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                    ?lltpreu$en
Viertelfabrsfcbrift für Vor» unb 5rül>gefd)td)te
^erausgegeben vom Seminar für Vor» unb Jrübgefcbidjte an ber Albertus»Univerfität
unb bem pruffia»lTIufeum in Königsberg.
Jahrgang 1
lluguft 1935
6eft 2
1. llbljanblungen*
Die Schnalle von ©dmlftein
mit arabifdjer Schrift.
Von W. (G a e r t e.
T)em (Graberfelb von Sdjulftein1), Kreis Königsberg, entflammt eine Sdinalle,
‘Mcfye burcb bie an ibr fidjtbaren feltfamen 3eid?en eine einzigartige liiert»
^ürbigteit barflellt (Abb. j — nad) W. ®aertez Urgefd)id?te (Gflpreu^ens, )920,
552 Abb. 267c). Über eine beflimmte ^unbzugebörigfeit fann nichts ausgefagt
Serben, ba fämtlidje (Grabbeigaben, bie bei Ausbeutung einer Kiesgrube zutage
tc4ten, „nicht fyflematifd) ausgegraben, fonbern von 3eit zu 3«* aufgefammelt
korben ftnb"2). Tue Belegung bes ^riebbofes fyat in ber frühen Wifingerzeit
^gönnen; bie leisten Ausläufer reidjen bis in bie (Drbenszeit hinein. (Gefenn»
5eid)net ivirb bas (Graberfelb burd) bie für jene 3eit in Altpreu^en üblidjen
^genannten Afdjenplätze mit zaljlreidjen Pferbebeflattungen. (Entgegengefetjt zu
bem in ber VTäbe gelegenen ^ügelfriebbof ber Wifingerfolonie von Wisfiauten
^nni. j) banbclt es ftd) bei Sdwlflein um ein ^ladjgräberfelb ber einheimifdjen
'Utpreufjen.
5>er v^erftellungsfloff ber besagten ©djnalle ifl ülefftug. über il}re Pforrn gibt bie
',J’b. j genügenbe Auskunft. Als Verzierung zeigt ber 23ügel an ben Känbern ein»
Seterbte, bidjtgeflellte Kurzftrid^e, bie (Dberfläd^e ber feitlid>en Kabmenteile ein
’ü Strid^art ausgefübrtes ,jled)tmufter. Jür bie SpiQe bes jeQt feblenben Sporns
in ber lllitte bes 23ügels eine nad) oben fpit; zulaufenbe Kerbe gefdjaffen. 2?ie
$äd?e bes Uugels ifl raub geflanzt; bie barauf eingeritten Verzierungen ftnb mit
^iedo3) ausgefüllt. 5?iefe (Einlagen greifen and) teilrneife auf bie Seitenflege über.
@cf)ulftein liegt etwa 5 km füblicb vom fübtvefilidjen ^’u^punft ber Kurifdjen
'*ll)rung entfernt, runb 2500 m (Äuftlinie) ofilid) vom Wifingerfriebbof bei Wist tauten.
2) Sitzungsberichte ber AItertums»®efenfchaft prujfta, i^eft 25, 11. Teil, jpjq, S. 5-24.
3) VlieHo ift eine bunfle, aus zufammengefd)moljenem Silber, Kupfer, 2?Iei, Sdjmefel
U11fe 25orap gemifdjte ITiaffe.

66 Was bebeuten bie mcrkwürbigen 3eid)en auf bem 23ügel ber ^rbiiallc: Ulan ernennt beutlid), baß ßd) 3wei 3cid)en, bas eine breimal, bas anbere jrveifad) wieber* Idolen. iDas breimal wiebcrgegebene beßent aus 3wei ßodjßehenben Firmen mit unterem (ßuerßeg unb eine? in bie IHitte ßineingeßellten kremförmigen ^'igur mit ber 3<xbl nad) wedtfelnben (ßuerfproffen. 2?as zweite 23ilb, bas ßd) wieberßolt, 2lbb. ). 3 :4 2(bb. 3. 2:3 2(bb. 4 2lbb. 2 : 3 ?lbb. ). (3d)tilßcin, Kr. ^ifcßbaufen. 2(bb. 2. FSairam—*3u. (nach Jirne, La Suede et l’Orient, S. 97 2lbb. 48). ?lbb. 3. tTlalfwiij, Schloßen (nach peterfert a. a. (b.). 2(bb. 4. SJerejan (nad) £leve a. a. <L\). ?(bb Unna—Saiva, Äavlanb (nach Peterfen a. a. O.). ähnelt einem umgekehrten lateinifdjen N. Ked)ts tvirb bie Xeibe burd) urei ^in^eb bilber befdtloßen. 25ic erfte Vermutung bie ftd) beim 25etrad)ten ber 3eid)enreibe aufbrangt, iß bie, baß es ftd) um P5d»rift l?anbeln konnte. 3?a nun lateinifd?e 2?ud)ßaben nidit in ^rage kommen, ebenforoenig norbifdje Kunen, muß nad) einer anberen @d)rifh art Umfdjau gehalten werben, bie ben 3eid)en vielleicht jugrunbe liegen könnte. l£me “Vorfrage wäre $uerß 311 beantworten: Woher ßammt bie Sd)nalle von Öd)ulßein> i£aß fte nidit in Oßpreußen bergeßellt worben iß, beweiß ihre l£in3it^
67 Artigfeit. 3pre (Begenflücfe heftet fte vornepmlid) in Subrußlanb4), wo allerdings bisher niemals äbnlid)e 3eid)cn wie bie Sd)ulfleiner an ben dortigen Vergleichs* |d)nallen beobachtet worben find. TroQdcm werben wir annehmen dürfen, daß tinfet Stüdr aus füdrufftfd)em (Bebiet nach (DfIpreußen verfd)lagen ifl; Kiew mag her Vcvßellungsmittelpunft gewefen fein, wo fold)e Sdjnallen für weite Abfaty gebiete gefertigt worben find5 *). Sie geboren bem )L ^abrbundert an. 5)ie Verleitung der Sdjulfleiner Schnalle vom füdrufftfdjen (Bebiet führt uns in bie Habe bes wefllid)en Apens, wo bie arabifdje Sd)rift ju Vrtufe war. Sie fdjeint mir als diejenige in ^rage zu fommen, bie man für bie Deutung ber vor* liegenden 3eid?en beranjieben darf. 3ur Stütje meiner Vermutung fei auf eine Arabifd)e Txaptorge, eine Amulettfapfel, bingewiefen, bie einem Sd)atzfunb von ÖniranvSu ((Bebiet bes Syr^aria) jugehört (Abb. i)B). 3?ie 3?ofe tragt Kaufen* üiufler und barüber eine arabifd)e 2Jnfd)rift, und jwar eine foldje von fufifdjem ^barafter7). 5Der Sd)at;, bem bie Kaptorge entflammt, gehört bem jj. □abrbunbert au8). tfin Vergleid) beibcr Sdjriftreiben miteinander läßt bie Annahme als bered)tigt erfd)einen, baß es ftd) um diefelbe Sdwiftart hAubelt. Scpmucffacpen berfelben 3eit mit arabifdjen, in VTiellotecf>nif ausgefübrten Sd)riftjeid)en waren fd)on feit langem aus weiter nördlid) gelegenem (Bebiet bes inneren Kußlands befannt; fte entflammen VuScl9vÄbern, bie in ber Vläbe von Kofiow ((Bouv. ^Jaroflaw) aufgebccft würben9), unb tragen bas Wort „Allah", bas bisweilen mehrfad) wiederholt wirb, ferner bie 3nfd)rift: „3um Kubme (Bottes." 2luf einer Kiemenfd)nalle liefl man: „Sobn bes Tufle, &H." IHit gewißen Sd)rift$eid)en jener Koflower Sd)inucffad)en hüben diejenigen auf ber Sdjulfleiner Schnalle bie allergrößte ühnlid)feit. Aus jenem innerrufßfd)en (Bebiet flammt and) eine Sdjnalle bes vorliegenden Erps (vgl. Annt. 4). Um in ber Deutung ber Sd)ulfleiner 3eid?en ftdjer 511 geben, erfolgte meiner* feits eine ?lnfrage bei bem Staatlidjen Hlünjfabinett in Berlin, bas mir bie bei ber Tßlamifdjen Abteilung eingeholte tErfundigung wie folgt freundlicpfl mitteilte: „□n bem [breifad) wiebergegebenen] Sd)riftjeid)en ifl in arabifcpcr Sdwift 4) ifs rühren per vom unteren 3?njepr C, Daurien, (Bouv. Kiew obere SDesna, <Bouv. Vlowgorob j, (Bouv. Vlabimir ), Kama j, iEransuralien ), nad) »Cleve, 'Jünger* eifenjeitliche ^unbe von ber Jnfel S'crejan (Eurasia septentrionaTis antiqua IV J929, S. 260). if. p e t e r f e n, Einige fruhgefd)id)tlid)e Altertümer aus Sd)leften in ihren Beziehungen 511m Baltifum unb Sfanbinavien (Sigungsbericpte ber (Belehrten 'fftnifchen <Befcllfd)aft J929 — Tartu jqsj — <3. 66) führt Schnallen berfelben vjorm von folgenben xVunbgegenben an: Sd)Ieften (1), po!en*WoIhynien (j) — mit nicllocinlage —, Kuß* lanb (2), nörbl. Sd)wcben (2). 5) Vgl. Cleve a. a. <B. S. 26j: ,,T>ie große Anzal;! ber vVunborte in ben Um* gegenben von Kiew iß wohl faum 3ufälligfeit. 5)ie »Crflärung biefer Tatfacße liegt wabrfcheinlid) in bem Auffcßwung von Vanbel unb Jnbußrie in biefer (Bcgcnb." ö) Vlad) Arne, La Suede et l’Orient (Archives d’Etudes orientales, vol. 8, J9J4) *3. 97 Abb. 48. 7) Kufa eine Stabt am »fuphrat, patte feit bem 7. Jahrpunbert eine Sd)rift aus* gebilbet, bie befonbers für Koranpanbfcpriften Verwcnbung fanb, aber aud) auf IHünzen ’nopammcbanifd)er Vcrrfd)er bes 7. bis jo. Japrpunberts erfepeint. 8) Vgl. Arne a. a. (B. unb 3af imowie), über bie Vcv^unft ber <3acffilberfunbe (Congressus secundus, Aiga, )95), S. 264, Taf. IV). 9) A. (Buvaroff, Etüde sur les peuples primitifs de la Russie. Les Meriens, )87^, S. 38 f.
68 unb Sprad)e $u erfennen, bas? übrige ift aber Phantafte unb hat mit ber arabijcfyett Sdjrift nid)ts mehr 311 tun"1'*). So bat bie oben ausgefprod)ene Vermutung von bem arabifdjen Sd)rift= gepräge ber Sd)iilfteiner oeidien ihre Bestätigung allerbings nur mit Bejug auf bas breifad) wieberholte erfahren. 5?ie ißrfenntnis, baf bie anberen Bilber „mit ber arabifd)en Sd)rift nid)ts mehr ju tun" h^ben, Iä£t ben Sd)lufj ju, baf ein VJid)taraber bie Sd)nalle gefertigt unb nad) faum verjlanbenen SdwifLVerverungs* vorlagen gearbeitet hat, was ja aud) burd) ihre Pforrn unb bereu Verbreitung nabegelegt wirb. ITtögIid)crweife verbanft fte ihre £ntfM)ung einem fd)webifd)en Wifing (— Waräger); bar auf tonnte bie norbifdje ^ledjtbanbverjierung auf ben Seitenwegen hinbeuten, bie auf Xingfibeln fd)webifd)er ^erfunft fowobl in Kuf- lanb «bouv. ^aroflaw: Uwarow, Les antiquites des Meriens = Sampel, £ue Altertümer bes früh. ITtittelalt. in Ungarn I S. 82j Taf. A) wie in (Dftpreufjen ju belegen ijt. ££s bleibt nod) bie ^rage $u beantworten übrig, auf weld)em Wege bie Sd)tiL Weiner Sd)naUe aus bem Innern Kuflanbs nad) Altpreufen gelangt ift. 35er unmittelbare gerabe, unb baber tür^ejte Weg über Litauen erfd)eint nad) allem, was wir über bie ofleuropäifd)en v^anbelswege in ber Wifingerjeit wiffen, aus- gefd)Ioffenn). 35ie Sd)naHe hat 9^n?iW benfelben Weg genommen, auf bem aud) bie arabifd) fufifd)en UTünjen nad) ben Räubern um bie Ojtfee gelangt ftnb, nämlid) über bas norbbaltifd)e (bebiet auf bem Seewege burd) ben Wifingerhanbel10 * 12 13). £s ifi wol)l fein 3ufaU, bafj ftd) gleidmrtige Sd)naIIen wie bie Sd)ul|teiner — aber ohne Sd)rift — in ben (bouv. Jaroflaw, Vlabimir, VTowgorob unb Petersburg gefunben unö ™ Vlabimir benad)barten (ßouv. ^aroflaw bie oben erwähnten Sd)mucffad)en mit arabifd)en 3nfd)riften zutage getreten ftnb. □n ben genannten ^ejirfen liegen aud) bie großen Wifingergräberfelber ber inid)ailowffoje bei Aoftow ((Souv. unb i,n Sübojten vom ^aboga^See ((ßouv. VTowgorob)14). 10) Schreiben vom jj. 2. )953. 3?er Leitung bes ITiunjfabinetts fei für bie gütige Bemühung um bie Deutung aud) an biefer Stelle herjlid) gebanft. 1X) <ß. Koffinna, Wifinger unb Wäringer (tflannus 2), )9Z9, S. 9$ f.). 12) K. 3 a f i in 0 tu i c 3 a. a. 0. S. 2^f. 13) vgl. oben Anm. 4. 14) K 0 f f i n n a a. a.
69 SurgTOallforfcßung in ©ftpreugen. Port W. Gaerte. Pie Knfänge eigentlicher Surgwallforfdning reichen in Ostpreußen joo 3al)re jurücf. hierfür liegt ein wertvoller Seweis in einem Sanb von alten ®d)riftßücfen vor, bie erft unlängß unter ben V7ad)laßfad)en bes Königsberger profeßors ^agen im prußia*Mufeum „entbecft", ftd) als litten bes Oberpräftbiums 3U Königsberg pr. aus ben fahren j 825726 ertviefen. Sie enthalten Mitteilungen ber Äanbräte Oßpreußens, bie vom Oberpräfibium jum 23erid)t über alte heibnifcbe Sbentmäler aufgeforbert worben waren. Pie erstatteten Melbungen l)atte ber ba* malige rühmlid)ß bekannte Oberpräftbent von Sdjön eigenbänbig bem beseitigen tlrd)ivbireftor P o i g t jur Kenntnis jugefcßrieben. £s ift anjunehmen, baß biefer Oelebrte bie Peranlaßung ju ber besagten Vtad)forfd)ung gegeben l)at. Pie ge* fammelten Mitteilungen ßellen gewissermaßen bie ältefte Seßanbsaufnabme vor* unb frübgefd)id)tlid)er Wall* unb Wehranlagen Oßpreußens bar; benn neben v^in* weifen auf Oräberfelber führen fte eine große Knjabl von feßgeßellten Surgwällen auf. Piele von ihnen ftnb feitbem ber Kies* unb Sanbabfußr ober ber Seacferung jum Opfer gefallen. Sefonbers wertvoll ftnb bie mitunter beigegebenen Sfijjen. Pie eingegangenen Serid)te bat profeßor 3. P o i g t für feine „Oefdßdße Preußens von ben älteßen Seiten bis jum Untergang ber <$errfd)aft bes Peutfd)en Orbens" 1. 25b. 3827 benu^t. v^ier finbet ftd) auf S. $-56/57 nämlid) ein furjer Ttbriß über bie Wehranlagen ber alten Preußen. Wertvoller als biefer iß aber bie bem jweiten Teile von X>oigts „<J5efd)id)te Preußens" beigegebene 25urgenfarte, bie jum ersten Male im (Pelänbe festgestellte unb aus alten Schriftstellern bekannte Weßranlagen vor* unb frübgcfd)id)tlid)er 3eit in ihrer örtlid)en Perteilung jur Parßellung bradße. Piefer erften behörblid) aufgejogenen unb wißenfd)aftlid) verwerteten Seßanbsaufnabme oßpreußifd)er 25urgwälle folgte fofort eine jweite. Picsmal war es ber preußifd)e /Leutnant O u i f e, ber im Auftrage ber Militärbeborbe Ost* unb Weßpreußen bereiste. Seine Aufgabe beftanb barin, alle im Äanbe vorhanbenen Surgen unb 25urgwälle aus ber Orbens* unb Pororbensjeit aufjunehmen. „Pie jabre >826—28 nahmen biefe Tätigfeit in Knfprud). IBr hätte bei feinen Keifen eine offene Orber, unb es burfte feinen ^orfd)ungen nichts in ben Weg gelegt werben"1), tlls wertvollstes Ergebnis ber Keifen Ö u i f e s liegen heute nod) im Pruffia*Mufeum runb $-50 Settel mit Sfijjen von Webranlagen vor, wovon 500 auf oßpreußifd)e 25urgwäUe entfallen Qlbb. j). Kbolf 25öttid)er2) h^t mit Ked)t Ouifes gciftvoll gejeid)iicte Äagepläne unb Knftd)ten vom Orbensfdßoß bis jur ^liebburg herab als „überaus wertvoll" unb bie Jrud)t feiner Tätigfeit als „unfd)ätjbares Werf" bezeichnet, „wenn aud) einjelne Irrtümer barin vorfommen". 1) 3. € r 0 m e, Michael Ouife, fein Äeben unb fein Werf in pruffia — <>eft 27, )927, S. 62. 2) Perfaßer von „Sau* unb Kunßbcnfmäler ber provinj Oßpreußen" in feinen Sriefcn an bie KltertumsgefeUfcbaft prußia vom jo. Kpril j89) unb j. Februar )8<?8 (Mten ber OefeUfd)aft); angefxibrt nach iroine a. a. O. S. 64.
70 3?ie von 0 u i f e t>interUffenen Arbeiten werben auf bem erflen 25latt ber erwähnten (^runbrijfe als „ynvoüenbetes ITiaterial 511m Weiterarbeiten" bejeicfynet. £ine foldje Weiterarbeit feiste erfl in ben fedjjiger □atjren bes vorigen 3abr» tnmberts wieber ein. Ubermats war es ein ITiilitärangeboriger, ber Oberft Wulff, ber, als junger (Dffijier in (Dflpreugen fiebenb, ftd) ben 23urgwaIIen biefes Raubes Kbb. ). 25lei|biftffi55e ber Weljranlagen bet Wocflitj, Kreis Elbing, von Leutnant Cßuife (bcfhtblid) im pruffia^IKufeum). mit £iebe jun^anbte unb bie ifrgebniye feiner llufnatynen unb 23eftd)tigungen in einer bis l;eute ungebrucften VJieberfdjrift barlegte. Seine 2(usfübrungen beiten allerbings fdjärferer SRritif nid)t jtanb. £üe ftebjiger 3^bve brad)ten eine ^ortfe^ung ber Tlrbeiten auf biefem (Gebiet vornebmlid) burd) 23 u j a cf , von 23ecfberrn unb 23 0 e n 1 g F. Ulebrfad^ würben bebörbltd) unterfHitjte Keifen jwect’s ?lufnabme unb lErforfdjung
71 oßpreußifcßer 23urgwälle burd) (Begruben ber provinj gemacht3). 5?ie Jrucfyt biefer Hufnaßmearbeit liegt in Seidptungen vor, bie jumeiß von ber Hanb bes Iltajors von 23oenig¥ herrüßren4). Äeiber ßaben bie Nachprüfungen viele von ben llufnaßmen als nid)t juverläßig erwiefen. <Bleid)$eitig würben in jenen fahren von rüßrigen ^eimatfrennben ertlich begrenjte (Bebiete mit ißren Weßranlagen in ben 23ereid) ber ^forfdjSIng gesogen, $. 23. von 2\. H«9wur m5) unb W i n f I e r6). jm größeren 3ufammenßange beßanbelt würben bie oßpreußifcßen 23urgwalle in ben Werfen von ’M. von C o ß a u f e n7) unb X. 23 e ß I a8 *). 3n ben adßjiger faßten wanbte bie oßpreußifdie ^’orfd)ung ißre 2lufmerffa.mfi.it and) ben über bie provins verßreuten Äängswällen 3u8). £5ie in biefem 2i4^d)nitt ber 23urgwallforfcßung vorgenommenen (Brabungen10) waren vorneßmlid) auf (Bewinnung jeitbeßimmenben ^unbßoffs gerirfitet, bod) ver« fudjte man auch fcßon bamals, burd) ße $ur Erkenntnis ber einzigen 23aiiweife ber Wet)ranlagen 511 gelangen11). infolge ber ungefd)ulten cBrabungstedptif mußten aber bie Ergebniße fehr unficßer bleiben. =23 ei ber bamaligen verhältnismäßig verffärften 2lrbeit auf bem (Bebiet ber oßpreußifcßen 23i!rgu*allforjchung fanben halb einige ftd) aufbrängenbe fragen mißenfdiaffließe 23erüd:ßd)tigung. U. a. fpielte bie ^frage nad) ber 23eociitung ber 23urgwäHe eine Xolle. Ulan glaubte in vielen altpreußifd)e Xultßätten feßen 511 müßen12). Tlnbererfeits ging man baran, gewiße Syßeme innerhalb ber feßgeßeHten Wehranlagen herausjuarbeiten13), wobei aud) bie ^ängswäHe in ben Xreis ber Erörterung über biefe Jüage ausgiebig ßincingejogen würben. 23eacbtenswert iß ber Verfudt von 23 0 c n i g f s14), auf (Brunb ber von Norben nad) Süben burd) bie Mlitte ber provins ßreießenben Äängswallreße einen breifaeßen oßpreußifcßen Hirnes feßsulegen unb ihn nut einer laut Scßrifttum ifli 14- ^aßrßunbert vom (Brben gegen bie Litauer angelegten "Perteibigung gleid)jufe^en. 2?ic Hauptfrage, bie $eitlid)e Stellung unb (Blieberung ber Weßranlagen in vorgefcßid)tlid)e unb 3) Pgl. Sitjungsbericßte ber 2lltert.«(Bef. Prußia — z, für bie Pereinsjaßre J87S- bis 1876 (abgefürjt = prüf ßa«23er id)te), Sitzung int Januar, 3um, September. 4) LTIappe XI, Xll ber Tlltertumsgefellfcßaft prußia. E) 2llte Scßlofiberge unb anbere überreße von 23auwerfen aus ber Vorzeit iin pregelgebiet Litauens (Scßrift ber Pßyf.«öfon. ©efellfcßaft XIV Hcft !)♦ 6) 3Die üeßen ber “üorjeit im Ermlanb (3eitfd)rift bes Pereins für bie ©efeßießte bes Ermlanbes II, jsss, S. 387—98; ebenba S. 646—88; ebenba III j866 S. 689—93. 7) 2llte X>erfcßansungen, 23urgen unb Stabtbefeßigungen im Xßeinlanb unb Preußen (Seitfcßrift für preußifeße (Befcßicßte unb Äanbesfunbe J866, S. 6)3 ff.). 8) 33ie vorgefcßichtlicßen Xunbrrälle im ößließen 3?eutfd)lanb, j 888, S. )77 ff. 8) v. 0 e n । g f, WaHberge unb Äanbweßren im nörbl. iTeil ber ©aue (Balinbien unb Subauen (Sitjungsbericßt ber prußia, 6/ )88o, S. )29 ff). 10) $. auf bem großen Haufen bei (Bermau, Kr. ^ifcßßaufen (PrußiaSericßte »oeft 4Z 1878, S>. ff — von 2>oenigf). “) v. 23 0 e n t n g f, über oßpreußifcße 23urgroälle in ißren einjelnen Teilen (Prußia« 23ericßte Heft 6, j 879—80, S. 87 ff.). 12)23ecfßerrn, über bie 23enennungen ber oßpreußifcßen ^urgntälle unb ber pillberge im Samlanb (2lltpreußifcbe ttTonatsfcßriften 52, )898, S. 3S3 ff.). 13) 23 e cf l) e r r n , T)as ,,propuguaculum in introitu terrc Natangie“ ber Tßromf bes SDusburg III )33 (geogr. Äage) in prußia«23erid)te jz, J887, S. jo ff. v. 23oenigf, Uber Äanbesverteibigung nad) (Dßcn im ). Oaßrß. ber (Brbensßerrfcßaft (Prußia« 23ericßte 6, )879—80, S. )) ff.); Seeßufen, Sroei X>erteibigungsfyßeme aus ber ®rbetw',eit an ber (Brenje bes ©rtelsburaer unb Vleibcnbiirgcr Xreifes (Prußia«23ericf)te Nr. j8z JS9Q, (5. )3(> ffj. 14) über Äanbesverteibigung nad) (bßen (Prufßa«23eridite 6, j 879—80, S. J8 ff.)
72 orbenS3citlid)e würbe bamals fdjon fräftig angefaßt unb an einzelnen Stellen, wie fcßon erwähnt, burd) (Grabungen 311 flauen verfud)t15 *). Vas auf bie adliger 3ahre folgenbe neunte 2Jahr3ebnt brad)te feine wefent* lidjen v^ortfd)rittc. Vie vorgefd)id)tlid)*wißenfd)aftlid)e llufmerffamfeit würbe von ben umfangreidjen ©räberfelbern unb ihren Unterfud)ungen faß voKfommen in llnfprud) genommen. VJur 23e3 3enbcrgers Vielfeitigfeit verbanfen wir aus jener 3eit Jorfd)itngen and) über 25urgwälle10). Anfangs bes 20. □ahrhunberts erfolgte fobann eine 3ufammenfaßung älterer unb neuerer 23urgwaUforfd)ung burd) IE. ^ollacf in feinen „Erläuterungen 3ur vorgefd)id)tlid)en überftd)tsfarte von ©ßpreußen". Vie 3<*bl ber von ihm auf- geführten Wehranlagen beläuft ftd) auf 59?. „23ei vielen biefer Wälle", fo fd)reibt ^oHacf auf (Srunb eigener □naugenfd)einnahme, „ftnb bie Konturen faß völlig ver* wifd)t, fo baß man IKübe bat, bie ehemaligen Wallinien, bie (ßuife nod) beutlid) fd)aute, 3U ernennen. UTand)e ftnb gan3 abgetragen, wieber anbere burd) <5ranb- abfubren teilweife 3erßört, unb nur verhältnismäßig wenige gibt es, bei benen bie ehemalige Einlage nod) fo erhalten iß, wie man wünfd)te, fte ßets 3U fehen"17). (berabe hnnbert 3abrc waren vergangen, als im 3abre J928 laut ben 15e* fd)lüßen ber J927 in Kiel gegrünbeten „Tlrbeitsgemeinfchaft 3ur lErforfd)ting ber norb* unb oßbeutfd)en vor* unb frühgefd)id)tlid)en Wall* unb Wehranlagen" mit Unterßütsung ber X3otgemeinfd)aft ber Veutfd)en Wiffenfdjaft in ©ßpreußen aber» mals unb biesmal eine groß3ügige Äanbesaufnahme fämtlid)er nod) 3U ermittelnben Wehranlagen in Angriff genommen würbe. Vie Leitung innerhalb ber provin318) lag in ber ^anb bes Verfaßers. Wie aus ber einleitenben überfid)t über bie 25urg» wallforfd)ung früherer 3ahr3ebnte erftdßlid) ifl, war bereits verhältnismäßig redrt braud)bare Vorarbeit 3U verfd)iebenen 3eiten geleißet worben. ?luf ihr baute ftd) im bie neue ^anbesaufnahme auf. *^in3u tarnen als neue Unterlagen nod) nid)t verwertete ältere Karten, Urfunben unb ber einfd)lägige Stoff ber ^lurnamenforfd)ung bes 3nßituts für ^eimatfunbe an ber 2llbertus*Univerfttät 311 Königsberg pr. Vie 2lufnahmen würben teilweife vom Verfaßet* felber ausgeführt, 3um größeren Teil vom Utufeumsaßißenten Vr. »Engel, 3eit* unb be3irfsweife aud) von anberen perfonen. Vanfenswerte <$ilfe leiteten bie Kreispfleger $ r 0 m m * TlUenßein unb X) 0 i g t * Sensburg; aber nod) manch anberer ber Kreispfleger h<** in entgegenfommenber Weife feine Kraft in ben Vienß ber Sad)e geßellt, wo es einmal galt, eine fd)wer auffinbbare Wehranlage 311 fuchen. Ein befonberes Ver* bienß an ber Äanbesaufnahme gebührt ©berpoßrat a. V. C r 0 m e, ber währenb ber gan3cn 3cit unermüblid) unb forgfältig bie fd)riftlid)e Arbeit leistete, bas 2lrd)iv verwaltete unb and) bie Aufteilung ber £iße unter Verantwortung bes Verfaßers beforgte unb aud) eine Karte angefertigt fyat. £)ie Aufnahme erfireefte ftd) bis ins 3ahr )93). innerhalb ber barauf ver* wanbten 3cit würben runb 400 pläQe auf (hrunb vorhanbener Unterlagen auf* gefud)t, nacßgeprüft, unb wo im (Belänbe irgenbwic nad)weisbare Wehranlagen fefaußeHen waren, würben biefe ffi33enmäßig aufgenommen. Troij ber mannig* fad)en fd)on früher geleiteten Vorarbeiten ergaben ftd) jebod) mitunter große Sd)wierigfeiten im Tluffinben ber überlieferten Wehranlagen. Ver Utangel an 15) Vgl. bie 3ufammenfaffung in 3eitfd)rift für »Ethnologie jj, )879, S. 72 ff. Prußia*Serid)te, 17, J892, S. 40 ff.; ebenba 2j, J900, S. ff. 17) E. ^ol la cf, a. a <£>., tooS, S. LXXX. 1S) Vie Tlufnahme in bem Xegierungsbe3irf Weßprcußen (inarientverber) beforgte ber ßcllvertretenbe ßaatl. Vertrauensmann profeffor Vr. *E b r l i d) * »Elbing.
73 ®elänbefkijjen mit genauerer .feßlegung ber betreffenben Stellen, worauf bie frühere Seit wenig Wert gelegt hatte, fiel erfd)werenb ins (Bewid)t. Vielfad) liefen |id? bie von älterer Seit l?er bekannten piätje aud) besbalb nid)t mehr im (Belänbe auffinben, weil bte 2(ckerkultur fte wabrfd)einlid) vollkommen eingeebnet hat ober "Kies-, Sanb* unb Lehmabfuhren ganje Berge haben verf d)winben laßen. Worüber fd)on t^ollacf fein Bebauern ausbrückte19), baß nämlid) ber Sah« ber Seit ben einzi- gen 23eZanb an Webranlagen arg gefdjmälert hat, würbe burd) bie neueße 2luf* nähme leiber beßätigt. Vas Kntliij bes ^eimatbobens hat ftd) veränbert, unb bamit ftnb viele ber ehrwürbigcn Venkmale ber Vorjeit für immer bal)ingegangen. Ver* ßänbnis unb 2ld)tung haben inbeßen eine nid)t unbeträd)tlid)e Sahl von ihnen er* halten, von benen man hoffen kann unb möd)te, baß fte ber Vlacßwelt verbleiben. Vie BurgwaHforfd)ting barf felbßverßänblid) mit ber 2lufnabme bes Beßaitbes keineswegs als abgefdßoßen betrad)tet werben; vielmehr bilbet biefe Beßanbs* aufnabme nur bie (Brunblage, von ber aus nunmehr weitere Unterfudningen 51t erfolgen haben. Ver ungelößen fragen gibt es auf biefem (Bebiete genug, Vie ju* näd)ßliegenbe Aufgabe für bie oßpreußifdje Burgwallforfdptng ber künftigen Seit iß folgenbe: IHöglidtß ftd)ere Seitbeßimmung ber bisher nad)gewiefenen Webranlagen. Selbßverßänblid) kann hier leigten Enbes nur ber Spaten volle ‘Klarheit fd)affen, ba ber (Bberfläd)enbefunb täufdien kann. Erß wenn jeber einzelne Burgwall jeitlid) beßimmt iß, können weitere fragen jur Erörterung kommen, 3. 25. bie Be* beutung ber Webranlagen mit Bejug auf Sieblungsgefd)id)te, Verkehr (^anbels- wege) unb Kriegskunß. Ver Klärung bebarf ferner bie .frage, weld)e von ben frühorbensjeitlidten Burgen ben jum Sd)utje ber eroberten altpreußifd)en (Bebiete vom Kitterorben angeftebelten beutfd^en ?lbels* unb Lehnsleuten jujuweifen ftnb20). 23cjüglid) ber vorgefd)id)tlid)en Wehranlagen gilt es, ber nad)jugcben, weld)e von ihnen als eigentlid)e Volksburgen Qfliebburgen) ju betrad)ten ftnb unb weld)e als ^errfdjerfttje21) innerhalb ber (Bau* unb Stammesbejirke. 2lud) ber (Drben bat .fliehburgen jum Scbutje ber bebrohten llltpreußen gegen bie Einfälle ber Litauer angelegt; fte gilt es nad)juweifen. Vabei wirb gleid)jeitig bie ^rage ber Klärung jugeführt werben können, inwieweit unb in weld)er Weife ber (Brben vorgefd)id)tlid)e Webranlagen verwertet unb umgebaut hat Weitere für bie (Befcbidjte bes Laubes wid)tige fragen barren ber Beantwortung: Wißen vielleicht bie Burgen bes weZlid)en Teiles ber provinj aus ber (Botenjeit (Dßpreußens ju berid)ten? <>at bie ^errfcßaft ber Wikinger im Samlanb Spuren auf Burgwällen hinterlaßen? 2lud) ber .frage ber Längswälle wirb ftd) bie künftige ^orfd)ting juwenben müßen. <$icr banbelt es ftd) um bie Erkenntnis, weld)e Längswälle ber (Brenjjiehung unb weldje ber Lanbesverteibigung gebient haben. Wenn W u l f ß a n 22) von „vielen Burgen im Keßenlanbe" berid)tet, fo legt biefe VTad)rid)t ben Sd)luß nabe, baß bie Sahl ber einß vorhanbenen BurgwäUe, bie burd) bie neueße Beßanbsaufnabme nad)weisbare bebeutenb überßieg. fllögen aud) viele gänjlid) verfd)wunben fein, Aufgabe bleibt es fernerhin, mit biefer letjten Aufnahme ftd) nid)t ju begnügen, fonbern weiter ben Spuren burgwaU* 10) Vergl. oben S. 2Ü) Vgl. Peter von ^usburg, Chronica terrae Prussiae III cap. 27: Plura alia castra aedificaverimt nobiles eit foederati, qui de partibus Almanie cum omni domo et familia et cognatione venerunt in subsidium dicte terre. -') VJad) bem Beriet bes Seefahrers Wulfßans (Enbe bes 9. Oabrl).) befanben ftd) im Eftlanbe (= Lanb ößlid) ber unteren Weidßel) viele Burgen, unb auf jeber von ihnen faß ein König (W. (Baerte, Urgefd)id)te Oßpreußens, 1929, Sr. 322'). 22) Vgl. llnmerk. aj.
74 verbäd)tiger piätje nad)jugeben. iDie Sagenforfd)ung Fann F>ier Wege weifen, wo ber Spaten erfolgverfpredjenb anjufetjen ifh Aud) pflanjenFunblid)e 25eobad)tungen auf gern bei menfd)lid)en Wotjnflätten wad)fenbe Pflanjen unb gewiffe "Kräuter unb Sträudjer, bie int 25urgwallbewud)s tjerrfdjenb ju fein fdjeinen23), bürften als rid)tunggebenbe ^inweife in 23etrad)t Fommen. 3?ie Hofung einiger ber hier aufgeworfenen fragen haben bereits bie früheren ©efd)led)ter ^erbeijufütjren verflicht,. ohne jebod) irgenbwie ju einem »Enbjiel ju gelangen, tiefes Fann nur fdfrittweife erlangt werben. ©rabungen großen Stils unb entfprecbenb umfangreidje Wittel ftnb bie Porausfetjungen hier» für. ©n ben letjten fahren ftnb bereits Unterfudjungen auf ofipreufifd)en läurg- wällen ausgefütwt worben, bie auf ©runb ber vorgefd)rittenen verfeinerten ©rabungstecbniF unb genaueren 23eobad)tungsmbglid)Feit einige fragen jur 'Klärung brachten. 3m 3af>re 19:7 grub Univerfttätsprofeffor £>r. <3. Olafen bei ©runen* berg, füblid) von 33raunsberg. „(Es galt eine 25urg ju erforfd)en, bie nad) bem (Dberflädjenbefunb ju urteilen, als vorgefd)id)tlid)e Wehranlage mit orbensjeitlid)er übcrfd)id)tung angefprodjen werben Fonnte. 3?ie gefd)id)tlid)e 23enutjung ber 25urg war jubem burd) UrFunben beglaubigt"24). £)ie vom paffargetal unb einem VTebental begrenjte ^obe, auf ber bie 25urg liegt, jeigte ein verwicFeltes Wall* unb ©rabenfyflem. 3unäd)fi riegelt ein Fleiner WaU ohne tieferen ©raben bie beibnifd)e Porburg an ber Wurjel ber 15erg junge ab. 3n biefe Porburg ift ber ©raben ber gefd)id)tlid)en 23uvg hinein* gefd)nitten mit einem Wall bal)inter. (Es folgt bann bie Abfd)nürung ber beib* nifd)en ^auptburg, beflebenb aus jwei bintereinanber liegenben Wällen mit flad)en ©rabenmulben. 3u biefer beibnifdjen ^auptburg befinbet ftd) fd)lieflid) ber tief eingefdjnittene, mäd)tige ©raben mit bal)inter liegenbem WaU als Sid)erung ber gefd)id)tlid)en <$auptburg. Prei flad)e (Erblodjer (Mlarbellen) in biefer liefen bie jufammengefiürjten Keller von ©ebäuben vermuten. 5?ie ©rabung ergab folgenben Defunb: Am äuferfien (Enbe ber ^auptburg lag quer von Abhang ju Abhang bas v^auptbaus (Palas), etwa )3 Mieter lang unb 7 Mieter breit, unterFeUert unb als ^ad)werF aus ^olj unb Hehm errid)tet. 3n ber Mlittelachfe ber £ängsrid)tung lagen auf bem ^ufboben in gleichen Abftänben vier abgeflad)te Jelbfleine, bie als Aufleger für ^oljfiütjen ju bienen fyrtten. 3Das intereffante (Ergebnis biefer Ausgrabung ifl alfo ein Saalhaus mit Mlittelflütjen, eine ^ausform, wie fte ftd), in Stein ausgefübrt, bei ben grofen Saalräumen ber Mlarienburg vorfxnbet. 3wifd)en biefem <?aufe unb ber grofen (Buermauer würbe ein jweites ©ebäube ausgegraben. (Es befaf eine Kusbebnung von ? : 6 Mieter ©fiwefl unb einen 3 : 2. Mieter breiten Anbau, öb es ftd) bei letzterem um einen Altarraum ober um einen Zugang jum Keller banbelte, lief ftd) nid)t ftd)er fefifiellen. Aud) l)ier lag ^ad)werF vor. 25ie unterflen DalFen hatte man auf Riegel gelegt, bie Feine Spur von Mlörtel aufwiefen unb bie einjigen im ganjen 23urgbejirF blieben. (Eine flache Mlulbe in ber Vlä^e biefes ©ebäubes erwies ftd) als Sifterne jum Sammeln von Kegenwaffer. 23) X>gl. <2>. Ku nf el, 23urgroaUforfd)ung in Pommern (Pommerfd)e ^eimatpflege 3. Jahrgang, <>eft 3, S. 7 — Sonberbrucf). 24) Am jo. Ouli J289 überläft ber bamalige ^ifebof von (Ermlanb feinen beiben ISrübern unb einem dritten „£>ie 23urg als Heben", jso? wirb fte abermals erwähnt, aber fdjon J3?o fdjeint fte nid)t mehr in 25enut?ung gewefen ju fein.
75 VTeben mittelalterlichen Scherben fanden ftd) <tud) fold)e aus vorgefd)id)t lieber 3eit. Wegen (Belbmangels Fonnte der 2lbfd)nittswall nur von einer llbhangfeite angefd)ürft werben, wo ein llbflurs eine Fable fläche fyatte. zutage treten laßen, ließ ftd) ernennen, daß die hier einfl vorhandene jtvei Mieter biete Mlauer an ben Seiten'von <$oljpfählen abgefteift war, swifdjen denen Sand und Heßm* * * pacFung lag"25). 5?ie Sd)wedenfd)anje von MlebnicFcn. 3ur Tagung der „(BefeUfdiaft für deutfehe Vorgefd)id)te" unternahm die 7Utertum$gefellfd)aft Pruffta vom J7. bis 2?. 3uli joso unter Leitung von profeffor T)r. H- £1 af e n, mit Unterßütjung ber Vjotgemeinfd)aft ber beutfd)en Wißenfd)aft unb ber provinsialverwaltung Oflpreußens, eine (Brabung auf ber Sd)webenfd)anse bei Mlebnicfen. Es galt einen grabenlofen Stirnwall einer Tlbfdjnittsbefeßigung (Xanbzungenburg) 511 erforfd)en, weil anjunebmen war, baß folcße Wälle aus vorgefd)id)tlid)er 3^it flammen. „V'er 3Durd)flid) burd) den Wall legte bie inneren Sd)id)ten bloß. Es zeigte ftd), baß mehrere Erneuerungen ber v^ol^erbcmauern ßattgefunben batten. Tue Verteibigungsanlage erwies ftd) als zweiteilig. Vor einer Hauptmauer lag eine niedrige Mlauer als Porbefeftigung. Mläd)tige Steinlagerungen im 3unern ber Mlauern gaben ben Erbmaßen ^efligFeit. Tue hölzernen Wanbe ber H°^tnauer ließen ftd) burd) Pfoßenlocßer beutlid) erFennen. 3n ber Wallerbe fanden ftd) Scherben aus ber Seit vor unb nad) Th***^* (Beburt, bisher jebod) Fein fogenannter „25urgwallfd)erben", b. b. Feine 3?rebfd)eibenarbeit"28). £)ie Sd)webenfd)anje von ’Kringitten, 2\reis ^ifeßhaufen. 3m (DFtober )9?J unterfud)te 2?r. T. Engel ben Stirn wall bes 25urgwalls von Uringitten. Ein ßalbFreisförmiger Wall lehnt ftd) hier an eine 23ad)fd)lud)t an; bie Einlage erfd)eint äußerlich alfo von böd)ß einfacher (Beßaltung. 3n etwa 3wei Mieter Tiefe waren bie verFohlten 23alFen ber niebergebrod)enen Vorher* unb XücFwanb nod) beutlid) nad)juweifen. Versiegelte Erbe über ihnen beutete auf bie 3erflörung ber Einlage burd) eine ^euersbrunß bin. -luf <Brunb gut erFennbarer überrede hnt nod) eine ältere, wefentlid) Fleinere Holzerbemauer von zwei Mieter SDurcßmeßer vor ber unterfud)ten befanden, „bie bei einem T)urd)ineßer von vier Mieter etwa vier bis fünf Mieter bod) gewefen fein mag. Einige im ^nnenraum gesogene Sud)* gräben lieferten Feine ^unbe .... 3n bie fpätbeibnifd)e unb frühe Orbensseit gehören bie wenigen im Hußenranbe bes Walles gefundenen <Befäßfd)erben, bie freilich über bie Entfiebungsseit ber Einlage Feinen 2luffd)luß geben"27). Um bie vfrage ber HängswäHe ber <öfung nähersubringen, würbe vom Verfaffer im 3ttli 1951 eine (Brabung an ber {©genannten (Barbine bei TenFitten, ^Hrcis ^ifd)h«ufen, vorgenommen. Tue (Barbine fbeHt einen wallartigen Erbßreifen bar, ber ftd) swifdjen HAff unb Mleer quer über bie v^rifd)e Vlehrung $)rei T»upd)ßid)e ergaben folgenbes V>ilb: 3?ie heutige Höbe unb loreitc ifl im wefentlid)en bas Ergebnis natürlidier ’Äräfte neuerer 3eit. Es fanb ftd) nämlid) bis 511 s»ei Mieter Tiefe, von ber ErbwaHFrone gemeßen, nur locFerer Sanb vor, ber in nid)t allzu ferner 3eit seitweifc bünenmäßig angewebt fein muß. darunter lag als fefler Uern ein etwa eineinhalb Mieter h°hcr Fünfllid) auf* 25) Vorläufiger 23ertd)t von Prof. 5)r. € l a f e n Qfunbardßv bes prußia*ttlufeums). 28) Vorläufiger Vericßt von Prof. Vr. X. H- Eia f en (\£unbard)tv bes pruffia» Mlufeums). *7) Vorläufiger 25cricf)t von Vr. Engel in HartunJtfd)e 3eitung )93), 4. November, IHorgenausgabe.
76 gefd)ütteter »frbtvall, im oberen Teil mit Steinen burdßetjt, an beßen ,fuß auf Tenkittener Seite fid) ein flad)er (traben fjinjog. Wall unb (Braben aber bilbeten ben urfprünglid)en Teil ber „CBarbine", an bem ftd) fpäter ber Vünenfanb gefangen unb aufgefd)id)tet bat. Ifs banbelt ftd) bier wol)l lebiglid) um einen CBrenjtvall aus ber Arbensjeit, ber bas bifd)öfliebe (Bebiet Jfifrf^t^aufenss von bem Arbeitsgebiet ber bürg Hod)ftabt auf ber vfrifd)en Vlebrung fd)ieb. ».fine alte Karte von bejeid)itet beim aud) bie (Barbine als „CBrenjtvall". Itiit biefer ,feß* ßellung iß aUerbings nod) nid)t bas enbgültige Urteil über fämtlidte im XLanbe vorhanbenen £ängstvalle gefprodjen. fiele von ihnen werben ftd) als eigentliche £anbwet)ren ertveifen, bie ber Arbeit an ber Weßgrenje ber „Wilbnis" jum Sd)utje gegen bie »finfalle ber Litauer angelegt bat. Vie beßanbsaufnabnte ber Aßpreußifd)en Wall* unb Webranlagen in ben 3al)ren jgzS—jj unb bie bamit verknüpften (Brabungen ba^cn erfreulidterweife tvieber einmal in verßärktem fliafc ben blick ber xforfd)ung auf eine febr n?id)tige Venkmalcrgruppe gelenkt, »fine ^üUe von fragen, bie ftd) mit ibr verknüpfen laßen, beifd)en Antwort. IHögen ber oßpreußifd)en forgefd)id)tsforfd)ung in Zukunft l\raftc unb Ulittel in entfpredjenbem XUaße jur Verfügung ßeben, um bier frud)tbare Arbeit leißen ju können. (T>ie <iße ber burgwälle Aßpreußens gelangt in einem fpäteren ^eft jum Tlbbruck.) 2lbb. 2. Wieberberßellung bes XingwaQes von preufenburg, Kreis Äotjen.
77 ©cts vorgefdjidjtlidje <5<nts in ben Greifen Hlarienwerber unb Xofenberg. Y>on Walbemar £)ie Sieblungsforfd)ung, Ifier im befonberen bie lErforfd)ung ber 2lrt unb Weife, wie in vorgefd)id)tlid)er Seit bie Wanb gebaut, welche ^forrn bem ^aufe gegeben mürbe, wie bie einzelnen Raufer in einer Sieblung jueinanber Ingen, bas ifb in bem Gebiet jwifd)en Weid)fel, (Dffa unb «Sorge ein ^orfcfyungsgebiet, bem man ftd) in biefem Xaume jielbewuft wenigstens erft nad) bem Kriege jugewanbt fyat. S)en ‘Kuftai’t bilbeten bie Grabungen iEberts1) unb tEbrlid)s in IKeislatein, alfo bid)t an ber (Brenje unferes Gebietes. Su weld)en lErgebniffen ljaben bie Tlrbeiten ber leisten 3abre geführt* 5?e r 23 au ber Wanb : 3n vorgefd)id)tlicber Seit wirb t>ier bie Wanb aus ^olj gebaut. 23ei bem 23au biefer Wanb ging man wal)rfd)einlid) je nad) bem jur Verwenbung Eommenben Stoffes (£aubl)olj ober VTabelbolj) jwei verfd)iebene Wege: lEntjveber grub man bie pfoften, bie bie Wanb ju tragen batten, in bie 'Erbe fenFred)t ein unb füllte bie Swifd)enräume jwifd)en ben einzelnen Stänbern burd) Spreijen unb ^led)twerf aus, bie man mit Äebm bewarf, ober man legte bie ^öljer waagerecht auf bie lErbe, fd>nitt fte entfpred?enb ber gewünfd)ten Äänge unb 23reite bes Kaufes ju, fügte fte burd) lEinFerben an ben lEnben ju einem Nahmen jufammen unb legte auf biefen Xabmcn von waagerecht liegenben ^öljern einen neuen Xabmen, bis bie Wanb bie gewünfd)te ^öbe batte, xfür biefen Sd)weHenbatt fommen in erfrer £inie bie glatten, gleid)mäfig biefen VXabelböljer in ^rage. 5)ie in unferm töebiet nad)weislid) ältere 23auart ift ber Pfoftenbau. Pfad)* weifen läfjt er ftd) bei uns erft am lEnbe ber 23ronjejeit. Uber faß ein ganjes ^at)^ taufenb Fann ibn im VTad)bargebiet ‘Ehrlich in Succafe unb £ärd)walbe bei JElbing weiter jurütf verfolgen. J928 grub id) in K g l. VTeuborf, 'Kr. Stubm, bie Xepc eines Pfoßenbaufes aus. 23emerFenswert war: einmal, baf bie Stänber auf großen Steinen ßanben, ferner, baf: eine tiefe (^runbgrube vorbanben war. STiefe batte man bem 2lnfd)eine nad) juerß ausgeboben, fyatte bann bie einzelnen Steine mit einer ebenen Jläd)e nad) oben eingelaffen unb bann bie Wanb wahr* fcheinlid) fogar bis jur <Tiefc ber (Srunbgrube gebaut. 3n bem lodreren ‘Erb- reid) fanben ftd) jwifchen ben Socfelfteinen jablreid)e Sd)erben. (Eine berartige Unterfütterung fämtlid)er Pfoten burd) einen großen Stein unb ben 25au einer fo tiefen ^unbamentgrube fyabe id) nicht wieber angetroffen. X*on bem ^aufe waren leiber nur brei Wänbe nachweisbar. Tlud) ber <?erb war bis auf eine tiefe Sd)wär* jung bes *Erbreid)s burd) ben Pflug jerfbört. tEs mufj ftd) alfo um eine oberirbifd)e Steinpad?ung unb nid)t um eine ^erbgrube gel>anbelt l)aben. ') JEbert: 'Irufo.
78 Xeid)en Stoff für bie Sicblungsforfd)ung, befonbers für ben 23au ber Wanb, lieferte bas 5?orf ber frühen Eifen jeit ju Kl.*Stärfenau, Kreis Kofenberg. Sämtliche Pfoßen — es ^nnbclt ftd) um mehr als taufenb Pfoten — waren in bas Erbreid) eingelaßen. lluf einem Steinfocfel ßanben nur einige wenige. 3ahl* reid)e Pfoßen fyattt man aber burd) Einßampfen von Scherben in bas Pfoßenlocb ober 2lnfd)ütten von fettigem ^erbmaterial an ben Pfoften befeßigt ober fogar burd) Steine verteilt. 3?ie Entfernung jroifdjen biefen Steinen gab uns bie Stärfe 2lbb. j. Äieberthal, Kreis Ularienwcrbcr. i$erb im Sd)uije eines Winbfanges. bes Pfofiens an. derartig geftd)ert waren vor allem bie Ecfpfoßen in ben Raufern ober Ecfpfoßen ber großen palifabenreil)en. £)ie 'iEiefe bes pfoßenlod)es gefiattet uns einen Kücffdßuß auf bie <?ol)e bes oberirbifd)en Teiles bes Pfofiens. £>er praf* tifd)en Erfahrung entfprid)t, baß ein drittel ber £änge bes ganzen Pfofiens in bie Erbe eingelaffen wirb. £üe ^orm bes pfofienlocfyes ifi ganj abhängig vom Unter* grunb. £eid)ter ^unenfanb führt im (Pegenfatj ju fefiem ^oben jur 25ilbung von unverhältnismäßig breiten, im f entrechten 3burd)fd)nitt nur linfenartigen Pfoften- lod)ern. Es ifi alfo bei jeber Unterfucfyung neben ber feitlid)en Husbehnung bes Pfoftenlocfyes in ber 6berfd)id)t aud) bie ^Tiefe unb ber Inhalt feftju* ftellen. 3n 2U.*Stärfenau tonnte an einem ^aufe ebenfalls bas Einticfen ber Wanb jwifdien ben pfoften nachgewiefen werben. Kuffallenberweife lagen in biefer <J5runbgrube mehrere Steine von boppeltcr ^auftgroße. Sie werben wahrfrf)einlirf) bie Aufgabe gehabt haben, bas fenfrecßt ftehenbe fparrige flecht* werf in ber (ßrunbgrube in ber gewünfchten £age ju halten.
79 Bevor wir 511 bem <$aufe übergehen, bas Mlenfd) unb Tier gegen Winb unb Wetter ju fd)üQen fyat, ein Wort ju einem bisher im (Dflen nod) nid)t beob* ad)teten Bau. J928 lieferte «Ciebentbal, ‘Kreis Mlartenwerber, einen Wmb* f d) u tj. Um ^ang ber (liebe fanb ftd) eine )) Mieter lange Pfoflenwanb. Sie war flellenweife ),zo Mieter tief eingelaffen. (Einjelne Pfoten gingen nod) weitere 0,30 Mieter tiefer in bas (Erbreid). bem Sd)utj biefer Mlauer lagen jal)lreid)e ^erbe. Tlufer biefer einen Mlauer fanb ftd) in ber weiteren Umgebung feine Spur von BauIid)Eeiten irgenbweld)er 2lrt. Tüe Sd)erben, bie ftd) in ben gerben vor*, fanbert, weifen bie Tlnlage ber rörnif djen Kaiferjeit ju. Bie 0 r m bes Kaufes: Adr bie ^orm bes Kaufes fleht uns in unferem (Bebiete bisher Stoff nur von ber ^frül)en (Eifenjeit an jur “Verfügung. jn bie ältere 3eit führen uns bie nod) nid)t abgefdtloffenen (Brabungen (Ebrlid)S in Succafe unb £ärd)walbe. 3« ber grüben (Eifenjeit batte bas Pfoflenbaus in ben Äanben an ber Weicbfei jebenfaUs bereits ^eimatred)t. 2lHe gefunbenen Käufer ftnb red)tecEig in ihrem (Brunbrip; fte ftnb allerbings nid)t nad) Kid? Hatte unb Sdjnur gebaut. 3n biefer flimmen bie Käufer aus bem (Bebiete ber (Broßenborfer (Bruppe, alfo aus bem germanifdien (Bebiete, unb bem (Bebiet ber baltifd)en Vlacbbaren überein. Bie (Brenje verlauft ungefähr in ber Äinie <Beferid)*See—BraufenSee, nur baß bas dlueHengebiet ber Offa mit feinen Walbern unb jahllofen Seen wie ein Keil in bas germanifd)e (Bebiet vorfpringt. KI. StarFcnau gibt uns für bas baltifd)e (Bebiet reid)e TIusEunft. KHerbings fleben bie Bewohner biefer Sieblung auf \Brunb ber KeramiE -unb ber Jorm bes Kleingeräts bereits unter bem (Einfluß ber (Bermanen. Bie Sieblung liegt auf ber Spitze einer fladjen t^albinfel, bie in einen jetjt vcrlanbeten See b^rcinragt. Käufer fdjeinen, betrad)tct man fte oberfl äd)lid), alle bemfelben Typus anjugehören. (Es ftnb ohne Ausnahme red)t* ecEige Pfoflenbauten. Bei allen fleben bie Pfoflen in ber Wanb. Vergleidxn wir aber bie einzelnen Käufer miteinanber, fagen wir <>aus A mit B ober in einem einzelnen v^aufe, bem <$aufe B, bie Seitenwänbe mit ber Kücfwanb, fo liegen offen* ftd)tlid) im Bau ber Wanb flarEe Unterfd)iebe vor. 3n ^aus A flehen bie Pfoflen ber Seitenwänbe in gleid)em Hbflanbe voneinanber, fte flehen bem entfprecbenben Pfoflen ber gcgenüberliegenben Wanb fafl genau gegen* über. Bie Wanb felbfh war in biefent ^attfe nid)t in einer fdjarf umgrenjten (Brunbgrube 311 verfolgen, fonbern nur in einer flarEen Sd) wär jung mit leicht verlaufenben Känbern. -tfbnlid) wie in ^aus A ftnb bie Seitenwänbe von ^aus B gebaut. Bie XücEtpanb biefes Kaufes ifl aber nad) einem ganj anberen (Brunbfafj gebilbet. 3n biefer Wanb fleben bie Pfoflen bid)t nebeneinanber, fte bilben eine bläht gefd)Ioffene Wanb, ein KusfüHen ber 3wifd)enräume jwifepen ben einzelnen Pfoflen burd) Jled)twerE unb £ehm erübrigte ftd) jum Teil wenigflens. (Banje Käufer, aber aud) nur Teile einzelner Käufer, ftnb in Kl.*StärEenau in biefer Bauweife gebaut worben. Unb neben biefen Raufern aus bid)tflebenben Pfoflen fleben typifdie ^ad)werEbäufer. Ba innerhalb einer Sieblung Eeine -(Einheit in bem Bau ber Wanb befiehl, nid)t einmal fämtlid)e Wänbe eines Kaufes in ber* felben Bauweife gebaut worben ftnb, fo ifl, bie ,^ragt bered)rigt, ob nid)t biefe verfd)iebcne Behanblung ber Wanb auf praEtifdje (Erwägungen jurücEgeht. <$aus B, beffen XücEwanb aus palifaben gebaut ifl, ifl ftd)er Eein ^aus, bas bas ganje 2fabr über bewohnt gewefen ifl, benn ber »^erb liegt $wifd)en ben vorgejogenen Seitenwänben vor bem ^aufe. etwa ein Wirtfcpaftsgebäube) □fl es
80 2. Xl.^Starfenau. Äreie. Xofenberg: ^aus A. C? . tf o ^bb. 4. KbQtarFcnau: ^aus B. M>b. 3, KUStärFenau: ^ÖUs D. KUQtärFcnau: ^au8 h.
81 nicht etwa eine iBetreibebarre wie fte Bielenßein2; uns aus ber Miirte bes votieren □ahrhunberts aus bem Ixiilttirkreife ber Setten, bes Brubervolkes ber Preußen, abbilbet? Warum feilten ftd) berartige bauten nid)t in ibren Jormen burd) bie □ahrhunberte, ja burd) □ahrtaufenbe erhalten habens "Vergeßen bürfen wir bod) riitfyty baß bie Bevölkerung Oßpreußens von ber jüngeren Steinjeit an konflant gewefen iß3). ^aus D iß bagegen ftd)er ein Wohnhaus. Bie beiben <$erbe im □untren bes Kaufes, ber Heine <$erb unter ber Vorlaube, bie tiefe Scbwarjung bes ganzen jnncren bes Kaufes, ber gefd)wärjte (Pang aus bem inneren bes Kaufes ju bem ^erbe unter ber Vorlaube fpredien hierfür. Beßimmt etwa ber 3weck bes Kaufes bie Bauweife ber Wanb, alfo ob fte aus jad)wert ober aus bidjtßehenben paHifaben gebaut würbe? Würbe etwa ein Winterhaus anbers gebaut als ein Sommerhaus? (über beßimmte ber 3nl)alt bes Kaufes bie Bauweife? Verlangte etwa ein Vorratsbaus eine ßärfere Sid)erung burd) bid)tßehenbe Pali fab£n? Ober hing bie Vcrfchiebenheit ber Bauweife ber Wanb nur von bem gerabe jur Verfügung ßehenben Vorrat an Baut)öljern ab? (Berabe Stangen von Vlabelholjern reijen jum palifabenbau, befonbers wenn Se^m für bie ^ad)werk* wanb nid)t in unmittelbarer Vlähe anßeht. Ober haben wir es in ben palifaben* wänben um 2lusbeßerungsarbeiten fd)abl)after Ceile ju tun? Biefe fragen können für 7U.*Starkenau nicht beantwortet werben. Weshalb follte aber ein gutittes <hefduck nid)t aud) uns in Oßpreußen einen fo glänjenb erhaltenen 2lnfd)auungs* ßoff fd)enken, wie Sdßeften es in Oppeln erhalten bat? 2llfo in ber Bauweife ber Wanb finben wir in 2U.*Stär-kenau keine Einheit. ißbenfowenig einheitiid) iß ber (Brunbriß ber einjelnen Raufer. Balb wirb bas ^aus von ber Sangsfeite .auf* gefdßoßen, balb von ber Sdwialfeite. (Binjelne Käufer haben eine Vorlaube, anberc nicht. 2lber wenigßcns in einer T^inftd^t ßtmmen fte alle miteinanber überein: ’bs pnb ohne Ausnahme einräumige Raufer. "Tlnd) >^aus E rechne id) ju ihnen. Ber 7lnbau iß eine mit Wänben ausgebaute Vorlaube. Bie ©roße ber einjelnen Käufer in "Kl.*Stärkenau iß fel?r verfchieben. Sie fd)wankt jwifd)en 4,? mal 5 unb 7,f mal $ Mietern. VTur ^aiis A war eingetieft, unb jwar minbeßens 0.40 Mieter, wenn man bas Burd)treten bes fanbigen Bobens mit 0,50 Mieter anfetjt. Illlc übrigen Raufer fd)Cinen in 3l.*Srärkenau ju ebener »Brbe gebaut worben ju fein, »fin Bielen bes ^ußboben» würbe in SRl.*Starkenau nid)t beobad)tet, wobl aber in einer etwa gleidijeitigen Sieblung, bie von unferer nur etwa 000 Mieter entfernt liegt. !fs hanbelte ßd) bort um bid)t nebeneinanberliegenbe Stangen von Oberarm* biefe. keinem ^aufe fanben wir £ebm als Oßrid) vor. Bie /läge bes derbes im □nncren bes Kaufes fd)eint keinem (Befetj unterworfen geti^efen ju fein. Wir finben ibn in ber Mlittc bes Xaumes, aber aud) bid)t an ber Wanb, wir finben einen *^erb, aber aud) mehrere in einem ^aufe. Völlige Einheit herrfcht aber in bem Bau jebes ^erbes. Mlit Ausnahme eines ^erbes, ber eine gebrungene ‘Bllipfe aufwies, haben fte alle einen kreisrunben (Brunbriß, ihr fenkrediter Burd)fd)nitt weiß einen Halbkreis auf. 3unäd)ß glaubten wir, es fei biefe ^orm burd) bie leichten Sanbe bes Untergrunbes bebingt, bann fanben wir aber aud) <^erbe, bie nut kleinen Steinen fauber in biefer ^orm ausgepflaßert waren. Unberc lagen auf feßerem Untergrunbe, wiefen aber ebenfalls biefe ^orm auf. Bie (Beßalt ber ’oerbe bekommt aber erß bann volle (Beltung, wenn wir uns vergegenwärtigen, weld)e Bebeutung ber ^Rreis unb bie LRugel in biefer früheifenjeitlidxn Sieblung 2) Bielenßein: Rohbauten unb ^ohgerate ber betten. S. 82 ff. 3) 'kngcl: Bie Bevölkerung Oßpreußens in vorgefd)id)tlid)er 3eit.
82 ber baltifdjen Pölfer ganz offenftd)tlid) befttjt. T'er 3ufall fd)eibet bann voll- kommen aus, trenn inan £)urd)fd)nitte von gerben aus bem germanifd)en Gebiet mit biefen vergleidjt. Wir werben von ihnen an anberer Stelle hören. vielen Raufern Kl.-Stärt’enaus finben ftd) überbies große (ßruben. kleine Sd)erben fanben ftd) nur bin unb tvieber in il)nen. pfoftenlöd)er ftnb es? bestimmt nid)t. 3d> halte fte für Porratsgruben, etwa für «Eicheln, wie üe Kiecfebufd) in bem bronje» Zeitlichen 2?orf in bud) unb lEhrlid) im fieinjeitlid)en T?orf zu Succafe reid) vor* fanb. ^ebenfalls ifi bei uns ber Inhalt ber töruben völlig vergangen. Vjur eine f: ° 1 a 3 * ।——j<-----------1--1 2lbb. 6. ^aue IV Kgl. VTcuborf, Kreis Stuhm. leichte Tönung bes «Erbreidjs hatte ftd) in ber (Srube erhalten, löiefe Q5ruben waren nidxt ausgepflaftert. 3n ber VTähe ber ^erbe lagen ferner nod) kleine banke aus Heinen Steinen. 3n einem t^aufe zog ftd) vor ber ganzen Xüct’wanb eine Xeihe von Heinen Pfähld)en hin. Kud) biefe halte id) für Xefte von einer bank. £)ies über bas innere bes Kaufes. Vlad)zul)olen wäre nur nod) eins, baß bie Raufer unferer Sieblung auf (Brunb ihrer ganzen Einlage Sattelbädjer getragen haben. Soweit bie Raufer bes baltifd)en Kaumes. 3h«en fbelle id) gegenüber Raufer aus bem germanifd)en Kaume. KHerbings ifi ber ^unbftoff aus biefem Kannte für bie frühe lEifenzeit fehr gering. tEs begeht nur aus einem ^aufe in Kgl. VTeuborf, Kreis Stuhm, unb 23eobad)tungen in Sieb- lungen, in benen ber Spaten allerbings nod) nidtt angefe^t worben ijl, in benen 2lnfcbnitte aber bas beobachten vor allem ber ^erbgruben gestatten. T?as <^aus von Kgl. Vjeuborf ifl nad) ganz anberen ted)nifd)en (5eftd)tspunHen gebaut. Kud) ifi es ein Pfoftenhaus. ilber wie wirb fein 3?ad) getragen) VTid)t allein wie in ben Raufern von KI.-StärFenau von ber Wanb, fonbern von
83 ber Wanb unb ben mitten im <>aufe ftebenben Pfoflen. Pre Wanb ifl aud) nur aus armbicten ^Knüppeln gebaut. Sie allein märe wohl Faum imflanbe gewefen, ben fcitlidjen Prnrf bes Pacbes zu tragen, Piefes «□aus erinnert flarF an bas wefentlid) größere v^aus von Oarolath in Sdileften, bas burd) jtvei Stützenreiben im TJnnerec in brei Sdiiffe geteilt wirb. Unb biefes geht zweifellos auf bii in Sd)weben gefunbenen unb fpäter aus ber »Ebba bekannten großen fallen zurücF, bereu Wänbe in Schweben von *Erb> unb Steinwallen gebilbet waren unb nid)t, wie in "Kgl. VXew borf unb Carolath, aus Pfoflen. Pod> ein abfd)Iießenbes Urteil Fann nur gefällt werben, wenn uns aus bem Xaume ber (Broßenborfer (Bruppe unb bem ber (Berichts* urnenFultur mehr material zur Perfügung ftehen wirb. 5c^crcn 23oben betreten wir bei ber xfrage nad) ber Bauart bes ^erbes. 3n "KI^StärFcnau fanb ftd) nur eine 2lrt v^erb, bie Falottenartige ^erbgrube. Unfer <^aus in “Sgl. VTeuborf verfagt l)ter leiber. Es war bort nur eine flad)e ^erbgrube in bie leid)ten Sanbe eingetieft, in bereu Witte einige Steine lagen. Es ftnb aber aus brei großen Sieblungen ber (Broßenborfer (Bruppe, in ^Kgl. Vleuborf, ^luifenwalbe, beibe ^Rreis Stuljm, unb ÄUCromnau, "Kreis Warienwerber, eine ganze Jveitje von gerben im ?lnfd)nitt beFannt, bie fämtlid) nid)t etwa ben nad) unten aftgehnnbeten Sad2 zeigen, fonbern forgfältig red)tccFigen llufriß haben. Sie haben einen ganz ebenen 25oben, ber in Huifenwalbe mit Steinen gepflaflert war. Leiber geflattet ber grobe Ixies in 2\gl. VTeuborf beim Sd)ürfcn Fein forgfältiges 23eobad)ten. 3n Äl.^romnau ifl ber Spaten bisher nod) nid)t angefetzt worben. Pie Raufer von Oarolath weifen übrigens aud) ^erbe mit redrtecFigem (Brunbriß unb ebenem 2? ob en auf. Es fd)eint alfo aud) bie Jorm bes ^erbes genau fo wie bie Pforrn bes (Brabes außer ben fonfiigen WerFmalen beibe PolFer zu trennen. Z*n ber (Broßenborfer (Bruppe ifl bas iBrab eine rechteckige SteinFifle, in TxUStärFenau fanben üd) nur runbe Sichtpackungen. über Sieblungen auf parfbauten Fann in unferm (Bebiete nod) nichts gefagt werben, eine berartige Einlage ifl aus Brunau, )Kreis Köfenberg, beFannt. 2lus ber römifchen Ixaiferzeit ftnb uns bie erflen großen 3weiraum*^äufer beFannt. 3wei Käufer gelang es bisher zu faffen. ^)ie beiben Fleinen aus 2xgl. VIeuborf redtne id) nidit mit. Es ftnb eigentlich nur Sd)itQanlagen für bie <$erbe, bie fafl ben ganzen Kaum bes Kaufes einnehmen. 3unäd)fl bas ^aus von Weißbof, "Kreis Warienwerber. Pie Pfoflen flehen in ber Wanb, eine Vorlaubd liegt vor ber Sdfmalfette. Per <$erb ifl wie ein gewaltiger 25runnenfd)ad)t gebaut: z Weter im £id)ten, 7,40 Werer tief. Pie fenFredtten Seitenwänbe beflehen aus großen ^elb* fleinen, bie im ^lehmverbanbc lagen. Per 23oben war eben, aus geflampftem JÜehni. lih«lid)e, nur kleinere v^erbe lieferte übrigens ^iebenthal, ^Kreis Warienwerber. 3’« Frühjahr biefes Jahres grub id) in VTeumarF, )Kreis Stubm, ein ^aus aus berfelben *Kulturftufe aus**). llud) biefes ifl ein ^weiräum^aus. ‘Eine Potlaube liegt nid)t in ber Sdnnalfeite, fonbern in ber Erke einer XLängefeite. öeibe Käufer haben and) ben platz gemeinfam, an bem ber ^erb, beffer gefagt ber Ofen ftanb — in Weißhof war bie ^erbgrube oben mit großen rotgebrannten tlebniFlbtzcn verflopft, es waren ftd)er bie -Xefle eines aus Üebm gebauten gefd)Ioffenen Oberbaus, alfo eines Ofens, ber zugleid) zum IKochen benutzt würbe —. beiben Käufern fleht ber Ofen, ber z» gleid)cr Seit ber ^»erb i)l, in ber Witte ber 3mifd)enwanb. 2lber *?) 2iuf Orunb ber fpäteren (Brabungen ifl biefe Sieblung bod) früher anzufetzen, in bas frühe ober in bas mittlere Jlatenc. ^eym: »Ein Pcitrag zürn Hausbau währenb ber romifeben Kaiierzeit im (Bebiet ber unteren Wcid)fel. prußia^eft 29 S. j 74-
84 in Vieumart traben wir es nicht mit einer brunnenartigen Einlage ju tun, fonbern mit einer fqrgfält.i^n, Freisrunben Steinpadfung, bie allerbings in einer flachen (Brube mit feilen Xänbern fleht. lit>nlicf)e ^erbe fanb lEbert unb tf^rlid)1) in Faiferjeitlichen Käufern zu ITieisIatein unb id) in einem ^eitlirb nid)t näher beflimnv baren <$aufe 511 ^Rgl. VTeuborf, Äreis Stubm, bas mitten in einem (Bräberfelb Tlbb. 7. Weifb°b Kreis Uiarienwerber: ^aus III. liegt, bas von ber frühen lEifen.zeit bis in bie römifcbe ‘Äaiferjeit gebt. Was unfere Käufer aber von ben Raufern zu ITieisIatein völlig fcheibet, ift bie 23eb<xnb» lung ber Wanb. Unfere Raufer ftnb pfofienbaufer, bie bei ITieisIatein Scbtvellen’ bäufer Wir fleben vor einem bis jetzt nicht ju löfenben Kätfel. traben wir es mit zeitlichen Stufen ober mit Ianbfd)aftlid)en, b. h. völtifchetr Sonberarten ju tun* llusFunft tonnen uns bie Stammlanbe, aus benen bie <35oten eingewanbert ftnb, ferner bie ^eimat ber baltifchen PblFer, bann bie unter bem (Einfluß ber (Boten flebenben Polter bes ofipreufifcben Xaumes, vor allem bas eigene (Bebiet Ibbert: Twufo.
85 geben. (Berabe VteumarF verfprid)t uns? viel VTeues liefern ju tonnen. bisher ift bort nur ein ^ruditeil bes in ^rage fommenben (Bebiets unterfud)t worben. 2lus ber Völterwanberungs^eit i|l bisher nur ein ^aus begannt geworben, □n Kehh^f, ^Kreis Stuhm, würbe es beim Sanbfabren fafl völlig jerftort, fefb geteilt werben tonnte nur nod) bie Äage ber ^erbjieHe, jwei Pfo(ienlöd)er tonnten untcrfudjt werben. Wichtig i(i bas ^aus nur burd) bie ^eflftellung, bap in ber Völferwanberungsjeit ber pfoftenbau bier nod) üblid) ifi. Vie (Befäfe, bie in bem ^erbe von ben Arbeitern gefunbcn worben waren, weifen bas <$aus an bas £Enbe ber Vöteerwanberungsjeit, viellcid)t fogar bereits in bie frühe preu$ifd)e Seit. ((Burtriefen, auf ber Schulter fd)räg(iehenbe Strid)verjierungen.) 2lbb. 8. Vteumarf, Kreis Stubm; ^aus aus ber frühen ober mittleren Äatenejeit. jfür bie preufjifcfye Seit ift in unferem Kaumc bisher nur ber Sd)wellenbau betannt. jRgl. Heuborf, in bem bie dauern wetteifern beim ^eftftellen von dcranb* (teilen, lieferte jwei (Beböfte*). Va bie unterfte Sd)welle nur flach eingetieft war, fte ging taum unter bie vom Pfluge gefaxte 2hilturfd)id)t------------fo gelang es nur hin unb wieber, eine Wanb feftytlegen, nid)t aber bie (Bro0e bes ganzen Kaufes. 3n allen Raufern waren bie ^erbe gut erhalten. 2'n ber Witte einer oft unregel* mä^ig gebauten 2lfd)engrube lag bie aus Steinen gebaute, halbkugelige Stein* Packung, ber ^erb. Ven Sd)erben nad) muß bie Sieblung aus ber JCnbflufe ber preu£ifd?en 3eit flammen. Vie eigenartigsten bauten waren eine l^abcfrube unb eine ebenfalls in bie £rbe eingelaffene (Betreibebarre. 7ht ber ^abeftube waren bid)t am v^erbe, rechts unb lints von ihm, Z?anfe aus >£rbe. Von ber (Betreibebarre hatte ftd) bie Jeuergrube unb ber 9 Weter lange, mit £ehm abgebeefte ^‘euergang erhalten. Von ber einige ^unbert Weter von biefem (Bel)öft liegenben Sieblung *) t£in altpreu£ifd)es (Bel)oft in Kgl. Vleuborf, Kreis Stul)in (25latter für beutfcfye Vorgefd)irf)te 7).
86 Kbb. 9. VJeumarf, Kreis Stulln: Senfrechter 3?urd)fd)nitt burd) ben ^erb. Kbb. )o. Vleumarf, Kreis Stu^m: ^erb. Kbb. jj. Kebl^of, Kreis Stulln: «3: Kus einem Pfoflenbaufe.
87 Eonnren aud) nur bie <$erbe feßgelegt werben, nicht aber färntlicße XUauern. (Es ßebt auch nicht bie (Broße ber einzelnen Raufer fcß. (Eine jweite (Betreibebarre von ähnlicher Bauweife würbe J955 beim Bau ber Tbnußee Xadu’lsbof jerßort. (Ein völliger Wedßel im Hausbau wie Burgcnbau tritt in ber Orbensjeit ein. 3um ersten Mlale täud)en in unfern £anben Raufer mit £ebm* unb Steinwänben auf. &as iß eine Bauweife unb ein Baumaterial, bie auch beute nod) ben ben ?llt*Preußen ßammverwanbten Litauern unb £etten nid)t liegt. iDie beiben bisher aus* gegrabenen mittelalterlid)en Bauernhäufer, eins in Xel)h°f/ bas anber in Bubifch, beibe "Kreis Stußm, waren bis ju einem Mieter eingetieft./ neuartig waren bie »äerbe: tifd)artige (Bebilbe aus Stein unb Äehm. Sie ßanben an ber Wanb, in einem WinEel ober in ber Ötitte einer Wanb. (BeEod)t würbe nid)t mehr in ber *oerbafd)e im ober am ^erbe, fonbern über bem ^euer in lu'ßeln, bie an "Seßel* haEen über bem ^erbe Idingen, ober in (Brapen, biq auf ihren ^üßcßen auf bem <5erbe ßanben. Bn Bubifd)**) wohnte auf (Brunb von (Buellen übrigens ein Preuße! &ie ^eimat biefer "Kulturgüter ifi ber Weßen SDeutfdßanbs, aus bem bamals fo viele Bürger uno Bauern ben Weg nad) bem (Dßen nahmen, tiefes eingetiefte 5?ad)haus bat ßd) übrigens bis in bie Ulitte bes )8. ^abrhunberts in unfern "Hobler* unb Teerbrennerhütten erhalten. (Es lebt nod) heute, wenn ein Siebter ftd) auf feinem £anbe 3itnäd)ß eine Notwohnung baut. Wie übrigens ber Preuße mit bem eingewanberten beutfdjen Bauer, bem vor allem bas fd)neHe (Einbeutfdjen bes Raubes $u bant'en iß, ftd) verfchmoljen hnt, bas jeigen bie alten Dorlauben* häufer, bie beute allerbings in unferm BejirE nid)t mehr ßarE vertreten ftnb. j*n ber alten weßbeutfd)en Heimat ber oeutfd)en Bauern war bie Dorlaube unbekannt gewefen. Uber hier im Holoniallanbe fanb ftd) regelmäßig vor bem aus bem fränfifd)en unb uieoerfädjftfdien Dorbilb erwad)fenen neuen Bauernhaufe bie Dor* taube, bie feit ^ahrtaufenben in biefem Äanbe bereits ^eimatred)t genoßen batte. Nod) beute lebt ber preußifd)e Sd)weHenbau in unferm Sd)urjbohlenbaufe weiter. T^eutfd) iß überall ber Bau ber ^erbes. Wie ßarE nod) brüte vorgefd)icptlid)e Jformen aud) im (Brunbriß ber Raufer weiterleben, bas lehrt ein Dergleid) bes Eaifer$eitlid)en Kaufes von Weißhof mit alten Bauernhäufern (Bßpreußens — bei uns an ber Weidifel ftnb fte bereits ausgeßorben. ?lud) bei ihnen liegt bie fd)war$e Hüd)e in ber UTitte bes Kaufes, eine flad)e Dorlaube lagert ftd) vor eine Sdimalfeite bes Kaufes. Was bie Sieblungsformen in ber Dorgefd)id)te nun anbetrifft, fo Eann wenig hierüber gefagt werben. (Benaue llusEunft gibt uns nur l\!.*StärEenau. Wir h«ben in "RUStarEenau einen Kunbling vor uns, beßen jorm m. (E. auf Eultifd)c Dor* ßeUungen jurücEgeßt. Um em -^aus mit einem ftd) bid)t an biefes anfdjmiegenben umfriebeten <$ofraum, in bem ebenfalls nod) Baulid)Eeiten — wahrfd)emlidi Wirt* fd)aftsgebäube — ßeßen, lagern ftd> fteben anbere (Bebaube im "Steife herum. Stvei Steinfetjungen umgeben bie ganje Sieblung. (Eine (Bräberßraße jießt ftd) vom Tor burd) bas ganje 3?orf. 3?er fcßmale (Brat, ber bie Spitje ber <$albinfel, auf ber bie Sieblung liegt, mit bem v^eßlanbe verbtnbet, iß außerorbentlid) ßarE befeßigt. (Elf palifabenreißen legen ftd) quer über ben (Brat. »Ein fdjmaler, wieber* holt geEnicEter, von Pfoßen gefäumter (Bang fd)iängelt ftd) burd) bie Palifaben* • **) ^eynr. £>as ^aus eines Bauern aus ber 3c:r ber erßen Befteblung bes SDeutfdj* (Brbenslanbes mit Bauern (KteisEalenbcr Stußm J952, S. 46 ff.), ^eym: »Ein Bauernhaus aus bem Beginn bes 14. Oabrbunberts im £)eutfd)en (Drbenslanb (fUannus. Seilfcbrift für beutfepe Dorgefd)id)te j9?4- Bb. 26, ^eft 5/4).
88 *------* _ j T 1 o i 1, i. ‘t 2lbb. 13. 2Ibb. 12. Kbb. 14. i—-—i-------1-----t o. i. i. a.rtiu» 2lbb. 15. 2lbb. j 2. Kgl. VTeuborf, Kreis Stubm. 2lbb. )3. Ke^tyof, Kreis Stubm: mittelalterlidjes v^aus. 2lbb. )4. 25ubifd\ Kreis Stürmt mittelalterliches ^aus. 2tbb. VTieberjebren, Kreis IHariemverber: ^aus eines <Teerbrenners mit einem Ofen im Kaum unb einem ausgebauten <$erbe. mitte bes )S. Oahrhunbcrts.
89 reifen. 'T'rci feße Orme ftd)ern biefen (bang. Eirt trid)terartiges «Tor mit Dreimal vier Pfoten im Trichter hütet ben Zugang. j)ie Sieblungen in Ixgl. VTeuborf unb ’lU.MCromnau verraten nur, baß auf kleinem Xaum mehrere (Scbäube fleben. 53ie Sieblung in VJeumark iß bagegen ganz weitläufig gebaut, vorausgefeijt, baß fämtlidjc Bauten aus berfelven ^Rulturßufe unb außerbem noch gleichzeitig ftnb. Es fanb ftd) auf einer ^läd)e von etwa ?oo (huabratmetern bisher nur ein ^aus. £)ie Sieblung umfaßt aber auf (Örunb ber beim pflügen angefdmittenen ^erbßeUen an bie 20 ITTorgen. 2)ie preußtfcße Sieblung in *Rgl> VTeuborf war ganz regellos angelegt. Babe< ßube unb SDarre war aus ber Sieblung wohl ber ^euersgefaßr wegen ljinausgebaut. £üe Unlage zeigt in ihrer Kegellofigkeit außerorbentlicbe liljnlidiFeit mit ben Bauernhöfen ber betten. 2?ie VJadibarfteblung wies bagegen brei einigermaßen ausgeridjtete (bebäube nebeneinanber auf. beiben Sieblungen fdjeint es ftd) um bas (behöft eines einzelnen Bauern zu banbeln. 5?er Äette liebt es heute nod) im (begenfatz zum beutfeben Bauern, für jeben Wirtfd)aftsztveig ein befonberes (bebäube zu errichten, über bie Sieblungsform ber zur (brbenszeit in Bubifcb an* geßebelten Preußen kann nid)ts gefagt werben. £üe von ben 2?eutfd)en mit nadi bem (bßen gebrad)ten Sieblungsformen an biefer Stelle z« bebanbeln, geht über ben Xahmen bes Berid)tes hinaus. 3um Sd)Iuß nod) bie 5rage: 7'ß auf (brunb ber Bauweife, ber Aform bes Kaufes, ber bes derbes bereits ein Äückfdüuß auf die Volkszugehörigkeit bes Erbauers biefes Kaufes zu ziehen* 3?ie jrage iß mit Vtein zu beantworten, (berabe bas Beifpiel von Bubifd), wo nad)weislid) ein Preuße in einem ^aufe von rein beutfeßer Bauweife, beutfd)er Einlage, beutfd)em <^erbe, beutfeßem eifernem (berat — bie Keramik war preußifd) bis auf einige beutfebe Stücke — gewohnt bat, Zwingt hierzu. 2>as Tluftreten einer ober mehrerer typifdier völkifdjer Eigen> tümlid)keiten geßattet nur ben 2vückfd)Iuß: ber Präger biefer Eigenart ifl bereits im £anbe. 'in einem (bebiete, beßen Sd)ickfal iß, Völkerßraße, ftoloniallanb zu fein, beißt es befonbers vorftebtig zu fein. 2?cr ^erb fd)eint nad) ben bisherigen Erfahrungen eine Sonberßellung eingenommen zu fyabtn. Er iß ja im «^aufc bas ^ciligße. Er war ja in grauer Vorzeit zuglcid) (bpferßätte unb Ttbkoci)* ßelle. So fdieint ber ^erb m feiner Bebeutung neben bie (Srabform unb ben (brabbraud) zu treten. Sie alle ftnb kultifd) gebunben. So tritt meiner 2lnfid)t nad) bie Verbform als neuer Beßanbteil zu oen vielen bereits bekannten, mit benen wir unter ben genannten Einfd)ränkungen Xuckfd)luße auf bie völkifcße Zugehörigkeit Ziehen können.
90 ©te 0teppenl;eibetl)eorie unb bte vorgef4)id)tlid)e 25eßeblung (Dftpreußens. “Von Tr. g o ® vo Xllenftein. I. 3b i e Steppe n$ e i b e t hj o r i e. Huf ben vcrfcbicbenßen (gebieten (“Vorgefd)id)tez Sieblungsgeograpbie unb »gefd)id)tez igntwidflun gsgef dndite beö Pflanzenwudifes, tlltflimafunbe, Utoor» geologie) ftnb bie ^orfd)tingen anregcnb unb befrucbtenb von ber von X. (Ftnb* mann begrünbeten S t cp p c n b e i b et b e o r i c beeinflußt worben. X. <5 r a b » mann gellte bekanntlich in Sübbeutfdjlanb eine „weitgebenbe (nid>t abfolute Übereinstimmung jivifdien Steppenbeibeverbreitung unb alter 23eüeblung" feft (1995a <5. 266); baraus fd)ließt X. ^rabmann, baß es vor allein bie lidttere “Vegetation war, was bie neolitl^ifdien unb bron;e;eitlirfien Siebter unter ber t^errfd)aft eines etwas trocFneren Klimas gerabe in bie Steppenl)eibegebiete lodfte, baß in erfter £inie ber biditgefdiloßene Watb fte von ben feud)teren (gebieten fernbielt" (J93?a S. 266), „bie älteften llnftebler babcn ebenfo wie bie Steppen» pflanzen offene, walbfreie ober wenigstens nid)t mit gefd)loßenem Urwalb beflanbene Stellen aufgefudjt, wo ohne allzu mubfame Xobung ein Pflanzenbau möglid) war unb bie ^erbentiere in ber naturlidien 25obenvegetation von (grafern unb Kräutern ibr futter finben tonnten^ (j9o6, S. 5)6, 517). Jwar reduiete X. (Prabman n aud) ben Steppenbeibe w a l b zu ben fteblungsfreunbltdien 23ilbungen, legte aber bis vor Furzern bas Hauptgewicht auf bie walbfreten, offenen flächen; fo tjaben nicht nur ^otanifer CS. 25 e r t f d), X. Tüpen), fonbern aud) Siebliingsgeographen (<> tll 0 r t e n f en, £6. Wähle, (b. S d) l ü t e r u. a.) bie Steppenbeibetbeorie aufgefaßt, liefen Stanbpunf t bat X. Öraömann in feiner neueren 37arftellung ()955a, S. 268, 27S) wefentlid) eingefd)ränft, inbem er in ber 2luseiaanoerfetzung mit ben “XritiFen von 2\. 25er tfcb (j9*9) unb X. Z ti p e n (>955) ben begriff „walbfreie Stellen" als offene Vlaturlanbfcbaft mit (Öräfern, 2\räurern, Sträuchern unb aud) einzelnen Räumen, etwas retdilid)er als beute zmifd)cn wirfliche Wälber eingeftreut, um» fdirribt („walbfrci tß- aud) nid)t gleid)bebeutenb mit gel)ölzfreiz nid)t einmal mit baumfrei"); zzenblicb empfiehlt es ftd), tunftig nidit mel)r einfad) von einem (Degen» (atz zu’ifdien fteblungsfeinblidiem Walö unb fteblungsfreunblidier offener ^anb» fdiaft, aber aud) nicht (mit Z ü p e n) von einem einfad)en (Degenfatz zwifd)en fteblungsfreunblid)en unb ftebluitgsfeinb!id)en Walbformen z*i fprechen, vielmehr allgemein von “Vegetationstypen größerer ober geringerer Siebluugsfreunblid)feit" (j955a S. 27S). IHrt X. Türen ()95j) b«lt X. <D r ab mann ()955a S. 27$) aud) ben *£id)cnmifd)walbz ben X. lupen bem Steppenbeibewalb (Drabmanns gleidißxllt, unb ber früher ftd)er nod) lichter war, für fteblungsfreunblid), ebenfo ben zzfebr lid)ten unb offenen lBid)en»^irFenwalb"z ben X. Tüpen (j95j) für bie Urvegetation ber jetzigen norbweflbeutfdicn ^eibegebiete unb ber (Deeft h«*lt. 3n VTorboftbeutfd)lanb bietet nach X. (Brabmann ^5. 9) ber lichte Xiefern»
91 walb „immerhin etwas andere Kulturbebingungen als bie bid)ter gefdßoßenen Walbformen; von ber Walbweibe jur Trift, von ber Trift jur freien Weibe, jur Wiefe unb fdßießlid) jum tiefer ifi immer nur ein Heiner Sd)ritt, ben jebe vorgefd)id)tlid)e Bevölkerung tun konnte, vorausgefetjt, baß fte ftd) im Beftij von Herbentieren befand. ©in langfames 3urückbrängen bes Walbes von bereits vor* hanbenen Kulturfläd)en aus iß auf biefem Wege leicfjt benkbar." Von ber heutigen Steppenbeibe fagt X. 0r ab mann ()935a, S. 266), „baß fte einft eine größere lokale Ausbreitung batte unb erß fpäter burd) überhand* nehmenden Walbwudjs unb aud) burd) bie Landeskultur an ihre jetjigen befdjränkten Standorte jurückgebrängt würbe unb bemnad) ein Kelikt barßeüt". 3eitweife (1906—52) batte K. ©rabmann feine Steppenbeibetheorie ber Blytt*Sernanber fd)en KIimawed)fellebre angepaßt unb angenommen, baß eine fubboreale fäkulare Trockenperiobe bie in ber erßen Hälfte ^er Litorina*3eit tjebilbete jufammenbängenbe Walbbeife aufgelockert unb bie ©ntßebung von Steppcnheibefläd)en bewirkt b«be; J953 kehrte er ju feiner urfprünglid)en, 1901 jum erßen HTale bargelegtcn Auffaffung jurück, bie ftd) mit bem von K. B er t f d> (1929) unb K. Xubolpl) ()95o) pollenanalytifd) begründeten Syßem in allen wefentlicben 3ugen genau beckt, wonach im fpäten VTeolitbikum bas Klima ber fpätbiluvialen Steppenjeit, in ber bie HauP*maffc ber Steppenheibepflanjen in ^Mitteleuropa einw»anberte, mit feinen Wirkungen offenbar nod) nid)t ganj aus- geklungen fei, fo baß ber VJeoIitl)iker nod) offene vjläd)en für feine Anfteblung vor* gefunden habe. „Ben Bedingungen genügt jeber 3nßanb ber Vegetation, bie ftd) im Vergleich mit ben Wälbern ber Gegenwart um eine Kleinigkeit mehr bem Steppenjußanb nähert" CK. ® r a b m a n n , 1955a, S. 269); biefen führt X. © r a b e- mann (1955a, S. 266) darauf jurück, baß „nod) im jüngeren VJeolitbikum unb bis tief in bie Bronjejeit hinein bas Klima etwas1) trockener . . . war als in ber (Gegenwart". ©ine weitere wefentlicbe Vor ausfetjung ber Steppenheibetheorie iß bie An* nähme, „baß ber Walb auf niederen Kulturßufen ber ^feinb bes IHenfd)enz/ fei CK. ©rabmann, 192?, S. 2); X. ©rabman n brtt $mar nie bejweifelt, baß man aud) mit Steinbeilen kräftige Bäume fällen könne unb bafj man fd)on in vor* gefd)id)tlid)er 3eit gclegentlid) auf beutfd)em Boben Kobungen von befd)eibenem Umfange vorgenommen habe, baß man aber in vorgefd)id)tlid)cr 3eit nur febr fd)wer an biefes Werk herangegangen fei, ba ftd) bie europäifd)en VoUneolitbiker unb ihre Wadtfolger bereits im Befttje ber Pflugkultur befanden, bie nur auf ßubben freie m Boben möglich, aber nid)t auf Branbkulturfläcben2) aus* fübrbar fei (X. ©rabmann, 192?, S. 4)- ^ud) in feiner neueßen Arbeit vertritt X. ©rabman n (j93Ja, S. 267) biefen Standpunkt: „Von geringfügigen Aus- nahmen abgefeben, fanb man erß in römifdjer 3eit, in ber H^uptfad)e aber erfi im ^Mittelalter, bie Kraft, bie alten Urwalbgebiete fyftematifd) ju roben unb ju fceftebeln." 3) Von mir gcfperrt. 2) „Aß bas fei’3 * * * * * 9 nun burd) Hieb ober burd) Branb, einmal niebergelegt unb ^bgcräumt, bann beginnt erß bas Koben, b. I). bas mühfame Aus* Staben ber Stöcke. £ t w a s artberes t) a t ber Bauer, b'er Walb» «r beiter unter Koben ober Kauten nod) nie v c r ßanben. Vlur in Büchern werben bie W alber mit ber A y t ober mit e u e r gerobe t/z (^. ©rabmann, J9OJ, S. 572, 573.)
92 2? aß im norbbeutfd)en lan t> andere Bedingungen als in Mittel- und Sübbeutfdßanb vorliegen, wo die Steppenheibetheorie anfdjeinend mit gutem Erfolg für die (Erforfd)ung der Sieblungsgeograplße und -gefdßdße angewandt werden tonnte, hat ©radmann fd)on )9oj (S. 457) betont und 1928 (S. j) wiederholt; er fyat darauf hingewiefen, daß es im 'Kußengebiet ju a 11 e n Seiten von VTatur walbfreie ^lädjen (Stranbwiefen, Reiben) gegeben fyat unb baß VTaßrungs quellen (Meer, ^affe) unb Derkehrsmöglidßeiten (Meer, Ströme) fcbon im ^rüh* neolitlßkum ben Menfchen jur Anfteblung bewogen. Auf bas norbbeutfdje Binnenland bat ftd) bie Steppenheibetheorie junäcßß nid)t allgemein anwenden laßen, wenn man fte aud) ßellenweife in Oßbeutfd)lanb betätigen ju tonnen glaubte (»E. Wähle J9)8, O. S d) l ü t e r J92)). (E. Wal) le (J924) ifl daher ber Anftdß, baß in VTorbbeutfd)lanb bie vorgefd)id)tlid)e Befteblung un- abhängig vom töegenfaij zuüfchen Wald unb offener Lanbfd)aft erfolgt fei, b. b. baß hier bie Befteblung vom ^rühneolithitum an in einem Wa l b l a n b e ent- ßanben fei, ber Menfd) alfo fd)on in neolithifd)er 3eit umfangreiche Sieblungs- fläd)en burd) Xobung gewonnen h<*be. X. ©rabmann ()92?) führt eine Xeihe von Argumenten an, bie für bie Gültigkeit feiner Steppenheibetheorie in VTorb- beutfd)lanb fpred)en, unb fordert ju 5)etailunterfud)ungen auf. Solche ftnb injwifd)en in Pommern mit ^ilfc ber poUenanalytifcben Methobe VT i e t f d) )9?4) unb in (Dßpreußen mit ^ilfe ber G r a b m a n n fdfen Methode CD. Berninger J954) ausgefübrt worben. Während VT i e t f d) für fein Arbeitsgebiet (Pyritjer Weijacter) ju bem (Ergebnis gelangt, baß bie Auffaßung (E. Wahles (J924) richtig iß, findet (D. Berninger im Gegenfatj ju (E. Wahle ()9)S), „baß bie Betrad)tung ber X>erhältniße bes VTeolithikums in (Dßpreußen ju einer vollen Betätigung ber Steppenheibetheorie führt". 11. Kritik berPorausfetjungen ber Steppenheibetheorie. (Ein Laub, in bem bie Umwandlung ber VTaturlanbfd)aft in eine lüiltur- lanbfd)aft fogar in ber VT e u z c i t im (Einklang mit ber Steppenheibetheorie erfolgte, iß Sübftbieren, unb jwar bie Walbßeppenjone unb bie angrenzenden Streifen ber Walb- unb Steppengebiete (A. S d) u 11;, J925, S. 7—9); um fo näher liegt bie Annahme, baß btefe Umwandlung in einer periobe primitiverer Kultur and) in Mitteleuropa nad) benfelben Gefetjen erfolgt iß. (Es muß aber 5unäd)ß unterfud)t werben, wie weit hier bie ‘Vorausfetpmgen ber Steppenheibe- theorie jutreffen; hierbei will id) mid) in ber ^auptfad)e auf VTorbbeutfd)lanb befd)ränken. j. (Es iß nid)t r i d) t i g , wenn in fieblungsgeographifd)en Arbeiten immer noch bie VTeolitbiker als erße feßhafte Bevölkerung unferer (Segen ben bejeid)net werben. Sd)on im frühen Mefolithikum (Ancylus-3eit) iß ber Menfd) auf ber Kulturßufe bes Jägers, Sammlers unb ^If^ers bis zu einem gewißen Grabe feßhaft gewefen1). An Orten, bie ißm befonbers reicßlid) unb bequem alles boten, was er für feinen Lebens- unterhalt brauchte, legte er Sieblungen an. Sold)e Stellen waren ber Meeres- ßranb unb bie Ufer fifd)reid)er Binnenfeen unb ^lüße. VTaturgemäß ftnb foldje mefolitbifd)en Wohnplä^e in ber Kegel febr viel fd)werer aufjufinben als fpätere, ba bie für fte bezeid)nenben Artefakte, bie Mikrolithen, fehr viel weniger auffallen Streng genommen ßellentveife aud) fcbon im paläolitl)tfum, wie bie großen Mengen von Werkzeugen unb Anocben von Beutetieren in fohlen Sübfrankreicbs unb Spaniens zeigen.
93 als etwa Tonfd)erben, 23ranbgruben, Pfoßenlöd)er unb (Brabßätten; man barf nicht vergeßen, baß überhaupt prähißorifd)e Siebelplätje in f e t> r viel geringerer 3at)l als 5. 25. (Brabfunbe bekannt ftnb, weil letztere and) bem Äaien viel mehr auffallen. So (bellte *3. A e i n e r t (1929, S. 4$) *>'), >'?) Heine unb große Jütten* b 0 r f e r am ^eberfee aus ber Seit um 8000 v. Tbr. feß; in mehreren Wochen fanb er mit feinen Mitarbeitern jufammen beim fyßematifcf)en 2lbfud)en bes ehemaligen ^eberfeeufers nid)t weniger als 62, fdßießlid) insgefamt 8j mefo- l i t h i f d) e W 0 h n p l a t; e. T*er ebenfalls anjylusjettlidje WobnplaQ im Svaerbborgmofe in ^Dänemark lieferte nad) K. □ 0h a n f e n ()9J9) auf einer ^flädie von 404 Ouabratmeter gegen jjojoo ^lintßucke (teils (Berate, teils Abfpliße unb überrede), ein 25eweis für lange Seßhaftigkeit ber Mefolithiker. TJasfelbe gilt aud) für bie mefolithifcbe Station im Maglemofe ((B. Sarauw >903). Tue ebenfalls mefolitbifd)en Kjokkenmobbinger ber Äitorinajeit ftnb bie Küd)enabfälle einer Bevölkerung, bie viele 3al)rl)unberte am (Dßfeeßranbe feßbaft war. Ackerbau unb X)iel)jud)t iß im Mefolithikum in ben genannten (Begenben bekanntlich nid)t betrieben worben, bas einzige Haustier war ber ^unb (Svaerb- borgmofe). Man barf alfo nid)t ohne weiteres von Seßhaftigkeit auf Ackerbau unb \)iebjud)t fdßießen. vfür bas cBebiet bes Teutoburger Walbes ift eine auf- fallenb bid)te mefolithifd)e 25eft'eblung (Tampignien unb Tarbenoiften) feftgefteHt worben; W. 21 b r i a n (J918) hält bie bortigen Mefolithiker für „feßbaft geworbene Säger unb ^ifdter" unb vermutet fogar, baß fte jum Teil fd)on Ackerbau unb 'üiehjudjt getrieben unb ben Walb gerobet haben (l. c. S. 386 ff.). *3Öd)fhvahrfd)einlid) bat ber Mefolithiker offene Stellen in ber anjvlus Seitlichen Walblanbfd)aft für feine Wohnplätje gewählt unb fte aud) im Sntereße feiner Sicherheit weiterhin offengebalten. (Bar nid)t feiten finben ftd) aud) bei uns an biefen plätjen neolitbifcße unb nod) fpätere Sieblungen. 35er Hiatus, ber früher in ber Porgefd)id)te eine fo große Aolle fpielte, verflüchtigt ftd) bei fortfcßreitenber Trforfd)ung ber Sobenaltertümer immer mehr; wahrfd)einlid) iß er nur burd) einen jahrtaufenbelangen Stillßanb ber Kultur (auf ber Stufe bes Jägers, ^ifcbers unb Sammlers) vorgetäufcßt1). Auf ber anberen Seite ftnb gerabe im VTeölitl)ikum nad) ber Annahme ber meißen präbißoriker große Wanberungen erfolgt; erinnert fei nur an bie Aus- breitung ber Urinbogermanen. Sn bejug auf ‘Seßhaftigkeit iß ber Unterfd)ieb 3wifd)en bem Mefolithikum unb bem VTeolithikum nur grabueH; in (Dßpreußen unb im ganjen öftbaltikum wirb er, wie wir fehen werben, bis tief ins X>oll- Neolithikum hine*n ^IHd) VJuH. (v{ortfe^ung folgt.) x) 3. S. am vfeberfee, wo Keinertb (J<n?, S. ?7) eine Sieblungslucke von 6000 bis 3000 v. Ö)t. annimmt; am (bßufer iß ber Jeberfee aber auch w biefer Seit Jugänglid) gewefen, ba bie “üerlanbung von Weß unb Subweß her erfolgte; für bie Aufgabe ber mefolithifd)en Wohnplätje am (Dßufer läßt ftd) Pein ßichhaltiger (Brunb angeben.
94 11. Junbberidjte. ©cts gotifdje (ßrcfberfelb von ILhomaremen, Breis (Dfterobe. Von (Carl iß n g c l. S d) r i f t1 u m » 21b t’ ü r 3 u n g e n. Blume = Blume, £., 3?>ie germanifd>en Stämme ufw. I, II (Mlannus»BibliotheV Vir. 8 unb 14). Würzburg 191:. U))>- B. p. - Sitgungsberidjtc Cfpäter 3eitfd)rift) ber 2lltertumsG5ef. pruffia, Bönigs» berg. Bb. I ff. Unter ben in ben leigten 'jabren *rt Ojlpreufen unterfud)ten ^‘riebhöfen ber erfen vier 3<xbrbun^er^c nad) ^er 3eitwenbe fommt bem (Sräberfelb von ^oma» reinen eine befonbere 25ebeutung gu; ijl es bod) ber eingige in neuerer Seit voll» ilänbig ausgegrabene Befiattungsplat; ber Weid)felmünbungsfultur, ber eine leiblich fiebere Beurteilung von 3abl unb Seitftellung ber in ihm enthalten geivefenen Beifetgungen geftattet. 3?as (Bräbcrfelb lag auf ben tveßlidjenXanbhöhen bes oberen Paffargetales, unmittelbar nörblid) bes paffarge-Burcbbrucbs burd) einen von Oftfüboft nad) Weflnorbwefl ftreid)enben IBnbmoränengug, nod) auf beffen nörblidien 2lusläufern, bie hier nad) Horben gu in ein fanfter gewelltes ^ügellanb übergeben, ißs befanb ftd) jebod) nid)t unmittelbar auf bem gum ^lufufer fleil gebofcbten Talbang, fonbern auf einer bid)t anfd)liefjenben, leidet nad) Wefinorb* treten gu geneigten vfläd)e/ fnapp joo Mieter fubfübofHid) bes Bahnüberganges über ben Äanbtveg mittelgut—Tbomareincn, ber einer alten, längs bes wejHid)en Paffargetales verlaufenben ^eeresflrafe folgt, Oenau brei Bilometer weiter norbwejHid) liegt an ber gleid)en Strafe unmittelbar am Steilbang gum paff arge» tal bas berfelben Seit unb Bultur angehörige, jebod) nod) nid)t näher unterfud)te töräberfelb von poblciten. tßs ifl eine auffällige Tatfad)e, baf etne grofe llngabl ber oftpreufifd)en (Bräberfelber unmittelbar an alten ^eeresflrafen liegt, unb es bürfte baber nid)t unwabrfd)einlid) fein, baf biefe Wege vielfad) auf vorgefd)id)t» liehe Strafen gurüctgeben. 2luffällig gegenüber anberen oflpreufifdien vfeiebböfen ift bie ungewöhnhd) geringe 2lusbel)nung bes TTbomartiner (Bräberfelbes unb bie Meine 3älH ber in ihm enthaltenen Beifetgungen: bei einer Äänge von 3? Mieter Oft» Weft befaf bas <25räberfelb (in ber Mlitte) eine gröfte Breite von Mieter Horb» Sub, bie ftd) nad) bem Weftranb gu auf 8 bis $• Mieter verfdimälert. Seine von Oft nad) Weiten gerxd)tete £ängsausbehnung folgt ungefähr bem J£ängsfireid)ert bes 2lbfalls ber nad) VTW. gu leid)t geneigten ißbene. Jür bie 2lnlage bes (Sräber» felbes mirbeftimmenb fd)eint bie Bobenart gewefen gu fein. Sämtliche Oräber hegen in einer fd)tnalen, nur mit wenigen größeren <5efd)ieben burd)fetgten Sanb» linfe, meiben aber ben füblid) unb nörblid) anfd)liefenben granbigen Boben.
95 ♦£tma 20 bis? 2?(Präber ftnb beim Ihisfdjadjten bes Kellers für bas im 3af)re 1952 neuerbaute Wobnbaus bes Dcfitjers Paul ^aivatjfi vernichtet worben, einige wenige mögen nod) an unzugänglichen Bt eilen (5. 23. unter bem (Pöpelwerf unb ber 2lbb. j. Knochenbäufd)en in freier lErbe. 21 bb. 2. (Prab s von VlW. 2lbb. 5. Urne in freier l£rbe. (Partentreppe) in ber (ßrbe rul)en, 50 (Präber würben geborgen, ibamit ergibt ftd) für bie Belegung bes (Präbcrfelbes eine 3<xV>l von bodjflcns 60 23efrattungen, ba mit ben @ud)grdben überall ber Xanb bes ^riebtyofes erreicht würbe. 5)ie meiften (Praber lagen in einer XT i e f e von ?o bis 80 Zentimeter Cllbb. j), einige wenige, befonbers am Weftranb bes /feloes, etwas flad^er, fo baß fte nod)
96 vom Pflug erfaßt waren. Port ben 50 unterfud)ten (Sräbcrn waren ) ? Urnen* g r ä b e r, j $ S n 0 rf) e n I) äu f d) e nz von letzteren lag nur eins in einer aus* geprägten branbgrube. Kud) bei ben Urnengräbern war branbfd)üttung feiten unb trat, wenn überhaupt fefißxllbar, nur wenig auffällig hervor. Urnengräber unb Xnod)enhäufd)en lagen jebod) nid)t regellos burcßeinanber, fonbern wedjfelten in (Gruppen von 4 bis 5- Xnod)enhäufd)en unb 4 bis y Urnen jiemlid) regelmäßig miteinanber ab. Weitaus bie ITlehrjahl aller Gräber wies keinerlei Steinfdpitj auf (llbb. j u. 5). Pa in bem flark ljumofcn Sanbe and) ^üHerbegruben nid)t ju bemerken waren, fo würbe eine beftattung immer erft ernannt, wenn ber Spaten fd)on auf bas Xnod)en* häufdjen ober ben oberen Xanb ber Urne traf, bemerkenswert, weil in ber Weid)felmünbungskultur nicht häufig, ifi bas — allerbings feltene — Porkommen von Uterffteinen. Pon ben k Urnen fkanb eine unter einem fladjen Peckftein; eine weitere war burd) einen, eine anbere burd) jwei größere XHerkfkeinc (llbb. 2) gekennjeidptet. Pagegen war bei 6 Urnen ber meift fcßlanke ^uß burd) j bis 5 kleine Stütjfieine gegen Umkippen gefd)üt;t (llbb. 2). Pon ben jy 'Änod)en l)äufd)en lagen brei auf einen kleinen ^aufkfleinpflafler, eins unter einem flad)en Peckftein, eins unter einem Ulerkftein, eins war mit einem Xranj von ^auftjkeinen umlegt. Pie übrigen lagen frei in ber Erbe (llbb. 5). Wie auf ben meiflen (Sräberfelbern ber Weid)felmünbungskultur waren bei* gaben nid)t allju häufig, unb, wenn vorl)anben, immer nur in geringer llnjahl ber einzelnen beftattung beigegeben. Pon ben Urnengräbern waren jwei Prittei, von ben *Änod)enbäufdien nur etwa bie ^älfte mit beigaben ausgeftattet; biefe wiefen häufig Einwirkungen bes Retters auf; bie unb ba waren fte fogar bis jur Unkenntlid)keit verfdpnoljen. Pem (Brabbraud) ber Weidifelmünbungskultur ent* fpred)enb befielen fämtlid)e beigaben nur aus Schmuck; vereinzelt fanben ftd) aud> Sporen unb Spinnwirtel. Waffen fehlen vollfkänbig. Weitaus bie häufigften beigaben waren Bibeln. Sie fanben ftd) in jebn Gräbern, unb jwar in 2 Gräbern in je 5, in einem (Srabe in 2, in 7 (bräbern in je einem Stück. Pertreten ftnb bie Pypen blume I, Paf. IV, llbb. n unb jy, Paf. III, llbb. 6, (Baerte, Urgefd)id)te llbb. j 59b unb p. b. 22, llbb. 1) 9. Sämtliche Bibeln gehören bemnad) ber zweiten <?älfte von Pifd)lers periobe B, b. b. h<xuptfäd)lid) bem 2. Sabri). n. Pbr. an. Ulehrfacß kamen aud) Ur m ringe vor; in einem (Brabe 2 breikantige wie blume I, Paf. IV, llbb. 76; ferner bie typifd) gotifd)en Sd)langenkopf* armbän ber vom Pypus blume I, Paf. IV, llbb. 86, S. 66, llbb. 85, 80, bie ftd) in einem (Srabe in einem, in einem anberen G5rabe in 2 Stücken fanben. Wieber* holt traten auch <25 e w a n b n a b e l n als beigaben auf: fo bas brud)ftuck einer Xnod)ennabel (llbb. ya), eine eiferne Vlabel mit fpatelförmigem Xopf (llbb. ?b), eine bronjene, eine eiferne VJähnabel (llbb. sc) unb 2 bronjene ^akenkopfnabeln wie blume I, S. J09, llbb. )57, aber mit gebrehtem Sd)aft (llbb. ?d). llnbere beigaben fanben ftd) nur vereinzelt, fo: Zweimal je ein Spinnwirtel aus Pon; Zweimal je eine bronjene Xiemenjunge wie blume I, S. llbb. 64; einmal eine eiferne S d) n a 11 e wie blume I, Paf. V, llbb. yja; einmal ein eiferner IHeffergriffbalter (llbb. ?e); einmal ein mafftver bronjener Stuhlfporn ähnlid) wie blume I, S. llbb. )47;
97 einmal bas Bruchftüd? eines 3ln odjenf ammes' wie Blume I, Taf. IV, Tlbb. j5j; jweimal ftarf verfd)moljene bunte (Email* unb grüne (Glasperlen. ^as fojtbarjle ^'unb^üd? war ein (G o I b a n l) ä n g e r (llbb. 6), bas als einzige Beigabe im £eid)enbranbe ber Urne 20 (ähnlid) 2lbb. 4a) lag. Sd)Iießlid) fanben ftd) in ben )Hnod)enhäufd)en wieberbolt eines ober einige Heine Tongefäßfd)erben. (Ein grunbfätjlid)er Unterfcßieb war ber Beigaben jwifd)en Urnen* gräbern unb 2xnod)enbäufd)en nießt feftju^eHen, abgefeben von ber feßon oben er* mahnten Tatfacße, baß bie Urnen etwas häufiger Beigaben führten als b.ie ^nod)enßäufd)en. ^ntereffant ifi bie Übereinstimmung in ben Beigaben ber beiben am reid)jten ausgeftatteten (Gräber 29 (Urne mit Hiersein) unb 3j CRnod)en* bäufeßen in freier (Erbe). 3ebes von ihnen enthielt 2 llrmringe, je eine V?äl)* unb eine ^afenfopf nabel, jwei (Vir. 29) ober eine (Vir. 3)) Jfibel; außerbem Vir. 31 einen Spinnwirtel, Vir. 29 eine eiferne Sd)nalle unb einen eifernen Uleff er griff* balter. Unterfdjieblid) war bie Verteilung ber Beigaben: Tue wenigsten fanben ftd) in ben (Gräbern ber offenbar älteren (Dftbälfte, bie meiften in ben (Gräbern ber offenbar jüngeren Weftßälfte. 3u ber Knnaßnte, baf? bie (Dflßälfte bes (Gräberfclbes älter fei als bie Wejtbälfte, Eomme id) aus verfd)iebenen, allerbings nid)t ganj fteßeren (Grünben: einmal auf (Grunb ber gleid) ju befpreeßenben Keramif; fobann wegen bes größeren Beigabenreid)tums unb ber fladjeren Bei* feijung ber weftlid)en Begattungen: beibes 2lnjeid)en, bie in (Gjtpreußen fd)on ben Beginn ber C*Stufe Tifd)lers (5. bis 4. 3'aßrb. n. b. 3eitwenbe) anbeuten. (Eine von Oft en nad) Weften ju fo’rtfdweitenbe Belegung war übrigens aud) auf bem (Gräberfelb von (troffen, Kreis pr.*^oüanb, fefouftellen (Blume II, f.). □n allen Beifetjungen war bie B e f d) a f f e n b e i t bes £ e i cß e n * b r a n b e s ungewößnlid) grob; waren bod) bie meinen Knod)en wefentlid) fd)wäd)er verbrannt als man es felbjl auf ben jungbronje$eitlid)en xflad)gräber* felbern vom fogenanten £aufttjer Typus ju finben pflegt. 3n faß: allen (Gräbern fanben ftd) nod) wohl fenntlid)e Keße von Wirbeln, Kippen, 2lrm* unb Bein* Enod)en, (GelenEEöpfen unb Wirbeln, fo baß mit Sid)erßeit gefagt werben fann, bafj — mit einer Husnabme — feiner ber Beigefetjten jünger als K 3abre gewefen fein fann. Vlur ein einziges ‘Kinbergrab fanb ftd) in (Geßalt winjig feinen, fpär* ließen £eid)cnbranbes in einer Heinen Beiurne, bie im £eid)enbranb ber Urne )8, offenbar eines ^frauengrabes, ßanb. Wo bie übrigen — bei ber für bie vorgefd)id)t* liebe 3eit mebrfad) erwiefenen hoben Kinberßerblid)Eeit — bod) anjuneßnienben Kinbergräbcr 311 fud)en ftnb, bleibt vorläufig ein Kätfel. 25ie aus bem (Gräberfelb geborgene ton war e madjt burd)weg einen forg* fältigen (Einbruch T>ie meißen (Gefäße ftnb gut, 3. T. fogar fe^r gewanbt geformt unb fauber geglättet, viele auf ber ganzen (Dberfläd)e gleid)ntäßig graphithaltig, anbere haben bunf eibraun graue ^arbe unb ftnb nur an einjelnen Stellen bunHer gefd)maud)t. Vieben jtraff geformten, mit eingeritten ITannenjweigmujfern ver* gierten "(Töpfen finben ftd) battdjige (Gefäße mit Kanblippe (2lbb. 4a) ober furjem jylinbrifd)em i^als (2lbb. 4b) fowie weitmunbige Sd)alennäpfe CKbb. 4c). 2luf (Grunb ber Tongefäße unb ber fonftigen Beigaben mad)t bas (Gräberfelb von Thomareinen einen jeitlid) b^^ gefd)Ioßenen (Einbruch lllle Beigaben geboren Blumes Stufen B jünger unb (jumeijt) B jüngft an. iDen (Gefäßformen nad) fönnten vielleicht einige ber beigabenlofen (Graber aus bem Wertteil bes gelbes etwas älter
9S fein. 2?er unterfudffe »Teil bes tBräberfelbes bürfte fomit faff ausfd)licfflid) bem 2. Zfatyfy. n. £br., unb zwar jumeiff beffen jüngerer ^älfte angeboren. Eine gewiffe Fehlerquelle für bie Ermittlung ber genauen 23elegungsbauer bes (Bräberfelbes liegt in bem Fcblen ber etwa 20 beim ^ausbau jerfförten (Bräber in bem offenbar älteren (Bffteil. 3Da aber and) bort nad) Eingabe ber an ben Tlusfd)ad)tungsarbeiten beteiligten Arbeiter Sdffangenkopfarmbänber gefunben fein foHen (bas 25rud)ffüd? eines foldjen fanb ftd) nod) im 25aufd)utt!), bürfte aud) er über 23lumes Stufe B jüngere nid)t wefentlid) jurüct’reid)en. 2?er ganje F’mb t>of mit feinen etwa 60 23effattungcn bürfte alfo weniger als joo 3abre, minbeffens wof)I 60, allerböd)ffens aber .120 3at)re lang belegt worben fein. Tille ftd>er beurteil* baren (Bräber geboren bem 2. Oabrb. an, ob einige nod) in bas 1. 3abrt). zurütf* reidjen, iff l?öcf>fi jweifelhaft. Kein (Brab bürfte jünger als 200 n. Eb- anjufetjen fein. Tluf (Brunb einer Sd)äQung bes ^errn 3Dr. W. ^orn (Königsberg) bürfte für biefe weit jurüdfliegenbe Seit bie Tlnnabme einer Sterblid^eitsjiffer von minbeffens $-0 auf bas Taufenb ber mittleren Bevölkerung geboten fein1), ^iernad) bürfte x) Statiffifdje (Brunblagen in X. £awin, 3Die 23evöH?erung von Offpreufen, Berlin )93o, unb <?effe, $?ie Bevölkerung von (Dffpreufen, 2*ena 5Die Sterbeziffer in (bffpreufen, bie gegenwärtig )2,i je Taufenb betragt, lag nod) um bie mitte bes vorigen 2ai)rl)unbert3 bei 3$ je Taufenb.
99 eine Siedlung, bie alle j bis z ‘Jahre einen Toten beßattete, jo bis 20 Kopfe gewählt t>aben. Wenn aber, wie es wahrfd)einlid) iß, auf bem Gräberfeld (mit einer Ausnahme) nur Trwad)fene beßattet ftnb, fo muß mit einer Fnappen l?er< boppelung ber Kopfjabl, b. !)• 20 bis allenfalls 40 bewohnet, gerechnet werben. Das gotifcfye Gräberfeld von Tbomareinen dürfte bemnad) von 3 bis 6 Familien, b. b. etwa von einem lofen Sippenverbanbe, angelegt unb belegt worben fein. Wie bereits blume (a. a. T>.) feßgeßeHt h<*t, beginnt bie Belegung ber gotifd)en ^riebböfe im weßlid)en Ößpreußen im allgemeinen erß mit ber Stufe B jüngere, alfo um ober Furj nad) joo. blume ßütjte ftd) bei feinen Datierungen faß aus» fd)lief;lid) auf bie Grabbeigaben. Ts iß jebod) ju berücfftdßigen, baß gerade bie älteren B.Gräber ber YVeid)felmünbungsfuItur gewbhnlid) feine ober faß Feine beigaben führen. Gerade bie lebten 3'abre b^hen, hauPtfäd)lid) in ben Kreifen AUenßein, braunsberg unb bem Weßteil bes Kreifes Oßerobe eine Anzahl neuer ^unbplätje geliefert (vgl. b. p. 50 I, 28) ff.; Ulannus 24, ?6j f.), bie, wenigßens jum Teil, älter ju datieren fein Fönnten, alfo in B mittlere ober fogar ältere. — Tine ftd)ere Tiitfd)eibung über bas erße Auftreten ber Weid)felmünbungsfultur im weßlid)en Oßpreußen Fönnen allerbings erß eine Anjabl von neuen planmäßigen Ausgrabungen gefdßoßener gotifd)er Gräberfelder unb Sieblungen erbringen. Vlad) bem bisher vorliegenden, allerbings fpärlid)en ^unbßoff fd)eint ftd) fd)on jetjt in ben Kreifen AUenßein unb Oßerobe»Gß, vermutlid) aud) in örtelsburg»Weß (Sdjeufelsmüble) unb Vleibenburg»Oß (Sagsau) eine örtlid)e Untergruppe ber Weidßelmünbungsfultur beraus3tifd)älen, bie ausfdßießlid) branbbeßattung aus» übt, gewiße feramifd)e Tigentypen führt, unb beren gewöbnlid) Fleine beßattungs plätje faß ausfdßießlid) während ber „älteren Kaiferjeit" belegt ftnb, am Anfang ber CStufe Tifdßers jebod) abbredjen. C^unbe liegen auf bem oben umrißenen Gebiete bisher nur ganj vereinzelt vor (5. 25. pupFeim, 'Kreis AUenßein); bie näd)ßen weßlidj unb nörblid) benad)barten Gräberfelder mit zahlreicheren C^unben ftnb pettelfau unb Wormbitt, 'Kreis braunsberg; Troßen, Kreis pr.»^ollanb; Pollwitten, Kreis Ulohrungen (vorwiegend B jüngß unb C mit beinahe ausfdßieß» lid)er SFelettbeßattung); Tbierberg unb Ößerobe, Kreis (Dßerobe; bod) wirfen biefe Gräberfelder ihrer KeramiF, ihren beigaben unb Grabformen nad) Feineswegs einbeitlid). Abb. 6. Golbner Anhänger, ) :). ^unb»überfid)t. ). Urne, von brei faußgroßen Steinen geßüijt. Tine eiferne Vlabel mit Spaten» Fopf wie Abb. e. 2. Knod)enbäufd)en in branbgrube. 5. Urne mit jwei feitlid>en Stütjßeinen. 4. Urne mit einem Stütjßein. ?. Kein Grab.
100 6. Rnodjenljäufdjcn. 7. Rnodjenljäufdjen auf findet Steinplatte mit Uierffrein. 8. Urne mit brei Stütz* unb jwei Ulerffteincn. 9. jo. "Seine (Bräber. jj. Rnodjenljäufdjen. j 2. Ixnodjenbäufdjen auf Steinen. 23ronzetrbpfdjen. »fine Jibel wie 23lume I, kfaf. IV, J4. J3. Sein (Brab. J4. Rnodjenbäufdjen. »fine Jibel wie 23lume I, Taf. IV, J4. )£. Rnodjenljaufdjen auf ^auftfteinpflafter, mit ^auftfteinen umlegt, (fin Sdjerben. j6. J7. Reine (Bräber. jS. Urne unb 23eigefä£ mit RinberFnodjen. )9. Rein (Brab. 20. Urne mit einem Stüijfiein. 3wei ^ibeln wie 23lume I, £af. IV, j?; Spirale unb VTabel einer britten v^ibel. (fin (Bolbanbänger Cllbb. 6). Ulebrere ver* fdjmoljene mehrfarbige (fmail* unb grünlidje (Blasperlen. 2j. Urne, (fin Stuljlfporn wie (Baerte 2lbb. J47 j.z äljnlid) 23lume I, 2lbb. J47. (fin ^weiter jerfdjmoljener Sporn, (fin bronzener Riemenbefdjlag. 22. Rnodjenbäufdjen. 3noei verfdjmolzene Bibeln wie 25lume I, Taf. IV, j$-. (fine ^ibel wie 23. p. 22, 2lbb. jjq (Pettelfau). (fine Rnodjennabel wie 2lbb. 3. 23. Urne. (Brüner (Blasfufj, verfdjmolzene 23ronzetropfdjen, verfdjmolzene bunte perlen. 24. Rnodjenbäufdjen unter Steinplatte. SJrei verfdjmolzene ^ronjetropfdjen, ein Sdjerben, eine Riemenzunge wie 23lume S. 2lbb. 64. 2?. Urne unter Steinplatte. 26. Sdjerben unb falj. Rnodjcn zwifdjen 23aufdjutt. 27. 23ranbgrube O) ohne falz. Rnodjen. 28. Rnodjenbäufdjen. 29. Urne unter illcrfficin. (fine ^ibel wie 23lume I, Taf. IV, j?. (fine vjibel wie (Baerte 2(bb. j?9b. (fine bronzene VJäbnabel wie ?lbb. 4. »fine bronzene ^afenfopfnabel wie llbb. 4. 3wei Rrmringe ivie 23Iume I, Taf. IV, 76. (fine eiferne Sdjnallc wie 23lume Taf. V, (fin eiferner ITiefjergriff= balter. 50. Rnodjenbäufdjen. (fine ^fibel wie 25lume (Eaf. HI, 6. (fin Sdjerben. 5j. "Snodjenbäufdjen. (fin Sdjerben. (fine Jfibel wie 23lume Taf. IV, jy. 3wei Rrmringe wie 23Iume S. 66, ?lbb. 80. »fine eiferne VJäbnabel wie 2lbb. (fine bronzene v^afenfopfnabel wie- Ilbb. (fin Spinnwirtel, »fin Sdjerben. 52. Rnodjenbäufdjen. 55. Urne in 25ranbfdjüttung. 54. Rein (Brab. 5^. Rnodjenbäufdjen. (fin Sdjerben. 56. Rnodjenljäufdjen. (fine ^ibel ivie 23lume I, <Eaf. IV, j<r. (fin llrmring wie 231 ume S. 66, 2lbb. 85. (fin Spinnwirtel. Ulebrere Sdjerben. 57. Urne, (fine ^ibel wie 23lume I, iCaf. IV, J4. \ 58. Urne, (fine v^ibel wie 23Iumc I, ICaf. IV, j^. Stücf eines Rnodjenfammes wie 23Iume I, lEaf. IV, jsj. 39. Urne mit einem Stützfiein.
101 Der „Sünenberg" bei (Stritten, bie alte Preußenburg Hogympte. Von a n s £ r o m e. Dilsburg berichtet in feiner (Chronik1) eine Ztegebtnfyeit aus bem 3ahre in bem ber Böhme.«könig Ottokar im £anbe ber Orbensritter erfd)ien, um ihnen gegen bie auf ftänbif eben Samldnber ju t>elfen. Der König jeigte einem alten eblen Preußen namens (Bebune, ber bie Wehrhaftigkeit ber Samlänber genau kannte, einen Teil feiner Streitmacht unb fragte ihn, ob er mit foviel Bewaffneten etwas ausrid)ten konnte. (Bebune verneinte es unb bann abermals unb nochmals, als ihm ber '.Honig bas Doppelte unb Dreifache ber juerfc aufgelegten Truppen gezeigt hatte, tkrfi als ber König feine gefamte Wehrmacht erfcßeinen ließ, bie, wie Dusburg fagt, bas ‘Bis bebeckte wie bie ^eufdjrecken bas £anb, fagte (Bebune, biefe genüge, unb Ottokar könne erreidien, was er wolle. (Bebune h^tfe alfo e™c h°bc Meinung von ber kriegerifchen Tüd)tigkeit feiner £anbsleute. Br wirb vor allem bei feinem Urteil bie jahlreid)en feften Burgen bes Raubes im lluge gehabt h«ben, in bie bie alten Preußen, wie wir aus bem Verlaufe ber (Eroberung ber einzelnen j£anbfd)aften burd) ben Orben wißen, ben Hauptwerk ber Äanbesverteibigung legten unb bie von ben Kittern, um bas £anb in bie ^anb ju bekommen, fiets erß eine nad) ber anberen erobert werben mußten. (Eine ber wid)tigfken Burgen bes Samlanbes, bie aud) bei öen Kriegsjügen König Ottokars eine Kolle gefpielt haben wirb, iß ber ^ünenberg bei Bkritten, ber in feiner Oigenfd)aft als ehemalige Befestigung heute nod) wohl erhalten iß. Br liegt weßlich bes (Butes Malbaiten, jwifdjen ben beiben (Putern (Stritten unb Bißelbitten. Kommt man von bem freunblid) gelegenen Dorfe Kuban, an bem ftd) früher eine alte (Bauburg ber Preußen unb fpäter eine wid)tige Burg bes Deutfd)en Orbens befugben fyat, unb hat man bas Wälbdien perkoke burd)fd)ritten, fo erblickt man balb bie bewalbete ^öhe, ben ^ünenberg, ber in feinem Innern bie alte ^eibenfeße birgt. Die Imlage jeigt bie beutlid)en Merkmale einer altprettßif eben Befestigung. Sic iß auf einem Äanbrücken auf geführt, ber ftd) in ber Kid)tung von Sübweß nad) Vlorboß gegen einen Bad), bie Hintan, vorfd)iebt, bie fte auf allen Seiten, bie weftlid)e Jugangsfeite ausgenommen, umfd)Iießt. Das an ben Bad) anfd)ließenbe (Belänbe iß heute jum Teil entwäßert, ehemals war es fumpfig unb ungangbar. Der bem Werten jugekehrte Teil ber Xlanbjunge, alfo ihre vfuß- linie, ift fyeute nod} burd) einen breiten OuerwaU, bem ehemals ein boppelter Vorwall vorgelagert war, abgeriegelt, fo baß wir hier eine rtd)tige 3ungenburg vor uns haben, wie fte bie Preußen mit Vorliebe anlegten. Die Knlage jeigt infofern einen Übergang ju bem fogenannten Kingwall, als ber ^auptwall bie ganje Einlage umläuft unb ihr bie (Beßalt einer bem Kreife ftd) nähernben iBUipfe gibt. Ulan hat barauf hingewiefen, baß biefe llrt ber Imlage von Burgen ein Beweis für bie Tobesmutigkeit ber alten Preußen fei, weil fte bem Verteibiger keine Möglichkeit jum Kückjuge gebe, fo baß biefer gejwungen fei, auf £eben unb Tob ju kämpfen, wenn er ßcb nid)t ergeben wollte. VTod) vor joo fahren muß Scriptores rerum prußtearunt I 9j.
102 aud) bie Oßfeite ber Zulage härtere X>orwäIIe gehabt haben, wie aus ber Zeichnung bes Zeutnants <F5uife 511 erfetyen iß, ber bamals bu alte A'eße aufgenommen unb bie Stij^e gejeid)net bat (Sammlung ber ^anbjeid)nungen im pr.'Jhif.). ^eute ftnb hiervon feine ‘Spuren meßt bemerkbar. Zie Einlage hat an biefer unb ber anfdßießenben Vlorboßfeite einige betrdchtlidje Veränberungen ’m Zaufe ber ^eit erfahren, vermutlich burd) bas Waßer, bas aud) ben <$auptraall an biefer Seite ijerrißen unb eine tiefe Sd)Iud)t gebilbet ßat. Zie Zurg felbft fdjeint fünßlid) aufgefd)üttet ju fein, inbem man bie ‘Erbe bes ^ügels im ?w*ntrn ausgehoben unb nach außen aufgeworfen ßat. Zas innere ber Zulage liegt tief, etwa $ Mieter, unter bem äußeren Wall. Vlad) ber Seite bes Z»ad)cs ßürjt ber Wall jum Teil fd^roff ab. 5)ie (Sefamtanlage ifi von beträd)tlid)em Umfange. Ulan braudß yyo Sdjrirte, um ben ringsherum laufenben Wall 511 umfd)reiten. Zas lanbfdjaff- liehe _Z3iIb bes Zwerges ifi fehr anjießenb. Von bem Zanbwege, ber bie (Suter (Stritten unb tEißelbitten verbinbet, tommt man rechter ^anb auf ben mit alten »Eichen, Zud)en unb (Eberefd)en bid)t beßanbenen Zurgberß. Zautlofe Stille t)errfd)t bort, bie nur burd) bas ‘Klopfen bes Zuntfped)ts, ber an ctnem ber abgeßorbenen alten Zäume feine Vlahrung fud)t, unterbrochen wirb. Hüt feinen (Bebauten wanbert man hier ungeßört in bie Vorjeit jurüct unb baut ftd) bie alte v^eße trieber auf mit ihren ^oljerbcmauern, bie ftd) einß auf ben jetzigen Willen erhoben l)aben unb in ihrem ^nncrn eine anfehnlicfye Zefatjung aufnehmen tonnten. Zie alte Zurg wirb fd)on früh in ber (Befd)id)te erwähnt. ‘Eine Urtunbe2) aus bem Zfafy* ) -74 nennt fte ein antiquum castrum (altes Zager) unb gibt if>r ben VJamen Vjogympte. ‘Zs iß eine Urtunbe, bie ber ‘Komtur von 'Königsberg aus* gestellt hat, in ber er jwei Zrübern, ben preußifdjett freien Xiege unb Xomeite, bie in ober bei piutwinnen wohnen, ein Jfelb im (Bebiete von Xubau übertragt gegen ben von ihnen gejaulten preis von 40 lüart Silber unb eine Xnertennungs- gebühr von einem Pfunb Wachs, ben fogenannten Hlartpfennig, unb einen Zenar fulmifd)er Währung. Zie Zeleißung war ber Zant bafur, baß bie Zrüber in bem großen preußenaufßanbe bem (Drben bie Treue gehalten hatten. ber Urtunbe wirb bie Zage bes ben Zrübern jugeteilten Zanbes genau befcßrieben, unb aus ber ®renjbefd)reibung geht bie Zage bes „alten Zagcrs, bas Vlogympte genannt wirb", fo ftrfjer hervor, baß tein Sweifel beßeht, baß ber heutige ^ünenberg an ber X in tau wirflid) bas alte Zager Vlogympte iß3). Wie fd)on erwähnt, wohnte Xomeite, ber außer feinem Zritber Xiege nod) einen Zruber (Silbers batte, in ober bei piutwinnen. Sd)on 126 j hatten Xomeite unb (Silbers jo Familien aus ber „villa (Bierßenis", bem heutigen etwa ein ^Kilometer von piutwinnen entfernt liegenben (Berßhenen (früher (Birßeinen genannt) als porige überwiefen befommen. Zas Zanb, bas bie Zrüber Wiege unb Xomeite >274 erhielten, wirb in ber Urtunbe bes genannten ^ahees mit feinen (Brenjen wie folgt befcbrieben: „Campum siium in Rudow taliter videlicet limitatum sicud fluvius descendit per silvam dictam Nurav.de in alium fluvium, qui vadit ante situni amiqui castri dicti Nogympte et exinde per ascensum vallis usque ad terminum villae dictae Ludenien et inde ulterius usque ad viam versus Cayme, ubi prata terminantur addicienies silvam dicto campo attinentem.“ 3u beutfd): „(Ein Jelb, bas in Xubau gelegen unb im ganjen begrenjt wirb wie folgt: Sowie ber ^fluß Ißnabfließt burd) ben Vluraube genannten Watb in einen anberen Jluß, ber feinen Weg nimmt gegen bie Zage einer alten Zefeßigung, 2) Zer ^reyßen uff Samlanbt ^anbfeßen, (Drbensfoliant J07 9. ijz, preuß. Urfunbenbud) Zb. I 9. 2)8. s) Dergl. aud) llltpr. irionatsfcßrift Zb. 32 9. 306 f. (Zecft)errn).
103 Hogympte genannt, unb von bort gegen ben 2lufflieg bes 'Cales bis ju ber (Brenje eines Weierhofs, genannt Subenien, unb bann weiter bis jum Wege gegen Cavmc, tvo bie Wiefen begrenzt werben, bie an bem Walbe liegen, ber an bas genannte K'elb flößt." tiefes fo begrenzte (Bebiet läßt ftd) in bie Sanbfarte ber (Begenb um piutwinnen ohne Sdnvierigfeiten einfügen, unb banad) ergibt ftd) aud) bie Sage ber in ber Urfunbe erwähnten vfcftc Hogympte. 5)er Walb, ber Huraube genannt wirb, ifl ber heutige vjorfl (Brün hoff. Kus ihm fommt ber 23ad), ber an (Berflhenen vorbeifließt unb norböfllid) piutwinnen in bie Kintau münbet. £?ie hintan nimmt ihren Weg weiter nad) bem heutigen ^üncnberg, ben fte umfließt, um bann bie Kid)tung gegen Kubau einjufd)lagen. Chc (Brenje lauft weiter im ^lußtal ber Kintau bis jur (Brenje bes Weierhofs, ber Subenien genannt wirb, unb geht weiter gegen ben Weg nad) Cayme, wo fte wieber ben Walb erreid)t. 5?iefe letzterwähnte (Brenjjiehung bleibt unftdjer, weil es hcuts einen Weierhof Subenien unb ein £>orf Cayme in ber bortigcn (Begenb nid)t mehr gibt. 25er Harne (Cayme fönnte auf bas am nörblid)en Kusgange bes (Brünhoffer vforfls gelegene 5?orf unb (But SboUfeim fd)Iießen laffen, wohin ein Weg von Walbaiten führt. Wenn ftd) aber aud) an biefer Stelle bie (Brenjjie’hung nid)t ftd)er verfolgen läßt, fo befteht bod) fein 3weifel, baß wir in bem heutigen ^ünenberg bie alte 23urg Hogympte vor uns haben, ^für bie 25ebeutung bes Hamens ber 23urg Hogympte fehlt bie (Erflärttng. £>er Harne bes Walbes Huraube, aus bem ber 25ad) fommt, ber ftd) in bie Kintau ergießt, ifl preußifd) unb hängt vielleid)t mit bem Worte jufammen, bas in bem Ortsnamen von Kubau, früher Kawbaw, flecft unb „Sumpf mit rötlichem eifenhaltigen Waffer" bebeutet (vgl. (BeruHis; 5bie altpreußifd)en Orts* nameh S. )4$0. Huraube würbe bann foviel als Sumpfwalb bebeuten. Wie ftd) aus einer Urfunbe vom 3al)re )333 ergibt, ifl in biefer Seit ber Harne Hogympte für bie 25urg nid)t mehr gebräud)lid) gewefen. Cüe 23urg führte bamals ben preußifd)en Hamen Wofepile, ju beutfd) Siegenberg. Su erwähnen ifl nod), baß Voigt in feiner (Befd)id)te Preußens4) in ber 23urg Hogympte bie 25efefligung erblicft, bie nad) Sbusburg von König Ottofar im Bahre )2?4 im (Bebiete von Kubau erobert würbe. Voigt hat hiermit wahr* fd)einlid) Ked)t, wenn aud) Ousburg bie 23urg, bie Ottofar eroberte, nid)t mit Hamen nennt, fonbern nur fd)reibt, baß Ottofar im (Bebiete von Kubau ben Preußen eine furd)tbare Hieberlage bereitet unb bort ('ibidem) ein Sager erobert hätte. Wenn aber aud) Hogympte nicht bie 23urg fein follte, in ber ftd) bie eblen Preußen ergaben, fo wirb fte bod) in ben Kämpfen mit Ottofar, wie eingangs erwähnt, eine wichtige KoUe gefpielt haben. Von bem <$ünenberg berid)tet bie Sage5), baß er früher ju ben h^ibnifd)en Opferbergen gehört habe. £>ort foll viel Spuf unb (Befpenflerwerf umgehen. Kuf ihm jeigt ftd), wie erjäl)lt wirb, eine (frau. (Ein 23auer ritt einmal auf ben 25erg, fte ju fel)en unb erblicfte fte, wie fte ihr <$aar fämmte. Sie rebete ihn freunblid) an unb gab ihm etwas, was fte ftd) aus ben paaren ausgefämmt hatte. Sber 25auer flecfte bas (Befcßenf in bie Cafd)e, warf es aber bann fort. (Er hätte es behalten follen, benn ju v^aufe fanb er nod) einige (Bolbförner, bie in ber Cafd)e jurücf* geblieben waren. Vom v^unenberg erjäl)lt man aud), wie von fo vielen anberen bergen, baß ein unterirbifd)er (Bang aus il)m h^ausführe. »Er foll auf bie 25urg in Kubau verlaufen fein. 4) Voigt, (Befd)id)te Preußens 25b. 3 S. 81. 5) Keufd), Sagen bes preußifd)en Sainlanbes S. 70.
104 111. 2lue ber Werfjldtte ber vorgefdjidjtlidjen Sorfdjung. (Dftpreugifdje X>orgefd)ic^tsforf(i)ung im ©ritten Heid). Von W. (B a e r t e. Wohl in feiner anberen Provinz ift bie Vorgefd)id)t8forfd)ung in fo fd)wicriger Äage gewefen wie in (Bftpreußen. Sie blicft auf einen bornenvollen Weg jurütf. 'fs ift ibr wabrlid) nicht leidet gewefen, in ihrer Arbeit mit anberen 25ejirfen bes 7\eicf>es annäbernb gleichen Schritt ju halten, wenngleich fte, was Keid)l)altigfeit unb Ulenge ber ^unbftätten betrifft, ben Wettbewerb mit jeber anberen Provinz auf nehmen fonnte. liefern Keid)tum an wertvollem Ahnenerbe ftanb leiber nicht ein gleicher Keid)tum an Uiitteln gegenüber, um in gehöriger Weife 23ergungs* unb ^‘or* fd)ungsarbeiten ju leiften jur Kettung ber für bie Kenntnis ber Urjeit unferer ^eimat fo unfd)ätjbaren 23obenurfunbe. ißrft im 3abre jgz? warb bas pruffia* ITiufeum, bie pflegeftätte vorgefd)id)tlid)er Altertümer, folange von ber Altertums- gefellfchaft pruffta betreut, öffentliche Anftalt, inbem ber provinjial*Verbanb feine Verwaltung übernahm. Aber noch In5 1929 lag bie ganje Arbeit ber Unter* fuchungen unb (Grabungen innerhalb ber Provinz, b. h. ber 5) Kreife, allein in fanben bes Verfaffers, als einzigen hauptamtlichen Vorgefd)id)tlers. Vie in biefem 3ahre geschaffene Affiftentenftelle brad)te eine gewiffe lEntlaftung. Vanf ber weitverzweigten, gut arbeitenben £inrid)tung ber nebenamtlichen 25oben* benfmabpfleger im Äanbe (jumeift Mehrer), fonnte trotjbem bie ^orfd)ung auf einem einigermaßen befriebigenben Staube gehalten unb fogar erfreulidjerweifc nid)t unerheblid)e v^ortfd)ritte 3abr für 3abr gemad)t werben. Vas Vritte Keich fam. Hoffnung auf 25efferung war Sicherlich beredjtigt. Venn weld?e Jorfdjung fonnte eher ^örberung vom nationalfojialiftifchen Staate erxvarten, wenn nid)t bie Urgefd)id)tswiffenfd)aft, bereu fyetvorragenb na t io n al e 23ebeutung von jebem national iEmpfinbenben fd)on vor ber lTiad)tübernahme längft erfannt unb betont worben war! 2?er Vjationalfojialismus hat benn aud) fofort ju einem vornehmften Volfsbilbungsmittel bie Kenntnis ber Ur* unb ^rühgefd)id)te bes beutfdjen Volfes erhoben, ifiner ber erften ücrlaffe bes UTinifters Kuft jielte barauf ab, ber Vorgefchichte im Sd)iilunterrid)t ben gebührenben piatj einjuräumen. Aud) für (Dftpreußen, bas am fd)werften gefämpft, hämmerte ein neuer Tag herauf. An ber Keid)suniverfität ju Königsberg Pr. würbe eine orbentlid)e Profeffur für Vor* unb Jruhgefdüd)te errichtet; Freiherr v. Kid)thofen, ber neu* gewäblte Rührer bes ^'ad)prähifiorifer*Verbanbes T'eutfd)Ianbs, erhielt ben XLel)t> fhit)l‘ ^ic Urgefd)id)tsforfd)ung bes ©ftens follte ferner mit erheblidxren IHitteln bebad)t werben, als es vorher gefd)ehen war. lEine Um* unb tfinffellung auf ben beutfd)en öften warb beutlid) fpürbar. □njwifchen hat aud> ber Öberpräfibent von (Dflpreußen, (Sauleiter Kod), bie ifitatsmittel bes pruffta*UTufeums erhöht unb bamit bie (Srunblage ju einbring*
105 lidterer unb umfangreicherer Forfd)ungsarbett erweitert. (Bewiß tonnten noch nicht alle 23liitenträume reifen. Tod) fd)on bie bisherigen Unterßütjungen, bie feiten« ber 25ehörben ber oßpreußif d)en X’orgcfchid)tsforfd)ung im Tritten Keich jugefloßen ftnb, haben erfreuliche F'rüd)te gejeitigt. Tie v^ilfe tarn, als höd)ße VTot brängte. VTeue wirtfd)aftlid)e Ulaßnahmen batten bie Jorfcbung vor neue erweiterte Aufgaben geßellt. Tie Turcßführung bes llrbeitsbefd)affungsplanes unferes (Bberpräßbenten unb (Sauleiters Koch vex> langte eine verßarfte 2lufflarungstätigfeit vornehmlich in ben ^ührerfdjulen bes Krbeirsbienßes. Tie frucht biefer Krbeit würbe halb offenbar. ITTelbungen von Funbßellen, oie bei Wegebauten, Äanbverbeßerungsarbeiten unb fonß entoedt würben, häuften ftd). Kafd)es Eingreifen war notwenbig. Stets ergab ftcb ein erfreuliches 3ufammenarbeiten mit bem Krbeitsbtenß. Tas Krbeitsbefchaffungsprogramm brachte nod) in einer anberen Zkjtehung ber oßpreußifd)en X>orgefd)id)tsforfd)ung erhöhte KrbeitstätigVeit. Tie Wege* bauten unb Kusbeßerungen an ben Strafen benötigten in verftärftein iUaße bie ^erbeifd)affung bes im £anbe befinolid)en „Silbers", bes heimatlidien Stein- materials. Sd)on früher batte nad) einem Kusfprud) bes (Beneralinfpefteurs für Wegebau Tobt 7? oom ^unoert bes Stcinbebarfs bie oßpreußifche Erbe felber geliefert. Was Wunber, baß in ben verfloßenen fahren allerorts bas eifrtgße „Steinebubbein" einfetjte, bas aud) heute nod) anbalt. VTur ju oft griff unb greift man babei bie Steinpad2ungen an, bie jum 23eftanbe ber (Bräber aus ber X^orjeit gehören. X>erßänbnisvoHe rechtzeitige XTtelbung von folchen beim Steinegraben entbeeften ^unbfteHen an bas pruffta-Ulufeum l)at oft jum (BIücF bas Sdßimmße verhüten laßen. <$ier h<d es ftd) mit aller TeutlidEeit gejeigt, wie bod) eine ein- bringlid)e unb umfaßenbe 2lufflärung ju werten iß, bie womöglid) aud) ben letjten Volfsgenoß’en erfaßt, bamit er Kenntnis fyat von bem X>orhanbenfein unb ber 23ebeutung bes Khnenwertes im ^eimatboben. Um bie Kufflärung Fräftig ju förbern, würbe vom Pruffta-Ulufeum ein bebilbertes Ulerfblatt: „Sdüttjt bie vorgefd)icbtlid)en 25obenbenFmälcr" heraus- gegeben, bas in runb ?oco Stücf innerhalb ber provinj jur X>erteilung gelangte. Eine vom X’crfaß’er jufammengeßellte £icbtbilbferie über oßpreußifd)e Urgefcbidite iß bauptfddüid) für ben Schulunterricht beßimmt (vgl. Kitpreußen, ^eft ), S. ff. — Z'obnfad). ^anbjäger, parteipolitifd)e Organifattonen uno 23auern- fd)afr würben burd) Torträge erfaßt. Tie feit fahren gefcbulten Pfleger wirften hierbei in erfolgreidjer Weife mit. 3war famen hier unb ba nod) Fehlgriffe unb 3erßörungen bes unerfetj;id)en, wertvollen (Butes unferer Kitvorbern vor. hätten alle jene es nur gewußt, baß ber F’orfcher bei red)tjeiriger IKelbung von Fanben ihnen bie (Brabßeine aus bem Ztoben holt, ohne baß fte aud) nur ben Ft»0er 5U rühren unb Krbeit unb Sd)weiß baran ju fetjen braud)en: manches wäre gerettet unb fteßer für bie ^eimatwiffen- feßaft geborgen worben. T»ie hohe 3al)l ber IHelbungen beweiß aber anbererfeits, wie rege im allgemeinen bie Vodsgenoßen auf bem Zanbe an ben in ihrem Kcfer ruhenben überreßen einer vergangenen Kultur unb fo an ber X>orgefd)id)te ihrer Heimat Knteil nahmen. Welche erfreulid) ßarfe Unteilnahme im Tritten Keid) ber heimatlichen Ur- gcfd)id)te entgegengebracht wirb, jeigen u. a. and? bie hohen Teilnehmerjiffern ber jwei in ben fahren unb J954 vom X>erfaßer geleiteten Sd)ulungslehrgange für X>orgefd)id)te, bie oer Viationalfojialißifdje £el)rerbunb bes (Baues (Dßpreußen in Königsberg veranßaltete. 95 ^ehrfräfte aus allen Teilen ber provinj jählte
106 ber erjte Kurfus, wäbrcnb bie jweite Arbeitsgemeinfd)aft von Angehörigen nur Königsberger Sd)ulen fogar runb 200 Teilnehmer vereinigte. @0 ftnb bie erften oftpreugifd)er Dorgefd)id)tsforfd)ung im Dritten Xcid) bahingegangen voller Arbeit, aber aud) gefegnet mit Erfolgen. 3uverftd)tlid) blichen wir in bie Sukunft. Sie wirb h^ffenilid) bie Erfüllung beffen bringen, was lange erfet)nt unb was (Djtpreu^en verbleut: (Eine Denkmalpflege für Urgefd)id)te von vorb.lblid)er Art, mit l)inreid)enben lllitteln ausgeftattet. 737 Besuchen des Pnussia- Museums Schriftverkehr des Fundarchivs Meldungen von Fundstellen Ausgrabungen und Besichtigungen Tagewerke im Gelände 1620 <632 2290 32 863 Ai 1 $ iT jo9 375 ul iiil iii nii 1931 <932 <933 1934 547 1931 1932 <933 1934 1931 1939 1933 1934 1931 <932 1933 <934 1931 <932 <933 <93* Dergleid)enbe Ü b e r f i ch t über Arbeitsgebiete bes p r u f f i a <= 111 u f e u m unb ber vorgefd)id)tlid)en Denkmalpflege, bie Jahre j 9 5 j — 3 4 umfaffenb. Als befonbers bemerkenswert fallt bie burcbgebenbe frarkc Steigerung für bas Jahr )934 ins Auge. Heiber konnten bie „Ausgrabungen unb i&eftdftigungen" bei weitem nid)t bas (Gleichgewicht halten ben „Ulelbungen von 3unb* {teilen", was in bem Ulangel an lllitteln unb Kräften feinen <35runb bat. X>eranfd)aulid)ung ber Dorge|d)id)te im &cfyulunterrüfyt. <,ans»£üitjen 3 a n s f e n. ‘Amtliche Stellen h^ben beute ber Dor* unb vfrüpgefd)id)te einen bebeutfamen piat3 aud) im Unterrid)t ber Sd)ulen eingeraumt. Die 5<*rfd)ungsergebniffe ber hervorragenb nationalen Wiffenfcfyaft, wie fte unfer Altmeifter (Guftaf Kofftnna nannte, werben tn ihrer 23ebeutvng aud) ben Schulern berid)tet. ^‘ür bie X>eranfd)aulid)ung ber Y>orgefd)id)te im Unterricht kommt nun eine gro^c Keil)« von lTiögäd)keiten in vfrage. Da Urjhtcke in ein tllufeum gehören unb in einigen fällen boxens ein bis jroei Tage nad) ber Auffinbung (5. 25. burd) einen Sd)üler) einmal in ber Sd)ule
107 bleiben t'ön.hen, fo muß man ßd) mit Hilfsmitteln begnügen, von benen es aller* bings eine ganze Aeihe wertvoller IHÖglidßeiten beute fd)on gibt. Wenn man zunäd)ß einmal nur Silber als Anfd)auungsßoff wählt, bann £ann man ben Sd)ülern raten, bie bebilberten 5eitfd)riften, bie ihnen in bie H^nbe kommen, auf entfpred)enbe Auffätze burd)jublättern, bie Abbilbungen ausjufdjneiben, auf Settel zu Heben unb mit furzen Angaben (^unbort, ^unbart, 3eit, Ixultur) zu verfeben. Ittit Sieneneifer, bas (lebt von vornherein feß, werben ftd) bie Sd)üler bann auf bie praftifdje Auswertung biefer tllöglid)¥eit ftürjen. VTotwenbig iß bei einer foldien Silbausfchnittfammlung, bie (Quelle jeweils mit anzugeben; bie Stelle ber Veröffentlid)ung muß genau, aud) mit Tag unb 3<*br/ vermerft werben, um für eine etwaige VTad)beßeIlung bie nötigen Unterlagen gleid) bei ber ^anb zu buben, 5. S. wenn Sefannte bas gleidje Silb womöglich erwerben wollen. $ür bie bes 23iibanfd)auuugsftoffes iß nun von befonberer Sebeutung, nid)t nur Altertümer im Silbe 311 buben, fonbern baneben ebenfo ßarf Vorlagen, bie bie Verwenbungsart oer (Segcnßänbe zeigen. 3?us Huuptgewidß lege man baher immer auf bie Anfdiaulidß'eit. Wenn bie £)inge nicht finbertümlid) geßaltet iverben, wirten fte nid)t unb erreichen nid)t bie Sebeutung, oie ihnen jufommt. Wer ftd) an einzelne £el)rmittelgefrf)äfte wenbet unb bort nad) Vorlagen für ben Unterrid)t ber Vorgefdßdße fragt, ber ivirb ftd) bann am beßen gleichzeitig immer erhnjbigen, in weßen Hünben bie fad>mannifd)e Beratung gelegen ßut. VTur bann fann man überprüfen, ob einem brauchbare Sadjen vorgelegt werben. Eine Xeihe von £eßrmittelgefd)äften hüt Wanbbilber, bie Altertümer ober Äebensbilöer als Vorlage enthalten, herausgebrad)t. Sie ftnb 311m Teil red)t gut 311 gebraud)en. Ulag man im einjelnen vielleicht aud) nid)t mit allem einver* ßanben, fo bann bie (hefamtwirfung bod) burd)aus wertvoll unb ridßig fein. Erwähnenswert ftnb hier befonbers bie ^ebensbilber bes Verlages Wad)smuth in Leipzig, bie im großen unb ganzen als Anfdiauungsbilber (aud) als Älaffenbilber) gut 311 verwenben ftnb. Wid)tig iß bei ber gejamten vVt*uge ber Anfdjauungsbilber, baß in aller* erßer £inie Silber berücfftd)tigt werben, bie für bie Provinz, alfo beifpielsweifc für (Dßpreußen, Tmltigfeit haben. Weiter foHten hier aud) zuerß bie firmen ber Provinz unterßutjt werben, ba biefe 3. S. in (Dßpreußen mit fad)tnännifd)er Seratung arbeiten. Wir werben fte weiter unten nod) gelegentlich erwähnen. Uland)e Sd)itle hat heute einen Odztbilbwerfer unb tann fomit aud) bie £id)t* bilber im vorgefd)id)tlid)en Unterridß verwenben. <$££ gibt es eine ^btte von £id)tbilbreihen, teils gut, teils weniger gut*). Von ben größeren (Z5efd)aften feien nur jwei ‘genannt, Jfranj Stoebtner, Serlin, unb E. A. Seemann, -Leipzig. Triefe beiben (5efd)äfte arbeiten mit fadwiännifdier Seratung. Jfhre Silb* ausxvahl berücfpdßigt u. a. aud) ößpreußen. Sic iß als gut 31t bezeid)iten. Aud) ber Verlag <E>räfe unb Unjer hüt eine Xeihe von Äidztbilbern herausgebradß, bie für ben Unterricht ber Vorgefdßdite gut ju gebraud)en ftnb**). Was nüt;t einem nun aber bas fd)önße Silb, wenn man bie Tünge nid)t wenigßens in einem UTufeum gefehen unb audi einmal in ber H<*nb gehalten hat. Wenn bie Sdßtler fehen, baß beifpielsweifc ein norbifd)er vVeuerßeinbold) *) Siepe hier aud) W. Hanfen, Anfd)auungsbtlöer für öen Vorgtfd)id)tsunterrid)t, £üe Voltsfd)ule, j. )2. )93), S. ff. **) Vergl. Altpreußett, ]95f, Heft ), S. $2.
108 genau fo gut in ber ^anb liegt ober genau fo gut gu gebrausten ift wie ein ^al)rten* meffer, bann l)aben ftc fofort Verftänbnis für bie 5?>inge unb bamit aud) für bie Altertümer ber Heimat. IBs befielt l)ier nun u* <*• für (£>|lpreufen bie t)löglid)1?eif, Harf)bilbungen von Altertümern au? ben verfd)ieben)len ‘3etta!bfd)nitten beim Pruff?a4üufeum in Königsberg Fäuflid) gu erwerben. Verbienftvollen ilbenFmalpflegern unb DTit belfern an ber £anbesvorgefd)id)te, ITlännern, bie wertvolle ^unbflellen red)tgeitig melben ober Foßbare IFingelaltertümer mit gutem ^unbberid)t abliefern, Fann aur Wunfd) aud) einmal ein fold)er Anfd)auungsFaften***) als <ßefd)enF verabfolgt werben. $efd)enF wirb il)m bann gewijg ein Anfporn fein, weiter Fräftig bie £anbesbenFmalpfIege gu unterfhttgen. An biefer Stelle fei ferner nod) auf bie anfd)aulid)en ^albflad)bilber bes £el)r mittelvertriebes Pfeil, Königsberg i. pr., fyingewitfen, bie unter fad)mannifd)er Beratung entftanben ftnb. £?iefe Silber veranfd)aulid)en ben tFntwicFlungsgang ber einzelnen Altertümer in lebenbiger Weife. tFine gange Keibe von (Brabbilbern, Vorlagen, wie „Sd)äftung ber I3eile" ober ,,Von ber v^acFe )um Pflug7', bienen bem XLebenbigweröcn ber Kulturen ber Vorgeii. □n il)rer allgemeinen 2?arftellungsart l)aben fte aud) über bie (Stengen (Dft* preufens hinaus il)ren befonberen Wert als Anfd)auungsbilber. Von befonberer 25ebeutung wirb bei bem Unterrid)t ber Vorgefd)id)te in ber @d)ule u. a. bie ,frage nad) ber »£ntftel)ung bes ^aFenFreuges fein, (fine gange Acil)e von t5d)tiften unb Anfdiauungsbilbern ftnb l)ier entftanben, von benen (ßerätformen ber ^rongegeit. ITTobeUferie: 25rongegeit. leiber fel)r viele aud) nid)t gu gebraud)en ftnb. Wegen ityrer niangell)aftigFeit möchten wir hier befonbers vor ben 2$üd)ern unb Anfd)auungsbilbern, bie von ^5d)euermann l)erausgegeben ftnb, warnen. i£s gef)t 3. nid)t an, bag man, ins* befonbere ber ^ugettb, nid)t haltbare £ünge vorfetgt, bie auf unwiffenfd)aftlid)en Arbeiten, g. von ^erman Wirtl)/ auf gebaut ftnb. Wid)tig i^l hier natürlid) wieber, bie Altertümer im UrfiücF ober einer guten Viad)bilbung vor Augen gu l)ab?n. ^ier muf nun ein unter fad)tnannifd)er Beratung entftanbener ^aFenFreuy Vergl. bas 2jilb unb bie Abb. in Altpreufen, j95y, ^eft j, <3.
109 faxten, ber eine Auswahl guter Vorlagen enthält unb in feiner Art einzigartig ifi, befonbers erwähnt werben. »Eine 25egleitfd)rift bringt furz bie wichtigsten Angaben über bie JEntftehung unb <Befcf)icf)te bes ^afenfreuzes. tiefer, von bem Lehrmittel# vertrieb iE. Pfeil herausgegebene haften „£»as ^afenfreuz im Wanbel ber 2fabr* hunberte" bürfte eigentlich in feiner Sd)ule fehlen, ba er einen guten überblicf über bie verfd)iebene Verwenbungsart bes ^afenfreuzes als Sinnbilb gibt. 55ie Altertümer mit ^afenfreuzen vermitteln barüber h*uaus weiter einen guten lEinblicf in bie Altertümer ber Vorzeit überhaupt. 5?ie furzen Ausführungen in ber 23egleitfd)rift erläutern biefe Thinge. yfur bie Vervolfstümlid)ung ber Vorgefd)id)te unb ben Unterricht in biefem bebeutfamen ^fad) gibt es alfo heute fd)on eine ganze Reihe von guten Lehrmitteln. Ulan wolle ftd) bei ber Verwenbung bes Anfd)auungs|toffes aber immer vor Augen halten, baß man in erster Linie Altertümer als Vor* lagen nimmt, bie in ber Primat vorfommen. Weiter berücffid)tige man befonbers ftarf bie Verwenbung ber Altertümer im täglid)en (Sebraud) unb ad)te auf bie 3wecfbeftimmung ber T'inge. £rft fo werben fte lebenbig unb finbertümlid) unb ftnb für ben Unterrid)t in ber Vorgefd)id)te zu gebraudjen. Vor# unb frübgefd>t(htlt(hc0 ©dmlungslager in £ärd)walbe bet f£Ibing. ^ans*Lüitjen 3 a n s f e n. »Ein für bie Provinz bebeutfames Sd)ulungslager veranflaltete vom ]i. bis j6. 3uni zuf<xmmen mit bem Sentralinfiitut für »-Erziehung unb Unterrid)t im Auftrage bes Reid)sbunbes für beutfd)e Vorgefd)id)te bas Seminar für Vor* unb ^rühgcfd)id)te ber Albcrtits*Univerfität zu Königsberg unter ber Rührung von Prof, von K i d) t h o f e n unb ber ted)nifd)en Leitung von 25annführer K r a u f e. lEine große 3abl von Teilnehmern aus ber ganzen Provinz (Dftpreußen war in ber <35aufül)rerfd)ule in einem frifd)en Lagerbetrieb zufammengefaßt. Vfeunzehn Vorträge berid)teten über bas weite Gebiet ber Vor* unb Jrühöcfd)id)te. 3n einer Reihe von Ausfprad)en würben bie vorgetragenen Tnnge weiter vertieft, befonbers bie Gebiete „Vorgefd)id)te unb Sd)ule", „Vervolfstümlid)ung ber Vorzeitfunbe", „UTitarbeit ber Lehrerfcßaft an ber 23obenbenfmalpflege" ftanben herbei u. a. im Vorbergrunbc ber Arbeit. Am Vormittag würben burd)weg brei, am VTad)mittag zwei Vorträge gehalten, unb zwar ber Reihenfolge nad) mit folgenben iiberfd)riften: &r. □ a n s f e n , &er töegemvartswert ber beutfd)en Vor* unb ^rühgefd)id)ts* forfd)ung, Prof, von Kid)thofen, 3bie Arbeitsweife ber beutfd)en Vor* unb ^rüh» gefd)id)tsforfd)ung, 5>r. 3 a n s f e n , Schrifttum zur beutfd)en Vor* unb vfrühgefd)id)te, £>r. 3 a n s f e n , Lehrmittel für ben Unterrid)t ber beutfd)en Vor* unb ^rüh* gefd)id)te, Prof, von Kid)thofen, Wie arbeiten wir an ber Vor* unb ^rühgefd)id)ts- forfd)ung ber ^eimat mit?,
110 Prof. iE b r l i d), T>ie norbifdje Kultur ber jüngeren Stein jeit in 0ftprcußcn, prof. von Kid)tl)ofen, Altgermanifdje liulturböbe, Prof, von Kid) tl)ofen, T)ie VTad)barvöl¥er ber Altgermanen, £>r. Vjeugebauer, 3>ie ^rü^germanen in (£>ftoeutfd)Ianb, 5>r. ^armjanj, T)ie Sieblungsverl)ältnif[e in Altvreufien, T)r. 23 o b n f a d', T)ie 23urgunben, T*ir. T)r. ©aer t e, Wnnbalen unb 35oten in (bfibeutfdüanb, T)r. Ä leeman n , 55ie Wifinger, 5?r. Vfeugebauer, Vu- 23ebeutung ber germanifd)en Keid)e am UXittelmeer, canb. prael)ifh ^ey m, £itauifd)e ®efd)id)tslügen über (Djlpreu^ens frühere Ver^ gangenl)eit, £)r. 3 a n s f e n , G5ermanifd)e Überlieferung in ^ejlen unb Volfsbräud^n, KeFtor < o l> n ¥ e, Vorgefdjicbte unb Sd)ule, Prof. K r a u f e, Was man in Kunen ritjtc, Prof. Traufe, Staat, Familie, Religion auf (Srunb ber altgermanifd)en (Quellen. Üüne Ausheilung vorgefd)id)tlid)en Sd)rifttums unb vorgefd)id)tlid)er £ebr* mittel (burd) ben £el)rmittelvertrieb JE. Pfeil, Königsberg.) würbe wäbrenb ber ganjen 3eit in einem gefonberten Kaum veranjlaltet. Am )4. 3uni marfrfjierte ber gefamte £el)rgang jur (BrabungsjleHe an ber frübgermanifd)en 23urg Tolfemita. T)er Leiter ber Ausgrabung, Prof. Ä l) r l i d), gab uns l)ier an ^anb ber Ausgrabung einen guten lEinblid? in bie Welt biefes 3eitabfd)uittes unb bie Ted)ni¥ einer forgfältigen 23urgn?alb unb Siebiungs* grabung. iEine anfd)Iie£enbe Wanberung befd)lo0 ben erlebnisreid)en Tag. V?ad)bem man in ben Vorträgen, bie jum größten Teil burd) Äid)tbilber lebenbig gefaltet würben, über bie Arbeitsweife unb 23ebeutung ber Vorgefdnd)tsforfd)ung, über bie einjelnen Volfsfulturen ber Vorjeit, befonbcrs ber (Dfb unb Vcorb- germanen, von ber 23ebeutung ber Vorgcfd)id)te für bie (Brenjlanbarbeit unb aud) vom ^raud)tum ber Vor» unb ^rül)jeit bas Wefentlid)jle gehört bntte, würben bie *EinjeIl)eiten bann mit einer Rührung burd) bas ülufeum in lElbing nod) weiter vcranfdiaulid)t unb vertieft. T)er ¥amerabfd)aftlidie Ton batte bie Tagung? teilne$mcr fd)on balb einanber näl)er gebradit. iltan hatte in biefem -Hagerbetrieb auf vorgefd)id)tlid)em (bebiete wieber ben befien löeweis, ba£ bas £ager bie befbe ‘Einrid)tung für eine gute Sdjulungsarbeit ijl. iEs l)at aud) bier wieber einmal flarfe, gefunbe ^rudite getragen.
111 IV. kleine Hlittnlungen. Der ittaibaum. Der alte 23raud), in ber lllatenjeit einen gefd)mücften iSaum (ben XHaibaum) aufjujtellen, iß nod) beute Ulaibaum aus ifllbad), Timt Töl$, Dayern. (Vlad) ^eßcle, Deutfcße Jeße unb Polfsbräucße, Tlbb. jS.) in Deutfcblanb 511 finben, man begegnet ihm fo jum löeifpiel in Vlieberbeutfd)Ianb an verfd)iebenen Stellen. Darüber hinaus b<*t er aber aud) in vielen anberen Äänbern feinen piatj unb mannig* faltige 23räud)e Fnüpfen ftd) an feine ibrriditung. Die UlaibaunvSitten laffen ftd) burd)roeg auf eine (Frunbform ^urüdr’fübren; $u biefer ftnb bann, je nad) Seit unb Äanbfdjaft verfdiieben, iEinjelbeiten binvigetreten. ber bcuti?5ert Seit lebt biefe Sitte wieber auf unb DoIFsgut, bas 311 verfd)ütten brobte, bleibt fo ber VTacßwelt erbeten. Die (Brunbfcrm ift etwa biefe: Ilm erßen Ulaitag, 311 Oßern (Oßerfonntag ober miontag), aber aud) vor unb nad) Oßern unb 311 Pfingßen, alfo 3U einer Seit, in ber es (frülifing wirb, Hebt e:ne Sd)ar junger £cute in ben Walb bttutus, baut bort einen jungen 23aum um (vorncbmlid) eine Dürfe, baneben aber aud) vfid)te, £inbe, lEber* efd)e), fd)mücft ibn mehr ober weniger aus unb bringt ibn ins Dorf, ^ier wirb er auf einem piat;e aufgeßedrt, worauf man um ibn tanjt. Unter ben vielen iEinjelbeiten bes 23raud)es fei nur ju erwähnen, baß bie Ulatbäume in feier’ lidiem Umzüge von ^aus 3U ^aus getragen werben (wol)l eine Tlbänberung bes urfprünglidßen ifingrabens). l£ier, Wurfl, Sped? werben ben Sängern gefd)enft unb bann von ber ganjen Sd)ar in ben Tanjpaufen gemeinfam vermehrt. Dies Umbertragen finbet ftd) u. a. befonbers in einigen lüneburgifd)en Dörfern. — ^m braun*' fd)weigifd)en llmte Salber ift ber UTaibaum ein mit jungem 23irfenlaub gefdpnüdfter Pfahl, um ben man Kctgen tanjte. War ber UTaibaum febr fo konnte man ibn erflettern, um ber bunten 23änber unb Sdmupftüd)er babbaft 311 werben, bic an ben Sweigen bes lUaibaumes büloen. 2ln vielen Orten würbe ber UTaibaum nid)t alle 3Abre gewed)felt, fonoern blieb einige ^bee ßeben. Sunt Seid)en, baß cs ftd) nid)t um eine
112 leblofe Stange tyanbelt, fonbern um einen grünen, aus bem Walbe gebrachten Saum, umwickelte man bie Wipfel bann jeweils mit grünen lißen. T)er IKaibaum unb ber UTaibufd) fd)mückt an vielen Stellen aud) bie ’Kirdje, ja felbft bie Stabte haben fcpon früh bie alte Lanbfttte übernommen unb ben IKaibaum in ber Stabt aiifgepflanjt. Wir begegnen bem (Grunbgebankcn bes iKaibaumbraud)es als Dublingsfeier bei fehr verfd)iebenen Völkern. 3n Peru tritt an bie Stelle ber Sirke, Tanne unb anberer bie Ulaisjtaube („pirna"), bie nun iprerfeits verehrt, gefdjmücft unb als fegenbringenb angefepen wirb. — VTörblid) von Peru, bei ben Japotefen IKepikos, beßept ein ähnlicher Sraud). — 3n ^nbien pflegt man bie fd)önßen Saumwolb firäucher als „IKaibaum" anjufcpen. — Sei ben Tfd)erkeßen bes Kaukafus fpielt biefe Rolle ber Sirnbaum. — 3m 'Kulte ber IKittelmeerlänber wirb ber IKaibaum burd) ben Lorbeerbaum vertreten. — llud) in vielen weiteren europäifd)en Länbern, fo u, a. in Skanbinavien, (Englanb, Spanien, finben wir biefe ^rüblingsfttte. ?lus ber germanifd)en Sronjejeit Fennen wir eine ganje Keihe von ^fels* jeid)nungen, befonbers aus Sübfd)weben, bie Saumjeid)nungen enthalten unb jum Teil fiepet in Sufammcnhang mit biefer ^rüplingsfttte flehen. Wir wißen, baß bie ^clsbilber größtenteils DarfteHungen bes Voltsglaubens enthalten, bie votrt Sraucptum bes germanifcpen Sauern künben. (Eine große Xolle fpielt in biefen Silbern ber 3^hrC0^uf un^ feine mannigfaltigen (Gepflogenheiten, unb es burfte aus biefem (Grunbe burd)aus anjunehmen fein, baß mandjer bargeßeüte Saum (es finb faß ausfd)ließlicl) immergrüne Säume, bie alfo befonbers flat? finb, ba fte ben Winter überbauern) in ber ^arßcllung bie Xolle eines IKaibaumes fpielt. Seim IKaibattmbraud) Ijanbdt es ftdj um ben (Gebauten bes fytilbringcnben Sommergottes1). Tue IKenfdjen finben an ber Unkunft bes ^rüplings unb an bem Verfd)winben bes Winters fo viel vfreube, baß fte bie Verkörperungen bes Wecpfels ber bie -Säume, bid)t belaubt, äßereid), alfo von Lebe nsßärke ßro^enb, ins T>orf bringen, Itußerbem trug man große 3eige aud) in bie einzelnen Käufer unb ßellte fte vor bie Tür ober brad)te ben IKaibufd) auf bem T>ad)firße ober auf bem IKißhaufen an. T*as Vorpanbenfern biefes Saumes brachte Segen für bas (Gebeihen ber Saaten, für bie vft4ud)tbarkeit ber gerben unb förbertc baneben ben Wohlftanb ber Familie. ^ans-Lüitjen 3 Ä n 0 f e n- ianbnahme ober ^wanqsfteblung? ^anS’Lüitjen 3 Ä n 0 f e n, Königsberg pr. 21us Verhältniffen ber frühgefd)id)tlid)tn Seit wißen wir, baß bei ber Ver* lagerung bes Sieblungsraumes unterfd)ieben werben muß $roifdjen Lanbnahme ttno Swangsfteblung, 5. S. in ber (Gefd)id)te ber franken ober bes sDeutfchen Xitter» orbens. XKan barf in ber ^rühjeit nid)t mit einer fo bid)ten Sewohnung ber Laube red)nen wie h^utjutage, unb gerabe bei Sead)tung biefer Tatfacße foUte man fd)ärfer trennen jwifd)en Lanbnal)me unb 3wangsfteblung. Ilm hier von Vgl. ju biefer vfrage u. a. (E. J e h r l e, 5?eutfd)e vVrße unb VoKsbräud)e (2lus VTatur unb (Beißeswelt VTr. ?j8) unb ^apne, Vom beutfepen C'apreslauf unb Sraud) (5)eutfcbe Volfpcit')/ o. J.
113 vornherein Ulißverftänbniffc aussufd)altett, fei bemerkt, baß biefes sunächft natür- lich nur für frühgefd)id)tlid)e Vcrbältniffe gilt, früher, in ber Völkerwanberungs* $eit ober ben bavorliegenben □<xl)rl)unberten/ gab es nur vereinzelt Völker, bie in einem bestimmten Sieblungsraum lange 3eit faßen unb ftd) in aller Xiipe um innen- unb außenpolitifd)e 3?inge kümmern tonnten. £Es war eine Seit ber (Bärung. £anbnot sträng bie Stämme oft, ihren Sieblungsraum su erweitern ober zu vcr' änbern. 23ei einem fo gearteten Volkskörper ift natürlid) ein ganz anberer Mlaß- ftab anzulegen als in ber gefd)id)tlid)en 3eit, wo bie großen Stammeswanberungen ein lEnbe gefunben batten. 25ci bem Vorbringen eines Stammes in ein bewohntes Gebiet braud)en bie Vleuankömmlinge nad) ihrem ^eftfe^en nid)t immer gleid) bas ^errenvolf su fein. 'Eine entwickeltere unb lebenskräftigere ^Kultur wirb ftd) immer burd)fetsen. Sie kann frembe Ixulturbcfranbtcilc in ftd) auf nehmen unb baburd) angeregt werben, verarbeitet biefe aber immer felbfiänbig. Unter 23ead)tung biefer Gelegenheiten foUte man von einer jJanbnahme nur bann reben, wenn bas neu- angef ommene Volk aud) 5 u gleid) 5 u m ^errenvolf in ben neuen Wohngebieten wirb, b. b. f i d) mit vollem X e d) t auf bem neuen 23 c f i t; unb mit 23 e i b e h a 11 u n g g e f e 11 f d) a f 11 i d) e r unb wirtfd)aftlid)er 3 u ft ä n b e anfiebelt. ‘Eine bloße Unfeizung, eine 3wangsfieblttng ift etwas ganz anberes. £)iefe 3waitgsfieblungen erfolgten 5. 23. „unter ben ITierowingern, "Karolingern unb in ber fogenannten TKaiferzeit (o—400 n. Cbr.)1) burd) bie "Könige wäbrenb unb nad) ben ^Kriegen mit ben Slawen, um biefe burd) Umfteblung unfd)äblid) zu machen. Weil bie "Klöfter unb Großgrunbbefttjer zur 25ewittfd)tftung ihrer Güter, ber Grunbherrfchaften, billige 21ned)te brauchten, beforgten fte ftd) gern Slawen." V a s neu angekommene Y> 01 ¥ wirb bei einer 3 w a n g s - fieblung alfo in feinem alten 2v e d) t ftarF befcßränEt, muß Steuern 5 a h l e n unb 3 u m t e i l aud) Ul e n f cf) e n jum f r e m b e n ^eeresbienft jur Verfügung (teilen. 5)ie tlnfe^ung eines Stammes in einem neuen Gebiet kann von feinem 23cfi^er unter ben obigen Grünben natür- lid) aud) planmäßig betrieben werben. £6 in rein mengenmäßiges übergewid)t braucht herbei gar n i d) t immer von aus« fd)laggebenber 23ebeutung z 11 fein. (Es kann ein kleiner, ber "Kultur nad) b°d?^cbrnber Stamm fehr wohl ^err über eine große Ulenfd)engruppe frember ^Kultur bleiben. — So follte man aud) auf Grunb bes Vorkommens einzelner frühgefd)id)tlid)er Olltertumsfunbe nid)t gleid) von einer ^anbnabme fpred)en. iE r fr wenn in allen "K u 11 u r e r f d) e i n u n g e n (Sieb- lung, Altertümer unb ßrabbraudf eine lEinh^itli d)keit unb ft ar k es überwiegen fid) zeigt, bann können wir von einer (anbnabme reben. 3ft biefes nid)t zu erweifen, b. h« finb bie obigen Vorausfetzungen nid)t erfüllt, bann h^ben wir nur mit einem "Kultureinfluf ohne Stammeswanberung ober gelegentlich aud) mit einer 3*vangsfteblung zu tun. x) paul, Kaffen- unb Xaumgefd)id)te bes £)eutfd)en Volkes, S. *66 (mit weiteren Sd)ri f ttumsangaben).
114 V. 25uct>befpred)ungen. <35efd)wenbt, <5<xnbbucb für ben Unterricht ber beutfd)en Dorgefd)id)te in Oftbeutfd)lanb. Unter Uiitwirfung von Sd>ulmännern unb Dorgefd)id)tsforfd)ern. Breslau (^erbinanb ^irt) 1954. SDurcb bie nationalfojialijlifd)e Revolution ift beute ber Dervolfstümlid)ung ber Dorgefd)id)te erhöhte Aufmerffamfeit gewibmet worben. Das Wißen uni unfer beutfd)es Abiienerbe foll in breitefte Dolfsfreife getragen werben. Die juftanbigen Stellen veranftalten baber überall Scbulungs* unb Einfübrungsfurfe, um bas Derjtänbnis für bie heimifd)e Dor* unb ^rühgefd)id)te ju förbern. ^ier ifl immer ivieber ber Ruf nadi einem ^anbbud), einem Eeitfaben für ben Unterricht ber beutfd)cn Dorgefd)id)te, vor allem in ben Schulen, laut geworben, Diefem Wunfd)e ift nun von bem wohl beften ‘Henner bes (Gebietes „Dorgefd)id)te unb Sd)ule", entfprod)en worben, unb jwar in einer fo bervorragenben Weife, baß biefem Ihurbe bie weitere Derbreitung gewünfd)t werben muß. Dor* unb ^rübgefd)id)te muß wegen ihrer 23ebeutung für bie rafftfdjen unb fulturgemäßen Derhaltniße bes beutfd)en Dolfstums in allen Sduilen gelehrt werben. Wiff cnfd)aftlid)e Werte, bie meift eine große Summe von ^ad)fenntnißen vorausfeijen unb von ^adjausbrüct’en wimmeln, Reifen hier nid)t weiter. Eine Unzahl vorgefd)id)Hid)er Werfe, bie aus ber Jeber von Vlid)tfad)leuten flammt unb nur Sd)aben anrid)tet, gehört teilweife fogac in bas 0cbiet bes nationalen Hitfdjes. Der Herausgeber, Dr. <5efd)wenbt, ein erfahrener Sd)ulmann, h^t ftdt feit langen fahren burd) Wort unb Sd)rift in erfler Einie ber Dervolfscümlichung ber Dor* unb ^rül)gefd)id)te gewibmet; er fleht baneben als Abteilungsleiter am Eanoesamt für vorgefd)id)tlid)e Denfmalspflege, Breslau, in steter Derbinbung mit einer Anjat)l von ^ad)genof[en. 3u begrüßen ift weiter, baß für bie .Aus* geftaltung bes 25ttd)es bie Erfahrungen von auf biefem (Gebiete bewanberten Sd)ul* männern mit berangejogen würben. Die (Slieberung bes Stoffgebietes gefebab nad) folgenben Eeitfätjen: Einführung in bie Aufgaben unb Wege ber Dorgefd)id)ts* forfd)img. — Richtlinien unb Dorfd)läge für Eehrplane. — Winfe jur Deran* fd>aulid)ung. — Untcrrid)tsbeifpiele. ^»efonbers ber letjtc Ceil ber Arbeit ift burd) eine Anjahl von Eebrbeifpielen (teilweife mit Sd)ülerjeid)nungcn) in ^orm von Unterrid)tsftunben, Wecbfel* gefpräd)en ufw. febr inbaltsreid). jin einer großen 3abl von Belegen fommt bie 2uilturgefd)id)te, Raßenfunbe, Stammcsgefd)id)te unb Sieblungsfunbe ber Dorjeit ju ihvem Red)t. Ein Abbrucf ber gefetjlichcn ^eftimmungen über ben Sd)iit; vor* gefdnd)tlid)er 5)enfmäler unb eine Sii)rifttumslifte geben bem 23ucbe eine gute Abrunbung. □m ^Titel beißt es jwar „Y>orgefd)id)te in Oflbeutfd)lanbz/, bod) ber 3nh41t ift teilweife allgemein, baß biefes 23ud) h^dc in feiner beutfdien Sd)ul* ober Ecbrer büd)t&ei fehlen barf. Aud) Öftpreußen ift in ben 13eifpielen bes Sammelbanbes mit berü<ffid)tigt. Hanöi^uiricn 3ansfcn. <35uftav Paul, (Srunbjüge ber Kaffen* unb Kaumgefd)id)tc bes beutfd)en Dolf es. 478 Seiten mit So Abbilb. Eehnianns Verlag, München jpjf. Um es gleid) 511 Anfang ju fagen: tiefes ungeheuer vielfeitige unb anregenbe Werf ift nid)t nur ein ganj neuer Derfud), fonbern eine außerorbentlid) ftarf 511 begrüßenbe £eiftung. ^en 23licf für raffenfunbltdje Jragen verbanft ber Derfaffer
115 <$an8 2\. «Büntbcr. Aber aud? Unterfud)ungen aus bem Bereid) ber vielen anberen in Betracht kommenben «Bebiete ftnb grünblid) mit berückftdßigt. Schon bie (Einleitung jeigt ben Verfaßet* als einen gewißenh<ßten unb anregenben ^orfcßer. Bei allem erfreulid)en XHut jum jufammenfaßenben (Bemalten iß er ftd) nämlich ber Sd)wierigkeiten feiner Aufgabe voll bewußt unb bittet befdieiben um Vlad)fin)t für burd) biefe Sd)wierigkeiten bebingte Ocken unb XCin^elfel^ler feines Bmües. Wie leid)t machen es ftd) jetjt fonß oft bemgegenüber VTid)tkenner unb Sd)warmgeißer, jufammenfaßenbe Büd)er über wißenfd)aftlid)e fragen mit kultur* politifd)en 3ielen ju fd)reiben. Zeigten (Enbes fd)aben fte bamit nur ber Durd)* füljrung ber 2lufgaben, ber meiß ihre Bücher nütjeu foHen. (Ban} anbers Paul. (Er bat es aud) mit Aecßt nid)t verfdimäht, ftd) für verfdßebene ihm felbß tvenig vertraute Sonbergebiete von einigen in ber Einleitung genannten anberen Wißen fd)aftlern beraten ju laßen, Wine neue Auflage foll, wie Dr. Paul mir freunblidjß mitteilt, baju fpäter möglid)ß aud) nod) Anregungen von anberer Seite jur erßen Auflage mit verarbeiten, über bie näheren 3iele feines Werkes l)ören wir hier Am beßen ausjugsweife kurj Paul felbß. Wr fagt u. a.: r-,Jreilid) habe id) mid) erß nad) langem 3ögern jur Drucklegung entfdßoßen unb batte am liebßen nod) ein paar Zfafyw bannt gewartet. Stellt bod) biefe Arbeit ben erßen Verfud) ber Darßellung einer <Befd)id)te ber Kaßenveränberungen bes beutfd)en Volkes unb feiner germanifd)en Ahnen auf geopolitifd)er (Brunblage bar. Unb ftnb bod) bie Sd)wierigFeiten, weld)e bie Bewältigung eines fold)en «Themas mit ftd) bringt, wahrlid) gewaltig." „Sie liegen junächß in ben (Brenjen meines eigenen Wißens gegenüber einem ungeheuren vieltaufenbjäbrigen (Befd)ehen. Denn auf ber einen Seite iß ein riefenpafter, faß unüberfebbarer Stoff in jalßlofen Büdjern, von ben in ben 3eit* feßriften vergrabenen Auffätjcn ganj ju feßweigen, aufgefpeid)ert. Auf ber anberen Seite aber würbe biefer, vor allem bie (Quellen, nod) niemals auf feine Verwertbar» Feit unb Bebeutung für bie Aaßen* unb BevölFerungsgefd)id)te geprüft ober gar ausgebeutet. Die beutfd)e <Befd)id)tswißenfcbaft fyat nämlid) meines Wißens noch kaum jemals bie ^rage aufgeworfen, ob unb inwiefern unfer Volk als (Banjes ooer aud) bie Bevölkerung in ben beutfdien Äänbern, Stämmen, Äanbfdjaften, (Bauen, Stäbten unb Dörfern nod) basfelbe ftnb wie etwa jSs'o, )7?o, j6?o ober nod) weiter rückwärts. Vielmehr red)net fte unentwegt mit „bem" beutfehen Volk als einer ßets ftd) glcid)bleibcnben (Bröße." „Aber ju biefer XTlaßenhaftigkeit eines nod) kaum verarbeiteten Stoffes kommt eine jweite große Sd)wierigkeit für ben Darßcller h^^ju: ßarke innere Verfd)iebenl)eit ber einjelnen Stoffgebiete, bie es ju einem (Banjen jufammelt» jufeiien gilt." „Aus biefen (Brünben iß vorerß einmal nur bie Aufführung eines VXorbaues möglid). Später wirb es bann nötig fein, baß von ben verfdßebenßen Wißen* fdjafkn l)cr bie Baußeine jubehauen unb herbeigetragen werben, um jenes VJot* gebatibe burd) einen ßattlid)en palaß erfetjen ju können. Ws erfd)eint vor allem einmal bringeno notwenbig., baß wie burd) Beßanbaufnahme ber raßenmäßigen Befd)affenheit ber heutigen Bevölkerung juverläßige Kaßenkarten ber beutfeßen <£anbfd)aften bekommen, woju ja bie bis jetjt erfeßienenen elf Banbe ber von Wugen i f d) e r ßerausgegebenen „Deutfcßen Aaßenkunbe" einen vielverfprecßenben Auftakt bilben. Erß bann wirb es möglid) fein, eine (Erklärung ber jetzigen rafftfdfen Verteilung aus ben gefd)id)tlid)en Sdückfalen ju verfueben. Jerner müßen jur «Erreichung biefes 3i«les auf ber einen Seite bie VTaturroißenfdjaften
116 mitarbeiten: £)ie (Erblehre unb alle bie Gebiete, bie bamit zufammenhängen. 2luf ber anberen bie GeiSeswipcnfd)aften: Vor» unb alte Gefd)id)te, römifd)*germanifcbe Jorfd)ung, mittelalterliche, neuere unb Wirtfd)aftsgefd)id)te, Soziologie, Volks» kunbe unb Genealogie. Sd)ließlid) fold)e facher, welche beiben angeboren: (Erb* kunbe, (Erbpolitik unb Xaffenfeelenfunbe. (Einstweilen habe id) verfud)t, überall ba, tvo mir Lücken in ber Jorfdpng vorzuliegen fd)einen, barauf hinzuweifen unb zu neuen Problemftellungen anzuregen." „Gerabe bie Vjotwenbigkeit, fo viele verfd),iebenartige v^ad)gebiete mit ihren ^rageftellungen überfeinen zu müßen, mag bisher eine ^arSellung tvie biefe ver* hinbert h«ben. ^at mir bod) mehr als ein angefehener Gelehrter verftd)ert, baß er eine fold)e h«be fd)reiben wollen, aber tvieber aufgegeben h«be. 5? er tieffie Grunb bafür war fid)erlid) bie Beforgnis, baß jeber, ber ftd) zunt Teilkönig auf feinem Sonbergebiet aufgefd)tvungen fyat, ihm (Eintvenbungen machen ober Irrtümer nad)* weifen rverbe." „Vas kann id) gut vergehen. 3d) felbft Penne bie Sd)wäd)en meiner 'Urbeit nur zu gut unb muß um viel V7ad)ftd)t bitten. Gewiß ftnb mir manche Gucllen unb Bücher, bie id) fyätte hcrÄn5M)cn müjfen, entgangen. (Einiges, tvas in Wirk* lid)keit verwickelter getvefen iS, mußte vereinfad)t, anberes fonnte nur angebeutet tverben, benn ber vorgefci)riebene Umfang bes Buches zwang bazu." „Unb bod) fyabc id) mid), trotz aller biefer Bebenken, zur Veröffentlichung entfd)loffen. 3d) habe es getan in ber feSen Überzeugung, baß bie Bewältigung biefes Themas zunäd)S einmal aus einer einheitlichen Gefamtfd)au heraus verfuebt tverben muß. Unb zwar jetzt, in bem gewaltigen Umbruch, ben wir als 2lblöfung bes fpätliberal*bemokratifd)en 3eitalters unb ^inentwicflung zu etwas ganz treuem erleben. Va gilt es, Grunblagen zu fd)affen für ein anberes Gefd)id)tsgefühl unb *bewußtfein, wobei bie große Bebeutung ber Kaffe für bie 3ufammenfe^ung unferes Volkes unb ben Stil feiner Politik ebenfo wie bie bes Kaums ernannt werben muß. 21 n bie Stelle bes rein juriSifd)en verwaltungsmäßigen ober bes Venkens in einen luftleeren Traumraum hinein, in ben ftd) bie Veutfcbcn fo oft flüd)teten, weil ihnen in ihrer jRleinSaaterei bie Welt ber großen Politik verfd)loffen ober unangenehm war, wirb ein neues treten müffen. (Einerfeits nämlid) ein volks* biologifches, anbererfeits ein erbb«ft gebunbenes unb babei bod) weiträumiges." Wir freuen uns fehr, baß Vr. paul mit ber Veröffentlichung nid)t länger gewartet h«t trotz «Her Schwierigkeiten. Befonbers treffenb ftnb aud) feine ein* leitenben Worte über bie Vorgefd)id)tsforfd)ung, in hohem IHaße u. a. gerabe für OSpfeußen. Wir wieberholen fte beshalb hier ebenfalls: „3um Schluß kann id) zwei Bemerkungen nid)t unterbrücfen: Bei meinem Befud) fehr vieler beutfd)er ITiufeen ha^e id) jebesmal biefelbe Beobachtung gemacht: Ver Direktor unb feine Beamten ftnb mit Vcrwaltungs* unb 2(us* grabungsarbeiten berart überlaSet, baß fte feiten ober nie zu einer wif[enfd)aftlid)en 3ufammenfaf[ung ihrer Lebensarbeit kommen, wozu eben, wie für alles Sd)öpferifd)e, bie große Stille notwenbig iS« Wieviel Wertvolles aber geht bod) baburd) verloren, bas nur fo in einem einzigen Kopfe zufammengefehen worben iS« Wenn bie Regierung bes dritten Keid)S, bie bereits gezeigt hat, baß ihr bie Vor* gefd)id)te am Kerzen liegt, ftd) entfd)Iießen könnte — falls bie Staatsfinanzen es erlauben —, ein paar Vutzenb 'Üß’iSentenSeHen für junge Vorgefd)id)tler zu fd)affen, würbe fte ftd) um biefe Wiffenfdjaft nod) größere VerbienSe erwerben. 3S es notwenbig zu verftchern, baß id) weber ITlufeumsbeamter bin, nod) bie 24bftcf>t habe, es je zu werbens 3d"* f«9c rs nur ber Sad)£ wegen, bie mir am Kerzen liegt,
117 benn bie XHufeen werben in 3ufunft als Bewahrer bes germanifdjen Erbes in unferem gefd)id)tlid)en Bewußtfein eine ganz anbere Xolle fpielen als bisher." Soweit Paul. Vinn einige Einzelheiten ju bem weiteren Jnhalt feines Bud)es. Vürd) feine reid)en 'Xnmerfungn behält es aud) als ÜhieHenfd)rift einen bleibenben Wert. 3u mandjen angeführten Veröffentlid)ungen fähe man babei allerbings gelegentlid) gern nod) ein furjes Wort gegen ihre fehler unb mangel, u. a. 511 Wolf, Xngewanbte Xaßenfunbe, unb 3. von £eers, (Befd)id)te auf raßifd)er (Brunblage (nimmt bie unbraud)barcn Arbeiten <$. Wirths ernft) ufw. S. 45: Voppelfonige Urne ift ein Vruct’fcl)ler für boppeltonifdje, wofür ftd) bas rein beutfd)e Wort boppelfegelförntige empfiehlt. Vie einftige vorgefd)id)tlid)e Abteilung bes Berliner Ulufeums für Völfert’unbe ift jetzt felbftänbig unb heif?t Staatlid)es Utufeum für Vor* unb ^'rühgefd)id)te. S. 64: Vas bekannte frühe St’elett (mittlere Steinzeit*) aus (Br.*Vinz, Kreis Vjimptfd), Bez. Breslau, h<tt teine Beigaben, bie mit Sid)erl)eit auf eine Ein* wanberung aus 3ütlanb hinweifen. Vie ^ungftcinzeitleute bes Vonau*Vnjeßr* Kulturfreifes (= Banbferantifer) ftnb t’eineswegs insgefamt als norbraßifd) erwiefen. S. 7J: 3u ben 2luseinanberfet;ungen über bas Volt'stum ber «Häufiger Kultur unb gegen bie Xid)tung Koßr;ewsfis vermißen wir bie Sd)riftn ad) weife (bie Eingaben auf S. 8j reid)en als Erfat; bafür nid)t aus). Sd)ud)h<xrbts enbgültig als verfehlt erwiefenen, veralteten ?lnftd)ten über bie Äaufttjer Kultur mißt Paul nod) eine zu ftart’e Bebeutung bei1). Seine Eingabe: „Vie Wißenfdjaft ber Vor* gefd)id)te glaubt nid)t mehr an ben Sat;, baß dfunbleere zugleid) Befteblungsleere bebeute", ift fd)ief. vfunbleere tann fel)r wol)l einer Sieblungsleere entfpred)en, nur ift für jeben in Betrad)t fommenben vfall eine befonbers forgfältige Prüfung notig, ob biefe Veutung bei bem beseitigen Stanb ber ^orfd)ung wirt’Iid) bie größte Wahrfd)einlid)feit für ftd) h«t. S. 75: Vie Bebeutung bes eingeführten (Bolbes für bie bobenftänbige Kultur* höhe ber germanifd)en Bronzezeit wirb ftarf überfd)ät;t. S. 8?: Vie Eingaben über bie Urheimat ber Baftarnen unb ben Urfprung ber ihnen zuzufd)reibenben, aud) int weftlid)en Oftpreußen vertretenen (Beftd)tsurnen* fultur ftnb zum Veil überholt2). Ver Sat; „bie ^errfd)aft über (Dftbeutfdßanb erringen ;unäd)ß bie Wanbaien, bann bie Burgunben unb fd)ließlid) bie (Boten" ift nid)t ztucefmäßig, ba biefe Stämme bod) alle nid)t ganz Vftbeutfdßanb beherrfd)ten, fonbern verfd)iebene Veile, unb zwar zum Veil gleid)zeitig. *) Vergl. B. 5 r h r. von X i d) t h o f e n : Oß bie Banbferamif illyrifd) unb bie Äauft^cr Kultur germanifd)*, in: iTlannus, Bb. )9?y. 2) Vcrgl. K. Vacfenberg, Vie Baftarnen, in: Volt unb Xaffe, S. xsx ff. — berfelbe, 3u ben Wanberungen ber Oßgertnanen, in: Ulannus, Bb. 22, )95o, S. 268 ff. — E. p e t e r f e n, Vie frühgermanifdje Kultur in (Dftbeutfctßanb unb Polen, Berlin 1929. — Verfelbe, Ver Werbegang ber (Germanen int beutfeben (hßen, in: Tlltfcßleftfcße Blätter, Bb. 1953, S. 97. Wir vermißen bei Paul einen Hinweis auf bie unfad)lid)en Verfucßc Koßsetvefis unb eines Veiles feiner 2lnl)anger, einen wefentlicßen Veil ber germanifeßen ^unbe (Dftbeutfd)lanbs unb polens aus leisten Enbes rein politifcßcn (Brünben für ungermanifd) ;u erklären.
118 S. 87: Tie giften waren ein altpreu$ifd)er Teilftamm, aber nie bie gemein* fanien Ulanen ber 2lltpreu^en, Litauer unb Äetten8) (auf S. jo? bejeid)net fte Paul aud) beffer unter Hinweis auf (Ebrl id) nur als Vorfahren von alten Preußen)! 5ür unferen Knfprud) auf Oftbeutfd)lanb brauchen wir an ftd) bie Tatfadie ber altgermanifdien 23efteblung <Dftbeutfd)lanbs nid)t, ba unfer Ked)t in ber G5efd)id)te feft verankert ift unb vorgefd)id)tlid)e Url>eimaten Feine Ked)tsanfprüd)e entfd)eiben Foitnen. politifd) ftnb bagegen beFanntlid) unfere germanifdjen junbe jur Wiber* legung ber oben geFennjeidjneten unfad)lid)en X>erfud)e gewiffer beutfd;feinblid)er "Ikrfaffer bes Kuslanbes unentbeljrlid). S. 89: VTeuuntcrfud)ungen werben erfi nod) prüfen müffen, wie weit nid)t fd)on in ber jüngften 23ronjejeit, alfo vor ber frühen (Eifenjeit, mit einer Knwefen* f?eit von (Germanen in einem Teil ber l)eute flämifcfyen unb nieberlänbifd)en Gebiete ju red)nen ift. Einige ^unbe in einfdüägigen Ulufeen Belgiens unb ^ollanbs ftnb bafür nod) nid)t genügenb ausgewertet. S. ))j: Tie Sd)riftnad)weife über ben Urfprung ber Wanbaien ftnb ju um voUftänbig. S. Tic Oberer Vfumantias waren Feine Äufttanier3 4). S. jj4 unb <3. 125: befonbers ridjtig unb treffcnb ftnb einige jum Teil neue raffen* unb raumgefd)id)tlici)e (BebanFen Pauls ju Täfars ^elbjügen unb bem Siege ^ermann bes £berusFers in ber X>arusfd)lad)t. 2lud) ber Hinweis auf eine jetjt oft überfeine iöemerFung bes verdorbenen fd)webifd)en llltmeiders ber Tor* gefd)id)tsforfd)ung 0). illontelius über ben iErfolg ber Sd)lad)t im Teutoburger Walbc für bie Vlorbgermanen auf S. J27 ift biefem 3ufammenl)ang bei Paul fel)r gut am piatje. S. 187 vermiffen wir jur ber alamannifd)en Äanbnaljme in Siibbeutfdv lanb ben Hinweis auf bie einfcbldgigen WerFe aus ber Wannusbücberei über elb gvrmanifdje ^unbe von W. Ulattl)es, S. 227 jur ^riefenfrage ben Hinweis auf bie j)ollänbtfd)en Arbeiten jur fogenannten Warfenforfd)ung5). S. 258 ff., Kbfcbnitt: Tie Slawen: Tue Sd)riftnad)weife ftnb l)ier viel ju unvollftänbig, insbefonbere fehlt bas flawifdte Sdjrifttum. Ulan fpürt aud) im Tept, bafj Paul hier nod) Feine ausrcicbenben lTlöglid)feiten ftd) tber ben gefamten Stanb ber ,jorfd)ung ju unterrichten. 23ei ber oftbaltifdjen Kaffe liegt es meines lErad)tens fel)r nabe, an ein lErbe aus ber Bett ber norbeuraftfdjen 3ung* fteinjeirFulturen ju benFen. Tie oftbaltifdje Kaffe ift in bereu Weftgebier ein* peimifd). Wenn wir aud) bort bisher Feine ftd)eren (Berippe ber jungfteinjeirlidjen VTorbeurafier Fennen, fo ftebt bod) feft, baf bie biefe (Bebiete jum großen Teil ver* inbogermanenben Streitaptleute (= SdjnurFeramiFer) ttorbrafftfd) waren, fo bap t)ier wol)l als (BueHe bes oftbaltifdjen Kaffentums nur bie weftlid)en Vlorbeurafter in Z'ctradn Fommen. Kud) ber von Paul auf S. 28? im Knfd)lud an ben unga- 3) "üergl. W. (Baerte, Urgefcbidjte Oftpreufens, Königsberg ygz<). 23ei einer VTeu* auflage bes paulfdjen 2?ud)es wirb jwecFtnäfhg auch ber unfad)Iid)en X>erfud)e litauifcber Kreife ju gebenFen fein, aus ebenfalls politifcfyen (Btünben, bie vorgefcf)id)tlid)en @ieb< lungsvernaltniffe (Dftpreußens falfdS barjuftellen, unb irrig febon in ber t>orjeit Litauer in (Dflpreu^tn wohnen ju laffen. 4) Vergl. bierju p. 23 o f cb - (ß 1 m p e r a, La etnologia de la peninsula iberica, Barcelona jpti, unb bie 23cfprrd)ung biefes Wertes burd) S. ^rbr. von Kicf)tl)ofen, in: Krd)iv für Knttjropologie J935, S. 2 ff., beibe mit weiteren Sdjriftnadjweifen. 5) X>ergl. baju aud) X iE. van (Biffens 23erid)t „Tie tErgebntife ber Warfen* forfcfyung" in ber Jeftfdjrift jur ^unbertjaljrfeier bes Teutfdjen Krd)äologifd)en Onfti* tutes, Berlin jpso, S. 322—338.
119 rifd)en Xaffenfünbler Bartucz erwähnte ofibaltifd)e Kaffcnbeftanbteil ber früfv gefchid)tlid)en Mlagyaren fprid)t ftarf für unfere Anftd)t. innerhalb ber alten Ungarn Fann biefer nur bem Volfsbefianbteil entflammen,, auf ben aud) bie heutige ungarifcfye Sprache jurü<fgel)t. 2?iefe ift belanntlid) finno* *ugrifd). Knbererfeits fielet fefl, baß bie Urfinnougrier ju ben Trägern bes norbeuraßid)en Kulturfreifes ber jüngeren Steinzeit gehörten6)! S. 274: 3ur ^‘rage ber Beurteilung Karts bes ^ranlen unb ber Strangs* befeijrung ber fäd)ftfd)en Stämme ifl eine ausführliche Scfyrifttumslifle unb bie {tariere Berücffid)tigung ber je^igen Huseinanberfe^ungen über Kaifer Karl ertr>ünfd)t. S. 329: The £ften geboren im (Gegenfat; ju Pauls 2(nftd)t nid)t 511 berfelben baltip'hen Völlerfamilie wie bie alten preußen, betten unb Litauer, fonbern ftnb ber Sprad)e nad) befanntlid) ben Rinnen verivanbte ^inno*Ugrier wie bie alten £iven. S. 5^9: Bie bort als Vorzüge ber beutfd)en ^alicnpclitW bes Uiittelalters ermähnten “Vorgänge hätten an ftd) bod) aud) auf einem anberen Wege erreid)t werben tonnen, tiefer hätte für bie gefamte beutfd)e Volts* unb Kaffenpolitif im (Gegenfatz 511 ben nid)t mit fo v-elen fd)weren Vfadjteilen behaftet fein foUen. •3n Eingaben zu fragen über bie relig'ofe lEntwiddung Veutfcblanbs fpürt man bei Paul ähnlid) wie be (Günther gelegentlid) aud) beutlid) feine perfönlid)e religiofe Überzeugung hiuburd). Sie ift aHerbings ber von K. (Güntber entgegengefetzt. £)as hiuberte aber nid)t, baß ber hoibverbiente Verlag Äehmann bie bier befprodjenen Werte ber betben Verfaffer gleichzeitig b^rausbrad)te. Paul führt uns ebenfo wie (Günther überall pactenb von ber Vorzeit bis zu brennenben Jragen bes beutfd)en Seins unferer Tage. (Er zeigt aud), wie bas (Gegenwärtige burd) bie Vergangenheit bebingt ift, unb jeber fann für bie Sutunft baraus lernen*). B. ,frhr. von Kidühofen. ^ans vf. 2\. (Günther, ^ertunft unb Kaffengefd)id)te ber (Germanen; )8o S. m. 86 Abb., Ulüncßen iok, 3. vf. Lehmanns Verlag. Sd)on bas Onbaltsverzeidmis zeigt bie Vielfeitigteit bes vorliegenben Bud)es an. tEs iß in folgenbe ^auptabfdjnitte gegliebert: ). bie Wurzeln bes (Germanen* tums ber 3ungfleinzeit, 2. bte leiblichen IKerfmalc ber (Germanen, 5. bie Kaffen* unb (Erbgefunbhectspflege ber (Germanen unb ihr Urfprung aus ber gcrmanifd)en 'frömmigteit, 4. bte Auflöfung ber germanifd)en Kaffenpflege burch bas mittel* alterlid)e Tbriflentum. £)er Verfaffer greift alfo weit über fein ^auptarbeits* gebiet, bte Kaffeubtiitbe, binaUÖ unb berücfftd)ttgt flart aud) (Quellen aus bem (Gebiet ber Vorgefd)id)tsforfd)ung, ber vergleidjenben Keligionswiffcnfd)aft, ber 6) Vergl. bazu aud) "2t. UL Tallgren unb B. Wiflunb, unter: ^inno»Ugrier, im Ul. (Ebert, Keallerifon ber Vorgefd)id)te, fywie B. ^rhr. von Kicßthofen, Vorgefd)id)te ber menfd)heit, in: Knaurs Weltgefduckte, Berlin )95^, unb berfelbe, 3Dte 23rbentrare bes norbeuraftfdjen KuIturFreifes ber jüngeren Steinzeit in Sd)Ieften, in: Kltfdßefien, Bb. ? (Seger^efljcbrift), Breslau )9?4, forme berfelbe, 3um Staub ber Vor* unb ^ruhgefchicbtsforfcbung in ben wejtutramifdjen Äanben (im Vrucf für: Prä» biflonfcbe 3eitfd)rift). *) VTadjtrag: Vgl. zu ben oben gestreiften fragen über bie rafftfdje Sufammen» fe^ung ber Ungarn unb ber Cmngfteinzeitler bes norbeuraf»fchen Jvulturt’rcifcs neuerbings aud) 0. TzetanotvsFi, 3ur Anthropologie ber Ugrofinnen, in: Suomalais-Ugrilaisen Seuran Toimituksa (= 3eitfd)rift ber ^innO'Ugrtfchen (GefeUfd)aft), Bb. 67 (mit weiteren Sd)riftnad)tveifen).
120 germanif d)en Xedßsgefdudße unb ber mittelalterlichen (Sefdßdße. Bie behanbelten fragen ßehen beute int Brennpunft allgemeiner Kufmerffamfeit. leisten 2lbfd)nitt treffen wir u. a. (Bebanfen, bie (Buntber J954 in feinem Bud) „^römmig- feit norbifd)er Krtung" näher bargelegt bat. Bie Beurteilung wirb b^r für mand)e Äefer weniger von wiffenfd)aftlid)en fragen <*ls von ber Krt ihrer perföw lidjen religiöfen Ueberjeugung abhängen. Bor* unb frühgefd)id)tlid)e ^unbe ftnb naturgemäß in ben erßen beiben ?lbfd)nitten ausfübrlid) berüctftdßigt. ^ür ben l?orgefd)id)tler ift babei befonbers bie überftdß ber raßenfunblid)en Belege für unfere Kenntnis ber leiblidjen liiert* male ber alten (Germanen von Wichtigfeit. 3um erßen Kbfd)nitt ergeben ftd) einige Knmerfungen vom Stanbpunft ber X>orgefd)id)tsforfd)ung bei (tinjelfragen. Wir bringen baju verfd)iebene Beifpiele, bie vielleid)t bei einer fpäteren Kuflage bes inhaltsreidjen Buddes berücfftd)tigt werben tonnen. S. jj. Bon ben fübbeutfd)en Kulturen ber frühen Bronjejeit ßebt nur bie Straubinger, n i d) t aud) bie Kblerberger ber Kunjeti^er fo nah, flc gelegen^ lid) mit biefer jufammen gefaßt würbe. Kelten unb 3talifer wirb man nad) bem neueßen ^orfd)ttngsßanb meines itradßens beßer nid)t mehr ;um Teil von ber Kunjetitjer ‘Kultur j^leiten. Biefe iß außer in ben von (Büntber genannten (Begenben aud) in Sübpofcn, Sübbranbenburg unb ber Weßflowafei vertreten. Sd)leften gehört mit 51t ihrem 'Kern gebiet. T)aß bie Äauftijer Kultur ber ^dlyrir von ber Kunjeti^er herßammt, barf je^t als geftd)ert gelten. S. )4. £üe iEntßehung bes eigentlid)en Keltentums iß wohl viel fpäter anju fetjen. 3u biefer ^rage unb anberen, bie meiß fyiex übergangen ftnb, $eigt mein Beitrag in Knaurs Weltgefdßdße jufammenfaßenb, wie weit meines i£rad)tens JEinjelfragen in ber itntßehung ber früheßen inbogermanifd)en Bölter ein* fdßießlid) ber (Bermanen auf (Brunb ber ^unbe anbers ju beurteilen ftnb wie bei (Büntber. S. j? erweeft ben tfinbruef, als ßammten bie Uritalifer ftd)er von ben Trägern ber fogenannten Kößener Kultur unb aus bem Kreife Illerfeburg her. Beiben Knftdßen vermögen wir nid)t jujußimmen. S. )7. Bie Kngaben im fleinen Brucf foHen wohl nur eine Wiebergabe jum großen Teil veralteter Knftdßen von tllontelius fein, bod) iß bas nid)t hervor* gehoben, fo baß ein fernerßehenber liefer fyicx über bie 3eit ber Bilbung ber (Bermanen, ber Kbtrennung ber germanif d)en Sprache von anberen inbogerma^ nifdien ufw. irrige Borßellungen gewinnen tann. (Db bie italifd)en Umbrer mit ben germanifd)en Tlmbronen etwas $u tun halten, iß trots Kretfd)mer nod) unftdjer. mit ben für ein (Entßehen ber ZftaWw maßgebenben frühen Sübwanberungen norbifd)er tlTenfd)en bat, bavon abgefeben, biefer VJame ftd)er ebenfowenig etwas 511 tun, wie bie VJamensähnlidßeit jwifd)en illarfern unb ben Ularft ober ben Wenben unb ben ‘üeneti. S. T?aß gar feine größeren Sfelettreße von Trägern ber Äaufttjer Kultur erhalten wären, iß irrig, wie u. a. fd)leftfd)e früheifenseitlid)e Körpergräber ber fogenannten Tlbamowitjer 2lrt zeigen, ^ür (Bünthers Annahme, bie wenigen töebeinreße aus (Gebieten ber ^auft^er Kultur (ridßiger müßte es ji^n: unter ^unben ber /läufiger Kultur) bürften bie Keße von fpärlid) unter ben ^aufttjern ftebelnben Äanbfremben nachbarlicher llbßammung fein, gibt es feine braud)baren <35rünbe. Baß bie Kitpreußen in Süblitauen unb polen entßanben wären (ßatt
121 in Oftpreußen), iß irrig. (Fünthers Knmerfungen jum Schrifttum über biefe unb anbere vorgefd)idjtlid)e fragen ftnb jum Teil ju unvollftänbig unb etwas jufällig. S. 23. Pie weßeuropäifd)en Polmen bürfen minbeßens bisher nid)t als Por* form ber norbifcfyen (Fanggräber bejeidßtet werben. VTäheres baju ift aud) in Knaurs Weltgefd)id)te a. a. O. gefagt, fowie befonbers in Kupfas Beitrag jur Sd)umad)er*^eßfd)rift. UTittelßeinjeitlid) (S. 52) ftnb bie wefteuropäifd)en Polmen erß- redjt nid)t. S. 33. Pie (Ferätfunbe aus mittelßeinjeitlid)en ITIufdjelbaufen ftnb fehr jal)h reid) unb nid)t fpärlid), unb bie tHufd)elbaufen gehören nicht in bie Kncylus*, fonbern nur in bie Äitorinajeit. S. 37 muß es oben ftatt VTorbweßeuropäer nur Weßeuropäer heißen. Pas Schrifttum über lTiutterred)t ift ju unvollftänbig berütffichtigt. Pie Kiefenßein* gräberleute bes Vforbens haben eine norbifd)e Kultur unb vorwiegenb norbifdte Kaffe cinjd)lic.^lid) ber fälifdjen Sonberart. Trotj paubler liegt fein guter (Frunb baju vor, fte für nid)t inbogermanifd) unb mutterred)tlid) ju halten. S. 46. Pie Sdßüffe über bie Kaffenverteilung einjelner norbifd)er (Febiete auf (Frunb ber bisher unterfud)ten ^unbe ber jüngeren Steinjeit ftnb jwedr’mäßig jum Teil mit einer gewißen Porftd)t ju behanbeln, ba Sufälligfeiten in ber Perteilung bes augenblicflid)en ^unbbeßanbes möglich ftnb. S. 68. Pie gefd)id)tlid) fo benannte Pölterwanberung ift n i d) t bie leiste inbogermanifd)e, — wie j. 25. bie Wifingerjüge unb bie flawifd)en Wanberungen im 6. bis 8. 3al)rhunbert n. The. beweifen. S. 73. Pie Eingaben über bie 3eitßellung unb Perbreitungswege ber £eid)en’ Verbrennung unb 23eßättung bei ben inbogermanifchen Poltern ftnb jum Teil ju ergänjen unb ju berichtigen. Pie germantfche £eid)enverbrennung VJorbbeutfd)* lanbs begann nidjt fpäter als im Vjorben. Vlicbt überall würben bei ben 'Jubo* germanen jwifd)en jioo—o v. Ohr. bie Reichen nur verbrannt, nid)t beftattet. Pie Körperbeßattung bei ben Kelten unb ben eifenjeitlichen (Fermanen ftammt n i d) t aus bem Ulorgenlanbe! — 23ei ber großen Perbreitung, bie (Fünthers verbiet)ftlid)e neue Krbeit ohne Zweifel finben wirb, fd)ien es uns jwecEmäßig, eine größere 3al)l ber notwenbigen linbcrungsvorfd)läge für bie näd)fte Kuflage befanntjugeben. 3um (Erweis ber europäifchen, norbifd)en ^erfunft ber ^nbogermanen unb bes norbifd)en Urfprungs ber (Fermanen ftnb betanntlid) u. a. Prof. (Fünthers Arbeiten fettr wertvoll, jur □nbogerntanenfrage befonbers burd) fein 25ud) „Pie norbifd)e Kaffe bei ben 3nbo* germanen Kfiens", ITtünd)en J955. 25. Jrhr. von Kichthofen. Walter Witt, Urgefd)id)te bes Stabt* unb j£anbfreifes Stolp. Beiträge jur ^eimatfunbe ^interpommerns VTr. 1, Peröffentlidningen ber Ortsgruppe Stolp ber (FefeUfdjaft für pommerfdje (Fefd)idjte unb Kltertumsfunbe (J59 Seiten, 33 Kbbilbungen, ) Karte). Per verbiente Perfaffer hat im ^eimatmufeum Stolp unb ber Pentmalpflege feines Kreifes fd)on viele wertvolle llrbeiten geleistet unb barüber aud) bereits wieberholt in überftd)ten berid)tet. Seine jufammenfaffenbe Por* unb ^rüh’ gefd)id)te wirb gewiß ihren ^auptjwed2 erfüllen, ber volfstumsbetonten Por* unb jrühgefd)id)tsforfd)ung für ben Kreis Stolp in Stabt unb £anb neue v^reunbe unb Reifer ju werben. Seine Krbeit will unb Vann freilid) nid)t etwa mit ben aud) für bie ^ad)wiffenfd)aft fo ergiebigen Parflelluiigen ber Por* unb Jrühgefd)id)te bes
122 Kretfes Jraiptabt und ^r. Pfütjenreuter ober bes Kreifes Oftprignilj burcb W. X1T<xttt>es vergingen werben. ZDte Vlacbrid)ten über bie örtlichen ^unbe Fommen in ber gebrängten überftd)t Wittes — im Oegenfatj 3. 23. aud) $u 21. Htarufd)Fes 2lrbeit über bie Vorgefdudtte bes Ixreifes VZeuflabt O. S. C2lus Oberfdileftens Urjeit, t^eft 2, Oppeln >929) — eigentlich 5« ^3, jumal bie allgemeinen fragen ja für ganj Pommern unb Ofrpommern befonbers burch O. KunFel fd)on in anberen auch volFstüm!id)en 2lrbe«ten bel)anbelt ftnb. 23ei einer VTeuauflage wären einige fad) lid)e Verfeben 31t beridrtigen, 5. 23. bte veraltete Vorstellung, in ber mittleren Stein* Seit habe ber ütetifd) im Innern bes norbbeutfd)en ^lad)lanoes wegen bes Walbes Feinen £ebensraum gehabt, ber Fleine jungftein3eitlid)e 23ernfteinbär von Stolp gebe re ber noroifeben Crid)tig ift norbeuraftfd)en) Kultur an ufw. über bie Volks* jugebörigFeit ber bron}e$eitlid)en Siebter bes Kreifes Stolp ftnb bie Eingaben 3. ZE. etwas wiberfprud)svoll (vgl. 3. 23. S. 44 unb 46. bie 2lusfübrungen über ytiyviex unb (Bermanen). sDas Wort Illyrier ift für Oftbeutfddanbs Vorzeit burd)aus nicht mehr nur eine „wiffenfd)aftlid)e 23el)elfsbe$eid)nung"1). 3bte "Verbreitung ber OefiditsurnenFultur ift für bereu germanifd)e Volks3ugehörigteit im Oegenfat; 31t Witt an ftd) nod) Fein 23eweis, wol)l aber trot; 3* ‘KoflrjewsFi ihre Ontftehung unb il)r gan3es Oepräge. 2lud) fa^en bte Slawen 3ur Seit bes Dacitus nod'* nid)t an ber Oftfee unb bergl.l 3?ie Sd)rifttumsnadtweife ftnb 3. ZE. etwas 3U 3ufällig unb lückenhaft. 3,n ganzen hoffen wir auf eine verbefferte 3wette 2luflage. 23. ^frhr. von Xicbtbofen. X'. O^walb CWellinghufenj: Wie 2llt*preu£en bekehrt uno Orbensla nb würbe. ITTund)cn, Xubenborffs Verlag, 1954. Os lebte in alten Setten ein Volt von freien Oermanen, beren ^eibenlad)en burd) bie Wälber fdjaUte. £)as waren bie preußen, bie 311 ben Slawen — fo würben bie beutfd)en Stämme öftlid) ber Olbe genannt — gehörten unb oie Vfad)Fommen ber Ootcn waren, (hegen fte 30g ber £)eutfd)e Orben, ein im ZDienfte Korns unb 3ubas ftehenbes jübifdtes Oefdtäftsunternebmen (S. 78). Or erfreute ftd) bes Segens ber 3übin IKaria, feine Kegel war aus bem (Seifte ber KabbinerFafre geboren, in feinem 2lufbau geigte er eine verbäd)tige 2ibnlid)Feit mit ber ^rei* maurerei CS. 6j), unb in feinen Reiben fammelte ftd) ber 2lbfd)aum ber ülenfcbbeit CS. 90). £>iefe Verbred)er haben bas germanifd)e Preußen romanifrert (S. >05), fte haben; obgleich fte infolge ihrer Feigheit eigentlid) ununterbrodxen Vlieberlagen erlitten, alle Preußen erfd)lagen unb bas Xanb 3ur Wüfte gemad)t. 2lud) ber alte ^eibenrecke unb Freiheitskämpfer SwantopolF Fonnte bas nid)t änbern. Sbiefe 23lut* bunbe bauten ftd) bie IHarienburg, bie bie völlige geiftige Verjubung ber Orbens ritter unb ihre VerfFlavung an oFfulten 3rrftnn verrät (S. joo). Kein Wunber, ba£ ber Orben fd)liefilid) bei Dannenberg am ,-freiheitswillen bes verfklavten VolFes fd)eiterte (S. )))). 2lud> eine vs'ülle von fonftigen OrFennrniffen gewinnt ber Äefer aus ber ÄeFtüre biefes vergnüglid)cn 23ud)es, 3. 23. ba£ bas Wort Wenben von Vanbaien, bas Wort (Sraf von (Sraue C= grauhaariger, erfahrener ÜTann) hrrFommt, unb baf; biefes bann in Kriwe C priefter) verfälfd)t ifl (S. 29), ba£ Karl b. Or. ben Wein bau in 5)eutfd)lanb geferbert hat, um burd) ben ben Oermanen bis bahin un* bekannten Tlltohol bie altgermanifd)e Sittlid)Feit 3U unterhöhlen (S. 55), ba$ Xubolf von Habsburg als Orbensritter am Suge OttoFars von Böhmen nach
123 Preußen teilgenommen fmt (S. 87), bah bie aus allen Räubern ^Europas jufammen* geholten langen Kerls vjriebrid) Wilhelms I. gotifdje Kiefen gewefen ftnb (S. 26) u. a. in. das alles haben mir bisher nicht gewußt, aber (Bott fei dank ifl bie Verfafferin biefes 23ud)es im leisten Kugenblick über bie (Buellen hcrgekommen, bevor biefe, wie bas fo üblich ift, von Korn vernichtet werben CS. 20). das ifl vor allem bas J6S4 erfd)ienene 25ud): „lllt unb neues Preußen" von ^artknod), gegenüber bem alle neuere v^orfd)ung, von bereu »Ergebniffen bie X>erfafferin überbies kaum etwas kennt, nidyt» bebeutet. ^artknod) war ein ernflhaft forfdjenber ^ifloriker, aber bie (Befd)id)tswiffenfd)aft war bamals nod) nid)t fo weit entwickelt, bah fte (Befd)id)te unb Jabel and) nur annähernb trennen konnte. So ersählt bie Verfaffcrin ihrer (Quelle fo mand)e Jabel nad), bie in$wifd)en längfl als foldje erkannt ift. »Es muh aber ^artknod) energifd) gegen (Bßwalb in Scouts genommen werben, benn ber meifle Unftnn, ber in bem Ö£walbfd)en llTad)werk ftel)t, flammt nid)t von ihm, fonbern ifl burd)aus original. dafür ein paar beifpiele. ^artknod) fd)reibt rid)tig, bah bie (Boten nur ben Küflen flreifen bewohnt hatten, aber bereits abge= Sogen waren, als ber Orben ins üanb kam, fo bah bamals nur Preußen im ganjen £anbe gewohnt hatten, bereu Sprache von ber beutfd)en gans unb gar verfd)ieben gewefen fei — (Bßwalb behauptet, bah Preuhen Vjad)kommen ber (Boten gewefen feien, bereu Sprad)e nod) hrute im £itauifd)en weiterlebe, unb erweckt baju — gelinbe gefagt — ben (Einbruck, als ob fte barin mit ^artknod) übereinflimme. v^artknod) fd)reibt — was nufere (Befd)id)tsforfd)ung mit immer neuen gelegen als wahr erwiefen hat —, bah bie alten preuhen ihre Spradje, Sitte unb Lebensart nod) lange beibehalten hätten, bah nOfb nnter ber Kegierung ^crjog 2llbrerf)ts im Samlanb bie meiflen Äeute keiner anberen Sprad)e hinbig gewefen feien —, (Dßwalb behauptet, bah bie (Drbensritter alle preuhen erfd)lagen unb bas danb sur Wüfle gemad)t hätten. dod) genug bavon. das 23ud) ifl leiber nid)t nur eine Komöbie, fonbern aud) ein Crauerfpiel. (Es bürfte aud) in I1lünd)en bekannt fein, bah (Bflpreußen jwar ein beutfd)es, aber trotv bem ein von feiner gefd)id)tlid)en »Entwicklung her nod) heute national umflrittenes £anb ift, bah unfere Vlad)barn propaganbiflifd) eifrig bei ber Krbeit ftnb, ben llnteil, ben ihr Volkstum unleugbar an ber (Befd)id)te Oftpreußens gehabt hat, als befonbers groh unb wertvoll hiusuflellen unb jur Kufflellung von politifd)en Jorberungen su benutjen. demgegenüber hat es unfere tjeimtfd'fc (Befd)id)ts* forfd)ung flets als ihre Aufgabe angefehen, ben Verbienflen bes (Brbens, ber preußifd)en Könige unb bes deutfd)tums überhaupt bie 23ead)tung 311 verfd)affen, bie ihnen gebührt, dabei fällt uns biefes 25ud) in ber übelften Weife in ben Kücken, unb wir haben nur bie Hoffnung, bah bas Gefühl für Sauberkeit unfere VTad)barn bavon abhalten wirb, von bem ihnen gebotenen „Ulaterial" gegen uns (Bebraud) SU mad)en. der (Blaube, aus bem heraus bie Verfafferin ihr ^ud) gefd)rieben h^t, foH hier nid)t angegriffen werben. Wir verwahren uns aber bagegen, bah aU6 hyflerifdient ^ah gegen bas €hriflentum bie (Befd)id)te nuferer ^eimat in fo fkrupellofer unb gemeingefäl)rlid)er Weife verfälfd)t wirb, wie es hier gefd)ehen ifl. dr. ^rits (Baufe.
124 (Es folgt ber Tlusjug einer Befprediung besfelben Buches aus: ^udier» funbe ber Xeichsftellc jur ^örberung bes beutfdjen Schrifttums, 6. jolge, J95S", S. 206 f. „Das Bud) gel?t aus von einer fd)arfen liblebnung bes (Etjriftentumi? unb einer Bejahung germanifcfyer (Bottgläubigfeit. Obgleich biefe ben ^intergrunb für bie folgenbe gefd)id)tlid)e Darstellung abgeben, foll unb brandet hier auf fte nicht ein» gegangen ju werben. Denn bie unmittelbare Vorausfetjung biefer Darstellung ift ein Chaos gefcbiditlidjer Teiifenntniffe unb eine völlige gefd)id)tlid)e Sritiflofigfeit Die Verfasserin entnimmt ben größten Teil ihrer (Einjelfenntniffe bem veralteten Werf von Cbviftoph ^arttnod) „tlltes unb neues preufen". (Einige wenige neuere Darstellungen erfd)ef.nen gelegentlid) mit unvollftänbigen ober irrtümlichen ?ln» gaben, Urfunben unb Cbronifen (aud) bie letzteren werben als Urfunben bejeid)net), ftnb nirgenbs in juverlaffigen Ausgaben benutzt, unb offenbar ifi überhaupt faft nirgenbs auf bie eigentlid)en Ouellen jurüefgegriffen worben. Was bie Verfasserin mit ihrer Darftellung ausbrücfen will, ift ein gefd)id)t» Iid)es Zeugnis bafür, baf bas Christentum ein arted)tes unb in feinem arteigenen (Blauben lebenbes Volf gewaltfam gebrod)en habe. Wirflid)feit aber wenoet ihre Tbefe ftch gegen ben Träger ber Eroberung unb (Einoeutffhung preufens, ben Deutfdxn örben, unb bamit gegen bie gefd)id)tiid)e Dafeinsbered)tigung bes Deutfchtums im VJorboften überhaupt. Der Deutfd?e Orben ist für fte ber „tlbfcbaum ber UIenfd)heit" (S. 90), bie Orbensbrüber ftnb Ulorbwölfe (S. 98), ber OrbensmeiSter 'Konrab von Tbierberg ifi ber Blutbunb (S. 98), unter ber Ixreujes- fabne fammelten ftd) bie Verbred)ernaturen (Europas (S. 97). Vom Deutfdjen Orben beift es S. 78, baf er bod) in Wahrheit ein fübifd)es (Befd)äftsunternebmen war, unb bie Ularienburg verrat mit ihren myStifd)en 3eid»en ufw. nod) h^ute „bie völlige geistige Verjubung ber Orbensrirter" (S. joo). (Es braudrt nur an bie yfeierfhinbe ber ^ttlerjugenb auf ber Utarienburg ober an bie Jteben tllfreb Kofen» bergs erinnert ju werben, um ju erfennen, was hier einer grofen (Erfdjeinung ber beutfdjen (Befd)id)te angetan wirb! Das Bud) begeht aber nid)t nur Verrat an einem 2lbfd)nitt beutfeher (Befd)id)te, fonbern muf jugleid) als aufenpolitifd) gefäbrlid) bejeidpiet werben. Deutfd)e präbiftorifer, wie Bolfo von $id)thofen unb anbere, haben mit «Erfolg bie polnifd)e Tbefe von ber Urheimat ber Slawen in ben heutigen polnifd)en Weft» gebieten befämpft. ^ier stellt nun eine beutfd)e ^rau bie Behauptung auf, baf bie Vorfahren ber heutigen polen fd)on immer in biefen (Bebicten gefeffen batten. (Bröferes Unheil entfielet aber burd) ihre <BIeid)fetpang ber Litauer mit ben preufen unb btiber mit ben gevmanifdjen (Boren. (Es ift befannt, baf bem Deutfd)en Orben bie (Eroberung Litauens trotj aller Bemühungen nid)t mehr gelungen ift, fo baf biefes in ber Union mit polen ben (Drbensftaat preupen umflammern unb bas beutfd)e Orbenslanb Preufen vom beutfdjen Orbenslanbe divlano wie ein Steil trennen fonnte. Die ganje <age bes Deutfd)tums im Baltifum bis jum «Eriftenj» fampf bes hSltifdic-tt Deutfchtums in ber (Begenwart unb nid)t minber bie Reiben bes Utemellanbes geben gefd)id)tlid) gefehen barauf jurücf, baf bem Deutfd)en Orben in Litauen nid)t mehr gelang, was er in Preufen jum erfolgreichen (Enbe führte. Bei ber Verfafferin Stellt es bagegen einen Triumph ber Oeutfcben Sache bar, baf Litauen feine SelbStanbigfeit gegen ben (Drben wahrte: „Solange bas ditauerreicb ibm wiberftanb, fonnte ber Orben feine provinjen an ber Düna unb ber Weid)fel nicht vereinigen ... »Es hätte ja auch eine Stärfung bes Deutfchtums bebeuter, bie Korn nid)t wünfd)en fonnte" (S. jo6).
125 Demcntfpred)enb wenbet ftd) bie Verfaßerin aud) gegen bie Deutfdjen, bie al? Siebter in? £anb tarnen. Die Utenfeben., auf bereu Stiftung in Wirtlidjteit bas heutige Deutfd)tum Oftpreußens beruht, ftnb nad) biefem 23ucb ^anbfrembe. Über bie beutfd)e Kolonifation Pommerns — unb eine anbere gibt es ja nid)t — beißt es: „(Eroße Scharen danbfrember ivanberten ein unb beftebelten bie ben (Einheimifd)en genommenen (Schiefe" (S. >*?). Der Sag entfpridjt völlig ben panflawifd)en Tbefcn bes Hüffen ^egorov ober polnifd)en 2lnfd)auungen. (Ebenfo iverben (S. 47) bie beutfd)en Anftebler in Preußen als Äanbfrembe bejeid)net. ITTit polnifdjen An* fisßauungen ibentifijiert ftd) bie Verfaßerin aud) burd) ben auf ^erjog Konrab von ülafovien bejogenen Sag: „War bod) bie (Srünbung eines Deutfd)en Orbensftaates an ber Oftfee burd)aus nid)t im ^Jntereße bes polnifdjen ^erjogs" (S. 6$\ P. 3 y l nt a n n : Oflfrieftfd)e Urgefdjicbte, j 87 S. mit 2?o Abb. ^ilbesheim unb Meipjig )9?5, Verlag X £ap. Darßeilungen aus VJieberfadßens Urgefd)id)te, berausgeg. von K. <$. ^acob*^riefen, 23b. z. Diefe gute unb verbienStvoIle überftdjt ifl in erfter £inie für bie *£anb ber Mehrer in Oftfrieslanb bestimmt. Sie fegt fd)on einige Kenntniße voraus (3. 23. tverben manche ^adiausbrücfe tvie Sphagnumtorf, Äimnaeaperiobe, £atene ufw. nid)t erklärt!). Sylmanns Arbeit, bilbet eine willkommene (Ergänjung von K. *6« ^acob^riefens volkstümlich wißenfd)aftlid)er Sd)rift: (Einführung in Vfieberfad)fens Urgefdjidite (a. a. O. 23b. 1; 2. erweiterte Aufl. bH4). Diefe ift aud) für oftpreußifd)e Vorjeitfreunbe wegen wertvoller Eingaben über mand)e nid)t auf VJieberfad)fen befd)ränkte fragen von befonberem 23elang. 23ei Sylmann jlebt im XTlittelpunkt bie knappe, febr bantenswerte diftc aller oftfrieftfeben Vor* unb Jrübgefd)id)tsfunbe von ber mittleren Steinjeit bis jur Wikingerjeit. Obwohl bie gefd)id)tlid)en Ouellen allerlei über bie Kämpfe ber ^riefen mit witingifd)en (Einbringungen erjalßen, ftnb bisher in Oftfrieslanb erSt fehr wenige Altertümer vielleid)t hiermit in 23ejtel)ung ju fegen, (Segenfag ju Oftpreußen fehlt bort vorläufig aud) nod) ber VTad)weis eines wikingifd)en Oräberfelbes. ntöglid)erweife ift allerbings bas mäd)tigfte vorjeitlid)e Denkmal Oßfrieslanbs, ber plitenberg bei £eer, ein rieftger wikingifd)er (Erabhügel. Aud) Prof. ^acob^riefen Hannover) unb Prof, van Oiffen (Oroningen) halten bas bureßaus für bentbar. — Ausbrücke wie „häufiger" Spatbronjejeit flatt Spatbronjejeit ber „häufiger Kultur" unb ohne jebe (Erklärung biefes Begriffes ftnb für voltstümlid^ Schriften nid)t ju empfehlen. Aud) eine Ausmerjung ber ^rembwörter wäre für bie näcßße Auflage erwünfd)t. Woju brauchen wir j. 23. bie vcltsfremben xfad)ausbrücfe „ITlefolithifum, VTeoIithit’um" ufw., wo es bod) gute beurfd)e .25ejeid)nungcn QTiittelfteinjeit unb ^Jungfleinjeit ober mittlere Steinjeit unb jüngere Steinjeit) bafür gibt. Verhältnis Oftfrieslanb? jum tllitrelpuntt bes norbifd)en Kultur* tretfes ber jüngeren Steinjeit ift vielleid)t ftärter mit einer gleid)laufenben (Knt* wictlung ju rechnen unb nid)t nur mit Wanberungen ober vor allem Kulturüber* tragungen, wie ber Verfajfer annimmt. £ücfen in ber örtlichen Verbreitung ber ^unbe unb ber (Entwidflung mand)er ^ormentreife von Altfadjen bürften bei bem jegigen Stanb ber oftfrieftfeben ^orfd)ung unb Denkmalpflege fehr gut vielfach nur SufaU fein, ebenfo wie j. 25. in ben nod) fd)wad) unterfud)ten teilen Ostpreußens (u. a. im Often unferer provinj). — ^ür bie feffelnben fragen ber frübgermanifeßen Stammesgefd)id)te weift ber ^orfd)ungsftanb in £Xorbweftbeurfd)lanb nod) jal)lreid)e Lücken auf. üland)e Fachleute haben bort aud) junäd)ft bte Vorjüge ber Kofftnna*
126 fd)en Kulturgruppenforfd)ung (ber fegen. „Sieblungsardpologie")1) nid)t hin» reidgenb ausgenutgt ober ftd) fogar bewußt von ihr ferngeh<dten2). Kud) bie ^riefen» frage wirb von bem ftd) jetgt immer mehr geigenbcn erfrenlid)en Wanbel3) gewiß ihren Vlu^en tjaben. Die ?lnfid)t bes ^allenfer „(Bermanifien" Prof. 25remer, bie Urheimat ber ^riefen fei an ber fcbleswighohteinfdien Küste gu fudjen, ift u. a. von Dr. Ä. Peters aus v^ufum übernommen worben. Prof. 3ylmann hält fte immer» bin nod) für erorterungsfähig, obwohl er felbft einige gute (Begengrünbe nennt. Illeines Dafürhaltens läßt ftd) bie fraglid)e ITleinung auf feinen /fall halten, (Es würbe aber gu weit führen, an biefer Stelle näher barauf eingugehen. 2lud) über bie altertumsfunblid)e Jeftlegung ber ben Briefen in frühgefd)id)tlid)er 3eit östlid) benad)barten Thnnfen unb ihr “Verhältnis gu ben Sad)fen ftnb bie 2lnftd)ten ber ^ad)leute bisher nod) geteilt4). 23. ^rhr. v. Kid)tbofen. Pruffia, 3ciifd)rift für ^eimatfunbe unb ^eimatfdsutg, 23anb 5), /für bie 2lltertumsgefellfd)aft pruffia l)erausgegeben von Dr. W. (Baerte, Königsberg. Wieber bat bie 2lltertumsgefcUfd)aft pruffia, eine ber ältesten geifieswiffen« fd)aftlid)en Vereinigungen (Dftpreußens, einen 23anb ihrer 3ahresgeitfd)rift heraus» gebracht. Wieber ift eine Sammlung wertvollster 2luffätge gufammengetragen worben. (Ein gefd)id)tlid)es Thema gefeilt ftd) 511 Funftgefd)id)tlid)en Unterfuchungen unb einer befonbers reidghaltigen (Babe aus ber mehr unb mehr aufblühenben Volfsfunbe. 23efonberc Erwähnung verbienen bie tluffätge von (E. Sd)nippel „Vom Streitplatg gum Tanitenberge", (Beorg Jritfd): „Die 23urgfird)e gu Königs» berg i. Pr. unb ihre 23egiehungen gu ^ollanb"; W. (Baerte: „Das tvätfel ber fd)webifd)en ^elsbilber". Prof. Sd)nippel bringt hier gufammenfaffenb feine ein Vierteljahrhunbert betriebenen vforfd)ungen über bie gefd)id)tlid)e Stellung ber erßen Sd)lad)t von Tannenberg unb ihren Verlauf am K. 3uli )4jo. Vom lEinmarfd) ber vereinigten Polen unb Litauer ins Solbauer £änbd)en — lßer jeigte ftd) bie große taftifcße (Befd)icflid)feit ber (Begner, an ber fcbwädjften Stelle bes Drbenslanbes eingubredjen unb bas (Bebiet fo in gwei Teile gu gerteilen unb mit bem unmittelbaren Vorftoß auf ben ^od)meißerfttg in ber Ularienburg gewißermaßen ben Stier bei ben Römern gu paden — geht bie 23efd)reibung über gu ber für ben Deutfd)en Drben anfänglid) erfolgrcid)en, aber bann bod) verlorenen unb verlustreichen Sd)lad)t. Der tlusblid über bie Jolgen ihres Verlustes geigt bann nod) bie allgemeine £age 3) Vgl. über biefe g. 25. ben 2luffatg bes uns leiber unlängft burch ben Tob entrißenen 21. Kiefcbufd), unter „Sicblung8ard)äologie", in: ITl. (Ebert, Keallepifon b. Vorgefd). 23b. p 0928). 2) Siebe bagu ttt. Jabns Defprcchung von K. Oacob^ricfens: „(Einführung in Vlieberfadjfens Ürgefd)id)te", in: Jahresberichte für beutfd)e (Befd)id)te" 25b. 7, )93j, S. 3) Vgl. g. 25. bie norbmeflbeutfcben Unterfud)ungcn bes immer in biefer Xicbtung arbeitenben K. Tadenberg burd) fein neues Werf: Die Kultur ber frühen lEifengeit in tnitteb unb Weftb^nnover, <5ilbesl)eim unb Äeipgig )954- 4) U. Kal)rftebt, Die volitifcbe <Befd)id)te t7ieberfad)fens in ber Kömergeit, in: Vlad)» richten aus VTieberfad)fens Urgefd)id)te, Vir. 8, J934, S. )—20, unb K. Tadenberg, Tb^tden unb Sad)fen, in: VIacbrid)ten aus Vlieberfacbfens Urgefd)icbte, Vir. 8, S. 2j—54 — fotvie bagegen eine bemnäd)ft erfcbeinenbe Arbeit bes auf 2lltertumsfunbe mit eingebenben jungen Hamburger „(Bermaniften" Dr. 21. Karften.
127 im £anbe Oftpreußen unb ijlellt bie id)fud)tige lanbesverräterifd)e Haltung einjelner Stäube im (Drbenslanbe ins redite Äid)t. £)ie vorftd)tige Auswertung fämtlid)er geschriebener Ouellen wie aud) bie genaue Kenntnis ber örtlid)en Verljältniffe haben l)ier eine wiffenfdfaftlidje Äeiftung gejeitigt. $)ie ruhige unb objeFtive 23etrad)- tungsweife bes Verfaffers, bie ftd) befonbers in einer Verteibigung bes allju oft ju unred)t angegriffenen 5^od)meifters jeigt, aber aud) bem (Fegner, ber 5. 23. alle (Befallenen ber Sd)lad)t gemeinfam beftatten läßt, gered)t ju werben verfudjt, Fommt nod) baju, um hier ber <Befditd)tswißenfd)aft im beutfd)en Orbenslanbe eine Stiftung anjureihen, an ber weitere Unterfudfungen nid)| werben vorübergehen Fennen. 2?ie außerorbentlid) fleißige unb großäugige Sdweibweife läßt es faft wünfd)enswerr erfd)einen, baß biefer lluffatj als SonberbrucF einer größeren öffentlid)Fett jugänglid) gemacht wirb. 2?ie 23el)anblung ber (Befd)id->te ber 23urgFirdie ju Königsberg von <B. ^ritfd) ift mitten l)ine.ngeftellt in bie gefamtpreußifdje OntwicFlung. ^ntereffant ftnb bie reidjbcbilberten Ausführungen über bie in ben fahren J690—j?o) erfolgte £nt* ftehung unb ben bem (Befd)macF ber |ftjt, befonbers bes ^errfd)erl)aufes angepaßten Ausbau $u hollänbifdxen parallelen, wie aud) bie ^erausftellung ihres 23aumeifters Johann Viering, neben Sd)lüter ber bebeutenbfte 25aumeifter bes preußifd)en Stils jur 3eit bes (Fronen Kurfürsten. W. (Baerte, ber sDireFtor bes pruffia>Ulufeums, l)at ftd) bie beFannten tjhwebi* fd)en ^elsbilber aus ber Vorjeit vorgenommen unb verfud)t, auf einem eigenen Wege ju einer Deutung biefer vielumftrittenen, wiffenfd)aftlid) l)cd)it reijvollen unb w»id)tigen 3eid)nungcn ju Fommen. l£r fdjeint tatfäd)lid) einen erfolgreidjen Weg befd)rltten ju t)aben, benn enblid) werben biefe 23ilber auf — fagen wir ein» mal menfd)lxd)nal)e Weife betrad)tet unb unter Heranziehung ber vielen voIFs* unb völFerFunblidjen 23elege aus 23raud) unb Sitte erläutert. £ne Ausführungen laffen von einem bemnäd)ft erfd)etnenben größeren Werf bes Verfaßers über ben* felben Vorwurf jal)lreid)e neue Auffddujfe erwarten. vfür ben Königsberger werben aud) bie ^inweife von (Baerte auf früher im J6. 3ahrl)unbert ftattgefunbene 23rücFenFampffpiele unb ^ifd)erfted)en intereffant fein, 23räud)e, bie tief im (BebanFengut ber Vorjeit wurjeln, in anberen »Teilen &eittfd)lanbs fogar j. cT. bis auf ben heutigen ITag erhalten ftnb. 35aju Fommen nod) Ausführungen von A. <$orn über ^ans Wagner unb fein Königsberger IHufterbud), eine aufjerorbentlid) grünblid)e unb rief ins Hiaterial fteigenbe 23etrad)tung unb ein Beitrag jur (Befd)id)te bes beutfd?en KunfthanbwerFs, eine jufammenfaffenbe überftd)t über ben Staub ber ,^orfd)ung „Vom VolFs* mardien in Oft* unb We)tpreufen/Z von Karl pienjat, Elbing, über preti£ifd)e X>olFsbräud)e um bie 2fal)reswenbe unterrid)tet vjerbinanb 23orF, ber au^erorbent* *id) anregenb nad)juweifen verfugt, wie I)ier alte germamfd)e (Böttervorfiellungen unb 23rättd)e, im ültttelalter weiter entwickelt unb gering beeinflußt burd) d)riftlid)e ^orftellungen, ftd) bis in bie VTeujeit l)inüberretteten. 23ei berartigen 23etrad)^ iungen erfd)eint aber bod) eine ££inbejiel)ung ber £atfad)e, baß Ostpreußen erft ver* bältnismäßig fpät germanifd)*beutfd) befiebelt worben i<t unb vieles lEinwanberew gut germanifd)er 2lrt ju altpreußifd)em XBeftt^ hinjugeFommen fein mag. i£rwäl)nt fei nod) bie vierte Jfortfetjung bes illtpreußifdfen KbelslepiFons von cBallanbi, worin bie Stammbäume 23ellier be £ounay v. 23iebcrftein veröffentlicht worben ftnb. Ver beFannt? ^‘orfd)er in oStpreußifdfen 2lrd)iven, (BoHub, veröffentlid)t einen Kücßenjettel ber Orbensritter.
128 »bin Bericht über bie ^Eätigfeit ber UltertumsgefeUfcfyaft prujjia in ben 3at>ren jgzS bis J9?4z in bem man einen Heinen Ifinblid: in bie unenblidje ITiube unb Kleinarbeit, bie bie Äiebe $ur Heimat gerabe in biefer mijfenfcbaftliiben Y^er* einigungen jeitigt, bekommen fann, befd)lie0t ben 25anb, ben jeber mit 25efriebigung aus ber ^anb legen wirb. i£r. (Drto Kleemann, Königsberg. nür -Öen Bntjaft nerantwortlid): Uniü.= ^rof. Tr. Sreitj. v. fRtdjtljofen urv SHuf.=T>ireftor SB. Öaertc, ßeibe in ®önia86erg $r. Wräfe unb Hager, SSerlas, Söniö&berg ^ßr. SBegusspretS etngeln 9?vJi 1,25. iäbrlicß, IIHV 1-. Trucf: Sönisböeraer SHlnemetne Beitune nnb SSerlassbrucferei ®. in. b. •§.