
J) Es ist aber zu berücksichtigen. daß bei tiefer Gründung oft größer
angenommen werden kann als ; denn der zulässige Bodendruck nimmt mit
zunehmender Baugrundtiefe im allgemeinen zu.
9) Die Belastung der Fundamentplatten ist stets eine ganz bedeutende.
denn einer Bodenbeanspruchung von 1 kg/qcm entspricht eine Plattenbe-
lastung von 10000 kg/qm. Dio Starken unserer üblichen Decken reichen hier
also nicht im entferntesten aus.
152
IT Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau.
Für gewöhnliche Verhältnisse sind folgende zulässige Belastungs-
werte in Betracht zu ziehen:
a) Weicher Ton- und sehr feuchter, feinkörniger
Sandboden............................. . . bis 1,5 kg/qcm
b) Lehm, mittelfester Ton- und mäßig feuchter
oder stark tonhaltiger, jedoch trockener Sand-
boden ............................................ ,3
c) Mergel, fester Ton- und trockener, wenig ton-
haltiger Sandboden.................................„5
d) Festgelagerter, grober Sand, 'dann Kies und
Schotter ... . . „ 6
Die Fundamentplatten werden zumeist — angenähert — in
der Weise berechnet, daß man sie auffaßt als Träger auf zwei und
mehr Stützen mit gleichmäßig verteilter Belastung. Die Mauer-
werkskörper bilden die Stützpunkte, und die gleichmäßig verteilte
Bodenpressung ist die Belastung Q. Handelt es sich*aber um eine
sehr ungleiche Lastverteilung oder auch um wechselnde Boden-
beschaffenheit, so müssen Trennungsfugen gemäß Abb. 382 vor-
gesehen werden.
Flachgründungen können gemäß Abb. 363 a bis d in
Frage kommen für durchlaufende
SiÄtiJÜ JJ----------1 L Ü Mauerwerkskörper (a, b, c), ftir
, 'Sttitzenreihen (d), für Einzel-
M ~ stützen (e) und in Form einer
über den ganzen Grundriß sich
Abb 3G3 ungeteilt erstreckenden Voll-,
Rippen- oder Wölbplatte (f).
Aufschluß über die Anordnung der Einlagen geben die
in den Abb. 364 veranschaulichten Beispiele von Flach-
Abb. 366 u. 366.
gründungen. Abb. 364c, d setzen die unmittelbare Nähe
eines Nachbargebäudes voraus. Ein Erlaß der Berliner
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. 153
Baupolizei (1912) bestimmt für diesen Fall folgendes (vgl.
Abb. 365 u. 366):
a) Bei allmählicher Verbreiterung des Stützenfußes unter 600
kann eine gleichmäßige Verteilung auch Air einseitig ausladende
Fundamente angenommen werden.
b) Bei Anordnung von besonderen Fußplatten muß darauf Rück-
sicht genommen werden, daß die Platte biegungsfest konstruiert wird
und daß die in dem Pfeiler oder in der Stütze auftretenden Biegungs-
momente keine Lostrennung der Platte von der Stütze erzeugen;
mithin ist auch eine Bewehrung der Stützen oder Pfeiler notwendig.
Die Gründung von nicht bewehrten Mauerpfeilern auf einseitig aus-
ladende ^Eisenbetonplatten ist deshalb unzulässig.
Soll die Last einer fortlaufenden Mauer aufge-
nommen werden, so legt man die Tragstäbe senkrecht und
die Verteilungsstäbe gleichlaufend zur Mauerflucht. Längs-
träger nach Abb. 367 mit Balkenbewehrung sollen ein ungleich-
mäßiges Setzen der Wand
verhindern und erscheinen
immer recht zweckmäßig.
Türöffnungen und besondere
Einzelkräfte sind ebenfalls
durch entsprechende Mehr-
anordnung oder Verstärkung
der Einlagen zu berück-
sichtigen. Bei bedeuten-
den Mauerwerkslasten emp-
fiehlt sich auch eine Verstärkung der Druckzone. Keller-
mauem sind noch 30 bis 50 cm unter den Kellerboden
hinabzuführen.
Abb. 368.
*) Es wäre besser gewesen, die Tragstäbe des LAngebalkene über die
der Platte zu legen, und zwar im Hinblick auf die Notwendigkeit einer ge-
nauen Berücksichtigung der Kragwirkung der Platte.
154 H. Anwendungen im^Grund- und Mauerwerk sban.
Nach Abb. 368 sind Säulenzüge durch einen durch-
laufenden Balken verbunden.
Bei Gründung einer Einzelstütze erfüllen beide Stab-
arten, Trag- und Verteilungsstäbe, den gleichen Zweck. Die
Hinzufügung diagonal angeordneter Eisenstäbe kann nur
Stütze in bewehrtem Beton zeigt Abb. 370; die sonst allgemein
übliche Fundierungsweise derselben Stütze ist ebenfalls aus
Abb. 370 ersichtlich1). Vgh auch Abb. 362.
Eine den ganzen Grundriß überdeckende Beton-
platte empfiehlt sich dann, wenn der Baugrund möglichst
wenig beansprucht werden soll, wenn man mit Wandbanketten
gemäß Abb. 367 nicht mehr auskommt, wenn Mauerflucht und
Grundstückgrenze zusammenfallen und wenn man bei starkem
Abb. 371.
Wasserandrang das Trockenlegen der Baugrube vermeiden
will, Abb. 3712) zeigt zunächst das Beispiel einer Vollplatte.
’) Bezügl. Gründungen von Stützen vgl. auch S. 58.
J) Es empfiehlt sich in allen Fallen eine vorherige Sand- oder
Kiesschüttung von mindestens 10 cm Starke, damit dor Eisenbeton
nicht unmittelbar auf das Erdreich zu Liegen kommt (das gilt insbesondere
auch für Abb. 867, 308. 377. 379, SSO. 386).
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
155
Allzu starke Platten ersetzt man
zweckmäßig durch Rippenplatten
gemäß Abb. 372 u. 373. Statisch
vorteilhaft ist es natürlich, die Ver-
stärkungsiippen, wie es die Ab-
bildungen zeigen, nach oben zu
legen; allerdings ist dann noch ein
Ausgleich für den Kellerboden nötig.
Liegen die Kippen gemäß Abb. 374
Abb. 372.
unterhalb der Platte,
so ist eine Auffüllung für den Kellerboden zwar nicht mehr
Abb. 373.
nötig; auch wird die Rippeneinschalung erspart. Trotzdem
kann solche Ausführung weniger empfohlen werden.
Abb. 374.
Abb. 375.
In Abb. 375 sind Quer- und Längsschnitt einer kastenartig
gestalteten Gebäudegründung mit keilförmiger Grundplatte und
nach oben gelegten Rippen dargestellt. Die Bordwände nehmen
die Lasten der Hauptmauern auf. Eine derartige Gründungsart
ist dann zweckmäßig, wenn unmittelbar danebenliegende Gebäude-
fundierungen ein Überschreiten des Grundrisses unmöglich machen.
156 11« Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
Man hat es mit einem Träger
aVf zwei Stützen mit größter
Trägerhöhe in Trägermitte (an
der Stelle des Größtmomentes)
zu tun.
Nach Maßgabe der Abb. 376
u. 377 sind die Felder zwischen
den Rippen als Stichbogen-
platte ausgebildet.
Beim Neubau der Farben-
fabrik von Günther Wagner.
Hannover, wurde die Sohle
Abb.
IT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerk«bau.
15"
gemäß Abb. 378 zu umgekehrten Kreuzgewölben ausgebildet,
in deren Kämpferpunkten die Säulen aufsetzen. Der Grundwasser-
stand lag ’/a m Über der Sohle des Bauwerks.
Die Abb. 379 bis 381 geben zwei Beispiele für Turmfunda-
mente, und zwar zeigt Abb. 379 die Gründungsplatte eines rund
30 m hohen Wasserturmes mit 600 cbm Beckeninhalt (Mitt. 1919,
S. So), Abb. 380 die Gründung für den Turm der Markuskirche in
Stuttgart1). Die Platte bedeckt eine Fläche von 144 qm und ist
an der Oberseite kreuzweise bewehrt. Der Turm selbst ist 56 m
hoch in Eisenbeton ausgeftihrt: 12 Rippen sind auf senkrecht stehende
.Wände gegenseitig ausgesteift.
MascMuenfnudamente«
Größere Fundamentkörper für Maschinen sind mög-
lichst von den eigentlichen Gebäudekonstruktionen abzu-
trennen und auf besondere Unterlagen zu bringen, ins’
besondere dann, wenn starke Erschütterungen ein Setzen
des Fundaments befürchten
lassen. So ist nach Abb. 382
eine Trennung von Mauer-
und Maschinenfundamentplatte
und nach Abb. 383 eine
scharfe Trennung der Säulen-
und Turbinenfundamente vorgenommen worden (Mitt. 1919,
S. 80). Betriebsstörungen können unberechenbare Folgen
/Umfassungsmauer
1 Maschinenfundomente M
jMTÜj ' ilii, j TI I
sfflT^Trennungsfage
Abb. 382.
i) Bei Kirchen trenne man stets die Turmfundierung von der Übrigen
Oriindung; vgl. auch Abb. 382.
II. Anwendungen im Grund- «JM Mnnerwerksbnu.
IW
haben; ein dauernd ruhiger Gang der Maschinen muß ge-
währleistet werden. Zur sicheren Stoßaufhahme empfehlen
Abb. 388.
sich im allgemeinen große Massen; die Form derselben
richtet sich nach der Art der Maschine, Auch auf hin-
reichende Verankerungen ist
Länge der Anker muß den je-
weiligen Dicken der Fundament-
teile entsprechen.
Abb. 384 zeigt die Form-
gebung des Fundamentes für
eine Turbogeneratoranlage von
großer Wert zu legen; die,
2500 kW Lei-
stung , ausge-
ftlhrt von der
Firma Wiemer
und Trachte,
Dortmund.
Um Betriebs-
störungen zu
vermeiden, ist
das Funda-
Abb. 384.
ment von der
II. Anwendungen im Grund- und Mauorwerksbau.
159
Nutzdecke des Maschinenraums völlig abgetrennt. (Vgl. auch.
Abb. 385.)
Viele Maschinen (z. B. Rotationsmaschinen, Dieselmotoren) ver-
ursachen ganz erhebliche Geräusche und Erschütterungen, belästigen
die Nachbarschaft und gefährden den Bestand der Fundamentsohle.
Man verwendet deshalb Isoliermittel in Form elastischer
Unterlagen, um die ’Erschütterungen auf ihren Herd (die Ma-
schine) zu beschränken. Müssen Maschinen (z. B. Druckpressen)
auf eine Eisenbetündecke gestellt werden, so empfiehlt sich die An-
bringung einer Holzbohlenlage zwischen Maschine und Isolierung,
die auch einen guten Druckausgleich herbeiführt. Der Isolierstoff
selbst muß genügend elastisch, haltbar und beständig sein und eine
entsprechende Tragfähigkeit besitzen. Man verwendet vielfach
Filzplatten, die sich aber dem Einfluß von Ölen, Fetten und
Laugen gegenüber nicht immer als zuverlässig erwiesen haben1).
Gummi ist noch unvorteilhafter. Sehr gut haben sich Kork unter-
lagen3) bewährt, so z. B. die Kor fundplatten der Firma Emil Zorn,
Berlin W35. Letztere bestehen aus geschnittenen Naturkork-
streifen in eingelassenen Eisenrahmen, die beim
Stoßfugen verhindern und den Platten ein tech-
nisch sauberes Aussehen geben sollen. Die Platten
sind gegen Wasser-
’eintritt und sonstige
zerstörende Einflüsse,
sowie zur Erhöhung
der Elastizität und
Widerstandsfähigkeit
besonders imprägniert.
Abb. 386 zeigt die
Abb. 386.
Verlegen offene
Abb. 387.
Isolierung eines Dampfmaschinenfundamentes mit Korkunterlage
und seitlichen Lufträumen, die auch mit losem Kork ausgefttllt
werden können. Den Schutz bei einem Dieselmotor (mit Rein-
h Alle unter hydraulischem Druck hcrgestollten Stoffe sind auch zu
wenig elastisch. Filz wird z. B. auf eine Härte gebracht, die noch für Be-
lastungen von 50 kg/qcm ausreicht. In der wirklichen Praxis aber wird ein
Druck von 2 kg/qcm nur selten überschritten.
Man taucht auch Filssoheihen in eine warme flüssige Masse, die aus
2 Tin. Kolophonium (oder auch Teer mit etwas Sohuhmacherpecb) und 1 TL öl
besteht, und erhält nach Erstarren eine feste Verbindung zwischen Maschine
und Fundament bzw. Decke. Der Boden darf aber nie feucht sein.
Korkholz ist sehr elastisch; ein Zermahlen desselben ist nicht zu
befürchten. Kork stein dagegen, aus gemahlenen Korkabf allen mit hart-
werdenden Bindemitteln hergestellt, wird zermahlen, scheidet also aus.
IßQ II. Anwendungen im Grund- 'frud Mauerworksbnu.
*
korkplatten der Delmenhorster Korkwerke) veranschaulicht Abb. 3S7.
Hier ist der Umstand berücksichtigt, daß auch die Ankerbolzen die
Erschütterungen übertragen können.
Gewölbe und Steifrahmen zur Abfangung von Lasten
kommen z. B. dann vorteilhaft zur Anwendung, wenn ein
bestehender Kanal überbaut werden muß, dieser aber keine
neue Belastung erhalten darf.
Abb. 8S9.
In solchen Fällen müssen
sämtliche Haupt- und Tren-
nungsmauem abgefangen wer-
den. Nach Abb. 388 hat
man hierfür einen parabo-
lischen Bogen verwandt. Das
Schraffierte in der Abbildung
stellt den bestehenden Beton-
kanal dar.
Wertmäßig erzeugte Rammpfälile.
Die Eisenbetonfifähle werden in unmittelbarer Nähe
der Baustelle oder auf dem Werkplatz der Firma her-
gestellt Bei der Verwendung auf dem Bauplatz ist man
genötigt, besondere Rammen zu verwenden, die fahrbar,
drehbar und kippbar sind, die ein genaues Einstellen
ermöglichen und die Heranholung des schweren Pfahles
(Gewicht bis 400 kg für 1 Ifd. m) ohne Abhängung des
Bären gestatten. Ebenso sind zuverlässige Winden und
entsprechend große Antriebsmaschinen erforderlich. Die
Verwendung der Betonpfähle empfiehlt sich insbesondere
in folgenden Fällen:
1. bei tiefliegendem guten Baugrunde und tiefem Grund-
wasserstande, wo also bei anderen Gründungsformen große
Erdmassen zu bewegen sind;
2. bei wechselndem Grundwasserstande, wo die Holz-
pfählung durch Senkung des Grundwassers infolge Kanali-
sation, Untergrundbahnbau oder Flußregulierungen gefährdet
erscheint und wo die Eisenbetonpfählung einen Ersatz für
teure Brunnen- oder pneumatische Gründung bietet;
* II. Anwendungen im Grund- und Mau erw orksbau. 161
3. bei Kai- und Dockanlagen, Molen, Landungsstegen,
- Uferschutz- und anderen Bauwerken im Wasser, bei welchen
• die Holzpfähle durch Bohrwürmer leiden1);
4. bei sehr schwer belasteten Gebäuden, durch größere
Ausnutzung der Tragfähigkeit und innigeren Zusammenhang
mit der Fundamentplatte;
5. bei sehr tiefliegendem guten Baugrunde, wo gewöhnliche
Holzpfähle nicht mehr ausreichen;
6. an allen Stellen, wo die Baugrube durch Spundwände
abgeschlossen werden muß, und wo durch Triebsand und Auf-
trieb Rutschungen benachbarter Bauwerke zu befürchten sind.
Die Vorteile der werkmäßig hergestellten Rammpfähle
anderen Pfählen gegenüber sind in der Hauptsache die
folgenden: Einwandfreie und leicht zu überwachende Her-
stellung in liegenden Formen; — Verwendung als Schräg-
pfähle und Zugpfahle (vgl. Abb. 403); — starke Verdichtung
des Bodens zwischen den Pfählen; — Erzielung einer großen
Biegungsfestigkeit; — Anwendung selbst im stehenden Wasser;
— Möglichkeit der Anbringung einer Einspttlvorrichtung; —
* Beurteilung der Bodentragfähigkeit aus den Rammhitzen
(Täuschungen beim Antreffen von Findlingen, Holzstämmen
oder bei fester Bodenschicht von nicht genügender Mächtig-
keit sind aber nicht ausgeschlossen).
Die Nachteile sind folgende: Lange Lieferfristen
(mindestens sechswöchige Erhärtung) und teuere Transporte;
dadurch Verlängerung der Bauzeit; — Lagerplatz- und
Schalungskosten; — sehr großer Eisenaufwand, der aus-
schließlich für die Rammtätigkeit nötig ist; — Verwendung
großer und schwerer Rammaschinen, die teuere Transporte,
Kohlen und viel Platz benötigen und demzufolge auch nur
für umfangreiche Rammarbeiten in Frage kommen können;
— Notwendigkeit einer vorherigen genauen Bodenunter-
suchung, da die Pfahllänge auch bei wechselnder Tiefe des
i) Durchtränken des Holzes mit Kreosotlösung oder durchgehender Be-
schlag mit breitköpfigen Eisennägeln erfüllen nur unvollkommen den Zweck;
besser sind schon Sohutzhülsen aus Stampfbeton. Vgl. auch Abb. 408.
Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 1t. Anfl. 11
162
LI? Aivw en dangen im 01010(1- uud'Mnuerwerksbnu.
tragfähigen Baugrundes bekannt sein muß; — das Aufpfropfen
zu kurzer Pfähle (Weitenpmmen erst nach 6 Wochen) und das
Abschneiden zu langer Pfähle (Abschlagen mit Preßluft) sind
kostspielige Arbeiten; — gewaltige Rammerschütterungen (Ein-
sturzgefahr für benachbarte, unzureichend fundierte Bauwerke);
— Belästigung der Nachbarschaft durch Rauch und Maschinen-
soll,
und
Abb. 339 u. 890
lärm; — Unmöglichkeit
einer Ausführung bei beeng-
tem Raum (z. B. im Keller,
unter bestehenden Brücken
usw.); — geringe Mantel-
reibung; — Möglichkeit
einer Zerstörung des Betons
durch Säuren (Verwendung
von Hochofenzement ader
Zusätzen, die die Beton-
festigkeit nicht vermindern,
empfehlenswert).
Aus der Gegenüber-
stellung der Abb. 389 u. 390
ist der wirtschaftliche Vor-
teil des neuen Gründungs-
verfahrens klar ersichtlich,
um wieviel tiefer man bei
' «Sr-I
i'Cl
Man erkennt,
Holzpfählen herabgehen muß, wenn das
niedrigste Grundwasser erreicht werden
um wieviel man die Anzahl der Pfähle bei Ver-
Wendung von Beton bzw. Eisenbeton vermindern kann.
Die Herstellung der Pfähle ist eine ähnliche wie die der
Stützen im Hochbau; nur ist zu bedenken, daß der Pfahl
weit höheren Beanspruchungen gewachsen sein muß, da die
Schläge de« Rammbären außergewöhnlich hohe Spannungen
hervorrufen. Die Pfähle haben zumeist dreieckigen, quadrati-
schen oder fünfeckigen (Bauweise Züblin), selten runden
(Schleuderbeton, vgl. S. 60) Querschnitt und sind genau so
durch Rundstäbe verstärkt wie die Stützen; nur die Bügel
liegen näher zusammen, mindestens in Abständen der kleinsten
II. Anwendungen im Grund- und Alauerwerksbnu. 1G3
Pfahldicke, am engsten am Kopf und an der Pfahlspitze.
Die 1 .ängsbewehrung (i bis 3 vH. des Betonquerschnittes)
hat vor allem den Zweck, den Pfahl für den Transport,
das Abladen und das Hochziehen biegungsfest zu machen.
I )er Pfahlkopf muß in der Regel durch Einfügung elastischer,
schlagverteilender Stoffe, Sand, Blei, Sägespäne oder Holz,
gegen die wuchtigen Schläge des Bären (1500 bis 6000 kg
bei 80 bis 200 cm Fallhöhe) geschützt werden. Vgl. auch
Abb. 473.
An der Pfahlspitze werden die Eisen zusammengebunden
(Abb. 402), zusammen geschweißt (Abb. 395) oder mit einem
stählernen Schuh versehen (Abb. 399). Oft begnügt man
sich mit einem Blechschuh gemäß Abb. 402. Soll Wasser-
spülung zur Anwendung kommen, so kann ein Hohlkern
in der Achse vorgesehen werden, durch welchen das Wasser
gepreßt wird.
Das Einstampfen der Pfähle erfolgt am Verwendungs-
ort in liegenden Formkasten. Mischungsverhältnis 1:3 bis
1:5, je nach schnellerer oder kürzerer Ingebrauchnahme,
die fettere Mischung für Kopf und Spitze. Die Pfähle
müssen mindestens 6 Wochen nach ihrer Herstellung liegen
bleiben und werden dann senkrecht oder schräg eingerammt,
je nachdem die Beanspruchung durch Gewölbeschub oder
durch Vertikalbelastung erfolgt. Eine Ramme kann bei
etwa 10 m Pfahllänge bis 100 m in 10 stündiger Arbeit
leisten. Bei Erreichung des festen Baugrundes kann den
Pfählen eine Belastung von je 30 bis 50 t zugemutet
werden l).
Für die Bestimmung der Tragfähigkeit kann die Brixsche Formel
verwandt werden: sie lautet:
n_ Ä G OL
7 ne ’ IÖ+Q)S‘
Hierin bedeutet (vgl. weiterhin B. u. E. 1917, S. 25):
P die zulässige Belastung des Pfahles in kg,
h die Fallhöhe in cm,
9 Für gewöhnlich können auch die Bankette, sofern sie nicht allzu schmal
aind. mit etwa 0,5 bis l.Okgqcm zur Lastübertragung herangezogen werden
11*
164 H. Anwendungen im Grund* und Mauerwcrksbau.
n den Sicherheitskoeffizienten = 2 bis 3,
e die Strecke in cm, um die *der Pfahl bei der letzten Hitze
durchschnittlich pro Schlag noch ein gedrungen ist.
G das Pfahlgewicht in kg,
Q das Bärgewicht in kg.
Nach Versuchen beim Bau des Stuttgarter Personenbahnhofs
ergaben die Rammformeln von Brix zu geringe, von Eytelweih
zu große und von Stern annähernd richtige Tragfähigkeiten (B. u. E.
1917, Nr. 14 bis 18).
Aus den Abb. 391 bis 394 ist die Verwendung der Pfähle
für Gebäudegrtindungen ersichtlich. Die Pfähle sind gruppen-
weise gerammt und ihre Köpfe durch Balken,
: • _La • ZS Platten oder Plattenbalken zu einheitlichen
Jzz Gründungskörpem verbunden. Bei bedeuten-
* »? /i den Mauerlasten kann gemäß Abb. 391a, c
... Pfahl an Pfahl (bei etwa 80 cm Mindest-
abstand) gerammt werden; bei geringeren
Lasten ist eine Ausführung gemäß Abb. 391b (vgl. auch
Abb. 217) zumeist vorteilhafter als eine Ausführung nach
Abb. 391 a, der es, sofem keine
Querwände vorhanden sind, an
Abb. 392.
Abb. 393.
Abb. 394.
der nötigen Seiten-
steifigkeit mangelt.
Bei unmittelbar
anschließendem Nach-
bargebäude muß die erste Pfahlreihe aus praktischen
Gründen um ein gewisses Maß von diesem entfernt an-
geordnet sein. Die Bewehrung def Bankette hätte dann
gemäß Abb. 392 zu erfolgen. — Werden die Kellerwände
in Beton ausgeführt, so kann man sich die Bankette dadurch
ersparen, daß man die Wände, oder doch wenigstens den
unteren Teil derselben, zu Trägern ausbildet (Abb. 393).
II. Anwendungen im Grund- und -Mauerwerks bau.
— Eine einheitliche Gründungsplatte auf Eisenbetonpfählen
zeigt Abb. 394.
Aus den Abb. 395 bis 398 ist die Formgebung von Eisenbeton-
pfuhlen ersichtlich, wie sie beim Neubau des Amtsgerichts auf dem
Abb. 395 u. 396.
Wedding, Berlin,
angewandt wurde.
Der Querschnitt
ist ein gleich-
seitiges Dreieck
mit abgestumpf-
ten Ecken. Die
Einlagen sind
unten zusammen-
geführt und
mittels eines zwi-
schengelegten
EisenstUckes zu
einer stumpfen
Spitze ver-
schweißt. Der
Kopf ist seitlich
abgeschrägt und
mit einer kräfti-
gen, 50 cm hohen
und 2 cm starken
eisernen Hülse
versehen. Zwi-
schen Pfahl und
Hülse sind seg-
Das
Abb. 397 u. 398.
mentartige Holzstücke gelegt.
elastische, schlag verteilen de Polster
setzt sich zusammen aus: einer 2V2 cm
starken Bleiplatte unmittelbar über
dem Kopf, einer 1 cm starken Eisen -
platte, einem 5 cm starken Hirnholz
und einer 7 cm starken Schlagplatte.
Nach Abb. 399 werden die Eisen
in einen stählernen Schuh geführt
und durch einen Stahldorn fest gegen
dessen innere Wandung gepreßt Ein
Dom !umfcsttr«tbeA
Abb. 399.
1G6 W. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
Beispiel für die Verbindung der Eisenbetonpfahle mit entsprechend be-
wehrten Banketten zeigen Abb. 400 und Abb. 392. Vielfach legt
man nach erfolgtem
Einrammen die Eisen-
einlagen des Pfahlkopfes
(mit Preßluftmeißel)
wieder frei, nm sie mit
den Einlagen der Ban-
kette in gute Verbin-
dung zu bringen. Nach
Maßgabe der Abb. 401
kann man solchem Vor-
gehen von vornherein
durch entsprechende
Eisen anordnung gebüh-
rend Rechnung tragen.
Noch mehr als bei
den Stutzen im Hochbau
muß bei den Pfahlen auf
eine genügende Quer-
verstärkung gesehen .
werden. Man hat fest-
gestellt, daß der Bruch
eines Pfahles zumeist
nur dem Zerreißen der
Bügel zuzuschreiben ist.
Besonders empfehlens-
wert sind in dieser Hin-
Abb. 400. sicht die Pfähle aus spiralverstärktem
Beton. Sie bieten den Vorteil
einer besonders großen Widerstandsfähigkeit gegen den Stoß '
des Rammbären, so daß oft gar keine Schutzhauben nötig
werden. Abb. 402 zeigt das Beispiel eines umschnürten
Pfahles. Beim Neubau der Brücke über die alte Donau
bei Wien wurden 20 m lange, spiralbewehrte Rammpfahle •
mit achteckigem Querschnitt und 56 t Höchstbelastung I
verwendet.
Für Gründungen von Stützmauern und Brückenwider- “ £
lager sind vielfach Zugpfähle mit darüber betonierter \ß&\/
Eisenbetonplatte notwendig. Abb. 403 zeigt die Form
solcher Pfähle, wie solche durch die A.-G. Wayss & Freytag Abb. 403.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkshau. 1K7
für Brückenverstärkungen bei Hannover zur Anwendung gelangten
(Mitt. 1913, S. 43). Die Pfähle erhielten zur Sicherheit gegen Heraus-
ziehen drei Übereinanderliegende, abwechselnd
an je zwei einander gegenüberliegenden Seiten
angebrachte Vorsprünge von S und 5 cm auf
80. cm Länge1). — Bemerkenswert ist die aus
Abb. 404 •ersichtliche, der Baugesellschaft Möbus
& Co. geschützte Verstärkung hölzerner Zug-
pfähle durch Eisfenbetonringe.-Versuche zeigten,
daß solche Pfähle mit ausreichender Sicherheit
mit 25 t auf Zug beansprucht werden können
(Mitt. 1920, S. 23).
Im Baugrund erzeugte Pfähle (Ortspfähle)«
Man ist bei dieser Art von Pfählen an
keine bestimmte Lieferzeit gebunden; mit
der Herstellung der Gründung kann sofort
nach Auftragserteilung begonnen werden.
Abb. 404.
Lagerplatz und
Schalkosten kommen in Fortfall. Die Verrohrung der Löcher
verbleibt im Erdreich oder wird wiedergewonnen.
a)*Löcher durch Rammen hergestellt.
Diese Ortspfähle empfehlen sich insbesondere bei
starkem Wasserandrang sowie in säurehaltigem Boden.
Die Verrohrung (Lochausfütterung) wird gerammt und
verbleibt im Erdreich (Bauweisen Stern, Mast) oder wird
wiedergewonnen (Bauweise Simplex). Die Vorteile beim
Verbleiben der Rohre im Erdreich sind folgende: Die
Blechhülle schützt gegen Grundwasserandrang und Säure-
einwirkung (solange die Hülle noch nicht verrostet ist);
— Anwendbarkeit auch in freiem Wasser; — starke Ver-
dichtung des zwischen den Pfählen liegenden Erdreiches;
— Beurteilung der Güte des tragföhigen Baugrundes aus
den Rammhitzen; — geringere Erschütterungen beim
Rammen, sofern nach Abb. 405 die Spitze mit Jungfer
gerammt und der Blechmantel naebgezogen wird. Nach-
’) Werden Straußpfühle auf ganzer Länge bewehrt, 90 erscheinen auch
diese infolge großer Mantclreibung als Zugpnthle geeignet
/
168
1L Anwendungen im (irund- und Mauer werk sbtiu.
Abb. 405.
teile: Leichtes Verbeulen und ^Verdrücken der Blech-
hülle beim Transport, beim Eintreiben, sowie nach Ent-
fernung der Rammjungfer; — Möglichkeit eines
Mitziehens der Blechhülle beim Entfernen der fest
im zylindrischen Rohr sitzenden Jungfer; —
bedeutende Kosten der im Erdreich verblei-
benden Rohre; — Notwendigkeit einer vorherigen
Bestimmung der Pfahllängen; — ge-
ringe Mantelreibung >bei zylindrischer
Form; — für schwebende Gründung nur
dann empfehlenswert, wenn eine konische
Form gewählt wird; —nachträglichte Ver-
längerungen der Pfähle schwierig und
kostspieligx).
Blechrohr-(Konus-)Pfahl der Bauweise Stern
Der
(Wien), nur für schwebende Gründung geeignet, zeigt
nach Ausweis der Abb. 406 eine konische Form; es wird
somit die ganze Ptahllänge (etwa 2,5 m) zur Lastver-
teilung ausgenutzt. Zur Absenkung des Blechmantels (mit
Zugramme) dient ein etwa 4 m langer, hölzerner Vor-
treibpfahl.
Abb. 407.
Abb.
Das Blechrohr wird durch schichtenweises Ein-
stampfen von Beton etwa 1 :7 ausbetoniert.
Beim Mastpfahl wird die Spitze durch
Überlappung des eigenartig ausgeschnittenen
untersten Bleches gebildet; PfahlhüUe zylin-
drisch, Länge beliebig. Die Rammjungfer hat
einen etwas geringeren Durchmesser als das
Rohr.
Das Simplexverfahren ist amerikanischen Ursprunges
und sieht eine Wiedergewinnung der starkwandigen Vor-
rammröhre vor. Beim Zurttckziehen derselben wird der
Beton nachgefüllt und gestampft2). Die gußeisernen Pfahl-
schuhe (Abb. 407) verbleiben im Erdreich. Die Er-
schütterungen beim Rammen sind naturgemäß sehr be-
deutend; doch ist dafür die Tragfähigkeit der Pfähle eine
i) Vgl. weiterhin die allgemein beachtenswerten Erläuterungen zum
Pfalilgründungssystem Zimmermann in Mitt 1917, S. 46 (Dr.-Ing. Nitzsohe).
Im Hinbuck auf das stärkere Zusamm^npressen des Bodens beim
Einrainmen der Rohre können sich natürlich keine so starken Ausbauchungen
des Pfahles ergeben, wie z. B. beim Strauß verfahren.
II. Anwendungen im Grund- und Mauenvcvksbau
169
außerordentlich hohe. Dem Verfahren haften im übrigen, da auch
der Blechmantel nicht im Boden verbleibt, viele der auf den Seiten 168,
170 angeführten Nachteile an. Das Simplexverfahren kann aus wirt-
schaftlichen Gründen nur für umfangreiche
Ausführungen in Betracht kommen.
Beim t Heimbachschen Verbundpfahl
handelt es sich gemäß Abb. 408 um eine
Verbindung eines (unteren) Holzpfahles mit
einem (oberen, aufgepfropften) Eisenbeton-
pfahl. Der letztere wird an Ort und Stelle
nach Rammung des Holzpfahles in einem
verbleibenden eisernen Mantelrohr her-
gestellt, dessen unteres Ende durch einen
* Konus mit Keilring in dauernd feste und
dichte Verbindung mit dem Holzpfahl
gebracht wird. Der Holzpfahl nebst Stahl-
rohraufsatz wird mit Jungfer bis auf den
niedersten Grundwasserstand durch eine
gewöhnliche Holzpfahlramme eingetrieben;
> er kann von Säuren nicht angegriffen werden
und ist billiger als ein gerammter Eisen-
betonpfahl. Wichtig ist aber vor allem
• eine durchaus zentrische Aufpfropfung, da
sonst ein Ausknicken in Kopfhöhe des
Holzpfahles zu befürchten ist Vgl. B. u. E.
1914, S. 244, sowie Mitt 1913, S. 150 und
1920, Nr. 17 und 19.
Abb. 408.
b) Löcher durch Bohren hergestellt.
In diese Gruppe gehören vor allem die Straußpfähle,
sowie die Preßbetonpfähle von Wolfsholz. Die Vorteile der
Ortspfähle, deren Löcher durch Bohren hergestellt werden,
sind die folgenden: Möglichkeit eines sofortigen Arbeits-
beginnes; — besonders schnelles Herbeischaffen der leichten
Arbeitsgeräte (keine schweren Rammen); — die Pfahllänge
kann den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden, weshalb
eine vorherige Bestimmung der Pfahllängen nicht nötig ist; —
Bodenproben durch das gewonnene Bohrgut; — keine Ramm-
erschütterungen (Erschütterung durch Stampfen des Betons
170
II. Anwendungen yn Grund- und Mauerwerk ab au.
I
i
i
i
Abb. 409.
im Rohrinnern belanglos); — gifte Fuß Verbreiterung und
Knollenbildung des Pfahles; — erhöhte Tragfähigkeit durch
große Mantelreibung1) (besondere Eignung für schwebende
Gründung); gleichzeitige Herstellung mehrerer Pfähle; —
Möglichkeit einer Ausführung bei beschränkter Höhe des
Arbeitsraumes (z. B. im Keller); — besondere Eignung für
nachträgliche Unterfangungsarbeiten bei an sich schlecht
fundierten Bauten (hier ein Rammen von vornherein aus-
geschlossen); — Rückgewinnung der in einzelnen Schüssen
zusammengefügten Vortreibrohre.
Die Nachteile sind folgende: Möglichkeit von Ein-
schnürungen bei ungenauer Arbeit (bei zu schnellem Hoch-
ziehen des Futterrohres); — Schwierig-
keiten beim Arbeiten im Grundwasser-
bereich; — kein Säureschutz durch eine
bleibende Hülle; Säureangriff auf den
frischen Beton, namentlich in Höhe
des Grundwasserspiegels (empfehlens-
wert ist die Verwendung von Hochofen-
zement); Abbindeprozeß kann durch un-
mittelbare Einwirkung von Moorsäure
ungünstig beeinflußt werden; — Fehlen
der stark bodenverdichtenden Ramm-
wirkung (ausgeglichen durch besonders
starkes Stampfen des Betons); — keine
Möglichkeit eines Baues im freien
Wasser; — langsamer Arbeitsfortgang in
steinigem Boden (beträchtliche Kosten-
erhöhungen); — zumeist Unmöglich-
keit der Aufnahme von Biegungsbean-
spruchungen (schwierigere Einbringung
einer Eisenbewehrung).
Das Straußsche Verfahren
besteht darin, daß in den zu be-
0 Nach Engel« kann'man hier mit einem Reibungswiderstand von
etwa 2 t qm Vfahlumfang rechnen.
II. Anwendungen im Grund- und Mnuerwerksbau.
171
Abb. 410.
festigenden Boden ein Loch gebohrt und zugleich ein Futter-
rohr (ohne Rammen) eingetrieben wird. Dieses Bohrloch
wird sodann unter gleichzeitigem Hochziehen des Rohres
nach Maßgabe der Abb. 409 mit Beton ausgestampft. Dabei
dringt der Beton durch das kräftige Einstampfen in die Hohl-
räume dbs Bodens ein und bildet Wulste, die je nach dessen
Widerstandsfähigkeit verschieden stark sind und infolge einer
gleichmäßigen * Verdichtung der lockeren, nachgiebigeren
Bodenschichten die Tragfähigkeit des Bau
grundes erhöhen. Die wulstförmigen Aus-
bauchungen erhöhen auch wesentlich die
Reibung und lassen durch den erhöhten
* Arbeitsaufwand einen Pfahl erstehen, der auf
seiner ganzen Länge eine möglichst gleich
hohe Tragfähigkeit besitzt. Abb. 410 zeigt
einen ausgegrabenen Straußpfahl.
Die Anzahl der Bohrstellen kann ent-
। sprechend der Größe der Baustelle beliebig
vermehrt werden. Man erhält für jeden ein-
zelnen Pfahl einen wertvollen Aufschluß über
* -die genaue Beschaffenheit der Bodenarten zu
nächst durch die Bohrlöcher selbst, ferner aber
auch durch Feststellung der Menge des für
eine Längeneinheit eingestampften Betons.
Die Köpfe der Pfähle werden durch eisen-
bewehrte Platten
miteinander ver-
bunden, deren
Einlagen in die
oberen Teile der
Pfähle hinabrei-
chen und die den
eigentlichen Fun-
damentkörper
für das auf-
gehende Mauer-
werk bilden.
172 ft« Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
Abb. 411 gibt einen Vergleich der ursprünglich vorgesehenen
Fundation (schraffiert) eines Lokomotivschuppens mit Reinigungs-
Abb. 412.
gruben in St. Gallen (Sand-
schüttung mit Stampf beton-
fundamenten) mit der ausge-
führten Straußpfahlgründung.
Abb. 412 zeigt die nachträg-
liche Unterfangung einer Säule
mittels Siraußpfahlgründung.
Unzweifelhaft bieten in solchem
Falle Bohrpfähle infolge des
Fortfalles jeglicher Rammarbeit
ganz besondere Vorteile1). —
Bei den Unterfangungsarbeiten
im Kellergeschoß eines 5 stocki-
gen Gebäudes, dessen Wände
infolge Bodensetzungen allent-
halben Risse zeigten, waren an-
fänglich (in Abb. 413 gestrichelt
angedeutet) Unter-
zöge , welche auf
den Pfahlköpfen
lagern sollten, ge-
plant. Nach Fer-
tigstellung der
Pfähle zeigte es sich
jedoch, daß bereits
infolge der Verdichtung des Bodens die nötige Tragfähig- Abb
keit erreicht worden war, so daß man auf die Unterzüge
verzichten konnte.
Beim Bau des Deutschen Museums in München kamen Strauß-
pfähle für 30 bis 50 t Belastung zur Verwendung: die Fußver-
breiterung ging stellenweise bis über 1 m.
Bemerkenswert ist schließlich noch der Preßbetonpfahl
der Firma August Wolfsholz. Nachdem wie beim Strauß-
verfahren ein zumeist 30 cm weites Bohrrohr abgeteuft
i) Die beiden Abb. 411 u. 412 sind einem Aufsatz des Verfassers ..Strauß-
pfahlgründungen in der Schweiz1*, Schweizerische Bauzeitung 1912, Bd. LIX
entnommen.
Vgl. weiterhin Gehler, Betonpfable Patent Strauß, 1913. Verlag \on
Wilhelm Ernst A Sohn. Berlin.
II. Anwendungen im Grund- und Maucrworksbnu.
173
worden ist, wird zunächst die Eisenbewehrung (vgl.
Abb. 414) als fertiges Ganzes eingesetzt, das
oben mit einem Deckel verschlossen und dann
Druckluft eingelassen, so daß nicht nur das im
Rohr angestiegene Grundwasser fortgedrttckt,
sondern auch das am unteren Rohrende befind-
liche Erdreich entwässert und trocken gehalten
wird. Jetzt wird die Betonspeise durch ein bis
zum unteren Rohrende reichendes Preßrohr unter
hohem Luftdruck eingepreßt und bis zu einer
solchen Höhe ansteigen gelassen, daß sie dem
Grundwasser das Gleichgewicht hält. Die dann
von oben eingelassene Preßluft von etwa 10 Atm.
Spannung drückt den Beton in das Erdreich
und läßt einen verbreiterten Klumpfuß aus Beton
erstehen. Es erfolgt schließlich das weitere Ein-
Bohrrohr
Abb. 414.
drücken im Zementmörtel und endlich das Hochziehen des
Rohres ohne irgendwelche Hebevorrichtungen in der Weise, daß
der Druck der im Kopfstück des Preßrohres eingeschlossenen
Preßluft so hoch gesteigert wird, daß sich das Rohr allmählich
*nach oben bewegt. Der durch das Hochsteigen des Rohres
freiwerdende Ringraum
wird unter dem dauern-
den Druck der Preßluft
5
&
sofort ausgefüllt
und außerdem das
seitlich anste-
hende Erdreich ge-
hörig mit Mörtel
durchtränkt.
Einige charak-
teristische Ausfüh-
Abb. 415.
Abb. 416.
174
11. Anwendungen im Grund- und Mftucrwerkebuu.
rungsbeispiele sind durch die Abb« 414 bis 419 veranschaulicht.
Abb. 414 zeigt zunächst die Formgebung eines auf Anordnung der
Eisenbahndirektion Kattowitz hergestellten und ausgegrabenen
Pfahles; das Bohrloch hatte 30,2 cm lichte Weite. Abb. 415 ver-
Abb. 419.
unter 14 m tief anstehendem Wasser
Eisen 1916, S. 9 u. 33.
anschaulicht die Abfangung
eines gesunkenen Funda-
mentes, Abb. 416 die Über-
deckung eines Straßen-
kanals, aut dessen Bauflucht
nachträglich eine starke
Stützmauer errichtet wer-
den mußte. Abb. 417 u.
4 iS zeigen Möglichkeiten
für eine Mauerunterfangung
bei Untergrundbahnbauten
selbst für den Fall, daß eine
Pfahlreihe vor der Front-
wand unmöglich ist. Abb. 419
stellt schließlich eine Fun-
dierung in der Kieler Bucht
dar. Vgl. weiterhin Beton u.
Kranfahrbahnen auf Eisenbetonpfählen«
Ein Beispiel für die Fundierung einer (binnenseitigen)
Kranenlaufschiene ist in Abb. 420 dargestellt. Zur Er-
II. Anweiidungen-im Grund- und Mauerwerksbuu.
175
zielubg genügender Seitensteifigkeit sind in gewissen Ab-
ständen nach Ausweis der genannten Abbildung Querböcke
mit 2 Pfähle^ angeordnet.
Abb. 421 zeigt eine Kranfahr-
bahn für die Hafen- und Lagerhaus-
A.-G., Aken a. E. Sämtliche Pfähle
*
Abb. 421.
wurden mit Vorrichtung zum Einspiilen versehen. Es bewährte sich
hier die Spülung durch den Kern der Pfahle besser als mit von
außen am Pfahl befestigten Spülröhren. Die Pfahlböcke stehen in 4 m
Entfernung voneinander. Vgl. weiterhin Beton u. Eisen ioit, S. 217.
Über Landungsstege. Lösch- und Ladebühnen auf
Eisenbetonpfählen vgl. Abb. 466, 481, 576, 577, sowie Kersten.
Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Aufl.
Senkbruimen
aus Eisenbeton sind gemauerten Brunnen gegenüber wider-
standsfähiger gegen äußere Kräfte und erfordern größten-
teils weniger Aushub. Man gibt ihnen gewöhnlich einen
runden Querschnitt und stellt die Wände in Eisen-
beton her. Sie werden durch künstliche Belastung ver-
senkt, mit Beton ausgefüllt und dienen dann zur Fun-
dierung von Gebäuden, Brückenpfeilern, Hafenmauem (vgl.
Abb. 481) u. dgl.
176
II. Anwendungen im Grund- und Mauenverkabau.
Der Durchmesser der Brunnen ist genügend groß zu
machen, damit nur die Brunnen Füllung und nicht der Kranz
belastet wird.
Eine seht bemerkenswerte Brunnenausführung (Terner u.
Chopard, Ingenieurbureau,
Abb. 422.
Zürich) ist in Abb. 422 dar gestellt. Ein
Wohngebäude kam über einen Eisen-
bahntunnel zu liegen, dessen Wan-
dungen ab^r nicht höher belastet werden
durften, als das bisher der Fall war.
Der Höhenunterschied zwischen Tunnel-
und Kellersohle beträgt 14 m. Für die
Übertragung der Lasten des dem Tunnel
zugekehrten Gebäudeteils auf die ge-
wünschte Tiefe dienen zwei Brunnen
von 3 m äußerem Durchm., die unten
mit einem kräftigen flußeisernen Kranz
versehen wurden. Die gesamte Ge-
bäudelast wird durch Eisenbetonträger
teils auf die Brunnen, teils auf das feste Erdreich übertragen1).
B. rnterkelleruTigen, wasserdichte Keller-
anlagen.
Die Anlage trockener Kellenäume ist oftmals wegen
ungünstiger Grundwasserverhältnisse recht schwierig, vor
allem dann, wenn die Kellersohle unter Grundwasser-
spiegel liegt. Eine nachträgliche Trockenlegung erfordert
Abb. 423.
Bemerkenswert ist ein Vergleich der Abb. 422 mit Abb. 418.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau.
177
beträchtliche Geldausgaben. Man vermeide jede unmittelbare
Berührung des Betons mit dem Wasser, insbesondere dann,
wenn letzteres^ gipshaltig ist.
Zunächst sei in Abb. 423 eine Hofunterkellerung aus Stampf-
beton zur Darstellung gebracht Die größte Nutzlast betrug
2000 kg/qm oder ein 8-t-Wagen mit 500 kg/qm Menschengedränge.
Bei dem starken Auftrieb (3000 kg/qm) war möglichst großes Ge-
wicht anzustreben und daher die starke Betonplatte der leichteren,
dünneren Eisenbetonplatte vorzu-
ziehen. Ein am Ende der Unter-
kellerung befindliches Oberlicht
sorgt für die Belichtung des Keller-
raumes1).
Eine zweistöckige Kelleranlage
zeigt Abb. 424. Vorkehrungen gegen
Gr und wasseran drang waren hier
nicht nötig.
Nach den Abb. 423 u. 424
erfolgte die Ausführung der
Seitenwände der Unterkellerung
Abb. 424.
Abb. 425.
in Stampfbeton. Liegt aber in unmittelbarer Nähe
der Wand ein Bahngleis, so wird die horizontale
Erddruckkraft in bedeutendem Maße erhöht, weshalb
eine Wandausttihrung in Stampfbeton nicht mehr
ausreicht. Abb. 425 zeigt die Ausführung solcher
Wand in eisenverstärktem Beton mit Zuhilfenahme von
Rippen. Auf diesen ruht ein Quer-
Abb. 42C.
balken, der gleichzeitig als Bord-
stein für den Bürgersteig dient.
Nach Abb. 426
übertragen
stehende Gewölbe
Pfeiler.
u. Löser, Dresden)
die Ho rizontalkräfte auf besondere
Nach Abb. 427 (Firma Kell
ist die Decke am Schaufenster als Kragplatte aus-
gebildet. Die abschließende Eisenbetonwand erhält
nach dem Kellerraum hin eine Isolierung durch eine
lolo 4 71
Vj Stein starke Ziegelwand. Auf dem oberen Rand-
>) Für die Beleuchtung von Hof kcller empfiehlt sich auch die gelegent-
liche Einfügung von Glaa-Elaenbetondeoken; vgl. 8. 54.
Keraten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 12
178
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
balken der Eisenbetonwand ist eine Ziegelwand aufgesetzt. — Nach
Abb. 428 besitzt das Kellergeschoß eines Spcichergebäudes Vor*
bauten, deren Decke, in gleicher
Höhe mit dem Erdgeschoßboden
angeordnet, gleichzeitig als Rampe
dient.
Umfassung* • und Lichtschacht-
wände der Papierfabrik Köslin A.-G.
-IM-----
Abb. 429.
Abb. 498.
sind zwecks Aufnahme eines bedeutenden Erddruckes durch eine
Ladegleisböschung gemäß Abb. 429 als Winkelsttttzmauern (vgl. S. 18S)
ausgebildet. Eine andere Lichtschachtansftthrung in Eisenbeton
zeigt Abb. 434.
Liegt die Kellersohle nur wenig unter Grund-
wasserspiegel, so genügt eine Platte
aus Eisenbeton (Abb. 430). Bei stärke-
rem Wasserdruck übermittelt man den
Auftrieb auf die Wandkörper durch
Abb. 480.
umgekehrte Tonnen- oder Kreuzgewölbe. Der Boden ist
dann stets wagerecht abzugleichen. Ausführungen dieser Art
zeigen die Abb. 431 bis 434, sowie 376 bis 378. Abb. 432
II. Anwendungen im Grund- und Mauenverksbau. 179
stellt eine Kellerbodenausftihrung der A.G. Wayss u. Freytag
dar. Die Gewölbe ruhen wie l?ei Abb. 431 auf einer Stück-
lage von 13 bis 15 cm Stärke; in gleicher Weise wird die
Schalung für die Querbalken durch Stücklage bzw. durch
Steinpackung gebildet. Der höchste zu berücksichtigende
Grundwasserstand über dem Nutzungsboden beträgt 1,10 m.
Liegt der höchste Grundwasserspiegel sehr viel
höher als die Kellersohle, so müssen auch die Wände
in zweckentsprechender Weise geschützt werden. Man
tut am vorteilhaftesten, das gesamte Grtindungs- und Trage-
werk gemäß Abb. 428 u. 434 ein-
heitlich in Eisenbeton herzustellen.
Die Unterkellerung bildet dann einen
geschlossenen Behälter, welcher den
Druck von außen erhält; Keller-
wände und Kellerdecke werden mit
zum Tragen herangezogen. Bei vor-
handenem Stein- oder Betonmauerwerk
Abb. 435 a, b durch Einfügung einer Wandverkleidung, die
12*
Abb. 434.
hilft man sich
180
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
mit dem Fundament in innigem Zusammenhänge steht und
an den Wänden gemäß Abb. 436 gut verankert ist.
gen die Ausführung einer
wasserdichten Kesselhausanlage.
Die Umfassungswände, sind aus
Abb. 437 u. 488.
Stampfbeton, Zwischenwand, Decke und Bodenplatte (auf
Magerbetonschicht) in Eisenbeton erstellt.
Der wasser-
2 cm Putz
2cm Putz
90-
Goudron-^
aff strich _
Gußasphah
ß/eip/atten
cm Schutzschicht
\Aspha/tpappe
ZcmZemefftfrinsducht
\/2cmftftz
^r3cm
Wkhirizbeton
Abb. 439.
dichte Verputz der
Innenflächen ist
durch eine Klin-
kerschicht und
derjenige der Bo-
denplatte durch
einen 8 cm star-
ken Stampfbeton-
boden geschützt.
Die Verwendung
besonderer Dich-
tungsmittel zeigen
die Abb. 439 u. 440.
Es empfiehlt sich in der Regel, solche Mittel unterhalb der
durchlaufenden Fundamentplatte zu legen (Abb. 439), damit
diese gegen den Grundwasser an drang geschützt ist. Als Unter-
lage dient eine Magerbetonschicht von etwa 10 cm Stärke. Nach
Abb. 439 erhielt diese Betonschicht noch einen Zementfein-
putz mit gut deckendem Goudronanstrich; darüber kamen zwei
Lagen Asphaltfilzpappe, mit heißem Goudron aufeinander geklebt
und oben nochmals gestrichen. Aut die Isolierung wurde eine
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau. Ißl
1,5 cm starke Zementschutzschicht aufgebracht, um jene vor Ver-
letzungen beim Verlegen der Rundeisen und beim Stampfen des
Betons zu schützen. Legt man die Dichtungsmittel gemäß Abb. 440
Ahb. 440.
auf die Eisenbetonplatte, so ist diese nicht mehr geschützt. Dem
Vorteil einer einfacheren Nachprüfung und Ausbesserung der Isolierung
steht der Nachteil gegenüber, daß sie bei besonders starkem Auftrieb
abgehoben werden kann.
Auch die Wände müssen gegen den unmittelbaren Angriff
des Grundwassers geschützt werden. Nach Abb. 439 wurde in der
Isolierung der Außenmauern die Asphaltfilzpappe durch Siebeis
Asphaltbleiplatten1) ersetzt. Die Isolierung reicht bis 15 cm Über
den höchsten Grundwasserspiegel; in dieser Höhe haben die Mauern
eine Gußasphaltisolierung gegen aufsteigendes Grundwasser und
außen einen Goudronanstrich bis Bodenhöhe. Die Bleiplatten-
isolierung teilt die tragenden Außenmauern vertikal in der Mitte.
Bequemer in der Anbringung, aber leichter Beschädigungen aus-
gesetzt, ist eine Isolierschicht auf der Außenseite gemäß Abb. 440.
Bringt man die Isolierung auf der Innenseite an (Abb. 440a), so
muß man wieder mit der Möglichkeit eines Abdrückens bei starkem
Wasserdruck rechnen. Der Vorteil einer dauernden Prüfung vom
Kcllerraum aus ist oft nur von geringerer Bedeutung.
Neuerdings nimmt man vielfach Ruberoid (vgl. S. 107), das zum
Schutze gegen Beschädigungen einen fetten Anstrich mit heißflüssiger
K lobe mässe erhält.
182
11. Anwendungen im Grund- und Mauerworksbau.
C. Mauern gegen Wind-, Erd- und Wasserdruck1).
1. Einfrledigungs- und Blendmaueru.
Einfriedigungsmauern in Eisenbeton sind zumeist
billiger und dauerhafter als Ziegelmauem, die unver-
hältnismäßig stark ausgeführt werden
müssen und deshalb teure Ausschach-
tungsarbeiten und ausgiebiges Grund-
mauerwerk bedingen. Die Ausführung
derselben kann gemäß Abb. 441 eine
zweifache sein:
a) die Ausführung als eine im Fun-
dament verspannte Platte (Kragplatte),
geeignet für kleine Wandhöhen;
b) die Ausführung mit eingespannten
Pfeilern und dazwischenliegenden Füll-
platten, für größere Wandhöhen ge-
eignet. Statt eines durchgehenden
Abb. 441.
Gründungsmauerwerks genügen Grundsockel für die Einzel-
pfeiler, während die dazwischengespannten Wandfelder sich
selbst tragen.
Da der Winddruck von beiden Seiten wirken kann, ist
eine Doppelbewehrung notwendig. Für die Füllplatten der
unter b) genannten Ausftthrungsweise genügt bei enger Pfeiler-
teilung eine Bewehrung in Plattenmitte (Abb. 443).
Wichtig ist in allen Fällen die Anordnung von
Dehnungsfugen, da die freistehenden Mauern allen
Witterungseinflüssen sowie der Sonnenbestrahlung ständig
ausgesetzt sind.
Eine zweckmäßige Schalrüstung zu einer Betonwand ist
aus Abb. 443 ersichtlich. Hölzerne Spreizen — entsprechend
dem Fortgang der Betonierarbeit zwischen die Schalwände
gelegt — sorgen für die genaue Einhaltung der Mauerstärke.
J) Die Zwischenwände sind auf S. 61 bis 66 behandelt worden; über
Behälter- und Silowände vgl. den Abschnitt III B. u. C. über Wider-
Inge- und Flügelmauern: Kersten, Brücken in Eisenbeton. Teil I,
4. Auflage.
IT. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
183
Beim Einbringen des
Betons werden immer
nur zwei oder drei
Schalbretter aufein-
andergesetzt, um be-
quem stampfen zu
können.
Anordnung der Sueneüdagen.
Abb. 442.
Eine Steineisenwand nach Bauweise Lehmann
zeigt Abb. 443. Zur Bewehrung dienen schwache
Rundeisen in den Mörtelfugen. Die Verwendung
von J-Trägern für die Pfeiler ist aus Abb. 444
zu ersehen. Vgl. hierzu die Deckenausführung
gemäß Abb. 4.
Q.1S
0.12
O.K
022
•Beim Bau der neuen Provinzial-
heilanstalt zu Stralsund kam eine
Umwehrung des Gebiets für inter-
nierte Verbrecher mit einer 4,5 m
hohen Wand zur Ausführung
(Abb. 445). Nach der Hofseite, hin
ist dieselbe vollkommen glatt, wäh-
rend sie nach der
durch Sockel, Pfeiler
gegliedert ist Um
versichtlich in der
wurde etwa 50 cm unter der Erdoberfläche, un-
mittelbar auf den Boden gestampft, eine besondere
Abb. 444.
Außenseite hin
und Firstbalken
die Wand zu-
senkrechten Lage zu erhalten,
Abb. 445. Fundamentspreize angeordnet
184
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbnu.
Abb. 446 zeigt die Formgebung einer
Blendmauer auf der Teilstrecke Görz—
Triest. Stärke der Wand durchweg 12 cm,
Höhe der Pfeiler 2,4 und 6 m.
Neuerdings werden die Einzel-
teile vbn eisenverstärkten Einfriedi-
gungsmauem vielfach fabrikmäßig
hergesteilt, um die immerhin etwas
kostspielige Schalungsarbeit zu er-
sparen und sich gegebenenfalls bei
Platzerweiterungen oder Grenzver-
schiebungen die Mög-
lichkeit eines Ausein- f )
andemehmens und Ver- ! !
Abb. 446. Abb. 447. Abb. 448.
setzens der Mauer zu verschaffen. Nach Abb. 447 sind die
beiderseits genuteten Pfeiler getrennt von den Füllplatten her-
gestellt. Letztere bestehen aus 3 cm starken und 25 cm breiten
Eisenbetonbohlen, die in die Pfosten eingeschoben werden.
Bemerkenswert ist die in Abb. 448 dargestellte Trennmauer für
das Depot der Allg. Omnibusges. in Berlin. Die 18 m hohe Mauer
soll das Geräusch der Motorwagen vom Nachbargrundstück abhalten,
welcher Zweck völlig erreicht wurde. Um den Verkehr der Wagen
nicht zu behindern, wurden in 5 m Abstand Rahmenböcke mit oberen
Kragarmen vorgesehen.
2. Schießwände (Kugelfänge).
Handelt es sich nicht um reine Festungsbauten,
sondern lediglich um Schutzwände für Schießstände,
so kommt eine unmittelbare Geschoßwirkung nur in Aus-
nahmefällen in Frage. Die Berechnung hat nur auf Wind-
II. Anwendungen im Grund- und Mnuerwerksbau.
185
druck zu erfolgen. Abb. 449
zeigt die Ausführung von
Schieß wänden in Holtenau
bei Kiel; Stützenentfemung
3 m; alle 30 m sind Deh-
nungsfugen vorgesehen.
Eine andere Ausführung
zeigt Abb. 450; die Pfeiler-
entfernung beträgt hier 4,7 m.
3« Manern gegen Erddruck (Stütz- und Futtermauern).
Stützmauern in Eisenbeton eignen sich vornehmlich für
Rutschboden. Sie sind auf Erddruck zu berechnen und so
auszubilden, daß keine Horizontalverschiebung und kein
Umkippen eintreten kann und daß die zulässige Druckbean-
spruchung des Untergrundes nicht überschritten wird. Die
Herstellung aus Bruchstein hat den Nachteil eines bedeutenden
Baustoffverbrauchs, weil hier das Eigengewicht maßgebend
ist für die Aufnahme des Erddrucks. Um die Standfestigkeit
zu erhöhen, gibt man der Vorderseite der Stützmauern in der
Regel eine kleine Neigung nach dem Erdkörper zu.
Wandpfeiler mit dazwischengespannten Platten.
Abb. 451 zeigt eine derartige Ausführung.
Für ein-
fachere Fälle, z. B. für Ver-
laderampen, können Aus-
führungen mit fabrikmäßig
hergestellten Pfosten und
Dielen gemäß Abb. 452
und 453 in Frage kommen
(vgl. auch Abb. 475). Nach
Abb. 454 sind Pfeiler und
Platte in starrer Verbindung
186
II. Anwendungen im Grund- und Mauorworkibau.
hergestellt, und zwar hat man die Pfeiler an der Vorderseite
der Mauer angebracht, damit sie — als Rippe eines Platten-
Abb. 455.
balkens — besser befähigt sind, den dahinter gespannten
Platten eine gute Einspannung zu bieten.
Was die Eiseneinlagen anlangt, so gilt hier das gleiche
wie bei den Behältern; die nach unten hin immer stärker
werdenden Drücke verlangen eine entsprechend kräftigere
Einlage, sei es durch engere Teilung
bei gleichen Eisenstärken oder auch
durch Wahl stärkerer Eisen bei gleich-
bleibender Teilung. In jedem Falle
empfiehlt sich aber ein Stärkerwerden
der Mauer nach der Sohle hin.
Vollwände mit eingespannten
Kragplatten.
Abb. 455 zeigt ein Beispiel hier-
für. Die in Eisenbeton ausgeführte
Kragplatte soll durch ihre Erdauflast
m bemessenen Betonmauer verhindern
ein Kippen der
helfen.
Winkelstützmaaern
aus Eisenbeton, wie sie die Abb. 456 bis 464 zeigen, haben
die besonderen Vorzüge geringer Gründungstiefe (mindestens
aber 1 m) und, wie Abb. 456 zeigt, größter wirtschaftlicher
Ausnutzung des Baustoffs. Der Fuß ist besonders breit aus-
gebildet, damit das Eigengewicht der darauf wirkenden
Erdmasse zum Ausgleich des Horizontalschubes der Hinter-
füllung mit herangezogen werden kann. Eine solche Winkel-
mauer wirkt auf den Boden genau wie eine gewöhnliche
11. Anwendungen im Grund- und Mauer werkst» au.
187
Stützmauer. Der Einheitsdruck der Mauervorderkante kann
durch Anordnung eines Vorsprunges (Nase) am unteren Teil
derselben bis auf den noch zulässigen Einheitswert herab-
gedrückt werden.
Nasen, wie sie die Abb. 456, 458, 461 zeigen, bieten auch
in wirtschaftlicher Beziehung gute Lösungen.
Abb. 45G.
Abb. 457.
Abb. 457 zeigt verschiedene Ausbildungen der Wand-
platte, bedingt durch den nach unten hin zunehmenden
Erddruck. Bei gleichbleibender Wandstärke (a) sind die
Tragstäbe nach unten hin enger zu legen; bei allmählich
oder sprungweise zunehmender Wanddicke nach unten hin
(b, c, d) kann man auf die ganze Höhe mit gleicher Eisen-
teilung auskommen. Löst man die Wand in ein System von
Plattenbalken auf (e), so sind bei gleicher Rippenteilung die
Füllplatten nach unten hin stärker zu machen. Gleich-
bleibende Plattenstärken haben eine enger werdende Rippen-
teilung nach unten hin zur Voraussetzung.
Auf eine gute Entwässerung ist besonderer Wert zu
legen (vgl. Abb. 457 ft g). Man versehe nötigenfalls die
Hipterseite der Wand mit einem zweimaligen Goudron-
anstrich und nehme dicht an der Mauer eine Hinterftlllungs-
schicht aus grobem Kiessand. Die gefährlichste Belastung
der Mauer tritt beim Gefrieren und Auftauen der Hinter-
füllungsmassen ein.
In Abb. 458 sind verschiedene Formgebungen von Stütz-
mauern dargcstellt. Auf folgendes sei im einzelnen noch besonders
aufmerksam gemacht:
Abb. c. Die nasenartig in den Boden eingreifenden „Schürzen"
sollen ein Gleiten der Mauer (z. B. bei Durchfeuchtung des Unter-
grundes) verhindern.
188
II. Anwendungen im Grund- und MRuerwerksbRU.
Abb. e. Stützmauer gemäß Abb. c mit einer zweiten Horizontal-
platte in mittlerer Wandhöhe, die durch Rippen mit der Vorderwand
fest verbunden ist (vgl. ^.bb. 462).
Abb. f. Geneigte Wand und zwei Horizontalplatten zur besonders
ausgiebigen Verwertung der Hinterfüllung. Die Fußplattc ist durch
Längsbalken versteift; die zweite Platte ist gewölbt.
Abb. h. Die Last der oberen breiten Horizontalplatte wird durch
Rippen auf die Fußplatte übertragen.
Abb. i. Kaimauer mit Spundwand und gepfählter Plattform,
auf welcher sich eine durch Rippen abgesteifte Stützwand — als Fort-
setzung der Spundwand — erhebt (vgl. auch Abb. 480).
Abb. k. Stützmauer mit schwach ausgebildetem Fuß, aber kräftiger
Verankerung. Der obere Teil der Stützwand kann — wie angegeben —
abgeschrägt sein (vgl. Abb. 476).
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksb&u.
189
Bei Feststellung der in den einzelnen Bauteilen notwen-
digen Bewehrung sind folgende Gesichtspunkte maßgebend:
Die Wand hat den horizontalen Erddruck aufzunehmen, ist
also auf Biegung zu berechnen (Stützweite — Rippenentfernung).
Die horizontalen Tragstäbe liegen in Plattenmitte an der
vorderen Wandseite. Verteilungsstäbe liegen lotrecht in Ab.
ständen von io bis 30 cm und sind mit den Tragstäben ver-
bunden. Die Hauptrippen bilden Plattenbalken, welche durch
Zugeisen zu bewehren sind. Der Hauptzweck des Betons in
den Rippen ist die gegenseitige Aussteifung von Wand und
Fußplatte und der Schutz*der Zugeisen. Die kleinen Druck-
rippen an Wandvorderkante (Abb. 462n) sind an der schrägen
Seite mit Druckeisen zu versehen. Die Sohlplatte ist durch
die Rippen gestützt und wird vom durch
die von unten wirkende Bodenpressung,
Hinten durch die Auf last bzw. durch den
Unterschied zwischen Bodenpressung
und Auflast beansprucht. Dement-
sprechend ist auch die Anordnung der
Eiseneinlagen vorzunehmen.
Einige Beispiele für die Anord-
nung der Haupteinlagen bieten die
• Abb. 459 (Firma C. Brandt, Düssel-
dorf) -bis 462. In Abb. 462 sind die
190
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
Langgestreckte Mauern
nungsfugen in Rippen-
I I H l"l ”Ta
Abb. 46S. Abb. 464.
Tragstäbe der Wandplatte zur Erzielung einer besseren Über-
sicht fortgelassen.
bedingen die Anordnung von Tren-
odcr Feldmitte. Bei Doppelrippen
empfiehlt sich eine Verzahnung ge-
mäß Abb. 463 c. Im Äußeren kann
man die Fuge gemäß Abb. 463d durch
Strebepfeiler, die gleichzeitig die
Schauseite beleben, in den Schatten
bringen. Man kann auch eine Über-
deckung der Fuge mit Metallblech-
leisten öder übergreifenden Dachpapp-
streifen vornehmen. Die Fugen selbst sind mit Teerpappe aus-
zufüllen.
Über Brückenwiderlager in Winkels ttitzmauer form vgl.
Kersten, Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Aufl. Ein Beispiel zeigt
Abb. 464.
Stützmauern besonderer Ausftihrungsart
bieten die Abb. 465, 466 u. 467.
Abb. 465: Die Stützmauer steht hier in Verbindung mit einem
Rahmenbinder (Wandelhalle auf Borkum, vgl. Mitt. 1912, S. 129).
Abb. 465.
Abb. 466.
Abb. 466: Die Stützmauer steht in Verbindung mit einer Lösch-
brücke (am Hohentorhafen in Bremen; Beton u. Eisen 1908, S. 259).
Abb. 4G7.
Abb. 467: Stützmauer mit Sparöffnungen
für eine Portalkranschiene bei 6 m Pfeiler-
abstand. Unter den Verbindungsbalken fällt
das Erdreich mit natürlicher Böschung durch,
es wird also hier ein großer Teil des Druckes
der Hinterfüllungserde für die Mauer un-
wirksam 1).
Bezügl. Berechnung dieser Stützmauer vgl. Ann. Beton 1910, S. 309.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerksbau.
191
4« Spundwände.
Spundbohlen in Eisenbeton sind dauerhafter als höl-
zerne Bohlen und gestatten eine bessere Verbindung der
Bohlen untereinander. Sie
können, um an Fugen zu
sparen, bis r m breit ge- ______________________
macht werden. Die Führung
ist zwangläufig und kann ge- | 70' *
mäß Abb. 468 bis 474 in ver-
schiedener Weise erfolgen.
Zur besseren Aussteifung der ‘ l—
Wand dienen besondere Leit- \ /
pfähle gemäß Abb. 468. v
Besser als keilförmige Füh-
rung (Abb. 473) sind Nut und Feder mit verschiedenen Radien
gemäß Abb. 469. Kreisrunde Nuten gemäß Abb. 470 werden
Abb. 469.
Abb. 470.
zur Erzielung einer vollständigen Dichtigkeit mit Zementmörtel
verfüllt. Abb. 471 zeigt eine zwangschlüssige Abdichtung (nach
Lang) mit Wulst- und Hohleisen (a, d).
Abb. 471.
Abb. 479.
In Amerika werden auch ummantelte Eisen-Spund-
bohlen mit seitlichen Führungsleisten verwendet. Den Querschnitt
einer solchen Bohle zeigt Abb. 472. Die Ummantelung dient hier
lediglich als Schutz der eisernen Bohlen und erhöht außerdem die
Festigkeit, Dichtigkeit und den Zusammenhang der Wand. Vgl.
Beton u. Eisen 1915, S. 153.
192
II. Anwendungen im Brunel- und Mauerwerkebau.
W
Die Bohlen werden in der
Regel auf der Breitseite liegend
gestampft Zum Einrammen dient
zumeist wie bei den Ramm-
pfahlen (vgl. S. 165) ein hölzerner
Rammkopf, der eine Ausfüh-
rung nach Abb. 474
erhalten kann. Bei
hartem Untergrund
werden Pfahl-
schuhe nötig. Die
Bewehrung -er-
folgt durch
Längseisep und
Bügel; auf letz-
tere ist wie bei
den Pfahlen be-
sonderer Wert zu
legen. Die fertig
gerammte Spund-
wand erhält in
Abb. 473 u. 474. der Regcl
obere Abdeckung durch einen wagerechten Balken (Holm).’
weiterhin die folgenden Abb. 476, 478 bis 480.
eine
Vgl.
o. Manern gegen Erd- und Wasserdruck.
(Bollwerke, Ufer- und Kaimauern.)1)
Der Vorzug des Eisenbetons für die Herstellung von
Ufermauem liegt vor allem in seinem günstigen Ver-
Abb. 47ß.
schnitt IV (Abb. 571 bis S75).
Abb. 475.
II. Anwendungen im Grund- und Mauerwerkebau. 193
halten bei wechselndem Wasserstande. Nach Abb. 475 wurden
Betonpfähle in 2,50 m Abstand eingerammt und hinter diese
Betonplatten verlegt. Die Pfähle sind durch einen Holm
miteinander verbunden.
Bei größeren Wandhöhen können Zuganker gemäß
Abb. 476 (und 458 k) verwandt werden, um ein Ausweichen
nach vom zu verhindern. In einfacheren Fällen genügen für
Abb. 477.
mit dazwischen verlegten Platten (Abb. 476 a, b). Die Aus-
führung einer Ankerplatte in Eisenbeton zeigt Abb. 477.
Abb. 481.
Kersten. Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 18
194 II. Anwendungen im Grund* und Mauerwerksbou.
Bemerkenswert ist eine in Abb. 478 dargestellte Schleusen-
kammerwand mit voller Auflast einer Böschung. Schrägpfähle und
Spundwand sind starr mit der Deckplatte zu einem steifen Bock-
gerüst verbunden. Den Querschnitt der Spundbohlen zeigte bereits
Abb. 470.
Bei Kaimauern sind die hinten (statt vom) angeordneten
Spundwände gemäß Abb. 479 insofern vorteilhaft, als sie die durch
den Erddruck erzeugten Zugkräfte infolge des großen Reibungs-
widerstandes gut aufnehmen können. Man kann sich auf diese
Weise Zugpfahle ersparen (B. u, E. 1913, S. 230), Ausführungen mit
vorn angebrachter Spundwand sind allerdings üblicher; vgl. die
Abb. 45S i u. 480.
Die Verwendung von Brunnen — bei 13 m Mittenentfernung —
zeigt Abb. 481. Landseitig Lt ein Kranbahnträger angeschlossen.
Der Staropfbetonmauer ist ein Schleifleitungskanal angehängt (vgl.
auch Abb. 420). Näheres in B. u. E. 1914, S. 1.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen
und Behältern.
A. Röhren, Kanäle und Durchlässe.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß sich der Beton für die
Herstellung von Kanalisationsröhren und Kanälen in bester
Weise eignet, daß er vor allem genügend widerstandsfähig
gegen chemische Einwirkungen der Abwässer und gegen die
Reibung des mitgeführten Sandes und anderer Sinkstoffe ist.
Verschiedene Säuren, wie Salzsäure, Salpetersäure, Essigsäure
und Kohlensäure, sind in der Regel nur dann schädlich,
wenn ihr "Gehalt größer als Vio vH. ist. Fäkalien üben
keinen schädlichen Einfluß auf den Beton aus, ebenso heißes
Wasser bis zu 50°. In allen solchen Fällen, wo schädliche
Einwirkungen auf den Beton zu fürchten sind, empfiehlt sich
eine innere Auskleidung mit hartgebrannten Klinkern oder
Tonschalen bis zur Höhe des gewöhnlichen Wasserstandes.
Die in Eisenbeton ausgeführten Röhren s.ind auch wider-
standsfähiger gegen mechanische Einflüsse, insbesondere gegen
Bewegungen des Erdreichs. Sie sind dauerhafter und erfordern
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 195
in der Regel weniger Anlagekosten. Man hat freie Hand
in der Wahl des Profils und in der Ausbildung des Über-
ganges vom hohen zum flachen Profil. Besondere Vorteile
treten noch dann zutage, wenn mit schlechten Gründungs-
Verhältnissen oder mit sehr gedrücktem Profil zu rechnen ist.
Was zunächst die fabrikmäßig herzustellenden
Betonröhren anbelangt, so haben die eisenbewehrten
Betonröhren den unbewehrten Röhren gegenüber den
Vorteil, daß sie erheblich dünnwandiger sind, demgemäß
also auch leichter
verlegt werden
können. Sie sind
weniger emp-
findlich bei ört-
lichen Senkun-
gen in Längs-
richtung, lassen
sich auch ge-
fahrloser trans-
Abb. 482.
portieren. Außerdem sind sie, entgegen den Zementröhren,
imstande, einen von innen wirkenden Wanddruck auszu-
halten. Die Anordnung der Einlagen ist abhängig davon,
obb man es mit einem Druck von außen oder von innen zu
tun hat: In der Regel kommen bei Außendruck die Ein-
lagen an die Innenfläche und bei Innendruck an die
Außenfläche. Bei kleineren Röhren nimmt
man zumeist eine einzige, sich der Form
des Querschnitts anpassende Eiseneinlage
mit entsprechenden Längsstäben in Wand- c\
mitte, welche den Druck auf die Trag-
ringe zu übermitteln haben (vgl. Abb. 482).
Bei starker Inanspruchnahme durch Außen-
und Innendruck und bei größeren Durchmessern ist zu-
meist eine Doppeleinlage zweckmäßiger. Abb. 483 zeigt
die gefährdeten Bruchstellen bei Einwirkung eines Außen-
druckes; die Einlagen müßten dann also im Scheitel und
an der Sohle an der inneren und an den Seiten an der
Abb. 483.
13*
196 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Abb. 484.
äußeren Rohrwand liegen. Der Querschnitt der Röhren
kann kreisförmig, eiförmig oder elliptisch sein. Ihre Her-
stellung kann fa-
brikmäßig1) oder
in der Baugrube
erfolgen. Im letz-
teren Falle
können statt
der üblichen
Holzschalun-
gen beweg-
liche eiserne Kem-
formen verwendet
werden.
Zur Erhöhung
der Widerstands-
fähigkeit der Röh-
ren empfiehlt sich
eine Umhüllung mit feinem Sand oder ein Hinterstampfen
mit Beton, wie es Abb. 484 zeigt. Die Wanddicke beträgt
hier 30 cm bei 20 cm Druckhöhe.
Kanäle und Durchlässe, in Eisenbeton bieten ge-
mauerten Kanälen gegenüber den Vorteil schnellerer Her-
M Vgl. „Leitsätze für Ausführung von Zementrohrleitungen“, aufgestellt
vom Deutschen Beton«Verein
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 197
Stellung, was zur Folge hat, daß die unausbleiblichen Störungen
im. Straßenverkehr abgekürzt werden können. Die Herstellung
erfolgt fast ausschließlich auf der Baustelle.
Dfe Kanäle können offen oder ge- il J
schlossen sein und in letzterem Falle
einen rechteckigen oder einen gewölbten g 1
Querschnitt haben. Abb. 485 gibt ein I
Beispiel für einen offenen Kahal, Ebenso *
Abb. 486 (Zuleitungsrinne auf der Mittel- ; p***
wand einer Kläranlage). Bei hohen
Wänden empfehlen sich zur gegenseitigen * 4
Aussteifung der Wände Querbalken in Abb* 486,
Höhe der oberen Wandkante. Nach Bauweise Eschenbrenner
werden zur Herstellung der Wände und eines Teiles der Sohle
Abb. 487.
fabrikmäßig hergestellte Winkelformstücke verwandt (Abb. 487).
Die Sohle wird an Ort und Stelle eingefügt; die aus den
198
Hl. Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern.
Formstücken (Baulänge 75 cm) hervorragenden Einlagen
sorgen für den nötigen Zusammenhang. Die Abdeckung des
Kanals erfolgt ebenfalls durch
vorher angefertigte Deckel-
platten.
Beispiele für gewölbte Kanäle
(bzw. unterirdische Verbindungs-
gänge) bei ungünstigem Baugrund
bieten die Abb. 488 u. 489. Im
letzteren Falle war eine Pfahlgrün-
dung nötig1).
Die Tatsache, daß der Eisen-
beton eine durchaus genügende
Widerstandsfähigkeit gegen die An-
griffe heißer Rauchgase besitzt, hat
Veranlassung zur, Herstellung von
Rauchkanälen in Eisenbeton ge-
geben3). Abb. 490 zeigt den Quer-
schnitt eines in Kastenform ausgebildeten Kanals, der gleichzeitig als
Träger für Spannweiten bis zu 16 m dienen muß.
B. Flüssigkeitsbehälter.
Der gegen Zugkräfte widerstandsfähige Eisenbeton er-
scheint für die Herstellung von Behältnissen aller Art,
namentlich von Wasserbehältern, besonders geeignet. Seine
Formgebungsmöglichkeit ist eine unbegrenzte; bei beschränk-
testen Raumverhältnissen werden infolge der geringen Wand-
stärken die größten Nutzinhalte ermöglicht. Dort, wo ge-
eigneter Sand und Schotter in der Nähe zu haben ist, bietet
er insbesondere den Vorzug der Billigkeit und der schnelleren
Ausführung. Ein gutes Mittel zur Erzielung der Wasser-
dichtigkeit ist ein auf der Innenseite vorgesehener Überzug
mit einer 1 bis 2 cm starken, fetten Mörtelschicht 1:1, die
noch mit reinem Zement abgeglättet und mit einem Fluat-
anstrich versehen werden kann. Anstriche mit Siderosthen,
Teer, Testalin oder Magnesium-Fluorsilikat u. dgl. sind ebenso
l) Vgl. weiterhin die Abschnitte ..Durchlässe“ und „Brüukcnkanäle“ in
Kersten, Brücken I, 5. Aufl. und Brücken II. 4. Aufl.
’) Vgl. Leitfaden I, 11. Aufl. *
HL Anwendungen im Ban von Leitungen und Bc-hältem.
199
empfehlenswert, müssen aber von Zeit zu Zeit erneuert
Averden. Bei versenkten Behältern wird eine Isolierung der
Wände und der Decke von der Erdüberschüttung (0,70 bis
1,0 m hoch) durch Asphaltanstrich oder Teerpappe immer
empfehlenswert sein. Die Hauptbedingung für dauernde
Wasserdichtigkeit eines Behälters
ist aber eine steife, unnachgiebige
Konstruktion des Ganzen und eine
einwandfreie Gründung. *
Behälter, die zur Aufbewahrung von
chemischen Substanzen dienen, benötigen
zumeist eine säurefeste Auskleidung, am
besten mit glasartigen Stoffen. Abb. 491
zeigt eine Auskleidung mit Drahtglas,
dessen Ränder (r) niedergeschmolzen
werden (Verfahren von Wuczkowski).
Größere Behälter sind zumeist
zweiteilig1); sie können dann be-
quemer gereinigt und ausgebessert
werden. Die Kammern liegen in
der Regel nebeneinander (Abb. 493),
bei runden Behältern bisweilen auch
Abb. 491.
ringförmig ineinander (Abb. 508). Schieberkammern sowie
Entlüftungshauben (Abb. 505, 510) können gleichfalls in Eisen-
beton ausgeführt werden.
Die Behälter können eingeteilt werden in
« a) solche von rechteckigem (polygonalem) und rundem
Grundriß,
b) offene und bedeckte Behälter,
c) versenkte Behälter, Behälter zu ebener Erde und Behälter
auf Turmgerüsten (Wassertürme) oder in Gebäuden.
Behälter mit rechteckigem Grundriß.
Die vorteilhafteste Form aller Behälter ist die Zylinder-
form. Rechteckige Behälter gestatten aber eine bessere
•
’) Die Zwischenwände bringen bei großen Wandlängen und -höben
auch eine Verminderung der in den Wänden auftretenden Biegungsmumente
mit sich; vgl. Abb. öOl.
200 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Raumausnutzung; doch haben sie den Nachteil, daß die
Ecken leicht undicht werden und daß einem Ausbiegen der
Seitenflächen nach außen hin durch Anwendung starker
Platten und Anbringung kräftiger Versteifungsrippen vor-
gebeugt werden muß. Um kleinere Wandstärken zu erhalten,
empfiehlt sich die Einschaltung von Zwischenwänden.
Bei gutem Baugrund kann die Sohle in Stampf-
beton (30 bis 50 cm stark) ausgeführt werden. Bei un-
günstigen Bodenverhältnissen und bei starkem Auftrieb ist
eine durchlaufende Eisenbetonplatte angebrachter; die Wand-
glieder werden dann starr mit der Sohlplatte verbunden,
was eine Verminderung der rechnerisch notwendigen Wand-
stärken zur Folge haben kann. Zweckmäßig ist eine Ver-
stärkung und Verbreiterung der Sohle unter den Stützen
und Wänden gemäß Abb. 499 a.
Eine Schutzschicht in
Stampfbeton gemäß
Abb. 510 — als Unter-
lage — ist dann immer
empfehlenswert. Not-
wendig ist auch eine
sorgfältige Drainage der
und außerdem eine Ab-
Abb. 492.
Sohle wie der Umfassungswände
leitung des zufließenden Oberflächenwassers.
Die Außenwände können bei günstigen Bodenver-
hältnissen in Stampfbeton gemäß Abb. 492 und 493 bis 495
ausgeführt werden. Eisenbeton ist dann vorteilhaft, wenn
mit Grundwasserandrang zu rechnen ist. Bei kleineren Be-
hältern genügen einfache nach unten hin stärker werdende
Platten; größere Behälter bedingen die Einschaltung von
Versteifungsrippen, die in der Regel außen liegen (Abb. 496).
Für größere Höhen erweisen sich Winkelstützmauerprofile
als vorteilhaft (vgl. auch 187). Die Trageisen der Wand
verlaufen dann horizontal über die Rippen hinweg (Abb. 496).
Bei Anordnung horizontaler Rippen (Abb. 497) verläuft die
Tragbewehrung vertikal. Das gleiche gilt auch dann, wenn
Einspannung in der Sohle vorliegt und die Wände oben
in einen kräftigen Einfassungsrahmen gemäß Abb. 497
in. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 201
gespannt sind. Jede Ein Spannung setzt natürlich die An-
ordnung kräftiger
Vouten voraus, di&
besonders am Bo-
den — im Hin-
blick auf einen dau-
ernd wirksamen
Verputz der Innen-
wandung — sehr
angebracht sind.
Abb. 498 zeigt die
Eckausbildung eines
Behälters mit ge-
wölbten Wandungen
zwischen den Verti-
kalstreben.
Bei stärkeren Wän-
den wird zunächst die
eine Schalseite vollkom-
men hochgefllhrt, die
andere Seite dagegen mit
der Betonier arbeit fort-
schreitend aufgeführt.
Bei kleineren Behältern
(Viehtrögen, Badewan-
nen u. dgl.) verwendet
man Gipskeme oder auch
äußere Holz wände, an
die der Beton — nach
Einbringung des Eisen-
netzes — von innen her
angeworfen und ange-
drückt wird. Nötigen-
falls nimmt man noch
eine innere Schalung
zu Hilfe.
Die Zwischen-
wände werden nur
202
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und .Behältern.
dann in Stampfbeton ausgeführt, wenn auch die Außen-
wände in Stampfbeton hergestellt sind. Eisenbeton ist aber
schon deshalb vorteilhafter,
Abb. 496 u. 497.
Abb. 498.
weil bei der Bemessung der
Zwischenwände zumeist mit
einseitigem Wasserdruck ge-
rechnet werden muß. Nach
unten hin sind die Platten
und Rippen stärker zu machen; nach Abb. 499a ist die Wand
oben und unten eingespannt, desgl. in den Umfassungswänden.
Abb. 499.
für einen guten Verband
Abb. 499 b zeigt die Zwischen-
wand eines offenen Behälters
(Kläranlage) mit Bedienungs-
steg und Abb. 499 c die Doppel-
wand einer anderen Kläranlage,
die eine federnde Bewegung
bei Temperaturänderungen
möglich macht (Trennungsfuge).
Bei einer Stampfbeton-
sohle sorge man gemäß Abb. 500
it den Eisenbetonwänden, und
zwar durch besonders eingelegte Eisen und durch Verwendung
Abb. 500.
einer fetteren Mischung für die be-
treffenden Sohlstellen.
Die Abdeckung dient zum
Schutze vor Verunreinigungen und
vor Witterungseinflüssen; sie erfolgt
wohl ausnahmslos in Eisenbeton, und
zwar in Form gewöhnlicher gerader
Rippendecken (Abb. 501, 502) oder ge-
wölbter Platten zwischen Unterzügen (Abb. 503). Sind keine
Trennungswände vorgesehen, so werden — größere Grundrisse
vorausgesetzt — Zwischenstützen erforderlich. Die Decke hat
die Erdüberschüttung, die Schneelast oder etwa zu erwartende
Einzellasten zu tragen; Verkehrslast kommt selten in Frage.
Bei Behältern größeren Grundrisses, die der Sonnenbestrahlung
ausgesetzt sind, sind Trennungsfugen nötig, die auch für die
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Beh&Reni. 203
Einteilung des Baubetriebes von Wert sein können und außerdem eine
leichtere Überwachung und eine schnellere Ausbesserung ermöglichen.
Abb. 601.
Die Fugen werden mit Teerpappe ausgefüllt;
der Anschluß der getrennten Bauglieder erfolgt
durch Nut- oder Federverband oder durch
Überlappung (vgl. auch Abb. 204).
Abb. 503.
Abb. 502.
Behälter mit kreisförmigem Grundriß.
Die Zylinderwandungen werden durch den Wasserdruck
nur stuf Zug beansprucht, erfordern also nur geringe Dicken
(oben 6 bis 8 cm, unten 10 bis 15 cm); die Ringbewehrung
setzt sich aus horizontal liegenden Ringstäben und aus vertikal
gestellten Verteilungs (Montage-)stäben zusammen. Die Ring-
stäbe werden nach unten zu enger gelegt und mit den Vertikal-
stäben zu einem Netz verbunden; man beanspruche das Eisen
— seiner Dehnung wegen — nur mit 600 bis 800 kg/qcm.
Die Abdeckung erfolgt gemäß Abb. 504 bis 506 durch
eine ebene Decke mit und ohne Zwischenstützen wie bei den
rechteckigen Behältern, durch ein Kuppelgewölbe (Abb. 507
bis 509) oder ein Kegeldach (Abb. 510, Behälter für 1000 cbm).
Die Kuppelgewölbe benötigen einen kräftigen Zugring zur
Aufnahme des Horizontalschubes, ihre Stärken sind zumeist
204 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
sehr gering. Wenn auch Einlagen rechnerisch oft gar nicht
nötig werden, so nehme man doch stets aus Zweckmäßigkeits-
gründen eine Bewehrung von mindestens
o,6 vH. an (vgl. Abb. 507).
Kleine versenkte Behälter bis etwa 200 cbm
Fassungsraum werden bisweilen in Gestalt
einer Halbkugel gemäß Abb. 511 ausgeflihrt
Der in Abb. 505 u. 506 vorgeführte
Sammelbehälter ist eine Ausführung der Firma
Vetterlein u. Cie. Er hat einen Rauminhalt
von 360 cbm bei einem Wasserstande von 2,70 m. In den Zwickeln
der beiden Kammern ist je eine Schieberkammer sowie ein Wasser-
messerschacht in Eisenbeton eingebaut.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 205
Bei dem in Abb. 507 u. 508 dargestellten Hochbehälter liegen
die Kammern ringförmig ineinander; Fassungsraum iooö cbm.
Schnitt R-b.
Abb. 507. Grundriß.
Abb. 509 zeigt einen Behälter von 8 m Lichtweite und 3 m Wasser-
höhe, abgedeckt mit einem Rippenkuppelgewölbe.
.Erhält der Boden eine Unterlage, so kann er als Platte
ausgeftihrt werden (Abb. 510). Ist er dagegen, wie das in
206 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Abb. 509.
der Regel bei Wassertürmen
der Fall ist (vgl. S. 207),
freitragend, so hat der
Boden die Wasserlast zu
tragen. Man kann dann
gemäß Abb. 512 eine Rip-
pendecke (a), eine Kegel-
form (6, c), eine Kugel-
kalotte (d), eine
Abb. 510.
Abb. 511.
und äußerem
Kegelstumpf-
boden (e) oder
eine Form
nach Abb. f zur
Anwendung
bringen.
Abb. 512.
111. Auwondungen im Bau von Leitungen und .Behältern. 207
Die Abb. 513 u. 314 geben ein Ausführungsbeispiel für einen
Gassammelb eh älter mit 22 m lichtem Durchmesser. Derartige
Behälter müssen standfest und
wasserdicht sein. Der Eisenbeton
empfiehlt sich vor allem deshalb,
weil die oben offenen Behälter
Abb. 614.
den Einflüssen schwankender Temperaturen ausgesetzt sind. Statt
der ebenen Sohle kann auch eine gewölbte Sohle genommen werden.
Hochbehälter In Gebäuden und auf besonderem Traggestell
(Wassertürme).
Ausführungsbeispiele für Hochbehälter in Gebäuden
bigten die Abb. 515 bis 518. Abb. 515 zeigt einen Wasser-
behälter für 30 cbm Fassungsraum, bei welchem die tragende
Decke gleichzeitig als
.Behälterboden dient; die
Wände sind oben durch
±-Eisen verspannt. Die
Bewehrung eines solchen
Behälters kann gemäß Abb 615 u-516-
Abb. 517 erfolgen. Abb. 518 zeigt einen Heiß Wasserbehälter
mit einem besonderen Bodenteller, der eigene Entwässerung
hat, um bei einem Überlaufen des Behälters die Benutzung
des darunterliegenden Baumes nicht zu gefährden.
Hochbehälter an Schornsteinen bestehen zumeist aus
zwei konzentrischen Wänden und werden durch Konsolringe auf
208
IIL Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern.
das Mauerwerk des Schornsteinschaftes abgestützt. Diese Konsol-
abstützung kann gemäß Abb. 519 unmittelbar und getrennt oder
_________________—200____________gemäß Abb. 520 unter
steins eingehauen sind. Bei größeren Behältern dürften
sich besondere Turmgerüste gemäß Abb. 521 emp-
fehlen, deren Pfosten bis aut die
Fundamente des Schorn-
steins hinabreichen. In
jedem Falle sind zwischen
Behälter und Schorn-
steinwand Isoliermittel
(Asphaltpappe oder Luft-
raum) vorzusehen. Vgl.
auch Abb. 609.
Abb. 520.
oder aus
Abb. 52L
Bei den eigentlichen Was-
sertürmen kann das Tragwerk
Eisenbeton bestehen. Beispiele
Abb. 519.
aus Mauerwerk
ersterer Art zeigen die Abb. 523 u. 523. Der Behälter kann
von der Tragdecke getrennt oder fest mit ihr verbunden sein
(vgl. Abb. 516 u. 517).
Der in Abb. 522 dargestellte Behälter faßt 25 cbm, der
andere Behälter (Abb. 533) 160 cbm; über Einzelheiten des
Daches vgl. Abb. 259 auf S. 119.
Traggestelle aus Eisenbeton bestehen aus einer
Anzahl Stützen, die durch Querstreifen oder Zwischendecken
verbunden sind. Will man das Tragwerk nicht offen lassen,
III. Anwendungen im Bau \ nn Leitungen und Behältern.
209
so verwendet man eine Ausrie^elung in gewöhnlichem Ziegel-
mauerwerk oder in Ziegelhohlsteinen als Raumabschluß
(Abb. 525). Die
Pfosten können
sichtbar bleiben,
bündig mit der Aus-
Abb. 522.
riegelung abschließen oder von dieser gänzlich verkleidet sein.
Das * Traggestell ist im Grundriß in der Regel ein Vieleck
Abb. 525.
oder auch ein Kreis. Die Gründung der Pfosten erfolgt
durch Einzel- oder Kranzfundamente (vgl. auch Abb. 38 r
Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Aufl. 14
210 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
u. 543) oder durch eine durchgehende Massivplatte (Abb. 380
u. 541).
Der Behälter selbst ist entweder mit dem Tragwerk starr
Abb. 526.
Abb. 527.
verbunden (Abb. 526a,
b, c, d) oder von die-
sem durch Fuge ge-
trennt (Abb. 526 c, f).
Die zuletzt genannte
Anordnung bietet eine
größere Gewähr für
dauernde Wasserdich-
tigkeit des Behälters,
namentlich bei ungün-
stigen Baugrundver-
hältnissen.
Die Behälter wer-
den fast immer mit
einem seitlichen Schutz-
mantel gegen den un-
günstigen Einfluß wechseln-
der Witterungsverhältnisse
umgeben. Für einfache
Fälle genügt eine Torfmull-
oder Sägespäneschicht, oder
auch eine anliegende Back-
stein- oder Korksteinwand1).
Am vorteilhaftesten ist aber
eine Luftisolierung, die
gemäß Abb. 527 durch An-
bringung eines besonderen
Gehäuses in Form einer
Eisenbeton- oder Backstein-
wand, eines Holzfachwerkes
oder einer Ausriegelung
>) Beachtenswert erscheint auch eine in den Mitt. 1920, S. 82 näher be-
schriebene Drahtglas-Umhüllung bei nur 12 cm lichtem Abstand von
Behfilteraußenfläche.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
211
zwischen Eisenbeton-
pfosten erzielt werden
kann. Ein derartiges
Gehäuse bietet auch
den Vorteil eines Rund-
ganges zur gelegent-
lichen Kontrolle der
Behälteraußenseite (vgl.
Abb. 526); ebenso sind
Abb. sso.
besondere Aufsteigschächte gemäß Abb. 512c
nicht mehr nötig.
Nach Abb. 526d ist ein Tropfboden vor-
gesehen, der gleichzeitig einen Witterungsschutz
ftlr den Behälterboden abgibt. Ähnlich ist die
Ausführung nach Abb. 526c; der Behälter ruht
hier, durch Fuge getrennt, auf einer besonderen
Plattform. Abb. $±6£ zeigt den Einbau eines
Behälters von 200 cbm Fassungsraum (Firma
Dittmar Wolfsohn u. Co., Breslau). Auch hier
Beha/terwond
Abb. 531.
ruht der Behälter
frei auf, und zwar mittels einer 3 cm starken Asphaltisolierschicht.
IV
212
111. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Der Turmschaft wird von 8 Säulen gebildet.
Daches ist aus Abb. 532 c ersichtlich.
Abb. 532
Die Ausbildung des
Die Ausführung eines Be-
hälters für 120 cbm Fassungs-
raum (A.-G. Dyckerhoff u. Wid-
mann) mit innerem Aufsteig-
schacht ist aus den Abb. 528, 529
u. 530 zu ersehen. Insbesondere
zeigt die Abb. 530 die Bewehrung
des Behälters und des Auflager-
ringbalkens mit anschließendem
Abb. 533.
Kegelboden für die Ummantelungswand. Be-
merkenswert ist hier die schiefe Stellung der
oberen Stützen, die den Zweck verfolgt, den
kreisförmig gebogenen Auflagerringbalken in
gleicher Teilung abzufangen.
Nach Abb. 531 besteht der Turmschaft aus
vier Einzelpfeilernf die eine Plattform zur Auf-
nahme eines kleinen Behälters (15 cbm) tragen.
Hier dienen kreuzweise gelegte Konsolträger zur
gleichmäßigen Unterstützung des Behälterbodens.
Abb. 534. Zur Abdeckung nimmt man Eisen-
beton in Form von Flach-, Kegel- oder Kuppeldächern
(Abb. 532 a, b), ebenso aber auch Holzschalung und Ziegel-
HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Abb. 535 bis 538.
214 III« Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
Abb. 5J9.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und BehAltem. 215
Abb. 540.
21G HL Anwendungen im üau von Leitungen und Behältern.
Abb. .541.
III. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. *217
-50,60771
213 III- Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
dächer, die bei richtiger Farbengebung einen wirkungsvoll
künstlerischen Gesamteindruck abgeben können1).
Abb. 532 c zeigt das Turmgerippe des in Abb. g26f
dargestellten Behälterbaues der Firma Wolfsohn u. Co.,
Breslau.
niedrigen Behältern,
obere Anschluß der
Wirtschaftliche Vorteile, namentlich bei
bietet eine Ausführung nach Abb. 533. Der
Behälterwandung ist als steifer Rahmen ausgebildet; die Wandungen
sind oben und
unten eingespannte Platten mit vertikaler Haupt-
bewehrung (vgl. auch
Abb. 497). Per Be-
hälter hat achteckige
Grundrißform.
Nach Abb. 534
bildet die Abschluß-
decke des Turmschaftes
gleichzeitig den Be-
hälterboden. Das
gleiche gilt von dem
in den Abb. 535 bis 538
dargestellten Wasser-
turm mit offenem Unter-
Beckeninhalt.
Abb. 543.
&7, ; W
ffr/agee
bau und 120 cbm
Einzeldarstellungen zu einem Wasser-
tonn in Egeln, einer Ausführung der Union,
G. m. b. H., Hannover, bieten die Abb. 539
bis 541, Einzelheiten zu einem Turmgerüst
in Lehrte (Firma Robert Grastorf, Hannover)
ftlr einen Behälter
Abb. 542 u. 543. Der Behälter selbst ist im letzteren Falle in Eisen
ausgeführt.
Schwimmbecken und Thermalwasserbeh<er*
Auch für die Erstellung von Schwimmbädern bietet
der Eisenbeton bauliche und wirtschaftliche Vorteile.
Weder Sole noch Thermalwasser greifen den Zement an.
*) Überhaupt muß beim Bau der Wassertürme in ganz hervorragendem
Maße auf architektonische Wirkung gesehen werden. Turme beherrschen
die Umgebung in weitem Umkreis; man baut sie stets in abgesonderter
Lage, weshalb sie In künstlerischer Hinsicht oft bedeutungsvoller sind als
Hausfassaden in der Straßenfront.
TU. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 219
Gegenüber den Stampfbetonausführungen vermindern -die
geringen Stärken .der Behälterwände sowie eine kräftige
Eiseneinlage die Gefahr der Bildung von
Schwindrissen. Trennungsfugen zwischen
Decke und Behälter (Abb. 545) geben diesen r W l./T
die Möglichkeit, Temperaturbewegungen unge- •£>
hindert auszuführen. Die nötige Wärmeisolation *
, . , _ _ .... Abb. 544.
der einzelnen Baderäume kann durch Anwen-
dung von Höhlwänden und Hohldecken bewerkstelligt werden.
Die als Tragwerk ausgebildete Behältersohle ruht
zumeist auf Pfeilern, die die Last unmittelbar auf den
Boden übertragen. Die Pfeiler können gemäß Abb. 544 a
Gruppenfundamente (vgl. auch Abb. 368 auf S. 153) oder
gemäß Abb. 544b Einzelfundamente erhalten. Den Ab-
stand l der Pfeiler untereinander kann man dort am
kleinsten annehmen, wo die größte Wassertiefe ist. Dünne
Pfeiler können
elastische Pen-
delbewegungen
am besten mit-
machen.
Abb. 545 zeigt
die Formgebung
eines Schwimm -
bockens mit 510 cbm
Inhalt, nur in
3 Punkten auf guß-
stählernen Kugellagern gelagert. Diese sind so verteilt, daß jedes
annähernd den gleichen Lastanteil erhält. Die Wände sind als Träger
ausgebildet. Vgl. Mitt. 1913, S. 25.
Querschnitte anderer Ausführungen sind aus den Abb. 546
u. 547 zu ersehen. Abb. 548 gibt schließlich noch ein Beispiel für
eine vollkommen starre Verbindung des Behälters mit der Gebäude-
konstruktion. Der Boden des Beckens dient hier gleichzeitig als
Decke für ein Kinotheater (Metz).
Es genügt bei Schwimmbecken im allgemeinen, die Innen-
flächen mit einem glatt verschliffenen Zementputz zu versehen.
Glasierte Fliesen (blau, weiß oder grün) geben dem Wasser eine
220 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
bessere Färbung; cs ist aber schwierig, ein späteres Abheben der
Bodenplatten zu verhindern1).
Abb. 549 zeigt ein Schwimmbecken in Verbindung mit einem
In dem in Abb. 550 dargestclltcn Thermal-
. u-ix /«r* v JT \ v x j n Stampfbeton /Ges
Wasserbehälter (Wiesbaden) hat der Be- ™
hälter die Aufgabe, das den Quellen mit A,bb‘ o5ü-
580 C entströmende Wasser auf die gewöhnliche Badetemperatur von
300 zu bringen und dann aufzuspeichern. Vgl. auch Mitt. 1906, S. 86.
Turbinenkammern.
Für Turbinenkammern eignet sich der Eisenbeton
besonders wegen seiner unbegrenzten Formgebungsmög-
Abb. 551.
x) Durch das Einlasson dos heißen Wassers tritt eine Erwärmung der
Platten ein, was zur Folge hat, da« sich die Platten kräftiger zu dehnen
suchen als das tragende Betonbett.
HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 221
lichkeit. Er kommt für die Ausführung vor allem auch
dann in Frage, wenn der Raum beschränkt ist und wenn
bei schlechtem Baugrund das Eigengewicht der Kammer
verringert werden muß.
Eine in ein bestehendes Gebäude in Alt-Thann hin-
eingebaute Turbinenkammer zeigt Abb. 551 im Längsschnitt.
C. Behsllter zur Aufbewahrung fester Körper.
Abb. 552 zeigt die
Formgebung eines
rechteckigen Kalk-
behälters. Der Kalk
wird im Behälter ge-
löscht und erst dann —
durch Öffnungen in der
Endwand — entfernt,
wenn er durchgelöscht
und steif ist. Die Öff-
nungen können
mit wagerecht
übereinander-
liegenden Boh-
len geschlossen
werden. Vgl.
auch B. u. E.
1910, S. 362.
Für Eis-
keller emp-
fiehlt sich die
Anordnung
zweier vonein-
ander getrenn-
ter, nur in ge-
wissen Abstän-
den miteinan-
der verbunde-
ner Wände,
Abb. 553.
222 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
deren Zwischenraum mit trockenem Isolierstoff (z. B. Torfmull)1)
ausgestampft wird. Auch Decke und Fußboden sind ent*
sprechend zu isolieren. Luftschichten als Isolierung sind
weniger angebracht. Abb. 553 zeigt eine Eiskelleranlage der
Bayerischen Torfstreu- und Mullewerke. Andere Anlagen, die
sich durchaus bewährt haben, erhielten Isolierungen durch
Bimsbeton und Bimskies bzw. Bimslavaplatten. Vielfach wird
auch die äußere Wand in gewöhnlichem Mauerwerk und nur
die innere Wand in Eisenbeton ausgeführt. Vgl. Näheres
Beton u, Eisen 1913, S. 95, 245.
Silos.
Silos sind große schachtartige Behälter, in welchen trockene
Stückmassen (Sand, Kies, Steinschlag, Kohle, Erze, Asche usw.)
oder Getreide aufbewahrt und nach Bedarf durch trichter-
förmige Ausläufe abgelassen werden können. Es kommt hier
darauf an, auf möglichst kleiner Bodjenfläche eine möglichst
große Menge des aufzuspeichernden Stoffes unterzubringen.
Aus diesem Bestreben heraus ergibt sich eine große Bauhöhe,
also ein starker Druck nach unten und nach der Seite. Neben
großen wirtschaftlichen Vorzügen des Eisenbetons kommt
noch die unbedingte Feuersicherheit in Betracht, sowie der
Umstand, daß durch die Eiseneinlage eine ausgezeichnete
Verankerung der unter hohem seitlichen Druck stehenden
Wände erreicht wird.
Man teilt die Silos ein in Getreidesilos, Silos für Kohlen’),
Erze, Kalkstein usw. und Silos für Kies, Sand, Steinschlag
und Zement und nach der Ausführung selbst in Zellensilos
und großräumige Silos.
Zellensilos werden vornehmlich für Aufbewahrung
von Getreide verwandt. Sie haben oben eine die Zellen
abschließende Decke, die den Boden des Dachgeschosses
bildet, wo die Fördermittel und Reinigungsmaschinen
untergebracht sind. Unten sind die Behälter durch
9 Torfmull fault und zersetzt sich nicht, ist geruchlos und billig.
>) In besonders umfangreichem Maße sind Silos für Kohlen ausgeführt
worden. Vielfache Nachprüfungen älterer Bauwerke haben ergeben, daß
irgendwelche Zerstörungsersoheinungen ah den von der Kohle berührten
Betonfl&chen nicht vorhanden sind (vgl. Dor Bauingenieur 1920, S. 516).
III. Anwendungen Im Bau von Leitungen und Behältern. 223
Schieber abgeschlossen. Vorteile des Zellensilos: geringer
Platzbedarf, billig in Herstellung und im Betriebe, einfache
Abb. 554.
mechanische Beschüttung und Entnahme. Die einzelnen
im Grundrifl zumeist rechteckigen Schächte erhalten gemäfl
Abb. 554 doppelt bewehrte Scheidewände, da die Biegungs-
beanspruchung derselben verschiedenartig sein kann, je
nachdem der eine Schacht leer und
gefüllt ist oder umgekehrt. Bei Getreide-
silos sind keine besonderen Umfassungs-
wände in Backstein nötig; 8s genügen
zumeist die äußeren, in Eisenbeton
erstellten Zellenwände.
Andere Grundrißformen, mit und ohne
Backstein Verkleidung, zeigt Abb. 555. Eine
besonders vorteilhafte Ausbildung eines
Zellensilos ist aus Abb. 555c ersichtlich;
in der Mitte liegen achteckige und quadra-
tische Zellen und an den Seiten trapezförmige
mit gewölbten Außenseiten. Die Auslauf-
trichter bildet man entweder als hängende
Pyramiden oder durch entsprechende Beton-
schüttung auf dem Boden des Silos. Am
vorteilhaftesten sind achtseitige Trichter.
Abb. 556 zeigt verschiedene Anord-
nungen der Zellenböden:
a) Die Trichter schließen sich dem qua-
dratischen Zellengrundriß an; Aus-
lauföffnung 40-40 cm (Zementsilo);
der danebenliegende
Abb 555.
224 lil. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern.
b) Getreidesilos mit ebenfalls quadratischen Zellen; die Ab-
stützung der Trichter erfolgt hier in anderer Weise;
c) Getreidesilo, dessen Zellenböden paarweise in Neigung gegen
die Längsscheidewände und dessen Ausläufe, ebenfalls paar-
weise, dicht an die Längsscheidewände angeordnet sind;
d) der untere Teil der Zwischenwände ist tragend ausgebildet;
Abb. 556.
e) Feinkohlensilo mit Kanalleitungen für Wasserzuführung. Der
Boden ist hier aus einer kreuzweise bewehrten Horizontalplatte
gebildet; zwischen den vier Ausläufen jeder Zelle ist eine
pyramidenförmige Aufbetonierung (Magerbeton) vorgesehen;
f) auch hier erhält der Horizontalboden zur Erzielung der nötigen
Auslauftrichter eine Aufbetonierung wie bei e;
Abb. 557. Abb. 55S
IlT. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern. 225
einem Backstein-
zeigt die Form-
Gipssilos , bei
Bei dem in Abb. 557 im Längsschnitt darge-
stellten Holzschnitzelsilo werden die großen Trichter-
flächen durch eine eingespanntc Rippendeckc mit auf
dieser errichteten Versteifungswänden unterstützt Der
Silo ruht auf
unterbau.
Abb. 558
gebung eines
welchem der Trägerrost gemäß
Abb. 556 d durch entsprechende
Wandverstärkungen gebildet wird.
Der Silo besteht insgesamt aus
acht Doppelzellen für zusammen
1200 m8 Fassungsraum.
Großräumige Silos
finden namentlich in Gasan-
stalten und industriellen Be-
trieben Verwendung, und zwar in
bewahrung der Kohlen („Kohlenbunker“)« Die Entladung
Abb. 559.
Abb. 5G0.
erster Linie zur Auf-
226 HI. Anwendungen im Bau von Leitungen und Behältern
Abb. M2.
III. Au Wendungen im Bau von Leitungen und Beh<em. 227
kann man zweckmäßig so einrichten, daß sie unmittelbar vor
den» Retorten bzw. Kesseln erfolgt (vgl, Abb. 559), Die Seiten-
wände sind zumeist als Stützmauern’mit Strebepfeilern aus-
gebildet. Als Beispiel einer Bewehrung sei auf Abb. 560
verwiesen. Für die Böden nimmt man Rippenplatten1) und
stützt sie durch Säulen ab, die am besten durchgehende
Fundamentplatten erhalten (Abb. 563). Um möglichst viel
Raum freizubehalten, empfiehlt sich die Verwendung spiial-
umschnürter Säulen. *
Nähere Einzelheiten bietet der in der Abb. 561 u. 563
dargestellte Kohlensilo in Dankmarshausen, eine Ausführung
der Firma Rob. Grastorf, G. m. b. H., Hannover.
Abb. 5G3.
Im Hüttenwesen spielen die
sog. Erztaschen eine bedeutende
Rolle. Nach Abb. 563 sind vier
geneigte Bodenflächen vorgesehen.
Die Querwände tragen in der Mitte
eine Gleisbrücke und an den Seiten
— in vertikaler Fortsetzung — die Rahmenpfosten für die
Überdachung. Bei einer anderen Ausführung (Abb. 564)
ragen die Bodenträger in den Innenraum hinein; auch hier
• sind die Hochbahngleise unmittelbar über die Querwände
hinweggeführt *).
Den Siloausftthrungcn verwandt sind Erzverladerampen, die
dazu dienen, die vom Schacht mit der Bahn ankommenden Rohstoffe
1) Böden mit ob inliegenden Rippen haben den Vorteil, daß die Platte
an den Stellen der Größtmomentc (über den Stützen) zweckmäßig unten
liegt und daß die Platten durch die Rippen insofern etwas entlastet werden,
als sieh die Füllmassen in der Hauptsache auf den Rippen festlagprn.
2) Derartige Erzsilos, wie sie die Abb. 5B3 u. 584 zeigen, sind z. U. von
der A.-G. Wayss & Freytag in großer Zahl ausgeführt; vgl. auch Handbuch
für Eiscnbetonbau. 2. Aufl. 12. Bd., 8. 78.
15*
228
111. Anwendungen Im Bau von Leitungen und Behältern.
-560
«* -330
Schnitt
ou-b
Abb. 565.
in die einzelnen laschen
zu stürzen und auf diese
Weise unmittelbar in die
untenstehenden Eisen-
bahnwagen zu verladen.
Die Abb. 565 zeigt eine
Ausführung der Firma
R. Grastorf, Hannover,
und zwar mit festem und
beweglichem Auslaufende.
Efsenbahng’üterwagen
wurden in Italien bereits
in Eisenbeton
vor dem Kriege gebaut; nach dem Kriege
wurden solche auch in neutralen Ländern
sowie in Amerika in den Verkehr gebracht. Sie erscheinen zunächst
vornehmlich für den Privatverkehr im Bereiche eines Fabrikgeländes
empfehlenswert; die Bahnbehörden bestehen zumeist noch auf Ein-
haltung der üblichen Normalien.
Die Unterhaltung eiserner Wagen erfordert wegen der an-
dauernden Rostbildung ganz erhebliche Kosten. Das rasche Rosten
als größtes Übel scheint hauptsächlich eine Folge der häufigen
Erschütterungen zu sein und wird an stärker gebauten, also
schwereren eisernen Wagen viel weniger beobachtet. Vielfache
mehr monatliche Versuche haben gezeigt, daß hier der Eisenbeton
mit seinem großen Eigengewicht den starken Erschütterungen be-
sonders gut gewachsen ist. Von einer Bruchgefahr kann in höchstens
demselben Maße gesprochen werden, als eine solche bereits bei
jedem gewöhnlichen Eisenbahnfahrzeug besteht (Materialfehler,
Achsbruch, Schienenbrüche). Bei Verwendung von Leichtbeton
wiegt nach Mitteilungen von Kleinlogel (Mitt. 1920, S. 77) ein
Eisenbetonwagen im beladenen Zustand nur etwa 7 vH. mehr als
ein eiserner Wagen. Im übrigen ist das Eigengewicht des Eisen-
betonwagens infolge des durch ihn bedingten — an sich aber ge-
ringen — Mehrverbrauches an Betriebsstoff (Kohle) anscheinend
der einzige Nachteil der neuen Bauweise. Dem steht der erheblich
geringere Eisenverb rauch sowie die größere Wirtschaftlichkeit gegen-
über. Entfällt eine innere Verblechung, so können sich die Eisen-
betonkasten, serienweise hergestellt, um 50 bis 70 vH. gegenüber
den eisernen Kasten verbilligen. Außerdem wird man die Aus-
besserungskosten in hohem Maße vermindern können; die Wagen
IH. Anwendungen im Ban von Leitungen und Behältern. 229
werden dem Verkehr viel weniger oft und auch viel weniger lange
entzogen und leisten somit mehr finanziell nutzbare Frachtkilometer.
Abb. 566 zeigt den Quer-
schnitt eines offenen Güterwagens
von 15 t Ladefähigkeit der Deschi-
wag, Berlin W 9. Der in Abb. 567
gezeigte Wagen wurde am 27. Mai
1920 in Dienst gestellt und legte
in den ersten sechs Monaten an
5000 km zurück, ohne daß der
Kasten irgend eine Ausbesserung
erfordert hätte.
Über eine sehr beachtenswerte praktische Erprobung eines
Eisenbetonkohlenwagens in Österreich wird in B. u. E. 1920, S. 75
Abb. 567.
u. 127 berichtet (Vgl. außerdem B. u. E. 1920, S. 52, 58, 237 und
1921, S. 6 sowie Mitt 1920, S. 6S u. 75.)
230
IV. Anwendungen im Wasser- und »Schiffsbau.
IV. Anwendungen im Wasser* und Schiffsbau.
Wehre dienen zur Hebung des Wasserspiegels und haben
die Aufgabe, Wasserkräfte für gewerbliche Anlagen zu gewinnen
oder eine Bewässerung der oberhalb des natürlichen Wasser-
Spiegels gelegenen Gebiete zu ermöglichen. Ebenso werden
Wehre für Fhißkanalisationen verwandt
Was die Ausführung im allgemeinen anlangt, so empfiehlt
es sich, die Druckkraft des Wassers — senkrecht zur unter-
stützenden Fläche — zur Erhöhung der Standfestigkeit des
Bauwerks mit heranzuziehen. Man erreicht dies durch
Schräglegung der Druckfläche (Abb. 568). Größere, vom
Wasser mitgeführte Körper können auch dann die Krone
nicht so leicht beschädigen* 1).
Aus Abb. 568 ist die
Formgebung eines Wehres
in Theresa (New York) er-
sichtlich. Eine 15 cm starke
Eisenbetonplatte (1:2:4)
wird in Entfernungen von
1,83 m 'durch Betonpfeiler
gestützt. Die Krone ist
----660 —
Abb. 568.
-630—
Abb. 5G9.
durch einen kräftigen Balken verstärkt worden. Zu den Pfeilern, die
mit 90 cm langen und 3,2 cm dicken Bolzen im Felsen verankert sind,
wurde eine Mischung 1:3:6 verwandt.
Abb. 369 zeigt ein Beispiel, wie ein bestehendes gemauertes
Wehr bei stärker werdendem Wasserverbrauch durch Eisenbeton in
einfacher Weise erhöht und hinreichend standfest gemacht werden
kann. Die eisenbewehrte Platte ist durch Strebewände in 2,5 m
Entfernung gestützt worden. Die einzelnen Kammern stehen unter-
halb des gewöhnlichen Wasserspiegels durch rechteckige Öffnungen
miteinander in Verbindung, während unmittelbar unter der Krone
kleine runde Öffnungen zur Fortleitung der beim Steigen des
Wassers nach oben gedruckten Luft angeördnet sind. In der dem
i) Eino Lotrcchtstellung der Druckfläche wurde sehr kräftige Ver-
steifungen erfordern, um einem Horizontalversehieben des Wehres vorzu-
beugen. Außerdem ist eine Beschädigung der Krone durch mitgeführte
scharfkantige Körper sehr leicht möglich.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
231
Ufer zunächst gelegenen Kammer ist dann ein Rohr angebracht,
welches die Luft' ins Freie ftlhrt1).
Die Formgebung eines massiv •ausgeführten Standamm6S in
San Diego (Kalifornien)
laufende^ Eisenblech von
eingebettet und stützt
sich auf einen Fundament-
block. Die Eisenverstär-
kung des Betone dient
hier also gleichzeitig zur
Dichtung des Dammes.
ist aus Abb. 570 ersichtlich. Ein durch-
1,5 mm Stärke ist vollkommen in Beton
Abb. 570.
Über Turbinenkammern vgl. S. 158.
Uferdeckungen sollen dem Erdreich Schutz gegen
starken Wellenschlag gewähren. Bei Verwendung von Stein
ist immer die Gefahr vorhanden, daß die Fugen mit der Zeit
ausgewaschen werden. Deshalb ist es vorteilhafter, durch-
gehende Platten aus Beton oder Eisenbeton zu verwenden,
die durch eingerammte Spundwände gestützt oder doch
wenigstens verankert sein müssen, damit keine Unterspülung
der Deckung eintreten kann. Uferbefestigungen an der See
erfordern natürlich größere Mittel zur Herstellung und Unter-
haltung als die Uferbefestigungen an Kanälen und Flüssen.
Abb. 571 veranschaulicht eine Ufer-
deckung nach Bauweise Möller, Eine
durch Drahtnetzeinlage verstärkte Beton-
platte ist durch Erdanker am Erdreich
befestigt. Die Anker werden in der
Weise her gestellt, daß man zu-
nächst mittels eines Eisendornes
von 4 ein Durchmesser ein Loch
schafft, in dieses dann einen Draht
steckt und das Loch schließlich
Abb. 671.
>) Es wäre vielleicht vorteilhafter gewesen, die Plattenwand vollkommen
zu schließen und statt der Kammeromteilung eine Ausfüllung des Hold-
raumes vorzunehmen.
232
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
mit Zementmörtel ausftillt. Das obere Drahtende verbindet man
dann mit deip Eisennetz. Teilfugen in Entfernungen von 2,5 m ver-
hindern die Bil-
dung von Rissen.
Eine Ufer-
befestigung (in
Stettin) aus zu-
sammensetzbaren
Eisenbetohstticken,
die gegebenenfalls
nach einer Setzung
wieder von neuem
können, zeigen
Die Fugen wurden
Zement vergossen
Abb. 572 u. 573.
verlegt werden
Abb. 572 u. 573.
nachträglich mit
(vgl. B. u. E. 1910, S. 141).
Eine Seeböschung aus bewehr-
tem Beton nach Bauweise Muralt ist
im fang
in Abb. 574 dargestellt. Treppenförmig ausgescblitzte Balken, die
die Abdeckplatten zu tragen haben, sind durch Erdanker a befestigt
Die Platten selbst können bei kleineren Ausführungen gemäß Abb. 57$
Abb. 574.
Abb. 575.
quadratisch sein und nach dem fertigen Verlegen abwechselnd durch
Anker mit konischem Kopf befestigt werden.
Auch bei Flußregulierungen und beim Bau von Häfen
und Schiffahrtskanälen gelangt der Eisenbeton zu immer
höherer Bedeutung. Schleusen, Befestigungen von Flußsohlen,
Ufersicherungen, Molen, Kaimauern, Landungsstege, Buhnen,
Wellenbrecher, Leuchttürme usw. bieten, aus Eisenbeton her-
gestellt, mannigfache praktische und wirtschaftliche Vorteile.
Über Kaimauern vgl. S. 194.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
233
Abb. 576 zeigt den Bau eines Landungssteges, 4)ei welchem
•einzelne Pfahlgruppen durch Streben miteinander verbunden sind.
Die Pfähle stehen in 3 m
9 Entfernung und sind durch
vier Eisenstäbe verstärkt.
Abb. 577 zeigt die Gründung eines Seesteges durch eine
doppelte Reihe Säulen von hohlem, zylinderförmigem Querschnitt
mit verbreitertem Fußgestell. Diese Brunnen1), welche einen Durch-
messer von 2,5 m und eine Wandstärke von 8 cm haben, sind mit
Sand gefüllt und mit einer Tonschicht abgedeckt. Brunnenhöhe
8,75 m; Brunnenabstande in Längsrichtung 5 m, in Querrichtung
6,5 m. Querbalken von 30 cm Dicke und 1,2 m Mindesthöhe ver-
binden je 2 Brunnen in Querrichtung und tragen eine ebene, 32 cm
starke Deckplatte. Der Abschluß an der Landseite erfolgt durch
eine Spundwand. An der Seeseite des Steges ist eine Schutzplatte
vorgesehen.
Senkkasten (Schwimmblöcke) in Eisenbeton finden
zweckmäßige Anwendung beim Bau von Kaimauern. Die
Blöcke werden auf Hellingen oder in Trockendocks her-
gestellt, nach erfolgter Erhärtung ins Wasser gelassen
und durch Dampfer an Ort und Stelle geschleppt, nach-
dem vorher der Grund geebnet und entsprechend vor-
bereitet wurde (Steinschüttungen u. dgl.). Die Kasten
werden dann versenkt, mit Beton’) oder Sand angefüllt
J) Uber Brunnengründungen vgl. S. 175.
*) Für den Füllbeton kann man etwa 200 kg hydraulischen Kalk auf
1 cbm Sand verwenden.
234
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
und schließlich nach Maßgabe der Abb. 578 mit Erd- und
Sandmassen hinterfüllt.
Abb. 578.
Man erspart also teure Ramm-,
Brunnen- oder Preßluftgründungen
und kann den ganzen Baukörper
bei genauer Überwachung aller
Einzelarbeiten an Land herstellen.
Auch wird die Gesamtbauzeit wesent-
lich abgekürzt.
Abb. 579 zeigt den Querschnitt durch eine fertige Kaimauer
in Kopenhagen (B. u. E. 1918, S. 32) und Abb. 5S0 drei verschiedene
Stadien der Absenkung. Die Kasten
haben bei etwa 10 m Höhe und
5 m Breite die bedeutende Länge
von 50 m.
Abb. 579.
Abb. 5S0.
Eine andere Ausführungs-
weise zeigen die in Abb. 581
dargestellten, nur 10 m langen
Schwimmkasten für eine Kai-
mauer in Talcahuano (Chile).
Nach Art der Winkelstützmauer
(vgl. S. 1S7) wird die hinter der
Mauer angebrachte Steinschüt-
tung, die zunächst den Druck
Abb. 581.
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
23.5
der Hinterfiilhing verringern soll,
gleichzeitig auch zur Belastung
der Grundplatte herangezogen.
Abb. 582 veranschaulicht einen
auf Wagen gesetztet Block fertig
zum Ablaufen und 583 den Block
in schwimmendem Zustande auf
dem Wege zur Verwendungsstelle.
Abb. 582.
Linie a—b in Abb. 581
kennzeichnet die Schwimm-
lage. Das Aufrichten der
Blöcke am Bauort erfolgte
durch einen Schwimmkran
und das Versenken durch
Wassereinpumpen. Abb. 588.
Schiffe in Eisenbeton kommen in erster Linie dann in
Betracht, wenn viel Raum erforderlich ist und die Geschwindig-
keit keine große Rolle spielt. Schiffe in Eisenbeton gestatten
eine beträchtliche Eisenersparnis, sind von langer Lebens-
dauer, bieten einen hoheh Sicherheitsgrad, erfordern sehr
geringe Unterhaltungskosten und keinerlei Anstriche und sind
widerstandsfähig« gegen alle Stoßwirkungen. Nötigenfalls
lassen sie, sich leicht ausbessern, da es sich bei Beschädi-
gungen größtenteils nur um Rissebildungen, nicht aber um
offene Löcher handeln würde. Die Herstellung eines Eisen-
betonschiffes erfolgt mit Hilfe weniger Arbeitskräfte und geht
schnell vonstatten. Man beschränke sich aber auf den Bau
nur einiger bestimmter Typen. Die Außenflächen lassen eine
nur geringe Bewachsung zu; ein Glattputz verhindert nicht
nur das Bewachsen mit Algen, sondern auch den Bewegungs-
widerstand. Die Herstellung ist überall möglich. Nachteilig
ist — namentlich bei Flußschiffen — das große Gewicht,
sofern kein Leichtbeton (Beton mit Traß, Hochofenschlacke,
Bimskies, Schlackenlava usw.) Verwendung findet. Für See-
schiffe dagegen kommt die bei Flüssen übliche beschränkte
Wassertiefe nicht in Frage, weshalb hier — zur Erreichung
größerer Festigkeiten — auf die Verwendung von Leichtbeton
verzichtet werden kann.
23G
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
Bei gleicher Tragfähigkeit den anderen Schiffen gegenüber
müssen also hier die Abmessungen des Schiffskörpers vergrößert
werden. Man kann den Schiffskörper durch Querschotten in
wasserdichte Abteilungen zerlegen. Kräftige Längsversteifungen
sorgen für die nötige Widerstandsmöglichkeit beim Stapellauf
sowie bei späteren einseitigen Belastungen oder ungünstigen Stoß-
einwirkungen.
Die Wandstärken sind nur sehr gering: sie zwingen zumeist
zur Herstellung nach dem Gußverfahren zwischen Schalung. Wichtig
ist natürlich die richtige und sorgfältige Zusammensetzung einer
durchaus dichten und fetten Mischung des Betons zur Erzielung
einer einwandfreien Wasserdichtigkeit, am besten bei Traßzusatz.
Traß steigert die Elastizität des Betons und seine Unempfindlichkeit
gegen den Einfluß der Salze und Säuren des Meerwassers. Traß
kommt also vor allem für die wasserdichten Teile in Betracht,
während sich ein Bimszusatz vornehmlich für die nicht wasserdichten
Teile zur Verringerung des spezifischen Gewichtes empfiehlt.
Nach Mitteilungen Empergers in B. u. E. 1918, S. 18, wird
bei einem Schiff von rooo t Gehalt das Gesamtgewicht bei voller
Ladung eines Eisenschiffes etwa 1500 t und das eines Eisenbeton-
schiffes etwa 1625 t ausmachen, und zwar wegen des um etwa 25 vH.
größeren Eigengewichtes des Eisenbetonschiffes.
Der Schiffsbau in Eisenbeton reicht bis zur Mitte des vorigen
Jahrhunderts zurück. Noch 1904 stand ein Boot aus Eisenbeton in
Benutzung, das 1854 von Lambot erbaut worden war. Ein im
Jahre 1887 in Holland erbautes Boot ist noch heute in gebrauchs-
fähigem Zustand. Die Firma Gabellini in Rom befaßt sich seit
1896 mit dem Bau von Eisenbetohschiffen. Die größten Ausführungen
finden sich in Amerika mit seetüchtigen 7000-t-Schiffen.
Im November 1920 ist auf einer Rendsburger Werft der erste
deutsche Motorsegler in Eisenbeton (Tragfähigkeit 220 t, Länge
33»5 Breite 8 m, Seitenhöhe 3,35 m) glatt vom Stapel gelaufen.
(Vgl. B. u. E. 1921, S. 15.)
Abb. 5S4 zeigt Längenschnitt und Grundriß eines im Jahre
1910 erbauten Pontons einer Flußbadeanstalt in Mannheim. Es
sind 7 wasserdichte Schotten mit je einem Mannloch in der Decke
vorgesehen. Die. Berechnung ergab einen Querschnitt des Pontons*
von 1,50 m unterer Breite, 1,55 m oberer Breite und einer Höhe
von 1.27 m von Unterkante Boden bis zum Scheitel des etwas ge-
IV Anwendungen im "SVaAser- und Schiffsbau.
237
Abb. 554.
Betonmischung: i Teil Zement + 3 Teile Rheinsand + 3 Teile Bims-
kies. (Vgl. Mitt. 1910, S. 49->
Abb. M3.
Abb. 5S5 zeigt einen Blick in den Lastraum des Mittelschiffes eines
53 m langen und 8,20 m breiten Getrcideleichters mit einer Nutzwasser-
verdrängung ton 500 t bei 2,30 m Tiefgang. (Vgl. B. u. E. 1920, S. 7.)
Querschnitte verschiedener Schiffsausführungen bietet die Abb. 586,
und zwar handelt es sich um die folgenden Bauten:
a) Donaukahn von 60m Länge und 2,25m Tiefgang bei 670t Ladung:
Wände, außen und innen mehrmals mit Incrtol gestrichen. Aus-
führung: Wayss u. Freytag, A.-G. (Mitt. 1919, S. 153.)
b) Schute von, 2i m Länge. 75 t Tragfähigkeit; Spantenentfernung
i m. Ausführung: Eisenbetonschiffbau G. m. b. H. Hamburg.
(Mitt. 1919» S. 143-'
IV. Anwendungen im Wasser- und Schiffsbau.
c- Rheinschiff von 525 t Tragfähigkeit, bei 2,15 m Tiefgang und
55,6 m Länge. Ausführung: Dyckerhoff u. Widmann, A.-G.
(Mitt. 1920, S. 106.)
d) Kiesschiff mit 35-PS-Benzinmotor; njnd 26 m lang; Geschwin-
digkeit bei Belastung mind. 7V2 km in der Stunde. Aus-
führung: Ed. Züblin u. Co. (B. u. E. 191S, S. 40.)
e) Leichter für Kttstenschiffahrt von 17,50 m Länge und 150 t
Ladefähigkeit. Tiefgang im vollbeladenen Zustand 2,60 m.
(Vgl. B. n. E. 1918, S. 69.)
Abb. 687.
Abb. 587 bietet den Längsschnitt eines in Norwegen erbauten
6oo-t-Seedampfers von 44 m Länge, mit einem 320-PS-Antriebsmotor.
(B. u. E. 1918, S. 89.)
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
239.
V. Sonstige Anwendungen ttn Hoch« und
Tiefbau.
a) Land- und forstwirtschaftliche Bunten«
Die hierher gehörigen Bauten müssen in erster Linie
feuersicher sein, da sie von anderen Wohnsitzen entfernt
liegen, ein rechtzeitiges Zuhilfekommen beim Brande also
schlecht möglich ist. Die Herstellung derartiger Bauten aus
Eisenbeton geht schnell vonstatten, während Ziegel- und
Bruchsteine oft meilenweit hergeholt werden müssen. Auch
sind die Unterhaltungsarbeiten nur geringfügiger Art.
Stallungsbauten zeigen keinen Rost und — wenn poröse
Betonrohstoffe verwandt werden — auch kein Schwitzen der
Wände, kein Kondensationswasser bei niedriger Außen-
temperatur. Stallbauten in Eisenbeton ermöglichen peinlichste
Sauberkeit. Bei Doppelständen erübrigen sich die sonst* in
det Regel notwendigen, den Verkehr und die Stallarbeiten
störenden Säulen im Mittelgang. Verwendet man Isolier-
decken (vgl; S. 24), so dringt der Stalldunst nicht in den
Bodenraum, kann also #das dort aufbewahrte Futter nicht
verderbenx).
Für Scheunenbauten, und zwar sowohl für Neubauten als
auch behufs Umkleidung alter offener Feldscheunen, ist die
Eisenbetonbauweise ebenfalls gut geeignet. Wenn sich auch
in den meisten Gegenden Deutschlands die Baukosten etwas
teurer stellen als für einfache Holzscheunen, so sind sie doch
stets billiger als massive und Fachwerkscheunen, trotzdem auch
hier alle Vorzüge des Massivbaues geboten sind. Den Massiv-
und Fachwerkscheunen wird auch von vielen Landwirten
der besondere Nachteil einer mangelhaften Lüftung bzw.
Austrocknung des naß eingefahrenen Halmes vorgeworfen,
was durch die dünnen Wände, die genügenden Luft-
1) Ist die Erstellung einer Hobldeoke nicht zu ermöglichen, so empfiehlt
sich ein zweimaliges Bestreichen der Stampfdecke mit (Joudron, eine Lage
Isolierasphaltpapne oder eine Vs cm starke Ghißaaphaltscbicht und darauf
schließlich eine 5 bis 6 cm starke Schicht Kalkschlackenboton. Die Feuchtig-
keit des Betons kann wegen der Isolierschicht an den Schlackenbeton nicht
abgegeben werden, und dieser wiederum verhindert als schlechter Wärme-
leiter ein Tropfen der Decke.
240
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
wechsel gestatten, vollkommen vermieden wird. Nicht zu
vergessen ist auch der Umstand, daß die Scheunen feuer-
sicher und rasch herzustellen sind. Die Versicherungsprämien
für den Bau wie für den Inhalt sind dementsprechend auch
gering.
Landhäuser nach gleicher Bauart erhalten doppelte
Außenwände mit einer Isolierschicht von 13 bis 20 cm Stärke,
welche hohl bleiben oder mit schlechten Wärmeleitern, wie
Asche, Torfstreu, Sägemehl, Kieselgur oder Strohlehm, aus-
gefüllt werden können1).
Auch Grenz- und Obstspaliermau ent werden in Eisenbeton
vielfach ausgeführt. Sie bieten den Vorzug, daß die zwischen den
Stielen freitragenden Wände den Wurzeln des Spalierbaumes ge-
statten, sich nach allen Seiten frei und ungehindert auszubreiten,
also freien Wurzeldurchgang ermöglichen. Einfriedigungsmauern
sind bereits auf S. 182 besprochen worden. Billiger gestaltet sich
die Verwendung von Zaunpfählen mit dazwischen gespannten
Drähten. Die Pfahle werden fabrikmäßig hergestellt, in •liegenden
Formen eingestampft und nach genügender Erhärtung in den Boden
gesetzt. Die Eckpfosten sind
Abb- 588.
11 nach beiden Seiten hin genügend
zu verspreizen (Abb. 588).
Abb. 5S9 zeigt die Aus-
Eisenbeton mit einer Schaft-
J stärke 10 X 10 cm. Der Kragarm hat einen
1 Ösenansatz für den Spanndraht. Für den
1 Fall, daß die Rebe höher wächst, ist die
1 Möglichkeit zum Aufschrauben einer Fortsotz-
n_____Stange gegeben. Kleine Stützmauern im Wein-
l^^bau können, sofern die Berge gegen Süden
t liegen, nach Ausweis r
.1 der Abb. 590 über- V
Abb. 580.
hängend ausgeführt
werden. Gegenüber
einer vollen Bruchsteinwand wird an Ge-
lände gewonnen. Etwa am Ort vorhandener
’) Vgl. s. 257.
Abb. 590.
V. Sonstige Anwendungen im Huch- und Tiefbau.
241
Abb. 591.
Bruchstein kann ab Fundament für kleinere Stützmauern Verwendung
finden (vgl. B. u. E. 1915, S. 152).
Futterkrippen (vgl. Abb. 591) und Viehtränken sowie Box-
und Scheidewände aus Eisenbeton haben sich
bestens bewährt, ebenso Dung- und Jauchrgruben,
Wasser- und Pflanzenkübel sowie Kläranlagen
(B. u. E. 1920, S. 33).
b) Straßen- und Elsenbahnbuu.
Eisenbetonschwellen werden bereits in
größerem Umfange angewandt. Sie sind
zwar schwer1), brauchen aber nicht viel fort-
bewegt zu werden, da man sie am Verwendungsort her-
stellt. Sie sind äußerst biegungsfest, dauerhaft, wetter-
beständig, bei größerer Lieferung auch billig und erfordern
weder Verputz noch Unterhaltungskosten. Allerdings kann
Abb. 593.
nicht bestritten wer-
den, daß die Her-
stellung einer ver-
läßlichen Schienen-
befestigung zu-
meist recht schwie-
rig ist, zumal die
Schwellen in Eisenbeton wenige Elastizität beim Befahren
zeigen.
Eisenbetonschwellen sind in erster Linie für Klein-
x) Das große Gewicht bedeutet ander* eite eine Vermehrung der Stabilität
des Gleises und verbürgt eine ruhige Gleislage. Schwellen in Eisenbeton
gewähren also auch eine größere Betriebssicherheit wie hölzerne oder eiserne
Schwellen.
Kersten, Der Eisenbetonbau. II. 11. Auf).
IG
242
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
Bahnstrecken zu empfehlen. Einmal sind dort die Abmessungen
kleiner; das Schwellengewicht ist also geringer. Und zweitens
sind die Schläge der Räder infolge geringer Fahrgeschwindigkeit
unbedeutender, so daß der eben angegebene Nachteil der
geringen Elastizität mehr in Fortfall kommt.
Die Schwelle der A.-G. Dyckerhoff u. Widmann ist in den
Abb. 592 bis 594 dargestellt. Sie ist 2,60 m lang, 24 cm breit und
16 cm hoch. In Schwellenmitte ist der Querschnitt _L-förmig. Zur
Schienenbefestigung dienen imprägnierte Holzdübel in Form eines
Pyramiden stumpfes, die infolge ihrer Größe jede Spurerweiterung
zulassen. Eine Spiralumwicklung der Dübel hat sich als zweckmäßig
erwiesen. Die in den Abbildungen dargestellte Schwellenart ist für
einen Raddruck von 8 t berechnet. '
Eine andere vielfach zur Anwendung gekommene Schwellenart
ist die Asbestonschw eile der Firma Rud. Wolle; bei dieser ist
der Zementbeton am Schienenlager durch Asbestbeton1) ersetzt.
Vgl. weiterhin den Aufsatz von Dr. Bastian -Neue Erfahrungen
mit Eisenbetonschwellen“, B. u. E. 1913, S. 78 u. 107. ‘Über gute
Erfahrungen mit Eisenbetonschwellen wird u. a. in der Schweizer
Bauzeitung vom 14. August 1920 berichtet.
Eine Verladebühne aus fabrikmäßig hergestellten Balken
vgl. S. 39) zeigt Abb. 595. Die Böcke stehen in 5 m
Abb. 595.
Abstand. Zur Ab-
deckung wurden
Stampfasphaltplatten
verwendet.
Die Anlage von
Reinigungsgruben
Abb. 596.
>) Neben dem langfaserigen Asbest aus Nordamerika und Sibirien
wird neuerdings auoh der kurzfaserige Asbest aus Thüringen wirtschaftlich
verwertet. Spez. Gewicht 2 bis 3. Asbest ist feuerbeständig (bei 1000° nur
geringe Veränderung), säurefest und hat ein geringes Wärmeleitvermögen.
V. Sonstige Anwendungen im Hoch» und Tiefbau.
243 •
(Putz-, Revisionsgruben) für Wagenhallen und Lokomotiv-
schuppen ist aus Abb. 596 ersichtlich.
Nach Abb. 597 ruhen die Schienen
*8 /
—100
। Sc/m/tta-b
n L
7/18 T*
\Aofr
wie bei Abb. 596
auf Böcken aus
Eisenbeton mit
verbindendem
Querbalken.
Ihre Entfernung
in Gleisrichtung
beträgt 1,90 m.
Der Zwischen-
je 2 Gleisen wurde
leicht abnehmbaren
-W- -
Abb. 597.
WA
Abb. 598.
Abb. 599.
raufti zwischen
hier mit einem
Dielenbelag überdeckt.
Bei schlechtem Baugrund
’ empfiehlt sich eine kastenartige
Ausführung auf Pfählen mit Erd-
ausftillung der Zwischenräume (Abb. 598). Billiger infolge
der einfacheren Schalung und geringeren Eisenmengen
dürfte eine Ausführung
mit glatten Wänden
gemäß Abb. .411, 598b
sein.
Abb. 599 zeigt die
Binderform eines ring-
förmigen Lokomotivschup-
pens im Rangierbahnhof
Blockland bei Bremen und
Abb. 600 die Gründung
einer Drehscheibe bei auf-
geschüttetem Boden.
10 Pfähle nehmen hier
die Last des Königsstuhles (245000 kg) auf, Vgl. B. u. E. 1916, S. 26.
16*
.*-3t50
Abb. 600.
244
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
Auskragnngen zur Verbreiterung von Straßen über be-
stehende Stützmauern hinaus zeigen die Abb. 6oi u. 602.
Die zuerst genannte
Abbildung zeigt eine
Ausführung, bei
welcher die Ver-
ankerung in einem
kräftigen, hinter
der
den
Abb. 001.
---690—
Mauer liegen-
Betonklotz er-
Abb. 602.
folgt. Es handelte
sich hier um die
Verbreiterung
einerStraße in Ha-
nau, welche durch
eine 4 m hohe
Mauer gestützt ist.
Eine andere
Straß en Verbreite-
rung mit bedeu-
tender Kragweite (5,6 m) ist in Abb. 602 dargestellt. Als
Gegengewicht dient hier eine Eisenbetonankerplatte, welche
5 m tief unter Straßenoberfläche liegt. (Mitt. 1909, S. 97.)
Vgl. auch Kersten, Balkenbrücken, 5. Auflage.
Randsteine (Bordsteine) in Eisenbeton dienen als Ersatz der
teuren Granitbordsteine. Zur Sicherung gegen Anfahren dienen
Schutzschienen in Eisen. Hohlsteine oder Auf-
lösungen in Rippenform gemäß Abb. 603 bieten
den Vorteil eines leichteren Fortbewegens und
Abb. 603. Versetzens. Vgl. weiterhin die Normen ent-
würfe für Bordschwellen und Bordsteine, sowie für Bürger-
steigplatten aus Beton (B. u. E. 1920, S. 176).
c) Industrielle Bauten, Schornsteine.
Bauten dieser Art sind in den vorstehenden Ab-
schnitten schon vielfach behandelt worden; insbesondere
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
245
sei auf die Seiten 87, 95, 97, 102, 121, 159, 182 und 196 ver-
wiesen. Weiterhin sei auf die Abschnitte VIII (Förder- und
Verladebrücken), IX (Überdachte Brückengänge zwischen
Abb. 604.
Häusern), X (Überführung von Rohr- und Kabelleitungen)
in Kersten, Brücken in Eisenbeton, Teil I, 5. Auflage,
aufmerksam gemacht. So veranschaulicht z. B.
die Abb. 604 ein von Ed* Züblin erbautes
Ausziehgleis-Gerüst für eine Siloanlage.
Abb. 605 zeigt die Verwendung von Eisen-
beton-Kransäulen für hölzerne oder eiserne
Dachbinder (siehe
auch S. 88) und
Abb. 606 Ansicht
und Schnitt zu
einem Kühlturm
für 300 cbm
stündlicher Lei-
stung, bei quadra-
tischem Quer-
Md). OCn
246 v- Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau»
Abb. 607.
schnitt. Derartige Kühltürme sind schon in großem Um-
fange und in verschiedentlichster Formgebung zur Ausführung
gelangt1).
In Amerika sind jetzt vielfach Werkzeugmaschinen ans Beton
statt Eisen hergestellt worden (vgl. Dinglers Polytechn. Journal).
Weiterhin sind Arbeiterschränke aus Schlackenbeton hergestellt
worden (kein Ungeziefer, feuerfest, nicht leicht zu erbrechen).
Einen Heiz- und Kochofen aus Eisenbeton zeigt Abb. 607.
Der Unterteil a kann bei Heizung mit Koks, Anthrazit und dergl.
aus feuerfesten
Steinen in feuer-
festem Mörtel
gemauert wer-
den. Die flam-
menberührten
Teile werdener-
forderlichen-
falls mit feuer-
festen Platten
ausgekleidct.
Sonst genügt für
dieAufsatzstÜcke
b, c, d, e ein in-
nererLehinüber-
zug mit Draht-
netzeinlage. Rei-
nigungsöffnun-
gen bei R er-
möglichen die
gründliche
Reinigung aller
Ofenteile. Ge-
wicht des ganzen
Ofens einschl. Lehmausklcidung 300 kg; Zementbedart 40 kg. Soll der
Ofen nur zum Heizen dienen, so bleiben die Einbauten fort, und die
Hohlräume werden als offene Nischen belassen. Vgl. B. u. E.
1920, S. 199.
i) Vgl. u. k. den Bericht über die Verwendung von Eisenbeton beim
Bau von Ruckküblanlagen (Arm. B. 18, S. 123 u. 14t). *
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 247
Schornsteine aus Eisenbeton bieten gemauerten Schorn-
steinen gegenüber mancherlei beachtenswerte Vorteile. Zu-
nächst ist das Eigengewicht wesentlich geringer, mithin auch
keine so breite Sohlfläche erforderlich. Wind und Wetter
sind der Außenseite ebensowenig schädlich wie die heißen
Gase der Innenseite. Schließlich ist auch die Standfestigkeit
gemauerter Schornsteine bei weitem nicht so groß als
diejenige der bewehrten Betonschornsteine, die biegungs-
feste, im Erdboden eingespannte elastische Stäbe darstellen 9.
Ein Klaffen von Fugen kommt hier in Fortfall.
Die Standfestigkeit des Schornsteins ist auch
dann gesichert, wenn die Mittelkraft aus Eigen-
gewicht und Winddruck außerhalb eines be- 1
liebigen Querschnittes wirkt. Die lotrechten ,
Eiseneinlagen, welche die in den verschiedenen | I
Schornsteinquerschnitten auftretenden Zug- und I
Biegungsspannungen aufzunehmen haben, sind in I
Gestalt von schwachen Stäben gleichmäßig im !
Betonkörper verteilt und in Abständen von etwa
50 cm durch Horizontalringe umschlossen. § ।
Abb. 608 zeigt das Aussehen des neuerbauten j--
Schornsteines einer Maschinenfabrik in Darm-
Stadt. Die sonst übliche Verjüngung der Röhre | O
fehlt; in 5- m Höhe ist der Schaft durch die Decke
des Heizraumes gehalten. Vgl.B.u.E. 1913, S. 284. Abb*
Bei größeren Höhen sind die Schornsteine zumeist doppel-
wandig und bestehen aus zwei incinandergesteckten Röhren aus Eisen-
beton. Das äußere Rohr hat den Winddruck aufzunehmen und ist
entsprechend stark bewehrt. Das innere Rohr wird so eingebaut
daß es sich unabhängig vom Außenrohr unter den Einwirkungen der
heißen Gase ausdehnen kann2).
i) Bei Eisenbeton-Schomsteinen ist wegen der Blegungsfestigkcit eine
fünf fache Bruchsicherheit leicht zu erreichen; bei gemauerten Schornsteinen
hat man gewöhnlich nur zweifache Sicherheit.
3) Durch die meist einseitige Zuführung der Rauchgase ist eine un-
gleiche Wärmewirkung in der Nahe der Rnuchkanal-Einmiindungcn bedingt.
Eino gleichmäßige Erwärmung der Schomsteinwände tritt ein. nachdem die
Rauchgase eine zentrale Aufwärtsbewegung angenommen hoben. Deshalb ist
auch eine Höherführung des inneren Mantels über ein gewisses Maß hinaus
zwecklos.
248 Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
Nach Abb. 609 trägt ein
23 m hoher Eisenbetonschornstein
mit Hilfe von 8 Kragbalken einen
Wasserbehälter von so cbm Inhalt
(vgl. auch Abb. 519). Der Behälter
ist von einer Ziegelwand umgeben
und durch Torfmull gegen Einfrieren
geschützt. Der Schorn steinschaft
selbst ist auf 15 m Höhe mit Scha-
mottesteinen ausgekleidet und durch
einen Luftschacht isoliert (B. u. E.
1916, S. 27).
Brenzinger u. Cie., Freiburg i. B.,
führen Schornsteine aus einzelnen
zylindrischen Trommeln aus
(Mitt. 1920, S. ioi).
Weiterhin vgl. „Neuere Ausführungen und Erfahrungen mit
Eisenbeton-Schornsteinen“ (Mitt. 1914, S. 36 u. 42) sowie B. u. E.
1914, S. 93 u. 227.
d) Maste.
Telegraphenmaste aus Holz leiden unter dem Einfluß
der Witterung, haben also eine kurze Lebensdauer. Infolge
der Erdfeuchtigkeit werden zuerst die unter der Erde liegenden
Teile faul, so daß schließlich der ganze übrige Pfahl, selbst
wenn das Holz an sich noch gesund ist, wertlos wird.
Besser ist es schon, den Holzpfahl an seinem unteren Ende
mit Teer zu bestreichen, dann in ein geräumiges Loch auf
einen flachen Stein zu setzen und ihn mit einer festgestampften
Schicht Beton zu umgeben. Vorteilhafter jedoch ist die voll-
kommene Herstellung des Pfahles in dauerhaftem und wetter-
festem Eisenbeton.
Abb. 610 zeigt die Formgebung eines Telegraphenmastes nach
Bauweise Wolle (Saxoniamast). Die Maste sind im allgemeinen
mit rechteckigem Querschnitt hergestellt. In der Längs- und Quer-
richtung ist eine Rundeisenbewehrung vorgesehen, während in der
neutralen Zone Aussparungen vorhanden sind, die nicht nur eine
Baustoff- und Gewichtsersparnis bedeuten, sondern auch verursachen,
daß der Mast dem Winde eine geringere Angriffsfläche entgegen-
setzt und schließlich auch eine Besteigung der Maste ohne weitere
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau. 249
Hilfsmittel ermöglicht. Die Aufstellung* der Maste erfolgt in der
Weise, daß die Längsseite in der* Richtung der größten Beanspru-
chung liegt Die Herstellung er-
folgt in hölzernen oder eisernen
Formen, gegebenenfalls in der
Nähe der Verwendungsstelle.
Siegwart (Zürich) sowie die
Schleuderwerke1) stellen
TTohlm asten fabrikmäßig her.
Die Arbeitsmaschinen gestatte-
ten jede konische Verjüngung
und jede Länge. Die Wand-
stärken schwanken zwischen
2,5 und 5 cm. Der Querschnitt
ist ringförmig.
Ein Beleuchtungsmast in
Eisenbeton ist in Abb. 611
dargestellt. Zur nachträg-
lichen Einziehung der elek-
trischen Kabel ist in der
Längsachse ein Gasrohr mit
einbetoniert worden. Die
Säulen wurden scharriert,
die Bänke an der Oberseite
geschliffen, geglättet und
poliert. Die Arme für die
Bogenlampen wurden aus
Schmiedeeisen gefertigt.
e) Bauten für sportliche
r/wAnlr
Abb. 611.
und wissenschaftliche
Abb. 612 zeigt die Formgebung eines Kurven-
rahmenbinders mit eingebauter Radfahrkabine für die Rad-
rennbahn in Zürich. Die Platte ist 6 cm stark. Zum Aus-
gleich der Neigung bis auf die Horizontale dient eine untere
Ausrundung. In statischer Beziehung hat man es mit einem
i) An Schleudermastun sind von Dyckorboff u. Widmann in Cosschnndu
bei Dresden bis zum Jahre 1919 rund 86 000 Stück hergesteilt worden. Vgl.
au oh S. 60.
250
V. Sonstige Anwendungen im Hoch- und Tiefbau.
Dreieckrahmen mit Kragarm zu tun. Die Neigung der
äußeren Stiele ist der ungünstigsten Resultierenden der
Abb. 612.
Abb. 613.
angreifenden Kräfte angepaßt. Bei
schlechterem Baugrund wäre natürlich
ein Zugband nötig gewesen. Die volle
Sonnenbestrahlung machte die An-
bringung mehrerer Dehnungsfugen er-
forderlich.
Auch zur Schaffung künst-
licher Berge in Tiergarten eignet
sich der Eisenbeton, wie Abb. 613
zeigt, in hervorragender Weise. Die
Abbildung stellt einen Binder für die
Tigerschlucht im Budapester Tier-
garten dar; der Auslegerarm rechts
ist in der Stützmauer verankert
Nach ähnlichem Grundgedanken
können auch Denkmäler in Eisen-
beton hergestellt werden.
f) Bergbau.
Die Vorteile des Eisenbetons für Auskleidung der
Schächte und Strecken sind: schnelle Fertigstellung, Wasser-
dichtigkeit, guter Anschluß
ans Gebirge, große Wider-
standsfähigkeit bei geringen
Wandstärken. Neben den
Schachtausbauten kom-
men noch bergbauliche
Anlagen über Tage, wie
Kühltürme, Fördertürme,
Gebäude, Flugstaubkanäle
usw. in Frage.
Abb. 614 zeigt einen
Schachtausbau in Eisenbeton.
Der freie Raum zwischen dem
Gestein und der 10 cm starken wasserdichten Eisenbetonwand ist
mit Magerbeton ausgefüllt
Anhang.
251
Anbang.
1» Neuzeitliche Wandansführnngen im Hochbau1).
a) Allgemeines.
Die Wohnungsfürsorge ist eine der wichtigsten und dringendsten
Aufgaben unserer Zeit. Es bestehen vor allem große Schwierig-
keiten in der Brennstoffbeschaffung. Das erstrebenswerte Ziel ist
in jedem Falle: ein Haus aus Wänden mit richtiger Wärme-
isolierung, das sich bei geringem Kohlen verbrauch gut
heiztl 2), dessen Einzelteile zu ihrer Herstellung wenig
Kohle und wenig Transport benötigen und das nach
Fertigstellung sofort beziehb ar ist. Bisher hat man auf
eine gute Wärmahaltung im Wohnhausbau nur wenig Wert gelegt,
hauptsächltch aus dem Grunde, weil die beim Ziegelbau üblichen
• Wandstärken, die weit Über das statisch erforderliche Maß hinaus-
gehen, in den meisten Fällen genügenden Schutz boten und — weil
es Kohlen billig und ausreichend gab. Die Verhältnisse haben sich
geändert. Man muß nach Bauweisen suchen, die eine geringere
Wärmeleitungszahl besitzen, um trotz der Ersparnis an Baustoff —
man will im allgemeinen nur so viel verwenden, als statisch unbedingt
erforderlich ist — eine ähnliche oder gar bessere Wärmehaltung zu
erzielen, als solche den Ziegelwänden eigen ist.
Die Ziegelhersteliung wird durch Kohlenknappheit und Trans-
portnot sehr erschwert, bedingt auch viel Arbeitslöhne. Bespielsweise
würde man für 200 qm Wand von 38 cm Stärke 30000 Ziegelsteine
benötigen, deren Brennen rd. 9000 kg Kohle erfordert. An Ambi-
steinen wären nur 2600 Stück nötig (also 27 400 Steineinheiten weniger)
und zum Brennen des Zementes 2500 kg Kohle. Man ist also imstande,
l) Vgl. hieran auch ..Sparsames Bauen- (Druckschrift Nr. 4 des Reichs-
kormnissars f. Wohnungswesen. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn), »Die
Volkswohnung“ (Zeitschrift. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn), „Sparsame
Bauweise“ (Zeitschrift dos Reichsverbandes zur Förderung spars. Bauweise,
Verlag von R. Messe, Berlin).
Boi Bearbeitung der folgenden Kapitel sind dem Verfasser die Herren
Obering. Gaßner, Reg.-Baumeister Halle und Dipl.-Ing. von Schwarz«-
In dankenswerter Weise behilflich gewesen.
2) Sehr wichtig ist allerdings auch eine Verbesserung der Ofen und d< r
sonstigen Heizungsanlagen. Man vergleiche z. B. den auf S. 24C gezeigten
Ofen in Eisenbetonausführung,
252
Anhang.
mit der Zuweisung an Kohle eine mehr als 3 fache Mauerfläche und
somit auch eine mehr als 3fache Zahl an Gebäuden bzw. Wohnungen
beim Gebrauch solcher Hohlwände herzustellen. Unter 38 cm Wand-
stärke, entsprechend 1V2 Ziegelstein Reichsformat, herabzugehen, er-
laubt unser Klima nicht.
Ziegelsteinmauerwerk hat sich zwar gut bewährt, ist keinesfalls
aber unersetzlich und bietet auch noch andere Nachteile den neuen
Bauweisen gegenüber. Zunächst erfordeft der Mauerstein, bis er
zurechtgehämmert richtig in seinem Mörtelbette liegt, eine große
Menge von umständlichen Handgriffen und kostspieligen Arbeits-
leistungen eines hochbezahlten Bauhandwerkers. Dann haftet der
Mörtel oft recht schlecht an der glatten und dichten Oberfläche
des heute allgemein üblichen Maschinen vol Iziegels. Wird
durch den Fugenmortel kein fester Zusammenhang des Mauerwerks
erreicht, so ist Rissebildung zu befürchten, insbesondere bei kleinen’
Teilsetzungen des Bauwerks. Der Maschinenziegel wird in Pressen
ans tonreichem Gemenge oder reinem Ton hergestellt, muß bei
mindestens 6000 gebrannt werden (großer Kohlenverbrauch), ist
luftarm und undurchlässig (Wassersättigung des Mauerwerks also
schon bei geringem Feuchtigkeitsgehalt der Luft möglich: bedeutende
Erhöhung des an sich schon großen Wärmeleitungsvermögens).
Neubauten trocknen nur langsam aus. Nußbaum nennt den Ziegel
auf Grund seiner vielfachen Versuche den in volkswirtschaftlicher
Hinsicht „aller ungünstigsten“ Baustein.
Hohlziegel sind etwas günstiger. Bei gleicher Gesamtwand-
stärke wird der Wärmedurchgang um etwa 17% verringert. Die
Steine sind leichter, also schneller fortzubewegen, gestatten> ein
größeres Format (Ersparnis an Arbeitszeit, Löhnen und Mörtel) und
benötigen einen geringeren Verbrauch an Kohle bei der Herstellung.
Besser als die Maschinenvollziegel sind auch Handstreichziegel
aus sandreichem Lehm, oder Vollziegel, die durch Beimengung von
Kohlengrus oder dgl. weitzellig gemacht sind. Beide Arten werden
aber nur ausnahmsweise erzeugt.
Die Entwicklung der ganzen BaustoiTfrage in Verbindung mit
der Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung und im Gebrauch scheint
nach der Seite der Vollblocksteine (vgl. S. 262) zu drängen,
weil hier die besten Resultate erzielt werden können. Man wird
nicht fehlgehen in der Erwartung, daß der Ziegelbau allmählich
abstirbt, denn er ist nicht mehr entwicklungsfähig. Das ingenieur-
Anhang. * 253
mäßige Bauen wird eine Verbindung von Trageelementen aus Eisen-
beton und Wandflächen aus Leichtsteinen entwickeln, die dem
Schwemmstein möglichst nahekommen oder ihm gleich sind. Der
Leichtstein, der Leichtblock wird ein auf kaltem Wege hergestellter
hochporöser Stein sein von besten hygienischen Eigenschaften. Das
ganze Bauen wird sich auf eine höhere Stufe heben; es wird so weit
kommen, daß bei Bauten Rentabilitätsnachweise genau so geführt
werdefl müssen wie heute bei jeder Maschine. Die Betonbauweisen
haben das Verdienst, daß sie Anreger und Hauptträger dieser Be-
wegung zur Wirtschaftlichkeit sind.
Bezüglich der Verputze sei auf folgendes aufmerksam gemacht:
Portlandzementmörtel ist wegen seiner Sprödigkeit nicht gut geeignet
für Verputze, die eine große Dichte aufweisen müssen (Ziegelmauer-
werk zeigt eine andere Wärmedehnung als der fette Zementverputz,
der Putz wifd rissig). Am besten ist wohl Traßmörtel: i TI. Kalk
“H i TI. Traßmehl + P/j bis 2 TI. Sand. Der Putz darf nicht zu
fett sein; der Traßmörtel erreicht auch bei höherem Sandzusatz
eine ausreichende Wasserabweisung. Traßmörtelputz haftet gut, ist
wesentlich dehnbarer als Portlandzementputz, zeigt keine Haarrisse
und ist namentlich gut für den Fall, daß die Putzarbeiten bei
Frostwetter ausgeführt werden müssen1). Er bindet allerdings lang-
samer ab; besser in dieser Beziehung ist Schlackenzemcntputz.
Empfehlenswert ist außerdem ein Putz mit Antiaquazement (vgl.
Anm. 1 auf S. 256).
b) Hohlwände aus Betonplatten.
Stellt man sich die Wand aus 2 Schalen mit einem Zwischen-
raum gebildet vor, so hat man den Grundgedanken der Platten-
bauweisen. Zur gegenseitigen Aussteifung der Schalen dienen
Zwischenglieder, die entweder lose für sich eingesetzt sind (vgl.
Abb. 615, 616) oder abwechselnd an die eine oder die andere Schale
von vornherein mit angearbeitet werden (vgl. Abb. 617). Im letzten
Falle kann man kleine und große Hohlräume miteinander ab-
wechseln lassen; die kleinen könnten nötigenfalls mit Beton aus-
’) Prof. Nußbaum empfiehlt in diesem Falle, die Siedehitze dos frisch
gelöschten Wcißkalks auszunutzon, indem man ihm Traßmehl und Sand
sofort nach dem Löschen zufügt und die Verputzungen ausführt, oho da*
Gemenge erkaltet ist
254
Anhang.
gefüllt und als tragende Stutzen ausgebildet werden. Die Wan-
dungen der kleinen Hohlräume dienen dabei als Lehre für die Aus-
stampfung.
Abb. 615: Bauweise Fi e big (Dipl. Ing. Fiebig, Breslau 2). Platten steine in
Schlackenbeton 1:3:4. Bindersreine B mit kreuzweiser Bewehrung. Aus-
füllung der Hohlr&ume. *
Abb. 61«: U-Plattenb auweise (Ges. f. Beton- und Eisenbetonbau m. b. H..
Gießen). Außere Kiesbeton-, Innere Schlackenbeton platten, gegenseitig durch
schwalDenschwanzförmig eingreifende Betonstege verankert. Hohlrftume
werden ausgefüllt. Pfosten in besonderen Formsteinen.
Abb. «17: Bauweise Tilgner (s. Mitt. 1920, S. 53). Ebenfalls Kies- und
Schlackenbeton. Die in Plattenmitte schwalbensohwanzförmig eingreifenden
Verbindungsstücke sind durch Ceresit- oder dgl. Zusatz wasserabweisend ge-
macht. Riuenförmigo Aussparungen für den FugenmörteL Ausfüllung der
Hohlrftume oder Abdeckung von jeweils 3 Steinschichten mit Papp lagen oder
Betonpl&ttchen.
Zu den Plattenbauweisen gehören noch 2 Abarten, deren eine
— nach Maßgabe der Abb. 618 — die Außen- und Innenschale in
jeder Schicht mit einer gleich großen Platte Überdeckt, wodurch
die Lufträume häufig unterteilt werden. Infolge solcher Anordnung
tragen Innen- und Außenschalen allein; ein besonderes Tragegerüst
aus Eisenbetonstützen läßt sich nicht anordnen. Bei der 2. Abart
sind Wandschalen und Zwischenstege so zusammengefaßt, daß an
Anhang.
ein Schaleneldment sogleich eilt Stegelement fest angeschlossen ist.
Es entstehen Winkelsteine, die einen Verband bilden, indem sie gegen-
einander versetzt sind (Abb. 619—623).
Die Vorteile und besonderen
Merkmale der Hohlwände aus Beton-
Platten sind die folgenden:
1. geringerer Kohlen verbrauch
als beim gebrannten Ziegelstein, sowohl für
Herstellung1) und Transport als auch für
spätere Heizung der Innenräume. Während
für die Ziegelherstellung die Kohlen und
nach der Fabrikation die Fertigprodukte,
die Ziegel; gefahren werden müssen, braucht
für Zementbaustoffe nur die Kohle zum
Brennen des Zements und nachher nur
dieser gefahren zu werden, der an Raum
und Gewicht leichter ist als der Ziegel-
stein;
Abb. 618: Platten-Hohl-
wand Jur ko (J. und
R. Koppe, Leipzig).
Verbindung einer 21 cm
starken Vollwand mit
32 cm starker Hohl-
wand. Schlack enbeton-
Slatten. Unterteilung
es Luftraumes durch
Vermauern von Hori-
zontalplatteu. Hohl-
r&ume werden auch mit
Schlacke ausgefüllt
2. schnelle und bequeme Herstellung der Steine durch maschi-
nelle Pressung am Bau ort, und zwar auf kaltem Wege, bei mög-
lichster Verminderung der Zahl der Formstücke (vielfach nur eine
Form nötig). Ziegel kann man nur da brennen, wo Ton vorkommt
und wo Ziegeleien stehen;
3. genügende Druckfestigkeit der Steine:
4. Raschheit des Bauvorganges (Steine größerer Ausmaße, aber
auch nur so groß, daß ein einzelner damit hantieren kann); Er-
sparnis an Arbeitslöhnen (beim Maschinenbetrieb zwei- und
dreifache Tagesleistung eines Arbeiters gegenüber dem vollen Ziegel-
mauerwerk); Verwendung ungelernter Leute;
5. beschränkter Verbrauch von Fugenmörtel, da ein
Vielfaches an Stoß- und Lagerfugen erspart wird. Guter Fugen-
schluß nötig, um die Füllung trocken zu erhalten; die Steine werden
vom Maurer in Üblicher Weise mit Kelle und Mörtel vermauert;
M Man hat es ganz in dor Hand, durch fettere oder magerere Mischung,
also durch Beigabe von mehr oder weniger Zement, mit der Kohle zur llor
•tellung des Baustoffs zu sparen. Damit erhält man zugleich eine gute Slnff«*-
lung der Festigkeiten. Man kann die Festigkeit der Bausteine so »Hihinfon.
wie man sie für den einzelnen Bauzweck braucht, muß dann aber auch di«
Verschiedenheit der Steine zur Vermeidung von Verwechslungen genügend
kennzeichnen.
256
Anhang.
6. äußere Wandung druck- und wetterfest (Kiesbeton);
unverputzt, verputzt oder mit Vorsatzschicht; Verwendung von
Antiaqua-Zement1) oder wasserabweisenden Zusätzen;
7. innere Wandung nagelbar, porös und atmungs-
fähig, aber auch nicht so locker, daß sich Ungeziefer einnistet;
jeder innere Niederschlag soll verhindert werden. Baustoff: Leicht-
beton aus Kohlen- oder Hochofenschlacke, Bimskies oder dgl., oder
Anbringung
einer Innen-
wandung aus
einem beUebi-
gen nagel-
baren Stoff
(Sperrholz,
Torfoleum-
leichtplat-
ten *), Scha-
lung mit Roh-
rung und Ver-
putz, Schlak-
ken- oder
Bimsbeton-
platten);
S. Wasser-
abweisende
Verbindung
beider Wan-
Abb. G19: Bauweise Am bi (Ambi-Werke, Berlin-Johannis-
thal). Außenbaut Kiesbeton 1:8: Tnnenbaut Koksaschebeton
1:2:6. Ausfüllung mit lockerem Füllstoff. Vgl. auch Abb. 620.
>) Der Antiaqua-Zement der Rekord-Zement-Industrie, G. m. b. EL,
Berlin NW40, wird h ergestellt durch Vermahlung eines ans bituminösem Ge-
stein gewonnenen Zusatzes mit Portlandzementklinkern. In diesem Zusatz
sind fäulniswidrige Stoffe enthalten, die selbst sehr lebensfähige Krankbeits-
keime schnell ab toten (wichtig für Viehställe usw.). Antiaqua-Zement macht
Beton und Putz wasserdicht (wichtig für Behälterbau, Wetterseitenputz),
bietet die gleiche Festigkeit wie der Portlandzement, ist aber auch teurer
als dieser.
») Die Torfoleum-Leichtplatten der Torfoleumwerke in Poggen-
hagen bei Neustadt (Hannover) bieten infolge Kemimprägnierung einen ebenso
guten W&rmeschütz wie Korkplatten und zeigen wasserabweisende Eigen-
schaften. Torfoleum ist geruchlos, nagelbar und läßt sich mit Säge oder
Messer leicht schneiden. Raum gewicht 200 kg/ebm. Eine 25 cm starke Mauer
mit 2 cm Außenputz, 1,5 cm Innenputz und — zwischen Innenputz und Stein
— Som Torf oleumplatte bietet den gleichen Wärmeschutz wie einein gleicher
Weise verputzte 68 cm-Wand. Im ersteren Falle sind 100 Steine, im letzteren
Falle 272 steine je qm "Wand * nötig- Plattengröße 50.100 cm, Stärken
2 bis 20 cm.
Anhang.
257
düngen (Verwendung von Antiaqua-
zement, Zusätzen von Preolit, Ceresit
oder dgl.); also stets trockene Innen-
wandung.
9. Teilung der Luftschicht in lot-
rechtem und wage rechtem Sinne
(ruhende Luftschichten); auch Aus-
füllung der Hohlräume mit Kies, Bims-
sand, Schlacke, Sägespäne, Holzwolle,
trockenen Lehmbrocken oder dgl. (am
besten porige, trockene Füllstoffe nicht
organischer Herkunft, die jeweilig am
schnellsten und billigsten zu haben sind;
Sägemehl ist zu hygroskopisch). Es wird
vielfach mit Unrecht angenommen, daß
ein mit Luft gefüllter Hohlraum in
jedem Falle gut gegen Wärme und Schall
isoliere. Trockene Luft ist aber nur
dann ein vorzügliches Isoliermittel, wenn
sie ruht (stagniert); zum mindesten
müssen die Hohlräume, wie angegeben,
in einzelne Luftkammern unterteilt sein.
Gehen die Hohlräume, was bei vielen
Bauweisen der Fall ist, in vertikalem
Sinne durch, so empfiehlt es sich, die
Luft in den Poren von einzutüllenden
festen, grobzelligen Körpern, wieSchlacke,
Kork, Sagemehl und dgl., einzuschließen.
10. Möglichst geringe Wärme-
durchgangszahlen (vgl. S. 270), um
bei der Heizung der Räume an Kohle
sparen zu können. Eine 25 cm starke
Hohlmauer mit 15 cm starker Asch en -
füllung kann z. B. die gleiche Wärme-
durchgangszahl wie eine 60 cm starke
Ziegelmauer ergeben.
Abb. 620: Bauweise Ambi (vgl. Abb. 619). Schnitt durch eine Außenwand.
n = Balkengleioho, gleichzeitig Ringverankerung aus durchgehendem l-lieon-
betonbalken; b = Balken gleiche, wie vor in Verbindung mit dem Fenmomun:
c= Balken gleiche, wie vor aus einem durch Kies- und KoksmcheBoiuh-
etelnen umhüllten Eisenbotonbalken; = Fenstersturz; « F<*imt«>re<>hl
bank; f<= Ausfüllung mit lockerem Füllmaterial; 0 = Ausfüllung mit Kira
beton 1:12.
Kersten, Der Ehenbetonbau. II. 11. Aufl.
17
258
Anhang.
Abb. 621: Bauweise Kell u Löser (Leipzig). Der Bauweise Am bl sehr
wesensAhiiltcb. Eisenbewehrte Winkeihakensteine 49 • 24 • 24 cm, 5 cm stark.
Balkon rind Stützen in Eisenbeton.
u. Gutes Haften des Außen- und Innenputzes beim Wohn-
hausbau.
12. Einfache Ausbildung der Eckpfosten, der Sohlbänke, Fenster-
und Türstürze, Kaminanschlüsse usw. Möglichkeit der Anordnung
von verstärkenden Eisenbetonkonstruktionen in vertikalem und hori-
zontalem Sinne. *
13. Ermöglichung einer sicheren und bequemen Aufnahme von
Decken- und Dachlasten, sowie gute Einbindung tragender Zwischen-
wände.
14. Möglichst wenig Eisenteile für die Verbindung der Einzel-
stücke.
13. Oft schwächere Grundmauern wegen der größeren Leichtig-
keit der Wände (wichtig für schlechten Baugrund und für die
Kohlenbedarfsfrage).
16. Möglichkeit eines sofortigen Beziehens des Hauses
(fast trockener Aufbau).
Nachteilig ist der Umstand, daß die Plattenbauweisen in
vielen Fällen nicht einfach genug für die Arbeit des einfachen
Handwerkers sind. Jede Ausführung in einer Plattenbauweise
bindet den Ausführenden an glatte, sich rechtwinklig schneidende
Anhang.
259
Wände. Krümmungen, Vorlagen, Gesimse sind nur schwierig, oft
überhaupt nicht ausführbar oder führen wegen des Verhaus der
Platten zu Verlusten an Baustoff und Arbeitslohn. Dazu kommt
die handwerkliche Schwierigkeit, die Stoßfugen von hohen Platten
voll herzustellen. Schließlich ist die Frage des Verfüllens der Hohl-
räume und die Trockenhaltung der Füllung nicht immer einwand-
frei zu lösen. Um die Füllmasse tfocken zu erhalten, strich man
bisweilen die innere Seite der Äußenschale noch mit Goudron an.
Konstruktiv brauchte man innen die größere Festigkeit der Wand,
da die innere Schale erheblich mehr durch Balkendrücke belastet
wird. Außerdem war die Außenschale infolge der Kapillarwirkung
des dichten Kiesbetons ungünstiger für die Trockenhaltung als der
Schlackenbeton. Sehr viele Bauweisen nahmen daher mit gutem
Erfolg durchweg Schlackenbeton für die innere und äußere Wand-
schale.
Ausführungen nach der Ambi-Bauweise1) (vgl. Abb. 619
11. 620) haben sich in der Praxis gut bewährt. Bei nur 50 Siedler-
häusern können gegenüber der Ziegelbauweise (1,5 Mill. Ziegelsteine
gegen 130000 Ambisteine) an 33 Waggon Kohle für die Volks-
wirtschaft gespart werden; hierzu kommen dann noch die Erspar-
nisse an Transportkosten, Mörtel, Lohn und Zeit. — Mit dem
Mauern wird an den Gebäudeecken begonnen. Stoß- und Lager-
fugen sind etwa bis 1 cm stark. Die Stoßfugen zwischen dem
kurzen Schenkel im Innern der Wand und dem langen Schenkel,
der die Wandfläche bildet, werden nicht mit Mörtel ausgefüllt, son-
dern verbleiben als Luftfugen, wodurch eine einwandfreie Isolierung
gegen Feuchtigkeit erzielt wird.
Die Festigkeit einer Ambiwand reicht für alle bei zweigeschossi-
gen Gebäuden vorkommenden Belastungen ohne jede konstruktive
Verstärkung aus; ein Ausbetonieren der Hohlräume ist für Siedler-
häuser nicht notig.
Erscheint ein Außenputz zweckmäßig, so wird zugleich mit der
Aufmauerung der Wand ein dünner Anwurf von verlängertem,
grobkörnigem Zementmörtel gegeben und erst nach Fertigstellung
des Rohbaues ein Weißkalkmörtel in üblicher Weise als Putz aut-
getragen.
l) In österreioh ist die gloiolie Bauweise als „Schni’ll-Bnuwei'ir (IhnNtr
Jane sch und Schnell, Wien IV) bekannt und seit 1910 in unitanKreirhotn Man»
zur Anwendung gelangt.
Ir
260
Anhang.
im allgemeinen bequemer und leichter
4
Abb. 622 u. 623: Bauweisen der A. G. Way s s
u. Frey tag, und zwar
a) Betonhohlsteine mit doppelter Luftieolle-
rung. Geschalte, gerohrte und geputzte
Wandverkleidung auf Latten, die durch
Holzdübel im Stein gehalten sind. Eck-
stütze in Eisenbeton. Ausfüllung der
Hohlräume empfehlenswert.
b) Betonhakenstein. Trennung von äußerer
und innerer Wandfl&che. Auch hier Aus-
füllung anzuraten.
erhält, dessen Vertikalen die beiden
c) Hohlblockwände.
Hohlblöcke nach Maßgabe der Abb. 622, 624—629 versetzen sich
als die eben besprochenen
Wandplatten; auch kann mit
größerer Sicherheit, als es bei
den Platten möglich ist, für
die Dichtigkeit der Stoßfugen
gebürgt werden. Es ist dies
ein Umstand von besonderer
Wichtigkeit, insofern näm-
lich, als die Füllstoffe un-
bedingt trockenerhalten blei-
ben müssen. Das Block-
system hat noch eine Steige-
rung zum ganz geschlossenen
Block (Clusus-Stein, Abb.630)
erlebt, dessen Wände aus
Beton und dessen Füllung
aus Schlacke bestehen. Sta-
tisch am günstigsten wirkt
das Blocksystem dann, wenn
die Stoßfugen alle überein-
anderstehen, so daß die Wand
ein netzartiges Tragesystem
Blockseitenwände zuzüglich
der Stoßfugen und dessen Aussteifungen Boden, Decke und
Lagerfugen der Blöcke bilden. Die Blöcke sind immer so groß
wie ein Vielfaches vom Normalziegelstein, so daß auch besondere
Bauteile wie Fenster- und Türanschläge aus ihnen gebildet werden
können. Man muß bedenken, daß man im Blockbau zum Aus-
gleich von Unregelmäßigkeiten die Fuge nicht so heranziehen
kann wie im Ziegelbau. Schließlich müssen, solange es das Nor-
malziegelmaß gibt, die Blockbauweisen auf dessen Grundmaße
Rücksicht nehmen, zumal auch die Normen für Türen und Fenster
auf das Ziegelmaß eingerichtet sind.
Es sei auf die vom österreichischen Ausschuß für Beton und
Eisenbeton aufgestellten. „Leitsätze für die Ausführung von
Hohlmaucrn aus Betonsteinen“ (Beton-Kalender 1921 sowie
B. u. E. 1919, S. 83) sowie auf die vom gleichen Ausschuß ge-
machten „Vorschläge für die Vereinheitlichung der Be-
Anhang.
261
tonhohlstcine“ aufmerksam gemacht (B. u. E. 1920, S. 82).
Weiterhin sei auf die Aufsätze „Die Normalisierung der Be-
tonhohlsteine“ von Fr.
von Emperger (B. u. E.
1920, S. 82 und 181) und
„Die Beton-Hohlblock-Bau-
weise“ von Dr. Nitzsche
(Mitt. 1920, S. 113) hin-
gewiesen.
Der Hohlblock neuerer
Zeit arbeitet nicht mit ver-
muten Hohlräumen, dafür
aber meist mit 2 oder 3 Luft-
schichten. Der Baustoff
ist homogen — Schlacken-
beton. Das Matlerwerk ist
richtig in Verband gearbeitet
und die ^Vände ergeben
einen leidlich guten Wärme-
speicher(vgl. S.271). Die
Abb. 624: Bauweise Booher (W. Czarnikow
u. Co, Charlottcnburg). Schlackenbeton-
Form steine. Traggerüst aus Eisenbeton.
Ausfüllung der Hohlräume empfehlenswert.
Abb. 625: Einzelheiten zu Abb. 624. a — S&ulenstein, b = Säulensiciu mit An-
schluß für leichte Innenwände, c= Säulonstein mit Anschlag für Türen und
Fenster, d = Trogstein für ELsenbetonbalken (unterer Ansatz nur beim Fenster-
sturz), e = Ansicht und Querschnitt einer Platte.
Blöcke sind dem Gewicht nach noch handlich. Die Technik des
Versetzens ist eine Maurer technik, wenn auch von der allen ver-
schieden, da der Block mit zwei Händen, also von einem zweiten
Mann in sein Mörtclbett gerückt werden muß. Das Mauerwcik
arbeitet sich infolge des großen Blockes schneller, es spait Möitel
262
Anhang.
SHBEE
W 29 -*1
Abb. 626: Germania-Bauweise
(Germania-Industrie, G. m. h. H-,
Berlin N24) Wand aus Betonhohl-
stcinen mit versetzten Fugen und
dreifachen Luftkanälen, die nach
j eder 2. Schicht durch mitvermauerte
horizontale Betonplatten abge-
schlossen sind.
kehren oder die Wand als Gan
und Zeit und trocknet schneller aus.
Es ist in bezug auf Formgebung
weit elastischer als der Plattenbau.
d) Vollblock- (Leichtstein-)
Wände.
Die Ausläufer aller Betonbau-
weisen sind in den Versuchen zu
erblicken, die entweder gänzlich zum
geschlossenen vollen Block zurück-
:s, als Monolith auffassen und sie
gießen. Zu der ersten dieser beiden Arten gehören alle Bausteine,
deren Gefüge und technische Beschaffenheit dem r h e ini-schen
Abb. 627: Passt ein (Ersatz von vier nebeneinandergestellten Ziegeln).
a, b. c — verschiedenartige Pfeilerbauten,
d, e = Eckausbildungen für 80 und 45 cm-Wand.
f— Abmessungen eines Paxstelnes,
g, ä = Kamin bei 30 und 45 cm-Wand.
Zur Herstellung der Steine am Bauort dient die
Paxmaschiue, die au eh von Hand betrieben werden kann.
Abhq628: Rexstein; vgl. hierzu den in Abb. 626 ge-
zeigten Stein.
Anhang.
2G3
Schwemmstein1) angenähert sind, so z. B. der Scholsche Stein2),
der Kölnerstein.3), der Schlackenstein. Bei diesen Steinen neigt die
Abb. 629: n-Stein; Hohlhlöcke in Kiesbeton, Winkolkacheln aus Schlacken-
beton. Verband durch Nasenans&tze. (Vgl. B.u.E. 1920, S. 181 u. Mitt. 1920, S.113.
Entwicklung dazu, Zement als Binde-
stoft in nur ganz geringem Maße
anzuwenden und mehr die Steine
mit Kalk aufzubereiten, der iin
Verhältnis zum Zement zu seiner
Herstellung noch bedeutend weniger Abb.6M: Cbi.u.stein
Kohle gebraucht äls dieses, so daß die Betonhohlsteine mit Sehlackonfüi.
____________ lang. Steine mit Boden und Scitcn-
„ , . , _ , wandung aus Schlackenbeton 1 : ö
J) Der rheinische Schwemm- gestampft, mit Schlacke verfallt
stein, im Rheingebict \iel verwandt, und mit Deckel verschlossen. Kanin-
wird aus Bims mit Kalkbrei im Hand- inhalt von 6 Ziegelsteinen,
betrieb in den Maßen 25.12.9Vo unter
hydraulischem Druck oder mit zementzusatz hergestellt, erfordert zu dieser
Herstellung sehr wenig Kohle, ist sehr leicht (10uo kg/cbm), grobkörnig und
grobzellig, saugt nur wenig Wasser an (wenig Kapillarwirkung), und hat für
Wohnhaus bauten genügende Druckfestigkeit (zul. Belastung 3 kg;qom). Dichlor
Zementverputz der Wand ist ungünstig. Auch trocknet der Schwemmstein
nicht schneller aus, als andere Baustoffe austrocknen. Für Außemnauern, im
Verband vermauert, zu geringer Wärme schütz. Auf 1 cbm Mauerwerk 2U5 Stein»
und 200 1 MörteL Ersatz der natürlichen Bimsschwemmsteine: Hochofen-
Schwemmsteine (Patent Schol). Körnersteine, Schlackensteine (vgl. S. 272).
’j Nach Patent Schol werden die Steine aus Hochofen sch lacke h< r-
gestellt. Vgl. Seite 275.
3) Herstellung der Körnersteine: Bilden von Körnern 1011 ’ Jo ihih
Durchm. durch Rütteln (auf einem Siebe) von feingemahlener Nclihicko, Hand.
Asche u. dgl. unter Zuführung von Kalkmörtel: in Formen gelhllt. gopn üt
und an der Luft erhärtet. Stein- und Mörtclbedarf wie beim Schwmnm-
stein. Nur bei 3S om starker Maner genügender Wärmesclnilz; sonst be-
sondere W Ar meschutzsoh loht erforderlich. Stcinher Stellung im Anschinii au
großstädtisch«* Müllverbrennungsanlagen.
264 Anhang.
im vollen Block verarbeitete größere Masse im ganzen doch kohle-
sparender auf bereitet ist als die geringere Masse des Hohlblocks.
Natürlich weisen derartige Steine eine erheblich geringere Festigkeit,
dafür abei eine bessere Warmhaltnng auf. Die besten Erzeugnisse
dieser Art kommen in ihrer hygienischen Eigenschaft dem Schwemm-
stein durchaus gleich (z. B. der Scholsche Stein). Die Schlacke, die
für diese Steine verwendet wird, ist besonders ausgesucht und ver-
arbeitet, um sorgfältigst vertMlte kleine Luftzellen zu erzielen und
um gleichzeitig die hydraulischen Eigenschaften der Schlacke bei
der Mörtelbildung aufs höchste auszunutzen1). Während die Festig-
keit solcher Steine in der Regel für Wohnbauten bis zu 2 Vs Ge-
schossen vollständig ausreicht, müssen bei größeren Beanspruchungen
Eisenbetonstützen das Tragegerüst des Hauses bilden, die aus-
gesprochenen Leichtsteine aber zur Bildung der eigentlichen Wände
herangezogen werden, wozu sie hervorragend befähigt sind. Die
Reihe der Entwicklung wird zur Zeit geschlossen durch die Steine,
die aus Müllschlacke hergestellt werden und gewissermaßen den
Höhepunkt an Wirtschaftlichkeit darstellen, indem die bei der Ver-
brennung des Hausmülls frei werdenden Wärmeenergien zur Her-
stellung von Elektrizität oder ähnlichem verwendet werden und
gleichzeitig die Schlacke abfällt, aus der unter geringem Zusatz von
Bindemitteln Steine gepreßt werden, deren Festigkeit durchaus ab-
gestuft und allen Zwecken angepaßt werden kann. Versuche in
großem Stile sind im Gange; es ist zu erwarten, daß die Herstellung
dieser Steine den finanziell notleidenden Städten eine Einnahmequelle
sichern und ihnen gleichzeitig die Sorge um die Müllbeseitigung ab-
nehmen wird. Vgl. weiterhin S. 273.
e) Gußbetonwände.
Die letzte Gruppe der Zementbauweisen bilden die Gußbau-
weisen. Das Vorbild hat Amerika gegeben, wo Edison zuerst ver-
suchte, ganze Häuser zu gießen, also ein monolithisches Mauer-
werk herzustellen. Die dort mißglückten Versuche wurden in
Deutschland wiederaufgenom men. Der Grundgedanke ist, daß
sämtliche zu gießenden Wände doppelt eingeschalt werden, was in
Holz (Bauweise Loesch, vgl. Abb. 631) oder Eisen (Bauweise Manne-
bach) erfolgt und wobei die Öffnungen durch Einsetzen von ent-
x) Vgl. Seite 272
Anhang.
2G5
sprechenden Lehren gleich mit
eine Reihe von Häusern auf d
hat dabei trotz recht magerer
Mischungen noch genügende
Festigkeiten erzielen können,
und auch die Befürchtung der
häufigen Rissebildung hat sich
bisher als unbegründet ge-
zeigt. Es scheint, daß der
Schlackengußbeton sehr er-
heblich elastischer ist als Kies-
beton.
t) Wände nach dem Ther-
mo sbauv erfahr en.
Ganz außerhalb jeder Ent-
wicklungsreihe .steht die Ther-
mosbauweise. Man kann sie
noch am ehesten zu den Platten-
bauweisen rechnen, obschon
sie ganze fertige, blockähnliche £
Baukörper als Elemente aut- v<
ausgespart werden. Bisher sind
>se Weise gegossen worden; man
>. 631: Wohnhaus nach dem Gußver-
•en Loesoh, Karlsruhe, Verwendung
Holzformen mit Eisenblech!) esohlag.
weist. Den Kern des Blocks
bildet jedesmal ein Lattengerüst aus Holz, das mit Isolierpappe be-
spannt ist Das Innere des Lattengerüstes ist durch Pappetafeln in
einzelne Luftkammern zerlegt. Außen ist auf die Isolierpappe Rohr-
gewebe gespannt , und an diesem verklammern sich die Leichtbeton-
platten, welche Außen- und Innenschale der Wand darstellen. Ge-
eignete Aussparungen im Innern der Baukörper lassen sich mit
bewehrtem Beton ausfüllen und bilden dann die Säulen eines Ständer-
werks. Das ganze Verfahren stammt aus dem Schiffbau und hat sich
bei Ktrhlräumen auf Schiffen wohlbewährt.
2« Feststellung des w&rmeteelmisehen Wirkungsgrades
einer Wand»
Der Förderung der Statik muß diejenige des Wärmeschutzi^
ebenbürtig zur Seite stehen. Alleräußerste Sparsamkeit in bezug
auf den Verbrauch an Heizstoffen ist eine sehr wichtige nationale
Pflicht Die Feststellung des wärmetechnischen Wirkungsgrade*
einer Wandkonstruktion beruht auf einfachen physikalischen Grund-
2CG Anhang.
lagen1) und kann in verhältnismäßig einfacher Weise lechnerisch
bewerkstelligt weiden.
Als Grundsatz gilt die Forderung, daß jede Wandkonstruktion
von zu beheizenden Gebäuden wärmetechnisch zum mindesten der
sogenannten „Xormalwand“ äquivalent sein muß, d. h. der i’/a Stein
starken Ziegelsteinwand mit beiderseitigem 2 cm starken Verputz.
Diese ..Normalwand“ besitzt in lufttrockenem Zustand eine „Wärme-
durchlässigkeitszahl von 1,15 bis 1,20. Allgemein wird
unter der Wärmedurchlässigkeitszahl diejenige Wärmemenge ver-
standen, welche durch 1 qm Wandfläche von der Stärke cf hin-
durchgeht, wenn zwischen der Wandinnen-Ob er fläche und Wand-
außen-Oberfläche der Temperaturunterschied von i° C besteht
(nicht zu verwechseln mit der in der Heiztechnik Üblichen „Wärme-
durchgangszahl k'!t die sich auf den Wärmedurchgang von Innen-
luft zur Außenluft bezieht). Es handelt sich lediglich um die
Errechnung von Zahlenwerten für Vergleinhszwecke mit der er-
wähnten W'ärmedurchlässigkeitszahl .*/ für die Normalwand. Über-
schreitet der gefundene Wert für / einer zu prüfenden Wand 1,20,
so ist sie wärmetechnisch zu beanstanden, und es sind gegebenenfalls
Maßnahmen zu treffen, welche den wärmetechnischen Wirkungsgrad
auf mindestens ,/ = 1,20 verbessern.
Die Wärmedurchlässigkeitszahl wird errechnet auf Grund der
Formel:
,________________!____________
oder bei Vorhandensein von Lufträumen als besondere Konstruktions-
elemente nach der erweiterten Formel:
. 1
Ml + ^2 + • • • + l'Wl + + • • •
Darin bedeuten:
cTi, (f2, . die Schichtstärken der einzelnen Baustoffe
der Wand,
Av ^s» ^0» ••• die den Materialien entsprechenden „Wärme-
leitzahlen“; vgl. Tabelle S. 267,
... die Luftwiderstände, hervorgerufen durch etwaige
Lufträume als besondere Konstruktionselementc, und zwar im
Mittel
i) Vgl. Bayer. Industrie- und Gewerbeblatt 1919, Heft 7,8, Seite 1 und ff.
Tabelle der Wärmeleitzahlen für feste Körper (nach Knoblauch und Hencky, München).
Lfd. Nr. Stoffe Wärme- leitzahl Z Raum- gewjfht kg/cbm Bemerkungen (Feuchtigkeitszustand)
i 2 3 4 “ 6 - 7 o 8 9 3 IO ii 12 >3 <4 *5 16 v 17 iS 2 »9 S 20 — 21 22 Kiesbeton 1:4.. „ 1:12... Schlackenbeton ... Ziegelmauerwerk . . » • • Hohlziegelmauerwerk . Hochporöse Ziegel... Schwemmsteine . . . . 0,65 ' 0,70 0,40 o,45 0,78 o,35 0,17 °J3 o,37 0,22 o,6S 0,16 0,05—0,06 0,13, o,iS 0,10 2200 2050 1200 1600 1600 800 630 1250 Ö25 _ 1700 1180 200—280 55°. 825 590 _ 1850 1520 1640 1000 Lufttrocken „ (geringste Werte 0,25 bzw. 870) „ | Mittelwert für normal trocken feucht / Z — 0,60 etwa normal trocken lufttrocken n
Gipsdiele, voll .... „ , mit Hohlräumen . . Verputz lufttrocken 9% Wassergehalt lufttrocken
Linoleum ... Torfplatten ... Kiefern-, Eichenholz . Sperrholz .... Kies ... Bimskies . . Flußsand . . . . Koksasche . . ... Sagemehl . ... Torfmull . . lufttrocken r> _ __ _ lufttrocken } Wärmedurchgang _L Faser
0,32 0,10 0,28 0,97 0,15 0,055 0,07 trocken F» normal feucht trocken (Z = 0,15 bei 40 % Wassergehalt)
Anhang.
268
Anhang.
Lw einer Luftschicht bis 5 cm =0,173.
„ von 5—10 cm = 0,204,
« r » - 10-7-15 r, = 0,219.
Zu der auf S. 267 gegebenen Tabelle sei nocK bemerkt, daß
die Wärmeleitzahl um so größer wird, je größer das Raumgewicht
oder der Gehalt an Wassej ist. Von einem lufttrockenen Zustand
kann eigentlich nie die Rede sein, weshalb die in der Tabelle an-
gegebenen Wärmeleitzahlen letzten Endes nur bedingten Wert für
die Praxis haben.
Abb. 632: W&rmetechn lecher Vergleich verschiedener Beton wände mit der
Normalwand (al
Beispiel i (Abb. 6321).
Ist eine 4° cm starke Kiesbetonwand wärmetechnisch ein-
wandfrei?
Gegeben: <f = o,4o und x = 0,70. Gesucht: .7.
Ergebnis*. Da der Normalwert 1,20 erheblich überschritten wird,
ist die vorliegende Wand vom wärmetechnischen Standpunkt aus
abzulehnen.
Beispiel 2 (Abb. 6320).
Ist eine 20 cm starke Eisenbetonwand mit einer 3 cm starken
Verkleidung vermittels Torfoleumplatten (vgl. S. 256) ausreichend?
Gegeben: ^=0,20; ^-0,70. Gesucht:
(^ = 0,03 ; ^5 = 0,03.
J = = 1,13.
0,20 . 0j03 —
0,70 ' 0,05
Ergebnis*. Die Wandkonstruktion ist ausreichend.
Anhang.
269
Beispiel 3 (Abb. 632b).
Welche Stärke muß eine Schlackenbetonwand haben, um der
Normalwand“ wärmetechnisch gleichwertig zu sein?
Gegeben: ’./=r,2O. ^ = 040. Gesucht: cf.
, 1 « X 0,40
./ = - also </ = —= - = 0,33 m.
d 1,20 —
Ergebnis: Die Wand muß mindestens 33 cm stark sein.
Beispiel 4.
Wie groß ist ,1 für die in Abb. 632 c dargestellte Wand-
konstruktion ? *
Gegeben: di= 0,02, d2 = 0,07, cTs = 0,08, = 0,015,
^=0,05, ^2 = 0.70, i3 =
sowie £10 = 0,173.
di , dk . cf3 . . r
*1 Xß Äg A4
0,02 . 0,07 ,'0,08 , 0,015 .
„ „E + ’,7 + rr: + + * • <M73
0,05 0,70 0,40 0,00
Ergebnis: Die Wand ist wärmetechnisch zureichend.
Beispiel 5.
Ein Raum, der mit 8 cm starken Eisenbetonwänden umgeben
ist und daher aus gesundheitlichen (feuchte Wände) sowie wärme-
technischen Gründen nicht zur Wohnung geeignet ist, soll gemäß
Abb. 632 c durch Verkleidung mit Torfoleumplatten in dieser Hin-
sicht einwandfrei gemacht werden. Welche Stärke muß die Torfoleum-
platte aufweisen?
Gegeben: ,f=i,2o. d‘t für Beton 0,08,
Ji „ „ 0,70 und
Aa für Torfoleum 0,05.
Gesucht: da für Torfoleum.
1 1 1
^ = 7----T* also I’20 = ‘ Tq---- F
vj . dg O,OS . (Tj
Ä? ' 0,70 0,03
Ergebnis: Es ist mindestens eine Torfoleumplatten-Verkleidung
von 4 cm erforderlich.
W&ruiedurchlässlgkeitszahlen nnd Kohleverbrauch fllr verschiedene Wandausfuhrungen.
| Lfd. Nr. | a Bauweise der Mauer, beiderseits 1,5 cm Putz [Hv = Hohlräume verfallt] b Baustoff bedarf für 1 cbm bzw. 1 qm Mauerwerk ohne Putz und Füllstoff [St. = Steine. M. = Fugenmörtel] Wandstärke in cm Im Rohbau __ d Wärme- durch- lässig- keitszahl e Kohleverbi 1 qm 1 zur Her- stellung der Baustoffe kg L.. f rauch für Wand fürHeizung auf 1 Jahr kg
I 25 —. 62 1 1 24
2 3 'Maschinenziegel (S. 252) 410 St. + 250 1 M. f. d. cbm 1,20 47 32 80 41
4 1 1 12 — 16 64
5 Hohlziegel (S. 252) . . desgl. 38 0.76 39 24
6 Handstrichziegel (S. 252) desgl. 38 — 43 27
7 Schwemmsteine (S. 263) 295 St. 200 1 M. f. d. cbm 25 0.79 10 25
8 desgl. 38 0,76 9 24
9 | Körnersteine (S. 263) desgl. 25 — 6 34
IO desgl. 12 — 4 55
ii 12 Jscholsteine (S. 275) . 38 25 0,53 o,79 8 < 6 —
13 Clusussteine (Abb. 630) 1 0312 cbm Schlackenbeton + 23 \ \ 1 M f. d. qm | 25 0,98 24 28
14 Ambi (Abb. 619) Hv rd. 30 kg Zement (13 St) f. d. qm 23 0,80 iS 25
15 >6 j-Jurko (Abb. 6r8) Hv / 0,23 cbm Schlackenbeton + 12 | \ 1 M. t. d. qm f 32 32 1,03 0,65 33 33 3> 21
>7 Fiebig (Abb. 615) Hv j 0.181 cbm Schlackenbeton -f- 10 ) \ 1 M. f. d. qm f 29 0,76 26 24
iS Wayss u. Freytag (Abb. 622) Hv 0,21 cbm Beton + 8 1 M. f. d. qm 25 0,81 30 25
19 Becher (Abb. 624) Hv . O»T32 - •» + 8 „ „ n n 25 0,89 21 28
20 U-Platten (Abb. 616) Hv . 0,10 „ + 8 „ , . 30 0,72 iS 23
21 Germaniasteine (Abb. 626) 0,14 w „ +18- . 30 0,9s 25 30
22 Thermos, 5 zellig (S. 265) . . . 0,10 „ - t. d. qm 160 kg Zement f. d. cbm 29 0,62 15 20
23 Gußbeton Mannebach (S. 264) 30 o,95 3> 29
Anhang.
Anhang.
271
1.*gänzend sei noch mitgeteilt, daß neben der^Wärmedurch-
b»ssigkoil. also- der Fähigkeit eines Baustoffes, Wärmeverlusten
W ider stand zu leisten, als sehr wesentliches Moment die Fähigkeit
uncs Ihustoffcs hinzutritt, Wärme zu speichern. Diese Fähig-
keit ist einmal abhängig von der Beschaffenheit des Baustoffes,
nämlich davon, ob er die Wärme gut oder schlecht leitet. Je nach-
<1< m wird er nämlich eine ihm übertragene Wärme schneller oder
langsamer abgeben. Daraus geht also hervor, daß grobzellige Bau-
stelle diu Wärme länger halten, den Innenraum also vor schnellen
lempeiaturschwankungen bewahren. Ferner ist die Große der
Wärmespeicherung abhängig von der Stärke der Wandteile. Hat
man also ‘Blöcke oder Platten von nur dünner Wandung, so ist es
gut, den Wärmespeicher durch Ausfüllen der Hohlräume mit grob-
zelligen Füllstoffen zu verstärken. Aus diesen Überlegungen geht
hervor, wie wichtig es ist, der Zusammensetzung der Wand die
größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Beispielsweise würde eine
Vlattenwand, deren Hohlräume nur durch Pappestreifen unterteilt
wären, zwar theoretisch einen leidlichen Wärmeschutz ergeben,
praktiSqh aber nicht genügen; denn sie enthielten bei ihrer Zu-
sammensetzung keinen ausreichenden W'ärmespeicher. Wenn ein
von solchen Wänden umschlossenes Zimmer im Winter gelüftet
würde, wäre es nach dem Schließen der Fenster lange Zeit kalt,
weil die Wände zu wenig Wärme speichern konnten sie waren
dazu zu dünn. Anderseits würden Wände tus Maschinenziegeln
oder Kiesbeton, die sehr gut Wärme leiten, auch nur in sehr ge-
ringem Maße Wärme aufspeichern können. Sie müßten, um in
dieser Hinsicht zu genügen, außerordentlich stark sein, etwa wie
alte KirehenmauernJ).
Der Kohleverbrauch für die Herstellung der wichtigsten Baustoffe
ist etwa folgender:
Maschinenziegel 250 kg für iooo Steine,
Handstrichziegel . . . 225 « 1000
Kalksandsteine (N. F.) ISO - „ 1000
Schwemmsteine 70 . 1000
Hochofenschlackensteine (9,5-12-25) 20 1000
Zement . ... 60 _ 100 kg Zement,
l) Vgl. auch die Veröffentlichung von Prof. Nußbaum in den .Sitzung*
berichten des Reichsverbandes zur Förderung sparsamer Bnuw« is<,# i
S. 137.
272
Anhang.
Kalk.................................
Kalkmörtel 1:4 (30 kg in 100 1 Mörtel)
20 kg für 100 kg Kalk,
6 100 ., 1 Mörtel,
Zementmörtel 1: 3 (47 kg in 1001 Mörtel) 29 100 „ „ „
Kies oder Schlackenbeton 1:6 bis 1: 10 | 160 bis 100 kg (Ur den cbm
(260 bis 160 kg Zement für 1 cbm Beton) f Beton.
Die auf S. 270 gegebene Tabelle gibt eine vergleichsweise
Gegenüberstellung verschiedener Ausführungen von AußenmauernJ).
Die Wärmedurchlässigkeitszahl A wird sehr viel ungünstiger (höher),
sobald keine Verfüllung der Hohlräume vorgenommen wird. Man
vgl. Nr. 15 und 16.
Sowohl die Wärmedurchlässigkeitszahlen als auch die Angaben
über den Kohlenverbrauch — insbesondere über den für die Raum-
heizung — dürfen nur als Annäherungs- (Vergleichs-) Werte ange-
sehen werden. Einmal spielt der jeweilige Feuchtigkeitsgehalt der
Steine eine bedeutende Rolle; dann werden die Konstruktionen der
einzelnen Wandarten dauernd verbessert und schließlich muß auch
bei den Angaben über den Kohlen verbrauch die Art der Heizung
und der verminderte Wirkungsgrad einer jeden Heizung berück-
sichtigt werden. Vielfach nutzt die Heizung den Heizwert der Kohl«
nur mit 50% aus.
1
3. Verwertung der Schlacke als Baustoff.
Die Verarbeitung von Schlacken zu Baumaterial reicht weit
zurück. Schon im Jahre 1865 wurden Schlackensteine fabrikmäßig
in größeren Mengen fabriziert. Man verwandte dazu Hochofen-
schlacke, die durch Wasser oder Dampf granuliert, d. h. so weit zer-
kleinert wurde, daß sie mit dem Bindemittel Kalk sofort innig ge-
mischt und verpreßt .werden konnte. Solcher Art hergestellte Steine
erhärten in einigen Wochen an der Luft zu einem festen, ver-
mauerungsfähigen Stein, der sich auch jetzt noch großer Beliebtheit
erfreut, denn weit über 100 Millionen solcher Steine werden zur Zeit
(1920/21) in etwa 25 Werken alljährlich fabriziert und versandt.
Man hat auch versucht, die Kalkschlackensteine mit Dampf zu
9 Vgl. den Aufsatz von Halle und Krakau „Versuch eines wirtschaft-
lichen Vergleiches alter und neuer Bauweisen“, Zeitschrift Sparsame Bau-
weise 1910, S. 139, 190 — 1920, S. 23, C2.
Außerdem sei auf den von Gaßner konstruierten Rechenstab zur
Ermittlung des WArmeschutzes von Wänden und Decken aufmerksam
gemacht (vgl. Sparsame Bauweise 1920, S. 65).
Anhang.
273
härten, wie die Kalksandsteine, um die Härtezeit auf Stunden ab-
zuktirzen, und bat auch damit gute Resultate erzielt. 5
Die Fabrikation der Steine aus Hochofenschlacke ist natur-
gemäß an die Gegend gebunden, wo die Hochofenindustrie zu
Hause ist’ Nun gibt es aber auch noch viele Schlacken abfälle in
der Gasfabrikation, im Eisenbahnbetrieb, bei Kesselschmieden usw.,
welche bis vor dem 'Krieg nur in Ausnahmefällen verarbeitet
wurden, trotzdem die in Halden gelagerten Schlacken keiner Gegend
zur Zierde gereichten. Man hatte eben an gebranntem Baumaterial
reichlich genug und brauchte Ersatzbaustoffe aus Schlacken usw.
nicht oder nur wenig. Die Kriegszeit und der nunmehr eingetretene
Kohlenmangel und die Wohnungsnot, die allerorten vorhanden ist,
haben hierin gründlich Wandel geschaffen. Viele Stadtverwaltun-
gen haben die Verwertung ihrer Gaswerksschlacken selbst in die
Hand genommen, viele inzwischen in das Leben gerufene Siedlungs-
gesellschaften taten das gleiche. Überall im Deutschen Reich sind,
zum Teil mit recht gutem Erfolg, Schlackensteinfabriken1)
entständen, Jie ihre Schlacken mit Portlandzement, auch unter Zu-
mischung von hydraulischem Kalk, verarbeiten. Man hat bei der
Verwertung von Schlacken, die nicht im Hochofenbetrieb gewonnen
werden, allerdings auch erst Erfahrungen sammeln müssen und ge-
funden, daß für solche Schlacken ein zu großer Gehalt an freiem
Schwefel bei der Verarbeitung mit Zement und hydraulischem Kalk
unter Umständen gefährlich werden kann. Während nämlich freier
Schwefel in der Hochofenschlacke, die in feuerflüssigem Zustand
mit einer Temperatur von etwa 1200 Grad aus dem Hochofen
fließt, nicht vorkommt, findet er sich aber in anderer Schlacke
öfters vör, geht, durch die Atmosphärilien beeinflußt, in schwefel-
saure Verbindungen über,’ die event. durch Feuchtigkeit einen all-
mählich zerstörenden Einfluß auf die Produkte austtben können.
Umfangreiche Versuche und Beobachtungen der Praxis ergaben,
*) Das Schlackensteinwerk der Stadt Elberfeld leistet täglich 10 000 Htrino
und verarbeitet in gleicher Zett 30 000 bis 50000 kg Schlacken, die au« den
Gaserzeugern des Gaswerkes und außerdem aus Privatbetrieben und von der
Eisenbahuverwaltung stammen. Für die Herstellung von 2,5 Mill. Steinen im
Jahr werden bei achtstündiger Arbeitszeit nur 26 Arbeiter gebraucht. AI iNobung
mit Zement 1.14; Festigkeit rd, 70 kg/qcm (bei Kalk nur 20 bis kg »irmi.
Kohlenverbrauch *
a) für 1 qm Mauerwerk in Ziegelsteinen.................. . III kg
' b) „ 1 „ Schlackensteinen aus Ilucholcneetm nt tu
c) h 1 „ ., Poitlundr.«'iiienl »“
Kohlenerspamis nach 1» für ein dreigcschuSHigOK l'eihonhiHiM mit t. r
Wohnungen 20000 kg.
Kersten, Der Eiscnbeionbnu. II, 1(. Aufl. I*
274
Anhang.
daß durch längeres Lagern solcher Schlacken im Freien beim
öfteren Wenden der Masse der schädliche Schwefelgehalt durch
Regen und Sonnenschein ausgelaugt oder wenigstens so ver-
mindert werden kann, daß er unschädlich wird. Bei Vorkommen
von freiem Schwefel bis 2 °/0 braucht man Befürchtungen in
der angeregten Art nicht zu haben. Die Ausführungen sollen
aber darauf hinweisen, daß man Schlacken, die nicht im Hoch-
ofenbetrieb gewonnen werdenX immer auf ihren Schwefelgehalt
untersuchen lassen muß, wenn man sie mit Zement usw. zu Bau-
material zu verarbeiten gedenkt. Von wesentlichem Einfluß für
die Druckfestigkeit von Schlackensteinen ist natürlich auch ‘die
Festigkeit der Schlacken selbst. Wenn man nicht ausgesprochene
Leichtsteine für nicht tragendes Mauerwerk fabrizieren will,
so muß man möglichst harte, feste Schlacken bevorzugen. Es ist
zumeist nötig, daß diese, weil zu grobstückig, mittels Schlacken-
brechern' vorgebrochen und mit Walzwerk weiter zerkleinert werden
müssen. Die Korngröße bis 12 mm zeigte bei Verarbeitung
mit Dr. Gaspary-Stampfmaschinen für Hand- oder Kraftbetrieb
die besten Ergebnisse; denn es wurden bereits im Städtischen
Schlackenstein werk Berlin, das mit solchen Konstruktionen arbeitet,
bei dem geringen Zusatz von Zement im Verhältnis i Teil Zement
zu io Teilen Schlacken 35 bis 38 kg/qcm Druckfestigkeit erreicht.
Geht man im Zusatz von Zement auf 1 : 8 oder 1 : 6 oder noch mehr
in die Höhe, so dürften Druckfestigkeiten erzielt werden, welche
die Steine für alle Bauzwecke des Hoch- und Tiefbauwesens geeignet
machen. Da die Schlacken zumeist völlig ausgetrocknet sind*
und obendrein mehr Hohlräume als beispielshalber Sand und
Kies aufweisen, so ist es erklärlich, daß zu ihrer Verarbeitung
mehr Wasser erforderlich ist als bei gewöhnlichem Sand- und
Kiesbeton. Man sollte Schlackenbeton immer in Maschinen mischen.
Es haben sich dazu die Dr. Gaspary-Kipptrogkonstruktionen mit
und ohne Materialaufzug im Dauerbetrieb gut bewährt, denn sie
weisen für diesen Zweck Stahlblechmäntel und Rührflügel aus
besonderer Materialzusammensetzung auf, die dem scharfkantigen,
größeren Verschleiß hervorrufenden Schlackenmörtel auf die Dauer
besser widerstehen als die sollst übliche Ausführung. Die
Eigenart der Schlacken bringt es mit sich« daß man auch der
Weiterverarbeitung auf den eigentlichen Fornpiaschinen die größte
Aufmerksamkeit widmen muß. Erprobt sind in der Praxis die
Nestor- und Herkules-Stampfmaschinen der mehrfach erwähnten
Anhang. 273
Markranstädter Sonderfirma, die vielfach den von verschiedenen
Seiten empfohlenen Preßeinrichtungen vorgezogen wurden. Infolge
der nassen Verarbeitung des Mörtels müssen^ die Steine auf
Unterlagen,, am besten aus Holz, weil diese zugleich als Trocken-
regale dienen, fabriziert werden. Je nach Jahreszeit können die
Steine von den Unterlagen nach 2 bis 3 Tagen entfernt und in
Stapel gesetzt werden. ,Man wird vorteilhaft die Stapel anfänglich
nicht gleich in ganzer Höhe aufführen, um die unteren Steine
nicht gleich zu sehr zu belasten. Nach 4 bis 6 Wochen sind sach-
gemäß hergestellte Schlackensteine zu vermauern. Es ist vielfach
auch noch in Fachkreisen die Meinung verbreitet, daß mit Schlacken -
mauersteinen errichtete Gebäude ständig feucht seien. Das ist
durchaus nicht der Fall. Natürlich müssen die Mauern, wie bei
jedem anderen Baustein, gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit isoliert
werden. *Dem Schlagregen und dem Wetter besonders ausgesetzte
Hausseiten müssen, wie dies auch sonst der Fall ist, entsprechend
verputzt sein. In den großen und kleinen Poren eines solchen
Steines kann sich regelrecht angeworfener Putzmörtel sicher viel
besser halten als an einer ziemlich porenlosen Fläche.
*
Hochofenschlacke ist nicht immer von gleicher Giite; die ein-
zelnen Gattungen weichen in chemischer wie auch in physikalischer
Hinsicht voneinander ab, worauf in jedem Falle Rücksicht zu.
nehmen ist. Man unterscheidet zwischen Gießerei- Roheisen-
schlacke und Stahl-Roheisenschlacke. Die erstere ist sehr leicht:
beim Granulieren entsteht ein stark poröser Schlackensand mit
zackigen Brachflächen, der viel Wasser enthält. Die Stahlroh-
eisenschlacke enthält stets kleinere Mengen von Metalloxydulen
gelöst; sie ist deshalb schwerer. Der Sand zeigt hier rundliches
Korn und die chemische Zusammensetzung weist eine gcringeie
Basizität auf.
Rohgang-Schlacken und die beim Erblasen von Spezialeisen
fallenden Hochofenschlacken sind für die Schlackenvcrarbeitung
durchweg nicht brauchbar.
In welcher Richtung die einzelnen Hochofenwerke ihie Schlacken
weiter verarbeiten, hängt einmal von der chemisch-physikalischen
Beschaffenheit und außerdem von rein lokalen Verhältnissen. w»n
der Nachfrage im jeweiligen Absatzgebiet ab. Auch hici ge.rhuht
die Herstellung der Steine wohl dmchgchi-nd nach <!• in
IS
276 Anhang.
Lufterhärteverfahren; die Anlagen für die Dampferhärtung, von
der schon einmal (S. 272) gesprochen wurde, mußten wegen des
allgemeinen Kohlenmangels stillgelegt werden.
Zweckmäßig mischt man mehrere Arten von Hochofenschlacken
so, daß sie sich in ihrem spezifischen Gewicht ergänzen. Man
mische also die leichte Gießerei-Roheisenschlacke mit schwerer
Stahlroheisenschlacke. Wichtig ist es auch, daß man für die Stein-
herstellung ohne Bedenken solche Schlacken verwenden kann, die
bei langsamer Erstarrung infolge zu hoher Basizität zerfallen
und somit für die Aufbereitung zu Schotterzwecken ausscheiden
würden. Durch die Wassergranulierung wird der Zerfallprozeß
unterbunden.
Die Steine sind stets eben, scharfkantig und gut nagelbar.
Trockengewicht etwa 2,8 kg, also unter den Werten für Mauerziegel
II. Klasse liegend. Wasseraufnahme doppelt so groß, als für Back-
steine vorgeschrieben, etwa 18 bis J9°/o in 24 Stunden (also gute
Wärmehaltung und Luftdurchlässigkeit!). Druckfestigkeit 60 bis
45 5 kg/qcm, innerhalb eines Jahres bis auf 70 und mehr kg/qcm
steigend. Luftdurchlässigkeit (Atmungsfähigkeit) liegt erheblich
über dem Durchschnitt aller Backsteine. Wärmedurchlässigkeit
geringer als beim Backsteinbau. Besonders zweckmäßig wäre eine
Hohlwand, aus Schlackensteinen hochkant errichtet, mit 15 bis
20 cm Zwischenraum und Ausfüllung mit durchaus trockenem
Schlackensand.
Im Betrieb der Rheinischen Stahlwerke G. m. b. H., Mülheim
a. d. Ruhr werden mit nur 15 Personen bis. 70 000 Steine im
Tag hergestellt.
Auf die allgemein amtliche Anerkennung der Hochofenschlacke
als Zuschlagsstoffe für die Herstellungwvon Beton ist in
den amtlichen Bestimmungen, sofern eine Eignungsprüfung voraus-
geht, unter § 5, Ziffer 2 aufmerksam gemacht1).
Vielfach wird die Hochofenschlacke als Mörtelzuschlag ver-
wendet. Auf besonderen Kollergängen wird die granulierte Hoch-
ofenschlacke gemahlen, mit Kalk und Wasser angemengt (etwa
1 Teil Zement + 5 Raumteile Schlackensand + 15% Wasser)
9 Den Berichten über die Versuche der vom preußischen Ministerium
der Öffentlichen Arbeiten eingesetzten besonderen Kommission ist zu ent-
nehmen, daß sich aus Hochofenschlacke ein ebenso guter Beton als mit Ries
herstollen läßt, daß das eingebettete Eisen In keiner Weise leidet und die
Schlacke keinen unmittelbaren Einfluß auf sein Rosten hat. Die verschiedenen
Versuchsreihen erstreckten sich auf 3 und 5 Jahre Dauer.
Anhang. 277
und als fertiger Mörtel in Gruben abgelassen. Es können dann
von ein und derselben Stelle aus viele Baustellen im Bezirk versorgt
werden. .Untersuchungen haben gezeigt, daß ein solcher Schlacken-
sandmörtel ganz erheblich leichter als Rheinsandmörtel, bezüglich
der Festigkeit dem Rheinsandmörtel aber durchweg Überlegen ist.
Für die Gewinnung von Schotter für weitere Verwendung zu
Beton, Gleisbettung. und Straßenbau läßt man die Hochofenschlacke
in «Kübeln erstarren, kippt sie ab und ü*|ennt sie nach Durchgang
durch Brecher und Siebtrommel für die einzelnen Zwecke nach
Korngröße. Wichtig ist nur, daß Schlacke, die zum Zerfallen
neigt, vor der Aufbereitung ausgeschieden wird. Solche verdächtige
Schlacke läßt man zweckmäßig S Tage lang liegen und beobachtet
ihre Beständigkeit; zeigen sich nach 8 Tagen keine Zcrfallprodukte,
so kann man auch diese Schlackenklötzc mitverarbeiten. Da aber
meistens erheblich mehr Klotzschlacke zur Verfügung steht, als
für die Aufbereitung entsprechend der Lieferverträge notwendig ist,
wird man immer nur die beste Schlacke auswählcn.
Neuerdings scheint das Verfahren mehr an Bedeutung zu ge-
winnen, nach welchem man die flüssige Schlacke in gjoße Betten
gießt und sie in mindestens 5 cm starken Lagen übereinander er-
starren läßt, um auf diese Weise eine Temperung hcibeizul Uhren.
Das so gewonnene Material wäre besonders für Gloisbcttung
gut geeignet.
Für Wegebauten wird grobe StÜckschlackc hantig zum Ver-
sand gebracht; die erstarrte Ktotzschlacke wird von llnnd zer-
kleinert, in Kippwagen gefüllt und direkt in Eisenbahnwagen ent-
leert. Korngföße bis 25 cm.
4. Leichtbeton nnd leichte, auch kohlesparende Dacli-
eindeeknngen.
Der Leichtbeton ist namentlich für den Schiffs- und Waggon-
bau von Wichtigkeit. Vom Beton werden hier die folgenden Eigen-
schaften gefordert: Geringes Gewicht, Wasserdichtigkeit und genü-
gende Festigkeit auf Druck, Zug, Schub und Stoß. !>.*% geling*
Gewicht ist nötig, um die Tauchtiefe zu verringern. <•* cm
sich in dieser Beziehung die Verwendung von Tiaß und Bimu*«d
bzw. Bimskies. Geeignete Zusammensetzungen sind in drt
218
Anhang.
Seite 279 gegebenen Tabelle angegeben (Versuchsergebnisse von
Leichtbetonproben der A. G. Dyckerhoff & Widmann).
Die Hinzufügung von Traß ändert das spezifische Gewicht
der Mischung nur« unwesentlich, vermindert auch keinesfalls die
Festigkeit, erhöht sie sogar in gewissen Fällen. Wichtig ist aber
vor allein der Umstand, daß ein Traßzusatz die Mischung auch
gegen Meerwasser widerstandsfähig und überhaupt gegen schädliche
Agentien, wie Salze und Säuren, unempfindlicher macht. Der Beton
wird dichter, zäher, elastischer und widerstandsfähiger gegen Stoß.
Ein Ersatz des Flußsandes durch Schlackensand vermindert
das spezifische Gewicht, anderseits aber auch die Festigkeit in
ziemlich starkem Maße. Eine weitere Verminderung der Festigkeit
würde eintreten, wenn man statt des Schlackensandes Bimssand
verwenden würde. Das gleiche gilt von einem Ersatz des Fluß-
kieses durch Bimskies. Schlackenlava stellt, sofern es sich um die
Festigkeit handelt, einen vollwertigen Ersatz für Kies dar.
Sämtliche in der Tabelle angegebenen Mischungen weisen einen
derart reichlichen Zementgehalt auf, daß man die Mischungen als
vollkommen dicht gegen Wasser bezeichnen muß. Weitere Dich-
tungsmittel sind nicht nötig. Bei den Probeausführungen ist sogar
bei einem Wasserdruck bis 2,5 at vollkommene Wasserdichtigkeit
gewahrt geblieben. Besondere Stoß versuche durch Fallgewichte
zeigten eine bedeutende Widerstandsfähigkeit und Zähigkeit des
Betons. Der Leichtbeton weist zweifellos eine höhere Elastizität
auf als der Kiesbeton. Es wurde auch eine hohe Haftfestigkeit
zwischen Eiscneinlage und Beton festgestellt. Bemerkt sei noch,
daß bei allen Proben Platten mit beiderseitiger schwacher Beweh-
rung, wie solche bei den dünnen Platten im Schiffbau in Gebrauch
ist, verwendet wurden.
Die Tabelle zeigt den Einfluß der Verschiedenartigkeit der Zu-
schläge; die Korngröße dieser Zuschläge beeinflußt die Geschmeidig-
keit des Mörtels. Man erkennt außerdem die Herabminderung der
Festigkeiten mit abnehmendem spezifischen Gewicht.
Die vorstehend angegebenen Mitteilungen der Dyckerhoff und
Widmannschen Versuche sind in den Mitt. 1920 S. 89» 105 ein-
gehend behandelt worden. Auch die A. G. Wayss & Freytag hat
derartige Versuche durchgeführt (vgl. Mitt. 1919 S. 141). Auf
Grund dieser Versuche wurde für den Bau der in Frage kommen-
den Schiffe mit einer Mischung aus 8/i Zement, l/fl Traß, 2% Zuschlags-
Leiehtbetonproben der A. G. Dyckerliofr & Widmann.
» 1 LM- 1 Mischungs- । Verhältnis Mise c § £ M hungsverhältnisse in Raumteilen 1 Muschel- Rhein- 1 Rhein- Bims- Bims- kalk । sand kies sand kies 0—3 | 0—5 5 -10 0—5 5—io • Nach 4 ^Vochen ??ez‘ Zug . Druck »Gew. s | • Bemerkungen •
I 2 3 4 5 N o m O 7ö O o rO fC 1 । o,5 __ 1 | o.5 , i 1 o,5 1 | o,5 i 0.25 O,ä | 1 1 1 1 " ! 1 1 1 1 * 0 1 e Q N « IC " R 1 ‘0 ‘0 1 । 1 0 o ' 1 1 - - ? «.55 ' «o 1.95 ’S i,95 26 i,6o 24 1.65 ,3 1 180 trotz fetter Mischung nur geringe Festigkeit1)
210 220 190 <75 schwer, aber gute Festigkeit desgl. Nr. 1 ähnlich, aber höhere Festigkeit schwerer, auch geringere Festigkeit als Nr. 4
»;i m.ix. i. i i•
• . 1 u'ie F «Vf«•
• *r < 1 t 4m BoHtaan i et*a zur Hälft«, durch Rheinland und -kies, so
-% r4 ig *«"• «ru-eie«* sj-e*»a»eben fi**wicbt xrd 1.!*»».
Anhang.
280
Anhang.
stoffen eine Festigkeit von 200 bis 250 kg/qcm nach 45 Tagen bei
einem spezifischen Gewicht von 1,6 bis 1,7 erzielt. (Die Tabelle von
Dyckerhoff & Widmann gibt die Festigkeiten für nur 28 tägige Er-
härtung an, was zu beachten ist).
Bimsbetondiclen und -kassettenplatten sind bereits an anderer
Stelle besprochen worden. Es sei auf die Seiten 11, uo, sowie die
Abb. 6, 29, 52 m, 236 bis 240 aufmerksam gemacht. Solche Bims-
betoneindeckungen erscheinen aber nicht in jedem Falk- vorteilhaft,
weil die Festigkeit des Bimsbetons eine nur verhältnismäßig geringe
ist und außerdem die Bimsdielen durch Dämpfe und Gase leicht
leiden können. Ist keine genügende Bewehrung vorgesehen, so
muß stets mit einem gewissen Bruchverlust gerechnet werden. Immer-
hin haben die Abdeckungen mit Bimsbeton, namentlich in West-
deutschland, sehr viel Anklang gefunden.
Die Feuer ton platten (Bauweise Leschinsky) sind in reinem Ton
hergestellt, 5 bis 7 cm stark, 1,0 m lang und 20 bis 25 cm breit.
Sie sind mit Hohlräumen versehen und weisen eine genügende
Bruchfestigkeit auf. Gewicht dieser Platten bei 6 cm Stärke nur
40 kg/qm. Gegen Wasser, Feuer, Frost, Gase und öle sind sie
unempfindlich. Auch wirken Temperaturspannungen und Schwind-
erscheinungen nicht ungünstig ein. — Bei größerem Spaltenabstand
als 1,0 m gelangen Steineisendielen mit Eisenbewehrung in den
Zementfugen zur Anwendung. Diese Dielen bestehen aus porigen
Lochsteinen von 20 • 30 cm Fläche und ebenfalls 6 cm Stärke.
Die Aufbringung von Dachpappe erfolgt etwa nach Maßgabe der
Abb. 246 bis 248. Überhaupt sei an dieser Stelle auf die in ge-
nannten Abbildungen veranschaulichte Zomaksche Bauweise empfeh-
lend hingewiesen.
Holz- und Schilfbeton.
Neuerdings sind Versuche mit einer Bewehrung der Zugzone
des Eisenbetons durch Holzstäbe oder Schilfrohr als Ersatz für
Eisen unternommen worden1). Wenn die Versuche auch noch nicht
als abgeschlossen gelten können, so haben sie doch ergeben, daß
1% Eisenbewehrung etwa die gleiche Tragfähigkeit erzeugt wie
15% Schilfquerschnitt. Die dem Holz im allgemeinen anhaftenden
’) Vgl. v. Emperger ..Holz und Schilf als Ersatz des Eisens in der
Zugbewebrnng*- (Beton u. Eisen t919, Heft 1 und 3). — Weiterhin vgl. Mitt.
1921. S. 19.
Anhang.
281
unangenehmen Eigenschaften des Arbeitens im Mörtel können durch
Auslaugung und Durchtränkung, also durch Vernichtung der orga-
nischen, zur Fäulnis neigenden Bestandteile beseitet werden.
Tektohplatten werden von den Deutschen Steinholzwerken
(Berlin NW40) in den Handel gebracht. Es sind Platten, die in
Längen bis zu 3,50 m, in Breiten von 40 cm und in Stärken von
16, 30, 35 und 45 mm, entweder mit vollem Querschnitt oder mit
kassettenartigen Aussparungen auf der Unterseite, angefertigt werden.
Die Fugenstöße erhalten Nut und Feder, die mit einer besonderen
Kittmasse äbgedichtet werden können. Die zur Herstellung der
Platten verwandten Stoffe bestehen aus Sägespänen und gemahlener
Hochofenschlacke; als Bindemittel wird Magnesiazement verwandt.
NacJ Maßgabe der Abb. 633 dienen zur Aufnahme der Zugspan-
nungen Holzeinlagen aus gewöhnlicher Kleinschnittware, gelegentlich
auch SclTilfrohre und andere langfaserige Stoffe. Die Platten
kommen völlig erhärtet u
Holz bearbeiten, können
also, gesägt, genagelt und
geschraubt werden, sind
feuersicher und leicht.
Beispielsweise beträgt das
Gewicht einer 30 mm
starken Diele mit gerillter
Unterseite nur 21 kg/qm.
dämpfend, schwamms!eher
Tabelle S. 267).
trocken auf den Bau, lassen sich wie
Die Tcktonplattcn sind außerdem schall-
und geruchlos. Wänncleitzahl <>,15 (vgl
5» Feuerfeste, feuersichere, glutsichoro Ihm weisen1).
Auf Grund des Ergebnisses der Versuche der letzten Jahre*
werden von der Städtischen Baupolizei in Berlin die in
Nachstehender Zusammenstellung aufgeftthrten Bauweisen als feuer-
fest, als feuersicher oder als glutsichere Ummantelung anerkannt.
, Als feuerfeste (sprachlich verwechselungsfreier und zu-
treffender „feuerbeständige“) Bauweisen sollen hierbei grundsätzlich
solche gelten, die dem Feuer in gleicher Weise widerstehen, wie
eine 12 cm starke Wand aus Ziegelsteinen oder eine 6 cm starke
Diese Begriffsbestimmung der verschiedenen Grude do* b'oiii-i’Nehuix* «
ist sehr wichtig. Die Zusammen Stellung erleichtert die Auswahl «Inor 1i»u
weise für einen bestimmten Zweck. Das Berliner Raupuli/.eiinnt wird
Mitteilungen über abweichende Erfahrungen entgcgcnnolinn n.|
282
Anhang.
bewehrte Betenwand, wenn ihre Höhenmaße den üblichen Stock-
werkhöhen entsprechen.
Als feuersichere (Feuerschutz bietende) Bauweisen sollen
solche gelten, die dem Feuer in gleicher Weise Widerstand leisten
wie ein i Vs cm starker Kalkputz.
Als glutsichere Ummantelung (oder besser: „erhöhten
Feuerschutz bietende“ Bekleidung) sollen solche Bauweisen gelten,
die dem Feuer den gleichen Widerstand leisten wie 3 cm starker
bewehrter Beton.
Als feuerfeste (feuerbeständige) Bauweisen gelten:
a) Wände bis zu gewöhnlicher Stockwerkshöhe:
1. 12 cm starke Wände aus gebrannten Ziegelsteinen oder
Kalksandsteinen, die eine Druckfestigkeit von mindestens
150 kg aufweisen.
2. 9 cm starke bewehrte Schlacken beton wände im Mischungs-
verhältnis bis 1:5.
3. 8 cm starke bewehrte Wände aus Bimszementdielen.
4. 6,5 cm starke bewehrte Wände aus gebrannten Vollziegeln
oder porösen Ziegeln (Prflßwände). Die zu verwendenden
Ziegel müssen eine Druckfestigkeit von mindestens 150 kg
und eine Porosität von weniger als io°/0 aufweisen.
5. 6 cm starke bewehrte Betonwände aus Kies, Kalkstein,
Basalt bei einem Mischungsverhältnis von 1:4. Desgleichen
bewehrte Zementplattenwände vom gleichen Mischungsver-
hältnis.
b) Treppen.
r. Kunststein treppen (Stufen aus Zementkunststein mit Eisen-
bewehrung).
2. Eisenbetontreppen (Stufen und Lauf gleichzeitig hergestellt
mit Bewehrung und Mischungsverhältnis 1:4).
c) Türen (feuerbeständige Türen müssen einer Feuersglut von
900 Grad Celsius mindestens Vs Stunde lang Widerstand leisten).
Türen aus doppelten, mindestens 1 mm starken Eisenblech-
platten mit Asbesteinlagen, die selbsttätig zufallen, in
15 mm breite Falze aus feuerbeständigem Baustoff schlagen und
dicht schließen. (Systeme Berner, König u. Küken, Schwarze,
Grinell-Springler, Ungerer, Gruhle, Renner, Kuppler, Panzer A.-G.)4.
d) Verglasungen. Sie müssen den Einwirkungen des Feuers
und Wassers so viel Widerstand bieten, daß innerhalb einer
Anhang.
2S3
halbstündigen Brenndauer (1000 Grad Celsius) ein Ausbrechen
der Scheiben oder Verlorengehen de*» Zusammenhanges des Fensters
nicht cintritt.
,* Drahtglas von mindestens 8 mm Dic'/e.
^Is feuersichere (Feuerschutz bietende) Bauweisen gelten:
a) Wände.
r. Bretterwände, die mit Mörtel abgeputzt oder in sonst gleich
wirksamer VVejse gegen die Übertragung von Feuer gesichert
sind.
Wände aus^Gips, Kunststein oder dergleichen Platten.
3. Ausgemauerte Fachwerks wände, Rabitzwände, Drahtziegel-
wände und dergleichen.
b) Treppen.
1. aus natürlichem Sandstein.
2. aus Eisen oder Eichenholz.
3. q^is anderem Holz oder aus natürlichen Steinenw’enn die
Unterseiten der Stufen bei ersteren gerohrt und geputzt, bei
letzteren gejhitzt oder bei beiden mit einer gleich wirksamen
Bekleidung versehen sind.
c) Türen.
Holzttiren aus 25 mm starken gespundeten Brettern mit beider-
seitig laufgeschraubter oder aulgenietctffr Eisenblechbckleidung,
miW unverbrennlicher Schwelle und Türwundung, in ma»ivc Faire
schlagend und selbsttätig schließend.
d) Verglasungen aus Glasbausteinen, Drahtglas, Glastufcln nach
Art der elektrolytischen Verglasung und mit Eisenbetonspnuscn.
Als glutsichere Umfnantelung (erhöhten Feuerschutz bietende
Bekleidung) gelten:
1. 7 cm starke Gipsplatten (Mischung: Koksasche, Gips, Sand
1:4:5) mit Eisenbewehrung.
2. 5 cm starker Rabitzputz auf Drahtgewebe.
• 3. 5 cm starke Bimszementdielen.
4. 4 cm starker Asbestzement auf Drahtziegelunterlage oder auf
Drahtgeflecht.
5. 3 cm starker bewehrter Beton aus Kies, Kalkstein oder Basalt
(Mischung 1 : 4).
Verlag von WILHELM ERNST & SOHN, BERLIN W66
Wilhelmstraße 90.
BETON»EISEN
Internationales Organ flir Betonbau
Herausgeber: Dr. Ing. F. Emperger, Oberbaurat
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