/
Теги: history of prussia vom seminar für vor
Год: 1935
Текст
?lltpreu$en
Viertelfabrsfcbrift für Vor» unb 5rül>gefd)td)te
^erausgegeben vom Seminar für Vor» unb Jrübgefcbidjte an ber Albertus»Univerfität
unb bem pruffia»lTIufeum in Königsberg.
Jahrgang 1
lluguft 1935
6eft 2
1. llbljanblungen*
Die Schnalle von ©dmlftein
mit arabifdjer Schrift.
Von W. (G a e r t e.
T)em (Graberfelb von Sdjulftein1), Kreis Königsberg, entflammt eine Sdinalle,
‘Mcfye burcb bie an ibr fidjtbaren feltfamen 3eid?en eine einzigartige liiert»
^ürbigteit barflellt (Abb. j — nad) W. ®aertez Urgefd)id?te (Gflpreu^ens, )920,
552 Abb. 267c). Über eine beflimmte ^unbzugebörigfeit fann nichts ausgefagt
Serben, ba fämtlidje (Grabbeigaben, bie bei Ausbeutung einer Kiesgrube zutage
tc4ten, „nicht fyflematifd) ausgegraben, fonbern von 3eit zu 3«* aufgefammelt
korben ftnb"2). Tue Belegung bes ^riebbofes fyat in ber frühen Wifingerzeit
^gönnen; bie leisten Ausläufer reidjen bis in bie (Drbenszeit hinein. (Gefenn»
5eid)net ivirb bas (Graberfelb burd) bie für jene 3eit in Altpreu^en üblidjen
^genannten Afdjenplätze mit zaljlreidjen Pferbebeflattungen. (Entgegengefetjt zu
bem in ber VTäbe gelegenen ^ügelfriebbof ber Wifingerfolonie von Wisfiauten
^nni. j) banbclt es ftd) bei Sdwlflein um ein ^ladjgräberfelb ber einheimifdjen
'Utpreufjen.
5>er v^erftellungsfloff ber besagten ©djnalle ifl ülefftug. über il}re Pforrn gibt bie
',J’b. j genügenbe Auskunft. Als Verzierung zeigt ber 23ügel an ben Känbern ein»
Seterbte, bidjtgeflellte Kurzftrid^e, bie (Dberfläd^e ber feitlid>en Kabmenteile ein
’ü Strid^art ausgefübrtes ,jled)tmufter. Jür bie SpiQe bes jeQt feblenben Sporns
in ber lllitte bes 23ügels eine nad) oben fpit; zulaufenbe Kerbe gefdjaffen. 2?ie
$äd?e bes Uugels ifl raub geflanzt; bie barauf eingeritten Verzierungen ftnb mit
^iedo3) ausgefüllt. 5?iefe (Einlagen greifen and) teilrneife auf bie Seitenflege über.
@cf)ulftein liegt etwa 5 km füblicb vom fübtvefilidjen ^’u^punft ber Kurifdjen
'*ll)rung entfernt, runb 2500 m (Äuftlinie) ofilid) vom Wifingerfriebbof bei Wist tauten.
2) Sitzungsberichte ber AItertums»®efenfchaft prujfta, i^eft 25, 11. Teil, jpjq, S. 5-24.
3) VlieHo ift eine bunfle, aus zufammengefd)moljenem Silber, Kupfer, 2?Iei, Sdjmefel
U11fe 25orap gemifdjte ITiaffe.
66
Was bebeuten bie mcrkwürbigen 3eid)en auf bem 23ügel ber ^rbiiallc: Ulan
ernennt beutlid), baß ßd) 3wei 3cid)en, bas eine breimal, bas anbere jrveifad) wieber*
Idolen. iDas breimal wiebcrgegebene beßent aus 3wei ßodjßehenben Firmen mit
unterem (ßuerßeg unb eine? in bie IHitte ßineingeßellten kremförmigen ^'igur
mit ber 3<xbl nad) wedtfelnben (ßuerfproffen. 2?as zweite 23ilb, bas ßd) wieberßolt,
2lbb. ). 3 :4
2(bb. 3. 2:3
2(bb. 4
2lbb. 2 : 3
?lbb. ). (3d)tilßcin, Kr. ^ifcßbaufen.
2(bb. 2. FSairam—*3u. (nach Jirne, La Suede et l’Orient, S. 97 2lbb. 48).
?lbb. 3. tTlalfwiij, Schloßen (nach peterfert a. a. (b.).
2(bb. 4. SJerejan (nad) £leve a. a. <L\).
?(bb Unna—Saiva, Äavlanb (nach Peterfen a. a. O.).
ähnelt einem umgekehrten lateinifdjen N. Ked)ts tvirb bie Xeibe burd) urei ^in^eb
bilber befdtloßen.
25ic erfte Vermutung bie ftd) beim 25etrad)ten ber 3eid)enreibe aufbrangt, iß
bie, baß es ftd) um P5d»rift l?anbeln konnte. 3?a nun lateinifd?e 2?ud)ßaben nidit
in ^rage kommen, ebenforoenig norbifdje Kunen, muß nad) einer anberen @d)rifh
art Umfdjau gehalten werben, bie ben 3eid)en vielleicht jugrunbe liegen könnte.
l£me “Vorfrage wäre $uerß 311 beantworten: Woher ßammt bie Sd)nalle von
Öd)ulßein> i£aß fte nidit in Oßpreußen bergeßellt worben iß, beweiß ihre l£in3it^
67
Artigfeit. 3pre (Begenflücfe heftet fte vornepmlid) in Subrußlanb4), wo allerdings
bisher niemals äbnlid)e 3eid)cn wie bie Sd)ulfleiner an ben dortigen Vergleichs*
|d)nallen beobachtet worben find. TroQdcm werben wir annehmen dürfen, daß
tinfet Stüdr aus füdrufftfd)em (Bebiet nach (DfIpreußen verfd)lagen ifl; Kiew mag
her Vcvßellungsmittelpunft gewefen fein, wo fold)e Sdjnallen für weite Abfaty
gebiete gefertigt worben find5 *). Sie geboren bem )L ^abrbundert an.
5)ie Verleitung der Sdjulfleiner Schnalle vom füdrufftfdjen (Bebiet führt uns
in bie Habe bes wefllid)en Apens, wo bie arabifdje Sd)rift ju Vrtufe war. Sie
fdjeint mir als diejenige in ^rage zu fommen, bie man für bie Deutung ber vor*
liegenden 3eid?en beranjieben darf. 3ur Stütje meiner Vermutung fei auf eine
Arabifd)e Txaptorge, eine Amulettfapfel, bingewiefen, bie einem Sd)atzfunb von
ÖniranvSu ((Bebiet bes Syr^aria) jugehört (Abb. i)B). 3?ie 3?ofe tragt Kaufen*
üiufler und barüber eine arabifd)e 2Jnfd)rift, und jwar eine foldje von fufifdjem
^barafter7). 5Der Sd)at;, bem bie Kaptorge entflammt, gehört bem jj. □abrbunbert
au8). tfin Vergleid) beibcr Sdjriftreiben miteinander läßt bie Annahme als
bered)tigt erfd)einen, baß es ftd) um diefelbe Sdwiftart hAubelt.
Scpmucffacpen berfelben 3eit mit arabifdjen, in VTiellotecf>nif ausgefübrten
Sd)riftjeid)en waren fd)on feit langem aus weiter nördlid) gelegenem (Bebiet bes
inneren Kußlands befannt; fte entflammen VuScl9vÄbern, bie in ber Vläbe von
Kofiow ((Bouv. ^Jaroflaw) aufgebccft würben9), unb tragen bas Wort „Allah", bas
bisweilen mehrfad) wiederholt wirb, ferner bie 3nfd)rift: „3um Kubme (Bottes."
2luf einer Kiemenfd)nalle liefl man: „Sobn bes Tufle, &H." IHit gewißen
Sd)rift$eid)en jener Koflower Sd)inucffad)en hüben diejenigen auf ber Sdjulfleiner
Schnalle bie allergrößte ühnlid)feit. Aus jenem innerrufßfd)en (Bebiet flammt and)
eine Sdjnalle bes vorliegenden Erps (vgl. Annt. 4).
Um in ber Deutung ber Sd)ulfleiner 3eid?en ftdjer 511 geben, erfolgte meiner*
feits eine ?lnfrage bei bem Staatlidjen Hlünjfabinett in Berlin, bas mir bie bei
ber Tßlamifdjen Abteilung eingeholte tErfundigung wie folgt freundlicpfl mitteilte:
„□n bem [breifad) wiebergegebenen] Sd)riftjeid)en ifl in arabifcpcr Sdwift
4) ifs rühren per vom unteren 3?njepr C, Daurien, (Bouv. Kiew obere SDesna,
<Bouv. Vlowgorob j, (Bouv. Vlabimir ), Kama j, iEransuralien ), nad) »Cleve, 'Jünger*
eifenjeitliche ^unbe von ber Jnfel S'crejan (Eurasia septentrionaTis antiqua IV J929,
S. 260). if. p e t e r f e n, Einige fruhgefd)id)tlid)e Altertümer aus Sd)leften in ihren
Beziehungen 511m Baltifum unb Sfanbinavien (Sigungsbericpte ber (Belehrten 'fftnifchen
<Befcllfd)aft J929 — Tartu jqsj — <3. 66) führt Schnallen berfelben vjorm von folgenben
xVunbgegenben an: Sd)Ieften (1), po!en*WoIhynien (j) — mit nicllocinlage —, Kuß*
lanb (2), nörbl. Sd)wcben (2).
5) Vgl. Cleve a. a. <B. S. 26j: ,,T>ie große Anzal;! ber vVunborte in ben Um*
gegenben von Kiew iß wohl faum 3ufälligfeit. 5)ie »Crflärung biefer Tatfacße liegt
wabrfcheinlid) in bem Auffcßwung von Vanbel unb Jnbußrie in biefer (Bcgcnb."
ö) Vlad) Arne, La Suede et l’Orient (Archives d’Etudes orientales, vol. 8, J9J4)
*3. 97 Abb. 48.
7) Kufa eine Stabt am »fuphrat, patte feit bem 7. Jahrpunbert eine Sd)rift aus*
gebilbet, bie befonbers für Koranpanbfcpriften Verwcnbung fanb, aber aud) auf IHünzen
’nopammcbanifd)er Vcrrfd)er bes 7. bis jo. Japrpunberts erfepeint.
8) Vgl. Arne a. a. (B. unb 3af imowie), über bie Vcv^unft ber <3acffilberfunbe
(Congressus secundus, Aiga, )95), S. 264, Taf. IV).
9) A. (Buvaroff, Etüde sur les peuples primitifs de la Russie. Les Meriens, )87^,
S. 38 f.
68
unb Sprad)e $u erfennen, bas? übrige ift aber Phantafte unb hat mit ber arabijcfyett
Sdjrift nid)ts mehr 311 tun"1'*).
So bat bie oben ausgefprod)ene Vermutung von bem arabifdjen Sd)rift=
gepräge ber Sd)iilfteiner oeidien ihre Bestätigung allerbings nur mit Bejug auf
bas breifad) wieberholte erfahren. 5?ie ißrfenntnis, baf bie anberen Bilber „mit
ber arabifd)en Sd)rift nid)ts mehr ju tun" h^ben, Iä£t ben Sd)lufj ju, baf ein
VJid)taraber bie Sd)nalle gefertigt unb nad) faum verjlanbenen SdwifLVerverungs*
vorlagen gearbeitet hat, was ja aud) burd) ihre Pforrn unb bereu Verbreitung
nabegelegt wirb. ITtögIid)crweife verbanft fte ihre £ntfM)ung einem fd)webifd)en
Wifing (— Waräger); bar auf tonnte bie norbifdje ^ledjtbanbverjierung auf ben
Seitenwegen hinbeuten, bie auf Xingfibeln fd)webifd)er ^erfunft fowobl in Kuf-
lanb «bouv. ^aroflaw: Uwarow, Les antiquites des Meriens = Sampel, £ue
Altertümer bes früh. ITtittelalt. in Ungarn I S. 82j Taf. A) wie in (Dftpreufjen
ju belegen ijt.
££s bleibt nod) bie ^rage $u beantworten übrig, auf weld)em Wege bie Sd)tiL
Weiner Sd)naUe aus bem Innern Kuflanbs nad) Altpreufen gelangt ift. 35er
unmittelbare gerabe, unb baber tür^ejte Weg über Litauen erfd)eint nad) allem, was
wir über bie ofleuropäifd)en v^anbelswege in ber Wifingerjeit wiffen, aus-
gefd)Ioffenn). 35ie Sd)naHe hat 9^n?iW benfelben Weg genommen, auf bem aud)
bie arabifd) fufifd)en UTünjen nad) ben Räubern um bie Ojtfee gelangt ftnb, nämlid)
über bas norbbaltifd)e (bebiet auf bem Seewege burd) ben Wifingerhanbel10 * 12 13).
£s ifi wol)l fein 3ufaU, bafj ftd) gleidmrtige Sd)naIIen wie bie Sd)ul|teiner — aber
ohne Sd)rift — in ben (bouv. Jaroflaw, Vlabimir, VTowgorob unb Petersburg
gefunben unö ™ Vlabimir benad)barten (ßouv. ^aroflaw bie
oben erwähnten Sd)mucffad)en mit arabifd)en 3nfd)riften zutage getreten ftnb.
□n ben genannten ^ejirfen liegen aud) bie großen Wifingergräberfelber ber
inid)ailowffoje bei Aoftow ((Souv. unb i,n Sübojten vom ^aboga^See
((ßouv. VTowgorob)14).
10) Schreiben vom jj. 2. )953. 3?er Leitung bes ITiunjfabinetts fei für bie gütige
Bemühung um bie Deutung aud) an biefer Stelle herjlid) gebanft.
1X) <ß. Koffinna, Wifinger unb Wäringer (tflannus 2), )9Z9, S. 9$ f.).
12) K. 3 a f i in 0 tu i c 3 a. a. 0. S. 2^f.
13) vgl. oben Anm. 4.
14) K 0 f f i n n a a. a.
69
SurgTOallforfcßung in ©ftpreugen.
Port W. Gaerte.
Pie Knfänge eigentlicher Surgwallforfdning reichen in Ostpreußen joo 3al)re
jurücf. hierfür liegt ein wertvoller Seweis in einem Sanb von alten
®d)riftßücfen vor, bie erft unlängß unter ben V7ad)laßfad)en bes Königsberger
profeßors ^agen im prußia*Mufeum „entbecft", ftd) als litten bes Oberpräftbiums
3U Königsberg pr. aus ben fahren j 825726 ertviefen. Sie enthalten Mitteilungen
ber Äanbräte Oßpreußens, bie vom Oberpräfibium jum 23erid)t über alte heibnifcbe
Sbentmäler aufgeforbert worben waren. Pie erstatteten Melbungen l)atte ber ba*
malige rühmlid)ß bekannte Oberpräftbent von Sdjön eigenbänbig bem beseitigen
tlrd)ivbireftor P o i g t jur Kenntnis jugefcßrieben. £s ift anjunehmen, baß biefer
Oelebrte bie Peranlaßung ju ber besagten Vtad)forfd)ung gegeben l)at. Pie ge*
fammelten Mitteilungen ßellen gewissermaßen bie ältefte Seßanbsaufnabme vor*
unb frübgefd)id)tlid)er Wall* unb Wehranlagen Oßpreußens bar; benn neben v^in*
weifen auf Oräberfelber führen fte eine große Knjabl von feßgeßellten Surgwällen
auf. Piele von ihnen ftnb feitbem ber Kies* unb Sanbabfußr ober ber Seacferung
jum Opfer gefallen. Sefonbers wertvoll ftnb bie mitunter beigegebenen Sfijjen.
Pie eingegangenen Serid)te bat profeßor 3. P o i g t für feine „Oefdßdße
Preußens von ben älteßen Seiten bis jum Untergang ber <$errfd)aft bes Peutfd)en
Orbens" 1. 25b. 3827 benu^t. v^ier finbet ftd) auf S. $-56/57 nämlid) ein furjer
Ttbriß über bie Wehranlagen ber alten Preußen. Wertvoller als biefer iß aber bie
bem jweiten Teile von X>oigts „<J5efd)id)te Preußens" beigegebene 25urgenfarte, bie
jum ersten Male im (Pelänbe festgestellte unb aus alten Schriftstellern bekannte
Weßranlagen vor* unb frübgcfd)id)tlid)er 3eit in ihrer örtlid)en Perteilung
jur Parßellung bradße.
Piefer erften behörblid) aufgejogenen unb wißenfd)aftlid) verwerteten
Seßanbsaufnabme oßpreußifd)er 25urgwälle folgte fofort eine jweite. Picsmal
war es ber preußifd)e /Leutnant O u i f e, ber im Auftrage ber Militärbeborbe Ost*
unb Weßpreußen bereiste. Seine Aufgabe beftanb barin, alle im Äanbe vorhanbenen
Surgen unb 25urgwälle aus ber Orbens* unb Pororbensjeit aufjunehmen. „Pie
jabre >826—28 nahmen biefe Tätigfeit in Knfprud). IBr hätte bei feinen Keifen
eine offene Orber, unb es burfte feinen ^orfd)ungen nichts in ben Weg gelegt
werben"1), tlls wertvollstes Ergebnis ber Keifen Ö u i f e s liegen heute nod) im
Pruffia*Mufeum runb $-50 Settel mit Sfijjen von Webranlagen vor, wovon 500
auf oßpreußifd)e 25urgwäUe entfallen Qlbb. j). Kbolf 25öttid)er2) h^t mit
Ked)t Ouifes gciftvoll gejeid)iicte Äagepläne unb Knftd)ten vom Orbensfdßoß
bis jur ^liebburg herab als „überaus wertvoll" unb bie Jrud)t feiner Tätigfeit als
„unfd)ätjbares Werf" bezeichnet, „wenn aud) einjelne Irrtümer barin vorfommen".
1) 3. € r 0 m e, Michael Ouife, fein Äeben unb fein Werf in pruffia — <>eft 27,
)927, S. 62.
2) Perfaßer von „Sau* unb Kunßbcnfmäler ber provinj Oßpreußen" in feinen
Sriefcn an bie KltertumsgefeUfcbaft prußia vom jo. Kpril j89) unb j. Februar )8<?8
(Mten ber OefeUfd)aft); angefxibrt nach iroine a. a. O. S. 64.
70
3?ie von 0 u i f e t>interUffenen Arbeiten werben auf bem erflen 25latt ber
erwähnten (^runbrijfe als „ynvoüenbetes ITiaterial 511m Weiterarbeiten" bejeicfynet.
£ine foldje Weiterarbeit feiste erfl in ben fedjjiger □atjren bes vorigen 3abr»
tnmberts wieber ein. Ubermats war es ein ITiilitärangeboriger, ber Oberft Wulff,
ber, als junger (Dffijier in (Dflpreugen fiebenb, ftd) ben 23urgwaIIen biefes Raubes
Kbb. ). 25lei|biftffi55e ber Weljranlagen bet Wocflitj, Kreis Elbing, von Leutnant Cßuife
(bcfhtblid) im pruffia^IKufeum).
mit £iebe jun^anbte unb bie ifrgebniye feiner llufnatynen unb 23eftd)tigungen in
einer bis l;eute ungebrucften VJieberfdjrift barlegte. Seine 2(usfübrungen beiten
allerbings fdjärferer SRritif nid)t jtanb.
£üe ftebjiger 3^bve brad)ten eine ^ortfe^ung ber Tlrbeiten auf biefem (Gebiet
vornebmlid) burd) 23 u j a cf , von 23ecfberrn unb 23 0 e n 1 g F. Ulebrfad^
würben bebörbltd) unterfHitjte Keifen jwect’s ?lufnabme unb lErforfdjung
71
oßpreußifcßer 23urgwälle burd) (Begruben ber provinj gemacht3). 5?ie Jrucfyt biefer
Hufnaßmearbeit liegt in Seidptungen vor, bie jumeiß von ber Hanb bes Iltajors von
23oenig¥ herrüßren4). Äeiber ßaben bie Nachprüfungen viele von ben llufnaßmen
als nid)t juverläßig erwiefen.
<Bleid)$eitig würben in jenen fahren von rüßrigen ^eimatfrennben ertlich
begrenjte (Bebiete mit ißren Weßranlagen in ben 23ereid) ber ^forfdjSIng gesogen,
$. 23. von 2\. H«9wur m5) unb W i n f I e r6). jm größeren 3ufammenßange
beßanbelt würben bie oßpreußifcßen 23urgwalle in ben Werfen von ’M. von
C o ß a u f e n7) unb X. 23 e ß I a8 *). 3n ben adßjiger faßten wanbte bie oßpreußifdie
^’orfd)ung ißre 2lufmerffa.mfi.it and) ben über bie provins verßreuten Äängswällen
3u8). £5ie in biefem 2i4^d)nitt ber 23urgwallforfcßung vorgenommenen (Brabungen10)
waren vorneßmlid) auf (Bewinnung jeitbeßimmenben ^unbßoffs gerirfitet, bod) ver«
fudjte man auch fcßon bamals, burd) ße $ur Erkenntnis ber einzigen 23aiiweife ber
Wet)ranlagen 511 gelangen11). infolge ber ungefd)ulten cBrabungstedptif mußten
aber bie Ergebniße fehr unficßer bleiben.
=23 ei ber bamaligen verhältnismäßig verffärften 2lrbeit auf bem (Bebiet ber
oßpreußifcßen 23i!rgu*allforjchung fanben halb einige ftd) aufbrängenbe fragen
mißenfdiaffließe 23erüd:ßd)tigung. U. a. fpielte bie ^frage nad) ber 23eociitung ber
23urgwäHe eine Xolle. Ulan glaubte in vielen altpreußifd)e Xultßätten feßen 511
müßen12). Tlnbererfeits ging man baran, gewiße Syßeme innerhalb ber feßgeßeHten
Wehranlagen herausjuarbeiten13), wobei aud) bie ^ängswäHe in ben Xreis ber
Erörterung über biefe Jüage ausgiebig ßincingejogen würben. 23eacbtenswert iß
ber Verfudt von 23 0 c n i g f s14), auf (Brunb ber von Norben nad) Süben burd)
bie Mlitte ber provins ßreießenben Äängswallreße einen breifaeßen oßpreußifcßen
Hirnes feßsulegen unb ihn nut einer laut Scßrifttum ifli 14- ^aßrßunbert vom (Brben
gegen bie Litauer angelegten "Perteibigung gleid)jufe^en. 2?ic Hauptfrage, bie
$eitlid)e Stellung unb (Blieberung ber Weßranlagen in vorgefcßid)tlid)e unb
3) Pgl. Sitjungsbericßte ber 2lltert.«(Bef. Prußia — z, für bie Pereinsjaßre J87S-
bis 1876 (abgefürjt = prüf ßa«23er id)te), Sitzung int Januar, 3um, September.
4) LTIappe XI, Xll ber Tlltertumsgefellfcßaft prußia.
E) 2llte Scßlofiberge unb anbere überreße von 23auwerfen aus ber Vorzeit iin
pregelgebiet Litauens (Scßrift ber Pßyf.«öfon. ©efellfcßaft XIV Hcft !)♦
6) 3Die üeßen ber “üorjeit im Ermlanb (3eitfd)rift bes Pereins für bie ©efeßießte
bes Ermlanbes II, jsss, S. 387—98; ebenba S. 646—88; ebenba III j866 S. 689—93.
7) 2llte X>erfcßansungen, 23urgen unb Stabtbefeßigungen im Xßeinlanb unb Preußen
(Seitfcßrift für preußifeße (Befcßicßte unb Äanbesfunbe J866, S. 6)3 ff.).
8) 33ie vorgefcßichtlicßen Xunbrrälle im ößließen 3?eutfd)lanb, j 888, S. )77 ff.
8) v. 0 e n । g f, WaHberge unb Äanbweßren im nörbl. iTeil ber ©aue (Balinbien
unb Subauen (Sitjungsbericßt ber prußia, 6/ )88o, S. )29 ff).
10) $. auf bem großen Haufen bei (Bermau, Kr. ^ifcßßaufen (PrußiaSericßte
»oeft 4Z 1878, S>. ff — von 2>oenigf).
“) v. 23 0 e n t n g f, über oßpreußifcße 23urgroälle in ißren einjelnen Teilen (Prußia«
23ericßte Heft 6, j 879—80, S. 87 ff.).
12)23ecfßerrn, über bie 23enennungen ber oßpreußifcßen ^urgntälle unb ber
pillberge im Samlanb (2lltpreußifcbe ttTonatsfcßriften 52, )898, S. 3S3 ff.).
13) 23 e cf l) e r r n , T)as ,,propuguaculum in introitu terrc Natangie“ ber Tßromf
bes SDusburg III )33 (geogr. Äage) in prußia«23erid)te jz, J887, S. jo ff. v. 23oenigf,
Uber Äanbesverteibigung nad) (Dßcn im ). Oaßrß. ber (Brbensßerrfcßaft (Prußia«
23ericßte 6, )879—80, S. )) ff.); Seeßufen, Sroei X>erteibigungsfyßeme aus ber
®rbetw',eit an ber (Brenje bes ©rtelsburaer unb Vleibcnbiirgcr Xreifes (Prußia«23ericf)te
Nr. j8z JS9Q, (5. )3(> ffj.
14) über Äanbesverteibigung nad) (bßen (Prufßa«23eridite 6, j 879—80, S. J8 ff.)
72
orbenS3citlid)e würbe bamals fdjon fräftig angefaßt unb an einzelnen Stellen, wie
fcßon erwähnt, burd) (Grabungen 311 flauen verfud)t15 *).
Vas auf bie adliger 3ahre folgenbe neunte 2Jahr3ebnt brad)te feine wefent*
lidjen v^ortfd)rittc. Vie vorgefd)id)tlid)*wißenfd)aftlid)e llufmerffamfeit würbe von
ben umfangreidjen ©räberfelbern unb ihren Unterfud)ungen faß voKfommen in
llnfprud) genommen. VJur 23e3 3enbcrgers Vielfeitigfeit verbanfen wir aus
jener 3eit Jorfd)itngen and) über 25urgwälle10).
Anfangs bes 20. □ahrhunberts erfolgte fobann eine 3ufammenfaßung älterer
unb neuerer 23urgwaUforfd)ung burd) IE. ^ollacf in feinen „Erläuterungen 3ur
vorgefd)id)tlid)en überftd)tsfarte von ©ßpreußen". Vie 3<*bl ber von ihm auf-
geführten Wehranlagen beläuft ftd) auf 59?. „23ei vielen biefer Wälle", fo fd)reibt
^oHacf auf (Srunb eigener □naugenfd)einnahme, „ftnb bie Konturen faß völlig ver*
wifd)t, fo baß man IKübe bat, bie ehemaligen Wallinien, bie (ßuife nod) beutlid)
fd)aute, 3U ernennen. UTand)e ftnb gan3 abgetragen, wieber anbere burd) <5ranb-
abfubren teilweife 3erßört, unb nur verhältnismäßig wenige gibt es, bei benen bie
ehemalige Einlage nod) fo erhalten iß, wie man wünfd)te, fte ßets 3U fehen"17).
(berabe hnnbert 3abrc waren vergangen, als im 3abre J928 laut ben 15e*
fd)lüßen ber J927 in Kiel gegrünbeten „Tlrbeitsgemeinfchaft 3ur lErforfd)ting ber
norb* unb oßbeutfd)en vor* unb frühgefd)id)tlid)en Wall* unb Wehranlagen" mit
Unterßütsung ber X3otgemeinfd)aft ber Veutfd)en Wiffenfdjaft in ©ßpreußen aber»
mals unb biesmal eine groß3ügige Äanbesaufnahme fämtlid)er nod) 3U ermittelnben
Wehranlagen in Angriff genommen würbe. Vie Leitung innerhalb ber provin318)
lag in ber ^anb bes Verfaßers. Wie aus ber einleitenben überfid)t über bie 25urg»
wallforfd)ung früherer 3ahr3ebnte erftdßlid) ifl, war bereits verhältnismäßig redrt
braud)bare Vorarbeit 3U verfd)iebenen 3eiten geleißet worben. ?luf ihr baute ftd)
im bie neue ^anbesaufnahme auf. *^in3u tarnen als neue Unterlagen
nod) nid)t verwertete ältere Karten, Urfunben unb ber einfd)lägige Stoff ber
^lurnamenforfd)ung bes 3nßituts für ^eimatfunbe an ber 2llbertus*Univerfttät 311
Königsberg pr. Vie 2lufnahmen würben teilweife vom Verfaßet* felber ausgeführt,
3um größeren Teil vom Utufeumsaßißenten Vr. »Engel, 3eit* unb be3irfsweife aud)
von anberen perfonen. Vanfenswerte <$ilfe leiteten bie Kreispfleger $ r 0 m m *
TlUenßein unb X) 0 i g t * Sensburg; aber nod) manch anberer ber Kreispfleger h<**
in entgegenfommenber Weife feine Kraft in ben Vienß ber Sad)e geßellt, wo es
einmal galt, eine fd)wer auffinbbare Wehranlage 311 fuchen. Ein befonberes Ver*
bienß an ber Äanbesaufnahme gebührt ©berpoßrat a. V. C r 0 m e, ber währenb ber
gan3cn 3cit unermüblid) unb forgfältig bie fd)riftlid)e Arbeit leistete, bas 2lrd)iv
verwaltete unb and) bie Aufteilung ber £iße unter Verantwortung bes Verfaßers
beforgte unb aud) eine Karte angefertigt fyat.
£)ie Aufnahme erfireefte ftd) bis ins 3ahr )93). innerhalb ber barauf ver*
wanbten 3cit würben runb 400 pläQe auf (hrunb vorhanbener Unterlagen auf*
gefud)t, nacßgeprüft, unb wo im (Belänbe irgenbwic nad)weisbare Wehranlagen
fefaußeHen waren, würben biefe ffi33enmäßig aufgenommen. Troij ber mannig*
fad)en fd)on früher geleiteten Vorarbeiten ergaben ftd) jebod) mitunter große
Sd)wierigfeiten im Tluffinben ber überlieferten Wehranlagen. Ver Utangel an
15) Vgl. bie 3ufammenfaffung in 3eitfd)rift für »Ethnologie jj, )879, S. 72 ff.
Prußia*Serid)te, 17, J892, S. 40 ff.; ebenba 2j, J900, S. ff.
17) E. ^ol la cf, a. a <£>., tooS, S. LXXX.
1S) Vie Tlufnahme in bem Xegierungsbe3irf Weßprcußen (inarientverber) beforgte
ber ßcllvertretenbe ßaatl. Vertrauensmann profeffor Vr. *E b r l i d) * »Elbing.
73
®elänbefkijjen mit genauerer .feßlegung ber betreffenben Stellen, worauf bie
frühere Seit wenig Wert gelegt hatte, fiel erfd)werenb ins (Bewid)t. Vielfad) liefen
|id? bie von älterer Seit l?er bekannten piätje aud) besbalb nid)t mehr im (Belänbe
auffinben, weil bte 2(ckerkultur fte wabrfd)einlid) vollkommen eingeebnet hat ober
"Kies-, Sanb* unb Lehmabfuhren ganje Berge haben verf d)winben laßen. Worüber
fd)on t^ollacf fein Bebauern ausbrückte19), baß nämlid) ber Sah« ber Seit ben einzi-
gen 23eZanb an Webranlagen arg gefdjmälert hat, würbe burd) bie neueße 2luf*
nähme leiber beßätigt. Vas Kntliij bes ^eimatbobens hat ftd) veränbert, unb bamit
ftnb viele ber ehrwürbigcn Venkmale ber Vorjeit für immer bal)ingegangen. Ver*
ßänbnis unb 2ld)tung haben inbeßen eine nid)t unbeträd)tlid)e Sahl von ihnen er*
halten, von benen man hoffen kann unb möd)te, baß fte ber Vlacßwelt verbleiben.
Vie BurgwaHforfd)ting barf felbßverßänblid) mit ber 2lufnabme bes Beßaitbes
keineswegs als abgefdßoßen betrad)tet werben; vielmehr bilbet biefe Beßanbs*
aufnabme nur bie (Brunblage, von ber aus nunmehr weitere Unterfudningen 51t
erfolgen haben. Ver ungelößen fragen gibt es auf biefem (Bebiete genug, Vie ju*
näd)ßliegenbe Aufgabe für bie oßpreußifdje Burgwallforfdptng ber künftigen Seit iß
folgenbe: IHöglidtß ftd)ere Seitbeßimmung ber bisher nad)gewiefenen Webranlagen.
Selbßverßänblid) kann hier leigten Enbes nur ber Spaten volle ‘Klarheit fd)affen,
ba ber (Bberfläd)enbefunb täufdien kann. Erß wenn jeber einzelne Burgwall jeitlid)
beßimmt iß, können weitere fragen jur Erörterung kommen, 3. 25. bie Be*
beutung ber Webranlagen mit Bejug auf Sieblungsgefd)id)te, Verkehr (^anbels-
wege) unb Kriegskunß. Ver Klärung bebarf ferner bie .frage, weld)e von ben
frühorbensjeitlidten Burgen ben jum Sd)utje ber eroberten altpreußifd)en (Bebiete
vom Kitterorben angeftebelten beutfd^en ?lbels* unb Lehnsleuten jujuweifen ftnb20).
23cjüglid) ber vorgefd)id)tlid)en Wehranlagen gilt es, ber nad)jugcben,
weld)e von ihnen als eigentlid)e Volksburgen Qfliebburgen) ju betrad)ten ftnb unb
weld)e als ^errfdjerfttje21) innerhalb ber (Bau* unb Stammesbejirke. 2lud) ber
(Drben bat .fliehburgen jum Scbutje ber bebrohten llltpreußen gegen bie Einfälle
ber Litauer angelegt; fte gilt es nad)juweifen. Vabei wirb gleid)jeitig bie ^rage
ber Klärung jugeführt werben können, inwieweit unb in weld)er Weife ber (Brben
vorgefd)id)tlid)e Webranlagen verwertet unb umgebaut hat Weitere für bie
(Befcbidjte bes Laubes wid)tige fragen barren ber Beantwortung: Wißen vielleicht
bie Burgen bes weZlid)en Teiles ber provinj aus ber (Botenjeit (Dßpreußens ju
berid)ten? <>at bie ^errfcßaft ber Wikinger im Samlanb Spuren auf Burgwällen
hinterlaßen? 2lud) ber .frage ber Längswälle wirb ftd) bie künftige ^orfd)ting
juwenben müßen. <$icr banbelt es ftd) um bie Erkenntnis, weld)e Längswälle ber
(Brenjjiehung unb weldje ber Lanbesverteibigung gebient haben.
Wenn W u l f ß a n 22) von „vielen Burgen im Keßenlanbe" berid)tet, fo legt
biefe VTad)rid)t ben Sd)luß nabe, baß bie Sahl ber einß vorhanbenen BurgwäUe,
bie burd) bie neueße Beßanbsaufnabme nad)weisbare bebeutenb überßieg. fllögen
aud) viele gänjlid) verfd)wunben fein, Aufgabe bleibt es fernerhin, mit biefer
letjten Aufnahme ftd) nid)t ju begnügen, fonbern weiter ben Spuren burgwaU*
10) Vergl. oben S.
2Ü) Vgl. Peter von ^usburg, Chronica terrae Prussiae III cap. 27: Plura
alia castra aedificaverimt nobiles eit foederati, qui de partibus Almanie cum omni domo
et familia et cognatione venerunt in subsidium dicte terre.
-') VJad) bem Beriet bes Seefahrers Wulfßans (Enbe bes 9. Oabrl).) befanben ftd)
im Eftlanbe (= Lanb ößlid) ber unteren Weidßel) viele Burgen, unb auf jeber von
ihnen faß ein König (W. (Baerte, Urgefd)id)te Oßpreußens, 1929, Sr. 322').
22) Vgl. llnmerk. aj.
74
verbäd)tiger piätje nad)jugeben. iDie Sagenforfd)ung Fann F>ier Wege weifen, wo
ber Spaten erfolgverfpredjenb anjufetjen ifh Aud) pflanjenFunblid)e 25eobad)tungen
auf gern bei menfd)lid)en Wotjnflätten wad)fenbe Pflanjen unb gewiffe "Kräuter
unb Sträudjer, bie int 25urgwallbewud)s tjerrfdjenb ju fein fdjeinen23), bürften als
rid)tunggebenbe ^inweife in 23etrad)t Fommen.
3?ie Hofung einiger ber hier aufgeworfenen fragen haben bereits bie
früheren ©efd)led)ter ^erbeijufütjren verflicht,. ohne jebod) irgenbwie ju einem
»Enbjiel ju gelangen, tiefes Fann nur fdfrittweife erlangt werben. ©rabungen
großen Stils unb entfprecbenb umfangreidje Wittel ftnb bie Porausfetjungen hier»
für. ©n ben letjten fahren ftnb bereits Unterfudjungen auf ofipreufifd)en läurg-
wällen ausgefütwt worben, bie auf ©runb ber vorgefd)rittenen verfeinerten
©rabungstecbniF unb genaueren 23eobad)tungsmbglid)Feit einige fragen jur
'Klärung brachten.
3m 3af>re 19:7 grub Univerfttätsprofeffor £>r. <3. Olafen bei ©runen*
berg, füblid) von 33raunsberg. „(Es galt eine 25urg ju erforfd)en, bie nad) bem
(Dberflädjenbefunb ju urteilen, als vorgefd)id)tlid)e Wehranlage mit orbensjeitlid)er
übcrfd)id)tung angefprodjen werben Fonnte. 3?ie gefd)id)tlid)e 23enutjung ber 25urg
war jubem burd) UrFunben beglaubigt"24).
£)ie vom paffargetal unb einem VTebental begrenjte ^obe, auf ber bie 25urg
liegt, jeigte ein verwicFeltes Wall* unb ©rabenfyflem. 3unäd)fi riegelt ein Fleiner
WaU ohne tieferen ©raben bie beibnifd)e Porburg an ber Wurjel ber 15erg
junge ab. 3n biefe Porburg ift ber ©raben ber gefd)id)tlid)en 23uvg hinein*
gefd)nitten mit einem Wall bal)inter. (Es folgt bann bie Abfd)nürung ber beib*
nifd)en ^auptburg, beflebenb aus jwei bintereinanber liegenben Wällen mit flad)en
©rabenmulben. 3u biefer beibnifdjen ^auptburg befinbet ftd) fd)lieflid) ber tief
eingefdjnittene, mäd)tige ©raben mit bal)inter liegenbem WaU als Sid)erung ber
gefd)id)tlid)en <$auptburg. Prei flad)e (Erblodjer (Mlarbellen) in biefer liefen bie
jufammengefiürjten Keller von ©ebäuben vermuten. 5?ie ©rabung ergab folgenben
Defunb: Am äuferfien (Enbe ber ^auptburg lag quer von Abhang ju Abhang
bas v^auptbaus (Palas), etwa )3 Mieter lang unb 7 Mieter breit, unterFeUert unb
als ^ad)werF aus ^olj unb Hehm errid)tet. 3n ber Mlittelachfe ber £ängsrid)tung
lagen auf bem ^ufboben in gleichen Abftänben vier abgeflad)te Jelbfleine, bie
als Aufleger für ^oljfiütjen ju bienen fyrtten. 3Das intereffante (Ergebnis biefer
Ausgrabung ifl alfo ein Saalhaus mit Mlittelflütjen, eine ^ausform, wie fte ftd),
in Stein ausgefübrt, bei ben grofen Saalräumen ber Mlarienburg vorfxnbet.
3wifd)en biefem <?aufe unb ber grofen (Buermauer würbe ein jweites ©ebäube
ausgegraben. (Es befaf eine Kusbebnung von ? : 6 Mieter ©fiwefl unb einen
3 : 2. Mieter breiten Anbau, öb es ftd) bei letzterem um einen Altarraum ober um
einen Zugang jum Keller banbelte, lief ftd) nid)t ftd)er fefifiellen. Aud) l)ier lag
^ad)werF vor.
25ie unterflen DalFen hatte man auf Riegel gelegt, bie Feine Spur von Mlörtel
aufwiefen unb bie einjigen im ganjen 23urgbejirF blieben.
(Eine flache Mlulbe in ber Vlä^e biefes ©ebäubes erwies ftd) als Sifterne jum
Sammeln von Kegenwaffer.
23) X>gl. <2>. Ku nf el, 23urgroaUforfd)ung in Pommern (Pommerfd)e ^eimatpflege
3. Jahrgang, <>eft 3, S. 7 — Sonberbrucf).
24) Am jo. Ouli J289 überläft ber bamalige ^ifebof von (Ermlanb feinen beiben
ISrübern unb einem dritten „£>ie 23urg als Heben", jso? wirb fte abermals erwähnt,
aber fdjon J3?o fdjeint fte nid)t mehr in 25enut?ung gewefen ju fein.
75
VTeben mittelalterlichen Scherben fanden ftd) <tud) fold)e aus vorgefd)id)t
lieber 3eit.
Wegen (Belbmangels Fonnte der 2lbfd)nittswall nur von einer llbhangfeite
angefd)ürft werben, wo ein llbflurs eine Fable fläche fyatte. zutage treten laßen,
ließ ftd) ernennen, daß die hier einfl vorhandene jtvei Mieter biete Mlauer an
ben Seiten'von <$oljpfählen abgefteift war, swifdjen denen Sand und Heßm* * *
pacFung lag"25).
5?ie Sd)wedenfd)anje von MlebnicFcn. 3ur Tagung der „(BefeUfdiaft für
deutfehe Vorgefd)id)te" unternahm die 7Utertum$gefellfd)aft Pruffta vom J7. bis
2?. 3uli joso unter Leitung von profeffor T)r. H- £1 af e n, mit Unterßütjung
ber Vjotgemeinfd)aft ber beutfd)en Wißenfd)aft unb ber provinsialverwaltung
Oflpreußens, eine (Brabung auf ber Sd)webenfd)anse bei Mlebnicfen. Es galt einen
grabenlofen Stirnwall einer Tlbfdjnittsbefeßigung (Xanbzungenburg) 511 erforfd)en,
weil anjunebmen war, baß folcße Wälle aus vorgefd)id)tlid)er 3^it flammen.
„V'er 3Durd)flid) burd) den Wall legte bie inneren Sd)id)ten bloß. Es zeigte
ftd), baß mehrere Erneuerungen ber v^ol^erbcmauern ßattgefunben batten. Tue
Verteibigungsanlage erwies ftd) als zweiteilig. Vor einer Hauptmauer lag eine
niedrige Mlauer als Porbefeftigung. Mläd)tige Steinlagerungen im 3unern ber
Mlauern gaben ben Erbmaßen ^efligFeit. Tue hölzernen Wanbe ber H°^tnauer
ließen ftd) burd) Pfoßenlocßer beutlid) erFennen. 3n ber Wallerbe fanden ftd)
Scherben aus ber Seit vor unb nad) Th***^* (Beburt, bisher jebod) Fein fogenannter
„25urgwallfd)erben", b. b. Feine 3?rebfd)eibenarbeit"28).
£)ie Sd)webenfd)anje von ’Kringitten, 2\reis ^ifeßhaufen. 3m (DFtober )9?J
unterfud)te 2?r. T. Engel ben Stirn wall bes 25urgwalls von Uringitten. Ein
ßalbFreisförmiger Wall lehnt ftd) hier an eine 23ad)fd)lud)t an; bie Einlage
erfd)eint äußerlich alfo von böd)ß einfacher (Beßaltung. 3n etwa 3wei Mieter Tiefe
waren bie verFohlten 23alFen ber niebergebrod)enen Vorher* unb XücFwanb nod)
beutlid) nad)juweifen. Versiegelte Erbe über ihnen beutete auf bie 3erflörung ber
Einlage burd) eine ^euersbrunß bin. -luf <Brunb gut erFennbarer überrede hnt
nod) eine ältere, wefentlid) Fleinere Holzerbemauer von zwei Mieter SDurcßmeßer vor
ber unterfud)ten befanden, „bie bei einem T)urd)ineßer von vier Mieter etwa
vier bis fünf Mieter bod) gewefen fein mag. Einige im ^nnenraum gesogene Sud)*
gräben lieferten Feine ^unbe .... 3n bie fpätbeibnifd)e unb frühe Orbensseit
gehören bie wenigen im Hußenranbe bes Walles gefundenen <Befäßfd)erben, bie
freilich über bie Entfiebungsseit ber Einlage Feinen 2luffd)luß geben"27).
Um bie vfrage ber HängswäHe ber <öfung nähersubringen, würbe vom
Verfaffer im 3ttli 1951 eine (Brabung an ber {©genannten (Barbine bei TenFitten,
^Hrcis ^ifd)h«ufen, vorgenommen. Tue (Barbine fbeHt einen wallartigen Erbßreifen
bar, ber ftd) swifdjen HAff unb Mleer quer über bie v^rifd)e Vlehrung
$)rei T»upd)ßid)e ergaben folgenbes V>ilb: 3?ie heutige Höbe unb loreitc ifl im
wefentlid)en bas Ergebnis natürlidier ’Äräfte neuerer 3eit. Es fanb ftd) nämlid)
bis 511 s»ei Mieter Tiefe, von ber ErbwaHFrone gemeßen, nur locFerer Sanb vor,
ber in nid)t allzu ferner 3eit seitweifc bünenmäßig angewebt fein muß.
darunter lag als fefler Uern ein etwa eineinhalb Mieter h°hcr Fünfllid) auf*
25) Vorläufiger 23ertd)t von Prof. 5)r. € l a f e n Qfunbardßv bes prußia*ttlufeums).
28) Vorläufiger Vericßt von Prof. Vr. X. H- Eia f en (\£unbard)tv bes pruffia»
Mlufeums).
*7) Vorläufiger 25cricf)t von Vr. Engel in HartunJtfd)e 3eitung )93),
4. November, IHorgenausgabe.
76
gefd)ütteter »frbtvall, im oberen Teil mit Steinen burdßetjt, an beßen ,fuß auf
Tenkittener Seite fid) ein flad)er (traben fjinjog. Wall unb (Braben aber bilbeten
ben urfprünglid)en Teil ber „CBarbine", an bem ftd) fpäter ber Vünenfanb
gefangen unb aufgefd)id)tet bat. Ifs banbelt ftd) bier wol)l lebiglid) um einen
CBrenjtvall aus ber Arbensjeit, ber bas bifd)öfliebe (Bebiet Jfifrf^t^aufenss von bem
Arbeitsgebiet ber bürg Hod)ftabt auf ber vfrifd)en Vlebrung fd)ieb. ».fine alte Karte
von bejeid)itet beim aud) bie (Barbine als „CBrenjtvall". Itiit biefer ,feß*
ßellung iß aUerbings nod) nid)t bas enbgültige Urteil über fämtlidte im XLanbe
vorhanbenen £ängstvalle gefprodjen. fiele von ihnen werben ftd) als eigentliche
£anbwet)ren ertveifen, bie ber Arbeit an ber Weßgrenje ber „Wilbnis" jum
Sd)utje gegen bie »finfalle ber Litauer angelegt bat.
Vie beßanbsaufnabnte ber Aßpreußifd)en Wall* unb Webranlagen in ben
3al)ren jgzS—jj unb bie bamit verknüpften (Brabungen ba^cn erfreulidterweife
tvieber einmal in verßärktem fliafc ben blick ber xforfd)ung auf eine febr n?id)tige
Venkmalcrgruppe gelenkt, »fine ^üUe von fragen, bie ftd) mit ibr verknüpfen
laßen, beifd)en Antwort. IHögen ber oßpreußifd)en forgefd)id)tsforfd)ung in
Zukunft l\raftc unb Ulittel in entfpredjenbem XUaße jur Verfügung ßeben, um
bier frud)tbare Arbeit leißen ju können. (T>ie <iße ber burgwälle Aßpreußens
gelangt in einem fpäteren ^eft jum Tlbbruck.)
2lbb. 2. Wieberberßellung bes XingwaQes von preufenburg, Kreis Äotjen.
77
©cts vorgefdjidjtlidje <5<nts in ben Greifen
Hlarienwerber unb Xofenberg.
Y>on Walbemar
£)ie Sieblungsforfd)ung, Ifier im befonberen bie lErforfd)ung ber 2lrt unb Weife,
wie in vorgefd)id)tlid)er Seit bie Wanb gebaut, welche ^forrn bem ^aufe gegeben
mürbe, wie bie einzelnen Raufer in einer Sieblung jueinanber Ingen, bas ifb in
bem Gebiet jwifd)en Weid)fel, (Dffa unb «Sorge ein ^orfcfyungsgebiet, bem man ftd)
in biefem Xaume jielbewuft wenigstens erft nad) bem Kriege jugewanbt fyat. S)en
‘Kuftai’t bilbeten bie Grabungen iEberts1) unb tEbrlid)s in IKeislatein, alfo bid)t an
ber (Brenje unferes Gebietes. Su weld)en lErgebniffen ljaben bie Tlrbeiten ber leisten
3abre geführt*
5?e r 23 au ber Wanb :
3n vorgefd)id)tlicber Seit wirb t>ier bie Wanb aus ^olj gebaut. 23ei bem 23au
biefer Wanb ging man wal)rfd)einlid) je nad) bem jur Verwenbung Eommenben
Stoffes (£aubl)olj ober VTabelbolj) jwei verfd)iebene Wege: lEntjveber grub man
bie pfoften, bie bie Wanb ju tragen batten, in bie 'Erbe fenFred)t ein unb füllte bie
Swifd)enräume jwifd)en ben einzelnen Stänbern burd) Spreijen unb ^led)twerf
aus, bie man mit Äebm bewarf, ober man legte bie ^öljer waagerecht auf bie lErbe,
fd>nitt fte entfpred?enb ber gewünfd)ten Äänge unb 23reite bes Kaufes ju, fügte fte
burd) lEinFerben an ben lEnben ju einem Nahmen jufammen unb legte auf biefen
Xabmcn von waagerecht liegenben ^öljern einen neuen Xabmen, bis bie Wanb
bie gewünfd)te ^öbe batte, xfür biefen Sd)weHenbatt fommen in erfrer £inie bie
glatten, gleid)mäfig biefen VXabelböljer in ^rage.
5)ie in unferm töebiet nad)weislid) ältere 23auart ift ber Pfoftenbau. Pfad)*
weifen läfjt er ftd) bei uns erft am lEnbe ber 23ronjejeit. Uber faß ein ganjes ^at)^
taufenb Fann ibn im VTad)bargebiet ‘Ehrlich in Succafe unb £ärd)walbe bei
JElbing weiter jurütf verfolgen. J928 grub id) in K g l. VTeuborf, 'Kr. Stubm,
bie Xepc eines Pfoßenbaufes aus. 23emerFenswert war: einmal, baf bie Stänber
auf großen Steinen ßanben, ferner, baf: eine tiefe (^runbgrube vorbanben war.
STiefe batte man bem 2lnfd)eine nad) juerß ausgeboben, fyatte bann bie einzelnen
Steine mit einer ebenen Jläd)e nad) oben eingelaffen unb bann bie Wanb wahr*
fcheinlid) fogar bis jur <Tiefc ber (Srunbgrube gebaut. 3n bem lodreren ‘Erb-
reid) fanben ftd) jwifchen ben Socfelfteinen jablreid)e Sd)erben. (Eine berartige
Unterfütterung fämtlid)er Pfoten burd) einen großen Stein unb ben 25au einer
fo tiefen ^unbamentgrube fyabe id) nicht wieber angetroffen. X*on bem ^aufe waren
leiber nur brei Wänbe nachweisbar. Tlud) ber <?erb war bis auf eine tiefe Sd)wär*
jung bes *Erbreid)s burd) ben Pflug jerfbört. tEs mufj ftd) alfo um eine oberirbifd)e
Steinpad?ung unb nid)t um eine ^erbgrube gel>anbelt l)aben.
') JEbert: 'Irufo.
78
Xeid)en Stoff für bie Sicblungsforfd)ung, befonbers für ben 23au ber
Wanb, lieferte bas 5?orf ber frühen Eifen jeit ju Kl.*Stärfenau, Kreis Kofenberg.
Sämtliche Pfoßen — es ^nnbclt ftd) um mehr als taufenb Pfoten — waren in
bas Erbreid) eingelaßen. lluf einem Steinfocfel ßanben nur einige wenige. 3ahl*
reid)e Pfoßen fyattt man aber burd) Einßampfen von Scherben in bas Pfoßenlocb
ober 2lnfd)ütten von fettigem ^erbmaterial an ben Pfoften befeßigt ober fogar
burd) Steine verteilt. 3?ie Entfernung jroifdjen biefen Steinen gab uns bie Stärfe
2lbb. j. Äieberthal, Kreis Ularienwcrbcr.
i$erb im Sd)uije eines Winbfanges.
bes Pfofiens an. derartig geftd)ert waren vor allem bie Ecfpfoßen in ben Raufern
ober Ecfpfoßen ber großen palifabenreil)en. £)ie 'iEiefe bes pfoßenlod)es gefiattet
uns einen Kücffdßuß auf bie <?ol)e bes oberirbifd)en Teiles bes Pfofiens. £>er praf*
tifd)en Erfahrung entfprid)t, baß ein drittel ber £änge bes ganzen Pfofiens in bie
Erbe eingelaffen wirb. £üe ^orm bes pfofienlocfyes ifi ganj abhängig vom Unter*
grunb. £eid)ter ^unenfanb führt im (Pegenfatj ju fefiem ^oben jur 25ilbung von
unverhältnismäßig breiten, im f entrechten 3burd)fd)nitt nur linfenartigen Pfoften-
lod)ern. Es ifi alfo bei jeber Unterfucfyung neben ber feitlid)en Husbehnung bes
Pfoftenlocfyes in ber 6berfd)id)t aud) bie ^Tiefe unb ber Inhalt feftju*
ftellen. 3n 2U.*Stärfenau tonnte an einem ^aufe ebenfalls bas Einticfen ber
Wanb jwifdien ben pfoften nachgewiefen werben. Kuffallenberweife lagen in
biefer <J5runbgrube mehrere Steine von boppeltcr ^auftgroße. Sie werben
wahrfrf)einlirf) bie Aufgabe gehabt haben, bas fenfrecßt ftehenbe fparrige flecht*
werf in ber (ßrunbgrube in ber gewünfchten £age ju halten.
79
Bevor wir 511 bem <$aufe übergehen, bas Mlenfd) unb Tier gegen Winb
unb Wetter ju fd)üQen fyat, ein Wort ju einem bisher im (Dflen nod) nid)t beob*
ad)teten Bau. J928 lieferte «Ciebentbal, ‘Kreis Mlartenwerber, einen Wmb*
f d) u tj. Um ^ang ber (liebe fanb ftd) eine )) Mieter lange Pfoflenwanb. Sie war
flellenweife ),zo Mieter tief eingelaffen. (Einjelne Pfoten gingen nod) weitere
0,30 Mieter tiefer in bas (Erbreid). bem Sd)utj biefer Mlauer lagen jal)lreid)e
^erbe. Tlufer biefer einen Mlauer fanb ftd) in ber weiteren Umgebung feine Spur
von BauIid)Eeiten irgenbweld)er 2lrt. Tüe Sd)erben, bie ftd) in ben gerben vor*,
fanbert, weifen bie Tlnlage ber rörnif djen Kaiferjeit ju.
Bie 0 r m bes Kaufes:
Adr bie ^orm bes Kaufes fleht uns in unferem (Bebiete bisher Stoff nur
von ber ^frül)en (Eifenjeit an jur “Verfügung. jn bie ältere 3eit führen uns bie
nod) nid)t abgefdtloffenen (Brabungen (Ebrlid)S in Succafe unb £ärd)walbe. 3« ber
grüben (Eifenjeit batte bas Pfoflenbaus in ben Äanben an ber Weicbfei jebenfaUs
bereits ^eimatred)t. 2lHe gefunbenen Käufer ftnb red)tecEig in ihrem (Brunbrip;
fte ftnb allerbings nid)t nad) Kid? Hatte unb Sdjnur gebaut. 3n biefer
flimmen bie Käufer aus bem (Bebiete ber (Broßenborfer (Bruppe, alfo aus bem
germanifdien (Bebiete, unb bem (Bebiet ber baltifd)en Vlacbbaren überein. Bie
(Brenje verlauft ungefähr in ber Äinie <Beferid)*See—BraufenSee, nur baß bas
dlueHengebiet ber Offa mit feinen Walbern unb jahllofen Seen wie ein Keil in
bas germanifd)e (Bebiet vorfpringt. KI. StarFcnau gibt uns für bas baltifd)e
(Bebiet reid)e TIusEunft. KHerbings fleben bie Bewohner biefer Sieblung auf
\Brunb ber KeramiE -unb ber Jorm bes Kleingeräts bereits unter bem (Einfluß
ber (Bermanen. Bie Sieblung liegt auf ber Spitze einer fladjen t^albinfel, bie in
einen jetjt vcrlanbeten See b^rcinragt. Käufer fdjeinen, betrad)tct man fte
oberfl äd)lid), alle bemfelben Typus anjugehören. (Es ftnb ohne Ausnahme red)t*
ecEige Pfoflenbauten. Bei allen fleben bie Pfoflen in ber Wanb. Vergleidxn wir
aber bie einzelnen Käufer miteinanber, fagen wir <>aus A mit B ober in einem
einzelnen v^aufe, bem <$aufe B, bie Seitenwänbe mit ber Kücfwanb, fo liegen offen*
ftd)tlid) im Bau ber Wanb flarEe Unterfd)iebe vor. 3n ^aus A flehen bie
Pfoflen ber Seitenwänbe in gleid)em Hbflanbe voneinanber, fte flehen bem
entfprecbenben Pfoflen ber gcgenüberliegenben Wanb fafl genau gegen*
über. Bie Wanb felbfh war in biefent ^attfe nid)t in einer fdjarf umgrenjten
(Brunbgrube 311 verfolgen, fonbern nur in einer flarEen Sd) wär jung mit leicht
verlaufenben Känbern. -tfbnlid) wie in ^aus A ftnb bie Seitenwänbe von ^aus B
gebaut. Bie XücEtpanb biefes Kaufes ifl aber nad) einem ganj anberen (Brunbfafj
gebilbet. 3n biefer Wanb fleben bie Pfoflen bid)t nebeneinanber, fte bilben eine
bläht gefd)Ioffene Wanb, ein KusfüHen ber 3wifd)enräume jwifepen ben einzelnen
Pfoflen burd) Jled)twerE unb £ehm erübrigte ftd) jum Teil wenigflens. (Banje
Käufer, aber aud) nur Teile einzelner Käufer, ftnb in Kl.*StärEenau in biefer
Bauweife gebaut worben. Unb neben biefen Raufern aus bid)tflebenben Pfoflen
fleben typifdie ^ad)werEbäufer. Ba innerhalb einer Sieblung Eeine -(Einheit in
bem Bau ber Wanb befiehl, nid)t einmal fämtlid)e Wänbe eines Kaufes in ber*
felben Bauweife gebaut worben ftnb, fo ifl, bie ,^ragt bered)rigt, ob nid)t biefe
verfd)iebcne Behanblung ber Wanb auf praEtifdje (Erwägungen jurücEgeht. <$aus B,
beffen XücEwanb aus palifaben gebaut ifl, ifl ftd)er Eein ^aus, bas bas ganje
2fabr über bewohnt gewefen ifl, benn ber »^erb liegt $wifd)en ben vorgejogenen
Seitenwänben vor bem ^aufe. etwa ein Wirtfcpaftsgebäube) □fl es
80
2. Xl.^Starfenau.
Äreie. Xofenberg: ^aus A.
C? .
tf
o
^bb. 4. KbQtarFcnau: ^aus B.
M>b. 3, KUStärFenau: ^ÖUs D.
KUQtärFcnau: ^au8 h.
81
nicht etwa eine iBetreibebarre wie fte Bielenßein2; uns aus ber Miirte bes votieren
□ahrhunberts aus bem Ixiilttirkreife ber Setten, bes Brubervolkes ber Preußen,
abbilbet? Warum feilten ftd) berartige bauten nid)t in ibren Jormen burd) bie
□ahrhunberte, ja burd) □ahrtaufenbe erhalten habens "Vergeßen bürfen wir bod)
riitfyty baß bie Bevölkerung Oßpreußens von ber jüngeren Steinjeit an konflant
gewefen iß3). ^aus D iß bagegen ftd)er ein Wohnhaus. Bie beiben <$erbe im
□untren bes Kaufes, ber Heine <$erb unter ber Vorlaube, bie tiefe Scbwarjung
bes ganzen jnncren bes Kaufes, ber gefd)wärjte (Pang aus bem inneren bes
Kaufes ju bem ^erbe unter ber Vorlaube fpredien hierfür. Beßimmt etwa ber
3weck bes Kaufes bie Bauweife ber Wanb, alfo ob fte aus jad)wert ober aus
bidjtßehenben paHifaben gebaut würbe? Würbe etwa ein Winterhaus anbers
gebaut als ein Sommerhaus? (über beßimmte ber 3nl)alt bes Kaufes bie Bauweife?
Verlangte etwa ein Vorratsbaus eine ßärfere Sid)erung burd) bid)tßehenbe Pali
fab£n? Ober hing bie Vcrfchiebenheit ber Bauweife ber Wanb nur von bem
gerabe jur Verfügung ßehenben Vorrat an Baut)öljern ab? (Berabe Stangen von
Vlabelholjern reijen jum palifabenbau, befonbers wenn Se^m für bie ^ad)werk*
wanb nid)t in unmittelbarer Vlähe anßeht. Ober haben wir es in ben palifaben*
wänben um 2lusbeßerungsarbeiten fd)abl)after Ceile ju tun? Biefe fragen können
für 7U.*Starkenau nicht beantwortet werben. Weshalb follte aber ein gutittes
<hefduck nid)t aud) uns in Oßpreußen einen fo glänjenb erhaltenen 2lnfd)auungs*
ßoff fd)enken, wie Sdßeften es in Oppeln erhalten bat? 2llfo in ber Bauweife
ber Wanb finben wir in 2U.*Stär-kenau keine Einheit. ißbenfowenig einheitiid) iß
ber (Brunbriß ber einjelnen Raufer. Balb wirb bas ^aus von ber Sangsfeite .auf*
gefdßoßen, balb von ber Sdwialfeite. (Binjelne Käufer haben eine Vorlaube, anberc
nicht. 2lber wenigßcns in einer T^inftd^t ßtmmen fte alle miteinanber überein:
’bs pnb ohne Ausnahme einräumige Raufer. "Tlnd) >^aus E rechne id) ju ihnen.
Ber 7lnbau iß eine mit Wänben ausgebaute Vorlaube. Bie ©roße ber einjelnen
Käufer in "Kl.*Stärkenau iß fel?r verfchieben. Sie fd)wankt jwifd)en 4,? mal 5 unb
7,f mal $ Mietern. VTur ^aiis A war eingetieft, unb jwar minbeßens 0.40 Mieter,
wenn man bas Burd)treten bes fanbigen Bobens mit 0,50 Mieter anfetjt. Illlc
übrigen Raufer fd)Cinen in 3l.*Srärkenau ju ebener »Brbe gebaut worben ju fein,
»fin Bielen bes ^ußboben» würbe in SRl.*Starkenau nid)t beobad)tet, wobl aber in
einer etwa gleidijeitigen Sieblung, bie von unferer nur etwa 000 Mieter entfernt
liegt. !fs hanbelte ßd) bort um bid)t nebeneinanberliegenbe Stangen von Oberarm*
biefe. keinem ^aufe fanben wir £ebm als Oßrid) vor. Bie /läge bes derbes im
□nncren bes Kaufes fd)eint keinem (Befetj unterworfen geti^efen ju fein. Wir finben
ibn in ber Mlittc bes Xaumes, aber aud) bid)t an ber Wanb, wir finben einen
*^erb, aber aud) mehrere in einem ^aufe. Völlige Einheit herrfcht aber in bem
Bau jebes ^erbes. Mlit Ausnahme eines ^erbes, ber eine gebrungene ‘Bllipfe
aufwies, haben fte alle einen kreisrunben (Brunbriß, ihr fenkrediter Burd)fd)nitt
weiß einen Halbkreis auf. 3unäd)ß glaubten wir, es fei biefe ^orm burd) bie
leichten Sanbe bes Untergrunbes bebingt, bann fanben wir aber aud) <^erbe, bie
nut kleinen Steinen fauber in biefer ^orm ausgepflaßert waren. Unberc lagen
auf feßerem Untergrunbe, wiefen aber ebenfalls biefe ^orm auf. Bie (Beßalt ber
’oerbe bekommt aber erß bann volle (Beltung, wenn wir uns vergegenwärtigen,
weld)e Bebeutung ber ^Rreis unb bie LRugel in biefer früheifenjeitlidxn Sieblung
2) Bielenßein: Rohbauten unb ^ohgerate ber betten. S. 82 ff.
3) 'kngcl: Bie Bevölkerung Oßpreußens in vorgefd)id)tlid)er 3eit.
82
ber baltifdjen Pölfer ganz offenftd)tlid) befttjt. T'er 3ufall fd)eibet bann voll-
kommen aus, trenn inan £)urd)fd)nitte von gerben aus bem germanifd)en Gebiet
mit biefen vergleidjt. Wir werben von ihnen an anberer Stelle hören. vielen
Raufern Kl.-Stärt’enaus finben ftd) überbies große (ßruben. kleine Sd)erben
fanben ftd) nur bin unb tvieber in il)nen. pfoftenlöd)er ftnb es? bestimmt nid)t. 3d>
halte fte für Porratsgruben, etwa für «Eicheln, wie üe Kiecfebufd) in bem bronje»
Zeitlichen 2?orf in bud) unb lEhrlid) im fieinjeitlid)en T?orf zu Succafe reid) vor*
fanb. ^ebenfalls ifi bei uns ber Inhalt ber töruben völlig vergangen. Vjur eine
f:
° 1 a 3 *
।——j<-----------1--1
2lbb. 6. ^aue IV Kgl. VTcuborf, Kreis Stuhm.
leichte Tönung bes «Erbreidjs hatte ftd) in ber (Srube erhalten, löiefe Q5ruben waren
nidxt ausgepflaftert. 3n ber VTähe ber ^erbe lagen ferner nod) kleine banke aus
Heinen Steinen. 3n einem t^aufe zog ftd) vor ber ganzen Xüct’wanb eine Xeihe von
Heinen Pfähld)en hin. Kud) biefe halte id) für Xefte von einer bank. £)ies über
bas innere bes Kaufes. Vlad)zul)olen wäre nur nod) eins, baß bie Raufer unferer
Sieblung auf (Brunb ihrer ganzen Einlage Sattelbädjer getragen haben. Soweit bie
Raufer bes baltifd)en Kaumes.
3h«en fbelle id) gegenüber Raufer aus bem germanifd)en Kaume. KHerbings
ifi ber ^unbftoff aus biefem Kannte für bie frühe lEifenzeit fehr gering. tEs begeht
nur aus einem ^aufe in Kgl. VTeuborf, Kreis Stuhm, unb 23eobad)tungen in Sieb-
lungen, in benen ber Spaten allerbings nod) nidtt angefe^t worben ijl, in benen
2lnfcbnitte aber bas beobachten vor allem ber ^erbgruben gestatten. T?as <^aus
von Kgl. Vjeuborf ifl nad) ganz anberen ted)nifd)en (5eftd)tspunHen gebaut.
Kud) ifi es ein Pfoftenhaus. ilber wie wirb fein 3?ad) getragen) VTid)t
allein wie in ben Raufern von KI.-StärFenau von ber Wanb, fonbern von
83
ber Wanb unb ben mitten im <>aufe ftebenben Pfoflen. Pre Wanb ifl aud) nur aus
armbicten ^Knüppeln gebaut. Sie allein märe wohl Faum imflanbe gewefen, ben
fcitlidjen Prnrf bes Pacbes zu tragen, Piefes «□aus erinnert flarF an bas wefentlid)
größere v^aus von Oarolath in Sdileften, bas burd) jtvei Stützenreiben im TJnnerec
in brei Sdiiffe geteilt wirb. Unb biefes geht zweifellos auf bii in Sd)weben
gefunbenen unb fpäter aus ber »Ebba bekannten großen fallen zurücF, bereu Wänbe
in Schweben von *Erb> unb Steinwallen gebilbet waren unb nid)t, wie in "Kgl. VXew
borf unb Carolath, aus Pfoflen. Pod> ein abfd)Iießenbes Urteil Fann nur gefällt
werben, wenn uns aus bem Xaume ber (Broßenborfer (Bruppe unb bem ber (Berichts*
urnenFultur mehr material zur Perfügung ftehen wirb. 5c^crcn 23oben betreten
wir bei ber xfrage nad) ber Bauart bes ^erbes. 3n "KI^StärFcnau fanb ftd) nur
eine 2lrt v^erb, bie Falottenartige ^erbgrube. Unfer <^aus in “Sgl. VTeuborf verfagt
l)ter leiber. Es war bort nur eine flad)e ^erbgrube in bie leid)ten Sanbe eingetieft,
in bereu Witte einige Steine lagen. Es ftnb aber aus brei großen Sieblungen ber
(Broßenborfer (Bruppe, in ^Kgl. Vleuborf, ^luifenwalbe, beibe ^Rreis Stuljm, unb
ÄUCromnau, "Kreis Warienwerber, eine ganze Jveitje von gerben im ?lnfd)nitt
beFannt, bie fämtlid) nid)t etwa ben nad) unten aftgehnnbeten Sad2 zeigen, fonbern
forgfältig red)tccFigen llufriß haben. Sie haben einen ganz ebenen 25oben, ber in
Huifenwalbe mit Steinen gepflaflert war. Leiber geflattet ber grobe Ixies in
2\gl. VTeuborf beim Sd)ürfcn Fein forgfältiges 23eobad)ten. 3n Äl.^romnau ifl
ber Spaten bisher nod) nid)t angefetzt worben. Pie Raufer von Oarolath weifen
übrigens aud) ^erbe mit redrtecFigem (Brunbriß unb ebenem 2? ob en auf. Es fd)eint
alfo aud) bie Jorm bes ^erbes genau fo wie bie Pforrn bes (Brabes außer ben
fonfiigen WerFmalen beibe PolFer zu trennen. Z*n ber (Broßenborfer (Bruppe ifl
bas iBrab eine rechteckige SteinFifle, in TxUStärFenau fanben üd) nur runbe
Sichtpackungen.
über Sieblungen auf parfbauten Fann in unferm (Bebiete nod) nichts gefagt
werben, eine berartige Einlage ifl aus Brunau, )Kreis Köfenberg, beFannt. 2lus
ber römifchen Ixaiferzeit ftnb uns bie erflen großen 3weiraum*^äufer beFannt.
3wei Käufer gelang es bisher zu faffen. ^)ie beiben Fleinen aus 2xgl. VIeuborf
redtne id) nidit mit. Es ftnb eigentlich nur Sd)itQanlagen für bie <$erbe, bie fafl
ben ganzen Kaum bes Kaufes einnehmen. 3unäd)fl bas ^aus von Weißbof, "Kreis
Warienwerber. Pie Pfoflen flehen in ber Wanb, eine Vorlaubd liegt vor ber
Sdfmalfette. Per <$erb ifl wie ein gewaltiger 25runnenfd)ad)t gebaut: z Weter im
£id)ten, 7,40 Werer tief. Pie fenFredtten Seitenwänbe beflehen aus großen ^elb*
fleinen, bie im ^lehmverbanbc lagen. Per 23oben war eben, aus geflampftem JÜehni.
lih«lid)e, nur kleinere v^erbe lieferte übrigens ^iebenthal, ^Kreis Warienwerber.
3’« Frühjahr biefes Jahres grub id) in VTeumarF, )Kreis Stubm, ein ^aus aus
berfelben *Kulturftufe aus**). llud) biefes ifl ein ^weiräum^aus. ‘Eine Potlaube
liegt nid)t in ber Sdnnalfeite, fonbern in ber Erke einer XLängefeite. öeibe Käufer
haben and) ben platz gemeinfam, an bem ber ^erb, beffer gefagt ber Ofen ftanb — in
Weißhof war bie ^erbgrube oben mit großen rotgebrannten tlebniFlbtzcn verflopft,
es waren ftd)er bie -Xefle eines aus Üebm gebauten gefd)Ioffenen Oberbaus, alfo
eines Ofens, ber zugleid) zum IKochen benutzt würbe —. beiben Käufern fleht
ber Ofen, ber z» gleid)cr Seit ber ^»erb i)l, in ber Witte ber 3mifd)enwanb. 2lber
*?) 2iuf Orunb ber fpäteren (Brabungen ifl biefe Sieblung bod) früher anzufetzen, in
bas frühe ober in bas mittlere Jlatenc.
^eym: »Ein Pcitrag zürn Hausbau währenb ber romifeben Kaiierzeit im (Bebiet ber
unteren Wcid)fel. prußia^eft 29 S. j 74-
84
in Vieumart traben wir es nicht mit einer brunnenartigen Einlage ju tun, fonbern
mit einer fqrgfält.i^n, Freisrunben Steinpadfung, bie allerbings in einer flachen
(Brube mit feilen Xänbern fleht. lit>nlicf)e ^erbe fanb lEbert unb tf^rlid)1) in
Faiferjeitlichen Käufern zu ITieisIatein unb id) in einem ^eitlirb nid)t näher beflimnv
baren <$aufe 511 ^Rgl. VTeuborf, Äreis Stubm, bas mitten in einem (Bräberfelb
Tlbb. 7. Weifb°b Kreis Uiarienwerber: ^aus III.
liegt, bas von ber frühen lEifen.zeit bis in bie römifcbe ‘Äaiferjeit gebt. Was
unfere Käufer aber von ben Raufern zu ITieisIatein völlig fcheibet, ift bie 23eb<xnb»
lung ber Wanb. Unfere Raufer ftnb pfofienbaufer, bie bei ITieisIatein Scbtvellen’
bäufer Wir fleben vor einem bis jetzt nicht ju löfenben Kätfel. traben wir es
mit zeitlichen Stufen ober mit Ianbfd)aftlid)en, b. h. völtifchetr Sonberarten ju
tun* llusFunft tonnen uns bie Stammlanbe, aus benen bie <35oten eingewanbert
ftnb, ferner bie ^eimat ber baltifchen PblFer, bann bie unter bem (Einfluß ber
(Boten flebenben Polter bes ofipreufifcben Xaumes, vor allem bas eigene (Bebiet
Ibbert: Twufo.
85
geben. (Berabe VteumarF verfprid)t uns? viel VTeues liefern ju tonnen. bisher ift
bort nur ein ^ruditeil bes in ^rage fommenben (Bebiets unterfud)t worben.
2lus ber Völterwanberungs^eit i|l bisher nur ein ^aus begannt geworben,
□n Kehh^f, ^Kreis Stuhm, würbe es beim Sanbfabren fafl völlig jerftort, fefb
geteilt werben tonnte nur nod) bie Äage ber ^erbjieHe, jwei Pfo(ienlöd)er tonnten
untcrfudjt werben. Wichtig i(i bas ^aus nur burd) bie ^eflftellung, bap in ber
Völferwanberungsjeit ber pfoftenbau bier nod) üblid) ifi. Vie (Befäfe, bie in
bem ^erbe von ben Arbeitern gefunbcn worben waren, weifen bas <$aus an bas
£Enbe ber Vöteerwanberungsjeit, viellcid)t fogar bereits in bie frühe preu$ifd)e
Seit. ((Burtriefen, auf ber Schulter fd)räg(iehenbe Strid)verjierungen.)
2lbb. 8. Vteumarf, Kreis Stubm; ^aus aus ber frühen ober mittleren Äatenejeit.
jfür bie preufjifcfye Seit ift in unferem Kaumc bisher nur ber Sd)wellenbau
betannt. jRgl. Heuborf, in bem bie dauern wetteifern beim ^eftftellen von dcranb*
(teilen, lieferte jwei (Beböfte*). Va bie unterfte Sd)welle nur flach eingetieft war,
fte ging taum unter bie vom Pfluge gefaxte 2hilturfd)id)t------------fo gelang es nur hin
unb wieber, eine Wanb feftytlegen, nid)t aber bie (Bro0e bes ganzen Kaufes. 3n
allen Raufern waren bie ^erbe gut erhalten. 2'n ber Witte einer oft unregel*
mä^ig gebauten 2lfd)engrube lag bie aus Steinen gebaute, halbkugelige Stein*
Packung, ber ^erb. Ven Sd)erben nad) muß bie Sieblung aus ber JCnbflufe ber
preu£ifd?en 3eit flammen. Vie eigenartigsten bauten waren eine l^abcfrube unb
eine ebenfalls in bie £rbe eingelaffene (Betreibebarre. 7ht ber ^abeftube waren
bid)t am v^erbe, rechts unb lints von ihm, Z?anfe aus >£rbe. Von ber (Betreibebarre
hatte ftd) bie Jeuergrube unb ber 9 Weter lange, mit £ehm abgebeefte ^‘euergang
erhalten. Von ber einige ^unbert Weter von biefem (Bel)öft liegenben Sieblung
*) t£in altpreu£ifd)es (Bel)oft in Kgl. Vleuborf, Kreis Stul)in (25latter für beutfcfye
Vorgefd)irf)te 7).
86
Kbb. 9. VJeumarf, Kreis Stulln: Senfrechter 3?urd)fd)nitt burd) ben ^erb.
Kbb. )o. Vleumarf, Kreis Stu^m: ^erb.
Kbb. jj. Kebl^of, Kreis Stulln: «3: Kus einem Pfoflenbaufe.
87
Eonnren aud) nur bie <$erbe feßgelegt werben, nicht aber färntlicße XUauern. (Es
ßebt auch nicht bie (Broße ber einzelnen Raufer fcß. (Eine jweite (Betreibebarre
von ähnlicher Bauweife würbe J955 beim Bau ber Tbnußee Xadu’lsbof jerßort.
(Ein völliger Wedßel im Hausbau wie Burgcnbau tritt in ber Orbensjeit ein.
3um ersten Mlale täud)en in unfern £anben Raufer mit £ebm* unb Steinwänben auf.
&as iß eine Bauweife unb ein Baumaterial, bie auch beute nod) ben ben ?llt*Preußen
ßammverwanbten Litauern unb £etten nid)t liegt. iDie beiben bisher aus*
gegrabenen mittelalterlid)en Bauernhäufer, eins in Xel)h°f/ bas anber in Bubifch,
beibe "Kreis Stußm, waren bis ju einem Mieter eingetieft./ neuartig waren bie
»äerbe: tifd)artige (Bebilbe aus Stein unb Äehm. Sie ßanben an ber Wanb, in
einem WinEel ober in ber Ötitte einer Wanb. (BeEod)t würbe nid)t mehr in ber
*oerbafd)e im ober am ^erbe, fonbern über bem ^euer in lu'ßeln, bie an "Seßel*
haEen über bem ^erbe Idingen, ober in (Brapen, biq auf ihren ^üßcßen auf bem
<5erbe ßanben. Bn Bubifd)**) wohnte auf (Brunb von (Buellen übrigens ein Preuße!
&ie ^eimat biefer "Kulturgüter ifi ber Weßen SDeutfdßanbs, aus bem bamals
fo viele Bürger uno Bauern ben Weg nad) bem (Dßen nahmen, tiefes eingetiefte
5?ad)haus bat ßd) übrigens bis in bie Ulitte bes )8. ^abrhunberts in unfern
"Hobler* unb Teerbrennerhütten erhalten. (Es lebt nod) heute, wenn ein Siebter
ftd) auf feinem £anbe 3itnäd)ß eine Notwohnung baut. Wie übrigens ber Preuße
mit bem eingewanberten beutfdjen Bauer, bem vor allem bas fd)neHe (Einbeutfdjen
bes Raubes $u bant'en iß, ftd) verfchmoljen hnt, bas jeigen bie alten Dorlauben*
häufer, bie beute allerbings in unferm BejirE nid)t mehr ßarE vertreten ftnb. j*n
ber alten weßbeutfd)en Heimat ber oeutfd)en Bauern war bie Dorlaube unbekannt
gewefen. Uber hier im Holoniallanbe fanb ftd) regelmäßig vor bem aus bem
fränfifd)en unb uieoerfädjftfdien Dorbilb erwad)fenen neuen Bauernhaufe bie Dor*
taube, bie feit ^ahrtaufenben in biefem Äanbe bereits ^eimatred)t genoßen batte.
Nod) beute lebt ber preußifd)e Sd)weHenbau in unferm Sd)urjbohlenbaufe weiter.
T^eutfd) iß überall ber Bau ber ^erbes. Wie ßarE nod) brüte vorgefd)icptlid)e
Jformen aud) im (Brunbriß ber Raufer weiterleben, bas lehrt ein Dergleid) bes
Eaifer$eitlid)en Kaufes von Weißhof mit alten Bauernhäufern (Bßpreußens — bei
uns an ber Weidifel ftnb fte bereits ausgeßorben. ?lud) bei ihnen liegt bie
fd)war$e Hüd)e in ber UTitte bes Kaufes, eine flad)e Dorlaube lagert ftd) vor eine
Sdimalfeite bes Kaufes.
Was bie Sieblungsformen in ber Dorgefd)id)te nun anbetrifft, fo Eann wenig
hierüber gefagt werben. (Benaue llusEunft gibt uns nur l\!.*StärEenau. Wir h«ben
in "RUStarEenau einen Kunbling vor uns, beßen jorm m. (E. auf Eultifd)c Dor*
ßeUungen jurücEgeßt. Um em -^aus mit einem ftd) bid)t an biefes anfdjmiegenben
umfriebeten <$ofraum, in bem ebenfalls nod) Baulid)Eeiten — wahrfd)emlidi Wirt*
fd)aftsgebäube — ßeßen, lagern ftd> fteben anbere (Bebaube im "Steife herum. Stvei
Steinfetjungen umgeben bie ganje Sieblung. (Eine (Bräberßraße jießt ftd) vom
Tor burd) bas ganje 3?orf. 3?er fcßmale (Brat, ber bie Spitje ber <$albinfel, auf
ber bie Sieblung liegt, mit bem v^eßlanbe verbtnbet, iß außerorbentlid) ßarE
befeßigt. (Elf palifabenreißen legen ftd) quer über ben (Brat. »Ein fdjmaler, wieber*
holt geEnicEter, von Pfoßen gefäumter (Bang fd)iängelt ftd) burd) bie Palifaben*
• **) ^eynr. £>as ^aus eines Bauern aus ber 3c:r ber erßen Befteblung bes SDeutfdj*
(Brbenslanbes mit Bauern (KteisEalenbcr Stußm J952, S. 46 ff.), ^eym: »Ein Bauernhaus
aus bem Beginn bes 14. Oabrbunberts im £)eutfd)en (Drbenslanb (fUannus. Seilfcbrift für
beutfepe Dorgefd)id)te j9?4- Bb. 26, ^eft 5/4).
88
*------* _ j T 1
o i 1, i. ‘t
2lbb. 13.
2Ibb. 12.
Kbb. 14.
i—-—i-------1-----t
o. i. i. a.rtiu»
2lbb. 15.
2lbb. j 2. Kgl. VTeuborf, Kreis Stubm.
2lbb. )3. Ke^tyof, Kreis Stubm: mittelalterlidjes v^aus.
2lbb. )4. 25ubifd\ Kreis Stürmt mittelalterliches ^aus.
2tbb. VTieberjebren, Kreis IHariemverber: ^aus eines <Teerbrenners mit einem Ofen
im Kaum unb einem ausgebauten <$erbe. mitte bes )S. Oahrhunbcrts.
89
reifen. 'T'rci feße Orme ftd)ern biefen (bang. Eirt trid)terartiges «Tor mit Dreimal
vier Pfoten im Trichter hütet ben Zugang.
j)ie Sieblungen in Ixgl. VTeuborf unb ’lU.MCromnau verraten nur, baß auf
kleinem Xaum mehrere (Scbäube fleben.
53ie Sieblung in VJeumark iß bagegen ganz weitläufig gebaut, vorausgefeijt,
baß fämtlidjc Bauten aus berfelven ^Rulturßufe unb außerbem noch gleichzeitig
ftnb. Es fanb ftd) auf einer ^läd)e von etwa ?oo (huabratmetern bisher nur ein
^aus. £)ie Sieblung umfaßt aber auf (Örunb ber beim pflügen angefdmittenen
^erbßeUen an bie 20 ITTorgen.
2)ie preußtfcße Sieblung in *Rgl> VTeuborf war ganz regellos angelegt. Babe<
ßube unb SDarre war aus ber Sieblung wohl ber ^euersgefaßr wegen ljinausgebaut.
£üe Unlage zeigt in ihrer Kegellofigkeit außerorbentlicbe liljnlidiFeit mit ben
Bauernhöfen ber betten. 2?ie VJadibarfteblung wies bagegen brei einigermaßen
ausgeridjtete (bebäube nebeneinanber auf. beiben Sieblungen fdjeint es ftd) um
bas (behöft eines einzelnen Bauern zu banbeln. 5?er Äette liebt es heute nod) im
(begenfatz zum beutfeben Bauern, für jeben Wirtfd)aftsztveig ein befonberes
(bebäube zu errichten, über bie Sieblungsform ber zur (brbenszeit in Bubifcb an*
geßebelten Preußen kann nid)ts gefagt werben.
£üe von ben 2?eutfd)en mit nadi bem (bßen gebrad)ten Sieblungsformen an
biefer Stelle z« bebanbeln, geht über ben Xahmen bes Berid)tes hinaus.
3um Sd)Iuß nod) bie 5rage: 7'ß auf (brunb ber Bauweife, ber Aform bes
Kaufes, ber bes derbes bereits ein Äückfdüuß auf die Volkszugehörigkeit bes
Erbauers biefes Kaufes zu ziehen* 3?ie jrage iß mit Vtein zu beantworten,
(berabe bas Beifpiel von Bubifd), wo nad)weislid) ein Preuße in einem ^aufe von
rein beutfeßer Bauweife, beutfd)er Einlage, beutfd)em <^erbe, beutfeßem eifernem
(berat — bie Keramik war preußifd) bis auf einige beutfebe Stücke — gewohnt bat,
Zwingt hierzu. 2>as Tluftreten einer ober mehrerer typifdier völkifdjer Eigen>
tümlid)keiten geßattet nur ben 2vückfd)Iuß: ber Präger biefer Eigenart ifl bereits
im £anbe. 'in einem (bebiete, beßen Sd)ickfal iß, Völkerßraße, ftoloniallanb zu
fein, beißt es befonbers vorftebtig zu fein. 2?cr ^erb fd)eint nad) ben bisherigen
Erfahrungen eine Sonberßellung eingenommen zu fyabtn. Er iß ja im «^aufc
bas ^ciligße. Er war ja in grauer Vorzeit zuglcid) (bpferßätte unb Ttbkoci)*
ßelle. So fdieint ber ^erb m feiner Bebeutung neben bie (Srabform unb ben
(brabbraud) zu treten. Sie alle ftnb kultifd) gebunben. So tritt meiner 2lnfid)t nad)
bie Verbform als neuer Beßanbteil zu oen vielen bereits bekannten, mit benen wir
unter ben genannten Einfd)ränkungen Xuckfd)luße auf bie völkifcße Zugehörigkeit
Ziehen können.
90
©te 0teppenl;eibetl)eorie
unb bte vorgef4)id)tlid)e 25eßeblung (Dftpreußens.
“Von Tr. g o ® vo Xllenftein.
I. 3b i e Steppe n$ e i b e t hj o r i e.
Huf ben vcrfcbicbenßen (gebieten (“Vorgefd)id)tez Sieblungsgeograpbie unb
»gefd)id)tez igntwidflun gsgef dndite beö Pflanzenwudifes, tlltflimafunbe, Utoor»
geologie) ftnb bie ^orfd)tingen anregcnb unb befrucbtenb von ber von X. (Ftnb*
mann begrünbeten S t cp p c n b e i b et b e o r i c beeinflußt worben. X. <5 r a b »
mann gellte bekanntlich in Sübbeutfdjlanb eine „weitgebenbe (nid>t abfolute
Übereinstimmung jivifdien Steppenbeibeverbreitung unb alter 23eüeblung" feft
(1995a <5. 266); baraus fd)ließt X. ^rabmann, baß es vor allein bie lidttere
“Vegetation war, was bie neolitl^ifdien unb bron;e;eitlirfien Siebter unter ber
t^errfd)aft eines etwas trocFneren Klimas gerabe in bie Steppenl)eibegebiete lodfte,
baß in erfter £inie ber biditgefdiloßene Watb fte von ben feud)teren (gebieten
fernbielt" (J93?a S. 266), „bie älteften llnftebler babcn ebenfo wie bie Steppen»
pflanzen offene, walbfreie ober wenigstens nid)t mit gefd)loßenem Urwalb
beflanbene Stellen aufgefudjt, wo ohne allzu mubfame Xobung ein Pflanzenbau
möglid) war unb bie ^erbentiere in ber naturlidien 25obenvegetation von (grafern
unb Kräutern ibr futter finben tonnten^ (j9o6, S. 5)6, 517). Jwar reduiete
X. (Prabman n aud) ben Steppenbeibe w a l b zu ben fteblungsfreunbltdien
23ilbungen, legte aber bis vor Furzern bas Hauptgewicht auf bie walbfreten,
offenen flächen; fo tjaben nicht nur ^otanifer CS. 25 e r t f d), X. Tüpen),
fonbern aud) Siebliingsgeographen (<> tll 0 r t e n f en, £6. Wähle,
(b. S d) l ü t e r u. a.) bie Steppenbeibetbeorie aufgefaßt, liefen Stanbpunf t bat
X. Öraömann in feiner neueren 37arftellung ()955a, S. 268, 27S) wefentlid)
eingefd)ränft, inbem er in ber 2luseiaanoerfetzung mit ben “XritiFen von
2\. 25er tfcb (j9*9) unb X. Z ti p e n (>955) ben begriff „walbfreie Stellen" als
offene Vlaturlanbfcbaft mit (Öräfern, 2\räurern, Sträuchern unb aud) einzelnen
Räumen, etwas retdilid)er als beute zmifd)cn wirfliche Wälber eingeftreut, um»
fdirribt („walbfrci tß- aud) nid)t gleid)bebeutenb mit gel)ölzfreiz nid)t einmal mit
baumfrei"); zzenblicb empfiehlt es ftd), tunftig nidit mel)r einfad) von einem (Degen»
(atz zu’ifdien fteblungsfeinblidiem Walö unb fteblungsfreunblidier offener ^anb»
fdiaft, aber aud) nicht (mit Z ü p e n) von einem einfad)en (Degenfatz zwifd)en
fteblungsfreunblid)en unb ftebluitgsfeinb!id)en Walbformen z*i fprechen, vielmehr
allgemein von “Vegetationstypen größerer ober geringerer Siebluugsfreunblid)feit"
(j955a S. 27S). IHrt X. Türen ()95j) b«lt X. <D r ab mann ()955a S. 27$)
aud) ben *£id)cnmifd)walbz ben X. lupen bem Steppenbeibewalb (Drabmanns
gleidißxllt, unb ber früher ftd)er nod) lichter war, für fteblungsfreunblid), ebenfo
ben zzfebr lid)ten unb offenen lBid)en»^irFenwalb"z ben X. Tüpen (j95j) für bie
Urvegetation ber jetzigen norbweflbeutfdicn ^eibegebiete unb ber (Deeft h«*lt. 3n
VTorboftbeutfd)lanb bietet nach X. (Brabmann ^5. 9) ber lichte Xiefern»
91
walb „immerhin etwas andere Kulturbebingungen als bie bid)ter gefdßoßenen
Walbformen; von ber Walbweibe jur Trift, von ber Trift jur freien Weibe,
jur Wiefe unb fdßießlid) jum tiefer ifi immer nur ein Heiner Sd)ritt, ben jebe
vorgefd)id)tlid)e Bevölkerung tun konnte, vorausgefetjt, baß fte ftd) im Beftij von
Herbentieren befand. ©in langfames 3urückbrängen bes Walbes von bereits vor*
hanbenen Kulturfläd)en aus iß auf biefem Wege leicfjt benkbar."
Von ber heutigen Steppenbeibe fagt X. 0r ab mann ()935a, S. 266), „baß
fte einft eine größere lokale Ausbreitung batte unb erß fpäter burd) überhand*
nehmenden Walbwudjs unb aud) burd) bie Landeskultur an ihre jetjigen
befdjränkten Standorte jurückgebrängt würbe unb bemnad) ein Kelikt barßeüt".
3eitweife (1906—52) batte K. ©rabmann feine Steppenbeibetheorie ber
Blytt*Sernanber fd)en KIimawed)fellebre angepaßt unb angenommen, baß
eine fubboreale fäkulare Trockenperiobe bie in ber erßen Hälfte ^er Litorina*3eit
tjebilbete jufammenbängenbe Walbbeife aufgelockert unb bie ©ntßebung von
Steppcnheibefläd)en bewirkt b«be; J953 kehrte er ju feiner urfprünglid)en, 1901
jum erßen HTale bargelegtcn Auffaffung jurück, bie ftd) mit bem von K. B er t f d>
(1929) unb K. Xubolpl) ()95o) pollenanalytifd) begründeten Syßem in allen
wefentlicben 3ugen genau beckt, wonach im fpäten VTeolitbikum bas Klima ber
fpätbiluvialen Steppenjeit, in ber bie HauP*maffc ber Steppenheibepflanjen in
^Mitteleuropa einw»anberte, mit feinen Wirkungen offenbar nod) nid)t ganj aus-
geklungen fei, fo baß ber VJeoIitl)iker nod) offene vjläd)en für feine Anfteblung vor*
gefunden habe. „Ben Bedingungen genügt jeber 3nßanb ber Vegetation, bie ftd)
im Vergleich mit ben Wälbern ber Gegenwart um eine Kleinigkeit mehr bem
Steppenjußanb nähert" CK. ® r a b m a n n , 1955a, S. 269); biefen führt X. © r a b e-
mann (1955a, S. 266) darauf jurück, baß „nod) im jüngeren VJeolitbikum unb
bis tief in bie Bronjejeit hinein bas Klima etwas1) trockener . . . war als
in ber (Gegenwart".
©ine weitere wefentlicbe Vor ausfetjung ber Steppenheibetheorie iß bie An*
nähme, „baß ber Walb auf niederen Kulturßufen ber ^feinb bes IHenfd)enz/ fei
CK. ©rabmann, 192?, S. 2); X. ©rabman n brtt $mar nie bejweifelt, baß
man aud) mit Steinbeilen kräftige Bäume fällen könne unb bafj man fd)on in vor*
gefd)id)tlid)er 3eit gclegentlid) auf beutfd)em Boben Kobungen von befd)eibenem
Umfange vorgenommen habe, baß man aber in vorgefd)id)tlid)cr 3eit nur febr
fd)wer an biefes Werk herangegangen fei, ba ftd) bie europäifd)en VoUneolitbiker
unb ihre Wadtfolger bereits im Befttje ber Pflugkultur befanden, bie nur auf
ßubben freie m Boben möglich, aber nid)t auf Branbkulturfläcben2) aus*
fübrbar fei (X. ©rabmann, 192?, S. 4)- ^ud) in feiner neueßen Arbeit vertritt
X. ©rabman n (j93Ja, S. 267) biefen Standpunkt: „Von geringfügigen Aus-
nahmen abgefeben, fanb man erß in römifdjer 3eit, in ber H^uptfad)e aber erfi im
^Mittelalter, bie Kraft, bie alten Urwalbgebiete fyftematifd) ju roben unb ju
fceftebeln."
3) Von mir gcfperrt.
2) „Aß bas fei’3 * * * * * 9 nun burd) Hieb ober burd) Branb, einmal niebergelegt unb
^bgcräumt, bann beginnt erß bas Koben, b. I). bas mühfame Aus*
Staben ber Stöcke. £ t w a s artberes t) a t ber Bauer, b'er Walb»
«r beiter unter Koben ober Kauten nod) nie v c r ßanben. Vlur in
Büchern werben bie W alber mit ber A y t ober mit e u e r gerobe t/z
(^. ©rabmann, J9OJ, S. 572, 573.)
92
2? aß im norbbeutfd)en lan t> andere Bedingungen als in Mittel-
und Sübbeutfdßanb vorliegen, wo die Steppenheibetheorie anfdjeinend mit gutem
Erfolg für die (Erforfd)ung der Sieblungsgeograplße und -gefdßdße angewandt
werden tonnte, hat ©radmann fd)on )9oj (S. 457) betont und 1928 (S. j)
wiederholt; er fyat darauf hingewiefen, daß es im 'Kußengebiet ju a 11 e n Seiten von
VTatur walbfreie ^lädjen (Stranbwiefen, Reiben) gegeben fyat unb baß VTaßrungs
quellen (Meer, ^affe) unb Derkehrsmöglidßeiten (Meer, Ströme) fcbon im ^rüh*
neolitlßkum ben Menfchen jur Anfteblung bewogen. Auf bas norbbeutfdje
Binnenland bat ftd) bie Steppenheibetheorie junäcßß nid)t allgemein
anwenden laßen, wenn man fte aud) ßellenweife in Oßbeutfd)lanb betätigen ju
tonnen glaubte (»E. Wähle J9)8, O. S d) l ü t e r J92)). (E. Wal) le (J924) ifl
daher ber Anftdß, baß in VTorbbeutfd)lanb bie vorgefd)id)tlid)e Befteblung un-
abhängig vom töegenfaij zuüfchen Wald unb offener Lanbfd)aft erfolgt fei, b. b.
baß hier bie Befteblung vom ^rühneolithitum an in einem Wa l b l a n b e ent-
ßanben fei, ber Menfd) alfo fd)on in neolithifd)er 3eit umfangreiche Sieblungs-
fläd)en burd) Xobung gewonnen h<*be. X. ©rabmann ()92?) führt eine Xeihe
von Argumenten an, bie für bie Gültigkeit feiner Steppenheibetheorie in VTorb-
beutfd)lanb fpred)en, unb fordert ju 5)etailunterfud)ungen auf.
Solche ftnb injwifd)en in Pommern mit ^ilfc ber poUenanalytifcben Methobe
VT i e t f d) )9?4) unb in (Dßpreußen mit ^ilfe ber G r a b m a n n fdfen Methode
CD. Berninger J954) ausgefübrt worben. Während VT i e t f d) für fein
Arbeitsgebiet (Pyritjer Weijacter) ju bem (Ergebnis gelangt, baß bie Auffaßung
(E. Wahles (J924) richtig iß, findet (D. Berninger im Gegenfatj ju
(E. Wahle ()9)S), „baß bie Betrad)tung ber X>erhältniße bes VTeolithikums in
(Dßpreußen ju einer vollen Betätigung ber Steppenheibetheorie führt".
11. Kritik berPorausfetjungen ber Steppenheibetheorie.
(Ein Laub, in bem bie Umwandlung ber VTaturlanbfd)aft in eine lüiltur-
lanbfd)aft fogar in ber VT e u z c i t im (Einklang mit ber Steppenheibetheorie
erfolgte, iß Sübftbieren, unb jwar bie Walbßeppenjone unb bie angrenzenden
Streifen ber Walb- unb Steppengebiete (A. S d) u 11;, J925, S. 7—9); um fo
näher liegt bie Annahme, baß btefe Umwandlung in einer periobe primitiverer
Kultur and) in Mitteleuropa nad) benfelben Gefetjen erfolgt iß. (Es muß aber
5unäd)ß unterfud)t werben, wie weit hier bie ‘Vorausfetpmgen ber Steppenheibe-
theorie jutreffen; hierbei will id) mid) in ber ^auptfad)e auf VTorbbeutfd)lanb
befd)ränken.
j. (Es iß nid)t r i d) t i g , wenn in fieblungsgeographifd)en
Arbeiten immer noch bie VTeolitbiker als erße feßhafte
Bevölkerung unferer (Segen ben bejeid)net werben. Sd)on im
frühen Mefolithikum (Ancylus-3eit) iß ber Menfd) auf ber Kulturßufe bes Jägers,
Sammlers unb ^If^ers bis zu einem gewißen Grabe feßhaft gewefen1). An Orten,
bie ißm befonbers reicßlid) unb bequem alles boten, was er für feinen Lebens-
unterhalt brauchte, legte er Sieblungen an. Sold)e Stellen waren ber Meeres-
ßranb unb bie Ufer fifd)reid)er Binnenfeen unb ^lüße. VTaturgemäß ftnb foldje
mefolitbifd)en Wohnplä^e in ber Kegel febr viel fd)werer aufjufinben als fpätere,
ba bie für fte bezeid)nenben Artefakte, bie Mikrolithen, fehr viel weniger auffallen
Streng genommen ßellentveife aud) fcbon im paläolitl)tfum, wie bie großen
Mengen von Werkzeugen unb Anocben von Beutetieren in fohlen Sübfrankreicbs unb
Spaniens zeigen.
93
als etwa Tonfd)erben, 23ranbgruben, Pfoßenlöd)er unb (Brabßätten; man barf
nicht vergeßen, baß überhaupt prähißorifd)e Siebelplätje in f e t> r viel
geringerer 3at)l als 5. 25. (Brabfunbe bekannt ftnb, weil letztere and) bem Äaien
viel mehr auffallen.
So (bellte *3. A e i n e r t (1929, S. 4$) *>'), >'?) Heine unb große Jütten*
b 0 r f e r am ^eberfee aus ber Seit um 8000 v. Tbr. feß; in mehreren Wochen
fanb er mit feinen Mitarbeitern jufammen beim fyßematifcf)en 2lbfud)en bes
ehemaligen ^eberfeeufers nid)t weniger als 62, fdßießlid) insgefamt 8j mefo-
l i t h i f d) e W 0 h n p l a t; e.
T*er ebenfalls anjylusjettlidje WobnplaQ im Svaerbborgmofe in ^Dänemark
lieferte nad) K. □ 0h a n f e n ()9J9) auf einer ^flädie von 404 Ouabratmeter
gegen jjojoo ^lintßucke (teils (Berate, teils Abfpliße unb überrede), ein 25eweis
für lange Seßhaftigkeit ber Mefolithiker. TJasfelbe gilt aud) für bie mefolithifcbe
Station im Maglemofe ((B. Sarauw >903).
Tue ebenfalls mefolitbifd)en Kjokkenmobbinger ber Äitorinajeit ftnb bie
Küd)enabfälle einer Bevölkerung, bie viele 3al)rl)unberte am (Dßfeeßranbe
feßbaft war.
Ackerbau unb X)iel)jud)t iß im Mefolithikum in ben genannten (Begenben
bekanntlich nid)t betrieben worben, bas einzige Haustier war ber ^unb (Svaerb-
borgmofe). Man barf alfo nid)t ohne weiteres von Seßhaftigkeit auf Ackerbau
unb \)iebjud)t fdßießen. vfür bas cBebiet bes Teutoburger Walbes ift eine auf-
fallenb bid)te mefolithifd)e 25eft'eblung (Tampignien unb Tarbenoiften) feftgefteHt
worben; W. 21 b r i a n (J918) hält bie bortigen Mefolithiker für „feßbaft
geworbene Säger unb ^ifdter" unb vermutet fogar, baß fte jum Teil fd)on Ackerbau
unb 'üiehjudjt getrieben unb ben Walb gerobet haben (l. c. S. 386 ff.).
*3Öd)fhvahrfd)einlid) bat ber Mefolithiker offene Stellen in ber anjvlus
Seitlichen Walblanbfd)aft für feine Wohnplätje gewählt unb fte aud) im Sntereße
feiner Sicherheit weiterhin offengebalten. (Bar nid)t feiten finben ftd) aud) bei
uns an biefen plätjen neolitbifcße unb nod) fpätere Sieblungen. 35er Hiatus,
ber früher in ber Porgefd)id)te eine fo große Aolle fpielte, verflüchtigt ftd) bei
fortfcßreitenber Trforfd)ung ber Sobenaltertümer immer mehr; wahrfd)einlid) iß
er nur burd) einen jahrtaufenbelangen Stillßanb ber Kultur (auf ber Stufe bes
Jägers, ^ifcbers unb Sammlers) vorgetäufcßt1).
Auf ber anberen Seite ftnb gerabe im VTeölitl)ikum nad) ber Annahme ber
meißen präbißoriker große Wanberungen erfolgt; erinnert fei nur an bie Aus-
breitung ber Urinbogermanen. Sn bejug auf ‘Seßhaftigkeit iß ber Unterfd)ieb
3wifd)en bem Mefolithikum unb bem VTeolithikum nur grabueH; in (Dßpreußen
unb im ganjen öftbaltikum wirb er, wie wir fehen werben, bis tief ins X>oll-
Neolithikum hine*n ^IHd) VJuH.
(v{ortfe^ung folgt.)
x) 3. S. am vfeberfee, wo Keinertb (J<n?, S. ?7) eine Sieblungslucke von
6000 bis 3000 v. Ö)t. annimmt; am (bßufer iß ber Jeberfee aber auch w biefer Seit
Jugänglid) gewefen, ba bie “üerlanbung von Weß unb Subweß her erfolgte; für bie
Aufgabe ber mefolithifd)en Wohnplätje am (Dßufer läßt ftd) Pein ßichhaltiger (Brunb
angeben.
94
11. Junbberidjte.
©cts gotifdje (ßrcfberfelb von ILhomaremen,
Breis (Dfterobe.
Von (Carl iß n g c l.
S d) r i f t1 u m » 21b t’ ü r 3 u n g e n.
Blume = Blume, £., 3?>ie germanifd>en Stämme ufw. I, II (Mlannus»BibliotheV
Vir. 8 unb 14). Würzburg 191:. U))>-
B. p. - Sitgungsberidjtc Cfpäter 3eitfd)rift) ber 2lltertumsG5ef. pruffia, Bönigs»
berg. Bb. I ff.
Unter ben in ben leigten 'jabren *rt Ojlpreufen unterfud)ten ^‘riebhöfen ber
erfen vier 3<xbrbun^er^c nad) ^er 3eitwenbe fommt bem (Sräberfelb von ^oma»
reinen eine befonbere 25ebeutung gu; ijl es bod) ber eingige in neuerer Seit voll»
ilänbig ausgegrabene Befiattungsplat; ber Weid)felmünbungsfultur, ber eine
leiblich fiebere Beurteilung von 3abl unb Seitftellung ber in ihm enthalten
geivefenen Beifetgungen geftattet.
3?as (Bräbcrfelb lag auf ben tveßlidjenXanbhöhen bes oberen
Paffargetales, unmittelbar nörblid) bes paffarge-Burcbbrucbs burd) einen
von Oftfüboft nad) Weflnorbwefl ftreid)enben IBnbmoränengug, nod) auf beffen
nörblidien 2lusläufern, bie hier nad) Horben gu in ein fanfter gewelltes ^ügellanb
übergeben, ißs befanb ftd) jebod) nid)t unmittelbar auf bem gum ^lufufer fleil
gebofcbten Talbang, fonbern auf einer bid)t anfd)liefjenben, leidet nad) Wefinorb*
treten gu geneigten vfläd)e/ fnapp joo Mieter fubfübofHid) bes Bahnüberganges
über ben Äanbtveg mittelgut—Tbomareincn, ber einer alten, längs bes wejHid)en
Paffargetales verlaufenben ^eeresflrafe folgt, Oenau brei Bilometer weiter
norbwejHid) liegt an ber gleid)en Strafe unmittelbar am Steilbang gum paff arge»
tal bas berfelben Seit unb Bultur angehörige, jebod) nod) nid)t näher unterfud)te
töräberfelb von poblciten. tßs ifl eine auffällige Tatfad)e, baf etne grofe llngabl
ber oftpreufifd)en (Bräberfelber unmittelbar an alten ^eeresflrafen liegt, unb es
bürfte baber nid)t unwabrfd)einlid) fein, baf biefe Wege vielfad) auf vorgefd)id)t»
liehe Strafen gurüctgeben.
2luffällig gegenüber anberen oflpreufifdien vfeiebböfen ift bie ungewöhnhd)
geringe 2lusbel)nung bes TTbomartiner (Bräberfelbes unb bie Meine 3älH
ber in ihm enthaltenen Beifetgungen: bei einer Äänge von 3? Mieter Oft»
Weft befaf bas <25räberfelb (in ber Mlitte) eine gröfte Breite von Mieter Horb»
Sub, bie ftd) nad) bem Weftranb gu auf 8 bis $• Mieter verfdimälert. Seine von
Oft nad) Weiten gerxd)tete £ängsausbehnung folgt ungefähr bem J£ängsfireid)ert
bes 2lbfalls ber nad) VTW. gu leid)t geneigten ißbene. Jür bie 2lnlage bes (Sräber»
felbes mirbeftimmenb fd)eint bie Bobenart gewefen gu fein. Sämtliche Oräber
hegen in einer fd)tnalen, nur mit wenigen größeren <5efd)ieben burd)fetgten Sanb»
linfe, meiben aber ben füblid) unb nörblid) anfd)liefenben granbigen Boben.
95
♦£tma 20 bis? 2?(Präber ftnb beim Ihisfdjadjten bes Kellers für bas im 3af)re 1952
neuerbaute Wobnbaus bes Dcfitjers Paul ^aivatjfi vernichtet worben, einige
wenige mögen nod) an unzugänglichen Bt eilen (5. 23. unter bem (Pöpelwerf unb ber
2lbb. j. Knochenbäufd)en in freier lErbe.
21 bb. 2. (Prab s von VlW.
2lbb. 5. Urne in freier l£rbe.
(Partentreppe) in ber (ßrbe rul)en, 50 (Präber würben geborgen, ibamit ergibt ftd)
für bie Belegung bes (Präbcrfelbes eine 3<xV>l von bodjflcns 60 23efrattungen, ba mit
ben @ud)grdben überall ber Xanb bes ^riebtyofes erreicht würbe.
5)ie meiften (Praber lagen in einer XT i e f e von ?o bis 80 Zentimeter Cllbb. j),
einige wenige, befonbers am Weftranb bes /feloes, etwas flad^er, fo baß fte nod)
96
vom Pflug erfaßt waren. Port ben 50 unterfud)ten (Sräbcrn waren ) ? Urnen*
g r ä b e r, j $ S n 0 rf) e n I) äu f d) e nz von letzteren lag nur eins in einer aus*
geprägten branbgrube. Kud) bei ben Urnengräbern war branbfd)üttung feiten
unb trat, wenn überhaupt fefißxllbar, nur wenig auffällig hervor. Urnengräber
unb Xnod)enhäufd)en lagen jebod) nid)t regellos burcßeinanber, fonbern wedjfelten
in (Gruppen von 4 bis 5- Xnod)enhäufd)en unb 4 bis y Urnen jiemlid) regelmäßig
miteinanber ab.
Weitaus bie ITlehrjahl aller Gräber wies keinerlei Steinfdpitj auf (llbb. j u. 5).
Pa in bem flark ljumofcn Sanbe and) ^üHerbegruben nid)t ju bemerken waren, fo
würbe eine beftattung immer erft ernannt, wenn ber Spaten fd)on auf bas Xnod)en*
häufdjen ober ben oberen Xanb ber Urne traf, bemerkenswert, weil in ber
Weid)felmünbungskultur nicht häufig, ifi bas — allerbings feltene — Porkommen
von Uterffteinen. Pon ben k Urnen fkanb eine unter einem fladjen Peckftein;
eine weitere war burd) einen, eine anbere burd) jwei größere XHerkfkeinc (llbb. 2)
gekennjeidptet. Pagegen war bei 6 Urnen ber meift fcßlanke ^uß burd) j bis
5 kleine Stütjfieine gegen Umkippen gefd)üt;t (llbb. 2). Pon ben jy 'Änod)en
l)äufd)en lagen brei auf einen kleinen ^aufkfleinpflafler, eins unter einem flad)en
Peckftein, eins unter einem Ulerkftein, eins war mit einem Xranj von ^auftjkeinen
umlegt. Pie übrigen lagen frei in ber Erbe (llbb. 5).
Wie auf ben meiflen (Sräberfelbern ber Weid)felmünbungskultur waren bei*
gaben nid)t allju häufig, unb, wenn vorl)anben, immer nur in geringer llnjahl
ber einzelnen beftattung beigegeben. Pon ben Urnengräbern waren jwei Prittei,
von ben *Änod)enbäufdien nur etwa bie ^älfte mit beigaben ausgeftattet; biefe
wiefen häufig Einwirkungen bes Retters auf; bie unb ba waren fte fogar bis jur
Unkenntlid)keit verfdpnoljen. Pem (Brabbraud) ber Weidifelmünbungskultur ent*
fpred)enb befielen fämtlid)e beigaben nur aus Schmuck; vereinzelt fanben ftd) aud>
Sporen unb Spinnwirtel. Waffen fehlen vollfkänbig.
Weitaus bie häufigften beigaben waren Bibeln. Sie fanben ftd) in jebn
Gräbern, unb jwar in 2 Gräbern in je 5, in einem (Srabe in 2, in 7 (bräbern in je
einem Stück. Pertreten ftnb bie Pypen blume I, Paf. IV, llbb. n unb jy, Paf. III,
llbb. 6, (Baerte, Urgefd)id)te llbb. j 59b unb p. b. 22, llbb. 1) 9.
Sämtliche Bibeln gehören bemnad) ber zweiten <?älfte von Pifd)lers periobe B,
b. b. h<xuptfäd)lid) bem 2. Sabri). n. Pbr. an.
Ulehrfacß kamen aud) Ur m ringe vor; in einem (Brabe 2 breikantige wie
blume I, Paf. IV, llbb. 76; ferner bie typifd) gotifd)en Sd)langenkopf*
armbän ber vom Pypus blume I, Paf. IV, llbb. 86, S. 66, llbb. 85, 80, bie ftd)
in einem (Srabe in einem, in einem anberen G5rabe in 2 Stücken fanben. Wieber*
holt traten auch <25 e w a n b n a b e l n als beigaben auf: fo bas brud)ftuck einer
Xnod)ennabel (llbb. ya), eine eiferne Vlabel mit fpatelförmigem Xopf (llbb. ?b),
eine bronjene, eine eiferne VJähnabel (llbb. sc) unb 2 bronjene ^akenkopfnabeln
wie blume I, S. J09, llbb. )57, aber mit gebrehtem Sd)aft (llbb. ?d). llnbere
beigaben fanben ftd) nur vereinzelt, fo:
Zweimal je ein Spinnwirtel aus Pon;
Zweimal je eine bronjene Xiemenjunge wie blume I, S. llbb. 64;
einmal eine eiferne S d) n a 11 e wie blume I, Paf. V, llbb. yja;
einmal ein eiferner IHeffergriffbalter (llbb. ?e);
einmal ein mafftver bronjener Stuhlfporn ähnlid) wie blume I, S.
llbb. )47;
97
einmal bas Bruchftüd? eines 3ln odjenf ammes' wie Blume I, Taf. IV,
Tlbb. j5j;
jweimal ftarf verfd)moljene bunte (Email* unb grüne (Glasperlen.
^as fojtbarjle ^'unb^üd? war ein (G o I b a n l) ä n g e r (llbb. 6), bas als einzige
Beigabe im £eid)enbranbe ber Urne 20 (ähnlid) 2lbb. 4a) lag. Sd)Iießlid) fanben
ftd) in ben )Hnod)enhäufd)en wieberbolt eines ober einige Heine Tongefäßfd)erben.
(Ein grunbfätjlid)er Unterfcßieb war ber Beigaben jwifd)en Urnen*
gräbern unb 2xnod)enbäufd)en nießt feftju^eHen, abgefeben von ber feßon oben er*
mahnten Tatfacße, baß bie Urnen etwas häufiger Beigaben führten als b.ie
^nod)enßäufd)en. ^ntereffant ifi bie Übereinstimmung in ben Beigaben ber beiben
am reid)jten ausgeftatteten (Gräber 29 (Urne mit Hiersein) unb 3j CRnod)en*
bäufeßen in freier (Erbe). 3ebes von ihnen enthielt 2 llrmringe, je eine V?äl)* unb
eine ^afenfopf nabel, jwei (Vir. 29) ober eine (Vir. 3)) Jfibel; außerbem Vir. 31
einen Spinnwirtel, Vir. 29 eine eiferne Sd)nalle unb einen eifernen Uleff er griff*
balter.
Unterfdjieblid) war bie Verteilung ber Beigaben: Tue wenigsten
fanben ftd) in ben (Gräbern ber offenbar älteren (Dftbälfte, bie meiften in ben
(Gräbern ber offenbar jüngeren Weftßälfte. 3u ber Knnaßnte, baf? bie (Dflßälfte bes
(Gräberfclbes älter fei als bie Wejtbälfte, Eomme id) aus verfd)iebenen, allerbings
nid)t ganj fteßeren (Grünben: einmal auf (Grunb ber gleid) ju befpreeßenben
Keramif; fobann wegen bes größeren Beigabenreid)tums unb ber fladjeren Bei*
feijung ber weftlid)en Begattungen: beibes 2lnjeid)en, bie in (Gjtpreußen fd)on ben
Beginn ber C*Stufe Tifd)lers (5. bis 4. 3'aßrb. n. b. 3eitwenbe) anbeuten. (Eine
von Oft en nad) Weften ju fo’rtfdweitenbe Belegung war übrigens aud) auf bem
(Gräberfelb von (troffen, Kreis pr.*^oüanb, fefouftellen (Blume II, f.).
□n allen Beifetjungen war bie B e f d) a f f e n b e i t bes £ e i cß e n *
b r a n b e s ungewößnlid) grob; waren bod) bie meinen Knod)en wefentlid)
fd)wäd)er verbrannt als man es felbjl auf ben jungbronje$eitlid)en xflad)gräber*
felbern vom fogenanten £aufttjer Typus ju finben pflegt. 3n faß: allen (Gräbern
fanben ftd) nod) wohl fenntlid)e Keße von Wirbeln, Kippen, 2lrm* unb Bein*
Enod)en, (GelenEEöpfen unb Wirbeln, fo baß mit Sid)erßeit gefagt werben fann, bafj
— mit einer Husnabme — feiner ber Beigefetjten jünger als K 3abre gewefen
fein fann. Vlur ein einziges ‘Kinbergrab fanb ftd) in (Geßalt winjig feinen, fpär*
ließen £eid)cnbranbes in einer Heinen Beiurne, bie im £eid)enbranb ber Urne )8,
offenbar eines ^frauengrabes, ßanb. Wo bie übrigen — bei ber für bie vorgefd)id)t*
liebe 3eit mebrfad) erwiefenen hoben Kinberßerblid)Eeit — bod) anjuneßnienben
Kinbergräbcr 311 fud)en ftnb, bleibt vorläufig ein Kätfel.
25ie aus bem (Gräberfelb geborgene ton war e madjt burd)weg einen forg*
fältigen (Einbruch
T>ie meißen (Gefäße ftnb gut, 3. T. fogar fe^r gewanbt geformt unb fauber
geglättet, viele auf ber ganzen (Dberfläd)e gleid)ntäßig graphithaltig, anbere
haben bunf eibraun graue ^arbe unb ftnb nur an einjelnen Stellen bunHer
gefd)maud)t. Vieben jtraff geformten, mit eingeritten ITannenjweigmujfern ver*
gierten "(Töpfen finben ftd) battdjige (Gefäße mit Kanblippe (2lbb. 4a) ober furjem
jylinbrifd)em i^als (2lbb. 4b) fowie weitmunbige Sd)alennäpfe CKbb. 4c).
2luf (Grunb ber Tongefäße unb ber fonftigen Beigaben mad)t bas (Gräberfelb von
Thomareinen einen jeitlid) b^^ gefd)Ioßenen (Einbruch lllle Beigaben geboren
Blumes Stufen B jünger unb (jumeijt) B jüngft an. iDen (Gefäßformen nad) fönnten
vielleicht einige ber beigabenlofen (Graber aus bem Wertteil bes gelbes etwas älter
9S
fein. 2?er unterfudffe »Teil bes tBräberfelbes bürfte fomit faff ausfd)licfflid) bem
2. Zfatyfy. n. £br., unb zwar jumeiff beffen jüngerer ^älfte angeboren. Eine gewiffe
Fehlerquelle für bie Ermittlung ber genauen 23elegungsbauer bes
(Bräberfelbes liegt in bem Fcblen ber etwa 20 beim ^ausbau jerfförten
(Bräber in bem offenbar älteren (Bffteil. 3Da aber and) bort nad) Eingabe ber an
ben Tlusfd)ad)tungsarbeiten beteiligten Arbeiter Sdffangenkopfarmbänber gefunben
fein foHen (bas 25rud)ffüd? eines foldjen fanb ftd) nod) im 25aufd)utt!), bürfte aud)
er über 23lumes Stufe B jüngere nid)t wefentlid) jurüct’reid)en. 2?er ganje F’mb
t>of mit feinen etwa 60 23effattungcn bürfte alfo weniger als joo 3abre, minbeffens
wof)I 60, allerböd)ffens aber .120 3at)re lang belegt worben fein. Tille ftd>er beurteil*
baren (Bräber geboren bem 2. Oabrb. an, ob einige nod) in bas 1. 3abrt). zurütf*
reidjen, iff l?öcf>fi jweifelhaft. Kein (Brab bürfte jünger als 200 n. Eb- anjufetjen fein.
Tluf (Brunb einer Sd)äQung bes ^errn 3Dr. W. ^orn (Königsberg) bürfte für
biefe weit jurüdfliegenbe Seit bie Tlnnabme einer Sterblid^eitsjiffer von minbeffens
$-0 auf bas Taufenb ber mittleren Bevölkerung geboten fein1), ^iernad) bürfte
x) Statiffifdje (Brunblagen in X. £awin, 3Die 23evöH?erung von Offpreufen,
Berlin )93o, unb <?effe, $?ie Bevölkerung von (Dffpreufen, 2*ena 5Die Sterbeziffer
in (bffpreufen, bie gegenwärtig )2,i je Taufenb betragt, lag nod) um bie mitte bes
vorigen 2ai)rl)unbert3 bei 3$ je Taufenb.
99
eine Siedlung, bie alle j bis z ‘Jahre einen Toten beßattete, jo bis 20 Kopfe
gewählt t>aben. Wenn aber, wie es wahrfd)einlid) iß, auf bem Gräberfeld (mit
einer Ausnahme) nur Trwad)fene beßattet ftnb, fo muß mit einer Fnappen l?er<
boppelung ber Kopfjabl, b. !)• 20 bis allenfalls 40 bewohnet, gerechnet werben.
Das gotifcfye Gräberfeld von Tbomareinen dürfte bemnad) von 3 bis 6 Familien,
b. b. etwa von einem lofen Sippenverbanbe, angelegt unb belegt worben fein.
Wie bereits blume (a. a. T>.) feßgeßeHt h<*t, beginnt bie Belegung ber gotifd)en
^riebböfe im weßlid)en Ößpreußen im allgemeinen erß mit ber Stufe B jüngere,
alfo um ober Furj nad) joo. blume ßütjte ftd) bei feinen Datierungen faß aus»
fd)lief;lid) auf bie Grabbeigaben. Ts iß jebod) ju berücfftdßigen, baß gerade bie
älteren B.Gräber ber YVeid)felmünbungsfuItur gewbhnlid) feine ober faß Feine
beigaben führen. Gerade bie lebten 3'abre b^hen, hauPtfäd)lid) in ben Kreifen
AUenßein, braunsberg unb bem Weßteil bes Kreifes Oßerobe eine Anzahl neuer
^unbplätje geliefert (vgl. b. p. 50 I, 28) ff.; Ulannus 24, ?6j f.), bie, wenigßens
jum Teil, älter ju datieren fein Fönnten, alfo in B mittlere ober fogar ältere. —
Tine ftd)ere Tiitfd)eibung über bas erße Auftreten ber Weid)felmünbungsfultur im
weßlid)en Oßpreußen Fönnen allerbings erß eine Anjabl von neuen planmäßigen
Ausgrabungen gefdßoßener gotifd)er Gräberfelder unb Sieblungen erbringen.
Vlad) bem bisher vorliegenden, allerbings fpärlid)en ^unbßoff fd)eint ftd) fd)on
jetjt in ben Kreifen AUenßein unb Oßerobe»Gß, vermutlid) aud) in örtelsburg»Weß
(Sdjeufelsmüble) unb Vleibenburg»Oß (Sagsau) eine örtlid)e Untergruppe ber
Weidßelmünbungsfultur beraus3tifd)älen, bie ausfdßießlid) branbbeßattung aus»
übt, gewiße feramifd)e Tigentypen führt, unb beren gewöbnlid) Fleine beßattungs
plätje faß ausfdßießlid) während ber „älteren Kaiferjeit" belegt ftnb, am Anfang ber
CStufe Tifdßers jebod) abbredjen. C^unbe liegen auf bem oben umrißenen
Gebiete bisher nur ganj vereinzelt vor (5. 25. pupFeim, 'Kreis AUenßein); bie
näd)ßen weßlidj unb nörblid) benad)barten Gräberfelder mit zahlreicheren C^unben
ftnb pettelfau unb Wormbitt, 'Kreis braunsberg; Troßen, Kreis pr.»^ollanb;
Pollwitten, Kreis Ulohrungen (vorwiegend B jüngß unb C mit beinahe ausfdßieß»
lid)er SFelettbeßattung); Tbierberg unb Ößerobe, Kreis (Dßerobe; bod) wirfen biefe
Gräberfelder ihrer KeramiF, ihren beigaben unb Grabformen nad) Feineswegs
einbeitlid).
Abb. 6. Golbner Anhänger, ) :).
^unbȟberfid)t.
). Urne, von brei faußgroßen Steinen geßüijt. Tine eiferne Vlabel mit Spaten»
Fopf wie Abb. e.
2. Knod)enbäufd)en in branbgrube.
5. Urne mit jwei feitlid>en Stütjßeinen.
4. Urne mit einem Stütjßein.
?. Kein Grab.
100
6. Rnodjenljäufdjcn.
7. Rnodjenljäufdjen auf findet Steinplatte mit Uierffrein.
8. Urne mit brei Stütz* unb jwei Ulerffteincn.
9. jo. "Seine (Bräber.
jj. Rnodjenljäufdjen.
j 2. Ixnodjenbäufdjen auf Steinen. 23ronzetrbpfdjen. »fine Jibel wie 23lume I,
kfaf. IV, J4.
J3. Sein (Brab.
J4. Rnodjenbäufdjen. »fine Jibel wie 23lume I, Taf. IV, J4.
)£. Rnodjenljaufdjen auf ^auftfteinpflafter, mit ^auftfteinen umlegt, (fin
Sdjerben.
j6. J7. Reine (Bräber.
jS. Urne unb 23eigefä£ mit RinberFnodjen.
)9. Rein (Brab.
20. Urne mit einem Stüijfiein. 3wei ^ibeln wie 23lume I, £af. IV, j?; Spirale
unb VTabel einer britten v^ibel. (fin (Bolbanbänger Cllbb. 6). Ulebrere ver*
fdjmoljene mehrfarbige (fmail* unb grünlidje (Blasperlen.
2j. Urne, (fin Stuljlfporn wie (Baerte 2lbb. J47 j.z äljnlid) 23lume I, 2lbb. J47.
(fin ^weiter jerfdjmoljener Sporn, (fin bronzener Riemenbefdjlag.
22. Rnodjenbäufdjen. 3noei verfdjmolzene Bibeln wie 25lume I, Taf. IV, j$-.
(fine ^ibel wie 23. p. 22, 2lbb. jjq (Pettelfau). (fine Rnodjennabel wie
2lbb. 3.
23. Urne. (Brüner (Blasfufj, verfdjmolzene 23ronzetropfdjen, verfdjmolzene bunte
perlen.
24. Rnodjenbäufdjen unter Steinplatte. SJrei verfdjmolzene ^ronjetropfdjen,
ein Sdjerben, eine Riemenzunge wie 23lume S. 2lbb. 64.
2?. Urne unter Steinplatte.
26. Sdjerben unb falj. Rnodjcn zwifdjen 23aufdjutt.
27. 23ranbgrube O) ohne falz. Rnodjen.
28. Rnodjenbäufdjen.
29. Urne unter illcrfficin. (fine ^ibel wie 23lume I, Taf. IV, j?. (fine vjibel
wie (Baerte 2(bb. j?9b. (fine bronzene VJäbnabel wie ?lbb. 4. »fine bronzene
^afenfopfnabel wie llbb. 4. 3wei Rrmringe ivie 23Iume I, Taf. IV, 76.
(fine eiferne Sdjnallc wie 23lume Taf. V, (fin eiferner ITiefjergriff=
balter.
50. Rnodjenbäufdjen. (fine ^fibel wie 25lume (Eaf. HI, 6. (fin Sdjerben.
5j. "Snodjenbäufdjen. (fin Sdjerben. (fine Jfibel wie 23lume Taf. IV, jy. 3wei
Rrmringe wie 23Iume S. 66, ?lbb. 80. »fine eiferne VJäbnabel wie 2lbb.
(fine bronzene v^afenfopfnabel wie- Ilbb. (fin Spinnwirtel, »fin Sdjerben.
52. Rnodjenbäufdjen.
55. Urne in 25ranbfdjüttung.
54. Rein (Brab.
5^. Rnodjenbäufdjen. (fin Sdjerben.
56. Rnodjenljäufdjen. (fine ^ibel ivie 23lume I, <Eaf. IV, j<r. (fin llrmring wie
231 ume S. 66, 2lbb. 85. (fin Spinnwirtel. Ulebrere Sdjerben.
57. Urne, (fine ^ibel wie 23lume I, iCaf. IV, J4. \
58. Urne, (fine v^ibel wie 23Iumc I, ICaf. IV, j^. Stücf eines Rnodjenfammes
wie 23Iume I, lEaf. IV, jsj.
39. Urne mit einem Stützfiein.
101
Der „Sünenberg" bei (Stritten,
bie alte Preußenburg Hogympte.
Von a n s £ r o m e.
Dilsburg berichtet in feiner (Chronik1) eine Ztegebtnfyeit aus bem 3ahre
in bem ber Böhme.«könig Ottokar im £anbe ber Orbensritter erfd)ien, um ihnen
gegen bie auf ftänbif eben Samldnber ju t>elfen. Der König jeigte einem alten eblen
Preußen namens (Bebune, ber bie Wehrhaftigkeit ber Samlänber genau kannte,
einen Teil feiner Streitmacht unb fragte ihn, ob er mit foviel Bewaffneten etwas
ausrid)ten konnte. (Bebune verneinte es unb bann abermals unb nochmals, als ihm
ber '.Honig bas Doppelte unb Dreifache ber juerfc aufgelegten Truppen gezeigt
hatte, tkrfi als ber König feine gefamte Wehrmacht erfcßeinen ließ, bie, wie
Dusburg fagt, bas ‘Bis bebeckte wie bie ^eufdjrecken bas £anb, fagte (Bebune, biefe
genüge, unb Ottokar könne erreidien, was er wolle. (Bebune h^tfe alfo e™c h°bc
Meinung von ber kriegerifchen Tüd)tigkeit feiner £anbsleute. Br wirb vor allem
bei feinem Urteil bie jahlreid)en feften Burgen bes Raubes im lluge gehabt h«ben,
in bie bie alten Preußen, wie wir aus bem Verlaufe ber (Eroberung ber einzelnen
j£anbfd)aften burd) ben Orben wißen, ben Hauptwerk ber Äanbesverteibigung
legten unb bie von ben Kittern, um bas £anb in bie ^anb ju bekommen, fiets
erß eine nad) ber anberen erobert werben mußten.
(Eine ber wid)tigfken Burgen bes Samlanbes, bie aud) bei öen Kriegsjügen
König Ottokars eine Kolle gefpielt haben wirb, iß ber ^ünenberg bei Bkritten,
ber in feiner Oigenfd)aft als ehemalige Befestigung heute nod) wohl erhalten iß.
Br liegt weßlich bes (Butes Malbaiten, jwifdjen ben beiben (Putern (Stritten unb
Bißelbitten. Kommt man von bem freunblid) gelegenen Dorfe Kuban, an bem ftd)
früher eine alte (Bauburg ber Preußen unb fpäter eine wid)tige Burg bes Deutfd)en
Orbens befugben fyat, unb hat man bas Wälbdien perkoke burd)fd)ritten, fo erblickt
man balb bie bewalbete ^öhe, ben ^ünenberg, ber in feinem Innern bie alte
^eibenfeße birgt. Die Imlage jeigt bie beutlid)en Merkmale einer altprettßif eben
Befestigung. Sic iß auf einem Äanbrücken auf geführt, ber ftd) in ber Kid)tung
von Sübweß nad) Vlorboß gegen einen Bad), bie Hintan, vorfd)iebt, bie fte auf
allen Seiten, bie weftlid)e Jugangsfeite ausgenommen, umfd)Iießt. Das an ben
Bad) anfd)ließenbe (Belänbe iß heute jum Teil entwäßert, ehemals war es fumpfig
unb ungangbar. Der bem Werten jugekehrte Teil ber Xlanbjunge, alfo ihre vfuß-
linie, ift fyeute nod} burd) einen breiten OuerwaU, bem ehemals ein boppelter
Vorwall vorgelagert war, abgeriegelt, fo baß wir hier eine rtd)tige 3ungenburg
vor uns haben, wie fte bie Preußen mit Vorliebe anlegten. Die Knlage jeigt
infofern einen Übergang ju bem fogenannten Kingwall, als ber ^auptwall bie
ganje Einlage umläuft unb ihr bie (Beßalt einer bem Kreife ftd) nähernben iBUipfe
gibt. Ulan hat barauf hingewiefen, baß biefe llrt ber Imlage von Burgen ein
Beweis für bie Tobesmutigkeit ber alten Preußen fei, weil fte bem Verteibiger
keine Möglichkeit jum Kückjuge gebe, fo baß biefer gejwungen fei, auf £eben unb
Tob ju kämpfen, wenn er ßcb nid)t ergeben wollte. VTod) vor joo fahren muß
Scriptores rerum prußtearunt I 9j.
102
aud) bie Oßfeite ber Zulage härtere X>orwäIIe gehabt haben, wie aus ber Zeichnung
bes Zeutnants <F5uife 511 erfetyen iß, ber bamals bu alte A'eße aufgenommen unb
bie Stij^e gejeid)net bat (Sammlung ber ^anbjeid)nungen im pr.'Jhif.). ^eute
ftnb hiervon feine ‘Spuren meßt bemerkbar. Zie Einlage hat an biefer unb ber
anfdßießenben Vlorboßfeite einige betrdchtlidje Veränberungen ’m Zaufe ber ^eit
erfahren, vermutlich burd) bas Waßer, bas aud) ben <$auptraall an biefer Seite
ijerrißen unb eine tiefe Sd)Iud)t gebilbet ßat. Zie Zurg felbft fdjeint fünßlid)
aufgefd)üttet ju fein, inbem man bie ‘Erbe bes ^ügels im ?w*ntrn ausgehoben unb
nach außen aufgeworfen ßat. Zas innere ber Zulage liegt tief, etwa $ Mieter,
unter bem äußeren Wall. Vlad) ber Seite bes Z»ad)cs ßürjt ber Wall jum Teil
fd^roff ab. 5)ie (Sefamtanlage ifi von beträd)tlid)em Umfange. Ulan braudß
yyo Sdjrirte, um ben ringsherum laufenben Wall 511 umfd)reiten. Zas lanbfdjaff-
liehe _Z3iIb bes Zwerges ifi fehr anjießenb. Von bem Zanbwege, ber bie (Suter
(Stritten unb tEißelbitten verbinbet, tommt man rechter ^anb auf ben mit alten
»Eichen, Zud)en unb (Eberefd)en bid)t beßanbenen Zurgberß. Zautlofe Stille t)errfd)t
bort, bie nur burd) bas ‘Klopfen bes Zuntfped)ts, ber an ctnem ber abgeßorbenen
alten Zäume feine Vlahrung fud)t, unterbrochen wirb. Hüt feinen (Bebauten
wanbert man hier ungeßört in bie Vorjeit jurüct unb baut ftd) bie alte v^eße trieber
auf mit ihren ^oljerbcmauern, bie ftd) einß auf ben jetzigen Willen erhoben
l)aben unb in ihrem ^nncrn eine anfehnlicfye Zefatjung aufnehmen tonnten.
Zie alte Zurg wirb fd)on früh in ber (Befd)id)te erwähnt. ‘Eine Urtunbe2)
aus bem Zfafy* ) -74 nennt fte ein antiquum castrum (altes Zager) unb gibt if>r ben
VJamen Vjogympte. ‘Zs iß eine Urtunbe, bie ber ‘Komtur von 'Königsberg aus*
gestellt hat, in ber er jwei Zrübern, ben preußifdjett freien Xiege unb Xomeite,
bie in ober bei piutwinnen wohnen, ein Jfelb im (Bebiete von Xubau übertragt
gegen ben von ihnen gejaulten preis von 40 lüart Silber unb eine Xnertennungs-
gebühr von einem Pfunb Wachs, ben fogenannten Hlartpfennig, unb einen Zenar
fulmifd)er Währung. Zie Zeleißung war ber Zant bafur, baß bie Zrüber in bem
großen preußenaufßanbe bem (Drben bie Treue gehalten hatten. ber Urtunbe
wirb bie Zage bes ben Zrübern jugeteilten Zanbes genau befcßrieben, unb aus
ber ®renjbefd)reibung geht bie Zage bes „alten Zagcrs, bas Vlogympte genannt
wirb", fo ftrfjer hervor, baß tein Sweifel beßeht, baß ber heutige ^ünenberg an ber
X in tau wirflid) bas alte Zager Vlogympte iß3). Wie fd)on erwähnt, wohnte
Xomeite, ber außer feinem Zritber Xiege nod) einen Zruber (Silbers batte, in ober
bei piutwinnen. Sd)on 126 j hatten Xomeite unb (Silbers jo Familien aus ber
„villa (Bierßenis", bem heutigen etwa ein ^Kilometer von piutwinnen entfernt
liegenben (Berßhenen (früher (Birßeinen genannt) als porige überwiefen befommen.
Zas Zanb, bas bie Zrüber Wiege unb Xomeite >274 erhielten, wirb in ber Urtunbe
bes genannten ^ahees mit feinen (Brenjen wie folgt befcbrieben: „Campum siium
in Rudow taliter videlicet limitatum sicud fluvius descendit per silvam dictam Nurav.de
in alium fluvium, qui vadit ante situni amiqui castri dicti Nogympte et exinde per
ascensum vallis usque ad terminum villae dictae Ludenien et inde ulterius usque ad viam
versus Cayme, ubi prata terminantur addicienies silvam dicto campo attinentem.“
3u beutfd): „(Ein Jelb, bas in Xubau gelegen unb im ganjen begrenjt wirb wie
folgt: Sowie ber ^fluß Ißnabfließt burd) ben Vluraube genannten Watb in einen
anberen Jluß, ber feinen Weg nimmt gegen bie Zage einer alten Zefeßigung,
2) Zer ^reyßen uff Samlanbt ^anbfeßen, (Drbensfoliant J07 9. ijz, preuß.
Urfunbenbud) Zb. I 9. 2)8.
s) Dergl. aud) llltpr. irionatsfcßrift Zb. 32 9. 306 f. (Zecft)errn).
103
Hogympte genannt, unb von bort gegen ben 2lufflieg bes 'Cales bis ju ber (Brenje
eines Weierhofs, genannt Subenien, unb bann weiter bis jum Wege gegen Cavmc,
tvo bie Wiefen begrenzt werben, bie an bem Walbe liegen, ber an bas genannte
K'elb flößt." tiefes fo begrenzte (Bebiet läßt ftd) in bie Sanbfarte ber (Begenb um
piutwinnen ohne Sdnvierigfeiten einfügen, unb banad) ergibt ftd) aud) bie Sage
ber in ber Urfunbe erwähnten vfcftc Hogympte. 5)er Walb, ber Huraube genannt
wirb, ifl ber heutige vjorfl (Brün hoff. Kus ihm fommt ber 23ad), ber an (Berflhenen
vorbeifließt unb norböfllid) piutwinnen in bie Kintau münbet. £?ie hintan nimmt
ihren Weg weiter nad) bem heutigen ^üncnberg, ben fte umfließt, um bann bie
Kid)tung gegen Kubau einjufd)lagen. Chc (Brenje lauft weiter im ^lußtal ber
Kintau bis jur (Brenje bes Weierhofs, ber Subenien genannt wirb, unb geht weiter
gegen ben Weg nad) Cayme, wo fte wieber ben Walb erreid)t. 5?iefe letzterwähnte
(Brenjjiehung bleibt unftdjer, weil es hcuts einen Weierhof Subenien unb ein
£>orf Cayme in ber bortigcn (Begenb nid)t mehr gibt. 25er Harne (Cayme fönnte
auf bas am nörblid)en Kusgange bes (Brünhoffer vforfls gelegene 5?orf unb (But
SboUfeim fd)Iießen laffen, wohin ein Weg von Walbaiten führt. Wenn ftd) aber
aud) an biefer Stelle bie (Brenjjie’hung nid)t ftd)er verfolgen läßt, fo befteht bod)
fein 3weifel, baß wir in bem heutigen ^ünenberg bie alte 23urg Hogympte vor
uns haben, ^für bie 25ebeutung bes Hamens ber 23urg Hogympte fehlt bie
(Erflärttng. £>er Harne bes Walbes Huraube, aus bem ber 25ad) fommt, ber ftd)
in bie Kintau ergießt, ifl preußifd) unb hängt vielleid)t mit bem Worte jufammen,
bas in bem Ortsnamen von Kubau, früher Kawbaw, flecft unb „Sumpf mit
rötlichem eifenhaltigen Waffer" bebeutet (vgl. (BeruHis; 5bie altpreußifd)en Orts*
nameh S. )4$0. Huraube würbe bann foviel als Sumpfwalb bebeuten.
Wie ftd) aus einer Urfunbe vom 3al)re )333 ergibt, ifl in biefer Seit ber
Harne Hogympte für bie 25urg nid)t mehr gebräud)lid) gewefen. Cüe 23urg führte
bamals ben preußifd)en Hamen Wofepile, ju beutfd) Siegenberg.
Su erwähnen ifl nod), baß Voigt in feiner (Befd)id)te Preußens4) in ber 23urg
Hogympte bie 25efefligung erblicft, bie nad) Sbusburg von König Ottofar im
Bahre )2?4 im (Bebiete von Kubau erobert würbe. Voigt hat hiermit wahr*
fd)einlid) Ked)t, wenn aud) Ousburg bie 23urg, bie Ottofar eroberte, nid)t mit
Hamen nennt, fonbern nur fd)reibt, baß Ottofar im (Bebiete von Kubau ben
Preußen eine furd)tbare Hieberlage bereitet unb bort ('ibidem) ein Sager erobert
hätte. Wenn aber aud) Hogympte nicht bie 23urg fein follte, in ber ftd) bie eblen
Preußen ergaben, fo wirb fte bod) in ben Kämpfen mit Ottofar, wie eingangs
erwähnt, eine wichtige KoUe gefpielt haben.
Von bem <$ünenberg berid)tet bie Sage5), baß er früher ju ben h^ibnifd)en
Opferbergen gehört habe. £>ort foll viel Spuf unb (Befpenflerwerf umgehen. Kuf
ihm jeigt ftd), wie erjäl)lt wirb, eine (frau. (Ein 23auer ritt einmal auf ben 25erg,
fte ju fel)en unb erblicfte fte, wie fte ihr <$aar fämmte. Sie rebete ihn freunblid)
an unb gab ihm etwas, was fte ftd) aus ben paaren ausgefämmt hatte. Sber 25auer
flecfte bas (Befcßenf in bie Cafd)e, warf es aber bann fort. (Er hätte es behalten
follen, benn ju v^aufe fanb er nod) einige (Bolbförner, bie in ber Cafd)e jurücf*
geblieben waren. Vom v^unenberg erjäl)lt man aud), wie von fo vielen anberen
bergen, baß ein unterirbifd)er (Bang aus il)m h^ausführe. »Er foll auf bie 25urg
in Kubau verlaufen fein.
4) Voigt, (Befd)id)te Preußens 25b. 3 S. 81.
5) Keufd), Sagen bes preußifd)en Sainlanbes S. 70.
104
111. 2lue ber Werfjldtte ber vorgefdjidjtlidjen Sorfdjung.
(Dftpreugifdje X>orgefd)ic^tsforf(i)ung
im ©ritten Heid).
Von W. (B a e r t e.
Wohl in feiner anberen Provinz ift bie Vorgefd)id)t8forfd)ung in fo
fd)wicriger Äage gewefen wie in (Bftpreußen. Sie blicft auf einen bornenvollen
Weg jurütf. 'fs ift ibr wabrlid) nicht leidet gewefen, in ihrer Arbeit mit anberen
25ejirfen bes 7\eicf>es annäbernb gleichen Schritt ju halten, wenngleich fte, was
Keid)l)altigfeit unb Ulenge ber ^unbftätten betrifft, ben Wettbewerb mit jeber
anberen Provinz auf nehmen fonnte.
liefern Keid)tum an wertvollem Ahnenerbe ftanb leiber nicht ein gleicher
Keid)tum an Uiitteln gegenüber, um in gehöriger Weife 23ergungs* unb ^‘or*
fd)ungsarbeiten ju leiften jur Kettung ber für bie Kenntnis ber Urjeit unferer
^eimat fo unfd)ätjbaren 23obenurfunbe. ißrft im 3abre jgz? warb bas pruffia*
ITiufeum, bie pflegeftätte vorgefd)id)tlid)er Altertümer, folange von ber Altertums-
gefellfchaft pruffta betreut, öffentliche Anftalt, inbem ber provinjial*Verbanb
feine Verwaltung übernahm. Aber noch In5 1929 lag bie ganje Arbeit ber Unter*
fuchungen unb (Grabungen innerhalb ber Provinz, b. h. ber 5) Kreife, allein in
fanben bes Verfaffers, als einzigen hauptamtlichen Vorgefd)id)tlers. Vie in
biefem 3ahre geschaffene Affiftentenftelle brad)te eine gewiffe lEntlaftung. Vanf
ber weitverzweigten, gut arbeitenben £inrid)tung ber nebenamtlichen 25oben*
benfmabpfleger im Äanbe (jumeift Mehrer), fonnte trotjbem bie ^orfd)ung auf
einem einigermaßen befriebigenben Staube gehalten unb fogar erfreulidjerweifc
nid)t unerheblid)e v^ortfd)ritte 3abr für 3abr gemad)t werben.
Vas Vritte Keich fam. Hoffnung auf 25efferung war Sicherlich beredjtigt.
Venn weld?e Jorfdjung fonnte eher ^örberung vom nationalfojialiftifchen Staate
erxvarten, wenn nid)t bie Urgefd)id)tswiffenfd)aft, bereu fyetvorragenb
na t io n al e 23ebeutung von jebem national iEmpfinbenben fd)on vor ber
lTiad)tübernahme längft erfannt unb betont worben war! 2?er Vjationalfojialismus
hat benn aud) fofort ju einem vornehmften Volfsbilbungsmittel bie Kenntnis ber
Ur* unb ^rühgefd)id)te bes beutfdjen Volfes erhoben, ifiner ber erften ücrlaffe bes
UTinifters Kuft jielte barauf ab, ber Vorgefchichte im Sd)iilunterrid)t ben
gebührenben piatj einjuräumen.
Aud) für (Dftpreußen, bas am fd)werften gefämpft, hämmerte ein neuer Tag
herauf. An ber Keid)suniverfität ju Königsberg Pr. würbe eine orbentlid)e
Profeffur für Vor* unb Jruhgefdüd)te errichtet; Freiherr v. Kid)thofen, ber neu*
gewäblte Rührer bes ^'ad)prähifiorifer*Verbanbes T'eutfd)Ianbs, erhielt ben XLel)t>
fhit)l‘ ^ic Urgefd)id)tsforfd)ung bes ©ftens follte ferner mit erheblidxren IHitteln
bebad)t werben, als es vorher gefd)ehen war. lEine Um* unb tfinffellung auf ben
beutfd)en öften warb beutlid) fpürbar.
□njwifchen hat aud> ber Öberpräfibent von (Dflpreußen, (Sauleiter Kod), bie
ifitatsmittel bes pruffta*UTufeums erhöht unb bamit bie (Srunblage ju einbring*
105
lidterer unb umfangreicherer Forfd)ungsarbett erweitert. (Bewiß tonnten noch
nicht alle 23liitenträume reifen. Tod) fd)on bie bisherigen Unterßütjungen, bie
feiten« ber 25ehörben ber oßpreußif d)en X’orgcfchid)tsforfd)ung im Tritten Keich
jugefloßen ftnb, haben erfreuliche F'rüd)te gejeitigt.
Tie v^ilfe tarn, als höd)ße VTot brängte. VTeue wirtfd)aftlid)e Ulaßnahmen
batten bie Jorfcbung vor neue erweiterte Aufgaben geßellt. Tie Turcßführung
bes llrbeitsbefd)affungsplanes unferes (Bberpräßbenten unb (Sauleiters Koch vex>
langte eine verßarfte 2lufflarungstätigfeit vornehmlich in ben ^ührerfdjulen bes
Krbeirsbienßes. Tie frucht biefer Krbeit würbe halb offenbar. ITTelbungen von
Funbßellen, oie bei Wegebauten, Äanbverbeßerungsarbeiten unb fonß entoedt
würben, häuften ftd). Kafd)es Eingreifen war notwenbig. Stets ergab ftcb ein
erfreuliches 3ufammenarbeiten mit bem Krbeitsbtenß.
Tas Krbeitsbefchaffungsprogramm brachte nod) in einer anberen Zkjtehung
ber oßpreußifd)en X>orgefd)id)tsforfd)ung erhöhte KrbeitstätigVeit. Tie Wege*
bauten unb Kusbeßerungen an ben Strafen benötigten in verftärftein iUaße bie
^erbeifd)affung bes im £anbe befinolid)en „Silbers", bes heimatlidien Stein-
materials. Sd)on früher batte nad) einem Kusfprud) bes (Beneralinfpefteurs für
Wegebau Tobt 7? oom ^unoert bes Stcinbebarfs bie oßpreußifche Erbe felber
geliefert. Was Wunber, baß in ben verfloßenen fahren allerorts bas eifrtgße
„Steinebubbein" einfetjte, bas aud) heute nod) anbalt. VTur ju oft griff unb greift
man babei bie Steinpad2ungen an, bie jum 23eftanbe ber (Bräber aus ber X^orjeit
gehören. X>erßänbnisvoHe rechtzeitige XTtelbung von folchen beim Steinegraben
entbeeften ^unbfteHen an bas pruffta-Ulufeum l)at oft jum (BIücF bas Sdßimmße
verhüten laßen. <$ier h<d es ftd) mit aller TeutlidEeit gejeigt, wie bod) eine ein-
bringlid)e unb umfaßenbe 2lufflärung ju werten iß, bie womöglid) aud) ben letjten
Volfsgenoß’en erfaßt, bamit er Kenntnis fyat von bem X>orhanbenfein unb ber
23ebeutung bes Khnenwertes im ^eimatboben.
Um bie Kufflärung Fräftig ju förbern, würbe vom Pruffta-Ulufeum ein
bebilbertes Ulerfblatt: „Sdüttjt bie vorgefd)icbtlid)en 25obenbenFmälcr" heraus-
gegeben, bas in runb ?oco Stücf innerhalb ber provinj jur X>erteilung gelangte.
Eine vom X’crfaß’er jufammengeßellte £icbtbilbferie über oßpreußifd)e Urgefcbidite
iß bauptfddüid) für ben Schulunterricht beßimmt (vgl. Kitpreußen, ^eft ),
S. ff. — Z'obnfad). ^anbjäger, parteipolitifd)e Organifattonen uno 23auern-
fd)afr würben burd) Torträge erfaßt. Tie feit fahren gefcbulten Pfleger wirften
hierbei in erfolgreidjer Weife mit.
3war famen hier unb ba nod) Fehlgriffe unb 3erßörungen bes unerfetj;id)en,
wertvollen (Butes unferer Kitvorbern vor. hätten alle jene es nur gewußt, baß
ber F’orfcher bei red)tjeiriger IKelbung von Fanben ihnen bie (Brabßeine aus bem
Ztoben holt, ohne baß fte aud) nur ben Ft»0er 5U rühren unb Krbeit unb Sd)weiß
baran ju fetjen braud)en: manches wäre gerettet unb fteßer für bie ^eimatwiffen-
feßaft geborgen worben. T»ie hohe 3al)l ber IHelbungen beweiß aber anbererfeits,
wie rege im allgemeinen bie Vodsgenoßen auf bem Zanbe an ben in ihrem Kcfer
ruhenben überreßen einer vergangenen Kultur unb fo an ber X>orgefd)id)te ihrer
Heimat Knteil nahmen.
Welche erfreulid) ßarfe Unteilnahme im Tritten Keid) ber heimatlichen Ur-
gcfd)id)te entgegengebracht wirb, jeigen u. a. and? bie hohen Teilnehmerjiffern ber
jwei in ben fahren unb J954 vom X>erfaßer geleiteten Sd)ulungslehrgange
für X>orgefd)id)te, bie oer Viationalfojialißifdje £el)rerbunb bes (Baues (Dßpreußen
in Königsberg veranßaltete. 95 ^ehrfräfte aus allen Teilen ber provinj jählte
106
ber erjte Kurfus, wäbrcnb bie jweite Arbeitsgemeinfd)aft von Angehörigen nur
Königsberger Sd)ulen fogar runb 200 Teilnehmer vereinigte.
@0 ftnb bie erften oftpreugifd)er Dorgefd)id)tsforfd)ung im Dritten
Xcid) bahingegangen voller Arbeit, aber aud) gefegnet mit Erfolgen. 3uverftd)tlid)
blichen wir in bie Sukunft. Sie wirb h^ffenilid) bie Erfüllung beffen bringen,
was lange erfet)nt unb was (Djtpreu^en verbleut: (Eine Denkmalpflege für
Urgefd)id)te von vorb.lblid)er Art, mit l)inreid)enben lllitteln ausgeftattet.
737
Besuchen des
Pnussia-
Museums
Schriftverkehr
des
Fundarchivs
Meldungen
von
Fundstellen
Ausgrabungen
und
Besichtigungen
Tagewerke
im
Gelände
1620 <632
2290
32 863 Ai 1
$ iT jo9 375
ul iiil iii nii
1931 <932 <933 1934
547
1931 1932 <933 1934
1931 1939 1933 1934
1931 <932 1933 <934
1931 <932 <933 <93*
Dergleid)enbe Ü b e r f i ch t über Arbeitsgebiete bes p r u f f i a <=
111 u f e u m unb ber vorgefd)id)tlid)en Denkmalpflege, bie Jahre
j 9 5 j — 3 4 umfaffenb. Als befonbers bemerkenswert fallt bie burcbgebenbe frarkc
Steigerung für bas Jahr )934 ins Auge. Heiber konnten bie „Ausgrabungen unb
i&eftdftigungen" bei weitem nid)t bas (Gleichgewicht halten ben „Ulelbungen von 3unb*
{teilen", was in bem Ulangel an lllitteln unb Kräften feinen <35runb bat.
X>eranfd)aulid)ung ber Dorge|d)id)te
im &cfyulunterrüfyt.
<,ans»£üitjen 3 a n s f e n.
‘Amtliche Stellen h^ben beute ber Dor* unb vfrüpgefd)id)te einen bebeutfamen
piat3 aud) im Unterrid)t ber Sd)ulen eingeraumt. Die 5<*rfd)ungsergebniffe ber
hervorragenb nationalen Wiffenfcfyaft, wie fte unfer Altmeifter (Guftaf Kofftnna
nannte, werben tn ihrer 23ebeutvng aud) ben Schulern berid)tet.
^‘ür bie X>eranfd)aulid)ung ber Y>orgefd)id)te im Unterricht kommt nun eine
gro^c Keil)« von lTiögäd)keiten in vfrage.
Da Urjhtcke in ein tllufeum gehören unb in einigen fällen boxens ein bis
jroei Tage nad) ber Auffinbung (5. 25. burd) einen Sd)üler) einmal in ber Sd)ule
107
bleiben t'ön.hen, fo muß man ßd) mit Hilfsmitteln begnügen, von benen es aller*
bings eine ganze Aeihe wertvoller IHÖglidßeiten beute fd)on gibt.
Wenn man zunäd)ß einmal nur Silber als Anfd)auungsßoff wählt, bann £ann
man ben Sd)ülern raten, bie bebilberten 5eitfd)riften, bie ihnen in bie H^nbe
kommen, auf entfpred)enbe Auffätze burd)jublättern, bie Abbilbungen ausjufdjneiben,
auf Settel zu Heben unb mit furzen Angaben (^unbort, ^unbart, 3eit, Ixultur) zu
verfeben.
Ittit Sieneneifer, bas (lebt von vornherein feß, werben ftd) bie Sd)üler bann
auf bie praftifdje Auswertung biefer tllöglid)¥eit ftürjen. VTotwenbig iß bei
einer foldien Silbausfchnittfammlung, bie (Quelle jeweils mit anzugeben; bie Stelle
ber Veröffentlid)ung muß genau, aud) mit Tag unb 3<*br/ vermerft werben, um
für eine etwaige VTad)beßeIlung bie nötigen Unterlagen gleid) bei ber ^anb zu
buben, 5. S. wenn Sefannte bas gleidje Silb womöglich erwerben wollen.
$ür bie bes 23iibanfd)auuugsftoffes iß nun von befonberer Sebeutung,
nid)t nur Altertümer im Silbe 311 buben, fonbern baneben ebenfo ßarf Vorlagen,
bie bie Verwenbungsart oer (Segcnßänbe zeigen. 3?us Huuptgewidß lege man baher
immer auf bie Anfdiaulidß'eit. Wenn bie £)inge nicht finbertümlid) geßaltet
iverben, wirten fte nid)t unb erreichen nid)t bie Sebeutung, oie ihnen jufommt.
Wer ftd) an einzelne £el)rmittelgefrf)äfte wenbet unb bort nad) Vorlagen für
ben Unterrid)t ber Vorgefdßdße fragt, ber ivirb ftd) bann am beßen gleichzeitig
immer erhnjbigen, in weßen Hünben bie fad>mannifd)e Beratung gelegen ßut. VTur
bann fann man überprüfen, ob einem brauchbare Sadjen vorgelegt werben.
Eine Xeihe von £eßrmittelgefd)äften hüt Wanbbilber, bie Altertümer ober
Äebensbilöer als Vorlage enthalten, herausgebrad)t. Sie ftnb 311m Teil red)t gut
311 gebraud)en. Ulag man im einjelnen vielleicht aud) nid)t mit allem einver*
ßanben, fo bann bie (hefamtwirfung bod) burd)aus wertvoll unb ridßig fein.
Erwähnenswert ftnb hier befonbers bie ^ebensbilber bes Verlages Wad)smuth in
Leipzig, bie im großen unb ganzen als Anfdiauungsbilber (aud) als Älaffenbilber)
gut 311 verwenben ftnb.
Wid)tig iß bei ber gejamten vVt*uge ber Anfdjauungsbilber, baß in aller*
erßer £inie Silber berücfftd)tigt werben, bie für bie Provinz, alfo beifpielsweifc
für (Dßpreußen, Tmltigfeit haben. Weiter foHten hier aud) zuerß bie firmen ber
Provinz unterßutjt werben, ba biefe 3. S. in (Dßpreußen mit fad)tnännifd)er
Seratung arbeiten. Wir werben fte weiter unten nod) gelegentlich erwähnen.
Uland)e Sd)itle hat heute einen Odztbilbwerfer unb tann fomit aud) bie £id)t*
bilber im vorgefd)id)tlid)en Unterridß verwenben. <$££ gibt es eine ^btte von
£id)tbilbreihen, teils gut, teils weniger gut*). Von ben größeren (Z5efd)aften feien
nur jwei ‘genannt, Jfranj Stoebtner, Serlin, unb E. A. Seemann, -Leipzig.
Triefe beiben (5efd)äfte arbeiten mit fadwiännifdier Seratung. Jfhre Silb*
ausxvahl berücfpdßigt u. a. aud) ößpreußen. Sic iß als gut 31t bezeid)iten. Aud)
ber Verlag <E>räfe unb Unjer hüt eine Xeihe von Äidztbilbern herausgebradß, bie
für ben Unterricht ber Vorgefdßdite gut ju gebraud)en ftnb**).
Was nüt;t einem nun aber bas fd)önße Silb, wenn man bie Tünge nid)t
wenigßens in einem UTufeum gefehen unb audi einmal in ber H<*nb gehalten
hat. Wenn bie Sdßtler fehen, baß beifpielsweifc ein norbifd)er vVeuerßeinbold)
*) Siepe hier aud) W. Hanfen, Anfd)auungsbtlöer für öen Vorgtfd)id)tsunterrid)t,
£üe Voltsfd)ule, j. )2. )93), S. ff.
**) Vergl. Altpreußett, ]95f, Heft ), S. $2.
108
genau fo gut in ber ^anb liegt ober genau fo gut gu gebrausten ift wie ein ^al)rten*
meffer, bann l)aben ftc fofort Verftänbnis für bie 5?>inge unb bamit aud) für
bie Altertümer ber Heimat.
IBs befielt l)ier nun u* <*• für (£>|lpreufen bie t)löglid)1?eif, Harf)bilbungen von
Altertümern au? ben verfd)ieben)len ‘3etta!bfd)nitten beim Pruff?a4üufeum in
Königsberg Fäuflid) gu erwerben. Verbienftvollen ilbenFmalpflegern unb DTit
belfern an ber £anbesvorgefd)id)te, ITlännern, bie wertvolle ^unbflellen red)tgeitig
melben ober Foßbare IFingelaltertümer mit gutem ^unbberid)t abliefern, Fann aur
Wunfd) aud) einmal ein fold)er Anfd)auungsFaften***) als <ßefd)enF verabfolgt
werben. $efd)enF wirb il)m bann gewijg ein Anfporn fein, weiter Fräftig bie
£anbesbenFmalpfIege gu unterfhttgen.
An biefer Stelle fei ferner nod) auf bie anfd)aulid)en ^albflad)bilber bes £el)r
mittelvertriebes Pfeil, Königsberg i. pr., fyingewitfen, bie unter fad)mannifd)er
Beratung entftanben ftnb. £?iefe Silber veranfd)aulid)en ben tFntwicFlungsgang
ber einzelnen Altertümer in lebenbiger Weife. tFine gange Keibe von (Brabbilbern,
Vorlagen, wie „Sd)äftung ber I3eile" ober ,,Von ber v^acFe )um Pflug7', bienen
bem XLebenbigweröcn ber Kulturen ber Vorgeii.
□n il)rer allgemeinen 2?arftellungsart l)aben fte aud) über bie (Stengen (Dft*
preufens hinaus il)ren befonberen Wert als Anfd)auungsbilber.
Von befonberer 25ebeutung wirb bei bem Unterrid)t ber Vorgefd)id)te in ber
@d)ule u. a. bie ,frage nad) ber ȣntftel)ung bes ^aFenFreuges fein, (fine gange
Acil)e von t5d)tiften unb Anfdiauungsbilbern ftnb l)ier entftanben, von benen
(ßerätformen ber ^rongegeit. ITTobeUferie: 25rongegeit.
leiber fel)r viele aud) nid)t gu gebraud)en ftnb. Wegen ityrer niangell)aftigFeit
möchten wir hier befonbers vor ben 2$üd)ern unb Anfd)auungsbilbern, bie von
^5d)euermann l)erausgegeben ftnb, warnen. i£s gef)t 3. nid)t an, bag man, ins*
befonbere ber ^ugettb, nid)t haltbare £ünge vorfetgt, bie auf unwiffenfd)aftlid)en
Arbeiten, g. von ^erman Wirtl)/ auf gebaut ftnb. Wid)tig i^l hier natürlid)
wieber, bie Altertümer im UrfiücF ober einer guten Viad)bilbung vor Augen gu
l)ab?n. ^ier muf nun ein unter fad)tnannifd)er Beratung entftanbener ^aFenFreuy
Vergl. bas 2jilb unb bie Abb. in Altpreufen, j95y, ^eft j, <3.
109
faxten, ber eine Auswahl guter Vorlagen enthält unb in feiner Art einzigartig ifi,
befonbers erwähnt werben. »Eine 25egleitfd)rift bringt furz bie wichtigsten Angaben
über bie JEntftehung unb <Befcf)icf)te bes ^afenfreuzes. tiefer, von bem Lehrmittel#
vertrieb iE. Pfeil herausgegebene haften „£»as ^afenfreuz im Wanbel ber 2fabr*
hunberte" bürfte eigentlich in feiner Sd)ule fehlen, ba er einen guten überblicf
über bie verfd)iebene Verwenbungsart bes ^afenfreuzes als Sinnbilb gibt.
55ie Altertümer mit ^afenfreuzen vermitteln barüber h*uaus weiter einen
guten lEinblicf in bie Altertümer ber Vorzeit überhaupt. 5?ie furzen Ausführungen
in ber 23egleitfd)rift erläutern biefe Thinge.
yfur bie Vervolfstümlid)ung ber Vorgefd)id)te unb ben Unterricht in biefem
bebeutfamen ^fad) gibt es alfo heute fd)on eine ganze Reihe von guten
Lehrmitteln. Ulan wolle ftd) bei ber Verwenbung bes Anfd)auungs|toffes
aber immer vor Augen halten, baß man in erster Linie Altertümer als Vor*
lagen nimmt, bie in ber Primat vorfommen. Weiter berücffid)tige man befonbers
ftarf bie Verwenbung ber Altertümer im täglid)en (Sebraud) unb ad)te auf bie
3wecfbeftimmung ber T'inge. £rft fo werben fte lebenbig unb finbertümlid) unb
ftnb für ben Unterrid)t in ber Vorgefd)id)te zu gebraudjen.
Vor# unb frübgefd>t(htlt(hc0 ©dmlungslager
in £ärd)walbe bet f£Ibing.
^ans*Lüitjen 3 a n s f e n.
»Ein für bie Provinz bebeutfames Sd)ulungslager veranflaltete vom ]i. bis
j6. 3uni zuf<xmmen mit bem Sentralinfiitut für »-Erziehung unb Unterrid)t
im Auftrage bes Reid)sbunbes für beutfd)e Vorgefd)id)te bas Seminar für Vor* unb
^rühgcfd)id)te ber Albcrtits*Univerfität zu Königsberg unter ber Rührung von Prof,
von K i d) t h o f e n unb ber ted)nifd)en Leitung von 25annführer K r a u f e.
lEine große 3abl von Teilnehmern aus ber ganzen Provinz (Dftpreußen war
in ber <35aufül)rerfd)ule in einem frifd)en Lagerbetrieb zufammengefaßt. Vfeunzehn
Vorträge berid)teten über bas weite Gebiet ber Vor* unb Jrühöcfd)id)te. 3n einer
Reihe von Ausfprad)en würben bie vorgetragenen Tnnge weiter vertieft, befonbers
bie Gebiete „Vorgefd)id)te unb Sd)ule", „Vervolfstümlid)ung ber Vorzeitfunbe",
„UTitarbeit ber Lehrerfcßaft an ber 23obenbenfmalpflege" ftanben herbei u. a. im
Vorbergrunbc ber Arbeit.
Am Vormittag würben burd)weg brei, am VTad)mittag zwei Vorträge gehalten,
unb zwar ber Reihenfolge nad) mit folgenben iiberfd)riften:
&r. □ a n s f e n , &er töegemvartswert ber beutfd)en Vor* unb ^rühgefd)id)ts*
forfd)ung,
Prof, von Kid)thofen, 3bie Arbeitsweife ber beutfd)en Vor* unb ^rüh»
gefd)id)tsforfd)ung,
5>r. 3 a n s f e n , Schrifttum zur beutfd)en Vor* unb vfrühgefd)id)te,
£>r. 3 a n s f e n , Lehrmittel für ben Unterrid)t ber beutfd)en Vor* unb ^rüh*
gefd)id)te,
Prof, von Kid)thofen, Wie arbeiten wir an ber Vor* unb ^rühgefd)id)ts-
forfd)ung ber ^eimat mit?,
110
Prof. iE b r l i d), T>ie norbifdje Kultur ber jüngeren Stein jeit in 0ftprcußcn,
prof. von Kid)tl)ofen, Altgermanifdje liulturböbe,
Prof, von Kid) tl)ofen, T)ie VTad)barvöl¥er ber Altgermanen,
£>r. Vjeugebauer, 3>ie ^rü^germanen in (£>ftoeutfd)Ianb,
5>r. ^armjanj, T)ie Sieblungsverl)ältnif[e in Altvreufien,
T)r. 23 o b n f a d', T)ie 23urgunben,
T*ir. T)r. ©aer t e, Wnnbalen unb 35oten in (bfibeutfdüanb,
T)r. Ä leeman n , 55ie Wifinger,
5?r. Vfeugebauer, Vu- 23ebeutung ber germanifd)en Keid)e am UXittelmeer,
canb. prael)ifh ^ey m, £itauifd)e ®efd)id)tslügen über (Djlpreu^ens frühere Ver^
gangenl)eit,
£)r. 3 a n s f e n , G5ermanifd)e Überlieferung in ^ejlen unb Volfsbräud^n,
KeFtor < o l> n ¥ e, Vorgefdjicbte unb Sd)ule,
Prof. K r a u f e, Was man in Kunen ritjtc,
Prof. Traufe, Staat, Familie, Religion auf (Srunb ber altgermanifd)en (Quellen.
Üüne Ausheilung vorgefd)id)tlid)en Sd)rifttums unb vorgefd)id)tlid)er £ebr*
mittel (burd) ben £el)rmittelvertrieb JE. Pfeil, Königsberg.) würbe wäbrenb ber
ganjen 3eit in einem gefonberten Kaum veranjlaltet.
Am )4. 3uni marfrfjierte ber gefamte £el)rgang jur (BrabungsjleHe an ber
frübgermanifd)en 23urg Tolfemita. T)er Leiter ber Ausgrabung, Prof. Ä l) r l i d),
gab uns l)ier an ^anb ber Ausgrabung einen guten lEinblid? in bie Welt biefes
3eitabfd)uittes unb bie Ted)ni¥ einer forgfältigen 23urgn?alb unb Siebiungs*
grabung. iEine anfd)Iie£enbe Wanberung befd)lo0 ben erlebnisreid)en Tag.
V?ad)bem man in ben Vorträgen, bie jum größten Teil burd) Äid)tbilber lebenbig
gefaltet würben, über bie Arbeitsweife unb 23ebeutung ber Vorgefdnd)tsforfd)ung,
über bie einjelnen Volfsfulturen ber Vorjeit, befonbcrs ber (Dfb unb Vcorb-
germanen, von ber 23ebeutung ber Vorgcfd)id)te für bie (Brenjlanbarbeit unb aud)
vom ^raud)tum ber Vor» unb ^rül)jeit bas Wefentlid)jle gehört bntte, würben bie
*EinjeIl)eiten bann mit einer Rührung burd) bas ülufeum in lElbing nod) weiter
vcranfdiaulid)t unb vertieft. T)er ¥amerabfd)aftlidie Ton batte bie Tagung?
teilne$mcr fd)on balb einanber näl)er gebradit. iltan hatte in biefem -Hagerbetrieb
auf vorgefd)id)tlid)em (bebiete wieber ben befien löeweis, ba£ bas £ager bie befbe
‘Einrid)tung für eine gute Sdjulungsarbeit ijl. iEs l)at aud) bier wieber einmal
flarfe, gefunbe ^rudite getragen.
111
IV. kleine Hlittnlungen.
Der ittaibaum.
Der alte 23raud), in ber lllatenjeit einen gefd)mücften iSaum (ben XHaibaum)
aufjujtellen, iß nod) beute
Ulaibaum aus ifllbad), Timt
Töl$, Dayern.
(Vlad) ^eßcle, Deutfcße Jeße
unb Polfsbräucße, Tlbb. jS.)
in Deutfcblanb 511 finben, man begegnet ihm fo
jum löeifpiel in Vlieberbeutfd)Ianb an verfd)iebenen
Stellen. Darüber hinaus b<*t er aber aud) in
vielen anberen Äänbern feinen piatj unb mannig*
faltige 23räud)e Fnüpfen ftd) an feine ibrriditung.
Die UlaibaunvSitten laffen ftd) burd)roeg auf eine
(Frunbform ^urüdr’fübren; $u biefer ftnb bann, je
nad) Seit unb Äanbfdjaft verfdiieben, iEinjelbeiten
binvigetreten. ber bcuti?5ert Seit lebt biefe
Sitte wieber auf unb DoIFsgut, bas 311 verfd)ütten
brobte, bleibt fo ber VTacßwelt erbeten.
Die (Brunbfcrm ift etwa biefe: Ilm erßen
Ulaitag, 311 Oßern (Oßerfonntag ober miontag),
aber aud) vor unb nad) Oßern unb 311 Pfingßen,
alfo 3U einer Seit, in ber es (frülifing wirb, Hebt
e:ne Sd)ar junger £cute in ben Walb bttutus,
baut bort einen jungen 23aum um (vorncbmlid)
eine Dürfe, baneben aber aud) vfid)te, £inbe, lEber*
efd)e), fd)mücft ibn mehr ober weniger aus unb
bringt ibn ins Dorf, ^ier wirb er auf einem
piat;e aufgeßedrt, worauf man um ibn tanjt.
Unter ben vielen iEinjelbeiten bes 23raud)es
fei nur ju erwähnen, baß bie Ulatbäume in feier’
lidiem Umzüge von ^aus 3U ^aus getragen
werben (wol)l eine Tlbänberung bes urfprünglidßen
ifingrabens). l£ier, Wurfl, Sped? werben ben
Sängern gefd)enft unb bann von ber ganjen
Sd)ar in ben Tanjpaufen gemeinfam vermehrt.
Dies Umbertragen finbet ftd) u. a. befonbers
in einigen lüneburgifd)en Dörfern. — ^m braun*'
fd)weigifd)en llmte Salber ift ber UTaibaum ein
mit jungem 23irfenlaub gefdpnüdfter Pfahl, um
ben man Kctgen tanjte.
War ber UTaibaum febr fo konnte man
ibn erflettern, um ber bunten 23änber unb
Sdmupftüd)er babbaft 311 werben, bic an ben
Sweigen bes lUaibaumes büloen.
2ln vielen Orten würbe ber UTaibaum nid)t
alle 3Abre gewed)felt, fonoern blieb einige ^bee
ßeben. Sunt Seid)en, baß cs ftd) nid)t um eine
112
leblofe Stange tyanbelt, fonbern um einen grünen, aus bem Walbe gebrachten
Saum, umwickelte man bie Wipfel bann jeweils mit grünen lißen.
T)er IKaibaum unb ber UTaibufd) fd)mückt an vielen Stellen aud) bie ’Kirdje,
ja felbft bie Stabte haben fcpon früh bie alte Lanbfttte übernommen unb ben
IKaibaum in ber Stabt aiifgepflanjt.
Wir begegnen bem (Grunbgebankcn bes iKaibaumbraud)es als Dublingsfeier
bei fehr verfd)iebenen Völkern. 3n Peru tritt an bie Stelle ber Sirke, Tanne unb
anberer bie Ulaisjtaube („pirna"), bie nun iprerfeits verehrt, gefdjmücft unb als
fegenbringenb angefepen wirb. — VTörblid) von Peru, bei ben Japotefen IKepikos,
beßept ein ähnlicher Sraud). — 3n ^nbien pflegt man bie fd)önßen Saumwolb
firäucher als „IKaibaum" anjufcpen. — Sei ben Tfd)erkeßen bes Kaukafus fpielt
biefe Rolle ber Sirnbaum. — 3m 'Kulte ber IKittelmeerlänber wirb ber IKaibaum
burd) ben Lorbeerbaum vertreten. — llud) in vielen weiteren europäifd)en Länbern,
fo u, a. in Skanbinavien, (Englanb, Spanien, finben wir biefe ^rüblingsfttte.
?lus ber germanifd)en Sronjejeit Fennen wir eine ganje Keihe von ^fels*
jeid)nungen, befonbers aus Sübfd)weben, bie Saumjeid)nungen enthalten unb jum
Teil fiepet in Sufammcnhang mit biefer ^rüplingsfttte flehen. Wir wißen, baß
bie ^clsbilber größtenteils DarfteHungen bes Voltsglaubens enthalten, bie votrt
Sraucptum bes germanifcpen Sauern künben. (Eine große Xolle fpielt in biefen
Silbern ber 3^hrC0^uf un^ feine mannigfaltigen (Gepflogenheiten, unb es burfte
aus biefem (Grunbe burd)aus anjunehmen fein, baß mandjer bargeßeüte Saum
(es finb faß ausfd)ließlicl) immergrüne Säume, bie alfo befonbers flat? finb, ba
fte ben Winter überbauern) in ber ^arßcllung bie Xolle eines IKaibaumes fpielt.
Seim IKaibattmbraud) Ijanbdt es ftdj um ben (Gebauten bes fytilbringcnben
Sommergottes1). Tue IKenfdjen finben an ber Unkunft bes ^rüplings unb an bem
Verfd)winben bes Winters fo viel vfreube, baß fte bie Verkörperungen bes Wecpfels
ber bie -Säume, bid)t belaubt, äßereid), alfo von Lebe nsßärke
ßro^enb, ins T>orf bringen, Itußerbem trug man große 3eige aud) in bie einzelnen
Käufer unb ßellte fte vor bie Tür ober brad)te ben IKaibufd) auf bem T>ad)firße
ober auf bem IKißhaufen an. T*as Vorpanbenfern biefes Saumes brachte Segen
für bas (Gebeihen ber Saaten, für bie vft4ud)tbarkeit ber gerben unb förbertc
baneben ben Wohlftanb ber Familie.
^ans-Lüitjen 3 Ä n 0 f e n-
ianbnahme ober ^wanqsfteblung?
^anS’Lüitjen 3 Ä n 0 f e n, Königsberg pr.
21us Verhältniffen ber frühgefd)id)tlid)tn Seit wißen wir, baß bei ber Ver*
lagerung bes Sieblungsraumes unterfd)ieben werben muß $roifdjen Lanbnahme ttno
Swangsfteblung, 5. S. in ber (Gefd)id)te ber franken ober bes sDeutfchen Xitter»
orbens. XKan barf in ber ^rühjeit nid)t mit einer fo bid)ten Sewohnung ber
Laube red)nen wie h^utjutage, unb gerabe bei Sead)tung biefer Tatfacße foUte
man fd)ärfer trennen jwifd)en Lanbnal)me unb 3wangsfteblung. Ilm hier von
Vgl. ju biefer vfrage u. a. (E. J e h r l e, 5?eutfd)e vVrße unb VoKsbräud)e (2lus
VTatur unb (Beißeswelt VTr. ?j8) unb ^apne, Vom beutfepen C'apreslauf unb Sraud)
(5)eutfcbe Volfpcit')/ o. J.
113
vornherein Ulißverftänbniffc aussufd)altett, fei bemerkt, baß biefes sunächft natür-
lich nur für frühgefd)id)tlid)e Vcrbältniffe gilt, früher, in ber Völkerwanberungs*
$eit ober ben bavorliegenben □<xl)rl)unberten/ gab es nur vereinzelt Völker, bie in
einem bestimmten Sieblungsraum lange 3eit faßen unb ftd) in aller Xiipe um innen-
unb außenpolitifd)e 3?inge kümmern tonnten. £Es war eine Seit ber (Bärung.
£anbnot sträng bie Stämme oft, ihren Sieblungsraum su erweitern ober zu vcr'
änbern. 23ei einem fo gearteten Volkskörper ift natürlid) ein ganz anberer Mlaß-
ftab anzulegen als in ber gefd)id)tlid)en 3eit, wo bie großen Stammeswanberungen
ein lEnbe gefunben batten.
25ci bem Vorbringen eines Stammes in ein bewohntes Gebiet braud)en bie
Vleuankömmlinge nad) ihrem ^eftfe^en nid)t immer gleid) bas ^errenvolf su fein.
'Eine entwickeltere unb lebenskräftigere ^Kultur wirb ftd) immer burd)fetsen. Sie
kann frembe Ixulturbcfranbtcilc in ftd) auf nehmen unb baburd) angeregt werben,
verarbeitet biefe aber immer felbfiänbig. Unter 23ead)tung biefer Gelegenheiten
foUte man von einer jJanbnahme nur bann reben, wenn bas neu-
angef ommene Volk aud) 5 u gleid) 5 u m ^errenvolf in ben
neuen Wohngebieten wirb, b. b. f i d) mit vollem X e d) t auf
bem neuen 23 c f i t; unb mit 23 e i b e h a 11 u n g g e f e 11 f d) a f 11 i d) e r
unb wirtfd)aftlid)er 3 u ft ä n b e anfiebelt. ‘Eine bloße Unfeizung,
eine 3wangsfieblttng ift etwas ganz anberes. £)iefe 3waitgsfieblungen
erfolgten 5. 23. „unter ben ITierowingern, "Karolingern unb in ber fogenannten
TKaiferzeit (o—400 n. Cbr.)1) burd) bie "Könige wäbrenb unb nad) ben ^Kriegen mit
ben Slawen, um biefe burd) Umfteblung unfd)äblid) zu machen. Weil bie "Klöfter
unb Großgrunbbefttjer zur 25ewittfd)tftung ihrer Güter, ber Grunbherrfchaften,
billige 21ned)te brauchten, beforgten fte ftd) gern Slawen."
V a s neu angekommene Y> 01 ¥ wirb bei einer 3 w a n g s -
fieblung alfo in feinem alten 2v e d) t ftarF befcßränEt, muß
Steuern 5 a h l e n unb 3 u m t e i l aud) Ul e n f cf) e n jum f r e m b e n
^eeresbienft jur Verfügung (teilen. 5)ie tlnfe^ung eines Stammes
in einem neuen Gebiet kann von feinem 23cfi^er unter ben obigen Grünben natür-
lid) aud) planmäßig betrieben werben. £6 in rein mengenmäßiges
übergewid)t braucht herbei gar n i d) t immer von aus«
fd)laggebenber 23ebeutung z 11 fein. (Es kann ein kleiner, ber "Kultur
nad) b°d?^cbrnber Stamm fehr wohl ^err über eine große Ulenfd)engruppe
frember ^Kultur bleiben. — So follte man aud) auf Grunb bes Vorkommens
einzelner frühgefd)id)tlid)er Olltertumsfunbe nid)t gleid) von einer ^anbnabme
fpred)en. iE r fr wenn in allen "K u 11 u r e r f d) e i n u n g e n (Sieb-
lung, Altertümer unb ßrabbraudf eine lEinh^itli d)keit
unb ft ar k es überwiegen fid) zeigt, bann können wir von
einer (anbnabme reben. 3ft biefes nid)t zu erweifen, b. h« finb bie
obigen Vorausfetzungen nid)t erfüllt, bann h^ben wir nur mit einem "Kultureinfluf
ohne Stammeswanberung ober gelegentlich aud) mit einer 3*vangsfteblung zu tun.
x) paul, Kaffen- unb Xaumgefd)id)te bes £)eutfd)en Volkes, S. *66 (mit weiteren
Sd)ri f ttumsangaben).
114
V. 25uct>befpred)ungen.
<35efd)wenbt, <5<xnbbucb für ben Unterricht ber beutfd)en Dorgefd)id)te in
Oftbeutfd)lanb. Unter Uiitwirfung von Sd>ulmännern unb Dorgefd)id)tsforfd)ern.
Breslau (^erbinanb ^irt) 1954.
SDurcb bie nationalfojialijlifd)e Revolution ift beute ber Dervolfstümlid)ung
ber Dorgefd)id)te erhöhte Aufmerffamfeit gewibmet worben. Das Wißen
uni unfer beutfd)es Abiienerbe foll in breitefte Dolfsfreife getragen werben. Die
juftanbigen Stellen veranftalten baber überall Scbulungs* unb Einfübrungsfurfe,
um bas Derjtänbnis für bie heimifd)e Dor* unb ^rühgefd)id)te ju förbern. ^ier ifl
immer ivieber ber Ruf nadi einem ^anbbud), einem Eeitfaben für ben Unterricht
ber beutfd)cn Dorgefd)id)te, vor allem in ben Schulen, laut geworben, Diefem
Wunfd)e ift nun von bem wohl beften ‘Henner bes (Gebietes „Dorgefd)id)te unb
Sd)ule", entfprod)en worben, unb jwar in einer fo bervorragenben Weife, baß
biefem Ihurbe bie weitere Derbreitung gewünfd)t werben muß.
Dor* unb ^rübgefd)id)te muß wegen ihrer 23ebeutung für bie rafftfdjen unb
fulturgemäßen Derhaltniße bes beutfd)en Dolfstums in allen Sduilen gelehrt
werben. Wiff cnfd)aftlid)e Werte, bie meift eine große Summe von ^ad)fenntnißen
vorausfeijen unb von ^adjausbrüct’en wimmeln, Reifen hier nid)t weiter. Eine
Unzahl vorgefd)id)Hid)er Werfe, bie aus ber Jeber von Vlid)tfad)leuten flammt unb
nur Sd)aben anrid)tet, gehört teilweife fogac in bas 0cbiet bes nationalen Hitfdjes.
Der Herausgeber, Dr. <5efd)wenbt, ein erfahrener Sd)ulmann, h^t ftdt
feit langen fahren burd) Wort unb Sd)rift in erfler Einie ber Dervolfscümlichung
ber Dor* unb ^rül)gefd)id)te gewibmet; er fleht baneben als Abteilungsleiter am
Eanoesamt für vorgefd)id)tlid)e Denfmalspflege, Breslau, in steter Derbinbung
mit einer Anjat)l von ^ad)genof[en. 3u begrüßen ift weiter, baß für bie .Aus*
geftaltung bes 25ttd)es bie Erfahrungen von auf biefem (Gebiete bewanberten Sd)ul*
männern mit berangejogen würben. Die (Slieberung bes Stoffgebietes gefebab nad)
folgenben Eeitfätjen: Einführung in bie Aufgaben unb Wege ber Dorgefd)id)ts*
forfd)img. — Richtlinien unb Dorfd)läge für Eehrplane. — Winfe jur Deran*
fd>aulid)ung. — Untcrrid)tsbeifpiele.
^»efonbers ber letjtc Ceil ber Arbeit ift burd) eine Anjahl von Eebrbeifpielen
(teilweife mit Sd)ülerjeid)nungcn) in ^orm von Unterrid)tsftunben, Wecbfel*
gefpräd)en ufw. febr inbaltsreid). jin einer großen 3abl von Belegen fommt bie
2uilturgefd)id)te, Raßenfunbe, Stammcsgefd)id)te unb Sieblungsfunbe ber Dorjeit
ju ihvem Red)t. Ein Abbrucf ber gefetjlichcn ^eftimmungen über ben Sd)iit; vor*
gefdnd)tlid)er 5)enfmäler unb eine Sii)rifttumslifte geben bem 23ucbe eine gute
Abrunbung.
□m ^Titel beißt es jwar „Y>orgefd)id)te in Oflbeutfd)lanbz/, bod) ber 3nh41t ift
teilweife allgemein, baß biefes 23ud) h^dc in feiner beutfdien Sd)ul* ober Ecbrer
büd)t&ei fehlen barf. Aud) Öftpreußen ift in ben 13eifpielen bes Sammelbanbes
mit berü<ffid)tigt. Hanöi^uiricn 3ansfcn.
<35uftav Paul, (Srunbjüge ber Kaffen* unb Kaumgefd)id)tc bes beutfd)en Dolf es.
478 Seiten mit So Abbilb. Eehnianns Verlag, München jpjf.
Um es gleid) 511 Anfang ju fagen: tiefes ungeheuer vielfeitige unb anregenbe
Werf ift nid)t nur ein ganj neuer Derfud), fonbern eine außerorbentlid) ftarf 511
begrüßenbe £eiftung. ^en 23licf für raffenfunbltdje Jragen verbanft ber Derfaffer
115
<$an8 2\. «Büntbcr. Aber aud? Unterfud)ungen aus bem Bereid) ber vielen
anberen in Betracht kommenben «Bebiete ftnb grünblid) mit berückftdßigt. Schon
bie (Einleitung jeigt ben Verfaßet* als einen gewißenh<ßten unb anregenben
^orfcßer. Bei allem erfreulid)en XHut jum jufammenfaßenben (Bemalten iß er ftd)
nämlich ber Sd)wierigkeiten feiner Aufgabe voll bewußt unb bittet befdieiben um
Vlad)fin)t für burd) biefe Sd)wierigkeiten bebingte Ocken unb XCin^elfel^ler feines
Bmües. Wie leid)t machen es ftd) jetjt fonß oft bemgegenüber VTid)tkenner unb
Sd)warmgeißer, jufammenfaßenbe Büd)er über wißenfd)aftlid)e fragen mit kultur*
politifd)en 3ielen ju fd)reiben. Zeigten (Enbes fd)aben fte bamit nur ber Durd)*
füljrung ber 2lufgaben, ber meiß ihre Bücher nütjeu foHen. (Ban} anbers Paul.
(Er bat es aud) mit Aecßt nid)t verfdimäht, ftd) für verfdßebene ihm felbß tvenig
vertraute Sonbergebiete von einigen in ber Einleitung genannten anberen Wißen
fd)aftlern beraten ju laßen, Wine neue Auflage foll, wie Dr. Paul mir freunblidjß
mitteilt, baju fpäter möglid)ß aud) nod) Anregungen von anberer Seite jur erßen
Auflage mit verarbeiten, über bie näheren 3iele feines Werkes l)ören wir hier Am
beßen ausjugsweife kurj Paul felbß. Wr fagt u. a.:
r-,Jreilid) habe id) mid) erß nad) langem 3ögern jur Drucklegung entfdßoßen
unb batte am liebßen nod) ein paar Zfafyw bannt gewartet. Stellt bod) biefe Arbeit
ben erßen Verfud) ber Darßellung einer <Befd)id)te ber Kaßenveränberungen bes
beutfd)en Volkes unb feiner germanifd)en Ahnen auf geopolitifd)er (Brunblage bar.
Unb ftnb bod) bie Sd)wierigFeiten, weld)e bie Bewältigung eines fold)en «Themas mit
ftd) bringt, wahrlid) gewaltig."
„Sie liegen junächß in ben (Brenjen meines eigenen Wißens gegenüber einem
ungeheuren vieltaufenbjäbrigen (Befd)ehen. Denn auf ber einen Seite iß ein
riefenpafter, faß unüberfebbarer Stoff in jalßlofen Büdjern, von ben in ben 3eit*
feßriften vergrabenen Auffätjcn ganj ju feßweigen, aufgefpeid)ert. Auf ber anberen
Seite aber würbe biefer, vor allem bie (Quellen, nod) niemals auf feine Verwertbar»
Feit unb Bebeutung für bie Aaßen* unb BevölFerungsgefd)id)te geprüft ober gar
ausgebeutet. Die beutfd)e <Befd)id)tswißenfcbaft fyat nämlid) meines Wißens noch
kaum jemals bie ^rage aufgeworfen, ob unb inwiefern unfer Volk als (Banjes ooer
aud) bie Bevölkerung in ben beutfdien Äänbern, Stämmen, Äanbfdjaften, (Bauen,
Stäbten unb Dörfern nod) basfelbe ftnb wie etwa jSs'o, )7?o, j6?o ober nod) weiter
rückwärts. Vielmehr red)net fte unentwegt mit „bem" beutfehen Volk als einer
ßets ftd) glcid)bleibcnben (Bröße."
„Aber ju biefer XTlaßenhaftigkeit eines nod) kaum verarbeiteten Stoffes
kommt eine jweite große Sd)wierigkeit für ben Darßcller h^^ju: ßarke innere
Verfd)iebenl)eit ber einjelnen Stoffgebiete, bie es ju einem (Banjen jufammelt»
jufeiien gilt."
„Aus biefen (Brünben iß vorerß einmal nur bie Aufführung eines VXorbaues
möglid). Später wirb es bann nötig fein, baß von ben verfdßebenßen Wißen*
fdjafkn l)cr bie Baußeine jubehauen unb herbeigetragen werben, um jenes VJot*
gebatibe burd) einen ßattlid)en palaß erfetjen ju können. Ws erfd)eint vor allem
einmal bringeno notwenbig., baß wie burd) Beßanbaufnahme ber raßenmäßigen
Befd)affenheit ber heutigen Bevölkerung juverläßige Kaßenkarten ber beutfeßen
<£anbfd)aften bekommen, woju ja bie bis jetjt erfeßienenen elf Banbe ber von Wugen
i f d) e r ßerausgegebenen „Deutfcßen Aaßenkunbe" einen vielverfprecßenben
Auftakt bilben. Erß bann wirb es möglid) fein, eine (Erklärung ber jetzigen
rafftfdfen Verteilung aus ben gefd)id)tlid)en Sdückfalen ju verfueben. Jerner
müßen jur «Erreichung biefes 3i«les auf ber einen Seite bie VTaturroißenfdjaften
116
mitarbeiten: £)ie (Erblehre unb alle bie Gebiete, bie bamit zufammenhängen. 2luf
ber anberen bie GeiSeswipcnfd)aften: Vor» unb alte Gefd)id)te, römifd)*germanifcbe
Jorfd)ung, mittelalterliche, neuere unb Wirtfd)aftsgefd)id)te, Soziologie, Volks»
kunbe unb Genealogie. Sd)ließlid) fold)e facher, welche beiben angeboren: (Erb*
kunbe, (Erbpolitik unb Xaffenfeelenfunbe. (Einstweilen habe id) verfud)t, überall ba,
tvo mir Lücken in ber Jorfdpng vorzuliegen fd)einen, barauf hinzuweifen unb zu
neuen Problemftellungen anzuregen."
„Gerabe bie Vjotwenbigkeit, fo viele verfd),iebenartige v^ad)gebiete mit ihren
^rageftellungen überfeinen zu müßen, mag bisher eine ^arSellung tvie biefe ver*
hinbert h«ben. ^at mir bod) mehr als ein angefehener Gelehrter verftd)ert, baß er
eine fold)e h«be fd)reiben wollen, aber tvieber aufgegeben h«be. 5? er tieffie Grunb
bafür war fid)erlid) bie Beforgnis, baß jeber, ber ftd) zunt Teilkönig auf feinem
Sonbergebiet aufgefd)tvungen fyat, ihm (Eintvenbungen machen ober Irrtümer nad)*
weifen rverbe."
„Vas kann id) gut vergehen. 3d) felbft Penne bie Sd)wäd)en meiner 'Urbeit
nur zu gut unb muß um viel V7ad)ftd)t bitten. Gewiß ftnb mir manche Gucllen
unb Bücher, bie id) fyätte hcrÄn5M)cn müjfen, entgangen. (Einiges, tvas in Wirk*
lid)keit verwickelter getvefen iS, mußte vereinfad)t, anberes fonnte nur angebeutet
tverben, benn ber vorgefci)riebene Umfang bes Buches zwang bazu."
„Unb bod) fyabc id) mid), trotz aller biefer Bebenken, zur Veröffentlichung
entfd)loffen. 3d) habe es getan in ber feSen Überzeugung, baß bie Bewältigung
biefes Themas zunäd)S einmal aus einer einheitlichen Gefamtfd)au heraus verfuebt
tverben muß. Unb zwar jetzt, in bem gewaltigen Umbruch, ben wir als 2lblöfung
bes fpätliberal*bemokratifd)en 3eitalters unb ^inentwicflung zu etwas ganz treuem
erleben. Va gilt es, Grunblagen zu fd)affen für ein anberes Gefd)id)tsgefühl unb
*bewußtfein, wobei bie große Bebeutung ber Kaffe für bie 3ufammenfe^ung unferes
Volkes unb ben Stil feiner Politik ebenfo wie bie bes Kaums ernannt werben
muß. 21 n bie Stelle bes rein juriSifd)en verwaltungsmäßigen ober bes Venkens
in einen luftleeren Traumraum hinein, in ben ftd) bie Veutfcbcn fo oft flüd)teten,
weil ihnen in ihrer jRleinSaaterei bie Welt ber großen Politik verfd)loffen ober
unangenehm war, wirb ein neues treten müffen. (Einerfeits nämlid) ein volks*
biologifches, anbererfeits ein erbb«ft gebunbenes unb babei bod) weiträumiges."
Wir freuen uns fehr, baß Vr. paul mit ber Veröffentlichung nid)t länger
gewartet h«t trotz «Her Schwierigkeiten. Befonbers treffenb ftnb aud) feine ein*
leitenben Worte über bie Vorgefd)id)tsforfd)ung, in hohem IHaße u. a. gerabe für
OSpfeußen. Wir wieberholen fte beshalb hier ebenfalls:
„3um Schluß kann id) zwei Bemerkungen nid)t unterbrücfen: Bei meinem
Befud) fehr vieler beutfd)er ITiufeen ha^e id) jebesmal biefelbe Beobachtung
gemacht: Ver Direktor unb feine Beamten ftnb mit Vcrwaltungs* unb 2(us*
grabungsarbeiten berart überlaSet, baß fte feiten ober nie zu einer wif[enfd)aftlid)en
3ufammenfaf[ung ihrer Lebensarbeit kommen, wozu eben, wie für alles
Sd)öpferifd)e, bie große Stille notwenbig iS« Wieviel Wertvolles aber geht bod)
baburd) verloren, bas nur fo in einem einzigen Kopfe zufammengefehen worben iS«
Wenn bie Regierung bes dritten Keid)S, bie bereits gezeigt hat, baß ihr bie Vor*
gefd)id)te am Kerzen liegt, ftd) entfd)Iießen könnte — falls bie Staatsfinanzen es
erlauben —, ein paar Vutzenb 'Üß’iSentenSeHen für junge Vorgefd)id)tler zu
fd)affen, würbe fte ftd) um biefe Wiffenfdjaft nod) größere VerbienSe erwerben.
3S es notwenbig zu verftchern, baß id) weber ITlufeumsbeamter bin, nod) bie 24bftcf>t
habe, es je zu werbens 3d"* f«9c rs nur ber Sad)£ wegen, bie mir am Kerzen liegt,
117
benn bie XHufeen werben in 3ufunft als Bewahrer bes germanifdjen Erbes in
unferem gefd)id)tlid)en Bewußtfein eine ganz anbere Xolle fpielen als bisher."
Soweit Paul. Vinn einige Einzelheiten ju bem weiteren Jnhalt feines Bud)es.
Vürd) feine reid)en 'Xnmerfungn behält es aud) als ÜhieHenfd)rift einen bleibenben
Wert. 3u mandjen angeführten Veröffentlid)ungen fähe man babei allerbings
gelegentlid) gern nod) ein furjes Wort gegen ihre fehler unb mangel, u. a. 511
Wolf, Xngewanbte Xaßenfunbe, unb 3. von £eers, (Befd)id)te auf raßifd)er
(Brunblage (nimmt bie unbraud)barcn Arbeiten <$. Wirths ernft) ufw.
S. 45: Voppelfonige Urne ift ein Vruct’fcl)ler für boppeltonifdje, wofür ftd) bas
rein beutfd)e Wort boppelfegelförntige empfiehlt. Vie einftige vorgefd)id)tlid)e
Abteilung bes Berliner Ulufeums für Völfert’unbe ift jetzt felbftänbig unb heif?t
Staatlid)es Utufeum für Vor* unb ^'rühgefd)id)te.
S. 64: Vas bekannte frühe St’elett (mittlere Steinzeit*) aus (Br.*Vinz, Kreis
Vjimptfd), Bez. Breslau, h<tt teine Beigaben, bie mit Sid)erl)eit auf eine Ein*
wanberung aus 3ütlanb hinweifen. Vie ^ungftcinzeitleute bes Vonau*Vnjeßr*
Kulturfreifes (= Banbferantifer) ftnb t’eineswegs insgefamt als norbraßifd)
erwiefen.
S. 7J: 3u ben 2luseinanberfet;ungen über bas Volt'stum ber «Häufiger Kultur
unb gegen bie Xid)tung Koßr;ewsfis vermißen wir bie Sd)riftn ad) weife (bie
Eingaben auf S. 8j reid)en als Erfat; bafür nid)t aus). Sd)ud)h<xrbts enbgültig
als verfehlt erwiefenen, veralteten ?lnftd)ten über bie Äaufttjer Kultur mißt Paul
nod) eine zu ftart’e Bebeutung bei1). Seine Eingabe: „Vie Wißenfdjaft ber Vor*
gefd)id)te glaubt nid)t mehr an ben Sat;, baß dfunbleere zugleid) Befteblungsleere
bebeute", ift fd)ief. vfunbleere tann fel)r wol)l einer Sieblungsleere entfpred)en,
nur ift für jeben in Betrad)t fommenben vfall eine befonbers forgfältige Prüfung
notig, ob biefe Veutung bei bem beseitigen Stanb ber ^orfd)ung wirt’Iid) bie
größte Wahrfd)einlid)feit für ftd) h«t.
S. 75: Vie Bebeutung bes eingeführten (Bolbes für bie bobenftänbige Kultur*
höhe ber germanifd)en Bronzezeit wirb ftarf überfd)ät;t.
S. 8?: Vie Eingaben über bie Urheimat ber Baftarnen unb ben Urfprung ber
ihnen zuzufd)reibenben, aud) int weftlid)en Oftpreußen vertretenen (Beftd)tsurnen*
fultur ftnb zum Veil überholt2). Ver Sat; „bie ^errfd)aft über (Dftbeutfdßanb
erringen ;unäd)ß bie Wanbaien, bann bie Burgunben unb fd)ließlid) bie (Boten"
ift nid)t ztucefmäßig, ba biefe Stämme bod) alle nid)t ganz Vftbeutfdßanb
beherrfd)ten, fonbern verfd)iebene Veile, unb zwar zum Veil gleid)zeitig.
*) Vergl. B. 5 r h r. von X i d) t h o f e n : Oß bie Banbferamif illyrifd) unb bie
Äauft^cr Kultur germanifd)*, in: iTlannus, Bb. )9?y.
2) Vcrgl. K. Vacfenberg, Vie Baftarnen, in: Volt unb Xaffe, S. xsx ff. —
berfelbe, 3u ben Wanberungen ber Oßgertnanen, in: Ulannus, Bb. 22, )95o, S. 268 ff.
— E. p e t e r f e n, Vie frühgermanifdje Kultur in (Dftbeutfctßanb unb Polen, Berlin
1929. — Verfelbe, Ver Werbegang ber (Germanen int beutfeben (hßen, in: Tlltfcßleftfcße
Blätter, Bb. 1953, S. 97. Wir vermißen bei Paul einen Hinweis auf bie unfad)lid)en
Verfucßc Koßsetvefis unb eines Veiles feiner 2lnl)anger, einen wefentlicßen Veil ber
germanifeßen ^unbe (Dftbeutfd)lanbs unb polens aus leisten Enbes rein politifcßcn (Brünben
für ungermanifd) ;u erklären.
118
S. 87: Tie giften waren ein altpreu$ifd)er Teilftamm, aber nie bie gemein*
fanien Ulanen ber 2lltpreu^en, Litauer unb Äetten8) (auf S. jo? bejeid)net fte Paul
aud) beffer unter Hinweis auf (Ebrl id) nur als Vorfahren von alten Preußen)!
5ür unferen Knfprud) auf Oftbeutfd)lanb brauchen wir an ftd) bie Tatfadie ber
altgermanifdien 23efteblung <Dftbeutfd)lanbs nid)t, ba unfer Ked)t in ber G5efd)id)te
feft verankert ift unb vorgefd)id)tlid)e Url>eimaten Feine Ked)tsanfprüd)e entfd)eiben
Foitnen. politifd) ftnb bagegen beFanntlid) unfere germanifdjen junbe jur Wiber*
legung ber oben geFennjeidjneten unfad)lid)en X>erfud)e gewiffer beutfd;feinblid)er
"Ikrfaffer bes Kuslanbes unentbeljrlid).
S. 89: VTeuuntcrfud)ungen werben erfi nod) prüfen müffen, wie weit nid)t
fd)on in ber jüngften 23ronjejeit, alfo vor ber frühen (Eifenjeit, mit einer Knwefen*
f?eit von (Germanen in einem Teil ber l)eute flämifcfyen unb nieberlänbifd)en
Gebiete ju red)nen ift. Einige ^unbe in einfdüägigen Ulufeen Belgiens unb
^ollanbs ftnb bafür nod) nid)t genügenb ausgewertet.
S. ))j: Tie Sd)riftnad)weife über ben Urfprung ber Wanbaien ftnb ju um
voUftänbig.
S. Tic Oberer Vfumantias waren Feine Äufttanier3 4).
S. jj4 unb <3. 125: befonbers ridjtig unb treffcnb ftnb einige jum Teil neue
raffen* unb raumgefd)id)tlici)e (BebanFen Pauls ju Täfars ^elbjügen unb bem Siege
^ermann bes £berusFers in ber X>arusfd)lad)t. 2lud) ber Hinweis auf eine jetjt
oft überfeine iöemerFung bes verdorbenen fd)webifd)en llltmeiders ber Tor*
gefd)id)tsforfd)ung 0). illontelius über ben iErfolg ber Sd)lad)t im Teutoburger
Walbc für bie Vlorbgermanen auf S. J27 ift biefem 3ufammenl)ang bei Paul
fel)r gut am piatje.
S. 187 vermiffen wir jur ber alamannifd)en Äanbnaljme in Siibbeutfdv
lanb ben Hinweis auf bie einfcbldgigen WerFe aus ber Wannusbücberei über elb
gvrmanifdje ^unbe von W. Ulattl)es, S. 227 jur ^riefenfrage ben Hinweis auf bie
j)ollänbtfd)en Arbeiten jur fogenannten Warfenforfd)ung5).
S. 258 ff., Kbfcbnitt: Tie Slawen: Tue Sd)riftnad)weife ftnb l)ier viel ju
unvollftänbig, insbefonbere fehlt bas flawifdte Sdjrifttum. Ulan fpürt aud) im
Tept, bafj Paul hier nod) Feine ausrcicbenben lTlöglid)feiten ftd) tber ben
gefamten Stanb ber ,jorfd)ung ju unterrichten. 23ei ber oftbaltifdjen Kaffe liegt es
meines lErad)tens fel)r nabe, an ein lErbe aus ber Bett ber norbeuraftfdjen 3ung*
fteinjeirFulturen ju benFen. Tie oftbaltifdje Kaffe ift in bereu Weftgebier ein*
peimifd). Wenn wir aud) bort bisher Feine ftd)eren (Berippe ber jungfteinjeirlidjen
VTorbeurafier Fennen, fo ftebt bod) feft, baf bie biefe (Bebiete jum großen Teil ver*
inbogermanenben Streitaptleute (= SdjnurFeramiFer) ttorbrafftfd) waren, fo bap
t)ier wol)l als (BueHe bes oftbaltifdjen Kaffentums nur bie weftlid)en Vlorbeurafter
in Z'ctradn Fommen. Kud) ber von Paul auf S. 28? im Knfd)lud an ben unga-
3) "üergl. W. (Baerte, Urgefcbidjte Oftpreufens, Königsberg ygz<). 23ei einer VTeu*
auflage bes paulfdjen 2?ud)es wirb jwecFtnäfhg auch ber unfad)Iid)en X>erfud)e litauifcber
Kreife ju gebenFen fein, aus ebenfalls politifcfyen (Btünben, bie vorgefcf)id)tlid)en @ieb<
lungsvernaltniffe (Dftpreußens falfdS barjuftellen, unb irrig febon in ber t>orjeit Litauer
in (Dflpreu^tn wohnen ju laffen.
4) Vergl. bierju p. 23 o f cb - (ß 1 m p e r a, La etnologia de la peninsula iberica,
Barcelona jpti, unb bie 23cfprrd)ung biefes Wertes burd) S. ^rbr. von Kicf)tl)ofen, in:
Krd)iv für Knttjropologie J935, S. 2 ff., beibe mit weiteren Sdjriftnadjweifen.
5) X>ergl. baju aud) X iE. van (Biffens 23erid)t „Tie tErgebntife ber Warfen*
forfcfyung" in ber Jeftfdjrift jur ^unbertjaljrfeier bes Teutfdjen Krd)äologifd)en Onfti*
tutes, Berlin jpso, S. 322—338.
119
rifd)en Xaffenfünbler Bartucz erwähnte ofibaltifd)e Kaffcnbeftanbteil ber früfv
gefchid)tlid)en Mlagyaren fprid)t ftarf für unfere Anftd)t. innerhalb ber alten
Ungarn Fann biefer nur bem Volfsbefianbteil entflammen,, auf ben aud) bie heutige
ungarifcfye Sprache jurü<fgel)t. 2?iefe ift belanntlid) finno* *ugrifd). Knbererfeits
fielet fefl, baß bie Urfinnougrier ju ben Trägern bes norbeuraßid)en Kulturfreifes
ber jüngeren Steinzeit gehörten6)!
S. 274: 3ur ^‘rage ber Beurteilung Karts bes ^ranlen unb ber Strangs*
befeijrung ber fäd)ftfd)en Stämme ifl eine ausführliche Scfyrifttumslifle unb bie
{tariere Berücffid)tigung ber je^igen Huseinanberfe^ungen über Kaifer Karl
ertr>ünfd)t.
S. 329: The £ften geboren im (Gegenfat; ju Pauls 2(nftd)t nid)t 511 berfelben
baltip'hen Völlerfamilie wie bie alten preußen, betten unb Litauer, fonbern ftnb
ber Sprad)e nad) befanntlid) ben Rinnen verivanbte ^inno*Ugrier wie bie alten
£iven.
S. 5^9: Bie bort als Vorzüge ber beutfd)en ^alicnpclitW bes Uiittelalters
ermähnten “Vorgänge hätten an ftd) bod) aud) auf einem anberen Wege erreid)t
werben tonnen, tiefer hätte für bie gefamte beutfd)e Volts* unb Kaffenpolitif im
(Gegenfatz 511 ben nid)t mit fo v-elen fd)weren Vfadjteilen behaftet
fein foUen.
•3n Eingaben zu fragen über bie relig'ofe lEntwiddung Veutfcblanbs fpürt man
bei Paul ähnlid) wie be (Günther gelegentlid) aud) beutlid) feine perfönlid)e
religiofe Überzeugung hiuburd). Sie ift aHerbings ber von K. (Güntber
entgegengefetzt. £)as hiuberte aber nid)t, baß ber hoibverbiente Verlag Äehmann
bie bier befprodjenen Werte ber betben Verfaffer gleichzeitig b^rausbrad)te. Paul
führt uns ebenfo wie (Günther überall pactenb von ber Vorzeit bis zu brennenben
Jragen bes beutfd)en Seins unferer Tage. (Er zeigt aud), wie bas (Gegenwärtige
burd) bie Vergangenheit bebingt ift, unb jeber fann für bie Sutunft baraus lernen*).
B. ,frhr. von Kidühofen.
^ans vf. 2\. (Günther, ^ertunft unb Kaffengefd)id)te ber (Germanen;
)8o S. m. 86 Abb., Ulüncßen iok, 3. vf. Lehmanns Verlag.
Sd)on bas Onbaltsverzeidmis zeigt bie Vielfeitigteit bes vorliegenben Bud)es
an. tEs iß in folgenbe ^auptabfdjnitte gegliebert: ). bie Wurzeln bes (Germanen*
tums ber 3ungfleinzeit, 2. bte leiblichen IKerfmalc ber (Germanen, 5. bie Kaffen*
unb (Erbgefunbhectspflege ber (Germanen unb ihr Urfprung aus ber gcrmanifd)en
'frömmigteit, 4. bte Auflöfung ber germanifd)en Kaffenpflege burch bas mittel*
alterlid)e Tbriflentum. £)er Verfaffer greift alfo weit über fein ^auptarbeits*
gebiet, bte Kaffeubtiitbe, binaUÖ unb berücfftd)ttgt flart aud) (Quellen aus bem
(Gebiet ber Vorgefd)id)tsforfd)ung, ber vergleidjenben Keligionswiffcnfd)aft, ber
6) Vergl. bazu aud) "2t. UL Tallgren unb B. Wiflunb, unter: ^inno»Ugrier,
im Ul. (Ebert, Keallerifon ber Vorgefd)id)te, fywie B. ^rhr. von Kicßthofen,
Vorgefd)id)te ber menfd)heit, in: Knaurs Weltgefduckte, Berlin )95^, unb berfelbe,
3Dte 23rbentrare bes norbeuraftfdjen KuIturFreifes ber jüngeren Steinzeit in Sd)Ieften, in:
Kltfdßefien, Bb. ? (Seger^efljcbrift), Breslau )9?4, forme berfelbe, 3um Staub ber
Vor* unb ^ruhgefchicbtsforfcbung in ben wejtutramifdjen Äanben (im Vrucf für: Prä»
biflonfcbe 3eitfd)rift).
*) VTadjtrag: Vgl. zu ben oben gestreiften fragen über bie rafftfdje Sufammen»
fe^ung ber Ungarn unb ber Cmngfteinzeitler bes norbeuraf»fchen Jvulturt’rcifcs neuerbings
aud) 0. TzetanotvsFi, 3ur Anthropologie ber Ugrofinnen, in: Suomalais-Ugrilaisen
Seuran Toimituksa (= 3eitfd)rift ber ^innO'Ugrtfchen (GefeUfd)aft), Bb. 67 (mit weiteren
Sd)riftnad)tveifen).
120
germanif d)en Xedßsgefdudße unb ber mittelalterlichen (Sefdßdße. Bie behanbelten
fragen ßehen beute int Brennpunft allgemeiner Kufmerffamfeit. leisten
2lbfd)nitt treffen wir u. a. (Bebanfen, bie (Buntber J954 in feinem Bud) „^römmig-
feit norbifd)er Krtung" näher bargelegt bat. Bie Beurteilung wirb b^r für
mand)e Äefer weniger von wiffenfd)aftlid)en fragen <*ls von ber Krt ihrer perföw
lidjen religiöfen Ueberjeugung abhängen.
Bor* unb frühgefd)id)tlid)e ^unbe ftnb naturgemäß in ben erßen beiben
?lbfd)nitten ausfübrlid) berüctftdßigt. ^ür ben l?orgefd)id)tler ift babei befonbers
bie überftdß ber raßenfunblid)en Belege für unfere Kenntnis ber leiblidjen liiert*
male ber alten (Germanen von Wichtigfeit.
3um erßen Kbfd)nitt ergeben ftd) einige Knmerfungen vom Stanbpunft ber
X>orgefd)id)tsforfd)ung bei (tinjelfragen. Wir bringen baju verfd)iebene Beifpiele,
bie vielleid)t bei einer fpäteren Kuflage bes inhaltsreidjen Buddes berücfftd)tigt
werben tonnen.
S. jj. Bon ben fübbeutfd)en Kulturen ber frühen Bronjejeit ßebt nur bie
Straubinger, n i d) t aud) bie Kblerberger ber Kunjeti^er fo nah, flc gelegen^
lid) mit biefer jufammen gefaßt würbe. Kelten unb 3talifer wirb man nad) bem
neueßen ^orfd)ttngsßanb meines itradßens beßer nid)t mehr ;um Teil von ber
Kunjetitjer ‘Kultur j^leiten. Biefe iß außer in ben von (Büntber genannten
(Begenben aud) in Sübpofcn, Sübbranbenburg unb ber Weßflowafei vertreten.
Sd)leften gehört mit 51t ihrem 'Kern gebiet. T)aß bie Äauftijer Kultur ber ^dlyrir
von ber Kunjeti^er herßammt, barf je^t als geftd)ert gelten.
S. )4. £üe iEntßehung bes eigentlid)en Keltentums iß wohl viel fpäter anju
fetjen. 3u biefer ^rage unb anberen, bie meiß fyiex übergangen ftnb, $eigt mein
Beitrag in Knaurs Weltgefdßdße jufammenfaßenb, wie weit meines i£rad)tens
JEinjelfragen in ber itntßehung ber früheßen inbogermanifd)en Bölter ein*
fdßießlid) ber (Bermanen auf (Brunb ber ^unbe anbers ju beurteilen ftnb wie bei
(Büntber.
S. j? erweeft ben tfinbruef, als ßammten bie Uritalifer ftd)er von ben Trägern
ber fogenannten Kößener Kultur unb aus bem Kreife Illerfeburg her. Beiben
Knftdßen vermögen wir nid)t jujußimmen.
S. )7. Bie Kngaben im fleinen Brucf foHen wohl nur eine Wiebergabe jum
großen Teil veralteter Knftdßen von tllontelius fein, bod) iß bas nid)t hervor*
gehoben, fo baß ein fernerßehenber liefer fyicx über bie 3eit ber Bilbung ber
(Bermanen, ber Kbtrennung ber germanif d)en Sprache von anberen inbogerma^
nifdien ufw. irrige Borßellungen gewinnen tann. (Db bie italifd)en Umbrer mit
ben germanifd)en Tlmbronen etwas $u tun halten, iß trots Kretfd)mer nod) unftdjer.
mit ben für ein (Entßehen ber ZftaWw maßgebenben frühen Sübwanberungen
norbifd)er tlTenfd)en bat, bavon abgefeben, biefer VJame ftd)er ebenfowenig etwas
511 tun, wie bie VJamensähnlidßeit jwifd)en illarfern unb ben Ularft ober ben
Wenben unb ben ‘üeneti.
S. T?aß gar feine größeren Sfelettreße von Trägern ber Äaufttjer Kultur
erhalten wären, iß irrig, wie u. a. fd)leftfd)e früheifenseitlid)e Körpergräber ber
fogenannten Tlbamowitjer 2lrt zeigen, ^ür (Bünthers Annahme, bie wenigen
töebeinreße aus (Gebieten ber ^auft^er Kultur (ridßiger müßte es ji^n: unter
^unben ber /läufiger Kultur) bürften bie Keße von fpärlid) unter ben ^aufttjern
ftebelnben Äanbfremben nachbarlicher llbßammung fein, gibt es feine braud)baren
<35rünbe. Baß bie Kitpreußen in Süblitauen unb polen entßanben wären (ßatt
121
in Oftpreußen), iß irrig. (Fünthers Knmerfungen jum Schrifttum über biefe unb
anbere vorgefd)idjtlid)e fragen ftnb jum Teil ju unvollftänbig unb etwas jufällig.
S. 23. Pie weßeuropäifd)en Polmen bürfen minbeßens bisher nid)t als Por*
form ber norbifcfyen (Fanggräber bejeidßtet werben. VTäheres baju ift aud) in
Knaurs Weltgefd)id)te a. a. O. gefagt, fowie befonbers in Kupfas Beitrag jur
Sd)umad)er*^eßfd)rift. UTittelßeinjeitlid) (S. 52) ftnb bie wefteuropäifd)en
Polmen erß- redjt nid)t.
S. 33. Pie (Ferätfunbe aus mittelßeinjeitlid)en ITIufdjelbaufen ftnb fehr jal)h
reid) unb nid)t fpärlid), unb bie tHufd)elbaufen gehören nicht in bie Kncylus*,
fonbern nur in bie Äitorinajeit.
S. 37 muß es oben ftatt VTorbweßeuropäer nur Weßeuropäer heißen. Pas
Schrifttum über lTiutterred)t ift ju unvollftänbig berütffichtigt. Pie Kiefenßein*
gräberleute bes Vforbens haben eine norbifd)e Kultur unb vorwiegenb norbifdte
Kaffe cinjd)lic.^lid) ber fälifdjen Sonberart. Trotj paubler liegt fein guter (Frunb
baju vor, fte für nid)t inbogermanifd) unb mutterred)tlid) ju halten.
S. 46. Pie Sdßüffe über bie Kaffenverteilung einjelner norbifd)er (Febiete auf
(Frunb ber bisher unterfud)ten ^unbe ber jüngeren Steinjeit ftnb jwedr’mäßig jum
Teil mit einer gewißen Porftd)t ju behanbeln, ba Sufälligfeiten in ber Perteilung
bes augenblicflid)en ^unbbeßanbes möglich ftnb.
S. 68. Pie gefd)id)tlid) fo benannte Pölterwanberung ift n i d) t bie leiste
inbogermanifd)e, — wie j. 25. bie Wifingerjüge unb bie flawifd)en Wanberungen
im 6. bis 8. 3al)rhunbert n. The. beweifen.
S. 73. Pie Eingaben über bie 3eitßellung unb Perbreitungswege ber £eid)en’
Verbrennung unb 23eßättung bei ben inbogermanifchen Poltern ftnb jum Teil ju
ergänjen unb ju berichtigen. Pie germantfche £eid)enverbrennung VJorbbeutfd)*
lanbs begann nidjt fpäter als im Vjorben. Vlicbt überall würben bei ben 'Jubo*
germanen jwifd)en jioo—o v. Ohr. bie Reichen nur verbrannt, nid)t beftattet.
Pie Körperbeßattung bei ben Kelten unb ben eifenjeitlichen (Fermanen ftammt
n i d) t aus bem Ulorgenlanbe! —
23ei ber großen Perbreitung, bie (Fünthers verbiet)ftlid)e neue Krbeit ohne
Zweifel finben wirb, fd)ien es uns jwecEmäßig, eine größere 3al)l ber notwenbigen
linbcrungsvorfd)läge für bie näd)fte Kuflage befanntjugeben. 3um (Erweis ber
europäifchen, norbifd)en ^erfunft ber ^nbogermanen unb bes norbifd)en Urfprungs
ber (Fermanen ftnb betanntlid) u. a. Prof. (Fünthers Arbeiten fettr wertvoll, jur
□nbogerntanenfrage befonbers burd) fein 25ud) „Pie norbifd)e Kaffe bei ben 3nbo*
germanen Kfiens", ITtünd)en J955. 25. Jrhr. von Kichthofen.
Walter Witt, Urgefd)id)te bes Stabt* unb j£anbfreifes Stolp. Beiträge
jur ^eimatfunbe ^interpommerns VTr. 1, Peröffentlidningen ber Ortsgruppe
Stolp ber (FefeUfdjaft für pommerfdje (Fefd)idjte unb Kltertumsfunbe (J59 Seiten,
33 Kbbilbungen, ) Karte).
Per verbiente Perfaffer hat im ^eimatmufeum Stolp unb ber Pentmalpflege
feines Kreifes fd)on viele wertvolle llrbeiten geleistet unb barüber aud) bereits
wieberholt in überftd)ten berid)tet. Seine jufammenfaffenbe Por* unb ^rüh’
gefd)id)te wirb gewiß ihren ^auptjwed2 erfüllen, ber volfstumsbetonten Por* unb
jrühgefd)id)tsforfd)ung für ben Kreis Stolp in Stabt unb £anb neue v^reunbe unb
Reifer ju werben. Seine Krbeit will unb Vann freilid) nid)t etwa mit ben aud) für
bie ^ad)wiffenfd)aft fo ergiebigen Parflelluiigen ber Por* unb Jrühgefd)id)te bes
122
Kretfes Jraiptabt und ^r. Pfütjenreuter ober bes Kreifes Oftprignilj burcb
W. X1T<xttt>es vergingen werben. ZDte Vlacbrid)ten über bie örtlichen ^unbe Fommen
in ber gebrängten überftd)t Wittes — im Oegenfatj 3. 23. aud) $u 21. Htarufd)Fes
2lrbeit über bie Vorgefdudtte bes Ixreifes VZeuflabt O. S. C2lus Oberfdileftens Urjeit,
t^eft 2, Oppeln >929) — eigentlich 5« ^3, jumal bie allgemeinen fragen ja für
ganj Pommern unb Ofrpommern befonbers burch O. KunFel fd)on in anberen auch
volFstüm!id)en 2lrbe«ten bel)anbelt ftnb. 23ei einer VTeuauflage wären einige fad)
lid)e Verfeben 31t beridrtigen, 5. 23. bte veraltete Vorstellung, in ber mittleren Stein*
Seit habe ber ütetifd) im Innern bes norbbeutfd)en ^lad)lanoes wegen bes Walbes
Feinen £ebensraum gehabt, ber Fleine jungftein3eitlid)e 23ernfteinbär von Stolp
gebe re ber noroifeben Crid)tig ift norbeuraftfd)en) Kultur an ufw. über bie Volks*
jugebörigFeit ber bron}e$eitlid)en Siebter bes Kreifes Stolp ftnb bie Eingaben 3. ZE.
etwas wiberfprud)svoll (vgl. 3. 23. S. 44 unb 46. bie 2lusfübrungen über ytiyviex
unb (Bermanen). sDas Wort Illyrier ift für Oftbeutfddanbs Vorzeit burd)aus nicht
mehr nur eine „wiffenfd)aftlid)e 23el)elfsbe$eid)nung"1). 3bte "Verbreitung ber
OefiditsurnenFultur ift für bereu germanifd)e Volks3ugehörigteit im Oegenfat; 31t
Witt an ftd) nod) Fein 23eweis, wol)l aber trot; 3* ‘KoflrjewsFi ihre Ontftehung unb
il)r gan3es Oepräge. 2lud) fa^en bte Slawen 3ur Seit bes Dacitus nod'* nid)t an ber
Oftfee unb bergl.l 3?ie Sd)rifttumsnadtweife ftnb 3. ZE. etwas 3U 3ufällig unb
lückenhaft. 3,n ganzen hoffen wir auf eine verbefferte 3wette 2luflage.
23. ^frhr. von Xicbtbofen.
X'. O^walb CWellinghufenj: Wie 2llt*preu£en bekehrt uno
Orbensla nb würbe. ITTund)cn, Xubenborffs Verlag, 1954.
Os lebte in alten Setten ein Volt von freien Oermanen, beren ^eibenlad)en
burd) bie Wälber fdjaUte. £)as waren bie preußen, bie 311 ben Slawen — fo würben
bie beutfd)en Stämme öftlid) ber Olbe genannt — gehörten unb oie Vfad)Fommen
ber Ootcn waren, (hegen fte 30g ber £)eutfd)e Orben, ein im ZDienfte Korns unb
3ubas ftehenbes jübifdtes Oefdtäftsunternebmen (S. 78). Or erfreute ftd) bes
Segens ber 3übin IKaria, feine Kegel war aus bem (Seifte ber KabbinerFafre
geboren, in feinem 2lufbau geigte er eine verbäd)tige 2ibnlid)Feit mit ber ^rei*
maurerei CS. 6j), unb in feinen Reiben fammelte ftd) ber 2lbfd)aum ber ülenfcbbeit
CS. 90). £>iefe Verbred)er haben bas germanifd)e Preußen romanifrert (S. >05),
fte haben; obgleich fte infolge ihrer Feigheit eigentlid) ununterbrodxen Vlieberlagen
erlitten, alle Preußen erfd)lagen unb bas Xanb 3ur Wüfte gemad)t. 2lud) ber alte
^eibenrecke unb Freiheitskämpfer SwantopolF Fonnte bas nid)t änbern. Sbiefe 23lut*
bunbe bauten ftd) bie IHarienburg, bie bie völlige geiftige Verjubung ber Orbens
ritter unb ihre VerfFlavung an oFfulten 3rrftnn verrät (S. joo). Kein Wunber,
ba£ ber Orben fd)liefilid) bei Dannenberg am ,-freiheitswillen bes verfklavten
VolFes fd)eiterte (S. )))).
2lud> eine vs'ülle von fonftigen OrFennrniffen gewinnt ber Äefer aus ber
ÄeFtüre biefes vergnüglid)cn 23ud)es, 3. 23. ba£ bas Wort Wenben von Vanbaien,
bas Wort (Sraf von (Sraue C= grauhaariger, erfahrener ÜTann) hrrFommt, unb baf;
biefes bann in Kriwe C priefter) verfälfd)t ifl (S. 29), ba£ Karl b. Or. ben Wein
bau in 5)eutfd)lanb geferbert hat, um burd) ben ben Oermanen bis bahin un*
bekannten Tlltohol bie altgermanifd)e Sittlid)Feit 3U unterhöhlen (S. 55), ba$
Xubolf von Habsburg als Orbensritter am Suge OttoFars von Böhmen nach
123
Preußen teilgenommen fmt (S. 87), bah bie aus allen Räubern ^Europas jufammen*
geholten langen Kerls vjriebrid) Wilhelms I. gotifdje Kiefen gewefen ftnb
(S. 26) u. a. in.
das alles haben mir bisher nicht gewußt, aber (Bott fei dank ifl bie Verfafferin
biefes 23ud)es im leisten Kugenblick über bie (Buellen hcrgekommen, bevor biefe,
wie bas fo üblich ift, von Korn vernichtet werben CS. 20). das ifl vor allem bas
J6S4 erfd)ienene 25ud): „lllt unb neues Preußen" von ^artknod), gegenüber bem
alle neuere v^orfd)ung, von bereu »Ergebniffen bie X>erfafferin überbies kaum etwas
kennt, nidyt» bebeutet. ^artknod) war ein ernflhaft forfdjenber ^ifloriker, aber bie
(Befd)id)tswiffenfd)aft war bamals nod) nid)t fo weit entwickelt, bah fte (Befd)id)te
unb Jabel and) nur annähernb trennen konnte. So ersählt bie Verfaffcrin ihrer
(Quelle fo mand)e Jabel nad), bie in$wifd)en längfl als foldje erkannt ift. »Es muh
aber ^artknod) energifd) gegen (Bßwalb in Scouts genommen werben, benn ber
meifle Unftnn, ber in bem Ö£walbfd)en llTad)werk ftel)t, flammt nid)t von ihm,
fonbern ifl burd)aus original. dafür ein paar beifpiele. ^artknod) fd)reibt
rid)tig, bah bie (Boten nur ben Küflen flreifen bewohnt hatten, aber bereits abge=
Sogen waren, als ber Orben ins üanb kam, fo bah bamals nur Preußen im ganjen
£anbe gewohnt hatten, bereu Sprache von ber beutfd)en gans unb gar verfd)ieben
gewefen fei — (Bßwalb behauptet, bah Preuhen Vjad)kommen ber (Boten gewefen
feien, bereu Sprad)e nod) hrute im £itauifd)en weiterlebe, unb erweckt baju —
gelinbe gefagt — ben (Einbruck, als ob fte barin mit ^artknod) übereinflimme.
v^artknod) fd)reibt — was nufere (Befd)id)tsforfd)ung mit immer neuen gelegen als
wahr erwiefen hat —, bah bie alten preuhen ihre Spradje, Sitte unb Lebensart
nod) lange beibehalten hätten, bah nOfb nnter ber Kegierung ^crjog 2llbrerf)ts im
Samlanb bie meiflen Äeute keiner anberen Sprad)e hinbig gewefen feien —, (Dßwalb
behauptet, bah bie (Drbensritter alle preuhen erfd)lagen unb bas danb sur Wüfle
gemad)t hätten. dod) genug bavon.
das 23ud) ifl leiber nid)t nur eine Komöbie, fonbern aud) ein Crauerfpiel. (Es
bürfte aud) in I1lünd)en bekannt fein, bah (Bflpreußen jwar ein beutfd)es, aber trotv
bem ein von feiner gefd)id)tlid)en »Entwicklung her nod) heute national umflrittenes
£anb ift, bah unfere Vlad)barn propaganbiflifd) eifrig bei ber Krbeit ftnb, ben
llnteil, ben ihr Volkstum unleugbar an ber (Befd)id)te Oftpreußens gehabt hat, als
befonbers groh unb wertvoll hiusuflellen unb jur Kufflellung von politifd)en
Jorberungen su benutjen. demgegenüber hat es unfere tjeimtfd'fc (Befd)id)ts*
forfd)ung flets als ihre Aufgabe angefehen, ben Verbienflen bes (Brbens, ber
preußifd)en Könige unb bes deutfd)tums überhaupt bie 23ead)tung 311 verfd)affen,
bie ihnen gebührt, dabei fällt uns biefes 25ud) in ber übelften Weife in ben Kücken,
unb wir haben nur bie Hoffnung, bah bas Gefühl für Sauberkeit unfere VTad)barn
bavon abhalten wirb, von bem ihnen gebotenen „Ulaterial" gegen uns (Bebraud)
SU mad)en. der (Blaube, aus bem heraus bie Verfafferin ihr ^ud) gefd)rieben h^t,
foH hier nid)t angegriffen werben. Wir verwahren uns aber bagegen, bah aU6
hyflerifdient ^ah gegen bas €hriflentum bie (Befd)id)te nuferer ^eimat in fo
fkrupellofer unb gemeingefäl)rlid)er Weife verfälfd)t wirb, wie es hier gefd)ehen ifl.
dr. ^rits (Baufe.
124
(Es folgt ber Tlusjug einer Befprediung besfelben Buches aus: ^udier»
funbe ber Xeichsftellc jur ^örberung bes beutfdjen
Schrifttums, 6. jolge, J95S", S. 206 f.
„Das Bud) gel?t aus von einer fd)arfen liblebnung bes (Etjriftentumi? unb einer
Bejahung germanifcfyer (Bottgläubigfeit. Obgleich biefe ben ^intergrunb für bie
folgenbe gefd)id)tlid)e Darstellung abgeben, foll unb brandet hier auf fte nicht ein»
gegangen ju werben. Denn bie unmittelbare Vorausfetjung biefer Darstellung ift
ein Chaos gefcbiditlidjer Teiifenntniffe unb eine völlige gefd)id)tlid)e Sritiflofigfeit
Die Verfasserin entnimmt ben größten Teil ihrer (Einjelfenntniffe bem veralteten
Werf von Cbviftoph ^arttnod) „tlltes unb neues preufen". (Einige wenige neuere
Darstellungen erfd)ef.nen gelegentlid) mit unvollftänbigen ober irrtümlichen ?ln»
gaben, Urfunben unb Cbronifen (aud) bie letzteren werben als Urfunben bejeid)net),
ftnb nirgenbs in juverlaffigen Ausgaben benutzt, unb offenbar ifi überhaupt faft
nirgenbs auf bie eigentlid)en Ouellen jurüefgegriffen worben.
Was bie Verfasserin mit ihrer Darftellung ausbrücfen will, ift ein gefd)id)t»
Iid)es Zeugnis bafür, baf bas Christentum ein arted)tes unb in feinem arteigenen
(Blauben lebenbes Volf gewaltfam gebrod)en habe. Wirflid)feit aber wenoet
ihre Tbefe ftch gegen ben Träger ber Eroberung unb (Einoeutffhung preufens, ben
Deutfdxn örben, unb bamit gegen bie gefd)id)tiid)e Dafeinsbered)tigung bes
Deutfchtums im VJorboften überhaupt. Der Deutfd?e Orben ist für fte ber
„tlbfcbaum ber UIenfd)heit" (S. 90), bie Orbensbrüber ftnb Ulorbwölfe (S. 98), ber
OrbensmeiSter 'Konrab von Tbierberg ifi ber Blutbunb (S. 98), unter ber Ixreujes-
fabne fammelten ftd) bie Verbred)ernaturen (Europas (S. 97). Vom Deutfdjen
Orben beift es S. 78, baf er bod) in Wahrheit ein fübifd)es (Befd)äftsunternebmen
war, unb bie Ularienburg verrat mit ihren myStifd)en 3eid»en ufw. nod) h^ute „bie
völlige geistige Verjubung ber Orbensrirter" (S. joo). (Es braudrt nur an bie
yfeierfhinbe ber ^ttlerjugenb auf ber Utarienburg ober an bie Jteben tllfreb Kofen»
bergs erinnert ju werben, um ju erfennen, was hier einer grofen (Erfdjeinung ber
beutfdjen (Befd)id)te angetan wirb!
Das Bud) begeht aber nid)t nur Verrat an einem 2lbfd)nitt beutfeher
(Befd)id)te, fonbern muf jugleid) als aufenpolitifd) gefäbrlid) bejeidpiet werben.
Deutfd)e präbiftorifer, wie Bolfo von $id)thofen unb anbere, haben mit «Erfolg bie
polnifd)e Tbefe von ber Urheimat ber Slawen in ben heutigen polnifd)en Weft»
gebieten befämpft. ^ier stellt nun eine beutfd)e ^rau bie Behauptung auf, baf
bie Vorfahren ber heutigen polen fd)on immer in biefen (Bebicten gefeffen batten.
(Bröferes Unheil entfielet aber burd) ihre <BIeid)fetpang ber Litauer mit ben preufen
unb btiber mit ben gevmanifdjen (Boren. (Es ift befannt, baf bem Deutfd)en Orben
bie (Eroberung Litauens trotj aller Bemühungen nid)t mehr gelungen ift, fo baf
biefes in ber Union mit polen ben (Drbensftaat preupen umflammern unb bas
beutfd)e Orbenslanb Preufen vom beutfdjen Orbenslanbe divlano wie ein Steil
trennen fonnte. Die ganje <age bes Deutfd)tums im Baltifum bis jum «Eriftenj»
fampf bes hSltifdic-tt Deutfchtums in ber (Begenwart unb nid)t minber bie Reiben bes
Utemellanbes geben gefd)id)tlid) gefehen barauf jurücf, baf bem Deutfd)en Orben
in Litauen nid)t mehr gelang, was er in Preufen jum erfolgreichen (Enbe führte.
Bei ber Verfafferin Stellt es bagegen einen Triumph ber Oeutfcben Sache bar, baf
Litauen feine SelbStanbigfeit gegen ben (Drben wahrte: „Solange bas ditauerreicb
ibm wiberftanb, fonnte ber Orben feine provinjen an ber Düna unb ber Weid)fel
nicht vereinigen ... »Es hätte ja auch eine Stärfung bes Deutfchtums bebeuter,
bie Korn nid)t wünfd)en fonnte" (S. jo6).
125
Demcntfpred)enb wenbet ftd) bie Verfaßerin aud) gegen bie Deutfdjen, bie al?
Siebter in? £anb tarnen. Die Utenfeben., auf bereu Stiftung in Wirtlidjteit bas
heutige Deutfd)tum Oftpreußens beruht, ftnb nad) biefem 23ucb ^anbfrembe. Über
bie beutfd)e Kolonifation Pommerns — unb eine anbere gibt es ja nid)t — beißt es:
„(Eroße Scharen danbfrember ivanberten ein unb beftebelten bie ben (Einheimifd)en
genommenen (Schiefe" (S. >*?). Der Sag entfpridjt völlig ben panflawifd)en
Tbefcn bes Hüffen ^egorov ober polnifd)en 2lnfd)auungen. (Ebenfo iverben (S. 47)
bie beutfd)en Anftebler in Preußen als Äanbfrembe bejeid)net. ITTit polnifdjen An*
fisßauungen ibentifijiert ftd) bie Verfaßerin aud) burd) ben auf ^erjog Konrab von
ülafovien bejogenen Sag: „War bod) bie (Srünbung eines Deutfd)en Orbensftaates
an ber Oftfee burd)aus nid)t im ^Jntereße bes polnifdjen ^erjogs" (S. 6$\
P. 3 y l nt a n n : Oflfrieftfd)e Urgefdjicbte, j 87 S. mit 2?o Abb. ^ilbesheim unb
Meipjig )9?5, Verlag X £ap. Darßeilungen aus VJieberfadßens
Urgefd)id)te, berausgeg. von K. <$. ^acob*^riefen, 23b. z.
Diefe gute unb verbienStvoIle überftdjt ifl in erfter £inie für bie *£anb ber
Mehrer in Oftfrieslanb bestimmt. Sie fegt fd)on einige Kenntniße voraus (3. 23.
tverben manche ^adiausbrücfe tvie Sphagnumtorf, Äimnaeaperiobe, £atene ufw.
nid)t erklärt!). Sylmanns Arbeit, bilbet eine willkommene (Ergänjung von
K. *6« ^acob^riefens volkstümlich wißenfd)aftlid)er Sd)rift: (Einführung in
Vfieberfad)fens Urgefdjidite (a. a. O. 23b. 1; 2. erweiterte Aufl. bH4). Diefe ift
aud) für oftpreußifd)e Vorjeitfreunbe wegen wertvoller Eingaben über mand)e nid)t
auf VJieberfad)fen befd)ränkte fragen von befonberem 23elang. 23ei Sylmann
jlebt im XTlittelpunkt bie knappe, febr bantenswerte diftc aller oftfrieftfeben
Vor* unb Jrübgefd)id)tsfunbe von ber mittleren Steinjeit bis jur Wikingerjeit.
Obwohl bie gefd)id)tlid)en Ouellen allerlei über bie Kämpfe ber ^riefen mit
witingifd)en (Einbringungen erjalßen, ftnb bisher in Oftfrieslanb erSt fehr wenige
Altertümer vielleid)t hiermit in 23ejtel)ung ju fegen, (Segenfag ju Oftpreußen
fehlt bort vorläufig aud) nod) ber VTad)weis eines wikingifd)en Oräberfelbes.
ntöglid)erweife ift allerbings bas mäd)tigfte vorjeitlid)e Denkmal Oßfrieslanbs, ber
plitenberg bei £eer, ein rieftger wikingifd)er (Erabhügel. Aud) Prof. ^acob^riefen
Hannover) unb Prof, van Oiffen (Oroningen) halten bas bureßaus für bentbar. —
Ausbrücke wie „häufiger" Spatbronjejeit flatt Spatbronjejeit ber „häufiger
Kultur" unb ohne jebe (Erklärung biefes Begriffes ftnb für voltstümlid^ Schriften
nid)t ju empfehlen. Aud) eine Ausmerjung ber ^rembwörter wäre für bie näcßße
Auflage erwünfd)t. Woju brauchen wir j. 23. bie vcltsfremben xfad)ausbrücfe
„ITlefolithifum, VTeoIithit’um" ufw., wo es bod) gute beurfd)e .25ejeid)nungcn
QTiittelfteinjeit unb ^Jungfleinjeit ober mittlere Steinjeit unb jüngere Steinjeit)
bafür gibt. Verhältnis Oftfrieslanb? jum tllitrelpuntt bes norbifd)en Kultur*
tretfes ber jüngeren Steinjeit ift vielleid)t ftärter mit einer gleid)laufenben (Knt*
wictlung ju rechnen unb nid)t nur mit Wanberungen ober vor allem Kulturüber*
tragungen, wie ber Verfajfer annimmt. £ücfen in ber örtlichen Verbreitung ber
^unbe unb ber (Entwidflung mand)er ^ormentreife von Altfadjen bürften bei bem
jegigen Stanb ber oftfrieftfeben ^orfd)ung unb Denkmalpflege fehr gut vielfach nur
SufaU fein, ebenfo wie j. 25. in ben nod) fd)wad) unterfud)ten teilen Ostpreußens
(u. a. im Often unferer provinj). — ^ür bie feffelnben fragen ber frübgermanifeßen
Stammesgefd)id)te weift ber ^orfd)ungsftanb in £Xorbweftbeurfd)lanb nod) jal)lreid)e
Lücken auf. üland)e Fachleute haben bort aud) junäd)ft bte Vorjüge ber Kofftnna*
126
fd)en Kulturgruppenforfd)ung (ber fegen. „Sieblungsardpologie")1) nid)t hin»
reidgenb ausgenutgt ober ftd) fogar bewußt von ihr ferngeh<dten2). Kud) bie ^riefen»
frage wirb von bem ftd) jetgt immer mehr geigenbcn erfrenlid)en Wanbel3) gewiß
ihren Vlu^en tjaben. Die ?lnfid)t bes ^allenfer „(Bermanifien" Prof. 25remer, bie
Urheimat ber ^riefen fei an ber fcbleswighohteinfdien Küste gu fudjen, ift u. a. von
Dr. Ä. Peters aus v^ufum übernommen worben. Prof. 3ylmann hält fte immer»
bin nod) für erorterungsfähig, obwohl er felbft einige gute (Begengrünbe nennt.
Illeines Dafürhaltens läßt ftd) bie fraglid)e ITleinung auf feinen /fall halten, (Es
würbe aber gu weit führen, an biefer Stelle näher barauf eingugehen. 2lud) über
bie altertumsfunblid)e Jeftlegung ber ben Briefen in frühgefd)id)tlid)er 3eit östlid)
benad)barten Thnnfen unb ihr “Verhältnis gu ben Sad)fen ftnb bie 2lnftd)ten ber
^ad)leute bisher nod) geteilt4).
23. ^rhr. v. Kid)tbofen.
Pruffia, 3ciifd)rift für ^eimatfunbe unb ^eimatfdsutg, 23anb 5), /für
bie 2lltertumsgefellfd)aft pruffia l)erausgegeben von Dr. W. (Baerte,
Königsberg.
Wieber bat bie 2lltertumsgefcUfd)aft pruffia, eine ber ältesten geifieswiffen«
fd)aftlid)en Vereinigungen (Dftpreußens, einen 23anb ihrer 3ahresgeitfd)rift heraus»
gebracht. Wieber ift eine Sammlung wertvollster 2luffätge gufammengetragen
worben. (Ein gefd)id)tlid)es Thema gefeilt ftd) 511 Funftgefd)id)tlid)en Unterfuchungen
unb einer befonbers reidghaltigen (Babe aus ber mehr unb mehr aufblühenben
Volfsfunbe. 23efonberc Erwähnung verbienen bie tluffätge von (E. Sd)nippel
„Vom Streitplatg gum Tanitenberge", (Beorg Jritfd): „Die 23urgfird)e gu Königs»
berg i. Pr. unb ihre 23egiehungen gu ^ollanb"; W. (Baerte: „Das tvätfel ber
fd)webifd)en ^elsbilber".
Prof. Sd)nippel bringt hier gufammenfaffenb feine ein Vierteljahrhunbert
betriebenen vforfd)ungen über bie gefd)id)tlid)e Stellung ber erßen Sd)lad)t von
Tannenberg unb ihren Verlauf am K. 3uli )4jo. Vom lEinmarfd) ber vereinigten
Polen unb Litauer ins Solbauer £änbd)en — lßer jeigte ftd) bie große taftifcße
(Befd)icflid)feit ber (Begner, an ber fcbwädjften Stelle bes Drbenslanbes eingubredjen
unb bas (Bebiet fo in gwei Teile gu gerteilen unb mit bem unmittelbaren Vorftoß
auf ben ^od)meißerfttg in ber Ularienburg gewißermaßen ben Stier bei ben
Römern gu paden — geht bie 23efd)reibung über gu ber für ben Deutfd)en Drben
anfänglid) erfolgrcid)en, aber bann bod) verlorenen unb verlustreichen Sd)lad)t.
Der tlusblid über bie Jolgen ihres Verlustes geigt bann nod) bie allgemeine £age
3) Vgl. über biefe g. 25. ben 2luffatg bes uns leiber unlängft burch ben Tob entrißenen
21. Kiefcbufd), unter „Sicblung8ard)äologie", in: ITl. (Ebert, Keallepifon b. Vorgefd).
23b. p 0928).
2) Siebe bagu ttt. Jabns Defprcchung von K. Oacob^ricfens: „(Einführung in
Vlieberfadjfens Ürgefd)id)te", in: Jahresberichte für beutfd)e (Befd)id)te" 25b. 7, )93j,
S.
3) Vgl. g. 25. bie norbmeflbeutfcben Unterfud)ungcn bes immer in biefer Xicbtung
arbeitenben K. Tadenberg burd) fein neues Werf: Die Kultur ber frühen lEifengeit in
tnitteb unb Weftb^nnover, <5ilbesl)eim unb Äeipgig )954-
4) U. Kal)rftebt, Die volitifcbe <Befd)id)te t7ieberfad)fens in ber Kömergeit, in: Vlad)»
richten aus VTieberfad)fens Urgefd)id)te, Vir. 8, J934, S. )—20, unb K. Tadenberg, Tb^tden
unb Sad)fen, in: VIacbrid)ten aus Vlieberfacbfens Urgefd)icbte, Vir. 8, S. 2j—54 — fotvie
bagegen eine bemnäd)ft erfcbeinenbe Arbeit bes auf 2lltertumsfunbe mit eingebenben jungen
Hamburger „(Bermaniften" Dr. 21. Karften.
127
im £anbe Oftpreußen unb ijlellt bie id)fud)tige lanbesverräterifd)e Haltung einjelner
Stäube im (Drbenslanbe ins redite Äid)t. £)ie vorftd)tige Auswertung fämtlid)er
geschriebener Ouellen wie aud) bie genaue Kenntnis ber örtlid)en Verljältniffe haben
l)ier eine wiffenfdfaftlidje Äeiftung gejeitigt. $)ie ruhige unb objeFtive 23etrad)-
tungsweife bes Verfaffers, bie ftd) befonbers in einer Verteibigung bes allju oft ju
unred)t angegriffenen 5^od)meifters jeigt, aber aud) bem (Fegner, ber 5. 23. alle
(Befallenen ber Sd)lad)t gemeinfam beftatten läßt, gered)t ju werben verfudjt,
Fommt nod) baju, um hier ber <Befditd)tswißenfd)aft im beutfd)en Orbenslanbe eine
Stiftung anjureihen, an ber weitere Unterfudfungen nid)| werben vorübergehen
Fennen. 2?ie außerorbentlid) fleißige unb großäugige Sdweibweife läßt es faft
wünfd)enswerr erfd)einen, baß biefer lluffatj als SonberbrucF einer größeren
öffentlid)Fett jugänglid) gemacht wirb.
2?ie 23el)anblung ber (Befd)id->te ber 23urgFirdie ju Königsberg von <B. ^ritfd)
ift mitten l)ine.ngeftellt in bie gefamtpreußifdje OntwicFlung. ^ntereffant ftnb bie
reidjbcbilberten Ausführungen über bie in ben fahren J690—j?o) erfolgte £nt*
ftehung unb ben bem (Befd)macF ber |ftjt, befonbers bes ^errfd)erl)aufes angepaßten
Ausbau $u hollänbifdxen parallelen, wie aud) bie ^erausftellung ihres 23aumeifters
Johann Viering, neben Sd)lüter ber bebeutenbfte 25aumeifter bes preußifd)en Stils
jur 3eit bes (Fronen Kurfürsten.
W. (Baerte, ber sDireFtor bes pruffia>Ulufeums, l)at ftd) bie beFannten tjhwebi*
fd)en ^elsbilber aus ber Vorjeit vorgenommen unb verfud)t, auf einem eigenen
Wege ju einer Deutung biefer vielumftrittenen, wiffenfd)aftlid) l)cd)it reijvollen
unb w»id)tigen 3eid)nungcn ju Fommen. l£r fdjeint tatfäd)lid) einen erfolgreidjen
Weg befd)rltten ju t)aben, benn enblid) werben biefe 23ilber auf — fagen wir ein»
mal menfd)lxd)nal)e Weife betrad)tet unb unter Heranziehung ber vielen voIFs*
unb völFerFunblidjen 23elege aus 23raud) unb Sitte erläutert. £ne Ausführungen
laffen von einem bemnäd)ft erfd)etnenben größeren Werf bes Verfaßers über ben*
felben Vorwurf jal)lreid)e neue Auffddujfe erwarten.
vfür ben Königsberger werben aud) bie ^inweife von (Baerte auf früher im
J6. 3ahrl)unbert ftattgefunbene 23rücFenFampffpiele unb ^ifd)erfted)en intereffant
fein, 23räud)e, bie tief im (BebanFengut ber Vorjeit wurjeln, in anberen »Teilen
&eittfd)lanbs fogar j. cT. bis auf ben heutigen ITag erhalten ftnb.
35aju Fommen nod) Ausführungen von A. <$orn über ^ans Wagner unb fein
Königsberger IHufterbud), eine aufjerorbentlid) grünblid)e unb rief ins Hiaterial
fteigenbe 23etrad)tung unb ein Beitrag jur (Befd)id)te bes beutfd?en KunfthanbwerFs,
eine jufammenfaffenbe überftd)t über ben Staub ber ,^orfd)ung „Vom VolFs*
mardien in Oft* unb We)tpreufen/Z von Karl pienjat, Elbing, über preti£ifd)e
X>olFsbräud)e um bie 2fal)reswenbe unterrid)tet vjerbinanb 23orF, ber au^erorbent*
*id) anregenb nad)juweifen verfugt, wie I)ier alte germamfd)e (Böttervorfiellungen
unb 23rättd)e, im ültttelalter weiter entwickelt unb gering beeinflußt burd) d)riftlid)e
^orftellungen, ftd) bis in bie VTeujeit l)inüberretteten. 23ei berartigen 23etrad)^
iungen erfd)eint aber bod) eine ££inbejiel)ung ber £atfad)e, baß Ostpreußen erft ver*
bältnismäßig fpät germanifd)*beutfd) befiebelt worben i<t unb vieles lEinwanberew
gut germanifd)er 2lrt ju altpreußifd)em XBeftt^ hinjugeFommen fein mag. i£rwäl)nt
fei nod) bie vierte Jfortfetjung bes illtpreußifdfen KbelslepiFons von cBallanbi, worin
bie Stammbäume 23ellier be £ounay v. 23iebcrftein veröffentlicht worben ftnb.
Ver beFannt? ^‘orfd)er in oStpreußifdfen 2lrd)iven, (BoHub, veröffentlid)t einen
Kücßenjettel ber Orbensritter.
128
»bin Bericht über bie ^Eätigfeit ber UltertumsgefeUfcfyaft prujjia in ben
3at>ren jgzS bis J9?4z in bem man einen Heinen Ifinblid: in bie unenblidje ITiube
unb Kleinarbeit, bie bie Äiebe $ur Heimat gerabe in biefer mijfenfcbaftliiben Y^er*
einigungen jeitigt, bekommen fann, befd)lie0t ben 25anb, ben jeber mit 25efriebigung
aus ber ^anb legen wirb. i£r. (Drto Kleemann, Königsberg.
nür -Öen Bntjaft nerantwortlid): Uniü.= ^rof. Tr. Sreitj. v. fRtdjtljofen urv SHuf.=T>ireftor SB.
Öaertc, ßeibe in ®önia86erg $r. Wräfe unb Hager, SSerlas, Söniö&berg ^ßr. SBegusspretS etngeln
9?vJi 1,25. iäbrlicß, IIHV 1-.
Trucf: Sönisböeraer SHlnemetne Beitune nnb SSerlassbrucferei ®. in. b. •§.