ISBN: 978-3-031-76379-3

Текст
                    Efstathios Tingas Hrsg.

Wasserstoff
für zukünftige
thermische
Motoren


Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen
Efstathios-Al. Tingas (Hrsg.) Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen
Hrsg. Efstathios Tingas   School of Engineering and the Built Environment Edinburgh Napier University Edinburgh, UK With Contrib. by Björn Stelzner Karlsruhe Institute of Technology (KIT) Karlsruhe, Deutschland ISBN 978-3-031-76379-3 ISBN 978-3-031-76380-9 (eBook) https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9 Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar. Übersetzung der englischen Ausgabe: „Hydrogen for Future Thermal Engines“ von Efstathios Tingas und Björn Stelzner, © The Editor(s) (if applicable) and The Author(s), under exclusive license to Springer Nature Switzerland AG 2023. Veröffentlicht durch Springer International Publishing. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Buch ist eine Übersetzung des Originals in Englisch „Hydrogen for Future Thermal Engines“ von Efstathios-Al. Tingas, publiziert durch Springer Nature Switzerland AG im Jahr 2023. Die Übersetzung erfolgte mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (maschinelle Übersetzung). Eine anschließende Überarbeitung im Satzbetrieb erfolgte vor allem in inhaltlicher Hinsicht, so dass sich das Buch stilistisch anders lesen wird als eine herkömmliche Übersetzung. Springer Nature arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung von Werkzeugen für die Produktion von Büchern und an den damit verbundenen Technologien zur Unterstützung der Autoren. © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von allgemein beschreibenden Bezeichnungen, Marken, Unternehmensnamen etc. in diesem Werk bedeutet nicht, dass diese frei durch jede Person benutzt werden dürfen. Die Berechtigung zur Benutzung unterliegt, auch ohne gesonderten Hinweis hierzu, den Regeln des Markenrechts. Die Rechte des/der jeweiligen Zeicheninhaber*in sind zu beachten. Der Verlag, die Autor*innen und die Herausgeber*innen gehen davon aus, dass die Angaben und Informationen in diesem Werk zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag noch die Autor*innen oder die Herausgeber*innen übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des Werkes, etwaige Fehler oder Äußerungen. Der Verlag bleibt im Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutionsadressen neutral. Planung/Lektorat: Anthony Doyle Springer Vieweg ist ein Imprint der eingetragenen Gesellschaft Springer Nature Switzerland AG und ist ein Teil von Springer Nature. Die Anschrift der Gesellschaft ist: Gewerbestrasse 11, 6330 Cham, Switzerland Wenn Sie dieses Produkt entsorgen, geben Sie das Papier bitte zum Recycling.
Vorwort Wasserstoff besitzt ein enormes Potenzial als Energieträger und hat sich als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen fossilen Brennstoffen herausgestellt. Da die Welt den Herausforderungen des Klimawandels und der Energiesicherheit gegenübersteht, hat die Wasserstoffverbrennung als saubere und effiziente Energielösung zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Dieses Buch untersucht die Wissenschaft und Technologie der Wasserstoffverbrennung und bietet einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich. Es behandelt die grundlegenden Prinzipien der Wasserstoffverbrennung, einschließlich Verbrennungskinetik, Flammenstabilität und Emissionen, sowie die Gestaltung und Optimierung von Wasserstoffverbrennungssystemen für verschiedene Anwendungen. Das Buch behandelt auch die Herausforderungen und Chancen im Zusammenhang mit der Wasserstoffverbrennung, einschließlich Sicherheits-, Speicher- und Infrastrukturüberlegungen. Es hebt die neuesten Fortschritte in der Wasserstoff­ produktions- und Speichertechnologie sowie die Integration der Wasserstoffverbrennung mit erneuerbaren Energiequellen und anderen Energiesystemen hervor. Ob Sie ein Forscher, Ingenieur oder Student sind, der sich für die Wissenschaft und Technologie der Wasserstoffverbrennung interessiert, oder ein Entscheidungsträger oder Unternehmensleiter, der das Potenzial von Wasserstoff als Energielösung verstehen möchte, dieses Buch bietet eine wertvolle Ressource zum Verständnis des aktuellen Stands und der zukünftigen Perspektiven der Wasserstoffverbrennung. Edinburgh, UK Efstathios-Al. Tingas V
Inhaltsverzeichnis Grundlegende Aspekte Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt wird, was er kosten könnte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Efstathios-Al. Tingas und Alex M. K. P. Taylor Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tamás Turányi 3 73 Laminare Wasserstoffflammen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Pasquale Eduardo Lapenna, Lukas Berger, Francesco Creta und Heinz Pitsch Turbulente Wasserstoffflammen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 A. R. Masri, M. J. Cleary und M. J. Dunn Wasserstoffzündung und Sicherheit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Pierre Boivin, Marc Le Boursicaud, Alejandro Millán-Merino, Said Taileb, Josué Melguizo-Gavilanes und Forman Williams Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische Auswirkungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265 Wonsik Song, Francisco E. Hernández Pérez und Hong G. Im Anwendungen Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme . . . . . . . . . . . . . . 299 Alessandro Parente, Matteo Savarese und Saurabh Sharma Wasserstoffbetriebene Ottomotoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 365 Sebastian Verhelst und James W. G. Turner Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393 Pavlos Dimitriou VII
VIII Inhaltsverzeichnis Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 453 Savvas Gkantonas, Midhat Talibi, Ramanarayanan Balachandran und Epaminondas Mastorakos Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479 Yiguang Ju, Xingqian Mao, Joseph K. Lefkowitz und Hongtao Zhong Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513 Nobuyuki Kawahara und Ulugbek Azimov Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren. . . . . . . 541 Mohit Raj Saxena und Rakesh Kumar Maurya Detonative Antriebstechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 583 P. Wolański, M. Kawalec und K. Benkiewicz
Über den Herausgeber Efstathios-Al. Tingas PhD, FHEA ist Dozent (Assistant Professor) für Ingenieurmathematik an der School of Computing, Engineering and the Built Environment der Edinburgh Napier University. Er hat einen BEng (Hons) in Luftfahrttechnik (Hellenic Air Force Academy) und einen PhD in Mechanik (National Technical University of Athens, Griechenland) in den breiten Bereichen der numerischen Strömungsmechanik und angewandten Mathematik. Bevor er zur Edinburgh Napier University kam, arbeitete er als Dozent für Ingenieurwesen und Luftfahrt am Perth College, UHI, wo er auch als Programmleiter für den Studiengang Flugzeugtechnik tätig war. Er ist Experte für die mathematische Modellierung und dynamische Analyse von Multiskalensystemen mit Schwerpunkt auf reagierenden Strömungen erneuerbarer Brennstoffe, nämlich Wasserstoff, Ammoniak und Biokraftstoffe. Er ist als Manuskriptgutachter für eine Reihe von Q1-Zeitschriften, als Gutachter für Förderanträge und als Mitglied von Gremien der britischen Forschungsräte und verschiedener britischer und schottischer Stiftungen sowie als externer Prüfer für verschiedene Programme im In- und Ausland tätig. IX
Grundlegende Aspekte
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt wird, was er kosten könnte Efstathios-Al. Tingas und Alex M. K. P. Taylor Zusammenfassung Obwohl das Thema dieses Buches Wasserstoff in Wärmekraftmaschinen ist, sind weder der Brennstoff noch die Motoren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weitgehend kommerziell verfügbar: Es ist auch unwahrscheinlich, dass sich diese Situation vor dem Ende dieses Jahrzehnts ändern wird. Nichtsdestotrotz bezieht sich der Hintergrund dieses Buches auf die Anwendungen, die umgangssprachlich als die „schwer zu dekarbonisieren“ bekannt sind, womit hauptsächlich der Langstreckentransport zu Land (weiter als 500 Meilen oder Mehrschichtrouten), zu Wasser und in der Luft gemeint ist und die mechanische Leistung benötigen, wie sie von einer Wärmekraftmaschine bereitgestellt werden könnte. Dieses einführende Kapitel befasst sich damit, wie schnell, wie weit verbreitet und zu welchen Kosten dieser Brennstoff in diesen Anwendungen in den Jahren bis 2050 und darüber hinaus verwendet werden könnte. Dieses Kapitel beginnt mit einer kurzen Darstellung, wie sich das Verständnis der schädlichen Auswirkungen anthropogener Emissionen von Kohlendioxid, einem wichtigen „Treibhausgas“ (THG), auf das Klima entwickelt hat. Um diese Auswirkungen zu verringern, verfolgen wir als nächstes, wie es zu einem globalen Konsens darüber kam, dass die Emissionen dieser Gase reduziert werden sollten und in welchem Zeitrahmen. Die THG werden durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe zur Energieversorgung einer Vielzahl industrieller Aktivitäten emittiert: Folglich gibt es eine Vielzahl von Fahrplänen und Vorschlägen, wie wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz der Umwelt in Einklang gebracht werden kann. Dies beinhaltet zumindest die Beseitigung der Emission von THG: vorzugsweise durch den Verzicht, fossile Brennstoffe zu verbrennen. Für die in diesem Buch betrachtete „schwer zu dekarbonisierende“ E.-A. Tingas (*) School of Computing, Engineering and the Built Environment, Edinburgh Napier University, Edinburgh, UK E-Mail: e.tingas@napier.ac.uk A. M. Taylor Thermofluids Division, Department of Mechanical Engineering, Imperial College London, London, UK E-Mail: a.m.taylor@imperial.ac.uk © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_1 3
4 E.-A. Tingas und A. M. Taylor Anwendung, die ü­ berwiegend den Transport betrifft, impliziert dies einen anderen Brennstoff als einen Kohlenwasserstoff: Wasserstoff wurde in einigen Sektoren als möglicher Brennstoff vorgeschlagen. Der Vorschlag impliziert die Notwendigkeit, die ingenieurwissenschaftlichen und technologischen Aspekte der Verbrennung von Wasserstoff zu bewerten, was das Anliegen des restlichen Buches ist. Dieses Kapitel untersucht, welche Anwendungen Wasserstoff nutzen könnten, wie Wasserstoff in dem erforderlichen großen Maßstab hergestellt, verteilt und gespeichert werden kann und zu welchen Kosten. Dies geschieht durch Bezugnahme auf erstens globale Überlegungen und zweitens die jüngsten Pläne, die von zwei „kontinentgroßen“ Volkswirtschaften erstellt wurden. Unser Epilog ist ein warnender, der den Leser an die rasante Entwicklung der Politik in Bezug auf Wasserstoff erinnert, insbesondere in letzter Zeit, und impliziert, dass in Zukunft Entwicklungen wahrscheinlich sind. 1 Von der Wissenschaft zum Erdgipfel in Rio Es ist seit langem bekannt, dass die Temperatur der Erde1 durch die Existenz der Atmosphäre beeinflusst wird [1], dass die Anwesenheit selbst der geringen atmosphärischen Konzentration von Kohlendioxid wichtig ist [2], und dass die Wirkung einer Verdoppelung der Kohlendioxidkonzentration – sollte sie irgendwie auftreten – prinzipiell berechnet werden könnte [3].2 Bis 1938 war es möglich zu schätzen, dass [4]: die anthropogene Kohlendioxidemission betrug 150.000 Mio. Tonnen; ein erheblicher Teil davon in der Atmosphäre verblieben war; die Strahlungsabsorption durch Kohlendioxid und Wasserdampf zu einer Erhöhung der mittleren Temperatur um 0,003 °C pro Jahr führte. Auf einer „groben Ebene“ waren daher einige Aspekte der globalen Erwärmung vor dem Zweiten Weltkrieg bekannt: Es sollte jedoch beachtet werden, dass die Schlussfolgerung in [4] eine optimistische über die Auswirkungen der globalen Erwärmung war! Abgesehen von den Unsicherheiten bei den Werten der Absorptionskoeffizienten gab es jedoch zwei Schwachstellen in dieser Veröffentlichung. Erstens gab es erhebliche Unsicherheiten bei der Messung der geringen Konzentration von Kohlendioxid in 1 Der Schwerpunkt liegt auf erneuerbarem Wasserstoff: Wir erwähnen kurz Ammoniak als Brennstoff, schließen jedoch kohlenstoffbasierte Brennstoffe aus, auch wenn sie erhebliche Mengen an erneuerbarem Wasserstoff benötigen könnten. Daher betrachten wir keine synthetischen Kraftstoffe und keinen „nachhaltigen Flugkraftstoff“ für Düsenflugzeuge. Wir berücksichtigen jedoch Wasserstoff, der aus fossilen Brennstoffen mit irgendeiner Form von Kohlenstoffabscheidung und -speicherung hergestellt wird. 2 Andere Anwendungen, die schwer zu dekarbonisieren sind, umfassen die Eisenschmelze und die Stahlherstellung sowie die industrielle Hochtemperaturheizung: Obwohl sie für „Wärmekraftmaschinen“ nicht relevant sind, sind diese Wasserstoffverbraucher entscheidend, um Skaleneffekte zu erzielen, die die Kosten für Produktion, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff senken.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 5 der Atmosphäre, was zwangsläufig ein wichtiges Hindernis darstellte.3 Zweitens gab es Unsicherheiten in der Rate, mit der das Meer (das offensichtliche und bekannte Reservoir-Senke für Kohlendioxid) Kohlendioxid mit der Luft austauscht und daher, ob vernünftigerweise erwartet werden konnte, dass die Atmosphäre die Emission aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe behalten würde. Die 1957 von Revelle und Suess am Scripps Institution of Oceanography, SIO [5], verfasste Arbeit ist berühmt4 als die erste, die diese letzte Frage ansprach: Eine überraschende Schlussfolgerung der Arbeit ist, dass es zu dieser Zeit unklar5 war, ob ein erheblicher Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids tatsächlich Auswirkungen auf Wetter und Klima haben würde.6 1958 begann Keeling (ebenfalls am SIO), um die erste Unsicherheit zu beseitigen, zuverlässige Messungen der atmosphärischen Konzentration von Kohlendioxid in der Nähe des Mauna Loa Observatoriums auf Hawaii durchzuführen, als Teil eines langfristigen Programms „um die Auswirkungen der Verbrennung von Kohle und Erdöl auf die Verteilung von CO2-Gas in der Atmosphäre zu dokumentieren“. Bis 1965 war Keeling7 nicht nur in der Lage, die Kohlendioxidwerte genau zu messen, sondern auch zu zeigen, dass die CO2-Konzentration mit einer durchschnittlichen Rate von 0,7 ppm pro Jahr zunahm – die Zunahme, 3 Auch Offroad-Anwendungen. Arbeit war aus zwei Gründen bemerkenswert. Einer war die Nutzung experimenteller Messungen, die durch den sogenannten „Suess-Effekt“ interpretiert wurden, bei dem die Verbrennung fossiler Brennstoffe, die kein Kohlenstoff-14 enthalten, Kohlendioxid freisetzt, das das Verhältnis von radioaktivem zu nicht-radioaktivem Kohlenstoff in der Atmosphäre, im Ozean und in der Biosphäre reduziert. Der andere war die Identifizierung der Existenz des wichtigen und subtilen „Puffereffekts“ von Meerwasser bei der Aufnahme von Kohlendioxid. 5 „…In Anbetracht des wahrscheinlich großen Anstiegs der CO -Produktion durch die Ver2 brennung fossiler Brennstoffe in den kommenden Jahrzehnten kommen wir zu dem Schluss, dass ein Gesamtanstieg von 20–40 % des atmosphärischen CO2 erwartet werden kann. Dies sollte sicherlich ausreichen, um die Auswirkungen, falls vorhanden, von Veränderungen des atmosphärischen Kohlendioxids auf Wetter und Klima auf der ganzen Erde zu bestimmen…“. 6 Sie kamen fälschlicherweise zu dem Schluss, „…dass der größte Teil des durch künstliche Brennstoffverbrennung seit Beginn der industriellen Revolution freigesetzten CO2 von den Ozeanen absorbiert worden sein muss…“, weil sie nur den stationären Zustand betrachteten und annahmen, dass „…das kombinierte marine und atmosphärische Kohlenstoffreservoir ein geschlossenes System im Gleichgewicht ist…“. Die Schlussfolgerung wurde sofort von Forschern der Universität Stockholm [6] widerlegt, die unter anderem zeigten, dass es notwendig war, das Meer als mindestens zwei separate gut durchmischte Reservoirs mit stark unterschiedlichen Zeitkonstanten zu betrachten. Sie kamen somit zu der wichtigen Schlussfolgerung, dass „…seit dem letzten Jahrhundert möglicherweise ein erheblicher Anstieg der Menge an CO2 in der Atmosphäre aufgetreten sein könnte…“. Einer der Autoren zeigte weiter [7] im Detail, dass „…die Austauschrate [der Austausch von Kohlendioxid zwischen der Atmosphäre und dem Meer] aufgrund der endlichen Hydratationsrate von CO2 im Wasser erheblich verringert ist. Dies gilt sowohl für eine glatte Wasseroberfläche, bei der die molekulare Diffusion in den ersten wenigen Hundertstel Millimetern eine Rolle spielt, als auch für ein raues Meer, bei dem die Turbulenz bis zur Oberfläche reicht“. 7 Die chronischen Schwierigkeiten, die Keeling hatte, um kontinuierliche Finanzierung für diese wichtige Forschung zu sichern, sind in [9] beschrieben. 4 Ihre
6 E.-A. Tingas und A. M. Taylor die heute als „Keeling-Kurve“ bekannt ist [8]. Ebenfalls 1965 hatte Revelle – nun als Vorsitzender einer Gruppe, die einen Anhang mit dem Titel „Atmosphärisches Kohlendioxid“ für das Wissenschaftliche Beratungskomitee des Präsidenten schrieb [10], mit Keelings Beitrag [9] – seine Sichtweise von 1958 erheblich geändert, um zu schreiben, dass „…bis zum Jahr 2000 der Anstieg des atmosphärischen CO2 nahe bei 25 % liegen wird. Dies könnte ausreichen, um messbare und vielleicht deutliche Veränderungen im Klima zu erzeugen und wird fast sicher signifikante Veränderungen in der Temperatur und anderen Eigenschaften der Stratosphäre verursachen. Derzeit ist es unmöglich, diese Effekte quantitativ vorherzusagen, aber jüngste Fortschritte in der mathematischen Modellierung der Atmosphäre, unter Verwendung großer Computer, könnten innerhalb der nächsten 2 oder 3 Jahre nützliche Vorhersagen ermöglichen. Die klimatischen Veränderungen, die durch den erhöhten CO2-Gehalt verursacht werden könnten, könnten aus der Sicht des Menschen nachteilig sein“. Bis 1965 war dann „…die durch den menschlichen Verbrauch fossiler Brennstoffe verursachte CO2-induzierte Erwärmung als eines der beunruhigenden menschengemachten Probleme identifiziert worden, die die Wissenschaft möglicherweise lösen muss…“8 [11]. Doch selbst noch 1970 fühlte sich Keeling nicht in der Lage, die provokative Frage seiner Arbeit [12] definitiv zu beantworten, trotz der Veröffentlichung einer Berechnungsmethode [13], die drei Jahre zuvor beschrieben wurde: Ein Grund, warum die Berechnungen „keine genauen Vorhersagen“ sind, war beispielsweise das Fehlen eines dynamischen Modells für Wolken. Dennoch ist es argumentierbar [14], dass „nützliche Vorhersagen“ im Sinne von zuverlässigen Modellen9 zur Quantifizierung der globalen Erwärmung tatsächlich mit der Veröffentlichung von Manabe und Wetherald im Jahr 1967 [13] am Geophysical Fluid Dynamics Laboratory (damals in Washington, jetzt Princeton) zu erscheinen begannen. Sie betrachteten das eindimensionale strahlungskonvektive thermische Gleichgewicht der Atmosphäre, wobei der entscheidende Fortschritt darin bestand, dass sie die relative, anstatt wie in ihrer früherer Arbeit die absolute, Luftfeuchtigkeit betrachteten. Dies ermöglichte das Wasserdampf-Treibhauseffekt-Feedback auf die atmosphärische Temperatur und überraschenderweise führte selbst dieses grobe Modell (Manabe und Wetherald gingen 1975 zu einem dreidimensionalen allgemeinen Zirkulationsmodell über [15], um die Wärmeübertragung durch großräumige Wirbel explizit zu behandeln) zu Vorhersagen über die Auswirkungen der Oberflächentemperatur bei Verdoppelung des Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre, die den Ergebnissen viel komplizierterer, 8 Dieser Verweis bietet die Perspektive auf die viel breitere Forschung (z. B. Wettervorhersage für das Militär, mit Ursprüngen in den USA aus dem Zweiten Weltkrieg, Verfolgung von bestrahltem Material aus den Atomwaffentests und das Aufkommen programmierbarer digitaler Computer) und das politische Umfeld sowie die beteiligten Persönlichkeiten, die zur Bedeutung von Kohlendioxid in der Atmosphäre führten. 9 Modelle, die die Auswirkungen von Wasserdampf, Ozon, niedrigen, mittleren und hohen Wolken, Albedo sowie CO2 einbeziehen.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 7 neuerer Modelle nahekommen. Als Folge davon und vieler nachfolgender Arbeiten wurde der Nobelpreis für Physik 2021 an Manabe (gemeinsam mit Hasselmann und Parisi) für „die physikalische Modellierung des Klimas der Erde, die Quantifizierung der Variabilität und die zuverlässige Vorhersage der globalen Erwärmung“ verliehen. Dies war ein internationales Problem, das nach einer internationalen Lösung verlangte: und es gab einen ermutigenden Präzedenzfall. Internationale Maßnahmen zum „Ozonloch“ verliefen relativ unkompliziert von der wissenschaftlichen Faktenfindung und dem Konsens zu einem Rahmenübereinkommen über politische Ziele, das zur Wiener Konvention von 1985 führte, die national durch das Montrealer Protokoll durchgesetzt wurde. Im Gegensatz dazu war der „Weg nach Rio“ (formell die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung) lang und kompliziert, wie in [16] beschrieben. Es ist möglich, mehrere Meilensteine auf diesem Weg zu erkennen. Der erste war wohl die Konferenz von 1972 in „Stockholm“ (formell die Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt), die die Notwendigkeit verdeutlichte, Entwicklung mit dem Schutz der Umwelt als globales politisches Thema in Einklang zu bringen, und einen Rahmen für den Umgang damit schuf. Der zweite war ein Bericht, der 1985 veröffentlicht wurde und das Ergebnis einer Reihe wissenschaftlicher Konferenzen über den Klimawandel in Villach (Österreich) war, die vom Internationalen Rat der Wissenschaftlichen Vereinigungen und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) veranstaltet wurden. Unter der Leitung eines angesehenen und erfahrenen schwedischen Meteorologen, Bert Bolin, forderte der Bericht, über die reine Wissenschaft hinauszugehen und sich mit politischen Maßnahmen zu befassen. Der Villach-Bericht selbst war so maßgeblich, dass zusammen mit anderen Konferenzen bei dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) der Schwung für Maßnahmen wuchs, möglicherweise nach dem Muster des Ozonlochs. Zusammen mit der WMO gründete das UNEP 1988 das Zwischenstaatliche Programm zum Klimawandel (IPCC), einen Mechanismus zur Schaffung eines wissenschaftlichen Konsenses über den Klimawandel, was den dritten Meilenstein darstellt. Das IPCC, unter dem Vorsitz von Bolin, legte 1990 seinen ersten Bewertungsbericht vor, der einer der wichtigen Schritte war, die 1992 zum „Erdgipfel von Rio“ (formell die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, UNFCCC) führten, was den vierten Meilenstein darstellt. Dies führte zu einem Vertrag, der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, und 1997 zu „Kyoto“ (formell die Dritte Konferenz der Vertragsparteien der UNFCCC), um verbindliche Ziele zu vereinbaren. 2 Wasserstoffprogramme vor 2015 Die Auswahl der wenigen Daten und Berichte im vorangegangenen Absatz ist eine Vereinfachung: Es gab viele Veröffentlichungen und Berichte über die Bekämpfung oder Minderung des Klimawandels lange vor 1992, einschließlich
8 E.-A. Tingas und A. M. Taylor der Nutzung von Wasserstoff als Brennstoff. Dazu gehört beispielsweise das Hydrogen Implementing Agreement, das 1977 von der IEA gegründet wurde10 [17], das eine Reihe solcher Berichte erstellt hat. Tatsächlich gehen einige bedeutende nationale Programme im Zusammenhang mit Wasserstoff als Energieträger der „Rio Earth Summit“ voraus. Eines der ersten war Japans „Sunshine Project“, das 1974 ins Leben gerufen wurde, motiviert durch die „erste Ölkrise“ im Jahr 1973, durch die Sorge um die Abhängigkeit von der endlichen Ressource fossiler Brennstoffe und durch die Erkenntnis der schädlichen Auswirkungen der Verschmutzung. Wasserstoff war eine von vier „neuen Energien“, um eine „stabile Versorgung“ zu gewährleisten. Das Programm wurde 1993 mit zwei anderen zum „New Sunshine Program“ zusammengeführt (das bis 2020 laufen sollte), wobei eines der Projekte das WE-NET war, ein weltweites Energienetzwerk, das auf erneuerbaren Energien basiert und in Wasserstoff als transportable Form dieser Energie umgewandelt wurde [18]. Ein weiteres nationales Programm war das der Vereinigten Staaten von Amerika, das in den 1970er Jahren zögerlich begann [19] mit der Sorge um „Energiesicherheit und Abhängigkeit von ausländischem Öl“ [20] und begann seit 1990, sich mit Mainstream-Anwendungen zu befassen11 (obwohl die USA ein länger bestehendes, wenn auch nischenhaftes Interesse an Wasserstoff hatten.12). Diese wandelten sich 2002 in eine National Hydrogen Energy Roadmap (die sich bis 2030 und darüber hinaus erstreckte) [22]. Die Ziele waren, „…wachsende Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung, Sicherheit, Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen Amerikas zu lösen…“ [23]. Im folgenden Jahr war die Vereinigten Staaten Gründungsmitglied der International Partnership for Hydrogen and Fuel Cells in the Economy (IPHE), „… die 2003 gegründet wurde, um die internationale zwischenstaatliche Zusammenarbeit bei Wasserstoff und Brennstoffzellen zu fördern…“ [24]. Bis 2011 hatten die USA einen Hydrogen and Fuel Cells Program Plan [25] als „…Schlüsselelemente eines breiten Portfolios zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen, sicheren und nachhaltigen sauberen Energiewirtschaft…[und] Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 80 % bis 2050…“. Das US DOE Hydrogen Program [20] „… etablierte einen Rahmen, um F&E zu wasserstoffbezogenen Technologien zu fördern und institutionelle und marktbezogene Barrieren für die Einführung in verschiedenen Anwendungen und Sektoren zu beseitigen…“ [26] und hat regelmäßig eine beeindruckend breite und gut finanzierte Basis von Fahrplänen und Visionsdokumenten, Programmplänen und Wasserstoff und Brennstoffzellenplänen der Program Offices aufrechterhalten und erneuert [27]. Obwohl Brennstoffzellen bei weitem nicht der einzige Fokus sind, findet sich die Paarung von Wasserstoff mit 10 Seit 2020 bekannt als das Hydrogen Technology Collaboration Programme. „Spark M. Matsunaga Hydrogen Research, Development, and Demonstration Act“ von 1990, der zur Hydrogen Technical Advisory Panel führte [21]. 12 Zum Beispiel: lange vor dem Raumfahrtprogramm war Wasserstoff 1956 ein Schwerpunkt für die Entwicklung des Lockheed CL-400 Suntan-Flugzeugs, was zur Atlas-Centaur und letztlich zu den berühmten Saturn-V-Trägerraketen führte. 11 Der
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 9 Brennstoffzellen zur Bereitstellung von mechanischer Leistung in der gesamten Literatur und tatsächlich in Fahrplänen der Regierungen und erheblichen F&EFinanzierungen. Es gab eine Vielzahl von Motivationen hinter dem bisherigen Interesse, Wasserstoff zu einem „Energieträger“ zu machen, wobei die Reduzierung von Treibhausgasen nicht immer die Priorität war. Wasserstoff ist immer noch kein Energieträger geworden, sondern bleibt fest in seiner historischen Rolle als Industriechemikalie für die Raffination13 von fossilen Brennstoffen, als Rohstoff zur Herstellung von Ammoniak oder Methanol und für direkt reduziertes Eisen [28]. Es gab mehrere Gründe für das Fehlen einer nationalen Politik, um ihn als Energieträger zu verfolgen [29]. Schließlich wurden nach der ersten Ölkrise fossile Brennstoffe wieder weit verbreitet und relativ günstig verfügbar, die Kernenergie (fast die einzige ausreichend große Energiequelle, um den Wasserstoff in den erforderlichen Mengen zu erzeugen, aber ohne Treibhausgase zu emittieren) stieß auf abnehmende öffentliche Akzeptanz, und die Luftverschmutzung durch Autos nahm aufgrund technologischer Fortschritte bei Verbrennungsmotoren ab. Obwohl die Besorgnis über die globale Erwärmung in den 1990er Jahren zunahm, bremste der niedrige finanzielle Preis fossiler Brennstoffe den Fortschritt in Richtung „Sequestrierung“ von Kohlendioxid, indem seine Emission durch Kohlenstoffabscheidung und -speicherung14 (CCS) aus Anlagen, die Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen erzeugten (d. h. Dampfreformierung von Methan, autotherme Reformierung, Kohle- und Biogasvergasung). Das Potenzial von Wasserstoff-Brennstoffzellen als Quellen für mechanische Leistung, einschließlich, aber nicht beschränkt auf den Straßenpersonenverkehr, wurde durch ihre Kosten und die Notwendigkeit, eine störende, umfangreiche, teure Infrastruktur15 für die Produktion, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff behindert – die in jedem Fall nicht in den erforderlichen Mengen existierte (das sogenannte „Henne-Ei-Problem“). Bis 2010 wurde die Motivation für wasserstoffbetriebene Personen fahrzeuge, die Brennstoffzellen verwenden, durch die bevorstehende Verfügbarkeit des batterieelektrischen Fahrzeugs untergraben, das auf bestehende Infrastruktur angewiesen war und daher schneller und einfacher zu implementieren war. 13 Um Schwefel zu entfernen und leichtere Fraktionen aus schwereren zu erzeugen. die Analyse der Speicherung darauf hindeutet, dass der Kohlenstoff sicher für 1.000 Jahre zurückgehalten werden kann, [30] kommt zu dem Schluss, dass „…das langfristige Verhalten von CO2 im Untergrund bleibt eine wesentliche Unsicherheit…“. 15 Referenz [26] schätzt, dass die Infrastruktur zwischen 14 und 18 % der globalen kumulativen Investitionen bis 2050 in den jeweiligen „Announced Pledges Scenario“ (575 Mrd. $) und dem „Net Zero Emissions“ (1400 Mrd. $) ausmacht. Der „Announced Pledges Case (APC)“ geht davon aus, dass alle angekündigten nationalen Netto-Null-Verpflichtungen vollständig und pünktlich erreicht werden, unabhängig davon, ob sie derzeit durch spezifische Politiken untermauert sind oder nicht. Das „Net-Zero Emissions by 2050 Scenario (NZE)“ beschreibt, wie sich die Energienachfrage und der Energiemix entwickeln müssen, wenn die Welt bis 2050 NettoNull-Emissionen erreichen will. 14 Während
10 E.-A. Tingas und A. M. Taylor 3 Von Kyoto über Paris nach Glasgow und weiter bis 2050 Das „Kyoto-Protokoll“ von 1997 machte einen bescheidenen Anfang mit einem Rahmenwerk zur Begrenzung der Emissionen von Treibhausgasen (THG). Es war jedoch zwangsläufig durch die Tatsache stark eingeschränkt, dass nicht nur die kanadische Regierung sich aus dem Protokoll zurückzog, sondern auch die USRegierung beschloss, den Vertrag nicht dem Senat zur Ratifizierung vorzulegen. Die Gründe für Letzteres werden ausführlich in [16] erklärt. Die Annahme des Jahres 2050 als ein weit diskutiertes und vielleicht „letzte Chance“-Ziel, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels durch das Erreichen von „NettoNull“-Emissionen anthropogener THG (insbesondere, aber nicht nur, Kohlendioxid) zu begrenzen, entstand 2015 in den sogenannten Pariser Klimaabkommen [31], die aus der 21. Konferenz der Vertragsparteien der UNFCCC in Paris hervorgingen. Alle Vertragsparteien des Pariser Abkommens wurden eingeladen, bis 2020 ihre langfristigen Strategien zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts zu kommunizieren. Das damit verbundene Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, entstand ebenfalls aus diesen Abkommen, wenn auch als eine von mehreren Zahlen. Wenn man ein Datum nach 2015 suchen würde, das in der öffentlichen Wahrnehmung die Verbindung von 2050 und 1,5 °C endgültig festigte, könnte man vernünftigerweise das Jahr 2018 anführen, als der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen16 seinen „Sonderbericht über die globale Erwärmung von 1,5 °C“ [32] veröffentlichte. Dieser Bericht verstärkte wahrscheinlich die Auslösung breiterer nationaler Bemühungen17, die THG-Emissionen stärker zu begrenzen als bisher. Von Bedeutung für dieses Kapitel war die anschließende Anfrage der japanischen Regierung unter ihrer G20-Präsidentschaft an die Internationale Energieagentur18 (IEA) zur Veröffentlichung einer Studie über die potenzielle Rolle von Wasserstoff in globalen Energiewenden [29] im Jahr 2019 zur Vorlage bei den G20-Energieund Umweltministern. So nützlich eine solche Studie auch war, musste der tatsächliche oder potenzielle Beitrag von Wasserstoff zur Reduzierung von THG im Gesamtkontext der globalen Energieproduktion, -speicherung und -verteilung sowie der Kontrolle von THG betrachtet werden. Die Zeit war reif für einen Aktionsplan, den die IEA 2021 veröffentlichte [33], vorbereitet auf Anfrage des britischen Präsidenten der 26. COP der UNFCCC, allgemein bekannt als COP 26, die in Glasgow stattfand. Im selben Jahr veröffentlichte die Internationale 16 IPCC, ein Gremium der Vereinten Nationen, das 1988 mit komplizierten Ursprüngen gegründet wurde, die in [16] beschrieben sind. 17 Wie wir weiter unten argumentieren, gibt es jedoch mindestens einen weiteren und ebenso wichtigen Grund. 18 Die IEA entstand nach der „Ölkrise“ von 1973: Sie ist eine autonome Organisation unter dem Dach der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 11 Agentur für Erneuerbare Energien19 (IRENA) einen Bericht über Wasserstoff im Kontext der Geopolitik der Energiewende. Auf der COP 26 starteten einige Länder die „Durchbruch-Agenda20“: Diese „Glasgow-Durchbrüche“ umfassten Wasserstoff, für den der Durchbruch „Erschwinglicher erneuerbarer und kohlenstoffarmer Wasserstoff ist weltweit bis 2030 verfügbar“ [35] ist. Die Berichte sind die jüngsten, die von und für ein internationales Publikum erstellt wurden, um die Bedeutung des Beitrags von Wasserstoff hervorzuheben. Das Unterscheidungsmerkmal der oben genannten Referenzen ist, dass ihre Zielgruppe Regierungen weltweit waren; und, was entscheidend ist, die meisten wurden von Regierungen (oder Regierungsstellen) für die internationale Betrachtung in Auftrag gegeben. Solche Berichte sind wichtig, um internationale, koordinierte Maßnahmen zur Begrenzung der THG-Emissionen anzuregen. 4 Überblick: Das „Netto-Null-Emissionsszenario“ und das „1,5 °C-Szenario“ Der vorangegangene Abschnitt hat festgestellt, dass Regierungen weltweit anerkannt haben, dass es dringend notwendig ist, Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Erwärmung zu ergreifen, hauptsächlich durch die Reduzierung der Emissionen von THG, die hauptsächlich als Nebenprodukt der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen entstehen. Ein Ziel ist es, bis 2050 „Netto-Null“-THGEmissionen zu erreichen, und die IEA21 und IRENA – unter anderen – haben Fahrpläne erstellt, die vorschlagen, wie der Übergang auf globaler Ebene erfolgen könnte. Abb. 1 [26], von der IEA, zeigt den Anteil des „endgültigen Energieverbrauchs“ (TFC) nach Brennstoff im Jahr 2020 und wie die Situation im Jahr 2050 gemäß dem „Netto-Null-Emissionsszenario (NZE)“ aussehen könnte, zusätzlich zur „kumulativen Emissionsreduktion durch Minderungsmaßnahmen“ im Zeitraum 2021–2050. Derzeit wird das wenig produzierte Wasserstoff überwiegend aus fossilen Quellen gewonnen; laut IEA könnten bis 2050 über 500 Mt/Jahr produziert werden, wobei knapp die Hälfte immer noch aus fossilen Brennstoffen stammt, jedoch nun mit Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung 19 Die IRENA wurde 2009 gegründet und hat ihre Ursprünge im Brandt-Bericht von 1980. Sie ist ein Beobachter der Vereinten Nationen. 20 „…Ein Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit in diesem Jahrzehnt, um die Entwicklung und den Einsatz sauberer Technologien und nachhaltiger Lösungen zu beschleunigen…“ [34]. 21 Das „Netto-Null-Emissionsszenario bis 2050 (NZE) … beschreibt, wie sich die Energienachfrage und der Energiemix entwickeln müssen, wenn die Welt bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen will“.
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 12 Anteil von TFC (%) Andere Verhalten und Kraftstoffverschiebungen vermiedene 5% Nachfrage CCUS 11% 11% Leistung der Technologie 13% Elektrifizierung 19% Kohle Öl Erdgas Erneuerbare Energien Elektrizität Wasserstoff Fernwärme Wasserstoff 6% Erneuerbare Energien 35% Fossil Nebenprodukt Fossil mit CCUS Elektrizität Abb. 1 a Anteil des gesamten Endenergieverbrauchs nach Brennstoff im NZE, 2020–2050. b Quellen der Wasserstoffproduktion im NZE, 2020–2050. c Kumulative Emissionsreduktion durch Minderungsmaßnahmen im NZE, 2021–2050. Anmerkungen NZE = Netto-NullEmissionsszenario. TFC = gesamter Endenergieverbrauch. CCUS = Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung. „Verhalten“ bezieht sich auf Änderungen der Energiedienstleistungsnachfrage, die mit Nutzerentscheidungen verbunden sind (z. B. Änderungen der Heiztemperatur). „Vermeidete Nachfrage“ bezieht sich auf Änderungen der Energiedienstleistungsnachfrage durch technologische Entwicklungen (z. B. Digitalisierung). „Andere Brennstoffwechsel“ bezieht sich auf den Wechsel von Kohle und Öl zu Erdgas, Kernenergie, Wasserkraft, Geothermie, konzentrierter Solarenergie oder Meeresenergie. „Wasserstoff“ umfasst Wasserstoff und wasserstoffbasierte Brennstoffe. Nachgedruckt aus Ref. [26] (CCUS22). Der Rest wird Elektrizität als Energiequelle zur Wasserstoffproduktion nutzen. Abb. 2 [36] liefert die entsprechenden Werte von IRENA für die Aufschlüsselung des TFC für 2019 und die Schätzungen für 2030 und, in Abb. 3 [36], für 2050. IRENA ist der Ansicht, dass bis 2030 ein Drittel aus „erneuerbarer“ Energie stammen könnte und bis 2050 zwei Drittel: Die Schätzung der IEA geht von einem etwas höheren Anteil bis 2050 aus. Die IRENA-Abbildung zeigt auch, dass bis 2050 bis zu einem Viertel dieses Wasserstoffs international gehandelt wird. Abb. 4 [38] zeigt, dass die entsprechenden Kohlenstoffemissionsminderungen unter dem „1,5 °C“ Szenario23 könnte etwa 6 % der Emissionsreduktion liefern; die von der IEA projizierten Werte sind etwas anders, aber vergleichbar mit denen der IRENA. Auf globaler Ebene schätzt Ref. [38], dass die Elektrifizierung etwa 70 % der erforderlichen Reduktion der CO2-Gase liefern wird, wie in der Abbildung gezeigt. Referenz [40] schätzt, dass im Jahr 2050 fast 14 Terawatt (TW) Solar-Photovoltaik (PV), 6 TW Onshore-Wind und 4–5 TW E ­ lektrolyse benötigt 22 Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung. IRENA 1,5 °C-Szenario „…beschreibt einen Energiewendepfad, der mit der 1,5 °C-Klimazielsetzung übereinstimmt – das heißt, die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Niveaus zu begrenzen“ [39]. 23 Das
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 13 2030 - Wo wir sein müssen (1.5-S) Gesamter Endenergieverbrauch Gesamter Endenergieverbrauch Anteil der erneuerbaren Energien am Wasserstoff: Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärme: Fernwärme Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärme: Wasserstoff (direkte Nutzun und E-Kraftstoffe) Fernwärme Öl Erdgas Traditionelle Biomasse Elektrizität (direkt) Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizität Kohle Öl Erdgas Moderne Biomasse andere erneuerbare Energien Kohle andere erneuerbare Energien Moderne Biomasse Elektrizität (direkt) Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizität Abb. 2 Aufschlüsselung des gesamten Endenergieverbrauchs nach Energieträger im Jahr 2019 und 2030 (EJ) unter dem 1,5 °C-Szenario. Nachgedruckt aus Ref. [36] werden, um ein Netto-Null-Emissions-Energiesystem zu erreichen. Abb. 5 [38] zeigt, dass die aktuelle (2020) Nachfrage nach Wasserstoff von der Nutzung in der Ölraffination und der Ammoniakproduktion dominiert wird: bis 2050 wird die Nachfrage über 600 Mt/Jahr betragen, etwas höher als von der IEA geschätzt, wobei das große Wachstum im Transportsektor zu verzeichnen ist. Die Nachfrage des (elektrischen) Energiesektors ist ebenfalls bemerkenswert, der erwartet wird, Wasserstoff zu nutzen, um die Schwankungen im Angebot (insbesondere aufgrund der Variabilität der erneuerbaren Energien) und der Nachfrage durch thermische Produktion auszugleichen. Die Nachfrage wird 614 Mt Wasserstoff pro Jahr in irgendeiner Form betragen und für 12 % des TFC (42 EJ p. a.) und 10 % der erforderlichen Reduktionen der CO2-Emissionen verantwortlich sein. Etwa 3 EJ/ Jahr Wasserstoff werden in Form von synthetischen Kraftstoffen für die inländische und internationale Luftfahrt verwendet, wobei der Kohlenstoff aus Biogas oder möglicherweise durch direkte Luftabscheidung gewonnen wird. Von den neuen Anwendungen sind die, die Gegenstand dieses Buches sind, diejenigen, bei denen Wärmekraftmaschinen mechanische Leistung liefern können: das heißt elektrische Stromerzeugung, Luftfahrt, Schifffahrt, Schienen- und Straßenverkehr. Diese machen etwa 300 Mt/Jahr aus; knapp die Hälfte der gesamten Wasserstoffproduktion. Die Abbildung zeigt auch den Beitrag der „Derivate“ von Wasserstoff, nämlich Ammoniak und Methanol (einschließlich als Treibstoff für Schiffe). Ein wichtiges Merkmal dieser Derivate ist, dass ihre Energiedichte (J m−3) viel höher
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 14 2050 - Wo wir sein müssen (1.5-S) Gesamter Endenergieverbrauch Anteil der erneuerbaren Energien an der Fernwärme: Anteil der erneuerbaren Energien am Wasserstoff: Kohle Anteil des international gehandelten Wasserstoffs: Erdgas Fern wärme Modem-Biomasse Wasserstoff andere (direkte Nutzung erneuerbare und E-Treibstoffe)* Energien Elektrizität (Kernenergie) Öl Elektrizität (Erdgas) Elektrizität (direkt) Anteil erneuerbarer Energien an der Elektrizität Abb. 3 Endenergienachfrage im Jahr 2050 und Anteil des Handels mit grünem Wasserstoff. Nachgedruckt aus Ref. [36] RE-basierte CO2 Beseitigung (BECCS) Erneuerbare Energien FF-basierte CO2 Abscheidung und Speicherung (CCS) Wasserstoff , Energie-Effizienz Elektrifizierung Abb. 4 Reduzierung der Emissionen bis 2050 durch sechs technologische Wege. Anmerkungen CCS = Kohlenstoffabscheidung und -speicherung; BECCS = Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung; RE = erneuerbare Energien; FF = fossile Brennstoffe; GtCO2 = Gigatonnen Kohlendioxid. Nachgedruckt aus Ref. [38]
15 :DVVHUVWRIIEHGDUI 0W+-DKU Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 6WURP 6FKLHQHQYHUNHKU +'5, ,QW/XIWIDKUW 6WUD‰HQYHUNHKU 1*'5, ,QWHUQDWLRQDOHU9HUVDQG *HElXGH 0HWKDQRO ,QOlQGLVFKH/XIWIDKUW $QGHUH%UDQFKHQ $PPRQLDN ,QOlQGLVFKHU9HUVDQG +9& gOUDIILQDWLRQ Abb. 5 Wasserstoffbedarf nach Anwendung in 2020 und 2050. Anmerkungen DRI = direkt reduziertes Eisen; HVC = hochwertige Chemikalien; Int = international; NG = Erdgas. Nachgedruckt aus Ref. [38] ist als die von gasförmigem oder sogar flüssigem Wasserstoff und daher leichter für den Handel mit Ammoniak,24 Wasserstoff oder Energie zu transportieren und leichter als Treibstoff an Bord von Langstrecken-Lkw, Flugzeugen und Schiffen zu lagern. Es wird erwartet, dass die zehn größten Verbraucherländer etwa zwei Drittel des produzierten Wasserstoffs verbrauchen werden, was erhebliche Möglichkeiten für den internationalen Fernhandel impliziert. Insbesondere könnte ein Teil des Wasserstoffs als andere Ware gehandelt werden: zum Beispiel in Form von Ammoniak. Die Muster dieses Handels werden teilweise durch die Unterschiede in den Produktions- und Transportkosten bestimmt. Kostenmäßig [38] wird erwartet, dass grüner Wasserstoff im kommenden Jahrzehnt kostenmäßig mit blauem Wasserstoff wettbewerbsfähig wird25 teilweise, weil erneuerbare Elektrizität 24 Von den 690 MMT/Jahr Ammoniak bis 2050 werden voraussichtlich 80 % als Rohstoff und als Treibstoff für die Schifffahrt und 20 % als Wasserstoffträger verwendet [38]. Von dieser Menge sind 570 MMT/Jahr grünes Ammoniak. 25 Bis solche Preisreduktionen weit verbreitet sind, könnten Länder wählen, Einspeiseprämien und Steuer- und Abgabenbefreiungen zu implementieren, bis „…Skalierung und Wirkungsgrad zunehmen und die Lücke teilweise durch technologische Entwicklung geschlossen wird…“ [38]. Andere politische Optionen, um die Kostenlücken zu schließen, die durch die Einführung von Wasserstoff entstehen, sind „Carbon Contract for Difference“ und CO2-Bepreisung.
16 E.-A. Tingas und A. M. Taylor billiger wird, teilweise wegen zukünftiger Reduktionen der Kosten26 der Elektrolyseure,27 und teilweise wegen politischer Unterstützung. Während globale Werte letztlich die relevanten sind, ist es vielleicht einfacher, sich die Auswirkungen der beteiligten Größenordnungen vorzustellen, wenn sie auf die verschiedenen Sektoren einer kontinentalgroßen Wirtschaft bezogen werden: zum Beispiel die der USA. Abb. 6 [41] zeigt ein Sankey-Diagramm des aktuellen Energieverbrauchs in den USA, das die fünf Hauptverbraucher identifiziert, nämlich Stromerzeugung, Wohngebäude, Gewerbe, Industrie und Transport. Letzterer ist der Bedarf an mechanischer Leistung und beträgt etwa 27 Quads oder etwa 27 EJ, die derzeit alle aus Erdöl gewonnen werden. Es ist der zweitgrößte Einzelbedarf nach der Stromerzeugung (zum Vergleich wird das entsprechende Sankey-Diagramm für das Vereinigte Königreich in Abb. 7 [42] gezeigt: trotz der Unterschiede in der Größe der beiden Volkswirtschaften ist der Verkehr im Vereinigten Königreich ebenfalls der zweitgrößte Verbraucher nach den Kraftwerken). Abb. 8 [43] zeigt die entsprechenden Treibhausgasemissionen der USA, die bis 2050 auf Basis eines „Business as usual“-Szenarios projiziert werden, unterteilt in vier breite Bänder – Industrie, Gebäude, Transport und Stromerzeugung – mit detaillierter Aufschlüsselung innerhalb jedes Bandes. Die Abbildung zeigt auch die nationale Projektion der USA, bis 2050 „Netto-Null“ zu erreichen, mit zwei Meilensteinen für Treibhausgasemissionen in den Jahren 2030 und 2035. Während die Werte spezifisch für die USA sind, sind die qualitativen Lehren, die daraus gezogen werden können, auch für andere Länder gültig. So ist der Transport, der leicht mit dem Bedarf an mechanischer Arbeit identifizierbar ist, das größte einzelne Band und, vielleicht überraschend, sind Schiene, Schifffahrt und Luftfahrt relativ kleine Beitragszahler (die Luftfahrt ist wohl der am schwersten zu dekarbonisierende Sektor. Abb. 9 [44] zeigt, dass die luftfahrtbezogenen Treibhausgasemissionen in den USA etwa 200 Mio. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr betragen: dies wird auf einem „Business as usual“-Pfad bis 2050 auf etwa 400 Mio. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ansteigen, wenn die „Technologietrajektorie von 2019“ eingefroren wird. Selbst mit der Einführung 26 „…Die erhöhte Elektrolyseurproduktion wird die Nachfrage nach Mineralien beeinflussen, insbesondere nach Nickel und Platin-Gruppen-Metallen (je nach Technologieart). Während die alkalische Elektrolyse keine Edelmetalle benötigt, verwenden aktuelle Designs 800–1000 t/MW Nickel. Selbst wenn die alkalische Elektrolyse bis 2030 den Markt dominiert, würde dies im Net Zero Emissions Scenario eine Nickelnachfrage von 72 Mt bedeuten (was tatsächlich viel weniger ist als die Menge, die für Batterien benötigt wird). Die Katalysatoren in PEM-Elektrolyseuren benötigen 300 kg Platin und 700 kg Iridium pro GW. Wenn PEMs also die gesamte Elektrolyseurproduktion im Jahr 2030 im Net Zero Emissions Scenario liefern würden, würde die Nachfrage nach Iridium auf 63 kt steigen, das Neunfache der aktuellen globalen Produktion. Experten glauben jedoch, dass die Nachfrage nach sowohl Iridium als auch Platin im kommenden Jahrzehnt um den Faktor zehn reduziert werden kann. Das Recycling von PEM-Elektrolyseurzellen kann die Primärnachfrage nach diesen Metallen weiter reduzieren und sollte ein Kernelement des Zellendesigns sein” [26]. 27 Siehe unten für diese Kosten in Abb. 20.
, , , , , , , , , , , , , , , , , Elektrizität serzeugung , , , , , NettoStromimporte , , , , , , , , , , , , , Transport 26,9 Industriell 26 Kommerziell 9,07 Wohnen 11,7 , Abb. 6 Sankey-Diagramm der Energieproduktion und -verbrauch in den USA im Jahr 2021. Nachgedruckt aus Ref. [41] , Erdöl , Biomasse , Kohle , Erdgas , Geothermie , Wind , Hydro , Kernkraft , Solar Geschätzter Energieverbrauch der USA im Jahr 2021: 97,3 Quads , , , , , , , , , Energiedien stleistungen , Abgelehnte Energie Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 17
, , PETROLEUM , BIOENERGIE , ELEKTRIZITÄT , KOHLE , ERDGAS , , , , , , , Rohöl vorräte WASSER, WIND UND SONNE EINFÜHRUNGEN , , , , , , , , Primärversorgung , Kohle bestände Produkt vorräte Bioenergie Elektrizität , , , , , , , , , , , , , , Primär nachfrage , ÖL RAFFINERIEN AUSFUHREN UND SCHIFFSBUNKERUNGEN S7.1 Kohle , Gas vorräte Primär versorgung , , , , KRAFT WERKE ANDERE TRANSFORMATION , Primäre Nachfrage 60,1 , , , Elektrizität Bioenergie , , , , , , , Hergestellte Brennstoffe3 ENERGIEWIRTSCHAFTLICHE NICHTNUTZUNG UND ENERGIEVERWENDUNG VERTEILUNGSVERLUSTE 13,1 5,9 , , , EINFÜHRUNGEN1 WASSERKRAFT, WIND EINFÜHRUNGEN UND SONNE, IMPORTE UND SEKUNDÄRSTROM Kohle UMWANDLUNGSVERLUSTE 29,2 EINFÜHRUNGEN Erdgas , , , EINFÜHRUNGEN Rohöl und NGL , , , , , , , , , , , , , , , , ANDERE ENDVERBRAUCHER , , ANDERE INDUSTRIE , EISEN UND STAHL EINFÜHRUNGEN Veredelte Produkte Erdöl Abb. 7 Sankey-Diagramm der Energieproduktion und -verbrauch im Vereinigten Königreich im Jahr 2021. Nachgedruckt aus Ref. [42] EINHEIMISCHE PRODUKTION UND EINFUHREN Energieflussdiagramm 2021 (Millionen Tonnen Öläquivalent) 18 E.-A. Tingas und A. M. Taylor GESAMTER ENDVERBRAUCH4 ,
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 19 Projektion der Treibhausgasemissionen (2020 Projektion, MMT CO2e) Zement und Kalk Eisen und Stahl Verfeinerung Massengut Chemikalien INDUSTRIE Andere Transporte Andere Transporte Schiene Marine Luftfahrt GEBÄUDE Mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge 2030 Ziel TRANSPORT Leichte Nutzfahrzeuge Netto-NullNetz Emissionen des Stromsektors ELEKTRIZITÄT CO2 Emissionen (in MtCO2) Abb. 8 Prognostizierte Netto-Treibhausgasemissionen der USA bis 2050 (horizontale Balken), im Vergleich zu den nationalen Zielen für ein sauberes Netz und Netto-Null-Emissionen bis 2050 (gestrichelte Linien). Nachgedruckt aus Ref. [43] c Te o hn ie tor ek aj -Tr ie log te lot rsf eh erk e L er r Flu gd n fü run h e a b . eu lug raft Tech Ern nsf New Airc sio iffu eD läufe u Ab r e de ng N Verbesseru ne ore fr Ge CO2-Emissionsniveau 2019 10 0% v uft Personenbeförderungsunternehmen Neue Diffusionsflugbahn für Flugzeuge ug gze 50 S % AFEm Um iss se ion tzu sre ng: du zie run ig SA e FEm Um is se si on tzu Legende: sr ng ed : Historische Daten (FAA AEDT / Luft- und Raumfahrtprognose) uz ie r Gefrorene 2019 Technologie-Trajektorie International Luftfahrt* Inländische Luftfahrt* 2 9 01 g un g Neue Technologien für Flugzeuge Verbesserung der Abläufe Frachtunternehmen Allgemeine Luftfahrt SAF-Umsetzung: 50 % Emissionsreduzierung SAF-Umsetzung: 100%ige Emissionsreduzierung * Anmerkung: Inlandsflugverkehr von US-amerikanischen und ausländischen Fluggesellschaften. Internationaler Luftverkehr von U.S.-Luftfahrtunternehmen. Abb. 9 Analyse der zukünftigen inländischen und internationalen Luftfahrt-CO2-Emissionen. Nachgedruckt aus Ref. [44]
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 20 von Flottenerneuerung, neuer Flugzeugverbreitung, neuer Flugzeugtechnologie und verbesserten Betriebsabläufen werden die Emissionen auf 300 Mio. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr steigen. Die Einführung von „nachhaltigen Flugkraftstoffen“ (SAF) hat das Potenzial, die Emissionen je nach Akzeptanz um die Hälfte bis vollständig zu reduzieren. Diese SAF werden Wasserstoff enthalten, wie unten diskutiert). Innerhalb des Transports sind die beiden größeren Beitragszahler die leichten Nutzfahrzeuge sowie die mittleren und schweren Nutzfahrzeuge. Es könnte sein, dass die leichten Nutzfahrzeuge auf Batteriestrom anstelle von Wasserstoff angewiesen sind, aber es wird allgemein angenommen, dass Wasserstoff die mittleren und schweren Sektoren antreiben wird. Eine detailliertere Aufschlüsselung wird in Abb. 10 [43] gezeigt, die den Einsatz von Wasserstoff zur Dekarbonisierung der Industrie, des Transports und des Stromnetzes für die Jahre 2030, 2040 und 2050 zeigt. Diese wurden für Verbräuche von 10, 20 und 50 Mio. Tonnen Wasserstoff pro Jahr projiziert. Lkw, Biokraftstoffe und Power-toLiquid-Kraftstoffe sind leicht als die Nutzung von Wasserstoff für mechanischer Leistung identifizierbar und machen etwa ein Viertel der Wasserstoffnachfrage in den Jahren 2040 und 2050 aus: die Relevanz des Verbrauchs als Ammoniak und Energiespeicherung wird unten kurz diskutiert. Zum Vergleich mit einer anderen kontinentalgroßen Wirtschaft werden zwei aktuelle Szenarien des Wasserstoffverbrauchs in der EU für 2030 („Fit for 55“ [45] und RepowerEU [46]) in Abb. 11 [47] gezeigt: die Spanne liegt zwischen etwa 6 und 20 Mio. Tonnen Wasserstoff pro Jahr, sodass der Gesamtverbrauch in etwa mit dem der USA vergleichbar Zusätzliche Anforderungen Power-to-Liquid-Kraftstoffe Millionen Tonnen H2 pro Jahr Methanol Beimischung von Erdgas zur Wärmeerzeugung Energiespeicherung Stahl Biokraftstoffe Lastkraftwagen Ammoniak Raffination und Petrochemie Abb. 10 Einsätze von sauberem Wasserstoff zur Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Stromnetz können bis 2030 eine Nachfrage von 10 MMT/Jahr, bis 2040 eine Nachfrage von 20 MMT/Jahr und 50 MMT im Jahr 2050 ermöglichen. Nachgedruckt aus Ref. [43]
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 21 H2-Verbrauch nach Sektoren im Jahr 2030 (Mt H2) , , , , , , Einfuhren von Ammoniak/Derivaten Mischen , Stromerzeugung , Synthesche Krastoffe Hochöfen , , , , Petrochemikalien (Ammoniak) , , , REPowerEU Transport , Industrielle Wärme , , , , , Raffinerien Bunkerbrennstoffe Fit für 55 Abb. 11 Wasserstoffnutzung nach Sektoren im Jahr 2030. Nachgedruckt aus Ref. [47] ist. Die leicht identifizierbaren Anforderungen an mechanischer Arbeit (Stromerzeugung, synthetische Kraftstoffe und Transport) machen etwa ein Drittel der Gesamtnachfrage aus. So wird etwa die Hälfte des Energiebedarfs im Verkehr durch Wasserstoff gedeckt, aber es ist nicht überraschend, dass erhebliche Unsicherheiten in den Zukunftsprognosen bestehen. Dies wird in Abb. 12 [43] gezeigt, die die Bandbreite der Planungsszenarien für die sektorale Nachfrage in fünf großen Bereichen der Wirtschaft zeigt. Dies sind Beimischung, Industrie, Netz, Biokraftstoffe und „PtL“28 -Kraftstoffe und Verkehr (obwohl dieses Buch sich nicht mit der Verwendung von Wasserstoff in der Industrie und der Beimischung befasst, wird deutlich, dass es wichtig ist, dass es Skaleneffekte gibt, die möglicherweise nicht durch die Verwendung im Verkehr allein erreicht werden können). Abb. 13 [43] ist eine Zusammenstellung von sieben Projektionen zur zukünftigen Nutzung von Wasserstoff, als Prozentsatz der Endnachfrage in vier Sektoren: Verkehr, Industrie, Gebäude und „Gesamtenergie“ (noch einmal, obwohl das Buch sich nicht mit Wasserstoff für Gebäude befasst, tragen diese zu den Skaleneffekten bei). Diese Abbildung enthält Projektionen für die EU und für beide Kontinente gibt es erhebliche „Streuung“ in den Schätzungen. Es gibt mehrere Schlussfolgerungen aus diesen Abbildungen, die für dieses Buch von Bedeutung sind, abgesehen von der Tatsache, dass Wasserstoff einen integralen, wenn auch relativ kleinen Teil des projizierten globalen Energiewandels bildet: 28 Power-to-Liquid.
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 22 Kernbereich der Schätzungen MMT H2 /Jahr Zusätzliche Szenarien Transport Biokraftstoffe & PtL-Kraftstoffe Industrie Mischen Raster Wasserstoffverbrauch als Prozentsatz des Endenergiebedarfs Abb. 12 Potenzielle Wasserstoffnachfrage in fünf Sektoren: Verkehr, Biokraftstoffe und Powerto-Liquid-Kraftstoffe, Industrie, Beimischung und Energiespeicherung und Netzstabilisierung. Nachgedruckt aus Ref. [43] Gemeinsames Unternehmen für Brennstoffzellen und Wasserstoff, ehrgeizig, 2019 (EU) Gemeinsames Unternehmen "Brennstoffzellen und Wasserstoff", Business-as-Usual, 2019 (EU) Kommission für die Energiewende 2021 (Global) McKinsey & Hydrogen Council Wasserstoff-Insights 2021 (weltweit) Internationale Energieagentur Netto-Null-Energie 2021 (weltweit) Bloomberg New Energy Outlook September 2021 (weltweit) Transport Industrie Gebäude Energie insgesamt Internationale Agentur für erneuerbare Energien 2021 (weltweit) Gesamtenergie umfasst Verkehr, Industrie, Gebäude und Stromverbrauch Abb. 13 Schätzungen für die Bandbreite der Rolle von Wasserstoff im Endenergieverbrauch in verschiedenen Sektoren. Nachgedruckt aus Ref. [43]
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 23 • Erstens, dass Wasserstoff für etwa ein Jahrzehnt nicht in großen Mengen verfügbar sein wird. Da Wasserstoff verfügbar wird, was in einigen sogenannten „Wasserstoff-Hubs“ oder „Tälern“ der Fall sein wird, wird der Langstreckenlandverkehr wahrscheinlich auf „gebundene“ Flotten beschränkt sein, die innerhalb oder vielleicht zwischen diesen operieren, um die mit der Verteilung verbundenen Kosten zu begrenzen. Dies wird anfänglich wahrscheinlich in Form von Rohranhängern oder kryogenen Lastwagen geschehen. Eine weit verbreitete Verteilung impliziert den Aufbau einer umfangreichen (und möglicherweise teuren) Infrastruktur, einschließlich in Form von Pipelines. • Zweitens, angesichts der Tatsache, dass der weltweite Energiebedarf in den nächsten dreißig Jahren zwischen 350 und 400 EJ liegen wird, wird es notwendig sein, große Mengen an erneuerbarer Energie (Solar-PV und Windenergie) zu bauen, von denen ein Teil der elektrolytischen Wasserstoffproduktion gewidmet werden muss; und vermutlich wird auch die Kernenergie beitragen. • Drittens, dass es möglicherweise eine Gelegenheit gibt, große Energiemengen zu handeln, basierend auf Wasserstoff, was eine umfangreiche Infrastruktur impliziert, hauptsächlich aber nicht nur in Form von Pipelines, spezialisierten Schiffen und spezialisierten Hafenumschlagseinrichtungen. • Viertens, zumindest anfänglich wird die Wasserstoffproduktion wahrscheinlich auf fossilen Brennstoffen basieren, mit Anlagen, die mit CCUS ausgestattet sind, da die Produktion aus dieser Quelle vergleichsweise schnell und vergleichsweise günstig gesteigert werden kann. Die große Bandbreite der Schätzungen in Abb. 13 für die Märkte für Transport, Biokraftstoffe und Power-to-Liquid spiegelt die extreme Empfindlichkeit gegenüber dem Wasserstoffpreis für erstere und die unsichere Nachfrage für letztere wider. Die Unsicherheit im Stromnetz hängt entscheidend von der Durchdringung der Elektrifizierung ab und beispielsweise von der Nutzung von Elektrolyseuren, um den Betrieb an die Niveaus der variablen erneuerbaren Energien anzupassen. Die zweite Schlussfolgerung wirft die Frage auf, welcher Anstieg der Energieressourcen erforderlich ist, um Wasserstoff im „kontinentalen Maßstab“ im Vergleich zu den aktuellen Niveaus zu produzieren. Ein Zwischenziel in den USA, wie in der EU, ist die Produktion von 10 Mt und Abb. 14 [48] vergleicht, für den spezifischen Fall der USA, die „technische“ Ressource29 (in „Quads“: Quad = Billiarde BTU. 1 Quad ≈ 1 EJ:) erforderlich, um dies zu tun, im Vergleich zum Verbrauch im Jahr 2017 und dem prognostizierten Verbrauch im Jahr 2040. Diese Übung wurde für acht Ressourcen durchgeführt, wenn jede allein die zusätzliche Energie zur Produktion des Wasserstoffs tragen müsste. Die Schlussfolgerung ist, dass „die Verfügbarkeit der [US-]inländischen Energieressourcen ausreichend ist…ohne erheblichen Druck auf bestehende Ressourcen auszuüben“, obwohl 29 Das „Ressourcenpotenzial, das durch die reale Geografie und Systemleistung, aber nicht durch die Wirtschaftlichkeit eingeschränkt ist“ [48].
E.-A. Tingas und A. M. Taylor Ressourcenverbrauch nach Art (Quads pro Jahr) 24 AEO 2019: Referenzfall Aktueller Verbrauch 2017 Erforderlich für die Produktion von 10 MMT Wasserstoff im Jahr 2040 Prognostizierter Verbrauch 2040 , , , , , Erdgas (5%) , , , Steinkohle Kernenergie (20%) (39%) , , , Biomasse (44%) , , , , Wind (134%) , , , Solar (93%) , , , , , Wasserkraft Geothermie (167%) (911%) Abb. 14 Vergleich der zur Produktion von 10 MMT Wasserstoff benötigten Energieressourcen mit dem aktuellen und prognostizierten Energieverbrauch aus dem Annual Energy Outlook (AEO) Referenzfall 2019. Die in Klammern angegebenen Prozentsätze stellen den prozentualen Anstieg des prognostizierten Energieverbrauchs im Jahr 2040 dar, der erforderlich wäre, um 10 MMT Wasserstoff zu produzieren. Nachgedruckt aus Ref. [48] für Wind und Solar die prozentualen Anstiege mit 134 und 93 % erheblich wären. Abb. 15 [48] setzt diese Analyse in einen anderen Kontext, indem sie (in Milliarden kWh) den erforderlichen Strombedarf zur Produktion der 10 Mt mittels Niedertemperatur-Elektrolyse im Vergleich zum prognostizierten Strommix in den USA im Jahr 2040 zeigt. Der prognostizierte Anstieg der Stromerzeugung im Jahr 2040 beträgt nur etwa 10 % des Gesamtvolumens. Es besteht daher ein Bedarf an erheblichen Investitionen in Kapitalausgaben. Wenn man wieder das globale Bild betrachtet, zeigt Abb. 16 [38], dass geschätzt wird, dass zwischen 2020 und 2050 Investitionen in Höhe von 4 Mrd. $30 in die Wasserstoffproduktion und -infrastruktur erforderlich sein werden (für 10,3 TW erneuerbare Kapazität, 4,4 TW Elektrolyse und 1,6 TWh Batterien). Davon entfällt der überwiegende Teil auf die Stromerzeugung, gefolgt von Kapital für den Bau von Elektrolyseuren. Es gibt auch Posten für Pipelines, Schiffe und Umwandlungsanlagen sowie für die Wasserstoffspeicherung. Dies ist eine große Ausgabe, aber wie Abb. 17 [36] zeigt, wurden die historischen Ausgaben für Energiewendetechnologien (hauptsächlich erneuerbare Energien und elektrifizierter Transport sowie Wirkungsgrad) im letzten Jahrzehnt bereits in mehreren Hundert Milliarden USD gemessen. Abb. 18 [36] setzt diese Ausgaben in den Kontext der gesamten Investitionen, die für das IRENA „1,5 °C“-Szenario geschätzt werden, was sich zwischen 2021 und 2030 auf über 50 Mrd. $ beläuft. 30 $ bezieht sich auf USD.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … Mrd. kWh Stromerzeugung . Nachfrage nach 10 MMT Wasserstoff 25 Andere . Konvenonelle Wasserkra Geothermie . Biomasse Kernenergie . Kohle . Naturgas . 2040 Elektrizitätserzeugung Abb. 15 Vergleich des Strombedarfs zur Produktion von 10 MMT Wasserstoff mittels Niedertemperatur-Elektrolyse (LTE) und der prognostizierten Stromerzeugung im Jahr 2040. Nachgedruckt aus Ref. [48] (OHNWURO\VHXUH 6WURPHU]HXJXQJ .RQYHUVLRQVDQODJHQ %DWWHULHQ 3LSHOLQHV 6FKLIIH :DVVHUVWRIIVSHLFKHUXQJ Abb. 16 Grafische Darstellung der Investitionsbedarfe für die verschiedenen Teile der Wertschöpfungskette der globalen Wasserstoffproduktion und -handelsinfrastruktur. Die Fläche ist proportional zur Investition in den jeweiligen Teil der Wertschöpfungskette, wobei die Gesamtfläche 3960 Mrd. USD ergibt. Die Kosten für Umwandlungsanlagen umfassen Speicherund Terminalkosten und beziehen sich sowohl auf die Umwandlung als auch auf die Rückumwandlung von oder zu Wasserstoff. Nachgedruckt aus Ref. [38]
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 26 0UG86' (QHUJLH (IIL]LHQ] :DVVHUVWRII &&6 (QHUJLHV SHLFKHUXQJ (OHNWULIL]LHUWH :lUPH (OHNWULIL]LHUWHU 9HUNHKU (UQHXHUEDUH (QHUJLH Abb. 17 Globale Investitionen in Energiewendetechnologien, 2010–2021. Nachgedruckt aus Ref. [36] 57 Billionen USD Sonstige (stoffliche Verwertung usw.) +22 Billionen USD oder +2,2 Billionen pro Jahr Stromnetze und Energieflexibilität Maßnahmen zur Entfernung, Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff CCS und BECCS 35 Billionen USD Wasserstoff und seine Derivate (einschließlich Infrastruktur) Elektrifizierung der Endanwendungen Energie-Effizienz Erneuerbare Energien - direkte Nutzung und Fernwärme Erneuerbare Energien - Stromerzeugung Fossile Brennstoffe und - Kernenergie Fossile Brennstoffe - Versorgung 1,5°C-Szenario Abb. 18 Gesamtinvestitionen nach technologischen Wegen: geplantes Energieszenario (PES) und 1,5 ◦C-Szenario, 2021–2030. Nachgedruckt aus Ref. [36] Zum weiteren Vergleich beträgt die Gesamtinvestition für einen 1,5 °C-Pfad 131 Mrd. $ von jetzt bis 2050 und der aktuelle globale Energiemarkt für Ölprodukte betrug 2020 2,6 Mrd. $. Es ist schwer, das Ausmaß dieser Geldsummen zu erfassen: Ref. [37] bietet eine nützliche Perspektive.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 27 5 Wasserstoff: Produktion und Produktionskosten Die einzige Tatsache, die möglicherweise von gleicher Bedeutung ist wie der globale politische Wille, der durch das Kyoto-Protokoll und die Pariser Abkommen demonstriert wird, ist, dass die Kosten für Technologien zur Wasserstoffproduktion in den letzten zehn Jahren um 55–85 % gesunken sind [38]. Dieser Trend wird voraussichtlich anhalten, da erneuerbare Elektrizität billiger wird und der Wirkungsgrad der Elektrolyse ein wichtiger Faktor ist [49], der sich mit dem technologischen Fortschritt voraussichtlich verbessern wird. Auch die Kosten für Elektrolyseure werden voraussichtlich bis 2030 erheblich sinken, wie in Abb. 19 [26] gezeigt wird, da sowohl der Umfang einzelner Projekte zunimmt als auch die Massenproduktion Einzug hält. Die Bedeutung der Stromkosten ist gut bekannt [50], sodass es wahrscheinlich billiger ist, anstelle von Netzstrom oder überschüssigem Netzstrom dedizierte erneuerbare Energie (oder Kernenergie) zu verwenden, die mit der Wasserstoffproduktion zusammengelegt wird, wodurch auch Übertragungsverluste vermieden werden und somit die Erzeugung der notwendigen Wasserstoffproduktionsmengen ermöglicht wird [26]. In Kombination mit politischer Unterstützung berichtet Ref. [38], dass grüner Wasserstoff im kommenden Jahrzehnt kostengünstig mit blauem Wasserstoff konkurrieren wird. Tab. 1 zeigt, dass die Preise im Jahr 2030 in $/kg voraussichtlich nahe an der Wettbewerbsfähigkeit mit Dampfreformierung von Methan mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung liegen werden. Abb. 20 [26] zeigt ähnliche Informationen in Bezug auf die „levelisierten Kosten der Wasserstoffproduktion“ in den Jahren 2020, 2030 und 2050 für fünf Produktionswege: für Erdgas und Kohle, mit und ohne CCUS, und für erneuerbare Energien. Die Preisspanne entspricht den Schwankungen der Kosten und der Qualität der erneuerbaren Energien. Beachten Sie jedoch, dass heute, wenn erneuerbare Energien für Elektrolyseur CAPEX in der NZE CAPEX für Elektrolyseure in den Jahren 2020 und 2030 Projekte Abb. 19 Prognostizierte Kapitalkosten von Elektrolyseuren für verschiedene Szenarien. APS = Announced Pledges Scenario; NZE = Net Zero Emissions Scenario. Nachgedruckt aus Ref. [26]
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 28 Tab. 1 Kosten im Jahr 2030 für kohlenstoffarmen Wasserstoff und Ammoniak aus kostengünstigem Erdgas mit CCUS; und Regionen mit hervorragenden Wind- und Solarressourcen [51] Wasserstoff Ammoniak (UGJDVRKQH &&86 Erdgas $/GJ 8–16 12–24 (UGJDVPLW&&86 Erdgas $/kg 0,9–1,9 023–0,44 6WHLQNRKOHRKQH &&86 Wind/Solar $/GJ 13–19 22–33 Wind/Solar $/kg 1,5–2,2 0,4–0,62 6WHLQNRKOHPLW &&86 (UQHXHUEDUH (QHUJLHQ Abb. 20 Levelisierte Kosten der Wasserstoffproduktion nach Technologie im Jahr 2020 und im Net Zero Emissions Scenario, 2030 und 2050. CCUS = Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung. Nachgedruckt aus Ref. [26] den Strom verwendet werden, die Kosten zwischen 3 und 8 kg H2 liegen: 50–90 % davon entfallen auf den Strompreis. Dies ist derzeit unwirtschaftlich im Vergleich zur Wasserstoffproduktion aus Erdgas ohne CCUS zu durchschnittlichen Kosten von $1/kg H2 und ist nur etwa 0,5 kg H2 teurer, wenn CCUS angewendet wird.31 Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus Abb. 21 [26], die die Kosten der Wasserstoffproduktion aus drei erneuerbaren Quellen (Solar-PV, Onshore-Wind und Offshore-Wind) in den Jahren 2020, 2030 und 2050 als Funktion der Stromkosten in $/MWh zeigt. Wieder einmal spiegeln die breite Preisspanne Unterschiede in CAPEX, Elektrolyseurwirkungsgrad und Betriebsstunden wider. Tab. 2 fasst die besten prognostizierten Fälle zusammen. Derzeit sind in günstigen Gebieten die Kosten für Solar-PV-Strom im Versorgungsmaßstab auf 45, 32 und 23 $/MWh in Marokko, Chile und Saudi-Arabien gesunken [52]. Referenz [26] schätzt, dass, wenn der Strompreis irgendwo unter $20/MWh liegt, die Kosten für elektrolytischen Wasserstoff $1,00/kg H2 betragen, was das Ziel der US Hydrogen Earthshot für 2030 ist (siehe unten): Solche Preise wurden tatsächlich in 31 Eine unverminderte Produktion wird in den Jahren 2030 und 2050 wahrscheinlich nicht rentabel sein, wenn Steuern auf CO 2 -Emissionen erhoben werden [26].
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 29 tŝŶĚĂŶ>ĂŶĚ KīƐŚŽƌĞͲtŝŶĚŬƌĂŌ ^ŽůĂƌͲWs ϮϬϮϬ ϮϬϯϬ ϮϬϱϬ Abb. 21 Wasserstoffproduktionskosten im Net Zero Emissions Scenario in Abhängigkeit von den Kosten für erneuerbaren Strom für Solar-PV sowie Onshore- und Offshore-Wind im Jahr 2020, 2030 und 2050. Punkte repräsentieren Strom- und Wasserstoffproduktionskosten für verschiedene Regionen weltweit unter Berücksichtigung der lokalen erneuerbaren Ressourcenbedingungen. Nachgedruckt aus Ref. [26] Tab. 2 Effect of electricity cost on hydrogen cost, provided the CAPEX of solar PV and electrolysers falls as expected by 2030 Electricity cost $/MWh 171 Hydrogen $/kg 1,5 12 2 1,0 1 2 IEA’s ‚Net Zero Scenario‚ for the Middle East Referenz [40] für die besten Standorte im optimistischsten Szenario einigen günstigen Standorten für Solar-PV im Nahen Osten gemeldet. Eine subtile Implikation dieser Abbildung ist, dass, da die zehn größten Verbraucherländer voraussichtlich etwa zwei Drittel des produzierten Wasserstoffs verbrauchen werden, die breite Kostenspanne darauf hindeutet, dass es wahrscheinlich erhebliche Möglichkeiten für den internationalen Fernhandel geben wird. Referenz [52] berichtet, dass Windparks, sowohl an Land als auch auf See, ebenfalls erhebliche Kostensenkungen bei der Stromproduktion gezeigt haben: Umgenutzte, stillgelegte Ölplattformen in der Nordsee könnten Wasserstoff zu Preisen zwischen 1,56–4,67 €/kg H2 erzeugen. Dennoch hat Offshore-Wind höhere Stromkosten als Solar-PV. Referenz [40] gibt Offshore-Stromkosten bis 2023 von $50–$100/MWh für Wind bis 2023 an, mit wettbewerbsfähigen Windparks bei $30/MWh. Letzterer Preis ist jedoch dreimal so hoch wie der günstigste Solar-PV-Tarif. Infolgedessen berichtet Ref. [40], dass nur 56 GW Offshore-Wind installiert wurden, oder etwa 5 % der gesamten globalen Windkapazität: Bis 2050 werden in einem 1,5 ◦C-Szenario 2000 GW benötigt. Nichtsdestotrotz könnten Länder mit reichlich vorhandenen Offshore-Windquellen bereit sein, den höheren Preis für die Energieunabhängigkeit zu zahlen.
30 E.-A. Tingas und A. M. Taylor Offshore-Wind in der Nordsee könnte auch ein wettbewerbsfähiges Mittel zur Wasserstoffproduktion sein (und diesen per Pipeline an Land zu senden, was günstiger ist als die Nutzung von Stromkabeln, da Moleküle eine hohe volumetrische Energiedichte und geringere Transportverluste als Strom haben, wie in mehreren Projekten in der Nordsee untersucht wurde), wenn der Strompreis bis 2030 auf 30 $/MWh und bis 2050 auf 25 $/MWh fällt, was zu Wasserstoffkosten von 2 $/kg H2 und 1,5 $/kg H2 führen würde (basierend auf Stromkosten von 25 $/ MWh und einem Kapazitätsfaktor von 60 %) [26]. Referenz [26] stellt fest, dass die Nutzung von Windenergie zu einer größeren Produktionsvariabilität führen kann, die manchmal in Wochen gemessen wird, als dies bei Solar-PV der Fall ist, die tendenziell eine tägliche Variabilität aufweist. Wenn eine stabile Wasserstoffversorgung das ganze Jahr über aufrechterhalten werden muss, könnten die Kosten für eine angemessene Speicherung des Gases zu einem wichtigen Kostenfaktor werden. Es ist erwähnenswert, dass Ref. [26] feststellt, dass „…Die prognostizierten Kosten der Wasserstoffproduktion nach 2030 daher sehr unsicher sind und von den Auswirkungen der Skalierung, des Lernens durch Tun und anderen technologischen Fortschritten abhängen werden.“. Die vorangegangenen Absätze skizzieren die Kosten: ebenso wichtig ist die Produktionskapazität. Das Net Zero Emissions by 2050 Scenario der IEA sieht eine Elektrolysekapazität von über 700 GW bis 2030 vor, jedoch wird die insgesamt installierte Kapazität bis Ende 2022 voraussichtlich nur über 1 GW betragen. Die Produktionskapazität beträgt nur 8 GW pro Jahr, obwohl sie sich seit 2021 verdoppelt hat; Branchenankündigungen deuten auf eine globale Produktionskapazität von 65 GW pro Jahr bis 2030 hin, was auf die Notwendigkeit einer erheblichen Steigerung der Produktionskapazität hinweist. Dies liegt daran, dass selbst wenn alle angekündigten Projekte verwirklicht werden, die globale Kapazität bis 2030 nur zwischen 134 und 240 GW erreichen wird. Referenz [51] berichtet, dass „…bis 2030 die weltweit installierte Elektrolysekapazität 54 GW erreichen könnte, unter Berücksichtigung der Kapazität im Bau und angekündigter Projekte.“. Dieselbe Referenz prognostiziert, dass die weltweite Wasserstoffproduktion aus fossilen Brennstoffen mit CCUS bis 2030 9 Mt erreichen könnte, wobei das Net Zero Scenario der IEA erwartet, dass dieser Weg für die Produktion von 58 Mt Wasserstoff pro Jahr verantwortlich sein sollte. Die Kapazität erneuerbarer Energien soll bis 2030 um 2400 GW wachsen, was der gesamten installierten Stromkapazität Chinas heute entspricht, aufgrund der durch den 14. Fünfjahresplan Chinas und Marktreformen implizierten Politiken, des REPowerEU-Plans und des US-Inflation Reduction Act [53]. Weitere beeindruckende Statistiken zum Wachstum der erneuerbaren Energien umfassen [53], dass: erneuerbare Energien bis Anfang 2025 die größte Quelle der globalen Stromerzeugung werden; Strom aus Wind und Solar-PV wird 2027 fast 20 % der globalen Stromerzeugung liefern; und die installierte Leistung von Solar-PV wird bis 2027 größer sein als die von Kohle. Besonders beeindruckend ist die Prognose, dass Windturbinen in der Nordsee zwischen 70 und 150 GW erzeugen werden, was einem Fünftel des Strombedarfs der EU entspricht [52].
Nivellierte Kosten für Wasserstoff (USD/kgH2) Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 31 , Weltweiter Wasserstoffbedarf im Jahr 2050: 74 EJ , Globales Primärenergieangebot im Jahr 2050: 614 EJ , , Technisches Wasserstoffpotenzial (EJ/Jahr) Argennien Australien Russische Föderaon Brasilien Saudi-Arabien Kanada China Afrika südlich der Sahara MENA-Region Rest der Welt Vereinigte Staaten Abb. 22 Globale Angebots-Kosten-Kurve für grünen Wasserstoff für das Jahr 2050 unter optimistischen Annahmen. Nachgedruckt aus Ref. [40] Abb. 22 [40] zeigt die prognostizierte globale Angebots-Kosten-Kurve für 2050 unter optimistischen Annahmen. Die weltweite Wasserstoffnachfrage im Jahr 2050, die 74 EJ beträgt, wird leicht zu einem nivellierten Preis von, sagen wir, 0,9 $/kg H2 gedeckt. Dies impliziert, dass wirtschaftliche Produktion wahrscheinlich dort zu finden ist, wo die Sonneneinstrahlung stark ist und Standorte, die nicht „wasserbeschränkt“ sind. Die optimistischen Annahmen beinhalten die Erwartung, dass die CAPEX sinken werden (z. B. werden die Kapitalkosten für Elektrolyseure pro Kilowatt bis 2050 aufgrund technologischer Fortschritte mehr als halbiert; und dass es erhebliche Einsparungen durch Skaleneffekte gibt), ebenso wie die „gewichteten Kapitalkosten“. Die Kurve impliziert auch, dass es Handel zwischen produktionsgünstigen Standorten und Standorten mit Nachfrage geben könnte. Sollten die Kosten jedoch bei 2 $/kg bleiben, gibt es wenig wirtschaftliches Produktionspotenzial: unterhalb dieser Zahl könnten viele Regionen in der Lage sein, ausreichende inländische Versorgung bereitzustellen. Referenz [38] untersucht detailliert die Aussichten im Handel mit Wasserstoff: die Geschwindigkeit, mit der sich der gehandelte Teil von Wasserstoff entwickelt, ist ein „geschwindigkeitsbestimmender Schritt“ auf dem Weg zu Netto-Null bis 2050. Auf fundamentaler Ebene nimmt der Handel mit zunehmenden Unterschieden in und der Entwicklung der CAPEX-Kosten der notwendigen Infrastruktur und der „gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten“ (WACC) zur Finanzierung des Baus der Infrastruktur im Allgemeinen zu, insbesondere jedoch der für die Stromerzeugung. Referenz [26] stellt fest, dass „…Von den verschiedenen technischen und wirtschaftlichen Faktoren, die bestimmen, wie viel es
32 E.-A. Tingas und A. M. Taylor kostet, Wasserstoff durch Wasserelektrolyse zu produzieren, sind die relevantesten die Stromkosten, die Investitionskosten, den Umwandlungswirkungsgrad und die jährlichen Betriebsstunden. …“: es ist vielleicht heilsam, die Bedeutung der Kapitalkosten im Auge zu behalten. Ebenso grundlegend ist der Einfluss von Themen wie „…Energiesicherheit, das Vorhandensein gut etablierter Handels- und diplomatischer Beziehungen, bestehende Infrastruktur und Stabilität des politischen Systems, unter anderem…“. Während der Transport einen relativ kleinen Anteil an den Gesamtkosten ausmacht, beinhalten die Art und der Standort der Infrastruktur lokale Abwägungen zwischen Transport und Produktionskosten. Tatsächlich könnte für einige geografische Gebiete die Abwägung nicht wie man Wasserstoff handelt, sondern ob man stattdessen Strom handelt [54] (oder dessen Derivate). Pipelines oder Schiffe sind weniger effizient als Strom, aber Pipelines und Schiffe können größere Mengen transportieren; und Schiffe bieten den wichtigen Vorteil der Flexibilität, mehrere Lieferanten und Häfen zur Entladung ihrer Ladung zu nutzen. Die Transportinfrastruktur für Wasserstoff und Derivate kann spezialisierte und daher kostspielige Infrastruktur implizieren, deren Bau ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen wird. Dies gilt sowohl für verflüssigten Wasserstoff32 als auch für neue Pipelines, da letztere eine Bewertung der gesamten – und meist grünen – Lieferkette erfordert, um die banale Frage des Rohrdurchmessers klären zu können. Beschränkt man die Diskussion auf Wasserstoff und seine Derivate, sind drei Schlussfolgerungen für das Thema dieses Buches relevant. • Erstens müssen die aktuellen Kosten über die gesamte Wertschöpfungskette sinken, damit globaler Handel stattfinden kann, und dies hängt unter anderem von der Fertigungsgröße ab. • Zweitens folgt aus dem ersten, dass der Handel im Jahr 2030 nur durch große Pilotprojekte „…zwischen Exporteuren mit guten Ressourcen und günstigen Finanzierungsbedingungen und Importeuren mit Energie- oder Klimapolitiken, die die zusätzlichen Kosten von grünem und blauem Wasserstoff im Vergleich zu grauem bezahlen…“ angetrieben wird. • Drittens deutet die Analyse von [38] darauf hin, dass bei ausreichendem Umfang und Output33 dedizierte erneuerbare Energien für die Wasserstofferzeugung einschließlich des Transports zu Kosten von grünem Wasserstoff zwischen 1 und 1,5 $/kg führen könnten, was als langfristiges Ziel angesehen wird. Es ist wichtig zu betonen, dass: (a) der erforderliche Umfang hauptsächlich aus Anwendungen und Nutzungen andere als für mechanischer Leistung von Maschinen, sei es thermische oder elektrische Motoren, die von Brennstoffzellen 32 Die Umwandlung in die flüssige Phase, deren Lagerung und die Schiffe sind teuer: vielleicht überraschend ist die Investition im Importhafen gering. 33 Referenz [38] schätzt, dass dies bis zu 15 Jahre dauern wird: „Umfang“ bedeutet Projekte von 0,65 und 0,95 MT/Jahr für Ammoniak und flüssigen Wasserstoff, zum Beispiel.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 33 angetrieben werden, kommen wird; (b) Umfang allein nicht ausreicht, um die Kosten zu senken, da technische Innovation34 in allen Teilen der Wertschöpfungskette erforderlich ist, einschließlich der energetischen Kosten der Wasserstoffverflüssigung und der Rückumwandlung vom Wasserstoffträger zu Wasserstoff [38]. 6 Wasserstoff: Internationale Verteilung und Massenspeicherung Die Produktion von Wasserstoff wird wahrscheinlich in einigen Teilen der Welt, wie dem Nahen Osten und Nordafrika, billiger bleiben als in anderen, wie der Nordsee, und impliziert, dass es, wie oben erwähnt, erheblichen Handel geben wird. Es gibt jedoch nicht zu vernachlässigende Kosten, die mit dem Transport von Wasserstoff verbunden sind, der entweder als Gas durch Pipeline, als kryogene Flüssigkeit per Schiff (oder für kürzere Entfernungen und geringere Mengen per Straßentanker), gebunden an einen flüssigen organischen Wasserstoffträger (LOHC) oder sogar durch Umwandlung von Wasserstoff in Ammoniak transportiert werden kann. Referenz [26] berichtet, dass allein die Infrastruktur für die Verteilung von Wasserstoff an Endverbraucher (d. h. Tankstellen, Pipelines, Lagerung und Import-/Exportterminals) je nach Szenario zwischen 14 und 18 % der globalen kumulativen Investitionen bis 2050 ausmachen könnte. Ein Beispiel für die Nutzung einer Pipeline ist das Projekt innerhalb Europas, der European Hydrogen Backbone (EHB) Vorschlag [56], bei dem Wasserstoffgas per Pipeline in 21 Länder (einschließlich der Schweiz und des Vereinigten Königreichs) transportiert werden soll. Der EHB wird bis 2040 letztendlich 39.700 km Pipelines umfassen, wobei 69 % umgenutzte Erdgasnetze und 31 % neu gebaute Wasserstoffpipelines sein werden. Die Umwandlung von gasförmigem in flüssigen Wasserstoff erfordert einen Arbeitsaufwand, der 25–40 % des Produkts entspricht, wobei großtechnische Systeme höhere Wirkungsgrade erreichen, im Gegensatz zur Verflüssigung von Erdgas, die nur 10 % des Energiegehalts von Erdgas verbraucht [20, 57]. Der Wasserstoff muss auf –253 °C abgekühlt werden, was eine Lagerung in teuren Dewar-ähnlichen Flaschen (doppelwandig, vakuumgetrennt) mit „Boil-off“ erfordert, der etwa 0,4 % pro Tag betragen kann [57]. Dieses Boil-off kann genutzt 34 Referenz [55] erwähnt, dass „…Trotz einiger Elektrolyseur-Designs, die bereits kommerziell sind (alkalisch und PEM), können sie ohne politische Unterstützung nicht mit traditionellen Wasserstoffproduktionstechnologien konkurrieren. Die Unterstützung der bereits starken Innovationsaktivität im Sektor wird dazu beitragen, wichtige Ziele schneller zu erreichen, wie höhere Wirkungsgrade, verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen Degradation und geringeren Materialbedarf. Dies würde sowohl die Herstellungskosten von Elektrolyseuren als auch die Produktionskosten von Wasserstoff erheblich senken. Darüber hinaus wird die Unterstützung der Technologien, die noch nicht kommerziell verfügbar sind (SOEC und AEM), ihnen helfen, schneller die Marktreife zu erreichen.“.
34 E.-A. Tingas und A. M. Taylor werden, um ein Transportschiff anzutreiben, sodass es nicht verschwendet werden muss. Trotz dieser Hindernisse existiert ein Pilotprojekt für den Transport von flüssigem Wasserstoff zwischen Australien und Japan [58]. Die Referenz [40] bietet eine Technologieübersicht über flüssigen Wasserstoff (Technologiestatus; Projektpipeline; Verflüssigung; Versand und Rückumwandlung in die Gasphase) im Detail und kommt zu dem Schluss, dass flüssiger Wasserstoff für Entfernungen bis zu 4000 km und auch für die größten Projektkapazitäten kostengünstig sein kann. Die Referenz [51] berichtet, dass der Transport von flüssigem Wasserstoff per Schiff $1,7–2,3/kg H2 für flüssigen Wasserstoff für eine Entfernung von 10.000 km kostet (alternativ sind es energetische Kosten von $14–19/GJ), während es für Ammoniak nur $40–60/t NH3 (energetische Kosten von $2–3/GJ) sind. Die Referenz [51] erwähnt, dass die Kosten im Jahr 2030, einschließlich Produktion und Seetransport, jeweils $22–35/GJ ($2,6–4,2/kg) für Wasserstoff, aber deutlich niedriger bei $14–27/GJ ($260–500/t) für Ammoniak sind. „Materialbasierte“ Speichertechnologien umfassen Sorbentien, Metallhydride und chemische Speichermaterialien [59, 60]. Eine solche Methode mit einigem Potenzial [61] sind die flüssigen organischen Wasserstoffträger (LOHC), wie Methylcyclohexan oder Bibenzyltoluol mit Energiedichten von etwa 10 GJ m−3 , die eine kovalente Bindung zwischen dem Wasserstoff und dem LOHC bilden und so Energiedichten unter Umgebungsbedingungen erreichen, die mit flüssigem Wasserstoff vergleichbar sind. LOHCs haben ähnliche Eigenschaften wie Rohöl und Ölprodukte, und ihr Hauptvorteil besteht darin, dass sie als Flüssigkeiten ohne Kühlung transportiert werden können. Diese Technologie kann sowohl für die langfristige Speicherung im kleinen Maßstab als auch für den Langstreckentransport anwendbar sein [62]. Es gibt energetische Kosten von bis zu 40 % des Wasserstoffs, die mit dem „Beladen“ und Entladen des Wasserstoffs verbunden sind, von denen ein Teil zurückgewonnen werden kann. Die Referenz [40] diskutiert LOHC ausführlicher und schlägt vor, dass es einen begrenzten Einfluss auf den globalen Handel haben kann, wobei darauf hingewiesen wird, dass die Trägermoleküle selbst teuer sein können [51]. Die Umwandlung von Wasserstoff in flüssiges Ammoniak ist ein Mittel für den wirtschaftlichen, großvolumigen Langstreckentransport (per Straße, Schiene, Schiff oder Pipeline) des Wasserstoffs, wobei das Ammoniak als „Trägermolekül“ fungiert und seine relativ hohe Energiedichte (12,92 oder 14,4 MJ/L35 [63], je nachdem, ob es bei 20 °C und 10 bar oder bei –33 °C und 1 bar gelagert wird. Diese Dichte ist nicht nur wesentlich höher als die von flüssigem Wasserstoff, sondern auch vergleichbar mit der von Methanol [52] und Wasserstoffgehalt (flüssiges Ammoniak enthält mehr Wasserstoffmasse pro Volumeneinheit (107,7 oder 120 %) als flüssiger Wasserstoff), jeweils bei mäßigem Behälterdruck und -temperatur. Die Umwandlung von elektrolytischem Wasserstoff in Ammoniak bedeutet jedoch einen Verlust von etwa der Hälfte der elektrischen Energiezufuhr [64] und zwischen 7 und 18 % der im Wasserstoff enthaltenen Energie [29]. 35 Berechnet basierend auf dem unteren Heizwert einer stöchiometrischen Menge Wasserstoff.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 35 Es gibt umfangreiche und langjährige Erfahrungen mit der Technologie und den Kosten für den Transport und die Lagerung von Ammoniak. Referenz [65] stellt fest, dass der internationale Handel derzeit 20 Mt Ammoniak pro Jahr umfasst, die durch etwa 200 Häfen mit Ammoniakterminals transportiert werden. Es ist jedoch zu beachten, dass Ammoniak nicht nur einen unangenehmen und stechenden Geruch hat, sondern auch beim Einatmen giftig und eine gefährliche Substanz ist. Dennoch wird es weit verbreitet als Kältemittel verwendet, und es gibt erhebliche Erfahrungen in der Industrie für den sicheren Umgang damit. Die Transportkosten von Ammoniak und anderen Wasserstoffträgern werden ausführlich in einem speziellen Bericht [38] behandelt: Die Kosten sind eine Funktion der Entfernung und der Projektgröße, aber im Großen und Ganzen sind die Kosten ein Zehntel der von flüssigem Wasserstoff [52] auf der Straße und noch geringer, wenn der Transport per Schiff erfolgt. Die Infrastruktur für den Transport von Ammoniak ist gut entwickelt, und Ref. [40] kommt zu dem Schluss, dass der Transport von Wasserstoff in Form von Ammoniak „…am attraktivsten für die breiteste Palette von Entfernungs- und Größenkombinationen…“ ist. Da die Pipelinekosten linear mit der Entfernung steigen, können Schiffe ab etwa 4000 km günstiger sein, aber die Kosten für eine Pipeline sinken drastisch, wenn sie für den Transport von Erdgas umgerüstet werden kann. Derzeit liegen die Kosten für den Transport von Wasserstoff unter Verwendung von Ammoniak, LOHC oder Verflüssigung im Bereich von 6,5–17,3 $/kg H2 mit schnell fallenden Kosten bei zunehmendem Projektumfang. Bis 2030 liegen die Kosten bei 2,5 bis über 7 $/kg H2 über eine Entfernung von 10.000 km, vorausgesetzt, es handelt sich um Anlagen von 0,5 Mt H2/Jahr, die auf etwa 1 $/kg H2 sinken, vorausgesetzt, es handelt sich um eine Anlage von 1,5 Mt H2/Jahr. Die Entscheidung über die physische Form, in der Wasserstoff transportiert werden soll (als Flüssigkeit, über LOHC oder als Ammoniak), hängt vom Handelsvolumen (die dominierende Variable), der Entfernung, über die er transportiert werden soll, und den Infrastrukturkosten ab. Es gibt daher viele Variablen zu berücksichtigen, nicht zuletzt die Kapitalkosten. Ein weiterer Aspekt ist, ob das Ammoniak in hochreinen Wasserstoff zurückverwandelt werden muss (zum Beispiel für den Einsatz in Brennstoffzellen), da dies zu weiteren Umwandlungsverlusten und Kosten führt. Derzeit bleiben kohlenstoffarmer Wasserstoff und Ammoniak im Vergleich zu Erdgas und LNG [51] teure Brennstoffe. Da ein zunehmender Anteil des Stroms durch Windturbinen und Solar-PV erzeugt wird, mit unvermeidlich variabler Leistung, besteht die Möglichkeit, dass die Nachfrage größer ist als das Angebot. Es wird dann einen zunehmenden Bedarf an großflächiger Energiespeicherung geben [66]. Referenz [67] behandelt dieses Thema ausführlich: Der Aspekt, der für den Umfang dieses Buches relevant ist, ist, wie Wasserstoff den potenziellen zukünftigen Bedarf für Zeiten niedriger Produktion aufgrund sonnenloser, windstiller Tage (die sogenannte Dunkelflaute) decken kann. Für diese Perioden, die in großen Bruchteilen von mehreren Wochen gemessen werden, ist die chemische Speicherung von Energie in Form von geologisch gespeichertem Wasserstoff eine potenziell attraktive Lösung, wobei die Energie des Wasserstoffs entweder durch Gasturbinen oder Brennstoffzellen
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 36 wieder in Strom umgewandelt wird. Längere Perioden entstehen, die als saisonale Energiespeicherung bezeichnet werden, und ‚verschieben‘ Energie (die sonst im Frühjahr gekürzt worden wäre) auf andere Zeiten des Jahres, in denen die Nachfrage die Stromerzeugung durch diese variablen erneuerbaren Quellen übersteigt. Ein Szenario, das in Abb. 23 [67] gezeigt wird, besteht darin, geologisch gespeicherten Wasserstoff entweder durch Gasturbinen oder Brennstoffzellen zu leiten. Abb. 24 [28] fasst die Energieverluste nur für die Wiederherstellung des Wasserstoffs bei Verwendung von flüssigem Wasserstoff, Ammoniak und LOHC als Transportmittel zusammen. Referenz [64] bewertet den Wirkungsgrad der ‚elektrischen Rückgewinnung‘ unter Verwendung von Ammoniak und Wasserstoff als chemische Mittel zur Speicherung erneuerbarer Energie für Zeiten, in denen die Nachfrage das Angebot übersteigt und gespeichertes Ammoniak zur Wiederherstellung der Stromversorgung verwendet wird. Ihre Ergebnisse zeigen einen Wirkungsgrad von etwa 24–26 %: Die kryogene Speicherung von Wasserstoff senkt diesen Wirkungsgrad auf 17 %. Wie dem auch sei, ein Vorteil ist, dass Ammoniak auch direkt als Brennstoff verwendet werden kann. Nichtsdestotrotz ist die geologische Speicherung kosteneffektiv für die Speicherung von Energie über längere Zeiträume [26, 68]. Salzstöcke werden derzeit beispielsweise im Vereinigten Königreich und in den USA zur unterirdischen Speicherung von Wasserstoff verwendet: Diese dichten zufriedenstellend ab und bieten einen hohen Speicherwirkungsgrad bei niedrigen Betriebskosten WasserstoffSpeicher system Elektrolyseur Verdichter station Brennstoff zelle Gas turbinen kraft werk Unterirdische Kaverne Abb. 23 Skizze eines Wasserstoffspeichersystems. Leistungsbezogene Komponenten sind in Rot und Energiekomponenten in Gelb beschriftet. Das Bild ist nicht maßstabsgetreu. Nachgedruckt aus Ref. [67]
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 37 Flüssiger Wasserstoff Verflüssigung Versand Wiederver dampfung Ammoniak Haber-BoschSynthese Versand Cracken von Ammoniak Hydrierung Versand Dehydrierung Flüssiger organischer Wasserstoffträger Abb. 24 Energie, die entlang der Umwandlungs- und Transportkette in Wasserstoffäquivalenten verfügbar ist, 2030. Anmerkungen LH2 = verflüssigter Wasserstoff; NH3 = Ammoniak; LOHC = flüssiger organischer Wasserstoffträger. Zahlen zeigen den verbleibenden Energiegehalt von Wasserstoff entlang der Versorgungskette relativ zu einem Anfangswert von 100, wobei angenommen wird, dass alle Energiebedarfe der Schritte durch den Wasserstoff oder wasserstoffbasierten Brennstoff gedeckt werden. Für LH2 stellen gestrichelte Bereiche die Energie dar, die durch die Verwendung der Abgasgase als Schiffsbrennstoff zurückgewonnen wird, was den oberen Bereichszahlen entspricht. Für NH3 und LOHC stellt der gestrichelte Bereich die Energieanforderungen für den Einwegversand dar, die in den unteren Bereichszahlen enthalten sind. Nachgedruckt aus Ref. [28] und geringen Landkosten. Darüber hinaus ist das Risiko einer Kontamination des Gases gering, was eine wichtige Überlegung ist, sollte der Wasserstoff von Brennstoffzellen verwendet werden. Erhebliche Mengen an Speicherplatz werden benötigt, wenn Wasserstoff im Kontext der saisonalen Speicherung oder sogar zur Gewährleistung der Systemresilienz verwendet wird, wobei geeignete Standorte je nach Faktoren wie der erforderlichen Speicherkapazität, der Speicherdauer, der Entladerate und dem Standort der Anlage ausgewählt werden [51]. Bis 2050 könnte laut einer Schätzung [36] ein Speicherbedarf von 2000 TWh bestehen; und es wird auch Bedarf an Bunker- und Speicherinfrastruktur in Häfen geben, ohne die ein erheblicher Handel nicht möglich ist. Referenz [28] stellt fest, dass die Umnutzung von LNG-Terminals für Wasserstoffregierungen in Betracht gezogen wird, warnt jedoch, dass selbst die Umnutzung teuer ist, da Flüssigwasserstofftanks halb so teuer sind wie LNG-Tanks und die Kosten der erforderlichen LNGTanks die Hälfte der CAPEX des Terminals ausmachen. In jedem Fall müssen Tanks des erforderlichen Volumens noch gebaut werden, und daher sind die Kosten unsicher, was in Kombination mit der Unsicherheit über das erforderliche Volumen zu einer Zurückhaltung bei der Investition führt. Die Bedingungen, unter denen eine solche Speicherung wirtschaftlich machbar wird, hängen von mehreren Faktoren ab, wie von [67] diskutiert. Referenz [66] berichtet, dass für 120 h Speicherzeit Wasserstoff mit geologischer Speicherung
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 38 eines der günstigsten von 14 Kandidatenspeichersystemen ist. Die wirtschaftliche Rentabilität einer solchen saisonalen Speicherung von Wasserstoff verbessert sich, wenn die Kosten für Elektrolyseure gesenkt und fortschrittliche NiedrigNOx-Gasturbinen entwickelt werden können, obwohl Ref. [66] vorschlägt, dass die Verwendung von Brennstoffzellen der Art, die für schwere Anwendungen verwendet werden, von Vorteil sein könnte. Das Ausmaß, in dem die geologische Speicherung machbar ist, hängt von der Verfügbarkeit geeigneter und entsprechend dimensionierter Kavernen ab, die mit der Menge an Energie, die in Form von Wasserstoff gespeichert werden muss, übereinstimmen. Ammoniak kann auch ein Medium für die langfristige (z. B. saisonale) Energiespeicherung zur späteren Nutzung sein: Referenz [65] stellt fest, dass Ammoniak um eine Größenordnung billiger ist als Batterien zur Speicherung von Energie für intersaisonale Zeiträume. Diese Strategie kann nützlich sein, wenn geeignete Speicher, beispielsweise in Salzkavernen, für Wasserstoff nicht verfügbar sind. Referenz [52] stellt fest, dass die Ammoniakspeicherung in dieser Form eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die Größe und den Standort der Speichertanks sowie in Bezug auf die anschließende Verteilung bietet. Die Speicherkostenschätzungen werden voraussichtlich vergleichbar sein mit beispielsweise der Speicherung von Wasserstoff in Salzkavernen, obwohl die Kosten für gekühltes Ammoniak höher sind. Das Ammoniak kann wieder in Wasserstoff und Stickstoff umgewandelt werden, um den Wasserstoff zu nutzen, aber dies führt zu einem Energieverlust von zwischen 15 und 33 % [40, 52]. Während es einen gewissen Konsens darüber gibt, dass Ammoniak Potenzial als Energiespeichermedium hat, zweifelt Ref. [63] daran, ob es im Vergleich zu flüssigem Wasserstoff einen Vorteil in Bezug auf den „Power-to-Fuel-to-Power“-Wirkungsgrad als Wasserstoffträger hat. Im Gegensatz dazu argumentiert Ref. [69], dass „…Ammoniak eine hervorragende Möglichkeit bleibt, [erneuerbare Energie] in Wasserstoff und dann in Ammoniak umzuwandeln, es an Orte mit geringer erneuerbarer Energieintensität zu transportieren und das Ammoniak wieder in Wasserstoff für den lokalen Verbrauch umzuwandeln…“. Es gibt Kompromisse zwischen den Energieverlusten, die durch die Rückumwandlung in Wasserstoff entstehen (etwa 25–30 % je nach erforderlicher Wasserstoffreinheit), und den Vorteilen der einfachen Transport- und Lagermöglichkeiten von Ammoniak [51]. Alternativ kann das Ammoniak direkt als Brennstoff verwendet werden, wodurch dieser Verlust vermieden und kein Kohlendioxid ausgestoßen wird: jedoch werden NOx -Emissionen (insbesondere Distickstoffmonoxid N2 O – können entstehen, was ein starkes Treibhausgas ist) freigesetzt, die schädlich für die Umwelt sind und minimiert werden müssen.36 36 Siehe Refs. [70, 71].
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 39 Grünes Ammoniak Inländischer Verbrauch Bruttohandel Wiederausfuhren Netto-Handel Wasserst offträger Nachfrage Strom Versand Andere Verwen dungen Andere Produktionswege Düngemittel Abb. 25 Globales Energiebilanz für Ammoniak in einem optimistischen Technologieszenario im Jahr 2050. Nachgedruckt aus Ref. [38] 7 Ammoniak als Brennstoff Wie im vorhergehenden Absatz angedeutet, kann Ammoniak als kohlenstofffreier Brennstoff verwendet werden,37 ohne Rückumwandlung in Wasserstoff, hauptsächlich für den maritimen Antrieb, aber auch für die stationäre Stromerzeugung. Abb. 25 zeigt die relative Bedeutung von Ammoniak als Brennstoff für Schiffsmotoren in einem Szenario [38]. Laut dem IRENA 1,5 °C-Szenario wird die Nutzung von Ammoniak im maritimen Sektor bis 2050 eine große neue Nachfrage von 197 Mt sein, und es wird eine weitere neue Nachfrage von 127 Mt bis 2050 als Wasserstoffträger geben [72]. Referenz [65] sieht auch die Möglichkeit, Ammoniak als Brennstoff für Schiffe sowie im Energiesektor zu nutzen, mit ähnlich großen Volumina. Das Ausmaß dieser Volumina sollte mit der aktuellen Nachfrage nach Ammoniak verglichen werden, die 183 Mt/Jahr beträgt [38]. 37 Es gibt mehrere andere Brennstoffe, die Wasserstoff als Rohstoff verwenden, einschließlich Methanol und „nachhaltigem Flugkraftstoff“, die in diesem Kapitel nicht berücksichtigt werden, da diese ebenfalls Kohlenstoff enthalten und um erneuerbar zu sein, Kohlenstoff entweder aus Biomasse oder direkter Luftabscheidung benötigen. Derzeit ist unklar, wie hoch die Kosten solcher Brennstoffe sind, aber sie scheinen teuer zu sein.
40 E.-A. Tingas und A. M. Taylor Die Kosten für die Produktion von Ammoniak sinken, wenn das Produktionsvolumen für alle Verwendungen steigt. Referenz [38] schätzt, dass bis 2050 und unter Annahme eines 1,5 °C-Szenarios 12 % der Endenergienachfrage für die Produktion von Wasserstoff (74 EJ/Jahr) verwendet werden, wobei ein Viertel davon international gehandelt wird, von dem 55 % per Pipeline transportiert werden, hauptsächlich in Europa und Lateinamerika. Die verbleibenden 45 % würden überwiegend als Ammoniak verschifft, wobei der größte Teil des Volumens ohne Rückumwandlung verwendet würde. Die weltweite Ammoniaknachfrage würde bis 2050 etwa 690 Mt NH3/Jahr betragen,38 aber nur ein Fünftel würde im Kontext eines „Wasserstoffträgers“ verwendet werden [38]. Referenz [38] prognostiziert, dass bei einer optimistischen Annahme über Kostensenkungen bis 2050 die Kosten für die Wasserstoffproduktion von etwa 5 $/kg H2 auf etwa 1 $/kg H2 sinken werden und die Kosten für den Versand von Ammoniak über 20.000 km von 8 $/kg H2 auf 0,8 $/kg H2 sinken werden, was zu 1,5–2 $/kg für gelieferten Wasserstoff führen wird.39 , 40 Damit dies geschieht, wird die erneuerbare Stromproduktion, die der Wasserstoffproduktion gewidmet ist, etwa 10.000 GW betragen (derzeit beträgt die gesamte Wind- und Solarstromerzeugung etwa 1600 GW). Referenz [26] sehen den Schiffsverkehr im Jahr 2030 als den zweitgrößten Verbraucher von Wasserstoff und wasserstoffbasierten Brennstoffen unter den Verkehrsträgern. Im Net Zero Emissions Szenario der IEA deckt Ammoniak 8 % des gesamten Kraftstoffbedarfs der Schifffahrt und Wasserstoff 2 %. Das Tempo, in dem sich diese Entwicklungen vollziehen, könnte durch die Geschwindigkeit begrenzt sein, mit der Häfen die Bunker-Infrastruktur für Wasserstoff und Ammoniak entwickeln. Einige Häfen haben jedoch bereits damit begonnen (z. B. der Hafen von Valencia, der Hafen von Honolulu, die Häfen von Auckland, der Hafen von Los Angeles und der Hafen von Antwerpen). 38 Der aktuelle Bedarf beträgt 183 Mt/Jahr, was 32 Mt H /Jahr entspricht oder nur 6 % der welt2 weiten Wasserstoffnachfrage im Jahr 2050. Zum Vergleich: Der globale LNG-Markt betrug im Jahr 2020 356 Mt, was 150 Mt H 2/Jahr entspricht [38]. 39 Dieser Preis entspricht dem LNG-Angebot zu den Preisen von 2020. 40 „…Jedes Land, das entscheidet, ob es Wasserstoff im Inland produzieren oder importieren soll, muss alle Lieferkosten entlang der gesamten Lieferkette berücksichtigen, von der Produktion und dem Transport bis zur Endanwendung. Die IEA schätzt, dass der Import von Wasserstoff, der aus Solar-PV in Australien produziert wird, nach Japan (<4,20 $/kg H 2) bis 2030 etwas weniger kosten wird als die inländische Produktion aus erneuerbaren Energien (4,50 $/kg H 2). Während die Produktion von Wasserstoff aus Erdgas mit CCUS in Japan noch weniger kosten könnte (1,85 $/kg H 2), könnte der Zugang zu CO 2-Speichern ein begrenzender Faktor sein…. Im Fall des Exports von Wasserstoff aus dem Nahen Osten nach Europa ist es unwahrscheinlich, dass importierter Wasserstoff (2,60–3,80 $/kg H 2) im Jahr 2030 wettbewerbsfähig mit der inländischen Produktion (2,30 $/kg H 2) sein wird. Wenn jedoch Ammoniak direkt verwendet werden kann (z. B. in der chemischen Industrie oder als Brennstoff im Schiffs- oder Energiesektor), können Rückumwandlungsverluste vermieden und die Lieferkosten auf 1,80 $/kg H 2 für diese Handelsverbindungen gesenkt werden, was wettbewerbsfähig wäre…“ [26].
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 41 8 Wasserstoff für den Landverkehr Laut Ref. [26] werden Straßenfahrzeuge im Jahr 2030 zwischen 58 und 45 % des Wasserstoffs und der wasserstoffbasierten Brennstoffe gemäß den IEA-Szenarien „Angekündigte Zusagen“ und „Netto-Null-Emissionen“ verbrauchen. Der Wasserstoff kann entweder als Brennstoff für eine Brennstoffzelle oder einen Verbrennungsmotor verwendet werden: Der Vorteil der Brennstoffzelle besteht darin, dass sie einen höheren Brennstoffumwandlungswirkungsgrad aufweist und keine schädlichen Schadstoffe in ihrem Abgas produziert. Derzeit berichtet jedoch Ref. [26], dass die Gesamtkosten für den Besitz von Brennstoffzellen-Schwerlast-Lkw 10–45 % höher sind als für Diesel-Lkw mit Verbrennungsmotor. Bis 2050 wird jedoch erwartet, dass die Gesamtkosten für den Besitz um die Hälfte oder mehr sinken. Wie dem auch sei, für die Bordlagerung ausreichender Mengen an Wasserstoff [73] für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge hat das US-Energieministerium (vor etwa zwei Jahrzehnten) umfangreiche technische Ziele41 für die Verbraucherakzeptanz (zum Beispiel Reichweite, Kosten, Sicherheit, Leistung usw.) festgelegt. Kurz gesagt, diese Ziele, die gravimetrische und volumetrische Kapazitäten einschlossen [74], sollen es ermöglichen, 4–10 kg nutzbaren Wasserstoffs eine Reichweite von 300–500 Meilen zu geben [34, 75, 76]. Es gibt mindestens vier verschiedene Möglichkeiten, Wasserstoff an Bord eines Fahrzeugs zu speichern, kategorisiert als Tanks, chemische Hydride, Metallhydride und Kohlenstoff/ Sorbentien, aber das Erreichen der Ziele mit diesen Ansätzen ist herausfordernd [60]. Referenz [77] berichtet über eine frühe Bewertung der Well-to-WheelKosten, Energiewirkungsgrade und Treibhausgasemissionen für diese Technologien und zeigt die Mängel jeder einzelnen auf: Keine hat bisher das ultimative volumetrische Wirkungsgradziel des DOE erreicht. Derzeit wird Wasserstoff als komprimiertes Gas bei entweder 350 oder 700 bar gespeichert, wobei Tanks auf Basis der Typ-III- (metallbeschichtet) und TypIV- (polymerbeschichtet) Kohlenstoff-Verbundtechnologie verwendet werden [57, 78]. Referenz [74] schätzte, dass für 350 bar und Typ-IV-Tanks die gravimetrische Kapazität zur Lieferung von 5,6 kg Wasserstoff etwa 5,5 % beträgt, was das DOE-Ziel für 2015 erfüllte (aber das langfristige DOE-Ziel von 7,5 % verfehlt): das heißt, dass das Gewicht des Tanks etwa 20-mal so hoch ist wie das des gespeicherten Brennstoffs. Die volumetrische Kapazität beträgt etwa 18 kgm−3 H2, was weit unter dem 2010 gesetzten Ziel von 28 kgm−3 H2 liegt. Bei 700 bar betragen die entsprechenden Werte 5,3 % und etwa 27 kgm−3 H2, wobei letzterer weit unter dem 2015-Ziel von 40 kgm−3 H2 und weit unter dem endgültigen DOE-Ziel von 70 kgm−3 H2 liegen. Obwohl Kostenschätzungen für die Massenproduktion erheblichen Unsicherheiten unterliegen, liegen die „Basisfall“-Werte 41 Diese gelegt. Ziele wurden mit den Anforderungen von Brennstoffzellenfahrzeugen fest im Blick fest-
42 E.-A. Tingas und A. M. Taylor zwischen etwa 15 und 18 $/kWh, was einen Faktor von 4 bis 5-mal höher ist als das Ziel für 2010, wobei die Kosten für Kohlefaser-Verbundmaterial ein wichtiger Faktor sind. Referenz [79] zeigt, dass der Ersatz von Epoxidharz durch kostengünstiges Vinylesterharz die gravimetrische Kapazität auf 4,3 % verbessert, aber die volumetrische Kapazität leicht verschlechtert. Eine Lebenszyklusanalyse von Ref. [80] zeigt bemerkenswerterweise, dass der Beitrag solcher Wasserstofftanks vergleichbar mit dem des Gleiters und der Brennstoffzelle ist und der „Hauptverursacher des Klimawandels“ ist. Obwohl sich dieser Absatz auf Verbraucherfahrzeuge bezieht, steht die Onboard-Speicherung von Wasserstoff für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge (sei es mit Brennstoffzelle oder Verbrennungsmotor) vor ähnlichen – wenn auch etwas weniger strengen – Herausforderungen. Der Bordvorrat in einem Fahrzeug beinhaltet einen energetischen Aufwand, der mit dem Druck des Wasserstoffgases verbunden ist.42 zu einem der beiden aktuellen Standards, nämlich 350 und 700 bar (es gibt auch Kosten, die mit der Abgabe in verflüssigter Form verbunden sind43 , 44) Abb. 26 [81] zeigt, dass die Energiedichten (MJ/Liter) dieser drei Wasserstoffformen, in jeder Form, um ein Vielfaches kleiner sind als die von kommerziellen Kohlenwasserstoffbrennstoffen.45 Daher kann die gasförmige Bordlagerung in einem Fahrzeug46 im Allgemeinen mehr Platz für Tanks erfordern als für einen Kohlenwasserstoffbrennstoff für die gleiche Reichweite, und die Tanks selbst müssen so gebaut sein, dass sie diesen hohen Drücken standhalten, was zwangsläufig erhebliche Auswirkungen auf ihr Gewicht, Volumen47 und Kosten haben, wie im vorangegangenen Absatz kurz beschrieben [74, 78] detaillierte Analysen für den Einsatz in Personenkraftwagen). Wenn man von einem Wasserstoff-Rohstoff bei 0,1 MPa ausgeht, erfordert die Speicherung bei 80 MPa eine isotherme Kompressionsarbeit von 2,21 kWh/kg oder 8 MJ/kg [82], während die adiabatische Kompressionsarbeit etwa 22 MJ/kg erfordert. In der Praxis könnte ein mehrstufiger, zwischengeschalteter Kompressor, der zwischen diesen beiden theoretischen Grenzen arbeitet, etwa 12 % des Energiegehalts des Wasserstoffs bei 80 MPa erfordern 42 Die entsprechenden Dichten sind 24 und 40 kg m−3 [57]. –252 °C und 1 bar. 44 Diese werden als „physikalisch basierte“ Methoden im Gegensatz zu „materialbasierten“ kategorisiert. 45 Die Energiedichte ist jedoch höher als die der aktuellen Lithium-Ionen-Batterien, was der Grund dafür ist, diese Form des Energievektors für mittelschwere und schwere Lastwagen und die Schifffahrt in Betracht zu ziehen. 43 Bei 46 Wenn eine Brennstoffzelle verwendet wird, hängt die Tankgröße von der relativen Brennstoffumwandlungseffizienz im Vergleich zu einem Verbrennungsmotor ab. 47 Referenz [76] bietet eine detaillierte und fundierte Analyse der gravimetrischen (etwa 2,2 kWh H 2/kg System; oder etwa 0,07 kg H 2/kg System) und volumetrischen Kapazität (etwa 2 kWh/ Liter System; oder etwa 0,05 kg H 2/L System) für leichte Nutzfahrzeuge, um eine Reichweite von 300 bis 500 Meilen zu gewährleisten. Diese Zahlen sind nicht direkt auf schwere Nutzfahrzeuge übertragbar, aber die Werte sind aufschlussreich.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 43 Gravimetrische Dichte (kWh/kg) Volumetrische Dichte (MJ/L) Diesel Volumetrische Dichte (kWh/L) Abb. 26 Vergleich der spezifischen Energie (Energie pro Masse und Volumen) für verschiedene Brennstoffe. Nachgedruckt aus Ref. [81] Benzin Ethanol Propan (flüssig) Methan (flüssig) Methanol Methan (250 bar) H2 (flüssig) Gravimetrische Dichte (MJ/kg) , , , , , Energie Eingabe , EFFIZIENZ (33,3 KWh/76,0 kWh) Energie ertrag , , Produktion (PEM-Elektrolyse) , MitteldruckKompression , Hochdruck verdichtung , Spender (Vor-Kühlung) , *Einschließlich des Restbetrags der Anlage Die Energieeffizienz der Kältemaschine hängt stark von den Schwankungen der Umgebungstemperatur und dem Durchsatz der Station ab. , Energie kosten Abb. 27 Energie, die zur Erzeugung und Abgabe von 1 kg H 2 benötigt wird. Nachgedruckt aus Ref. [84] [83]. Die Energie, die zur Erzeugung und Abgabe von gasförmigem Wasserstoff benötigt wird, hängt von den Details der Vertriebskette ab: Abb. 27 zeigt, für ein bestimmtes Beispiel, die Energie, die zur Erzeugung und Abgabe von 1 kg Wasserstoff benötigt wird, obwohl die kommerzielle Abgabe an das Fahrzeug von der Tankstelle wahrscheinlich ein Kaskadensystem beinhaltet [84]. Es gibt daher auch erhebliche CAPEX-Kosten, die mit einer Wasserstofftankstelle verbunden sind [26]. Derzeit können die geringen Mengen an Wasserstoff, die benötigt werden, zu den relativ wenigen Wasserstofftankstellen auf der Straße (in kleinem Maßstab: sagen wir weniger als 1 Tonne/Tag [20]) in gasförmiger und flüssiger Form in „Röhrenanhängern“ und Tankwagen geliefert werden. Skaleneffekte sollten die Herstellungskosten der Komponenten senken, aber eine 30 %ige Kostenreduktion würde sich aus der Erhöhung der Kapazität der Station von 350 auf 1000 kg/Tag ergeben. Dies wiederum wird die Lieferung des Wasserstoffs per
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 44 Pipeline wirtschaftlich attraktiver machen. In jedem Fall besteht die Notwendigkeit, ein Netzwerk solcher Tankstellen aufzubauen. Die Europäische Kommission hat im Rahmen des Maßnahmenpakets „Fit for 55“ vorgeschlagen, dass im Rahmen der Verordnung über den Ausbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe alle 150 km entlang der Hauptverkehrswege eine Wasserstofftankstelle mit einer Kapazität von 2 t pro Tag und einem 700-bar-Spender und alle 450 km eine Station mit flüssigem Wasserstoff eingerichtet werden sollte. 9 Wasserstoff für Schiffe und Flugzeuge Wie beim Landtransport wird die Rolle des Wasserstoffs teilweise durch konkurrierende Technologien für die zurückzulegende Strecke und teilweise durch die Fähigkeit bestimmt, eine angemessene und wirtschaftliche Speicherung des Kraftstoffs an Bord zu gewährleisten. Im Schiffsverkehr sind für einige kleine Boote und relativ kurze Strecken, wie Fähren, einige Kreuzfahrtschiffe und Binnen- und Küstenschiffe, Batterien ein Konkurrent und Brennstoffzellen ein anderer. Für längere Strecken und für hochseetaugliche Schiffe scheinen Batterien ausgeschlossen zu sein, und die Energiedichte von gasförmigem Wasserstoff könnte ein begrenzender Faktor sein. Stattdessen könnten flüssige Brennstoffe wie Ammoniak und Methanol, die höhere Energiedichten aufweisen, sich als tragfähiger erweisen. Für die Luftfahrt scheint die Elektrifizierung des Flugs unwahrscheinlich, außer für die kürzesten Strecken und kleinsten Flugzeuge: Beachten Sie, dass beim Start die Triebwerke eines Großraumjets bis zu 300 MW erzeugen können, was ein Drittel der Leistung eines typischen Kernreaktors entspricht [44]. Flüssiger Wasserstoff scheint für Mittelstreckenflüge Potenzial zu haben, wie später beschrieben, wobei ein begrenzender Faktor das Volumen ist, das der Kraftstoff selbst einnimmt: Die Vorlaufzeiten liegen in der Größenordnung von 2035 und 2050 [44]. Langstreckenflüge werden wahrscheinlich mit sogenannten „nachhaltigen Flugkraftstoffen“ betrieben,48 flüssigen Kohlenwasserstoff-Kraftstoffen, die mit kohlenstoffarmem Wasserstoff synthetisiert werden können. Eine weitere Diskussion liegt jedoch außerhalb des Umfangs dieses Buches. 10 Wasserstoff: Der Ansatz in der EU Die Europäische Union hat seit mindestens 2015 Klimaschutzmaßnahmen ergriffen, und eine spezifische Strategie für „sauberen“ Wasserstoff wurde 2020 angekündigt [85], zusammen mit der Europäischen Allianz für sauberen Wasser- 48 Auch stoffe. bekannt als wasserstoffbasierte synthetische Kraftstoffe oder Power-to-Liquid-Kraft-
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 45 stoff, um die großflächige Einführung sauberer Wasserstofftechnologien bis 2030 zu unterstützen. Dies folgte auf die Annahme des europäischen „Green Deal“ im Jahr 2020, der eine Roadmap zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und zur Klimaneutralität des Kontinents bis 2050 vorsah. Im Jahr 2021 wurde das „Fit for 55“ (FF55)-Paket vorgeschlagen, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % zu reduzieren: Dies wurde 2022 europäisches Recht und wird zur Verdopplung der Solar-PV- und Windkapazitäten der EU bis 2025 und zur Verdreifachung bis 2030 führen. Zuletzt wurde durch die REPowerEU-Mitteilung [86] im Jahr 2022 dem Europäischen Parlament vorgeschlagen. Diese letzte Mitteilung erhöht die Menge des für 2030 vorgesehenen erneuerbaren Wasserstoffs erheblich im Vergleich zum FF55-Paket, einschließlich der Nutzung im Transportwesen. Daher soll die Menge an erneuerbarem Wasserstoff und den damit verbundenen Elektrolyseuren auf 20 Mt erneuerbaren Wasserstoff im Jahr 2030 in der EU beschleunigt werden (davon etwa 4 Mt als Ammoniak, das als wichtige Alternative zu verflüssigtem Wasserstoff für den internationalen Handel angesehen wird, was die Möglichkeit modifizierter Regasifizierungsanlagen eröffnet). Darüber hinaus wird vorgeschlagen, 10 Mt erneuerbaren Wasserstoff zu importieren, hauptsächlich über Pipelines aus der Nachbarschaft und teilweise in Form von Ammoniak über Schiffe über längere Strecken. Dies stellt 15 Mt mehr dar als das ursprüngliche FF55-Paket, möglicherweise einschließlich anderer Formen von fossilem Wasserstoff, insbesondere kernkraftbasierter. Die zusätzlichen Investitionen, die durch die REPowerEU-Mitteilung vorgeschlagen werden, belaufen sich auf zusätzliche 210 Mrd. EUR, was etwa 5 % der gesamten FF55-Investitionen bis 2030 entspricht, wobei einige speziell auf wasserstoffbezogene Infrastrukturprojekte ausgerichtet sind (28–38 Mrd. EUR für Pipelines und 6–11 Mrd. EUR für Speicher- und Terminalanlagen). Von diesem Betrag sind 86 Mrd. EUR für Solar-PV und Wind vorgesehen, um bis 2027 fast 4 Mt zusätzliche inländische Wasserstoffproduktion zu erzeugen. Nach 2027 wird vorgeschlagen, 27 Mrd. EUR in Elektrolyseure zu investieren, um die installierte Kapazität von Elektrolyseuren von 44 GW in FF55 auf 65 GW in REPowerEU zu erhöhen und für die Verteilung von Wasserstoff in der EU. Dies erfordert bis 2030 etwa 500 TWh zusätzliche Stromerzeugung, was 200–300 Mrd. EUR für zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung zu einem Gesamtbetrag von 335–471 Mrd. EUR erfordert. Die europäische Wasserstoffindustrie schätzt einen Bedarf von etwa 120 GW Elektrolyseurkapazität in der EU bis 2030, was Investitionen von 50–75 Mrd. EUR erfordert. Ein Teil des Wasserstoffs wird darauf abzielen, den Verbrauch von Wasserstoff in den „schwer zu dekarbonisierenden“ Verkehrssektoren zu erhöhen, insbesondere in schweren Lastkraftwagen und durch die Produktion nachhaltiger Kraftstoffe für die Luftfahrt und den Wasserverkehr. Der Wasserstoffverbrauch im Verkehrssektor wird aufgrund der REPowerEU-Mitteilung voraussichtlich um 1,4 Mt höher sein: Dies ist etwa 2,5-mal höher als es in FF55 gewesen wäre, von 882 auf 2319 kt. Dadurch soll der Anteil von Wasserstoff und verwandten Kraftstoffen im Verkehr auf über 5 % steigen. Die Umsetzung des Vorstehenden wird durch das Konzept der Wasserstoff„Täler“ oder „Hubs“ gefördert. Zum Zeitpunkt des Schreibens gibt es 23 solcher
46 E.-A. Tingas und A. M. Taylor Täler in 10 Mitgliedstaaten, und die Hoffnung ist, diese bis 2025 zu verdoppeln, um die Nutzung von Wasserstoff zu fördern. Es wird also Zeit brauchen, um den Markt für den Handel mit Wasserstoff zu schaffen, und das nicht nur wegen der Zeit, die für die Installation in großem Maßstab oder die Verbesserung der Technologie benötigt wird. Es wird Zeit brauchen, weil es keine Infrastruktur gibt, aufgrund des „Henne-Ei“-Dilemmas, dem die ersten Produzenten des Wasserstoffs und die ersten Hersteller der Brennstoffzellen oder thermischen Maschinen gegenüberstehen. Die Hubs oder Wasserstofftäler werden so gewählt, dass sie eine hohe Nachfrage in bestehenden Industrieclustern, meist in der Nähe von Häfen, haben: Dies dauert etwa fünf Jahre. Sobald diese etabliert sind, ermöglicht ihre Verbindung durch Pipelines die Entwicklung von Kleinmärkten, was zur zweiten Phase führt, in der es viele Produzenten und Verbraucher gibt und somit ein bedeutender Handel entsteht. Die Details, die die Notwendigkeit der Einrichtung von Mechanismen zur Preisbildung und die Arten von Verträgen umgeben, werden in Ref. [38] diskutiert und sind tangential zum Umfang dieses Kapitels, außer dass der gesamte Prozess ein Jahrzehnt oder länger dauern kann. Darüber hinaus müssen die Kosten für neue Infrastrukturen, die installiert werden müssen, die erwartete langfristige Nachfrage decken können. Dies ist in der Regel eine so große Summe Geld, dass es notwendig ist, dass Regierungen zumindest teilweise finanzielle oder fiskalische Unterstützung in Form von Zuschüssen, Darlehen, Steuererleichterungen und Kohlenstoffverträgen für Differenzen (CCfDs) bereitstellen. In den USA wurde diese Art von Unterstützung für Wasserstofftechnologien kürzlich durch das Bipartisan Infrastructure Law, das US DOE Loan Program Office und den Inflation Reduction Act bereitgestellt. Die EU verfügt über Instrumente wie InvestEU, die Connecting Europe Facility for Energy, die Important Projects of Common European Interest (IPCEI) und NextGenerationEU und den Mehrjährigen Finanzrahmen mit Unterstützung in Höhe von vielen Milliarden Euro.49 Das Vorstehende ist weitgehend eine Beschreibung der Schaffung lokaler oder nationaler Märkte. Mehr ist erforderlich, um den globalen Handel zu etablieren. Es besteht Bedarf an international anerkannten Standards für die Zertifizierung von Emissionen während der Produktion und des Transports sowie der Nachhaltigkeit: und eine solche Zertifizierung ist nicht nur für Wasserstoff, sondern auch für die verwandten Vektoren wie Ammoniak erforderlich. Die Regulierung der Infrastruktur zur Förderung des Wettbewerbs, zur Gewährleistung der Energiesicherheit und zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit ist von entscheidender Bedeutung. Dies sind wichtige und komplizierte Themen, die sich noch in den Anfängen für Wasserstoff befinden, aber diese liegen weit außerhalb des Umfangs dieses Kapitels: Der interessierte Leser wird auf Ref. [38] verwiesen. 49 Um jedoch das 1,5 °C-Grad-Szenario in kaum drei Jahrzehnten zu erreichen, sind globale jährliche Investitionen in die erneuerbare Stromerzeugung erforderlich, die von dem historischen Niveau von etwa 250 Mrd. $ auf mehr als 1050 Mrd. $ im Durchschnitt der nächsten 10 Jahre steigen [38].
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 47 11 Wasserstoff: Der Ansatz in den USA Die USA traten am 20. Januar 2021 wieder dem Pariser Abkommen bei und setzten sich das Ziel, bis 2035 100 Prozent kohlenstofffreie Elektrizität und bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen [87, 88]. Das DOE veröffentlichte seinen (Entwurf) Clean Hydrogen Roadmap, basierend auf der Hydrogen Program Plan strategy des Ministeriums von 2020 [43] für koordinierte F&E-Aktivitäten, um Wasserstoffenergie bereitzustellen, die erschwinglich, weit verbreitet und zuverlässig ist.50 Dieses Programm bietet eine detaillierte Liste der wichtigsten Programmziele für Produktion, Infrastruktur und Lieferketten sowie EndnutzungsErmöglicher für den Zeitraum 2022–2036, unterteilt in drei Perioden, mit einem spezifischen Zeitplan, der zeigt, wie die Roadmap mit den wichtigsten Wasserstoffbestimmungen im parteiübergreifenden Infrastrukturgesetz übereinstimmt [90]; es enthält auch eine umfassende Reihe von Maßnahmen und Meilensteinen.51 , 52 Anschließend hat das jüngste parteiübergreifende Infrastrukturgesetz (2021) [90] 62 Mrd. $ für das US-Energieministerium (DOE) bereitgestellt, darunter 9,5 Mrd. $ für sauberen Wasserstoff [43]; und das Inflationsminderungsgesetz (2022). Dies soll die Nachfrage nach sauberem Wasserstoff durch Produktionssteuergutschriften und eine Vielzahl von Zuschüssen und Darlehen, einschließlich der Herstellung sauberer Schwerlastfahrzeuge und nachhaltiger Flugkraftstoffe, von denen einige auf Wasserstoffbasis sein werden, steigern.53 Insgesamt gibt es eine Zuweisung von 97 Mrd. $ an Investitionen für die schnelle Kommerzialisierung, Demonstration und den Einsatz sauberer Energietechnologien [91]. Diese Zahlen zeigen einen beeindruckenden Anstieg der Ressourcen und des Engagements im 50 Beachten Sie, dass das Infrastruktur-Investitions- und Arbeitsgesetz, auch bekannt als das parteiübergreifende Infrastrukturgesetz, den Begriff „sauberer Wasserstoff“ definiert als Wasserstoff, der mit einer Kohlenstoffintensität von gleich oder weniger als 2 kg Kohlendioxid-Äquivalent am Produktionsstandort pro Kilogramm produziertem Wasserstoff hergestellt wird. Beachten Sie, dass die Lebenszyklus-Kohlenstoffintensität der Wasserstoffproduktion einer Anlage mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) immer noch fast die Hälfte des unkontrollierten Produktionswegs oder mehr betragen kann [52], abhängig von den StapelEmissionen, den Emissionen der Netzstromerzeugung, dem CO 2 -Management nach der Abscheidung, der Erdgasbeschaffung und dem Lebenszyklus der Kohle [43, 89]. 51 Für die Punkte der sauberen Wasserstoffproduktion, der Liefer- und Speicherinfrastruktur, der Endnutzungen und der Markteinführung sowie der Ermöglicher für drei Perioden über 2022– 2035. 52 „…Der vorgeschlagene Build Back Better Act in den Vereinigten Staaten umfasst eine Produktionssteuergutschrift von bis zu 3 $/kg für 10 Jahre, wobei die Gutschrift proportional zu den CO 2-Emissionen aus dem Prozess ist; der volle Vorteil wird Projekten gewährt, die 0,45 kg CO 2 eq/kg H 2 erreichen, und die Gutschrift wird auf mindestens ein Drittel für Projekte mit höheren Emissionen reduziert…“ [38]. 53 „…1 Milliarde USD für Elektrolyse-Demonstrationsprogramme und sollte ausreichen, um mindestens 1 GW Elektrolyseurkapazität zu finanzieren…” [38].
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 48 %LOOLDUGH%ULWLVFKH:lUPHHLQKHLWHQ %LOOLDUGH%ULWLVFKH:lUPHHLQKHLWHQ *HVFKLFKWH *HVFKLFKWH 3URMHNWLRQHQ (UG|OXQGDQGHUH IOVVLJH6WRIIH (UGJDV .RKOH DQGHUH HUQHXHUEDUH (QHUJLHQ .HUQHQHUJLH .HUQNUDIW :DVVHU IOVVLJH%LRNUDIWVWRIIH 3URMHNWLRQHQ HOHNWULVFKH/HLVWXQJ 7UDQVSRUW ,QGXVWULH ZRKQZLUWVFKDIWOLFK NRPPHU]LHOO Abb. 28 Historischer und prognostizierter Energieverbrauch nach Brennstoff und Sektor in den USA. Nachgedruckt aus Ref. [92] Vergleich zu den 4 Mrd. $, die das DOE in den letzten 20 Jahren in eine Reihe von Wasserstoff- und verwandten Bereichen ausgezahlt hat [20]. Um eine Perspektive zu bieten, zeigen die Abb. 28 und 29 [92] den historischen und projizierten (unter den Bedingungen des Business-as-usual) Energieverbrauch54 nach Brennstoff und nach Sektor sowie die entsprechenden CO2-Emissionen. Die erste Abbildung zeigt das Ausmaß der Aufgabe, die mit der Dekarbonisierung der US-Wirtschaft und des Energieverbrauchs durch elektrische Energie und Transport verbunden ist. Die zweite Abbildung zeigt die Dominanz der CO2-Emissionen aus Erdöl und Transport, und es sind diese Sektoren, die Antriebsenergie liefern müssen, insbesondere im Transport (zu Land, zu Wasser oder in der Luft). Abb. 30 [93] ist wichtig, weil sie eine detaillierte Aufschlüsselung der Anwendungen für Wasserstoff und das geschätzte jährliche Nachfragepotenzial für Wasserstoff in Millionen Tonnen (MMT55) zum „Schwellenpreis“ bis zum Jahr 2050 zeigt. Es ist interessant zu bemerken, dass der Schwellenpreis je nach Anwendung erheblich variiert. Von diesen Anwendungen beziehen sich die letzten vier Zeilen auf den Landtransport,56,57 für die der Schwellenpreis für Wasserstoff 5 $/kg beträgt, der höchste aller Anwendungen. Ein relevanter Sektor, der in dieser Abbildung nicht dargestellt ist, ist die Nutzung von Wasserstoff als Mittel zur saisonalen Energiespeicherung in dem Szenario, in dem variable erneuerbare 54 1 Quad entspricht 1,055 × 1018 Joule (1,055 EJ). Mt Wasserstoff enthält etwa 1,2 EJ: 1 Mt H 2/Jahr wäre äquivalent zu einem 10 GW Elektrolyseur, der etwa 60 % des Jahres in Betrieb ist [40]. 56 Dies geschieht durch Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge (FCEV). Ob FCEVs tatsächlich für den Leichtlastsektor in den USA oder weltweit in den in dieser Tabelle implizierten Mengen angenommen werden, liegt außerhalb des Umfangs dieses Kapitels: Viele Faktoren werden eine Rolle spielen. Zum Beispiel scheinen in Europa batteriebetriebene Fahrzeuge in dieser Klasse derzeit fest im Aufwind zu sein. 55 1 57 Luftfahrt und Schifffahrt erscheinen nicht explizit in dieser Tabelle, wurden aber in gewissem Maße unter den Überschriften Biokraftstoff und Methanol berücksichtigt.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 0LOOLDUGHQPHWULVFKH7RQQHQ   0LOOLDUGHQPHWULVFKH7RQQHQ  *HVFKLFKWH 3URMHNWLRQHQ (UG|O *HVFKLFKWH 3URMHNWLRQHQ  7UDQVSRUW    49 1DWXUJDV  ,QGXVWULHOO   HOHNWULVFKH/HLVWXQJ   :RKQHQ  .RKOH  NRPPHU]LHOO Abb. 29 Historische und projizierte energiebezogene CO 2-Emissionen nach Brennstoff und nach Sektor in den USA. Nachgedruckt aus Ref. [92] Energien einen großen Teil des Energieverbrauchs ausmachen, um durch Gasturbinen (oder Brennstoffzellen) in elektrische Energie umgewandelt zu werden. Abb. 31 [43] bietet eine detailliertere sektorale Aufschlüsselung in Bezug auf die „Zahlungsbereitschaft“ und den Zeitrahmen für die Realisierung des Marktes. Die obigen Informationen deuten darauf hin, dass es bis 2050 eine Nachfrage nach Wasserstoff für mechanischer Leistung in Zehnmillionen Tonnen pro Jahr geben könnte. Dies stimmt mit einer von der Industrie geführten US-Wasserstoff-Roadmap überein, die 2002 veröffentlicht wurde [23], mit einem „Basis“-Szenario von 40 Mt pro Jahr Verbrauch, viermal so viel wie heute für den Verbrauch durch die Industrie produziert wird (d. h. nicht für mechanischer Leistung). 11.1 Wasserstoff: Geplante Produktionskapazität und Nachfrage in den USA Das DOE hat eine Strategie und einen Fahrplan für sauberen Wasserstoff veröffentlicht58 [43], in dem das Ziel einer Erhöhung59 der jährlichen Wasserstoffproduktion um 10,60,61 20 und 50 Mio. Tonnen62 sauberen Wasserstoffs bis 2030, 2040 und 2050 skizziert wird. Referenz [43] stellt fest, dass der Wasserstoff aus 58 Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Kapitels in Entwurfsform. derzeitige kommerzielle US-Produktion beträgt 10 Mt Wasserstoff p. a. aus der Dampfreformierung von Erdgas. 60 Dies erfordert 513 Terawattstunden Nachfrage aus Wind-, Solar-, Wasserkraft- und Geothermieressourcen [48]. 61 Um einen Kontext zu bieten: Dies könnte den Bedarf von 50 Mio. leichten Brennstoffzellenfahrzeugen decken [48]. 62 In einigen Abbildungen abgekürzt als MMT. 59 Die
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 50 Anmeldung Nutzbares WasserstoffWasserstoff Nachfragepotenzial verbrauchspotenzial zum Schwellenpreis [MMT] [MMT] Schwellenwert Wasserstoffpreis [$/kg] Erdölraffination 7,5 7,5 Unelastische Nachfrage Biokraftstoffe 8,7 8,7 Unelastische Nachfrage Ammoniak 2,5 2,5 Unelastische Nachfrage Ammoniak 1,1 1,1 2 Synthetisches Methanol 6 6 1,73 Synthetisches Methanolzu-Benzin 8 8 <1 Einspeisung in die NG-Infrastruktur 16 16 0,8 4 4 1,7 8 8 0,8 4,3 5 7,4 5 1,4 5 3,8 5 Eisenreduktion und Stahlerzeugung Eisenreduktion und Stahlerzeugung FCEVs für leichte Nutzfahrzeuge (Pkw) Leichte FCEVs (Lkw) Mittelschwere FCEVs FCEVs für schwere Nutzfahrzeuge 21 8 Anmerkungen Kein Ersatz für Wasserstoff im Raffinerieprozess 50 % des Flugzeugtreib stoffbedarfs im Jahr 2050 aus Biokraftstoffen Die Nachfrage nach der derzeitigen Produktion von NH3 Preislich wettbewerbsfähig mit importiertem Ammoniak Preislich wettbewerbsfähig mit importiertem Methanol Preislich wettbewerbsfähig mit Erdölbenzin Preislich wettbewerbsfähig mit Erdgas, basierend auf HHV Erforderlicher Preis zur Erzielung eines positiven Kapitalwerts Preislich wettbewerbsfähig mit Erdgas in DRI-Anlagen Modell der Fahrzeugwahl mit Schwellenwertpreis Marktdurchdringung im Einklang mit LDVs Abb. 30 Wasserstoffnachfragepotenzial und Schwellenpreise im Jahr 2050 für verschiedene Anwendungen. Nachgedruckt aus Ref. [93] einer Mischung von drei verschiedenen Quellen stammen wird: Elektrolyse von Wasser, Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen63 mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie Wasserstoff aus Biomasse und Abfallstoffen. Mit einer Verbrennungsenthalpie von etwa 120 MJ/kg (LHV/HHV) stellen diese Mengen eine jährliche Produktion von 1,2, 2,4 und 6 EJ Wasserstoffvektorenergie dar. Als Faustregel zitiert die Veröffentlichung Schätzungen64 der Emissionseinsparungen pro verbrauchter Wassereinheit über verschiedene Pfade hinweg als etwa 10 kg CO2 e/kg–H2. Die beeindruckende finanzielle Unterstützung, die bereitgestellt wurde, und der entsprechende erhebliche Anstieg der Produktion werden die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Niveau von 2005 bis 2030 um 50–52 % reduzieren („Nationally Determined Contribution“ im Rahmen des Pariser Abkommens [94]). Es sollte zur Schaffung eines kohlenstofffreien Energiesektors bis 2035 führen, und die USA sollten bis spätestens 2050 Netto-Null-Emissionen erreichen. Die Produktion soll die Nachfrage in der Industrie, der Herstellung 63 „Thermische Umwandlung“. mit dem „GREET“-Modell des Argonne National Laboratory für Treibhausgase, regulierte Emissionen und Energieverbrauch in Technologien. 64 Entwickelt
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 51 Wasserstoffschuss-Produkonskosten-Ziel Gabelstapler Bereitscha zu zahlen ($/kg) Aktuelle Kosten der Elektrolyse Kommerzielle Busse Lastkrawagen Aktuelle Kosten der Methandampfreformierung mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung Biokrastoffe Eisen und Stahl Chemikalien Export Saisonale Synthesche märkte Krastoffe Lagerung Industrielle Wärme Wasserstoff Shot Produkonskosten Ziel $1/kg. Ausgeschlossen sind die Kosten für die Lieferung, Verdichtung, Speicherung und/oder Abgabe von Wasserstoff. Heute Langfrisg Abb. 31 Zahlungsbereitschaft oder Schwellenpreis für sauberen Wasserstoff in mehreren Sektoren. Nachgedruckt aus Ref. [43] von flüssigen Brennstoffen (für Offroad-Anwendungen, unter Verwendung von Kohlendioxid), dem Schwerlastverkehr65 (einschließlich der Schifffahrt66 und der Luftfahrt67 ) und „langfristige Energiespeicherung zur Ermöglichung eines sauberen Netzes“ decken. Die letzten drei sind für Wärmekraftmaschinen sowie Brennstoffzellen relevant. Zu den zu überwindenden Schwierigkeiten gehören die Notwendigkeit kostengünstigerer, effizienterer und langlebigerer Elektrolyseure sowie kostengünstiger und umweltfreundlicher Technologien zur Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung [20]. Dennoch berichtet Ref. [43], dass Interessengruppen aus 34 Ländern die drei größten Hindernisse für die breite öffentliche Akzeptanz und Markteinführung als die Kosten von Wasserstoff für den Verbraucher, die Notwendigkeit von Infrastrukturen und das öffentliche Bewusstsein identifiziert haben. Überraschenderweise war der Bedarf an technologischen Fortschritten an vierter Stelle. 65 Der Verkehr machte 29 % der US-Treibhausgasemissionen aus; 24 % davon entfielen auf mittelschwere und schwere Lastwagen, 2 % auf Schiffe und Boote und 10 % auf die Luftfahrt [95]. 66 Wasserstoff und seine Vektoren wie Ammoniak und Methanol könnten für den maritimen Sektor geeignet sein. 67 „Nachhaltige Luftfahrtkraftstoffe“ – im Wesentlichen Biokraftstoffe und Power-to-LiquidKraftstoffe.
E.-A. Tingas und A. M. Taylor Schwellenwert für den Wasserstoffpreis ($/kg)* 52 Legende Dunkle Farben: Basisfall Helle Farben: Fall mit hoher Nachfrage Kreise: Höhere Grenze der Zahlungsbereitscha MITTELSCHWERE UND SCHWERE NUTZFAHRZEUGE BIOKRAFTSTOFFE UND PTL STAHL KRAFTSTOFFE AMMONIA ENERGIESPEICHER MEOH HITZE ZUSÄTZLICHE ANFOR DERUNGEN Wasserstoffnachfrage (MMT/Jahr) Abb. 32 Prognosen der potenziellen Nachfrage nach sauberem Wasserstoff in verschiedenen Sektoren für unterschiedliche Szenarien, vorausgesetzt, Wasserstoff ist zu den entsprechenden Schwellenkosten verfügbar. Nachgedruckt aus Ref. [43] 11.2 Wasserstoff: Kosten und Programme zu deren Reduzierung in den USA Die Erfüllung dieser Nachfrage hängt jedoch entscheidend davon ab, die Kosten für sauberen Wasserstoff zu senken: Die Abb. 31 und 32 [43] zeigen, wie die „Zahlungsbereitschaft“ je nach Anwendung variiert, und die letztere Abbildung liefert eine Schätzung der Größe des entsprechenden Marktes. Abb. 31 enthält auch die Bandbreite der aktuellen Kosten für Wasserstoff aus Elektrolyse und Dampfreformierung von Methan, was unterstreicht, wie viel teurer die aktuellen Produktionskosten durch Elektrolyse im Vergleich zur fossilen Methode sind. Glücklicherweise liegt der Schwellenpreis der mittel- und schwerlastigen Sektoren nicht weit von den Kosten der elektrolytischen Produktion entfernt. Diese Größenordnungen sind jedoch nicht nur spezifisch für die USA, sondern auch Schätzungen, die wahrscheinlich im Laufe der Zeit überarbeitet oder verfeinert werden: Ihr Wert liegt mehr in den qualitativen Informationen, die sie enthalten, die mit denen der Europäischen Union vergleichbar sein werden. Somit ist der Transport fast an dem Punkt, an dem er bereit ist, die aktuellen Kosten für sauberen Wasserstoff zu zahlen, und stellt einen erheblichen Teil des Marktpotenzials dar (etwa 8 MMT p.a.). Im Gegensatz dazu stellt ein weiterer für dieses Kapitel wichtiger Sektor, nämlich die saisonale Speicherung, einen Markt von ähnlicher Größe dar, benötigt jedoch eine Preisreduktion um den Faktor fünf. Der Preis entspricht im Großen und Ganzen dem im Juni 2021 gesetzten Ziel von „1 1 1“: $1 für 1 kg68sauberen Wasserstoff in 1 Jahrzehnt [96]. Dieses „Hydrogen Energy 68 Es ist nützlich zu beachten, dass 1 kg Wasserstoff 39,4/33,33 kWh (HHV/LHV) enthält, oder ungefähr die gleiche Energiemenge wie in einem US-Gallone Benzin.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … Konventionelle Lagerung 53 Transport Synthetische Kraftstoffe Wasserstoff Stromer zeugung Erneuerbare Energien Veredelung / Öl Biomasse Ammoniak/ Düngemittel Kernkraft Fossil Wasserstoff erzeugung Produktion von Metallen Infrastruktur der Stromnetze Chemische/industrielle Prozesse GasInfrastruktur Wärme/Strom verteilungsanlagen Abb. 33 Schematische Darstellung des H2@Scale-Konzepts. Nachgedruckt aus Ref. [20] Earthshot“, falls erfolgreich, wird voraussichtlich die Nachfrage nach sauberem Wasserstoff verfünffachen. Dies ist ein Teil der H2@Scale69 Initiative [98] mit einer Finanzierung von 8 Mrd. $ zur Förderung von „Hubs“ (insbesondere Häfen), die lokal, soweit praktisch möglich, die fünf bekannten Elemente jeder groß angelegten kommerziellen Wasserstoffeinführung integrieren, nämlich Produktion, Verarbeitung, Lieferung, Speicherung, die (zumindest zu Beginn der Einführung) geografisch in der Nähe der Nachfrage platziert werden müssen (um Infrastrukturund Transportkosten zu senken). Abb. 33 [20, 98] zeigt das Konzept des H2@ Scale-Energiesystems, das 2016 gestartet wurde, und erinnert daran, dass Wasserstoff über die Bereitstellung von Antriebsenergie für den Transport hinaus einen Wert haben kann und als Energiepfad von ähnlicher Bedeutung wie Elektrizität ist und damit verbunden sowie das Erdgasnetz ergänzt.70 Der vorhergehende Absatz zeigt, dass die aktuellen Kosten für Wasserstoff aus Elektrolyse nur wenige, wenn überhaupt, Märkte befriedigen können: Daher wurde die H2@Scale-Initiative 2016 vom US-Energieministerium eingerichtet, um erschwinglichen und sauberen Wasserstoff in allen Endverbrauchssektoren (Transport, Metallveredelung, Stromerzeugung, Heizung, Ammoniak und Düngemittel usw.) zu fördern, der nicht nur durch erneuerbare Energien, sondern auch 69 H2@Scale wurde 2015 eingerichtet [97]. „…Anstatt Einsatzziele zu setzen, konzentriert sich dieses Programm auf Kosten- und Leistungsziele, die die Einführung von Wasserstofftechnologien ermöglichen können. …“ [26]. 70 Die Energie, die benötigt wird, um Wasser in Wasserstoff umzuwandeln, beträgt 176 MJ/kg basierend auf der Gibbs’schen freien Energie.
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 54 Abb. 34 H2@Scale Konsortium F&E-Säulen. Nachgedruckt aus Ref. [99 ] ŶƚǁŝĐŬůƵŶŐ ƵŶĚsĞƌǁĞŶĚƵŶŐ ǀŽŶŽͲWƌŽĚƵŬƚĞŶ &Θ dĞĐŚŶŽƂŬŽŶŽŵŝƐĐŚĞ EĞƚnjƐŝŵƵůĂƚŝŽŶ DŽĚĞůůŝĞƌƵŶŐ ƵŶĚͲƉƌƺĨƵŶŐ&Θ ƵŶĚŶĂůLJƐĞ ^ŝĐŚĞƌŚĞŝƚ&Θ ;ďĞƌĞŝĐŚƐƺďĞƌŐƌĞŝĨĞŶĚͿ >ĞŝƐƚƵŶŐƐƺďĞƌ tĂƐƐĞƌƐƚŽĨĨͲ ƉƌƺĨƵŶŐĂůƐ DĂƚĞƌŝĂů >ĞŝƚĨĂĚĞŶ ŬŽŵƉĂƚŝďŝůŝƚćƚ tĞƌŬƐƚŽĨĨĞ Ĩƺƌ&Θ &Θ ƵŶĚ ĂƵƚĞŝůŚĞƌƐƚĞůůƵŶŐ &Θ Produkon Infrastruktur Netzintegraon Sicherheitskodizes und Normen - SCS Verwendungszwecke Abb. 35 H2@Scale CRADA Fokusbereiche. Nachgedruckt aus Ref. [100 ] durch Kernenergie und fossile Brennstoffe betrieben wird. Die H2@ScaleInitiative unterstützt F&E71 und Abb. 34 [99] veranschaulicht, dass der Aufbau einer „Wasserstoffwirtschaft“ viele Komponenten hat: Innerhalb dieser Initiative zeigt Abb. 35 [100] das relative Gewicht, das den fünf CRADA72 Schwerpunktbereichen beigemessen wird. Die Infrastruktur ist überwältigend dominant, gefolgt von Netzintegration, Sicherheitscodes und Standards, Produktion und zuletzt „Endverwendungen“. Anstatt Einsatzziele zu setzen, konzentriert sich diese 71 Seit 2017 konzentriert sich die F&E nicht nur auf die Betankung von Wasserstoff für mittelund schwerlastige Fahrzeuge, den Offroad-Transport, Betriebsstrategien von HochdurchsatzTankstellen und Wasserstoffbetankungs- und Brennstoffzellensysteme für schwere Fahrzeuge und stationäre Energie, sondern auch auf Rechenzentren, die Beimischung in Erdgasleitungen, Produktion, Netzintegration, Projekte zur Information über Sicherheit, Codes und Standards sowie Resilienz in Häfen. 72 Kooperative Forschungs- und Entwicklungsvereinbarung.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 55 Initiative auf Kosten- und Leistungsziele, die die Einführung von Wasserstofftechnologien ermöglichen können. Im Jahr 2020 etablierte der DOE „Hydrogen Program Plan“ einen Rahmen, um F&E zu Wasserstofftechnologien zu fördern und institutionelle und Marktbarrieren für die Einführung in verschiedenen Anwendungen und Sektoren zu beseitigen. Die F&E [20] richtet sich an die fünf Elemente des vorhergehenden Absatzes: Ref. [101] bietet einen Zugang zu den Webseiten für die Ergebnisse der relevanten DOE-Workshops zur F&E. Obwohl die Workshops Themen enthalten, die leicht als relevant für Wärmekraftmaschinen (Produktion, Lieferung, Speicherung, Infrastruktur) erkannt werden können, ist es wichtig zu beachten, dass F&E ebenso wichtig in Themen wie Brennstoffzellen, Sicherheit, Codes, Kraftstoffstandards, Marktransformation, Fertigung, Systemanalyse und Energiespeicherung ist. Referenz [102] analysiert die Bandbreite der Kosten für die Wasserstoffproduktion durch PEM-Elektrolyse, basierend auf einer techno-ökonomischen Analyse des aktuellen Industriemarktes. Es zeigt, dass die Bandbreite der aktuellen Kosten, die etwa $5–$6/kg H2 betragen, aufgrund der bestehenden Technologie, niedrigem Volumen73 Elektrolyseur-Kapitalkosten, die so hoch wie $1.500/kW sind, und Netzstrompreise von $0,05–$0,07/kWh entstehen (obwohl die Preise für Solar- und Onshore-Windstrom so niedrig wie $0,03/kWh sein können, liegt ihr Kapazitätsfaktor zwischen einem Drittel und der Hälfte des Netzes, was zu insgesamt ähnlichen Preisen für Wasserstoff führt). Im Gegensatz dazu berichtet Ref. [103], dass bis 2035 die Wasserstoffkosten bei einem hohen Volumen74 (bei 50 Tonnen/Tag) so niedrig wie $2/kg H2, aber so hoch wie $7/ kg H2 sein können, basierend auf Kapitalkosten zwischen $230 und $600/kW. Der „Earthshot“ wird sich darauf konzentrieren, sauberen Wasserstoff durch verbesserte Elektrolyse75 Wirkungsgrad76 und Haltbarkeit bereitzustellen: Um die erforderlichen Innovationen zu fördern, wurden $1 Milliarde bereitgestellt. Abb. 36 [103] zeigt, wie die Produktionskosten von dem aktuellen Wert, in dieser Abbildung, von $5/kg H2 gesenkt werden könnten, was bestätigt, dass der überwiegende Beitrag zu den Produktionskosten die Kosten für Strom und Versorgungsleistungen sind. Wie in vielen anderen Analysen festgestellt wurde, liegen die Stromkosten aus erneuerbaren Energiequellen bereits in einigen Fällen unter $0,03/kWh, und dies kann die Kosten für Wasserstoff ungefähr halbieren. Verbesserte Kapitalkosten, Stack-Lebensdauer und verbesserte Stack-Wirkungsgrad, wie in [103] beschrieben, führen zu Kosten von weniger als $2,00/kg H2. 73 Die aktuelle Produktionskapazität der US-Elektrolyseurhersteller beträgt 10 MW/Jahr. projizierte Produktionskapazität der Elektrolyseurhersteller für 2050 beträgt 700 MW/Jahr. 75 Die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff ist ein wichtiges Thema, liegt aber außerhalb des Umfangs dieses Kapitels. Kurz gesagt, es gibt mehrere kurz- und langfristige Technologien: die ersteren hauptsächlich in Niedrig- und Hochtemperaturwege kategorisiert; die letzteren umfassen thermisch getriebene chemische Schleifen. Eine kurze Übersicht ist in Ref. [20] verfügbar. 76 Die Elektrolyse verliert 25–35 % der Energie als Abwärme [38]. 74 Die
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 56 Elektrizität und Versorgungsunternehmen , Kapitalkosten Fixe O&M Kosten von H2 ($/kg H2) Baseline Aktueller Fall , , , Stromfall bei 3Ȼ/kWh , , Zukünftiger Fall mit 3 Ȼ /kWh Zukünftiger Fall mit 2Ȼ /kWh und intermittierendem Betrieb , , , , , Kapazitätsfaktor , Stapel Elektrisch Wirkungsgrad , , , System Cap Kosten , Effektive Elektrizitätskosten Abbaugeschwindigkeit , , , , , Stapel-Lebensdauer Abb. 36 Wasserfall-Diagramm, das einen Weg zu kostengünstiger H 2 Produktion durch PEMElektrolyse beschreibt. Nachgedruckt aus Ref. [103 ] Das letzte Szenario in der Abbildung berücksichtigt die Nutzung einer Stromquelle mit einem variablen Preisschema während Zeiten, in denen das lokale Netz unterausgelastet ist und daher Strom so günstig wie $0,02/kWh gekauft werden kann. Abb. 37 [104] zeigt, wie die Kosten für die Herstellung eines 1-MW-PEMElektrolyseurs sinken könnten, wenn die jährliche Produktionsrate steigt: wie zu erwarten, dominieren die Material77 kosten, wenn Einheiten in Massenproduktion hergestellt werden. Das National Renewable Energy Laboratory (NREL) hat untersucht, wie der US-Wasserstoffmarkt erweitert werden kann, selbst bei Preisen über $1,00/kg H2. Referenz [105] untersucht eingehend das wirtschaftliche (und technische) Potenzial, wie der Wasserstoffmarkt bis 2040 durch erfolgreiche F&E an Größe zunehmen könnte. Die Referenz zeigt, dass die Marktgröße zwischen 22 und 41 Mt p. a. liegen könnte, was die aktuelle Nachfrage mehr als verdreifachen würde. Abb. 38 [20], basierend auf Ref. [105], zeigt, wie sich der Wasserstoffmarkt in den nächsten drei Jahrzehnten durch erfolgreiche F&E entwickeln könnte. Der Bericht analysiert ausführlich die Unsicherheiten der Märkte, Technologien und Sektoren: Abb. 13 [43] hat bereits eine nützliche Darstellung der Unsicherheit geliefert, die solchen Analysen anhaften kann, in dieser Abbildung basierend auf einem Komposit aus verschiedenen Quellen, die den Anteil der von Wasserstoff gelieferten Energie für vier energieintensive Sektoren schätzen. 77 PEM-Elektrolyseure benötigen das Edelmetall Iridium: Wenn die Produktion von Elektrolyseuren den steilen Anstieg erfährt, der für Net Zero erwartet wird, könnte es sein, dass die Versorgung oder die Kosten dieses Metalls kritisch werden.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 57 Verschiedenes Kühlung Wasserstoff-Verarbeitung Zirkulation von deionisiertem Wasser Stromversorgungen Bilanz des Stapels Montage & Endplatten Bipolare Platten Stapel Rahmen Poröse Transportschicht CCM Jährliche Produktionsrate Abb. 37 1-MW-PEM-Elektrolyseursystemkosten bei unterschiedlichen jährlichen Produktionsraten. Nachgedruckt aus Ref. [104 ] 11.3 Wasserstoff: Entwicklung im Laufe der Zeit in den USA Abb. 39 [20] zeigt, wie sich die fünf Elemente in naher und ferner Zukunft entwickeln könnten. Die Produktion umfasst in naher Zukunft die Herstellung von Wasserstoff aus fossilen Quellen mit Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung sowie Elektrolyse. Die Lieferung von Wasserstoff wird zunächst in Form von Rohranhängern für gasförmigen Wasserstoff und in flüssiger Phase durch kryogene Lastwagen mit Bordlagerung parallel zu diesen beiden Ansätzen vorgesehen. Die Umwandlung in Wellenleistung erfolgt durch Gasturbinenverbrennung und Brennstoffzellen. Es ist bemerkenswert, dass Transport und verteilte stationäre Energie nicht als kurzfristige Anwendungen erscheinen, sondern irgendwo zwischen den kurz- und langfristigen Zeitrahmen erwartet werden. Abb. 40 [43] bietet eine andere Perspektive, die qualitative Informationen über die relative Attraktivität von Wasserstoff für eine Vielzahl von Anwendungen enthält. Die Roadmap sieht vor, dass zunächst Langstrecken-Transitbusse,78 dann Langstrecken-Schwerlast-Lkw79 und schwere Maschinen für den Offroad-Ein- 78 In dieser Anwendung könnte sich die Alternative des Ladens von batterieelektrischen Fahrzeugen als schwierig erweisen. 79 Mittel- und Schwerlastfahrzeuge (MHDVs) sind der zweitgrößte Beitrag zur Verkehrsemissionen (21 %) [106]. Die Roadmap sieht vor, dass mittelschwere Fahrzeuge in der zweiten Welle kommen, da die Infrastruktur für Verteilung und Betankung erweitert wird.
E.-A. Tingas und A. M. Taylor 58 Heute Nachfrage Anwendungen Abb. 38 Aktueller Verbrauch und zukünftiges wirtschaftliches Verbrauchspotenzial von Wasserstoff in den Vereinigten Staaten (MMT/ Jahr). Nachgedruckt aus Ref. [20 ] F&E-Erfolgs szenario Ölraffination Raffination von Metallen vernachlässigbar Ammoniak-Produktion Herstellung von Biokraft stoffen/Synthetik-Kraftstoffen Verkehr FCEVs (LDVs, MDVs, HDVs)25 vernachlässigbar Gesamter Wasserstoffmarkt KURZFRISTIGE Produktion Lieferung Lagerung Konvertierung LÄNGERFRISTIGE Vergasung von Kohle, Biomasse und Abfall mit Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung Fortgeschrittene Reformierung/Umwandlung von fossilen Brennstoffen und Biomasse Fortschrittliche biologische/mikrobielle Umwandlung Elektrolyse (Niedertemperatur, Hochtemperatur) Fortgeschrittene thermo-/photoelektrochemische H2 O-Spaltung Vertrieb aus der Produktion vor Ort Schlauchanhänger (gasförmiges H2) Tiefkühlfahrzeuge (flüssiges H2) Drucktanks (gasförmiges H2) Kryo-Behälter (flüssiges H2) Verbrennung in der Turbine Brennstoffzellen Kraftstoffraffination Raumfahrtanwendungen Anwendungen Tragbarer Strom Weit verbreitete Übertragung und Verteilung über Pipelines Chemische H2 träger Geologische H2 lagerung (z. B. Kavernen, erschöpfte Öl-/Gasreservoirs) Kryokomprimiert Chemische H2 träger Fortschrittliche Verbrennung Brennstoffzellen der nächsten Generation Materialbasierte Speicherung H2 Brennstoffzellen-/Verbrennungs-Hybride Reversible Brennstoffzellen Beimischung in Erdgaspipelines Verteilte stationäre Energie Versorgungssysteme Integrierte Energiesysteme Verteilte KWK Transport Industrielle und chemische Prozesse Anwendungen in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Logistik Abb. 39 Wichtige Wasserstofftechnologieoptionen. Nachgedruckt aus Ref. [20 ] satz80 im Bergbau, Bauwesen und in der Landwirtschaft in der „ersten Welle“ der Anwendungen sein könnten. Die ersten beiden Anwendungen könnten an zwei Hubs angebunden werden, die im Zeitraum 2026–2029 eingerichtet werden sollen. In der zweiten Welle sieht die Roadmap vor, dass kleine Seeschiffe wie regionale Fähren (vielleicht angetrieben durch Brennstoffzellen) und mittelschwere Lkw Wasserstoff übernehmen. Anschließend beginnt in der zweiten Welle die Nutzung von Wasserstoff im Energiespeicher- und Stromerzeugungssektor, wobei Wasserstoff eine zunehmende Rolle bei der saisonalen Speicherung spielt. Darüber hinaus beginnt die Luftfahrt, auf die Nutzung von Wasserstoff in nachhaltigen Flugkraftstoffen umzusteigen. Die letzte, dritte Welle sieht die Einführung von Wasserstoff 80 Diese Anwendungsklasse arbeitet weit entfernt vom Netz, sodass das Laden von Batterien schwierig oder unmöglich ist.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … Heute Relative Attraktivität von Wasserstoff Faktoren, die die relative Attraktivität von Wasserstoff beeinflussen: Mangel an kohlenstoffarmen Alternativen Politische Impulse auf Landes- und Bundesebene Impulse für die Industrie, einschließlich Investitionen des Privatsektors Geschätzter Break-even-Zeitraum für sauberen Wasserstoff Gabelstapler Verfeinerung Sauberes Ammoniak Zementherstellung Containerschiffe Stahlerzeugung Industrielle Wärme und Vermischung Mittlere Lastkraftwagen Transitbus Stromerzeugung und Energiespeicherung Kleine Seeschiffe Herstellung von Methanol Industrielle Chemikalien Welle 2 Langfristig Nachhaltige Flugkraftstoffe Schwerlastkraftwagen Geländewagen Welle 1 59 Power-to-Liquid-Kraftstoffe Stationäre Brennstoffzellen Welle 3 Abb. 40 Phasen der Entwicklung von sauberem Wasserstoff. Nachgedruckt aus Ref. [43 ] in der Notstrom- und stationären Stromerzeugung, die Nutzung von Wasserstoff in Form von Methanol für Containerschiffe,81 und Methanol und Wasserstoff (in Form von Ammoniak) für Containerschiffe vor. 11.4 Ausblick Kurze Antworten auf die drei Fragen, die sich aus dem Titel dieses Kapitels ergeben, lauten wie folgt. • Wasserstoff und wasserstoffbasierte Kraftstoffe können zu den „schwer zu dekarbonisierenden“ Teilen der Weltwirtschaft beitragen, was im Kontext von Verbrennungsmotoren Schwerlast-, Langstreckentransporte zu Land (Straße und Schiene) und zu Wasser sowie Mittelstreckenflüge bedeutet. – Sobald es eine hohe Durchdringung von variabler erneuerbarer Elektrizität im Netz gibt, können gespeicherte Mengen dieser Kraftstoffe die Mittel zur Stromerzeugung während Dunkelflauten Wochen und für saisonale „Zeitverschiebungen“ bieten. – Die Kraftstoffe können auch zwischen den Standorten effizienter Produzenten und Regionen mit hohem Energiebedarf gehandelt werden. • Die Energiemenge, die benötigt wird, um die erwartete Nachfrage zu decken, beträgt etwa ein Zehntel des gesamten Endenergieverbrauchs im Jahr 2050. Folglich wird im Netto-Null-Emissionsszenario der IEA geschätzt, dass die Einführung von Wasserstoff und wasserstoffbasierten Kraftstoffen etwa ein 81 Die [107]. Schifffahrtsindustrie produziert 11 % aller transportbedingten CO 2-Emissionen weltweit
60 E.-A. Tingas und A. M. Taylor Zwanzigstel der Reduktion der kumulierten Emissionen im Zeitraum 2021– 2050 ausmachen würde. • Die Investitionskosten für Produktions- und Handelsinfrastruktur, verteilt über den Zeitraum 2020–2050, könnten etwa 4 Mrd. $ betragen; die Kosten für den Verbraucher sollen so niedrig wie 1 Dollar für 1 kg Wasserstoff sein. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie sich der mittel- und schwerlastige Langstrecken-Straßentransport entwickeln könnte, um GHG-Emissionen zu reduzieren oder zu vermeiden. • Hergart [108] kommt zu dem Schluss, dass für Anwendungen im mittleren Bereich der batterieelektrische Lkw das Potenzial für eine angemessene Amortisation hat. Für einen schweren Fernverkehrs-Lkw würde das Gewicht der aktuellen Batterietechnologien etwa 20 Tonnen betragen, was Fracht verdrängen würde, die Kosten würden knapp unter 0,5 Mio. $ liegen und die Ladezeit würde sieben Stunden betragen, was „… eine sehr herausfordernde geschäftliche Perspektive … gelinde gesagt …“ darstellt. Diese Nachteile von Gewicht, Kosten und Ladezeit könnten durch zukünftige Verbesserungen der Batterietechnologie gemildert werden. • Das „elektrische Straßensystem“ (ERS), basierend auf Lkw, die beispielsweise mit Stromabnehmern ausgestattet sind und von Oberleitungsdrähten82 [109] angetrieben werden, scheint Effizienz zu versprechen [112] und wird derzeit in Deutschland, Schweden und dem Vereinigten Königreich evaluiert. • Brennstoffzellen, die Wasserstoff verwenden, haben von erheblichen Investitionen in Forschung und Entwicklung über zwei Jahrzehnte profitiert: Diese sind attraktiv wegen ihrer Kraftstoffumwandlungsökonomie und dem Fehlen von schädlichen Emissionen, obwohl der Stapel selbst derzeit teuer ist. Eine Bewertung der beiden letztgenannten Technologien ist jedoch, dass diese relativ niedrige Technologiereifegrade und andere Unsicherheiten aufweisen [113]. In Bezug auf wasserstoffbetriebene Motoren hat das Interesse in letzter Zeit zugenommen, und es gibt Vorschläge für Verbrennungsmotoren mit einem Potenzial von 60 % effektiver Wirkungsgrad [114]. Dass Wasserstoff in einem Ottomotor verwendet werden kann, wurde von BMW mit seinem Wasserstoff7-Kundenfahrzeug Mitte der 2000er Jahre demonstriert [115], und dieser Ansatz wurde von JCB Power Systems in einem Geländebaggerlader übernommen [116]. Dieses Konzept wurde gegenüber der Batterieleistung bevorzugt, aufgrund der Kosten, der benötigten Ladezeit und der Unfähigkeit, den hohen Leistungsbedarf in der speziellen Anwendung zu decken. In jüngster Zeit haben viele Branchenakteure weltweit F&E-Initiativen angekündigt, die darauf abzielen, die Nutzung von Wasserstoff als Hauptkraftstoff in Verbrennungsmotoren zu erforschen. Im Jahr 2020 stellte MAN Truck and Bus die Zero-Emission-Roadmap des 82 Oder einem ausziehbaren Stromabnehmerarm zum Bodenniveau [110] oder von der Straße durch induktives Laden [111].
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 61 ­ nternehmens vor, in der eine explizite Bestimmung für F&E für wasserstoffbeU triebene Verbrennungsmotoren für Langstreckentransporte enthalten ist [117]. Cummins hat kürzlich zwei wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren vorgestellt, den B6.7H und den größeren Cummins X15H, beide in einem frühen Entwicklungsstadium, mit dem Ziel, in Lkw eingesetzt zu werden [118]. Ein ähnliches Engagement für die Entwicklung eines wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotors wurde auch von DAF aktiv zum Ausdruck gebracht [119], das kürzlich auch den Internationalen „Truck Innovation Award 2022“ für ihren XF H2 Innovation Truck erhielt [120]. Die BMW Group hat kürzlich die Einführung des HyCET-Konsortialforschungsprojekts angekündigt, ein 20-Mio.-EUR-Projekt mit mehreren anderen Industriepartnern (DEUTZ AG, DHL Freight GmbH, KEYOU GmbH, TotalEnergies Marketing Deutschland GmbH und Volvo Group), das darauf abzielt, die Nutzung von wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren für Lkw zu demonstrieren [121]. Große Automobilunternehmen und Industrieanbieter wie Bosch, Daimler Trucks, Cummins, MAHLE und Deutz haben kürzlich die Hydrogen Engine Alliance gegründet, um die Forschung an H2 ICEs zu fördern [122]. Eine ähnliche Allianz wurde kürzlich auch in Japan zwischen Isuzu, DENSO, Toyota, Hino und CJPT mit einem Fokus auf Anwendungen für schwere Nutzfahrzeuge gegründet [123]. Wasserstoff-Verbrennungsmotoren werden weiterhin CO2 aus dem Schmieröl und NOx emittieren (obwohl Emissionskontrollmaßnahmen wie selektive katalytische Reduktion und NOxSpeicherkatalysatoren in Abwesenheit des „Ruß-NOx“-Kompromisses verbessert werden können). Folglich wird das Fahrzeug keine Null-Emissionen haben. Wie bei einer Brennstoffzelle kann ein Verbrennungsmotor schnell betankt werden: Es ist jedoch wahrscheinlich, dass eine Flotte von wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren schnell produziert werden kann, da es sich um die bestehende Technologie handelt, der Motor leicht recycelbar ist und keine „fünf Neunen“ Reinheit des Wasserstoffkraftstoffs benötigt. Der Verbrennungsmotor benötigt auch weit weniger begrenzte Ressourcen wie die der Platingruppe, Lithium und Nickel. Angesichts des zunehmenden nationalen Fokus auf die Sicherheit der Materialversorgung sind dies Aspekte, die berücksichtigt werden müssen. Die Fähigkeit, diese Motoren schnell einzusetzen, angesichts der Dringlichkeit der Reduzierung der globalen Erwärmung, kann ebenfalls ein wichtiger Vorteil sein, zumal Mitglieder des Europäischen Parlaments darauf drängen, dass Wasserstofftankstellen entlang der Hauptstraßen der EU alle 100 km statt alle 150 km, wie es der Vorschlag der Europäischen Kommission vorsieht, und bis 2028 statt bis 2031 eingerichtet werden [124]. Angesichts der wenigen Jahre bis zu diesem Datum könnte die Einführung sogenannter „Dual-Fuel“-Umrüstungen [125, 126] von aktuellen Dieselmotoren83 eine kostengünstige Möglichkeit sein, Kunden für die Stationen und den Wasserstoffkraftstoff zu gewinnen. Während Dual-FuelMotoren keine „Null-Emissionen“ haben, sind CO2-Emissionsreduktionen von bis 83 In einem Dual-Fuel-Design [127] kann der Wasserstoff durch das Einlassventil eingespritzt werden und die Zündung erfolgt durch eine kleine Dieselpilot-Einspritzung.
62 E.-A. Tingas und A. M. Taylor zu 70 % möglich und Dual-Fuel-Betrieb wurde für Lkw und Transporter, Bagger, Geländetraktoren, Schienenfahrzeuge, Generatoren (einschließlich Kaltverladung von Schiffen) und Frachtumschlag demonstriert. Insbesondere haben Dual-FuelMotoren den Vorteil, die „Reichweitenangst“ zu beseitigen, die möglicherweise eine wichtige Barriere für die Akzeptanz darstellt, bis ein reiferes Netzwerk von Wasserstofftankstellen etabliert ist. Im Hinblick auf die Fernschifffahrt könnten Brennstoffzellen ebenfalls als Antriebsanlage Anwendung finden. Derzeit scheinen jedoch Reedereien wie die Compagnie Maritime Belge [128] und die Schiffbauindustrie den Verbrennungsmotor zu bevorzugen. MAN Energy Solutions hat sich verpflichtet, einen Schiffsmotor zu entwickeln, der ausschließlich mit Wasserstoff betrieben wird [129], während derzeit Dual-Fuel-Schiffsmotoren produziert werden, die Wasserstoff verwenden [130]. Verbrennungsmotoren werden fast sicher Schiffe antreiben, die flüssigen Wasserstoff transportieren, wobei der unvermeidliche „Boil-off“ der Ladung in ähnlicher Weise genutzt wird wie derzeit bei LNG-Tankern. Ähnliche, wenn auch in viel kleinerem Maßstab, maritime Anwendungen könnten bei Offshore-Windpark-Unterstützungsschiffen entstehen. Darüber hinaus scheint Wasserstoff in Form von Ammoniak (oder einer Form von synthetischem Kraftstoff wie Methanol) aufgrund seiner relativ hohen Energiedichte umfangreiche Anwendung im maritimen Sektor zu finden [131]. Für den Pendler- und Regionalflugverkehr ist es möglich, dass Brennstoffzellen übernommen werden, aber für Kurz- und insbesondere Mittelstreckenflüge84 könnten mit flüssigem Wasserstoff betriebene Gasturbinen den Klimaeinfluss um 50–60 % verringern, obwohl dies den Energiebedarf um 22 % erhöhen wird [132]. Dieselbe Quelle schätzt, dass für das Langstreckensegment85,86 die Erhöhung des Energiebedarfs 42 % betragen wird, mit einer Reduktion des Klimaeinflusses um 40–50 %, obwohl radikal neue Flugzeugdesigns erforderlich sein werden, um das Volumen von flüssigem Wasserstoff unterzubringen. In beiden Fällen ist der zusätzliche Energiebedarf hauptsächlich auf das Gewicht der Wasserstofftanks zurückzuführen, die größer und daher schwerer sein müssen als Kerosin aufgrund der niedrigen Massenergiedichte von Wasserstoff. Kürzlich kündigte Rolls-Royce eine Reihe von Prüfstand- und Motorentests an: Bodentests mit dem AE2100 und dem Pearl15-Strahltriebwerk [133]. Airbus ist in die Entwicklung von emissionsfreien, wasserstoffbetriebenen Verkehrsflugzeugen bis 2035 involviert, mit verschiedenen Konzepten je nach Zielreichweite und Nutzlast [134]. Eine Zusammenarbeit zwischen GE Aerospace und Safran zielt darauf ab, bis Ende 2026 einen Wasserstoffflugtest basierend auf dem A380 zu demonstrieren [135]. Bemühungen außerhalb Europas umfassen das Projekt HySIITE – Hydrogen Steam Injected, Inter-Cooled Turbine-Engine des US-Energieministeriums 84 250 PAX, 7000 km Reichweite. PAX, 10.000 km Reichweite. 86 Langstreckenflüge werden Wasserstoff auch in Form von „nachhaltigen Flugkraftstoffen“ verwenden. 85 325
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … 63 [136]. Der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff in Gasturbinentriebwerken erfordert ein völlig neues Design, vom Kraftstoffeinspritzsystem bis zur Turbomaschine und den Betriebsbedingungen. Eine der vielen Herausforderungen besteht darin, den zuverlässigen Betrieb der Brennkammer sicherzustellen und insbesondere Rückzündungen und Selbstentzündungen von vorgemischtem Wasserstoffkraftstoff zu vermeiden, wobei ersteres mit der ungewöhnlich hohen laminaren Flammengeschwindigkeit von Wasserstoff und letzteres mit den Bedingungen bei Hochaltituden-Neuzündungen und der ungewöhnlich breiten mageren Entflammbarkeitsgrenze von Wasserstoff zusammenhängt. Prinzipiell könnten nicht vorgemischte Flammen einige dieser Bedenken ausräumen, würden jedoch zu unakzeptabel hohen NOx-Emissionen führen. Es scheint noch kein allgemein akzeptiertes Design in der Industrie zu geben, obwohl es Forschungen zur Eignung von Rohrbündelbrennern und Mikromischbrennern unter anderem gibt. Sobald es eine hohe Durchdringung von variabler erneuerbarer Energie aus Windturbinen und Solar-Photovoltaik-Quellen gibt, könnte es notwendig sein, genügend Energie zu speichern, um das Stromnetz zu versorgen, wenn zu wenig Wind oder Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Diese Perioden werden sowohl in Stunden als auch in mehreren Wochen gemessen. Für erstere scheinen Batterien die kosteneffiziente Lösung zu sein, und für letztere könnte geologisch gespeicherter Wasserstoff verwendet werden, um Strom entweder aus Brennstoffzellen oder Gasturbinen zu erzeugen. Wieder einmal erfordern die ungewöhnlichen Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff eine Neugestaltung des Brenners [137, 138], jedoch ohne die Notwendigkeit der Kompaktheit, die mit Gasturbinen für die Luftfahrt verbunden ist. Effizientere Gasturbinendesigns, gekoppelt mit CCS, werden in den USA untersucht, basierend auf superkritischem CO2 als Arbeitsmedium anstelle von Luft [139, 140]. Der Sauerstoffbefeuerte Direktfeuer-Superkritische CO2-Kreislauf [141] ist so konzipiert, dass er einen Abgasstrom von hochreinem Kohlendioxid erzeugt, der ohne teure und energieintensive Abscheidungs-/Trenntechnologien bereit zur Speicherung ist. Ein EU-Forschungsprojekt „HERMES“ befasst sich ebenfalls mit dieser Technologie [142]. Das Trägermedium ist hochdichtes superkritisches Kohlendioxid oder Xenon, dessen Vorteil darin besteht, dass die Kompressionsleistung im Vergleich zur Verwendung von Luft als Arbeitsmedium reduziert wird. Infolgedessen und aufgrund des Betriebs bei hohen Druckbedingungen (über 150 bar) erreicht das System eine signifikant höheren Wirkungsgrad (über 65 %) als herkömmliche Gasturbinen. Durch die Nutzung von reinem Sauerstoff zur Brennstoffoxidation und durch die Erfassung des voluminösen Abgasstroms (H2 O und/oder CO2) und deren Wiederverwendung zur Brennstoffsynthese produziert das System praktisch keine Schadstoffe. Durch den Betrieb mit lokal synthetisierten erneuerbaren flüssigen und gasförmigen Brennstoffen (z. B. Methanol oder Wasserstoff) kann das Design mit dezentraler Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung (CCUS) gekoppelt werden. Die Schätzung der benötigten Menge an Wasserstoff dürfte ziemlich genau sein. Vielleicht besteht die größte Unsicherheit darin, ob es einen ausreichend entschlossenen globalen Willen geben wird, sich zum Bau der Produktions- und Transportinfrastruktur für das riesige Volumen dieses neuen Brennstoffs zu ver-
64 E.-A. Tingas und A. M. Taylor <ůĞŝŶĞƌWƌŽƚŽƚLJƉ 'ƌŽƘĞƌWƌŽƚŽƚLJƉ ĞŵŽŶƐƚƌĂƟŽŶ DĂƌŬƚĂƵƐǁĞŝƚƵŶŐ ƵƐŐĞƌĞŝŌ Abb. 41 Globale CO 2-Emissionsreduktionen durch wasserstoffbasierte Brennstoffe nach Technologiereife im Net Zero Emissions Szenario, 2020–2050. Nachgedruckt aus Ref. [26] pflichten und dies in dem Tempo, das erforderlich ist, um bis 2050 „netto null“ zu erreichen. In hohem Maße ist dies an die andere implizierte Frage im Titel des Kapitels gebunden, nämlich die Kosten der Investition für diesen Bau und die Kosten des Brennstoffs für den Verbraucher. Eine weitere Unsicherheit wird durch Abb. 41 [26] veranschaulicht, die zeigt, dass die meisten Einsparungen bei den Emissionen durch die Verwendung wasserstoffbasierter Brennstoffe nach 2030 aufgrund technologischer Unreife erfolgen, einschließlich der Verwendung von Wasserstoff in schweren Lastwagen sowie Wasserstoff und Ammoniak in Schiffen. Wäre dieses Kapitel vor zwei Jahrzehnten nach Kyoto geschrieben worden, schien es möglich, dass alle Personenkraftwagen mit Brennstoffzellen betrieben würden. Kurz nach der Jahrhundertwende schien die „Dieselisierung“ der europäischen Flotte von Personenkraftwagen eine proportionale Reaktion auf die globale Erwärmung zu sein. Wäre das Buch vor einem Jahrzehnt vor Paris geschrieben worden, würde die niedrigen Kosten der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auf Bestätigung warten – insbesondere der steile Kostenrückgang bei großtechnischen Solar-Photovoltaikanlagen, Abb. 42 [143] – in der Zukunft. Vor weniger als zwei Jahren waren die USA nicht Teil der Pariser Abkommen, und ohne eine so große Wirtschaft, die Teil dieses Abkommens ist, wäre beim Schreiben dieses Buches viel weniger Optimismus vorhanden. Wäre das Buch vor einem Jahr geschrieben worden, hätten die Ereignisse in der Ukraine die EU nicht zu den Maßnahmen in Bezug auf Wasserstoff veranlasst, die sie vor wenigen Monaten ergriffen hat. Daher ist es ermutigend, dass zwei kontinentgroße Volkswirtschaften kürzlich große Verpflichtungen zur Bekämpfung des Klimawandels und insbesondere zur Förderung der Nutzung von Wasserstoff eingegangen sind. Dennoch ist das Ausmaß der verbleibenden Aufgaben groß, die Zeit, über die kontinuierlicher Fortschritt aufrechterhalten werden muss, ist lang, und die Zeit bis 2050 ist ziemlich kurz. Es ist jedoch möglich, optimistisch zu sein, dass sich die Landschaft für Forschung und Entwicklung im Bereich Wasserstoff in den kommenden zehn Jahren sowohl transformieren als auch dynamisch entwickeln wird.
Wasserstoff: Wo er verwendet werden kann, wie viel benötigt … Geothermie Biomasse 65 SolarKonzentrierende OffshorePhotovoltaik Solarenergie Windkra Hydro , Wind an Land , , , , , Kostenspanne für fossile Brennstoffe , , , , , , , , , , , , Kapazität (MW) Abb. 42 Globale nivellierte Stromgestehungskosten (LCOE) aus großtechnischen erneuerbaren Stromerzeugungstechnologien, 2010–2017. Anmerkungen Der Durchmesser des Kreises repräsentiert die Größe des Projekts, wobei sein Zentrum den Wert der Kosten jedes Projekts auf der Y-Achse darstellt. Die dicken Linien sind der global gewichtete durchschnittliche LCOEWert für in jedem Jahr in Betrieb genommene Anlagen. Der reale gewichtete durchschnittliche Kapitalkostensatz beträgt 7,5 % für OECD-Länder und China und 10 % für den Rest der Welt. Das Band repräsentiert die Kostenbandbreite der fossilen Stromerzeugung. Nachgedruckt aus Ref. [143 ] Literatur 1. Fourier J (1827) Mémoire sur les températures du globe terrestre et des espaces planétaires. Mémoires de l’Académie Royale des Sciences de l’Institut de France 7:570–604 2. Tyndall J (1861) Ueber die Absorption und Strahlung der Wärme durch Gase und Dämpfe, und über den physischen Zusammenhang von Strahlung. Absorption und Leitung. Annalen der Physik 189(5):1–53 3. Arrhenius S (1896) XXXI. On the influence of carbonic acid in the air upon the temperature of the ground. Lond Edinb Dublin Philos Mag J Sci 41(251):237–276 4. Callendar GS (1938) The artificial production of carbon dioxide and its influence on temperature. Q J R Meteorol Soc 64(275):223–240 5. Revelle R, Suess HE (1957) Carbon dioxide exchange between atmosphere and ocean and the question of an increase of atmospheric CO2 during the past decades. Tellus 9(1):18–27 6. Bolin B, Eriksson E (1959) Changes in the carbon dioxide content of the atmosphere and sea due to fossil fuel combustion. The atmosphere and the sea in motion, vol 1. Rockefeller Inst. Press, New York, pp 30–142 7. Bolin B (1960) On the exchange of carbon dioxide between the atmosphere and the sea. Tellus 12(3):274–281
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Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung Tamás Turányi Zusammenfassung Die Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv untersucht. Die ersten, zweiten und dritten Explosionsgrenzen wurden entdeckt und mechanistische Erklärungen gegeben. Allerdings sind die feinen Details des Reaktionsmechanismus und die genauen Geschwindigkeitsparameter noch nicht bekannt. Neue Reaktionsschritte wurden sogar in den letzten Jahren vorgeschlagen. Die explosiven und nicht-explosiven Bereiche werden durch eine umgekehrte S-förmige Kurve in der T − p-Ebene getrennt. Das Rückgrat der Kurve entspricht ungefähr der Linie, an der die Raten der Reaktionen H + O2 → OH + O und H + O2 + M → HO2 + M gleich sind. Die Bereiche starker und schwacher Explosionen liegen unterhalb bzw. oberhalb der Rückgratlinie, und diese Bereiche werden jeweils von H/O/OH- und HO2/H2O2-Katalysezyklen dominiert. In einem kleinen Gefäß bilden die Adsorption der Radikale HO2 und H die oberen und unteren Äste der Kurve. Alle qualitativen Merkmale des Wasserstoffverbrennungssystems können durch einen 10-Schritt-Mechanismus erklärt werden. Hier werden mehrere Websites empfohlen, die umfassende Sammlungen aktueller Wasserstoffverbrennungsmechanismen, direkte und indirekte experimentelle Daten sowie theoretische Bestimmungen enthalten. Schlüsselwörter Wasserstoffverbrennung · Umgekehrte S-Kurve · Explosionsgrenzen · Detaillierte Reaktionsmechanismen · Direkte experimentelle Daten · Indirekte experimentelle Daten · Nicht-thermische Reaktionen T. Turányi (*) Institute of Chemistry, ELTE Eötvös Loránd University, Budapest, Ungarn E-Mail: turanyi@chem.elte.hu © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_2 73
74 T. Turányi 1 Frühe Geschichte Zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersuchten Max Bodenstein (1871–1942) und seine Mitarbeiter an der Universität Hannover die H2–Cl2-photochemische Reaktion. Sie fanden heraus, dass ein einzelnes Photon die Erzeugung von mehreren Millionen HCl-Produktspezies induzieren kann. Bodenstein nahm an, dass jedes Photon eine einzelne aktive Spezies produziert und diese Spezies eine Reihe von Sekundärprozessen induziert, die zur Erzeugung vieler Produktmoleküle führen. Bodenstein hatte jedoch keine genaue Vorstellung von den chemischen Details. Im Jahr 1913 sprach Bodenstein im Labor mit seinem Doktoranden Walter Dux und spielte mit seiner goldenen Uhrkette [1]. Bodenstein erklärte, dass er sich vorgestellt hatte, dass die Reaktion entlang der Kette fortschritt und bei jedem Glied ein weiteres HCl-Molekül produziert wurde. Es war damals eine Art Laborwitz. Bodenstein bot seine goldene Uhrkette an, um zu den Kriegskosten Deutschlands während des Ersten Weltkriegs beizutragen, aber Walter Dux hatte nach dem Krieg eine Replik erstellt. Diese Kette ist jetzt an der Universität Hannover, Deutschland, ausgestellt (siehe Abb. 1) [2]. In Erinnerung an die goldene Uhrkette von Bodenstein verwendete sein Schüler Jens Anton Christiansen (1888–1969) den Begriff „Kettenreaktion“ (tatsächlich auf Dänisch als „kettenreaktion“) erstmals in seiner Doktorarbeit im Jahr 1921. Abb. 1 Die goldene Uhrkette von Bodenstein (Replik). Das Foto wurde freundlicherweise von Prof. Ronald Imbihl (Universität Hannover) zur Verfügung gestellt
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 75 Christiansen und Kramers [3] wiesen 1923 auch darauf hin, dass, wenn in einem Reaktionsschritt zwei Kettenträger produziert werden, die Reaktionskette verzweigen wird, was zu einer Explosion führen kann. Bodenstein und seine Schüler legten den Grundstein für die Theorie der Kettenreaktionen. Ein Reaktionsschritt wird als Ketteninitiierung klassifiziert, wenn Kettenträger (meistens Radikale) aus Molekülen produziert werden. Kettenabbruch-, Fortsetzungs- und Verzweigungsschritte verringern, erhalten und erhöhen jeweils die Menge der Radikale. Diese Klassifizierung der Reaktionsschritte ist neben den chemischen Gleichungen unten vermerkt. Arrhenius untersuchte 1889 die Temperaturabhängigkeit des Geschwindigkeitskoeffizienten der Inversion von Rohrzucker mit Säuren [4] erneut und zeigte, dass eine Gleichung (die wir heute als Arrhenius-Gleichung kennen) abgeleitet werden kann, um die Änderung des Geschwindigkeitskoeffizienten als Funktion der Temperatur zu beschreiben, indem angenommen wird, dass der Rohrzucker eine aktive (d. h. reaktive) und eine nicht-reaktive Form hat [5]. 1936 veröffentlichte Christiansen einen Artikel [6] über eine Erweiterung des Arrhenius-Konzepts chemischer Reaktionen. Christiansen nahm an, dass die Reaktanten nicht nur einen einzigen aktiven Zustand, sondern eine Reihe von aktiven Stadien haben. Auf diese Weise scheint Christiansen ein Vorreiter des Master-Gleichungsansatzes in der chemischen Kinetik und der Interpretation chemischer Reaktionen mit Reaktanten zu sein, die sich auf einer Energieleiter bewegen. Dieser Ansatz wird im nächsten Abschnitt verwendet. Das erste chemische Beispiel für eine verzweigende Kettenreaktion, die Reaktion von molekularem Phosphor (P4) mit Sauerstoff (O2), wurde 1925 von Semenov und seinen Mitarbeitern in Leningrad gefunden [7]. Diese P4/ O2-Reaktion blieb eine chemische Kuriosität, aber bald begannen die SemenovGruppe und auch Hinshelwood und sein Schüler Thompson in Oxford, das Wasserstoff-Sauerstoff-Reaktionssystem zu untersuchen. Sie identifizierten es als eine verzweigende Kettenreaktion und entdeckten die ersten und zweiten Explosionsgrenzen. Semenov (1896–1986) und Hinshelwood (1897–1967) erhielten 1956 gemeinsam den Nobelpreis [8]. Bis Ende der 1940er Jahre wurden große Mengen experimenteller Daten zur Wasserstoff-Sauerstoff-Verbrennung gesammelt, was 1949 zu folgender Aussage führte: „Die Oxidation von Wasserstoff ist der am meisten untersuchte Oxidationsprozess, und selbst die feinen Details seines Mechanismus sind gut bekannt.“ (zu finden in der Einleitung des Buches [9]). Mehr als 70 Jahre nach dieser Aussage können wir immer noch nicht behaupten, dass alle Details der Kinetik des H2/O2Systems bekannt sind.
T. Turányi 76 2 Verständnis der grundlegenden Merkmale des Wasserstoffverbrennungssystems mit einem 10-SchrittMechanismus Die frühen experimentellen Daten zur Wasserstoffverbrennung wurden in den Büchern von Semenov [10] und Lewis und von Elbe [11] zusammengefasst. Bereits die frühen Experimente zeigten, dass, wenn ein stöchiometrisches Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch in einem Gefäß vorhanden ist, das Gemisch je nach Anfangstemperatur und -druck explodieren oder nicht explodieren kann. Abb. 2 zeigt, dass die explosiven (rechts) und nicht-explosiven (links) Bereiche durch eine charakteristische umgekehrte S-Kurve getrennt sind. Erhöht man den Druck von null auf hohen Druck bei mittlerer Temperatur (sagen wir bei 800 K), wechselt das System vom nicht-explosiven in den explosiven Zustand (erste Explosionsgrenze), dann vom explosiven in den nicht-explosiven Zustand (zweite Explosionsgrenze) und schließlich wieder vom nicht-explosiven in den explosiven Zustand (dritte Explosionsgrenze). Beachten Sie, dass die Y-Achse logarithmisch ist und dementsprechend das Erreichen eines qualitativ anderen Bereichs eine Erhöhung des Drucks um ein oder zwei Größenordnungen erfordert. Es wurde festgestellt, dass die ersten und dritten Grenzen von der Größe des Gefäßes und der Zusammensetzung der Wand abhängen. Beachten Sie, dass das Gemisch unter einer bestimmten Bedingung als explosiv gilt, wenn das H2–O2Gemisch innerhalb der Schwellenzeit tth explodiert. Abb. 2 zeigt die Lage des explosiven Bereichs unter der Annahme, dass tth = 1 ms beträgt. Bei Annahme Druck, mmHg keine Explosion Explosion Temperatur, K Abb. 2 Explosionsgrenzen des H2–O2-Systems. Die Abbildung wurde aus dem Artikel von Lidor et al. [13] adaptiert. Die Symbole beziehen sich auf verschiedene experimentelle Daten. Entlang der gestrichelten Linie sind die Raten der Reaktionen R2 und R5 gleich (siehe Text)
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 77 , , , , Abb. 3 Berechnete Zündverzugszeiten (IDTs) eines stöchiometrischen Wasserstoff-LuftGemischs bei 800 K Anfangstemperatur in Abhängigkeit vom Druck unter Verwendung homogener, isochorer, adiabatischer Simulationen. Die gestrichelte Linie zeigt die IDTs in einem großen Gefäß (ohne Wandeffekte) und die durchgezogene Linie zeigt die berechneten IDTs in einem 7,4 cm Durchmesser, kugelförmigen Quarzreaktor. Adaptiert aus [12] einer anderen Zündzeitgrenze verschiebt sich die invertierte S-Kurve. Abb. 3 zeigt die berechneten Zündverzugszeiten (IDTs) eines stöchiometrischen Wasserstoff-Luft-Gemischs bei 800 K in Abhängigkeit vom Druck unter Verwendung homogener, isochorer, adiabatischer Simulationen [12]. Kürzere IDT bedeutet höhere Reaktivität. Auch ohne Wandeffekte nimmt die Reaktivität bei steigendem Druck zu, ab und dann wieder zu bei konstanter Temperatur. Wenn das explosive Gemisch als „innerhalb von 1 ms explodierend“ definiert wird, erscheinen nicht-explosive Bereiche und Explosionsgrenzen auch ohne Berücksichtigung des Wandeffekts. Wenn die Adsorption von Radikalen an der Wand berücksichtigt wird, finden wir Druckintervalle ohne Explosion, selbst nach sehr langen (d. h. unendlichen) Beobachtungszeiten. Diese Abbildung bestätigt auch, dass die genauen Positionen der Explosionsgrenzen von der gewählten Schwellenzündverzugszeit abhängen. Das komplexe Verhalten der Wasserstoffoxidation war sehr überraschend, da die Gesamtgleichung der Wasserstoff-Sauerstoff-Reaktion so einfach ist, dass dies normalerweise die erste chemische Gleichung ist, die Grundschülern beigebracht wird: 2H2 + O2 = 2H2 O
T. Turányi 78 Es war klar, dass dieses komplexe Verhalten nicht auf der Grundlage der einfachen Gesamtgleichung erklärt werden konnte. Die folgende Diskussion wurde inspiriert von Kap. 10 des Buches von Pilling und Seakins [15] und dem Artikel von Wang und Law [14]. Betrachten Sie zunächst den Fall, wenn die Wasserstoffoxidation in einem unendlich großen Gefäß stattfindet, das heißt, es gibt keine Wandreaktionen. In diesem Fall kann der Temperatur-Druck-Raum in zwei Bereiche unterteilt werden, die als Bereiche starker und schwacher Explosionen bezeichnet werden können, welche durch die gestrichelte Linie in Abb. 4a getrennt sind. Der Bereich der starken Explosion kann durch die folgende Reihe von Elementarreaktionen beschrieben werden: H2 + O2 → H + HO2 H + O2 → OH + O OH + H2 → H + H2 O O + H2 → OH + H R1 R2 R3 R4 Ketteninitiierung Kettenverzweigung Kettenfortsetzung Kettenverzweigung Reaktion R1 ist die Initiierungsreaktion, die Radikale aus den Reaktanten H2 und O2 produziert. In den frühen Mechanismen wurde die Initiierungsreaktion H2 + O2 → 2 OH angenommen, aber die Messungen von Michael et al. [16] klärten, dass die Produkte der H2 + O2-Kollision H + HO2 sind. Die Initiationsreaktion R1 produziert H-Atome und die Anzahl der Radikale wird durch die Kettenverzweigungsreaktion R2 erhöht. Diese Reaktion produziert das Radikal OH (wiederum in R3 zu H umgewandelt) und das Atom O, welches in Schwach explosiv R5 -beherrschende Schwache Explosion Druck Druck Nicht-explosiv R2 dominierend Starke Explosion Temperatur Stark explosiv Temperatur Abb. 4 Explosionsgrenzen eines stöchiometrischen Wasserstoff-Sauerstoff-Gemischs in Abhängigkeit von Temperatur und Druck. Panel, a Explosionen in einem unendlich großen Gefäß ohne Wandeffekte; Panel, b Explosionen in einem Gefäß mit Wandeffekten. Die Abbildungen wurden aus dem Artikel von Wang und Law [14] adaptiert. Reproduziert aus [14] mit Genehmigung von AIP Publishing
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 79 der Kettenverzweigungsreaktion R4 in zwei Radikale (OH und H) umgewandelt wird. Die Zusammenfassung der Reaktionen R2–R4 zeigt, dass ein H-Atom in 3 H-Atome umgewandelt wird: R2 R3 R4 R3 +_______________________ H + O2 + 3H2 → 3H + 2H2 O H + O2 → OH + O OH + H2 → H + H2 O O + H2 → H + OH OH + H2 → H + H2 O Diese Reaktionsreihe führt zu einem schnellen Anstieg der H-Atom-Konzentration. Die Situation ist im oberen linken Teil des Temperatur-Druck-Diagramms (oberhalb der gestrichelten Linie in Abb. 4a) anders. Hier führen die in der Initiationsreaktion R1 produzierten H-Atome zur Erhöhung der Radikale in einer anderen Abfolge von Elementarreaktionen: R5 R6 R7 H + O2 + M → HO2 + M HO2 + H2 → H + H2O2 H2O2 + M → 2OH + M Kettenfortsetzung Kettenfortsetzung Kettenverzweigung Das in Schritt R6 produzierte H-Atom wird in Schritt R5 zu HO2 umgewandelt. Die Schritte R5–R7 wirken zusammen als ein Kettenverzweigungs-Submechanismus, der die Konzentrationen der Radikale erhöht. Diese Reaktionsfolge ist jedoch viel langsamer und führt daher zum Bereich der schwachen Explosion. Hier ist R8 eine wichtige Kettenabbruchreaktion: R8 2HO2 → H2O2 + O2 Kettenabbruch Diese Reaktion führt jedoch zu einem H2O2-Molekül, das in Schritt R7 zwei OHRadikale produziert. Die OH-Radikale werden dann in den Reaktionen R3 und R5 wieder zu HO2 umgewandelt. Bei Temperaturen und Drücken, bei denen die Reaktionen R2 oder R5 schneller sind, nimmt die Wasserstoff-Sauerstoff-Reaktion an starken bzw. schwachen Explosionen teil. Wie jedoch Abb. 5 zeigt, gehören die Reaktionen R2 und R5 auf molekularer Ebene zum selben chemischen System. Wenn die Spezies H und O2 kollidieren, dann ist das Produkt ein schwingungsund rotationsangeregtes HO2-Radikal, hier bezeichnet als HO∗2. In Abb. 5 gehören die Geschwindigkeitskoeffizienten κ zum tatsächlichen Rotations-SchwingungsZustand der Reaktanten. Die erzeugte HO∗2-Spezies wird eine breite Verteilung von Energieniveaus haben, abhängig von den Energieniveaus der kollidierenden H- und O2-Spezies. Dies wird durch die Energieniveaus in Abb. 5 veranschaulicht. Als Ergebnis von Kollisionen mit beliebigen im System vorhandenen Spezies (M)
80 T. Turányi Abb. 5 Die Reaktionen R2 und R5 gehören auf molekularer Ebene zum selben chemischen System kann die HO∗2-Spezies in der Energieniveaus auf- und absteigen. Im Durchschnitt bewegen sich die Spezies aufgrund der Kollisionen vom anfänglichen Energieniveau nach unten. Ein schwingungs- und rotationsangeregtes HO∗2-Radikal mit Energie E kann mit dem Geschwindigkeitskoeffizienten κ2 (E) wieder in H uned O2 zerfallen. Es kann auch zu den Produkten OH und O (Reaktionskanal R2) mit dem Geschwindigkeitskoeffizienten κ3 (E) zerfallen. Eine dritte Möglichkeit ist, dass es durch eine Reihe von Kollisionen alle überschüssige Schwingungs- und Rotationsenergie verliert und als ein thermisiertes HO2-Radikal stabilisiert wird. Der Begriff thermisiert bedeutet, dass die Schwingungs- und Rotationsenergieniveaus der Spezies der Temperatur des Trägergases entsprechen. Die Geschwindigkeitskoeffizienten κ2(E) und κ3(E) steigen mit zunehmendem Energieniveau E der Spezies HO∗2. Wenn die Temperatur höher ist, ist das durchschnittliche Energieniveau von HO∗2 größer und daher ist der gewichtete Durchschnitt von κ3(E), der dem Geschwindigkeitskoeffizienten k2 der Reaktion R2: H + O2 → OH + O entspricht, größer, sodass k2 mit der Temperatur zunimmt. Dieser Kanal konkurriert jedoch mit dem Reaktionskanal R5: H + O2 + M → HO2 + M, was bedeutet, dass bei höherer Temperatur k5 kleiner ist und k5 mit steigender Temperatur abnimmt. Abb. 5 zeigt, dass die Spezies HO∗2 aufgrund nichtreaktiver Kollisionen in der Energieleiter auf- und absteigen kann. Das Symbol M bezeichnet ein beliebiges Kollisionspartnerteilchen. In einem Wasserstoff-Luft-Gemisch ist das Kollisionspartikel meist eines der N2-, H2-, O2- oder H2O-Moleküle, kann aber auch jedes andere im Gemisch vorhandene Teilchen sein (H, OH, O, HO2, H2O2). Das Kollisionspartnerteilchen (auch „Drittkörper“ genannt) bleibt chemisch unverändert. Das kollidierende Molekül entfernt normalerweise einen Teil der Energie von HO2. Wenn das kollidierende Partnerteilchen das H-Atom ist, kann es die Energie nur in seinem Translationsmodus speichern (d. h. es bewegt sich schneller). Große Spezies mit vielen Rotations- und Schwingungsenergieniveaus können die abgeführte Energie effektiv speichern. Diese Unterschiede zwischen dem Stoßpartner werden in den Effizienzfaktoren der dritten Körperkollision berücksichtigt. Normalerweise wird die Kollisions-Effizienz von N2 als Einheit
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 81 genommen und die anderen werden daran skaliert. Zum Beispiel verwendeten Burke et al. [17] die folgende Reihe von Wirkungsgraden des Stoßpartner, die in der untenstehenden Gleichung als Multiplikatoren der Konzentrationen erscheinen. [M] = [N2 ] + 2, 0[H2 ] + 14, 0[H2 O]   +0, 78[O2 ] + 0, 67[Ar] + 0, 8[He] + all other species Varga et al. führten lokale Sensitivitätsanalysen [18] unter den Bedingungen einer großen Menge an experimentellen Daten zur Wasserstoffverbrennung einschließlich Zündverzugszeit- und Flammgeschwindigkeitsmessungen durch. Sie stellten fest, dass nur die folgenden Parameter des Stoßpartner-Wirkungsgrade einen hohen Einfluss auf die Simulationsergebnisse haben: m(H2), m(Ar) und m(H2O) in der Reaktion H + O2 (+M) = HO2 (+M) und m(He) in der Reaktion H + OH + M = H2O + M, wobei m(Ar) und m(He) benötigt werden, um Experimente mit Ar- und He-Trägergas zu reproduzieren. Dies bedeutet auch, dass für die anderen Stoßpartner-Wirkungsgrade realistische geschätzte Werte ausreichend sind. Weitere Effizienzparameter könnten unter speziellen Bedingungen (d. h. bei sehr hohen H2O- und CO2-Konzentrationen) wichtig werden. Die Behandlung des Effekts der Zusammensetzung des Gasgemisches auf diese Weise beinhaltet zwei Annahmen: (i) die Stoßpartner-Wirkungsgrade sind temperaturunabhängig, (ii) die verschiedenen Konzentrationen haben einen unabhängigen linearen Effekt auf die Kollisions-Effizienz. Temperaturabhängige Stoßpartner-Wirkungsgrade [19] können unter Verwendung hochrangiger Theorien berechnet werden, aber solche Effizienzen wurden für das Wasserstoffverbrennungssystem nicht bestimmt. Eine mögliche Verbesserung besteht darin, diese Temperaturabhängigkeit auch in Wasserstoffverbrennungsmodellen zu berücksichtigen. Burke und Song [20] untersuchten das zweite Problem am Beispiel der Reaktion R5. Sie stellten fest, dass Mischungsregeln, die auf dem reduzierten Druck basieren, eine erheblich genauere Beschreibung liefern als solche, die auf dem Partialdruck basieren. Sie empfahlen, dass die vorgeschlagenen neuen Mischungsregeln in die Verbrennungssimulationscodes integriert werden. Wir werden nun die obigen Aussagen anhand einer Reihe von Abbildungen demonstrieren. Bei der Erstellung dieser Abbildungen wurden die folgenden Reaktionsparameter verwendet. Der Reaktionskoeffizient der Reaktion R2: H + O2 → OH + O wurde unter Verwendung der erweiterten Arrhenius-Gleichung k2(T) = A Tn exp (−E/RT) mit den Reaktionsparametern A = 1.040 × 1014 cm3 mol−1 s−1, n = 0.0, E/R = 7695 K berechnet. Diese Reaktionsparameter wurden von Hong et al. [21] bestimmt. Der Reaktionskoeffizient der Reaktion R5 ist druckabhängig. Es ist ein Reaktionskoeffizient zweiter Ordnung bei hohem Druck und einer dritter Ordnung bei niedrigem Druck. Wenn wir die Reaktionsrate von R5 unter Verwendung ′ des Ausdrucks r5 = k5 ×[H] × [O2] berechnen, dann ist der effektive Reaktions′ koeffizient k5 bei einer gegebenen Temperatur und einem gegebenen Druck ein Reaktionskoeffizient zweiter Ordnung und kann berechnet werden durch
T. Turányi 82 ′ k5 (T , p) = k5∞  Pr 1 + Pr  wobei Pr der reduzierte Druck ist: Pr = k50 [M] k5∞ Die effektive Gesamtkonzentration [M] hängt von den oben beschriebenen Wirkungsgraden der Drittkörper-Kollisionen ab, aber der Einfachheit halber wurden in den folgenden Abbildungen die realen Gesamtkonzentrationen ohne Berücksichtigung der Kollisions-Effizienzen verwendet. Wenn der Reaktions′ koeffizient zweiter Ordnung k5 bei einer gegebenen Temperatur als Funktion des Drucks aufgetragen wird, dann erhält man die sogenannte „Fall-off-Kurve“, die als lineare Funktion vom Null-Druck (mit Steigung k 0) beginnt und sich dann der horizontalen Linie von k ∞ [15] annähert. Das Niederdrucklimit k50 und das Hochdrucklimit k5∞ der Geschwindigkeitskoeffizienten können mit den folgenden erweiterten Arrhenius-Gleichungen berechnet werden: k50 =A T n exp (−E/RT ), A = 1, 737 × 1019 cm6 mol−2 s−1 , n = − 1, 23, E/R = 0 K, k5∞ =A T n exp (−E/RT ), A = 4, 65 × 1012 cm3 mol−1 s−1 , n =0, 44, E/R = 0 K. Diese Geschwindigkeitsparameter wurden von Fernandes et al. [22] bestimmt. Wie anhand von Abb. 5 erklärt wurde, nehmen die Geschwindigkeitskoeffizienten der Reaktionen R2 und R5 mit der Temperatur zu bzw. ab. Abb. 6 ′ zeigt, dass bei einem Druck von 1 atm k2 gleich k5 bei etwa T = 1000 K ist. Bei einem gegebenen Druck sind die Reaktionen R5 und R2 bei niedrigen bzw. hohen Temperaturen wichtiger. Dies ist der Grund, warum die Bereiche schwacher und starker Explosionen auf der linken bzw. rechten Seite von Abb. 4a liegen. Ein weiteres charakteristisches Diagramm ist die Druckabhängigkeit dieser Reaktionskoeffizienten bei fester Temperatur. Abb. 7 zeigt die Druckabhängigkeit ′ von k2 und k5 bei T = 800 K. Bei einer gegebenen Temperatur sind die Reaktionen R5 und R2 bei hohen bzw. niedrigen Drücken wichtiger. Dies ist der Grund, warum die Bereiche schwacher und starker Explosionen in Abb. 4a jeweils im oberen und unteren Teil liegen. Der Reaktionskoeffizient k2 ist druckunabhängig ′ und der Reaktionskoeffizient k5 steigt in diesem Druckbereich linear mit dem ′ Druck an, was darauf hinweist, dass der Reaktionskoeffizient k5 sich am Anfang der Abfallkurve befindet, d. h. im dritten Ordnungsbereich. Tatsächlich zeigt Abb. 8, dass unter etwa 30 atm das Produkt von [M] und dem Niederdruckgrenz′ wert-Reaktionskoeffizienten k50 fast identisch mit dem Reaktionskoeffizienten k5 ist, der der Abfallkurve folgt.
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 83 Abb. 6 Temperaturabhängigkeit der Geschwindigkeitskoeffizienten k2 und k5 bei einem Druck von 1 atm ′ , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 7 Druckabhängigkeit der Reaktionskoeffizienten k2 und k5 bei T = 800 K ′ Die Trennlinie zwischen den Bereichen starker und schwacher Explosionen entspricht der Funktion, die durch die gleichen Raten der Reaktionsschritte R2 und R5 definiert ist. r2 = r5
T. Turányi 84 , , Niederdruckgrenze , , Abstiegskurve , , , , Abb. 8 Vergleich der Druckabhängigkeit der Reaktionskoeffizienten k5 (druckabhängiger Reaktionskoeffizient zweiter Ordnung) und Ausdruck [M] × k50 bis 150 atm ′ Unter etwa 30 atm ist k5 fast gleich k50 × [M], daher können wir schreiben, dass ′ k2 [H][O2 ] = k50 [M][H][O2 ] Die Gesamtkonzentration aller Spezies, [M], kann unter Verwendung des Gasgesetzes berechnet werden: [M] = n/V = p/RT (in Einheit mol m−3), oder [M] = 10–6p/RT (in Einheit mol cm−3). Daher ist die p(T)-Gleichung der Trennlinie p(T ) = 106 RT k2 (T ) k50 (T ) unter der Annahme, dass die Einheiten der Geschwindigkeitskoeffizienten in cm−3, mol und s sind. Unter Verwendung der obigen Geschwindigkeitsparameter können wir die ungefähre Trennlinie zwischen den starken und schwachen Explosionsbereichen zeichnen. Dies ist in Abb. 2 als gestrichelte Linie angegeben. Diese Linie fällt nicht mit dem mittleren Ast der umgekehrten S-förmigen Kurve zusammen, aber der Trend ist ähnlich. Außerdem müssen wir berücksichtigen, dass die in den Reaktionen R2 bzw. R5 produzierten H- und HO2-Radikale an autokatalytischen Verstärkungskreisläufen mit sehr unterschiedlicher Effizienz teilnehmen. In der obigen Diskussion haben wir angenommen, dass das Gefäß groß ist und keine Wandeffekte vorhanden sind. In kleineren Gefäßen können die Spezies auf die Wand stoßen. Die Moleküle prallen normalerweise zurück, aber die Radikale haben die Chance, an der Wand haften zu bleiben. Diese Entfernung
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 85 von Radikalen durch Anhaften an der Wand kann durch die folgenden Reaktionen berücksichtigt werden. R9 R10 H → Wand HO2 → Wand Kettenabbruch Kettenabbruch Die Reaktionen R9 und R10 blockieren die Explosion in kleinen Gefäßen in den starken bzw. schwachen Explosionsbereichen. Wie jedoch Abb. 4b zeigt, ist dieser Effekt im schwachen Explosionsbereich bedeutender, und die Reaktion R10 verschiebt die Grenze viel weiter in die obere rechte Ecke. Diese Effekte zusammen bilden die bekannte umgekehrte S-förmige Kurve. Frühere Skelettmodelle enthielten auch die Reaktionen OH → Wand und O → Wand, aber Wang und Law [14] zeigten, dass diese Reaktionen im Vergleich zu R9 nicht signifikant sind. Der Effekt von Wandreaktionen kann leicht simuliert werden, indem angenommen wird, dass in einem kleinen Gefäß die Diffusion eine homogene Mischung gewährleistet, da die Entfernung von Radikalen an der Wand langsam ist. Daher können diese Wandentfernungsreaktionen als Reaktionsschritte erster Ordnung betrachtet werden [14] mit Geschwindigkeitskoeffizienten k= 1 S εv 4 V wobei ε der Haftkoeffizient ist. Der Haftkoeffizient ε zeigt das Verhältnis der Spezies, die an der Wand haften, im Vergleich zu allen Spezies, die die Wand treffen, und liegt für Radikale an einer Quarz-Wand in der Größenordnung von 10−3. S und V sind die Oberfläche bzw. das Volumen des Gefäßes und v ist die durchschnittliche Geschwindigkeit der thermischen Bewegung der Spezies bei der Temperatur T, die unter Verwendung der kinetischen Gastheorie berechnet werden kann: v=  8kB T πm wobei kB die Boltzmann-Konstante und m die Masse der Spezies ist. Wenn wir den Druck bei einer mittleren Temperatur (sagen wir bei 800 K) erhöhen, überschreiten wir alle drei Explosionsgrenzen. Bei sehr niedrigen Drücken wird das H2/O2-Gemisch nicht explodieren, weil die in den Initiierungsreaktionen erzeugten H-Atome durch die Wandreaktion R9 entfernt werden. Bei niedrigem Druck ist die mittlere freie Weglänge im Vergleich zum Durchmesser des Gefäßes lang, daher haben die Radikale eine hohe Wahrscheinlichkeit, die Wand zu treffen. Bei höheren Drücken wird das Gemisch aufgrund der starken Explosionsbedingungen und des Fehlens effektiver Wandreaktionen explodieren. Erhöhen wir den Druck weiter, gelangen wir in den Bereich der schwachen Explosion, aber hier ist die Wandreaktion R10 sehr effektiv und daher wird das
86 T. Turányi Gemisch nicht wieder explodieren. Bei höheren Drücken ist der Effekt der Reaktion R10 weniger signifikant, und wir beobachten eine schwache Explosion. Der oben beschriebene 10-Schritt-Mechanismus liefert eine qualitative Interpretation der Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung. Die neuesten Mechanismen der Wasserstoffverbrennung, die die experimentellen Daten gut reproduzieren, enthalten auch weitere Reaktionsschritte von sekundärer Bedeutung. Diese Mechanismen enthalten denselben Satz von Spezies (Moleküle H2, O2, H2O, H2O2, Radikale H, O, OH und HO2 sowie möglicherweise die inerten Trägergase wie N2, Ar, He), aber insgesamt etwa 30 reversible elementare Reaktionsschritte. 3 Verfügbare experimentelle Daten Seit den frühen Tagen der Untersuchung der Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung liefen zwei Forschungszweige parallel, was zu direkten und indirekten experimentellen Daten führte. Gaskinetik-Experimente wurden entworfen, um die Geschwindigkeitskoeffizienten („direkte Messungen“) vermutlich wichtiger elementarer Reaktionen bei gegebener Temperatur, Druck und Trägergas zu messen. Geschwindigkeitsparameter (z. B. Arrhenius-Parameter, Parameter der Druckabhängigkeit) wurden aus den gemessenen Geschwindigkeitskoeffizienten abgeleitet. Einige der angenommenen elementaren Reaktionen erwiesen sich als zu langsam, um das Wasserstoffverbrennungssystem zu beeinflussen. Tab. 3 des Artikels von Burke et al. [17] enthält eine Liste solcher Reaktionen. Die Ergebnisse der direkten Messungen wurden in Gaskinetik-Datensammlungen und -bewertungen zusammengefasst, die regelmäßig aktualisiert wurden. Basierend auf diesen Informationen wurden neue Mechanismen ausgearbeitet, die häufig neue mögliche elementare Reaktionsschritte vorschlugen und auf problematische und wenig bekannte Geschwindigkeitsparameter hinwiesen. Die Mechanismen wurden an sogenannten indirekten Messungen getestet, wie Bestimmungen der Zündverzugszeiten, laminaren Brenngeschwindigkeiten und gemessenen Konzentrationen in verschiedenen Reaktoren. Diese Arten von Messungen werden auch als kanonische Verbrennungsmessungen bezeichnet. Es gab eine rasche Entwicklung nicht nur in der Anzahl der für Mechanismustests verfügbaren indirekten Messungen, sondern auch in der Qualität der Daten. Das parallele Verfolgen direkter und indirekter Messungen und die Mechanismusentwicklungsbemühungen konvergierten zu den heute recht genauen Mechanismen. 3.1 Indirekte experimentelle Daten Olm et al. [23] sammelten eine große Menge indirekter experimenteller Daten zur Wasserstoffverbrennung. Diese Datensammlung wurde später von Varga
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 87 et al. [18, 24] erweitert und verfeinert. Die gesammelten Daten umfassen Zündverzugszeitmessungen in Stoßrohren (786 Datenpunkte in 54 Datensätzen) und Schnellkompressionsmaschinen (212/20), Konzentrations-Zeit-Profile in Strömungsreaktoren (443/34), Ausgangskonzentrationen in Jet-Stirred-Reaktoren (152/18), Konzentrations-Distanz-Profile in brennerstabilisierten Flammen und Messungen der laminaren Brenngeschwindigkeit (636/73), die weite Temperaturbereiche (800–2300 K), Druckbereiche (0,1–65 bar) und Äquivalenzverhältnisse (λ = 0,2–5,0) abdecken. Ziel war es, alle zuverlässigen kanonischen Wasserstoffverbrennungsmessungen bis zum Veröffentlichungsdatum (2015) zu finden. Einige der experimentellen Daten wurden als nicht genau genug befunden. Diese Daten wurden in den Veröffentlichungen von Olm et al. und Varga et al. gekennzeichnet und nicht in den Vergleichen verwendet. Diese Daten konnten von einem Reaktionsmechanismus, der andere Messungen unter ähnlichen Bedingungen gut reproduzieren konnte, nicht reproduziert werden. Die frühen Messungen waren in der Regel schlecht dokumentiert, und daher wurden die meisten vor 1960 durchgeführten Messungen nicht verwendet. Auch Zündverzugszeiten bei niedrigen Temperaturen, die in Stoßrohren (unter 1000 K) und in RCMs (unter 960 K) gemessen wurden, konnten von keinem der Mechanismen gut vorhergesagt werden. Die Reproduktion der mit der FlammenkegelMethode, der nach außen propagierenden sphärischen Flammenmethode, der Gegenstrom-Zwillingsflammen-Technik und der Heat-Flux-Methode gemessenen Flammengeschwindigkeiten verbesserte sich in dieser Reihenfolge. Daten der Flammenkegel-Methode wurden besonders schlecht reproduziert. Diese Sammlung experimenteller Daten kann von der Informationsseite respecth.hu heruntergeladen werden [25]. Die Daten sind im RKD-Format (ReSpecTh Kinetics Data) verfügbar [26], das eine erweiterte und modifizierte Version des Dateiformats ist, das für Messdaten in der PrIMe-Datenbank verwendet wird [27]. Jede Messreihe (Datensatz) wird in einer separaten XML (Extensible Markup Language) Formatdatei gespeichert. Die ReSpecTh-Seite ermöglicht die Suche nach einem bestimmten Datensatz, wenn der Name des Autors, der DOI oder das Veröffentlichungsjahr bekannt ist. Außerdem können experimentelle Daten für einen bestimmten Bereich von Bedingungen gefunden werden, indem die Zusammensetzung des Ausgangsgemisches, die Temperaturund Druckbereiche und der Typ des Experiments angegeben werden. Die Gruppe, die die ReSpecTh-Seite pflegt, würde sich über das Hochladen weiterer Datendateien von den Lesern dieses Kapitels freuen. Die RKD-Formatdateien enthalten auch die geschätzte 1σ-Unsicherheit der Datenpunkte. Die Unsicherheit des Datenpunkts j im Datensatz i wurde durch die Gleichung  exp   2 2 σ Yij = σfit,ij + σexp,ij berechnet, wobei die statistische Streuung (σfit,ij) durch Anpassung einer Trendlinie [28] an die Datenpunkte des iten Datensatzes erhalten wurde und σexp,ij die von den Experimentatoren gemeldete Unsicherheit ist. In einigen Fällen wurde
T. Turányi 88 die berechnete Unsicherheit als unrealistisch niedrig befunden und durch eine Mindestunsicherheit ersetzt, die für die jeweilige Messtechnik charakteristisch ist. Aktuelle detaillierte Beschreibungen der Handhabung der Unsicherheit der Datenpunkte in ReSpecTh wurden von Zhang et al. veröffentlicht [29, 30]. Obwohl viel Aufwand in die Schätzung der Unsicherheit der Datenpunkte investiert wurde, können die Benutzer der Datensätze diese überschreiben und eine eigene Schätzung verwenden. Die ReSpecTh-Seite enthält auch den Optima++-Simulationsframework-Code [31], der im ELTE Chemical Kinetics Laboratory entwickelt wurde. Optima++ liest die RKD-Formatdateien und ruft eines der folgenden Simulationspakete auf: FlameMaster [32], OpenSMOKE++ [33] [34], Zero-RK [35] oder Cantera [36]. Mit Optima++ kann ein Mechanismus in einem einzigen Lauf auf einem Computercluster gegen mehrere tausend Datenpunkte getestet werden. Es kann auch zur Optimierung von Reaktionsmechanismen verwendet werden. 3.2 Direkte Messungen und theoretische Bestimmungen von Geschwindigkeitskoeffizienten Wenn man die Ergebnisse der frühen Jahrzehnte überspringt, wurden die Datenauswertungen, die noch immer weit verbreitet verwendet werden, von Baulch et al. [37 –40] erstellt. Sie enthalten empfohlene Geschwindigkeitsparameter für viele elementare Reaktionen von Verbrennungsbedeutung, einschließlich der wichtigsten Wasserstoffverbrennungsreaktionen. Dies sind bewertete Geschwindigkeitsparameter, was bedeutet, dass die empfohlenen Geschwindigkeitsparameter häufig auf mehreren Messreihen verschiedener Autoren basieren. Baulch et al. geben auch eine Unsicherheit der Geschwindigkeitskoeffizienten unter Verwendung des Unsicherheitsparameters f an: f = log10 (k0 /kmin ) = log10 (kmax /k0 ) wobei k0 der empfohlene Wert des Geschwindigkeitskoeffizienten ist, kmin und kmax die extremen, aber noch nicht ausschließbaren, physikalisch realistischen Werte sind. Baulch et al. nahmen an, dass der Unsicherheitsparameter f temperaturabhängig ist, aber die Temperaturabhängigkeit wurde durch Sätze wie „die Unsicherheit beträgt f = 0,3 bei 220 K, f = 0,1 im Temperaturbereich 300– 1000 K und f = 0,3 bei 2000 K“ definiert. Der Unsicherheitsparameter f kann [41] in die Standardabweichung des natürlichen Logarithmus des Geschwindigkeitskoeffizienten bei einer gegebenen Temperatur T umgerechnet werden: σlnk (T ) = ln10 f (T ) 3
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 89 indem angenommen wird, dass die physikalisch realistischen Grenzen ln kmin und ln kmax einer 3σ-Abweichung vom empfohlenen Wert ln k0 entsprechen. Die Kovarianzmatrix der Arrhenius-Parameter kann bestimmt werden [42, 43], wenn σlnk (T ) bei mehreren Temperaturen bekannt ist. Die NIST Chemical Kinetics Database [44] enthält Geschwindigkeitsparameterdaten für alle elementaren Wasserstoffverbrennungsreaktionen, obwohl diese Arrhenius-Parameter nicht bewertet wurden, sondern aus den ursprünglichen experimentellen Artikeln übernommen wurden. Diese Datenbank wird kontinuierlich aktualisiert. Mehrere Autoren veröffentlichten Übersichtsarbeiten zu den elementaren Reaktionen der Wasserstoffverbrennung. Die Hanson-Gruppe (Stanford University) hat die Geschwindigkeitsparameter mehrerer wichtiger elementarer Reaktionen der Wasserstoffverbrennung (H + O2 = OH + O, H2 O2 + M = 2OH + M, OH + H2O2 = HO2 + H2O, O2 + H2O = OH + HO2) in Stoßwellenrohrexperimenten systematisch neu gemessen. Hong et al. [45] überprüften diese und mehrere andere Messungen und empfahlen einen neuen detaillierten Wasserstoffverbrennungsmechanismus. Im Allgemeinen standen die jüngsten detaillierten Bewertungen der elementaren Reaktionen der Wasserstoffverbrennung alle im Zusammenhang mit der Hintergrundarbeit zur Erstellung eines neuen, aktualisierten detaillierten Wasserstoffverbrennungsmechanismus. Solche Arbeiten wurden von Konnov [46– 49] veröffentlicht. Ähnliche Mini-Übersichten wurden von H. J. Currans Gruppe an der NUIG [50–52], F. L. Dryers Gruppe an der Princeton University [17, 53, 54] und Zhang et al. [55] veröffentlicht. Die entsprechenden Mechanismen werden im nächsten Abschnitt besprochen. In mehreren dieser Übersichten wurde der Unsicherheitsparameter f als temperaturunabhängiger Wert angegeben. Nagy et al. [56] untersuchten die Unsicherheit der Geschwindigkeitsparameter der wichtigen elementaren Reaktionen der H2- und SynthesegasVerbrennungssysteme. Die 22 wichtigen Reaktionsschritte (einschließlich 16 elementarer Wasserstoffverbrennungsreaktionen) wurden durch lokale Sensitivitätsanalyse unter den Bedingungen der indirekten experimentellen Daten von Wasserstoff und Synthesegas ausgewählt, die aus der ReSpecTh-Sammlung verfügbar sind. Nagy et al. nutzten den Inhalt der NIST Chemical Kinetics Database und fügten neuere Informationen zu den Geschwindigkeitsparametern aus den oben zitierten Übersichtsarbeiten hinzu. Für jede elementare Reaktion wurden alle Geschwindigkeitsparameter, die in verschiedenen Temperaturbereichen durch direkte Messungen und theoretische Berechnungen bestimmt wurden, in einem Arrhenius-Diagramm dargestellt. In den meisten Fällen deuteten diese Diagramme klar auf den Mittelwert k0 und die unteren und oberen Grenzgeschwindigkeitskoeffizienten kmin und kmax als Funktion der Temperatur hin. Abb. 9 zeigt die Ergebnisse für die Reaktion R2: H + O2 → OH + O. Dann wurde alle 100 K der Unsicherheitsparameter f aus den Verhältnissen k0/kmin und kmax/k0 bestimmt (siehe Abb. 10). Die Elemente der Kovarianzmatrix der Arrhenius-Parameter wurden an diese f-Werte angepasst und die fprior(T)-Funktion wurde aus der Kovarianzmatrix berechnet (rote Linie in Abb. 10).
T. Turányi 90 , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 9 Arrhenius-Diagramm aller Geschwindigkeitskoeffizientenbestimmungen (indirekte Messungen und theoretische Berechnungen) der Reaktion R2: H + O2 → O + OH (gestrichelte Linien); rote Linie: mittlerer Geschwindigkeitskoeffizient k0; obere und untere blaue Linien: kmax und kmin Geschwindigkeitskoeffizienten, jeweils. Reproduziert aus dem Ergänzungsmaterial des Artikels von Nagy et al. [56] , , Unsicherheit f (T) Abb. 10 Reaktion R2: H + O2 → O + OH; Punkte: Unsicherheitsparameter f(T) von 800 bis 2700 K alle 100 K, abgeleitet aus Abb. 9; rote Linie: fprior-Kurve berechnet aus der Unsicherheitsmatrix der Arrhenius-Parameter. Adaptiert aus dem Ergänzungsmaterial des Artikels von Nagy et al. [56] , , , Dieser Unsicherheitsparameter f—Temperatur-Funktion wird als vorherige Unsicherheit bezeichnet, da sie aus den verfügbaren direkten Messungen und theoretischen Berechnungen bestimmt wurde. Eine niedrigere geschätzte Unsicherheit des Geschwindigkeitskoeffizienten als Funktion der Temperatur (sogenannte nachträgliche Unsicherheit) kann erhalten werden, wenn die Schätzung auf allen verfügbaren Informationen basiert, das heißt auf theoretischen Berechnungen sowie direkten und indirekten Messungen [57–60]. Diese nachträgliche Unsicherheit ist eines der Ergebnisse der Mechanismusoptimierungsarbeiten. Zum Beispiel beträgt für die Reaktion R2: H + O2 → OH + O die kleinste vorherige Unsicherheit f = 0,2 [56], während die kleinste nachträgliche Unsicherheit f = 0,02 [18].
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 91 Die k-Evaluation ist eine „Web 2.0“ interaktive Website [61] zur Bestimmung des empfohlenen Wertes und der Unsicherheit von Geschwindigkeitskoeffizienten. Die sich einloggenden Personen können den Status Benutzer, Editor oder Supervisor haben. Die Benutzer dürfen den Inhalt der Website nutzen, aber nicht ändern. Die Editoren dürfen den bestehenden Inhalt ändern und neuen Inhalt hinzufügen. Jeder kann nach Genehmigung durch den Supervisor ein Editor werden. Für jede elementare Reaktion enthält die Website Tabellen der Arrhenius-Parameter zusammen mit ihrem Temperaturbereich der Gültigkeit und Literaturreferenz. Die Website erstellt Arrhenius-Diagramme aus den Daten (im Format von Abb. 9) und ermöglicht es dem Editor, die angenommenen Funktionen k0(T), kmin(T) und kmax(T) interaktiv zu ändern. Wenn der Editor mit diesen Funktionen zufrieden ist, generiert die Website die f(T)-Punkte alle 100 K, passt die Elemente der Kovarianzmatrix der Arrhenius-Parameter an und zeichnet die fprior(T)-Funktion im Stil von Abb. 10. Die interaktive Website k-evaluation enthält derzeit Informationen zu 168 elementaren Reaktionen und umfasst den vollständigen Inhalt des Ergänzungsmaterials des Artikels von Nagy et al. [56]. Das bedeutet, dass sie Informationen zu den meisten wichtigen elementaren Reaktionen der Wasserstoffverbrennung enthält. Der Leser ist eingeladen, den Inhalt der interaktiven Website k-evaluation zu erweitern, zu verbessern und zu aktualisieren. 4 Neueste detaillierte Reaktionsmechanismen Die detaillierten Mechanismen für die Wasserstoffverbrennung wurden entweder entwickelt, um nur die Wasserstoffverbrennung zu beschreiben, oder um die Wasserstoff- und Syngasverbrennung zu beschreiben. Syngas ist das Gemisch aus Wasserstoff und CO, das auch andere Verbindungen wie H2O, CO2 enthalten kann. Auch die Hochtemperatur-Verbrennungsmechanismen von Kohlenwasserstoffen und Sauerstoffaten enthalten immer einen Wasserstoffverbrennungsblock und daher können diese Mechanismen auch verwendet werden, um experimentelle Daten zur Wasserstoffverbrennung zu reproduzieren. Der GRI v3.0 [62] Mechanismus ist jetzt mehr als 20 Jahre alt, wird aber immer noch häufig, insbesondere in industriellen Anwendungen, verwendet. GRIMech ist ein optimierter Mechanismus zur Beschreibung der Erdgasverbrennung mit NOx -Chemie. Der Wasserstoffteil des Mechanismus wurde nicht optimiert, sondern basierte auf dem Fachwissen der Autoren. In den letzten 20 Jahren wurden alle paar Jahre neue Wasserstoffverbrennungsmechanismen vorgeschlagen und diese Artikel enthielten Validierungsstudien, d. h. das Testen des Mechanismus gegen indirekte experimentelle Daten. In den folgenden Absätzen werden nur einige davon im Detail besprochen. Konnov [46] erstellte eine umfassende Übersicht über die Kinetik der Wasserstoffverbrennung. Er stellte jedem Reaktionsschritt einen Unsicherheitsfaktor zur Verfügung und gab einen Überblick über die verfügbaren aktuellen direkten
92 T. Turányi Messungen und theoretischen Bestimmungen für die meisten Reaktionsschritte. Basierend auf dieser Analyse schlug A. Konnov einen aktualisierten Mechanismus vor und testete ihn gegen eine Vielzahl indirekter Messungen. Konnov et al. [47] aktualisierten seinen vorherigen Mechanismus. Neue direkte Messungen wurden diskutiert und die Reaktionsratenkoeffizienten wurden unter Verwendung dieser neuen Ratenparameter aktualisiert. Eine allgemeine Verbesserung der Mechanismusleistung wurde beobachtet, insbesondere bei den Stoßrohr- und Strömungsreaktorstudien. A. Konnov untersuchte auch [48] die Erweiterung seines Wasserstoffverbrennungsmechanismus um Ozonabbau-Reaktionen und Reaktionen von angeregten Spezies O(1D), OH(2Σ+) und O2(a1Δg). Die Modellvalidierung zeigte, dass die Berücksichtigung dieser Spezies nicht gerechtfertigt ist, da die Vorhersagen fast aller indirekten experimentellen Daten nicht unterscheidbar oder sehr nahe an denen des Basismechanismus unter allen Bedingungen sind, außer bei der Wasserstoffoxidation in einem Strömungsreaktor nahe der Explosionsgrenze. Eine weitere Reihe von Mechanismen wurde von H. J. Curran und seinen Mitarbeitern in Galway veröffentlicht. Der Wasserstoffteil des NUIG NGM 2010 [51] Mechanismus ist das Ergebnis der Erweiterung und Aktualisierung ihres vorherigen Mechanismus [50]. Der Wasserstoff- und Syngasteil dieses Mechanismus wurde weiter verfeinert, was zum Kéromnès 2013 Mechanismus [52] führte. Die Gruppe von F. L. Dryer an der Princeton University veröffentlichte eine Reihe von Wasserstoffverbrennungsmechanismen, einschließlich des Li 2004 Mechanismus [53], der ohne Modifikation Teil des Li 2007 Mechanismus [54] wurde, und später des Burke 2012 Mechanismus [17]. Die CRECK-Modellierungsgruppe am Politecnico di Milano (POLIMI) aktualisiert kontinuierlich ihren Hoch- und Niedertemperaturmechanismus zur Beschreibung der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen und Sauerstoffaten [63]. Diese Aktualisierung umfasst gelegentlich die Aktualisierung des Wasserstoffteils des Mechanismus. Zhang et al. [55] schlugen einen neuen Wasserstoffverbrennungsmechanismus vor, indem sie mehrere Reaktionsratenparameter aktualisierten und die Unsicherheiten der Ratenkoeffizienten diskutierten. Die Leistung des vorgeschlagenen Mechanismus wurde mit mehreren vorherigen Mechanismen verglichen und gegen eine breite Palette kinetischer Ziele validiert. Alle oben genannten Mechanismen wurden so erstellt, dass die Autoren die neuesten direkten Messungen und theoretischen Bestimmungsergebnisse in der Literatur überprüften und die neu empfohlenen Werte in der vorherigen Version des Mechanismus getestet wurden. Wenn der aktualisierte Mechanismus die indirekten experimentellen Daten viel besser reproduzierte als der vorherige, wurde er zusammen mit den Validierungsergebnissen veröffentlicht und auf der Webseite der Gruppe angekündigt. Die Optimierung eines Mechanismus bedeutet, dass die einflussreichsten Raten- und thermodynamischen Parameter eines Mechanismus durch Sensitivitätsanalyse identifiziert werden, die Unsicherheitsgrenzen der Parameter bestimmt werden und dann diese Parameter innerhalb der Unsicherheitsgrenzen an
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 93 ausgewählte indirekte experimentelle Daten angepasst werden. Das Konzept der Mechanismusoptimierung wurde von Frenklach et al. [64 –66] vorgeschlagen. Optimierungen von Wasserstoffverbrennungsreaktionsschemata wurden von mehreren Autoren entweder als unabhängige Reaktionsmechanismen oder als Teile von Syngas-Verbrennungsmechanismen durchgeführt. Davis et al. [67] veröffentlichten den ersten optimierten SyngasVerbrennungsmechanismus. Die Validierungsstudie zeigte, dass der optimierte Mechanismus in der Lage ist, eine Vielzahl von H2- und CO-Verbrennungsdaten vorherzusagen. You et al. [68] nutzten die Wasserstoffverbrennungsdatensammlung und Software-Tools der PrIMe-Dateninfrastruktur [27] und erstellten einen optimierten Wasserstoffverbrennungsmechanismus. Das PrIMe-Toolkit wurde auch zur Bewertung der Konsistenz der Daten und zur Erstellung von Unsicherheits-quantifizierten Vorhersagen verwendet. Varga et al. erstellten einen optimierten Wasserstoffverbrennungsmechanismus (ELTE Hydrogen 2015 [24]) und später einen gemeinsamen optimierten Wasserstoff- und Syngas-Verbrennungsmechanismus [18]. Die optimierten Ratenkoeffizienten wurden in Arrhenius-Diagrammen mit direkt gemessenen und theoretisch bestimmten Ratenkoeffizienten verglichen. Die temperaturabhängige posteriori Unsicherheit der Ratenkoeffizienten in Form von f(T)-Funktionen wurde angegeben und auch die Kovarianzmatrix aller angepassten Parameter veröffentlicht. Slavinskaya et al. [69] setzten einen neuen Startmechanismus auf und berücksichtigten mehrere neuere indirekte experimentelle Daten zur SyngasVerbrennung. Das Bound-to-Bound Data Collaboration (B2BDC) Modul von PrIMe wurde verwendet, um die Grenzen der Parameteränderungen basierend auf der Unsicherheitsquantifizierung (UQ) und Konsistenzanalyse des Modell-DatenSystems und der indirekten experimentellen Daten zu entdecken. Sie nutzten auch das Software-Toolkit von PrIMe zur Optimierung und Validierung ihres SyngasVerbrennungsmodells. Wang et al. [70] optimierten einen 19-stufigen H2-Oxidationsmechanismus. Zuerst wurden die Unsicherheitsparameter f der Ratenkoeffizienten basierend auf direkten Messungen geschätzt. Inkonsistente indirekte experimentelle Daten wurden von den Überlegungen ausgeschlossen. Das optimierte chemische Kinetikmodell zeigte eine gute Vorhersagefähigkeit für die indirekten experimentellen Daten der H2-Verbrennung. Der Leser könnte annehmen, dass die traditionell entwickelten und die optimierten Mechanismen sehr unterschiedliche Typen sind, da der erste Ratenparameter enthält, die aus direkten Messungen, theoretischen Bestimmungen und Schätzungen stammen, während im zweiten die wichtigen Parameter an indirekte Messdaten angepasst werden. In Wirklichkeit ist die Trennlinie zwischen den beiden Kategorien unscharf. In den traditionell entwickelten Mechanismen verwenden die Autoren immer eine große Menge ausgewählter indirekter experimenteller Daten, und die Entwicklung wird durch das Ziel geleitet, diese Daten genau zu reproduzieren. Für viele Reaktionsschritte haben die Autoren die Freiheit, aus mehreren verfügbaren
94 T. Turányi direkt gemessenen Satz von Reaktionsparametern auszuwählen. Derjenige, der es dem Modell ermöglicht, die indirekten Messungen besser zu reproduzieren, wird ausgewählt. Auch werden in vielen Fällen die gemessenen Reaktionsparameter im Modell nach einigen Modifikationen verwendet, mit einem Kommentar wie „der von X gemessene A-Faktor wurde verwendet, aber er wurde mit 1,3 multipliziert, um die Y-indirekten experimentellen Daten besser zu reproduzieren“. Solche Modifikationen liegen immer im Bereich der Unsicherheit der ursprünglichen direkten Messungen. Die sorgfältig durchgeführten Modelloptimierungsstudien beginnen mit der Auswahl eines guten (traditionell erstellten) Mechanismus und werden weiter verbessert, indem sie mit den kürzlich gemessenen und theoretisch berechneten Reaktionsparametern aktualisiert werden. Der erhaltene anfängliche Mechanismus (der immer noch ein „traditioneller“ Mechanismus ist) wird durch Mechanismusoptimierung verbessert. Dann werden die einflussreichsten kinetischen und thermodynamischen Parameter ausgewählt, und der vorherige Unsicherheitsbereich dieser Parameter wird basierend auf den direkten Messungen und theoretischen Bestimmungen ermittelt. Die wichtigen Parameter werden an einen ausgewählten Satz indirekter und direkter Messungen und theoretischer Ergebnisse angepasst. Die Qualität der Mechanismusoptimierung hängt von der richtigen Auswahl der verwendeten Daten und der genauen Schätzung der Unsicherheit aller verwendeten Daten ab. Ein gut optimierter Mechanismus ist genauso „physikalisch“ wie ein traditionell entwickelter Reaktionsmechanismus, da alle Parameteränderungen innerhalb des (vorherigen) Unsicherheitsbereichs der Parameter bleiben. Die Entwicklung eines „physikalischen“ Reaktionsmechanismus ist ein Schlüsselthema, da es nur wenige oder keine Verbrennungsmessungen unter einigen wichtigen Bedingungen gibt, die z. B. in Gasturbinen oder Hubkolbenmotoren vorhanden sind. Wenn ein „physikalischer“ Reaktionsmechanismus die verfügbaren indirekten experimentellen Daten gut reproduziert, wird erwartet, dass er auch unter wichtigen Bedingungen, die noch nicht experimentell untersucht wurden, gut funktioniert. Die ReSpecTh-Website [25] enthält eine Sammlung von 22 Wasserstoffverbrennungsmechanismen. Jeder Mechanismus kann im Chemkin-Format heruntergeladen werden, sowohl der ursprünglich veröffentlichte Mechanismus als auch eine gekürzte Version, die nur die Wasserstoffspezies enthält. Die Sammlung umfasst die ursprünglichen thermodynamischen und Transportdaten für jeden Mechanismus. Es gibt auch einen Überblick über die Anzahl der Spezies und Reaktionen, die anwendbaren Trägergase (Ar, He) und die ursprünglichen Literaturquellen der Mechanismen. Olm et al. [23] erstellten einen detaillierten Vergleich der Leistung von 19 Wasserstoffverbrennungsmechanismen, die sowohl traditionell entwickelte als auch optimierte Mechanismen umfassten. Sie diskutierten die Merkmale dieser Mechanismen, die Ähnlichkeit der durch Paare der Mechanismen erhaltenen Simulationsergebnisse und die Fähigkeit der Mechanismen, verschiedene Arten
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 95 von experimentellen Daten zu reproduzieren. Basierend auf einem ausgewählten Satz experimenteller Daten wurde die folgende Fehlerfunktion berechnet:   exp Ni N Yijsim − Yij 1  1   exp  E= N i=1 Ni j=1 σ Yij exp wobei i der Index des Datensatzes ist, Yijsim und Yij die j-ten simulierten und exp experimentellen Datenpunkte sind, und σ Yij die geschätzte Standardabweichung des j-ten experimentellen Datenpunkts ist. Ni ist die Anzahl der Datenpunkte im Datensatz i und N ist die Anzahl der Datensätze. Basierend auf den für jeden Mechanismus berechneten E-Werten bestimmten Olm et al. [23] eine Genauigkeitsreihenfolge der Mechanismen gemäß der Fähigkeit, den ausgewählten Satz experimenteller Daten zu reproduzieren. In den Artikeln von Varga et al. [18, 24] wurden die Leistungen ihrer optimierten Mechanismen mit zuvor veröffentlichten Reaktionsmechanismen verglichen. Im Gegensatz zu der Arbeit von Olm et al. [23] umfassten diese Vergleiche auch später veröffentlichte Mechanismen und basierten auf mehr indirekten experimentellen Daten, daher wird der Vergleich der Leistungen der Mechanismen aus dem zweiten Artikel von Varga et al. [18] in Tab. 1 gezeigt. Dies ist eine vereinfachte Version von Tabelle 2 des Originalartikels, da Wasserstoffverbrennungsindirektmessungen ohne He-Trägergas dargestellt werden und nur die besten Mechanismen gezeigt werden. Tab. 1 Quantitativer Vergleich der Leistung mehrerer Wasserstoffverbrennungsmechanismen, veröffentlicht bis 2015. Für jeden untersuchten Mechanismus enthält die Tabelle den Namen und die Referenz des Mechanismus, separate Fehlerfunktion (E)-Werte für die Zündverzugszeit, Konzentrationsprofil- und laminare Brenngeschwindigkeitsmessungen sowie den E-Wert für alle Messungen („gesamt“) √ Mechanismus Referenzen EIDT Econc ELBV Eoverall Eoverall [24] 6,17 5,66 6,11 6,05 2,46 ELTE Wasserstoff 2015 [18] 6,66 4,97 7,24 6,48 2,55 ELTE Syngas 2015 [52] 8,11 8,03 5,88 7,41 2,72 Kéromnès 2013 [51] 10,72 4,87 9,94 9,25 3,04 NUIG NGM 2010 [50] 13,00 5,33 8,90 10,13 3,18 Ó Conaire 2004 [47] 11,88 7,01 10,34 10,38 3,22 Alekseev 2015 [46] 15,17 6,73 6,37 10,71 3,27 Konnov 2008 [45] 10,74 5,43 18,72 12,05 3,47 Hong 2011 [54] 18,73 5,23 7,07 12,33 3,51 Li 2007 [71] 13,77 6,88 15,54 12,85 3,58 Li 2015 [17] 24,09 3,18 5,91 14,14 3,76 Burke 2012 [72] 22,16 15,79 8,13 16,54 4,07 Saxena Williams 2006 [63] 25,60 10,06 10,81 17,82 4,22 POLIMI 2014 [67] 36,73 3,98 7,58 20,94 4,58 Davis 2005 Adaptiert aus dem Artikel von Varga et al. [18]
T. Turányi 96 In Tab. 1 sind die beiden obersten Mechanismen die optimierten Mechanismen von Varga et al. Dies ist mehr oder weniger natürlich, da der vorherige beste Mechanismus [52] als Ausgangsmechanismus verwendet und weiter verbessert wurde. Der Mechanismus, der nur mit Wasserstoffverbrennungsdaten optimiert wurde (ELTE Hydrogen 2015) [24], beschreibt die Wasserstoffverbrennungsdaten besser im Vergleich zu dem Mechanismus, der sowohl mit Wasserstoff- als auch mit Synthesegasdaten optimiert wurde (ELTE Syngas 2015) [18]. Die posterioren Unsicherheiten, die für den letzteren Mechanismus berechnet wurden, sind jedoch realistischer für die elementaren Reaktionen der Wasserstoffverbrennung, da die Synthesegasdaten viele Informationen über die Geschwindigkeitskoeffizienten der Wasserstoffreaktionen liefern. Ein Fehlerfunktionswert E unter 4, 9 und 16 bedeutet, dass das Modell im Durchschnitt in der Lage ist, die experimentellen Daten unterhalb ihrer 2σ-, 3σ- und 4σ-Unsicherheit zu reproduzieren. Dies bedeutet, dass die besten Mechanismen die Messdaten im Durchschnitt innerhalb ihrer 3σ-Unsicherheit reproduzieren und einige Arten von Messungen fast im Durchschnitt innerhalb ihrer 2σ-Unsicherheitsbänder reproduziert wurden. Die besten Wasserstoffverbrennungsmechanismen sind ziemlich genau, aber es gibt Raum für weitere Entwicklungen. Unter Berücksichtigung √ aller Daten ist die Genauigkeit eines Mechanismus proportional zum Wert E , der in der letzten Spalte von Tab. 1 angegeben ist. In der Praxis wird jedoch ein gegebener Mechanismus nicht unter allen Bedingungen verwendet, sondern für einen bestimmten Zweck. Tab. 1 zeigt, dass beispielsweise der Burke 2012-Mechanismus Konzentrationsprofile sehr genau reproduziert, aber es wird nicht empfohlen, Zündverzugszeitmessungen zu reproduzieren. Eine detailliertere Analyse der Leistung der Mechanismen wurde von Olm et al. [23] gegeben. Sie untersuchten die Änderung des E-Wertes für alle betrachteten Mechanismen in Abhängigkeit von Temperatur, Druck, Äquivalenzverhältnis und Verdünnung, getrennt für Zündverzugszeit- (IDT) und laminare Brenngeschwindigkeits- (LBV) Messungen. Im Allgemeinen änderte sich der Fehlerfunktionswert E signifikant mit diesen Variablen und war für die verschiedenen Mechanismen sehr unterschiedlich. Die Inspektion von Abb. 5 (für IDTs) und 10 (für LBVs) in der Arbeit [23] unterstützt die Auswahl eines geeigneten Mechanismus für bestimmte Bedingungen. 5 Neue Entwicklungen in der WasserstoffverbrennungsKinetik: Nichtthermische Reaktionen Wie in Abschnitt 2 diskutiert wurde, ist das Hauptschicksal des schwingungs- und rotationsangeregten HO∗2 -Radikals, das in der Reaktion erzeugt wird. A1 H + O2 = HO∗2
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 97 ist, dass es entweder zerfällt oder in nicht-reaktiven Kollisionen stabilisiert wird. Die HO∗2 -Spezies (in [73] als ephemeres Komplex bezeichnet) haben eine relativ lange Lebensdauer und können daher an bimolekularen Reaktionen mit kleinen Radikalen wie. A2 HO∗2 + H = H2 + O2 Physikalisch sind A1 und A2 zwei aufeinanderfolgende bimolekulare Reaktionen, aber es ist wichtig zu betonen, dass HO∗2 vor der Thermalisierung reagiert, daher werden die aufeinanderfolgenden Reaktionen A1 und A2 zusammen als H + O2 + H = H 2 + O 2 bezeichnet. Solche Reaktionen wurden zuvor in Betracht gezogen, aber als vernachlässigbar beurteilt. Burke und Klippenstein [73] berechneten die Geschwindigkeitsparameter dieser Reaktionen mit hochentwickelten theoretischen Methoden. Sie kamen zu dem Schluss, dass in der Flammenfront von Wasserstoff-LuftFlammen die Konzentrationen kleiner Radikale H, O, OH so groß sind, dass die Geschwindigkeiten dieser Reaktionen ebenfalls groß sind und die Berücksichtigung dieser Reaktionen die berechnete Flammengeschwindigkeit effektiv verringern kann. Konnov [49] setzte die Untersuchungen von Burke und Klippenstein [73, 74] fort und erweiterte sie. Er stellte fest, dass diese neuen Reaktionsschritte in anderen Wasserstoffverbrennungssystemen als Flammen nicht wichtig sind, da die Konzentrationen kleiner Radikale während der Zündung oder z. B. in Strömungsreaktoren nicht hoch genug sind. In Flammen jedoch werden diese Reaktionsschritte sehr bedeutend. In einem überarbeiteten Mechanismus wurden diese vier Reaktionsschritte eingeführt und drei Geschwindigkeitskonstanten aktualisiert. Diese Änderungen reduzierten die berechneten Brenngeschwindigkeiten von Wasserstoff-Luft-Flammen im Vergleich zu experimentellen Daten erheblich. Die andere wichtige Änderung war die Implementierung neuer Transportdaten, die von Jasper et al. [75, 76] berechnet wurden. Der erhaltene neue kinetische Mechanismus [49] für die Wasserstoffverbrennung, der sowohl aktualisierte Kinetik als auch neue Transporteigenschaften umfasst, lieferte Ergebnisse, die gut mit den Brenngeschwindigkeitsmessungen übereinstimmen. Das erhaltene Modell beschreibt die experimentellen Daten nicht besser als die bisherigen besten Modelle, ist jedoch physikalisch realistischer, da neue Reaktionsschritte hinzugefügt und verfeinerte Transportdaten verwendet wurden. Eine Sensitivitätsanalyse zeigte, dass im neuen Mechanismus der Reaktionsschritt H + O2 + H = H2 + O2 den größten negativen Einfluss auf die berechnete laminare Brenngeschwindigkeit hat. Barbet et al. [77] führten eine umfassende Suche nach anderen wichtigen chemisch thermolekularen Reaktionen durch und identifizierten, dass die Reaktion H + N2 + O = NH + NO für die Beschreibung der NO-Produktion in WasserstoffLuft-Flammen wichtig sein könnte.
T. Turányi 98 Tao et al. [78] zeigten, dass flüchtige Komplexe CH4* und H2 O*, die in den Reaktionsschritten H + CH3 bzw. H + OH entstehen, ebenfalls mit kleinen Radikalen reagieren können. Die traditionelle Dreikörperreaktion H + OH (+ M) → H2O (+ M) erfolgt in zwei Schritten: A3 A4 H + OH → H2O∗ H2O∗ + M → H2O + M Der flüchtige Komplex H2O* kann auch mit den Spezies H, O und O2 reagieren. Um zu betonen, dass H2O* keine thermalisierte Spezies ist, werden diese Reaktionen als formal dritter Ordnung geschrieben: H + OH + H → OH + H2 H + OH + O → OH + OH H + OH + O2 → OH + HO2 Unter der Annahme typischer Flammenbedingungen und unter Verwendung von ab-initio Master-Gleichungsanalysen, die durch quasi-klassische Trajektorienergebnisse geleitet wurden, bestimmten Tao et al. Arrhenius-Ausdrücke für diese Reaktionen. Sie stellten jedoch auch fest, dass diese neuen Kanäle die Rate der ursprünglichen termolekularen Reaktion mit nicht-reaktiven Kollisionen verringern. Sie berechneten auch die gleichzeitige Reduktion der konkurrierenden Rekombinationsreaktionsraten, aber diese Berechnung ist sehr komplex und langsam, daher wird sie in naher Zukunft wahrscheinlich nicht in routinemäßigen Flammenberechnungen verwendet werden. Die Berücksichtigung sowohl der neuen reaktiven Kollidierer als auch der modifizierten Handhabung nicht-reaktiver Dreikörperkollidierer hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die berechnete Flammengeschwindigkeit. Die ersten Arten von Reaktionen entfernen Radikale aus der Flammenfront und verringern daher die Flammengeschwindigkeit, während die zweite Modifikation die Geschwindigkeitskonstanten der Rekombinationsreaktionen senkte und somit die Flammengeschwindigkeit erhöht. Die beiden Effekte kompensieren sich fast gegenseitig. 6 Herausforderungen und Perspektiven Die Oxidation von Wasserstoff ist von zentraler Bedeutung in der Verbrennungswissenschaft und -technologie. Sie war eine der ersten und am intensivsten untersuchten Verzweigungskettenreaktionen. Die ersten detaillierten Reaktionsmechanismen wurden bereits in den 1920er Jahren vorgeschlagen, und seit dieser Zeit gab es eine kontinuierliche Ansammlung indirekter experimenteller Daten (Zündverzugszeitmessungen in Stoßrohren und schnellen Kompressionsmaschinen, Messungen der laminaren Brenngeschwindigkeit, Konzentrationsmessungen in Stoßrohren, Strömungsreaktoren und Jet-Stirred-Reaktoren).
Reaktionskinetik der Wasserstoffverbrennung 99 Auch viele direkte Messungen und theoretische Bestimmungen sind für fast alle wichtigen Reaktionsschritte des Wasserstoffverbrennungsmechanismus verfügbar. Es gab eine kontinuierliche Verbesserung der Vorhersagefähigkeiten der Wasserstoffverbrennungsmechanismen, aber dennoch werden jedes Jahr neue Reaktionsschritte und neue, verbesserte Parametrisierungen vorgeschlagen. Daher ist das Verständnis der Reaktionskinetik der Wasserstoff-Sauerstoff-Verbrennung nach wie vor ein offenes Forschungsthema. Verbesserungen der Beschreibung der Wasserstoffverbrennung werden in den kommenden Jahren auf verschiedene Weise erwartet. Wir erwarten, dass die Qualität der zukünftigen indirekten Messungen viel besser sein wird als die der bisherigen. Im letzten Jahrzehnt gab es einen Durchbruch im Verständnis der möglichen Fehler der verschiedenen indirekten Messmethoden. Mehrere Übersichtsarbeiten wurden veröffentlicht, die die möglichen Fehlerquellen in den Experimenten auflisteten. Ein kürzlich herausgegebenes Buch über die Suche nach sauberer Verbrennung enthält eine Reihe von Mini-Übersichten über moderne Methoden der indirekten Verbrennungsmessungen, einschließlich Themen wie Speziationsmessungen in Stoßrohren [79], Anwendungen von schnellen Kompressionsmaschinen [80], Jet-Stirred-Reaktoren [81], Rohrströmungsreaktoren [82] und Flammenstudien [83]. Sung und Curran [84] diskutierten die Anwendungen von schnellen Kompressionsmaschinen (RCMs) für chemische Kinetikstudien. Egolfopoulos et al. [85] und Konnov et al. [86, 87] haben kürzlich die experimentellen Methoden zur Messung der laminaren Brenngeschwindigkeiten (LBVs) überprüft. Mit den Inhalten dieser Übersichten wird eine bessere kritische Bewertung der zuvor veröffentlichten experimentellen Daten erleichtert, und hoffentlich werden die neu gemessenen Daten frei von einigen Fehlerarten sein. Dies wird es ermöglichen, einen besseren Pool indirekter Messungen für die Mechanismusentwicklung aufzubauen. Die Verbrennungsexperimentaldatensammlungen, wie die ReSpecTh-Website [25], können der Verbrennungsgemeinschaft helfen, eine allgemein anerkannte Sammlung zuverlässiger Daten zu erstellen. Es gab auch eine Entwicklung der experimentellen Methoden der direkten Messungen und einen besonders schnellen Fortschritt der theoretischen Methoden zur Berechnung von Reaktionsratenparametern. Diese theoretischen Methoden wurden kürzlich von Klippenstein [74] überprüft. Die Bedeutung der Erstellung besserer Reaktionskinetikmodelle für die Wasserstoffverbrennung liegt darin, dass die Parameter der sich verbessernden Modelle den realen chemischen und physikalischen Parametern immer näher kommen. Dies bedeutet, dass diese Modelle eine verbesserte Fähigkeit haben werden, Bedingungen zu simulieren, die von industrieller Bedeutung sind, aber in genauen Experimenten nicht untersucht wurden. Danksagungen Der Autor dankt der Unterstützung des NKFIH-Stipendiums OTKA K132109 des Ungarischen Nationalen Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsbüros und der Hilfe bei der Vorbereitung der Abbildungen durch Dr. Éva Valkó und Herrn Márton Kovács. Der Autor würdigt die hilfreichen Kommentare von Prof. Alexander Konnov und Dr. Judit Zádor sowie Dr. Éva Valkó.
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Laminare Wasserstoffflammen Pasquale Eduardo Lapenna, Lukas Berger, Francesco Creta und Heinz Pitsch Zusammenfassung Wasserstoff verspricht großes Potenzial als chemischer Energieträger für den Transport und die Speicherung erneuerbarer Energie. Für die Nutzung von Wasserstoff bietet die thermochemische Energiewandlung zur Erzeugung von Elektrizität, mechanischer Energie oder Hochtemperaturwärme viele Vorteile, wie Robustheit, Vielseitigkeit und Flexibilität. Wasserstoff unterscheidet sich jedoch stark von den üblicherweise verwendeten Kohlenwasserstoffbrennstoffen. Aufgrund seiner speziellen chemischen und molekularen Transporteigenschaften weist er ein sehr eigenartiges Verbrennungsverhalten auf, das durch besonders hohe Flammengeschwindigkeiten, die etwa um den Faktor zehn größer sind als bei Methan, und durch das Auftreten intrinsischer Flammeninstabilitäten bei magerer Vormischverbrennung gekennzeichnet ist, die die Flammenstruktur, -oberfläche und -dynamik erheblich verändern können. Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf diesen beiden Aspekten im Kontext von laminaren Flammen. Zunächst werden die Gründe für die besonders hohen ungestreckten laminaren Flammengeschwindigkeiten erklärt, gefolgt von einer Diskussion über die Auswirkungen der Flammenstreckung. Der Hauptteil des Kapitels befasst sich mit den intrinsischen Flammeninstabilitäten, einschließlich sowohl hydrodynamischer als auch thermodiffusiver Instabilitäten und deren Zusammenspiel, die im Hinblick auf Theorie, experimentelle Nachweise, numerische Simulationen und Modellierung diskutiert werden. P. E. Lapenna · F. Creta Department of Mechanical and Aerospace Engineering, La Sapienza University of Rome, Rome, Italien E-Mail: pasquale.lapenna@uniroma1.it F. Creta E-Mail: francesco.creta@uniroma1.it L. Berger · H. Pitsch (*) Institute for Combustion Technology, RWTH Aachen University, Aachen, Deutschland E-Mail: h.pitsch@itv.rwth-aachen.de © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_3 105
106 P. E. Lapenna et al. 1 Einführung Die Verbrennung von Wasserstoff wurde lange unter verschiedenen Bedingungen und Anwendungen untersucht, hat jedoch im Kontext des Übergangs des Energiesektors zu nachhaltigen und kohlenstoffneutralen Prozessen neues Interesse geweckt. Wasserstoff wird als tragfähiger chemischer Energiespeicher für die langfristige Energiespeicherung und -transport angesehen [1] und wird voraussichtlich zu einer wesentlichen Säule unseres zukünftigen Energiesystems werden. Trotz der Herausforderungen, die mit seiner geringen Energiedichte und seinem niedrigen Siedepunkt verbunden sind, ist Wasserstoff aus Elektrolyse typischerweise der Ausgangspunkt für aus erneuerbarem Strom hergestellte Energieträger und erfordert keine zusätzliche Kohlenstoffquelle, die langfristig durch direkte CO2 -Abscheidung aus der Atmosphäre bereitgestellt werden müsste. Im Vergleich zu anderen potenziellen chemischen Energieträgern hat Wasserstoff viele Vorteile. Zum Beispiel ist Wasserstoff sehr vielseitig für bedarfsgerechte Energieanwendungen. Die chemisch gespeicherte Energie kann wieder in Elektrizität umgewandelt werden, aber sie kann auch direkt für mechanische Energie in der Personenbeförderung, im Schwerlastverkehr, in der Schifffahrt und in der Luftfahrt sowie in der Haushaltsheizung und der Erzeugung von industrieller Prozesswärme verwendet werden, wo rein elektrische Lösungen aufgrund der erforderlichen hohen Energiemengen, großen Energiedichten und hohen Prozesstemperaturen oft schwierig oder unmöglich umzusetzen sind [1]. Wasserstoff ist auch kohlenstofffrei und kann mit hohen energetischen Wirkungsgraden produziert werden. Aus globaler sozioökonomischer Sicht eröffnet die Produktion von Wasserstoff mit erneuerbarem Strom in der Wasserelektrolyse oder durch Vergasung von Biomasse mit Kohlenstoffabscheidung wirtschaftliche Chancen, die verschiedenen Regionen der Welt mit ihren eigenen lokal variierenden Kapazitäten in Bezug auf Rohstoffe und Energiequellen zugutekommen [2]. Die Umwandlung der in Wasserstoff gespeicherten chemischen Energie kann durch elektrochemische Prozesse in Brennstoffzellen oder durch thermochemische Energieumwandlung durch Hochtemperaturprozesse wie in Gasturbinen, Industrieöfen oder Kolbenmotoren erfolgen. Die Wasserstoffumwandlung in Brennstoffzellen hat den Vorteil, dass typischerweise hohe energetische Wirkungsgrade erreicht werden und Brennstoffzellen auch leise und ohne schädliche Emissionen arbeiten. Thermochemische Energieumwandlungsprozesse haben jedoch auch mehrere wichtige Vorteile. Sie sind vielseitig, zuverlässig und tolerieren nicht reinen Wasserstoff. Sie sind bereits weit verbreitet und können möglicherweise auf die Nutzung von Wasserstoff umgerüstet werden. Sie bieten außerdem erhebliches Optimierungspotenzial durch ihren Betrieb mit neuen Brennstoffen. Zum Beispiel kann die Verwendung von Wasserstoff anstelle von fossilen Brennstoffen die Emissionen reduzieren, die Effizienz weiter verbessern und die betriebliche Flexibilität erhöhen [3]. Darüber hinaus sind für Hochtemperatur-Prozesswärme in der Industrie nur thermochemische Prozesse realisierbar. Dies ist wichtig, da etwa 33 % der gesamten industriellen Wärme in Europa bei Temperaturen über 1000 °C
Laminare Wasserstoffflammen 107 benötigt werden [4], ein großer Teil davon muss durch Verbrennung bereitgestellt werden. Ein weiterer großer Vorteil thermochemischer Energieumwandlungsprozesse ist, dass sie bis zu einem gewissen Grad „Drop-in“-fähig sind und daher schrittweise technologische Veränderungen ermöglichen, ohne die hohen Risiken und Investitionskosten, die mit der Einführung disruptiver Technologien verbunden sind. Während die Nutzung von Wasserstoff als Brennstoff eine einzigartige Gelegenheit bietet, thermochemische Energieumwandlungsprozesse zu dekarbonisieren, ergeben sich Herausforderungen aus den spezifischen Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff. Für molekularen Wasserstoff ergeben sich Forschungsbedarfe hauptsächlich aus den spezifischen molekularen Transport- und Flammeneigenschaften, die sich völlig von konventionellen Brennstoffen unterscheiden, mit Fragen zur Flammenstabilität, Flammendynamik, Stickoxid (NOx)-Bildung und Sicherheit. Optimierungspotenziale ergeben sich beispielsweise aus den sehr hohen Brenngeschwindigkeiten von Wasserstoff/Luft-Gemischen, die für magere Flammen unter Umgebungsbedingungen etwa zehnmal höher sind als bei Methan oder Erdgas und ultra-mageren Verbrennungskonzepten und Effizienzsteigerungen ermöglichen. Da Wasserstoff/Luft-Flammen im Vergleich zu konventionellen Kohlenwasserstoffbrennstoffen höhere adiabatische Flammentemperaturen aufweisen, wird die Verbrennung vorzugsweise unter mageren Vormischbedingungen betrieben, um die Bildung von NOx zu vermeiden. Interessanterweise neigen magere Wasserstoffflammen zu intrinsischen Flammeninstabilitäten (IFI), die die Flammendynamik, die Wärmefreisetzungsraten und die Flammenformen erheblich beeinflussen. Diese Instabilitäten und insbesondere ihre Wechselwirkung mit Turbulenz sind noch nicht gut verstanden und schwer vorherzusagen und zu kontrollieren. Dennoch bieten sie ein enormes Potenzial, um die Verbrennungsprozesse weiter zu optimieren, was Effizienz, Emissionsminderung, Brennstoffflexibilität und kompaktere Brennerdesigns betrifft. Intrinsische Flammeninstabilitäten sind lokale Flammenphänomene. Im Gegensatz zu thermoakustischen Instabilitäten sind sie unabhängig von Druckwellen oder -schwingungen und treten auch in offenen Brennern ohne Begrenzung auf. Es können zwei verschiedene Arten von intrinsischen Flammeninstabilitäten unterschieden werden. Die erste ist die hydrodynamische oder Darrieus-Landau (DL)-Instabilität, die durch die Wechselwirkung des lokalen Strömungsfeldes mit dem Dichtesprung einer durch die Strömung propagierenden Flamme ausgelöst wird [5, 6]. Es handelt sich um eine inhärente Instabilität, die für jeden Brennstoff und bei allen Wellenzahlen von Flammenstörungen aktiv ist. Die zweite ist die thermodiffusive (TD)-Instabilität, die auftreten kann, wenn es einen erheblichen Unterschied in der molekularen Diffusivität des Brennstoffs und der thermischen Diffusivität gibt, was das Gleichgewicht der chemischen Reaktionen und Transportprozesse in der Flamme empfindlich beeinflusst. Bei Wasserstoff ist diese Diskrepanz extrem groß, was zu starken lokalen Schwankungen der Flammengeschwindigkeit führt [7 –12].
108 P. E. Lapenna et al. In der vorliegenden Übersicht werden wir nur laminare Wasserstoffflammen mit einem Fokus auf die komplexe Flammendynamik, die sich aus den intrinsischen Instabilitäten und deren Wechselwirkungen ergibt, diskutieren. Turbulente Wasserstoffverbrennung wird in einem separaten Kapitel behandelt, aber es scheint angebracht, hier einen kurzen Ausblick auf die Bedeutung intrinsischer Flammeninstabilitäten in der turbulenten Verbrennung zu geben. Wie weiter unten ausführlicher diskutiert, wurde festgestellt, dass die DL-Instabilität für sich genommen die Brennraten nur geringfügig durch die Erhöhung der Flammenoberfläche erhöht [13–15]. TD-Instabilitäten hingegen wurden gezeigt, um die Verbrauchsgeschwindigkeiten laminarer Flammen stark zu erhöhen [16], und, wenn vorhanden, werden sie durch das Vorhandensein von DL-Instabilitäten stark verstärkt. Da TD-Instabilitäten durch molekulare Effekte ausgelöst werden, könnte man annehmen, dass ihre Effekte bei turbulenter Verbrennung verschwinden, da der turbulente Transport typischerweise viel stärker ist als die molekulare Diffusion. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Berger et al. [17] zeigten für magere Wasserstoffflammen, dass Turbulenz die Instabilitäten tatsächlich verstärkt. Turbulente Advektion erzeugt große Flammenkrümmungen auf kleinen Skalen, wodurch das Auftreten von Instabilitäten schneller und stärker wird, sodass die durch die Instabilität verursachte Erhöhung der Verbrauchsraten bei turbulenten Flammen sogar größer ist als bei laminarer Flammen. Für die betrachteten Bedingungen waren beispielsweise die lokalen Flammengeschwindigkeiten etwa fünfmal höher im Vergleich zu einem Fall unter den gleichen Bedingungen, bei dem die Instabilität unterdrückt wurde. Es ist klar, dass sowohl für das Verständnis dieser enorm wichtigen Effekte in der mageren, vorgemischten, turbulenten Wasserstoffverbrennung als auch für die Entwicklung geeigneter Modelle eine grundlegende Analyse der Prozesse in laminaren Flammen unerlässlich ist. Daher werden wir in diesem Kapitel zunächst einen Überblick über die allgemeinen Flammeneigenschaften geben und erklären, warum laminare Wasserstoffflammen wesentlich höhere Flammengeschwindigkeiten als gängige Kohlenwasserstoffbrennstoffe aufweisen. Dazu werden direkte Vergleiche mit Methan als prototypischem Kohlenwasserstoffbrennstoff angestellt. Anschließend werden wir die Theorie der IFI in laminaren Flammen diskutieren, wobei wir uns auf eine spezifische Formulierung stützen, die auf der Arbeit von Sivashinsky basiert und es ermöglicht, die wichtigen Parameter sowie die Wechselwirkung von hydrodynamischen und thermodiffusiven Effekten auf den verschiedenen Skalen der Flammenstörung zu identifizieren. Danach fassen wir kurz einige der experimentellen Beobachtungen zusammen, die im nichtlinearen Regime an IFI gemacht wurden, sowie Simulationen sowohl für das lineare als auch das nichtlineare Regime, die einige der bestimmenden Mechanismen beleuchten. Schließlich wird die Modellierung der Instabilitäten für laminare Strömungsbedingungen diskutiert.
Laminare Wasserstoffflammen 109 2 Eigenschaften von laminar vorgemischten Flammen Eine gut etablierte Beobachtung für laminar vorgemischte Wasserstoff/LuftFlammen ist, dass sie sich wesentlich schneller ausbreiten als Kohlenwasserstoffflammen. Dies gilt für eindimensionale, ungestreckte Flammen und bleibt auch für gestreckte Flammen in vielen Konfigurationen wahr, wie z. B. sphärisch expandierende Flammen oder großflächige zweidimensionale Flammen in HeleShaw-Zellen [18]. Als Beispiel zeigt Abb. 1 Zeitsequenzen für drei sphärisch expandierende Flammen von Hesse et al. [19], die alle bei gleichen Flammenradien mit den tatsächlichen Zeiten relativ zur Zündung in den Abbildungen angezeigt werden. Der Vergleich zeigt, dass die Wasserstoffflammen etwa eine Größenordnung schneller sind als die Methanflamme. Die Bilder bieten zudem einen Ausblick auf die Effekte intrinsischer Flammeninstabilitäten, die sowohl bei stöchiometrischen als auch bei mageren Wasserstoffflammen beobachtet werden, während die Methanflammenoberfläche glatt bleibt. Es ist interessant zu bemerken, dass die magere Wasserstoffflamme signifikante Störungen im Vergleich zu einer sphärischen Form zeigt, die durch starke thermodiffusive Instabilitäten verursacht werden, während die stöchiometrische Flamme fast sphärisch , , , Luft , , , , , , , , Luft , Luft , , Abb. 1 Sphärisch expandierende Wasserstoff/Luft-Flammen bei φ = 0,6 und φ = 1,0 und Methan/Luft-Flamme bei φ = 0,8 [20]. Weiße Zahlen geben die Zeit nach der Zündung an
P. E. Lapenna et al. 110 bleibt, da hier nur die hydrodynamische Instabilität aktiv ist, die, wie weiter unten ausführlicher diskutiert, einen viel schwächeren Einfluss auf die Flammenoberfläche und die Verbrauchsgeschwindigkeiten hat. Die erhöhte globale Verbrauchsgeschwindigkeit kann im Wesentlichen auf drei Hauptursachen zurückgeführt werden: • Höhere ungestreckte laminare Flammengeschwindigkeiten SL von Wasserstoff/ Luft-Flammen; • Negative Markstein-Längen, die die lokalen Flammengeschwindigkeiten positiv gestreckter Wasserstoffflammen erhöhen; • Das Auftreten thermodiffusiver intrinsischer Instabilitäten, die die Flamme stark kräuseln, wodurch die Flammenfläche vergrößert wird, und die lokale Flammenstruktur verändern, was beides die globalen Verbrauchsgeschwindigkeiten erhöht. Im restlichen Teil dieses Abschnitts gehen wir auf die physikalisch-chemischen Prozesse ein, die diese Effekte bestimmen und die Ausbreitung von Wasserstoff/ Luft-Flammen einzigartig charakterisieren. 2.1 Erhöhte ungestreckte laminare Flammengeschwindigkeit SL Abb. 2 zeigt ungestreckte laminare Flammengeschwindigkeiten von H2/LuftGemischen. Offensichtlich sind die Flammengeschwindigkeiten von Wasserstoff etwa eine Größenordnung höher als die von CH4/Luft-Gemischen über einen weiten Bereich von Äquivalenzverhältnissen. Dies kann in erster Linie durch chemisch-kinetische Überlegungen verstanden werden, obwohl andere Faktoren eine Rolle spielen können und tatsächlich auch eine Rolle spielen, wie die höhere Diffusivität des Wasserstoffmoleküls sowie die höheren adiabatischen Flammentemperaturen von Wasserstoffgemischen. Fokussiert man sich auf chemisch-kinetische Aspekte, so ist die Radikalbilanz am wichtigsten und wird normalerweise durch den Wettbewerb der Hauptreaktion zur Radikalbildung (Reaktion (H1), die unten eingeführt wird), die bei hohen Abb. 2 Ungestreckte laminare Flammengeschwindigkeiten für Wasserstoff/Luft- und Methan/Luft-Gemische unter atmosphärischen Bedingungen. Experimentelle Daten von Hesse et al. [19], Dayma et al. [21], und Krejci et al. [22] Simulation , , Äquivalenzverhältnis ,
Laminare Wasserstoffflammen 111 Temperaturen wichtig wird, und der radikalverbrauchenden Reaktion (Reaktion (H4), die unten eingeführt wird), die bei niedrigen Temperaturen dominiert, kontrolliert [23]. Aus den kinetischen Geschwindigkeitsparametern dieser Reaktionen kann für Umgebungsdruck die Übergangstemperatur zwischen Kettenverzweigung und -abbruch auf T 0 ≈ 1050 K geschätzt werden [24]. Damit kann die aktive Reaktionszone einer Wasserstoffflamme in eine stromabwärts gelegene H-Radikal-Produktionsschicht und eine stromaufwärts gelegene H-Radikal-Verbrauchsschicht unterteilt werden, wobei das H-Radikal eine zentrale Rolle im Flammenausbreitungsmechanismus spielt [25]. Diese Schichten sind in der linken Spalte von Abb. 3 zu sehen, die die Struktur einer stöchiometrischen Wasserstoff/ Luft-Flamme unter Umgebungsbedingungen in Bezug auf Spezies, Temperatur und Wärmefreisetzungsprofile zeigt. Das H-Radikal wird in einem Bereich produziert, der sich ungefähr von y = 1,5 bis 1,8 mm erstreckt und zeigt Verbrauch im stromaufwärts gelegenen Bereich. Mit steigender Temperatur in Richtung der Radikalproduktionszone und Überschreiten der Übergangstemperatur T 0 wird die Hauptkettenverzweigungsreaktion (H1) 2 H 0,25 HO 2 O 2 1500 0,1 1000 2 0,15 2000 Temperatur 0,1 1500 CH 4 0,05 1000 Temperatur [K] 2000 Temperatur 2500 HO O 0,2 0,15 0,2 2500 2 2 3000 CH /Luft; φ = 1; T = 298 K; p = 1 bar 4 u Temperatur [K] Maulwurfsfraktion u 0,25 3000 H /Luft; φ = 1; T = 298 K; p = 1 bar 0,3 Maulwurfsfraktion 0,35 H + O2 ↔ O + OH 0,05 500 0 0,05 0 1 2 3 y [mm] 4 5 0 Maulwurfsfraktion 2000 H 1500 Temperatur 0,02 1000 OH 0,01 500 O 0 0,007 1 1 1,2 2 1,4 1,6 y [mm] 1,8 2 0 4 5 4 2500 u OH 0,006 2000 H Temperatur 0,005 0 1500 0,004 1000 0,003 O 0,002 -7 10 * Wärmeabgabe 0,001 0 HO 2 1 1,5 2 y [mm] 2,5 3 500 3 HO 3 y [mm] CH /Luft; φ = 1; T = 298 K; p = 1 bar 3 0 2 Temperatur [K], Wärmeabgabe [J/(m s)] 0,04 Temperatur [K], Wärmeabgabe [J/(m s)] u 500 0,008 2500 H /Luft; φ = 1; T = 298 K; p = 1 bar 2 0,03 10-7 * Wärmeabgabe -0,05 Maulwurfsfraktion -0,05 0 0 Abb. 3 Struktur von stöchiometrischen Wasserstoff/Luft- (links) und Methan/Luft-Flammen (rechts) bei Tu = 298 K p = 1 atm
P. E. Lapenna et al. 112 schneller im Vergleich zu Kettenabbruchreaktionen. Diese Reaktion verbraucht ein H-Radikal und erzeugt ein O- und ein OH-Radikal. Letztere produzieren wiederum H-Radikale über die Brennstoffverbrauchsreaktionen (H2) (H3) O + H2 ↔ H + OH, OH + H2 ↔ H + H2 O. So werden durch den Verbrauch eines H-Radikals drei Radikale in der Brennstoffverbrauchszone gebildet, weshalb die Hauptbrennstoffverbrauchsregion mit dem maximalen H-Radikal-Molenbruch zusammenfällt (siehe Abb. 3). Das H-Radikal diffundiert dann zurück in die stromaufwärts gelegene H-Radikal-Verbrauchszone, die eine niedrigere Temperatur als T 0 aufweist. Hier werden die Hauptexothermen Rekombinationsreaktionen und Kettenabbruchreaktionen (H4) (H5) (H6) H + O2 + M ↔ HO2 + M, H + HO2 ↔ H2 + O2 , OH + HO2 ↔ H2 O + O2 aktiviert. Reaktion (H5) und (H6) konkurrieren tatsächlich mit (H7) H + HO2 ↔ OH + OH um die HO2 -Radikale, aber während die kettenfortpflanzende Reaktion (H7) immer schneller als (H5) und meist schneller als (H6) ist, bleibt die Nettosequenz (H4-7) dennoch kettenabbrechend. Die globalen Wasserstoffverbrauchsreaktionen (H1-3) zeigen ein Netto-Kettenverzweigungsverhalten [25], das zusammengefasst werden kann als O2 + 3H2 = 2H2 O + 2H mit einer Reaktionsrate, die durch quasi-stationäre Zustandsanalyse (QSS) als gleich (H1) gezeigt werden kann [26]. Dies zeigt, dass der Wasserstoffverbrauch direkt zur Bildung eines großen H-Radikal-Pools führt, der zurückdiffundieren und sich exotherm in der Radikalverbrauchsschicht rekombinieren kann, wodurch die Ausbreitung von Wasserstoffflammen sehr effizient wird. Abb. 4 zeigt eine klassische Empfindlichkeitsanalyse der laminaren Flammengeschwindigkeit SL zu Reaktionsgeschwindigkeitskoeffizienten ki der chemischen Reaktionen, die das detaillierte kinetische Modell zusammensetzen. Ergebnisse werden für eine magere und eine stöchiometrische Flamme gezeigt, und es werden nur die empfindlichsten Reaktionen gezeigt, die in beiden Fällen den oben diskutierten Reaktionen (H1-6) entsprechen. Die Analyse zeigt, dass die Flammengeschwindigkeit am meisten durch den Wettbewerb um Radikale (H1) und (H4) sowie die Brennstoffverbrauchsreaktionen (H2) und (H3) beeinflusst wird. Auch die Kettenfortpflanzungsreaktion (H7) wirkt positiv, da sie HO2 -Radikale daran hindert, die kettenabbrechenden Reaktionen (H5) und (H6) einzugehen, die negativ beitragen. Es ist interessant zu bemerken, dass während (H4) eine Sequenz initiiert, die im Durchschnitt kettenabbrechend ist, diese Reaktion eine positive Empfindlichkeit für die stöchiometrische Flamme a­ufweist. Der
Laminare Wasserstoffflammen 113 1,0 0,4 Wasserstoff/Luft vorgemischte Flammen , , , , , , Abb. 4 Empfindlichkeitsanalyse von SL in Bezug auf Reaktionsgeschwindigkeitskoeffizienten ki von H 2 /Luft-Flammen unter atmosphärischen Bedingungen Grund ist, dass diese Rekombination stark exotherm ist und durch die schnelle Diffusion des H-Radikals von der nachgelagerten Radikalbildungsschicht zur vorgelagerten Radikalverbrauchsschicht, gefolgt von der Wärmefreisetzung durch die Rekombination mit molekularem Sauerstoff, diese Reaktion zu einer zusätzlichen Vorwärmung bei sehr niedrigen Temperaturen führt und somit eine Beschleunigung der Flamme bewirkt. Dies ist in Abb. 3 zu sehen, wo für die Wasserstoffflamme die höchste Wärmefreisetzung tatsächlich bei Temperaturen unter 1000 K auftritt und es immer noch erhebliche Wärmefreisetzung im Vorwärmbereich bei Temperaturen um 500 K gibt. Für die magere Flamme sind jedoch viel weniger Radikale verfügbar, und die radikalverbrauchende Natur von (H4) überwiegt die Exothermie und den Wärmetransfer in magere Bereiche. Bei Kohlenwasserstoffflammen hingegen werden zusätzlich zu dem oben genannten Mechanismus weitere Reaktionen wichtig, die den Brennstoff in die kleinen stabilen Zwischenprodukte CO und H2 umwandeln. Bei Methanflammen sind diese beispielsweise global H-Radikal-verbrauchend und werden angegeben durch [26]:
P. E. Lapenna et al. 114 (M1) (M2) (M3) (M4) CH4 + H ↔ CH3 + H2 , CH3 + O ↔ CH2 O + H, CH2 O + H ↔ HCO + H2 , HCO + M ↔ CO + H + M. Zusammen mit (H2-3) verbrauchen diese Reaktionen global Brennstoff mit H-Radikalen gemäß CH4 + 2H + H2 O = CO + 4H2 , was durch QSS gezeigt werden kann, um eine Rate gleich (M1) zu haben. Infolgedessen wird die H-Radikal-Pool-Generierung teilweise behindert, da hier der Verbrauch des Brennstoffmoleküls zwei Radikale verbraucht und somit sowohl den Brennstoffverbrauch als auch die Flammenausbreitung erheblich verlangsamt. Auch können H-Radikale nicht stromaufwärts diffundieren, da sie schnell mit Methan verbraucht werden. Dies wird in der rechten Spalte von Abb. 3 gezeigt, wo das Überlappen der Methan- und Wasserstoffradikalprofile als sehr gering zu sehen ist. Auch die Wärmefreisetzung ist auf einen Bereich wesentlich höherer Temperaturen beschränkt, die im Wesentlichen über der Temperatur der inneren Schicht liegen. Beachten Sie, dass CO letztendlich über die Wassergas-ShiftReaktion oxidiert wird, die keine Radikale zurückgewinnt. Die vorstehenden kinetischen Argumente stellen den Haupteffekt für die hohen ungestreckten Wasserstoff/Luft-Flammgeschwindigkeiten dar. Neben kinetischen Effekten hängt die ungestreckte Flammgeschwindigkeit jedoch auch von molekularem und thermischem Transport sowie von thermodynamischen Effekten wie der höheren adiabatischen Flammtemperatur Tad ab. Insgesamt ist die ungestrec kte Flammgeschwindigkeit für Wasserstoff/Luft-Flammen unter stöchiometrischen und atmosphärischen Bedingungen etwa 560 % höher als die einer Methanflamme. Um eine grobe Schätzung des Beitrags des molekularen Transports und insbesondere der hohen Mobilität des Wasserstoffmoleküls vorzunehmen, kann man numerisch den Unterschied in SL einer stöchiometrischen Wasserstoff/LuftFlamme bei Atmosphärendruck bewerten, bei der alle Spezies-Lewis-Zahlen auf Eins gesetzt sind. Abb. 5 zeigt, dass diese Annahme die Flammgeschwindigkeit von Wasserstoff unter stöchiometrischen Bedingungen um etwa 32 % reduziert. Interessanterweise wird unter sehr mageren Bedingungen der entgegengesetzte Trend beobachtet, wie in Abb. 5 gezeigt, wo die hohe Diffusivität von Wasserstoff sogar zu niedrigeren Flammgeschwindigkeiten im Vergleich zum Fall der Einheit-Lewis-Zahl führt. Man kann weiterhin den Effekt der hohen adiabatischen Flammtemperatur von Wasserstoff eliminieren, die bekanntermaßen die laminare Brenngeschwindigkeit stark beeinflusst. Dies geschieht durch Verdünnung der Flamme, sodass sie eine Abgastemperatur erreicht, die der einer Methan/LuftFlamme unter den gleichen Bedingungen ähnelt. Dies führt zu einer weiteren Reduktion der Brenngeschwindigkeit von Wasserstoff um etwa 29 %. Vergleicht man nun die Le = 1 verdünnte Wasserstoffflamme mit der Le = 1 Methanflamme, so ist die Wasserstoffflamme immer noch etwa 350 % höher, was
Laminare Wasserstoffflammen 115 Abb. 5 Ungestörte laminare Flammgeschwindigkeit von Wasserstoff/ Luft- und Methan/LuftGemischen. Effekt der differentiellen Diffusion und der adiabatischen Flammtemperatur H2 verdünnt Le=1 , , , , , , bestätigt, dass der oben diskutierte kinetische Effekt der Hauptgrund für die hohen Flammgeschwindigkeiten von vorgemischten Wasserstoffflammen ist. Eine alternative Strategie kann gemäß Tang et al. [27] übernommen werden, bei der der relative Einfluss von Transport-, thermodynamischen und kinetischen Effekten auf SL beobachtet wird, während Wasserstoff zu einem Kohlenwasserstoff/ Luft-Gemisch hinzugefügt wird. Für den laminaren Brennfluss f = ρu = ρu SL kann der Ausdruck f 2 ∼ Le exp(−Ta /Tad ) (1) übernommen werden, wobei Le eine effektive Lewis-Zahl ist, die auf den Lewis-Zahlen von Brennstoff und Oxidationsmittel basiert, und Ta die globale Aktivierungstemperatur. Die Parameter Lewis-Zahl, Aktivierungstemperatur und adiabatische Flammentemperatur werden dann als repräsentativ für Transport-, kinetische und thermodynamische Effekte angenommen. Sobald Le, Ta und Tad als Funktion von RH bestimmt wurden, das den relativen Wasserstoffgehalt in Kohlenwasserstoff/Luft-Gemischen (in diesem Fall Butan/Luft) misst, kann der Sensitivitätskoeffizient, der den relativen Einfluss der einzelnen Effekte auf den Brennfluss misst, als Summe der Transport-, kinetischen und thermischen Sensitivitätskoeffizienten ausgedrückt werden: 1 dLe 1 dTa Ta dTad ∂ ln f ∼ − + . 2 d ln R ∂ ln RH 2Le d ln RH 2Tad d ln RH 2Tad H (2) Abb. 6 zeigt die Koeffizienten der einzelnen Effekte aus Gl. (2) als Funktion des Wasserstoffgehalts für repräsentative magere, stöchiometrische und fette Fälle. Die Studie zeigt, dass der kinetische Effekt bei weitem der wichtigste ist, gefolgt vom thermischen Effekt, während der Diffusionseffekt minimal oder sogar negativ ist, wie bereits oben diskutiert.
P. E. Lapenna et al. 116 , Kinetische Wirkung Thermische Wirkung Diffusionseffekt , , , , Empfindlichkeitsfaktor Abb. 6 Transport-, kinetische und thermische Sensitivitätskoeffizienten auf den Brennfluss für repräsentative Butan/LuftGemische in Abhängigkeit von der Wasserstoffzugabe. Nachgedruckt aus Ref. [27]. , , , , , , , , , , , , , , , , 2.2 Streckungseffekte Zusätzlich zur laminaren Flammengeschwindigkeit, die im vorherigen Abschnitt diskutiert wurde, werden die Dynamiken vorgemischter Flammen von mehreren anderen Faktoren beeinflusst. Offensichtlich kann ein aufgezwungenes Strömungsfeld die Flammendynamik erheblich beeinflussen. Selbst in Abwesenheit eines externen vorbestehenden Strömungsfeldes sind jedoch wichtige Faktoren (i) das intrinsische Strömungsfeld, das durch die thermische Ausdehnung über die Flamme selbst und den damit verbundenen Dichtesprung induziert wird; und (ii) die Variationen der lokalen Flammengeschwindigkeit, die durch transversale diffusive und konvektive Wärme- und Stoffflüsse induziert werden, welche die lokale Flammenstruktur infolge der Flammenstreckung verändern. Beide Mechanismen sind die Hauptursache für IFI in vorgemischten Flammen, die in einem späteren Abschnitt eingehend analysiert werden. Insbesondere Mechanismus (i) ist die Hauptursache für die hydrodynamische (oder Darrieus-Landau, DL) Instabilität, während (ii) den Beginn thermodiffusiver (TD) Instabilitäten bestimmt. In diesem Abschnitt konzentrieren wir uns nach einer kurzen Einführung in DL-Instabilitäten auf Mechanismus (ii) und darauf, wie Wasserstoffgemische auf Flammenstreckung reagieren. Frühe lineare Stabilitätsanalysen führten Darrieus [28] und Landau [29] in ihren bahnbrechenden Arbeiten aus den 1940er Jahren dazu, festzustellen, dass eine planare Flammenfront, die sich mit konstanter Geschwindigkeit ausbreitet, bedingungslos instabil gegenüber Störungen beliebiger Wellenlängen ist. Die Beobachtung jedoch, dass eine planare Flamme in einem experimentellen Umfeld stabilisiert werden konnte, veranlasste Markstein [30] dazu, ein phänomenologisches Modell einzuführen, das die stabilisierenden Effekte der Diffusion
Laminare Wasserstoffflammen 117 berücksichtigt, die die lokale Flammengeschwindigkeit modulieren und eine Abhängigkeit der Flammengeschwindigkeit von der Flammenkrümmung einführen können. Spätere, rigorosere asymptotische Analysen [31–34] nutzten die Multiskalen-Natur des Problems und leiteten letztendlich mathematisch eine Beziehung für die Flammengeschwindigkeit Sf [32] ab, die sich sowohl auf die lokale Krümmung als auch auf die hydrodynamische Streckung stützt, die beide zur gesamten Streckungsrate beitragen, die die Flamme erfährt. Infolgedessen kann die Flammenstreckung und ihr Einfluss auf die Flammengeschwindigkeit geschrieben werden als Sf = SL − LK , K = S L κ + KS , (3) wo K die Flammenstreckrate ist (d. h. die relative Änderungsrate der Flammenfläche), KS die hydrodynamische Streckung ist, κ die Flammenkrümmung ist und L die Markstein-Länge ist, ein Koeffizient in der Größenordnung der Flammendicke, der die Empfindlichkeit der Flammengeschwindigkeit gegenüber der Flammenstreckung misst. Gemäß Gl. (3) kann eine verschwindend dünne Flamme, die als gasdynamische Diskontinuität betrachtet wird, aufgrund ihrer normalen Ausbreitungsbewegung gedehnt werden, die die Flamme je nach Vorzeichen der Krümmung ausdehnt oder zusammenzieht, sowie aufgrund von Ungleichmäßigkeiten im Strömungsfeld, die zu hydrodynamischer Streckung führen KS = −n · ∇u · n, wobei n die Flammennormale ist und u die Strömungsgeschwindigkeit auf der unverbrennbaren Seite. Beachten Sie, dass die Definition der hydrodynamischen Streckung typischerweise auch die Divergenz der Strömungsgeschwindigkeit enthält [35], die im Kontext der hydrodynamischen Theorie vernachlässigt wird, wo dieser Term vor der Flamme bewertet wird, wo Dichteänderungen vernachlässigbar sind. Zerlegt man die Strömungsgeschwindigkeit in eine flammennormale und eine tangentiale Komponente [36], u = un n + uτ , kann die Streckungsrate wiederum in eine normale und eine tangentiale Komponente zerlegt werden KS = un κ + ∇τ · uτ, wobei ∇τ der Gradientoperator entlang der Flammenoberfläche ist. Interessanterweise zeigt Gl. (3), dass bei negativen Markstein-Längen ein Bereich auf der Flammenoberfläche, der sich in das unverbrannte Gemisch erstreckt (κ > 0), schneller brennt als die ungestreckte Flammengeschwindigkeit, während ein Bereich, der zurückbleibt und sich in die verbrannten Gase erstreckt (κ < 0), langsamer brennt. Infolgedessen werden bei negativen Markstein-Längen anfängliche Störungen der Flammenoberfläche wachsen und die jeweiligen Krümmungen erhöhen, was eine Instabilität darstellt. Markstein-Längen sowie ungestreckte Flammengeschwindigkeiten können experimentell unter Verwendung von Flammen in einer sphärisch expandierenden Konfiguration bestimmt werden. In dieser Konfiguration kann man durch optische Bildgebung den momentanen Wert der Flammengeschwindigkeit sowie die Streckungsrate, die für die sphärisch expandierende Flamme als K = (2/R)dR/dt gegeben ist, wobei R der Flammenradius ist, ableiten. Dies führt zu Daten, wie in Abb. 7 gezeigt, wobei die ungestreckte Flammengeschwindigkeit durch Extrapolation der Daten auf null Streckung abgeleitet wird. Abb. 7a zeigt Daten einer mageren Wasserstoff/Luft-Flamme in sphärischer Expansion [37] und zeigt,
P. E. Lapenna et al. 118 Ausbreitungsgeschwindigkeit, cm/s , , Sf Tomographie (CORIA) Sf Schlieren (ITV) Zündeffekte bis hierher it Ze , , , Beginn der Instabilitäten Abb. 7 a Abfolge von Ausbreitungsgeschwindigkeiten und Streckungsraten für eine Wasserstoff/Luft-Flamme in sphärischer Expansion. Nachgedruckt aus Ref. [37]. b Abfolge von Ausbreitungsgeschwindigkeiten und Streckungsraten für eine Methan/Luft-Flamme in sphärischer Expansion. Nachgedruckt aus Ref. [38] dass mit der Expansion der Flamme die abnehmende Krümmung und damit die Streckungsrate zu abnehmenden Flammengeschwindigkeiten führen. Dieses Beispiel einer Flammengeschwindigkeit/Streckungs-Korrelation zeigt somit eine positive Steigung, die gemäß Gl. (3) in eine negative Markstein-Länge übersetzt wird. Das Gegenteil gilt für eine fette Methan/Luft-Flamme, wie in Abb. 7b gezeigt, die eine positive Markstein-Länge aufweist. Abb. 8 zeigt experimentell gemessene Markstein-Längen für die Vormischverbrennung von Erdgas/Wasserstoff-Gemischen mit Luft bei variablem Wasserstoffgehalt und Äquivalenzverhältnis [39]. Tatsächlich wird, wenn der Wasserstoffgehalt ausreichend hoch und das Äquivalenzverhältnis ausreichend niedrig ist (wodurch Wasserstoff das kontrollierende oder defizitäre Reaktant wird), eine negative Markstein-Länge festgestellt. Diese Eigenschaft von Wasserstoff/Luft-Flammen ist letztlich auf die hohe molekulare Diffusivität des H2-Moleküls zurückzuführen und wird im nachfolgenden Abschnitt über intrinsische Flammeninstabilitäten eingehend analysiert. In sphärischen (und allgemein in gekrümmten) Flammen entstehen transversale Abb. 8 Markstein-Längen für die Vormischverbrennung von Erdgas/WasserstoffGemischen mit Luft bei variablem Wasserstoffgehalt und Äquivalenzverhältnis, experimentell ermittelt von Huang et al. [39] in einem Verbrennungsgefäß mit konstantem Volumen bei anfänglich atmosphärischem Druck und Temperatur 3 0% 20% 40% 60% 80% 100% 2 1 0 -1 0,6 0,7 0,8 0,9 1 1,1 1,2 1,3
Laminare Wasserstoffflammen 119 diffusive Flüsse, die die Flammengeschwindigkeit verändern können. Insbesondere bei sphärischen Flammen neigt das kontrollierende Reaktant aus der Frischzone dazu, sich auf die Reaktionszone zu konzentrieren, was die Reaktivität und letztlich die Flammengeschwindigkeit erhöht, während die Wärme von der verbrannten Seite dazu neigt, sich von der Reaktionszone weg zu fokussieren, was einen Kühleffekt verursacht, der die Flammengeschwindigkeit verringert. Welcher der beiden Mechanismen überwiegt, hängt eindeutig von der Diffusivität des kontrollierenden Reaktanten im Vergleich zu der der thermischen Energie ab. Das Ausmaß dieses Effekts ist direkt proportional zur Flammenstreckung und somit umgekehrt proportional zum Flammenradius. Bei mageren Wasserstoff/Luft-Gemischen ist Wasserstoff das kontrollierende Reaktant und aufgrund seiner hohen Diffusivität im Vergleich zur thermischen Diffusivität überwiegt die Wasserstoffdiffusion, wodurch die Flammengeschwindigkeit über den ungestreckten Wert hinaus erhöht wird. Dies erklärt, warum die beobachtete Flammengeschwindigkeit während der frühen Phasen der Flammenausbreitung, wenn die Streckungsrate am höchsten ist, am höchsten ist. Analytische Ausdrücke für die Markstein-Länge [40, 41] in Bezug auf funktionale Flammenparameter sind im Kontext der verallgemeinerten hydrodynamischen Theorie [32] verfügbar, in der, unter Ausnutzung der MultiskalenNatur der Vormischverbrennung, eine Flamme als gasdynamische Diskontinuität behandelt wird, die verbrannte und unverbrannte Gase trennt, wenn sie auf der größten hydrodynamischen Skala betrachtet wird. Die allgemeine Form des analytischen Ausdrucks für die Markstein-Länge, dimensionslos gemacht mit der diffusen Flammendicke ℓD, genannt die Markstein-Zahl M = L/ℓD, vorhergesagt von Bechtold und Matalon [40] und gültig für eine einstufige Chemie, lautet σ M ≡ L/ℓD = σ −1 ˆσ 1 Ze(Le − 1) (x) dx + x 2(σ − 1) ˆσ 1 (x) ln x   σ −1 dx, x−1 (4) wobei σ = ρu /ρb das Dichteverhältnis von unverbranntem zu verbranntem Gas ist,Ze ist die Zeldovich-Zahl, und Le ist eine effektive Lewis-Zahl, die als gewichteter Durchschnitt der Lewis-Zahlen von Brennstoff und Oxidationsmittel angenommen wird, wobei die Lewis-Zahl einer einzelnen Spezies i mit Diffusionskoeffizient Di definiert ist als Lei = Dth /Di. (x) ist eine Funktion, die die Temperaturabhängigkeit des Transports zusammenfasst (z. B.  ∼ T 1/2 ). Die diffusive Flammendicke ℓD, die zur Definition der Markstein-Zahl verwendet wird, wird durch den thermischen Diffusionskoeffizienten Dth = /(ρcp ) im unverbrannten Gas und die laminare, ungestreckte Brenngeschwindigkeit als ℓD = Dth,u /SL bestimmt. Mit Gleichung (4) konnten Bechtold und Matalon [40] das Verhalten der Markstein-Zahl für mehrere Brennstoffe als Funktion des Äquivalenzverhältnisses qualitativ vorhersagen. Beispielhafte Ergebnisse aus Gleichung (4) sind für verschiedene Brennstoffe in Abb. 9 dargestellt. Beachten Sie, dass Gleichung (4) auch eine kritische Lewis-Zahl Le0 definiert, die typischerweise etwas kleiner als eins ist, für die die Markstein-Länge null ist. Daher zeigen Brennstoff/Luft-Gemische, für die Le < Le0, negative Markstein-Längen
P. E. Lapenna et al. Abb. 9 Markstein-Zahl, geschätzt über Gleichung (4) für Wasserstoff/Luft- und mehrere Kohlenwasserstoff/ Luft- und Alkohol/LuftFlammen, als Funktion des Äquivalenzverhältnisses. Nachgedruckt aus Ref. [40] Markstein-Zahl 120 , , , , , , und somit ein ähnliches Verhalten wie die mageren Wasserstoff/Luft-sphärisch expandierenden Flammen, die in Abb. 7a gezeigt sind. Das Thema der Verlöschung vorgemischter Flammen verdient einen kurzen abschließenden Kommentar. Eine große Anzahl experimenteller [42, 43] und numerischer [44–46] Studien wurden für vorgemischte gestreckte Flammen in Gegenstrom- oder Stagnationspunktströmungskonfigurationen durchgeführt. Planare gestreckte Flammen können in solchen Konfigurationen stabilisiert und Dehnungsraten leicht durch Änderung der axialen Zuflussgeschwindigkeiten angepasst werden. Das Geschwindigkeitsprofil entlang der Stagnationsströmungslinie wird im Allgemeinen extrahiert und die Dehnungsrate als der maximale absolute Wert des Geschwindigkeitsgradienten stromaufwärts der Flamme definiert. Abb. 10a zeigt numerische Ergebnisse von Sung et al. [42] von Gegenstrom-vorgemischten Flammen für mehrere Gemische. NichtÄquidiffusionseffekte manifestieren sich durch eine Erhöhung der maximalen Temperatur (für Le < 1 Gemische) oder eine Abnahme (für Le > 1 Mischungen) mit zunehmender Streckungsrate. Verlöschung tritt bei Le > 1 Mischungen auf, wenn die maximale Temperatur unter einen kritischen Wert fällt, während bei Le < 1, wie in mageren Wasserstoff/Luft-Gemischen, die maximale Temperatur steigt, aber die Verweilzeit mit der Streckung abnimmt, bis die Reaktionen nicht mehr abgeschlossen werden können. Abb. 10a zeigt, dass magere Wasserstoff/Luft-Gemische eine höhere Streckungs-Verlöschgrenze im Vergleich zu Kohlenwasserstoffgemischen haben. Der Grund dafür ist zweifach: Einerseits hat Wasserstoff eine höhere Flammgeschwindigkeit, andererseits erhöht die hohe Diffusivität des Wasserstoffmoleküls die Reaktivität der gegestreckten Flammen. Abb. 10b zeigt numerische Ergebnisse von Guo et al. [46], die Verlöschungs-Streckungsraten für magere wasserstoffangereicherte Methan/LuftGemische ableiteten. Durch Einbeziehung von Strahlungseffekten finden sie neben der hohen Streckungs-Verlöschungsgrenze auch eine niedrige Grenze
Laminare Wasserstoffflammen 121 (a) (b) 103 2200 2000 Luft Luft Luft Luft , , , , 1800 1600 1400 1200 0 10 10 1 10 2 10 Dehnungsgeschwindigkeit 3 4 10 Extinktionsdehnungszugrate 2400 2 10 , , , 1 10 0 10 10 -1 0,3 0,4 0,5 0,6 Äquivalenzverhältnis 0,7 Abb. 10 a Numerisch berechnete maximale Flammentemperatur als Funktion der Streckungsrate für Methan/Luft-Gemische (φ = 1,0 geschätzt auf Le ≈ 1,0 und φ = 0,52 geschätzt auf Le > 1 ), Propan/Luft (φ = 0,81, Le ≈ 1,83) und Wasserstoff/Luft (φ = 0,35, Le ≈ 0,42). Die Verlöschgrenze wird durch Symbole dargestellt. Daten aus [42]. b Numerisch berechnete niedrige und hohe Streckungs-Verlöschsgrenzen für wasserstoffangereicherte Methan/Luft-Gemische (αH2 ist der Wasserstoffvolumenanteil). Daten aus [46] aufgrund von Strahlungswärmeverlusten. Abb. 10b zeigt beide Grenzen als Funktion des Äquivalenzverhältnisses. Für eine gegebene Kurve ist der obere Ast die durch Streckung verursachte Grenze, der untere Ast bezeichnet die Strahlungsverlöschgrenze. Es ist klar, dass die Wirkung der Wasserstoffzugabe darin besteht, die hohe Streckungs-Verlöschgrenze zu erhöhen und die Strahlungsgrenze zu verringern, wodurch der brennbare Bereich erheblich erweitert wird. 2.3 Effekte der intrinsischen Flammeninstabilität Im vorherigen Abschnitt wurde die Arbeit von Darrieus [28] und Landau [29] vorgestellt, die die Flamme als eine Dichtediskontinuität behandelten, die sich mit konstanter Geschwindigkeit ausbreitet, und fanden, dass die planare Konfiguration bedingungslos instabil ist. Dieser Effekt, bekannt als Darrieus-Landau (DL) oder hydrodynamische Instabilität, wurde als Folge der Strömungsausdehnung über die Flamme erkannt. Genauer gesagt erfährt die flammennormale Strömungsgeschwindigkeit eine Beschleunigung, die ub − uu = (σ − 1)SL , (5) entspricht, wobei ub und uu die verbrannten und frischen Gasgeschwindigkeiten sind. Ausgangspunkt für die Instabilität ist eine planare Flamme, die in einer horizontalen Strömung stabilisiert ist uu = SL, wie in Abb. 11 als gestrichelte Linie dargestellt. Eine kleine Flammenstörung mit einer Wellenlänge  zur Flamme hinzuzufügen, wie in Abb. 11 als durchgezogene Linie gezeigt, führt zur Verschmelzung oder Divergenz der Stromlinien, da die tangentiale Komponente der Strömungsgeschwindigkeit durch die Flamme hindurch erhalten bleibt, während
P. E. Lapenna et al. 122 Abb. 11 Der Darrieus-LandauInstabilitätsmechanismus Verbranntes Gas Frisches Gas die normale Komponente zunimmt. Dies führt zu einer lokalen Beschleunigung oder Verzögerung der Flamme und damit zur bedingungslosen Verstärkung der Flammenstörung für jede . Wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, führte die Beobachtung, dass planare Laborflammen tatsächlich stabilisiert werden können, zumindest für kurze Störungswellenlängen , Markstein [30] dazu, eine phänomenologische Abhängigkeit der Flammengeschwindigkeit von der lokalen Flammenkrümmung einzuführen, die den hydrodynamischen Effekt bei ausreichend hohen Krümmungen effektiv entgegenwirkt. Die Stabilisierung erfolgt, sofern die effektive Lewis-Zahl des Gemisches Le höher als ein kritischer Wert Le0 (etwas kleiner als eins) ist. Der Ursprung dieses thermodiffusiven Effekts ist unabhängig von der thermischen Ausdehnung und wird später ausführlicher besprochen. Wenn andererseits die Lewis-Zahl des Gemisches niedriger ist als Le0, wie es bei mageren Wasserstoff/ Luft-Gemischen der Fall ist, wird der thermodiffusive Effekt destabilisierend und wirkt synergistisch mit dem hydrodynamischen Effekt. In diesem Fall wird die Flamme als thermodiffusiv instabil bezeichnet und die planare Flamme zeigt eine Instabilität gegenüber einem breiten Spektrum von Wellenzahlen bis hin zu sehr kleinen Störungswellenlängen. Nur bei extrem kleinen Wellenlängen wird die planare Flamme durch einen diffusen Mechanismus wieder stabil, wie später behandelt wird. Die thermodiffusive Instabilität kann sowohl auf die Flammenstruktur und damit auf die lokalen Flammengeschwindigkeiten als auch auf die Flammenoberfläche einen enormen Einfluss haben. Beide Aspekte können die Verbrauchsgeschwindigkeiten erheblich erhöhen, wie in den folgenden Abschnitten ausführlicher besprochen wird. 3 Intrinsische Flammeninstabilitäten: Theorie Eine Vielzahl analytischer perturbativer Studien hat sich auf intrinsische Flammeninstabilitäten unter Verwendung unterschiedlicher Grade vereinfachender Annahmen konzentriert. Thermodiffusive Effekte wurden beispielsweise unter
Laminare Wasserstoffflammen 123 der Annahme konstanter Dichte untersucht [7, 47], während die gekoppelten Effekte sowohl thermodiffusiver als auch hydrodynamischer Instabilitäten unter der Annahme endlicher thermischer Ausdehnung untersucht wurden [31, 32, 34, 41], obwohl die Charakterisierung der Stabilisierung kleiner Wellenlängen für Le < Le0 in diesem allgemeinen Kontext noch fehlt. Andererseits wurde unter der Annahme kleiner thermischer Ausdehnung ein allgemeines Flammenmodell, das sowohl für thermodiffusiv stabile als auch instabile Flammen gültig ist, von Sivashinsky [48] aus den ersten Prinzipien abgeleitet. Ein solches schwach nichtlineares Modell, obwohl eher vereinfacht, behält sowohl hydrodynamische als auch thermodiffusive Effekte sowie die Stabilisierung kleiner Wellenlängen bei und ist daher sehr nützlich, um die Stabilitätseigenschaften vorgemischter Flammen zu verallgemeinern. Im folgenden Abschnitt werden wir ein äquivalentes Modell vorstellen, das weniger rigoros unter Verwendung einer phänomenologischen Flammengeschwindigkeitsrelation abgeleitet wurde. 3.1 Ein schwach nichtlineares Modell für die Flamme Wir identifizieren die Flamme als eine gasdynamische Diskontinuität, die durch das Nullniveau F(x, y, t) = 0 eines zweidimensionalen zeitabhängigen Skalarfeldes F dargestellt wird, das die verbrannten Gase (F > 0) von dem frischen Gemisch (F < 0) trennt, wie in Abb. 12. Das Flammennormal, das zu den verbrannten Gasen zeigt, ist daher n = ∇F/|∇F|. Für ein schwach gestörtes Blatt können wir annehmen F(x, y, t) = y − f (x, t), wobei f(x, t) eine einwertige Funktion ist, die die Flammenstörung darstellt. Die Flamme entwickelt sich im Laufe der Zeit gemäß Ft + Vf · ∇F = 0, wobei der Index t, x oder y die Differenzierung in Bezug auf die unabhängige Variable bezeichnet und Vf die absolute lokale Geschwindigkeit der Flamme im Laborflammenraum ist. Durch die Einführung der lokalen Flammengeschwindigkeit Sf als die flammennormale Komponente der unverbrannten Gase u = (u, v)T (d. h. bei F = 0−) relativ zur sich bewegenden Front Sf = (u − Vf ) · n, (6) kann die Frontentwicklungsgleichung umgeschrieben werden als Ft + u · ∇F = Sf |∇F|, Abb. 12 Eine vorgemischte Flamme als gasdynamische Diskontinuität (7)
P. E. Lapenna et al. 124 was dem entspricht ft + ufx − v = −Sf (1 + fx2 )1/2 . (8) Wir nehmen an, dass das Verhältnis der Dichte von unverbrannt zu verbrannt σ von der Größenordnung eins ist, sodass σ − 1 ≪ 1. Das Flammenblatt wird als eine Störung der Größenordnung (σ − 1) der planaren Front angenommen, die sich entlang der negativen y-Richtung mit konstanter Geschwindigkeit SL ausbreitet, sodass f (x, t) = SL t + (σ − 1)φ(x, y), wobei φ die skalierte Störung ist. Wenn sich die Flamme über eine Zeit τ = (σ − 1)t entwickelt, dann wird die induzierte Geschwindigkeit skalieren wie u ∼ (σ − 1)2 U und v ∼ (σ − 1)2 V , wobei U und V skalierte Geschwindigkeiten der Größenordnung eins sind. Die Substitution in Gl. (8), die Taylor-Entwicklung der Quadratwurzel und das Vernachlässigen höherer Ordnungen ergibt   −SL + (σ − 1)2 φτ − (σ − 1)2 V = Sf 1 + (1/2)(σ − 1)2 φx2 . (9) Sf = SL − LSL (σ − 1)φxx , (10) An diesem Punkt kann man ein Modell für die lokale Flammengeschwindigkeit Sf einführen. Markstein [30] schlug ursprünglich ein phänomenologisches Modell vor, das eine Abhängigkeit der Flammengeschwindigkeit von der lokalen Flammenkrümmung Sf = SL − Lκ einführt, wobei im vorliegenden Kontext die Krümmung κ = −∇ · n ist. Wie bereits erwähnt, leiteten spätere rigorose asymptotische Studien [31–34] (anstatt phänomenologisch anzunehmen) den linearen Ausdruck Gl. (3) her, der die Flammengeschwindigkeit Sf mit der lokalen Streckungsrate in Beziehung setzt K [32]. Im vorliegenden Kontext, unter der Annahme, dass die Auswirkungen der Streckung KS aufgrund des schwach gestörten induzierten Flusses vernachlässigbar sind, können wir das Flammengeschwindigkeitsmodell annehmen, das bei Substitution in Gl. (9) die sogenannte Michelson-SivashinskyGleichung ergibt LS L 1 φxx − V = 0. φτ + SL φx2 − 2 (σ − 1) (11) In dieser Gleichung ist die axiale Komponente V der Geschwindigkeit vor der Flamme noch unbekannt, kann aber durch Lösung der linearisierten EulerGleichungen zusammen mit den Rankine-Hugoniot-Sprungbeziehungen für Geschwindigkeit und Druck über die gestörte Front bestimmt werden. Es kann gezeigt werden [48], dass V = (1/2)SL I{φ}, wobei I{φ} die nicht-lokale HilbertTransformation ist 1 I{φ} = 2π ˆ∞ ˆ∞ −∞ −∞ |k|eik(x−ξ ) φ(ξ , τ )dkdξ , (12)
Laminare Wasserstoffflammen 125 die einer Multiplikation mit |k| im Fourier-Raum entspricht. Die MichelsonSivashinsky-Gleichung, Gl. (11), ist daher eine Integro-Differentialgleichung, die in nicht-dimensionalen Begriffen unter Verwendung der Flammendicke ℓD als Längeneinheit und SL als Geschwindigkeitseinheit lautet M 1 1 φxx − I{φ} = 0, φτ + φx2 − 2 σ −1 2 (13) wobei M = L/ℓD die Markstein-Zahl ist. Hier und im Folgenden beziehen sich die Symbole auf nicht-dimensionale Größen. In Gl. (13) ist der zweite Term auf der LHS ein nichtlinearer Term, der die normale Frontausbreitung darstellt, der dritte Term stellt die thermodiffusive Modulation der lokalen Flammengeschwindigkeit dar, während der vierte Term den destabilisierenden Effekt der thermischen Ausdehnung über die Flamme (die Darrieus-Landau-Instabilität) darstellt. Unter der Annahme einer harmonischen Flammenstörung φ = Aeikx+ωτ ergibt Gl. (13) die nicht-dimensionale Dispersionsrelation, die die Wachstumsrate ω der Störung der Wellenzahl k als ω=k− M σ −1 k2. (14) Hier entspricht der lineare Term dem Effekt der thermischen Ausdehnung, der für alle Wellenzahlen destabilisierend ist, während der zweite quadratische Term den thermodiffusiven Effekt darstellt, der mit dem korrigierenden Flammengeschwindigkeitsterm in Gl. (10) proportional zur Flammenkrümmung zusammenhängt. Unter der Annahme einer harmonischen Störung der Wellenlänge und Amplitude in der Größenordnung der Flammendicke ℓD, ist dieser letztere Term proportional zu (σ − 1)(L/ℓD )(ℓD /)2 und ist daher vernachlässigbar, wenn  ≫ ℓD, wenn hydrodynamische Effekte dominieren, während er bei kleineren Wellenlängen relevant wird. Insbesondere ist der Term stabilisierend für M > 0, während er destabilisierend wird, wenn M < 0. Die verallgemeinerte hydrodynamische Theorie [40, 41] liefert eine elaboriertere Dispersionsrelation und einen analytischen Ausdruck für M, eingeführt als Gl. (4). Im Allgemeinen werden thermodiffusive Effekte destabilisierend für Le < Le0  1 oder äquivalent für L < L0  0, was eine typische Situation für magere Wasserstoff/LuftGemische ist. Aus physikalischer Sicht kann die thermodiffusive Instabilität in Bezug auf transversale Wärme- und Reaktantdiffusionsströmen verstanden werden, die in einer gekrümmten Flamme wirken, wie von Clavin und Searby [49] erklärt. Wenn die Flamme gekrümmt ist, können die normal zur Flammenoberfläche wirkenden Diffusionsflüsse in einen transversalen und einen longitudinalen Fluss zerlegt werden. Während die longitudinalen Flüsse für die Struktur der Vorwärmzone in Bezug auf Temperatur- und Reaktantenprofile verantwortlich sind, wachsen die transversalen Flüsse, die in einer planaren Flamme eindeutig fehlen, mit der Flammenkrümmung, wie ℓD / zunimmt, und bestimmen heißere/kühlere Reaktionszonen, wie in Abb. 13 illustriert (beachten Sie, dass die Reaktionszone im Grenzfall hoher Aktivierungsenergie weit kleiner ist als die Vorwärmzone). In
P. E. Lapenna et al. 126 Verbranntes Gas Frisches Gas Reaktions zone Transversaler Wärmestrom Transversaler Wärmestrom Transversaler Fluss von frischen Reaktanten Transversaler Fluss von frischen Reaktanten Es herrscht Hitze: Flamme ist schneller Es herrscht Abkühlung: Flamme ist langsamer (Thermodiffusiv stabil) (Thermodiffusiv instabil) Abb. 13 Skizze des thermodiffusiven Mechanismus. Links: Stabiler Fall (Le > Le0); rechts: instabiler Fall (Le < Le0) dem Teil der Flamme, der konvex zur frischen Mischung ist, neigt der transversale Wärmefluss dazu, die Reaktionszone durch Wärmeentzug zu kühlen, während der transversale Fluss frischer Reaktanten den gegenteiligen Effekt haben wird, indem er die Reaktionszone auffüllt. Wie bereits erwähnt, überwiegt je nach Lewis-Zahl einer der beiden Effekte. Insbesondere bei Le < Le0 wird die Reaktionszone durch frische Reaktanten effektiver aufgefüllt, als sie Wärme verliert, wodurch die Flammengeschwindigkeit lokal erhöht wird, was wiederum die Amplitude der Störung erhöht und zu einer Instabilität führt. Der thermodiffusive Mechanismus, obwohl er für eine ausreichend kleine Störungswellenlänge aktiviert wird, kann nicht unbegrenzt wachsen, wenn die Wellenlänge weiter abnimmt. Insbesondere für  < ℓD wird der thermodiffusive Mechanismus durch die zunehmenden lokalen transversalen Wärme- und Reaktantiengradienten unwirksam, die die transversale Wärmeleitung und Reaktantiendiffusion begünstigen und somit die Flammenstörung dämpfen, unabhängig von der Lewis-Zahl, wie schematisch in Abb. 14 gezeigt. Transversale Flüsse frischer Reaktantien werden ebenfalls unwirksam sein, um die Reaktionszone wieder aufzufüllen, wodurch der thermodiffusive Mechanismus effektiv deaktiviert wird. Der stabilisierende Mechanismus, der bei sehr niedriger Störungswellenlänge dominant wird, kann berücksichtigt werden, indem ein Term hinzugefügt wird, der unabhängig vom Vorzeichen der Markstein-Länge oder sogar wenn die MarksteinLänge null ist, den thermodiffusiven Term im Flammengeschwindigkeitsmodell Eq. (10) entgegenwirkt und somit ein verallgemeinertes Markstein-Modell ergibt. Eine mögliche Form eines solchen Modells lautet Sf = SL − LSL (σ − 1)φxx + L2S ℓD SL (σ − 1)φxxxx . (15) In diesem Modell wurde eine neue Längenskala eingeführt, nämlich LS, die höhere Ordnungseffekte der Krümmung moduliert und eine ähnliche Rolle spielt wie die Markstein-Länge für die Krümmung. Prinzipiell könnte LS eine Funktion von L
Laminare Wasserstoffflammen 127 Transversale Wärmeleitung Transversale Reaktandiffusion Abb. 14 Transversaler Leitungs-/Diffusionsstabilisierungsmechanismus für sehr niedrige Störungswellenlänge  < ℓD sein, vorausgesetzt, sie bleibt ungleich null, selbst wenn L = 0, was darauf hinweist, dass der stabilisierende Mechanismus bei kleinen Skalen immer aktiv ist. Beachten Sie, dass für harmonische Störungen φxx und φxxxx entgegengesetztes Vorzeichen haben, sodass der dritte stabilisierende Term auf der rechten Seite dasselbe (entgegengesetzte) Vorzeichen wie der zweite Term nur dann hat, wenn letzterer stabilisierend (destabilisierend) ist. Im linearen Regime ist der dritte stabilisierende Term proportional zu (σ − 1)(LS /ℓD )2 (ℓD /)4 und dominiert daher nur bei sehr kleinen Werten von . Die entsprechende dimensionslose Entwicklungsgleichung lautet γ2 1 M φxx + φxxxx − V = 0, φτ + φx2 − 2 (σ − 1) (σ − 1) (16) wo γ = LS /ℓD. Es ist erwähnenswert, dass das Zusammenspiel des destabilisierenden thermodiffusiven Terms und des kleinen Wellenlängenstabilisierungsmechanismus, der durch den dritten Term in Eq. (15) dargestellt wird, wahrscheinlich für die typische unruhige Natur der thermodiffusiven Instabilitäten im nichtlinearen Regime verantwortlich ist, die später in Abschn. 5.2 beschrieben wird. Während der destabilisierende Term die lokale Flammenkrümmung erhöht und die Störungswellenlänge verringert, wird bei einer ausreichend kleinen Wellenlänge auch der stabilisierende Mechanismus ausgelöst, der den gegenteiligen Effekt hat, die Flamme zu glätten und somit die lokale Krümmung zu verringern, was zu einem unruhigen, scheinbar chaotischen Wettbewerb zwischen den beiden Effekten führt.
P. E. Lapenna et al. 128 Abb. 15 Dispersionsrelation Gleichung (17), die den stabilisierenden Effekt bei hohen Wellenzahlen zeigt Die Dispersionsrelation, die der Gleichung (16) entspricht, lautet ω=k− M σ −1 k2 − γ2 4 k , σ −1 (17) welche qualitativ in Abb. 15 dargestellt ist. Bei kleinen Störwellenzahlen (lange Wellenlänge) (Punkt A) dominieren hydrodynamische Effekte (∼k ) über stabilisierende thermodiffusive Effekte (∼k 2). Bei größeren Wellenzahlen (Punkt B) dominieren stabilisierende thermodiffusive Effekte über destabilisierende hydrodynamische Effekte. Wenn diffusive Effekte destabilisierend sind (Punkt C), wirken sie synergistisch mit den destabilisierenden hydrodynamischen Effekten. Bei sehr großen Störwellenzahlen (Punkt D) können stabilisierende laterale Wärme- und Massendiffusionen unabhängig von der Lewis-Zahl dominierend über thermodiffusive Effekte werden. Das verallgemeinerte, schwach nichtlineare Modell, das durch eine Entwicklungsgleichung vom Typ Gl. (16) gegeben ist, stellt eine recht effektive Darstellung der zugrunde liegenden physikalischen Mechanismen dar, die die intrinsische Instabilität vorgemischter Flammen bestimmen. Eine wichtige Schlussfolgerung aus dieser Gleichung ist, dass die Instabilitäten bis zum schwach nichtlinearen Regime nur durch zwei Parameter bestimmt werden, das Dichteverhältnis σ und die Markstein-Zahl M, wobei letztere hauptsächlich von σ , der Zeldovich-Zahl Ze und der effektiven Lewis-Zahl Le abhängt. Tatsächlich ändert die Verwendung vollständigerer nichtlinearer Modelle, die frei von bestimmten asymptotischen Annahmen sind, nichts an der Essenz solcher Mechanismen. Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung der vollständigen Navier-Stokes-Gleichungen im Low-Mach-Limit mit Temperatur- und Mangelreaktantentransport [51, 52], wobei eine planare Flamme harmonisch gestört und die Amplitudenwachstumsrate überwacht wird, was zu den in Abb. 16 dargestellten numerischen Dispersionsrelationen führt. Ähnlich wie in Abb. 15 wird bei sinkender Lewis-Zahl die destabilisierende Wirkung thermodiffusiver Effekte bei niedrigen Wellenzahlen zusammen mit dem stabilisierenden Mechanismus bei kleinen Wellenlängen deutlich. Detaillierte Chemie-Modelle können ebenfalls verwendet werden, was zu Dispersionsrelationen für jeden Brennstoff oder Brennstoffgemisch bei variablem Äquivalenzverhältnis und Druck führt [53, 54], wie in Abschn. 5.1 diskutiert wird.
Laminare Wasserstoffflammen Abb. 16 Numerische Dispersionsrelationen, abgeleitet aus einem vollständig nichtlinearen, Low-Mach-, Mangelreaktantenmodell. Nachgedruckt aus Ref. [50]. 129 , , , , , Offensichtlich werden komplexere Flammengeschwindigkeitsmodelle als Gl. (15) gelten, die die Streckungsrate und höhere Differentialoperatoren umfassen, die aus der Streckungsrate selbst abgeleitet sind. 3.2 Alternative Ansätze für intrinsische Flammeninstabilitäten Im Kontext strengerer perturbativer Ansätze entwickelten Matalon und Matkowsky [32] ein vollständig nichtlineares hydrodynamisches Modell für die Flamme, und Matalon et al. [41] leiteten eine umfassende Dispersionsrelation ab, die die Effekte der Stöchiometrie, temperaturabhängiger Transportkoeffizienten und Reaktionsordnungen einschließt, welche in dimensionsloser Form lautet ω = ωDL k − δ[B1 + Ze(Le − 1)B2 + PrB3 ]k 2 . (18) Hier können die Ausdrücke für ωDL und B1,2,3 in [41] gefunden werden und δ = ℓD /L ist die mit der hydrodynamischen Längenskala L normalisierte Flammendicke. Beachten Sie, dass die Dispersionsrelation bis zum quadratischen Term abgeleitet wurde, während höhere stabilisierende Terme im Kontext der hydrodynamischen Theorie noch unbestimmt sind. Eine kritische Lewis-Zahl Le0 kann ebenfalls aus Gl. (18) abgeleitet werden, als der Wert, bei dem der diffusive Koeffizient des quadratischen Terms das Vorzeichen wechselt und somit destabilisierend wird. Dies führt zu Le0 = 1 − (B1 + PrB3 )/ZeB2, was ein Wert ist, der etwas kleiner als eins ist. Daher können Mischungen, die Le < Le0 aufweisen, potenziell thermodiffusive Instabilitäten zeigen. Durch die Definition des Parameters ε = (Le0 − Le)/(1 − Le0 ) werden thermodiffusive Instabilitäten nur für Mischungen möglich sein, für die ε > 0 gilt. Creta et al. [12] schätzten Le0 für mehrere brennbare Mischungen und stellten sie auf einer (1 − σ , ε) -Ebene für variable Äquivalenzverhältnisse dar. Abb. 17 zeigt, wie erwartet, dass nur magere Wasserstoffmischungen sowie stark wasserstoffangereicherte Propanmischungen die ε > 0 -Zone erreichen und thermodiffusive Instabilitäten zeigen können. Sivashinsky [7] stellte auch eine Dispersionsrelation in einer alternativen Form zu Gl. (17) bereit, die in einer impliziten Form erscheint, welche den Vorteil hat, höhere Ordnungen einzuschließen, obwohl die Form der Terme der einzelnen
P. E. Lapenna et al. 130 , , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 17 Brennbare Mischungen bei variablem Äquivalenzverhältnis auf der (1 − σ , ε) -Ebene. Details finden sich in [12], aus der die Abbildung adaptiert ist. Ebenfalls dargestellt, in fett roten Symbolen, sind laminar DNS-Simulationen aus der Literatur: Kreise [55]; Rauten [11]; Dreiecke [56]; Quadrate [12] Ordnungen nicht explizit angegeben ist. Sie basiert auf einer rigorosen Analyse der grundlegenden Gleichungen unter der Annahme eines vernachlässigbaren Dichtesprungs über die Flamme. Diese Dispersionsrelation ergibt 0= (Le − q)(p − r) Ze , − Le − q + p − 1 2 wobei die Terme q, p, r wie folgt gegeben sind    1 p = 1 + 1 + 4(ω + k 2 ) , 2    Le 4(ωLe + k 2 ) q= 1+ 1+ , 2 Le2 r=    1 1 − 1 + 4(ω + k 2 ) . 2 (19) (20) (21) (22) Beachten Sie, dass die hydrodynamische Instabilität in Gl. (19) nicht berücksichtigt wird, da der Dichtesprung in dieser Herleitung vernachlässigt wird. Während diese implizite Dispersionsrelation eine andere funktionale Form als die heuristisch abgeleitete Dispersionsrelation in Gl. (17) hat, zeigte Sivashinsky [57], dass Gl. (19) dasselbe qualitative Verhalten wie die vierte Ordnung Polynomfunktion in Gl. (17) aufweist, z. B. zu einer Stabilisierung bei hohen Wellenzahlen unabhängig von der Lewis-Zahl führt. Insbesondere zeigte Sivashinsky [57], dass für Le ≈ Le0, die implizite Formulierung in Gl. (19) eine vierte Ordnung Polynomfunktion ähnlich der Gl. (17) ergibt mit γ 2 = 4, sodass in dieser Herleitung der Koeffizient des vierten Ordnungsterms keine Abhängigkeit von der MarksteinZahl aufweist.
Laminare Wasserstoffflammen 131 4 Intrinsische Flammeninstabilitäten: Experimentelle Beobachtungen 4.1 Sphärische Flammen Jede grundlegende Flammenkonfiguration, sei es eine stationäre planare Flamme oder eine expandierende sphärische Flamme, ist einer analytischen linearen Stabilitätsanalyse zugänglich. Wie bereits besprochen, ergibt dies letztendlich eine Dispersionsrelation, die die Wachstumsrate einer kleinen Amplitudenharmonischen Störung der Grundkonfiguration mit der Störungswellenzahl in Beziehung setzt, gegeben eine Reihe von Betriebsparametern wie Le, Ze, Pr, σ und Druck. Wenn die Wachstumsrate für einen Bereich von Wellenzahlen positiv ist, dann ist die Flamme intrinsisch instabil und die Amplitude solcher Störungswellenzahlen wird voraussichtlich wachsen und letztendlich eine nichtlineare Phase erreichen, in der die Flamme eine Form von Oberflächenfalten aufweist. Diese Faltenbildung im nichtlinearen Regime führt zu komplexen Flammenoberflächenstrukturen, die in Experimenten tatsächlich beobachtet werden, wie zum Beispiel bei den sphärisch expandierenden Flammen in Abb. 1. Die lineare Stabilitätsanalyse, die auf sphärisch expandierende Flammen angewendet wird [58], hat gezeigt, dass mit der Expansion der Flamme die Wachstums-/Abklingrate der Amplitude A relativ zum Radius R(t) einer Oberflächenstörung der Wellenzahl n durch   1 dA ℓD Ṙ = ωDL − � , A dt R R (23) gegeben ist, wobei ωDL den Effekt der thermischen Expansion und  den Effekt der (thermischen, molekularen, viskosen) Diffusion darstellt. Während genaue Ausdrücke in [58] gefunden werden können, wird für realistische Werte der thermischen Expansion σωDL immer als positiv befunden, was den Effekt der thermischen Expansion immer destabilisierend macht. Andererseits kann eine sphärische Flamme stabil gemacht werden, wenn � > 0 (d. h. Le > Le0). In diesem Fall treten hydrodynamische Instabilitäten nur bei ausreichend großen Flammenradien auf. Andererseits zeigen thermodiffusiv instabile Flammen (Le < Le0), wie magere Wasserstoffflammen, � < 0 und somit eine positive Störungswachstumsrate bereits in den sehr frühen Stadien der Expansion. Dies wird durch sphärisch expandierende Flammenexperimente wie das in Abb. 1 dargestellte bestätigt, bei dem die magere Wasserstoffflamme kurz nach der Zündung Faltenbildung zeigt. Wenn ein ähnliches Experiment mit einem fetten Wasserstoffgemisch wiederholt würde (siehe z. B. die von Law überprüften Experimente [59]), das thermodiffusiv stabil ist, würde die sphärisch expandierende Flamme für eine viel längere Expansionszeit glatt und ohne Oberflächenfalten erscheinen, obwohl Falten, wie erwähnt, im Allgemeinen über einen kritischen Radius
P. E. Lapenna et al. 132 hinaus auftreten. Tatsächlich wird festgestellt, dass die Flammenkrümmung eine stabilisierende Wirkung auf die sphärisch expandierende Flamme hat [58]. Daher nehmen die stabilisierenden thermodiffusiven Effekte mit zunehmendem Flammenradius ab, bis die Flamme hydrodynamisch instabil wird und schließlich aufgrund des Darrieus-Landau-Mechanismus Faltenbildung zeigt. In den von Law überprüften Experimenten [59] kann man sehen, dass sich Kohlenwasserstoffgemische gegensätzlich verhalten. Magere Gemische sind thermodiffusiv stabil und zeigen hydrodynamische Instabilitäten nach einem kritischen Radius, während fette Gemische bereits in den sehr frühen Stadien der Ausbreitung Faltenbildung zeigen. Darüber hinaus tritt bei erhöhtem Druck eine solche hydrodynamische Faltenbildung in früheren Stadien der Expansion auf. Der Grund für den Druckeffekt ist, dass die Flammendicke abnimmt und die Krümmungsstabilisierung weniger effektiv wird. Dies kann in Abb. 18 beobachtet werden, die stöchiometrische sphärische Wasserstoff/Luft-Flammen bei steigendem Druck zeigt [20]. Während die Flamme thermodiffusiv stabil zu sein scheint, zeigt sie bei höherem Druck einen frühen Stabilitätsverlust aufgrund hydrodynamischer Effekte. , , , Abb. 18 Sphärische Wasserstoff/Luft-Flammen; φ = 1,0, Anfangstemperatur 373 K. Nachgedruckt aus Ref. [20]
Laminare Wasserstoffflammen 133 4.2 Hele-Shaw-Zellen Intrinsische Instabilitäten von Wasserstoffflammen können weiter in Hele-ShawZellen beobachtet werden, in denen sich Flammen zwischen zwei parallelen Glasoder Acrylplatten ausbreiten, die durch einen schmalen Spalt getrennt sind, der weit kleiner ist als die Abmessungen in der Ebene. Die resultierende Konfiguration ergibt eine quasi zweidimensionale Flamme, vorausgesetzt, der Spalt ist groß genug, um ein Erlöschen der Flamme aufgrund von Wärmeverlusten an die Wände zu vermeiden. Zusätzlich zu hydrodynamischen und thermodiffusiven Instabilitäten kann diese Konfiguration prinzipiell auch auftriebsbedingte und SaffmanTaylor-Instabilitäten fördern. Letztere treten auf, wenn eine weniger viskose Flüssigkeit von einer viskoseren Flüssigkeit verdrängt wird, was bei sich ausbreitenden Flammen immer der Fall ist, da die Viskosität mit der Temperatur in den verbrannten Produkten abnimmt. Der Effekt der Saffman-Taylor-Instabilitäten kann reduziert werden, wenn der Abstand zwischen den parallelen Platten ausreichend groß ist [18]. Abb. 19 zeigt Sequenzen von horizontal ausbreitenden Flammen in einer Hele-Shaw-Zelle [18]. Insbesondere zeigt Abb. 19a ein reichhaltiges H2–O2–N2-Gemisch, bei dem der limitierende Reaktant Sauerstoff ist und das entsprechende effektive Le ≈ 1,6. Die Flamme wird durch drei elektrische Funken gezündet und breitet sich isobarisch von der oberen offenen Grenze zur unteren geschlossenen Grenze aus. Die Flamme zeigt großflächige Spitzen, die typisch für hydrodynamische Instabilität sind, ohne thermodiffusive kleinräumige Faltenbildung aufgrund der hohen Lewis-Zahl. Im Gegensatz dazu zeigt Abb. 19b ein mageres H2–O2–N2-Gemisch, bei dem Wasserstoff die limitierende Komponente ist und für das Le ≈ 0,34. Thermodiffusive Instabilitäten sind deutlich sichtbar als kleinräumige Faltenbildung, die auf großflächige Flammenfinger überlagert ist, die in Richtung des frischen Gemisches ragen. Insbesondere sind kleine Extinktionszonen aufgrund diffusionsbedingten Brennstoffmangels sichtbar, wo die Flamme konkav zum frischen Gas ist. Im Gegensatz dazu zeigen hellere Zonen, wo die Flamme konvex zum frischen Gas ist, eine höhere Reaktivität aufgrund einer effektiveren Brennstoffzufuhr zur Reaktionszone. Eine quantitative und qualitative Analyse der morphologischen Merkmale von Wasserstoffflammen wird in einem späteren Abschnitt gegeben, in dem direkte numerische Simulationen solcher Flammen illustriert werden. 5 Intrinsische Flammeninstabilitäten: Simulationen In diesem Abschnitt wird die Neigung von laminar brennenden Wasserstoff/LuftFlammen zur Bildung intrinsischer Flammeninstabilitäten anhand von Ergebnissen aus direkten numerischen Simulationen (DNS) diskutiert. In DNS werden die reagierenden Navier-Stokes-Gleichungen direkt zusammen mit Temperatur- und Speziemassenbruchgleichungen unter Verwendung eines detaillierten chemischen
134 P. E. Lapenna et al. Abb. 19 Sequenzen von Bildern propagierender Flammen in einer Hele-Shaw-Zelle. Panel (a) Reiches H 2 –O 2 –N 2 Mischung (Le ≈ 1,6). Panel (b) Magere H 2 –O 2 –N 2 Mischung (Le ≈ 0,34). Nachgedruckt aus Ref. [18] Mechanismus gelöst, sodass Annahmen zur Reduktion chemischer Mechanismen vermieden werden und eine rigorose Analyse verfolgt werden kann. Insbesondere werden zwei charakteristische Regime der Flammenentwicklung bewertet: das lineare und das nichtlineare Regime. Ersteres bezieht sich auf schwach gestörte Flammenfronten und ermöglicht einen Vergleich mit theoretischen Modellen, während das nichtlineare Regime stark gewellte Flammenfronten mit hohen Streckungsraten darstellt, die das Langzeitverhalten solcher Flammen repräsentieren. In diesem Kapitel werden die folgenden Schlüsselbotschaften bezüglich thermodiffusiver Instabilitäten in Wasserstoff/Luft-Flammen diskutiert: • Intrinsische Instabilitäten können die Flammenverbrauchsgeschwindigkeit im Vergleich zur laminaren, ungestreckten Brenngeschwindigkeit aufgrund von Flammenfalten und Effekten auf die lokale Flammenausbreitung erheblich erhöhen • Die derzeitigen theoretischen Modelle bieten keine quantitativ genaue Beschreibung von Wasserstoff/Luft-Flammen • Intrinsische Instabilitäten sind dominant für magere Gemische, niedrige Temperaturen und hohen Druck. Hier werden wir kurz den Stand der Technik in den folgenden Abschnitten überprüfen. Als Beispiel für Ergebnisse und Analysen von Simulationen sowohl im
Laminare Wasserstoffflammen 135 linearen als auch im nichtlinearen Wachstumsregime der Instabilität werden wir die Arbeit von Berger et al. [16, 60] ausführlicher diskutieren. Zuerst werden wir das numerische Setup und die Simulationsdomänen dieser Simulationen beschreiben. Dann werden wir uns in zwei separaten Unterabschnitten auf die Literaturübersicht und Analyse in den linearen und nichtlinearen Regimen konzentrieren. Die Simulationsdomänen und Schnappschüsse von zwei Flammen im linearen und nichtlinearen Regime der Studie von Berger et al. [16, 60] sind in Abb. 20 dargestellt. In beiden Regimen bewegen sich die Flammen von oben nach unten, sodass ein Einlass und ein Auslass am unteren bzw. oberen Rand der Domäne platziert sind. Periodische Randbedingungen wurden in lateraler Richtung angewendet. Der Schnappschuss des linearen Regimes zeigt eine Flamme, die durch eine harmonische Verschiebung schwach gestört ist, und der Schnappschuss des nichtlinearen Regimes zeigt die charakteristischen Merkmale thermodiffusiv instabiler Flammen auf langen Zeitskalen, bei denen die Bildung chaotischer inharmonischer kleiner zellulärer Strukturen und großer fingerartiger Strukturen sichtbar ist. Eine großflächige Flammenfingerstruktur wird durch das rechteckige Kästchen hervorgehoben. Solche Merkmale können mit dem experimentellen Bild in Abb. 19b verglichen werden. Insbesondere weisen beide Arten von Simulationen die gleiche numerische Konfiguration auf und unterscheiden sich nur in Bezug auf Auflösung, Simulationslaufzeit und Domänenbreite. Im linearen Regime wird nur die anfängliche Entwicklung einer harmonisch gestörten planaren Flammenfront analysiert, wobei „anfänglich“ als die Dauer definiert ist, für die die Störungsamplitude ihre harmonische Form beibehält, während sie wächst oder schrumpft. Dieses Verhalten wird nur bei ausreichend kleinen Störungsamplituden beobachtet, sodass hohe Auflösungen in Bezug auf die Flammendicke erforderlich sind. Das nichtlineare Regime ist durch die langfristige Entwicklung solcher Flammen gekennzeichnet, die starke Wellen aufweisen, die erheblich von einer harmonischen Form abweichen. Da das nichtlineare Regime ein viel reichhaltigeres Spektrum charakteristischer Flammenfrontmuster aufweist, z. B. kleine und großflächige Strukturen, ist eine deutlich größere Rechendomäne erforderlich, um das gesamte Spektrum der Muster zu erfassen. Für weitere Details zu den Netzauflösungen und Domänengrößen wird der Leser auf die Arbeit von Berger et al. [16, 60] verwiesen. 5.1 Das lineare Regime Die Simulationen im linearen Regime stellen eine rechnerische Stabilitätsanalyse einer planaren Flammenfront dar. Dafür ist es entscheidend, dass die anfänglich auferlegte Störungsamplitude ausreichend klein ist, sodass die anfängliche Störung ein exponentielles Wachstum/Reduktion der Form
P. E. Lapenna et al. 136 (a) Lineares Regime Schwache Störung , , , Temperatur [K] (b) Nicht-lineares Regime Abb. 20 a Simulationsdomäne und Schnappschuss des Temperaturfeldes für eine schwach gestörte Wasserstoff/Luft-Flamme im linearen Regime bei φ = 0,5, Tu = 298 K, p = 1 bar. Nachgedruckt aus Ref. [60]. b Simulationsdomäne und Schnappschuss des Temperaturfeldes einer stark gewellten Wasserstoff/Luft-Flamme im nichtlinearen Regime unter den gleichen Bedingungen. Nachgedruckt aus Ref. [16] A(x, t) = A0 exp(ikx + ωt), (24) zeigt, wobei A(x, t) die Störungsamplitude darstellt, k die auferlegte Störungswellenzahl ist und ω die Wachstumsrate der Störung ist. Daher ergibt das Messen der Wachstumsraten bei verschiedenen Wellenzahlen numerische Dispersionsrelationen, wie bereits in Abb. 16 eingeführt. Mehrere numerische Studien [61–65] haben Dispersionsrelationen unter Verwendung eines Ein-Schritt-Chemie-Mechanismus als Funktion der charakteristischen Flammenparameter, wie Zeldovich-Zahl, Lewis-Zahl und Expansionsverhältnis, bestimmt. Für Wasserstoff/Luft-Flammen haben Frouzakis et al. [56] jedoch numerisch Dispersionsrelationen unter atmosphärischen Bedingungen für verschiedene Äquivalenzverhältnisse von 0,5 < φ < 2,0 unter Verwendung eines detaillierten Chemie-Mechanismus untersucht und mit den theoretischen Vorhersagen von Gl. (18) verglichen, die von Matalon et al. [41] abgeleitet wurden. Eine gute Übereinstimmung wird bei fetten Gemischen
Laminare Wasserstoffflammen 137 beobachtet, während bei mageren Bedingungen, bei denen thermodiffusive Instabilitäten relevant werden, eine starke Abweichung beobachtet wird. Um die Dispersionsrelationen unter Bedingungen, die stark von thermodiffusiven Instabilitäten beeinflusst werden, weiter zu untersuchen, führten Berger et al. [60] eine große parametrische Studie bei verschiedenen Äquivalenzverhältnissen, unverbrannten Temperaturen und Drücken durch. Abb. 21 zeigt numerische Dispersionsrelationen unter diesen Bedingungen in Wasserstoff/Luft-Flammen. Zusätzlich zu den numerisch gemessenen Wachstumsraten werden die theoretischen Wachstumsraten ωDL der hydrodynamischen Instabilität gezeigt. Es ist zu beachten, dass die Wellenzahlen durch die thermische Flammendicke normalisiert sind. lF, definiert in einer ungestreckten laminaren Flamme als lF = Tb − T u , max(|∇T |) (25) wobei Tb und Tu die verbrannten und unverbrannten Temperaturen sind. Die Wachstumsraten werden durch die Flammenzeit τF = lF /sL normalisiert. Für die meisten Flammen übersteigen die numerischen Wachstumsraten die Werte von ωDL, was darauf hinweist, dass die thermodiffusiven Prozesse bei mittleren Wellenzahlen destabilisierend wirken, während bei großen Wellenzahlen immer eine Stabilisierung zu beobachten ist. Wie oben und in Berger et al. [60] diskutiert, werden die thermodiffusiven Prozesse stabilisierend für Wellenlängen, die in der Größenordnung der Flammendicke liegen, da solche Störungen im Vorwärmbereich schnell diffundieren und nicht in die Reaktionsschicht getragen werden können. In Abb. 21 zeigen nur zwei Fälle Wachstumsraten, die für alle Wellenzahlen ausreichend unter den theoretischen hydrodynamischen Wachstumsraten liegen. Daher können nur diese beiden Fälle als thermodiffusiv stabil angesehen werden. Weiterhin zeigt Abb. 21, dass Wachstumsraten und damit intrinsische Instabilitäten bei mageren Gemischen, niedrigen Temperaturen und hohen Drücken am ausgeprägtesten sind. Es ist von besonderem Interesse, numerisch erhaltene Dispersionsrelationen mit theoretischen Modellen zu vergleichen, da letztere typischerweise kleine Streckraten annehmen, was ein wesentliches Merkmal des linearen Regimes aufgrund der angenommenen schwachen Störung ist. Die relevanten theoretischen Modelle wurden bereits in Abschn. 3 eingeführt. Es werden zwei Arten von Modellen unterschieden: Entweder wird angenommen, dass die Lewis-Zahl der defizienten Spezies größer ist als die kritische Lewis-Zahl in Gl. (18), die von Matalon et al. [41] abgeleitet wurde, oder der Dichtesprung über die Flamme wird als klein betrachtet, wie in Gl. (19) von Sivashinsky [7] angenommen. Wasserstoffflammen weisen jedoch Lewis-Zahlen unterhalb der kritischen Lewis-Zahl und große Dichteverhältnisse zwischen verbranntem und unverbranntem Zustand auf. Abb. 22 zeigt einen Vergleich der beiden theoretischen Modelle mit der numerischen Dispersionsrelation für eine Wasserstoff/Luft-Flamme bei φ = 0,4, Tu = 298 K, p = 1 bar. Dieser Fall wird im Folgenden als ‚Ref‘ bezeichnet. Es ist
P. E. Lapenna et al. 138 Abb. 21 Numerische Dispersionsrelationen für Wasserstoffflammen. Variationen des Äquivalenzverhältnisses φ, der unverbrannten Temperatur Tu und des Drucks p in Bezug auf die Referenzbedingung bei φ = 0,5, Tu = 298 K und p = 1 bar. Nachgedruckt aus Ref. [60] , , , , Abweichung bei Variation bei Variation bei und , und , und offensichtlich, dass das Modell von Sivashinsky [57] die numerischen Wachstumsraten unterschätzt, da es den Dichtesprung vernachlässigt. Bezüglich des Modells von Matalon et al. [41] ist eine gute Übereinstimmung bei kleinen Wellenzahlen zu sehen, aber wie erwartet kann das Modell die Stabilisierung bei großen Wellenzahlen nicht erfassen, da die höherwertigen Stabilisierungstermini fehlen. Um
Laminare Wasserstoffflammen 139 Abb. 22 Vergleich der numerischen Dispersionsrelation des Falls ‚Ref‘ mit dem Modell von Matalon et al. [41] und Sivashinsky [7] die Leistung der Modelle im Detail zu bewerten, wurden zwei zusätzliche Dispersionsrelationen für dieselbe Flamme gemessen, bei denen unterschiedliche physikalische Modelle verwendet wurden, um entweder die hydrodynamische oder die thermodiffusive Instabilität selektiv zu unterdrücken. Dazu wird ein Fall simuliert, bei dem die Zustandsgleichung durch die Anwendung einer konstanten Dichte im gesamten Bereich ersetzt wird. Dadurch wird die hydrodynamische Instabilität unterdrückt und der Fall wird als ‚TD-Unstable‘ bezeichnet. Im zweiten Fall, der als ‚DL-Unstable‘ bezeichnet wird, werden die Lewis-Zahlen aller Spezies auf Eins gesetzt, sodass die differentielle Diffusion und damit die thermodiffusiven Instabilitäten unterdrückt werden. Diese beiden Fälle weisen genau die Bedingungen auf, für die die verschiedenen Dispersionsrelationen abgeleitet wurden, z. B. nahm Sivashinsky [7] einen vernachlässigbaren Dichtesprung über die gesamte Flamme an und Matalon et al. [41] nahmen eine LewisZahl an, die über einer kritischen Lewis-Zahl liegt, daher ist es aufschlussreich, die Modellleistung auch für diese Fälle zu bewerten. Die Abb. 23 und 24 zeigen den Vergleich der beiden Fälle mit den theoretischen Modellen. Für den Fall ‚DLUnstable‘ erfasst das Modell von Matalon et al. [41] die Dispersionsrelation sehr gut, was darauf hinweist, dass es gut für Flammen mit Lewis-Zahlen nahe Eins geeignet ist. Auch der Fall ‚TD-Unstable‘ wird vom Modell von Sivashinsky gut dargestellt, außer bei sehr großen Wellenzahlen. Daher kann geschlossen werden, dass trotz weiterer Vereinfachungen in den theoretischen Modellen, wie der globalen Ein-Schritt-Chemie, diese gut für Fälle innerhalb ihres Gültigkeitsbereichs geeignet sind, aber eine genaue Beschreibung von Wasserstoff/ Luft-Flammen fehlt, bei denen niedrige Lewis-Zahlen und Nicht-EinheitsExpansionsverhältnisse vorherrschen. Es ist besonders interessant zu bemerken, dass die Auswirkungen detaillierter chemischer Kinetik eine untergeordnete Rolle für die beobachteten Phänomene zu spielen scheinen.
P. E. Lapenna et al. 140 Abb. 23 Vergleich der numerischen Dispersionsrelation des Falls ‚TD-Unstable‘ mit dem Modell von Sivashinsky [7] Abb. 24 Vergleich der numerischen Dispersionsrelation des Falls ‚DL-Unstable‘ mit dem Modell von Matalon et al. [41] TD-Unstabil DL-instabil 5.2 Das nichtlineare Regime In diesem Abschnitt wird die nichtlineare Entwicklung von Wasserstoff/LuftFlammen, die intrinsischen Flammeninstabilitäten unterliegen, diskutiert. Wie in mehreren Studien untersucht [11, 18, 56, 63 –69], weisen Wasserstoff/ Luft-Flammen die Bildung kleiner zellulärer Strukturen und großflächiger Flammenfront-Korrugationen auf, die als Flammenfinger bezeichnet werden. Zum Beispiel zeigt Abb. 20 das breite Spektrum solcher Flammenfront-Korrugationen bei φ = 0,4, Tu = 298 K und p = 1 bar aus der Studie von Berger et al. [16]. Die daraus resultierenden starken Krümmungsschwankungen entlang der Flammenfront führen zu erheblichen Schwankungen der Wärmefreisetzungsrate, die sogar lokale Auslöschungsereignisse aufweisen. Abb. 25 zeigt einen Vergleich einer mageren Wasserstoff/Luft-Flamme unter Umgebungsbedingungen, die signifikante thermodiffusive Instabilitäten entwickelt, als Fall ‚Ref‘ bezeichnet, und einer mageren Wasserstoff/Luft-Flamme bei erhöhter unverbrannter Temperatur, bei der thermodiffusive Instabilitäten unterdrückt werden, als Fall ‚Tu700‘ bezeichnet. Während für die instabile Flamme kleine und großflächige zelluläre
Laminare Wasserstoffflammen Fall Ref 141 Fall Tu700 , , , , , , , , , , , , , Abb. 25 Räumliche Verteilung der normierten Temperatur  (obere Reihe) und des Quellterms der Fortschrittsvariablen ω̇C (mittlere Reihe) in einer thermodiffusiv instabilen und stabilen Flamme. Die normierte Temperatur  wird definiert als � = (T − Tu )/(Tad − Tu ), wobei Tu und Tad die unverbrannten und adiabatischen Temperaturen sind. Die letzte Reihe zeigt die gemeinsame Verteilung der Fortschrittsvariablen und des Quellterms der Fortschrittsvariablen. Nachgedruckt aus Ref. [16] Strukturen gebildet werden, zeigt der andere Fall nur die Bildung großflächiger Spitzen (wie in Abb. 19a). Letzteres ist gut bekannt für Flammen, die nur von der hydrodynamischen Instabilität betroffen sind [70]. Darüber hinaus zeigt der Fall bei erhöhten Temperaturen eine intakte Flammenfront mit geringen Wärmefreisetzungsschwankungen, während die Bildung zellulärer Strukturen im instabilen Fall Auslöschungsereignisse in den Spitzenregionen induziert. Um diesen Aspekt hervorzuheben, zeigt die letzte Reihe die gemeinsame Verteilung der Fortschrittsvariablen und ihres Quellterms. Die Fortschrittsvariable wird durch den Brennstoffmassenanteil definiert als CH2 = 1 − YH2 /YH2 ,u , (26)
P. E. Lapenna et al. 142 , Abb. 26 Gemeinsame Verteilung von Mischungsbruch und Fortschrittsvariable für den Fall ‚Ref‘. Nachgedruckt aus Ref. [16]. Ungestrecktes Flamelet , , , , , , wobei YH2 und YH2 ,u die lokalen und unverbrannten Brennstoffmassenanteile sind. Der Fortschrittsvariablen-Quellterm stellt die Brennstoffverbrauchsrate dar. Während der Quellterm des Falls bei erhöhten Temperaturen der Lösung eines ungestreckten laminaren Flamelets eng folgt, zeigt der instabile Fall eine starke Streuung. Insbesondere kann ein Zweig mit erhöhter Reaktivität oberhalb der Flamelet-Lösung und ein Zweig mit fast erloschenen Flammensegmenten (null Reaktivität) identifiziert werden. Diese starke Variabilität der Reaktionsraten ist eng mit den Effekten thermodiffusiver Instabilitäten bzw. differentieller Diffusion verbunden, wie im Folgenden diskutiert wird. Um die Effekte der differentiellen Diffusion zu visualisieren, zeigt Abb. 26 die gemeinsame Verteilung von Mischungsbruch und Fortschrittsvariable für die instabile Flamme. Die Mischungsbruch, die ein Maß für das lokale Äquivalenzverhältnis ist, wird definiert als Z= ZH + ν(YO2 ,air − ZO ) , 1 + νYO2 ,air (27) wobei ν das stöchiometrische Massenverhältnis ist, das durch das Verhältnis der Molmassen von Sauerstoff und Wasserstoff als ν = 2MH2 /MO2, ZH und ZO die Elementmassenanteile von Wasserstoff und Sauerstoff darstellen, und YO2 ,air der Massenanteil von Sauerstoff in der Luft ist. Es ist offensichtlich, dass es innerhalb der Flammenfront aufgrund der Effekte der differentiellen Diffusion starke Schwankungen der Mischungsbruch gibt. Insbesondere entsprechen Mischungsbruchswerte oberhalb der ungestreckten Flamelet-Lösung Flammensegmenten, die positiv zum unverbrannten Gas hin gekrümmt sind, während niedrigere Mischungsbrüche mit negativ gekrümmten Flammensegmenten verbunden sind. Da der Fortschrittsvariablen-Quellterm nichtlinear mit der Mischungsbruch variiert, wie in Abb. 27 dargestellt, beeinflussen die Effekte der differentiellen Diffusion auch stark die Reaktivität entlang der Flammenfront, was zu Zellen mit erhöhter Reaktivität und lokaler Auslöschung in den Kuspregi führt.
Laminare Wasserstoffflammen Abb. 27 Konditional gemittelter FortschrittsvariablenQuellterm in Bezug auf Mischungsbruch und Fortschrittsvariable für den Fall ‚Ref‘. Nachgedruckt aus Ref. [16]. 143 , Ungestrecktes Flamelet , , , , Die starken Schwankungen der Wärmefreisetzung und der Flammenfaltung führen zu einer signifikanten Erhöhung der gesamten Flammenverbrauchsgeschwindigkeit sc. Letztere wird durch den integralen Brennstoffverbrauch ω̇H2 der Flamme definiert als ˆ 1 ω̇H2 dxdy, sc = − (28) ρu YH2 ,u Lx wobei ρu die Dichte im unverbrannten Gemisch ist, Lx die Breite des zwei´ dimensionalen Berechnungsbereichs ist und dxdy das Integral über den gesamten zweidimensionalen Berechnungsbereich darstellt. Die Verbrauchsgeschwindigkeit kann in Beiträge der Flammenfaltung, ausgedrückt durch die Vergrößerung der Flammenoberfläche , und Variationen der lokalen Flammenausbreitung, bezeichnet als Streckfaktor I0, zerlegt werden, was zu dem Ausdruck führt sc = SL  I0 . Lx (29) Abb. 28 zeigt die Variation der Flammenverbrauchsgeschwindigkeit und ihrer einzelnen Beiträge bei unterschiedlichen Äquivalenzverhältnissen, unverbrannten Temperaturen und Drücken. Im Einklang mit den Dispersionsrelationen in Abb. 21 tritt eine signifikante Erhöhung der Verbrauchsgeschwindigkeit im Vergleich zur ungestreckten laminaren Brenngeschwindigkeit bei mageren Gemischen, niedrigen Temperaturen und hohen Drücken auf. Aus der Zerlegung der Verbrauchsgeschwindigkeit in Faltung und Streckfaktor wird deutlich, dass beide Aspekte erheblich zur Gesamterhöhung der Verbrauchsgeschwindigkeit beitragen. Weiterhin ist zu erkennen, dass die Variation des Drucks hauptsächlich den Streckfaktor I0 oder die lokale Reaktivität beeinflusst, die laut Berger et al. [60] mit einer Erhöhung der Zeldovich-Zahl bei hohen Drücken in Zusammenhang steht. Schließlich ist es von Interesse, die charakteristischen Strukturen der Flammenfront-Kräuselungen zu diskutieren. Abb. 29 zeigt eine Momentaufnahme einer
P. E. Lapenna et al. 144 Abb. 28 Variation der Verbrauchsgeschwindigkeit sC normalisiert durch die laminare ungestreckte Brenngeschwindigkeit sL , die Flammenoberfläche  normalisiert durch die laterale Domänenbreite Lx , und den Faktor I0 in Bezug auf die verschiedenen parametrischen Variationen des Äquivalenzverhältnisses φ, der unverbrannten Temperatur Tu, Druck p. Nachgedruckt aus Ref. [16] , , , Abweichung bei und , , , Variation bei Variation bei , und , und mageren Wasserstoffflamme im nichtlinearen Regime mit einer großen lateralen Domänengröße von 800lF. Die kleinen und großskaligen Kräuselungen der Flammenfront sind qualitativ ähnlich denen, die experimentell in einer HeleShaw-Zelle in Abb. 19 beobachtet wurden. Insbesondere zeigten Berger et al.
Laminare Wasserstoffflammen 145 , , Abb. 29 Flammenfrontfaltungen in einer thermodiffusiv instabilen Flamme bei φ = 0,4, Tu = 298 K, p = 1 bar. Rechts ist eine Nahaufnahme einer Flammenfingerstruktur. Nachgedruckt aus Ref. [16] 0,1 0,08 0,06 0,04 0,02 0 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Zelle Abb. 30 Verteilung der Größe  der kleinmaßstäblichen zellulären Strukturen für die Flamme in Abb. 29 normalisiert durch die thermische Dicke lF [11] [11], dass zusätzlich zu den charakteristischen kleinmaßstäblichen Strukturen eine intrinsische größte Flammenfront-Kräuselung existiert, die aus Abb. 29 ersichtlich ist und als Flammenfinger bezeichnet wird (eingekreist durch ein Kästchen). Dieses reiche Spektrum an Flammenfront-Kräuselungen führt dann zu einer signifikanten Erhöhung der gesamten Flammenverbrauchsgeschwindigkeit. Besonders bemerkenswert ist, dass die kleinmaßstäblichen zellulären Strukturen mit der instabilsten Wellenzahl im linearen Regime verknüpft werden können, die aus der numerischen Dispersionsrelation gewonnen wurde. Abb. 30 zeigt die Verteilung der Größe der kleinen zellulären Strukturen entlang der Flammenfront (Details werden in Berger et al. [11] diskutiert) und ein deutlicher Peak wird bei etwa 6lF erreicht, was der instabilsten Wellenzahl gemäß der Dispersionsrelation in Abb. 21 entspricht.
146 P. E. Lapenna et al. 5.3 Modellierungsaspekte Die Entwicklung von Verbrennungsmodellen für die Simulation von vorgemischten Wasserstoffflammen stellt Herausforderungen dar, die noch gelöst werden müssen. DNS sowie Experimente haben gezeigt, dass differentielle Diffusion einen dramatischen Effekt auf die Eigenschaften der Ausbreitung und Morphologie von Wasserstoffflammen hat. Tatsächlich kann das Zusammenspiel der allgegenwärtigen hydrodynamischen und thermodiffusiven Instabilität zu stark gekräuselten Flammenfronten führen, deren Effekte von einem Verbrennungsmodell genau erfasst werden müssen. In diesem Abschnitt diskutieren wir die Probleme im Zusammenhang mit der Modellierung von laminarer Wasserstoffflammen, noch bevor der Effekt der Turbulenz direkt angesprochen wird. Mit anderen Worten, wir konzentrieren uns auf die Modellierungsherausforderungen, die durch die Tendenz von Wasserstoffflammen zur Bildung kleinmaßstäblicher zellulärer Strukturen entstehen. In diesem Zusammenhang können wir zwei spezifische Fragen hervorheben, die angegangen werden müssen: • Flammenstruktur-Dimensionalität: Die Identifizierung der minimalen/optimalen Anzahl unabhängiger Skalare, die benötigt werden, um die Struktur von Wasserstoffflammen mit akzeptabler Genauigkeit zu beschreiben; • Unaufgelöste zelluläre Kräuselungen: Im Kontext gefilterter Simulationen können die laminar kleinmaßstäblichen Kräuselungen magerer Wasserstoffflammen teilweise nicht vom Rechengitter aufgelöst werden und fallen daher auf die Sub-Filter-Skala. Daher sollten spezielle Modelle entwickelt werden, um den Effekt der unentdeckten Kräuselungen aufgrund von Instabilität zu erfassen. Der erste Aspekt bezieht sich hauptsächlich auf differentielle Diffusion, da magere vorgemischte Wasserstoffflammen lokale Variationen im Äquivalenzverhältnis erzeugen, wie im vorherigen Abschnitt diskutiert. Dies führt zu einer Flammenstruktur, die kaum mit einem einzigen Skalar beschrieben werden kann, im Gegensatz zu Methanflammen unter mageren und stöchiometrischen Bedingungen. Der zweite Aspekt hingegen bezieht sich auf geometrische Überlegungen im Fall von unteraufgelösten Simulationen, die nicht in der Lage sind, die selbst erzeugten zellulären Strukturen vollständig aufzulösen. Der Einfachheit halber gehen wir im Folgenden auf diese Herausforderungen separat ein und heben Strategien hervor, die bereits in der Literatur verfügbar sind. Es sei jedoch erwähnt, dass der Aufbau eines umfassenden Verbrennungsmodells notwendigerweise die Interaktion beider Aspekte berücksichtigen müsste. 5.3.1 Dimensionalität der Wasserstoffflammenstruktur Wir beginnen hier mit der Erinnerung an einige allgemeine Aspekte von Flamelet-basierten Modellen. Diese basieren auf niedrigdimensionalen Mannigfaltigkeitsdarstellungen [71, 72], die im Allgemeinen in Bezug auf eine kleine
Laminare Wasserstoffflammen 147 Menge unabhängiger Skalare φ = (φ1 , φ2 , ...)T abgeleitet werden, aus paradigmatischen Lösungen z. B. von laminar entgegengesetzten Strömungen oder frei propagierenden Flammen. Solche Mannigfaltigkeiten stellen eine gegebene thermochemische Größe ψ (z. B. einen Massenanteil einer Spezies oder deren chemischen Quellterm) als Funktion der gewählten Menge von Skalaren ψ(φ) dar, die auch als Kontrollvariablen bezeichnet werden, wenn die Nomenklatur der Flamelet-generierten Mannigfaltigkeiten (FGM) verwendet wird [73]. Ein Modell basiert im Allgemeinen auf dem Transport der unabhängigen Skalare φ und daraus auf der Rekonstruktion des lokalen thermochemischen Zustands über die Mannigfaltigkeit. Die Konzepte des optimalen Schätzers und des irreduziblen Fehlers sind ein Ansatz, um die Fähigkeit einer Menge von Skalaren φ zu bewerten, die Zielgröße ψ genau zu parametrisieren [74, 75]. Angenommen, Ergebnisse aus einem vollständig aufgelösten DNS sind verfügbar, dann können die DNS-Daten verwendet werden, um einen optimalen Schätzer für ψ zu konstruieren, der das bestmögliche Modell für ψ in Bezug auf die Parametersatz φ darstellt. Der optimale Schätzer ist eine Mannigfaltigkeit, die auf der Grundlage der DNS-Daten als Mittelwert von ψ bedingt durch die Menge der Skalare φ konstruiert wird, d. h. �ψ|φ �. Ein irreduzibler Fehler kann daher definiert werden als  2 εirr = � ψ − �ψ|φ � �, (30) der verwendet werden kann, um zu bewerten, ob die Menge der Skalare φ geeignet ist, die Größe ψ mit ausreichender Genauigkeit zu parametrisieren. Unter Anwendung dieser Konzepte und unter Verwendung der DNS-Daten der mageren Wasserstoff/Luft-Flamme, die zuvor in Abb. 29 gezeigt wurde, haben Lapenna et al. [76] den irreduziblen Fehler für zwei verschiedene Parameterisierungen der Wärmefreisetzungsrate ω̇ verglichen, nämlich �ω̇|� � basierend auf einem einzelnen Skalar, der die dimensionslose Temperatur  repräsentiert, und �ω̇|�,CH2 � basierend auf zwei Skalaren,  und der Fortschrittsvariable CH2 unter Verwendung derselben Definition von Gl. (26), die im vorherigen Abschnitt gegeben wurde. Abb. 31 zeigt, dass die Beschreibung mit einem einzelnen Skalar erhebliche Fehler im Vergleich zu der mit zwei Skalaren verursacht. Tatsächlich weist eine thermodiffusiv instabile Flamme wie eine magere H2/Luft-Flamme starke Verwellungen auf und entlang einer konstanten  -Iso-Linie werden aufgrund der starken differentiellen Diffusion des Wasserstoffmoleküls starke Schwankungen des Äquivalenzverhältnisses und in der Folge der Wärmefreisetzung beobachtet. Solche Schwankungen werden durch den irreduziblen Fehler quantifiziert, der daher bei einer Parameterisierung in Bezug auf den einzelnen Skalar  sehr hoch ist. Eine bessere Parameterisierung, die zu einem weitaus geringeren Fehler führt und somit in der Lage ist, die Schwankungen der Wärmefreisetzung entlang der Flammenfront zu erfassen, verwendet die zwei Parameter  und CH2 und zeigt, dass die Wärmefreisetzung durch eine zweidimensionale Mannigfaltigkeit genau dargestellt werden kann.
P. E. Lapenna et al. 148 , Unreduzierbarer Fehler εirr Abb. 31 Normalisierte irreduzible Fehler für die Beschreibung der Wärmefreisetzung: Vergleich zwischen einer Parameterisierung basierend auf dem einzelnen Skalar  und einer basierend auf den zwei Skalaren  und CH2 [76] , , , , , Dimensionslose Temperatur Beachten Sie, dass für Gemische, bei denen Le ≈ 1, wie z. B. Methan/LuftVormischflammen unter mageren und stöchiometrischen Bedingungen, diese Überlegungen nicht zutreffen und eine einzelne Skalar-Parameterisierung wahrscheinlich ausreichend ist. Diese Beobachtungen und Ergebnisse stimmen mit der Arbeit von Regele et al. [77] überein, die ein Zwei-Skalar-Modell für Flammen mit nicht-einheitlicher Lewis-Zahl vorschlugen, um lokale Äquivalenzverhältnisvariationen über die Flamme hinweg zu berücksichtigen. Dieses Modell wurde später von Schlup und Blanquart [78] verbessert, um thermische Diffusionseffekte einzubeziehen und die Annahme einer konstanten Lewis-Zahl zu lockern. Insbesondere übernehmen sie den Flamelet Progress Variable (FPV) Ansatz, bei dem die Parametrisierung in Bezug auf eine Fortschrittsvariable c und eine Mischungsbruch z mit nicht standardmäßigen Definitionen erfolgt.1 Es ist zu beachten, dass in diesem Ansatz die Mischungsbruch aufgrund der Anwesenheit von differentieller Diffusion kein erhaltener Skalar ist. Folglich hat die Transportgleichung für z eine nicht standardmäßige Definition des Diffusionskoeffizienten und enthält einen Quellterm. Letzterer wird als zusätzlicher Term zweiter Ordnung bestimmt, der im Fall eines Brennstoffs mit einheitlicher LewisZahl verschwindet. Die thermodynamischen Mannigfaltigkeiten haben die Form ψ = ψ(c, z) und werden aus 1D-laminar-vorgemischten Flammenlösungen mit unterschiedlichen Zufluss-Äquivalenzverhältnissen konstruiert, wie in Abb. 32 dargestellt. Die Grundidee besteht daher darin, eine zweidimensionale thermodynamische Mannigfaltigkeit im c − z -Raum mittels 1D-Flammenlösungen zu konstruieren, die sowohl magerer als auch fetter als das nominale Äquivalenzverhältnis der mehrdimensionalen Flamme sind, wie in Abb. 32 gezeigt. Der im c − z -Raum 1 Für die Definitionen des Mischungsbruchs und der Fortschrittsvariable wird der Leser auf die Originalarbeiten [77, 78] verwiesen.
Laminare Wasserstoffflammen 149 0,02 0,015 , , , , (nominal) , 0,01 0,005 0 0,05 0,1 0,15 0,2 Abb. 32 Darstellung der thermodynamischen Mannigfaltigkeit unter Verwendung des in [77] beschriebenen Ansatzes und der Definitionen. Die nominalen Bedingungen φ = 0,4 stammen aus der Referenzflammen-Simulation, die von Berger et al. [11] entwickelt und in Abschn. 5.2 beschrieben wurde. zugängliche Bereich der instabilen Wasserstoffflamme und die resultierende Mannigfaltigkeit sind in Abb. 26 dargestellt, wenn auch mit unterschiedlichen Definitionen. Es wird gezeigt, dass dieses FPV-Modell die Auswirkungen der Streckungsrate aufgrund von Krümmung und aerodynamischer Streckung auf die laminare Brenngeschwindigkeit erfasst und die mehrdimensionalen Merkmale thermodiffusiv instabiler Flammen erfassen kann. Dies bestätigt weiter, dass die Flammenstruktur einer mageren vorgemischten Wasserstoff/Luft-Flamme gut durch zwei Skalare beschrieben werden kann. Dasselbe Modellierungsproblem wurde auch im Kontext anderer Mannigfaltigkeitsmethoden wie FGM [73, 79, 80] und FPI (Flammenverlängerungsmethode intrinsischer niederdimensionaler Mannigfaltigkeiten) [81] behandelt, was zu ähnlichen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Mannigfaltigkeitsdimensionalit ät für Wasserstoffflammen führte. Kürzlich wurden auch fortgeschrittene Überlegungen zur Flammenstruktur thermodiffusiv instabiler Flammen von Wen et al. sowohl bei atmosphärischem [82] als auch bei erhöhtem Druck [83] unter Nutzung detaillierter chemischer Simulationen einer 2D expandierenden Wasserstoffflamme berichtet. 5.3.2 Unaufgelöste zelluläre Faltenbildung Der zweite wichtige Modellierungsaspekt im Kontext gefilterter Simulationen besteht darin, unaufgelöste kleinräumige zelluläre Strukturen zu berücksichtigen. Flammenfrontverzerrungen, die durch intrinsische Instabilitäten verursacht werden, können auf der Subfilter-Skala in einer gefilterten Simulation auftreten, bei der die Flamme nicht vollständig auf dem Rechengitter aufgelöst ist. Infolgedessen kann selbst in einer laminaren Umgebung eine gewisse Menge an SubfilterSkalen-Faltenbildung vorhanden sein, wie in Abb. 33 veranschaulicht. Der Fokus
P. E. Lapenna et al. 150 ∆ Abb. 33 Thermodiffusiv instabile Flamme mit Faltenbildung auf der Subgitter-Skala für ein typisches Simulationsgitter liegt hier auf modellierten unteraufgelösten Simulationen von laminarer Flammen. Solche Simulationen sind nicht sehr häufig, da Subfilter-Modellierung normalerweise im Kontext turbulenter Strömungen diskutiert wird. Modelle für unteraufgelöste laminare Simulationen intrinsisch instabiler Flammen werden jedoch wahrscheinlich eine wichtige Rolle beim Aufbau umfassender, turbulenter Verbrennungsmodelle spielen, die darauf abzielen, Subfilter-Effekte von Instabilitäten einzubeziehen. Wie am Ende von Abschn. 5.2 besprochen, ist die charakteristische Dimension von kleinräumigen Wellen vergleichbar mit der instabilsten Wellenlänge. Quantitativ haben Berger et al. [11] gezeigt, dass die kleinräumigen Wellen in der Größenordnung von ∼6lF liegen, wobei die Flamme in Abb. 29 als Referenz dient. Folglich erfordert eine gefilterte Simulation mit einem Filter der Größe  in derselben Größenordnung oder größer eine spezielle Modellierung der Wellen auf der Subfilter-Skala. Um die Subfilter-Wellen zu modellieren, haben Lapenna et al. [50, 76] zwei Ansätze vorgeschlagen, die beide auf Daten basieren, die durch eine Reihe von laminar DNS von thermodiffusiv instabilen Flammen gesammelt wurden. Der erste Ansatz [50] basiert auf der Ableitung universeller Gesetze für den Subfilter-Skalen-Wellenfaktor L, wobei der Index L treffend die laminare Umgebung anzeigt. Ein solcher Wellenfaktor L misst das Verhältnis der gesamten Oberfläche einer gewellten Flamme zur aufgelösten Flammenoberfläche in einem Filtervolumen der Größe . Die Grundidee ist ähnlich der des Thickened Flame Modells (TFLES) [84, 85] für turbulente Verbrennung. Die Flammenverdickung zielt darauf ab, die lokale Flammengeschwindigkeit zu erhalten, verdickt jedoch die Flamme proportional, sodass sie auf einem groben Gitter aufgelöst werden kann. In einem turbulenten Strömungsfeld führt dies jedoch zu einem N ­ ettoverlust
Laminare Wasserstoffflammen 151 der Subfilter-Skalen-Flammenoberfläche, der durch die Einführung eines Wellenfaktors  als Multiplikationsfaktor für die Diffusivität der Spezies und den chemischen Quellterm kompensiert werden kann, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit effektiv auf einen turbulenten Wert ST =  SL erhöht wird. In sehr ähnlicher Weise kann man sich vorstellen, die Subfilter-Skalen-Wellen einer laminaren, thermodiffusiv instabilen Flamme, wie sie in Abb. 33 dargestellt ist, durch ein spezielles Wellenfaktormodell L zu modellieren, das die Wellen aufgrund der intrinsischen Instabilität darstellt, die somit in einer laminaren Strömung bestehen bleibt und nicht mit Turbulenz zusammenhängt. Im vorgeschlagenen Modell [50] wird eine Anzahl vollständig aufgelöster Simulationen aus der Literatur verwendet, um den entsprechenden Faltenfaktor als �L = sc /SL zu extrahieren, wobei sc die Verbrauchsgeschwindigkeit ist, wie in Abschn. 5.2 definiert, und SL die entsprechende 1D-laminar-Flammengeschwindigkeit ist. Die daraus resultierenden L Daten erweisen sich als Funktion von zwei unabhängigen Parametern. Der erste ist nc = L/c, wobei L die größte hydrodynamische Längenskala jeder Simulation ist und c die entsprechende Abbruchwellenlänge ist. Letztere ist eine thermochemische Eigenschaft des Gemisches, die entweder theoretisch oder durch spezielle 2D-gestörte Simulationen, wie in Abschn. 5.1 diskutiert, bewertet werden muss. Somit misst nc die Anzahl der instabilen Wellenlängen innerhalb der Referenzhydrodynamiklänge L und kann als Maß für den Grad der Instabilität der Flamme betrachtet werden. Der zweite unabhängige Parameter ist das Dichteverhältnis σ über jede Flamme, das das Ausmaß der hydrodynamischen (Darrieus-Landau) Faltung verstärken kann. Dieser Effekt kann durch geeignete Neuskalierung von L unter Verwendung einer analytischen Funktion Um (σ ) herausgerechnet werden, die von Bychkov [86] abgeleitet und durch numerische Simulationen in [12] beschrieben und validiert wurde. Abb. 34 zeigt die neu skalierten inkrementellen Ausbreitungsgeschwindigkeiten sc /SL − 1, die aus den vollständig aufgelösten Simulationen als Funktionen der entsprechenden nc erhalten wurden. Es wird beobachtet, dass die Daten gut durch zwei Familien von Anpassungen dargestellt werden, eine für Le > Le0 und die andere für Le < Le0. Letzterer Fall ist von Interesse für thermodiffusive Instabilitäten, die ein Modell für L darstellen. Für vollständige Ausdrücke und Koeffizienten der Modelle wird der Leser auf [50] verwiesen. Aus praktischer Sicht kann man im Kontext gefilterter Simulationen L =  betrachten, d. h. die Referenz-Hydrodynamik-Längenskala als charakteristische Filtergröße, sodass L effektiv das Subgitter-Skalen-Faltmodell ist. Es hat sich gezeigt, dass dieses Modell die Verbrauchsgeschwindigkeit thermodiffusiv instabiler Flammen im Kontext gefilterter Simulationen mit akzeptabler Genauigkeit reproduziert. Es ist auch erwähnenswert, dass die Skalierungsgesetze für sc, die kürzlich von Berger et al. [16] sowie von Howarth und Aspden [87] vorgeschlagen wurden, prinzipiell verwendet werden können, um algebraische Ausdrücke für L abzuleiten. Das Problem der ungelösten instabilitätsbedingten Faltenbildung kann auch durch Rückgriff auf ein anderes datengesteuertes Modell [76] basierend auf dem gefilterten tabellierten Chemieansatz und dem F-TACLES-Formalismus [88] angegangen werden. Ein solcher Ansatz basiert auf der datengesteuerten
P. E. Lapenna et al. 152 , , Abb. 34 Neuskalierte inkrementelle Ausbreitungsgeschwindigkeiten als Funktionen von nc ; Symbole entsprechen DNS-Daten aus der Literatur: Rauten [55]; Kreuze [11]; Kreise [56]; Quadrate [12]. Durchgezogene Linien stellen Faltenfaktormodelle in Anwesenheit intrinsischer Instabilität für thermodiffusiv instabile Flammen (Le < Le0) und für thermodiffusiv stabile Flammen (Le > Le0). Nachgedruckt aus Ref. [50] (Kleiner Maßstab) (Mittelgroß) (Großmaßstäblich) , , , , , Abb. 35 Nicht-dimensionale Temperaturfelder von thermodiffusiv instabilen Flammen im kleinen Maßstab (TD1), mittleren Maßstab (TD2) und großen Maßstab (TD3) [12, 76] Erstellung von Tabellen für jeden ungeschlossenen Term der gefilterten Grundgleichungen. Anders als beim ursprünglichen F-TACLES-Ansatz werden die Daten aus der Filterung vollständig aufgelöster 2D-Simulationen intrinsisch instabiler Flammen wie in Abb. 35 berichtet, unter Verwendung eines Filters der Größe  gesammelt. Ungeschlossene Terme, wie die gefilterte Reaktionsrate und subgitterskalare Flüsse, werden dann als bedingte Mittelwerte in Bezug auf zwei 1 , C 2 ; �), wobei φ C generische gefilterte Fortschrittsvariablen tabelliert, φ = φ(
Laminare Wasserstoffflammen 153 gefiltertDNS 2D-Tabellen-TD2 , , , , , , , , , , 2D-Tabellen-TD1 1Tabellen-Flammelein Abb. 36 A-priori-Analyse der gefilterten Reaktionsrate für die TD3-Flamme. Vergleich zwischen gefiltertem DNS und drei Modellen: 2D-Tabellen, die unter Verwendung der bedingten Mittelwerte der gefilterten TD2-Felder erstellt wurden (2Dtables-TD2); 2D-Tabellen, die unter Verwendung der bedingten Mittelwerte der gefilterten TD1-Felder erstellt wurden (2Dtables-TD1); 1D-gefilterte Tabelle einer ungestreckten laminaren Flamme (1D-flamelet) [76]. Die gesamten Domänen werden in der seitlichen Querrichtung gezeigt, nur ein Teil der Domäne in der Strömungsrichtung (Ausbreitungsrichtung) wird gezeigt die generische gefilterte thermochemische Variable ist, die benötigt wird. Zwei gefilterte Fortschrittsvariablen werden konsistent mit der vorherigen Diskussion über die Dimensionalität der Wasserstoffflammenstruktur verwendet. Mittels einer in Abb. 36 für eine Filtergröße von 20 Flammendicken berichteten A-priori-Analyse kann eine großflächige Flamme wie TD3, die in Abb. 35 gezeigt wird, in ihrer gefilterten Form auf der Grundlage tabellierter Daten, die von kleineren Flammen wie TD1 oder TD2 gesammelt wurden, rekonstruiert werden. Tatsächlich konzentriert sich die Studie darauf, einen minimalen Datensatz zu finden, der dennoch eine genaue Rekonstruktion einer großflächigen thermodiffusiv instabilen Flamme ermöglicht. Es wurde festgestellt, dass die mittelgroße Simulation TD2 die genaueste Rekonstruktion der größeren Flamme TD3 liefert. Dies liegt daran, dass TD2 im Gegensatz zur kleineren Simulation TD1 besser den komplexen, mehrskaligen, ungleichmäßigen, gestreckten Charakter thermodiffusiv instabiler Flammen repräsentiert. Andererseits wurde beobachtet, dass TD1 einige der großflächigen morphologischen Merkmale, die typisch für thermodiffusiv instabile Flammen sind, wie die in Abschn. 5.2 diskutierten Flammenfinger, nicht aufweist, was zu einigen Fehlern führt. Die am wenigsten genauen Modelle waren diejenigen, die auf eindimensionalen Darstellungen der Flamme basierten.
154 P. E. Lapenna et al. Danksagungen Diese Arbeit wurde teilweise von der Europäischen Union im Rahmen des ERC Advanced Grant Projekts HYDROGENATE finanziert. FC ist Prof. Moshe Matalon für die wertvolle Anleitung über viele Jahre zum Thema der intrinsischen Flammeninstabilitäten dankbar. PL würdigt die Unterstützung der Region Latium im Rahmen von “POR FESR LAZIO 2014–2020” durch das “GreenH2-CFD” Projekt und die Unterstützung der Universität Sapienza durch die Finanzierung von Nachwuchsforschern. Literatur 1. Dreizler A, Pitsch H, Scherer V, Schulz C, Janicka J (2021) Appl Energy Combust Sci 7:100040 2. Miranda PE (2018) Science and engineering of hydrogen-based energy technologies: hydrogen production and practical applications in energy generation. Academic Press 3. Verhelst S, Wallner T (2009) Progress in energy and combustion science 35(6):490 4. Naegler T, Simon S, Klein M, Gils HC (2015) Int J Energy Res 39(15):2019 5. Matalon M (2007) Annu Rev Fluid Mech 39:163 6. Matalon M (2018) Fluid Dyn Res 50(5):051412 7. Sivashinsky G (1977) Combust Sci Technol 15(3–4):137 8. Mitani T, Williams F (1980) Combust Flame 39(2):169 9. Ronney PD (1990) Combust Flame 82(1):1 10. Huo J, Saha A, Shu T, Ren Z, Law CK (2019) Phys Rev Fluids 4(4):043201 11. Berger L, Kleinheinz K, Attili A, Pitsch H (2019) Proc Combust Inst 37(2):1879 12. Creta F, Lapenna PE, Lamioni R, Fogla N, Matalon M (2020) Combust Flame 216:256 13. Creta F, Matalon M (2011) J Fluid Mech 680:225 14. Lapenna PE, Lamioni R, Troiani G, Creta F (2019) Proc Combust Inst 37(2):1945 15. Berger L, Grinberg M, Jürgens B, Lapenna PE, Creta F, Attili A, Pitsch H (2022) Proc Combust Inst 39 16. Berger L, Attili A, Pitsch H (2022) Combust Flame 240:111936 17. Berger L, Attili A, Pitsch H (2022) Combust Flame 244:112254 18. Fernández-Galisteo D, Kurdyumov VN, Ronney PD (2018) Combust Flame 190:133 19. Hesse R, Beeckmann J, Pitsch H (2019) Ninth European combustion meeting, Lisbon, Portugal 20. Beeckmann J, Hesse R, Kruse S, Berens A, Peters N, Pitsch H, Matalon M (2017) Proc Combust Inst 36(1):1531 21. Dayma G, Halter F, Dagaut P (2014) Combust Flame 161(9):2235 22. Krejci MC, Mathieu O, Vissotski AJ, Ravi S, Sikes TG, Petersen EL, Kérmonès A, Metcalfe W, Curran HJ (2013) J Eng Gas Turbines Power 135(2) 23. Sánchez AL, Williams FA (2014) Progr Energy Combust Sci 41:1 24. Peters N, Williams F (1987) Combust Flame 68(2):185 25. Mauß F, Peters N, Rogg B, Williams F (1993) Reduced kinetic mechanisms for applications in combustion systems. Springer, pp 29–43 26. Law CK (2010) Combustion physics. Cambridge University Press 27. Tang C, Huang Z, Law C (2011) Proc Combust Inst 33(1):921 28. Darrieus G (1946) Sixth international congress of applied mathematics 29. Landau L (1944) Acta Physicochim. USSR 19:77 30. Markstein GH (1964) Nonsteady flame propagation. The Macmillan Company 31. Pelce P, Clavin P (1982) J Fluid Mech 124:219 32. Matalon M, Matkowsky BJ (1982) J Fluid Mech 124:239 33. Clavin P, Williams F (1982) J Fluid Mech 116:251 34. Frankel M, Sivashinsky G (1982) Combust Sci Technol 29(3–6):207 35. Lamioni R, Lapenna PE, Troiani G, Creta F (2019) Proc Combust Inst 37(2):1815
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Turbulente Wasserstoffflammen A. R. Masri, M. J. Cleary und M. J. Dunn Zusammenfassung Dies ist ein einführendes Kapitel für Anfänger auf dem Gebiet der turbulenten Verbrennung von Wasserstoff als Vormisch- oder Diffusionsflammen. Für turbulente Wasserstoff-Diffusionsflammen werden globale Merkmale wie Ablösungs- und Abblasgeschwindigkeiten sowie Flammenlänge zusammen mit detaillierten Messungen von Temperatur und Massenanteilen der Spezies vorgestellt. Für turbulente Vormischflammen von Wasserstoff werden aktuelle Messungen der Flammengeschwindigkeiten und Reaktionszonendicken für eine Reihe von Bedingungen innerhalb des Vormischflammenregimes gezeigt. Detaillierte Messungen der Zusammensetzungsstruktur sind jedoch selten und stehen noch aus. Das Kapitel schließt mit einer Diskussion potenzieller Ansätze zur Modellierung von Differenzialdiffusionseffekten, die nach wie vor eine kritische Herausforderung darstellen, um das Wiederaufleben von turbulenten mageren Vormischflammen von Wasserstoff in modernen Energieumwandlungssystemen zu erleichtern. 1 Einführung In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der turbulenten Diffusion und vorgemischten Flammen von wasserstoffhaltigen Brennstoffen erhebliche Aufmerksamkeit geschenkt, mit einer ausgezeichneten Zusammenfassung dieser Arbeiten in den späteren Ausgaben von Lewis und von Elbe [1]. Das Dritte Symposium über Verbrennung und Flammen- und Explosionsphänomene (der frühere Name der heutigen Proceedings of Combustion Institute) enthielt drei Schlüsselarbeiten, die die Grundlage für weitere Forschungen zur turbulenten Verbrennung bildeten. Hottel und Hawthornes Arbeit über den Übergang von A. R. Masri (*) · M. J. Cleary · M. J. Dunn School of Aerospace, Mechanical and Mechatronic Engineering, The University of Sydney, Camperdown, NSW 2006, Australia E-Mail: assaad.masri@sydney.edu.au © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_4 157
158 A. R. Masri et al. laminar zu turbulentem Diffusionsflammen lieferte eine der ersten empirischen Korrelationen für die Flammenlänge [2]. Die untersuchten Brennstoffe umfassen Wasserstoff und das damals als Stadtgas bezeichnete Gemisch aus Methan, Ethylen, Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Für turbulente vorgemischte Flammen werden das Konzept der turbulenten Flammengeschwindigkeit und die Auswirkungen der Turbulenz auf die Flammenausbreitung zunächst durch Damköhlers erste und zweite Hypothese beschrieben [3]. Das Problem des Rückschlags wurde von Whol et al. [4] untersucht, während Williams et al. [5] die Abblasgrenzen von durch Staukörper stabilisierten Flammen von Stadtgas untersuchten. In seiner bahnbrechenden Arbeit über die Struktur turbulenter Diffusionsflammen entwickelte Bilger [6, 7] den heute akzeptierten Ansatz des konservierten Skalars und präsentierte einfache Reaktionsmodelle für die Verbrennung von Wasserstoff, wobei die Reaktionsrate in Bezug auf den Mischungsbruch formuliert wurde. Da das Konzept des Mischungsbruchs zunehmend an Bedeutung für die Beschreibung turbulenter Diffusionsflammen gewann, verlagerte sich das Interesse von Wasserstoff zu den praktisch relevanteren Kohlenwasserstoffbrennstoffen. Während die Chemie des Wasserstoffs gut entwickelt war, bleiben die Probleme des Rückschlags und der differentiellen Diffusion weiterhin ein Hindernis für seine Nutzung, selbst in der heutigen Zeit. Differentielle Diffusion bleibt ein schwieriges, aber relevantes Problem für turbulente Flammen mit einem zunehmenden Anteil an Wasserstoff, und dieses Thema wird in diesem Kapitel weiter diskutiert. Vielleicht wurde die erste systematische Analyse der Effekte der differentiellen Diffusion von Bilger und Dibble [8] für einen nicht reagierenden Strahl präsentiert, bei dem modellierte Gleichungen gelöst und die Ergebnisse mit Rayleigh-Streumessungen in einem Strahl schwerer und leichter Gase, die in Luft austreten, verglichen wurden. Der weltweite Vorstoß zur Dekarbonisierung hat das starke Interesse an Wasserstoff als „potenziell“ grünem und kohlenstofffreiem Brennstoff neu entfacht und dies war möglicherweise ein wesentlicher Antrieb für dieses Buch. Während die Fragen der großtechnischen Produktion von grünem Wasserstoff außerhalb des Umfangs dieses Kapitels liegen, ist es wichtig zu erwähnen, dass die Skalierung zur Deckung zukünftiger Bedarfe bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung angemessener Kosten erhebliche technische Herausforderungen mit sich bringt [9]. Grüner Wasserstoff wird nur aus erneuerbaren Quellen wie der solargetriebenen Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff produziert. Er bildet die Grundlage für eine viel breitere Familie von Energieträgern (als E-Fuels, Powerfuels, Elektrofuels oder Synthetika bezeichnet), die Ammoniak und Kohlenwasserstoffe umfassen, bei denen der Kohlenstoff aus abgeschiedenem CO2 stammt und mit H2 synthetisiert wird, um Sauerstoffate wie Methanol oder gasförmiges CH4 durch Methanisierung zu produzieren [10]. Zusätzlich zu seiner hohen Diffusivität ist Wasserstoff im Vergleich zu anderen Brennstoffen wie Ammoniak und Kohlenwasserstoffen hochreaktiv, was die Verwendung von Mischungen zu einer attraktiven Option macht, die auch den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erleichtert [11]. Aus dieser Perspektive diskutiert das
Turbulente Wasserstoffflammen 159 aktuelle Kapitel turbulente Flammen von Wasserstoff sowie dessen Mischungen mit Ammoniak oder Kohlenwasserstoffbrennstoffen. Dieses Kapitel bietet einen zukunftsorientierten Überblick über den Stand der Dinge in Bezug auf turbulente Flammen von Wasserstoff. Es wird nur kurz auf frühere Literatur zu diesem Thema eingegangen und der interessierte Leser wird auf die folgenden Arbeiten verwiesen [1, 2, 4–7]. Die folgenden Manuskripte bieten ebenfalls eine ausgezeichnete Einführung in das allgemeine Gebiet der turbulenten Verbrennung [12, 13]. Abschnitt 2 diskutiert Diffusionsflammen mit aktuellen Messungen der Zusammensetzungsstruktur, einschließlich der Bildung von Schadstoffen und globalen Merkmalen wie Abhebezuständen und Flammenlängen. Der folgende Abschnitt überprüft aktuelle Studien zu turbulenten mageren vorgemischten Wasserstoffflammen, die für moderne Gasturbinen relevant sind, mit einem besonderen Fokus auf den Einfluss der Lewis-Zahlen auf die turbulenten Flammengeschwindigkeiten. Aufgrund seiner Bedeutung wird das Thema der differentiellen Diffusion in Abschnitt 4 separat behandelt, wobei der Schwerpunkt auf aktuellen Modellierungsansätzen liegt. Das Kapitel schließt mit der Diskussion einiger aktueller Arbeiten zur Stabilität von mitgefeuerten turbulenten Flammen von Wasserstoff unter Mischbedingungen, die für praktische Systeme relevant sind [14]. 2 Turbulente Diffusionsflammen Wir beginnen hier mit der Darstellung einiger globaler Merkmale, die Abhebephänomene, globales Flammenabblasen und die gesamte Flammenlänge beschreiben. Während der Fokus auf Wasserstoff liegt, werden einige Ergebnisse für Flammen präsentiert, die Mischungen aus H2–CO (wie relevant für Synthesegas) und andere mit Kohlenwasserstoffen mitgefeuerte Flammen verbrennen. Der nächste Unterabschnitt konzentriert sich auf die detaillierte Flammenstruktur, wie sie aus ausgewählten Messungen und aus direkten numerischen Simulationen (DNS) und Large Eddy Simulationen(LES) erhalten wurde. 2.1 Globale Merkmale Die Mehrheit der Studien, die an reinen Wasserstoffdiffusionsflammen durchgeführt wurden, umfasst einfache, zweiströmige Strömungskonfigurationen ohne zusätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung [15–19]. Die endliche Dicke des Rohres, aus dem der Brennstoff austritt, induziert jedoch eine lokale Rezirkulation an der Spitze, die die Stabilität beeinflussen könnte. Bei der Mitverbrennung können Brennerdesigner einen Pilotbrenner, eine Staukörpergeometrie oder induzierten Drall verwenden, um das Abblasen zu verzögern und sicherzustellen, dass die Flamme mit dem Brenner verbunden bleibt. Für einfache zweiströmige
A. R. Masri et al. 160 Brenner sind die Hauptparameter, die Abhebephänomene, globales Flammenabblasen und Flammenlänge beeinflussen, die Brennerabmessungen und die Bedingungen der Mantelströmung. Es ist erwähnenswert, dass es zahlreiche Studien und Übersichten gibt, die den tatsächlichen Abhebemechanismus [20, 21] und den Stabilisationsmodus von abgehobenen Flammen [22, 23] behandeln. Obwohl diese Details auch für turbulente Wasserstoffflammen relevant sind, werden sie hier nicht wiederholt. Hwang et al. [24] haben Stabilitätsgrenzen für turbulente Wasserstoffstrahlflammen gemessen, die mit einem Mantelluftstrom austreten, und ihre Ergebnisse mit denen verglichen, die früher von Takahashi et al. [16] und Vranos et al. [17] berichtet wurden. Dies ist in Abb. 1 wiedergegeben, die die Mantelstromluftgeschwindigkeit, Ua, gegen die Brennstoffstrahlgeschwindigkeit, Uf, für eine Reihe von Brennerdurchmessern, df, und Lippenstärken l darstellt. Die Datenpunkte zeigen die Übergangspunkte an, unterhalb derer die Flammen angebunden sind und oberhalb derer sie instabil werden. Auf der rechten Seite dieser Grenzen (bei hoher Uf und relativ niedriger Ua) sind die Flammen vom Brenner abgehoben, bleiben jedoch einigermaßen stabil, blasen jedoch letztendlich bei zunehmender Ua aus. Aus den in Abb. 1 gezeigten Profilen geht hervor, dass die Stabilität stark von der Lippenstärke und nicht vom Brennerdurchmesser beeinflusst wird. Die Ergebnisse von Hwang et al. [24] und Takahashi et al. [16] zeigen, dass bei einem ähnlichen Brennerdurchmesser von ~3 mm und beispielsweise bei Uf = 300 m/s der Schwellenwert von Ua von ~10 auf ~85 m/s ansteigt, wenn die Lippenstärke von 0,04 auf 0,9 mm zunimmt. Die Erhöhung der Temperatur im Mantelstrom hat ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Stabilitätseigenschaften, und solche Effekte werden von vielen untersucht, darunter Takeno und Kotani [15], deren Ergebnisse für Wasserstoff in Abb. 2 gezeigt werden. Die drei gezeigten Profile entsprechen der anfänglichen Reiner Wasserstoff Verankerte Flamme , , , , , , , , , , , , Abb. 1 Stabilitätsgrenzen für Wasserstoffstrahlflammen, dargestellt als Ablösegeschwindigkeit, UF, gegen Mantelstromluftgeschwindigkeit, Ua. Die Daten stammen von Hwang et al. [24], Takahashi et al. [16] und Vranos et al. [17]. Nachgedruckt aus Ref. [24] mit Genehmigung von Elsevier
Flammenstabilitätsgrenze Instabilität bei Übergangspunkt Abriss bei Übergangspunkt Abblasen vom Rand der Einspritzdüse nd fla m m e Kraftstoff: H2 , 161 ei n e re s tli ch e Ra Abblasen am Einspritzdüsenrand Kl Geschwindigkeit der Kraftstoffeinspritzung, Uj (m/sec) Turbulente Wasserstoffflammen Instabilität am Übergangspunkt Pause - Aus am Übergangspunkt Luftstromtemperatur, Te(°K) Abb. 2 Einflüsse der Mantelluftstromtemperatur, Te, auf die Stabilitätsgrenzen von Wasserstoffstrahlflammen, dargestellt als Brennstoffdüsgeschwindigkeit, Uj. Nachgedruckt aus Ref. [15] mit Genehmigung von Elsevier Trennung der Hauptflamme, die eine kleine Restflamme am Rand des Brenners hinterlässt, die anschließend bei weiterer Erhöhung der Geschwindigkeit ausbläst (die obere Grenze). Wie erwartet, nimmt die Stabilität mit der Temperatur zu, wie durch die jüngsten Ergebnisse von Lamige et al. [25] für Methanflammen bestätigt wird. Die Korrelation von Lamige et al. [25] für die Brennstoffeinlassgeschwindigkeiten wird in Bezug auf die Luft- oder Brennstofftemperaturen (Te und Tf) normalisiert durch To, die Anfangstemperatur, berichtet: ((Tf/To)n oder (Te/To)n). Der Potenzexponent n reicht von 1,56 bis 1,64, je nachdem, ob Abheben oder Wiederanheftung betrachtet werden [25]. Die drei Stabilitätskurven, die in Abb. 2 für Wasserstoffflammen gezeigt werden [15], haben Potenzexponenten für (Te/To)n von n = 1,69, n = 1,52 und n = 1,25, jeweils von oben nach unten. Dies stimmt eng mit den von Lamige et al. [25] für Methanflammen berichteten Werten überein. Weitere Erhöhungen der Temperaturen im Mantelstrom über den in Abb. 2 gezeigten Bereich hinaus werden die Selbstzündungsgrenze erreichen, bei der erwartet wird, dass der Stabilisationsmechanismus der Flamme auf eine Reihe von Selbstzündungskernen zurückzuführen ist, die stromaufwärts des Hauptflammenstabilisierungsbereichs entstehen. Brennergeometrien, die entwickelt wurden, um den Selbstzündungsverbrennungsmodus zu untersuchen, umfassen entweder einen Heißluft-Piloten wie in [26] oder einen Mantelstrom erhitzter Luft mit Eindüsung von Wasserstoff [27]. Messungen der Flammenlängen, normalisiert durch den Düsendurchmesser (Lf/D), wurden von vielen Forschern über eine Reihe von Düsenbedingungen von subsonisch [19, 28–34] bis schallnah [19, 35] berichtet. Korrelationen, die hauptsächlich auf der Froude-Zahl basierten, wurden entwickelt und anschließend verwendet. Daten, die jedoch in schallnahen Strömungen und für impulsgetriebene
A. R. Masri et al. 162 Strahlflammen gewonnen wurden, zeigten signifikante Abweichungen, und diese führten zu unterschiedlichen Korrelationen mit Abhängigkeit sowohl vom Düsendurchmesser als auch von der Brennstoffmassenstromrate [19, 28–34]. Molkov und Saffers haben kürzlich eine kritische Überprüfung dieser Literatur veröffentlicht, mit besonderem Fokus auf die Sicherheit von Wasserstoff [36] und Leckagen aus Wasserstofftanks. Sie haben das, was sie als eine verallgemeinerte Korrelation für die Flammenlänge bezeichnen, vorgeschlagen, die die Froude-, Reynolds- und Mach-Zahlen berücksichtigt, wie in Abb. 3 gezeigt. Die Flammenlänge, LF, normalisiert durch den tatsächlichen Strahldurchmesser, D, wird mit X = (ρN/ρS)(UN/CN)3 korreliert. Hierbei ist ρ die Dichte, U die Strahlgeschwindigkeit, C die Schallgeschwindigkeit, und die Indizes N und S beziehen sich jeweils auf das Gas in der Brennstoffdüse und die umgebende Luft. Die Ergebnisse umfassen drei verschiedene Bereiche: (i) durch Auftrieb kontrollierte Flammen links mit LF/D = 1403 X0.196, (ii) impulsgetriebene Strahlen, bei denen LF/D ~ 230 unabhängig von X (im Bereich von 1e-4 bis ~0.007) ist, und (iii) unterexpandierte Jets, bei denen die Strömung im Brennstoffzugang die Schallgeschwindigkeit überschreitet und die relevante Korrelation LF/D = 805 X0.47 ist. Aus Abb. 3 geht hervor, dass LF/D über den gesamten Bereich der Bedingungen gut mit der Ähnlichkeitsgruppe korreliert. Es ist auch erwähnenswert, dass der dritte Bereich mit M > 1 für die Sicherheit von Wasserstoff von großer Bedeutung ist, da mögliche Leckagen aus Brennstoffspeichertanks wahrscheinlich gedrosselte Strömungen mit M = 1 am Leckpunkt, aber unterexpandiert und dann auf M > 1 ansteigend sind. Diese Situation wird durch die Skalierung auf der rechten Seite von Abb. 3 erfasst, wie von [36] berichtet. Abb. 3 Diagramm der Flammenlänge, normalisiert mit dem Strahldurchmesser, LF/D versus X = (ρN/ρS) (UN/CN)3. Die durchgehende Linie stellt die Korrelation von Molkov und Saffers dar [36]. Die Symbole beziehen sich auf experimentelle Daten aus verschiedenen Quellen. Nachgedruckt aus Ref. [36] mit Genehmigung von Elsevier Kalghatgi Unterschall, 1984 Kalghatgi, 1984 , Mogi et al., 2005 Schefer et al. Unterschall, 2006 Schefer et al., 2007 Proust et al., 2009 Studer et al., 2009 Imamura et al., 2008 Shevyakov et al. Unterschall, 1977 Hawthorne et al. Unterschall, 1949 ,
Turbulente Wasserstoffflammen 163 2.2 Kompositionelle Struktur Die ersten detaillierten, raum- und zeitaufgelösten Messungen der kompositionellen Struktur turbulenter Wasserstoffflammen wurden in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts mit der Entwicklung der spontanen Raman-Streuung durchgeführt, die durch das Aufkommen leistungsstarker Laser und PhotomultiplierRöhren ermöglicht wurde [37–40]. Ein typisches Layout des frühen RamanSystems, das in den Sandia National Laboratories entwickelt wurde, ist in Abb. 4 dargestellt. Das Einzelpunkt-Raman-Rayleigh-Setup wurde dann mit einem LaserDoppler-Geschwindigkeitssystem gekoppelt, um Messungen von Temperatur, Spezieskonzentration und Geschwindigkeit in turbulenten Strahldiffusionsflammen von H2–N2-Brennstoffen durchzuführen. Die Raman- und Rayleigh-Signale wurden durch ein Spektrometer unter Verwendung von Photomultiplier-Röhren gesammelt, die strategisch an der relevanten Raman-Verschiebung positioniert waren. Da LDV-Messungen eine Partikelbeimischung erfordern, wurde ein Koinzidenzprüfer hinzugefügt, sodass das LDV-Messereignis schnell von einem Raman-RayleighMessereignis gefolgt wird, wenn das Impfpartikel die Messsonde verlässt. Aufgrund dieser Konditionierung war die Datenerfassung eine mühsame Aufgabe, aber dieses Setup lieferte die ersten Messungen von Skalarflüssen in turbulenten Diffusionsflammen [37]. RAMAN-LASER-TRIGGER RAMAN LASER (PULSED) LDV PROCESSOR V ION LD CT S LE TIC L CO OP DOPPLER BURST RAMANSAMMELOPTIKEN VERBRENNUNGS TUNNEL INTEGRIERTE SCHALTKREISE VELOCITY POLYCHROMATOR RAMAN BEAM COMPUTER ARTEN KONZENTRATION UND TEMPERATUR LDV LASER (CW) LDV BEAMS Abb. 4 Schematische Darstellung eines frühen Raman-Rayleigh-Systems, das mit LDV für gemeinsame Messungen von Temperatur, Spezieskonzentration und Geschwindigkeit in turbulenten Wasserstoffdiffusionsflammen gekoppelt ist. Nachgedruckt aus Ref. [37] mit Genehmigung von Elsevier
164 A. R. Masri et al. Die linke Seite (LHS) von Abbildung 5 zeigt die Streudiagramme der Temperatur und der molarer Anteil von H2, O2, H2O und N2, die gegen die Mischungsbruch aufgetragen und in einer reinen Wasserstoffturbulenzdiffusionsflamme (Reynolds-Zahl, Re = 10.000) mit dem oben gezeigten Raman-RayleighSystem gemessen wurden. Die Länge der Flamme ist L, und die Messungen werden an verschiedenen axialen Abständen entlang der Länge, L, gezeigt. Die rechte Seite der Abbildung zeigt den molaren OH-Anteil, die mittels laserinduzierter Fluoreszenz gemessen wurde. Ebenfalls gezeigt sind Kurven für adiabatisches Gleichgewicht und für gegenläufige laminare Flammenberechnungen mit zwei verschiedenen Dehnungsraten von a = 100 s−1 und a = 1000 s−1. Aus Abb. 5 geht hervor, dass die meisten Datenpunkte innerhalb der berechneten Flammen- und Gleichgewichtsgrenzen liegen, insbesondere an stromabwärts gelegenen Positionen. Die OH-Radikalkonzentration zeigt signifikante Über-Gleichgewichtskonzentrationen bei L/8 mit einem allmählichen Abfall zu Gleichgewichtsniveaus, wenn der axiale Abstand zunimmt. Mit dem oben erwähnten System haben Magre und Dibble [40] weitere Messungen in Flammen durchgeführt, die aus 78 % Wasserstoff und 22 % Argon (vol.) bestehen und bei denen die Strahlgeschwindigkeit von 75 auf 175 m/s ansteigt. Bei ausreichend hohen Strahlgeschwindigkeiten beginnen Effekte der endlichen Reaktionskinetik aufzutreten, wobei die Streudiagramme für die Temperatur unter die Grenzen der gedehnten Flammen fallen. Pitz und Mitarbeiter an der Vanderbilt University entwickelten ein UV-RamanSystem, bei dem das spektral aufgelöste Raman-Signal durch PMT- und ICCDKameraimplementierungen gesammelt wurde. Sie haben die Technik auf Überschall-Wasserstoff-Luft-Diffusionsflammen [41] und auch auf Unterschallstrahlflammen angewendet, bei denen sie die Skalarzerfallsraten extrahierten, die auf das Ausmaß der Dehnung und Streckung aufgrund übermäßiger Turbulenz hinweisen [42]. Das Doppelpulsen der Strahlen der Laser-Raman-Systeme wurde von Grunefele et al. [43] eingesetzt, um gleichzeitige Messungen von reaktiven Skalaren und Geschwindigkeit in turbulenten Wasserstoffflammen durchzuführen. Obwohl diese Referenzen keine umfassende Übersicht über die Literatur bieten, sind sie ein Hinweis auf die Tiefe der verfügbaren Informationen zur kompositionellen Struktur turbulenter Wasserstoffflammen. Kürzlich berichteten Steinberg et al. [45] über Raman-Messungen in Wasserstoffdiffusionsflammen in einem Querfluss, die zeigen, dass die Flamme tatsächlich an der Basis angehoben ist. Mit einem neu entwickelten Raman-System an der KAUST berichteten Guiberti et al. [46] über Messungen in einer turbulenten Diffusionsflamme von H2–N2-Brennstoff. Ein zentrales Ergebnis dieser Messungen ist, dass die Effekte der differentiellen Diffusion für Reynolds-Zahlen über einem bestimmten Schwellenwert minimal waren. Es sollte beachtet werden, dass dies zwar für Diffusionsflammen der Fall sein mag, die Situation jedoch bei Vormischflammen, die Wasserstoff als Brennstoff verwenden, anders ist.
Turbulente Wasserstoffflammen 165 , T(K) Rayleigh Maulwurfsfraktion , , , , , , , , , , Gemischte Fraktion , OH-Molekülfraktion , , , , , , , , , , , , , , , OH-Molekülfraktion , , , , , , , , , , , , , , , Gemischte Fraktion , T(K) Rayleigh , , , , , , , , , , , Gemischte Fraktion OH-Molekülfraktion , Maulwurfsfraktion , , Gemischte Fraktion , , Gemischte Fraktion , T(K) Rayleigh Maulwurfsfraktion , , , , , , , , , , , , , , , Gemischte Fraktion Abb. 5 Streudiagramme der Temperatur, des molaren Anteils der Hauptspezies (LHS) und des molaren OH-Anteils (RHS), die gegen die Mischungsbruch aufgetragen sind. Die Ergebnisse werden für verschiedene axiale Positionen in der Re = 10.000 unverdünnten H2-Flamme mit einer Länge L gezeigt. Ebenfalls gezeigt sind Kurven für adiabatisches Gleichgewicht (–) und für gegenläufige laminare Flammenberechnungen mit Dehnungsraten von a = 100 s−1 (___) und a = 1000 s−l (….). Nachgedruckt aus Ref. [44] mit Genehmigung von Elsevier 3 Turbulente Vormischflammen Die Hauptprobleme bei turbulenten Vormischflammen sind (i) die Vermeidung von Rückschlag (flashback - FLB) und (ii) die Vorhersage der Brenngeschwindigkeit oder der turbulenten Flammengeschwindigkeit. Magere Vormischflammen, die in praktischen Brennern aufgrund ihrer reduzierten Emissionen bevorzugt werden, haben ein höheres Risiko des Abblasens und daher wird die Schätzung
166 A. R. Masri et al. der mageren Abblasgrenzen (lean blow-off - LBO) zu einer wesentlichen Anforderung. Mit der Zugabe von Wasserstoff zur Brennstoffmischung induziert die differentielle Diffusion eine kompositionelle Inhomogenität in den Gemischen und stellt eine weitere Herausforderung bei der Schätzung ihrer Auswirkungen auf die Brenngeschwindigkeiten dar. Der nächste Abschnitt bietet einen kurzen Überblick über diese Themen, gefolgt von einem kurzen Abschnitt über aktuelle Messungen der kompositionellen Struktur turbulenter Wasserstoffflammen. 3.1 Globale Merkmale Sommerer et al. [48] präsentierten eine kombinierte numerische und experimentelle Studie zu Rückschlags- und Ausblasgrenzen in drallstabilisierten turbulenten teilweise vorgemischten Propanflammen. Sie haben eine Reihe von Rückschlagsmechanismen identifiziert, darunter Grenzschichtrückzündung ( boundary flashback - BLF) und durch Verbrennung induzierte Wirbelzerlegung (combustion-induced vortex breakdown - CIVB) [48]. Kürzlich haben Liu et al. [47] ähnliche Konzepte verwendet, um die Stabilitätsgrenzen von verdrallten Methan-Wasserstoff-Flammen zu interpretieren, die in Abb. 6 gezeigt werden. Die LBO und FLB werden für CH4–H2-Flammen über einen Bereich von Reynolds-Zahlen und für Mischungen gezeigt, bei denen der Wasserstoffanteil von null auf 50 % nach Volumen ansteigt. Es ist offensichtlich, dass die Zugabe von Wasserstoff die LBO auf niedrigere Äquivalenzverhältnisse ausdehnt. Allerdings zeigt die FLB ein nicht-monotones Verhalten mit der Wasserstoffzugabe, und dies ist LBO-Grenze FLB-Grenzwert M-Π Übergang SL für LBO SL für FLB SL für M- Π Übergang M-förmige Flamme Π-geformte Flamme Abb. 6 Stabilitätsbereiche für drei vorgemischte Flammen von CH4, CH4–H2 = 75–25 %, CH4– H2 = 50–50 %, die über einen Bereich von Äquivalenzverhältnissen (oder laminaren Flammengeschwindigkeiten, SL) und Reynolds-Zahlen betrieben werden. Die Äquivalenzverhältnisse, Φ an den mageren Ausblasgrenzen, LBO, und den Rückzündungsgrenzen, FLB, sind in blauen Dreiecken und roten Kästchen dargestellt. Ergebnisse stammen aus Ref. [47]
Turbulente Wasserstoffflammen 167 auf eine Änderung der Flammenstruktur/-form und des Rückschlagsmechanismus zurückzuführen, der von M-förmigen und CIVB-Modus zu П-förmigen Flammen und BLF-Modus übergeht, wenn der Wasserstoffanteil in der Brennstoffmischung zunimmt [47]. 3.2 Flammengeschwindigkeit und Struktur Die Auswirkungen der Wasserstoffzugabe auf die Flammengeschwindigkeit, die Brennrate und die räumliche Struktur der Reaktionszonen wurden kürzlich untersucht, hauptsächlich in mageren CH4–H2-Flammen und mit besonderem Fokus auf differentielle Diffusion [47, 49–58]. Zhang et al. [49, 51] verwendeten LIFBildgebung von OH und CH2O, um die turbulente Brenngeschwindigkeit und die Flammendicke in Flammen von CH4–H2 zu extrahieren, bei denen die Volumenanteile von Wasserstoff von 0 auf 30 % und dann auf 60 % erhöht werden (bezeichnet als Flammen A, B und C). Messungen werden in einer Reihe von Strömungsbedingungen durchgeführt, sodass die Flammen die gerippte Flammenfront und verbreiterte Reaktionszonen im Regimediagramm abdecken, wie in Abb. 7 gezeigt. Die Ergebnisse in Bezug auf die turbulente Flammengeschwindigkeit werden in Abb. 8 präsentiert, und diejenigen, die die Dicken der Vorwärmzone (preheat - PH) und der Hochtemperaturreaktionszone (high-temperature reaction - HR) berichten, sind in Abb. 9 gezeigt. Die gemessenen Dicken, δT, sind in Bezug auf die laminare Flammendicke, δL, normalisiert. Die turbulente Verteilte Reaktionszonen Erweitertes Vorheizen - dünne Reaktionszone (BP-TR) gewellter Flamlet gefalteter Flamelet , Laminare Flammen , Abb. 7 Regimediagramm für turbulente vorgemischte Flammen, das die von Zhang et al. [49] untersuchten Flammenbedingungen zeigt. Das Regimediagramm stellt die Turbulenzintensität, u′/SL,0, im Vergleich zur integralen Längenskala, λI, normalisiert durch die thermische laminare Flammendicke, δL,0, dar. Die gezeigten Brennstoffmischungen (A, B, C) sind CH4–H2, wobei der Wasserstoffgehalt von 0 auf 60 % variiert. Nachgedruckt aus Ref. [49] mit Genehmigung von Elsevier
A. R. Masri et al. 168 , , , Turbulente Verbrennungsgeschwindigkeit, Abb. 8 Diagramme der turbulenten Brenngeschwindigkeit im Vergleich zur Turbulenzintensität für die von Zhang et al. [51] untersuchten Flammenbedingungen. Die Brennstoffmischungen sind CH4–H2, wobei der Wasserstoffgehalt von 0 auf 60 % variiert. Ergebnisse werden auch für Tamadonfar und Gülder [59] gezeigt. Nachgedruckt aus Ref. [51] mit Genehmigung von Elsevier , , Zhang et al. Tamadonfar und Gülder Turbulenzintensität, Brenngeschwindigkeit, ST, ist mit dem laminar Wert, SL,0, normalisiert. Beide Diagramme zeigen Ergebnisse im Vergleich zur Turbulenzintensität u′/SL,0. Die Schlussfolgerungen der Studien von Zhang et al. [49, 51] werden hier wie folgt zusammengefasst: • Die Zugabe von Wasserstoff zum Brennstoffgemisch erhöht die turbulente Flammengeschwindigkeit, wenn auch nicht linear, wie aus den in Abb. 8 gezeigten Profilen ersichtlich ist. Es wird hier darauf hingewiesen, dass das Äquivalenzverhältnis für die Flamme mit 60 % Wasserstoff nur 0,69 beträgt, verglichen mit ϕ = 0,80 für den Fall mit 30 % H2. • Die Trends für die zunehmende turbulente Flammengeschwindigkeit, ST, mit höherer Turbulenzintensität sind konsistent, wenn auch mit unterschiedlichen Raten, die vom Wasserstoffgehalt abhängen. • Wie in Abb. 9 gezeigt, bleibt die Dicke der Hauptwärmefreisetzungszone (dargestellt durch die roten Symbole) nahezu unverändert und nahe derjenigen der laminaren Flammen, unabhängig vom Turbulenzniveau oder dem Anteil an Wasserstoff im Brennstoff. • Im Gegensatz dazu wird die Vorwärmzone mit zunehmender Turbulenz erheblich verbreitert. Für reine Methanflammen ist δT,PH etwa viermal dicker als das laminar Gegenstück bei u′/SL ~ 3, und dies erhöht sich auf etwa das Sechsfache bei u′/SL ~ 12. • Mit zunehmendem Wasserstoffanteil im Methangemisch ist es interessant zu bemerken, dass die Vorwärmzone dünner wird, wie in Abb. 9 zu sehen ist, wo bei u′/SL ~ 12, δT,PH/δL,PH von etwa sechs für reine Methanflammen auf etwa drei für die Flamme mit 60 % Wasserstoff reduziert wird.
Turbulente Wasserstoffflammen 169 , Blau: PH Rot: HR , , , , , , , , , , , , Abb. 9 Diagramme der normierten Dicken δ der Vorwärm- (PH) und HochtemperaturReaktionszonen (HR) in Abhängigkeit von der Turbulenzintensität für die von Zhang et al. [49] untersuchten Flammenbedingungen. Die Indizes T und L beziehen sich jeweils auf laminare und turbulente Flammen. Die Brennstoffmischungen (A, B, C) sind CH4-H2, wobei der Wasserstoffgehalt von 0 bis 60 % variiert. Nachgedruckt aus Ref. [49] mit Genehmigung von Elsevier Die oben diskutierten Trends sind im Allgemeinen konsistent mit anderen, die kürzlich in der Literatur berichtet wurden [53–58] und heben die zusätzliche Bedeutung und Komplexität von Wasserstoff bei der Veränderung der Brennraten und der Struktur von Vormischflammen hervor. Korrelationen für die turbulente Flammengeschwindigkeit von wasserstoffhaltigen Brennstoffen beinhalten jetzt die Effekte der differentiellen Diffusion, möglicherweise unter Verwendung der LewisZahl als relevanten Parameter zusätzlich zur Turbulenzintensität und Dehnungsrate. Hamp et al. [58] präsentierten eine Bewertung der verschiedenen Korrelationen unter Verwendung ihrer PIV-Messungen in einer Gegenstromflammenkonfiguration, um turbulente H2–CO- und H2–CH4-Flammen zu untersuchen. Für letztere stieg der Wasserstoffgehalt auf bis zu 100, und die Bandbreite der LewisZahlen in ihrer umfangreichen Fallmatrix reichte von Le = 0,374 bis Le = 0,962. Obwohl keine bestimmte Korrelation empfohlen wurde, hebt ihr Befund die komplexe Wechselwirkung zwischen Methan und Wasserstoff aufgrund der Effekte der differentiellen Diffusion hervor [58]. Die Abhängigkeit der turbulenten Flammengeschwindigkeit von der effektiven Lewis-Zahl des Kraftstoffgemischs, Lee, scheint die Form zu haben: ST/SL,0 ~ (1/Lee)n, wobei der Exponent n von 0,14 [57] bis 0,3 [58] reicht. Es gibt verschiedene Formulierungen für Lee. Bouvet et al. [60] kommen zu dem Schluss, dass Lee einfach durch eine Summation über den Molenbruch, Xi, der Komponenten als Lee = ΣXiLei erhalten werden kann. Die meisten in diesem Kapitel zuvor erwähnten Studien haben sich auf Strömungen mit niedriger Lewis-Zahl (Le < 1) konzentriert, die hauptsächlich magere Gemische aus Methan-Wasserstoff-Luft darstellen. Abbasi-Atibeh und Bergthorson [50] haben vorgemischte Gegenstromflammen mit einem breiteren Bereich effektiver Lewis-Zahlen untersucht, die von 0.35 < Lee < 3.08 reichen. Flammen von C3H8–H2 und CH4–H2 im Bereich der dünnen Reaktionszone werden über eine Reihe von
A. R. Masri et al. 170 nach Volumen) 90% in Schritten von 20% nach Volumen) Luft , , , , , , , Abb. 10 Diagramme der normierten turbulenten Flammengeschwindigkeiten, aufgetragen gegen effektive Lewis-Zahlen, Lee für eine Reihe von turbulenten Gegenstrom-Vormischflammen von Wasserstoff, Methan oder Propan. Die Brennstoffgemische werden variiert, sodass die effektive Lewis-Zahl einen breiten Bereich abdeckt [50]. Nachgedruckt aus Ref. [50] mit Genehmigung von Elsevier Turbulenzintensitäten untersucht, wobei Hochgeschwindigkeits-Lasermessungen von Geschwindigkeitsfeldern und Mie-Streuung-Flammentomographie verwendet werden, um die Effekte der differentiellen Diffusion zu quantifizieren. Eines ihrer wichtigsten Ergebnisse wird in Abb. 10 [50] berichtet, die zeigt, dass die turbulenten Brennraten mit abnehmendem Lee zunehmen. Solche Effekte sind jedoch nicht linear, da ST für Lee größer als ~0.75 fast gleichmäßig bleibt, aber dann für niedrigere Werte stark ansteigt. Die Behandlung der Effekte der differentiellen Diffusion bei der Berechnung der Struktur von turbulenten vorgemischten und nicht vorgemischten Flammen wird im nächsten Abschnitt dieses Kapitels diskutiert. 4 Modellierung der differentiellen Diffusion Der detaillierteste Ansatz besteht darin, alle turbulenten Skalen in der direkten numerischen Simulation (DNS) direkt aufzulösen. Jüngste Untersuchungen zur differentiellen Diffusion in Wasserstoff- und Wasserstoffderivatflammen unter Verwendung von DNS finden sich beispielsweise in [61, 62]. Hier konzentrieren wir uns stattdessen auf Turbulenzmischungs- und Verbrennungsmodelle, die in der Large Eddy Simulation (LES) und Reynolds Averaged Navier Stokes (RANS) verwendet werden, die für die Modellierung im praktischen Maßstab nützlicher sind. Die überwiegende Mehrheit der Modelle für reaktive Skalarmischung in turbulenten Strömungen vernachlässigt die differentielle Diffusion und geht davon aus, dass alle Spezies im Gemisch gleich diffundieren. Dies vereinfacht die Problemformulierung erheblich und ist unter Bedingungen gerechtfertigt, bei denen die Rate der turbulenten Mischung viel größer ist als die Rate der molekularen Mischung. Diese Annahme ist jedoch nicht gültig für Strömungen, die große Konzentrationen von Wasserstoff enthalten, der aufgrund seines sehr geringen Molargewichts viel schneller diffundiert als die anderen Hauptreaktanten oder Produktspezies, die bei der Verbrennung von Wasserstoff oder Wasserstoffmischungen vorhanden sind. Eine Herausforderung bei der Bewältigung dieses
Turbulente Wasserstoffflammen 171 Problems besteht darin, dass die Annahme der gleichen Diffusivität mehr als nur ein Modelleingang ist. Für viele der heute verwendeten Hauptmodelle der turbulenten Verbrennung ist die gleiche Diffusivität der Spezies ein integrales Artefakt der gesamten Modellformulierung. Dies wird durch zwei grundlegende Beispiele veranschaulicht. Erstens werden transportierte Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionsmodelle [63] häufig in stochastischer Form mit einem Ensemble von fiktiven Partikeln und einem Zufallsbewegungsmodell für den diffusen Transport im physikalischen Raum formuliert. Da jede Partikel alle Informationen im Zustandsraum enthält, einschließlich aller Speziesmassenanteile, geht das Zufallsbewegungsmodell implizit davon aus, dass alle Spezies im physikalischen Raum gleich diffundieren. Zweitens geht das Modell der bedingten Momentenschließung (CMC) [64], das eine starke Korrelation zwischen den Schwankungen der reaktiven Skalare und den Schwankungen des Mischungsbruchs annimmt, im Allgemeinen davon aus, dass der Mischungsbruch und die reaktiven Skalare mit der gleichen Rate diffundieren. Differentielle Diffusion führt zu einer mehrdeutigen Definition des Mischungsbruchs und neuen ungeschlossenen Termen in den CMC-Gleichungen. Während Lösungen für diese Hindernisse vorgeschlagen wurden [65, 66], beinhalten sie eine Neufassung des Modells. Hier überprüfen wir kurz die verfügbaren Modelle der differentiellen Diffusion und präsentieren dann Details zu einem Modell im Besonderen, der multiplen Abbildungsbedingung [67], das als vielversprechend gilt. Die Methoden werden allgemein für jedes differentielle diffundierende Gemisch vorgestellt und sind daher auf Gemische mit Wasserstoff anwendbar. In transportierten PDF-Ansätzen manifestiert sich die Diffusion auf zwei Arten. Es gibt den Transport im physikalischen Raum, der als Gradientendiffusion modelliert wird, und es gibt auch den Transport im Zusammensetzungsraum durch den Skalarzerfallsterm, der die Verteilungen an einem bestimmten Ort im physikalischen Raum beeinflusst und durch Mischungsmodelle emuliert wird. Im Allgemeinen spielt die differentielle Diffusion in beiden Mechanismen eine Rolle. Die differentielle Diffusion im physikalischen Raum, die bei niedrigen ReynoldsZahlen am wichtigsten ist, wurde von McDermott und Pope [66] behandelt. In diesem Modell wird die Zufallsbewegung so umkonfiguriert, dass sie nur den turbulenten oder subgitterartigen diffusen Transport berücksichtigt, während die Diffusion durch einen deterministischen mittleren Driftterm modelliert wird, in den die differentielle Diffusion leicht einbezogen werden kann. Ein Nachteil dieses Ansatzes ist die Notwendigkeit, den Skalargradienten aus diskreten und verrauschten fiktiven Partikelfeldern zu schätzen, und die Anwendung auf Laborund praktische Flammen ist selten. You et al. [68] verwendeten das mittlere Driftmodell für eine Labor-Turbulenzdimethyletherflamme und zeigten bescheidene Verbesserungen, die bei Flammen mit hohen Wasserstoffkonzentrationen und vorgemischten Flammen, bei denen die differentielle Diffusion wichtiger ist, noch größer sein dürften. In ihren einfachsten Formen sind fiktive Partikelmodelle, die die differentielle Diffusion im Zusammensetzungsraum berücksichtigen, unkompliziert und beinhalten die Verwendung unterschiedlicher Mischfrequenzen für jede Spezies basierend auf ihren individuellen Lewis-Zahlen [69–71]. Ein
172 A. R. Masri et al. Hauptanliegen hierbei ist, dass Realisierbarkeitsbeschränkungen erfüllt werden müssen, d. h. die Massenanteile aller Spezies müssen sich zu Eins summieren und die Massenanteile der einzelnen Spezies müssen am unteren Ende durch Null und am oberen Ende durch Eins begrenzt sein [66]. Die Modelle von Chen und Chang [69] und Meyer [70] sagen die differentielle Diffusion korrekt voraus, verletzen jedoch die Realisierbarkeit. Die Verfeinerung von Richardson und Chen [71] folgt einem ähnlichen Ansatz, bei dem speziesabhängige Mischfrequenzen verwendet werden, zusätzlich werden jedoch die Gewichte der fiktiven Partikel angepasst, um sicherzustellen, dass die Realisierbarkeitsbeschränkungen erfüllt sind. Die Anwendung auf eine turbulente vorgemischte Methan-Luft-Flamme, die Spezies mit Lewis-Zahlen von 0.17 (für Wasserstoffradikal) bis 1.34 (für CO2) enthält, während das Euclidean Minimum Spanning Tree (EMST) Mischmodell [72] verwendet wird, zeigte eine verbesserte Genauigkeit im Vergleich zu dem Modell ohne differentielle Diffusion. Kürzlich wurde das Modell der differentiellen Diffusivität von Richardson und Chen [71] von Zhou et al. [73] übernommen, um eine DNS-Flamme zu modellieren, die Ruß mit Lewis-Zahlen von bis zu 10.000 enthält. Differenzielle Diffusion in auf Mannigfaltigkeiten basierenden Methoden wie laminarer Flamelet-Modellierung [74] und CMC [65] wurden ebenfalls entwickelt. Die Mannigfaltigkeit umfasst typischerweise den Mischungsbruch in nicht-vorgemischten Flammen und die Reaktionsfortschrittsvariable in vorgemischten Flammen. Aufgrund des entkoppelten Transports in physikalischen und Mannigfaltigkeitsräumen stehen differenzielle Diffusionsmodelle für laminare Flamelet-Modelle in nicht-vorgemischten Flammen vor dem inhärenten Problem, dass die aus Flamelet-Modellen mit nicht-einheitlicher Lewis-Zahl erhaltenen Speziesmassenanteile nicht mit dem Transport eines Mischungsbruchs übereinstimmen, der relativ zu diesen Spezies definiert ist. Pitsch und Peters [75] schlugen eine einfache und elegante Lösung vor, bei der die Diffusivität der Mischungsbruchdimension willkürlich und unabhängig von den Lewis-Zahlen der Spezies definiert wird. Während dies zu konsistenten Lösungen führt, bedeutet es, dass der stöchiometrische Wert des Mischungsbruchs nicht konstant ist, obwohl dies den reibungslosen Betrieb des Modells nicht beeinträchtigt. Kronenburg und Bilger [65] entwickelten eine differenzielle Diffusionsversion von CMC in Form von Differenzparametern zi = Yi − Yi+, wobei Yi der Massenanteil der Spezies i mit einer Lewis-Zahl von Lei ist und Yi+ ein fiktiver Skalar mit den gleichen Eigenschaften wie die Spezies i ist, jedoch mit einer Lewis-Zahl, die der des konservierten Mischungsbruchs entspricht, Lex. Die Anwendung auf eine turbulente, wasserstoffbetriebene Flamme [76] zeigt verbesserte Vorhersagen im Vergleich zum CMC-Modell mit gleicher Diffusivität und eine unerwartet geringe Empfindlichkeit gegenüber einstellbaren Konstanten. Multiple Mapping Conditioning (MMC) [77] kombiniert Aspekte der oben genannten Modellierungsparadigmen. In seiner stochastischen Form, die im vorliegenden kurzen Überblick im Fokus steht, ist MMC ein PDF-Modell, bei dem der molekulare Mischvorgang lokal (oder bedingt) auf einen Referenzraum erfolgt, der die Verteilungen der Mannigfaltigkeitsvariablen nachahmt. Ein einfaches
Turbulente Wasserstoffflammen 173 differenzielles Diffusionsmodell für Flammen mit Aerosolpartikeln hoher LewisZahl wurde von Vo et al. [78] vorgeschlagen, bei dem das Mischen einzelner Spezies in einem Mischungsbruch-Referenzraum mit den Lewis-Zahlen variiert. Obwohl dies in [78] nicht untersucht wurde, ist es wahrscheinlich, dass dieser Ansatz die oben diskutierten Realisierbarkeitsbeschränkungen verletzt. Ein rigoroserer Ansatz wurde von Dialameh et al. [67] vorgeschlagen, und die Parameter dieses fortschrittlichen Modells sind konsistent mit der Reynolds- und Schmidt-Zahl-Skalierung sowohl im inertial-konvektiven (Oboukov-Corrsin) als auch im viskos-konvektiven (Batchelor) Subbereich. Das Modell basiert auf dem Konzept des Side-Stepping, bei dem das Mischfenster bei jedem Zeitschritt in der numerischen Methode (d. h. die Zeitdauer, über die sich die Spezies mischen) für diffusionsstärkere Spezies verlängert wird. Ein-Referenz-Variablen- und Zwei-Referenz-Variablen-Versionen des Modells wurden vorgeschlagen und gegen DNS von zwei unterschiedlich diffundierenden passiven Skalaren getestet. Sowohl das Ein- als auch das ZweiReferenz-Variablen-Modell erfassen genau den differenziellen Zerfall der Skalarvarianzen, was die primäre Größe von Interesse in Studien zur differenziellen Diffusion ist. Nur das letztere Modell kann die Dekorrelationsrate erfassen, wie in Abb. 11 für DNS mit einer Taylor-Reynolds-Zahl von Rel = 38 gezeigt. Zwei Sätze von DNS-Daten für den Korrelationskoeffizienten werden gezeigt, der erste mit Spezies-Schmidt-Zahlen von 1 und 0,25 und der andere mit Werten von 1 und 0,5. Die Modellergebnisse hängen von einem Parameter ab, μ, der die Korrelation zwischen den beiden Referenzvariablen steuert. Der Fall mit μ = 0 ist äquivalent zum Ein-Referenz-Variablen-Modell und kann offensichtlich die Dekorrelationsrate in keiner Weise vorhersagen. Es ist zu beachten, dass Referenzvariablen die , Korrelationskoeffizient ρI’II μ=0, Modell mit einer Bezugsgröße DNS-Ergebnisse für Sc(l,0.5) DNS-Ergebnisse für Sc(1.0.25) , , Ergebnisse des MMCModells für verschiedene μ , , , , Normalisierte Zeit Abb. 11 Entwicklung des Korrelationskoeffizienten. Symbole kennzeichnen DNS-Daten mit Rel = 38. Linien kennzeichnen Vorhersagen des Zwei-Referenz-Variablen-MMC-Modells für verschiedene Werte des Dekorrelationsparameters μ. Ergebnisse für zwei Fälle des Mischens von zwei Skalaren werden gezeigt, einer mit Schmidt-Zahlen von 1 und 0,25 und der andere mit Schmidt-Zahlen von 1 und 0,5. Nachgedruckt aus Ref. [67] mit Genehmigung von Elsevier
A. R. Masri et al. 174 Simulation der realen Mischskalare unterstützen und künstliche Mischparameter auf die Referenzvariablen angewendet werden können, ohne die Realisierbarkeit der realen Skalare zu verletzen. Das Modell skaliert korrekt mit der Reynolds-Zahl im Bereich 38 < Rel < 90, wie in Abb. 12 gezeigt. Die Dekorrelationsrate ist von akademischem Interesse, und das komplexere Zwei-Referenz-Variablen-Modell ist möglicherweise nicht notwendig für praktische Anwendungen, bei denen der differenzielle Zerfall der Varianzen von größerer Bedeutung ist. Während Dialameh et al. [67] das Modell der differentiellen Diffusion für die Mischung von zwei Skalaren getestet haben, ist es konzeptionell einfach, es wie folgt auf Mehrkomponenten-Mischungen zu erweitern: • Die chemischen Spezies werden basierend auf ihren Lewis-Zahlen in Nj-Bins unterteilt. Größere Nj entsprechen einer höheren Genauigkeit bei der Auflösung der differentiellen Diffusion und kleinere Nj entsprechen einer geringeren Genauigkeit, aber einer verbesserten Recheneffizienz. Es wird erwartet, dass Nj ~ 3 in den meisten Fällen ausreichend sein sollte. • Jedem Bin wird eine charakteristische Lewis-Zahl, Lej, zugewiesen, wobei Le1 > Le2 > … > LeNj und die Mischung in Stufen erfolgt. • In Stufe 1 werden alle Bins mit derselben Zeitskala basierend auf dem Wert von Le1 gemischt. • In Stufe 2 wird ein Zwischenschritt für die Bins 2 bis Nj basierend auf dem Wert von Le2 gemacht. • In Stufe 3 wird ein Zwischenschritt für die Bins 3 bis Nj basierend auf dem Wert von Le3 gemacht. • Dies wird fortgesetzt, bis Nj − 1 Zwischenschritte abgeschlossen sind. Korrelationskoeffizient ρI’II MMC-Ergebnisse für verschiedene Reλ , DNS-Ergebnisse-Reλ =90 DNS-Ergebnisse-Reλ =70 DNS-Ergebnisse-Reλ =38 , , , Normalisierte Zeit Abb. 12 Entwicklung des Korrelationskoeffizienten für verschiedene Taylor-Reynolds-Zahlen, Reλ. Symbole kennzeichnen DNS-Daten. Linien kennzeichnen Vorhersagen des Zwei-ReferenzVariablen-MMC-Modells mit μ, ausgewählt, um die beste Übereinstimmung mit den DNS zu erzielen. Schmidt-Zahlen der beiden Skalare sind 1 und 0,25. Nachgedruckt aus Ref. [67] mit Genehmigung von Elsevier
Turbulente Wasserstoffflammen 175 5 Zukünftige Aussichten Mit dem globalen Bedarf an Dekarbonisierung rückt grüner Wasserstoff allmählich als kohlenstofffreier Energieträger in den Mittelpunkt, der zur Energieversorgung zukünftiger Transport-, Industrie- und Stromerzeugungssysteme beitragen wird. Turbulente Verbrennung von Wasserstoff wird in solchen Systemen weiterhin eine Schlüsselrolle spielen, parallel zu anderen relevanten Umwandlungsmodi wie Brennstoffzellen. Probleme wie Rückschlag, Verbrennungsinstabilitäten, differentielle Diffusion und Schadstoffemissionen bleiben Herausforderungen, die überwunden werden müssen, um die vollständige Einführung wasserstoffbasierter Systeme zu ermöglichen. Die internationale Verbrennungsgemeinschaft stellt sich diesen Herausforderungen direkt. Die wirtschaftliche Produktion von grünem Wasserstoff in ausreichenden Mengen ist eine weitere Herausforderung für Brennstoffhersteller. Dieses Kapitel bietet eine bescheidene Einführung für zukünftige Ingenieure und Wissenschaftler, die eine Karriere anstreben, um die oben genannten Probleme anzugehen und so die breitere Einführung von grünem Wasserstoff in turbulenten Verbrennungssystemen zu erleichtern. 6 Schlussbemerkungen Das erneute Interesse an Wasserstoff sowohl als reiner Brennstoff als auch im Mitverbrennungsmodus treibt neue experimentelle und numerische Forschungen voran, um ungelöste Fragen wie differentielle Diffusion, Rückschlag und Verbrennungsinstabilitäten zu klären. Direkte numerische Simulationen der mageren Vormischverbrennung von wasserstoffhaltigen Flammen [61] erweisen sich als äußerst nützlich, um Fragen der thermo-diffusiven Instabilitäten zu klären und ein verbessertes Verständnis der mageren Stabilitätsgrenzen zu entwickeln. Die Mischverbrennung von Wasserstoffflammen, die entweder mit Kohlenwasserstoffbrennstoffen oder Ammoniak mitverbrannt werden, ist besonders für Gasturbinenanwendungen zur landgestützten Stromerzeugung von Interesse. Der inhomogene Brenner mit Pilotflamme in Sydney [79, 80] wird ausgiebig verwendet, um die Stabilitätsgrenzen und die Zusammensetzungsstruktur solcher Flammen zu untersuchen [81] und es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um Hochdruckeffekte zu erforschen, die für praktische Brennkammern relevant sind. Neben Raman-Techniken werden auch neue Diagnosemethoden entwickelt, um quantitative Messungen relevanter Spezies in Wasserstoffflammen zu ermöglichen [82]. Fragen der Wasserstoffsicherheit, wie in einem früheren Abschnitt dieses Kapitels erörtert, sind real und noch ungelöst. Abschließend bleibt Wasserstoff ein interessanter, aber herausfordernder Brennstoff, der trotz des bereits vorhandenen erheblichen Informationsvolumens weitere Forschung erfordern wird.
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Wasserstoffzündung und Sicherheit Pierre Boivin, Marc Le Boursicaud, Alejandro Millán-Merino, Said Taileb, Josué Melguizo-Gavilanes und Forman Williams Zusammenfassung Dieses Kapitel bietet einen Überblick über H2-Zündungsund sicherheitsrelevante Fragen, die bei der Entwicklung zukünftiger H2-Wärmekraftmaschinen zu berücksichtigen sind. Grundlagen der H2-Zündphänomene werden im ersten Teil behandelt, einschließlich der bekannten verzweigten Radikalkettenreaktionen, die von Semenov & Hinshelwood beschrieben wurden, sowie nützlicher analytischer Ableitungen von Induktionsverzögerungszeiten. Der zweite Teil bietet einen Überblick über klassische kanonische Grenzprobleme, einschließlich des Explosionsgrenzdiagramms (p, T), der Ausbreitungsgrenzen sowohl von Deflagrationen als auch von Detonationen und von Schock- oder thermisch induzierten Zündungen. Die beiden verbleibenden Teile behandeln zwei gegensätzliche, aber komplementäre Fragen: wie man einen H2-Motor zündet und wie man gefährliche H2-Zündungen verhindert. Im ersteren Fall wird eine Liste verfügbarer Technologien vorgestellt, während im letzteren Fall vereinfachte Modelle präsentiert werden, um Zündgefahren aus numerischen Kaltströmungssimulationen vorherzusagen. P. Boivin (*) · M. Le Boursicaud · A. Millán-Merino · S. Taileb Aix Marseille Univ, CNRS, Centrale Marseille, M2P2, Marseille, France E-Mail: pierre.boivin@cnrs.fr J. Melguizo-Gavilanes Institut Pprime, UPR 3346 CNRS, ISAE-ENSMA, Futuroscope-Chasseneuil, France F. Williams University of California San Diego, La Jolla, California, USA © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_5 181
P. Boivin et al. 182 Nomenklatur Symbol A Ck CMj c cp DCJ Dk DT Ea hk j k kj kk,w lj p Q q R r SL T Tc Tp TvN t tB tE ti Vk W Wk Xk Yk α β δc ǭ Name Zündkinetik-Jacobi-Matrix k-te molare Konzentration Effektive Drittkörperkonzentration des Schrittes j = (4, 8) Mittlere Molekulargeschwindigkeit Spezifische Wärmekapazität bei konstantem Druck Chapman-Jouguet-Detonationsgeschwindigkeit k-te Spezies-Diffusionskoeffizient Thermischer Diffusionskoeffizient Aktivierungsenergie k-te Spezies molare Bildungsenthalpie Reaktionsindex Speziesindex j-te Reaktion Arrhenius-Geschwindigkeitskonstante (vorwärts: kjf , rückwärts: kjb) ∗ Einheit für eine Reaktion zweiter Ordnung. kte Spezies-Wandzerstörungsrate jte Reaktionsrate inverse charakteristische Zeit Druck Reaktionswärme 2H2 + O2 → 2H2 O Dimensionslose Reaktionswärme Molare Gaskonstante Radiale Koordinate Vormischflammen-Geschwindigkeit Temperatur Übergangstemperatur (α = 1) Grenztemperatur der vorgemischten Flamme (Magergrenze: α = 2) Von Neumann Zustandstemperatur (Detonation) Zeit Verzweigungszeit Thermische Explosionszeit Induktionszeit (ti = tB + tE) Zusammensetzungsvektor des Zündradikalpools Mischungsmolekulargewicht ktes Molekulargewicht kter Molenbruch kter Massenbruch Übergangsparameter Dimensionslose Aktivierungsenergie Detonationszellengröße Initiierungsratenvektor Einheiten (SI) s−1 mol/m3 mol/m3 m/s J/K/kg m/s m 2 /s m 2 /s J/mol J/mol 1 1 Gleichung (25) (4) (61) (8) (71) (57) (73) (8) m3 /mol/s∗ (6) s−1 s−1 Pa J/mol 1 J/K/mol m m/s K K K (63) (25) (1) (49) (53) (1) (1) (18) (69) K s s s s 1 kg/mol kg/mol 1 1 1 1 m (28) (56) (10) (27, 29) (2) (2) (3) (3) (18) mol/m3 /s (24)
Wasserstoffzündung und Sicherheit Symbol ε ϕ γ κ  ρ θ ω̇k ωj ω̇T Name Haftkoeffizient Äquivalenzverhältnis Verhältnis der spezifischen Wärmen Wärmeleitfähigkeit Reaktivität (inverse charakteristische Verzweigungszeit) Volumenmasse Dimensionslose Temperatur kte Spezies-Netto-Produktionsrate jte Reaktionsrate Chemischer Quellterm der Wärmegleichung 183 Einheiten (SI) 1 1 1 W/m/K s−1 kg/m3 1 s−1 mol/m3 /s K/s Gleichung (63) (5) (67) (27, 42) (1) (50) (73) (6) (73) 1 Einführung Die Umgestaltung des Designs klassischer Kohlenwasserstoff-Wärmekraftmaschinen, um stattdessen Wasserstoff zu verbrennen, während CO2-Emissionen lokal effektiv unterdrückt werden, ist alles andere als einfach. Der Raumfahrtsektor, der stark auf H2-Kryo-Triebwerken für ihre hohe spezifische Energie und den damit verbundenen spezifischen Impuls angewiesen war, ist sich der Herausforderungen der H2-Nutzung wohl bewusst. Besorgniserregend ist, dass dieser Sektor diese Wahl nun weitgehend überdenkt und zu Kohlenwasserstoff-Brennstoffen wie Methan zurückkehrt: Obwohl die H2-spezifische Energie (die pro verbrauchter Masseneinheit freigesetzte Energie) fast dreimal so hoch ist wie die konventioneller Brennstoffe, ist ihre Energie pro Volumeneinheit unter Umgebungsbedingungen 3000–4000 Mal niedriger als die konventioneller (flüssiger) erdölbasierter Brennstoffe. Wenn der Platz begrenzt ist (z. B. im Transportsektor), müssen H2-Tanks daher entweder stark komprimiert (bis zu 700 atm.) oder auf kryogene Temperaturen abgekühlt werden, wobei der H2-Siedepunkt bei normalem Umgebungsdruck nahe bei 20 K liegt. Beide Alternativen erfordern sehr schwere und solide Tanks und Fördersysteme. Bei der Konstruktion eines beliebigen Fluidsystems, insbesondere eines Hochdrucksystems, stellt sich nicht so sehr die Frage, ob es lecken wird, sondern vielmehr wie viel es lecken wird. Dies gilt umso mehr für H2, eines der flüchtigsten Gase. Die Frage der H2-Sicherheit ist daher von größter Bedeutung bei der Konstruktion zukünftiger H2-Wärmekraftmaschinen. Insbesondere ist es wichtig, geeignete Konstruktionsregeln für die akzeptablen H2-Leckraten festzulegen, abhängig von der lokalen Umgebung (Oxidationsmittel, lokale Konzentration, Druck, Massentemperatur, Wandtemperatur, Mikrokanalbreiten usw.). Wasserstoff und Kohlenwasserstoffe haben auch sehr unterschiedliche Explosions-, Entzündungs- und Detonationsgrenzen. Sie erfordern sorgfältige Prüfung, da sie im Allgemeinen als viel weiter für H2 angesehen werden,
184 P. Boivin et al. was potenziell katastrophalere Szenarien ermöglicht. Zum Beispiel ist die H2 -Flammenausbreitung in stärker verdünnten und magereren Bereichen möglich, einschließlich durch millimeterbreite Kanäle, in denen Kohlenwasserstoffe typischerweise erlöschen. Diese weiten Zündgrenzen machen H2 sehr anfällig für Rückzündungsgefahren an Stellen, an denen ein herkömmlicher Wärmekraftmaschinen-Spezialist dies nicht erwarten würde. Wasserstoff ist auch anfälliger für den Übergang von Deflagration zu Detonation (DDT), was potenziell katastrophale Auswirkungen haben kann. Last but not least sind die Verbrennungstemperaturen für H2 höher als für Kohlenwasserstoffe, sodass die Auslegung des Motors näher an der mageren Entzündungsgrenze liegen muss, um einen drastischen Anstieg der NOx-Emissionen zu vermeiden, und genau hier ist die H2 -Verbrennung am schwersten zu stabilisieren. Konzentrieren wir uns nun auf die positiven Aspekte: H2 ist wahrscheinlich der Brennstoff, der von der Verbrennungswissenschaft am meisten untersucht wurde, vielleicht wegen seiner oxymoronischen Eigenschaft, sowohl der elementarste Brennstoff als auch derjenige zu sein, der die meiste Komplexität beinhaltet. Elementar, weil seine thermochemischen und chemisch-kinetischen Eigenschaften vergleichsweise einfacher – oder zumindest besser etabliert – sind als bei jedem anderen Brennstoff. Seine Explosionsgrenzen sind zum Beispiel im Vergleich zu denen von Kohlenwasserstoffen sehr klar definiert, da die zugrunde liegende verzweigte Kettenchemie von Semenov & Hinshelwood vor über 80 Jahren entschlüsselt wurde. Aber es beinhaltet auch die meiste Komplexität, da H2 ein sehr launisches Gas ist, das beispielsweise diffusive-thermische Instabilitäten aufweist, die bei herkömmlichen Brennstoffen nicht existieren. Das Ziel dieses Kapitels ist es, dem Leser einen Überblick über die physikalischen Phänomene zu geben, die die Zünd- und Löschgrenzen von H2 steuern, wobei potenzielle Fallstricke und unerwartetes Grenzverhalten aufgezeigt werden. Zum Beispiel besagt der gesunde Menschenverstand, dass ein Gasgemisch mit steigendem Druck eher reagiert. Abb. 1 zeigt die berühmte S-Kurve, die die Druck-Temperatur-Abhängigkeit der H2–O2 Explosionsgrenzen für gasförmige Reaktantengemische darstellt, die in ein Gefäß eingespritzt werden. Die Explosion erfolgt rechts von der Kurve, deren Details auch von der Größe, Form und den Wandbeschaffenheiten der Kammer abhängen, in die das Gemisch eingebracht wird, während langsame Reaktionen oder Flammenausbreitung links auftreten können, wobei die Entflammbarkeitsgrenzen weit unten und links liegen. Der mittlere Abschnitt der Kurve, der der sogenannten zweiten Explosionsgrenze entspricht, zeigt das kontraintuitive Verhalten, bei dem die Reaktivität mit steigendem Druck abnimmt. Dieses Verhalten wird häufig unter Umgebungsbedingungen beobachtet, wie im Laufe dieses Kapitels erklärt wird. Insbesondere wird deutlich, dass es einen signifikanten Temperaturbereich gibt, der sich mit den für den Motorenbau interessanten Temperaturen überschneidet, innerhalb dessen die Zündung bei atmosphärischem Druck schneller erfolgt als unter typischen Motorbetriebsdrücken. Das Kapitel ist wie folgt organisiert. Teil 1 präsentiert eine eingehende Analyse der zündungsbezogenen H2 Kinetik, wobei nur die Chemie der H2 Oxidation
Wasserstoffzündung und Sicherheit 101 100 Druck (atm) Abb. 1 Experimentelle Explosionsgrenzen eines stöchiometrischen Wasserstoff-SauerstoffGemisches in einem kugelförmigen Gefäß mit einem Radius von 3,7 cm, aus dem klassischen Lehrbuch von Lewis & von Elbe [1]. Die Explosion erfolgt rechts von der Kurve (in Richtung höherer Temperaturen) 185 10−1 10−2 10−3 650 700 750 800 Temperatur (K) 850 untersucht wird, wobei alle Transportphänomene vernachlässigt werden. Dort werden wir den Begriff der Crossover-Temperatur einführen, Tc, die der oben beschriebenen zweiten Explosionsgrenze entspricht. Die minimale kinetische Beschreibung für H2 Zündung wird ebenfalls eingeführt, um als Basis für den Rest des Kapitels zu dienen. Schließlich werden nützliche analytische Ausdrücke für H2 Reaktivität, Zündzeiten und Radikal-Pool-Zusammensetzung vorgestellt, die in Zünd- und Sicherheitsstudien verwendet werden können. Teil 2 gibt einen Überblick über kanonische Prozesse, die H2 kinetische Grenzphänomene beinhalten. Insbesondere werden wir den Zusammenhang zwischen der H2 Chemie und den drei Explosionsgrenzen, die in Abb. 1 dargestellt sind, untersuchen. Die Ausbreitungsgrenzen der Reaktionsfront in vorgemischten Gasen werden sowohl für die Deflagration (Unterschall) als auch für die Detonation (Überschall) vorgestellt, zusammen mit geeigneten vereinfachten Beschreibungen, die sich von der zuvor für die Selbstzündung gegebenen unterscheiden. Neuere Ergebnisse zu den Ausbreitungsgrenzen in engen Kanälen werden ebenfalls vorgestellt. Schließlich wird die Zündung in einer Vielzahl von Konfigurationen untersucht: Zündung in Mischschichten, thermisch induzierte (Heißwand-) Zündung und sogar die kürzlich untersuchte schockinduzierte Zündung. Teil 3 beabsichtigt, die (relativ einfache) Frage zu beantworten: Wie zündet man H2? Insbesondere werden wir die Hauptprinzipien des Zündersystems vorstellen, von der Topographie der Brennkammer bis zur Zündsequenz (brennstoffreich oder oxidatorreich) und abschließend eine vorgeschlagene Liste von Zündertechnologien für H2 Zündungen, einschließlich Funkenzündung, Laserzündung und der eher unkonventionellen akustischen Zündung, präsentieren.
P. Boivin et al. 186 Teil 4 behandelt die (nicht so einfache) entgegengesetzte Frage: Wie vermeidet man – oder sagt zumindest voraus – H2 gefährliche Zündungen? Durch die Analyse einer numerischen Simulation einer turbulenten H2-Luft-Flamme – eine Konfiguration, die an H2 Leckagen in einer heißen Umgebung erinnert, die als kanonisches Beispiel ausgewählt wurde – werden wir Werkzeuge vorstellen, um Zündkerne sowohl a posteriori als auch, vielleicht interessanter, a priori zu identifizieren. Das Kapitel schließt mit einer Zusammenfassung, die einige der offenen Fragen aufzeigt, die nach Ansicht der Autoren in naher Zukunft angegangen werden sollten, um den Übergang zu einer „kohlenstofffreien“ Verbrennung zu unterstützen. 2 Die Chemie der H2 Zündung Dieser Abschnitt präsentiert eine analytische Beschreibung der Kinetik, die an H2 Grenzphänomenen beteiligt ist. Er baut auf der Herleitung analytischer Formeln für den Zündverzug beliebiger H2–O2 – inerten Gemischen auf. 2.1 Vorläufige Definitionen und Notationen Die Notation folgt weitgehend der von Poinsot und Veynante in ihrem Lehrbuch etablierten Konvention [2]. Das Gemisch wird vollständig definiert durch Angabe des Drucks p, der Temperatur T und des Massenbruch-Zusammensetzungsvektors Yk (mit k als Speziesindex). Ihre Beziehung zur Dichte wird als das ideale Gasgesetz angenommen p= ρRT , W (1) wo R = 8.314 J mol−1 K−1 und W das Molekulargewicht des Gemisches ist, das aus dem Molekulargewicht der Komponenten Wk wie folgt erhalten wird  Yk 1 = . W Wk k (2) Molbrüche werden geschrieben als Xk, mit Xk = W Yk . Wk (3) Die molare Konzentration der Spezies wird bezeichnet durch Ck : Ck = ρ Xk Yk =ρ . Wk W (4)
Wasserstoffzündung und Sicherheit 187 Für ein Gemisch aus H2–O2 (möglicherweise einschließlich anderer Gase) wird das Äquivalenzverhältnis des Gemisches ϕ wie folgt definiert ϕ= XH2 . 2XO2 (5) Wie oben (z. B. XH2), kann der Komponentenindex k zur einfacheren Lesbarkeit bequem durch das Komponentensymbol (H2, O2, N2, …) ersetzt werden. 2.2 Minimale kinetische Beschreibung Verzögerung der Zündung (s) Es ist allgemein anerkannt, dass die detaillierte Beschreibung [3–8] der H2 Chemie besteht aus 20 oder mehr elementaren Reaktionen zwischen 8 reaktiven Spezies. Obwohl Diskrepanzen zwischen den vorgeschlagenen detaillierten Beschreibungen bestehen bleiben (wie später in diesem Kapitel über H2 Kinetik diskutiert wird), stimmen alle in den in Tab. 1 aufgeführten elementaren Reaktionen überein. Ein Vergleich der Zündzeiten, wie er mit ausgewählten Referenzdetaillierungsmechanismen erhalten wurde, ist in Abb. 2 dargestellt. Die spezifischen Definitionen, die bei der Erstellung dieser Ergebnisse verwendet wurden, werden unten definiert. Diese Abbildung, die später ausführlicher diskutiert wird, wird hier gezeigt, um einen allgemeinen Hinweis auf das Ausmaß 101 10−1 10−3 10−5 0,7 0,8 0,9 1 1,1 1,2 1,3 1000K/T (K ) −1 Abb. 2 Vergleich der Zündzeiten von H2-Luft-Gemischen (ϕ = 1, p = 1atm), wie mit   ausgewählten detaillierten Mechanismen erhalten.  Symbol  keine  ♦ o  Referenz  [3] [4] [5] [6] [7] [8] 
P. Boivin et al. 188 Tab. 1 Liste der elementaren Reaktionen für die Wasserstoffverbrennung, wie sie aus dem San Diego-Mechanismus extrahiert wurden [3] 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 H + O2 ⇋ OH + O H2 + O ⇋ OH + H H2 + OH ⇋ H2 O + H H2 O + O ⇋ 2OH 2H + M ⇋ H2 + M H + OH + M ⇋ H2 O + M 2O + M ⇋ O2 + M H + O + M ⇋ OH + M H + O2 (+M) ⇋ HO2 (+M) HO + H ⇋ 2OH 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 HO2 + H ⇋ H2 + O2 HO2 + H ⇋ H2 O + O HO2 + O ⇋ OH + O2 HO2 + OH ⇋ H2 O + O2 2OH(+M) ⇋ H2 O2 (+M) 2HO2 ⇋ H2 O2 + O2 H2 O2 + H ⇋ HO2 + H2 H2 O2 + H ⇋ H2 O + OH H2 O2 + OH ⇋ H2 O + HO2 H2 O2 + O ⇋ HO2 + OH zu geben, in dem die Vorhersagen bei normalem atmosphärischem Druck für verschiedene detaillierte Mechanismen in der aktuellen Literatur abweichen. Aus dieser Abbildung ist ersichtlich, dass die Übereinstimmung sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Temperaturen hervorragend ist, wobei die Unterschiede in den vorhergesagten Zündverzug größtenteils weniger als das Doppelte betragen, während in der Nähe des Wendepunkts (der später als die zweite Explosionsgrenze identifiziert wird) signifikante Abweichungen festgestellt werden, an dem die Unterschiede in den vorhergesagten Temperaturen eine Gesamtreichweite von fast 100 K um den nominalen Wert von 940 K umfassen. Viele der elementaren Schritte, die in der detaillierten Chemie vorhanden sind, sind während der Zündung unwichtig. Die Reaktanten, die relativ stabil sind, müssen Radikale erzeugen, die als aktive Zwischenprodukte die Zündung beschleunigen. Die einzigen Schritte, die Radikale aus den Reaktanten erzeugen, sind 5b, 7b und 11b, wobei b für die Rückreaktion steht und f für die Vorwärtsreaktion. Allerdings beschreiben 5b und 7b die Reaktantendissoziation, die nur bei sehr hohen Temperaturen auftritt, die bei normalen Zündereignissen nicht auftreten, weshalb 11b im Allgemeinen dominant bei der Initiierung der Zündung ist. Das dadurch erzeugte Radikal H erzeugt zusätzliche Radikale durch die Schritte 1f, 2f und 3f. Es erzeugt auch zusätzliches Hydroperoxyl durch Schritt 9f, das, obwohl weniger aktiv als andere Radikale, dennoch wichtig bei der Bildung von Wasserstoffperoxid durch die Schritte 16f und 17b ist, da letzteres die Konzentrationen aktiver Radikale durch Schritt 15b weiter erhöhen kann. Hydroperoxyl ist auch sehr effektiv bei der Freisetzung von Wärme durch 16f, was es zu einem Schlüsselradikal bei der Selbstzündung macht. Die resultierenden 8 elementaren Schritte, die von nun an als der Skelettmechanismus bezeichnet werden, bilden einen reduzierten Mechanismus, der ausreichend genaue Beschreibungen der Zündung für die meisten Zwecke liefert. Die Liste der 8 elementaren Reaktionen ist in Tab. 2 zusammen mit den Werten der Reaktionsparameter aufgeführt, wie sie aus dem detaillierten Mechanismus von San Diego extrahiert wurden [3]. Die entsprechende Datei ist auch im
Wasserstoffzündung und Sicherheit 189 Tab. 2 Geschwindigkeitskoeffizienten, die für die Wasserstoffzündung in Arrhenius-Form verantwortlich sind k = AT n exp (−Ea /RT ) für den Skelettmechanismus, mit numerischen Werten des San Diego-Mechanismus [3] 1 2 3 4 Reaktion H+O 2→ OH+O H 2 +O → OH+H H 2 +OH → H 2 O+H H+O 2 +M → HO 2 +M b Aa k0 k∞ 5 6c 7 8 H 2 +O 2→ HO 2 +H 2HO 2→ H 2 O 2 +O 2 HO 2 +H 2→ H 2 O 2 +H H 2 O 2 +M → 2OH+Md 3,52 10 5,06 10 4 1,17 10 9 5,75 1019 4,65 1012 2,93 1012 1,03 1014 16 k0 k∞ 1,94 1011 7,80 1010 7,60 1030 2,63 1019 na –0,7 2,67 1,3 –1,4 0,44 0,356 0,0 0,0 Eaa 71,42 26,32 15,17 0,0 0,0 232,21 46,22 –5,89 0,61 –4,20 –1,27 100,14 213,71 214,74 a Einheiten sind mol, s, cm3, kJ und K b Chaperon-Effizienzen sind 2,5 für H 2 , 16,0 für H 2 O, 0,7 für Ar und He und 1,0 für alle anderen Spezies; Troe-Abfall mit Fc = 0.5 c Bi-Arrhenius (die Summe der beiden Konstanten) d Chaperon-Effizienzen sind 2,0 für H 2 , 6,0 für H 2 O, 0,4 für Ar und He und 1,0 für alle anderen Spezies; Fc = 0.265 exp (−T /94 K) + 0.735 exp (−T /1756 K) + exp (−5182 K/T ) Cantera-Format [9] unter pierre-boivin.cnrs.fr verfügbar. Ein wesentlicher Vorteil dieses reduzierten Mechanismus ist, dass er vollständig explizite Vorhersagen für Zündverzugszeiten und andere relevante Größen ermöglicht. Die Skelettbeschreibung wurde durch eine Reihe von homogenen-isobarischenReaktorbeschreibungen validiert, die mit der Open-Source-Software Cantera [9] durchgeführt wurden. Zwei typische Temperatur- und Speziesverläufe in einem solchen Reaktor sind in Abb. 3 dargestellt. Um die Validierung über einen weiten Bereich von Bedingungen zu gewährleisten, definieren wir nun die Zündverzugszeit basierend auf Verläufen wie denen, die in Abb. 3 dargestellt sind. Im Allgemeinen wird der Zündverzug als die Zeit der maximalen Wärmefreisetzung definiert, die mit dem Maximum von ∂T in Abb. 3 zusammenfällt, ∂t angezeigt durch die beiden vertikalen gestrichelten Linien. Es gibt alternative Definitionen für Zündverzug (wie die Zeit, die benötigt wird, damit die Temperatur um 100 K ansteigt), aber allgemeine Schlussfolgerungen bleiben ähnlich, solange ein einziges konsistentes Kriterium beibehalten wird. Abb. 4 zeigt einen Vergleich der Zündverzugsvorhersagen für stöchiometrische H2-Luft-Gemische in adiabatischen, isobaren Reaktoren, wie sie mit der detaillierten (Tab. 1) und der skelettierten (Tab. 2) Beschreibung erhalten wurden. Die Ergebnisse der beiden Beschreibungen stimmen über weite Bereiche von Druck, Temperatur und Äquivalenzverhältnis hervorragend überein, was die Genauigkeit der skelettierten Beschreibung unterstützt. Die jth Reaktionsrate wird durch ωj bezeichnet, und die entsprechende Reaktionsgeschwindigkeitskonstante kj = AT n exp (−E/Ro T ) erscheint in ihrer
P. Boivin et al. O2 2700 H2 2400 10 −3 2100 H2 O 10 −5 HO2 T 10−7 10−9 0 10−1 Massenanteil 1800 H 1 2 3 1500 4 5 Zeit (s) 1200 7 8 ×10−5 6 O2 2700 H2 2400 10−3 2100 H2 O 10−5 1800 HO2 1500 10−7 10−9 0,00 0,04 0,08 Zeit (s) 1200 T H 0,12 Temperatur (K) Massenanteil 10−1 Temperatur (K) 190 0,16 900 Abb. 3 Verlauf von Spezies und Temperatur in einem homogenen isobarischen Reaktor, der anfänglich bei (p, T , ϕ) = (105 Pa, 1200 K, 1) (oben) und (p, T , ϕ) = (105 Pa, 900 K, 1) (unten) (b) 101 ϕ = 1,0 10 −1 p = 50atm 10 −3 10−5 p = 1atm p = 10atm 0,7 0,8 0,9 1 1,1 1,2 1,3 1000K/T Verzögerung der Zündung (S) Verzögerung der Zündung (S) (a) 100 p = 1atm 10−1 T = 900K 10−2 T = 950K 10−3 T = 1000K 10−4 10 −5 0,3 T = 1200K 4 × 10−1 6 × 10−1 1,0 ϕ 2 × 100 3,0 Abb. 4 Vergleiche der berechneten Zündverzüge mit detaillierter Chemie (durchgezogene Kurven) und 8-Schritt-Skelettchemie (gestrichelte Kurven) für Wasserstoff-Luft-Gemische in Abhängigkeit von der Temperatur (a) und dem Äquivalenzverhältnis (b)
Wasserstoffzündung und Sicherheit 191 Tab. 3 Annahmen, die in ausgewählten analytischen Studien zu H2–O2 Selbstentzündung gemacht wurden Autoren, Jahr T > Tc A1, A2, A4 A1, A2, A4 A1, A3, A4 A1, A2, A4 A1, A2, A3, A4 ∅ A1, A2, A4 Asaba et al. [10] Brokaw et al. [11] Treviño et al. [12, 13] Treviño et al. [14] Del Alamo et al. [15] Boivin et al. [16] Boivin et al. [17] T < Tc ∅ ∅ A1, A3 ∅ ∅ A1, A3, A5 A1, A3, A5 Proportionalität zum Produkt der Reaktantenkonzentrationen für den betreffenden elementaren Schritt, z. B. ω1 = k1 CH CO2 . (6) Für die Reaktionen 4 und 8 wird die effektive Drittkörperkonzentration CMj als die Summe der Konzentrationen jeder Spezies definiert, gewichtet durch die in den Fußnoten der Tabelle aufgeführten Chaperon-Effizienzen, z. B. ω4 = k4 CH CO2 CM4 , mit CM4 = 2.5CH2 + 16CH2 O + CO2 + CN2 für H2-Luft-Gemische mit Wasserzugabe. Das vollständige System von Gleichungen für die Entwicklung der Konzentrationen der chemischen Spezies unter homogenen, isobaren Bedingungen lautet dann   dCH2 /dt = −ω2 − ω3 − ω5 − ω7 ,     = −ω1 − ω4 − ω5 + ω6 ,   dCO2 /dt    dCH2 O /dt = ω3 ,     dC /dt = −ω1 + ω2 + ω3 − ω4 + ω5 + ω7 , H (7)  dCO /dt = ω1 − ω 2 ,      dCOH /dt = ω1 + ω2 − ω3 + 2ω8 ,     dCHO2 /dt = ω4 + ω5 − 2ω6 − ω7 ,     dC H2 O2 /dt = ω6 + ω7 − ω8 . Diese Spezies-Entwicklungsgleichungen (7) sind gekoppelt mit einer Gleichung zur Energieerhaltung, die für einen konstanten Druck, adiabatischen Reaktor lautet ρcp  dCk dT =− hk , dt dt k (8) wobei hk die Bildungsenthalpie pro Masseneinheit für die Spezies k ist, und die spezifische Wärmekapazität bei konstantem Druck des Gemisches, cp, erscheint auf der linken Seite. Das System wird typischerweise durch eine Reihe von gängigen Annäherungen vereinfacht, die unten aufgeführt sind.
192 P. Boivin et al. A1 Reaktanten H2, O2 Konzentrationsänderungen können vernachlässigt werden, dCO2 dCH2 = =0 dt dt A2 Temperaturänderung kann vernachlässigt werden, dT =0 dt A3 (11) Die Chemie von (HO2, H2 O2) kann vernachlässigt werden, ω6 = ω 7 = ω 8 = 0 A5 (10) Nebenspezies (O, OH) erfüllen die Quasi-Steady-State-Annäherungen (QSSA),1 dCOH dCO = =0 dt dt A4 (9) (12) Nebenspezies (H, HO2) befinden sich im Quasi-Steady-State, dCHO2 dCH = = 0. dt dt (13) Tab. 3 präsentiert eine ausgewählte Liste analytischer Studien zu H2–O2 Zündung, zusammen mit den entsprechenden Annahmen, die in jeder Untersuchung angenommen wurden. Die Annäherungen unterscheiden sich, je nachdem, ob die Temperatur über oder unter der Crossover-Temperatur liegt (bezeichnet durch Tc, die später explizit definiert werden soll). 2.3 Eine vereinfachte Studie zur Hochtemperaturzündung – Definition des Crossover Eine Beschreibung niedriger Ordnung von H2 Zündung im Hochtemperaturbereich kann durch die Einführung der Annahmen A1–A4 (9–12) erhalten werden. Das Set von Gl. (7–8) reduziert sich dann auf dCH = −ω1 + ω2 + ω3 − ω4 + ω5 , dt (14) in dem die meisten Terme Konzentrationen der QSSA-Spezies beinhalten. Diese Gleichung kann auf der Grundlage der Quasi-Steady-State-Annahmen umgestellt werden, um zu lesen: 1 Eine halten. kurze Beschreibung der Quasi-Steady-State-Annäherung (QSSA) ist in Anhang 1 ent-
Wasserstoffzündung und Sicherheit 193 dCH dCOH dCO dCH ≈ +2 + = 2ω1 − ω4 + ω5 . dt dt dt dt (15) Diese Gleichung ist vollständig von den anderen entkoppelt und zeigt, dass CH die Differentialgleichung erster Ordnung erfüllt dCH = (2k1 − k4 CM4 )CO2 .CH + k5 CH2 CO2 , dt CH (t = 0) = 0, (16) die der (halben) Rate der globalen Reaktion entspricht 3H2 + O2 → 2H2 O + 2H. Die Lösung der Differentialgleichung ist   CH (t) = e(2k1 −k4 CM4 )CO2 .t − 1 k5 CH2 , 2k1 − k4 CM4 (17) was zu einem exponentiellen Wachstum des Radikals führt H, solange 2k1 − k4 CM4 > 0 oder alternativ α > 1, wobei wir die sogenannte CrossoverVariable eingeführt haben α. Der Crossover-Parameter α ist definiert als α= 2k1 . k4 CM4 (18) Er misst den Wettbewerb zwischen H-Atom-Verzweigung zur Bildung zusätzlicher aktiver Zwischenprodukte, der Geschwindigkeitskonstante im Zähler, und dessen Ersatz durch ein weniger aktives Zwischenprodukt, der Geschwindigkeitskonstante im Nenner, während seiner Interaktion mit Sauerstoffmolekülen. • α = 1 entspricht der zweiten Explosionsgrenze, • α > 1 für Temperatur-/Druckbedingungen oberhalb des Crossover, • α < 1 für Temperatur-/Druckbedingungen unterhalb des Crossover. Bei einem gegebenen Druck wird die Temperatur, für die α = 1 als die CrossoverTemperatur bezeichnet Tc. Die folgende Beziehung gilt: α > 1 ⇔ T > Tc . Die Verwendung der Raten aus Tab. 2 ergibt Tc = 943 K für ein stöchiometrisches Gemisch von H2-Luft bei atmosphärischem Druck, aber dieser Wert hängt offensichtlich von der Wahl des detaillierten Mechanismus ab, wie in Abb. 2 gezeigt. Diese Definition (18) stimmt mit dem klassischen Ergebnis [1] überein, dass bei dem Crossover die Reaktionsrate O2 + H → OH + O halb so groß ist wie die der Reaktion H + O2 + M → HO2 + M. Die Abhängigkeit der Crossover-Variablen α von Druck und Temperatur ist der Grund für die nicht-triviale Beziehung der zweiten Explosionsgrenze, wie in Abschn. 3.1 erläutert wird. Die Entwicklung kann erweitert werden, um eine Näherung für die Zündverzugszeit zu erhalten ti. Eine mögliche explizite Definition der Zündverzug ist, dass die Wasserstoffatomkonzentration einen Wert erreicht, der einer minimalen Reaktantenkonzentration entspricht: CH (ti ) = min(CH2 , CO2 /2), (19)
P. Boivin et al. 194 was ergibtalysieren, ist es vernünftig anzuneh     2k1 − k4 CM4 1 ln 1 + min CH2 , CO2 /2 . ti = (2k1 − k4 CM4 )CO2 k5 CH2 (20) Diese Näherung liefert eine vernünftige Abhängigkeit der Zündzeit von der Temperatur, führt jedoch aufgrund des Versagens der O- und OH-Gleichgewichtszustandsannahmen zu einer unphysikalischen Abhängigkeit vom Äquivalenzverhältnis [15, 18]. 2.4 Eine Eigenwertstudie der Verzweigungsreaktionen Die Hauptbeschränkung des obigen Ansatzes ist das Versagen der O- und OHGleichgewichtszustandsannahmen A3 (11) [15, 18], was implizit erfordert (dCO /dt, dCOH /dt) ≪ dCH /dt. Nicht nur sind die Produktionsraten von H, O und OH von derselben Größenordnung, wie durch die später vorgestellte Radikal-PoolZusammensetzung belegt wird, sondern auch das Gleichgewicht zwischen ihren jeweiligen Raten ist grundlegend, um die korrekte Abhängigkeit der Zündzeit vom Äquivalenzverhältnis zu erhalten und das reaktivste Gemisch zu identifizieren. Die Entwicklung kann jedoch ohne diese Annahmen durchgeführt werden, wie unten gezeigt wird. Wenn nur die Annahmen A1, A2, A4 (9, 10, 12) beibehalten werden, ergibt sich dC̄ = AC̄ + ǭ, dt (21) ⊺  C̄ = CH CO COH CHO2 CH2 O2 (22) wobei der Radikalkonzentrationsvektor ist,   0 k7 CH2 k3 CH2 −(k1 + k4 CM4 )CO2 k2 CH2     k1 CO2 − k2 CH2 0 0 0    A= k C k C − k C 0 2k C 1 O2 2 H2 3 H2 8 M8     k4 CO2 CM4 0 0 − k7 CH2 0   0 0 0 k7 CH2 − k8 CM8 die Jacobimatrix ist, die der Kettenverzweigungschemie entspricht, und ⊺  ǭ = ω5 0 0 ω5 0 (23) (24)
Wasserstoffzündung und Sicherheit 195 der Vektor ist, der die Initiierungsrate enthält. Um die Notation zu vereinfachen, werden die inversen charakteristischen Zeiten für jede Reaktion l1 = k1 CO2, l2 = k2 CH2 usw. eingeführt, was ergibt   −(l1 + l4 ) l2 l3 l7 0    l1 − l2 0 0 0    A= l1 l2 − l3 0 2l8  (25)  .   l4 0 0 − l7 0   0 0 0 l7 − l8 Die Lösung zu (21) mit Anfangsbedingungen C̄(t = 0) = 0 kann in der Form dargestellt werden  C̄ = ai V̄i ei t + C̄0 , (26) i=1,5 unter Einbeziehung der Eigenwerte i und zugehörigen Eigenvektoren V̄i der Jacobimatrix A zusammen mit der speziellen Lösung C̄0, die durch Lösen von AC̄0 + ǭ = 0 erhalten wird.  Die Koeffizienten ai werden durch Auferlegen der Anfangsbedingung (null) i=1,5 ai V̄i + C̄0 = 0 bestimmt. Die Menge der Eigenwerte i, die als Lösungen der charakteristischen Gleichung, die mit A assoziiert ist, erhalten werden, umfasst einen oder mehrere positive reelle Werte. Aufgrund des exponentiellen Wachstums der Lösung wird der größte Eigenwert, bezeichnet mit  mit dem zugehörigen Koeffizienten a und Eigenvektor V̄ = (VH , VO , VOH , VHO2 , VH2 O2 ), bald dominant, sodass (26) für t ≫ 1 zu C̄ = aV̄ et . (27) vereinfacht wird. Diese Gleichung liefert eine ausreichend genaue Beschreibung der Entwicklung der Zwischenarten während der ersten Zündungsphasen, unabhängig davon, ob die Temperatur über oder unter dem Crossover liegt. Dies wird in Abb. 5 gezeigt, die Ergebnisse numerischer Integrationen mit den Vorhersagen aus (27) für den H-Atom-Molenbruch XH = (aVH et )/[p/(RT )] und HO2 Molenbruch XHO2 = (aVHO2 et )/[p/(RT )] vergleicht. Dieser linearisierte Ansatz bleibt gültig, bis die Reaktionsrate 6 – die einzige, die in dieser Beschreibung nicht enthalten ist – wichtig wird. Aus Gl. (27) ist es einfach, die Zeit zu schreiben, zu der dies geschieht, als tB =  −1 ln    , 2ak6 VHO2 (28) die den Moment definiert, in dem HO2 einen stationären Zustand erreicht, berechnet durch Gleichsetzen der HO2 -Produktionsrate aVHO2 et mit ihrer Ver2 = 2k6 (aVHO2 et )2 brauchsrate durch Schritt 6, ausgedrückt in der Form 2k6 CHO 2 , wobei VHO2 die vierte Komponente des Eigenvektors V̄ bezeichnet, die mit dem größten reellen Eigenwert  assoziiert ist.
P. Boivin et al. 196 2400 H 10−4 2100 HO2 10−6 1800 10−8 10−10 10−12 100 1500 T 0 1 2 3 4 Zeit (s) 5 6 ×10−5 2250 10 Molenbruch 2000 HO2 1750 10−6 1500 10−8 H 10−10 10−12 0,00 1200 2500 T < Tc −2 10−4 Temperatur (K) 2700 T > Tc 10−2 T 1250 Temperatur (K) 100 Molenbruch Abb. 5 H- und HO2 -Molenbrüche und Temperatur als Funktionen der Zeit während isobarer homogener Zündprozesse aus numerischen Integrationen mit der 8-stufigen Skelettchemie für ϕ = 1, p = 1 atm, mit T = 1200 K > Tc (oben) und T = 900 K < Tc (unten); die H- und HO2 -Molenbrüche, die unter Verwendung von Gl. (27) ausgewertet wurden, sind als gestrichelte Linien dargestellt 1000 0,05 0,10 0,15 Zeit (s) 0,20 0,25 Die Zeit tB, die aus (28) berechnet wurde, wird in Abb. 5 als Endpunkt für die gestrichelten Linien identifiziert, die aus (27) ausgewertet wurden. Wie zu sehen ist, wächst bei hoher Temperatur T > Tc der H-Atom-Molenbruch zu signifikanten Werten ∼ 0.1 am Ende der Verzweigungsphase, wobei die Temperatur beginnt, sich merklich zu erhöhen für t > tB als Ergebnis der anschließenden Radikalkombination. Unter diesen Hochtemperaturbedingungen wird daher die Vorhersage für tB zu einer Vorhersage für die Induktionszeit ti. Das bei niedrigen Temperaturen (T < Tc) beobachtete Verhalten ist jedoch deutlich anders, wie in Abb. 5 aus den Berechnungen mit T = 900 K zu sehen ist. Die Radikalkonzentration ist am Ende der Verzweigungsperiode vernachlässigbar gering, gefolgt von einer Phase vergleichbarer Dauer, die mit einem schnellen Temperaturanstieg endet. Daher erfordert die Vorhersage der Induktionszeit ti bei niedrigen Temperaturen die Berücksichtigung von zwei verschiedenen Phasen, von denen die zweite, für tB < t < ti, eine thermische Explosion ist, die mit allen Radikalen (H, O, OH, HO2) im stationären Zustand auftritt. Die thermische Explosionsphase wird in Abschn. 2.7 als dominant bei sinkender Temperatur zu sehen sein, sodass bei ausreichend niedrigen Temperaturen unterhalb des Übergangs die Verzweigungsphase in einer ersten Näherung bei der Vorhersage von ti vernachlässigt werden kann, wie es zuvor für die Zündung von Wasserstoff-Luft [16] getan wurde.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 197 2.5 Zusammensetzung des Radikalpools Obwohl die Koeffizienten a und  in Gl. (28) für das 5 × 5 Matrixsystem nicht analytisch ermittelt werden können, können analytische Ergebnisse durch das Studium der Regime oberhalb und unterhalb der Übergangstemperatur abgeleitet werden. Die unten angegebenen separaten Beschreibungen der Verzweigungskettenexplosionen werden die deutlich unterschiedliche Zusammensetzung des Radikalpools berücksichtigen, die für α > 1 und α < 1 gefunden wird. Diese Zusammensetzung wird am deutlichsten durch die normalisierte Form (VH , VO , VOH , VHO2 , VH2 O2 )/(VH + VO + VOH + VHO2 + VH2 O2 ) des Eigenvektors V̄ veranschaulicht, der mit dem dominanten Eigenwert assoziiert ist und in Abb. 6 verwendet wird, um die Abhängigkeit des Radikalpoolgehalts von der Temperatur für ein stöchiometrisches H2-Luft-Gemisch bei atmosphärischem Druck zu veranschaulichen. Die vertikale gestrichelte Linie zeigt die Übergangsbedingung (α = 1) an. Es ist klar, dass bei hohen Temperaturen H, O und OH die Hauptverantwortlichen für die Zündung sind, während HO2 und H2 O2 bei Temperaturen unterhalb des Übergangs dominieren. Beachten Sie, dass der entsprechende Eigenvektor, gegeben den Eigenwert  (der später in Gl. 42 abgeleitet wird), analytisch wie folgt erhalten werden kann   VH =1      V = l1 VH /(l2 + )  O � � VOH = l1 VH + l2 VO + 2l8 VH2 O2 /(l3 + ) (29)    V = l V /(l + )  HO2 4 H 7   V H2 O2 = l7 VHO2 /(l8 + ), , was verwendet werden kann, um Abb. 6 in vollständig analytischer Weise darzustellen. 1 0,9 0,8 Zusammensetzung Abb. 6 Zusammensetzung des Radikalpools, die aus dem normalisierten Eigenvektor abgeleitet wurde, der mit dem dominanten Eigenwert für p = 1 atm, ϕ = 1 assoziiert ist. Die vertikale Linie zeigt den Übergang α = 1 an. HO2 0,7 0,6 0,5 0,4 H 0,3 0,2 0,1 0 0,5 H2O2 O OH 0,6 0,7 0,8 0,9 1 1000K/T 1,1 1,2 1,3
P. Boivin et al. 198 2.6 Analytische Ableitung der Verzweigungszeiten Lassen Sie uns nun vollständig analytische Ausdrücke für die Verzweigungszeiten präsentieren. Weitere Details sind in [17] verfügbar. Im Folgenden wird der Superskript + Größen bezeichnen, die oberhalb des Übergangs gültig sind (α > 1), während − für α < 1 gelten wird. 2.6.1 Verzweigung oberhalb des Crossover-Punkts α > 1 Oberhalb des Übergangs sind die Hauptverzweigungsarten H, O und OH, sodass das System (25) auf ein 3 × 3 System reduziert wird, das dem oberen linken Block des linearen Systems entspricht:   −(l1 + l4 ) l2 l3   A+ =  l1 − l2 0  (30) l1 l 2 − l3 Die Eigenwerte von A+ werden als Lösung des charakteristischen Polynoms erhalten wo   det A+ − I = 3 + a2 2 + a1  + a0 = 0,    a0 = (l4 − 2l1 )l2 l3 a1 = l2 l3 + l4 (l2 + l3 )   a 2 = l 1 + l2 + l3 + l4 . (31) (32) Dieses charakteristische Polynom hat drei Lösungen, 1, 2 und 3, von denen nur einer positiv ist, 1 = +. Dies ist in Abb. 7 zu sehen, die die Variation mit dem Äquivalenzverhältnis ϕ der drei Eigenwerte zeigt, 1, −2, und−3 bei atmosphärischem Druck für eine Temperatur von 1100 K. Die Abbildung zeigt auch die begleitende Variation der Hauptcharakteristik der Kettenverzweigungszeiten, die in A+ erscheinen. Wie zu sehen ist, sind 2 und 3 beide negativ, und sie sind in der Norm viel größer als 1 = +, was die Tatsache bestätigt, dass die Verzweigung nur mit einem Eigenmodus beschrieben werden kann (27). Die analytische Lösung des kubischen Polynoms (31) führt zu einem ziemlich komplizierten Ausdruck [15], der jedoch vereinfacht werden kann, indem man feststellt, dass a2 immer viel größer ist als +, sodass bei der Berechnung dieses Eigenwerts der kubische Term in (31) in der ersten Näherung vernachlässigt werden kann. Dies wird in Abb. 7 veranschaulicht, die zeigt, dass für jeden Mischungsbruch 1 viel kleiner ist als mindestens einer der Ratenbegriffe l1 , l2 und l3, die in dem Ausdruck für a2 erscheinen. Die resultierende quadratische Gleichung für  kann dann explizit gelöst werden, um
Wasserstoffzündung und Sicherheit 107 Eigenwert (s−1) Abb. 7 Die Variation des Äquivalenzverhältnisses der drei Eigenwerte 1 (Dreiecke), −2 (Quadrate) und −3 (Kreise) und der Reaktionsraten 2l1 − l4 (durchgezogene Kurve), 2l1 (gestrichelte Kurve), l2 (punktgestrichelte Kurve) und l3 (gepunktete Kurve), wie für p =1 atm, T = 1100 K erhalten 199 λ1 -λ2 -λ3 2l1-l4 l2 l3 106 105 104 10−2 10−1 100 ϕ  a12 − 4a0 a2 − a1 ,  = 2a2 + 101 102 (33) zu ergeben, wobei ai in (32) definiert ist. Es ist zu beachten, dass ähnliche Vereinfachungen des charakteristischen Polynoms (31) bereits 1965 von Brokaw untersucht wurden [11], jedoch mit weniger genauen Ergebnissen, da die detaillierten Ratenparameter zu dieser Zeit weniger gut entwickelt waren. 2.6.2 Verzweigung unterhalb des Crossover-Punkts α < 1 Für Temperaturen unterhalb des Übergangs sind H und O sowie OH in vernachlässigbaren Mengen vorhanden, wie durch die Zusammensetzung des Radikalpools belegt wird (siehe Abb. 6), sodass ihre Raten als vernachlässigbar angenommen werden können dCH /dt = dCO /dt = dCOH /dt = 0 um − (l1 + l4 )CH + l2 CO + l3 COH + l7 CHO2 + ω5 = 0 (34) l1 CH − l2 CO = 0 (35) l1 CH + l2 CO − l3 COH + 2l8 CH2 O2 = 0. (36) Das Addieren von (34) und (36) zur Eliminierung von COH und die Verwendung von (35) zur Eliminierung von CO in der resultierenden Gleichung führt zu k4 CO2 CM4 CH = [l7 CHO2 + 2l8 CH2 O2 + ω5 ]/(1 − α) (37) als Ausdruck für die Rekombinationsrate des H-Atoms. Diese letzte Gleichung kann in (21) verwendet werden, um das vereinfachte Verzweigungsproblem zu erzeugen
P. Boivin et al. 200 106 λ λ− λ+ λ± 5 10 Eigenwert (s −1) Abb. 8 Variation mit der Temperatur des exakten Eigenwerts  des 5 × 5 linearen Systems (25), + (40), − (33) und ± (42), für ein stöchiometrisches H2 -Luft-Gemisch bei 1 atm 104 103 102 101 0,9 0,95 1 1,05 1,1 1000K/T 1,15 1,2     −     2l8 αl7 ǫ d CHO2 C HO 2 + 1−α , = 1−α 1−α . dt CH2 O2 l 7 − l8 CH2 O2 0 (38) ǫ − = (2 − α)ω5 (39) wo ein Maß für die reduzierte Initiierungsrate ist. Die zugehörige charakteristische Gleichung für die Jacobimatrix in (38) kann gelöst werden, um  b12 − 4b0 b2 − b1 ,  = 2b2 − (40) wo    b0 = −l7 l8 (2 + α) b1 = l8 (1 − α) − αl7   b2 = 1 − α. (41) Eine Formel, die für alle Werte von α 0, . gültig ist Die obigen Formulierungen wurden in [17] verbessert, um eine ausgezeichnete Näherung für das vollständige 5 × 5 System zu liefern, wie ± = [(C12 − 4C0 )1/2 − C1 ]/2, (42) unter Einbeziehung der Koeffizienten C0 =+ − C1 =− 1−α − + . (2 + α) (43) (44)
Abb. 9 Zündverzugszeit ti (dicke durchgezogene Linie) numerisch bestimmt mit dem 20-Schritt-SanDiego-Mechanismus für ein stöchiometrisches Wasserstoff-Luft-Gemisch bei atmosphärischem Druck. Die dünne gestrichelte Linie stellt die Verzweigungszeit tB dar, die aus Gl. (28) berechnet wurde, und die Kreise repräsentieren Vorhersagen, die aus Gl. (45) erhalten wurden Verzögerung der Zündung (S) Wasserstoffzündung und Sicherheit 201 100 10−1 ti,ausfuhrlich tB,skelettiert t± B 10−2 10−3 10−4 0,9 0,95 1 1,05 1,1 1000K/T 1,15 1,2 Abb. 8 zeigt einen Vergleich zwischen dem exakten maximalen positiven Eigenwert  des 5 × 5 linearen Systems (25) sowie den drei oben abgeleiteten analytischen Vorhersagen: • + (33), gültig für α ≫ 1, • − (40), gültig für α ≪ 1, • und ± (42), gültig für α ∈ [0, ∞]. Die Übereinstimmung wird als ausgezeichnet angesehen, was den gegenwärtigen Ansatz validiert. Weniger genaue Näherungsausdrücke für  können in der Literatur bereits ab 1965 gefunden werden [11]. 2.6.3 Verzweigungszeit-Ausdruck Aus den obigen Ausdrücken und ihren jeweiligen zugehörigen Verzweigungszeiten [17] kann eine allgemeine Formel abgeleitet werden, die für den gesamten Temperaturbereich gültig ist, wie folgt tB = −1 ln[(1 + α)2 /(2k6 ω5 )]. (45) . Eine ausgezeichnete Übereinstimmung wird zwischen der analytischen Vorhersage (45) und der detaillierten Integration der Verzweigungszeit erzielt, wie in Abb. 9 zu sehen ist. Der verbleibende Unterschied zwischen der Verzweigungszeit (um den HO2 stationären Zustand zu erreichen) und der Zündzeit (um die maximale Wärmefreisetzung zu erreichen) unterhalb des Übergangs wird durch die thermische Durchlaufphase erklärt, die im nächsten Abschnitt beschrieben wird. Nachdem ein Ausdruck für die Induktionszeit tB (45) abgeleitet wurde, ist der Grund für das Versagen der O- und OH-Gleichgewichtszustände (15) während dieser Phase, wie zu Beginn der vollständigen Jacobian-Eigenstudie in Abschn. 2.4 angegeben, nun klar:
P. Boivin et al. 202 • Die Wachstumsraten von H, O und OH sind von derselben Größenordnung (siehe Abb. 6), was dazu führt, dass (15) eine schlechte Annäherung darstellt: Zusammen repräsentieren O und OH fast 25 % des Radikalpools bei stöchiometrischen Bedingungen und über 50 % nahe der mageren Entflammbarkeitsgrenze. • Die vereinfachte Formel für ti (20), die unter Verwendung von O und OH QSSA erhalten wurde, ergibt eine Haupttemperaturabhängigkeit ∼(2l1 − l4 )−1, anstelle des Ergebnisses ∼−1 in (45). Beim Vergleich der Äquivalenzverhältnisse der inversen Charakteristikzeit (2l1 − l4 und ) in Abb. 7 wird deutlich, dass die erstere Annäherung das erwartete Maximum beim reaktivsten Mischungsverhältnis nicht aufweist, während die letztere dies tut. Die beiden Formulierungen nähern sich jedoch asymptotisch im fetten Bereich an. 2.7 Thermisches Durchgehen Wie in Abb. 5 zu sehen ist, erfolgt die Zündung unterhalb des Übergangs in einem zweistufigen Prozess, wobei eine thermische Explosion auf die anfängliche verzweigte Kettenperiode folgt, die oben untersucht wurde. Um das thermische Durchgehen zu analysieren, ist es vernünftig anzunehmen, dass die Annahmen (A1, A3, A5) gelten. Die Gleichgewichtszustandsannahmen für H, O, OH, HO2 führen zu einem zweistufigen reduzierten Mechanismus, der aus dem Skelettmechanismus abgeleitet ist, mit Gesamtreaktionen I H2 + O2 →H2 O2 II 2H2 + O2 →2H2 O, und zugehörigen Raten ωI = 2−α ω7 2(1 − α) ωII =2ω8 . (46) (47) Die obigen Ausdrücke beinhalten die elementaren Reaktionsraten (ω7 , ω8 ). Bei der Bewertung von ω7 = l7 CHO2 wird ein vereinfachter stationärer Ausdruck eingeführt,  l8 CH2 O2 , CHO2 = (48) k6 (1 − α) wobei Beiträge aus der elementaren Reaktion 7 vernachlässigt werden, eine ausgezeichnete Näherung unter den meisten Bedingungen [16]. Bei Vernachlässigung des Reaktantenverbrauchs kann die homogene Zündgeschichte, die mit der obigen reduzierten Chemie verbunden ist, durch Integration von
Wasserstoffzündung und Sicherheit 203  dC   H2 O2 = ωI dt dT   [10pt]ρcp = QωII dt mit Anfangstemperatur T = To und anfänglicher H2 O2 Konzentration CH2 O2 = 0 , wobei die Konzentration von H2 O2, die in der früheren Verzweigungsphase produziert wurde, hier vernachlässigbar ist. In der Formulierung sind ρ und cp die Anfangswerte der Dichte und der spezifischen Wärme bei konstantem Druck. Die durch Reaktion I freigesetzte Wärme wurde in der Energiegleichung vernachlässigt, da ihr Beitrag im Vergleich zu den anderen beiden Reaktionen, die in Bezug auf die globale Wärmefreisetzung der Reaktion II ausgedrückt wurden, gering ist, was (49) Q = −2hH2 O , nur von der Bildungsenthalpie von Wasser abhängt, hH2 O = −241.8 kJ/mol. Die Analyse geht weiter, indem festgestellt wird, dass die Aktivierungsenergien der Gesamtreaktionsgeschwindigkeitskonstanten k8 und k7 (k8 /k6 )1/2, die in ωI bei der Substitution von (48) erscheinen, sehr ähnlich sind, sodass eine einzige dimensionslose Aktivierungsenergie β = E8 /(Ro To ) + n8, die zur Bestimmtheit auf den Niederdruck-Geschwindigkeitsparametern n8 = −4.20 und E8 = 213.71 kJ/mol der elementaren Geschwindigkeitskonstanten k8 = A8 T n8 exp[−E8 /(Ro T )] basiert, die starke Temperaturabhängigkeit der Geschwindigkeiten ω7 und ω8 charakterisiert. Für große Werte von β reduziert die Einführung der skalierten Variablen θ =β T − To , To ϕ = (βqX)2/3 CH2 O2 , CM8 and τ = das Problem auf die Integration von  dϕ   = ϕ 1/2 eθ dτ dθ   [10pt] = ϕeθ dτ (βq)1/3 −2/3 X l8 t (1 − α) (50) (51) mit Anfangsbedingungen ϕ(0) = θ(0) = 0. Die Konstante k8 in der Definition von τ und der Reaktionsgeschwindigkeitsparameter √ 2CM8 k8 k6 (1 − α) X= (52) (2 − α)l7 sind unter den Anfangsbedingungen zu bewerten. Die obigen Ausdrücke beinhalten die dimensionslose effektive Reaktionswärme
P. Boivin et al. 204 q= QCM8 . ρcp To (53) Die Division der zweiten Gleichung von (51) durch die erste liefert θ = 23 ϕ 3/2 bei der Integration, was zur dimensionslosen thermischen Explosionszeit führt. τE = ˆ∞ ϕ 1/2 0 Dieses Integral nimmt den Wert dϕ  . exp 23 ϕ 3/2 (54) τE = (2/3)2/3 Ŵ(1/3) ≃ 2.0444, (55) ´ ∞ z−1 −x an, wobei die Ŵ Funktion Ŵ(z) = 0 x e dx eingeführt wird. Die Definition der dimensionslosen Zeit τ , die in (50) gegeben ist, kann verwendet werden, um zu zeigen, dass die dimensionale Explosionszeit tE = X 2/3 (1 − α) τE . (βq)1/3 l8 (56) ist. Typische Ergebnisse, die für die Explosionszeit tE erhalten wurden, sind in Abb. 10 dargestellt und zeigen eine ausgezeichnete Übereinstimmung mit der detaillierten Integration im Niedrigtemperaturbereich α ≪ 1. Da die gegenwärtige Phase nur ausgelöst werden kann, nachdem HO2 den stationären Zustand erreicht hat, z. B. nach der Verzweigungsdauer tB, kann die Induktionsdauer als Summe tB + tE erhalten werden. Die Entwicklung von tB und tB + tE sind in Abb. 10 enthalten und zeigen eine ausgezeichnete Übereinstimmung. 101 100 Induktionszeit (S) Abb. 10 Die durchgezogene Kurve stellt die Variation der Induktionszeit ti mit der Temperatur dar, die numerisch mit detaillierter Chemie für ein stöchiometrisches Wasserstoff-Luft-Gemisch bei p = 1 atm erhalten wurde. Die gestrichelten Kurven werden aus (45) bis (56) für dieselben Bedingungen ausgewertet, wobei die Kreise die Summe tB + tE darstellen. ti,ausfuhrlich tB tE tB + tE 10−1 10−2 10−3 10−4 0,90 0,95 1,00 1,05 1,10 1,15 1000K/T 1,20 1,25 1,30
Wasserstoffzündung und Sicherheit 205 2.8 Zusammenfassung: Analytische Formeln für H2 Induktionszeiten Die Induktionszeit kann analytisch als die Summe von • der Verzweigungszeit tB (45), der Zeit, die HO2 benötigt, um einen stationären Zustand zu erreichen, und • der Explosionszeit tE (56), der Zeit des thermischen Durchgehens, die für α < 1 vorhanden ist. Abb. 11 zeigt die vernünftige Übereinstimmung, die für die obige Formulierung über einen weiten Bereich von Druck, Temperatur und Äquivalenzverhältnissen erzielt wurde. 3 Grenzphänomene in kanonischen Strömungskonfigurationen 101 ϕ = 1,0 10−1 p = 50atm 10 −3 10 −5 p = 1atm p = 10atm 0,7 0,8 0,9 1 1,1 1,2 1,3 1000K/T Verzögerung der Zündung (S) Verzögerung der Zündung (S) Wir haben nun die grundlegende Chemie hinter H2 Zündung ausführlich beschrieben. Sobald die chemische Zündzeit bekannt ist, laufen die verschiedenen Probleme der Zündgrenzen darauf hinaus, diese chemische Zeitskala mit einer gegebenen Problemzeitskala (z. B. konvektive oder diffusive Zeitskalen) zu vergleichen. Dieser Abschnitt zielt darauf ab, einen umfassenden Überblick über solche Probleme zu geben. Die Aufmerksamkeit wird auf die sieben kanonischen experimentellen Szenarien gerichtet, die in Tab. 4 aufgeführt sind. 100 p = 1atm 10−1 T = 900K 10 T = 950K −2 10−3 T = 1000K 10−4 10 −5 0,3 T = 1200K 4 × 10−1 2 × 100 6 × 10−1 1,0 ϕ 3,0 Abb. 11 Vergleich der Zündverzugszeiten ti in Luft, die durch numerische Integrationen für die vollständige 20-Schritt-Chemie (durchgezogene Kurven) mit der analytischen Vorhersage ti = tB + tE (gestrichelte Kurven) erhalten wurden
P. Boivin et al. 206 Tab. 4 Liste der kanonischen experimentellen Szenarien von Abschn. 3 # 1 Phänomen Explosionsgrenze 2 Entflammbarkeitsgrenze 3 Detonationsgrenze 4 Flammenabheben 5 Wandzündung 6 Stoßzündung 7 Extinktionsgrenze Beschreibung Explosion einer Mischung, die sich anfangs in einem geschlossenen Gefäß in Ruhe befindet, entsprechend dem Experiment von Lewis und von Elbe [1] Subsonische Ausbreitungsgrenze einer reaktiven Front (Deflagration) in vorgemischten Gasen. Planarer Fall und mehrdimensionale Effekte Supersonische Ausbreitungsgrenze einer reaktiven Front (Detonation) in vorgemischten Gasen. Planarer Fall und mehrdimensionale Effekte Zündung in einer sich entwickelnden Mischschicht stromabwärts von einer Trennplatte, wie bei einer Hochgeschwindigkeitsstrahl-Flamme oder einem Kraftstoffleck in einer heißen Umgebung Durch die Wärmeflüsse von heißen Wänden induzierte Zündung bei natürlicher oder erzwungener Konvektion Durch die Sprünge der thermodynamischen Eigenschaften über eine Stoßdiskontinuität induzierte Zündung Extinktionsgrenze von gedehnten Diffusionsflammen 3.1 Explosion in einem geschlossenen Gefäß: Die drei Explosionsgrenzen Dieser Abschnitt stellt die Verbindung zwischen der in Abschn. 2 dargestellten Herleitung und den drei im Einführungsteil dargestellten Explosionsgrenzen dar. Eine Skizze einer Explosion in einem kugelförmigen Gefäß ist in Abb. 12 dargestellt. Das Gefäß mit dem Radius a ist zunächst mit einem homogen vorgemischten Gemisch aus H2–O2 bei einem bestimmten Druck und einer bestimmten Temperatur gefüllt. Die (p, T)-Werte, die explosive und nichtexplosive Bereiche trennen, definieren die sogenannten Explosionsgrenzen, die in Abb. 13 gezeigt werden. Die Kurve zeigt deutlich drei Abschnitte, die in aufsteigender Druckreihenfolge als erste, zweite und dritte Explosionsgrenze bezeichnet werden. Wie in Abschn. 2.3 angegeben, ist der kontraintuitive Charakter der zweiten Explosionsgrenze, der in der Einführung hervorgehoben wurde, eine Folge der Tatsache, dass sie genau den Übergangsbedingungen α = 1 oder 2l1 = l4 entspricht, die in Abb. 13 als gestrichelte Linie identifiziert sind; die unerwartete Druckabhängigkeit ist darauf zurückzuführen, dass Reaktion 4 ein drittes Teilchen einbezieht, das eine kubische (dritte Ordnung) Druckabhängigkeit erzeugt, während Reaktion 1 zweiter Ordnung ist. Die erste und dritte Explosionsgrenze sind das Ergebnis des Wettbewerbs zwischen der verzweigten Kettenreaktion, die im Zentrum des Gefäßes stattfindet, und der Diffusion von Zwischenprodukten, die für diese Verzweigung notwendig sind, zu den Gefäßwänden, wo ihre Zerstörung durch heterogene Reaktionen erfolgt.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 207 Abb. 12 Skizze des Problems einer Explosion in einem geschlossenen Gefäß für eine Kugel mit dem Radius a 101 3 Druck (atm) 100 10−1 2 10−2 10−3 650 1 700 750 800 Temperatur (K) 850 Abb. 13 Explosionsgrenzen eines stöchiometrischen Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisches in einem kugelförmigen Gefäß mit einem Radius von a = 3.7 cm. Experimentelle (durchgezogene Kurven) Daten sind aus [1] entnommen. Numerische Werte werden für zwei verschiedene Ansätze gezeigt, einer, die gestrichelten Kurven, wird durch Lösen der Gl. (62) und (67) erhalten, während der andere, die punktgestrichelten Kurven, durch die Gl. (66) erhalten wird. Die gestrichelte Linie entspricht der erweiterten zweiten Explosionsgrenzbedingung α = 1
P. Boivin et al. 208 3.1.1 Ein sphärischer Diffusionsansatz Ein einfacher Ansatz, der ursprünglich vor mehr als 85 Jahren in Betracht gezogen wurde [19, 20], besteht darin, das in Abb. 12 skizzierte Problem in sphärischen Koordinaten anzugehen. Dies beinhaltet im Allgemeinen das Lösen von Differentialgleichungen in r, die stationäre Diffusions-Reaktions-Gleichgewichte für jeden der fünf Reaktionszwischenprodukte ausdrücken und die Diffusionskoeffizienten, Dk für jede Spezies k einbeziehen. Da der Diffusionskoeffizient des H-Atoms den jeder anderen Spezies um mehr als das Dreifache übersteigt, wird eine potenziell nützliche Vereinfachung erzielt, indem nur der H-Beitrag (wie in Abschn. 2.3) beibehalten wird, um   1 ∂ 2 ∂ DH .CH = (2l1 − l4 ).CH . r − 2 r ∂r ∂r unter der Bedingung integriert werden, um dCH dr (57) = 0 bei r = 0 zu erhalten, kann diese Gleichung    CH = (C/r) sin r ((2l1 − l4 )/DH ) , (58) zu geben, wobei C eine Integrationskonstante ist. Wenn H an den Wänden vollständig verbraucht wird, dann  a (2l1 − l4 )/DH = π, (59) aber, wie in [20] beschrieben, überschätzt dies weitgehend das Ausmaß der H-Zerstörung an der Wand, weshalb die Randbedingung besser durch die Auferlegung einer endlichen katalytischen Zerstörungsrate an der Wand beschrieben wird, wie −DH c̄ dCH (r = a) = ε CH (r = a), dr 4 (60) wo ε der Haftkoeffizient ist – der Anteil der Moleküle, die bei Erreichen der Gefäßwand zerstört werden (typischerweise 10−5 –10−2) – und c die durchschnittliche Molekülgeschwindigkeit ist [21], c=  8RT . πW (61) Die Einführung der katalytischen Zerstörung von Radikalen an der Wand führt dann zu einer Änderung des kritischen Radius für die Explosion als  a (2l1 − l4 )/DH ≈ 0.534, (62) √ was einem Haftkoeffizienten von 0.72 DH /c̄, etwa 0,001, entspricht. Der untere Teil der gestrichelten Kurve in Abb. 13 wurde unter Verwendung der Gl. (62) erhalten und zeigt eine ausgezeichnete Übereinstimmung mit den experimentellen Daten von Lewis und von Elbe [1].
Wasserstoffzündung und Sicherheit 209 3.1.2 Ein auf dem Jacobian basierender Ansatz Ein einfacherer Ansatz zur Ableitung von Explosionsgrenzen findet sich in der Arbeit von Law und Mitarbeitern [22, 23]. Das Problem wird als null-dimensional angenommen, wobei die Rate der Entfernung von Zwischenprodukten an der Wand direkt in die chemisch-kinetische Jacobian-Matrix eingebettet ist (25). Die Zerstörungsrate von Zwischenprodukten an der Wand ist ersten Grades und proportional zur Konzentration der Spezies, mit einer (inversen Zeit-) Geschwindigkeitskonstanten k, die definiert ist als kk,w = 1 S εk ck , 4 V (63) ähnlich wie in (60), wobei S/V als das Oberflächen-zu-Volumen-Verhältnis des Gefäßes eingeführt wird (S/V = 3/a für den kugelförmigen Fall), und durchschnittliche Molekülgeschwindigkeiten c¯k und Haftkoeffizienten εk, die für jede Spezies unterschiedlich sind. Mit der Zerstörung von Radikalen an der Wand, die in diese null-dimensionale Formulierung einbezogen wird, wird Gl. (21) zu dC̄ = A′ C̄ + ǭ, dt wobei A′ nun Wandzerstörungsbegriffe entlang seiner Diagonale enthält (64)   −l1 − l4 − kH,w l2 l3 l7 0     l1 − l2 − kO,w 0 0 0   ′ .  A = l1 l2 − l3 − kOH,w 0 2l8    l4 0 0 − l7 − kHO2 ,w 0   0 0 0 l7 − l8 − kH2 O2 ,w . (65) Der auf der Jacobian-Matrix basierende Ansatz kann bei Temperaturen angewendet werden, die hoch genug sind, damit Reaktionen stattfinden, aber er versagt an der Explosionsgrenze, wenn die Wandreaktionen einbezogen werden, weil die Matrix A′ dort singulär wird,   det A′ = 0. (66) Dieser Zustand  ist in Abb. 13 als  gestrichelte Kurve dargestellt, mit den Auswahlen εk = εH , 0, 0, 5 × 10−3 , 0 wie in der Reihenfolge des Radikalvektors C̄ (22). Bei der √ Darstellung der Ergebnisse haben wir uns die Freiheit genommen, εH = 0.72 DH /c̄ zu verwenden, im Einklang mit der Analyse des vorherigen Abschnitts.2 2 Der hier ausgewählte Ausdruck für εH ergibt einen Wert, der sich merklich erhöht, wenn die Temperatur entlang der Grenzkurve steigt, was mit der erwarteten Zunahme der Zerstörungsrate bei steigender Temperatur übereinstimmt, während er in [22] als konstant angenommen wird, was zu größeren Abweichungen bei der ersten Explosionsgrenze führt.
P. Boivin et al. 210 Die resultierenden Vorhersagen stimmen hervorragend mit den experimentellen Ergebnissen überein, was darauf hinweist, dass die gewählten Werte für die Haftkoeffizienten vernünftig sein könnten. In dieser Beschreibung steuert die Zerstörung der H-Atome an den Wänden εH das erste Limit, während das dritte Explosionslimit sehr empfindlich auf die Zerstörung durch HO2 reagiert, stattdessen durch εHO2. 3.1.3 Das dritte Explosionslimit Der viel diskutierte [24, 25] obere Teil der gestrichelten Kurve in der Abbildung wird aus dem parameterfreien Ausdruck a=  √ 1/3 10.25DH2 O2 κTo k6 √ , l8 l7 βQ (67) gewonnen, der aus einer thermischen Explosionsanalyse abgeleitet ist, wobei H2 O2 das dominierende Zwischenprodukt ist, das zu den Wänden diffundiert, wo es vollständig zerstört wird [16, 26]. Der Erfolg dieses Modells ist vergleichbar mit dem von Wang et al. [22] bei der Beschreibung des dritten Limits, was zeigt, dass zwei sehr unterschiedliche physikalische Prozesse nahezu identische Vorhersagen für dieses Limit liefern können, wenn geeignete Werte für unbekannte Parameter zugewiesen werden. Zum Beispiel wird im Jacobian-Ansatz (66), mit den für die Abbildung ausgewählten Werten der Haftkoeffizienten, H2 O2 überhaupt nicht an den Wänden verbraucht, während es im Diffusionsansatz vollständig verbraucht wird. Andererseits wird HO2 ein konstanter Haftkoeffizient für die Strich-Punkt-Kurven (66) in der Abbildung zugewiesen, während es für die gepunkteten Kurven (67) nicht an den Wänden verbraucht wird! In Bezug auf die Beziehung zum ersten Abschnitt kann beobachtet werden, dass der Jacobian-Ansatz dem Ignorieren der Zeit des thermischen Durchgehens (56) im Vergleich zur Verzweigungszeit (28) tE ≪ tB entspricht, während für Eq. (67) tB ≪ tE angenommen wird. Bei der Untersuchung der Abb. 5, 9, 10 und 13 (siehe auch [17, 27] für eine Diskussion über den Übergang zwischen den beiden Regimen) kann man schließen, dass der Jacobian-Ansatz in der Nähe des Wendepunkts (an dem α ≈ 1) gültig ist, während der Diffusionsansatz (67) der richtige für höhere Drücke ist, wo α ≪ 1. Die starke Empfindlichkeit der Vorhersagen der Jacobian-Formulierung gegenüber dem Wert des HO2 Haftkoeffizienten für α ≪ 1 [23] ist ebenfalls ein guter Indikator dafür, dass der parameterfreie Ausdruck (67) dort der richtige ist.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 211 3.2 Vormischflammen: Entzündbarkeitsgrenzen Dieser Abschnitt behandelt nur die sogenannten Entzündbarkeitsgrenzen von flachen H2-Luft-Flammen (Deflagrationen); der Leser wird auf das Kapitel über laminare Flammen für eine vollständige Beschreibung der H2 VormischflammenEigenschaften verwiesen. Es wird hier lediglich daran erinnert, dass die Ausbreitung von Vormischflammen eine thermische Diffusivität DT beinhaltet, um Wärme stromaufwärts in Bereiche zu leiten, wo T < Tc die Temperatur auf T > Tc erhöht wird, sodass die Oxidation mit einer durch eine reziproke Zeit ω̇ charakterisierten Rate fortschreiten kann, was zu einer Deflagrationsgeschwindig√ keit SL ∝ DT ω̇ führt [2, 28]. In den meisten Anwendungen beinhaltet die Vormischverbrennung die Ausbreitung quasi-isobarer Wellen, die als Deflagrationen oder Vormischflammen bezeichnet werden. Sie breiten sich oft in hoch turbulenten Strömungen aus und werden von der Strömungsdynamik beeinflusst. In solchen Szenarien treten je nach Konkurrenz zwischen der turbulenten Strömung und dem molekularen Transport mit chemischer Reaktion unterschiedliche Verbrennungsregime auf. Obwohl es mehrere Regime gibt, ist allgemein anerkannt, dass die meisten Eigenschaften von turbulenten Flammen mit den selbsttragenden flachen FlammenAusbreitungsgeschwindigkeiten unter laminaren Bedingungen, der sogenannten laminaren Brenngeschwindigkeit SL, in Verbindung gebracht werden können. Dieser Wert erweist sich als ein grundlegendes Maß für die Reaktivität eines Vormischsystems unter gegebenen Anfangsbedingungen. Bei der Entwicklung detaillierter Mechanismen [3–8] wurde enormer Aufwand betrieben, um diese grundlegende Eigenschaft sowohl experimentell [29–40] als auch numerisch [41, 42] zu bestimmen. Abb. 14 präsentiert eine große Auswahl experimenteller Ergebnisse für Wasserstoff-Luft-Flammengeschwindigkeiten und vergleicht diese Ergebnisse mit numerischen Vorhersagen, die mit dem vollständigen Mechanismus aus Tab. 1 erhalten wurden. Es zeigt sich eine hervorragende Übereinstimmung zwischen den verschiedenen experimentellen Datensätzen, die von verschiedenen Forschungsgruppen erhalten wurden, was darauf hinweist, dass die eindimensionale flacher Flammen-Ausbreitung zumindest unter normalen Umgebungsbedingungen jetzt relativ gut beschrieben ist. Obwohl nur eine numerische Vorhersage gezeigt wird, produzieren andere detaillierte Beschreibungen [4–8] von Abb. 2 eine ähnliche Übereinstimmung für diese Umgebungsbedingungen. Andererseits bleibt die Rate-Optimierung detaillierter Beschreibungen für hohe Drücke ein aktives Forschungsthema. 3.2.1 Flache Vormischflammen-Ausbreitungsgrenze – Entzündbarkeitsgrenzen Bei niedrigen Konzentrationen des begrenzenden Reaktanten (Wasserstoff für brennstoffarme Flammen und Sauerstoff für brennstoffreiche Flammen) sind
P. Boivin et al. 212 Flammengeschwindigkeit (cm/s) 300 250 200 150 Dowdy et al. Egolfopoulos & Recht Vagelopoulos et al. Karpov et al. Tse et al. Kwon & Faeth Lamoureoux et al. Verheist et al. Burke et al. Kurnetsov et al. Krejci et al. Dahos 100 50 0 10−1 100 ϕ 101 Abb. 14 laminare Flammengeschwindigkeit von Wasserstoff-Luft-Gemischen unter atmosphärischen Bedingungen. Die durchgezogene Kurve entspricht Berechnungen mit dem vollständigen Mechanismus, während die Symbole den Experimenten wie folgt entsprechen:   ∗  Symbol  × • γ †   Daten entnommen aus ♦ +  Referenz  [29] [30] [31] [32] [33] [34] [35] [36] [37] [38] [39] [40]  [20] die Konzentrationen der intermediären chemischen Spezies gering, und ihre Produktion und Zerstörung erfolgen in einer dünnen Schicht am heißen Ende der Flamme. Unter diesen Bedingungen sind nur neun elementare Reaktionen, die in [43] beschrieben werden, erforderlich, um die Entzündbarkeitsgrenze genau zu beschreiben. 1 2 3 4 5b 6’ 7’ 8’ 9’ H + O2 ⇋ OH + O H2 + O ⇋ OH + H H2 + OH ⇋ H2 O + H H + O2 (+M) → HO2 (+M) HO2 + H → H2 + O2 HO2 + H → 2OH HO2 + OH → H2 O + O2 H + OH + M → H2 O + M 2H + M → H2 + M Die notwendigen Geschwindigkeitsparameter sind im Standardformat in [43] angegeben, wie sie aus dem detaillierten Mechanismus von San Diego [3]
Wasserstoffzündung und Sicherheit 213 extrahiert wurden. Die ersten 5 dieser Reaktionen entsprechen denen des Skelettmechanismus für Selbstzündungsbedingungen, und die ersten 4 allein genügen, um die kraftstoffarme Grenze zu beschreiben. Diese Nummerierung wird nur im vorliegenden Abschnitt verwendet (Gl. 68 bis 70), wobei Primzahlen Schritte kennzeichnen, die anderswo in diesem Kapitel eine andere Nummerierung haben. Es wird festgestellt, dass die OH- und H-Radikale die Quasi-Gleichgewichtsannahme erfüllen, sodass eine einzige globale Reaktion 2H2 + O2 → 2H2 O ausreicht, um die Flammenstruktur zu beschreiben. Die zugehörige globale Reaktionsrate wird aus den elementaren Reaktionsraten gemäß ω = ω4f + ω8′ f + ω9′ f = k4f CM4 CO2 CH + k8′ f CM′8 COH CH + k9′ f CM9′ CH2 . (68) gewonnen. Aus der OH-Gleichgewichtsannahme kann die Reaktionsrate in der Nähe der mageren Grenze vereinfacht werden als ω= α 2 −1  k k /k 2f 3f 1b 1+ k3b CH2 O k4f CM4 CO2 CH2 2 . (69) . Damit eine Deflagrationsausbreitung möglich ist, muss ω irgendwo in der Flamme positiv sein – innerhalb derer die Temperatur von ihrem Frischgemischwert bis zur adiabatischen Flammentemperatur Ta variiert. Da α mit der Temperatur zunimmt, ist diese Bedingung gleichbedeutend mit Ta > Tp, wobei Tp die Temperatur ist, bei der ω null ist. An der mageren Grenze (69) entspricht Tp daher der Bedingung α = 2, was zu einer etwas höheren Temperatur als der Induktions-Crossover-Temperatur Tc (entsprechend α = 1) führt. In ähnlicher Weise kann eine vereinfachte Gleichung für die fette Grenze abgeleitet werden als  ω=  k /(k + k5b )  α (k4f CM4 )2 −1+ CO2 2 , k C k C k ′ 3b H2 O 3b H2 7f 2 1 + k ′ +k5b k3f CH O k8′ f CM8 + k9′ f CM9′ k3f CH 6′ f 6′ f 6f 2 (70) 2 was eine leicht abweichende Bedingung für Tp ergibt, die an der fetten Grenze gültig ist. Eine komplexere Formel für Tp, die sowohl für die magere als auch für die fette Grenze anwendbar ist, ist ebenfalls verfügbar [43]. Abb. 15 vergleicht die laminare Brenngeschwindigkeit, die durch den 1-SchrittMechanismus gemäß der globalen Rate im entsprechenden Grenzfall (Gl. 69 oder 70) vorhergesagt wird, mit der des vollständigen Mechanismus. Es gibt eine ausgezeichnete Übereinstimmung in beiden Grenzfällen. Die Übereinstimmungen verbessern sich mit zunehmendem Druck und erstrecken sich über breitere Bereiche von Äquivalenzverhältnissen (hier nicht gezeigt). Die Tp- und Ta-Kurven können in der Abbildung gesehen werden, wie sie sich bei null Brenngeschwindigkeit schneiden, was den mageren und fetten Entflammbarkeitsgrenzen entspricht.
P. Boivin et al. 214 300 2400 250 2000 200 Ta 150 1600 100 50 Tp 0 10−1 1200 Tc 100 ϕ 101 Temperatur (K) Flammengeschwindigkeit (cm/s) H2 (Vol.-%) 101 800 Abb. 15 Laminarer Brenngeschwindigkeit und die adiabatische Flammentemperatur, Ta von Wasserstoff-Luft-Gemischen unter normalen atmosphärischen Bedingungen als Funktionen des Äquivalenzverhältnisses. Ebenfalls gezeigt sind die Crossover-Temperatur der vorgemischten Flamme, Tp, und die klassische Crossover-Temperatur, Tc. Die durchgezogene Kurve entspricht dem vollständigen Mechanismus [3], während die gestrichelten Segmente Vorhersagen des EinSchritt-Mechanismus [43] darstellen. Nahe der fetten Grenze treten pulsierende Instabilitäten bei eindimensionaler, flacher Ausbreitung auf [44–46] als Folge der hohen Lewis-Zahl von O2 in diesen Flammen, was zu Oszillationen der Spitzenwerte der Temperatur- und H-RadikalKonzentrationsprofile führt [47, 48]. Der Übergang zwischen stationären und instationären Ausbreitungsregimen ist mit einer Hopf-Bifurkation verbunden [49, 50]. Für das pulsierende Regime versagt die oben beschriebene einstufige, stationäre Beschreibung, und es sind mindestens zwei globale Schritte erforderlich. Die Berücksichtigung dieses Phänomens hat den Effekt, den Entflammbarkeitsbereich um die fette Grenze zu verengen [47, 48]. 3.2.2 Mehrdimensionale Effekte und potenzielle unerwartete Ausbreitung in engen Kanälen Abweichungen von der oben diskutierten eindimensionalen Konfiguration sind bei Wasserstoffflammen weit verbreitet. Flache Deflagrationsinstabilitäten sind eng mit dem Verhältnis zwischen dem molekularen Transportprozess und der endlichen Wärmefreisetzungsrate verbunden. Die wohlbekannte Darrieus-LandauInstabilität, die durch die Dichteänderung an einer gestörten Flammenfront entsteht, neigt dazu, die Flammenfront zu destabilisieren [51–53], aber der Effekt kann durch diffusive-thermische Phänomene ausgeglichen werden. Im speziellen Fall von Wasserstoffflammen tritt dies typischerweise nur über einen mittleren Bereich von Äquivalenzverhältnissen auf, und die Flammen sind für fette und magere Gemische von Natur aus instabil.
Wasserstoffzündung und Sicherheit (a) h = 3 mm; 10,5% H2 Zündung Durchgehende Front (A) (a.1) Flamme 215 (b) h = 2 mm; 10,5% H2 Aufteilung der Zellen (B) (b.1) Flamme Flammenweg (Kondenswasser) (c) h = 2 mm; 10,25% H2 Zweiköpfige stationäre Zellen (C'') (c.1) Unverbranntes Gemisch Abb. 16 Abwärts propagierende H2-Luft-Flammen in einer Hele-Shaw-Zelle, nahe der mageren Entflammbarkeitsgrenze [59]. Nachdruck mit Genehmigung von Veiga-López et al. [59]. Copyright (2020) von der American Physical Society Nahe der mageren Ausbreitungsgrenze entstehen zelluläre, fingerartige Strukturen und breiten sich in das frische Gemisch aus [54–58]. Darüber hinaus werden Wärmeverluste wichtig, wenn Wände vorhanden sind, und sie können die Flammenausbreitung drastisch verändern. Veiga-López et al. [59] untersuchten die Auswirkungen von Wärmeverlusten auf die Wasserstoffflammenausbreitung in einer quasi-zweidimensionalen Hele-Shaw-Verbrennungskammer, wobei die Wärmeverlustsrate durch Ändern des Abstands zwischen den beiden Platten kontrolliert wurde. Abb. 16 zeigt die Wasserspur, die die H2-Luft-Flamme nach dem Verbrennungsprozess hinterlässt, wie durch eine Schlieren-Technik offenbart. Unter niedrigen bis moderaten Wärmeverlusten, Fall (a) in Abb. 16, charakterisiert eine kontinuierliche Flammenfront die Ausbreitung, aber wenn die Wärmeverluste wichtig werden, zerbricht die Flammenfront in mehrere kleine Flammenzellen, die sich in die frischen Gase ausbreiten und kontinuierlich sekundäre kleinere Zellen in einem fraktalartigen Muster erzeugen, Abb. 16b. Der letzte in dieser Untersuchung gefundene Modus, bei dem die Wärmeverluste so hoch sind, dass sie die Ausbreitung fast vollständig verhindern, beinhaltet die Ausbreitung isolierter Flammenzellen, die sich fast geradeaus bewegen, wie in Abb. 16c zu sehen ist. Gründliche Erklärungen dieser Beobachtungen stehen noch aus. Die beiden unerwarteten Ausbreitungsmodi stehen im Zusammenhang mit dem intensiven Beitrag der Wärmeverluste, der die Flammenausbreitung zu verhindern versucht, sowie der hohen Wasserstoffdiffusivität, die die Wärmeverluste ausgleichen kann, indem sie den umgebenden Wasserstoff in die Reaktionszone
216 P. Boivin et al. der Flamme bringt und dadurch dort einen höheren Wasserstoffgehalt bereitstellt, um mehr Wärme freizusetzen. Diese beiden unerwarteten Ausbreitungsmodi erweitern die Entflammbarkeitsgrenzen von H2-Luft-Flammen über die planaren, adiabatischen Entflammbarkeitsgrenzen hinaus; Abb. 15 und 16a zeigen eine minimale H2 -Konzentration ∼9,5 %, während die Autoren von [59] Ausbreitungen für H2-Konzentrationen von nur ∼4,5 % berichten. Dieses Ergebnis ist besonders wichtig für Sicherheitsstudien, da es impliziert, dass H2-Flammen in viel engeren Spalten ausbreiten können, als ursprünglich angenommen. Eine dreidimensionale Konfiguration, in der Wasserstoff unter geeigneten Bedingungen brennt, ist die der Flammenbälle. Flammenbälle wurden erstmals in theoretischen Arbeiten von Zel’dovich vorhergesagt [60], der argumentierte, dass sie instabil und daher im Labor nicht beobachtbar wären, aber später wurden sie experimentell von Ronney unter Mikrogravitationsbedingungen gefunden [61– 64]. Sie bestehen aus einer sphärischen Reaktionsschicht, die einen heißen Kern von Reaktionsprodukten umgibt, wobei Wärme und Produkte in die umgebende Region diffundieren, während die frischen Gase die Reaktanten durch Diffusion in die Reaktionsschicht aus der Umgebung liefern. Strahlungswärmeverluste, die in der ursprünglichen Analyse nicht berücksichtigt wurden, stabilisieren die Struktur und ermöglichen es ihr, so lange zu überleben, wie Auftrieb oder andere Störungen sie nicht zu Wänden bewegen, die sie löschen [65]. 3.2.3 Konservative Deflagrationsgrenzen für die Wasserstoffsicherheit Bei der Behandlung von Wasserstoffsicherheitsfragen kann es praktisch sein, einen einzigen Wert für die Wasserstoffentzündungsgrenzen beizubehalten, anstatt einen Wert für jede spezifische Strömungskonfiguration. Die in Wasserstoffsicherheitsberichten häufig gefundenen Werte sind in Tab. 5 aufgeführt, wobei die magere Grenze für Sicherheitsüberlegungen am wichtigsten ist. Der bemerkenswerte Unterschied zwischen den mageren Entzündungsgrenzen, die in Abb. 15 zu sehen sind, entsprechend einem H2 Volumenanteil von ∼ 9.8% anstelle von 4 %, ist auf (i) mehrdimensionale Effekte und (ii) Schwerkrafteffekte zurückzuführen. Die 1D-Studie (Abb. 15) vernachlässigt Einflüsse von Faltenbildung und Krümmung, die die Grenze effektiv erweitern, wie z. B. im Beispiel in Abb. 16 gezeigt. Die magere Grenze hängt auch stark von der Ausbreitungsrichtung der Flamme relativ zur Schwerkraft ab. In [66] wird ein Wert von 4 % für die Aufwärtsausbreitung angegeben, die die Entwicklung von Krümmungen durch den Einfluss des Auftriebs begünstigt, während die Grenzen für die horizontale und abwärts gerichtete Ausbreitung nahe bei 7 % bzw. 9 % liegen. Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen scheint 4 % eine sichere, konservative Schätzung für die magere Entzündungsgrenze für Wasserstoffgemische zu sein.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 217 Tab. 5 Wasserstoff-Deflagrationsgrenzen in Sauerstoff und Luft [66, 67], ausgedrückt in H2 Vol. % Entzündungsgrenze O2 Entzündungsgrenze Luft Untere 4,0 4,0 Obere 95,0 75,0 3.3 Detonationsausbreitungsgrenzen Wie bei den oben untersuchten Deflagrationen sind auch ideale Detonationen planare Fronten, aber ihre Ausbreitungsphysik beruht auf adiabatischer Stoßkompression und anschließender Selbstzündung. Eine starke Kopplung zwischen dem führenden Stoß und der Reaktionszone ist ein wesentliches Merkmal selbsttragender Detonationen. Ihre charakteristische Ausbreitungsgeschwindigkeit liegt in der Größenordnung von km s−1, während H2 Ausbreitungsgeschwindigkeiten von Deflagrationen nur wenige m s−1 nicht überschreiten. Die üblicherweise beobachtete Detonationsausbreitungsgeschwindigkeit wird als Chapman-Jouguet-Geschwindigkeit bezeichnet, DCJ, ein Minimum, bei dem starke Detonationen schneller propagieren, aber im Laufe der Zeit durch Welleninteraktionen schwächer werden. In Anwesenheit von Verlusten (d. h. Krümmung, Reibung, Wechselwirkung mit inerten Schichten usw.) wurde beobachtet, dass sich Detonationen mit Geschwindigkeiten unterhalb von DCJ ausbreiten. Wenn diese Verluste stark genug sind, um den führenden Stoß von der Reaktionszone zu entkoppeln, tritt eine Auslöschung auf. Indirekte Initiierung von Detonationen kann durch Deflagration-zu-DetonationÜbergang (DDT) erfolgen, der die anfängliche Zündung einer Flamme, deren anschließende Beschleunigung, die Bildung von Schocks davor und oft Interaktionen mit Hindernissen [68] umfasst, was zu Flammen-Schock-Komplexen führt, die normalerweise mit lokalisierten Explosionen, die stromabwärts vom Vorläufer-Schock entstehen, zur Detonationsauslösung führen, typischerweise in Grenzschichten nahe Wänden oder in der Nähe der Flammenfront [69, 70]. Eine der ersten detaillierten Beobachtungen von DDT wurde von Oppenheim et al. dokumentiert [71]; jüngste numerische Simulationen haben geholfen, die Phänomenologie von DDT zu klären [72–74], obwohl die beteiligten Prozesse so komplex sind, dass noch viel mehr darüber gelernt werden muss. Gasdetonationen weisen eine charakteristische zelluläre Struktur auf, die effektiv die Bewegung und Kollisionen von Querwellen entlang der Wellenfront umfasst, die Dreifachpunkte bilden (siehe Abb. 17). Traditionell wurden Detonationszellen als entweder regelmäßig oder unregelmäßig charakterisiert. Regelmäßige Detonationszellen haben sehr strukturierte Muster mit Zellgrößen, die eindeutig bestimmt werden können. Unregelmäßige Detonationszellen hingegen zeigen stochastisch aussehende Strukturen, bei denen verschiedene Längen-
P. Boivin et al. 218 0,3 Zellgröße c (m) 0,4 0,2 0,1 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 ϕ 2,5 3,0 3,5 4,0 Abb. 17 Oben: Experimentelle Rußfolie, die die Trajektorie von Dreifachpunkten in einem Rohr mit 57 mm Durchmesser für ein Wasserstoff-Luft-Gemisch mit Propanzusatz bei normalem Umgebungsdruck und -temperatur ( p0 = 100 kPa und T0 = 300 K) markiert. Bild adaptiert von [75]. Unten: durchschnittliche Detonationszellengröße als Funktion des Äquivalenzverhältnisses für H 2 -Luft. Experimentelle Daten (Symbole); Kurvenanpassung (durchgezogene Linie) skalen vorhanden sind [76, 77]. Die charakteristische Zellgröße δc3 ist direkt mit der Reaktivität des Gemisches korreliert, wobei kleinere δc-Werte mit schnelleren Reaktionsraten verbunden sind. Infolgedessen steigt δc drastisch für Gemischzusammensetzungen, die von der Stöchiometrie abweichen oder hohe Verdünnungsgrade aufweisen [78] (siehe Abb. 17). Die Grenzen der Detonationsausbreitung für gleichmäßige Gemische werden typischerweise als Funktion einer charakteristischen Länge angegeben, ℓ, die durch die betrachtete Konfiguration bestimmt und durch die Detonationszellengröße skaliert wird, δc. Qualitativ sind für geschlossene Rohre und Kanäle die kritischen Bedingungen ℓ ≥ δc /π und ℓ ≥ δc, jeweils. Experimentell, für die Detonationsübertragung von Rohren/Kanälen in den freien Raum (siehe Abb. 18), ℓ ist 13δc und 11δc für die meisten Kohlenwasserstoffe und reduziert sich auf ℓ = 3δc für Kanäle mit hohem Seitenverhältnis; dieser letztere 3 Die meisten Autoren verwenden  für die Zellgröße, die in diesem Kapitel die Reaktivität des Gemisches bezeichnet.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 219 Abb. 18 Schematische Darstellung der Detonationsübertragung von einem Rohr in einen offenen Bereich. Links: Detonationsfrontausbreitung in einem Rohr. Rechts: Detonationsfrontbeugung 1 und Wiederzündung 2–3 Prozess kritische Wert wurde auch für die Detonationsausbreitung in stöchiometrischen Wasserstoff-Sauerstoff-Gemischen, die von einer inerten Schicht umgeben sind, gefunden [79], aber für Kohlenwasserstoffe erhöht sich dieser Wert auf ℓ ∼ (5 − 10)δc [80]. Diese experimentellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Auslöschungsgrenzen je nach den Randbedingungen, denen die Welle ausgesetzt ist (d. h. begrenzende Wände oder inerte Gase), variieren; Dreifachpunkte spielen eine grundlegende Rolle bei der Detonationsausbreitung und Bedingungen, unter denen ihre Reflexionen vollständig oder teilweise unterdrückt werden, machen die Welle anfälliger für ein Versagen. Die Vorhersage von Grenzverhalten für Detonationen ist eine Herausforderung, selbst mit der Verwendung modernster numerischer Simulationen, wahrscheinlich aufgrund der sehr vereinfachten Beschreibungen der Chemie, die verwendet werden müssen, wie in [81] diskutiert, oder der Annahme von reibungsfreier/nicht leitender Strömung, die typischerweise gemacht wird, wie in [82] argumentiert. Experimentelle Datenbanken [78] bleiben daher die zuverlässigste Quelle, wenn Grenzen für die Planung und Dimensionierung von Anlagen benötigt werden, sei es, um die Detonationsauslösung in industriellen Umgebungen zu vermeiden [83] oder die Detonationsausbreitung in Antriebsanwendungen zu fördern (wie in rotierenden Detonationsmotoren [84, 85]). Trotz der oben genannten Herausforderungen existieren einfache Modelle, in denen Senkbegriffe hinzugefügt werden, um Wärme- und Impulsverluste oder Krümmung zu berücksichtigen, zum Zel’dovich-von Neumann-Döring (ZND) Modell (eine 1-D laminare, stationäre Beschreibung einer Detonationswelle), aus dem man die sogenannten D − cf [86] und D − κ [87] Kurven zu erhalten. Wendepunkte auf diesen Kurven ergeben die maximalen Reibungs-/Wärmeverluste oder Krümmung, die eine eindimensionale Detonation aushalten kann, und liefern somit eine konservative Ausbreitungsgrenze. Im speziellen Fall von H2 Detonationen können noch einfachere Modelle entwickelt werden, bei denen der thermodynamische Zustand hinter dem führenden Schock (d. h. von NeumannZustand) einfach mit der Übergangstemperatur, Tc, verglichen wird, wie von Belles vorgeschlagen [88, 89]. Eine Auswahl dieser Modelle wird im Folgenden kurz besprochen.
220 P. Boivin et al. 3.3.1 Ausbreitungsgrenzen von flachen Detonationen – Belles’ Modell Ideale Detonationsgrenzen können auf eine sehr ähnliche Weise verstanden werden wie die in der vorherigen Sektion vorgestellten Überlegungen zu Deflagrationsgrenzen, nämlich durch die Bewertung einer Übergangsvariablen (oder Temperatur Tc) in der Induktionszone. Laut Belles [88, 89] existiert eine selbsttragende Detonation für α > 1 im Nachschockbereich, auch als von Neumann (vN) Zustand bezeichnet. Im Modell von Belles [88] wird die kritische Mach-Zahl Mac unter Verwendung der Rankine-Hugoniot-Sprungbeziehungen und der Bedingung berechnet, dass α = 1 im vN-Zustand. Da die Nachschocktemperatur mit zunehmender Mach-Zahl steigt, sind selbsttragende Detonationen nur möglich, wenn die Detonations-Mach-Zahl MaD = DCJ /c0 größer ist als Mac (d. h. MaD > Mac), wobei c0 die Schallgeschwindigkeit im frischen Gemisch ist [90]. Letztere Aussage ist gleichbedeutend mit der Feststellung, dass die Nachschocktemperatur im vN-Zustand, TvN, bei dem Nachschockdruck Tc überschreitet, pvN. Abb. 19 zeigt die Nachschocktemperatur, TvN, berechnet mit Detonationssoftware [91], und die Crossover-Temperatur Tc bewertet beim Nachschockdruck, pvN , als Funktion des Äquivalenzverhältnisses für H2–O2 und H2-Luft-Gemische. Da die Detonationsgrenzen oft in Volumenprozent angegeben werden, sind die entsprechenden Achsen in Abb. 19 ebenfalls enthalten. Die vorhergesagten mageren Grenzen sind %H2, vol = 17.8 und %H2, vol = 19.5 für H2–O2 und H2-Luft, jeweils in Übereinstimmung mit experimentellen Daten [92]. Ähnliche Beobachtungen können für fette Grenzen gemacht werden, H2 –O2 zeigt breitere Grenzen (%H2, vol = 90) als H2-Luft (%H2, vol = 58). 3.3.2 Ausbreitungsgrenzen in Rohren – Fays Modell Wie oben erwähnt, hängen die experimentellen Detonationsgrenzen von den anfänglichen Mischungsbedingungen sowie von der Art der Begrenzung ab [93]. Es gibt zwei Hauptkategorien: nachgiebige Begrenzung [81, 94, 95] und starre Begrenzung [96, 97]. Für eine gegebene Mischungszusammensetzung ϕ und einen thermodynamischen Zustand gibt es einen Rohrdurchmesser, unterhalb dessen eine stabile Detonation nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Abb. 20 zeigt das Grenzäquivalenzverhältnis als Funktion des Kehrwerts des Rohrdurchmessers. Eine Verengung der Grenzen mit abnehmendem Durchmesser ist offensichtlich, und es kann durch Extrapolation geschlossen werden, dass es einen Durchmesser gibt, der klein genug ist, um die Ausbreitung für alle Äquivalenzverhältnisse zu verhindern. Mit abnehmendem Rohrdurchmesser werden Grenzschichteffekte deutlich und ein Defizit der Detonationsgeschwindigkeit wird beobachtet. Die Verluste sind auf Reibung und Wärmeübertragung an die Rohrwände zurückzuführen, was zu Frontkrümmung und Strömungsdivergenz an den Grenzen führt. Darüber hinaus
Wasserstoffzündung und Sicherheit H2 (Vol. %) 101 101 2000 1800 Temperatur (K) Abb. 19 DetonationsNachschocktemperatur (durchgezogene Kurven) und die CrossoverTemperatur im NeumannZustand (gestrichelte Kurven) als Funktion des Äquivalenzverhältnisses für H2–O2 (schwarz) und H2-Luft (rot) Gemische. Bedingungen: p0 = 1 atm, T0 = 300 K herrschen im frischen Gemisch. Die idealen Detonationsgrenzen entsprechen dem Schnittpunkt der durchgezogenen Linien mit den gestrichelten Linien 221 H2-O2 H2-Luft H2-O2 H2-Luft 1600 1400 1200 1000 800 600 10−1 100 ϕ 101 ϕ 101 100 10−1 10−2 10−1 1/d (mm−1) Abb. 20 Äquivalenzverhältnis als Funktion des Kehrwerts des Rohrdurchmessers, adaptiert von [98]. Kreise repräsentieren experimentelle Ergebnisse für H2-Luft-Gemische, während Dreiecke für H2–O2-Gemische stehen beeinflussen die Änderungen der Detonationsgeschwindigkeit die Nachschockund Endzustandsbedingungen und verändern somit die Detonationsgrenzen. Fay [99] schlug ein Modell vor, das auf der negativen Verdrängungsdicke der Wandgrenzschicht basiert. Ein Ausdruck für das Geschwindigkeitsdefizit kann aus den Erhaltungsgleichungen der quasi-eindimensionalen Strömung abgeleitet werden:  1/2 DCJ − D (1 − ν 2 ) �D , = =1− �Dm = DCJ DCJ (1 − ν)2 + γ (2ν − ν 2 ) (71)
P. Boivin et al. 222 1,1 d = 1,8 mm d = 4,6 mm d = 10,9 mm 1,0 D/DCJ Abb. 21 Geschwindig­ keitsdefizit D/DCJ als Funktion des Anfangsdrucks für drei verschiedene Rohrdurchmesser. Vergleich von Fays [99] Modell (durchgezogene Linien) für H2–O2 Mischung mit experimentellen Ergebnissen aus [100] (Symbole) 0,9 0,8 0,2 0,4 0,6 0,8 Druck(atm) 1,0 1,2 wo ν = ξ/|(1 + γ )(1 + ξ )|, ξ der Strömungsrohr-Flächen-Divergenzfaktor ist, und γ das Verhältnis der spezifischen Wärmen ist. Die Flächendivergenz wird aus der Verdrängungsdicke der Grenzschicht δ ∗ geschätzt:   4δ ∗ π(d/2 + δ ∗ )2 µe A1 ∗ 0.8 −1≈ −1= , with δ = 0.22x ξ= , (72) A0 π(d/2)2 d ρ0 DCJ wo µe , x und ρ0 die Viskosität des verbrannten Gases, der Abstand vom Schock und die anfängliche Gasdichte sind. Fays Modell [99] wird in Abb. 21 mit experimentellen Ergebnissen von Gao et al. [100] verglichen. Drei Rohrdurchmesser d = (1.8, 4.6, 10.9) mm werden ausgewählt, und der Anfangsdruck wird variiert, um das maximale Geschwindigkeitsdefizit zu ermitteln, bei dem eine Fortpflanzung erreicht wurde. Mit abnehmendem Anfangsdruck nehmen die charakteristischen Längenskalen der Detonation (δc) in Richtung des Rohrdurchmessers zu und die Auswirkungen der seitlichen Verluste werden zunehmend wichtiger, was das Geschwindigkeitsdefizit verstärkt, bis der führende Schock sich von der Reaktionszone entkoppelt und es zur verlöschung kommt. Diese Ergebnisse zeigen, dass das theoretische Modell korrekte Trends vorhersagt, aber das experimentelle Geschwindigkeitsdefizit nicht genau vorhersagen kann, was darauf hindeutet, dass der Prozess der Detonationsauslöschung komplexer ist und Elemente umfasst, die über die Annahmen hinausgehen, die für die Ableitung dieses Modells gemacht wurden. Eine frühere Studie von Wood und Kirkwood [101] berücksichtigt ebenfalls die 2-D-Detonationskrümmung, aber, wie von Reynaud et al. [95, 102] gezeigt, die die Ergebnisse numerischer Simulationen mit den Vorhersagen des Modells für die Detonationsausbreitung unter nachgiebiger Einfassung verglichen, ist auch sie in ihrer Fähigkeit begrenzt, die Detonationsgrenzen realer Gemische wiederherzustellen. Diese Beobachtungen bezeugen die Komplexität der physikalischen
Wasserstoffzündung und Sicherheit 223 Tab. 6 Wasserstoff-Detonationsgrenzen für eingeschlossene Explosionen in Sauerstoff und Luft [104, 105], ausgedrückt in H2 Vol.% Detonationsgrenze O2 Detonationsgrenze Luft Unterer 15,0 18,3 Oberer 90,0 58,9 Prozesse, die in mehrdimensionalen Konfigurationen involviert sind. Um vollständigere Beschreibungen der Detonationsgrenzen von Wasserstoff für praktische Anwendungen zu erhalten, scheint es wichtig zu sein, zusätzliche charakteristische Skalen zu berücksichtigen, über die chemischen Skalen hinaus, die Größe der Zellstruktur δc und die Frontkrümmung, indem man weitere transversale und longitudinale Skalen anspricht, wie die Entfernung vom Schock zur Schallebene (d. h. die hydrodynamische Dicke) sowie andere geometrische Aspekte [103]. 3.3.3 Konservative Detonationsgrenzen für die Wasserstoffsicherheit Wie bereits für die Entflammbarkeitsgrenzen in Abschn. 3.2.3 behandelt, ist es zweckmäßig, Einzelwerte für die Detonationsgrenzen beizubehalten. Die in der Literatur am häufigsten gefundenen Werte sind in Tab. 6 angegeben. Detonationsgrenzen sind enger als Entflammbarkeitsgrenzen (Tab. 5), stimmen jedoch sehr gut mit Belles' einfachem 1D-Modell überein (Abb. 19). Es sollte nicht der Schluss gezogen werden, dass Detonationsgrenzen nicht empfindlich auf Krümmungsund geometrische Effekte reagieren, im Gegensatz zu Entflammbarkeitsgrenzen, sondern vielmehr, dass diese Effekte dazu neigen, den H2 Detonationsbereich zu verengen, anstatt den Bereich zu erweitern, wie es bei Deflagrationen der Fall ist. Der Wert von 18 % kann daher als konservative Schätzung der mageren Detonationsgrenze für H2-Luft-Gemische beibehalten werden. 3.4 Diffusionsflammen: Zündung in der Mischungsschicht Betrachten wir nun die Zündung in einer räumlich sich entwickelnden Mischungsschicht [106]. Das zweidimensionale Problem ist in Abb. 22 skizziert. Zwei Ströme mit identischer Dichte und Geschwindigkeit (einer mit Brennstoff – mit dem Index F – der andere mit Oxidationsmittel – Index O) kommen am Ende einer Trennplatte in Kontakt. Eine räumlich sich entwickelnde Mischungsschicht entsteht, die schließlich weiter stromabwärts zündet. Obwohl mathematisch komplex, ist die Lösung elegant einfach, da sie der für das eindimensionale, zeitabhängige Problem entspricht, bei dem gleichmäßige Halbräume von Brennstoff und Oxidationsmittel augenblicklich zu Zeitpunkt null zusammengebracht werden [106].
P. Boivin et al. 224 reaktionsfreudigste Mischung Oxidationsmittel Kraftstoff Abb. 22 Skizze der Zündung in einer ungespannten Mischungsschicht Unter der Annahme gleicher und konstanter Dichte und Geschwindigkeit U0 im gesamten Bereich,4 reduziert sich das System auf wo  ∂Yk ∂ 2 Yk   + Dk 2 = ω̇k  U0 ∂y ∂x ∂T ∂ 2T    [10pt]U0 + DT 2 = ω̇T , ∂y ∂x ω̇T = Qω ρcp (73) (74) und Dk und DT die Diffusionskoeffizienten der Spezies k bzw. die Wärmediffusivität sind. Die reziproken Quellterme in diesen Gleichungen sind die Produktionsrate der Masse der Spezies k pro Volumeneinheit, dividiert durch die Dichte des Gemisches, und die Wärmefreisetzungsrate pro Volumeneinheit, dividiert durch das Produkt aus Dichte und spezifischer Wärme bei konstantem Druck. Unter der Annahme, dass alle Lewis-Zahlen gleich eins sind, reduziert sich das System (73) auf ein Ein-Gleichungs-Problem   ∂Y U0 η ∂Y ∂ 2Y − + 2 = ω̇, U0 ∂y y 2 ∂η ∂η (75) wo 4 Diese Annahme kann durch eine komplexere asymptotische Beschreibung der Mischschicht [107] gelockert werden.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 225 η=x  U0 Dy die selbstähnliche Variable klassischer Diffusionsprobleme ist [107]. Die eingefrorene Strömung (Strömung ohne Quellterm ω̇) Diffusion lässt eine selbstähnliche Lösung der Form zu η 1 . YF = 1 − YO = erfc (76) 2 2 Durch asymptotische Analyse bewiesen Sánchez et al. [106], dass das Gemisch zuerst dort zünden würde, wo die Verzweigungscharakteristikzeit −1 am kürzesten ist, ein Ergebnis, das in Abschn. 5.3.2 dieses Kapitels nützlich sein wird. Ein zweites Ergebnis ist, dass die Zündverzugszeit der reaktivsten Mischung in der Mischungsschicht entspricht. Um die Zündabstandsdistanz in einer Mischungsschicht zu bestimmen, müssen dann die folgenden Schritte unternommen werden: • Berechnen Sie die eingefrorene selbstähnliche Lösung durch (76) oder durch eine vollständigere Beschreibung [107]. • Identifizieren Sie den Punkt in der Mischungsschicht, an dem  (42) maximal ist, • Berechnen Sie die Zündverzugszeit, tB, für diese Bedingungen durch (45) und multiplizieren Sie sie mit der Strömungsgeschwindigkeit U0, um die Zündabstandsdistanz (Lift-off) zu erhalten. Obwohl es zunächst auf das Hochtemperaturregime beschränkt war, kann die Studie [106] höchstwahrscheinlich auf Bedingungen unterhalb des Übergangs erweitert werden, indem einfach tB durch tB + tE ersetzt wird. Analytische Studien sind auch für gedehnte Mischungschichten verfügbar [20, 108], eine Konfiguration von hoher Relevanz für praktische nicht-vorgemischte Strömungen (z. B. in turbulenten Strahlen). 3.5 Thermische Zündung Erhitzte Oberflächen stellen eine potenzielle Gefahr dar, die bewertet werden muss, um versehentliche Verbrennungsereignisse zu verhindern und zu mildern. Eine der potenziellen Gefahren, die im Rahmen der Zertifizierung berücksichtigt werden müssen, ist die Zündung von brennbaren Flüssigkeiten (Flugkerosin, Motoröl, Hydraulikflüssigkeiten) durch heiße Oberflächen, die im Design vorhanden sein können (Motoren, Heißluftkanäle) und auch durch Ereignisse wie Blitzeinschläge, Rotorbrüche oder Ausfälle des elektrischen Systems entstehen können. Derzeit stützt sich die Analyse der Heißoberflächenzündung weitgehend auf alte Richtlinien, die auf empirischen Testmethoden basieren, die oft wenig mit den tatsächlichen Gefahren zu tun haben. Ein Ziel für die Zukunft ist
P. Boivin et al. 226 Entzündung der heißen Oberfläche stationär groß bis Umzug klein bis LT-Zündung HT-Zündung klein bis HT-Zündung Abb. 23 Heißflächenzündszenarien die Entwicklung anwendbarer Tests und Analysemethoden, die auf numerischer Simulation der thermischen Zündung basieren. 3.5.1 Heißflächenzündszenarien Mehrere Fälle können basierend auf zwei wichtigen Parametern unterschieden werden: (i) ob die Oberfläche stationär oder in Bezug auf das reaktive Gas in Bewegung ist, und (ii) die charakteristische Längenskala, L, der heißen Oberfläche (siehe Abb. 23). Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass im Fall von stationären heißen Oberflächen zwei Zündregime existieren: Niedertemperatur- (LT) und Hochtemperatur- (HT) Zündung. Ersteres Regime ist hauptsächlich für große Oberflächen und Kohlenwasserstoffbrennstoffe wie n-Alkane relevant, die bei Temperaturen in der Größenordnung von 500 K noch selbstzünden können [109– 111]. Letzteres Regime gilt für kleinere Oberflächen und reaktivere Brennstoffe wie H2, da sich die LT- und HT-Zündzeitmaßstäbe für diesen Brennstoff erheblich unterscheiden (siehe z. B. Abb. 2). Studien mit kommerziellen Glühkerzen [112, 113] und „inerten“ lasererhitzten Partikeln, die in explosiven Atmosphären suspendiert sind [114], zeigen, dass die minimale Zündtemperatur schwach vom Äquivalenzverhältnis, aber stark von der Art des verwendeten Brennstoffs (z. B. n-Pentan, Propan, Ethylen oder Wasserstoff) abhängt. Die minimale Zündtemperatur hängt auch stark von der Längenskala der heißen Oberfläche ab (d. h. Glühkerzenhöhe oder Partikel-/ Gefäßdurchmesser). Effekte des Oberflächenmaterials (Siliziumnitrid, Wolframkarbid, Stahl, Gussstahl und Aluminium) bei fester Zusammensetzung für Oberflächen im Submillimeterbereich wurden beobachtet mit H2 [115]. Aluminium und Stahl (Typ 1.4034 und 1.3541) zeigen die niedrigsten bzw. höchsten Zündschwellen. Die chemischen Eigenschaften der Mischung und die Oberflächeneigenschaften (z. B. Geometrie, Material) sind daher wichtig, um die minimale
Wasserstoffzündung und Sicherheit 227 Oberflächentemperatur zu bestimmen, die erforderlich ist, um ein reaktives Gas zu zünden. Ein weiterer Parameter, der eine wichtige Rolle bei der Heißflächenzündung spielt, ist die Geschwindigkeit, mit der die Oberfläche erhitzt wird. Im LTRegime bestimmt die Heizrate, die auf eine stationäre große heiße Oberfläche angewendet wird, die Art der Reaktion, die die reaktive Mischung erfährt, nämlich langsame Oxidation oder schnelle Explosion [116, 117]. Für eine kleine stationäre heiße Oberfläche [112, 118] dominieren typischerweise die chemischen Prozesse der HT-Chemie unabhängig vom betrachteten Brennstoff, obwohl die negative Temperaturkoeffizient- (NTC) Region, die charakteristisch für die LTChemie höherer normaler Alkane ist, das Zündverhalten für Kohlenwasserstoffe wie n-Hexan beeinflussen kann, während sie für Wasserstoff abwesend und daher irrelevant ist. Für bewegte kleine Oberflächen (2–5 m/s) dominiert ähnlich wie bei ihren stationären Gegenstücken die HT-Chemie. Für eine feste Gasgemischzusammensetzung deuten frühere Arbeiten darauf hin, dass die Größe und Temperatur eines Partikels die wichtigsten Faktoren sind, um zu bestimmen, ob eine Zündung erfolgt [119]. Im speziellen Fall von H2 –O2 –N2-Gemischen wurde auch festgestellt, dass differentielle Diffusion (d. h. Diffusion von Spezies mit unterschiedlichen Raten) einen Einfluss auf die Zündschwellen hat [120, 121]. Experimente liefern wertvolle Daten zur Validierung numerischer Simulationen, um das erforderliche Verfeinerungsniveau für die Modellierung wichtiger physikalischer Prozesse zu bestimmen, sodass genaue Vorhersagen unter Verwendung angenäherter Reaktionsmechanismen gemacht werden können. 3.5.2 Die Physik der thermischen Zündung Die Interaktion der Oberfläche mit der Strömung ist entscheidend für die Schaffung von Zonen, die anfällig für Zündung sind. Dies wird in Abb. 24 für eine kleine (L = h = 9.4 mm) Oberfläche in natürlicher Konvektion sowie für eine kleine (L = d = 4 mm) bewegte Oberfläche in erzwungener Konvektion veranschaulicht. Im Bereich der getrennten Strömung sind Spezies- und Energiekonvektion oft vernachlässigbar, und der Aufbau von Zwischenprodukten wird nur durch Diffusion entgegengewirkt, was die Verzweigung und das thermische Durchgehen charakteristisch für Zündprozesse erleichtert. Nahe der Wand wirkt die Diffusion der Wärmefreisetzung durch die Chemie entgegen. In einiger Entfernung von der Oberfläche ist die Wärmefreisetzungsrate größer als die Rate, mit der Wärme zurück zur Wand diffundiert, wodurch ein Zündkern entsteht. In H2-Systemen wird dies beobachtet, wenn die Gastemperatur die Crossover-Temperatur überschreitet Tc. Bemerkenswert ist, dass unabhängig von der Zündzeit und dem Längenskala der Ort, an dem die Zündung stattfindet, ein universelles Merkmal sowohl der natürlichen als auch der erzwungenen Konvektion in internen [117] und externen Strömungen zu sein scheint (siehe Abb. 24).
P. Boivin et al. 228 U (m/s) 2,56 1740 1,92 1500 1,60 1260 10 1020 5 0 −10 −5 0 x (mm) 5 10 1,28 1054 10 946 838 y (mm) 2,24 T (K) y (mm) 15 1980 T (K) 5 730 622 0,96 780 0,64 540 0,32 300 0,00 0 514 406 −5 −4 −2 0 2 x (mm) 4 298 Abb. 24 Zündkernbildung für heiße Oberflächen in natürlicher (links) und erzwungener (rechts) Konvektion. Links: stationäre kleine Oberfläche (Glühkerze). Rechts: bewegte kleine Oberfläche (fallende erhitzte Kugel) Detaillierte transiente multidimensionale Simulationen sind typischerweise erforderlich, um Zündschwellen genau vorherzusagen. Dies liegt daran, dass wichtige Merkmale im Strömungsfeld wie Grenzschichttrennung und Prozesse des Energie-/Speziestransports eine bedeutende Rolle in Strömungen spielen, bei denen die Zündung innerhalb der thermischen/hydrodynamischen Grenzschicht neben einer heißen Oberfläche stattfindet. Wie in den vorherigen Abschnitten existieren auch einfachere Ansätze, um Größenordnungen für die Zündung heißer Oberflächen zu bestimmen. Diese basieren darauf, ein neues Satz von Gleichungen aus den Erhaltungsgesetzen abzuleiten, bei denen nur die führenden Terme beibehalten werden, basierend auf der Hauptphysik (z. B. Konvektion, Diffusion, Mischung, etc.). Die Zündungstheorien von Semenov [122] und Frank-Kamenetskii [123] sind gute grundlegende Beispiele, die bereits in Abschn. 3.1 behandelt wurden. Ein neuerer analytischer Ansatz wird als nächstes vorgestellt. Betrachten Sie ein eindimensionales thermisches Zündproblem mit einer charakteristischen Größe δ. Eine isotherme Wand wird am Ursprung platziert, T (x = 0) = Tw, während das andere Ende der freien Strömungstemperatur entspricht T (x = δ) = Tδ. Vernachlässigt man den Reaktantenverbrauch (A1) und berücksichtigt nur die Wärmediffusion und die Wärmefreisetzung, führt dies zu einer einzigen grundlegenden Gleichung d2 T , T (x = 0) = Tw , T (x = δ) = Tδ , dx 2 mit einer globalen Reaktionsrate  ρ n Ea ω= XFmF XOmO Ae− RT , W Qω = κ (77) (78)
Wasserstoffzündung und Sicherheit 229 wobei n = mF + mO die Reaktionsordnung ist. In der Ausdruck für ω (78) wird die Dichte weiter als konstant und gleich der mittleren geometrischen Dichte √ zwischen beiden Enden angenommen ρδ ρw . Laurendeau et al. [124] zeigten, dass die Integration von (77, 78) einen Ausdruck für den Wärmestrom qchem von der reagierenden Mischung zur Wand ergibt     n/2 RTw 2 dT Tδ (79) = 2κQωw , qchem = κ dx w Tw Ea wobei ωw der kinetische Quellterm (78) an der Wand ist. Ein approximatives Zündkriterium kann schließlich als die Bedingung erhalten werden, bei der der durch die Chemie erzeugte Wärmestrom qchem dem Wärmestrom an der Wand entspricht qloss = κNu (Tw − Tδ ). L (80) Der Vorteil dieser Formulierung besteht darin, dass es möglich ist, klassische empirische Nusselt-Zahl (Nu)-Korrelationen [125] zu verwenden, um die Natur der vorliegenden Strömung (z. B. natürliche/erzwungene Konvektion, ruhende Strömung usw.) bestmöglich anzupassen. Wenn Nu konstant ist, kann eine Proportionalitätsbeziehung zwischen der Wandtemperatur und der Längenskala der heißen Oberfläche abgeleitet werden [124]. ln L ∝ Ea 2RTw (81) . Die Wandtemperatur Tw skaliert mit dem natürlichen Logarithmus der Längenskala L. Siehe [126] für eine vollständige Herleitung des Modells und eine Diskussion über die Einschränkungen dieser Art von Skalierungen. 3.6 Schockinduzierte Zündung Während die Zündung durch heiße Oberflächen die wahrscheinlichste Methode ist, um eine Flamme in Unfallszenarien zu entzünden, ist es auch möglich, chemische Reaktionen in Abwesenheit von Diffusionsprozessen zu initiieren. Schockwellen (Strömungsdiskontinuitäten, bei denen Druck und Temperatur abrupt ansteigen) können in kontrollierten Laboreinstellungen mit Stoßrohren erzeugt werden oder durch Lecks in Hochdruckbehältern entstehen, die typischerweise zur Brennstofflagerung in Industrieanlagen verwendet werden. Wir haben im vorherigen Abschnitt gesehen, dass die Zündung von Wasserstoff leicht durch Diffusionsprozesse bei relativ langen Zeitskalen (∼1 s) stattfinden kann und Fronten initiiert, die durch Wärme- und Massentransfer propagieren. Bei kürzeren Zeitskalen (∼ 1 ms/µs) können reaktive Gemische durch Schocks
P. Boivin et al. 230 Niederdruck Hochdruck Diaphragma Entspannungsfächer Kontaktfläche Reflektierte Stoßwelle Einfallende Stoßwelle Abb. 25 Skizze des Stoßrohrs und Wellendiagramms. Stoßwellen werden durch durchgezogene Linien dargestellt. Die Reflexion von der rechten Wand erzeugt eine Wechselwirkung des Stoßes mit der Kontaktfläche, die das gestauchte Gas vom Treibgas trennt. Der Expansionsfächer breitet sich zur linken Wand aus und reduziert den Druck im Hochdruckgas oder adiabatische Kompression gezündet werden, wobei Diffusionsprozesse eine untergeordnete Rolle spielen. Das einfachste experimentelle Gerät, das zur Untersuchung der chemischen Kinetik verwendet wird, ist ein Stoßrohr, dessen x − t Diagramm in Abb. 25 skizziert ist. Die thermodynamischen Zustände in einem Stoßrohr mit konstantem Querschnitt, bestehend aus einem Hochdrucktreib (Zustand P4) und einem Niederdrucktreibbereich (Zustand P1), können mit 1D-Gasdynamik recht gut vorhergesagt werden, und das Stoßrohrproblem wird typischerweise in elementaren Gasdynamikbüchern behandelt [127, 128]. In einfachster Form wird angenommen, dass die Prozesse in einem Stoßrohr adiabatisch und reibungsfrei sind, sodass die Wärmefreisetzung durch Chemie der einzige mögliche Mechanismus ist, der für die Veränderung des Zustands nach dem Stoß verantwortlich ist. Hochtemperatur-Chemiekinetik-Untersuchungen werden im Allgemeinen in dem Bereich hinter dem vom Endwand reflektierten Stoß durchgeführt (von Chemiekinetik-Forschern als P5 und T5 bezeichnet) [129]. Stoßrohre haben eine grundlegende Rolle in der Verbrennungswissenschaft gespielt, insbesondere bei der Klärung der Hochtemperaturkinetik, und sie haben Messungen der Zündverzugszeiten, τign, sowie der Fortschrittsraten von Elementarreaktionen ermöglicht. Dies liegt daran, dass der thermodynamische Zustand 5 für alle praktischen Zwecke konstant und hochgradig wiederholbar ist; Formeln für die Stärke des einfallenden Stoßes, M, als Funktion des Druckverhältnisses P4 /P1, sowie für P5 und T5, in Lehrbüchern angegeben sind. Abhängig von der Stärke der reflektierten Stoßwelle wurden zwei unterschiedliche Zündmodi in H2 − O2 Gemischen identifiziert [130]: (i) starke und (ii) schwache Zündung. Starke Zündung tritt bei Nachstoßtemperaturen weit über der Crossover-Temperatur (T5 > Tc) auf und bei der angenommen wird, dass die Zündung des Gemisches homogen nach der Induktionszeit ti erfolgt. Bei T5  Tc tritt eine schwache Zündung auf, die durch räumliche Nichtgleichmäßigkeiten gekennzeichnet ist, bei denen Störungen des Strömungsfeldes und Diffusionsprozesse eine Rolle spielen, was zu einer lokalen Temperaturerhöhung führt. Da die Zündverzugszeit, ti, bei schwacher Zündung empfindlicher auf Temperaturschwankungen reagiert (siehe z. B. Abb. 2), erfolgt
Wasserstoffzündung und Sicherheit 101 100 Druck (atm) Abb. 26 Schwache und starke Zündung dargestellt in einem TemperaturDruck-Diagramm. Das Explosionslimit (durchgezogene Kurve) und das erweiterte zweite Explosionslimit α = 1 (gepunktete Linie) stammen von Lewis und von Elbe [1]. Zündereignisse sind entnommen aus Meyer und Oppenheim [131], Voevodsky und Soloukhin [130], und Grogan und Ihme [132] 231 10−1 10−2 10−3 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300 1400 Temperatur (K) der Zündprozess auf nicht gleichmäßige Weise und kann zur Initiierung und Ausbreitung von Reaktionsfronten (Deflagrationen) führen. Abb. 26 zeigt Ergebnisse aus der Literatur, in denen das erweiterte zweite Limit als α = 1 definiert wird, das die Grenze zwischen starker und schwacher Zündung für H2-Gemische darstellt, wobei starke Zündungen durch gefüllte Symbole und schwache Zündungen durch offene Symbole gekennzeichnet sind.5 Zusätzliche Nichtidealitäten existieren in Stoßrohren, die in der Vergangenheit beträchtliche Aufmerksamkeit erhalten haben, wie reflektierte Stoßbifurkationen, Druckanstieg im Testabschnitt (Zustand 5), Variabilität des Membranbruchs usw. [133]. Obwohl Forscher der chemischen Kinetik typischerweise Stoßrohrdaten unter Verwendung idealisierter zeitabhängiger Reaktoren modellieren (d. h. unter der Annahme von konstantem Druck oder konstantem Volumen) und ihre Wahl damit rechtfertigen, dass hohe Verdünnungsgrade (N2 oder Ar) verwendet werden, sodass die Änderungen gering sind, sind solche Annahmen nicht mehr gültig, wenn reaktivere Gemische untersucht oder längere Testzeiten angestrebt werden. Eine ordnungsgemäße Beschreibung des Zündprozesses erfordert dann die Berücksichtigung räumlicher Gradienten, selbst in Abwesenheit der oben genannten Nichtidealitäten, wenn eine höhere Genauigkeit erforderlich ist [134]. 5 Obwohl wir, nach einer ersten Vermutung von Voevodsky et al. [130], die Erweiterung des zweiten Explosionslimits wegen seiner einfacheren physikalischen Interpretation bevorzugen,  ∂ti  sollte beachtet werden, dass die meisten Autoren stattdessen einen festen Wert von ∂T verp wenden, um die starken und schwachen Zündungsregime zu trennen, wie von Oppenheim vorgeschlagen [71]. Die Unterschiede zwischen den Vorhersagen der beiden Kriterien sind gering und vergleichbar mit experimentellen Unsicherheiten.
232 P. Boivin et al. Neben der Flammenausbreitung kann eine schockinduzierte Zündung direkt zur Detonationsinitiierung führen. Die direkte Initiierung einer Detonation besteht in der spontanen Bildung einer Detonation durch eine ausreichend intensive und schnelle Energieeinbringung in ein reaktives Gemisch. Wenn die eingebrachte Energie über der Mindestzündenergie für die Detonationsinitiierung liegt, Ec, wird eine kugelförmige Schockwelle erzeugt, die stark genug ist, um chemische Reaktionen schnell zu aktivieren, die sich anschließend mit dem Schock koppeln. Wenn die eingebrachte Energie unter Ec liegt, entkoppeln sich die Schockwelle und die Reaktionszone, was die Bildung einer Detonation verhindert. Eckett 3 [135] berichtete, dass Ec mit der Induktionszeit gemäß Ec ∝ τind variiert; Ec Werte können in Handbüchern zur Industriesicherheit und experimentellen Datenbanken gefunden werden [78]. Schließlich ist eine andere Art von Verbrennungsprozess erwähnenswert, die durch Hochdruck-Kraftstofflecks in die umgebende Luft und deren anschließende Erwärmung durch die führende Schockwelle entstehen kann. In diesem Szenario führt die Zündung an der Kraftstoff/Heißluft-Grenzfläche zu einer unbeabsichtigten Verbrennung, die sich von den oben beschriebenen Deflagrationen und Detonationen unterscheidet, nämlich zu einer Diffusionsflamme, die charakteristisch für nicht vorgemischte Verbrennung ist und normalerweise turbulent ist. Aufgrund des hohen Massendiffusionskoeffizienten von H2 diffundiert es leicht über den heißen Luftbereich, mischt sich und erreicht Konzentrationen, in denen eine Zündung möglich ist. Wasserstoff neigt bekanntermaßen dazu, auf diese Weise zu zünden (im Gegensatz zu Kohlenwasserstoffen) und erzeugt Jetflammen, die zu erheblichen Schäden führen. 3.7 Diffusionsflammen: Verlöschungsgrenzen Aus Sicherheitsgründen verlassen sich viele Wärmekraftmaschinen – zumindest teilweise – auf nicht vorgemischte Verbrennung. Brennstoff und Oxidationsmittel werden typischerweise separat eingedüst und so weit wie möglich durch Injektoren gemischt, die zur Verbesserung der Mischung ausgelegt sind (aufprallende Strahlen, Wirbel usw.), aber Diffusionsflammen bleiben dennoch dort vorhanden, wo die Verbrennung stattfindet. Der vorliegende Abschnitt behandelt die Physik, die das Verlöschen von gedehnten Diffusionsflammen bestimmt. Eine Konfiguration, die oft in experimentellen und numerischen Untersuchungen betrachtet wird, ist die in Abb. 27 skizzierte Jetflamme, bei der ein kalter Kraftstoffstrahl in eine Luftatmosphäre ausgestoßen wird, die sich entweder in atmosphärischen Bedingungen oder bei Heißgastemperaturen befinden kann. Bei hohen Reynolds-Zahlen erfolgt die Reaktion in kleinen Mischungsschichten, die durch die Strömung verzerrt und gedehnt werden, wie dargestellt. Die Dehnungsrate der Strömung beeinflusst die Brennrate und kann zu einer lokalen Verlöschung der Flamme führen, wodurch Löcher in der Flammenober-
Wasserstoffzündung und Sicherheit 233 Magere Deflagration Nachlaufende Diffusionsflamme Fette Deflagration Luft Lokale Verlöschung Abb. 27 Skizze einer Wasserstoff-Luft-Jet-Diffusionsflamme Abb. 28 Skizze der kanonischen GegenstromWasserstoff-Luft-JetDiffusionsflamme Luft Kraftstoff Luft Luft fläche entstehen, die von Randflammen begrenzt werden, die als Verlöschungsoder Wiederzündungsfronten wirken [20]. Die Flammenstruktur in Diffusionsflammenfronten, analysiert von Liñán in [136], wird durch ein Diffusions-Reaktions-Gleichgewicht unter dem Einfluss der äußeren Dehnung bestimmt. Eine klassische Konfiguration, die eine detaillierte Untersuchung dieses Gleichgewichts ermöglicht, ist die Gegenstromkonfiguration, skizziert in Abb. 28, bestehend aus aufeinander treffenden gleichmäßigen Strömen von Kraftstoff und Oxidationsmittel. Um die Dehnungsrate zu charakterisieren, wurde die derzeit oft als globale Dehnungsrate bezeichnete Größe eingeführt [137], basierend auf den Bedingungen im Oxidatorstrom, aair   √ vH2 ρH2 2|vair | 1+ = . √ L vair ρair (82) Experimentell wird die Verbrennung zunächst bei einer niedrigen Dehnungsrate eingeleitet, dann wird diese globale Dehnungsrate schrittweise durch Erhöhung
P. Boivin et al. Temperatur (K) 234 2400 2000 1600 1200 10−4 10−3 a−1 Luft (s) 10−2 Abb. 29 Abhängigkeit der Flammentemperatur von der globalen Dehnungsrate für eine Diffusionsflamme von Wasserstoff in Luft unter atmosphärischen Bedingungen. Die durchgezogene Kurve ist die Vorhersage des San Diego-Mechanismus, während die gestrichelte Kurve aus einem 2-Stufen-Reduktionsmechanismus stammt. Die Daten stammen aus [18, 20, 138] aLuft,ext (s−1) 600 400 200 0 0 4 8 12 Druck (bar) 16 Abb. 30 Dehnungsrate beim Verlöschen, aair,ext, als Funktion des Umgebungsdrucks für eine Diffusionsflamme eines Wasserstoff/Stickstoff-Gemisches mit einem Wasserstoffmolenbruch von 0,14, der gegen Luft strömt. Die durchgezogene Kurve stammt aus dem San Diego-Mechanismus [3]. Quadratische Punkte entsprechen den experimentellen Ergebnissen von Park et al. [140], während die kreisförmigen Punkte die experimentellen Ergebnisse von [139] darstellen. der Zuflussraten des Zuströmungsstroms erhöht, wobei das Impulsflussverhältnis konstant gehalten wird, sodass die Flammenposition fixiert bleibt, bis die Flamme erlischt. Vor dem Verlöschen steigt die maximale Temperatur im Strömungsfeld mit der Dehnungsrate aufgrund des Anstiegs des diffusen Zuflusses von Reaktanten bei abnehmenden charakteristischen Längenskalen, wie in Abb. 29 gezeigt. Niemann et al. [139] ermittelten die Druckabhängigkeit der Dehnungsrate beim Verlöschen sowohl experimentell als auch numerisch, wie in Abb. 30 gezeigt, zusammen mit den Ergebnissen eines neueren Experiments und Vorhersagen des San Diego-Mechanismus durch eine Finite-Differenzen-Methode, die wahrscheinlich nahe am Potentialströmungsfall liegt. Diese Ergebnisse veranschaulichen das
Wasserstoffzündung und Sicherheit 235 Ausmaß der Übereinstimmung, das erreicht wurde. Die hier sichtbaren Unterschiede sind beträchtlich, da diese Gegenströme rotationssymmetrisch sind und in verschiedenen Experimenten unterschiedliche Rotationssymmetrieg aufgrund unterschiedlicher Strömungsauslassgitter- oder Wabenanordnungen vorhanden sind; Potentialströmungsvorhersagen berücksichtigen den rotationssymmetrische Strömung nicht und überschätzen die Dehnungsraten beim Verlöschen, obwohl chemisch-kinetische Unsicherheiten bei Drücken über 4 bar so groß sind, dass Unterschiede in den Vorhersagen verschiedener aktueller Mechanismen vergleichbar mit den in der Abbildung sichtbaren Unterschieden sind. Nahe der Verlöschungsgrenze erfüllen die Minderheitenspezies O, OH, HO2 , und H2 O2 die quasi-stationäre Zustandsannahme, QSSA, (Approximationen A3 & A4), und die Chemie, die dann den Erlöschensprozess bestimmt, wird durch 11 elementare Schritte beschrieben: 1 2 3 4 5 6’ 7’ 8’ 9’ 10’ 11’ H + O2 ⇋ OH + O H2 + O ⇋ OH + H H2 + OH ⇋ H2 O + H H + O2 (+M) → HO2 (+M) H2 + O2 ⇋ HO2 + H HO2 + H → 2OH HO2 + OH → H2 O + O2 H + OH + M ⇋ H2 O + M 2H + M ⇋ H2 + M 2HO2 → 2OH + O2 HO2 + H2 → 2OH + H Die entsprechenden Raten werden im Standardformat in [27] bereitgestellt, wie aus dem detaillierten Mechanismus von San Diego [3] extrahiert. Die ersten fünf dieser Reaktionen entsprechen denen des Skelettmechanismus für die Selbstzündung, während die letzten beiden aus der H2 O2 QSSA stammen, die typischerweise in Diffusionsflammen anwendbar ist, jedoch nicht auf Deflagrationen oder Selbstzündungsprozesse zutrifft. Diese spezifische Nummerierung ist nur in diesem Abschnitt gültig (Gl. 83 bis 84). Angesichts dieses Skelettmechanismus führt die Einführung der anwendbaren QSSA zu einem zweistufigen reduzierten Mechanismus I 3H2 + O2 →2H2 O+2H II (83) H + H + M→H2 + M, mit den Raten ωI =ω1 + ω6′ f + ω10′ f + ω11′ f ωII =ω4f + ω8′ + ω9′ − ω10′ f − ω11′ f , (84)
P. Boivin et al. 236 Zünder Kraftstoffeinspritzung OxidationsmittelEinspritzung Abb. 31 Skizze einer Modellbrennkammer mit einem beliebigen Kraftstoff/OxidationsmittelEindüssystem (koaxial, Wirbel oder was auch immer) und einem Zündereinlass für die Eindüsung von Hochtemperaturgas die explizit ausgedrückt werden können, indem die stationären Ausdrücke für O, OH und HO2-Spezies verwendet werden, wie in [27, 138] gezeigt wird. 4 Wie man zündet: Zündstrategien Das Ziel dieses Abschnitts ist es, einen kurzen Überblick über Zündstrategien zu geben, die für potenzielle Wasserstoff-Wärmekraftmaschinen verfügbar sind. Die Beispiele stammen hauptsächlich aus Anwendungen von kryogenen Triebwerken. 4.1 Ein vereinfachtes konzeptionelles Modell einer H2Brennkammer Abb. 31 ist eine Darstellung der Komponenten eines konzeptionellen Modells für eine H2- Wärmekraftmaschine. Der Einfachheit halber wird angenommen, dass die Durchflussrate der Brennstoffeindüsung durch ein Ventil gesteuert wird, das mit einer konstanten Rate geöffnet oder geschlossen werden kann, ebenso wie die Durchflussrate der Eindüsung des Oxidationsmittels, das von verdünnter Luft bis zu reinem O2 reichen kann. In Anwendungen, die Luft verwenden, ist das Äquivalenzverhältnis im Allgemeinen kleiner als eins, da der Brennstoff der teurere Reaktant ist, aber Raketentriebwerke verwenden normalerweise reinen O2, da sie beide Reaktanten mitführen müssen und sie so ausgelegt sind, dass sie mit einem überschüssigen Brennstoff betrieben werden, weil das daraus resultierende niedrigere Molekulargewicht der Produktmischung die Leistung verbessert, den spezifischen Impuls erhöht und Sauerstoff aggressiver als Wasserstoff ist und heiße Kammerwände stärker beschädigt.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 237 Oxidationsmittel Zünder Kraftstoff Zeit Abb. 32 Ein Beispiel für eine oxidatorreiche Zündsequenz. Die Linien stellen die Massenflüsse oder möglicherweise die vom Zünder gelieferte Leistung dar 4.2 Zündsequenz Die erste Designentscheidung, die getroffen werden muss, ist die Spezifikation der Zündsequenz, die die Bedingungen in der Kammer während der Motorzündung bestimmt. In der hier betrachteten einfachen Konfiguration sind drei Zeitpunkte wichtig, nämlich der Beginn der Sauerstoffeindüsung (tO), der Beginn der Brennstoffeindüsung (tF) und der Beginn des Zünders (tig). Die Anpassung der Zündsequenz besteht darin, die geeignete Zeitachse festzulegen, um eine sichere, zuverlässige und systematische Zündung zu gewährleisten. Eine typische Zündsequenz, dargestellt in Abb. 32, berücksichtigt mehrere Einschränkungen. Beispielsweise ist es klar, dass man bei Betriebsäquivalenzverhältnissen unter eins das H2-Ventil nicht voll öffnen sollte, bevor man sicher ist, dass die Kammer gezündet ist, da sonst die Gefahr besteht, ein großes Volumen mit einem potenziell explosiven H2–O2-Gemisch zu füllen. Allgemein gesprochen ist es eine gute Idee, das Ventil des begrenzenden Reaktanten zuletzt zu öffnen, um zu vermeiden, dass während des Zündübergangs stöchiometrische Bedingungen durchlaufen werden. Die meisten Motoren sind nicht dafür ausgelegt, die extremen Temperaturen zu bewältigen, die in der Nähe der Stöchiometrie auftreten würden. Nachdem man sich für eine oxidatorreiche Zündsequenz entschieden hat, muss man dann entscheiden, wo der Zünder in der Sequenz platziert werden soll, wobei folgende Überlegungen zu berücksichtigen sind: (i) Der Zünder muss lange genug arbeiten, damit der Motor gezündet wird. (ii) Es ist sicherer, den Zünder vor tF einzuschalten, um sicherzustellen, dass er ordnungsgemäß eingeschaltet ist. (iii) Der Zünder muss noch in Betrieb sein, wenn das Äquivalenzverhältnis in der Kammer, das mit der Zeit ab tF ansteigt, die magere Entflammbarkeitsgrenze des Kraftstoff/Oxidator-Gemisches erreicht. (iv) Der Zünder sollte das Gemisch in der Brennkammer so früh wie möglich zünden, um die Ansammlung von unverbrannten vorgemischten Gasen zu vermeiden, die zu einem anschließenden starken Druckanstieg während der Zündung führen könnten, wenn das Gemisch verbrennt. Angesichts dieser Einschränkungen ist es eine sichere Wahl, den Zünder sehr nahe an tF einzuschalten, vorzugsweise kurz davor.
P. Boivin et al. 238 Für große Brennkammern ist es oft praktisch, die Zündung in eine kleine separate Brennkammer zu verlagern, mit einem Auslass in der Nähe des Eindüssystems der Hauptkammer. Dies ist die Strategie von Fackelzündern (z. B. der verstärkte Funkenzünder der ehemaligen Space-Shuttle-Triebwerke). Dies entkoppelt die Zünder-Kammer-Sequenz von der Hauptkammer-Sequenz, und sie kann so gestaltet werden, dass sie einen kontrollierten Bruchteil des Hauptkraftstoff/Oxidator-Massenflusses zündet, indem ein kleiner Bruchteil davon durch eine Vorkammer geleitet wird, die als Zünder dient. Siehe [141] für ein Beispiel einer oxidatorreichen Zündsequenz für einen kraftstoffreichen Motor. Es ist zu beachten, dass kryogene Triebwerke meist im nicht-vorgemischten Modus betrieben werden, sodass die Entwicklung einer vorgemischten H2 Brennkammer, wie sie in einigen Gasturbinenanwendungen gewünscht wird, wahrscheinlich zusätzliche Einschränkungen mit sich bringt, und die Verlagerung der Zündung in eine kleine separate (nicht-vorgemischte) Kammer die einfachste Option sein kann. 4.3 Minimale erforderliche thermische Leistung Die angemessene Anpassung der erforderlichen Zündleistung ist die kritischste Entscheidung im Zündkerzendesign, insbesondere wenn Gewicht oder Volumen ein Designkriterium sind (z. B. im Transportsektor). 4.3.1 Faustregel-Spezifikation Betrachten Sie das Vinci-Raketentriebwerk, das für die neue Oberstufe der Ariane 6 entwickelt wurde. Das Mischungsverhältnis (Massenflussverhältnis von Brennstoff zu Oxidationsmittel) liegt während des stationären Betriebs bei etwa 6, mit einer Gesamtmassenflussrate von etwa 40 kg/s (siehe z. B. die Kommunikationsbroschüre von ArianeGroup). Der Zünder düst im Wesentlichen verbrannte Gase in einen Bereich nahe der Mitte der Eindüsplatte ein, ähnlich wie der verstärkte Funkenzünder des ehemaligen Space-Shuttle-Haupttriebwerks. Die für die Zündung im Triebwerk erforderliche Zündleistung ist Pig = ṁig · cp · T , (85) wobei cp die Wärmekapazität des zu zündenden Gemisches ist, nahe bei cp = 3 × 103 J kg−1 K−1 (Standardbedingungen), T der Temperaturanstieg ist, der erforderlich ist, um die Zündung zu erreichen (≈ 1000 K), und ṁig (kg s−1) der Massenfluss frischer Gase ist, der zum Zeitpunkt der Zündung benötigt wird (stark abhängig von der Zündsequenz). Die Größe ṁig ist der am schwierigsten zu schätzende Faktor, aber insbesondere für das hier betrachtete Beispiel kann man sicher annehmen, (i) dass die Gesamtmassenflussrate während der Zündung nur ein kleiner Bruchteil der stationären
Wasserstoffzündung und Sicherheit 239 Massenflussrate ist, da der Druck in der Brennkammer bei der Zündung nahe bei 1 bar liegt (während das Triebwerk für den Betrieb bei 60 bar ausgelegt ist), und (ii) dass nur ein Bruchteil der Injektoren (diejenigen in der Nähe des Zünderauslasses) gezündet werden muss, da die restlichen Injektoren anschließend durch Flammenausbreitung zünden. Wenn man annimmt, dass die Durchflussrate bei der Zündung 1/60 der stationären Durchflussrate beträgt (der Zünddruck ist um den Faktor 60 niedriger) und dass das Zünden von 20 % der Injektoren ausreicht, um eine gute Zündung zu erreichen, erhält man 400 kW, ein Ergebnis, das nahe bei dem in frühen Entwicklungsberichten angegebenen Wert von 440 kW liegt [142]. Das soeben Beschriebene ist eine stark vereinfachte Regel, die mit großer Vorsicht zu befolgen ist; die erfolgreiche Zündung eines komplexen Systems umfasst unzählige Parameter. Siehe [143] für eine klassische Zündsequenz einer Ringbrennkammer. Sobald die Massenflussrate der verbrannten Gase des Zünders (oder äquivalent die thermische Leistung des Zünders) bekannt ist, kann die Zündung durch eine der in einem folgenden Abschnitt aufgelisteten Techniken erreicht werden. 4.3.2 Zusätzliche Schritte zur Verbesserung der Zünderspezifikation Direkte numerische Simulationen (DNS) können hochrelevante Informationen über die Zündungseigenschaften einer Brennkammer liefern. Zum Beispiel untersuchten Carpio et al. [144] den kritischen Radius eines verbrannten Gasstrahls, der in frische Gase austritt und für eine erfolgreiche Zündung erforderlich ist (was von den lokalen Bedingungen, der Geschwindigkeit der verbrannten Gase und der lokalen Reynolds-Zahl abhängt). Die Large-Eddy-Simulation (LES) ist ebenfalls ein sehr wertvolles Werkzeug zur Entschlüsselung der Dynamik der Zündsequenz, wie die Fülle von Artikeln zu diesem Thema nahelegt (siehe z. B. [143, 145]). Die in Abschn. 5.4 vorgestellten Methoden zur Erkennung potenzieller H2 Zündungen basierend auf Kaltflusssimulationen können ebenfalls nützlich sein, um eine Schätzung der Eigenschaften des Flusses zu erhalten, der während des Übergangsprozesses für die Zündung erforderlich ist. Andere Studien [146–149] gehen einen Schritt weiter und analysieren die Historien der Zündkerne, um die Wahrscheinlichkeit des Zündungserfolgs (oder alternativ die Wahrscheinlichkeit des Erlöschens des Zündkerns) zu bewerten. 4.4 Eine Liste von Zündtechnologien Die nachstehende Liste ist nicht erschöpfend, deckt jedoch die gängigsten Alternativen ab.
240 P. Boivin et al. 4.4.1 Pyrotechnische Zündung Bei dieser Strategie wird ein kleiner Feststofftreibstoff gezündet und verbrannt, wobei seine Abgase in die Brennkammer in der Nähe der Injektoren geleitet werden. Diese Art von Zündvorrichtung wird im derzeit auf der Ariane V fliegenden Vulcain 2-Triebwerk eingesetzt [150]. Sie ist sehr robust, hat jedoch den Nachteil, dass sie eine Einwegmethode ist (obwohl in einigen Fällen mehrere Feststoffladungen enthalten sind). 4.4.2 Glühkerzenzündung Eine Glühkerze, ähnlich der in Dieselmotoren, kann ebenfalls zur Zündung verwendet werden [151]. Sie kann die Temperatur für einige Sekunden in den Bereich von 1000–1200 K erhöhen, was ausreicht, um Zündtemperaturen zu erreichen, wenn der Brennstoff/Oxidator-Massenfluss klein genug und gut genug kontrolliert ist. Das System ist einfach, erfordert jedoch ein elektrisches System. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Aufheizen auf die Zieltemperatur 10 s dauern kann, was für sehr zeitkritische Zündsequenzen zu lang wäre, wenn Variabilität wichtig ist. Das Aufheizen und Übertragen der Wärme auf das Gemisch ist nicht sofort und weniger kontrollierbar als das Aufheizen durch Zündkerzen. 4.4.3 Zündkerzenzündung Zündkerzen sind in der Zeitsteuerung präziser als Glühkerzen, da ihre Energieabgabe von einem elektrischen Lichtbogen stammt, der schnell ist. Diese bekannte Technologie ist sehr verbreitet; sie wird in den meisten Benzinmotoren und Flugzeugtriebwerken verwendet und war auch die Strategie für das frühere Space-Shuttle-Haupttriebwerk. In der Literatur gibt es mehrere Methoden zur Modellierung der Energieabgabe durch Zündkerzen [152, 153]. 4.4.4 Laserzündung Ein Laser kann fokussiert werden, um die Energie abzugeben, die erforderlich ist, um eine Zündung in einer gut durchmischten Brennstoff-Oxidator-Region zu erzeugen. Die Laserzündung bietet mehrere Vorteile gegenüber Zündkerzen- und Glühkerzensystemen [154], insbesondere die extrem präzise Zeitsteuerung, die sie erreichen kann. Der Laser kann leichter auf einen bestimmten Bereich fokussiert werden (im Gegensatz zu Glühkerzen und Zündkerzen, die typischerweise nahe an einer Wand sind). Laser können auch magerere Zündungen erzeugen [155], was eine frühere und sanftere Zündung in der Sequenz ermöglicht. Anders als bei Glühkerzen und Zündkerzen gibt es keine Erosion im Laufe der Zeit, aber das
Wasserstoffzündung und Sicherheit 241 optische System erfordert Wartung. Es gibt mehrere Modelle für LaserenergieAbgabeprozesse [28, 156]. 4.4.5 Hypergole Zündung Es gibt Treibstoffkombinationen, bei denen eine hypergole Zündung erreicht werden kann [157]. Die bekannteste ist wahrscheinlich Stickstofftetroxid N2 O4 mit Hydrazin N2 H4 (und deren Derivate), die als Haupttreibstoffe eine Reihe von Raketen antrieben, z. B. das Viking-Triebwerk der Ariane IV. Da diese Verbindungen direkt bei Kontakt reagieren, benötigen sie keine externe Energie zur Zündung (wodurch der Bedarf an einem Zünder vollständig entfällt), aber sie neigen dazu, extrem flüchtig, giftig, korrosiv und krebserregend zu sein, was schwerwiegende Nachteile sind, obwohl die Forschung zur Verwendung weniger giftiger Verbindungen zu demselben Zweck ein aktives Forschungsthema ist [158, 159]. 4.4.6 Akustische Zündung Ein akustischer Resonator kann verwendet werden, um eine Zündung ohne elektrische Initiierung zu erreichen [160]. Das Entfernen des elektrischen Systems, das für Glühkerzen oder Zündkerzen benötigt wird, macht den Zünder nicht nur leichter und kompakter, sondern auch robuster gegenüber Ausfallszenarien. Der akustische Generator zur Zündung, erstmals 1927 berichtet [162], wurde weiter auf Wärmeflüsse in sogenannten Hartmann-Sprenger (HS)-Rohren ausgeweitet, nach dem in Abb. 33 beschriebenen Prinzip. Frühe Studien [163, 164] zeigen, dass ein Mach-2-Strahl Helium in etwa 0,2 ms auf 900 K erhitzen kann, wobei ein relativ kurzes (1 cm) Rohr verwendet wird. Ein deutlicher Vorteil dieser Technik ist, dass nur ein moderater Überdruck (einige Bar) erforderlich ist, um den kleinen unterexpandierten Strahl zu erzeugen, der benötigt wird. Theoretische Beschreibungen des Zündmechanismus existieren, sind jedoch selten [165], mit nur mäßiger Übereinstimmung zwischen Theorie und Experimenten. Es Abb. 33 Prinzip-Skizze des Hartmann-Sprenger (HS)-Rohrs, aus [161]. 1-Gasstrahlgrenze, 2-schräger Stoß, 3-Mach-Scheibe, 4-reflektierter Stoß, 5-Grenze der inneren Unterschallzone Düse Resonanzrohr Heizzone
242 P. Boivin et al. gibt auch experimentelle [161, 166] und numerische [167, 168] Studien, aber es gibt eine deutliche Lücke, die theoretisch zu füllen ist. Insbesondere scheinen die Beziehungen zwischen der erreichten Höchsttemperatur, der Position der MachScheibe und dem erzeugenden Druck unklar zu sein. 5 Wie man nicht zündet: Anwendung auf Sicherheitsfragen Im Prozess des Übergangs zur weitverbreiteten Nutzung von H2 als primärer Brennstoff ist ein zentrales Thema die H2 Lagerung und Sicherheit. H2 ist eines der flüchtigsten Gase, daher stellt sich nicht die Frage „ob ein bestimmtes System undicht wird“, sondern „wie viel es undicht wird“. In diesem Zusammenhang ist die Frage der potenziellen gefährlichen Zündung zentral. Feuerungsanlagen enthalten Bereiche mit Heißgasumgebungen oder heißen festen Teilen, und die Risikobewertung in diesen Bereichen ist besonders knifflig. Zum Beispiel verwenden die meisten kryogenen H2–O2 Raketentriebwerke He umfangreich als Verdünnungsmittel, wo immer Brennstoff und Oxidationsmittel zusammenkommen können. Die Wahl von He wird durch die extremen (kryogenen) Temperaturen – so niedrig wie 22 K in der Nähe von flüssigem H2 – unter denen die meisten anderen klassischen Verdünnungsmittel (z. B. N2) in fester Form vorliegen, diktiert. He ist jedoch eine sehr teure Flüssigkeit, weshalb sie nur selten verwendet wird. 5.1 Ein einfaches Faustregel-Beispiel Die Zufuhrsysteme einer Wasserstoff-Wärmekraftmaschine müssen den Druck des Wasserstoffs in den Leitungen auf einen Wert nahe dem Kammerdruck pc erhöhen. Das Drucksystem wird daher wahrscheinlich H2 Lecks entwickeln, manchmal in einer Oxidatorumgebung. Ein erster Ansatz zur Lösung dieses Problems besteht darin, die charakteristischen Zeiten des Systems zu bewerten, z. B. Schätzungen basierend auf mittleren Strömungsgeschwindigkeiten oder Temperaturverteilungen an heißen Wänden vorzunehmen und diese Zeiten mit der Verzweigungszeit zu vergleichen, die in (28) erscheint. Wenn die Verzweigungszeit einer der charakteristischen Zeiten des Systems zu nahe kommt, besteht ein Sicherheitsrisiko, das zu einer Explosionsgefahr führt. Dies kann auf verschiedene Weise vermieden werden: • die Temperatur der heißen Umgebung senken (z. B. durch Kühlung der Wände), • die Abweichung von den stöchiometrischen Bedingungen erhöhen �ϕ − 1�, um die Reaktivität zu verringern,
Wasserstoffzündung und Sicherheit 243 • eine Inertgaszufuhr verwenden, um die Umgebung zu verdünnen und dadurch die charakteristischen Verzweigungszeiten zu erhöhen. Wenn die Konfiguration komplex und weit von den in der Literatur verfügbaren kanonischen Fällen entfernt ist, ist es möglich, auf numerische Simulationen zurückzugreifen, wobei die unten identifizierten numerischen Werkzeuge verwendet werden. Der Rückgriff auf numerische Methoden der numerischen Strömungsmechanik (CFD) kann sehr hilfreich sein, wenn sie nicht zu teuer oder zeitaufwendig sind. 5.2 Ein rechnerisches Beispiel: Die Cabra H2 Jet-Flamme Die in diesem Abschnitt zu gebenden Illustrationen werden durch Nachbearbeitung einer numerischen Simulation der turbulenten angehobenen H2 Flammenstrahl gewonnen, die experimentell von Cabra et al. [169] untersucht wurde, wie in Abb. 34 skizziert. Dieser Testfall wurde aufgrund seiner engen Übereinstimmung mit Sicherheitsszenarien ausgewählt; die experimentelle Anordnung erinnert deutlich an ein Wasserstoffleck in einer heißen Umgebung. Es besteht aus einem 300 K H2 Strahl, der mit Mach 0,3 in einen Mantelstrom mit einer Temperatur, die etwas höher als die Crossover-Temperatur ist, ausgestoßen wird. Aufgrund der Nähe der Mantelstromtemperatur zur Crossover-Temperatur erfolgt die Zündung weit stromabwärts vom Injektor, mit einer charakteristischen Zeit, die daher vergleichbar mit der Konvektionszeit ist, wie in Abschn. 3.4. Chengs Flamme [170] könnte ein weiteres gültiges Beispiel sein; mit einer Aus- Abb. 34 Experimenteller Aufbau der Strahlkonfiguration und Flammenstruktur von Cabra et al. [169] Angehobene Jetflamme Mantelströmung bestehend aus heißem Abgas Scherschicht Luft Coflow Jet Luft Coflow
P. Boivin et al. 244 trittsgeschwindigkeit von Mach 2 würde es einem Leck aus einem Hochdruck-H2 Tank ähneln. Die hier verwendete Simulation wurde mit der ProLB-Software [171] nach dem in [172–174] vorgestellten Ansatz durchgeführt. Die behandelten Bedingungen sind in Tab. 7 aufgeführt, und Abb. 35 zeigt die Simulationsergebnisse zusammen mit einem Vergleich der experimentellen und numerischen Temperaturprofile entlang der Zentralachse, wobei letztere eine hervorragende Übereinstimmung im Einströmbereich (bis zu 15 Durchmesser), dem für diesen Abschnitt interessanten Bereich, zeigen, während die Temperaturüberschätzung weiter stromabwärts, die hier nicht von Interesse ist, auf die implizite Modellierung, d. h. das Fehlen eines turbulenten Verbrennungsmodells, zurückzuführen ist. Für einen umfassenderen Test der Simulation wird der Leser auf [175] verwiesen. Zur Darstellung der Simulationsergebnisse in der oberen Abbildung wird das sogenannte Q-Kriterium verwendet, das in Anhang 2 erläutert wird. Entlang der Oberfläche , , , , Temperatur (K) 1800 Aktuelle Simulation Cabra et al. 1400 1000 600 200 0 5 10 15 20 25 30 35 40 z/D Abb. 35 Oben: Momentane Q-Kriterium [176] Isoflächen, die nach Temperatur und IsoKonturen des H-Radikal-Massenanteils gefärbt sind, wobei die höchsten Werte das Vorhandensein von Selbstzündung anzeigen (hellgrau). Unten: Temperaturprofile entlang der Mittellinie, wie sie numerisch (gestrichelte Linie) und experimentell (Symbole) erhalten wurden
Wasserstoffzündung und Sicherheit Tab. 7 Einlassbedingungen für die Strahlflamme [169] D (mm) T (K) U (m/s) Re XH2 XO2 XN2 XH2 O 245 Zentralstrahl 4,57 305 107 23 600 0,2537 0,0 0,7427 0,0 Mitschwingender Strahl 210 1045 3,5 18 600 0,0 0,0989 0,7534 0,1474 des ausgewählten Q-Wertes, der Wirbel im turbulenten Strömungsfeld identifiziert, wird die Temperatur von blau für die kalten Eintrittsgase bis rot für heiß in dem Bereich, in dem die Zündung erfolgt, farbcodiert, und zusätzlich wird die H-Atom-Konzentration mit zunehmenden Grautönen codiert, die zunehmende Konzentrationen markieren, die die Reaktionszonen lokalisieren. 5.3 Nachbearbeitung Die Nachbearbeitung der numerischen Simulation wird durchgeführt, um Bereiche zu identifizieren, in denen Selbstzündung auftritt, indem nacheinander identifiziert wird: 1. wo sich das Gemisch entzünden kann, z. B. wo es am reaktivsten ist. 2. wo sich das Gemisch entzündet (innerhalb der reaktiven Zonen). 5.3.1  HO2 als Selbstzündungsindikator Das Hydroperoxyl-Radikal HO2 erreicht typischerweise seine Spitzenkonzentration in Bereichen, in denen eine Zündung stattfindet, und wurde daher ausgiebig zur Erkennung und Visualisierung von Selbstzündung in angehobenen Flammen verwendet [177–179]. Allerdings erreicht HO2 auch Spitzenwerte in entzündeten Gemischen in der Nähe der brennstoffreichen Reaktionszonen von Flammen [180]. Darüber hinaus ändert sich seine Konzentration während der Selbstzündungsprozesse drastisch mit den lokalen Bedingungen, was die Erkennung bestimmter Selbstzündungsstellen erschweren kann, wenn mehrere lokale Maxima (im HO2-Niveau) gleichzeitig vorhanden sind. Nichtsdestotrotz kann HO2 für eine erste Annäherung zur Erkennung von Selbstzündung verwendet werden, wie in Abb. 36 veranschaulicht. Der Vergleich mit der in der vorherigen Abbildung gezeigten Simulation zeigt, dass dies eine deutlich aufschlussreichere und robustere Darstellung der Zündungsbereiche bietet als beispielsweise die Farbkennzeichnung der Temperatur.
Abb. 36 Abgehobene Flamme HO2 Volumenrendering (gefärbt mit HO2 Massenanteil) in der Cabra-Flammen-Simulation. Stromabwärts, Temperatur-Isokontur bei 1600K in Grau, die die Flamme identifiziert , , , , , 246 P. Boivin et al.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 247 , , Abb. 37 Momentaufnahme von , der Reaktivität der Mischung 5.3.2 Reaktivität Wie im Abschnitt zur Zündschichtmischung 3.4 beschrieben, sollte die Zündung an der reaktivsten Stelle erfolgen, z. B. dort, wo die Verzweigungszeit (∼−1) am kürzesten ist. Solche Bereiche können leicht identifiziert werden, indem  (42) aus den Eigenschaften der Mischungen im gesamten Bereich berechnet wird. Abb. 37 zeigt eine Momentaufnahme der instationären  Wert, der in der simulierten Cabra-Flamme erhalten wurde. Da  nur von der lokalen Temperatur und den Konzentrationen CH2 und CO2 abhängt und diese Größen sich während der Eindüsung kaum ändern, ist  entlang der reaktivsten Mischlinie ungefähr konstant, was die Reaktivität, aber nicht das tatsächliche Auftreten der Zündung markiert. Die Selbstzündung erfolgt entlang dieser Linie nach ausreichender Anhäufung von HO2 Radikalen, die durch eine geeignete Variable identifiziert werden können, wie im nächsten Abschnitt dargestellt. 5.3.3 Fortschritt der Selbstzündung/Selbstzündungsindex Um Regionen zu identifizieren, in denen tatsächlich eine Selbstzündung auftritt, ist es zweckmäßig, einen HO2 stationären Parameter [138, 177, 181], auch als Selbstzündungsindex bezeichnet [179] AI = P D − ω̇HO ω̇HO 2 2 , P D ω̇HO2 + ω̇HO 2 (86) P D einzuführen, wobei ω̇HO2 die Netto-HO2 Produktionsrate in ω̇HO und ω̇HO auf2 2 geteilt wurde, nämlich die Produktions- und Zerstörungsraten. Abb. 38 zeigt die Entwicklung von , der Temperatur und ausgewählter Molekularfraktionen in einem isobaren, adiabatischen, homogenen Reaktor mit Anfangsbedingungen p = 1 atm, T = 1200 K, ϕ = 1, was bestätigt, dass, wie in Abschn. 2 hervorgehoben, die Konzentration von H2, O2 und H2 O, sowie die Temperatur und damit die Reaktivität  während des Induktionsprozesses konstant bleiben.
P. Boivin et al. 248 Der chemische stationäre Parameter AI, der in (86) definiert ist, wurde ursprünglich in [177] eingeführt und später in [18] verwendet, um Selbstzündung zu erkennen und das Verhalten eines 3-Stufen-Reduktionsmechanismus für die Wasserstoffverbrennung zu korrigieren. Die Entwicklung von AI während der Selbstzündung im homogenen Reaktor ist im unteren Diagramm von Abb. 38 enthalten. Anfangs kann HO2 von keinem der Reaktanten verbraucht werden D = 0), und es bleibt definitionsgemäß während dieser Phase gleich eins. (ω̇HO 2 Wenn sich HO2-Radikale ansammeln, nimmt es ab und erreicht 0, wenn die HO2 -Konzentration ihren stationären Zustand erreicht, eine Bedingung, die bereits in Abschn. 2 identifiziert und zur Ableitung der analytischen Verzweigungszeit (45) verwendet wurde. Es ist daher vernünftig, die Selbstzündungszeitraum als den Zeitraum zu identifizieren, in der HO2 sich dem stationären Zustand nähert, das heißt, wenn AI abnimmt. In Abb. 38 ist ein schattierter Bereich zwischen AImax = 0.95 und AImin = 0.05 enthalten, um zu zeigen, dass diese beiden Werte als Grenzen des Selbstzündungsbereichs gewählt werden können. Angesichts der Variationen von AI (siehe Abb. 38) hängt das Kriterium sehr wenig von der Wahl AImin ab, vorausgesetzt, es ist ausreichend klein (siehe auch [18]). Der Wert von AImax ist jedoch entscheidend für die Definition des Kriteriums; er muss klein genug sein, um unempfindlich gegenüber numerischen Instabilitäten zu sein, aber groß genug, , , Massenanteil Massenanteil , , , , , , , Temperatur (K) Selbstzündungsindikator Abb. 38 Entwicklung der Molekularfraktionen der Hauptspezies (oben), von H und HO2 Radikalen (Mitte), Reaktivität  und Selbstzündungsindex AI (unten) sowie Temperatur (volle Höhe) während der isobaren homogenen Selbstzündung. Grenzen der schattierten Bereiche bei AI = 0,95 und 0,05 , , , , Zeit (s)
Wasserstoffzündung und Sicherheit 249 , , Abb. 39 Nachbearbeitete Cabra-Flamme, Volumenrendering entsprechend 0.05 < AI < 0.95 gefärbt mit . In Grau stromabwärts, Temperaturisofläche bei T = 1600 K um den Induktionsbereich zu erfassen. Eine Abbildung im nächsten Unterabschnitt deutet darauf hin, dass AImax = 0.95 eine gute Wahl ist.6 Es sei darauf hingewiesen, dass dieser Parameter auch für Kohlenwasserstoffe definiert werden kann, wobei in der Literatur mehrere Definitionen verfügbar sind. Zum Beispiel definieren Schultz et al. [179] AI aus dem Wettbewerb zwischen den Raten 10 und 12 im detaillierten Mechanismus von Tab. 1. 5.3.4 Identifizierung von Selbstzündungsregionen Während die Stabilisierung einer turbulenten abgehobenen Flamme durch Selbstzündung komplexer ist als der homogene Fall in Abb. 38, gilt die zugrunde liegende Idee weiterhin in reaktiven vorgeheizten turbulenten Gemischen, und Isoflächen mit AI = 0.05 und 0,95 bleiben eine effiziente Methode, um die Selbstzündungsregion sowohl qualitativ als auch quantitativ zu identifizieren. Abb. 39 stellt in der Mitte einen Bereich dar, der 0.05 < AI < 0.95 in der Symmetrieebene entspricht, wobei die linken und rechten Seiten die Isoflächen von AI = 0,05 bzw. 0,95 sind. Dieser Bereich ist mit der Reaktivität  gefärbt, die aus einer momentanen Lösung berechnet wurde. Als Referenz ist auch eine graue Temperaturisofläche bei T=1600 K dargestellt, die die Bereiche des verbrannten Gases begrenzt. Zu Visualisierungszwecken wurden die AI-Isoflächen hier auf sehr reaktive Gemische beschränkt, indem Punkte, bei denen  kleiner als ein Drittel seines Maximalwertes ist, willkürlich eliminiert wurden. Das Volumen, das 0.05 < α < 0.95 entspricht und gut von den verbrannten Gasen getrennt ist, kann dann mit Selbstzündungskernen in Verbindung gebracht werden. Eine weitere Untersuchung dieser Zündungsregion zeigt, dass sie Taschen von verbrannten 6 Dieser gleiche Wert wurde auch bei der Nachbearbeitung der Überschall-H2-Luftflamme in [181] verwendet.
250 P. Boivin et al. Gasen enthält, von denen einige in Abb. 39 sichtbar sind, aber der Vergleich der verbrannten Gasregion und der Selbstzündungsregion in Abb. 39 mit der HO2 -Region und der folgenden Flamme in Abb. 36 zeigt die Wirksamkeit der Methode als Identifikator für Selbstzündung. 5.3.5 Alternative Methoden Die computergestützte singuläre Störung (CSP) [182, 183] lieferte die erforderlichen Werkzeuge, die die Identifizierung Zeitskalen von Explosionen ermöglichen [184]. Diese Werkzeuge wurden in die chemische Explosionsmodus-Analyse (CEMA) [180, 183] integriert, sodass die Dynamiken von Explosionen derzeit sowohl durch CSP als auch durch CEMA analysiert werden. Wenn die CSPBasisvektoren durch die Eigenvektoren des chemischen Jacobians angenähert werden, ähnelt der Ansatz dem hier vorgestellten. Als algorithmische Methode wurde sie auf eine Reihe verschiedener chemisch-kinetischer Schemata angewendet, reduziert sich jedoch auf A (25) im Induktionsbereich für die hier behandelte Chemie, sodass die schnellste durch CSP/CEMA identifizierte explosive Zeitskala genau  (42) [185] entspricht. Da sie im Fall von H2 und H2-CO-Mischungen vollständig explizit ist [17], könnte die oben diskutierte Methode daher einfacher zu verwenden sein. Formulierungen für Methan und Decan existieren ebenfalls [185]. 5.4 A Priori Vorhersage von gefährlicher Zündung aus Kaltströmungssimulationen Informationen, die den oben dargestellten ähneln und aus Reaktionsströmungssimulationen extrahiert wurden, können auch aus Kaltströmungssimulationen gewonnen werden. Die rechnerischen Einsparungen bei Kaltströmungssimulationen sind im Vergleich zu reaktiven Simulationen in jedem gegebenen Strömungsfeld aus mehreren Gründen erheblich: • Erhaltungsgleichungen nur für die eingedüste Spezies (H2, O2, N2) müssen berechnet werden. • Die chemische Zeitschrittbeschränkung wird aufgehoben, sodass nur noch die CFL- und Fourier-Zahlen als Beschränkungen verbleiben. • Es ist nicht erforderlich, Arrhenius-Reaktionsraten zu berechnen. Solche Vereinfachungen reduzieren typischerweise die Rechenkosten um 50–90 %, abhängig von der numerischen Methode (siehe z. B. [186, 187]) und den Details der Chemie-Integrationskosten.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 251 5.4.1 Formulierung Lassen Sie uns nun eine Zündverfolgungsvariable η definieren, als passiven Skalar, der die Menge der Zwischenprodukte während der Induktion repräsentiert. In der Praxis wird sie den Eigenvektor darstellen, der mit der explosivsten Zeitskala  assoziiert ist. Eine Transport-Diffusions-Reaktions-Gleichung wird verwendet, um die zeitliche Entwicklung des passiven Skalaren zu beschreiben als   ∂η ∂ ∂η ∂η + uα = Dη + ω̇η ∂t ∂xα ∂xα ∂xα (87) um potenzielle Verluste des Radikalpools η durch Konvektion/Diffusion zu berücksichtigen, mit unten definierten Quellen- und Diffusionstermen. Es wurde in Abschn. 2 gezeigt, dass das Wachstum des Radikalpools mit einer Rate der Form C + ǫ verbunden ist. In (87) hat η die Einheiten eines Massenanteils (dimensionslos), sodass der entsprechende Quellterm für (87) lautet ω̇η = η + ǫη , (88) wobei ǫη = Wη ω5 /ρ eingeführt wird, um die richtigen Dimensionen zu erhalten. Schließlich können der Diffusionskoeffizient in (87) und das Molekulargewicht Wη entsprechend der Zusammensetzung des Radikalpools festgelegt werden (Abb. 6). Im Folgenden, Wη = WH und Dη = DH, da H die wichtigste Zwischenart für die Cabra-Flamme ist. Der Skalar ist passiv in dem Sinne, dass er nicht in die Massen- oder Energiebilanz eingeht und nur die Rolle einer Tracervariablen spielt. Da er vollständig von der Strömung entkoppelt ist, wird er die numerische Stabilität der Berechnung überhaupt nicht beeinflussen. Zu guter Letzt macht seine rein exponentielle Form es einfach, ihn exponentiell zu integrieren [188], was eine genaue Beschreibung der Induktion mit nur wenigen Integrationspunkten ermöglicht. Da der Produktionsterm lokal genau der Produktion entspricht, die dem lokalen ZündEigenmodus entspricht (siehe Abb. 5), ist es leicht zu erkennen, dass η genau die Entwicklung des Radikalpool-Wachstums beschreiben wird. Insbesondere, sobald ein geeigneter Zündschwellenwert ηig definiert ist, z. B. aus dem Massenanteil des limitierenden Reaktanten als ηig = min(YH0 2 , YO0 2 /8)/1000, (89) wird in [175] gezeigt, dass: • die Zeit, die η benötigt, um ηig in einem homogenen Reaktor zu erreichen, sehr genau der Zündverzugszeit entspricht, die mit detaillierter Chemie erhalten wurde (wie in Abb. 2). • das Gleiche gilt für den Zündverlauf in zeitlich oder räumlich sich entwickelnden Mischungsschichten (die in Abschn. 3.4 untersuchte Konfiguration).
P. Boivin et al. 252 , , , , Abb. 40 Momentane Iso-Flächen des Q-Kriteriums, eingefärbt nach Temperatur. Iso-Konturen des passiven Skalars in der Abbildung zeigen die Vorhersage der Selbstzündung an Abb. 40 zeigt die Entwicklung des passiven Skalars für die Kaltflusssimulation, die der in Abb. 35 dargestellten reaktiven Simulation entspricht. Isoflächen des Q-Kriteriums [176] zeigen, dass die Strömungsstruktur der der reaktiven Simulation ähnelt, bei der die Strömung am Einlass turbulent wird. Konturen des passiven Skalars werden bis zu den Selbstzündkriterien ηig mit einer transparenten grauen Farbe dargestellt. Beachten Sie, dass, da alle radikalen Massenanteile mit der gleichen charakteristischen Zeit −1 während der Verzweigung wachsen, dasselbe für η gilt, das sich sehr ähnlich wie H verhält (siehe Abb. 35), das dominierende Radikal bei den lokalen Temperatur-/Druckbedingungen (siehe Abb. 6). Um weiter zu analysieren, ob die Selbstzündungsdistanz korrekt durch η vorhergesagt wird, werden zweidimensionale Querschnitte des momentanen und mittleren Strömungsfeldes in Abb. 41 gezeigt. In jedem Diagramm entspricht die obere Hälfte der Kaltströmungssimulation (mit der weißen Linie, die η = ηig markiert), und die untere Hälfte den reaktiven Strömungen (mit der weißen Linie, die YOH = 6 × 10−4 entspricht und die Flamme markiert). Die weißen Linien zeigen ein Flammenabheben nahe z/D =10, in hervorragender Übereinstimmung mit dem Experiment. 5.4.2 Ein prädiktives Modell für Zündung Um weiter zu testen, wie genau die Kaltströmungsberechnungen reaktive Ergebnisse reproduzieren können, werden Berechnungen mit einer Temperatur der Mantelströmung von 1025 bis 1055 K durchgeführt. Wie erwartet, ist das Flammenverhalten extrem empfindlich gegenüber der Temperatur der Mantelströmung [189, 190]. Bei 1045 K (der experimentellen Temperatur) beträgt die Abhebehöhe etwa 10 D. Eine Verringerung der Temperatur der Mantel-
Wasserstoffzündung und Sicherheit 253 milere milere , , , Abb. 41 Temperatur (oben) und η (unten) Konturen für die Kaltströmungssimulation, a im Vergleich zur reaktiven Simulation. b Die Selbstzündungsbedingung (η = YH0 2 /1000) wird durch weiße Linienkonturen für nicht-reaktive Berechnungen und für YOH = 6 × 10−4 wie aus der reaktiven Simulation entnommen [175]. Momentane Größen sind in der linken Spalte dargestellt, während mittlere Größen in der rechten Spalte zu sehen sind 18 Reaktiv Nicht reaktiv 16 HAufzug /D Abb. 42 Der Effekt der Temperatur der Mantelströmung Tco auf die Abhebehöhe, normalisiert durch den Strahldurchmesser. Vergleich zwischen den Ergebnissen der reaktiven Simulationen und den Vorhersagen, die aus der kostensparenden passiven SkalarKaltströmungsformulierung gewonnen wurden 14 12 10 8 Keine Zündung 6 1015 Zündung 1025 1035 1045 1055 Vorlauftemperatur (K) strömung um 15 K erhöht die Abhebehöhe auf 16 D, und bei einer Verringerung um nur 20 K zündet der Strahl nicht mehr. Abb. 42 zeigt Ergebnisse sowohl für Heißströmungs- als auch für Kaltströmungssimulationen und demonstriert eine hervorragende Übereinstimmung, selbst bei der Vorhersage des Ausbleibens der Zündung, wobei η niemals ηig erreicht. Andere Berechnungsmethoden wurden ebenfalls verwendet, um Zündungskerne basierend auf LES-Simulationen zu verfolgen [146–149], aber sie konzentrieren sich mehr auf die Fähigkeit eines Kohlenwasserstoff-Wärmekraftmaschinen, eine erfolgreiche Zündung aufrechtzuerhalten (z. B. ohne Abbruch) als
254 P. Boivin et al. auf die Erkennung der ersten Zündungskerne. Da H2 weniger anfällig für Abbruch ist, sobald es über der zweiten Explosionsgrenze liegt, könnte das hier vorgestellte Modell ausreichend sein. 6 Schlussfolgerungen und Perspektiven Der Weg zur breiten Nutzung von H2 Wärmekraftmaschinen von morgen ist mit technologischen und wissenschaftlichen Herausforderungen gepflastert. Glücklicherweise hat die wissenschaftliche Gemeinschaft, obwohl Kohlenwasserstoffe in den letzten 80 Jahren der am weitesten verbreitete Brennstoff waren – mit der bemerkenswerten Ausnahme des Raketenantriebs – die Untersuchung der Wasserstoffverbrennung sicherlich nicht vernachlässigt und uns damit eine reichhaltige Literatur zu diesem Thema hinterlassen. Wichtige Quellen der Schwierigkeit bei der Entwicklung von H2 Wärmekraftmaschinen sind die H2 Entflammbarkeits- und Explosionsgrenzen, die viel weiter sind als die herkömmlicher Kohlenwasserstoffe. Es wurde jedoch in diesem Kapitel gezeigt, dass die verschiedenen Grenzverhalten von H2 eine einfachere Chemie als die herkömmlicher Brennstoffe beinhalten, was dazu führt, dass niedrigstufige analytische Ansätze für Wasserstoff verfügbar werden. Am wichtigsten für die Behandlung der Wasserstoffzündung und -sicherheit ist die zweite Explosionsgrenze [1], die eine grundlegende Eigenschaft der H2 Oxidation ist. Die erfolgreiche Beschreibung der zugrunde liegenden Kettenreaktionen brachte Semenov und Hinshelwood 1956 den Nobelpreis ein. Das Verhalten auf beiden Seiten dieser Grenze ist so unterschiedlich, dass eine Sprungfunktion bei der Crossover-Temperatur Tc oder die glatte Funktion α, definiert in Abschn. 2.3, ausreicht, um die meisten Grenzphänomene zu beschreiben. Insbesondere wurde in diesem Kapitel gesehen, dass Zündverzugszeiten (Abschn. 2), Explosionsgrenzen (Abschn. 3.1), Entflammbarkeitsgrenzen (Abschn. 3.2) und Detonationsgrenzen (Abschn. 3.3) alle eng mit der Crossover-Temperatur verbunden waren. Obwohl die H2 Oxidation ein wichtiger Teil jedes Kohlenwasserstoffoxidationsprozesses ist, ist der Übergang zwischen Niedertemperatur- und Hochtemperatur-Kohlenwasserstoffverbrennungsregimen nicht so klar (manchmal sogar mit negativen Temperaturkoeffizienten), was es schwieriger macht, diese Grenzen für Kohlenwasserstoffe richtig zu definieren. Dank des sehr steifen Verhaltens von H2 um die zweite Explosionsgrenze herum, kann die Zündkontrolle mit H2 leichter zu erreichen sein als mit herkömmlichen Kohlenwasserstoffen. Kohlenwasserstoffflammen verlöschen leicht, und Zündmodelle für sie müssen typischerweise die Zündkernverläufe berücksichtigen, um sicherzustellen, dass eine ausreichend vollständige Verbrennung erfolgt, sobald der Zünder ausgeschaltet wird. Mit solch außergewöhnlichen Entflammbarkeitsgrenzen ist es unwahrscheinlich, dass Wasserstoffwärmemotoren nach der Ablagerung der Zündenergie erlöschen, was die erforderlichen Zündmodelle während der Konstruktions- und Diagnoseuntersuchungen erheblich vereinfacht.
Wasserstoffzündung und Sicherheit 255 Wenn das Zünden einer thermischen Wasserstoffkraftmaschine a priori einfacher ist als das Zünden seines Kohlenwasserstoffgegenstücks, ist es viel komplexer, eine zündfreie Umgebung überall um der Kraftmaschine herum sicherzustellen. Das Austreten von H2 in eine potenziell heiße, oxidationsreiche Umgebung (z. B. das Abgas eines Motors, der für mageren Betrieb ausgelegt ist) kann katastrophal sein. H2 Flammen können sich auch durch extrem enge Spalten ausbreiten, in denen Kohlenwasserstoffe verlöschen und gelöscht werden würden. In Bezug auf die Vielzahl möglicher Zündstrategien ist die akustische Zündung attraktiv (siehe Abschn. 4.4), bleibt jedoch ein Phänomen, das nicht vollständig verstanden ist und daher weiterer Analyse bedarf. Es ist daher mehr Arbeit erforderlich, um prädiktive Modelle für Untersuchungen von Zünd- und Rückschlagschutzmaßnahmen in Konfigurationen zu erstellen, die für zukünftige H2 Wärmekraftmaschinen relevant sind. Dies gilt insbesondere unter Hochdruckbedingungen, bei denen weniger Experimente durchgeführt wurden und für die die kinetischen Raten nicht so gut etabliert sind. Es ist auch mehr Arbeit erforderlich, um Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit den (vielen) potenziellen Unfallszenarien anzugehen, einschließlich Kollision oder Explosion eines H2 Behälters (ob kryogen oder Hochdruck) oder Tankleerung in offener oder geschlossener Umgebung. Mischungszusammensetzungen beeinflussen die Induktions- oder Explosionszeiten erheblich, wobei es starke Schwankungen dieser Zeiten mit dem Äquivalenzverhältnis und dem Grad der Verdünnung gibt. Der Vergleich dieser Zeitskalen mit Konvektions-, Diffusions- und Wärmeleitungszeiten wird bei Zündungs-, Konstruktions- und Sicherheitsüberlegungen wichtig, und obwohl sie sich nicht in der Crossover-Temperatur widerspiegeln, werden sie im Reaktivitätsmaß  berücksichtigt, das in Abschn. 2.4 definiert ist. Eine explizite Formulierung für diese inverse charakteristische Verzweigungszeit ist verfügbar (Abschn. 2.6). Diese Formulierung wird im gesamten vorliegenden Kapitel verwendet und zeigt ihre Relevanz für Zündungsüberlegungen und sicherheitsrelevante Fragen. Insbesondere durch ihre Ableitung, die auf der Jacobian des chemischen Quellterms basiert, berücksichtigt die Formulierung nicht nur die Druck- und Temperaturabhängigkeit (wie Tc und α), sondern auch die Wirkung der lokalen Zusammensetzung (einschließlich potenzieller Verdünnung), was für die Erstellung von Zündwahrscheinlichkeitskarten unerlässlich ist, wie in Abschn. 5 gezeigt. Es gibt ein zunehmendes Interesse an der Verwendung von H2 zusammen mit anderen Brennstoffen. Dies erschwert Untersuchungen zur Zündung und Sicherheit, da zusätzliche chemisch-kinetische Schritte berücksichtigt werden müssen. In einigen Fällen können die bemerkenswert umfangreichen Reduktionen, die mit H2 letztendlich zu expliziten analytischen Beschreibungen führen (im Gegensatz zu dem, was für Kohlenwasserstoffe verfügbar ist), während dies in anderen Fällen wahrscheinlich nicht möglich sein wird. Zum Beispiel haben umfangreiche Studien zu Synthesegas-Brennstoffen gezeigt, dass erhebliche Reduktionen für die CO-Zugabe zu H2 möglich sind. Die Ersetzung von Methan durch Mischungen von H2 und NH3 für umweltfreundliche Gasturbinenanwendungen weckt Interesse
P. Boivin et al. 256 an der Chemie von Mischungen aus Wasserstoff und Ammoniak; mögliche Reduktionen für diese Chemie wurden noch nicht untersucht, sollten aber, da es durchaus möglich sein könnte, explizite Beschreibungen für die Entflammbarkeitseigenschaften (Zündungseigenschaften, Reaktivität und Entflammbarkeitsgrenzen) solcher Mischungen zu erhalten, die fast so einfach sind wie die für H2. Es könnte auch Interesse an anderen Zusätzen wie Ozon O3 und Wasserstoffperoxid H2 O2 geben, die möglicherweise nicht in so umfangreichem Maße reduziert werden können. Es ist viel mehr Forschung zu diesen Themen erforderlich. Danksagungen Der Hauptautor ist Antonio Sánchez, Carmen Jiménez und Forman Williams dafür verpflichtet, dass sie ihn in H2 Verbrennungs- und Sicherheitsforschung eingeführt haben. Er dankt auch seinen ehemaligen Kollegen von Snecma (jetzt ArianeGroup) und CNES dafür, dass sie ihm den besten Einblick in die Raketenzündung gegeben haben, den man sich nur wünschen kann. Schließlich dankt er seinen aktuellen industriellen Partnern für ihre Unterstützung und auch dafür, dass sie ein solches Interesse an H2 Verbrennung teilen. Anhang 1: QSSA Die quasi-stationäre Näherung (QSSA), die häufig zur Reduktion der Wasserstoffoxidationschemie verwendet wird, ist eine Vereinfachung, die auf die Beschreibung von Reaktionszwischenprodukten angewendet wird, wenn deren effektive Produktions- und Verbrauchszeiten viel kleiner sind als die entsprechenden Akkumulations- und Transportzeiten (durch Konvektion oder Diffusion). Unter diesen Bedingungen sind die Akkumulations-, Konvektionsund Diffusionstermen in der entsprechenden Erhaltungsgleichung viel kleiner als die chemischen Terme und können in der ersten Näherung vernachlässigt werden, wodurch die Gleichung des stationären Radikals auf ein Gleichgewicht zwischen chemischer Produktion und Verbrauch reduziert wird. Diese algebraische Gleichung ersetzt die entsprechende Differentialgleichung in der Strömungsfeldbeschreibung und reduziert somit die Ordnung des zu integrierenden Systems von Differentialgleichungen um eins. In vielen Fällen kann das chemische Gleichgewicht explizit für die Konzentration der stationären Spezies gelöst werden. Der Begriff „quasi-stationärer Zustand“ wurde in den ursprünglichen Entwicklungen geprägt, die sich mit transportlosen homogenen Systemen befassten, für die die Näherung darauf hinausläuft, die zeitliche Veränderung der gegebenen Zwischenarten zu vernachlässigen. Um die Näherung zu veranschaulichen, ist es von Interesse, ein einfaches chemisches System zu betrachten, das aus zwei elementaren unimolekularen Reaktionen besteht 1 2 A− →B− →C, (90) wobei A das Reaktant, B die Zwischenart und C das Produkt ist. Mit Ci die Konzentration der Spezies i und kj die Reaktionsgeschwindigkeitskonstante
Wasserstoffzündung und Sicherheit 257 der Reaktion j bezeichnet, sodass zum Beispiel k1 CA die Geschwindigkeit der Reaktion 1 ist, kann das entsprechende System homogener Bilanzgleichungen wie folgt geschrieben werden dCB = k1 CA − k2 CB , dt dCA = −k1 CA , dt and dCC = k2 CB , dt (91) um mit Anfangsbedingungen CA − C0 = CB = CC = 0 bei t = 0 integriert zu werden. Für die betrachteten unimolekularen Reaktionen haben die Kehrwerte der Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten die Dimensionen der Zeit. Wie in der ersten Gleichung von (91) zu sehen ist, stellt k1−1 die charakteristische Zeit für den Verbrauch des Reaktanten dar, das heißt, die charakteristische Zeit, die erforderlich ist, damit die Reaktantenkonzentration um einen Betrag in der Größenordnung ihres Anfangswertes abnimmt. Die stationäre Näherung für das Zwischenprodukt B ergibt sich, wenn die Reaktionsgeschwindigkeitskonstante k2 viel größer ist als k1. Um dies zu sehen, beachten Sie, dass zu Zeiten der Größenordnung k1−1 eine einfache Größenordnungsanalyse in der zweiten Gleichung von (91) CB∗ /(k1−1 ), C0 /(k1−1 ) und CB∗ /(k2−1 ) für die Akkumulations-, Produktions- und Verbrauchsraten des Zwischenprodukts B ergibt, wobei CB∗ seine unbekannte charakteristische Konzentration darstellt. Offensichtlich, wenn k2 ≫ k1 die Akkumulationsrate im Vergleich zur Verbrauchsrate vernachlässigbar klein wird und in der ersten Näherung vernachlässigt werden kann, so dass die entsprechende Gleichung für die Entwicklung von CB sich zu k1 CA − k2 CB = 0 reduziert. Die physikalische Interpretation ist, dass im Grenzfall k2 ≫ k1 die Verbrauchsrate von B so schnell ist, dass dieses Zwischenprodukt sofort nach seiner Entstehung verbraucht wird, ohne signifikante Akkumulation, was zu einer kleinen quasi-stationären Konzentration führt CB = k1 CA k2 (92) die sich langsam mit der Zeit ändert, während der Reaktant verbraucht wird. Beachten Sie, dass CB ≪ CA, weil k1 ≪ k2, was darauf hinweist, dass Zwischenprodukte im stationären Zustand in Konzentrationen erscheinen, die viel kleiner sind als die der Reaktanten. Diese Eigenschaft wird häufig in realistischen Berechnungen verwendet, um Radikale im stationären Zustand zu identifizieren. Die Lösung für k2 ≫ k1 reduziert sich daher auf die Integration von dCA = −k1 CA dt and dCC = k1 CA , dt (93) wobei die zweite Gleichung durch Einsetzen des stationären Ausdrucks (92) in die dritte Gleichung von (91) erhalten wird. Das reduzierte Problem (93) kann als das Ergebnis des äquivalenten chemisch-kinetischen Schemas k1 k2 A− →B− →C ⇐⇒ k1 A− →C, (94)
P. Boivin et al. 258 interpretiert werden, was darauf hinweist, dass im Grenzfall k2 ≫ k1 das System von zwei elementaren Reaktionen durch eine einzige übergeordnete „scheinbare“ Reaktion A → C mit einer Rate ersetzt wird, die gleich k1 CA ist. Die Integration von (93) mit Anfangsbedingungen CA − C0 = CC = 0 bei t = 0 ergibt CA = C0 e−k1 t , CC = C0 (1 − e−k1 t ). (95) Der Leser kann überprüfen, dass (92) und (95) die Grenzform der exakten Lösung des vollständigen Problems darstellen CA =C0 e−k1 t k1 (e−k1 t − e−k2 t ) CB =C0 k2 − k1  k1 e−k2 t − k2 e−k1 t  CC =C0 1 + k2 − k1 (96) im Grenzfall k2 ≫ k1 für t ≫ k2−1, während für kleine Zeiten t ∼ k2−1 die stationäre Lösung für CB nicht genau die in (96) angegebene darstellt. Diese Arten von Abweichungen finden sich auch typischerweise in Analysen realistischer chemischer Systeme, bei denen die stationäre Näherung für Kettenträger oft in den Anfangs- oder Endphasen einer Kettenreaktion ungenau ist [28], während derer Kettenträger relativ schnell durch das Überwiegen von Initiations- oder Abbruchsschritten produziert oder zerstört werden. Die Raten der Fortpflanzungsschritte übersteigen jedoch oft die der Initiation und Abbruch so stark während des größten Teils der Kettenreaktionen, dass die stationäre Näherung für den größten Teil der Reaktionsgeschichte ziemlich genau ist (d. h. für t ∼ k1−1 im oben analysierten einfachen Beispiel). Die Analyse realistischer chemisch-kinetischer Schemata ist im Allgemeinen erheblich komplizierter als die in diesem illustrativen Beispiel dargestellte, da es viele mögliche Reaktionswege gibt, die von den lokalen Bedingungen der Zusammensetzung und Temperatur abhängen. Die Ausdrücke für die Konzentrationen der stationären Spezies werden komplexer als (92) und oft können sie nicht in geschlossener expliziter Form ausgedrückt werden, sodass eine Kürzung, das heißt das Vernachlässigen bestimmter Terme ohne formale Begründung, erforderlich ist, um vor der Implementierung der reduzierten Kinetik eine zusätzliche Vereinfachung zu ermöglichen. Anhang 2: Q-Kriterium Das Q-Kriterium [176], das in der numerischen Strömungsmechanik (CFD) weit verbreitet definiert und verwendet wird, um turbulente Wirbelverteilungen in drei Dimensionen darzustellen, verwendet die Größe Q, die wie folgt definiert ist
Wasserstoffzündung und Sicherheit 259 Q= 1 (���2 − �S�2 ), 2 (97) wobei S und  der Verzerrungsraten- und der Wirbeltensor sind, �= 1 (∇u + ∇uT ), 2 (98) S= 1 (∇u − ∇uT ), 2 (99) Das Q-Kriterium betrachtet Bereiche, in denen die Wirbelstärke größer ist als die Streckungsrate, sodass Q > 0, als das Vorhandensein eines Wirbels. In Abbildungen wird die Oberfläche eines festen kleinen positiven Wertes von Q ausgewählt, und der Wert einer interessierenden Größe wird entlang dieser Oberfläche farblich beschichtet, um eine qualitative Visualisierung ihrer Variation im turbulenten Fluss zu ermöglichen. Literatur 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. Lewis B, Von Elbe G (1987) Combustion, flames and explosions of gases. Academic Press Poinsot T, Veynante D (2005) Theoretical and numerical combustion. RT Edwards, Inc. Williams F et al (2018). http://web.eng.ucsd.edu/mae/groups/combustion/mechanism.html Mével R, Javoy S, Lafosse F, Chaumeix N, Dupré G, Paillard CE (2009) Proc Combust Inst 32(1):359 Blanquart G, Pepiot-Desjardins P, Pitsch H (2009) Combust Flame 156(3):588 Smith GP, Golden DM, Frenklach M, Moriarty NW, Eiteneer B, Goldenberg M, Bowman CT, Hanson RK, Song S, Gardiner Jr WC et al (1999) Gas research institute. http://www. me.berkeley.edu/gri_mech Konnov AA (2008) Combust Flame 152(4):507 Wu Y, Panigrahy S, Sahu AB, Bariki C, Beeckmann J, Liang J, Mohamed AA, Dong S, Tang C, Pitsch H et al (2021) Combust Flame 226:229 Goodwin DG, Moffat HK, Speth RL (2017) Cantera: an object-oriented software toolkit for chemical kinetics, thermodynamics, and transport processes. http://www.cantera.org. Version 2.3.0 Asaba T, Gardiner Jr W, Stubbeman R (1965) Symposium (international) on combustion, vol 10. Elsevier, pp 295–302 Brokaw RS (1965) Symposium (international) on combustion, vol 10. Elsevier, pp 269–278 Treviño C (1991) Dynamics of deflagrations and reactive systems-flames, vol 131, p 19 Treviño C, Mendez F (1992) Proc Combust Inst 24(1):121 Treviño C, Liñán A (1994) Combustion in high-speed flows. Springer, pp 477–490 Del Alamo G, Williams F, Sanchez A (2004) Combust Sci Technol 176(10):1599 Boivin P, Sánchez AL, Williams FA (2012) Combust Flame 159(2):748 Boivin P, Sánchez A, Williams F (2017) Combust Flame 176:489 Boivin P, Jiménez C, Sánchez AL, Williams FA (2011) Proc Combust Inst 33(1):517 Kassel LS, Storch H (1935) J Am Chem Soc 57(4):672 Sánchez AL, Williams FA (2014) Progr Energy Combusti Sci 41:1 Vincenti WG, Kruger CH (1965) Introduction to physical gas dynamics, vol 246. Wiley, New York
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Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische Auswirkungen Wonsik Song, Francisco E. Hernández Pérez und Hong G. Im Zusammenfassung Wasserstoff weist besondere Brenneigenschaften auf, wie z. B. eine schnelle laminare und damit turbulente Flammengeschwindigkeit sowie eine breite Entflammbarkeitsgrenze. Aufgrund dieser Eigenschaften könnten die bestehenden numerischen Modelle, die z. B. für Erdgas oder Brennstoffe mit der Annahme einer einheitlichen Lewis-Zahl entwickelt wurden, eingeschränkt oder sogar unbrauchbar sein. Dieses Kapitel diskutiert die Modelle für turbulente Flammengeschwindigkeit und lokale Verschiebung der Geschwindigkeit von reinen mageren Wasserstoff-Vormischflammen, insbesondere für ein breites Spektrum an Turbulenzniveaus. Darüber hinaus wird die Vorhersagefähigkeit der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF)-Modellierung, die das weit verbreitete laminare Flammenkonzept für Reynolds-gemittelte Navier-Stokes (RANS) oder Large-Eddy-Simulation (LES)-Ansätze übernimmt, a priori anhand eines Satzes modernster direkter numerischer Simulationsdaten (DNS) bewertet. Die allgemeine Schlussfolgerung legt nahe, dass der Hauptturbulenzparameter, der die turbulente Flammengeschwindigkeit bestimmt, die Größe der energiereichsten Wirbel ist und nicht dimensionslose Zahlen wie Reynolds- (Re) oder KarlovitzZahlen (Ka). Die Modelle für die lokale Verschiebung der Geschwindigkeit legen ebenfalls nahe, dass ein Modell, das für ein moderates Turbulenzniveau entwickelt wurde (Ka ≈ O(10)), Flammen mit Ka > O(1.000) gut vorhersagt. Die PDFModellierung unter Verwendung des Flammenkonzepts wird bis zu Ka > O(100) bewertet, wobei die Massenanteile der Hauptspezies vernünftig gut vorhergesagt werden. W. Song · F. E. Hernández Pérez · H. G. Im (*) , King Abdullah University of Science and Technology (KAUST), Thuwal 23955-6900, Saudi Arabia E-Mail: hong.im@kaust.edu.sa W. Song E-Mail: wonsik.song@kaust.edu.sa F. E. Hernández Pérez E-Mail: francisco.hernandezperez.1@kaust.edu.sa © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_6 265
266 W. Song et al. 1 Einführung Viele praktische Verbrennungsanlagen zur Energieerzeugung und im Transportwesen arbeiten im vorgemischten Verbrennungsmodus in Anwesenheit von Turbulenzen [1, 2]. Wenn die Flammenfront mit Turbulenzen interagiert, streckt sie sich aufgrund der kombinierten Effekte der Krümmung und Dehnung durch das Strömungsfeld. Diese Effekte vergrößern die Flammenoberfläche, was wiederum die turbulente Flammengeschwindigkeit erhöht. Das Ausmaß der Vergrößerung der Flammenoberfläche hängt von vielen physikalischen Parametern ab, die mit Turbulenz- und Flammeneigenschaften zusammenhängen, und es gibt noch keine universelle Metrik, um sie zu korrelieren und die turbulente Flammengeschwindigkeit vorherzusagen. Das Wissen über die genaue turbulente Flammengeschwindigkeit (ST) ist von größter Bedeutung, da sie mit der Verbrennungsstabilität verbunden ist (Rückzündung tritt auf, wenn ST ≫ U0, wobei U0 die Einströmgeschwindigkeit ist) und der Verbrennungseffizienz (Flammenverlöschung tritt auf, wenn ST ≪ U0) [3]. Aus diesen Gründen gibt es eine große Anzahl von Studien, die die turbulente Flammengeschwindigkeit experimentell [4–8] oder numerisch [9–18] für verschiedene Geometrien, einschließlich (pilotierter) Bunsen [5–8], sphärischer [4, 15], unter anderem, untersuchen. DNSStudien werden größtenteils in der Turbulenz-in-a-box-Konfiguration durchgeführt, mit Ausnahme einiger Studien, die in Jet-Konfigurationen durchgeführt wurden [17, 19–23]. Eine Zusammenfassung eingehender Diskussionen zur turbulenten Flammengeschwindigkeit findet sich in Übersichtsarbeiten wie den Referenzen [24, 25]. Neben der turbulenten Flammengeschwindigkeit ist auch die turbulente Flammenstruktur ein wichtiges Thema [26–28], insbesondere bei hoch turbulenten Bedingungen, da sie direkt mit der Modellierung der mittleren Massenanteile chemischer Spezies für Reynolds-gemittelte Navier-Stokes-Gleichungen (RANS) oder gefilterte Massenanteile chemischer Spezies für Large Eddy Simulations (LES) [29] zusammenhängt. Diese Ansätze übernehmen typischerweise das „laminare Flammenkonzept“ [2, 30], wobei angenommen wird, dass der turbulente Flammenpinsel aus einer Sammlung von laminarer Flammen besteht, die durch die Wirkung turbulenter Wirbel gekräuselt und gestreckt werden. Um jedoch gleichzeitig niedrigere Verbrennungsemissionen und höhere Leistung zu erreichen, werden die zukünftigen Betriebsbedingungen von Verbrennungsanlagen auf mageres Gemisch und erhöhte Drücke verschoben, bei denen die Flamme mit kleinen Skalen, aber stärkeren Turbulenzniveaus verbunden ist. Unter solchen Bedingungen wird angenommen, dass kleine Turbulenzskalen in der Flammenzone überleben und die Flammenfront stören. Dies führt zu einer Verbreiterung der Reaktionszone, die es nicht schafft, die laminarer Flammenstrukturen zu bewahren, wie in den nächsten Unterabschnitten ausführlich diskutiert wird. Die turbulente Flammengeschwindigkeit oder -struktur kann durch experimentelle Messungen, numerische Simulationen oder theoretische Ableitungen gewonnen werden. Während experimentelle Studien immer nützlich sind, um die Interaktion
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 267 zwischen Turbulenz und Flamme zu verstehen, sind räumlich und zeitlich aufgelöste physikalische und chemische Eigenschaften selbst mit modernster Lasertechnik kaum zu erhalten. Solche detaillierten Informationen sind typischerweise über numerische Simulationen zugänglich, die es uns wiederum ermöglichen, komplizierte mathematische Variablen zu berechnen, die ein besseres Verständnis darüber bieten, wie sich die Flamme als Reaktion auf Turbulenzen verhält. Die Vorhersagefähigkeit der Simulationen hängt nicht nur von der Genauigkeit der numerischen Schemata ab, sondern auch von den zugrunde liegenden Submodellen. Modellierung ist immer unvermeidlich, um die Lösungen turbulenter reagierender Strömungen zu erhalten, selbst durch die direkte numerische Simulation (DNS) reagierender Strömungen, in dem Sinne, dass die elementaren Reaktionskinetiken im Kontinuumsregime im Wesentlichen modelliert werden. Sowohl RANS (Ansatz der Ensemble-Mittelung) als auch LES (Ansatz der räumlichen Filterung) benötigen eine Modellierungsannäherung, z. B. den Abschluss des Reynolds-/Untergitter-Spannungstensors. Dieses Kapitel stellt eine Reihe verschiedener Modellierungsansätze vor, die im Vergleich zu aktuellen DNS-Daten von vorgemischten Wasserstoffflammen bei hoch turbulenten Flammen untersucht werden. In den folgenden Unterabschnitten stellen wir zunächst die grundlegenden Gleichungen für verschiedene Arten von Berechnungsansätzen vor, gefolgt von einer kurzen Darstellung der turbulenten Regimediagramme. Eine aktuelle Diskussion über die globale turbulente Flammengeschwindigkeit und die lokale Verschiebung der Geschwindigkeit sowie deren zugehörige Modelle wird zusammengefasst. Darüber hinaus wird die Vorhersagefähigkeit für die mittlere Haupt- und Zwischenkonzentration mit dem Wahrscheinlichkeitsdichtefunktionsansatz (PDF) unter Verwendung aktueller DNS-Daten für magere WasserstoffLuft-vorgemischte Flammen bewertet. 2 Turbulentes Regimediagramm Dieser Abschnitt stellt turbulente Regimediagramme vor, die früher entwickelt wurden und immer noch weit verbreitet in der Gemeinschaft der turbulenten vorgemischten Flammen verwendet werden. Turbulenz wird hauptsächlich durch zwei wichtige Parameter charakterisiert: Einer ist die Größe der Wirbel, die den größten Teil der kinetischen Energie tragen, bekannt als integrales Längenmaß (lT), und der andere ist die Intensität der turbulenten Wirbel, ausgedrückt durch den quadratischen Mittelwert der turbulenten Geschwindigkeitsfluktuationen (u′). Das klassische Borghi-Diagramm übernimmt diese beiden Größen als Parameter, normalisiert durch die Referenz der laminaren Flammendicke (δL) und Flammengeschwindigkeit (SL), die jeweils für die eindimensional frei propagierende flache Flamme bewertet werden. Das Diagramm ist in Abb. 1a dargestellt, wo verschiedene turbulente Regime klassifiziert werden. Die Flammendicke wird typischerweise auf der Basis des maximalen Temperaturgradienten definiert,
W. Song et al. 268 δL = (Tmax − Tmin )/(dT /dx)max, obwohl auch die nominale Zeldovitch-Dicke verwendet werden kann (lf = ν/SL oder lf = α/SL mit ν und α als kinematische Viskosität und thermische Diffusivität). In einem solchen Fall muss man vorsichtig sein, da sich ihre Werte um eine Größenordnung unterscheiden. In Abb. 1 sind auch Isolinien von dimensionslosen Zahlen wie der turbulente ReynoldsZahl (Re), der turbulente Damköhler-Zahl (Da) und der turbulente Karlovitz-Zahl (Ka) dargestellt, die nur durch die Kombination von lT /δL und u′ /SL ausgedrückt werden können, wie unten angegeben. (Zur Vereinfachung wird das Wort „turbulent“ vor den dimensionslosen Zahlen weggelassen.) √ lT /u′ u ′ lT Re , Da = , Ka = Re = ν δL /SL Da (1) Zum Beispiel wird ν mit SL δL skaliert, und daher ist Re im Wesentlichen das Produkt von lT /δL und u′ /SL. Ebenso wird Da als Verhältnis zwischen einer Strömungs- und einer chemischen Zeitskala definiert und ist im Wesentlichen lT /δL geteilt durch u′ /SL. Ka, das die Flammenstreckungsrate darstellt, wird als das Verhältnis der charakteristischen chemischen Zeitskala (τc) zur KolmogorovZeitskala (τK ) definiert, und die Definition ist auch basierend auf den Längenskalen gültig: Ka = τc = τK  δL ηK 2 , (2) wobei die Kolmogorov-Längenskala als ηK = (ν 3 /ǫ)1/4 definiert ist, wobei ǫ die Dissipationsrate der turbulenten kinetischen Energie ist und als ǫ = u′3 /lT ausgedrückt wird. Das laminare Flamelet-Regime wird für Ka < 1 nach dem Klimov-WilliamsKriterium erwartet, während Peters vorschlug, dass das Flamelet-Konzept bis zur dünnen Reaktionszone, die durch Ka < 100 mit der großen Aktivierungsenergie (Ze ≈ O(10)) charakterisiert wird, gültig ist, bis zu der die kleinste turbulente Längenskala immer noch größer als die Dicke der Reaktionszone ist und daher die Turbulenz nicht in die Reaktionszone eindringen kann. Andererseits, wenn turbulente Flammen ein Ka größer als 100 haben und das gebrochene oder verteilte Reaktionszonenregime erreichen, kann die kleinskalige Turbulenz in die Reaktionszone eindringen und die laminare Flammenstruktur stören. Daher wird in einem solchen Regime das laminare Flamelet-Konzept nicht mehr als gültig erwartet, und klassische flamelet-basierte Modellierung muss möglicherweise überarbeitet werden. Dieses Thema wird in Abschn. 5 diskutiert. Es gibt Vor- und Nachteile bei der Nutzung des Borghi-Diagramms. Wie in der vorherigen Studie [12] festgestellt, gibt es bestimmte Kritiken am BorghiDiagramm. Erstens ist die y−Achse normalisiert durch SL, was eine Größe der vorgemischten Flamme ist, und daher kann das Borghi-Diagramm nur für turbulente vorgemischte Verbrennung verwendet werden. Zweitens, da Re- und Da-Linien fast senkrecht zueinander stehen, ist es schwierig, Fälle darzustellen, in
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … Abb. 1 Diagramm des turbulenten Regimes basierend auf a Borghi und b Williams 269
W. Song et al. 270 denen sowohl Re als auch Da gleichzeitig zunehmen (z. B. Erhöhung des Düsendurchmessers bei gleichbleibender Düsen-Austrittsgeschwindigkeit). Um diese Probleme zu lösen, verwendet die Williams-Version (Abb. 1b) die dimensionslosen Zahlen Re und Da als Parameter, wobei eine Achse das Turbulenzniveau und die andere Achse die chemische Intensität beschreibt. Das Williams-Diagramm erfordert nicht die laminare Flammengeschwindigkeit als Referenzgröße und ist universeller, da es die gleichzeitige Zunahme von Re und Da darstellen kann. Zum Zweck des direkten Vergleichs zwischen Borghi- und Williams-Diagrammen ist ein Satz von u′ /SL-Linien in Abb. 1b angegeben. 3 Gleichungen Die grundlegenden Gleichungen für turbulente reagierende Strömungen umfassen die Erhaltung von Masse, Impuls, Energie und Spezies (Gl. 3–6), die für N + 5 -Variablen lösen. N ist die Anzahl der chemischen Spezies. ∂ ∂ρ + (ρuj ) = 0 ∂t ∂xj ∂ ∂p ∂τlj ∂ (ρul ) + (ρul uj ) + = , ∂t ∂xj ∂xl ∂xj (3) l = 1, 2, 3  ∂ ∂ ∂qj ∂ (ρEt ) + (ρEt + p)uj = (ul τlj ) − ∂t ∂t ∂xj ∂xj  ∂  ∂ (ρYi ) + ρYi (uj + Vi,j ) = Wi ω̇i , ∂t ∂xj i = 1, ..., N (4) (5) (6) In den obigen Gleichungen ist ρ die Mischungsdichte, ul die Geschwindigkeitskomponente in der l-ten Richtung, p ist der Druck, τlj ist der viskose Spannungstensor, Et ist die spezifische Gesamtenergie der Mischung, qj ist der Wärmestrom in der j-ten Richtung, Yi ist der Massenanteil der Spezies i, Vi,j ist die Diffusionsgeschwindigkeit der Spezies i in der j-ten Richtung, Wi ist das Molekulargewicht der Spezies i, und ω̇i ist die Reaktionsrate der Spezies i. Die spezifische Gesamtenergie Et wird ausgedrückt als: N Et = p uj u j  + (hi Yi ) − , 2 ρ i=1 (7) wobei hi die Enthalpie der Spezies i ist, hi = hi0 + ˆT T0 cp,i dT , (8)
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 271 mit dem Superskript 0, das den Referenzzustand kennzeichnet, und cp,i die Wärmekapazität der Spezies i bei konstantem Druck ist. Die Zustandsgleichung für das ideale Gas wird als konstitutive Gleichung verwendet: (9) p = ρRT , N wobei R die spezifische Gaskonstante ist, ausgedrückt als R = Ru i=1 Yi /Wi mit Ru die universelle Gaskonstante ist. Durch Vernachlässigung von Diffusionseffekten zweiter Ordnung (Soret- und Dufour-Effekte) sowie thermischer Strahlung und unter Verwendung eines Gemisch-gemittelten Transportmodells, was gängige Annahmen in multidimensionalen DNS sind, werden die Diffusionsgeschwindigkeit Vi,j und der Wärmestrom qj durch Vi,j = −Di   1 ∂W 1 ∂Yi + , Yi ∂xj W ∂xj (10) N qj = −  ∂T hi Yi Vi,j , +ρ ∂xj i=1 (11) gegeben, wobei Di der Diffusionskoeffizient der Spezies i in das Gemisch ist und  die Wärmeleitfähigkeit des Gemisches ist. Der viskose Spannungstensor τlj hat die Form   ∂uj 2 ∂un ∂ul + − µδlj , τlj = µ ∂xj ∂xl 3 ∂xn (12) mit µ die dynamische Viskosität des Gemisches ist und δlj das Kronecker-Delta ist. Schließlich wird die Reaktionsrate der Spezies i, ω̇i, ausgedrückt als: ω̇i = M  k=1 ′′ (νi,k   N N   ′ ′′ νn,k νn,k αk − νi,k ) Kf,k Cn − Kb,k Cn CM,k , ′ n=1 (13) n=1 ′ ′′ und νi,k sind die Reaktionskoeffizienten der Spezies i für die Vorwärtswobei νi,k und Rückwärtsreaktionen, und k ist der Index für die Elementarreaktionen bis M. Kf,k und Kb,k sind die Vorwärts- und Rückwärtsgeschwindigkeitskonstanten für die Elementarreaktion k. Der Exponent des dritten Körpers αk ist 1, wenn die Reaktion k eine Dreikörperreaktion beinhaltet, und 0 andernfalls. Die molaren Konzentrationen der Spezies n und eines dritten Körpers, der mit der Reaktion k verbunden ist, werden unter Verwendung der Molmasse Wn, Massenanteil Yn und der Dreikörpereffizienz ηn,k wie folgt erhalten: Cn = CM,k = N  n=1 ρYn , Wn ηn,k Cn = N  n=1 (14) ηn,k ρYn . Wn (15)
W. Song et al. 272 4 Turbulente Flammengeschwindigkeit In vorgemischten Verbrennungssystemen, sobald ein brennbares Gemisch zündet und eine Flamme entsteht, wird die Flammenfront erzeugt und breitet sich zur unverbrennenden Gasseite mit einem bestimmten Wert aus, der als turbulente Flammengeschwindigkeit bezeichnet wird. Im Gegensatz zur laminaren Flammengeschwindigkeit, die im Allgemeinen für einen gegebenen thermochemischen Zustand eindeutig definiert ist, wird die turbulente Flammengeschwindigkeit auf viel kompliziertere Weise bestimmt, da sie nicht nur vom thermochemischen Zustand, sondern auch von der Wechselwirkung zwischen Turbulenz und Flamme abhängt. Es ist schwierig, die Flamme in einem stabilen Zustand zu halten, wenn Turbulenz vorhanden ist, da die turbulente Flammengeschwindigkeit bei unterschiedlichen Turbulenzgraden erheblich variiert. Um die Eigenschaften der turbulenten Flammengeschwindigkeit zu verstehen, wurden daher zahlreiche Studien durchgeführt, die die turbulenten Brennraten unter Verwendung verschiedener Brennstoffe unter einer Vielzahl von turbulenten Bedingungen untersuchten, angefangen von den Auswirkungen der Streckung auf die Flamme, den Auswirkungen der Zuflussgeschwindigkeit, den Auswirkungen der Brennergeometrien usw., um einen allgemeinen Trend der turbulenten Flammengeschwindigkeit mit verschiedenen Arten von dimensionslosen Zahlen oder turbulenten Parametern zu ermitteln. Leider wurde noch keine universelle Schlussfolgerung gezogen, und es muss mehr Forschung betrieben werden, insbesondere für Wasserstoff oder wasserstoffangereicherte Gemische, bei denen starke Diffusionseffekte aufgrund eines unausgeglichenen Diffusionsverhältnisses zwischen Wärme und Masse auftreten. Dieses Kapitel stellt neueste Erkenntnisse zur turbulenten Flammengeschwindigkeit von Wasserstoffflammen unter einer Vielzahl von turbulenten Bedingungen vor. Da die globale Brennrate das Ergebnis der integrierten lokalen Flammengeschwindigkeit ist, die stark von der lokalen Streckung beeinflusst wird, werden sowohl globale als auch lokale Perspektiven diskutiert. 4.1 Globale turbulente Flammengeschwindigkeit Die globale turbulente Flammengeschwindigkeit (ST) wird als Brennstoffverbrauchsrate in Abhängigkeit von der Zeit ausgedrückt: ˆ 1 ω̇F dV , ST = (16) ρu (Yb,F − Yu,F )AL V wobei ρu, Yb,F, Yu,F die Mischungsdichte, der Brennstoffmassenanteil auf der verbrannten und unverbrannten Gasseite sind. AL ist die projizierte Flammenfläche in Richtung der Flammenausbreitung, ω̇F ist die Nettoproduktionsrate der
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 273 ­Brennstoffspezies, und V ist das Volumen des Berechnungsbereichs. ST schwankt im Laufe der Zeit aufgrund der Änderung der Flammenoberfläche durch die Wirkung der Turbulenz (siehe Abb. 4). Daher wird ST oft zeitlich gemittelt, um eine statistisch gemittelte turbulente Flammengeschwindigkeit (S T) für Mischungen mit unterschiedlichen Turbulenzniveaus zu liefern: 1 ST = t2 − t1 ˆt2 ST dt, (17) t1 wobei t1 und t2 den Zeitraum definieren, für den die mittlere turbulente Flammengeschwindigkeit berechnet wird; siehe die horizontalen Linien in den Abb. 3a und 4. (Der Einfachheit halber wird „ “ in S T weggelassen). Idealerweise wird ST angestrebt, als eine kleine Menge von Parametern ausgedrückt zu werden. Klassischerweise wird ST als eine Funktion der Turbulenzintensität (u′ /SL) für eine feste turbulente Charakteristiklängenskala (lT /δL) gemessen (oder berechnet). Die Abhängigkeit von ST /SL von u′ /SL ist so, dass ST zunächst mit u′ /SL zunimmt und bei ausreichend großen u′ /SL gesättigt wird, wie experimentell in [4], numerisch in [31] und theoretisch in [32] diskutiert, was die sogenannten „Biegewirkungen“ zeigt. (siehe Abb. 2) Beachten Sie, dass aus der theoretischen Arbeit von Peters [31] (Abb. 2c) oder der DNS-Studie von Trivedi und Cant [33] die Biegewirkungen deutlich die Abhängigkeit von den Längenskalenverhältnissen zeigen; die Empfindlichkeit von ST gegenüber lT immer größer wird, was impliziert, dass diese Abhängigkeit die Verallgemeinerung des ST Modells sehr schwierig macht. Anstatt ST /SL mit u′ /SL zu versehen, korrelierten Aspden et al. ST /SL mit der turbulenten Karlovitz-Zahl. Abb. 3a zeigt die zeitliche Entwicklung von ST für einen weiten Bereich von Ka bis Ka = 8767, wobei die horizontalen Linien die zeitlich gemittelte turbulente Flammengeschwindigkeit für jeden Fall anzeigen, die in Abb. 3b gegen Ka dargestellt ist. Ihre Ergebnisse zeigen einen nicht-monotonen Trend von ST in Bezug auf Ka, wobei ST /SL bis zu Ka ≈ 108 (d. h. etwa dünne Reaktionszonenregime) proportional zunimmt und bei Ka = 974 abnimmt, während sie bei sehr hohen Ka (Ka ≫ O(1.000)) wieder zunimmt. Dies zeigt weiter, dass es bestimmte Effekte der Kleinskalenturbulenz auf ST /SL gibt. Die turbulente Flammengeschwindigkeit wird nicht nur von der Turbulenzintensität beeinflusst, sondern auch von dem integralen Längenmaß, und letztere Effekte haben relativ weniger Aufmerksamkeit erregt. Lapointe et al. [35], Song et al. [16] und Trivedi und Cant [33] untersuchten die Auswirkungen der integralen Längenmaß auf die Turbulenz-Flammen-Interaktion, und ST wird durchweg als proportional zu lT /δL unabhängig von u′ /SL oder anderen dimensionslosen Zahlen gefunden. Eines der Ergebnisse von Song et al. [16] wird hier präsentiert, wobei die Simulationsbedingungen in Tab. 1 gezeigt werden. Insgesamt wurden sieben Fälle betrachtet, die einen weiten Bereich von u′ /SL und lT /δL mit Ka bis zu 1.120 und Re bis zu 700 umfassen. In Abb. 4 wird festgestellt, dass unabhängig von der Turbulenzintensität (dimensionslose Zahlen oder Turbulenzparameter), ST /SL wird bestimmt durch AT /AL selbst für die Fälle, die sich im
W. Song et al. 274 DNS-Ergebnisse Passung Kein Biegen Normalisierte Geschwindigkeit (ST/SF) Normalisierte Geschwindigkeit (ST/SF) Abb. 2 Turbulente Flammengeschwindigkeit als Funktion der Turbulenzintensität, erhalten in a Experiment, b numerischer Simulation und c theoretischer Ableitung. Nachgedruckt aus a [4], b [31] und c [32] mit Genehmigung von Harrison and Son, Elsevier und Cambridge University Press Turb. Zeiten Karlovitz-Nummer Abb. 3 a Zeitliche Entwicklung der turbulenten Flammengeschwindigkeit für einen weiten Bereich von Ka und b Skalierung der mittleren turbulenten Flammengeschwindigkeit gegen Ka. Nachgedruckt aus [34] mit Genehmigung der Cambridge University Press v­ erteilten Reaktionszonenregime befinden, was impliziert, dass die erste Hypothese von Damköhler für Ka > 1.000 weiterhin gültig ist. Darüber hinaus zeigt der Fall mit dem größten lT /δL (Abb. 4a) die höchste mittlere turbulente Flammengeschwindigkeit. Andererseits war der Fall mit dem kleinsten lT /δL (Abb. 4d), ST /SL fast eins. Schließlich wurde für das gleiche lT /δL (b,c,e) festgestellt, dass die mittlere turbulente Flammengeschwindigkeit nahezu gleich ist. Abb. 5 fasst die Diskussion der ST Abhängigkeit von lT zusammen, wobei ST /SL proportional mit lT /δL zunimmt, während für alle Fälle der mittlere Streckungsfaktor, definiert als I 0 = (S T /SL )/(AT /AL ), nahezu unverändert bleibt. Dies deutet darauf hin, dass für einen breiteren Bereich des parametrischen Raums die turbulente Flammengeschwindigkeit hauptsächlich durch die größten energietragenden turbulenten Wirbel bestimmt wird und die Kleinskalenturbulenz aufgrund der Dissipation der turbulenten kinetischen Energie durch die thermische Ausdehnung in der Nähe der Hauptreaktionsschicht nahezu vernachlässigbar ist.
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … a  X 6/  O7į/  5H  .D     c  $7$/>@ XQG 676/>@ $7$/>@ XQG 676/>@     WIJHGG\>@      WIJHGG\>@ $7$/>@ XQG 676/>@   X 6/  O7į/  5H  .D       X 6/  O7į/  5H  .D    b      WIJHGG\>@ d  $7$/>@ XQG 676/>@ $7$/>@ XQG 676/>@  275   X 6/  O7į/  5H  .D         WIJHGG\>@  e X 6/  O7į/  5H  .D          WIJHGG\>@   Abb. 4 Zeitliche Entwicklung der turbulenten Flammengeschwindigkeit und der Flammenoberfläche, dividiert durch die entsprechende laminare Größe für eine breite Palette von Turbulenzparametern. Die horizontalen Linien kennzeichnen die mittlere turbulente Flammengeschwindigkeit, die für den gezeigten Zeitraum berechnet wurde, wobei die anfängliche Übergangsperiode abgeschnitten wurde. Nachgedruckt aus [16] mit Genehmigung von Elsevier
W. Song et al. 276 , >@ $7  $/ >@ XQG 67  6/ >@ Abb. 5 Skalierung der mittleren turbulenten Flammengeschwindigkeit und der mittleren Flammenoberfläche mit dem integralen Längenmaß. Nachgedruckt aus [16] mit Genehmigung von Elsevier        O7  į/ >@   Tab. 1 Parameter der Simulationen für die Fälle F1–F5, F3 ′ und F4 ′ (bei P = 1 atm, Tu = 300 K und φ = 0,7) unter dem einheitlichen Gittersystem (x = y = z). Die KolmogorovLängenmaß η wird unter der unverbrannten Bedingung bewertet. Weitere Details finden Sie bei Song et al. [16] Fall F3 ′ u′ /SL 5 35 2.6 18.3 5 2.6 lT /δL 5.65 0.82 0.86 0.12 0.83 2.08 Ly /δL 28.24 4.11 4.29 0.59 4.16 10.39 η [µ m] 14.91 2.14 15.15 2.14 9.24 18.90 x [µ m] 20 2.6 20 2.6 11.5 20 δL /�x 17.7 136.2 17.7 136.2 30.8 17.7 Re 686 700 55 52 101 132 Da 1.13 0.02 0.33 0.01 0.17 0.80 Ka 23 1126 22 1126 60 14 F4 ′ 18,3 0,29 1,47 2,67 2,6 136,2 131 0,02 712 F1 F2 F3 F4 F5 4.2 Lokale Verschiebung der Flammengeschwindigkeit Die lokale Verschiebung der Flammengeschwindigkeit (Sd) ist die Geschwindigkeit der Flammenfront relativ zur Strömungsgeschwindigkeit. In Abwesenheit von Wärmeverlust und lokaler Flammenstreckung an der Flammenfront ist Sd identisch mit der laminaren Flammengeschwindigkeit (SL). In der Realität jedoch interagiert Sd erheblich mit lokalen Strömungen, die ein breites Spektrum an Turbulenzniveaus umfassen. Die genaue Vorhersage von Sd bestimmt die Genauigkeit des G-Gleichung (Gl. 18) oder Flammenoberflächendichte (FSD) (Gl. 19) Ansatzes: ∂G + u · ∇G = Sd |∇G|, ∂t     ∂� + ∇ · u + Sd n s � = K s �, ∂t (18) (19)
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 277 wobei G eine dünne Oberfläche ist, die in Strömungen propagiert und die frischen Reaktanten von den verbrannten Produkten trennt, und die Ausbreitung wird durch Sd erklärt. Ebenso wird der Transport von  in Gl. 19 ebenfalls durch Sd bestimmt, wobei  die Flammenoberflächendichte mit einer Einheit von [L2 /L3 ], u der Geschwindigkeitsvektor und n der Einheitsnormalenvektor ist. Die lokale Verschiebung der Flammengeschwindigkeit, die in den Gl. 18 und 19 gezeigt wird, kann basierend auf der Temperatur (Gl. 20) oder der Spezies k (Gl. 21) definiert werden:     ′    1 ∇ ·  ∇T + ρ∇T · Dk Cp,k ∇Yk − hk ω̇k , (20) Sd,T = ρCp |∇T | k k Sd,Y =  1  ∇ · (ρ Dk ∇Yk ) + ω̇k , ρ|∇Yk | (21) wobei ρ, Cp, ′ die Dichte, die Wärmekapazität bei konstantem Druck und die Wärmeleitfähigkeit des Gemisches sind und Dk, Cp,k, hk und ω̇k der gemittelte Diffusionskoeffizient des Gemisches, die Wärmekapazität bei konstantem Druck, die Enthalpie, die Nettoproduktionsrate der Spezies k sind. Beachten Sie, dass in Gl. 20 die Druck- und viskosen Heizungstermini nicht berücksichtigt wurden. Der Einfachheit halber werden im Folgenden „T“ oder „Y“ im Index weggelassen. Der Wert der lokalen Verschiebung der Geschwindigkeit ändert sich in der Nähe der Flammenfront aufgrund der thermischen Ausdehnung erheblich. Um die durch die thermische Ausdehnung verursachte Erhöhung der Flammengeschwindigkeit zu minimieren, wird die dichtegewichtete Form verwendet, die wie folgt ausgedrückt wird: Sd∗ = ρSd . ρu (22) Die lokale Flammengeschwindigkeit wird typischerweise in statistischer Weise durch die (gemeinsame) Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (JPDF oder PDF) für ausgewählte Isosurfaces ausgedrückt. Im Gegensatz zur globalen turbulenten Flammengeschwindigkeit, die eher mit den großskaligen turbulenten Wirbeln verbunden ist, wird die lokale Verschiebung der Geschwindigkeit durch die lokale Flammenstreckungsrate bestimmt, die als kombinierte Effekte der Flammenkrümmung und der tangentialen Dehnungsrate bewertet wird. Daher ist sie eng mit der turbulenten Karlovitz-Zahl verbunden. Zum Beispiel zeigt Abb. 7 die PDF der Verschiebung der Geschwindigkeit, normalisiert durch die laminare Flammengeschwindigkeit, bewertet für zwei verschiedene Isosurfaces (cT = 0.2 und 0,6, wobei cT die temperaturbasierte Fortschrittsvariable ist) für die in Tab. 1 dargestellten Fälle. Beachten Sie, dass wichtige Werte in Abb. 7 dargestellt sind. In allen Fällen liegt der Peak in der PDF von Sd∗ /SL sehr nahe bei Eins, was impliziert, dass die meisten turbulenten Flammenelemente wie eine laminare Flamme brennen. Die Fälle mit hohem Ka (Abb. 7b,d) zeigen eine starke Bewegung der turbulenten Wirbel, die durch die negative Verteilung der Sd∗ /SL
W. Song et al. 278 PDF insbesondere im stromaufwärts gelegenen Bereich (cT = 0.2). Für die Fälle mit dem gleichen Ka (Abb. 7a, c) sind ihre Verteilungen sehr ähnlich. Für den Fall mit etwas höherem Ka als bei (a, c) in Abb. 7e gezeigt, wird eine etwas negativere Verteilung an der stromaufwärts gelegenen Isosurface gefunden. Die Verteilung von Sd∗ /SL zeigt, dass die lokale Flammengeschwindigkeit durch die Flammenstreckungsrate bestimmt wird. Seit Markstein die Abhängigkeit der Flammengeschwindigkeit von der Flammenstreckungsrate eingeführt hat [36], folgten theoretische Studien [37–39], in denen vorgeschlagen wurde, dass Sd eine starke Beziehung zu den Dehnungsraten hat. Für schwach gestreckte Flammen wird ein Ausdruck für die Verschiebung der Geschwindigkeit durch Sd,u = SL − LK, (23) gegeben, wobei Sd,uSd auf der Seite des unverbrannten Gases konditioniert ist. L ist die Markstein-Länge, die die Empfindlichkeit der Flammenstreckung gegenüber der Flammengeschwindigkeit erklärt und von den Eigenschaften des Gemisches (z. B. Lewis-Zahl) abhängt. K ist die Flammenstreckungsrate aufgrund der kombinierten Effekte von Flammenkrümmung (κ) und tangentialer Dehnungsrate (Ks) und wird ausgedrückt als: K = Ks + Sd κ. (24) Die mittlere Flammenkrümmung wird definiert als κ = ∇ · n, wobei n = −∇T /|∇T | der Einheitsnormalenvektor ist, der zur Seite des unverbrannten Gases zeigt. Die Normalisierung von Gl. 24 mit δL /SL führt die lokale gestreckte KarlovitzZahl (Kas) ein als: Kas = Kat + Kac , (25) wobei Kat = δL /SL Ks und Kac = δL /SL Sd κ. Die Beziehung zwischen Kas versus Kat und Kas versus Kac wird in Abb. 6 dargestellt, wobei (a, b) und (c, d) F1 bzw. F2 in Tab. 1 entsprechen. Diese Abbildung impliziert, dass für die Flammenstreckungsrate der Krümmungseffekt dominant ist. Dies führt zu einer zusätzlichen statistischen Analyse für Sd versus κ, wie im Folgenden erörtert wird. Neuere Studien schlugen vor, die Markstein-Länge in zwei Elemente zu unterteilen: die Krümmungs-Markstein-Länge (Lκ) und die Dehnungs-Markstein-Länge (Ls). Bechtold und Matalon leiteten die folgende Form ab: Sd,u = SL − Ls Ks − Lκ SL κ. (26) Basierend auf der Beobachtung der Markstein-Länge, die sich signifikant für verschiedene Auswahl von Isosurface unterscheidet, leiteten Giannakopoulos et al. ein verallgemeinertes Flammengeschwindigkeitsmodell für die gesamte Isosurface der Flamme ab, indem sie die Dehnungs-Markstein-Länge (LK) und die Krümmungs-Markstein-Länge (Lκ) berücksichtigten Sd∗ (θ ∗ ) = SL − LK (θ ∗ )K − Lκ (θ ∗ )SL κ, (27)
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 279 Abb. 6 JPDF von a, c Kas versus. Kat und b, d Kas versus Kac für den Fall a, b F1 und c, d F2 wobei θ ∗ die dimensionslose Temperatur ist, ausgedrückt als θ ∗ = T0 /Tu mit T0 als die Temperatur der Isosurface. Das Zwei-Markstein-Längen-Modell (Gl. 27), vorgeschlagen von Giannakopoulos et al. und basierend auf Bechtold und Matalon, wurde in einer Studie von Dave et al. [40] unter Verwendung von DNS von turbulenten mageren Wasserstoff-LuftFlammen für moderate Turbulenzniveaus (Ka ≈ O(10)) durch einen FlammenpartikelTracking-Ansatz [41] bewertet. Sie stellten fest, dass Gl. 27 für die meisten Partikel für einen großen Teil der Lebensdauer der Partikel gültig war. Am Ende ihrer Lebensdauer wurde jedoch eine große Variation von Sd beobachtet, die zur Annihilation führte, was vom schwachen Dehnungsmodell mit zwei Markstein-Längen nicht richtig erfasst wurde. Für die große Variation von Sd entwickelten Dave et al. ein Interaktionsmodell von Sd basierend auf Flamme-Flamme-Interaktion mit negativer Krümmung, beginnend mit: Sd = −2αu κ, (28) wo α die thermische Diffusivität des Gemisches ist und der Index ‚u‘ sich auf den unverbrannten Zustand bezieht. Die Dichtegewichtung auf die thermische Diffusivität auf einer Isotherme von T = T0 anzuwenden:
W. Song et al. 280 a F7  F7  3')       6G 6/>@    d   6G 6/>@ 3')  3')  X 6/  O7į/  5H  .D    X 6/  O7į/  5H  .D    c b  X 6/  O7į/  5H  .D     3')   X 6/  O7į/  5H  .D         6G 6/>@   6G 6/>@ e  3')  X 6/  O7į/  5H  .D        6G 6/>@ Abb. 7 Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF) der dichtegewichteten Verschiebung der Geschwindigkeit, normalisiert durch die laminare Größe, verbunden mit der Fortschrittsvariablen cT = 0.2 (blau) und cT = 0.6 (rot) für eine breite Palette turbulenter Bedingungen. Durchgezogene Linien sind PDF von DNS und gestrichelte Linien sind die laminaren Größen. Nachgedruckt aus [16] mit Genehmigung von Elsevier
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 281 Sd ρ0 ρ0 = −2α0 κ = −2α0∗ κ, ρu ρu (29) in führender Ordnung als κ → 0, Sd → SL, kann Gl. 29 umgeschrieben werden als: Sd∗ = SL − 2α0∗ κ. (30) Dave et al. schlugen auch das folgende Interaktionsmodell für Skalierungsanalyse der rechten Seite (RHS) von Gl. 20 vor: Sd∗ = SL − α0 (1 + C)κ Tu , T0 Sd∗ durch eine (31) wo C eine Skalierungskonstante ist, die separat bestimmt werden muss und in [40] auf 0,5 festgelegt wurde. Abb. 8 zeigt die JPDF zwischen der lokalen Verschiebung der Geschwindigkeit und der mittleren Flammenkrümmung, normalisiert durch ihre entsprechenden laminaren Größen, für DNS von mageren Wasserstoffflammen mit moderatem Ka (Ka ≈ O(10)). Details zu den DNS-Fällen finden sich in [40]. In Abb. 8 werden die DNS-Daten mit mehreren oben diskutierten Modellen verglichen. Die blau gepunkteten Linien repräsentieren Gl. 27 und die schwarz durchgezogenen Linien repräsentieren Gl. 31, was zeigt, dass das Interaktionsmodell die große Verschiebung der Geschwindigkeit bei großer negativer Krümmung, die von Gl. 27 nicht erfasst wurde, vernünftig vorhersagt. Um zu bestimmen, ob das Interaktionsmodell bei höheren Ka-Bedingungen gültig ist, analysierten Yuvraj et al. [18] die DNS-Daten von F1, F2, F3 ′ und F4 ′ in Tabelle 1 für ein breiteres Spektrum an , , , , , , Abb. 8 JPDF der lokalen Verschiebung der Geschwindigkeit gegenüber der Flammenkrümmung, normalisiert durch ihre laminaren Gegenstücke für ein moderates Turbulenzniveau. Nachgedruckt aus [40] mit Genehmigung der Cambridge University Press
282 W. Song et al. Fall Abb. 9 JPDF der lokalen Verschiebung der Geschwindigkeit versus Flammenkrümmung, normalisiert durch ihre laminarer Gegenstücke für moderates bis hohes Turbulenzniveau. Nachgedruckt aus [18] mit Genehmigung von Elsevier Turbulenzniveaus mit viel höherem Ka. Abb. 9 zeigt die JPDF zwischen der Verschiebung der Geschwindigkeit und der mittleren Flammenkrümmung bei vier verschiedenen Isothermen für vier verschiedene Turbulenzfälle. Die schwarz durchgezogenen Linien repräsentieren Gl. 30, die schwarz gestrichelten Linien repräsentieren Gl. 31 mit C = 0.5, die grün gepunkteten Linien sind das schwache Streckungsmodell mit zwei Markstein-Längen (Gl. 27), und die blau gestrichelten Linien sind die lineare Anpassung der Datenpunkte für κδL < 0. Dies deutet darauf hin, dass das von Dave et al. [40] vorgeschlagene Interaktionsmodell die Verschiebung der Geschwindigkeit für ein breites Spektrum an Turbulenz vorhersagt: Re bis zu 700 und Ka bis zu 1.120. Die G-Gleichung oder das transportierte FSD-Modell wurde nur unter der Annahme der laminaren Flammenfront als anwendbar betrachtet. Die zentrale Botschaft aus der Diskussion der globalen und lokalen Flammengeschwindigkeitsanalyse mit DNS-Daten für Wasserstoff ist jedoch, dass selbst bei hohem Ka (> 1.000)
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 283 die Annahme der laminaren Flammenfront verwendet werden könnte. Aufgrund der starken Sd Abweichung von SL aufgrund der Flammen-Flammen-Interaktion ist jedoch ein geeignetes Sd∗ Modell erforderlich, um die Genauigkeit des Ansatzes mit der G-Gleichung oder FSD zu gewährleisten. 5 Flamelet- und PDF-Modellierung Bei der Betrachtung von CFD-Simulationen von realen Verbrennungs- oder Gasturbinenmotoren verwendet man typischerweise RANS oder LES, da DNS selbst für massiv parallelisierte Solver, die auf hochmodernen Hochleistungsrechnern (HPC) laufen, immer noch extrem rechenintensiv ist. Darüber hinaus greifen solche Methoden, um Zwischenprodukte und Schadstoffemissionen bei reduzierten Rechenkosten vorhersagen zu können, häufig auf das Konzept der laminaren Flammenfront zurück und nutzen eine „Flamelet-Bibliothek“, die notwendige chemische, thermodynamische und Transporteigenschaften enthält und vorab unter Verwendung von Lösungen kanonischer laminaren Flammen (frei propagierende Flamme für vorgemischte Flammen oder entgegengesetzte Strömungsflamme für nicht vorgemischte Flammen) mit detaillierter Chemie und Transport berechnet wird. Die FlameletBibliothek wird als Funktion der Steuergrößen (Verbrennungsfortschrittsvariable und/ oder Mischungsbruch) tabelliert. Die Flammenverlängerung des intrinsischen niederdimensionalen Mannigfaltigkeit (FPI) [42] und die Flamelet-generierte Mannigfaltigkeit (FGM) [43, 44] sind bekannte Beispiele für solche Tabellierungstechniken. Um die Flamelet-Bibliothek in RANS oder LES zu verwenden, sollte sie mit einem Modell gekoppelt werden, das die Turbulenzeffekte wie PDF-Methoden einbezieht [45–48]. Zum Beispiel wird im Kontext der vorgemischten Verbrennung und RANS die Kopplung wie folgt ausgedrückt ω̇k (x, t) = ˆ1 ω̇k,L (c)P(c, x, t)dc, (32) Yk,L (c)P(c, x, t)dc, (33) 0 Y k (x, t) = ˆ1 0 wo ω̇k und Yk die Nettoproduktionsrate und Massenfraktion der k-ten Spezies sind, während P(c, x, t) die PDF der Fortschrittsvariablen c ist, die die Wahrscheinlichkeit darstellt, c∗ (x, t) für einen engen Bereich von c (c ≤ c∗ (x, t) < c + dc) im Abtastbereich zu finden, wobei c∗ die Abtastvariable ist. Alternativ kann man für die Molenbrüche Xk die folgende Ausdruck verwenden: X k (x, t) = ˆ1 0 Xk,L (c)P(c, x, t)dc. (34)
W. Song et al. 284 Solange die PDF bekannt ist, können die mittleren Größen erhalten werden. Um das Modell zu vervollständigen, wird die PDF durch Lösen einer Transportgleichung für P(c, x, t) [45–48] oder durch Annahme einer vermuteten PDF bestimmt, wobei letztere die häufigste Wahl ist, da sie einfach und rechnerisch effizient ist. Die Strategie der vermuteten PDF besteht darin, (i) eine allgemeine Form der PDF anzunehmen, die einige unbekannte Parameter umfasst, und (ii) diese Parameter basierend auf den ersten Momenten des c(x, t)-Feldes zu bewerten. Die PDF-Form kann als Summe von Dirac-Delta-Funktionen dargestellt werden [49], als Kombinationen von Dirac-Delta-Funktionen und einer Flamelet-PDF [50–52], oder als β-Funktion [50, 53]. Die am häufigsten verwendete PDF ist die vermutete β-Funktion, da sie eine äußerst flexible PDF-Form bietet, die von bimodal (g → 1) bis Gaussian reicht. (g ≪ 1), abhängig vom Segregationsfaktor g = c′2 /[c(1 − c)] in Gl. 36 unten, wobei c′2 = c2 − c2. Der erste und zweite Moment von c, nämlich der Mittelwert (c) und die Varianz (c′ 2 ) ändern die Koeffizienten a´und b und damit die Form der β-Funktions-PDF. Die Gamma∞ a−1 −ζ Funktion Ŵ(a) ´ 1 = 0 ζ e dζ ist erforderlich, um die Normalisierungsbedingung 0 P(c) dc = 1 zu erfüllen. Ŵ(a + b) a−1 c (1 − c)b−1 , Ŵ(a)Ŵ(b) (35)    1 1 − 1 , b = (1 − c) −1 a=c g g (36) Pβ (c, c, c2 ) =  Beachten Sie, dass im Kontext von LES das Gegenstück der PDF die gefilterte Dichtefunktion (FDF) ist, die es ermöglicht, Subfilter-Skalen-Effekte in aufgelöste Größen zu integrieren. Für Details zur formalen Erweiterung der PDF-Methoden auf LES wird der Leser auf die Übersicht von Haworth [48] und die dortigen Referenzen verwiesen. Bisher in diesem Kapitel haben wir gesehen, dass die Auswirkungen von Kleinskalenturbulenzen (charakterisiert durch hohe Ka) für die globale und lokale Flammengeschwindigkeit und die turbulenten Flammenstrukturen unbedeutend waren. Hier diskutieren wir die Anwendbarkeit des Flammenkonzepts bei einer breiten Palette von Ka-Bedingungen durch eine a priori-Bewertung der mittleren Nettoproduktionsraten chemischer Spezies, die mit Gl. 32 und der mittleren chemischen Spezies-Molfraktionen, die mit Gl. 34 bewertet wurden. Drei verschiedene DNS-Fälle für magere Wasserstoff-Luft-Gemischflammen mit einem Äquivalenzverhältnis von 0,7 unter atmosphärischen Bedingungen werden betrachtet, die in früheren Studien für verschiedene Zwecke analysiert wurden [12, 13, 55–57]. Turbulente Parameter für die drei Fälle sind in Tab. 2 aufgeführt. Die Fälle A, B und C fallen in das gewellte Flammenregime, das dünne Reaktionszonenregime und das gebrochene Reaktionszonenregime im Borghi-Diagramm (siehe Abb. 1).
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 285 Tab. 2 DNS-Daten von mageren Wasserstoffflammen im Bereich des gewellten Flammenregimes (Fall A), der dünnen Reaktionszone (Fall B) und der aufgebrochenen Reaktionszone (Fall C) Fall A B C u′ /SL 0.7 5 14 lT /δL 14 14 4 Re 227 1623 1298 Da 20 2.8 0.29 Ka 0.75 14.4 126 Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier Vier verschiedene Verbrennungsfortschrittsvariablen wurden definiert und bewertet, die entweder auf (i) dem Massenanteil des Brennstoffs (H2), (ii) dem Massenanteil des Oxidationsmittels (O2), (iii) dem Massenanteil eines stabilen Verbrennungsprodukts (H2O) oder (iv) der Temperatur (T) basieren. Für die PDFs wurden das tatsächliche aus DNS-Daten extrahierte PDF und das vermutete β -Funktions-PDF verwendet. Für die Molbrüche und Nettoproduktionsraten wurden tatsächliche DNS-Daten und ungespannte laminare Flammendaten genutzt. Ergebnisse, die mit dem Favre-gemittelten β-Funktions-PDF berechnet wurden, werden ebenfalls berücksichtigt. Das massengewichtete PDF (P̃ ≡ ρ(c)P(c)/ρ ) wird berechnet, indem die Größen c̄ und g in Gl. 36 durch P̃β (c, c̃, c2 ) und g̃ = (c2 − c̃2 )/[c̃(1 − c̃)] ersetzt werden, wobei zu beachten ist, dass die Tilde Favre-gemittelte Größen kennzeichnet. Abb. 10 zeigt die berechneten mittleren Molbrüche (X n) der Hauptspezies unter Verwendung von Gl. 34 als Funktion der unterschiedlich definierten mittleren Fortschrittsvariablen (ck), die in der Mitte oben in jedem Panel markiert ist, d. h. ck basierend auf H2, O2, H2O und T von den oberen zu den unteren Reihen für die Fälle A (links), B (Mitte) und C (rechts). Die durchgezogenen Linien entsprechen X n (ck ), die direkt aus den DNS-Daten extrahiert wurden. Die gestrichelten Linien entsprechenX n (ck ) unter Verwendung der tatsächlichen PDFs Pk (c∗ , ck ) und laminarer Flammenprofile von Xn,L (ck ). Gepunktete Linien und gestrichelte Linien zeigen X n (ck ) unter Verwendung der β-Funktions-PDFs Pβ,k (c∗ , ck ) und P̃β,k (c∗ , ck ), jeweils, die mit den Reynolds- und Favre-gemittelten Momenten des c(x, t)-Feldes verbunden sind. Abb. 10 zeigt, dass für niedrige bis moderate Ka-Bedingungen (Fälle A und B), unabhängig von PDF-Typen und Fortschrittsvariablen, die Vorhersage durch Gl. 34 die rohen DNS (durchgezogene Linien) gut reproduziert. Für den Fall C mit Ka über 100, trotz einer Abnahme der Übereinstimmung im Vergleich zu den Fällen A und B, liegen die Vorhersagen in einem akzeptablen Bereich, insbesondere für die durch H2 und T definierte Fortschrittsvariable. Dies deutet darauf hin, dass obwohl Ka für den Fall C nicht weit von 100 entfernt ist, das Konzept der laminaren Flammenfront für Ka > 100 anwendbar sein könnte. Abb. 11 zeigt die berechneten mittleren Molenbrüche (X n) von Radikalspezies einschließlich H (schwarz), O (blau) und OH (rot). Die Definition der Fortschrittsvariablen und der Linienstil folgen denen in der Diskussion von Abb. 10 oben. Im Gegensatz zur Vorhersage der Hauptspezies zeigen die mittleren Radikalspezies
W. Song et al. , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , mittlere Fortschrittsvariable mittlere Fortschrittsvariable mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , mittlere Fortschrittsvariable mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen mittlere Fortschrittsvariable mittlere Molfraktionen , , mittlere Molfraktionen , , , , , mittlere Fortschrittsvariable mittlere Molfraktionen , mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen 286 , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable Abb. 10 A priori-Vorhersagen der Hauptspezies unter Verwendung verschiedener Kombinationen von PDF und Definition der Fortschrittsvariablen. Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier größere Abweichungen. Bei der Bewertung der mittleren Radikalmolenbrüche scheint die Auswahl der Fortschrittsvariablen wichtiger zu sein. Insgesamt schneidet die auf Brennstoff basierende (H2) Fortschrittsvariable am besten ab, wie auch von [58] vorgeschlagen, was auf die hochdiffusive Natur von Wasserstoff und seine direkte Einbeziehung in die Definition der Fortschrittsvariablen zurückzuführen ist. Daher wird weiter empfohlen, die Fortschrittsvariable basierend auf den Brennstoffspezies für vorgemischte Wasserstoffflammen zu definieren. Wie erwartet, schnitt das tatsächliche PDF, das direkt aus DNS-Daten extrahiert wurde, besser ab als die β-Funktions-PDFs Pβ,k (c∗ , ck ) und P̃β,k (c∗ , ck ). Zum Beispiel zeigt die Vorhersage
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 287 , , , , , , , , mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , , , , mittlere Molfraktionen , mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , mittlere Fortschrittsvariable , mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , , , , , , , mittlere Molfraktionen , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen mittlere Molfraktionen , , , , , , , , , , mittlere Fortschrittsvariable , , , , , mittlere Fortschrittsvariable Abb. 11 A priori-Vorhersagen von Zwischenspezies H, O und OH unter Verwendung verschiedener Kombinationen von PDF und Definition der Fortschrittsvariablen. Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier mit dem tatsächlichen PDF und der mittleren Fortschrittsvariablen basierend auf den Brennstoffspezies (gestrichelte Linien in den oberen Tafeln in Abb. 11), dass die Radikalvorhersage immer noch in einem akzeptablen Bereich liegt, verglichen mit der Vorhersage, die das β-PDF beinhaltete. Tatsächlich werden durch die Nutzung von β-Funktions-PDFs die mittleren Radikalmolenbrüche signifikant unterschätzt, außer bei der hoch turbulenten Bedingung (Fall C). Für Fall C mag die Nutzung des β-PDF akzeptabel erscheinen, aber Vorsicht ist geboten. Die Untersuchung der Formen der PDFs (Abb. 12) zeigt, dass bei c∗ < 0.4 die PDFs ρ(cF )P̃β,F (c∗ , cF )/ρ(c∗ ) besser mit den tatsächlichen PDFs übereinstimmen
W. Song et al. , , , , Variable Verbrennungsfortschritt , , , , , Variable Verbrennungsfortschritt Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion , Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion 288 , , , , , Variable Verbrennungsfortschritt Abb. 12 PDFs für die auf Brennstoff basierende Verbrennungsfortschrittsvariable bei cF für die Fälle A (linkes Panel), B (mittleres Panel) und C (rechtes Panel). Rot gepunktete Linien entsprechen PDFs, die direkt aus den DNS-Daten extrahiert wurden. Schwarz durchgezogene und blau gestrichelte Linien entsprechen Pβ,F (c∗ , cF ) und ρ(cF )P˜ β,F (c∗ , cF )/ρ(c∗ ), jeweils. Erstere und letztere zeigen auch ungewichtete und massengewichtete Momente des c(x, t)-Feldes aus den DNS-Daten an, jeweils. Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier als die PDFs Pβ,F (c∗ , cF ). Dennoch weichen in einem Bereich von c∗ > 0.4, der durch höhere Radikalkonzentrationen und Reaktionsraten gekennzeichnet ist, sowohl ρ(cF )P̃β,F (c∗ , cF )/ρ(c∗ ) als auch Pβ,F (c∗ , cF ) erheblich von den tatsächlichen PDFs ab. Es ist offensichtlich, dass der angenommene β-Funktions-PDFAnsatz Mängel aufweist. Ein detaillierter Vergleich der PDF-Formen zwischen den tatsächlichen und β-Funktions-PDFs wird in Lipatnikov et al. [54] diskutiert. Während die Vorhersagefähigkeiten der Flamelet-Gleichung Gl. 34 mit dem entsprechenden PDF zufriedenstellend sein können, können die Vorhersagen durch Gl. 32 aufgrund der drastischen Schwankungen und Nichtlinearität der Produktions-/Verbrauchsrate derselben Spezies erheblich verschlechtern. Aus diesem Grund werden die Gl. 34 und 33 bevorzugt. Dennoch ist die Anwendung der Gl. 32 zur Bestimmung des Quellterms ω̇c in der Transportgleichung für die Favre-gemittelte (oder Favre-gefilterte) Fortschrittsvariable c̃ recht verbreitet (z. B. Refs. [59–64]), während mittlere (oder gefilterte) Konzentrationen verschiedener Spezies unter Verwendung der Gl. 33 berechnet werden. Die Fähigkeit der Gl. 32, ω̇c für unterschiedlich definierte Fortschrittsvariablen vorherzusagen, wurde ebenfalls untersucht und repräsentative Ergebnisse sind in den Abb. 13 und 14 für spezienbasierte und temperaturbasierte Fortschrittsvariablen dargestellt. Aus den Abb. 13 und 14 ergeben sich folgende Punkte. Erstens, die Anwendung der β-Funktions-PDFs Pβ,k (c∗ , c̄k ) oder ρ̄(c̄k )P̃β,k (c∗ , c̄k )/ρ(c∗ ) in der Gl. 32 (gepunktete oder gepunktet-gestrichelte Linien, jeweils) keine gute Vorhersage von ω̇c,k für jeden ck, wenn die Fälle A, B und C zusammen betrachtet werden. Im Gegensatz dazu wird die mittlere Wärmefreisetzungsrate ω̇T (c̄) vernünftig vorhergesagt, wenn ρ̄(c̄k )P̃β,k (c∗ , c̄k )/ρ(c∗ ) im Fall A oder Pβ,k (c∗ , c̄k ) im Fall C verwendet wird (siehe Abb. 14). Zweitens, für die produktbasierte Fortschrittsvariable (rote Linien in Abb. 13) liefern sowohl die tatsächlichen (gestrichelten Linien) als auch die β-Funktions-PDFs (gepunktete und punktiert-gestrichelte Linien) vergleichbarere Ergebnisse in allen drei Fällen. Das tatsächliche PDF schneidet besser ab für die brennstoffbasierte Fortschrittsvariable im Fall A oder die
, , , , Fortschrittsvariable , , , , , , Fortschrittsvariable , Reaktionsgeschwindigkeit Mol/(cm3 s) , Reaktionsgeschwindigkeit Mol/(cm3 s) Reaktionsgeschwindigkeit Mol/(cm3 s) Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 289 , , , , , , , , Fortschrittsvariable , , , Fortschrittsvariable , , , , , Fortschrittsvariable Wärmefreisetzungsrate, g K/(cm3 s) , Wärmefreisetzungsrate, g K/(cm3 s) Wärmefreisetzungsrate, g K/(cm3 s) Abb. 13 Mittlere Produktions-/Verbrauchsraten verschiedener Spezies als Funktion der mittleren Verbrennungsfortschrittsvariablen, definiert unter Verwendung des Massenanteils derselben Spezies. Durchgezogene Linien sind verbunden mit ω̇k (c̄k ), direkt aus den DNS-Daten extrahiert. Gestrichelte Linien entsprechen ω̇k (c̄k ), bewertet unter Verwendung von Gl. 32, den 1D-laminarer Flammenprofilen ω̇k,L (cL ) und den PDFs Pk (c∗ , ck ) aus den DNS-Daten extrahiert. Gepunktete und punktiert-gestrichelte Linien sind verbunden mit ω̇k, berechnet mit den β -Funktions-PDFs Pβ,k (c∗ , ck ) und P˜ β,k (c∗ , ck ), jeweils. Ergebnisse, die aus den Flammen A, B und C gewonnen wurden, sind in den linken, mittleren und rechten Tafeln dargestellt. Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier , , , Fortschrittsvariable , Abb. 14 Mittlere Wärmefreisetzungsraten ω̇T (c̄T ) als Funktion der mittleren temperaturbasierten Verbrennungsfortschrittsvariablen c̄T . Legenden werden in der Bildunterschrift von Abb. 13 erklärt. Nachgedruckt aus [54] mit Genehmigung von Elsevier oxidatorbasierte Fortschrittsvariable in den Fällen A und B, während die Unterschiede zwischen den ω̇c,k (c̄k ), die mit den verschiedenen PDFs erhalten wurden, am wenigsten auffällig für jede ck im Fall C sind. Drittens weichen die Werte von ω̇c,k (c̄k ), die durch die Verwendung des tatsächlichen PDFs in Gl. 32 berechnet wurden, erheblich von denen ab, die direkt aus den DNS-Daten extrahiert wurden. Die Unterschiede sind am wenigsten auffällig für die brennstoffbasierte Fortschrittsvariable im Fall A. Diese Beobachtungen implizieren, dass die turbulente Brenngeschwindigkeit aufgrund der durch die Berechnung von ω̇c,k (c̄k ) durch Gl. 32 eingeführten Fehler ungenau vorhergesagt wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Analyse der DNS-Daten für magere Wasserstoff-Luft-Turbulenz-Vormischflammen die Flamelet-Gleichungen 33 und 34 für Hauptreaktanten, Produkte und Radikale H, O und OH auch im stark turbulenten Fall C (wenn auch mit geringerer Genauigkeit) quantitativ validiert, jedoch den angenommenen β-Funktions-PDF-Ansatz nicht unterstützt. Außerdem zeigen die DNS-Daten, dass die Verwendung von Gl. 32 zu ­erheblichen
290 W. Song et al. Fehlern bei der Bestimmung des Quellterms in der Transportgleichung für die mittlere Fortschrittsvariable und damit der turbulenten Brenngeschwindigkeit führt. Die Fehler sind signifikant, selbst wenn das PDF direkt aus den DNS-Daten extrahiert wird. Obwohl diese Ergebnisse darauf hindeuten, dass das FlameletKonzept bei Karlovitz-Zahlen in der Größenordnung von 100 nützlich sein könnte, wird empfohlen, die Gleichungen 33 und 34 unabhängig von Gl. 32 zu übernehmen und ein anderes Modell für den Quellterm der mittleren Fortschrittsvariablen zu verwenden, das besser bei der Vorhersage der mittleren Flammengeschwindigkeit und -dicke abschneidet. In einer nachfolgenden Studie von Lipatnikov et al. [29] wurde die obige Empfehlung untersucht, wobei angenommen wurde, dass die mittlere Rate ω̇c durch einen anderen Abschluss bereitgestellt würde, und ein erweitertes, auf Flamelets basierendes angenommenes PDF für die Fortschrittsvariable vorgeschlagen wurde, das die Vorhersagen der mittleren Spezieskonzentrationen verbessern könnte. Ihr vorgeschlagenes PDF passt das klassische Flamelet-PDF an ein großes Intervall von c1∗ < c < c2∗ an, nimmt eine einheitliche Form bei größeren c > c2∗ in der Radikalrekombinationszone an und verwendet ω̇c, um das angenommene PDF zu kalibrieren, wobei die übliche Kalibrierungsbeschränkung basierend auf dem zweiten Moment c2 durch eine in Gl. 32 gegebene ersetzt wird. Eine a prioriBewertung ihres neu formulierten PDFs für die Fälle A, B und C zeigt genaue Vorhersagen der mittleren Dichte, Temperatur und Molbrüche von H2, O2 und H2O in allen drei Fällen. Mittlere Molbrüche der Radikale H, O und OH werden in den Fällen A und B gut vorhergesagt. Im Fall C wird eine gute Übereinstimmung der mittleren Radikalkonzentrationen bei c̄ ≤ 0.7 gefunden, während bei c̄ ≥ 0.95 die Genauigkeit abnimmt und das Beta-Funktions-PDF es übertrifft. 6 Zusammenfassung, zusätzliche Herausforderungen und zukünftige Aussichten In diesem Kapitel wurden Modelle für die turbulente Flammengeschwindigkeit und die lokale Verschiebung der Geschwindigkeit reiner magerer WasserstoffVormischflammen für ein breites Spektrum an Turbulenzniveaus diskutiert. Darüber hinaus wurde die Vorhersagefähigkeit der PDF-Modellierung unter Verwendung des weit verbreiteten laminar Flamelet-Konzepts für RANS oder LES a priori anhand eines Satzes modernster DNS-Daten bewertet. Die DNS-Daten legen nahe, dass der Hauptturbulenzparameter, der die turbulente Flammengeschwindigkeit beeinflusst, die Größe der energiereichsten Wirbel ist und nicht dimensionslose Zahlen wie Reynolds- oder Karlovitz-Zahlen. Die Modelle der lokalen Verschiebung der Geschwindigkeit legen ebenfalls nahe, dass ein Modell, das für ein moderates Turbulenzniveau (Ka ≈ O(10)) entwickelt wurde, die Flammen mit Ka > O(1.000) genau vorhersagt. Die PDF-Modellierung unter Verwendung des Flamelet-Konzepts wurde bis zu Ka > O(100) bewertet, für die die Massen- (Mol-) Brüche der Hauptspezies vernünftig gut vorhergesagt werden.
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische … 291 Eine Reihe von hochauflösenden Simulationen wurden für hohe KaBedingungen durchgeführt, in der Erwartung, dass die Kleinskalenturbulenz eine wichtige Rolle spielen würde, insbesondere in der Nähe der ReaktionszonenSchicht. Die Gesamtergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass, obwohl die Vorwärmzone durch die Wirkung der Turbulenz verbreitert wird, die Reaktionszone intakt bleibt, da die Kleinskalenturbulenz durch die thermische Ausdehnung über die Flammenfront schnell abklingt. In den oben berichteten Studien war DNS bei großen Werten von u′ oft auf lT beschränkt, aufgrund der damit verbundenen Rechenkosten. Es wird jedoch erwartet, dass die Trends von ST für große lT Bedingungen aufgrund der ausgeprägteren Effekte von thermodiffusiven Instabilitäten unterschiedlich sein werden, was realistischere Wasserstoffflammen liefert. Um das physikalische Verständnis der realistischen WasserstoffflammenGeschwindigkeitscharakteristika zu verbessern, ist es notwendig, den Parameterraum auf größere Werte von lT zu erweitern. Darüber hinaus drücken viele Modelle der turbulenten Flammengeschwindigkeit in der Literatur ST in Bezug auf u′ für einen gegebenen lT oder in Bezug auf dimensionslose Zahlen wie Da, Re oder Ka aus. Wie bereits in Abschnitt 4 diskutiert, könnte die Skalierung von ST mit lT eine universellere Methode sein, insbesondere wenn eine breite Palette von turbulenten Parametern berücksichtigt wird. Für realistischere und praktischere Bedingungen geht die zukünftige Richtung in Richtung erhöhter Druckbedingungen, bei denen (1) erhöhte Diffusionseffekte erwartet werden, da der Diffusionsterm der Spezies k, Dk = ∇ · (ρVk Yk ), proportional zur Dichte und zum Gradienten von Yk ist, (2) eine erhöhte Präsenz von Zellstrukturen aufgrund verstärkter hydrodynamischer Instabilität (erhöhtes ρu /ρb) erwartet wird und (3) verstärkte chemische Reaktionen aufgrund häufigerer Kollisionen zwischen Molekülen. Umfangreichere parametrische Studien für einen breiteren Druckbereich sind erforderlich, um die Rolle verschiedener Mechanismen bei der Verbesserung der turbulenten Flammengeschwindigkeit bei erhöhtem Druck zu identifizieren. Die Tabellierung und PDF-basierte Verbrennungsmodellierung sowie die Modellierung der turbulenten Flammengeschwindigkeit von WasserstoffVormischflammen sind hauptsächlich aufgrund der hochdiffusiven Natur von Wasserstoff schwierig. Hohe Diffusivität impliziert, dass die lokale Zusammensetzung empfindlich auf die Strömung des Fluids reagiert, da leichte Moleküle bei gleicher Impulskraft empfindlicher reagieren. Diese „bevorzugte Diffusion“ der mageren Wasserstoffflamme wird typischerweise auf verschiedenen Krümmungsniveaus beobachtet; Wasserstoff konzentriert sich entlang der Flammenregion, die konvex zur Seite des unverbrannten Gases ist (häufig als positiv gekrümmte Regionen definiert), und daher wird das lokale Äquivalenzverhältnis im Vergleich zum frischen Gemisch höher. Die lokale Anreicherung von Wasserstoff führt zu einer Erhöhung der lokalen Flammengeschwindigkeit, was wiederum die globale turbulente Flammengeschwindigkeit verstärkt. Ebenso wird die Wasserstoffdiffusion in den negativ gekrümmten Regionen defokussiert, wodurch die lokale Flammengeschwindigkeit abnimmt. Gemäß Damköhlers erster Hypothese (ST /SL = AT /AL) wird die globale turbulente Flammengeschwindigkeit
W. Song et al. 292 durch die Flammenoberfläche bestimmt (siehe auch Abb. 4). Die Erhöhung der lokalen Flammengeschwindigkeit vergrößert die Flammenoberfläche, entlang derer mehr chemische Reaktionen stattfinden, und dieses gegenseitige Feedback erhöht weiter die globale Flammengeschwindigkeit. Für magere Wasserstoffflammen mit viel schnellerer Massendiffusion als Wärmediffusion (Le ≪ 1,0) fördern diffusive-thermische Effekte weiter das Niveau der Flammenwellung, wie zuvor in [65–67] diskutiert, wo große Flammenwellung nur beobachtet wurde, wenn die thermodiffusive Instabilität ausgeprägt war. Sobald die zelluläre Struktur aufgrund von diffusive-thermischen und/oder hydrodynamischen Instabilitäten gebildet wird, erhöht sich die Flammengeschwindigkeit, was die Vorhersage der turbulenten Flammengeschwindigkeit noch schwieriger macht. Wenn sich die lokale Flammengeschwindigkeit aufgrund der Wechselwirkung zwischen Turbulenz und Flamme ändert, fügt die Veränderung der lokalen Flammenstruktur auch mehr Unsicherheit zur globalen Flammenstruktur hinzu, was die Vorhersagefähigkeit von Flammen- oder PDF-basierten Modellen verschlechtert. Während in Abschn. 5 diskutiert wurde, dass eine mittlere Größe ψ für RANS (oder gefilterte Größe für LES) unter Verwendung einer Kombination aus laminarer Flammenwert, der ψ entspricht, und der Wahrscheinlichkeit, dies in turbulenten Strömungen zu finden, berechnet wird, hängt die PDF in Wirklichkeit von einer größeren Anzahl von Variablen ab, die die thermochemischen Zustände definieren [2], wie z. B. Speziesmassenfraktionen, Temperatur und Druck. Es wird jedoch typischerweise angenommen, dass eine reduzierte Anzahl von Variablen ausreicht, um das vollständige chemische System zu reproduzieren, und die Fortschrittsvariable wurde als die beste Einzelvariable angesehen, um die Entwicklung des Systems für vorgemischte Flammen zu bestimmen (Mischungsbruch für nicht vorgemischte Flammen). Bei signifikanten Niveaus der bevorzugten Diffusion kann die Darstellung der thermochemischen Zustände mit einer einzigen Variablen jedoch nicht ausreichen. Eine Möglichkeit, das Ausmaß der präferenziellen Diffusionseffekte zu bewerten, ist das lokale Äquivalenzverhältnis, das aus der Bilger’schen Mischungsbruch-Formel (Z) [68] abgeleitet wird, die auf den elementaren Massenfraktionen im Berechnungsgebiet basiert. Die Beziehung zwischen Z und φ erfolgt durch [1]: Z φ= 1−Z  1 − Zst Zst  (37) wobei Zst die Mischungsbruch im stöchiometrischen Zustand ist. Idealerweise ist φ überall identisch, da die Elemente erhalten bleiben. Wie jedoch in Abb. 15 gezeigt, ist das lokale φ selbst bei eindimensionalen Flammen aufgrund präferenzieller Diffusionseffekte nicht konstant. Bei einem Transport mit einer Lewis-Zahl von eins ist φ wie erwartet konstant, was in der mit einer roten Linie markierten Abbildung deutlich wird. Eine vorgeschlagene Lösung, um genauere Modellierungsergebnisse für die Wasserstoffverbrennung zu erzielen, könnte eine Tabellierung basierend auf dem Fortschrittsvariablen- und
Turbulente Wasserstoffflammen: Physikalische und modellierungstechnische …  /H  /H   ij>@ Abb. 15 Lokales Äquivalenzverhältnis berechnet aus Gl. 37 für frei propagierende magere Wasserstoffflammen mit vollem Transport (rot) und Annahme einer einheitlichen Lewis-Zahl. cF bezieht sich auf die Fortschrittsvariable basierend auf der Brennstoffspezies 293           F)>@ ­ ischungsbruch-Modell für die Flammenmodellierung und gemeinsame PDFs M der Mischungsbruch und Fortschrittsvariablen für die PDF-basierte Modellierung sein. Eine weitere Bewertung verschiedener Modellierungskonzepte erfordert eine größere Menge an DNS-Daten, die ein breiteres Spektrum relevanter Parameterbedingungen abdecken. Für die Modellierungsstrategie für zukünftige Verbrennungsumgebungen mit magerem Brennstoff und erhöhtem Druck berichteten Rieth et al. [69], dass bei erhöhten Druckbedingungen die „Erweiterung“ der Vorwärmzone durch die kleinräumige Turbulenz abgeschwächt wird und die Flamme dünner wird. Daher könnten erhöhte Drücke das Konzept der „dünnen Reaktionszone“ begünstigen, aber gleichzeitig werden aufgrund der verstärkten zellulären Struktur und des noch stärker diffundierenden Wasserstoffs mehr präferentielle Diffusionseffekte erwartet. Daher wird die Nutzung von mehr als einer Steuerungsvariablen für Flamelet-Tabellen und PDFs ein vernünftiger Ansatz sein. Danksagungen Die Autoren danken der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) und dem KAUST Supercomputing Laboratory für ihre Unterstützung. Literatur 1. Peters N (2000) Turbulent combustion. Cambridge university press 2. Poinsot T, Veynante D (2005) Theoretical and numerical combustion. RT Edwards, Inc., 3. Lieuwen T, McDonell V, Petersen E, Santavicca D (2008) Fuel flexibility influences on premixed combustor blowout, flashback, autoignition, and stability. J Eng Gas Turbines Power 130(1) 4. Abdel-Gayed R, Bradley D, Lawes M (1987) Turbulent burning velocities: a general correlation in terms of straining rates. Proc R Soc Lond A 414(1847):389–413 5. Gülder Ö, Smallwood GJ, Wong R, Snelling D, Smith R, Deschamps B, Sautet J-C (2000) Flame front surface characteristics in turbulent premixed propane/air combustion. Combust Flame 120(4):407–416
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Anwendungen
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme Alessandro Parente, Matteo Savarese und Saurabh Sharma Zusammenfassung Stationäre Verbrennungssysteme sind eine weit verbreitete Technologie in einer Vielzahl von industriellen Anwendungen. Um ihren Energiebedarf zu decken, verlässt sich die Industrie hauptsächlich auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe und wird so zu einem bedeutenden Verursacher der globalen Kohlendioxidemissionen. Aus diesem Grund ist die Dekarbonisierung hoch energieintensiver Industriesektoren von strategischer Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel. Die Einführung von Wasserstoff als kohlenstofffreier Brennstoff zur Ersetzung fossiler Quellen erscheint als attraktive Lösung, um den CO2Fußabdruck stationärer Verbrennungssysteme zu reduzieren, aber viele technische Herausforderungen müssen angegangen werden und waren in den letzten Jahren Gegenstand umfangreicher Forschung. Ziel dieses Kapitels ist es, den aktuellen Stand der Wasserstoffverbrennung in stationären Verbrennungssystemen aus experimenteller und numerischer Perspektive zu überprüfen. Insbesondere werden die Eigenschaften von Wasserstoff und wasserstoffangereicherten Brennstoffen analysiert, die von Laborbrennern, in denen innovative Konzepte bewertet werden können, bis hin zu quasi-industriellen und großindustriellen Anwendungen reichen. Die wichtigsten numerischen Ansätze zur Modellierung der Wasserstoffverbrennung werden ebenfalls beschrieben. Abschließend werden Forschungstrends und zukünftige Richtungen identifiziert, mit besonderem Fokus auf innovative Konzepte wie maschinelles Lernen und digitale Zwillinge, die eine spannende Gelegenheit für neue Ansätze im Design stationärer Verbrennungssysteme darstellen können. A. Parente · M. Savarese (*) · S. Sharma Université Libre de Bruxelles, Brussels, Belgium E-Mail: matteo.savarese@ulb.be A. Parente E-Mail: alessandro.parente@ulb.be © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_7 299
300 A. Parente et al. 1 Einführung: Herausforderungen und Chancen für stationäre Verbrennungssysteme Stationäre Verbrennungsgeräte werden in verschiedenen Sektoren eingesetzt, wie z. B. in Wohnanwendungen, industriellen Kesseln und Öfen. Die Verbrennung war schon immer der bevorzugte Energieumwandlungsprozess für diese speziellen Anwendungen, da Prozesswärme bei hohen Temperaturen bereitgestellt werden muss. Der Einsatz fossiler Brennstoffe als primäre Energiequelle in diesen energieintensiven Sektoren hat zu erhöhten Emissionen von Treibhausgasen (THG) geführt, da die Industrie etwa 20 % der gesamten CO2-Emissionen weltweit ausmacht [44], wobei der Großteil davon aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammt. In letzter Zeit drängen internationale Institutionen und nationale Regierungen zunehmend auf Technologien zur Netto-Null-Emission, da sie den Klimanotstand erkennen und die Notwendigkeit, Schadstoffemissionen zu kontrollieren und Nachhaltigkeit durchzusetzen [22]. Es ist entscheidend für unsere Gesellschaft, insbesondere für den Industriesektor, schnell zu handeln. Allerdings müssen viele technische Herausforderungen bewältigt werden, um solche tiefgreifenden Veränderungen umzusetzen, insbesondere für energieintensive Industrien. Die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks energieintensiver Industrien erfordert einen höheren Anteil an Energie aus erneuerbaren Quellen, und Elektrifizierung könnte eine gültige Option sein. Der Einsatz von Elektrizität ist jedoch nicht immer eine technisch machbare Lösung, insbesondere für Anwendungen, bei denen Hochtemperaturwärme geliefert werden muss (z. B. Schmelzen, Sintern und Materialbehandlung). Wasserstoff als Energieträger stellt eine der Hauptchancen für die Industrie auf dem Weg zum Netto-Null-THG-Ziel 2050 dar, da er Wärme auf sichere, nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Weise liefern kann. Der Wechsel von stark verschmutzenden fossilen Brennstoffen zu grünem Wasserstoff wird jedoch die Industrie vor mehrere technische Herausforderungen stellen. Aus physikalischer Sicht zeigen die Eigenschaften von Wasserstoff tiefgreifende Unterschiede im Vergleich zu herkömmlichen Brennstoffen. Insbesondere zeichnet er sich durch höhere Reaktivität, höhere Flammentemperaturen und höhere Temperaturgradienten aus. Darüber hinaus hat er einen anderen Heizwert und erfordert eine andere Menge an Oxidationsmittel, um die Verbrennung abzuschließen, was die Betriebsbedingungen stationärer Verbrennungssysteme, insbesondere die Eindüsgeschwindigkeiten, stark beeinflussen kann. Wenn nicht angemessen gehandhabt, kann Wasserstoff potenziell zu erhöhten Schadstoffemissionen wie NOx und anderen Sicherheitsrisiken wie Rückzündung führen. Die Materialverträglichkeit mit Wasserstoff ist ebenfalls ein potenzielles Problem, da die Degradation von feuerfesten Materialien schneller erfolgt und das Risiko von Versprödung oder erhöhter Korrosion höher ist. Durchbrüche in der Verbrennungsforschung sind daher notwendig, um der Industrie auf dem Übergangspfad zu helfen.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 301 In den letzten zwei Jahrzehnten war die Entwicklung effizienterer und nachhaltigerer Verbrennungskonzepte Gegenstand umfangreicher Forschung. Unter den möglichen Lösungen erscheinen alternative Verbrennungsregime als vielversprechende Technologien zur Aufnahme kohlenstofffreier Brennstoffe. Die sogenannte flammenlose Verbrennung [106], oder moderate oder intensive sauerstoffarme Verdünnungsverbrennung (MILD) [13], oder leicht unterschiedliche Konzepte wie Hochtemperatur-Luftverbrennung (HiTAC) [53] oder farblose verteilte Verbrennung (CDC) [54], können hohe Energieeffizienz bei niedrigen Schadstoffemissionen bieten, und diese Technologie ermöglicht es Verbrennungssystemen, eine große Vielfalt an Brennstoffen sicher und zuverlässig zu verbrennen. Industrielle Sektoren, die auf Hochtemperaturbehandlungen in geschlossenen Systemen angewiesen sind, werden besonders von der Einführung dieses Regimes profitieren. In diesem Kapitel werden wir abwechselnd auf MILDoder flammenlose Verbrennung Bezug nehmen. Ein Licht auf die Physik dieses speziellen Regimes zu werfen, war schon immer eine Forschungsherausforderung. In jüngerer Zeit wird der Effekt der Wasserstoffzugabe auf die MILD-Verbrennung zu einem bedeutenden Forschungstrend, da die MILD-Verbrennung optimale Bedingungen bietet, um Wasserstoff zu handhaben. Durchbrüche in der Verbrennungsforschung sind von grundlegender Bedeutung, um der Industrie und der Gesellschaft zu helfen, das Ziel einer CO2-emissionsfreien Wirtschaft bis 2050 zu erreichen. In diesem Zusammenhang sind numerische Modelle und Simulationen von größter Bedeutung für die Gestaltung neuer Systeme. Die Verbesserung ihrer Vorhersagefähigkeit und die Reduzierung der hohen Rechenzeit, die mit komplexen Simulationen verbunden ist, sind von großem Forschungsinteresse, da diese beiden Faktoren die Hauptengpässe für die Industrie während der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F &E) darstellen. Der Umfang dieses Kapitels besteht darin, den aktuellen Stand der Technik in Bezug auf die Wasserstoffverbrennung in stationären Verbrennungssystemen zu analysieren, zu überprüfen und kritisch zu bewerten, von Laboranlagen bis hin zu industriellen und sogar Wohnanwendungen. Eine Überprüfung der Modellierungsansätze für stationäre Verbrennungssysteme wird ebenfalls durchgeführt. Schließlich werden Forschungstrends und zukünftige Richtungen für stationäre Verbrennungssysteme vorgestellt. 2 Stand der Technik 2.1 Laborsysteme: Verständnis der H2 -Verbrennungseigenschaften Der Einsatz von Wasserstoff als Brennstoff kann eine technologische Lösung zur Dekarbonisierung der Stromerzeugung in den Industrie- und Wohnsektoren dar-
A. Parente et al. 302 stellen. Die Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff und seine Auswirkungen auf die Flammenstabilität und Emissionen sind jedoch noch nicht vollständig verstanden. Die Verbrennung von reinem Wasserstoff kann aus technischer Sicht schwierig sein, aufgrund von Speicherproblemen und unerwünschten Phänomenen wie Rückzündung, die die Betriebsfähigkeit des Brenners beeinträchtigen können [101]. Andererseits sind Kohlenwasserstoffflammen schwerer zu entzünden, und die geringere Reaktivität kann Fehlzündungen und erhöhte unverbrannte Kohlenwasserstoffemissionen verursachen [101]. Laborsysteme stellen eine ausgezeichnete Referenz dar, um die Wasserstoffverbrennung zu untersuchen und die Möglichkeit zu bieten, hochpräzise Daten zu sammeln [11, 25, 80]. Wasserstoff hat eine der niedrigsten beobachteten Zündgrenzen [101], und seine Zugabe zu Kohlenwasserstoffbrennstoffen kann die obere Zündgrenze dieser Gemische erheblich erhöhen [96, 104]. Darüber hinaus führt die Zugabe von H2 zu einer erhöhten laminaren Flammengeschwindigkeit [109], was für die Verbrennungsstabilität vorteilhaft sein kann, aber auch zu Rückzündungen und erhöhten NOx-Emissionen aufgrund höherer Temperaturspitzen führen kann [103] (Tab. 1). Daher hat die Forschungsgemeinschaft ihre Bemühungen darauf ausgerichtet, innovative Verbrennungsregime zu entwickeln, die in der Lage sind, Wasserstoff und wasserstoffangereicherte Brennstoffe vielseitiger und auf sauberere und effizientere Weise zu handhaben. In diesem Zusammenhang scheint die moderate oder intensive Niedrigsauerstoffverdünnung (MILD) Verbrennung [13], auch als flammenlos [106] oder farblose verteilte [54] Verbrennung bezeichnet, eine vielversprechende Lösung zu sein, die Brennstoffflexibilität, thermische Effizienz und niedrige Schadstoffemissionen kombiniert. Dieses Verbrennungsregime kann durch die Rückführung von Abgasen in die Reaktionszone erreicht werden, wodurch der Sauerstoffgehalt, bei dem die Reaktionen stattfinden, gesenkt wird. Die Folge ist eine allmählichere Entwicklung des Verbrennungsprozesses, ohne Temperaturspitzen und somit die Bildung von Hochtemperaturschadstoffen, z. B. NOx [13], verhindert. Die Analyse der Physik und Chemie hinter diesem Regime war in den letzten zwei Jahrzehnten Gegenstand umfangreicher Forschung aus experimenteller und Tab. 1 Untere (LFL) und obere (UFL) Zündgrenzen einiger Brennstoffe in Abhängigkeit vom Äquivalenzverhältnis [101] Brennstoff φ Wasserstoff Kohlenmonoxid Ammoniak Methan Ethane Propan LFL 0,1 0,34 0,63 0,5 0,52 0,56 UFL 7,14 6,8 1,4 1,67 2,4 2,7
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 303 Düsenauslass Oxidationsmitteleinlass Keramische Abschirmung Kraftstoffeinlass Perforierte Platte Interner Brenner Auslass für Kühlgas Kühlgaseinlass Oxidationsmitteleinlass Abb. 1 Querschnitt des Adelaide Jet-in-Hot-Coflow [25] numerischer Perspektive. Mehrere Labormaßstäbe wurden zu diesem Zweck entwickelt, bei denen es möglich ist, mehr Einblicke in die Verbrennungsgrundlagen zu gewinnen, da optische und lokale Flammenmessungen in industriellen Systemen nicht einfach durchzuführen sind. Die Verbrennung von H2/CH4-Flammen unter MILD-Bedingungen wurde von Dally et al. [25] in ihrer bahnbrechenden Arbeit an einem Labormaßstab-Jet-in-HotCoflow-Brenner (Abb. 1) bewertet, der zu einem Referenzpunkt in der MILD-Verbrennungsforschung geworden ist. Sie zeigten die Wirkung der O2-Konzentration im oxidierenden heißen Coflow auf die Verbrennung eines äquimolaren CH4/H2-Brennstoffgemisches. Der Sauerstoffgehalt wurde von 9 auf 6 und auf 3 % nach Volumen variiert (nämlich HM1-, HM2- und HM3-Flammen). Es wurde beobachtet, dass die Spitzentemperatur um etwa 400 K sank, als der O2-Gehalt auf 3 % gesenkt wurde, mit anschließender Unterdrückung der CO- und NO-Bildung (Abb. 2). Sie stellten auch fest, dass bei 3 % O2 die Abhängigkeit der NO-Bildung von der Temperatur weniger klar ist und andere chemische Wege als thermisches NOx für seine Bildung unter MILD-Bedingungen verantwortlich sein könnten. Choudury et al. [18] untersuchten auch die Wirkung der Wasserstoffzugabe zu Erdgas in turbulenten Jet-Diffusionsflammen an einem Laborbrenner. In ihrer Arbeit untersuchten sie die Korrelation der Flammenlänge, Schadstoffemissionen (NOx, CO und Ruß) und den Anteil des Strahlungswärmeverlusts mit dem Wasserstoffgehalt des Brennstoffs. Sie beobachteten eine negative Korrelation zwischen Flammenlänge und Wasserstoffkonzentration, die sie auf die höhere Reaktivität von wasserstoffdotierten Gemischen zurückführten. Die Folge der erhöhten Verbrennungsrate ist eine Verringerung der Verweilzeit des
A. Parente et al. 304 , , , , , , , , , , , Abb. 2 Radiale Profile der mittleren Temperatur und Massenfraktion von CO, OH und H2 O an axialer Position Z = 30 mm für die Flammen HM1 (schwarz), HM2 (rot) und HM3 (blau). Adaptiert von Dally et al. [25] , , , , , , Wasserstoff % EI CO [g/kg Brennstoff] Abb. 3 Abhängigkeit des NO-, NO x - und CO-Emissionsindex mit H 2 % im Brennstoff. Adaptiert von Chodhuri et al. [18] EI NOx [g/kg Brennstoff] Gemisches in der Reaktionszone; daher legt der Brennstoff eine kürzere Strecke zurück, bevor er verbrennt, was die sichtbare Länge der Flamme reduziert. Ein vergrößerter Radikalpool (OH, H und O), der durch Wasserstoff eingebracht wird, kann diesen Effekt erklären, da er die Reaktivität des Gemisches erhöht. Bezüglich der Emissionen wurde ein positiver, exponentieller Trend des NO-Emissionsindex mit H2% beobachtet, sowie eine exponentielle Reduktion von CO (Abb. 3). Der Anstieg von NOx wurde als Folge der höheren Temperatur angesehen, die durch H2-angereicherte Gemische erreicht wird, da der Energiegehalt höher und
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 305 Abb. 4 Saubere flammenlose Bereiche für die drei verschiedenen Brennstoffe, die von Derudi et al. untersucht wurden [27] Temperatur (°C) die Flammenstrahlung geringer ist. Dies fördert die Bildung von O-, H- und OH-Radikalen, die folglich die Bildung von NO durch den thermischen oder Zeldovich-Mechanismus [110] begünstigen. Andererseits wird die CO-Bildung reduziert, da der Kohlenstoffeintrag in die Flamme geringer ist. Der Einfluss des Wasserstoffgehalts in Kohlenwasserstoffflammen wirkt sich direkt auf die Möglichkeit aus, das MILD-Regime zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Derudi et al. [27, 28] untersuchten die Auswirkungen der Wasserstoffzugabe zu Synthesegas auf die Stabilität der MILD-Verbrennung. Insbesondere untersuchten sie die Wirkung von zwei wichtigen Betriebsparametern, dem Rezirkulationsverhältnis Kv und der Luftvorwärmtemperatur. Sie beobachteten, dass die Zugabe von H2 die Stabilität der MILD-Verbrennung erheblich beeinflussen kann, was die Notwendigkeit mit sich bringt, diese Betriebsparameter entsprechend anzupassen. Sie identifizierten auch die MILD-Stabilitätsgrenzen für Koksofengasgemische (CH4/H2 40/60 % nach Volumen) und verglichen das Betriebsparameterfenster mit der Verbrennung von reinem Erdgas. Es wurde festgestellt, dass das Wasserstoffgemisch die flammenlose Verbrennung effizient aufrechterhalten konnte (Abb. 5). Es wurde auch festgestellt, dass eine höhere Einmischung heißer Produkte für H2 im Vergleich zu Erdgas erforderlich war. Allerdings waren niedrigere Vorwärmtemperaturen ausreichend, um im MILD-Bereich zu arbeiten, was eine weitere Senkung der Flammentemperatur ermöglichte. Darüber hinaus wurde ein breiteres stabiles Fenster von Parameterkombinationen gefunden, das die MILD-Verbrennung für das Koksofengas im Vergleich zu Erdgas ermöglicht (Abb. 4). Die gleiche Fallstudie wurde auch von Galletti et al. [39] und Parente et al. [81] untersucht. Sie verglichen reines Methan und ein Methan-WasserstoffGemisch von 40–60 % nach Volumen. Das zuvor erwähnte Verdünnungsverhältnis KV wurde variiert, und es wurde gezeigt, dass es die NO-Bildung erheblich beeinflusste (Abb. 6). Sie hoben auch hervor, dass verschiedene NO-Bildungswege, nämlich der NNH- und der N2O-Weg, unter MILD-Bedingungen (hohes Verdünnungsverhältnis) dominant werden. Die vorherige Arbeit zeigte, dass die Zugabe von H2 helfen kann, die Verbrennungsstabilität von KohlenwasserstoffBrennstoffgemischen zu verbessern, und die Industrie kann besonders von diesem Aspekt profitieren. Kleine Zugaben von H2 kann auch helfen, die Verbrennung von niederkalorischen Brennstoffen, wie Biogas, dessen Verbrennung schwerer CH4/H2 = 70/30 nach Volumen CH4/H2 = 40/60 nach Volumen
A. Parente et al. Temperatur (°C) 306 Abb. 5 Flammenlose Betriebskennfeld für den 40/60 CH 4 /H 2 -Brennstoff: Strahlgeschwindigkeit größer als 75 m/s. Volle Symbole repräsentieren saubere flammenlose Verbrennung; A Mischzone und B saubere flammenlose Bereich, von Derudi et al. [27] Abb. 6 Experimentelle Ergebnisse im Vergleich mit numerischen Simulationen der NO-Emissionen von CH 4 /H 2 -Brennstoffgemischen für verschiedene Verdünnungsverhältnisse KV . Adaptiert von Galletti et al. [39] stufig stufig a­ufrechtzuerhalten ist, zu stabilisieren. Insbesondere untersuchten Leung und Wierzba [104] die H2-Zugabe zu Biogas in nicht-vorgemischten Strahlflammen, um die Stabilität und die Abblasegrenzen zu untersuchen. Der hohe CO2-Gehalt von Biogas macht die Stabilitätsgrenzen dieses Gemisches relativ eng (niedrige Brennstoffaustrittsgeschwindigkeit und niedrige Mitströmgeschwindigkeit). Die Zugabe einer kleinen Menge Wasserstoff, etwa 10 % im Volumen, hatte einen erheblichen Einfluss auf die Flammenstabilität des Gemisches (Abb. 7). Insbesondere führte die Zugabe von 10 % H2 im Volumen zu einem konsistenten Anstieg der Abblasegeschwindigkeit für jede untersuchte Biogaszusammensetzung (60/40 % CH4/CO2 und 50/50 % CH4/CO2). Eine weitere Zugabe von
307 Abblasgeschwindigkeit [m/s] Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme , , Geschwindigkeit der Mantelströmung [m/s] Abb. 7 Abblasegeschwindigkeit von Biogas (60/40 %) CH 4 /CO 2 mit Wasserstoffzugabe für zwei verschiedene Düsendurchmesser, nämlich 28 und 45 mm, für drei verschiedene Wasserstoffzugabemengen. Adaptiert von [61] Wasserstoff, von 10 auf 20 %, führte zu einer weniger ausgeprägten Verbesserung der Flammenstabilität, mit einem Anstieg der Abblasegeschwindigkeit von etwa 80 % weniger als bei der vorherigen Zugabe. Die Gründe für dieses Verhalten waren den Autoren nicht vollständig klar, da Abblasemechanismen noch eine offene Forschungsherausforderung darstellen. In der Literatur wurden jedoch Versuche unternommen, die Abblasegrenzen mit den laminaren Brenngeschwindigkeiten von Luft-Brennstoff-Gemischen zu korrelieren [100]. Aus betrieblicher Sicht ist die Wirkung von Wasserstoff auf Kohlenwasserstoffflammen mehr oder weniger offensichtlich. Hochpräzise Experimente können jedoch grundlegende Details zur Wasserstoffverbrennung sammeln, um ein tieferes Verständnis zu erreichen. Mendez et al. [2] untersuchten beispielsweise die Wirkung der H2-Zugabe zu Erdgas in einer Jet-in-Hot-Coflow-Konfiguration [80]. Sie verwendeten Flammenlumineszenz und Particle Image Velocimetry; es wurden auch sofortige Temperaturmessungen durchgeführt. Wie in Abb. 8a gezeigt, wurde bei H2-angereicherten Gemischen ein reduziertes Abheben der Flamme durch die Langzeitbelichtungsbilder beobachtet. Die Bilder der Kurzzeitbelichtung zeigten tiefgreifende Unterschiede im Flammenstabilisierungsbereich zwischen Erdgasund wasserstoffangereicherten Flammen: Insbesondere waren Selbstzündkerne (deren Struktur hier genau beschrieben wird [80]) bei den NG- und den 5 % H2 -Fällen sichtbar, während sie bei den Flammen mit höherem Wasserstoffgehalt, bei denen an jeder Stelle eine verbundene Flammenfront vorhanden war, nicht nachgewiesen werden konnten. Aus den PIV-Messungen wurde beobachtet, dass die Anwesenheit von Wasserstoff dazu beiträgt, die Turbulenzintensitätsniveaus in breiteren stromabwärts gerichteten Regionen aufrechtzuerhalten (Abb. 8b). Dies deutet darauf hin, dass H2 chemische Reaktionen tiefer in der turbulenten Scherschicht stattfinden. Darüber hinaus wurden in wasserstoffangereicherten Flammen höhere Temperaturspitzen im Vergleich zu NG festgestellt, was darauf hindeutet, dass differentielle Diffusion eine wesentliche Rolle spielen kann.
308 A. Parente et al. , , , , , , Abb. 8 Experimentelle Ergebnisse von Artega Mendez et al. [2], a Bilder der Flammenwurzel, aufgenommen mit einer Langzeitbelichtung von 1 s (links) und einer Kurzzeitbelichtung von 0,5 ms (rechts). Die rote Ellipse weist auf einen Selbstzündkern hin und die roten Kreuze kennzeichnen den Austritt des Brennstoffrohrs. Die Fensterbreite beträgt etwa 8 cm. b Farbkarte der Turbulenzintensität der axialen Geschwindigkeitsfluktuationen (u′ /u)-Niveaus für die vier untersuchten Flammen Medwell und Dally [77] verwendeten ebenfalls hochpräzise Diagnostik an dem zuvor erwähnten Jet-in-Hot-Coflow-Brenner. Sie untersuchten die Eigenschaften von wasserstoffangereicherten Brennstoffen, nämlich NG, Ethylen und LPG. Insbesondere wurden ICCD-Kameras eingesetzt, um hochauflösende Bilder der Flammen bei unterschiedlichen Sauerstoffniveaus im Coflow (3 und 9 %) zu erhalten. Die Zugabe von Wasserstoff war notwendig, um die Flammen zu stabilisieren und die Rußbildung zu reduzieren, die die Genauigkeit der Laserdiagnostik beeinträchtigen könnte. Wie bereits erwähnt, kann die Rolle der differentiellen Diffusion beim Flammenstabilisierungsmechanismus von H2-angereicherten Flammen erheblich sein. Durch strukturelle Analysen wurde dieser Aspekt experimentell von Zhang et al. [112] an quasi-laminar und turbulent mager-vorgemischten Flammen untersucht. Es wurden drei Brennstoffgemische aus Methan und Wasserstoff mit 0, 30 und 60 % H2 im Volumen (H1, H2 und H3, nämlich) verwendet. Das Äquivalenzverhältnis wurde geändert, um eine konstante laminare Flammengeschwindigkeit zu erreichen. Ein OH-PLIF-System wurde verwendet, um die Struktur der Flammen zu erfassen, wie in Abb. 9 gezeigt. Die Falten in der Flammenfront, die in der H1-Flamme vorhanden sind, werden durch Erhöhung des Wasserstoffgehalts im Brennstoff verstärkt. Dies zeigt, wie die bevorzugte Diffusion von H2 die lokale Krümmung der Flamme beeinflusst und somit die Brenngeschwindigkeit im Vergleich zu NG-Gemischen erhöht.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme Abb. 9 OH-PLIF-Bilder der von Zhang et al. [112] an quasi-laminaren Flammen untersuchten Flammen Gemisch H1 309 Gemisch H2 Gemisch H3 2.2 Wasserstoff in quasi-industriellen Öfen Aus einer operativeren Perspektive stellt die Anpassung von wasserstoffangereicherten Brennstoffen in industriellen Systemen durch Nachrüstung bestehender Verbrennungsanlagen eine bedeutende Herausforderung dar, die angegangen werden muss. Während Laborsysteme tiefgehende Einblicke in die Verbrennungseigenschaften und die Flammenstruktur bieten, ist es entscheidend, die Komplexität zwischen Labor- und Industriegröße zu überbrücken, um eine effiziente Skalierung innovativer Konzepte zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang können Systeme im mittleren Maßstab, die realistische industrielle Konfigurationen nachahmen können, wichtige Einblicke in den Betrieb praktischer Geräte bieten. In der Literatur können diese Systeme austauschbar als quasiindustrielle oder halb-industrielle Systeme bezeichnet werden. In der Literatur sind mehrere Beispiele für mittelbelastete, quasi-industrielle Öfen (bis zu 100 kW) verfügbar. Sie zielen darauf ab, die Auswirkungen der Wasserstoffzugabe auf die thermischen und umwelttechnischen Leistungen von Verbrennungssystemen im realen Maßstab zu untersuchen. Besondere Aufmerksamkeit muss der NOx-Bildung gewidmet werden, die erheblich zunehmen kann, wenn Wasserstoff nicht korrekt gehandhabt wird und hohe Temperaturspitzen in der Flamme vorhanden sind. In diesem Zusammenhang untersuchten Yilmaz und Ilbas [107] die Verbrennungsleistung von zwei Brennstoffgemischen: 30–70 % H2 /CH4 und 70–30 % H2/CH4 bei zwei verschiedenen Leistungsstufen von 40 und 60 kW an einem quasi-industriellen Brenner. Sie berichteten von einem Anstieg der maximalen Temperatur um etwa 150 K, als H2 dem Brennstoff bei einem Luftüberschussverhältnis von 1,2 hinzugefügt wurde. Dieser Aspekt kann die NOBildung direkt beeinflussen, die in dem H2-angereicherten Gemisch höher war [47, 48], während die CO-Emissionen erheblich abnahmen.
A. Parente et al. 310 und und Abb. 10 Experimentelle Messungen der Schadstoffemissionen. Adaptiert von Ayoub et al. [5] Wasserstoff % Ayoub et al. [5] untersuchten die Verwendung von H2/CH4-Gemischen, von reinem Methan bis zu reinem Wasserstoff, in einem MILD-Quasi-Industrieofen mit einer Nennleistung von 20 kW. Sie testeten drei verschiedene Fälle, indem sie das Luftüberschussverhältnis und die Luftvorwärmtemperatur änderten. Im Fall der vorgewärmten Luft beobachteten sie keinen Anstieg der NO-Emissionen durch die Zugabe von Wasserstoff zum Gemisch (Abb. 10). Dies wurde dadurch erklärt, dass der Brenner so ausgelegt war, dass er auch bei so hohen H2-Konzentrationen unter flammenlosen Bedingungen betrieben werden konnte. Sie führten auch OH∗ -Chemilumineszenzmessungen durch, um die Wirkung der Wasserstoffzugabe auf die Flammenstruktur zu zeigen, und die Ergebnisse sind in Abb. 11 berichtet. Wie erwartet, nimmt die Abhebehöhe der Flamme bei höherem Wasserstoffgehalt ab, aber die Abhebung ist ausreichend, um eine ausreichende Rauchgasansaugung in der Reaktionszone zu ermöglichen, sodass das flammenlose Regime erreicht werden kann. Im Fall ohne Vorwärmung (Tair = 25 ◦ C), bei einem Luftüberschussverhältnis von 1,11, wurde ein CO-Konzentrationsspitzenwert bei etwa 20 % H2 beobachtet, wie in Abb. 12a gezeigt. Dies kann dadurch erklärt werden, dass die reduzierte Sauerstoffkonzentration zu Fehlzündungen und somit zu erhöhten CO-Emissionen bei solch hohen Verdünnungsbedingungen führen kann. Diese Bedingungen können durch Erhöhung der Luftdurchsatz vermieden werden, wie in Abb. 12b gezeigt, wo experimentelle Werte bei einem Luftüberschussverhältnis von 1,14 berichtet werden. Ferrarotti et al. [32] untersuchten das Verhalten von Methan-WasserstoffGemischen in einem quasi-industriellen, flammenlosen Ofen. Das System, dargestellt in Abb. 13, hat ein Design, das einem industriellen System ähnelt, mit Kühlrohren, die eine externe thermische Last simulieren, und verfügt über einen selbstrekuperativen Industrie-Brenner [94]. Der Durchmesser des Luftinjektors kann modifiziert werden, was mehr Flexibilität im internen fluiddynamischen Regime ermöglicht. Methan-Wasserstoff-Gemische in variablen Anteilen, von
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme nicht verfügbar 311 nicht verfügbar Wasserstoff % (a) Experimentelle Ergebnisse bei 20 kW, Luftüberschussverhältnis 1,11, Tair = 25 °C, angepasst aus [8] und und und und Abb. 11 Mittlere OH∗-Chemilumineszenzmessungen im Vergleich zur H 2 -Konzentration im Brennstoff, von Ayoub et al. [5] Wasserstoff % (b) Experimentelle Ergebnisse bei 20 kW, Luftüberschussverhältnis 1,14, Tair = 25 °C, angepasst aus [8] Abb. 12 Experimentelle Ergebnisse von Ayoub et al. [5] reinem Wasserstoff bis zu reinem Methan, wurden mit verschiedenen Brennerkonfigurationen getestet, nämlich mit drei verschiedenen Luftinjektordurchmessern (ID) von 25, 20 und 16 mm, bei einer Nennleistung von 15 kW und einem Äquivalenzverhältnis von 0,8. Die aus dem Kühlsystem entnommene Leistung wurde auf 5,1 kW eingestellt, um eine Abgastemperatur von 1220 K sicherzustellen. Die Temperatur wurde an verschiedenen Stellen des Ofens
A. Parente et al. 312 Kühlungsrohr Interner Bereich 700x700x700 mm Sondenanschluss Fenster Luftdüse Brennstoffdüse Abgas temperatur Abgase Luft Brennstoff Abb. 13 Quasi-industrielle Ofenkonfiguration, die von Ferrarotti et al. [32] verwendet wurde gemessen, und die Ergebnisse mit dem ID 25 mm sind in Abb. 14 dargestellt. Die Anwesenheit von Wasserstoff beeinflusst das Temperaturprofil im Ofen, indem sie die Temperaturspitzen erhöht. Die Temperaturentwicklung mit reinem Methan, bis zu 25 % H2 ist gleichmäßig, mit einer maximalen Temperatur von etwa 1300 K, was bedeutet, dass das MILD-Regime korrekt erreicht wurde. Bei H2-Konzentrationen von mehr als 50 % im Volumen wurden höhere Temperaturspitzen beobachtet, und der Ofen arbeitete nicht mehr im flammlosen Regime. OH∗-Chemilumineszenzmessungen wurden durchgeführt, um die Wirkung von Wasserstoff auf die Flamme zu analysieren, und sie sind in Abb. 15 dargestellt. Es wurde beobachtet, dass mit der Zugabe von H2 zur Mischung das Flammenabheben reduziert wurde und die Flamme näher am Brenner haftete. Infolgedessen wird bei hoher H2-Konzentration die Menge der rezirkulierten Gase im Reaktionsbereich geringer, und die Sauerstoffverdünnung wird weniger signifikant, was die Stabilität des MILD-Regimes beeinträchtigt, wie in Tab. 2 berichtet. Das Verhältnis zwischen rezirkulierten heißen Gasen und dem Einlassgemisch in der Reaktionszone wurde aus CFD-Simulationen an der Stelle der OH-Spitzenkonzentration auf der Längsachse geschätzt. Der Wert von KV reichte von 13 für reines CH4 bis 4 für reines H2. Ein Luftinjektordurchmesser von 16 mm wurde verwendet, um die internen Strömungsdynamiken des Systems zu modifizieren. Infolgedessen stieg das Rezirkulationsverhältnis in dem Reaktionsbereich auf 28 für reines Methan und
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 313 Abb. 14 Experimentelle Temperaturprofile, gemessen von Ferrarotti et al. [32] Abheben Abb. 15 Gemittelte OH∗-Verteilung im Ofen bei verschiedenen H 2 -Konzentrationen, von Ferrarotti et al. [32] auf 4 für reines H2. Infolgedessen behielt der Ofen das MILD-Regime für einen erweiterten Bereich von Zusammensetzungen bei. Die Bilder in Abb. 16 können helfen, den Effekt des Injektordurchmessers auf die Flamme zu veranschaulichen. Die Abhebehöhe der Flamme wird erhöht, wenn der ID reduziert wird, da die Geschwindigkeit des Strahls zunimmt. Dies begünstigt das Ansaugen heißer Produkte in die Reaktionsregion.
A. Parente et al. 314 Tab. 2 Klassifizierung des MILD-Betriebs bei verschiedenen H 2 -Zusammensetzungen für den Ofen von Ferrarotti et al. [32] % H2 0 25 50 75 100 1 Tin = Tair 2 ID251 √ √ × NA NA ID25 2 √ √ √ NA NA ID201 √ √ × NA NA ID20 2 √ √ √ ID161 √ √ √ ID16 2 √ √ √ NA NA NA NA NA NA Tin = Tmix Adaptiert von [32] Abb. 16 Fotografien des 50–50 % CH 4 –H 2 -Falls mit drei verschiedenen Injektoren, nämlich 25 mm (a), 20 mm (b) und 16 mm (c) von Ferrarotti et al. [32] Dieser Effekt beeinflusst direkt das Erreichen des MILD-Verbrennungsregimes und folglich die NOx-Emissionen. Niedrigere NOx-Emissionen wurden beobachtet, wenn der ID16mm verwendet wurde, da die Temperaturspitzen reduziert wurden, wie in Abb. 17 berichtet. Cano Ardila et al. [12] untersuchten das transiente Verhalten eines Ofens, der sowohl im konventionellen als auch im flammlosen Betrieb arbeiten kann. Die betrachteten Gemische waren Mischungen aus Erdgas und Wasserstoff bis zu 45 % Volumenanteil. Die Experimente wurden unter subatmosphärischen Druckbedingungen bei 0,85 bar durchgeführt. Zuerst wurde ein stationärer Test mit einer Nennleistung von 28 kW bei einem Luft-Brennstoff-Verhältnis von 1,17 durchgeführt. NO, Temperatur und Hauptbestandteile (nämlich CO2 und O2 ) wurden gemessen. Es wurde beobachtet, dass eine erhebliche Reduktion der NO-Emissionen erreicht wurde, wenn vom konventionellen auf den flammlosen
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 315 , , , , , Zeit, s Durchflussmenge Qa m3 st /h , , , Luft-Kraftstoff-Verhältnis, n Durchflussmenge Qa m3 st /h NO (trocken ppm Abb. 17 NO x -Emissionen aus verschiedenen Gemischen mit unterschiedlichen ID-Durchmessern, von Ferrarotti et al. [32] , , , , , , , , , Luft-Brennstoff-Verhältnis, n , Abb. 18 Dynamische Tests durchgeführt von Ardila et al. [12]. Adaptiert aus [12] Betrieb umgeschaltet wurde, wobei die gemessenen NO-Werte in den Abgasen von 60 auf etwa 5 ppm sanken. Das Hinzufügen von H2 führte zu einem leichten Anstieg der mittleren Temperatur im Ofen, was zu einem leichten Anstieg der NO-Emissionen führte. Trotz eines Anstiegs des H2-Gehalts um 45 % war die Reduktion von CO2 nicht signifikant (etwa 1 %), da mindestens 75 % H2 vorhanden sein müssen, um eine erhebliche CO2-Reduktion (etwa 50 %) zu erreichen. Bei Tests im transienten Modus wurde die Luftdurchsatz zeitlich verändert, von einem Anfangswert von etwa 30 std m3/h auf einen Endwert von etwa 50 std m3/h, während eines Zeitintervalls von 1 Minute, so dass das Luft-Brennstoff-Verhältnis zwischen 1,17 und 2,0 schwankte. Die Tests wurden über eine Dauer von 180 Sekunden durchgeführt, wobei das System zunächst in einem stabilen stationären Zustand arbeitete, wie in Abb. 18 berichtet. Sie führten die Experimente für drei verschiedene NG-H2-Mischungen durch. Bei Betrieb unter flammenlosen Bedingungen wurden während des Übergangs höhere NO-Emissionen beobachtet. Dies ist kontraintuitiv, da eine Erhöhung des Luft-Brennstoff-Verhältnisses zu niedrigeren Temperaturen führt. Der in Abb. 19
A. Parente et al. 316 , Zeit, s Temperatur, K Zeit, s , , Zeit, s , , , Luft-Brennstoff-Verhältnis, n , Abb. 19 Experimentelle Ergebnisse des von Cano Ardila et al. [12] durchgeführten transienten Experiments. a O 2 - und CO 2 -Profile, b NO-Verhalten, c O 2 - und NO-Profile im konventionellen Bereich und d Temperatur versus Luft-Brennstoff-Verhältnis, aus [12] berichtete Trend wurde von den Autoren als Folge der plötzlichen Abkühlung des Systems erklärt, die zu einer lokalen Störung des flammenlosen Regimes führen kann. Dies ist auf Hotspots in der Flamme zurückzuführen, bei denen die NOBildung nach dem thermischen oder Zeldovich-Mechanismus gefördert wird [110]. Cano Aldila et al. [12] schlugen ebenfalls vor, dass die Erhöhung der Sauerstoffkonzentration aufgrund des höheren Luft-Brennstoff-Verhältnisses die Bildung von NO durch den N2O-Weg fördern kann: N2 + O + M −→ N2 O + M (1) N2 O + O −→ NO + NO (2) welcher als einer der Hauptbeiträge zur NO-Bildung unter flammenlosen Bedingungen bekannt ist. Die Ergebnisse der experimentellen transienten Kampagne sind in Abb. 19 zusammengefasst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zugabe von Wasserstoff einen erheblichen Einfluss auf die Flammenstruktur hat. Dies kann potenziell zu erhöhten NO-Emissionen führen, wenn das Brenner-/Ofendesign nicht optimiert ist, um die erforderliche Rezirkulation auch bei Anwesenheit von Wasserstoff zu gewährleisten. Es wurde auch beobachtet, dass die Etablierung eines flammenlosen Regimes zu einem erheblich niedrigeren Schadstoffniveau führen kann, ohne CO-Emissionen, da das C/H-Verhältnis auf
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 317 null sinkt. Allerdings wurde die CO2-Reduktion signifikant, wenn mehr als 75 % H2 zu konventionellem Erdgas hinzugefügt wurden, was impliziert, dass konventionelle Verbrennungstechnologien weiterentwickelt werden müssen, um einen so hohen Wasserstoffgehalt ohne Beeinträchtigung des regulären Betriebs zu bewältigen. 2.3 Strahlung Es muss betont werden, dass die Verwendung von reinem Wasserstoff in Industrieöfen zu nicht leuchtenden Flammen mit schlechten Strahlungseigenschaften führt1 [43], was zu Hochtemperaturabgasen und reduzierter Energieeffizienz führt [43]. Dies impliziert, dass die Verwendung von Wasserstoff in Industrieöfen zwar Kohlendioxidemissionen vermeidet, aber unweigerlich zu einem erhöhten Brennstoffverbrauch führt, was die Betriebskosten erheblich beeinflusst. Um dies auszugleichen, wurden in der Literatur Lösungen auf Basis der Eindüsung von rußbildenden Brennstoffen (gasförmige/flüssige Kohlenwasserstoffe oder Pulverkohle) untersucht [43]. Alternative Lösungen umfassen die Eindüsung von Nanopartikeln zur Erhöhung der Flammenemissivität [91] und die Zugabe von CO2 und Methan zur Brennstoffladung. Der erste Ansatz erfordert die Identifizierung von Partikeln, die für die Umwelt unbedenklich sind. Kürzlich wurde der potenzielle Einfluss von Silber-Wasser-Nanofluiden auf die Flammenstrahlung und NOx -Emissionen erfolgreich für Erdgas [91] und Kerosinflammen [10] in einem Laborofen untersucht. Eine weitere Möglichkeit ist die Einspritzung von CO2 (idealerweise aus der Luft gewonnen oder aus industriellen Abgasströmen getrennt) in den Brennstoffstrom. Dies scheint jedoch nur im Kontext der Oxy-Verbrennung eine praktikable Lösung zu sein, um sicherzustellen, dass das eingedüste CO2 leicht erfasst und im Prozess wieder eingedüst werden kann. Mischungen aus Wasserstoff und Methan können in aktuellen Öfen am Ende ihrer Lebensdauer verwendet werden. Dies würde eine Übergangslösung zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen bieten, bevor eine vollständige Überholung erfolgt. 2.4 Wasserstoff in kommerziellen und industriellen Systemen In diesem Abschnitt werden aktuelle und potenzielle zukünftige Anwendungen von Wasserstoff im industriellen Maßstab oder für Wohnzwecke überprüft. 1 Bei Verwendung einer vollständigen Wasserstoffladung beträgt der Emissionskoeffizient nur 0,1–0,2, während 0,5–0,7 der Mindestwert für eine leuchtende und effektiv strahlende Flamme ist.
318 A. Parente et al. Techno-ökonomische Aspekte von Erdgas (NG) und H2-Mischungen, von reinem NG bis reinem H2, in einem industriellen Wärmebehandlungsöfen wurden von Mayrhofer et al. analysiert [76]. Zwei Arten von Brennern wurden getestet: ein offener Strahlbrenner, der im luftgestuft und im flammlosen Modus betrieben wird, und ein Rekuperativbrenner für Strahlrohranwendungen. Die Auswirkungen der Wasserstoffzugabe auf Emissionen und feuerungstechnische Wirkungsgrad wurden untersucht. Der Strahlbrenner-Prüfstand kann bis zu 1500 K betrieben werden und ermöglicht variable NG/H2-Mischungen, unterschiedliche Verbrennungsluft- und Ofentemperaturen. Der Brenner war ein „ECOBURN FL“-Brenner mit einer Nennleistung von 165 kW. Dieser Testfall ist repräsentativ für Blankglühlinien für Edelstahl. Der Strahlrohrbrenner wurde bis zu 930 ◦C betrieben, was einer typischen für Glühstufe entspricht. Der Brenner war ein „RECOTEB“-Brenner mit einer Nennleistung von 140 kW. Es wurde festgestellt, dass für eine signifikante Reduzierung von CO2 (>50 %) der H2-Gehalt größer als 80 % vol. sein muss. Wie bereits in Deutschland umgesetzt, könnte eine 10 %ige H2-Dopierung in der NG-Leitung eine 10 %ige Reduzierung von CO2. Der Einfluss der H2 -Zugabe auf den feuerungstechnische Wirkungsgrad wurde auch unter Berücksichtigung der Abgasverluste bewertet, wobei ein höherer H2-Gehalt zu geringen Abgasverlusten führt und dadurch den feuerungstechnische Wirkungsgrad erhöht. Dies liegt daran, dass durch die H2-Zugabe die Abgasmassenstromrate schneller abnimmt als die spezifische Wärme des Brennstoffgemisches zunimmt. Sowohl der Strahlbrenner als auch der Strahlrohrbrenner zeigten ähnliche Verhaltensweisen. Die Experimente am Strahlrohrbrenner zeigten eine Steigerung des thermischen Gesamtwirkungsgrad um etwa 1,2 %, wenn der Wasserstoffgehalt auf bis zu 40 % erhöht wurde. Es wurde auch festgestellt, dass die Abgasverluste um bis zu 7 % abnehmen, wenn reiner Wasserstoff verwendet wird, was direkte Auswirkungen auf den thermischen Wirkungsgrad hat. Darüber hinaus wurden zwei gut etablierte, kommerzielle Regelungssysteme für das Luft-Gas-Verhältnis erfolgreich mit reinem Wasserstoff getestet. Für die NOx-Emissionen wurden die erhöhten adiabatischen Flammentemperaturen aufgrund der Wasserstoffzugabe als Hauptgrund für die erhöhten NOx-Werte betrachtet. Für den Luftstufenbrenner und bei einer Nennleistung von 165 kW stieg NOx um etwa 6 % (von 275 auf 292 mg/ m3) im luftgestuften Brenner bei einem Wasserstoffgehalt von 30 Volumenprozent im Vergleich zu reinem Erdgas, wie in Abb. 20 berichtet. In einem flammenlosen Brenner wurde NOx für reines Erdgas mit 59 mg/m3 gemessen und stieg auf 90 mg/m3 bei 30 % Wasserstoff (Abb. 21). Im Falle des Strahlrohrbrenners stieg NOx von 151 mg/m3 für reines NG auf 165 mg/m3 für 40 % vol H2 im Brenngas. Für die techno-ökonomische Bewertung wurde ein Preis von 25,2 €/Tonne CO2 für drei Arten von Wasserstoff berücksichtigt, nämlich grau, blau und grün. Basierend auf dieser Analyse wurde geschätzt, dass die Brenngaskosten um 1,4, 2,97 und 4,68 % für grauen, blauen und grünen Wasserstoff im Vergleich zu Erdgas steigen. Eine typische Break-evenWirtschaftlichkeitsanalyse eines CO2-Zertifikats für eine Stahlglühlinie steigt von 25,2 €/Tonne CO2 für Erdgas auf 627,7 €/Tonne CO2 für grünen Wasserstoff.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 319 Brennerleistung [kW] Abb. 20 NO x -Emissionen aus der luftgestuften Verbrennung aus dem Ofen von Mayrhofer et al. [76]. Adaptiert von [76] Brennerleistung [kW] Abb. 21 NO x -Emissionen bei flammenloser Verbrennung aus dem Ofen von Myrhofer et al. [76]. Adaptiert von [76] Zhao et al. [113] untersuchten die Wirkung der Wasserstoffzugabe zu Pipeline-Erdgas auf Temperatur, Emissionen und Brennerstabilität in einem zentralen Luftheizungsofen für Wohngebäuden. Die Brenner für den Ofen waren selbstansaugende Brenner, wie in Abb. 22a gezeigt. Die Heizlast im Ofen konnte zwischen 15,4 und 22 kW variieren. Bei wasserstoffverdünnten Gemischen ist der Flammenrückschlag aufgrund der hohen Reaktivität von Wasserstoff ein Hauptproblem. Es wurde beobachtet, dass die Wasserstoffzugabe die Zündzeit nicht wesentlich verändert; jedoch trat Flammenrückschlag bei einer Wasserstoffzugabe von 20 % auf. Darüber hinaus, wenn der Brenner zuerst mit reinem Erdgas gezündet wurde, gefolgt von der Zugabe von H2, wurde die Grenze für Flammenrückschlag auf 45 % H2 erweitert. Daher könnte eine erfolgreiche Zündung mit NG, gefolgt von der Zugabe von H2, helfen, eine stabile Verbrennung bei höheren H2-Konzentrationen zu erreichen. Bei solch hohen H2-Konzentrationen stabilisiert sich die Flamme in der Nähe des Brenneraustritts und breitet sich dann weiter stromaufwärts aus, was den Rückschlag verursacht. Eine konsistentere Zündleistung wurde durch die Zugabe von H2 erreicht, da sich die Zündzeit nicht
A. Parente et al. 320 Abb. 22 Experimenteller Aufbau und experimentelle Ergebnisse aus [113] Brennöffnungen Zünder Sekundärluft Brennstoffdüse Primärluft Brennstoffverteiler wesentlich ändert. Es wurde berichtet, dass die Emissionen durch die Wasserstoffzugabe nicht signifikant beeinflusst wurden. Wie in Abb. 22b gezeigt, reduziert sich NO x von 101 auf 97 ppm, und CO verringert sich von 18 auf 15 ppm, wenn der H2-Gehalt von 0 auf 40 % steigt. Unverbrannte Kohlenwasserstoffe blieben auf einem konstanten Niveau von etwa 5 ppm [113]. Gołdasz et al. [40] präsentierten techno-ökonomische und ökologische Analysen eines Ofens für die Produktion großer Schmiedestücke in der Eisen- und Stahlindustrie. Die Heizrate des Ofens beträgt 230 ◦C/h mit einer maximalen Heiztemperatur von 1250 ◦C. Insgesamt wurden vier verschiedene Konfigurationen untersucht, nämlich (i) Baseline (ohne Modernisierung-G0), bei der keine Änderungen am Rekuperator und den feuerfesten Auskleidungen vorgenommen wurden, (ii) Basic (niedrigere Kosten-G1), bei der die Feuerungsanlage ersetzt und der Rekuperator gereinigt wurde, (iii) Extended (vollständige Modernisierung-G2), bei der neben der Feuerungsanlage auch andere Komponenten wie Rekuperator und Abgasabsaugung ersetzt wurden, und schließlich (iv) Wasserstoffvariante (H30 und H100), bei der Wasserstoff in der vollständig modernisierten Konfiguration dem Erdgas beigemischt wurde. Im G0-Fall hat der Ofen 24 Brenner mit einer Leistung von jeweils 250 kW und sein Wirkungsgrad betrug 18,8 %. Darüber hinaus lagen die Wirkungsgrade in G1 und G2 bei 31 % bzw. 50–55 %. Es wurde festgestellt, dass ein Wasserstoffgehalt von 30 % (H30) im Brennstoffgemisch die machbarste
CO2 Emissionen [MgCO2 /Jahr] Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 321 Anzahl der Zyklen, -/rok Abb. 23 CO 2 -Jahresemissionen für die verschiedenen Wasserstoffvarianten, geschätzt von [40], reine H 2 -Emissionen sind null. Adaptiert von [40] En. Inhalt Sicherer Betrieb Unsichere Operationen Energiegehalt [MJ/m3] Lösung ist. Zudem wurde der Betrieb mit 100 % H2 (H100) als herausfordernd und weniger rentabel eingestuft. Für die CO2-Emissionen (Abb. 23) wurde CO2 von 2273 Mg CO2/Jahr im Baseline-Erdgasfall auf 598 Mg CO2/Jahr gesenkt, wenn 30 % H2 hinzugefügt wurden [113]. Andere interessante Arbeiten konzentrierten sich auf die Zugabe von Wasserstoff zu Erdgasleitungen für Wohn- und/oder kommerzielle Anwendungen. Choudury et al. [19] untersuchten beispielsweise die Auswirkungen der Zugabe von Wasserstoff zu Erdgas auf die Betriebsfähigkeit sowohl von Niedrig-NOx als auch von herkömmlichen Brennern für Warmwasserboiler. Es wurde berichtet, dass ein maximaler Grenzwert von 10 % H2 nach Volumen die Schwelle zwischen sicherer und „unsicherer“ Betriebsfähigkeit darstellt. Die Autoren bezeichneten „Betriebsfähigkeit“ als einen generischen Zustand, in dem keine Probleme wie Rückschlag, Abblasen oder verzögerte Zündung auftraten. Insbesondere bei einer Zugabe von 10 % H2 wurden Verbrennungsinstabilitäten während des Wiederentzündens des Brenners beobachtet (Rückschlag/Zündverzögerung), obwohl die NO-Emissionen selbst bei höherem H2-Gehalt im Brennstoff unverändert blieben, wie in Abb. 24 berichtet. Abb. 24 Emissionen für herkömmliche Brenner zur Wassererwärmung und sichere Betriebsgrenzen, berichtet von Choudury et al. [19]. Adaptiert von [19]
322 A. Parente et al. Derzeit sind nur wenige kommerzielle und/oder industrielle Anwendungen verfügbar. Es ist klar, dass hohe Konzentrationen von H2 in Brenngasen erforderlich sind, um eine erhebliche Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen. Es müssen jedoch noch mehrere technologische und wirtschaftliche Herausforderungen bewältigt werden, um diese Option für stationäre Verbrennungssysteme realisierbar zu machen. 3 Numerische Modellierung in stationären Verbrennungssystemen Die numerische Modellierung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung neuer Verbrennungstechnologien, die in der Lage sind, Wasserstoff und wasserstoffangereicherte Brennstoffe zu handhaben. Aus einer allgemeinen Perspektive betrachtet, ist die Entwicklung numerischer Modelle, die das Verhalten turbulenter reaktiver Strömungen vorhersagen können, ein äußerst weites und komplexes Thema, das in den letzten Jahrzehnten Gegenstand umfangreicher Forschung war [89]. In jüngerer Zeit hat die Verbrennungsgemeinschaft begonnen, das Verständnis der Verbrennungseigenschaften wasserstoffangereicherter Brennstoffe, insbesondere in fortgeschrittlichen Verfahren wie flammenloser oder MILD-Verbrennung, voranzutreiben. Es wurden große Fortschritte bei der Formulierung numerischer Modelle erzielt, die in der Lage sind, mit den starken Wechselwirkungen zwischen Turbulenz und Chemie umzugehen, die für das MILD-Regime charakteristisch sind [13, 64]. Eine Klassifizierung verschiedener Modellierungsansätze in einem allgemeinen Rahmen wurde durch die Arbeit von Pope [90] bereitgestellt, der auch die Hauptherausforderungen für numerische Modelle ansprach, um mit vielen verschiedenen Skalen und chemischen Spezies umzugehen. In diesem Zusammenhang haben die mit CFD-Simulationen verbundenen Rechenkosten, die viele reaktive Spezies umfassen, die Verwendung eher niedrigauflösender Ansätze wie Reynolds-Averaged Navier-Stokes (RANS)-Simulationen gefördert, die nach wie vor das Arbeitspferd für industrielle Anwendungen sind. Mit zunehmender Rechenleistung wurden höher auflösende Werkzeuge wie Large Eddy Simulations (LES) machbar, obwohl die Größe des Problems, das in Systemen im vollen Maßstab auftritt, immer noch ein begrenzender Faktor dafür zu sein scheint, dass LES zur üblichen Praxis wird. Im Zusammenhang mit Wasserstoff werden weitere neue Herausforderungen eingeführt, da die unterschiedlichen Strahlungseigenschaften und differentiellen Diffusionseffekte wahrscheinlich die größten Auswirkungen auf stationäre Verbrennungssysteme haben. Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik der Modellierung der Verbrennung wasserstoffangereicherter Brennstoffe, mit besonderem Fokus auf stationäre Verbrennungssysteme, von Laborbrennern bis hin zu Industrieöfen.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 323 3.1 Laborbrenner Vorhersagen der Flammenstruktur und Emissionen werden stark von der Wahl des detaillierten kinetischen Mechanismus beeinflusst. Darüber hinaus ist es bei MILDVerbrennung allgemein anerkannt, dass sich Mischungs- (τM) und chemische (τC) Zeitskalen überlappen, da die Damköhler-Zahl, definiert als τM /τC, sich der Eins nähert [1, 39, 49, 64]. Daher ist die Entwicklung von Modellen, die in der Lage sind, detaillierte Kinetik und Effekte der endlichen Reaktionsrate zu berücksichtigen, entscheidend, um MILD-Bedingungen besser zu beschreiben [64]. In diesem Abschnitt werden die wichtigsten numerischen Konzepte, die auf die Wasserstoffverbrennung angewendet werden, überprüft, mit besonderem Fokus auf einige Laborbrenner im Labormaßstab, die zu Benchmark-Fällen für die Modellierungsgemeinschaft geworden sind, da hochpräzise Daten verfügbar wurden [11, 25]. Die von Pope [90] bereitgestellte Klassifikation der Modelle wird befolgt, aber besonderer Fokus wird auf reaktorbasierten Modellen gelegt, da sie vielversprechende Ergebnisse und gute Vielseitigkeit bei der Vorhersage verschiedener Brennstoffmischungen und Verbrennungsregime zeigten. Andere Ansätze werden ebenfalls beschrieben, wie z. B. flammenähnliche und PDF-ähnliche Modelle, mit besonderem Fokus auf deren Modifikationen, um die unterschiedlichen Eigenschaften der Wasserstoffverbrennung zu berücksichtigen. 3.1.1 Reaktorbasierten Modelle Reaktormodelle basieren auf der Annahme, dass jede Rechenzelle in eine reaktive Struktur und eine nicht reaktive Zone unterteilt ist. Die reaktive Struktur wird daher als Perfectly Stirred Reactor (PSR) oder Plug Flow Reactor (PFR) modelliert, in dem die detaillierte Chemie gelöst wird. Das Eddy Dissipation Concept (EDC)-Modell, das erstmals von Magnussen [71] eingeführt wurde, modelliert das mittlere chemische Quellterm ω̇s als: ω̇s = −   ργM χ s − Y ∗ Y s N − γ χ) τ ∗ (1 (3) wobei γ der Massenanteil der reaktiven Strukturen und τ ∗ die Verweilzeit ist. Hier wird der Superskript  verwendet, um Favre-gemittelte Größen anzuzeigen:  = ρΦ Φ ρ (4) Wobei Φ eine generische Größe ist, die in ihre mittleren und schwankenden s und Y ∗ den ′′ = 0. Y  + Φ ′′ mit Φ Komponenten zerlegt werden kann Φ = Φ s mittleren Massenanteil der Spezies s in der Rechenzelle und den Massenanteil von s in den feinen Strukturen darstellen.ρ ist die mittlere Dichte des Gemisches,
A. Parente et al. 324 während χ der reaktive Anteil des reaktiven Teils ist, der normalerweise auf 1 gesetzt wird. M und N sind konstante Exponenten (und keine Hochzahlen) und gleich 2 bzw. 3. Die wichtige Annahme des Modells ist, dass γ und τ ∗ mit den Eigenschaften der Strömung wie folgt verknüpft sind: γ = Cγ 1/4 (5)  1/2 ν ǫ (6)  τ ∗ = Cτ νǫ k2 Wo Cγ und Cτ die Modellkonstanten sind, die gleich 2.1377 und 0.4083 [41] sind, während ν die Viskosität ist und ǫ die turbulente Dissipationsrate ist. Im Partially Stirred Reactor (PaSR) wird der Abschluss in ähnlicher Weise formuliert: ω̇s = κ   s ρ Ys∗ − Y τ∗ (7) Wo κ der reaktive Anteil der Zelle ist und wie folgt berechnet wird: κ= τC τC + τmix (8) wo τC und τmix die chemischen und mischenden charakteristischen Zeitskalen sind [17]. Effekte der endlichen Reaktionsrate werden dann wie folgt einbezogen:  1 ω̇s∗ = ∗ Ys∗ − Y0 ∗ ρ τ (9) Wo ωs∗ undρ ∗ sind die Bildungsrate der Spezies s und die Dichte des Gemisches im reaktiven Teil, beziehungsweise, und Y0 der Massenanteil in der umgebenden Fluid. Die Bedeutung der Annahme einer geeigneten Kombination aus detaillierter Chemie und Turbulenz-Chemie-Interaktionsmodell im Kontext von H2/CH4 -Gemischen wurde von Parente et al. [81] in ihrer Studie eines Strahlrohrbrenners mit Abgasrückführung hervorgehoben. Wie in ihrer Arbeit berichtet (Abb. 25), beeinflusst die Wahl des Verbrennungsmodells und des kinetischen Schemas die Ergebnisse stark, wie wir aus Abb. 25 sehen können, wo das Temperaturfeld viele Unterschiede in den verschiedenen Fällen zeigt. Dies hat direkte Auswirkungen auf NOx-Vorhersagen, wie in Abb. 26 gezeigt. Es wurde beobachtet, dass eine Kombination aus EDC und detaillierter Chemie erforderlich ist, um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, was bedeutet, dass vereinfachte Modelle (wie ED/FR), die auf der Annahme einer unendlich schnellen Chemie basieren, für MILD-Bedingungen nicht geeignet sind. Das EDC-Modell wurde an Laborbrennern im Maßstab getestet, hauptsächlich Jet-In-Hot-Coflow (JHC)-Konfigurationen, die MILD-Bedingungen durch
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 325 stufig stufig , , , , , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 26 NO vorhergesagt versus NO gemessen von Parente et al. [81]. Adaptiert von [81] Vorausgesagtes NO [ppm] Abb. 25 Temperaturkonturen im Brenner, untersucht von Parente et al. [81], vorhergesagt durch a ED-FR mit globaler Kinetik, b EDC mit globaler Kinetik, c EDC mit DRM-19 und d EDC mit GRI-3.0. Darüber hinaus werden verschiedene radiale Profile an verschiedenen axialen Positionen berichtet: ex = 0,15 m, fx = 0,25 m und gx = 0,35 m, vorhergesagt mit verschiedenen Verbrennungsmodellen und kinetischen Schemata 2Stufen 2Stufen . Gemessenes NO [ppm] einen erhitzten und verdünnten Coflow mit niedrigem O2-Gehalt nachahmen. Eine umfassende Überprüfung der Anwendung reaktorbasierten Modelle auf JHC wurde von Li und Parente [68] durchgeführt. Mängel des Standard-EDC wurden am Delft JHC von De et al. [26] sowie am Adelaide JHC von Aminian et al. [1]
A. Parente et al. 326 berichtet, die eine Unterschätzung des Flammenabhebens und eine Überschätzung der Temperatur in mäßiger Entfernung vom Brennereinlass beobachteten. Mehrere Modifikationen der EDC-Konstanten wurden in der Literatur vorgeschlagen [1, 26, 74, 95], um die Überschätzung der Temperatur unter MILD-Bedingungen zu mildern. Parente et al. [82] schlugen vor, die EDC-Konstanten lokal als Funktion der turbulenten Reynolds- und Damköhler-Zahlen auszudrücken. Das modifizierte EDC wurde am Adelaide JHC getestet, das mit einem H2/CH4-Gemisch im gleichen molaren Verhältnis betrieben wird, und Temperaturvorhersagen sind in Abb. 27 berichtet. Der letzte Ansatz wurde von Evans et al. [30] weiter ausgebaut, indem detaillierte Kinetiken in die Bewertung der chemischen Zeitskala τC einbezogen wurden, so dass τC = max[Yi /(|ωi |/ρ)], wobei ωi die Reaktionsraten von CH4, CO2, H2, O2 und CO sind, die die langsamsten Hauptspezies sind und daher die feinstrukturellen Zeitskalen dominieren [49]. Diese Modifikation zeigte bessere Vorhersagen im Vergleich zu [82], insbesondere hinsichtlich der OH-Spitzen und des radialen Profils von CO in der Nähe des Brenners. Eine weitere Erweiterung des EDC-Modells für MILD-Verbrennung wurde von Lewandowski und Ertesvåg [62] vorgeschlagen, die eine Modifikation des reaktiven Anteils der Feinstruktur χ einführten. Infolgedessen wurden die Vorhersagen auf der Delft JHC verbessert. Exp Standard Bereinigt-1 Bereinigt-2 Mittelachse Axiale Richtung [mm] Abb. 27 Temperaturvorhersagen für den AJHC-Brenner an der Flamme HM1 (3 % O 2 im Coflow, Re = 10000), mit dem Standard-EDC, dem von Parente et al. [82] modifizierten (Adjusted-1) und dem von Li et al. [66]. Adaptiert von Li et al. [66]
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 327 Weitere Erweiterungen des Modells wurden von Lewandowski et al. [63, 64] vorgeschlagen, die lokal modifizierte EDC-Konstanten entsprechend der turbulenten Reynolds-Zahl und der Damköhler-Zahl (Da) einführten, um niedrige Da- und niedrige Reynolds-Bedingungen (Re) zu berücksichtigen. Die Schließung mit dem imperfekten Rührkesselreaktoren wurde erstmals von Li et al. [66] an der Adelaide JHC getestet und es wurden überlegene Vorhersagen im Vergleich zum StandardEDC beobachtet. In diesem Modell werden zwei Konstanten verwendet, um den Zellreaktionsanteil zu schätzen (Gleichung 8), und ihre Formulierung kann einen erheblichen Einfluss auf die Vorhersagen haben. In den Arbeiten von Li et al. [67] und Ferrarotti et al. [33] wurden verschiedene Formulierungen für die Modelle der Mischungszeitskala bewertet. In der statischen Formulierung wird τmix als das Produkt einer Konstante (Cmix) und der Integrationszeitmaßstab (ǫk ) definiert: τmix = Cmix k ǫ (10) Im fraktalen Ansatz hingegen: τmix =  Cµ Ret  1−α 2 k ǫ (11) Wo Cµ und α Modellkonstanten sind und Re t die turbulente Reynolds-Zahl ist. Eine lokale Formulierung für die τmix wurde ebenfalls vorgeschlagen, als das Verhältnis zwischen der Varianz eines transportierten Skalars (φ ′′) und seiner Dissipationsrate ǫφ: τmix = τφ = ′′2 φ ǫφ (12) Unter den vorherigen Formulierungen des Zeitskala zeigte die letztere überlegene Leistungen für die Adelaide JHC, wie in Abb. 28 berichtet. LES-Simulationen des Adelaide JHC wurden von Li et al. [65] durchgeführt und mehrere Verbrennungs-Schließungsmodelle wurden verglichen. Das EinGleichungs-Wirbelviskositätsmodell wurde für die Turbulenz verwendet. Die konventionelle PaSR-Schließung für Turbulenz-Chemie-Interaktionen wurde mit einem Quasi-Laminar-Finite-Rate (QLFR) und einem Laminar-Finite-Rate (LFR) Schließung verglichen. Im QLFR wurde der Wert von κ (siehe Gleichung 8) auf Eins gesetzt, während im LFR die Turbulenzeffekte nicht direkt berücksichtigt werden, da der mittlere Reaktionsquellenterm einfach unter Berücksichtigung der Arrhenius-Koeffizienten bewertet wird. Die Ergebnisse zeigten verbesserte Resultate im Vergleich zu RANS-Simulationen, wie wir aus Abb. 29 sehen können. Die Autoren hoben die Bedeutung der Auswahl eines ausreichend detaillierten kinetischen Schemas hervor (der KEE-Mechanismus [8] wurde in ihrer Studie verwendet), da globale kinetische Mechanismen signifikante Abweichungen in den Vorhersagen von Haupt- und Nebenspezies zeigten.
328 A. Parente et al. Mittellinie Axiale Richtung [mm] Abb. 28 Mittlere Temperaturprofile der AJHC an verschiedenen axialen Positionen, die von Li et al. [67] unter Verwendung statischer und dynamischer Abschätzungen der Mischungszeitskala erhalten wurden. Aus [67] Insgesamt erscheinen reaktorbasierten Modelle eine attraktive Lösung im Kontext der Modellierung von Wasserstoffmischungen, insbesondere unter MILDBedingungen, da sie die Effekte der endlichen Reaktionskinetik berücksichtigen können und detaillierte Chemie verwendet werden kann. Andererseits kann die hohe Anzahl der zu transportierenden chemischen Spezies einen signifikanten Einfluss auf die CPU-Nutzung haben, da bekannt ist, dass die Rechenzeit exponentiell mit der Anzahl der Spezies wächst [70]. 3.1.2 Flamelet-Modelle In Flamelet-Modellen wird nur eine begrenzte Anzahl von Strömungsvariablen transportiert, sowie wenige skalare Erhaltungsgrößen und deren höhere Momente (hauptsächlich Mischungsbruch f, deren Varianz f ′′2 und die Dissipationsrate χ). Temperatur und Zusammensetzung werden zu einer Funktion dieser Skalare, und deren momentaner Wert T (f , χ), Yk (f , χ) kann aus vorab berechneten Bibliotheken (z. B. laminare Flammenberechnungen) abgerufen werden. Die gemittelten Werte T und Yi können ausgedrückt werden als:
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 329 Mittelachse Axiale Richtung [mm] Abb. 29 LES-Simulationsergebnisse, die von Li et al. [65] am Adelaide JHC erhalten wurden. Vergleich des Temperaturprofils, das mit verschiedenen Schließungsformulierungen für den mittleren reaktiven Quellenterm in Vergleich mit experimentellen Daten, aus [65] k = ρ̄ Y k = ρ̄ T ˆ+∞ˆ1 0 (13) ρT (f , χ)p(f , χ)dfdχ (14) 0 ˆ+∞ˆ1 0 ρYk (f , χ)p(f , χ)dfdχ 0 Wo p(f , χ) die gemeinsame PDF des Mischungsbruchs und der Dissipationsrate ist, die oft mit der statistischen Unabhängigkeitshypothese vereinfacht wird, als p(f , χ) = p(f )p(χ). Daher muss eine Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion für die Skalare bestimmt werden, welche üblicherweise angenommen wird. Christo und Dally [21] wandten das f/PDF-Modell an, wobei f sich auf den Mischungsbruch gemäß der Bilger-Formel [8] bezieht, und das Flamelet-Modell am Adelaide JHC-Brenner. Beide Modelle zeigten große Mängel bei der Vorhersage der Verteilung der Hauptspezies. In ihrer Arbeit wurde auch der Effekt der differentiellen Diffusion hervorgehoben, da die Hypothese der einheitlichenLewisZahl für Wasserstoff möglicherweise nicht genau ist. Ein transientes Flamelet-Modell wurde von Pitsch et al. [88] vorgeschlagen, um transiente Effekte zu berücksichtigen. Es wurde auf eine stationäre,
330 A. Parente et al. Abb. 30 Numerische Vorhersagen der mittleren Temperatur und OH, die von Pitsch auf a axialen und b radialen Profilen erhalten wurden, wobei die instationär (durchgezogen) und die stationär (gestrichelt) Flamelet-Modelle verglichen werden. Adaptiert aus [88] turbulente, stickstoffverdünnte Wasserstoff-Luft-Diffusionsflamme (genannt H3-Flamme) angewendet. Das Modell zeigte eine vernünftige Übereinstimmung mit experimentellen Daten, wie in Abb. 30 berichtet. Es wurde jedoch eine leichte Abweichung in den Vorhersagen langsamer Spezies, nämlich NO, festgestellt. In nachfolgenden Arbeiten wiesen Pitsch et al. [87] auf die Bedeutung instationärer Effekte und differentieller Diffusion (nicht-einheitliche Lewis-Zahl) bei einer stationären, turbulenten CH4–H2–N2-Luft-Diffusionsflamme hin. Das Modell zeigte eine gute Übereinstimmung mit experimentellen Daten. Der Autor wies auf eine interessante Diskussion über den beherrschenden Mechanismus der differentiellen Diffusion hin, wie sie in den experimentellen Daten beobachtet wurde. Es wurde festgestellt, dass die differentielle Diffusion aus der Existenz einer laminaren Region nahe dem Brennereinlass resultierte, wo die unterschiedliche Diffusivität der Spezies eine bedeutende Rolle bei der Steuerung der Mischprozesse spielt. Stationäre und instationäre Flamelet-Modelle wurden von Chitgarha und Mardani [16] an der Adelaide JHC bewertet. In ihrer Arbeit wurde die von Pitsch [88] vorgeschlagene Modellformulierung mit einheitlicher und nicht-einheitlicher Lewis-Zahl verwendet. Eine instationäre Flamelet-Formulierung, die von Barth et al. [6] vorgeschlagen wurde, wurde ebenfalls verwendet. Sie zeigten den Vergleich dieser Modelle mit dem EDC. Bessere Vorhersagen wurden mit letzterem beobachtet, wie in Abb. 31 berichtet. Flamelet-ähnliche Modelle sind besonders attraktiv in Large Eddy Simulations (LES), da sie angemessene Rechenkosten ermöglichen. Ihme et al. [45, 46] schlugen einen Flamelet/Progress Variable (FPV)-Ansatz mit einem zusätzlichen skalare Erhaltungsgröße vor, um die Aufspaltung des Oxidationsmittels in der Adelaide JHC-Konfiguration zu berücksichtigen. Ein vermuteter PDF-Abschluss wurde für Turbulenz/Chemie-Interaktionen verwendet, und die Ergebnisse wurden mit verschiedenen Verbrennungsmodellen verglichen. Der Effekt der Randbedingungen der Skalare wurde ebenfalls bewertet. Die Ergebnisse sind in Abb. 32
, , , , , , , CO-Massenanteil HM1 SLFM chi 0,01 SLFM chi 0,1 SLFM chi 0,3 SLFM Mehrfach EDC-Modell [17] , , , OH-Massenanteil , , Temperatur [K] , , , HM1 SLFM chi 0,01 SLFM chi 0.l SLFM chi 0,3 SLFM Mehrfachflamme EDC-Modell [17] , , , CO-Massenanteil , , , HM1 SLFM chi 0,01 SLFM chi 0,1 SLFM chi 0,3 SLFM Mehrfach EDC-Modell [17] , , OH-Massenanteil Temperatur [K] , , , HM1 SLFM chi 0,01 SLFM chi 0.l SLFM chi 0,3 SLFM Mehrfachflamme EDC-Modell [17] 331 , CO2 & H2O Massenanteil , CO2 & H2O Massenanteil , Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme Abb. 31 Vorhersagen von Chitgarha und Mardani [16] an der HM1-Flamme an der AJHC. Temperatur-, CO 2 - und H2 O-Vorhersagen entlang des radialen Profils bei a z = 30 mm und c z = 60 mm sowie CO- und OH-Vorhersagen bei b z = 30 mm und d z = 60 mm unter Verwendung unterschiedlicher Formulierungen der skalaren Dissipationsrate im Vergleich zu EDC dargestellt. Die Übereinstimmung mit experimentellen Daten ist im Vergleich zu RANS-Simulationen verbessert. Dieser Ansatz wurde anschließend auf die HM1- und HM2-Fälle des Adelaide JHC angewendet, wobei bemerkenswerte Vorhersagen zu experimentellen Daten für Temperatur und Spezies gezeigt wurden, wie in Abb. 33 dargestellt. LES-Simulationen mit Flamelet-Modellen konnten gute Vorhersagen für den Adelaide JHC liefern, während klassische Flamelet-Formulierungen im RANSKontext große Einschränkungen zeigten. Andererseits ist die geeignete Formulierung von Fortschrittsvariablen sowie das Setzen korrekter Randbedingungen ein grundlegender Schritt, um zuverlässige Ergebnisse in LES-Simulationen zu erzielen, und dieses Verfahren kann ziemlich herausfordernd sein. Darüber hinaus, wenn
A. Parente et al. 332 , , , , , , , , , Fall 1 Fall 2 Fall 3 Fall 4 Abb. 32 Ergebnisse von Ihme et al. [45] an der HM3-Flamme der AJHC. Fall 1: Zwei-Ströme FPV mit nominalen BCs, Fall 2: Drei-Ströme FPV mit nominalen BCs, Fall 3: Drei-Ströme FPV mit experimentellem Mittelwert und Fall 4: Drei-Ströme FPV mit turbulenten BCs wir ­Vorhersagen von gemittelten Größen aus LES-Flamelet mit PaSR in RANS vergleichen (siehe Abschn. 3.1.1), können keine wesentlichen Unterschiede in Temperatur und Hauptspezies am Adelaide JHC beobachtet werden. LES hat den Vorteil, mehr Details über die Flammenstruktur und -dynamik zu liefern. Vergleicht man PaSR und Flamelet-Modelle in LES, können wir aus Abschn. 3.1.1 sehen, dass die PaSR-Formulierung [65] bessere Vorhersagen im Vergleich zu Fortschrittsvariablenansätzen [46] lieferte, insbesondere bei der Vorhersage von Nebenspezies. Andererseits kann die hohe Anzahl von Spezies, die in LES-Simulationen mit PaSR transportiert werden müssen, ein Hindernis aus rechnerischer Sicht darstellen. Daher sind LES-Flamelet-Modelle, die Verdünnung berücksichtigen, ein guter Kompromiss zwischen Genauigkeit und Rechenaufwand, aber reaktorbasierte Modelle können potenziell verbesserte Ergebnisse liefern. 3.2 Conditional Moment Closure Modelle In CMC-Modellen wird der bedingte Mittelwert der Massenanteile der chemischen Spezies transportiert, wobei der bedingte Mittelwert definiert ist als:
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme , 333 , , , , , , , , , , , , Abb. 33 Ergebnisse, die von Ihme et al. [46] an den HM1-, HM2- und HM3-Flammen erzielt wurden Qi (η, x, t) = �Yi (x, t)|ξ(x, t) = η� (15) wobei x, t Raum- und Zeitorte sind, Yi ist der Massenanteil der Spezies i, ξ ist der Bilger’sche Mischungsbruch und η ist dieselbe Variable im Abtastbereich. Der bedingte reaktive Quellterm, da CMC Schwankungen von Skalaren unterdrückt, kann dargestellt werden als: �ωi (ρ, Y, T )|η)� = ωi (ρη , Q, QT ) (16) wobei ρη und QT die bedingten Mittelwerte von Dichte und Temperatur sind. Unbedingte, Favre-Mittelwerte werden aus bedingten Werten und einer  , abgeleitet. Eine ausführangenommenen PDF für den Mischungsbruch, P(η) lichere Beschreibung dieses Ansatzes findet sich hier [57].
A. Parente et al. 334 , , , Mischungsbruch , , CO-Massenanteil T [K] OH-Massenanteil , , , , Mischungsbruch , , , , , , , , , , , , , , Mischungsbruch T [K] OH-Massenanteil CO-Massenanteil , , , , Mischungsbruch , , , , , Mischungsbruch , , , , , , Mischungsbruch Abb. 34 Bedingte Mitteltemperatur und Massenanteile von OH und CO (Quadrate, HM1Messung; Dreiecke, HM2-Messung; Kreise, HM3-Messung; durchgezogene Linie, HM1-Vorhersage; und gestrichelte Linie, HM2-Vorhersage; gestrichelte gepunktete Linie, HM3-Vorhersage) von Kim et al. [56] In der Arbeit von Kim et al. [56] wurde ein CMC-Modell auf die Adelaide JHC HM1-, HM2- und HM3-Flammen angewendet, wobei die Wechselwirkungen zwischen Luft und heißer Mantelströmung sowie zwischen Brennstoff und Mantelströmung durch unterschiedliche Formen der PDF für den Mischungsbruch getrennt dargestellt werden. Ein Vergleich mit experimentellen Daten ist in Abb. 34 dargestellt, und es wurde eine gute Übereinstimmung für Temperatur, OH und CO erzielt. In derselben Arbeit wurde das Modell auch zur Vorhersage der NOBildung verwendet, wobei gute Ergebnisse erzielt wurden, wie in Abb. 35 gezeigt. 3.3 Transportierte PDF-Modelle In transportierten Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (TPDF)-Modellen wird eine gemeinsame Zusammensetzungs-PDF-Transportgleichung gelöst, anstatt jede Spezies einzeln zu transportieren. Die Zusammensetzungs-PDF-Transportgleichung wird aus den Navier-Stokes-Gleichungen abgeleitet und kann wie folgt geschrieben werden: ∂ ∂ ∂ (ρPφ )+ (ρui Pφ ) + (ρSk Pφ ) = ∂t ∂xi ∂ψ   k   ∂ ∂ 1 ∂Ji,k ′′ − ρ�ui |ψ� + ρ� |ψk �Pφ ∂xi ∂ψk ρ ∂xi
, , , Mischungsbruch , , NO-Massenanteil 335 NO-Massenanteil NO-Massenanteil Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme , , , , Mischungsbruch , , , , , Mischungsbruch , Abb. 35 Bedingter mittlerer NO-Massenanteil von Kim et al. [56] In dieser Gleichung stellt Pφ die kumulative Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion der joint-Zusammensetzung dar, φ stellt den Zusammensetzungsvektor dar, während ψ die Zusammensetzung im Abtastbereich darstellt und ui und ui′′ die Geschwindigkeit entlang der i-ten Richtung und deren Schwankung darstellen. Die Terme in �|� zeigen bedingte Erwartungen an und erfordern eine Schließung. Andererseits erscheint dieser Ansatz in RANS-Simulationen besonders attraktiv, da bei TPDF-Ansätzen der chemische Quellterm (Sk) in geschlossener Form erscheint und keine Schließung erfordert. Allerdings sind die beiden Terme auf der rechten Seite der Gleichung ungeschlossen und erfordern eine Modellierung. Der erste Term ist der turbulente Skalartransport und wird üblicherweise mit einer Gradienten-Diffusionsannahme gelöst: −     ∂ ρµt ∂P ∂ ρ�ui′′ |ψ� = ∂xi ∂xi Sct ∂xi (17) wobei µt und Sct die turbulente Viskosität und die turbulente Schmidt-Zahl darstellen. Im Mikromischungsterm erfordert die bedingte Erwartung der diffusen Flüsse (Ji,k) besondere Aufmerksamkeit, da sie ein Mikromischungsmodell erfordert, das einen starken Einfluss auf die TPDF-Leistungen haben kann. Christo und Dally [20] wandten das Zusammensetzungs-PDF-Transportmodell auf das Adelaide JHC an und wiesen darauf hin, dass unter verschiedenen Mischungsmodellen der Euklidische Minimal-Spannbaum [98] das einzige war, das vernünftige Ergebnisse liefern konnte. Simulationen der HM1- und HM2-Flammen wurden unter Verwendung eines Eulerischen Monte-Carlo-Ansatzes zur Lösung der TPDF-Gleichungen durchgeführt, und es wurden detaillierte Kinetiken verwendet. Das Modell zeigte bessere Leistungen im Vergleich zum EDC-Modell. Die Autoren behaupteten jedoch, dass die Modifikation der Mischungsmodellkonstante Cφ [98] von ihrem Standardwert von 2–5 angemessen war, um eine stabile Lösung für den Adelaide JHC HM1-Fall (3 % O2) zu erhalten. Darüber hinaus stiegen die Rechenkosten im Vergleich zu Ansätzen mit endlicher Rate drastisch an.
A. Parente et al. 336 Um die Rechenkosten zu verringern, wurde von Tang et al. [102] eine MultiEnvironment PDF (MEPDF)-Methode mit der Direct Quadrature Method Of Moments (DQMOM) [36] vorgeschlagen. In dieser Formulierung kann die jointPDF für Ns Skalare durch das Produkt mehrerer Delta-Funktionen im thermochemischen Raum ersetzt werden, in der Form von: Pφ (ψ; x, t) = Ne  n=1 pn (x, t) Ns  δ[ψα − �φα �n (x, t)] (18) α=1 wobei pn das Massengewicht der Umgebung n ist, und φα n die αte Komponente des gemittelten Zusammensetzungsvektors der Umgebung n ist, während δ die Delta-Funktion ist. Auf diese Weise können individuelle, eulerische Transportgleichungen für die PDF gelöst werden. Die Methode zeigte gute Leistungen bei den HM1- und HM3-Flammen der JHC-Konfiguration. In der Arbeit von Lee und Kim [59] wurde das MEPDF-Modell an einer stickstoffverdünnten Wasserstoffstrahlflamme [11] getestet und zeigte gute Ergebnisse, wie in Abb. 36 gezeigt. In derselben Fallstudie führten Larbi et al. [58] einen interessanten Vergleich zwischen Lagrangian, Monte-Carlo TPDF (LPDF) und Eulerian TPDF (EPDF) durch. Im eulerischen Ansatz wird die PDF wie in Gl. 18 dargestellt, und die Modi ( pn) und das bedingte Mittel des wahrscheinlichkeitgewichteten bedingten Mittels der Zusammensetzung k, sk,n = pn �φk �n, können transportiert werden: ∂ ∂ (ρpn ) (ρui pn ) = ∇(ρŴ∇pn ) ∂t ∂xi (19) ∂ ∂ (ρsk,n ) + (ρui sk,n ) = ∇(ρŴ∇sk,n ) + ρ(Mk,n + Sk,n + Ck,n ) ∂t ∂xi (20) wobei  der Diffusionskoeffizient ist, Mk,n der Mischungsterm ist, der mit der Interaktion durch Austausch mit dem Mittelwert (IEM) gelöst wird, Sk,n der Reaktionsterm ist und Ck,n der Korrekturterm ist. Die Autoren stellten die Vor- und Nachteile der Verwendung von EPDF oder LPDF vor, die in Tab. 3 aufgeführt sind. Der Autor verglich die Ergebnisse an der Cabra-Flamme unter Verwendung sowohl von EPDF als auch von LPDF, die in Abb. 37 dargestellt sind. In der Nähe des Brenners (x/d = 10) überschätzen die Modelle jedoch sowohl die Temperatur als auch OH. Die Autoren verglichen verschiedene Turbulenzmodelle (std k − ε, mod k − ε und RSM) und verschiedene Werte von Cφ. Die modifizierte k − ε war diejenige, die bessere Ergebnisse zeigte, zusammen mit einem Cφ von 1,8, leicht abweichend vom Standardwert. Normalerweise wird die Diffusion in TPDF-Ansätzen unter der Annahme einer einheitlichen Lewis-Zahl behandelt, und es wird eine gleiche molekulare Diffusivität für alle chemischen Spezies auferlegt. Wie bereits erwähnt, kann jedoch die differentielle Diffusion eine bedeutende Rolle spielen, wenn Wasserstoff vorhanden ist. In dieser Hinsicht wurden mehrere Ansätze entwickelt, um diesem Phänomen Rechnung zu tragen. In der Arbeit von Fiolitakis et al.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 337 , Massenanteil , , , , , , , , Massenanteil , , , , , , , OH-Massenanteil Temperatur (K) Abb. 36 Axiale Profile entlang der Mittellinie von a mittlerer Temperatur und Mischungsbruch, b Massenanteil von H 2 , H2 O, O 2 und OH und axiale Profile bei r/D = 1.5 von c Temperatur und Mischungsbruch und d H2 O, O 2 und OH (Linie: Berechnung, Symbol: Experiment). Adaptiert von Lee et al. [59] Abb. 37 Temperatur- und OH-Axialprofil der Cabra-Flamme, erhalten mit EPDF und LPDF von Larbi et al. [58] [34] werden individuelle molekulare Flüsse ji,α und Wärmefluss qα in die PDF-Gleichung eingeführt, indem ihre bedingten Mittelwerte mit dem IEMMischmodell modelliert werden, wie folgt:      3   1 1 ∂jiα ′′    ψ = 2 C φ ω Yi − Yi ρ̄ xα α=1 (21)
A. Parente et al. 338 Tab. 3 Vorteile und Nachteile von EPDF und LPDF. Wieder angepasst aus [58] Vorteile Nachteile LPDF Chemische Quellterm ist geschlossen Genaue Transformation der chemischen Quelle Erfolgreich verwendet Mit gutem Mechanismus, gute Kontrolle von CO, NO x , Verlöschung und Zündung Die molekulare Mischung wird durch drei Modelle (IEM, EMST, MC) modelliert In ANSYS FLUENT 15.0 kann ein Mechanismus verwendet werden, der mehr als 50 Spezies umfasst Teuer in Bezug auf Berechnung Erfordert eine große Anzahl von Partikeln, um die PDF darzustellen Eine große Anzahl von Iterationen zur Reduzierung des statistischen Fehlers EPDF Chemische Quellterm ist geschlossen Genaue Transformation der chemischen Quelle Erfolgreich verwendet Mit gutem Mechanismus, gute Kontrolle von CO, NO x , Auslöschung und Zündung Wirtschaftlich in Bezug auf Rechenleistung Stochastische Fehler werden eliminiert Die molekulare Mischung wird durch das IEM-Modell modelliert In ANSYS FLUENT 15.0 überschreitet die Anzahl der Spezies nicht 50 Spezies      3   1 1 ∂qα ′′    ψ = 2 Cφ ω h − h ρ̄ xα α=1 (22) wo ω ist die turbulente Frequenz. Einzelne Diffusionsgeschwindigkeiten und Wärmestromgeschwindigkeiten werden dann zu den LagrangePartikelgleichungen hinzugefügt. Sie führten auch ein Modell für die Wärmeübertragung in geschlossenen Räumen ein und wandten die neue TPDFFormulierung auf die HM3-Flamme [86] an, die aus einem äquimolaren H2–N2 -Brennstoffstrahl besteht, der in einen Luftmantelströmung mit einer Strahl-ReZahl von 10000 austritt. Sie verglichen Lösungen mit unterschiedlicher Anzahl von Gitterzellen und injizierten Partikeln. Vorhersagen von Temperatur und Hauptspezies sind in Abb. 38 dargestellt. Um die Effekte der differentiellen Diffusion zu zeigen, die in der Nähe des Brenners, wo turbulente Durchmischung vernachlässigbar ist, ausgeprägter sind, verwendeten die Autoren zwei verschiedene Definitionen für den Mischungsbruch: ZO = YO − YO,ox YO,f − YO,ox (23) ZH = YH − YH,ox YH,f − YH,ox (24)
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 339 Temperatur, K Fall 1 Fall 2 Fall 3 Fall 4 , , , , , , , , , , , , , , , O2 Massenanteil , , H2 Massenanteil , H2O-Massenanteil Experiment , , , OH-Massenanteil N2 Massenanteil , , , , , , NO-Molanteil, ppm axiale Geschwindigkeit, m/s , dimensionslose Achsenkoordinate dimensionslose Achsenkoordinate Abb. 38 Vorhersagen der Hauptgrößen von Interesse entlang der axialen Richtung, entnommen aus [34]. Fall 1: 17250 Zellen und 64 Partikel pro Zelle, Fall 2: 17250 Zellen und 256 Partikel pro Zelle, Fall 3: 35333 Zellen und 64 Partikel pro Zelle und Fall 4: 186484 Zellen und 64 Partikel pro Zelle wobei ZO und ZH die O2- und H2-Mischungsbrüche sind, während ox und f sich auf Oxidationsmittel bzw. Brennstoff beziehen und Y die elementaren Massenbrüche anzeigen. Prinzipiell sollten die beiden Definitionen bei gleichen Diffusivitäten der gleichen Transportgleichung gehorchen und linear korreliert sein, was jedoch
A. Parente et al. 340 bei differentieller Diffusion nicht der Fall ist. Um diesen Effekt zu zeigen, plotteten die Autoren ZH als Funktion von ZO und beobachteten eine Abweichung von der linearen Korrelation in der Region nahe dem Brenner, mit guter Übereinstimmung mit verstreuten experimentellen Daten, wie in Abb. 39 berichtet. TPDF-Ansätze werden auch im LES-Kontext verwendet. Han et al. [42] führten LES/PDF-Simulationen der Cabra-Flamme [11] unter Verwendung eines erweiterten IEM-Mischmodells durch, das die differentielle Diffusion berücksichtigt. Ein lokaler Ansatz zur Definition der mechanischen Mischzeit wurde ebenfalls verwendet. Sie untersuchten verschiedene Szenarien: einschließlich oder ohne differentielle Diffusion und unter Berücksichtigung einer statischen oder dynamischen Bewertung der Mischzeit. Sie beobachteten, dass Temperatur-, elementarer Mischungsanteil H elementarer Mischungsanteil H zu gleichen Diffusivitäten Experiment elementarer Mischungsanteil H Abb. 39 ZH als Funktion von ZO an drei verschiedenen axialen Positionen. 256 Partikel pro Zelle wurden injiziert [34] tpdf-Berechnung , , , , , , , , , , , , , , , , , elementarer Mischungsanteil O
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 341 Spezies- und Abhebehöhenvorhersagen sehr empfindlich auf differentielle Diffusion reagierten. Insbesondere wurden H2 und H als kritische Spezies für ihre hohe Diffusivität und starken Effekte bei Ketteninitiierungs- und Verzweigungsreaktionen identifiziert. Ein Vergleich der Fälle mit oder ohne differentielle Diffusion ist in Abb. 40 dargestellt. TPDF haben ihre Wirksamkeit in mehreren Fällen gezeigt, und die Erweiterungen zur Berücksichtigung der differentiellen Diffusion in Mischmodellen sind ein wichtiger Erfolg im Kontext der Wasserstoffverbrennung. Allerdings hat ihre hohe Rechenkosten, die mit der Lösung stochastischer Differentialgleichungen verbunden sind, ihre Anwendbarkeit irgendwie eingeschränkt. 4 Numerische Studien zu industriellen Konfigurationen Die Entwicklung zuverlässiger numerischer Modelle ist von grundlegender Bedeutung, um das Design neuer Verbrennungstechnologien zu unterstützen. Insbesondere wenn die Größe des Problems mit industriellen oder quasi-industriellen Maßstäben vergleichbar wird, kann die Durchführung umfangreicher experimenteller Kampagnen unpraktisch, teuer und zeitaufwendig werden. Aus diesem Grund wurden neue Konzepte, die Wasserstoff in industrienahen Konfigurationen einbeziehen, numerisch untersucht, während die Verfügbarkeit experimenteller Daten zur Validierung noch gering ist. Fortunato et al. [35] untersuchten einen halb-industriellen Ofen, der mit 30 kW und variabler Last betrieben wird, wodurch er einem industriellen Ofen ähnelt. Der Ofen besteht aus Edelstahl und hat Innenmaße von 35 cm × 35 cm × 100 cm (siehe Abb. 41). Eine keramische Dämmschicht von 10 cm an den Seiten und 20 cm oben/unten wird angewendet, um Wärmeverluste zu reduzieren. Während des Ofenbetriebs betrug die Brennerleistung 30 kW, das Luftüberschussverhältnis 15 % und es wurden verschiedene Luftvorwärmtemperaturen von 670, 870 und 1070 , ohne differentielle Diffusion Mit differentieller Diffusion , , , , , Ohne Differentialdiffusion Mit differentieller Diffusion Abb. 40 Momentane Konturen von T und OH, berichtet von Han et al. [42] mit und ohne differentielle Diffusion
A. Parente et al. 342 Abb. 41 Schematische Ansicht des von Fortunato et al. untersuchten Ofens. Sammellöcher Dicke der Dämmung: 10 cm te en Wand-Thermoelem Wasser gekühlte Rohre Brennstoff Zünd brenner Luft Bre nns toff K getestet. Koksofengas wurde als Brennstoff verwendet, das für seinen hohen Wasserstoffgehalt bekannt ist. Für die numerische Simulation wurden RANSSimulationen unter Verwendung des Standard-k − ε-Modells für Turbulenz durchgeführt, und die Diskrete-Ordinate-Methode (DO) mit der Weighted-SumOf-Gray-Gases-Methode (WSGGM) für den Absorptionskoeffizienten wurde gewählt, um die thermische Strahlung zu modellieren. Das EDC-Modell wurde verwendet, um Turbulenz-Chemie-Interaktionen zu behandeln, und der KEE58Mechanismus [8] wurde verwendet, um die detaillierte Verbrennungschemie zu lösen. Verschiedene NOx-Bildungswege wurden berücksichtigt: thermisch, prompt, N2O-Zwischenprodukt und NNH. NOx wurde durch Nachbearbeitung der Daten in der ANSYS-Fluent-Software erhalten. Abb. 42 vergleicht die berechneten Wandtemperaturen mit den gemessenen, und obwohl sie gut übereinstimmen, wurde eine leichte Überschätzung für alle Luftvorwärmungen durchgehend beobachtet. Gemessen Berechnet , , , , , , , , , , , , Abb. 42 Experimentelle Ergebnisse und numerische Vorhersage der Wandtemperatur bei unterschiedlichen Luftvorwärmtemperaturen [35]
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 343 Die Wärmefreisetzungsrate wurde auch für verschiedene Luftvorwärmungsstufen berechnet und mit den gemessenen verglichen.OH∗ Intensität, wie in Abb. 43 gezeigt. Es wurde beobachtet, dass sich die Reaktionszone nach oben bewegt, wenn die Luftvorwärmtemperatur sinkt, und sowohl vorhergesagte Bereich der Wärmefreisetzung als auch die gemessene OH∗ bestätigen dies. Schließlich wurden NOx-Emissionen am Ofenausgang unter Verwendung eines in [38] vorgeschlagenen reduzierten Mechanismus vorhergesagt. Die Werte der gemessenen und vorhergesagten NOx-Emissionen für 670, 870 und 1070 K Vorwärmung betrugen 10/5, 12/13 und 14/17 ppm für zwei verschiedene untersuchte Koksofengaszusammensetzungen. Abb. 43 Vergleich der Wärmefreisetzungsrate a mit gemessener OH∗ Intensität b für unterschiedliche Luftvorwärmungen [35] , , , , , , , , , , , , , ,
A. Parente et al. 344 Leicher et al. [60] untersuchten die Auswirkungen der Beimischung verschiedener Wasserstoffkonzentrationen in Erdgas auf die Effizienz und Schadstoffemissionen in einem Glas-Schmelzofen, der mit Industrie-Brennern betrieben wird. Der Brenner war ein nicht-vorgemischter Strahlbrenner und Wasserstoff wurde bis zu 50 % in molaren Anteilen hinzugefügt. Die Brennerleistung betrug 120 kW, und das Luftüberschussverhältnis lag bei 1,05. Dies bedeutet, dass die Brennstoffund Luftströmungsraten entsprechend angepasst wurden, um die Leistung und den Luftüberschuss aufrechtzuerhalten. Für numerische Simulationen lösten sie nichtadiabatische RANS-Gleichungen in der Software Fluent. Die Strömungsturbulenz wurde mit dem Shear Stress Transport (SST) Modell modelliert und ein auf der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF) basierendes chemisches Gleichgewichtsmodell wurde für die Verbrennungsmodellierung gewählt. Die Strahlung wurde mit der Methode der diskreten Ordinaten modelliert. Abb. 44 zeigt die Temperaturkonturkarten auf der horizontalen Ebene des Ofens für verschiedene Brennstoffmischungsbedingungen. Bei einem höheren Prozentsatz an H2-Zugabe sinkt die Abgastemperatur und die maximale Temperatur im Ofen steigt. Darüber hinaus bleiben bei 10 % H2-Niveaus diese Temperaturindikatoren nahezu gleich. Die Beimischung von H2 in niedriger Konzentration (10 % vol.) hatte keinen Einfluss auf die NOx-Emissionen; jedoch stiegen diese bei einem Wasserstoffgehalt von 50 % vol. um 1,1 %. Sie schlussfolgerten, dass es möglich war, die schädlichen Auswirkungen von H2, wie hohe Temperaturen und erhöhte NOx-Niveaus, zu vermeiden, wenn die gesamte Eingangsleistung und der Luftüberschuss beim Hinzufügen von Wasserstoff zur Erdgasleitung aufrechterhalten wurden. Temperatur [°C] Abb. 44 Temperaturkarten eines regenerativen Glas-Schmelzofens für a reines Erdgas, b 10 % vol. Wasserstoff und c 50 % vol. Wasserstoff [60]
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 345 Abb. 45 Experimenteller Prüfstand, verwendet von Cellek et al. [14] Cellek et al. [14] untersuchten ein industrielles Brenner-Kessel-System im Maßstab (Abb. 45) für wasserstoffhaltige Brennstoffmischungen. Der Brenner arbeitete mit 1085 kW, und Erdgas, Wasserstoff und deren Mischungen wurden als Brennstoffe verwendet. Das realisierbare k − ε Modell wurde für die Strömungsturbulenzmodellierung verwendet. Für die Verbrennungsmodellierung wurde EDC mit einem Drei-Schritt-Mechanismus eingesetzt, wobei die Reaktionen waren: C1058 H4116 + 15580O2 = 1058CO + 2058H2 O (25) CO + 0, 5O2 = CO2 (26) H2 + 0, 5O2 = H2 O (27) NOx Vorhersagen wurden mit einem Nachbearbeitungsansatz erzielt, der in der kommerziellen Software Fluent® verfügbar ist. Das Modell konnte NOx, CO, CO2 und O2 vorhersagen; jedoch konnte es die Temperatur am Brennerauslass nicht gut erfassen. Das Modell wurde dann auf Erdgas-Wasserstoff-Mischungen und reinen Wasserstoff angewendet. Ein Vergleich der erhaltenen NO x Felder für verschiedene NG/H2 Mischungen ist in Abb. 46 dargestellt. Es sagte einen Anstieg der NOx-Werte von 92,81, 219,72, 360 und 659,30 % im Vergleich zu reinem NG voraus, jeweils für eine Wasserstoffzugabe von 25, 50, 75 und 100 %. Dies wurde durch einen signifikanten Temperaturanstieg in der Flammenregion bei erhöhtem Wasserstoffgehalt erklärt, was zu einer verstärkten thermischen NOx-Bildung führt. Der Vorteil der Verwendung von Wasserstoff wurde auch in potenziellen Kraftstoffeinsparungen hervorgehoben, da der spezifische Kraftstoffverbrauch um 14,70, 29,40, 44,11 und 58,81 % gesenkt wurde, jeweils für H2-Zugaben von 25, 50, 75 und 100 %. Mayrhofer et al. [75] simulierten die MILD-Verbrennung von reinem Wasserstoff und vorgeheizter Luft (450 ◦°C) in einem Testofen, der mit einem industriellen Gasbrenner (ECOBURN FL) befeuert wurde. Der Ofen bestand aus Edelstahl und hatte eine innere Dämmschicht von 375 mm. Sechs Strahlungsrohre wurden verwendet, um die Ofentemperatur zu regulieren, und verschiedene
A. Parente et al. , Axialer Abstand [m] , , , , 346 , , Radiale Entfernung [m] Abb. 46 NO x Vorhersagen aus dem Teststand von Cellek et al. [14] mit fünf verschiedenen NG-H 2 Mischungen: 100–0 % NG-H 2 , 75–25 %, 50–50 %, 25–75H 2 und reines H 2 Thermoelemente wurden eingesetzt, um die Ofentemperaturen zu überwachen. Der Brenner war an der Vorderwand des Ofens positioniert, wie in Abb. 47 gezeigt. Die vorgeheizte Verbrennungsluft wurde bei 450 ◦°C zugeführt und die Betriebstemperatur des Ofens wurde bei 1150 ◦°C gehalten. Die gesamte Eingangsleistung des Brenners betrug 155 kW. Für die RANS-Simulationen wurde die kommerzielle Software Fluent® verwendet. Die Strömungsturbulenz wurde mit einem realisierbaren k − ǫ-Modell mit Standardwandfunktionen modelliert. Sie verglichen verschiedene Varianten der stationären Flammenlet-Verbrennungsmodelle sowie mehrere Formulierungen
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 347 Schornstein Wand des Ofens Thermoelemente zur Regelung Thermoelement zur Überwachung der Ofentemperatur Kühlungsrohre Innere Oberfläche Kühl-/Heizrohre Test Brenner Abb. 47 Schematische Ansicht des in [75] verwendeten Testofens der WSGGM-Koeffizienten, um die Strahlungseigenschaften des Gemisches mit der DO-Methode für thermische Strahlung zu modellieren. Drei detaillierte kinetische Mechanismen, nämlich GRI 3.0, San Diego Mechanism und O’Conaire et al., wurden ebenfalls verglichen. Bezüglich der Verbrennungsmodelle konnte das teilweise vorgemischte Flammenlet-generierte Manifold (PP-FGM) korrekte Vorhersagen des Temperaturprofils liefern, während die nicht vorgemischten und die teilweise vorgemischten stationären Flammenlet-Modelle (NP-SFM und PPSFM) die Temperatur unterschätzten. Es wurde jedoch eine leichte Abweichung der Auslasstemperatur sowie ein zu hoher Restgehalt an H2 im Vergleich zu den Experimenten beobachtet. Bezüglich der chemischen Mechanismen wurden GRI 3.0 [37], San Diego [15] und O’Conaire [79] getestet, wobei letzterer die besten Leistungen zeigte. Der Vergleich zwischen verschiedenen Definitionen der WSGG-Koeffizienten wurde unter denen von Smith [97], Boardbar [9] und Yin [108] entwickelten, wie in Abb. 48 berichtet. Abb. 48 Axiale Temperaturvorhersagen mit verschiedenen WSGGModellformulierungen durchgeführt von [75] Exp CFD-Schmied CFD Yin CFD Bordbar Axialer Abstand [mm]
348 A. Parente et al. Die Definition der Absorptionskoeffizienten könnte potenziell eine Rolle spielen, wenn Wasserstoff in Öfen hinzugefügt wird, aber in diesem Fall wurden keine wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Fällen beobachtet. Ferroroti et al. [32] modellierten einen halb-industriellen flammenlosen Ofen für verschiedene Mischungen aus Methan-Wasserstoff. Details zur Ofengeometrie wurden bereits in Abschn. 2.2 erklärt. Die Brennerleistung betrug für alle Simulationen 15 kW und das Äquivalenzverhältnis wurde bei 0,8 gehalten. Wasserstoff wurde Methan in 50 % und 100 % molaren Anteilen zugesetzt; daher repräsentiert M50H50 50 % CH4 und 50 % H2 in molaren Anteilen, während M0H100 sich auf 100 % H2 in molaren Anteilen bezieht. RANS-Simulationen wurden unter Verwendung des Partially Stirred Reactor (PaSR)-Modells durchgeführt, um die Turbulenz-Chemie-Interaktion zu modellieren. Für die Turbulenzmodellierung wurden drei verschiedene Modelle mit verbesserter Wandbehandlung verwendet: Standard k − ε, modifiziert k − ε (Cǫ1 = 1.6), realisierbar k − ǫ und Reynolds-Stress-Modell (RSM). Zwei detaillierte kinetische Mechanismen wurden für die Chemie verwendet: GRI-2.11 (31 Spezies und 175 Reaktionen) [37] ohne Stickstoffchemie und KEE [8] (17 Spezies, 58 Reaktionen). Die Methode der diskreten Ordinaten wurde gewählt, um den Strahlungswärmetransfer zu modellieren, wobei die Methode der gewichteten Summe grauer Gase (WSGG) zur Berechnung der Absorptionskoeffizienten verwendet wurde. Die Einlasstemperatur des Brennstoffs betrug 343 K, jedoch wurden die Einlasstemperaturen für Luft als 920 K (M50H50) und 973 K (M0H100) basierend auf der Wärmebilanz berechnet. Abb. 49 vergleicht vorhergesagte und gemessene Temperaturen für M50H50und M0H100-Brennstoffgemische in Bezug auf verschiedene kinetische Mechanismen. Im Vergleich zu KEE stimmte GRI-2.11 besser mit den experimentellen Werten im Zündbereich überein. Darüber hinaus lieferten beide zufriedenstellende Ergebnisse für die Nachflammenbereich. Es wurde kein wesentlicher Unterschied bei der Verwendung verschiedener Turbulenzmodelle beobachtet, und daher wurde das Standard-k − ǫ-Modell aufgrund seiner geringen Rechenkosten verwendet. Es wurde festgestellt, dass die RANS-Simulation das Verhalten der Vorzündzone nicht gut erfassen konnte, und Ansätze wie Large Eddy Simulations (LES) und Detached Eddy Simulation (DES) wurden für weitere Untersuchungen vorgeschlagen. Für die reine Wasserstoffsimulation zeigten sowohl GRI-2.11 als auch KEE ähnliche Ergebnisse, wie in Abb. 50 gezeigt, da die Verbrennung durch Mischung kontrolliert wurde und die Chemie eine untergeordnete Rolle spielte. Beide Mechanismen überschätzten die Temperatur an der axialen Position von 100 mm und erfassten eine dünnere Reaktionszone im Vergleich zu den experimentellen Daten. Ferrarotti et al. [32] berechneten in ihrer Studie auch NO-Emissionen unter Verwendung verschiedener Ansätze. Sie verwendeten Nachbearbeitungstools in Fluent®, um NO zu erfassen, indem sie thermische, prompte, N2O- und NNH-Wege berücksichtigten. Für alle Fälle wurde der GRI-2.11-Mechanismus verwendet. Sie berichteten, dass die Abweichung zwischen vorhergesagten und gemessenen NO-Werten nach M50H50 begann. Beide Nachbearbeitungsmethoden konnten
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 349 Abb. 49 Vergleich zwischen vorhergesagten und gemittelten gemessenen Temperaturen für KEE- und GRI-2.11-Mechanismen bei a z = 100 mm, b z = 150 mm, c z = 200 mm, d z = 250 mm, e z = 300 mm und f z = 400 mm. M50H50, Cmix = 0,5, std k − ε. Gemittelte experimentelle Unsicherheit von 10 K aus [32] die ­ tatsächlichen Werte bei M50H50 und M25H75 nicht vorhersagen; jedoch zeigte der GRI-Mechanismus mit eingeschlossener NOx-Chemie verbesserte Ergebnisse. Dieses Verhalten war bei reinem Wasserstoff deutlicher, da der NNHWeg wichtiger wurde. Zusammenfassend half der vollständige GRI-2.11, die Abweichung zwischen vorhergesagtem und gemessenem NO zu begrenzen. Darüber hinaus wurde die chemische Zeitskala angepasst, da NNH sowohl in der Flammenals auch in der Nachflammenbereich gebildet wird. In einem solchen Fall gilt die Annahme einer größeren chemischen Zeitskala als einer Mischungszeitskala. Die folgende Anpassung zeigte eine signifikante Verbesserung der NO-Vorhersagen (siehe Abb. 51a). Abb. 51b zeigt, dass NNH der bedeutendste Beitrag zur gesamten NO-Emission für M50H50 und M0H100 bleibt; jedoch wird thermisches NO bei der reinen Wasserstoffverbrennung relevant. N2O-Zwischenprodukt macht 7 % des gesamten NO für M50H50 aus und wird bei reinem H2 unbedeutend. 5 Forschungstrends und zukünftige Richtungen Die Verwendung numerischer Modelle ist ein wesentlicher Bestandteil des Designprozesses. In den letzten Jahrzehnten wurden erhebliche Fortschritte in der numerischen Strömungsmechanik (CFD) erzielt, wodurch dieses Werkzeug zu einem leistungsstarken Instrument geworden ist, um wertvolle Einblicke in
A. Parente et al. 350 Abb. 50 Vergleich zwischen vorhergesagten und gemittelten gemessenen Temperaturen für KEE- und GRI-2.11-Mechanismen bei a z = 100 mm, b z = 150 mm, c z = 200 mm, d z = 250 mm, e z = 300 mm und f z = 400 mm. M0H100, Cmix = 0,5, std k − ε. Gemittelte experimentelle Unsicherheit von 10 K aus [32] (b) Thermische NO (trocken ppm) (a) Abb. 51 a Vergleich der gemessenen und berechneten NO-Emissionen unter Verwendung verschiedener Ansätze und b Beitrag jedes NO-Bildungswegs. In Abb. pp bezieht sich auf Nachbearbeitung [32] realistische Verbrennungssysteme zu gewinnen. Dennoch wird die Integration von eher niedrigauflösenden Modellen für stationäre Verbrennungssysteme zunehmend notwendig, da die Größe und Komplexität von Systemen in voller Größe oft ein Hindernis für die umfangreiche Nutzung hochauflösender Simulationen darstellen.
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 351 Da eine zunehmend große Menge an Daten verfügbar geworden ist, sind neue spannende Möglichkeiten im Bereich der datengetriebenen Modellierung entstanden. Die Entwicklung von Reduced Order Models (ROM) und innovativen Machine Learning (ML) Anwendungen wird in den letzten Jahren zu einem intensiven Forschungsgegenstand in der Verbrennungswissenschaft. Eine umfassende Übersicht über mehrere ML-Ansätze, die in der Verbrennungswissenschaft und -technologie verwendet werden, wurde von Zhou et al. [114] durchgeführt. Mit einem besonderen Schwerpunkt auf stationäre Verbrennungssysteme, bei denen die mit der Simulation verbundenen Rechenkosten einen der Hauptengpässe im Designprozess darstellen, ist die Möglichkeit, Black-Box- oder Grey-Box-Modelle zu erstellen, besonders attraktiv [92]. Beim Black-Box-Ansatz kann eine Input-Output-Karte eines gegebenen Systems unter Verwendung verschiedener numerischer Techniken durch Integration von Daten aus mehreren Eingabe- und Ausgabesensoren erstellt werden. Das erstellte Modell kann eine statische Darstellung des Systems sein, die es ermöglicht, sofort auf globale Größen zuzugreifen, oder sogar ein Transientenmodell, das verwendet werden kann, um das dynamische Verhalten einiger interessanter Variablen, z. B. Auslasstemperatur und Emissionen, abzurufen. Letzterer Ansatz, auch bekannt als Systemidentifikation, wurde auf quasi-industrielle Öfen angewendet, indem transiente CFD-Simulationsdaten mit linearen Übertragungsfunktionen integriert wurden, um NOx-Emissionen in Echtzeit vorherzusagen [50, 111]. In Grey-BoxModellen werden die grundlegenden Gleichungen gelöst, jedoch in stark vereinfachter Form, und einige Parameter des Modells müssen geschätzt werden. In diesem Zusammenhang stellen chemische Reaktornetzwerke [55] eine alternative und rechnerisch weniger aufwendige Methode dar, um Emissionen aus realen Systemen wie industriellen Brennern und Öfen zu schätzen [7, 31]. Dieser Ansatz ermöglicht es, realistische Systeme mit einem Netzwerk von chemischen Reaktoren zu modellieren und dabei Erhaltungsgleichungen für Spezies und Energie in einer geringen Anzahl von Elementen zu lösen. Auf diese Weise können detaillierte Kinetiken verwendet werden und gleichzeitig eine drastische Reduzierung der Rechenkosten erreicht werden. Da Datenerfassung, ML-Tools und ROM-Entwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen, taucht das neue Konzept des sogenannten Digital Twin (DT) in vielen Industriebereichen auf [69, 105] und kann eine spannende Möglichkeit für stationäre Verbrennungssysteme darstellen. Ein DT ist eine virtuelle Darstellung eines physischen Vermögenswerts, bestehend aus mehreren Modellen, die es ermöglichen, seine Leistung kontinuierlich zu verfolgen und sofort auf kritische Größen zuzugreifen. Eine spezielle Diskussion über die Entwicklung von DTs für realistische Verbrennungssysteme wird unten berichtet.
352 A. Parente et al. 5.1 Digitale Zwillinge Der umfangreiche Einsatz von CFD und detaillierten experimentellen Werkzeugen hat eine große Menge an Daten geliefert, die, wenn sie mit aufkommenden datenintensiven Techniken verarbeitet werden, potenziell eine wertvolle Ressource für Verbrennungssysteme darstellen können. In diesem Zusammenhang sind in den letzten Jahren Machine Learning (ML) Tools innerhalb der Verbrennungsgemeinschaft aufgetaucht, die ein enormes Potenzial für mehrere Anwendungen zeigen [114]. Eine der möglichen Anwendungen von ML für stationäre Verbrennungssysteme ist die Möglichkeit, Input-Output-Karten zu erstellen, indem Daten direkt zur Modellbildung verwendet werden. Zum Beispiel kann durch Variation der Eingabeparameter und Erhalt der Ausgangsantwort einiger ausgewählter Sensoren eine empirische Karte zwischen ihnen erstellt werden, deren Auswertung rechnerisch kostengünstig ist. Darüber hinaus sind Verbrennungsdatensätze oft durch hohe Dimensionalität gekennzeichnet, da der thermochemische Zustand normalerweise durch Hunderte von chemischen Spezies beschrieben wird. Die Möglichkeit, die Dimension des Problems zu reduzieren und gleichzeitig die zugrunde liegende Physik zu bewahren, ist dann besonders attraktiv, und aus diesem Grund werden Dimensionsreduktionstechniken in Verbrennungsanwendungen immer wichtiger. Unter diesen Werkzeugen ist die Hauptkomponentenanalyse (PCA [51]) eine der beliebtesten für eine Vielzahl von Anwendungen. PCA kann verwendet werden, um eine reduzierte und kompaktere Darstellung eines n-dimensionalen Datensatzes zu finden, indem eine „optimale“ Teilmenge von p Variablen ( p << n) gefunden wird, die eine lineare Kombination der ursprünglichen sind. Im Kontext der Verbrennung enthalten die ursprünglichen n-Zeilen die primitiven Variablen [T , P, Y1 , . . . , Yns ]. Die nach der PCA beibehaltene Teilmenge stellt eine Reihe von linearen Kombinationen der ursprünglichen Variablen dar, die eine bestimmte Menge der ursprünglichen Varianz der Daten bewahren. Auf diese Weise kann PCA verwendet werden, um niederdimensionale Mannigfaltigkeiten [84, 85] zu finden, die mit Transportgleichungen transportiert werden können [24, 29, 99], wodurch die Anzahl der zu transportierenden Variablen reduziert wird. PCA ist jedoch durch die starken nichtlinearen Beziehungen zwischen den Variablen in typischen Verbrennungsproblemen irgendwie begrenzt, und dies hat zur Entwicklung nichtlinearer Werkzeuge zur Neufassung des ursprünglichen thermochemischen Zustandsraums geführt [24, 72, 73, 78, 83]. Die Möglichkeit, Dimensionsreduktion mit nichtlinearen Regressionswerkzeugen zu kombinieren, hat zur Entwicklung von digitalen Zwillingen (DT) für reaktive Strömungsanwendungen geführt. Nach der Methodik von Aversano et al. [3] ergibt eine Auswertung des Full Order Model (FOM) y(x) = F(x) ∈ RN einen Vektor y(j), der Temperatur und Zusammensetzung an jedem Gitterpunkt enthält (sagen wir der Länge N), für die Menge der Eingabeparameter x(j). Aus der beobachteten MatrixY , kann PCA eine Menge von Basisfunktionen extrahieren Φ = {φ1 , φ2 , . . . , φq } mit normalerweise q < N , genannt PCA-Modi, die invariant sind in Bezug auf x. Eine
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 353 Menge von Koeffizienten a(x) = {a1 (x), a2 (x, . . . , aq (x)} ist dann verfügbar, und eine Interpolation ist erforderlich, um den Wert der Koeffizienten an einem unerforschten Parameterpunkt zu berechnen x∗. Die Autoren verwendeten Kriging [23], eine Interpolationsmethode, die a(x) als: a(x) = µ(x) + z(x) = fT (x)β + z(x) (28) Der Trend µ(x) kann durch eine niedriggradige polynomiale Regression erhalten und als lineare Kombination von Polynomen ausgedrückt werden f mit Gewichten β. Der Residual z(x wurde als Gaußscher Prozess mit einer Kernelfunktion modelliert. Die Autoren wandten diese Methodik auf eine zweidimensionale Flamme an und berücksichtigten zwei Eingabeparameter: die Zusammensetzung von CH4 im Brennstoff und die Einlassgeschwindigkeit. Sie verwendeten 25 2-D-Simulationen mit unterschiedlichen Eingabeparametern und verglichen zwei Techniken zur Dimensionsreduktion, PCA und Local PCA [52]. Die erzielten Ergebnisse sind in Abb. 52 dargestellt. In einer späteren Arbeit entwickelten Aversano et al. [4] ein physikbasiertes Reduced Order Model (ROM) eines CH4-H2 MILD-Verbrennungsofens [32]. Das ROM wurde ausgehend von einem Satz von 45 3D-CFD-Simulationen mit detaillierter Kinetik entwickelt. Die Proper Orthogonal Decomposition (POD) wurde verwendet, um die Daten zu komprimieren, und die Koeffizienten wurden mittels Gaussian Process Regression interpoliert. Mit dem entwickelten ROM war es möglich, den gesamten thermo-chemischen Zustandsraum des Systems innerhalb des Entwurfsraums zu rekonstruieren. Drei Eingabeparameter wurden geändert: die Brennstoffzusammensetzung, von reinem CH4 zu reinem H2, das , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 52 Echte Daten (linke Hälften) und rekonstruierte Daten (rechte Hälften) der Temperatur durch PCA (a), Temperatur mit Local PCA (b), CO 2 mit PCA (c) und CO 2 mit Local PCA (d)
A. Parente et al. 354 Äquivalenzverhältnis (von 0,7 bis 1,0) und der Injektordurchmesser (16, 20 und 25 mm). Die Autoren trainierten das ROM an einem Teil der 45 Simulationen, indem sie eine Simulation-Left-Out-Strategie verwendeten, um Überanpassung zu vermeiden. Quantitative Ergebnisse der Vorhersagen für alle Fälle sind in Abb. 53 dargestellt. Ein Beispiel für die Rekonstruktion des Temperaturfeldes des Ofens ist in Abb. 54 zu sehen. Die mit dem ROM erzielten Ergebnisse stimmen gut mit den ursprünglichen Simulationen überein. Die Entwicklung datengetriebener, physikbasierter ROMs stationärer Verbrennungssysteme wird den Zugang zum thermo-chemischen Zustand eines gegebenen Systems quasi-instantan ermöglichen. Die Potenziale dieser Modelle sind enorm, da DTs potenziell Verbrennungsprozesse in Echtzeit überwachen und vorhersagen können. Die Genauigkeit der DTs hängt stark von der Modelltreue ab, die jedoch von Natur aus durch ein gewisses Maß an Unsicherheit gekennzeichnet Abb. 53 a Leave-one-outRekonstruktionsfehler im Eingabeparameterraum, b durchschnittlicher Rekonstruktionsfehler unter Verwendung einer unterschiedlichen Anzahl von Left-Out-Simulationen für das ROM-Training. Übernommen von Aversano et al. [4] , , , , , , , Äquivalenz verhältnis [-] Durchschnittlicher NRMSE [-] Luftinjektor [mm] Anzahl der ausgelassenen Simulationen [-]
Wasserstoffbetriebene stationäre Verbrennungssysteme 355 Abb. 54 Originales (links) und rekonstruiertes (rechts) Temperaturfeld des Ofens von Aversano et al. [4] ist. Die Integration experimenteller Daten durch Data-Assimilation-Techniken [93] in DTs kann potenziell die Zuverlässigkeit von ROMs verbessern, aber die Gewinnung hochpräziser experimenteller Daten auf stationären Systemen ist aufgrund der rauen Betriebsbedingungen nicht immer machbar. Aus diesem Grund ist es entscheidend, Design Of Experiments (DOE)-Strategien für das ROM-Training zu optimieren und Informationen aus allen möglichen Quellen (Experimente und Simulationen) zu überbrücken, während so wenige Bewertungen hochpräziser Modelle (d. h. LES) wie möglich durchgeführt werden. 6 Schlussfolgerungen Das vorliegende Kapitel überprüfte den aktuellen Stand der Technik hinsichtlich der Verwendung von Wasserstoff und wasserstoffangereicherten Brennstoffgemischen in stationären Verbrennungssystemen. Die meisten der innovativeren Anwendungen sind derzeit im kleinen, labormaßstäblichen Bereich verfügbar. Viele Herausforderungen müssen noch im industriellen Maßstab angegangen werden, insbesondere um den unterschiedlichen Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff im Vergleich zu herkömmlichen Brennstoffen zu begegnen. Die numerische Modellierung ist von entscheidender Bedeutung, da sie potenziell das erforderliche Wissen für die Skalierung von Laboratorienkonzepten, bei denen eine große Verfügbarkeit hochpräziser Daten vorhanden ist, auf den industriellen Maßstab, bei dem Experimente schwierig oder teuer durchzuführen sind, überbrücken kann. Aus diesem Grund wurden auch die wichtigsten Modellierungswerkzeuge, die in der Wasserstoffverbrennung verwendet werden, zusammen mit ihren Vor- und Nachteilen überprüft. Schließlich wurden zukünftige Richtungen und neue Möglichkeiten für stationäre Verbrennungssysteme hin zu effizienten, brennstoffflexiblen und sauberen Technologien unter Verwendung kuberphysischer Infrastrukturen und digitaler Zwillinge diskutiert.
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Wasserstoffbetriebene Ottomotoren Sebastian Verhelst und James W. G. Turner Zusammenfassung Wasserstoff wird am einfachsten als Kraftstoff für einen Verbrennungsmotor in einem Ottomotor verwendet. Dieses Kapitel beginnt mit den Eigenschaften von Wasserstoff und Wasserstoffgemischen, um die verschiedenen Optionen für den Betrieb von Ottomotoren mit Wasserstoff darzustellen, wobei die Leistungsdichte, Emissionen und Wirkungsgrad überprüft werden. Dies wird dann mit der vergangenen und gegenwärtigen Forschung und Entwicklung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen verknüpft, bevor mit den vielversprechendsten aufstrebenden Märkten abgeschlossen wird. 1 Einführung Wasserstoff kann sowohl in Brennstoffzellen (BZ) als auch in Verbrennungsmotoren (VM) als Brennstoff verwendet werden, um in elektrische oder mechanische Energie umgewandelt zu werden. Dieses Kapitel konzentriert sich auf Letzteres, obwohl es einen kurzen Vergleich des Wirkungsgrads zwischen BZ und VM in Abschn. 4 enthalten wird. Verbrennungsmotoren können nach verschiedenen Zyklen arbeiten, wobei die gebräuchlichsten der Ottomotor (SI) und der Dieselmotor (CI) sind. Dieses Kapitel behandelt SI-Motoren, während CIMotoren in einem Begleitkapitel behandelt werden. S. Verhelst (*) Ghent University, Gent, Belgium E-Mail: sebastian.verhelst@ugent.be S. Verhelst Lund University, Lund, Sweden J. W. G. Turner Clean Combustion Research Center, King Abdullah University of Science and Technology, Thuwal, Saudi Arabia E-Mail: james.turner@kaust.edu.sa © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_8 365
366 S. Verhelst und J. W. G. Turner Mit Wasserstoff betriebene SI-Motoren gibt es schon seit langer Zeit, wie in Abschn. 4 kurz überprüft wird. Die Übersichtsarbeiten von Verhelst und Wallner [20] und Verhelst [22] behandeln H2VM ausführlich. Daher fasst dieses Kapitel hauptsächlich die Grundlagen von Wasserstoff-SI-Motoren zusammen (die in [20] viel detaillierter behandelt werden), wobei der Schwerpunkt auf den Informationen liegt, die zum Verständnis der Entwicklungen seit der Zeit des Schreibens dieser Arbeiten (2008 bzw. 2013) erforderlich sind, die als nächstes überprüft werden. In jüngster Zeit hat das Interesse an H2-VM wieder zugenommen, was eine große Anzahl von F &E-Bemühungen ausgelöst hat, die am Ende dieses Kapitels diskutiert werden. Diese „Wiederentdeckung“ von H2-VM ist hauptsächlich auf die EU-Emissionsvorschriften für schwere Nutzfahrzeuge [1] und deren Fokus auf Abgasemissionen zurückzuführen. Im Jahr 2019 trat eine Gesetzgebung in Kraft, die Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen (HD) festlegt, mit dem Ziel, die CO2-Emissionen bis 2025 und 2030 um 15 bzw. 30 % zu reduzieren, verglichen mit dem EU-Durchschnitt in einem Referenzzeitraum von Mitte 2019 bis Mitte 2020. Dies sind ehrgeizige Ziele, daher hat die Europäische Kommission auch Anreize in Form von Super-Gutschriften für „Null-Emissions-Fahrzeuge“ (ZEVs) bereitgestellt. Da die Elektrifizierung des HD-Transports aufgrund der hohen Anforderungen an Reichweite und Nutzlast als sehr herausfordernd erkannt wird, wird „sauberer“ Wasserstoff als notwendig angesehen, um diese Ziele zu erreichen. Dieser Wasserstoff sollte mit keinen oder sehr geringen CO2-Emissionen produziert werden und bietet eine höhere Energiedichte als Batterien. Entscheidend ist, dass eine Fenster geöffnet wurde, die die Nutzung von H2ICEs durch vorgeschlagene Änderungen der UNECE-R 49 SchadstoffemissionsTypgenehmigung ermöglicht. Diese Verordnung wird nämlich ein molaren Kohlenstoff-Wasserstoff-Verhältnis für den Kraftstoff vorschreiben und wenn dieses Verhältnis null ist (wie bei H2), dann wird die Konzentration von CO2 auf null gesetzt. Somit werden H2ICEs zu einer Option für den Erhalt von Super-Gutschriften, obwohl CO2-Emissionen solcher Motoren in der Realität nicht genau null sind, da es (wenn auch sehr geringe) Emissionen aus der Oxidation von Schmieröl geben könnte. Dies wird auch durch die gesetzliche Definition eines „NullEmissions-Nutzfahrzeugs“ ermöglicht, das entweder ein Fahrzeug ohne ICE oder mit einem ICE ist, das weniger als 1 g/kWh CO2 [1] emittiert. Dies ist der Hauptgrund für die sehr aktive F &E in Bezug auf H2ICEs, wie in Abschn. 4 überprüft wird. Wie später noch einmal darauf zurückgekommen wird, müssen neben CO2Emissionen auch Schadstoffemissionen (insbesondere Stickoxide, NOx) die Emissionsvorschriften erfüllen, was einen wichtigen Einfluss auf die kommerziell tragfähigen Betriebsstrategien hat. Obwohl der Rest des Kapitels sich auf die technische Seite von H2ICEs konzentriert, ist es wichtig, sich der Entwicklungen in den Vorschriften bewusst zu sein, da dies oft entweder das Marktpotenzial schafft oder zerstört. Der Umfang dieses Kapitels wird sich auf die Verwendung von reinem Wasserstoff als Kraftstoff für SI-Motoren konzentrieren. Es gibt eine Menge Literatur
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 367 über die Verwendung von Wasserstoff als Sekundärbrennstoff (entweder separat gespeichert oder an Bord durch Brennstoffreformierung des Hauptbrennstoffs produziert), zum Beispiel um die Verdünnungsgrenze von Kohlenwasserstoffbrennstoffen zu erhöhen, die Klopffestigkeit zu erhöhen oder bei der Reduzierung von Schadstoffemissionen zu helfen. Angesichts der obigen Diskussion, bei der nur Fahrzeuge, die mit reinem Wasserstoff als Kraftstoff betrieben werden, für SuperGutschriften zählen, gibt es jedoch derzeit wenig Anreiz, Wasserstoff neben einem anderen (kohlenstoffbasierten) Brennstoff zu verwenden. Der folgende Abschnitt befasst sich mit den Brennstoffeigenschaften von Wasserstoff und den Eigenschaften von Wasserstoff-Luft-Gemischen, die für den Betrieb von SI-Motoren relevant sind. Dies liefert die „Grundlagen“, um dann die möglichen Betriebsstrategien für Wasserstoff-SI-Motoren in Abschn. 3 zu betrachten. Dies dient wiederum als technischer Hintergrund für die Überprüfung der vergangenen und gegenwärtigen F &E zu Wasserstoff-SI-Motoren und -Fahrzeugen in Abschn. 4. Als abschließende Bemerkung: Wo Wege zur Reduzierung der Netto-Kohlenstoffemissionen aufgezeigt werden (wie im hier fokussierten Verkehrssektor), ist es immer von größter Bedeutung, die Lebenszyklusauswirkungen jeder Option zu betrachten. Für Wasserstofffahrzeuge bedeutet dies, dass eine Diskussion über die Optionen zur Wasserstoffspeicherung an Bord ohne Untersuchung der „vorgelagerten“ Auswirkungen unvollständig ist. Darauf wird bei der Diskussion der Betriebsstrategien und der aktuellen F &E-Bemühungen zurückgekommen. 2 Die Eigenschaften von Wasserstoff, die für den Betrieb von SI-Motoren relevant sind Potenzielle Betriebsstrategien für Wasserstoff-SI-Motoren und deren Anwendung in Fahrzeugen werden durch die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Wasserstoff sowie durch die Eigenschaften von Wasserstoffgemischen (mit Luft und zusätzlich in einigen Fällen mit Abgasen) bestimmt. Diese sind in den folgenden Abschnitten aufgeführt. 2.1 Physikalische und chemische Eigenschaften von Wasserstoff Wenn man Wasserstoff als potenziellen Kraftstoff für den Transport diskutiert, ist es angebracht, mit dem Energiegehalt von Wasserstoff zu beginnen. Der Einfachheit halber wird dieser typischerweise in Form eines unteren oder höheren Heizwerts (LHV bzw. HHV) angegeben. Tab. 1 listet diese auf gravimetrischer und volumetrischer Basis auf. Zur Referenz werden auch Werte für Methan (als Hauptbestandteil von Erdgas) und Iso-Octan (als Referenzkraftstoff für Benzin)
S. Verhelst und J. W. G. Turner 368 Table 1 Wasserstoffeigenschaften im Vergleich zu Methan- und Iso-Octan-Eigenschaften. Daten bei 293,15 K und 1 atm Eigenschaft Niederer Heizwert (MJ/kg) Oberer Heizwert (MJ/kg) Niederer Heizwert (MJ/Nm 3) Oberer Heizwert (MJ/Nm3) Molekulargewicht (g/mol) Dichte (kg/m 3) Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten Entzündungsgrenzen in Luft (Vol%) Entflammbarkeitsgrenzen () Entflammbarkeitsgrenzen (φ) Stöchiometrisches Luft-Kraftstoff-Verhältnis (kg/kg) Stöchiometrisches Luft-Kraftstoff-Verhältnis (kmol/ kmol) Minimale Zündenergie (mJ) Minimale Löschabstand (mm) Wasserstoff 120 142 10 Methan 50 55,5 33 Iso-Octan 44,3 47,8 30656 12 37 33078 2,016 0,08 16,043 0,67 114,236 692 1,405 4–75 10–0,14 0,1–7,1 34,2 2,39 1,304 5–15 2–0,6 0,5–1,67 17,1 9,55 1,047 1,1–6 1,51–0,26 0,66–3,85 15,0 59,67 0,02 0,64 0,28 2,03 0,28 3,5 angegeben. Der enorme Unterschied zwischen den Heizwerten auf gravimetrischer und volumetrischer Basis und zwischen den drei Kraftstoffen wird leicht verständlich, wenn man ihre Dichten vergleicht, die ebenfalls in der Tabelle angegeben sind. Die extrem niedrige Dichte von Wasserstoff (erklärt durch sein sehr geringes Molekulargewicht, ebenfalls aufgeführt) im Vergleich zum flüssigen Kraftstoff Iso-Octan und sogar im Vergleich zum gasförmigen Kraftstoff Methan hat viele Auswirkungen sowohl auf die Speichersysteme als auch auf den Motorbetrieb, wie weiter unten erläutert wird. Als nächstes wird das Verhältnis der spezifischen Wärmen aufgeführt (für Iso-Octan bezieht sich dies auf die Dampfphase). Wenig überraschend hat das zweiatomige Wasserstoffmolekül ein signifikant höheres Verhältnis als die komplexeren Methan- und Iso-Octan-Moleküle. Dies beeinflusst das Verhältnis der spezifischen Wärmen des Kraftstoff/Luft-Gemisches, wie im nächsten Abschnitt besprochen wird. Bei der Diskussion von Wasserstoff als Brennstoff für Verbrennungsmotoren sind seine Entflammbarkeitsgrenzen in Luft wichtig, da dies die möglichen Betriebsstrategien beeinflusst, wie später besprochen wird. Tab. 1 gibt diese in Volumenprozent von Wasserstoff in Luft und in Bezug auf das Luft-Kraftstoff-Äquivalenzverhältnis  und (Kraftstoff-Luft-)Äquivalenzverhältnis φ an. Ein weiteres herausragendes Merkmal von Wasserstoff wird deutlich, wenn man diese Grenzen mit den beiden anderen angegebenen Brennstoffen vergleicht: Die Entflammbarkeit erstreckt sich über einen viel größeren Bereich. Dies bietet neue Möglichkeiten in der Lastregelung (siehe Abschn. 3), verglichen mit dem SI-Betrieb mit gängigen aktuellen Brennstoffen. Diese Entflammbarkeitsbereiche zeigen die Toleranz gegenüber Verdünnung mit Luft an, sind aber auch
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 369 ein Indikator für die Toleranz gegenüber Verdünnung mit Abgasen, wie sie in Strategien mit Abgasrückführung (EGR) verwendet werden. Das stöchiometrische Luft-Kraftstoff-Verhältnis ist auch für Wasserstoff im Vergleich zu den beiden Kohlenwasserstoff-Referenzbrennstoffen sowohl auf Massen- als auch auf Volumenbasis sehr unterschiedlich. Der nächste Abschnitt wird die Auswirkungen davon auf die Gemischeigenschaften zeigen. Schließlich vergleicht Tab. 1 die minimale Zündenergie und den minimalen Löschabstand zwischen den drei Brennstoffen. Wiederum erweist sich Wasserstoff als sehr unterschiedlich zu „regulären“ Brennstoffen. Die minimale Zündenergie ist um eine Größenordnung niedriger für Wasserstoff; und die Spalte, in die eine Wasserstoffflamme eindringen kann, und der Abstand, den eine solche Flamme zu einer Wand erreichen kann, bevor sie erlischt, sind viel kleiner als bei Kohlenwasserstoffflammen. Die Konsequenzen daraus sind besonders deutlich, wenn es um anormale Verbrennung geht, die in Abschn. 2.3 besprochen wird. Der kleinere Löschabstand beeinflusst auch die Wärmeverluste und damit der Wirkungsgrad des Motors, siehe Abschn. 2.4. Beachten Sie, dass einige der in Tab. 1 angegebenen Eigenschaften sich mit Druck und Temperatur ändern. Die Tabelle listet ihre Werte bei Standardtemperatur und Standarddruck (NTP) auf, daher ist es wichtig zu überprüfen, wie sie sich bei Motorbedingungen ändern. Die Entflammbarkeitsgrenzen erweitern sich bei erhöhter Temperatur, und der minimale Löschabstand verringert sich, wenn Temperatur und Druck steigen. Außerdem sind einige dieser Eigenschaften tatsächlich Gemischeigenschaften von Wasserstoff in Luft, wobei die tatsächliche Zündenergie und der Löschabstand eine Funktion des Luft-Kraftstoff-Verhältnisses sind. Daher werden als nächstes die Gemischeigenschaften besprochen. 2.2 Eigenschaften von Wasserstoffgemischen Fremdzündungsmotoren verbrennen den Kraftstoff durch Flammenausbreitung, wobei der Kraftstoff normalerweise mit der Verbrennungsluft vorgemischt wird. Daher sind die Eigenschaften von Luft-Kraftstoff-Gemischen von Bedeutung. Tab. 2 listet solche Eigenschaften für Wasserstoff und erneut auch für Methan und Isooctan auf. Da der vorherige Abschnitt den weiten Zündbereich für Wasserstoff zeigte, enthält die Tabelle Eigenschaften sowohl für stöchiometrische ( = φ = 1 ) als auch sehr magere Wasserstoffflammen ( = 4, oder φ = 0.25). Der Volumenanteil des Kraftstoffs in einem stöchiometrischen Gemisch kann leicht aus dem stöchiometrischen Luft-Kraftstoff-Verhältnis auf volumetrischer Basis berechnet werden (angegeben in Tab. 1). Aufgrund ihrer niedrigen Luft-Kraftstoff-Verhältnisse auf volumetrischer Basis nehmen die bei NTP gasförmigen Kraftstoffe mit niedrigem Molekulargewicht ein viel größeres Volumen ein als der schwerere Kohlenwasserstoff (Isooctan, flüssig bei NTP), mit einem viel höheren volumetrischen Luft-Kraftstoff-Verhältnis. Auch hier ist Wasserstoff das extremere Beispiel, mit fast 30 Vol% Wasserstoff in einem stöchiometrischen Gemisch.
S. Verhelst und J. W. G. Turner 370 Tab. 2 Gemischeigenschaften von Wasserstoff-Luft, Methan-Luft und Isooctan-Luft. Daten angegeben bei 293,15 K und 1 atm (mit Ausnahme der laminaren Brenngeschwindigkeit, angegeben bei 360 K und 1 atm) Eigenschaft Volumenanteil Brennstoff (%) Mischungsdichte (kg/m3) Selbstzündtemperatur (K) Adiabatische Flammentemperatur (K) Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten Molverhältnis vor/nach der Verbrennung Laminare Brenngeschwindigkeit, ∼360 K (cm/s) Gravimetrischer Energiegehalt (kJ/kg) Volumetrischer Energiegehalt (kJ/m3) a H 2 -Luft, H 2 -Luft, CH 4 -Luft, C8H18-Luft, =1 =4 =1 =1 φ=1 29,5 0,850 φ = 0.25 9,5 1,068 φ=1 9,5 1,123 φ=1 1,65 1,229 858 a 2390 1,401 >858 a 1061 1,400 813 a 2226 1,354 690 a 2276 1,389 0,86 0,95 1,01 1,07 290 12 48 45 3758 3189 959 1024 3028 3401 3013 3704 Siehe Text Selbst ein sehr mageres Gemisch enthält noch fast 10 Vol% Wasserstoff. Da viele Wasserstoffeigenschaften sich stark von denen der Luft unterscheiden, werden die Gemischeigenschaften somit stark beeinflusst und weichen von denen der Luft ab (während bei flüssigen Kohlenwasserstoff-Kraftstoffen die Gemischeigenschaften denen der Luft sehr nahe kommen), wie durch die Gemischdichte in der Tabelle veranschaulicht wird (wobei die der Luft 1,2 kg/m3 beträgt). Für die Diskussion über anormale Verbrennungsphänomene im nächsten Abschnitt ist die Selbstzündungstemperatur wichtig. Tab. 2 zeigt, dass sie für Wasserstoff höher ist als für Methan und Isooctan. Die adiabatische Flammentemperatur, die als nächstes in Tab. 2 gezeigt wird, gilt für Verbrennung bei konstantem Druck und gibt einen Hinweis auf Spitzentemperaturen während des Motorzyklus, die Wärmeverluste und Emissionsbildungsprozesse (hauptsächlich die von NOx, siehe unten) beeinflussen. Abhängig von der verwendeten Betriebsstrategie kann die adiabatische Flammentemperatur höher oder niedriger sein als bei stöchiometrischen Methan- oder Isooctanflammen. Darauf wird später zurückgekommen. Das Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten, das als nächstes aufgeführt wird, ist eine Funktion des Verhältnisses der spezifischen Wärmekapazitäten des Kraftstoffs (siehe Tab. 1) im Verhältnis zu dem der Luft und der Menge des Kraftstoffs im Luft/Kraftstoff-Gemisch. Für Wasserstoff ergibt dies ein Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten, das fast dem der Luft entspricht. Dies ist ein gutes Zeichen für den theoretischen Motorenwirkungsgrad. Die nächste Zeile gibt jedoch das molare Expansionsverhältnis an (das Verhältnis der Molzahlen der Produkte zu den Molzahlen der Reaktanten). Die volumetrische „Kontraktion“ bei der Wasserstoffverbrennung hat
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 371 einen negativen Effekt auf den Motorenwirkungsgrad [14]. Dieser Effekt nimmt mit der Verdünnung des Gemisches ab, wie am  = 4 Beispiel zu sehen ist. Die laminare Brenngeschwindigkeit von Wasserstoffgemischen, die in Tab. 2 aufgeführt und in Abb. 1 über einen Bereich des Luft-Brennstoff-Äquivalenzverhältnisses dargestellt ist, hebt ein weiteres Merkmal hervor, das Wasserstoff von gebräuchlicheren Brennstoffen unterscheidet. Um die Stöchiometrie herum brennt Wasserstoff über 5-mal schneller als Methan und Isooctan, und eine  = 2 Wasserstoffflamme brennt immer noch 50 % schneller als eine stöchiometrische Methanoder Isooctanflamme. Dies beeinflusst die Verbrennungsdauer in Motoren und somit die optimalen Zündzeitpunkte und den Motorenwirkungsgrad. Beachten Sie, dass sich die Wasserstoffflammen in Richtung der mageren Entzündbarkeitsgrenze (die, wie bereits erwähnt, sehr mager ist) stark verlangsamen und die Verbrennungsdauer daher erheblich zunimmt. Schließlich gibt Tab. 2 den Energiegehalt von Brennstoff-Luft-Gemischen sowohl auf gravimetrischer als auch auf volumetrischer Basis an. Die volumetrischen Energiegehaltsunterschiede zwischen den Brennstoffen können als Hinweis auf das Leistungsdichtepotenzial eines gemischansaugenden Konzepts verwendet werden, z. B. eines Motors mit Saugrohreinspritzung (PFI). Aufgrund der großen Menge an niedrigdichtem Wasserstoff in einem stöchiometrischen Gemisch kann ein solcher Motor nicht denselben Energiegehalt aufnehmen wie beispielsweise Benzin, was die theoretisch erreichbare Leistung auf etwa 86 % der von Benzin begrenzt (aus der Tabelle: 3189 kJ/m3 gegenüber 3704 kJ/m3). Wenn man jedoch warten kann, bis der voluminöse Brennstoff eingeführt wird, nachdem der Zylinder mit Frischluft gefüllt ist, d. h. wenn ein Direkteinspritzsystem (DI) verwendet wird, steigt der volumetrische Energiegehalt auf 4528 kJ/kg. Dies ist ein Anstieg von 42 % gegenüber PFI und bedeutet, dass das Leistungspotenzial im Vergleich zu einem Benzin-Referenzfall tatsächlich um etwa 22 % höher ist [21]. Die Auswirkungen hiervon auf die Betriebsstrategien für Wasserstoffmotoren werden in Abschn. 3 behandelt. Abb. 1 Vergleich der laminaren Brenngeschwindigkeit (LBV) von Wasserstoff-, Methan- und Isooctan-LuftGemischen in Abhängigkeit vom Äquivalenzverhältnis bei 1 bar und 360 K Wasserstoff - Luft Iso-Oktan - Luft Methan - Luft
S. Verhelst und J. W. G. Turner 372 Äquivalenzverhältnis Luft/Kraftstoff , , , , , NOx Emissionen [ppm] , , , , , , , , , Kraftstoff-Luft-Äquivalenzverhältnis Abb. 2 Trend der NO x -Emissionen des Motors in Abhängigkeit vom Äquivalenzverhältnis Ein sehr wichtiger Teil der Wahl der richtigen Betriebsstrategie hat mit Schadstoffemissionen zu tun. Wie bei jedem Motor, der ein Kraftstoff-Luft-Gemisch verbrennt, erreicht auch bei Wasserstoffmotoren die thermische NOx-Bildung ihren Höhepunkt bei der richtigen Kombination aus (Nach-)Flammentemperatur und Sauerstoffverfügbarkeit. Abb. 2 zeigt den Trend der NOx-Emissionen des Motors als Funktion des Äquivalenzverhältnisses. Die Abbildung zeigt zwei sehr wichtige Merkmale: Erstens, dass der NOx-Gipfel hoch ist, höher als bei den meisten Kohlenwasserstoffen. Dies hängt mit der höheren Flammentemperatur um die Stöchiometrie zusammen. Zweitens, dass die weiten Entzündbarkeitsgrenzen von Wasserstoff einen ausreichend mageren Betrieb ermöglichen, um unter der NOx-Bildungstemperatur zu bleiben. Daher bieten sich sowohl Herausforderungen als auch Chancen durch den Trend in Abb. 2, wie in Abschn. 3 erörtert wird. 2.3 Abnormale Verbrennungsphänomene Der Wirkungsgrad von Ottomotoren wird typischerweise durch das Auftreten abnormaler Verbrennungsphänomene begrenzt. Wasserstoff erweist sich jedoch erneut als ziemlich anders als herkömmliche Kohlenwasserstoffkraftstoffe. Die Selbstzündung des Endgases, die Hauptgrenze für den Wirkungsgrad von Benzinmotoren, ist bei Wasserstoff viel weniger problematisch, wie aus der in Tab. 1 angegebenen Selbstzündungstemperatur und den zuvor diskutierten hohen Brenngeschwindigkeiten hervorgeht. Problematischer sind jedoch die weiten Entflammbarkeitsgrenzen in Kombination mit der niedrigen Mindestzündenergie und dem
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 373 kleinen Löschabstand. Dies führt zu vielen berichteten Problemen mit Rückzündungen und Oberflächenzündungen. In Motoren mit externer Gemischbildung war die Zündung und anschließende Verbrennung der frischen Kraftstoff-Luft-Ladung während der Ansaugphase, die zu einer Flamme führt, die (zurück) im Ansaugkrümmer reist (Rückzündung), eine praktische Begrenzung der erreichbaren Leistungsdichte vieler in der Literatur berichteter Wasserstoffmotoren. Dies hat dazu geführt, dass das Verdichtungsverhältnis oder das Äquivalenzverhältnis begrenzt wurde, um die Gesamttemperaturen im Zaum zu halten. Während die tatsächlichen Mechanismen nicht vollständig geklärt sind, haben sich eine Reihe von Gegenmaßnahmen als erfolgreich erwiesen, um dies zu verhindern. Diese ähneln den Maßnahmen zur Verhinderung oder Verzögerung des Auftretens von Oberflächenzündungen und umfassen: • Zündkerzenwahl: Die Wahl des richtigen Wärmewerts und des Elektrodenmaterials für die Zündkerzen ist wichtig [20]. Bei Kohlenwasserstoffkraftstoffen ist der Wärmewert der Kerze typischerweise ein Kompromiss zwischen dem Erreichen einer ausreichenden Hitze (um Ablagerungen zu verbrennen, die durch Kraftstoffwandbenetzung während des Kaltstarts entstehen) und nicht zu heiß zu werden, um Oberflächenzündungen zu verhindern. Offensichtlich ist die Kraftstoffwandbenetzung bei Wasserstoff kein Problem, sodass diese Wahl auf eine „kalte“ Zündkerze vereinfacht wird. Für das Elektrodenmaterial werden manchmal Edelmetalle wie Platin verwendet, um die Haltbarkeit der Zündkerze zu erhöhen, aber diese katalysieren die Wasserstoffoxidationsreaktion und fördern somit Oberflächenzündungen, weshalb sie vermieden werden müssen. • Einspritzphasen: Die zeitlich Abstimmung der Einspritz- und Ventilereignisse so zu gestalten, dass zuerst kühle Luft in die Brennkammer eintritt oder diese spült, senkt die Gesamttemperaturen der Wände. Man muss auch sicherstellen, dass der gesamte eingespritzte Wasserstoff in die Brennkammer gelangt und keiner im Ansaugkrümmer zurückbleibt, da dieser sonst in die (heiße) Brennkammer gelangt, sobald das Einlassventil für den nächsten Zyklus öffnet. Dies erfordert Injektoren mit ausreichend hohen Durchflussraten und schnellen Reaktionszeiten. • Ölkontrolle: Eine ordnungsgemäße Ölzusammensetzung und -kontrolle (durch das Design des Kolbenringpakets), ähnlich den vorgeschlagenen Maßnahmen zur Verhinderung des Auftretens von Niedriggeschwindigkeitsfrühndungen (LSPI) in Benzinmotoren [11], kann die Neigung zu Oberflächenzündungen verringern. Bei Benzinmotoren wurde LSPI intensiv untersucht, da es eine wichtige Grenze für die Verkleinerung von Motoren darstellt. Aufgrund der stochastischen Natur bleibt es eine Herausforderung, das Auftreten von LSPI vorherzusagen und ausreichende Gegenmaßnahmen zu gewährleisten. Im Fall von Wasserstoff sind die genauen Mechanismen größtenteils unbekannt und dies verdient zusätzliche Forschung. Das Design eines Kolbenringpakets, das minimiert, dass Öltropfen in die Brennkammer gelangen (die als Hotspots Frühzündungen induzieren können), ist wahrscheinlich vorteilhaft. Andererseits sind
S. Verhelst und J. W. G. Turner 374 Mechanismen, die in Benzinmotoren auftreten, bei denen beispielsweise der Kraftstoff nach langen Verzögerungen in Spalten kondensiert und das Schmieröl verdünnt, in Wasserstoffmotoren unwahrscheinlich. Die meisten dieser Maßnahmen sind bereits in den neuesten SI-Motordesigns integriert, da die Hersteller versucht haben, LSPI in verkleinerten, turbogeladenen Benzinmotoren zu verhindern, könnten jedoch zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern, wenn man von einer Plattform mit Kompressionszündung ausgeht (wie bei schweren Nutzfahrzeugen), bei der beispielsweise das Kolbenringpaket nicht dafür ausgelegt ist, mit einem potenziell unteratmosphärischen Ansaugdruck (bei gedrosseltem Betrieb) zu arbeiten. Für eine umfassendere Behandlung der Motordesignmaßnahmen wird der Leser auf [20] verwiesen. 2.4 Wärmeübertragung im Zylinder Ein weiteres Ergebnis der einzigartigen Eigenschaften von Wasserstoff wird in diesem Abschnitt hervorgehoben: die Wärmeverluste vom Arbeitsmedium zu den Wänden der Brennkammer. Diese beeinflussen den Wirkungsgrad und die Temperaturhistorie und damit auch die NOx-Emissionen des Motors. Abb. 3 zeigt den momentanen Wärmestrom durch die Wände der Brennkammer, gemessen für den Betrieb mit Methan und Wasserstoff [4]. Zwei Lasten wurden eingestellt, die , , , Wärmestrom [W/cm2] , Kurbelwinkel [°CA] Abb. 3 Gemessener momentaner Wärmestrom durch die Wände der Brennkammer, für Methan und Wasserstoff, für zwei Lastfälle. Durchgezogene Linien sind für Wasserstoff, gestrichelte Linien sind für Methan. Schwarz ist für den 4,7 bar IMEP-Fall, rot für 6,1 bar IMEP. Der Übergang von 4,7 auf 6,1 bar IMEP führt zu einem viel höheren Anstieg des Wärmeverlusts bei Wasserstoff im Vergleich zu Methan
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 375 durch Drosselung für die Methanfälle und durch Variation des Äquivalenzverhältnisses für die Wasserstofffälle erreicht wurden (um die weiten Entflammbarkeitsgrenzen zu nutzen). Optimale (MBT) Zündzeitpunkte wurden für jeden Fall verwendet. Beachten Sie, dass der Bereich des Wärmeflusses bei Wasserstoff viel größer ist. Wenn der Wärmestrom über den Zyklus integriert wird, führt der Methanfall vom niedrigeren Lastfall zum höheren Lastfall zu einer Verringerung des Wärmeverlusts von 29 auf 27 %. Im Fall von Wasserstoff steigt er von 24 auf 37 %. Dies zeigt, wie die Wärmeverluste bei Wasserstoff viel höher sein können, was auf den kleinen Löschabstand (siehe Tab. 1) zurückgeführt wurde, der dazu führt, dass eine Wasserstoffflamme näher an eine Wand gelangt und zu höheren Temperaturgradienten führt; und die erhöhte Konvektion aufgrund der hohen Brenngeschwindigkeiten. Es ist jedoch auch möglich, die Wärmeverluste durch die Fähigkeit des (sehr) mageren Betriebs erheblich zu reduzieren, was die Spitzentemperaturen senkt. 3 Betriebsstrategien für Wasserstoff-SI-Motoren Im Folgenden werden wir zunächst die wichtigsten Hardware-Entscheidungen vorstellen, die die verfügbaren Betriebsstrategien beeinflussen, bevor wir diese Strategien überprüfen. Der Fokus wird auf erreichbarer Leistungsdichte, Spitzenund Teillastwirkungsgrad und (NOx)-Emissionen liegen. 3.1 Einführung: Hardware-Optionen Obwohl der Fokus hier auf der Motorhardware und deren Einfluss auf die verfügbaren Betriebsstrategien liegt, ist es bemerkenswert, dass die verfügbare Motorhardware selbst durch die Fahrzeughardware beeinflusst wird – insbesondere durch die Wasserstoffspeichermethode. Die Motorhardware und die Wasserstoffspeichermethode sind durch den verfügbaren Wasserstoffdruck verbunden. Die Bedeutung dieser Verbindung hängt vom Gemischbildungssystem ab, für das es mehrere Optionen gibt: • Saugrohreinspritzung (PFI): Dies ist das einfachste System zu implementieren. Wasserstoff wird durch elektronisch gesteuerte Einspritzdüsen, die im Ansaugkrümmer montiert sind, mit einer oder mehreren Einspritzdüsen pro Zylinder eingeführt. Dies kann sowohl für Neuentwicklungen als auch für die Umrüstung von Motoren auf Wasserstoffbetrieb oder Zweistoffbetrieb (Betrieb mit Wasserstoff und/oder dem ursprünglichen Kraftstoff, z. B. Benzin) verwendet werden. • Direkteinspritzung (DI): Dies erfordert typischerweise ein spezielles Zylinderkopfdesign und/oder beschränkt den Betrieb auf einen einzigen Kraftstoff. Wasserstoff wird direkt in die Brennräume eingespritzt, und die Einspritzdüsen sind daher den Verbrennungsdrücken und -temperaturen ausgesetzt.
376 S. Verhelst und J. W. G. Turner Letzteres ermöglicht die Kraftstoffeinspritzung nach dem Schließen des Einlassventils (IVC) und kann weiter unterteilt werden in: • Niederdruck-DI (LP-DI): Mit Einspritzdrücken, die auf etwa 20 bar begrenzt sind, sind diese Systeme auf eine frühe Einspritzung (bevor der Zylinderdruck zu hoch wird) beschränkt. • Hochdruck-DI (HP-DI): Mit Einspritzdrücken von bis zu 200–300 bar ermöglichen diese Systeme eine sehr späte Einspritzung (um den oberen Totpunkt – TDC) oder – wenn sie mehrere Einspritzungen pro Zyklus ermöglichen – eine Einspritzung in eine brennende Flamme. Für die Saugrohreinspritzung wird typischerweise ein Einspritzdruck von 3–8 bar verwendet. Dies ist mit jeder Wasserstoffspeichermethode kompatibel. Hochdruck-Direkteinspritzung hingegen benötigt eine Wasserstoffversorgung mit viel höherem Druck. Komprimierte Wasserstoffspeicherung für Fahrzeuge liegt derzeit meist bei 700 bar, sodass diese Einspritzdrücke erreicht werden können. Natürlich sinkt der Druck in den Speichertanks, während der Wasserstoff verbraucht wird, sodass entweder die Reichweite des Fahrzeugs begrenzt ist, wenn die Drücke hoch genug für die Hochdruckeinspritzung gehalten werden müssen, oder die Einspritzstrategien angepasst werden müssen, wenn die Speicherdrucke abfallen. Bei der Speicherung von flüssigem Wasserstoff sind die Drücke normalerweise niedrig (weniger als 10 bar), sodass bei gewünschten hohen Einspritzdrücken eine Onboard-Kompression erforderlich ist. In der Vergangenheit wurde an der Entwicklung einer Flüssigwasserstoffpumpe gearbeitet, die Drücke hoch genug für DI erzeugt [7]. Dies wäre eine effizientere Methode zur Erzeugung hoher Drücke an Bord als die Komprimierung von gasförmigem Wasserstoff mit einem Kompressor. Allerdings erfordert die Verflüssigung von Wasserstoff mehr Energie als die Komprimierung von Wasserstoff auf 700 bar, sodass die Speicherung von flüssigem Wasserstoff nur in Betracht gezogen wird, wenn die Anforderungen an die Energiedichte am höchsten sind, wie z. B. bei Langstrecken-Lkw oder Schiffen. Für die meisten Straßenfahrzeuge wird die komprimierte Speicherung zum Standard. PFI- und LP-DI-Systeme zielen darauf ab, homogene Wasserstoff-LuftGemische zum Zündzeitpunkt (IT) zu erzeugen. Dies ist mit PFI leichter zu erreichen, da die Kraftstoff-Luft-Mischung vom Gemisch profitiert, das über die Einlassventile strömt. Mit HP-DI ist eine Gemischschichtung zum IT möglich, was einen zusätzlichen Freiheitsgrad einführt. Es wurde berichtet, dass die Schichtung möglicherweise den Kompromiss zwischen Motorwirkungsgrad und NOx-Emissionen (behandelt in Abschn. 3.5) verbessern könnte. Es könnte auch eine Möglichkeit sein, Wärmeverluste zu reduzieren (diskutiert in Abschn. 2.4), indem die Flamme von den Wänden ferngehalten wird. Wie Verhelst jedoch überprüfte [22], ist die Gestaltung des Verbrennungssystems für die Schichtung komplex, aufgrund der Wechselwirkung des Wasserstoffstrahls mit dem Strömungsfeld im Zylinder, den Kammerwänden und dem Kolben. Dies ändert sich im gesamten Betriebsbereich, da beispielsweise die Motordrehzahl
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 377 (und damit die Turbulenzniveaus im Zylinder) und die Luftdichte im Zylinder (mit Drosselung oder Aufladung) variieren. Neben dem Gemischbildungssystem ist auch das Luftmanagementsystem ein wesentlicher Faktor für die Fähigkeiten des Motors. Wie bei jedem Kraftstoff ist ein natürlich aspirierter Betrieb möglich, ebenso wie ein aufgeladener Betrieb – für den sowohl Kompressor- als auch Turboaufladung verfügbar ist. Die Aufladung ist relativ einfach und wurde bei Wasserstoffmotoren angewendet [12, 15], erfordert jedoch Wellenleistung. Die Turboaufladung kann Abwärme zurückgewinnen, um den Gesamtwirkungsgrad zu steigern, ist jedoch schwieriger: Wie bei anderen Kraftstoffen besteht die Herausforderung darin, einen Turbolader an den Motor anzupassen, entsprechend seinen Leistungszielen (mit dem Kompromiss zwischen Leistungsdichte und Ansprechverhalten, siehe nächsten Abschnitt). Zusätzlich gibt es bei wechselnden Gesamtabgasströmen, schneller Verbrennung und/oder mageren Gemischen (und damit Änderungen der Abgastemperaturen) weniger Abgasenthalpie im Wasserstoffbetrieb, um die Turbine anzutreiben. Wir werden nun erörtern, wie die Wahl des Gemischbildungssystems und der Strategie die erreichbare Leistungsdichte, Wirkungsgrad und Emissionen in erster Linie beeinflusst, bevor die inhärenten Kompromisse zwischen diesen Entwicklungszielen diskutiert werden. Abschn. 4 erklärt dann, wie diese Kompromisse angegangen werden können. 3.2 Leistungsdichte und Ansprechverhalten Wie bereits erwähnt, wenn man warten kann, bis der voluminöse gasförmige Wasserstoff in den Motor eingeführt wird, bis das Einlassventil geschlossen ist, profitiert die Leistungsdichte davon. Wenn also die Leistungsdichte für die Anwendung wichtig ist, sind PFI-Systeme keine Option (siehe Abschn. 2.2, zu den Unterschieden im volumetrischen Energiegehalt). Der zusätzliche Vorteil eines DI-Systems und der Einspritzung nach IVC besteht darin, dass das Auftreten von Rückzündungen vermieden werden kann. Da viele demonstrierte PFI-Fahrzeuge mager laufen mussten, um die Temperaturen niedrig genug zu halten und somit Rückzündungen zu verhindern, war ihre Leistungsdichte stark beeinträchtigt. Beispielsweise hat ein natürlich aspirierter (NA) PFI-Motor, der bei  = 2 läuft, nur die halbe Leistungsdichte eines stöchiometrischen NA-Benzinmotors [20]. Dennoch haben bisher alle demonstrierten Fahrzeuge PFI verwendet, da DI-Einspritzdüsen bis vor kurzem nicht verfügbar waren (siehe Abschn. 4.3). Dies lässt sich durch die Herausforderung erklären, Einspritzdüsen zu entwerfen, die in der Lage sind, große Mengen Wasserstoffgas in begrenzter Zeit zu liefern und eine ordnungsgemäße Abdichtung für diesen sehr wenig schmierenden Kraftstoff zu gewährleisten, während die Haltbarkeitsanforderungen in der rauen Umgebung der Brennkammer erfüllt werden. Wo Wasserstoffmotoren Dieselmotoren ersetzen sollen, wie sie in den meisten kommerziellen Anwendungen verwendet werden, sind die Anforderungen an
378 S. Verhelst und J. W. G. Turner die Leistungsdichte hoch, mit einem maximalen mittleren effektiven Bremsdruck (BMEP) von über 25 bar (etwa 200 Nm Drehmoment pro Liter Hubraum). Daher ist neben DI auch eine Aufladung erforderlich. Ebenso wichtig in solchen Anwendungen ist das Ansprechverhalten: Wie schnell kann der Motor eine plötzliche Änderung der Drehmomentanforderung erfüllen? 3.3 Wirkungsgrad Wie bei jeder Anwendung ist auch bei Wasserstoffmotoren der erreichbare Wirkungsgrad wichtig. Dies ist vielleicht noch wichtiger, wenn man die Kosten für die Wasserstoffproduktion und die Herausforderung der Speicherung an Bord berücksichtigt (der Wirkungsgrad beeinflusst die Fahrzeugautonomie). Wasserstoffmotoren wurden in Bezug auf die Effizienz meist gegenüber WasserstoffBrennstoffzellen heruntergespielt. Dies ignoriert jedoch die vielen Merkmale, die es Wasserstoffmotoren ermöglichen, höhere Wirkungsgrade als mit konventionelleren Kraftstoffen zu erreichen: • Hohe Brenngeschwindigkeit: Die daraus resultierende kürzere Verbrennungsdauer ist vorteilhaft für einen verlängerten Expansionshub. • Hohe Verdünnungstoleranz: Die Fähigkeit, sehr mager oder mit hohen EGRRaten zu arbeiten, ermöglicht niedrigere Spitzentemperaturen und somit reduzierte Wärmeverluste. • Das hohe Verhältnis der spezifischen Wärmen: Da das Verhältnis der spezifischen Wärmen von Wasserstoff dem von Luft sehr nahe kommt, wird das Verhältnis der spezifischen Wärmekapazitäten des Luft-Kraftstoff-Gemisches durch Luftverdünnung kaum beeinflusst, im Gegensatz zu konventionellen Kraftstoffen, bei denen der theoretische Wirkungsgrad durch den Betrieb nahe dem stöchiometrischen Verhältnis leidet. • Die weiten Entflammbarkeitsgrenzen: Bei konventionellen Kraftstoffen ist das Abmagern des Luft-Kraftstoff-Gemisches für den Teillastbetrieb schwierig. Dies ist bei Wasserstoff nicht der Fall, wo ein sehr magerer Betrieb möglich ist. Daher muss man nicht auf Drosselung zurückgreifen, um den Teillastbetrieb zu ermöglichen, und kann somit das Einführen von Pumpverlusten vermeiden. • Kein Kohlenstoff in seiner molekularen Zusammensetzung: Dies eröffnet zusätzliche Möglichkeiten in der Gemischschichtung – mit Hochdruck-DI, das Mehrfacheinspritzungen ermöglicht, ist es möglich, Kraftstoff in eine Flamme zu injizieren, die von einer früher gezündeten Einspritzung stammt, ohne sich um z. B. Rußbildung zu sorgen (dies wird auch durch die weite Entflammbarkeitsgrenze auf der fetten Seite erleichtert). Dies kann potenziell genutzt werden, um die Flamme von den Wänden des Brennraums fernzuhalten und somit Wärmeverluste zu reduzieren. • Hohe Selbstzündungstemperatur: Dies verzögert den Beginn der Selbstzündung des Endgases und ermöglicht somit höhere Verdichtungsverhältnisse (unter der
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 379 Bedingung eines Motordesigns, das geeignet ist, Oberflächenzündung zu vermeiden, wie zuvor erklärt). • Hoher Speicherdruck: Bei Verwendung von komprimierter Wasserstoffspeicherung bietet dies auf Fahrzeugebene das Potenzial für einen erhöhten Motorwirkungsgrad durch Rückgewinnung eines Teils der Verdichtungsarbeit, wenn ein Hochdruck-Direkteinspritzsystem verwendet wird, mit Einspritzung bei oder nach dem oberen Totpunkt. Beim Vergleich mit Brennstoffzellen ist es auch wichtig zu bedenken, dass der Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren mit zunehmender Größe steigt (größere Motoren haben Brennräume mit einem vergleichsweise geringeren Verhältnis von Oberfläche zu Volumen und somit reduzierte Wärme- und Reibungsverluste) und je höher sie belastet sind (vergleichsweise reduzierte Reibungsverluste). Dies wird in Abschn. 4 wieder aufgegriffen. Andererseits können einige Merkmale der Wasserstoffverbrennung zu zusätzlichen Verlusten und einer Verringerung des Wirkungsgrad führen: • Wärmeverluste: Die hohen Flammentemperaturen und der kleine Löschabstand von nahezu stöchiometrischen Wasserstoffflammen können zu erhöhten Wärmeverlusten führen (siehe Abschn. 2.4). • Molarkontraktion: Bei der Verbrennung von Wasserstoff ist die Anzahl der Mole der Verbrennungsprodukte kleiner als die Anzahl der Mole der Reaktanten, was den Druckanstieg bei der Verbrennung verringert [13]. Dieser Effekt ist am stärksten, wenn nahe dem stöchiometrischen Verhältnis gearbeitet wird. • Niedrigere Leistungsdichte: Der Luftverdrängungseffekt von Wasserstoff bei Verwendung von externen Gemischbildungssystemen (PFI) verringert die erreichbare Leistungsdichte, wie bereits erwähnt. Dies verringert des mechanischen Wirkungsgrad des Motors, da die relative Bedeutung der Reibungsverluste zunimmt. Die Wiederherstellung der Leistung durch Aufladung verbessert die mechanische Effizienz, kann jedoch Pumpverluste einführen. Abschn. 4 wird einige Werte zu den bisher nachgewiesenen Wirkungsgrad liefern. 3.4 Emissionen Unabhängig von der Anwendung des Wasserstoffmotors müssen NOx-Emissionen kontrolliert werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten, entweder die NOx-Bildung ganz zu vermeiden oder ihre Emissionen auf sehr niedrige Werte zu bringen. Erstens, wie in Abb. 2 gezeigt, können Wasserstoffgemische kühl genug brennen, um unter der NOx-Bildungstemperatur zu bleiben. Dies kann durch Verdünnung erreicht werden, entweder durch einen ausreichend mageren Betrieb oder durch Verdünnung mit rezirkuliertem Abgas (EGR). Dies ist also eine Möglichkeit, sehr niedrige Emissionen sicherzustellen: eine Strategie anzuwenden, die die
380 S. Verhelst und J. W. G. Turner ­Verbrennungstemperaturen unter der NOx-Bildungstemperatur hält (und somit die Notwendigkeit einer Nachbehandlung vermeidet). Ein alternativer Ansatz besteht darin, NO x-Emissionen des Motors zu akzeptieren, diese jedoch durch Nachbehandlung zu behandeln, um die Abgasemissionen auf ausreichend niedrige Werte zu reduzieren. Ein „Zwei-WegeKatalysator“ (TWC) hat sich als sehr effektiv erwiesen, da er mit Hilfe eines Lambdasensors im Bereich der Stöchiometrie arbeitet und eine Umgebung schafft, in der NO x mit unverbranntem Wasserstoff reagieren kann, wobei NO x -Umwandlungsgrade von über 99 % erreicht werden, wodurch die NO x-Abgasemissionen auf ultraniedrige Werte gesenkt werden [10]. Für die höchsten Umwandlungsgrade müssen die Abgastemperaturen 400 °C oder höher erreichen und das Äquivalenzverhältnis sollte leicht fett sein, um ausreichend Abgaswasserstoff für die Reaktion mit NO x sicherzustellen [3]. Ein weiterer Ansatz, wenn man die Vorteile des mageren Betriebs nutzen möchte (weiter unten näher erläutert), besteht darin, magere NOx-Nachbehandlungssysteme zu verwenden, wie sie von Dieselmotoren oder Benzinmotoren mit Schichtbetrieb bekannt sind: entweder durch Verwendung eines NOx -Speicherkatalysators, der mit unverbranntem Wasserstoff regeneriert wird, oder mit einem System zur selektiven katalytischen Reduktion (SCR). Ein solches SCR-System kann wie bei Dieselmotoren eine Harnstofflösung als Reagenz verwenden. Leider enthält Harnstoff – CO(NH2)2 – Kohlenstoff, sodass bei der Reaktion CO2 entsteht. Wie in der Einleitung erklärt, werden wasserstoffbetriebene HD-Fahrzeuge als emissionsfrei eingestuft, wenn ihre CO2-Abgasemissionen unter 1 g/kWh liegen, was bedeutet, dass der Harnstoffverbrauch begrenzt bleiben muss. Dober et al. [5] erwähnen, dass dies die zulässigen NOx -Emissionen des Motors auf durchschnittlich etwa 2 g/kWh begrenzt. Kohlenstoffemissionen aus der Harnstoffreaktion können vermieden werden, indem stattdessen der Kraftstoff als Reagenz für SCR verwendet wird: Wasserstoff selbst kann diese Rolle übernehmen. Wie bei jedem SCR-System gibt es jedoch ein Temperaturfenster für den maximalen Umwandlungsgrad. Die Temperaturen müssen ausreichend hoch sein, damit die Reaktionen schnell genug ablaufen, aber nicht zu hoch, da dies zu unerwünschten Reaktionen führen und der Umwandlungsgrad verringern kann. Bei herkömmlichen, harnstoffbasierten SCRSystemen müssen die Abgastemperaturen 250 °C erreichen. Wasserstoffbasiertes SCR wurde bisher noch nicht gründlich untersucht, sodass nur wenige Daten vorliegen, aber es wurde berichtet, dass es seinen höchsten Umwandlungsgrad bei niedrigeren Temperaturen erreicht [18]. Für Anwendungen im Straßenverkehr sind die Emissionsstandards jetzt sehr streng und umfassen auch Gesetze zu realen Fahrtemissionen, was bedeutet, dass das Emissionskontrollsystem auch mit schnellen Transienten umgehen können muss. Dies kann zu schnellen Änderungen der Äquivalenzverhältnisse führen (abhängig von der verwendeten Betriebsstrategie) und somit (siehe Abb. 2) zu schnellen Änderungen der Motor-x-NOx-Werten, begleitet von sich ändernden Abgastemperaturen und somit Umwandlungsraten im Nachbehandlungssystem. Um mit Motor-x-NOx-Emissionen umzugehen, die vorübergehend in einem
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 381 TWC- oder SCR-System nicht abgebaut werden können, beispielsweise weil dessen Temperatur zu stark gesunken ist, sollte eine NOx-Speicherfunktion integriert werden. Dober et al. [5] geben an, dass, obwohl das Temperaturmanagement entscheidend ist, um ein optimal funktionierendes Nachbehandlungssystem zu gewährleisten (wie bei jedem Motor), der Betrieb mit Wasserstoff einige Vorteile bietet. Es gibt keine Kompromisse hinsichtlich des Katalysator-Ansprechverhaltens: Späte Verbrennung zur Erhöhung der Abgastemperaturen leidet nicht unter Verbrennungsinstabilität und kann nicht zu erhöhten HC-Emissionen führen. Außerdem haben platinbasierte Oxidationskatalysatoren eine sehr niedrige Ansprechtemperatur für Wasserstoff (in der Größenordnung von 100 °C). Schließlich, neben der Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Ölkontrolle zur Vermeidung abnormaler Verbrennung (siehe früher), ist dies auch wünschenswert, um die Kohlenwasserstoff-(HC)-Emissionen auf das niedrigstmögliche Niveau zu begrenzen, indem die Menge an Schmieröl begrenzt wird, die entweder direkt oder nach (teilweiser) Oxidation in das Abgas gelangen kann. Unvollständige Verbrennung oder Pyrolyse von Schmieröl kann auch Nanopartikel erzeugen. Ein Vergleich zwischen Wasserstoff-, Methan- und Benzinmotoren zeigte die niedrigsten Partikelzahlen und Partikelmassen im Fall von Wasserstoff [16], wenn auch nicht vernachlässigbar. Für weiterführende Literatur zu Konzepten von Emissionskontrollsystemen für Wasserstoffmotoren wird der Leser auf Sterlepper et al. [18] verwiesen. 3.5 Kompromisse Wie bei jedem Kraftstoff- und Motortyp erfordert das Motordesign und der Betrieb Kompromisse, die sich aus Abwägungen zwischen verschiedenen Optimierungszielen ergeben. Idealerweise ist eine hohe Leistungsdichte möglich, mit gutem Spitzen- und Teillast-Wirkungsgrad, gutem Ansprechverhalten und all dies mit minimalen Schadstoffemissionen. Ebenso erfordert das Design eines Wasserstoff-SI-Motors und die Optimierung seines Betriebs die Anerkennung der inhärenten Abwägungen zwischen diesen Zielen. Diese werden hier in allgemeinen Begriffen diskutiert, bevor Abschn. 4 erörtert, wie diese grundlegenden Prinzipien in die Praxis umgesetzt werden: • Leistungsdichte versus NOx: Da der dominierende NOx-Bildungsmechanismus thermisch ist, führt jede Erhöhung der Leistungsdichte zu erhöhten NOx -Emissionen durch erhöhte Spitzentemperaturen im Zylinder. • Leistungsdichte versus Spitzenwirkungsgrad: Hier beeinflussen verschiedene Elemente den endgültigen Kompromiss. Eine erhöhte Leistungsdichte verbessert den Spitzenwirkungsgrad durch verbesserten mechanischen Wirkungsgrad (verringerte relative Bedeutung der Reibungsverluste, vgl. Downsizing). Die höchste Leistungsdichte wird jedoch bei stöchiometrischem Betrieb
382 S. Verhelst und J. W. G. Turner erreicht, was zu erhöhten Wärmeverlusten und damit zu einer verringerten Gesamteffizienz führt. Auch das Aufladen mit Druck führt zu Pumpverlusten. • Ansprechverhalten versus NOx: Abhängig von der gewählten Motorsteuerungsstrategie kann eine plötzliche Änderung der Drehmomentanforderung durch eine Erhöhung des Äquivalenzverhältnisses, eine erhöhte Drosselklappenöffnung oder einen erhöhten Ladedruck erfüllt werden. Dies kann zu einem NOx-Spitze führen, entweder weil die NOx-Bildungstemperatur überschritten wird, was zu erhöhten NOx-Emissionen führt, oder aufgrund eines momentanen Mangels an Luft-Kraftstoff-Verhältnis-Kontrolle und einer daraus resultierenden Verringerung der Nachbehandlungseffizienz. Auch ein magerer Ansatz zur Senkung der NOx-Werte führt zu einer niedrigen Abgasenthalpie und stellt somit eine Herausforderung für die Turboaufladung dar. • Leistungsdichte versus Ansprechverhalten: Die Dimensionierung eines Turboladers für maximalen Leistungswirkungsgrad führt zu einer niedrigen Turbolader-Effizienz bei niedrigen Durchflussraten und ist somit nachteilig für das Ansprechverhalten (wie bei jedem turbogeladenen Motor). • Wirkungsgrad versus NOx: Einige Maßnahmen erhöhen sowohl den Wirkungsgrad als auch senken NOx, wie z. B. die Senkung der Spitzentemperaturen (Reduzierung der Wärmeverluste). Einige Maßnahmen führen jedoch zu einem Kompromiss zwischen diesen beiden Zielen, z. B. die Verzögerung des Zündzeitpunkts, die sehr effektiv zur Reduzierung von NOx ist, da sie die Spitzentemperaturen senkt, aber die verzögerte Verbrennungsphase führt zu einem verringerten Wirkungsgrad. Spezieller für Wasserstoffmotoren ist ein geschichteter Betrieb mit möglicherweise Einspritzung in eine Flamme (siehe Abschn. 3.3) möglich und potenziell ein Weg zu erhöhtem Wirkungsgrad, muss jedoch gegen die erhöhten NOx-Emissionen aus den lokal heißeren Flammen abgewogen werden. Schließlich, wie im ersten Punkt oben erwähnt: Der Wirkungsgrad kann mit der Leistungsdichte steigen, was typischerweise zu erhöhten NOx-Emissionen führt. 4 Vergangene und gegenwärtige F &E an Wasserstoff-SIMotoren und -Fahrzeugen 4.1 Einführung Hier wird ein Überblick über vergangene und aktuelle Forschungs- und Demonstrationsbemühungen zu Wasserstoff-SI-Motoren und -Fahrzeugen gegeben. Es ist nicht beabsichtigt, umfassend zu sein, sondern vielmehr auf die vorherigen Abschnitte zurückzuverweisen, um die Auswirkungen der Grundlagen der Wasserstoffverbrennung und der oben genannten Kompromisse zu veranschaulichen. Verschiedene Konzepte werden erforscht, jedes mit seinen Vor- und Nachteilen.
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 383 Vergangene Arbeiten werden stark zusammengefasst, da jüngste technologische Entwicklungen diese Arbeiten größtenteils veraltet gemacht haben (wie unten beschrieben). Die Übersichtsarbeiten von Verhelst und Wallner [20] und Verhelst [22] haben die meisten H2ICE-Fahrzeugdemonstratoren bis 2008 bzw. 2013 aufgelistet. Alle diese Fahrzeuge verwendeten entweder Vergaser- oder Saugrohreinspritzmotoren und hatten daher im Vergleich zur ursprünglichen, meist benzinbetriebenen Version eine geringere Leistungsdichte. Sie erfüllten die damaligen Schadstoffemissionsgrenzwerte und konnten in den Fällen, in denen der Motor für den Wasserstoffeinsatz optimiert war, einen höheren Gesamtwirkungsgrad des Motors als die Benzinversion aufweisen (aufgrund von magerem Betrieb, höheren Verdichtungsverhältnissen, reduzierten Pumpverlusten bei Teillast usw., siehe Abschn. 3.3). In den letzten Jahren haben technologische Entwicklungen bedeutende Fortschritte für Wasserstoffmotoren ermöglicht, wie von Keppy [8] dargelegt: • Turboladersysteme haben sich stark entwickelt, zum Beispiel mit jetzt verfügbaren E-Boost-Systemen (elektrisch angetriebene Kompressoren, die leistungsdichteoptimierte Turbolader durch Bereitstellung eines transienten Ladedrucks ermöglichen). • Wasserstoffspeichersysteme wurden weiterentwickelt, mit einer Fahrzeug-Bordlagerung jetzt bis zu 700 bar Wasserstoffdruck. • Direkteinspritzgeräte werden für Wasserstoff verfügbar (obwohl derzeit auf niedrigen Druck begrenzt, wie unten zurückgekehrt wird). • NOx-Nachbehandlungstechnologie hat sich enorm weiterentwickelt, insbesondere für Dieselmotoren. Somit haben sich die Fähigkeiten zur Behandlung von NOx in einer sauerstoffreichen Umgebung erweitert und ihre Umwandlungsgrade haben zugenommen. Zum Zeitpunkt der oben genannten Übersichtsarbeiten [20, 22] wurden SCR-Systeme gerade für schwere Nutzfahrzeuge eingeführt. Jetzt sind sie auch für leichte Nutzfahrzeuge weit verbreitet, ergänzt durch NOx-Speicherkatalysatoren. Auch im Vergleich zu den in den oben zitierten Übersichtsarbeiten zusammengefassten Arbeiten hat sich der Fokus verschoben: von damals hauptsächlich Anwendungen im Pkw-Bereich zu jetzt Anwendungen im Schwerlastbereich. Somit sind die Zielmotorspezifikationen jetzt die von schweren Dieselmotoren, anstatt von leichten Benzinmotoren (die Anfang der 2000er Jahre meist noch ohne Aufladung waren). Dies bedeutet beispielsweise viel höhere Anforderungen an die Leistungsdichte (oder in Motorbegriffen, den maximalen mittleren effektiven Druck, BMEP). Im Folgenden überprüfen wir aktuelle Veröffentlichungen von Original Equipment Manufacturers (OEMs), die Wasserstoffmotorprototypen vorstellen; Motorenlieferanten, die Motorkomponenten präsentieren; und diejenigen, die Marktfaktoren berücksichtigen. Wiederum ist die Idee, die in den vorherigen Abschnitten skizzierten Schlüsselkonzepte zu veranschaulichen, um ein besseres Verständnis der Designherausforderungen und -möglichkeiten für Wasserstoff-SIMotoren zu ermöglichen.
384 S. Verhelst und J. W. G. Turner 4.2 OEM-Prototypen von Wasserstoffmotoren Die Deutz AG, ein bedeutender Motorenlieferant, hat über ihr Wasserstoffmotorenentwicklungsprogramm berichtet [14]. Die Entwicklungsziele für die von Deutz anvisierten mobilen Maschinen umfassen einen BMEP zwischen 20 und 25 bar in einem bestimmten Drehzahlbereich, die Einhaltung der EU-Stage-VEmissionsvorschriften und weniger als 1 g/kWh CO2-Emissionen (siehe Abschn. 1). Der Basismotor ist ein 7,8-L-Dieselmotor, dessen Kolben ersetzt wurden, um das Verdichtungsverhältnis auf 10:1 zu senken, und die Dieselinjektoren wurden durch Zündkerzen ersetzt, wobei das Vierventil-pro-Zylinder-Layout beibehalten wurde. Wasserstoff wird in der ersten Iteration des Motors durch PFI eingeführt, der aufgeladen und zwischengelagert ist und mit einem gekühlten HochdruckEGR-System ausgestattet ist. Die Lastregelung erfolgt durch eine Kombination aus Drosselung, Ladedruckregelung und variablem Luft/Kraftstoff-Äquivalenzverhältnis. Das Papier berichtet über den aktuellen Stand der virtuellen Entwicklung des Motors, unter Verwendung einer Simulationsumgebung, die mit Daten aus Einzylinder-Messungen gespeist wird. Nach der Berichterstattung über die Spitzenleistung, das Drehmoment und das Potenzial des Wirkungsgrads des Motorkonzepts, wie sie aus der stationären Optimierung erhalten wurden (234 kW bei 2250 U/min, 1325 Nm bei 1300 U/min und 40 %), geht es auf die Herausforderungen der dynamischen Optimierung ein (Sicherstellung, dass der Motor Lastwechsel ausreichend schnell bewältigen kann). Insbesondere diskutieren die Autoren den Kompromiss zwischen der Erfüllung eines Transientenzieles durch ein vorübergehend fetteres Gemisch (während der Ladedruck aufgebaut wird) und der daraus resultierenden erhöhten NOx-Produktion (siehe Abschn. 3.5). Erste Ergebnisse zeigen, dass eine schnelle Reaktion zu unakzeptabel hohen NOx-Emissionen führt, selbst bei Zündzeitpunktverzögerung und SCRNachbehandlung. Im Papier nicht explizit diskutiert werden die durch die Verwendung eines PFI-Systems auferlegten Leistungsdichtebeschränkungen, da es sehr schwierig ist, Rückzündungen aus 0D/1D-Motorsimulationen vorherzusagen. Die Autoren kommen jedoch zu dem Schluss, dass zur Erreichung der Entwicklungsziele ein Direkteinspritzsystem erforderlich sein wird. MAN Truck & Bus SE hat kürzlich auch ihr Wasserstoffmotor-Konzept vorgestellt [17]. Ihre Zielanwendung ist ein Langstrecken-Lkw, was zu einem 16,8-L-Motor mit 368 kW (500 PS) Leistung und 2300 Nm Spitzendrehmoment führt. Die Leistungs- und Drehmomentwerte sind etwas niedriger als bei dem 15,2-L-Dieselmotor, den der Wasserstoffmotor ersetzen soll. Der Grund für diese „Motorvergrößerung“ (durch eine vergrößerte Bohrung) ist, ein akzeptables Drehmomentverhalten sicherzustellen, ohne die NOx-Ziele zu überschreiten. Das Verdichtungsverhältnis für den wasserstoffbetriebenen Zündstrahlmotor wird im Bereich von 11–13 angegeben, und Wasserstoff wird durch ein NiederdruckDI-System (maximaler Kraftstoffdruck beträgt 22 bar) zugeführt, wodurch die Möglichkeit einer Rückzündung ausgeschlossen wird. Die Autoren diskutieren die Änderungen des Wasserstoffmotors im Vergleich zum Basismotor Diesel.
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 385 Bemerkenswert sind die neuen Kolbenringe zur Reduzierung des Ölverbrauchs, die „kalte“ Zündkerze und Anpassungen am Kühlkreislauf zur Begrenzung der Materialtemperaturen (diese drei Maßnahmen stehen wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Verhinderung abnormaler Verbrennung, siehe Abschn. 2.3). Sie vergleichen auch die Gemischhomogenität zwischen einem PFI- und einem DI-Konzept und stellen fest, dass letzteres aufgrund der kürzeren Mischzeit und des -raums sowie der fehlender turbulenter Strömung des Gemisches über das Einlassventil mehr Herausforderungen hat, ein homogenes Gemisch zu erreichen. Die Optimierung der Gemischhomogenität bei Verwendung der Direkteinspritzung nach dem Schließen des Einlassventils (IVC) ist noch im Gange. Interessanterweise verwendet das vorgeschlagene Konzept sowohl DI vor als auch nach IVC. Wenn es möglich und vorteilhaft ist, wird die Einspritzung vor IVC verwendet, um den volumetrischen Wirkungsgrad zu beeinflussen (siehe Abschn. 2.2), um die Abstimmung des Turboladers zu erleichtern. Die Gaswechselarbeit kann dann reduziert werden. Zu diesem Zweck wurde auch der Einsatz von EGR untersucht. Die Verbesserung des Gaswechsels ist auch wichtig, um die Menge an heißen Rückständen zu reduzieren, die zu Frühzündungsproblemen führen könnten. Daher wird behauptet, dass eine 10 %ige Steigerung der erreichbaren Leistungsausgabe durch den Einsatz von EGR möglich ist, da es dann möglich ist, die Frühzündungsgrenzen zu verschieben. Der Mehrzylinder-Prototyp zeigte einen effektiven Spitzenwirkungsgrad von 44 %, von dem die Autoren behaupten, dass er durch zusätzliche Optimierung weiter gesteigert werden kann. Es ist bemerkenswert, diesen Motor mit den früher bei MAN demonstrierten Wasserstoffmotoren zu vergleichen, was zeigt, dass die Leistungsdichte von 16 kW/L Hubraum auf etwa 22 kW/L gestiegen ist. Neben den Fortschritten im Gaswechsel ist der Wechsel von PFI zu DI der Hauptfaktor für diesen 37 %igen Anstieg (der mit dem theoretischen Anstieg von 42 % verglichen werden kann, der in Abschn. 2.2 erwähnt wird). Dieser Anstieg ging mit erhöhten NOx-Emissionen am Motorausgang einher, sodass ein Nachbehandlungssystem erforderlich ist. Das Diesel-Nachbehandlungssystem wurde übernommen, jedoch ohne den Dieseloxidationskatalysator (DOC) und den Dieselpartikelfilter (DPF). Neben dem SCR-System wurde auch der Ammoniakschlupfkatalysator (ASC) beibehalten, der eine zusätzliche Funktion erhält: die Umwandlung von unverbranntem Wasserstoff in Wasser. Es wird festgestellt, dass die Einhaltung der EURO-VI-Vorschriften erreichbar ist. Die Keyou GmbH hat ein Nachrüstkonzept für eine erste Generation von Wasserstoffmotoren entwickelt, ausgehend von einer Dieselmotorkonstruktion und deren Anpassung, um sie für Wasserstoff geeignet zu machen [6]. Dies beinhaltet den Austausch der Dieselinjektoren durch Zündkerzen, die Reduzierung des Verdichtungsverhältnisses mit neuen Kolben und die Montage eines PFI-Systems. Die von den Autoren angegebene Motorgeometrie entspricht der von Deutz, die von [14] diskutiert wird, da beide Unternehmen bei der Wasserstoffmotorentechnologie zusammenarbeiten. Der Einspritzzeitpunkt ist so gewählt, dass Wasserstoff während der offenen Periode der Einlassventile eingespritzt wird, um die Wahrscheinlichkeit einer Rückzündung zu verringern. Der reduzierte volumetrische
386 S. Verhelst und J. W. G. Turner Wirkungsgrad wird durch geeignete Turboaufladung kompensiert. Wie bei den oben diskutierten Motoren werden die Herausforderungen der Turboaufladung ausführlich behandelt, wie der Kompromiss zwischen Drehmomentverhalten und NOx-Emissionen. Es werden mehrere Steuerungsstrategien diskutiert, um das Ansprechverhalten bei Übergängen zu handhaben, einschließlich der Beeinflussung der Kraftstoffzufuhr (Beeinflussung des Äquivalenzverhältnisses), des Zündzeitpunkts und der Positionen des EGR-Ventils (hochdruckgekühltes EGR), des Drosselklappenventils und des Wastegates. Auch die kurze und magere Verbrennung mit Wasserstoff senkt die Abgastemperaturen und damit die Abgasenthalpie. In einem Versuch, die Enthalpie, die die Turbine erreicht, zu erhöhen, untersuchten die Autoren die Wirkung eines isolierten Abgaskrümmers. Obwohl eine Erhöhung des Motordrehmoments bei niedrigeren Motordrehzahlen gezeigt wurde, waren die Ergebnisse hinsichtlich der Motordynamik nicht schlüssig. Interessanterweise zeigte frühere Arbeit einiger Autoren, wie das hochdruckgekühlte EGR nicht nur zur Reduzierung der NOx-Emissionen beitrug, sondern auch das Klopfen milderte [9]. 4.3 Motorkomponenten Automobilzulieferer untersuchen auch den sich entwickelnden Markt für H2 ICEs und demonstrieren Motorkomponenten dafür. Wie oben mehrfach erwähnt, bieten DI-Injektoren einen Sprung in der Leistungsdichte von Wasserstoffmotoren, daher ist dies ein sehr aktiver Entwicklungsbereich. BorgWarner [5] diskutiert die spezifischen Komponenten eines Wasserstoffmotors und konzentriert sich auf das Einspritzsystem. Da frühe DI am einfachsten zu erreichen ist (im Vergleich zu später DI), da nur ein moderater Einspritzdruck erforderlich ist und bereits die Beseitigung von Rückzündungen und den Sprung in dem volumetrischen Wirkungsgrad ermöglicht, ist dies der Hauptweg, den die meisten OEMs derzeit einschlagen. Höhere Drücke sind attraktiv, da sie einen kompakteren Injektor ermöglichen, aber die Entwicklungsherausforderung erhöhen, da es nicht einfach ist, das sehr leichte Wasserstoffmolekül abzudichten, insbesondere in Abwesenheit von Kraftstoffschmierfähigkeit. BorgWarner hat sich entschieden, eine Reihe von Injektoren für einen Einspritzdruck von 20–40 bar zu entwickeln [5]. Die Abdichtungsherausforderung wird durch ein nach außen öffnendes Ventil angegangen, das auch die erforderlichen hohen Durchflussraten ermöglicht. Interessanterweise ermöglicht das Design die Montage einer Deflektorkappe, um eine gewisse Flexibilität bei der Sprühzielrichtung zu ermöglichen, je nachdem, wie der Injektor in der Brennkammer montiert werden kann – es wird behauptet, dass dies entscheidend ist, um eine gute Kraftstoff-Luft-Mischung zu erreichen: Reduzierungen von Motor-aus NOx um 50 % werden als durch eine ordnungsgemäße Gemischbildung erreichbar angegeben.
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 387 Die meisten Konzepte gehen von einer komprimierten Wasserstoffspeicherung aus, sodass keine Kraftstoffpumpe erforderlich ist, da der Hochdruckkraftstoff somit bereits verfügbar ist. Eine Reihe von Komponenten im Kraftstoffversorgungssystem sind denen von Brennstoffzellenfahrzeugen gemeinsam, sodass sie übernommen werden können. Was definitiv erforderlich ist, ist ein angepasster Turbolader. Grundsätzlich erfordern alle Konzepte eine Verdünnung, um die Temperaturen in der Brennkammer zu senken und so eine anormale Verbrennung zu vermeiden (neben der Senkung der Wärmeverluste und Motor-aus NOx). Dies stellt hohe Anforderungen an den Turbolader: hohe Massenstromraten und Druckverhältnisse sind erforderlich. Dies kann etwas gemildert werden, wenn es mit einem Hochdruck-EGRSystem kombiniert wird. Wie in der Einleitung dieses Abschnitts erwähnt, können die Entwicklungen im Bereich der Aufladung (zweistufig, VGT, e-Boost usw.) genutzt werden, um inhärente Kompromisse zu verbessern. Wenn EGR verwendet wird, muss berücksichtigt werden, dass dieses viel Wasser (das Hauptverbrennungsprodukt) enthalten wird. Um eine übermäßige Verdünnung des Schmieröls zu vermeiden, muss dieses kondensiert und entfernt werden. Schmieröle müssen neu formuliert werden, teilweise aufgrund der Änderung der Verbrennungsprodukte (mehr Wasser, aber keine Kohlenstoffablagerungen oder Ruß, die gelöst/aufgehängt werden müssen), und teilweise um mit Blowby kompatibel zu sein, das Wasserstoff enthalten kann – was gezeigt wurde, dass es mit Viskositätsverbesserern reagiert und somit die Ölqualität verschlechtert [19]. Strategien, die Schritte im Äquivalenzverhältnis beinhalten, wie in den vorherigen Abschnitten diskutiert, erfordern eine ordnungsgemäße Kontrolle des Luft-Kraftstoff-Verhältnisses. Daher ist eine genaue Ablesung des Abgas-LambdaSensors erforderlich. Dies wird durch die Wirkung von unverbranntem Wasserstoff (wie z. B. durch Wasserstoffschlupf während Transienten) auf das Signal solcher Sensoren kompliziert [19]. 4.4 Marktüberlegungen Hier überprüfen wir einige aktuelle Veröffentlichungen, die sich weiterhin auf technische Merkmale konzentrieren, aber ihre Auswirkungen auf Anwendungsbereiche diskutieren, in denen Wasserstoffmotoren wettbewerbsfähig werden könnten. Teilweise wurde dies bereits früher diskutiert, wie in der Einleitung, die den Anreiz für Wasserstoffmotoren durch die kürzlich eingeführte EU-Gesetzgebung für schwere Nutzfahrzeuge erklärt; und in Abschn. 4.2, der einige aktuelle Entwicklungsbemühungen von OEMs überprüft, die alle aus dem Schwerlastsektor stammen. Langstrecken-Lkw und Geländefahrzeuge sind Beispiele für Anwendungen, die schwer zu elektrifizieren sind und bei denen Wasserstoffverbrennungsmotoren attraktiver sein könnten als Brennstoffzellen, wie im Folgenden weiter erläutert wird.
388 S. Verhelst und J. W. G. Turner Der Hersteller von mobilen Maschinen für den Nicht-Straßenverkehr (NRMM) Liebherr GmbH präsentierte die Ergebnisse einer Studie, die verschiedene Antriebsstränge für einen ihrer Teleskoplader untersuchte [2]. Es gibt auch im NRMM-Sektor einen starken Antrieb in Richtung ultraniedriger Emissionen, wobei einige der Maschinen manchmal in Gebäuden betrieben werden (z. B. im Bauwesen oder in der Landwirtschaft). Gleichzeitig wird ein Teil der Arbeit an abgelegenen Standorten durchgeführt, sodass batterieelektrisch dann keine Option ist, da dies zu einer zu begrenzten Autonomie führen würde, und selbst in Städten könnte dies problematisch sein, da für einige der Maschinen kontinuierlich hohe Lasten üblich sind, die von lokalen Netzen schwer zu bewältigen sind. Diese kontinuierlich hohen Lasten bringen auch einen Wettbewerbsvorteil von Wasserstoffverbrennungsmotoren gegenüber Brennstoffzellen: Erstens sind die Wirkungsgrade von Verbrennungsmotoren bei hohen Lasten am höchsten, während sie umgekehrt bei Brennstoffzellen unter diesen Bedingungen am niedrigsten sind. Für Anwendungen im mittleren und schweren Bereich (d. h. Leistungsabgaben über etwa 200 kW) gibt es daher einen Schnittpunkt, an dem Wasserstoffmotoren genauso effizient oder effizienter sind als Brennstoffzellen (bei etwa 80 % der Nennleistung). Zweitens haben sowohl ICEs als auch FCs (auf Systemebene) Wirkungsgrade unter 50 %, sodass viel Abwärme abgeführt werden muss. Bei Verbrennungsmotoren wird ein großer Teil dieser Abwärme von den Abgasen getragen; und selbst die in das Kühlmittel abgegebene Wärme steht bei relativ hohen Temperaturen zur Verfügung. Brennstoffzellen hingegen haben kühleres Kühlmittel (80 gegenüber 110 ◦C) und viel weniger Wärme in ihren Abgasen. Dies erhöht die erforderliche Kühleroberfläche erheblich, was bereits für viele NRMM-Anwendungen ein Problem darstellt: Sie arbeiten oft in staubigen Umgebungen, bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten (was viel Leistung für den Kühlerlüfterantrieb erfordert); und die Maschinengröße muss aus Gründen des Standortzugangs und der Sicht des Bedieners begrenzt sein. Das Verpacken des Antriebsstrangs ist daher für die Wasserstoffmotoroptionen einfacher. MAN [17] stellt ebenfalls fest, dass es einen Markt für Wasserstoffmotoren gibt, wo ein „robuster Antriebsstrang, der in rauen Umgebungen betrieben werden kann“, benötigt wird. BorgWarner [5] weist darauf hin, dass Verbrennungsmotoren keinen Wirkungsgradverlust im Laufe der Zeit erleiden, während Brennstoffzellen dies tun, und dass es immer noch Bedenken hinsichtlich der Haltbarkeit von FCs gibt. 5 Schlussfolgerungen und Ausblick Dieses Kapitel führte Wasserstoff-Fremdzündungsmotoren ein, beginnend mit den Grundlagen der Wasserstoffverbrennung. Ein gutes Verständnis dieser Grundlagen ist entscheidend, um die derzeit sehr aktive Entwicklung von Wasserstoff-FZ-Motoren und deren Hauptmerkmale zu verstehen. Wie bei jedem Verbrennungsmotor wird das Design von mehreren Kompromissen bestimmt.
Wasserstoffbetriebene Ottomotoren 389 Diese sind teilweise zwischen Wasserstoffmotoren und herkömmlichen Motoren ähnlich (zum Beispiel der Kompromiss zwischen Drehmomentverhalten und Schadstoffemissionen) und teilweise unterschiedlich (z. B. aufgrund des Fehlens von Kohlenstoff im Kraftstoff, aber auch der Anfälligkeit für Frühzündung), und wurden ausführlich diskutiert. Der Hauptansatz, der derzeit von Motorenentwicklern verfolgt wird, ist das Fremdzündungskonzept, da es die einfachste Option ist, um die gesetzliche Definition von „Null-Emissionen“ zu erfüllen. Das Design dieser FZ-Motoren strebt nach perfekter Homogenität des Kraftstoff-LuftGemisches, was eine Herausforderung darstellen kann, da Direkteinspritzung erforderlich ist, um Leistungsdichteziele zu erreichen, und notwendig ist aufgrund der exponentiellen Abhängigkeit der Verbrennungstemperatur vom Äquivalenzverhältnis und somit NOx-Emissionen und abnormalen Verbrennungsphänomenen. Im Vergleich zu älterer Literatur wurde in diesem Kapitel mehr Aufmerksamkeit auf Anwendungen im mittleren und schweren Bereich, wie Lkw und NRMM, als auf Anwendungen im leichten Pkw-Bereich gelegt, die zuvor meist im Fokus standen. Auch dies wird durch die aktuellen Trends in der Gesetzgebung erklärt, bei denen der leichte Sektor elektrifiziert wird, was sich jedoch als viel schwieriger erweist für Anwendungen mit höheren Anforderungen an Leistung und Autonomie. Die Stärken von Wasserstoffverbrennungsmotoren gegenüber Brennstoffzellen für (einige) dieser Anwendungen wurden ebenfalls diskutiert, einschließlich Verpackung, Haltbarkeit und Wirkungsgrade, die wettbewerbsfähig sind für Anwendungen, die häufig hohe Leistung erfordern. Danksagungen Die Autoren möchten den zahlreichen Projekten danken, die es ihnen ermöglichten, Wasserstoff als Brennstoff für Verbrennungsmotoren zu untersuchen, sowie den daraus resultierenden Diskussionen mit Kollegen, die ebenfalls daran arbeiten. Insbesondere wird das BEST-Projekt – Belgian Energy SysTem, unterstützt durch den Energiewendefonds des Föderalen Öffentlichen Dienstes für Wirtschaft, KMU, Selbständige und Energie, anerkannt. Ebenso wird das CHyPS-Projekt – Clean Hydrogen Propulsion for Ships, unterstützt durch Flanders Innovation and Entrepreneurship (VLAIO), und das Baekeland-Ph.D.-Stipendium, das von VLAIO vergeben und von der Anglo Belgian Corporation nv. (Baekeland HBC.2019.2574) mitfinanziert wird, sowie allgemeine grundlegende Wasserstoffverbrennungsprojekte, die von der King Abdullah University of Science and Technology und dem Saudi Aramco Research and Development Center unterstützt werden, anerkannt. Literatur 1. Regulation (EU) 2019/1242 of the European Parliament and of the Council of 20 June 2019 setting CO2 emission performance standards for new heavy-duty vehicles and amending Regulations (EC) No 595/2009 and (EU) 2018/956 of the European Parliament and of the Council and Council Directive 96/53/EC. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2019/1242/oj 2. Aschauer T, Lindenthaler D, Schutting E, Falbesoner F (2021) Hydrogen for non-road mobile machinery. In: Proceedings of the 18th symposium on sustainable mobility, transport and power generation, Graz, Austria. ISBN 978-3-85125-843-1 3. Bao L, Sun B, Luo Q, Gao Y, Wang X, Liu F, Chao L (2020) Simulation and experimental study of the NOx reduction by unburned H2 in TWC for a hydrogen engine. Int J Hydrog Energy. https://doi.org/10.1016/j.ijhydene.2019.10.135
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Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren Pavlos Dimitriou Zusammenfassung Der Kompressionszündungsmotor (CI) ist seit mehreren Jahrzehnten das Arbeitspferd der globalen Wirtschaft. Aufgrund der Notwendigkeit, den globalen Klimawandel zu bekämpfen, hängt das langfristige Überleben des CI-Motors jedoch von seiner Fähigkeit ab, mit alternativen kohlenstoffneutralen Kraftstoffen zu arbeiten. Wasserstoff hat ausgezeichnete Verbrennungseigenschaften, die ihn für den Einsatz in CI-Motoren geeignet machen. Er hat jedoch eine hohe Selbstzündungstemperatur, die seinen Betrieb als Sekundärbrennstoff in einem Zweistoffmotor einschränkt, es sei denn, es ist eine Zündquelle wie eine Glühkerze vorhanden. Wasserstoff-Zweistoff-CI-Motoren zeigen dieselähnliche Verbrennungseigenschaften und sind weniger anfällig für den Verlust der Kontrolle des Verbrennungsprozessesg bei hohen Lasten oder das Auftreten von abnormalen Verbrennungsereignissen, die häufig in Wasserstoff-Fremdzündungsmotoren auftreten. Die größte Herausforderung bei der Implementierung von Wasserstoff-Zweistoffmotoren ist die hohe Verbrennungstemperatur, die zur Produktion von hohen Stickoxidemissionen (NOx) führt, die mit Nachbehandlungstechnologien behandelt werden müssen. Nichtsdestotrotz sind Wasserstoff-Zweistoff-CI-Motoren eine kostengünstige und ausgereifte Technologie, die die Kohlenstoffemissionen erheblich reduzieren kann. In den letzten Jahrzehnten wurde umfangreiche Forschung zur Anpassung dieser Technologie als mittelfristige Dekarbonisierungslösung durchgeführt. P. Dimitriou (*) Department of Mechanical Engineering (Robotics), Guangdong Technion-Israel Institute of Technology, Shantou, China E-Mail: pavlos.dimitriou@gtiit.edu.cn P. Dimitriou Technion – Israel Institute of Technology, Technion City, Israel P. Dimitriou Guangdong Provincial Key Laboratory of Materials and Technologies for Energy Conversion, Guangdong Technion-IsraelInstitute of Technology, Shantou, China © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_9 393
394 P. Dimitriou 1 Einführung/Frühe Jahre Der Kompressionszündungsmotor (CI) ist seit mehreren Jahrzehnten das Arbeitspferd der globalen Wirtschaft und unterstützt die Stromerzeugungs-, Automobilund Schifffahrtsindustrie. CI-Motoren – oft als Dieselmotoren bezeichnet – sind die bevorzugte Technologie für Anwendungen mit hohem Drehmomentbedarf. Sie sind robust und widerstandsfähig, können einem hohen Verdichtungsverhältnis (CR) standhalten und werden für ihre Kraftstoffeffizienz, Langlebigkeit und die Fähigkeit geschätzt, mit einer Vielzahl von Kraftstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu arbeiten. Seit der Erfindung des Dieselzyklus besteht ein erhebliches Interesse daran, CIMotoren mit Kraftstoffen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu betreiben. Dementsprechend wurden verschiedene Arten von Kraftstoffen mit unterschiedlichen Heizwerten, Flammgeschwindigkeiten und Selbstzündungseigenschaften getestet, um ihre Zündfähigkeit unter hohen Verdichtungsbedingungen zu bewerten. Im Jahr 1918 klassifizierte Herbert Hass in seinem Buch mit dem Titel „The Diesel Engine—Its Fuels and Its Uses“ [1] drei Gruppen von flüssigen Kraftstoffen, die für den Betrieb in Dieselmotoren geeignet sind. Dazu gehören Kraftstoffe, die aus gesättigten und ungesättigten Kohlenwasserstoffen bestehen, die relativ reich an Wasserstoff sind; aromatische Kohlenwasserstoffe oder Benzolderivate; und Pflanzenöle, die Glyceride von Fettsäuren sind. Das gemeinsame Merkmal dieser drei Kraftstoffkategorien ist die Leichtigkeit, mit der das Ölgas bei niedrigen Temperaturen entsteht. Mehrere gasförmige Kraftstoffe wie Propan und Wasserstoff wurden ebenfalls für den Einsatz in CI-Motoren bewertet; jedoch stellten Forscher schnell die Kompressions- und Selbstzündungsgrenzen des Dieselmotors mit diesen Kraftstoffen fest. Kraftstoffe mit hohen Selbstzündungstemperaturen wie Wasserstoff sind bei den Standard-CRs und nicht beheizten Ansaugbetriebsbedingungen von Dieselmotoren nicht verbrennbar. Daher ist die Kraftstoffflexibilität von Dieselmotoren stark eingeschränkt. Wasserstoff – das häufigste Element im Universum – ist ein kohlenstofffreies Gas, das auf verschiedene Weise gewonnen werden kann und als eine tragfähige Energiequelle zur Versorgung der globalen Wirtschaft angesehen wird. Das Interesse an der Nutzung von Wasserstoff zur Erzeugung von Antriebskraft reicht zwei Jahrhunderte zurück, als Wasserstoff zur Erzeugung von Antriebskraft in Maschinen verwendet wurde [2]. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts baute François Isaac de Rivaz den ersten Verbrennungsmotor, der mit einem Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff betrieben wurde, das durch einen elektrischen Volta-Starter gezündet wurde. Dieser Motor wurde anschließend verwendet, um das erste vierrädrige Prototypfahrzeug zu betreiben, das mit Wasserstoff und Sauerstoff lief. Fast zwei Jahrzehnte später wurde Wasserstoff als Brennstoff für den Antrieb von Dampfmaschinen unter Verwendung der durch die Wasserstoffverbrennung erzeugten Wärme in Betracht gezogen. Andere Ansätze zur Verbrennung von Wasserstoff in einem Verbrennungsmotor umfassen den Wasserstoff/AmmoniakNork-Hydro-Motor, der 1933 entwickelt wurde [3]. Im Jahr 1941, während
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 395 des Zweiten Weltkriegs, prüften die Deutschen aufgrund der Turbulenzen in der globalen Ölversorgung die Machbarkeit der Verwendung von Wasserstoff zur Betankung ihrer Militärlastwagen. Ebenso führte die von der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) angeführte Ölkrise in den 1970er Jahren zu Untersuchungen über die Machbarkeit der Nutzung von Wasserstoff zur Versorgung von Maschinen und Fahrzeugen. Die meisten dieser Bemühungen konzentrierten sich jedoch auf Ottomotoren, bei denen Wasserstoff mit einer Zündquelle verbrannt wurde. Untersuchungen zur CI von gasförmigen Kraftstoffen wie Wasserstoff für Hilfsanwendungen reichen bis in die frühen 1900er Jahre zurück; zum Beispiel die von Dixon und Crofts [4] und Tizard und Pye [5]. Die hohe Selbstzündungstemperatur von Wasserstoff und sein relativ leichtes Detonationsverhalten wurden bereits in dieser frühen Phase beobachtet. Ein erster Versuch, die Wasserstoffverbrennung in einem CI-Motor zu implementieren, wurde in [6] berichtet. Die Studie zielte darauf ab, die Möglichkeit zu bewerten, einen Teil des volumenbeschränkten Öls, das während des Fluges in einem Luftschiff gelagert wird, durch den aus dem Abgas des Motors freigesetzten Wasserstoff zu ersetzen. Mucklow [6] verwendete einen Einzylinder-Crossley-FeststoffeinspritzSchwerölmotor – Typ 0122 – für seine experimentelle Untersuchung; der Motor hatte eine normale Drehzahl von 211 U/min und eine Herstellerbewertung von 66 PS. Eine Reihe von Versuchen wurde mit einer maximalen Wasserstoffsubstitutionsrate von etwa 3 % des Luftversorgungsvolumens und 14 % des ÖlKraftstoffversorgungsgewichts unter verschiedenen Lasten durchgeführt. Die Ergebnisse waren zufriedenstellend, mit nur einer geringfügigen Reduzierung des thermischen Wirkungsgrads aufgrund einer langsameren Verbrennungsrate während des Expansionshubs. Die positiven vorläufigen Ergebnisse der ergänzenden Wasserstoffverbrennung führten zu einem erhöhten Interesse an der Bewertung der Auswirkungen höherer Wasserstoffsubstitutionsraten, trotz des Bedarfs an zusätzlicher Wasserstoffspeicherung im Flugzeug. Forscher glaubten, dass, wenn Wasserstoff die gleiche Verbrennungseffizienz wie flüssiger Kraftstoff bieten könnte, das erforderliche Kraftstoffgewicht erheblich abnehmen würde, mit einem proportionalen Anstieg der Nutzlastkapazität aufgrund der höheren Wärmeenergie des gasförmigen Kraftstoffs im Vergleich zu Öl. Im Jahr 1930 versuchten Helmore und Strokes [7], einen Einzylinder-CI-Motor mit reinem Wasserstoff bei einem CR von 11,6 zu betreiben, mit dem Ziel, den im Luftschiff gelagerten Kraftstoff erheblich zu reduzieren. Dieser Ansatz erwies sich jedoch als katastrophal, mit Fehlzündungen und heftigen Detonationsmustern, und der Versuch musste aufgegeben werden. Im Jahr 1936 präsentierte das National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) eine wissenschaftliche Studie über die Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff in CI-Motoren [8]. Ziel der Untersuchung war es festzustellen, ob eine bestimmte Menge Wasserstoff in einem CI-Motor verwendet werden könnte, um den Anstieg des Auftriebs eines Luftschiffs aufgrund des Kraftstoffölverbrauchs auszugleichen. Der entworfene Einzylinder-Viertakt-CI-Motor und die Hilfsausrüstung, die für die Bereitstellung eines kontrollierten Wasserstoffflusses
396 P. Dimitriou Abb. 1 Einzylinder-Wasserstoff-Kompressionszündungs-Testmotor und Hilfsausrüstung, verwendet vom National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) [8] erforderlich sind, sind in Abb. 1 dargestellt. Der Motor arbeitete bei allen Lasten zufriedenstellend mit Wasserstoff-Luft-Gemischen von bis zu 12 % und Öl-Kraftstoffmengen von 0,07–3,5 × 10−4lbs pro Zyklus. Der Motor lief jedoch nicht nur mit Wasserstoff, und jede Abschaltung der Ölversorgung stoppte den Betrieb des Motors sofort. Als der Motor mit Wasserstoff bei einem CR von 13,4 im Leerlauf betrieben wurde, reduzierte sich der effektive Wirkungsgrad um bis zu 9 % im Vergleich zu dem mit nur Kraftstofföl; jedoch stieg der effektive Wirkungsgrad bei hohen Motorlasten um bis zu 19 %. Bei einem CR von 15,6 betrug die Reduzierung des effektiven Wirkungsgrads im Leerlauf nur 4 %, mit einem Anstieg von bis zu 13 % bei hohen Motorlasten. Die Studie kam zu dem Schluss, dass das Verbrennen von Wasserstoff- und Kraftstoffölmischungen bei CRs von 13,4 und 15,6 den Gewichtsverlust eines Luftschiffs aufgrund des Kraftstoffölverbrauchs und den daraus resultierenden Auftriebsanstieg ausgleichen könnte. Die 1940er Jahre waren ein bedeutendes Jahrzehnt für den Verbrennungsmotor. Die von den Alliierten während des Zweiten Weltkriegs gegen die Besatzungstruppen durchgeführte Öl-Kampagne umfasste die Zerstörung von Ölraffinerien und Lagerdepots, was zu gefährlich niedrigen Ölbeständen führte [9]. Dies führte zu einem erneuten Interesse an der Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff zur Versorgung von Militärausrüstung und Fahrzeugen. Der 1941 GAZ-AALkw, der mit einem wasserstoffbetriebenen Ottomotor lief, und die wasserfreien Ammoniakbusse, die 1943 in Belgien betrieben wurden, sind Beispiele für die Forschung, die darauf abzielte, durch die Verwendung alternativer Kraftstoffe in Verbrennungsmotoren unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. Dennoch blühten das Interesse und die Forschung zur Verwendung von Wasserstoff in CIMotoren nicht auf.
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 397 Elliot und Davis [10] untersuchten die Auswirkungen des Ersatzes eines Teils des in einem Zweitakt-CI-Motor verwendeten Dieselkraftstoffs durch verschiedene gasförmige Brennstoffe wie Wasserstoff, Erdgas, Propan und Butan. Ihre Forschung hob die Bedeutung der unteren Entzündungsgrenze des gasförmigen Brennstoffs für eine optimale Verbrennung ohne Verlust der Kontrolle des Verbrennungsprozesses hervor. Für Wasserstoff wurde die untere Zündungsgrenze auf etwa 10 % Volumenanteil geschätzt; oberhalb dieser Grenze wird das System unfähig, die umgewandelte Energie produktiv zu nutzen, und zerstreut sie als thermische, Reibungs- und Schwingungsenergie. Der Verlust der Kontrolle des Verbrennungsprozesses in einem Dual-Fuel-CI-Motor aufgrund der spontanen Zündung des Endgases ist dasselbe wie das Klopfphänomen, das in Ottomotoren beobachtet wird [11]. Die Grenzen der klopffreien Leistung stehen in direktem Zusammenhang mit den Klopfeigenschaften des primären gasförmigen Brennstoffs, während andere Parameter wie Einspritzzeitpunkt, Menge, Pilotkraftstoffqualität (Cetanzahl) und Vorwärmung und Drosselung der Ansaugladung einen geringeren Einfluss haben [12]. Der Erfinder des Dieselmotors, Rudolf Diesel, erkannte diesen Kontrollverlust des Verbrennungprozesses bereits vor 1900. Wie von Felt und Steele [11] enthüllt, erklärte Rudolf Diesel in seinem britischen Patent, dass, wenn seine Erfindung als Dual-Fuel-Motor mit Stadtgas betrieben wurde – das hauptsächlich aus Methan und Wasserstoff besteht – die Menge an Leuchtgas, die mit Luft verwendet werden konnte, aufgrund des Kontrollverlusts des Verbrennungsprozesses begrenzt war. In den 1960er Jahren wurden mehrere Forschungsarbeiten zum Betrieb von Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren veröffentlicht, wobei sich die meisten Forscher darauf konzentrierten, das Problem der Verbrennungskontrolle zu überwinden, das durch eine hohe Rate an gasförmigem Brennstoff verursacht wurde. Im darauffolgenden Jahrzehnt gab es erhebliche Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Öl aufgrund der von der OPEC ausgelösten Ölkrise im Jahr 1973. In dieser Zeit, aufgrund der Notwendigkeit, alternative nicht-fossile Brennstofflösungen zu finden, gab es ein erneutes Interesse an der Forschung zur Wasserstoffverbrennung in Ottomotoren und CI-Motoren. Seit den 1960er Jahren wurde eine große Menge an Literatur zu Wasserstoffverbrennungsmotoren veröffentlicht. In jüngster Zeit, aufgrund der Notwendigkeit, die globalen Treibhausgasemissionen zu reduzieren und auf grüne Energie umzusteigen, haben mehrere entwickelte Nationen Fährpläne für die Wasserstoffwirtschaft entwickelt, was die Forschung zu Wasserstoffverbrennungsmotoren weiter vorangetrieben hat. In den folgenden Abschnitten versuchen wir, einen Überblick über die bestehende Literatur zu geben, wobei wir uns auf die Hauptherausforderungen und -beschränkungen, die vorgeschlagenen Motorenmodifikationen und die Verbrennungseigenschaften von Wasserstoff als primären oder zusätzlichen Brennstoff konzentrieren, wobei CI-Motoren berücksichtigt werden.
398 P. Dimitriou 2 Herausforderungen und Beschränkungen 2.1 Ein-Brennstoff-Betrieb Frühe Forschungen zum Betrieb eines Wasserstoffmotors mit hohem CR und thermischer Wirkungsgrad wurden durch das Potenzial zur Reduzierung des Kraftstoffspeichergewichts motiviert, das durch den Ersatz des schweren, energieärmeren Öls durch Wasserstoffgas erreicht werden konnte. Im Jahr 1930 unternahmen Helmore und Strokes [7] einen der ersten Versuche, einen CI-Motor mit Wasserstoff bei einem CR von 11,6 zu betreiben; ihr Versuch war jedoch erfolglos. Es folgten mehrere Studien – darunter eine mit einem maximalen CR von 15,6 [8] – die die Komplexität der Kompressionszündung von WasserstoffLuft-Gemischen aufgrund der Eigenschaften von Wasserstoffgas bestätigten. Folglich richteten die Forscher ihre Aufmerksamkeit auf die Verwendung von Glüh- oder Zündkerzen zur Zündung. Im Jahr 1975 behaupteten Ikegami et al. [13], dass sie erfolgreich einen CIMotor mit einem CR von 18,6 nur mit Wasserstoff betrieben hätten. Homan et al. [14] stellten diese Ergebnisse in Frage und glaubten, dass die Zündung aufgrund der Anwesenheit kleiner Mengen Öl oder eines heißen Punktes in der Brennkammer erfolgte. Fünf Jahre nach ihrem ersten Bericht veröffentlichten Ikegami et al. [15] die Ergebnisse ihrer Studie an einem umgebauten Einzylinder-Viertakt-Wasserstoffmotor. Der Betriebsbereich des natürlich angesaugten Motors mit Direkteinspritzung von Wasserstoff war aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit gegen Selbstzündung begrenzt. Die Autoren berichteten jedoch, dass, wenn die Drallkammer des Motors durch ein kleines Leck des Brennstoffs oder durch die Einführung eines Pilotbrennstoffs verunreinigt wurde, eine gleichmäßige Verbrennung über einen erweiterten Betriebsbereich erreicht werden konnte. Eine plausible Erklärung für dieses Phänomen war, dass das Brennstoffleck zu einem „ruhigen Brennprozess“ beitrug, der durch die Glut, die vom vorherigen Arbeitstakt in Form eines heißen Kerns in der Drallkammer verblieb, unterstützt wurde. Die Einspritzung von Pilotbrennstoff gewährleistete die Zündung, verkürzte die Zündverzugszeit und sorgte für einen ausreichend gleichmäßigen Motorbetrieb [16]. Die Einführung einer übermäßigen Menge an Pilotbrennstoff führte jedoch zu Selbstzündung und resultierte in einer rauen Verbrennung. Zahlreiche Forscher [17–21] konzentrierten sich darauf, die Wasserstoffverbrennung durch Erhöhung der Ansaugladung zu initiieren, um die Verbrennung des Gemisches bei herkömmlichen Dieselmotorkompressionsverhältnissen zu fördern. Rosati und Aleiferis [17] erreichten die Zündung eines Wasserstoff-LuftGemisches bei einem CR von 17,5, mit einer Ansaugtemperatur von 200–400 °C und λ = 3. Aufgrund der erhöhten Ansaugtemperatur erhöhte die Verbrennung des Gemisches jedoch die Bildung von Stickoxiden (NOx); zudem stieg der Gesamtenergieverbrauch aufgrund der zusätzlichen Energie, die zum Erhitzen des Ansauggases erforderlich war.
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 399 Lee et al. [22] stellten die Überzeugung in Frage, dass die Kompressionszündung eines Wasserstoff-Luft-Gemisches bei niedrigen Ansaugtemperaturen unmöglich sei, indem sie eine Machbarkeitsstudie an einem variablen Hochkompressionsforschungsmotor durchführten, bei dem das CR auf über 40 erhöht werden konnte. Die Studie ergab, dass ein Mindest-CR von 26 für die Wasserstoffverbrennung erforderlich ist, der unter Kaltstartbedingungen auf 32 ansteigt. Das minimale Äquivalenzverhältnis (ϕ) für die Kompressionszündung betrug ϕ = 0,11–0,22, wobei ein ultramageres Gemisch unter allen Betriebsbedingungen berücksichtigt wurde. Der schnelle Druckanstieg, der durch die große Menge an Wärme verursacht wurde, die bei einem hohen CR aus Wasserstoffbrennstoff freigesetzt wurde, führte jedoch zu abnormaler Verbrennung (Klopfen und Rückzündung), und der stabile Betriebsbereich war bei ϕ = 0,04–0,06 extrem schmal. Homan et al. [14] versuchten ebenfalls, die Kompressionszündungsbeschränkungen von Wasserstoffgas zu überwinden, indem sie einen Cooperative Fuel Research (CFR)-Motor bei einem erhöhten CR von 29 betrieben. Trotz des hohen CR konnten sie die Wasserstoffverbrennung nicht allein durch Kompression erreichen und setzten eine Glühkerzenzündquelle ein, um eine normale Verbrennung sicherzustellen. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Verwendung eines Glühkerzenzündsystems in einem Wasserstoff-CI-Motor ein attraktiver Ansatz ist, um eine zuverlässige Zündung und einen gleichmäßigen Motorbetrieb zu gewährleisten, mit einer kurzen Zündverzugszeit und deutlich höheren mittleren effektiven Drücken als bei Dieselkraftstoff. Eine Glühkerze ist ein Heizgerät, das üblicherweise in CI-Motoren während des Startvorgangs verwendet wird, um die Verbrennung des Luft-KraftstoffGemisches zu unterstützen, wenn die Temperaturen im Zylinder relativ niedrig sind. In Wasserstoff-CI-Motoren muss die Glühkerze kontinuierlich arbeiten, um während jedes Motorzyklus eine Oberflächenzündung des WasserstoffLuft-Gemisches zu gewährleisten. Angesichts der hohen Mindestoberflächentemperaturanforderung für die Wasserstoffverbrennung (1200–1400 K) [14, 23] kann die Verwendung einer Glühkerze die Umgebungstemperatur und die Ansaugladung erhöhen, was letztendlich die Motorleistung im Vergleich zur Wasserstoffverbrennung ohne Heizquelle verringern kann. Der überzeugende Vorteil der Glühkerzen-Wasserstoffverbrennung besteht darin, dass kein sekundärer Kraftstoff zur Einleitung der Verbrennung benötigt wird. Im Vergleich zu Wasserstoff-Diesel-Dual-Kraftstoffmotoren, bei denen der Beginn des Verbrennungsprozesses vom Zeitpunkt der Dieseleinspritzung abhängt, erfolgt bei glühkerzenunterstützten Wasserstoffmotoren die Verbrennung, sobald die Wasserstoffeinspritzdüse öffnet, unmittelbar nach dem Auftreffen des Wasserstoffs auf die Glühkerze. Angesichts des relativen Mangels an technologischen Fortschritten bei Wasserstoff-Direkteinspritzern und der Notwendigkeit von Saugrohr- oder Sammelrohreinspritzern ist die Steuerung des Verbrennungsbeginns in Wasserstoff-Diesel-Dual-Kraftstoffmotoren oft ein schwierigerer Prozess als in herkömmlichen CI-Motoren, die moderne hochpräzise Common-RailDieseleinspritzer verwenden. Darüber hinaus ist aufgrund der hohen Oberflächentemperaturen die Haltbarkeit von Glühkerzen für kommerzielle Anwendungen
P. Dimitriou 400 Nadelhub [mm] Druck in der Flasche , Nadelhub , Kurbelwinkel [deg.ATDC] Rate der Wärmefreisetzung [J/deg.CA] (B) Zündkerze Zündzeitpunkt Temperatur im Zylinder [K] Temperatur des Zylinders Druck in der Flasche Zylinderinnendruck [bar] Temperatur im Zylinder [K] Temperatur des Zylinders Geschwindigkeit der Wärmeabgabe , , Zylinderinnendruck [bar] (A) Glühkerze Nadelhub [mm] Geschwindigkeit der Wärmeabgabe Rate der Wärmefreisetzung [J/deg.CA] fraglich; folglich wurde diese Technologie in der jüngsten Motorenentwicklung selten verwendet [24]. Im Vergleich zu einem Mehrfachzündfunken-System ist die GlühkerzenWasserstoffverbrennung eine bevorzugte Zündmethode, die optimale Zykluszu-Zyklus-Variationen in der Zündverzugszeit aufgrund der Druckwellen mit geringen Amplituden im Brennraum bietet. Abbildung 2vergleicht den Zylinderdruck, die Wärmefreisetzungsrate und die Zylindertemperaturen eines Zündkerzen- und eines Glühkerzen-unterstützten Motors, der bei 2000 U/min mit einem CR von 18 arbeitet. Eine doppelte Wasserstoffeinspritzstrategie wird in der Regel in Mehrfachzündfunken-unterstützten Motoren eingesetzt. Die erste Einspritzung erzeugt das Luft-Kraftstoff-Gemisch, das durch einen Funken gezündet wird, um eine Vorverbrennung zu verursachen. Die zweite Einspritzung erfolgt während der Vorverbrennung, um die Hauptverbrennungsphase einzuleiten. Dieses System umfasst mehrere unabhängige Parameter, wie Zündzeitpunkt, Einspritzzeitpunkt und die Verteilung des Kraftstoffs zwischen den beiden Einspritzimpulsen, die moduliert werden können, um eine optimale Verbrennungseffizienz Nadel hub Kurbelwinkel [deg.ATDC] Abb. 2 Vergleich des Verbrennungsprozesses mit (A) Glühkerze gegenüber (B) einem Zündkerzenmotor mit zwei Einspritzimpulsen. Neu gezeichnet aus [25]
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 401 zu erreichen. Im Gegensatz dazu beginnt bei einem glühkerzenunterstützten Motor die Verbrennung, sobald die Einspritzdüse öffnet, unmittelbar nach dem Auftreffen des Wasserstoffs auf die Glühkerze, was zu einer schnellen Verbrennung führt, die die Wandtemperatur, die Wärme und schließlich die Leistungsverluste des Motors erhöht. Im Vergleich zu einem zündkerzenunterstützten Motor wird die Gefahr einer klopfartigen Verbrennung durch das schnelle Verbrennungsereignis eliminiert. Aufgrund der begrenzten Anzahl unabhängiger Parameter bietet die glühkerzenunterstützte Verbrennung jedoch weniger Flexibilität zur Optimierung der Motorleistung. Trotz des erfolgreichen Betriebs von Wasserstoff-CI-Motoren, wie denen von Ikegami et al. [15, 16] unter Verwendung der „leisen Verbrennungsmethode“ oder solchen, die bei hohen CRs oder mit erhöhten Ansaugtemperaturen verbrennen, bleibt der Betrieb von CI-Motoren mit Wasserstoff als Einzelfuel bis heute eine herausfordernde Aufgabe. Daher wird Wasserstoff derzeit als eine praktikable Option als Hilfskraftstoff betrachtet, der einen Teil des Primärkraftstoffs ersetzen kann oder als dominanter Kraftstoff zusammen mit bis zu 2% eines sekundären Kraftstoffs [26] verwendet wird, der dazu dient, das Luft-Kraftstoff-Gemisch zu zünden. Aufgrund der Notwendigkeit der Dual-Kraftstoffspeicherung werden diese Ansätze nicht bevorzugt und gelten nur in Fällen als ideal, in denen der Stauraum kein kritischer Faktor ist, wie z. B. bei der Stromerzeugung, im maritimen Bereich und bei Schwerlastanwendungen. 2.2 Energiedichte Wasserstoff, das leichteste Element im Universum, hat ein geringes spezifisches Volumen und eine extrem niedrige volumetrische Energiedichte, sowohl als Kraftstoff als auch als Gas. Die volumetrische Energiedichte von Wasserstoff ist ein kritischer Faktor, der für Anwendungen mit begrenztem Stauraum, wie z. B. in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, berücksichtigt werden muss. Weniger Kraftstoffspeicherplatzanforderungen bieten mehr Platz für Passagiere oder Fracht, wie in Abb. 3 gezeigt. Die mit der Wasserstoffspeicherung verbundenen Probleme können durch den Einsatz von Hochdruck bei 350 oder 700 bar, Verflüssigung oder Umwandlung in materialbasierte Speichersysteme, wie komplexe chemische Hydride, gelöst werden [27]. Die niedrige Energiedichte von Wasserstoff ist nicht nur ein begrenzender Faktor für seine Speicherung, sondern kann auch die spezifische Leistungsabgabe eines Verbrennungsmotors begrenzen. Die niedrige volumetrische Energiedichte von Wasserstoff bei niedrigem Druck führt zu hohen Gasvolumina in den Zylindern des Motors. Dies reduziert seine Luftaufnahmefähigkeit und begrenzt die Leistungsabgabe. Wie in Abb. 4 gezeigt, ist die spezifische Leistungsabgabe auf nur 83% eines Standard-Benzinmotors begrenzt, wenn Wasserstoff in die Zylinder eingespritzt wird, vder gleiche volumetrische Wirkungsgrad vorausgesetzt. Diese Einschränkung kann behoben und die spezifische Leistungsabgabe
P. Dimitriou 402 , , , RELATIVES VOLUMEN PRO ENERGIEEINHEIT Abb. 3 Relatives Volumen pro Energieeinheit von Wasserstoff im Vergleich zu Ammoniak und Flüssigerdgas (LNG) für Schiffe. Modifiziert aus [28] Abb. 4 Vergleich des Energie- und volumetrischen Wirkungsgrad von Wasserstoff und Benzin. Modifiziert aus [30] um bis zu 17% verbessert werden, indem entweder kryogene Wasserstoff-PortEinspritzung oder Direkteinspritzsysteme verwendet werden [29]. Diese Ansätze führen jedoch auch zu zusätzlichen betrieblichen Herausforderungen, die in den folgenden Abschnitten analysiert werden.
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 403 2.3 Anormale Verbrennung Die Leistungsdichte von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren wird oft durch die niedrige Energiedichte von Wasserstoff, wie im vorherigen Abschnitt besprochen, und durch anormale Verbrennungsereignisse, die in Wasserstoffmotoren auftreten, begrenzt. Komplexe anormale Verbrennungsereignisse werden häufig in Wasserstoff-CI-Motoren aufgrund der Eigenschaften von Wasserstoff wie hoher Entflammbarkeit, niedriger Zündenergie, kleinem Löschabstand und hoher Flammenausbreitungsgeschwindigkeit beobachtet [31]. Anormale Verbrennungsereignisse treten sowohl in Einzelfuel- als auch in Dual-Kraftstoffmotoren auf, wenn auch in letzteren in geringerem Maße. Diese Ereignisse können den Kontrollverlust des Verbrennungsprozesses oder Frühzündung, Klopfen und Rückzündung in das Ansaugrohr umfassen. Diese anormalen Verbrennungsereignisse können zumindest theoretisch durch den Einsatz eines direkten Wasserstoffeinspritzsystems in die Brennkammer und die Verzögerung des Einspritzzeitpunkts bis nach dem Schließen des Einlassventils zur Vermeidung von Rückzündungen gelöst werden. Bei Dual-Kraftstoff-Betrieben ist Fehlzündung bei hohen Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen ein weiterer begrenzender Faktor, der berücksichtigt werden muss. 2.3.1 Vorzündung und Klopfen Eine primäre Anforderung an Wasserstoff-Dual-Kraftstoffmotoren ist, dass der gasförmige Kraftstoff erst nach der Einspritzung des Sekundärkraftstoffs zündet, der das Verbrennungsereignis auslöst. Eine Selbstzündung des gasförmigen LuftKraftstoff-Gemisches muss vermieden werden, da sie zu unkontrollierbaren Verbrennungsereignissen mit Klopfcharakteristik führen kann. Wie von Felt [11] angegeben, ist der Kontrollverlust des Verbrennungsprozesses aufgrund der spontanen Zündung des Endgases mit einem abnormalen Druckanstieg in DualKraftstoff-CI-Motoren dasselbe Phänomen wie das Klopfen in Ottomotoren. Aufgrund der niedrigen Zündenergieeigenschaften von Wasserstoff neigen wasserstoffbetriebene Motoren zu Frühzündung und Klopfen oder Detonation des Motors, insbesondere bei höheren Motorlasten, aufgrund der erhöhten Zylindertemperaturen. Die schnelle Verbrennung der Wasserstoff-Luft-Ladung begrenzt die Betriebsbelastung des Motors und verhindert eine Erhöhung des Wasserstoffsubstitutionsverhältnisses. Motorklopfen wird oft von unerwünschten Effekten begleitet, wie z. B. einer begrenzten Leistungsabgabe, hohem Spitzendruck und Druckanstiegsrate sowie Überhitzung der Zylinderwand des Motors. Diese Effekte können zu Fehlfunktionen führen und katastrophale Auswirkungen auf den Motor haben. Abbildung 5 vergleicht die Zylinderdruckverläufe und Wärmefreisetzungsraten von zwei Fällen: einem mit einem Wasserstoffsubstitutionsverhältnis von 80 % und normalem Verbrennungsbetrieb und einem anderen mit einem
Zylinderinnendruck [bar] mit Vorzündung ohne Vorzündung Rate der Wärmefreisetzung [J/deg] P. Dimitriou 404 Kurbelwinkel [deg.ATDC] Abb. 5 Vergleich der Verbrennungszyklen mit und ohne Vorzündung für eine 80% H2-Rate. Neu gezeichnet aus [33] Wasserstoffsubstitutionsverhältnis von 80 % und abnormalem (Frühzündungs-) Verbrennungsbetrieb. Wie gezeigt, kann Frühzündung zu übermäßigen Zylinderdrucken aufgrund des unkontrollierten Beginns der Verbrennung führen. Dies ist die Hauptursache für das begrenzte Drehmoment in wasserstoffbetriebenen Motoren [32]. Die Ursachen für Frühzündung in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren können das Vorhandensein von Hotspots in der Brennkammer (d. h. Zündkerze für SIMotoren, Auslassventile, hochtemperierte Zylinderwände) oder Kohlenstoffablagerungen sein [34, 35]. Pyrolyse—die chemische Zersetzung von Öl, das in der Brennkammer suspendiert ist oder durch Spalten am oberen Kolbenring bei erhöhten Temperaturen eindringt—kann ebenfalls Frühzündung in WasserstoffVerbrennungsmotoren verursachen [30]. Das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis vor dem Auftreten abnormaler Verbrennung in Wasserstoff-Dual-Kraftstoff-CI-Motoren variiert erheblich. Studien haben einen erfolgreichen Motorbetrieb mit maximalen Wasserstoffsubstitutionsraten von 10–30 % [36–41] und 30–60 % [42–47] berichtet. Erfolgreicher Motorbetrieb wurde auch mit Wasserstoffsubstitutionsraten von über 60 % [48–53] und bis zu 98 % [26] berichtet. Einer der Hauptfaktoren, die das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis vor dem Auftreten von Klopfen beeinflussen, ist das Betriebsäquivalenzverhältnis und damit die Motorlast des CI-Motors—höhere Lasten begrenzen das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis. Beispielsweise wurde ein Vierzylinder-Schwerlastmotor mit 6,2 L erfolgreich mit 98 % Wasserstoffsubstitution bei niedriger Last (20 kW), 85 % Wasserstoffsubstitution bei mittlerer Last (40 kW) und 54 % Wasserstoffsubstitution bei hoher Last (60 kW) betrieben [26, 54]. Im Gegensatz dazu erreichten Saravanan und Nagarajan
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 405 [55] Wasserstoffsubstitutionsraten von 12 %, 8,9 % und 6,8 % bei Motorlasten von 50 %, 75 % und 100 % unter Verwendung eines Einzylinder-Dual-Kraftstoff-CIMotors mit einem Hubraum von 553 cc. Eine Erhöhung der Motorlast erhöht oft die Verbrennungstemperatur im Zylinder, was die Wahrscheinlichkeit abnormaler Verbrennung erhöht. Ebenso haben andere Motorparameter, die tendenziell die Verbrennungs- und Zylinderwandtemperaturen erhöhen, wie der Ladedruck und die Temperatur des Ansauggases sowie das Verdichtungsverhältnis des Motors, ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf das Auftreten von Klopfen. Die klopfbegrenzte Leistungsabgabe eines Dual-Kraftstoffmotors mit gasförmigem Kraftstoff und einem flüssigen Pilotkraftstoff nimmt logarithmisch mit dem Kehrwert der absoluten Ansaugtemperatur ab [56]. Im Gegensatz dazu können kalte Ansaugtemperaturen die Klopfneigung unterdrücken und das Klopfen bei einigen gasförmigen Kraftstoffen sogar eliminieren [57]. Des Ansaugluftgemisches erhöht den Ladedruck und die Temperatur und trägt effektiv zu verschiedenen Frühzündungsphänomenen bei. Berckmüller et al. [58] berichteten über eine signifikante Verringerung des klopffreien Betriebsbereichs eines Einzylinder-Ottomotors mit Wasserstoff. Im Vergleich zu einem Saugmotor verringerte sich das maximale Betriebsäquivalenzverhältnis von 1 auf 0,6, als der Ansaugdruck auf 1,85 bar anstieg. Ebenso berichteten Nagalingam et al. [59] über eine Verringerung des maximalen Äquivalenzverhältnisses für klopffreien Betrieb von 1 auf 0,5 bei einem Ladedruck von 2,6 bar. Das Verdichtungsverhältnis des Motors beeinflusst auch die Ansauggastemperatur. Masood et al. [48] berichteten über einen Zylinderdruckanstieg von 33 % begleitet von einem entsprechenden Temperaturanstieg, als das Wasserstoffsubstitutionsverhältnis in einem Einzylinder-Direkteinspritzmotor mit einem Verdichtungsverhältnis von 24,5 von 10 auf 90 % variiert wurde; im Vergleich dazu betrug der Zylinderdruckanstieg nur 24 %, als das Verdichtungsverhältnis auf 18,35 reduziert wurde. Dies führte jedoch zu einer signifikanten Reduzierung des maximalen Wasserstoffsubstitutionsverhältnisses, um einen klopffreien Betrieb zu gewährleisten, wie in Abb. 6 gezeigt. Wenn Wasserstoff mit einem sekundären flüssigen Brennstoff wie Diesel oder Biodiesel verbrannt wird, bietet die Einspritzung des flüssigen Brennstoffs zusätzliche Flexibilität für das Timing und das Muster der Einspritzungen, wie in Abb. 7 gezeigt. Die Einspritzung von Pilotflüssigbrennstoff kann verwendet werden, um die Zündung des Luft-Kraftstoff-Gemisches zu unterstützen und den Zündverzug bis zu einem gewissen Grad zu reduzieren [60]. Die Einspritzung von Pilotbrennstoff kann ähnliche Zündungsvorteile bieten wie die, die aus einem kleinen Leck des Brennstoffs aus dem Injektor im Zylinder resultieren [16, 61]. Mehrfache Flüssigbrennstoffeinspritzungen sind eine alternative Lösung, die oft angenommen wurde, um eine optimale Kontrolle des Verbrennungsbeginns zu erreichen. Allerdings ist die zweistufige Verbrennung oft ein Vorläufer der klopfenden Verbrennung, insbesondere wenn vor der zweiten Brennstoffeinspritzung ein schneller Kompressionsanstieg auftritt [62].
P. Dimitriou Abb. 6 Maximale Wasserstoffsubstitution bei unterschiedlichen Lasten und Verdichtungsverhältnissen. Neu gezeichnet aus [48] Wasserstoffsubstitution [%] 406 , , , Belastung [%] (2) Wasserstoffflamme breitet sich aus (3) Die zweite Einspritzung von Dieselkraftstoff beginnt H2 Fraktion (Input-Energiebasis) %: Motordrehzahl: 1500 U/min IMEP: 0,7 MPa R.H.R. J/deg.CA Zylinderinnendruck MPa (1) Selbstzündung von Dieselkraftstoff Dieselkraftstoff Einspritzsignal Kurbelwinkel deg.ATDC Abb. 7 Schematisches Diagramm typischer Verbrennungsverhalten im Wasserstoff-Diesel-DualBrennstoff-Betrieb. (1) Erste Dieseleinspritzung und Zündung des Wasserstoffgemisches. (2) Flammenausbreitung durch das Wasserstoffgemisch. (3) Zweite Dieseleinspritzung und Durchdringung durch das verbrannte Gas [63]
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 407 2.3.2 Rückzündung Rückzündung—auch Rückschlag genannt—ist ein weiteres begrenzendes, anormales Verbrennungsphänomen, das in Saugrohreinspritzungs-Ottomotoren und CI-Motoren auftritt. Es ist ähnlich wie Frühzündung, aber die Verbrennung des frischen Wasserstoff-Luft-Gemisches erfolgt früher während des Ansaugtakts. Nachdem die Einlassventile geöffnet sind, entzündet sich das frische WasserstoffLuft-Gemisch aufgrund der Existenz von Hotspots im Zylinder. Wenn eine frühe Zündung in der Nähe der Einlassventile auftritt, verursachen die hohe Flammenausbreitungsgeschwindigkeit und der geringe Löschabstand von Wasserstoff, dass die Flamme in das Ansaugrohr des Motors zurückschlägt, was zu unkontrollierter Verbrennung außerhalb der Zylinderkammer und zu Fehlzündungen des Motors führt. Wenn übermäßige Rückzündungen auftreten, können die Folgen katastrophal sein und zum Ausfall der Kraftstoffeinspritz- und Ansaugsysteme des Motors führen. Die Ursachen für Rückzündungen sind ähnlich wie die für Frühzündungen durch Oberflächenzündung an Hotspots des Motors wie der Zündkerze, den Auslassventilen, Motorablagerungen und heißen Gasen in der Brennkammer. Ein positiver Überlapp zwischen der Öffnung der Einlass- und Auslassventile kann Rückzündungen fördern und sollte in wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren vermieden werden [62, 64, 65]. Das Vorhandensein von Restenergie im Zündkreis und Induktion im Zündkabel kann ebenfalls Rückzündungen in Wasserstoffmotoren verursachen [66, 67]. Rückzündungen sind oft das Ergebnis von Frühzündungen in den vorherigen Zyklen, die zu einer erhöhten Zylinderwandtemperatur beitragen, was die Wahrscheinlichkeit der Zündung des frischen Wasserstoff-Luft-Gemisches während des Ansaugtakts erhöht. Rückzündungen können durch Verhinderung der Bildung von Hotspots in der Brennkammer eliminiert werden. Die Verhinderung der frühen Induktion der vorgemischten Ladung während des Ansaugtakts sowie das Spülen und Verdünnen der Restgase können ebenfalls Rückzündungen verhindern. Die Verwendung magerer Wasserstoff-Luft-Gemische und die Kühlung der Ansaugluft sowie die Reduzierung der Ventilüberschneidung können ebenfalls die Wahrscheinlichkeit von Rückzündungen in CI-Motoren verringern [68]. Das Wasserstoffinduktionssystem spielt eine bedeutende Rolle bei der Wahrscheinlichkeit von Rückzündungen. Furuhama und Kobayashi [69] schlugen vor, dass Wasserstoff nur während des Ansaugens in das Ansaugsystem eingespeist oder direkt bei relativ niedrigem Druck in den Zylinder eingespritzt werden sollte, um Rückzündungen zu verhindern. In einem Saugrohreinspritzmotor können Rückzündungen vermieden werden, indem das Einspritzereignis verzögert wird, sodass die Einspritzung kurz vor dem Schließen des Einlassventils endet. Dies stellt sicher, dass genügend Zeit vorhanden ist, damit die Restgase durch die Frischluftladung vor dem Einspritzereignis gekühlt werden [58]. Die Direkteinspritzung von Wasserstoff in den Zylinder nach dem Schließen der Einlassventile ist ein effizienter Ansatz, um Rückzündungen in wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren zu vermeiden [70]. Allerdings können Wasserstoff-Direkteinspritzmotoren einen
408 P. Dimitriou Rückgang ihrem thermischen Wirkungsgrad aufgrund der Heterogenität des LuftKraftstoff-Gemisches erfahren. 2.4 NOx-Emissionen Die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Wasserstoff—der einen fast dreimal höheren Energiegehalt als Diesel hat—kombiniert mit seiner hohen Flammgeschwindigkeit und Brennrate neigen dazu, erhöhte Verbrennungstemperaturen im Zylinder bei den hohen Verdichtungsverhältnissen (CRs) zu erzeugen, die in CI-Motoren verwendet werden. Obwohl hohe Verbrennungstemperaturen den Motorenwirkungsgrad verbessern und den erfolgreichen Betrieb mit mageren Gemischen ermöglichen [71], können sie zu einer Zunahme der NOxBildung führen, insbesondere unter hohen Lastbedingungen. Stickoxide (NOx), einschließlich NO und NO2, sind eine Familie von giftigen, hochreaktiven Gasen, die durch Reaktionen zwischen dem in der Luft vorhandenen Stickstoff und Sauerstoff während der Verbrennung entstehen. Die Hauptmechanismen der NOx-Bildung während der Verbrennung umfassen die thermischen, Kraftstoff- und prompten NOx-Mechanismen. Die thermische NOxBildung macht den Großteil der NOx-Emissionen von Wasserstoff-CI-Motoren aus. Die thermische NOx-Produktion erfolgt bei hohen Temperaturen über 1300 K. Die hohe Verbrennungstemperatur ermöglicht es den Stickstoff- und Sauerstoffmolekülen, Bindungen zu bilden, was zur Bildung von NOx führt. In CI-Motoren sind die Hauptfaktoren, die die NOx-Bildungsrate beeinflussen, das Verhältnis und die Homogenität des Luft-Kraftstoff-Gemisches, das CR und die Geschwindigkeit des Motors, der Zündzeitpunkt und die thermische Verdünnung, falls vorhanden. Bei stöchiometrischen Luft-Kraftstoff-Verhältnissen ist die Verbrennungstemperatur von Wasserstoffmotoren außergewöhnlich hoch und erreicht Temperaturen von 3000 K oder mehr. Neben der Bildung von NOx führen solche hohen Temperaturen zu erhöhten Wandwärmeverlusten und verringern den thermodynamische Wirkungsgrad. Darüber hinaus, wie bereits früher in diesem Kapitel diskutiert, macht die Verwendung von fetten Luft-Kraftstoff-Gemischen den Motor anfälliger für anormale Verbrennungsereignisse [72]. Wasserstoffmotoren sind im Allgemeinen so ausgelegt, dass sie mit mageren Luft-Kraftstoff-Verhältnissen betrieben werden, um eine effiziente Leistung und niedrige Schadstoffemissionen zu gewährleisten. Allerdings sind oft eine Ladedruckerhöhung oder eine Vergrößerung des Motors erforderlich, um den resultierenden Leistungsverlust auszugleichen. In Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren hängt die NOx-Bildung weitgehend von der Wasserstoffsubstitutionsrate und der Motorlast ab. Bei niedrigen Motorlasten geht die Wasserstoffsubstitution unvermeidlich mit einem geringfügigen Emissionsnachteil einher, obwohl einige Studien eine geringe Reduktion der NOx-Emissionen bei Wasserstoffsubstitutionsraten von weniger als 10% berichtet haben [73, 74]. Laut Talibi et al. [74] kann die Reduzierung der Menge des flüssigen Kraftstoffs, der in der Nähe des Sprühnebels
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 409 verbrannt wird—einem Bereich, in dem das Diesel-Luft-Äquivalenzverhältnis ungefähr stöchiometrisch ist—die NOx-Bildung reduzieren, da das WasserstoffLuft-Äquivalenzverhältnis nicht signifikant genug ist, um eine entsprechende NOx-Produktion zu verursachen. Bei höheren Motorlasten kann die Wasserstoffsubstitution die NOx-Bildung dramatisch erhöhen [75]. NOx-Kontrolltechniken wie Abgasrückführung (EGR) und Wasservernebelung/-einspritzung werden häufig angewendet, um den Anstieg der NOx-Emissionen auszugleichen. Die verschiedenen NOx-Kontrolllösungen werden später in dieser Übersicht ausführlich analysiert. 2.5 Unvollständige Verbrennung bei niedrigen Lasten Wasserstoffbetriebene CI-Motoren, die bei niedrigen Lasten betrieben werden, leiden oft unter einer relativ ineffizienter Verbrennung, mit hohen Anteilen an unverbranntem Wasserstoff im Abgas des Motors [44, 76, 77]. Trotz des hohen Energiegehalts des gasförmigen Kraftstoffs kann ein hoher Wasserstoffsubstitutionsanteil den Beginn der Verbrennung bei relativ niedrigen Lasten und unter kalten Bedingungen verzögern, wodurch der Spitzendruck und der effektive Wirkungsgrad des Motors verringert werden. Der verringerte effektive Wirkungsgrad des Motors kann direkt auf die ineffiziente Verbrennung zurückgeführt werden, wie durch die hohen Mengen an unverbranntem Wasserstoff im Abgas des Motors angezeigt wird [52, 78, 79]. Die schlechte Effizienz in der Kraftstoffverbrennung kann auf die relativ langsame Reaktion zurückgeführt werden, die durch die niedrigere Verbrennungsrate und das Versagen, eine ausreichend kräftige Flamme zur vollständigen Verbrennung des außerhalb des Dieselsprühnebels eingeschlossenen Wasserstoffs zu initiieren und zu unterstützen, verursacht wird [31]. Die schlechte Verbrennungsleistung führt zu relativ niedrigen Abgastemperaturen, die für katalytische Anwendungen oder kombinierte Wärme- und Kraftsysteme (CHP) ungeeignet sind [80]. Die niedrige Verbrennungseffizienz von Wasserstoff-CI-Motoren kann teilweise durch die Anwendung hoher EGR-Raten und die Anpassung des Einspritzzeitpunkts des flüssigen Kraftstoffs gelöst werden. Der Zweck der Einführung von EGR und der Vorverlegung der Einspritzung des flüssigen Kraftstoffs besteht darin, das Kraftstoff-Sauerstoff-Verhältnis zu erhöhen und ausreichend Zeit für die Verbrennung in der Nähe des oberen Totpunkts (TDC) zu bieten. Dimitriou et al. [81] versuchten, die Verbrennungseffizienz eines schwerlastigen Motors bei niedriger Last zu maximieren, indem sie verschiedene EGR-Raten und Einspritzstrategien anwendeten, wie z. B. die Änderung des Hauptspritzzeitpunkts, der Pilotmenge und des Einspritzdrucks des flüssigen Kraftstoffs. Trotz mehrerer Bemühungen erreichten sie jedoch eine maximale Verbrennungseffizienz von nur 93%. Daher kamen die Autoren zu dem Schluss, dass höhere Wasserstoffsubstitutionsraten vermieden werden sollten, da die Vorteile des Dual-FuelBetriebs unter niedrigen Lastbedingungen geschwächt werden.
410 P. Dimitriou 2.6 Sicherheit Wasserstoff ist ein einzigartiger, vielseitiger Energieträger mit drastisch anderen Verbrennungseigenschaften im Vergleich zu herkömmlichen, auf Erdöl basierenden Brennstoffen. Aufgrund seiner Eigenschaften und Verbrennungseigenschaften ist Wasserstoff einer der entzündlichsten und explosivsten Brennstoffe und wird von der National Fire Protection Association (NFPA) in die gefährlichste Gruppe von brennbaren Flüssigkeiten, Gasen und flüchtigen Feststoffen eingestuft [82]. Wasserstoffspeichertechnologien haben sich im Laufe der Jahre erheblich weiterentwickelt [83] und moderne Wasserstoffspeichertanks unterliegen einigen der höchsten Sicherheitsanforderungen und einem gründlichen Zertifizierungsprozess. Dennoch muss die Nutzung von Wasserstoff von einem hohen Maß an inhärenten Sicherheitsmerkmalen begleitet werden. Laut einem detaillierten Bericht von Das [84] sollten die Sicherheitsmaßnahmen und möglichen Risikominderungsmaßnahmen die Bereitstellung einer ausreichenden Belüftung im Betriebsraum, die Verhinderung möglicher Leckagen, die Beseitigung unerwünschter Zündquellen im System und die Installation von Sicherheitseinrichtungen zum Schutz von Ausrüstung und Personal umfassen. Das Testen von Wasserstoff im Freien reduziert das Risiko katastrophaler Unfälle aufgrund von Wasserstofflecks erheblich. Wasserstoff ist das leichteste Element in der Natur und hat eine hohe Diffusionsrate, die es ihm ermöglicht, sich schnell in der Luft zu verteilen, was die Wahrscheinlichkeit eines explosiven Ereignisses minimiert. Im Gegensatz dazu kann sich bei Tests in geschlossenen Räumen ausgetretener Wasserstoff an der Decke des geschlossenen Raums ansammeln, was katastrophale Folgen haben kann, wenn eine Zündquelle vorhanden ist. Obwohl eine Belüftung für den sicheren Betrieb in geschlossenen Räumen obligatorisch ist, reichen die Belüftungssysteme möglicherweise nicht aus, um Unfälle zu minimieren oder zu verhindern. Wenn es zu einem Wasserstoffleck kommt, ist eine explosive Reaktion in Anwesenheit einer schwachen Zündquelle wie einem elektrostatischen Funken aufgrund der breiten Entzündungsgrenzen und der minimalen Zündenergie von Wasserstoff äußerst wahrscheinlich [85]. Daher muss ein Wasserstoffleck vermieden werden. Wasserstofflecks resultieren oft aus fehlerhaften und schlecht konstruierten mechanischen Komponenten wie Rohrleitungen, Verbindungen, Anschlüssen und Flanschen. Wasserstoffversprödung kann auch zu Materialversagen und Gaslecks führen [86]. Die in Wasserstoffsystemen verwendeten Materialien sollten sorgfältig unter Verwendung von Qualitätskontrollverfahren ausgewählt werden. Im Allgemeinen sind austenitische rostfreie Stähle, Aluminiumlegierungen, Kupfer und Kupferlegierungen für Wasserstoffsysteme geeignet, während Nickel, die meisten Nickellegierungen, graues, duktiles und schmiedbares Gusseisen vermieden werden sollten, da sie anfällig für schwere Wasserstoffversprödung sind [87, 88].
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 411 Im Falle eines Wasserstofflecks ist ein Frühwarnsystem unerlässlich, um eine Katastrophe zu verhindern. Da Wasserstoff ein farbloses, geruchloses und geschmackloses Gas ist, müssen spezielle Wasserstoffsensoren an geeigneten Stellen platziert werden, um potenziell gefährliche Konzentrationen des ausgetretenen Gases in geschlossenen Räumen oder an der Decke des Testraums zu erkennen. Geeignet platzierte Wasserstoffsensoren sind entscheidend, um eine schnelle Warnung zu geben und sicherzustellen, dass das Kraftstoffversorgungssystem so schnell wie möglich abgeschaltet wird. Die Position der Sensoren kann durch mehrere Parameter beeinflusst werden, wie das Design des Testraums und das Vorhandensein von Feuchtigkeit und anderen Gasen wie Stickstoff, CO2 und Helium. Auch ohne Wasserstoffleck können während des Betriebs eines wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotors verschiedene unvorhergesehene Ereignisse auftreten. Abnormale Verbrennungsereignisse können oft zufällige Ereignisse auslösen. Um die Häufigkeit und Schwere von Unfällen und deren Auswirkungen auf das Motorsystem und seine Umgebung zu verringern, müssen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Flammensperren und Druckentlastungsventile können potenzielle Explosionen im Ansaugsystem im Falle eines Rückzündens unterdrücken [89]. Ein Druckentlastungsventil, das bei einem vordefinierten Druck öffnet, kann zwischen dem Ansaugkrümmer und der Flammensperre installiert werden, um Schäden im Falle einer Rückzündung zu minimieren, während die Flammensperre die durch die Rückzündung verursachte Flamme löscht. Rückschlagventile werden auch in Wasserstoffversorgungssystemen verwendet, um den Rückfluss von Wasserstoff aus dem Motorzylinder in den Ansaugkrümmer zu verhindern. Alle abnormalen Verbrennungsereignisse sollten sofort beendet werden, und falls erforderlich, sollte die Gaszufuhr zum Motor sofort unterbrochen werden. Wasserstoffexplosionen können auch in anderen Teilen des Motors auftreten. Wie bereits erwähnt, treten Wasserstoffexplosionen eher in Bereichen auf, in denen sich Wasserstoff in großen Mengen ansammelt. Kurbelgehäuseexplosionen wurden in großen Zweistoffmotoren gemeldet, die eine ernsthafte Bedrohung für den sicheren Betrieb von Wasserstoff-CI-Motoren darstellen [90, 91]. Blowby-Gase, einschließlich Wasserstoff und Kohlenwasserstoffgase, können sich im Kurbelgehäuse des Motors ansammeln. Das Vorhandensein von Wärmequellen oder die thermische Zersetzung von Ölnebeltröpfchen kann eine schnelle Verbrennung dieser Gase auslösen, mit katastrophalen Folgen. Daher sollte das Kurbelgehäuse im experimentellen Maßstab angemessen belüftet werden, um das Risiko eines explosiven Ereignisses zu minimieren. Der im Labor verwendete Wasserstoffmotor und die Kraftstoffleitungen müssen ordnungsgemäß gespült werden, um das Risiko eines katastrophalen Ereignisses während der Nichtbetriebszeiten oder des Systemstarts, der eine relativ risikoreiche Zeit darstellt, zu verringern [84]. Dimitriou et al. [92] verwendeten Stickstoffgas in Verbindung mit mehreren Druckreglern und Notabsperrventilen, um den Wasserstoff am Ende jedes Tages aus ihrem experimentellen Zweistoffmotor zu spülen, um die Sicherheit zu gewährleisten (Abb. 8).
P. Dimitriou 412 zum Motor Bereich: ~50L/min Luftbetrieb enes Ventil Verteiler für Gasinjektor Injektor-Treiber Reichweite: ~100L/min Reichweite: ~250L/min zum Gebläse N2-Regler H2-Regler Manometer Bereich: ~500L/min Reichweite: ~1000L/min Reichweite: ~2000L/min H2-Volumendurchflussmesser und Absperrventil Abb. 8 Schematische Darstellung des experimentellen Aufbaus von Dimitriou et al. [92] zur Spülung des Wasserstoffmotors und der Gasleitungen mit Stickstoff, um potenzielle Risiken während der Nichtbetriebszeiten und beim Systemstart zu vermeiden Insgesamt ist das Testen von Wasserstoffmotoren ein gefährlicher Prozess, der gemäß den höchsten Sicherheitsstandards durchgeführt werden muss, um potenzielle Risiken, die zu tödlichen Unfällen führen können, zu reduzieren und die Sicherheit von Ausrüstung und Personal zu gewährleisten. Daher muss ein robustes Testprotokoll von geschultem Personal erstellt und implementiert werden. Das Testprotokoll sollte angemessene Verfahren für die Raumlüftung, Materialbeständigkeitsprüfungen, Leckagetests und die Reaktion auf Katastrophen im Falle abnormaler Verbrennungsereignisse oder Unfälle umfassen. 3 Motordesign/Modifikationen Die erforderlichen Designänderungen für Wasserstoff-Dual-Fuel-CI-Motoren sind moderat und umfassen hauptsächlich die Hinzufügung eines Kraftstoffeinspritzsystems, das für die Versorgung des Motors mit Wasserstoff erforderlich ist. Zusätzliche Modifikationen zur Optimierung der Leistung und zur Vermeidung abnormaler Verbrennungsereignisse sollten ebenfalls berücksichtigt werden; dazu gehören die Beseitigung von Materialien und Designs, die als Hotspots innerhalb der Motorzylinder wirken können, die Reduzierung des Kolbenrings und der Spaltvolumina sowie die Vermeidung der Verwendung von Materialien, die anfällig für Wasserstoffversprödung sind. Die folgenden Abschnitte bieten weitere Details zu den Motordesignkriterien und Modifikationen, die erforderlich sind, um die optimale Leistung von Wasserstoff-DualFuel-CI-Motoren sicherzustellen.
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 413 3.1 Wasserstoffeinspritzsysteme Das Kraftstoffeinspritzsystem ist ein kritischer Bestandteil des Motors, der die Verbrennungsleistung des Motors und die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Verbrennungsereignisse erheblich beeinflussen kann. In CI-Motoren kann Wasserstoff entweder direkt in den Zylinder mittels Direkt- oder Saugrohreinspritzung während des Ansaugtakts eingespeist oder in das Ansaugrohr des Motors eingespritzt werden. Abbildung 9vergleicht die drei Haupt-Einspritztechnologien, die in Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-CI-Motoren verwendet werden. In Motoren mit Saugrohreinspritzung wird Wasserstoff nach Beginn des Ansaugtakts in der Nähe des Einlassventils mittels eines mechanisch oder elektronischen gesteuerten Einspritzventils – für höhere Präzision – eingespritzt. Eine präzise Steuerung ermöglicht die Einspritzung von Wasserstoff nach dem Öffnen des Einlassventils, wodurch sichergestellt wird, dass die Frischluft das Zylindervolumen abkühlt und somit die Wahrscheinlichkeit einer abnormalen Verbrennung begrenzt. Kontinuierliche Saugrohreinspritzung (CMI) und zeitgesteuerte Saugrohreinspritzung (TMI) bieten eine präzise Steuerung der Wasserstoffeinspritzung innerhalb des Ansaugrohrs des Motors und bieten ausreichend Platz und Zeit für die Bildung eines homogenen Luft-Wasserstoff-Gemisches, bevor das Gas in den Zylinder des Motors eingeleitet wird. Der Einspritzzeitpunkt ist ein wesentlicher Faktor für TMI. Ähnlich wie bei Motoren mit Saugrohreinspritzung ermöglicht eine leicht verzögerte Einspritzung nach dem Öffnen des Einlassventils, dass Frischluft in die Brennkammer strömt und somit einen Vorkühleffekt vor der Einleitung von Wasserstoff bietet, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines abnormalen Verbrennungsereignisses begrenzt wird. Um die Homogenität des Gases in Motoren mit Saugrohreinspritzung zu verbessern, haben mehrere Forscher LuftWasserstoff-Mischer implementiert [26, 41, 93–95]. DieselH2 Einspritzdüse Einspritzdüse DieselEinspritzdüse H2 DieselEinspritzdüse Einspritzdüse H2 Einspritzventil Abb. 9 Vergleich der drei Wasserstoffeinspritzsysteme, die in Wasserstoff-Dual-FuelKompressionszündungsmotoren verwendet werden, a H2-Saugrohreinspritzung, b H2-Saugrohreinspritzung, c H2-Direkteinspritzung
414 P. Dimitriou Die direkte Wasserstoffeinspritzung in den Zylinder nach dem Schließen des Einlassventils begrenzt die Möglichkeit einer Rückzündung und bietet die Vorteile einer späten Einspritzung. Die Hauptbeschränkung dieser Technologie besteht jedoch in der Herausforderung, hochzuverlässige Wasserstoffinjektoren zu entwickeln, die unter extrem harten Bedingungen im Zylinder eine lange Lebensdauer haben. Darüber hinaus leiden Motoren mit direkter Wasserstoffeinspritzung oft unter einer relativ schlechten Homogenität des Wasserstoff-Luft-Gemisches im Zylinder, da die verfügbare Zeit zum Mischen unzureichend ist. Bei hohen Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen kann die Inhomogenität des WasserstoffLuft-Gemisches zu unvollständiger Verbrennung und erhöhter Zyklusvariation führen, die sich mit steigender Motordrehzahl aufgrund einer höheren Turbulenzintensität im Zylinder fortsetzt. Darüber hinaus muss aufgrund des begrenzten Platzes am Zylinderkopf ein einzelner Hochdurchflussinjektor anstelle mehrerer Injektoren verwendet werden, die in anderen Systemen üblicherweise eingesetzt werden, um hohe Durchflussanforderungen zu erfüllen. Direkteinspritzungsmotoren können sowohl Niederdruck-Direkteinspritzung (LPDI) unmittelbar nach dem Schließen des Einlassventils als auch HochdruckDirekteinspritzung (HPDI) am Ende des Verdichtungstakts verwenden. HPDI reduziert die Neigung des Motors zur Vorzündung, erhöht jedoch die Komplexität und die Kosten des Kraftstoffeinspritzsystems erheblich, da Hochdruckeinspritzsysteme erforderlich sind, um innerhalb eines minimalen Zeitraums ausreichend Wasserstoff bereitzustellen. Bis vor kurzem wurden Dual-Direktsysteme nur rechnerisch untersucht [96, 97]. Liu et al. [98] betrieben erfolgreich das erste Wasserstoff-DieselDual-Direkteinspritzsystem in einem CI-Motor. Der Motorbetrieb zeigte, dass frühe Einspritzzeitpunkte eine verbrennungsvorgemischte Wärmefreisetzung und Abgaseigenschaften aufweisen, während spätere Einspritzzeitpunkte ein wasserstoffmischungskontrolliertes Verbrennungsverhalten zeigen. Darüber hinaus führen frühe Einspritzzeitpunkte zu einem Anstieg des Endverdichtungsdrucks um bis zu 10 %, was mit zusätzlicher Verdichtungsarbeit verbunden ist, während dieser Effekt bei späteren Einspritzzeitpunkten weniger ausgeprägt ist. Die Auswahl eines geeigneten Einspritzsystems für einen Wasserstoff-CIMotor ist entscheidend, um einen optimalen Motorbetrieb sicherzustellen und abnormale Bedingungen zu vermeiden. Die direkte Wasserstoffeinspritzung kann potenziell erhebliche Vorteile bieten, wie verbesserte volumetrische Effizienz, robuste Verbrennungssteuerung und die Vermeidung abnormaler Verbrennungsereignisse, mit erheblichen Leistungsdichtevorteilen im Vergleich zu anderen Wasserstoffeinspritzsystemen. Aufgrund der Eigenschaften von Wasserstoff, wie seiner hohen Diffusivität und geringen Schmierfähigkeit, bleibt die Entwicklung eines stabilen, präzisen und leckagefreien Wasserstoffdirekteinspritzers jedoch eine erhebliche Herausforderung. Daher sind bedeutende technologische Fortschritte erforderlich, bevor direkte Wasserstoffinjektoren die derzeit in Wasserstoff-DualFuel-CI-Motoren verwendeten Saugrohr- und Saugrohreinspritzsysteme ersetzen können.
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 415 3.2 Weitere Modifikationen Zusätzlich zu den Wasserstoff-Kraftstoffversorgungs- und Einspritzsystemen können weitere Motoränderungen implementiert werden, um die Verbrennungseffizienz zu verbessern und den normalen Betriebsbereich von Wasserstoff-DualFuel-Motoren zu erweitern. Ein wichtiger Aspekt ist die Beseitigung potenzieller Hotspots, die Motorklopfen und Rückzündung initiieren und fördern können. Die Auslassventile und andere unzureichend gekühlte heiße Oberflächen können unkontrollierte Zündungen auslösen. Daher ist es vorzuziehen, Mehrventil-Motorenköpfe und optimierte Motorenschmier- und Kühlsysteme zu verwenden, mit zusätzlichen Kühlmittelkanälen um die Ventile und andere Bereiche mit hoher thermischer Belastung. Darüber hinaus muss das Ventilsteuerungssystem des Wasserstoffmotors modifiziert werden, um lange positive Überlappungen zu vermeiden. Eine positive Überlappung kann nicht nur zu erheblichen unverbrannten Wasserstoffverlusten in den Abgasen führen, sondern auch zu abnormaler Verbrennung aufgrund der frühen Zündung von Wasserstoff im Zylinder durch die heißen Abgase beitragen. Weitere Maßnahmen zur Vermeidung abnormaler Verbrennungsereignisse umfassen die Verwendung von aschefreien Schmierölen, die mit erhöhten Wasserstoffkonzentrationen im Kurbelgehäuse kompatibel sind, um die Bildung von Ölrückständen zu vermeiden, die oft als Hotspots wirken [99, 100]. Variable Ventilsteuerung kann eingesetzt werden, um die Spülung zu optimieren, wodurch die Restgastemperatur gesenkt und das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis vor dem Auftreten abnormaler Verbrennung erhöht wird [32, 58]. Im Allgemeinen sollten Materialien, die anfällig für Wasserstoffversprödung sind, im Motor und seinen Systemen vermieden werden. In Motoren, die mit sehr hohen Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen oder nur mit Wasserstoff betrieben werden, müssen die Ventilsitzmaterialien unter Berücksichtigung der geringen Schmierfähigkeit von Wasserstoff ausgewählt werden. In CI-Motoren, die mit Glühkerzen ausgestattet sind, müssen Platin-basierte Spitzen vermieden werden, da sie katalytisch aktiv bei der Oxidation von Wasserstoff sind. Schließlich muss, wie bereits erwähnt, eine ausreichende Kurbelgehäuseentlüftung bereitgestellt werden, um das Risiko eines explosiven Ereignisses aufgrund der Ansammlung von Wasserstoff im Kurbelgehäuse zu minimieren. 4 Wasserstoff als Zusatzkraftstoff 4.1 Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motor Die hohe Selbstzündungstemperatur von Wasserstoff (858 K) begrenzt seine Zündfähigkeit allein durch Kompression bei den in herkömmlichen Dieselmotoren
416 P. Dimitriou verwendeten Verdichtungsverhältnissen. Daher muss ein Hilfskraftstoff, der als Verbrennungsauslöser fungiert, eingespritzt werden, um die Wasserstoffverbrennung in CI-Motoren zu erreichen. Diesel ist der am gründlichsten untersuchte Sekundärkraftstoff für den Einsatz in CI-Motoren, und zahlreiche Studien haben über seine Eignung für CI-Motoren berichtet. Die Forschung an Wasserstoff-Diesel-Motoren kann in drei Kategorien unterteilt werden, basierend auf dem Wasserstoffsubstitutionsverhältnis. Einige Studien haben sich darauf konzentriert, Wasserstoff als Kraftstoffzusatz mit Substitutionsraten von etwa 10 % oder weniger zu verwenden, um die Effizienz des Motors zu verbessern. Die meisten Studien haben die Mitverbrennung von Wasserstoff und Diesel unter Berücksichtigung niedriger bis mittlerer Wasserstoffsubstitutionsraten von 10–60 % der gesamten Eingangsenergie untersucht. Schließlich haben einige wenige Studien die Verwendung von Wasserstoff als Hauptkraftstoff untersucht, wobei nur ein kleiner Teil des Dieselkraftstoffs zur Zündung verwendet wurde. Dimitriou et al. [26] erreichten den Betrieb eines Zweistoffmotors mit nur 2 % Diesel, wobei der Rest der Energie aus erneuerbarem Wasserstoff stammte. In Zweistoffmotoren wird Diesel oft direkt in den Zylinder eingespritzt, bevor der Kolben den oberen Totpunkt (TDC) erreicht, unter Verwendung eines herkömmlichen Common-Rail-Direkteinspritzsystems. Wasserstoff wird normalerweise in den Einlasskanal oder das Saugrohr eingespritzt. Liu et al. [98] verwendeten jedoch die Einlasskanaleinspritzung sowohl für Diesel als auch für Wasserstoff. Die Einlasskanaleinspritzung bietet eine optimale Kraftstoffeffizienz und niedrigere Emissionen im Vergleich zur Vergasung oder Saugrohreinspritzung von Wasserstoff [73, 76, 101]. Bemerkenswerterweise kann die Direkteinspritzung die Vorzündungs- und Klopfgrenzen umgehen, die bei wasserstoffbetriebenen Motoren mit Einlasskanaleinspritzung inhärent sind. Mehrere Forscher haben den Einfluss der Wasserstoffsubstitution auf die Leistung, den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen von Zweistoffmotoren bewertet. Die meisten dieser Studien haben signifikante Verbesserungen der effektiver Wirkungsgrad des Motors mit zunehmendem Wasserstoffsubstitutionsverhältnis berichtet [38, 48, 73, 102–105]. Diese Steigerung des effektiven Wirkungsgrad kann den Eigenschaften von Wasserstoff und seinem Einfluss auf den Verbrennungsprozess zugeschrieben werden, insbesondere bei hohen Motorlasten. Wasserstoff hat einen deutlichen Einfluss auf die Verbrennung, indem er den Spitzendruck im Zylinder und die Wärmefreisetzung stark erhöht [106, 107]. Daher hat die teilweise Ersetzung von Diesel durch Wasserstoff trotz einer Abnahme des volumenspezifischer Wirkungsgrad um bis zu 6 %—wie von Sandalci und Karagöz [75] gezeigt—keine Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch oder den Motorwirkungsgrad. Die Hauptbegrenzung von WasserstoffDiesel-Zweistoffmotoren ist die Tendenz zur Vorzündung und zum Klopfen bei relativ hohen Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen, die weit unter dem stöchiometrischen Wasserstoff-Luft-Verhältnis liegen. Gopal et al. [53] betrieben einen umgebauten Wasserstoff-Diesel-ZweistoffEinzylinder-Viertaktmotor mit Wasserstoff-Saugrohreinspritzung. Sie zeigten, dass ein zufriedenstellender Wasserstoff-Diesel-Zweistoffbetrieb bei Wasser-
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 417 stoffsubstitutionsraten von bis zu 50 % möglich ist, mit thermischen Wirkungsgraden, die mit denen herkömmlicher Dieselmotoren vergleichbar sind. Tsujimura und Suzuki [63] berichteten, dass ein umgebauter Schwerlast-Zweistoffmotor bei hohen Motorlasten einen höheren thermischen Wirkungsgrad als ein herkömmlicher Dieselmotor aufwies. Im Gegensatz dazu zeigte der Motor bei niedrigen Lasten relativ hohe Raten an unverbranntem Wasserstoff und einen reduzierten thermischen Wirkungsgrad. Eine höhere Wasserstoffdurchflussrate bei niedrigen Lasten führt zu einem erhöhten spezifischen Kraftstoffverbrauch (BSFC), was zu höheren Kraftstoffanforderungen führt, um die erforderliche Leistung zu erzielen. Darüber hinaus neigt die Wasserstoffsubstitution bei niedrigen Lasten dazu, den Beginn der Verbrennung zu verzögern und den Spitzendruck des Motors zu verringern, was den Reaktionsfortschritt aufgrund einer niedrigeren Verbrennungsrate verlangsamen kann. Diese Verschlechterung der Verbrennung kann auf das Versagen zurückgeführt werden, eine ausreichend kräftige Flamme zur vollständigen Verbrennung von Wasserstoff außerhalb des Dieselsprühstrahls zu initiieren und zu unterstützen. Karagöz et al. [105] berichteten, dass die effektive Bremsleistung um 1,26 % und 2,1 % bei Wasserstoffsubstitutionsraten von 40 % bzw. 75 % stieg. Die Gewinne bei der effektive Bremsleistung wurden durch erhebliche Reduzierungen der CO-, THC- und Rauchemissionen unterstützt. Im Vergleich zu einem reinen Dieselmotor reduzierten sich die Emissionen bei einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 75 % um mehr als 60 %. Talibi et al. [108] berichteten ebenfalls über signifikante Reduzierungen der CO-Emissionen, wenn Diesel teilweise durch Wasserstoff ersetzt wurde, der kein CO als Nebenprodukt der Verbrennung erzeugt. Bemerkenswerterweise verglichen die Autoren die CO-Emissionen von leichten und schweren Wasserstoff-Diesel-Zweistoffmotoren und beobachteten, dass die CO-Emissionen des Schwerlastmotors niedriger waren; dies kann auf die höheren Gastemperaturen im Zylinder des Schwerlastmotors zurückgeführt werden, die die Oxidation von Diesel zu CO2 fördern, mit einer entsprechenden Reduzierung der CO-Emissionen. Insgesamt, wie in Abb. 10gezeigt, führt die Verwendung von Wasserstoff in Dieselmotoren zu erheblichen Reduzierungen von Kohlenwasserstoffen, Rauch, CO und CO2-Emissionen [94]. Barrios et al. [109] bewerteten den Einfluss der Wasserstoffsubstitution auf die Partikelemissionen eines 2,0-Liter-Turbodieselmotors mit Direkteinspritzung. Bei einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 25 % beobachteten sie signifikante Reduzierungen—bis zu 63 %—bei den Emissionen von Partikeln mit Größen von 5,6–560 nm. Varde und Frame [38] beobachteten, dass die Zugabe kleiner Mengen Wasserstoff in den Motoransaugtrakt bei Teillast zu einer erheblichen Rauchreduzierung führte, während die Rauchreduzierung bei Volllast begrenzt war. Eine Wasserstoffsubstitutionsrate von 10–15 % bei Teillast führte zu Rauchreduzierungen von bis zu 50 % im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselmotor. Bei Volllast betrug die maximale Reduzierung der Rußemission etwa 17 %. Obwohl die Rauchreduzierung ohne Auswirkungen auf die Kohlenwasserstoffemissionen erreicht wurde, nahm die NOx-Bildung zu, insbesondere bei höheren Motorlasten.
P. Dimitriou 418  5DXFK JN:KU       :DVVHUVWRIIHQHUJLHDQWHLO  :DVVHUVWRIIHQHUJLHDQWHLO         :DVVHUVWRIIHQHUJLHDQWHLO  :DVVHUVWRIIHQHUJLHDQWHLO  Abb. 10 Auswirkungen des Wasserstoffenergieanteils auf Rauch-, CO2-, CO- und THCEmissionen [31] Der Anstieg der NOx-Bildung in Wasserstoff-Diesel-Dualkraftstoffmotoren kann auf den hohen Energiegehalt von Wasserstoff zurückgeführt werden, der eine schnelle Verbrennung fördert. Wie in Abb. 11 gezeigt, reduziert die Erhöhung des Wasserstoffsubstitutionsverhältnisses die Zündverugszeit und die Verbrennungsdauer und erhöht die Wärmefreisetzungsrate, was wiederum die Zylindertemperaturen und die NOx-Bildung erhöht [110]. Wie in Abb. 11 gezeigt, kann ein Wasserstoffsubstitutionsverhältnis von sogar 10% die Zündverzugszeit des Motors im Vergleich zum reinen Dieselbetrieb erhöhen. Die Ergebnisse von Sharma und Dhar [111] bestätigen diesen Anstieg der Zündverzugszeit, der auch die Verbrennungsdauer bei niedrigen Motorlasten erhöht und dadurch sowohl den maximalen Zylinderdruck als auch die Wärmefreisetzungsrate reduziert. Der Anstieg der NOx-Emissionen aufgrund der Wasserstoffsubstitution ist oft relativ gering, da der Wasserstoff einen erheblichen Teil der Luft im Zylinder ersetzt und die Sauerstoffkonzentration im Ansauggas verringert. Bemerkenswerterweise haben mehrere Studien [33, 44, 63, 74, 76, 101] einen Rückgang der NOx-Emissionen aufgrund der Wasserstoffsubstitution berichtet, wie in Abb. 12 gezeigt. Dieser Rückgang der NOx-Emissionen kann auf die niedrigere Verbrennungstemperatur und den geringeren Sauerstoffgehalt zurückgeführt werden, der zur Oxidation des in der Luft vorhandenen Stickstoffs zur Verfügung steht.
, , , Zeitspanne des Zündverzugs Verbrennungsdauer , , , , , Wasserstoff-Verhältnis , Wärmeabgabe in der schnellen Verbrennungszeitraum [J] , Dauer der schnellen Verbrennung [deg.CA] 419 Dauer der Verbrennung [deg.CA] Zeitspanne des Zündverzugs [deg.CA] Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren , , , , schnelle Verbrennungsdauer , , , , Wasserstoff-Verhältnis , Abb. 11 a Verbrennungsdauer und Zündverzugszeit und b Dauer und Wärmeabgabe der schnellen Verbrennungsperiode bei verschiedenen Wasserstoffverhältnissen. Neu gezeichnet aus [110] nur H2 2% O2 rot. 1% O2 rot. 3% O2 rot. H2 Energie [%] Abb. 12 NOx-Emissionen für verschiedene Wasserstoffenergie- und EGR-Raten bei 11,5 bar IMEP. Neu gezeichnet aus [74] Karagöz et al. [112] beobachteten eine bemerkenswerte Reduktion der NOxEmissionen um 50% bei Teillasten mit einem Wasserstoffsubstitutionsverhältnis von 30%. Talibi et al. [74] führten den Rückgang der NOx-Emissionen auf die Reduktion des Diesels zurück, der nahe dem Sprühkegel verbrannt wird, wo das Diesel-Luft-Äquivalenzverhältnis ungefähr stöchiometrisch ist. Talibi et al. [108] verglichen auch die NOx-Bildung in leichten und schweren Motoren und beobachteten, dass die NOx-Bildung mit zunehmender Wasserstoffsubstitution im leichten Motor zunahm, während sie im schweren Motor konstant blieb oder
P. Dimitriou 420 Abb. 13 Leistungsspezifische NOx-, NO- und NO2Emissionen im Vergleich zum Energieanteil aus Wasserstoff. Neu gezeichnet aus [39] Bremsspezifisches NOx, NO, NO2 [g/kWhr] leicht abnahm. Die Diesel-Diffusionsflamme trägt erheblich zu den gesamten NOx-Emissionen bei, während die magere, homogene Verbrennung des Wasserstoff-Luft-Gemisches nur minimal dazu beiträgt. Die Reduktion der NOxEmissionen im schweren Motor wurde auf die niedrigeren Temperaturen während der diffusionskontrollierten Verbrennung zurückgeführt, trotz des Anstiegs der maximalen Wärmefreisetzungsrate während der vorgemischten Verbrennung. Bei höheren Motorlasten führt die Wasserstoffsubstitution oft zu einem starken Anstieg der NOx-Emissionen aufgrund des Anstiegs des Zylinderdrucks und der maximalen Wärmefreisetzungsrate. Mit zunehmender Motorlast nimmt der verstärkende Effekt von Wasserstoff auf die Umwandlung von NO–NO2 ab; folglich wird das optimale NO2/NOx-Verhältnis bei niedrigeren Wasserstoffkonzentrationen beobachtet. Wie in Abb. 13 gezeigt, steigt das NO2/NOx-Verhältnis erheblich mit zunehmender Wasserstoffkonzentration. Dies kann auf eine Zunahme der Oxidationsraten von unverbranntem Wasserstoff zurückgeführt werden, die die Konzentration von HO2 erhöhen und die Umwandlung von NO–NO2 fördern [113, 114]. Die Verbrennungseigenschaften des Motors, wie der Beginn der Verbrennung, die Verbrennungsdauer und die maximale Wärmefreisetzung, tragen nicht wesentlich zum Anstieg der NO2-Emissionen bei. Im Gegensatz dazu haben die Motorlast und die maximale durchschnittliche Mischtemperatur einen moderaten Einfluss auf die NO2-Bildung. Mehrere simulationsbasierte Studien wurden durchgeführt, um die Leistung und Emissionen von Wasserstoff-Diesel-CI-Motoren zu untersuchen [77, 96, 115– 119]. Ghazal [116] verwendete einen Motorsimulationscode, um zu beweisen, dass Wasserstoffsubstitutionsraten von bis zu 40% die Bremsleistung des Motors signifikant verbessern—um etwa 14%—im Vergleich zum reinen Dieselbetrieb, ohne dass die Wahrscheinlichkeit abnormaler Verbrennung steigt. An et al. [115, H2 Substitution [%]
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 421 118] zeigten, dass der indizierte thermische Wirkungsgrad eines teilweise mit Wasserstoff betriebenen Motors im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselmotor, insbesondere bei niedrigen Lasten, zunahm; dies ging jedoch mit einem Anstieg der NOx-Emissionen einher. Hosseini und Ahmadi [120] berichteten, dass der Ersatz von Diesel durch Wasserstoff die Druckanstiegsrate und die Wärmefreisetzung erhöht, aber die Intensitätszunahme unter dem kritischen Wert von 5 MW/ m2 bleibt, was zu abnormalen Verbrennungsereignissen wie Klopfen führen kann, wie von Dec und Yang [121] gezeigt wurde. Koten [122] beobachtete, dass eine Erhöhung des Wasserstoffsubstitutionsverhältnisses den BSFC und den effektiven Wirkungsgrad aufgrund der Bildung eines homogeneren Gemisches und einer Erhöhung der Flammgeschwindigkeit erhöhte. 4.2 Wasserstoff-Biokraftstoff-Dual-Fuel-Motor Biokraftstoffe gelten als vielversprechende kurz- bis mittelfristige Lösung zur Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft, insbesondere für die Luftfahrt, die Schifffahrt und schwere Nutzfahrzeuge, für die es keine unmittelbaren Alternativen gibt [123]. Die erste Generation von Biokraftstoffen—die Mehrheit der heute verwendeten Biokraftstoffe—wird aus Nahrungspflanzen hergestellt, die Zucker, Stärke und Pflanzenöl wie Mais, Weizen und tierische Fette liefern können [124]. Da diese Biokraftstoffe aus Biomasse—Nahrungsquellen—gewonnen werden, beeinträchtigt ihre Produktion die Nahrungsmittelproduktion, die zur Ernährung einer schnell wachsenden Weltbevölkerung erforderlich ist. Die zweite Generation von Biokraftstoffen kann dieses Problem lösen, da sie aus nicht essbaren Quellen wie Abfallbiomasse, landwirtschaftlichen Rückständen und Maisund Weizenstängeln hergestellt werden. Die dritte und vierte Generation von Biokraftstoffen, die derzeit entwickelt werden, gelten als neuartige alternative Kraftstoffe, die aus Algen und der Verschmelzung von genomisch vorbereiteten Mikroorganismen und gentechnisch veränderten Rohstoffen bestehen [125]. Ein großer Nachteil der Verwendung von Biokraftstoffen als alternative Kraftstoffe besteht darin, dass begrenzte Landressourcen auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion genutzt werden. Laut einer techno-ökonomischen Analyse, die 2006 von Hill et al. [126] veröffentlicht wurde, würden nur 12% des Benzinbedarfs und 6% des Dieselbedarfs in den USA gedeckt, wenn die gesamte Maisund Sojabohnenproduktion des Landes der Biokraftstoffproduktion gewidmet würde. Biokraftstoffe können jedoch mit anderen umweltfreundlichen Kraftstoffen wie Wasserstoff kombiniert und in Dual-Fuel-Betrieben verwendet werden; dies würde die erforderliche Biokraftstoffproduktion erheblich reduzieren und den Betrieb solcher Systeme in einem breiten Anwendungsspektrum unterstützen. Biokraftstoff kann auch mit herkömmlichen Kraftstoffen gemischt werden, um die erforderliche Produktion weiter zu reduzieren und gleichzeitig eine kurzfristige Lösung für den Aufbau einer Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu bieten.
422 P. Dimitriou Der Ersatz fossiler Brennstoffe durch Biodiesel wird als nachhaltige Lösung angesehen, die zur Dekarbonisierung beitragen kann, da er im Vergleich zu fossilen Brennstoffen geringere Mengen an CO2 freisetzt. Die CO2-Vorteile sind erheblich höher, wenn man eine Lebenszyklusanalyse berücksichtigt, da das bei der Verbrennung von Biokraftstoffen freigesetzte CO2 von den zur Herstellung von Biokraftstoffen angebauten Pflanzen absorbiert würde [127]. Der Betrieb von CI-Motoren mit verschiedenen Arten von Biodiesel oder Biodiesel-Mischungen wurde in der Literatur ausführlich diskutiert [128, 129]. Die Ergebnisse verschiedener experimenteller Studien zu CI-Motoren mit Biodiesel zeigen jedoch einen Mangel an Konsens über deren Emissionen, Verbrennungseigenschaften und Motorleistungseigenschaften. Die in der Literatur berichteten Ergebnisse variieren je nach Motortyp, Betriebsbedingungen und Testmethoden. Dennoch haben Forscher festgestellt, dass CI-Motoren, die mit Diesel, Biodiesel-Mischungen oder vollständig mit Biodiesel betrieben werden, ähnliche Verbrennungseigenschaften aufweisen [128]. Mehrere Forscher haben die Synergie von Biodiesel aus verschiedenen Quellen mit Wasserstoff untersucht. Rapsmethylester (RME) Biodiesel wurde in der Literatur ausführlich bewertet. Aldhaidhawi et al. [130] betrieben einen CI-Motor mit Biodiesel RME20 (20% Mischung aus RME) und Wasserstoff und verglichen ihn mit einem Diesel-Wasserstoff-Dual-Fuel-Motor. Der Biodiesel RME20Wasserstoff-Dual-Fuel-Motor hatte eine verringerte Motorleistung, Effizienz und Emissionen, mit Ausnahme der NOx-Emissionen, die leicht anstiegen. Eine Verkürzung der Zündverzugs wurde ebenfalls aufgrund der höheren Cetanzahl von RME20 im Vergleich zu Diesel beobachtet. Bemerkenswert ist, dass der höhere Sauerstoffgehalt in RME20 den Verbrennungsprozess verbesserte und die Emissionen von CO, THC und Rauch verringerte. Der BSFC stieg ebenfalls aufgrund des niedrigeren Heizwerts von RME20 im Vergleich zu Diesel. Juknelevicius et al. [131] verglichen die Leistung eines Wasserstoffmotors mit entweder reinem RME oder 7% RME-gemischtem Dieselkraftstoff (RME7). Wie in Abb. 14 gezeigt, verringerte eine Erhöhung der Wasserstoffsubstitution die Rauchemissionen, aber die maximale Wasserstoffsubstitutionsrate war aufgrund des Einsetzens von Klopfen auf etwa 40% begrenzt. Die NO-, HC- und CO-Emissionen des RME7-Motors waren in allen experimentellen Tests höher als die des reinen RME-Motors. Korakianitis et al. [132] zeigten, dass der Ersatz von Diesel durch reines RME in einem Wasserstoff-Dual-Fuel-Motor ähnliche Emissions- und thermische Effizienztrends erzeugt, da die physikalischen und chemischen Eigenschaften der beiden Kraftstoffe ähnlich sind. Geo et al. [47] verglichen die Leistung eines Wasserstoff-Diesel-Dual-Kraftstoffmotors mit der Leistung, die durch den Ersatz von Diesel durch entweder Gummisamenölmethylester (RSOME) oder Gummisamenöl (RSO) erzielt wurde. Der Wasserstoffersatz erhöhte den effektiven Wirkungsgrad des Motors um etwa 2%, unabhängig vom im Motor verwendeten Primärkraftstoff, wie in Abb. 15 gezeigt. Die maximale Wasserstoffersatzrate, die der Motor bei Volllast vor dem Auftreten von Klopfen unterstützte, betrug 12,69%, 11,20% und 10,76% mit Diesel, RSOME und RSO. Der Wasserstoffersatz reduzierte die Rauchemissionen
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren RME7_geringe Last RME7_mittlere Last RME7_Nennlast RME_geringe Last RME_mittlere Last RME_Nennlast Rauchentwicklung [%] Abb. 14 Rauchentwicklung im Vergleich zum Wasserstoffenergieanteil für RME und RME7 bei verschiedenen Motorlasten. Neu gezeichnet aus [131] 423 Abb. 15 Effektiver Wirkungsgrad im Vergleich zum Wasserstoffenergieanteil bei 75% und Volllast für Diesel, RSOME und RSO mit oder ohne Wasserstoff. Neu gezeichnet aus [47] Effektiver Wirkungsgrad [%] Anteil des Energieträgers Wasserstoff [%] Diesel 100 Diesel 75 Anteil des Energieträgers Wasserstoff [%] um über 30%, unabhängig vom Primärkraftstoff, und HC und CO nahmen ebenfalls ab. Die NOx-Emissionen des Dual-Kraftstoffmotors stiegen, wenn Diesel durch entweder RSO oder RSOME ersetzt wurde, aufgrund der erhöhten Verbrennungstemperatur durch die hohe Vormischverbrennung. Ein 20% Sojabiodiesel-Gemisch wurde in einem wasserstoffunterstützten 53 kW CI-Motor von Shrik et al. [133] implementiert. Eine 10% Wasserstoffersatzrate reduzierte die NOx-Emissionen, ohne dass es zu einer signifikanten Verschlechterung der Effizienz und Verbrennungseigenschaften des Motors oder zu einem Anstieg anderer schädlicher Emissionen kam. Verma et al. [134] untersuchten experimentell die Verwendung von Jatropha curcas-Biodiesel als
424 P. Dimitriou Pilotkraftstoff zusammen mit Wasserstoff. Die Synergie zwischen den beiden Kraftstoffen führte zu erheblichen Reduzierungen der Kohlenwasserstoff-, COund Rauchemissionen im Vergleich zu einem Ein-Kraftstoff-Dieselmotor. Die Einführung von AGR erhöhte das maximal zulässige Wasserstoffersatzverhältnis bei allen Lasten und reduzierte die NOx-Emissionen. Bei niedrigen Motorlasten betrug die maximale Wasserstoffersatzrate etwa 80%, während sie bei hohen Lasten vor dem Auftreten abnormaler Verbrennungsereignisse etwa 25% betrug. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Verwendung von Biodiesel mit Wasserstoff als Primärkraftstoff niedrigere Emissionen erzielen und eine Leistung bieten kann, die der eines Dieselmotors entspricht. Kanth et al. [135] untersuchten ebenfalls die Wirkung des Wasserstoffersatzes auf ein Honge-Biodiesel-Gemisch (B20) in einem CI-Motor. Das Honge-Biodiesel-Gemisch erhöhte den thermischen Wirkungsgrad und die Verbrennungseigenschaften des Motors um etwa 2,2% im Vergleich zu einem Dieselmotor, während der Kraftstoffverbrauch bei einer Wasserstoffzufuhrrate von 13 L/min um 6% abnahm. Der Wasserstoffersatz führte auch zu Reduzierungen von über 20% bei CO- und HC-Emissionen, erhöhte jedoch leicht die NOx-Emissionen. Kumar et al. [136] bewerteten die Kombination von Jatropha-Pflanzenöl und Wasserstoffgas in einem CI-Motor. Wasserstoff wurde als Zusatz verwendet, um den effektiven Wirkungsgrad des Motors zu verbessern, der in Biodiesel-CIMotoren oft reduziert ist. Der Wasserstoffersatz erhöhte den effektiven Wirkungsgrad des Motors um 2% bei Volllast, sorgte für eine 20%ige Reduzierung der Rauchemissionen und reduzierte signifikant die HC- und CO-Emissionen. Der Spitzendruck und der maximale Druckanstieg des Motors nahmen mit Wasserstoffersatzraten von bis zu 7% zu, während die Verbrennungsdauer abnahm, mit einem längeren Zündverzug und einer höheren Vormischverbrennungsrate. Folglich stiegen die NOx-Emissionen des Motors um etwa 20%. Im Gegensatz dazu erreichten Bika et al. [137] eine Reduzierung der NOxEmissionen eines Sojamethylester-Biodieselmotors durch den Einsatz einer niedrigen Wasserstoffersatzrate (etwa 5%). Bei höheren Wasserstoffersatzraten (bis zu 40%) blieben die NOx-Emissionen weitgehend unverändert, aber das NO2/ NOx-Verhältnis stieg mit dem Anstieg des Wasserstoffs. Die Autoren beobachteten identische Emissionstrends sowohl bei Wasserstoff-Diesel- als auch bei Wasserstoff-Biodiesel-Motorbetrieben. 4.3 Alternative Wasserstoffersatzsysteme In den meisten bestehenden Studien zu Wasserstoff-CI-Motoren wurde das Wasserstoffgas in Hochdrucktanks gespeichert und dem Verbrennungsmotor entweder durch Saugrohreinspritzung oder Direkteinspritzsysteme zugeführt. Verschiedene alternative Wasserstoffkraftstoffsysteme wurden ebenfalls in der Literatur berichtet, einschließlich Systeme, bei denen Wasserstoff in flüssiger Form bei extrem niedrigen Temperaturen gespeichert wird [138], aus der
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 425 Reformierung oder Dehydrierung von Wasserstoffträgern gewonnen wird [139, 140] oder mit Onboard-Wasserstofferzeugungstechnologien wie Abgas-KraftstoffReformierung [141, 142] oder Wasserelektrolyse [143, 144] produziert wird. Die kryogene Flüssigwasserstoffspeicherung vermeidet die Notwendigkeit schwerer Druckbehälter zur sicheren Speicherung von Hochdruckwasserstoffgas. Die Verflüssigung von Wasserstoff erfordert eine erhebliche Menge an Energie und der flüssige Wasserstoff muss bei kryogenen Temperaturen gelagert werden, um zu verhindern, dass er bei -252,8 °C wieder in Gas übergeht. Flüssiger Wasserstoff kann entweder verdampft und auf Umgebungstemperatur erwärmt werden, bevor er im Ansaugkrümmer gemischt wird, oder kryogen in die Zylinder des Motors eingespritzt werden. Die Verdampfung von Wasserstoff, bevor er dem Motor zugeführt wird, ist der bequemste Ansatz, da er die Notwendigkeit kryogener Komponenten wie thermisch isolierter Leitungen, Ventile und Dichtungen eliminiert. Allerdings ist das große Volumen an gasförmigem Wasserstoff (etwa 30%) im stöchiometrischen Gemisch ein erheblicher Nachteil [145]. Die kryogene Kraftstoffeinspritzung kann einen erheblichen Kühleffekt bieten, der die Verbrennungstemperatur senkt, was wiederum die NOx-Emissionen reduziert [145]. Darüber hinaus ist flüssiger Wasserstoff für die Einspritz-, Misch- und Verbrennungsprozesse im Motor vorteilhaft [146]. Arnold und Wolf [147] überprüften die bestehenden Technologien für flüssigen und komprimierten Wasserstoff für Automobilanwendungen und berichteten über die Vorteile der Flüssigwasserstoffspeicherung unter Berücksichtigung der Speichereinrichtungen und des Energiegehalts auf volumetrischer Basis. Sie kamen jedoch zu dem Schluss, dass Flüssigwasserstoff nicht für alle Anwendungen geeignet ist, da er durch unvermeidbare Verdampfungsverluste gekennzeichnet ist. Daher empfahlen sie die Anwendung kombinierter Technologien für flüssigen und komprimierten Wasserstoff. Für zukünftige Tankstellen schlugen sie vor, dass Wasserstoff in flüssiger Form gespeichert werden sollte, der dann entweder direkt in Flüssigwasserstoffspeichersysteme gefüllt oder verdampft, komprimiert und in komprimierte Wasserstoffspeichersysteme eingespeist werden kann, wie in Abb. 16 gezeigt. Sie stellten auch fest, dass Wasserstoffspeichertechnologien basierend auf der Leistung und dem Fahrmuster des Fahrzeugs ausgewählt werden sollten. Angesichts des Problems der volumetrischen Energiedichte, das mit Wasserstoff verbunden ist, empfahlen sie, dass Flüssigwasserstoffspeicherung nur in Personenkraftwagen mit einer Motorleistung von über 150 kW und in anderen Fahrzeugen, die täglich genutzt werden, wie Taxis, Lieferwagen, Linienbusse, Reisebusse und Lastwagen, die in der Regel zu einer Basis zurückkehren, die sie für Wartung und Betankung anfahren, verwendet werden sollte. Für Fahrer, die ihre Fahrzeuge selten nutzen, empfahlen sie die Verwendung von komprimierten Wasserstoffspeichern, um häufige Verdampfungsverluste zu vermeiden. Wasserstoffträger wie flüssige oder Metallhydrid bieten einen einzigartigen Mechanismus für die Massenlagerung und den Transport von Wasserstoff, da Wasserstoff in einem veränderten chemischen Zustand und nicht als freier Wasserstoff vorliegt. Ein idealer Wasserstoffträger hat eine hohe Wasserstoffdichte und
P. Dimitriou 426 Entlüftung LH2 Zapfsäule CGH2 Spender Versorgungsanschluss CGH2 HochdruckSpeicher CGH2 HochdruckVerdampfer Kompressor Befüllung der LH2 Entlüftungsgas LH2 Förderpumpe Verdampfungsheizung LH2 Lagertank Kryokolbenpumpe Abb. 16 Mögliches Wasserstoffwirtschaftsszenario—Layout einer Wasserstofftankstelle für Flüssigwasserstoff (LH2) und kryogen komprimierten Gaswasserstoff (CGH2) [147] kann bei niedrigen oder Umgebungstemperatur- und Druckbedingungen gelagert werden. Einige der am häufigsten verwendeten Wasserstoffträger in CI-Motoren sind Ammoniak (Wasserstoffspeicherkapazität von 17,64 Gew.%), Methanol (Wasserstoffspeicherkapazität von 12,5 Gew.%) und Methylcyclohexan (MCH, Wasserstoffspeicherkapazität von 6,2 Gew.%). Ein Wasserstoffträger kann entweder im Motor als Kraftstoff verbrannt [148–154] oder reformiert werden, um Wasserstoff zu gewinnen [155, 156]. Die In-situ-Dehydrierung eines Wasserstoffträgers ist ein alternatives endothermes Verfahren, das durch Nutzung der Abwärme eines Dual-Fuel-Motors zur Erzeugung von Wasserstoff durchgeführt werden kann, der dem Motor zugeführt wird, um einen Teil des Primärkraftstoffs zu ersetzen. Die Chiyoda Corporation [157] schlug ein System vor, das die Dehydrierung von MCH durch Nutzung der Abwärme eines Verbrennungsmotors umfasst, wie in Abb. 17 gezeigt; dieser Ansatz wurde von Kojima et al. [140] im Detail untersucht. In diesem System wird MCH durch chemische Kombination von Wasserstoff mit Toluol—einem organischen Kohlenwasserstoff—gebildet. MCH kann entweder unter Umgebungstemperatur- und Druckbedingungen gelagert oder sicher zum Leistungsbedarfspunkt transportiert werden. Am Leistungsbedarfspunkt wird die Abwärmeenergie eines Diesel- oder Biodiesel-Dual-Fuel-Motors zur Dehydrierung von MCH zu Wasserstoff verwendet, der in das Ansaugrohr des Motors eingespritzt wird, um den primären flüssigen Kraftstoff teilweise zu ersetzen und CO2-Einsparungen zu erzielen. Das verbleibende Toluol kann recycelt und in nachfolgenden MCH-Produktionszyklen wiederverwendet werden. Die Onboard-Wasserstofferzeugung ist ein alternativer Ansatz, um kleine Mengen Wasserstoff zu einem CI-Motor hinzuzufügen, um dessen Verbrennungsleistung zu verbessern und die Schadstoffemissionen zu reduzieren. Einige in der
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 427 Alkalischer Wasserelektrolyseur Elektrizität Hydrierungs reaktor Toluol-Tank 20 kL Verflüssiger MCH-Tank 20 kL Abscheider MCH Toluol Abscheider Verflüssiger Toluol Abgas Dehydrierungs MCH reaktor Motor mit KraftAbgas mit hoher Temperatur Wärme-Kopplung Elektrizität 60 kW Luft Dieselkraftstoff Biokraftstoff Wärme 35 kW Abb. 17 Schematische Darstellung eines Systems zur Produktion und Nutzung von Wasserstoffenergieträgern [140] Literatur berichtete Onboard-Wasserstofferzeugungssysteme umfassen die Wasserstofferzeugung durch Wasserelektrolyse und die Abgasbrennstoffreformierung unter Verwendung eines Katalysators. Matienzo [144] rüstete einen stationären Dieselmotor mit einer kommerziellen Elektrolysezelle aus, um Oxy-Wasserstoff zu erzeugen, der als Zusatzstoff verwendet wurde. Die Zelle lieferte eine feste Menge Oxy-Wasserstoff in Abhängigkeit vom Strom; der Oxy-Wasserstoffgehalt in der Ansaugladung war abhängig von der Motorlast und -drehzahl. Im Durchschnitt erhöhte die Zugabe von OxyWasserstoff den BSFC und die thermische Effizienz des Motors um 3,81% bzw. 2,79%. Samuel und McCormick [143] rüsteten einen Einzylinder-Dieselmotor mit einem Oxy-Wasserstoff-Generator aus. Der Generator führte kleine Mengen Wasserstoff und Sauerstoff, die aus Wasser extrahiert wurden, in den Luftstrom des Motors ein, ohne dass zusätzliche Änderungen am Motor oder Einspritzsystem erforderlich waren. Je höher das Wasserstoffsubstitutionsverhältnis, desto höher der Anstieg der Druckanstiegsrate ohne Änderung des Verbrennungsortes, was eine verzögerte Verbrennungszeit ermöglichte, die die negative Arbeit verringerte und die Kraftstoffökonomie erhöhte. Die Kraftstoffökonomie stieg um 5,4%, während die CO2-Emissionen mit der Einführung des Oxy-Kraftstoffs abnahmen. Allerdings hatte die Oxy-Wasserstoff-Zufuhr einen negativen Effekt auf die Rauchbildung im Motor. Tsolakis et al. [141, 142, 158] rüsteten einen Abgasbrennstoffreformer in das EGR-System eines Dieselmotors ein. Das Arbeitskonzept umfasste die Einspritzung von Diesel in den Reaktor, um durch eine katalytische Reaktion zwischen Diesel und Abgasen ein wasserstoffreiches Gas zu erzeugen. Das wasserstoffreiche Gas
428 P. Dimitriou wurde als reformiertes EGR zurück in die Ansaugung geleitet. Die Vorteile dieses Ansatzes umfassten eine Reduzierung der Partikelemissionen und eine Erhöhung der Partikeloxidation, wodurch die typischen Partikelemissionsprobleme im Zusammenhang mit EGR überwunden wurden. Die Reduzierung der Partikelemissionen wurde auf eine Erhöhung der Rate der vorgemischten Verbrennungsphase, den Ersatz des Kohlenwasserstoffkraftstoffs durch Wasserstoff und den reduzierten Kraftstoffverbrauch zurückgeführt. Im Vergleich zu Standard-EGRSystemen bot der reformierte EGR-Ansatz jedoch eine geringere Reduzierung der NOx-Emissionen. 5 Strategien zur Verbrennungsregelung 5.1 Abgasrückführung Die Abgasrückführung ist ein hervorragender Ansatz zur Reduzierung der NOxEmissionen in CI-Motoren und eine praktische Methode zur Unterdrückung von Klopfen in Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motoren [114, 159, 160]. EGR-Systeme arbeiten, indem sie einen Teil der Abgase des Motors zurück in die Ansaugung leiten, wo sie sich mit Frischluft vermischen, bevor sie in die Zylinder des Motors gelangen. Die Abgase, die hauptsächlich aus CO2, N2 und Wasserdampf bestehen, haben eine höhere spezifische Wärme als die verdrängte Frischluft, wodurch der Anstieg der Flammentemperatur bei gleicher Wärmefreisetzung verringert wird [161]. Darüber hinaus reduziert die Verdrängung einer großen Menge an Ansaugluft die Sauerstoffkonzentration in der Brennkammer, was mit einer Verringerung des effektiven Luft-Kraftstoff-Verhältnisses und der Flammentemperatur einhergeht und somit die NOx-Emissionen verringert. In Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren kompensiert EGR den erhöhten Druck und die erhöhte Wärmefreisetzungsrate, die durch den Wasserstoffersatz entstehen. Neben der Reduzierung der NOx-Emissionen verringert EGR oft die Effizienz des Motors, die mit zunehmender EGR-Menge abnimmt [154]. Im Gegensatz dazu erhöht EGR der effektive Wirkungsgrad des Motors unter bestimmten Bedingungen, indem es den Beginn der Verbrennung näher an den OT verzögert und somit die entgegenwirkenden Kräfte auf den Kolben reduziert, die zu Leistungsverlusten führen. Dimitriou et al. [26] erhöhten den effektiven Wirkungsgrad eines Dual-Fuel-Motors, der bei niedrigen Lasten läuft, um 3%, indem sie etwa 30% der Ansaugluft durch Abgase ersetzten; wie in Abb. 18gezeigt, verschob dies den CA50 des Motors näher an den OT und reduzierte die entgegenwirkenden Leistungsverluste. EGR-Verdünnung führt oft zu einem Anstieg der CO- und HC-Emissionen aufgrund der reduzierten Sauerstoffgehalte in den Zylindern des Motors und der erhöhten zyklischen Druckschwankungen des Motors, die mit zunehmender EGR-Menge zunehmen [162]. Die Verringerung der Sauerstoffverfügbarkeit führt
60% H2 DDF mit EGR 80% H2 DDF mit EGR Konventioneller Diesel Einlaß O2 Konzentration [%] 429 CA50 [deg. ATDC] Effektiver Wirkungsgrad [%] Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren Einlaß O2 Konzentration [%] Abb. 18 Effektiver Wirkungsgrad und CA50 für verschiedene EGR-Raten und Wasserstoffraten von 60 und 80% im Vergleich zu konventionellem Diesel—Werte in Klammern stellen die EGR-% dar. Neu gezeichnet aus [78] unweigerlich zu einer schlechten Rußoxidation, was den Ruß im Abgas erhöht. Dieser Anstieg der Schadstoffemissionen von Dual-Fuel-Motoren durch EGR ist oft deutlich geringer als die Gesamtreduktion der Emissionen durch den Wasserstoffersatz im Vergleich zu den Emissionen eines konventionellen Dieselmotors [163]. Zahlreiche Studien haben die Auswirkungen von EGR auf Wasserstoff-DualFuel-CI-Motoren bewertet. Unter geeigneten Bedingungen kann der Wasserstoffersatz in Kombination mit EGR sowohl NOx- als auch Rauch-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Ein-Kraftstoff-Motoren gleichzeitig reduzieren. Wu und Wu [164] erreichten eine gleichzeitige Reduzierung der NOx- und RauchEmissionen eines Einzylinder-DI-Motors im Vergleich zu einem konventionellen Dieselmotor, indem sie eine Wasserstoffersatzrate von 20% und eine Verdünnung der Ansaugladung um 40% durch EGR verwendeten. Ebenso reduzierten Suzuki und Tsujimura [33] sowohl NOx- als auch Rauch-Emissionen durch den Einsatz hoher Wasserstoffersatzraten von über 70% zusammen mit EGR. Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motoren reduzieren den BSFC im Vergleich zu konventionellen Ein-Kraftstoff-Motoren aufgrund der verbesserten Mischung zwischen Wasserstoff und Luft, was zu einer vollständigen Kraftstoffverbrennung führt. Laut Singhyadan et al. [163] verschlechtert die EGR-Verdünnung jedoch den BSFC, aber er nimmt mit zunehmender EGR-Rate ab. Nag et al. [165] untersuchten die kombinierten Effekte von Wasserstoffersatz und EGR an einem Einzylinder-Dual-Fuel-CI-Motor. Sie berichteten, dass es aufgrund der synergistischen Effekte von Wasserstoffersatz und EGR keinen wesentlichen Rückgang des irkungsgrads gab. Bei einer Wasserstoffersatzrate von 30% und EGR von 10% gab es eine deutliche Reduzierung der NOx-, CO2-, CO-, THC- und PM-Emissionen im Vergleich zu einem konventionellen Dieselmotor. Nag [166] beobachtete auch, dass der Wasserstoffersatz zwar unterschiedliche Auswirkungen auf die Verbrennung bei niedrigen und hohen Motorlasten hatte, EGR jedoch den Spitzenverbrennungsdruck unabhängig von der Motorlast verringerte und somit
430 P. Dimitriou die NOx-Emissionen des Motors reduzierte. Darüber hinaus verbesserte EGR die Verbrennungsvariabilität des Motors. Obwohl EGR zu höheren Motorvibrationen führte, wurde das Verbrennungsgeräusch durch Wasserstoffersatz und EGR bei niedrigeren Lasten reduziert. Bose und Maji [102] verglichen die Leistung und Emissionen eines Dieselmotors mit denen eines Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motors, sowohl mit als auch ohne EGR. Sie stellten fest, dass der Dual-Fuel-Motor ohne EGR eine um 12,9% höhere Leistung als der konventionelle Dieselmotor erreichte. EGR war jedoch erforderlich, um die Auswirkungen des Wasserstoffersatzes zu kompensieren, was unweigerlich zu unkontrollierter Verbrennung und Motorproblemen führte, sowie um den starken Anstieg der NOx-Emissionen zu begrenzen. Mit 20% EGR reduzierten sich die NOx-Emissionen des Dual-Fuel-Motors um 40%. Chaichan [167] betrieb einen Wasserstoff-Biodiesel-CI-Motor unter schweren EGR-Bedingungen mit einem modifizierten EGR-System, um die höchstmögliche Kontrolle über die EGR-Rate zu erreichen. Obwohl hohe EGR-Raten die Bremswärmewirkungsgrad des Motors verringerten, reduzierten sie effektiv die NOx-Emissionen, die mit zunehmendem Wasserstoffersatz im Vergleich zu denen eines reinen Biodieselmotors dramatisch anstiegen. Der Autor beobachtete auch, dass der Einsatz von Wasserstoff das übermäßige Motorgeräusch, das durch die Dual-Fuel-Anwendung erzeugt wurde, reduzierte. Talibi et al. [74] untersuchten die Auswirkungen variierender EGR-Raten und Ansaugdruckerhöhung in einem Wasserstoff-Dual-Fuel-Motor. Bei hohen EGR-Raten (entsprechend einer 2%igen Reduktion der Sauerstoffkonzentration in der Ansaugluft) und einer Wasserstoffersatzrate von 15% reduzierte sich die Partikelmasse im Abgas um bis zu 75%. Jabbr et al. [168] erreichten eine Reduktion der NOx-Emissionen um 88% bei einer EGR-Rate von 15% im Vergleich zum Fall ohne EGR. Allerdings erhöhte EGR die Rußemissionen des Motors. Christodoulou und Megaritis [169] bewerteten die Auswirkungen der Verdünnung eines Wasserstoff-Diesel-Motors mit Stickstoff, der zwischen 2 und 8 % der gesamten Ansaugladung ausmacht. Der Wasserstoffersatz verringerte die Rauch- und CO-Emissionen des Motors, hatte jedoch den gegenteiligen Effekt auf die NOx-Emissionen. Die Stickstoffverdünnung trug nicht nur zu einer signifikanten Reduktion der NOx-Emissionen bei, sondern reduzierte auch die Rauch- und CO-Emissionen sowie den Kraftstoffverbrauch des Motors. Das kombinierte Wasserstoff- und Stickstoffsystem erhöhte den Beffektiven Wirkungsgrad bei hohen Geschwindigkeiten, verringerte ihn jedoch leicht bei niedrigen Geschwindigkeiten. Insgesamt kann die Kombination von Wasserstoffersatz und AGR die Emissionen reduzieren, ohne den effektiven Wirkungsgrad des Motors zu beeinträchtigen [165]. Obwohl dies ein vielversprechender Ansatz zur Erfüllung der niedrigen Emissions- und BSFC-Abwägungskontingenzen eines Dieselmotors ist [170], ist eine weitere Entwicklung der Einspritz- und Ladestrategien erforderlich, um die Hauptbegrenzung zu überwinden – die hohe NOx-Bildung bei höheren Motorlasten [171].
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 431 5.2 Einspritzstrategien Moderne Common-Rail-Einspritzsysteme bieten erhebliche Flexibilität bei den Einspritzmustern von flüssigen Kraftstoffen wie Diesel und Biodiesel. Verschiedene Einspritzstrategien wie Vor-, Haupt- und Nacheinspritzung können eine fortschrittliche Kontrolle über die Luft-Kraftstoff-Schichtung in den Zylindern und die Homogenität des Luft-Kraftstoff-Gemisches in modernen CI-Motoren verbessern. Die Steuerung des Einspritzzeitpunkts und -musters von flüssigem Kraftstoff in Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren bietet einen zusätzlichen Freiheitsgrad zur Steuerung des Verbrennungsbeginns und des gesamten Verbrennungsprozesses, was wiederum zur Steuerung der Leistungs- und Emissionsausgabe von CI-Motoren genutzt werden kann. Mehrere Forscher haben die Auswirkungen von Mehrfacheinspritzungen und Einspritzzeitstrategien auf die Leistung, Emissionen und das anormale Verbrennungsverhalten von Wasserstoff-Diesel-Dual-FuelMotoren analysiert [50, 172–175]. Miyamoto et al. [173] bewerteten die Auswirkungen des DieselKraftstoffeinspritzzeitpunkts in einem CI-Motor mit niedrigen Wasserstoffersatzraten von bis zu 10,1 Vol.-%. Ihre experimentelle Untersuchung ergab, dass die Druckanstiegsrate im Zylinder und die NOx-Bildung signifikant vom DieselKraftstoffeinspritzzeitpunkt beeinflusst werden, wie in Abb. 19 gezeigt. Ein vorverlegter Diesel-Einspritzzeitpunkt erhöhte die Druckanstiegsrate und die NOxBildung. Die NOx-Bildung nahm auch mit der Zunahme des Wasserstoffersatzes aufgrund des höheren Energiegehalts von Wasserstoff zu, was zu einem vorverlegten und schnellen Verbrennungsbeginn im Zylinder führt. Im Gegensatz dazu reduzierte ein späterer Einspritzzeitpunkt näher am OT die NOx-Emissionen signifikant, verringerte jedoch auch den effektiven Wirkungsgrad des Motors. Wie in Abb. 20 gezeigt, beobachteten Jabbr und Koylu [176] bei höheren Wasserstoffersatzraten von etwa 50 % einen ähnlichen Trend, bei dem eine frühe Diesel-Einspritzung die NOx-Bildung und die angezeigte thermische Effizienz aufgrund einer vorverlegten Verbrennungsphase erhöhte. Ein früher Verbrennungsbeginn bietet ausreichend Zeit für eine vollständige Verbrennung, was zu einem erhöhten Zylinderdruck und einer erhöhten Temperatur führt und somit die Ausgangsleistung und Effizienz verbessert. Ein späterer Verbrennungsbeginn reduziert die NOx-Werte, erhöht jedoch die Rußbildung. Tomita et al. [50] beobachteten ebenfalls einen Anstieg des Zylinderdrucks und der NOx-Bildung aufgrund einer frühen Diesel-Einspritzung bei etwa 10° BTDC. Als die Diesel-Einspritzung jedoch noch weiter vorverlegt wurde, stellten sie eine Veränderung der NOx-Emissionen fest. Die Rußbildung und CO-Emissionen waren unabhängig vom Einspritzzeitpunkt, während die HC-Emissionen bei sehr frühen oder späten Einspritzungen zunahmen. Die experimentelle Untersuchung ergab, dass die Diesel-Kraftstoffeinspritzung bei 33°–60° BTDC die NOx-Emissionen aufgrund der verlängerten Zeitspanne, die für die Mischung von Diesel, Wasserstoff und Luft vor dem Verbrennungsbeginn zur Verfügung steht, reduzierte. Folglich wurde ein mageres Gemisch im gesamten Zylinder erreicht,
P. Dimitriou 432 , 0 Vol.%H2 6 Vol.%H2 8 Vol.%H2 10,1 Vol.%H2 0 Vol.%H2 6 Vol.%H2 8 Vol.%H2 10,1 Vol.%H2 , , , , , , Einspritzzeitpunkt für Dieselkraftstoff [deg.ATDC] Einspritzzeitpunkt für Dieselkraftstoff [deg.ATDC] Angabe des effektiven Wirkungsgrads [%] Abb. 19 Variationen von NOxund dP/dθmax mit Diesel-Kraftstoffeinspritzzeitpunkt für verschiedene Wasserstoffanteile. Neu gezeichnet aus [173] Einspritzzeitpunkt [deg.CA ATDC] NOx NOX [ppm] Ruß [Filter-Rauchzahl] Ruß Einspritzzeitpunkt [deg.CA ATDC] Abb. 20 a Wirkung von EGR auf die Motoreffizienz bei 50 % Wasserstoff und 10 CA BTDC Einspritzzeitpunkt und b Wirkung des Einspritzzeitpunkts auf NOx- und Rußemissionen bei 50 % Wasserstoff und 0 % EGR. Neu gezeichnet aus [176] und der Diesel-Kraftstoff fungierte als Zündquelle für einen weiten Bereich des Zylinders, mit langsamer Verbrennung und einer gleichmäßigen Wärmefreisetzungsrate. Die Autoren stellten jedoch klar, dass eine frühe Diesel-Einspritzung wahrscheinlich den effektiven Wirkungsgrad des Motors verringert und nur bei niedrigen Äquivalenzverhältnissen angewendet werden kann, mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für instabile Verbrennungsleistung. Bhowmik et al. [177] variierten die Biodiesel-Pilot-Einspritzung von 8° bis 18° BTDC bei einem Einspritzdruck von 210 bar mit konstanten Wasserstoff-Einspritzdauern von 1200, 2500 und 3700 μs und einer konstanten Durchflussrate von 0,9 kg/h. Das Vorverlegen der Pilot-Kraftstoffeinspritzung verbesserte die Motorleistung signifikant, mit einer 13,36%igen Steigerung des BTE, einer 9,28%igen Reduktion der HC-Emissionen und einer 11%igen Reduktion der CO-Emissionen
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 433 bei einer Wasserstoff-Einspritzdauer von 3700 μs. Diese Leistungsverbesserung ging jedoch mit einer 11%igen Zunahme der NOx-Emissionen einher. Kanth et al. [178] beobachteten ähnliche Ergebnisse bei einem Einzylinder-Viertakt-Direkteinspritzmotor, der mit Wasserstoff- und Reiskleie-Biodiesel-Mischungen von bis zu 20 % betrieben wurde. Andere Studien haben ebenfalls berichtet, dass das Vorverlegen des Einspritzzeitpunkts, das Erhöhen des Einspritzdrucks und die Anwendung einer Split-Einspritzstrategie die Motorleistung steigern und die Emissionen reduzieren können [179]. Roy et al. [172] untersuchten die Wirkung des Diesel-Einspritzzeitpunkts eines Zweistoffmotors auf die maximale Leistung vor dem Auftreten von Klopfen unter Berücksichtigung verschiedener Äquivalenzverhältnisse. Der Einspritzzeitpunkt wurde von 23° v.OT bis 5° n.OT variiert, während die Einspritzmenge und der Einspritzdruck in allen Experimenten konstant gehalten wurden. Eine Vorverlegung des Einspritzzeitpunkts erhöhte den IMEP des Motors bei gleichem Äquivalenzverhältnis; der maximale IMEP trat bei einem Einspritzzeitpunkt von 7° v.OT mit einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 13,7% auf. Bei hohen Äquivalenzverhältnissen war die früheste Einspritzung vor dem Auftreten von Klopfen bei 5° v.OT, was den IMEP leicht reduzierte. Darüber hinaus verringern späte Kraftstoffeinspritzungen im Vergleich zu Einspritzzeitpunkten, die nahe oder nach dem OT liegen, das Motorgeräusch [180]. Forscher haben auch die Wirkung der Wasserstoffeinspritzstrategie auf die Verbrennungs- und Emissionseigenschaften von Wasserstoff-Zweistoffmotoren untersucht. Saravanan und Nagarajan [174] erforschten die Auswirkungen des Wasserstoffeinspritzzeitpunkts auf einen Zweistoffmotor, der mit einem zeitgesteuerten Saugrohr-Wasserstoffeinspritzsystem ausgestattet war. Der Wasserstoffeinspritzzeitpunkt wurde von 5° vor dem oberen Totpunkt des Gasaustauschs (BGTDC) bis 25° nach dem oberen Totpunkt des Gasaustauschs (AGTDC) variiert, mit Einspritzdauern von 30° Kurbelwinkel (CA), 60° CA und 90° CA und einer Motordrehzahl von 1500 U/min. Die Ergebnisse zeigten, dass jede Wasserstoffeinspritzstrategie bei niedrigen, mittleren und hohen Motorlasten unterschiedliche Ergebnisse lieferte. Bemerkenswerterweise konnte keine Strategie gleichzeitig eine optimale Motoreffizienz und Emissionsreduzierung bieten. Die Wasserstoffeinspritzung bei GTDC mit einer Einspritzdauer von 30° CA erwies sich unter allen Motorbedingungen als die bevorzugte Lösung. Im Vergleich zum reinen Dieselbetrieb erhöhte diese Einspritzstrategie die Bremswärmeeffizienz um 9%, erhöhte jedoch auch leicht die NOx-Emissionen des Motors. Liu et al. [98] bewerteten die Wirkung des Wasserstoff-Direkteinspritzzeitpunkts auf einen Wasserstoff-Diesel-Zweistoff-Direkteinspritz-Einzylinder-CI-Motor. Der Motor wurde bei mittlerer Last mit einer festen Brennstoffenergiezufuhr unter Verwendung eines Energie-Substitutionsprinzips betrieben; der Diesel-Einspritzzeitpunkt wurde angepasst, um eine feste Verbrennungsphasenlage zu erreichen. Der Wasserstoff-Direkteinspritzzeitpunkt wurde von 180° bis 20° v.OT variiert, mit Wasserstoffsubstitutionsraten von 20–50%. Bei frühen Wasserstoffeinspritzungen zeigten die Wärmefreisetzungsrate und die Motorauslass-Emissionen Trends, die auf eine vorgemischte Verbrennung hinwiesen, während spätere
434 P. Dimitriou ­ inspritzzeitpunkte eine wasserstoffmischungskontrollierte Verbrennung zeigten. E Eine Verzögerung der Wasserstoffeinspritzung führte zu einer erhöhten Wasserstoffschichtung, wobei die geschichtete Wasserstoffladung außerhalb der Dieselstrahlen schneller verbrannte und dadurch die Zylindertemperaturen erhöhte; dies, zusammen mit der hohen adiabatischen Flammentemperatur von Wasserstoff, erhöhte die NOx-Bildung. Spätere Wasserstoffeinspritzungen reduzierten auch den Endverdichtungsdruck um bis zu 10% aufgrund der Direkteinspritzung von Wasserstoff in den Zylinder. Der beste Kompromiss zwischen Effizienz und Emissionen wurde mit einem Wasserstoffeinspritzzeitpunkt von 40° v.OT und einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 50% erreicht. Abgesehen von der Erhöhung der NOx-Emissionen führte der Motorbetrieb unter diesen Bedingungen nicht zu einer signifikanten Erhöhung der Effizienz, uHC- und CO-Emissionen im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselmotor. Wie in Abb. 21 gezeigt, reduzierte sich jedoch der Rauch um das Zehnfache und das Motorgeräusch um 6 dB. In einer Simulationsstudie entwickelte und validierte Gurbuz [181] ein 1D-Modell eines Wasserstoff-Diesel-Motors unter Verwendung experimenteller Daten, um die Auswirkungen mehrerer Wasserstoffeinspritzstrategien auf die Motorleistung und die Emissionsausgabe zu bewerten. Gurbuz beobachtete, dass die Pilot-Wasserstoffeinspritzung den Verbrennungsbeginn verschiebt und diese Verschiebung mit der Zunahme der Anzahl der Piloteinspritzungen zunimmt. Trotz der Veränderung des Verbrennungsbeginns brachte die Pilot-Wasserstoffeinspritzung keine signifikanten Verbesserungen bei der Motorleistung und den Rußemissionen; im Gegensatz dazu verbesserte die Einführung der WasserstoffNacheinspritzung beide erheblich. 5.3 Verdichtungsverhältnis Die Bestimmung des optimalen CR für einen wasserstoffbetriebenen DualFuel-CI-Motor ist ein kritischer Teil des Motorabstimmungsprozesses, um eine hohe Leistungsabgabe zu gewährleisten und die Betriebsgrenzen des Motors zu erweitern, ohne abnormale Verbrennungsereignisse auszulösen. Bei der Umrüstung eines Diesel-CI-Motors auf den Betrieb als wasserstoffbetriebener Dual-Fuel-Motor kann das CR des Motors häufig modifiziert werden, um die optimalen Betriebsbedingungen zu erreichen und die Bremsleistung zu erhöhen. Chaichan und Al-Zubaidi [175] beobachteten, dass das höhere nützliche CR eines herkömmlichen Dieselmotors von 17,7 auf 18,1 mit einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 10% anstieg. Der Anstieg des höheren nützlichen CR folgte demselben Trend für Wasserstoffsubstitutionsraten von bis zu 40%, mit einem maximalen CR von 19, wie in Abb. 22gezeigt. Als die Wasserstoffsubstitutionsrate auf 50% anstieg, erhöhte sich das CR bei Motorbetrieben mit Äquivalenzverhältnissen über 0,4 nicht, da die verzögerte Einspritzzeit verwendet wurde, um Klopfen zu vermeiden; dies führte zu einer Reduktion der Bremsleistung.
Netto indizierter Wirikungsgrad [%] Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 435 180 Grad CA BTDC 140 Grad CA BTDC 90 Grad CA BTDC 60 Grad CA BTDC 40 Grad CA BTDC 20 Grad CA BTDC Diesel Wasserstoffanteil [%] Wasserstoffanteil [%] , , , , , Wasserstoffanteil [%] , 180 Grad CA BTDC 140 Grad CA BTDC 90 Grad CA BTDC 60 Grad CA BTDC 40 Grad CA BTDC 20 Grad CA BTDC Diesel Geschätzer Lärmpegel [dB] Rauch [%] , Wasserstoffanteil [%] , , Wasserstoffanteil [%] Wasserstoffanteil [%] Abb. 21 Die Wirkung des Wasserstoffenergieanteils und des Einspritzzeitpunkts auf den netto indizierte Wirkungsgrad, NOx, CO, uHC, Rauch und Motorgeräusch. Neu gezeichnet aus [98] Sharma und Dhar [111] untersuchten numerisch die Auswirkungen verschiedener CRs auf das maximale potenzielle Wasserstoffsubstitutionsverhältnis in einem Dual-Fuel-Motor. Das CR wurde von 14,5 auf 19,5 variiert, und die port-fuel injizierte Wasserstoffsubstitutionsrate wurde von null auf 55% variiert.
P. Dimitriou Abb. 22 Der Einfluss des Wasserstoffvolumenanteils (HVF) auf die effektive Leistung für eine breite Palette von Äquivalenzverhältnissen. Neu gezeichnet aus [175] Effektive Leistung [kW] 436 , , , , Äquivalenzverhältnis [-] Die Ergebnisse zeigten, dass ein klarer Kompromiss zwischen dem maximalen Wasserstoffsubstitutionsverhältnis und dem CR besteht, da bei höheren CRs eher abnormale Verbrennungen auftreten. Die maximale Wasserstoffsubstitutionsrate sank von 45% bei einem CR von 14,5 auf 20% bei einem CR von 19,5. Unabhängig vom CR nahmen alle Emissionen außer NOx ab, wenn das Wasserstoffsubstitutionsverhältnis anstieg. Masood et al. [48] untersuchten experimentell die Auswirkungen des CR auf die Effizienz und Emissionsausgabe des Motors. Das CR eines wasserstoff-dieselbetriebenen Dual-Fuel-Motors wurde von 16,35 auf 24,5 erhöht. Mit zunehmendem CR und Wasserstoffsubstitutionsverhältnis stieg der effektive Wirkungsgrad des Motors signifikant, wie in Abb. 23 gezeigt. Darüber hinaus verringerte eine Erhöhung des CR die CO-Emissionen, die bei höheren Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen weiter abnahmen. Ebenso reduzierten sich HC und Partikel bei hohen Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen. Im Gegensatz dazu erhöhten sich die NOx-Emissionen aufgrund des hohen Heizwerts von Wasserstoff bei steigenden CR und Wasserstoffsubstitutionsverhältnissen. Bei 90% Wasserstoffsubstitution stiegen die NOx-Emissionen um 38%, als das CR von 16,35 auf 24,5 anstieg. Sharma und Dhar [111] führten eine parametrische numerische Studie mit dem CONVERGE CFD-Tool durch und beobachteten einen klaren Kompromiss zwischen dem CR und dem maximalen Wasserstoffsubstitutionsverhältnis vor dem Einsetzen des Klopfens. Die Simulationsergebnisse zeigten, dass bei einer Abnahme des CR von 19,5 auf 14,5 das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis von 20 auf 45% anstieg. Bei niedrigeren CRs war das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis noch höher, aber die Dieselverbrennung war aufgrund extrem niedriger Temperatur- und Druckbedingungen ineffizient.
Thermischer Wirkungsgrad der Bremse [%] Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 437 , , , , Wasserstoffsubstitution [%] Wasserstoffsubstitution [%] Wasserstoffsubstitution [%] Wasserstoffsubstitution [%] CO [% Vol.] , , , , Abb. 23 Der Einfluss der Wasserstoffenergiesubstitution und des Verdichtungsverhältnisses auf den effektiven Wirkungsgrad des Motors, NOx, CO und HC. Neu gezeichnet aus [48] 5.4 Wassereinspritzung Die Wassereinspritzung ist eine vielversprechende Technik zur Reduzierung der Zylinder- und Abgastemperatur in Verbrennungsmotoren. Jüngste Studien haben gezeigt, dass die Wassereinspritzung ein wirksamer Ansatz zur Minderung von Klopfen, zur Verbesserung der Verbrennungsphasen und zur Verringerung der NOx-Emissionen in verschiedenen Motortypen ist [182]. Wasser kann mit verschiedenen Einspritztechniken in den Brennraum eingebracht werden, um eine ausreichende Kühlung der Zylinder-Hotspots zu gewährleisten, die die Zündverzugszeit, die Verbrennungsdauer und die maximale Verbrennungstemperatur sowie andere Motorparameter beeinflussen. Die häufigsten Wassereinspritztechniken sind: (a) Einzeleinspritzung vor oder nach dem Verdichter oder Ladeluftkühler; (b) Mehrfacheinspritzung in den Ansaugkanal oder das Ansaugrohr; und (c) Direkteinspritzung in den Zylinder [182]. Die Anwendung der Wassereinspritztechnologie in Wasserstoffmotoren wurde ebenfalls untersucht, um die Betriebsgrenzen des Motors zu erweitern, den
438 P. Dimitriou ­ raftstoffverbrauch zu verbessern und die Schadstoffemissionen zu reduzieren. K In Wasserstoff-Dual-Fuel-CI-Motoren kann die Wassereinspritzung in den Brennraum verwendet werden, um die Verbrennungsphasen direkt zu steuern und den klopffreien Betrieb des Motors zu verlängern. Da Wasserstoffmotoren einen hohen Wassergehalt in ihren Abgasen haben, kann diese Technologie ohne zusätzlichen Wassertank angewendet werden. Lambe und Watson [183] setzten Wassereinspritzung in einem Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motor ein, um Klopfen zu bekämpfen, das durch heiße Oberflächenkomponenten bei hohen Lastbedingungen verursacht wird. Sie führten Wasser in Form eines „festen“ Strahls in den Ansaugkanal ein. Die Autoren zeigten, dass die maximale Menge an Wasser, die erforderlich ist, um Klopfen unter extrem hohen Lastbedingungen zu verhindern, etwa 40% des in den Abgasen des Motors vorhandenen Wasserdampfs betrug. Daher kann der Abgaswasserdampf nach der Kondensation verwendet werden, selbst bei Temperaturen unter null, was eine bedeutende Erkenntnis ist, da das Einfrieren von Wasser eine wesentliche Einschränkung dieser Technologie darstellt. Prabhukumar et al. [184] beobachteten, dass die Wassereinspritzung in einem Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motor die maximalen Wasserstoffsubstitutionsraten um bis zu 3,5% und 5% bei hohen und mittleren Lasten erhöhte. Aufgrund seiner hohen Verdampfungswärme wirkte das eingespritzte Wasser als internes Kühlmittel, senkte die Temperatur des unverbrannten Gemisches und erhöhte die klopfbegrenzte Leistung des Motors bei Volllastbedingungen um bis zu 39%. Die Wassereinspritzung verlängerte auch die Zündverzugszeit, indem sie die Ladung am Ende des Verdichtungshubs kühlte. Die maximale Druckanstiegsrate und die Spitzendrücke nahmen aufgrund einer langsameren Verbrennungsrate ab. Im Gegensatz dazu verringerte sich der Kraftstoffverbrauch des Motors aufgrund einer Erhöhung des Löschabstands, was das Entweichen von unverbranntem gasförmigem Kraftstoff während der Verbrennung förderte. Dennoch ermöglichte die Wassereinspritzung einen effizienteren Betrieb, der die klopffreien Betriebsgrenzen eines herkömmlichen Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motors überschritt, was die Bremswärmewirkungsgrad erhöhte. Chintala und Subramanian [45, 46] bewerteten den Einfluss des spezifischen Wasserverbrauchs eines Wasserstoff-Dual-Fuel-CI-Motors. Sie kamen zu dem Schluss, dass ein spezifischer Wasserverbrauch von 200 h/kWh eine optimale Verbrennung und Emissionsreduzierung ermöglichte, mit einer Steigerung der Energieeffizienz um 5,7% und einer Reduzierung der NOx-Emissionen um 24% bei einer Wasserstoffsubstitutionsrate von 20%. Allerdings nahmen die COEmissionen aufgrund des Verdünnungseffekts von Wasser und der Abnahme der Verbrennungstemperatur zu. Die Wassereinspritzung in Kombination mit verzögerter Dieseleinspritzung ermöglichte einen klopffreien Betrieb bei höheren Wasserstoffsubstitutionsraten, die sich von 18% ohne Wassereinspritzung auf 36% mit Wassereinspritzung erheblich erhöhten. Adnan et al. [185] untersuchten den Einfluss des Wassereinspritzzeitpunkts auf einen wasserstoffbetriebenen CI-Motor. Der Wassereinspritzzeitpunkt wurde von 20° v.OT bis 20° n.OT variiert, mit Einspritzdauern von 20° KW und 40° KW. Frühe und kurze Wassereinspritzung bot optimale Leistung aufgrund einer
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 439 Erhöhung der Bruttoarbeit und des indizierten thermischen Wirkungsgrads. Im Gegensatz dazu bot frühe, verlängerte Wassereinspritzung die höchste Wärmefreisetzungsrate und die längste Zündverzugszeit. Trotz der Leistungsvariation bei verschiedenen Wassereinspritzstrategien kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die Wasserverschneidung eine vielversprechende Technik zur Leistungssteigerung und Emissionskontrolle in wasserstoffbetriebenen Motoren ist. 5.5 Inerte und reaktive Gasverdünnung Eine der Hauptherausforderungen von Wasserstoff-Dual-Fuel-CI-Motoren ist der Verlust der Verbrennungskontrolle bei hohen Motorlasten. Um diese Herausforderung zu bewältigen, haben Forscher verschiedene alternative Ansätze untersucht, wie z.B. die Verdünnung der Ansaugladung mit inerten Gasen. Ähnlich wie bei der Abgasrückführung und der Wassereinspritzung wurden inerte Gase wie Helium und Stickstoff in die Ansaugladung von Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren eingebracht, um den Beginn der Verbrennung zu steuern und die klopffreie Betriebsgrenze von Motoren unter wasserstoffreichen und hohen Lastbedingungen zu erweitern. Mathur et al. [42, 186, 187] untersuchten die Auswirkungen der Zugabe von Helium und Stickstoff auf den Betrieb eines Wasserstoff-Diesel-Dual-FuelMotors. Sowohl Helium als auch Stickstoff unterdrückten die Klopfneigung des Motors. Im Vergleich zu Helium erhöhte Stickstoff auch den effektiven Wirkungsgrad des Motors und das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis. Patro [188] beobachtete, dass Helium die Zündverzugszeit der Wasserstoff-Diesel-Verbrennung wirksam reduzieren kann, aber das maximale Wasserstoffsubstitutionsverhältnis nicht erhöhte. Die Stickstoffverdünnung reduzierte die Zündverzugszeit wirksam und verkürzte die Flammenlänge, was die Zykluseffizienz und die Leistungsausgabe erhöhte. Forscher am Indian Institute of Technology (IIT), Delhi [42, 186, 187, 189] führten eine vergleichende Bewertung von Helium, Stickstoff und Wasser durch und bestätigten, dass alle drei Verdünnungsmittel den klopfbegrenzten Motorbetrieb verbessern. Sie kamen zu dem Schluss, dass Stickstoff den ruhigsten Motorbetrieb, Helium den optimalen Motorbetrieb und Wasser die höchste Reduktion der Abgasemissionen bot. Mit jedem der drei Verdünnungsmittel gelang es den Autoren, den Betrieb eines herkömmlichen Dieselmotors mit dem eines Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-Motors mit Wasserstoffsubstitutionsraten von bis zu 38% zu konvergieren, ohne dass eine Reduzierung der Motorleistung und Effizienz eintrat. Neben der Verbesserung der Verbrennungskontrolle und der Erweiterung des klopffreien Betriebs eines Motors kann die Gasverdünnung erhebliche Vorteile bei der Emissionsreduzierung bieten. Roy et al. [159] berichteten von einem ruhigen, rauchfreien Motorbetrieb mit Wasserstoffsubstitutionsraten von bis zu 90% durch Verdünnung der Zylinderladung mit Stickstoff. Im Vergleich zum Basismotor bot
440 P. Dimitriou eine 60%ige Stickstoffverdünnung eine 100%ige Reduktion der NOx-Emissionen und eine 10%ige Erhöhung des IMEP. Hochreaktive Gase wie Ozon, Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid werden als alternative Lösung zur Unterstützung und Förderung der Wasserstoffverbrennung betrachtet, während möglicherweise die Notwendigkeit eines Sekundärbrennstoffs entfällt. Unter diesen drei oxidierenden chemischen Spezies bietet Ozon die höchste Empfindlichkeit, während Stickstoffdioxid die niedrigste bietet, indem es die Selbstzündung verbessert und die CA50-Verbrennungsphase vorverlegt [190]. Trotz dieser Vorteile ist jedoch eine minimale Ansaugtemperatur von 150 °C erforderlich, um die Selbstzündung von Wasserstoff zu ermöglichen, was wiederum die NOx-Emissionen des Motors erhöht [190]. 6 Zukünftige Richtung Der globale Klimawandel aufgrund menschlicher Aktivitäten ist eine der größten Bedrohungen für die Zivilisation. Weltweit haben Regierungen und Organisationen begonnen, Schritte zu unternehmen, um zu einer Wirtschaft überzugehen, die von Energiequellen angetrieben wird, die geringe oder keine Treibhausgasemissionen verursachen. Trotz dieser Bemühungen ist jedoch ein plötzlicher und schneller Übergang zu „grüner Energie“ ohne die Nutzung fossiler Brennstoffe unmöglich, und ein vollständiger Übergang könnte erst nach einigen Jahrzehnten erfolgen. Der Verbrennungsmotor ist für die Luftverschmutzung verantwortlich, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen kann. Das Hauptproblem bei Verbrennungsmotoren ist jedoch der im Motor verbrannte Kraftstoff und nicht die Technologie selbst. Der Verbrennungsmotor ist eine kostengünstige und ausgereifte Technologie, die noch mehrere Jahrzehnte genutzt werden kann, wenn alternative kohlenstoffneutrale Kraftstoffe eingeführt werden können. Wasserstoff ist ein ausgezeichneter Kraftstoff für Verbrennungsmotoren aufgrund seiner kohlenstofffreien, sauberen und ungiftigen Eigenschaften sowie seiner günstigen Verbrennungseigenschaften. In letzter Zeit gab es großes Interesse an der Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff in Verbrennungsmotoren. Derzeit wird umfangreiche Forschung betrieben, um die Hindernisse bei der Entwicklung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren zu überwinden, wie den Kontrollverlust der Verbrennung, das Auftreten abnormaler Verbrennungsereignisse und die hohen Verbrennungstemperaturen, die zu hohen NOx-Emissionen führen. Ein Großteil dieser Forschung konzentriert sich auf Wasserstoff-Fremdzündungsmotoren, die aufgrund der hohen Selbstzündungstemperatur von Wasserstoff für Anwendungen in der Automobilindustrie, im Motorsport und in der Stromerzeugung eingesetzt werden können; diese Eigenschaft von Wasserstoff macht ihn jedoch auch ungeeignet für den Einsatz in Ein-Kraftstoff-CI-Motoren. Der CI-Motor wird für Anwendungen mit hohem Drehmoment bevorzugt, bei denen hohe Effizienz und niedrige Kraftstoffkosten entscheidend sind. Um die
Wasserstoffbetriebene-Dieselmotoren 441 Selbstzündungsbegrenzung von Wasserstoff zu überwinden, haben Dual-FuelMotoren, die Wasserstoff mit einem Hilfskraftstoff (wie Diesel) kombinieren, der eine niedrigere Selbstzündungstemperatur hat, erhebliche Aufmerksamkeit erhalten. Die Hauptbegrenzung dieser Technologie ist die Notwendigkeit, einen zusätzlichen Kraftstoff zu lagern, was sie für Anwendungen mit begrenzten Speicherkapazitäten weniger geeignet macht. Folglich ist es unwahrscheinlich, dass Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren für Automobilanwendungen eingesetzt werden, insbesondere in Ländern und Gebieten wie der Europäischen Union, wo Verbote für die zukünftige Nutzung von Verbrennungsmotoren in Kraftfahrzeugen bereits genehmigt wurden. Die Mitverbrennung von Diesel und Wasserstoff kann die negativen Umwelt- und Gesundheitseffekte der von Dieselmotoren ausgestoßenen Schadstoffe verringern. Trotz der Herausforderung der Zündfähigkeit können herkömmliche Dieselmotoren nachgerüstet werden, um als Wasserstoff-Diesel-Dual-Fuel-CI-Motoren zu arbeiten. Dual-Fuel-Motoren arbeiten mit dieselähnlicher Leistung und reduzieren direkt den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Treibhausgasemissionen. Sie können einen zuverlässigen Betrieb mit optimaler Verbrennungskontrolle bei höheren Lasten und weniger häufigen abnormalen Verbrennungsereignissen im Vergleich zu SI-Motoren erreichen. Folglich betrachten die meisten multinationalen Schwerlast- und Energieindustrien, wie Mitsubishi Heavy Industries, Cummins Inc. und MAN Energy Solutions, Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren als optimale mittelfristige Lösung zur Erreichung der Dekarbonisierung. Am 10. Mai 2022 war MAN Energy Solutions das erste Unternehmen, das zwei Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren in Arbeitsschiffen betrieb [190]. Der Trend, herkömmliche Dieselmotoren durch Wasserstoff-Dual-FuelMotoren zu ersetzen, wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren fortsetzen. Diese Meinung basiert auf der Tatsache, dass mehrere Forschungsstudien zu Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren – die stetig zunehmen – zufriedenstellende Ergebnisse erzielt haben, die die Nachhaltigkeit dieser Technologie hervorheben. Es wird erwartet, dass Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren eine kritische mittelfristige Rolle in der Stromerzeugung, im Schwerlast-Offroad-Transport und in der Schifffahrtsindustrie spielen werden. Diese Industrien haben keine kritischen Speicherbeschränkungen und können die Einführung von NOx-Nachbehandlungstechnologien unterstützen, um den Hauptschadstoff zu bekämpfen, der von Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren ausgestoßen wird. In Zukunft kann die Dual-Fuel-Wasserstoffverbrennung einen Weg zur signifikanten Reduzierung der Kohlenstoffemissionen bieten. Darüber hinaus wird die laufende Forschung zu Wasserstoff-Energieträgern die Einführung von Wasserstoff-Dual-Fuel-Motoren weiter unterstützen. Für optimale Leistung und reduzierte Emissionen ist die Dehydrierung/Reformation von Wasserstoffträgern vor ihrer Verbrennung als Hauptkraftstoff unerlässlich. Um die langfristige Nachhaltigkeit dieser Technologie zu gewährleisten, sollten kohlenstoffneutrale Kraftstoffe wie Biokraftstoffe oder synthetische Kraftstoffe als Zündkraftstoff verwendet werden. Die Hauptherausforderung bei der Einführung dieser Kraftstoffe
442 P. Dimitriou sind die derzeit begrenzten Produktionskapazitäten und die großen Investitionen, die für eine breitere Nutzung erforderlich sind. References 1. Haas H (1981) The diesel engine: its fuels and its uses. US Government Printing Office 2. Cecil W (1822) On the application of hydrogen gas to produce a moving power in machinery. Trans Cambridge Philos Soc 1:217–240 3. Stevens R (2017) Carbon free ammonia food or fuel? Japan-Norway Hydrogen Seminar, Tokyo 4. Dixon HB, Crofts JM (1914) CXC—The firing of gases by adiabatic compression. Part II. The ignition-points of mixtures containing electrolytic gas. J Chem Soc Trans 105:2036–2053 5. Tizard HT, Pye DRVIII (1922) Experiments on the ignition of gases by sudden compression. Lond Edinb Dublin Philos Mag J Sci 44:79–121 6. Mucklow GF (1927) The effect of reduced intake-air pressure and of hydrogen on the performance of a solid injection oil engine. Aeronaut J 31:17–59 7. Helmore W, Stokes PH (1930) Hydrogen-cum-oil gas as an auxiliary fuel for airship compression ignition engines. British Roy Airoraft Establishment, Report No E 3219 8. Gerrish HC, Foster HH (1935) Hydrogen as an auxiliary fuel in compression-ignition engines. National Advisory Committee for Aeronautics 9. Werrell KP (1986) The strategic bombing of Germany in World War II: costs and accomplishments. J Am Hist 73:702. https://doi.org/10.2307/1902984 10. Elliott MA, Davis RF (1951) Dual-fuel combustion in diesel engines. Ind Eng Chem 43:2854–2864 11. Felt AE, Steele Jr WA (1962) Combustion control in dual-fuel engines. SAE Trans 644–653 12. Klat SR (1965) Combustion mechanisms in dual-fuel engines 13. Ikegami M, Miwa K, Esaki M, Shioji M (1975) A study on hydrogen fuelled diesel combustion (lst report). Preprints Jpn Soc Mech Engrs 750:239–242 14. Homan HS, Reynolds RK, de Boer PCT, McLean WJ (1979) Hydrogen-fueled diesel engine without timed ignition. Int J Hydrog Energy 4:315–325. https://doi. org/10.1016/0360-3199(79)90006-5 15. Ikegami M, Miwa K, Shioji M, Esaki M (1980) A study on hydrogen-fuelled diesel combustion. Bull JSME 23 16. Ikegami M, Miwa K, Shioji M (1982) A study of hydrogen fuelled compression ignition engines. Int J Hydrog Energy 7:341–353. https://doi.org/10.1016/0360-3199(82)90127-6 17. Rosati MF, Aleiferis PG (2009) Hydrogen SI and HCCI combustion in a direct-injection optical engine. SAE Int J Engines 2:1710–1736 18. Aleiferis PG, Rosati MF (2012) Controlled autoignition of hydrogen in a direct-injection optical engine. Combust Flame 159:2500–2515 19. Antunes JMG, Mikalsen R, Roskilly AP (2008) An investigation of hydrogen-fuelled HCCI engine performance and operation. Int J Hydrog Energy 33:5823–5828 20. Stenlåås O, Christensen M, Egnell R, Johansson B, Mauss F (2004) Hydrogen as homogeneous charge compression ignition engine fuel. SAE Trans 1317–1326 21. Caton PA, Pruitt JT (2009) Homogeneous charge compression ignition of hydrogen in a single-cylinder diesel engine. Int J Engine Res 10:45–63 22. Lee KJ, Kim YR, Byun CH, Lee JT (2013) Feasibility of compression ignition for hydrogen fueled engine with neat hydrogen-air pre-mixture by using high compression. Int J Hydrog Energy 38:255–264 23. Furuhama S (1989) Hydrogen engine systems for land vehicles. Int J Hydrog Energy 14:907–913
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Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen Savvas Gkantonas, Midhat Talibi, Ramanarayanan Balachandran und Epaminondas Mastorakos Zusammenfassung Die Entwicklung von Gasturbinen, die 100 % Wasserstoff als Brennstoff verwenden, ist ein wichtiger Schritt in Richtung der Entwicklung neuer Energie- und Antriebstechnologien mit kohlenstofffreien Brennstoffen. Dieses Kapitel überprüft einige Elemente der Verbrennungswissenschaft und -technik, die bei diesen Entwicklungen helfen können. Stabile und NOx-arme Wasserstoffbrenner stehen vor erheblichen Herausforderungen. Die Stabilisierung der Flamme an der richtigen Stelle ohne Selbstzündung oder Rückschlag, mit niedriger NOx-Produktion und ohne thermoakustische Schwingungen ist wichtig zu erreichen. Einige neue Brennerdesigns, die diese Anforderungen erfüllen, werden überprüft. Die Bedeutung der Mischhistorie wird betont und einige neuartige Werkzeuge, die zur Bewertung der Auswirkungen der Mischung auf NOx verwendet werden können, werden ­diskutiert. 1 Einführung Die Entwicklung von Gasturbinen, die mit 100 % H2 betrieben werden, ist ein wichtiger Schritt hin zu aufkommenden Energie- und Antriebstechnologien, die kohlenstofffreie Brennstoffe verwenden. Daher gibt es derzeit erhebliche Aktivitäten von Seiten der Wissenschaft und Industrie zu diesem Thema [1, 2]. Obwohl S. Gkantonas · E. Mastorakos (*) Department of Engineering, University of Cambridge, Cambridge, UK E-Mail: em257@eng.cam.ac.uk S. Gkantonas E-Mail: sg834@cam.ac.uk M. Talibi · R. Balachandran Department of Mechanical Engineering, University College London, London, UK E-Mail: m.talibi@ucl.ac.uk R. Balachandran E-Mail: r.balachandran@ucl.ac.uk © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_10 453
S. Gkantonas et al. 454 es heute keine kommerziell verfügbare Gasturbine gibt, die reines H2 verbrennt, scheint der Tag, an dem solche Produkte erscheinen werden, nicht mehr fern zu sein. Eine historische Anmerkung ist aufschlussreich. Eine der ersten Gasturbinen, die in den 1930er Jahren von Hans van Ohain in Deutschland entwickelt wurde, verwendete Wasserstoff als Brennstoff, bevor auf Kohlenwasserstoffe umgestellt wurde [3]. In den 1950er Jahren entwickelte Pratt & Whitney ebenfalls ein Strahltriebwerk mit 100 % H2 und 1988 flog in Russland ein Testflugzeug mit drei Triebwerken, von denen eines mit flüssigem Wasserstoff betrieben wurde [4]. Daher sind Wasserstoff-Gasturbinen nicht ohne Präzedenzfälle. Es gibt jedoch erhebliche Probleme bei der Verwendung von H2 in Verbrennungssystemen, die stabil brennen, ohne dass Metalloberflächen überhitzen und mit minimalen Emissionen, und dieses Kapitel untersucht einige Elemente der Verbrennungswissenschaft und -technik, die bei diesen Entwicklungen helfen können. Typischerweise umfasst ein flüssigbrennstoffbetriebener Gasturbinen-Verbrennungsanlage (Abb. 1) einen Zerstäuber, einen Drallerzeuger (oder mehrere), das Brennkammergehäuse und dessen Kühlung. Die typischen Phänomene, die für den Konstrukteur von Interesse sind, aber auch diejenigen, die den Betrieb des Brenners und der Gasturbine im Allgemeinen beeinflussen, sind die Brennstoffverteilung in der Gasphase (die von der primären und sekundären Zerstäubung, der turbulenten Mischung und der Verdunstung abhängt, was wiederum von der Platzierung der Tröpfchen relativ zur Flamme abhängt), die Schadstofferzeugung (NOx, Partikel), die Wandtemperaturen und die Temperatur- und Geschwindigkeitsprofile am Ausgang. Der Brenner muss stabil sein (sowohl im Sinne von Auslöschung als auch von Schwingungen) und leicht zu zünden sein, wobei letzteres Primär- und Sekundär zerstäubung, Dispersion Wärmeübertragung Emissionen (NOx, CO, Ruß, unverbrannt) Kraftstoff Luft Verdünnung primär Brennkammer-TurbinenKopplung (Druck-, Temperatur-, Geschwindigkeits- und Wirbelstromprofile) Betriebsfähigkeit (Zündung, Abblasen & Thermoakustik) Flammenstandort/Verankerung Turbulenz-Chemie-Wechselwirkungen Abb. 1 Beschriftetes Schema eines herkömmlichen Gasturbinen-Verbrennungssystems für flüssige Kohlenwasserstoffbrennstoffe. Die für die Verbrennungsforschung relevanten physikalischen Phänomene und die Kopplung des Brenners an die Turbine sind angegeben. Eine einzelne zentrale Brennstoffeinspritzung und ein einzelner Luftstrom sind dargestellt, obwohl in der Praxis die Luft aus zahlreichen Drallerzeugern kommen kann und der Brennstoff aus einer Vielzahl von Zerstäubertypen (z. B. Druck- oder Luftzerstäuber [5]) eingespritzt werden kann.
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 455 besonders wichtig für Flugzeug-Gasturbinen ist. Ähnliche Überlegungen gelten für gasbrennstoffbetriebene Turbinen, obwohl es nicht mehr notwendig ist, zweiphasige Strömungsphänomene zu berücksichtigen, und die Brennstoffeinspritzung tendenziell viele kleine Einspritzpunkte umfasst. Oft stehen die oben genannten Anforderungen im Widerspruch zueinander: Zum Beispiel sind lange Verweilzeiten und eine hohe Wahrscheinlichkeit, stöchiometrische Zusammensetzungen im Brenner zu finden, gut für Stabilität und Zündfähigkeit, aber sehr nachteilig für NOx -Emissionen. Konventionelle Flugzeug-Gasturbinen-Verbrennungsdesigns basieren auf der gut etablierten Konzept, die als „RQL“ (Rich-Quench-Lean) bezeichnet wird, wobei eine relativ fette Primärzone eingerichtet wird, um eine gute Stabilität zu gewährleisten, gefolgt von einer schnellen Mischung, die die Temperatur senkt, um die Produktion von NOx zu reduzieren, aber nicht so sehr, dass die Oxidation des Rußes gestoppt wird. Die endgültige Turbineneintrittstemperatur wird durch weitere Mischung stromabwärts erreicht. Neuere Bemühungen basieren auf dem Konzept „magere Verbrennung“ (auch mager vorgemischt und vorverdampft genannt), bei dem die Brennstoffdüse zurückgezogen oder die Brennstoffeinspritzung kreisförmig verteilt wird, sodass ein relativ gut verdampftes Gemisch in die Brennkammer eintritt. Der Flammenort hängt von einem Gleichgewicht zwischen Flammengeschwindigkeit und Durchflussrate ab, wie bei vorgemischten Flammen. Solche Konzepte erzeugen wenig NOx und wenig Ruß, da sie eine Verringerung der Größe von Bereichen mit stöchiometrischen oder fetten Zusammensetzungen ermöglichen. Sie sind jedoch anfälliger für thermoakustische Schwingungen und mageres Abblasen. Erdgasbetriebene stationäre Turbinen sind eine gut etablierte Technologie und verfügen über relativ saubere Verbrennungssysteme aus einer NOx-Perspektive. Die meisten Erdgasarten sind im Vergleich zu schwereren Kohlenwasserstoffen relativ schwer selbstentzündlich; daher ist die Vormischung leichter zu erreichen, ohne das Risiko einer Selbstzündung im Mischer vor dem Brenner. Daher verwenden die meisten erdgasbetriebenen stationären Turbinen vormischende Verbrennungssysteme, mit Variationen, wie genau das Mischen erreicht wird. Der Wechsel zu einem neuen Brennstoff bei gleichzeitiger Sicherstellung niedriger Emissionen und Betriebsfähigkeit ist nicht einfach. Kleine Änderungen in der Stöchiometrie oder der Wärmefreisetzungsverteilung entlang des Brenners oder geringfügige Modifikationen der Brennstoffeindüsungsstrategie können tiefgreifende Auswirkungen auf Stabilität, thermoakustische Schwingungen, Schadstoffe und Temperaturprofile am Ausgang haben [2]. Bei Wasserstoff entsteht zusätzlich das Risiko eines Rückschlags aufgrund der hohen Flammengeschwindigkeit von Wasserstoff, was die Möglichkeit erhöht, dass sich die Flamme sehr nahe an den Eindüsungspunkten verankert. Diese erhöhte Neigung wird sehr überzeugend durch die Betrachtung der Abhebehöhe von Strahldiffusionsflammen demonstriert [6]: Es sind viel höhere Strahlgeschwindigkeiten erforderlich, um eine Wasserstoffflamme von der Düse zu lösen, verglichen mit Kohlenwasserstoffbrennstoffen. Dieses Risiko war ein zentrales Anliegen bei der Entwicklung von Wasserstoffverbrennungssystemen und macht Wasserstoffgasturbinen grundsätzlich
456 S. Gkantonas et al. schwer zu entwerfen: wie man die oben genannte Leistung in Bezug auf Betriebsfähigkeit und Emissionen sicherstellt, aber gleichzeitig die Möglichkeit eliminiert, dass sich die Flamme ankert und somit die Oberflächen des Brenners zerstört. Dieses Kapitel zielt darauf ab, die oben genannten Punkte detaillierter zu diskutieren, mit Bezug auf moderne Praxis, Forschungsbemühungen und die zugrunde liegenden Verbrennungsgrundlagen. Einige Kommentare zur Modellierung von turbulenten Wasserstoffflammen mittels Computational Fluid Dynamics (CFD) sind ebenfalls enthalten. 2 Herausforderungen bei Wasserstoff-GasturbinenVerbrennungssystemen 2.1 Stabilisierung und Rückschlag In einem Erdgasbrenner ist es üblich, den Brennstoff in einem Winkel zum Luftstrom in einiger Entfernung stromaufwärts der Flamme einzudüsen. Wenn die Länge des Vormischbereichs sehr klein oder null ist, haben wir eine rein nichtvorgemischte Flamme mit einer Reaktionsrate, die bei Stöchiometrie ihren Höhepunkt erreicht. Aber wenn der Vormischbereich nicht zu kurz ist, können wir den Brennstoff und die Luft ohne Reaktion mischen, sodass sich ein relativ homogenes Gemisch entwickelt, bevor es in die Brennkammer eintritt. Dies ermöglicht wiederum eine magere Verbrennung in einem stärker vorgemischten Modus. Der Grad des Vormischens kann eine Reihe von Flammen hervorrufen, von rein nicht-vorgemischt bis rein vorgemischt, wobei geschichtete Flammen (d. h. mit Äquivalenzverhältnissen innerhalb der nominalen Entflammbarkeitsgrenzen) eine deutliche Möglichkeit darstellen. In beiden Fällen wird die Flammenstabilisierung durch eine große Rezirkulationszone gesichert, die typischerweise durch Drallzerfall aufgrund stark verdrallter Luft erreicht wird [7]. Dies ist das übliche Konzept der Drallstabilisierung und wird schematisch in Abb. 1 dargestellt. Der Schlüssel zum erfolgreichen Betrieb dieses Konzepts ist, dass die Flamme vom Brennstoffeinspritzpunkt fernbleibt, was teilweise durch die Eliminierung des Rückschlagrisikos aufgrund der niedrigen Flammengeschwindigkeit relativ zu den mit typischen Brennerluftströmen verbundenen Luftgeschwindigkeiten sichergestellt wird. Stellen Sie sich nun vor, dieser Erdgasbrenner wechselt ohne weitere Modifikation zu Wasserstoffbrennstoff. Aufgrund der höheren Flammengeschwindigkeit von H2 ist das Risiko, dass die Flamme zurückschlägt und sich am Brennstoffeindüsungspunkt verankert viel höher. Dies impliziert, dass sehr kleine Einspritzlöcher oder sehr hohe Geschwindigkeiten erforderlich sind oder besondere Vorsicht geboten ist, um Grenzschichten und Ablösungen zu vermeiden [8]. Mögliche Lösungen umfassen die Aufteilung der Luft in viele separate Ströme in
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 457 parallelen Kanälen, wobei Wasserstoff in einer Querströmungs- oder Parallelkonfiguration eingedüst wird. Dies hilft, die Flamme aufgrund der relativ hohen Luftund H2-Geschwindigkeiten zu lösen. Allerdings ist der Stabilisationsmechanismus in solchen Situationen nicht gut verstanden. Die meisten heutigen Verbrennungssysteme, die auf Kohlenwasserstoffbrennstoffen basieren, verwenden eine Stabilisierung durch eine Rezirkulationszone, die durch einen Staukörper (z. B. wie in Nachbrennern) und/oder Drall erreicht wird. Die grundlegende Physik dieses Problems wird seit langem untersucht. Trotz mehr als 70 Jahren Forschung zum einfachsten möglichen Stabilisationsproblem, nämlich der Etablierung einer turbulenten Vormischflamme hinter einer Scheibe, gibt es jedoch immer noch kein theoretisches Werkzeug, das die Stabilitätsgrenzen vorhersagen kann. So scheitern beispielsweise Damköhler-Zahl-Ideen, die für CH4 entwickelt und getestet wurden, wenn sie auf schwerere Kohlenwasserstoffe, H2 / CH4-Gemische und H2 /NH3-Gemische angewendet werden [9–13]. Daher muss die Stabilität der Brennkammer selbst bei kleinen Änderungen des Brennstoffs innerhalb der Kohlenwasserstofffamilie neu bewertet werden. Die Stabilitätsgrenzen von 100 % H2-Flammen wurden aus der Perspektive solcher Korrelationen noch nicht im Detail untersucht. Die Stabilisierung einer vollständig vorgemischten H2-Flamme durch eine Rezirkulationszone ist immer noch ein Thema der Grundlagenforschung. Die Stabilität von nominal nicht vorgemischten Systemen oder geschichteten Flammen ist noch weniger gut verstanden. Trotz des Mangels an grundlegendem Verständnis wird jedoch der konventionelle, durch Drall induzierte Stabilisationsmechanismus zusammen mit der Brennstoff- oder Luftstufung von verschiedenen Gruppen in Betracht gezogen [14] und General Electric hat als Beispielhersteller einen 100 % H2-Drallbrenner auf einem Prüfstand vorgestellt [15]. Der genaue Ort der Wasserstoffinjektion relativ zum Eintritt des Drallluftstroms in die Brennkammer wird eindeutig einen grundlegenden Einfluss auf die Gemischverteilung haben, was wiederum einen tiefgreifenden Einfluss auf die Flammenform, den Ort, die Thermoakustik und NOx haben kann [16]. Die Idee, Wasserstoff durch viele kleine Löcher zu injizieren und Luft durch zahlreiche nahegelegene Kanäle zuzuführen, liegt neuen Brennkammerarchitekturen wie dem Micromix-Konzept [17] zugrunde, wobei viele Varianten in Entwicklung sind (einige davon wurden in Ref. [1] überprüft). Hier haben wir keine einzelne zentrale große Rezirkulationszone zur Stabilisierung einer einzelnen Flamme, sondern es kann viele kleine geben, die mit den Nachläufen der einzelnen Luftströme auf der Brenner-Einlassplatte (Abb. 2) verbunden sind, die viele kleine Flammen stabilisieren. Der H2-Strahl(e) kann in Gleich- oder Querströmung zu den Luftströmen sein, und Abheben und teilweise Vormischung können vor der Flamme erreicht werden. Es kann eine einzelne große abgehobene Flamme oder viele einzelne kleine Flammen unter einem nicht-rotierenden oder rotierenden Strömungsfeld geben. Die Natur solcher kleinen Flammen ist nicht klar, und es gibt erhebliche Unterschiede in Flammenform und -position zwischen den verschiedenen Konzepten. Ein gemeinsames Merkmal ist jedoch, dass zur Erreichung niedriger NOx-Werte eine signifikante Durchmischung vor der
S. Gkantonas et al. 458 Möglichkeit eines Rückschlags H2 Art und Kinematik der Flamme (geschichtet, angehoben, verankert) Emissionen (NOx , unverbrannt) Luft H2 innere und äußere Rezirkulationszonen Wärmeübertragung (Kühlung) abgehobene Schichtflammen (Flammenverankerung) H2 Rezirkulationsfluß Luft Turbulenz-ChemieWechselwirkung konvergierende, wirbelnde Strömung divergierende Wirbelströmung Abb. 2 Schemata von H 2 -Verbrennungssystemen aus der Literatur, annotiert mit möglichen Forschungsthemen, die untersucht werden müssen. Oben: H 2 in einer Querströmungsanordnung injiziert (basierend auf Ref. [17]). Unten: H 2 in einer Gleichstromanordnung injiziert (Mitsubishi Heavy Industries Multicluster-Design, wie in Ref. [1] dargestellt). Im oberen Diagramm sind nur zwei Flammen und im unteren einige Düsen gezeigt, aber in Wirklichkeit wird der Brenner viel mehr haben. Andere Konzepte beinhalten viele kleine angehobene Flammen anstelle einer einzigen zusammengeführten, wie im unteren Diagramm angegeben Flamme abgeschlossen sein muss, sodass stöchiometrische Mischungsbrüche nicht beobachtet werden (siehe auch die Diskussion in Abschn. 2.3). Die Mischungsrate wird hauptsächlich durch den Luftstrom und die relativen Geschwindigkeiten zwischen den beiden Strömen sowie durch die Größe der H2- und Luftstrahlen bestimmt. Die Möglichkeit einer abgehobenen Flammen kann das System anfällig für selbsterregte Schwingungen machen [2]. Eine große Anzahl kleiner Rezirkulationszonen unmittelbar stromabwärts der Kanalauslässe und ihre Beteiligung an der Stabilisierung der Flamme erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Kühlung der Injektorplatte. Der Prozentsatz der Luft, die durch die Mischkanäle strömt, im Verhältnis zur für die Kühlung benötigten Luft wird wahrscheinlich anders sein als bei den RQL-Konzepten, was Änderungen in Form und Länge der Brennkammer ermöglicht, die wiederum die Thermoakustik [2], Zündfähigkeit, Magerabblasegrenze und NOx beeinflussen werden.
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 459 Aus der obigen Diskussion geht hervor, dass es erhebliche Herausforderungen bei der Entwicklung solcher H2-Verbrennungssysteme gibt. Es kann argumentiert werden, dass diese Brennkammern heute noch auf niedrigen technologischen Reifegraden stehen. Die Flammenstrukturen, die in solchen Mehrfachflammenkonzepten beobachtet werden, sind ein intensives Forschungsthema. Ähnlich wie bei den konventionelleren drallstabilisierten Flammen: Die H2-Injektionsgeschwindigkeit und -position sind entscheidend für den Betrieb der Flamme, und die resultierenden Verhaltensweisen sind noch nicht vollständig verstanden [18]. 2.2 Thermoakustik Magerverbrennungstechnologien werden häufig sowohl in industriellen (lstationären) als auch in Luftfahrttriebwerken eingesetzt, um ultra-niedrige NOx-Emissionen zu erreichen, hauptsächlich um teure Abhilfemaßnahmen zu vermeiden. Obwohl die Verbrennung von Wasserstoff am Einsatzort keine Kohlenstoffemissionen erzeugt, sind NOx-Emissionen bei der Wasserstoffverbrennung aufgrund seiner höheren adiabatischen Flammentemperatur im Vergleich zu Erdgas weiterhin ein Problem [2, 19]. Daher müssen Wasserstoffbrennkammern bei magereren Äquivalenzverhältnissen betrieben werden als erdgasbetriebene Motoren, um ähnliche NOx-Leistungsniveaus zu erreichen [20] (mehr Diskussion dazu ist später in diesem Kapitel enthalten). Magerverbrennungssysteme sind jedoch anfällig für Verbrennungsschwingungen (Verbrennungsinstabilitäten oder Verbrennungsdynamik) [21]. Thermoakustische/ Verbrennungsinstabilitäten beziehen sich auf unerwünschte, großamplitudige Schwingungen eines oder mehrerer natürlicher akustischer Modi einer Brennkammer, die aus resonanten Wechselwirkungen zwischen oszillierendem Strömungs­ feld und ungleichmäßigen Wärmefreisetzungsprozessen resultieren [22]. Diese hochamplitudigen Schwingungen können das Material stark beschädigen und führen oft zu einer vollständiger Zerstörung der Anlagen [23]. Der Rückkopplungsprozess für selbsttragende Verbrennungsinstabilitäten kann in Abb. 3 veranschaulicht werden. Störungen im Strömungs-/Mischungsverhältnis werden durch einen treibenden Prozess erzeugt. Diese Strömungs-/Mischungsstörungen erzeugen Wärmefreisetzungsschwingungen, die Schwankungen im akustischen Druck und in der Geschwindigkeit induzieren. Die akustischen Schwingungen erzeugen wiederum weitere Strömungs-/Mischungsstörungen und schließen so den Rückkopplungskreis. Wenn die Variation der Wärmefreisetzungsrate und die Druckschwingungen in Phase sind, neigt die durch die Verbrennung erzeugte Schwingung dazu, zu wachsen (Rayleigh-Kriterium). Die Energiedissipation des Verbrennungssystems beeinflusst die Wachstumsrate. Wenn die Energiedissipation durch die Energiezufuhr ausgeglichen wird, wird ein Grenzzyklus erreicht. Die mathematisch modifizierte Wärmefreisetzungs-Druckschwingung für das Rayleigh-Kriterium ist in Gl. (1) [2] dargestellt,
S. Gkantonas et al. 460 Fläche der Flamme. Reaktionswärme, Flammengeschwindigkeit Akustische Schwingungen Schwankungen des Durchflusses und des Äquivalenzverhältnisses Abb. 3 Rückkopplungsmechanismus der Verbrennungsdynamik ˆ ˆ V T ′ ′ p (x, t)q (x, t)dtdV ≥ ˆ ˆ  V T Li (x, t)dtdV (1) i wo p′ (x, t), q′ (x, t), Li, t, x, V und T sind jeweils die akustischen Druckschwingungen, periodischen Wärmefreisetzungsschwingungen, der i-te Prozess des akustischen Energieverlusts, die Zeit, die Position im Brenner, das Brennervolumen und die Schwingungsperiode. Um NOx zu minimieren, muss der Brenner so mager wie möglich betrieben werden, vielleicht sogar nahe an den Bedingungen des mageren Abblasens, und aufgrund der glockenförmigen Beziehung zwischen Flammengeschwindigkeit (und Wärmefreisetzungsrate) und Äquivalenzverhältnis (Abb. 4) könnten kleine Schwankungen im Äquivalenzverhältnis zu großen Variationen in der Wärmefreisetzung führen. Daher sind mager brennende Brenner sehr anfällig für Verbrennungsschwingungen. Es gibt mehrere mögliche Mechanismen, die die Verbrennungsinstabilität auslösen, nämlich Schwankungen der Gemischkonzentration, die Empfindlichkeit der Flammengeschwindigkeit gegenüber dem Druck und am häufigsten bei vorgemischten Flammen die Bildung und das Ablösen von Wirbeln [25]. Die Anforderung an die Flammenstabilisierung von Wasserstoffbrennern zur Vermeidung von Rückschlägen, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, könnte erhebliche Auswirkungen auf die Art der Flammen-Akustik-Interaktionen haben, die die Brennerdynamik steuern. Die grundlegenden Steuermechanismen, die für drallstabilisierte Flammen identifiziert wurden, wie Flammen-Wirbel-Interaktion, Flammenvernichtung usw., wären jedoch auch für einen Wasserstoffbrenner relevant. Die Beobachtung der Flammendynamik in einem mageren Direkteinspritzungs-Wasserstoffbrenner (LDI) [26] weist auf eine FlammenWirbel-Interaktion hin. Jüngste Studien [27, 28] haben die Bedeutung von Verlöschungssdehnraten in der Verbrennungsdynamik gezeigt. Da WasserstoffLuft-Flammen höhere Extinktionsdehnraten aufweisen als Erdgasflammen, sollte
Abb. 4 LaminarflammenGeschwindigkeit eines Wasserstoff/Luft-Gemisches bei 1 atm und 300 K. Nachgedruckt aus Ref. [24], mit Genehmigung von Elsevier Flammengeschwindigkeit [m/s] Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 461 , , , Äquivalenzverhältnis der daraus resultierende Einfluss dieses Parameters auf die Verbrennungsdynamik sorgfältig berücksichtigt werden. Es ist gut dokumentiert, dass Variationen in der Kraftstoffzusammensetzung zu Verschiebungen in den dynamischen Stabilitätseigenschaften eines Brenners führen. Zum Beispiel führte in einem drallstabilisierten Brenner die Zugabe von Wasserstoff zu Methanflammen zu einer erhöhten Amplitude und Frequenz der selbsterregten Oszillation [29, 30]. Beita et al. [30] (siehe Abb. 5) zeigten den Effekt der zunehmenden Wasserstoffzugabe, der Strömungsgeschwindigkeit und der adiabatischen Flammentemperatur auf die dynamische Stabilität eines Labormaßstabs-Radialdrallbrenners. Diese Beobachtungen stimmen mit den in [29] präsentierten Ergebnissen überein. Es wird erwartet, dass die dynamische Stabilität von Wasserstoffbrennern ein ähnliches Verhalten aufweist. Es ist auch wichtig, den Einfluss von Druck und Temperatur auf das thermoakustische Verhalten von Wasserstoffflammen zu verstehen. Ezenwajiaku et al. [26] beobachteten, dass sich die dynamischen Stabilitätseigenschaften mit steigenden Eintrittsgastemperaturen in einem LDI-Wasserstoffbrenner verbesserten (siehe Abb. 6). Computergestützte Studien haben gezeigt, dass sich die intrinsischen Stabilitätseigenschaften von Wasserstoffflammen auch bei steigenden Temperaturen für atmosphärische Drücke verbesserten [31]. Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, könnten die Flammendynamiken eines mageren Direkteinspritzung-Verbrennungssystems mit der Flammenstabilisierung (d. h. Flammenabhebehöhe) in Zusammenhang stehen. Die in Ref. [32] präsentierten Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen starken Zusammenhang zwischen Abhebe-/Stabilisierungseigenschaften und dem dynamischen Verhalten des Brenners gibt. Wie im Fall von Drallbrennern [29, 30], wurden magere Ausblascharakteristiken (LBO) und Grenzzyklusoszillationen (LCO) auf
S. Gkantonas et al. 462 , Frequenz [Hz] , Frequenz [Hz] , Frequenz [Hz] Abb. 5 Dynamische Stabilitätskarten (links) und FFT des dynamischen Drucks bei U = 22 m/s und Tad = 2100 K (rechts) für 0 Vol.-% H 2 (oben), 10 Vol.-% H 2 (Mitte) und 20 Vol.-% H 2 (unten) Mischungen in CH 4 . Aus Ref. [30] , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , Abb. 6 Einfluss der Eintrittsgastemperatur auf die dynamische Stabilität eines LDIWasserstoffbrenners. Aus Ref. [26] den mageren und reicheren Äquivalenzverhältnis-Seiten des stabilen Bereichs beobachtet. Die Leistungsdichtespektren von Druck und globaler Wärmefreisetzungsrate zeigten jedoch, dass LDI-Brenner (Abb. 6) im Vergleich zu Drallbrennern (Abb. 5) eine ausgeprägte niederfrequente Komponente aufwiesen. Diese Beobachtungen zeigen deutlich, dass das dynamische Verhalten von Wasserstoffbrennern komplex ist und eng mit der Flammenstabilisierung verknüpft ist (Abb. 7).
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen (a) 40 m/s - Luft 40 m/s 463 Enc. (b) 80 m/s Luft 80 m/s Enc. 40 m/s - PMT 80 m/s - PMT (c) 120 m/s Luft 120 m/s Enc. 120 m/s - PMT Abb. 7 Die Leistungsdichtespektren (PSD) von Druck und Wärmefreisetzung in einem LDIBrenner für verschiedene Strömungsgeschwindigkeiten. Die PSD-Diagramme stammen aus Druckschwankungsdaten, die im Gehäuse (Enc.) und im Luftzufuhrrohr (Air) gemessen wurden, sowie aus globalen Wärmefreisetzungsschwankungsdaten, die aus Photomultiplier-Rohr (PMT)Messungen gewonnen wurden. Aus Ref. [32] 2.3 Stickoxide Kohlenwasserstoff-Brennstoffe erzeugen NOx durch die Prompt-NO-, NNH-, N2 O- und thermischen (Zel’dovich) Produktionspfade [33]. Als kohlenstofffreier Brennstoff wird Wasserstoff kein NOx aus dem Prompt-NO-Weg erzeugen, sodass nur drei aktive Wege verbleiben [34], wobei der thermische Weg im Allgemeinen dominant ist. Dies liegt hauptsächlich daran, dass der Zel’dovich-Mechanismus eine hohe Aktivierungsenergie hat und die Wasserstoff-Luft-Verbrennung bei stöchiometrischen Zusammensetzungen hohe Temperaturen erreichen kann. Letzteres impliziert auch, dass die NOx-Kontrolle durch Minimierung der Größe der nicht sehr mageren Bereiche und durch Verkürzung der Verweilzeit so weit wie möglich erreicht wird. Daher sind die üblichen Ansätze zur Reduzierung von NOx aus H2-Flammen wie folgt: • Reduzierung der Flammentemperatur, was durch mageres Verbrennen und/oder durch zusätzliche Verdünnung durch einen inerten Strom wie Dampf erreicht wird (siehe z. B. [35, 36])
464 S. Gkantonas et al. • Verkürzung der Verweilzeit; • Kontrolle der Mischhistorie. Diese werden nun ausführlicher besprochen. Das Wissen über die Mischhistorie ist entscheidend für nicht-vorgemischte Verbrennungssysteme, aber auch für Magerbrennkammern, da es im Allgemeinen schwierig sein wird, aufgrund von Sicherheits- und Rückschlagrisiken eine vollständige Vormischung am Brennkammer-Eintritt zu erreichen. Eine weitere Überlegung betrifft die Menge der Luftstufung entlang der Brennkammer, die die Verweilzeiten der Strömung bei verschiedenen Stöchiometrien beeinflusst. Für H2-Brennkammern ist es denkbar, dass aufgrund der weiten Entflammbarkeitsgrenzen von H2 die Primärregion bereits sehr mager sein kann, sodass die gewünschte Turbineneintrittstemperatur ohne zu viel nachgeschaltete Verdünnung erreicht werden kann. Dies ändert dann drastisch die Anforderungen an die Luftverteilung, was den Antrieb zu völlig neuen Konzepten wie den in Abb. 2 skizzierten erklärt. Wir sollten beachten, dass die obige Diskussion nicht ohne Berücksichtigung des gesamten Zyklus und insbesondere der Druck- (p) und Temperaturänderungen (T) aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften des Arbeitsfluids geführt werden kann. Überlegungen zum Zyklus und zur Turbinenkühlung werden das (p, T) der Brennkammer und die Turbineneintrittstemperatur (TET) diktieren, die wiederum die Luftstrom- und Stöchiometrieverteilungen (und damit die NOx-Produktion) in der Brennkammer diktieren. Zum Beispiel könnten wir in Bezug auf die Luftfahrt einfache Joule-Zyklus-Berechnungen durchführen, um die erwarteten NOx-Emissionen in Bezug auf die nutzbare Arbeit für eine mit Kerosin und eine zu 100 % mit H2 betriebene Gasturbine zu schätzen [37, 38]. Bedingungen an den thermodynamischen Stationen 1-2-3-4 des Zyklus (Abb. 8) könnten leicht mit Cantera [39] und realen thermodynamischen Eigenschaften gefunden werden, aber auch spezialisiertere Software und Zyklustypen könnten verwendet werden. Um diese Punkte zu veranschaulichen, betrachten Sie den Fall von konstanten Reiseflugbedingungen für ein Flugzeug, das in 9000 m Höhe fliegt ( p1 = 0,3 bar; T1 = 233 K). Es wird angenommen, dass der Kompressor und die Turbine das gleiche Druckverhältnis (rp) und der gleiche isentrope Wirkungsgrad teilen, während der Brenner mit einem adiabatischen gut durchmischten Reaktor (WSR) bei konstantem Druck modelliert wird, gefolgt von einem Druckverlust (p) bis zum Turbineneinlass und einer Verweilzeit τr, die die Wirkung der endlichen Reaktionsgeschwindigkeit auf die Flammentemperatur und die NOx-Emissionen bestimmen wird. Hier verwenden wir den „hybriden Chemie“-Ansatz (HyChem) [40–42], um die Verbrennung von Kerosin zu modellieren, wobei ein nominaler Jet-A1-Destillatkraftstoff angenommen wird, während das zugrunde liegende NOx-Bildungsmodell auf der Arbeit von Glarborg et al. [34] basiert. Für die H2-Verbrennung verwenden wir den Kern-H2 /O2-Mechanismus von Metcalfe et al. [43] und das NOx-Modul von Song et al. [44]. Beachten Sie, dass alle Verbrennungs- und NOx-Modelle durch erhebliche Unsicherheiten gekennzeichnet sind (siehe z. B. [45]), aber dennoch von großem Vorteil sein können, um die wichtigsten Trends zu demonstrieren.
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen heiße Luft (p2,T2) g NOx/kWh-netto 10 0,6 Produkte (p2- p,T3) WSR r n st. h p = co 3 2 4 1 s =0,3 Wirkungsgrad des Zyklus kalter H 2 (p2,Tfuel) 465 H2 TET (T3) =0,8 1 0,55 0,1 rp 0,5 0,01 Jet A-1 0,001 0,45 0 500 1000 1500 wnet (kJ/kg-Luft) 2000 Abb. 8 Kennfeld des Zyklus-Wirkungsgrad gegenüber spezifischer Turbinenarbeitsleistung bei Reiseflugbedingungen für nominales Jet A1-Destillat-Kraftstoff und 100 % H 2 für eine Reihe von Druckverhältnissen und Äquivalenzverhältnissen. Ein isentroper Wirkungsgrad von 95 %, ein Druckverlustverhältnis �p/p = 5 % und eine Verweilzeit τr = 5 ms im Brenner (modelliert als WSR) werden angenommen. Die Farbe der Linien zeigt das emittierte NO x in Bezug auf die nutzbare Arbeit (rechte Farblegende) an. Das Kennfeld des Zykluswirkungsgrads gegenüber der spezifischen Turbinenarbeitsleistung für die beiden Kraftstoffe ist in Abb. 8 dargestellt, wobei eine Reihe von Druckverhältnissen und globalen Äquivalenzverhältnissen (die TET bestimmen) berücksichtigt wird. Betrachten wir zum Beispiel ein relativ hohes Druckverhältnis rp = 50 (was zu p2 = 15 bar; T2 = 720 K führt). Um die gleiche Leistung zwischen den beiden Systemen zu erreichen, muss die Nettoarbeit (wnet) des Kerosinzyklus wird an den des H2-Zyklus angepasst. Für ein globales Äquivalenzverhältnis von φ ≈ 0,6 für Kerosin, wobei wnet ≈ 1000 kJ/kg-Luft beträgt, wird die gleiche Arbeit mit φ ≈ 0,47 im H2-Zyklus erreicht. Unter dieser Bedingung steigt der Zykluswirkungsgrad um etwa 2 Prozentpunkte mit einem Wechsel des Brennstoffs (von ≈55,5 auf ≈57,5 %) und die TET sinkt von etwa 2040 auf 1930 K. Infolgedessen wird die NOx-Emission von 0,4 auf ≈ 0,19 g/ kWh-netto reduziert. Diese und andere Bedingungen in Abb. 8 zeigen, dass niedrigere NOx-Werte bei H2-Gasturbinen zu erwarten sind, während die Zykluswirkungsgrade ähnlich (wenn nicht höher) wie bei Kerosin bleiben. Wenn kürzere Verweilzeiten auch mit H2 erreicht werden können, könnte die Reduktion der NOx-Emissionen noch größer sein. Obwohl diese Beobachtungen auf dem WSR-Paradigma basieren, das ein vorgemischtes Luft-Kraftstoff-Gemisch im Brenner annimmt, und trotz der großen Unsicherheit darüber, wie die Mischung im Brenner durchgeführt wird, deuten die obigen Berechnungen darauf hin, dass niedrige NOx durch H2-Verbrennungssysteme erreichbar sein könnten. Es ist jedoch große Sorgfalt bei der Systemgestaltung erforderlich, um eine schnelle Durchmischung zu erreichen, damit
466 S. Gkantonas et al. überall nur im erforderlichen Äquivalenzverhältnis verbrannt wird. Dies zeigt auch, dass die Überlegungen zum Zyklus- und Brennerdesign nicht unabhängig voneinander sind: Kleine Unterschiede in den Eintrittsbedingungen können große NOx-Änderungen verursachen. Obwohl dies auch bei herkömmlichen Kohlenwasserstoff-Kraftstoffen der Fall ist, scheint es, dass für H2 mehr Aufwand erforderlich ist, um die Integration der Kraftstoffaufbereitung, der Zyklusdefinition und des Verbrennungssystems zu erreichen. Lassen Sie uns nun die Auswirkungen der Unvermischtheit genauer erörtern, um die Schlüsselrelevanz der Mischung für die NOx-Emission zu demonstrieren. Der Mischungsbruch, als passiver (konservierter) Skalar, der sich durch Diffusion und Konvektion, aber nicht durch Reaktion ändert, ist eine Schlüsselgröße zum Verständnis der anfänglich nicht vorgemischten Verbrennung [46, 47]. Selbst wenn der H2-Einspritzkanal klein und stromaufwärts der Flamme sein mag, ist es wichtig, die Entwicklung des Mischungsbruchs (im Folgenden als ξ bezeichnet) zu verstehen, um das Verbrennungsverhalten zu verstehen. Da Gasturbinenströme hohe Reynolds-Zahlen haben und daher turbulent sind, sollten wir auch die Schwankungen des Mischungsbruchs betrachten. Aus statistischer Sicht können wir, wenn wir Verbrennung in einem Bereich von Mischungsbrüchen haben (das heißt, äquivalent zu einem Bereich von lokalen Äquivalenzverhältnissen), die durchschnittliche NOx-Emission erhöhen, wenn die Wahrscheinlichkeit, stöchiometrische Mischungsbrüche zu finden, groß ist. Daher müssen wir die gesamte Breite der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF) von ξ, P(ξ ) berücksichtigen. Um das Obige besser zu erläutern, zeigt Abb. 9 ein Beispielsystem, das einen Brenner und einen vorgelagerten Mischer umfasst, der für das Mischen von heißer Luft aus dem Kompressor und kälterem H2-Brennstoff verantwortlich ist. Die Funktion des Mischers besteht darin, ein Zieläquivalenzverhältnis innerhalb einer bestimmten Entfernung zu erreichen. Selbst wenn jedoch eine vollständige Vormischung gewünscht wird und das Ziel im Durchschnitt erreicht wird, wird es immer Schwankungen geben. Dies kann besser verstanden werden, wenn man die Entwicklung des mittleren Mischungsbruchs (ξ ) und dessen Varianz (�ξ ′2 � ≡ �ξ 2 � − �ξ �2) betrachtet, die zusammen repräsentativ für das Ausmaß von P(ξ ) sind (zum Beispiel, wenn man eine abgeschnittene Gaußsche Verteilung oder eine β-Verteilung als Modell für P(ξ ) betrachtet [48]). Wenn am Ausgang des Mischers Schwankungen vorhanden sind (das heißt, �ξ ′2 � ist endlich), werden sie nicht sofort innerhalb der Brennkammer abklingen, selbst wenn ξ  konstant bleibt. Infolgedessen könnte P(ξ ) breit genug sein, sodass die Wahrscheinlichkeit, unter stöchiometrischen Bedingungen zu verbrennen, die für die NOx-Bildung günstig sind, zunehmen kann und in einigen Fällen dramatisch (beachten Sie das optimale Betriebsfenster für niedrige NOx, dargestellt in Abb. 9). Im Falle einer nicht vorgemischten Verbrennung, was das Fehlen eines Mischers und die direkte Einführung von Brennstoff und Luft in die Brennkammer impliziert, ist die Wahrscheinlichkeit des Verbrennens bei allen Äquivalenzverhältnissen (Mischungsbrüchen) endlich. Daher sollte die NOx-Bildung immer erwartet werden und müsste kontrolliert werden.
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 467 Mischer H2/Luft Verbrennungsanlage Produkte (Mittelwert) Mischer Verbrennungsanlage (Varianz) Strömungskoordinate YNOx (ppm) heiße Luft 8000 3000 6000 2500 4000 2000 2000 1500 0 T (K) optimales Betriebsfenster kalt H2 1000 0 1 2 Abb. 9 Links: Schematische Darstellung eines H 2 /Luft-Brenners und eines vorgelagerten Mischers, zusammen mit der erwarteten mittleren Mischungsbruchsentwicklung und den Mischungsbruchsschwankungen entlang einer Strömungskoordinate. Es wird angenommen, dass der Mischer bei der Nullkoordinate mit Luft (ξ = 0) beginnt und stromabwärts schrittweise H 2 -Brennstoff (ξ = 1) hinzufügt, wo ξ  (das massenmittelte) den gut durchmischten Zielwert erreicht. Rechts: Gesamte NO x -Massenfraktion und adiabatische Flammentemperatur als Funktion des Äquivalenzverhältnisses, berechnet mittels WSR-Berechnungen unter der Annahme von τr = 5 ms und Anfangsbedingungen im Reiseflug, wie in Abb. 8 (p = 15 bar; T = 720 K). Ein optimales Betriebsfenster für niedrige NO x -Emissionen ist ebenfalls angegeben Natürlich stellt sich die Frage, wie wir die Auswirkungen von Unvermischtheit berücksichtigen können, um einige Vorhersagen über die erwarteten NOx -Emissionen aus H2-Verbrennungssystemen zu machen. Zu diesem Zweck sind in der Regel CFD und Modellierung von Turbulenz-Chemie-Interaktionen erforderlich, was jedoch mit mehreren Herausforderungen verbunden ist, wie in Abschn. 2.4 hervorgehoben wird. Hier werden wir einen einfacheren und rechnerisch weniger aufwendigen Ansatz basierend auf dem Modell des unvollständig gerührten Reaktors (ISR) betrachten, um einige Schätzungen für ein System ähnlich dem in Abb. 9 zu liefern. Ein ISR kann als Verallgemeinerung des zuvor verwendeten WSR betrachtet werden, da er die Einbeziehung von chemischen Reaktionen und Unvermischtheitseffekten in die Entwicklung von NOx [38]. Insbesondere wird ein ISR als ein Volumen V (hier die Brennkammer) definiert, innerhalb dessen bedingte Mittelwerte der reagierenden Skalare (wie Temperatur), bedingt auf ξ, homogen sind [48–51]. Im Gegensatz zu einem WSR, bei dem einfache Mittelwerte als homogen angenommen werden, ermöglicht die bedingte Mittelung die Berücksichtigung von Mischungsbruchs- (oder allgemeiner Zusammensetzungs-) Inhomogenitäten und die volle Breite von P(ξ ). Das anfänglich nicht vorgemischte Problem in Abb. 9 kann dann in zwei Teilprobleme aufgeteilt werden: i) Beschreibung des Mischungszustands und ii) Lösung der Gleichungen, die die Entwicklung der bedingten Mittelwerte unter Berücksichtigung des Mischungszustands und der chemischen Kinetik beschreiben. Betrachten Sie Q ≡ �Y |ξ � als der bedingte Durchschnitt des Massenanteils einer generischen Spezies (z. B. NO) mit der Konditionierungsvariablen als
S. Gkantonas et al. 468 Mischungsbruch. Die Ableitungen, die zur Gleichung für Q führen, und die Implementierungsstrategie sind in verschiedenen Arbeiten mit unterschiedlichen Anwendungen leicht verfügbar (siehe z. B. [48, 51, 52]), daher werden sie hier nicht wiederholt. Unter der Annahme einer hohen Reynolds-Zahl und vernachlässigbarer differentieller Diffusion lautet die Gleichung für Q wie folgt: (2) Einlass Chemie Mikromischung wobei [P∗ (ξ )]in die Mischungsbruch-PDF (massenstromgewichtet) für den Reaktoreinlassstrom, P∗∗ (ξ ) die gemittelte PDF (massengewichtet) des Reaktorkerns und τr die Reaktorverweilzeit. Beachten Sie, dass an jedem Ort der (einfache) Durchschnitt des Skalars durch Integration seines bedingten Durchschnitts mit seiner Mischungsbruch-PDF an diesem Ort gefunden werden kann, wie in ´1 Y = 0 QP(ξ )dξ. In Gl. 2 steht �ω̇|ξ � für einen chemischen Quellterm, der auf der Grundlage der bedingten Durchschnitte der Massenanteile und der Temperatur bewertet wird (dies wird auch als Erstmoment-Schließung bezeichnet [48]), während �N|ξ �∗∗ die durchschnittliche bedingte skalare Dissipationsrate des Reaktors ist. Beachten Sie, dass N ≡ D∇ξ · ∇ξ (D ist die Massendiffusivität der Mischung) den Zerfall der Mischungsbruchschwankungen diktiert; daher ist sein jeweiliger bedingter Durchschnittswert entscheidend für die Entwicklung aller reagierenden Skalare durch den Mikromischungsterm der Gl. 2. Eine genaue Schätzung von �N|ξ �∗∗ entspricht dem Wissen über die Mischhistorie innerhalb der Brennkammer, und hier basiert der beste Ansatz auf der doppelten Integration der Transportgleichung für P(ξ ) [52]. Dies ergibt: ∗∗ �N|ξ � 1 = τr P∗∗ (ξ ) ′ ˆξ ˆη  0 ′′ ∗ ′′  [P (η )]in − [P (η )]out dη′ dη′′ , 0 ∗ (3) wobei [P∗ (ξ )]out die Mischungsbruch-PDF (massenstromgewichtet) für den Reaktorauslassstrom. Gemäß den Gl. 2–3 sind der Zugang zu einem chemischen Mechanismus (der ω̇ bereitstellt) und das Wissen über die PDFs des Mischungsbruchs am Einlass, im Kern und am Brennkammerauslass ausreichend, um die Entwicklung der reagierenden Skalare, einschließlich NO, abzuschätzen.x. Beachten Sie, dass die Verweilzeit τr ebenfalls eine Schlüsselgröße ist, die sowohl in den Gl. 2 als auch 3 erscheint. Das Obige könnte rational auf der Grundlage von experimentellen oder CFDDaten definiert werden, die den Mischprozess beschreiben (siehe z. B. [38, 52]). Als Demonstration werden wir hier das Niveau der Schwankungen des Mischungsbruchs unter Verwendung eines konstanten Niveau der Entmischung I ≡ �ξ ′2 �[�ξ �(1 − �ξ �)]−1 für den Einlass, den Kern und den Brennkammerauslass parametrisieren und P(ξ ) mit einer β Verteilung modellieren. I = 1 stellt die maximal mögliche Unvermischtheit dar, während I = 0 null Schwankungen im
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 469 Mischungsbruch darstellt. Eine Änderung von I kann auch als eine Änderung des Mischprozesses verstanden werden, wobei niedrige Werte von I im Allgemeinen bedeuten, dass bereits viel (schnelle) Mischung erreicht wurde. Für ein festes ξ  (ausgehend vom Mischer-Auslass in Abb. 9 und entlang der Brennkammer beibehalten), wird ein Beispiel von P(ξ ) für verschiedene Niveaus von I in Abb. 10a gezeigt. Beachten Sie, wie P(ξ ) sich einer Dirac-Delta- (δ) Funktionsform nähert, die um den mittleren Mischungsbruch ξ  konzentriert ist, wie I → 0 und wie sich die Wahrscheinlichkeit des stöchiometrischen Mischungsbruchs (siehe rote vertikale Linie) mit I ändert. Die Lösung der ISR-Gleichungen (siehe Gl. 2), die einen adiabatischen Reaktor mit konstantem Druck für verschiedene Stufen von I annehmen (mit dem chemischen Mechanismus und allen anderen Parametern, die den gleichen wie die WSR-Berechnungen in Abb. 8 sind), führt zu einer Veränderung der durchschnittlichen Flammenstruktur und folglich zur erwarteten bedingten Verteilung von NOx. Abb. 10b zeigt Beispielverteilungen des NOx-Massenanteils als Funktion von ξ. Wie erwartet, werden Spitzenmassenanteile nahe den stöchiometrischen Bedingungen beobachtet, aber ihr jeweiliger Wert sowie die gesamte Verteilung ändern sich nichtlinear mit Variationen in I am Einlass und Kern des Brenners. Dies ist eine Manifestation der unterschiedlichen Mischhistorie, die das ISR-Modell zu charakterisieren versucht. Ein besonderer Bereich von Interesse im Mischungsbruchsraum ist die Lage der mittleren Mischungsbruch ξ  . Hier nehmen wir an, dass bis zum Auslass eine perfekte Durchmischung erreicht wird, sodass [P∗ (ξ )]out → δ(�ξ �). Infolgedessen ist der durchschnittliche NOx-Massenanteil am Brennkammereinlass gleich dem jeweiligen bedingten Wert ´1 an diesem ξ = �ξ � (erinnern Sie sich daran, dass Y = 0 QP(ξ )dξ). Beachten Sie, dass YNOx ,out bei höheren Iinlet zunimmt, aber unempfindlich gegenüber einer Änderung der Unvermischtheit des Kerns ist (Icore). Weitere Bedingungen sind in Abb. 10c als Funktion von Iinlet und Icore /Iinlet dargestellt. Ähnlich wie zuvor diskutiert, wird deutlich, dass jede Anwesenheit von Inhomogenität im Mischer zu einer Erhöhung von NOx führt (siehe auch die blaue horizontale Linie, die einem (a) 5 10-3 5 10-2 ) ( 1 10-2 0 0,05 core / (c) inlet 0,1 2000 0,2 inlet 0,01 0,05 1000 0 core / 600 0,1 YNOx (ppm) 10-4 10-3 102 (b) stoi 3000 QNOx (ppm) stoi 104 inlet 0,05 0,1 0,2 0,4 400 200 schnelles Mischen guter Mischwert 0 0 0,05 0,1 0 idealer Mischer 0,05 inlet 0,1 schlechter Mischer Abb. 10 Verteilung der bedingten Erwartung von NO x . Wir nehmen an p = 15 bar, Tfuel = 300 K, Tair = 720 K, τ = 5 ms und ein globales Äquivalenzverhältnis φg = 0,47. Die Ausgangs-PDF wird als Dirac-Funktion angenommen
470 S. Gkantonas et al. gut durchmischten Reaktor mit I = 0 überall entspricht). Ein interessanter Trend wird dann offensichtlich. Schnellere Durchmischung (niedrigeres I) innerhalb der Brennkammer kann helfen, die NOx-Emission zu verringern, aber nur bei geringen Niveau der Entmischung am Einlass (näher an einem idealen Mischer). Bei höheren Niveau der Entmischung am Einlass (näher an einem „schlechten“ Mischer) könnte sich der Effekt der Durchmischung (innerhalb der Brennkammer) auf die Emission umkehren (hauptsächlich aufgrund des �N|ξ �∗∗-Profils, das die Mikrodurchmischung beeinflusst), was die Notwendigkeit unterstreicht, die Mischhistorie zu charakterisieren. Die oben vereinfachten Modellierungsergebnisse zeigen Folgendes. Erstens ist der durchschnittliche Mischungsanteil nicht ausreichend, um die NOx-Neigung zu bewerten, sondern es wird der gesamte Bereich der Schwankungen und deren Entwicklung benötigt. Zweitens kann in zukünftigen H2-Brennkammern die Menge des emittierten NOx sehr empfindlich auf die Eindüsungsmethode sowie die Turbulenz und Durchmischung in der Brennkammer reagieren. Schließlich beeinflussen verschiedene Konstruktionsparameter wie das Volumen der Brennkammer, die Verweilzeit, der Stabilisationsmodus und die Einspritzstrategie die NOx-Emission auf schwer vorhersehbare Weise. Trotz der Attraktivität von Niedrigordnungsansätzen wie dem hier vorgestellten, ist auch eine detaillierte Modellierung mit fortschrittlichen turbulenten Verbrennungsansätzen für genauere Ergebnisse erforderlich. 2.4 Modellierung Die rechnergestützte Modellierung turbulenter Verbrennungsprozesse nimmt weiterhin an Umfang, Anwendungsbreite und Genauigkeit der vorhergesagten Geschwindigkeits- und Skalarfelder zu [53]. Wie jedoch an anderer Stelle in diesem Band diskutiert, weist die H2-Verbrennung einige besondere Merkmale auf, die den Stand der Technik in der Verbrennungs-CFD herausfordern. Diese sind (nicht in der Reihenfolge der Wichtigkeit): • Große Diffusivität: Die kleinen Größen des H2-Moleküls und des H-Atoms machen sie im Vergleich zu anderen Spezies und zu Wärme sehr diffusionsfreudig. Dies bedeutet differentielle Diffusion, Anfälligkeit für Dehnung, Entwicklung von heißen und kalten Stellen aufgrund von Krümmung und thermodiffusive Instabilitäten. All diese Phänomene treten auf kleinen Skalen der Turbulenz auf und müssen daher in jedes turbulente Verbrennungsmodell einbezogen werden. Einige Modelle und rechnerische Ansätze sind verfügbar, aber sie sind nicht vollständig. • Kleine Skalen: In Bezug auf den obigen Punkt erfordern die kleinen Skalen, die sich in den Reaktionsfronten von H2 entwickeln, und die kleinen Eindüsungslöcher, die in Wasserstoff-Gasturbinen erwartet werden, besondere Aufmerksamkeit, um eine gute Auflösung der fluidmechanischen Felder mit CFD zu erreichen.
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 471 • Chemische Kinetik bei hohen Drücken: Obwohl die H2-Verbrennung umfassend untersucht wurde, haben wir noch kein vollständiges Bild der Kinetik unter Gasturbinenbedingungen. Bei Gasturbinenanwendungen ist es üblich anzunehmen, dass der Massentransport durch molekulare Diffusion im Vergleich zum Transport durch Turbulenz vernachlässigbar ist, was die Annahme gleicher molekularer Diffusivität für alle beteiligten Spezies und Wärme rechtfertigt. Dies wird typischerweise der hohen Reynolds-Zahl dieser Strömungen zugeschrieben. Wenn sie ausreichend groß ist, sind kleine und große Skalen der Turbulenz gut getrennt, sodass molekulare Diffusionseffekte, die im hohen Wellenzahlbereich des Spektrums der turbulenten kinetischen Energie eingeschlossen sind, statistische Beobachtungen der reagierenden Spezies (z. B. Mittelwerte und Varianzen der Massenanteile), die hauptsächlich mit größeren Skalen der Turbulenz verbunden sind, nicht beeinflussen. Mit anderen Worten, die differentielle Diffusion von Spezies ist ein Phänomen kleiner Skalen, und ihr Effekt wird in hoch turbulenten Strömungen allgemein als vermindert angesehen [54 –56]. Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass die differentielle Diffusion nicht immer vernachlässigt werden kann (siehe z. B. [57–60]) und dies sollte insbesondere für die Wasserstoffverbrennung wichtig sein, aufgrund der hohen Diffusivität des Brennstoffs und der höheren Wärmefreisetzung im Vergleich zu Kohlenwasserstoffbrennstoffen, die die Reynolds-Zahl lokal reduzieren kann. In nicht-vorgemischten Flammen hat die bevorzugte Diffusion von H2 und H einen signifikanten Einfluss auf die kleinräumige Skalarmischung, die wichtig für Selbstzündung, Verlöschung, Wiederzündung [59, 61] und die gesamte Mischhistorie ist, wodurch nicht nur die gesamte Hydrodynamik, sondern auch die Entwicklung von NOx beeinflusst wird. Mehrere Methoden wurden vorgeschlagen, um die differentielle Diffusion im Kontext der Reynolds-gemittelten Navier-StokesGleichungen (RANS) entweder mit Flamelet-Modellen (siehe z. B. [62, 63]), Conditional Moment Closure [60, 64, 65] oder transportierten PDF-Turbulenzverbrennungsmodellen zu modellieren (siehe z. B. [66, 67]). Zeitgemittelte Ansätze können nützlich sein, haben jedoch Einschränkungen bei der Darstellung von inhärent instationären Phänomenen und turbulenten Strömungen mit mehr als einer Längenskala, die typischerweise in Gasturbinendrallströmungen wie dem Wirbelzerfall oder dem präzessierenden Wirbelkern sowie bei Turbulenz-Chemie-Interaktionen vorhanden sind, da Fluktationskorrelationen auf allen Skalen modelliert werden müssen. Solche turbulenten Strömungen können im Allgemeinen besser durch Large-Eddy-Simulation (LES)-Modellierung behandelt werden, bei der großskalige energiehaltige Strömungsstrukturen explizit aufgelöst werden. In solchen Simulationen müssen differentielle Diffusionseffekte dennoch modelliert und in ein Sub-Gitter-Verbrennungsmodell integriert werden, das TurbulenzChemie-Interaktionsphänomene auf den kleineren (nicht aufgelösten) Skalen berücksichtigen kann. Derzeitige Modellierungsansätze können jedoch derzeit nur differentielle Diffusion auf großen (aufgelösten) Skalen berücksichtigen, indem einfach die Annahme der gleichen Diffusivität (wie typischerweise für hohe
472 S. Gkantonas et al. Reynolds-Zahlen angenommen) für einige der wichtigsten beteiligten Spezies gelockert wird (siehe z. B. [68–72]). Ein Modell mit der Fähigkeit, differentielle Diffusion auf allen Skalen einzubeziehen, könnte das lineare Wirbelmodell (LEM) sein [73], bei dem variable Diffusivitäten prinzipiell in den 1D-„Rührprozess“ des Modells integriert werden können, der die Turbulenz-Chemie-Interaktion simuliert. Ein allgemein anerkanntes Modell für differentielle Diffusion auf der Sub-GitterSkala ist jedoch im Allgemeinen nicht verfügbar. Dies könnte eine wichtige Forschungsaktivität sein, um das Gleichgewicht zwischen molekularem Transport und Sub-Gitter-Fluktuationen in verdrallte H2-Flammen und unter Gasturbinenbedingungen zu verstehen. Differentielle Diffusionseffekte finden sich auch in vorgemischten Flammen. Magere Wasserstoff/Luft-Flammen sind anfällig für Verbrennungsinstabilitäten und insbesondere für thermodiffusive Instabilitäten. Die große Diffusivität des Brennstoffs im Verhältnis zur Diffusivität der Wärme kann zu einer Trennung zwischen der lokalen Brennstoffmassenfraktion und der Temperatur führen, die einander nicht mehr so eng folgen wie bei Flammen von Kohlenwasserstoffbrennstoffen [74]. Dies könnte die lokale Wärmefreisetzungsrate und die Flammengeschwindigkeit erheblich verändern. Die differentielle Diffusion von Wasserstoff führt zu einer Verstärkung der Flammenfrontstörungen, was zu einer Faltenbildung der Flammenfront führen kann, die wiederum zu höheren Flammengeschwindigkeiten im Vergleich zur ungestreckten Geschwindigkeit in laminar mageren Wasserstoff/Luft-Gemischen führen kann [31]. Eine Untersuchung der Größe dieser Falten durch direkte numerische Simulation (DNS) zeigt das Vorhandensein einer kleinsten und einer größten intrinsischen Flammenlängenskala. Die kleinste Länge wird durch lokale Spitzen und Zellen entlang der Flammenfront begrenzt, während die größte Flammenstruktur aus der Interaktion mehrerer kleinräumiger Spitzen entsteht [75]. Im Fall einer turbulenten vorgemischten Flamme ist der Nettoeffekt der größeren Flammenfläche auf die gesamte turbulente Flammengeschwindigkeit nicht gut verstanden. In der transportierten PDF-Methode sind die Modelle zwischen nicht-vorgemischten und vorgemischten Flammen ähnlich [76], und Versuche, Effekte von Lewis-Zahlen ungleich eins in das CMC-Modell für vorgemischte Flammen einzubeziehen, wurden durchgeführt [77]. Obwohl Korrelationen der turbulenten Flammengeschwindigkeit für Wasserstoff/Luft-Gemische bereits auf der Grundlage von sphärisch expandierenden Flammenexperimenten existieren, sind die Effekte hoher Drücke, die die Instabilitätslängenskalen verändern, in den turbulenten Verbrennungs-Sub-Gitter-Modellen, die in der CFD verwendet werden, noch nicht enthalten. Dies ist eine wichtige aktuelle Forschungsaktivität. Die Wasserstoffkinetik bei hohen Drücken, die zuvor in diesem Band diskutiert wurde, begrenzt auch den Genauigkeitsbereich der aktuellen Gasturbinen-Verbrennungsmodellierungsbemühungen. Obwohl einige Modelle nur die laminare Brenngeschwindigkeit als Eingabe benötigen, ist für sehr magere Verbrennung, NOx -Vorhersagen und um schwierige Phänomene wie Wand- oder aerodynamisches Verlöschen zu erfassen, die in neuartigen Wasserstoffstabilisierungssystemen vorhanden
Wasserstoffverbrennung in Gasturbinen 473 sein können, der Zugang zu vollständiger Kinetik wichtig [34]. Auch dies stellt eine wichtige aktuelle Forschungsrichtung dar. 3 Zukunftsaussichten Wenn man rational die potenziellen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff in einer zukünftigen kohlenstoffarmen Welt betrachtet und aufgrund der hohen Kosten für die Produktion und Handhabung von Wasserstoff, kann erwartet werden, dass Wasserstoff in einigen wenigen Schlüsselanwendungen verwendet wird, die schwer zu elektrifizieren oder anders zu dekarbonisieren sind. Die Gasturbine spielt dabei eine wichtige Rolle. Anders als ein 100 %iger Wasserstoffbrenner für Stahl-, Zement-, Glas- oder Aluminiumöfen (die ihre eigenen praktischen Probleme haben und heute ohnehin auf einem niedrigen Technologiereifegrad sind, aber auf Forschungs- und Entwicklungsebene weitgehend untersucht werden), bringt das Verbrennen von Wasserstoff in einer Gasturbine zusätzliche Probleme aufgrund von Betriebsüberlegungen mit sich. Daher können die Verbrennungssysteme, die untersucht werden, wie wir in diesem Kapitel gesehen haben, grundlegend anders sein als die, die in Kohlenwasserstoffflammen verwendet werden. Thermoakustik, Stabilisierung (d. h. die Flamme an der richtigen Stelle zu halten und Rückschlag und Ankerung an der Düse zu vermeiden) und NOx sind die wichtigsten Interessenschwerpunkte. Für Gasturbinen in der Luftfahrt ist auch eine reibungslose Wiederzündung in großer Höhe von entscheidender Bedeutung, da H2 möglicherweise heftig entzünden kann. CFD kann eine zentrale Rolle bei der schnellen Entwicklung von WasserstoffGasturbinen spielen, jedoch müssen die Modelle für turbulente Verbrennung, die wir heute in der Verbrennungs-CFD haben, verbessert werden. Dies stellt derzeit eine wichtige Forschungsrichtung dar. Auf einer praktischeren Ebene sollten konventionelle Drallstabilisierung, die neuartigen Methoden wie die zuvor diskutierten Mehrfachflammenkonzepte, aber auch „exotischere“ Ideen wie MILDVerbrennung oder plasmastabilisierte magere Verbrennung in Betracht gezogen werden. 4 Schlussfolgerungen Der Wechsel von Kohlenwasserstoffbrennstoffen zu 100 % H2 für Gasturbinen erscheint machbar, basierend auf historischen und aktuellen Erfahrungen mit H2–CH4-Gemischen und Forschungsergebnissen mit Wasserstoffflammen. Verschiedene neue Verbrennungsarchitekturen wurden vorgeschlagen und werden intensiv erforscht. Es gibt jedoch erhebliche Hindernisse, die überwunden werden müssen, bevor die Entwicklung von Wasserstoff-Gasturbinen ein hohes Maß an Reife erreichen kann. Einige dieser Probleme wurden in diesem Kapitel diskutiert.
474 S. Gkantonas et al. Diese waren: i) Thermoakustik; ii) NOx-Emissionen; iii) Stabilisierung; und iv) CFD-Modellierung, die differentielle Diffusionseffekte und thermodiffusive Instabilitäten einschließen muss. Derzeit ist das physikalische Verständnis dieser Phänomene nicht auf dem für R&D-Ingenieure erforderlichen Reifegrad, um Wasserstoff-Gasturbinen zu entwerfen. Dennoch werden in der Industrie erhebliche Anstrengungen unternommen, hauptsächlich durch Versuch und Irrtum. Der Beitrag des grundlegenden Wissens über turbulente Verbrennung und Thermoakustik zur Entwicklung von Wasserstoff-Gasturbinen wird betont. Danksagungen Die Erfahrungen der Autoren mit der Verbrennung von WasserstoffGasturbinen, die zu den in diesem Kapitel geäußerten Meinungen geführt haben, basieren auf Forschung, die von der Europäischen Union, dem UK Engineering and Physical Sciences Research Council, dem UKRI Future Leaders Fellowship und langjährigen Industriepartnern (Rolls-Royce Group, Siemens Energy, Reaction Engines Ltd) finanziert wurde. Ergänzungsmaterial H2ools [78] ist ein MATLAB-basiertes Paket, das eine Reihe von Routinen enthält, um Ergebnisse aus numerischen Simulationen grundlegender Verbrennungsgrößen für Ammoniak-Wasserstoff-Luft-Flammen unter Gasturbinenbedingungen zu analysieren und Vergleiche mit Kerosin durchzuführen, um das Design von kohlenstofffreien Luftfahrtantrieben zu unterstützen. Das Paket enthält Daten zu thermodynamischen und Transporteigenschaften von Kraftstoff-Luft-Gemischen, Flammentemperaturen, Zündverzugszeiten, laminaren Brenngeschwindigkeiten, Stickoxid (NOx, N2O) Schadstoffbildung und Berechnungen im gut durchmischten Reaktor. In seiner aktuellen Form können die Daten spezifische Trends zwischen Kraftstoffen und Betriebsbedingungen aufzeigen, die für den F & E-Ingenieur oder Wasserstoffverbrennungsforscher nützlich sind, um Designregeln und -methoden sowie Brennkammerkonzepte von Kerosin auf Ammoniak-Wasserstoff- und Wasserstoffkraftstoffe zu extrapolieren. Darüber hinaus kann es verwendet werden, um aufwendige Simulationen der laminar/turbulenten Verbrennung dieser Kraftstoffe durch geeignete Extraktion von Korrelationen (z. B. für die laminare Brenngeschwindigkeit als Funktion von Temperatur und Druck) und Tabellierung von Eigenschaften oder chemischen Reaktionsquellenbegriffen, die typischerweise von CFD-Modellen verwendet werden, zu informieren. Literatur 1. Noble D, Wu D, Emerson B, Sheppard S, Lieuwen T, Angello L (2021) J Eng Gas Turbines Power 143. https://doi.org/10.1115/1.4049346 2. Beita J, Talibi M, Sadasivuni S, Balachandran R (2021) Hydrogen 2:33. https://doi. org/10.3390/hydrogen2010003 3. Conner M (2001) Hans von Ohain: elegance in flight. AIAA
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Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung Yiguang Ju, Xingqian Mao, Joseph K. Lefkowitz und Hongtao Zhong Zusammenfassung Die plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung ist eine vielversprechende Technik in der Entwicklung von fortschrittlichen Wärmekraftmaschinen. Dieses Kapitel präsentiert aktuelle Studien und Fortschritte im Verständnis des Mechanismus und der Anwendung der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung. Zunächst werden die Chemie und Dynamik der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung analysiert. Zweitens werden die Anwendungen der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung in fortschrittlichen Motoren vorgestellt. Schließlich werden die Zusammenfassung und zukünftige Forschung zur plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung in fortschrittlichen Wärmemotoren diskutiert. 1 Einführung Die Reduzierung von Treibhausgas- und Schadstoffemissionen, die Kosten für Energie und die Energiesicherheit sind Schlüsselherausforderungen für die heutige Welt. Das Pariser Abkommen über den Klimawandel, das auf der 21. Konferenz der Vertragsparteien (COP21) angenommen wurde, zielt darauf ab, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, vorzugsweise auf 1,5 °C im Vergleich zu vorindustriellen Werten, zu begrenzen. Daher ist es dringend notwendig, die Y. Ju (*) · X. Mao · H. Zhong Department of Mechanical and Aerospace Engineering, Princeton University, Princeton, NJ 08544, USA E-Mail: yju@princeton.edu X. Mao E-Mail: xingqian@princeton.edu H. Zhong E-Mail: hongtaoz@princeton.edu J. K. Lefkowitz Faculty of Aerospace Engineering, Technion I.I.T, Haifa, Israel E-Mail: joseph.lef@technion.ac.il © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_11 479
Y. Ju et al. 480 Treibhausgasemissionen zu reduzieren, um eine klimaneutrale Welt vor Mitte des Jahrhunderts zu erreichen. Heutzutage wird mehr als 80 % der weltweiten Energieerzeugung durch Verbrennung umgewandelt [1, 2]. Der energetische Wirkungsgrad bestehender Verbrennungsmotoren ist jedoch immer noch deutlich niedriger als die thermodynamischen Grenzen. Gleichzeitig stammen über 80 % der globalen Energie aus fossilen Brennstoffen, die eine Hauptquelle für Luftverschmutzung und Klimawandel sind [1]. Um das anspruchsvolle Ziel der Treibhausgasreduktion zu erreichen, bietet die plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung (H2) eine vielversprechende Möglichkeit und neue Dimension für Verbrennung und Emissionskontrolle. Plasma ist der vierte Aggregatzustand der Materie, der als Gleichgewichtsplasma (vollständig ionisiertes Plasma) und Nichtgleichgewichtsplasma (schwach ionisiertes Plasma) klassifiziert wird [3]. Beim Gleichgewichtsplasma ist der Ionisationsgrad (d. h. das Verhältnis der Dichte geladener Teilchen zur Dichte des neutralen Gases) nahezu eins und der kollisionale Energietransfer zwischen Elektronen, schwingungsangeregten Zuständen und neutralen Molekülen ist sehr schnell. Daher entspricht die Gastemperatur der Elektronen- und Schwingungstemperatur (Tg = Te = Tv), die bis zu 10.000–1.000.000 K erreichen kann. Beim Nichtgleichgewichtsplasma ist der Ionisationsgrad niedrig (typischerweise 10–7–10–4). Die Gastemperatur ist weit niedriger als die Elektronentemperatur und Schwingungstemperatur (Tg < Tv ⪡ Te). Die chemisch aktiven Spezies im Plasma, wie energiereiche Elektronen, schwingungs- und elektronisch angeregte Spezies, Ionen und Radikale in einem Nichtgleichgewichtsplasma, können in das Verbrennungssystem eingeführt und somit die Oxidationskinetik und -wege des Brennstoffs modifizieren [4–6]. In den letzten Jahrzehnten hat sich die nichtgleichgewichtige plasmaunterstützte Verbrennung als vielversprechende Technik zur Verbesserung der Verbrennung in Verbrennungsmotoren und Antriebssystemen sowie zur Entwicklung fortschrittlicher Motoren erwiesen [4–7] (siehe Abb. 1 [4]). Es hat sich auch als effizienter Weg zur Kontrolle von Verbrennungsemissionen [8], zur Aufrechterhaltung von ScramjetTriebwerk Milde Verbrennung Niedrige Emissionen Plasmaunterstützte Verbrennung Neue Motoren technik KrastoffReformierung Kalte Flammen Abb. 1 Schematische Darstellung der plasmaunterstützten Verbrennung und Anwendungen [4]
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 481 kalten Flammen [9, 10] und zur Anwendung in der chemischen Synthese erwiesen [11, 12]. Die Anwendungen verschiedener Entladungstypen in der Verbrennung, wie Gleichstrom [13], Wechselstrom [14], Mikrowelle [15], Hochfrequenz (RF) [16], Nanosekunden-Impulsentladung (NSD) [17–22], und Hybrid-NSD und Gleichstromentladung [23, 24], haben gezeigt, dass das Nichtgleichgewichtsplasma die Zündung verbessern [13, 15–17, 20–24], Flammen stabilisieren [15, 19] und Verbrennungsgrenzen erweitern [14, 18, 20] kann über thermische, kinetische und Transportwege [4]. Jüngste Studien [25–35] haben gezeigt, dass Plasma auch die Brennstoffoxidation beschleunigen und die Zündung bei extrem niedrigen Temperaturen erreichen kann, was die Verbrennungseffizienz erheblich verbessert und Wärmeverluste reduziert. In den letzten Jahren hat die Nutzung von Wasserstoff in der Entwicklung fortschrittlicher Motoren große Aufmerksamkeit erregt. Kürzlich wurden elektrische Antriebsstränge, die von Batterien angetrieben werden (mit Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Solar und Wasserkraft), weit verbreitet im öffentlichen Verkehr und in industriellen Gesellschaften eingesetzt, um die Treibhausgasemission zu reduzieren. Diese Technologie kann jedoch nicht auf alle Bedürfnisse der Verkehrs- und Energiespeichersektoren skaliert werden aufgrund von persönlicher Mobilität, geringer Energiedichte, Nachhaltigkeit und Machbarkeit [36]. Wasserstoff ist ein nachhaltiger Brennstoff mit hoher Energiedichte (nach Masse) und null Kohlenstoffemission, sowie ein flexibler Energieträger zur Speicherung erneuerbarer elektrischer Energie. Die Anwendung der NichtgleichgewichtsPlasma-unterstützten H2-Verbrennungstechnologie in fortschrittlichen Wärmekraftmaschinen ist von großer Bedeutung und Interesse. In diesem Kapitel werden zunächst die Chemie und Dynamik der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung in Abschn. 2 eingeführt. Die chemischen Mechanismen der durch Plasma verbesserten kinetischen Wege (Abschn. 2.1.1) sowie schnelle und langsame Gasaufheizung (Abschn. 2.1.2) durch Plasma werden in Abschn. 2.1 vorgestellt. Die Dynamik für eine erfolgreiche Zündung und Flammenausbreitung in der plasmaunterstützten H2-Verbrennung wird in Abschn. 2.2 diskutiert. Abschn. 2.3 präsentiert ein interessantes Phänomen der Plasma-Thermochemischen Instabilität in der plasmaunterstützten H2-Verbrennung. Dann führt Abschn. 3 die Anwendung der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung in fortschrittlichen Wärmekraftmaschinen ein. Die Mechanismen der plasmaunterstützten Zündung werden in Abschn. 3.1 untersucht. Die Anwendung der plasmaunterstützten Verbrennung in Antriebssystemen und der plasmaunterstützte Übergang von Deflagration zu Detonation werden in den Abschn. 3.2 und 3.3 vorgestellt. Schließlich werden Diskussionen über die Herausforderungen der plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung für die Entwicklung zukünftiger fortschrittlicher Wärmekraftmaschinen in Abschn. 4 zusammengefasst.
Y. Ju et al. 482 2 Chemie und Dynamik der Plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung In plasmaunterstützten Verbrennungsprozessen erzeugt Plasma Wärme und chemisch aktive Spezies wie Elektronen, Ionen, schwingungs- und elektronisch angeregte Spezies, Radikale, langlebige Zwischenspezies, Kraftstofffragmente sowie ionischen Wind und akustische Wellen, Coulomb- und Lorentzkräfte, es kann den Verbrennungsprozess auslösen und beschleunigen. Um die Chemie und Dynamik der plasmaunterstützten Verbrennung zu verstehen, haben Ju et al. [4] die drei Hauptwege der Wechselwirkungen zwischen Plasma und Verbrennung zusammengefasst, wie in Abb. 2 gezeigt. Plasma beeinflusst die Verbrennung über thermische, kinetische und Transportwege. Im thermischen Verbesserungsweg erhöhen die schnelle Gasaufheizung (aufgrund der schnellen elektronisch angeregten Zustandsauslöschung) und die langsame Gasaufheizung (aufgrund der schwingungsangeregten Zustandsrelaxation) aus dem Plasma die Temperatur und beschleunigen chemische Reaktionen und Kraftstoffoxidation nach dem Arrhenius-Gesetz. Im kinetischen Verbesserungsweg werden bei Vorhandensein eines starken elektrischen Feldes hochenergetische Elektronen erzeugt, die mit neutralen Spezies in einer Vielzahl von Kollisionstypen kollidieren. Dies fördert die Produktion von aktiven Radikalen (wie O, H und OH) durch direkte Elektronenstoßdissoziation, Ionisation und Rekombinationsdissoziation von Ionen (z. B., H2+ and O+ 2 ), und  nachfolgende Reaktionen mit elektronisch angeregten Spezies (z. B. O2 a1 g , N2∗ und O(1D)). Darüber hinaus beschleunigen die langlebigen reaktiven (O3) und katalytischen (NO) Zwischenspezies, die im Plasma erzeugt werden, die Oxidation von Brennstoff bei niedriger Temperatur. Im Transportverbesserungsweg dissoziiert das Plasma die Brennstoff- Plasma-Entladung Instabilität des ionischen Windes Ionen/Elektronen Temperatur anstieg Thermisch Radikale Zwischenspezies Brennstofffragemente Angeregte Spezies Kinetisch Transport Verbesserung der Verbrennung Abb. 2 Schematische Darstellung der wichtigsten Verbesserungswege der plasmaunterstützten Verbrennung [4]
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 483 moleküle in Brennstofffragmente, was die Brennstoffdiffusivität ändert und daher den Verbrennungsprozess modifiziert. Darüber hinaus können der ionische Wind sowie die akustischen Wellen, die thermische Ausdehnung und hydrodynamische Instabilitäten, die durch das Plasma erzeugt werden, die lokale Strömungsgeschwindigkeit ändern und die Strömungsturbulenz und Mischung erhöhen. 2.1 Chemie der Plasmaunterstützten Wasserstoffverbrennung 2.1.1 Plasma Verbesserte Kinetische Wege Tab. 1 zeigt die Schlüsselreaktionen im plasmaunterstützten H2/O2/N2-Verbrennungssystem [4]. Es beinhaltet die Ketteninitiation, Verzweigung, Fortpflanzung und Abbruch von Reaktionen in der Verbrennungskinetik sowie Elektronenstoßanregung, Dissoziation und Ionisation, Schwingungs-Translations (VT) Relaxation, Schwingungs-Schwingungs- (VV) Austausch, Abspaltung von schwingungsangeregten Spezies, Auslöschung von elektronisch angeregten Spezies, Elektron-Ion-Rekombination und NOx-katalytische Reaktionen, die durch Plasma aktiviert werden. Ohne Plasma sind die Radikale (wie H und HO2) werden zunächst langsam durch die Reaktion (R1) erzeugt. Dann erzeugt ein H-Radikal durch die Kettenverzweigungsreaktion (R2) zwei Radikale (O und OH). Die Beschleunigung der Reaktion (R2) erfordert jedoch eine hohe Temperatur (~1100 K bei 1 atm) aufgrund der hohen Aktivierungsenergie. Dann erzeugt die Produktion von O und OH schnell drei Radikale (zwei H und ein OH) über eine schnellere Kettenverzweigungsreaktion (R3) und Kettenfortpflanzungsreaktion (R4), was zu einem exponentiellen Anstieg der Radikalkonzentration für Zündung und Verbrennung führt. Zusammenfassend werden bei hohen Temperaturen Radikale über (R1)–(R4) erzeugt und der Verbrennungsprozess wird hauptsächlich durch die langsame Ketteninitiierungsreaktion (R1) und die Kettenverzweigungsreaktion (R2) gesteuert. In einem Plasma, mit einem externen elektrischen Feld, werden die Elektronen beschleunigt und übertragen Energie auf die internen Freiheitsgrade der Moleküle durch Elektronenstoßkollisionen. Die Produktion verschiedener chemisch aktiver Spezies im Plasma wird durch das reduzierte elektrische Feld (E/N, wobei E das elektrische Feld und N die Gaszahldichte ist) bestimmt. E/N ist ein wichtiger Parameter in einer Plasmaentladung, der die Elektronenenergieverteilung und den Energietransfer steuert [5]. Abb. 3a zeigt die Anteile der Elektronenenergie, die in verschiedene molekulare Freiheitsgrade in einer stöchiometrischen H2/LuftMischung als Funktion von E/N abgegeben werden [5]. Wenn das E/N unter 10 Td (1 Td = 10–17 V cm2) liegt, wird die Energie hauptsächlich auf die Rotationsanregung (H2(rot), O2(rot) und N2(rot)) und Schwingungsanregung (H2(v) und O2(v)) übertragen. Zwischen 10 und 100 Td geht jedoch die meiste Energie zu
e + N2 → e + N2(A)/N2(B)/N2(a ′)/N2(C) (R12) e + H2 → e + H + H (R13) e + O2 → e + O + O (R14) e + O2 → e + O + O(1D) (R15) e + N2 → e + N + N(2D) (R16) e + M → e + e + M+ (M = H2, O2, N2) (R17) H2 + O2 = HO2 + H (R1) Kettenverzweigung/-fortpflanzung H + O2 = O + OH (R2) O + H2 = OH + H (R3) H2 + OH = H2O + H (R4) HO2 + H = OH + OH (R5) H2O2(+M) = OH + OH(+M) (R6) Kettenabbruch H + O2(+M) = HO2(+M) (R7) HO2 + H = H2 + O2 (R1b) Elektronenstoß e + H2 → e + H2(v = n) (R8) e + O2 → e + O2(v = n) (R9) e + N2 → e + N2(v = n) (R10)   e + O2 → e + O2 a1 g (R11) Ketteninitiierung e + O2+ → O + O/O(1D) (R30) e + N2+ → N + N(2D) (R31) NOxkatalytische Verzweigung H + NO2 = NO + OH (R32) NO + HO2 = NO2 + OH (R33) e + H2+ → H + H (R29) N2(a ′)/N2(C) + O2 → N2 + O + O(1D) (R26) N2(a ′) + H2 → N2 + H + H (R27) N2(C) + H2 → N2 + H + H (R28) Elektron-Ionen-Rekombination Schwingungs-translational (VT) Relaxation N2(v = n) + H2 → N2(v = n − 1) + H2 (R18) Schwingungs-Schwingungs (VV) Austausch N2(v = n) + N2(v = m) → N2(v = n − 1) + N2(v = m + 1) (R19) Abspalten von schwingungsangeregten Spezies O + H2(v = n) → OH + H (R20) H2(v = n) + OH → H2O + H (R21) H + O2(v = n) → O + OH (R22) Auslöschung von elektronisch angeregten Spezies   H + O2 a1 g → O + OH (R23) O(1D) + H2 → H + OH (R24) N2(A)/N2(B) + O2 → N2 + O + O (R25) Tab. 1 Schlüsselreaktionen im plasmaunterstützten H2/O2/N2 Verbrennungssystem [4] (n und m bezeichnen das Vibrationsniveau) 484 Y. Ju et al.
485 Anteil des Energieverlusts Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung Abb. 3 a Anteile der Elektronenenergie, die in verschiedene molekulare Freiheitsgrade als Funktion des reduzierten elektrischen Feldes (E/N) in einer stöchiometrischen H2/Luft-Mischung abgegeben werden (rot: Rotationsanregung; v: Schwingungsanregung; el: elektronische Anregung; dis: Dissoziation; ion: Ionisation) [5]; b Geschwindigkeitskonstanten für Grundzustandsreaktionen und angeregte Zustandsreaktionen als Funktion der Temperatur (Die Geschwindigkeitskonstante der druckabhängigen Reaktion H + O2(+M) = HO2(+M) wird bei 1 atm als Reaktion zweiter Ordnung dargestellt); und c Schwellenenergien für verschiedene Elektronenstoßreaktionen N2(v). Ein Teil der Energie wird auf die elektronisch angeregten N2*(N2(A), N2(B), N2(a′) und N2(C)) und die Dissoziation von O2 und H2 übertragen. Mit weiterer Erhöhung von E/N über 100 Td sind die wichtigsten Elektronenenergieübertragungspfade die elektronische Anregung von N2 und Dissoziation und Ionisation von H2, O2 und N2. Abb. 3b zeigt die Geschwindigkeitskonstanten von Grundzustandsreaktionen ((R1)–(R3), (R7) und (R1b)) und angeregten Zustandsreaktionen ((R20) und (R23)–(R25)) als Funktion der Temperatur. Die Geschwindigkeitskonstanten von Reaktionen, die schwingungsangeregte (H2(v = 1)) und elektronisch   angeregte (O2 a1 g , O(1D) und N2(B)) Spezies betreffen, sind um mehrere Größenordnungen höher als die von Ketteninitiierungs- und Kettenverzweigungsreaktionen, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Bei niedrigerer Temperatur wird die Radikalproduktion durch die Kettenverzweigungsreaktion (R2) schnell durch die Abbruchsreaktion (R7) und die Rückwärtsreaktion von (R1b) unterdrückt. Mit Plasma werden zusätzlich zu den Radikalen im Grundzustand, Elektronen, Zwischenspezies, Ionen und langlebige Spezies wie  angeregte  H2(v), O2 a1 g , O(1D), N2∗ , H2+ und NO, durch Reaktionen (R8)–(R33) bei viel niedrigerer Temperatur als die von (R2) neue Reaktionswege hinzugefügt und die Radikalproduktion beschleunigt. Abb. 3c zeigt die Schwellenenergien für die Produktion verschiedener plasmaaktivierter Spezies durch Elektronenstoßvibration (R8)–(R10) und elektronische Anregung (R11)–(R12), Dissoziation (R13)–(R16) und Ionisierungsreaktionen (R17). Im Vergleich zu Grundzuständen haben die schwingungs- und elektronisch angeregten Spezies höhere potenzielle Energien, die die Reaktionsaktivierungsenergie [3] reduzieren und die Geschwindigkeitskonstante der Reaktion nach dem Arrhenius-Gesetz beschleunigen können, wie z. B. Reaktionen (R20)–(R24).
Y. Ju et al. 486 Abb. 4 Schematische Darstellung der Zeitskalen und Schlüsselkinetikpfade in verschiedenen Stadien der plasmaunterstützten H2Verbrennung [4] Charakteristische Temperatur (K) Die Wege der Auslöschung von elektronisch angeregten Spezies, wie Reaktionen (R25)–(R28), sowie die Rekombination von Elektronen und positiven Ionen (R29)–(R31) erzeugen ebenfalls mehr Radikale und angeregte Spezies. Darüber hinaus können in H2/Luft-Plasma erzeugtes NO und NO2 inaktive Radikale in energetischere umwandeln, wie z. B. HO2 in zwei OH-Radikale über die Niedertemperatur-NOx-katalytischen Reaktionen (R32) und (R33). Dies fördert weiter die Kettenverzweigungsreaktionen. Daher können die durch Plasma erzeugten angeregten Spezies und Radikale die Kettenverzweigungs- und Propagationsreaktionen erheblich fördern und die Verbrennung durch Umgehung der Ketteninitiierungsreaktionen und Beschleunigung des Radikalpoolaufbaus verstärken. Abb. 4 zeigt die Zeitskalen und Schlüsselkinetikpfade in verschiedenen Stadien der plasmaunterstützten H2-Verbrennung [4]. Im Nanosekunden-Zeitmaßstab (<100 ns) tragen die schnellen Elektronenstoßreaktionen in einer Plasmaentladung zur Produktion von Elektronen und chemisch aktiven Spezies bei niedrigen Temperaturen (300 K) bei. Zwischen Nanosekunden- und MikrosekundenZeitmaßstäben fügen die Reaktionen von angeregten Spezies, Ionen und Elektronen neue Reaktionswege hinzu und beschleunigen den Verbrennungsprozess bei niedrigen und mittleren Temperaturen (300–1100 K). Bei höheren Temperaturen (>1100 K) dominieren die Kettenverzweigungs- und Propagationsreaktionen den Verbrennungsprozess im Millisekundenbereich. Um die plasma-kinetischen Verstärkungswege bei der H2-Verbrennung zu verstehen, haben Light [37] und Glass et al. [38] die Geschwindigkeitskonstanten von O + H2(v = 1) → OH + H und H2(v = 1) + OH → H2O + H bei Raumtemperatur gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Schlüsselreaktionen bei Raumtemperatur um einen Faktor von ~1000 bzw. 155 verstärkt wurden, wenn das H2-Molekül in den ersten Schwingungszustand H2(v = 1) angeregt wurde. Die   Reaktions- und Auslöschwege von H mit Singulett-Delta-Sauerstoff O2 a1 g wurden von Starik und Sharipov [39, 40] und Chukalovsky et al. Verbrennungs kinetik Plasmaunterstützte Verbrennung PlasmaChemie es ale ezi off dik Sp nst e r en iä r d e nB erm n vo Int tio a d i Ox Ra Charakteristische Zeit
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 487  1  [41] untersucht. Obwohl  1 die Hauptwege vonO2 a g Verbrauch sind das  Aus- löschen von H + O2 a g → H + O2 und die Kettenabbruch H + O2 a1 g (+M) → HO2(+M),  die  Geschwindigkeitskonstante der Kettenverzweigungsreaktion H + O2 a1 g → O + OH (R16) ist viel höher als die des Grundzustands  reaktion H + O2 = O + OH (R2), was auf die kinetische Verbesserung von O2 a1 g hinweist. Das Experiment in einem Unterschall-H2/O2-Strömung unter Unterdruck Torr) von Smirnov et al. [42] zeigte, dass eine kleine Anzahl von  (10–20  O2 a1 g (~1 %) das Gemisch bei niedrigeren Temperaturen (<800 K) entzünden und die Zündverzugslänge drastisch  reduzieren kann. Später untersuchten Popov et al. [43] den Einfluss von O2 a1 g und Sauerstoffatom O, das in einer Plasmaentladung erzeugt wurde,  auf H  2/O2 und H2/Luftzündung. Sie fanden heraus, dass O effizienter war als O2 a1 g bei der Zündungsverbesserung. Die Geschwindigkeitskonstante von elektronisch angeregtem O(1D) mit H2, gemessen von Vranckx et al. [44], zeigte, dass mehr als 99 % von O(1D) durch O(1D) + H2 → H + OH (R24) verbraucht wurden, anstatt durch Auslöschreaktionen, die etwa 1 × 107mal schneller als (R3) bei Raumtemperatur sind. Tsolas et al. [45] untersuchten die plasmaunterstützten Eigenschaften der Wasserstoffoxidation in hoch-Ar-verdünnten H2/O2-Gemischen (0,003 H2/0,002 O2/0,995 Ar) bei Atmosphärendruck im Bereich von 420 bis 1100 K und stellten fest, dass ein diffuses Plasma die H2Oxidation bei Temperaturen weit unter der thermischen Initiierungstemperatur (T = 860 K) einleitete, mit einem allmählichen Anstieg des H2-Verbrauchs ab 470 K und vollständiger Oxidation bei 840 K. Die kinetische Modellierung und Sensitivitätsanalyse, die von Togai et al. [46] durchgeführt wurde, identifizierte die wichtigen Reaktionswege für die plasmaunterstützte H2-Oxidation unter den Bedingungen der Tsolas et al. Studie [30]. Sie fanden heraus, dass bei niedrigen Temperaturen unterhalb der zweiten Explosionsgrenze (878 K bei 1 atm) der Mechanismus, der eine geradlinige Kettenreaktionssequenz (R5) vermittelt durch HO2-Radikale beinhaltet, eine wichtige Rolle bei der H2-Oxidation spielte, beschleunigt durch plasmaerzeugte Radikale. Bei Temperaturen über der zweiten Explosionsgrenze lösen O und H Atome, die durch die Dissoziation von H2 und O2 mit elektronisch angeregtem Ar* erzeugt werden, die KettenverzweigungsKinetik aus und reduzieren den Zündverzug erheblich. Kürzlich haben Mao et al. [24] die Plasma-unterstützte Niedertemperatur-H2/ O2/He-Verbrennungskinetik in einer wiederholt gepulsten Nanosekunden-Entladung sowohl experimentell als auch numerisch untersucht. Abb. 5a, b zeigen die zeitabhängige Messung der H2O-Teilchendichte und der Temperatur, gemessen in situ durch mittlere IR-stimmbarer Diodenlaser-Absorptionsspektroskopie (TDLAS) während und nach dem 1500-Puls, 30 kHz-Nanosekunden-Plasma im Burst-Modus. Abb. 5a zeigt, dass die H2O-Teilchendichte mit Entladungspulsen von Raumtemperatur ansteigt. Dies liegt daran, dass die O- und H-Radikale sowie elektronisch angeregtes O(1D), erzeugt durch Elektronenstoßdissoziationsreakti onen (R13)–(R15), die Brennstoffoxidation durch Kettenverzweigungsreaktionen (R2)–(R3) und Kettenfortpflanzungsreaktionen (R4)–(R5) und plasma-verstärkten kinetischen Weg (R24) bei niedrigen Temperaturen beschleunigen. Mit der Brennstoffoxidation steigt die Temperatur mit Plasmaimpulsen, wie in Abb. 5b gezeigt.
Y. Ju et al. , , , Letzter Impuls , , , Zeit (s) , Letzter Impuls , , , Zeit (s) Modell Modell Modell Modell Temperatur (K) Modell Modell , , Molarer Anteil (x1000 ppm) , , Temperatur (K) Anzahl Dichte (x1016 Moleküle/cm3) 488 , Frequenz (Hz) Abb. 5 Zeitabhängige Messung. a H2O-Teilchendichte und b Temperatur mit angepasster Linie mit Modellvorhersage während und nach dem 1500-Puls, 30 kHz-Nanosekunden-Plasma im Burst-Modus; und c Spezieskonzentration zwischen Messung im stationären Zustand und Modellvorhersage sowie gemessene Temperatur in einem kontinuierlichen NanosekundenPlasma im Bereich von 200 Hz bis 30 kHz für ein 0,1667 H2/0,0833 O2/0,75 He-Gemisch bei 60 Torr [24] Es ist zu beachten, dass die Temperatur vor dem Ende des Entladungsstoßes aufgrund von Wärmeverlusten aus dem He-verdünnten Gemisch ihren Höhepunkt erreicht. Wenn das Plasma ausgeschaltet ist, sinkt die Temperatur schnell auf Raumtemperatur, was auf die Beendigung der H2-Oxidation hinweist. Abb. 5c zeigt die gemessene Spezieskonzentration ex situ durch Gaschromatographie (GC) Messungen und Temperatur als Funktion der Puls-Wiederholungsfrequenz (PRF). Es ist zu sehen, dass der Brennstoffverbrauch und die Temperatur mit der PRF steigen, da mehr Energie in das Plasma mit mehr Pulsen (bei einer festen Durchflussrate) eingeleitet wird. 2.1.2 Schnelle und langsame Gasaufheizung Aufgrund des Ausöschens und der Relaxation von elektronisch und schwingungsangeregten Zuständen von Atomen und Molekülen bei unterschiedlichen Lebensdauern bietet die Plasmaentladung auch eine schnelle und langsame Gasaufheizung für das Gemisch. Einerseits kann die Gassaufheizung chemische Reaktionen beschleunigen und die Zündung und Verbrennung verbessern. Andererseits kann der durch die Gaserhitzung erzeugte Temperaturgradient die Plasmauniformität ändern und zu Instabilität führen [47]. Mit einem externen elektrischen Feld übertragen die Elektronen im Plasma Energie über elastische und inelastische Kollisionen. Die im Plasma pro Volumeneinheit eingetragene elektrische Leistung, Pext, wird berechnet durch, (1) Pext = jE = ene vdr E 10–19 wo j die Stromdichte ist, e die Elektronenladung (1602 × C), ne die Elektronenteilchendichte und vdr die Driftgeschwindigkeit der Elektronen ist. Die Pext besteht aus drei Teilen, die von Flitti und Pancheshnyi [48] untersucht wurden: die auf den Translationsfreiheitsgrad der Elektronen Pelec, den Translationsfreiheitsgrad des Gases Pgas und den internen Freiheitsgrad des Gases Pint
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 489 verteilte Leistung. Daher kann die Gasaufheizleistung Pgas aus Plasma berechnet werden durch, Pgas = Pext − Pelec − Pint Pelec = Pint = 3 d(ne Te ) kB 2 dt  k ǫk dnk dt (2) (3) (4) wo kB die Boltzmann-Konstante (1,38 × 10–23 J·K−1), Te die Elektronentemperatur (Einheit in K), t die Zeit, ǫk und nk die innere Energie und Teilchendichte der Spezies k sind. Der Mechanismus der schnellen Gasaufheizung in N2/O2-Mischungen wurde gut untersucht von Flitti und Pancheshnyi [48], Popov [47, 49], Aleksandrov et al. [50], Nudnova et al. [51], Rusterholtz et al. [52] und Lanier et al. [53]. Die schnelle Gasaufheizung wird hauptsächlich durch die Dissoziationsreaktionen von O2 (R14)–(R15) und die Ausöschreaktionen von elektronisch angeregten Spezies wie Stickstoff (N2*) über (R25)–(R26) und atomarem Sauerstoff O(1D) über O(1D) + N2 → O + N2 bei hohen E/N-Werten (>50 Td) auf der Zeitskala von 10 ns–1 μs dominiert. Das Temperaturprofil, gemessen durch reine RotationsPikosekunden-Breitband-kohärente Anti-Stokes-Raman-Spektroskopie (R-CARS) während und nach dem Entladungsimpuls in Luftplasma, zeigt, dass es zwei klar definierte Stufen des Temperaturanstiegs gibt, wie in Abb. 6a [53] gezeigt. Die Ergebnisse zeigen, dass der schnelle Temperaturanstieg nach dem Entladungsimpuls in der ersten Stufe auf der gleichen Zeitskala (10 ns–1 μs) der Auslöschung von elektronisch angeregtem N2* erfolgt, was auf die schnelle Zeit, s Beitrag zur schnellen Gasaufheizung, % Abb. 6 a Zeitliche Entwicklung der Gastemperatur, der ersten N2-Schwingungstemperatur, der O-Teilchendichte und der Gesamtteilchendichte von elektronisch angeregtem N2* während und nach dem Entladungsimpuls in Luft (Punkte zeigen die experimentell gemessene Temperatur; Linien zeigen die vorhergesagten Ergebnisse) bei 40 Torr [53]; und b Vergleich der Energieverteilung durch schnelle Gasaufheizung der Reaktionen mit angeregten Spezies und Elektronen bei verschiedenen E/N-Werten in einer stöchiometrischen H2/Luft-Mischung [47]
Y. Ju et al. 490 ­ asaufheizung durch Plasma hinweist. Beachten Sie, dass die zweite Stufe des G Temperaturanstiegs zur gleichen Zeit auftritt, wenn die N2-Vibrationstemperatur abnimmt (10 μs–1 ms). Wie später diskutiert wird, wird diese Stufe durch die langsame Gasaufheizung durch die Relaxation von vibrationell angeregtem N2(v) verursacht. In H2/Luft-Mischungen fügen die Plasma-Reaktionen, die H2 betreffen, neue Reaktionswege für die schnelle Gasaufheizung hinzu. Abb. 6b zeigt den Vergleich der Energieverteilung durch verschiedene Reaktionen der schnellen Gasaufheizung in einer stöchiometrischen H2/Luft-Mischung bei 60, 100 und 200 Td [47]. Neben der Löschung von elektronisch angeregtem N2* mit O2 ((R25)–(R26)) spielt die Elektronenstoßdissoziation von H2 (R13) und die Löschung von elektronisch angeregten Spezies O(1D) (R24) und N2(C) (R28) mit H2 eine wichtige Rolle bei der Gasaufheizung. Der Anteil der Reaktionen, die H2-Moleküle betreffen, steigt von 43 % auf 60 % mit einer Erhöhung von E/N von 60 auf 200 Td. In H2/Luft-Plasmen wird ein signifikanter Prozentsatz der Entladungsenergie auf das schwingungsangeregte Stickstoff N2(v) übertragen, insbesondere bei niedrigen E/N-Werten (<100 Td). Aufgrund der langen Lebensdauer des schwingungsangeregten Stickstoffs führt der VT-Relaxationsprozess bei 10 μs–1 ms zu einer langsamen Gaserwärmung des Gemisches. Winters et al. [54] maßen die N2-Schwingungstemperatur und die Gastemperatur in der Entladung und im Nachglühen mittels Nanosekunden-Breitband-CARS in Luft und H2/LuftGemischen. Abb. 7a zeigt den Abfall der Schwingungstemperatur bei t > 100–200 μs im Luftgemisch [54]. Dies ist hauptsächlich auf die VT-Relaxation durch O-Atome zurückzuführen. Gleichzeitig steigt die Gastemperatur entsprechend an, wie in Abb. 7b gezeigt. Es ist auch zu sehen, dass die Gastemperatur mit der Zunahme der H2-Konzentration steigt. Dies liegt daran, dass die Wärmeabgabe durch H2-Oxidation ebenfalls mit der H2-Konzentration zunimmt, neben der VTRelaxation, die durch H2 (R18) verursacht wird [5, 55]. Beachten Sie, dass die Gastemperatur nach 1 ms aufgrund von Diffusion abnimmt. Luft Temperatur (K) Schwingungstemperatur (K) Luft Zeit (s) Zeit (s) Abb. 7 Experimentell und vorhergesagt. a N2-Schwingungstemperatur und b Gastemperatur als Funktion des zeitlichem Verzugs nach dem Entladungsimpuls in Luft und H2/Luft-Gemischen bei 10 Torr. Gekoppelte Impulsenergie 7,5 mJ [54]
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 491 2.2 Dynamik der Plasma-unterstützten Wasserstoffverbrennung In Abschn. 2.1 wurden die Chemie und die Gasaufheizung in der plasmaunterstützten Verbrennung diskutiert. In vielen instabilen Verbrennungsprozessen, wie in Verbrennungsmotoren, beinhaltet die durch Plasma eingeleitete Zündung und Verbrennung einen instabilen Übergang von der Funkenzündung zur Flammenausbreitung. Daher ist es notwendig, die Dynamik zu verstehen, die eine erfolgreiche Zündung und Flammenausbreitung in der plasmaunterstützten Verbrennung bestimmt. Die minimale Zündenergie (MIE) ist die kleinste Energiemenge, die zu einer erfolgreichen Zündung führt [56]. Chen et al. [57] und Kim et al. [58] untersuchten den Mechanismus der MIE theoretisch und experimentell. Diese Arbeiten zeigten, dass eine erfolgreiche Flammeninitiierung durch die Fähigkeit eines entstehenden Zündkerns bestimmt wird, einen kritischen Flammenradius zu erreichen. Daher muss eine externe Energiequelle den anfänglichen Flammenkern auf eine Größe größer als den kritischen Flammenradius treiben, damit die Zündung zu einer selbstausbreitenden Flamme übergeht. Abb. 8a zeigt die Flammengeschwindigkeit eines kugelförmigen Flammenkerns, normalisiert durch die adiabatische Flammengeschwindigkeit einer planaren Flamme, U, als Funktion des Flammenradius R (normalisiert durch die Flammendicke) mit verschiedenen Werten der normalisierten Zündleistung Q im Zentrum des ruhenden Gemisches [59]. Q ist gegeben durch , Kritischer Zündradius   Q 4π   δf0 T̃ad − T̃∞ (5)  , , , , , , , Flammenradius, R Mindestzündleistung, Qmin Flammenausbreitungsgeschwindigkeit, U Q= , , , , , , , , , , , , , , , , Aktivierungsenergie , , , Kubus des kritischen Flammenradius, Rc3 Abb. 8 a Theoretische Vorhersage der normalisierten Flammengeschwindigkeit eines kugelförmigen Flammenkerns, der durch verschiedene normalisierte Zündenergien Q als Funktion des normalisierten Flammenradius für die Lewis-Zahl Le = 1,2 initiiert wird [4, 59]; und b minimale Zündleistung und Kubus des kritischen Flammenradius für Gemische mit verschiedenen LewisZahlen und Zeldovich-Zahlen [4, 57]
492 Y. Ju et al.  die abgelegte Zündleistung,  δf0 die Flammenwo Q  die Wärmeleitfähigkeit,    dicke, Tad die adiabatische Flammentemperatur und T∞ die Temperatur des unverbrannten Gemisches ist. Die theoretischen Ergebnisse zeigen, dass die Flamme bei einem normalisierten Flammenradius unter R = 2,5 (Punkt c) ohne externe Energiezufuhr (Q = 0) aufgrund der Streckung durch Flammenkrümmung nicht existieren kann. Mit einer geringen Leistungszufuhr (Q = 0,1) wird ein Flammenkern vom Zentrum aus initiiert. Die Flammengeschwindigkeit nimmt schnell ab und der Flammenkern erlischt an Position f, bevor er den sich selbst ausbreitenden Flammenzweig erreicht, der bei Punkt d beginnt. Daher schlägt die Flammenausbreitung fehl. Mit der Zunahme der Zündenergie, bei Q = 0,15, zeigt Abb. 8a, dass die innere Flammenkerntrajektorie (gh) und die äußere sich ausbreitende Flammentrajektorie (hb) am Punkt h zusammenlaufen, wo der Flammenradius am kleinsten ist. Dann nimmt die Flammengeschwindigkeit mit dem Flammenradius zu, während der Flammenkern sich nach außen ausbreitet und eine erfolgreiche Zündinitiierung erreicht wird. Bei jeder größeren Zündenergie (wie Q = 0,6) tritt immer eine erfolgreiche Zündung auf. Daher beträgt die minimale Zündleistung Q = 0,15 und der kritische Flammenradius ist Rc am Punkt h [4, 59]. Chen et al. [57] untersuchten die Korrelation zwischen MIE und Rc, wie in Abb. 8b gezeigt. Die minimale Zündenergie Qmin als Funktion des Kubus des kritischen Flammenradius Rc für Gemische bei verschiedenen Lewis-Zahlen (Le) und Zeldovich-Zahlen (Z) wird dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Qmin als auch Rc stark von der Le abhängen. Die minimale Zündenergie ist linear zum Kubus des kritischen Flammenradius (d. h. Qmin ~ Rc3). Daher ist Rc ein geeignetes Maß für MIE. Darüber hinaus nimmt Qmin mit der Le monoton zu. Die Ergebnisse bei verschiedenen Zeldovich-Zahlen zeigen, dass die Aktivierungsenergie auch die minimale Zündleistung beeinflusst. Dies deutet darauf hin, dass Plasma die Chemie und daher die globale Aktivierungsenergie ändern und die MIE kinetisch reduzieren kann [57]. Abb. 9 zeigt die kritischen Radien und Lewis-Zahlen für H2/Luft-Flammen bei verschiedenen Äquivalenzverhältnissen [60]. Die Ergebnisse zeigen, dass der kritische Radius nicht monoton unabhängig vom Äquivalenzverhältnis ist, was dem Trend zwischen Flammendicke und Äquivalenzverhältnis ähnelt. Dies ist auf die Dauer der anfänglichen Flammenübergangsperiode zurückzuführen (proportional zum kritischen Radius), die stark von der Flammendicke abhängt. Es zeigt sich, dass der minimale kritische Radius für H2/Luft-Flammen beim Äquivalenzverhältnis von ϕ = 2,0 erreicht wird, bei dem die größte laminare Flammengeschwindigkeit und die kleinste Flammendicke vorliegen. Die obige Diskussion zeigt, dass der kritische Radius und die minimale Zündenergie die Schlüsselparameter für die Zündinitiierung und Flammenausbreitung in ruhenden Gemischen sind. Daher können die Auswirkungen von Plasma auf die Verbesserung der H2-Verbrennung wie folgt zusammengefasst werden: (1) Nichtgleichgewichts-Plasma kann die Aktivierungsenergie für die Brennstoffoxidation reduzieren und daher den kritischen Radius und die Flammendicke sowie die
493 Le (Law) Le (Joulin, et al.) Rc (Simulation) Rc (Experiment) Lewis-Zahl, Le Abb. 9 Kritische Flammenradien und Lewis-Zahlen für H2/LuftGemische bei verschiedenen Äquivalenzverhältnissen [60] Kritischer Radius, Rc (mm) Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung Äquivalenzverhältnis, φ minimale Zündenergie reduzieren; (2) die Temperaturerhöhung durch Plasma kann die Flammendicke verringern und zu einem kleineren kritischen Flammenradius führen; und (3) Plasma kann ein größeres Entladungsvolumen als den kritischen Radius erzeugen, um die Zündung zu verbessern [4]. 2.3 Plasma-Thermochemische Instabilität Die Diskussion in den Abschn. 2.1 und 2.2 zeigt, dass das volumetrische Plasma eine effiziente Methode zur Kontrolle der Chemie und Dynamik in Verbrennungsprozessen ist. In vielen Fällen ist jedoch eine bogenähnliche HochtemperaturEntladung erforderlich, um die Zündung unter mageren Brennstoffbedingungen zu verbessern. Daher ist es notwendig, den Übergang von einer volumetrischen Nichtgleichgewichtsentladung zu einer Bogenentladung in einem reaktiven Gemisch zu verstehen. In einer kürzlichen Studie wurde vorgeschlagen, dass in einem Brennstoff/Luft-Gemisch ein neuer Plasma-Instabilitätsmechanismus namens „Plasma-Thermochemische Instabilität“ [13, 61] aufgrund der Kopplung zwischen der Plasma-Chemie und der Brennstoff-Chemie existiert. Abb. 10a zeigt die ICCD-Kamera-Bilder eines stöchiometrischen H2/Luft-Plasmas bei verschiedenen Temperaturen und Drücken [62]. Die verschiedenen Drücke bei T = 20, 100 und 200 ℃ werden verwendet, um die gleiche Anfangsgasanzahldichte für alle Bedingungen zu halten. Es ist zu sehen, dass bei Raumtemperatur mehrere eingeschnürte Filamente im Plasma gebildet werden, was auch durch die Emissionsintensitätsverteilung entlang der Mittellinie der Entladung aus den ICCD-Bildern gesehen werden kann. Wenn jedoch das H2/Luft-Gemisch auf 100–200 ℃ vorgeheizt wird, wird das Plasma im Entladungskanal aufgrund der Zunahme der Diffusion bei höheren Temperaturen gleichmäßig.
Y. Ju et al. 494 Wasserstoff-Luft Raumtemperatur Abb. 10 a ICCD-Kamera-Bilder von filamentären und gleichmäßigen NanosekundenImpulsen in einem stöchiometrischen H2/Luft-Plasma [62]; und b schematische Darstellung des gekoppelten Plasma-Thermochemischen Instabilitätsmechanismus in einem Plasma-unterstützten H2/Luft-reaktiven Fluss [13] Die Plasma-thermochemische Instabilität [13, 61] ist ein interessantes Phänomen, das die thermischen, kinetischen und Transporteffekte über die Plasma-Chemie-Kopplung integriert. Um den Mechanismus der Plasma-thermochemischen Instabilität zu verstehen, haben Rousso et al. [63] die Instabilitätsentwicklung in CH4/O2/Ar-Gemischen mittels Hochgeschwindigkeitsbildgebung untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die thermochemische Instabilität die Plasmaparameter durch die Bildung mehrerer sekundärer Entladungen veränderte und zu mikrometergroßen nicht einheitlichen elektrischen Feldverteilungen führte. Die Studien zur Plasma-unterstützten CO2-Umsetzung von Wolf et al. [64] und Viegas et al. [65] sowie zur N2-Fixierung von Kelly et al. [66] legen nahe, dass die Thermochemie (3000–7000 K) eine wichtige Rolle bei der Kontraktionsdynamik in den Mikrowellenplasmen spielte. Kürzlich haben Zhong et al. [13] die dynamische Kontraktion in einem mageren H2/O2/N2-Gemisch mit einem vereinfachten Plasma-unterstützten Verbrennungs-Kinetikmodell theoretisch untersucht. Der gekoppelte Plasma-thermochemische Mechanismus in einer Nichtgleichgewichts-DC-Entladung wurde untersucht, wie in Abb. 10b gezeigt. Die thermochemische Instabilität in der Plasma-unterstützten Verbrennung kann wie folgt beschrieben werden: Mit der Plasmaentladung führt die Gaserwärmung durch die VT-Relaxation der schwingungsangeregten Spezies zu einer Erhöhung der lokalen Temperatur (T↑) und verstärkt die Verbrennung. Dies führt zur thermischen Ausdehnung und zur Abnahme der Gasanzahldichte (N↓). Dadurch erhöht sich das lokale reduzierte elektrische Feld (E/N↑) sowie die hohe Elektronentemperatur (Te↑) und die Elektronenstoßionisationsrate. Eine schnellere Ionisation erhöht
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 495 weiterhin die Elektronenanzahldichte (ne↑) und den Entladungsenergieeintrag ( jE↑), was die Produktion von schwingungsangeregten Zuständen weiter fördert. Der oben genannte Plasma-thermochemische Instabilitätsmechanismus behandelt das positive Rückkopplung und die Kopplung zwischen Nichtgleichmäßigkeit der Entladung und Plasma-verstärkten chemischen Reaktionen. Kürzlich führten Zhong et al. [61] eine thermisch-chemische Modusanalyse (TCMA) durch, um die Wechselwirkung zwischen chemischer Kinetik und Plasma-Instabilität von Millisekunden bis zu Sub-Mikrosekunden aufzudecken. Die Analyse basiert auf der Theorie der rechnerischen singulären Störung (CSP) [67, 68]. Die Eigenwerte der Differentialgleichungssysteme werden zu verschiedenen Zeitpunkten berechnet. Eigenwerte mit positiven Realteilen (Re(i) > 0) bedeuten, dass der Modus instabil ist, und die in diesem Modus beteiligten Spezies tendieren dazu, mit der Zeitskala von i −1 zu wachsen. Wenn keine positiven Eigenwerte vorhanden sind, nähert sich das System dem chemischen Gleichgewicht, da alle chemischen Modi dazu neigen, zu zerfallen. Abb. 11 zeigt den Vergleich zwischen thermischer Ionisationsinstabilität in Luft, der thermisch-chemischen Plasma-Instabilität und homogener Zündung in einem stöchiometrischen 80 N2/6,7 O2/13,3 H2-Gemisch [61]. Die zeitabhängigen positiven thermisch-chemischen Modi (TCMs), Temperatur, Hauptarten und Elektronenproduktions-/Verbrauchsreaktionsraten werden in jedem Fall verglichen. Bei der thermischen Ionisationsinstabilität in Luft (siehe Abb. 11a, d und g) erhöht sich die Temperatur langsam durch Joulesche Wärme und alle positiven TCMs werden unterdrückt, die alle unter 10 s−1 liegen. Aufgrund des niedrigen E/N (~40 Td) wird die Entladungsenergie hauptsächlich in die Schwingungsniveaus von N2 und O2 durch Elektronenstoßanregung eingelagert. Die Mischtemperatur erhöht sich langsam durch VT-Entspannung von N2(v) und O2(v). Bei der homogenen Zündung in H2/O2/N2-Gemischen beträgt der maximale TCM zu jedem Zeitpunkt etwa 102 s−1, wie in Abb. 11c gezeigt. Die Zündung erfolgt etwa bei 60 ms und die positiven Eigenwerte steigen von 102 auf 103 s−1 an. Es ist zu sehen, dass die positiven TCMs nach der Zündung aufgrund des konvektiven Wärmeverlusts dramatisch abnehmen. Daher konvergiert das System zum chemischen Gleichgewicht. Bei der thermisch-chemischen Plasma-Instabilität erhöht die Joulesche Wärme aus der Entladung die Temperatur und aktiviert die TCMs der H2/O2/N2-Mischung. Im Vergleich zum Fall der homogenen Zündung in Abb. 11c zeigt Abb. 11b, dass es einen klaren Wachstumstrend für die Größe der TCMs im Bereich von 10° bis 104 s−1 in den ersten 7 ms gibt. Dies ist auf die VT-Entspannung von schwingungsangeregten Spezies (H2(v), O2(v) und N2(v)) zurückzuführen, die stark zur Gaserhitzung beitragen und den Übergang vom homogenen Zustand zum kontrahierten Zustand verstärken. Es ist zu sehen, dass die plasmaunterstützte Zündung mit einem scharfen Temperaturanstieg über 400 K bei etwa 7 ms eintritt und die Größe der TCMs prompt zunimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass die verschiedenen chemischen Modi aus chemischem Wärmeungleichgewicht und elementarer Kinetik die Zeitdynamik und die Stabilität des schwach ionisierten Plasmas erheblich verändern können, was darauf hindeutet, dass die Plasma-Instabilität durch die Verwendung von chemischer Kinetik kontrolliert werden kann.
Y. Ju et al. 496 Thermisch-chemische Instabilität Homogene Zündung Temperatur, (K) Thermische Ionisierungsinstabilität Reaktionsgeschwindigkeit, cm-3 s-1 Maulwurfsfraktion Temperatur Wege der Elektronenproduktion Wege des Elektronenverbrauchs Zeit, ms Zeit, ms Abb. 11 Vergleiche zwischen thermischer Ionisationsinstabilität (T = 800 K; N2/O2 = 80/20): a, d, g thermisch-chemischer Instabilität (T = 800 K; N2/O2/H2 = 80/6.7/13.3): b, e, h homogene Zündung (T = 825 K; N2/O2/H2 = 80/6.7/13.3): c, f für elementare Kinetik. Nur positive Eigenwerte (explosive TCMs) werden in der logarithmischen Skala dargestellt. Druck p = 200 Torr. Konvektive Zeitskala τ = 5 ms. Der Strom für die Simulation von Plasma-Instabilitäten beträgt I = 0.5 mA [61] 3 Anwendung von Plasma-unterstützter Wasserstoffverbrennung in fortschrittlichen Wärmekraftmaschinen 3.1 Plasma-unterstützte Wasserstoffzündung Für die Anwendung von plasmaunterstützter Wasserstoffverbrennung in Wärmekraftmaschinen wurden viele Studien durchgeführt, um den plasmaunterstützten H2-Zündprozess zu verstehen. Die Zündung ist ein exothermer und kettenverzweigender Prozess, der zu einer exponentiellen Zunahme der Wärmeabgabe und der Brennstoffoxidation führt. Daher gibt es zwei Schlüsselprozesse für eine erfolgreiche Zündung: Einer ist, dass die Temperatur eine Schwelle eines
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 497 Verzögerung der Zündung, μs exothermen Kettenverzweigungsprozesses erreichen muss und der andere ist, dass die Radikalproduktion durch den Kettenverzweigungsprozess schneller ist als der Kettenabbruchprozess [4]. Wie in Abschn. 2.1 diskutiert, können sowohl die Gasaufheizung als auch die durch Plasma erzeugten chemisch aktiven Spezies diese beiden Schlüsselprozesse beschleunigen. Darüber hinaus kann das Plasma ein großes Entladungsvolumen und daher Zündkernvolumen erzeugen, was die Zündung verbessert, wie in Abschn. 2.2 diskutiert. Abb. 12(a) zeigt die Zündverzugszeit als Funktion der Temperatur in den H2/Luft/Ar-Mischungen für die Selbstzündung und die nanosekundenunterstützte Zündung bei einer festen Spannung U = 160 kV, gemessen in Stoßrohrexperimenten von Bozhenkov et al. [69]. Die Zündverzugszeit wird durch die OH-Emission bestimmt. Im Vergleich zur thermischen Selbstzündung wird der Zündverzug mit der Anwendung von Plasma drastisch verkürzt. Zum Beispiel wird die Zündverzugszeit um den Faktor 4,8 von 860 auf 140 μs mit einer Eingangsenergie von 0,09 J/cm3 in einer nanosekunden Plasmaentladung bei T = 1000 K verringert. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Mischung bei niedrigeren Temperaturen in der nanosekundenunterstützten Zündung im Vergleich zur thermischen Zündung gezündet werden kann. Beachten Sie, dass 2 µs die untere Grenze des verwendeten Messsystems ist, wie durch die gestrichelte Linie in Abb. 12a angezeigt. Um die Zündverbesserung durch Plasma zu verstehen, haben Zuzeek et al. [70] die thermische Energieabgabe und Zündung in einem nanosekunden repetitiv gepulsten H2/Luft-Plasma durch reine Rotations-CARS untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Energieabgabe aus exothermen Reaktionen von Wasserstoff mit O und H-Radikalen, die im Plasma erzeugt wurden, ein Schlüsselfaktor in der Zündkinetik war. Mao et al. [24] untersuchten die Nichtgleichgewichtseffekte auf H2/O2/He bei der Zündung durch eine hybride repetitive Nanosekunden- und 5 bar, Experiment 3 bar, Experiment Zündung mit Kernen Quasi-gleichmäßige Zündung Energieeintrag, mJ Abb. 12 a Gemessene Zündverzugszeit als Funktion der Gastemperatur für die Mischung H2/ O2/N2/Ar = 6/3/11/80. 1—Selbstzündung, 2—nanosekundenunterstützte Zündung. U = 160 kV (Gestrichelte Linie zeigt die Begrenzung für die Messung der Zündverzugszeit an) [69]; und b Zeitpunkt der Verbrennungsinitiierung im gesamten Volumen als Funktion der Energieeintrag bei verschiedenen Drücken für H2/Luft-Mischung, ϕ = 0,6 [74]
498 Y. Ju et al. Gleichstromentladung. Die Ergebnisse zeigten, dass die schwingungsangeregten   H2(v) und O2(v), elektronisch angeregte O2 a1 g und O(1D), sowie Radikale wie O, H und OH können die Zündung bei niedrigen Temperaturen (<800 K) erheblich verbessern. Die Zündung ist effizienter durch kinetische Verbesserung im Vergleich zur thermischen Zündung, wenn die gleiche Menge an Entladungsenergie als thermischer Beitrag angewendet wird. Die Ergebnisse zeigten auch, dass die optimierte Zündverbesserung erreicht wurde, wenn sowohl angeregte Spezies als auch Radikale effizient bei einer geeigneten Gleichstromfeldstärke erzeugt wurden, was die Auswirkungen von E/N auf die Radikalproduktion und Zündverbesserung adressiert. Die experimentellen und numerischen Studien, die von Yin et al. [71], Nagaraja et al. [72] und Wang et al. [73] durchgeführt wurden, zeigten auch die signifikante kinetische Verbesserung von Plasma auf H2-Zündung, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Da der Energieeintrag in Plasma die Elektronenzahldichte, die Menge chemisch aktiver Spezies und die Temperaturerhöhung bestimmt, wurden die Auswirkungen des Energieeintrags auf die Zündungsverbesserung von Shcherbanev [74] untersucht. Abb. 12b zeigt die Zeit der Zündungsinitiierung (τcomb) im gesamten Volumen als Funktion des Energietrags bei verschiedenen Drücken für ein H2/Luft-Gemisch (ϕ = 0,6) durch eine nanosekundäre Oberflächendielektrische Barrierenentladung (nSDBD). Hier ist τcomb definiert als der Zeitpunkt für den Beginn eines starken Anstiegs der OH-Emission. Es ist zu sehen, dass bei geringerem Energieeintrag die Zündung in einigen kleinen Bereichen um die Elektrode beginnt und τcomb relativ hoch ist. τcomb sinkt dramatisch, wenn der Energieeintrag zunimmt. Die Kurve dieses Trends ist als „(1)“ markiert, was dem Regime entspricht, dass eine Zunahme der Anzahl der Zündkerne um die Elektrode zu Wechselwirkungen zwischen den Zündkernen führte und so das effektive Zündvolumen erhöhte und den Übergangsprozess von der Zündung zur Flamme beschleunigte. Beachten Sie, dass, wenn die eingetragene Energie 13 mJ bei 3 bar und 5 mJ bei 5 bar erreicht, die Abnahme von τcomb mit der Zunahme der eingetragenen Energie verlangsamt. Dieser Teil entspricht einer gesättigten Kette (Volumen) von Zündkernen um die Elektrode, die als „(2)“ in Abb. 12b markiert ist. Hier wird τcomb hauptsächlich durch die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit bestimmt. In diesem Bereich wird eine quasi-uniforme Zündung erzeugt. Kürzlich untersuchten Mao et al. [55] die Auswirkungen des Entladungsvolumens auf die Zündverbesserung, indem sie die plasmaunterstützte H2/ Luft-Zündung numerisch mit verschiedenen Elektrodengeometrien in einer Nanosekunden-Plasmaentladung studierten. Abb. 13a zeigt die zeitlichen Entwicklungen der Temperatur mit zylindrischen und parabolischen Elektroden bei U = 5000 V. Mit den zylindrischen Elektroden wird der Zündkern zuerst in der Nähe der Elektrodenkanten gebildet, aufgrund der lokalen elektrischen Feldverstärkung. Die hohen Konzentrationen von angeregten Spezies und Radikalen sowie der schnelle Temperaturanstieg in dieser Region beschleunigen die Zündung. Dann breitet sich der Zündkern in die unverbrannten Gasregionen aus und ein großes Volumen des Zündkerns wird bei t = 90 μs gebildet. Im Vergleich zum großen Entladungsvolumen, das zwischen den zylindrischen Elektroden
, , , , , , , , , , , , , , , , , Zylindrische Elektroden , , , 499 Entzündung Kernvolumen (cm3) Entzündung Kernvolumen (cm3) Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung ohne Wärmeverlust mit Wärmeverlust , , , , , , Elektroden-Durchmesser (mm) , Zylindrische Elektroden , , , , , , ohne Wärmeverlust mit Wärmeverlust , , , , , , , , Größe des Elektrodenspalts (mm) Abb. 13 a Zeitliche Entwicklung der Gastemperatur während der plasmaunterstützten H2/ Luft-Zündung mit zylindrischen und parabolischen Elektroden bei U = 5000 V; und b Zündkernvolumen bei t = 90 μs in der plasmaunterstützten H2/Luft-Zündung mit einem Paar zylindrischer Elektroden in Abhängigkeit vom Elektrodendurchmesser bei U = 5000 V und c Elektrodenspaltgröße bei U = 2000 V, ϕ = 1,0, T = 800 K, p = 1 atm. Die Entladungsenergie in allen Fällen beträgt 0,4 mJ [55] erzeugt wird, bildet sich mit den parabolischen Elektroden bei gleicher Entladungsenergie ein sehr schmaler Entladungskanal. Der Zündkern breitet sich zur unverbrannten Gasregion aus den Hotspots aus, die an den Spitzen von Anode und Kathode gebildet werden. Es ist zu beachten, dass die anfänglichen Zündkerne schneller mit sphärischen und parabolischen Elektroden gebildet werden, jedoch sind die endgültigen Zündkernvolumina bei t = 90 μs kleiner als die der zylindrischen Elektroden. Abb. 13b und c zeigen das Zündkernvolumen bei t = 90 μs mit verschiedenen Elektrodendurchmessern und Spaltgrößen eines Paares von zylindrischen Elektroden. Die Ergebnisse zeigen, dass die plasmaunterstützte Zündung erheblich von der Elektrodengeometrie beeinflusst wird, aufgrund der Umverteilung des elektrischen Feldes und der Plasmadichte. Es gibt eine nichtmonotone Abhängigkeit der Zündkerngröße vom Elektrodendurchmesser und der Spaltgröße. Die Erhöhung des Elektrodendurchmessers und der Spaltgröße über den optimalen Bedingungen führt zur Reduzierung des Zündkernvolumens,
500 Y. Ju et al. a­ ufgrund der Abnahme der Konzentration aktiver Spezies und der Gastemperatur, selbst bei größerem Entladungsvolumen. Gleichzeitig verringert die Erhöhung der Elektrodenspaltgröße das E/N und damit die Produktion von elektronisch angeregten Spezies und Radikalen. Bei einem größeren Elektrodendurchmesser und einer kleineren Elektrodenspaltgröße spielt auch der Wärmeverlust an die Elektroden eine größere Rolle bei der Reduzierung der Zündkerngröße und der Verlangsamung der Zündkernentwicklung. 3.2 Anwendung der Plasma-unterstützten Wasserstoffverbrennung in Antriebssystemen In Antriebssystemen sind die größten Herausforderungen die Brennstoff-/Luftmischung, Zündung, Flammenstabilisierung und Kühlung. Zum Beispiel ist in Staustrahltriebwerken mit Überschallverbrennung (Scramjet-Triebwerke) die Verweilzeit der Strömung im Triebwerk (~0,5 ms) kürzer als die Selbstzündzeit von typischen kerosinbasierten Kraftstoffen (~1–2 ms) bei 900 K. Selbst nachdem der Treibstoff gezündet wurde, kann die Verweilzeit des Flusses immer noch kürzer sein als die Zeit für die vollständige Verbrennung. Im Vergleich zu Kerosin kann Wasserstoff verwendet werden, um die Zündverzögerungszeit zu reduzieren und die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Wenn jedoch die Wärmeabgabe der Verbrennung zu schnell ist, kann die schnelle Wärmeabgaberate zu thermischer Verkokung des Strömung und einem Triebwerksversagen führen. Daher ist es wichtig, die Zündung und die Wärmeabgabe der Verbrennung gleichzeitig zu kontrollieren [4]. Es wurde gezeigt, dass der Plasmabrenner eine effektive Methode ist, um Flammen in Hochgeschwindigkeitsströmungen zu zünden und zu stabilisieren. Kimura [75] war der Erste, der einen Plasmabrenner zur Verbesserung der Wasserstoffzündung in einer Überschallströmung anwendete. Die Ergebnisse zeigten, dass die Injektion von Plasma, das mit relativ geringer elektrischer Leistung erzeugt wurde, sehr effektiv für die Flammenstabilisierung und Verbrennungsverbesserung war. Takita et al. [76] entwickelten einen Plasma-Zünder, um die Zündcharakteristiken von Plasmabrennern für einen Wasserstoffstrahl in einem Luftstrom zu untersuchen. Abb. 14 zeigt Schlierenfotografien für die Zündung in einem 20 m/s Luftstrom mit unterschiedlichen H2-Injektionshöhen (Yi) zu einem Sauerstoff-Plasmabrenner (dj gibt den Durchmesser der PlasmabrennerDüse an). Die drei Fälle werden in der Zündregion (Yi/dj = 10,0), in der Nähe der Zündgrenzregion (Yi/dj = 20,0) und außerhalb der Zündgrenzregion (Yi/dj = 26,7) durchgeführt. Abb. 14a zeigt, dass die Zündung effektiv erfolgt, wenn der Wasserstoffstrahl mit dem Plasmastrahl kollidiert. Wenn jedoch der Brennstoff an einer höheren Position als der Zündgrenze injiziert wird (siehe Abb. 14c), war der Zündbereich sehr klein. Aus dem Vergleich der Zündung unter den drei verschiedenen Bedingungen ist deutlich zu sehen, dass die Hochtemperatur-Zündregionen in
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 501 Luftstrom a) Im Bereich der Zündung (Yi /dj = 10) b) Nahe der Entzündungsgrenze (Yi /dj = 20) c) Außerhalb der Zündgrenze ((Yi /dj = 27) Plasmabrenner Abb. 14 Schlierenfotografien für verschiedene Brennstoff (H2) Injektorhöhen (Yi) zum Sauerstoff-Plasmabrenner. Die Luftstromgeschwindigkeit parallel zur Wasserstoffinjektion beträgt 20 m/s. dj gibt den Durchmesser der Plasmabrenner-Düse an [76] den oberen Bereichen des Plasmastrahls vergrößert sind, was auf die signifikante Verbesserung des Plasmabrenners bei der Wasserstoffverbrennung in Hochgeschwindigkeitsströmungen hinweist. Der Plasmabrenner ist ein Gleichgewichtsbogen, der die Zündung hauptsächlich durch den thermischen Effekt und die reichliche Produktion aktiver Spezies verbessert. Da die Temperatur des Plasmabrenners bis zu 10,000 K betragen kann, übersteigen die thermischen Effekte auf die Zündverbesserung die kinetischen Effekte. Um zu untersuchen, ob Nichtgleichgewichts-Plasma die Zündung in Hochgeschwindigkeitsströmungen verbessern kann, verwendeten Do et al. [77] eine Nanosekunden-Impuls-Plasmaentladung innerhalb einer Wandhöhle, um H2Jetflammen in Überschall-Querströmungen zu zünden. Ein Expansionstube wurde verwendet, um vergleichbare Bedingungen der Überschallströmung im Brenner eines Scramjet-Triebwerks zu erzeugen. Abb. 15 zeigt die OH-PLIFBilder von kavitätsstabilisierten selbstzündenden Flammen und Plasma-unterstützten Flammen unter verschiedenen Strömungsbedingungen der Mach-Zahl (Ma) und des Jet-Impulsverhältnisses (Jn). Jn wird als das Verhältnis der normalen Komponente des Jet-Impulsflusses zum Impulsfluss des freien Strömung definiert. Abb. 15a, c zeigen, dass selbstzündende Flammen innerhalb der Kavität ohne Plasmaenergiezufuhr verbleiben und die Flammenausbreitung in die freie Strömung ohne die Entladung begrenzt ist. Mit der Plasmaentladung werden die kavitätsstabilisierten Flammen verstärkt und breiten sich zur freien Strömung auf der Leeseite des Brennstoffstrahls aus, wie in Abb. 15b, d gezeigt. Die durch die Nanosekunden-Impuls-Plasmaentladung erzeugte Wärme und Radikale verkürzen die Zündverzugszeit des Gemisches. Die im Rahmen der Studie durchgeführte numerische Modellierung zeigte, dass die Zündverzugszeit aufgrund der Produktion von H- und O-Radikalen durch Elektronenstoßdissoziationsreaktio nen e + H2 → e + H + H (R13) und e + O2 → e + O + O (R14) verkürzt wird, was auf die signifikante kinetische Verbesserung des Nichtgleichgewichts-Plasmas bei der Zündung hinweist. Die signifikante Zündungsverbesserung von Überschallströmungen über einer flachen Wand wurde auch von Do et al. [78] beobachtet. Die Studien von Dutta et al. [79] und Matsubara et al. [80] zeigten ebenfalls die signifikanten kinetischen Effekte auf die Zündungsverbesserung in Hochgeschwindigkeitsströmungen.
Y. Ju et al. 502 ohne Plasma, Ma = 2,9, Jn ~ 4 mit Plasma, Ma = 2,9, Jn ~ 4 ohne Plasma, Ma = 2,6, Jn ~ 3,5 mit Plasma, Ma = 2,6, Jn ~ 3,5 Luftstrom Brennstoffdüse Kathode Anode Abb. 15 OH-PLIF-Bilder von selbstzündenden kavitätsstabilisierten Flammen und Plasmaunterstützten Flammen unter zwei verschiedenen Strömungsbedingungen: a ohne Plasma und b mit Plasma bei Ma = 2,9, Jn ~ 4 des H2-Jets, und c ohne Plasma und d mit Plasma bei Ma = 2,6, Jn ~ 3,5 des H2-Jets [77] In jüngster Zeit hat die Anwendung von Nanosekunden-Impuls-Hochfrequenzentladungen (NPHFD) in reaktiven Strömungen eine signifikante thermische und kinetische Verbesserung der Zündung gezeigt [81]. Gleichzeitig kann die Nanosekundenentladung bei verschiedenen Frequenzen die Energieeintrag und damit die Zündung in Zeitskalen von Nanosekunden bis Millisekunden steuern [82]. Lefkowitz et al. [82–85] untersuchten die Plasma-unterstützte Zündung durch NPHFD in fließenden Gemischen über einen weiten parametrischen Bereich in CH4/Luft-Gemischen. Die Ergebnisse zeigten, dass die PRF die Zündwahrscheinlichkeit und die minimale Zündleistung beeinflusst. Drei Regime der „Inter-PulsKopplung“, bezeichnet als „entkoppelt“, „teilweise gekoppelt“ und „vollständig gekoppelt“, wurden verwendet, um die Entladung und die nachfolgenden Zündkerninteraktionen zu klassifizieren. Im vollständig gekoppelten Regime mit den höchsten PRFs (bis zu 300 kHz) tritt eine Synergie zwischen den Entladungen in der Elektrodenlücke auf und erzeugt signifikant erhöhte Temperaturen und Radikalkonzentrationen. Dies kann im Kern anhalten, um eine erhöhte Zündwahrscheinlichkeit und eine schnellere Kernwachstumsrate zu erzeugen. Mao et al. [81] führten eine numerische Modellierung durch, um den Mechanismus der Inter-Puls-Kopplungseffekte auf die NPHFD-Zündung in einem fließenden H2/Luft-Gemisch (ϕ = 4,0) zu verstehen. Die Ergebnisse zeigten, dass der OHRadikalpool zwischen den Entladungsimpulsen und die Zunahme des chemischen
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 503 Effekts ­aufgrund der Zunahme von E/N im vollständig gekoppelten Regime zur Zündungsverbesserung beitragen. Eine erfolgreiche Zündung und Flammenausbreitung kann erreicht werden, wenn der Kern das kritische Zündvolumen bei hohen Puls-Wiederholungsfrequenzen erreichen kann. Für eine gegebene Gesamtentladungsenergie mit mehreren gepulsten Entladungen kann die effektive Zündungsverbesserung mit einer optimalen PRF und Pulsenzahl erreicht werden. 3.3 Übergang von Deflagration zu Detonation Da Plasma die Zündung erheblich verbessern kann, wurde das Nichtgleichgewichts-Plasma zur Untersuchung der Beschleunigung des Übergangsprozesses von Deflagration zu Detonation (DDT) eingesetzt. Dies kann weiterhin in der Entwicklung von Detonations- und Raketentriebwerken angewendet werden. Lefkowitz et al. [86] untersuchten die Auswirkungen von nanosekundenlang wiederholt gepulsten Entladungen auf gepulste Detonationstriebwerke (PDE). Die Zündverzugszeiten und die Hochgeschwindigkeitsvisualisierung des Wachstums des Zündkerns werden mit der nanosekundenlang gepulsten Entladung und der herkömmlichen Mehrfachfunkenentladung verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Zündverzugszeit in der PDE mit einer Vielzahl von Treibstoffen und Äquivalenzverhältnissen unter Verwendung der nanosekundenlang gepulsten Entladung erheblich verkürzt wurde. Die optische Emission und die Ergebnisse der numerischen Modellierung zeigten, dass die Reaktionen der angeregten Spezies die Produktion von O-Atomen und die Erhöhung der Gastemperatur förderten. Die kinetische und thermische Verbesserung durch Plasma verkürzt die Induktionschemie-Zeitskalen und reduziert die Flammenentwicklungszeit. Kürzlich untersuchten Vorenkamp et al. [87] die kinetische Verbesserung von nanosekundenlangen dielektrischen Barrierenentladungen (ns-DBD) Plasma auf Detonationsübergangs (DDT) Experimente in einem Mikrokanal bei atmosphärischem Druck. Eine Funkenentladung, die in einem Abstand von 50 mm von den DBD-Elektroden installiert war, wurde verwendet, um eine Verbrennungswelle zu initiieren. Eine variable Anzahl von Vorimpulsen mit dem letzten Impuls 100 μs vor der Funkenzündung wurde angewendet, wie in Abb. 16a gezeigt. Abb. 16b zeigt die zeitliche Entwicklung der Flammenfrontausbreitung durch die Hochgeschwindigkeitsvisualisierung. Im Vergleich zu den Bedingungen ohne Plasma breitet sich die Flammenfront mit 15 Plasma-Vorimpulsen viel schneller aus. Dies ist auf die Produktion von aktiven Spezies und Radikalen sowie auf die langsame und schnelle Gaserwärmung durch Nichtgleichgewichts-Plasma zurückzuführen. Abb. 16c zeigt die durchschnittliche DDT-Einsetzzeit und -Entfernung als Funktion der Anzahl der Vorimpulse. Es zeigt sich, dass die stärkste Plasma-Verbesserung auf DDT durch 15–30 Vorimpulse erreicht wird. Die DDTEinsetzentfernung und -Zeit können im Vergleich zu den Bedingungen ohne
Y. Ju et al. 504 Ausbreitungsrichtung der Flammenfront [cm] Flammenfront erreicht 5 cm-Marke DDT-Einsatz zeitpunkt Kein Plasma Zeit nach Zündung [μs] Vorimpulse Funken zündung 15 Pulse 5000 Impulse Chapman JouguetVermehrung Vermehrung nach Chapman Jouguet Entfernung Anzahl der Vorimpulse Zeit Entfernung Anfangsabstand[mm] Zeit DDT Beginn Zunahme Einschaltzeit [μs] Einschaltzeit [μs] DDT Beginn Reduktion Anfangsabstand[mm] Zeit Anzahl der Vorimpulse Abb. 16 a Zeitliche Abfolge der Plasmaentladung, Zündung und Beginn des DDT; b Hochgeschwindigkeitsbildaufnahmen der Flammenfrontfortschritte ohne (links) und mit (rechts) 15 Plasma-Vorimpulsen; und c durchschnittliche DDT-Einsetzreduktion (links) und Zunahme (rechts) in Entfernung und Zeit für DME/O2/Ar-Mischungen (30 % Ar, ϕ = 0,7) [87] Plasmaentladung um 33 % bzw. 48 % reduziert werden. Daher ist es vielversprechend, Plasma zur Steuerung des DDT für die Entwicklung von Detonationsund Raketentriebwerken zu verwenden. Es ist interessant zu sehen, dass die weitere Erhöhung der Anzahl der Vorimpulse zu einer Erhöhung der DDT-Einsetzzeit und -Entfernung führt. Der verwendete Treibstoff ist Dimethylether (DME), der ein negatives Temperaturkoeffizienten (NTC) Verhalten und eine niedrige Temperatur Verbrennungschemie aufweist. Dieser nichtlineare Effekt ist auf den Wettbewerb zwischen den durch Plasma verbesserten kinetischen Effekten auf die Zündung und die reduzierte Wärmeabgabe der Verbrennungswellenfront aufgrund der Treibstoffoxidation mit mehr Plasma-Vorimpulsen zurückzuführen. Gray et al. [88, 89] führten Experimente durch, bei denen eine nanosekundenlang wiederholt gepulste Entladung verwendet wurde, um eine sich ausbreitende turbulente Wasserstoff/Luft-Flamme bei nahezu Umgebungsbedingungen (1 bar und Raumtemperatur) zu beschleunigen. Die Verbesserung des Übergangs von Deflagration zu Detonation und eine signifikante Reduzierung der Anlaufstrecke wurden beobachtet. Abb. 17a zeigt ein Schema des experimentellen Aufbaus. Eine Zündkerze wird verwendet, um die anfängliche Verbrennungswelle zu erzeugen. Die Plasmaentladung wird durch sechzehn rostfreie Stahlelektroden erzeugt, die in das Acrylrohr eindringen und mit Epoxidharz fixiert sind. Die Flammenausbreitung wird verstärkt und beschleunigt, wenn sie durch die Plasmaentladung hindurchgeht. Abb. 17b zeigt die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit, die durch Zeitmessungen mit den Ionisationssonden an verschiedenen Stellen stromabwärts der Plasmaentladung ermittelt wurde. Zehn Experimente wurden mit und
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung I1-I8: Ionisierungssonden Ventil NFP entlädt Generator Zündan lage HV- HV+ d: Eindringtiefe g: Spaltabstand Vorderansicht PXI Daten erfassungssystem Druck sensor Wasserstoff Luft spülung Zünd kerze Umwälz pumpe Abgasspülung Lochplatte Acrylglas mit Elektroden Luft Vakuum pumpe Ausbreitungsgeschwindigkeit, m/s Impuls-/ Verzögerungs generator 505 Plasma Kein Plasma , , , Position, m , Abb. 17 a Schema des experimentellen Aufbaus; und b Zeitmessungen mit einer angelegten Spannung von 21 kV, einer Eindringtiefe der Elektrode von 1 mm und einem Elektrodenabstand von 9,1 mm für eine stöchiometrische H2/Luft-Mischung [89] ohne Plasmaentladung durchgeführt. Ohne Plasma geht die Flamme nicht vor I7 in eine Detonation über. Mit Plasma wird die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit dramatisch beschleunigt und die Flamme geht in allen Fällen vor der Sonde I7 in eine Detonation über und die Ausbreitungsgeschwindigkeit übersteigt die Chapman-Jouguet (CJ) Geschwindigkeit. Die Ergebnisse zeigen auch, dass zwei Arten von Verbesserungsmechanismen in plasmaunterstützten Fällen identifiziert werden können. Beachten Sie, dass zwischen I3 und I4 die Ausbreitungsgeschwindigkeit von 50 % der Experimentfälle die CJ-Geschwindigkeit übersteigt und dann zwischen I4 und I5 abnimmt. Dies liegt daran, dass die erste sichtbare Entladung deutlich vor der Flamme auftritt. Die Wechselwirkung des Plasmakerns und der führenden Stoßwelle vor der Hauptflamme führt zur Erhöhung der Flammenausbreitungsgeschwindigkeit. In den anderen 50 % der Fälle beträgt die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit etwa 1000 m/s unter der CJGeschwindigkeit. In diesen Fällen tritt die erste Entladung auf, wenn die Flamme die Elektrodenlücke erreicht und beschleunigt die Flamme lokal. 4 Zusammenfassung und zukünftige Forschung Dieses Kapitel fasst das grundlegende Verständnis von plasmaunterstützter Wasserstoffverbrennung und deren Anwendung auf Wärmekraftmaschinen zusammen. Sowohl die experimentellen als auch die numerischen Studien zeigen, dass Nichtgleichgewichts-Plasma die Wasserstoffzündung und -verbrennung über thermische, kinetische und Transportwege erheblich verbessern kann. Im NichtgleichgewichtsPlasma ist die Radikalproduktion durch Elektronen, Ionen und schwingungs- und elektronisch angeregte Spezies viel schneller als die wichtige Kettenverzweigungsund Kettenfortpflanzungsreaktionen von erbrennungsreaktionen im Grundzustand, insbesondere bei niedrigen Temperaturen oder in den Anfangsstadien des Verbrennungsprozesses. Das Auslöschen und die Relaxation von elektronisch und
506 Y. Ju et al. schwingungsangeregten Zuständen von Atomen und Molekülen von der Nanosekunde bis zur Millisekunde bietet schnelle und langsame Gasaufheizung für das Gemisch. Ein größerer Entladungsraum als der durch eine Nichtgleichgewichtsentladung erzeugte kritische Radius kann auch die Zündung zur Flammenübergang beschleunigen und die Zündgrenze erweitern. Die Ergebnisse zeigen, dass Plasma die Aktivierungsenergie für Wasserstoffoxidation sowie den kritischen Flammenradius und die minimale Zündenergie reduziert. Die plasma-thermochemische Instabilität in der plasmaunterstützten H2-Verbrennung zeigt, dass es eine positive Rückkopplung und Kopplung zwischen Entladungsungleichmäßigkeit und plasmaunterstützten chemischen Reaktionen gibt. Die verschiedenen chemischen Modi aus chemischem Wärmenichtgleichgewicht und elementarer Kinetik können die Zeitdynamik und die Stabilität des schwach ionisierten Plasmas erheblich verändern. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass die plasma-thermochemische Instabilität durch chemische Kinetik kontrolliert werden kann. Für die Anwendung von plasmaunterstützter Wasserstoffverbrennung in Wärmekraftmaschinen zeigen die Ergebnisse, dass die Zündverzugszeit drastisch verkürzt werden kann und das Gemisch sogar bei niedrigeren Temperaturen gezündet werden kann. Die Energieabgabe aus exothermen Reaktionen von Wasserstoff mit O und H-Radikalen, die im Plasma erzeugt werden, ist ein Schlüsselfaktor in der Zündkinetik, was auf die signifikante kinetische Verbesserung des Plasmas bei der H2-Zündung hinweist. Diese starke kinetische Verbesserung verbessert die Zündung im Antriebssystem erheblich und beschleunigt den Deflagrations- zu Detonationsübergangsprozess. Es wird auch gezeigt, dass die maximale Zündverbesserung bei geeigneter elektrischer Feldstärke, Elektrodengeometrie und Entladungscharakteristika, wie Pulswiederholungsfrequenz und Pulszahl, erreicht wird. Die Nutzung von Wasserstoff zur Energiespeicherung und als Brennstoff für Verbrennungsmotoren wird zweifellos eine wichtige Rolle in der Zukunft der Energie- und Antriebssektoren spielen, was durch die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen zur Bekämpfung des Klimawandels sowie die Entwicklung neuer Antriebstechniken wie Scramjets und Detonationsantrieben erforderlich ist. Daher ergeben sich neue Möglichkeiten für den Einsatz von plasmaunterstützten Verbrennungskonzepten, und es gehört zu den Technologien, die den Übergang zu einer robusten H2-betriebenen Zukunft ermöglichen werden. Die Entwicklung effizienter Plasmaentladungen für die Zündung großer Volumen bei hohen Drücken ist jedoch der Schlüssel, der in Wärmekraftmaschinen gelöst werden muss. Die Entwicklung und Anwendung neuer Entladungstechniken zur Steuerung der Entladungscharakteristika in Wärmekraftmaschinen ist ebenfalls eine Herausforderung. Darüber hinaus bleibt die genaue Modellierung von plasmaunterstützter Verbrennung in mehrdimensionalen Simulationen, selbst für H2-Verbrennung mit ihrem kleinen kinetischen Mechanismus, schwierig. Daher ist die plasmaunterstützte Verbrennung von H2 ein Thema, das weiterer Erforschung bedarf, wie die in diesem Kapitel skizzierten Studien belegen.
Plasmaunterstützte Wasserstoffverbrennung 507 Lireratur 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. Ritchie H, Roser M (2020) Energy. Published online at OurWorldInData Dale S (2021) BP statistical review of world energy 2021. BP Plc, London, UK Fridman A (2008) Plasma chemistry. Cambridge University Press Ju Y, Sun W (2015) Plasma assisted combustion: dynamics and chemistry. Prog Energy Combust Sci 48:21–83 Starikovskiy A, Aleksandrov N (2013) Plasma-assisted ignition and combustion. Prog Energy Combust Sci 39:61–110 Ju Y, Sun W (2015) Plasma assisted combustion: progress, challenges, and opportunities. Combust Flame 162:529–532 Starikovskaia SM (2006) Plasma assisted ignition and combustion. J Phys D Appl Phys 39:R265 Matveev IB, Ardelyan N, Bychkov V, Bychkov D, Kosmachevskii K (2013) Plasma assisted combustion, gasification and pollution control. Int Plasma Technol Center 1:1–28 Ju Y, Reuter CB, Yehia OR, Farouk TI, Won SH (2019) Dynamics of cool flames. Prog Energy Combust Sci 75:100787 Ju Y (2021) Understanding cool flames and warm flames. Proc Combust Inst 38:83–119 Snoeckx R, Bogaerts A (2017) Plasma technology—A novel solution for CO2 conversion? Chem Soc Rev 46:5805–5863 Mao X, Chen Q, Guo C (2019) Methane pyrolysis with N2/Ar/He diluents in a repetitivelypulsed nanosecond discharge: kinetics development for plasma assisted combustion and fuel reforming. Energy Convers Manag 200:112018 Zhong H, Shneider MN, Mokrov MS, Ju Y (2019) Thermal-chemical instability of weakly ionized plasma in a reactive flow. J Phys D Appl Phys 52:484001 Tang Y, Xie D, Shi B, Wang N, Li S (2022) Flammability enhancement of swirling ammonia/air combustion using AC powered gliding arc discharges. Fuel 313:122674 Wang C, Wu W (2014) Roles of the state-resolved OH (A) and OH (X) radicals in microwave plasma assisted combustion of premixed methane/air: an exploratory study. Combust Flame 161:2073–2084 Chintala N, Bao A, Lou G, Adamovich IV (2006) Measurements of combustion efficiency in nonequilibrium RF plasma-ignited flows. Combust Flame 144:744–756 Aleksandrov N, Kindysheva S, Kukaev E, Starikovskaya S, Starikovskii AY (2009) Simulation of the ignition of a methane-air mixture by a high-voltage nanosecond discharge. Plasma Phys Rep 35:867–882 Sun W, Uddi M, Won SH, Ombrello T, Carter C, Ju Y (2012) Kinetic effects of non-equilibrium plasma-assisted methane oxidation on diffusion flame extinction limits. Combust Flame 159:221–229 Bak MS, Do H, Mungal MG, Cappelli MA (2012) Plasma-assisted stabilization of laminar premixed methane/air flames around the lean flammability limit. Combust Flame 159:3128–3137 Sun W, Won SH, Ombrello T, Carter C, Ju Y (2013) Direct ignition and S-curve transition by in situ nano-second pulsed discharge in methane/oxygen/helium counterflow flame. Proc Combust Inst 34:847–855 Mao X, Chen Q (2018) Effects of vibrational excitation on nanosecond discharge enhanced methane-air ignition. AIAA J 56:4312–4320 Kosarev I, Kindysheva S, Aleksandrov N, Starikovskiy AY (2015) Ignition of ethanolcontaining mixtures excited by nanosecond discharge above self-ignition threshold. Combust Flame 162:50–59 Mao X, Rousso A, Chen Q, Ju Y (2019) Numerical modeling of ignition enhancement of CH4/O2/He mixtures using a hybrid repetitive nanosecond and DC discharge. Proc Combust Inst 37:5545–5552
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Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren Nobuyuki Kawahara und Ulugbek Azimov Zusammenfassung Wasserstoff ist einer der attraktivsten alternativen Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren (IC), da er kein Kohlendioxid (CO2) oder andere Treibhausgase produziert. Es gibt jedoch einige Herausforderungen im Zusammenhang mit der Wasserstoffverbrennung in Verbrennungsmotoren. Wenn ein Verbrennungsmotor mit durch den Einlasskanal zugeführtem Wasserstoff betrieben wird, kann die Verbrennung vor der Zündkerzenzündung (SI) beginnen. Dies wird als Rückzündung bezeichnet und bezieht sich auf den Beginn der Verbrennung während des Verdichtungsprozesses. Darüber hinaus wird der als Rückzündung bezeichnete Prozess beobachtet, der sich auf den Beginn der Verbrennung während des Ansaugprozesses bezieht. Auch das Verringern des LuftKraftstoff-Verhältnisses, um eine höhere Ausgangsleistung zu erzielen, kann zu Motorklopfen führen, was bei indirekten Einspritz-SI-Motoren und CI-Motoren auftreten kann. Während eines klopfenden Verbrennungsprozesses kann es aufgrund der turbulenten Flammenausbreitung nach der Zündung zu einer Selbstzündung im Abgasbereich kommen. Ein solcher Selbstzündungsprozess des Abgases erzeugt Druckwellen und hochfrequente Schwingungen des Zylinderdrucks. Diese Selbstzündung und Druckwellen können dazu führen, dass die thermische Grenzschicht in der Nähe der Zylinderwand und des Kolbenkopfes zusammenbricht, was zu Schäden an der Zylinderwand und am Kolbenkopf führen kann. In diesem Kapitel werden Frühzündung/Rückzündung und klopfende Verbrennung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren im Detail erklärt. N. Kawahara (*) Nobuyuki Kawahara, Okayama University, Tsushima-Naka 3, Kita-Ku, Okayama, Japan E-Mail: kawahara@okayama-u.ac.jp U. Azimov Ulugbek Azimov, Northumbria University, Newcastle Upon Tyne, UK E-Mail: ulugbek.azimov@northumbria.ac.uk © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_12 513
514 N. Kawahara und U. Azimov Abkürzungen CFD Numerische Strömungsmechanik CI Selbstzündung CO Kohlenmonoxid CO2 Kohlendioxid DME Dimethylether FFT Fast Fourier Transformation HC Kohlenwasserstoff HCCI Homogene Kompressionszündung H2 Wasserstoff IC Verbrennungsmotor IMEP Angegebener mittlerer effektiver Druck Kint Klopfintensität NO Stickstoffmonoxid NO2 Stickstoffdioxid NOx Stickoxide NTP Standardbedingungen PCC Plume Ignition Combustion Concept PPP Maximale Druckpulsation PREMIER Vorgemischte Gemischzündung im Endbereich SI Fremdzünder SOx Schwefeloxide θIT Zündzeitpunkt 1 Übersicht Ab April 2021 haben 125 Länder und Regionen ihre Absicht erklärt, kohlenstoffneutral zu werden, das heißt, ihre Treibhausgasemissionen insgesamt auf null zu reduzieren. Der Begriff „Null-Emissionen insgesamt“ bezieht sich auf die Gesamtmenge an Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen, die praktisch auf null reduziert werden müssen, indem die durch Aufforstung und Waldmanagement absorbierte Menge von der insgesamt emittierten Menge abgezogen wird. Um Kohlenstoffneutralität zu erreichen, ist es notwendig, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und die Absorption von Treibhausgasen zu erhalten und zu verbessern. Um Treibhausgasemissionen zu reduzieren, wird erwartet, dass alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff, komprimiertes Erdgas, Alkohole (Methanol und Ethanol), Flüssiggas, Biogas, Generatorgas und Biodiesel unter anderem in Verbrennungsmotoren (IC) verwendet werden. Wasserstoff ist einer der attraktivsten alternativen Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren, da er kein Kohlenmonoxid (CO), keine Kohlenwasserstoffe (HC), keinen Rauch, keine Schwefeloxide (SOx), kein Blei oder andere giftige Metalle, keine Schwefelsäure, kein Ozon und andere Oxidationsmittel, kein Benzol oder andere ­krebserregende
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 515 ­erbindungen, kein CO2, kein Formaldehyd oder andere Treibhausgase V produziert. Die einzigen unerwünschten Emissionen infolge der Wasserstoffverbrennung könnten Stickstoffmonoxide (NO) und Stickstoffdioxide (NO2) sein, die zusammen als Stickoxide (NOx) bezeichnet werden. Dennoch hatten Forscher/Entwickler von Wasserstoffmotoren immer Probleme mit der abnormalen Verbrennung von Wasserstoff. Downs et al. [1] untersuchten die Betriebsbedingungen eines wasserstoffbetriebenen SI-Motors mit Motorklopfen; sie stellten fest, dass die Selbstzündung mit einem fetteren Gemisch früh im Verdichtungshub auftritt, sodass es schließlich im Ansaugkrümmer zündet und eine Rückzündung verursacht. Kondo et al. [2] identifizierten ein abnormales elektrisches Entladungssignal vor der Rückzündung. Sie fanden heraus, dass die abnormale elektrische Entladung im Ansaugtakt eine der Ursachen für die Rückzündung war. Es wurde auch festgestellt, dass die abnormale elektrische Entladung durch die hohe Energie verursacht wurde, die im Zündsystem aufgrund niedriger Ionenstromflüsse infolge niedrigerer Ionenkonzentrationen in Wasserstoffflammen im Vergleich zu Benzinflammen zurückgehalten wurde. Die Motorleistung wurde durch die Modifikation des Zündsystems zur Vermeidung von Restenergie dramatisch verbessert. Sie entdeckten jedoch, dass Rückzündungen immer noch auftreten würden, wenn das Luftüberschussverhältnis λ 1,6 oder höher war. Sie schlussfolgerten, dass die Rückzündungsschwelle durch Kühlung der Zündkerzenelektrode mit Wasser zur Senkung der Temperatur verbessert werden könnte. Wasserstoff wurde auch in Dieselmotoren (CI) verwendet [3–5]; jedoch ist die Selbstzündungstemperatur von Wasserstoff so hoch, dass eine spezifische Zündquelle erforderlich ist, während die minimale Zündenergie ziemlich niedrig ist. Dies bedeutet, dass es schwierig ist, Wasserstoff nur durch den Verdichtungsprozess zu zünden. Dimitriou und Tsujimura [6] gaben einen Überblick über die Wasserstoffverbrennung in Dieselmotoren; sie zeigten die Schwierigkeit der Nutzung von Wasserstoff allein in Dieselmotoren, was den Einsatz von Glühkerzen und Kraftstoffen erfordert, die bei niedrigeren Temperaturen selbstzünden. Die Konzepte hinter Zweistoffmotoren mit Pilot-Dieseleinspritzung wurden auch auf wasserstoffbetriebene Verbrennungsmotoren angewendet [7–9]. Liu und Karim [7] zeigten, dass die Frühzündreaktivität von Wasserstoff im Motor, die sich deutlich von der anderer Kraftstoffe unterscheidet, tendenziell niedrig ist, aber mit der Erhöhung der Wasserstoffkonzentration im Zylinderladungsvolumen verstärkt wird. Die Bereiche für den Klopfbetrieb mit Wasserstoffzufuhr waren jedoch breiter als die bei anderen gasförmigen Kraftstoffen. Tomita et al. [8] untersuchten einen Zweistoffmotor, der mit Wasserstoff als Hauptkraftstoff betrieben wurde, der in ein Einlassventil eingespritzt wurde, und Dieselöl als Zündquelle, das in den Zylinder eingespritzt wurde. Sie stellten fest, dass, wenn der Einspritzzeitpunkt des Dieselkraftstoffs in den Zylinder vorverlegt wurde, das Dieselöl gut mit dem Wasserstoff-Luft-Gemisch vermischt wurde und die anfängliche Verbrennung tendenziell mild wurde. NOxEmissionen nahmen aufgrund der mageren Vormischverbrennung ohne den Bereich hoher Temperaturen des verbrannten Gases ab. Roy et al. [9] untersuchten die Motorleistung und Emissionen eines Kompressormotors, der mit Wasserstoff und drei anderen wasserstoffhaltigen gasförmigen Kraftstoffen betrieben wurde (wie
516 N. Kawahara und U. Azimov Hauptkraftstoffe und Diesel als Pilotkraftstoff im Zweistoffmodus); der Betrieb mit reinem H2 erzeugte weniger maximale Leistung als die anderen Kraftstoffe, aufgrund seiner viel magereren Betriebsweise. Die zweistufige Verbrennung, die die Zündung des vorgemischten Gemisches im Endgasbereich (PREMIER) umfasst, wie später in diesem Kapitel ausführlicher besprochen wird, liefert Hinweise auf die maximalen Leistungsbedingungen und Vorläufermerkmale der klopfenden Verbrennung. Die Emissionen von CO und HC beim Betrieb mit reinem H2 waren 98–99,9 % und NOx etwa 85–90 % weniger als die anderer wasserstoffhaltiger gasförmiger Kraftstoffe. Direkteinspritzende SI-Motoren [10–12] haben aufgrund ihrer hohen volumetrischen Effizienz und ihres Potenzials zur Vermeidung von Frühzündung und Rückzündung, die die größten Probleme bei wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotoren darstellen, viel Aufmerksamkeit erregt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die späte Einspritzung von Wasserstoff die NOx-Emissionen aufgrund des resultierenden geschichteten Betriebs erheblich reduziert, selbst unter hohen Motorlastbedingungen. Rottengruber et al. [10] untersuchten die Betriebsstrategie und die Leistungsdichtepotenziale eines wasserstoffdirekteinspritzenden SI-Motors. Sie stellten fest, dass mit Direkteinspritzung ein Hochlastbetrieb bei stöchiometrischen Gemischen möglich war. Die maximale Motorleistung konnte um mehr als 20 % über die eines herkömmlichen Benzinmotors in Kombination mit einem indizierten Wirkungsgrad von mehr als 33 % gesteigert werden. Mohammadi et al. [11] untersuchten ebenfalls die Leistung und Verbrennungseigenschaften eines direkteinspritzenden SI-Wasserstoffmotors. Sie stellten fest, dass die Direkteinspritzung von Wasserstoff Rückzündung verhindert und dass durch die Einspritzung von Wasserstoff während des späten Verdichtungshubs eine hohe teffektiven Wirkungsgrad und Ausgangsleistung erreicht werden konnte. White [12] untersuchte experimentell die Gemischbildung in einem direkteinspritzenden wasserstoffbetriebenen Motor. Die Experimente umfassten Messungen des Motorbetriebs mit Wasserstoffeinspritzung im Zylinder entweder vor oder nach dem Schließen des Einlassventils (IVC). Um die Auswirkungen des Einspritzdrucks auf die Gemischbildung zu bewerten, wurden zwei Einspritzdrücke für die Einspritzung nach IVC verwendet. Er stellte fest, dass bei später Einspritzung und für beide Einspritzdrücke Wasserstoff überwiegend in kleinen Volumina konzentriert war, die räumlich nahe der Zylinderwand lagen. Dies deutete darauf hin, dass die Geometrie der Einspritzdüse (oder der Standort der Einspritzdüse) für späte Einspritzstrategien nicht ideal war, aufgrund eines erwarteten erhöhten Wärmeverlusts durch die Verbrennung lokal reicher Bereiche nahe der Zylinderwand. Takagi et al. [13] schlugen das Plume Ignition Combustion Concept (PCC) vor, bei dem das Schweif des Wasserstoffstrahls nach Abschluss der Kraftstoffeinspritzung durch einen Funken gezündet wird, um die Verbrennung eines fetten Gemisches in direkteinspritzenden SI-Motoren zu ermöglichen. Sie untersuchten die Wirkung der Verzögerung des Einspritzzeitpunkts bis spät im Verdichtungshub, jedoch leicht vor dem ursprünglichen PCC, um unverbrannte Wasserstoffemissionen zu reduzieren und den effektiven Wirkungsgrad zu verbessern. Diese Effekte resultieren aus einem zentroidal axial
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 517 geschichteten Gemisch, das eine relativ hohe Ladung in der Nähe der Zündkerze positioniert, wie durch funkeninduzierte Plasma-Spektroskopie gemessen [14]. Zu den bei Wasserstoff-Verbrennungsmotoren gemeldeten Problemen gehören Frühzündung, Rückzündung und Klopfen bei höheren Leistungen [15]. Eine Erhöhung des Äquivalenzverhältnisses (durch Verringerung des Luft-Kraftstoff-Verhältnisses, insbesondere bei einem stöchiometrischen Gemisch), um eine höhere Ausgangsleistung zu erzielen, verursacht Klopfen im Motor, selbst bei Direkteinspritzung in SI-Motoren. Die höhere Flammgeschwindigkeit von Wasserstoff führt zu einem guten teffektiven Wirkungsgrad, da eine schnelle Verbrennung im Wasserstoff-SI-Motor erreicht werden kann; sie erhöht jedoch auch den Wärmeverlust an der Zylinderwand und kann unter hohen Lastbedingungen Klopfen verursachen. In diesem Kapitel werden Frühzündung, Rückzündung und Klopfen von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren im Detail erklärt. Wie oben erwähnt, ist dem Autor zufolge wenig über anormale Verbrennung in CI-Motoren bekannt, da Forscher Schwierigkeiten haben, die optimalen Bedingungen für die Erreichung der Motorlebensfähigkeit nur mit Wasserstoff zu identifizieren. Aus diesem Grund konzentrieren wir uns hier auf SI-Motoren und die Eigenschaften der anormalen Motorverbrennung, wie folgt: Frühzündung: Die Verbrennung beginnt im Brennraum während des Verdichtungshubs des Motors vor der Zündung durch den Funken. Rückzündung: Das Wasserstoff-Luft-Gemisch wird während des Ansaugtakts verbrannt, typischerweise in den Ansaugkrümmern. Klopfen: Selbstzündung tritt im Endgasbereich aufgrund turbulenter Flammen auf, die sich nach der Funkenzündung ausbreiten. Diese Selbstzündung des Endgases erzeugt auch Druckwellen und hochfrequente Schwingungen des Zylinderdrucks. Experimentelle Ergebnisse zu anormalen Verbrennungsbedingungen werden vorgestellt. Anschließend wird die Modellierung der anormalen Motorverbrennung erklärt. Eine aktuelle Studie über thermisch effizienteren Betrieb ohne Klopfen unter Verwendung der Endgas-Selbstzündung wird ebenfalls untersucht. Schließlich wird die effektive Nutzung der Endgas-Selbstzündung diskutiert. 2 Frühzündung/Rückzündung Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, beginnt die Verbrennung, wenn ein Verbrennungsmotor mit Wasserstoff betrieben wird, der durch das Einlassventil zugeführt wird, vor der SI. Frühzündung bezieht sich auf den Beginn der Verbrennung während des Verdichtungsprozesses, während Rückzündung den Beginn der Verbrennung während des Ansaugprozesses bezeichnet. Wenn die Frühzündung während der Verdichtung vor dem Zündzeitpunkt auftritt, schreitet der Zeitpunkt der Frühzündung allmählich voran, und die Verbrennung beginnt, bevor
518 N. Kawahara und U. Azimov das Einlassventil schließt. Dies kann zu einem Übergang zur Rückzündung führen. Bei der Rückzündung, wenn die Verbrennung im Zylinder während des Ansaugtakts beginnt, breitet sie sich durch das Einlassventil auf das Luftgemisch im Einlassrohr aus und erzeugt ein lautes Explosionsgeräusch. Bezüglich der Phänomene der Frühzündung und Rückzündung schlugen King et al. [16, 17] 1949 eine Partikeltheorie vor und nahmen an, dass die Verbrennung vor dem Zündzeitpunkt als Frühzündung oder Rückzündung aufgrund des Kohlenstaubs (feine Partikel) aus dem Schmieröl beginnt. Er erklärte, dass die Installation eines Luftfilters im Einlass des Motors das Eindringen von Staub verhindern kann. Obwohl die Reibungselektrifizierung von Partikeln als Ursache der Frühzündung angenommen wurde, verhinderte die Verwendung eines Luftfilters die Frühzündung, sodass das Phänomen wahrscheinlich nicht durch die Reibungselektrifizierung von Partikeln verursacht wurde. Andererseits führte Heywood die Frühzündung/Rückzündung auf Oberflächenzündung zurück [18]. Die Oberflächenzündung tritt vor der Zündung auf, wenn die Zündung des Luft-KraftstoffGemisches durch heiße Einlass-/Auslassventile, heiße Zündkerzenelektroden, Schmieröl im Brennraum usw. gestartet wird. Die Einlass- und Auslassventile und Zündkerzenelektroden werden durch die Verbrennung über mehrere Zyklen heiß, sodass die Kraftstoffzündung eingeleitet wird und die Verbrennung von den heißen Metallteilen oder Kohlenstoffablagerungen ausgeht. Lee et al. [19] untersuchten die Rückzündung eines Wasserstoff-SI-Motors, bei dem sie Wasserstoff in den Ansaugkanal einführten. Vorgemischte Luft wurde in den Motorzylinder gezogen; sie verwendeten den Ausdruck „Rückschlag“, um die Rückzündung im Wasserstoff-SI-Motor zu beschreiben, die sie auf die hohe Temperatur der Brennkammerwand zurückführten. Der 115te Zyklus der Zylinderdruckhistorie, der dem Rückschlagzyklus entspricht, ist in Abb. 1 [19] gezeigt; der Rückschlag wurde in der Frühzündungsphase während des Verdichtungshubs eingeleitet und führte zur Zündung des Ansauggemisches. Dies wurde von der Flammenausbreitung in das Einlassrohr gefolgt. Da kein brennbares Gemisch in den Brennraum gelangen kann, stoppte der Motor. Im Gegensatz zu experimentellen Studien, die die Oberflächenzündung als Ursache der Rückzündung/Frühzündung anführen, betrachteten Kondo et al. [2] die folgenden drei Ursachen für Rückzündung/Frühzündung in Wasserstoff-SIMotoren: 1. Abnormale Funkenentladung während der Ausstoss- und Ansaugtakte; 2. Höhere Temperatur der seitlichen Elektrode der Zündkerze; 3. Kontinuierliche Verbrennungsreaktion an der oberen Kolbenringsfläche. Diese Phänomene werden im Folgenden genauer untersucht. 1. Abnormale Funkenentladung während der Ausstoss- und Ansaugtakte Nach dem Funkenentladung bleibt eine hohe elektrische Energie im Zündkerzenkabel und in der Hochspannungseinheit. Die Restentladungsspannung kann während der Ausstoss- und Ansaugtakte zu abnormalen Funkenentladungen führen.
519 Zylinderdruck (MPa) Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … Kurbelwinkel (deg.) Abb. 1 Zylinderdruckvariation bei 1500 U/min, WOT, Äquivalenzverhältnis ist 1,0 [19] Wenn eine abnormale Funkenentladung in Anwesenheit eines Wasserstoff/LuftGemisches im Brennraum auftritt, wie während der Ansaug- und Verdichtungstakte, kommt es aufgrund der abnormalen Funkenentladung zu Rückzündungen/Frühzündungen. Kondo et al. [2] maßen die Entladungsspannungen im Zündkerzenkabel und in der Hochspannungseinheit (Abb. 2). Sie erklärten, dass die für die normale Zündung erforderliche Spannung und die Restenergie im Fall eines HC-basierten Kraftstoffs niedriger sind als bei einem wasserstoffbetriebenen Motor, da Ionen wie H3O+ und C3H3+ in der Flamme des HC-Kraftstoffs reichlich vorhanden sind, wie in Abb. 3 gezeigt [2]. Die Restenergie wird auch in Form eines Ionenstroms von den reichlich vorhandenen Ionen leicht verbraucht, was zu einer Reduktion der Restenergie im HC-basierten Kraftstoff führt. Im Fall eines wasserstoffbetriebenen Motors sind hingegen der Widerstand der Flamme, die erforderliche Spannung und die Restenergie größer als bei einem Benzinmotor, aufgrund des geringeren Ionenstroms in der Flamme. Darüber hinaus fließt der Ionenstrom kaum aufgrund der geringeren Ionenkonzentration und bleibt bis zum nächsten Zyklus unverändert. Sie schlussfolgerten, dass eine abnormale Funkenentladung auftritt, wenn die erforderliche Spannung in der Funkenstrecke aufgrund des Endes der Verbrennung und/oder einer Reduktion des Zylinderdrucks abfällt, was mit der Menge der verbleibenden elektrischen Energie übereinstimmt. Sie kamen zu dem Schluss, dass Rückzündungen/Frühzündungen durch die Restentladungsspannung verursacht werden. Tatsächlich wurde bestätigt, dass die Verhinderung der Entwicklung einer Restentladungsspannung das Auftreten von Rückzündungen/Frühzündungen verhindert.
N. Kawahara und U. Azimov 520 Wasserstoffmotor Normaler Zündzeitpunkt Zylinderdruck (MPa) Motordrehzahl;2000rpm λ=2.78 Elektrische Restenergie TDC-Markierung Motordrehzahl:2000rprn Elektrische Restenergie Zylinderdruck (MPa) Normaler Zündzeitpunkt Benzinmotor TDC-Markierung Wasserstoffmotor (λ =2,3) Zündsignal Zündsignal Ionenstrom TDC-Markierung Ionenstrom TDC-Markierung Ionenstrom (μ A) Ionenstrom (μ A) Motordrehzahl: 1600rpm B.M.E.P.:0.445MPa Benzinmotor Zylinderdruck (MPa) Abb. 2 Vergleich der Restenergie zwischen Wasserstoff- und Benzinmotoren [2] Abb. 3 Vergleich des Ionenstroms zwischen Benzin- und Wasserstoffmotoren [2] 2. Höhere Temperatur der seitlichen Elektrode der Zündkerze Die Frühzündung, die unter hoher Last zu Rückzündungen führt, ist vermutlich auf das Vorhandensein von Hochtemperaturbereichen zurückzuführen, in denen Hotspots im Brennraum existieren. Unter Hochlastbetriebsbedingungen tritt Rückzündung/Frühzündung aufgrund der hohen Temperatur der seitlichen Elektroden der Zündkerze auf. Tatsächlich ist die hohe Temperatur der seitlichen Elektroden der Zündkerze die Ursache für die Oberflächenzündung, wie von Heywood vorgeschlagen [18]. Um dies zu testen, installierten Kondo et al. Thermoelemente an den seitlichen Eelektroden der Zündkerze und maßen die Temperatur [2]. Unter
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … Abb. 4 Auswirkungen einer wassergekühlten Zündkerze auf die Rückzündungsschwelle [2] 521 Luftzahl (λ) Normales Kabel Geändertes Kabel Wassergekühlter Stecker Motordrehzahl (U/min) Hochlastbetrieb überschritt die Temperatur der seitlichen Elektroden der Zündkerze 900 °C, und das Gemisch aus Wasserstoff und Luft entzündete sich leicht. Kondo et al. [2] zeigten auch, dass die Verwendung einer wassergekühlten Zündkerze ohne seitlichen Elektrode das Auftreten von Rückzündung/Frühzündung unterdrücken kann, wie in Abb. 4 gezeigt [2]. 3. Kontinuierliche Verbrennungsreaktion an der oberen Kolbenringfläche Koyanagi et al. [20] installierten einen Halter für eine fotografische Linse in einem Zylinderkopf eines Motors, um die Verbrennung in einem Wasserstoffmotor zu visualisieren. Aus diesen Experimenten wurde bestätigt, dass die Flamme auf der gegenüberliegenden Seite der Zündkerze, nahe der Zylinderwand, erzeugt wurde. Die leichte Verbrennungsreaktion, die in der oberen Kolbenringfläche verbleibt, war die Ursache für die Frühzündung. In dieser Art von Wasserstoffmotor trat die Frühzündung bei einem Bereich von mageren Gemischen auf. Daher wurde die Beziehung zwischen dem Auftreten von Rückzündungen und der Temperatur an der Spitze der Zündkerzenelektrode sowie die Erkennung des Lumineszenzspektrums der Flamme in der Nähe der Zündkerze untersucht und im Zusammenhang mit der Zündkerzentheorie, die vielversprechend erschien, studiert. Dann wurden das Frühzündungsszeitpunkt und der Ort durch Erkennung des Flammenlumineszenzspektrums untersucht. Es wurde auch versucht, den Mechanismus der Frühzündung, die die Rückzündung verursachen würde, zu klären. So können diese drei Faktoren Rückzündungen/Frühzündungen verursachen, wenn Wasserstoff in das Einlassventil zugeführt wird und die Verbrennung des Wasserstoff-Luft-Gemisches im Motorzylinder durch Funken oder andere Mittel gestartet wird. Methoden zur Unterdrückung abnormaler Verbrennung werden im Detail in Abschn. 5 beschrieben.
522 N. Kawahara und U. Azimov 3 Klopfende Verbrennung Im vorherigen Abschnitt haben wir Rückzündung/Frühzündung in Wasserstoff-SIMotoren und einige der beitragenden Faktoren untersucht. Beide Effekte beziehen sich auf die abnormale Verbrennung, die in Wasserstoffmotoren beobachtet wird und durch Zündung im Verdichtungs-/Ansaugprozess vor dem SI-Zeitpunkt verursacht wird. Klopfen hingegen tritt nach dem SI-Zeitpunkt auf. In letzter Zeit sind Zylinder-Direkteinspritzsysteme zum Mainstream geworden, da diese Konfiguration Rückzündungs-/Frühzündungsprobleme und den sogenannten Aufladungseffekt aufgrund eines hohen Wasserstoffgaseingangs vermeidet [10–12]. Direkte Wasserstoffeinspritzsysteme im Zylinder können NOx-Emissionen unter mageren Bedingungen reduzieren. Allerdings tritt Klopfen zusammen mit NOx-Emissionen auf, wenn der Kraftstoffdurchfluss erhöht wird, um die Leistung zu steigern. Daher ist Klopfen in Wasserstoff-SI-Motoren schwer zu vermeiden. Ein detailliertes Verständnis des Klopfphänomens ist notwendig. Wenn ein homogenes Kraftstoff-Luft-Gemisch in einem Zylinder verbrennt, steigen Druck und Temperatur des unverbrannten Gemischs (Endgas) mit der Flammenausbreitung. Höhere Temperaturen und Drücke können eine spontane Zündung eines Teils des unverbrannten Endgasgemischs verursachen. Wenn diese Selbstzündung im Endgas schnell erfolgt, steigt der Druck im Endgasbereich aufgrund der schnellen Freisetzung der chemischen Energie des Endgaskraftstoffs erheblich an. Der Erosionsschaden, den das Klopfen verursachen kann (aufgrund von spannungsinduzierter Materialermüdung), fällt mit dem Ort dieses Hochdruckbereichs zusammen. Die Selbstzündung im Endgasbereich erzeugt auch Druckwellen und Hochfrequenzoszillationen des Zylinderdrucks, die Motorklopfen verursachen. Klopfen ist der Name für das Geräusch, das durch die Motorstruktur übertragen wird, wenn im Wesentlichen eine spontane Zündung eines Teils des Endgases auftritt [18]. Die Selbstzündung und die Druckwellen führen dazu, dass die thermische Grenzschicht in der Nähe der Zylinderwand und des Kolbenkopfes zusammenbricht. Das Klopfen wird durch die Zündzeitpunktsteuerung kontrolliert. Eine Vorverlegung des Zündzeitpunkts erhöht die Klopfintensität [21]. Klopfen wird üblicherweise in Bezug auf seine Intensität definiert [22]. Die Klopfintensität eines SI-Motors hängt von der Druckänderungsgeschwindigkeit im Brennraum ab. Abb. 5 zeigt Beispiele für den Druckverlauf unter Klopfbedingungen in einem Wasserstoff-SI-Motor in Bezug auf die Klopfintensität. Bemerkenswerterweise wurden größere Druckoszillationen im Zylinder nach der SI-Zeit unter Klopfbedingungen beobachtet. Die maximale Amplitude der Hochfrequenzkomponente des Drucks (>2,5 kHz) wurde als Klopfintensität Kint genommen. Szwaja et al. [23] untersuchten die Klopfeigenschaften bei der Verbrennung von Wasserstoff und Benzinkraftstoffen in einem funkengezündeten EinzylinderForschungsmotor mit Saugrohreinspritzung. Sie verwendeten einen Hochpassfilter mit einer Grenzfrequenz von 4 kHz, um die Druckverläufe im Zylinder
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 523 Druck, MPa Klopfintensität: Kint Zeit, ms Kurbelwinkel, Grad ATDC Abb. 5 Definition der Klopfintensität Abb. 6 Die APPP, bestimmt aus der Testreihe von 300 aufeinanderfolgenden Verbrennungsereignissen gegen das Motorkompressionsverhältnis [24] APPP - Av. Peak Pres. Pulsationen (MPa) bei der Verbrennungsklopfung in Wasserstoff- und Benzin-SI-Motoren zu erfassen. Sie beobachteten nur geringe Unterschiede im Klopfen von Wasserstoff und Benzin basierend auf schnellen Fourier-Transformationsanalysen (FFT). Darüber hinaus zeigten ihre Ergebnisse, dass die für Benzinmotoren verwendeten Klopferkennungstechniken, wie z. B. ein im Block montierter piezoelektrischer Beschleunigungsmesser, auch auf wasserstoffbetriebene SI-Motoren angewendet werden können. Szwaja und Naber [24] demonstrierten zwei Arten von Motorklopfen in Wasserstoff-SI-Motoren, d. h. leichtes und schweres Klopfen, bei denen die maximale Druckpulsation (PPP) und die durchschnittliche PPP (APPP) zur Definition des Motorklopfens verwendet wurden. Abb. 6 zeigt die APPP für die Zeitreihe, die bei verschiedenen Verdichtungsverhältnissen erfasst wurde. Leichtes Klopfen wird durch die schnelle und instabile Verbrennung erzeugt, die durch die Funkenentladung initiiert wird, aufgrund der schnellen Brenngeschwindigkeit von Wasserstoff. Schweres Klopfen tritt aufgrund der Selbstzündung von unverbranntem Wasserstoff am Ende der Verbrennung auf. Leichtes Klopfen (ohne EndgasSelbstzündung) Schweres Klopfen (Endgas- Selbstentzündung) Verdichtungsverhältnis (-)
N. Kawahara und U. Azimov 524 Druck, MPa Druck, MPa Abb. 7 Typische Druckoszillationen im Zylinder während des Motorklopfens in einem Wasserstoff-SI-Motor [25] Druck, MPa Klopfen, das vor der SI in Benzindirekteinspritzmotoren auftritt, wird als Superklopfen bezeichnet. Superklopfen wird auch als Frühzündung, MegaKlopfen, langsame Frühzündung, stochastische Frühzündung usw. bezeichnet. Wenn Superklopfen auftritt, steigt der Druck im Motorzylinder schneller an, was zu Zylinder- und Kolbenschmelzen führt. Superklopfen wird durch Schmieröl und feste Ablagerungen verursacht, die vom Zylinderwand in den Motorzylinder gelangen [21]. In Wasserstoff-SI-Motoren kann die Frühzündung als Superklopfen behandelt werden, wie in diesem Kapitel beschrieben. Kawahara und Tomita untersuchten die Auswirkungen des SI-Zeitpunkts auf die Klopfintensität [25]. Abb. 7 zeigt die Auswirkungen des SI-Zeitpunkts auf die Druckoszillationen im Zylinder unter Klopfbedingungen. Nach dem Zündzeitpunkt steigt der Druck im Zylinder schnell an und beginnt stark zu oszillieren.
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 525 Die Klopfintensitäten waren höher als die unter n-Butan-Bedingungen gefundenen [26]. Die Klopfintensität KINT wurde bei jedem Zündzeitpunkt berechnet, indem der Zündzeitpunkt θIT in Schritten von 5 Grad von 330 bis 370 Grad in einem Gemisch mit einem Äquivalenzverhältnis f = 1,0 erhöht wurde. Die Klopfintensität KINT hatte einen maximalen Spitzenwert von 1,44 MPa bei 355° und wurde kleiner, wenn der SI-Zeitpunkt θIT vor- oder nachverlegt wurde. Fotografische Beobachtungen von Verbrennungsklopfen sind seit den 1930er Jahren verfügbar und verbessern sich weiterhin mit Fortschritten in der Hochgeschwindigkeitskameratechnologie [27, 28]. Fotografische Bilder waren eine wichtige Quelle für Einblicke in die Grundlagen des Verbrennungsklopfens, da der Verbrennungsprozess, der zum Klopfen führt, extrem schnell abläuft. Wasserstoffbetriebene Flammen sind jedoch aufgrund ihrer geringen Strahlungsniveaus und schnellen Ausbreitung schwer in Fotografien festzuhalten. Kawahara et al. [26] visualisierten selbstentzündete Kerne während des Motorklopfens und führten eine spektrale Analyse der Niedertemperaturkinetik innerhalb des Endgasmischung durch. Kawahara und Tomita [25] visualisierten ebenfalls Selbstzündung und Druckwellen in einem Wasserstoff-SI-Motor, bei dem eine Hochgeschwindigkeitsfarbkamera verwendet wurde, um Klopfgeräusche zu erfassen, während das Endgas durch die turbulente Flammenausbreitung komprimiert wurde. Abb. 8 zeigt Zeitreihenbilder bei einem bestimmten Kurbelwinkel für sowohl normale als auch klopfende Motorzyklen, zusammen mit den Zylinderdruckverläufen. Diese Bilder wurden mit einer Kamerageschwindigkeit von 60 kframes/s aufgenommen. Die oberen Bilder der Abbildung entsprechen dem normalen Motorzyklus (H2 + Luftgemisch, Äquivalenzverhältnis φ = 1,0, Anfangsdruck P0 = 60 kPa, Zündzeitpunkt θIT = 360°), während die unteren Bilder dem klopfenden Motorzyklus entsprechen (H2 + O2 + Ar-Gemisch, Äquivalenzverhältnis φ = 1,0, P0 = 40 kPa, θIT = 360°). Die Klopfintensität, Kint, betrug 1,53 MPa. Nach dem Auftreten des Funkens breitete sich eine vorgemischte Flamme von der unteren rechten Seite zur oberen linken Seite des Motors aus (Bilder a–g) im normalen Zyklus. Es gab eine gewellte Flammenfront, und es traten keine selbstentzündeten Kerne im Endgasbereich auf. Bezüglich des klopfenden Zyklus ist die Selbstzündung des Endgases in der oberen linken Ecke des Motors in Bild D zu sehen; sie wuchs in der Größe, wie in Bild E gezeigt. Die Druckwellenbewegung von der oberen linken zur unteren rechten Seite wird durch den Bereich von bläulich-weißer hoher Intensität in den Bildern D und E angezeigt. Die Druckwelle passierte den Visualisierungsbereich in Bild F. Der Kern in der oberen linken Ecke des Motors berührte die sich ausbreitende reguläre Flammenfront, die in Bild E gezeigt wird, was auf eine höhere Leuchtkraft der Flamme hinweist. Die leuchtende Wasserstoffflamme war unerwartet, da der Kraftstoff keinen Kohlenstoff enthielt; jedoch verwendeten sie ein Schmieröl, das Molybdändisulfid und Fettöl an der Zylinderwand enthielt, um den Kolbenring zu schmieren. Flammen aus dem Schmieröl sind in Abb. 9 sichtbar. Nach der Selbstzündung der Endgasmischung traten starke Oszillationen des Zylinderdrucks auf. Abb. 9 zeigt die Druckwellenbewegung, beginnend mit der Selbstzündung der Endgasmischung (H2 + O2 + Ar-Gemisch, Äquivalenzverhältnis
Selbstzündung Kurbelwinkel, deg. Normaler Zyklus Druckwelle Kurbelwinkel, deg. Klopfzyklus Abb. 8 Zeitreihe von Hochgeschwindigkeits-Direktaufnahmen für sowohl normale als auch klopfende Motorzyklen [25] Flammenfront Druck, MPa Flammenfront 526 N. Kawahara und U. Azimov
Selbstzündung Aufnahmegeschwindigkeit=250.000fps(4μs/Bild) Belichtungszeit=2μs Druckwelle Druck, MPa Druckwelle Abb. 9 Visualisierung der durch die initiale Selbstzündung im Endgas induzierten Druckwelle [25] Druck, MPa Druckwelle Druckwelle Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 527
528 N. Kawahara und U. Azimov φ = 1,0, P0 = 40 kPa, θIT = 340°), zusammen mit den Zylinderdruckverläufen. Diese Bilder wurden direkt mit einer Monochromkamera aufgenommen, die mit einer Geschwindigkeit von 250 kframes/s arbeitete. Starke Selbstzündung der Endgasmischung trat auf der oberen linken Seite der Brennkammer unter Timing A auf, aufgrund der schnellen Ausbreitung der regulären Flammenfront und des schnellen Anstiegs des Zylinderdrucks. Der große Dichtegradient der Druckwelle breitete sich dann zur unteren rechten Seite des Motors aus und passierte den Visualisierungsbereich unter Timing F. Der Phasenunterschied zwischen den visualisierten Bildern und dem Zylinderdruck, der in der Abbildung gezeigt wird, ist das Ergebnis unterschiedlicher Messorte und der Schallgeschwindigkeit, die durch die Druckwelle erzeugt wird. Eine FFT-Analyse des Zylinderdrucks zeigte Oszillationsfrequenzen von 7,1 und 12,1 kHz. Die 7,1 kHz-Frequenz ist die natürliche Schwingungsfrequenz des ersten transversalen Modus des Zylindergases, und 12,1 kHz entspricht dem zweiten transversalen Modus. Diese Oszillationsfrequenz des Zylinderdrucks wurde durch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Druckwelle bestätigt, die etwa 1147 m/s betrug (aus den Bildern gewonnen). Daher wurde die Oszillation des Klopfdrucks durch eine stehende Welle verursacht, die von dem selbstentzündeten Kern ausging und zwischen den Zylinderwänden schwankte. Die Oszillationen der Druckwelle in den Bildern waren mit den Zylinderdruckoszillationen synchronisiert. Die Selbstzündung im Endgasbereich, der durch die sich ausbreitende Flammenfront komprimiert wird, kann mit einer Hochgeschwindigkeitsvideokamera visualisiert werden. Klopfen wird durch Selbstzündung im unverbrannten Endgas verursacht, das durch eine vorgemischte Ausbreitungsflamme aufgrund des SI komprimiert wird. Da Wasserstoff mit hoher Geschwindigkeit verbrennt, wird das Endgas schnell durch die vorgemischte Ausbreitungsflamme komprimiert. Der schnelle Druckanstieg, der durch die Selbstzündung im Endgas verursacht wird, erzeugt eine Druckwelle, die zu starken Oszillationen des Zylinderdrucks führt. In der Studie von Kawahara und Tomita [25] wurde während des Verbrennungsklopfens eine starke leuchtende Flamme aufgrund des Abbaus von Schmierfett, das auf den Kolbenring aufgetragen wurde, beobachtet. Die resultierende Selbstzündung und Druckwelle verursachten den Abbau der thermischen Grenzschicht in der Nähe der Zylinderwand und des Kolbenkopfes, was diese Komponenten beschädigte. Bemerkenswerterweise wurde dieser Schaden sowohl bei herkömmlichen Kraftstoffen (wie Benzin) als auch bei Wasserstoffkraftstoff beobachtet. 4 Modellierung von abnormaler Verbrennung In Wasserstoffmotorsimulationen bietet die Verwendung eines einfachen, eindimensionalen (1-D) Modells eine Grundlage für dreidimensionale (3-D) Modellsimulationen und Optimierungsprozesse. Li und Karim [29] entwickelten ein Zwei-Zonen-Modell, das in der Lage ist, die Leistung von Wasserstoffmotoren
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 529 vorherzusagen, einschließlich des Auftretens von Klopfen. Sie untersuchten die Auswirkungen des Verdichtungsverhältnisses, der Ansaugtemperatur und des Zündzeitpunkts auf die klopfbegrenzenden Äquivalenzverhältnisse. Ihre Ergebnisse zeigten, dass das Verdichtungsverhältnis und die Ansaugtemperatur die Hauptparameter sind, die das klopfbegrenzende Äquivalenzverhältnis beeinflussen, und dass das klopfbegrenzte Äquivalenzverhältnis als Funktion des Verdichtungsverhältnisses vorhergesagt werden kann. Sie stellten auch fest, dass sich der klopffreie Betriebsbereich der Mischung mit zunehmendem Verdichtungsverhältnis und/oder Ansaugtemperatur erheblich verengt. Song und Song [30] verwendeten ein Motorsimulationsprogramm, das auf 1-D Strömungsdynamik basiert, um die Strömung und den Wärmetransfer in den Rohrleitungen und anderen Strömungskomponenten von Motorsystemen darzustellen. Der Verbrennungsprozess basierte auf einem chemischen Kinetikmechanismus. Durch den Vergleich mit experimentellen Ergebnissen konnten sie die Motorleistung und Emissionen über einen weiten Parameterbereich vorhersagen. Wasserstoff ist ein effektiver Regler für die homogene Kompressionszündung (HCCI) von methanbetriebenen Motoren. Die Zugabe von Wasserstoff ermöglicht den Motorbetrieb mit verbesserter Leistung und Emissionen und neigt dazu, die Klopfintensität zu reduzieren. Mit Fortschritten in der Computertechnologie wurde 3-D Computational Fluid Dynamics (CFD) verwendet, um ausgeklügelte Modelle von Verbrennungsmotoren zu erstellen [31–33]. Mehrdimensionale Modelle wenden Massen-, Impuls-, Energie- und Artenerhaltung an, um Motorzyklen, Strömung und Leistung genau vorherzusagen. CFD wurde auch auf Selbstzündungsphänomene im Endgasbereich angewendet, um den Verdichtungszyklus, chemische Reaktionen von Wasserstoff-Luft-Gemischen und Flammenausbreitung zu simulieren. Liu und Karim [31] entwickelten ein turbulentes, transientes 3D-Vorhersagemodell und wandten es auf das HCCI-Motorsystem an. Sie nutzten detaillierte chemische Kinetiken der Oxidation und Selbstzündung von Wasserstoff, um die Zündverzugszeit von Wasserstoff-Luft-Gemischen vorherzusagen. Ye et al. [32] und Li et al. [33] verwendeten kommerzielle 3D-Verbrennungssimulationswerkzeuge, um das Klopfen in Wasserstoff-SI-Motoren vorherzusagen. Sie verwendeten eine RANS-Simulation als Turbulenzmodell und detaillierte chemische Reaktionsmechanismen. Um Druckoszillationen bei Auftreten von Klopfen zu erfassen, wurde die Courant-Friedrichs-Lewy-Zahl während der Verbrennungsperiode angepasst, was die Vorhersage der Klopfintensität aus den Selbstzündungsparametern ermöglichte, die im Endgasbereich nach der SI gemessen wurden. Der Mechanismus der Druckwellenerzeugung durch Selbstzündung im Endgas ist wichtig für das Verständnis von Klopfphänomenen. Bradley et al. [34–37] vermuteten, dass die Selbstzündung und die Druckimpulse, die an Hotspots entstehen, mit dem Klopfen in Benzinmotoren und Wasserstoffsystemen zusammenhängen [37]. Sie untersuchten die Selbstzündung an Hotspots und den Einfluss der Selbstzündungsverbrennungsrate auf die Amplitude der induzierten Druckwellen. Ihre Forschung ergab ein Detonationshalbinsel-Regime basierend auf der Zündverzug und der Anregungszeit, wie im Diagramm in Abb. 10 des
530 N. Kawahara und U. Azimov Abb. 10 Entwicklung der Detonationshalbinsel im Diagramm von ξ gegen ε [35] ENTWICKLUNG DER DETONATION ξ/ε-Koordinatendiagramms gezeigt, wobei ξ die durch die Selbstzündungsgeschwindigkeit normalisierte Schallgeschwindigkeit und ε die Aufenthaltszeit der Schallwelle im Selbstzündungshotspot ist, normalisiert durch die Anregungszeit. Dieses Diagramm ist nützlich zur Bewertung des Motorklopfens. Die Amplitude und Frequenz der induzierten Druckwellen nehmen mit dem Temperaturgradienten zu; der Temperaturgradient hängt vom Verhältnis der Schallgeschwindigkeit durch das Gemisch zur lokalen Geschwindigkeit der selbstzündenden Front ab [38]. Sie bestätigten Folgendes aus ihren Analysen: 1. Entwicklung der Selbstzündung an einem einzelnen Hotspot in einem Motor; und 2. Selbstzündungsfronten, die von mehreren Hotspots initiiert werden. Bemerkenswerterweise zeigten ihre Ergebnisse, dass höhere selbstzündende Ausbreitungsgeschwindigkeiten zu zunehmend schwerwiegendem Motorklopfen führen, selbst in einem Wasserstoff-SI-Motor. 5 Methoden zur Verhinderung abnormaler Verbrennung Da Frühzündung ein stochastisches Ereignis ist, sind detaillierte Untersuchungen der Frühzündung kompliziert, und die tatsächliche Ursache der Frühzündung ist oft nichts weiter als Spekulation. Quellen für die Verbrennung der Frischladung während des Verdichtungstakts umfassen heiße Zündkerzen oder Zündkerzenelektroden, heiße Auslassventile oder andere Hotspots in der Brennkammer, Restgas oder verbleibende heiße Ölpartikel aus vorherigen Verbrennungsereignissen [39] sowie Restladung des Zündsystems. Im Allgemeinen können sowohl
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 531 hohe Temperaturen als auch Restladung Frühzündung verursachen. Aufgrund der Abhängigkeit der minimalen Zündenergie vom Äquivalenzverhältnis ist die Frühzündung ausgeprägter, wenn sich die Wasserstoff-Luft-Gemische den stöchiometrischen Werten nähern. Auch Betriebsbedingungen bei erhöhter Motordrehzahl und Motorlast sind aufgrund höherer Gas- und Bauteiltemperaturen anfälliger für das Auftreten von Frühzündung. Rückzündung, oder Rückschlag, beschreibt die Verbrennung der frischen Wasserstoff-Luft-Ladung während des Ansaugtakts in der Brennkammer des Motors und/oder im Ansaugkrümmer [40]. Mit der Öffnung der Einlassventile wird das frische Wasserstoff-Luft-Gemisch in die Brennkammer angesaugt. Wenn die frische Ladung an heißen Stellen der Brennkammer, heißem Restgas oder Partikeln oder verbleibender Ladung im Zündsystem gezündet wird, tritt eine Rückzündung auf, ähnlich wie bei Frühzündung. Der Hauptunterschied zwischen Rückzündung und Frühzündung ist der Zeitpunkt, zu dem die Anomalie auftritt. Frühzündung findet während des Verdichtungstakts statt, wenn die Einlassventile bereits geschlossen sind, während Rückzündung bei geöffneten Einlassventilen auftritt. Dies führt zu einer Verbrennung und einem Druckanstieg im Ansaugkrümmer, was nicht nur deutlich hörbar ist, sondern auch das Ansaugsystem beschädigen oder zerstören kann. Aufgrund der geringeren Zündenergie ist das Auftreten von Rückzündungen wahrscheinlicher, wenn sich die Gemische der Stöchiometrie nähern. Da die meisten Betriebsstrategien mit Wasserstoff-DI die Einspritzung nach dem Schließen der Einlassventile starten, ist das Auftreten von Rückzündungen im Allgemeinen auf Konzepte der externen Gemischbildung beschränkt. Die folgenden Methoden wurden vorgeschlagen, um Rückzündungen/ Frühzündungen oder Motorklopfen in Wasserstoff-SI-Motoren zu vermeiden [3, 7, 15, 41]: 1. 2. 3. 4. 5. 1. Optimale Zündkerzengeometrie; Reduktion der Restzündenergie im Zündsystem; Optimale Kühlung des Motorenkopfs; Direkte Wasserstoffeinspritzung in den Motorzylinder; und Magerbetrieb und Abgasrückführung. Optimale Zündkerzengeometrie Wie in früheren Abschnitten erklärt, tritt Rückzündung/Frühzündung auf, wenn die Zündkerzen heiß werden und das Wasserstoff-Luft-Gemisch im Motorzylinder gezündet wird, bevor der Funke ausgelöst wird. Es ist notwendig, die Position der Zündkerze am Motorzylinderkopf zu optimieren, damit die Zündkerze nicht übermäßig überhitzt. Fontanesi et al. [42] untersuchten den Effekt der Zündkonfiguration auf die Zyklus-zu-Zyklus-Variabilität der Verbrennung und des Klopfens mittels Large-Eddy-Simulation. Sie fanden heraus, dass die Ausrichtung der Zündkerzenelektroden das Strömungsfeld für jeden Zyklus beeinflusst, aber eine vernachlässigbare Rolle bei der statistischen zyklischen Variabilität spielt, was indirekt das Fehlen einer vorgeschriebenen Ausrichtung rechtfertigt. Was die Position der Zündkerze betrifft, so zeigt die numerische Analyse, dass das
N. Kawahara und U. Azimov 532 Verschieben der Elektroden zur Einlassseite hin das Klopfgrenze leicht verbessert, hauptsächlich aufgrund einer Reduktion des Spitzendrucks im Zylinder. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Verbesserungen nur durch eine gleichzeitige Modifikation der Kraftstoffstrahlausrichtung und -phasen erreicht werden können. Forte et al. [43] bewerteten die Auswirkungen eines Zwillingszündsystems auf die Verbrennungsstabilität eines Hochleistungs-Motoren mit Saugrohreinspritzung. Sie wendeten eine numerische Methodik an, die auf einer Störung des initialen Kerns durch eine statistische Bewertung der Gemischbedingungen am Zündort basiert, und verwendeten ein Lagrange-Zündmodell, um die statistische Verteilung des Gemischs um die Zündkerzen zu berücksichtigen. Die Analyse der Druckverläufe in der gesamten Brennkammer ermöglichte es, die Hauptmerkmale des Klopfens des Motors zu definieren. Es wurde festgestellt, dass die Zwillingszündungsentwicklung nicht achsensymmetrisch war, sodass die Selbstzündungszone hauptsächlich die tangentialen natürlichen Frequenzen der Kammer und dann die radialen aktivierte. 2. Reduktion der Restzündenergie im Zündsystem In Wasserstoffmotoren führt die Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff zu einer abnormalen Ladungsansammlung im Zündsystem, was zu Rückzündung/Frühzündung führt. Rückzündung/Frühzündung kann vermieden werden, indem die Zündkodierung und das Zündsystem verbessert werden, um die Restzündenergie zu minimieren. Chen et al. [44] untersuchten den Einfluss der Zündenergiephasen und der Funkenstrecke auf die Verbrennung in einem homogenen DirekteinspritzBenzin-SI-Motor. Die Ergebnisse zeigten, dass die Größe der Funkenstrecke der dominierende Faktor ist und dass die Zündkerze mit kleinerer Funkenstrecke eine geringere EGR-Toleranz als die mit größerer Funkenstrecke aufweist. Die Ergebnisse zeigten auch, dass die Erhöhung der Gesamtdauer durch kontinuierliche oder diskontinuierliche Entladungen die Verbrennungsstabilität und die EGR-Toleranz verbessert. Aleiferis et al. [45] untersuchten die Auswirkungen der Zündenergie und der Wärmeverluste an die Elektroden auf die Flammenkernentwicklung in einem Magerbetrieb-SI-Motor. Sie schlugen vor, dass die zyklischen Variationen in der Zündenergie und -dauer nicht die Hauptursachen für die beobachtete zyklische Variabilität im Flammenkernwachstum sind, sondern möglicherweise das Strömungsfeld, das inhärent mit Variationen in den Funkenspuren gekoppelt ist, der Faktor ist, der selbst die damit verbundene Flammenkernvariabilität verursacht. Ein mageres Luft-Kraftstoff-Gemisch reduziert die Wahrscheinlichkeit, eine entzündbare Zusammensetzung zum Zündzeitpunkt zwischen den Zündkerzenelektroden zu haben; die Verdünnung reduziert die Verbrennungsgeschwindigkeit und stark verdünnte Gemische sind schwer zu zünden; höhere Verdichtungsverhältnisse verursachen höhere Druckwerte im Zylinder am Ende des Verdichtungstakts, was sich auf die Durchbruchseigenschaften auswirkt. Folglich arbeitet die Zündkerze unter strengeren Bedingungen in der Brennkammer und der Einsatz konventioneller Zündsysteme kann zu unvollständiger Verbrennung oder Fehlzündungen führen. Bemühungen konzentrierten sich auf die
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 533 Verbesserung konventioneller Zündsysteme oder die Entwicklung alternativer Methoden zur Einleitung der Verbrennung. Eine dieser Methoden wurde von Mariani und Foucher [46] vorgeschlagen, die die Ergebnisse von Experimenten an einem mit einem Hochfrequenz-Plasma-Zündsystem (RFSI) ausgestatteten Ottomotor zeigten. Die Ergebnisse zeigten, dass das RFSI den Wirkungsgrad des Motors verbesserte, die Magergrenze der Verbrennung erweiterte und die zyklische Variabilität im Vergleich zur konventionellen Zündkerze für alle Testbedingungen reduzierte. Der Einsatz des RFSI hatte auch positive Auswirkungen auf die Emissionen von Kohlenmonoxid und unverbrannten Kohlenwasserstoffen, während die Stickoxidemissionen aufgrund höherer Temperaturen in der Brennkammer anstiegen. RFSI könnte ein innovatives Zündgerät für moderne Verbrennungsmotoren darstellen und die Kompatibilitätsprobleme anderer nichtkonventioneller Zündsysteme überwinden. 3. Optimale Kühlung des Motorenkopfs Oberflächenzündung im Motorenkopf und an den Auslassventilen verursacht Rückzündung/Frühzündung. Oberflächenzündung tritt vor der Zündung auf, wenn der Motorenkopf und die Auslassventile unter hoher Last heiß werden. Es ist wichtig, die Zündung zu vermeiden. Trenc et al. [47] untersuchten die Strategien zur optimalen Zylinderkühlung für fortschrittliche Dieselmotoren. Sie kamen zu dem Schluss, dass eine variable Umfangskühlkanalgeometrie (konvergierend und divergierend) oder ein asymmetrischer geteilter Strömung mit angepasster Einlasskühlmitteldüse angewendet werden kann, um eine bessere Umfangstemperaturverteilung zu erreichen, insbesondere im oberen Teil des Zylinderliners. 4. Direkte Wasserstoffeinspritzung in den Motorzylinder Um Rückzündungen/Frühzündungen zu vermeiden, muss in einem WasserstoffSI-Motor ein Direkteinspritzssystem verwendet werden. Die Direkteinspritzung eliminiert das brennbare Gemisch aus dem Ansaugtrakt und ist auch wirksam zur Steigerung der Motorleistung und zur Reduzierung der NOx-Emissionen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine späte Einspritzung von Wasserstoff die NOx-Emissionen aufgrund des resultierenden geschichteten Betriebs erheblich reduziert, selbst unter hohen Motorlastbedingungen. Die Direkteinspritzung wird als eine effektive Methode für Wasserstoff-SI-Motoren angesehen, um Rückzündungen/Frühzündungen oder Motorklopfen zu unterdrücken. Takagi et al. [13] untersuchten die Möglichkeiten zur Verbesserung des effektiven Wirkungsgrads und Reduzierung der NOx-Emissionen durch Verbrennung eines kontrollierten Strahlwolke in Hochdruck-Direkteinspritz-Wasserstoffmotoren. Diese Technik wurde vorgeschlagen, um die Verbrennung eines fetten Gemisches zu erreichen. Aus diesen Ergebnissen haben die Autoren festgestellt, dass bei hohem λ und niedrigem Lastbetrieb eines Direkteinspritz-Wasserstoffmotors das Verzögern des Einspritzbeginns (SOI) die Bildung von unverbrannten Wasserstoffemissionen deutlich reduzieren und der effektive Wirkungsgrad erheblich verbessern kann, verglichen mit der Verbrennung in einem frühen Stadium der Einspritzzeit,
N. Kawahara und U. Azimov 534 wie zum Beispiel zu Beginn des Verdichtungshubs, die auf die Bildung eines ­homogenen Gemisches abzielt. Ein fettes Gemischplume wurde nahe der Mitte der Brennkammer gebildet, wo sich die Zündkerze befand, und war vermutlich durch eine zentroidale axiale Ladungsschichtung gekennzeichnet. Diese Schichtung wurde durch eine Kombination von Faktoren wie: dem Drallfluss des Gasströmungsfeldes in der Brennkammer des Testmotors, der Einspritzung des Wasserstoffstrahls in Richtung des Drallflusses und der Schalenform der Brennkammergeometrie erreicht. 5. Magerverbrennung und Abgasrückführung Rückzündungen/Frühzündungen werden durch höhere Temperaturen des verbleibenden Abgases im Motorzylinder verursacht. Motorklopfen wird durch die Selbstzündung des Endgases verursacht, das durch die turbulente Flammenausbreitung nach der Zündung komprimiert wird. Die Magerverbrennungstechnologie und die Abgasrückführung (EGR) sind wirksame Ansätze zur Kontrolle von Rückzündungen/Frühzündungen oder Motorklopfen. Ein mageres Gemisch oder eine Gemischverdünnung im Endgasbereich kann die Selbstzündung im Endgasbereich unterdrücken. Takagi et al. [13] schlugen das Plume Ignition Combustion Concept (PCC) vor, bei dem die Wolke des Wasserstoffstrahls nach Abschluss der Kraftstoffeinspritzung gezündet wird. Sie untersuchten die Wirkung der Verzögerung des Einspritzzeitpunkts bis spät in den Verdichtungshub, jedoch leicht vor dem ursprünglichen PCC, um den effektiven Wirkungsgrad zu verbessern. Diese Effekte resultierten aus einem zentroidal axial geschichteten Gemisch, das eine relativ hohe Ladung in der Nähe der Zündkerze positioniert. Ein sehr mageres Gemisch oder eine Gemischverdünnung des Endgasbereichs, das durch die Flammenfrontausbreitung komprimiert wird, ist wirksam, um Motorklopfen zu vermeiden. Berntsson und Denbratt [48] untersuchten die HCCI-Verbrennung mit einem zündkerzengezündeten geschichteten mageren Wasserstoffgemisch und erhielten OH-Chemilumineszenzbilder mittels Hochgeschwindigkeitsvisualisierung, um die turbulente Flammenausbreitung von der Zündkerze zu erkennen. Sie zeigten, dass die Flammenfrontausbreitung durch die Wasserstoffladung verwendet werden kann, um den Betriebsbereich der HCCIVerbrennung, insbesondere bei niedrigeren Lasten, zu erweitern. Sakashita et al. [49] versuchten, den Beginn der Wärmefreisetzung in wasserstoffbetriebenen HCCI-Verbrennungen durch die Verwendung von SI zur Unterstützung der Selbstzündung zu steuern. Sie zeigten, dass einen verbesserten effektiven Wikrungsgrad, reduzierte Verbrennungsschwankungen und ein erweiterter stabiler Betriebsbereich gleichzeitig durch die Hinzufügung von SI-Unterstützung zu einem wasserstoffbetriebenen HCCI-Motor erreicht werden können. Die zündkerzenunterstützte wasserstoffbetriebene HCCI-Verbrennung zeigt einen stabilen Betrieb unter magereren Gemischbedingungen und einen klopffreien Betrieb unter fetten Gemischbedingungen, indem die DME-Mischrate reduziert wird.
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 535 Wie in 13.3 beschrieben, haben die meisten Studien zur Selbstzündung des Endgases festgestellt, dass Klopfen Motoren negativ beeinflusst. In letzter Zeit wurden Versuche unternommen, den effektiven Wirkungsgrad durch Kontrolle der Selbstzündung des Endgases, die durch Flammenkompression verursacht wird, zu verbessern. Wenn die Druckwelle nicht erzeugt wird, wird die Temperaturgrenzschicht nicht zerstört und es besteht keine Gefahr des Schmelzens von Zylinder/Kolben. Daher kann die Anpassung der Selbstzündung des Endgases die Verbrennungseffizienz und den effektiven Wirkungsgrad verbessern. Beispielsweise wurde die PREMIER-Verbrennung als Mittel zur Selbstzündung im Endgasbereich in Zweistoffmotoren vorgeschlagen [50]. Die PREMIER-Verbrennung könnte signifikante Verbesserungen des effektiven Wirkungsgrads des Motors bringen. Die PREMIER-Verbrennung wird hauptsächlich bei aufgeladenen Gasmotoren angewendet, wie z. B. dieselbetriebenen Zweistoffmotoren. Während die durch Dieseleinspritzung oder eine Zündkerze induzierte Zündung fortschreitet, tritt im Endgasbereich eine Selbstzündung auf, da dieser durch die Hauptverbrennung erhitzt wird. Während des Hauptverbrennungszyklus wird die Wärmefreisetzung von der Flammenausbreitung dominiert. Die PREMIER-Verbrennung ist der normalen Verbrennung hinsichtlich Leistung und effektiven Wirkungsgrad deutlich überlegen. Sie verursacht keine großen Druckschwankungen, die einer der Hauptverursacher von Motorklopfen sind. Roy et al. [51] untersuchten die Motorleistung und Emissionen eines aufgeladenen Motors, der im Zweistoffbetrieb mit Wasserstoff betrieben und durch eine Pilotmenge Dieselkraftstoff gezündet wurde. Ihre Strategie bestand darin, den Einspritzzeitpunkt zu optimieren, um die Motorleistung für verschiedene Kraftstoff-Luft-Äquivalenzverhältnisse zu maximieren, ohne Klopfen und innerhalb der Grenzen des maximalen Zylinderdrucks. Der Motor wurde zuerst unter Wasserstoffbetriebsbedingungen getestet, bis zum maximal möglichen Kraftstoff-LuftÄquivalenzverhältnis von 0,3, wie in Abb. 11 gezeigt. Ein maximaler mittlerer effektiver Druck (IMEP) von 908 kPa und ein effektiver Wirkungsgrad von etwa 42 % wurden im Wasserstoff-Zweistoffmotor erreicht. Das Äquivalenzverhältnis konnte aufgrund des Klopfens des Motors nicht weiter erhöht werden. Daher wurde durch die Verdünnung mit N2-Gas mehr Energie aus Wasserstoff ohne Klopfen zugeführt, und ein IMEP, der etwa 13 % höher war als der ohne Ladungsverdünnung, wurde erreicht. Daher kann eine effektive Nutzung der Selbstzündung des Endgases in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren die Verbrennungseffizienz verbessern und somit zu einem höheren effektiven Wirkungsgrad beitragen. Durch eine effektive Kontrolle der Selbstzündungsprozesse des Endgases wird es möglich sein, den effektiven Wirkungsgrad gleichzeitig zu verbessern und Frühzündungen/Rückzündungen und Klopfen zu vermeiden.
N. Kawahara und U. Azimov Zylinderdruck (MPa) Zylinderdruck (MPa) Abb. 11 Zylinderdruck und Wärmefreisetzungsrate von Wasserstoff [51] Zylinderdruck (MPa) 536 Kurbelwinkel (deg.) 6 Zusammenfassung In diesem Kapitel wurden Vorzündung/Rückzündung und Klopfen in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren ausführlich erklärt. Wenn ein Verbrennungsmotor mit Wasserstoff betrieben wird, der durch das Einlassventil zugeführt wird, beginnt die Verbrennung, bevor der Funke ausgelöst wird. Frühzündung bezieht sich auf den Beginn der Verbrennung während des Verdichtungsprozesses, und Rückzündung bezieht sich auf den Beginn der Verbrennung während des Ansaugprozesses. Die folgenden drei Faktoren sind Hauptursachen für die Rückzündung/Vorzündung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren: 1) Abnormale Funkenentladung während des Ausstoss- und Ansaugtakts; 2) Höhere Temperatur der seitlichen Elektrode der Zündkerze; 3) Kontinuierliche Verbrennungsreaktion an der oberen Kolbenringfläche. Die Erhöhung des Äquivalenzverhältnisses durch Verringerung des LuftKraftstoff-Verhältnisses, insbesondere für ein stöchiometrisches Gemisch,
Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 537 um eine höhere Leistung zu erzielen, verursacht Klopfen im Motor, selbst in Direkteinspritz-SI-Motoren. Daher ist es wichtig, die Mechanismen zu verstehen, die dem Klopfen in wasserstoffbetriebenen Motoren zugrunde liegen, um deren Leistung und effektiven Wirkungsgrad zu verbessern. Die höhere Flammengeschwindigkeit während der Wasserstoffverbrennung führt zu einem guten effektiven Wirkungsgrad, da eine schnelle Verbrennung erreicht werden kann; dies geschieht jedoch auf Kosten eines erhöhten Wärmeverlusts durch die Zylinderwand sowie der Entwicklung von Motorklopfen unter Hochlastbedingungen. Während der klopfenden Verbrennung tritt Selbstzündung im Endgasbereich auf, bedingt durch turbulente Flammen, die sich nach der Funkenzündung ausbreiten. Solche Selbstzündungen des Endgases erzeugen auch Druckwellen und hochfrequente Schwingungen des Zylinderdrucks, die die thermische Grenzschicht in der Nähe der Zylinderwand und des Kolbenkopfes aufbrechen. Dies ist bemerkenswerterweise der Hauptmechanismus, der zu Schäden an der Zylinderwand und am Kolben führt, die mit dem Motorklopfen verbunden sind. Kürzlich wurden einige Versuche unternommen, den effektiven Wirkungsgrad des Motors zu verbessern, indem die Selbstzündung des Endgases, die durch Flammenausbreitungskompression verursacht wird, kontrolliert wird. Diese Studien kamen zu dem Schluss, dass es wichtig ist, die Selbstzündung des Endgases effektiv zu kontrollieren, was dazu beitragen würde, den effektiven Wirkungsgrad zu verbessern und gleichzeitig Vorzündung/Rückzündung und Klopfen zu vermeiden. Literatur 1. Downs D, Walsh AD, Wheeler RW (1951) A study of the reactions that lead to ‘knock’ in the spark-ignition engine. Philos Trans R Soc Lond. Ser A, Math Phys Sci 243(870):463–524 2. Kondo T, Iio S, Hiruma M (1997) A study on the mechanism of backfire in external mixture formation hydrogen engines – About backfire occurred by cause of the spark plug. SAE Paper No. 971704 3. Karim GA (1987) The dual fuel engine. In: Evans RL (Hrsg) Automobile engine alternatives. Plenum Press, New York 4. Ikegami M, Miwa K, Shioji M (1982) A study of hydrogen fuelled compression ignition engines. Int J Hydrog Energy 7(4):341–353 5. Wong JKS (1990) Compression ignition of hydrogen in a direct injection diesel engine modified to operate as a low-heat-rejection engine. Int J Hydrog Energy 15(7):507 6. Dimitrious P, Tsujimura T (2017) A review of hydrogen as a compression ignition engine fuel. Int J Hydrog Energy 42:24470–24486 7. Liu Z, Karim GA (1995) Knock characteristics of dual-fuel engines fuelled with hydrogen fuel. Int J Hydrog Energy 20(11):919–924 8. Tomita E, Kawahara N, Piao Z, Fujita S, Hamamoto Y (2001) Hydrogen combustion and exhaust emissions ignited with diesel oil in a dual fuel engine. SAE Paper No. 2001-01-3503 9. Roy MM, Tomita E, Kawahara N, Harada Y, Sakane A (2011) Comparison of performance and emissions of a supercharged dual-fuel engine fueled by hydrogen and hydrogencontaining gaseous fuels. Int J Hydrog Energy 36:7339–7352
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Anormale Verbrennung in wasserstoffbetriebenen … 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 539 Gu XJ, Emerson DR, Bradley D (2003) Combust Flame 133:63–74 Bradley D, Kalghtgi GT (2009) Combust Flame 156:2307–2318 Bates L, Bradley D, Paczko G, Peters N (2016) Combust Flame 166:80–85 Kalghatgi GT, Bradley D (2012) Pre-ignition and ‚super-knock‘ in turbo-charged sparkignition engines. In J Engine Res 13(4):399–414 Stockhausen WF, Natkin RJ, Reams L (2003) Crankcase ventilation system for a hydrogen fueled engine. US patent no. 6,606,982 B1 Das LM (1990) Hydrogen engines: a view of the past and a look into the future. Int J Hydrog Energy 15(6):425–443 Liu XH, Liu FS, Zhou L, Sun BG, Schock HJ (2008) Backfire prediction in a manifold injection hydrogen internal combustion engine. Int J Hydrog Energy 33:3847–3855 Fontanesi S, d’Adamo A, Rutland CJ (2015) Large-Eddy simulation analysis of spark configuration effect on cycle-to-cycle variability of combustion and knock. Int J Engine Res 16(3):403–418 Forte C, Gian Marco Bianchia GM, Cortia E, Fantoni S (2015) Evaluation of the effects of a Twin Spark Ignition System on combustion stability of a high performance PFI engine. Energy Procedia 81:897–906 Chen W, Madison D, Dice P, Naber J, Chen B, Miers S, Czekala M, Glugla C, Qu Q, Huberts G. Impact of ignition energy phasing and spark gap on combustion in a homogenous direct injection gasoline SI engine near the EGR limit Aleiferis PG, Taylor AMKP, Ishii K, Urata Y. The relative effects of fuel concentration, residual-gas fraction, gas motion, spark energy and heat losses to the electrodes on flamekernel development in a lean-burn spark ignition engine. Proc Inst Mech Eng, Part D: J Automob Eng 218 Mariani A, Fabrice FF (2014) Radio frequency spark plug: an ignition system for modern internal combustion engines. Appl Energy 122(3):151–161 Trenc F, Rodman S, Skerget L, Delic M (1998) Optimum cylinder cooling for advanced diesel engines. J Eng for Gas Turb Power 120:657–663 Berntsson A, Denbratt I (2005) Spark assisted HCCI combustion using a stratified hydrogen charge. SAE Technical Paper 2005-24-039 Sakashita Y, Suzuki H, Takagi Y (2009) Controlling onset of heat release by assisted spark ignition in hydrogen HCCI engine supported by DME supplement. SAE Technical Paper 2009-01-1419 Azimov U, Tomita E, Kawahara N, Harada Y (2011) Int J Engine Res 12:484–497 Roy MM, Tomita E, Kawahara N, Harada Y, Sakane A (2010) An experimental investigation on engine performance and emissions of a supercharged H2-diesel dual-fuel engine. Int J Hydrog Energy 35:844–8532
Wasserstoffbetriebene NiedertemperaturVerbrennungsmotoren Mohit Raj Saxena und Rakesh Kumar Maurya Zusammenfassung Energieversorgungssicherheit, der rasche Abbau der Rohölreserven und strenge Emissionsnormen erfordern sauberere und effizientere Verbrennungstechnologien für Motoren. Fortschrittliche Niedertemperatur-Verbrennungsregime (LTC) wie HCCI, RCCI usw. haben einen verbesserten effektiven Wirkungsgrad und eine gleichzeitige Reduktion von NOx und Rußemissionen gezeigt. Diese Verbrennungsregime sind kraftstoffflexibel. Die Eigenschaften von Wasserstoff (wie breitere Zündgrenzen, höhere laminare und turbulente Brenngeschwindigkeiten und bessere Flammenstabilität) und seine verbesserte Leistung motivieren seine Anwendung in LTC-Motoren. Wasserstoff kann effektiv als Kraftstoff in CI-Motoren mit fortschrittlichen LTC-Strategien verwendet werden. Dieses Kapitel stellt die Eigenschaften von wasserstoffbetriebenen konventionellen Zweistoff-, HCCI- und RCCI-Motoren vor. Zuerst wird die Kraftstoffeinspritzstrategie für konventionelle Zweistoff-, HCCI- und RCCI-Verbrennungsmodi diskutiert. Zweitens wird eine detaillierte Analyse der Leistungsmerkmale (einschließlich spezifischem Kraftstoffverbrauch, effektiver Wirkungsgrad), der Verbrennung (einschließlich Zündverzugszeit, Wärmefreisetzungsrate, Verbrennungsphasen und -dauer, Klingelintensität) und der Emissionen (einschließlich NOx, Ruß, CO und HC) präsentiert. Schließlich werden die Herausforderungen im Zusammenhang mit Wasserstoff in HCCI- und Zweistoffmotoren sowie die zukünftigen Perspektiven von Wasserstoff mit LTC-Motoren ebenfalls diskutiert. M. R. Saxena · R. K. Maurya (*) Advanced Engine and Fuel Research Laboratory, Department of Mechanical Engineering, Indian Institute of Technology Ropar, Bara Phool, IndienE-Mail: rakesh.maurya@iitrpr.ac.in © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_13 541
542 M. R. Saxena und R. K. Maurya 1 Einführung: Wasserstoffbetriebener NiedertemperaturVerbrennungsmotor Eine Zunahme strenger Vorschriften für Abgase und das Bestreben, die Erdölreserven in zunehmendem Maße zu erschöpfen, bieten starke Motivation für die Forschung an alternativen Kraftstoffen und Verbrennungsstrategien. Kompressionszündungsmotoren (CI-Motoren, auch Dieselmotoren genannt) werden aufgrund ihrer hohen Leistungsdichte und Wirkungsgrad häufig im Transportwesen eingesetzt; sie stoßen jedoch auch NOx und Ruß in höheren Konzentrationen aus. Trotz der Spekulationen über ein bevorstehendes Ende der CI-Motoren in naher Zukunft ist es den sich ständig weiterentwickelnden Verbrennungsmotoren gelungen, die Emissionen auf einem regelmäßig niedrigeren Niveau zu halten. In diesem Zusammenhang haben in den letzten Jahren fortschrittliche Niedertemperatur-Verbrennungsstrategien (LTC) mit verschiedenen alternativen Kraftstoffen das Interesse der Forschungsgemeinschaft geweckt. Bei LTC-Strategien wird eine ausreichende Vormischung von Luft und Kraftstoff erzeugt, um eine Diffusionsverbrennung in einer global verdünnten Umgebung zu verhindern. Die magere Vormischladung neigt dazu, die Verbrennungstemperatur im Zylinder zu senken. In LTC-Regimen wird die Ladungsverdünnung (entweder mit EGR oder Luft) allgemein verwendet, um die Bildung von NOx im Zylinder in höheren Konzentrationen zu verhindern, indem die Verbrennungstemperatur gesenkt wird. Bei LTC-Strategien verhindert die Vormischung von Luft und Kraftstoff für mehr als 3–20 ms die Bildung von Ruß im Zylinder in höheren Konzentrationen aufgrund des niedrigeren lokalen Äquivalenzverhältnisses, das durch die Mischung erreicht wird. Verschiedene alternative Kraftstoffe mit LTCStrategien wie Ethanol, Methanol, Erdgas, Biogas, Wasserstoff und Biodiesel (aus verschiedenen Rohstoffen) wurden untersucht [1–4]. Die physikalischen Eigenschaften von Wasserstoff und die verbesserte Leistung von Wasserstoffmotoren wecken mehr Interesse an Anwendungen in Verbrennungsmotoren. Wasserstoff hat einen höheren Heizwert, einen breitere Zündgrenzen, höhere laminare und turbulente Brenngeschwindigkeiten und eine bessere Flammenstabilität als herkömmliche Kohlenwasserstoffkraftstoffe, alles Eigenschaften, die für Verbrennungsmotoren von Vorteil sein können [5]. Die Zugabe von Wasserstoff verbessert die Leistung von Benzin- und CI-Motoren, indem sie die Brenngeschwindigkeit erhöht, den Bereich der mageren Verbrennung verbessert und zyklische Verbrennungsvariationen verringert [5–9]. Sie verbessert auch den effektiven Wirkungsgrad (aufgrund der höheren Energiedichte von Wasserstoff) und reduziert die CxHy-, CO-, CO2, und Rußemissionen (aufgrund des geringeren Kohlenstoffanteils im wasserstoffangereicherten Kraftstoff) [5–11]. Wenn Wasserstoff in Ottomotoren (SI-Motoren) verwendet wird, verringert er die Ausgangsleistung. Bei höherer Motorlast traten Probleme wie Rückzündung, Frühzündung und Klopfen auf, die den Betriebsbereich von Wasserstoff in SI-Motoren einschränken [5, 9, 12]. Die Selbstzündungstemperatur von Wasserstoff ist im Vergleich zu Diesel höher. Wenn Wasserstoff als Einzelkraftstoff in einem CI-Motor
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 543 verwendet wird, ist die Ladungstemperatur am Ende des Verdichtungshubs nicht ausreichend, um den Verbrennungsprozess zu starten. Daher kann Wasserstoff als Einzelkraftstoff in herkömmlichen CI-Motoren verwendet werden, er erfordert jedoch entweder eine Vorwärmung der Ladung oder den Einsatz eines erhöhten Verdichtungsverhältnisses oder einer Glühkerze [13–16]. Wasserstoff kann effektiv als Kraftstoff in CI-Motoren mit fortschrittlichen LTC-Strategien verwendet werden. Eine Möglichkeit besteht darin, einen Motor im homogenen Ladungsverdichtungszündungsmodus oder im Zweikraftstoff-Verbrennungsmodus (konventioneller Zweikraftstoff- und reaktivitätsgesteuerter Verdichtungszündungsmodus) zu betreiben. Der HCCI-Verbrennungsmodus ist eine vielversprechende Methode zur gleichzeitigen Reduzierung von NOx und Rußemissionen im Zylinder aufgrund der niedrigeren im Zylinder erreichten Verbrennungstemperatur und der Verbrennung der mageren Ladung. Die HCCI-Verbrennung hat einen verbesserten Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad im Vergleich zum herkömmlichen CI-Motorbetrieb. Bei HCCI zündet die vorgemischte homogene Ladung an mehreren Stellen in der Brennkammer aufgrund der Verdichtung durch den Kolben während des Verdichtungshubs selbst. Die intensive Selbstzündung der vorgemischten Ladung führt zu einer kürzeren Verbrennungsdauer und einer höheren Druckanstiegsrate. Die Verbrennung der mageren Ladung führt zu einer niedrigeren mittleren Verbrennungstemperatur im Zylinder, was zu einer geringeren NOx-Bildung führt. Die Verbrennung der fetten Ladung führt zu einer höheren Druckanstiegsrate, was zu einem erhöhten Verbrennungsgeräusch führt. Die HCCI-Verbrennung hat einen engen Betriebsbereich (im Vergleich zum herkömmlichen CI-Betrieb), die Komplexität der Verbrennungssteuerung zwischen Klopfen bei fettem Gemischbetrieb (hohe Last) und Fehlzündungen bei magerem Gemischbetrieb (niedrige Last) [17, 18]. Im HCCI-Modus bestimmt die Reaktivität des Kraftstoffs seine Eignung für die Verbrennung. Niedrig reaktive Kraftstoffe wie Ethanol, Methanol, Wasserstoff usw. erfordern entweder ein hohes Motorverdichtungsverhältnis oder eine höhere Ladungstemperatur am Einlass, um den Selbstzündungsprozess zu starten. Höher reaktive Kraftstoffe erfordern eine niedrigere Ladungstemperatur am Einlass und eine höhere Abgasrückführung (AGR) für eine optimale Verbrennungsphase [19, 20]. Die gesamte Ladung wird vor dem Verdichtungshub im HCCI-Verbrennungsmodus vorgemischt und der Motor wird mit einer mageren Ladung betrieben. Eine weitere Hauptart der LTC-Strategie ist die teilweise geschichtete Ladungsverdichtungszündung (SCCI), die auf dem Grad der Vormischung der Luft-Kraftstoff-Ladung basiert. Diese Schichtung gibt es in zwei Arten: Kraftstoffkonzentration und thermische Schichtung. Die thermische Schichtung wird in der thermisch geschichteten Verdichtungszündung und der funkenunterstützten Verdichtungszündungsstrategie verwendet. Es ist bekannt, dass die Verbrennungsphasen verzögert und daher die Wärmefreisetzungsrate geglättet werden kann, indem die thermische Schichtung verbessert wird, was durch verschiedene Weise wie die Senkung der Kühlmitteltemperatur oder die Erhöhung der Turbulenz des Dralls im Zylinder durch Änderung des geometrischen Gestaltung des Zylinders erreicht werden kann [34, 75]. Im thermisch
544 M. R. Saxena und R. K. Maurya geschichteten Kompressionszündung wird eine direkte Wassereinspritzung verwendet, um sowohl die Durchschnittstemperatur als auch die Temperaturverteilung vor der Zündung zu steuern, wodurch eine zyklusweise Steuerung des Beginns und der Wärmefreisetzungrate in LTC ermöglicht wird [76]. Die Schichtung der Kraftstoffkonzentration kann sowohl mit Zweikraftstoff als auch mit Einzelkraftstoff durchgeführt werden. Die Schichtung der Kraftstoffkonzentration umfasst die teilweise vorgemischte Verbrennung von Benzin und die reaktivitätsgesteuerte Verdichtungszündung mit Zweikraftstoff (RCCI) [25]. Im Dual-Fuel-CI-Motorbetrieb werden zwei Kraftstoffe mit stark unterschiedlicher Reaktivität im gleichen Motorzyklus verwendet. Im Fall von wasserstoffbetriebenen Dual-Fuel-Motoren wird der Wasserstoff (niedrige Reaktivität) während des Ansaugtakts in den Luftstrom eingeleitet/vergast oder eingespritzt. Ein hochreaktiver Kraftstoff wie Diethylether, Diesel usw. dient als Zündquelle für Wasserstoff und wird direkt in den Zylinder eingespritzt. Basierend auf dem Grad der Ladungsschichtung kann der Dual-Fuel-Betrieb in konventionellen Dual-FuelBetrieb und reaktivitätsgesteuerten Kompressionszündungsbetrieb (RCCI) kategorisiert werden. Im RCCI-Verbrennungsmodus ist die gesamte Ladung nahezu vorgemischt und die vorgemischte Verbrennungsphase dominiert. Andererseits wird im konventionellen Dual-Fuel-Betrieb die Ladung in den vorgemischten und mischungskontrollierten Verbrennungsphasen verbrannt. Der RCCI-Betrieb hat auch einen höheren effektiven Wirkungsgrad und Potenzial zur Reduktion von NOx und Rußemissionen im Zylinder. Der RCCI-Verbrennungsmodus verwendet mehrere Einspritzstrategien und einen geeigneten EGR-Prozentsatz zur Steuerung der Reaktivität im Zylinder, um die Verbrennungsphasen und die Verbrennungsdauer zu optimieren, was zu einem höheren effektiven Wirkungsgrad bei gleichzeitiger Reduktion von NOx und Rußemissionen führt [25]. Der Reaktivitätsgradient des Kraftstoffs (Verteilung von Kraftstoffen mit niedriger und hoher Reaktivität in der Brennkammer) und die Ladungsschichtung (Zusammensetzungsschichtung oder lokale Verteilung des Äquivalenzverhältnis) werden verwendet, um die Phasen und die Dauer der Verbrennung im RCCI-Verbrennungsmodus zu steuern. Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte und eine kohlenstofffreie Struktur; er reduziert die Kohlenstoffemissionen im Dual-Fuel-CI-Motor erheblich [21, 22]. Wenn ein wasserstoff-dieselbetriebener Dual-Fuel-Motor mit einer niedrigeren Last und einem 98%igen Vormischungsverhältnis betrieben wird, führt dies zu einer 97%igen Reduktion von CO2 im Vergleich zu einem konventionellen CI-Motor [22, 23]. Bei 100% Motorlast führte der wasserstoff-dieselbetriebene Dual-Fuel-Betrieb mit einem niedrigeren Vormischungsverhältnis zu einer 17%igen Reduktion der Rußemissionen, während die Kohlenwasserstoffemissionen nicht wesentlich verbessert wurden [22, 24]. Weitere Details zu den Grundlagen der LTC-Regime sind in Ref. [25] verfügbar. Dieses Kapitel stellt die Kraftstoffeinspritzstrategie für wasserstoffbetriebene HCCI- und RCCI-Verbrennungsmodi vor. Die Auswirkungen verschiedener Motorbetriebsparameter auf die Leistung (Motorkennfeld, effektiven /volumetrischer Wirkungsgrad, Verteilung des Äquivalenzverhältnis usw.), Verbrennung (Wärmefreisetzung, Verbrennungsphasen und -dauer, Klingelintensität usw.) und
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 545 Emissionscharakteristika von Wasserstoff-HCCI- und Wasserstoff-Diesel-RCCIMotoren werden in diesem Kapitel ausführlich diskutiert. 2 Kraftstoffeinspritzstrategie: HCCI- und RCCIVerbrennungsmodus Es gibt drei Haupttypen von Motorverbrennungsmodi: Fremdzündungs- (SI) Verbrennung, CI-Verbrennung und HCCI-Verbrennungsmodus (Abb. 1a). Konventionelle SI-Motoren arbeiten mit einer homogenen stöchiometrischen Ladung, und Benzinkraftstoff wird während des Ansaugtakts in den Luftstrom eingeleitet/ eingespritzt. Die vorgemischte Ladung verbrennt im Brennraum mit Hilfe einer externen Zündquelle wie einer Zündkerze. Die Verbrennung einer homogenen stöchiometrischen Ladung und der Drosselbetrieb im SI-Motor führen zu einem geringeren Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad. Darüber hinaus wird das höhere Verdichtungsverhältnis in SI-Motoren durch anormale Verbrennung (Klopfen) Funkenzündung Verbrennung von zwei Brennstoffen Kompressionszündung Port-Injektion von Wasserstoff Port-Injektion von Wasserstoff Reaktivitätsgesteuerte Kompressionszündung Konventionelle Dual-FuelEinspritzstrategie Port-Injektion von Wasserstoff Kompressionszündung mit homogener Ladung Rate der Wärmefreisetzung (J/CAD) HCCI-Kraftstoffeinspritzstrategie Vorgemischte Verbrennungsphase Konventioneller dualer Brennstoff Diesel SOI RCCI-Injektionsstrategie Diffusionsverbrennungsphase Vorgemischte Verbrennung Kurbelwinkel (CAD) Abb. 1 a Darstellung verschiedener Motorverbrennungsmodi. Adaptiert von [25]; b Kraftstoffeinspritzstrategie und; c Wärmefreisetzungsrate im konventionellen Dual-Fuel-CIMotor und RCCI-Motor
546 M. R. Saxena und R. K. Maurya eingeschränkt, was ebenfalls zu einem reduzierten Wirkungsgrad führt [25]. Konventionelle CI-Motoren arbeiten mit einer global magereren Ladung und höheren Verdichtungsverhältnissen. Der Dieselkraftstoff wird am Ende des Verdichtungstakts (nahe TDC) direkt in den Zylinder eingespritzt; somit wird eine geschichtete Ladung vorbereitet. Diese geschichtete (heterogene) Ladung verbrennt in den vorgemischten und mischungskontrollierten Verbrennungsphasen. CI-Verbrennung hat einen höheren effektiven Wirkungsgrad als SI-Motoren, aber die Verbrennung der heterogenen Ladung führt zur Bildung von Ruß und NOx in höheren Konzentrationen [26]. Der Motor sollte mit einer homogenen magereren Ladung bei einem höheren Verdichtungsverhältnis betrieben werden, um einen höheren effektiven Wirkungsgrad und eine Reduktion der NOx- und Rußbildung im Zylinder zu erreichen; das HCCI-Verbrennungsregime basiert auf demselben Konzept. Homogen eingespritzte magerere Ladung zündet am Ende der Verdichtung (aufgrund erhöhter Temperatur und Druck) in einem Motor mit hohem Verdichtungsverhältnis selbst. Der konventionelle Dual-Fuel-Betrieb ist ein intermediärer Verbrennungsmodus zwischen der SI- und der CI-Verbrennung (Abb. 1a). Der Kraftstoff mit niedriger Reaktivität (Primärkraftstoff) wird ähnlich wie beim SI-Motor eingeleitet, und der hochreaktive Kraftstoff wird wie beim CI-Motor eingespritzt. Die Verbrennung erfolgt ähnlich wie beim konventionellen CI-Motor (vorgemischte und mischungskontrollierte Verbrennung). Die RCCI-Verbrennung ist ein intermediärer Verbrennungsmodus zwischen der CI- und der HCCI-Verbrennung (Abb. 1a) [25]. Der Kraftstoff mit niedriger Reaktivität (Primärkraftstoff) wird in das Saugrohr eingespritzt, und der hochreaktive Kraftstoff wird ähnlich wie beim CI-Motor direkt eingespritzt. Der RCCI-Verbrennungsmodus hat eine Reaktivitäts- und Ladungsschichtung, die durch Variation des Vormischungsverhältnisses von Kraftstoffen mit niedriger und hoher Reaktivität und der Einspritzstrategie des hochreaktiven Kraftstoffs gesteuert wird. Die gesamte Ladung ist fast vorgemischt und hauptsächlich vorgemischte Verbrennung erfolgt ähnlich wie beim HCCI-Motor. Die Kraftstoffeinspritzstrategie, die vorgemischte Ladung und der Grad der Ladungsschichtung unterscheiden den konventionellen Dual-Fuel- und den RCCIVerbrennungsmodus. Die Kraftstoffeinspritzstrategie und die Wärmefreisetzung im konventionellen Dual-Fuel- und RCCI-Verbrennungsmodus sind in Abb. 1b, c dargestellt. Im konventionellen Dual-Fuel-Betrieb wird der Primärkraftstoff (niedrig reaktiver Kraftstoff wie Ethanol, Methanol usw.) während des Ansaugtakts (etwa 350° bTDC) in das Ansaugrohr eingespritzt, und dieselähnlicher Kraftstoff (hoch reaktiv) wird in die vorgemischte Ladung aus niedrig reaktivem Kraftstoff und Luft am späteren Ende des Verdichtungstakts (nahe TDC-10–20° bTDC) direkt eingespritzt. Die Dieseleinspritzung dient als Zündquelle, um den Verbrennungsprozess zu initiieren. Die Verbrennung beginnt mit der Selbstzündung des Diesels und die Ladung verbrennt in der vorgemischten und mischungskontrollierten Verbrennungsphase wie beim konventionellen CI-Betrieb (Abb. 1c). Im RCCIVerbrennungsmodus wird der niedrig reaktive Kraftstoff ähnlich wie beim konventionellen Dual-Fuel eingespritzt, aber Diesel wird während des frühen/
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 547 mittleren Verdichtungstakts eingespritzt. Somit wird Diesel vorgemischt, um die Reaktivität und Verteilung der Ladung im Zylinder zu verbessern. Die gesamte Ladung verbrennt hauptsächlich in der vorgemischten Verbrennungsphase (Abb. 1c). Kraftstoffreaktivität und Ladungsschichtung werden verwendet, um die Verbrennungsphasen und -dauer im RCCI-Verbrennungsmodus zu steuern. 3 Wasserstoffbetriebener HCCI-Motor Dieser Abschnitt stellt die Eigenschaften eines wasserstoffbetriebenen HCCIMotors vor. Dieser Abschnitt ist in zwei Unterabschnitte unterteilt. Erstens werden die Leistungs- und Verbrennungseigenschaften diskutiert, einschließlich Zylinderdruck, Wärmefreisetzung, Verbrennungsphasen und -dauer, Äquivalenzverhältnis und Analyse des effektiven Wirkungsgrads. Der zweite Unterabschnitt stellt die Emissionseigenschaften des Wasserstoff-HCCI-Motors vor. 3.1 HCCI-Motor: Leistungs- und Verbrennungseigenschaften 3.1.1 Einfluss der Zugabe von Wasserstoff und Sauerstoff auf das Äquivalenzverhältnis Die Zündcharakteristik des Kraftstoffs beeinflusst erheblich die Leistungs- und Verbrennungseigenschaften des HCCI-Motors. Sauerstoff- und Wasserstoffmoleküle sind im Kraftstoff vorhanden und verursachen die Bildung von OHRadikalen, die eine führende Rolle im Fortschritt des Verbrennungsprozesses im HCCI-Motor spielen. Um die Verbrennungseigenschaften des Erdgases-HCCIMotors zu verbessern, können Wasserstoff- und Sauerstoffzugaben als Kraftstoffbzw. Oxidationsmittelzusätze verwendet werden [18]. Der Einfluss der Zugabe von Wasserstoff in Methan, Sauerstoff in der Luft und Wasserstoff + SauerstoffMischung auf das Äquivalenzverhältnis wird in Abb. 2 dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zugabe von Sauerstoff und Wasserstoff zu einem verringerten Äquivalenzverhältnis führt. Ein verringertes Äquivalenzverhältnis verursacht eine Verbrennungsverdünnung und erhöht die untere Betriebsgrenze des Motors [18]. Allerdings ist die Reduktion des Äquivalenzverhältnisses für verschiedene Mischkombinationen unterschiedlich. Beachten Sie, dass die Abbildung nur den Vergleich des Einflusses der Zugabe von Wasserstoff und Sauerstoff auf das Äquivalenzverhältnis zeigt und keine Schlussfolgerung über die tatsächliche Leistung des Motors gezogen werden kann [18].
M. R. Saxena und R. K. Maurya 548 H2 Zusatz O2 Zusatz H2+O2 Zugabe Äquivalenzverhältnis Abb. 2 Einfluss der Zugabe von Wasserstoff in Methan, Sauerstoff in der Luft und Wasserstoff + Sauerstoff-Mischung auf das Äquivalenzverhältnis im Erdgases-HCCI-Motor [18] Fall Nr. 3.1.2 Zündzeitpunkt Der Zündzeitpunkt steuert den Verbrennungsprozess und seine Kontrolle ist entscheidend für die Verbesserung der Motorleistung. Im HCCI wird der Selbstzündungsprozess durch chemische Kinetik gesteuert, und es gibt keine direkte Kontrolle des Zündzeitpunkts und der Verbrennungsphasen (CA50). Die Kurbelwellenposition (Winkel), bei der 5 oder 10 % der gesamten Kraftstoffenergie freigesetzt werden, wird als Zündzeitpunkt betrachtet [27, 28]. In verschiedenen Studien haben Autoren unterschiedliche Kriterien zur Definition des Zündbeginns/ Zündzeitpunkts verwendet. Abb. 3 zeigt den Einfluss des Äquivalenzverhältnisses (φ) und der Einlassgastemperatur (Tint ) auf den Zündzeitpunkt. Abb. 3 zeigt, dass der Zündzeitpunkt mit zunehmendem Äquivalenzverhältnis vorverlegt wird. Mit Ansauggastemperatur, Tint (K) Zündzeitpunkt (CA10 ), CAD aTDC Abb. 3 Einfluss des Äquivalenzverhältnisses und der Einlassgastemperatur auf den Zündzeitpunkt im wasserstoffbetriebenen HCCI-Motor. Adaptiert von [28] Äquivalenzverhältnis (ϕ)
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 549 zunehmendem Äquivalenzverhältnis (die Ladung wird reicher) bei konstanter Einlasstemperatur beginnen die Selbstzündungs-Oxidationsreaktionen früher im Motorzyklus aufgrund einer schnelleren Reaktionsrate. Die Reaktionsrate hängt von dem Anteile der Spezies im Zylinder und der mittleren Verbrennungstemperatur des Gases ab. Daher hängen die Reaktionsraten im Prinzip vom LuftKraftstoff-Verhältnis ab [20]. Eine Studie berichtete, dass der Zündzeitpunkt vergleichsweise empfindlicher auf das Äquivalenzverhältnis reagiert, wobei keine signifikanten Variationen in den Verbrennungsphasen bei konstanter Einlasstemperatur für relative Äquivalenzverhältnisse zwischen 2 und 8 gefunden wurden [20, 29]. Der Zündbeginn ist relativ empfindlicher gegenüber der Temperatur (im Vergleich zum Äquivalenzverhältnis), da sich die Reaktionsraten exponentiell mit der Temperatur ändern [20]. Der Zündzeitpunkt ist ungefähr linear abhängig von der Einlasstemperatur für den wasserstoffbetriebenen HCCI-Motor, was bedeutet, dass die Einlasstemperatur zur Steuerung des Zündzeitpunkts verwendet werden kann [30]. Eine Erhöhung der Einlasslufttemperatur verringert das Luftüberschussverhältnis [30]. Mit zunehmender Einlassgastemperatur wird der Zündzeitpunkt vorverlegt. Der Zündzeitpunkt ist empfindlich gegenüber der Einlassgastemperatur, was offensichtlich ist, da die Reaktionsrate exponentiell von der Temperatur abhängt [20]. 3.1.3 Zylinderdruck und Wärmefreisetzungsrate Abb. 4 Auswirkung des Äquivalenzverhältnisses und der Ansaugladungstemperatur auf den Verbrennungsdruck und die Wärmefreisetzungsrate für einen Wasserstoff-HCCIMotor. Adaptiert aus [31] Wärmefreisetzungsrate (J/CAD) Die Auswirkung der Ansaugladungstemperatur (ICT) auf die Wärmefreisetzungsrate bei verschiedenen Äquivalenzverhältnissen ist in Abb. 4 dargestellt. Eine Erhöhung der Ladungstemperatur führt zu einem früheren Zündbeginn und einer erhöhten Verbrennungsrate. Die Abbildung zeigt, dass mit einer Erhöhung der ICT die Wärmefreisetzungsrate zunimmt und der Zündbeginn vorverlegt wird. Diese Beobachtung gilt für beide Äquivalenzverhältnisse (Abb. 4). Die Temperatur der Ladung während der Kompression ist bei einer höheren ICT relativ höher. Dies Motordrehzahl: 1500 U/min; Verdichtungsverhältnis: 16 Kühlmitteltemperatur: 50°C Kurbelwinkel (CAD)
550 M. R. Saxena und R. K. Maurya ermöglicht es der Ladung, eine frühere Selbstzündungstemperatur zu erreichen. Wie oben diskutiert, hängt das Zündzeitpunkt hauptsächlich von der ICT ab. Die höhere ICT führt zu einer vorverlegten CA50, was zu einer höheren Wärmefreisetzungsrate bei konstantem Äquivalenzverhältnis führt. Eine niedrigere ICT ab einem bestimmten Grenzwert (abhängig von den Betriebsbedingungen und dem verwendeten Kraftstoff) führt zu einem extrem verzögerten Zündbeginn (nach TDC) aufgrund einer langsameren Oxidationsreaktionsrate. Dies impliziert, dass die Ladungstemperatur nicht ausreicht, um die Zündung zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten. Es verursacht eine zu verzögerte CA50 und führt zu einer unvollständigen Verbrennung. Daher ist es notwendig, die CA50 durch Erhöhung der ICT anzupassen, um einen höheren Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad zu erzielen [31]. Abb. 4 zeigt auch, dass die Spitzenwärmefreisetzung mit der Ansaugladungstemperatur zunimmt und die Verbrennung vor TDC endet. Dies führt zu einem steilen Anstieg der Verbrennungstemperatur im Zylinder und resultiert in einem niedrigeren effektiven Wirkungsgrad (ηt ) [31]. Der bestmögliche Zündzeitpunkt zur Erzielung des maximalen ηt ist, wenn der Zündbeginn bis zum äußersten machbaren Limit verzögert wird, ohne Fehlzündungen zu verursachen. Aber dieser verzögerte Zündbeginn ist auch mit einer verringerten Wärmefreisetzungsrate verbunden. Wenn der Zündbeginn zu stark verzögert wird, neigt dies dazu, die CA50 übermäßig zu verzögern, und mehr Ladung wird während der Expansion verbrannt, was zu einer Verringerung der Wärmefreisetzungsrate führt. Daher kann, wenn es möglich ist, die hohe Wärmefreisetzungsrate beizubehalten, aber den Zündbeginn zu verzögern, das maximale ηt erreicht werden [31]. Die Wärmefreisetzungsrate nimmt ab und der Zündbeginn verzögert sich, wenn die Ansaugladungstemperatur abnimmt. Das höchste ηt wird bei niedrigeren Ansaugladungstemperaturen in beiden untersuchten Äquivalenzverhältnissen erreicht. Eine weitere Abnahme der Ansaugladungstemperatur führt zu Fehlzündungen. Obwohl hohe Wärmefreisetzungsraten wünschenswert sind, führt die frühe CA50 zu einer niedrigen ηt. Daher kann die Strategie, die die Verwendung höherer Ladungstemperaturen ohne Klopfen oder die Verbrennung bei niedrigeren Temperaturen ermöglicht, verwendet werden, um den Betriebsbereich zu erweitern [31]. 3.1.4 Verbrennungsphasen und -dauer Wie oben besprochen, beeinflusst CA50 direkt den Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad des HCCI-Motors. Der höchste Zykluswirkungsgrad wird erreicht, wenn die Wärmefreisetzung nahe am TDC erfolgt [32]. Der Einfluss der Wasserstoffzugabe auf CA50 und die Verbrennungsdauer (CA10–90) bei verschiedenen Verdichtungsverhältnissen (rc) ist in Abb. 5 dargestellt. Bei konstantem rc wird mit einer Erhöhung des Wasserstoffanteils das CA50 verzögert (Abb. 5). Dies bedeutet, dass die Wasserstoffzugabe das CA50 des Diesel-HCCI-Motors verzögert. Es gibt drei mögliche Gründe, d. h. thermischer Effekt, chemischer Effekt
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren Verdichtungsverhältnis 551 Verdichtungsverhältnis Abb. 5 Einfluss der Wasserstoffzugabe auf CA50und CA10–90 bei verschiedenen Verdichtungsverhältnissen. Adaptiert von [32] und Verdünnungseffekt, die die Änderung des CA50 mit der Zugabe des Kraftstoffadditivs verursachen können. Der thermische Effekt hängt mit den Änderungen der thermischen Eigenschaften zusammen, die durch das Kraftstoffadditiv eingeführt werden. Wasserstoff hat jedoch eine geringere spezifische Wärme als Diesel. Daher ist die Verzögerung des CA50 aufgrund der Wasserstoffanreicherung im Diesel-HCCI nicht auf einen thermischen Effekt zurückzuführen, sondern auf die chemischen und Verdünnungseffekte [32]. Der chemische Effekt steht im Zusammenhang mit dem Beitrag des Wasserstoffmoleküls zu den Reaktionen. Der Verdünnungseffekt hängt mit den Änderungen der Reaktantenkonzentration zusammen [32]. Im Diesel-HCCI wird die Zündung durch den Abbau von H2O2 gesteuert [33]. Jede Variation, die dazu führt, dass das reaktive Kraftstoff/LuftGemisch die H2O2-Zersetzungstemperatur (etwa 1000 K) später erreicht, wird das CA50 verzögern [32]. Für die Diesel-Selbstzündung stammt die Energie, die erforderlich ist, damit eine Ladung die H2O2-Zersetzungstemperatur erreicht, hauptsächlich aus der Wärmefreisetzung von Niedertemperaturoxidationsreakt ionen, die im Allgemeinen mit Abstraktionsreaktionen des H-Moleküls beginnen [32]. Wenn Wasserstoff hinzugefügt wird, wird der Anteil von Sauerstoff und Diesel reduziert, da die Zündung von Wasserstoff weniger Sauerstoff benötigt als Diesel. Dies führt zu einer Verringerung der Fortschrittsrate der Niedertempe raturoxidationsreaktionen, die mit der Dieselchemie zusammenhängen, und verzögert das CA50. Dies ist die Art und Weise, wie die Wasserstoffanreicherung das CA50 durch den Verdünnungseffekt verzögert. CA50 wird auch durch die Wasserstoffanreicherung aufgrund des chemischen Effekts verzögert, da Wasserstoff zu einigen Niedertemperaturoxidationsreaktionen wie H2 + OH = H2 O + H beiträgt [32]. Die während dieser Reaktion freigesetzte Wärme ist unbedeutend, während gleichzeitig OH-Radikale verbraucht werden. Letzteres ist sehr wichtig, da sie an mehreren wichtigen Diesel-Kraftstoffoxidationsreaktionen während der Niedertemperaturphase beteiligt sind. Daher wird eine Erhöhung oder Verringerung der OH-Radikale in der Ladung die Niedertemperatur-Chemiekinetik beschleunigen oder verlangsamen [32]. Abbildung 5 zeigt auch, dass eine Erhöhung des
M. R. Saxena und R. K. Maurya 552 Wasserstoffanteils zu einer Verringerung des Betriebsbereichs von rcführt. In der ursprünglichen Studie wurde der analysierte Bereich von rcdurch die maximal akzeptable COVIMEP und die maximal akzeptable PRR für niedrige und hohe rc begrenzt [32]. Die Studie berichtete, dass das niedrige rc-Limit erhöht und das hohe rc-Limit verringert wurde, wenn der Wasserstoffanteil erhöht wurde [32]. Der CA10–90 beeinflusst auch den Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad des HCCI-Motors. Der CA10–90wird allgemein als das Intervall zwischen zwei Kurbelwinkeln definiert, bei denen 10 und 90 % der Gesamtenergie freigesetzt werden. Abbildung 5zeigt, dass bei einem festen Prozentsatz der Wasserstoffanreicherung mit einer Abnahme von rcder CA10–90 zunahm. Die Zunahmerate des CA10–90bei einer Abnahme von rcverstärkt sich, wenn die Wasserstoffanreicherung zunimmt. Dies zeigt, dass die Wasserstoffanreicherung die Empfindlichkeit des CA10– 90gegenüber rcerhöht, was dazu führt, dass die Wasserstoffanreicherung den CA10– 90bei niedrigeren rcerhöht, während er bei höheren rcabnimmt [32]. Der Einfluss von Kraftstoff- und Temperaturinhomogenität wird in Abb. 6dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass größere Kraftstoffinhomogenität zu längeren CA10–90 führt; der Effekt ist jedoch nicht sehr signifikant. Andererseits nimmt der CA10–90 bei einem bestimmten Grad an Temperaturinhomogenität stark zu (Abb. 6) [28]. 3.1.5 Leistung des Wasserstoff-HCCI-Motors Abbildung 7a zeigt die Wirkung von φauf die effektive Leistung (BTE) bei verschiedenen ICT. Die Ergebnisse zeigen, dass der Motor mit einer magereren Ladung betrieben werden kann, wenn der ICT steigt. Bei einem höheren φ(d. h. reiche Ladung verbrennt), erhöht der höhere ICT die Rate der Selbstzündungsreaktionen und verursacht zu fortgeschrittenes CA50und einen steilen Anstieg der Wärmefreisetzungsrate. Der BMEP, der φentspricht (wie in Abb. 7a auf der X-Achse gezeigt), wird in Abb. 7b auf der X-Achse gezeigt. Der niedrigere BMEP wird durch Fehlzündungen eingeschränkt, während der höhere BMEP durch Abb. 6 Einfluss von Kraftstoff- und Temperaturinhomogenität auf die Verbrennungsdauer. Adaptiert von [28] Verbrennungsdauer, Inhomogenität der Temperatur Inhomogenität der Brennstoffe
Effektiver Wirkungsgrad [%] Motordrehzahl = 1500 U/min Verdichtungsverhältnis = 16 Kühlmitteltemperatur = 50°C Äquivalenzverhältnis Thermischer Wirkungsgrad der Bremse [%] Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 553 Motordrehzahl = 1500 U/min Verdichtungsverhältnis = 16 Kühlmitteltemperatur = 50°C BMEP [bar] Abb. 7 Wirkung von φund BMEP auf BTE bei verschiedenen Ansaugladetemperaturen [31] Motorklopfen eingeschränkt wird. Abbildung 7b zeigt, dass ein niedrigerer BMEP für einen niedrigeren φBetrieb erreicht wird, was zu einer niedrigeren BTE führt. Die maximal erreichte BTE beträgt etwa 24% bei 2,2 bar BMEP mit einem ICT von 80 °C. Die maximale BTE wird für höheren BMEP (der ohne Klopfen verwendet werden kann) für alle ICT erreicht. Dies zeigt, dass es für jeden gegebenen φbesser ist, mit dem niedrigstmöglichen ICT zu arbeiten, um eine verbesserte BTE zu erzielen, was auf ein optimales CA50 zurückzuführen ist [31]. Bei optimalem CA50kann die maximale Arbeit erzielt werden und die Wärmeverluste werden geringer sein. Bei einem gegebenen φführt ein erhöhter ICT zu einer zu fortgeschrittenen Wärmefreisetzung und einer verringerten BTE. Der Einfluss des relativen Äquivalenzverhältnisses ()und der Ansaugventil­ schließtemperatur (Tivc )auf den Wirkungsgrad des Verbrennung (ηc )ist in Abb. 8 dargestellt. Es wird daran erinnert, dass das ηcmisst, wie gut der Kraftstoff im Motor verbrennt. Das ηcnimmt mit einer Zunahme von bei festem Tivcab (Abb.8a). Dies geschieht aufgrund der geringeren Ladungsreaktivität während des mageren Betriebs. Bei einem niedrigeren (fettere Ladung) Betrieb wird der fortgeschrittene CA50aufgrund des erhöhten Verbrennungsdrucks und der Temperatur im Zylinder erreicht, was zu einer verbesserten ηcführt. Abbildung 8a zeigt, dass für Tivc =420 K, die ηcnach von 5 schnell abnimmt und ein Minimum bei von 8 erreicht. Das Minimum wird durch das Auftreten von Fehlzündungen begrenzt, d. h. die unzureichende Ansauglufttemperatur, um die magere Ladung selbstzuzünden [20]. Bei magerem Ladungsbetrieb führt eine Erhöhung von Tivczu einer verbesserten ηc, weil eine Erhöhung von Tivczur Vorverlegung von CA50 führt (bei höherem Tivc ,ist die Rate der Oxidationsreaktionen höher). Eine höhere mittlere Gastemperatur im Zylinder wird für einen früheren CA50 erreicht, was zu einer höheren ηcführt. Die ηcVariation mit Tivcund im HCCI-Betriebsbereich ist in Abb. 8b dargestellt. Die Abbildung zeigt, dass höhere ηcfür höhere Tivcnahe der
M. R. Saxena und R. K. Maurya Angegebene Leistung (kW) η-Verbrennung 554 Ansauglufttemperatur (Ta), °C Motordrehzahl (U/min) Abb. 8 a, bEffekt des relativen Äquivalenzverhältnisses () und Tivcauf den Wirkungsgrad der Verbrennung [20]; c Effekt der Einlasslufttemperatur auf IMEP und angegebene Leistung [30]; d Variationen des IMEP, die bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Wasserstoff-HCCI-Motor für verschiedene Verdichtungsverhältnisse (CR) oder (rc )erreicht wurden [20] Hochlastgrenze erreicht wird. Der Einfluss der Ansauglufttemperatur (Ta) auf IMEP und angezeigte Leistung ist in Abb. 8c dargestellt. Abbildung 8c zeigt, dass eine Erhöhung von Ta zu einer reduzierten Motorleistung führt. Der BTE und IMEP nehmen mit einer Erhöhung von T ab.a ist auf eine Verringerung des volumetrischen Wirkungsgrads zurückzuführen (ηv )[30]. Der Bereich des erhaltenen IMEP in Wasserstoff-HCCI bei verschiedenen Geschwindigkeiten für unterschiedliche Verdichtungsverhältnisse (CR oder rc) wird in Abb. 8d dargestellt. Der IMEP wurde so gewählt, dass der Wasserstoff-HCCI-Motor bei jedem Tivcund den maximalen ηterreicht. Abbildung 8d zeigt, dass bei festem rcmit einer Erhöhung der Motordrehzahl der Betriebsbereich abnahm. Die Abbildung zeigt auch, dass der Betriebsbereich mit einer Erhöhung des rcbreiter wird. Höheres rcerhöht den Spitzendruck und die Temperatur im Zylinder, was zu einer verbesserten ηcführt. Ein höheres Expansionsverhältnis führt auch zu einer höheren geleisteten Arbeit [20]. Bei niedrigerem rckann dasselbe Tivcmöglicherweise nicht ausreichen, um die Selbstzündungsreaktionen zu initiieren. CA50 wird auch durch die Erhöhung der Zylindertemperatur aufgrund des höheren rcbeeinflusst. Das CA50beeinflusst den
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 555 unteren und oberen Lastbereich und mit der Änderung des rcvariiert auch das CA50. Für dieselben Kriterien für den unteren und oberen Lastbereich erweitert sich der Betriebsbereich mit zunehmendem rc[20]. 3.1.6 Klingelintensität Die Klingelintensität (RI) wird allgemein verwendet, um die Wahrscheinlichkeit eines Motorklopfbetriebs zu charakterisieren. Das maximal zulässige Limit von RI für einen stabilen HCCI-Betrieb beträgt 5 MW/m2[34]. Die unten angegebene Gleichung wird zur Berechnung der RI verwendet. RI = √    2 dP γ RTmax β 2γ Pmax dt max   wo dP der Spitzen-PRR ist, Tmax and Pmaxsind die maximale Zylinderdt max temperatur und der maximale Zylinderdruck. γ ist das spezifische Wärmeverhältnis, Rist die Gaskonstante und βist der Abstimmfaktor, der die Druckoszillationen und den PRR korreliert [35]. Einfluss der Zugabe von Wasserstoff und Sauerstoff Der Einfluss von Wasserstoff, Sauerstoff und deren Kombination auf einen HCCIMotor mit Erdgas ist in Abb. 9dargestellt. Es wird gezeigt, dass die Anreicherung mit Wasserstoff, Sauerstoff und deren Kombination keine signifikante Auswirkung auf das Motorklopfen hat. Der RI steigt nur leicht mit einem Anstieg des Klopfbegrenzung Klingelintensität [MW/m ]2 Abb. 9 Einfluss der Zugabe von Wasserstoff und Sauerstoff auf die Ringintensität [18] H2 Zusatz O2 Zusatz H2+O2 Zugabe Fall Nr.
556 M. R. Saxena und R. K. Maurya Wasserstoffanteils in einem HCCI-Motor mit Erdgas. Auch eine Erhöhung des Anteils der Sauerstoff- und H2 + O2-Mischung verringert den RI. Abbildung 9 zeigt, dass der RI für Wasserstoff höher ist als bei anderen Kraftstoffzusätzen (O2 und O2+ H2), und die Sauerstoffanreicherung wird dazu führen, dass der Motor ruhiger läuft [18]. Wasserstoff hat einen höheren Heizwert und eine höhere Flammgeschwindigkeit, was die Brenngeschwindigkeit während der Wasserstoffanreicherung im Vergleich zu Sauerstoff und seinen Mischungen erhöht. Dies führt zu einem Anstieg des Spitzen-PRR. Im Allgemeinen führt ein höherer Spitzen-PRR zu höherem Verbrennungsgeräusch [18]. Eine Studie berichtete, dass eine Vorkammer den schnellen Druckanstieg der HCCI-Verbrennung verringern und folglich die Wahrscheinlichkeit des Klopfens/Klingelns verringern könnte [36]. Das Drallverhältnis und die Turbulenz spielen eine entscheidende Rolle bei CA50, hauptsächlich durch den lokalen Effekt der Wärmeverluste auf die Ladungstemperatur [36]. Die Vorkammer erzeugt das interne Drallverhältnis und den Turbulenzfluss im gesamten Brennraum. Die Drallströmung der Vorkammer und des Brennraums sind durch einen Verbindungskanal so verbunden, dass der Kanal tangential mit der Vorkammer verbunden ist. Das Drallmuster mischt systematisch die Luft mit verbranntem und unverbranntem Kraftstoff in der Vorkammer und verringert die Wahrscheinlichkeit der Bildung lokal reicher Kraftstoffregionen. Die Verbrennung der gut durchmischten Ladung durch die Vorkammer reduziert die Verbrennungstemperatur im Zylinder und verringert die HRR und die Druckanstiegsrate [36]. Einfluss der Ansauglufttemperatur Die Wirkung von Tivcund φauf RI wird in Abb. 10 dargestellt. Bei konstantem Tivc steigt der RI mit einer Zunahme von φ(da die Ladung fetter wird). Bei höherem φwird mehr Kraftstoff in der Brennkammer verbrannt, was zu einer höheren Wärmefreisetzungsrate und einem höheren Spitzen-PRR führt. Mit einer Erhöhung der Motordrehzahl steigt die Verbrennungstemperatur, was zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit des RI führt, wie durch die steileren Steigungen der Kurven in Abb. 10 gezeigt wird. Dies geschieht, weil bei höherer Geschwindigkeit weniger Zeit für den Wärmetransfer zur Verfügung steht, was zu einem höheren RI und einer erhöhten Empfindlichkeit führt. Zusätzlich steigt der RI mit einer Erhöhung von Tivcbei festem φ(Abb. 10). Die Rate der Oxidationsreaktion erhöht sich mit einer Zunahme von Tivc, was zu einem früheren Beginn der Verbrennung führt, während auch eine erhöhte Wärmefreisetzungsrate und ein höherer SpitzenPRR erreicht werden, was zu einem höheren RI führt [35]. Die obere Betriebsgrenze der HCCI-Verbrennung hängt von der maximalen Menge an Kraftstoff ab, die im Motorzyklus innerhalb der Grenze des maximalen PRR oder RI verbrannt wird. Abbildung 10zeigt viele Betriebsbedingungen, bei denen der RI extrem höher als die Grenze von 5 MW/m2 ist. Dies deutet darauf hin, dass das Verbrennungsgeräusch für diese Betriebsbedingungen stark sein wird. Bei festem φhängt das Verbrennungsgeräusch auch vom Tivcab. Für
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren Äquivalenzverhältnis 557 Äquivalenzverhältnis Abb. 10 Wirkung von φauf RI bei verschiedenen Tivc[35] niedrigere φist ein höherer Tivcerforderlich, um eine ordnungsgemäße Verbrennung zu gewährleisten, und das Verbrennungsgeräusch kann innerhalb der akzeptablen Grenze von 5 MW/m2 gehalten werden, während ein Motor mit niedrigerem Tivcfür höheren φBetrieb laufen muss, um das Verbrennungsgeräusch innerhalb der akzeptablen Grenze zu halten. Im Allgemeinen verbessert erhöhter Tivc das ηc, jedoch führt eine erhöhte Temperatur über ein bestimmtes Limit hinaus zu einem höheren als akzeptablen RI. Daher existiert bei der HCCI-Verbrennung ein optimales Tivcfür jedes φ[35]. Abbildung 10 zeigt auch, dass mit zunehmender Motordrehzahl der RI für einige Betriebsbedingungen höher als die akzeptable Grenze ist. Bei höherer Motordrehzahl steht weniger Zeit für Selbstzündungsreaktionen zur Verfügung. Daher ist ein höherer Tivcerforderlich, um die Rate der Oxidationsreaktionen zu erhöhen, was zur Erhöhung des RI führt. Einfluss des Verdichtungsverhältnisses Der Einfluss des Zündbeginns (CA10) und CA50 auf RI für verschiedene rc wird in Abb. 11 gezeigt. Der RI steigt schnell mit einem vorverlegten CA10 und CA50für alle rc. Abbildung 11 zeigt, dass bei erhöhtem Äquivalenzverhältnis (fette Ladung) ein vorverlegtes CA10und CA50 erreicht wird. Wenn mehr Kraftstoff (fette Ladung) im Motorzyklus verbrennt, wird der für die Selbstzündung benötigte Radikalpool bei einer früheren Verbrennungsphase gebildet, was zu
558 M. R. Saxena und R. K. Maurya Abb. 11 Variationen des RI mit aCA10 und b CA50 für verschiedene rcbei einer Motordrehzahl von 1500 U/min und 450 K von Tivc[35] Abb. 12 Variation der spezifischen HC- und CO-Emissionen in Abhängigkeit von CA50. Adaptiert von [32] einem ­vorverlegten CA50 führt [35]. Zusätzlich wird bei der Verbrennung von mehr Kraftstoff (fette Ladung) im Motorzyklus vergleichsweise mehr Wärme im Brennraum freigesetzt. Dies erhöht die Verbrennungstemperatur im Zylinder, was zu einem vorverlegten CA50 und einem höheren RI führt [35]. Abbildung 11zeigt auch, dass mit einer Erhöhung des rcdie CA10 und CA50 bei festem φvorverlegt werden, was zu einem höheren RI führt. 3.2 HCCI-Motor: Emissionsmerkmale Eine der Hauptherausforderungen beim HCCI-Verbrennungsmodus sind die deutlich höheren CO- und HC-Emissionen, hauptsächlich aufgrund der niedrigeren Verbrennungstemperatur im Zylinder. Abbildung 12zeigt die Variation der spezifischen HC- und CO-Emissionen in Abhängigkeit von CA50 für verschiedene Wasserstoffzusatzprozentsätze. Es wird gezeigt, dass der Wasserstoffzusatz die CO- und HC-Emissionen bei festem CA50(hauptsächlich wenn CA50 nach TDC erreicht wird) verringert. Dies ist auf eine Verringerung des Kohlenwasser-Anteils im Kraftstoff bei Wasserstoffanreicherung zurückzuführen. Die Studie ergab, dass die Wasserstoffanreicherung auch zu einer Verringerung der normierten CO-
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 559 Emissionen bei festem CA50 führt, was darauf hinweist, dass der Wasserstoffzusatz die gesamten CO- und CO-Emissionen pro verbrannter Kraftstoffmasse reduziert [32]. Dies ist möglicherweise auf die Zunahme der Hochtemperaturkinetik der Dieselverbrennung mit der Zugabe von Wasserstoff zurückzuführen und verstärkt daher die primäre Reaktion CO + OH = CO2 + H [32]. Die Studie berichtete auch, dass es in den meisten Fällen keinen signifikanten Einfluss auf die normierten HC-Emissionen bei Wasserstoffanreicherung gibt [32]. Dies deutet darauf hin, dass mit einer Zunahme des Wasserstoffzusatzes die Verringerung der HC-Emissionen auf die reduzierte Menge an eingespritztem Diesel im Motorzyklus zurückzuführen ist. Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Wasserstoffzugabe zwar die Hochtemperaturkinetik verbessert, aber auch die Niedertemperaturkinetik der Dieselverbrennung verlangsamt [32]. Die Stickoxidemissionen (NOx) des Wasserstoff-HCCI-Motors umfassen NO2 und NO-Spezies. Die Bildung von NOx hängt hauptsächlich von der Verbrennungstemperatur im Zylinder und der Verfügbarkeit von Sauerstoff im Brennraum ab. Wenn die Verbrennungstemperatur im Zylinder über 1900 K steigt, nimmt die Bildung von NOx exponentiell zu [37]. Der HCCI-Motor läuft typischerweise mit einer vorgemischten mageren Ladung, wobei der damit verbundene Verbrennungsprozess zu einer niedrigeren Verbrennungstemperatur im Zylinder führt, was zu geringeren NOx-Emissionen führt. Wenn die Ladung jedoch fetter wird, nehmen die NOx-Emissionen zu [20]. Im Allgemeinen nehmen die NOx-Emissionen bei konstanter Tivc ab, wenn die Ladung magerer wird, aufgrund der niedrigeren Verbrennungstemperatur im Zylinder. Intuitiv führt dann eine Erhöhung von Tivc zu einer Zunahme der NOx-Emissionen, hauptsächlich aufgrund der höheren Verbrennungstemperatur im Zylinder, die bei höherem Tivcerreicht wird [20]. Abbildung 13 zeigt das spezifische NOx-Kennfeld für weite Last- und Drehzahlbedingungen bei verschiedenen rc für einen Wasserstoff-HCCI-Motor. Bei bestimmten φ wurde das Tivcausgewählt, das zum maximalen thermischen Wirkungsgrad führt, um die NOx-Emissionen zu berechnen [20]. Abbildung 13 zeigt, dass die NOx-Emissionen bei höheren Motorlastbedingungen höher sind. Dies liegt hauptsächlich an der höheren mittleren Gastemperatur im Zylinder aufgrund der Verbrennung einer größeren Menge an Kraftstoff im Motorzyklus. Die Abbildung zeigt auch, dass die NOx-Emissionen hauptsächlich von der Motorlast abhängen (kann als konstante horizontale Konturlinien dargestellt werden) und weniger von der Motordrehzahl. Mit einer Erhöhung des rc nehmen die NOxEmissionen aufgrund der höheren mittleren Gastemperatur im Zylinder zu. 4 Wasserstoffbetriebener Dual-Fuel- und RCCI-Motor Dieser Abschnitt stellt die Leistungs-, Verbrennungs- und Emissionseigenschaften des konventionellen Dual-Fuel- und vorgemischten RCCI-Verbrennungsmotormodus vor. Der Dual-Fuel-RCCI-Verbrennungsmodus hat eine bessere Zündsteuerung als der HCCI-Motormodus. Mehrere Studien haben die verschiedenen Aspekte der oben
M. R. Saxena und R. K. Maurya 560 Spezifische NOx (g/KWh) IMEP (bar) IMEP (bar) Spezifische NOx (g/KWh) Motordrehzahl (U/min) Motordrehzahl (U/min) IMEP (bar) Spezifische NOx (g/KWh) Motordrehzahl (U/min) Abb. 13 Kennfeld der spezifischen NOxmit Motorlast und -drehzahl bei verschiedenen rc[20] genannten Verbrennungsmodi untersucht. Eine kurze Beschreibung ihrer Eigenschaften wird in diesem Teil des Kapitels präsentiert. 4.1 Dual-Fuel- und RCCI-Motor: Leistungseigenschaften 4.1.1 Auswirkung der Wasserstoffzugabe auf die Wirkungsgrade Die Variation des Wasserstoffenergieanteils mit der effektive Leistung für verschiedene Wasserstoffzusatzprozentsätze in einem herkömmlichen Zweistoffmotor wird in Abb. 14a dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass mit einer Erhöhung der Wasserstoffmenge der Wasserstoffenergieanteil zunimmt. Gleichzeitig nimmt der Wasserstoffenergieanteil mit zunehmender effektive Leistung ab, was ausgeprägter wird, je höher der Wasserstoffenergieanteil ist. Der Anstieg des Wasserstoffenergieanteils bei niedriger Last ist auf den höheren Heizwert von Wasserstoff im Vergleich zu Diesel zurückzuführen. Das Motorklopfen und die Frühzündung begrenzen den maximalen Bereich des Wasserstoffenergieanteils bei niedrigen und
561 effektive Leistung (kW) Wirkungsgrad der Verbrennung Erdgas/Diesel RCCI Angegebener Brutto-Wirkungsgrad Angegebener Brutto-Wirkungsgrad (%) Verbrennungswirkungsgrad (%) effektive Leistung (kW) Effektiver thermischer Wirkungsgrad (%) Wasserstoff-Energieanteil (%) Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren Abb. 14 a Variation des Wasserstoffenergieanteils mit der effektiven Leistung bei verschiedenen Wasserstoffzusatzanteilen [40]; b Auswirkung des Wasserstoffzusatzes auf BTE und BSEC [40]; c Verbrennungwirkungsgrad und Bruttoanzeigewirkungsgrad im RCCI-Motor [63] hohen Lastbedingungen [38–40]. Abbildung 14b zeigt die Auswirkung der Wasserstoffanreicherung auf den effektiven Wirkungsgrad (BTE) und den spezifischen effektiven Energieverbrauch (BSEC) unter verschiedenen effektiven Leistungsbedingungen. Bei höherer Motorlast (effektive Leistung) steigt der BTE mit einem höheren Prozentsatz an Wasserstoffzusatz im Vergleich zu reinem Diesel, und das Maximum wird bei 30 LPM Wasserstoffsubstitution erreicht. Das spezifische Wärmeverhältnis von Wasserstoff ist höher als das von Diesel, was zu einer Erhöhung des BTE führt [40, 41]. Die Wasserstoffanreicherung verbessert den Grad der Homogenität (mit zunehmendem Wasserstoffanteil wird eine stärker vorgemischte homogene Ladung vorbereitet), was zu einer besseren Ladungsverteilung im Zylinder und einer Verbesserung des Verbrennungsprozesses führt. Außerdem hat Wasserstoff einen höheren Heizwert und eine höhere laminare Flammengeschwindigkeit, was den BTE verbessert [40, 42]. Weniger Wasserstoff muss im Motorzyklus zugeführt werden, um die gleiche effektive Leistung zu erzeugen, da Wasserstoff einen höheren Heizwert hat. Dies gewährleistet somit die Reduktion von CA10–90durch hohen Energiegehalt und verbessert den thermische Wirkungsgrad, hauptsächlich bei Teil- und Volllast [40].
562 M. R. Saxena und R. K. Maurya Mit zunehmender efektiver Leistung nimmt der BSEC für einen festen Wasserstoffenergieanteil ab. Zusätzlich zeigt Abb. 14auch, dass mit zunehmendem Wasserstoffanteil der BSEC bei gegebener effektiver Leistung abnimmt. Von allen verschiedenen eingespritzten Wasserstoffmengen wurde bei 30 LPM Wasserstoffanreicherung eine bessere Leistung festgestellt. Dies war auf die verbesserte Verdampfung und Interaktion mit der Luft im Zylinder zurückzuführen, die tief in die Brennkammer bis zur Zylinderwand eindringen konnte [40] und stimmte gut mit dem vorherigen Bericht über eine Wasserstoffdurchsatz von 18 LPH bei allen Motorlasten überein [43]. Mit zunehmendem Wasserstoffanteil nimmt der BSEC aufgrund besserer Vermischung ab [44]. Wasserstoff hat einen höheren Heizwert und eine höhere laminare Flammengeschwindigkeit, was den Verbrennungsprozess verbessert und zu einer verbesserten Motorleistung führt [42]. Der Einfluss der Wasserstoffzugabe (auf Volumen-%-Basis) auf den ηcund den indizierten thermischen Bruttowirkungsgrad (ηG )des Erdgas/Diesel-RCCIMotors ist in Abb. 14c dargestellt. Die dortigen Ergebnisse zeigen, dass eine Erhöhung des Wasserstoffanteils zu einer Erhöhung von ηcführt. Außerdem führt die Anreicherung mit Wasserstoff zu einem höheren Verbrennungsdruck [63]. Die verbesserte ηcist hauptsächlich auf den höheren Heizwert von Wasserstoff und die vollständigere Verbrennung (aufgrund der höheren laminaren Flammengeschwindigkeit, die den Verbrennungsprozess verbessert) zurückzuführen. Im Falle keiner Wasserstoffzugabe bleibt ein vergleichsweise größerer Anteil der vorgemischten Ladung unverbrannt und führt zu einer niedrigeren ηcund erhöhtem Kraftstoffverbrauch [63]. Wasserstoff hat eine höhere und schnellere Brenngeschwindigkeit, was die Verbrennungsrate erhöht und die ηc erhöht [63]. Abbildung 14c zeigt, dass die ηGmit der Anreicherung von Wasserstoff zunimmt. Anfangs nimmt der Zündverzug mit einer Erhöhung des Wasserstoffanteils zu und später nimmt sie bei weiterer Wasserstoffanreicherung ab [63]. Eine Erhöhung des Wasserstoffanteils führt zu einer Erhöhung der spezifischen Wärme des Gemisches, was die Gemischtemperatur am Ende des Verdichtungshubs senkt und die Zündverzug erhöht. Wasserstoff hat eine höhere Flammenbrenngeschwindigkeit, die die Verbrennungsrate erhöht und die Verbrennungsdauer verkürzt. Es verringert den Wärmeverlust durch die Zylinderwand (aufgrund der kürzeren Zeit, die für den Wärmeübergang zur Verfügung steht, und die Verbrennung kann nahe dem OT stattfinden, wo weniger Oberfläche für den Wärmeübergang zur Verfügung steht) und führt zu einer höheren ηG. Die Wirkung der Wasserstoffzugabe auf den volumetrischen Wirkungsgrad (ηv) für den konventionellen Zweistoffbetrieb ist in Abb. 15dargestellt. Es wird gezeigt, dass die Anreicherung mit Wasserstoff im Zweistoff-CI-Motor zu einem geringeren volumetrischen Wirkungsgrad als der reine Dieselbetrieb führt. Dies geschieht aufgrund der Verdrängung von Luft durch die Zugabe von Wasserstoff, die sonst angesaugt würde [45–47]. Eine Erhöhung der Wasserstoffanreicherung führt zu einer Verringerung der Ansaugluftmasse aufgrund des Ersatzes von Luft durch Wasserstoffinduktion. Die Abbildung zeigt auch, dass mit einer Erhöhung der Motorlast die ηvabnimmt. Mit einer Erhöhung der Motorlast steigt die
100% Last (BMEP: 5,3 bar) 75% Last (BMEP: 3,99 bar) 563 VOLUMETRISCHER WIRKUNGSGRAD (%) Volumetrischer Wirkungsgrad (%) Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren Anteil von Wasserstoff an der Energieversorgung (%) LASTLEISTUNG (kW) Abb. 15 Einfluss der Wasserstoffzugabe auf die ηv. Adaptiert von [45, 48] Wärmefreisetzungsrate, was die Temperatur des Ansaugkrümmers erhöht und dadurch die Dichte der Ansaugluft verringert, wodurch die ηvreduziert wird [48]. 4.1.2 Leistungs- und Äquivalenzkennfeld Die Leistungskennfeld dem indizierten thermischen Wirkungsgrad (ITE) bei unterschiedlichen Motorlasten (IMEP) für den herkömmlichen Dual-Fuel-Motor ist in Abb. 16 dargestellt. Die horizontale und vertikale Achse repräsentieren die Motordrehzahl bzw. den Wasserstoffanteil. Die Farbe in der Kontur zeigt die ITE an. Abbildung 17zeigt das Äquivalenzverhältnis-Kennfeld der ITE bei unterschiedlichen Motorlasten, die die Beziehung zwischen Wasserstoffanteil und Äquivalenzverhältnis des Wasserstoffgemisches darstellt. Die horizontale und vertikale Achse repräsentieren die Motordrehzahl bzw. den Wasserstoffanteil. Die Farbe in der Kontur zeigt das Äquivalenzverhältnis des Wasserstoffgemisches an. Eine Erhöhung der Wasserstoffmenge führt zu einem Anstieg des Äquivalenzverhältnisses des IMEP: 0,3 MPa Motordrehzahl U/min IMEP: 0,7 MPa Motordrehzahl U/min IMEP: 0,9 MPa Indizierter thermischer Wirkungsgrad (Kohlenstoffbilanzmethode) % H2 Anteil (auf energetischer Basis) % Abnormale Verbrennung begrenzt den Wasserstoff-DDF-Betrieb Motordrehzahl U/min Abb. 16 Leistungskennfeld des indizierten thermischen Wirkungsgrad unter IMEP von 0,3, 0,7 und 0,9 MPa [49]
M. R. Saxena und R. K. Maurya 564 IMEP: 0,3 MPa IMEP: 0,7 MPa IMEP: 0,9 MPa Äquivalenzverhältnis der Wasserstoffmischung H2 Anteil (auf energetischer Basis) % Abnormale Verbrennung begrenzt den Wasserstoff-DDF-Betrieb Motordrehzahl U/min Motordrehzahl U/min Motordrehzahl U/min Abb. 17 Äquivalenzverhältnis-Kennfeld des indizierten thermischen Wirkungsgrad unter IMEP von 0,3, 0,7 und 0,9 MPa [49] Gemisches in der Ansaugladung. Der rot schattierte Bereich zeigt eine anormale Verbrennung oder Frühzündung an, die den Motorbetrieb einschränkt. Abbildung 16 zeigt, dass bei niedrigeren Motorlastbedingungen keine anormale Verbrennung/Frühzündung auftritt, aber die maximale Anreicherung von Wasserstoff begrenzt ist. Die begrenzte Wasserstoffanreicherung liegt daran, dass die Menge an Diesel zu gering wird, um stabil zu zünden, wenn der Wasserstoffanteil steigt und der Dieselanteil sinkt [49]. Darüber hinaus ist der niedrigere Bereich der Wasserstoffanreicherung ebenfalls eingeschränkt, da der Wasserstoffanteil zu gering ist, um vollständig zu verbrennen, was zu einem höheren Anteil an unverbranntem Wasserstoff im Abgas führt. Bei niedriger Last und Geschwindigkeit führt die Wasserstoffanreicherung zu einer schlechten ITE. Bei niedrigen Motorlasten wird weniger Kraftstoff benötigt; daher wird die Verbrennung beider Kraftstoffe instabil [49]. Bei höherer Motordrehzahl steht weniger Zeit für die Verbrennung beider Kraftstoffe zur Verfügung, sodass die vollständige Verbrennung der Ladung schwierig ist, ein Phänomen, das bei höherem Wasserstoffanteil ausgeprägter wird. Bei höheren Motorlasten wird eine anormale Verbrennung/Frühzündung beobachtet, wenn ein hoher Wasserstoffanteil verwendet wird. Bei höherer Last mit hohem Wasserstoffanteil bestehen günstige thermische Bedingungen für die Selbstzündung der Endgasladung, was das System anfälliger für Frühzündung macht. Für 0,7 MPa IMEP kann die anormale Verbrennung in Abb. 16beobachtet werden, wenn die Motordrehzahl unter 1000 U/min liegt. Wenn die Motordrehzahl über 1000 U/min erhöht wird, kann ein höherer Wasserstoffanteil verwendet werden, und eine verbesserte ITE kann erzielt werden. Für etwa 50% Wasserstoffanteil bei einer Drehzahl von über 1000 U/min wird eine ITE von mehr als 40% berichtet [49]. Die ITE kann bei höherer Motorlast (0,9 MPa IMEP) weiter verbessert werden. Eine höhere ITE kann durch die Verwendung eines höheren Wasserstoffanteils erzielt werden, aber der maximale Bereich der Wasserstoffanreicherung wird durch anormale Verbrennung eingeschränkt.
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 565 4.2 Dual-Fuel- und RCCI-Motor: Verbrennungseigenschaften 4.2.1 Zündverzug Der Zündverzug wird typischerweise als die Zeitdauer zwischen dem Einspritzzeitpunkt des Kraftstoffs und dem Beginn der Zündung definiert. Abbildung 18a zeigt den Einfluss des energetischen Wasserstoffanteils auf die Zündverzugszeit bei der RCCI-Verbrennung von Erdgas/Diesel. Die Verzugszeit nimmt mit zunehmendem energetischen Wasserstoffanteil zu. Während die Verzugszeit bei der Zugabe von Synthesegas im Vergleich zu Wasserstoff höher ist, was hauptsächlich auf die erhöhte Verfügbarkeit von Kohlenmonoxid im Synthesegas zurückzuführen ist, die den Zündprozess verzögert. Mit zunehmendem energetischen Wasserstoffanteil und Synthesegaszugabe steigt der Kohlenmonoxidanteil in der Ladung. Dies kann zu einer weiteren Erhöhung der Verzugszeit im Vergleich zur reinen Wasserstoffzugabe führen. Der Einfluss der Wasserstoffsubstitution auf den Zündverzug im Dual-FuelCI-Motor bei unterschiedlichen Lasten ist in Abb. 18b dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass mit zunehmender Motorlast den Zündverzug für alle Bedingungen der Wasserstoffsubstitution abnimmt. Mit zunehmender Motorlast wird mehr Kraftstoff in der Brennkammer verbrannt, was zu einer Erhöhung der Verbrennungstemperatur im Zylinder führt. Dies führt zu einem früheren Zündbeginn und einem kürzeren Zündverzug. Abbildung 18b zeigt den variierenden Trend des Zündverzugs mit zunehmender Wasserstoffsubstitution im DualFuel-Motor. Ein anfänglich längerer Zündverzug ist wahrscheinlich auf den Rückgang des Sauerstoffpartialdrucks mit zunehmendem Wasserstoffanteil zurückzuführen. Ein weiterer möglicher Grund ist die Abnahme der Temperatur H2-Zusatz Syngas-Zusatz Energetischer Wasserstoffanteil (%) Zündungsverzögerung (0CA) Verzugszeit beim Auftreten der RCCI-Verbrennung, μs Zündverzug (0CA) vs. Wasserstoffsubstitution (%) 10% Belastung 40% Last 80% Last Substitution durch Wasserstoff als Kraftstoff (%) Abb. 18 Zündverzugszeit bei RCCI-Verbrennung für alle genannten Fälle in zwei verschiedenen Strategien [50, 51]
566 M. R. Saxena und R. K. Maurya des Wasserstoff-Luft-Gemisches aufgrund der hohen spezifischen Wärme von Wasserstoff [51]. Eine Studie berichtete über einen kürzeren Zündverzug mit zunehmendem energetischen Wasserstoffanteil bei höheren und moderaten Lasten [46, 52], während bei niedrigeren Lasten die Zündverzugszeit zunahm [46, 53]. Eine Erhöhung des Wasserstoffanteils führt zur Bildung von freien Radikalen in höheren Konzentrationen, was die für die Zündentwicklung wichtigen Reaktionen verbessert und somit zu einem kürzeren Zündverzug führt [46]. 4.2.2 Wärmefreisetzungsrate Die Wirkung der Wasserstoffzugabe auf die Wärmefreisetzungsrate in DualFuel-PCCI (Premixed Charge Compression Ignition) ist in Abb. 19 dargestellt. Abbildung 19a zeigt den Einfluss der Wasserstoffanreicherung in einem DualFuel-PCCI-Motor ohne EGR. Der D100-Betrieb in der Abbildung zeigt den Diesel-PCCI-Modus an. Mit zunehmendem Wasserstoffanteil sinkt und verzögert sich der Höhepunkt der Wärmefreisetzungsrate. Mit der Zugabe von Wasserstoff nimmt die Niedertemperatur-Wärmefreisetzung ab, was auf die Reduzierung der pro Zyklus eingespritzten Dieselmenge und den chemischen Effekt von Wasserstoff zurückzuführen ist [54]. Die pro Zyklus eingespritzte Dieselmenge nimmt mit der Wasserstoffzugabe ab, da die zugeführte Energie konstant gehalten wird. Die Niedertemperatur-Selbstzündungsreaktionen werden von RH + O2 = HO2 + Ṙinitiiert und die Niedertemperatur-Wärmefreisetzung wird hauptsächlich von RH + OH = H2 O + Ṙdominiert [32, 54, 55]. Es wird darauf hingewiesen, dass „(R.)“ die Alkylradikale sind und radikale Spezies als Symbol (.) neben dem Zeichen dargestellt werden. Zusätzlich stört Wasserstoff während der Niedertemperatur-Selbstzündung den Verbrauch von Diesel durch die Reaktion H2 + OH = H2 O + H[32, 56]. Während einer Niedertemperatur-Oxidationsreaktion verbraucht das Wasserstoffmolekül das OH-Radikal. Mit der Zugabe von Wasserstoff nimmt die Niedertemperatur-Wärmefreisetzung ab. Aufgrund der verringerten Niedertemperatur-Wärmefreisetzung sinkt die für die Selbstzündung der vorgemischten Ladung während Hochtemperaturreaktionen erforderliche Temperatur, was zu einem längeren Zündverzug und einer Verzögerung des CA50führt. Der Einfluss der Wasserstoffzugabe auf die Wärmefreisetzung bei einem festen CA50 von 2,4° nOT ist ebenfalls in Abb. 19 dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass im Fall von Diesel-PCCI die Verbrennung zu einem früheren Zeitpunkt beginnt und später endet im Vergleich zum Dual-Fuel-PCCI-Betrieb mit Wasserstoff-Diesel. Die Wasserstoffanreicherung verringert das CA10–90 im DualFuel-PCCI-Modus und erhöht den Höhepunkt der Wärmefreisetzungsrate nahe dem OT. Wasserstoff hat eine höhere laminare Flammengeschwindigkeit, was die Verbrennungsrate (Oxidationsreaktionen) erhöht und zu einem kürzeren CA10–90 führt. Dies führt auch zu einer Erhöhung des IMEP, da ein höherer Wasserstoffanteil die Reaktivität der Hochtemperatur-Oxidationsreaktionen verbessert und die Hochtemperatur-Wärmefreisetzung erhöht [54, 56, 57]. EGR wird verwendet, um
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 600J_EGR 0% Diesel SOI:'-32° aTDC Wärmefreisetzungsrate (J/CAD) Abb. 19 Einfluss der Wasserstoffzugabe auf die Wärmefreisetzungsrate in einem Dual-Fuel-PCCIMotor [54] 567 , Kurbelwinkel (CAD) das konstante CA50 aufrechtzuerhalten. Der Bedarf an EGR zur Aufrechterhaltung des konstanten CA50nimmt mit zunehmendem Wasserstoffanteil ab. Daher ist die Nutzung von Wasserstoff im Dual-Fuel-PCCI vorteilhaft für die CA50-Kontrolle. 4.2.3 Verbrennungsphasen und -dauer Der Einfluss der Wasserstoffzugabe auf CA5(Zündbeginn), CA50, CA90 (Ende der Verbrennung) und CA5–90 (Verbrennungsdauer) bei verschiedenen rcfür DualFuel-CI-Motoren ist in Abb. 20dargestellt. CA5 und CA90 kennzeichnen die Kurbelwinkelpositionen des 5% und 90% massebezogenen Ausbrands [27]. Der Effekt des energetischen Wasserstoffeanteils bei CA5 und CA50 ist in Abb. 20a gezeigt, während CA90 und CA5–90 in Abb. 20b dargestellt sind. Abbildung 20a zeigt, dass mit einer Erhöhung des energetischen Wasserstoffanteils der Zündbeginn für alle Werte von rcvorverlegt wird. Der vorverlegte Zündbeginn mit Wasserstoffanreicherung wird bei höherem rc-Betrieb deutlicher. Die Zylinderdrucktemperatur ist bei höherem rcrelativ höher. Wasserstoff hat eine höhere Flammgeschwindigkeit und Wasserstoffmoleküle im Zylindergemisch führen zu einer Erhöhung der Oxidationsreaktionsrate in der Brennkammer, was zu einem früheren Verbrennungsbeginn führt. Das geringere Volumen bei höherem Druck ermöglicht einen schnelleren Wärmeaustausch zwischen den Gemischmolekülen und führt auch zu einer kürzeren CA5–90 (Abb. 20b) [27]. Aufgrund der schnelleren Verbrennungsrate von Wasserstoff verringert sich der Abstand zwischen CA5 und CA50 mit zunehmendem energetischen Wasserstoffeanteil. Die Reduktion von CA5–90 mit zunehmender Motorlast und rcwurde durch weitere Studien bestätigt [27, 58]. Die erhöhte Verbrennungsrate des Gemisches führt auch zu einem höheren PRR. Für rcvon 14,5 wird der Zündzeitpunkt mit zunehmendem energetischen Wasserstoffanteil leicht verzögert, aber CA50 beginnt nach einem energetischen Wasserstoffanteil von 30% vorzurücken [27]. Der verbesserte CA50 wird mit einer Erhöhung des energetischen Wasserstoffanteils bei einem niedrigeren rcerreicht [27].
M. R. Saxena und R. K. Maurya Verbrennungsdauer, deg CA 568 Versuchswert - 25 Grad CA H2-Zusatz Zugabe von Synthesegas H2-Zusatz Zugabe von Synthesegas Energetischer Wasserstoffanteil (%) Energetischer Wasserstoffanteil (%) Abb. 20 Einfluss der Wasserstoffzugabe auf aCA5 und CA50; bCA90 und CA5–90 in konventionellen Dual-Fuel-CI-Motoren [27]; c CA50; d Verbrennungsdauer in RCCI-Motoren [50] Der Einfluss des energetischen Wasserstoffeanteils auf CA50und die Verbrennungsdauer bei der RCCI-Verbrennung von Erdgas/Diesel wird in Abb. 20c, d gezeigt. Wie in Abb. 18a diskutiert, erhöht sich die Verzögerungszeit mit einem Anstieg des energetischen Wasserstoffanteils (%), was schließlich zur Verbrennung der Ladung im Expansionshub führt. Im Falle der Zugabe von Wasserstoff und Synthesegas zeigt CA50 einen deutlichen Trend (Abb. 20c). Wenn Wasserstoff zur vorgemischten Ladung hinzugefügt wird, erhöht sich die Verzugszeit mit dem Wasserstoffenergieanteil (%) (siehe Abb. 18a) und es wird erwartet, dass CA50 zu aTDC verschoben wird. Jedoch erhöht ein Anstieg des energetischen Wasserstoffanteils (%) die laminare Brenngeschwindigkeit der Ladung und erhöht die Verbrennungsrate, was zu einer Verschiebung von CA50zu bTDC führt. Andererseits, wenn Synthesegas zur Ladung hinzugefügt wird, reduziert das im Synthesegas verfügbare CO die Brenngeschwindigkeit, was zu einer Verzögerung von CA50 (mehr während des Expansionshubs) führt (Abb. 20c). Die Zugabe von Wasserstoff zur Methan- und Luftladung erhöht die Brenngeschwindigkeit der Ladung. Die erhöhte Brenngeschwindigkeit erhöht die Verbrennungsrate und führt zu einer
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 569 kürzeren Verbrennungsdauer (Abb. 20d). Andererseits, wenn Synthesegas zur vorgemischten Ladung hinzugefügt wird, verringert sich die Brenngeschwindigkeit der Ladung aufgrund des im Synthesegas verfügbaren CO. Zusätzlich wird durch die Erhöhung des CO-Anteils im Synthesegas die Flammengeschwindigkeit weiter reduziert im Vergleich zur Zugabe von Wasserstoff, was zu einer vergleichsweise längeren Verbrennungsdauer im Falle der Synthesegaszugabe als bei der Wasserstoffzugabe führt (Abb. 20d). 4.2.4 Klingelintensität Wie besprochen, hat Wasserstoff eine höhere Flammengeschwindigkeit, die Zugabe von Wasserstoff führt zu einer Erhöhung der Brennrate und des PRR. Übermäßige Wasserstoffanreicherung erhöht das Verbrennungsgeräusch und folglich die Wahrscheinlichkeit von Klopfen [59, 60]. Der Effekt der Wasserstoffzugabe auf die Klingelintensität in RCCI und konventionellem Diesel wird in Abb. 21 illustriert, wobei das rote Symbol das Auftreten von Klopfen darstellt. Die Zugabe von Wasserstoff (1208-Add) (1208 U/min-Zugabe) in höherem Prozentsatz bei konventioneller Dieselverbrennung ist nicht machbar, da Klopfen oder Rückzündung aufgrund von Hotspots/Wasserstoff-reichen Kraftstoffzonen in der Brennkammer auftreten können [60]. Die Verbrennung von lokal reichhaltigem Wasserstoff in der Brennkammer führt zu einem steilen Anstieg des PRR und folglich zu einer Erhöhung des Verbrennungsgeräuschs. Höhere Verbrennungstemperaturen im Zylinder können auch zur Frühzündung verschiedener lokal reichhaltiger Wasserstoffstellen in der Brennkammer führen und Klopfen verursachen. Eine Studie berichtete, dass der maximal zulässige Wasserstoffzugabeanteil 42% beträgt [9]. Während der 1208-Teil 1300-Add-Diesel 1208-Zusatz 1300-Sub-Methan H2 Aktie Abb. 21 Einfluss der Wasserstoffzugabe auf die Klingelintensität [60]
570 M. R. Saxena und R. K. Maurya Experimente überschritt der energetischen Wasserstoffgehalt des gesamten Kraftstoffs nicht 42%, um Klopfen zu verhindern [9]. Darüber hinaus ergab die Studie, dass die maximale BTE und die maximale Reduktion von BSFC, CO2 und COEmissionen für einen Wasserstoffenergieanteil von 42% erreicht werden [9]. Daher kann gesagt werden, dass präzise Design-/Modifikationen (wie Kolbenschalenform, Ansaugkrümmerabstimmung, Kraftstoffeinspritzsystem usw.) im Motor und in der Kraftstoffeinspritzstrategie erforderlich sind, um einen Motor mit 50–70% Wasserstoffsubstitution der Eingangsenergie während der experimentellen Prüfung des Setups zu betreiben [60]. Wenn der Einspritzzeitpunkt des Pilotkraftstoffs vorverlegt wird, kann es bei einem höheren Prozentsatz an Wasserstoffsubstitution zu Klopfen kommen [60]. Die numerische Untersuchung zeigt, dass die Wasserstoffsubstitution (1208-sub) (1208 U/min-Substitution) theoretisch nicht zu Klopfen führt; es kann jedoch auftreten, wenn die Wasserstoffzugabe (1208-Add) höher als 60% der Eingangsenergie ist [60]. Bei RCCI kann es zu Klopfen kommen, wenn die Wasserstoffsubstitution höher als 11% der Methaneingangsenergie (1300-sub-Methan) (1300 U/ min-Substitution-Methan) oder die Zugabe von mehr als 50% Wasserstoff basierend auf Dieselenergie (1300-Add-Diesel) (1300 U/min-Zugabe-Diesel) ist [60]. 4.3 Dual-Fuel- und RCCI-Motor: Emissionscharakteristik Die NOx-Emissionsprofile der Verbrennungszone für Einzel- und Doppel-Einspritzungen für 10%, 20% und 30% Pilotmasse sind in Abb. 22 dargestellt. Die NOx-Emissionsprofile werden bei 1°, 9°, 23° und 39° Kurbelwinkel präsentiert, um die NOx-Produktion vor, während, am Ende und weit nach Abschluss des Verbrennungsprozesses zu verstehen [61]. Die Temperatur im Zylinder ist verantwortlich für die Einleitung chemischer Reaktionen, die zur Verbrennung führen, die Gesamtgeschwindigkeit von Niedrig- und Hochtemperaturreaktionen und die Bildung von Spezies im Verbrennungsraum. Höhere Verbrennungstemperaturen führen typischerweise zu höheren NOx-Emissionen, einem verbesserten Verbrennungsprozess und der Produktion von weniger Rußemissionen. Abbildung 22 zeigt, dass die Doppel-Einspritzung höhere NOx-Emissionen als die Einzel-Einspritzung aufweist und die Bildung der NOx-Region mit zunehmendem Pilotmassenanteil zunimmt. Die Produktion von NOx-Emissionen ist hauptsächlich auf die erhöhte Verbrennungstemperatur mit der Zunahme der eingespritzten Pilotmasse zurückzuführen [61]. Das Mischen von Pilotdiesel mit der vorgemischten Ladung aus Wasserstoff und Luft erzeugt die homogene vorgemischte Ladung. Dies ermöglicht eine verbesserte und gleichmäßige Verbrennung und führt zu höheren Verbrennungstemperaturen im Zylinder [61]. Darüber hinaus führt eine Erhöhung des Pilotdiesels zur Bildung verschiedener lokaler Stellen für die Selbstzündung des vorgemischten Wasserstoffs, was zu höheren Verbrennungstemperaturen führt [61].
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 571 NOx Emission Einmalige Injektion Pilot-Injektion 10% Pilot-Injektion 20% Pilot-Injektion 30% Abb. 22 Vergleich des NOx-Profils für Einzel- und Doppel-Einspritzungen im Dual-Fuel-CIMotor [61] Abbildung 23 zeigt die Rußemissionsprofile der Verbrennungszone für Einzelund Doppel-Einspritzungen für 10%, 20% und 30% Pilotdiesel. Die Ergebnisse zeigen, dass der Betrieb mit Doppel-Einspritzung zu weniger Rußemissionen führt als der Betrieb mit Einzel-Einspritzung, aufgrund der verbesserten ηc, was die Verbrennungstemperatur im Zylinder weiter erhöht. Die Temperatur und die NOxBildung haben einen maximalen Wert am äußeren Rand des Kolbens (im Vergleich zu anderen Teilen des Kolbenschalenprofils) (Abb. 22) [61]. Jedoch wird die höchste Temperatur im zentralen Bereich des Randes der Schale erreicht, obwohl vergleichsweise niedrigere NOx-Emissionen gebildet werden [61]. In diesem Fall ist die höchste Verbrennungstemperatur nicht auf die verbesserte Verbrennung zurückzuführen, sondern auf die Übertragung oder den Impuls der Wärme aufgrund des Sauerstoffmangels [61]. Abbildung 23 zeigt, dass die Rußbildung am höchsten im seitlichen Bereich des Zylinderkopfes und in der Mitte der Kolbenschale ist. Eine fette Ladung ist verantwortlich für die erhöhte Rußbildung in der Mitte der Schale aufgrund eines Sauerstoffmangels [61]. Auch
M. R. Saxena und R. K. Maurya 572 Rußemission Einmalige Injektion Pilot-Injektion 10% Pilot-Injektion 20% Pilot-Injektion 30% Abb. 23 Vergleich der Rußprofile für Einzel- und Doppel-Einspritzungen im Dual-Fuel-CIMotor [61] die Oxidation von Ruß wird im Zylinderkopfbereich aufgrund der niedrigeren Temperatur reduziert [61]. Abbildung 24 zeigt die Wirkung der Wasserstoffzugabe auf CO, UHC und NOMassenanteil bei EVO in einem Erdgas/Dimethylether-RCCI-Motor [62]. Die Anreicherung von Erdgas mit Wasserstoff führt zu einer Verringerung der CO- und unverbrannten HC-Emissionen beim Öffnen des Auslassventils. Dies geschieht hauptsächlich aufgrund der Verringerung der Reaktivität zwischen Wasserstoff und dem Rest des Kraftstoffs [62]. NO-Emissionen bei geöffnetem Auslassventil nehmen mit dem Wasserstoffanteil zu, hauptsächlich aufgrund der erhöhten Zylindertemperatur, die während der Verbrennung erreicht wird. Die höhere Verbrennungstemperatur im Zylinder führt zu einer verbesserten Verbrennung von Methan und verringert die Bildung von CO- und Kohlenwasserstoffemissionen im Zylinder. Die Studie berichtete, dass das höchste NO bei einer Wasserstoffzugabe von 50% erreicht wird; diese NO-Emissionen liegen jedoch innerhalb der zulässigen Grenzen der Euro-6-Normen [62].
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 573 H2 Prozentsatz Abb. 24 Wirkung der Wasserstoffzugabe auf CO-, UHC- und NO-Massenanteil bei EVO in einem Erdgas/Dimethylether-RCCI-Motor [62] 5 Herausforderungen bei der Verwendung von Wasserstoff in HCCI- und Dual-Fuel-Motoren Es gibt zwei Hauptprobleme im Zusammenhang mit der Anwendung von Wasserstoff in CI-Motoren—eines ist die Modifikation/Anforderung der Hardware zum Einspritzen und Steuern des Wasserstoffgases und das zweite sind die betrieblichen Einschränkungen. Im HCCI-Motor wird zur Vermeidung von Rückzündungen in der Regel ein Feuergitter im Lufteinlasskrümmer installiert, und eine Flammensperre wird in der Wasserstoffleitung direkt nach dem Nadelventil und vor dem Injektor installiert [30]. Zusätzlich wird zur Vermeidung der Wasserstoffansammlung im Kurbelgehäuse aufgrund von Kolbenblasen (eine Situation, die eine Kurbelgehäuseexplosion verursachen kann) ein Rohr installiert, das das Kurbelgehäuse mit dem Lufteinlasskrümmer nach dem Lufterhitzer verbindet [30]. Als Sicherheitsvorkehrung für die Wasserstoffzufuhrleitung im Zweistoffmotor werden üblicherweise ein Flammendurchschlagsicherung und eine Flammensperre installiert [40]. Das mit Wasser gefüllte Flammensperre wird verwendet, um die Explosion innerhalb der Baugruppe zu verhindern. Es ist vorteilhaft, Rückzündungen in der Wasserstoffzufuhrleitung zu vermeiden [40]. Dieses Instrument wird typischerweise im Druckbereich von 0–10 bar betrieben. Der
574 M. R. Saxena und R. K. Maurya Flammendurchschlagsicherung umfasst Druckauslösung, Flammensperrelement, thermische Auslösung und Rückschlagventil [40]. Dieses Gerät wird auch verwendet, um den Wasserstofffluss zu schließen/regulieren und die Flamme zu kontrollieren, um vor unerwünschter Verbrennung zu schützen [40]. Während Rückzündungsbedingungen liegt der maximal zulässige Betriebsdruck dieses Geräts typischerweise bei etwa 5 bar [40]. Zusätzlich wird auch ein Rückschlagregelventil verwendet, um die Rückströmung von Wasserstoff aus dem Motorzylinder zu kontrollieren [40]. Im Allgemeinen sind die Hauptprobleme, die die Kommerzialisierung des HCCI-Motors einschränken, die Steuerung der Verbrennungsphasen und -dauer, der begrenzte Betriebsbereich, der Kaltstart und die höhere Druckanstiegsrate/raue Verbrennung, die homogene Ladungsvorbereitung und die höheren unverbrannten HC- und CO-Emissionen [64]. Wie besprochen, hängt die obere Betriebsgrenze des Wasserstoff-HCCI-Motors von der maximalen Menge an Kraftstoff ab, die im Motorzyklus innerhalb des angemessenen Limits des maximalen PRR oder RI verbrannt wird. Die höhere Druckanstiegsrate oder Klingelintensität begrenzt die Betriebsgrenze des Wasserstoff-HCCI-Motors. Der Betriebsbereich des Wasserstoff-HCCI-Motors wird in einer Studie berechnet, indem der zulässige ηc > 85% und RI < 5 MW/m2 berücksichtigt werden [35]. Der zulässige Bereich der HCCI-Verbrennung ist sehr eng und hängt von der Einlassventilschließtemperatur und dem Äquivalenzverhältnis ab. Der RI steigt stark bei höherer Einlassventilschließtemperatur und Äquivalenzverhältnis. Der Betriebsbereich des Wasserstoff-HCCI-Motors hängt auch von der Motordrehzahl ab und wird bei höheren Drehzahlen sehr eng [35]. Die RI-Empfindlichkeit wird bei höherer Drehzahl verstärkt; daher kann nur ein magerer Betrieb die RI innerhalb des zulässigen Limits halten [35]. Der Betriebsbereich des WasserstoffHCCI-Motors verringert sich mit steigender Motordrehzahl [35]. Es gibt mehrere Herausforderungen für Zweistoffmotoren, die mit Wasserstoff betrieben werden, d. h. erhöhte Stickoxidemissionen (NOx), Klopfen bei hohem Wasserstoffanteil und begrenzter energetischer Wasserstoffanteil [46]. Die Anreicherung mit Wasserstoff führt zu einem Anstieg der Verbrennungstemperatur im Zylinder, was zu einer Erhöhung der NOx-Bildung führt. Bei höherer Verbrennungstemperatur im Zylinder reagiert der im Gemisch vorhandene Stickstoff leicht mit den Sauerstoffmolekülen und führt zu einem starken Anstieg der NOxEmissionen. Die Niedertemperaturverbrennung ist eine nützliche Methode zur Reduzierung der NOx-Emissionen in CI-Motoren. Abgasrückführung, Wassereinspritzung, verzögerte Einspritzzeitpunkte, HCCI/RCCI-Verbrennungsregime usw. sind einige effektive Methoden zur Reduzierung der NOx-Emissionen [46]. Die Klopfphänomene/abnormale Verbrennung begrenzen die maximale Wasserstoffanreicherung im Zweistoffbetrieb. Das Gas-Kraftstoff-Luft-Gemisch zündet im Zweistoffbetrieb nicht sofort selbst. Das Versagen der Selbstzündung bei den richtigen Kurbelwinkelpositionen kann die Wahrscheinlichkeit von Klopfen, höherer Druckanstiegsrate und Überhitzung der Zylinderwand erhöhen [53]. Die Wasserstoffanreicherung im CI-Motor neigt dazu, die Möglichkeit einer abnormalen Verbrennung aufgrund seines breiteren Zündbereichs, der niedrigeren Zündenergie und
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 575 der kürzeren Verlöschstrecke zu erhöhen [65]. Mit Wasserstoffkraftstoff kann eine abnormale Verbrennung sowohl am Endstadium der Verbrennung (ähnlich wie bei SI-Motoren) als auch in früheren Stadien auftreten [66, 67]. Eine Studie verglich den HCCI-Motor, der mit 100% Wasserstoff betrieben wird, und den Zweistoffbetrieb mit unterschiedlichen Wasserstoffenergieanteilen [68]. Sie berichteten, dass sich die Amplitude der Frequenzschwankungskomponente mit steigendem Wasserstoffenergieanteil signifikant ändert [68]. Der HCCI-Verbrennungsmodus zeigt eine relativ ultrahohe Amplitude der Hochfrequenzkomponente des Zylinderdrucks [68]. Sie kamen zu dem Schluss, dass ein energetischen Wasserstoffanteil von etwa 17% das höchste Limit im Motor bei Nennlast im Zweistoffmotor (mit einem Basisverdichtungsverhältnis von 17:1) ist [68]. Eine andere Studie berichtete, dass der RI mit steigendem Wasserstoffenergieanteil drastisch zunimmt [69]. Sie berichteten, dass ein Wasserstoffenergieanteil von etwa 19% die höchste Grenze ist, die ohne abnormale Verbrennung (Klopfen) bei 100% Last verwendet werden kann [69]. Aber der klopfbegrenzte Wasserstoffenergieanteil steigt mit einer Abnahme von rc [69]. Der Ersatz von Energie durch Wasserstoff ist im Dual-Fuel-Betrieb begrenzt. Bei höheren Motorlasten liegt der maximale energetische Wasserstoffanteil im Bereich von 6–25%, kann jedoch bei niedrigeren Lasten auf 30% erweitert werden [46]. Die Anreicherung mit Wasserstoff im Dual-Fuel-CI-Motorbetrieb führt zu mehreren Problemen: höhere Druckanstiegsrate, zu frühe Verbrennungsphasen, höhere Verbrennungstemperatur im Zylinder, Frühzündung des vorgemischten Wasserstoff-Luft-Gemisches und Verlust an verfügbarer Arbeit aufgrund früher Verbrennung [46, 52, 70, 71]. Die Selbstzündung des vorgemischten Wasserstoffs und der Luft bei höherem Wasserstoffanteil im Dual-Fuel-Betrieb ist auf die höhere Verbrennungstemperatur im Zylinder und den hohen polytropen Index von Wasserstoff zurückzuführen. Die Selbstzündung der vorgemischten Wasserstoff-Luft-Ladung (im Ansaugkrümmer) ist bei der Krümmer-Einspritztechnik anfälliger, aber dieses Problem kann durch die Verwendung der Saugrohreinspritztechnik verringert werden [46]. Die für die Wasserstoffanreicherung im Dual-FuelBetrieb diskutierten Probleme können jedoch bis zu einem gewissen Grad mit Niedertemperatur-Verbrennungsstrategien angegangen werden. 6 Zukunftsaussichten Die Notwendigkeit eines CO2-neutralen Antriebs mit minimalen Emissionen im Vergleich zu anderen regulierten Spezies ist entscheidend für die Erweiterung möglicher zukünftiger Kraftstoffe. Der alternative Kraftstoff muss die giftigen Emissionen, einschließlich CO2, auf ein Minimum reduzieren und gleichzeitig technisch und wirtschaftlich machbar sein. In den letzten Jahrzehnten wurden mehrere alternative Kraftstoffe wie Methanol, Ethanol, Erdgas, Wasserstoff und Synthesegas untersucht, die die Emissionen in unterschiedlichem Maße im Vergleich zu herkömmlichen Kohlenwasserstoffkraftstoffen reduzieren können. Unter diesen Kraftstoffen ist nur Wasserstoff frei von Kohlenmonoxid-, Kohlenwasserstoff- und CO2-Emissionen
576 M. R. Saxena und R. K. Maurya [72]. Die einzigartigen Eigenschaften von Wasserstoff machen ihn zu einem der wichtigsten Kraftstoffe der Zukunft, und seine Nutzung in Verbrennungsmotoren wird es ermöglichen, zunehmend strengere Emissionsnormen zu erfüllen. Wasserstoff ist ein potenzieller Kraftstoffkandidat der Zukunft, der die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Menge der von Fahrzeugen ausgestoßenen Schadstoffe reduzieren kann [73, 74]. In Übereinstimmung mit dieser Aussicht werden fortschrittliche LTC-Techniken untersucht, die das Potenzial haben, die zukünftigen Gesetzesnormen zu erfüllen. Der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff im LTC-Motor erfordert eine ordnungsgemäße Anpassung der Motorsteuerungseinheit und die Materialverträglichkeit der Motorkomponenten mit Wasserstoff. Wasserstoffbetriebene LTC-Motoren haben das Potenzial, den Wirkungsgrad zu verbessern. Die LTC-Regime haben einen besseren Kraftstoffumwandlungswirkungsgrad als herkömmliche Verbrennungsmotoren. Die Nutzung der Vorteile von Wasserstoff in LTC-Motoren kann den mechanischen Wirkungsgrad weiter verbessern. Darüber hinaus haben Niedertemperaturmotoren, die mit herkömmlichen Kraftstoffen betrieben werden, ein Problem mit höheren CO- und HC-Emissionen. Dieses Problem kann durch die Verwendung von Wasserstoff in LTC-Motoren mit einem leichten Nachteil bei den NOx-Emissionen gemildert werden. Es ist jedoch eine optimale Kraftstoffeinspritzstrategie erforderlich, um die Verbrennung in LTCMotoren sorgfältig zu steuern, was weiter untersucht werden muss. Andererseits hat die Implementierung von LTC-Motoren auf Basis von Wasserstoff viele Herausforderungen, wie frühe/späte Frühzündung, Verbrennungsvariationen, optimales Verdichtungsverhältnis; Optimierung der Gemischbildung und Einspritzstrategie; Laststeuerungsstrategie usw., die weiter untersucht werden müssen. Der Betrieb von wasserstoffbetriebenen LTC-Motoren ist durch höhere Druckanstiegsraten und Klingelintensität begrenzt. Dies schränkt die höhere Betriebsgrenze dieser Motoren ein. Um den Wasserstoff während des Ansaugtakts mit Luft einzuleiten, muss ein geeignetes Saugrohreinspritzsystem entwickelt werden, um Rückzündungen und Frühzündungen zu vermeiden. Darüber hinaus müssen optimale Direkteinspritz- und Saugrohreinspritzstrategien entwickelt werden, um den stabilen Motorbetrieb mit Wasserstoff als Hauptkraftstoff in LTC-Motoren zu gewährleisten. Die hohe laminare Flammengeschwindigkeit der Wasserstoffanreicherung bei höherer Last kann in LTC-Motoren zu Klingel-/dröhnende Verbrennungen führen, was den höheren Energieanteil von Wasserstoff einschränkt. Die mögliche Lösung zur Bewältigung dieses Problems ist die Hybridisierung von Elektrofahrzeugen, die in LTC-Regime integriert sind, nachdem der bestmögliche Betriebsbereich von wasserstoffbetriebenen LTC-Motoren bestimmt wurde. Die serielle Hybridisierung eines wasserstoffbetriebenen LTC-Motors mit einem Elektrofahrzeug wird vorteilhaft sein, um einen Motor in einem breiten Betriebsbereich zu betreiben. Ein Hybrid-Elektrofahrzeug (HEV), das mit einem wasserstoffbetriebenen LTC-Motor integriert ist, kann eine Lösung sein, um eine höhere Kraftstoffeffizienz und niedrigere Abgasemissionen als der herkömmliche Motor zu erreichen. Die vorgeschlagene Lösung ist ein Zwischenschritt zwischen dem Verbrennungsmotor und einem vollständig elektrischen Fahrzeug. Es könnte in naher Zukunft eine teilweise oder vollständige Ablösung eines herkömmlichen
Wasserstoffbetriebene Niedertemperatur-Verbrennungsmotoren 577 Dieselmotors sein. Darüber hinaus kann die Entwicklung einer auf WasserstoffBrennstoffzellen basierenden Batterie untersucht werden, die in einem HEV mit wasserstoffbetriebenem LTC-Motor verwendet werden kann. Die fortschrittlichen Zündtechniken wie plasmaunterstützte wasserstoffbetriebene HCCI- und Dual-Fuel-RCCI-Verbrennungsmodi müssen weiter untersucht werden. Der Einsatz einer Vorkammer für HCCI- und Dual-Fuel-RCCI-Verbrennungsmodi muss weiter erforscht werden. Thermisch geschichtete Kompressionszündung unter Verwendung von Wasserstoff bleibt bisher ein unerforschtes Gebiet und erfordert Aufmerksamkeit von der Forschungsgemeinschaft. Danksagungen Die finanzielle Unterstützung der CSIR-HRDG durch SRA im Rahmen des Scientists Pool Scheme für Dr. Mohit Raj Saxena wird dankbar anerkannt. Diese Unterstützung ermöglicht seinen Aufenthalt zur Arbeit im Advanced Engine and Fuel Research Laboratory, Department of Mechanical Engineering, IIT Ropar, Indien. Literatur 1. Krishnamoorthi M, Malayalamurthi R, He Z, Kandasamy S (2019) A review on low temperature combustion engines: performance, combustion and emission characteristics. Renew Sustain Energy Rev 116:109404 2. Hairuddin AA, Yusaf T, Wandel AP (2014) A review of hydrogen and natural gas addition in diesel HCCI engines. Renew Sustain Energy Rev 32:739–761 3. Noh HK, No SY (2017) Effect of bioethanol on combustion and emissions in advanced CI engines: HCCI, PPC and GCI mode—A review. Appl Energy 208:782–802 4. Krishnasamy A, Gupta SK, Reitz RD (2021) Prospective fuels for diesel low temperature combustion engine applications: a critical review. Int J Engine Res 22(7):2071–2106 5. Kozlov VE, Titova NS, Chechet IV (2018) Modeling study of hydrogen or syngas addition on combustion and emission characteristics of HCCI engine operating on iso-octane. Fuel 221:61–71 6. Karagöz Y, Sandalcı T, Yüksek L, Dalkılıç AS (2015) Engine performance and emission effects of diesel burns enriched by hydrogen on different engine loads. Int J Hydrog Energy 40(20):6702–6713 7. Niu R, Yu X, Du Y, Xie H, Wu H, Sun Y (2016) Effect of hydrogen proportion on lean burn performance of a dual fuel SI engine using hydrogen direct-injection. Fuel 186:792–799 8. Yu X, Du Y, Sun P, Liu L, Wu H, Zuo X (2017) Effects of hydrogen direct injection strategy on characteristics of lean-burn hydrogen-gasoline engines. Fuel 208:602–611 9. Deb M, Sastry GRK, Bose PK, Banerjee R (2015) An experimental study on combustion, performance and emission analysis of a single cylinder, 4-stroke DI-diesel engine using hydrogen in dual fuel mode of operation. Int J Hydrog Energy 40(27):8586–8598 10. Barrios CC, Domínguez-Sáez A, Hormigo D (2017) Influence of hydrogen addition on combustion characteristics and particle number and size distribution emissions of a TDI diesel engine. Fuel 199:162–168 11. Ji C, Wang S, Zhang B (2010) Combustion and emissions characteristics of a hybrid hydrogen-gasoline engine under various loads and lean conditions. Int J Hydrog Energy 35(11):5714–5722 12. Karagöz Y, Güler İ, Sandalcı T, Yüksek L, Dalkılıç AS (2016) Effect of hydrogen enrichment on combustion characteristics, emissions and performance of a diesel engine. Int J Hydrog Energy 41(1):656–665
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Detonative Antriebstechnik P. Wolański, M. Kawalec und K. Benkiewicz Zusammenfassung Dieses Kapitel bietet kurze Beschreibungen der Triebwerken/Antriebssysteme, in denen detonative Verbrennung zur Steigerung der Leistung und des Wirkungsgrads eingesetzt werden kann. Pulsierende Detonation (PD) und kontinuierlich rotierende Detonation (CRD) Antriebssysteme bieten die höchste Verbesserung des mechanischen Wirkungsgrads sowie Reduzierung der Größe und -gewichts der Antriebssysteme. Da PD auch ein hohes Maß an Lärm und Vibrationen erzeugt, ist die wahrscheinlichste Anwendung solcher Triebwerke für den Antrieb von unbemannten Fahrzeugen und insbesondere für die Attitude Control Systems auf Satelliten und sogar auf Raumstationen, wo die Produktion von gasförmigem Wasserstoff und Sauerstoff mittels Wasserelektrolyse erreicht werden kann. Die vielversprechendste Anwendung ist jedoch die Anwendung der CRD auf alle Arten von Antrieben, von luftatmenden Gasturbinen und TurbojetTriebwerken bis hin zu Raketen und kombinierten Zyklus-Antriebssystemen. Zusätzlich werden in diesem Kapitel auch numerische Modellierungen zur Untersuchung von Methoden zur Verbesserung der Gemischbildung, Detonationsinitiierung und Struktur von rotierenden Detonationswellen in verschiedenen Geometrien sowie zur Berechnung des Druckgewinns in der Detonationskammer und des mechanischen Wirkungsgrads vorgestellt. Auch die Vorteile der Verwendung von Wasserstoff als Treibstoff in solchen Antriebssystemen werden diskutiert und erste verfügbare Ergebnisse der Anwendung von Wasserstoff in zukünftigen Antriebssystemen werden präsentiert und diskutiert. P. Wolański (*) · M. Kawalec · K. Benkiewicz Łukasiewicz Research Network-Institute of Aviation, al. Krakowska 110/114, Warszawa, 02-256, Poland E-Mail: Piotr.Wolanski@ilot.lukasiewicz.gov.pl M. Kawalec E-Mail: Michal.Kawalec@ilot.lukasiewicz.gov.pl K. Benkiewicz E-Mail: Krzysztof.Benkiewicz@ilot.lukasiewicz.gov.pl © Der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer Nature Switzerland AG 2025 E. Tingas, Wasserstoff für zukünftige Wärmekraftmaschinen, https://doi.org/10.1007/978-3-031-76380-9_14 583
584 P. Wolański et al. 1 Einführung Die erste Idee über die Möglichkeit, den Wirkungsgrad von Antriebssystemen durch die Anwendung der detonativen Verbrennung zu erhöhen, stammte von Zeldovich [1], aber zu dieser Zeit war niemand an dieser Idee interessiert und selbst Zeldovich war nicht begeistert von einer solchen Anwendung. Aber Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts führten Nicholls et al. an der Universität von Michigan [2] die erste Forschung zur Anwendung von Detonation auf ein Antriebssystem durch und testeten das erste Labor-Modell des Pulsed Detonation Engine (PDE). Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die kontinuierlich rotierende Detonation (CRD) (auch in Russland als kontinuierliche Spin-Detonation bezeichnet) am Institut für Hydrodynamik der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Novosibirsk entdeckt und diese Forschungsarbeiten sind in vielen Publikationen beschrieben [3–5]. Einige Jahre später wurde solche Forschung zur Anwendung von CRD auf Raketentriebwerke an der Universität von Michigan durchgeführt, aber leider konnten sie zu dieser Zeit keinen Erfolg erzielen. Adamson et al. [6, 7] konnten nur eine theoretische Analyse der CRD-Struktur in einer ringförmigen Detonationskammer des Rotating Detonation Engine (RDE) für Raketensystemanwendungen durchführen. Seit dieser Zeit wurde die Forschung zur Anwendung der CRD auf Antriebssysteme aufgegeben und erst Ende des letzten Jahrhunderts von Eidelman et al. wieder aufgenommen [8, 9]. Solche Forschungen dominierten die Anwendungen von Detonation auf Antriebssysteme bis zum Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Weitere Informationen zu diesen Forschungsarbeiten finden Sie auch in Übersichtsartikeln zum PDE [10, 11, 13]. Erst Ende des letzten Jahrhunderts und Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde die Forschung zur möglichen Anwendung der CRD auf Antriebssysteme fast gleichzeitig in Russland, Polen, Frankreich und Singapur wieder aufgenommen und dann stieg das Interesse an solchen Systemen erheblich [13– 15]. Seit dieser Zeit wurden viele Initiativen unternommen, um die Natur der detonativen Fortbewegung besser zu verstehen und Antriebssysteme auf Basis von Detonation zu entwickeln. Die zunehmende Anzahl von Publikationen, die dem RDE zu Beginn des XXI. Jahrhunderts gewidmet sind, ist in Abb. 1 dargestellt. Es ist allgemein bekannt, dass die Verbrennung von gasförmigen Gemischen in zwei verschiedenen Modi stattfinden kann: Deflagration und Detonation. Während der Deflagration ist die Verbrennung normalerweise langsam und die Flammengeschwindigkeit ist immer unterschall, während im detonativen Modus die Flamme mit Überschallgeschwindigkeit ausbreitet. Bei deflagrativer Verbrennung nimmt der Druck hinter der Flammenfront immer ab, während er bei detonativer Verbrennung immer zunimmt. Typischerweise kann bei einer Detonation von Brennstoff-Luft-Gemischen der Druck etwa 15-mal erhöht werden, während bei einer Detonation von Brennstoffen mit gasförmigem Sauerstoff der Druck mehr als 30-mal erhöht werden kann.
Wolański präsentiert die RDE bei P&W (2008) und P&W Rocketdyne (2009) Erster internationaler Workshop zum Thema Detonation für Antriebssysteme (2011) 585 Erfolgreicher Labortest der RDE durch Bykovskii (1975) und Edwards (1977) Erste theoretische Analyse eines ringförmigen Raketentriebwerks unter Verwendung von CRD durch Adamson et al. (1965-1966) Entdeckung von CRD in Novosibirsk durch Voitcekhovskii et al. (1959-1960) Nummer der Veröffentlichung Detonative Antriebstechnik Jahr Abb. 1 Grafische Darstellung der Anzahl der Veröffentlichungen zur RDE-Forschung seit der Entdeckung der kontinuierlich rotierenden Detonation bis heute. Mit freundlicher Genehmigung von Elżbieta Zocłońska Eine wichtige Eigenschaft der detonativen Verbrennung ist die sogenannte Detonationszelle. Detonationszellen sind diamantähnliche Strukturen (in Bezug auf ihre Form) geschrieben auf den Detonationsrohrwänden durch Druckspitzen. Historisch gesehen waren die Wände der Detonationsrohre mit Ruß bedeckt. Die entlang des Rohres bewegende Detonationsfront ist tatsächlich keine flache Oberfläche. Die Flammenfront ist dreidimensional und besteht aus mehreren kleineren gekrümmten Wellen, die miteinander interagieren. Ihre lokalisierten Kollisionen führen zu lokalen Druckspitzen, die schließlich den Ruß entlang ihrer Pfade von der Wand entfernen. Die Größe der Zellen ist charakteristisch für das Gemisch aus Brennstoff und Oxidationsmittel, das Verhältnis von Brennstoff zu Oxidationsmittel und die Anfangsbedingungen. Details zur detonativen Verbrennung von gasförmigen Gemischen finden Sie in vielen Publikationen [4, 5, 14–17]. Ein Vergleich der deflagrativen zur detonativen Verbrennung wird in Tabelle 1 präsentiert. Aus Tab. 1 geht hervor, dass die Anwendung von detonativer Verbrennung auf Strahltriebwerke oder Gasturbinen immer vorteilhaft sein wird. Darüber hinaus wird aufgrund des Druckgewinns im detonativen Verbrennungszyklus der (Antriebs-/ Gasturbinen-) Wirkungsgrad erheblich erhöht. Die Berechnung des theoretischen Wirkungsgrads des thermodynamischen detonativen Zyklus (Fickett-Jacobs) und der Vergleich mit der klassischen isobaren Verbrennung (der Joule-Brayton-Zyklus) oder isochoren Verbrennung (Humphrey) wurde von J. Kindracki in seiner Doktorarbeit [18] durchgeführt und kann auch in Wolański et al. gefunden werden [14]. Abb. 2 stellt einen Vergleich der theoretischen Zyklen dar, die verschiedene Verbrennungsprozesse verwenden. Die konstanten Druck-, konstanten Volumenund detonativen Zyklen sind typischerweise als Joule-Brayton-, Humphrey- und
P. Wolański et al. 586 Tab. 1 Vergleich von deflagrativer Verbrennung gegenüber detonativer Verbrennung Deflagration Verbrennungsgeschwindigkeit von der Größenordnung Dutzend m/s Verbrennungskammer sollte groß sein Verbrennung normalerweise im stöchiometrischen Mischungsverhältnis, sonst wird die Kammer viel größer sein Für die Verbrennung im stöchiometrischen Verhältnis ergibt sich eine sehr hohe Verbrennungstemperatur Hohe Verbrennungstemperatur und längere Verweilzeit unter solchen Bedingungen sind verantwortlich für hohe Emissionen von NO x Wenn es auf Gasturbinen angewendet wird, ist es notwendig, mit zusätzlicher Luft zu mischen, um die Temperatur vor der ersten Stufe der Turbine zu senken Während der Deflagration fällt der Druck immer ab Joule - Brayton isochor - Verbrennung mit konstantem Volumen Detonationsverbrennung log p Abb. 2 Thermodynamische Zyklen bei konstantem Druck (Joule-Brayton), konstantem Volumen (Humphrey) und Detonation (FickettJacobs). Mit freundlicher Genehmigung von M. Kawalec Detonation Detonationsgeschwindigkeit von der Größenordnung km/s Detonationskammer wird kurz/klein sein Detonation könnte für magere, fette oder stöchiometrische Gemische sein und dennoch wird die Reaktionszone klein sein Für die Detonation von mageren oder fetten Gemischen wird die Temperatur niedriger sein und die Verweilzeit in der Hochtemperaturzone viel kürzer als bei der Deflagration Aufgrund der sehr kurzen Zeit in der Reaktionszone wird die Emission des NO x kleiner sein Wenn ein mageres/fettes Gemisch detoniert wird, dann wird es nicht notwendig sein, zusätzliche kalte Luft vor der Turbine hinzuzufügen Während der Detonation steigt der Druck immer an Fickett-Jacobs-Thermodynamikzyklen bekannt. In Abb. 2 p1 ist der Druck am Einlass des Antriebssystems (atmosphärisch). Die Luft strömt durch den Kompressor und ihr Druck steigt auf p2. Dann werden der Brennstoff und das Oxidationsmittel (Luft) verbrannt, was zum Zustand (3) führt. Im Joule-Brayton-Zyklus findet die Verbrennung bei konstantem Druck statt, obwohl er in der Realität typischerweise um 4–5 % abfällt, und der Endzustand ist durch p3 = p2 gekennzeichnet. In den
Detonative Antriebstechnik 587 Systemen, in denen die Verbrennung bei konstantem Volumen stattfindet, steigt der Druck auf p3cv > p2, aber in Systemen, die Detonation verwenden, steigt der Druck sogar noch höher auf p3D >> p2. Die Verbrennungsprodukte werden dann von Punkt (3) zu Punkt (4) expandiert und die Energie wird für den Antrieb der Turbine oder die direkte Schuberzeugung verwendet. Der Wirkungsgrad des Joule-Brayton-Zyklus kann aus der Formel berechnet werden: 1 ηcp = 1 −   k−1 k p2 p1 (1) Wie oben erwähnt, ist p1 der atmosphärische Druck, p2 = p3 sind die Drücke, bei denen die Verbrennung stattfindet (siehe Abb. 2), und k ist das Verhältnis der spezifischen Wärmen bei konstantem Druck (cp) und konstantem Volumen (cv): k= cp cv (2) In diesem Ansatz werden die Wirkungsgrade des konstanten Volumen- und Detonationszyklus durch die Verwendung realistischerer und einfacherer Beziehungen der Kompressionsenergie, die zur Arbeitserzeugung verwendet wird, zur Gesamtenergie des Zyklus berechnet. Der Wirkungsgrad des konstanten Volumenzyklus (CV), unter der Annahme konstanter spezifischer Wärmen bei konstantem Volumen zwischen den Zykluspunkten (3) und (4) (cv(3,4)), sowie (3) und (1) (cv(3,1)): ηcv = cv(3,4) · (T3cv − T4cv ) cv(3,1) · (T3cv − T1 ) (3) und für den Detonationszyklus, der detonative (D) Verbrennung annimmt: ηD = cv(3,4) · (T3D − T4D ) cv(3,1) · (T3D − T1 ) (4) wo: • T1—Anfangstemperatur des Gemisches, • T3cv, T3D—die Temperaturen am Ende der konstanten Volumenphase und Detonationsphase, jeweils, • T4cv, T4D—die Temperaturen am Ende der Expansion jedes Zyklus. Unter der Annahme konstanter spezifischer Wärmekapazitäten: cv(3,4) = cv(3,1) = cv (5) für jeden Expansionsprozess werden die Gleichungen vereinfacht zu: ηcv = T3cv − T4cv T3cv − T1 (6) ηD = T3D − T4D T3D − T1 (7) und
P. Wolański et al. 588 Tab. 2 Vergleich der berechneten Effizienz für Wasserstoff-Luft-Gemisch mit einem Äquivalenzverhältnis von 0,5 (unsere Berechnungen) p2 /p1 4 6 8 pcv (bar) 19,1 26,0 32,5 Tcv (K) 2083 2120 2149 pD (bar) 33,5 44,8 55,5 TD (K) 2305 2343 2372 ηcp (%) 32,7 40,1 44,8 ηcv (%) 49,3 52,9 55,3 ηD (%) 55,1 58,1 60,2 Der Druck und die Temperatur können durch einen geeigneten numerischen Gleichgewichtscode wie NASA CEA [114] und T4cv und T4D können unter Verwendung adiabatischer Expansion mit k berechnet werden, das aus numerischen Berechnungen (Tab. 2) ermittelt wurde. Es wurde bereits in vielen Studien gezeigt, dass die Anwendung von detonativer Verbrennung in Antriebssystemen zu einer erheblichen Steigerung der Antriebsleistung führen kann. Wenn beispielsweise die detonative Verbrennung auf den Turbojet-Triebwerk angewendet wird, könnte die theoretische Triebwerksleistung um mehr als 20 % erhöht werden [14, 18]. Selbst wenn in der Realität dieser Wirkungsgrad nur um 10% erhöht wird, führt die Kraftstoffeinsparung für ein Jahr zu einem erheblichen finanziellen Vorteil. Bei flüssigen Kohlenwasserstoffbrennstoffen wie Jet-A führt die Reduzierung des Gesamtkraftstoffverbrauchs zu reduzierten globalen Emissionen von CO2, selbst wenn die CO2 Produktion pro Kilogramm verbranntem Kraftstoff unverändert bleibt. Aufgrund der sehr kurzen Verweilzeit haben die NOx Partikel keine Zeit zur Bildung. Experimentell wurde die NOx Reduktion in [19, 20] bestätigt. Fassen wir also die Faktoren zusammen, warum detonative Verbrennung auf Antriebssysteme oder Gasturbinen angewendet werden sollte, die im Energiesektor verwendet werden: • höhere Energiefreisetzungsraten als bei deflagrativer Verbrennung oder Verbrennung bei konstantem Volumen, • geringere NOx Emissionen, • keine Notwendigkeit, ein ausgeklügeltes System zur Kühlung der Turbinenstufe im Falle einer mageren Kraftstoff-Luft-Gemisch-Detonation zu verwenden, • kleinere Größe und Gewicht der Detonationskammer als die klassische, in der deflagrative Verbrennung stattfindet. 2 Arten von Antriebssystemen Es gibt einige Möglichkeiten, Detonation in Antriebs- und Energieerzeugungssystemen zu nutzen. Die Antriebssysteme, die Detonation für den Antrieb nutzen, können in fünf Kategorien unterteilt werden, die sich in der Art der Nutzung der Detonation in dem Triebwerk unterscheiden. Die Kategorien von Antriebssystemen sind also wie folgt:
Detonative Antriebstechnik 589 • Stehende Detonationswellen-Antriebssysteme, kurz SDWE, Triebwerke, bei denen die Detonationswelle, in der alle Energie freigesetzt wird, am Rahmen des Triebwerks befestigt ist und die Detonation in Bezug auf die Triebwerke stationär ist, • RAMAC-Beschleuniger, ein System, das zur Beschleunigung von Projektilen in speziell konstruierten Röhren verwendet wird, die deflagrative und detonative Verbrennung nutzen, • Pulsierende Detonations-Antriebssysteme, kurz PDE, Triebwerke, die pulsierende Detonation in der Schubkammer des Triebwerks nutzen, • Rotierende Detonations-Antriebssysteme, kurz RDE, Triebwerke, die in der Schubkammer der Triebwerke kontinuierlich rotierende Detonationswellen nutzen. Solche Triebwerke werden manchmal als Triebwerke mit kontinuierlichen Detonationswellen oder sogar als Triebwerke mit kontinuierlicher SpinDetonation bezeichnet, • Kombinierte Zyklus-Detonations-Antriebssysteme, Triebwerke, bei denen eine Komponente ders Triebwerke im detonativen Modus arbeitet. 2.1 Stehende Detonationswellen-Antriebssysteme Das einfachste System, das Detonation für den Antrieb nutzt, ist der SDWE. In solchen Triebwerken findet die Verbrennung in einer stationären, bezogen auf den Triebwerksrahmen, schrägen Detonationswelle statt. Schematische Diagramme solcher Triebwerke sind in den Abb. 3 und 4 dargestellt. Solche Triebwerke könnten verwendet werden, um Hyperschallflugzeuge anzutreiben, die mit einer Geschwindigkeit höher als Mach = 5, aber nicht höher als Mach = 7 fliegen. Die niedrigere Mach-Zahl ist durch die Mach-Zahl der stationären Detonationswelle begrenzt. Eine solche Mach-Zahl kann nicht kleiner sein als die Detonations-Mach-Zahl, da es unter solchen Bedingungen nicht möglich sein Abb. 3 Schematisches Diagramm der ursprünglichen Idee des stehenden Detonationswellentriebwerks Abb. 4 Schematische Darstellung des HyperschallStaustrahltriebwerks integriert mit Hyperschallflugzeug [14, 21] Detonationswelle Einspritzdüsen Luft Kraftstoff Verbrennung Fließweg Produkte Schräge Stoßwelle Schräge Detonationswelle
P. Wolański et al. 590 wird, eine Detonationswelle am Einlass des Verbrennungs-/Düsenabschnitts zu stabilisieren. Zusätzlich wird bei einer Mach-Zahl höher als 7 der externe Widerstand, der auf das Hyperschallflugzeug ausgeübt wird, höher sein als der erzeugte Schub. Daher wird die Anwendung von stehenden/stationären Detonationswellen nur einen sehr begrenzten, engen Betriebsbereich haben. Es könnte nur für den Geschwindigkeitsbereich zwischen Mach = 4 und Mach = 5 möglich sein, wo der Überschallverbrennungs-Staustrahltriebwerk, oder wie üblicherweise genannt, SCRAMJET anwendbar sein wird. Es gibt nun eine intensivierende internationale Anstrengung, robuste Antriebssysteme für Hyperschall- und Überschallflüge zu entwickeln. Ein solches System würde Flüge durch unsere Atmosphäre mit sehr hohen Geschwindigkeiten ermöglichen und einen effizienten Ein- und Austritt aus planetaren Atmosphären erlauben. Die Möglichkeit, ein solches System mit Detonation, der leistungsfähigsten Form der Verbrennung, in Verbindung zu bringen, hat das Potenzial, einen höheren thermodynamische Wirkungsgrad, verbesserte Zuverlässigkeit und reduzierte Emissionen zu bieten. Eine Gruppe von der Central University Florida—Sosa, Rosato et al. [22, 23] berichtete über einen bedeutenden Schritt in Richtung dieses Ziels: die Entdeckung einer experimentellen Konfiguration und Strömungsbedingungen, die eine stabilisierte schräge Detonation erzeugen, ein Phänomen, das das Potenzial hat, den Hochgeschwindigkeitsantrieb der Zukunft zu revolutionieren. 2.2 RAMAC-Beschleuniger Ein weiteres mögliches Antriebssystem, das für die Beschleunigung von Projektilen in Betracht gezogen wurde, wurde von einer Gruppe der University of Washington unter der Leitung von Hertzberg vorgeschlagen [24, 25]. Es wird RAMAC genannt, für RAM ACcelerator. Ein schematisches Diagramm des RAMBeschleunigers ist in Abb. 5 dargestellt. Anstatt eines typischen Staustrahltriebwerks, das Treibstoff nutzt, der an Bord eines fahrenden Fahrzeugs mitgeführt wird, trägt RAMAC den Treibstoff nicht mit sich. Eine Verbrennungsmischung aus stoßartige Verbrennung/ schräge Detonation Einlass/Diffusor Expansion der Produkte Projektil Rohrwand Abb. 5 Schematisches Diagramm des RAMAC-Betriebs im detonativen Verbrennungsmodus [14, 26]
Detonative Antriebstechnik 591 Treibstoff und Oxidationsmittel ist in einem Beschleunigungsrohr verteilt (siehe Abb. 5). Das Projektil wird zunächst durch eine speziell konstruierte Kanone beschleunigt, in der die Verbrennung einer Wasserstoff-Sauerstoff-Mischung mit Zugabe von Helium das Projektil auf Überschallgeschwindigkeit beschleunigt. Eine speziell entworfene Form des Projektils und die Zusammensetzung der Mischung können die detonierbare gasförmige Mischung, die im Rohr platziert ist, komprimieren und eine schräge Detonation in einem bestimmten Bereich des Projektils initiieren, wodurch ein Druckanstieg und positiver Schub erzeugt wird, der das Projektil beschleunigt. Je nach Geschwindigkeit des Projektils können verschiedene Antriebsmodi realisiert werden. Eine detailliertere Beschreibung des RAMAC-Betriebs kann in vielen Veröffentlichungen gefunden werden, in denen Theorie, Forschung und numerische Simulationen eines solchen Systems analysiert wurden [14, 26]. In einer Variation des RAMAC-Konzepts wurde eine kondensierte Sprengstoffschicht auf die Rohrwand aufgetragen, anstatt eines gasförmigen Treibmittels. Dieser Ansatz musste mit einem geeigneten elektronischen Steuerungssystem und einem Vakuum im Inneren des Beschleunigungsrohrs kombiniert werden. Allerdings haben diese und andere Optionen bisher noch nicht die Beschleunigung von Projektilen auf Geschwindigkeiten höher als die C-J-Detonationsgeschwindigkeit ermöglicht [27, 28]. Daher ist die Technologie der Beschleunigung von Projektilen mit solchen Techniken auf Orbitalgeschwindigkeit immer noch nur theoretisch. Realistischere Anwendungen von detonativer Verbrennung für Antriebssysteme sind pulsierte Detonation oder kontinuierlich rotierende Detonation, wie unten dargestellt. 2.3 Gepulster Detonations-Antriebssysteme (PDE) Ein schematisches Diagramm des Betriebs der PDE wird in Abb. 6 [14, 29] dargestellt. Der Zyklus beginnt, wenn die Detonationskammer mit dem detonierbaren Gemisch gefüllt ist (t1). Nachdem die Kammer mit dem detonierbaren Gemisch gefüllt ist, wird die Öffnung in der Detonationsrohr/Kammer geschlossen und die Detonation wird durch eine ausreichend starke Zündquelle (t2) eingeleitet, und die Detonationswelle breitet sich aus, bis das gesamte Gemisch von der Detonationswelle verbraucht ist. Während die Detonation sich im Rohr ausbreitet, werden Entspannungswellen erzeugt und Druck wird auf die Verschlussplatte des Rohrs ausgeübt, wodurch Schubkraft erzeugt wird (t3). Dann verlassen die HochdruckDetonationsprodukte die Kammer mit hoher Geschwindigkeit und die Expansionswelle erzeugt einen sehr niedrigen Druck in der Kammer (t5–t6). Dies schafft geeignete Bedingungen für das Einsaugen eines neuen Teils des Brennstoff-Luft (Brennstoff-Oxidationsmittel) Gemisches und der neue Zyklus beginnt. In Wirklichkeit ist der Prozess komplexer und nicht der ideale. Das Detonationsrohr, das als Schubrohr dient, ist meist nur teilweise mit dem frischen Gemisch gefüllt,
P. Wolański et al. 592 Füllen der Kammer Auslösung der Detonation RarefactionWelle Verbrennungsprodukte Detonationswelle KraftstoffLuft-Gemisch Abb. 6 Schematisches Diagramm des PDE-Betriebs. Mit freundlicher Genehmigung von M. Kawalec dann ist die Einleitung der Detonation nicht sofort und erfordert einige Zeit für den Übergang in die Detonation. Da das Gemisch im Detonationsrohr nicht homogen ist, sind die Detonationsgeschwindigkeit und der Druck in der Regel niedriger als die theoretischen. Auch die Evakuierung des Rohrs ist in der Regel weit von perfekt und wenn der neue Zyklus eingeleitet wird, bleiben einige Produkte aus dem vorherigen Zyklus im Rohr und verdünnen das neue Gemisch, so dass die erzeugte Detonationswelle schwächer sein wird als im idealen Zyklus. Die wichtigsten Aspekte, die für den erfolgreichen Betrieb der PDE verantwortlich sind, sind die Vorbereitung des einheitlichen (gut gemischten) detonierbaren Gemisches und die Sicherstellung einer schnellen Einleitung der Detonation. Der beste Weg wäre die direkte Einleitung der Detonationswelle, aber ein solcher Prozess würde eine ausreichend starke Zündquelle erfordern, die mit hoher Frequenz arbeiten sollte. Dies würde eine leistungsstarke Energiequelle erfordern, die die Detonation direkt einleiten sollte, sowie ein langlebiges Quellgerät (typischerweise eine Zündkerze), das eine lange Betriebszeit aushalten könnte. Viel attraktiver ist es, eine Flamme durch eine typische Zündkerze mit relativ geringer Energie zu zünden, aber den Prozess so zu organisieren, dass er eine schnelle Flammenbeschleunigung und Selbstübergang in die Detonation fördert, genannt Deflagration in Detonation Übergang oder kurz DDT. DDT wurde von zahlreichen Forschern untersucht und es gibt viele Arbeiten, die verschiedene Aspekte von DDT beschreiben. Die wichtigsten Arbeiten, die den Hauptmechanismus, der für den DDT verantwortlich ist, offenlegen, sind die von A. K. Oppenheim, die zeigen, dass ein solcher Übergang plötzlich erfolgt und er diesen Prozess
Detonative Antriebstechnik 593 Explosion in der Explosion genannt hat [30, 31]. Weitere Forschungen und numerische Simulationen haben bewiesen, dass die Explosion in der Explosion immer in der Grenzschicht eingeleitet wird und es wurde sogar experimentell dokumentiert, dass es keine Möglichkeit des Übergangs in die Detonation ohne Wandeinflüsse gibt [32–34]. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, den Übergang zur Detonation zu beschleunigen. Die bekannteste Methode ist die Verwendung der sogenannten Schelkin-Spirale, die die Erzeugung von Turbulenzen erhöht und einen schnellen Übergang in die Detonation ermöglicht [35]. Ein ähnlicher Effekt kann durch das Platzieren von Hindernissen in Rohren erzielt werden, was den Übergang in die Detonation erheblich beschleunigen kann [36]. Aber der beste Weg, eine schnelle Beschleunigung in die Detonation zu erreichen, besteht darin, ein sehr empfindliches Gemisch (leicht zu zünden) in einem Rohr zu erzeugen, das durch sehr schwache Zündquellen schnell in die Detonation beschleunigen kann. Solche Gemische sind Oxy-Acetylen oder Oxy-Wasserstoff, aber die Verwendung von Sauerstoff zur Verbesserung von DDT ist für PDE nicht praktisch. PDE arbeitet typischerweise mit externer Luft als Oxidationsmittel, was es zu einem einfachen Design macht. Die Verwendung von Sauerstoff würde ein zusätzliches Sauerstoffversorgungssystem erfordern, das die Komplexität der PDE erheblich erhöhen würde. Auch Acetylen wird keine praktische Lösung als Brennstoff sein, da es in reiner Form instabil ist und eine Tendenz zur schnellen und spontanen Zersetzung hat. Wasserstoff ist der geeignetste Brennstoff, da er bei Mischung mit Luft ein empfindliches Gemisch bildet, das zu einer schnellen DDT führt, insbesondere unter stöchiometrischen Bedingungen. 2.3.1 Grundlagenforschung zu PDE Die erste PDE wurde vor mehr als 60 Jahren an der Universität von Michigan von Nicholls et al. gebaut und getestet [2]. Ein schematisches Diagramm ist in [2, 14] zu finden. Aber zu dieser Zeit gab es kein Interesse an einem solchen Antriebssystem, aufgrund der sehr niedrigen Preise für Flugzeugtreibstoff, und die Forschung an PDE wurde für fast dreißig Jahre unterbrochen. Erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als die Preise für Flugzeugtreibstoff erheblich stiegen, nahmen Eidelman et al. [8, 9] die Forschung an der PDE wieder auf und zeigten, dass mit einem solchen System eine erhebliche Steigerung des Wirkungsgrads erzielt werden könnte. Der Hauptgrund für die Wiederaufnahme der Forschung an der PDE war die Möglichkeit, sie für den Antrieb von Flugzeugen und Raketen zu nutzen. Theoretisch kann die PDE in einem weiten Flug-Mach-Zahlenbereich arbeiten, der von 0 bis zu 4–5 reicht. Wie bereits erwähnt, kann sie ein höherer Wirkungsgrad und ein viel einfacheres Design als üblicherweise verwendete Turbojet-Antriebe haben und auch ein kleineres Gewicht, daher könnte sie weniger teuer sein als herkömmliche Antriebe. Seitdem wurden viele Forschungsstudien zu verschiedenen Aspekten des PDEBetriebs sowie zu sehr unterschiedlichen Größen von PDEs durchgeführt [10–12,
P. Wolański et al. 594 <Turbineneinlass> <Turbineneinlass> Thermoelement Luft Druckwandler (piezoelektrisch) Manometer (Membrane) Luft Zündkerze Arbeiten Gas Luft Ionen-Sonde Kfz-Turbolader Wasser Druck [MPaG] Detonationsrohr Luft Puffer Turbineneintritt Die Kompressorarbeit wird gemessen Tachometer Puffer Ausgang der Turbine Zeit [ms] Abb. 7 Demonstrator der Universität Hiroshima für die Mikrogasturbine: schematische Ansicht des Systems (oben) und Druckaufzeichnungen vor und nach der Turbine (unten) [14, 37] 14]. Die Mikro-PD-Gasturbine, die mit einem Wasserstoff-Luft-Gemisch betrieben wird, wurde von der Universität Hiroshima gebaut und getestet [14, 37] (Abb. 7), und viele PDEs wurden unter Laborbedingungen getestet [14, 38–46]. Diese grundlegenden Untersuchungen führten zu speziellen Forschungsstudien über die Anwendung von Pulsed Detonation in einem Gasturbinenbrenner und zur Entwicklung einer PDE für den Flugzeugantrieb [42–46]. Die möglichen praktischen Anwendungen der PD werden im Folgenden diskutiert. 2.3.2 Entwicklung des luftbetriebene und raketentreibenden PDE Wie bereits erwähnt, führte die intensive Forschung an dieser Art von Antrieben zur Konstruktion einiger Systeme, die in der Praxis anwendbar sein könnten. Eine solche Anwendung war die Verwendung des PD in einer Gasturbine. GE
Detonative Antriebstechnik 595 unterstützte experimentelle Untersuchungen eines Systems, in dem PD-Verbrennungskammern (PDC) verwendet wurden, um einen höheren Druck (PG) in einem System zu erzeugen, das zur Antriebskraft einer Gasturbine bestimmt war. Da die PDC am Auslass Produkte mit sehr hoher Temperatur und hohem Druck erzeugt, war es notwendig, die Detonationsprodukte auf eine für die erste Stufe der Turbine zulässige Temperatur zu kühlen. Zusätzlich wird in der PDC auch der Druck erhöht (PGC), um die Produkte aus der PDC abzukühlen, war es notwendig, einen zusätzlichen Luftkompressor zu installieren (siehe [44]). Die Hochdruckluft aus dieser Umgehungs-Pumpe, deren Temperatur viel niedriger ist als die Temperatur der Detonationsprodukte aus der PDC, muss gut mit den Detonationsprodukten vermischt werden, um die Temperatur auf ein für die erste Stufe der Turbine akzeptables Niveau zu senken. Dies kompliziert zusätzlich den Betrieb eines solchen Systems. Darüber hinaus muss der PD-Verbrenner in einer wünschenswerten Reihenfolge gezündet werden, um die Druckschwankungen am Einlass zur Gasturbine zu minimieren. Da es schwierig ist, Vibrationen und Druckschwankungen, die durch die PDC eingeführt werden, zu eliminieren, wird die Lebensdauer eines solchen Systems aufgrund der Ermüdung und des Verschleißes vieler mechanischer Teile des Systems minimiert. Eine detaillierte Beschreibung eines solchen Systems finden Sie in [42–44]. Zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde der PDE entwickelt, um experimentelle Flugzeuge anzutreiben, und der erste experimentelle Flug eines solchen Flugzeugs fand im Januar 2008 auf dem Mojave Air and Space Port statt. Während dieses Tests wurde das Flugzeug zunächst von einem klassischen Turbojet-Triebwerk angetrieben, aber der PDE wurde aktiviert, als das Flugzeug bereits flog (Abb. 8, [115]). Da der PDE im gepulsten Modus arbeitet, variierte der Schub in der Zeit und es wurden erhebliche Vibrationen und Geräusche erzeugt, so dass das Triebwerk nach 10 Sekunden Betrieb abgeschaltet wurde. So dauerte dieses historische Ereignis nur sehr kurze Zeit und es wurden keine weiteren Flüge durchgeführt, und nach diesem Flug wurde das Flugzeug im Museum abgestellt und die Versuche, den PDE für den Flugzeugantrieb zu verwenden, wurden beendet [45]. Die Einstellung der meisten PDE-Forschungen hing auch mit der Abb. 8 Erster und einziger Flug eines Flugzeugs mit PDE-Antrieb (31. Januar 2008). Der PDE für dieses Flugzeug wurde von einem Team des US Air Force Research Laboratory entwickelt [115]
596 P. Wolański et al. raschen Entwicklung der RDE zusammen, die mehr Vorteile gegenüber der PDE bietet. Dies wird im nächsten Abschnitt dieses Kapitels beschrieben. Mögliche zukünftige Anwendungen des PDE könnten für Lageregelungssysteme (ACS) sein. Ein kleiner PDE, der mit gasförmigem Methan und gasförmigem Sauerstoff angetrieben wird, wurde kürzlich während eines parabolischen Fluges der JAXA-Experimentierrakete in einer Höhe von 165 km getestet und eine erste Analyse hat gezeigt, dass ein solches System für Weltraumanwendungen sehr effektiv sein kann [47]. Ein solcher PDE könnte in Zukunft zur Lageregelung von Raumfahrzeugen oder sogar Raumstationen verwendet werden. Ein realistischerer Ansatz für diesen Zweck wäre jedoch die Verwendung des PDE, der mit gasförmigem Wasserstoff und gasförmigem Sauerstoff betrieben wird. Solche gasförmigen Treibstoffe könnten in der Umlaufbahn durch Wasserelektrolyse mit einem speziell dafür konzipierten System erzeugt werden, das auf elektrischer Energie von Solarzellen des Raumfahrzeugs basiert. Die NASA plante, ein solches System im Weltraum zu testen, aber mit einem kleinen klassischen Raketentriebwerk [48]. In der Zukunft könnte anstelle des klassischen Raketentriebwerks ein PDE oder RDE verwendet werden und würde mit viel höherem Wirkungsgradarbeiten. Allerdings sollten solche Antriebe vor dem Betrieb auf Temperaturen von etwa 100 ◦C vorgeheizt werden, um eine Kondensation von Wasserdampf an den Wänden des Antriebs zu verhindern, da eine solche Kondensation offensichtlich den Wirkungsgrad des Antriebs senken würde. Da die kontinuierliche rotierende Detonation im Vergleich zur gepulsten Detonation vielversprechender erschien, wurde die Arbeit an PDs eingestellt. Es wird erwartet, dass die CRD bald für Anwendungen sowohl für industrielle Gasturbinen als auch für Flugzeugantriebssysteme entwickelt wird. 2.4 Rotierende Detonations-Antriebssysteme (RDE) In den frühen 1960er Jahren führten Voitsekhovskii, Mitrofanov und Topchiyan Experimente mit kontinuierlich rotierenden Detonationen durch [3, 4]. Sie konnten eine rotierende Detonationskammer in Ringform stabilisieren, die mit einer Sauerstoff-Acetylen-Mischung versorgt wurde. Detonationsprodukte aus der Kammer wurden in einen Niederdruck-Auffangbehälter abgegeben. Ein schematisches Diagramm der scheibenförmigen Detonationskammer ist in Abb. 9 dargestellt. Einige Jahre später schlugen Adamson et al. einen Raketentriebwerk mit kontinuierlich rotierender Detonation in einer ringförmigen Kammer vor (siehe Abb. 10) [6] und konnten auch die Grundstruktur der rotierenden Detonationswelle berechnen. Leider waren die Versuche, eine stabile rotierende Detonation an der University of Michigan zu erzielen, nicht erfolgreich [49]. Aus diesem Grund wurde die Forschung an kontinuierlich rotierenden Detonationen (CRD) für viele Jahre unterbrochen. Erst am Ende des letzten Jahrhunderts und zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde die Forschung an CRD fast gleichzeitig in Russland, Polen und Frankreich wieder aufgenommen. Später
Detonative Antriebstechnik 597 Abb. 9 Schematisches Diagramm einer scheibenförmigen Kammer, in der die erste kontinuierlich rotierende Detonation erreicht wurde: 1—ringförmige Detonationskammer, 2— Köpfe der rotierenden Detonationswellen, 3—Zufuhr von frischer detonierbarer gasförmiger Mischung, 4—Abgas von Detonationsprodukten zum Auffangbehälter, 5—PMMAFenster wurde solche Forschung auch in Singapur, Japan, USA und China begonnen [50– 62]. Heutzutage wird solche Forschung auch in Deutschland und Korea durchgeführt, aber die meisten Labore, die solche Forschung betreiben, befinden sich in den USA. 2.4.1 Grundlagenforschung zu RDE Die meisten Forschungen zu CRD werden in ringförmigen Detonationskammern durchgeführt. Als gasförmige Brennstoffe werden oft Wasserstoff oder Methan verwendet, gelegentlich aber auch andere gasförmige Kohlenwasserstoffe. Ein schematisches Diagramm einer solchen Kammer ist in Abb. 11 dargestellt. Die Luft oder das gasförmige Oxidationsmittel wird in der Regel durch einen schmalen Schlitz am Eingang der Kammer zugeführt, während der gasförmige Brennstoff durch viele kleine Löcher nahe dem Einlass an der Kammerwand zugeführt wird. Eine solche Anordnung reicht in der Regel aus, um eine gleichmäßigere Mischung zu erzeugen. Der Initiator der Detonation befindet sich ebenfalls in der Nähe des Kammer-Eintritts. Als Initiator wird am häufigsten eine kleine Hilfsdetonationsrohr verwendet. Ein solcher Detonationsrohr ist an
P. Wolański et al. 598 Treibstoffe Rotierende Welle(n) in einer ringförmigen Kammer Abgase Aerospike-Düse Abb. 10 Schematisches Diagramm des Raketentriebwerks mit ringförmiger Detonationskammer, vorgeschlagen von Adamson und rekonstruiert von M. Kawalec Abb. 11 Schematisches Diagramm einer Detonationskammer, die am häufigsten für die Grundlagenforschung zu RDE verwendet wird [14, 60] Druckmessumformer Initiator Abgase Kraftstoffeinspritzung Kontaktfläche Schock Luft Rotierende Detonationsfront der Seitenwand des RDE befestigt. Die ruhende stöchiometrische brennbare Mischung im Rohr wird gezündet, was zur schnellen Entwicklung der Detonation im Zündrohr führt. Die Detonation breitet sich in Richtung des Endes aus, das mit dem RDE verbunden ist, wo sie sich in die frische Mischung ausdehnt, sie zündet und eine tangentiale Ausbreitungsrichtung der Detonation erzwingt. Andere Zündoptionen sind elektrische Entladung, Funken mit ausreichender Energie, um die Detonation direkt zu initiieren, oder um den Prozess der schnellen
Detonative Antriebstechnik 599 Flammenbeschleunigung und den Übergang in die Detonation einzuleiten. In der experimentellen Kammer können normalerweise einige Druckwandler installiert werden, um den Druck und die Struktur der rotierenden Welle/Wellen sowie die Stabilität oder verschiedene Betriebsmodi der Kammer zu messen. Eine typische Druckhistorie, die während des stabilen Betriebs der Kammer aufgezeichnet wurde, die mit einer Wasserstoff-Luft-Mischung versorgt wurde, ist in Abb. 12 dargestellt. Die ringförmige Detonationskammer ist nur eine von vielen möglichen Konfigurationen von Detonationskammern, die zur Unterstützung der Ausbreitung der CRD verwendet werden könnten. Einige verschiedene Konfigurationen, die am häufigsten für experimentelle Forschung verwendet werden, sind in Abb. 13 dargestellt. Neben diesen Konfigurationen gibt es auch andere Konfigurationen wie ringförmige mit unterschiedlichen Durchmessern der Einsätze, konische Einsätze und viele andere mögliche Geometrien [16]. Am häufigsten wird sowohl gasförmiger Brennstoff als auch Oxidationsmittel unter kritischen oder überkritischen Bedingungen zugeführt, um die Anwesenheit von zwei Phasen im Versorgungssystem zu vermeiden, da flüssige und gasförmige Phasen des gleichen Materials in der Regel recht unterschiedliche thermische Eigenschaften haben. Manchmal kann eine der Komponenten, wie der Brennstoff (z. B. Kerosin), in flüssiger Form eingespritzt werden, wenn seine Siedetemperatur hoch ist. In diesem Fall beginnt die Verdampfung des Brennstoffs nach der Einspritzung in die Brennkammer. Bis jetzt wurde flüssiges Oxidationsmittel nicht mit gasförmigen Brennstoffen verwendet. Aber für Studien von Gemischen mit flüssigen Brennstoffen wird oft gasförmiger Sauerstoff sowie sauerstoffangereicherte Luft verwendet, um die für eine stabile Detonation notwendigen Bedingungen zu erreichen. Die typischsten Bedingungen für die Einspritzung der detonierbaren Gemischkomponenten sind in Abb. 14 dargestellt. Wenn die Detonationsfront entlang des Injektor bewegt, sind drei Fälle von Strömung möglich, abhängig vom verwendeten Injektor. Wenn der Druckabfall über den Injektor (P0 − Pw) hoch genug ist, um die Strömung vom Injektor Abb. 12 Typische Druckmessungen in einer ringförmigen Detonationskammer während der stabilen Detonation der Wasserstoff-Luft-Mischung am Institut für Wärmetechnik der Technischen Universität Warschau [14]
P. Wolański et al. 600 Kraftstoff Kraftstoff Kraftstoff Oxidationsmittel Oxidationsmittel Oxidationsmittel Oxidationsmittel Oxidationsmittel Oxidationsmittel Kraftstoff Kraftstoff Kraftstoff Kraftstoff Oxidationsmittel Oxidationsmittel Kraftstoff Kraftstoff Oxidationsmittel Oxidationsmittel Kraftstoff Kraftstoff Oxidationsmittel Oxidationsmittel Kraftstoff Abb. 13 Grundkonfigurationen der am häufigsten verwendeten Geometrie von Detonationskammern, von M. Kawalec Injektor Kraftstoff/ Oxidationsmittel Wand der Einspritzdüse Injektor Kraftstoff/ Oxidationsmittel Detonationswelle Injektor Kraftstoff/ Oxidationsmittel Detonationswelle Detonationswelle Wand der Einspritzdüse Wand der Einspritzdüse Abb. 14 Mögliche Einspritzbedingungen für Brennstoff und Oxidationsmittel: a Einspritzung im Überschall (Pw < Pcr), b Einspritzung im Unterschall (Po > Pw > Pcr), und c keine Einspritzung (Pw > Po) (umgekehrte Strömung) [61] zu drosseln, dann ist die Einspritzung im Überschall (a). Dies kann passieren, wenn die Detonationswelle sich dem Ort der Brennstoff- und OxidationsmittelEinspritzung nähert. Wenn der Druck an der Wand Pw höher ist als im Fall (a) aber immer noch niedriger als der Versorgungsdruck P0 dann ist die Einspritzung im Unterschall (b). Dies tritt nur für den Fall auf, wenn der Versorgungsdruck Po höher ist als der Druck hinter der Detonationsfront. Der letzte Fall (c) tritt auf, wenn die Detonationswelle vor den Injektoren vorbeizieht. Der Druck an der Wand Pw ist für kurze Zeit höher als der Versorgungsdruck P0 und es findet keine Injektion oder umgekehrte Strömung statt. Eine detailliertere Beschreibung der Einspritzbedingungen in die Detonationskammer finden Sie in [61].
Detonative Antriebstechnik 601 Das Einspritzsystem ist verantwortlich für die Mischbildung und die verbesserte Vermischung beider Gemischkomponenten ist wichtig für die Wirksamkeit und Stabilität der Detonation. Andererseits haben die Druckverluste bei der Einspritzung der Mischung in die Detonationskammer einen erheblichen Einfluss auf den Gesamtdruckgewinn, der durch detonative Verbrennung erzeugt werden könnte, so dass das richtige Design des Einspritzsystems eines der wichtigsten Elemente des RDE ist. Wie bereits erwähnt, wurde die experimentelle Forschung an CRD zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts hauptsächlich am Institut für Hydrodynamik in Novosibirsk, Russland [50, 51, 53, 56], an der Technischen Universität Warschau, Polen [52, 54, 55, 60, 61], ENSMA und MBDA, Frankreich [57–59], Singapur [61], und später in Laboren in den USA, China, Japan und anderen Ländern wieder aufgenommen. Die meisten Forschungen wurden in zylindrischen Kammern durchgeführt, aber auch der Einsatz von Scheibenkammern wurde berichtet. Am Institut für Hydrodynamik in Novosibirsk wurde die Kompensationsfotografietechnik verwendet, um die Detonationsstruktur aufzuzeichnen [56, 62], während in anderen Laboren die Druckaufzeichnung meist die primäre Informationsquelle für den Prozess in der Detonationskammer war. Auch Hochgeschwindigkeitsfotografie ist eine zusätzliche Informationsquelle, insbesondere für die Struktur der Detonationswelle(n). Ein typisches Bild, das die Struktur und die Stabilität der Detonation zeigt, ist in Abb. 15 [56] dargestellt. Es ist zu sehen, dass die Struktur der rotierenden Detonation für die getesteten Mischungen regelmäßig und stabil ist. Auch am Institut für Wärmetechnik der Technischen Universität Warschau wurden viele grundlegende Forschungsarbeiten zu CRD in ringförmigen Detonationskammern für verschiedene gasförmige Gemische wie Mischungen aus Acetylen oder Wasserstoff mit Luft durchgeführt. Mehr als zehn verschiedene Kammergeometrien wurden getestet und eine erhebliche Menge an Daten wurde gewonnen. Ein schematisches Diagramm einer für diese Forschung verwendeten ringförmigen Detonationskammer ist in Abb. 16 [14, 16, 18] dargestellt. Exemplarische Druckaufzeichnungen aus den Experimenten sind in den Abb. 17, 18 und 19 dargestellt. Die Stabilität der Detonationswelle ist ein Problem, das seit dem frühen Beginn der Entdeckung der Detonationsprozesse diskutiert wird. Campbell und Woodhead [63, 64] waren die ersten, die die rotierende Detonationswelle entdeckten und Voitsekhovskii, Mitrofanov und Topchiyan [4, 65] beschrieben erstmals im Detail die komplexe Struktur der gasförmigen Detonation. Die anfängliche Forschung konzentrierte sich auf die Etablierung von kontinuierlich rotierenden Detonationswellen in ringförmigen Kammern. Die anfängliche experimentelle und numerische Forschung zeigt, dass zur Erzielung einer stabilen kontinuierlichen Rotationsdetonationswelle geeignete Anfangsbedingungen erforderlich sind. In einigen Fällen kann jedoch eine zweiköpfige rotierende Detonation, gegenläufige und sehr instabile Detonation erreicht werden. Wenn die Einlassbedingungen nicht ausreichen, um die Detonation zu unterstützen, kann die rotierende Detonation versagen und es kann nur eine deflagrative Verbrennung erreicht werden.
P. Wolański et al. 602 (c) Aceton/O2 (a) Detonationsdiagramm (d) Kerosin/O2 (flüssig) Abb. 15 Kontinuierliche rotierende Detonationswellenstruktur in einer zylindrischen Kammer, ermittelt für verschiedene Gemische [56] Abb. 16 Ringförmige Detonationskammer am Institut für Wärmetechnik der TU Warschau: schematisches Diagramm einer ringförmigen Detonationskammer (links) und Ansicht des Luftund Brennstoffversorgungssystems und der ringförmigen Detonationskammer, die mit dem Auffangbehälter verbunden ist (rechts) [14, 16, 18] Um das Kriterium für die Stabilität der Detonationswelle zu bewerten, betrachten wir ein einfaches System einer rotierenden Detonationswelle, die sich im ringförmigen Kanal ausbreitet. Brennstoff und Oxidationsmittel werden von einem Ende in die ringförmige Kammer eingespeist und die Detonation breitet sich in tangentialer (umlaufender) Richtung aus, wobei sie das Gemisch vor ihr (oder hinter der zuvor fortschreitenden Detonationsfront) verbraucht. Um einen solchen Prozess kontinuierlich fortsetzen zu können, ist es notwendig, ein ausreichendes Volumen an frischem Gemisch zu erzeugen, in dem die herannahende Detonationsfront sich ausbreiten kann. Ist dieses Volumen nicht ausreichend
Detonative Antriebstechnik P [bar] 603 P [bar] Zeit [s] V[m/s] Zeit [s] Zeit [s] Abb. 17 Kammerdurchmesser 140/150 mm, C 2 H 2 -Luft Gemisch, Po = 1 bar [16, 18] groß, wird die Detonation fehlschlagen. Es kann angenommen werden, dass das Volumen, in dem die Detonation sich ausbreiten kann, die Größe haben sollte, um eine kritische Anzahl von Detonationszelle(n) aufzunehmen, die bei gegebener Geometrie die Ausbreitung der Detonation unterstützen wird. Ist das erzeugte Gemischvolumen zu klein, wird die Detonation fehlschlagen, jedoch können nahe den kritischen Bedingungen instabile Ausbreitungen beobachtet werden [14, 16, 66]. Andererseits, wenn die Zufuhr von frischem Gemisch ausreichend groß ist, wird eine Multi-Detonationfronten gebildet (zwei oder mehr Detonationsfronten
P. Wolański et al. P [bar] 604 P [bar] Zeit [s] V[m/s] Zeit [s] Zeit [s] Abb. 18 Kammerdurchmesser 140/150 mm, H 2 -Luft Gemisch, Po = 1 bar [16, 18] breiten sich in eine oder entgegengesetzte Richtung(en) aus). So kann in dem ringförmigen Kanal eine einzelne oder mehrfrontige Detonationswelle sich ausbreiten. Aber wenn die Zufuhr von frischem Gemisch nicht ausreichend sein wird, dann wird zunächst eine Oszillation beobachtet und die Detonation wird fehlschlagen. Abb. 20 [16] zeigt ein einfaches System unter Betrachtung. Von der linken Seite wird frisches Gemisch in die ringförmige Kammer eingespeist und die Detonationsfront breitet sich in Umfangsrichtung von rechts nach links aus (im Uhrzeigersinn drehend, hinten nach vorne schauend (ALF)). Um eine stabile
Detonative Antriebstechnik 605 Abb. 19 Kammerdurchmesser 85/95 mm, C 2 H 2 -Luft Gemisch, Po = 1 bar [18] Detonation aufrechtzuerhalten, muss das Gemisch eine Zone besetzen, in der die kritische Anzahl von Detonationszellen erzeugt werden kann. Die Länge dieser Zone ist als lcr markiert. Wenn die Länge dieser Zone kleiner ist als lcr, wird die Detonation zunächst instabil sein und dann fehlschlagen. Wenn diese Zone größer ist, werden schließlich zwei Detonationsfronten erzeugt und somit wird die Länge der Zone auf einen Wert nahe dem kritischen reduziert (weniger Zeit wird zur Verfügung stehen, um die Zone mit dem frischen Gemisch zu füllen). Wenn man die kritische Länge (Volumen) kennt, die mit der frischen Mischung gefüllt werden muss, kann man die notwendigen Bedingungen zur Unterstützung einer stabilen Ausbreitung der CRD in einer ringförmigen Kammer bewerten. Durch eine detaillierte Analyse kann man die folgende Bedingung für die Stabilität der CRD [67] ermitteln. W= Vmix lcr · h · uD (8) wo: Vmix ist das kritische Volumen des frischen Gemisches, das vor einer Umdrehung der Detonationswelle um den Umfang der ringförmigen Kammer zugeführt werden muss, lcr ist die kritische Länge der Detonationsfront, uD ist die Geschwindigkeit der rotierenden Detonationswelle, und h ist die Kanalhöhe. Eine detailliertere Erklärung findet sich in [67]. Kennt man alle Parameter, kann man leicht die Anzahl der Detonationswellen berechnen. Wenn W gleich 1, 2,
P. Wolański et al. 606 Schicht aus brennbarem Gas Ausgang Kontaktfläche Schock Rotierende Detonationsfront Abb. 20 Schematische Darstellung einer ringförmigen Detonationskammer mit angegebenen Abmessungen und auch kritischer Länge (Volumen) der Detonationsfront, die notwendig ist, um CRD zu unterstützen [16] …, oder n ist, dann wird man in der Kammer 1, 2, …, oder n Detonationsfronten beobachten, die sich in eine Richtung ausbreiten. Wenn W etwas kleiner als eins ist, dann wird zuerst eine instabile Detonation beobachtet. In diesem Fall wird nach einer Umdrehung der Detonationswelle in der ringförmigen Kammer das frische Gemisch nicht in der Lage sein, ein ausreichendes Volumen der Kammer zu füllen und die Detonation wird beginnen zu zerfallen (und sich somit mit geringerer Geschwindigkeit ausbreiten). Die geringere Ausbreitungsgeschwindigkeit wird dazu führen, dass die Zeit für eine Umdrehung der Detonationswelle zunimmt und somit mehr frisches Gemisch in die Kammer gelangt. Daher wird die Detonation beschleunigen und der Prozess wird sich immer wieder wiederholen, was eine Art von galoppierender Rotationsdetonation erzeugt. Typische Beispiele für einen solchen Prozess sind in [67] dargestellt. Der Mechanismus solcher galoppierenden Rotationsdetonationen unterscheidet sich von der klassischen galoppierenden Detonation, aber das Verhalten der Frontwellengeschwindigkeit ist sehr ähnlich. Wenn W viel kleiner als eins ist, wird die rotierende Detonation versagen und eine Deflagrationsverbrennung wird beobachtet. Um W genau zu bewerten, ist es notwendig, alle Parameter zu kennen, die für diese Berechnung verwendet werden. Die meisten dieser Parameter können relativ leicht ermittelt werden, aber der einzige unsichere Parameter, der für diese Berechnungen verwendet werden sollte, ist lcr. Die kritische Länge dieser Zone wird von vielen Parametern abhängen, im Grunde aber von dem Anfangsdruck und der Temperatur, der Gemischzusammensetzung und ihrer Gleichmäßigkeit (oder nicht-idealen Vermischung von Brennstoff
Detonative Antriebstechnik 607 und Oxidationsmittel) und der Kanalgeometrie. Daher wird die Bewertung des lcr für verschiedene Gemische, verschiedene Anfangsdrücke und Temperaturen, verschiedene Geometrien und verschiedene Systeme der Mischungsbildung eine der wichtigsten Aufgaben für die zukünftige Entwicklung von Antriebssystemen auf Basis von rotierender Detonation sein. Der zuvor beschriebene Mechanismus der Detonationswellenstabilität wird als Wolanski-Wellenstabilitätskriterium bezeichnet [69]. Eine detaillierte Analyse der Detonationswellenstabilität als Funktion der Massenzufuhr des Gemischs wurde erstmals von Xie et al. durchgeführt [71, 72]. Mehrere Tests wurden an einer kleinen ringförmigen Brennkammer (Durchmesser von 70 mm) eines Raketentriebwerks durchgeführt. Das Triebwerk wurde mit einem Gemisch verschiedener Zusammensetzungen und unterschiedlicher Massenströme versorgt. Während der Tests mit einem sehr niedrigen Massenstrom wurde nur der Deflagrationsmodus beobachtet. Nach Erhöhung des Massenstroms wurden einige Detonationsinstabilitäten beobachtet, wie hochfrequente chaotische Instabilität, niederfrequente Bulk-Modus-Instabilität, Reinitiierung der Detonation und sogenannte Wachs-Schwinden-Instabilität (siehe Abb. 21). Hohe Massenströme (höher als 200 g/s für die getestete Brennkammer) führten zu einer stabilen Detonation (siehe Abb. 21 (unten rechts)) für ein breites Spektrum der Mischungszusammensetzung (φ = 0,6–1) (Abb. 22). In diesem Diagramm werden vier verschiedene Regime unterschieden: schnelle Deflagration, darüber das Regime der instabilen Detonation, dann quasi-stabile Detonation und schließlich stabile Detonation. Ähnliche experimentelle Studien der Wasserstoff-Luft-Mischung wurden von Yuhui Wang et al. durchgeführt [73]. Eine etwas größere Brennkammer (Durchmesser von 100 mm) wurde mit einem unterschiedlichen Massenstrom von Luft und einem konstanten Massenstrom von Wasserstoff (10 g/s, Abb. 23) versorgt. Als der Luftmassenstrom bei konstantem Wasserstoffstrom erhöht wurde, variierte der Verbrennungsmodus. Deflagration und diffusive Verbrennung, mehrere gegenläufig rotierende Detonationswellen, longitudinale gepulste Detonation und eine einzelne rotierende Detonationswelle traten auf. Sowohl longitudinale gepulste Detonation als auch eine einzelne rotierende Detonationswelle wurden zu unterschiedlichen Zeiten im gleichen Betrieb beobachtet. Sie konnten zwischen einander wechseln, und die Entwicklung der Richtung hing von dem Luftdurchfluss ab. Bei einem festen Massenstrom von Wasserstoff in allen Experimenten traten die Betriebe mit einer einzelnen rotierenden Detonationswelle bei Äquivalenzverhältnissen unter 0,60 auf. Auch Anand et al. [74] führten Experimente an einem H2-Luft RDE durch und beobachteten verschiedene Modi der instabilen Detonation, die als chaotisch, wachsend und schwindend sowie als longitudinale Pulsation in der ringförmigen Detonationskammer bezeichnet werden. Detaillierte Analysen vieler Probleme, die mit verschiedenen Aspekten von CRD-Betrieben für gasförmige Gemische zusammenhängen, sowie einige Forschungen, die für verschiedene flüssige Brennstoffe, wie Propan und andere, durchgeführt wurden, finden sich in vielen Publikationen [13, 14, 16].
P. Wolański et al. 608 Druck [MPa] Verteilerdruck [MPa] Druck [MPa] Verteilerdruck [MPa] Verbrennungswelle Druck im Luftplenum Druck im Plenum H2 Verbrennungswelle Druck im Luftplenum Druck im Plenum H2 Zeit(ms) Druck [MPa] Verteilerdruck [MPa] Druck [MPa] PCB1 PCB4 Druck im Luftplenum Druck im Plenum H2 Verteilerdruck [MPa] Zeit(ms) Verbrennungswelle Druck im Luftplenum Druck im Plenum H2 Zeit(ms) Zeit(ms) Abb. 21 Aufzeichnungen von schnell wechselnden Drücken verschiedener Verbrennungsprozesse: schnelle Deflagration (oben links), hochfrequente chaotische Instabilität (oben rechts), niederfrequente Bulk-Modus-Instabilität (unten links), stabiler Detonationsprozess (unten rechts) [71] Massendurchsatz der Luft (g/s) Stabile Detonation Quasistabile Detonation Instabile Detonation Schnelle Deflagration Grenze der schnellen Deflagration , , , , , , , Abb. 22 Betriebsdiagramm der Stabilität für eine getestete kleine Detonationskammer, die mit Wasserstoff und Luft versorgt wird [71]
Detonative Antriebstechnik 609 , Luft: 350 g/s RDW-Zyklus: 0,360 ms , , Druck [MPa] Druck [MPa] , , , , , , , , Zeit (s) , , , , , Luft: 510 g/s , , , , , Luft: 636 g/s RDW-Zyklus: 0,256 ms , Druck [MPa] Druck [MPa] Ein LPD-Zyklus , , , , , , , , Zeit (s) , , , , , , , , Zeit (s) , , Abb. 23 Verschiedene Verbrennungsmodi: Deflagration und diffusive Verbrennung (oben links), mehrere gegenläufig rotierende Detonationswellen (oben rechts), longitudinale gepulste Detonation (LPD) (unten links) und einzelne rotierende Detonation (unten rechts) [73] 2.4.2 Forschung zu Anwendungen des CRD auf Gasturbinen Flugzeugtriebwerke haben bereits nahezu maximalen Wirkungsgrad erreicht, daher gibt es nun Versuche, eine neue Technologie zu finden, die die Leistung des Antriebs verbessern kann. Im Allgemeinen konzentriert sich die Forschung auf die Entwicklung der neuen Verbrennungstechnologie, die zu einer Erhöhung des Drucks in den Brennkammern führen wird, der sogenannten Druckgewinnverbrennung (PGC) [14, 16]. PGC hat das Potenzial, die Zyklusleistung des Antriebs erheblich zu verbessern. Wie bereits erwähnt, ist eines der vielversprechendsten PGC-Systeme die Anwendung von Detonation anstelle von Deflagration in der Brennkammer und der vielversprechendste Weg ist die Verwendung von CRD. Die erste Forschung zu möglichen Anwendungen des CRD auf Gasturbinen wurde am Institut für Luftfahrt in Warschau (jetzt ŁukasiewiczForschungsnetzwerk-Institut für Luftfahrt) durchgeführt [75]. Die Forschung dauerte fünf Jahre und endete mit Tests der ringförmigen Detonationskammern, die mit dem GTD-350-Triebwerk integriert waren. Der GTD-350 wurde ausgewählt, da es bei dieser Triebwerkskonfiguration möglich war, die klassische Verbrennungskammer ohne jegliche Modifikationen an der rotierenden Struktur des Triebwerks durch die Detonationskammer zu ersetzen. Ein schematisches Diagramm dieses Triebwerks ist in Abb. 24 dargestellt. Für die Erprobung einer neuen Detonations-
610 P. Wolański et al. Abb. 24 Schematisches Diagramm des ursprünglichen GTD-350 Turbinenhubschrauberantrieb, der für die Erprobung der Detonationskammer verwendet wurde: 1—Verbrennungskammer, 2—Starter-Injektor und Zündkerze, 3—Kompressor-Luftzufuhrrohr, 4—Kompressorturbine, 5—Leistungsturbine, 6—Abgasauslass, 7—Getriebe (Antriebswellen-Drehzahlreduzierer), 8— Antriebswelle, 9–Elektrostarter, 10—Pumpen-Regler, 11—Kompressor [75] kammer war es notwendig, ein neues Kraftstoffversorgungssystem und eine neue und leistungsfähigere Zündvorrichtung zu entwickeln. Einige Detonationskammern wurden entworfen und getestet, um die optimale Konfiguration zu finden. Anfangs wurde die Kammer nur mit Jet-A-Kraftstoff getestet, aber da es schwierig war, eine stabile Detonation für ein Gemisch dieses Kraftstoffs mit Luft zu erzielen, wurde die Detonierbarkeit für Jet-A-Kraftstoff mit Zusätzen getestet. Die Zugabe von Isopropyl Nitrat (IPN), das zur Verbesserung der Detonationsstabilität verwendet wurde, war nicht effektiv. Um die Detonationsstabilität zu verbessern und die Verdampfung von zerstäubten Jet-A-Tröpfchen zu erhöhen, wurde der Kraftstoff auf eine Temperatur von etwa 170 ◦C vorgeheizt. Aber auch das brachte keine positiven Ergebnisse. Nur die Zugabe von Wasserstoff ermöglichte es, bei fast allen getesteten Detonationskammern, die stabile detonative Verbrennung zu initiieren und aufrechtzuerhalten. Aber die besten Ergebnisse wurden für die Gemische von gasförmigem Wasserstoff mit Luft erzielt. Die schematischen Diagramme der verschiedenen ringförmigen Detonationskammern, die während der Projektdauer getestet wurden, finden Sie in [14, 16, 75, 76]. Detonationskammern wurden auf dem speziell entworfenen Prüfstand getestet, auf dem komprimierte Luft aus der Hochdruckanlage zugeführt wurde. Die Luftzufuhr konnte im Bereich von 1–4 kg/s variiert werden und der Anfangsdruck konnte bis zu 4 bar betragen. Zusätzlich konnte die zugeführte Hochdruckluft auf eine Temperatur von bis zu 130 ◦C vorgeheizt werden, um die Bedingungen der Luft vor der Verbrennungskammer des GTD-350Triebwerks zu simulieren. Ein schematisches Diagramm des Prüfstands mit einer der vielen getesteten Kammern ist in den Abb. 25 und 26 dargestellt. Um die Gleichmäßigkeit der Gemischbildung zu verbessern, wurden die Jet-A-Injektoren vor die Düse verlegt, an der der gasförmige Wasserstoff eingespritzt wurde. In den Abb. 27 und 28 kann man Schwankungen des gemessenen
Detonative Antriebstechnik Wasserstoff 611 DURCHFLUSSMESSER Stickstoff Luft Abb. 25 Diagramm der ringförmigen Detonationskammer, die an die Luftversorgungsanlage und die Versorgungssysteme der gasförmigen und flüssigen Kraftstoffe angeschlossen ist: 1— Ansaugluft aus der Hochdruckanlage, 2—Wasserstoffversorgungssystem, 3—ringförmige Detonationskammer, 4—Druckluft-Jet-A-Versorgungssystem [75] Drucks in der Detonationskammer als Folge der Wasserstoffzugabe sehen. Auch in einer Kammer wurde die Außenhülle mit der gleichen Menge an zusätzlicher Luft aus der Hochdruckdämmung gekühlt. Diese Kühlungsluft wurde hinter der Detonationszone in die ringförmige Kammer eingespritzt und bildete eine Kühlungsschicht an der Außenwand der Kammer. Die in den Abb. 25 und 29 dargestellten Kammern wurden für die abschließenden Tests mit an den Turbinenteil des GTD-350-Triebwerks angeschlossenen Kammern verwendet. Details zu den Tests einer ausgewählten ringförmigen Detonationskammer, die mit dem Turbinenteil des Triebwerks verbunden ist, und eine Beschreibung dieser Tests finden Sie in [16, 75]. Während der Tests war es notwendig, den Kompressor ähnlich zu belasten, wie wenn er die Luft in die Brennkammer in einer konventionellen Gasturbine komprimiert, da in diesen Tests die die ringförmige
P. Wolański et al. 612 Abb. 26 Bild der Flamme am Ausgang der Forschungskammer für den Fall der deflagrativen Verbrennung des Jet-A-Luftgemisches (links) und der detonativen Verbrennung des gasförmigen Wasserstoff-Luftgemisches (rechts). Beachten Sie den signifikanten Unterschied in der aus der Kammer austretenden Flamme [75] Test 10. K1 JetA Ende Druck [bar] Druck [bar] JetA Start Zeit [s] Zeit [s] Abb. 27 Aufgezeichnete Druckverläufe in der ringförmigen Detonationskammer für das Jet-ALuftgemisch. Luftmassenstrom beträgt 0,75 kg/s, Kraftstoffmassenstrom beträgt 0,035 kg/s und Äquivalenzverhältnis (φ) beträgt 0,68 [16] H2 Ende Druck [bar] Prüfung 05, K1 JetA Ende Druck [bar] H2 Start JetA Start Zeit (s) Zeit (s) Abb. 28 Aufgezeichnete Druckverläufe in der ringförmigen Detonationskammer für das Jet-AWasserstoff-Luft-Gemisch. Die Luftmassendurchfluss beträgt 2,0 kg/s, die Jet-A-Massendurchfluss beträgt 0,021 kg/s, die Wasserstoffmassendurchfluss beträgt 0,025 kg/s und das Äquivalenzverhältnis (φ) beträgt 0,58 [16]
Detonative Antriebstechnik 613 Wasserstoff Abb. 29 Steuerungssystem des Wellenturbine mit Detonationsverbrennung: 1—Luftkompressoreinheit, 2—Luftstromregler, 3—Einlassstrom-Verteilungsgitter, 4—VenturiLuftmassenstrommessung, 5—Detonationsbrennkammer, 6—Wellenturbine GTD-RD, 7—Bremse, 8—Bremsenregler, 9—Jet-A-Einspritzsystem (mit Stickstoff unter Druck), 10—JetA-Durchflussmesser, 11—elektrohydraulischer Verstärker WLP-4, 12—Computer, 13—Luftstromdifferenzdruck, 14—Wasserstoffversorgungssystem, 15—Wasserstofffluss-Differenzsensor, 16—Luftauslass mit Rückschlagventil (aus [75]) Detonationskammer speisende Luft von einem externen Hochdruckversorgungssystem kam. Zu diesem Zweck wurden Drosseldüsen (Position 16 in Abb. 29) in den Kompressorauslässen angebracht, deren Kapazität so gewählt wurde, dass der Luftdruckverlauf stromabwärts des Kompressors dem im konventionellen System des GTD-350-Triebwerks entsprach. Vor jedem Test wurde die Luft von der Hochdruckinstallation geliefert und durchlief die ringförmige Detonationskammer ohne Verbrennung und expandierte dann durch alle Turbinenstufen. Unter diesen Bedingungen lief der Kompressor des Triebwerks mit einer Geschwindigkeit nahe dem Leerlaufbereich auf Meereshöhe. Etwa 5 s nach der Kraftstoffeinspritzung und Zündung in der ringförmigen Kammer wurde das Triebwerk in den Betriebsbereich ähnlich „Cruise II“ gebracht (die Drehzahl des Kompressorrotors sollte 84 % der maximalen Geschwindigkeit betragen). Unter diesen Bedingungen arbeitete das Triebwerk stabil und reagierte auf Änderungen des Kraftstoffdurchflusses. Start-ups der Rotationsdetonation in der ringförmigen Kammer waren immer erfolgreich, wenn Wasserstoff in die Kammer zugeführt wurde. Detonation trat nur in Fällen auf, in denen das Gemisch sehr mager war, aber die Stabilität der CRD war unterschiedlich für Jet-A-Kraftstoff und Wasserstoff (siehe Abb. 30). In solcher Konfiguration wurde die ringförmige Detonationskammer unter verschiedenen Kraftstoffzufuhrmengen stetig betrieben und die Abhängigkeit der Triebwerkleistung als Funktion des Kraftstoffverbrauchs konnte ermittelt werden. Dies ermöglichte die Berechnung der tatsächlichen Abhängigkeit der Triebwerkleistung als Funktion der Kraftstoff(zufuhr)rate und ermöglichte die Bewertung des Wirkungsgrads des Systems, das mit verschiedenen Kraftstoffen arbeitet. Es wurde festgestellt, dass unter den getesteten Bedingungen die detonative
P. Wolański et al. 614 ­ erbrennung von Jet-A-Kraftstoff weniger effektiv ist als die Verbrennung solchen V Kraftstoffs in der klassischen Kammer, die einen deflagrativen Verbrennungsmodus verwendet (siehe Abb. 26). Dies ist höchstwahrscheinlich auf die teilweise Verbrennung des flüssigen Kraftstoffs in der Detonationsfront zurückzuführen, aber auch Wärmeverluste können zum geringen Wirkungsgrad beitragen. Der ursprüngliche Brenner wurde für deflagrative Verbrennung optimiert, während für die detonative Verbrennung keine Optimierung durchgeführt wurde. Im Falle der Detonation von gasförmigem Wasserstoff zeigte das Triebwerk einen um mindestens 5–7 % höheren Wirkungsgrad [16, 75, 76] (siehe Abb. 31), was auf die unverbrannten Kohlenwasserstoffe und CO im Falle von Jet-A-Kraftstoff zurückzuführen sein könnte. Die Produktion von CO ist schnell, während sein Ausbrennen zu CO2 eine langsame Reaktion ist. Neue Initiativen des Unternehmens Airbus zur Entwicklung eines mit Wasserstoff betriebenen Flugzeugs werden den Weg für die Einführung eines TurbojetTriebwerks mit Detonationsbrennkammer ebnen, da, wie bereits bewiesen wurde, einen wesentlich höheren Wirkungsgrad bei Anwendungen von TurbojetTriebwerken erreicht werden kann, die CRD in der Brennkammer nutzen [13–16]. 2.4.3 Entwicklung des Raketen RDE , , Zeit [S] , , Geschwindigkeit [m/s] Geschwindigkeit [m/s] Der erste Versuch für mögliche Anwendungen des CRD in Raketentriebwerken wurde an der University of Michigan durchgeführt [6, 7], aber wie bereits erwähnt, war der Versuch nicht erfolgreich [71]. Erst zu Beginn des aktuellen Jahrhunderts wurde solche Forschung an der Technischen Universität Warschau in Polen wieder aufgenommen [14, 16, 54, 55, 116] und bei ONERA, MBDA und ENSMA in Frankreich [57–59]. Am Institut für Wärmetechnik der Technischen Universität Warschau wurden zwei verschiedene Modelle von gasförmigen Raketentriebwerken gebaut und in speziellen Vakuumkammern für verschiedene Kombinationen von gasförmigen Treibstoffen getestet [16]. Ein schematisches Diagramm und ein Bild eines solchen Triebwerks sind in Abb. 32 dargestellt. Das Triebwerk hat eine ringförmige Detonationskammer , , Zeit [S] , , Abb. 30 Vergleich der Stabilität der CRD für dden Betrieb mit Jet-A (links) und Wasserstoff (rechts) [75]
Detonative Antriebstechnik 615 Jet-A1-Kraftstoff Werk GTD-350 Treibstoff Wasserstoff Q Strahl-A1 [kg/h] (gleichwertig) Abb. 31 Vergleich des Kraftstoffverbrauchs des GTD-350-Triebwerks mit einer ringförmigen Detonationskammer, die mit Jet-A-Kraftstoff und mit Wasserstoff betrieben wird. (Wasserstoff reduziert auf Kerosin im Verhältnis 1 kg H 2 entspricht 2,8 kg Kerosin) [16, 75] Kraftstoff Abb. 32 Schematisches Diagramm des Raketendetinationstriebwerks (links) und Bild der Triebwerkmontage vor dem Anschluss an den Entsorgungstank (rechts) [16, 18, 116] und eine Aerospike-Düse. Das Triebwerk wurde an die Vakuumkammer angeschlossen und die simulierten Höhentests wurden für verschiedene Treibstoffkombinationen durchgeführt. Typische Druckaufzeichnungen aus den durchgeführten Tests sind in Abb. 33 dargestellt, aber detailliertere Beschreibungen dieser Experimente finden sich in [14, 16].
P. Wolański et al. Druck 616 Zeit [ms] Zeit [ms] Zeit [ms] Druck Zeit [ms] Abb. 33 Beispielhafte Druck-Zeit-Historie für rotierende Detonation in Detonationskammer mit Durchmesser 38/46 mm (42/46 mm für Wasserstoff); links-unten: Wasserstoff/SauerstoffGemisch, links-oben: Propan/Sauerstoff-Gemisch, rechts-unten: Methan/Sauerstoff-Gemisch, rechts-oben: Ethan/Sauerstoff-Gemisch [16, 18] Die am häufigsten getesteten Formen von Detonationskammern sind die ringförmigen Kammern, mit der Zufuhr auf der einen Seite und der Düse auf der anderen Seite der Kammer. In einem solchen System scheint eine Aerospike-Düse eine offensichtliche Wahl zu sein, da der Ausgang des Brenners die Form eines Rings hat und die Aerospike-Düse perfekt in die Mitte dieses Rings passt. Numerische Berechnungen der Leistung der Aerospike-Düse mit verschiedenen Längen wurden am Institut für Luftfahrt von Folusiak [77–79] durchgeführt und die Ergebnisse sind in den Abb. 34 und 35 dargestellt. Aus Abb. 35 geht hervor, dass bei reduzierter innerer Pfropfen der Düse der relative Schub nur leicht abnimmt, sodass die Größe und Gewicht der AerospikeDüse erheblich reduziert werden können. Die Anpassung der Düsenleistung an den variierenden Außendruck könnte jedoch die Triebwerksleistung während des atmosphärischen Fluges der Rakete erheblich verbessern. Ein Vergleich der Triebwerksleistung mit verschiedenen Düsen ist in Abb. 36 dargestellt. Man kann erwarten, dass ein Raketentriebwerk, das CRD nutzt, die Brennkammer in Form eines Rings hat, der leicht mit Aerospike-Düsen gekoppelt werden kann. Die Leistung eines solchen Triebwerks wird viel besser sein als die des klassischen Raketentriebwerks mit Glockenformdüse (siehe Abb. 36). Umfangreiche Forschungen zur Leistung des wasserstoffbetriebenen Betriebs einer ringförmigen Detonationskammer wurden am Łukasiewicz-Institut für Luftfahrt durchgeführt. Das Hauptziel dieser Forschung war die Entwicklung
Detonative Antriebstechnik 617 Machzahl-Konturen Relative Schubkraft Abb. 34 Theoretische Berechnung der Leistung der Aerospike-Düse für verschiedene Längen des inneren Abschnitts: a100% Länge, b50% Länge, c25% Länge, d20% Länge, e15% Länge, und f10% Länge [77] Relative Länge der Aerospike-Düse Abb. 35 Theoretische Berechnungen der Schubvariation als Funktion der Länge der AerospikeDüse [77] einer Methode zur Steuerung der Drehrichtung der Detonationswelle(n) in einer ringförmigen Detonationskammer. Dies ist eine der Herausforderungen, die während der Entwicklung der zukünftigen kontinuierlich rotierenden Detonationsantrieben bewältigt werden müssen [81, 82]. Die Kontrolle der Wellenrotationsrichtung und folglich die Abweichungsrichtung der Ströme der heißen Gase wird es ermöglichen, die Form der Statorschaufeln in einer Turbinenmaschine mit rotierender Detonation zu optimieren. Für Raketentriebwerke wird die Kenntnis
618 P. Wolański et al. ISP [m/s] BELL(pc/pe=48.8, Ae/At=6.67) AEROSPIKE IDEAL IN VOLLER LÄNGE AEROSPIKE FULL LENGTH (DesignPoint pc/pe=300) Abb. 36 Variationen des spezifischen Impulses als Funktion der Höhe für verschiedene Düsenkonfigurationen. Düsenleistung (Kammerdruck beträgt 20 bar) und Annahme der Expansion bei isothermen Bedingungen [78] der ­Ausströmrichtung der Gase für eine präzise Steuerung des Raketenflugs notwendig sein. Zunächst wurden Bedingungen für einen stabilen Betrieb gefunden. Ein schematisches Diagramm der experimentellen ringförmigen Kammer ist in Abb. 37 dargestellt und die Druckvariation ist in Abb. 38 zu sehen. Es wurden einige verschiedene Methoden zur Steuerung der Wellenbewegungsrichtung getestet. Die erste war die sequenzielle Initiation. Diese Idee beinhaltete die Verwendung von synchronisierten Initiatoren im Abschnitt des Kanals. Die Initiatoren wurden asymmetrisch an der Außenwand der ringförmigen Kammer platziert. Es wurden einige verschiedene Initiationssequenzen getestet, aber die Ausbreitung der Welle in die gewünschte Richtung war nicht reproduzierbar. Effektiver war die Unterteilung des ringförmigen Kanals. Die einfachste Unterteilung war die Platzierung von Aluminiumfolie im Kanal, aber dieses System konnte in einem Verhältnis von 80% reproduziert werden. Der beste Weg zur Steuerung der Wellenbewegungsrichtung wurde jedoch durch die Einführung einer geringen Kammerexzentrizität im ringförmigen Kanal erreicht. Ein schematisches Diagramm einer solchen Anordnung ist in Abb. 39 dargestellt. Je nach Initiationspunkt (1 oder 2) wurde eine korrekte Ausbreitung der Wellen mit 100% Reproduzierbarkeit aufgezeichnet. Der aufgezeichnete Druck für die Initiation am Punkt 1 ist in Abb. 40 dargestellt. Es ist zu sehen, dass die Reaktionssequenz der Hochgeschwindigkeitsdrucksensoren während des gesamten Prozesses der stabilen rotierenden Detonation gleich bleibt. Die Purdue University [70] hat einen experimentellen Hochdruck-RDE entwickelt und Tests mit Wasserstoff/Luft sowie Methan/Luft-Gemischen durch-
Detonative Antriebstechnik 619 Computer Zündanlage Drucksensoren Initiator Verstärkerkarte O2 /Luft Dynanometer Manometer Druck [bar] Abb. 37 Schematische Darstellung des Prüfstands [91] , , Zeit [s] , , Abb. 38 Druckvariation für die CRD in der ringförmigen Kammer für Wasserstoff-LuftGemisch mit φ = 0,96 [91] geführt. In ihren Forschungen wurden mehrere verschiedene Arten von Detonationswellenverhalten beobachtet. Eine anschließende chemische kinetische Analyse des Zündverzug in der Einspritzphase ermöglichte es, die relativen Größenordnungen der Wärmeabgabe in einem RDE zwischen den Detonationszyklen zu charakterisieren. Diese Analyse zeigt, dass die Wärmeabgabe in der Einspritzphase das Kammerverhalten dominieren und eine stabile Grenzzyklusdetonation bei bestimmten Treibstoffkombinationen über bestimmten Drücken verhindern kann. Diese chemisch-kinetischen Ergebnisse unterstützen die beobachtete Unterschiede im Betriebsverhalten des Antriebs zwischen Tests mit Wasserstoff und Erdgas und sie geben Einblick in die potenziellen Betriebsgrenzen von gasphasigen RDEs in der Zukunft.
P. Wolański et al. 620 Abb. 39 Detonationskammer mit exzentrischem Kanal [91] Initiator Abb. 40 Beispiel für ein Experiment mit dem Initiator Nr. 1. Drei zufällig ausgewählte Zeitfenster. Farbige Punkte - Positionen der piezoelektrischen Sensoren [91] In [67], konzentrierte sich die Studie auf die Identifizierung und Minimierung der Druckverluste bei gleichzeitiger Gewährleistung einer effizienten Mischung. Die direkte numerische Simulation des linearisierten Modells des Detonationsantriebs wurde mit experimentellen Ergebnissen verglichen, und das Wellenverhalten wurde mit der Wellenstruktur und der Strömungsturbulenz korreliert. Die Strömungseigenschaften und die chemische Zusammensetzung der Gase über die Detonationswelle hinweg wurden untersucht, um die Eigenschaften der
Detonative Antriebstechnik 621 Kern x Region: 10,21 cm = 40x/dinj Offener Ausgang ρ [kg/m3] 0,60 0,55 Wandeinlass 6,25 cm = 25 y/dinj Umgebungsluft T0 =297K 0,50 0,45 Offener Ausgang Zulauf vom Vorzündtunnel Vorgemischte Injektoren 14 cm = 56x/dinj 7,6 mm = 3 z/dinj Abb. 41 Voll entwickelte Einspritzstrahlen in einem linearisierten Modell eines Detonationsantriebs, eingefärbt nach Dichte [68] Reaktionszone zu untersuchen. Die Analyse zeigte, dass eine effektive Mischung eine stabile Detonation fördert, und die Einspritzung muss viele verschiedene Einschränkungen erfüllen (Abb. 41). Zusammenfassend ergab die Anwendung von CRD in verschiedenen Antriebssystemen, die Wasserstoff als Treibstoff nutzen, die folgenden wichtigen Errungenschaften: 1. Entwicklung der Detonationsbrennkammer für den GTD-350-Triebwerks, der bei Betrieb mit gasförmigem Wasserstoffkraftstoff eine Verbesserung des Wirkungsgrads um 5–7% im Vergleich zum herkömmlichen Triebwerks, der mit Jet-A-Kraftstoff versorgt wird, zeigte. 2. Effektiver Labortest des gasförmigen RDE mit ringförmiger Detonationskammer und Aerospike-Düsen. 3. Entwicklung einer effektiven Methode zur Steuerung der Detonationswellenrotation in einer Raketentriebwerksbrennkammer. Eine weitere Entwicklung dieser sehr vielversprechenden Technologie ist erforderlich, da sie die Möglichkeit einer effektiven Anwendung der detonativen Verbrennung in vielen industriellen und luft- und raumfahrttechnischen Anwendungen erweitert. Da das Auftreten von Detonationen den Druck erheblich erhöht, ist weniger Kompression vom Kompressor erforderlich. Wenn die zeitgenössische Gasturbine z. B. 10+ axiale Stufen benötigt, um die Luft auf den am Brenner erforderlichen Druck zu komprimieren, dann könnte die Turbine, die mit detonativer Verbrennung arbeitet, nur 2 oder 3 Stufen benötigen. Das bedeutet auch, dass weniger Energie von der Turbine zurückgewonnen werden muss, um den Verdichter anzutreiben, und mehr Energie em Kunden zur Verfügung steht. Daher ist auch der Einsatz von rotierender Detonation für industrielle Gasturbinen erwünscht.
622 P. Wolański et al. 3 Numerische Methoden zur Simulation von Detonationsantrieben Wie bereits beschrieben, können Verbrennungswellen durch reaktive Gemische (homogene und heterogene) in zwei signifikant unterschiedlichen Modi propagieren: Deflagration oder Detonation. Deflagration ist eine Verbrennungswelle, die sich mit Unterschallgeschwindigkeit ausbreitet (typischerweise Zentimeter bis Meter pro Sekunde), und der Druck und die Dichte nehmen über die Flammenfront ab. Detonation erzeugt eine starke Stoßwelle, gefolgt von der Reaktionsfront und breitet sich immer mit einer Geschwindigkeit aus, die in Kilometern pro Sekunde gemessen wird. Sie zeichnet sich durch einen signifikanten Anstieg von Druck und Dichte über die Flammenfront aus. Auch die Temperatur ist hinter der Detonationswelle höher als bei der Deflagration, vorausgesetzt, die Mischungszusammensetzung und die Bedingungen vor diesen Wellen sind gleich. Trotz der stark unterschiedlichen Physik dieser Prozesse werden sie durch die gleichen Gesetze der Fluiddynamik beschrieben. Im Allgemeinen wird die unbeständige Fluidbewegung vdurch einen Satz von partiellen Differentialgleichungen beschrieben, die die Erhaltung von Masse, Impuls und Energie des Fluids mathematisch ausdrücken, begleitet von der Zustandsgleichung. Diese Gleichungen werden oft als Navier-Stokes (N-S) Gleichungen bezeichnet, obwohl formal die von Claude-Luis Navier und George Gabriel Stokes abgeleitete Gleichung die Impulserhaltungsgleichung ist. Alle diese Gleichungen beschreiben im Allgemeinen die Bewegung einer unbeständigen, viskosen (laminaren und turbulenten), wärmeleitenden und kompressiblen Fluid. Wenn chemische Reaktionen vorhanden sind, müssen zusätzliche Spezieserhaltungsgleichungen hinzugefügt werden, zusammen mit Speziesdiffusion und chemischen Reaktionsquelltermen. Da es keine analytische Lösung für diese Gleichungen gibt, benötigt man eine Rechenmethode, um sie numerisch zu lösen. Insbesondere ist die Direkte Numerische Simulation (DNS) die Methode zur Lösung der Gleichungen ohne Turbulenzmodell, so dass alle Turbulenzskalen aufgelöst werden müssen. Von DNS kann man Momentanwerte der interssierenden Größen an jedem Ort des Fluids erhalten. Dies bedeutet sehr hohe Rechenkosten, insbesondere wenn Strömungen bei höheren Reynolds-Zahlen betrachtet werden. Ein kostengünstigerer Ansatz ist die Large Eddy Simulation (LES) Methode und Methoden, die von LES abgeleitet sind, bei denen größere Wirbel direkt gelöst werden und die Existenz kleinerer Wirbel über ein SubskalenTurbulenzmodell berücksichtigt wird. Der kaskadierende Prozess der turbulenten Energieübertragung von großen Wirbeln auf kleineren Wirbeln wird bis zu einer bestimmten Größe von Wirbeln berechnet (abhängig von der lokalen Gitterauflösung). Das Submodell ist verantwortlich für die Berechnung des kaskadierenden Prozesses bei kleineren Skalen, wo die turbulente kinetische Energie der kleinsten Wirbel in Wärme umgewandelt wird. Kürzlich haben LES-Typ-Methoden in industriellen Anwendungen erhöhte Aufmerksamkeit erhalten, aber noch kostengünstigere Methoden sind weiterhin in Gebrauch.
Detonative Antriebstechnik 623 Diese effizienten und kostengünstigen Methoden basieren auf der Lösung einer ensemble-gemittelten Version der Navier-Stokes-Gleichungen, bei denen die momentanen Größen in gemittelte und fluktuierende Teile aufgeteilt werden. Diese Gleichungen sind als Unsteady Reynolds-Averaged Navier-StokesGleichungen (URANS) bekannt und finden sich in nahezu allen Lehrbüchern zur Strömungsdynamik, Computational Fluid Dynamics und in vielen Doktorarbeiten. Der ensemble-gemittelte Teil der Gleichungen bewahrt die langfristige Variation des Strömungsfeldes und der fluktuierende Teil erfordert eine Art von Turbulenzmodell, das das gesamte Spektrum der Wirbel abdeckt. Es wurden mehrere Turbulenzmodelle entwickelt: 1-Gleichungs-Spalart-AllmarasModell, 2-Gleichungs-k − ǫ und k − ω Modelle, 4-Gleichungs-Übergangs-SSTModell, 7-Gleichungs-Reynolds-Stress-Modell, usw. Diese wurden auf mehrere kanonische Tests abgestimmt mittels Modellkonstanten. Die 1- und 2-Gleichungsmodelle sind die beliebtesten, da sie ein Gleichgewicht zwischen Modelltreue und moderaten Rechenkosten darstellen. Das k − ωSST-Modell wird auch oft verwendet, da es in der Lage ist, einige der Einschränkungen der 2-Gleichungs-k − ǫ und k − ω Modelle zu bewältigen. Die URANS-Gleichungen enthalten mehrere zweite Ableitungen, die mit viskose Spannungen, Diffusion und Wärmeleitungstermen verbunden sind. Diese Terme haben einen gewissen, lokalen, Einfluss auf die Lösung. Wenn diese Terme weggelassen werden, kann man die nichtviskosen Euler-Gleichungen erhalten und das System erheblich vereinfachen. Die Euler-Gleichungen liefern oft zufriedenstellende Ergebnisse für sehr günstige Rechenkosten. Dieses günstige Kosten-Nutzen-Verhältnis der Euler-Gleichungen macht sie besonders beliebt bei Forschern, die an der Modellierung von Detonationen arbeiten. Die EulerGleichungen können anderswo gefunden werden (siehe z. B. Folusiak [86]) und werden hier nicht zitiert. Da die URANS- und Euler-Gleichungen bei der numerischen Analyse der Detonation beliebt sind, wurden spezielle numerische Methoden für effiziente Berechnungen entwickelt. Es gibt bestimmte Aspekte, die berücksichtigt werden müssen, bevor ein numerisches Modell ausgeführt wird. Zur Vereinfachung werden wir eine einphasige Strömung betrachten, aber die Erkenntnisse sind auch auf Mehrphasenströmungen anwendbar. Unter vielen kann man auf die folgenden hinweisen: • • • • • • System von Gleichungen, das zur Beschreibung des Problems verwendet wird Geometrie des Kanals Dimensionalität des Problems Verbrennungsmodell Lösungsstrategie, numerische Methoden und Diskretisierung Rand- und Anfangsbedingungen. Diese Liste kann nicht als abgeschlossen betrachtet werden, da einige Fragen von Fall zu Fall geklärt werden müssen. Der Kompromiss zwischen der erforderlichen Genauigkeit des Modells und den akzeptablen Kosten führt zu mehreren Annahmen und Vereinfachungen. In
P. Wolański et al. 624 bestimmten Fällen kann die Anwesenheit von viskosen, diffusiven und Wärmeleitungstermen in den zugrunde liegende Gleichungen notwendig sein, um die grundlegende Physik zu erfassen. Ein Beispiel könnte eine Wechselwirkung des Verbrennungsprozesses mit der Grenzschicht sein, die eine Rolle beim Übergang von Deflagration zu Detonation (DDT) spielen kann. Dies könnte die Verwendung von URANS-Gleichungen erfordern. Die Detonationswelle, einmal voll entwickelt, breitet sich mit hoher Geschwindigkeit aus und in solchen Fällen können die instationäre Euler-Gleichungen verwendet werden, um die Physik ohne Verlust der Allgemeingültigkeit der Lösung zu erfassen. Die Mehrheit der detonativen Antriebssysteme basiert auf einer sehr einfachen ringförmigen Brennkammergeometrie. In vielen Fällen besteht sie aus zwei koaxialen Zylindern mit konstantem Radius. In einigen Fällen werden konische Wände verwendet. Solche einfachen Geometrien erleichtern die schnelle und einfache Vorbereitung des Gitters, erfordern jedoch entweder einige Annahmen bezüglich der einströmenden Mischungsbedingungen (Arten, Geschwindigkeitsund Temperaturprofile, Turbulenzen usw.) oder eine separate Analyse, die der Vorbereitung der Verbrennungsmischung vor dem Detonationsantrieb gewidmet ist. Es ist möglich, beides in einem Modell zu kombinieren, aber Mischvorrichtungen haben in der Regel komplexe Geometrien, die die Vorbereitung des Gitters schwierig und zeitaufwendig machen. Oft müssen Geometrievereinfachungen hinzugefügt werden, um kleine Merkmale zu entfernen, die zu einer erheblichen Erhöhung der Gittergröße führen würden, aber nur geringe Auswirkungen auf die berechneten Ergebnisse haben. Eine Option könnte ein hybrides Tet-Hex-PolyGitter sein, das verschiedene Gittertypen in einem Modell kombiniert. Dieser Ansatz ist in mehreren kommerziellen Codes beliebt. Ein weiterer gängiger Ansatz ist die Reduzierung des Modells auf einen 2-dimensionalen Fall, der oft verwendet wird, wenn die Krümmung des Kanals klein ist (d. h., großer Rohrradius) und die Höhe des Kanals klein ist im Vergleich zur Kanallänge und zum Umfang. Der Vorteil dieser Annahme ist natürlich der geringere Rechenaufwand aufgrund der erheblich reduzierten Zellenanzahl. Ein weiterer Vorteil ist auch die viel einfachere Nachbearbeitung der Ergebnisse, die das Verständnis der Dynamik der Detonationswelle, der Wechselwirkung zwischen kollidierenden Stoßwellen, Wellen mit Wänden, Diskontinuitäten usw. erleichtert. Die 2-dimensionalen Modelle zeigen ihre Stärke, wenn sie mit ein- oder zweistufigen globalen Reaktionen kombiniert werden, die qualitativ und quantitativ gute Ergebnisse liefern. Die Rechenkosten steigen schnell mit der Zunahme der Anzahl der Spezies und chemischen Reaktionen, die von der Analyse verfolgt werden (sowohl in 2D- als auch in 3D-Analysen). Am günstigsten sind die ein- und zweistufigen globalen Reaktionsmechanismen, bei denen die Anzahl der Arten im Modell klein ist. Ein Beispiel könnte eine einfache 1-stufige, 3-Spezies reversible Reaktion sein, die von Świderski [84] betrachtet wurde: 1 H2 + O2 ↔ H2 O 2 (9)
Detonative Antriebstechnik 625 Die Wasserstoffverbrauchsrate wird durch die Arrhenius-Reaktionsgeschwindigkeitsgleichung beschrieben: kH2  Ea = A · exp − B·T  (10) Der präexponentielle Faktor A ist negativ, da der Wasserstoff verbraucht wird. Der Verbrauch von O2 und die Produktion von H2 O stehen in Beziehung zum H2 Verbrauch über die Reaktionsstoichiometrie. Andererseits könnte man ein 9-Spezies, 28-Schritte Reaktionsmodell von Yi et al. [85] für H2–O2–N2 Systeme in Betracht ziehen. Jede Reaktion in [85] wird durch eine Arrhenius-Typ-Gleichung beschrieben, so dass mehrere Auswertungen von rechenintensiven Exponentialfunktionen erforderlich sind, was die Gesamtrechenkosten erhöht. Eine weitere Schwierigkeit, die mit mehrstufigen Reaktionsmodellen verbunden ist, ist, dass sie Änderungen der Spezieskonzentrationen beschreiben, die sehr kleine Zahlen sein können. Daher sind diese Berechnungen anfällig für numerische Fehler, die sich im Laufe des Simulationslaufs ansammeln. Sie sind nur für bestimmte Bereiche von Anfangsdrücken, Temperaturen und Zusammensetzungen des Gemischs anwendbar und decken möglicherweise nicht alle Bedingungen ab, die im Detonationsantrieb auftreten. Die Abhängigkeit der Eigenschaften der Spezies von der Temperatur (siehe JANAF-Tab. [83]) trägt auch stark zum nichtlinearen Verhalten der reagierenden Strömung bei. Bisher wurde kein chemisches Reaktionsmodell für Detonationen optimiert und die Mehrheit der Analysen stützt sich auf einfachere 1- oder 2-Schritt-Modelle. Es wird erwartet, dass CFD-Simulationen eine präzise, physikalische Lösung liefern können, die frei von numerischen Fehlern ist. In Wirklichkeit sind die numerischen Methoden nicht perfekt und führen einige Fehler in die Lösung ein, die sich ansammeln, während die Analyse mit der Zeit voranschreitet (denken Sie daran, dass die Detonation, insbesondere die rotierende, ein instabiler Prozess ist, der die Lösung in Raum- und Zeitdomänen erfordert). Die Qualität der Methode wird durch ihre Ordnung definiert, d. h. die Methode der n-ten Ordnung hat den Abbruchfehler der Ordnung O(hn ) (oder ist proportional zu hn), wo h die Gitteroder Zeitschrittgröße ist. Die Methoden erster Ordnung führen zu einem zu hohen Fehler, erfordern ein sehr feines Gitter, um ihn zu reduzieren, und werden im Allgemeinen nicht verwendet. Mindestens eine Auflösung zweiter Ordnung für Raum und Zeit ist erforderlich. Viele Codes zielen auf Methoden höherer Ordnung ab, aber das bedeutet nicht unbedingt einen kleineren absoluten Fehler, es bedeutet aber immer höhere Rechenkosten als die Methoden zweiter Ordnung. Auch die räumlichen und zeitlichen Ordnungen der numerischen Methoden müssen nicht gleich sein. Zum Beispiel kann die numerische Methode vierter Ordnung im Raum mit der Methode zweiter Ordnung in der Zeit kombiniert werden. Der zugrunde liegende Gleichungssystem ist aufgrund der Anwesenheit der Quellbegriffe inhomogen. Eine gängige Strategie zu ihrer Lösung ist die Anwendung eines geteilten Operators: Die Gleichungen werden in die homogenen partiellen Differentialgleichungen (PDE) aufgeteilt, die für den
626 P. Wolański et al. Fluidtransport ­verantwortlich sind, und den Satz von gewöhnlichen Differentialgleichungen (ODE) mit Quellbegriffen der chemischen Kinetik. Für jeden Satz von Gleichungen wird ein spezieller, optimaler Solver angewendet und sie werden innerhalb eines gegebenen Zeitschritts verflochten. Eine Anwendung dieses Ansatzes findet sich in vielen Codes und Arbeiten (siehe zum Beispiel Świderski [84] und Folusiak [86]). Die partiellen Differentialgleichungen enthalten alle konvektiven Begriffe und beschreiben die Hauptbewegung des Fluids einschließlich Stoßwellen, Diskontinuitäten und Flammenfront. Viele numerische Methoden 2. Ordnung und höherer Ordnung funktionieren in der Nähe solcher Diskontinuitäten schlecht und erzeugen falsche Oszillationen, die zu Simulationsdivergenzen und Codeabstürzen führen. Es gibt eine Klasse von Methoden, die mit solchen hohen lokalen Gradienten umgehen können. Eine solche Klasse von Methoden wird als Total Variation Diminishing (TVD) Methoden bezeichnet (siehe Toro [87]). Diese Methoden sind typischerweise räumlich 2. Ordnung, reduzieren sich aber automatisch auf eine Methode 1. Ordnung an der Diskontinuität. Eine andere Klasse ist die Schock-Erfassungsmethode, Weighted Essentially Non-Oscillatory (WENO) Methode. Diese Methode kann sogar höher als 2. Ordnung weit von der Diskontinuität haben und reduziert sich nicht auf 1. Ordnung an der Diskontinuität. Dies reduziert die numerische Diffusion erheblich. Ein Beispiel für die Anwendung der WENO-Methode findet sich bei Davidenko et al. [88]. Diese Methoden werden mit Zeitintegrationsmethoden wie den Runge-Kutta-Schemata 2. oder 3. Ordnung kombiniert. Die gewöhnlichen Differentialgleichungen beschreiben alle Quellterme, die mit den chemischen Reaktionen verbunden sind. Diese Reaktionen verlaufen mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten, abhängig von Druck und Temperatur, was die Lösung des Problems rechenintensiv macht (numerisch steif). Die effiziente Lösung dieser steifen ODEs erfordert die Anwendung spezieller Solver wie dem impliziten DVODE (Double precision Variable-coefficient Ordinary Differential Equation solver, siehe Brown et al. [89]) oder dem expliziten CHEMEQ [90]. Abhängig von der Gleichungsformulierung können zwei Gruppen von Methoden entwickelt werden: Finite-Volumen- und Finite-Differenzen-Methoden. Die Finite-Volumen-Methoden sind in der Detonationsforschung beliebt. Der 3-dimensionale Bereich, in dem die Detonation sich ausbreiten kann, wird in kleine Zellen (hexagonal, tetragonal, prismatisch, polyedrisch oder deren Kombination) aufgeteilt und die Gleichungen der Fluidbewegung werden für jede Zelle und ihre Grenzen definiert. Betrachten wir ein Beispiel für eine Detonationsröhre, bestehend aus zwei konzentrischen Zylindern mit einem Durchmesser von 0,13 und 0,15 m und einer Länge von 0,2 m, gefüllt mit einer ruhenden brennbaren Mischung. Ihr Volumen beträgt etwa 8,8 ×10−4 m3. Wenn man diesen Bereich mit Zellen mittlerer Kantenlänge von 100 µm diskretisieren möchte, dann wären 2000 Zellen in axialer Richtung, 100 Zellen in radialer Richtung und 4400 Zellen in Umfangsrichtung erforderlich. Die Gesamtzahl der Zellen würde 880 Millionen Zellen betragen. Ein gleichmäßiges Netz dieser Größe würde enorme Rechenressourcen erfordern. Es ist erwähnenswert, dass 100 µm Zellen ausreichen
Detonative Antriebstechnik 627 würden, um die Detonation einer Mischung unter Normalbedingungen (1 atm, 20 ◦C) zu modellieren. Bei höherem Anfangsdruck der unverbrannten Mischung ist die erforderliche Zellgröße sogar noch kleiner und erreicht 10 µm bei 7 bar Anfangsdruck (siehe Davidenko et al. [88]). Eine weitere Überlegung ist die Anzahl der Zeitschritte. Wenn die Welle sich mit einer Geschwindigkeit von 1500 m/s umfangsmäßig und mit einer Geschwindigkeit von 200 m/s axial bewegt, dann wäre die Geschwindigkeit der Chapman-Jouguet (CJ) Detonationswelle 1513 m/s, und die Detonation würde von einem Ende zum anderen Ende des Rohrs in 10−3 s reisen und dabei weniger als 3,5 Umdrehungen um den Kanalumfang machen. Für 100 µm Zellen würde die explizite numerische Methode erfordern, dass die Welle nicht mehr als eine Zelle in einem gegebenen Zeitschritt überquert. Wenn die Schallgeschwindigkeit und die Gasgeschwindigkeit (heiße Verbrennungsprodukte) in der Größenordnung von 1000–2000 m/s liegen, dann kann der Zeitschritt nicht größer als 10−7 s sein. Mit einem solchen Zeitschritt (oder kleiner, erforderlich durch die Stabilität des chemischen Reaktionsmodells) wären mindestens 10 Tausend Zeitschritte notwendig, um den Prozess zu berechnen. Sind 3–4 Umdrehungen der Detonationswelle ausreichend, um sie als stabil zu bezeichnen? Wahrscheinlich nicht. Man würde viele weitere Zyklen benötigen, um zu bestätigen, dass die Lösung stabil ist. Wenn man die Mindestanzahl der Umdrehungen auf 10 festlegt, müsste die Länge des Brenners 3 Mal länger sein, was die Anzahl der Zellen und die Anzahl der Zeitschritte um den gleichen Faktor erhöht. Daher müssen einige andere Methoden in Betracht gezogen werden. Die erste Option besteht darin, die Anzahl der physischen Dimensionen von 3D auf 2D zu reduzieren. Im obigen Beispiel würde die Gittergröße 100 Mal auf 8,8 Millionen Zellen sinken, was die Analyse mit angemessenen Ressourcen ermöglicht. In diesem Fall wäre die Größe des Bereichs 0,2 m lang × 0,44 m hoch (Azimutrichtung) und die periodischen Randbedingungen wären an den oberen und unteren Grenzen anwendbar (unter der Annahme, dass links und rechts Einlass- und Auslassrandbedingungen sind, jeweils). Andererseits würde die Herstellung eines 3D-Sektors mit periodischen Randbedingungen auch die Gittergröße reduzieren, aber es könnte physikalisch falsch sein. Die angewendeten periodischen Bedingungen könnten das Modell überkonstruieren, da sie eine feste Anzahl von Detonationswellen im Modell erzwingen würden (gleich 360/ Sektorwinkelgröße), während in der Realität die Anzahl der Detonationswellen unterschiedlich sein kann oder sie können im Kanal ungleichmäßig verteilt sein. Eine weitere Option zur Überlegung ist die Änderung eines Referenzsystems. In der vorherigen Analyse war das Referenzsystem stationär und die Detonationswelle bewegte sich. Wenn das Referenzsystem mit der Detonationswelle verbunden wird, wird die Welle in axialer Richtung stationär und das zuvor ruhende Gemisch würde auf die Detonationsfront zufließen. Dieser Ansatz ist bei Forschern sehr verbreitet. Beispiele finden sich bei Folusiak [86], Davidenko et al. [88], oder Hishida et al. [100]. Dies würde perfekt zu den Detonationsantrieben passen, da sie auf ein kontinuierlich während des Betriebs zugeführtes Frischgemisch angewiesen sind. Dennoch wäre das gleichmäßig dimensionierte Gitter auch mit hoher Auflösung noch groß, selbst in Bereichen, in denen es tatsächlich
628 P. Wolański et al. nicht benötigt wird, wie beispielsweise frisches Gemisch vor der Detonationswelle. Unter Berücksichtigung begrenzter Ressourcen möchte man ein dichtes Gitter in den Bereichen von Interesse wie Stoßwellen und ein grobes Gitter anderswo haben und es an die sich ändernde Lösung anpassen, d. h. sich bewegende Wellen über den Bereich. Eine solche Methode wird als Adaptive Mesh Verfeinerung (AMR) bezeichnet. Bei diesem Ansatz besteht die Netzstruktur aus mehreren Ebenen. Die erste Ebene (manchmal als Ebene 0 bezeichnet) ist ein grobes Gitter. Jede höhere Ebene ist dichter als die vorherige Ebene mit einem Zellgrößenverhältnis von 2 (oder mehr). So sind in der 2-Schicht-AMR die Zellen in der 2. Schicht 22 = 4 mal kleiner als Zellen auf dem groben Gitter, für 4-Schicht-AMR unterscheiden sich die Zellen um den Faktor 24 = 16, und so weiter. Natürlich decken die feineren Gitter nicht den gesamten Bereich ab, sondern nur die Bereiche von Interesse. Wenn beispielsweise die Stoßwellenfront an einer bestimmten Zelle des groben Gitters liegt, werden die feinen Gitter auf diese Zelle gelegt und die benachbarten groben Zellen sind nicht betroffen. Dies wird in Abb. 42 [86] veranschaulicht. Ein nützliches Kriterium für die Auswahl der Zellen zur Verfeinerung ist der Dichtegradient, da die Dichteänderung gut Stoßwellen, Verbrennungsfront (Detonation und Deflagration) und Diskontinuitäten darstellt. Wenn der Gradient an einer gegebenen Zelle einen vordefinierten Wert überschreitet, wird das Gitter verfeinert, wenn er unter eine vordefinierte grobe Grenze fällt, werden die kleineren Zellen zu größeren Zellen zusammengefasst, wodurch die Gesamtzellzahl und der Rechenaufwand reduziert werden. Wenn der Gradient zwischen diesen beiden Grenzen liegt, bleibt das Gitter unverändert. Da die Wellen sich bewegen und mit den Wänden und einander interagieren, muss das Gitter den Änderungen folgen. Daher verfeinert und vergröbert es ständig die Regionen im Bereich und sorgt für ein Gleichgewicht zwischen Auflösung und Rechenkosten innerhalb akzeptabler Grenzen. Der Nachteil der AMR ist der viel kompliziertere Code, aber die Vorteile der AMR-Anwendung sind die Mühe wert. Diese Technik Abb. 42 Zellteilung in der Adaptive Mesh Verfeinerung (AMR) Technik - große Zelle in der oberen rechten Ecke der Frontschicht wird in 8 kleinere Zellen aufgeteilt, um die Gitterauflösung zu verbessern [86]
Detonative Antriebstechnik 629 findet man in vielen hausinternen Codes sowie in praktisch allen kommerziellen Codes. Die bisher betrachteten Detonationsantriebe arbeiten mit gasförmigen Brennstoffen. Viel weniger Forschung wurde über Detonationsantriebe veröffentlicht, die mit heterogenen Gemischen arbeiten, d. h. flüssigem oder festem Brennstoff (oder Oxidationsmittel), der in gasförmigem Oxidationsmittel (oder Brennstoff) dispergiert ist, siehe zum Beispiel Cheatham [105]. Das Vorhandensein der kondensierten Phase hat einen erheblichen Einfluss auf die numerische Modellierung der Detonation, da es die Rechenkosten erhöht und den Simulationscode kompliziert. Die heterogene Strömung ist durch die Wechselwirkung zwischen der Gas- und Flüssigkeitsphase gekennzeichnet, die im Allgemeinen Masse (Verdampfung), Impuls (Zugkraft aufgrund der Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Gas und Tröpfchen) und Energie (Tröpfchenerwärmung) austauschen können. Alle diese Phänomene müssen als Quellterme in den zugrunde liegenden Gleichungen modelliert werden. Einfache Handrechnungen zeigen, dass selbst in einem kleinen Volumen Millionen von Tröpfchen existieren können. Die Tröpfchen können eine gewisse Verteilung von Größe (von Mikronen bis Millimeter), Geschwindigkeit, Temperatur haben. Daher ist die Modellierung von heterogenen Detonationen eine herausfordernde Aufgabe. Zwei Ansätze können in Betracht gezogen werden. Der erste ist der sogenannte Eulerian-Eulerian-Ansatz, bei dem die Flüssigkeitsphase ähnlich wie die Gasphase als Kontinuum (sehr verdünnt) behandelt wird [106–109]. Natürlich wäre selbst bei Millionen von Tröpfchen in einem gegebenen Volumen ihr Volumenanteil immer noch klein, aber eine solche Vereinfachung ermöglicht eine relativ kostengünstige Lösung eines Mehrphasen-Strömung. In diesem Ansatz haben die zusätzlichen Gleichungen für die Flüssigkeitsphase eine ähnliche Form wie die Bewegungsgleichungen für die Gasphase (Euler-Gleichungen). Die Austauschbegriffe zwischen beiden Sätzen sind gekoppelt, d. h., was aus der Flüssigkeitsphase als Verlust von Masse, Impuls und Energie verschwindet, erscheint wieder als Quellterme in den Gleichungen der Gasphase und umgekehrt. Die Lösung für das Flüssigkeitskontinuum erfordert spezielle interne Solver [110–112]. Die Situation, in der die Tröpfchen vollständig verdampfen und der lokale Strömung zu einer einzigen Phase wird, muss ebenfalls berücksichtigt werden. Der Nachteil dieses Ansatzes ist, dass die Information über die Tröpfchengröße verloren geht und welcher Wert auch immer aus den Strömungsvariablen berechnet wird, keine physikalische Bedeutung hat. Der zweite Ansatz zur Mehrphasenmodellierung ist der sogenannte EulerianLagrangian-Ansatz, bei dem die Tröpfchen direkt als materielle Punkte modelliert werden, die sich im gasförmigen Medium bewegen (siehe Subramaniam [113]). Dies ermöglicht die Einbeziehung der Tröpfchengrößenverteilung. Die Verteilung ist diskret, d. h., für einen gegebenen Durchmesserbereich kann man mehrere Gruppen von Tröpfchen (Bins) mit dem gleichen Durchmesser definieren und die Anzahl der Tröpfchen innerhalb des Bins schätzen, z. B. mit den Rossin-RammlerGleichungen. Um die Rechenkosten zu reduzieren, kann ein einzelnes Tröpfchen eine Gruppe oder Wolke von Tröpfchen der gleichen Größe repräsentieren. Dies reduziert die Anzahl der zu verfolgenden Tröpfchen von Millionen auf
630 P. Wolański et al. Zehntausende, was von modernen Computern bewältigt werden kann. Für jedes Tröpfchen werden die Quellterme berechnet und auf die Gasphase in der Zelle übertragen, in der sich das Tröpfchen derzeit befindet. Die Bewegung jedes Tröpfchens wird mit den Standardbewegungsgleichungen berechnet und mit bekannten numerischen Methoden gelöst (wie der 4. Ordnung Runge-Kutta-Methode). Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Tröpfchendurchmesser verfolgt werden und es viel einfacher ist, den Einfluss der Tröpfchengröße auf lokale Bedingungen, Ausbreitung oder Auslöschung der Detonationswelle zu verstehen. Das nächste Problem, das zu diskutieren ist, sind Anfangs- und Randbedingungen. Anfangsbedingungen scheinen einfach zu sein - alle Variablen wie Geschwindigkeitskomponenten, Druck, Temperatur, Speziesverteilung usw. müssen vor dem Start der Analyse festgelegt werden. Diese können aus bekannten Testdaten oder bestimmten Annahmen wie gleichmäßig ruhendem Gemisch, vordefinierter Brennstoff-Oxidationsmittel-Verhältnisverteilung usw. gewonnen werden. Die Anfangsbedingungen können auch als Initiator der Detonation verwendet werden, wie eine lokale Wärmequelle oder eine lokale Region mit hohem Druck. In allen Fällen sollten sie physisch sein. Randbedingungen sind schwieriger. Einlassbedingungen sind in der Regel aus Testbedingungen bekannt und können Drucktyp, aufgezwungene Geschwindigkeit oder Massendurchfluss usw. sein. Auslassbedingungen werden in der Regel als Drucktyp definiert. Wand-Randbedingungen können als Slip (Euler) oder No-Slip (N-S) Wandgrenzen modelliert werden. Wichtig ist, dass die Ein- und Auslassrandbedingungen im Code so implementiert werden sollten, dass sie keine nicht-physischen Druckwellenreflexionen an der Grenze erzeugen. Solche Wellen können stromaufwärts reisen und die Stärke der Wellen beeinflussen, die analysiert werden müssen. In vielen Codes sind nicht reflektierende Randbedingungen eine echte Herausforderung. Das Letzte, aber nicht das Geringste, ist die Initiation der Detonation. Die Zündung eines brennbaren Gemisches kann numerisch durch Hinzufügen einer Energiequelle (Wärme) an einem bestimmten Punkt erreicht werden, aber dies garantiert nicht die Entwicklung der Detonation. Oft wird dieser Flammenkern erlöschen, oder es wird sich eine langsam fortschreitende deflagrative Verbrennungswelle entwickeln, die vom einströmenden Strömung weggeblasen wird. Der Übergang zur Detonation kann viel mehr Zeit erfordern als die Anwesenheit der Flamme innerhalb des Rechenbereichs. Die Kombination von Druckquelle mit Wärmequelle kann viel besser funktionieren, aber das Ergebnis kann in Form von zwei Detonationswellen sein, die in entgegengesetzte Richtungen reisen. Die beste Methode, um eine erfolgreiche Initiation der Detonation in die gewünschte Richtung zu erreichen, ist die Platzierung der Lösung der 1-D-Detonation in den 3-D-Bereich, aber die Ausrichtung der 1-D-Lösung in Bezug auf das Koordinatensystem des 3-D-Modells kann entscheidend sein, um die Detonation im Antrieb aufrechtzuerhalten. Wie zu Beginn dieses Kapitels festgestellt wurde, deckt dieses Kapitel nicht alle Themen ab, die mit der numerischen Modellierung von Detonationsantrieben verbunden sind. Es kratzt nur an der Oberfläche. Ein interessierter Leser sollte in die Welt der rechnergestützten Physik eintauchen, seine eigene Forschung betreiben,
Detonative Antriebstechnik 631 Literatur analysieren und Schlussfolgerungen ziehen. Die Codes erfordern eine gründliche Überprüfung, Sanity-Checks und einen kritischen Blick auf die erzeugten Ergebnisse. Die Benutzer, Forscher und Wissenschaftler sollten immer daran denken, dass alle Modelle falsch sind, aber einige von ihnen sind nützlich. 4 Anwendung von numerischen Methoden zur Simulation von Detonationsantrieben Die oben beschriebenen Methoden erschöpfen nicht alle Möglichkeiten, aber sie haben Anwendung in mehreren hausinternen Codes gefunden, die Einblick in die Dynamik der Detonationswellen geben. Die untenstehenden Beispiele sind nur Auszüge aus veröffentlichten Forschungsarbeiten, können aber ein guter Ausgangspunkt für eine weitere Erkundung des Themas sein. Es gibt mehrere Konzepte von Antriebssystemen, die Detonationswellen zur Erzeugung von Schub implementieren. Wenn die Welle stationär ist, dann wird der Antrieb als Standing Detonation Wave Engine (SDWE) bezeichnet. Das Prinzip seiner Arbeit wurde kurz von Wolański [14] mit mehreren Verweisen auf die Originalforschung und in den obigen Kapiteln beschrieben. Der Brennstoff wird in die Überschallströmung eingespritzt, eine Detonationswelle wird im Inneren des Antriebs durch einen Keil oder andere Mittel stabilisiert und die Produkte werden in einer Düse expandiert. Ein typisches Schema eines solchen Antriebs ist in Abb. 3 dargestellt. Die Wechselwirkung des Überschallströmung mit dem Keil ist entscheidend für die Stabilisierung der schrägen Detonationswelle [21]. Abb. 43 zeigt eine hohe Unstetigkeit der Stoßwelle und den Aufbau der Detonationswelle, was auf Bereiche hinweist, in denen man Schwierigkeiten bei der Gestaltung eines solchen Antriebssystems erwarten sollte. Shatalov et al. [92] simulierten den Betrieb eines Antriebssystems mit einer schrägen Detonationswelle und zeigten, dass dieses Konzept machbar ist und dass es mit der klassischen de Laval-Düse kombiniert werden kann ([92]). Wolański [14] stellte auch ein Konzept eines Ram-Beschleunigers (RAMAC) vor, bei dem das beschleunigte Projektil, das von einer brennbaren Mischung umgeben ist, keinen Treibstoff mit sich führen muss. Die theoretische Studie zeigte, dass bei bestimmten RAMAC-Konzepten das beschleunigte Projektil Geschwindigkeiten von mehr als 20 km/sec erreichen kann, aber diese Art von Antrieb erfordert noch sowohl experimentelle als auch numerische Forschung. Eine schematische Beschreibung des RAMAC-Betriebs in zwei Verbrennungsmodi ist in Abb. 44 dargestellt [93]. Abb. 45 zeigt ein Beispiel für Simulationen des RAMAC-Betriebs, die von Choi et al. durchgeführt wurden [21]. Ein kleiner Unterschied in der Mischungszusammensetzung und den Einlassbedingungen kann einen anderen Verbrennungsmodus erzeugen. Im oberen Fall von Abb. 45 wird die Verbrennung verzögert und tritt weit hinter der Stoßwelle auf, während im unteren Fall eine schräge Detonationswelle aufgebaut wird, was zu einem höheren Druck stromabwärts des Projektils führt.
P. Wolański et al. 632 Abb. 43 Numerische Berechnung des schrägen Detonations-Überschallantriebs - instabiles Verhalten der Detonation im Überschall-Detonationsantriebs. Mit freundlicher Genehmigung von Choi et al. [21] Einlass/Diffusor Kehle Schocksystem Verbrennung Einlass/Diffusor Projektil Rohrwand stoßartige Verbrennung/ schräge Detonation Expansion der Produkte Projektil Rohrwand Abb. 44 Schematische Darstellung des RAMAC-Betriebs im Unterschall-Verbrennungsmodus (links) und im detonativen Verbrennungsmodus (rechts) [93]
Detonative Antriebstechnik 633 2H +O +8N :25atm, 300K Tempe ra turvert eilung U=2500+18.33m/sec, f=1.47 a=8090G, TC=7,62, ηb =21,44% 2H +O +7N :25atm, 300K kontu Druck Tempe ra turvert eilung U=2500+17.84m/sec, f=1.42 a=6493G, TC=6,50, ηb =16,22% r kontu Druck r Abb. 45 Numerische Berechnungen der RAMAC-Leistung bei stoßinduzierter Verbrennung (oben) und bei schräger Detonationswelle (unten). Mit freundlicher Genehmigung von Choi et al. [21] Ein weiteres Antriebssystem, das auf Detonationswellen basiert, ist der Pulsed Detonation Engine (PDE). Lange Zeit galt der PDE als das vielversprechendste Druckgewinn-Antriebssystem. Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Antriebssystemen basiert der PDE auf einem Übergang von der deflagrativen Verbrennung zur Detonation (Deflagration to Detonation Transition, DDT). Wolański [14] lieferte eine kompakte Beschreibung des PDE-Betriebs sowie des DDTProzesses. Aus numerischer Sicht kann man auf zwei Schwierigkeiten hinweisen, die mit einer solchen Analyse verbunden sind. Die erste Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass der PDE in einem zyklischen Modus arbeitet, dessen Frequenz 100 Hz nicht überschreitet. Das bedeutet, dass ein einzelner Zyklus des Befüllens des PDE mit brennbarer Mischung, seiner Zündung, Deflagration, Übergang zur Detonation und dann Ausstoß der Verbrennungsprodukte mehr als 1/100 Sekunde dauert und sich mehrmals wiederholt. Um den stabilen Betrieb des PDE numerisch darzustellen, müsste man mehrere solche Zyklen modellieren. Die Modellierung mehrerer Zyklen mit sehr kleinen Zeitschritten, die erforderlich sind, um stabile Berechnungen mit ausreichender räumlicher Auflösung zu haben, können schlichtweg unerschwinglich sein. Die zweite Schwierigkeit ist der DDT-Prozess selbst. Sein Verständnis ist entscheidend, um zu verstehen, wie der PDE-Antrieb funktioniert und wie man seinen Betrieb steuert. Eine zweidimensionale numerische Simulation des DDTProzesses wurde von Dziemińska et al. durchgeführt [94], wobei die Wechselwirkung der Stoßwelle mit der Grenzschicht hervorgehoben wurde, die zu einer lokalen Selbstzündung in der Grenzschicht führt. Letztere entwickelt sich zu einer lokalen Explosion und Stoßwelle, die schließlich DDT auslöst. Abb. 46 zeigt die Temperatur- und Druckverteilungen bei DDT einer Wasserstoff-Sauerstoff-Mischung [94]. Eine weitere interessante Analyse wurde von Oran [95] beim Combustion Webinar des Georgia Institute of Technology vorgestellt, wo
634 P. Wolański et al. man Ergebnisse der numerischen Modellierung von DDT im Kanal mit Hindernissen sehen kann. Diese Analyse unterstrich die Bedeutung der akustischen Wellenreflexionen von Hindernissen, der erzeugten Turbulenz und schließlich einer plötzlichen Beschleunigung der Flamme zur Detonationswelle. So geben uns numerische Simulationen Einblick in die Dynamik des DDT, wie Druckwellen mit den Wänden und einander interagieren, wie dies lokal den Reaktionsfortschritt beeinflusst und wie andere Faktoren wie Hindernisse helfen, die Detonation zu entwickeln. In den letzten Jahren sind die Rotierenden Detonationsantriebe (RDE) zum heißesten Thema im Bereich der detonativen Antriebssysteme geworden. Mehrere wissenschaftliche Einrichtungen in den USA, Russland, Japan, China, Frankreich, Singapur und Polen haben sich mit der Forschung an solchen Geräten beschäftigt. Seit den frühen Arbeiten von Zel’dovich, von Neumann und Döring, den Autoren der ZND-Theorie der Detonation [96–99], war die Struktur der Detonationsfront von primärem Interesse. Vereinfachte Analysen wurden verwendet, um dieses Phänomen zu verstehen, da sie ein Gleichgewicht zwischen Rechenkosten, Codekomplexität und Genauigkeit der Lösung bieten, die mit verfügbaren Testdaten verglichen werden kann. Zum Beispiel ist das numerische Modell, das von Hishida et al. [100] ausgeführt wurde, eine Annäherung an einen toroidalen Kanal, der zwischen zwei koaxialen Zylindern erstellt wurde. In dieser einfachen Geometrie wird das frische Gemisch kontinuierlich durch das Kopfende eingespritzt und die Verbrennungsprodukte werden durch das andere Ende ausgestoßen. Eine solche Geometrie wurde in mehreren erfolgreichen Experimenten verwendet (siehe z. B. Wolański et al. [55]). Wenn die Brennkammerhöhe im Vergleich zu ihrem Durchmesser klein genug ist, um die Zentrifugaleffekte zu vernachlässigen, ist es sinnvoll, die Geometrie durch ein planares 2-dimensionales Modell der Größe 200 × 200 mm mit periodischen Randbedingungen zu approximieren, die einen zylindrischen Charakter eines realen Brenners nachahmen. Die Analyse wurde für ein Wasserstoff-Sauerstoff-Argon-Gemisch durchgeführt und der Verbrennungsmechanismus wurde durch ein modifiziertes KorobeinikovLevin-Modell beschrieben. Die Fluidbewegung wurde durch 2-dimensionale Euler-Gleichungen beschrieben (siehe [100]) diskretisiert auf einem Rechengitter mit einer Gittergröße von nur 100 µm. Der Gleichungssatz wurde mit dem TVD-MUSCL-Schema in Kombination mit einer 4. Ordnung Runge-KuttaZeitintegration gelöst. Dieser Ansatz bewahrte die insgesamt hohe Ordnung der numerischen Methode bei nur lokaler Reduktion zur Dämpfung von Scheinschwingungen in unmittelbarer Nähe von hohen Gradienten (Stoßwellen). Eine weitere Annahme war das Fehlen von Wärmeverlusten an die Wände und keine Interaktion der frischen Gemischzufuhr mit der Detonationswelle stromaufwärts der Gemischinjektion. Die Randbedingungen am Ausgang waren eingeschnürte Strömungsbedingungen. Die kurze Beschreibung oben zeigt mehrere Vereinfachungen, die im vorherigen Kapitel erwähnt wurden, aber das Modell ist immer noch in der Lage, die Dynamik der Detonationsfront mit angemessener Genauigkeit vorherzusagen.
Detonative Antriebstechnik 635 Vorstufenschock Selbstzündung Abb. 46 Numerische Simulation von DDT in Wasserstoff-Sauerstoff-Mischung: Temperatur (links), Druck (rechts). Dziemińska et al. [94] Zunächst sollte man bemerken, dass das Modell in der Lage ist, die Ausbreitung der Detonation über Hunderte von Umdrehungen zu berechnen. Die Welle neigt sich zum einströmenden frischen Gemisch und die Hauptbewegung der Welle erfolgt in der azimutalen (umfangsmäßigen) Richtung mit einer Geschwindigkeit in der Größenordnung von 1400–1500 m/s. Die axiale Komponente ist viel langsamer als die Chapman-Jouguet (CJ) Geschwindigkeit, bei etwa 260 m/s, und entspricht der Einspritzsgeschwindigkeit des frischen Gemisches. Daher ist die Welle von quasi-stationärem Charakter, da
P. Wolański et al. 636 sie sich in axialer Richtung nicht viel bewegt, während sie sich immer noch in umfangsmäßiger Richtung ausbreitet. Die Gesamtdetonationsgeschwindigkeit in der Richtung normal zur Welle beträgt 1525,8 m/s, was 4% unterhalb der idealen CJ-Geschwindigkeit liegt. Ein solcher Unterschied wird recht häufig in CFD-Simulationen beobachtet. Die 2-Dimensionalität des Modells erleichtert die Untersuchung der Struktur der Detonationsfront. Und hier können einige sehr interessante Erkenntnisse beobachtet werden. Abb. 47 zeigt ein Beispiel für die Temperaturverteilung in der Detonationsfront. Die dreieckige Struktur oben links ist ein unverbranntes Gemisch. Die Detonationsfront berührt auf der linken Seite den Brennerkopf und auf der rechten Seite interagiert sie mit den Verbrennungsprodukten. Diese Interaktion erzeugt eine schiefe Stoßwelle und eine Kelvin-Helmholtz (K-H) Instabilität, die aus dem Kontakt der Detonationswelle mit den Verbrennungsprodukten hervorgeht. Die K-H-Instabilität entwickelt sich an der Kontaktdiskontinuität, die in Abb. 48 deutlich sichtbar ist. Eine detaillierte Analyse der Entwicklung der K-H-Instabilität in der Arbeit von Hishida et al. [100] zeigte eine Tasche mit unverbranntem Gemisch, die am Verbindungspunkt der Detonations-Stoßwelle gefangen war. Diese Taschen explodieren anschließend und tragen zur Stärke der Detonation und der Stoßwellen bei. Eine Kelvin-Helmholtz-Instabilität wurde auch in der aufgerollten Wasserstoff-Luft-RDE-Simulation von Schwer et al. [101] vorgestellt. Schicht aus brennbarem Gas Kontaktfläche Detonationsfront Abfluss Zufluss Verbranntes Gas (>1000K) Schockwelle Expansionsfächer Abb. 47 Detaillierte Temperaturverteilung in der Detonationswellenfront [100]
Detonative Antriebstechnik Abb. 48 Detaillierte Geschwindigkeitsverteilung in der Detonationsfront [100] 637 Geschwindigkeit t= 1495.9μs Schicht aus brennbarem Gas Kontaktfläche Schock Rotierende Detonationsfront Verbranntes Gas Ein ähnlicher Ansatz, der jedoch in mehreren Bereichen erweitert wurde, wurde von Yi et al. veröffentlicht [85]. Die Autoren untersuchten 2- und 3-dimensionale Fälle eines rotierenden Detonationsantriebs, der mit gasförmigen WasserstoffSauerstoff-Argon- und Wasserstoff-Luft-Gemischen arbeitet. Das System der zugrunde liegenden Gleichungen wurde durch Vernachlässigung der viskosen, Diffusions- und Wärmeleitungsterme auf instationäre Euler-Gleichungen reduziert. Die Gleichungen wurden mit ein- und mehrstufigen chemischen Reaktionen vom Arrhenius-Typ kombiniert. Das chemische Reaktionsschema (9-Spezies, 28-Stufen-Reaktionen von H2-Luft) wurde aus dem beliebten GRI Mech-Mechanismus abgeleitet. Um eine breite Palette von räumlichen und zeitlichen Skalen abzudecken, wurden die Gleichungen mit einer adaptiven Gitterverfeinerung (AMR) diskretisiert, die es ermöglichte, ein feines Gitter in der Nähe der Detonationsfront zu erhalten und deren Details zu erfassen. Der homogene Teil der zugrunde liegenden Gleichungen wurde mit 2. Ordnung MUSCLSchemata gelöst und mit einer 2. Ordnung Runge-Kutta-Methode integriert. Der chemische Mechanismus wurde durch ein System von gewöhnlichen Differentialgleichungen dargestellt, das numerisch schwierig zu lösen ist, und ein spezieller Solver (VODE) wurde verwendet, der für steife Gleichungssysteme optimiert ist. Die oben beschriebene Methodik wurde von Yi et al. angewendet [85] um die experimentelle Versuchsanlage von Wolański et al. zu modellieren [55]. Der experimentelle RDE war 177 mm lang und der innere und äußere Durchmesser des Kanals betrugen jeweils 130 und 150 mm. Eine Kanalhöhe von 10 mm wurde als klein genug angesehen, um die Annahme einer 2-dimensionalen Modellierung zu verwenden. Das Wasserstoff-Luft-Gemisch war zunächst bei 1 atm und 300 K. Die Detonation wurde so eingeleitet, dass ihre Energie in azimutale Richtung auf das Fluid übertragen wurde, was die Entwicklung der rotierenden Detonation
P. Wolański et al. 638 ermöglichte. Abb. 49 zeigt die Struktur der Detonation nach mehreren Rotationen der Welle. Die Struktur der Detonation war voll entwickelt und stabil mit den gleichen charakteristischen Merkmalen wie in der zuvor beschriebenen Forschung. Man kann auch in Abb. 49 ein Hintergrundgitter von AMR-Zellen sehen (jede gezeigte Zelle ist ein Block von 20 × 20 Gitter). Wenn mehr als ein Initiator verwendet wird, dann kann eine Mehrwellen-Detonation erzeugt werden (siehe linkes Bild in Abb. 49). Interessanterweise stellten die Forscher fest, dass der NettoSchub, obwohl die Bedingungen am Ausgang des Brennkammers mit der Anzahl der Detonationswellen in der Brennkammer variierten, auf den gleichen Wert konvergierte. Eine Erweiterung der oben genannten Analyse ist eine 3-dimensionale Studie der gleichen Autoren [85]. Diese Studie zeigte die Anwendbarkeit der Verwendung eines 2D-Setups zur Modellierung eines 3D-Phänomens. Abb. 50 zeigt die Druck- und axiale Geschwindigkeitsverteilungen in einer voll entwickelten 2-Wellen-Detonation, die sich im 10 mm hohen Kanal ausbreitet. Zunächst kann man einen kleinen Unterschied zwischen den maximalen Drücken an den inneren , , , , Kraftstoff/ Oxidator-Gemisch , Azimutale Entfernung (m) Azimutale Entfernung (m) , , Ausbreitungsrichtung , Kontaktfläche , Detonationswelle , , , , , Stosswelle , , , , , , , Axialer Abstand (m) , , , Axialer Abstand (m) Abb. 49 Dichtegradient von ein- und zweiwelligen RDE in einer 2-dimensionalen rechteckigen Kammer [85]
Detonative Antriebstechnik 639 Abb. 50 Druck (links) und axiale Geschwindigkeit (rechts) in der zweiwelligen RDE erfasst bei t = 3, 1 × 10−3 s [85] und äußeren Wänden des Kanals feststellen (linkes Bild in Abb. 50). Der Unterschied resultiert aus der Anwesenheit der in der 2-dimensionalen Analyse vernachlässigten Zentrifugalkraft. Auch die axiale Geschwindigkeitskontur an den inneren und äußeren Wänden ist unterschiedlich, aber dies kann auch durch kleine Unterschiede zwischen beiden Wellen verursacht werden, die nie identisch sind. Daher kann man schlussfolgern, dass die Höhe des Kanals für die Genauigkeit der Lösung wichtig werden kann. Abb. 51 [102] zeigt den Einfluss der Kanalhöhe auf die Struktur der Detonationsfront. Wie man sehen kann, führt eine Erhöhung der Kanalhöhe zur Entwicklung komplexer Reflexionen der Welle von den inneren und äußeren Wänden. Diese Interaktionen können wichtig sein, wenn sich mehrere Detonationswellen im Kanal entwickeln. Die Wellen können in die gleiche Richtung laufen und sich gegenseitig verfolgen. Wenn sie in entgegengesetzte Richtungen laufen, werden sie kollidieren, was starke lokale Druckspitzen erzeugt, die die strukturelle Integrität des Brenners beeinträchtigen. Daher ist die Struktur nicht mehr 2-dimensional und 3-dimensionale Effekte müssen berücksichtigt werden. Die bisher gezeigten Beispiele basierten auf einer einfachen Geometrie: zwei koaxiale Zylinder mit konstanter Kanalhöhe entlang des gesamten Kanals und einem perfekt vorgemischten Gemisch, das dem Brenner zugeführt wird. In der Praxis ist dies kaum der Fall. Wolański et al. [75] entwickelten und testeten einen Brenner für Gasturbinenanwendungen. Folusiak und Świderski [103] führten eine numerische Studie für eine ähnliche Geometrie durch. Abb. 52 zeigt ein Schema der betrachteten Geometrie. Die Luft wird von links in den Brenner eingeleitet und der Auslass befindet sich rechts. Der gasförmige Wasserstoff wird durch 90 Düsen mit einem Durchmesser von 0,7 mm, die am Hals befinden, eingespritzt. Der Brenner kann auch mit einem konventionellen Kohlenwasserstoffbrennstoff (wie Jet-A) versorgt werden, zum Beispiel zum Starten, aber dieser Fall wird hier nicht berücksichtigt.
P. Wolański et al. 640 Abb. 51 Einfluss der Kanalhöhe auf die Struktur der Detonationsfront (Gesamtdruckverhältnis p/p0, p0 = 25 atm) einer vorgemischten stöchiometrischen Wasserstoff-Luft-Mischung, Liu et al. [102] Dmean =0,2m Jet-A Einspritzdüsen H2-Injektoren SENSOR Abb. 52 Geometrie der gestuften ringförmigen Brennkammer des RDE (die Luftströmungsrichtung ist von links nach rechts) [103] Das in Abb. 53 gezeigte Rechengitter mag sehr grob erscheinen, aber hier kommt das AMR praktisch zum Einsatz, das eine lokale hohe Auflösung der Strömungsmerkmale ermöglicht. Die Analyse wurde für Einlassdrücke von 2–6 bar, Temperaturen von 357–490 K und Äquivalenzverhältnisse φ von H2-LuftGemischen im Bereich von 0,5–1,0 durchgeführt. Die chemischen Reaktionen wurden mit einem globalen Ein-Schritt-Reaktionsmechanismus beschrieben. Die Verbrennungsprodukte wurden unter Standardbedingungen (1 atm, 20 ◦C) abgeführt.
Detonative Antriebstechnik 641 Brennkammauslass Lufteinlass/Vormischung numerischer Sensor Chemie Einspritzung erster ringförmiger Abschnitt zweiter ringförmiger Abschnitt Abb. 53 Längsschnitt des Rechenmodells der gestuften Geometrie des RDE [103] Die vergleichende Studie umfasste nichtviskose und viskose Fälle sowie vorgemischte und nicht vorgemischte Fälle. Der viskose Fall basierte auf dem k − ǫ Turbulenzmodell. Für den vorgemischten Fall wurde das H2-Luft-Gemisch durch die linke Grenze des Bereichs eingespritzt. Im nicht vorgemischten Fall wurde der Wasserstoff lokal durch die Öffnungen im Hals eingespritzt, wie es in der experimentellen Studie von Wolański et al. [75] der Fall war. Abb. 54 zeigt ein Beispiel für die Ergebnisse für die nichtviskos-vorgemischten, nichtviskos-nicht vorgemischten und viskosen-nicht vorgemischten Fälle. Alle Fälle wurden unter den gleichen Einlassbedingungen (4,2 bar, 390 K, φ = 0,5) durchgeführt. Es ist interessant zu bemerken, dass die Einbeziehung von viskosen Begriffen in die Gleichungen die Lösung qualitativ nicht verändert. Das mittlere und das rechte Bild in Abb. 54 sind vergleichbar und die Anwendung der Euler-Gleichungen anstelle des vollständigen Satzes von Navier-Stokes-Gleichungen scheint gerechtfertigt. Abb. 54 Iso-Oberflächen des statischen Drucks, Isolinien der Dichte und Konturen des Massenanteils von Wasserstoff. Ergebnisse der Simulationen: nichtviskos und vorgemischt (links), nichtviskos (Mitte) und viskos (rechts) mit Wasserstoffinjektion. Die Hauptströmungsrichtung ist von oben nach unten [103]
642 P. Wolański et al. 5 Zukünftige Anwendung von Detonationsantrieben Detonationsantriebe, die Wasserstoff als Treibstoff nutzen, werden für alle möglichen Arten des Lufttransports anwendbar sein, einschließlich Unterschall-, Überschall- und Hyperschallflugzeuge, sowohl für zivile als auch für militärische Anwendungen. Sie werden bedeutende Verbesserungen der Kraftstoffeffizienz sowie eine Reduzierung der Größe und Gewicht der Antriebe bieten. Für die Anwendung des Unterschall-Turbofan-Antriebs wird die Anwendung der Druckgewinnverbrennung (PGC) auch zu einer geringeren Anzahl von Kompressorund Turbinenstufen führen. Ein Vergleich eines modernen Turbofan-Turbine mit einem Turbofan-Turbine, der PGC nutzt, wird in Abb. 55 dargestellt. In diesem Beispiel besteht der Kompressor eines herkömmlichen Turbojet-Triebwerks aus 14 Stufen: 1 für den Fan, 3 für den Niederdruckkompressor und 9 für den Hochdruckkompressor. Mit dem durchschnittlichen Druckverhältnis von 1,3 pro Stufe beträgt das Gesamtkompressordruckverhältnis etwa 40 (Berechnungen vereinfacht nur zu Demonstrationszwecken). Die Brennkammer wird dann mit Luft versorgt, die 40 Mal höheren Druck als der externe (Umgebungs-)Druck und höhere Temperatur hat, da die Luftkompression auch zu einer Temperaturerhöhung führt. Wenn der klassische Brenner durch den kontinuierlich rotierenden Detonationsbrenner ersetzt wird, bei dem der Druckgewinn über die Detonation etwa 6 beträgt, dann kann die Anzahl der Kompressorstufen halbiert werden, und die Temperatur der in den Brenner eintretenden Luft wird viel niedriger sein. Dies wird zur Reduzierung des Turbinengewichts/-größe und zur Steigerung des Wirkungsgrads beitragen. Eine sehr ähnliche Analyse kann für Industriegasturbinen durchgeführt werden und es könnte tatsächlich sogar noch besser sein. Die Industriegasturbinen erreichen ein geringeres Druckverhältnis über die Kompressorstufe und benötigen daher mehr Stufen. Mit dem CRD-Brenner würde die Gasturbine ein ähnliches Gesamtdruckverhältnis mit nur 40% der Kompressorstufen des herkömmlichen Designs erzeugen. Andere Konzepte der RDE-Turbine und Raketentriebwerke sind in Abb. 56 dargestellt, aber die technische Erfindung ist hier nicht begrenzt. Die wichtigste Verbesserung für die Überschall- und Hyperschallantriebssysteme wird die Verkleinerung der Brennkammer sein, so dass die vollständige Abb. 55 Künstlerische Darstellung eines modernen Turbofan-Triebwerks (links) und eines Turbofan-Triebwerks mit Detonationsbrennkammer (rechts). Bilder von M. Kawalec
Detonative Antriebstechnik 643 Abb. 56 Künstlerische Darstellung der möglichen Konfiguration der kleinen RDE-Turbine und des Raketentriebwerks. Bild von M. Kawalec Freisetzung von Energie aus der Wasserstoffverbrennung in einer relativ kleinen Detonationskammer stattfindet. Die Triebwerke werden kleiner, leichter und effizienter sein. Die Anwendung von Druckgewinnbrennkammern auf Raketentriebwerke wird zu einem verbesserten thermischen Wirkungsgrad und geringerem Gewicht führen. Ihre Kombination mit Aerospike-Düsen wird zu einer signifikanten Verbesserung der Antriebseffizienz während des atmosphärischen Fluges führen. Die praktische Anwendung der Detonationsverbrennung steht vor vielen Herausforderungen, die noch gelöst werden müssen. Die wichtigsten sind die Verbrennungsstabilität, die Kühlung des Brenners und die Inbetriebnahme des Triebwerks. Forschungs-RDEs arbeiten in der Regel nur für kurze Zeit, manchmal Bruchteile einer Sekunde. Ein transatlantischer Flug kann jedoch 2 Stunden dauern (vorausgesetzt, es handelt sich um einen Überschallflug), und während dieser 2 Stunden muss der Antrieb kontinuierlich arbeiten und einen stabilen Schub liefern. Der Abstand zwischen diesen beiden kann mit dem Abstand zwischen dem Wright Flyer und dem modernen Jumbo Jet verglichen werden. Um alle Probleme im Zusammenhang mit dem Betrieb von RDEs und ihrer Stabilität zu verstehen, sind viel längere Betriebszeiten erforderlich und werden schließlich untersucht. Hier wird die zweite Schwierigkeit eine Rolle spielen. Obwohl die aktuellen RDEs nur sehr kurz arbeiten, wird an den Testständen oft eine signifikante thermische Verzerrung des Brenners, Erosion oder sogar Durchbrennen in ihren Wänden beobachtet. Bei längerem Betrieb wird dieses Problem verstärkt und wird die Forschung in den damit verbundenen Bereichen Kraftstoff und Oxidator (Luft) Mischung, Brennerkühlung, Akustik, Materialwissenschaft und Fertigungstechnologie vorantreiben. Das letzte auf der Liste ist die Zündung der Detonation, die einfach, aber dennoch zuverlässig sein muss, d. h. die Detonation sollte innerhalb einer festgelegten, kurzen Zeitspanne mit fast 100% Wahrscheinlichkeit erreicht werden. Dies wird sicherstellen, dass Flugzeuge mit zwei Triebwerken (was auch ein aktueller Trend ist) nicht das Risiko haben, nur einen RDE-Triebwerk in Betrieb zu haben und dadurch erhebliche Lasten auf die Flugzeugstruktur auszuüben und das Flugzeug zur Seite zu drehen.
644 P. Wolański et al. Der RDE-Antrieb scheint sehr vielversprechend zu sein und die Technologie entwickelt sich im 21. Jahrhundert schnell. Additive Fertigung, Verbundwerkstoffe, neue Materialien für Hochtemperaturanwendungen, Computational Fluid Dynamics, Finite Element Analysis, Künstliche Intelligenz und Computersimulationen werden den Fortschritt vorantreiben und neue Möglichkeiten für die Wissenschaft eröffnen. 6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Die Anwendung der detonativen Verbrennung auf Antriebssysteme ist bereits seit fast 80 Jahren bekannt und der Prozess der CRD seit mehr als 60 Jahren. Erste Versuche, den Detonationsprozess für den Antrieb zu nutzen, wurden Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts unternommen, als experimentelle und theoretische Arbeiten zur stehenden Detonation, gepulsten Detonation und CRD begonnen wurden. Da die anfänglichen Bemühungen in diesem Bereich nicht erfolgreich waren, wurde die Forschung für einige Zeit unterbrochen. In der Zwischenzeit entstand eine neue Idee und intensive Studien über RAMAC wurden unternommen, aber auch nach einiger Zeit wurden sie unterbrochen, da die Beschleunigung von Projektilen nur auf die C-J-Detonationsgeschwindigkeit der verwendeten Treibmittel beschränkt war. Die Forschung an PDE wurde Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts wieder aufgenommen, aber obwohl umfangreiche Forschungen durchgeführt wurden und die PDE 2008 an einem experimentellen Flugzeug getestet wurde, wurden die Arbeiten an diesem Antriebssystem im Wesentlichen aufgrund des hohen Lärms und der Vibrationen, die durch große PDE erzeugt wurden, eingestellt. Derzeit sind die möglichen Anwendungen der PDE kleine Hilfsantriebssysteme wie diejenigen, die für das Lageregelungssystem in kleinen Satelliten oder Raumfahrzeugen verwendet werden. Zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts wurde die Forschung an der RDE in Russland, Polen, Japan, Frankreich, Singapur und später in vielen anderen Ländern wieder aufgenommen, was zu einem exponentiellen Wachstum des Interesses an solchen Antriebssystemen führte. Dies führte zu einer erheblichen Erweiterung unseres Wissens über solche Antriebssysteme. Viele wichtige Probleme im Zusammenhang mit der Entwicklung der RDE sind bereits gut verstanden, aber viele weitere müssen noch gelöst werden. Wir müssen noch lernen, wie man die Druckverluste minimiert und den Druckgewinn in der detonativen Kammer verbessert, eine effektive Kühlung der Detonationskammer unter sehr hoher thermischer Belastung entwickelt sowie Materialien findet, die einer lang anhaltenden hohen Temperatur und hohem Druck in der Detonationskammer standhalten. Diese Probleme und möglicherweise andere müssen gelöst werden, bevor solche Triebwerke kommerziell genutzt werden können. Es sollte auch darauf hingewiesen werden, dass erst kürzlich der erste erfolgreiche Flug einer experimentellen Rakete mit Flüssigtreibstoffantrieb durchgeführt
Detonative Antriebstechnik 645 Abb. 57 Start der experimentellen Rakete mit Flüssigtreibstoff-RDE, die CRD auf dem militärischen Testgelände in WITU, Zielonka nutzt [104] wurde [104] (siehe Abb. 57). Dieser Raketentriebwerk wurde mit lagerfähigen Treibmitteln versorgt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, dass Raketen, die kryogene Wasserstoff-Sauerstoff- oder Methan-Sauerstoff-Treibmittel im detonativen Verbrennungsmodus nutzen, effektiv in Raumfahrtanwendungen eingesetzt werden und dabei die erheblichen Vorteile gegenüber den herkömmlichen Luft- und Raumfahrtantriebssystemen demonstrieren. Literatur 1. Zeldovich YB (1940) On the use of detonative combustion in power engineering J Technol Phys 10:1453–1461 (in Russian); Zel’dovich Y (2006) To the question of energy use of detonation combustion. J Propul Power 22(3):588–592 2. Nicholls JA, Wilkinson HR, Morrison RB (1957) Intermittent Detonation as a ThrustProducing Mechanism, Jet Propulsion 3. Voitsekovskii BV et al (1958) Work of the Siberian division of the academy of sciences of SSSR, Bd 9 4. Voitsekhovskii BV, Mitrofanov VV, Topchiyan ME (1963) Structure of the detonation front in gases. Izdatielstvo SO AN SSSR. Novosibirsk (in Russian) 5. R.I. Soloukhin, Udarnyie Volny i detonacia v gazach. Izd Fiz—Mat Lit; (also translation to English, Shock Waves and Detonations in Gases. Mono Book Corp., Baltimore (1966) 6. Adamson TC Jr, Olsson G (1967) Performance analysis of a rotating detonation wave rocket engine. Acta Astronaut 13:405–415
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