/
Похожие
Текст
MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
GLIEDERUNG:
ERSTE ABTEILUNG: SÄMTLICHE WERKE UND SCHRIFTEN
MIT AUSNAHME DES «KAPITAL»
ZWEITE ABTEILUNG: DAS «KAPITAL» MIT VORARBEITEN
DRITTE ABTEILUNG: BRIEFWECHSEL
VIERTE ABTEILUNG: GENERALREGISTER
MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
ERSTE ABTEILUNG
BAND 5
MARX UND ENGELS: DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE
1845—1846
KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
HISTORISCH-KRITISCHE GESAMTAUSGABE
WERKE / SCHRIFTEN / BRIEFE
IM AUFTRAGE DES
MARX-ENGELS-LENIN-INSTITUTS
MOSKAU
HERAUSGEGEBEN
VON
V. ADORATSKIJ
MARX-ENGELS-VERLAG G. M. B. H.
BERLIN
KARL MARX
FRIEDRICH ENGELS
DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE
KRITIK DER NEUESTEN DEUTSCHEN PHILOSOPHIE
IN IHREN REPRÄSENTANTEN,
FEUERBACH, B. BAUER UND STIRNER,
UND DES DEUTSCHEN SOZIALISMUS
IN SEINEN VERSCHIEDENEN PROPHETEN
1845-1846
MARX/ENGELS
GESAMTAUSGABE
ERSTE ABTEILUNG
BAND 5
MARX-ENGELS-VERLAG G. M. B. H.
BERLIN 1932
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten.
Copyright 1932 by Marx-Engels-Verlag G. m. b. H., Berlin
Printed in Germany
Druck:
J. B. Hirtchfeld (Arno Pries) Leipzig
Einband:
L. Sieke & Co., Großbnchbinderei G. m. b. H., Leipzig
EINLEITUNG ZUM FÜNFTEN BANDE
DER ERSTEN ABTEILUNG
EINLEITUNG
Wie Engels in dem Vorwort zu den „Enthüllungen über den Kommu¬
nistenprozeß zu Köln“ berichtet, war die materialistische Geschichtsauf¬
fassung von Marx zur Zeit seines Zusammentreffens mit Engels im Früh¬
jahr 1845 in Brüssel in den Hauptzügen schon fertig entwickelt (siehe
Einleitung zu Band 3, S. X.). Wie er weiter erzählt, „setzten sie sich nun
daran, die neugewonnene Anschauungsweise nach den verschiedensten
Richtungen hin im einzelnen auszuarbeiten“. Zunächst geschah dies in
einer zusammenfassenden Darstellung in polemischer Form: gegen den
Idealismus und die Metaphysik der Hegelianer (Bauer und Stirner),
gegen den einseitigen, „anschauenden“ Materialismus Feuerbachs, der es
nicht fertig brachte, „den Materialismus bis in seine oberen Sphären
hinein fortzubauen“ (Lenin), und endlich gegen „die Verklärung des pro¬
letarischen Kommunismus ... im Himmel des deutschen Geistes und ...
des deutschen Gemüts“, gegen den „wahren Sozialismus“, der darin be¬
stand, die französischen sozialistischen und kommunistischen Ideen „in
die Sprache der deutschen Ideologen“ zu übersetzen und einen „willkür¬
lich fabrizierten Zusammenhang zwischen dem Kommunismus und der
deutschen Ideologie“ herzustellen. (S. 436 unseres Bandes.)
Die Manuskripte, die hiermit — 86 Jahre nach ihrer Niederschrift —
von uns unter dem Titel „Deutsche Ideologie“ 1) zum ersten Mal
in vollem Umfang (soweit sie erhalten sind), nach dem Original
abgedruckt werden, sind von höchstem theoretischen, historischen und
praktischen Wert. Marx und Engels erscheinen hier als Vorkämpfer des
Proletariats, als Führer der im Werden begriffenen kommunistischen Par¬
tei. als Verfechter des dialektischen Materialismus. Neben polemischen
Ausführungen entwickeln sie ihre eigenen positiven Anschauungen über
eine Reihe von Wissensgebieten (Erkenntnistheorie, Logik, Geschichte,
Kunst, Sprachkunde usw.); in keinem andern ihrer Frühwerke finden wir
1) Diese Bezeichnung gebraucht Marx in einem gegen Karl Grün gerichteten, am
3. April 1847 in Brüssel verfaßten und der „Trierschen Zeitung“ zugeschickten, am
6. April mit geringfügigen Änderungen der ..Deutschen Brüsseler Zeitung“ übergebe¬
nen, in dieser am 7.. in der „Trierschen“ am 9. April abgedruckten Artikel, den Meh¬
ring 1896 in der „Neuen Zeit“, S. 396—397 teilweise wieder abgedruckt hat. Voll¬
ständig erscheint der Artikel in unserer Ausgabe im 6. Band. Siehe daselbst S. 260 29—33
X
Einleitung
die Grundfragen des dialektischen Materialismus so vielseitig und erschöp¬
fend beleuchtet. Das leider unvollendete, endgültig nicht ausgearbeitete
Manuskript „I. Feuerbach“ enthält die erste systematische Darlegung ihrer
historisch-philosophischen Auffassung der ökonomischen Entwicklungs¬
geschichte der Menschen. All dies verleiht dem vorliegenden Werk seine
hervorragende Bedeutung.
Die Abfassung des Manuskripts fällt in die Brüsseler Periode, in den
Zeitraum von etwa Spätsommer 1845 bis Herbst 1846. Marx hatte sich in
den ersten Februartagen 1845, nach seiner von der Regierung Guizot auf
Ersuchen der preußischen Regierung bewirkten Ausweisung aus Frank¬
reich, in Brüssel niedergelassen, und hierher siedelte im April auch Engels
über, der soeben „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ druck¬
fertig gemacht hatte und die Korrekturen in Brüssel las. In der zweiten
Juliwoche desselben Jahres fuhren beide nach England (London und
Manchester), wo Marx Gelegenheit hatte, sich mit der umfangreichen eng¬
lischen ökonomischen Literatur an Ort und Stelle näher bekannt zu machen
und die industriellen Verhältnisse Englands aus unmittelbarer Anschau¬
ung kennen zu lernen.
Als sie, um den 20. August 1845 aus England zurückgekehrt, sich mit
den inzwischen gegen sie erfolgten Angriffen Bruno Bauers und Max Stir-
ners und dem schnellen Anwachsen der Bewegung des „wahren Sozialis¬
mus“, die immer weitere Kreise der deutschen Kommunisten ergriff, be¬
kannt gemacht hatten, gingen sie an die Abfassung der Manuskripte. An¬
fang Sommer 1846 war die Arbeit in der Hauptsache fertig. Die Veröffent¬
lichung unterblieb, weil, wie Marx in einem Brief an Leske vom 31. Juli
1846 erklärt, „einige deutsche Kapitalisten 1) den Verlag mehrerer Schrif¬
ten“ von ihm, Engels und Heß zwar „akzeptiert hatten“, aber „nachdem
schon der größte Teil des Manuskripts des zweiten Bandes (der „Deutschen
Ideologie“) nach Deutschland versandt war ... endlich, vor sehr kurzer
Zeit schrieben 2), wegen anderweitigen Engagements ihres Kapitals, sei es
mit der ganzen Geschichte nichts“. Am 28. Dezember 1846 berichtete
Marx über die ganze Angelegenheit wie folgt an P. W. Annenkoff :
,,J’aurais voulu pouvoir vous envoyer avec cette lettre mon livre sur
l’économie politique, mais jusqu’à présent il m’a été impossible imprimer
cet ouvrage et les critiques des philosophes et socialistes, dont je vous ai
parlé à Bruxelles. Vous ne croirez jamais, quelles difficultés une telle
publication rencontre en Allemagne, d’une part de la police, d’autre part
de toutes les tendances que j’attaque. Et quant à notre propre parti, il est
1) Dies waren die „wahren Sozialisten“ Julius Meyer und Rudolf Rempel aus
Osnabrück und Bielefeld. Siehe MEGA ІII/4, Namenregister
2) Am 9. Juli 1846
Einleitung
XI
non seulement pauvre, mais une grande fraction du parti communiste
allemand m’en veut parce que je m’oppose à ses utopies et à ses déclama¬
tions.“
Zu Lebzeiten von Marx und Engels ist aus „der deutschen Ideologie“
nur das Manuskript gegen Karl Grüns „Soziale Bewegung in Frankreich
und Belgien“ im „Westphälischen Dampfboot“ (1847) abgedruckt wor¬
den. Nach ihrem Tode wurden verschiedentlich Bruchstücke veröffent¬
licht, doch läßt der wissenschaftliche Charakter dieser Veröffentlichun¬
gen vieles zu wünschen übrig.
Außer der in unserer Einleitung zum dritten Band zitierten Stelle aus
Engels’ Vorwort zu den „Enthüllungen“ erwähnt auch Marx „Die deutsche
Ideologie“ in seinem Vorwort von „Zur Kritik der politischen Ökonomie“
(1859). Als Engels, heißt es dort — „sich im Frühjahr 1845 ebenfalls in
Brüssel niederließ, beschlossen wir den Gegensatz unserer Ansicht gegen
die ideologische der deutschen Philosophie gemeinschaftlich auszuarbei¬
ten, in der Tat mit unserem ehemaligen philosophischen Gewissen abzu¬
rechnen. Der Vorsatz ward ausgeführt in der Form einer Kritik der nach-
hegelschen Philosophie. Das Manuskript, zwei starke Oktavbände, war
längst an seinem Verlagsort in Westfalen angelangt, als wir die Nachricht
erhielten, daß veränderte Umstände den Druck nicht erlaubten. Wir über¬
ließen das Manuskript der nagenden Kritik der Mäuse umso williger, als
wir unseren Hauptzweck erreicht hatten — Selbstverständigung.“
1888, in der Vorrede zu seiner Broschüre: „Ludwig Feuerbach und
der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“, führt Engels diese
Sätze von Marx an und setzt am Schluß der Vorrede hinzu: „Ehe ich diese
Zeilen in die Presse schickte, habe ich das alte Manuskript von 1845/46
nochmals herausgesucht und angesehen. Der Abschnitt über Feuerbach
ist nicht vollendet. Der fertige Teil besteht in einer Darlegung der mate¬
rialistischen Geschichtsauffassung, die nur beweist, wie unvollständig
unsere damaligen Kenntnisse der ökonomischen Geschichte noch waren.
Die Kritik der Feuerbachschen Doktrin selbst fehlt darin 1), für den gegen¬
wärtigen Zweck war es also unbrauchbar. Dagegen habe ich in einem
alten Heft von Marx die im Anhang abgedruckten elf Thesen über Feuer¬
bach 2) gefunden. Es sind Notizen für spätere Ausarbeitung, rasch hin¬
geschrieben, absolut nicht für den Druck bestimmt, aber unschätzbar als
das erste Dokument, worin der geniale Keim der neuen Weltanschauung
niedergelegt ist.“
„Die deutsche Ideologie“ gehört, wie gesagt, einer Zeit an, in der die
bürgerliche Demokratie eine für Marx und Engels ein für allemal über-
1) Es handelt sich um das Manuskript „I. Feuerbach“. S. 7—67 unseres Bandes
2) Siehe S. 533—535 unseres Bandes, wo der Mansche Originaltext abgedruckt ist
XII
Einleitung
wundene Stufe ihrer eigenen Entwicklung ist, sie bereits als Repräsentan¬
ten des wissenschaftlichen Kommunismus auftreten, Führer und Theoreti¬
ker des revolutionären Proletariats geworden sind.
Von der Kritik der Hegelschen Staatsrechtsphilosophie ausgehend, be¬
gann Marx 1843 das Studium der Französischen Revolution als der Ent¬
stehungsgeschichte des modernen Staats. Seine „Untersuchung mündete
in dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich
selbst zu begreifen sind, noch aus der sogenannten allgemeinen Entwick¬
lung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen
Lebensverhältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel, nach dem Vorgang
der Engländer und Franzosen des 18. Jahrhunderts, unter dem Namen
„bürgerliche Gesellschaft“ zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der
bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei“.1)
Die Notwendigkeit des Studiums der politischen Ökonomie ergab sich also
daraus, daß Marxens Interesse für die Wechselwirkung zwischen Politik
und Ökonomie durch die Kritik der Politik in Gestalt der Hegelschen
Staatsrechtsphilosophie und durch das Studium der Französischen Revo¬
lution auf die „Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft“, auf die politische
Ökonomie, gelenkt wurde.
Wir zitierten bereits in der Einleitung zu Band 3, was Engels 1885 (in
seiner Einführung zu Marx’ „Enthüllungen über den Kommunistenpro¬
zeß zu Köln“) über die Entstehung des wissenschaftlichen Kommunismus
berichtet. Er skizziert dort seinen eignen und Marxens Entwicklungsgang,
der in der materialistischen Geschichtstheorie und in der Entdeckung der
historischen Rolle des Proletariats seinen einstweiligen Abschluß fand.
In jener Engelsschen Darstellung heißt es weiter: „Diese, die Ge¬
schichtswissenschaft umwälzende Entdeckung ... war aber von unmittel¬
barer Wichtigkeit für die gleichzeitige Arbeiterbewegung. Kommunismus
bei Franzosen und Deutschen, Chartismus bei den Engländern, erschien
nun nicht mehr als etwas Zufälliges, das ebensogut auch hätte nicht da
sein können. Diese Bewegungen stellten sich nun dar als eine Bewegung
der modernen unterdrückten Klasse, des Proletariats, als mehr oder min¬
der entwickelte Formen ihres geschichtlich notwendigen Kampfes gegen
die herrschende Klasse, die Bourgeoisie; als Formen des Klassenkampfes,
aber unterschieden von allen frühem Klassenkämpfen durch dies eine:
daß die heutige unterdrückte Klasse, das Proletariat, seine Emanzipation
nicht durchführen kann, ohne gleichzeitig die ganze Gesellschaft von der
Scheidung in Klassen und damit von den Klassenkämpfen zu emanzipie¬
ren. Und Kommunismus hieß nun nicht mehr: Ausheckung, vermittelst
der Phantasie, eines möglichst vollkommenen Gesellschaftsideals, son-
1) Vorwort von „Zur Kritik der politischen Ökonomie“
Einleitung
XIII
dem: Einsicht in die Natur, die Bedingungen und die daraus sich ergeben¬
den allgemeinen Ziele des vom Proletariat geführten Kampfes.“
„Wir waren nun keineswegs der Ansicht,“ setzt Engels fort, „die neuen
wissenschaftlichen Resultate in dicken Büchern ausschließlich der „ge¬
lehrten“ Welt zuzuflüstern. Im Gegenteil. Wir saßen schon beide tief in
der politischen Bewegung, hatten unter der gebildeten Welt, namentlich
Westdeutschlands, einen gewissen Anhang und reichliche Fühlung mit dem
organisierten Proletariat. Wir waren verpflichtet, unsere Ansicht wissen¬
schaftlich zu begründen; ebenso wichtig aber war es auch für uns, das
europäische und zunächst das deutsche Proletariat für unsere Überzeugung
zu gewinnen. Sobald wir erst mit uns selbst im reinen, ging es an die
Arbeit.“
Diese Arbeit bestand in erster Reihe in der Schaffung von Arbeiter¬
organisationen, in der Übernahme der unmittelbar praktischen Leitung
der revolutionären Arbeiterbewegung. Mit dem Jahre 1845 setzt diese
hervorragendste Tätigkeit von Marx und Engels ein, um bis an ihr Lebens¬
ende konsequent durchgeführt zu werden. Dies muß besonders betont
werden gegenüber allen sozialdemokratischen und andern philiströsen
Verdrehungen und Entstellungen des Marxismus, gegenüber allen Ver¬
suchen, das Lebensbild Marxens zu verfälschen. Marxens und Engels’
parteipolitische Tätigkeit als Führer des Proletariats muß besonders her¬
vorgehoben und in allen Einzelheiten beleuchtet werden und zwar gerade
solchen „Marxisten“ gegenüber, die dies wesentlichste Element des Lebens¬
werks von Marx und Engels verheimlichen möchten, es vertuschen und
verfälschen. Engste Fühlung mit der proletarischen Massenbewegung war
für Marx und Engels eine mit dem Wesen ihrer Weltanschauung untrenn¬
bar verknüpfte Notwendigkeit. Immer wieder setzten sie auseinander, daß
die Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus der sich in der Wirk¬
lichkeit vollziehende Massenkampf des Proletariats ist, die moderne Ge¬
schichtsbewegung, an der der marxistische Theoretiker teilzunehmen, von
der er, indem er sie leitet, zu lernen hat.
Bereits 1844 beginnt Marx seine erste große Arbeit über die politische
Ökonomie 1), womit er die wissenschaftliche Grundlage schafft, auf der
die Politik der proletarischen Partei sich entwickelt. Wie Engels sich aus-
1) Die ökonomischen Manuskripte vom Jahre 1844. Vorarbeiten, die später bei
Leske unter dem Titel ..Kritik der Politik und Nationalökonomie“ in 2 Bänden er¬
scheinen sollten, haben wir (soweit sie gesichtet werden konnten) in Abt. I Band 3
unserer Gesamtausgabe veröffentlicht. Über die Exzerpthefte aus den Jahren 1845—
1846 geben wir im 6. Band einen kurzen Bericht. Zur Vervollständigung des Bildes
über die Schaffensperiode Marxens von 1844—1847 würde ein lückenloser Abdruck
sämtlicher Exzerpte nicht unwesentlich beitragen. Die neue Folge des „Marx-Engels-
Archivs“ hat den Zweck solchen Veröffentlichungen zu dienen
XIV
Einleitung
drückt, „ging das theoretische Dasein“ der von Marx und Engels begrün¬
deten „Partei hervor aus dem Studium der politischen Ökonomie".1)
Das materialistische Studium der Gesellschaftsentwicklung ging bei
Marx und Engels Hand in Hand mit dem Kampf für den dialektischen
Materialismus, gegen die bürgerliche Weltanschauung. In dem schon zitier¬
ten Brief an den Verleger C. W. Leske erklärt Marx, warum er die Bearbei¬
tung seiner „Kritik der Politik und Nationalökonomie“ ausgesetzt habe:
„Es schien mir nämlich sehr wichtig, eine polemische Schrift gegen
die deutsche Philosophie (von (Bauer) Feuerbach bis Stirner) 2) und
gegen den seitherigen deutschen Sozialismus meiner positiven
Entwicklung vorherzuschicken. Es ist dies notwendig, um das
Publikum auf den Standpunkt einer Ökonomie, welche schnurstracks der
bisherigen deutschen Wissenschaft sich gegenüberstellt, vorzubereiten. Es
ist dies übrigens dieselbe polemische Schrift, wovon ich Ihnen bereits in
einem meiner Briefe geschrieben habe, daß sie vor der Publikation der
Ökonomie beendigt sein müsse.“
Überaus treffend bringt Lenin die marxistische Problemstellung zum
Ausdruck, wenn er sagt, daß Marxens Sozialismus alle Fragen „auf histo¬
rischen Boden stelle, nicht nur im Sinne der bloßen Erklärung der Ver¬
gangenheit, sondern ebenso sehr im Sinne der furchtlosen Voraussicht der
Zukunft und der auf ihre Verwirklichung eingestellten unverzagten prak¬
tischen Tätigkeit.“ Die praktische Tätigkeit ist untrennbar von Marxens
wissenschaftlichem Kommunismus. In seiner Polemik gegen den demo¬
kratischen Bourgeois Karl Heinzen setzt Engels auseinander, aus welcher
Quelle der wissenschaftliche Kommunismus seine Theorie schöpft: „Herr
Heinzen bildet sich ein, der Kommunismus sei eine gewisse Doktrin, die
von einem bestimmten theoretischen Prinzip als Kern ausgehe und daraus
weitere Konsequenzen ziehe. Herr Heinzen irrt sich sehr. Der Kommu¬
nismus ist keine Doktrin, sondern eine Bewegung; er geht nicht von Prin¬
zipien, sondern von Tatsachen aus. Die Kommunisten haben nicht diese
oder jene Philosophie, sondern die ganze bisherige Geschichte und spe¬
ziell ihre gegenwärtigen tatsächlichen Resultate in den zivilisierten Län¬
dern zur Voraussetzung. Der Kommunismus ist hervorgegangen aus der
großen Industrie und ihren Folgen, aus der Herstellung des Weltmarkts,
aus der damit gegebenen ungehemmten Konkurrenz, aus den immer ge¬
waltsameren und allgemeineren Handelskrisen, die schon jetzt zu voll¬
ständigen Weltmarktskrisen geworden sind, aus der Erzeugung des Pro¬
letariats und der Konzentration des Kapitals, aus dem daraus folgenden
1) Siehe Engels’ Rezension auf Marx’ „Zur Kritik“ etc. in „Das Volk“, No 14, vom
6. August 1859
2) Die eingeklammerten Worte sind in dem Briefkonzept gestrichen
Einleitung
XV
Klassenkampfe zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Der Kommunis¬
mus, soweit er theoretisch ist, ist der theoretische Ausdruck der Stellung
des Proletariats in diesem Kampfe und die theoretische Zusammenfassung
der Bedingungen der Befreiung des Proletariats.“ 1)
Im Einklang mit dieser ihrer Auffassung sorgten Marx und Engels
stets für engste Fühlungnahme mit der Massenbewegung des Proletariats.
Wie Marx in seiner Schrift „Herr Vogt“ berichtet, hätten sie „in einer
Reihe teils gedruckter, teils lithographierter Pamphlets, worin das Ge¬
misch von französisch-englischem Sozialismus oder Kommunismus und
von deutscher Philosophie, das damals die Geheimlehre des „Bundes“ 2)
bildete, einer unbarmherzigen Kritik unterworfen, statt dessen die wissen¬
schaftliche Einsicht in die ökonomische Struktur der bürgerlichen Gesell¬
schaft als einzig haltbare theoretische Grundlage aufgestellt und endlich
in populärer Form auseinandergesetzt, wie es sich nicht um Durchführung
irgend eines utopistischen Systems handle, sondern um selbstbewußte Teil¬
nahme an dem unter unsern Augen vor sich gehenden geschichtlichen
Umwälzungsprozeß der Gesellschaft.“ 3)
Schaffung und Festigung der Arbeiterorganisationen, Teilnahme an
der Massenbewegung und ihre Leitung, schonungsloser Kampf gegen anti¬
proletarische Strömungen, gegen die bürgerliche Ideologie, gegen die ver¬
schiedenen Formen der organisatorischen und ideellen Beeinflussung des
Proletariats durch die Bourgeoisie, — all das war für Marx und Engels
der wesentlichste, hervorragendste Zweck ihrer Tätigkeit. Gerade hierin
bestand die Verschmelzung der revolutionären Theorie mit der revolutio¬
nären Praxis, eine Verschmelzung, ohne die es keinen Marxismus gibt.4)
Der theoretische Kampf war für Marx und Engels ein untrennbarer Be¬
standteil des proletarischen Klassenkampfes überhaupt, der ohne eine
revolutionäre Theorie unmöglich ist. Andererseits ist aber die Theorie
keine fertige Schablone, kein starres Dogma, sondern eine „Anleitung zum
Handeln“. Die marxistische Theorie analysiert die wirklichen Wider¬
sprüche und spiegelt in ihren Resultaten die Veränderung der Wirklich¬
keit richtig wider. „Für den praktischen Materialisten, d. h. Kommu¬
nisten“, schreiben Marx und Engels, „handelt es sich darum, die be¬
stehende Welt zu revolutionieren, die vorgefundenen Dinge praktisch an¬
zugreifen und zu verändern“.5) Dieser Grundgedanke durchdringt nicht
nur die „Deutsche Ideologie“; er ist der Leitfaden ihrer gesamten wissen¬
1) „Die Kommunisten und Karl Heinzen“, MEGA I/6, S. 294 30—295 4.
2) Des Bundes der Gerechten
3) Ausgabe von 1860, S. 35
4) Siehe die Thesen ad Feuerbach S. 533—535 und die im Text verstreuten Be¬
merkungen S. 31—32, 60—61 u. a.
5) Siehe S. 32 und 60 unseres Bandes
XVI
Einleitung
schaftlichen und politischen Tätigkeit. Wer diese Grundlage ihrer Welt¬
anschauung nicht verstanden hat, hat vom Marxismus überhaupt nichts
verstanden.
In einem 1899 verfaßten Artikel schrieb Lenin: „Wir betrachten die
Theorie von Marx durchaus nicht als etwas Abgeschlossenes und Unan¬
tastbares; im Gegenteil, wir sind davon überzeugt, daß sie nur den Grund¬
stein jener Wissenschaft gelegt hat, deren allseitige Weiterbildung für die
Sozialisten, wollen sie Schritt mit dem Leben halten, eine Notwendigkeit
ist“.1) Geradeso haben Marx und Engels das Wesen der Theorie auf¬
gefaßt. In „Herr Vogt“ bemerkt Marx, daß „die verschiedenen Phasen,
die die deutsche Philosophie von 1839 bis 1846 durchlief, im Schoße die¬
ser Аrbeitergesellschäften 2) mit der eifrigsten Parteinahme verfolgt“ 3)
wurden. Als Analyse und Kritik der nachhegelschen und feuerbachschen
Philosophie war die „Deutsche Ideologie“ ein Muster theoretischen Kamp¬
fes, der den Zweck hatte, der Arbeiterklasse die Orientierung in theoreti¬
schen Fragen zu erleichtern. Ebendeshalb analysierten Marx und Engels
in der „Deutschen Ideologie“ mit solcher Ausführlichkeit die nachhegel¬
sche und feuerbachsche Philosophie als theoretische Basis des kleinbürger¬
lichen „wahren Sozialismus“, mit dem sie einen unerbittlichen Kampf
führten. Dieser Kampf ist kein bloß literarischer Streit. Gerade aus die¬
sem Grunde hatte „die deutsche Ideologie“ und hat sie auch heute noch
eine praktische Bedeutung für die Arbeiterbewegung.
Auch späterhin heben Marx und Engels immer wieder hervor, wie sie
während ihrer ganzen Tätigkeit den Opportunismus und die kleinbürger¬
liche Kompromißlerei unentwegt bekämpften. So schrieb Engels am
15. September 1879 an J. Ph. Becker, er habe, gelegentlich des Besuchs
des kleinbürgerlichen Demokraten Höchberg, diesem auseinandergesetzt,
..daß wir nicht daran denken könnten, die proletarische Fahne fallen zu
lassen, die wir seit fast 40 Jahren hochgehalten, und ebensowenig in den
allgemeinen kleinbürgerlichen Verbrüderungsdusel einzustimmen, den
wir nun ebenfalls seit beinahe 40 Jahren bekämpfen“.
Mißt man die sogenannten „Theoretiker“ der heutigen Sozialdemokra¬
tie an diesem Maßstab, so zeigt sich aufs schlagendste, bis zu welchem
Niveau die Theorie dieser Renegaten herabgesunken ist. Und doch wur¬
den einige ihrerzeit von Engels selbst in den Marxismus eingeführt und
haben unter seiner Leitung für die Sache des Proletariats nützliches ge¬
leistet. Die Linie des revolutionären Marxismus wird von der Kommuni¬
1) Lenin. Unser Programm. Socinenija (Werke). 2. Ausgabe des Lenininstituts.
Bd. II. Leningrad, 1926, S. 492
2) Es handelt sich um Arbeitergesellschaften, die sich um den ..Bund der Ge¬
rechten“ gruppierten
3) „Herr Vogt“ 1860, S. 35
Einleitung
XVII
stischen Internationale und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion
erfolgreich fortgesetzt. Das Proletariat der Sowjetunion hat das verwirk¬
licht, was Marx und Engels in der „Deutschen Ideologie“ schrieben: es
hat bewiesen, daß „die Revolution nicht nur nötig ist, weil die herrschende
Klasse auf keine andere Weise gestürzt werden kann, sondern auch, weil
die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den
ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung
der Gesellschaft befähigt zu werden“. Im Prozeß der Revolution schafft
das Proletariat der Sowjetunion „sich den ganzen alten Dreck vom Halse“,
in zähem Kampf „begründet es die Gesellschaft neu“, baut den Sozialis¬
mus auf.
Es ist hier nicht der Ort zu einer ausführlichen Darlegung des Ver¬
hältnisses von Marx und Engels zu Hegel und Feuerbach, einer Charakte¬
ristik der Weise, in der Marx und Engels den Ausgang aus dem Systemen-
labyrinth zur wirklichen, positiven Welterkenntnis gefunden haben. Die¬
ser Entwicklungsgang ist in der „Deutschen Ideologie“ selbst dargestellt
(siehe z. B. S. 215—216 u. a.). Engels hat diese Frage ausführlich in sei¬
nem „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Phi¬
losophie“ behandelt, worauf wir hiermit verweisen.
Die „Deutsche Ideologie“ verdient in noch einer Hinsicht Aufmerk¬
samkeit: in einem seiner Briefe an Bebel vom Jahre 1885 meint Engels,
er sei in seiner „naseweisen Jugendzeit zu raschem Aburteilen geneigt ge¬
wesen“ und erst von Marx habe er gelernt, „wie man arbeiten muß“. Ge¬
rade die „Deutsche Ideologie“ ist die erste Arbeit, die Engels in engster
Arbeitsgemeinschaft mit Marx geschrieben hat. Hier ist zum ersten Mal
die neue Weltanschauung in ihren Grundzüge umfassend dargestellt.
Bei der auf Grund der Originale erfolgten Druckfertigmachung der
einzelnen Manuskripte wie des Ganzen hielten wir uns an den Grundsatz,
die „Deutsche Ideologie“ in der Form wiederzugeben, wie sie von Marx
und Engels vor dem Scheitern der Veröffentlichung im Juli 1846 geplant
war. Das Werk sollte in zwei Bänden erscheinen, die sich aus folgenden
Manuskripten zusammensetzten: 1) die Marxsche „Vorrede“, 2) der zu¬
sammenfassende Teil des Ganzen, das Manuskript „I. Feuerbach“ 1), 3) ein
kleines Stück unter dem Titel: „Das Leipziger Konzil“, das die Einfüh¬
rung bildet zu den beiden Manuskripten (4) „II. Sankt Bruno“ und
(5) „III. Sankt Max“, 6) wieder ein kleines Stück, das Gegenstück zum
„Leipziger Konzil“, das sich umittelbar an den „III. Sankt Max“ an¬
schließt und den Titel führt: „Schluß des Leipziger Konzils“. Aus diesen
1) Dies unvollendet gebliebene Manuskript wurde von Marx mit zahlreichen Rand¬
bemerkungen versehen, die uns als Leitfaden für die Redigierung dienten
XVIII
Einleitung
sechs mehr oder minder vollständigen Teilen, die zusammen ein ganzes
bilden, sollte der 1. Band der Marx-Engelschen Kritik der deutschen Ideo¬
logie bestehen. Druckfertig gemacht und Weydemeyer zugegangen waren
nur die unter 3)—6) aufgezählten Teile. Der zweite Band sollte ebenfalls
aus sechs Teilen bestehen, von denen nur vier erhalten sind.1) Dies sind:
1) der einführende Teil: „Der wahre Sozialismus“, 2) „I.Die „Rheinischen
Jahrbücher“ oder die Philosophie des wahren Sozialismus“, 3) „IV. Karl
Grün: „Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien“ (Darmstadt,
1845) oder die Geschichtschreibung des wahren Sozialismus“ und 4)
„V. „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“, oder die Prophetie des wah¬
ren Sozialismus“. Über die Einzelheiten verweisen wir auf die „Beschrei¬
bung der Manuskripte und Sammlung der im Text getilgten Stellen“ am
Schluß unseres Bandes.
Diesen 10 Manuskripten gliederten wir im Anhang die Marxschen
Aufzeichnungen aus dem Notizbuch von 1844—1847 an. In der „Hegel¬
schen Konstruktion der Phänomenologie“ wird der Leser unschwer eine
Zusammenfassung der in der „Heiligen Familie“ 2) und den „ökonomisch¬
philosophischen Manuskripten“ 3) niedergelegten Resultate der Hegel-Kri¬
tik wiedererkennen. Die Verwertung dieser Resultate im Zusammenhang
mit der Kritik Feuerbachs war vorgesehen in den 4 Thesen, die sich im
Notizbuch unmittelbar über den berühmten 11 Thesen „1) ad Feuerbach“
befinden. Die theoretischen Ziele, die Marx und Engels in der „Deutschen
Ideologie“ verfolgten, hat Marx in seinen Notizen auf den letzten beiden
Seiten des Manuskripts „I. Feuerbach“ formuliert, die wir S. 536—537
unseres Bandes abdrucken. Das Engelssche Exzerpt aus Feuerbachs
„Grundsätzen der Philosophie der Zukunft“ 4) ist zwar nach Abschluß der
Arbeit an der „Ideologie“ gemacht worden, sollte aber von Marx für den
..I. Feuerbach“ benutzt werden, ebenso wie Engels’ Auszüge aus Feuer¬
bachs „Wesen der Religion“ 5). Endlich drucken wir auch einen im „Ge¬
sellschaftsspiegel“ anonym erschienenen Artikel ab. Abgesehen davon,
daß dieser Artikel, was einzelne Wendungen und ganze Sätze anlangt,
fast wörtlich im Schluß des 3. Kapitels des „II. Sankt Bruno“ wiederholt
wird 6), teilt Marx am 15. Mai 1847 (vgl. MEGA III/1. S. 71 2—3) Engels
mit, daß er in Gemeinschaft mit Edgar von Westphalen einen Artikel für
1) Wir wissen aus dem oben zitierten Brief von Marx an Leske. daß der Anfang
des zweiten Bandes ebenfalls nach Deutschland geschickt wurde. Es ist nicht aus¬
geschlossen. daß dabei die beiden fehlenden Manuskripte verloren gegangen sind
2) Siehe MEGA I/3. S. 231 2-6, 23-33 und S. 314 26—319 43, S. 344 43—345 2,
S. 370 4—372 32. sämtliche Stellen hat Lenin exzerpiert und charakterisiert
3) Siehe MEGA I/3. S. 154 25—170 28 und S. 592 19—593 8
4) Siehe S. 538—540 unseres Bandes
5) Siehe MEGA III/l. S. 47 19-27
6) Er ist in demselben Heft VII erschienen, in dem Marx’ Übersetzung Peuchets
..Vom Selbstmord“, (vgl. MEGA 1/3. S. 391—407) abgedruckt wurde
Einleitung
XIX
den „Gesellschaftsspiegel“ geschrieben habe. Der einzige Artikel im „Ge¬
sellschaftsspiegel, der außer dem Peuchet-Artikel Marx zum Verfasser
haben kann, ist der von uns abgedruckte.
Zum Schluß geben wir eine Beschreibung des Zustandes der Manu¬
skripte und eine Sammlung aller stilistisch und inhaltlich vom abgedruck¬
ten Text der „Ideologie“ abweichenden, im Original ausgemerzten und
nachträglich eingeschalteten Stellen. Hierauf folgen Quellennachweis,
Namen- und Sachregister. Der Band wurde druckfertig gemacht von
P. Weller.
Moskau, 15. Juni 1932
V. Adoratskij
DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE
KRITIK DER NEUESTEN DEUTSCHEN PHILOSOPHIE
IN IHREN REPRÄSENTANTEN, FEUERBACH,
B. BAUER UND STIRNER, UND DES
DEUTSCHEN SOZIALISMUS IN SEINEN
VERSCHIEDENEN PROPHETEN
DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE
V orrede 3
I. Feuerbach. Gegensatz von materiali¬
stischer und idealistischer Anschau¬
ung. [E i n 1 e i t u n g] 7
D as Leipziger Konzil 71
II. Sankt Bruno 75
III. Sankt Max 97
Schluß des Leipziger Konzils . . . 431
DerwahreSozialismus 435
I. Die „rheinischen Jahrbücher“, oder die
Philosophie des wahren Sozialismus . 441
IV. Karl Grün: „Die soziale Bewegung in
Frankreich und Belgien“ (Darmstadt,
1845) oder die Geschichtschreibung
des wahren Sozialismus 471
V. „Der Dr.Georg Kuhlmann aus Holstein“,
oder die Prophetie des wahren Sozia¬
lismus 519
Die Vorrede wurde Sommer 1846 in Brüssel geschrieben, zwischen
Anfang Mai und Mitte August
Vorrede
Die Menschen haben sich bisher stets falsche Vorstellungen
über sich selbst gemacht, von dem, was sie sind oder sein sollen.
Nach ihren Vorstellungen von Gott, von dem Normalmenschen
.5 usw. haben sie ihre Verhältnisse eingerichtet. Die Ausgeburten
ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Ge¬
schöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt. Befreien wir sie
von den Hirngespinsten, den Ideen, den Dogmen, den eingebilde¬
ten Wesen, unter deren Joch sie verkümmern. Rebellieren wir
10 gegen diese Herrschaft der Gedanken. Lehren wir sie, diese Ein¬
bildungen mit Gedanken vertauschen, die dem Wesen des Men¬
schen entsprechen, sagt der Eine, sich kritisch zu ihnen verhalten*
sagt der Andere, sie sich aus dem Kopf schlagen, sagt der Dritte*
und — die bestehende Wirklichkeit wird zusammenbrechen.
i > Diese unschuldigen und kindlichen Phantasien bilden den Kem
der neuem junghegelschen Philosophie, die in Deutschland nicht
nur von dem Publikum mit Entsetzen und Ehrfurcht empfangen,
sondern auch von den philosophischen Heroen selbst
mit dem feierlichen Bewußtsein der weltumstürzenden Gefähr-
20 lichkeit und der verbrecherischen Rücksichtslosigkeit ausgegeben
wird. Der erste Band dieser Publikation hat den Zweck, diese
Schafe, die sich für Wölfe halten und dafür gehalten werden, zu
entlarven, zu zeigen, wie sie die Vorstellungen der deutschen Bür¬
ger nur philosophisch nachblöken, wie die Prahlereien dieser
25 philosophischen Ausleger nur die Erbärmlichkeit der wirklichen
deutschen Zustände widerspiegeln. Sie hat den Zweck, den philo¬
sophischen Kampf mit den Schatten der Wirklichkeit, der dem
träumerischen und duseligen deutschen Volk zusagt, zu blamieren
und um den Kredit zu bringen.
30 Ein wackrer Mann bildete sich einmal ein, die Menschen erträn¬
ken nur im Wasser, weil sie vom Gedanken der Schwere
besessen wären. Schlügen sie sich diese Vorstellung aus dem
Kopfe, etwa indem sie dieselbe für eine abergläubige, für eine
religiöse Vorstellung erklärten, so seien sie über alle Wassers-
33 gefahr erhaben. Sein Leben lang bekämpfte er die Illusion der
Schwere, von deren schädlichen Folgen jede Statistik ihm neue
und zahlreiche Beweise lieferte. Der wackre Mann war der Typus
der neuen deutschen revolutionären Philosophen.
I
FEUERBACH
GEGENSATZ
VON
MATERIALISTISCHER UND IDEALISTISCHER
ANSCHAUUNG
[EINLEITUNG]
I. Feuerbach
7—67
Geschrieben in Brüssel September 1845 bis Mitte Oktober 1846.
Nicht beendet.
Wir haben die einzelnen Teile des Manuskripts nach den darin ent¬
haltenen Notizen von Marx umgestellt. Berücksichtigt wurden die auf
es bezüglichen Hinweise im Manuskript „III. Sankt Max“ u. a., aus denen
hervorgeht, daß der „I. Feuerbach“ die Einleitung zu b e i d e n Teilen der
„Deutschen Ideologie“ bildet, wie zum „Leipziger Konzil“, so auch zum
„Wahren Sozialismus“.
/1/
1
FEUERBACH
Wie deutsche Ideologen melden, hat Deutschland in den letzten
5 Jahren eine Umwälzung ohne Gleichen durchgemacht. Der Ver¬
wesungsprozeß des Hegelschen Systems, der mit Strauß begann,
hat sich zu einer Weltgärung entwickelt, in welche alle „Mächte
der Vergangenheit“ hineingerissen sind. In dem allgemeinen Chaos
haben sich gewaltige Reiche gebildet, um alsbald wieder Unter¬
zs zugehen, sind Heroen momentan aufgetaucht, um von kühneren
und mächtigeren Nebenbuhlern wieder in die Finsternis zurück¬
geschleudert zu werden. Es war eine Revolution, wogegen die
französische ein Kinderspiel ist, ein Weltkampf, vor dem die
Kämpfe der Diadochen kleinlich erscheinen. Die Prinzipien ver-
drängten, die Gedankenhelden überstürzten einander mit uner¬
hörter Hast, und in den drei Jahren 1842—45 wurde in Deutsch¬
land mehr aufgeräumt als sonst in drei Jahrhunderten.
Alles dies soll sich im reinen Gedanken zugetragen haben.
Es handelt sich allerdings um ein interessantes Ereignis: um
20 den Verfaulungsprozeß des absoluten Geistes. Nach Erlöschen
des letzten Lebensfunkens traten die verschiedenen Bestandteile
dieses Caput mortuum in Dekomposition, gingen neue Verbindun¬
gen ein und bildeten neue Substanzen. Die philosophischen In¬
dustriellen, die bisher von der Exploitation des absoluten Geistes
25 gelebt hatten, warfen sich jetzt auf die neuen Verbindungen. Jeder
betrieb den Verschleiß des ihm zugefallenen /[la]/ Anteils mit
möglichster Emsigkeit. Es konnte dies nicht abgehen ohne Kon¬
kurrenz. Sie wurde anfangs ziemlich bürgerlich und solide ge¬
führt. Später, als der deutsche Markt überführt war und die
so Ware trotz aller Mühe auf dem Weltmarkt keinen Anklang fand,
wurde das Geschäft nach gewöhnlicher deutscher Manier ver¬
dorben durch fabrikmäßige und Scheinproduktion, Verschlech-
8
Deutsche Ideologie. Einleitung
tenmg der Qualität, Sophistikation des Rohstoffs, Verfälschung
der Etiketten, Scheinkäufe, Wechselreiterei und ein aller reellen
Grundlage entbehrendes Creditsystem. Die Konkurrenz lief in
einen erbitterten Kampf aus, der uns jetzt als welthistorischer Um¬
schwung, als Erzeuger der gewaltigsten Resultate und Errungen- з
schäften angepriesen und konstruiert wird.
Um diese philosophische Marktschreierei, die selbst in der
Brust des ehrsamen deutschen Bürgers ein wohltätiges National¬
gefühl erweckt, richtig zu würdigen, um die Kleinlichkeit, die
lokale Borniertheit dieser ganzen junghegelschen Bewegung, um w
namentlich den tragikomischen Kontrast zwischen den wirklichen
Leistungen dieser Helden und den Illusionen über diese Leistun¬
gen anschaulich zu machen, ist es nötig sich den ganzen Spektakel
einmal von einem Standpunkte anzusehen, der außerhalb Deutsch¬
land liegt.
121
A. DIE IDEOLOGIE ÜBERHAUPT, NAMENTLICH DIE DEUTSCHE
Die deutsche Kritik hat bis auf ihre neuesten Efforts den Boden
der Philosophie nicht verlassen. Weit davon entfernt, ihre allge¬
mein-philosophischen Voraussetzungen zu untersuchen, sind ihre 20
sämtlichen Fragen sogar auf dem Boden eines bestimmten philo¬
sophischen Systems, desHegelschen, gewachsen. Nicht nur in ihren
Antworten, schon in den Fragen selbst lag eine Mystifikation.
Diese Abhängigkeit von Hegel ist der Grund, warum keiner dieser
neueren Kritiker eine umfassende Kritik des Hegelschen Systems 25
auch nur versuchte, so sehr Jeder von ihnen behauptet über Hegel
hinaus zu sein. Ihre Polemik gegen Hegel und gegen einander be¬
schränkt sich darauf, daß Jeder eine Seite des Hegelschen Systems
herausnimmt und diese sowohl gegen das ganze System, wie gegen
die von den Andern herausgenommenen Seiten wendet. Im An- 30
fange nahm man reine, unverfälschte Hegelsche Kategorien her¬
aus, wie Substanz und Selbstbewußtsein, später profanierte man
diese Kategorien durch weltlichere Namen, wie Gattung, der Ein¬
zige, der Mensch etc.
Die gesamte deutsche philosophische Kritik von Strauß bis 35
Stimer beschränkt sich auf Kritik der religiösen Vorstellun¬
gen. /[2a]/ Man ging aus von der wirklichen Religion und eigent¬
lichen Theologie. Was religiöses Bewußtsein, religiöse Vorstellung
I. Feuerbach
9
&ei, wurde im weiteren Verlauf verschieden bestimmt. Der Fort¬
schritt bestand darin, die angeblich herrschenden metaphysischen,
politischen, rechtlichen, moralischen und andern Vorstellungen
auch unter die Sphäre der religiösen oder theologischen Vorstel-
lungen zu subsumieren; ebenso das politische, rechtliche, mora¬
lische Bewußtsein für religiöses oder theologisches Bewußtsein,
und den politischen, rechtlichen, moralischen Menschen, in letzter
Instanz „den Menschen“, für religiös zu erklären. Die Herrschaft
der Religion wurde vorausgesetzt. Nach und nach wurde jedes
ю herrschende Verhältnis für ein Verhältnis der Religion erklärt
und in Kultus verwandelt, Kultus des Rechts, Kultus des Staats pp.
Überall hatte man es nur mit Dogmen und dem Glauben an
Dogmen zu tim. Die Welt wurde in immer größerer Ausdehnung
kanonisiert, bis endlich der ehrwürdige Sankt Max sie en bloc
iS heilig sprechen und damit ein für allemal abfertigen konnte.
Die Althegelianer hatten Alles begriffen, sobald es auf
eine Hegelsche logische Kategorie zurückgeführt war. Die Jung¬
hegelianer kritisierten Alles, indem sie ihm religiöse Vor¬
stellungen unterschoben oder es für theologisch erklärten. Die
20 Junghegelianer stimmen mit den Althegelianem überein in dem
Glauben an die Herrschaft der Religion, der Begriffe, des Allge¬
meinen in der bestehenden Welt. Nur bekämpfen die Einen die
Herrschaft als Usurpation, welche die Andern als legitim feiern.
/[2b]/ Da bei diesen Junghegelianem die Vorstellungen, Ge-
25 danken, Begriffe, überhaupt die Produkte des von ihnen verselbst¬
ständigten Bewußtseins für die eigentlichen Fesseln der Menschen
gelten, gerade wie sie bei den Althegelianem für die wahren Bande
der menschlichen Gesellschaft erklärt werden, so versteht es sich,
daß die Junghegelianer auch nur gegen diese Illusionen des Be-
■30 wnßtseins zu kämpfen haben. Da nach ihrer Phantasie die Ver¬
hältnisse der Menschen, ihr ganzes Tun und Treiben, ihre Fesseln
und Schranken Produkte ihres Bewußtseins sind, so stellen die
Junghegelianer konsequenter Weise das moralische Postulat an
sie, ihr gegenwärtiges Bewußtsein mit dem menschlichen, kriti-
35 sehen oder egoistischen Bewußtsein zu vertauschen und dadurch
ihre Schranken zu beseitigen. Diese Forderung, das Bewußtsein
zu verändern, läuft auf die Forderung hinaus, das Bestehende
anders zu interpretieren, d.h. es vermittelst einer andren Inter¬
pretation anzuerkennen. Die junghegelschen Ideologen sind trotz
*0 ihrer angeblich „welterschüttemden“ Phrasen die größten Kon¬
servativen. Die jüngsten von ihnen haben den richtigen Ausdruck
für ihre Tätigkeit gefunden, wenn sie behaupten, nur gegen
„Phrasen“ zu kämpfen. Sie vergessen nur, daß sie diesen
Phrasen selbst nichts als Phrasen entgegensetzen, und daß sie die
45 wirkliche bestehende Welt keineswegs bekämpfen, wenn sie nur
10
Deutsche Ideologie. Einleitung
die Phrasen dieser Welt bekämpfen. Die einzigen Resultate, wo¬
zu diese philosophische Kritik es bringen konnte, 7 [2c]/waren
einige und noch dazu einseitige, religionsgeschichtliche Aufklä¬
rungen über das Christentum; ihre sämtlichen sonstigen Behaup¬
tungen sind nur weitere Ausschmückungen ihres Anspruchs, mit з
diesen unbedeutenden Aufklärungen welthistorische Entdeckungen
geliefert zu haben.
Keinem von diesen Philosophen ist es eingefallen, nach dem
Zusammenhänge der deutschen Philosophie mit der deutschen
Wirklichkeit, nach dem Zusammenhänge ihrer Kritik mit ihrer io
eignen materiellen Umgebung zu fragen.
'[l?b]/ Die Voraussetzungen, mit denen wir beginnen, sind
keine willkürlichen, keine Dogmen, es sind wirkliche Vorausset¬
zungen, von denen man nur in der Einbildung abstrahieren kann.
Es sind die wirklichen Individuen, ihre Aktion und ihre materiel- /5
len Lebensbedingungen, sowohl die vorgefundenen wie die durch
ihre eigne Aktion erzeugten, Diese Voraussetzungen sind also
/[l?c]/ auf rein empirischem Wege konstatierbar.
Die erste Voraussetzung aller Menschengeschichte ist natürlich
die Existenz lebendiger menschlicher Individuen. Der erste zu 20
konstatierende Tatbestand ist also die körperliche Organisation
dieser Individuen und ihr dadurch gegebenes Verhältnis zur übri¬
gen Natur. Wir können hier natürlich weder auf die physische Be¬
schaffenheit der Menschen selbst, noch auf die von den Menschen
vorgefundenen Naturbedingungen, die geologischen, oro-hydro- 25
graphischen, klimatischen und andern Verhältnisse eingehen.
Alle Geschichtschreibung muß von diesen natürlichen Grundlagen
und ihrer Modifikation im Lauf der Geschichte durch die Aktion
der Menschen ausgehen.
Man kann die Menschen durch das Bewußtsein, durch die Reli- зо
gion, durch was man sonst will, von den Tieren unterscheiden. Sie
selbst fangen an sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie
anfangen ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der
durch ihre körperliche Organisation bedingt ist. Indem die Men¬
schen ihre Lebensmittel produzieren, produzieren sie indirekt ihr 35
materielles Leben selbst.
Die Weise, in der die Menschen ihre Lebensmittel produzieren,
hängt zunächst von der Beschaffenheit der vorgefundenen und zu
reproduzierenden Lebensmittel selbst ab. /[2?V Diese Weise der
Produktion ist nicht bloß nach der Seite hin zu betrachten, daß sie /"
I. Feuerbach
11
die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist. Sie
ist vielmehr schon eine bestimmte Art der Tätigkeit dieser Indivi¬
duen, eine bestimmte Art, ihr Leben zu äußern, eine bestimmte
Lebensweise derselben. Wie die Individuen ihr Leben äußern,
3 so sind sie. Was sie sind, fällt also zusammen mit ihrer Produk¬
tion, sowohl damit, w а s sie produzieren, als auch damit, w i e sie
pr oduzieren. Was die Individuen also sind, das hängt ab von den
materiellen Bedingungen ihrer Produktion.
Diese Produktion tritt erst ein mit der Vermehrung der
10 Bevölkerung. Sie setzt selbst wieder einen Verkehr der
Individuen untereinander voraus. Die Form dieses Verkehrs ist
wieder durch die Produktion bedingt.
/(31/ Die Beziehungen verschiedener Nationen unter einander
hängen davon ab, wie weit jede von ihnen ihre Produktivkräfte,
15 die Teilung der Arbeit, und den innem Verkehr entwickelt hat.
Dieser Satz ist allgemein anerkannt. Aber nicht nur die Beziehung
einer Nation zu anderen, sondern auch die ganze innere Gliederung
dieser Nation selbst hängt von der Entwicklungsstufe ihrer Pro¬
duktion und ihres innem und äußern Verkehrs ab. Wie weit die
2o Produktionskräfte einer Nation entwickelt sind, zeigt am augen¬
scheinlichsten der Grad, bis zu dem die Teilung der Arbeit ent-
' wickelt ist. Jede neue Produktivkraft, sofern sie nicht eine bloß
quantitative Ausdehnung der bisher schon bekannten Produktiv¬
kräfte ist (z. B. Urbarmachung von Ländereien), hat eine neue
25 Ausbildung der Teilung der Arbeit zur Folge.
Die Teilung der Arbeit innerhalb einer Nation führt zunächst
die Trennung der industriellen und kommerziellen von der acker¬
bauenden Arbeit, und damit die Trennung von Stadt und Land
und den Gegensatz der Interessen Beider herbei. Ihre weitere Ent-
30 wicklung führt zur Trennung der kommerziellen Arbeit von der
industriellen. Zu gleicher Zeit entwickeln sich durch die Teilung
der Arbeit innerhalb dieser verschiednen B nchen wieder ver¬
schiedene Abteilungen unter den zu bes* nten Arbeiten zu¬
sammenwirkenden Individuen. Die Stelhu ieser einzelnen Ab-
35 teilungen gegen einander ist bedingt durc e Betriebsweise der
ackerbauenden, industriellen und komme llen Arbeit (Patri-
archalismus, Sklaverei, Stände, Klassen). ^selben Verhältnisse
zeigen sich bei entwickelterem Verkehr in I ]l den Beziehungen
verschiedner Nationen zu einander.
io Die verschiedenen Entwicklungsstufen de Teilung der Arbeit
sind eben soviel verschiedene Formen des Eigentums; d. h. die
jedesmalige Stufe der Teilung der Arbeit bestimmt auch die Ver¬
hältnisse der Individuen zu einander in Beziehung auf das Ma¬
terial, Instrument und Produkt der Arbeit.
15 Die erste Form des Eigentums ist das Stammeigentum. Es ent¬
12
Deutsche Ideologie. Einleitung
spricht der unentwickelten Stufe der Produktion, auf der ein Volk
von Jagd und Fischfang, von Viehzucht oder höchstens vom Acker¬
bau sich nährt. Es setzt in diesem letzteren Falle eine große Masse
unbebauter Ländereien voraus. Die Teilung der Arbeit ist auf
dieser Stufe noch sehr wenig entwickelt, und beschränkt sich auf <5
eine weitere Ausdehnung der in der Familie gegebenen naturwüch¬
sigen Teilung der Arbeit. Die gesellschaftliche Gliederung be¬
schränkt sich daher auf eine Ausdehnung der Familie: patriarcha¬
lische Stammhäupter, unter ihnen die Stammitglieder, endlich
Sklaven. Die in der Familie latente Sklaverei entwickelt sich erst 10
allmählich mit der Vermehrung der Bevölkerung und der Bedürf¬
nisse und mit der Ausdehnung des äußern Verkehrs, sowohl des
Kriegs wie des Tauschhandels.
Die zweite Form ist das antike Gemeinde- und Staatseigentum,
das namentlich aus der Vereinigung mehrerer Stämme zu einer л
Stadt durch Vertrag oder Eroberung hervorgeht und bei dem die
Sklaverei fortbestehen bleibt. Neben dem Gemeindeeigentum ent¬
wickelt sich schon das mobile und später auch das immobile Privat¬
eigentum, aber als eine abnorme, dem Gemeindeigentum unter¬
geordnete Form. Die Staatsbürger besitzen nur in ihrer Gemein- 20
T [3b] / schäft die Macht über ihre arbeitenden Sklaven und sind
schon deshalb an die Form des Gemeindeeigentums gebunden. Es
ist das gemeinschaftliche Privateigentum der aktiven Staatsbürger,
die den Sklaven gegenüber gezwungen sind in dieser naturwüchsi¬
gen Weise der Assoziation zu bleiben. Daher verfällt die ganze hier- 25
auf basierende Gliederung der Gesellschaft und mit ihr die Macht
des Volks in demselben Grade, in dem namentlich das immobile
Privateigentum sich entwickelt. Die Teilung der Arbeit ist schon
entwickelter. Wir finden schon den Gegensatz von Stadt und Land,
später den Gegensatz zwischen Staaten, die das städtische, und die 30
das Land-Interes
den Gegensatz zwi
hältnis zwischen B
/62/ Dieser ganz
der Eroberung zu wi
Krieg.
schichte gemacht. Wir können uns hier nur auf die Hauptpunkte
beschränken und nehmen daher nur das frappante Beispiel, die
Zerstörung einer alten Zivilisation durch ein barbarisches Volk
und die sich darar nknüpfende, von vom anfangende Bildung 40
einer neuen Glied ~ ~ - - -
Feudalität und C
Bei dem eroberr
schon oben angv
so еіГт*і<*ег exploitiert wird, je mehr der Zuwachs der Bevölkerung 45
präsentieren und innerhalb der Städte selbst
n Industrie und Seehandel. Das Klassenver-
m und Sklaven ist vollständig ausgebildet.
Geschichtsauffassung scheint das Faktum
sprechen. Man hat bisher die Gewalt, den зз
Plünderung, I aubmord pp zur treibenden Kraft der Ge-
I ng der Gesellschaft. (Rom und Barbaren,
ien, oströmisches Reich und Türken.) /63/
а Barbarenvolke ist der Krieg selbst noch, wie
mtet, eine regelmäßige Verkehrsform, die um
I. Feuerbach
13
bei der hergebrachten und für sie einzig möglichen rohen Pro¬
duktionsweise das Bedürfnis neuer Produktionsmittel schafft. In
Italien dagegen war durch die Konzentration des Grundeigen¬
tums (verursacht außer durch Aufkauf und Verschuldung auch
5 noch durch Erbschaft, indem bei der großen Liederlichkeit und
den seltnen Heiraten die alten Geschlechter allmählich ausstarben,
und ihr Besitz Wenigen zufiel) und Verwandlung desselben in
Viehweiden (die außer durch die gewöhnlichen noch heute gülti¬
gen ökonomischen Ursachen, durch die Einfuhr geraubten und
10 Tributgetreides und den hieraus folgenden Mangel an Konsumen¬
ten für italisches Kom verursacht wurde), die freie Bevölke¬
rung fast verschwunden, die Sklaven selbst starben immer wieder
aus und mußten stets durch neue ersetzt werden. Die Sklaverei
blieb die Basis der gesamten Produktion. Die Plebejer, zwischen
15 Freien und Sklaven stehend, brachten es nie über ein Lumpenpro¬
letariat hinaus. Überhaupt kam Rom nie über die Stadt hinaus
’ und stand mit den Provinzen in einem fast nur politischen Zusam¬
menhänge, der natürlich auch wieder durch politische Ereignisse
unterbrochen werden konnte. —
го /[3b]/ Mit der Entwicklung des Privateigentums treten hier zu¬
erst dieselben Verhältnisse ein, die wir beim modernen Privat¬
eigentum, nur in ausgedehnterem Maßstabe, wiederfinden werden.
Einerseits die Konzentration des Privateigentums, die in Rom sehr
früh anfing (Beweis das licinische Ackergesetz), seit den Bürger-
25 kriegen und namentlich unter den Kaisern sehr rasch vor sich ging;
andrerseits im Zusammenhänge hiermit die Verwandlung der ple¬
bejischen kleinen Bauern in ein Proletariat, das aber bei seiner
halben Stellung zwischen besitzenden Bürgern und Sklaven zu
keiner selbstständigen Entwicklung kam.
3o Die dritte Form ist das feudale oder ständische Eigentum. Wenn
das Altertum von der Stadt und ihrem kleinen Gebiet ausging,
so ging das Mittelalter vom Lande aus. Die vorgefundene dünne,
über eine große Bodenfläche zersplitterte Bevölkerung, die durch
die Eroberer keinen großen Zuwachs erhielt, bedingte diesen ver-
35 änderten Ausgangspunkt. Im Ge-/[3c]/gensatz zu Griechenland
und Rom beginnt die feudale Entwicklung daher auf einem viel
ausgedehnteren, durch die römischen Eroberungen und die an¬
fangs damit verknüpfte Ausbreitung der Agrikultur vorbereiteten
Terrain. Die letzten Jahrhunderte des verfallenden römischen
40 Reichs und die Eroberung durch die Barbaren selbst zerstörten
eine Masse von Produktivkräften; der Ackerbau war gesunken,
die Industrie aus Mangel an Absatz verfallen, der Handel einge¬
schlafen oder gewaltsam unterbrochen, die ländliche und städ¬
tische Bevölkerung hatte abgenommen. Diese vorgefundenen Ver-
45 hältnisse und die dadurch bedingte Weise der Organisation der
14
Deutsche Ideologie. Einleitung
Eroberung entwickelten unter dem Einflüsse der germanischen
Heerverfassung das feudale Eigentum. Es beruht, wie das
Stamm- und Gemeinde-Eigentum, wieder auf einem Gemeinwesen,
dem aber nicht wie dem antiken, die Sklaven, sondern die leib¬
eignen kleinen Bauern als unmittelbar produzierende Klasse ■>
gegenüberstehen. Zugleich mit der vollständigen Ausbildung des
Feudalismus tritt noch der Gegensatz gegen die Städte hinzu. Die
hierarchische Gliederung des Grundbesitzes und die damit zusam¬
menhängenden bewaffneten Gefolgschaften gaben dem Adel die
Macht über die Leibeignen. Diese feudale Gliederung war eben- w
sogut wie das antike Gemeindeeigentum eine Assoziation gegen¬
über der beherrschten produzierenden Klasse; nur war die Form
der Assoziation und das Verhältnis zu den unmittelbaren Produ¬
zenten verschieden, weil verschiedene Produktionsbedingungen
vorlagen.
Dieser feudalen Gliederung des Grundbesitzes entsprach in den
Städten das korporative Eigentum, die feudale Organisation
des Handwerks. Das Eigentum bestand /4/ hier hauptsächlich
in der Arbeit jedes Einzelnen. Die Notwendigkeit der Assoziation
gegen den assoziierten Raubadel, das Bedürfnis gemeinsamer 20
Markthallen in einer Zeit, wo der Industrielle zugleich Kaufmann
war, die wachsende Konkurrenz der den aufblühenden Städten zu¬
strömenden entlaufnen Leibeignen, die feudale Gliederung des
ganzen Landes führten die Zünfte herbei; die allmählich er¬
sparten kleinen Kapitalien einzelner Handwerker und ihre stabile 25
Zahl bei der wachsenden Bevölkerung entwickelten das Gesellen-
und Lehrlingsverhältnis, das in den Städten eine ähnliche Hier¬
archie zu Stande brachte wie die auf dem Lande.
Das Haupteigentum bestand während der Feudalepoche also in
Grundeigentum mit daran geketteter Leibeignenarbeit einerseits, зо
und eigner Arbeit mit kleinem, die Arbeit von Gesellen beherr¬
schendem Kapital andrerseits. Die Gliederung von Beiden war
durch die bornierten Produktionsverhältnisse — die geringe und
rohe Bodenkultur und die handwerksmäßige Industrie — bedingt.
Teilung der Arbeit fand in der Blüte des Feudalismus wenig Statt, за
Jedes Land hatte den Gegensatz von Stadt und Land in sich; die
Ständegliederung war allerdings sehr scharf ausgeprägt, aber
außer der Scheidung von Fürsten, Adel, Geistlichkeit und Bauern
auf dem Lande, und Meistern, Gesellen, Lehrlingen, und bald auch
Taglöhnerpöbel in den Städten fand keine bedeutende Teilung 40
statt. Im Ackerbau war sie durch die parzellierte Bebauung er¬
schwert, neben der die Hausindustrie der Bauern selbst aufkam,
in der Industrie war die Arbeit in den einzelnen Handwerken
selbst gar nicht, unter ihnen sehr wenig geteilt. Die Teilung von
Industrie und Handel wurde in älteren Städten vorgefunden, ent- 45
I. Feuerbach
15
wickelte sich in den neueren erst später, als die Städte unter sich
in Beziehung /[4a]/ traten.
Die Zusammenfassung größerer Länder zu feudalen König¬
reichen war für den Grundadel wie für die Städte ein Bedürfnis.
5 Die Organisation der herrschenden Klasse, des Adels, hatte daher
überall einen Monarchen an der Spitze.
/ !5) t Die Tatsache ist also die: bestimmte Individuen, die auf
bestimmte Weise produktiv tätig sind, gehen diese bestimmten ge¬
sellschaftlichen und politischen Verhältnisse ein. Die empirische
ю Beobachtung muß in jedem einzelnen Fall den Zusammenhang der
gesellschaftlichen und politischen Gliederung mit der Produktion
empirisch und ohne alle Mystifikation und Spekulation aufweisen.
Die gesellschaftliche Gliederung und der Staat gehen beständig aus
dem Lebensprozeß bestimmter Individuen hervor; aber dieser In-
15 dividuen, nicht wie sie in der eignen oder fremden Vorstellung er¬
scheinen mögen, sondern wie sie wirklich sind, d. h. wie sie
wirken, materiell produzieren, also wie sie unter bestimmten ma¬
teriellen und von ihrer Willkür unabhängigen Schranken, Voraus¬
setzungen und Bedingungen tätig sind.
го /[5a]/ Die Produktion der Ideen, Vorstellungen, des Bewußt¬
seins ist zunächst unmittelbar verflochten in die materielle Tätig¬
keit und den materiellen Verkehr der Menschen, Sprache des wirk¬
lichen Lebens. Das Vorstellen, Denken, der geistige Verkehr der
Menschen erscheinen hier noch als direkter Ausfluß ihres materiel-
25 len Verhaltens. Von der geistigen Produktion^ wie sie in der Sprache
der Politik, der Gesetze, der Moral, der Religion, Metaphysik usw.
eines Volkes sich darstellt, gilt dasselbe. Die Menschen sind die
Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp, aber die wirklichen,
wirkenden Menschen, wie sie bedingt sind durch eine bestimmte
30 Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechen¬
den Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Be¬
wußtsein kann nie etwas Andres sein als das bewußte Sein, und das
Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß. Wenn in der
ganzen Ideologie die Menschen und ihre Verhältnisse, wie in einer
35 Camera obscura, auf den Kopf gestellt erscheinen, so geht dies
Phänomen ebensosehr aus ihrem historischen Lebensprozeß her¬
vor, wie die Umdrehung der Gegenstände auf der Netzhaut aus
ihrem unmittelbar physischen.
/[5b]/ Ganz im Gegensatz zur deutschen Philosophie, welche
40 vom Himmel auf die Erde herabsteigt, wird hier von der Erde zum
Himmel gestiegen. D. h. es wird nicht ausgegangen von dem, was
die Menschen sagen, sich einbilden, sich vorstellen, auch nicht von
den gesagten, gedachten, eingebildeten, vorgestellten Menschen,
um davon aus bei den leibhaftigen Menschen anzukommen; es
45 wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegarigen und aus
16
Deutsche Ideologie. Einleitung
ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideolo¬
gischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt.
Auch die Nebelbildungen im Gehirn der Menschen sind notwen¬
dige Sublimate ihres materiellen, empirisch konstatierbaren, und
an materielle Voraussetzungen geknüpften Lebensprozesses. Die з
Moral, Religion, Metaphysik und sonstige Ideologie und die ihnen
entsprechenden Bewußtseinsformen behalten hiermit nicht länger
den Schein der Selbstständigkeit. Sie haben keine Geschichte, sie
haben keine Entwicklung, sondern die ihre materielle Produktion
und ihren materiellen Verkehr entwickelnden Menschen ändern 10
mit dieser ihrer Wirklichkeit auch ihr Denken und die Produkte
ihres Denkens. Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, son¬
dern das Leben bestimmt das Bewußtsein. In der ersten Betrach¬
tungsweise geht man von dem Bewußtsein als dem lebendigen In¬
dividuum aus, in der zweiten, dem wirklichen Leben entsprechen- 15
den, von den wirklichen lebendigen Individuen selbst und betrach¬
tet das Bewußtsein nur als ihr Bewußtsein.
Diese Betrachtungsweise ist nicht voraussetzungslos. Sie geht
von den wirklichen Voraussetzungen aus, sie verläßt sie keinen
Augenblick. Ihre Voraussetzungen sind die Menschen nicht in 20
irgend einer phantastischen Abgeschlossenheit und Fixierung, son¬
dern in ihrem wirklichen /[5c]/ empirisch anschaulichen Entwick¬
lungsprozeß unter bestimmten Bedingungen. Sobald dieser tätige
Lebensprozeß dargestellt wird, hört die Geschichte auf, eine
Sammlung toter Fakta« zu sein, wie bei den selbst noch abstrakten 25
Empirikern, oder eine eingebildete Aktion eingebildeter Subjekte,
wie bei den Idealisten.
Da, wo die Spekulation aufhört, beim wirklichen Leben, be¬
ginnt also die wirkliche, positive Wissenschaft, die Darstellung
der praktischen Betätigung, des praktischen Entwicklungspro- зіг
zesses der Menschen. Die Phrasen vom Bewußtsein hören auf,
wirkliches Wissen muß an ihre Stelle treten. Die selbstständige
Philosophie verliert mit der Darstellung der Wirklichkeit ihr
Existenzmedium. An ihre Stelle kann höchstens eine Zusammen¬
fassung der allgemeinsten Resultate treten, die sich aus der Be- 35
trachtung der historischen Entwicklung der Menschen abstra¬
hieren lassen. Diese Abstraktionen haben für sich, getrennt von
der wirklichen Geschichte, durchaus keinen Wert. Sie können nur
dazu dienen, die Ordnung des geschichtlichen Materials zu erleich¬
tern, die Reihenfolge seiner einzelnen Schichten anzudeuten. Sie 40
geben aber keineswegs, wie die Philosophie, ein Rezept oder
Schema, wonach die geschichtlichen Epochen zurechtgestutzt wer¬
den können. Die Schwierigkeit beginnt im Gegenteil erst da, wo
man sich an die Betrachtung uqd Ordnung des Materials, sei es
einer vergangnen Epoche oder der Gegenwart, an die wirkliche 45
I. Feuerbach
17
Darstellung gibt. Die Beseitigung dieser Schwierigkeiten ist durch
Voraussetzungen bedingt, die keineswegs hier gegeben werden
können, sondern die erst aus dem Studium des wirklichen Lebens¬
prozesses und der Aktion der Individuen jeder Epoche sich er-
5 geben. Wir nehmen hier einige dieser Abstraktionen heraus, die
wir gegenüber der Ideologie gebrauchen, und werden sie an histo¬
rischen Beispielen erläutern.
[1.] Geschichte
/11/ Wir müssen bei den voraussetzungslosen Deutschen da-
Ю mit anfangen, daß wir die erste Voraussetzung aller menschlichen
Existenz, also auch aller Geschichte konstatieren, nämlich die
Voraussetzung, daß die Menschen im Stande sein müssen zu leben,
um „Geschichte machen“ zu können. Zum Leben aber gehört vor
Allem Essen und Trinken, Wohnung, Kleidung und noch einiges
15 Andere. Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der
Mittel zur Befriedigung dieser Bedürfnisse, die Produktion des
materiellen Lebens selbst, und zwar ist dies eine geschichtliche
Tat, eine Grundbedingung aller Geschichte, die noch heute, wie
vor Jahrtausenden, täglich und stündlich erfüllt werden muß, um
20 die Menschen nur am Leben zu erhalten. Selbst wenn die Sinnlich¬
keit, wie beim heiligen Bruno, auf einen Stock, auf das Minimum
reduziert ist, setzt sie die Tätigkeit der Produktion dieses Stockes
voraus. Das Erste also bei aller geschichtlichen Auffassung ist, daß
man diese Grundtatsache in ihrer ganzen Bedeutung und ihrer
25 ganzen Ausdehnung beobachtet und zu ihrem Rechte kommen läßt.
Dies haben die Deutschen bekanntlich nie getan, daher nie eine
irdische Basis für die Geschichte und folglich nie einen Histo¬
riker gehabt. Die Franzosen und Engländer, wenn sie auch den
Zusammenhang dieser Tatsache mit der sogenannten Geschichte
го nur höchst einseitig auffaßten, namentlich solange sie in der poli¬
tischen Ideologie befangen waren, so haben sie doch immerhin die
ersten Versuche gemacht, der Geschichtschreibung eine materia¬
listische Basis zu geben, indem sie zuerst Geschichten der bürger-
9 Auf der Höhe des hier beginnenden nicht durchgestrichenen Textes ' machte
Marx in der rechten Spalte die Angabe: Geschichte.
13—15 Auf der Höhe dieses Satzes notierte Marx in der rechten Spalte:
Hegel.
Geologische, hydrographische etc. Verhältnisse.
Die menschlichen Leiber. Bedürfnis, Arbeit.
Marx-Engels-Cesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 2
18
Deutsche Ideölogie. Einleitung
liehen Gesellschaft, des Handels und der Industrie schrieben. —
Das Zweite ist, /12/ daß das befriedigte erste Bedürfnis selbst,
die Aktion der Befriedigung und das schon erworbene Instrument
der Befriedigung zu neuen Bedürfnissen führt — und diese Er¬
zeugung neuer Bedürfnisse ist die erste geschichtliche Tat. Hieran з
zeigt sich sogleich, wes Geistes Kind die große historische Weis¬
heit der Deutschen ist, die da, wo ihnen das positive Material aus¬
geht, und wo weder theologischer, noch politischer, noch literari¬
scher Unsinn verhandelt wird, gar keine Geschichte, sondern die
„vorgeschichtliche Zeit“ sich ereignen lassen, ohne uns indes dar- 10
über aufzuklären, wie man aus diesem Unsinn der „Vorge¬
schichte“ in die eigentliche Geschichte kommt — obwohl auf der
andern Seite ihre historische Spekulation sich ganz besonders auf
diese „Vorgeschichte“ wirft, weil sie da sicher zu sein glaubt vor
den Eingriffen des „rohen Faktums“ und zugleich weil sie hier is
ihrem spekulierenden Triebe alle Zügel schießen lassen und Hy¬
pothesen zu Tausenden erzeugen und umstoßen kann. — Das
dritte Verhältnis, was hier gleich von vorn herein in die geschicht¬
liche Entwicklung eintritt, ist das, daß die Menschen, die ihr
eignes Leben täglich neu machen, anfangen, andre Menschen zu 20
machen, sich fortzupflanzen — das Verhältnis zwischen Mann und
Weib, Eltern und Kindern, die Familie. Diese Familie, die im
Anfänge das einzige soziale Verhältnis ist, wird späterhin, wo die
vermehrten Bedürfnisse neue gesellschaftliche Verhältnisse, und
die vermehrte Menschenzahl neue Bedürfnisse erzeugen, zu einem 25
untergeordneten (ausgenommen in Deutschland), und muß als¬
dann nach den existierenden empirischen Daten, nicht nach dem
„Begriff der Familie“, wie man in Deutschland zu tun pflegt, be¬
handelt und entwickelt werden. [*}] Übrigens sind diese drei Seiten
[•> ] /53/ Häuserbau. Bei den Wilden versteht es sich von selbst, daß 30
jede Familie ihre eigne Höhle oder Hütte hat, wie bei den Nomaden das se¬
parate Zelt jeder Familie. Diese getrennte Hauswirtschaft wird durch die
weitere Entwicklung des Privateigentums nur noch nötiger gemacht. Bei
den Agrikulturvölkern ist die gemeinsame Hauswirtschaft ebenso unmög¬
lich wie die gemeinsame Bodenkultur. Ein großer Fortschritt war die Er- зз
bauung von Städten. In allen bisherigen Perioden war indes die Auf¬
hebung der getrennten Wirtschaft, die von der Aufhebung des Privateigen¬
tums nicht zu trennen ist, schon deswegen unmöglich, weil die materiellen
Bedingungen dazu nicht vorhanden waren. Die Einrichtung einer gemein¬
samen Hauswirtschaft setzt die Entwicklung der Maschinerie, der Be- *o
nutzung der Naturkräfte, und vieler andern Produktivkräfte voraus — z.B.
der Wasserleitungen, der /54/ Gasbeleuchtung, der Dampfheizung etc.,
Aufhebung von Stadt und Land. Ohne diese Bedingungen würde die ge¬
meinsame Wirtschaft nicht selbst wieder eine neue Produktionskraft sein,
aller materiellen Basis entbehren, auf einer bloß theoretischen Grundlage и
beruhen, d. h. eine bloße Marotte sein und es nur zur Klosterwirtschaft
I. Feuerbach
19
der sozialen Tätigkeit nicht als drei verschiedne Stuferi zu fassen,
sondern eben nur als drei Seiten, oder um für die Deutschen klar
zu schreiben, drei „Momente“, die vom Anbeginn der Geschichte
an und seit den ersten Menschen zugleich existiert haben und sich
5 noch heute in der Geschichte geltend machen. — Die Produktion
des Lebens, sowohl des eignen in der Arbeit wie des fremden in der
Zeugung, erscheint nun schon sogleich als ein doppeltes /13/ Ver¬
hältnis — einerseits als natürliches, andrerseits als gesellschaft¬
liches Verhältnis gesellschaftlich in dem Sinne, als hierunter
2Q das Zusammenwirken mehrerer Individuen, gleichviel unter wel¬
chen Bedingungen, auf welche Weise und zu welchem Zweck ver¬
standen wird, Hieraus geht hervor, daß eine bestimmte Produk¬
tionsweise oder industrielle Stufe stets mit einer bestimmten Weise
des Zusammenwirkens oder gesellschaftlichen Stufe vereinigt ist,
25 und diese Weise des Zusammenwirkens ist selbst eine „Produktiv¬
kraft“, daß die Menge der den Menschen zugänglichen Produktiv¬
kräfte den gesellschaftlichen Zustand bedingt und also die „Ge¬
schichte der Menschheit“ stets im Zusammenhänge mit der Ge¬
schichte der Industrie und des Austausches studiert und bearbeitet
so werden muß! Es ist aber auch klar, wie es in Deutschland unmög¬
lich ist, solche Geschichte zu schreiben, da den Deutschen dazu
nicht nur die Auffassungsfähigkeit und das Material, sondern
auch die „sinnliche Gewißheit“ abgeht, und man jenseits des
Rheins über diese Dinge keine Erfahrungen machen kann, weil
25 dort keine Geschichte mehr vorgeht. Es zeigt sich also schon von
vorn herein ein materialistischer Zusammenhang der Menschen
unter einander, der durch die Bedürfnisse und die Weise der Pro¬
duktion bedingt und so alt ist wie die Menschen selbst — ein Zu¬
sammenhang, der stets neue Formen annimmt und also eine „Ge-
30 schichte“ darbietet, auch ohne daß irgend ein politischer oder
religiöser Nonsens existiert, der die Menschen noch extra Zu¬
sammenhalte. — Jetzt erst, nachdem wir bereits vier Momente, vier
Seiten der ursprünglichen, geschichtlichen Verhältnisse betrachtet
haben, finden wir, daß der Mensch auch „Bewußtsein“ hat. Aber
35 auch dies nicht von vornherein, цк „reines“ Bewußtsein. Der
„Geist“ hat von vornherein /14/ den Fluch an sich, mit der Materie
bringen. — Was möglich war, zeigt sich in der Zusammenrückung zu
Städten und in der Erbauung gemeinsamer Häuser zu einzelnen bestimmten
Zwecken (Gefängnisse, Kasernen pp). Daß die Aufhebung der getrennten
io Wirtschaft von der Aufhebung der Familie nicht zu trennen ist, versteht
sich von selbst.
34 Auf dieser Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte: Die Menschen haben Ge¬
schichte, weil sie ihr Leben produzieren müssen, und zwar müssen auf
bestimmte Weise: dies müssen durch ihre physische Organisation ge¬
geben; ebenso wie ihr Bewußtsein.
2*
20
Deutsche Ideologie. Einleitung
„behaftet“ zu sein, die hier in der Form von bewegten Luftschich¬
ten, Tönen, kurz der Sprache auftritt. Die Sprache ist so alt wie das
Bewußtsein — die Sprache ist das praktische, auch für andre
Menschen existierende, also auch für mich selbst erst existierende
wirkliche Bewußtsein, und die Sprache entsteht, wie das Bewußt- 5
sein, erst aus dem Bedürfnis, der Notdurft des Verkehrs mit
andern Menschen. Wo ein Verhältnis existiert, da existiert es
für mich, das Tier „verhält“ sich zu Nichts und überhaupt
nicht. Für das Tier existiert sein Verhältnis zu andern nicht als
Verhältnis. Das Bewußtsein ist also von vom herein schon ein 10
gesellschaftliches Produkt, und bleibt es, solange überhaupt Men¬
schen existieren. Das Bewußtsein ist natürlich zuerst bloß Be¬
wußtsein über die nächste sinnliche Umgebung und Bewußt¬
sein des bornierten Zusammenhanges mit andern Personen und
Dingen außer dem sich bewußt werdenden Individuum; es ist zu 15
gleicher Zeit Bewußtsein der Natur, die den Menschen anfang» als
eine durchaus fremde, allmächtige und unangreifbare Macht
gegenübertritt, zu der sich die Menschen rein tierisch verhalten,
von der sie sich imponieren lassen wie das Vieh; und also ein rein
tierisches Bewußtsein der Natur (Naturreligion). — Man sieht 20
hier sogleich. Diese Naturreligion oder dies bestimmte Verhalten
zur Natur ist bedingt durch die Gesellschaftsform und umge¬
kehrt. Hier wie überall tritt die Identität von Natur und Mensch
auch so hervor, daß das bornierte Verhalten der Menschen zur
Natur ihr borniertes Verhalten zu einander, und ihr borniertes 25
Verhalten zu einander ihr borniertes Verhältnis zur Natur be¬
dingt, eben weil die Natur noch kaum geschichtlich modifiziert ist,
und andrerseits Bewußtsein der Notwendigkeit, mit den umgeben¬
den Individuen in Verbindung zu treten, der Anfang des Bewußt¬
seins darüber, daß er überhaupt in einer Gesellschaft lebt. Dieser зо
Anfang ist so tierisch wie das gesellschaftliche Leben dieser Stufe
selbst, er ist bloßes Herdenbewußtsein, und der Mensch unter¬
scheidet sich hier vom Hammel nur dadurch, daß sein Bewußtsein
ihm die Stelle des Instinkts vertritt, oder daß sein Instinkt ein be¬
wußter ist. Dieses Hammel- oder Stammbewußtsein erhält seine 35
weitere Entwicklung und Ausbildung durch die gesteigerte Pro¬
duktivität, die Vermehrung der Bedürfnisse und die Beiden zum
Grunde liegende /15/ Vermehrung der Bevölkerung. Damit ent¬
wickelt sich die Teilung der Arbeit, die ursprünglich nichts war
als die Teilung der Arbeit im Geschlechtsakt, dann Teilung der 40
39 Auf dieser Höhe notierte Marx in der rechten Spalte, ohne die Notiz mit einem
Einfügungszeichen zu versehen, weil er alles wieder durchstrich:
Die Menschen entwickeln ihr (solch)
Das Bewußtsein (entwickelt) sich innerhalb der wirklichen geschicht¬
lichen Entwicklung. Durch die Teilung der Arbeit tri[tt]
TAFEL I: Aus dem Manuskript „I. Feuerbach**; s.S.20—21
I. Feuerbach
21
Arbeit, die sich vermöge der natürlichen Anlage (z. B. Körper¬
kraft), Bedürfnisse, Zufälle, etc. etc. von selbst oder „naturwüch¬
sig“ macht. Die Teilung der Arbeit wird erst wirklich Teilung von
dem Augenblicke an, wo eine Teilung der materiellen und geisti-
5 gen Arbeit eintritt. Von diesem Augenblicke an kann sich das
Bewußtsein wirklich einbilden, etwas Andres als das Bewußtsein
der bestehenden Praxis zu sein, wirklich etwas vorzustellen,
ohne etwas Wirkliches vorzustellen — von diesem Augenblicke an
ist das Bewußtsein im Stande, sich von der Welt zu emanzipieren
10 und zur Bildung der „reinen“ Theorie, Theologie, Philosophie,
Moral etc. überzugehen. Aber selbst wenn diese Theorie, Theolo¬
gie, Philosophie, Moral etc. in Widerspruch mit den bestehenden
Verhältnissen treten, so kann dies nur dadurch geschehen, daß die
bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse mit der bestehenden
15 Produktionskraft in Widerspruch getreten sind — was übrigens in
einem bestimmten nationalen Kreise von Verhältnissen auch da¬
durch geschehen kann, daß der Widerspruch nicht in diesem na¬
tionalen Umkreis, sondern zwischen diesem nationalen Bewußt¬
sein und der Praxis der anderen Nationen, d. h. zwischen dem na-
20 tionalenund allgemeinen Bewußtsein einer Nation sich einstellt.—
/16/ Übrigens ist es ganz einerlei, was das Bewußtsein alleene an¬
fängt, wir erhalten aus diesem ganzen Dreck nur das eine Resultat,
daß diese drei Momente, die Produktionskraft, der gesellschaft¬
liche Zustand, und das Bewußtsein in Widerspruch unter einander
25 geraten können und müssen, weil mit der Teilung der Ar¬
beit die Möglichkeit, ja die Wirklichkeit gegeben ist, daß die
geistige und materielle Tätigkeit — daß der Genuß und die Ar¬
beit, Produktion und Konsumtion, verschiedenen Individuen zu¬
fallen, und die Möglichkeit, daß sie nicht in Widerspruch geraten,
so nur darin liegt, daß die Teilung der Arbeit wieder aufgehoben
wird. Es versteht sich übrigens von selbst, daß die „Gespenster“,
„Bande“, „höheres Wesen“, „Begriff“, „Bedenklichkeit“ bloß
der idealistische geistliche Ausdruck, die Vorstellung scheinbar
des vereinzelten Individuums sind, die Vorstellung von sehr empi-
35 rischen Fesseln und Schranken, innerhalb deren sich die Produk¬
tionsweise des Lebens und die damit zusammenhängende Ver¬
kehrsform bewegt.
5 Auf dieser Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte, ohne Einfügungszeichen.
Erste Form der Ideologent,] Pfaffent,] fällt zusammen.
19 Auf der Höhe dieses Satzes schrieb Marx in die rechte Spalte:
Religion
setzte dann hinzu:
mit der Ideologie als solcher.
trennte dann Religion durch Einrahmung von dem Folgenden und fügte ein.
Die Deutschen
so daß die Notiz nun lautet:
| R e 1 i g i о n | Die Deutschen mit der Ideologie als solcher.
22
Deutsche Ideologie. Einleitung
Mit der Teilung der Arbeit, in welcher alle diese Widersprüche
gegeben sind, und welche ihrerseits wieder auf der naturwüchsigen
Teilung der Arbeit in der Familie und der Trennung der Gesell¬
schaft in einzelne, einander entgegengesetzte Familien beruht —
ist zu gleicher Zeit auch die Verteilung, und zwar die un- з
gleiche sowohl quantitative wie qualitative Verteilung der Ar¬
beit und ihrer Produkte gegeben, also das Eigentum, das in /17
der Familie, wo die Frau und die Kinder die Sklaven des Mannes
sind, schon seinen Keim, seine erste Form hat. Die freilich noch
sehr rohe, latente Sklaverei in der Familie ist das erste Eigentum, 10
das übrigens hier schon vollkommen der Definition der modernen
Ökonomen entspricht, nach der es die Verfügung über fremde Ar¬
beitskraft ist. Übrigens sind Teilung der Arbeit und Privateigen¬
tum identische Ausdrücke — in dem Einen wird in Beziehung auf
die Tätigkeit dasselbe ausgesagt, was in dem Andern in Bezug auf /5
das Produkt der Tätigkeit ausgesagt wird. — Ferner ist mit der
Teilung der Arbeit zugleich der Widerspruch zwischen dem Inter¬
esse des einzelnen Individuums oder der einzelnen Familie und dem
gemeinschaftlichen Interesse aller Individuen, die mit einander
verkehren, gegeben; und zwar existiert dies gemeinschaftliche Inter- 20
esse nicht etwa bloß in der Vorstellung, als „Allgemeines“, sondern
zuerst in der Wirklichkeit als gegenseitige Abhängigkeit der Indi¬
viduen, unter denen die Arbeit geteilt ist. Und endlich bietet uns
die Teilung der Arbeit gleich das erste Beispiel davon dar, daß
solange die Menschen sich in der naturwüchsigen Gesellschaft 25
befinden, solange also die Spaltung zwischen dem besondern und
gemeinsamen Interesse existiert, solange die Tätigkeit also nicht
freiwillig, sondern naturwüchsig geteilt ist, die eigne Tat des Men¬
schen ihm zu einer fremden, gegenüberstehenden Macht wird, die
ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht. Sowie nämlich die Ar- 30
beit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten aus¬
schließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus
dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kri¬
tischer Kritiker, und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum
Leben verlieren will — während in der kommunistischen Gesell- зз
schäft, wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit
hat, sondern sich in jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die
Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben da¬
durch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens
zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach / >
dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe; ohne je Jäger,
Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden. /18/ Dieses Sichfestsetzen
der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unsres eignen Produkts
zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unsrer Kontrolle ent¬
wichst, unsre Erwartungen durchkreuzt, unsre Berechnungen zu /5
TAFEL II: Aus dem Manuskript „I. Feuerbach“; s.S.22—25
I. Feuerbach
23
Nichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen, ge¬
schichtlichen Entwicklung, und /17/ eben aus diesem Wider¬
spruch des besondem und gemeinschaftlichen Interesses nimmt
das gemeinschaftliche Interesse als Staat eine selbstständige
5 Gestaltung, getrennt von den wirklichen Einzel- und Gesamtinter¬
essen, an, und zugleich als illusorische Gemeinschaftlichkeit, aber
stets auf der realen Basis der in jedem Familien- und Stamm-Kon¬
glomerat vorhandenen Bänder; wie Fleisch und Blut, Sprache,
Teilung der Arbeit im größeren Maßstabe und sonstigen Inter-
io essen — und besonders, wie wir später entwickeln werden, der
durch die Teilung der Arbeit bereits bedingten Klassen, die in
jedem derartigen Menschenhaufen sich absondern und von denen
eine alle andern beherrscht. Hieraus folgt, daß alle Kämpfe in¬
nerhalb des Staats, der Kampf zwischen Demokratie, Aristokratie
и und Monarchie, der Kampf um das Wahlrecht etc. etc., nichts als
die illusorischen Formen sind, in denen die wirklichen Kämpfe
der verschiednen Klassen unter einander geführt werden, (wovon
die deutschen Theoretiker nicht eine Silbe ahnen, trotzdem daß
man ihnen in den deutsch-französischen Jahrbüchern und der
20 heiligen Familie dazu Anleitung genug gegeben hatte) und ferner
daß jede nach der Herrschaft strebende Klasse, wenn ihre Herr¬
schaft auch, wie dies beim Proletariat der Fall ist, die Aufhebung
' der ganzen alten Gesellschaftsform und der Herrschaft überhaupt
bedingt, sich zuerst die politische Macht erobern muß, um ihr In-
25 teresse wieder als das Allgemeine, wozu sie im ersten Augenblick
gezwungen ist, darzustellen. Eben weil die Individuen nur ihr
besondres — für sie nicht mit ihrem gemeinschaftlichen Interesse
zusammenfallendes suchen, überhaupt das Allgemeine illuso¬
rische Form der Gemeinschaftlichkeit — wird dies als ein ihnen
30 „fremdes“ und von ihnen /18/ „unabhängiges“, als ein selbst wie¬
der besonderes und eigentümliches „Allgemein“-Interesse geltend
gemacht, oder sie selbst müssen sich in diesem Zwiespalt begeg¬
nen, wie in der Demokratie. Andrerseits macht denn auch der
praktische Kampf dieser, beständig wirklich den gemein-
зз schaftlichen und illusorischen gemeinschaftlichen Interessen ent¬
gegentretenden Sonderinteressen, die praktische Dazwischen¬
kunft und Zügelung durch das illusorische „Allgemein“-Interesse
als Staat nötig. Die soziale Macht, d. h. die vervielfachte Produk¬
tionskraft, die durch das in der Teilung der Arbeit bedingte Zu-
4o sammenwirken der verschiedenen Individuen entsteht, erscheint
diesen Individuen, weil das Zusammenwirken selbst nicht freiwil¬
lig, sondern naturwüchsig ist, nicht als ihre eigne, vereinte Macht,
sondern als eine fremde, außer ihnen stehende Gewalt, von der sie
nicht wissen w’oher und wohin, die sie also nicht mehr beherrschen
45 können, die im Gegenteil nun eine eigentümliche, vom Wollen
24
Deutsche Ideologie. Einleitung
und Laufen der Menschen unabhängige, ja dies Wollen und Lau¬
fen erst dirigierende Reihenfolge von Phasen und Entwicklungs¬
stufen durchläuft. Diese „Entfremdung“, um den Philoso¬
phen verständlich zu bleiben, kann natürlich nur unter zwei
praktischen Voraussetzungen aufgehoben werden. Damit sie з
eine „unerträgliche“ Macht werde, d. h. eine Macht, gegen die
man revolutioniert, dazu gehört, daß sie die Masse der Mensch¬
heit als durchaus „Eigentumslos“ erzeugt hat und zugleich im
Widerspruch zu einer vorhandnen Welt des Reichtums und der
Bildung, was beides eine große Steigerung der Produktivkraft — 10
einen hohen Grad ihrer Entwicklung voraussetzt, — und andrer¬
seits, ist diese Entwicklung der Produktivkräfte (womit zugleich
schon die in weltgeschichtlichem, statt der in lokalem
Dasein der Menschen vorhandne empirische Existenz gegeben ist)
auch deswegen eine absolut notwendige praktische" Voraussetzung, is
weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der
Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen
und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte, weil ferner nur
mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein
universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einer- 20
seits das Phänomen der „Eigentumslosen“ Masse in Allen Völ¬
kern gleichzeitig erzeugt (allgemeine Konkurrenz), jedes dersel¬
ben von den Umwälzungen der andern abhängig macht, und end¬
lich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen
an die Stelle der lokalen gesetzt hat. Ohne dies konnte 1) der 25
Kommunismus nur als eine Lokalität existieren, 2) die Mächte
des Verkehrs selbst hätten sich als universelle, drum uner¬
trägliche Mächte, nicht entwickeln können, sie wären heimisch¬
abergläubige „Umstände“ geblieben, und 3) würde jede Erwei¬
terung des Verkehrs den lokalen Kommunismus aufheben. Der зо
Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völ¬
ker auf „einmal“ oder gleichzeitig möglich, was die universelle
Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihm zusammen¬
hängenden Weltverkehr voraussetzt. Wie hätte sonst z. B. das
Eigentum überhaupt eine Geschichte haben, verschiedene Gestal- 35
ten annehmen, und etwa das Grundeigentum je nach der verschie¬
denen vorliegenden Voraussetzung in Frankreich aus der Parzel¬
lierung zur Zentralisation in wenigen Händen, in England aus
der Zentralisation in wenigen Händen zur Parzellierung drängen
können, wie dies heute wirklich der Fall ist? Oder wie kommt 40
es, daß der Handel, der doch weiter nichts ist als der Austausch
der Produkte verschiedner Individuen und Länder, durch das
Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr die ganze Welt beherrscht
3 Original durchlaufen.
16 Ober Mangel steht: Notdurft
I. Feuerbach
25
— ein Verhältnis, das, wie ein englischer Ökonom sagt, gleich
dem antiken Schicksal über der Erde schwebt und mit un¬
sichtbarer Hand Glück und Unglück an die Menschen verteilt,
Reiche stiftet /19/ und Reiche zertrümmert, Völker entstehen und
5 schwinden macht — während mit der Aufhebung der Basis, des
Privateigentums, mit der kommunistischen Regelung der Produk¬
tion und der darin liegenden Vernichtung der Fremdheit, mit der
sich die Menschen zu ihrem eignen Produkt verhalten, die Macht
des Verhältnisses von Nachfrage und Zufuhr sich in Nichts auf-
io löst, und die Menschen den Austausch, die Produktion, die Weise
ihres gegenseitigen Verhaltens wieder in ihre Gewalt bekommen?
/18/ Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der
hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich
zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirk-
15 liehe Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Be¬
dingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden
Voraussetzung. /19/ Übrigens setzt die Masse von bloßen Ar¬
beitern — massenhaft von Kapital, oder von irgend einer bor¬
nierten Befriedigung abgesclmittne Arbeiterkraft —, und dar-
2o um auch der nicht mehr temporäre Verlust dieser Arbeit selbst als
einer gesicherten Lebensquelle, durch die Konkurrenz den Welt¬
markt voraus. Das Proletariat kann also nur weltgeschicht¬
lich existieren, wie der Kommunismus, seine Aktion, nur als
„weltgeschichtliche“ Existenz überhaupt vorhanden sein kann.
25 Weltgeschichtliche Existenz der Individuen, d. h. Existenz der In¬
dividuen, die unmittelbar mit der Weltgeschichte verknüpft ist.
/19/ Die durch die auf allen bisherigen geschichtlichen Stufen
vorhandenen Produktionskräfte bedingte und sie wiederum be¬
dingende Verkehrsform ist die bürgerliche Gesellschaft,
го die, wie schon aus dem Vorhergehenden hervorgeht, die einfache
Familie und die zusammengesetzte Familie, das sogenannte Stamm¬
wesen zu ihrer Voraussetzung und Grundlage hat, und deren nähere
Bestimmungen im Vorhergehenden enthalten sind. Es zeigt sich
schon hier, daß diese bürgerliche Gesellschaft der wahre Herd und
35 Schauplatz aller Geschichte ist, und wie widersinnig die bisherige,
die wirklichen Verhältnisse vernachlässigende Geschichtsauffas¬
sung mit ihrer Beschränkung auf hochtönende Haupt- und Staats¬
aktionen ist. /68/ Die bürgerlicheGesellschaft umfaßt den gesamten
materiellen Verkehr der Individuen innerhalb einer bestimmten
40 Entwicklungsstufe der Produktivkräfte. Sie umfaßt das gesamte
17—26 Den Text von Übrigens setzt bis verknüpft ist. schrieb Marx in die rechte Spalte
der Seite 19 und überschrieb ihn:
Kommunismus.
20—21 Über selbst als einer schrieb Marx ohne Einfügungszeichen: d[ie] rein prekäre
Lage
26
Deutsche Ideologie. Einleitung
kommerzielle und industrielle Leben einer Stufe und geht in so fern
über den Staat und die Nation hinaus, obwohl sie andrerseits wie¬
der nach Außen hin als Nationalität sich geltend machen, nach
Innen als Staat sich gliedern muß. Das Wort bürgerliche Gesell¬
schaft kam auf im achtzehnten Jahrhundert, als die Eigentums- s
Verhältnisse bereits aus dem antiken und mittelalterlichen Gemein¬
wesen sich herausgearbeitet hatten. Die bürgerliche Gesellschaft
als solche entwickelt sich erst mit der Bourgeoisie; die unmittelbar
aus der Produktion und dem Verkehr sich entwickelnde gesell¬
schaftliche Organisation, die zu allen Zeiten die Basis des Staats io
und der sonstigen idealistischen Superstruktur bildet, ist indes
fortwährend mit demselben Namen bezeichnet worden.
[2.] Über die Produktion des Bewußtseins
/21/ In der bisherigen Geschichte ist es allerdings ebensosehr
eine empirische Tatsache, daß die einzelnen Individuen mit der 15
Ausdehnung der Tätigkeit zur Weltgeschichtlichen immer mehr
unter einer ihnen fremden Macht geknechtet worden sind (welchen
Druck sie sich denn auch als Schikane des sogenannten Weltgeistes
etc. vorstellten), einer Macht, die immer massenhafter geworden
ist und sich in letzter Instanz als Weltmarkt ausweist. Aber 20
eben so empirisch begründet ist es, daß durch den Umsturz des
bestehenden gesellschaftlichen Zustandes durch die kommuni¬
stische Revolution (wovon weiter unten) und die damit identische
Aufhebung des Privateigentums, diese den deutschen Theoretikern
so mysteriöse Macht aufgelöst wird und alsdann die Befreiung 25
jedes einzelnen Individuums in demselben Maße durchgesetzt
wird, in dem die Geschichte sich vollständig in Weltgeschichte
verwandelt. Daß der wirkliche geistige Reichtum des Individuums
ganz von dem Reichtum seiner wirklichen Beziehungen abhängt,
ist nach dem obigen klar. Die einzelnen Individuen werden erst зо
hierdurch von den verschiedenen nationalen und lokalen Schran¬
ken befreit, mit der Produktion (auch mit der geistigen) der gan¬
zen Welt in praktische Beziehung gesetzt und in den Stand gesetzt
sich die Genußfähigkeit für diese allseitige Produktion der gan¬
zen Erde (Schöpfungen der Menschen) zu erwerben. Die all - 35
seitige Abhängigkeit, diese naturwüchsige Form des welt-
28 Auf dieser Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte ohne Einfügungszeichen:
Über die Produktion des Bewußtseins.
I. Feuerbach
27
geschichtlichen Zusammenwirkens der Individuen, wird
durch /22/ diese kommunistische Revolution verwandelt in die
Kontrolle und bewußte Beherrschung dieser Mächte, die, aus
dem Auf einander-Wirken der Menschen erzeugt, ihnen bisher als
5 durchaus fremde Mächte imponiert und sie beherrscht haben.
Diese Anschauung kann nun wieder spekulativ-idealistisch, d. h.
phantastisch als „Selbsterzeugung der Gattung“ (die „Gesellschaft
als Subjekt“) gefaßt und dadurch die aufeinanderfolgende Reihe
von im Zusammenhänge stehenden Individuen als ein einziges In-
Ю dividuum vorgestellt werden, das das Mysterium vollzieht sich
selbst zu erzeugen. Es zeigt sich hier, daß die Individuen aller¬
dings einander machen, physisch und geistig, aber nicht sich
machen, weder im Unsinn des heiligen Bruno, noch im Sinne des
„Einzigen“, des „gemachten“ Mannes.
15 l2^i Diese Geschichtsauffassung beruht also darauf, den wirk¬
lichen Produktionsprozeß, und zwar von der materiellen Produk¬
tion des unmittelbaren Lebens ausgehend, zu entwickeln und die
mit dieser Produktionsweise zusammenhängende und von ihr er¬
zeugte Verkehrsform, also die bürgerliche Gesellschaft in ihren
го verschiedenen Stufen als Grundlage der ganzen Geschichte auf¬
zufassen und sie sowohl in ihrer Aktion als Staat darzustellen, wie
-die sämtlichen verschiedenen theoretischen Erzeugnisse und For¬
men des Bewußtseins, Religion, Philosophie, Moral etc. etc. aus
ihr zu erklären und ihren Entstehungsprozeß aus ihnen zu verfol¬
gen, wo dann natürlich auch die Sache in ihrer Totalität (und dar-
2s um auch die Wechselwirkung dieser verschiednen Seiten auf ein¬
ander) dargestellt werden kann. Sie hat in jeder Periode nicht,
wie die idealistische Geschichtsanschauung, nach einer Kategorie
zu suchen, sondern bleibt fortwährend auf dem wirklichen Ge-
3o schichts b о d e n stehen, erklärt nicht die Praxis aus der Idee,
erklärt die Ideenformationen aus der materiellen Praxis, und
kommt demgemäß zu dem Resultat, daß alle Formen und Pro¬
dukte des Bewußtseins nicht durch geistige Kritik, durch Auf¬
lösung ins „Selbstbewußtsein“ oder Verwandlung in „Spuk“, „Ge-
jyspenster“, „Sparren“ etc., sondern nur durch den praktischen Um¬
sturz der realen gesellschaftlichen Verhältnisse, aus denen diese
idealistischen Flausen hervorgegangen sind, aufgelöst werden
können — daß nicht die Kritik, sondern die Revolution die trei¬
bende Kraft der Geschichte auch der Religion, Philosophie und
40 sonstigen Theorie ist. Sie zeigt, daß die Geschichte nicht damit
endigt, sich ins „Selbstbewußtsein“ als „Geist vom Geist“ aufzu¬
lösen, sondern daß in ihr auf jeder Stufe ein materielles Resultat,
eine Summe von Produktionskräften, ein historisch geschaffnes
Verhältnis zur Natur und der Individuen zu einander sich vor-
45 findet, die jeder Generation von ihrer Vorgängerin überliefert
28
Deutsche Ideologie. Einleitung
wird, eine Masse von Produktivkräften, Kapitalien und Unstän¬
den, die zwar einerseits von der neuen Generation modifiziert vird,
ihr aber auch andrerseits ihre eignen Lebensbedingungen vor¬
schreibt und ihr eine bestimmte Entwicklung, einen speziellenCha-
rakter gibt — daß also die Umstände ebensosehr /25/ die Men- 6
sehen, wie die Menschen die Umstände machen. Diese Summ* von
Produktionskräften, Kapitalien und sozialen Verkehrsformei, die
jedes Individuum und jede Generation als etwas Gegebenes vor¬
findet, ist der reale Grund dessen, was sich die Philosophei als
„Substanz“ und „Wesen des Menschen“ vorgestellt, was sie apo- 10
theosiert und bekämpft haben, ein realer Grund, der dadurch licht
im Mindesten in seinen Wirkungen und Einflüssen auf die Ent¬
wicklung der Menschen gestört wird, daß diese Philosophei als
„Selbstbewußtsein“ und „Einzige“ dagegen rebellieren. Diese
vorgefundenen Lebensbedingungen der verschiedenen Genera- 15
tionen entscheiden auch, ob die periodisch in der Geschichte wie¬
derkehrende revolutionäre Erschütterung stark genug sein wird
oder nicht, die Basis alles Bestehenden umzuwerfen, und wenn
diese materiellen Elemente einer totalen Umwälzung, nämlich
einerseits die vorhandnen Produktivkräfte, andrerseits die Bil- 20
düng einer revolutionären Masse, die nicht nur gegen einzelne Be¬
dingungen der bisherigen Gesellschaft, sondern gegen die bis¬
herige „Lebensproduktion“ selbst, die „Gesamttätigkeit“, worauf
sie basierte, revolutioniert — nicht vorhanden sind, so ist es ganz
gleichgültig für die praktische Entwicklung, ob die Idee dieser
Umwälzung schon hundertmal ausgesprochen ist — wie die Ge¬
schichte des Kommunismus dies beweist.
Die ganze bisherige Geschichtsauffassung hat diese wirkliche
Basis der Geschichte entweder ganz und gar unberücksichtigt ge¬
lassen, oder sie nur als eine Nebensache betrachtet, die mit dem &
geschichtlichen Verlauf außer allem Zusammenhang steht. Die
Geschichte muß daher immer nach einem außer ihr liegenden
Maßstab geschrieben werden; die wirkliche Lebensproduktion er¬
scheint als Urgeschichtlich, während das Geschichtliche als das
vom gemeinen Leben getrennte, extra-überweltliche erscheint. Das зз
Verhältnis der Menschen zur Natur ist hiermit von der Geschichte
ausgeschlossen, wodurch der Gegensatz von Natur und Geschichte
erzeugt wird. Sie hat daher in der Geschichte nur politische H aupt-
und Staatsaktionen und religiöse und überhaupt theoretische
Kämpfe sehen können, und speziell bei jeder geschichtlichen ю
Epoche die Illusion dieser Epoche teilen müssen.
Z. B. bildet sich eine Epoche ein, durch rein „politische“ oder „re¬
ligiöse“ Motive bestimmt zu werden, obgleich „Religion“ und
„Politik“ nur Formen ihrer wirklichen Motive sind, so akzeptiert
ihr Geschichtschreiber diese Meinung. Die „Einbildung“, die 45
I. Feuerbach
29
„Vorstellung“ dieser bestimmten Menschen über ihre wirkliche
Praxis wird in die einzig bestimmende und aktive Macht verwan¬
delt, welche die Praxis dieser Menschen beherrscht und bestimmt.
Wenn die rohe Form, in der die Teilung der Arbeit bei den In-
s dem und Ägyptern vorkommt, das Kastenwesen bei diesen Völ¬
kern in ihrem Staat und ihrer Religion hervorruft, so glaubt der
Historiker, das Kastenwesen /26/ sei die Macht, welche diese
rohe gesellschaftliche Form erzeugt habe. Während die Franzosen
und Engländer wenigstens an der politischen Illusion, die der
io Wirklichkeit noch am nächsten steht, halten, bewegen sich die
Deutschen im Gebiete des „reinen Geistes“ und machen die reli¬
giöse Illusion zur treibenden Kraft der Geschichte. Die Hegelsche
Geschichtsphilosophie ist die letzte, auf ihren „reinsten Ausdruck“
gebrachte Konsequenz dieser gesamten Deutschen Geschichtschrei-
15 bung, in der es sich nicht um wirkliche, nicht einmal um politische
Interessen, sondern um reine Gedanken handelt, die dann auch
dem heiligen Bruno als eine Reihe von „Gedanken“ erscheinen
muß, von denen einer den andren auffrißt und in dem „Selbst¬
bewußtsein“ schließlich untergeht, und noch konsequenter dem
го heiligen Max Stirner, der von der ganzen wirklichen Geschichte
nichts weiß, dieser historische Verlauf als eine bloße „Ritter“-,
Räuber- und Gespenstergeschichte erscheinen mußte, vor deren
Visionen er sich natürlich nur durch die „Heillosigkeit“ zu ret¬
ten weiß. Diese Auffassung ist wirklich religiös, sie unterstellt
25 den religiösen Menschen als den Urmenschen, von dem alle Ge¬
schichte ausgeht, und setzt in ihrer Einbildung die religiöse Phan¬
tasier-Produktion an die Stelle der wirklichen Produktion der Le¬
bensmittel und des Lebens selbst. Diese ganze Geschichtsauffas¬
sung samt ihrer Auflösung und den daraus entstehenden Skrupeln
зо und Bedenken ist eine bloß nationale Angelegenheit der Deut¬
schen und hat nur lokales Interesse für Deutschland, wie zum
Exerrpel die wichtige, neuerdings mehrfach behandelte Frage:
wie man denn eigentlich „aus dem Gottesreich in das Menschen¬
reich komme“, als ob dieses „Gottesreich“ je anderswo existiert
35 habe als in der Einbildung und die gelahrten Herren nicht fort¬
während, ohne es zu wissen, in dem „Menschenreich“ lebten, zu
welchem sie jetzt den Weg suchen, — und als ob das wissenschaft¬
liche Amüsement, denn mehr als das ist es nicht, das Kuriosum
dieser theoretischen Wolkenbildung zu erklären, nicht gerade um-
40 gekehrt darin läge, daß man ihre Entstehung aus den wirklichen
irdischen Verhältnissen nachweist. Überhaupt handelt es sich bei
21—21 Auf der Höhe von dieser geschichtliche Verlauf bis mußte schrieb Marx in
die rechte Spalte: Die sogenannte objektive Geschichtschreibung be¬
stand eben darin, die geschichtlichen Verhältnisse getrennt von der Tätigkeit
aufzufassen. Reaktionärer Charakter.
30
Deutsche Ideologie. Einleitung
diesen Deutschen stets darum, den vorgefundenen Unsinn in /27/
irgend eine andre Marotte aufzulösen, d. h. vorauszusetzen, daß
dieser ganze Unsinn überhaupt einen aparten Sinn habe, der
herauszufinden sei, während es sich nur darum handelt diese theo¬
retischen Phrasen aus den bestehenden wirklichen Verhältnissen zu &
erklären. Die wirkliche, praktische Auflösung dieser Phrasen, die
Beseitigung dieser Vorstellungen aus dem Bewußtsein der Men¬
schen wird, wie schon gesagt, durch veränderte Umstände, nicht
durch theoretische Deduktionen bewerkstelligt. Für die Masse der
Menschen, d. h. das Proletariat, existieren diese theoretischen Vor- 10
Stellungen nicht, brauchen also für sie auch nicht aufgelöst zu
werden, und wenn diese Masse je einige theoretische Vorstellun¬
gen, z. B. Religion hatte, so sind diese jetzt schon längst durch die
Umstände aufgelöst. — Das rein Nationale dieser Fragen und Lö¬
sungen zeigt sich auch noch darin, daß diese Theoretiker alles
Ernstes glauben, Hirngespinste, wie „der Gottmensch“, „der
Mensch“ etc. hätten den einzelnen Epochen der Geschichte präsi¬
diert— der heilige Bruno geht sogar soweit, zu behaupten, nur
„die Kritik und die Kritiker hätten die Geschichte gemacht“ —
und, wenn sie sich selbst an geschichtliche Konstruktionen geben, 20
über alles Frühere in der größten Eile hinwegspringen und vom
„Mongolentum“ sogleich auf die eigentlich „inhaltsvolle“ Ge¬
schichte, nämlich die Geschichte der hallischen und deutschen
Jahrbücher und der Auflösung der Hegelschen Schule in eine all¬
gemeine Zänkerei übergehen. Alle andern Nationen, alle wirk-
liehen Ereignisse werden vergessen, das Theatrum mundi be¬
schränkt sich auf die Leipziger Büchermesse, und die gegensei¬
tigen Streitigkeiten der „Kritik“, des „Menschen“ und des „Ein¬
zigen“. Wenn sich die Theorie vielleicht einmal daran gibt, wirk¬
lich historische Themata zu behandeln, wie z. B. das achtzehnte
Jahrhundert, so geben sie nur die Geschichte der Vorstellungen,
losgerissen von den Tatsachen und praktischen Entwicklungen,
die ihnen zum Grunde liegen, und auch diese nur in der Absicht,
um diese Zeit als eine unvollkommene Vorstufe, als den noch bor¬
nierten Vorläufer der wahren geschichtlichen Zeit, d. h. der Zeit M
des deutschen Philosophenkampfes von 1840/44 darzustellen.
Diesem Zwecke, eine frühere Geschichte zu schreiben, um den
Ruhm einer ungeschichtlichen Person und ihrer Phantasien desto
heller leuchten zu lassen, entspricht es denn, daß man alle wirk¬
lich historischen Ereignisse, selbst die wirklich historischen Ein- 40
griffe der Politik in die Geschichte, nicht erwähnt und dafür eine
nicht auf Studien, sondern Konstruktionen und literarischen
Klatschgeschichten beruhende Erzählung gibt — wie dies vom * 25
21 Im Original hinwegzuspringen
25 Im Original übergeht statt übergehen.
I. Feuerbach
31
heiligen Bruno in seiner nun vergessenen Geschichte des 18ten
Jahrhunderts geschehen ist. Diese hochtrabenden und hochfahren¬
den Gedankenkrämer, die unendlich weit über alle nationalen
Vorurteile erhaben zu sein glauben, sind also in der Praxis noch
s viel nationaler als die Bierphilister, die von Deutschlands Einheit
träumen. Sie erkennen die Taten andrer Völker gar nicht für histo¬
risch an, sie leben in Deutschland zu Deutschland /28/ und für
Deutschland, sie verwandeln das Rheinlied in ein geistliches Lied
und erobern Elsaß und Lothringen, indem sie statt des französi-
ю sehen Staats, die französische Philosophie bestehlen, statt franzö¬
sischer Provinzen, französische Gedanken germanisieren. Herr
Venedey ist ein Kosmopolit gegen die Heiligen Bruno und Max,
die in der Weltherrschaft der Theorie die Weltherrschaft Deutsch¬
lands proklamieren.
и Es zeigt sich aus diesen Auseinandersetzungen auch, wie-
sehr Feuerbach sich täuscht, wenn er (Wigands Vierteljahrs¬
schrift. 1845, Bd. 2) sich vermöge der Qualifikation „Gemein¬
mensch“ für einen Kommunisten erklärt, in ein Prädikat „des“
Menschen verwandelt, also das Wort Kommunist, das in der be-
20 stehenden Welt den Anhänger einer bestimmten revolutionären
Partei bezeichnet, wieder in eine bloße Kategorie verwandeln zu
können glaubt. Feuerbachs ganze Deduktion in Beziehung auf
das Verhältnis der Menschen zu einander geht nur dahin, zu be¬
weisen, daß die Menschen einander nötig haben und immer g e -
25 h а b t haben. Er will das Bewußtsein über diese Tatsache eta¬
blieren, er will also, wie die übrigen Theoretiker, nur ein richtiges
Bewußtsein über ein bestehendes Faktum hervorbringen,
während es dem wirklichen Kommunisten darauf ankommt, dies
Bestehende umzustürzen. Wir erkennen es übrigens vollständig
зо an, da3 Feuerbach, indem er das Bewußtsein gerade dieser Tat¬
sache zu erzeugen strebt, so weit geht, wie ein Theoretiker über¬
haupt gehen kann, ohne aufzuhören, Theoretiker und Philosoph
zu sein> Chßrakteristisch ist es aber, daß die Heiligen Bruno und
Max cie Vorstellung Feuerbachs vom Kommunisten sogleich an
35 die Stelle des wirklichen Kommunisten setzen, was teilweise schon
deswegen geschieht, damit sie auch den Kommunismus als „Geist
vom Geist“, als philosophische Kategorie, als ebenbürtigen Geg¬
ner bekämpfen können — und von Seiten des heiligen Bruno auch
noch lus pragmatischen Interessen. Als Beispiel von der Aner-
40 kennuig und zugleich Verkennung des Bestehenden, die Feuer¬
bach loch immer mit unsem Gegnern teilt, erinnern wir an die
Stelle der „Philosophie der Zukunft“, wo er entwickelt, daß das
Sein eines Dinges oder Menschen zugleich sein Wesen sei, daß die
bestimrten Existenzverhältnisse, Lebensweise und Tätigkeit eines
45 tierisdien oder menschlichen Individuums dasjenige sei, worin
32
Deutsche Ideologie. Einleitung
sein „Wesen“ sich befriedigt fühle. Hier wird ausdrücklich jede
Ausnahme als ein unglücklicher Zufall, als eine Abnormität, die
nicht zu ändern ist, aufgefaßt. Wenn also Millionen von Proleta¬
riern sich in ihren Lebensverhältnissen keineswegs befriedigt füh¬
len, wenn ihr „Sein“ ihrem [. . .] I !6} 8/ sich in Wirklichkeit und з
für den praktischen Materialisten, d. h. Kommunisten,
darum handelt, die bestehende Welt zu revolutionieren, die vor-
gefundnen Dinge praktisch anzugreifen und zu verändern. Wenn
bei Feuerbach sich zuweilen derartige Anschauungen finden, so
gehen sie doch nie über vereinzelte Ahnungen hinaus und haben 10
auf seine allgemeine Anschauungsweise viel zu wenig Einfluß als
daß sie hier anders, denn als entwicklungsfähige Keime, in Be¬
tracht kommen könnten. Feuerbachs „Auffassung“ der sinnlichen
Welt beschränkt sich einerseits auf die bloße Anschauung der¬
selben, und andrerseits auf die bloße Empfindung, er sagt „den и
Menschen“ statt d [ie] „wirklichen historischen Menschen“. „D e r
Mensch“ ist realiter „der Deutsche“. Im ersten Falle, in der An -
schauung der sinnlichen Welt, stößt er notwendig auf Dinge,
die seinem Bewußtsein und seinem Gefühl widersprechen, die die
von ihm vorausgesetzte Harmonie aller Teile der sinnlichen Welt 20
und namentlich des Menschen mit der Natur stören.1*1 Um diese zu
beseitigen, muß er dann zu einer doppelten Anschauung seine Zu¬
flucht nehmen, zwischen einer profanen, die nur das „auf platter
Hand Liegende“ und einer höheren, philosophischen, die das
„wahre Wesen“ der Dinge erschaut. Er sieht nicht wie die ihn 25
umgebende sinnliche Welt nicht ein unmittelbar von Ewigkeit
her gegebenes, sich stets gleiches Ding ist, sondern das Produkt der
Industrie und des Gesellschaftszustandes, und zwar in dem Sinne,
daß sie ein geschichtliches Produkt ist, das Resultat der Tätig¬
keit einer ganzen Reihe von Generationen, deren Jede auf den зс
Schultern der vorhergehenden stand, ihre Industrie und ihren Ver¬
kehr weiter ausbildete, ihre soziale Ordnung nach den veränderten
Bedürfnissen modifizierte. Selbst die Gegenstände der einfachsten
[*] N. B. Nicht daß Feuerbach das auf platter Hand liegende, den
sinnlichen Schein der durch genauere Untersuchung des sinnlichen 35
Tatbestandes konstatierten sinnlichen Wirklichkeit unterordnet, ist der
Fehler, sondern daß er in letzter Instanz nicht mit der Sinnlichkeit fertig
werden kann, ohne sie mit den „Augen“, d. h. durch die „Brille“ des
Philosophen zu betrachten.
5 Der Sinn des hier fehlenden Übergangs war etwa folgender: wenn ihr „Sein“
ihrem [„Wesen“ widerspricht, sö ist das allerdings eine Abnormität, aber
kein unglücklicher Zufall. Ein historisches Faktum, das auf ganz bestimmten
gesellschaftlichen V erhältnissen beruht. Feuerbach begnügt sich, dies Faktum
zu konstatieren; er interpretiert nur die bestehende sinnliche Welt, verhält
sich zu ihr nur als Theoretiker, während es] sich in Wirklichkeit
I. Feuerbach
33
„sinnlichen Gewißheit“ sind ihm nur durch die gesellschaftliche
Entwicklung, die Industrie und den kommerziellen Verkehr ge¬
geben. Der Kirschbaum ist, wie fast alle Obstbäume, bekanntlich
erst vor wenig Jahrhunderten durch den Handel in unsre Zone
5 verpflanzt worden, und wurde deshalb erst /9/ d u r ch diese Aktion
einer bestimmten Gesellschaft in einer bestimmten Zeit der „sinn¬
lichen Gewißheit“ Feuerbachs gegeben. Übrigens löst sich in die¬
ser Auffassung der Dinge, wie sie wirklich sind und geschehen
sind, wie sich weiter unten noch deutlicher zeigen wird, jedes tief-
io sinnige philosophische Problem ganz einfach in ein empirisches
Faktum auf. Z. B. die wichtige Frage über das Verhältnis des Men¬
schen zur Natur (oder gar, wie Bruno sagt, (p. 110), die „Gegen¬
sätze in Natur und Geschichte“, als ob das zwei voneinander ge¬
trennte „Dinge“ seien, der Mensch nicht immer eine geschichtliche
и Natur und eine natürliche Geschichte vor sich habe), aus der alle
die „unergründlich hohen Werke“ über „Substanz“ und „Selbst¬
bewußtsein“ hervorgegangen sind, zerfällt von selbst in der Ein¬
sicht, daß die vielberühmte „Einheit des Menschen mit der Natur“
in der Industrie von jeher bestanden und in jeder Epoche je nach
20 der geringeren oder größeren Entwicklung der Industrie anders be¬
standen hat, ebenso wie der „Kampf“ des Menschen mit der Natur,
bis zur Entwicklung seiner Produktivkräfte auf einer entsprechen¬
den Basis. Die Industrie und der Handel, die Produktion und der
Austausch der Lebensbedürfnisse bedingen ihrerseits und werden
25 wiederum in der Art ihres Betriebes bedingt durch dieDistribution,
dieGliederung der verschiedenen gesellschaftlichen Klassen—und
so kommt es denn, daß Feuerbach in Manchester z. B. nur Fabriken
und Maschinen sieht, wo vor hundert Jahren nur Spinnräder und
Webstühle zu sehen waren, oder in der Campagna di Roma nur
зо Viehweiden und Sümpfe entdeckt, wo er zur Zeit des Augustus
nichts als Weingärten und Villen römischer Kapitalisten gefunden
hätte. Feuerbach spricht namentlich von der Anschauung der
Naturwissenschaft, er erwähnt Geheimnisse, die nur dem Auge des
Physikers und Chemikers offenbar werden; aber wo wäre ohne In-
35 dustrie und Handel die Naturwissenschaft? Selbst diese „reine“
Naturwissenschaft erhält ja ihren Zweck sowohl, wie ihr Material,
erst durch Handel und Industrie, durch sinnliche Tätigkeit der
Menschen. So sehr ist diese Tätigkeit, dieses fortwährende sinn¬
liche Arbeiten und Schaffen, diese Produktion die Grundlage der
4o ganzen sinnlichen Welt, wie sie jetzt existiert, daß, wenn sie auch
nur für ein Jahr unterbrochen würde, Feuerbach eine ungeheure
Veränderung nicht nur in der natürlichen Welt vorfinden, sondern
auch die ganze Menschenwelt und sein eignes Anschauungsver¬
mögen, ja seine Eigne Existenz sehr bald vermissen würde. Aller-
4> dings bleibt dabei die Priorität der äußeren Natur bestehen, und
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 3
34
Deutsche Ideologie. Einleitung
allerdings hat dies Alles keine /10/ Anwendung auf die ursprüng¬
lichen, durch generatio aequivoca erzeugten Menschen; aber
diese Unterscheidung hat nur in sofern Sinn, als man den Menschen
als von der Natur unterschieden betrachtet. Übrigens ist diese, der
menschlichen Geschichte vorhergehende Natur ja nicht die Natur, з
in der Feuerbach lebt, nicht die Natur, die heutzutage, ausgenom¬
men etwa auf einzelnen australischen Koralleninseln neueren Ur¬
sprungs, nirgends mehr existiert, also auch für Feuerbach nicht
existiert. — /9/ Feuerbach hat /10/ allerdings, den großen Vor¬
zug vor den „reinen“ Materialisten, daß er einsieht, wie auch der io
Mensch „sinnlicher Gegenstand“ ist; aber abgesehen davon, daß
er ihn nur als „sinnlichen Gegenstand“, nicht als „sinnliche Tätig¬
keit“ faßt, da er sich auch hierbei in der Theorie hält, die Men¬
schen nicht in ihrem gegebenen gesellschaftlichen Zusammen¬
hänge, nicht unter ihren vorliegenden Lebensbedingungen, die sie /з
zu Dem gemacht haben, was sie sind, auffaßt, so kommt er nie zu
den wirklich existierenden, tätigen Menschen, sondern bleibt bei
dem Abstraktum „der Mensch“ stehen, und bringt es nur dahin,
den „wirklichen, individuellen, leibhaftigen Menschen“ in der
Empfindung anzuerkennen, d. h. er kennt keine andern „mensch- 20
liehen Verhältnisse“ „des Menschen zum Menschen“, als Liebe
und Freundschaft, und zwar idealisiert. Gibt keine Kritik der
jetzigen Lebensverhältnisse. Er kommt also nie dazu, die sinnliche
Welt als die gesamte lebendige sinnliche Tätigkeit der sie aus¬
machenden Individuen aufzufassen, und ist daher gezwungen, 25
wenn er z. B. statt gesunder Menschen einen Haufen skrofulöser,,
überarbeiteter und schwindsüchtiger Hungerleider sieht, da zu der
„höheren Anschauung“ und zur ideellen „Ausgleichung in der
Gattung“ seine Zuflucht zu nehmen, also gerade da in den Idealis¬
mus zurückzufallen, wo der kommunistische Materialist die Not- зо
Wendigkeit und zugleich die Bedingung einer Umgestaltung so¬
wohl der Industrie wie der gesellschaftlichen Gliederung sieht.
Soweit Feuerbach Materialist ist, kommt die Geschichte bei ihm
nicht vor, und soweit er die Geschichte in Betracht zieht, ist er kein
Materialist. Bei ihm fallen Materialismus und Geschichte ganz 35
auseinander, was sich übrigens schon aus dem Gesagten erklärt.
/20/ Die Geschichte ist nichts als die Aufeinanderfolge der ein¬
zelnen Generationen, von denen Jede die ihr von allen vorherge¬
gangenen übermachten Materiale, Kapitalien, Produktionskräfte
exploitiert, daher also einerseits unter ganz veränderten Umstän- 40
den die überkommene Tätigkeit fortsetzt und andrerseits mit einer
ganz veränderten Tätigkeit die alten Umstände modifiziert, was
sich nun spekulativ so verdrehen läßt, daß die spätere Geschichte
zum Zweck der früheren gemacht wird, z. B. daß der Entdeckung
Amerikas der Zweck zu Grunde gelegt wird, der französischen 45
I. Feuerbach
35
Revolution zum Durchbruch zu verhelfen, wodurch dann die Ge¬
schichte ihre aparten Zwecke erhält und eine „Person neben an¬
deren Personen“ (als da sind: „Selbstbewußtsein, Kritik, Ein¬
ziger“ etc.) wird, während das, was man mit den Worten „Bestim-
5 mung“, „Zweck“, „Keim“, „Idee“ der früheren Geschichte be¬
zeichnet, weiter nichts ist als eine Abstraktion von der späteren
Geschichte, eine Abstraktion von dem aktiven Einfluß, den die
frühere Geschichte auf die spätere ausübt. — Je weiter sich im
Laufe dieser Entwicklung nun die einzelnen Kreise, die aufein-
10 ander einwirken, ausdehnen, je mehr die ursprüngliche Abge¬
schlossenheit der einzelnen Nationalitäten durch die ausgebildete
Produktionsweise, Verkehr und dadurch naturwüchsig hervorge¬
brachte Teilung der Arbeit zwischen verschiednen Nationen ver¬
nichtet wird, desto mehr wird die Geschichte zur Weltgeschichte,
и sodaß z. B. wenn in England eine Maschine erfunden wird, die in
Indien und China zahllose Arbeiter außer Brot setzt und die ganze
Existenzform dieser Reiche umwälzt, diese Erfindung zu einem
weltgeschichtlichen Faktum wird; oder daß der Zucker und
Kaffee ihre weltgeschichtliche Bedeutung im neunzehnten Jahr-
20 hundert dadurch bewiesen, daß der durch das napoleonische Kon¬
tinentalsystem erzeugte Mangel an diesen Produkten die Deut¬
schen /21/ zum Aufstande gegen Napoleon brachte und so die
reale Basis der glorreichen Befreiungskriege von 1813 wurde.
Hieraus folgt, daß diese Umwandlung der Geschichte in Welt-
25 geschichte nicht etwa eine bloße abstrakte Tat des „Selbstbewußt¬
seins“, Weltgeistes oder sonst eines metaphysischen Gespenstes
ist, sondern eine ganz materielle, empirisch nachweisbare Tat,
eine Tat, zu der jedes Individuum, wie es geht und steht, ißt, trinkt
und sich kleidet, den Beweis liefert. —
зо /30/ Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder
Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die
herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich
ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur
materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert da-
35 mit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, sodaß ihr
damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die
Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die
herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Aus¬
druck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedan-
40 ken gefaßten, herrschenden materiellen Verhältnisse; also der
Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen,
also die Gedanken ihrer Herrschaft. Die Individuen, welche die
herrschende Klasse ausmachen, haben unter Anderm auch Be¬
wußtsein und denken daher; insofern sie also als Klasse herr-
45 sehen und den ganzen Umfang einer Geschichtsepoche bestimmen,
3*
36
Deutsche Ideologie. Einleitung
versteht es sich von selbst, daß sie dies in ihrer ganzen Ausdehnung
tun, also unter Andern auch als Denkende, als Produzenten von
Gedanken herrschen, die Produktion und Distribution der Gedan¬
ken ihrer Zeit regeln; daß also ihre Gedanken die herrschenden
Gedanken der Epoche sind. Zu einer Zeit z. B. und in einem s
Lande, wo königliche Macht, Aristokratie und Bourgeoisie sich um
die Herrschaft streiten, wo also die Herrschaft geteilt ist, zeigt sich
als herrschender Gedanke die Doktrin von der Teilung der Gewal¬
ten, die nun als ein „ewiges Gesetz“ ausgesprochen wird. — Die
Teilung der Arbeit, die wir schon oben (S. [20з8—23 із]) als eine 10
der Hauptmächte der bisherigen Geschichte vorfanden, äußert sich
nun auch in der herrschenden Klasse als Teilung der geistigen
und ma-/31/teriellen Arbeit, sodaß innerhalb dieser Klasse der
eine Teil als die Denker dieser Klasse auftritt, (die aktiven kon-
zeptiven Ideologen derselben, welche die Ausbildung der Illusion із
dieser Klasse über sich selbst zu ihrem Hauptnahrungszweige
machen) während die Andern sich zu diesen Gedanken und Illu¬
sionen mehr passiv und rezeptiv verhalten, weil sie in der Wirk¬
lichkeit die aktiven Mitglieder dieser Klasse sind und weniger
Zeit dazu haben, sich Illusionen und Gedanken über sich selbst zu 20
machen. Innerhalb dieser Klasse kann diese Spaltung derselben
sich sogar zu einer gewissen Entgegensetzung und Feindschaft
beider Teile entwickeln, die aber bei jeder praktischen Kollision,
wo die Klasse selbst gefährdet ist, von selbst wegfällt, wo denn
auch der Schein verschwindet, als wenn die herrschenden Gedanken 25
nicht die Gedanken der herrschenden Klasse wären und eine von
der Macht dieser Klasse unterschiedene Macht hätten. Die Existenz
revolutionärer Gedanken in einer bestimmten Epoche setzt bereits
die Existenz einer revolutionären Klasse voraus, über deren Vor¬
aussetzungen bereits oben (S. [23 із—25го]) das Nötige gesagt ist. зо
Löst man nun bei der Auffassung des geschichtlichen Verlaufs
die Gedanken der herrschenden Klasse von der herrschenden
Klasse los, verselbstständigt man sie, bleibt dabei stehen, daß in
einer Epoche diese und jene Gedanken geherrscht haben, ohne
sich um die Bedingungen der Produktion und um die Produzen- зз
ten dieser Gedanken zu bekümmern, läßt man also die den Ge¬
danken zu Grunde liegenden Individuen und Weltzustände weg,
so kann man z. B. sagen, daß während der Zeit, in der die Aristo¬
kratie herrschte, die Begriffe Ehre, Treue etc., während der Herr¬
schaft der Bourgeoisie die Begriffe Freiheit, Gleichheit etc. 40
herrschten. Die herrschendeKlasse selbst bildet sich dies im Durch¬
schnitt ein. Diese Geschichtsauffassung, die allen Geschicht¬
schreibern vorzugsweise seit dem achtzehnten Jahrhundert gemein¬
sam ist, wird notwendig auf /32/ das Phänomen stoßen, daß immer
abstraktere Gedanken herrschen, d. h. Gedanken, die immer mehr 45
I. Feuerbach
37
die Form der Allgemeinheit annehmen. Jede neue Klasse nämlich,
die sich an die Stelle einer vor ihr herrschenden setzt, ist genötigt,
schon um ihren Zweck durchzuführen, ihr Interesse als das ge¬
meinschaftliche Interesse aller Mitglieder der Gesellschaft dar-
<3 zustellen, d.h ideell ausgedrückt: ihren Gedanken die Form der
Allgemeinheit zu geben, sie als die einzig vernünftigen, allgemein
gültigen darzustellen> Die revolutionierende Klasse tritt von vom
herein, schon weil sie einer Klasse gegenübersteht, nicht als
Klasse, sondern als Vertreterin der ganzen Gesellschaft auf, sie
10 erscheint als die ganze Masse der Gesellschaft gegenüber der ein¬
zigen, herrschenden Klasse. Sie kann dies, weil im Anfänge ihr
Interesse wirklich noch mehr mit dem gemeinschaftlichen Inter¬
esse aller übrigen nichtherrschenden Klassen zusammenhängt, sich
unter dem Druck der bisherigen Verhältnisse noch nicht als be-
is sonderes Interesse einer besondern Klasse entwickeln konnte. Ihr
Sieg nutzt daher auch vielen Individuen der übrigen, nicht zur
Herrschaft kommenden Klassen, aber nur in so fern, als er diese
Individuen jetzt in den Stand setzt, sich in die herrschende Klasse
zu erheben. Als die französische Bourgeoisie die Herrschaft der
20 Aristokratie stürzte, machte sie es dadurch vielen Proletariern
möglich, sich über das Proletariat zu erheben, aber nur, insofern
sie Bourgeois wurden. Jede neue Klasse bringt daher nur auf einer
breiteren Basis, als die der bisher herrschenden, ihre Herrschaft
zu Stande, wogegen sich dann später auch der Gegensatz der nicht-
25 herrschenden gegen die nun herrschende Klasse um so schärfer
und tiefer entwickelt. Durch Beides ist bedingt, daß der gegen diese
neue herrschende Klasse zu führende Kampf wiederum auf eine
entschiedenere, radikalere Negation der bisherigen Gesellschafts¬
zustände hinarbeitet, als alle /33/ bisherigen, die Herrschaft an-
3o strebenden Klassen dies tun konnten.
Dieser ganze Schein, als ob die Herrschaft einer bestimmten
Klasse nur die Herrschaft gewisser Gedanken sei, hört natürlich
von selbst auf, sobald die Herrschaft von Klassen überhaupt auf¬
hört, die Form der gesellschaftlichen Ordnung zu sein, sobald es
35 also nicht mehr nötig ist, ein besonderes Interesse als allgemeines
oder „das Allgemeine“ als herrschend darzustellen.
Nachdem einmal die herrschenden Gedanken von den herr¬
schenden Individuen und vor allem, von den Verhältnissen, die
aus einer gegebnen Stufe der Produktionsweise hervorgehn, ge-
40 trennt sind und dadurch das Resultat zu Stande gekommen ist, daß
11 Auf dieser Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte:
(Die Allgemeinheit entspricht 1) der Klasse contra Stand, 2) der Kon¬
kurrenz, Weltverkehr, etc., 3) der großen Zahlreichheit der herrschenden
Klasse; 4) der Illusion der gemeinschaftlichen Interessen. Im An¬
fang diese Illusion wahr. 5) Der Täuschung der Ideologen und der Teilung
der Arbeit.)
38
Deutsche Ideologie. Einleitung
in der Geschichte stets Gedanken herrschen, ist es sehr leicht aus
diesen verschiedenen Gedanken sich „den Gedanken“, die Idee
etc. als das in der Geschichte Herrschende zu abstrahieren und da¬
mit alle diese einzelnen Gedanken und Begriffe als „Selbstbestim¬
mungen“ des sich in der Geschichte entwickelnden Begriffs zu s
fassen. Es ist dann auch natürlich, daß alle Verhältnisse der Men¬
schen aus dem Begriff des Menschen, dem vorgestellten Menschen,
dem Wesen des Menschen, dem Menschen abgeleitet werden
können. Dies hat die spekulative Philosophie getan. Hegel gesteht
selbst am Ende der Geschichtsphilosophie, daß er „den Fortgang ю
des Begriffs allein betrachtet“ und in der Geschichte die
„wahrhafte Th eо d i ce e“ dargestellt habe (p. 446). Man kann
nun wieder auf die Produzenten „des Begriffs“ zurückgehen, auf
die Theoretiker, Ideologen und Philosophen, und kommt dann zu
dem Resultate, daß die Philosophen, die Denkenden als solche, von 15
jeher in der Geschichte geherrscht haben — ein Resultat, was, wie
wir sehen, auch schon von Hegel ausgesprochen wurde. Das ganze
Kunststück also in der Geschichte die Oberherrlichkeit des Geistes
(Hierarchie bei Stirner) nachzuweisen, beschränkt sich auf fol¬
gende 3 EffortS. 20
/34/ № 1. Man muß die Gedanken der aus empirischen Grün¬
den, unter empirischen Bedingungen und als materielle Indivi¬
duen Herrschenden von diesen Herrschenden trennen und somit
die Herrschaft von Gedanken oder Illusionen in der Geschichte an¬
erkennen. 25
N° 2. Man muß in diese Gedankenherrschaft eine Ordnung
bringen, einen mystischen Zusammenhang unter den aufeinander¬
folgenden herrschenden Gedanken nachweisen, was dadurch zu
Stande gebracht wird, daß man sie als „Selbstbestimmungen des
Begriffs“ faßt (dies ist deshalb möglich, weil diese Gedanken ѵег- зо
mittelst ihrer empirischen Grundlage wirklich mit einander Zu¬
sammenhängen und weil sie als bloße Gedanken gefaßt zu
Selbstunterscheidungen, vom Denken gemachten Unterschieden,
werden).
N° 3. Um das mystische Aussehen dieses „sich selbst bestim- 35
menden Begriffs“ zu beseitigen, verwandelt man ihn in eine Per¬
son — „das Selbstbewußtsein“ — oder um recht materialistisch
zu erscheinen, in eine Reihe von Personen, die „den Begriff“ in
der Geschichte repräsentieren, in „die Denkenden“, die „Philo¬
sophen“, die Ideologen, die nun wieder als die Fabrikanten der 40
Geschichte, als „der Rat der Wächter“, als die Herrschenden ge-
6—8 Diesen Satz schrieb Marx auf der Höhe des vorhergehenden in die recht:
Spalte, ohne anzugeben, wohin er einzuschalten sei
40 Im Original die man nun wieder
41 Auf dieser Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte:
Der Mensch = dem „denkenden Menschengeist“.
I. Feuerbach
39
faßt werden. Hiermit hat man sämtliche materialistischen Ele¬
mente aus der Geschichte beseitigt und kann nun seinem spekula¬
tiven Roß ruhig die Zügel schießen lassen.
/35/ Während im gewöhnlichen Leben jeder Shopkeeper sehr
5 wohl zwischen Dem zu unterscheiden weiß, was Jemand zu sein
vorgibt, und dem, was er wirklich ist, so ist unsre Geschichtschrei¬
bung noch nicht zu dieser trivialen Erkenntnis gekommen. Sie
glaubt jeder Epoche aufs Wort, was sie von sich selbst sagt und
sich einbildet.
io /34/ Es muß diese Geschichtsmethode, die in Deutschland, und
warum vorzüglich, herrschte, entwickelt werden aus dem Zusam¬
menhang mit der Illusion der Ideologen überhaupt, z. B. den Illu¬
sionen der Juristen, Politiker (auch der praktischen Staatsmänner
darunter), aus den dogmatischen Träumereien und Verdrehungen
w dieser Kerls, die sich ganz einfach erklärt aus ihrer praktischen
Lebensstellung, ihrem Geschäft und der Teilung der Arbeit.
[B. DIE WIRKLICHE BASIS DER IDEOLOGIE]
[1.] Verkehr und Produktivkraft
/41/ Die größte Teilung der materiellen und geistigen Arbeit
20 ist die Trennung von Stadt und Land. Der Gegensatz zwischen
Stadt und Land fängt an mit dem Übergange aus der Barbarei in
die Zivilisation, aus dem Stammwesen in den Staat, aus der Loka¬
lität in die Nation, und zieht sich durch die ganze Geschichte der
Zivilisation bis auf den heutigen Tag (die Anticomlaw-League)
25 hindurch. — Mit der Stadt ist zugleich die Notwendigkeit der Ad¬
ministration, der Polizei, der Steuern usw., kurz des Gemeinde¬
wesens und damit der Politik überhaupt gegeben.[Hier zeigte sich
zuerst die Teilung der Bevölkerung in zwei große Klassen, die
direkt auf der Teilung der Arbeit und den Produktionsinstrumen-
30 ten beruht. DieStadt ist bereits die Tatsache der Konzentration der
Bevölkerung, der Produktionsinstrumente, des Kapitals, der Ge¬
nüsse, der Bedürfnisse, während das Land gerade die entgegenge¬
setzte Tatsache, die Isolierung und Vereinzelung, zur Anschauung
bringt. Der Gegensatz zwischen Stadt und Land kann nur innerhalb
35 des Privateigentums existieren. Er ist der krasseste Ausdruck der
Subsumtion des Individuums unter die Teilung der Arbeit, unter
40
Deutsche Ideologie. Einleitung
eine bestimmte, ihm aufgezwungene Tätigkeit, eine Subsumtion, die
den Einen zum bornierten Stadttier, den Andern zum bornierten
Landtier macht und den Gegensatz der Interessen Beider täglich
neu erzeugt. Die Arbeit ist hier wieder die Hauptsache, die Macht
über den Individuen, und solange diese existiert, solange muß з
das Privateigentum existieren. Die Aufhebung des Gegensatzes
von Stadt und Land ist eine der ersten Be-/42/dingungen der Ge¬
meinschaft, eine Bedingung, die wieder von einer Masse materiel¬
ler Voraussetzungen abhängt und die der bloße Wille nicht er¬
füllen kann, wie Jeder auf den ersten Blick sieht. (Diese Bedin- 10
gungen müssen noch entwickelt werden). Die Trennung von Stadt
und Land kann auch gefaßt werden als die Trennung von Ka¬
pital und Grundeigentum, als der Anfang einer vom Grundeigen¬
tum unabhängigen Existenz und Entwicklung des Kapitals, eines
Eigentums, das bloß in der Arbeit und im Austausch seine Basis із
hat.
In den Städten, welche im Mittelalter nicht aus der früheren
Geschichte fertig überliefert waren, sondern sich neu aus den frei-
gewordnen Leibeignen bildeten, war die besondre Arbeit eines
Jeden sein einziges Eigentum außer dem kleinen, fast nur im nötig- 20
sten Handwerkszeug bestehenden Kapital, das er mitbrachte. Die
Konkurrenz der fortwährend in die Stadt kommenden entlaufenen
Leibeigenen, der fortwährende Krieg des Landes gegen die Städte
und damit die Notwendigkeit einer organisierten städtischen
Kriegsmacht, das Band des gemeinsamen Eigentums an einer be- 25
stimmten Arbeit, die Notwendigkeit gemeinsamer Gebäude zum
Verkauf ihrer Waren zu einer Zeit, wo die Handwerker zugleich
commergants und die damit gegebene Ausschließung Unberufener
von diesen Gebäuden, der Gegensatz der Interessen der einzelnen
Handwerke unter sich, die Notwendigkeit eines Schutzes der mit зо
Mühe erlernten Arbeit und die feudale Organisation des ganzen
Landes waren die Ursachen der Vereinigung der Arbeiter eines
jeden Handwerks in Zünften. Wir haben hier auf die vielfachen
Modifikationen des Zunftwesens, die durch spätere historische Ent¬
wicklungen hereinkommen, nicht weiter einzugehen. Die Flucht 35
der Leibeignen in die Städte fand während des ganzen Mittelalters
ununterbrochen statt. Diese Leibeignen, auf dem Lande von ihren
Herren verfolgt, kamen einzeln in die Städte, wo sie eine organi¬
sierte Gemeinde vorfanden, gegen die sie machtlos waren, worin
sie sich der Stellung unterwerfen mußten, die ihnen das Bedürf- ю
nis nach ihrer Arbeit und das Interesse ihrer organisierten städti¬
schen Konkurrenten anwies. Diese einzeln herein kommenden Ar¬
beiter konnten es nie zu einer Macht bringen, da, wenn ihre Arbeit
eine zunftmäßige war, die erlernt werden mußte, die Zunftmeister
sie sich unterwarfen und nach ihrem Interesse organisierten, oder, із
I. Feuerbach
41
wenn ihre Arbeit nicht erlernt werden mußte, daher keine zunft¬
mäßige, sondern Taglöhnerarbeit war, nie zu einer Organisation
kamen, sondern unorganisierter Pöbel blieben. Die Notwendigkeit
der Taglöhnerarbeit in den Städten schuf den Pöbel. — Diese
5 Städte waren wahre „Vereine“, hervorgerufen durch das unmittel¬
bare /43/ Bedürfnis, die Sorge um den Schutz des Eigentums, und,
um die Produktionsmittel und Verteidigungsmittel der einzelnen
Mitglieder, zu multiplizieren. Der Pöbel dieser Städte war da¬
durch, daß er aus einander fremden, vereinzelt herein gekomme-
io nen Individuen bestand, die einer organisierten, kriegsmäßig ge¬
nisteten, sie eifersüchtig überwachenden Macht unorganisiert
gegenüberstanden, aller Macht beraubt. Die Gesellen und Lehr¬
linge waren in jedem Handwerk so organisiert, wie es dem Inter¬
esse der Meister am besten entsprach; das patriarchalische Ver-
15 hältnis, in dem sie zu ihren Meistem standen, gab diesen eine
doppelte Macht, einerseits in ihrem direkten Einfluß auf das ganze
Leben der Gesellen und dann, weil es für die Gesellen, die bei
demselben Meister arbeiteten, ein wirkliches Band war, das sie
gegenüber den Gesellen der übrigen Meister zusammenhielt und
so sie von diesen trennte; und endlich waren die Gesellen schon
durch das Interesse, das sie hatten, selbst Meister zu werden, an
die bestehende Ordnung geknüpft. Während daher der Pöbel
es wenigstens zu Erneuten gegen die ganze städtische Ordnung
brachte, die indes bei seiner Machtlosigkeit ohne alle Wirkung
25 blieben, kamen die Gesellen nur zu kleinen Widersetzlichkeiten
innerhalb einzelner Zünfte, wie sie zur Existenz des Zunftwesens
‘selbst gehören. Die großen Auf stände des Mittelalters gingen alle
vom Lande aus, blieben aber ebenfalls wegen der Zersplitterung
und der daraus folgenden Roheit der Bauern total erfolglos.
зо Die Teilung der Arbeit war in den Städten zwischen den ein-
/44/zelnen Zünften noch [ganz naturwüchsig] und in den Zünften
selbst zwischen den einzelnen Arbeitern gar nicht durchgeführt.
Jeder Arbeiter mußte in einem ganzen Kreise von Arbeiten be¬
wandert sein, mußte Alles machen können, was mit seinen Werk-
35 zeugen zu machen war; der beschränkte Verkehr und die geringe
Verbindung der einzelnen Städte unter sich, der Mangel an Bevöl¬
kerung und die Beschränktheit der Bedürfnisse ließen keine weitere
Teilung der Arbeit aufkommen und daher mußte Jeder, der Mei¬
ster werden wollte, seines ganzen Handwerks mächtig sein. Daher
4o findet sich bei den mittelalterlichen Handwerkern noch ein Inter¬
esse an ihrer speziellen Arbeit und an der Geschicklichkeit darin,
das sich bis zu einem gewissen bornierten Kunstsinn steigern
konnte. Daher ging aber auch jeder mittelalterliche Handwerker
31 Der Rand des Papiers ist beschädigt und auf dem Photo durch Umbiegung
verdeckt
42
Deutsche Ideologie. Einleitung
ganz in seiner Arbeit auf, hatte ein gemütliches Knechtschafts¬
verhältnis zu ihr und war viel mehr als der moderne Arbeiter,
dem seine Arbeit gleichgültig ist, unter sie subsumiert.
/43! Das Kapital in diesen Städten war ein naturwüchsiges Ka¬
pital, das in der Wohnung, den Handwerkszeugen und der natur- 6
wüchsigen, erblichen Kundschaft bestand, und sich wegen des un-
entwickeltenVerkehrs und der mangelnden Zirkulation als unreali¬
sierbar vomVater auf den Sohn forterben mußte. Dies Kapital war
nicht, wie das moderne, ein in Geld abzuschätzendes, bei dem es
gleichgültig ist, ob es in dieser oder jener Sache steckt, sondern io
ein unmittelbar mit der bestimmten Arbeit des Besitzers zusam¬
menhängendes, von ihr gar nicht zu trennendes, und in sofern
ständisches Kapital.
/44/ Die nächste Ausdehnung der Teilung der Arbeit war die
Trennung von Produktion und Verkehr, die Bildung einer beson- w
dem Klasse von Kaufleuten, eine Trennung, die in den historisch
überlieferten Städten (u. A. mit den Juden) mit überkommen war
und in den neugebildeten sehr bald eintrat. Hiermit war die Mög¬
lichkeit einer über den nächsten Umkreis hinausgehenden Handels¬
verbindung gegeben, eine Möglichkeit, deren Ausführung von den 20
bestehenden Kommunikationsmitteln, dem durch die politischen
Verhältnisse bedingten Stande der öffentlichen Sicherheit auf dem
Lande (im ganzen Mittelalter zogen bekanntlich die Kaufleute in
bewaffneten Karawanen herum) und von den durch die jedes¬
malige Kulturstufe bedingten roheren oder entwickelteren Bedürf- 25
nissen des dem Verkehr zugänglichen Gebietes abhing. — Mit
dem in einer besonderen Klasse konstituierten Verkehr, mit der
Ausdehnung des Handels durch die Kaufleute über die nächste
Umgebung der Stadt hinaus, tritt sogleich eine Wechselwirkung
zwischen der Produktion und dem Verkehr ein. Die Städte treten зо
mit einander in Verbindung, es werden neue Werkzeuge aus
einer Stadt in die andre gebracht, und die Teilung zwischen Pro¬
duktion und Verkehr ruft bald eine neue Teilung der Produktion
zwischen /45/ den einzelnen Städten hervor, deren Jede bald einen
vorherrschenden Industriezweig exploitiert. Die anfängliche Be- 35
schränkung auf die Lokalität fängt an allmählich aufgelöst zu
werden.
/54/ Die Bürger in jeder Stadt waren im Mittelalter gezwungen,
sich gegen den Landadel zu vereinigen, um sich ihrer Haut zu
wehren; die Ausdehnung des Handels, die Herstellung der Kom- 40
munikationen führte die einzelnen Städte dazu andere Städte
kennen zu lernen, die dieselben Interessen im Kampfe mit dem¬
selben Gegensatz durchgesetzt hatten. Aus den vielen lokalen
Bürgerschaften der einzelnen Städte entstand erst sehr allmählich
die Bürgerklasse. Die Lebensbedingungen der einzelnen Bür- 45
I. Feuerbach
43
ger wurden durch den Gegensatz gegen die bestehenden Verhält¬
nisse und durch die davon bedingte Art der Arbeit zugleich zu
Bedingungen, welche ihnen allen gemeinsam und von jedem Ein¬
zelnen unabhängig waren. Die Bürger hatten diese Bedingungen
5 geschaffen, insofern sie sich von dem feudalen Verbände losge¬
rissen hatten, und waren von ihnen geschaffen, insofern sie durch
ihren Gegensatz gegen die Feudalität, die sie vorfanden, bedingt
waren. Mit dem Eintreten der Verbindung zwischen den einzel¬
nen Städten entwickelten sich diese gemeinsamen Bedingungen
10 zu Klassenbedingungen. Dieselben Bedingungen, derselbe Gegen¬
satz, dieselben Interessen mußten im Ganzen und Großen auch
überall gleiche Sitten hervorrufen. Die Bourgeoisie selbst ent¬
wickelt sich erst mit ihren Bedingungen allmählich, spaltet sich
nach der Teilung der Arbeit wieder in verschiedene Fraktionen
ijjund absorbiert endlich alle vorgefundenen besitzenden Klassen
in sich, (während sie die Majorität der vorgefundenen besitzlosen
und einen Teil der bisher besitzenden Klasse zu einer neuen
Klasse, dem Proletariat, entwickelt), in dem Maße, als alles
vorgefundene Eigentum in industrielles oder kommerzielles Ka-
2o pital umgewandelt wird. Die einzelnen Individuen bilden nur in¬
sofern eine Klasse, als /55/ sie einen gemeinsamen Kampf gegen
eine andre Klasse zu führen haben; im übrigen stehen sie einander
selbst in der Konkurrenz wieder feindlich gegenüber. Auf der
andern Seite verselbstständigt sich die Klasse wieder gegen die
25 Individuen, sodaß diese ihre Lebensbedingungen prädestiniert
vorfinden, von der Klasse ihre Lebensstellung und damit ihre
Persönliche Entwicklung angewiesen bekommen, unter sie subsu¬
miert werden. Dies ist dieselbe Erscheinung wie die Subsumtion
der einzelnen Individuen unter die Teilung der Arbeit, und kann
зо nur durch die Aufhebung des Privateigentums und der Arbeit
selbst beseitigt werden. Wie diese Subsumtion der Individuen
unter die Klasse sich zugleich zu einer Subsumtion unter allerlei
Vorstellungen pp entwickelt, haben wir bereits mehrere Male an¬
gedeutet. —
35 /45/ Es hängt lediglich von der Ausdehnung des Verkehrs ab, ob
die in einer Lokalität gewonnenen Produktivkräfte, namentlich
Erfindungen, für die spätere Entwicklung verloren gehen oder
nicht. Solange noch kein über die unmittelbare Nachbarschaft
hinausgehender Verkehr existiert, muß jede Erfindung in jeder
40 Lokalität besonders gemacht werden, und bloße Zufälle, wie Ir-
ruptionen barbarischer Völker, selbst gewöhnliche Kriege, reichen
13—16 Auf dieser Höhe strich Marx den Text rechts an und schrieb daneben in die
rechte Spalte:
Sie absorbiert zunächst die dem Staat direkt angehörigen Arbeitszweige,
dann alle + [.- plus ou moins] ideologischen Stände.
44
Deutsche Ideologie. Einleitung
hin, ein Land mit entwickelten Produktivkräften und Bedürfnissen
dahin zu bringen, daß es wieder von vorne anfangen muß. In der
anfänglichen Geschichte mußte jede Erfindung täglich neu, und
in jeder Lokalität unabhängig gemacht werden. Wie wenig aus¬
gebildete Produktivkräfte selbst bei einem verhältnismäßig sehr 5
ausgedehnten Handel vor dem gänzlichen Untergange sicher sind,
beweisen die Phönizier, deren Erfindungen zum größten Teil
durch die Verdrängung dieser Nation aus dem Handel, die Er¬
oberung Alexanders und den daraus folgenden Verfall auf lange
Zeit verloren gingen. Ebenso im Mittelalter die Glasmalerei z. B. 10
Erst wenn der Verkehr zum Weltverkehr geworden ist, und die
große Industrie zur Basis hat, alle Nationen in den Konkurrenz¬
kampf hereingezogen sind, ist die Dauer der gewonnenen Produk¬
tivkräfte gesichert.
Die Teilung der Arbeit zwischen den verschiedenen Städten 15
hatte zur nächsten Folge das Entstehen der Manufakturen, der dem
Zunftwesen entwachsenen Produktionszweige. Das erste Aufblühen
der Manufakturen — in Italien und später in Flandern — hatte
den Verkehr mit auswärtigen Nationen zu seiner historischen Vor¬
aussetzung. In andern Ländern — England und Frankreich z. B. 20
— beschränkten die Manufakturen sich anfangs auf den inländi¬
schen Markt. Die Manufakturen haben außer den angegebenen
Voraussetzungen noch eine schon fortgeschrittene Konzentration
der Bevölkerung — namentlich auf dem Lande — und des Kapi¬
tals, das sich teils in den Zünften trotz der Zunftgesetze, teils bei 25
den Kaufleuten in einzelnen Händen zu sammeln anfing, zur Vor¬
aussetzung.
/46/ Diejenige Arbeit, die von vornherein eine Maschine, wenn
auch noch in der rohsten Gestalt, voraussetzte, zeigte sich sehr
bald als die entwicklungsfähigste. Die Weberei, bisher auf dem зо
Lande von den Bauern nebenbei betrieben, um sich ihre nötige
Kleidung zu verschaffen, war die erste Arbeit, welche durch die
Ausdehnung des Verkehrs einen Anstoß und eine weitere Ausbil¬
dung erhielt. Die Weberei war die erste und blieb die hauptsäch¬
lichste Manufaktur. Die mit der steigenden Bevölkerung steigende 35
Nachfrage nach Kleidungsstoffen, die beginnende Akkumulation
und Mobilisation des naturwüchsigen Kapitals durch die beschleu¬
nigte Zirkulation, das hierdurch hervorgerufene und durch die
allmähliche Ausdehnung des Verkehrs überhaupt begünstigte
Luxusbedürfnis gaben der Weberei quantitativ und qualitativ 40
einen Anstoß, der sie aus der bisherigen Produktionsform heraus-
7 Marx schaltete nach Phönizier in der rechten Spalte ein:
und die Glasmacherei im Mittelalter
10 Diesen Satz schrieb Engels in die rechte Spalte, ohne die fast gleichlautende
marxsche Einschaltung derselben Spalte zu tilgen
I. Feuerbach
45
riß. Neben den zum Selbstgebrauch webenden Bauern, die fort¬
bestehen blieben und noch fortbestehen, kam eine neue Klasse von
Webern in den Städten auf, deren Gewebe für den ganzen heimi¬
schen Markt und meist auch für auswärtige Märkte bestimmt
5 waren. —*Die Weberei, eine in den meisten Fällen wenig Ge¬
schicklichkeit erfordernde und bald in unendlich viele Zweige
zerfallende Arbeit, widerstrebte ihrer ganzen Beschaffenheit nach
den Fesseln der Zunft. Die Weberei wurde daher auch meist in
Dörfern und Marktflecken ohne zünftige Organisation betrieben,
10 die allmählich zu Städten, und zwar bald zu den blühendsten Städ¬
ten jedes Landes wurden. — Mit der zunftfreien Manufaktur ver¬
änderten sich sogleich auch die Eigentumsverhältnisse. Der erste
Fortschritt über das naturwüchsig-ständische Kapital hinaus war
durch das Aufkommen der Kaufleute gegeben, deren Kapital von
15 vom herein mobil, Kapital im modernen Sinne war, soweit davon
unter den damaligen Verhältnissen die Rede sein kann. Der zweite
Fortschritt kam mit der Manufaktur, die wieder eine Masse des
naturwüchsigen Kapitals mobilisierte und überhaupt die Masse
des mobilen Kapitals gegenüber der des naturwüchsigen vermehrte.
2o — Die Manufaktur wurde zugleich eine Zuflucht der Bauern
gegen die sie ausschließenden oder schlecht bezahlenden Zünfte,
wie früher die Zunftstädte den Bauern als Zuflucht /47/ gegen [den
sie bedrückenden Landadel gedient] hatten.
Mit dem Anfänge der Manufakturen gleichzeitig war eine Pe-
25 riode des Vagabundentums, veranlaßt durch das Aufhören der
feudalen Gefolgschaften, die Entlassung der zusammengelaufe¬
nen Armeen, die den Königen gegen die Vasallen gedient hatten,
durch verbesserten Ackerbau und Verwandlung von großen Strei¬
fen Ackerlandes in Viehweiden. Schon hieraus geht hervor, wie
зо dies Vagabundentum genau mit der Auflösung der Feudalität zu¬
sammenhängt. Schon im dreizehnten Jahrhundert kommen ein¬
zelne Epochen dieser Art vor, allgemein und dauernd tritt dies
Vagabundentum erst mit dem Ende des 15. und Anfang des 16.
Jahrhunderts hervor. Diese Vagabunden, die so zahlreich waren,
35 daß u. A. Heinrich VIII. von England ihrer 72000 hängen ließ,
wurden nur mit den größten Schwierigkeiten und durch die
äußerste Not, und erst nach langem Widerstreben dahin gebracht,
daß sie arbeiteten. Das rasche Aufblühen der Manufakturen,
namentlich in England, absorbierte sie allmählich. — Mit der
40 Manufaktur traten die verschiedenen Nationen in ein Konkurrenz¬
verhältnis, in den Handelskampf, der in Kriegen, Schutzzöllen
und Prohibitionen durchgekämpft wurde, während früher die Na¬
tionen, soweit sie in Verbindung waren, einen harmlosen Aus-
22—23 Das Manuskript ist hier beschädigt; auf dem Photo ist der Rand des Papiers
umgebogen und der Text verdeckt
46
Deutsche Ideologie. Einleitung
tausch mit einander vollführt hatten. Der Handel hat von nun an
politische Bedeutung.
Mit der Manufaktur war zugleich ein verändertes Verhältnis
des Arbeiters zum Arbeitgeber gegeben. In den Zünften existierte
das patriarchalische Verhältnis zwischen Gesellen und Meister 5
fort; in der Manufaktur trat an seine Stelle das Geldverhältnis
zwischen Arbeiter und Kapitalist; ein Verhältnis, das auf dem
Lande und in kleinen Städten patriarchalisch tingiert blieb, in den
größeren, eigentlichen Manufakturstädten jedoch schon früh fast
alle patriarchalische Färbung verlor. 10
Die Manufaktur und überhaupt die Bewegung der Produktion
erhielt einen enormen Aufschwung durch die Ausdehnung des
Verkehrs, welche mit der Entdeckung Amerikas und des Seeweges
nach Ostindien eintrat. Die neuen, von dort importierten Pro¬
dukte, namentlich die Massen von Gold und Silber, die in Zirku- 15
lation kamen, die Stellung der Klassen gegen einander total ver¬
änderten und dem feudalen Grundeigentum und den Arbeitern
einen harten Stoß gaben, die Abenteurerzüge, Kolonisation, und
vor Allem die jetzt möglich gewordene und täglich sich mehr und
mehr herstellende Ausdehnung der Märkte zum Weltmarkt, riefen 20
eine neue Phase der geschicht-/48/lichen Entwicklung hervor, auf
welche im Allgemeinen hier nicht weiter einzugehen ist. Durch
die Kolonisation der neuentdeckten Länder erhielt der Handels¬
kampf der Nationen gegen einander neue Nahrung und demgemäß
größere Ausdehnung und Erbitterung. 25
Die Ausdehnung des Handels und der Manufaktur beschleu¬
nigten die Akkumulation des mobilen Kapitals, während in den
Zünften, die keinen Stimulus zur erweiterten Produktion erfuh¬
ren, das naturwüchsige Kapital stabil blieb oder gar abnahm.
Handel und Manufaktur schufen die große Bourgeoisie, in den зо
Zünften konzentrierte sich die Kleinbürgerschaft, die nun nicht
mehr wie früher, in den Städten herrschte, sondern der Herr¬
schaft der großen Kaufleute und Manufacturiers sich beugen
mußte. Daher der Verfall der Zünfte, sobald sie mit der Manu¬
faktur in Berührung kam [en]. 35
Das Verhältnis der Nationen unter einander in ihrem Verkehr
nahm während der Epoche, von der wir gesprochen haben, zwei
verschiedene Gestalten an. Im Anfänge bedingte die geringe zirku¬
lierende Quantität des Goldes und Silbers das Verbot der Aus¬
fuhr dieser Metalle; und die durch die Notwendigkeit der Be- 40
schäftigimg für die wachsende städtische Bevölkerung nötig ge-
зо—33 Auf der Höhe dieses Satzes schrieb Marx in die rechte Spalte:
Kleinbürger
Mittelstand
Große Bourgeoisie.
I. Feuerbach
47
wordene, meist vom Auslande importierte, Industrie konnte der
Privilegien nicht entbehren, die natürlich nicht nur gegen inlän¬
dische, sondern hauptsächlich gegen auswärtige Konkurrenz ge¬
geben werden konnten. Das lokale Zunftprivilegium wurde in
6 diesen ursprünglichen Prohibitionen auf die ganze Nation erwei¬
tert. Die Zölle entstanden aus den Abgaben, die die Feudalherren
den ihr Gebiet durchziehenden Kaufleuten als Abkauf der Plün¬
derung auflegten, Abgaben, die später von den Städten ebenfalls
auferlegt wurden und die beim Aufkommen der modernen Staaten
10 das zunächstliegende Mittel für den Fiskus waren, um Geld zu
bekommen. — Die Erscheinung des amerikanischen Goldes und
Silbers auf den europäischen Märkten, die allmähliche Entwick¬
lung der Industrie, der rasche Aufschwung des Handels und das
hierdurch hervorgerufene Aufblühen der nichtzünftigen Bour-
15 geoisie und des Geldes gab diesen Maßregeln eine andre Bedeu¬
tung. Der Staat, der des Geldes täglich weniger entbehren konnte,
behielt nun das Verbot der Gold- und Silberausfuhr aus fiskali¬
schen Rücksichten bei; die Bourgeois, für die diese neu auf den
Markt geschleuderten Geldmassen der Hauptgegenstand des Ac-
2o caparements war, waren damit vollständig zufrieden; die bis¬
herigen Privilegien wurden eine Einkommenquelle für die Re¬
gierung und für Geld verkauft; in der Zollgesetzgebung kamen die
Ausfuhrzölle auf, die der Industrie nur ein Hindernis in den Weg
/49/ [legend], einen rein fiskalischen Zweck hatten. —
25 Die zweite Periode trat mit der Mitte des siebzehnten Jahrhun¬
derts ein, und dauerte fast bis zum Ende des achtzehnten. Der Han¬
del und die Schiffahrt hatten sich rascher ausgedehnt als die Ma¬
nufaktur, die eine sekundäre Rolle spielte; die Kolonien fingen
av, starke Konsumenten zu werden, die einzelnen Nationen teilten
зо sich durch lange Kämpfe in den sich öffnenden Weltmarkt. Diese
Periode beginnt mit den Navigationsgesetzen und Kolonialmono¬
polen. Die Konkurrenz der Nationen unter einander wurde durch
Tarife, Prohibitionen, Traktate möglichst ausgeschlossen; und in
letzter Instanz wurde der Konkurrenzkampf durch Kriege (beson-
35 ders Seekriege) geführt und entschieden. Die zur See mächtigste
Nation, die Engländer, behielten das Übergewicht im Handel
und der Manufaktur. Schon hier die Konzentration auf Ein Land.
— Die Manufaktur war fortwährend durch Schutzzölle im heimi¬
schen Markte, im Kolonialmarkte durch Monopole und im aus-
40 wärtigen möglichst viel durch Differentialzölle geschützt. Die Be¬
arbeitung des im Lande selbst erzeugten Materials wurde be¬
günstigt (Wolle und Leinen in England, Seide in Frankreich),
die Ausfuhr des im Inlande erzeugten Rohmaterials verboten
24 Auf dem Photo der Rand des Papiers umgebogen und der Text dadurch
verdeckt
48
Deutsche Ideologie. Einleitung
(Wolle in England) und die des importierten vernachlässigt oder
unterdrückt (Baumwolle in England). Die im Seehandel und der
Kolonialmacht vorherrschende Nation sicherte sich natürlich auch
die größte quantitative und qualitative Ausdehnung der Manu¬
faktur. Die Manufaktur konnte überhaupt des Schutzes nicht ent- з
behren, da sie durch die geringste Veränderung, die in andern
Ländern vorgeht, ihren Markt verlieren und ruiniert werden
kann; sie ist leicht in einem Lande unter einigermaßen günstigen
Bedingungen eingeführt und ebendeshalb leicht zerstört. Sie ist
zugleich durch die Art, wie sie, namentlich im 18. Jahrhundert auf ю
dem Lande, betrieben wurde, mit den Lebensverhältnissen einer
großen Masse von Individuen so verwachsen, daß kein Land wa¬
gen darf ihre Existenz durch Zulassung der freien Konkurrenz
aufs Spiel zu setzen. Sie hängt daher, insofern sie es bis zum Ex¬
port bringt, ganz von der Ausdehnung oder Beschränkung des із
Handels ab und übt eine Verhältnis [mäßig] sehr geringe Rück¬
wirkung [auf ihn] aus. Daher ihre sekundäre [Bedeutung] und
daher der Einfluß [der Kaufleute im achtzehnten Jahrhundert.
/50/ Die Kaufleute und besonders die Reeder waren es, die vor
allen Andern auf Staatsschutz und Monopolien drangen; die Ma- 20
nufacturiers verlangten und erhielten zwar auch Schutz, standen
aber fortwährend hinter den Kaufleuten an politischer Bedeutung
zurück. Die Handelsstädte, speziell die Seestädte, wurden einiger¬
maßen zivilisiert und großbürgerlich, während in den Fabrik¬
städten die größte Kleinbürgerei bestehen blieb. Vgl. Aikin pp. 25
Das achtzehnte Jahrhundert war das des Handels. Pinto sagt dies
ausdrücklich: „Le commerce fait la marotte du siede“; und:
„depuis quelque temps il n’est plus question que de commerce, de
navigation et de marine.“
Diese Periode ist auch bezeichnet durch das Aufhören der зо
Gold- und Silberausfuhrverbote, das Entstehen des Geldhandels,
der Banken, der Staatsschulden, des Papiergeldes, der Aktien-
/50/ Die Bewegung des Kapitals, obwohl bedeutend beschleunigt,
blieb doch noch stets verhältnismäßig langsam. Die Zersplitterung des
Weltmarktes in einzelne Teile, deren Jeder von einer besondern Nation 35
ausgebeutet wurde, die Ausschließung der Konkurrenz der Nationen unter
sich, die Unbehiilflichkeit der Produktion selbst und das aus den ersten
Stufen sich erst entwickelnde Geldwesen hielten die Zirkulation sehr auf.
Die Folge davon war ein krämerhafter, schmutzig-kleinlicher Geist, der
allen Kaufleuten und der ganzen Weise des Handelsbetriebs noch an- *o
haftete. Im Vergleich mit den Manufacturiers und vollends den Hand¬
werkern waren sie allerdings Großbürger, Bourgeois, im Vergleich zu den
Kaufleuten und Industriellen der nächsten Periode bleiben sie Klein¬
bürger. Vgl. A. Smith.
16—18 Lücken im Manuskript
I. Feuerbach
49
und Fondsspekulationen, der Agiotage in allen Artikeln, und der
Ausbildung des Geldwesens überhaupt. Das Kapital verlor wie¬
der einen großen Teil der ihm noch anklebenden Naturwüchsig¬
keit.
.5 Die im siebzehnten Jahrhundert unaufhaltsam sich entwik-
kelnde Konzentration des Handels und der Manufaktur auf ein
Land, England, schuf für dieses Land allmählich einen relativen
Weltmarkt und damit eine Nachficxge für die Manufakturpro¬
dukte dieses Landes, die durch die bisherigen industriellen Pro-
10 duktivkräfte nicht mehr befriedigt werden konnte. Diese den Pro¬
duktionskräften über den Kopf wachsende Nachfrage war die
treibende Kraft, welche die dritte /51/ Periode des Privateigen¬
tums seit dem Mittelalter hervorrief, indem sie die große Indu¬
strie — die Anwendung von Elementarkräften zu industriellen
13 Zwecken, die Maschinerie und die ausgedehnteste Teilung der
Arbeit — erzeugte. Die übrigen Bedingungen dieser neuen Phase
— die Freiheit der Konkurrenz innerhalb der Nation, die Aus¬
bildung der theoretischen Mechanik (die durch Newton voll¬
endete Mechanik war überhaupt im 18. Jahrhundert in Frank-
2o reich und England die populärste Wissenschaft) pp existierten in
England bereits. (Die freie Konkurrenz in der Nation selbst
mußte überall durch eine Revolution erobert werden — 1640 und
1688 in England, 1789 in Frankreich). Die Konkurrenz zwang
bald jedes Land, das seine historische Rolle behalten wollte, seine
25 Manufakturen durch erneuerte Zollmaßregeln zu schützen (die
alten Zölle halfen gegen die große Industrie nicht mehr) und
bald darauf die große Industrie unter Schutzzöllen einzuführen.
Die große Industrie universalisierte trotz dieser Schutzmittel die
Konkurrenz (sie ist die praktische Handelsfreiheit, der Schutz-
зо zoll ist in ihr nur ein Palliativ, eine Gegenwehr in der Handels¬
freiheit), stellte die Kommunikationsmittel und den modernen
Weltmarkt her, unterwarf sich den Handel, verwandelte alles
Kapital in industrielles Kapital und erzeugte damit die rasche
Zirkulation (die Ausbildung des Geldwesens) und Zentralisation
35 der Kapitalien. Sie zwang durch die universelle Konkurrenz alle
Individuen zur äußersten Anspannung ihrer Energie. Sie ver¬
nichtete möglichst die Ideologie, Religion, Moral etc. und wo sie
dies nicht konnte, machte sie sie zur handgreiflichen Lüge. Sie
erzeugte in soweit erst die Weltgeschichte, als sie jede zivilisierte
io Nation und jödes Individuum darin in der Befriedigung seiner
Bedürfnisse von der ganzen Welt abhängig machte, und die bis¬
herige naturwüchsige Ausschließlichkeit einzelner Nationen ver-
35—38 Diese beiden Sätze sind von Engels auf der Höhe des Schlusses des ihnen
vorangehenden Satzes ohne Einfügungszeichen in die rechte Spalte geschrieben
worden
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 4
50
Deutsche Ideologie. Einleitung
nichtete. Sie subsumierte die Naturwissenschaft unter das Kapital
und nahm der Teilung der Arbeit den letzten Schein der Natur¬
wüchsigkeit. Sie vernichtete überhaupt die Naturwüchsigkeit, so¬
weit dies innerhalb der Arbeit möglich ist und löste alle natur¬
wüchsigen Verhältnisse in Geldverhältnisse auf. Sie schuf an der 5
Stelle der naturwüchsigen Städte die modernen, großen Industrie¬
städte, die über Nacht entstanden sind. Sie zerstörte, wo sie durch¬
drang, das Handwerk und überhaupt alle früheren Stufen der
Industrie. Sie vollendete den Sieg [der] Handelsstadt über das
Land. [Ihre erste Voraussetzung] ist das automatische System. 10
[Ihre Entwicklung erzeugte eine Masse von Pro[duktivkr]äften,
für die das Privat[eigentum] eben sosehr eine Fessel /52/ wurde,
wie die Zunft für die Manufaktur und der kleine, ländliche Be¬
trieb für das sich ausbildende Handwerk. Diese Produktivkräfte
erhalten unter dem Privateigentum eine nur einseitige Entwick- 15
lung, werden für die Mehrzahl zu Destruktivkräften und eine
Menge solcher Kräfte können im Privateigentum gar nicht zur
Anwendung kommen. Sie erzeugte im Allgemeinen überall die¬
selben Verhältnisse zwischen den Klassen der Gesellschaft, und
vernichtete dadurch die Besonderheit der einzelnen Nationalitä- 20
ten. Und endlich, während die Bourgeoisie jeder Nation noch
aparte nationale Interessen behält, schuf die große Industrie eine
Klasse, die bei allen Nationen dasselbe Interesse hat, und bei der
die Nationalität schon vernichtet ist, eine Klasse, die wirklich die
ganze alte Welt los ist und zugleich ihr gegenübersteht. Sie macht 25
dem Arbeiter nicht bloß das Verhältnis zum Kapitalisten, sondern
die Arbeit selbst unerträglich.
Es versteht sich, daß die große Industrie nicht in jeder Lokali¬
tät eines Landes zu derselben Höhe der Ausbildung kommt. Dies
hält indes die Klassenbewegung des Proletariats nicht auf, da die зо
durch die große Industrie erzeugten Proletarier an die Spitze
dieser Bewegung treten und die ganze Masse mit sich fortreißen,
und da die von der großen Industrie ausgeschlossenen Arbeiter
durch diese große Industrie in eine noch schlechtere Lebenslage
versetzt werden als die Arbeiter der großen Industrie selbst. Eben- 35
so wirken die Länder, in denen eine große Industrie entwickelt ist,
auf die plus ou moins nichtindustriellen .Länder, sofern diese
durch den Weltverkehr in den universellen Konkurrenzkampf
hereingerissen sind.c*)]
[*)I /53/ Die Konkurrenz isoliert die Individuen, nicht nur die Bour- to
geois, sondern noch mehr die Proletarier gegen einander, trotzdem daß
sie sie zusammen bringt. Daher dauert es eine lange Zeit bis diese Indi¬
viduen sich vereinigen können, abgesehn davon, daß zu dieser Vereinigung
9—12 Das Manuskript ist beschädigt
I. Feuerbach
51
Die^e verschiedenen Formen sind ebensoviel Formen der Orga¬
nisation der Arbeit und damit des Eigentums. In jeder Periode
fand eine Vereinigung der existierenden Produktivkräfte statt,
soweit sie durch die Bedürfnisse notwendig geworden war.
/68/ [2.] Verhältnis von Staat und Recht
zum Eigentum
Die erste Form des Eigentums ist sowohl in der antiken Welt
wie im Mittelalter das Stammeigentum, bedingt bei den Römern
hauptsächlich durch den Krieg, bei den /69/ Germanen durch die
io Viehzucht. Bei den antiken Völkern erscheint, weil in einer Stadt
mehrere Stämme zusammenwohnen, das Stammeigentum als
Staatseigentum, und das Recht des Einzelnen daran als bloße Pos¬
sessio, die sich indes, wie das Stammeigentum überhaupt, nur auf
das Grundeigentum beschränkt. Das eigentliche Privateigentum
15 fängt bei den Alten, wie bei den modernen Völkern, mit dem Mo¬
biliareigentum an. — (Sklaverei und Gemeinwesen) (dominium
ex jure Quiritum). Bei den aus dem Mittelalter hervorgehenden
Völkern entwickelt sich das Stammeigentum so durch verschie¬
dene Stufen — feudales Grundeigentum, korporatives Mobiliar-
2o eigentum, Manufakturkapital — bis zum modernen, durch die
große Industrie und universelle Konkurrenz bedingten Kapital,
dem reinen Privateigentum, das allen Schein des Gemeinwesens
abgestreift und alle Einwirkung des Staats auf die Entwicklung
des Eigentums ausgeschlossen hat. Diesem modernen Privateigen-
25 tum entspricht der moderne Staat, der durch die Steuern allmäh¬
lich von den Privateigentümern an sich gekauft, durch das Staats¬
schuldenwesen ihnen vollständig verfallen und dessen Existenz in
dem Steigen und Fallen der Staatspapiere auf der Börse gänzlich
von dem kommerziellen Kredit abhängig geworden ist, den ihm
3 ) — wenn sie nicht bloß lokal sein soll — die nötigen Mittel, die großen
Industriestädte und die wohlfeilen und schnellen Kommunikationen durch
die große Industrie erst hergestellt sein müssen, und daher ist jede organi¬
sierte Macht gegenüber diesen isolierten und in Verhältnissen, die die
Isolierung täglich reproduzieren, lebenden Individuen erst nach langen
35 Kämpfen zu besiegen. Das Gegenteil verlangen, hieße ebensoviel wie zu
verlangen, daß die Konkurrenz in dieser bestimmten Geschichtsepoche
nicht existieren soll oder daß die Individuen Verhältnisse, über die sie als
Isolierte keine Kontrolle haben, sich aus dem Kopf schlagen sollen.
52
Deutsche Ideologie. Einleitung
die Privateigentümer, die Bourgeois, geben. Die Bourgeoisie ist
schon, weil sie eine Klasse, nicht mehr ein Stand ist, dazu
gezwungen, sich national, nicht mehr lokal zu organisieren, und
ihrem Durchschnittsinteresse eine allgemeine Form zu geben.
Durch die Emanzipation des Privateigentums vom Gemeinwesen 5
ist der Staat zu einer besonderen Existenz neben und außer der
bürgerlichen Gesellschaft geworden; er ist aber weiter Nichts als
die Form der Organisation, welche sich die Bourgeois sowohl nach
Außen, als nach innen hin, zur gegenseitigen Garantie ihres Eigen¬
tums und ihrer Interessen notwendig geben. Die Selbstständigkeit 10
des Staats kommt heutzutage nur noch in solchen Ländern vor, wo
die Stände sich nicht vollständig zu Klassen entwickelt haben, wo
die in den fortgeschrittneren Ländern beseitigten Stände noch eine
Rolle spielen und ein Gemisch existiert, in denen daher kein Teil
der Bevölkerung es zur Herrschaft über die übrigen bringen kann. 15
Dies ist namentlich in Deutschland der Fall. Das vollendetste Bei¬
spiel des modernen Staats ist Nord-/70/amerika. Die neueren
französischen, englischen und amerikanischen Schriftsteller spre¬
chen sich Alle dahin aus, daß der Staat nur um des Privateigen¬
tums willen existiere, sodaß dies auch in das gewöhnliche Be- 20
wußtsein übergegangen ist.
Da der Staat die Form ist, in welcher die Individuen einer herr¬
schenden Klasse ihre gemeinsamen Interessen geltend machen und
die ganze bürgerliche Gesellschaft einer Epoche sich zusammen¬
faßt, so folgt, daß alle gemeinsamen Institutionen durch den Staat 25
vermittelt werden, eine politische Form erhalten. Daher die Illu¬
sion, als ob das Gesetz auf dem Willen und zwar auf dem von sei¬
ner realen Basis losgerissenen, dem freien Willen beruhe.
Ebenso wird das Recht dann wieder auf das Gesetz reduziert.
Das Privatrecht entwickelt sich zu gleicher Zeit mit dem Privat- 10
eigentum aus der Auflösung des naturwüchsigen Gemeinwesens.
Bei den Römern blieb die Entwicklung des Privateigentums und
Privatrechts ohne weitere industrielle und kommerzielle Folgen,
weil ihre ganze Produktionsweise dieselbe blieb. Bei den moder¬
nen Völkern, wo das feudale Gemeinwesen durch die Industrie 35
und den Handel aufgelöst wurde, begann mit dem Entstehen des
Privateigentums und Privatrechts eine neue Phase, die einer weite¬
ren Entwicklung fähig war. Gleich die ersteStadt, die im Mittelalter
einen ausgedehnten Seehandel führte, Amalfi, bildete auch das
Seerecht aus. Sobald, zuerst in Italien und später in anderen Län- 40
dern, die Industrie und der Handel das Privateigentum weiter ent¬
wickelten, wurde gleich das ausgebildete römische Privatrecht wie¬
der aufgenommen und zur Autorität erhoben. Als später die Bour-
34 Auf dieser Höhe schrieb Engels in die rechte Spalte:
(Wucher!)
I. Feuerbach
53
geoisie so viel Macht erlangt hatte, daß die Fürsten sich ihrer In¬
teressen annahmen, um vermittelst der Bourgeoisie den Feudal¬
adel zu stürzen, begann in allen Ländern — in Frankreich im
16. Jahrhundert — die eigentliche,Entwicklung des Rechts, die in
wallen /71/ Ländern, ausgenommen England, auf der Basis des
römischen Kodex vor sich ging. Auch in England mußten römi¬
sche Rechtsgrundsätze zur weiteren Ausbildung des Privatrechts
(besonders beim Mobiliareigentum) hereingenommen werden.
(Nicht zu vergessen, daß das Recht ebensowenig eine eigene Ge-
ю schichte hat wie die Religion).
Im Privatrecht werden die bestehenden Eigentumsverhältnisse
als Resultat des allgemeinen Willens ausgesprochen. Das jus
utendi et abutendi selbst spricht einerseits die Tatsache aus, daß
das Privateigentum vom Gemeinwesen durchaus unabhängig ge-
15 worden ist, und andererseits die Illusion, als ob das Privateigen¬
tum selbst auf dem bloßen Privatwillen, der willkürlichen Dispo¬
sition über die Sache beruhe. In der Praxis hat das abuti sehr be¬
stimmte ökonomische Grenzen für den Privateigentümer, wenn er
nicht sein Eigentum und damit sein jus abutendi in andre Hände
2o übergehn sehen will, da überhaupt die Sache, bloß in Beziehung
auf seinen Willen betrachtet, gar keine Sache ist, sondern erst im
Verkehr, und unabhängig vom Recht zu einer Sache, zu wirk¬
lichem Eigentum wird (ein Verhältnis, was die Philosophen
eine Idee nennen). — Diese juristische Illusion, die das Recht
25 auf den bloßen Willen reduziert, führt in der weiteren Entwick¬
lung der Eigentumsverhältnisse notwendig dahin, daß Jemand
einen juristischen Titel auf eine Sache haben kann, ohne die Sache
wirklich zu haben. Wird z. B. durch die Konkurrenz die Rente eines
• Grundstückes beseitigt, so hat der Eigentümer desselben zwar
зо seinen juristischen Titel daran, samt dem jus utendi et abutendi.
Aber er kann nichts damit anfangen, er besitzt nichts als Grund¬
eigentümer, falls er nicht sonst noch Kapital genug besitzt, um sei¬
nen Boden zu bebauen. Aus derselben Illusion der Juristen erklärt
es sich, daß es für sie und für jeden Kodex überhaupt zufällig ist,
35 daß Individuen in Verhältnisse unter einander treten, z. B. Ver¬
träge, und daß ihm diese Verhältnisse für solche gelten, die man
nach Belieben eingehen oder nicht eingehen /72/ [kann] und deren
Inhalt ganz auf der individuellen [Will]kür der Kontrahenten
[ber]uht. — So oft sich durch die Entwicklung] der Industrie und
17—23 Auf dieses Höhe schrieb Marx in die rechte Spalte:
Verhältnis für die Philosophen — Idee.
Sie kennen bloß das Verhältnis „des Menschen“ zu sich selbst und darum
werden alle wirklichen Verhältnisse ihnen zu Ideen.
24—iS Auf der Höhe dieses Satzes schrieb Marx in die rechte Spalte:
D[ie] Willen über d[ie] Willen wirkliche etc.
37—39 Das Papier ist beschädigt
54
Deutsche Ideologie. Einleitung
des Handels neue [Ve]rkehrsformen gebildet haben, [z.] B. Asse-
kuranz-etc. Kompanien, war das Recht jedesmal genötigt, sie unter
die Eigentumserwerbsarten aufzunehmen.
* *
*
/63/ Els ist nichts gewöhnlicher als die Vorstellung, in der Ge¬
schichte sei es bisher nur auf das Nehmen angekommen. Die 5
Barbaren nehmen das römische Reich, und mit der Tatsache die¬
ses Nehmens erklärt man den Übergang aus der alten Welt in die
Feudalität. Bei dem Nehmen durch Barbaren kommt es aber darauf
an, ob die Nation, die eingenommen wird, industrielle Produktiv¬
kräfte entwickelt hat, wie dies bei den modernen Völkern der Fall 10
ist, oder ob ihre Produktivkräfte hauptsächlich bloß auf ihrer
Vereinigung und dem Gemeinwesen beruhen. Das Nehmen ist
ferner bedingt durch den Gegenstand, der genommen wird. Das in
Papier bestehende Vermögen eines Bankiers kann gar nicht ge¬
nommen werden, ohne daß der Nehmende sich den Produktions- js
und Verkehrsbedingungen des genommenen Landes unterwirft.
Ebenso das gesamte industrielle Kapital eines modernen Industrie¬
landes. Und endlich hat das Nehmen überall sehr bald ein Ende,
und wenn nichts mehr zu nehmen ist, muß man anfangen zu pro¬
duzieren. Aus dieser sehr bald eintretenden Notwendigkeit des 20
Produzierens folgt, /64/ daß die von den sich niederlassenden Er¬
oberern angenommene Form des Gemeinwesens der Entwicklungs¬
stufe der vorgefundnen Produktivkräfte entsprechen, oder wenn
dies nicht von vom herein der Fall ist, sich nach den Produktiv¬
kräften ändern muß. Hieraus erklärt sich auch das Faktum, das 25
man in der Zeit nach der Völkerwanderung überall bemerkt haben
will, daß nämlich der Knecht der Herr war, und die Eroberer von
den Eroberten Sprache, Bildung und Sitten sehr bald annahmen.
Die Feudalität wurde keineswegs aus Deutschland fertig mitge¬
bracht, sondern sie hatte ihren Ursprung von Seiten der Eroberer зо
in der kriegerischen Organisation des Heerwesens während der
Eroberung selbst, und diese entwickelte sich nach derselben durch
die Einwirkung der in den eroberten Ländern vorgefundnen Pro¬
duktivkräfte erst zur eigentlichen Feudalität. Wie sehr diese Form
durch die Produktivkräfte bedingt war, zeigen die gescheiterten 35
Versuche, andre aus altrömischen Reminiszenzen entspringende
Formen durchzusetzen (Karl d. Große pp).
1 Das Papier ist beschädigt, daher Lücken im Manuskript
12 Im Original beruht
30—31 Im Original der Eroberer (erst durch^ in die kriegerische Organisation
I. Feuerbach
55
[3. Naturwüchsige und zivilisierte Produktions¬
instrumente und Eigentumsformen]
/40/ funden wird. Aus dem ersteren ergibt sich die Vorausset¬
zung einer ausgebildeten Teilung der Arbeit und eines ausgedehn-
5 ten Handels, aus dem zweiten die Lokalität. Bei dem ersten müs¬
sen die Individuen zusammengebracht sein, bei dem zweiten finden
sie sich neben dem gegebenen Produktionsinstrument selbst als
Produktionsinstrumente vor. Hier tritt also der Unterschied zwi¬
schen den naturwüchsigen und den durch die Zivilisation geschaf-
ю fenen Produktionsinstrumenten hervor. Der Acker (das Wasser
etc.) kann als naturwüchsiges Produktionsinstrument betrachtet
werden. Im ersten Fall, beim naturwüchsigen Produktionsinstru¬
ment, werden die Individuen unter die Natur subsumiert, im zwei¬
ten Falle unter ein Produkt der Arbeit. Im ersten Falle erscheint
15 daher auch das Eigentum (Grundeigentum) als immittelbare,
naturwüchsige Herrschaft, im zweiten als Herrschaft der Arbeit,
speziell der akkumulierten Arbeit, des Kapitals. Der erste Fall
setzt voraus, daß die Individuen durch irgend ein Band, sei es
Familie, Stamm, der Boden selbst pp zusammen gehören, der
го zweite Fall, daß sie unabhängig von einander sind und nur durch
den Austausch zusammen gehalten werden. Im ersten Fall ist der
Austausch hauptsächlich ein Austausch zwischen den Menschen
und der Natur, ein Austausch, in dem die Arbeit der Einen gegen
die Produkte der Andern eingetauscht wird; im zweiten Falle ist
25 er vorherrschend Austausch der Menschen unter sich. Im ersten
Falle reicht der durchschnittliche Menschenverstand hin, körper¬
liche und geistige Tätigkeit sind noch gar nicht getrennt; im zwei¬
ten Falle muß bereits die Teilung zwischen geistiger und körper¬
licher Arbeit praktisch vollzogen sein. Im ersten Falle kann die
зо Herrschaft des Eigentümers über die Nichteigentümer auf persön¬
lichen Verhältnissen, auf einer Art von Gemeinwesen beruhen,
im zweiten Falle muß sie in einem Dritten, dem Geld, eine ding¬
liche Gestalt angenommen haben. Im ersten Falle existiert die
kleine Industrie, aber subsumiert unter die Benutzung des natur-
35 wüchsigen Produktionsinstruments, und daher ohne Verteilung der
Arbeit an verschiedene Individuen; im zweiten Falle besteht die
Industrie nur in und durch die Teilung der Arbeit.
/41/ Wir gingen bisher von den Produktionsinstrumenten aus
3 Der Anfang der hier folgenden Fortsetzung, der sich auf einem von Engels
83 numerierten Bogen, mit den Seitenbezeichnungen 36—39 (inkl.) von Marx,
befand, fehlt
24 Im Original werden
56
Deutsche Ideologie. Einleitung
und schon hier zeigte sich die Notwendigkeit des Privateigentums
für gewisse industrielle Stufen. In der Industrie extractive fällt
das Privateigentum mit der Arbeit noch ganz zusammen; in der
kleinen Industrie und aller bisherigen Agrikultur ist das Eigen¬
tum notwendige Konsequenz der vorhandenen Produktionsinstru- 5
mente; in der großen Industrie ist der Widerspruch zwischen dem
Produktionsinstrument und Privateigentum erst ihr Produkt, zu
dessen Erzeugung sie bereits sehr entwickelt sein muß. Mit ihr ist
also auch die Aufhebung des Privateigentums erst möglich.
/64/ In der großen Industrie und Konkurrenz sind die sämt- 10
liehen Existenzbedingungen, Bedingtheiten, Einseitigkeiten der In¬
dividuen zusammengeschmolzen in die beiden einfachsten Formen:
Privateigentum und Arbeit. Mit dem Gelde ist jede Verkehrsform
und der Verkehr selbst für die Individuen als zufällig gesetzt.
Also liegt schon im Gelde, daß aller bisherige Verkehr nur Ver- 15
kehr der Individuen unter bestimmten Bedingungen, nicht der In¬
dividuen als Individuen war. Diese Bedingungen sind auf zwei —
akkumulierte Arbeit oder Privateigentum, oder wirkliche Arbeit
— reduziert. Hört diese oder eine von ihnen auf, so stockt der Ver¬
kehr. Die modernen Ökonomen selbst, z. B. Sismondi, Cherbuliez 20
etc., stellen die association des individus der association des capi-
taux entgegen. Andererseits sind die Individuen selbst vollständig
unter die Teilung der Arbeit subsumiert und dadurch in die voll¬
ständigste Abhängigkeit von einander gebracht. Das Privateigen¬
tum, soweit es, innerhalb der Arbeit, der Arbeit gegenübertritt, 25
entwickelt sich aus der Notwendigkeit der Akkumulation, und hat
im Anfänge immer noch mehr die Form des Gemeinwesens, nähen
sich aber in der weiteren Entwicklung immer mehr der modernen
Form des Privateigentums. Durch die Teilung der Arbeit ist schon
von vorn herein die Teilung auch der Arbeitsbedingungen, зо
Werkzeuge und Materialien gegeben und damit die Zersplitterung
des akkumulierten Kapitals an verschiedne Eigentümer, und damit
die Zersplitterung zwischen Kapital und Arbeit, und die verschie¬
denen Formen des Eigentums selbst. Jemehr sich die Teilung der
Arbeit aus-/65/bildet und jemehr die Akkumulation wächst, desto 35
schärfer bildet sich auch diese Zersplitterung aus. Die Arbeit
selbst kann nur bestehen unter der Voraussetzung dieser Zersplit¬
terung.
Es zeigen sich hier also zwei Fakta. Erstens erscheinen die
Produktivkräfte als ganz unabhängig und losgerissen von den In- 40
dividuen, als eine eigne Welt neben den Individuen, was darin
11 Engels versah die Worte Bedingtheiten, Einseitigkeiten mit keinem Ein¬
fügungszeichen, als er sie in die rechte Spalte schrieb
39 Auf dieser Höhe schrieb Engels in die rechte Spalte:
Sismondi
I. Feuerbach
57
seinen Grund hat, daß die Individuen, deren Kräfte sie sind, zer¬
splittert und im Gegensatz gegen einander existieren, während
diese Kräfte andererseits nur im Verkehr und Zusammenhang die¬
ser Individuen wirkliche Kräfte sind. Also auf der einen Seite
5 eine Totalität von Produktivkräften, die gleichsam eine sachliche
Gestalt angenommen haben und für die Individuen selbst nicht
mehr die Kräfte der Individuen, sondern des Privateigentums, und
daher der Individuen nur insofern sie Privateigentümer sind. In
keiner früheren Periode hatten die Produktivkräfte diese gleich-
10 gültige Gestalt für den Verkehr der Individuen als Individuen
angenommen, weil ihr Verkehr selbst noch ein bornierter war. Auf
der andern Seite steht diesen Produktivkräften die Majorität der
Individuen gegenüber, von denen diese Kräfte losgerissen sind
und die daher alles wirklichen Lebensinhalts beraübt, abstrakte
15 Individuen geworden sind, die aber dadurch erst in den Stand ge¬
setzt werden, als Individuen mit einander in Verbindung
zu treten.
Der einzige Zusammenhang, in dem sie noch mit den Produk¬
tivkräften und mit ihrer eignen Existenz stehen, die Arbeit, hat bei
го ihnen allen Schein der Selbstbetätigung verloren und erhält ihr
/66/ Leben nur, indem sie es verkümmert. Während in den frühe¬
ren Perioden Selbstbetätigung und Erzeugung des materiellen Le¬
bens dadurch getrennt waren, daß sie an verschiedene Personen
fielen und die Erzeugung des materiellen Lebens wegen der Bor-
25 niertheit der Individuen selbst noch als eine untergeordnete Art
der Selbstbetätigung galt, fallen sie jetzt so auseinander, daß
überhaupt das materielle Leben als Zweck, die Erzeugung dieses
materiellen Lebens, die Arbeit (welche die jetzt einzig mögliche,
aber wie wir sehn, negative Form der Selbstbetätigung ist), als
зо Mittel erscheint.
Es ist also jetzt soweit gekommen, daß die Individuen sich die
vorhandene Totalität von Produktivkräften aneignen müssen, nicht
nur um zu ihrer Selbstbetätigung zu kommen, sondern schon über¬
haupt um ihre Existenz sicher zu stellen. Diese Aneigung ist zuerst
35 bedingt durch den anzueignenden Gegenstand — die zu einer To¬
talität entwickelten und nur innerhalb eines universellen Verkehrs
existierenden Produktivkräfte. Diese Aneigung muß also schon
von dieser Seite her einen den Produktivkräften und dem Verkehr
entsprechenden universellen Charakter haben. Die Aneigung die-
40 ser Kräfte ist selbst weiter nichts als die Entwicklung der den mate¬
riellen Produktionsinstrumenten entsprechenden individuellen Fä¬
higkeiten. Die Aneignung einer Totalität von Produktionsinstru¬
menten ist schon deshalb die Entwicklung einer Totalität von
Fähigkeiten in den Individuen selbst. Diese Aneignung ist ferner
45 bedingt durch die aneignenden Individuen. Nur die von aller
58
Deutsche Ideologie. Einleitung
Selbstbetätigung vollständig ausgeschlossenen Proletarier der Ge¬
genwart sind im Stande, ihre vollständige, nicht mehr bornierte
Selbstbetätigung, die in der Aneignung einer Totalität von Pro¬
duktivkräften und der damit gesetzten Entwicklung einer Totalität
von Fähigkeiten besteht, durchzusetzen. Alle früheren revolutio- 5
nären Aneignungen waren borniert, Individuen, deren Selbstbe¬
tätigung durch ein beschränktes Produktionsinstrument und einen
beschränkten Verkehr borniert war, eigneten sich dies beschränkte
Produktions-/67/instrument an, und brachten es daher nur zu
einer neuen Beschränktheit. Ihr Produktionsinstrument wurde ihr 10
Eigentum, aber sie selbst blieben unter die Teilung der Arbeit und
unter ihr eignes Produktionsinstrument subsumiert. Bei allen bis¬
herigen Aneignungen blieb eine Masse von Individuen unter ein
einziges Produktionsinstrument subsumiert; bei der Aneignung
der Proletarier müssen eine Masse von Produktionsinstrumenten 15
unter jedes Individuum und das Eigentum unter Alle subsumiert
werden. Der moderne universelle Verkehr kann gar nicht anders
unter die Individuen subsumiert werden, als dadurch, daß er unter
Alle subsumiert wird. — Die Aneignung ist ferner bedingt durch
die Art und Weise, wie sie vollzogen werden muß. Sie kann nur 20
vollzogen werden durch eine Vereinigung, die durch den Charak¬
ter des Proletariats selbst wieder nur eine universelle sein kann, und
durch eine Revolution, in der einerseits die Macht der bisherigen
Produktions- und Verkehrsweise und gesellschaftlichen Gliede¬
rung gestürzt wird und andererseits der universelle Charakter und 25
die zur Durchführung der Aneignung nötige Energie des Proleta¬
riats sich entwickelt, ferner das Proletariat alles abstreift, was ihm
noch aus seiner bisherigen Gesellschaftsstellung geblieben ist.
Erst auf dieser Stufe fällt die Selbstbetätigung mit dem mate¬
riellen Leben zusammen, was der Entwicklung der Individuen zu зо
totalen Individuen und der Abstreifung aller Naturwüchsigkeit
entspricht; und dann entspricht sich die Verwandlung der Arbeit
in Selbstbetätigung und die Verwandlung des bisherigen beding¬
ten Verkehrs in den Verkehr der Individuen als solcher. Mit der
Aneignung der totalen Produktivkräfte durch die vereinigten Indi- 35
viduen hört das Privateigentum auf. Während in der bisherigen
Geschichte immer eine besondere Bedingung als zufällig erschien,
ist jetzt die Absonderung der Individuen selbst, der besondre Pri¬
vaterwerb eines Jeden selbst zufällig geworden.
Die Individuen, die nicht mehr/68/unter die Teilung der Ar- 40
beit subsumiert werden, haben die Philosophen sich als Ideal
unter dem Namen: „der Mensch“ vorgestellt, und den ganzen, von
uns entwickelten Prozeß als den Entwicklungsprozeß „des Men¬
schen“ gefaßt, sodaß den bisherigen Individuen auf jeder ge¬
schichtlichen Stufe „der Mensch“ untergeschoben und als die trei- 45
I. Feuerbach
59
bende Kraft der Geschichte dargestellt wurde. Der ganze Prozeß
wurde so als Selbstentfremdungsprozeß „des Menschen“ gefaßt,
und dies kommt wesentlich daher, daß das Durchschnittsindivi¬
duum der späteren Stufe immer der früheren und das spätere Be-
s wußtsein den früheren Individuen untergeschoben. Durch diese
Umkehrung, die von vom herein von den wirklichen Bedingungen
abstrahiert, war es möglich die ganze Geschichte in einen Entwick¬
lungsprozeß des Bewußtseins zu verwandeln.
* *
*
/22/ Schließlich erhalten wir noch folgende Resultate aus der
io entwickelten Geschichtsauffassung: 1) In der Entwicklung der
Produktivkräfte tritt eine Stufe ein, auf welcher Produktionskräfte
und Verkehrsmittel hervorgerufen werden, welche unter den be¬
stehenden Verhältnissen nur Unheil anrichten, welche keine Pro¬
duktionskräfte mehr sind, sondern Destruktionskräfte (Maschi-
15 nerie und Geld) — und was damit zusammenhängt, daß eine
Klasse hervorgerufen wird, welche alle Lasten der Gesellschaft zu
tragen hat, ohne ihre Vorteile zu genießen, welche aus der Gesell¬
schaft heraus- 23 gedrängt, in den entschiedensten Gegensatz zu
allen andern Klassen forciert wird; eine Klasse, die die Majorität
го aller Gesellschaftsmitglieder bildet und von der das Bewußtsein
über die Notwendigkeit einer gründlichen Revolution, das kom¬
munistische Bewußtsein, ausgeht, das sich natürlich auch unter den
andern Klassen vermöge der Anschauung der Stellung dieser
Klasse bilden kann; 2) daß die Bedingungen, innerhalb deren
25 bestimmte Produktionskräfte angewandt werden können, dre Be¬
dingungen der Herrschaft einer bestimmten Klasse der Gesell¬
schaft sind, deren soziale, aus ihrem Besitz hervorgehende Macht
in der jedesmaligen Staatsform ihren praktisch -idealistischen
Ausdruck hat, und deshalb jeder revolutionäre Kampf gegen eine
зо Klasse, die bisher geherrscht hat, sich richtet; 3) daß in allen bis¬
herigen Revolutionen die Art der Tätigkeit stets unangetastet blieb
und es sich nur um eine andre Distribution dieser Tätigkeit, um
eine neue Verteilung der Arbeit an andre Personen handelte, wäh¬
rend die kommunistische Revolution sich gegen die bisherige Art
35 der Tätigkeit richtet, die Arbeit beseitigt, und die Herrschaft
aller Klassen mit den Klassen selbst aufhebt, weil sie durch die
Klasse bewirkt wird, die in der Gesellschaft für keine Klasse mehr
1—5 Diesen Satz strich Marx rechts an und vermerkte daneben in der rechten
Spalte:
Selbstentfremdung
24—29 Auf der Höhe von 2) beginnend, bis hierher ist der Text von Marx rechts an¬
gestrichen, und daneben in die rechte Spalte geschrieben:- Daß die Leute
interessiert sind, den jetzigen Produktionszustand zu erhalten.
60
Deutsche Ideologie. Einleitung
gilt, nicht als Klasse anerkannt wird, schon der Ausdruck der Auf¬
lösung aller Klassen, Nationalitäten etc. innerhalb der jetzigen
Gesellschaft ist; und 4) daß sowohl zur massenhaften Erzeugung
dieses kommunistischen Bewußtseins, wie zur Durchsetzung der
Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig 5
ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution
vor sich gehen kann; daß also die Revolution nicht nur nötig
ist, weil die herrschende Klasse auf keine andre Weise ge¬
stürzt werden kann, sondern auch, weil die stürzende Klasse
nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten 10
Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der
Gesellschaft befähigt zu werden.
[C.] KOMMUNISMUS. — PRODUKTION DER VERKEHRSFORM
SELBST
/59/ Der Kommunismus unterscheidet, sich von allen bisherigen 15
Bewegungen dadurch, daß er die Grundlage aller bisherigen Pro-"
duktions- und Verkehrsverhältnisse umwälzt, und alle naturwüch¬
sigen Voraussetzungen zum ersten Mal mit Bewußtsein als Ge¬
schöpfe der bisherigen Menschen behandelt, ihrer Naturwüchsig¬
keit entkleidet und der Macht der vereinigten Individuen unter- 20
wirft. Seine Einrichtung ist daher wesentlich ökonomisch, die
materielle Herstellung der Bedingungen dieser Vereinigung; sie 4
macht die vorhandenen Bedingungen zu Bedingungen der Ver¬
einigung. Das Bestehende, was der Kommunismus schafft, ist
eben die wirkliche Basis zur Unmöglichmachung alles von den 25
Individuen unabhängig bestehenden, sofern dies Bestehende den¬
noch nichts als ein Produkt des bisherigen Verkehrs der Indivi¬
duen selbst ist. Die Kommunisten behandeln also praktisch die
durch die bisherige Produktion und Verkehr erzeugten Bedin¬
gungen als unorganische, ohne indes sich einzubilden, es sei der зо
Plan oder die Bestimmung der bisherigen Generationen gewesen,
ihnen Material zu liefern, und ohne zu glauben, daß diese Be¬
dingungen für die sie schaffenden Individuen unorganisch waren.
/60/ Der Unterschied zwischen persönlichem Individuum und zu¬
fälligem Individuum ist keine Begriffsunterscheidung, sondern 35
ein historisches Faktum. Diese Unterscheidung hat zu verschie¬
denen Zeiten einen verschiedenen Sinn, z. B. der Stand als etwas
dem Individuum Zufälliges im 18. Jahrhundert, plus ou moins
I. Feuerbach
61
auch die Familie. Es ist eine Unterscheidung, die nicht wir für
jede Zeit zu machen haben, sondern die jede Zeit unter den ver¬
schiedenen Elementen, die sie vorfindet, selbst macht, und zwar
nicht nach dem Begriff, sondern durch materielle Lebenskollisio-
5 nen gezwungen. Was als zufällig der späteren Zeit im Gegensatz
zur früheren erscheint, also auch unter den ihr von der früheren
überkommenen Elementen, ist eine Verkehrsform, die einer be¬
stimmten Entwicklung der Produktivkräfte entsprach. Das Ver¬
hältnis der Produktionskräfte zur Verkehrsform ist das Verhältnis
10 der Verkehrsform zur Tätigkeit oder Betätigung der Individuen.
(Die Grundform dieser Betätigung ist natürlich die materielle,
von der alle andre geistige, politische, religiöse etc. abhängt. Die
verschiedene Gestaltung des materiellen Lebens ist natürlich
jedesmal abhängig von den schon entwickelten Bedürfnissen, und
15 sowohl die Erzeugung wie die Befriedigung dieser Bedürfnisse ist
selbst ein historischer Prozeß, der sich bei keinem Schafe oder
Hunde findet (widerhaariges Hauptargument Stirners ad ver¬
sus hominem), obwohl Schafe und Hunde in ihrer jetztigen Ge¬
stalt allerdings, aber malgre eux, Produkte eines historischen Pro-
2q zesses sind). Die Bedingungen, unter denen die Individuen, so¬
lange der Widerspruch noch nicht eingetreten ist, mit einander
verkehren, sind zu ihrer Individualität gehörige Bedingungen,
nichts äußerliches für sie, Bedingungen, unter denen diese be¬
stimmten, unter bestimmten Verhältnissen existierenden Indivi-
25 duen allein ihr materielles Leben und was damit zusammenhängt,
produzieren können, sind also die Bedingungen ihrer Selbstbe¬
tätigung und werden von dieser Selbstbetätigung produziert. Die
bestimmte Bedingung unter der sie produzieren, entspricht also,
solange /61/ der Widerspruch noch nicht eingetreten ist, ihrer
зо wirklichen Bedingtheit, ihrem einseitigen Dasein, dessen Ein¬
seitigkeit sich erst durch den Eintritt des Widerspruchs zeigt und
also für die Späteren existiert. Dann erscheint diese Bedingung
als eine zufällige Fessel, und dann wird das Bewußtsein, daß sie
eine Fessel sei, auch der früheren Zeit untergeschoben. — Diese
35 verschiedenen Bedingungen, die zuerst als Bedingungen der
Selbstbetätigung, später als Fesseln derselben erschienen, bilden
in der ganzen geschichtlichen Entwicklung eine zusammenhän¬
gende Reihe von Verkehrsformen, deren Zusammenhang darin
besteht, daß an die Stelle der früheren, zur Fessel gewordenen
4J Verkehrsform, eine neue, den entwickelteren Produktivkräften
und damit der fortgeschrittenen Art der Selbstbetätigung der Indi-
8—10 Diesen Satz strich Marx rechts an und korrigierte Selbstbetätigung in Tätig¬
keit oder Betätigung um
20—27 Gegenüber diesem Satz schrieb Maix in die rechte Spalte:
Produktion der Verkehrsform selbst
62
Deutsche Ideologie. Einleitung
viduen entsprechende gesetzt wird, die ä son tour wieder zur
Fessel und dann durch eine andre ersetzt wird. Da diese Bedin¬
gungen auf jeder Stufe der gleichzeitigen Entwicklung der Pro¬
duktivkräfte entsprechen, so ist ihre Geschichte zugleich die Ge¬
schichte der sich entwickelnden und von jeder neuen Generation з
übernommenen Produktivkräfte und damit die Geschichte der Ent¬
wicklung der Kräfte der Individuen selbst.
Da diese Entwicklung naturwüchsig vor sich geht, d.h. nicht
einem Gesamtplan frei vereinigter Individuen subordiniert ist, so
geht sie von verschiedenen Lokalitäten, Stämmen, Nationen, Ar- 10
beitszweigen etc. aus, deren Jede anfangs sich unabhängig von
den anderen entwickelt und erst nach und nach mit den andern in
Verbindung tritt. Sie geht ferner nur sehr langsam vor sich; die
verschiedenen Stufen und Interessen werden nie vollständig über¬
wunden, sondern nur dem siegenden Interesse untergeordnet und із
schleppen sich noch Jahrhunderte lang neben diesem fort. Hier¬
aus folgt, daß selbst innerhalb einer Nation die Individuen auch
abgesehen von ihren Vermögensverhältnissen ganz verschiedene
Entwicklungen haben, und daß ein früheres Interesse, dessen
eigentümliche Verkehrsform schon durch die einem späteren an- 20
gehörige verdrängt ist, noch lange im Besitz einer traditionellen
Macht in der den Individuen gegenüber verselbstständigten schein¬
baren Gemeinschaft (Staat, Recht) bleibt, einer Macht, die in
letzter Instanz nur durch eine Revolution zu brechen ist. Hieraus
erklärt sich auch, warum in Beziehung auf einzelne Punkte, /62/ 25
die eine allgemeinere Zusammenfassung erlauben, das Bewußt¬
sein zuweilen weiter vorgerückt scheinen kann, als die gleichzeiti¬
gen empirischen Verhältnisse, sodaß man in den Kämpfen einer
späteren Epoche sich auf frühere Theoretiker als auf Autoritäten
stützen kann. — Dagegen geht die Entwicklung in Ländern, die, зо
wie Nordamerika, in einer schon entwickelten Geschichtsepoche
von vorn anfangen, sehr rasch vor sich. Solche Länder haben
keine andern naturwüchsigen Voraussetzungen außer den Indivi¬
duen, die sich dort ansiedeln, und die hierzu durch die ihren Be¬
dürfnissen nicht entsprechenden Verkehrsformen der alten Län- 35
der veranlaßt wurden. Sie fangen also mit den fortgeschrittensten
Individuen der alten Länder und daher mit der diesen Individuen
entsprechenden entwickeltsten Verkehrsform an, noch ehe diese,
Verkehrsform in den alten Ländern sich durchsetzen kann.[*}.] Dies
/65/ Persönliche Energie der Individuen einzelner Nationen — *o
Deutsche und Amerikaner — Energie schon durch Rassenkreuzung — da¬
her die Deutschen kretinmäßig — in Frankreich, England etc. fremde
Völker auf einen schon entwickelten, in Amerika auf einen ganz neuen
Boden verpflanzt, in Deutschland die naturwüchsige Bevölkerung ruhig
sitzen geblieben. л
I. Feuerbach
63
ist der Fall mit allen Kolonien, sofern sie nicht bloße Militär¬
moder Handelsstationen sind. Karthago, die griechischen Kolonien
und Island im 11. und 12. Jahrhundert liefern Beispiele dazu.
Ein ähnliches Verhältnis findet Statt bei der Eroberung, wenn dem
5 eroberten Lande die auf einem andern Boden entwickelte Ver¬
kehrsform fertig herübergebracht wird; während sie in ihrer Hei¬
mat noch mit Interessen und Verhältnissen aus früheren Epochen
behaftet war, kann und muß sie hier vollständig und ohne Hinder¬
nis durchgesetzt werden, schon um den Eroberern dauernde Macht
io zu sichern. (England und Neapel nach der normännischen Erobe¬
rung, wo sie die vollendetste Form der feudalen Organisation er¬
hielten).
/52/ Alle Kollisionen der Geschichte haben also nach unsrer
Auffassung ihren Ursprung in dem Widerspruch zwischen den Pro-
15 duktivkräften und der Verkehrs-/53/form. Es ist übrigens nicht
nötig, daß dieser Widerspruch, um zu Kollisionen in einem Lande
zu führen, in diesem Lande selbst auf die Spitze getrieben ist.
Die durch einen erweiterten internationalen Verkehr hervorge¬
rufene Konkurrenz mit industriell entwickelteren Ländern ist hin-
2o reichend, um auch in den Ländern mit weniger entwickelter In¬
dustrie einen ähnlichen Widerspruch zu erzeugen (z. B. das la¬
tente Proletariat in Deutschland durch die Konkurrenz der eng¬
lischen Industrie zur Erscheinung gebracht).
/52/ DieserWiderspruch zwischen den Produktivkräften und der
25 Verkehrsform, der, wie wir sahen, schon mehrere Mal in der bis¬
herigen Geschichte vorkam, ohne jedoch die Grundlage dersel¬
ben zu gefährden, mußte jedesmal in einer Revolution eklatieren,
wobei er zugleich verschiedene Nebengestalten annahm, als To¬
talität von Kollisionen, Kollisionen verschiedener Klassen, als
зо Widerspruch des Bewußtseins, Gedankenkampf etc., politischer
Kampf etc. Von einem bornierten Gesichtspunkte aus kann man
nun eine dieser Nebengestalten herausnehmen und sie als die
Basis dieser Revolutionen betrachten, was um so leichter ist, als
die Individuen, von denen die Revolutionen ausgingen, sich je
35 nach ihrem Bildungsgrad und der Stufe der historischen Entwick¬
lung über ihre eigne Tätigkeit selbst Illusionen machten.
/55/ Die Verwandlung der persönlichen Mächte (Verhältnisse)
in sachliche durch die Teilung der Arbeit kann nicht dadurch wie¬
der aufgehoben werden, daß man sich die allgemeine Vorstellung
40 davon aus dem Kopfe schlägt, sondern nur dadurch, daß die In¬
dividuen diese sachlichen Mächte wieder unter sich subsumieren
und die Teilung der Arbeit aufheben. Dies ist ohne die Gemein-
42 Auf der Höhe dieses Satzes schrieb Engels in die rechte Spalte:
(Feuerbach: Sein und Wesen)
64
Deutsche Ideologie. Einleitung
schäft nicht möglich. Erst in der Gemeinschaft [mit Andern hat
jedes] Individuum /56/ die Mittel, seine Anlagen nach allen
Seiten hin auszubilden; erst in der Gemeinschaft wird also die
persönliche Freiheit möglich. In den bisherigen Surrogaten der
Gemeinschaft, im Staat usw. existierte die persönliche Freiheit з
nur für die in den Verhältnissen der herrschenden Klasse ent¬
wickelten Individuen und nur insofern sie Individuen dieser
Klasse waren. Die scheinbare Gemeinschaft, zu der sich bisher
die Individuen vereinigten, verselbstständigte sich stets ihnen ge¬
genüber und war zugleich, da sie eine Vereinigung einer Klasse, 10
gegenüber einer andern, war, für die beherrschte Klasse riicht nur
eine ganz illusorische Gemeinschaft, sondern auch eine neue Fes¬
sel. In der wirklichen Gemeinschaft erlangen die Individuen in
und durch ihre Assoziation zugleich ihre Freiheit. —
/58/ Es geht aus der ganzen bisherigen Entwicklung hervor, daß із
das gemeinschaftliche Verhältnis, in das die Individuen einer Klasse
traten, und das durch ihre gemeinschaftlichen Interessen gegen¬
über einem Dritten bedingt war, stets eine Gemeinschaft war, der
diese Individuen nur als Durchschnittsindividuen angehörten, nur
soweit sie in den Existenzbedingungen ihrer Klasse lebten, ein 20
Verhältnis, an dem sie nicht als Individuen, sondern als Klassen¬
mitglieder Teil hatten. Bei der Gemeinschaft der revolutionären
Proletarier dagegen, die ihre und aller Gesellschaftsmitglieder
Existenz-/59/bedingungen unter ihre Kontrolle nehmen, ist es
gerade umgekehrt; an ihr nehmen die Individuen als Individuen 25
Anteil. Es ist eben die Vereinigung der Individuen (innerhalb der
Voraussetzung der jetzt entwickelten Produktivkräfte natürlich),
die die Bedingungen der freien Entwicklung und Bewegung der
Individuen unter ihre Kontrolle gibt, Bedingungen, die bisher
dem Zufall überlassen waren und sich gegen die einzelnen Indi- зо
viduen eben durch ihre Trennung als Individuen, durch ihre not-
wendige Vereinigung, die mit der Teilung der Arbeit gegeben, und
durch ihre Trennung zu einem ihnen fremden Bande geworden
war, verselbständigt hatten. Die bisherige Vereinigung war nur
eine (keineswegs willkürliche, wie sie z. B. im Contrat social dar- 35
gestellt wird, sondern notwendige) Vereinigung (vergleiche z. B.
die Bildung des nordamerikanischen Staats und die südamerika¬
nischen Republiken) über diese Bedingungen, innerhalb deren
dann die Individuen den Genuß der Zufälligkeit hatten. Dieses
Recht, innerhalb gewisser Bedingungen ungestört der Zufälligkeit 40
sich erfreuen zu dürfen, nannte man bisher persönliche Freiheit.
— Diese Existenzbedingungen sind natürlich nur die jedesma¬
ligen Produktionskräfte und Verkehrsformen. —
1—2 Das Manuskript ist beschädigt; auf der Photographie ist der untere Rand der
Seite so umgebogen, daß er die letzten Worte verdeckt
I. Feuerbach
65
/55/ Wenn man diese Entwicklung der Individuen in den ge¬
meinsamen Existenzbedingungen der geschichtlich aufeinander¬
folgenden Stände und Klassen und den ihnen damit auf gedrängten
allgemeinen Vorstellungen philosophisch betrachtet, so kann
5 man. sich allerdings leicht einbilden, in diesen Individuen habe
sich die Gattung oder der Mensch, oder sie haben den Menschen
entwickelt; eine Einbildung, womit der Geschichte einige starke
Ohrfeigen gegeben werden.[#) ] Man kann dann diese verschiedenen
Stände und Klassen als Spezifikationen des allgemeinen Aus-
lo drucks, als Unterarten der Gattung, als Entwicklungsphasen des
Menschen fassen.
Diese Subsumtion der Individuen unter bestimmte Klassen
kann nicht eher aufgehoben werden, als bis sich eine Klasse ge¬
bildet hat, die gegen die herrschende Klasse kein besonderes
15 Klasseninteresse mehr durchzusetzen hat. —
/56/ Die Individuen gingen immer von sich aus, natürlich aber
von sich innerhalb ihrer gegebenen historischen Bedingungen und
Verhältnisse, nicht vom „reinen“ Individuum im Sinne der Ideo¬
logen. Aber im Lauf der historischen Entwicklung und gerade
so durch die innerhalb der Teilung der Arbeit unvermeidliche Ver¬
selbstständigung der gesellschaftlichen Verhältnisse tritt ein Un¬
terschied heraus zwischen dem Leben jedes Individuums, soweit
es persönlich ist und insofern es unter irgendeinen Zweig der Arbeit
und die dazu gehörigen Bedingungen subsumiert ist. (Dies ist
25 nicht so zu verstehen, als ob z. B. der Rentier, der Kapitalist pp
aufhörten, Personen zu sein; sondern ihre Persönlichkeit ist durch
ganz bestimmte Klassenverhältnisse bedingt und bestimmt, und
der Unterschied tritt erst im Gegensatz zu einer andern Klasse
und für sie selbst erst dann hervor, wenn sie Bankerott machen).
зо Im Stand (mehr noch im Stamm) ist dies noch verdeckt, z. B. ein
Adliger bleibt stets ein Adliger, ein Roturier stets ein Roturier, ab-
gesehn von seinen sonstigen Verhältnissen, eine von seiner Indivi¬
dualität unzertrennliche Qualität. Der Unterschied des persön¬
lichen Individuums gegen das Klassenindividuum, die Zufällig¬
es keit der Lebensbedingungen für das In[dividuum] tritt erst mit
t*)] /54/ Der bei Sankt Max häufig vorkommende Satz, daß Jeder
Alles, was er ist, durch den Staat ist, ist im Grunde derselbe wie der, daß
der Bourgeois nur ein Exemplar der Bourgeoisgattung sei; ein Satz, der
voraussetzt, daß die Klasse der Bourgeois schon vor den sie kon-
4o stituierenden Individuen existiert habe.
20 Im Original unvermeidlichen
35 Infolge einer Falzung des Papiers sind die angegebenen Worte des Textes
auf der Photographie verdeckt
36—40 Dieser Satz ist von Marx in eckige Klammern gesetzt, rechts angestrichen und
mit der Bemerkung in der rechten Spalte versehen worden:
Präexistenz der Klasse bei den Philosophen.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 5
66
Deutsche Ideologie. Einleitung
dem Auftreten der Klasse [ein], die selbst ein Produkt der Bour¬
geoisie ist. Die Konkurrenz und der Kampf [der] Individuen
unter einander erz[eugt und entwickelt erst /57/ diese Zufälligkeit
als solche. In der Vorstellung sind daher die Individuen unter
der Bourgeoisieherrschaft freier als früher, weil ihnen ihre Le- s
bensbedingungen zufällig sind; in der Wirklichkeit sind sie natür¬
lich unfreier, weil mehr unter sachliche Gewalt subsumiert. Der
Unterschied vom Stand tritt namentlich heraus im Gegensatz der
Bourgeoisie gegen das Proletariat. Als der Stand der städtischen
Bürger, die Korporationen pp gegenüber dem Landadel auf- 10
kamen, erschien ihre Existenzbedingung, das Mobileigentum und
die Handwerksarbeit, die schon vor ihrer Trennung vom Feudal-
verbande latent existiert hatten, als etwas Positives, das gegen das
feudale Grundeigentum geltend gemacht wurde, und nahm daher
auch zunächst wieder die feudale Form in ihrer Weise an. Aller- 15
dings behandelten die entlaufenden Leibeignen ihre bisherige
Leibeigenschaft als etwas ihrer Persönlichkeit Zufälliges. Hierin
aber taten sie nur dasselbe, was jede sich von einer Fessel be¬
freiende Klasse tut, und dann befreiten sie sich nicht als Klasse,
sondern vereinzelt. Sie traten ferner nicht aus dem Bereich des 20
Ständewesens heraus, sondern bildeten nur einen neuen Stand,
und behielten ihre bisherige Arbeitsweise auch in der neuen Stel¬
lung bei und bildeten sie weiter aus, indem sie sie von ihren bis¬
herigen, ihrer schon erreichten Entwicklung nicht [mehr] entspre¬
chenden Fesseln befreiten. — Bei den Proletariern dagegen ist 25
ihre eigne Lebensbedingung, die Arbeit, und damit sämtliche Exi¬
stenzbedingungen der heutigen Gesellschaft, für sie zu etwas Zu¬
fälligem geworden, worüber die einzelnen Proletarier keine Kon¬
trolle haben, und worüber ihnen keine gesellschaftliche Or¬
ganisation eine Kontrolle geben kann, und der Widerspruch zwi- зо
sehen der Persönlichkeit des einzelnen Proletariers und seiner ihm
/58/ N. B. Nicht zu vergessen, daß schon die Notwendigkeit der
Leibeignen, zu existieren, und die Unmöglichkeit der großen Wirtschaft,
die die Verteilung der allotments an die Leibeignen mit sich führte, sehr
bald die Verpflichtungen der Leibeignen gegen den Feudalherrn auf einen 35
Durchschnitt von Naturallieferungen und Fronleistungen reduzierte, der
dem Leibeignen die Akkumulation von Mobiliareigentum möglich machte
und damit sein Entfliehen von dem Besitztum seines Herrn erleichterte und
ihm Aussicht auf sein Fortkommen als Stadtbürger gab, auch Abstufungen
unter den Leibeignen erzeugte, sodaß die weglaufenden Leibeignen schon 40
halbe Bürger sind. Wobei es ebenfalls einleuchtet, daß die eines Hand¬
werks kundigen leibeignen Bauern am meisten Chance hatten, sich Mo¬
biliareigentum zu erwerben. —
1—24 Infolge einer Falzung des Papiers sind die angegebenen Worte des Textes
auf der Photographie verdeckt
29—30 Im Original Organisation keine Kontrolle
I. Feuerbach
67
aufgedrängten Lebensbedingung, der Arbeit, tritt für ihn selbst
hervor, namentlich da er schon von Jugend auf geopfert wird, und
da ihm die Chance fehlt, innerhalb seiner Klasse zu den Bedin¬
gungen zu kommen, die ihn in die andre stellen. — /58/ Während
5 also die entlaufenden Leibeignen nur ihre bereits vorhandenen
Existenzbedingungen frei entwickeln und zur Geltung bringen
wollten, und daher in letzter Instanz nur bis zur freien Arbeit
kamen, müssen die Proletarier, um persönlich zur Geltung zu
kommen, ihre eigne bisherige Existenzbedingung, die zugleich die
io der ganzen bisherigen Gesellschaft ist, die Arbeit, aufheben. Sie
befinden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in
der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtaus¬
druck gaben, zum Staat, und müssen den Staat stürzen, um ihre
Persönlichkeit durchzusetzen.
DAS LEIPZIGER KONZIL
Das Leipziger Konzil
71—72
Geschrieben April/Mai 1846 in Brüssel
Ill]l
DAS LEIPZIGER KONZIL
Im dritten Bande der Wigandschen Vierteljahrsschrift für 1845
ereignet sich die von Kaulbach prophetisch gemalte Hunnen-
5 schlacht wirklich. Die Geister der Erschlagenen, deren Grimm
auch im Tode sich nicht beruhigt, erheben ein Getöse und Heulen
in der Luft, wie von Kriegen und Kriegsgeschrei, von Schwertern,
Schilden und eisernen Wagen. Aber es handelt sich nicht um ir¬
dische Dinge. Der heilige Krieg wird geführt, nicht um Schutz-
10 zolle, Konstitution, Kartoffelkrankheit, Bankwesen und Eisenbah¬
nen, sondern um die heiligsten Interessen des Geistes, um die
„Substanz“, das „Selbstbewußtsein“, die „Kritik“, den „Einzi¬
gen“ und den „wahren Menschen“. Wir befinden uns auf einem
Konzil von Kirchenvätern. Da sie die letzten Exemplare ihrer Art
15 sind und hier hoffentlich zum letzten Mal in Sachen des Allerhöch¬
sten, alias Absoluten, plädiert wird, so lohnt es sich, über die Ver¬
handlungen proces-verbal aufzunehmen.
Da ist zuerst der he i 1 i ge Bruno. der an seinem Stock
leicht zu erkennen ist („werde Sinnlichkeit, werde ein Stock“,
го Wigand p. 130). Er trägt um sein Haupt die Glorie der „reinen
Kritik“ und hüllt sich weltverachtend in sein „Selbstbewußtsein“
ein. Er hat „die Religion in ihrer Totalität und den Staat in seinen
Erscheinungen gebrochen“ (p. 138), indem er den Begriff
der „Substanz“ im Namen des allerhöchsten Selbstbewußtseins
25 genotzüchtigt. Die Trümmer der Kirche und die „Bruch“-stücke
des Staats liegen zu seinen Füßen, während sein Blick „die Masse“
in den Staub „niedermetzelt“. Er ist wie Gott, er hat weder Vater
noch Mutter, er ist „sein eignes Geschöpf, sein eignes Machwerk“
(p. 136). Mit Einem Wort: er ist der „Napoleon“ des Geistes —
зо im Geist „Napoleon“. Seine geistlichen Übungen bestehen darin,
daß er stets „sich vernimmt und in diesem Selbstvemehmen / la /
den Antrieb zur Selbstbestimmung findet“ (p. 136); in Folge wel¬
ches anstrengenden Selbstprotokollierens er sichtlich abmagert.
Außer sich selbst „vernimmt“ er, wie wir sehen werden, von Zeit
35 zu Zeit auch das Westfälische Dampfboot.
Ihm gegenüber steht der heilige Max, dessen Verdienste
um das Reich Gottes darin bestehen, daß er seine Identität nun¬
mehr auf zirka 600 Druckseiten konstatiert und bewiesen zu haben
behauptet, wie er nicht Dieser und Jener, nicht „Hans oder Kunz“,
72
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sondern eben der heilige Max und kein andrer sei. Von seiner
Glorie und seinen sonstigen Abzeichen läßt sich nur sagen, daß sie
„sein Gegenstand und darum sein Eigentum“, daß sie „einzig“
und „unvergleichlich“ sind und daß „Namen sie nicht nennen“
(p. 148). Er ist zu gleicher Zeit die „Phrase“ und der „Phrasen- 5
eigner“, zu gleicher Zeit Sancho Panza und Don Quijote. Seine
asketischen Übungen bestehen in sauren Gedanken über die Ge¬
dankenlosigkeit, in bogenlangen Bedenken über die Unbedenklich¬
keit, in der Heiligsprechung der Heillosigkeit. Im Übrigen brau¬
chen wir nicht viel von ihm zu rühmen, da er die Manier hat, von 10
allen ihm zugeschriebenen Eigenschaften, und wären ihrer mehr
als der Namen Gottes bei den Muhamedanern, zu sagen: Ich bin
das Alles und noch etwas mehr, Ich bin das Alles von diesem
Nichts und das Nichts von' diesem Allen. Er unterscheidet sich da¬
durch vorteilhaft von seinem düstem Nebenbuhler, daß er einen 15
gewissen feierlichen „Leichtsinn“ besitzt, und von Zeit zu Zeit
seine ernsten Meditationen durch ein „kritisches Juchhe“
unterbricht.
Vor diese beiden Großmeister der heiligen Inquisition wird der
Häretiker Feuerbach zitiert, um sich wegen einer schweren An- 20
klage des Gnostizismus zu verantworten. Der Ketzer Feuerbach,
„donnert“ der heilige Bruno, ist im Besitz der /1Ь/ Hyle, der
Substanz, und verweigert sie herauszugeben, auf daß sich mein
unendliches Selbstbewußtsein nicht darin spiegle. Das Selbst¬
bewußtsein muß solange wie ein Gespenst umgehen, bis es alle 25
Dinge, die von ihm und zu ihm sind, in sich zurückgenommen hat.
Nun hat es bereits die ganze Welt verschluckt, außer dieser Hyle,
der Substanz, die der Gnostiker Feuerbach unter Schloß , und Rie¬
gel hält und nicht herausgeben will.
Der heilige Max klagt den Gnostiker an, das durch seinen Mund зо
geoffenbarte Dogma zu bezweifeln, daß „jede Gans, jeder Hund,
jedes Pferd“ der „vollkommene, ja wenn man einen Superlativ
gerne hört, der vollkommenste Mensch“ sei. (Wigand p. 187:
„Dem pp fehlt auch nicht ein Titeichen von dem, was den Men¬
schen zum Menschen macht. Freilich ist das auch derselbe 35
Fall mit jeder Gans, jedem Hunde, jedem Pferde“).
Außer der Verhandlung dieser richtigen Anklagen wird noch
ein Prozeß der beiden Heiligen gegen Moses Heß und des hei¬
ligen Bruno gegen die Verfasser der „heiligen Familie“ entschie¬
den. Da diese Inkulpaten sich indes unter den „Dingen dieser ю
Welt“ herumtreiben, und deshalb nicht vor der Santa Casa er¬
scheinen, werden sie in Kontumaz verurteilt zu ewigerVerbannung
aus dem Reiche des Geistes für die Dauer ihres natürlichen Lebens.
Schließlich verführen die beiden Großmeister wieder abson¬
derliche Intrigen unter- und gegeneinander. 45
II
SANKT BRUNO
II. Sankt Bruno
75—94
Geschrieben ca. Dezember 1845 bis Mitte April 1846 in Brüssel
III
п
Sankt Bruno
1. „Feldzug“ gegen Feuerbach
5 Ehe wir der feierlichen Auseinandersetzung des Bauerschen
Selbstbewußtseins mit sich selbst und der Welt folgen, müssen
wir ein Geheimnis verraten. Der heilige Bruno hat nur darum
Krieg und Kriegsgeschrei erregt, weil er sich selbst und seine
abgestandene, sauer gewordene Kritik vor der undankbaren Ver-
10 geßlichkeit des Publikums „sicher stellen“, weil er zeigen mußte,
daß auch unter den veränderten Verhältnissen des Jahres 1845
die Kritik stets sich selbst gleich und unveränderlich blieb. Er
schrieb den zweiten Band der „guten Sache und seiner eignen
Sache“; er behauptet sein eignes Terrain, er kämpft pro aris et
15 focis. Echt theologisch aber verdeckt er diesen Selbstzweck unter
dem Schein, als wolle er Feuerbach „charakterisieren“. Man hatte
den guten Mann gänzlich vergessen, wie die Polemik zwischen
Feuerbach und Stirner, in der er gar nicht berücksichtigt wurde,
am besten bewies. Ebendarum klammert er sich an diese Polemik
го an, um sich als Gegensatz der Entgegengesetzten zu ihrer höheren
Einheit, zum heiligen Geist proklamieren zu können.
Der heilige Bruno eröffnet seinen „Feldzug“ mit einer Kano¬
nade gegen Feuerbach, c’est-ä-dire mit dem verbesserten und ver¬
mehrten Abdruck eines bereits in den „norddeutschen Blättern“
25 figurierenden Aufsatzes. Feuerbach wird zum Ritter der „Sub¬
stanz“ geschlagen, um dem Bauerschen „Selbstbewußt¬
sein“ größeren Relief zu verleihen. Bei dieser Transsubstantia-
tion Feuerbachs, die angeblich durch sämtliche Schriften Feuer¬
bachs bewiesen wird, hüpft der heilige Mann von Feuerbachs
зо Schriften über Leibniz und Bayle sogleich /[la]/ auf das „Wesen
76
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
des Christentums“ und überspringt den Aufsatz gegen die „posi¬
tiven Philosophen“ in den Hallischen Jahrbüchern. Dies ..Ver¬
sehen“ ist „an der Stelle“. Feuerbach enthüllte hier nämlich den
positiven Vertretern der „Substanz“ gegenüber die ganze Weis¬
heit vom „Selbstbewußtsein“ zu einer Zeit, wo der heilige Bruno s
noch über die unbefleckte Empfängnis spekulierte.
Es bedarf kaum der Erwähnung, daß Sankt Bruno sich noch
immer auf seinem althegelschen Schlachtroß herumtummelt. Man
höre gleich den ersten Passus seiner neuesten Offenbarungen aus
dem Reiche Gottes: 10
„Hegel hatte die Substanz Spinozas und das Fichtesche Ich in
eins zusammengefaßt; die Einheit von Beiden, die Verknüpfung
dieser entgegengesetzten Sphären pp bilden das eigentümliche In¬
teresse, aber auch zugleich die Schwäche der Hegelschen Philo¬
sophie. [...] Dieser Widerspruch, in dem sich das Hegelsche 15
System hin und her bewegte, mußte gelöst und vernichtet werden.
Er konnte es aber nur dadurch, daß die Aufstellung der Frage:
wie verhält sich das Selbstbewußtsein zum absoluten
Geiste, . . . für immer unmöglich gemacht wurde. Es war nach
zwei Seiten möglich. Entweder muß das Selbstbewußtsein wieder 20
in der Glut der Substanz verbrennen, d. h. das reine Substantiali-
tätsverhältnis feststehen und bestehen, oder es muß aufgezeigt
werden, daß die Persönlichkeit der Urheber ihrer Attribute und
ihres Wesens ist, daß es im Begriffe der Persönlichkeit über¬
haupt liegt, sich selbst“ (den „Begriff“ oder die „Persönlich- 25
keit“?) „beschränkt zu setzen, und diese Beschränkung, die sich
durch ihr allgemeines Wesen, setzt, wieder auf-/[lb]/zu-
heben, da eben dieses Wesen nur das Resultat ihrer —
innern Selbstunterscheidung, ihrer Tätigkeit ist“. Wi¬
gand p. 87, 88. зо
Die Hegelsche Philosophie war in der „h e i 1 i g e n F а m i 1 i e“
p. 220 als Einheit von Spinoza und Fichte dargestellt und zugleich
der Widerspruch, der darin liegt, hervorgehoben. Dem heiligen
Bruno gehört eigentümlich, daß er nicht, wie die Verfasser der
„heiligen Familie“ die Frage vom Verhältnis des Selbstbewußt- 35
seins zur Substanz für eine „Streitfrage innerhalb der Hegel¬
schen Spekulation“ hält, sondern für eine welthistorische, ja für
eine absolute Frage. Es ist die einzige Form, in welcher er die
Kollisionen der Gegenwart aussprechen kann. Er glaubt wirk¬
lich, daß der Sieg des Selbstbewußtseins über die Substanz nicht 40
nur vom wesentlichsten Einfluß auf das europäische Gleich¬
gewicht, sondern auch auf die ganze zukünftige Entwicklung der
Oregonfrage sei. Inwiefern dadurch die Abschaffung der Korn¬
gesetze in England bedingt ist, darüber ist bis jetzt wenig verlautet.
Der abstrakte und verhimmelte Ausdruck, wozu eine wirkliche 45
II. Sankt Bruno
77
Kollision sich bei Hegel verzerrt, gilt diesem „kritischen“ Kopf
für die wirkliche Kollision. Er akzeptiert den spekulativen
Widerspruch und behauptet den einen Teil desselben dem andern
gegenüber. Die philosophische Phrase der wirklichen Frage
5 ist für ihn die wirkliche Frage selbst. Er hat also auf der einen
Seite statt der wirklichen Menschen und ihres wirklichen Bewußt¬
seins von ihren, ihnen scheinbar selbstständig gegenüberstehenden
gesellschaftlichen Verhältnissen, die bloße abstrakte Phrase: das
Selbstbewußtsein, wie statt der wirklichen Produktion d i e
jo verselbstständigte Tätigkeit dieses Selbstbe¬
wußtseins; und auf der andern Seite / [ 1c] / statt der wirklichen
Natur und der wirklich bestehenden sozialen Verhältnisse die phi¬
losophische Zusammenfassung aller philosophischen Kategorien
oder Namen dieser Verhältnisse in der Phrase: die Substanz,
15 da er mit allen Philosophen und Ideologen dieGedanken, Ideen, den
verselbstständigten Gedankenausdruck der bestehenden Welt für
die Grundlage dieser bestehenden Welt versieht. Daß er nun mit die¬
sen beiden sinnlos und inhaltslos gewordenen Abstraktionen aller¬
lei Kunststücke machen kann, ohne von den wirklichen Menschen
fo und ihren Verhältnissen etwas zu wissen, liegt auf der Hand.
(Siehe übrigens über die Substanz, was bei Feuerbach, bei Sankt
Max über den „humanen Liberalismus“ und über das „Heilige“
gesagt ist). Er verläßt also nicht den spekulativen Boden, um die
Widersprüche der Spekulation zu lösen; er manövriert von diesem
25 Boden aus und steht selbst so sehr noch auf speziell Hegelschem
Boden, daß das Verhältnis „des Selbstbewußtseins“ zum „absolu¬
ten Geist“ ihm immer noch den Schlaf raubt. Mit einem Wort, wir
haben hier die in der „Kritik der Synoptiker“ angekündigte, im
„Entdeckten Christentum“ ausgeführte und leider in der Hegel-
зо sehen Phänomenologie längst antizipierte Philosophie des
Selbstbewußtseins. Diese neue Bauersche Philosophie hat
in der „heiligen Familie“ p. 220 seqq. und 304—7 ihre vollstän¬
dige Erledigung gefunden. Sankt Bruno bringt es indes hier fertig
sich selbst noch zu karikieren, indem er die „Persönlichkeit“ her-
35 einschmuggelt, um mit Stirner den Einzelnen als sein „eignes
Machwerk“, und um Stirner als Brunos Machwerk dar¬
stellen zu können. Dieser Fortschritt verdient eine kurze Notiz.
Zunächst vergleiche der Leser diese Karikatur mit ihrem Ori¬
ginal, der Erklärung des Selbstbe-/2/wußtseins im „Entdeckten
4o Christentum“ p. 113, und diese Erklärung wieder mit ihrem Ur-
Original, Hegels Phänomenologie p. 575, 583 und anderwärts.
(Beide Stellen sind abgedruckt: „heilige Familie“ p. 221, 223,
224). Nun aber die Karikatur! „Persönlichkeit überhaupt“!
„Begriff“! „Allgemeines Wesen“! „Sich selbst beschränkt setzen
45 und diese Beschränkung wieder aufheben“! „innere Selbstunter¬
78
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Scheidung“! Welche gewaltigen „Resultate“! „Persönlichkeit
überhaupt“ ist entweder „überhaupt“ Unsinn oder der abstrakte
Begriff der Persönlichkeit. Es liegt also „im Begriff“ des Begriffs
der Persönlichkeit „sich selbst beschränkt zu setzen“. Diese Be¬
schränkung, die im „Begriff“ ihres Begriffs liegt, setzt sie gleich 5
darauf „durch ihr allgemeines Wesen“. Und nachdem sie diese
Beschränkung wieder aufgehoben hat, zeigt sich, daß „eben dieses
Wesen“ erst „das Resultat ihrer innern Selbstunterscheidung
ist“. Das ganze großmächtige Resultat dieser verzwickten Tauto¬
logie läuft also auf das altbekannte Hegelsche Kunststück der 10
Selbstunterscheidung des Menschen im Denken heraus, welche uns
der unglückliche Bruno beharrlich als die einzige Tätigkeit der
„Persönlichkeit überhaupt“ predigt. Daß mit einer „Persönlich¬
keit“, deren Tätigkeit sich auf diese trivial gewordenen logischen
Sprünge beschränkt, nichts anzufangen ist, hat man dem heiligen 15
Bruno schon vor längerer Zeit bemerklich gemacht. Zugleich ent¬
hält dieser Passus das naive Geständnis, daß das Wesen der Bauer¬
sehen „Persönlichkeit“ der Begriff eines Begriffs, die Abstraktion
von einer Abstraktion ist.
Die Kritik Feuerbachs durch Bruno, soweit sie neu ist, be- 20
schränkt sich darauf, Stirners Vorwürfe gegen Feuerbach und
Bauer heuchlerischer Weise als Bauers Vorwürfe gegen Feuer¬
bach darzustellen. So z. B. daß „das Wesen des Menschen Wesen
überhaupt und etwas Heiliges“ sei, daß „der /[2a]/ Mensch der
Gott des Menschen“ sei, daß die Menschengattung „das Absolute“ 25
sei, daß Feuerbach den Menschen „in ein wesentliches und un¬
wesentliches Ich“ spalte (obwohl Bruno stets das Abstrakte für
das Wesentliche erklärt und in seinem Gegensatz von Kritik und
Massen sich diese Spaltung noch viel ungeheuerlicher vorgestellt
als Feuerbach), daß der Kampf gegen „die Prädikate Gottes“ ge- зо
führt werden müsse etc. Über eigennützige und uneigennützige
Liebe schreibt Bruno den Stimer, dem Feuerbach gegenüber, auf
drei Seiten (p. 133—135) fast wörtlich ab, wie er auch die Phra¬
sen von Stirner: „jeder Mensch sein eigenes Geschöpf“, „Wahr¬
heit ein Gespenst“ usw. sehr ungeschickt kopiert. Bei Bruno ver- 35
wandelt sich das „Geschöpf“ noch dazu in ein „Machwerk“. Wir
werden zurückkommen auf die Exploitation Stirners durch Sankt
Bruno.
Das Erste, was wir also bei Sankt Bruno fanden, war seine fort¬
währende Abhängigkeit von Hegel. Wir werden auf seine aus 40
Hegel kopierten Bemerkungen natürlich nicht weiter eingehen,
sondern nur noch einige Sätze zusammenstellen, aus denen hervor¬
geht, wie felsenfest er an die Macht der Philosophen glaubt und
wie er ihre Einbildung teilt, daß ein verändertes Bewußtsein, eine
neue Wendung der Interpretation der existierenden Verhältnisse, 45
II. Sankt Bruno
79
die ganze bisherige Welt umstürzen könne. In diesem Glauben
läßt sich Sankt Bruno auch durch einen Schüler Heft IV der Wi-
gandschen Quartalschrift pag. 327 das Attest ausstellen, daß seine
obigen, in Heft III proklamierten Phrasen über Persönlichkeit
5 „weltumstürzende Gedanken“ seien.
/[2b]/ Sankt Bruno sagt p.95 Wigand: „Die Philosophie ist
nie etwas Anderes gewesen als die auf ihre allgemeinste Form
reduzierte, auf ihren vernünftigsten Ausdruck gebrachte Theolo¬
gie“. Dieser gegen Feuerbach gerichtete Passus ist fast wört-
io lieh abgeschrieben aus Feuerbachs Philosophie der Zukunft
pag. 2: „Die spekulative Philosophie ist die wahre, die konse¬
quente, die vernünftige Theologie“. Bruno fährt fort: „Die
Philosophie hat selbst im Bunde mit der Religion stets auf die ab¬
solute Unselbstständigkeit des Individuums hingearbeitet und d i e-
15 selbe wirklich vollbracht, indem sie das Einzelleben
in dem allgemeinen Leben, das Akzidens in der Substanz, den
Menschen im absoluten Geist aufgehen hieß und ließ“. Als ob
„die Philosophie“ Brunos „im Bunde mit der“ Hegelschen und sei¬
nem noch fortdauernden verbotenen Umgang mit der Theologie
2o „den Menschen“ nicht in der Vorstellung eines seiner „Akziden-
tien“, des Selbstbewußtseins, als der „Substanz“, „aufgehen
hieße“, wenn auch nicht „ließe“! Man ersieht übrigens aus dem
ganzen Passus, mit welcher Freudigkeit der „kanzelberedsam-
keitliche“ Kirchenvater noch immer seinen „weltumstürzenden“
25 Glauben an die geheimnisschwangre Macht der heiligen Theologen
und Philosophen bekennt. Natürlich im Interesse „der guten Sache
der Freiheit und seiner eignen Sache“.
P. 105 hat der gottesfürchtige Mann die Unverschämtheit,
Feuerbach vorzuwerfen: „Feuerbach hat aus dem Individuum, aus
зо dem entmenschten Menschen des Christentums, nicht den Men¬
schen, den wahren“ (!) „wirklichen“ (!!) „persönlichen“ (!!!)
„Menschen“, /[2c]/ (durch die „heilige Familie“ und Stirner ver¬
anlaßte Prädikate) „sondern den entmannten Menschen, den Skla¬
ven gemacht.“ — und damit u. A. den Unsinn zu behaupten,
35 daß er, der heilige Bruno, mit dem Kopfe Menschen machen
könne.
Ferner heißt es ibid.: „Bei Feuerbach muß sich das Individuum
der Gattung unterwerfen, ihr dienen. Die Gattung Feuerbachs ist
das Absolute Hegels, auch sie existiert nirgends“. Hier wie in
40 allen andern Stellen, ermangelt Sankt Bruno nicht des Ruhmes,
die wirklichen Verhältnisse der Individuen von der philosophi¬
schen Interpretation derselben abhängig zu machen. Er ahnt nicht
in welchem Zusammenhang die Vorstellungen des Hegelschen „ab¬
soluten Geistes“ und der Feuerbachschen „Gattung“ zur existie-
45 renden Welt stehen.
80
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Der heilige Vater skandaliert sich p. 104 erschrecklich über die
Ketzerei, womit Feuerbach die göttliche Dreieinigkeit von Ver¬
nunft, Liebe und Wille zu etwas macht, das „i n den Individuen
über den Individuen ist“; als ob heutzutage nicht jede Anlage,
jeder Trieb, jedes Bedürfnis als eine Macht „in dem Individuum 5
über dem Individuum“ sich behauptete, sobald die Umstände
deren Befriedigung verhindern. Wenn der heilige Vater Bruno
z. B. Hunger verspürt ohne die Mittel ihn zu befriedigen, so wird
sogar sein Magen zu einer Macht „in ihm über ihm“. Feuer¬
bachs Fehler besteht nicht darin, dies Faktum ausgesprochen zu 10
haben, sondern darin, daß er es in idealisierender Weise ver¬
selbstständigte, statt es als das Produkt einer bestimmten und über¬
schreitbaren /3/ historischen Entwicklungsstufe aufzufassen.
P. 111: „Feuerbach ist ein Knecht, und seine knechtische Natur
erlaubt ihm nicht das Werk eines Menschen zu vollbringen, 15
das Wesen der Religion zu erkennen“ (schönes „Werk eines Men¬
schen“!) . . . „er erkennt das Wesen der Religion nicht, weil er
die Brücke nicht kennt, auf der er zum Quell der Religion
kommt.“ Sankt Bruno glaubt alles Ernstes noch, daß die Religion
ein eignes „Wesen“ habe. Was die „Brücke“ betrifft, „auf der“ 20
man zum „Quell der Religion“ kommt, so muß diese Esels¬
brücke notwendig ein Aquädukt sein. Sankt Bruno etabliert
sich zugleich als wunderlich modernisierter und durch die Brücke
in Ruhestand versetzter Charon, indem er als tollkeeper an der
Brücke zum Schattenreich der Religion jedem Passierenden seinen 25
Halfpenny abverlangt.
P. 120 bemerkt der Heilige: „Wie könnte Feuerbach existie¬
ren, wenn es keine Wahrheit gäbe und die Wahrheit nichts als
ein Gespenst“ (Stirner hilf!) „wäre, vor dem sich der Mensch
bisher fürchtete.“ Der „Mensch“, der sich vor dem „Gespenst“ зо
der „Wahrheit“ fürchtet, ist Niemand anders als der ehrwürdige
Bruno selbst. Bereits zehn Seiten vorher, p. 110, stieß er vor dem
„Gespenst“ Wahrheit folgenden welterschütternden Angstschrei
aus: „Die Wahrheit, die nirgends für sich als fertiges Objekt zu
finden ist, und nur in der Entfaltung der Persönlichkeit sich ent- 35
wickelt und zur Einheit zusammenfaßt“. So haben wir hier also
nicht nur die Wahrheit, /[3a]/ dieses Gespenst, in eine Person ver¬
wandelt, die sich entwickelt und zusammenfaßt, sondern dies
Kunststück noch obendrein nach Art der Bandwürmer in einer drit¬
ten Persönlichkeit außer ihr vollzogen. Über des heiligen Mannes 40
früheres Liebesverhältnis zur Wahrheit, da er noch jung war und
des Fleisches Lüste stark in ihm siedeten, siehe „heilige Familie“
p. 115 seqq.
Wie gereinigt von allen fleischlichen Lüsten und weltlichen Be¬
gierden der heilige Mann derzeit dasteht, zeigt seine heftige Po- 45
II. Sankt Bruno
81
lemik gegen Feuerbachs Sinnlichkeit. Bruno greift keines¬
wegs die höchst bornierte Weise an, worin Feuerbach die Sinn¬
lichkeit anerkennt. Der verunglückte Versuch Feuerbachs gilt
ihm schon als Versuch, der Ideologie zu entspringen, für —
5 Sünde. Natürlich! Sinnlichkeit — Augenlust, Fleischeslust und
hoffärtiges Wesen, Scheuei und Greuel vor dem Herrn! Wisset
Ihr nicht, daß fleischlich gesinnet sein ist der Tod, aber geistlich
gesinnet sein ist Leben und Friede; denn fleischlich gesinnet sein
ist eine Feindschaft wider die Kritik, und alles so da fleischlich ist,
10 das ist von dieser Welt, und wisset Ihr auch was geschrieben steht:
Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind Ehebruch,
Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feind¬
schaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord,
Saufen, Fressen und dergleichen; von welchen ich Euch habe zu-
13 vor gesagt und sage noch zuvor, daß die solches tun, werden das
Reich der Kritik nicht ererben; sondern wehe ihnen, denn sie
gehen den Weg Kains und fallen in den Irrtum Balaams, um Ge¬
nusses willen, und kommen um in dem Aufruhr Korah. Diese Un¬
fläter prassen von Euren Almosen ohne Scheu, weiden sich selbst,
го sie sind Wolken ohne Wasser, von dem Winde umgetrieben, kahle
unfruchtbare /[3b]/ Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt,
wilde Wellen des Meers, die ihre eigne Schande ausschäumen,
irrige Sterne, welchen behalten ist das Dunkel der Finsternis in
Ewigkeit. Denn wir haben gelesen, daß in den letzten Tagen wer-
25 den greuliche Zeiten kommen, Menschen, die von sich selbst hal¬
ten, Schänder, Unkeusch, die mehr lieben Wollust als die Kritik,
die da Rotten machen, kurz, Fleischliche. Diese verabscheut Sankt
Bruno, der da geistlich gesinnet ist und hasset den befleckten Rock
des Fleisches; und so verdammt er Feuerbach, den er für den Ко¬
за rah der Rotte hält, draußen zu bleiben, wo da sind die Hunde und
die Zauberer und die Hurer und die Totschläger. „Sinnlichkeit“
— pfui Teufel, das bringt den heiligen Kirchenvater nicht nur in
die ärgsten Krämpfe und Verzuckungen, das bringt ihn sogar zum
Singen und er singt p. 121 „das Lied vom Ende und das Ende vom
35 Liede“. Sinnlichkeit, weißt du auch wohl, was Sinnlichkeit ist,
Unglückseliger? Sinnlichkeit ist — „ein Stock“ p. 130. In seinen
Krämpfen ringt der heilige Bruno auch einmal mit Einem seiner
Sätze, wie weiland Jakob mit Gott, nur mit dem Unterschiede, daß
Gott dem Jakob die Hüfte verrenkte, während der heilige Epilep-
4o tiker seinem Satze alle Glieder und Bänder verrenkt, und so die
Identität von Subjekt und Objekt an meheren schlagenden Exem-
peln klar macht:
„Mag darum Feuerbach immerhin sprechen ...er vernich¬
tet“ (!) „dennoch den Menschen ... weil er das Wort
45 Mensch zur bloßen Phrase macht ... weil er nicht den
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 6
82
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Menschen ganz macht“ (!) /[3c]/ „und schafft“ (!)
„sondern die ganze Menschheit zum Absoluten erhebt, weil er
auch nicht die Menschheit, vielmehr den Sinn zum Organ
des Absoluten, und als das Absolute, das Unbezweifelbare, das
unmittelbar Gewisse, das Objekt des Sinnes, der Anschauung, der s
Empfindung — das Sinnliche stempelt.“ Womit Feuerbach — dies
ist die Meinung des heiligen Bruno — „wohl Luftschichten er¬
schüttern, aber nicht Erscheinungen des menschlichen
Wesens zerschmettern kann, weil sein innerstes“ (!)
„Wesen und seine belebende Seele [...] schon den äußern“ (!) 10
„Klang zerstört und hohl und schnarrendmacht.“ P. 121.
Der heilige Bruno gibt uns selbst über die Ursachen seiner
Widersinnigkeit zwar geheimnisvolle, aber entscheidende Auf¬
schlüsse: „Als ob mein Ich nicht auch dieses bestimmte, vor
allen Andern einzige Geschlecht und diese bestimm- n
ten einzigen Geschlechtsorgane hätte!“ (außer seinen „einzigen
Geschlechtsorganen“ hat der Edle noch ein apartes „einziges
Geschlecht“!). Dieses einzige Geschlecht wird p. 121 dahin
erläutert, daß „die Sinnlichkeit wie ein Vampyr alles Mark
und Blut dem Menschenleben aussaugt, die unüberschreit- 20
bare Schranke ist, an der sich der Mensch den Todes -Stoß
geben muß.“
Aber auch der Heiligste ist nicht rein! Sie sind allzumal Sün¬
der und mangeln des Ruhms, den sie vor dem „Selbstbewußt¬
sein“ haben sollen. Der heilige Bruno, der um Mitternacht sich 25
im einsamen Kämmerlein mit der „Substanz“ herumschlägt, wird
von den lockeren Schriften des Ketzers Feuerbach auf das Weib
und die weibliche Schönheit aufmerksam /4/ gemacht. Plötz¬
lich verdunkelt sich sein Blick; das reine Selbstbewußtsein wird
befleckt, und die verwerfliche sinnliche Phantasie umgaukelt mit зо
lasziven Bildern den geängstigten Kritiker. Der Geist ist willig,
aber das Fleisch ist schwach. Er strauchelt, er fällt, er vergißt,
daß er die Macht ist, die „mit ihrer Kraft bindet und löst und die
Welt beherrscht“, daß diese Ausgeburten seiner Phantasie „Geist
von seinem Geiste“ sind, er verliert alles „Selbstbewußtsein“ 35
und stammelt berauscht einen Dithyrambos auf die weibliche
Schönheit „im Zarten, im Weichlichen, im Weiblichen“, auf die
„schwellenden, abgerundeten Glieder“ und den „wogenden, wal¬
lenden, siedenden, brausenden und zischenden, wellenförmigen
Körperbau“ des Weibes. Aber die Unschuld verrät sich stets, 40
selbst wo sie sündigt. Wer wüßte nicht, daß ein „wogender,
wallender, wellenförmiger Körperbau“ ein Ding ist, das kein
Auge je gesehen, noch ein Ohr gehöret hat? Darum stille, liebe
Seele, der Geist wird gar bald die Oberhand über das rebellische
Fleisch bekommen und den übersiedenden Lüsten eine unüber- 45
II. Sankt Bruno
83
windliche „Schranke“ in den Weg setzen, „an der“ sie sich bald
„den Todesstoß“ geben.
„Feuerbach“ — dahin ist endlich der Heilige mittels eines kri¬
tischen Verständnisses der „heiligen Familie“ gekommen — „ist
5 der mit Humanismus versetzte und zersetzte Materialist, d.h. der
Materialist, der es nicht auf der Erde und ihrem Sein auszuhalten
vermag“ (Sankt Bruno kennt ein von der Erde unterschiednes
Sein der Erde, und weiß, wie man es anfangen muß, um es „a u f
dem Sein /[4a]/ der Erde auszuhalten“!), „sondern sich
io vergeistigen und in den Himmel einkehren will, und der Huma¬
nist, der nicht denken und eine geistige Welt aufbauen kann, son¬
dern der sich mit Materialismus schwängert pp“ p. 123. Wie
hiernach bei Sankt Bruno der Humanismus im „Denken“ und
„Aufbauen einer geistigen Welt“ besteht, so der Materialismus in
15 Folgendem: „Der Materialist erkennt nur das gegenwärtige, wirk¬
liche Wesen an, die Materie“ (als wenn der Mensch mit allen
seinen Eigenschaften, auch dem Denken, nicht ein „gegenwär¬
tiges, wirkliches Wesen“ wäre), „und sie als tätig sich
in die Vielheit ausbreitend und verwirklichend, die Natur.“
го p. 123. Die Materie ist zuerst ein gegenwärtiges wirkliches
Wesen, aber nur an sich, verborgen; erst wenn sie „tätig sich in die
Vielheit ausbreitet und verwirklicht“ (ein „gegenwärtiges wirk¬
liches Wesen“ „verwirklicht sich“!!), erst dann wird sie
Natur. Zuerst existiert der Begriff der Materie, das Abstrak-
25 tum, die Vorstellung, und diese verwirklicht sich in der wirk¬
lichen Natur. Wörtlich die Hegelsche Theorie von der Präexistenz
der schöpferischen Kategorien. Von diesem Standpunkt aus ver¬
steht es sich dann auch, daß Sankt Bruno die philosophischen
Phrasen der Materialisten über die Materie für den wirklichen
зоКегп und Inhalt ihrer Weltanschauung versieht.
2. Sankt Brunos Betrachtungen überden Kampf
zwischen Feuerbach und Stirner
Nachdem Sankt Bruno Feuerbach also einige gewichtige Worte
ans Herz gelegt hat, sieht er sich den Kampf zwischen diesem
35 /[4b]/ und dem Einzigen an. Das Erste, wodurch er sein Inter¬
esse an diesem Kampf bezeugt, ist ein methodisches, dreimaliges
Lächeln.
6*
84
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Der Kritiker geht unaufhaltsam, siegsgewiß und siegreich
seines Weges. Man verleumdet ihn: er lächelt. Man verketzert
ihn: er lächelt. Die alte Welt macht sich auf in einem Kreuz¬
zug gegen ihn: er lächelt.“
Der Heilige Bruno, das ist also konstatiert, geht seiner Wege, 5
aber er geht sie nicht wie andre Leute, er geht einen kritischen
Gang, er vollzieht diese wichtige Handlung mit Lächeln —
„Er lächelt mehr Linien in sein Gesicht hinein als auf der Welt¬
karte mit beiden Indien stehen. Das Fräulein wird ihm Ohrfeigen
geben, und wenn sie’s tut, wird er lächeln und es für eine große 10
Kunst halten“, wie Malvoglio bei Shakespeare.
Sankt Bruno selbst rührt keinen Finger, um seine beiden Geg¬
ner zu widerlegen, er weiß ein besseres Mittel sie loszuwerden,
er überläßt sie — divide et impera — ihrem eignen Streit. Dem
Stimer stellt er den Menschen Feuerbachs, p. 124, und dem 15
Feuerbach den Einzigen Stirners p. 126 seqq. gegenüber; er weiß,
daß sie so erbittert auf einander sind wie die beiden Katzen von
Kilkenny in Irland, die einander so vollständig auffraßen, daß
zuletzt nur die Schwänze übrig blieben. Über diese Schwänze
spricht nun Sankt Bruno das Urteil aus, daß sie „Substanz“, 20
also auf ewig verdammt seien.
Er wiederholt in seiner Gegenüberstellung von Feuerbach und
Stirner dasselbe, was Hegel über Spinoza und Fichte sagte, wo
bekanntlich das punktuelle Ich als die eine, und zwar härteste
Seite /[4c]/ der Substanz dargestellt wird. So sehr er früher ge- 25
gen den Egoismus polterte, der sogar als odor specificus der
Massen galt, akzeptiert er p. 129 von Stimer den Egoismus, nur
soll dieser „nicht der von Max Stirner“, sondern natürlich der
von Bruno Bauer sein. Den Stirnerschen brandmarkt er mit dem
moralischen Makel, „daß sein Ich zur Stützung seines Egoismus 30
der Heuchelei, des Betrugs, der äußeren Gewalt bedarf“. Im
übrigen glaubt er (siehe p. 124) an die kritischen Wundertaten
des heiligen Max und sieht in dessen Kampf p. 126 „ein wirk¬
liches Bemühen, die Substanz von Grund aus zu vernichten“. Statt
auf Stirners Kritik der Bauerschen „reinen Kritik“ einzugehen, 35
behauptet er p. 124, Stirners Kritik könne ihm ebensowenig wie
jede andre etwas anhaben, „weil er derKritiker selber“ sei.
Schließlich widerlegt Sankt Bruno Beide, Sankt Max und
Feuerbach, indem er eine Antithese, die Stimer zwischen dem
Kritiker Bruno Bauer und dem Dogmatiker zieht, ziemlich wört- 40
lieh auf Feuerbach und Stimer anwendet. *
Wigand p. 138: „Feuerbach stellt sich und steht hier¬
mit“ (!) „dem Einzigen gegenüber. Er ist und will sein Kom¬
munist, dieser ist und soll sein Egoist; er der Heilige,
dieser der Profane, er der Gute, dieser der Böse; er der 45
II. Sankt Bruno
85
Gott, dieser der Mensch. Beide — Dogmatiker.“ Also die
Pointe ist, daß er Beiden Dogmatismus vorwirft.
„Der Einzige und sein Eigentum“, p. 194: „Der Kritiker
fürchtet /5/ sich dogmatisch zu werden oder Dogmen aufzustel-
5 len. Natürlich, er würde dadurch zum Gegensatz des Kritikers,
zum Dogmatiker, er würde, wie er als Kritiker gut ist, nun böse,
oder würde aus einem Uneigennützigen“ (Kommunisten)
„ein Egoist usw. Nur kein Dogma — das ist sein Dogma“.
3. Sankt Bruno contra die Verfasser der
„heiligen Familie“
Sankt Bruno, der auf die angegebene Weise mit Feuerbach und
Stirner fertig geworden ist, der dem „Einzigen jeden Fortschritt
abgeschnitten“ hat, wendet sich nun gegen die angeblichen Konse¬
quenzen Feuerbachs, die deutschen Kommunisten und speziell die
із Verfasser der „heiligen Familie“. Das Wort „realer Humanis¬
mus“, das er in der Vorrede dieser Streitschrift fand, bildet die
Hauptgrundlage seiner Hypothese. Er wird sich einer Bibelstelle
erinnern: „Und ich, lieben Brüder, konnte nicht mit Euch reden
als mit Geistlichen, sondern als mit Fleischlichen“ (in unsrem
2o Falle war es gerade umgekehrt) „wie mit jungen Kindern in
Christo. Milch habe ich Euch zu trinken gegeben und nicht Speise,
denn Ihr konntet noch nicht.“ 1. Kor. 3, 1—2.
/[5a]/ Der erste Eindruck, den die „heilige Familie“ auf den
ehrwürdigen Kirchenvater macht, ist der einer tiefen Betrübnis
25 und einer ernsten, biedermännischen Wehmut. Die einzige gute
Seite des Buchs — daß es „zeigte, was Feuerbach werden mußte
und wie sich seine Philosophie stellen kann, wenn sie gegen die
Kritik kämpfen will“ p. 138, daß es also auf eine ungezwungene
Weise das „Wollen“ mit dem „Können“ und „Müssen“ vereinigte,
зо wiegt dennoch die vielen betrübenden Seiten nicht auf. Die Feuer-
bachsche, hier komischer Weise vorausgesetzte Philosophie
„darf und kann den Kritiker nicht verstehen — sie d а r f und
kann die Kritik in ihrer Entwicklung nicht kennen und erkennen
— sie darf und kann /[5b]/ es nicht wissen, daß die Kritik
35 aller Transzendenz gegenüber ein immerwährendes Kämpfen und
Siegen, ein fortdauerndes Vernichten und Schaffen, das einzig“
(!) „Schöpferische und Produzierende ist. Sie darf und kann
86
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
nicht wissen, wie der Kritiker gearbeitet hat und noch arbeitet, um
die transzendenten Mächte, die bisher die Menschheit niederhiel¬
ten und nicht zum Atmen und zum Leben kommen ließen, als das zu
setzen und zu dem zu m а ch en“ (!), „was sie wirklich sind,
als Geist vom Geist, als Inneres aus dem Innern, als Heimatliches“ 5
(!) „aus und in der Heimat, als Produkte und Geschöpfe des
Selbstbewußtseins. Sie darf und kann nicht wissen, wie einzig
und allein der Kritiker die Religion in ihrer Totalität, den Staat
in seinen verschiednen Erscheinungen gebrochen hat pp“ p. 138,
139. Ist es nicht auf ein Haar der alte Jehova, der seinem durch- 10
gebrannten Volk, das an den lustigen Göttern der Heiden mehr
Spaß findet, nachläuft und schreit: „Höre mich, Israel, und ver¬
schließe dein Ohr nicht, Juda! Bin ich nicht der Herr dein Gott,
der dich aus Ägyptenland geführet hat in das Land da Milch und
Honig fleußt, und siehe, ihr habet von Jugend auf getan das mir 15
übel gefällt und habet mich erzürnet durch meiner Hände Werk,
und habt mir den Rücken und nicht das Angesicht zugekehret.
wiewohl ich sie stets lehren ließ; und haben mir ihre Greuel in
mein Haus gesetzt, daß sie es verunreinigten, und haben die
Höhen des Baals gebaut im Tal Ben Himmon, davon ich ihnen 20
nichts befohlen habe, und ist mir nicht in den /[5c]/ Sinn gekom¬
men, daß sie solche Greuel tun sollten; und habe zu euch gesandt
meinen Knecht Jeremiam, zu dem mein Wort geschehen ist von
dem dreizehnten Jahr des Königs Josiah, des Sohnes Amon, bis
auf diesen Tag, und derselbe hat euch nun dreiundzwanzig Jahr 25
mit Fleiß gepredigt, aber ihr habt nie hören wollen. Darum
spricht der Herr Herr: Wer hat je dergleichen gehöret, daß die
Jungfrau Israel so gar greuliches Ding tut? Denn das Regenwas¬
ser verschießt nicht so bald, als mein Volk meiner vergißt. О
Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ зо
Sankt Bruno behauptet also in einer langen Rede über Dürfen
und Können, daß seine kommunistischen Gegner ihn mißverstan¬
den hätten. Die Art und Weise, wie er in dieser Rede die Kritik
neuerdings schildert, wie er die bisherigen Mächte, die das „Leben
der Menschheit“ niederhielten, in „transzendente“, und diese 35
transzendenten Mächte in „Geist vom Geist“ verwandelt, wie er
„d i e Kritik“ für den einzigen Produktionszweig ausgibt, beweist
zugleich, daß das angebliche Mißverständnis nichts ist als ein
mißliebiges Verständnis. Wir bewiesen, daß die Bauersche Kritik
unter aller Kritik ist, wodurch wir notwendig Dogmatiker wer- 40
den. Ja er wirft uns alles Ernstes den unverschämten Unglauben
an seine althergebrachten Phrasen vor. Die ganze Mythologie der
selbstständigen Begriffe, mit dem Wolkensammler Zeus, dem
Selbstbewußtsein, an der Spitze, paradiert hier /6, wieder mit „dem
Schellenspiel von Redensarten einer ganzen Janitscharenmusik 45
II. Sankt Bruno
87
5
10
15
20
25
30
35
40
45
gangbarer Kategorien“ (Lit. Ztg„ vgl. „heilige Familie“ p. 234).
Zuerst natürlich die Mythe von der Weltschöpfung, nämlich von
der sauren „Arbeit“ des Kritikers, die das „einzig Schöpferische
und Produzierende, ein immerwährendes Kämpfen und Siegen,
ein fortdauerndes Vernichten und Schaffen“, ein „Arbeiten“ und
„Gearbeitet Haben“ ist. Ja der ehrwürdige Vater wirft der „hei¬
ligen Familie“ sogar vor, daß sie „die Kritik“ so verstanden hat,
wie er selbst sie in der gegenwärtigen Replik versteht. Nachdem
er die „Substanz“ „in ihr Geburtsland, das Selbstbewußtsein, den
kritisierenden und“ (seit der „heiligen Familie“ auch) „kritisier¬
ten Menschen zurückgenommen und verworfen hat“ (das Selbst¬
bewußtsein scheint hier die Stelle einer ideologischen Rumpel¬
kammer einzunehmen), fährt er fort: „Sie“ (die angebliche
Feuerbachsche Philosophie) „darf nicht wissen, daß die Kritik
und die Kritiker, solange sie sind“ (!), „die Geschichte gelenkt
und gemacht haben, daß sogar ihre Gegner und alle Bewegungen
und Regungen der Gegenwart ihre Geschöpfe sind, daß sie allein es
sind, die die Gewalt in ihren Händen haben, weil die
Kraft in ihrem Bewußtsein, und weil sie die Macht aus
sich selber, aus ihren Taten, aus der Kritik, aus ihren
Gegnern, aus ihren Geschöpfen schöpfen; daß erst mit dem Akte
der Kritik der Mensch befreit wird, und damit d i e Menschen, der
Mensch geschaffen“ (!) „wird, und damit die Menschen“.
Also die Kritik und die Kritiker /[6a]/ sind zuerst zwei ganz
verschiedene, außer einander stehende und handelnde Subjekte.
Der Kritiker ist ein andres Subjekt als die Kritik, und die Kritik
ein andres Subjekt als der Kritiker. Diese personifizierte Kritik,
die Kritik als Subjekt, ist ja eben die „kritische Kritik“, gegen die
die ..heilige Familie“ auftrat. „Die Kritik und die Kritiker haben,
solange sie sind, die Geschichte gelenkt und gemacht“. Daß sie
dies nicht tun konnten, „solange sie“ nicht „sind“, ist klar, und
daß sie, „solange sie sind“, in ihrer Weise „Geschichte gemacht“
haben, ist ebenfalls klar. Sankt Bruno kommt endlich soweit, uns
einen der tiefsten Aufschlüsse über die staatsbrecherische Macht
der Kritik geben zu „dürfen und können“, den Aufschluß näm¬
lich, daß „die Kritik und die Kritiker die Gewalt in ihren
Händen haben, weil“ (schönes Weil!) „die Kraft in ihrem
Bewußtsein“, und zweitens, daß diese großen Geschichtsfabri¬
kanten „die Gewalt in ihren Händen haben“, weil sie „die Macht
aus sich selber und aus der Kritik“ (also noch einmal aus sich
selber) „schöpfen“ — wobei leider noch immer nicht bewiesen,
daß da drinnen, in „sich selber“, in „der Kritik“, irgend etwas
zu „schöpfen“ ist. Wenigstens sollte man nach der eignen Aus¬
sage der Kritik glauben, daß es schwer sein müßte dort etwas
andres zu „schöpfen“ als die dorthin „verworfene“ Kategorie der
88
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Substanz“. Schließlich „schöpft“ die Kritik noch „die Kraft“
zu einem höchst ungeheuerlichen Orakelspruch „aus /[6b]/ der
Kritik“. Sie enthüllt uns nämlich das Geheimnis, so da verborgen
war unsern Vätern und verschlossen unsern Großvätern, daß,
„erst mit dem Akte der Kritik der Mensch geschaffen wird, und 5
damit die Menschen“, während man bisher die Kritik für einen
Akt der durch ganz andre Akte präexistierenden Menschen ver¬
sah. Der heilige Bruno selbst scheint hiernach durch „die Kritik“,
also durch generatio aequivoca „in die Welt, von der Welt und zu
der Welt“ gekommen zu sein. Vielleicht indes ist dies Alles bloß 10
eine andre Interpretation der Stelle aus der Genesis: Und Adam
erkannte, jd est kritisierte, sein Weib Hevam und sie ward
schwanger pp.
Wir sehen hier also die ganze altbekannte kritische Kritik, die
schon in der „heiligen Familie“ hinreichend signalisiert, noch- 15
mals und als ob gar nichts passiert wäre, mit ihren sämtlichen
Schwindeleien auftreten. Wundem dürfen wir uns nicht darüber,
denn der heilige Mann jammert ja selbst p. 140, daß die „heilige
Familie“ „der Kritik jeden Fortschritt abschneide“. Mit der
größten Entrüstung wirft Sankt Bruno den Verfassern der „hei- 20
ligen Familie“ vor, daß sie die Bauersche Kritik vermittelst
eines chemischen Prozesses aus ihrem „flüssigen“ Aggregat¬
zustande zu einer „kristallinischen“ Formation abgedampft
habe.
Also die „Institutionen des Bettlertums“, das „Taufzeugnis der 25
Mündigkeit“, die „Region /[6c]/ des Pathos und donnerähnlicher
Aspekten“, die „moslemitische Begriffsaffektion“ („Heilige Fa¬
milie“ p. 2, 3, 4 nach der kritischen Lit. Ztg.) sind nur Unsinn,
wenn man sie „kristallinisch“ auffaßt; die achtundzwanzig ge¬
schichtlichen Schnitzer, die man der Kritik in ihrem Exkurse über зо
„englische Tagesfragen“ nachgewiesen hat, sind, „flüssig“ be¬
trachtet, keine Schnitzer? Die Kritik besteht darauf, daß sie,
flüssig betrachtet, die Nauwercksche Kollision, nachdem sie längst
vor ihren Augen passiert, а priori prophezeit, nicht post festum
konstruiert habe? sie besteht noch darauf, daß marechal, „kristal- 35
linisch“ betrachtet, ein Hufschmied heißen könne, aber „flüs¬
sig“ betrachtet, jedenfalls ein Marschall sein müsse? daß,
wenn auch für die „kristallinische“ Auffassung un fait physique
„eine physische Tatsache“ sein dürfe, die wahre, „flüssige“
Übersetzung davon „eine Tatsache der Physik“ laute? daß la mal- 40
veillance de nos bourgeois juste-milieux im „flüssigen“ Zustande
noch immer „die Sorglosigkeit unsrer guten Bürger“ bedeute?
daß „flüssig“ betrachtet, „ein Kind, das nicht wieder Vater oder
Mutter wird, wesentlichTochter ist“? daß Jemand die Auf¬
gabe haben kann, „gleichsam die letzte Wehmutsträne der Ver- 45
II. Sankt Bruno
89
gangenheit darzustellen“? Daß die verschiedenen Portiers, Lions,
Grisetten, Marquisen, Spitzbuben und hölzernen Türen von Paris
in ihrer „flüssigen“ Form weiter nichts sind als Phasen des Ge¬
heimnisses, „in dessen Begriff es überhaupt /7/ liegt, sich selbst
5 beschränkt zu setzen, und diese Beschränkung, die es durch sein
allgemeines Wesen setzt, wieder aufzuheben, da eben dieses Wesen
nur das Resultat seiner innern Selbstunterscheidung, seiner Tätig¬
keit ist“? Daß die kritische Kritik im „flüssigen“ Sinne „unauf¬
haltsam, siegreich und siegsgewiß ihres Weges geht“, wenn sie
io bei einer Frage zuerst behauptet, ihre „wahre und allgemeine Be¬
deutung“ enthüllt zu haben, alsdann zugibt, daß sie „über die Kri¬
tik nicht hinausgehen wollte und durfte“, und schließlich bekennt,
„daß sie noch einen Schritt hätte tun müssen, der aber unmöglich
war, weil — er unmöglich war“? (p. 184 der „heiligen Familie“)
15 daß „flüssig“ betrachtet, „die Zukunft noch immer das Werk“
der Kritik ist, wenn auch „das Schicksal entscheiden mag wie
es will“; daß flüssig betrachtet, die Kritik nichts Übermensch¬
liches beging, wenn sie „mit ihren wahren Elementen in
einen Widerspruch trat, der in jenen Elementen b e -
2o reits seine Auflösung gefunden hatte“?
Allerdings begingen die Verfasser der „heiligen Familie“ die
Frivolität, alle diese und hundert andre Sätze als Sätze aufzufas¬
sen, die einen festen, „kristallinischen“ Unsinn ausdrücken —
aber man muß die Synoptiker „flüssig“, d. h. im Sinne ihrer Ver-
25 fasser, und bei Leibe nicht „kristallinisch“, d.h. nach ihrem
wirklichen Unsinn lesen, um zu dem wahren Glauben zu kommen
und die Harmonie des kritischen Haushalts /[7a]/ zu bewundern.
„Engels und Marx kennen daher auch nur die Kritik der Lite¬
raturzeitung“ — eine wissentliche Lüge, die beweist, wie „flüs-
3o sig“ der heilige Mann ein Buch gelesen hat, worin seine letzten
Arbeiten nur als die Krone seines ganzen „Gearbeitet Habens“
dargestellt werden. Aber der Kirchenvater ermangelte der Ruhe,
kristallinisch zu lesen, da er in seinen Gegnern Konkurrenten
fürchtet, die ihm die Kanonisation streitig machen, ihn „aus seiner
35 Heiligkeit herausziehen wollen, um sich heilig zu machen“.
Konstatieren wir noch im Vorbeigehen die eine Tatsache, daß
nach der jetzigen Aussage des heiligen Bruno seine Literatur¬
zeitung keineswegs die „gesellschaftliche Gesellschaft“ zu stiften
oder „gleichsam die letzte Wehmutsträne“ der deutschen Ideolo¬
ge gie „darzustellen“ bezweckte, noch den Geist in den schärf¬
sten Gegensatz zur Masse zu stellen und die kritische Kritik in
ihrer vollen Reinheit zu entwickeln, sondern — „den Liberalismus
und Radikalismus des Jahres 1842 und deren Nachklänge in ihrer
Halbheit und Phrasenhaftigkeit darzulegen“, also die „Nach-
45 klänge“ eines bereits Verschollenen zu bekämpfen. Tant de bruit
90
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
pour une Omelette! Übrigens zeigt sich gerade hierin wieder die
Geschichtsauffassung der deutschen Theorie in ihrem „reinsten“
Licht. Das Jahr 1842 gilt für die Glanzperiode des Li-/[7bl/bera-
lismus in Deutschland, weil sich die Philosophie damals an der
Politik beteiligte. Der Liberalismus verschwindet für den Kri- s
tiker mit dem Aufhören der Deutschen Jahrbücher und der Rhei¬
nischen Zeitung, den Organen der liberalen und radikalen Theorie.
Er läßt nur noch „Nachklänge“ zurück, während erst jetzt, wo
das deutsche Bürgertum das wirkliche durch ökonomische Ver¬
hältnisse erzeugte Bedürfnis der politischen Macht empfindet und 10
zu verwirklichen strebt, während erst jetzt der Liberalismus in
Deutschland eine praktische Existenz und damit die Chance eines
Erfolgs hat.
Die tiefe Betrübnis Sankt Brunos über die „heilige Familie“
erlaubte ihm nicht diese Schrift „aus sich selbst und durch sich 15
selbst und mit sich selbst“ zu kritisieren. Um seinen Schmerz be-
meistern zu können, mußte er sie sich erst in einer „flüssigen“
Form verschaffen. Diese flüssige Form fand er in einer konfusen
und von Mißverständnissen wimmelnden Rezension im „Westfäli¬
schen Dampf boot“, Maiheft p. 206—214. Alle seine Zitate sind 20
aus den im „Westfälischen Dampfboot“ zitierten Stellen zitiert,
und ohne dasselbige ist Nichts zitiert, was zitiert ist.
Auch die Sprache des heiligen Kritikers ist durch die Sprache
des westfälischen Kritikers bedingt. Zuerst werden sämtliche Sätze,
die der Westfale (Dampfboot p. 206) aus der Vorrede an- 25
führt, in die Wigandsche Vierteljahrsschrift p. 140, 141 über¬
tragen. Diese Übertragung bildet den Hauptteil der Bauerschen
Kritik, nach dem alten, schon von Hegel empfohlenen Prinzip:
„Sich auf den gesunden Menschenverstand zu verlassen, und
/[7c]/ um übrigens auch mit der Zeit und der Philosophie fort- зо
zuschreiten, Rezensionen von philosophischen Schriften,
etwa gar die Vorreden und ersten Paragraphen derselben zu
lesen; denn diese geben die allgemeinen Grundsätze, worauf Al¬
les ankommt, und jene neben der historischen Notiz noch die Be¬
urteilung, die sogar, weil sie Beurteilung ist, über das Beurteilte 35
hinaus ist. Dieser gemeine Weg macht sich im Hausrocke; aber
im hohenpriesterlichen Gewände schreitet das Hochgefühl des
Ewigen, Heiligen, Unendlichen einher, ein Weg“, den Sankt
Bruno auch, wie wir sahen, „niedermetzelnd“ zu „gehen“ weiß.
— Hegel, Phänomenologie p. 54. 40
Der westfälische Kritiker fährt nach einigen Zitaten aus
der Vorrede fort: „So durch die Vorrede selbst auf den Kampf¬
platz des Buches geführt“ usw. p. 206.
Der heilige Kritiker, nachdem er diese Zitate in die Wi¬
gandsche Vierteljahrsschrift übertragen, distinguiert feiner und 45
II. Sankt Bruno
91
sagt: „Das ist das Terrain und der Feind, den sich Engels
und Marx zum Kampfe geschaffen haben.“
Der westfälische Kritiker setzt aus der Erörterung des
kritischen Satzes: „der Arbeiter schafft Nichts“, nur den zusam-
5 menfassenden Schluß hin.
Der heilige Kritiker glaubt wirklich, dies sei Alles, was
über den Satz gesagt worden, schreibt p. 141 das westfälische Zitat
ab, und freut sich der Entdeckung, daß man der Kritik nur „Be¬
hauptungen“ entgegengesetzt habe.
io Aus der Beleuchtung der kritischen Expektorationen über die
Liebe schreibt sich der westfälische Kritiker p.209 erst
das corpus delicti teilweise, und dann aus der Widerlegung einige
Sätze ohne allen /8/ Zusammenhang heraus, die er als Autorität
für seine schwammige, liebesselige Sentimentalität hinstellen
15 möchte.
Der heilige Kritiker schreibt ihm p. 141, 142 alles buch¬
stäblich ab, Satz für Satz in der Ordnung, wie sein Vorgänger
zitiert.
Der westfälische Kritiker ruft über der Leiche des Herrn
2o Julius Faucher aus: „Das ist das Los des Schönen auf der Erde“!
Der heilige Kritiker darf seine „saure Arbeit“ nicht voll¬
enden, ohne diesen Ausruf p. 142 bei unpassender Gelegenheit
sich anzueignen.
Der westfälische Kritiker gibt p.212 eine angebliche Zu-
25 sammenfassung der in der „heiligen Familie“ gegen Sankt Bruno
selbst gerichteten Entwicklungen.
Der heilige Kritiker kopiert diese Siebensachen getrost und
wörtlich mit allen westfälischen Exklamationen. Er denkt nicht
im Traum daran, daß ihm nirgends in der ganzen Streitschrift
зо vorgeworfen wird, er „verwandle die Frage der politischen Eman¬
zipation in die der menschlichen“, er „wolle die Juden totschla¬
gen“, er „verwandle die Juden in Theologen“, er „verwandle
Hegel in Herrn Hinrichs“ pp. Gläubig plappert der heilige
Kritiker dem westfälischen die Angabe nach, als erbiete sich
35 Marx in der „heiligen Familie“ zur Lieferung eines gewissen
scholastischen Traktätleins „als Erwiderung auf die alberne
Selbstapotheose Bauers“. Nun kommt die vom heiligen
Bruno als Z i t а t angeführte „alberne Selbstapotheose“ in der gan¬
zen „heiligen Familie“ nirgends, wohl aber bei dem westfäli-
4o sehen Kritiker vor. Ebensowenig wird das Traktätlein als Erwide¬
rung auf die „Selbst а p о 1 о g i e“ /[8a V der Kritik, „heilige Fa¬
milie“ p. 150—163, angeboten, sondern erst im folgenden Ab¬
schnitt p. 165 bei Gelegenheit der weltgeschichtlichen Frage:
„warum Herr Bauer politisieren mußte?“
45 Schließlich läßt Sankt Bruno p. 143 Marx als „ergötz¬
92
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
liehen Komödianten“ auftretqn, nachdem sein westfäli¬
sches Vorbild bereits „das welthistorische Drama der kritischen
Kritik“ sich in die „ergötzlichste Komödie“ p. 213 hat
äuflösen lassen.
Siehe, so „dürfen und können“ die Gegner der kritischen Kri- 5
tik es „wissen, wie der Kritiker gearbeitet hat und
noch arbeitet“!
4. Nachruf an „M. Heß“
„Was Engels und Marx noch nicht konnten, das vollendet
M. Heß“. 10
Großer, göttlicher Übergang, der dem heiligen Manne durch
das relative „Können“ und „Nichtkönnen“ der Evangelisten so
fest in den Fingern sitzen geblieben ist, daß er in jedem Aufsatze
des Kirchenvaters passend oder unpassend seine Stelle finden muß.
„Was Engels und Marx noch nicht konnten, das vollendet 15
M. Heß“. — Und was ist das „Was“, das „Engels und Marx noch
nicht konnten“? Nun, nichts mehr und nichts weniger, als —
Stirner kritisieren. Und warum „konnten“ Engels und Marx Stir¬
ner „noch n i cht“ kritisieren? Aus dem zureichenden Grunde,
weil — Stirners Buch noch nicht erschienen war, als 20
sie die „heilige Familie“ schrieben.
Dieser spekulative Kunstgriff, Alles zu konstruieren, und das
Disparateste in einen vorgeblichen Kausalzusammenhang zu brin¬
gen, ist unsrem Heiligen wirklich aus dem Kopf in die Finger ge¬
fahren. Er erreicht bei ihm die /[8b]/ gänzliche Inhaltslosigkeit 25
und sinkt herab zu einer burlesken Manier, Tautologien mit wich¬
tiger Miene zu sagen. Z. B. schon in der Allg. Literat. Ztg. I, 5:
„Der Unterschied zwischen meiner Arbeit und den Blättern, die
z. B. ein Philippson vollschreibt“ (also den leeren Blättern,
auf die „z. B. ein Philippson“ schreibt), „muß dann auchao
so beschaffen sein, wie er in der Tat beschaffen
i st“!!!
„M. Heß“, für dessen Schriften Engels und Marx durchaus
keine Verantwortlichkeit übernehmen, ist dem heiligen Kritiker
eine so merkwürdige Erscheinung, daß er weiter nichts tun kann, 35
als lange Stellen aus den „letzten Philosophen“ abschreiben, und
das Urteil fällen, daß „diese Kritik in einzelnen Punkten den
Feuerbach nicht kapiert hat oder auch“ (o, Theologie!) „das
II. Sankt Bruno
93
Gefäß sich gegen den Töpfer empören will“. Vergl. Römer, 9,
20—21. Nach einer erneuerten „sauren Arbeit“ des Zitierens
kommt unser heiliger Kritiker dann schließlich zu dem Resultate,
daß Heß, weil er die beiden Worte: „Vereinigt“ und „Entwick-
5 lung“ gebraucht, Hegel abschreibt. Sankt Bruno mußte natür¬
lich den in der „heiligen Familie“ gelieferten Nachweis seiner
totalen Abhängigkeit von Hegel durch einen Umweg auf Feuer¬
bach zurückzuwerfen suchen.
„Siehe, so mußte Bauer enden! Er hat gegen alle Hegelschen
io Kategorien“, mit Ausnahme des Selbstbewußtseins, „gekämpft,
wie und was er nur konnte“, speziell in dem famosen Literatur¬
zeitungskampf gegen Herrn Hinrichs. Wie er sie bekämpft und be¬
siegt hat, haben wir gesehen. Zum Überfluß zitieren wir noch
Wigand p. 110, wo er behauptet, daß die „wahre“ (1) „Auf-
151 ösung“ (2) „der Gegensätze“ (3) „in Natur und/[8c]/
Geschichte“ (4), „die wahre Einheit“ (5) „der getrennten
Relationen“ (6), „der wahrhafte“ (7) „Grund“ (8) „und Ab¬
grund“ (9) „der Religion, die wahre unendliche“ (10),
„unwiderstehliche, selbstschöpferische“ (11) „Persönlichkeit“
2o (12) „noch nicht gefunden ist“. In drei Zeilen nicht zwei
zweifelhafte, wie bei Heß, sondern ein volles Dutzend „wahrer,
unendlicher, unwiderstehliche [r]“ und durch „die wahre Einheit
der getrennten Relationen“ sich als solche beweisende Hegelsche
Kategorien — „siehe, so mußte Bauer enden“! Und wenn der
25 heilige Mann in Heß einen gläubigen Christen zu entdecken meint,
nicht weil Heß „hofft“, wie Bruno sagt, sondern weil er nicht hofft
und weil er von „Auferstehen“ spricht, so setzt uns der große
Kirchenvater in den Stand, ihm aus eben derselben pagina 110 das
prononzierteste Judentum nachzuweisen. Er erklärt dort, „daß
зо der wirkliche, lebende und leibhaftige Mensch
noch nicht geboren ist“!!! (neuer Aufschluß über die
Bestimmung des „einzigen Geschlechts“) „und die erzeugte Zwit¬
tergestalt“ (BrunoBauer?!?) „noch nicht im Stande ist, aller
dogmatischen Formeln Herr zu werden“ pp — d.h. daß
35 der Messias noch nicht geboren ist, daß des Menschen
Sohn erst in die Welt kommen soll, und diese Welt, als Welt
des alten Bundes, noch unter der Zuchtrute des Gesetzes, „der
dogmatischen Formeln“, steht.
In derselben Weise, wie Sankt Bruno oben „Engels und Marx“
4o zu einem Übergange zu Heß benutzte, dient ihm hier Heß dazu,
Feuerbach schließlich wieder in ei-/9/nen Kausalnexus mit sei¬
nen Exkursen über Stirner, die „heilige Familie“ und die „letz¬
ten Philosophen“ zu bringen:
„Siehe, so mußte Feuerbach enden!“ „Die Philosophie mußte
45 fromm enden“ pp, Wigand p. 145.
94
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Der wahre Kausalnexus ist aber der, daß diese Exklamation
eine Nachahmung einer u. A. gegen Bauer gerichteten Stelle aus
Heß’ „letzten Philosophen“, Vorrede p. 4, ist: „So [.. .] und nicht
anders mußten die letzten Nachkommen der christlichen Asketen
[...] Abschied von der Welt nehmen.“ 5
Sankt Bruno schließt sein Plaidoyer gegen Feuerbach und an¬
gebliche Konsorten mit einer Anrede an Feuerbach, worin er ihm
vorwirft, er könne nur „ausposaunen“, „Posaunenstöße erlas¬
sen“, während Monsieur B. Bauer oder Madame la critique, „die
erzeugte Zwittergestalt“, des unaufhörlichen „Vernichtens“ nicht jo
zu erwähnen, „auf seinem Triumphwagen fährt und
neue Triumphe sammelt“ (p. 125), „vom Throne stößt“
(p. 119), „niedermetzelt“ (p. 111), „niederdonnert“ (p. 115),
„ein für alle Mal zu Grunde richtet“ (p. 120), „zerschmettert“
(p. 121), der Natur nur zu „vegetieren“ erlaubt (p. 120), „straf- Js
fere“ (!) „Gefängnisse“ baut (p. 104) und endlich mit „nieder¬
metzelnder“ Kanzelberedsamkeit frischfrommfröhlichfrei das
„Fixfirmfestbestehende“ p. 105 entwickelt, Feuerbach p. 110
„das Felsige und den Felsen“ an den Kopf wirft, und schließlich
mit einer Seitenwendung auch Sankt Max überwindet, indem er 20
die „kritische Kritik“ die „gesellschaftliche Gesellschaft“, „das
Felsige und den Felsen“ noch durch „die abstrakteste /[9a]/ Ab¬
straktheit“ und „härteste Härte“ p. 124 ergänzt.
Alles dies hat Sankt Bruno vollbracht „durch sich selbst und
in sich selbst und mit sich selbst“, denn er ist „Er selber“, ja er 25
ist „stets und selbst der Größeste und kann der Größeste sein“
(ist es und kann es sein!) „durch sich selbst und in sich selbst
und mit sich selbst“ (p. 136). Sela.
Sankt Bruno wäre für das weibliche Geschlecht allerdings ge¬
fährlich, da er die „unwiderstehliche Persönlichkeit“ ist, fürch- зо
tete er nicht „auf der andern Seite ebensosehr“ „die Sinnlichkeit
als die Schranke, an der sich der Mensch den Todes - St о ß geben
muß“. Er wird daher „durch sich selbst und in sich selbst und
mit sich selbst“ wohl keine Blumen brechen, sondern sie verwel¬
ken lassen in unbegrenzter Sehnsucht und schmachtender Hyste- 35
rie nach der „unwiderstehlichen Persönlichkeit“, die „dieses ein¬
zige Geschlecht und diese einzigen, bestimmten Geschlechtsorgane
besitzt“.
III
SANKT MAX
III. Sankt Max
97^128
Geschrieben ca. September 1845 bis Anfang Mai 1846 in Brüssel
<т/
III
Sankt Max
„Was jehen mir die jrinen Beeme an?“
5 Der heilige Max exploitiert, „verbraucht“ oder „benutzt“ das
Konzil dazu, einen langen apologetischen Kommentar „des
Buches“ zu geben, welches kein anderes Buch ist, als „das
Buch“, das Buch als solches, das Buch schlechthin, d. h. das voll¬
kommene Buch, das heilige Buch, das Buch als Heiliges, das Buch
10 als das Heilige — das Buch im Himmel, nämlich „der Ein¬
zige und sein Eigentum“. „Das Buch“ war bekanntlich
gegen Ende 1844 aus dem Himmel herab gefallen und hatte
bei 0. Wigand in Leipzig Knechtsgestalt angenommen. Es hatte
sich so den Wechselfällen des irdischen Lebens preisgegeben und
io war von drei „Einzigen“, nämlich von der geheimnisvollen Per¬
sönlichkeit Sze 1 igа, von dem Gnostiker Feuerbach und
von Heß angegriffen worden. So erhaben der heilige Max auch
als Schöpfer in jedem Augenblick über sich als Geschöpf, wie
über seine sonstigen Geschöpfe ist, erbarmte er sich dennoch sei-
го nes schwachen Kindleins und stieß zu seiner Wehrung. und Sicher¬
stellung ein lautes „kritisches Juchhe“ aus. — Um sowohl dies
„kritische Juchhe“, wie die geheimnisvolle Persönlichkeit Sze-
1 i g а in ihrer ganzen Bedeutung zu ergründen, müssen wir hier
einigermaßen auf die Kirchengeschichte eingehen und „das Buch“
25 näher betrachten. Oder um mit Sankt Max zu sprechen: Wir wol¬
len „an dieser Stelle“ eine kirchengeschichtliche „Reflexion“ über
den „Einzigen und sein Eigentum“ „episodisch einlegen“, „ledig¬
lich darum“, „weil uns dünkt, sie könne zur Verdeutlichung des
Übrigen beitragen“.
зо „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß
der König der Ehren einziehe. — Wer ist derselbe König der
Ehren? Es ist der „Feldherr“, stark und mächtig, „der Feldherr“,
mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der
Welt hoch, daß der König der Ehren einziehe. — Wer ist der-
35 selbe König der Ehren? Es ist der Herr Einzige, Er ist der König
der Ehren.“
(Ps. 24, 7—10.)
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5
7
/[la]/
1. Der Einzige und sein Eigentum
Der Mann, der „sein’ Sach’ auf Nichts gestellt hat“, beginnt als
guter Deutscher sein langgezogenes „kritisches Juchhe“ sogleich
mit einer Jeremiade: „Was soll nicht Alles Meine Sache sein?“ s
(p. 5 des Buchs). Und er jammert herzzerreißend weiter, daß
„Alles seine Sache sein soll“, daß man ihm „die Sache Gottes,
die Sache der Menschheit, der Wahrheit, Freiheit, ferner die
Sache Seines Volkes, Seines Fürsten“ und tausend andre gute
Sachen aufbürdet. Der arme Mann! Der französische und eng- 10
lische Bourgeois klagt über Mangel an Debouches, über Handels¬
krisen, panische Schrecken an der Börse, augenblickliche poli¬
tische Konstellationen usw.; der deutsche Kleinbürger, der aktiv
nur einen ideellen Anteil an der Bourgeoisbewegung genommen
und im Übrigen nur seine eigne Haut zu Markt getragen hat, stellt
sich seine eigne Sache nur als „die gute Sache“, die „Sache der
Freiheit, Wahrheit, Menschheit“ etc. vor.
Unser deutscher Schulmeister glaubt ihm tout bonnement
diese Einbildung und setzt sich mit allen diesen guten Sachen auf
drei Seiten vorläufig auseinander. so
Er untersucht die „Sache Gottes“, die „Sache der Mensch¬
heit“, p. 6 und 7, und findet, daß dies „rein egoistische Sachen“
sind, daß sowohl „Gott“ wie „die Menschheit“ sich nur um das
Ihrige bekümmern, daß es „der Wahrheit, der Freiheit, der
Humanität, der Gerechtigkeit“ „nur um sich, nicht um Uns, nur га
um Ihr Wohl, nicht um das Unsere zu tun ist“ — woraus er den
Schluß zieht, daß sich alle diese Personen „ausnehmend gut dabei
stehen“. Er geht so weit, diese idealistischen Phrasen, Gott, Wahr¬
heit usw. in wohlhabende Bürger zu verwandeln, die „sich aus¬
nehmend gut stehen“ und eines „einträglichen Egoismus“ so
erfreuen. Das aber wurmt den heiligen Egoisten: Und Ich? ruft
er aus. „Ich Meinesteils nehme Mir eine Lehre daran und will,
statt jenen großen Egoisten ferner zu dienen, lieber selber der
Egoist sein!“ (p. 7).
Wir sehen also, welch heilige Motive den heiligen Max beiw
31 Im Original Egoisten: „Und Ich?“
ПІ. Sankt Max
99
seinem Übertritt zum Egoismus leiten. Nicht die Güter dieser
Welt, nicht die Schätze, so die Motten und der Rost fressen, nicht
die Kapitalien seiner Mit-Einzigen, sondern der Schatz im Him¬
mel, die Kapitalien Gottes, der /3[lb]/ Wahrheit, Freiheit,
5 Menschheit etc. lassen ihn nicht ruhen. — Mutete man ihm nicht
zu, den vielen guten Sachen zu dienen, er würde nie zu der Ent¬
deckung gekommen sein, daß er auch eine „eigne“ Sache habe,
würde also auch diese seine Sache nicht „auf Nichts“ (d.h. „das
Buch“) „gestellt“ haben.
10 Hätte Sankt Max sich die verschiedenen „Sachen“ und „Eig¬
ner“ dieser Sachen, z. B. Gott, Menschheit, Wahrheit etwas näher
betrachtet, so wäre er zu dem entgegengesetzten Schluß gekom¬
men, daß ein auf die egoistische Handlungsweise dieser Personen
basierter Egoismus eben so eingebildet sein müsse, wie diese Per-
15 sonen selbst.
Statt dessen entschließt sich unser Heiliger, „Gott“ und „der
Wahrheit“ Konkurrenz zu machen und seine Sache auf Sich zu
stellen — „auf Mich, der Ich so gut wie Gott das Nichts von allem
Andern, der Ich Mein Alles, der Ich der Einzige bin. Ich
2o bin Nichts im Sinne der Leerheit, sondern das schöpferische
Nichts, das Nichts, aus welchem Ich selbst als Schöpfer Alles
schaffe“.
Der heilige Kirchenvater hätte diesen letzten Satz auch so aus¬
drücken können: Ich bin Alles in der Leerheit des Unsinns, „son-
25 d e r n“ der nichtige Schöpfer, das Alles, aus welchem ich selbst
als Schöpfer Nichts schaffe.
Welche von diesen beiden Lesarten die richtige ist, wird sich
herausstellen. So weit die Vorrede. —
„Das Buch“ selbst teilt sich, wie das „weiland“ Buch, in das
зо alte und neue Testament, nämlich in die einzige Geschichte des
Menschen (das Gesetz und die Propheten) und in die unmensch¬
liche Geschichte des Einzigen (Evangelium vom Reiche Gottes).
Das erste ist die Geschichte innerhalb der Logik, der in der Ver¬
gangenheit gebundene Logos, das zweite die Logik in der Ge-
35 schichte, der freigewordene Logos, der mit der Gegenwart kämpft
und sie siegreich überwältigt. —
Altes Testament: Der Mensch
1. Genesis, d. i. Ein Menschenleben
Sankt Max schützt hier vor, die Biographie seines Tod¬
feindes, „des Menschen“, zu schreiben, nicht die eines „Ein¬
zigen“ oder „wirklichen Individuums“. Dies verwickelt ihn in 5
ergötzliche Widersprüche.
/[lc]/ Wie sich’s für eine normale Genesis geziemt, beginnt
das „Menschenleben“ ab ovo, mit dem „Kinde“. Das Kind, wird
uns p. 13 enthüllt, „lebt gleich im Kampfe gegen die ganze Welt,
es wehrt sich gegen Alles, und Alles wehrt sich gegen es“. „Feinde ю
bleiben Beide“, aber „in Ehrfurcht und Respekt“ und „liegen
immer auf der Lauer, sie lauern einer auf die Schwäche
des Andern“; was p. 14 dahin weiter ausgeführt wird, „daß wir“
als Kinder „auf den Grund der Dinge oder hinter die
»Dinge zu kommen suchen; daher“ (also nicht mehr aus Feind- 75
schäft) „lauschen wir Allen ihre Schwächen ab.“ (Hier
ist S z e 1 i g а s Finger, des Geheimniskrämers.) Das Kind
wird also gleich zum Metaphysiker, der „auf den Grund
der Dinge“ zu kommen sucht.
Dieses spekulierende Kind, dem die „Natur der Dinge“ 20
mehr am Herzen liegt, als sein Spielzeug, wird nun „mitunter“ auf
die Dauer mit der „Welt der Dinge“ fertig, besiegt sie und kommt
dann in eine neue Phase, das Jünglingsalter, wo es einen
neuen „säuern Lebenskampf“, den Kampf gegen die Vernunft,
zu bestehen hat, denn „Geist heißt [“] heißt [,,]die erstem
Selbstfindung“ und „Wir sind über der Welt, Wir sind
Geist“ (p. 15). Der Standpunkt des Jünglings ist „der himm¬
lische“; das Kind „lernte“ nur, „es hielt sich bei rein logischen
oder theologischen Fragen nicht auf“, wie denn auch (dasKind)
„Pilatus“ rasch über die Frage: „Was ist Wahrheit“ hinwegeilt зо
(p. 17). Der Jüngling „sucht der Gedanken habhaft zu werden“,
„versteht Ideen, den Geist“ und „sucht nach Ideen“; er „hängt
seinen Gedanken nach“ (p. 16), er hat „absolute Gedanken, d.h.
nichts als Gedanken, logische Gedanken“. Der Jüngling,
der also „sich gebahrt“, statt jungen Frauenzimmern und sonsti- 35
HL Sankt Max 101
gen profanen Dingen nachzujagen, ist kein andrer als der junge
„Stirner“, der Berliner studierende Jüngling, der Hegelsche
Logik treibt und dem großen Michelet zustaunt. Von diesem
Jüngling heißt es mit Recht p. 17: „Den reinen Gedanken
.5 zu Tage zu fördern, ihm anzuhangen, das ist Jugendlust, und
alle Lichtgestalten der Gedankenwelt, die Wahrheit, Freiheit,
Menschentum, der Mensch usw. erleuchten und begeistern die
jugendliche Seele“. — Dieser Jüngling „wirft“ dann /2/ auch
„den Gegenstand bei Seite“ und „beschäftigt sich“ bloß „mit
io seinen Gedanken“; „alles nicht Geistige befaßt er unter dem ver¬
ächtlichen Namen der Äußerlichkeiten, und wenn er
gleichwohl an solchen Äußerlichkeiten haftet, z. B. am Burschi¬
kosen etc., so geschieht es, wenn und weil er in ihnen Geist ent¬
deckt, d. h. wenn sie ihm Symbole sind“ (Wer „ent-
із deckt“ hier nicht „Szeliga“?). Guter Berliner Jüngling! Der
Bierkomment der Korpsburschen war für ihn nur „ein Symbol“,
nur „einem Symbol“ zu Gefallen hat er sich so manches Mal unter
den Tisch trinken lassen, unter welchem er wahrscheinlich auch
„Geist entdecken“ wollte! — Wie gut dieser gute Jüngling ist, an
•io dem sich der alte Ewald, der zwei Bände über den „guten Jüng¬
ling“ schrieb, ein Exempel hätte nehmen können, zeigt sich auch
daraus, daß es für Ihn „heißt“ (p. 15), „Vater und Mutter sei
zu verlassen, alle Naturgewalt für gesprengt zu erachten“. Für
ihn, „den Vernünftigen, gibt es keine Familie als Naturgewalt,
25 es zeigt sich eine Absagung von Eltern, Geschwistern etc.“ — die
aber Älle „als geistige, vernünftige Gewalten wiederge¬
boren werden“, wodurch der gute Jüngling dann den Gehorsam
und die Furcht vor den Eltern mit seinem spekulierenden Gewis¬
sen in Einklang gebracht hat und Alles beim Alten bleibt. Ebenso
зо „heißt es nun“ (p. 15): „Man muß Gott mehr gehorchen, als den
Menschen“. Ja, der gute Jüngling erreicht die höchste Spitze der
Moralität p. 16, wo „es nun heißt“: „Man muß seinem Gewissen
mehr gehorchen, als Gott“. Dieses moralische Hochgefühl setzt
ihn sogar über „die rächenden Eumeniden“, ja über „den Zorn
35 des Poseidon“ hinweg — nichts fürchtet er mehr, als — „das
Gewissen“.
Nachdem er entdeckt hat, daß „der Geist das Wesentliche“ sei,
fürchtet er sich sogar nicht mehr vor folgenden halsbrechenden
Schlüssen: „Ist aber der Geist als das Wesentliche erkannt, so
4o macht es doch einen Unterschied, ob der Geist arm oder reich
ist, und man sucht deshalb“ (!) „reich an Geist zu werden;
es will der Geist sich ausbreiten, sein Reich zu gründen, ein
Reich, das nicht von dieser Welt ist, der eben über-/[2a]/wunde-
nen — So sehnt er sich nun Alles in Allem zu werden“ (wie
45 so?), „d.h. obgleich Ich Geist bin, bin Ich doch nicht voll¬
102
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
endeter Geist, und muß“ (?) „den vollendeten Geist erst
suchen“ (p.17).
„So macht es doch einen Unterschied“. — „Es“, was? Wel¬
ches „Es“ macht diesen Unterschied? Wir werden dieses geheim¬
nisvolle „Es“ noch sehr häufig bei dem heiligen Manne wieder- 5
finden, wo sich dann herausstellen wird, daß es der Einzige auf
dem Standpunkte der Substanz, der Anfang der „einzigen“
Logik und als solches die wahre Identität des Hegelschen „Sein“
und „Nichts“ ist. Für alles, was dieses „Es“ tut, sagt und macht,
machen wir daher unsren Heiligen, der sich zu ihm als Schöpfer 10
verhält, verantwortlich. Zuerst macht dieses „Es“, wie wir sahen,
einen Unterschied zwischen Arm und Reich; und zwar weshalb?
Weil „der Geist als das Wesentliche erkannt ist“. Armes „Es“,
das ohne diese Erkenntnis nie zu dem Unterschiede von Arm und
Reich gekommen wäre! „Und man sucht deshalb“ etc. „Man!“ 15
Hier haben wir die zweite unpersönliche Person, die außer dem
„Es“ in Stirners Diensten steht und ihm die härtesten Hand- und
Schubdienste verrichten muß. Wie sich die Beiden unter die
Arme zu greifen gewohnt sind, zeigt sich hier. Weil „Es“ einen
Unterschied macht, ob der Geist arm oder reich sei, so sucht 20
„Man“ (wer anders, als Stirners getreuer Knecht wäre auf diesen
Einfall gekommen!), so sucht „Man deshalb reich an Geist
zu werden“. „Es“ gibt das Signal, und gleich stimmt „Man“ aus
voller Kehle ein. Die Teilung der Arbeit ist klassisch durchge¬
führt. — 25
Weil „man reich an Geist zu werden sucht“, so „will
der Geist sich ausbreiten, sein Reich gründen“ etc. „Ist
aber“ hier ein Zusamenhang vorhanden, „so macht es doch einen
Unterschied“, ob „man reich an Geist“ werden oder „der
Geist sein Reich gründen“ will. „Der Geist“ hat bisher noch зо
nichts gewollt, „der Geist“ hat noch nicht als Person
figuriert, es hat sich nur um den Geist des „Jünglings“, nicht um
„den Geist“ schlechthin, den Geist als Subjekt, gehandelt.
Aber der heilige Schriftsteller hat jetzt einen andern Geist, als
den des Jünglings nötig, /[2b]/ um ihn diesem als fremden, in 35
letzter Instanz als heiligen Geist entgegenstellen zu können. E s -
kamotage Nro 1.
„So sehnt sich der Geist denn Alles in Allem zu werden“, ein
etwas dunkler Spruch, der dahin erläutert wird: „obgleich Ich
Geist bin, bin ich doch nicht vollendeter Geist, und muß den *0
vollkommenen Geist erst suchen“. Ist aber der heilige
Max „unvollendeter Geist“, „so macht es doch einen Unterschied“,
ob er seinen Geist „vollenden“ oder ob er „den voll¬
endeten Geist“ suchen muß. Er hatte es überhaupt ein paar
Zeilen vorher nur mit dem „armen“ und „reichen“ Geiste 45
Ш. Sankt Max
103
zu tun — quantitativer, profaner Unterschied — jetzt auf einmal
mit dem „unvollendeten“ und „vollendeten“ Geiste —
qualitativer, mysteriöser Unterschied. Das Streben nach Ausbil¬
dung des eignen Geistes kann sich nun in die Jagd des „unvoll-
5 endeten Geistes“ auf „d e n vollendeten Geist“ verwandeln. Der
heilige Geist geht als Gespenst um. Eskamotage Nro 2.
Der heilige Autor fährt fort: „Damit“ (nämlich mit dieser
Verwandlung des Strebens nach der „Vollendung“ meines
Geistes in das Suchen nach „dem vollendeten Geist“) „verliere
io Ich aber, der Ich Mich so eben als Geist gefunden hatte, sogleich
Mich wieder, indem Ich vor dem vollendeten Geiste, als einem
Mir nicht eignen, sondern jenseitigen Mich beuge und meine
Leerheit fühle.“ p. 18.
Dies ist weiter Nichts als eine weitere Ausführung von Eska-
15 motage Nro 2. Nachdem der „vollendete Geist“ einmal als ein
existierendes Wesen vorausgesetzt und dem „un¬
vollendeten Geist“ gegenübergestellt ist, versteht es sich von selbst,
daß der „unvollendete Geist“, der Jüngling, „seine Leerheit“ bis
auf den Grund seines Herzens schmerzlich empfindet. Weiter!
го „Auf Geist kommt zwar Alles an, aber ist auch jeder Geist
der rechte Geist? Der rechte und wahre Geist ist das Ideal des
Geistes, der „heilige Geist“. Er ist nicht Mein oder Dein Geist,
sondern eben“ (!) „ein — idealer, jenseitiger, er ist „Gott“.
„Gott ist Geist.“ “ p. 18.
25 Hier haben wir auf einmal den „vollendeten Geist“ in den
„rechten“ und gleich darauf in den „rechten und wahren Geist“
verwandelt. /[2c]/ Dieser wird dadurch näher bestimmt, daß er
„das Ideal des Geistes, der heilige Geist“ sei, was dadurch be¬
wiesen wird, daß er „nicht Mein oder Dein Geist, sondern eben
зо ein jenseitiger, idealer, Gott“ ist. Der wahre Geist ist das Ideal
des Geistes, weil er „eben“ ein idealer ist! Er ist der heilige
Geist, weil er „eben“ — Gott ist! Welche „Virtuosität im Den¬
ken“! Beiläufig bemerken wir noch, daß von „Deinem“ Geiste
bisher noch nicht die Rede war. Eskamotage Nro 3.
35 Also wenn ich mich als Mathematiker auszubilden oder nach
Sankt Max zu „vollenden“ suche, so suche ich den „vollendeten“
Mathematiker, d. h. „den rechten und wahren“ Mathematiker,
der „das Ideal“ des Mathematikers, den „heiligen“ Mathematiker,
der ein von Mir und Dir verschiedener Mathematiker ist (ob-
4o gleich Du mir als vollendeter Mathematiker gelten kannst, wie
für den Berliner Jüngling sein Professor der Philosophie als voll¬
endeter Geist gilt), „sondern eben ein idealer, jenseitiger“, der
Mathematiker im Himmel, „Gott“ ist. Gott ist Mathematiker.
Auf alle diese großen Resultate kommt der heilige Max, weil
45 „es einen Unterschied macht, ob der Geist reich oder arm sei“,
104
Deutsche Ideologie. Da« Leipziger Konzil
d. h. zu deutsch übersetzt, ob einer reich oder arm an Geist ist, und
weil sein „Jüngling“ diese merkwürdige Tatsache entdeckt hat.
Der heilige Max fährt fort p. 18: „Den Mann scheidet es
vom Jünglinge, daß er die Welt nimmt, wie sie ist“ etc. Wir er¬
fahren also nicht, wie der Jüngling dazu kommt, die Welt plötz- 5
lieh zu nehmen, „wie sie ist“, wir sehen auch nicht unsern heiligen
Dialektiker den Übergang vom Jüngling zum Manne machen, wir
erfahren bloß, daß „Es“ hier diesen Dienst verrichten und den
Jüngling vom Manne „scheiden“ muß. Selbst das „Es“ allein
reicht nicht hin, den schwerfälligen Frachtwagen der einzigen 10
Gedanken in Gang zu bringen. Denn nachdem „Es“ „den Mann
vom Jüngling geschieden“ hat, fällt der Mann dennoch wie-/[3]/
der in den Jüngling zurück, beschäftigt sich von Neuem „aus¬
schließlich mit Geistigem“ und kommt nicht in den Zug, bis das
„Man“ mit neuem Vorspann zu Hilfe eilt. „Erst dann, wenn man
sich leibhaftig liebgewonnen etc.“, p. 18 — „erst dann“
geht es wieder flott voran, der Mann entdeckt, daß er ein persön¬
liches Interesse hat, und kommt zur „zweiten Selbstfin¬
dung“, indem er sich nicht nur „als Geist findet“, wie der Jüng¬
ling, „und sich dann sogleich wieder an den allgemeinen Geist 20
verliert“, sondern als „leibhaftiger Geist“. P. 19. Dieser
„leibhaftige Geist“ kommt endlich dann auch dazu, „ein Inter¬
esse nicht etwa nur seines Geistes“ (wie der Jüngling), „sondern
totaler Befriedigung, Befriedigung des ganzen Kerls“ (ein Inter¬
esse der Befriedigung des ganzen Kerls!) zu haben — er kommt 25
dazu, „an sich, wie er leibt und lebt, eine Lust zu haben“. Stir-
ners „Mann“ kommt als Deutscher zu Allem sehr spät. Er kann
auf den Pariser Boulevards und in der Londoner Regentstreet
Hunderte von „Jünglingen“, Muscadins und Dandies, flanieren
sehen, die sich noch nicht als „leibhaftigen Geist“ gefunden haben, 30
aber nichts desto weniger „an sich, wie sie leiben und leben, eine
Lust haben“ und ihr Hauptinteresse in die „Befriedigung des
ganzen Kerls“ setzen.
Diese zweite „Selbstfindung“ begeistert unsern heiligen Dia¬
lektiker so sehr, daß er plötzlich aus der Rolle fällt und statt vom 35
Manne, von Sich selbst spricht, uns verrät, daß Er selber,
Er der Einzige, „der Mann“ ist, und daß „der Mann“ = „der
Einzige“ ist. Neue Eskamotage.
„ Wie Ich Mich“ (soll heißen „der Jüngling sich“) „hinter
den Dingen finde, und zwar als Geist, so muß Ich Mich“ 40
(soll heißen „der Mann sich“) „später auch hinter den Gedan¬
ken finden, nämlich als ihr Schöpfer und Eigner. In der Geister¬
zeit wuchsen Mir“ (dem Jünglinge) „die Gedanken über den
Kopf, dessen Geburten sie doch waren; /[3a]/ wie Fieberphanta¬
sien umschwebten und erschütterten sie Mich, eine schauervolle 45
TU. Sankt Max
105
Macht. Die Gedanken waren für sich selbst leibhaftig ge¬
worden, waren Gespenster, wie Gott, Kaiser, Papst, Vaterland
usw.; zerstöre Ich ihre Leibhaftigkeit, so nehme ich sie in die
Meinige zurück und sage : Ich allein bin leibhaftig. Und nun
5 nehme Ich die Welt als das, was sie Mir ist, als die Meinige,
als Mein Eigentum: Ich beziehe Alles auf Mich“.
Nachdem also der hier mit „dem Einzigen“ identifizierte Mann
zuerst den Gedanken Leibhaftigkeit gegeben, d. h. sie zu Gespen¬
stern gemacht hat, zerstört er nun wieder diese Leibhaftigkeit, in-
10 dem er sie in seinen eignen Leib zurücknimmt und diesen somit
als den Leib der Gespenster setzt. Daß er erst durch die Negation
der Gespenster auf seine eigne Leibhaftigkeit kommt, dies zeigt,
wie diese konstruierte Leibhaftigkeit des Mannes beschaffen ist,
die er „sich“ erst „sagen“ muß, um daran zu glauben. „Und nun
15 sagt“ er sich nicht einmal richtig, was er „sich sagt“. Daß außer
seinem „einzigen“ Leib nicht noch in seinem Kopf allerlei selbst¬
ständige Leiber, Spermatozoa, hausen, verwandelt er in die
„Sage“: Ich allein bin leibhaftig. — Abermalige Eskamo-
taße-
2o Weiter. Der Mann, der sich als Jüngling allerlei dummes Zeug
über bestehende Mächte und Verhältnisse, wie Kaiser, Vaterland,
Staat etc., in den Kopf gesetzt und sie nur als seine eigne „Fieber¬
phantasie“ in der Gestalt seiner Vorstellung gekannt hat, zer¬
stört nach Sankt Max diese Mächte wirklich, in-
25 dem er seine falsche Meinung von ihnen sich aus dem Kopf schlägt.
Umgekehrt, indem er die Welt nicht mehr durch die Brille seiner
Phantasie erblickt, hat er sich nun um ihren praktischen Zusam¬
menhang zu bekümmern, ihn kennen zu lernen und nach ihm sich
zu richten. Indem er ihre phantastische Leibhaftigkeit, die
зо sie für ihn hatte, zerstört, findet er ihre wirkliche Leibhaftigkeit
außer seiner Phan-/[3b]/tasie. Indem ihm die gespenstige
Leibhaftigkeit des Kaisers verschwindet, ist ihm nicht die Leib¬
haftigkeit, sondern die Gespensterhaftigkeit des Kaisers
verschwunden, dessen wirkliche Macht er jetzt erst in ihrer Aus-
35 dehnung würdigen kann. Eskamotage Nro 3 [а].
Der Jüngling als Mann verhält sich nicht einmal kritisch zu Ge¬
danken, die auch für Andre gültig sind und als Kategorien zir¬
kulieren, sondern nur zu solchen Gedanken, die „bloße Geburten
seines Kopfes“, d.h. die von seinem Kopfe wiedergebomen all-
4o gemeinen Vorstellungen über bestehende Verhältnisse sind. Er
löst also z. B. nicht einmal die Kategorie „Vaterland“ auf,
sondern nur seine Privatmeinung von dieser Kategorie, wo denn
immer noch die allgemein gültige Kategorie übrig bleibt
und selbst im Gebiete des „philosophischen Denkens“ die Arbeit
45 erst anfängt. Er will uns aber weismachen, er habe die Kategorie
106
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
selbst aufgelöst, weil er sein gemütliches Privatverhältnis zu ihr
aufgelöst hat — gerade wie er uns eben weismachen wollte, er
habe die Macht des Kaisers vernichtet, wenn er seine phantastische
Vorstellung vom Kaiser auf gegeben hat. Eskamotage Nro 4.
„Und nun“, fährt der heilige Max fort, „nehme ich die Welt .?
als das, was sie Mir ist, als die Meinige, als Mein Eigentum“.
Er nimmt die Welt als das, was sie ihm ist, d.h. als das, als
was er sie nehmen muß, und hierdurch hat er sich die
Welt а n g e e i g n e t, sie zu seinem Eigentum gemacht — eine Ma¬
nier des Erwerbs, die sich zwar bei keinem Ökonomen findet, deren ю
Methode und Erfolge dagegen „das Buch“ selbst um so prunk¬
voller offenbaren wird. Im Grunde „nimmt“ er aber nicht „die
Welt“, sondern nur seine „Fieberphantasie“ von der Welt als die
Seinige und eignet sie Sich an. Er nimmt die Welt als seine Vor¬
stellung von der Welt, und als seine Vorstellung ist die Welt sein 15
vorgestelltes Eigentum, das Eigentum seiner Vorstellung, seine
Vorstellung als Eigentum, sein Eigentum als Vorstellung, seine
eigentümliche Vorstellung, oder seine Vorstellung vom Eigentum;
und dies Alles drückt er in dem unvergleichlichen Satze aus: „Ich
beziehe Alles auf Mich“. — Nachdem der Mann nach des Heili- 20
gen eignem Bekenntnis erkannt hat, daß die Welt nur mit Ge¬
spenstern bevölkert war, weil der /[3c]/ Jüngling Gespenster sah,
nachdem die Scheinwelt des Jünglings für ihn verschwunden
ist, befindet er sich in einer wirklichen, von den Einbildun¬
gen des Jünglings unabhängigen Welt. 25
Und nun, muß es also heißen, nehme Ich die Welt als das, was
sie unabhängig von Mir ist, als die Ihrige („der Mann
nimmt“ p. 18 selbst „die Welt wie sie ist“, nicht wie ihm beliebt),
zunächst als Mein Nichteigentum (Mein Eigentum war sie bisher
nur als Gespenst): Ich beziehe Mich auf Alles und nur insofern зо
Alles auf Mich. —
„Stieß ich als Geist die Welt zurück in tiefster Weltverachtung,
so stoße Ich als Eigner die Geister oder Ideen zurück in ihre
Eitelkeit. Sie haben keine Macht mehr über mich, wie über den
Geist keine „Gewalt der Erde“ eine Macht hat. —“ p. 20. 35
Wir sehen hier, wie der Eigner, der Stimersche Mann, die
Erbschaft des Jünglings, die, wie er selbst sagt, nur in „Fieber¬
phantasien“ und „Gespenstern“ besteht, sine beneficio deliberandi
atque inventarii sofort antritt. Er glaubt es, daß er als Jüngling
werdendes Kind mit der Welt der Dinge, als Mann werdender 40
Jüngling mit der Welt des Geistes wirklich fertig geworden ist.
daß er als Mann jetzt die ganze Welt in der Tasche und sich
um Nichts mehr Sorge zu machen hat. Wenn, wie er dem Jüngling
nachschwatzt, keine Gewalt der Erde außer ihm Macht über den
Geist hat, also der Geist die höchste Macht der Erde ist — und Er. 45
ПІ. Sankt Max
107
der Mann, diesen allmächtigen Geist sich unterworfen hat — ist
er da nicht vollends allmächtig? Er vergißt, daß er nur die phan¬
tastische und gespenstige Gestalt, welche die Gedanken Vaterland
etc. unter dem Schädel „des Jünglings“ annahmen, zerstörte, daß
5 er aber diese Gedanken, sofern sie wirkliche Verhältnisse
ausdrücken, noch nicht berührt hat. Weit entfernt, Herr der
Gedanken geworden zu sein, ist er erst jetzt fähig, zu „Gedanken“
zu kommen.
„Es kann nun, um hiermit zu schließen, einleuchten“ (p. 199),
io daß der heilige Mann seine Konstruktion der Lebensalter zum
erwünschten und prädestinierten Ziele geführt hat. Das gewon¬
nene Resultat teilt er uns in einem Satze mit, einem gespenstigen
Schatten, den wir mit seinem abhanden gekommenen Leib wieder
konfrontieren wollen.
15 Inhaber
Einziger Satz, p. 20. anliegenden emanzipierten
Schattens.
„Das Kind war reali¬
stisch in den Dingen die-
20/4/ser Welt befangen, bis
ihm nach und nach hinter
eben diese Dinge zu kom¬
men gelang. Der Jüngling war
idealistisch, von Gedan-
25 ken begeistert, bis er sich zum
Manne hinaufarbeitete, dem
egoistischen, der mit den Din¬
gen und Gedanken nach Her¬
zenslust gebahrt und sein per-
30 sönliches Interesse über Alles
setzt. Endlich der Greis? Wenn
Ich einer werde, so ist noch Zeit
genug, davon zu sprechen.“
35
Das Kind war wirklich
in der Welt seiner /4/
Dinge befangen, bis ihm
nach und nach (bürger¬
liche Eskamotage der Entwicke¬
lung) eben diese Dinge
hinter sich zu bekommen ge¬
lang. Der Jüngling war phan¬
tastisch, von Begeisterung
gedankenlos, bis der Mann ihn
hinabarbeitete, der egoistische
Bürger, mit dem die Dinge
und Gedanken nach Herzenslust
gebahren, weil sein persönliches
Interesse Alles über ihn setzt.
Endlich der Greis? — „Weib,
was habe ich mit Dir zu schaf¬
fen?“
Die ganze Geschichte „eines Menschenlebens“ läuft also, „um
hiermit zu schließen“, auf Folgendes hinaus:
1. faßt Stirner die verschiedenen Lebensstufen nur als „Selbst¬
findungen“ des Individuums, und zwar reduzieren sich diese
40 „Selbstfindungen“ immer auf ein bestimmtes Bewußtseinsverhält¬
nis. Die Verschiedenheit des Bewußtseins ist hier also das
Leben des Individuums. Die physische und soziale Veränderung,
die mit den Individuen vorgeht, und ein verändertes Bewußtsein
erzeugt, geht ihn natürlich Nichts an. Deswegen finden auch Kind,
108
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Jüngling und Mann bei Stirner die Welt immer fertig vor, wie sie
sich „selbst“ nur „finden“; es wird durchaus Nichts getan, um
dafür zu sorgen, daß überhaupt etwas vorgefunden werden kann.
Aber selbst das Verhältnis des Bewußtseins wird nicht ein¬
mal richtig, sondern nur in seiner spekulativen Verdrehung auf- 5
gefaßt. Darum verhalten sich auch alle diese Gestalten philoso¬
phisch zur Welt — „das Kind realistisch“, „der Jüngling
idealistisch“, der Mann als negative Einheit Beider, als ab¬
solute Negativität, was in dem obigen Schlußsatz zum Vorschein
kam. Hier ist das Geheimnis „eines Menschenlebens“ enthüllt, 10
hier tritt es hervor, daß „das Kind“ nur eine Verkleidung des
„Realismus“, „der Jüngling“ des „Idealismus“, „der
Mann“ der versuchten Lösung dieses philosophischen
Gegensatzes war. Diese Lösung, diese „absolute Nega¬
tiv i t ä t“, kommt, wie sich schon jetzt ergibt, nur dadurch zu 15
Stande, daß der Mann die Illusionen sowohl des Kindes wie des
Jünglings auf Treu und Glauben akzeptiert und damit glaubt,
die Welt der Dinge und die Welt des Geistes überwunden zu haben.
2. Wenn Sankt Max auf das physische und soziale „Leben“
des Individuums keine Rücksicht nimmt, überhaupt nicht vom 20
„Leben“ spricht, abstrahiert er ganz konsequent von den histori¬
schen /5 [4a]/ Epochen, von der Nationalität, Klasse etc. oder,
was dasselbe ist, er bläht das herrschende Bewußtsein
der ihm am nächsten stehenden Klasse seiner unmittelbaren Um¬
gebung zum Normalen Bewußtsein „Eines Menschenleben“ auf. 25
Um sich über diese lokale und Schulmeister-Borniertheit zu er¬
heben, braucht er „seinen“ Jüngling nur mit dem ersten besten
Comptoirjüngling, einem jungen englischen Fabrikarbeiter, einem
jungen Yankee, von den jungen Kirgiskaisaken gar nicht zu reden,
zu konfrontieren. 30
3. Die enorme Leichtgläubigkeit unseres Heiligen—der eigent¬
liche Geist seines Buchs — beruhigt sich nicht dabei, seinen Jüng¬
ling an sein Kind, seinen Mann an seinen Jüngling glauben zu las¬
sen. Er selbst verwechselt unbesehens die Illusionen, die gewisse
„Jünglinge“, „Männer“ etc. sich etwa von sich machen oder zu 35
machen behaupten, mit dem „Leben“, der Wirklichkeit
dieser höchst zweideutigen Jünglinge und Männer.
4. ist die ganze Konstruktion der Menschenalter im dritten Teile
der Hegelschen Enzyklopädie und „unter mancherlei Wandlun¬
gen“ auch sonst von Hegel bereits prototypisch vorgebildet. Der 40
heilige Max, der „eigne“ Zwecke verfolgt, mußte natürlich hier
auch einige „Wandlungen“ vornehmen; während Hegel z. B. sich
noch so weit durch die empirische Welt bestimmen läßt, daß er
den deutschen Bürgersmann als Knecht der ihn umgebenden Welt
darstellt, muß ihn Stimer zum Herrn dieser Welt machen, was er 45
ПІ. Sankt Max
109
nicht einmal in der Einbildung ist. Ebenso gibt sich Sankt Max
das Ansehen, als spreche er aus empirischen Gründen nicht vom
Greis, er wolle nämlich abwarten, bis er einer werde (hier ist also
„Ein Menschenleben“ = Sein Einziges Menschenleben). Hegel
5 konstruiert die vier Menschenalter frisch darauf los. weil in der
realen Welt sich die Negation doppelt setze, nämlich als Mond
und Komet (vergl. Hegels Naturphilosophie), und darum hier
die Vierheit an die Stelle der Dreiheit trete. Stirner setzt seine
Einzigkeit darin, Mond und Komet zusammenfallen zu lassen,
10 und beseitigt so den unglücklichen Greis aus „einem Menschen¬
leben“. Der Grund dieser Eskamotage wird sich sogleich zeigen,
wenn wir auf die Konstruktion der einzigen Geschichte des Men¬
schen eingehen.
/6[4Ь]/
2. Ökonomie des alten Bundes
Wir müssen hier für einen Augenblick aus „dem Gesetz“ in
„die Propheten“ überspringen, indem wir das Geheimnis des ein¬
zigen Haushalts im Himmel und auf Erden schon an dieser Stelle
enthüllen. Die Geschichte des Reiches des Einzigen auch im alten
2o Testamente, wo noch das Gesetz, der Mensch, als ein Zuchtmeister
auf den Einzigen (Gal. 3, 24) herrscht, hat einen weisen Plan,
der von Ewigkeit her beschlossen war. Es ist Alles zuvorgesehen
und verordnet, damit der Einzige in die Welt kommen konnte, als
die Zeit erfüllet war, um die heiligen Menschen von ihrer Heilig-
25 keit zu erlösen.
Das erste Buch, „Ein Menschenleben“, heißt auch darum „Ge¬
nesis“, weil es den ganzen Einzigen Haushalt im Keime enthält,
weil es die ganze spätere Entwickelung bis dahin, wo die Zeit er¬
füllet ist und das Ende der Tage hereinbricht, prototypisch uns
зо vorführt. Die ganze Einzige Geschichte dreht sich um die drei Stu¬
fen: Kind, Jüngling, Mann, die „unter mancherlei Wandlungen“
und in stets sich erweiternden Kreisen wiederkehren, bis endlich
die ganze Geschichte der Welt der Dinge und der Welt des Geistes
sich in „Kind, Jüngling und Mann“ aufgelöst hat. Wir werden
35 überall nur verkleidete „Kind, Jüngling und Mann“ wiederfinden,
33 Im Original irrtümlich der Welt, der Dinge
110
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
wie wir schon in diesen die Verkleidungen dreier Kategorien
fanden.
Wir haben oben über die deutsche philosophische Geschichts¬
auffassung gesprochen. Hier bei Sankt Max finden wir ein glän¬
zendes Beispiel. Die spekulative Idee, die abstrakte Vorstellung 5
wird zur treibenden Kraft der Geschichte und dadurch die Ge¬
schichte zur bloßen Geschichte der Philosophie gemacht. Aber
auch diese wird nicht einmal so aufgefaßt, wie sie — nach den
existierenden Quellen sich zugetragen, geschweige wie sie sich
durch die Einwirkung der realen geschichtlichen Verhältnisse 10
entwickelt hat, sondern wie sie von den neueren deutschen Philo¬
sophen, speziell Hegel und Feuerbach, aufgefaßt und dargestellt
worden ist. Und aus diesen Darstellungen selbst wird wieder nur
das genommen, was für den vorliegenden Zweck passend gemacht
werden kann, und unserm Heiligen traditionell zugekommen ist. /5
Die Geschichte wird so zu einer bloßen Geschichte der vorgeb¬
lichen Ideen, zu einer Geister- und Gespenstergeschichte, und die
wirkliche, empirische Geschichte, die Grundlage dieser Gespen¬
stergeschichte wird nur dazu exploitiert, um die Leiber für diese
Gespenster herzugeben; ihr werden die nötigen Namen entnom- 20
men, die diese Gespenster mit dem Schein der Realität bekleiden
sollen. Unser Heiliger fällt häufig bei diesem Experiment aus der
Rolle und schreibt unverhüllte Gespenstergeschichte.
Bei ihm finden wir diese Art, Geschichte zu machen, in der naiv¬
sten, klassischsten Einfalt. Die einfachen drei Kategorien: Realis- 25
mus, Idealismus, absolute /<5> 7 [4c]/ Negativität als Einheit
Beider (hier „Egoismus“ benamst), die wir schon als Kind,
Jüngling und Mann vorfanden, werden der ganzen Geschichte zu
Grunde gelegt und mit verschiedenen geschichtlichen Aushänge¬
schildern behangen; sie sind, mit ihrem bescheidenen Gefolge von зо
Hülfskategorien, der Inhalt aller vorgeführten, vorgeblich ge¬
schichtlichen Phasen. Der heilige Max bewährt hier wieder sei¬
nen riesenhaften Glauben, indem er den Glauben an den von deut¬
schen Philosophen zubereiteten spekulativen Inhalt der Geschichte
weiter treibt, als irgend einer seiner Vorgänger. Es handelt sich 35
also in dieser feierlichen und langwierigen Geschichtskonstruk¬
tion nur darum, für drei Kategorien, die so abgedroschen sind,
daß sie sich unter ihrem eignen Namen gar nicht mehr öffentlich
sehen lassen dürfen, eine pomphafte Reihe volltönender Namen
zu finden. Unser gesalbter Autor hätte ganz gut von dem „Manne“, 40
p. 20, sogleich auf „Ich“, p. 201, oder noch besser auf den „Ein¬
zigen“, p.485, übergehen können; das aber wäre viel zu einfach
gewesen. Zudem macht die große Konkurrenz unter den deutschen
Spekulanten jedem neuen Mitbewerber eine schmetternde histo¬
rische Annonce für seine Ware zur Pflicht. 45
Ш. Sankt Max
111
Die „Kraft des wahren Verlaufs“, um mit dem Dottore Gra¬
ziano zu sprechen, „verläuft sich aufs Kräftigste“ in folgenden
„Wandlungen“:
Grundlage:
I. Realismus.
II. Idealismus.
III. Negative Einheit Beider. „Man“ (p. 485).
Erste Namengebung:
10
I. K i n d, abhängig von den Dingen (Realismus).
II. Jüngling, abhängig von Gedanken (Idealismus).
III. Mann— (als negative Einheit)
positiv ausgedrückt: Eigner der Gedan¬
ken und Dinge,
negativ ausgedrückt: Los von Gedanken
und Dingen
(Egoismus).
Zweite, historische Namengebung:
I. Neger (Realismus, Kind).
II. Mongole (Idealismus, Jüngling).
III. Kaukasier (Negative Einheit von Realismus und
2o Idealismus, Mann).
Dritte allgemeinste Namengebung:
I. Realistischer Egoist (Egoist im gewöhnlichen Verstände)
— Kind, Neger.
II. Idealistischer Egoist (Aufopfernder) — Jüngling, Mon-
25 gole.
III. Wahrer Egoist (der Einzige) — Mann, Kaukasier.
Vierte, historische Namengebung. Wiederholung der frühe¬
ren Stufen innerhalb des Kaukasiers.
I. Die Alten. Negerhafte Kaukasier — kindische Männer
зо — Heiden — Abhängig von den Dingen —
Realisten — Welt.
Übergang (Kind, das hinter die „Dinge
dieser Welt“ kommt) Sophisten, Skeptiker
etc.
33 II. Die Neuen, ^longolenhafte Kaukasier — jugendliche
Männer — Christen — Abhängig von den
Gedanken — Idealisten — Geist.
1. Reine Geistergeschichte, Christentum als
Geist. „Der Geist“.
112
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
2. Unreine Geistergeschichte. Geist in Be¬
ziehung zu Andern. „Die Besessenen“.
/ (6}/ A. Reine unreine Geistergeschichte.
a. DerSpuk, das Gespenst, der Geist
im negerhaften Zustand, als ding- 5
lieber Geist und geistiges Ding —
gegenständliches Wesen für den
Christen, Geist als Kind.
b. Der Sparren, die fixe Idee, der
Geist im mongolischen Zustand, als ю
geistig im Geist, Bestimmung im
Bewußtsein, gedachtes Wesen im
Christen — Geist als Jüngling.
B. Unreine unreine (historische) Geister¬
geschichte. 15
a. Katholizismus — Mittelalter (Ne¬
ger, Kind, Realismus pp).
b. Protestantismus — Neue Zeit in der
neuen Zeit — (Mongole, Jüngling,
Idealismus pp). Innerhalb des Pro- 20
testantismus kann man wieder Un¬
terabteilungen machen, z. B.
a. englische Philosophie — Realis¬
mus, Kind, Neger.
ß. deutsche Philosophie — Idealis- 25
mus, Jüngling, Mongole.
3. Die Hierarchie — negative Einheit
Beider innerhalb des mongolenhaft-kau¬
kasischen Standpunkts. Diese tritt nämlich
ein, wo das geschichtliche Verhältnis in зо
ein gegenwärtiges verwandelt oder die Ge¬
gensätze als neben einander existierend
vorgestellt werden. Hier haben wir also
zwei koexistierende Stufen:
A. Die Unjebildeten — (Böse, Bour- 35
geois, Egoisten im gewöhnlichen Ver¬
stände) = Neger, Kinder, Katholiken,
Realisten pp.
B. Die Jebildeten (Gute, citoyens, Auf¬
opfernde, Pfaffen pp) = Mongolen, 40
Jünglinge, Protestanten, Idealisten.
Diese beiden Stufen existieren neben ein¬
ander, und daraus ergibt sich „leicht“, daß
die Jebildeten über die Unjebildeten herr-
ПІ. Sankt Max
113
sehen — dies ist die Hierarchie. Inder
weiteren geschichtlichen Entwicklung wird
dann
aus dem Unjebildeten der Nichthege-
5 lianer,
aus dem Jebildeten der Hegelianer,*)
woraus folgt, daß die Hegelianer über die
Nichthegelianer herrschen. So verwandelt
Stimer die spekulative Vorstellung von der
іѳ Herrschaft der spekulativen Idee in der Ge¬
schichte in die Vorstellung von der Herrschaft
der spekulativen Philosophen selbst. Seine
bisherige Anschauung von der Geschichte, die
Herrschaft der Idee, wird in der Hierarchie
13 zu einem gegenwärtig wirklich existierenden
Verhältnis, zur Weltherrschaft der Ideologen.
Dies zeigt die Tiefe, bis zu der Stimer in die
Spekulation versunken ist. Diese Herrschaft
der Spekulanten und Ideologen entwickelt
2o sich zu guter Letzt, „da die Zeit erfüllet war“,
in die folgende schließliche Namengebung:
a. Der politische Liberalismus,
abhängig von den Dingen, unabhängig
von den Personen — Realismus, Kind,
25 Neger, Alter, Spuk, Katholizismus, Un-
jebildeter, herrenlos.
b. Der soziale Liberalismus, unabhängig
von den Dingen, abhängig vom Geist,
gegenstandlos — Idealismus, Jüng-
tlu ling, Mongole, Neuer, Sparren, Prote¬
stantismus, Jebildeter, besitzlos.
/7[5a]/ c. Der humane Liberalismus,
herrenlos und besitzlos, nämlich gott¬
los, weil Gott zugleich der höchste
35 Herr und der höchste Besitz, Hierarchie
—negative Einheit innerhalb der Sphäre
des Liberalismus, als solche Herrschaft
über die Welt der Dinge und der Ge¬
danken, zugleich der vollendete Egoist
4o in der Aufhebung des Egoismus — die
*) „Der Schamane und der spekulative Philosoph bezeichnen die
unterste und oberste Sprosse auf der Stufenleiter des innerlichen
Menschen, des Mongolen.“ p. 453.
Marx-Eogels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 8
114
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
vollendete Hierarchie. Bildet zugleich
den
Übergang (Jüngling, der hinter
die Welt der Gedanken kommt) zum
III. „Ich“ — d. h. dem vollendeten Christen, vollendeten 5
Mann, kaukasischen Kaukasier und wahren Egoisten,
der, wie der Christ durch Aufhebung der alten Welt
der Geist — so durch Auflösung des Geisterreichs der
Leibhaftige wird, indem er die Erbschaft des Idealis¬
mus, Jünglings, Mongolen, Neuen, Christen, Besesse- 10
nen, Sparrens, Protestanten, Jebildeten, Hegelianers,
und humanen Liberalen sine beneficio deliberandi et
inventarii antritt.
NB. 1. Es können nun noch „mitunter“ Feuerbachsche und
sonstige Kategorien, wie Verstand, Herz etc. bei passender Ge- 15
legenheit „episodisch eingelegt“ werden, um den Farbenschmelz
dieses Gemäldes zu erhöhen und neue Effekte zu produzieren. Es
versteht sich, daß auch diese nur neue Verkleidungen des stets
durchgehenden Idealismus und Realismus sind. —
2. Von der wirklichen profanen Geschichte weiß der recht gläu- 20
bige Sankt Max, Jacques le bo nh о mm e, Nichts Wirkliches
und Profanes zu sagen, als daß er sie unter dem Namen der „Na¬
tur“, der „Welt der Dinge“, der „Welt des Kindes“ pp stets dem
Bewußtsein gegenüberstellt als einen Gegenstand, worüber es
spekuliert, als eine Welt, die trotz ihres beständigen Vertilgtwer- 25
dens in einem mystischen Dunkel fortexistiert, um bei jeder Ge¬
legenheit wieder zum Vorschein zu kommen; wahrscheinlich weil
die Kinder und Neger fortexistieren, also auch „leicht“ ihre Welt,
die sogenannte Welt der Dinge. Über dergleichen historische und
unhistorische Konstruktionen hat bereits der gute alte Hegel, зо
bei Gelegenheit Schellings, des Musterreiters aller Konstruktoren,
gesagt, daß hier dies zu sagen sei: „Das Instrument dieses gleich-
tönigen Formalismus ist nicht schwerer zu handhaben als die Pa¬
lette eines Malers, auf der sich nur zwei Farben vorfinden, etwa
Schwarz“ (realistisch, kindlich, negerhaft etc.), „und Gelb“ (idea- 35
listisch, jünglingshaft, mongolisch etc.), „um mit jener eine Fläche
anzufärben, wenn ein historisches Stück“ (die „Welt der Dinge“),
„mit dieser, wenn eine Landschaft“ („derHimmel“,Geist, dasHei-
lige etc.) „verlangt wäre.“ Phänom. p. 39. Noch treffender /[5b]
hat das „gemeine Bewußtsein“ diese Art Konstruktionen in dem 40
folgenden Liede verspottet:
Der Herr, der schickt den Jochem aus,
Er sollt’ den Hafer schneiden,
ПІ. Sankt Max
115
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Pudel aus,
Er sollt’ den Jochem beißen.
5 Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommen nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Prügel aus,
Er sollt’ den Pudel prügeln.
10 Der Prügel prügelt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommen nicht nach Haus.
Da schickt der Herr das Feuer aus,
15 Es sollt’ den Prügel brennen.
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel prügelt Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
2o Und kommen nicht nach Haus.
Da schickt der Herr das Wasser aus,
Es sollt’ das Feuer löschen.
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
25 Der Prügel prügelt Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommen nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Ochsen aus,
зо Er sollt’ das Wasser saufen.
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel prügelt Pudel nicht,
35 Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.
Da schickt der Herr den Schlächter aus,
Er sollt’ den Ochsen schlachten.
4o Der Schlächter schlacht’t den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
8*
116
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel prügelt Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jochem nicht,
Der Jochem schneidt den Hafer nicht
Und kommen nicht nach Haus. з
Da schickt der Herr den Henker aus,
Er sollt’ den Schlächter henken.
Der Henker hängt den Schlächter,
Der Schlächter schlacht’t den Ochsen,
Der Ochse säuft das Wasser, w
Das Wasser löscht das Feuer,
Das Feuer brennt den Prügel,
Der Prügel prügelt Pudel,
Der Pudel beißt den Jochem,
Der Jochem schneidt den Hafer, 15
Und kommen All nach Haus.
/[5c]/ Mit welcher „Virtuosität im Denken“ und mit welchem
Gymnasiastenmaterial Jacques le bonhomme dieses Schema aus¬
füllt, werden wir sogleich zu sehen Gelegenheit haben.
3. Die Alten
Eigentlich müßten wir hier mit den Negern beginnen; aber der
heilige Max, der ohne Zweifel mit im „Rate der Wächter“ sitzt,
bringt in seiner unerforschlichen Weisheit die Neger erst später,
und auch dann „nicht mit dem Ansprüche auf Gründlichkeit und
Bewährtheit“. Wenn wir also die griechische Philosophie dem 25
negerhaften Weltalter, d. h. den Zügen des Sesostris und der napo¬
leonischen Expedition nach Ägypten vorhergehen lassen, so ge¬
schieht es in der Zuversicht, daß unser heiliger Schriftsteller
Alles weislich angeordnet habe.
„Schauen wir daher in das Treiben hinein, welches“ die Stir- 30
nerschen Alten „verführen“.
„Den Alten war die Welt eine Wahrheit, sagt Feuerbach;
aber er vergißt den wichtigen Zusatz zu machen: eine Wahrheit,
hinter deren Unwahrheit sie zu kommen suchten und endlich wirk¬
lich kamen.“ p. 22 35
„Den Alten war“ ihre „Welt“ (nicht d i e Welt) „eine Wahr-
ПІ. Sankt Max
117
heit“ — womit natürlich keine Wahrheit über die alte Welt ge¬
sagt ist, sondern nur, daß sie sich nicht christlich zu ihrer Welt
verhielten. Sobald die Unwahrheit hinter ihre Welt kam
(d.h. sobald diese Welt in sich selbst durch praktische Kollisionen
5 zerfiel — und diese materialistische Entwicklung empirisch nach¬
zuweisen, wäre das einzig Interessante), suchten die alten Philo¬
sophen hinter die Welt der Wahrheit oder die Wahrheit ihrer Welt
zu kommen, und fanden dann natürlich, daß sie unwahr geworden
war. Ihr Suchen selbst war schon ein Symptom des inneren Ver-
10 falls dieser Welt. Jacques le bonhomme macht das idealistische
Symptom zur materiellen Ursache des Verfalls, und läßt als deut¬
scher Kirchenvater das Altertum selbst seine eigne Verneinung,
das Chri-/ (7}[6]/stentum, suchen. Diese Stellung des Altertums
ist bei ihm notwendig, weil die Alten die „K i n d e r“ sind, die hin-
15 ter die „Welt der Dinge“ zu kommen suchen. „Und etwa leicht
auch“: Indem Jacques le bonhomme die alte Welt in das spätere
Bewußtsein von der alten Welt verwandelt, kann er natürlich mit
Einem Sprunge aus der materialistischen alten Welt sich in die
Welt der Religion, das Christentum, hinüberschwingen. Der rea-
2o len Welt des Altertums tritt nun sogleich „das göttliche Wort“
gegenüber, dem als Philosoph gefaßten Alten der als moderner
Zweifler gefaßte Christ. Sein Christ „kann sich niemals von der
Eitelkeit des göttlichen Wortes überzeugen“ und „glaubt“ in Folge
dieser Nichtüberzeugung „an die ewige und unerschütterliche
25 Wahrheit desselben“, p. 22. Wie sein Alter Alter ,ist, weil er der
Nichtchrist, noch nicht Christ, oder verborgener Christ ist, so ist
sein Urchrist Christ, weil er der Nichtatheist, noch nicht Atheist,
verborgener Atheist ist. Er läßt also das Christentum von den
Alten, wie den modernen Atheismus von den Urchristen negiert
зо werden, statt umgekehrt. Jacques le bonhomme, wie alle andern
Spekulanten, faßt Alles beim philosophischen Schwanz an. Fol¬
gen sogleich noch ein paar Exempel dieser kindlichen Leichtgläu¬
bigkeit :
„Der Christ muß sich für einen „Fremdling auf Erden“ ansehen
35 (Hebr. 11, 13)“ p. 23. — Umgekehrt, die Fremdlinge auf Erden
(durch höchst natürliche Gründe erzeugt, z. B. die kolossale Kon¬
zentration des Reichtums in der ganzen römischen Welt etc. etc.)
mußten sich als Christen anseheir. Nicht ihr Christentum machte
sie zu Vagabunden, sondern ihr Vagabundentum machte sie zu
4o Christen^- Auf derselben Seite springt der heilige Vater von der
Antigone des Sophokles und der mit ihr zusammenhängenden Hei¬
ligkeit der Totenbeistattung sogleich zum Evangelium Matthäi 8,
22 (laß die Toten ihre Toten begraben), während Hegel wenig¬
stens in der Phänomenologie von der Antigone usw. allgemach
45 auf das Römertum übergeht. Mit demselben /8[6a]/ Rechte hätte
118
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Sankt Max sogleich ins Mittelalter übergehen und den Kreuzfah¬
rern mit Hegel diesen Bibelspruch entgegenhalten, oder gar, um
recht originell zu sein, die Bestattung des Polynices durch Anti¬
gone mit der Abholung der Asche Napoleons von St. Helena nach
Paris in Gegensatz bringen können. Weiter heißt es: „im Christen- 5
tum wird die unverbrüchliche Wahrheit der Familienbande“ (die
auf p. 22 als eine der „Wahrheiten“ der Alten konstatiert wird)
„als eine Unwahrheit dargestellt, von der man sich nicht zeitig
genug losmachen könne (Marc. 10, 29), und so in Allem“, (p.23).
Dieser Satz, in welchem wieder die Wirklichkeit auf den Kopf 10
gestellt ist, muß folgendermaßen zurecht gerückt werden: Die
faktische Unwahrheit der Familienbande (darüber u. A. die noch
vorhandnen Dokumente der vorchristlichen römischen Gesetz¬
gebung nachzusehen) wird im Christentum als eine unverbrüch¬
liche Wahrheit dargestellt, „und so in Allem“. 15
Wir sehen also an diesen Exempeln im Übermaße, wie Jacques
le bonhomme, der von der empirischen Geschichte „sich nicht
zeitig genug losreißen kann“, die Tatsachen auf den Kopf stellt,
die materielle Geschichte von der ideellen produziert werden läßt,
„und so in Allem“. Von vorn herein erfahren wir nur, was die >0
Alten von ihrer Welt angeblich hielten; sie werden als Dogmatiker
der alten, ihrer eignen, Welt gegenübergestellt, statt als Produzen¬
ten derselben aufzutreten; es handelt sich nur um das Verhältnis
des Bewußtseins zum Gegenstände, zur Wahrheit; es handelt sich
also nur um das philosophische Verhältnis der Alten zu ihrer Welt 25
— an die Stelle der alten Geschichte tritt die Geschichte der alten
Philosophie, und auch diese nur, wie Sankt Max sie sich nach
Hegel und Feuerbach vorstellt.
Die Geschichte Griechenlands von der perikleischen Zeit inklu¬
sive an reduziert sich so auf den Kampf der Abstrakta Verstand, зо
Geist, Herz, Weltlichkeit usw. Dies sind die griechischen Parteien.
In dieser Gespensterwelt, die für die griechische Welt ausgegeben
/[6b]/ wird, „machinieren“ dann auch allegorische Personen, wie
Frau Herzensreinheit, und nehmen mythische Figuren wie Pila¬
tus (der nie fehlen darf, wo Kinder sind) ernsthaft Platz neben 35
Timon dem Phliasier.
Nachdem Sankt Max uns über die Sophisten und Sokrates
einige überraschende Offenbarungen gegeben hat, springt er so¬
gleich zu den Skeptikern über. Er entdeckt in ihnen die Vollender
der von Sokrates angefangenen Arbeit. Die positive Philosophie 40
der Griechen, die gerade auf die Sophisten und Sokrates folgt,
namentlich die enzyklopädische Wissenschaft des Aristoteles exi¬
stiert also für Jacques le bonhomme gar nicht. Er „kann nicht zei¬
tig genug sich“ von dem Früheren „losmachen“ — er eilt auf den
Übergang zu den „Neuen“, und findet diesen in den Skeptikern, 45
ПІ. Sankt Max
119
Stoikern und Epikuräem. Sehen wir uns an, was der heilige Vater
uns über diese offenbart.
„Die Stoiker wollen den Weisen verwirklichen den Mann,
der zu leben weiß sie finden ihn in der Verachtung der Welt,
5 in einem Leben ohne Lebensentwicklung, [ ] ohne freund¬
liches Vernehmen mit der Welt, d.h. im isolierten Leben, [ ]
nicht im Mitleben; nur der Stoiker lebt, alles Andre ist für ihn tot.
Umgekehrt verlangen die Epikuräer ein bewegliches Leben“.
P. 30.
io Wir verweisen Jacques le bonhomme, den Mann, der sich ver¬
wirklichen will und der zu leben weiß, u. A. auf Diogenes Laer-
tius, wo er finden wird, daß der Weise, Sophos, nichts ist als der
idealisierte Stoiker, nicht der Stoiker der realisierte Weise; wo er
finden wird, daß der Sophos durchaus nicht bloß stoisch ist, son-
15 dem ebenso gut bei den Epikuräern, Neuakademikern und Skep¬
tikern vorkommt. Übrigens ist der Sophos die erste Gestalt, in der
uns der griechische Philosophos entgegentritt; er tritt mythisch auf
in den sieben Weisen, praktisch im Sokrates und als Ideal bei den
Stoikern, Epikuräem, Neuakademikem und Skeptikern. /[6c]/Jede
2o dieser Schulen hat natürlich einen eignen aotpoq wie Sankt Bruno
sein eignes, „einzigesGeschlecht“hat. Ja, Sankt Max kann „lesage“
wiederfinden im achtzehnten Jahrhundert in der Aufklärungsphi¬
losophie und sogar bei Jean Paul in den „weisen Männern“ wie
Emanuel etc. Der stoische Weise stellt sich kein „Leben ohne
25 Lebensentwicklung“, sondern ein absolut bewegliches
Leben vor, was schon aus seiner Naturanschauung hervorgeht,
welche die heraklitische, die dynamische, entwickelnde, lebendige
ist, während bei den Epikuräern der mors immortalis, wie Lukrez
sagt, das Atom das Prinzip der Naturanschauung ist und an die
зо Stelle des „beweglichen Lebens“ die göttliche Muße im Gegensatz
zur göttlichen Energie des Aristoteles als Lebensideal vorgestellt
wird.
„Die Ethik der Stoiker (ihre einzige Wissenschaft, da sie nichts
vom Geiste auszusagen wußten, als wie er sich zur Welt verhalten
35 solle, und von der Natur — Physik — nur dies, daß der Weise
sich gegen sie zu behaupten habe) ist nicht eine Lehre des Geistes,
sondern nur eine Lehre der Weltabstoßung und Selbstbehauptung
gegen die Welt“. P. 31.
Die Stoiker wußten „von der Natur dies zu sagen“, daß die
4o Physik für den Philosophen eine der wichtigsten Wissenschaften
sei und gaben sich deshalb sogar die Mühe, die Physik des Heraklit
weiter auszubilden; sie „wußten ferner zu sagen“, daß die coga,
die männliche Schönheit das Höchste sei, was von dem Individuum
darzustellen sei, und feierten gerade das Leben im Einklang mit
45 der Natur, obgleich sie dabei in Widersprüche geraten. Nach den
120
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Stoikern zerfällt die Philosophie in drei Doktrinen: „Physik,
Ethik, Logik“. „Sie vergleichen die Philosophie dem Tier und
dem Ei; die Logik den Knochen und Sehnen des Tiers, der äuße¬
ren Schale des Eis; die Ethik dem Fleisch des Tiers, und im Ei
dem Eiweiß; und die Physik der Seele des Tiers, und der Ei- 5
dotter“ (Diog. Laert. Zeno).
Wir sehen schon hieraus, wie wenig „die Ethik die einzige Wis¬
senschaft der Stoiker ist“. Hierzu kommt noch, daß !{8} [7]/ sie,
nach Aristoteles, die Hauptbegründer der formalen Logik und der
Systematik überhaupt sind. 10
„Die Stoiker wußten“ sowenig „Nichts vom Geiste auszusagen“,
daß bei ihnen sogar die Geisterseherei beginnt, weswegen
Epikur ihnen als Aufklärer gegenübertritt und sie als „alte Wei¬
ber“ verspottet, während gerade die Neuplatoniker einen Teil ihrer
Geistergeschichten den Stoikern entnommen haben. Diese Geister- 15
seherei der Stoiker geht einerseits aus der Unmöglichkeit hervor,
eine dynamische Naturanschauung ohne das von einer empiri¬
schen Naturwissenschaft zu liefernde Material durchzuführen, und
andrerseits aus ihrer Sucht, die alte griechische Welt und selbst
die Religion spekulativ zu interpretieren und dem denkenden 20
Geiste analog zu machen.
„Die stoische Ethik“ ist sosehr „eine Lehre der Weltabstoßung
und Selbstbehauptung gegen die Welt“, daß z. B. zur stoischen
Tugend gerechnet wird: „ein tüchtiges Vaterland, einen braven
Freund haben“, daß „das Schöne allein“ für „das Gute“ erklärt 25
wird, und daß dem stoischen Weisen erlaubt ist, sich in jeder Weise
mit der Welt zu vermengen, z. B. Blutschande zu begehen etc. etc.
Der stoische Weise ist so sehr „im isolierten Leben, nicht im Mit¬
leben“ befangen, daß es von ihm bei Zeno heißt: „der Weise be-
wundre Nichts von dem, was wunderbar erscheint — aber der зо
Tüchtige wird auch nicht in der Einsamkeit leben, denn er ist
gesellschaftl i ch vonNatur und praktischtäti g.“ (Diog.
Laert. Lib. VII, 1). Übrigens wäre es zuviel verlangt, wenn man
gegenüber dieser Gymnasiastenweisheit des Jacques le bonhomme
die sehr verwickelte und widerspruchsvolle Ethik der Stoiker ent- 35
wickeln sollte. —
Bei Gelegenheit der Stoiker existieren dann auch die Römer
für Jacques le bonhomme (p. 31), von denen er natürlich nichts
zu sagen weiß, da sie keine Philosophie haben. /[7a] Wir hören
nur von ihnen, daß Horaz! es „nicht weiter als bis zur stoischen 40
Lebensweisheit gebracht hat“. P. 32. Integer vitae, scelerisque
purus!
Bei Gelegenheit der Stoiker wird auch Demokrit erwähnt,
und zwar, indem aus irgend einem Handbuch eine konfuse Stelle
des Diogenes Laertius (Democr., lib. IX, 7, 45) und noch dazu 45
ПІ. Sankt Max
121
falsch übersetzt, abgeschrieben und hierauf eine lange Diatribe
über Demokrit begründet wird. Diese Diatribe zeichnet sich da¬
durch aus, daß sie mit ihrer Grundlage, der obigen konfusen und
falsch übersetzten Stelle, in direkten Widerspruch tritt und aus
.5 der „Gemütsruhe“ (der Stimerschen Übersetzung von sv&vfiia —
niederdeutsch Wellmuth), die „Weltabstoßung“ macht. Stimer
bildet sich nämlich ein, Demokrit sei ein Stoiker gewesen, und
zwar ein solcher Stoiker, wie ihn sich der Einzige und das gemeine
Gymnasiastenbewußtsein vorstellen; er meint, „seine ganze Tätig-
10 keit gehe in dem Bemühen auf, von der Welt loszukommen“, „also
im Abstoßen der Welt“, und kann nun im Demokrit die Stoiker
widerlegen. Daß das bewegte, weltdurchstreifende Leben des De¬
mokrit dieser Vorstellung des heiligen Max ins Gesicht schlägt,
daß die eigentliche Quelle für die demokritische Philosophie Ari-
15 stoteles ist und nicht die paar Anekdoten des Diogenes Laertius,
daß Demokrit sowenig die Welt abstieß, daß er vielmehr ein em¬
pirischer Naturforscher und der erste enzyklopädische Kopf unter
den Griechen war — daß seine kaum bekannte Ethik sich auf
einige Glossen beschränkt, die er als alter vielgereister Mann ge-
2o macht haben soll, daß seine naturwissenschaftlichen Sachen nur
per abusum Philosophie genannt werden, weil bei ihm das Atom,
im Unterschiede von Epikur, nur eine physikalische Hypothese,
ein Notbehelf zur Erklärung von Tatsachen ist, gerade wie in den
Mischungsverhältnissen der neueren Chemie (Dalton usw.) —
25 Alles Das paßt nicht in Jacques le bonhomme’s Kram; Demokrit
muß „einzig“ aufgefaßt werden, Demokrit spricht von der Euthy-
mie, also der Gemütsruhe, also der Zurückziehung in sich selbst,
also der Weltabstoßung, Demokrit ist ein Stoiker und unterschei¬
det sich vom indischen Fakir, der „Brahm“ (soll heißen „Om“)
зо /[7b]/ wispert, nur wie der Komparativ vom Superlativ, nämlich
„nur dem Grade nach“.
Von den Epikuräern weiß unser Freund gerade soviel, wie von
den Stoikern, nämlich das unvermeidliche Gymnasiastenquantum.
Er stellt die epikuräische Hedone der stoischen und skeptischen
33 Ataraxie gegenüber, und weiß nicht, daß diese Ataraxie ebenfalls
bei Epikur, und zwar als der Hedone übergeordnet, vorkommt, wo¬
durch sein ganzer Gegensatz zusammenfällt. Er erzählt uns, daß
die Epikuräer „nur ein anderesVerhalten gegen die Welt
lehren“ als die Stoiker; er möge uns den (nichtstoischen) Philo-
4o sophen der „alten und neuen Zeit“ zeigen, der nicht „nur“ das¬
selbe tue. Schließlich bereichert uns der heilige Max mit einem
neuen Ausspruch der Epikuräer: „Die Welt muß betrogen werden,
denn sie ist meine Feindin“; bisher war es nur bekannt, daß die
Epikuräer sich dahin aussprachen: die Welt muß enttäuscht,
45 namentlich von der Furcht der Götter befreit werden, denn sie ist
122
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
meine Freundin. — Um unsrem Heiligen eine Andeutung von
der, der Philosophie des Epikur zu Grunde liegenden, realen
Basis zu geben, brauchen wir nur zu erwähnen, daß sich bei
ihm zuerst die Vorstellung findet, daß der Staat auf einem gegen¬
seitigen Vertrage der Menschen, einem contrat social (<W^) j
beruhe.
Wie sehr die Aufschlüsse des heiligen Max über die Skeptiker
in demselben Geleise bleiben, geht schon daraus hervor, daß er
ihre Philosophie für radikaler hält als die des Epikur. Die Skep¬
tiker reduzierten das theoretische Verhältnis der Menschen zu den ю
Dingen auf den Schein, und ließen in der Praxis Alles beim
Alten, indem sie sich ebensosehr nach diesem Scheine richteten
wie Andre nach der Wirklichkeit; sie gaben der Sache nur einen
andern Namen. Epikur dagegen war der /8[7c]/ eigentliche radi¬
kale Aufklärer des Altertums, der die antike Religion offen an- 15
griff, und von dem auch bei den Römern der Atheismus, soweit
er bei ihnen existierte, ausging. Daher hat ihn auch Lukrez als
einen Helden gefeiert, der zuerst die Götter gestürzt und die Re¬
ligion mit Füßen getreten habe, daher hat Epikur bei allen
Kirchenvätern, von Plutarch bis Luther, den Ruf des gottlosen 20
Philosophen par excellence, des Schweins, behalten, weshalb auch
Clemens Alexandrinus sagt, wenn Paulus gegen die Philosophie
eifere, so meine er damit nur die Epikuräische. (Strom, lib. 1,
[cap. XI] p. 295 der Kölner Ausg. 1688). Wir sehen hieraus, wie
„listig, betrügerisch“ und „klug“ dieser offne Atheist sich zur 25
Welt verhielt, indem er ihre Religion unverhohlen angriff, wäh¬
rend die Stoiker sich die alte Religion spekulativ zurechtmachten
und die Skeptiker ihren „Schein“ zum Vorwande nahmen, um
ihr Urteil überall mit einer reservatio mentalis begleiten zu
können. зо
So kommen nach Stirner die Stoiker zuletzt auf die „Ver¬
achtung der Welt“ (p. 30), die Epikuräer auf „dieselbe Lebens¬
weisheit wie die Stoiker“ p. 32, die Skeptiker darauf heraus, daß
sie „die Welt stehen lassen und sich nichts aus ihr machen“. Alle
drei also nach Stirner enden in der Gleichgültigkeit gegen die 35
Welt, der „Weltverachtung“ (p. 485). Dies drückte Hegel längst
vor ihm so aus: Stoizismus, Skeptizismus, Epikuräismus —
„gingen darauf aus den Geist gegen Alles gleichgültig zu machen,
was die Wirklichkeit darbietet.“ Phil. d. Gesch. p. 327.
„Die Alten“, so faßt Sankt Max seine Kritik der alten Gedan- 40
kenwelt zusammen, „hatten wohl Gedanken, allein den Gedan¬
ken kannten sie nicht“, p. 30. Hierbei „erinnere man sich des¬
sen, was oben über Unsere Kindergedanken gesagt wurde.“
(ibid.). Die Geschichte der alten Philosophie muß sich nach der
Konstruktion Stimers richten. Damit die Griechen nicht aus ihrer 45
ПІ. Sankt Max
123
Kinderrolle fallen, darf Aristoteles nicht gelebt haben und bei
ihm das an und für sich seiende Denken 6) voijcrtq хаіУ avrrjv),
der sich selbst denkende Verstand б4ѵтоѵ öe voel ö vovq) und
das sich selbst denkende Denken (rj voiptq Tijq voTpEwq) nicht
5 vorkommen; überhaupt dürfen seine Metaphysik und das dritte
Buch seiner Psychologie nicht existieren.
Sogut wie Sankt Max hier „an das, was oben über Unsere Kin¬
derjahre gesagt wurde“, erinnert, sogut hätte er bei „Unseren Kin¬
derjahren“ sagen können: man sehe nach, was später über die
io Alten und die Neger gesagt, und über den Aristoteles nicht
gesagt werden wird.
Um die wirkliche Bedeutung der letzten antiken Philosophien
während der Auflösung des Altertums zu würdigen, hätte Jacques
le bonhomme nur die wirkliche Lebensstellung ihrer Jünger unter
15 /{9} [8] / der römischen Weltherrschaft zu betrachten brauchen. Er
konnte u. A. bei Luzian ausführlich beschrieben finden, wie sie
vom Volk als öffentliche Possenreißer betrachtet und von den rö¬
mischen Kapitalisten, Prokonsuln etc. als Hofnarren zur Unter¬
haltung gedungen wurden, um, nachdem sie sich über der Tafel
2o mit den Sklaven um ein paar Knochen und Brotkrumen gezankt
und einen aparten sauren Wein vorgesetzt bekommen hatten, den
großen Herrn und seine Gäste mit den ergötzlichen Phrasen:
Ataraxie, Aphasie, Hedone usw. zu amüsieren.
Wollte übrigens unser guter Mann einmal die Geschichte der
25 alten Philosophie zur Geschichte des Altertums machen, so ver¬
stand es sich von selbst, daß er die Stoiker, Epikuräer und Skep¬
tiker sich in die Neuplatoniker auflösen lassen mußte, deren Phi¬
losophie nichts weiter ist, als die phantastische Zusammenfassung
der stoischen, epikuräischen und skeptischen Doktrin mit dem
зо Inhalt der Philosophie des Plato und Aristoteles. Statt dessen
läßt er diese Doktrinen direkt ins Christentum sich auflösen.
„Stimer“ hat nicht die griechische Philosophie „hinter sich“,
sondern die griechische Philosophie hat „den Stirner“ hinter ihr.
(Vgl. Wig. p. 186). Statt uns zu sagen, wie „das Altertum“ zu
35 einer Welt der Dinge kommt und mit ihr „fertig“ wird, läßt der
unwissende Schulmeister es durch ein Zitat von Timon selig ver¬
schwinden, womit um so natürlicher /9a [8a]/ das Altertum sein
„letztes Absehen erreicht“, als die Alten nach Sankt Max „durch
die Natur“ sich in das antike „Gemeinwesen gestellt sahen“, was
4o „um hiermit zu schließen“, um so leichter „einleuchten kann“,
als man dies Gemeinwesen, Familie etc. „die sogenannten natür¬
lichen Bande“ nennt, (p. 33). Durch die Natur wird die alte
„Welt der Dinge“ gemacht, durch Timon und Pilatus (p. 32)
vernichtet. Statt die „Welt der Dinge“ zu schildern, die dem
45 Christentum zur materiellen Basis dient, läßt er diese „Welt der
124
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Dinge“ vertilgt werden in der Welt des Geistes, im — Chri¬
stentum.
Die deutschen Philosophen sind gewohnt, das Altertum als die
Epoche des Realismus der christlichen und neueren Zeit als der
Epoche des Idealismus entgegen zu stellen; während die franzö- з
sischen und englischen Ökonomen, Geschichts- und Naturforscher
gewohnt sind, das Altertum als die Periode des Idealismus gegen¬
über dem Materialismus und Empirismus der neueren Zeit auf¬
zufassen. Ebenso kann man das Altertum insofern als idealistisch
fassen, als die Alten in der Geschichte den „citoyen“ repräsen- 10
tieren, den idealistischen Politiker, während die Neuen zuletzt auf
den „bourgeois“, den realistischen ami du commerce, hinauslaufen
— oder auch wieder realistisch, weil bei ihnen das Gemeinwesen
„eine Wahrheit“ war, während es bei den Neuen eine idealistische
„Lüge“ ist. So wenig kommt bei allen diesen abstrakten Gegen- із
sätzen und Geschichtskonstruktionen heraus.
Das „Einzige“, was wir aus dieser ganzen Darstellung der Alten
lernen, ist, daß Stirner von der alten Welt zwar wenig „Dinge“
„weiß“, sie aber dafür desto „besser durchschaut hat“. (Vgl.
Wigand p. 191). 20
Stirner ist wirklich jenes „Knäblein“, von dem die Offenbarung
Johannis 12,5 weissagt: „der alle Heiden sollte weiden mit der
eisernen Rute“. Wir haben gesehen, wie er mit der eisernen Rute
seiner Unwissenheit auf die armen Heiden loshaut. Den „Neuen“
wirds nicht besser gehen. 25
4. Die Neuen
„Darum, ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das
Alte ist vergangen, siehe, es ist Alles neu geworden.“ (2. Cor. 5,
17) <P-33>-
Vermittelst dieses Bibelspruchs ist die alte Welt nun wirklich зо
„vergangen“, oder, wie Sankt Max eigentlich sagen wollte, „alle
jeworden“, und wir sind mit Einem Satze in die neue, christliche,
jünglingshafte, mongolenhafte „Welt des Geistes“ herüber ge¬
sprungen. Wir werden auch diese in kürzester Frist „Alle wer¬
den“ sehen. 35
„Wurde oben gesagt: „den Alten war die Welt eine Wahrheit“,
so müssen wir hier sagen: „den Neuen war der Geist eine Wahr-
Ш. Sankt Max
125
heit“, dürfen aber, wie dort, so hier den wichtigen Zusatz nicht
vergessen: „eine Wahrheit, hinter deren Unwahrheit sie zu kom¬
men suchten und endlich wirklich kamen.““ p.33. /9b[8b]/ Wenn
wir keine Stirnerschen Konstruktionen machen wollen, „so müs-
<5 sen wir hier sagen“: den Neuen war die Wahrheit ein Geist —
nämlich der heilige Geist. Jacques le bonhomme faßt wieder die
Neuen nicht in ihrem wirklichen historischen Zusammenhänge mit
der „Welt der Dinge“, die trotz ihres Allewerdens ja noch immer
fortexistiert, sondern in ihrem theoretischen, und zwar religiösen,
ja Verhalten; die Geschichte des Mittelalters und der neue en Zeit
existiert für ihn wieder nur als Geschichte der Religion und Phi¬
losophie; alle Illusionen dieser Epochen und die philosophischen
Illusionen über diese Illusionen werden treulich geglaubt. Nach¬
dem Sankt Max so der Geschichte der Neuen dieselbe Wendung,
15 wie der der Alten gegeben hat, kann er in ihr dann leicht „einen
ähnlichen Gang wie ihn das Altertum genommen, nachweisen“,
und ebenso rasch, wie er von der alten Philosophie auf die christ¬
liche Religion kam, von dieser auf die neuere deutsche Philo¬
sophie kommen. Er charakterisiert seine historische Illusion selbst
2o p. 37, indem er entdeckt, daß „die Alten nichts aufzuweisen
haben als Welt Weisheit“, und „die Neuen es niemals weiter
als bis zur Gottesgelahrtheit brachten und bringen“, und
die feierliche Frage aufwirft: „Hinter was suchten die Neuen
zu kommen?“ Die Alten wie die Neuen tun weiter Nichts in der
25 Geschichte, als daß sie „hinter etwas zu kommen suchen“, die
Alten hinter die Welt der Dinge, die Neuen hinter die Welt des
Geistes. Die Alten werden am Ende „weltlos“, die Neuen wer¬
den „geistlos“, die Alten wollten Idealisten, die Neuen Realisten
werden (p. 485), Beiden war es nur um das Göttliche zu tun
зо (p. 488) — „die bisherige Geschichte“ ist nur „die Geschichte
des geistigen Menschen“ (welcher Glaube!) p. 442 — kurz, wir
haben hier wieder Kind und Jüngling, Neger und Mongole und
wie die ganze Terminologie der „mancherlei Wandlungen“ weiter
heißt. — Dabei wird dann die spekulative Manier, die Kinder
35 ihren Vater erzeugen und das Frühere durch das Spätere bewir¬
ken zu lassen, gläubig nachgeahmt. Die Christen müssen gleich
von vorn herein „hinter /9c[8c]/ die Unwahrheit ihrer Wahrheit
zu kommen suchen“, sie müssen sogleich verborgene Atheisten
und Kritiker sein, wie schon bei den Alten angedeutet wurde. Da-
4o mit nicht zufrieden, gibt Sankt Max noch ein glänzendes Exempel
seiner „Virtuosität im“ (spekulativen) „Denken“ p. 230:
„Jetzt, nachdem der Liberalismus den Menschen pro¬
klamiert hat, kann man es aussprechen, daß damit nur die
letzte Konsequenz des Christentums vollzogen wurde,
45 und daß das Christentum sich von Haus aus keine andre
126
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Aufgabe stellte, als den Menschen zu reali¬
sieren.“
Nachdem angeblich die letzte Konsequenz des Christentums
vollzogen wurde, kann „Man“ es aussprechen — daß sie voll¬
zogen wurde. Sobald die Späteren das Frühere umgestaltet haben, 5
„kann Man es aussprechen“, daß die Früheren „von Haus aus“,
nämlich „i n W а h r h e i t“, im Wesen, im Himmel, als verborgene
Juden, „sich keine andere Aufgabe stellten“, als von den Späteren
umgestaltet zu werden. Das Christentum ist für Jacques le bon¬
homme sich selbst setzendes Subjekt, der absolute Geist, der „von 10
Haus aus“ sein Ende als seinen Anfang setzt. Vgl. Hegels En-
zykl. etc.
„Daher“ (nämlich weil man dem Christentum eine eingebildete
Aufgabe unterlegen kann) „denn die Täuschung,“ (natürlich,
vor Feuerbach konnte man nicht wissen, welche Aufgabe sich das 15
Christentum „von Haus aus gestellt hatte“) „es lege das Christen¬
tum dem Ich einen unendlichen Wert bei, wie z. B. in der Unsterb¬
lichkeitslehre und Seelsorge an den Tag kommt. Nein, diesen Wert
erteilt es allein dem Menschen, nur der Mensch ist un¬
sterblich und nur weil Ich Mensch bin, bin auch Ich’s.“ Wenn 20
auch schon aus der ganzen Stimerschen Konstruktion und Auf¬
gabenstellung klar genug hervorgeht, (10} [9]/ daß das Christen¬
tum nur „dem Menschen“ Feuerbachs die Unsterblichkeit ver¬
leihen kann, so erfahren wir hier noch zum Überfluß, daß dies
auch deshalb geschieht, weil das Christentum diese Unsterblich- 25
keit — nicht auch den Tieren zuschreibt.
Konstruieren wir auch einmal ä la Sankt Max.
„Jetzt, nachdem“ der moderne, aus der Parzellierung
hervorgegangenc große Grundbesitz das Majorat faktisch „pro¬
klamiert hat, kann man es aussprechen, daß da-зо
mit nur die letzte Konsequenz“ der Parzellierung des
Grundbesitzes „vollzogen wurde“, „und daß“ die Parzel¬
lierung „in Wahrheit sich von Haus aus keine
andre Aufgabe stellte, als“ das Majorat, das wahre
Majorat „zu realisieren.“ „Daber denn die Täu-35
schung, es lege“ die Parzellierung dem gleichen Rechte der
Familienglieder „einen unendlichen Wert bei, wie
z. B.“ in dem Erbrecht des Code Napoleon „an den Tag
kommt. Nein, diesen Wert erteilt sie allein“ dem
ältesten Sohne; „nu r“ der älteste Sohn, der zukünftige Majorats- 40
herr, wird großer Grundbesitzer, „und nur weil Ich“ ältester
Sohn „bin, werde auch Ich’s.“
Auf diese Weise ist es unendlich leicht, der Geschichte „ein¬
zige“ Wendungen zu geben, indem man stets nur ihr allemeustes
Resultat als „die Aufgabe“ zu schildern hat, die „sie sich von 45
ПІ. Sankt Max
127
Haus aus in Wahrheit stellte“. Dadurch treten die früheren Zeiten
in einer bizarren und noch nie dagewesenen Gestalt auf. Das frap¬
piert, ohne viele Produktionskosten zu machen. Z. B. wenn man
sagt, die eigentliche „Aufgabe“, welche sich die Institution des
<5 Grundeigentums „von Haus aus stellte“, sei gewesen, Menschen
durch Schafe zu verdrängen, eine Konsequenz, die in Schottland
etc. neuerdings hervorgetreten sei; oder auch die /10a[9a]/ Pro¬
klamation der Kapetinger habe sich „von Haus aus in Wahrheit
die Aufgabe gestellt“, Ludwig XVI. auf die Guillotine und Herrn
io Guizot ins Ministerium zu bringen. Namentlich muß man dies in
einer feierlichen, heiligen, priesterlichen Weise tun, tiefen Atem
schöpfen, und dann hervorplatzen: „Jetzt endlich kann Man es
aussprechen“.
Was Sankt Max in dem vorliegenden Abschnitte p. 33—37
із über die Neuen sagt, ist nur der Prolog der uns bevorstehenden
Geistergeschichte. Wir sehen auch hier, wie er sich von den empi¬
rischen Tatsachen „nicht zeitig genug los machen kann“ und die¬
selben Parteien, wie bei den Alten: Verstand, Herz, Geist,
etc. wieder auftreten läßt — nur daß sie andere Namen er-
2o halten. Aus den Sophisten werden sophistische Scholastiker, „Hu¬
manisten, Macchiavellismus (Buchdruckerkunst, Neue Welt“ etc.
vgl. Hegel, Geschichte der Philosophie, III, p. 128), die den Ver¬
stand repräsentieren, Sokrates verwandelt sich in Luther, der das
Herz proklamiert (Hegel, 1. c. p. 227), und von der nachreforma-
23 torischen Zeit erfahren wir, daß es sich in ihr um die „leere Herz¬
lichkeit“ (die bei den Alten „Herzensreinheit“ hieß, vgl. Hegel,
1. c. p. 241) handelte. Alles das auf p. 34. Auf diese Weise
„weist“ der heilige Max „im Christentum einen ähnlichen Gang
wie im Altertum nach“. Nach Luther gibt er sich nun gar nicht
зо mehr die Mühe, seine Kategorien mit Namen zu bekleiden; mit
Meilenstiefeln eilt er der neueren deutschen Philosophie zu —
vier Appositionen („bis Nichts als die leere Herzlichkeit übrig¬
bleibt, die ganze allgemeine Menschenliebe, die Liebe des Men¬
schen, das Freiheitsbewußtsein, das „Selbstbewußtsein“.“ p. 34;
35 Hegel, 1. c. p. 228, 229), vier Worte füllen die Kluft zwischen
Luther und Hegel aus, und „so erst ist das Christentum vollendet“.
Diese ganze Entwicklung wird in einem meisterhaften Satze, und
mit Hebebäumen wie: „endlich“ — /10b[9b]/ „und seitdem“ —
„indem man“ — „auch“ — „von Tag zu Tag“ — „bis zuletzt“
4o usw. fertig gebracht, einem Satze, den der Leser auf der erwähn¬
ten klassischen Seite 34 selbst nachsehen mag.
Zu guter Letzt gibt Sankt Max noch ein paar Proben seines
Glaubens, indem er sich des Evangeliums so wenig schämt, daß er
behauptet: „und Geist sind wir doch allein wirklich“ — und dar-
45 auf besteht, daß „der Geist“ am Ende der alten Welt „nach lan¬
128
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
gern Mühen die Welt“ wirklich „losgeworden ist“ — und hier¬
nächst noch einmal das Geheimnis seiner Konstruktion verrät, in¬
dem er von dem christlichen Geiste aussagt, daß er „w i e ein
Jüngling mit Weltverbesserungs- oder Welterlösungsplänen
umgehe“. Alles p. 36.
„Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah das
Weib sitzen auf einem rosinfarbenen Tier, das war voll Namen
der Lästerung—. Und an ihrer Stirn geschrieben den Namen, das
Geheimnis, die große Babylon und ich sähe das Weib
trunken von dem Blute der Heiligen pp.“ Off. Joh. 17, v. 3, 5, 6. i
— Der Apokalyptiker hat diesmal nicht genau geweissagt. Jetzt
endlich, nachdem Stimer den Mann proklamiert hat, kann man
es aussprechen, daß er so hätte sagen müssen: Und er brachte
Mich in die Wüste des Geistes. Und ich sähe den Mann sitzen
auf einem rosinfarbenen Tier, das war voll Lästerung der Namen i
und an seiner Stirn geschrieben den Namen, das Geheimnis,
den Einzigen und Ich sähe den Mann trunken von dem Blute
des Heiligen etc.
Wir geraten also jetzt in die Wüste des Geistes.
A. Der Geist (Reine Geistergeschichte)
Das Erste, was wir vom „Geiste“ erfahren, ist, daß, nicht
der Geist, sondern „das Geisterreich ungeheuer groß ist“.
Sankt Max weiß sogleich vom Geiste nichts zu sagen, als daß ein
„ungeheuer großes Geisterreich“ existiert, gerade wie er vom Mit¬
telalter nur weiß, daß es „eine lange Zeit“ war. Nachdem dies 21
„Geisterreich“ als existierend vorausgesetzt worden ist, wird seine
Existenz nachträglich vermittelst zehn Thesen bewiesen.
1) Der Geist ist nicht freier Geist, /[9c]/ bevor er sich nicht
mit sich allein beschäftigte, bevor er es nicht mit seiner
Welt, „der geistigen, allein zu tun hatte“ — (erst mit sich allein,
dann mit seiner Welt);
2) „er ist freier Geist erst in einer ihm eignen Welt“;
3) „Nur mittelst einer geistigen Welt ist der Geist wirklich
Geist“;
4) „Bevor der Geist sich seine Geisterwelt erschafft, ist er 35
nicht Geist“ —
5) „Seine Schöpfungen machen ihn zum Geist“ —
ПІ. Sankt Max
129
6) „Seine Schöpfungen sind seine Welt“ —
7) „Der Geist ist der Schöpfer einer geistigen Welt“ —
8) „der Geist ist nur, wenn er Geistiges schafft“ —
9) „er ist nur mit dem Geistigen, seinem Geschöpfe, zusam-
5 men, wirklich“ —
10) „die Werke oder Kinder des Geistes sind aber nichts
Andres, als — Geister“. P. 38—39.
Die „geistige Welt“ wird in These 1 gleich wieder als existie¬
rend vorausgesetzt, statt entwickelt zu werden, und diese These 1
io uns dann These 2—9 in acht neuen Wandlungen wieder vorge¬
predigt. Am Ende von These 9 sind wir gerade so weit wie am
Ende von These 1 — und nun bringt These 10 plötzlich ein
„Aber“ uns „die Geister“ herein, von denen bisher noch
keine Rede gewesen war.
15 /{11}[10]/ „Da der Geist nur ist, indem er Geistiges schafft,
so sehen wir uns nach seinen ersten Schöpfungen um“. P. 41.
— Nach These 3, 4, 5, 8 und 9 ist aber der Geist seine eigne
Schöpfung. Dies wird jetzt so ausgedrückt, daß der Geist, d. h.
die erste Schöpfung des Geistes, „aus dem Nichts hervorgehen
2o muß“ „er muß sich erst erschaffen“ „seine erste
Schöpfung ist er selber, der Geist“ (ibid.). „Hat er diese erst
vollbracht, so folgt fortan eine natürliche Fortpflanzung von
Schöpfungen, wie nach der Mythe nur die ersten Menschen
geschaffen zu werden brauchten, das übrige Geschlecht sich von
25 selbst fortpflanzte.“ (ibid.) —
„So mystisch dies auch klinge, so erleben Wirs doch als eine
alltägliche Erfahrung. Bist Du eher ein Denkender, als Du denkst?
Indem Du den ersten Gedanken erschaffst, erschaffst Du
Dich, den Denkenden, denn Du denkst nicht, bevor Du
зо einen Gedanken denkst, d.h.“ — d.h. — „hast. Macht Dich
nicht erst Dein Singen zum Sänger, Dein Sprechen zum sprechen¬
den Menschen? Nun, so macht Dich auch das Hervorbringen von
Geistigem erst zum Geiste.“
Der heilige Eskamoteur unterstellt, daß der Geist Geistiges
35 hervorbringt, um zu folgern, daß er sich selbst als Geist her¬
vorbringt, und andrerseits unterstellt er ihn als Geist, um ihn
zu seinen geistigen Schöpfungen (die „nach der Mythe sich von
selbst fortpflanzen“ und Geister werden) kommen zu lassen. Bis
hieher altbekannte, rechtgläubig-hegelsche Phrase. Die eigentlich
4o „einzige“ Entwicklung Dessen, was Sankt Max sagen will, fängt
erst bei seinem Beispiel an. Wenn nämlich Jacques le bonhomme
gar nicht weiter kann, wenn selbst „Man“ und „Es“ nicht im
Stande sind, das gestrandete Boot wieder flott zu machen, dann
ruft „Stirner“ seinen dritten Leibeignen zu Hülfe, den „Du“, der
45 ihn nie im Stich läßt, und auf den er sich in der höchsten Not ver-
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 9
130
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
lassen kann. Dieser „Du“ ist ein Individuum, das uns nicht zum
erstenmal vorkommt, /[10a]/ ein frommer und getreuer Knecht,
den wir durch Dick und Dünn haben gehen sehen, ein Arbeiter
im Weinberge seines Herrn, der sich durch Nichts schrecken läßt
— er ist, mit Einem Wort: Szeliga*1. Wenn „Stimer“ in den 5
höchsten Entwicklungsnöten ist, so ruft er aus: Szeliga, hilf! und
der treue Eckart Szeliga setzt sogleich die Schultern an, um den
Karren aus dem Dreck zu heben. Wir werden über das Verhältnis
von Sankt Max zu Szeliga später noch Mehr zu sagen haben.
Es handelt sich um den Geist, der sich selbst aus Nichts 10
erschafft — also um Nichts, das sich aus Nichts zum
Geist schafft. Sankt Max macht hieraus die Schöpfung des
Szeligaschen Geistes aus Szeliga. Und wem anders als Szeliga
könnte „Stimer“ es zumuten, sich in der Weise wie es oben ge¬
schieht, dem Nichts unterschieben zu lassen? Wem anders als 15
Szeliga, der sich schon dadurch aufs Höchste geschmeichelt fühlt,
daß er überhaupt als handelnde Person auftreten darf, wird eine
solche Eskamotage imponieren? Sankt Max mußte beweisen, nicht
daß ein gegebenes „Du“, also der gegebne Szeliga, zum Denken¬
den, Sprechenden, Sänger wird, wenn er zu denken, zu sprechen, 20
zu singen anfängt — sondern: Der Denker schafft sich aus
Nichts, indem er zu denken anfängt, der Sänger schafft sich
aus Nichts, indem er zu singen anfängt etc. — und nicht ein¬
mal der Denker und Sänger, sondern der Gedanke und der Ge¬
sang als Subjekte schaffen sich aus Nichts, indem sie zu den- 25
ken und singen anfangen. Sonst „stellt Stimer bloß die höchst
einfache Reflexion an“ und spricht bloß den „höchst populären“
Satz aus (vgl. Wigand p. 156), daß Szeliga eine seiner Eigen¬
schaften entwickelt, indem er sie entwickelt. Es ist freilich durch¬
aus nicht „zu verwundern“, daß Sankt Max „dergleichen ein- зо
fache Reflexionen“ nicht einmal richtig „anstellt“, sondern sie
falsch ausspricht, um dadurch einen noch viel falscheren Satz
vermittelst der falschesten Logik von der Welt zu beweisen.
Weit entfernt, daß ich „aus dem Nichts“ mich z. B. als „Spre¬
chenden“ erschüfe, ist das Nichts, was hier zu Grunde liegt, ein 35
sehr mannigfaltiges Etwas, das wirkliche Individuum, seine
Sprachorgane, eine bestimmte Stufe der physischen Entwicklung,
vorhandene Sprache und Dialekte, /[10b]/ hörende Ohren und
eine menschliche Umgebung, die etwas zu hören gibt, etc. etc. Es
wird also bei der Ausbildung einer Eigenschaft Etwas von Etwas 40
durch Etwas geschaffen, und keineswegs, wie in der Hegelschen
Logik, von Nichts durch Nichts zu Nichts gekommen.
*> Vergl. „die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik“, wo
die früheren Heldentaten dieses Mannes Gottes bereits besungen worden
sind. 45
III. Sankt Max
131
Jetzt, nachdem Sankt Max einmal seinen getreuen Szeliga bei
der Hand hat, geht die Fahrt wieder flott voran. Wir werden
sehen, wie er vermittelst seines „Du“ den Geist wieder in den
Jüngling verwandelt, gerade, wie er früher den Jüngling in den
5 Geist verwandelte; wir werden die ganze Jünglingsgeschichte hier
fast wörtlich, nur mit einigen verdeckenden Umstellungen, wie¬
derfinden — wie schon das „ungeheuer große Geisterreich“ von
p. 37 Nichts andres war, als das „Reich des Geistes“, welches
der Geist des Jünglings p. 17 zu stiften und auszubreiten „das
io Absehen“ hatte.
„W i e Du indes vom Denker, Sänger, Sprecher dich unter¬
scheidest, so unterscheidest Du Dich nicht minder vom Geiste,
und fühlst sehr wohl, daß Du noch etwas Anderes bist als Geist.
Allein w i e dem denkenden Ich im Enthusiasmus des Denkens
bleicht Hören und Sehen vergeht, so hat auch Dich der
Geist-Enthusiasmus ergriffen, und Du sehnst Dich nun mit
aller Gewalt ganz Geist zu werden und im Geiste aufzugehen. Der
Geist ist Dein Ideal, das Unerreichte, das Jenseitige: Geist heißt
Dein—Gott, „Gott ist Geist“ Du eiferst gegen Dich selbst,
го der Du einen Rest von Nichtgeistigem nicht los wirst. Statt zu
sagen: Ich bin mehr als Geist, sagst Du mit Zerknirschung: Ich
bin weniger als Geist, und Geist, reinen Geist, oder den Geist, der
Nichts als Geist, den kann Ich mir nur denken, bin es aber nicht,
und da Ichs nicht bin, so.ists ein Andrer, existiert
25 als ein Andrer, den Ich „Gott“ nenne“.
Nachdem wir vorher uns eine lange Zeit mit dem Kunststück
beschäftigten, aus Nichts Etwas zu machen, kommen wir jetzt
plötzlich ganz „natürlich“ zu einem Individuum, das noch etwas
Anderes als Geist, also Etwas, ist, und reiner Geist, d.h. Nichts,
зо werden will. Wir haben mit diesem viel leichteren /[10c]/ Problem
(aus Etwas Nichts zu machen) sogleich wieder die ganze Ge¬
schichte vom Jüngling, der „den vollendeten Geist erst suchen
muß“ und brauchen jetzt nur wieder die alten Phrasen von p. 17
bis 18 hervorzuholen, um aller Not überhoben zu sein. Besonders,
35 wenn man einen so gehorsamen und gläubigen Diener hat wie
Szeliga, dem „Stirner“ aufbinden kann, w i e ihm, „Stimer“, „im
Enthusiasmus des Denkens leicht“ (!) „Hören und Sehen ver¬
gehe“, so habe auch Ihn, Szeliga, „der Geistenthusiasmus er¬
griffen“, und er, Szeliga, „sehne sich nun mit aller Gewalt da-
4o nach, Geist zu werde n,“ statt Geist zu bekommen, d. h. er
habe jetzt die Rolle des Jünglings von p. 18 zu spielen. Szeliga
glaubt das, und gehorcht in Furcht und Zittern; er gehorcht, wenn
ihm Sankt Max zudonnert: Der Geist ist Dein Ideal—Dein Gott,
Du tust mir dies, du tust mir Das, jetzt „eiferst Du“, jetzt „sagst
45 Du“, jetzt „kannst Du Dir denken“ usw. Wenn „Stimer“ ihm
9*
132
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
auf bindet, daß „der reine Geist ein Andrer sei, da er“ (Szeliga)
„es nicht sei“, so ist doch wirklich nur Szeliga im Stande ihm
dies zu glauben, und den ganzen Unsinn Wort für Wort nachzu¬
plappern. Die Methode übrigens, mit der Jacques le bonhomme
diesen Unsinn zusammenbringt, ist bereits bei Gelegenheit des 5
Jünglings ausführlich analysiert. Weil Du sehr wohl fühlst, daß
Du noch etwas andres als Mathematiker bist, so sehnst Du dich
ganz Mathematiker zu werden, in der Mathematik aufzugehen,
der Mathematiker ist Dein Ideal, Mathematiker heißt Dein —
Gott du sagst mit Zerknirschung: Ich bin weniger als 10
Mathematiker, und den Mathematiker kann ich mir nur vor¬
stellen, und da Ichs nicht bin, so ists ein Andrer, existiert als ein
Andrer, den Ich „Gott“ nenne. Ein Andrer als Szeliga würde
sagen Arago.
„Jetzt endlich, nachdem“ wir den Stimerschen Satz als die is
Wiederholung des „Jünglings“ nachgewiesen haben, „kann man
es aussprechen“, daß er „in Wahrheit von Haus aus sich keine
andre Aufgabe stellte“, als den Geist der christlichen Askese mit
Geist überhaupt, und die frivole Geistreichheit z. B. des acht¬
zehnten Jahrhunderts mit der christlichen Geistlosigkeit zu identi- 20
fizieren.
/{12}[11]/ Also nicht, wie Stirner behauptet, „weil Ich und
Geist verschiedne Namen für Verschiednes sind, weil Ich nicht
Geist und Geist nicht Ich ist“ (p. 42), erklärt sich die Notwendig¬
keit, daß der Geist im Jenseits haust, d.h. Gott ist — sondern aus 25
dem, dem Szeliga ganz grundlos zugemuteten, „Geistesenthusias¬
mus“, der ihn zum Asketen macht, d. h. zu Einem, der Gott (reiner
Geist) werden will, und weil er dies nicht kann, den Gott außer
sich setzt. Es handelte sich aber darum, daß der Geist erst sich
aus Nichts, und dann aus sich Geister schaffen sollte. Statt за
dessen produziert jetzt Szeliga Gott (den einzigen Geist, der hier
vorkommt) — nicht weil er, Szeliga, der Geist, sondern, weil er
Szeliga, d. h. unvollendeter Geist, ungeistiger Geist, also zugleich
der Nichtgeist ist. Wie aber die christliche Vorstellung vom Geiste
als Gott entsteht, darüber sagt der heilige Max kein Wort; obwohl 35
dies jetzt kein so großes Kunststück mehr ist; er setzt ihre Exi¬
stenz voraus, um sie zu erklären.
Die Schöpfungsgeschichte des Geistes „stellt sich in Wahrheit
von Haus aus keine andre Aufgabe“, als Stimers Magen unter die
Sterne zu versetzen. 40
„Gerade weil wir nicht der
Geist sind, der in uns wohnt,
gerade darum mußten wir ihn
außer
Gerade weil wir nicht der
Magen sind, der in uns wohnt,
gerade darum mußten wir ihn
außer
ПІ. Sankt Max
133
uns versetzen, er war nicht Wir, und darum konnten wir ihn nicht
anders existierend denken als außer Uns, jenseits von Uns, im
J e n s e i t s.“ p. 43.
Es handelte sich darum, daß der Geist erst sich und dann etwas
5 Andres als sich aus sich schaffen sollte; die Frage war, was dieses
Andre sei? Diese Frage wird nicht beantwortet, sondern nach den
obigen „mancherlei Wandlungen“ und Wendungen in die fol¬
gende neue Frage verdreht: „Der Geist ist etwas Andres als
Ich. Dieses Andre aber, was ists?“ (p. 45). Jetzt fragt es sich
jo also: was ist der Geist anderes als Ich, während die ursprüng¬
liche Frage war: Was ist der Geist durch seine Schöpfung aus
Nichts anderes als er selbst? Hiermit springt Sankt Max in die
nächste „Wandlung“ über.
B. Die Besessenen (Unreine Geistergeschichte)
is Sankt Max hat, ohne es zu wissen, bisher weiter nichts getan als
eine Anleitung zum Geistersehen gegeben, indem er die alte und
neue Welt nur als „Scheinleib eines Geistes“ als gespenstige Er¬
scheinung faßte, und nur /12a[lla]/ Geisterkämpfe in ihr sah.
Jetzt gibt er mit Bewußtsein und ex professo eine Anleitung zum
2o Gespenstersehen.
Änleitungzum Geistersehen. Man muß sich zuerst in
einen erzdummen Teufel verwandeln, d. h. sich als Szeliga setzen,
und dann zu sich selbst sprechen, wie Sankt Max zu diesem Sze¬
liga: „Blick umher in der Welt, und sage selbst, ob nicht aus
25 Allem Dich ein Geist anschaut!“ Ist man dahin gekommen, sich
dies einzlibilden, so kommen die Geister „leicht“ von selbst, in
der „Blume“ sieht man nur den „Schöpfer“, in den Bergen „einen
Geist der Erhabenheit“, im Wasser „einen Geist der Sehnsucht“
oder die Sehnsucht des Geistes, und man hört „aus den Menschen
зо Millionen Geister reden.“ Hat man es bis zu dieser Stufe ge¬
bracht, kann man mit Stirner ausrufen: „Ja, es spukt in der
Ganzen Welt“, so „ist der Fortgang dahin nicht schwer“ (p. 93),
daß man den weiteren Ausruf tut: „Nur in ihr? Nein, sie
selber spukt“ (Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, was darüber ist,
35 das ist vom Übel, nämlich logischer Übergang), „sie ist der wan¬
delnde Scheinleib eines Geistes, sie ist ein Spuk.“ Dann „schau“
getrost „in die Nähe oder in die Ferne, Dich umgibt eine ge¬
spenstige Welt Du siehst Geister“. Hiermit kannst Du zu¬
frieden sein, wenn Du ein gewöhnlicher Mensch bist; gedenkst Du
4o aber Dich mit Szeliga messen zu können, so kannst Du auch in
134
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
dich selbst schauen und darfst „Dich dann nicht wundem“, wenn
Du bei dieser Gelegenheit und auf dieser Höhe der Szeligaität
findest, daß auch „Dein Geist in Deinem Leibe spukt“, daß Du
selbst ein Gespenst bist, das „auf Erlösung harrt, nämlich ein
Geist“. Hiermit bist Du so weit gekommen, daß Du in „Allen“ 5
Menschen „Geister“ und „Gespenster“ sehen kannst, womit die
Geisterseherei „ihr letztes Absehen erreicht“. P. 46, 47.
Die Grundlage dieser Anleitung findet sich, nur viel richtiger
ausgedrückt, bei Hegel u. A. Geschichte der Philosophie III,
p. 124, 125. — Der heilige Max glaubt seiner eignen Anleitung 10
so sehr, daß er darüber selbst zum Szeliga wird und behauptet:
/12Ь[11Ь]/ „Seit das Wort Fleisch geworden ist, seitdem ist die
Welt vergeistigt, verzaubert, ein Spuk.“ p. 47. „Stirner“ „sieht
Geister“.
Sankt Max beabsichtigt, uns eine Phänomenologie des christ- 15
liehen Geistes zu geben, und nimmt nach seiner Gewohnheit nur
die eine Seite heraus. Den Christen war die Welt nicht allein ver ■
geistigt, sondern ebensosehr entgeistigt, wie Hegel z. B. in der
ebengenannten Stelle dies ganz richtig anerkennt und die beiden
Seiten mit einander in Beziehung bringt, was Sankt Max, wenn er 20
historisch verfahren wollte, ebenfalls hätte tun müssen. Der Ent-
geistigung der Welt im christlichen Bewußtsein gegenüber kön¬
nen die Alten, „die überall Götter sahen“, mit gleichem Recht als
Vergeistiger der Welt aufgefaßt werden, eine Auffassung, die
unser heiliger Dialektiker mit der wohlmeinenden Ermahnung 25
zurückweist: „Götter, mein lieber Neuer, sind keine Geister“.
P. 47. Der gläubige Max erkennt nur den heiligen Geist als
Geist an.
Aber selbst wenn er uns diese Phänomenologie gegeben hätte
(was nach Hegel übrigens überflüssig ist), so hätte er uns noch зо
Nichts gegeben. Der Standpunkt, auf dem man sich mit solchen
Geistergeschichten begnügt, ist selbst ein religiöser, weil man sich
auf ihm bei der Religion beruhigt, die Religion als causa sui auf¬
faßt (denn auch „das Selbstbewußtsein“ und „der Mensch“ sind
noch religiös), statt sie aus den empirischen Bedingungen zu er- 35
klären, und nachzuweisen, wie bestimmte industrielle und Ver¬
kehrsverhältnisse notwendig mit einer bestimmten Gesellschafts¬
form, damit einer bestimmten Staatsform, und damit einer be¬
stimmten Form des religiösen Bewußtseins verbunden sind. Hätte
Stirner sich die wirkliche Geschichte des Mittelalters angesehen, 40
so hätte er finden können, warum die Vorstellung der Christen von
der Welt im Mittelalter gerade diese Gestalt annahm, und wie es
kam, daß sie später in eine andre überging; er hätte finden kön¬
nen, daß „das Christentum“ gar keine Geschichte
hat und alle die verschiednen Formen, in denen es zu verschied- 45
ПІ. Sankt Max
135
nen Zeiten /12c[llc]/ aufgefaßt wurde, nicht „Selbstbestimmun¬
gen“ und „Fortentwicklungen“ „des religiösen Geistes“ waren,
sondern von ganz empirischen, allem Einflüsse des religiösen Gei¬
stes entzogenen Ursachen bewirkt wurden.
5 Da Stirner „nicht am Schnürchen geht“ (p. 45), so kann, ehe
wir auf die Geisterseherei weiter eingehen, schon hier gesagt wer¬
den, daß die verschiedenen „Wandlungen“ der Stirnerschen
Menschen und ihrer Welt nur in der Verwandlung der ganzen
Weltgeschichte in den Leib der Hegelschen Philosophie bestehen;
io in Gespenster, die nur zum Schein ein „Anderssein“ der Ge¬
danken des Berliner Professors sind. In der Phänomenologie,
der Hegelschen Bibel, „dem Buch“, werden zunächst die Indivi¬
duen in „das Bewußtsein“, [und die] Welt in „den Gegenstand“
ver[wa]ndelt, wodurch die Mannigfaltigkeit des Lebens und der
15 Geschichte sich auf ein verschiedenes Verhalten „des Bewußt¬
seins“ zu „dem Gegenstände“ reduziert. Dies verschiedene Ver¬
halten wird wieder auf drei Kardinalverhältnisse reduziert: 1)
Verhältnis des Bewußtseins zum Gegenstand als der Wahrheit
oder zur Wahrheit als bloßem Gegenstand (z. B. sinnliches Be-
2o wußtsein, Naturreligion, ionische Philosophie, Katholizismus,
Autoritätsstaat, pp.) — 2) Verhältnis des Bewußtseins als des
Wahren zum Gegenstand (Verstand, geistige Religion, Sokra¬
tes, Protestantismus, französische Revolution) — 3) wahres Ver¬
halten des Bewußtseins zur Wahrheit als Gegenstand oder zum
25 Gegenstand als Wahrheit (logisches Denken, spekulative Philo¬
sophie, der Geist als für den Geist). Das erste wird auch bei
Hegel gefaßt als Gott-Vater, das zweite als Christus, das dritte
als heiliger Geist usw. Stirner hat diese Wandlungen schon an¬
gebracht bei Kind und Jüngling, Alten und Neuen, wiederholt sie
зо später bei Katholizismus und Protestantismus, Neger und Mon¬
gole etc. und akzeptiert diese Reihe von Verkleidungen eines Ge¬
dankens nun auf Treu und Glauben als die Welt, gegen die er
sich als „leibhaftiges Individuum“ geltend zu machen, zu behaup¬
ten hat.
35 Zweite Anleitung zum Geistersehen. Wie man die
Welt in das Gespenst der Wahrheit und sich selbst in einen Ge¬
heiligten oder Gespenstigen /{13}[12]/ verwandelt. Ein Gespräch
zwischen Sankt Max und Szeliga, seinem Knecht, (p. 47, 48).
Sankt Max. „Du hast Geist, denn Du hast Gedanken. Was
4o sind Deine Gedanken?
Szeliga. „Geistige Wesen.
Sankt Max. „Also keine Dinge?
Szeliga. „Nein, aber der Geist der Dinge, die Hauptsache
an allen Dingen, ihr Innerstes, ihre — Idee.
13—14 Lücken, ueil das Papier beschädigt
136
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Sankt Max. „Was du denkst, ist mithin nicht bloß Dein Ge¬
danke?
Szeliga. „Im Gegenteil, es ist das Wirklichste, das eigent¬
lich Wahre an der Welt: es ist die Wahrheit selber; wenn ich nur
wahrhaft denke, so denke ich d i e Wahrheit. Ich kann mich zwar s
über die Wahrheit täuschen und sie verkennen; wenn ich aber
wahrhaft erkenne, so ist der Gegenstand meiner Erkenntnis
die Wahrheit.
Sankt Max. „So trachtest du wohl allezeit die Wahrheit zu
erkennen? ю
Szeliga. „Die Wahrheit ist mir heilig. Die Wahr¬
heit kann ich nicht abschaffen; an die Wahrheit glaube ich, dar¬
um forsche ich in ihr; über sie geht’s nicht hinaus, sie ist ewig.
Heilig, ewig ist die Wahrheit, sie ist das Heilige, das Ewige.
Sankt Max (erbost). „Du aber, der Du von diesem Hei- 15
ligen dich erfüllen lässest, wirst selbst geheiligt“!
Also, wenn Szeliga einen Gegenstand wahrhaft erkennt, so
hört der Gegenstand auf, Gegenstand zu sein und wird ..die Wahr¬
heit“. Erste Gespensterfabrikation im Großen. — Es handelt
sich mm nicht mehr um das Erkennen der Gegenstände, sondern 20
um die Erkenntnis der Wahrheit; erst erkennt er Gegenstände
wahrhaft, das fixiert er als Wahrheit der Erkenntnis, und diese
verwandelt er in Erkenntnis der Wahrheit. Nachdem sich so Sze¬
liga von dem drohenden Heiligen die Wahrheit als Gespenst hat
aufbinden lassen, so rückt ihm sein gestrenger Herr mit der Ge- 25
wissensfrage auf den Leib, ob er „allezeit“ trächtig sei mit der
Sehnsucht nach Wahrheit, worauf der verwirrte Szeliga etwas vor
der Zeit mit der Antwort hervorplatzt — die Wahrheit ist mir
heilig. Er merkt aber sogleich sein Versehen und nimmt es nach,
indem er beschämt die Gegenstände in Wahrheiten, nicht mehr in зо
die /[12a]/ Wahrheit, verwandelt und sich als die Wahrheit dieser
Wahrheiten „die Wahrheit“ abstrahiert, die er nun nicht mehr
abschaffen kann, nachdem er sie von den abschaffbaren Wahr¬
heiten unterschieden hat. Damit ist sie dann „ewig“. Aber
nicht damit zufrieden, ihr Prädikate wie „heilig, ewig“ beizu- 35
legen, verwandelt er sie in d а s Heilige, das Ewige als Subjekt.
Jetzt kann ihm Sankt Max natürlich erklären, daß er, nachdem er
sich vom Heiligen habe „erfüllen“ lassen, „selbst geheiligt
werde“, und sich „nicht wundern dürfe“, wenn er nunmehr in sich
„nichts als einen Spuk finde“. Der Heilige beginnt sodann eine 40
Predigt: „Auch ist das Heilige nicht für Deine Sinne“ und schließt
ganz folgerichtig durch ein „und“ an: „niemals entdeckst Du als
ein Sinnlicher seine Spur“; nachdem nämlich die sinnlichen Ge¬
genstände „alle jeworden“ sind und an ihre Stelle „die Wahr¬
heit“, „die heilige Wahrheit“, „das Heilige“ getreten ist. „Son- 45
ПІ. Sankt Max
137
dern“ — versteht sich! — „für Deinen Glauben, oder bestimmter
noch für Deinen Geist“ (für Deine Geistlosigkeit), „denn es ist
ja selbst ein Geistiges“, (per appositionem), „ein Geist“ (wie¬
der per appos.), „ist GeistfürdenGeist“. Dies ist die Kunst,
5 wie man die profane Welt, die „Gegenstände“, vermittelst einer
arithmetischen Reihe von Appositionen in „Geist für den
Geist“ verwandelt. Wir können hier diese dialektische Methode
der Appositionen nur noch bewundern — später werden wir Ge¬
legenheit haben, sie zu ergründen und in ihrer ganzen Klassizität
10 darzustellen. — Die Appositionsmethode kann auch umgedreht
werden, — so hier, wo, nachdem wir „das Heilige“ bereits er¬
zeugt haben, es nicht wieder Appositionen erhält, sondern zur Ap¬
position einer neuen Bestimmung gemacht wird: dies ist die Ver¬
einigung der Progression mit der Gleichung. So wird hier der
15 aus irgend einem dialektischen Prozeß „übrig bleibende Gedanke
an ein Anderes“, dem „Ich mehr dienen sollte als Mir“ (per ap¬
pos.), „das Mir wichtiger sein müßte /13Ь[12Ь]/ als Alles“ (per
appos.) „kurz, ein Etwas, worin IchMeinwahresHeilzu
suchen hätte“ (und endlich per appos. die Rückkehr auf die
2o erste Reihe) „— ein „Heiliges““ (p. 48). Wir haben hier zwei
Progressionen, die einander gleich gesetzt werden, und so zu einer
großen Mannigfaltigkeit von Gleichungen Gelegenheit geben kön¬
nen. Hierüber später. Durch diese Methode hat dann auch „das
Heilige“, das wir bisher nur als eine rein theoretische Bestim-
25 mung für rein theoretische Verhältnisse kennen lernten, einen
neuen praktischen Sinn bekommen, als „Etwas, worin Ich Mein
wahres Heil zu suchen hätte“, wodurch es möglich wird, das Hei¬
lige zum Gegensatz des Egoisten zu machen. Wir brauchen übri¬
gens kaum zu erwähnen, daß dieser ganze Dialog, nebst nachfol-
30 gender Predigt, weiter nichts ist als eine neue Wiederholung der
bereits drei- bis viermal dagewesenen Jünglingsgeschichte.
Hier, bei dem „Egoisten“ angekommen, schneiden wir Stirners
„Schnürchen“ ab, weil wir erstens seine Konstruktion in ihrer
Reinheit darzustellen haben, frei von allen dazwischengeworfenen
35 Intermezzos, und weil zweitens diese Intermezzi (Sancho würde
nach Analogie „des Lazaroni“ (Wig., p. 159, soll heißen Laz-
zarone) sagen: Intermezzi’s) — an andern Stellen des Buchs
ohnehin wieder vorkommen, da Stimer, weit entfernt, sich nach
seiner eigenen Zumutung „stets in sich zurückzunehmen“, im Ge-
lo gen teil sich stets von Neuem von sich gibt. Wir erwähnen nur noch
eben, daß die p. 45 aufgeworfene Frage: Was ist dies vom Ich
Unterschiedene, das der Geist ist, jetzt dahin beantwortet ist, daß
es das Heilige, id est das dem Ich Fremde ist, und daß Alles dem
Ich Fremde — kraft einiger nicht ausgesprochenen Appositionen,
45 Appositionen „an sich“ — hiernach ohne Weiteres als Geist ge¬
138
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
faßt wird. Geist, Heiliges, Fremdes sind identische Vorstellun¬
gen, denen er den Krieg erklärt, wie dies schon bei dem Jüngling
und Mann ganz im Anfang fast wörtlich dagewesen ist. Wir sind
also noch keinen Schritt weiter, als wir p. 20 waren.
/13c[12c]/ a. Der Spuk *
Sankt Max macht jetzt Ernst mit den „Geistern“, welche die
„Kinder des Geistes sind“ (p. 39), mit der Gespensterhaftigkeit
Aller (p. 47). Wenigstens bildet er sichs ein. In Wahrheit aber
schiebt er nur seiner bisherigen Geschichtsauffassung, nach der
die Menschen von vom herein die Repräsentanten von allgemeinen ю
Begriffen waren, einen andern Namen unter. Diese allgemeinen
Begriffe treten hier zuerst im negerhaften Zustande, als objektive,
den Menschen gegenständliche Geister auf, und heißen auf dieser
Stufe Gespenster oder — Spuk. Das Hauptgespenst ist natürlich
„der Mensch“ selbst, da die Menschen nach dem Bisherigen nur is
als Repräsentanten eines Allgemeinen, Wesens, Begriffs, Heiligen,
Fremden, Geistes, d. h. nur als Gespenstige, Gespenster für ein¬
ander vorhanden sind, und da schon nach Hegels Phänomenologie
p. 255 und anderwärts der Geist, sofern er „die Form der Ding-
heit“ für den Menschen hat, ein anderer Mensch ist. (Siehe weiter 20
unten über „den Menschen“).
Wir sehen also hier den Himmel offen und die verschiedenen
Gespenster der Reihe nach vor uns vorüberziehen. Jacques le bon¬
homme vergißt nur, daß er die alte und neue Zeit als Riesenge¬
spenster bereits hat vor uns vorbeiziehen lassen, wogegen alle die 25
harmlosen Einfälle von Gott etc. wahre Lumpereien sind.
Gespenst N0. 1: das höchste Wesen, Gott (p. 53). Wie
nach dem Bisherigen zu erwarten, glaubt der alle weltgeschicht¬
lichen Berge durch seinen Glauben versetzende Jacques le bon¬
homme, daß „die Menschen sich Jahrtausende lang die Auf- зо
gäbe setzten“, sich „mit der gräßlichen Unmöglichkeit, der end¬
losen Danaidenarbeit abquälten“ — „das Dasein Gottes zu be¬
weisen“. Über diesen unglaublichen Glauben brauchen wir kein
Wort mehr zu verlieren.
Gespenst N0. 2: Das Wesen. Was unser guter Mann über 35
das Wesen sagt, beschränkt sich nach Abzug des aus Hegel Ab¬
geschriebenen, auf „pomphafte Worte und armselige Gedanken“
(p. 53). „Der Fortgang vom“ Wesen „auf“ das Weltwesen „ist
nicht schwer“, und dies Weltwesen ist natürlich
Gespenst N0. 3, die Eitelkeit der Welt. Hierüber ist 40
Nichts zu sagen, als daß daraus „leicht“
/{14}[13]/Gespenst N0. 4, die guten und bösenWesen
ПІ. Sankt Max
139
werden. Hierüber wäre zwar etwas zu sagen, wird aber nichts ge¬
sagt, und sogleich zum nächsten
Gespenst No. 5: dasWesen und seinReich fortgeschrit¬
ten. Daß wir das Wesen hier zum zweiten Male haben, darf uns
5 bei unsrem ehrlichen Schriftsteller, der seine „Unbeholfenheit“
(Wigand p. 166) sehr gut kennt und deshalb Alles mehrmals sagt,
damit es ja nicht mißverstanden werde, keineswegs verwundern.
Das Wesen wird hier zuerst als Inhaber eines „Reiches“ bestimmt
und sodann von ihm ausgesagt, daß es „das Wesen“ ist (p. 54),
io worauf es sich flugs in
Gespenst No. 6: „die Wesen“ verwandelt. Sie und sie allein
zu erkennen und anzuerkennen, das ist Religion. „Ihr Reich“ (der
Wesen) „ist — ein Reich der Wesen“ (p. 54). Plötzlich tritt hier
Gespenst No. 7, derGottmensch, Christus, ohne alle sicht-
15 bare Veranlassung herein. Von ihm weiß Stimer zu sagen, daß
er „beleibt“ gewesen ist. Wenn Sankt Max nicht an Christus
glaubt, so glaubt er wenigstens an seinen „wirklichen Leib“. Chri¬
stus hat nach Stirner eine große Misere in die Geschichte gebracht,
und der sentimentale Heilige erzählt mit Tränen in den Augen,
2o „wie sich die kräftigsten Christenmenschen abgemartert haben,
um ihn zu begreifen“ — ja — „seelenmarternder war noch nie
ein Gespenst, und kein Schamane, der bis zu rasender Wut und
nervenzerreißenden Krämpfen sich aufstachelt, kann solche Qual
erdulden, wie Christen sie von jenem unbegreiflichsten Gespenst
25 erlitten“. Sankt Max weint eine empfindsame Zähre auf dem
Grabe der Opfer Christi, und kommt dann zum „grauenhaften
Wesen“,
dem Gespenst No. 8, dem Menschen. Hier „graut“ es uns¬
rem wackeren Schriftsteller in Eins fort — „er erschrickt vor sich
зо selbst“, er sieht in jedem Menschen einen „grausigen Spuk“, einen
„unheimlichen Spuk“, in dem es „umgeht“ (p. 55, 56). Er fühlt
sich höchst unbehaglich. Der Zwiespalt zwischen Erscheinungen
und Wesen /14a [13a]/ läßt ihn nicht ruhen. Er ist wie Nabal,
der Gemahl der Abigail, von dem geschrieben steht, daß sein
35 Wesen ebenfalls von seiner Erscheinung getrennt war: Es war ein
Mann zu Maon und sein Wesen zu Karmel (1 Samuel
25, 2). Zur rechten Zeit und ehe sich der „seelengemarterte“
Sankt Max aus Verzweiflung eine Kugel durch den Kopf jagt, fal¬
len ihm plötzlich die Alten ein, die „so etwas nicht in ihren Skla-
4o ven beachteten“. Dies bringt ihn auf
Gespenst No. 9, den Volksgeist (p. 56), über den sich
Sankt Max, an dem jetzt kein Aufhalten mehr ist, ebenfalls „grau¬
sige“ Einbildungen macht, um
Gespenst No. 10: „Alles“ in einen Spuk zu verwandeln,und
45 schließlich, wo alles Zählen aufhört, den „heiligen Geist“, die
140
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Wahrheit, das Recht, das Gesetz, die gute Sache (die er noch im¬
mer nicht vergessen kann) und ein halbes Dutzend anderer, ein¬
ander wildfremder Dinge in der Klasse: Gespenster zusammen¬
zuwerfen.
Sonst ist in dem ganzen Kapitel Nichts bemerkenswert, als die 5
Versetzung eines historischen Berges durch Sankt Maxens Glau¬
ben. Er meint nämlich p. 56, „nur um eines höheren Wesens wil¬
len sei man von jeher geehrt, nur als ein Gespenst für eine gehei¬
ligte, d. h.“ (das heißt!) „geschützte und anerkannte Person
betrachtet worden“. Versetzen wir diesen durch bloßen Glauben 10
versetzten Berg wieder an seine rechte Stelle, so „heißt es nun“:
Nur um der geschützten, d. h. sich selbst schützenden, und privi¬
legierten, d. h. sich selbst privilegierenden Personen willen wur¬
den höhere Wesen verehrt und Gespenster geheiligt. Sankt Max
bildet sich z. B. ein, daß im Altertum, wo jedes Volk durch mate- 15
rielle Verhältnisse und Interessen, z. B. Feindschaft der verschied-
nen Stämme etc., zusammengehalten wurde, wo wegen Mangel an
Produktivkräften Jeder entweder Sklave sein oder Sklaven haben
mußte etc., etc., wo es also vom „natürlichsten Interesse“ (Wigand
f). [162]) war, einem Volke anzugehören — daß also damals der 20
14b [13b]/ Begriff Volk oder „das Volkswesen“ erst diese Inter¬
essen aus sich erzeugt habe; daß in der neueren Zeit, wo die freie
Konkurrenz und der Welthandel den heuchlerischen, bürgerlichen
Kosmopolitismus und den Begriff des Menschen erzeugte, umge¬
kehrt die spätere philosophische Konstruktion des Menschen jene 25
Verhältnisse als seine „Offenbarungen“ (p. 51) produziert habe.
Ebenso mit der Religion, dem Reich der Wesen, das er für das
einzige Reich hält, von deren Wesen er aber nichts weiß, weil er
sonst wissen müßte, daß sie, als Religion, weder ein Wesen noch
ein Reich hat. In der Religion machen die Menschen ihre empiri- зо
sehe Welt zu einem nur gedachten, vorgestellten Wesen, das ihnen
fremd gegenübertritt. Dies ist keineswegs wieder aus andern Be¬
griffen zu erklären, aus „d e m Selbstbewußtsein“ und dergleichen
Faseleien, sondern aus der ganzen bisherigen Produktions- und
Verkehrsweise, die ebenso unabhängig vom reinen Begriff ist wie 35
die Erfindung der self-acting mule und die Anwendung der Eisen¬
bahnen von der Hegelschen Philosophie. Will er einmal von
einem „Wesen“ der Religion sprechen, d. h. von einer materiellen
Grundlage dieses Unwesens, so hat er es weder im „Wesen des
Menschen“, noch in den Prädikaten Gottes zu suchen, sondern in 40
der von jeder Stufe der religiösen Entwicklung vorgefundenen
materiellen Welt. (Vgl. oben Feuerbach).
Die sämtlichen „Gespenster“, die wir Revue passieren ließen,
waren Vorstellungen. Diese Vorstellungen, abgesehen von ihrer
realen Grundlage (von der Stirner ohnehin absieht), als Vorstei- 45
Ш. Sankt Max
141
lungen innerhalb des Bewußtseins, als Gedanken im Kopfe der
Menschen gefaßt, aus ihrer Gegenständlichkeit in das Subjekt zu¬
rückgenommen, aus der Substanz ins Selbstbewußtsein erhoben,
sind — der Sparren oder die fixe Idee.
5 Über den Ursprung von Sankt Maxens Gespenstergeschichte
siehe Feuerbach in den „Anekdotis“ II, p. 66, wo es heißt: „Die
Theologie ist Gespensterglaube. Die gemeine Theologie
hat aber ihre Gespenster in der sinnlichen Imagination, die speku¬
lative Theologie in der unsinnlichen Abstraktion.“ Da nun Sankt
io Max mit sämtlichen kritischen Spekulanten der neueren Zeit den
Glauben teilt, daß verselbstständigte Gedanken, verkörperte Ge¬
danken — Gespenster — die Welt beherrscht haben und beherr¬
schen, daß alle bisherige Geschichte Geschichte der Theologie ge¬
wesen sei, so war nichts leichter, als sie in eine Gespensterge-
15 schichte zu verwandeln. Sanchos Gespenstergeschichte beruht also
auf dem traditionell überlieferten Gespensterglauben der Speku¬
lanten.
/14c[13c]/b. Der Sparren
„Mensch, es spukt in Deinem Kopfe! Du hast eine fixe
го Idee!“ donnert der heilige Max seinen Sklaven Szeliga an. „Denke
nicht, daß Ich scherze“, droht er ihm. Untersteh Dich nicht zu
glauben, daß der feierliche „Max Stirner“ scherzen könne.
Der Mann Gottes hat wieder seinen getreuen Szeliga nötig, um
vom Objekt auf das Subjekt, vom Spuk auf den Sparren zu
25 kommen.
Der Sparren ist die Hierarchie im einzelnen Individuum, die
Herrschaft des Gedankens „in ihm über ihm“. Nachdem die Welt
dem phantasierenden Jüngling von p. 20 als Welt seiner „Fieber¬
phantasien“, als Gespensterwelt gegenüber getreten ist, wachsen
зо ihm die „eignen Geburten seines Kopfs“ innerhalb seines Kopfs
über seinen Kopf. Die Welt seiner Fieberphantasien — das ist
sein Fortschritt — existiert nun als die Welt seines zerrütteten
Kopfes. Sankt Max, der Mann, der die „Welt der Neuen“ als den
phantasierenden Jüngling sich gegenüber stehen hat, muß notwen-
35 dig erklären, daß „beinahe die ganze Menschenwelt aus verita-
blen Narren, Narren im Tollhause bestehe.“ (p. 57).
Der Sparren, den Sankt Max in den Köpfen der Menschen ent¬
deckt, ist nichts als sein eigner Sparren, der Sparren „des Heili¬
gen“, der die Welt sub specie aeterni betrachtet und sowohl die
40 heuchlerischen Phrasen, wie die Illusionen der Menschen für die
wirklichen Motive ihrer Handlungen versieht; weswegen auch der
142
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
naive, gläubige Mann getrost den großen Satz ausspricht: „fast die
ganze Menschenwelt hängt am Höheren.“ (p. 57).
Der „Sparren“ ist „eine fixe Idee“, d. h. „eine Idee, die den
Menschen sich /15[14]/ unterworfen hat“, oder, wie später popu¬
lärer gesagt wird, allerlei Abgeschmacktheiten, die die Leute 5
„sich in den Kopf gesetzt h а b e n“. Mit spielender Leich¬
tigkeit ergibt sich für Sankt Max, daß Alles, was die Menschen
sich unterworfen hat, z. B. die Notwendigkeit zu produzieren, um
zu leben, und die davon abhängigen Verhältnisse eine solche „Ab¬
geschmacktheit“ oder „fixe Idee“ ist. Da die Kinderwelt die 10
einzige „Welt der Dinge“ ist, wie wir in der Mythe vom „Men¬
schenleben“ sahen, so ist Alles, was „für das Kind“ (von Zeit zu
Zeit auch für das Tier) nicht existiert, jedenfalls „eine Idee“ und
„leicht auch“ eine „fixe Idee“. Wir sind den Jüngling und das
Kind noch lange nicht los. 15
Das Kapitel vom Sparren hat bloß den Zweck, die Kategorie
des Sparrens in der Geschichte „d e s Menschen“ zu konstatieren.
Der eigentliche Kampf gegen die Sparren zieht sich durch das
ganze „Buch“ und wird namentlich im zweiten Teil geführt. Wir
können uns deshalb hier mit ein paar Beispielen von Sparren be- 20
gnügen.
P. 59 glaubt Jacques le bonhomme, daß „unsere Zeitungen von
Politik strotzen, weil sie in dem Wahne gebannt sind, der Mensch
sei dazu geschaffen, ein Zoon politikon zu werden“. Also nach
Jacques le bonhomme wird Politik getrieben, weil unsre Zeitun- 25
gen davon strotzen! Wenn ein Kirchenvater die Börsennachrichten
unserer Zeitungen ansähe, so könnte er gar nicht anders urteilen
wie Sankt Max, und müßte sagen: Diese Zeitungen strotzen von
Börsennachrichten, weil sie in den Wahn gebannt sind, der Mensch
sei dazu geschaffen, in Fonds zu spekulieren. Also nicht die Zei- зо
tungen haben den Sparren, sondern der Sparren hat den „Stirner“.
Die Verpönung der Blutschande und die Institutionen der Mo¬
nogamie werden aus „dem Heiligen“ erklärt, „sie sind das Hei¬
lige“. Wenn bei den Persern die Blutschande nicht verpönt ist
und die Institution der Polygamie bei den Türken sich vorfindet, 35
so sind dort also Blutschande und Polygamie„das Heili-/15a[14a]/
ge“. Zwischen diesen beiden „Heiligen“ wäre kein Unterschied
anzugeben, als daß Perser und Türken sich andres dummes Zeug
„in den Kopf gesetzt haben“, als die christlich germanischen Völ¬
ker. — Kirchenväterliche Manier, sich „zeitig genug“ von der Ge- 40
schichte „loszumachen“. — Jacques le bonhomme ahnt so wenig
die wirklichen, materialistischen Ursachen der Verpönung der
Polygamie und Blutschande unter gewissen sozialen Verhältnis¬
sen, daß er sie nur für einen Glaubenssatz erklärt, und sich in Ge¬
meinschaft mit jedem Spießbürger einbildet, wenn einer für der- 45
ПІ. Sankt Max
143
artige Vergehen eingesperrt werde, so sperre ihn „die Sittenrein¬
heit“ in ein „Sittenverbesserungshaus“ (p. 60), wie denn die Ker¬
ker ihm überhaupt — und hierin steht er unter dem gebildeten
Bourgeois, der dies besser weiß, vgl. die Gefängnisliteratur —
5 als Sittenverbesserungshäuser erscheinen. „Stirners“ „Kerker“
sind die allertrivialsten Illusionen des Berliner Bürgers, die indes
für ihn schwerlich ein „Sittenverbesserungshaus“ genannt zu wer¬
den verdienen.
Nachdem Stirner durch eine „episodisch eingelegte“ „ge-
io schichtliche Reflexion“ entdeckt hat, daß „es dahin kommen
mußte, daß der ganze Mensch sich mit allen seinen Fähigkeiten
als religiösi erwies“ (p. 64), „so ist auch in der Tat“ — „nicht zu
verwundern“, „weil wir jetzt so durch und durch religiös sind“ —
— „daß“ der Eid „der Geschwornen uns zum Tode ver-
15 dämmt und der Polizeidiener uns als guter Christ durch „Amts¬
eid“ ins Loch bringt“. Wenn ihn ein Gensdarme wegen Rau¬
chens im Tiergarten anhält, so schlägt ihm nicht der kgl. preuß.
dafür bezahlte und an den Strafgeldern beteiligte Gensdarme,
sondern der „Amtseid“ die Zigarre aus dem Munde. Gerade so
2o verwandelt sich für ihn die Macht des Bourgeois im Geschwornen-
gerichte, wegen des scheinheiligen Aussehens, das sich die amis
du commerce hier geben, in die Macht des Schwörens, des Eides,
in „d а s Heilig e“. Wahrlich, wahrlich, ich sage Euch: solchen
Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. (Matth. 8, 10).
25 „Bei so Manchem wird ein Gedanke zur Maxime, so daß nicht
Er die Maxime, sondern diese vielmehr Ihn hat, und mit der Ma¬
xime hat er wieder einen festen Standpunkt.“ Aber „so liegt es
nun nicht an /{16} [15]/ Jemandes Wollen, Sollen oder Laufen,
sondern an Gottes Erbarmen“. Röm. 9, 16. Darum muß der hei-
30 lige Max sogleich auf derselben Seite einige Pfähle ins Fleisch
bekommen und uns selbst mehrere Maximen geben: nämlich
erstens d i e Maxime, keine Maxime, damit zweitens die Maxime
keinen festen Standpunkt zu haben, drittens die Maxime: „Wir
sollen zwar Geist haben, aber der Geist soll Uns nicht haben“;
35 und viertens die Maxime, daß man auch sein Fleisch vernehmen
soll, „denn nur wenn ein Mensch sein Fleisch vernimmt, vernimmt
er sich ganz, und nur wenn er sich ganz vernimmt, ist er ver¬
nehmend oder vernünftig“.
144
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
C. Unreine unreine Geistergeschichte
a. Neger und Mongolen
Wir kehren jetzt zum Anfang der „einzigen“ Geschichtskon¬
struktion und Namengebung zurück. Das Kind wird Neger, der
Jüngling Mongole. Siehe die Ökonomie des alten Bundes. 5
„Die geschichtliche Reflexion über Unser Mongolentum, welche
Ich an dieser Stelle episodisch einlegen will, gebe Ich
nicht mit dem Ansprüche auf Gründlichkeit oder auch
nur auf Bewährtheit, sondern lediglich darum, weil
Mich dünkt, sie könne zur Verdeutlichung des Übrigen 10
beitragen“. P. 87.
Sankt Max sucht sich seine Phrasen über Kind und Jüngling zu
„verdeutlichen“, indem er ihnen weltumfassende Namen gibt, und
diese weltumfassenden Namen, indem er ihnen seine Phrasen über
Kind /16a[15a]/ und Jüngling unterschiebt. „Die Negerhaf- 15
tigkeit stellt dar das Altertum, die Abhängigkeit von den
Dingen“ (Kind); „die Mongolenhaftigkeit die Zeit
der Abhängigkeit von Gedanken, die christliche“ (Jüng¬
ling). (Vergl. „Ökonomie des alten Bundes“). „Der Zukunft
sind die Worte Vorbehalten: Ich bin Eigner der Welt der 20
Dinge, und Ich bin Eigner der Welt der Gedanken.“ (p. 87,
88). Diese „Zukunft“ hat sich bereits einmal auf p.20 bei Ge¬
legenheit des Mannes zugetragen und wird sich später noch
einmal, von p. 226 an, ereignen.
Erste „geschichtliche Reflexion ohne Anspruch auf 25
Gründlichkeit, oder auch nur auf Bewährtheit“: Weil Ägypten zu
Afrika gehört, wo die Neger hausen, so „fallen“ p. 88 die nie vor¬
gekommenen „Züge des Sesostris“ und die „Bedeutsamkeit Ägyp¬
tens“ (auch unter den Ptolemäern, Napoleons Expedition nach
Ägypten, Mehemet Ali, orientalische Frage, Duvergier de Hau- зо
ranne’s Broschüren pp) „und Nordafrikas überhaupt“ (also Kar¬
thagos, Hannibals Zug nach Rom und „leicht auch“ von Syrakus
und Spanien, Vandalen, Tertullian, Mauren, Al Hussein Abu Ali
Ben Abdallah Ebn Sina, Raubstaaten, Franzosen in Algier, Abd
el Kader, Pere Enfantin und die vier neuen Kröten des Charivari) 35
„in das negerhafte Weltalter“. P. 88. Also Stirner verdeutlicht
hier die Züge des Sesostris pp, indem er sie in das negerhafte
Weltalter versetzt, und das negerhafte Weltalter, indem er es als
historische Illustration zu seinen einzigen Gedanken „über Unsere
Kinderjahre“ „episodisch einlegt“. 40
Zweite „geschichtliche Reflexion“: „Dem mon-
golenhaften Weltalter gehören die Hunnen- und Mongolenzüge
ПІ. Sankt Max
145
an, bis hinauf zu den Russen“ (und Wasserpolacken), wo denn
wieder die Hunnen- und Mongolenzüge nebst den Russen dadurch
„verdeutlicht“ werden, daß sie dem „mongolenhaften Weltalter“
angehören, und das „mongolenhafte Weltalter“ dadurch, daß es
5 das Weltalter der schon als Jüngling aufgetretenen Phrase:
„Abhängigkeit von Gedanken“ ist.
Dritte „geschichtliche Reflexion“: Im mongolen¬
haften Weltalter „kann der Wert Meiner unmöglich hoch ange¬
schlagen werden, weil der harte Demant des Nicht-Ich zu
io hoch im Preise steht, weil es noch zu körnig und unbezwinglich ist,
um von Mir absorbiert und verzehrt zu werden. Viel-/16b[15b]
mehr kriechen die Menschen nur mit außerordentlicher Geschäf¬
tigkeit auf diesem Unbeweglichen, dieser Substanz, herum, wie
Schmarotzertierchen auf einem Leibe, von dessen Säften sie Nah-
15 rung ziehen, ohne ihn deshalb aufzuzehren. Es ist die Geschäftig¬
keit des Ungeziefers, die Betriebsamkeit der Mongolen. Bei den
Chinesen bleibt ja Alles beim Alten etc. Sonach“ (weil
bei den Chinesen Alles beim Alten bleibt) „ist in unsrem mongo¬
lischen Weltalter alle Veränderung nur eine reformatorische und
2o ausbessemde, keine destruktive oder verzehrende oder vernich¬
tende gewesen. Die Substanz, das Objekt bleibt. All unsre Be¬
triebsamkeit ist nur Ameisentätigkeit und Flohsprung . . . Jong¬
leurkünste auf dem Seile des Objektiven“ pp. (P. 88. Vgl. Hegel.
Phil, der Gesch. p. 113, 118, 119 (die undurchweichte Substanz),
25 140 etc., wo China als die „Substantialität“ gefaßt wird).
Also hier erfahren wir, daß in dem wahren kaukasischen
Weltalter die Menschen die Maxime haben werden, die Erde, die
„Substanz“, „das Objekt“, das „Unbewegliche“ zu verschlingen,
„verzehren“, „vernichten“, „absorbieren“, „destruieren“; und
зо mit der Erde zugleich das nicht von ihr zu trennende Sonnen¬
system. Der weltverschlingende „Stimer“ hat uns die „reforma¬
torische oder ausbessemde Tätigkeit“ des Mongolen bereits als
„Welterlösungs- und Welt verbesserungspläne“ des Jüng¬
lings und Christen p. 36 vorgeführt. Wir sind also noch immer
зо keinen Schritt weiter. Charakteristisch für die ganze „einzige“
Geschichtsauffassung ist, daß die höchste Stufe dieser mongoli¬
schen Tätigkeit den Namen der ,,wissenschaftlichen“ ver¬
dient — woraus schon jetzt zu folgern ist, was Sankt Max uns
später sagt, daß die Vollendung des mongolischen Himmels das
4o Hegelsche Geisterreich ist.
Vierte „geschichtliche Reflexion“. Die Welt, auf
der die Mongolen herumkriechen, verwandelt sich jetzt vermittelst
eines „Flohsprungs“ in „das Positive“, dies in „die Satzung“, und
die Satzung wird vermittelst eines Absatzes p. 89 zur „Sittlich¬
es keit“. „Diese gibt sich in ihrer ersten Form als Gewohnheit“ —
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 10
146
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sie tritt also als Person auf; flugs verwandelt sie sich aber in
einen Raum: „Nach seines Landes Sitte und Gewohnheit han¬
deln, heißt da“ (nämlich in der Sittlichkeit) „sittlich sein“.
„Darum“ (weil dies in der Sittlichkeit als Gewohnheit passiert)
„wird ein lauteres, sittliches Handeln am schlich- 5
testen in China geübt!“
/16c[15c]/ Sankt Max ist unglücklich in seinen Exempeln.
P. 116 schiebt er ebenso den Nordamerikanern die „Religion der
Rechtschaffenheit“ unter. Er hält die beiden spitzbübischsten Völ¬
ker der Erde, die patriarchalischen Betrüger, die Chinesen, und die 10
zivilisierten Betrüger, die Yankees, für „schlicht“, „sittlich“ und
„rechtschaffen“. Hätte er seine Eselsbrücke nachgesehen, so hätte
er die Nordamerikaner p. 81 der Philosophie der Geschichte und
die Chinesen p. 130 ibid. als Betrüger klassifiziert finden können.
Freund „Man“ verhilft dem heiligen Biedermann jetzt auf die is
Neuerung; von dieser bringt ihn ein „Und“ wieder auf die
Gewohnheit, und somit ist das Material präpariert, um in der
Fünften geschichtlichen Reflexion einen Haupt¬
coup vollziehen zu können. „Es unterliegt auch in der Tat keinem
Zweifel, daß der Mensch sich durch Gewohnheit gegen die Zu- 20
dringlichkeit der Dinget,] der Welt sichert“ — z. B. gegen den
Hunger;
„und“ — wie hieraus ganz natürlich folgt,
„eine eigne Welt gründet“ — die „Stirner“ jetzt nötig
hat, 25
„in welcher er allein heimisch und zu Hause
ist“ — „а 11 ein“, nachdem er sich erst durch „Gewohnheit“ in
der bestehenden „Welt“ „heimisch“ gemacht hat;
„d. h. sich einen Himmel gründet.“ — weil China
das himmlische Reich heißt; 3<>
„Hat ja doch der Himmel keinen andern Sinn,
als den, daß er die eigentliche Heimat des Men¬
schen ist“ — wo er im Gegenteil die vorgestellte Uneigentlich¬
keit der eigentlichen Heimat zum Sinn hat;
„worin ihn Nichts Fremdes mehr bestimmt“ — 35
d. h. worin ihn das Eigne als Fremdes bestimmt, und wie die nun
in Gang gebrachte Leier weiter heißt. „Vielmehr“, um mit Sankt
Bruno, oder „etwa leicht“, um mit Sankt Max zu sprechen, müßte
/{17}[16]/ dieser Satz so heißen:
Stimerscher Satz, ohne An- 40
Spruch auf Gründlichkeit oder Geläuterter Satz.
auch nur auf Bewährtheit:
„Es unterliegt auch in derTat „Es unterliegt auch in derTat
keinem Zweifel, daß der Mensch keinem Zweifel“, daß, weil
HI. Sankt Max
147
sich durch Gewohnheit gegen
die Zudringlichkeit der Dinge,
der Welt, sichert und eine eigne
Welt gründet, in welcher er
5 allein heimisch und zu Hause
ist, d. h. sich einen Himmel
erbaut. Hat ja doch der „Him¬
mel“ keinen andern Sinn, als
den, daß er die eigentliche Hei-
10 mat des Menschen sei, worin
ihn nichts Fremdes mehr be¬
stimmt und beherrscht, kein
Einfluß des Irdischen mehr ihn
selbst entfremdet, kurz worin
15 die Schlacken des Irdischen ab¬
geworfen sind und der Kampf
gegen die Welt ein Ende gefun¬
den hat, worin ihm also nichts
mehr versagt ist.“ p. 89.
20
25
30
China das himmlische Reich
heißt, weil „Stirner“ gerade von
China spricht, und „gewohnt“
ist sich durch Unwissenheit „ge¬
gen die Zudringlichkeit der
Dinge, der Welt, zu sichern, und
eine eigne Welt zu gründen, in
welcher er allein heimisch und
zu Hause ist“, er sich aus dem
himmlichen Reich China „einen
Himmel erbaut. Hat ja doch“
die Zudringlichkeit der Welt,
der Dinge, „keinen andern Sinn,
als den, daß“ sie „die eigent¬
liche“ Hölle des Einzigen „sind,
worin ihn“ Alles als „Fremdes
bestimmt und beherrscht“, die
er sich aber dadurch in einen
„Himmel“ zu verwandeln weiß,
daß er sich allem „Einfluß der
irdischen“, geschichtlichen Tat¬
sachen und Zusammenhänge
„entfremdet“, daher sich also
nicht mehr vor ihnen befremdet,
„kurz wo die Schlacken des Ir¬
dischen“, Historischen, „abge¬
worfen sind und“ Stirner im
„Ende“ „der Welt“ keinen
„Kampf“ mehr „findet“, womit
also Alles gesagt ist.
Sechste „geschichtliche Reflexion“. P. 90 bildet
sich Stirner ein: „in China ist für Alles vorgesehen; was
auch kommen mag, es weiß der Chinese immer, wie er sich
zu verhalten hat, und er braucht sich nicht erst nach den Um-
35 ständen zu bestimmen; aus dem Himmel seiner Ruhe stürzt
ihn kein unvorhergesehener Fall.“ Auch kein eng-
liches Bombardement — er wußte ganz genau, „wie er sich zu
verhalten hatte“, besonders den ihm unbekannten Dampfschiffen
und Shrapnell-Bomben gegenüber. — Sankt Max hat dies sich aus
4o Hegels Philosophie der Geschichte p. 118 und p. 127 abstrahiert,
wo er freilich einiges Einzige hinzufügen mußte, um seine obige
Reflexion zu Stande zu bringen.
„Mithin“, fährt Sankt Max fort, „besteigt die Mensch¬
heit auf der Stufenleiter der Bildung durch die Gewohnheit die
io*
148
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
erste Sprosse, und da sie sich vorstellt, im Erklimmen
der Kultur zugleich den Himmel, das Reich der Kultur oder zwei¬
ten Natur zu erklimmen, so besteigt sie wirklich die erste
Sprosse der — Himmelsleiter“. P. 90. „Mithin“, d. h. /17a[16aL
weil Hegel mit China die Geschichte anfängt, und weil „der Chi- 5
nese nicht außer Fassung kommt“, verwandelt „Stirner“ die
Menschheit in eine Person, die „auf der Stufenleiter der Kultur
die erste Sprosse“ ersteigt, und zwar „durch die Gewohnheit“, weil
China für Stimer keine andre Bedeutung hat, als „die Gewohn¬
heit“ zu sein. Jetzt handelt es sich für unsren Eiferer gegen das ю
Heilige nur noch darum, die „Stufenleiter“ in die „Himmels¬
leiter“ zu verwandeln, da China auch noch den Namen des Himm¬
lischen Reichs führt. „Da die Menschheit sich vorstellt“ („wo¬
her nur“ Stirner „Alles das weiß, was“ die Menschheit sich vor¬
stellt, Wigand p. 189) — was Stirner zu beweisen hatte — erstens 15
„die Kultur“ in „den Himmel der Kultur“ und zweitens „den
Himmel der Kultur“ in „die Kultur des Himmels“ zu verwandeln
— (eine angebliche Vorstellung der Menschheit, die p. 91 als
Vorstellung Stirners auftritt und dadurch ihren richtigen Aus¬
druck erhält) — „so besteigt sie wirklich die erste Sprosse 20
der Himmelsleiter“. Da sie sich vorstellt, die erste Sprosse
der Himmelsleiter zu besteigen so besteigt sie sie
wirklich ! „Da“ „der Jüngling“ „sich vorstellt“, reiner Geist
zu werden, wird er es wirklich! Siehe „Jüngling“ und „Christ“
über den Übergang aus der Welt der Dinge in die Welt des Gei- 25
stes, wo sich die einfache Formel für diese Himmelsleiter der
„einzigen“ Gedanken vorfindet.
Siebente geschichtliche Reflexion. P. 90. „Hat
das Mongolentum“ (folgt unmittelbar auf die Himmelsleiter, wo¬
mit nämlich „Stirner“ vermittelst der angeblichen Vorstellung der 30
Menschheit ein geistiges Wesen konstatiert hat) —„hat das Mon¬
golentum das Dasein geistiger Wesen festgestellt“ (vielmehr
„Stirner“ seine Einbildung vom geistigen Wesen der Mongolen
festgestellt), „so haben die Kaukasier Jahrtausende mit diesen
geistigen Wesen gerungen, um ihnen auf den Grund zu kommen“. 33
(Jüngling, der zum Manne wird und „hinter die Gedanken zu
kommen“, Christ, der die „Tiefen derGottheit zu ergründen“ „alle¬
zeit trachtet“). Weil die Chinesen das Dasein, Gott weiß welcher,
geistigen Wesen kon-/17b[16b]/statiert haben („Stirner“ konsta¬
tiert außer seiner Himmelsleiter kein einziges), so müssen die 40
Kaukasier Jahrtausende sich mit „diesen“, chinesischen, „geisti¬
gen Wesen“ herumzanken; ja, Stirner konstatiert zwei Zeilen wei¬
ter, daß sie wirklich den „mongolischen Himmel, den Thiän,
gestürmt haben“, und fährt fort: „Wann werden sie diesen Him¬
mel vernichten, wann werden sie endlich wirkliche K а u k а - 43
ПІ. Sankt Max
149
sier werden und sich selber finden?“ Hier haben wir
die negative Einheit, die früher schon als Mann auftrat, als „wirk¬
lichen Kaukasier“, d. h. als nicht negerhaften, nicht mongolischen
— als kaukasischen Kaukasier, der hier also als Begriff,
5 als Wesen von den wirklichen Kaukasiern getrennt, ihnen ent¬
gegengestellt wird als „Ideal des Kaukasiers“, als „Beruf“, in
dem „sie sich selber finden“ sollen, als „Bestimmung“, „Auf¬
gabe“, als „das Heilige“, „der heilige“ Kaukasier, „der voll¬
endete“ Kaukasier, „welcher eben der“ Kaukasier „im Himmel
lo — Gott ist“.
„Im industriösen Ringen der mongolischen Rasse hatten die
Menschen einen Himmel erbaut“ — so glaubt p. 91 „Stirner“, der
es vergißt, daß die wirklichen Mongolen viel mehr mit den Häm-
meln, als mit den Himmeln zu tun haben — „als die vom kauka-
L5 sischen Stamme, so lange sie es mit dem Himmel zu tun
haben die himmelstürmende Tätigkeit übernahmen“.
Hatten einen Himmel erbaut, als , solange haben,
übernahmen. Die anspruchslose „geschichtliche Reflexion“
drückt sich in einer consecutio temporum aus, die ebenfalls keinen
■го „Anspruch“ auf Klassizität, „oder auch nur“ auf grammatische
Richtigkeit „macht“; der Konstruktion der Geschichte entspricht
die Konstruktion der Sätze; „darauf beschränken sich“ „Stir-
ners“ „Ansprüche“, und „erreichen damit ihr letztes Absehen“.
Achte geschichtliche Reflexion, die die Reflexion
25 der Reflexionen, das Alpha und Omega der ganzen Stirnerschen
Geschichte ist: Jacques le bonhomme sieht in der ganzen bisheri¬
gen Völkerbewegung, was wir ihm von Anfang an nachweisen, nur
eine Aufeinanderfolge von Himmeln (p.91), was auch so aus¬
gedrückt werden kann, daß die bisherigen aufeinanderfolgenden
зо Generationen kaukasischer Rasse weiter nichts taten, als sich mit
dem Begriff der Sittlichkeit herumzanken (p. 92) und daß
„darauf /17c[16c]/ sich ihre Tat beschränkt“ (p. 91). Hätten sie
sich die leidige Sittlichkeit, diesen Spuk, aus dem Kopfe geschla¬
gen, so würden sie es zu etwas gebracht haben; so aber kamen sie
35 zu Nichts und wieder Nichts und müssen sich von Sankt Max wie
Schuljungen ein Pensum stellen lassen. Dieser seiner Geschichts¬
anschauung entspricht denn vollständig, daß am Schluß (p. 92)
die spekulative Philosophie heraufbeschworen wird, damit „in
ihr dies Himmelreich, das Reich der Geister und Gespenster, seine
4o rechte Ordnung finde“ — und an einer späteren Stelle als das
„vollendete Geisterreich“ selbst gefaßt wird.
Warum man, wenn man die Geschichte in Hegelscher Manier
auffaßt, zuletzt zu dem in der spekulativen Philosophie vollende¬
ten und in Ordnung gebrachten Geisterreich als dem Ergebnis der
45 bisherigen Geschichte kommen mußte — dies Geheimnis konnte
150
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Stirner“ bei Hegel selbst sehr einfach enthüllt finden. Um zu
diesem Resultat zu kommen, „muß der Begriff des Geistes zu
Grunde gelegt und nun gezeigt werden, daß die Geschichte der
Prozeß des Geistes selbst ist.“ (Gesch. der Phil. III, p. 91). Nach¬
dem „der Begriff des Geistes“ der Geschichte als Grundlage unter- 5
geschoben worden ist, kann man natürlich sehr leicht „zeigen“,
daß er sich überall wiederfindet und dies dann als einen Prozeß
„seine rechte Ordnung finden“ lassen.
Jetzt kann Sankt Max, nachdem er Alles „seine rechte Ord¬
nung hat finden“ lassen, begeistert ausrufen: „Dem Geiste Frei- 10
heit erwerben wollen, das ist Mongolentum“ usw. — (vergl. p. 17:
„Den reinen Gedanken zu Tage zu fördern etc., das ist Jünglings¬
lust“ etc.) — und die Heuchelei begehen, zu sagen: „Es springt
daher in die Augen, daß das Mongolentum die Un¬
sinnlichkeit und Unnatur repräsentiere“ etc. — wo er hätte sagen /5
müssen: Es springt in die Augen, daß der Mongole nur der ver¬
kleidete Jüngling ist, der als Negation der Welt der Dinge auch
„Unnatur“, „Unsinnlichkeit“ etc. genannt werden kann.
/{18}[17]/ Wir sind jetzt wieder so weit, daß der „Jüngling“
in den „Mann“ übergehen kann: „Wer aber wird den Geist in 20
sein Nichts auflösen? Er, der mittelst des Geistes die Natur als
das Nichtige, Endliche, Vergängliche darstellte“ (d.h. sich vor¬
stellte — und dies tat nach p. 16 ff. der Jüngling, später der
Christ, dann der Mongole, dann der mongolenhafte Kaukasier,
eigentlich aber nur der Idealismus), „er kann allein auch den 25
Geist zu gleicher Nichtigkeit“ (nämlich in seiner Einbildung)
„herabsetzen“ — (also der Christ pp? Nein, ruft „Stirner“, mit
einer ähnlichen Eskamotage wie p. 19/20 beim Mann) „Ich kann
es, Jeder unter Euch kann es, der als unumschränktes Ich waltet
und schafft“ (in seiner Einbildung), „es kann’s mit Einem Worte зо
— der Egoist“ (p. 93) — also der Mann, der kaukasische Kau¬
kasier, der sonach der vollendete Christ, der rechte Christ, der
Heilige, das Heilige ist. —
Ehe wir auf die weitere Namengebung eingehen, „wollen wir
an dieser Stelle“ ebenfalls „eine geschichtliche Reflexion“ über 35
den Ursprung von Stirners „geschichtlicher Reflexion über Unser
Mongolentum einlegen“, die sich aber von der Stirnerschen da¬
durch unterscheidet, daß sie allerdings „Anspruch auf Gründlich¬
keit und Bewährtheit macht“. Seine ganze geschichtliche Refle¬
xion, wie die über die „Alten“, ist aus Hegel zusammengebraut. 40
Die Negerhaftigkeit wird darum als „das Kind“ aufgefaßt, weil
Hegel Phil. d. Gesch. p.89 sagt: „Afrika ist das Kinderland
der Geschichte“. „Bei der Bestimmung des afrikanischen“ (ne-
gerhaften) „Geistes müssen wir auf die Kategorie der All¬
gemeinheit ganz Verzicht leisten“ p.90 — d. h. das Kind oder 45
III. Sankt Max
151
der Neger hat zwar Gedanken, aber noch nicht den Gedanken.
„Bei den Negern ist das Bewußtsein noch nicht zu einer festen Ob¬
jektivität gekommen, wie z. B. Gott,Gesetz, worin der Mensch
die Anschauung seines Wesens hätte“ „wodurch
5 ganz das Wissen von einem absoluten Wesen fehlt. Der
Neger stellt den natürlichen Menschen in seiner ganzen
Unbändigkeit dar“ (p. 90). „Obgleich sie sich der Abhängigkeit
vom Natürlichen“ (den Dingen, wie „Stirner“ sagt) „bewußt
sein müssen, so führt dies /18a[17a]/ doch nicht zum Bewußtsein
io eines Höheren“. P. 91. Hier finden wir sämtliche Stirnersche Be¬
stimmungen des Kindes und Negers wieder — Abhängigkeit von
den Dingen, Unabhängigkeit von Gedanken, speziell von „dem
Gedanken“, „demWesen“, „dem absoluten“ (heiligen) „Wesen“
pp. — Die Mongolen und speziell die Chinesen fand er bei Hegel
15 als den Anfang der Geschichte vor, und da diesem ebenfalls die
Geschichte eine Geistergeschichte (nur nicht so kindisch, wie
„Stirners“) ist, so versteht es sich von selbst, daß die Mongolen
den Geist in die Geschichte gebracht haben, und die Urrepräsen¬
tanten alles „Heiligen“ sind. Speziell faßt Hegel noch p. 110
го „das mongolische Reich“ (des Dalai Lama) als „das geist¬
lich e“, das „Reich der theokratischen Herrschaft“, ein „geisti¬
ges, religiöses Reich“ — gegenüber dem chinesischen weltlichen
Reich. „Stirner“ muß natürlich China mit den Mongolen identi¬
fizieren. P. 140 kommt bei Hegel sogar „das mongolische
25 Prinzip“ vor, woraus „Stirner“ das „Mongolentum“ macht.
Wenn er übrigens einmal die Mongolen auf die Kategorie „der
Idealismus“ reduzieren wollte, so konnte er in der Dalai-Lama-
Wirtschaft und dem Buddhismus ganz andere „geistige Wesen“
„festgestellt finden“, als seine gebrechliche „Himmelsleiter“.
зо Aber er hatte nicht einmal die Zeit, die Hegelsche Geschichtsphi¬
losophie ordentlich anzusehen. Die Eigenheit und Einzigkeit des
Stirnerschen Verhaltens zur Geschichte besteht darin, daß der
Egoist sich in einen „unbeholfenen“ Kopisten Hegels verwandelt.
b) Katholizismus und Protestantismus
(Vergl. die „Ökonomie des Alten Bundes“)
Was wir hier Katholizismus nennen, nennt „Stirner“ „das Mit¬
telalter“; da er aber das heilige, religiöse Wesen des Mittelalters,
die Religion des Mittelalters mit dem wirklichen, profanen, leib¬
haftigen Mittelalter verwechselt (wie „in Allem“), geben wir der
4o Sache lieber gleich ihren richtigen Namen.
152 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Das Mittelalter“ war „eine lange Zeit, in der man sich
mit dem Wahne begnügte“ (weiter verlangte und tat man Nichts)
„die Wahrheit zu haben, ohne daß man ernstlich daran dachte, ob
man selbst wahr sein müßte, um die Wahrheit zu besitzen“.
„Im Mittelalter kasteite man“ (also das ganze Mittelalter) 5
„sich, um fähig zu werden, das Heilige in sich aufzunehmen“.
P. 108.
/18Ь[17Ь]/ Hegel bestimmt das Verhältnis zum Göttlichen in
der katholischen Kirche dahin, „daß man sich zum Absoluten als
bloß äußerlichem Ding verhalte“ (Christentum in der Form des 10
Äußerlichseins) Gesch. der Phil. III, p. 148, und anderwärts.
Das Individuum muß allerdings gereinigt werden, um die Wahr¬
heit aufzunehmen, aber „auch dies geschieht auf eine äußerliche
Weise, durch Abkaufen, Abfasten, Abprügeln, Abmarschieren,
Pilgrimschaft“. (P. 140 ibid.). Diesen Übergang macht „Stir- 15
ner“ durch: „Wie man freilich auch sein Auge anstrengt,
um das Entfernte zu sehen, so kasteite man sich etc.“
Weil nun bei „Stimer“ das Mittelalter mit dem Katholizismus
identifiziert wird, endet es natürlich auch mit Luther. P. 108.
Dieser selbst wird auf folgende, schon beim Jüngling, im Ge- 20
spräch mit Szeliga und sonst vorgekommene Begriffsbestimmung
reduziert: „daß der Mensch, wenn er die Wahrheit auf fassen
wolle, ebenso wahr werden müsse, wie die Wahrheit
selbst. Nur wer die Wahrheit schon im Glauben hat, kann ihrer
teilhaftig werden.“ 25
Hegel sagt in Bezug auf das Luthertum: „Die Wahrheit des
Evangeliums [...] existiert nur im wahrhaften Verhalten
zu demselben. Das wesentliche Verhalten des Geistes ist nur
für den Geist. Es ist also das Verhalten des Geistes zu
diesem Inhalt, daß der Inhalt zwar wesentlich ist,daß aber ebenso зо
wesentlich ist, daß der heilige und heiligende Geist sich zu ihm
verhalte.“ (Gesch. d. Phil. III, p. 234). „Dies ist nun der luthe¬
rische Glaube — sein“ (nämlich des Menschen) „Glaube ist
gefordert und kann allein wahrhaft in Betracht
kommen.“ (1. c. p. 230). „Luther behauptet: daß das 35
Göttliche nur insofern Göttlich ist, als es in dieser subjektiven Gei¬
stigkeit des Glaubens genossen wird“ (1. c. p. 138). „Die
Lehre der“ (katholischen) „Kirche ist die Wahrheit als vor¬
handene Wahrheit“. (Ph. der Rel. II, p. 331).
„Stirner“ fährt fort: „Demnach geht mit Luther die Erkenntnis 40
auf, daß die Wahrheit, weil sie Gedanke ist, nur für den denken¬
den Menschen sei, und dies heißt, daß der Mensch einen schlechter¬
dings andern Standpunkt einnehmen müsse, den gläubigen“ (per
41 Im Original Gedanken ist
Ш. Sankt Max
153
Appos.), „wissenschaftlichen, oder den Standpunkt des Denkens
gegenüber seinem Gegenstände, dem Gedanken“. P. 110.
/18c[ 17c]/ Außer der Wiederholung, die „Stirner“ hier wieder
„einlegt“, ist nur der Übergang vom Glauben zum Denken zu be-
5 achten. Diesen Übergang macht Hegel, wie folgt: „Dieser Geist“
(nämlich der heilige und heiligende Geist) „ist zweitens aber
wesentlich auch denkender Geist. Das Denken als solches muß
sich auch darin entwickeln etc.“ P. 234.
„Stirner“ fährt fort: „Dieser Gedanke“ („daß Ich Geist bin,
io nur Geist“) „durchzieht die Reformationsgeschichte bis heute“.
P. 111. Eine andre Geschichte als die Reformationsgeschichte exi¬
stiert für „Stirner“ vom sechszehnten Jahrhundert an nicht —und
auch diese bloß in der Auffassung, in der Hegel sie darstellt.
Sankt Max hat wieder seinen Riesenglauben bewiesen. Er hat
15 wieder sämtliche Illusionen der deutschen spekulativen Philoso¬
phie wörtlich für wahr angenommen, ja er hat sie noch spekula¬
tiver, noch abstrakter gemacht. Für ihn existiert nur die Geschichte
der Religion und Philosophie — und diese existiert nur durch
Hegel für ihn, der mit der Zeit zur allgemeinen Eselsbrücke, zum
■io Konversationslexikon aller neuen deutschen Prinzipspekulanten
und Systemfabrikanten geworden ist.
Katholizismus = Verhalten zur Wahrheit als Ding, Kind, Ne¬
ger, „Alter“.
Protestantismus = Verhalten zur Wahrheit im Geist, Jüng-
25 ling, Mongole, „Neuer“.
Die ganze Konstruktion war überflüssig, da dies Alles schon
beim „Geist“ dagewesen war.
Wie schon in der „Ökonomie des Alten Bundes“ angedeutet,
kann man nun innerhalb des Protestantismus wieder Kind und
зо Jüngling in neuen „Wandlungen“ auftreten lassen, wie „Stirner“
dies p. 112 tut, wo er die englische, empirische Philosophie als
Kind in Gegensatz zur deutschen, spekulativen Philosophie, dem
Jüngling, faßt. Er schreibt hier wieder Hegel aus, der hier, wie
sonst „im Buche“ sehr häufig als „Man“ auftritt. „Man“ —
35 d. h. / {19} [18]/ Hegel — „verwies den Baco aus dem Reiche der
Philosophen“. „Und weiter scheint es allerdings Dasjenige, was
man englische Philosophie nennt, nicht gebracht zu haben, als bis
zu den Entdeckungen sogenannter offener Köpfe wie Bacon und
Hume“ (p. 112) — was Hegel so ausdrückt: „Bacon ist in der
io Tat eigentlich der Anführer und Repräsentant dessen, was in Eng¬
land Philosophie genannt wird, und worüber die Engländer noch
durchaus nicht hinausgekommen sind“. Gesch. d. Phil. III, p. 254.
— Was „Stirner“ „offene Köpfe“ nennt, nennt Hegel, 1. c. p. 255,
„gebildete Weltmänner“ — diese verwandelt Sankt Max einmal
45 auch in „die Einfalt des kindlichen Gemütes“, weil die englischen
154
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Philosophen das Kind repräsentieren müssen. Aus demselben
kindlichen Grunde darf „sich Baco nicht um die theologischen
Fragen und Kardinalpunkte bekümmert“ haben, was auch seine
Schriften (speziell De Augmentis Scientiarum, Novum Organum
und die Essays) sagen mögen. Dagegen „sieht das deutsche s
Denken im Erkennen selbst erst das Leben“ (p. 112), denn
es ist der Jüngling. Ecce iterum Crispinus!
Wie Stirner den Cartesius in einen deutschen Philosophen ver¬
wandelt, kann man „im Buche“ p. 112 selbst nachsehen.
D. Die Hierarchie
Jacques le bonhomme faßt in der bisherigen Darstellung die
Geschichte nur als das Produkt abstrakter Gedanken — oder viel¬
mehr seiner Vorstellungen von den abstrakten Gedanken —, als
beherrscht von diesen Vorstellungen, die sich alle in letzter In¬
stanz in „das Heilige“ auflösen. Diese Herrschaft des „Heiligen“, 15
des Gedankens, der Hegelschen absoluten Idee über die empiri¬
sche Welt stellt er nun als gegenwärtiges historisches Verhältnis
dar, als Herrschaft der Heiligen, Ideologen über die profane Welt
— als Hierarchie. In dieser Hierarchie haben wir das, was
früher nach einander erschien, neben einander, sodaß eine 20
der beiden /19a[18a]/ koexistierenden Entwicklungsformen über
die andre herrscht. So herrscht also der Jüngling über das Kind,
der Mongole über den Neger, der Neue über den Alten, der auf¬
opfernde Egoist (citoyen) über den Egoisten im gewöhnlichen
Verstände (bourgeois) etc. — siehe die „Ökonomie des alten 25
Bundes“. Die „Vernichtung“ der „Welt der Dinge“ durch die
„Welt des Geistes“ tritt hier als „Herrschaft“ der „Welt der Ge¬
danken“ über die „Welt der Dinge“ auf. Es muß natürlich dahin
kommen, daß die Herrschaft, die die „Welt der Gedanken“ von
Anfang an in der Geschichte führt, am Ende derselben auch als зо
wirkliche, faktisch existierende Herrschaft der Denkenden — und
wie wir sehen werden, in letzter Instanz der spekulativen Philoso¬
phen — über die Welt der Dinge dargestellt wird, sodaß Sankt
Max dann nur noch gegen Gedanken und Vorstellungen der Ideo¬
logen zu kämpfen, und sie zu überwinden hat, um sich zum „Eig- 35
ner der Welt der Dinge und der Welt der Gedanken“ zu machen.
„Hierarchie ist Gedankenherrschaft, Herrschaft
Ш. Sankt Max
155
des Geistes. Hierarchisch sind wir bis auf diesen Tag, unterdrückt
von Denen, die sich auf Gedanken stützen, und Gedanken sind“
— wer hat das nicht längst gemerkt — „das Heilige“, (p.97).
(Stirner hat sich vor dem Vorwurf, als mache er in seinem ganzen
s Buch nur „Gedanken“, d. h. „das Heilige“, dadurch zu bewahren
gesucht, daß er darin wirklich nirgendwo Gedanken macht. Al¬
lerdings schreibt er sich bei Wigand „Virtuosität im Denken“,
d. h. nach ihm in der Fabrikation „des Heiligen“ zu — und das
letztere wird ihm konzediert). — „Hierarchie ist Oberherr-
lolichkeit des Geistes“. P. 467. — „Jene mittelaltrige
Hierarchie war nur eine schwächliche Hierarchie gewesen, da sie
alle mögliche Barbarei des Profanen unbezwungen neben sich
hergehen lassen mußte“ („woher nur Stirner das alles weiß, was
die Hierarchie mußte“, wird sich gleich finden), „und erst die Re¬
is formation stählte die Kraft der Hierarchie“ p. 110. „Stirner“
meint nämlich, „die Geisterherrschaft sei nie zuvor so umfassend
und allmächtig gewesen“ als nach der Reformation; er meint,daß
diese Geisterherrschaft, „statt das religiöse Prinzip von Kunst,
Staat und Wissenschaft loszureißen, vielmehr diese ganz aus der
го Wirklichkeit in das Reich des Geistes erhob, und religiös machte“.
In dieser Auffassung der neueren Geschichte ist nur wieder die
alte Illusion der spekulativen Philosophie über die Herrschaft des
Geistes in der Geschichte breitgetreten. Ja, diese Stelle zeigt so¬
gar, wie der gläubige Jacques le bonhomme /19b[18b]/ fortwäh-
25 rend die ihm von Hegel überkommene, für ihn traditionell ge¬
wordene Weltanschauung für die Wirkliche Welt auf Treu
und Glauben annimmt und nun von diesem Boden aus „machi-
niert“. Was in dieser Stelle „eigen“ und „einzig“ erscheinen
könnte, ist die Auffassung dieser Geistesherrschaft als Hier-
3o а r c h i e — und hier wollen wir wiederum eine kurze „geschicht¬
liche Reflexion“ über den Ursprung der Stirnerschen „Hier¬
archie“ „einlegen“.
Hegel spricht sich in folgenden „Wandlungen“ über die Phi¬
losophie der Hierarchie aus: „Wir haben bei Plato in seiner Re-
зз publik die Idee gesehen, daß die Philosophen regieren sollen;
jetzt“ (im katholischen Mittelalter) „ist die Zeit, wo es ausge¬
sprochen wird, daß das Geistige herrschen solle; aber
das Geistige hat den Sinn erhalten, daß das Geistliche, die
Geistlichen herrschen sollen. Das Geistige ist so zur beson-
4o dern Gestalt, zum Individuum gemacht“. (Gesch. d. Phil. III,
p. 132). — „Die Wirklichkeit, das Irdische ist damit gott¬
verlassen einzelne wenige Individuen sind heilig, die
Andern u n h e i 1 i g.“ (1. c. p. 136). Die „Gottverlassenheit“ wird
näher so bestimmt: „Alle diese Formen“ (Familie, Arbeit, Staats¬
zs leben etc.) „gelten als nichtige, unheilige“. (Phil. d. Rel. II,
156
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
p. 343). — „Es ist eine Vereinigung mit der Weltlichkeit, die un¬
versöhnt ist, die Weltlichkeit roh in sich“ (wofür Hegel
sonst auch das Wort Barbarei braucht, vergl. z. B. Gesch. d. Phil.
III, p. 136), „und die als roh in sich nur beherrscht wird“.
(Phil. d. Rel. II, p. 342, 343). — „Diese Herrschaft“ (die Hier- 5
archie der katholischen Kirche) „ist also, obgleich sie Herrschaft
des Geistigen sein soll, eine Herrschaft der Leidenschaft“. (Gesch.
d. Phil. III, p. 134). — „Die wahrhafte Herrschaft des
Ge i st es kann aber nicht Herrschaft des Geistes in dem Sinne sein,
daß das Gegenüberstehende ein'Unterworfenes ist“. (1. c. p. 131). 10
..Der rechte Sinn ist, daß das Geistige als solches“
(nach „Stimer“ „das Heilige“) „das Bestimmende sein soll,
wasbisauf unsereZeitengegangenist: So sehen wir
in der französischen Revolution“ (was „Stirner“ Hegel
nach sieht), „daß der abstrakte Gedanke herrschen 15
soll; nach ihm sollen Staatsverfassungen und Gesetze bestinimt
werden, er soll das Bapd unter den Menschen ausmachen, und das
Bewußtsein der Menschen /[18c]/ soll sein, daß das, was un¬
ter ihnen gilt, abstrakte Gedanken sind, Freiheit
und Gleichheit etc.“ (Gesch. d. Phil. III, p. 132). Die wahre 20
Herrschaft des Geistes im Gegensatz zu ihrer unvollkommenen
Form in der katholischen Hierarchie, wie sie durch den Protestan¬
tismus herbeigeführt wird, wird weiter dahin bestimmt, daß „das
Weltliche in sich vergeistigt wird“. (Gesch. d. Phil.
III, p. 185). „Daß das Göttliche sich im Felde der Wirklichkeit 25
realisiert“ (also die katholische Gottverlassenheit der Wirklich¬
keit aufhört — Phil. d. Rel. II, p. 343); daß der „Widerspruch“
zwischen Heiligkeit und Weltlichkeit „sich auflöst in der Sitt¬
lichkeit“ (Phil. d. Rel. II, p. 343); daß „die Institutio¬
nen der Sittlichkeit“ (Ehe, Familie, Staat, Selbsterwerb зо
etc.) „göttliche, heilige“ sind. (Phil. d. Rel. II, p. 344).
Diese wahre Herrschaft des Geistes spricht Hegel in zwei Formen
aus: „Staat, Regierung, Recht, Eigentum, bürger¬
liche Ordnung“ (und wie wir aus andern Werken von ihm
wissen, auch Kunst, Wissenschaft etc), „alles dies ist das Reli-35
giöse herausgetreten in die Form der Endlichkeit“. (Gesch.
d. Ph. III, p. 185). Und diese Herrschaft des Religiösen, Geisti¬
gen etc. wird endlich ausgesprochen als die Herrschaft der Philo¬
sophie: „Das Bewußtsein des Geistigen ist jetzt“ (im achtzehnten
Jahrhundert) „wesentlich das Fundament, und die Herr-/o
schäft ist dadurch der Philosophie geworden“.
(Phil. d. Gesch. p. 440).
Hegel schiebt also der katholischen Hierarchie des Mittelalters
die Absicht unter, als hätte sie „die Herrschaft des Geistes sein“
wollen, und faßt sie demnächst als eine beschränkte, unvollkom- /5
III. Sankt Max
157
mene Form dieser Geistesherrschaft, deren Vollendung er im Pro¬
testantismus und dessen angeblicher Ausbildung sieht. So un¬
historisch dies ist, so ist er doch noch historisch genug, um den
Namen der Hierarchie nicht über das Mittelalter hinaus auszu-
5 dehnen. Sankt Max weiß aber aus eben demselben Hegel, daß die
spätere Epoche die „Wahrheit“ der früheren ist, also die Epoche
der vollkommenen Herrschaft des Geistes die Wahrheit der
Epoche, in welcher der Geist nur noch unvollkommen herrschte,
daß /20[19]/ also der Protestantismus die Wahrheit der Hier¬
in archie, also die wahre Hierarchie ist. Da aber nur die
wahre Hierarchie den Namen der Hierarchie verdient, so ist es
klar, daß die Hierarchie des Mittelalters eine „schwächliche“ sein
mußte, was ihm um so leichter zu beweisen wird, als in den obigen
und hundert andern Hegelschen Stellen die Unvollkommenheit
15 der Geistesherrschäft im Mittelalter dargestellt war, was er nur
abzuschreiben brauchte und wobei seine ganze „eign e“ Tätigkeit
darin bestand, das Wort „Geistesherrschaft“ durch „Hierarchie“
zu ersetzen. Die einfache Schlußfolge, durch welche sich ihm
die Geistesherrschaft schlechthin in die Hierarchie verwandelte,
2o brauchte er nicht einmal zu machen, nachdem es unter den deut¬
schen Theoretikern Mode geworden war, die Wirkung mit dem
Namen der Ursache zu belegen und Alles z. B. in die Kategorie
der Theologie zurückzuwerfen, was aus der Theologie hervor¬
gegangen war und noch nicht ganz auf der Höhe der Prinzipien
25 dieser Theoretiker stand — z. B. die Hegelsche Spekulation, den
Straußischen Pantheismus pp — ein Kunststück, das namentlich
im Jahre 1842 an der Tagesordnung war. Aus den obigen Stellen
geht ebenfalls hervor, daß Hegel 1) die französische Revolution
als eine neue und vollendetere Phase dieser Geistesherrschaft faßt,
зо 2) in den Philosophen die Weltherrscher des neunzehnten Jahr¬
hunderts sieht, 3) behauptet, daß jetzt nur abstrakte Gedanken
unter den Menschen gelten, 4) daß schon bei ihm Ehe, Familie,
Staat, Selbsterwerb, bürgerliche Ordnung, Eigentum pp als „Gött¬
lich und Heilig“, als „das Religiöse“ gefaßt werden, und
35 5) daß die Sittlichkeit als verweltlichte Heiligkeit oder ge¬
heiligte Weltlichkeit, als die höchste und letzte Form der Herr¬
schaft des Geistes über die Welt dargestellt wird — Alles Dinge,
die wir bei „Stirner“ wörtlich wiederfinden.
Hiernach wäre in Beziehung auf die Stirnersche Hierarchie
4o gar nichts mehr zu sagen /20a [19a]/ und nachzuweisen, als warum
Sankt Max Hegel abgeschrieben hat — ein Faktum, zu dessen Er¬
klärung aber wieder materielle Fakta notwendig sind, und das
deshalb nur für diejenigen erklärlich ist, die die Berliner Luft
kennen. Eine andreFrage ist, wie dieHegelsche Vorstellung von der
45 Herrschaft des Geistes zu Stande kommt, und hierüber siehe oben.
158
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Die Adoption der Hegelschen Weltherrschaft der Philosophen
und ihre Verwandlung in eine Hierarchie durch Sankt Max kommt
vermittelst der gänzlich unkritischen Leichtgläubigkeit unsres Hei¬
ligen und durch eine „heilige“ oder heillose Unwissenheit zu
Stande, die sich damit begniigt, die Geschichte zu „durchschauen“
(d. h. die Hegelschen geschichtlichen Sachen durchzuschauen),
ohne von ihr viele „Dinge“ zu „wissen“. Überhaupt müßte er ja
fürchten, sobald er „lernte“ — sich nicht mehr „abschaffend und
auf lösend“ (p. 96) zu verhalten, also in der „Geschäftigkeit des
Ungeziefers“ stecken zu bleiben — Grund genug, um nicht zur 10
„Abschaffung und Auflösung“ seiner eignen Unwissenheit „wei¬
ter zu gehen“.
Macht man, wie Hegel, eine solche Konstruktion zum ersten
Male für die ganze Geschichte und die gegenwärtige Welt in ihrem
ganzen Umfange, so ist dies nicht möglich ohne umfassende posi- 15
tive Kenntnisse, ohne wenigstens stellenweise auf die empirische
Geschichte einzugehen, ohne große Energie und Tiefblick. Be¬
gnügt man sich dagegen, eine vorhandene überlieferte Konstruk¬
tion zu seinen eignen Zwecken zu exploitieren und umzuwandeln,
und diese „eigene“ Auffassung an einzelnen Exempeln (z. B. 20
Negern und Mongolen, Katholiken und Protestanten, der franzö¬
sischen Revolution pp) nachzuweisen — und dies tut unser Eife¬
rer wider das Heilige — so ist dazu durchaus keine Kenntnis der
Geschichte nötig. Das Resultat dieser ganzen Exploitation wird
notwendig komisch; am komischsten, wenn aus der Vergangenheit 25
in die unmittelbarste Gegenwart hinübergesprungen wird, wie wir
davon /20b[19b]/ beim „Sparren“ schon Exempel fanden.
Was nun die wirkliche Hierarchie des Mittelalters betrifft, so
bemerken wir hier bloß, daß diese für das Volk, für die große
Masse der Menschen nicht existierte. Für die große Masse existierte 30
nur die Feudalität, und die Hierarchie nur insofern sie selbst ent¬
weder Feudalität oder antifeudal (innerhalb der Feudalität) ist.
Die Feudalität selbst hat ganz empirische Verhältnisse zu ihrer
Grundlage. Die Hierarchie und ihre Kämpfe mit der Feudalität
(die Kämpfe der Ideologen einer Klasse gegen die Klasse selbst) 35
sind nur der ideologische Ausdruck der Feudalität und der inner¬
halb der Feudalität selbst sich entwickelnden Kämpfe, wozu auch
die Kämpfe der feudalistisch organisierten Nationen unter sich ge¬
hören. Die Hierarchie ist die ideale Form der Feudalität; die
Feudalität — die politische Form der mittelaltrigen Produktions- 40
und Verkehrsverhältnisse. Aus der Darstellung dieser praktischen,
materiellen Verhältnisse ist also allein der Kampf der Feudalität
gegen die Hierarchie zu erklären; mit dieser Darstellung hört von
selbst die bisherige Geschichtsauffassung auf, die die Illusionen
des Mittelalters auf Treu und Glauben annahm, — namentlich 45
ПІ. Sankt Max
159
die Illusionen, die Kaiser und Papst in ihrem Kampfe gegen ein¬
ander geltend machen.
Da Sankt Max nur Hegels Abstraktionen über Mittelalter und
Hierarchie auf „pomphafte Worte und armselige Gedanken“ re-
5 duziert, ist keine Veranlassung gegeben, auf die wirkliche, ge¬
schichtliche Hierarchie weiter einzugehen.
Aus dem Obigen geht schon hervor, daß man das Kunststück
auch umdrehen und den Katholizismus nicht nur als Vorstufe, son¬
dern auch als Verneinung der wahren Hierarchie fassen kann; so
10 ist also Katholizismus = Negation des Geistes, Ungeist, Sinnlich¬
keit, und hierbei kommt dann der große Satz unsres Jacques le
bonhomme heraus, daß die Jesuiten „Uns vor dem Verkom¬
men und Untergang der Sinnlichkeit gerettet haben“, (p. 118).
Was aus „Uns“ geworden wäre, wenn /20c[ 19c]/ der „Untergang“
15 der Sinnlichkeit zu Stande gekommen, erfahren wir nicht. Die
ganz[e] materielle Bewegung seit dem sechszehnten Jahrhundert,
die „Uns“ nicht vor dem „Verkommen“ der Sinnlichkeit rettete,
sondern im Gegenteil die „Sinnlichkeit“ viel weiter ausbildete,
existiert für „Stirner“ nicht — es sind die Jesuiten, die Alles das
го zu Stande gebracht haben. Man vergleiche übrigens Hegels Phil.
d. Gesch. p. 425.
Indem Sankt Max die alte Pfaffenherrschaft in die neuere Zeit
überträgt, hat er damit die neuere Zeit als „d а s P f а f f e n t u m“
aufgefaßt; und indem er diese in die neuere Zeit übertragene
25 Pfaffenherrschaft wieder in ihrem Unterschiede von der alten
mittelalterlichen Pfaffenherrschaft faßt, stellt er sie als Herrschaft
der Ideologen, als „das Schulmeistertum“ dar. So ist also
Pfaffentum = Hierarchie als Geistesherrschaft, Schulmeistertum
= Geistesherrschaft als Hierarchie.
зо Diesen einfachen Übergang auf das Pfaffentum, der gar kein
Übergang ist, bringt „Stirner“ in drei schweren Wandlungen
fertig. Zum ersten „hat“ er den „Begriff des Pfaffentums“ in
Jedem, „der für eine große Idee, eine gute Sache“ (noch immer
die Gute Sache!), „eine Lehre pp lebt“. — Zum Zweiten „stößt“
35 Stirner in seiner Welt des Wahns auf „den uralten Wahn der
Welt, die des Pfaffentums noch nicht entraten gelernt hat“, näm¬
lich „für eine Idee zu leben und zu schaffen pp“. — Zum Drit¬
ten „ist dies die Herrschaft der Idee oder das Pfaffentum“, näm¬
lich „Robespierre z. B.“ (zum Beispiel!), „St. Just usw.“ (und so
za weiter!) „waren durch und durch Pfaffen“ pp. Alle drei Wand¬
lungen, in denen das Pfaffentum „entdeckt“, „aufgestoßen“ und
„berufen“ wird (alle p. 100), drücken also weiter Nichts aus,
als was Sankt Max uns bereits früher schon wiederholt gesagt hat,
nämlich die Herrschaft des Geistes, der Idee, des Heiligen über
45 das „Leben“ (ibid.). — Nachdem so der Geschich-/21[20] te die
160
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Herrschaft der Idee oder das Pfaffentum“ einmal untergescho¬
ben ist, kann Sankt Max natürlich ohne Schwierigkeit in der gan¬
zen bisherigen Geschichte „das Pfaffentum“ wiederfinden, und so
„Robespierre z. B„ St. Just usw.“ als Pfaffen darstellen und mit
Innocenz III. und Gregor VII. identifizieren, wo somit alle Einzig- з
keit vor dem Einzigen veischwindet. Sie sind ja Alle eigentlich
nur verschiedene Namen, verschiedene Verkleidungen einer
Person, „des“ Pfaffentums, das die ganze Geschichte vom An¬
fang des Christentums an gemacht hat. Wie man in dieser Art der
Geschichtsauffassung „alle Kühe grau macht“, indem man alle 10
historischen Unterschiede „aufhebt“ und in „den Begriff des
Pfaffentums“ „auflöst“, davon gibt uns der heilige Max sogleich
ein schlagendes Beispiel an „Robespierre z. B„ St. Just usw.“.
Hier wird uns zuerst Robespierre als „Beispiel“ von Saint Just,
und Saint Just als „undsoweiter“ von Robespierre angeführt. So- 15
dann heißt es: „Diesen Vertretern heiliger Interessen steht eine
Welt zahlloser „persönlicher“, profaner Interessen gegenüber“.
Wer stand ihnen gegenüber? Die Girondins und Thermidoriens,
die ihnen, den wirklichen Repräsentanten der revolutionären
Force — d. h. der nur wirklich revolutionären Klasse, der „zahl- 20
losen“ Masse — gegenüber beständig (siehe Memoires de R. Le¬
vasseur „z. B.“, „usw.“, „d. h.“ Nougaret, Hist, des prisons —
Barrere — Deux amis de la liberte (et du commerce) — Mont-
gaillard, hist, de France — Mme Roland, Appel ä la posterite
— Memoires de J. B. Louvet — und selbst die ekelhaften Essais 25
historiques par Beaulieu ppp, sowie sämtliche Verhandlungen vor
dem Revolutionstribunal „usw.“), die Verletzung der „heiligen
Interessen“, der Konstitution, Freiheit, Gleichheit, Menschen¬
rechte, Republikanismus, Recht, sainte propriete, „z. B.“ Teilung
der Gewalten, Menschlichkeit, Sittlichkeit, Mäßfgung „usw.“ vor- зо
warfen. Ihnen standen gegenüber alle Pfaffen, die sie der
Verletzung sämtlicher Haupt- und Nebenstücke des religiösen und
moralischen Katechismus anklagten (siehe „z. B.“ Histoire du
clerge de France pendant la revolution par /21а[20a]/ M. R.,
Paris, libraire catholique 1828 „usw.“). Die historische Glosse 35
des Bürgers, daß während des regne de la terreur „Robespierre
z. B., St. Just usw.“ den honnetes gens (siehe die unzähligen
Schriften des einfältigen Herrn Peltier, „z. B.“ Conspiration
de Robespierre, par Montjoie „usw.“) die Köpfe abschlugen,
drückt der heilige Max in folgender Wandlung aus: „Weil die 40
revolutionären Pfaffen oder Schulmeister dem Menschen dienten,
darum schnitten sie den Menschen die Hälse ab“. Hiermit ist
Sankt Max natürlich der Mühe überhoben, über die wirklichen,
empirischen, auf höchst profanen Interessen, freilich nicht der
Agiotörs, sondern der „zahllosen“ Masse basierten Gründe des 45
ПІ. Sankt Max
161
Kopfabschlagens auch nur ein „einziges“ Wörtlein zu verlieren.
Ein früherer „Pfaffe“, Spinoza, hatte bereits im siebzehnten
Jahrhundert die Unverschämtheit, „ein Zuchtmeister“ auf Sankt
Max zu sein, indem er sagte: „Die Ignoranz ist kein Argument“.
5 Dafür haßt der heilige Max auch den Pfaffen Spinoza so sehr,
daß er seinen Antipfaffen, den Pfaffen Leibniz akzeptiert und
für alle dergleichen wundersame Phänomene, wie der Terroris¬
mus „z. B.“, das Kopfabschlagen „usw.“ einen „zureichenden
Grund“ produziert, nämlich daß „die geistlichen Menschen sich
10 so etwas in den Kopf gesetzt haben.“ (p.98).
Der selige Max, der für Alles den zureichenden Grund gefun¬
den hat („Ich habe nun den Grund gefunden, an dem Mein An¬
ker ewig hält“, wo anders als in der Idee „z. B.“ dem „Pfaffentum“
„usw.“ von „Robespierre z. B„ Saint Just usw.“, George Sand,
15 Proudhon, die Berliner keusche Nähterin pp) „verdenkt es der
Bürgerklasse nicht, daß sie bei ihrem Egoismus anfragte, wie
weit sie der revolutionären Idee Raum geben dürfe“. Für Sankt
Max ist „d i e revolutionäre Idee“ der habits bleus und honnetes
gens von 1789 dieselbe „Idee“, wie die der sansculottes von 1793,
2o dieselbe Idee, worüber beraten wird, ob ihr „Raum zu ge¬
lten“ sei — worüber keiner „Idee“ weiter „Raum gegeben“ wer¬
den kann.
Wir kommen jetzt auf die gegenwärtige Hierarchie, die Herr¬
schaft der Idee im /21b [20b]/ gewöhnlichen Leben. Der ganze
25 zweite Teil „des Buchs“ wird von dem Kampfe gegen diese „Hier¬
archie“ ausgefüllt. Wir gehen also erst in diesem zweiten Teil
auf sie ein. Da indes Sankt Max gerade wie beim „Sparren“ schon
hier seine Ideen vorläufig genießt, und im Anfänge das Spätere
wiederholt, wie im Späteren den Anfang, sind wir gezwungen,
зо schon jetzt einige Exempel seiner Hierarchie zu konstatieren.
Seine Methode des Buchmachens ist der einzige „Egoismus“, der
sich im ganzen Buche vorfindet. Sein Selbstgenuß und der Genuß
des Lesers stehen in umgekehrtem Verhältnis.
Weil die Bürger Liebe zu ihrem Reich, ihrem Regime ver-
35 langen, wollen sie nach Jacques le bonhomme ein „Reich der Liebe
auf Erden gründen“ (p. 98). Weil sie Respekt vor ihrer Herr¬
schaft und den Verhältnissen ihrer Herrschaft fordern, also die
Herrschaft über den Respekt usurpieren wollen, verlangen sie
nach demselben Biedermann die Herrschaft des Respekts
4o schlechthin, verhalten sie sich zum Respekt als zum heiligen Geist,
der in ihnen lebt (p. 95). Die verdrehte Form, worin die schein¬
heilige und heuchlerische Ideologie der Bourgeois ihre aparten
Interessen als allgemeine Interessen ausspricht, wird von dem
Berge versetzenden Glauben unsres Jacques le bonhomme als wirk-
45 liehe, profane Grundlage der bürgerlichenWelt akzeptiert. Warum
Marx-Engels-Gesamtausgabc, I. Abt., Bd. 5 11
162
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
diese ideologische Täuschung bei unserm Heiligen gerade diese
Form annimmt, werden wir beim „politischenLiberalismus“ sehen.
Ein neues Beispiel gibt uns Sankt Max p. 115 in der Familie.
Er erklärt, man könne sich zwar sehr leicht von der Herrschaft
seiner eigenen Familie emanzipieren, aber „der aufgekiindigte 5
Gehorsam fährt Einem leicht ins Gewissen“, und so hält man die
Familienliebe, den Familienbegriff fest, man hat also den „heili¬
gen Familienbegriff“, „das Heilige“ (p. 116). — Der gutejunge
sieht hier wieder.die Herrschaft des Heiligen, wo ganz empirische
Verhältnisse herrschen. Der Bourgeois verhält sich zu den Insti- 10
tutionen seines Regimes, wie der Jude zum Gesetz; er umgeht sie,
so oft es tunlich ist in jedem einzelnen Fall, aber er will, daß alle
Andern sie halten sollen. /21c[20c]/ Wenn sämtliche Bourgeois in
Masse und auf Einmal die Institutionen der Bourgeoisie umgin¬
gen, so würden sie aufhören, Bourgeois zu sein — ein Verhalten, 15
das ihnen natürlich nicht einfällt, und keineswegs von ihrem Wol¬
len oder Laufen abhängt. Der liederliche Bourgeois umgeht die
Ehe und begeht heimlichen Ehebruch; der Kaufmann umgeht die
Institution des Eigentums, indem er Andre durch Spekulation,
Bankerott pp um ihr Eigentum bringt — der junge Bourgeois 20
macht sich von seiner eignen Familie unabhängig, wenn er kann,
löst für sich die Familie praktisch auf; aber die Ehe, das Eigen¬
tum, die Familie bleiben theoretisch unangetastet, weil sie prak¬
tisch die Grundlagen sind, auf denen die Bourgeoisie ihre Herr¬
schaft errichtet hat, weil sie in ihrer Bourgeoisform die Bedin- 25
gungen sind, die den Bourgeois zum Bourgeois machen, gerade
wie das stets umgangene Gesetz den religiösen Juden zum reli¬
giösen Juden macht. Dieses Verhältnis des Bourgeois zu seinen
Existenzbedingungen erhält eine seiner allgemeinen Formen in
der bürgerlichen Moralität. Es ist überhaupt nicht von „d e r“ Fa- зо
milie zu sprechen. Die Bourgeoisie gibt historisch der Familie
den Charakter der bürgerlichen Familie, worin die Langweile
und das Geld das Bindende ist, und zu welcher auch die bürger¬
liche Auflösung der Familie gehört, bei der die Familie selbst
stets fortexistiert. Ihrer schmutzigen Existenz entspricht der hei- 35
lige Begriff in offiziellen Redensarten und in der allgemeinen
Heuchelei. Wo die Familie wirklich aufgelöst ist, wie im Pro¬
letariat, findet grade das Gegenteil von dem Statt, was „Stimer“
meint. Dort existiert der Familienbegriff durchaus nicht, wäh¬
rend stellenweise allerdings Familienzuneigung, gestützt auf 40
höchst reale Verhältnisse, gefunden wird. Im achtzehnten Jahr¬
hundert wurde der Familienbegriff von den Philosophen aufge¬
löst, weil die wirkliche Familie auf den höchsten Spitzen derZivili-
sation bereits in der Auflösung begriffen war. Aufgelöst war das
innere Band der Familie, die einzelnen Teile, aus denen der Fa- 45
ПІ. Sankt Max
163
milienbegriff komponiert ist, z. B. Gehorsam, Pietät, eheli-/22-
[21]/che Treue pp; aber der wirkliche Körper der Familie, Ver-
mögensverhältnis, ausschließliches Verhältnis gegen andre Fami¬
lien, gezwungenes Zusammenleben, die Verhältnisse, die schon
5 durch die Existenz der Kinder, den Bau der jetzigen Städte, Bil¬
dung des Kapitals pp, gegeben waren, blieben, wenn auch viel¬
fach gestört, weil das Dasein der Familie durch ihren Zusammen¬
hang mit der vom Willen der bürgerlichen Gesellschaft unab¬
hängigen Produktionsweise nötig gemacht ist. Am frappantesten
10 zeigt sich diese Unentbehrlichkeit in der französischen Revolution,
wo die Familie für einen Augenblick gesetzlich so gut als aufgeho¬
ben war. Die Familie existiert sogar im neunzehnten Jahrhundert
noch fort, nur daß die Tätigkeit der Auflösung nicht des Begriffs
wegen, sondern wegen entwickelterer Industrie und Konkurrenz
15 allgemeiner geworden ist; sie existiert noch immer, trotzdem daß
ihre Auflösung längst von französischen und englischen Sozialisten
proklamiert und vermittelst französischer Romane endlich auch
zu den deutschen Kirchenvätern gedrungen ist.
Noch ein Beispiel von der Herrschaft der Idee im gewöhnlichen
2o Leben. Weil die Schulmeister über ihren geringen Sold mit der
Heiligkeit der Sache, der sie dienen, vertröstet werden mögen
(was bloß in Deutschland vorfallen kann), glaubt Jacques le bon¬
homme wirklich, diese Redensart sei die Ursache ihrer niedrigen
Besoldung (p. 100). Er glaubt, daß „das Heilige“ in der heutigen
25 bürgerlichen Welt einen wirklichen Geldwert habe, er glaubt, daß
die dürftigen Ressourcen des preußischen Staats, worüber u. A.
Browning zu vergleichen, sich durch die Abschaffung „des Heili¬
gen“ so sehr vergrößern würden, daß jeder Dorfschulmeister
plötzlich wie ein Minister salariert werden könnte.
зо Dies ist die Hierarchie des Unsinns.
Der „Schlußstein des erhabnen Domwerkes“, wie der große
Michelet sagt, der Hie-/22a[21a]/rarchie ist „mitunter“ die Tat
von „Man“. — „Man teilt mitunter die Menschen in zwei
Klassen, in Gebildete und Ungebildete“. (Man teilt mitunter die
35 Affen in zwei Klassen, in Geschwänzte und Ungeschwänzte). „Die
Ersteren beschäftigten sich, so weit sie ihres Namens würdig
waren, mit Gedanken, mit dem Geiste“. Sie „waren in der nach¬
christlichen Zeit die Herrschenden und forderten für ihre Gedan¬
ken Respekt“. Die Ungebildeten (Tier, Kind, Neger) sind
4o „schwach“ gegen die Gedanken und „werden von ihnen beherrscht.
Dies ist der Sinn der Hierarchie“.
Die Jebildeten (Jüngling, Mongole, Neuer) sind also wieder
nur mit „d e m Geist“, dem reinen Gedanken pp beschäftigt, Meta¬
physiker von Profession, in letzter Instanz Hegelianer. „Daher“
45 sind die Unjebildeten die Nichthegelianer. Hegel war ohne Zwei-
n*
164
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
fei der allerjebildetste Hegelianer und darum muß auch bei ihm
„an den Tag kommen, welche Sehnsucht gerade der Gebildetste
nach den Dingen hat“. Nämlich der Jebildete und Unjebildete
stoßen auch in einander aneinander, und zwar in jedem Menschen
stößt der Unjebildete auf den Jebildeten. Da nun bei Hegel die 5
größte Sehnsucht nach den Dingen, also nach dem, was des Un-
jebildeten ist, an den Tag kommt, so kommt hier ebenfalls an den
Tag, daß der Allerjebildetste zugleich der Unjebildetste ist. „Da“
(bei Hegel) „soll dem Gedanken ganz und gar die Wirklichkeit
entsprechen und kein Begriff ohne Realität sein“. Soll heißen: 10
Da soll denn ganz und gar die gewöhnliche Vorstellung von der
Wirklichkeit ihren philosophischen Ausdruck erhalten, wobei He¬
gel sich nun umgekehrt einbildet, daß „mithin“ jeder philosophi¬
sche Ausdruck sich die ihm entsprechende Wirklichkeit erschaffe.
Jacques le bonhomme nimmt die Illusion, die Hegel von seiner 15
Philosophie hat, für die bare Münze der Hegelschen Philosophie.
Die Hegelsche Philosophie, die in der Herrschaft der Hege¬
lianer über die Nichthegelianer als Krone der Hierarchie auftritt,
erobert nun das letzte Weltreich. „Hegels /22b [21b] / System —
war die höchste Despotie und Alleinherrschaft des Den- 20
kens, die Allgewalt und Allmacht des Geistes.“ (p.97).
Hier geraten wir also in das Geisterreich der Hegelschen Philo¬
sophie, das von Berlin bis Halle und Tübingen geht, das Geister¬
reich, dessen Geschichte Herr Bayrhoffer geschrieben und wozu
die statistischen Notizen von dem großen Michelet zusammenge- 25
tragen sind.
Die Vorbereitung zu diesem Geisterreich war die französische
Revolution, die „nichts anders getan hat, als die Dinge
in Vorstellungen von den Dingen verwandelt“ (p. 115 —
vergl. obenHegel über dieRevolutionS. [15611-20]). „So blieb man зо
Staatsbürger“ (dies geht zwar bei „Stirner“ vorher, aber „was
Stirner sagt, ist nicht das Gemeinte, und was er meint, ist unsag¬
bar“. Wig. p. 149) und „lebte in der Reflexion, man hatte
einen Gegenstand, auf den man reflektierte, vor dem man“
(per appos.) „Ehrfurcht und Furcht empfand“. „Stirner“ sagt 35
einmal p. 98: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen ge¬
pflastert“. Wir sagen dagegen: Der Weg zum Einzigen ist mit
schlechten Nachsätzen gepflastert, mit Appositionen, die seine
den Chinesen abgeborgte „Himmelsleiter“ und sein „Seil des Ob¬
jektiven“ (p. 88) sind, auf dem er seine „Flohsprünge“ macht. 40
Hiernach war es für „die neuere Philosophie oder Zeit“ — seit
dem Hereinbrechen des Geisterreiches ist ja die neuere Zeit
Nichts Andres, als die neuere Philosophie — ein Leichtes, „die
existierenden Objekte in vorgestellte, d. h. in Begriffe zu ver¬
wandeln“ p. 114, eine Arbeit, die Sankt Max weiter fortsetzt. 45
ПІ. Sankt Max
165
Wir haben unsren Ritter von der traurigen Gestalt bereits, „ehe
denn die Berge waren“, die er nachher durch seinen Glauben ver¬
setzte, bereits im Anfänge seines Buches auf das große Resultat
seines „erhabenen Domwerkes“ mit verhängtem Zügel lostraben
5 sehen. Sein „Grauer“, die Apposition, konnte ihm nicht rasch ge¬
nug springen; jetzt endlich, auf p. 114, hat er sein Ziel erreicht,
und durch ein mächtiges Oder die neuere Zeit in die neuere
Philosophie verwandelt.
Hiermit hat die alte (d. h. die alte und neue, negerhafte und
io mongolische, eigentlich aber nur die vorstimersche) Zeit, „ihr
letztes Absehen erreicht“. Wir können jetzt enthüllen, weshalb
/22c[21c]/ Sankt Max seinen ganzen ersten Teil „Der Mensch“
betitelt, und seine ganze Zauber-, Gespenster- und Rittergeschichte
für die Geschichte „des Menschen“ ausgegeben hat. Die Ideen
и und Gedanken der Menschen waren natürlich Ideen und Gedan¬
ken über sich und ihre Verhältnisse, ihr Bewußtsein von sich,
von den Menschen, denn es war ein Bewußtsein nicht nur der
einzelnen Person, sondern der einzelnen Person im Zusammen¬
hänge mit der ganzen Gesellschaft und von der ganzen Gesell-
2o schäft, in der sie lebten. Die von ihnen unabhängigen Bedingun¬
gen, innerhalb deren sie ihr Leben produzierten, die damit zusam¬
menhängenden notwendigen Verkehrsformen, die damit gegebe¬
nen persönlichen und sozialen Verhältnisse, mußten, so weit sie in
Gedanken ausgedrückt wurden, die Form von idealen Bedingun-
25 gen und notwendigen Verhältnissen annehmen, d. h. als aus dem
Begriff des Menschen, dem menschlichen Wesen, der Natur des
Menschen, dem Menschen hervorgehende Bestimmungen ihren
Ausdruck im Bewußtsein erhalten. Was die Menschen waren, was
ihre Verhältnisse waren, erschien im Bewußtsein als Vorstellung
зо von dem Menschen, von seinen Daseinsweisen oder von seinen
näheren Begriffsbestimmungen. Nachdem die Ideologen nun vor¬
ausgesetzt hatten, daß die Ideen und Gedanken die bisherige Ge¬
schichte beherrschten, daß ihre Geschichte alle bisherige Ge¬
schichte sei, nachdem sie sich eingebildet hatten, die wirklichen
35 Verhältnisse hätten sich nach dem Menschen und seinen idealen
Verhältnissen, id est Begriffsbestimmungen gerichtet, nachdem sie
überhaupt die Geschichte des Bewußtseins der Menschen von sich
zur Grundlage ihrer wirklichen Geschichte gemacht hatten, war
Nichts leichter, als die Geschichte des Bewußtseins, der Ideen, des
40 Heiligen, der fixierten Vorstellungen — Geschichte „des Men¬
schen“ zu nennen und diese der wirklichen Geschichte unterzu¬
schieben. Sankt Max zeichnet sich vor allen seinen Vorgängern
nur dadurch aus, daß er von diesen Vorstellungen, selbst in ihrer
17 Im Original von dem Menschen
166
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
willkürlichen Isolierung vom wirklichen Leben, dessen Produkte
sie waren, Nichts weiß und seine nichtige Schöpfung darauf be¬
schränkt, in seiner Kopie der Hegelschen Ideologie die Unkennt¬
nis selbst dessen, was er kopiert, zu konstatieren. — Schon hieraus
ergibt sich, wie er seiner Phantasie von der Geschichte des Men- 5
sehen die Geschichte des wirklichen Individuums in der Form des
Einzigen gegenüberstellen kann.
Die einzige Geschichte trägt sich Anfangs in /23 [22]/ der Stoa
zu Athen, später fast gänzlich in Deutschland und schließlich am
Kupfergraben in Berlin zu, wo der Despot der „neueren Philoso- 10
phie oder Zeit“ seine Hofburg aufgeschlagen hatte. Schon daraus
geht hervor, welch eine ausschließlich nationale und lokale Ange¬
legenheit hier verhandelt wird. Statt der Weltgeschichte gibt der
heilige Max uns einige, noch dazu höchst dürftige und schiefe
Glossen über die Geschichte der deutschen Theologie und Phi- 15
losophie. Wenn wir einmal zum Schein aus Deutschland heraus¬
treten, so geschieht es nur, um die Taten und Gedanken andrer
Völker, z. B. die französische Revolution, in Deutschland und
zwar am Kupfergraben „ihr letztes Absehen erreichen“ zu lassen.
Nur deutsch-nationale Tatsachen werden zitiert, nach deutsch-na- 20
tionaler Weise werden sie verhandelt und aufgefaßt, und das Re¬
sultat bleibt ein national-deutsches. Aber auch damit ist es nicht
genug. Die Auffassung und Bildung unsres Heiligen ist nicht nur
deutsch, sie ist durch und durch Berlinisch. Die Rolle, die der
Hegelschen Philosophie erteilt wird, ist dieselbe, die sie in Berlin 25
spielt, und Stimer verwechselt nun Berlin mit der Welt und ihrer
Geschichte. Der „Jüngling“ ist ein Berliner, die guten Bürger, die
uns im ganzen Buche begegnen, sind Berliner Weißbierphilister.
Mit solchen Prämissen kommt man natürlich nur zu einem inner¬
halb der Nationalität und Lokalität befangenen Resultate. „Stir- зо
ner“ und seine ganze philosophische Bruderschaft, deren Schwäch¬
ster und Unwissendster er ist, liefern den praktischen Kommentar
zu dem wackern Verslein des wackem Hoffmann von Fallersleben:
Nur in Deutschland, nur in Deutschland,
da möcht’ ich ewig leben. 35
Das Berliner Lokalresultat unsres wackern Heiligen, daß die
ganze Welt in der Hegelschen Philosophie alle jeworden sei, be¬
fähigt ihn nun, ohne große Unkosten zu einem „eignen“ Weltreich
zu kommen. Die Hegelsche Philosophie hat Alles in Gedanken, in
das Heilige, in Spuk, in Geist, in Geister, in Gespenster verwan- 40
delt. Diese wird „Stimer“ bekämpfen, in seiner Einbildung über¬
winden und auf ihren Leichen sein „eignes“, „einziges“, „leibhaf¬
tiges“ Weltreich, das Weltreich des „ganzen Kerls“ stiften.
ПІ. Sankt Max
167
„Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu
kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit
den Herren dieser Welt, die in der Finsternis dieser Welt
herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“
5 Epheser 6, 12.
Jetzt ist „Stirner“ „an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben“
den Kampf gegen die Gedanken. Den „Schild des Glaubens“
braucht er nicht erst zu „ergreifen“, da er ihn nie aus den Hän¬
den gegeben hat. /23a [22a]/ Mit dem „Helm“ des Unheils und
io dem „Schwert“ der Geistlosigkeit (vergl. ibid.) gewappnet, zieht
er in den Kampf. „Und es ward ihm gegeben, zu streiten wider das
Heilige“, aber nicht es „zu besiegen“. (Offenb. Joh. 13, 7).
5. Der in seiner Konstruktion vergnügte
„Stirne r“
15 Wir sind jetzt grade wieder so weit, als wir p. 19 bei dem Jüng¬
ling, der in den Mann überging, und p. 90 bei dem mongolenhaf-
ten Kaukasier waren, der sich in den kaukasischen Kaukasier ver¬
wandelt, und „sich selber findet“. Wir sind also bei der dritten
Selbstfindung des geheimnisvollen Individuums, dessen „saure
го Lebenskämpfe“ uns der heilige Max vorführt. Nur haben wir
jetzt die ganze Geschichte hinter uns, und müssen wegen des gro¬
ßen Materials, das wir verarbeitet haben, einen Rückblick auf
den Ungeheuern Kadaver des ruinierten Menschen werfen.
Wenn der heilige Max auf einer spätem Seite, wo er längst
25 seine Geschichte vergessen hat, behauptet, daß „schon längst die
Genialität als die Schöpferin neuer weltgeschichtlicher Produk¬
tionen angesehen wird“ (p. 214), so haben wir gesehen, daß dies
wenigstens seiner Geschichte auch seine schlimmsten Feinde
nicht nachlästern können, da hier keine Personen, geschweige Ge-
3o nies, sonderen nur versteinerte Gedankenkrüppel und Hegelsche
Wechselbälge auftreten.
Repetitio est mater studiorum. Sankt Max, der seine ganze Hi¬
storie der „Philosophie oder Zeit“ nur gegeben hat, um Gelegen¬
heit zu einigen flüchtigen Studien Hegels zu finden, repetiert
35 schließlich noch einmal seine ganze einzige Geschichte. Dies ge¬
schieht indes mit einer naturgeschichtlichen Wendung, die uns
wichtige Aufschlüsse über die „einzige“ Naturwissenschaft gibt
und sich daraus erklärt, daß bei ihm die „Welt“ jedesmal, wo sie
168
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
eine wichtige Rolle zu spielen hat, sich sogleich in die Natur
verwandelt. Die „einzige“ Naturwissenschaft beginnt sofort mit
dem Geständnis ihrer Ohnmacht. Sie betrachtet nicht das wirk¬
liche durch die Industrie und Naturwissenschaft gegebene Ver¬
hältnis, sie proklamiert das phantastische Verhältnis desMenschen 5
zur Natur. „Wie Weniges vermag der Mensch zu bezwingen! Er
muß die Sonne ihre Bahn ziehen, das Meer seine Wellen treiben,
die Berge zum Himmel ragen lassen.“ (p. 122). Sankt Max, der
die Mirakel liebt, wie alle Heiligen, es aber dennoch nur bis zum
logischen Mirakel bringt, ärgert sich darüber, daß er die Sonne 10
nicht den Cancan tanzen lassen, er jammert, daß er das Meer
nicht in Ruhestand versetzen kann, es entrüstet ihn, daß er die
Berge zum Himmel ragen lassen muß. Obwohl p. 124 die Welt
bereits am Ende der / {25}(24) [23]/ alten Zeit „prosaisch“ wird,
so ist sie für unsern Heiligen noch immer höchst unprosaisch. Für 15
ihn zieht noch immer „die Sonne“, nicht die Erde ihre Bahn, und
sein Gram ist, daß er nicht ä la Josua ihr ein: „Sonne, stehe stille“
kommandieren kann. P. 123 entdeckt Stirner, daß „der Geist“ am
Ende der alten Welt „unaufhaltsam wieder überschäumte, weil in
seinem Innem Gase (Geister) sich entwickelten und, nach- 20
dem der mechanische Stoß, der von Außen kommt, un¬
wirksam geworden, chemische Spannungen, die im In¬
nern erregen, ihr wunderbares Spiel zu treiben begannen“.
Dieser Satz enthält die bedeutendsten Data der „einzigen“ Na¬
turphilosophie, die bereits auf der vorigen Seite dahin gekommen 25
war, daß die Natur für den Menschen „das Unbezwingliche“ sei.
Die profane Physik weiß Nichts von einem mechanischen Stoß,
der unwirksam wird — die einzige Physik hat allein das Ver¬
dienst ihrer Entdeckung. Die profane Chemie kennt keine „Gase“,
die „chemische Spannungen“ und noch dazu „im Innern“ erregen, зо
Gase, die neue Mischungen, neue chemische Verhältnisse ein¬
gehen, erregen keine „Spannungen“, sondern höchstens Abspan¬
nungen, indem sie in den tropfbaren Aggregatzustand übergehen
und dadurch ihr Volumen auf weniger als ein Tausendstel des
früheren reduzieren. Wenn der heilige Max „in“ seinem eignen 35
„Innem“ „Spannungen“ infolge von „Gasen“ verspürt, so sind
das höchst „mechanische Stöße“, keineswegs „chemische Span¬
nungen“ — sie werden hervorgebracht durch die chemische, wie¬
der auf physiologischen Ursachen beruhende Verwandlung ge¬
wisser Mischungen in andre, wodurch ein Teil der Bestandteile 40
der früheren Mischung luftförmig wird, dadurch ein größeres Vo¬
lumen einnimmt, und wenn dazu kein Raum vorhanden ist. nach
außen hin einen „mechanischen Stoß“ oder Druck 25a [23a]/
[ver]ursacht. [Daß] diese nicht existierenden [„chemi] sehen Span-
44 Lücken von den Mäusen eingefressen
ПІ. Sankt Max
169
nungen“ „im Innern“, nämlich diesmal im Kopfe des heiligen
Max, ein höchst „wunderbares] Spiel treiben“, „sehen wir [nun]
an der Rolle, die sie [in] der „einzigen“ Naturwissenschaft spielen.
Übrigens möge der heilige Max den profanen Naturforschern nicht
5 länger vorenthalten, welchen Unsinn er sich bei dem verrückten
Wort: „chemische Spannungen“ vorstellt und noch dazu bei sol¬
chen „chemischen Spannungen“, die „im Innern erregen“ (als ob
ein „mechanischer Stoß“ auf den Magen ihn nicht auch „im In¬
nern errege“).
10 Die „einzige“ Naturwissenschaft ist bloß deswegen geschrie¬
ben worden, weil Sankt Max diesmal die Alten doch nicht an¬
ständigerweise berühren konnte, ohne zugleich ein paar Worte
über die „Welt der Dinge“, die Natur, fallen zu lassen.
Die Alten lösen sich, wie uns hier versichert wird, am Ende der
15 alten Welt in lauter Stoiker auf, „die durch keinen Einsturz
der Welt“ (wie oft soll sie denn einstürzen?) „aus ihrer Fassung
zu bringen sind“ (p. 123). Die Alten werden also Chinesen, die
auch „aus dem Himmel ihrer Ruhe kein unvorhergesehener Fall“
(oder Einfall) „stürzt“ (p. 88). Ja, Jacques le bonhomme glaubt
20 wirklich, daß gegen die letzten Alten „der mechanische Stoß, der
von Außen kommt, unwirksam geworden sei“. Wiesehr dies der
wirklichen Lage der Römer und Griechen am Ende der alten Welt
entspricht, der gänzlichen Haltlosigkeit und Unsicherheit, die
dem „mechanischen Stoß“ kaum noch einen Rest von vis inertiae
25 entgegenzusetzen hatte, darüber ist u. A. Lucian zu vergleichen.
Die gewaltigen mechanischen Stöße, die das römische Weltreich
durch seine Zerteilung unter die verschiednen Cäsaren und deren
Kriege mit einander, durch die kolossale Konzentration des Be¬
sitzes, namentlich des Grundbesitzes, in Rom, die dadurch hervor-
30 gerufene Verminderung der Bevölkerung in Italien, durch die
/25b [23b]/ Hunnen und Germanen erhielt, sind für unsern heili¬
gen Historiker „unwirksam geworden“; nur die „chemischen
Spannungen“, nur die „Gase“, die das Christentum „im Innern
erregte“, haben das römische Reich gestürzt. Die großen Erd¬
as beben [im Westen] und im Osten, u. A. [die durch] „mechanische
Stöße“ Hun[derttau]sende unter den R[uinen] ihrer Städte be¬
gruben, [wovon] die Menschen auch geistig [keines]wegs unalte-
riert verblieben [, sind] nach „Stimer“ wohl ebenfalls ,,[un]wirk¬
sam“ oder chemische Spannungen. Und „in der Tat“ (!)
4o „schließt die alte Geschichte damit, daß Ich an der Welt mein
Eigentum errungen habe“, was vermittelst des Bibelspruchs be¬
wiesen wird: „Mir“ (d.h. Christus) „sind alle Dinge übergeben
vom Vater“. Hier ist also Ich — Christus. Bei dieser Gelegenheit
versäumt Jacques le bonhomme nicht dem Christen zu glauben,
2—38 Lücken von den Mäusen eingefressen
170
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
daß er Berge versetzen pp könne, wenn „ihm nur daran läge“.
Er proklamiert sich als Christen zum Herrn der Welt, ist es denn
aber auch nur als Christ; er proklamiert sich zum „Eigner
der Welt“. „Hiermit hatte der Egoismus den ersten vollständigen
Sieg errungen, indem Ich Mich dazu erhoben hatte, der Eigner 5
der Welt zu sein.“ (p. 124). Um sich zum vollendeten Christen
zu erheben, hatte das Stimersche Ich nur noch den Kampf durch¬
zusetzen, auch geistlos zu werden (was ihm gelungen ist, ehe
denn die Berge waren). „Selig sind, die da arm an Geist sind,
denn das Himmelreich ist ihrer“. Sankt Max hat die Armut am 10
Geist vollendet und rühmt sich dessen sogar in seiner großen
Freude vor dem Herrn.
Der geistlose Sankt Max glaubt an die aus der Auflösung der
alten Welt hervorgehenden phantastischen Gasbildungen der Chri¬
sten. Der alte Christ hatte kein Eigentum an dieser Welt, er be- 15
gnügte sich daher mit der Einbildung seines himmlischen Eigen¬
tums und mit seinem göttlichen Besitztitel. Statt an der Welt das
Eigentum des Volks zu haben, stempelte er sich selbst und seine
Lumpengenossenschaft zum „Volk des Eigentums“ (1 Petri 2, 9).
Die christliche Vorstellung von der Welt ist nach „Stirner“ die 20
Welt, worin sich wirklich die alte Welt auflöst, obgleich es doch
höchstens /25c [23c]/ [eine Welt] der Einbildungen ist, worin [sich
die W]elt der alten Vorstellungen [auflöst in ei]ne Welt, in der
der Christ [im Glauben] auch Berge versetzen, sich [mächtig feh¬
len und zur „Unwirksam [keit des] mechanischen Stoßes“ vor- 25
[wärts] dringen kann. Da die Menschen [bei „S]timer“ nicht
mehr durch die [Außen]welt bestimmt, auch nicht mehr [durch]
den mechanischen Stoß des [Bedürfnisses zum Produzieren fort-
[ge] trieben werden, überhaupt der mechanische Stoß und damit
auch der Geschlechtsakt, seine Wirkung verloren hatte, so können 30
[sie] nur durch Wunder fortexistiert haben. Es ist allerdings für
deutsche Schöngeister und Schulmeister von der Gashaltigkeit
„Stirners“ viel leichter, statt die Umgestaltung der wirklichen
Eigentums- und Produktionsverhältnisse der alten Welt darzu¬
stellen, sich zu begnügen mit der christlichen Phantasie des Eigen- 35
tums, die in Wahrheit Nichts ist, als das Eigentum der christlichen
Phantasie. — Derselbe Urchrist, der in Jacques le bonhomme’s
Einbildung der Eigner der alten Welt war, gehörte in der Wirk¬
lichkeit meist zur Welt der Eigner, war Sklave und konnte ver¬
schachert werden. Doch „Stirner“, in seiner Konstruktion ver- 40
gnügt, jubelt unaufhaltsam weiter. „Das erste Eigentum, die
erste Herrlichkeit ist erworben!“ (p. 124). — In derselben Weise
fährt der Stirnersche Egoismus fort, sich Eigentum und Herrlich-
keit zu erwerben und „vollständige Siege“ zu erringen. In dem
22—31 Von den Mäusen zerfressene Stellen
ПІ. Sankt Max
171
theologischen Verhältnis des Urchristen zur alten Welt ist all sein
Eigentum und all seine Herrlichkeit prototypisch vollendet.
Dies Eigentum des Christen wird so motiviert: „Die Welt ist
entgöttert . . . prosaisch geworden, sie ist Mein Eigentum, mit
5 dem Ich schalte wie Mir’s (nämlich dem Geiste) beliebt.“ P. 124.
Dies will heißen: Die Welt ist entgöttert, also von Meinen Phan¬
tasien für Mein eignes Bewußtsein befreit, sie ist prosaisch ge¬
worden, verhält sich also prosaisch zu mir und schaltet und waltet
mit Mir nach ihrer beliebten Prosa, keineswegs Mir zu Liebe.
io /{26} [24]/ Abgesehen davon, daß „Stimer“ hier wirklich glaubt,
im Altertum habe keine prosaische Welt existiert, und habe das
Göttliche in der Welt gesessen, verfälscht er sogar die christliche
Vorstellung, die ihre Ohnmacht gegen die Welt beständig be¬
jammert und ihren Sieg über die Welt i n ihrer Phantasie selbst
15 wieder als einen idealen darstellt, indem sie ihn auf den jüngsten
Tag verlegt. Erst als das Christentum von der wirklichen Welt¬
macht mit Beschlag belegt und exploitiert wurde, womit es natür¬
lich aufgehört hatte weltlos zu sein, konnte es sich einbilden, der
Eigner der Welt zu sein. Sankt Max gibt dem Christen dasselbe
го falsche Verhältnis zur alten Welt, wie dem Jüngling zur „Welt des
Kindes“; er gibt dem Egoisten dasselbe Verhältnis zur Welt des
Christen, wie dem Mann zur Welt des Jünglings.
Der Christ hat nun auch nichts mehr zu tun als möglichst
schnell geistlos zu werden, und ebenso die Welt des Geistes in
25 ihrer Eitelkeit zu erkennen wie dies von ihm mit der Welt der
Dinge geschah — um dann auch mit der Welt des Geistes „nach
Belieben schalten und walten“ zu können, wodurch er vollendeter
Christ, Egoist wird. Das Verhalten des Christen zur alten Welt gibt
also die Norm für das Verhalten des Egoisten zur neuen Welt ab.
зо Die Vorbereitung zu dieser Geistlosigkeit war der Inhalt eines
„fast zweitausendjährigen“ Lebens, ein Leben, das natürlich in
seinen Hauptepochen nur in Deutschland sich zuträgt.
„Unter mancherlei Wandlungen wurde aus dem
heiligen Geiste mit der Zeit die absolute Idee, welche wieder
35 in mannigfaltigen Brechungen zu den verschiedenen
Ideen der Menschenliebe, Bürgertugend, Vernünftigkeit usw. aus
einander schlug“. P. 125, 126. Der deutsche Stubenhocker dreht
hier wieder die Sache um. Die Ideen der Menschenliebe pp,
Münzen, deren Gepräge schon ganz abgegriffen war, namentlich
4o durch ihre große Zirkulation im achtzehnten Jahrhundert, wurden
von Hegel /26a [24a]/ zusammengeschlagen in das Sublimat der
absoluten Idee, in welcher Umprägung es ihnen indes eben so¬
wenig gelang im Auslande Kurs zu erhalten, wie dem preußischen
Papiergelde.
45 Der konsequente, aber und abermals dagewesene Schluß der
172
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Stimerschen Geschichtsanschauung ist folgender: „Begriffe sollen
überall entscheiden, Begriffe das Leben regeln, Begriffe herr¬
schen. Das ist die religiöse Welt, welcher Hegel einen systemati¬
schen Ausdruck gab“ (p. 126), und welche unser gutmütiger Bie¬
dermann sosehr für die wirkliche Welt versieht, daß er auf der s
folgenden Seite p. 127 sagen kann: „Jetzt herrscht in der Welt
Nichts als der Geist“. In dieser Welt des Wahns festgeritten, kann
er nun auch p. 128 erst einen „Altar“ bauen und dann „um diesen
Altar“ „eine Kirche wölben“, eine Kirche, deren „Mauern“ Fort¬
schrittsbeine haben und „immer weiter hinausrücken“. „Bald um- io
spannt jene Kirche die ganze Erde“; Er, derEinzige, und Szeliga sein
Knecht, stehen draußen, „schweifen um diese Mauern herum, und
werden zum äußersten Rande hinausgetrieben“; „aufschreiend
in verzehrendem Hunger“ ruft Sankt Max seinem Knechte zu:
„Noch ein Schritt, und die Welt des Heiligen hat gesiegt“. Plötz-
lieh „versinkt“ Szeliga, „in den äußersten Abgrund“, der über
ihm liegt — ein schriftstellerisches Wunder. Da nämlich die Erde
eine Kugel ist, kann der Abgrund, sobald die Kirche die ganze
Erde umspannt, nur über Szeliga liegen. So verkehrt er die Ge¬
setze der Schwere, fährt ärschlings gen Himmel und bringt da- 20
durch die „einzige“ Naturwissenschaft zu Ehren, was ihm umso
leichter wird, als nach p. 126 „die Natur der Sache und der Be¬
griff des Verhältnisses“ dem „Stirner“ gleichgültig sind, „ihn
nicht in der Behandlung oder Schließung desselben leiten“, und
„das Verhältnis, das“ Szeliga mit der Schwere „eingegangen“, 25
durch Szeligas „Einzigkeit selbst einzig“ ist, und keineswegs von
der Natur der Schwere „abhängt“, oder davon, „wie Andere“,
z. B. die Na-/26c[24b]/turforscher, „es rubrizieren“. „Stirner“
verbittet sich überdem schließlich, daß man Szeligas „Handlung
vom wirklichen“ Szeliga „trenne und nach dem menschlichen зо
Werte veranschlage“.
Nachdem der heilige Max seinem treuen Diener so ein anstän¬
diges Unterkommen i m Himmel besorgt hat, schreitet er zu seiner
eignen Passion. Er hat p. 95 entdeckt, daß selbst der „Galgen“
die „Farbe des Heiligen“ habe; es „graut den Menschen vor der
Berührung desselben, es liegt etwas Unheimliches, d. h. Unheimi¬
sches, Uneigenes, darin“. Um diese Uneigenheit des Galgens auf¬
zuheben, macht er ihn zu seinem eignen Galgen, was er nur da¬
durch vollziehen kann, daß er sich daran hängt. Auch dies letzte
Opfer bringt der Löwe aus Juda dem Egoismus. Der heilige Christ 40
läßt sich ans Kreuz hangen, nicht um das Kreuz, sondern um die
Menschen von ihrer Unheiligkeit zu erlösen; der heillose Christ
hängt sich selbst an den Galgen, um den Galgen von der Heilig¬
keit, oder sich selbst von der Uneigenheit des Galgens zu erlösen.
III. Sankt Max
173
„Die erste Herrlichkeit, das erste Eigentum ist erworben, der
erste vollständige Sieg ist errungen!“ Der heilige Streiter hat
jetzt die Geschichte überwunden, er hat sie in Gedanken, reine Ge¬
danken, die Nichts als Gedanken sind, aufgelöst, und am Ende der
5 Tage nur ein Gedankenheer sich gegenüberstehen. So zieht er
aus, Er, Sankt Max, der seinen „Galgen“ jetzt auf den Rücken ge¬
nommen hat, wie der Esel das Kreuz, und Szeliga, sein Knecht,
der mit Fußtritten im Himmel empfangen, gesenkten Hauptes wie¬
der bei seinem Herrn sich einfindet, um dieses Gedankenheer, oder
10 vielmehr bloß den Heiligenschein dieser Gedanken zu bekämpfen.
Diesmal ist es Sancho Pansa, voller Sittensprüche, Maximen und
Sprüchwörter, der den Kampf gegen das Heilige übernimmt, und
Don Quixote tritt als sein frommer und getreuer Knecht auf. Der
ehrliche Sancho kämpft mit derselben Tapferkeit wie vorzeiten
15 der caballero Manchego, und verfehlt nicht, wie dieser, mehrmals
eine mongolische Hammelherde für einen Schwarm von Gespen¬
stern zu /26c[24c]/ versehen. Die feiste Maritornes hat sich „unter
mancherlei Wandlungen mit der Zeit in mannigfaltigen Brechun¬
gen“^ eine keusche Berliner Nähterin verwandelt, die an der
2o Bleichsucht zu Grunde geht, worüber Sankt Sancho eine Elegie
anstimmt — eine Elegie, die allen Referendarien und Gardelieut-
nants den Satz des Rabelais zum Bewußtsein gebracht hat, daß
des weltbefreienden „Kriegsknechts erstes Waffenstück der Ho¬
senlatz ist“.
25 Sancho Pansa vollbringt seine Heldentaten dadurch, daß er
das ganze ihm gegenüberstehende Gedankenheer in seiner Nich¬
tigkeit und Eitelkeit erkennt. Die ganze große Aktion beschränkt
sich auf ein bloßes Erkennen, das am Ende der Tage Alles
bestehen läßt, wie es war, und nur seine Vorstellung, nicht einmal
зо von den Dingen, sondern von den philosophischen Phrasen über
die Dinge, ändert.
Nun also, nachdem die Alten als Kind, Neger, negerhafte Kau¬
kasier, Tier, Katholiken, englische Philosophie, Ungebildete,
Nichthegelianer, Welt der Dinge, realistisch, und die Neuen als
35 Jüngling, Mongole, mongolenhafte Kaukasier, der Mensch, Prote¬
stanten, deutsche Philosophie, Gebildete, Hegelianer, Welt der
Gedanken, idealistisch, dagewesen sind, nachdem Alles geschehen
ist, was da beschlossen war von Ewigkeit im Rate der Wächter,
nun ist endlich die Zeit erfüllet. Die negative Einheit Beider, die
4o schon als Mann, Kaukasier, kaukasischer Kaukasier, vollendeter
Christ, in Knechtsgestalt, gesehen „durch einen Spiegel in einem
dunklen Wort“ (1 Cor. 13, 12) aufgetreten war, kann jetzt, nach
der Passion und dem Galgentod Stirners und der Himmelfahrt
Szeligas in ihrer Glorie, auf die einfachste Namengebung zurück-
45 kehrend, kommen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft
174
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
und Herrlichkeit. „So heißt es nun“: Was früher „Man“ war
(vergl. Oek. d. A. Bundes), wird jetzt: „Ich“ — die negative
Einheit von Realismus und Idealismus, der Welt der Dinge und
der Welt des Geistes. /27a [25]/ Diese Einheit von Realismus und
Idealismus heißt bei Schelling „Indifferenz“, oder Berlinisch ver- s
dolmetscht: Jleichjiltigkeit; bei Hegel wird sie negative Einheit,
in der die beiden Momente aufgehoben werden; Sankt Max, den
als guten deutschen Spekulanten noch immer die „Einheit der Ge¬
gensätze“ nicht schlafen läßt, ist damit nicht zufrieden, er will
diese Einheit an einem „leibhaftigen Individuum“, in einem „gan- ю
zen Kerl“ vor sich sehen, wozu ihm Feuerbach in den Anecdotis
und der „Philosophie der Zukunft“ Vorschub geleistet hat. Dieses
Stimersche „Ich“, das am Ende der bisherigen Welt heraus¬
kommt, ist also kein „leibhaftiges Individuum“, sondern eine
durch die von Appositionen unterstützte Hegelsche Methode kon- is
struierte Kategorie, deren weitere „Flohsprünge“ wir im Neuen
Testament verfolgen werden. Hier bemerken wir nur noch, daß
dies Ich in letzter Instanz dadurch zu Stande kommt, daß es über
die Welt des Christen sich dieselben Einbildungen macht, wie der
Christ über die Welt der Dinge. Wie der Christ sich die Welt der 20
Dinge aneignet, indem er sich phantastisches Zeug über sie „in
den Kopf setzt“, so eignet „Ich“ sich die christliche Welt, die
Welt der Gedanken, vermöge einer Reihe phantastischer Einbil¬
dungen über dieselbe an. Was der Christ sich über sein Verhältnis
zur Welt einbildet, glaubt ihm „Stirner“, findet es probat und 25
macht es ihm gutmütig nach.
„So halten wir nun, daß der Mensch gerecht werde ohne die
Werke, allein durch den Glauben“. Römer 3, 28.
Hegel, dem sich die neue Welt auch in die Welt abstrakter
Gedanken aufgelöst hatte, bestimmt die Aufgabe des neuen Philo- зо
sophen im Gegensatz zum alten dahin, statt wie die alten sich vom
„natürlichen Bewußtsein“ zu befreien, und „das Individuum aus
der unmittelbaren sinnlichen Weise zu reinigen und es zur ge¬
dachten und denkenden Substanz“ (Geist) „zu machen“ — die
„festen, bestimmten, fixen Gedanken aufzuheben“. Dies, fügt er 35
hinzu, vollbringe „die Dialektik“. Phänomenologie, p. 26, 27.
„Stirner“ unterscheidet sich von /27b [25a]/ Hegel dadurch, daß
er dasselbe ohne Dialektik vollbringt.
ПІ. Sankt Max
175
6. Die Freien
Was die „Freien“ hier zu tun haben, besagt die Ökonomie des
Alten Bundes. Wir können nicht dafür, daß das Ich, dem wir be¬
reits so nahe gerückt waren, uns jetzt wieder in unbestimmte Ferne
5 zurücktritt. Es ist überhaupt nicht unsre Schuld, daß wir nicht
schon von p. 20 „des Buchs“ sogleich auf das Ich übergingen.
A. Der politische Liberalismus
Der Schlüssel zu Sankt Maxens und seiner Vorgänger Kritik des
Liberalismus ist die Geschichte des deutschen Bürgertums. Wir
io heben einige Momente dieser Geschichte seit der französischen
Revolution hervor.
Der Zustand Deutschlands am Ende des vorigen Jahrhunderts
spiegelt sich vollständig ab in Kants Kritik der praktischen Ver¬
nunft. Während die französische Bourgeoisie sich durch die kolos-
15 salste Revolution, die die Geschichte kennt, zur Herrschaft auf¬
schwang und den europäischen Kontinent eroberte, während die
bereits politisch emanzipierte englische Bourgeoisie die Industrie
revolutionierte, und sich Indien politisch und die ganze andere
Welt kommerziell unterwarf, brachten es die ohnmächtigen deut-
2o sehen Bürger nur zum „guten Willen“. Kant beruhigte sich bei
dem bloßen „guten Willen“, selbst wenn er ohne alles Resultat
bleibt, und setzte die Verwirklichung dieses guten Willens,
die Hatmonie zwischen ihm und den Bedürfnissen und Trieben der
Individuen, int Jenseits. Dieser gute Wille Kants entspricht
25 vollständig der Ohnmacht, Gedrücktheit und Misere der deutschen
Bürger, deren kleinliche Interessen nie fähig waren, sich zu ge¬
meinschaftlichen, nationalen Interessen einer Klasse zu entwik-
keln, und die deshalb fortwährend von den Bourgeois aller an¬
dern Nationen exploitiert wurden. Diesen kleinlichen Lokalinter-
3o essen entsprach einerseits die wirkliche lokale und /27c[25b]/ pro¬
vinzielle Borniertheit, andrerseits die kosmopolitische Aufgebläht-
heit der deutschen Bürger. Überhaupt hatte seit der Reformation
die deutsche Entwicklung einen ganz kleinbürgerlichen Charakter
erhalten. Der alte Feudaladel war größtenteils in den Bauern¬
176
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
kriegen vernichtet worden; was übrig blieb, waren entweder
reichsunmittelbare Duodezfürsten, die sich allmählich eine ziem¬
liche Unabhängigkeit verschafften und die absolute Monarchie im
kleinsten und kleinstädtischsten Maßstabe nachahmten, oder klei¬
nere Grundbesitzer, die teils ihr Bischen Vermögen an den klei- 5
nen Höfen durchbrachten und dann von kleinen Stellen in den
kleinen Armeen und Regierungsbureaux lebten — oder Krautjun¬
ker, die ein Leben führten, dessen sich der bescheidenste englische
Squire oder französische gentilhomme de province geschämt hätte.
Der Ackerbau wurde auf eine Weise betrieben, die weder Parzel- 10
lierung, noch große Kultur war, und die trotz der fortdauernden
Hörigkeit und Fronlasten die Bauern nie zur Emanzipation fort¬
trieb, sowohl weil diese Art des Betriebes selbst keine aktiv revo¬
lutionäre Klasse aufkommen ließ, als auch weil ihr die einer sol¬
chen Bauernklasse entsprechende revolutionäre Bourgeoisie nicht 15
zur Seite stand. Was die Bürger betrifft, so können wir hier nur
ein Paar bezeichnende Momente hervorheben. Bezeichnend ist,
daß die Leinenmanufaktur, d. h. die auf dem Spinnrad und Hand¬
webstuhl beruhende Industrie in Deutschland gerade zu derselben
Zeit zu einiger Bedeutung kam, als in England diese unbeholfenen 20
Instrumente durch Maschinen verdrängt wurden. Am bezeich¬
nendsten ist ihre Stellung zu H о 11 а n d. Holland, der einzige Teil
der Hanse, der zu kommerzieller Bedeutung kam, riß sich los,
schnitt Deutschland bis auf zwei Häfen (Hamburg und Bremen)
vom Welthandel ab, und beherrschte seitdem den ganzen deut- 25
sehen Handel. Die deutschen Bürger waren zu ohnmächtig, der Ex¬
ploitation durch die Holländer Schranken zu setzen. Die Bour¬
geoisie des kleinen Hollands mit ihren entwickelten Klasseninter¬
essen war mächtiger, als die viel /27d[25c] / zahlreicheren Bürger
Deutschlands mit ihrer Interesselosigkeit und ihren zersplitter- зо
ten kleinlichen Interessen. Der Zersplitterung der Interessen ent¬
sprach die Zersplitterung der politischen Organisation, die kleinen
Fürstentümer und die freien Reichsstädte. Wo sollte politische
Konzentration in einem Lande herkommen, dem alle ökonomi¬
schen Bedingungen derselben fehlten? Die Ohnmacht jeder ein- 35
zelnen Lebenssphäre (man kann weder von Ständen noch von Klas¬
sen sprechen, sondern höchstens von gewesenen Ständen und un-
gebornen Klassen) erlaubte keiner einzigen, die ausschließliche
Herrschaft zu erobern. Die notwendige Folge davon war, daß wäh¬
rend der Epoche der absoluten Monarchie, die hier in ihrer aller- 40
verkrüppelten, halb patriarchalischen Form vorkam, die be-
sondre Sphäre, welcher durch die Teilung der Arbeit die Verwal¬
tung der öffentlichen Interessen zufiel, eine abnorme Unabhängig¬
keit erhielt, die in der modernen Bureaukratie noch weiter getrie¬
ben wurde. Der Staat konstituierte sich so zu einer scheinbar selbst- 45
ПІ. Sankt Max
177
ständigen Macht und hat diese in andern Ländern nur vorüber¬
gehende Stellung — Übergangsstufe — in Deutschland bis heute
behalten. Aus dieser Stellung erklärt sich sowohl das anderwärts
nie vorkommende redliche Beamtenbewußtsein, wie die sämtlichen
5 in Deutschland kursierenden Illusionen über den Staat, wie die
scheinbare Unabhängigkeit, die die Theoretiker hier gegenüber
den Bürgern haben, — der scheinbare Widerspruch zwischen der
Form, in der diese Theoretiker die Interessen der Bürger aus¬
sprechen und diesen Interessen selbst
10 Die charakteristische Form, die der auf wirklichen Klassen¬
interessen beruhende französische Liberalismus in Deutschland
annahm, finden wir wieder bei Kant. /28a [26]/ Er sowohl wie die
deutschen Bürger, deren beschönigender Wortführer er war,
merkten nicht, daß diesen theoretischen Gedanken der Bourgeois
15 materielle Interessen und ein durch die materiellen Produktions¬
verhältnisse bedingter und bestimmter Wille zu Grunde lag; er
trennte daher diesen theoretischen Ausdruck von den Interessen,
die er ausdrückt, machte die materiell motivierten Bestimmungen
des Willens der französischen Bourgeoisie zu reinen Selbstbe-
2o Stimmungen des „freien Willens“, des Willens an und für
sich, des menschlichen Willens, und verwandelte ihn so in rein
ideologische Begriffsbestimmungen und moralische Postulate. Die
deutschen Kleinbürger schauderten daher auch vor der Praxis die¬
ses energischen Bourgeoisliberalismus zurück, sobald diese sowohl
25 in der Schreckensherrschaft als in dem unverschämten Bourgeois¬
erwerb hervortrat.
Unter der Herrschaft Napoleons trieben die deutschen Bürger
ihren kleinen Schacher und ihre großen Illusionen noch weiter.
Über den Schachergeist, der damals in Deutschland herrschte,
зо kann Sankt Sancho u. A. Jean Paul vergleichen, um ihm allein zu¬
gängliche belletristische Quellen zu zitieren. Die deutschen Bür¬
ger, die über Napoleon schimpften, weil er sie Cichorien zu trin¬
ken zwang und ihren Landfrieden durch Einquartierung und Kon¬
skription störte, verschwendeten ihren ganzen moralischen Haß an
35 ihn, und ihre ganze Bewunderung an England; während Napo¬
leon ihnen durch seine Reinigung des deutschen Augiasstalles und
die Herstellung zivilisierter Kommunikationen die größten Dienste
leistete und die Engländer nur auf die Gelegenheit warteten, sie
ä tort et ä travers zu exploitieren. In gleich kleinbürgerlicher
4o Weise bildeten sich die deutschen Fürsten ein, für das Prinzip der
Legitimität und gegen die Revolution zu kämpfen, während sie
nur die bezahlten Landsknechte der englischen Bourgeois waren.
Unter diesen allgemeinen Illusionen /28b [26a]/ war es ganz in
der Ordnung, daß die zur Illusion privilegierten Stände, die Ideo-
45 logen, die Schulmeister, die Studenten, die Tugendbündler, das
Marx-Engela-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 12
178
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil-
große Wort führten und der allgemeinen Phantasterei und der In¬
teresselosigkeit einen analogen, überschwenglichen Ausdruck
gaben.
Durch die Julirevolution — da wir nur wenige Hauptpunkte
andeuten, überspringen wir den Zwischenraum — wurden die der 5
ausgebildeten Bourgeoisie entsprechenden politischen Formen den
Deutschen von außen zugeschoben. Da die deutschen ökonomischen
Verhältnisse noch bei weitem nicht die Entwicklungsstufe erreicht
hatten, der diese politischen Formen entsprachen, so akzeptierten
die Bürger diese Formen nur als abstrakte Ideen, an und für sich 10
gültige Prinzipien, fromme Wünsche und Phrasen, Kantsche
Selbstbestimmungen des Willens und der Menschen, wie sie sein
sollen. Sie verhielten sich daher viel sittlicher und uninteressier¬
ter zu ihnen als andre Nationen; d. h. sie machten eine höchst
eigentümliche Borniertheit geltend und blieben mit allen ihren Be> 15
Strebungen ohne Erfolg.
Endlich drückte die immer heftiger werdende Konkurrenz des
Auslandes und der Weltverkehr, dem sich Deutschland immer we¬
niger entziehen konnte, die deutschen zersplitterten Lokalinter¬
essen zu einer gewissen Gemeinsamkeit zusammen. Die deutschen 20
Bürger begannen, namentlich seit 1840, auf die Sicherstellung
dieser gemeinsamen Interessen zu denken; sie wurden national
und liberal, und verlangten Schutzzölle und Konstitutionen. Sie
sind also jetzt beinahe so weit, wie die französischen Bourgeois
1789. 25
Wenn man, wie die Berliner Ideologen, den Liberalismus und
den Staat, selbst innerhalb der deutschen Lokaleindrücke stehend
beurteilt, oder gar auf die Kritik der deutschbürgerlichen Illusio¬
nen über den Liberalismus sich beschränkt, statt ihn im Zusam¬
menhänge mit den /28c[26b]/ wirklichen Interessen aufzufassen, 30
aus denen er hervorgegangen ist, und mit denen zusammen er
allein wirklich existiert, kommt man natürlich zu den abge¬
schmacktesten Resultaten von der Welt. Dieser deutsche Liberalis¬
mus, wie er sich bis zur neuesten Zeit hin noch aussprach, ist wie
wir gesehen haben, schon in seiner populären Form Schwärmerei, 35
Ideologie über den wirklichen Liberalismus. Wie leicht also
seinen Inhalt ganz in Philosophie, in reine Begriffsbestimmungen,
in „Vernunfterkenntnis“ zu verwandeln! Ist man also gar so un¬
glücklich, selbst den verbürgerten Liberalismus nur in der subli¬
mierten Gestalt zu kennen, die Hegel und die von ihm abhängigen 40
Schulmeister ihm gegeben haben, so gelangt man zu Schlußfolge¬
rungen, die ausschließlich ins Reich des Heiligen gehören. Sancho
wird uns hiervon ein trauriges Exempel liefern.
„Man hat in jüngster Zeit“ in der aktiven Welt „so viel von“
der Herrschaft der Bourgeois „gesprochen, daß man sich nicht 45
ПІ. Sankt Max
179
wundem darf, wenn die Kunde davon“, schon durch den von dem
Berliner Buhl übersetzten L. Blanc pp „auch nach Berlin gedrun¬
gen ist“ und daselbst die Aufmerksamkeit gemütlicher Schulmei¬
ster auf sich gezogen hat (Wigand p. 190). Man kann indes nicht
5 sagen, daß „Stimer“ in seiner Methode der Aneignung der kur¬
sierenden Vorstellungen sich „eine besonders gewinnreiche und
einträgliche Wendung angewöhnt“ habe (Wig. ibid.), wie bereits
aus seiner Ausbeutung Hegels hervorging und sich nun eines Wei¬
teren ergeben wird.
io Es ist unserm Schulmeister nicht entgangen, daß in neuester
Zeit die Liberalen mit den Bourgeois identifiziert wurden. Weil
Sankt Max die Bourgeois mit den guten Bürgern, den kleinen
Deutschbürgern identifiziert, faßt er das ihm Tradierte nicht, wie
es wirklich ist und von allen kompetenten Schriftstellern aus-
15 gesprochen wurde — nämlich so, daß die liberalen Redensarten
der idealistische Ausdruck der realen Interessen der Bourgeoisie
seien, sondern umgekehrt, daß der letzte Zweck des Bourgeois der
sei, ein vollendeter Liberaler, ein Staatsbürger zu werden. Ihm ist
nicht der bourgeois die Wahr-/28d[26c]/heit des citoyen, ihm ist
2o der citoyen die Wahrheit des bourgeois. Diese ebenso heilige als
deutsche Auffassung geht so weit, daß uns p. 130 „Das Bürger¬
mim“ (soll heißen die Herrschaft der Bourgeoisie) in einen „Ge¬
danken, nichts als einen Gedanken“ verwandelt wird und
„der Staat“ als „der wahre Mensch“ auftritt, der den einzelnen
25 Bourgeois in den „Menschenrechten“ die Rechte „d e s“ Men¬
schen, die wahre Weihe erteilt — Alles das, nachdem die Illusio¬
nen über den Staat und die Menschenrechte bereits in den deutsch¬
französischen Jahrbüchern hinlänglich aufgedeckt waren*), eine
Tatsache, die Sankt Max im „apologetischen Kommentar“ anno
зо 1845 endlich merkt. So kann er nun den Bourgeois, indem er ihn
als Liberalen von sich als empirischem Bourgeois trennt, in den
heiligen Liberalen, wie den Staat in „das Heilige“ und das Ver¬
hältnis des Bourgeois zum modernen Staat in ein heiliges Verhält¬
nis, in Kultus verwandeln (p. 131), womit er eigentlich seine
35 Kritik über den politischen Liberalismus schon beschlossen hat.
Er hat ihn in „das Heilige“ verwandelt.
*> In den deutsch-franz. Jahrb. geschah dies, dem Zusammenhänge ge¬
mäß, nur in Beziehung auf die Menschenrechte der französischen Revo¬
lution. Man kann übrigens diese ganze Auffassung der Konkurrenz als
40 „der Menschenrechte“ schon Ein Jahrhundert früher bei den Repräsen¬
tanten der Bourgeoisie nachweisen. (John Hamp [den], Petty, Bois-
Guillebert, Child pp.) Über das Verhält[nis] der theoretischen Liberalen
zu den Bourgeois vergleiche [oben] über das Verhältnis der Ideologen
einer Klasse zu dieser Klasse selbst.
41—43 Von den Mäusen zerfressene Stellen
12*
180
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Wir wollen hier einige Exempel davon geben, wie Sankt Max
dieses sein Eigentum mit historischen Arabesken herausputzt.
Hierzu benutzt er die französische Revolution, für die ihm sein
Geschichtsmakler, der heilige Bruno, einen kleinen Lieferungs¬
kontrakt auf wenige Data vermittelt hat. 5
Vermittelst einiger Worte Bailly’s, die wieder durch des hei¬
ligen Bruno „Denkwürdigkeiten“ vermittelt sind, „erlangen“
durch die Berufung der Generalstaaten „die bisherigen Unter¬
tanen das Bewußtsein, daß sie Eigentümer seien“ (p. 132). Um¬
gekehrt, mon brave, die bisherigen Eigentümer betätigen dadurch 10
ihr Bewußtsein, daß sie keine Untertanen mehr sind — ein Be¬
wußtsein, das schon längst erlangt war, z. B. in den Physiokraten,
und polemisch gegen die Bourgeois bei Linguet, Theorie des lois
civiles, 1767, Mercier, Mably, überhaupt den Schriften gegen die
Physiokraten. Dieser Sinn wurde auch sogleich erkannt im Anfänge 15
der Revolution, z. B. von Brissot, Fauchet, Marat, im cercle social
und von sämtlichen demokratischen Gegnern Lafayette’s. Hätte
der heilige Max die Sache so gefaßt, wie sie sich unabhängig von
seinem Geschichtsmakler zutrug, so würde er sich nicht wundern,
daß „Baillys Worte freilich so klingen, / {29} [27]/ [als wäre 20
mm Jeder ein Eigentümer . . .“]
[...„Stirner“ glaubt, „„den guten Bü]rgem“ kann es gleich
[gelten, wer sie] und ihre Prinzipien [schützt, ob ei]n absoluter
oder konstitutioneller König, eine Republik usw.“ — Den „guten
Bürgern“, die in einem Berliner Keller ihr stilles Weißbier trin-
ken, ist dies allerdings „jleichjültig“; aber den historischen Bour¬
geois ist dies keineswegs gleich. Der „gute Bürger“ „Stirner“ bil¬
det sich hier wieder ein, wie überhaupt im ganzen Abschnitte, die
französischen, amerikanischen und englischen Bourgeois seien gute
Berliner Weißbierphilister. Der obige Satz heißt, aus der Form der зо
politischen Illusion in gutes Deutsch übersetzt: Den Bourgeois
„kann es gleichgültig sein“, ob sie unumschränkt herrschen oder
ob andre Klassen ihrer politischen und ökonomischen Macht die
Wage halten. Sankt Max glaubt, ein absoluter König oder sonst
Jemand könne die Bourgeois ebenso gut schützen, wie sie sich 35
selbst schützen. Und nun gar „ihre Prinzipien“, die darin be¬
stehen, die Staatsmacht dem chacun pour soi, chacun chez soi
unterzuordnen, sie dafür zu exploitieren — das soll ein „abso¬
luter König“ können! Sankt Max möge uns das Land nennen, wo
bei entwickelten Handels- und Industrieverhältnissen, bei einer
großen Konkurrenz die Bourgeois sich von einem „absoluten Kö¬
nig“ schützen lassen. — Nach dieser Verwandlung der geschicht¬
lichen Bourgeois in geschichtslose deutsche Philister braucht
22—23 Von den Mäusen zerfressene Stellen. Nach freilich so klingen fehlt eine
Fortsetzung
ПІ. Sankt Max
181
„Stimer“ denn auch keine andern Bourgeois zu kennen, als „be¬
hagliche Bürger und treue Beamte“ (!!) — zwei Gespenster, die
sich nur auf dem „heiligen“ deutschen Boden sehn lassen dürfen
— und die ganze Klasse als „gehorsame Diener“ zusammenzufas-
5 sen (p. 139). Er möge sich diese gehorsamen Diener auf der
Börse von London, Manchester, New-York und Paris einmal an¬
sehen. Da Sankt Max im Zuge ist, kann er jetzt auch the whole
hog gehen und einem bornierten Theoretiker der „21 Bogen“ glau¬
ben, „der Liberalismus sei die Vernunfterkenntnis angewandt auf
io unsre be-/29a[27a]/stehenden Verhältnisse“ und zu erklären, „die
Liberalen seien Eiferer für die Vernunft“. Man sieht aus diesen
[...] Phrasen, wie wenig die Deutschen [sich von] ihren ersten
Illusionen über den Liberalismus] erholt haben. „Abraham hat
geglaubet auf Hoffnung, da Nichts zu hoffen war, und sein
15 Glaube ward ihm gerechnet zur Gerechtigkeit.“ Röm. 4,18 und 22.
„Der Staat bezahlt gut, damit seine guten Bürger ohne Gefahr
schlecht bezahlen können; er sichert sich seine Diener, aus denen
er für die guten Bürger eine Schutzmacht, eine Polizei bildet,
durch gute Bezahlung; und die guten Bürger entrichten gern hohe
го Abgaben an ihn, um desto niedrigere an ihre Arbeiter zu lei¬
sten“. P. 152. Soll heißen: Die Bourgeois bezahlen ihren Staat
gut und lassen die Nation dafür zahlen, damit sie ohne Gefahr
schlecht bezahlen können; sie sichern sich durch gute Bezahlung
in den Staatsdienern eine Schutzmacht, eine Polizei; sie entrich-
25 ten gern und lassen die Nation hohe Abgaben entrichten, um das,
was sie zahlen, ihren Arbeitern gefahrlos als Abgabe (als Abzug
am Arbeitslohn) wieder auf legen zu können. „Stimer“ macht
hier die neue ökonomische Entdeckung, daß der Arbeitslohn eine
Abgabe, eine Steuer ist, die der Bourgeois dem Proletarier zahlt,
зо während die andern, profanen Ökonomen die Steuern als eine
Abgabe fassen, die der Proletarier dem Bourgeois zahlt.
Von dem heiligen Bürgertum kommt unser heiliger Kirchen¬
vater nun auf das Stimersche „einzige“ Proletariat (p. 148). Dies
besteht aus „Industrierittem, Buhlerinnen, Dieben, Räubern und
35 Mördern, Spielern, vermögenslosen Leuten ohne Anstellung und
Leichtsinnigen“ (ibid.). Sie sind „das gefährliche Proletariat“
und reduzieren sich für einen Augenblick auf „einzelne Schreier“,
dann endlich „Vagabonden“, deren vollendeter Ausdruck die
„geistigen Vagabonden“ sind, die sich nicht „in den Schran-
4o ken einer gemäßigten Denkungsart halten“. „Solch wei¬
ten Sinn hat das sogenannte Proletariat, oder“ (per appos.)
„der Pauperismus!“ (p. 159).
/29b[27b]/ [Das Proletariat wird p. 151 [„dagegen vo]m Staate
12—43 Von den Mäusen zerfressene Stellen
182
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ausgesogen“. [Das] ganze Proletariat besteht also aus ruinierten
Bourgeois und ruinierten Proletariern, aus einer Kollektion von
Lumpen, die in jedem Zeitalter existiert haben, und deren mas¬
senhafte Existenz nach dem Untergange des Mittelalters dem
massenhaften Entstehen des profanen Proletariats vorherging, wie s
Sankt Max sich aus der englischen und französischen Gesetz¬
gebung und Literatur überzeugen mag. Unser Heiliger hat ganz
dieselbe Vorstellung vom Proletariat, wie die „guten behaglichen
Bürger“ und namentlich die „treuen Beamten“. Er identifiziert
konsequenter Weise auch Proletariat und Pauperismus, während ю
derPauperismus die Lage nur des ruinierten Proletariats, die letzte
Stufe ist, auf die der gegen den Druck der Bourgeoisie wider¬
standslos gewordene Proletarier versinkt, und nur der aller Ener¬
gie beraubte Proletarier ein Pauper ist. Vgl. Sismondi, Wade etc.
„Stirner“ und Konsorten können z. B. in den Augen der Proleta-
rier nach Umständen wohl für Paupers gelten, nie aber für Prole¬
tarier.
Dies sind Sankt Maxens „eigene“ Vorstellungen von der Bour¬
geoisie und vom Proletariat. Da er aber mit diesen Imaginationen
über Liberalismus, gute Bürger und Vagabunden natürlich zu 20
Nichts kommt, so sieht er sich genötigt, um den Übergang auf den
Kommunismus fertig zu bringen, die wirklichen, profanen Bour¬
geois und Proletarier, soweit er sie vom Hörensagen kennt, herein
zu bringen. Dies geschieht p. 151 und 152, wo das Lumpenprole¬
tariat sich in die „Arbeiter“, die profanen Proletarier, verwandelt 25
und die Bourgeois eine Reihe von „mancherlei Wandlungen“ und
„mannigfaltigen Brechungen“ „mit der Zeit“ „mitunter“ durch¬
machen. /29c[27c]/ Auf der einen Zeile heißt es: „Die Besit¬
zenden herrschen“ — profane Bourgeois; sechs Zeilen wei¬
ter: „Der Bürger ist, was er ist, durch die Gnade des Staats“ — зо
heilige Bourgeois; wieder sechs Zeilen weiter: „Der Staat ist der
Status des Bürgertums“ — profane Bourgeois; was dahin erklärt
wird, daß „der Staat den Besitzenden“ „ihren Besitz zu Lehen“
gibt, und daß das „Geld und Gut“ der „Kapitalisten“ — ein sol¬
ches vom Staat zu „Lehen“ übertragenes „Staatsgut“ ist — heilige 35
Bourgeois. Am Ende verwandelt sich dann dieser allmächtige
Staat wieder in „den Staat der Besitzenden“, also der profanen
Bourgeois, wozu dann eine spätere Stelle paßt: „Die Bour¬
geoisie wurde durch die Revolution allmächtig“. P. 156.
Diese „seelenmarternden“ und „gräßlichen“ Widersprüche hätte 40
selbst Sankt Max nie zu Stande gebracht, wenigstens nie zu pro¬
mulgieren gewagt, wenn ihm nicht das deutsche Wort „Bürger“,
das er nach Belieben als „citoyen“ oder „bourgeois“ oder als deut¬
scher „guter Bürger“ auslegen kann, zu Hülfe gekommen wäre.
Ehe wir weiter gehen, müssen wir noch zwei große politisch- 45
ПІ. Sankt Max
183
ökonomische Entdeckungen konstatieren, die unser Biedermann
„in der Stille des Gemütes“ „zu Tage fördert“, und die mit der
„Jünglingslust“ von p. 17 das gemein haben, daß sie ebenfalls
„reine Gedanken“ sind.
5 P. 150 reduziert sich alles Unheil der bestehenden sozialen
Verhältnisse darauf, daß „Bürger und Arbeiter an die „Wahr¬
heit“ des Geldes glauben“. Jacques le bonhomme bildet sich hier
ein, es hänge von den „Bürgern“ und „Arbeitern“ ab, die in allen
zivilisierten Staaten der Welt zerstreut sind, morgen am Tage ur-
io plötzlich ihren „Unglauben“ an die „Wahrheit des Geldes“ zu
Protokoll zu geben, er glaubt sogar, daß, wenn dieser Unsinn mög¬
lich sei, damit irgend etwas getan /{30} [28]/ sei. Er glaubt, die
„Wahrheit des Geldes“ könne jeder Berliner Literat ebenso gut
abschaffen, wie er für seinen Kopf die „Wahrheit“ Gottes oder
и der Hegelschen Philosophie abschafft. Daß das Geld ein notwen¬
diges Produkt gewisser Produktions- und Verkehrsverhältnisse ist,
und eine „Wahrheit“ bleibt, so lange diese Verhältnisse existieren,
das geht einen Heiligen wie Sankt Max, der gen Himmel schaut
und der profanen Welt seinen profanen Hintern zudreht, natür-
2o lieh, Nichts an.
Die zweite Entdeckung wird auf p. 152 gemacht und geht da¬
hin, daß „der Arbeiter seine Arbeit nicht verwerten kann“, weil
er „Denen die irgend ein Staatsgut“ „zu Lehen“ erhalten haben,
„in die Hände fällt“. Dies ist nur die weitere Erklärung des schon
25 früher zitierten Satzes von p. 151, daß der Arbeiter vom Staate
ausgesogen wird. Hierbei „stellt“ sogleich Jeder „die einfache
Reflexion an“ — daß „Stirner“ dies nicht tut, ist nicht „zu ver¬
wundern“ — wie es denn komme, daß der Staat nicht auch den
„Arbeitern“ irgend ein „Staatsgut“ zum „Lehen“ gegeben habe.
зо Hätte Sankt Max sich diese Frage gestellt, so würde er sich seine
Konstruktion des „heiligen“ Bürgertums wahrscheinlich erspart
haben, weil er dann hätte sehen müssen, in welchem Verhältnis
die Besitzenden zum modernen Staat stehen.
Vermittelst des Gegensatzes von Bourgeoisie und Proletariat
35 — das weiß selbst „Stirner“ — kommt man auf den Kommunis¬
mus. Wie man aber darauf kommt, das weiß nur „Stirner“.
„Die Arbeiter haben die ungeheuerste Macht in Händen
sie dürften nur die Arbeit einstellen und das Gearbeitete als das
Ihrige an sehen und genießen. Dies ist der Sinn der hie und
io da auftauchenden Arbeiterunruhen“. P. 153 — Die Arbeiter¬
unruhen, die bereits unter dem byzantischen Kaiser Zeno ein Ge¬
setz veranlaßten (Zeno, de novis /30a[28a]/ operibus constitutio).
die im 14ten Jahrhundert in der Jacquerie und dem Aufstande
von Wat Tyler, 1518 am evil may-day in London und 1549 im
45 großen Aufstande des Gerbers Kett „auftauchten“, die dann den
184
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Act 2 und 3 Edward VI, 15 und eine Reihe ähnlicher Parlaments¬
akte veranlaßten, die bald darauf 1640 und 1659 (acht Auf stände
in einem Jahre) in Paris vorkamen und schon seit dem vierzehn¬
ten Jahrhundert in Frankreich und England, der gleichzeitigen
Gesetzgebung zufolge, häufig gewesen sein müssen — der bestän- 5
dige Krieg, der seit 1770 in England und seit der Revolution in
Frankreich von den Arbeitern gegen die Bourgeois mit Gewalt und
List geführt wird — Alles Das existiert für Sankt Max nur „hie
und da“, in Schlesien, Posen, Magdeburg und Berlin, „wie deut¬
sche Blätter melden“. — Das Gearbeitete würde, wie Jacques le io
bonhomme sich einbildet, als Gegenstand des „Ansehens“ und
„Genießens“ immer fortexistieren und sich reproduzieren, wenn
auch die Produzenten „die Arbeit einstellten“. — Wie oben beim
Gelde, verwandelt unser guter Bürger hier wieder „die Arbeiter“,
die in der ganzen zivilisierten Welt zerstreut sind, in eine geschlos- is
sene Gesellschaft, die nur einen Beschluß zu fassen hat, um sich
aus allen Schwierigkeiten zu befreien. Sankt Max weiß natürlich
nicht, daß allein seit 1830 in England wenigstens fünfzig Ver¬
suche gemacht wurden, daß in diesem Augenblicke noch einer ge¬
macht wird, um die sämtlichen Arbeiter nur von England in eine 20
einzige Assoziation zusammen zu bringen, und daß höchst empi¬
rische Gründe das Gelingen aller dieser Projekte vereitelten. Er
weiß nicht, daß selbst eine Minorität der Arbeiter, die sich zu
einer Arbeitseinstellung vereinigt, sich sehr bald gezwungen sieht
revolutionär aufzutreten, eine Tatsache, die er an der englischen 25
Insurrektion von 1842 und früher schon an der welschen Insur¬
rektion von 1839 hätte lernen können, in wel-/30b[28b]/chem Jahre
die revolutionäre Aufregung unter den Arbeitern zuerst in dem
„heiligen Monat“, der zugleich mit der allgemeinen Bewaffnung
des Volks proklamiert wurde, einen umfassenden Ausdruck er- зо
hielt. Man sieht hier wieder, wie Sankt Max überall seinen Unsinn
als „den Sinn“ geschichtlicher Fakta an den Mann zu bringen
sucht, was ihm höchstens bei seinem „Man“ gelingt — ge¬
schichtlicher Fakta, „denen er seinen Sinn unterschiebt, die also
auf einen Unsinn auslaufen mußten“ (Wigand p. 194). Übrigens 35
fällt es keinem Proletarier ein, Sankt Max über „den Sinn“ der
proletarischen Bewegungen oder über das, was jetzt gegen die
Bourgeoisie zu unternehmen sei, zu Rate zu ziehen.
Nach dieser großen Campagne zieht sich unser heiliger Sancho
mit folgender Fanfare zu seiner Maritornes zurück: 40
„Der Staat beruht auf der Sklaverei der Arbeit. Wird
die Arbeit frei, so ist der Staat verloren.“ (p.153).
Der moderne Staat, die Herrschaft der Bourgeoisie, beruht
auf der Freiheit der Arbeit. Der heilige Max hat sich ja
selbst, wie oft! freilich karikiert genug! aus den deutsch-franzö- 45
ПІ. Sankt Max
185
sischen Jahrbüchern abstrahiert, daß mit der Freiheit der Reli¬
gion, des Staats, des Denkens pp, also doch „mitunter“ „wohl
auch“ „etwa“ der Arbeit nicht Ich, sondern nur Einer meiner
Zwingherm frei werde. Die Freiheit der Arbeit ist die freie Kon-
5 kurrenz der Arbeiter unter sich. Sankt Max hat großes Unglück,
wie in allen andern Sphären, so auch in der Nationalökono¬
mie. Die Arbeit ist frei in allen zivilisierten Ländern; es han¬
delt sich nicht darum, die Arbeit zu befreien, sondern sie auf¬
zuheben.
/[28c]/
B. Der Kommunismus
Sankt Max nennt den Kommunismus den „sozialen Liberalis¬
mus“, weil er wohl weiß, in welchem schlechten Geruch das Wort
Liberalismus bei den Radikalen von 1842 und bei den am weite¬
sten gegangenen Berliner Freijeistem steht. Diese Verwandlung
15 gibt ihm zugleich Gelegenheit und Courage, den „sozialen Libera¬
len“ allerlei Dinge in den Mund zu legen, die vor „Stirner“ noch
nie ausgesprochen wurden, und deren Widerlegung dann zugleich
den Kommunismus widerlegen soll.
Die Überwindung des Kommunismus geschieht durch eine
20 Reihe teils logischer, teils historischer Konstruktionen.
Erste logische Konstruktion. Weil „Wir Uns zu Die¬
nern von Egoisten gemacht sehen“, „sollen wir“ nicht selbst „zu
Egoisten werden sondern lieber die Egoisten unmöglich
machen. Wir wollen sie Alle zu Lumpen machen, wollen Alle
25 Nichts haben, damit „Alle“ haben. — So die Sozialen. — Wer ist
diese Person, die ihr „Alle“ nennt? Es ist die „Gesellschaft“ “. —
P. 153.
Vermittelst ein paar Anführungszeichen verwandelt Sancho
hier „Alle“ in eine Person, die Gesellschaft als Person, als Sub-
зо jekt, = die heilige Gesellschaft, das Heilige. Jetzt weiß unser
Heiliger, woran er ist, und kann einen ganzen Strom seines Feuer¬
eifers gegen „das Heilige“ loslassen, womit natürlich der Kom¬
munismus vernichtet ist.
Daß Sankt Max hier wieder den „Sozialen“ seinen Unsinn
35 als ihren Sinn in den Mund legt, ist nicht „zu verwundern“. Er
identifiziert zuerst das „Haben“ als Privateigentümer mit dem
„Haben“ überhaupt. Statt die bestimmten Verhältnisse des Privat-
186
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
eigentums zur Produktion, statt das „Haben“ als Grundbesitzer,
als Rentier, als Commergant, als Fabrikant, als Arbeiter zu be¬
trachten — wo sich das „Haben“ als ein ganz bestimmtes Haben,
als das Kommando über fremde Arbeit ausweist — verwandelt er
alle diese Verhältnisse in „die Habe“. s
/{32} [30]/ den politischen Liberalismus tun
ließ, der die „Nation“ zur höchsten Eigentümerin machte. Der
Kommunismus hat also gar kein „persönliches Eigentum“ mehr
„abzuschaffen“, sondern höchstens die Verteilung der „Lehen“ io
auszugleichen, die „egalite“ darin einzuführen. Uber die Gesell¬
schaft als „höchste Eigentümerin“ und den „Lumpen“ vergleiche
Sankt Max u. A. den „Egalitaire“ von 1840: „Das soziale Eigen¬
tum ist ein Widerspruch, aber der soziale Reichtum ist eine Folge
des Kommunismus. Fourier sagt hundertmal, im Gegensatz zu den is
bescheidnen Bourgeoismoralisten, nicht darin, daß Einige zu viel
haben, liege ein soziales Übel, sondern darin, daß Alle zu wenig
haben“, und signalisiert darum auch, „la fausse Industrie“, Paris
1835, p. 410, die „Armut der Reichen“. — Desgleichen heißt es
bereits in der 1839, also vor Weitlings Garantien, in Paris er- 20
schienenen deutschen kommunistischen Zeitschrift „Die Stimme
des Volks“, Heft II, p. 14: „Das Privateigentum, der vielbelobte,
fleißige, gemütliche, unschuldige „Privaterwerb“ tut offenbar Ab¬
bruch dem Lebensreichtum“. SanktSancho nimmt hier dieVorstel-
lung einiger zum Kommunismus übergehenden Liberalen und die 25
Ausdrucksweise einiger aus sehr praktischen Gründen in politischer
Form sprechenden Kommunisten für den Kommunismus. —
Nachdem er das Eigentum der „Gesellschaft“ übertragen hat,
werden ihm sämtliche Teilhaber dieser Gesellschaft sofort zu
Habenichtsen und Lumpen, obgleich sie selbst in seiner Vorstei- зо
lung von der kommunistischen Ordnung der Dinge die „höchste
Eigentümerin“ „haben“. — Der wohlmeinende Vorschlag, den er
den Kommunisten macht, „das Wort „Lump“ zu einer ehrenden
Anrede zu erheben wie die Revolution das Wort Bürger dazu er¬
hob“, ist ein schlagendes Beispiel, wie er den Kommunismus mit 35
einer längst dagewesenen Sache verwechselt. Die Revolution hat
selbst, im Gegensatz zu den „honnetes gens“, die er sehr dürftig
durch gute Bürger übersetzt, das Wort sans-culotte „zu einer ehren¬
den Anrede erhoben“. Solches tut der heilige Sancho, auf daß er¬
füllet werde das Wort, das da geschrieben steht im Propheten Mer- 40
lin von den dreitausend dreihundert Backenstreichen, die der
Mann, der da kommen soll, sich selber geben muß:
6—7 Hier fehlen nach E. Bernstein 4 Seiten; nämlich der Bogen 31, auf dem sich
der Schluß der „Ersten“ und der Anfang der „Zweiten logischen Konstruk¬
tion“ befand
ПІ. Sankt Max
187
Es menester, que Sancho tu escudero
Se de tres mil azotes, у tre cientos
En ambas sus valientes posaderas
Al aire descubiertas, у de modo
5 Que le escuezan, le amarguen у le enfaden.
(Don Quijote, tomo II, cap. 35)
Sankt Sancho konstatiert „die Erhebung der Gesellschaft zur
höchsten Eigentümerin“ als „zweiten Raub am /[30a]/ Persön¬
lichen, im Interesse der Menschlichkeit“, während der Kommunis-
io mus nur der vollendete Raub am „Raub des Persönlichen“ ist.
„Weil ihm der Raub ohne alle Frage für verabscheuungswürdig
gilt, darum glaubt z. B.“ Sankt Sancho „schon mit dem“ obigen
„Satze“ den Kommunismus „gebrandmarkt zu haben“. („Das
Buch“, p. 102.) „Hatte“ „Stirner“ „gar den Raub“ am Kommu-
15 nismus „gewittert, wie sollte er denn nicht gegen ihn einen „tiefen
Abscheu“ und eine „gerechte Entrüstung“ gefaßt haben!“ (Wig.
p. 156). „Stirner“ wird hiermit aufgefordert uns den Bourgeois
zu nennen, der über den Kommunismus (oder Chartismus) ge¬
schrieben und nicht dieselbe Albernheit mit vieler Emphase vor-
2o gebracht hat. An dem, was deiq Bourgeois für „persönlich“ gilt,
wird der Kommunismus allerdings einen „Raub“ ausüben.
Erstes Corollar. P.349: „Der Liberalismus trat sogleich
mit der Erklärung auf, daß es zum Wesen des Menschen gehöre,
nicht Eigentum, sondern Eigentümer zu sein. Da es hierbei
25 um den Menschen, nicht um den Einzelnen zu tun war, so blieb das
Wieviel, welches grade das spezielle Interesse der Einzelnen aus¬
machte, diesen überlassen. Daher behielt der Egoismus der Ein¬
zelnen in diesem Wieviel den freiesten Spielraum, und trieb eine
unermüdliche Konkurrenz.“ D. h. der Liberalismus, i. e. die libe-
3o ralen Privateigentümer, gaben im Anfänge der französischen Re¬
volution dem Privateigentum einen liberalen Schein, indem sie es
für ein Menschenrecht erklärten. Sie waren hierzu schon durch
ihre Stellung als revolutionierende Partei gezwungen, sie waren
sogar gezwungen, der Masse des französischen [Land]volks nicht
35 nur das Recht des Eigentums zu geben, son[dern a]uch wirk¬
liches Eigentum nehmen zu lassen, und sie konnten dies
/[30b]/ Alles tim, weil dadurch ihr eignes „Wieviel“, worauf es
ihnen hauptsächlich ankam, unberührt blieb und sogar sicher ge¬
stellt wurde. — Wir finden hier ferner konstatiert, daß Sankt Max
4o die Konkurrenz aus dem Liberalismus entstehen läßt, ein Backen¬
streich, den er der Geschichte aus Rache für die Backenstreiche
gibt, die er oben sich selbst geben mußte. Die „genauere Erklä-
34—35 Von den Mäusen zerfressene Stelle
188
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
rung“ des Manifestes, womit er den Liberalismus „sogleich auf¬
treten“ läßt, finden wir bei Hegel, der sich im Jahre 1820 dahin
aussprach: „Im Verhältnis zu äußerlichen Dingen ist das Vernünf¬
tige“ (d. h. geziemt es mir als Vernunft, als Mensch), „daß Ich
Eigentum besitze was und wieviel ich besitze ist daher 5
eine rechtliche Zufälligkeit“. (Rechtsphil. § 49). Bei Hegel ist
das Bezeichnende, daß er die Phrase des Bourgeois zum wirklichen
Begriff, zum Wesen des Eigentums macht, was „Stirner“ ihm ge¬
treulich nachmacht. Sankt Max basiert nun auf obige Entwicklung
die weitere Aussage, daß der Kommunismus „die Frage nach dem 10
Wieviel des Innehabens aufstellte und sie dahin beantwortete,
daß der Mensch so viel haben müsse, als er brauche. Wird sich
mein Egoismus damit genügen können? Ich muß viel¬
mehr soviel haben als ich mir anzueignen vermögend bin.“
(p. 349). Zuerst ist hier zu bemerken, daß der Kommunismus kei- is
neswegs aus dem § 49 der Hegelschen Rechtsphilosophie und sei¬
nem „Was und Wieviel“ hervorging. Zweitens fällt es „d e m Kom¬
munismus“ nicht ein, „d e m Menschen“ etwas geben zu wollen,
da „der Kommunismus“ keineswegs der Meinung ist, daß „der
Mensch“ irgend etwas „brauche“ als eine kurze kritische Beleuch- 20
tung. Drittens schiebt er dem Kommunismus das „Brauchen“ des
heutigen Bourgeois unter, /[30c]/ er bringt also eine Distinktion
herein, die ihrer Lumpigkeit wegen bloß in der heutigen Gesell¬
schaft und ihrem ideellen Abbilde, dem Stirnerschen Verein von
„einzelnen Schreiern“ und freien Nähterinnen von Wichtigkeit 25
sein kann. „Stirner“ hat wieder große „Durchschauungen“ des
Kommunismus zu Stande gebracht. Schließlich unterstellt Sankt
Sancho in seiner Forderung, so viel haben zu müssen, als er selbst
sich anzueignen vermögend ist (wenn diese nicht etwa auf die ge¬
wöhnliche Bourgeoisphrase, daß Jeder nach Vermögen haben, das зо
Recht des freien Erwerbs haben solle), den Kommunismus als
durchgesetzt, um sein „Vermögen“ frei entwickeln und geltend
machen zu können, was keineswegs allein von ihm, so wenig wie
sein „Vermögen“ selbst, sondern auch von den Produktions- und
Verkehrsverhältnissen, in denen er lebt, abhängt. — (Vgl. unten 35
den „Verein“). Sankt Max handelt übrigens nicht einmal selbst
nach seiner Lehre, da er in seinem ganzen „Buche“ Sachen
„braucht“ und verbraucht, die er „sich anzueignen“ nicht „ver¬
mögend war“. —
Zweites Corollar. „Aber die Sozialreformer predigende
Uns ein Gesellschaftsrecht. Da wird der Einzelne der Sklave der
Gesellschaft“. P. 246. „Nach der Meinung der Kommunisten soll
jeder die ewigen Menschenrechte genießen“. P. 238. — Über die
Ausdrücke Recht, Arbeit pp, wie sie bei proletarischen Schrift¬
stellern vorkommen, und wie sich die Kritik zu ihnen zu verhalten 45
ПІ. Sankt Max
189
hat, werden wir beim „wahren Sozialismus“ (siehe Band II) spre¬
chen. Was das Recht betrifft, so haben wir /{33}[31]/ unter vielen
Andern den Gegensatz des Kommunismus gegen das Recht sowohl
als politisches und privates, als auch in seiner allgemeinsten Form
5 als Menschenrecht geltend gemacht. Siehe Deutsch-französische
Jahrbücher, wo das Privilegium, das Vorrecht als entsprechend
dem ständisch gebundenen Privateigentum, und das Recht als ent¬
sprechend dem Zustande der Konkurrenz, des freien Privateigen¬
tums gefaßt ist, p. 206 und anderwärts; ebenso das Menschenrecht
io selbst als Privilegium und das Privateigentum als Monopol. Fer¬
ner die Kritik des Rechts in Zusammenhang gebracht mit der deut¬
schen Philosophie und als Konsequenz der Kritik der Religion dar¬
gestellt p. 72, und ausdrücklich die Rechtsaxiome, die auf den
Kommunismus führen sollen, als Axiome des Privateigentums ge-
15 faßt, wie das gemeinsame Besitzrecht als eingebildete Vorausset¬
zung des Rechts des Privateigentums, p. 98, 99. — Die obige Re¬
densart übrigens einem Babeuf entgegenzuhalten, ihn als theore¬
tischen Repräsentanten des Kommunismus zu fassen, konnte nur
einem Berliner Schulmeister einfallen. „Stirner“ entblödet sich
2o indessen nicht, p. 247 zu behaupten, daß der Kommunismus, wel¬
cher annimmt, „daß die Menschen von Natur gleiche Rechte haben,
seinen eignen Satz dahin widerlege, daß die Menschen von Natur
gar keine Rechte haben. Denn er will z. B. nicht anerkennen, daß
die Eltern Rechte gegen die Kinder haben, er hebt die Familie auf.
25 Überhaupt beruht dieser ganze revolutionäre oder Babeufsche
(Vergl. die Kommunisten in der Schweiz, Kommissionalbericht,
p. 3) Grundsatz auf einer religiösen, d.h. falschen Anschauung“.
— Nach England kommt /[31a]/ ein Yankee, wird durch den Frie¬
densrichter daran gehindert, seinen Sklaven auszupeitschen und
зо ruft entrüstet aus: Do you call this а land of liberty, where а man
can’t larrup his nigger? — Sankt Sancho blamiert sich hier dop¬
pelt. Erstens sieht er darin eine Aufhebung der „gleichen Rechte
der Menschen“, daß die „von Natur gleichen Rechte“ der Kinder
gegen die Eltern geltend gemacht, daß Kindern wie Eltern gle i -
35 ehes Menschenrecht gegeben wird. Zweitens erzählt Jacques le
bonhomme zwei Seiten vorher, daß der Staat sich nicht einmische,
wenn der Sohn vom Vater geprügelt werde, weil er das Familien¬
recht anerkenne. Was er also einerseits für ein partikulares Recht
(Familienrecht) ausgibt, subsumiert er andrerseits unter die „von
4o Natur gleichen Rechte der Menschen“. Schließlich gesteht er uns,
daß er den Babeuf nur aus dem Bluntschlibericht kennt, während
der Bluntschlibericht p. 3 uns ebenfalls gesteht, daß er seine Weis¬
heit aus dem wackem L. Stein, Doktor der Rechte, geschöpft hat.
1 (Siehe Band II) ist im Original mit Bleistift durchgestrichen
190
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Die gründliche Kenntnis, die Sankt Sancho vom Kommunismus
hat, geht aus diesem Zitat hervor. Wie Sankt Bruno sein Revolu¬
tionsmakler, so ist Sankt Bluntschli sein Kommunistenmakler. Bei
diesem Stande der Dinge darf es uns auch nicht wundern,, wenn
unser Wort Gottes vom Lande ein paar Zeilen weiter die frater- 5
nite der Revolution auf die „Gleichheit der Kinder Gottes“ (in
welcher christlichen Dogmatik kommt die egalite vor?) reduziert.
/[31b]/ Drittes Corollar. P. 414. Weil das Prinzip der
Gemeinschaft im Kommunismus kulminiert, darum ist der Kom¬
munismus = „Glorie des Liebesstaats“. — Aus dem Liebesstaat, 10
der ein eigenes Fabrikat Sankt Maxens ist, leitet er hier den Kom¬
munismus ab, der dann natürlich auch ein ausschließlich Stimer-
scher Kommunismus bleibt. Sankt Sancho kennt nur den Egois¬
mus auf der einen, oder den Anspruch auf die Liebesdienste, Er¬
barmen, Almosen der Leute, auf der andern Seite. Außer und 15
über diesem Dilemma gibt es für ihn Nichts. —
Dritte logische Konstruktion. — „Weil in der Ge¬
sellschaft sich die drückendsten Ubelstände bemerklich machen,
so denken besonders“ (!) „die Gedrückten“ (!), „die Schuld in
der Gesellschaft zu finden, und machen sich’s .zur Aufgabe, die 20
rechte Gesellschaft zu entdecken“. P. 155. Im Gegenteil „macht
sich’s“ „Stirner“ „zur Aufgabe“, die ihm „rechte Gesellschaft“,
die heilige Gesellschaft, die Gesellschaft als das Heilige zu ent¬
decken. Die heutzutage „in der Gesellschaft“ „Gedrückten“
„denken“ bloß darauf, die ihnen rechte Gesellschaft, die zu- 25
nächst in der Abschaffung der jetzigen Gesellschaft, auf der Basis
der vorgefundenen Produktivkräfte, besteht, durchzusetzen. Weil
e[xempli] g[ratia] bei einer Maschine „sich drückende Übelstände
bemerkbar machen“, z. B. daß sie nicht gehen will, und Diejeni¬
gen, die die Maschine nötig haben, z. B. um Geld zu machen, den зо
Ubelstand in der Maschine finden, auf ihre Veränderung ausgehen
pp, so machen sie sich’s nach Sankt Sancho zur Aufgabe, nicht sich
die Maschine zurecht zu rücken, sondern die rechte Ma¬
schine, die heilige Maschine, die Maschine als das Heilige, das
Heilige als die Maschine, die Maschine im Himmel zu entdecken. 35
/[31c]/ „Stimer“ rät ihnen, „in sich“ die Schuld zu suchen. Ist
es nicht ihre Schuld, daß sie z. B. der Hacke und des Pflugs bedür¬
fen? Könnten sie nicht mit den Nägeln die Kartoffeln in den Boden
hinein und aus ihm heraus kratzen? Der Heilige predigt ihnen dar¬
über p. 156: „Es ist das nur eine alte Erscheinung, daß man die 40
Schuld zuerst in allem Andern, als in sich sucht — also im Staat,
in der Selbstsucht der Reichen, die doch gerade unsere Schuld ist.“
— Der „Gedrückte“, der „im Staate“ „die Schuld“ des Pauperis¬
mus sucht, ist wie wir oben vorläufig sahen, Niemand anders als
Jacques le bonhomme selbst. Zweitens, der „Gedrückte“, der sich 45
ПІ. Sankt Max
191
dabei beruhigt, die „Schuld“ in der „Selbstsucht des Reichen“ fin¬
den zu lassen, ist wieder Niemand anders als Jacques le bon¬
homme. Er hätte sich aus des Schneiders und Doktors der Philo¬
sophie John Watts Facts and Fictions, aus Hobson’s Poor Man’s
5 Companion etc. eines Bessern in Beziehung auf die andern Ge¬
drückten belehren können. Und wer ist, drittens, die Person von
„Unsrer Schuld“? Etwa das Proletarierkind, das skrofulös auf
die Welt kommt, mit Opium heraufgezogen, im siebenten Jahre
in die Fabrik geschickt wird — etwa der einzelne Arbeiter, dem
10 hier zugemutet wird, sich auf seine Faust gegen den Weltmarkt
zu „empören“ — etwa das Mädchen, das entweder verhungern
oder sich prostituieren muß? Nein, sondern nur Der, der „alle
Schuld“, d.h. die „Schuld“ des ganzen jetzigen Weltzustandes
„in sich“ sucht, nämlich abermals Niemand als Jacques le bon-
15 homme selbst: „Es ist dies nur die alte Erscheinung“ des christ¬
lichen Insichgehens und Bußetuns in germanisch-spekulativer
Form, der idealistischen Phraseologie, wo Ich, der Wirkliche,
nicht die Wirklichkeit verändern muß, was ich nur mit Andern
kann, sondern in mir mich verändern. „Es ist der innerliche
Kampf des Schriftstellers mit /{34} [32]/ sich selbst“. (Die hei¬
lige Familie p. 122, vergl. p. 73, p. 121, und p. 306).
Nach Sankt Sancho suchen also die von der Gesellschaft Ge¬
drückten die rechte Gesellschaft. Konsequent müßte er also auch
Diejenigen, die „im Staate die Schuld suchen“, und Beide sind
25 bei ihm dieselben Personen, den rechten Staat suchen
lassen. Dies darf er aber nicht, denn er hat davon gehört, daß die
Kommunisten den Staat abschaffen wollen. Diese Abschaffung
des Staats muß er jetzt konstruieren, und dies vollbringt der hei¬
lige Sancho wieder vermittelst seines „Grauen“, der Apposition,
зо in einer Weise, die „sehr einfach aussieht“: „Weil die Arbeiter
sich im Notstand befinden, so muß der gegenwärtige Stand
der Dinge, d. i. der Staat (status = Stand) abgeschafft
werden“ (ibid.).
35 ’ Notstand = gegenwärtigem Stand der
Dinge.
Gegenwärtiger Stand
der Dinge = Stand.
Stand = Status.
4o Status = Staat.
Schluß: Notstand = Staat. —
Was kann „einfacher aussehen“? „Es ist nur zu verwun¬
dern“, daß die englischen Bourgeois von 1688 und die franzö-
4—5 Im Original sind nach Poor Man’s Companion etc zirka drei Zeilen freigelas¬
sen, die anscheinend mit noch einigen Titeln ausgefüllt werden sollten
192
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sischen von 1789 nicht dieselben „einfachen Reflexionen“ und
Gleichungen „anstellten“, wo damals doch noch viel mehr der
Stand = Status = der Staat war. Es folgt daraus, daß überall
wo „Notstand“ vorhanden ist, „d e r Staat“, der natürlich in Preu¬
ßen und in Nordamerika derselbe ist, abgeschafft werden muß. з
Sankt Sancho gibt uns jetzt, nach seiner Gewohnheit, einige
Sprüche Salomonis.
Spruch Salomonis Nro I. P. 163. „Daß die Gesellschaft
gar kein Ich ist, das geben pp könnte, sondern ein Instrument,
aus dem wir Nutzen ziehen mögen, daß wir keine gesellschaft- io
liehen Pflichten, sondern le-/34a[32a]/diglich Interessen haben,
daß wir der Gesellschaft keine Opfer schuldig sind, sondern,
opfern wir etwas, es Uns opfern, daran denken die Sozialen nicht,
weil sie im religiösen Prinzip gefangen sitzen und eifrig trachten
nach einer — heiligen Gesellschaft“. is
Hieraus ergeben sich folgende „Durchschauungen“ des Kom¬
munismus:
1) hat Sankt Sancho ganz vergessen, daß Er selber es war, der
„die Gesellschaft“ in ein „Ich“ verwandelte, und sich daher bloß
in seiner eignen „Gesellschaft“ befindet; 20
2) glaubt er, die Kommunisten warteten darauf, daß ihnen
„die Gesellschaft“ irgend etwas „gebe“, während sie sich höch¬
stens eine Gesellschaft geben wollen;
3) verwandelt er die Gesellschaft, ehe sie existiert, in ein In¬
strument, aus dem er Nutzen ziehen will, ohne daß er und andre 2.5
Leute durch gegenseitiges gesellschaftliches Verhalten eine Ge¬
sellschaft, also dies „Instrument“, produziert haben.
4) glaubt er, daß in der kommunistischen Gesellschaft von
„Pflichten“ und „Interessen“ die Rede sein könne, von zwei sich
ergänzenden Seiten eines Gegensatzes, der bloß der Bourgeois- зо
gesellschaft angehört (im Interesse schiebt der reflektierende
Bourgeois immer ein Drittes zwischen sich und seine Lebensäuße¬
rung, eine Manier, die wahrhaft klassisch bei Bentham erscheint,
dessen Nase erst ein Interesse haben muß, ehe sie sich zum Rie¬
chen entschließt. Vergl. „das Buch“ über das Recht an seiner 35
Nase, p. 247);
5) glaubt Sankt Max, die Kommunisten wollten „der Gesell¬
schaft“ „Opfer bringen“, wo sie höchstens die bestehende Gesell¬
schaft opfern wollen — er müßte dann ihr Bewußtsein, daß ihr
Kampf ein allen, dem Bourgeoisregime entwachsenen, Menschen 40
gemeinschaftlicher ist, als ein Opfer bezeichnen, daß sie sich
bringen.
6) daß die Sozialen im religiösen Prinzip befangen sind und
7) daß sie nach einer heiligen Gesellschaft trachten, fand
schon oben seine Erledigung. Wie „eifrig“ Sankt Sancho nach 45
III. Sankt Max
193
der „heiligen [Gesellschaft“ „trachtet“, um durch sie den Kom-
mu[nis]mus widerlegen zu können, haben wir gesehen.
/[32b]/ Spruch Salomonis Nro. II. P. 277. „Wäre das
Interesse an der sozialen Frage weniger leidenschaftlich und ver-
5 blendet, so würde man . . . erkennen, daß eine Gesellschaft nicht
neu werden kann, solange Diejenigen, welche sie ausmachen und
konstituieren, die Alten bleiben.“
„Stirner“ glaubt hier, daß die kommunistischen Proletarier,
die die Gesellschaft revolutionieren, die Produktionsverhältnisse
io und die Form des Verkehrs auf eine neue Basis, d. h. auf sich als
die Neuen, auf ihre neue Lebensweise setzen, „die Alten“ bleiben.
Die unermüdliche Propaganda, die diese Proletarier machen, die
Diskussionen, die sie täglich unter sich führen, beweisen hinläng¬
lich, wie wenig sie selbst „die Alten“ bleiben wollen und wie wenig
15 sie überhaupt wollen, daß die Menschen „die Alten“ bleiben
sollen. „Die Alten“ würden sie nur dann bleiben, wenn sie mit
Sankt Sancho „die Schuld in sich suchten“; sie wissen aber zu gut,
daß sie nur unter veränderten Umständen aufhören werden, „die
Alten“ zu sein, und darum sind sie entschlossen, diese Umstände
2o bei der ersten Gelegenheit zu verändern. In der revolutionären
Tätigkeit fällt das Sich-Verändem mit dem Umändem der Um¬
stände zusammen. — Dieser große Spruch wird durch ein ebenso
großes Exempel erläutert, das natürlich wieder aus der Welt „des
Heiligen“ genommen ist. — „Sollte z. B. aus dem jüdischen Volk
25 eine Gesellschaft entstehen, welche einen neuen Glauben
über die Erde verbreitete, so durften dieseApostel doch keine
Pharisäer bleiben.“
Die ersten Christen = eine Gesellschaft zur Verbrei¬
tung des Glaubens (gestiftet
30 Annol).
= Congregatio de Propaganda fide
(gestiftet 1640).
Anno I = Anno 1640.
Diese entstehende sollende Ge-
35 Seilschaft = Diese Apostel.
Diese Apostel = Nichtjuden.
Das jüdische Volk = Pharisäer.
Christen = Nichtpharisäer.
= Nicht das jüdische Volk.
40 Was kann einfacher aussehen?
1—2 Von den Mäusen zerfressene Stelle
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 13
194 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
/32c]/ Durch diese Gleichungen gestärkt, spricht Sankt Max
das große historische Wort gelassen aus: „Die Menschen, weit ent¬
fernt, sich zur Entwicklung kommen zu lassen, wolltenimmer
eine Gesellschaft bilden“. Die Menschen, immer weit entfernt,
eine Gesellschaft bilden zu wollen, ließen dennoch nur die Ge- з
Seilschaft zu einer Entwicklung kommen, weil sie sich fortwäh¬
rend nur als Vereinzelte entwickeln wollten, und kamen des¬
halb nur in und durch die Gesellschaft zu ihrer eignen Entwick¬
lung. Übrigens kann es nur einem Heiligen vom Gepräge unsres
Sancho einfallen, die Entwicklung „der Menschen“ von der Ent- 10
wicklung „der Gesellschaft“, in der diese Menschen leben, zu
trennen und von dieser phantastischen Grundlage aus weiter zu
phantasieren. Er hat übrigens seinen ihm von Sankt Bruno ein¬
gegebenen Satz vergessen, in dem er gleich vorher die moralische
Forderung an die Menschen stellte, sich selbst zu ändern und i*
dadurch ihre Gesellschaft — worin er also die Entwicklung der
Menschen mit der Entwicklung ihrer Gesellschaft identifizierte.
Vierte logische Konstruktion. Er läßt den Kom¬
munismus, im Gegensatz zu den Staatsbürgern, p. 156 sagen:
„Nicht darin besteht Unser Wesen“ (!) „daß wir Alle die gleichen 20
Kinder des Staats“ (!) „sind, sondern darin, daß wir Alle für ein¬
ander da sind. Darin sind Wir Alle gleich, daß Wir Alle für ein¬
ander da sind, daß Jeder für den Andern arbeitet, daß Jeder von
Uns ein Arbeiter ist“. Er setzt nun „als Arbeiter existieren“ =
„Jeder von uns nur durch den Andern existieren“, wo also der 25
Andere „z. B. für meine Kleidung, Ich für sein Vergnügungs¬
bedürfnis, Er für meine Nahrung, Ich für seine Belehrung arbeite.
Also das Arbeitertum ist unsere Würde und unsere Gleichheit. —
Welchen Vorteil bringt Uns das Bürgertum? Lasten. Und wie
hoch schlägt man unsere Arbeit an? So niedrig als möglich. зо
Was könnt Ihr uns entgegen stellen? Doch auch nur Arbeit!“ „Nur
für Arbeit sind wir Euch einen Recom[pe]nse schuldig“; „nur
durch Das, was Ihr [Uns] Nützliches leistet,“ „habt Ihr /{35} [33]/
[e]inen Anspruch auf Uns“. „Wir wollen Euch nur soviel wert
sein, als Wir Euch leisten; Ihr aber sollt desgleichen von Uns ge- 35
halten sein“. „Die Leistungen, die Uns etwas wert sind, also die
gemeinnützigen Arbeiten, bestimmen den Wert. Wer Nütz¬
liches verrichtet, der stehe Keinem nach, oder — alle (gemein¬
nützigen) Arbeiter sind gleich. Da aber der Arbeiter seines Loh¬
nes wert ist, so sei auch der Lohn gleich“. P. 157, 158. — 40
Bei „Stirner“ fängt „der Kommunismus“ damit an, sich nach
„dem Wesen“ umzusehen; er will wieder, als guter „Jüng¬
ling“, nur „hinter die Dinge kommen“. Daß der Kommunismus
32—34 Von den Mäusen zerfressene Stellen
ПІ. Sankt Max
195
eine höchst praktische Bewegung ist, die praktische Zwecke mit
praktischen,Mitteln verfolgt und die sich höchstens in Deutsch¬
land, den deutschen Philosophen gegenüber, einen Augenblick
auf „das Wesen“ einlassen kann, das geht unsern Heiligen natür-
5 lieh Nichts an. Dieser Stirnersche „Kommunismus“, der sosehr
nach „dem Wesen“ schmachtet, kommt daher auch nur zu einer
philosophischen Kategorie, dem „Füreinander sein“, die dann
vermittelst einiger gewaltsamen Gleichungen
Füreinandersein = N u r durch den Andern existieren
10 =als Arbeiter existieren
= allgemeines Arbeitertum
der empirischen Welt etwas näher gerückt wird. Übrigens wird
der heilige Sancho aufgefordert, z. B. in Owen (der doch als
Repräsentant des englischen Kommunismus ebensowohl für „den
15 Kommunismus“ gelten kann, wie z. B. der nichtkommunistische
Proudhon, aus dem er sich das meiste der obigen Sätze abstra¬
hiert und zurechtgestellt) eine Stelle nachzuweisen, in der irgend
etwas von den obigen Sätzen über „Wesen“, allgemeines Arbeiter¬
tum etc. sich findet. Übrigens brauchen wir so weit gar nicht ein-
2o mal zurückzugehen. Die schon oben zitierte deutsche kommuni¬
stische Zeitschrift „Die Stimme des Volks“, spricht sich im dritten
Heft dahin aus: „Was heute Arbeit heißt, ist nur ein winzig elen¬
des Stück des gewaltigen, großmächtigen Produzierens; nämlich
nur dasjenige Produzieren, welches widerlich und gefährlich, be-
25 ehrt die ReligionundMoral,Arbeit zu taufen, und unter¬
fängt sich noch obendrein, allerlei Sprüche, gleichsam Segens¬
sprüche (oder Hexensprüche) drüber zu streuen: „Arbeiten im
Schweiß des Angesichts“ als Prüfung Gottes; „Arbeit macht das
Leben süß“ zur Ermunterung usw. Die Moral der Welt, in der wir
зо leben, hütet sich sehr weislich, das Verkehren der Menschen von
den amüsanten und freien Seiten auch Arbeit zu nennen. Das
schmäht sie, obschon es auch Produzieren ist. Das schimpft sie
gern Eitelkeit, eitle Lust, Wollust. Der Kommunismus hat diese
heuchlerische Predigerin, die elende Moral, entlarvt“. — Als
35 allgemeines Arbeitertum hat nun Sankt Max den ganzen Kommu¬
nismus auf gleichen Arbeitslohn reduziert, eine Entdeckung, die
sich in folgenden drei „Brechungen“ wiederholt: p. 357 „Gegen
die Konkurrenz erhebt sich das Prinzip der Lumpengesellschaft
— die Verteilung. /[33a]/ Soll Ich nun etwa, der Vielver-
40 mögende, vor dem Unvermögenden Nichts voraushaben?“ Ferner
p. 363 spricht er von einer „allgemeinen Taxe für die menschliche
Tätigkeit in der kommunistischen Gesellschaft“. Und endlich
p. 350, wo er den Kommunisten unterschiebt, sie hielten „die Ar¬
beit“ für „das einzige Vermögen“ der Menschen. Sankt Max
13*
196
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
bringt also das Privateigentum in seiner doppelten Gestalt, als
Verteilung und Lohnarbeit, wieder in den Kommunismus herein.
Wie schon früher beim „Raub“, manifestiert Sankt Max hier wie¬
der die allergewöhnlichsten und borniertesten Bourgeoisvorstel¬
lungen als seine „eignen“ „Durchschauungen“ des Kommunismus, з
Er macht sich ganz der Ehre würdig, von Bluntschli unterrichtet
worden zu sein. Als echter Kleinbürger hat er dann auch Furcht,
er, „der Vielvermögende“, „solle Nichts vor dem Unvermögenden
voraushaben“ — obwohl er Nichts mehr zu fürchten hätte, als
seinem eignen „Vermögen“ überlassen zu bleiben. — Nebenbei 10
bildet sich „der Vielvermögende“ ein, das Staatsbürgertum sei
den Proletariern gleichgültig, nachdem er zuerst vorausgesetzt hat,
sie h ä 11 e n es. Gerade wie er oben sich einbildete, dem Bourgeois
sei die Regierungsform gleichgültig. Den Arbeitern liegt soviel
am Staatsbürgertum, d. h. dem aktiven Staatsbürgertum, daß 15
sie, da, wo sie es h а b e n, wie in Amerika, es gerade „verwerten“,
und wo sie es nicht haben, es erwerben wollen. Vergleiche die
Verhandlungen der nordamerikanischen Arbeiter in zahllosen
Meetings, die ganze Geschichte des englischen Chartismus und des
französischen Kommunismus und Reformismus. 20
Erstes Corollar. „Der Arbeiter hält sich, in seinem Be¬
wußtsein, daß das Wesentliche an ihm der Arbeiter sei, vom Egois¬
mus fern, und unterwirft sich der Oberhoheit einer Arbeitergesell¬
schaft, wie der Bürger mit Hingebung“ (!) „am Konkurrenzstaate
hing.“ p. 162. Der Arbeiter hält sich höchstens an dem Bewußt- 25
sein, daß das Wesentliche an ihm für den Bourgeois der Ar-/[33b]/
beiter sei, der sich darum auch gegen den Bourgeois als solchen
geltend machen kann. Die beiden Entdeckungen Sankt Sanchos,
die „Hingebung des Bürgers“ und den „KonkurrenzStaat“ kann
man nur als neue „Vermögens“-Beweise des „Vielvermögenden“ зо
registrieren.
Zweites Corollar. „Der Kommunismus soll das „Wohl
Aller“ bezwecken. Das sieht doch wirklich so aus, als
brauchte dabei Keiner zurückzustehen. Welches wird denn aber
dieses Wohl sein? Haben Alle ein und dasselbe Wohl? ist Allen 35
gleich wohl bei Einem und Demselben? ... Ist dem so, so handelt
sichs vom „wahren Wohl“. Kommen Wir damit nicht gerade bei
dem Punkte an, wo die Religion ihre Gewaltherrschaft beginnt?
Die Gesellschaft hat ein Wohl als das „wahre Wohl“ de¬
kretiert, und hieße dies Wohl z. B. redlicher erarbeiteter 40
Genuß, Du aber zögest die genußreiche Faulheit vor, so würde
die Gesellschaft für das, wobei Dir wohl ist, zu sorgen sich
weislich hüten. Indem der Kommunismus das Wohl Aller prokla¬
miert, vernichtet er gerade das Wohlsein Derer, welche bisher von
ihren Renten lebten etc.“ p. 411, 412. 45
ПІ. Sankt Max
197
„Ist dem so“, so ergeben sich hieraus folgende Gleichungen:
Das Wohl Aller = Kommunismus
= Ist dem so
= Ein und dasselbe Wohl Aller.
5 =Das Gleichwohlsein Aller bei Einem und
Demselben
= Das Wahre Wohl
= [das heilige Wohl, das Heilige, Herrschaft
des Heiligen, Hierarchie]
10 = Gewaltherrschaft der Religion.
Kommunismus = Gewaltherrschaft der Religion.
„Das sieht doch wirklich so aus“, als ob „Stirner“ hier vom
Kommunismus dasselbe gesagt hätte, was er bisher von allen an¬
dern Sachen sagte.
15 Wie tief unser Heiliger den Kommunismus „durchschaut“ hat,
geht wieder daraus hervor, daß er ihm zumutet, den „redlich er¬
arbeiteten Genuß“ als „wahres Wohl“ durchsetzen zu wollen. Wer
[33c]/ außer „Stirner“ und einigen Berliner Schuster- und Schnei¬
dermeistern denkt an „redlich erarbeiteten Genuß“! Und nun gar
го den Kommunisten dies in den Mund zu legen, bei denen die
Grundlage dieses ganzen Gegensatzes von Arbeit und Genuß weg¬
fällt. Der moralische Heilige mag sich darüber beruhigen. Das
„redliche Erarbeiten“ wird man ihm und Denen überlassen, die
er, ohne es zu wissen, vertritt — seinen kleinen, von der Gewerb-
25 freiheit ruinierten und moralisch „empörten“ Handwerksmei¬
stern. Auch die „genußreiche Faulheit“ gehört ganz der trivial¬
sten Bürgeranschauung an. Die Krone des ganzen Satzes ist aber
das pfiffige Bürgerbedenken, das er den Kommunisten macht: sie
wollten das „Wohlsein“ der Rentiers vernichten und sprächen
зо doch vom „Wohlsein Aller“. Er glaubt also, daß in der kommu¬
nistischen Gesellschaft noch Rentiers vorkommen, deren „Wohl¬
sein“ zu vernichten wäre. Er behauptet, daß das „Wohlsein“ als
Rentier ein den Individuen, die jetzt Rentiers sind, inhärentes,
von ihrer Individualität nicht zu trennendes sei, er bildet sich ein,
35 daß für diese Individuen gar kein anderes „Wohlsein“ existieren
könne, als das, was durch ihr Rentier-Sein bedingt ist. Er glaubt
ferner, die Gesellschaft sei schon kommunistisch eingerichtet, so¬
lange sie noch gegen Rentiers und dergleichen /{36} [34]/ zu
kämpfen hat. Die Kommunisten machen sich allerdings kein Ge-
40 wissen daraus, die Herrschaft der Bourgeois zu stürzen und ihr
„Wohlsein“ zu zerstören, sobald sie die Macht dazu haben wer¬
den. Es liegt ihnen keineswegs daran, ob dies ihren Feinden ge-
8—9 Die eckigen Klammern hat Marx gemacht
198
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
meinsame, durch die Klassenverhältnisse bedingte „Wohlsein“
auch als persönliches „Wohlsein“ sich an eine bornierter Weise
vorausgesetzte Sentimentalität adressiert.
Drittes Corollar. P. 190 „ersteht“ in der kommunisti¬
schen Gesellschaft „die Sorge wieder als Arbeit“. — Der gute Bür- 5
ger „Stimer“, der sich bereits freut, im Kommunismus seine ge¬
liebte „Sorge“ wiederzufinden, hat sich diesmal doch verrechnet.
Die „Sorge“ ist nichts anderes, als die gedrückte und geängstigte
Gemütsstimmung, die im Bürgertum die notwendige Begleiterin
der Arbeit, der lumpenhaften Tätigkeit des notdürftigen Erwer- 10
bes ist. Die „Sorge“ floriert in ihrer reinsten Gestalt beim deut¬
schen guten Bürger, wo sie chronisch und „immer sich selbst
gleich“, miserabel und verächtlich ist, während die Not des Pro¬
letariers eine akute, heftige /[34a]/ Form annimmt, ihn zum Kampf
um Leben und Tod treibt, ihn revolutionär macht und deshalb 15
keine „Sorge“, sondern Leidenschaft produziert. Wenn der Kom¬
munismus nun sowohl die „Sorge“ des Bürgers wie die Not des
Proletariers aufheben will, so versteht es sich doch wohl von
selbst, daß er dies nicht tun kann, ohne die Ursache Beider, die
„Arbeit“, aufzuheben. 20
Wir kommen jetzt zu den historischen Konstruktio¬
nen des Kommunismus.
Erste historische Konstruktion
„Solange der Glaube für die Ehre und Würde der Menschen
ausreichte, ließ sich gegen keine, auch noch so anstrengende Arbeit 25
etwas einwenden“. „All’ ihr Elend konnten die unterdrückten
Klassen nur so lange ertragen als sie Christen waren“ (höchstens
waren sie solange Christen, als sie ihr Elend ertrugen) „denn das
Christentum“ (das mit dem Stock hinter ihnen steht) „läßt ihr
Murren und ihre Empörung nicht aufkommen“. P. 158. — „Woher зо
nur „Stirner“ alles Dies weiß“, was die unterdrückten Klassen
konnten, erfahren wir aus Heft I der „Allg. Literat.-Ztg.“, wo „die
Kritik in Buchbindermeistergestalt“ folgende Stelle eines un¬
bedeutenden Buchs zitiert: „Der moderne Pauperismus hat einen
politischen Charakter angenommen; während der alte Bettler sein 35
Los mitErgebenheit trug und es alseine göttlicheSchik-
k u n g ansah, frägt der neue Lump, ob er gezwungen sei, arm¬
selig durchs Leben zu wandern, weil er zufällig in Lumpen ge¬
boren wurde“. Wegen dieser Macht des Christentums fanden bei
der Emanzipation der Leibeignen gerade die blutigsten und er- 40
ПІ. Sankt Max
199
bittertsten Kämpfe gegen die geistlichen Feudalherren statt,
und setzte sie sich durch trotz alles Murrens und aller Empörung
des in den Pfaffen inkorporierten Christentums (vergl. Eden, Hi-
story of the Poor, Book I; Guizot, Histoire de la civilisation en
5 France; Montheil, Histoire des Frangais des divers etats ppp),
während andrerseits die kleinen Pfaffen, namentlich im Anfänge
des Mittelalters, die Leibeigenen zum „Murren“ und zur „Em¬
pörung“ gegen die weltlichen Feudalherren aufreizten (vergl. u.
A. schon das bekannte Kapitular Karls des Großen). Vergleiche
10 auch, was oben bei Gelegenheit der „hie und da auftauchenden
Arbeiterunruhen“ über die „unterdrückten Klassen“ und ihre
Aufstände im 14ten Jahrhundert gesagt wurde. — Die früheren
Formen der Arbeiteraufstände hingen mit der jedesmaligen Ent¬
wicklung der Arbeit und der dadurch gegebenen Gestalt des Eigen¬
es tums zusammen; die direkt oder in-/[34b]/[dir]ekt kommunisti¬
sche Insurrek [tio] n mit der großen Industrie. [Sta] tt auf diese weit¬
läufige Geschichte einzugehen, veranstaltet Sankt Max einen hei¬
ligen Übergang von den duldenden unterdrückten Klassen
zu den ungeduldigen unterdrückten Klassen: „Jetzt, wo
го Jeder sich zum Menschen ausbilden soll“ („woher nur“
z. B. die katalonischen Arbeiter „wissen, daß „Jeder sich zum
Menschen ausbilden soll“?) „fällt die Bannung des Menschen an
maschinenmäßige Arbeit zusammen mit der Sklaverei.“ p. 158.
Vor Spartakus und dem Sklavenkriege war es also das Christen¬
ös tum, das die „Bannung des Menschen an maschinenmäßige Ar¬
beit“ nicht „mit der Sklaverei zusammenfallen“ ließ; und zu
Spartakus Zeit war es der Begriff: Mensch, der dies Verhältnis
aufhob und die Sklaverei erst erzeugte. „Oder sollte“ Stirner
„gar“ etwas von dem Zusammenhänge der modernen Arbeiter-
зо unruhen mit der Maschinerie gehört haben und hier haben an¬
deuten wollen? In diesem Falle hat nicht die Einführung der
Maschinenarbeit die Arbeiter in Rebellen, sondern die Einfüh¬
rung des Begriffes „Mensch“ die Maschinenarbeit in Sklaverei
verwandelt. — „Ist dem so“, so „sieht das doch wirklich so aus“,
35 als wäre dies eine „einzige“ Geschichte der Arbeiterbewegungen.
Zweite geschichtliche Konstruktion
„Die Bourgeoisie hat das Evangelium des materiellen Genus¬
ses verkündet, und wundert sich nun, daß diese Lehre unter Uns
Proletariern Anhänger findet“. P. 159. Eben wollten die Arbeiter
15—10 Von den Mäusen zerfressene Stellen
200
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
den Begriff „des Menschen“, das Heilige, verwirklichen; jetzt den
„materiellen Genuß“, das Weltliche; oben die „Plackerei“ der
Arbeit, jetzt nur noch die Arbeit des Genießens. Sankt Sancho
schlägt sich hier auf ambas sus valientes posaderas, zuerst auf die
materielle Geschichte, dann auf die Stimersche, heilige. Nach der 5
materiellen Geschichte war es die Aristokratie, welche zuerst das
/[34c]/ Evangelium des Weltgenusses an die Stelle des Genusses
des Evangeliums setzte, für welche die nüchterne Bourgeoisie sich
zunächst aufs Arbeiten legte und ihr mit vieler Schlauheit den
Genuß überließ, der ihr selbst durch eigne Gesetze untersagt io
wurde (bei welcher Gelegenheit die Macht der Aristokratie in
der Gestalt des Geldes in die Taschen der Bourgeois rückte). —
Nach der Stimerschen Geschichte hat die Bourgeoisie sich damit
begnügt, „das Heilige“ zu suchen, den Staatskultus zu betreiben
und „alle existierende Objekte in vorgestellte zu verwandeln“, is
und es bedurfte der Jesuiten, um „die Sinnlichkeit vor dem gänz¬
lichen Verkommen zu retten“. Nach derselben Stimerschen Ge¬
schichte hat die Bourgeoisie durch die Revolution alle Macht an
sich gerissen, also auch ihr Evangelium, das des materiellen Ge¬
nusses, obgleich wir nach derselben Stimerschen Geschichte jetzt 20
soweit sind, daß „in der Welt nur Gedanken herrschen“. Die
Stimersche Hierarchie sitzt jetzt also „entre ambas posaderas“.
Dritte historische Konstruktion
P. 159. „Nachdem das Bürgertum von Befehl und Willkür
Einzelner befreit hatte, blieb jene Willkür übrig, welche aus der 25
Konjunktur der Verhältnisse entspringt und die Zufälligkeit der
Umstände genannt werden kann. Das Glück und die vom Glück
Begünstigten blieben übrig“. Sankt Sancho läßt dann die Kom¬
munisten „ein Gesetz und eine neue Ordnung finden, die diesen
Schwankungen“ (dem Dings da) „ein Ende macht“ — von der er зо
soviel weiß, daß die Kommunisten nun ausrufen sollen: „Diese
Ordnung sei dann heilig!“ (wo er vielmehr nun ausrufen müßte:
Die Unordnung meiner Einbildungen sei die heilige Ordnung der
Kommunisten). — „Hier ist Weisheit“ (Offenb. Joh. 13, 18).
„Wer Verstand hat, der überlege die Zahl“ des Unsinns, den der 35
sonst so weitläuftige, sich stets wieder von sich gebende Stimer
/{37} [35]/ [hi] er in wenige [Zeilen] zusammendrängt. — In all¬
gemeinster Fassung heißt der erste Satz: Nachdem das Bürgertum
die Feudalität abgeschafft hatte, blieb das Bürgertum übrig. Oder
37 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
201
nachdem in „Stimers“ Einbildung die Herrschaft der Personen
abgeschafft worden war, blieb grade das Umgekehrte zu tun übrig.
„Das sieht denn doch wirklich so aus“, als könnte man die zwei
entlegensten Geschichtsepochen in einen Zusammenhang bringen,
5 der der heilige Zusammenhang, der Zusammenhang als das Hei¬
lige, der Zusammenhang im Himmel ist. — Dieser Satz Sankt San¬
chos ist übrigens nicht mit dem obigen mode simple des Unsinns
zufrieden, er muß es bis zum mode compose und bi-compose des
Unsinns bringen. Nämlich erstens glaubt Sankt Max den sich
10 befreienden Bourgeois, daß sie, indem sie sich von Befehl und
Willkür Einzelner befreiten, die Masse der Gesellschaft über¬
haupt von Befehl und Willkür Einzelner befreiten. Zweitens be¬
freiten sie sich realiter nicht von „Befehl und Willkür der Ein¬
zelnen“, sondern von der Herrschaft der Korporation, Zunft, der
15 Stände und konnten daher nun erst als wirkliche einzelne
Bourgeois dem Arbeiter gegenüber „Befehl und Willkür“ aus¬
üben. Drittens hoben sie nur den plus ou moins idealistischen
Schein des bisherigen Befehls und der bisherigen Willkür der
Einzelnen auf, um an seine Stelle diesen Befehl und diese Will-
2o kür in ihrer materiellen Grobheit herzustellen. Er, Bourgeois,
wollte seinen „Befehl und Willkür“ nicht mehr durch den bisheri¬
gen „Befehl und Willkür“ der im Monarchen, im Adel und in
der Korporation konzentrierten politischen Macht beschränkt wis¬
sen, sondern höchstens durch die in Gesetzen von Bourgeois aus-
25 gesprochneh Gesamtinteressen der ganzen Bourgeoisklasse. Er
tat nichts, als den Befehl und die Willkür über den Befehl und
die Willkür der einzelnen Bourgeois aufheben (siehe Politischen
Liberalismus). — Indem Sankt Sancho /[35a]/ nun die Konjunk¬
tur der Verhältnisse, welche mit der Herrschaft der Bour-
3o geoisie eine ganz andre Konjunktur ganz andrer Verhältnisse
wurde, statt sie wirklich zu analysieren, als die allgemeine Kate¬
gorie „Konjunktur pp“ übrig bleiben läßt und sie mit dem noch
unbestimmteren Namen: „Zufälligkeit der Umstände“ beschenkt
— als ob der „Befehl und die Willkür Einzelner“ nicht selbst
35 eine „Konjunktur der Verhältnisse“ sei — indem er also so die
reale Grundlage des Kommunismus, nämlich die bestimmte
Konjunktur der Verhältnisse unter dem Bourgeoisregime besei¬
tigt, kann er nun auch den so luftig gemachten Kommunismus in
seinen heiligen Kommunismus verwandeln. „Das sieht denn doch
4o wirklich so aus“, als ob „Stirner“ ein „Mensch von nur ideellem“,
eingebildetem historischem „Reichtum“ sei — der „vollendete
Lum p“. Siehe „das Buch“, p. 362. — Diese große Konstruktion,
oder vielmehr ihr Vordersatz, wird uns p. 189 noch einmal mit
vieler Emphase in folgender Form wiederholt: „Der politische
45 Liberalismus hebt die Ungleichheit der Herren und Diener auf;
202
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
er machte herrenlos, anarchisch“ (!); „der Herr wurde nun
vom Einzelnen, dem Egoisten entfernt, um ein Gespenst zu
werden, das Gesetz oder der Staat“. Gespensterherrschaft =
(Hierarchie) = Herrenlosigkeit, gleich Herrschaft der „allmäch¬
tigen“ Bourgeois. Wie wir sehen, ist diese Gespensterherrschaft з
vielmehr die Herrschaft der vielen wirklichen Herren; also
konnte der Kommunismus mit gleichem Recht als die Befreiung
von dieser Herrschaft der Vielen gefaßt werden, was Sankt San¬
cho aber nicht durfte, weil sonst sowohl seine logischen Konstruk¬
tionen des Kommunismus, wie auch die ganze Konstruktion der 10
„Freien“ umgeworfen worden wären. So gehts aber im ganzen
„Buche“. Ein einziger Schluß aus den eignen Prämissen unsres
Heiligen, ein einziges historisches Faktum, wirft ganze Reihen von
Durchschauungen und Resultaten zu Boden.
Vierte geschichtliche Konstruktion
P. 350 leitet Sankt Sancho den Kommunismus direkt aus der
Abschaffung der Leibeigenschaft her. —
LVordersatz: „Es war außerordentlich viel damit gewon¬
nen, als man es durchsetzte, als Inhaber betrachtet“ (!) „zu
werden. Die Leibeigenschaft wurde damit auf gehoben und Jeder, 20
der bis dahin selbst Eigentum gewesen, ward nun ein Herr“.
(In dem mode simple des Unsinns heißt dies wieder: Die Leib¬
eigenschaft wurde aufgehoben, sobald sie aufgehoben ward). Der
mode compose dieses Unsinns ist, daß Sankt Sancho glaubt, ver¬
mittelst der heiligen Kontemplation, des „Betrachtens“ und „Be- 25
trachtetwerdens“ sei man zum „Inhaber“ geworden, während die
Schwierigkeit darin bestand, „Inhaber“ zu werden und die Be¬
trachtung sich dann nachher von selbst hinzusetzte; und der mode
bicompose ist, daß, nachdem die anfangs noch partikuläre Auf¬
hebung der Leibeigenschaft angefangen hatte ihre Konsequenzen зо
zu entwickeln und dadurch allgemein geworden war, man auf¬
hörte, „durchsetzen“ /[35b]/ [z]u können, als [des] Innehabens
wert „betrachtet“ zu werden (dem Inhaber wurden die Inne¬
gehabten zu kostspielig); daß also die größte Masse, „die bisher
selbst Eigentum“, d. h. gezwungene Arbeiter „gewesen waren“, 35
dadurch keine „Herren“, sondern freie Arbeiter wurden). —
II. Historischer Untersatz, der zirka acht Jahrhunderte
32 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
203
5
10
15
20
25
30
35
40
45
umfaßt, und dem man „freilich nicht ansehen wird wie inhalt¬
schwer“ er ist (vgl. Wigand, p. 194). „Allein forthin reicht
Dein Haben und Deine Habe nicht mehr aus, und wird nicht
mehr anerkannt; dagegen steigt Dein Arbeiten und Deine
Arbeit im Werte. Wir achten nun Deine Bewältigung der
Dinge, wie vorher“ (?) „Dein Innehaben derselben. Deine Ar¬
beit ist Dein Vermögen. Du bist nun Herr oder Inhaber des Er¬
arbeiteten, nicht des Ererbten.“ (ibid.) „Forthin“ — „nicht
mehr“ — „dagegen“ — „nun“ — „wie vorher“ — „nun“ —
„oder“ — „nicht“ — das ist der Inhalt dieses Satzes. — Obgleich
„Stirner“ „nun“ dahin gekommen ist, daß Du (nämlich Szeliga)
Herr des Erarbeiteten, nicht des Ererbten, bist, so fällt ihm „nun“
vielmehr ein, daß derzeit gerade das Gegenteil stattfindet — und
dies läßt ihn den Kommunismus als Wechselbalg aus diesen bei¬
den Mißgeburten von Vordersätzen gebären. — III. Kommu¬
nistischer Schluß. „Da aber DERZEIT Alles ein Ererbtes
ist, und jeder Groschen, den Du besitzest, nicht ein Arbeits-, son¬
dern Erbgepräge trägt“ (kulminierender Unsinn), „SO muß
Alles /[35c]/ umgeschmolzen werden.“ Woraus Szeliga nun so¬
wohl beim Auf- und Untergang der mittelaltrigen Kommunen,
wie beim Kommunismus des neunzehnten Jahrhunderts angelangt
zu sein sich einbilden kann. Und womit Sankt Max trotz alles
„Ererbten“ und „Erarbeiteten“ zu keiner „Bewältigung der Din¬
ge“, sondern höchstens zur „Habe“ des Unsinns gekommen ist. —
Liebhaber von Konstruktionen können nun noch p. 421 nach¬
sehen, wie Sankt Max, nachdem er den Kommunismus aus der
Leibeigenschaft konstruiert hat, ihn nun noch als Leibeigenschaft
unter einem Lehnsherrn, der Gesellschaft, konstruiert — nach
demselben Muster, wie er schon oben das Mittel, wodurch wir
etwas erwerben, zu dem „Heiligen“ macht, durch dessen „Gnade“
uns etwas gegeben wird. Jetzt nur noch schließlich einige „Durch¬
schauungen“ des Kommunismus, die sich aus den obigen Prä¬
missen ergeben.
Zuerst gibt „Stirner“ eine neue Theorie der Exploita¬
tion, die darin besteht, daß „der Arbeiter in einer Stecknadel¬
fabrik nur ein einzelnes Stück arbeitet, nur einem Andern in die
Hand arbeitet, und von diesem Andern benutzt, exploitiert wird“.
P. 158. Hier entdeckt also „Stirner“, daß die Arbeiter einer
Fabrik sich wechselseitig exploitieren, weil sie einander „in die
Hand arbeiten“, während der Fabrikant, dessen Hände gar nicht
arbeiten, auch nicht im Stande ist die Arbeiter zu exploitieren.
„Stirner“ gibt hier ein schlagendes Exempel von der betrübten
Lage, in die die deutschen Theoretiker durch den Kommunismus
versetzt worden sind. Sie müssen sich jetzt auch mit profanen Din¬
gen wie Stecknadelfabriken usw. beschäftigen, bei denen sie sich
204 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
wie wahre Barbaren, wie Ojibbeway-Indianer und Neuseeländer
benehmen.
„Dagegen heißt es nun“ im Stimerschen Kommunismus, 1. c.:
„Jede Arbeit soll den Zweck haben, daß der „Mensch“ befrie¬
digt werde. Deshalb muß er“ („d e r“ Mensch) „auch in ihr Mei- s
ster werden, d. h. sie als eine Totalität schaffen können.“ —
/{38} [36]/ „Der Mensch“ muß Meister werden! — „Der
Mensch“ bleibt Stecknadelknopfmacher, hat aber das beruhigende
Bewußtsein, daß Nadelknöpfe zur Nadel gehören und daß er die
ganze Nadel machen kann. Die Ermüdung und der Ekel, den io
die ewige Wiederholung des Nadelknopf machens hervorbringt,
verwandelt sich durch dies Bewußtsein in „Befriedigung des
Menschen“. [0, P]roudhon! —
Weitere Durchschauung. — „Da die Kommunisten erst die
freie Tätigkeit für das Wesen“ (iterum Crispinus) „des 15
Menschen erklären, bedürfen sie, wie alle werkeltätige Ge¬
sinnung, eines Sonntags, einer Erhebung und Erbauung
neben ihrer geistlosen Arbeit“. Abgesehen von dem hier
eingeschobenen „Wesen des Menschen“ muß der unglückliche
Sancho die „freie Tätigkeit“, d. h. bei den Kommunisten die aus 20
der freien Entwicklung aller Fähigkeiten hervorgehende, schöpfe¬
rische Lebensäußerung, um „Stimer“ verständlich zu sein, des
„ganzen Kerls“, in „geistlose Arbeit“ verwandeln, weil nämlich
der Berliner merkt, daß es sich hier nicht um die „saure Arbeit
des Gedankens“ handelt. Durch diese einfache Verwandlung kön- 25
nen nun auch die Kommunisten in die „werkeltätige Gesinnung“
umgesetzt werden. Mit dem Werkeltage des Bürgers findet sich
dann natürlich auch sein Sonntag im Kommunismus wieder.
P. 163. „Die sonntägliche Seite des Kommunismus ist, daß der
Kommunist in Dir den Menschen, den Bruder erblickt“. Der зо
Kommunist erscheint hier also als „Mensch“ und als „Arbeiter“.
Dies nennt Sankt Sancho 1.c.: „eine zwiefache Anstellung
des Menschen durch den Kommunisten, ein Amt des materiellen
Erwerbs, und eins des geistigen“. — Hier bringt er also sogar den
„Erwerb“ und die Bureaukratie wieder in den Kommunismus 35
herein, der dadurch freilich „sein letztes Absehen erreicht“, und
aufhört Kommunismus zu sein. Er muß dies übrigens tun, weil
nachher in seinem „Verein“ Jeder ebenfalls „eine zwiefache An¬
stellung“, als Mensch und als „Einziger“ erhält. Diesen Dualis¬
mus legitimiert er vorläufig dadurch, daß er ihn dem Kommunis- 40
mus in die Schuhe schiebt, eine Methode, die wir bei seinem Lehns-
wesen und seiner Verwertung wiederfinden werden.
P. 344 glaubt „Stimer“, die „Kommunisten“ wollten „die Ei-
13 Von den Mäusen zerfressene Stelle
III. Sankt Max
205
gentumsfrage gütlich lösen“, und p. 413 sollen sie gar an die Auf¬
opferung der Menschen [und an] die selbstverleugnende Gesin¬
nung /[36a]/ der Kapitalisten appellieren! Die wenigen seit
Babeufs Zeit aufgetretenen kommunistischen Bourgeois, die
5 nicht revolutionär waren, sind sehr dünne gesät; die große
Masse der Kommunisten ist in allen Ländern revolutionär. Was
die Ansicht der Kommunisten über die „selbstverleugnende Ge¬
sinnung der Reichen“ und die „Aufopferung der Menschen“ ist,
mag Sankt Max aus ein paar Stellen Cabets, gerade des Kommu-
w nisten ersehen, der noch am meisten den Schein haben kann, als
apelliere er an das devoüment, die Aufopferung. Diese Stellen
sind gegen die Republikaner und namentlich gegen Herrn Bu¬
chez’ Angriff auf den Kommunismus gerichtet, der in Paris noch
eine sehr kleine Zahl Arbeiter unter seinem Kommando hat:
i5 „Ebenso mit der Aufopferung (devoüment); es ist dies die
Doktrin des Herrn Buchez, diesmal ihrer katholischen Form ent¬
kleidet, weil Herr Buchez ohne Zweifel fürchtet, daß seine Katho-
lizität die Masse der Arbeiter anwidert und zurückstößt. „Um wür¬
dig seine Pflicht (devoir) zu erfüllen (sagt Buchez) bedarf
2o es der Aufopferung (devoüment)“. — Begreife, wer kann,
welcher Unterschied zwischen devoir und devoüment. — „Wir
fordern Aufopferung von Allen, sowohl für die große nationale
Einheit als für die Arbeiterassoziation... es ist notwendig, daß
wir vereint seien, immer hingegeben (devoues) die Einen für die
25 Andern.“ — Es ist notwendig, es ist notwendig — das ist leicht
zu sagen, und man sagt es seit sehr langer Zeit, und man wird es
noch sehr lange Zeit ohne mehr Erfolg sagen, wenn man nicht auf
andere Mittel sinnt! Buchez beklagt sich über die Selbstsucht der
Reichen; aber wozu dienen solche Klagen? Buchez erklärt alle
зо die für Feinde, welche sich nicht devouieren wollen.“
„ „Wenn“, sagt er, „durch den Egoismus getrieben, sich ein
/[36b]/ Mensch weigert, für die Andern sich hinzugeben, was muß
man tun? ... Wir werden keinen Augenblick anstehen, zu antwor¬
ten: Die Gesellschaft hat immer das Recht uns Das zu
35 nehmen, was die eigne Pflicht uns gebietet ihr aufzuopfern... Die
Aufopferung ist das [e]inzige Mittel, seine Pflicht zu erfüllen.
[Je]der von uns muß sich aufopfem, [ü]berall und immer. Der,
welcher aus Egoismus seine Pflicht der [Hingebung zu erfüllen
sich weigert, muß hierzu gezwungen werden.“ — So schreit
4o Buchez allen Menschen zu: Opfert Euch, opfert Euch! Denkt nur
daran, Euch zu opfern! Heißt das nicht die menschliche Natur ver-
2 Auf dem Photo ist der Text durch einen umgebogenen Fetzen der zerflederten
Blattecke verdeckt
36—37 Von den Mäusen zerfressene Stellen
38 Das Papier ist beschädigt
206 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
kennen und mit Füßen treten? Ist das nicht eine falsche Anschau¬
ung? Wir möchten fast sagen, eine kindische, eine ab¬
geschmackte Anschauung?“ (Refutation des doctrines de
l’Atelier, par Cabet, p. 19, 20). — Cabet zeigt nun p. 22 dem
Republikaner Buchez nach, daß er notwendig auf eine „Aristo- s
kratie der Aufopferung“ mit verschiedenen Stufen kommt, und
fragt dann ironisch: „Was wird nun aus dem Devoüment? Wo
bleibt das devoüment, wenn man nur deswegen sich devouiert, um
zu den höchsten Spitzen der Hierarchie zu gelangen? . . .
Ein solches System könnte aufkommen in dem Kopfe von Einem, io
der es zum Papst oder Kardinal bringen wollte — aber in den
Köpfen von Arbeitern!!!“ — „Herr Buchez will nicht, daß die
Arbeit eine angenehme Zerstreuung werde, noch daß der
Mensch für sein eignes Wohlsein arbeite und sich neue Genüsse
schaffe. Er behauptet . . . „daß der Mensch nur auf die Erde ge- is
setzt worden ist, um einen Beruf, eine Pflicht (une fonc-
tion, un devoir) zu erfüllen“. „Nein“, predigt er den Kommuni¬
sten, „der Mensch, diese große Macht, ist nicht für sich selbst er¬
schaffen (n’a point ete fait pour lui-meme) . . . Das ist ein roher
Gedanke. Der Mensch ist ein Werkmann (ouvrier) in der Welt, 20
er muß das Werk (oeuvre) vollbringen, welches die Moral seiner
Tätigkeit auferlegt, das ist seine Pflicht. . . Verlieren wir niemals
aus dem Gesicht, daß wir einen hohen Beruf (une haute
fonction) zu erfüllen haben, einen Beruf, der mit dem ersten Tage
des Menschen begonnen hat, und nur mit der Menschheit zugleich 2s
[endig]en wird“. — Aber wer hat dem [Herrn] Buchez alle diese
schönen Sachen /[36c]/ enthüllt (Mais qui а гёѵёіё toutes ces hel¬
les choses ä M. Buchez lui-meme, wo Stimer übersetzen würde:
Woher nur Buchez alles das weiß, was der Mensch soll?). — Du
reste, comprenne qui pourra. — Buchez fährt fort: „Wie! Der зо
Mensch hätte Tausende von Jahrhunderten warten müssen, um
von Euch Kommunisten zu lernen, daß er für sich selbst gemacht
ist und keinen andren Zweck hat als in allen möglichen Genüssen
zu leben?... Aber man darf sich so nicht verirren. Man darf
nicht vergessen, daß wir geschaffen sind um zu arbei-зз
ten (faits pour travailler), um immer zu arbeiten, und
daß die einzige Sache, die wir fordern können, das zum Leben
Nötige (la süffisante vie) ist, d. h. ein Wohlsein, welches dazu
hinreicht, daß wir angemessen unsern Beruf erfüllen können.
Außerhalb dieses Kreises ist alles absurdundgefährlic h.“ 40
— Aber so beweisen Sie doch! Beweisen Sie! Und begnügen Sie
sich nicht damit, wie ein Prophet zu orakeln! Gleich von vorn¬
herein sprechen Sie von Tausenden von Jahrhunderten!
26 Von den Mäusen zerfressene Stelle
III. Sankt Max
207
Und dann, wer behauptet, daß man uns in allen Jahrhunderten
erwartet hat? Aber Euch hat man wohl erwartet mit allen Euren
Theorien von devoüment, devoir, nationalite frangaise, associa-
tion ouvriere? — „Schließlich“, sagt Buchez, „bitten wir Euch
5 nicht von dem, was wir gesagt haben, Euch verletzt zu fühlen“. —
Wir sind eben so höfliche Franzosen, wir bitten Euch ebenfalls,
nicht verletzt zu sein.“ (p. 31). — „Glaubt u n s“, sagt Buchez,
„es existiert eine communaute, die seit langer Zeit errichtet ist
und wovon Ihr auch Mitglieder seid“. — „Glaubt uns, Buchez“,
io schließtCabet, „werdetKommunist!“—„Aufopferung“, „Pflicht“,
„Sozialpflicht“, „Recht der Gesellschaft“, „der Beruf, die Bestim¬
mung des Menschen“, „Arbeiter der Beruf des Menschen“, „mo¬
ralisches Werk“, „Arbeiterassoziation“, „Schaffen des zum Leben
Unentbehrlichen“ — sind das nicht dieselben Dinge, die Sankt
15 Sancho den Kommunisten vorwirft, deren Mangel Herr Bu¬
chez den Kommunisten vorwirft und dessen feierliche Vorwürfe
Cabet verhöhnt? Ist nicht selbst Stirners „Hierarchie“ hier
[sch]on vorhanden?
/{39} [37]/ Schließlich gibt Sankt Sancho dem Kommunismus
го p. 169 den Gnadenstoß, indem er folgenden Satz ausstößt: „In¬
dem die Sozialisten auch das Eigentum wegnehmen“ (!), „be¬
achten sie nicht, daß dies sich in der Eigenheit eine Fortdauer
sichert. Ist denn bloß Geld und Gut ein Eigentum, oder ist jede
Meinung ein Mein, ein Eigenes? Es muß also jede Meinung
25 aufgehoben oder unpersönlich gemacht werden.“ — Oder ist
Sankt Sanchos Meinung, insofern sie nicht auch zur Meinung An¬
derer wird, ein Kommando über irgend etwas, selbst über die
fremde Meinung? Indem Sankt Max hier das Kapital seiner Mei¬
nung gegen den Kommunismus geltend macht, tut er wieder Nichts
зо Andres, als daß er die ältesten und trivialsten Bourgeoiseinwürfe
gegen ihn vorbringt, und glaubt etwas Neues gesagt zu haben,
weil ihm, dem jebildeten Berliner, diese Abgedroschenheiten neu
sind. Unter und nach vielen Andern hat Destutt de Tracy vor un¬
gefähr dreißig Jahren und später in dem hier zitierten Buche das-
35 selbe viel besser gesagt. Z. B.: „Man hat förmlich den Prozeß des
Eigentums instruiert und Gründe für und wider vorgebracht, als
wenn es von uns abhinge zu beschließen, daß es Eigentum gebe
oder nicht gebe in dieser Welt; aber das heißt durchaus unsre Na¬
tur verkennen.“ (Traite de la volonte, Paris, 1826, p. 18). Und
4o nun gibt sich Herr Destutt de Tracy daran zu beweisen, daß pro-
priete, individualite und personalite identisch sind, daß in dem
moi auch das mien liege, und er findet darin eine Naturgrundlage
für das Privateigentum, daß „die Natur den Menschen mit einem
18 Das Papier ist beschädigt
208
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
unvermeidlichen und unveräußerlichen Eigentum begabt hat, dem
seines Individuums.“ (p. 17). — Das Individuum „sieht klar, daß
dieses Ich exklusiver Eigentümer des Körpers ist, den es beseelt,
der Organe, die es bewegt, aller ihrer Fähigkeiten, aller ihrer
Kräfte, aller Wirkungen, die sie produzieren, aller ihrer Leiden- (5
schäften und Handlungen; denn Alles dies endet und beginnt mit
diesem Ich, existiert nur durch es, ist nur bewegt durch seine Ak¬
tion; und keine andre Person kann diese selben Instrumente an¬
wenden, noch in /[37a]/ derselben Weise von ihnen affiziert sein.“
(p. 16). — „Das Eigentum existiert, wenn nicht gerade überall 10
wo ein empfindendes Individuum existiert, mindestens überall wo
ein wollendes Individuum existiert.“ (p. 19). — Nachdem er so
Privateigentum und Persönlichkeit identifiziert hat, gibt sich nun
wie bei „Stirner“ vermittelst des Wortspiels mit Mein und Mei¬
nung, Eigentum und Eigenheit bei Destutt de Tracy aus 15
propriete und propre folgender Schluß: „Es ist also durch¬
aus unnütz, darüber zu streiten, ob es nicht besser sei, daß Jedem
von uns Nichts eigen wäre (de discuter s’il ne vaudrait pas mieux
que rien ne füt p г о p r e ä chacun de nous) in allen Fällen
heißt das fragen, ob es nicht wünschenswert sei, daß wir ganz 20
andre wären als wir sind, und selbst untersuchen, ob es nicht besser
wäre, daß wir gar nicht seien.“ (p. 22).
„Das sind höchst populäre“, bereits traditionell gewordene
Einwürfe gegen den Kommunismus „und es ist“ eben deswegen
nicht „zu verwundern, daß Stirner“ sie wiederholt. 25
Wenn der bornierte Bourgeois zu den Kommunisten sagt: In¬
dem Ihr das Eigentum, d. h. meine Existenz als Kapitalist, als
Grundbesitzer, als Fabrikant, und Eure Existenz als Arbeiter auf¬
hebt, hebt Ihr meine und Eure Individualität auf; indem Ihr es
mir unmöglich macht, Euch Arbeiter zu exploitieren, meine Pro- 30
fite, Zinsen, oder Renten einzustreichen, macht Ihr es mir unmög¬
lich, als Individuum zu existieren. — Wenn also der Bourgeois
den Kommunisten erklärt: Indem Ihr meine Existenz als Bour¬
geois aufhebt, hebt Ihr meine Existenz als Individuum
auf, wenn er so sich als Bourgeois mit sich als Individuum identi- 35
fiziert, so ist daran wenigstens die Offenherzigkeit und Unver- *
schämtheit anzuerkennen. Für den Bourgeois ist dies wirklich der
Fall; er glaubt nur in so fern Individuum zu sein, als er Bourgeois
ist. — Sobald aber die Theoretiker der Bourgeoisie herein kom¬
men und dieser Behauptung einen allgemeinen Ausdruck geben, 40
das Eigentum des Bourgeois mit der Indivi-/[37b]/dualität auch
theoretisch identifizieren und diese Identifizierung logisch recht¬
fertigen wollen, fängt der Unsinn erst an, feierlich und heilig zu
werden. — „Stirner“ widerlegte oben die kommunistische Auf¬
hebung des Privateigentums dadurch, daß er das Privateigentum 45
III. Sankt Max
209
in das „Haben“ verwandelte und dann das Zeitwort „Haben“ für
ein unentbehrliches Wort, für eine ewige Wahrheit erklärte, weil
es auch in der kommunistischen Gesellschaft vorkommen könne,
daß er Leibschmerzen „habe“. Geradeso begründet er hier die
5 Unabschaffbarkeit des Privateigentums darauf, daß er es in den
Begriff des Eigentums verwandelt, den etymologischen Zusam¬
menhang zwischen „Eigentum“ und „eigen“ exploitiert und das
Wort „eigen“ für eine ewige Wahrheit erklärt, weil es doch auch
unter dem kommunistischen Regime vorkommen kann, daß ihm
10 Leibschmerzen „eigen“ sind. Dieser ganze theoretische Unsinn,
der sein Asyl in der Etymologie sucht, wäre unmöglich, wenn
nicht das wirkliche Privateigentum, das die Kommunisten auf¬
heben wollen, in den abstrakten Begriff: „das Eigentum“ verwan¬
delt würde. Hiermit erspart man sich einerseits die Mühe, über
io das wirkliche Privateigentum etwas zu sagen oder auch nur zu
wissen, und* kann andrerseits leicht dahin kommen, im Kommunis¬
mus einen Widerspruch zu entdecken, indem man in ihm, nach
der Aufhebung des (wirklichen) Eigentums, allerdings leicht
noch allerlei Dinge entdecken kann, die sich unter „das Eigen-
2o tum“ subsumieren lassen. In der Wirklichkeit verhält sich die
Sache freilich gerade umgekehrt. In der Wirklichkeit habe ich
nur insoweit Privateigentum, als ich Verschacherbares habe, wäh¬
rend meine Eigenheit durchaus unverschacherbar sein kann. An
meinem Rock habe ich nur solange Privateigentum, als ich ihn
25 wenigstens verschachern, versetzen oder verkaufen kann, /[37c]/
[als er verschach]erbar ist. Verliert er diese Eigenschaft, wird er
zerlumpt, so kann er für mich noch allerlei Eigenschaften haben,
die ihn m i r wertvoll machen, er kann sogar zu meiner Eigen¬
schaft werden, und mich zu einem zerlumpten Individuum machen.
зо Aber es wird keinem Ökonomen einfallen, ihn als mein Privat¬
eigentum zu rangieren, da er mir über kein, auch noch so geringes
Quantum fremder Arbeit noch ein Kommando gibt. Der Jurist,
der Ideologe des Privateigentums, kann vielleicht noch so etwas
faseln. Das Privateigentum entfremdet nicht nur die Individuali-
35 tät der Menschen, sondern auch die der Dinge. Der Grund und
Boden hat Nichts mit der Grundrente, die Maschine Nichts mit
dem Profit zu tun. Für den Grundbesitzer hat der Grund und
Boden nur die Bedeutung der Grundrente, er verpachtet seine
Grundstücke und zieht die Rente ein; eine Eigenschaft, die der
4o Boden verlieren kann, ohne irgend eine seiner inhärenten Eigen¬
schaften, ohne z. B. einen Teil seiner Fruchtbarkeit zu verlieren,
eine Eigenschaft, deren Maß, ja deren Existenz von gesellschaft¬
lichen Verhältnissen abhängt, die ohne Zutun des einzelnen Grund-
26 Auf dem Photo ist der Text durch eine Falte der beschädigten Blattecke
verdeckt
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 14
210
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
besitzers gemacht und auf gehoben werden. Ebenso mit der Ma¬
schine. Wie wenig das Geld, die allgemeinste Form des Eigen¬
tums, mit der persönlichen Eigentümlichkeit zu tun hat, wie sehr
es ihr geradezu entgegengesetzt ist, wußte bereits Shakespeare bes¬
ser als unser theoretisierender Kleinbürger: 5
„Soviel hievon macht schwarz weiß, häßlich schön,
Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel,
Ja dieser rote Sklave
Er macht den Aussatz lieblich
dieser führt ю
Der überjähr’gen Witwe Freier zu;
Die, von Spital und Wunden giftig eiternd,
Mit Ekel fortgeschickt, verjüngt balsamisch
Zu Maienjugend dies
sichtbare Gottheit,. 15
Die du Unmöglichkeiten eng verbrüderst,
Zum Kuß sie zwingst!“ —
Mit einem Wort, Grundrente, Profit etc., die wirklichen Da¬
seinsweisen des Privateigentums, sind gesellschaftliche,
einer bestimmten Produktionsstufe entsprechende Verhält - 20
n i s s e und „individuelle“ nur so lange, als sie noch nicht
zur Fessel der vorhandenen Produktivkräfte geworden sind.
Nach Destutt de Tracy muß die Majorität der Menschen, die
Proletarier, längst alle Individualität verloren haben, obgleich es
heut zu Tage so aussieht, als entwickle sich unter ihnen noch ge- 25
rade am meisten Individualität. Der Bourgeois hat /{40} [38]/ es
um so leichter, aus seiner Sprache die Identität merkantilischer
und individueller, oder auch allgemein menschlicher Beziehungen
zu beweisen, als diese Sprache selbst ein Produkt der Bourgeoisie
ist und daher wie in der Wirklichkeit, so in der Sprache, die Ver- зо
hältnisse des Schachers zur Grundlage aller andern gemacht wor¬
den sind. Z. B. propriete Eigentum und Eigenschaft, property
Eigentum und Eigentümlichkeit, „eigen“ im merkantilischen Sinn
und im individuellen Sinn, valeur, value, Wert — commerce, Ver¬
kehr — echange, exchange, Austausch usw., die sowohl für kom- 35
merzielle Verhältnisse, wie für Eigenschaften und Beziehungen
von Individuen als solchen gebraucht werden. In den übrigen mo¬
dernen Sprachen ist dies ganz ebenso der Fall. Wenn Sankt Max
sich ernstlich darauf legt, diese Zweideutigkeit zu exploitieren, so
kann er es leicht dahin bringen, eine glänzende Reihe neuer öko- 40
nomischer Entdeckungen zu machen, ohne ein Wort von der Öko¬
nomie zu wissen; wie denn auch seine später zu registrierenden
neuen ökonomischen Fakta sich ganz innerhalb dieses Kreises der
Synonymik halten. — Der gutmütige und leichtgläubige Jacques
III. Sankt Max
211
nimmt den Wortwitz des Bourgeois mit Eigentum und Eigenschaft
so genau, in so heiligem Ernst, daß er sich sogar bestrebt, sich als
Privateigentümer zu seinen eignen Eigenschaften zu verhalten, wie
wir später sehen werden. —
5 P. 412 endlich belehrt „Stirner“ den Kommunismus darüber,
daß „man“ (nämlich der Kommunismus) „inWahrheit nicht
das Eigentum angreift, sondern die Entfremdung des Eigentums.“
— Sankt Max wiederholt uns in dieser neuen Offenbarung nur
einen alten Witz, den z. B. bereits die Saint-Simonisten vielfach
io ausgebeutet haben. Vgl. z. B. Legons sur l’industrie et les finances,
Paris 1832, wo es u. A. heißt: „Das Eigentum wird nicht abge¬
schafft, sondern seine Form wird verwandelt, es wird erst
zur wahren Personifikation werden, es wird
erst seinen wirklichen individuellen Charakter erhalten.“ Др. 42,
15 43). — Da diese von den Franzosen aufgebrachte und namentlich
von Pierre Leroux outrierte Phrase von den deutschen spekula¬
tiven Sozialisten mit vielem Wohlgefallen aufgenommen worden
und weiter ausspekuliert ist, und zuletzt zu reaktionären Umtrie¬
ben und praktischen Beutelschneidereien Anlaß gegeben hat, so
го werden wir sie hier, wo sie nichtssagend ist, auch nicht behandeln,
sondern weiter unten, bei Gelegenheit des wahren Sozialismus.
Sankt Sancho gefällt sich darin, [nach dem] Vorbilde des von
Reichardt [exploitierten] Wönigers die Proletarier [und damit]
auch die Kommunisten zu „Lum [pen“zu] machen. Er definiert
25 seinen /40a [38a]/ „Lumpen“ p. 362 dahin, daß er „ein Mensch
von nur idealem Reichtum“ ist. Wenn die Stimerschen „Lumpen“
einmal, wie im fünfzehnten Jahrhundert die Pariser Bettler, ein
Luiripenkönigreich stiften, so wird Sankt Sancho Lumpenkönig,
da er der „vollendete“ Lump, ein Mensch von nicht einmal idea-
3o lern Reichtum ist, und daher auch von den Zinsen des Kapitals
seiner Meinung zehrt.
C. Der humane Liberalismus
Nachdem Sankt Max den Liberalismus und Kommunismus als
unvollendete Existenzweisen des philosophischen „Menschen“ und
35 damit der neueren deutschen Philosophie überhaupt sich zurecht¬
gemacht hat (wozu er in soweit berechtigt war, als nicht nur der
22—24 Von den Mäusen zerfressene Stellen
14*
212
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Liberalismus, sondern auch der Kommunismus in Deutschland
eine kleinbürgerliche und zugleich überschwenglich-ideologische
Gestalt erhalten hat) — ist es ihm nunmehr leicht, die neuesten
Formen der deutschen Philosophie den von ihm so genannten „hu¬
manen Liberalismus“ als vollendeten Liberalismus und Kommu- 5
nismus, und zugleich als Kritik dieser beiden, darzustellen.
Durch diese heilige Konstruktion ergeben sich nun folgende
drei ergötzliche Wandlungen — (vgl. auch die Ökonomie des Al¬
ten Bundes):
1) Der Einzelne ist nicht der Mensch, darum gilt er nichts— 10
kein persönlicher Wille, Ordonnanz — „dessen Namen wird man
nennen“: „Herrenlos“ — politischer Liberalismus, den wir schon
oben behandelt haben.
2) Der Einzelne hat nichts Menschliches, darum gilt kein
Mein und Dein oder Eigentum: „besitzlos“ — Kommunismus, 15
den wir ebenfalls schon behandelt haben.
3) Der Einzelne soll in der Kritik dem jetzt erst gefundenen
Menschen Platz machen: „Gottlos“ = Identität von „Herrenlos“
und „besitzlos“ — humaner Liberalismus. P. 180, 181. — In der
näheren Ausführung dieser letzteren negativen Einheit faßt sich 20
die unerschütterliche Rechtgläubigkeit Jacques’ zu folgender
Spitze zusammen: p. 189: „Der Egoismus des Eigentums hat
sein Letztes eingebüßt, wenn auch das: Mein Gott, sinnlos gewor¬
den ist, denn“ (allergrößtes Denn!) „Gott ist nur, wenn ihm das
Heil des Einzelnen am Herzen liegt, wie dieser in ihm sein Heil 25
sucht“. Hiernach hätte der französische Bourgeois erst dann sein
„letztes“ „Eigentum eingebüßt“, wenn das Wort adieu aus der
Sprache verbannt [wäre]. Ganz im Einklang mit der bisherigen]
Konstruktion wird hier /40b [38b]/ das Eigentum an Gott, das hei¬
lige Eigentum im Himmel, das Eigentum der Phantasie, die Phan- зо
tasie des Eigentums für das höchste Eigentum und den letzten Not¬
anker des Eigentums erklärt.
Aus diesen drei Illusionen über Liberalismus, Kommunismus
und deutsche Philosophie braut er sich nun seinen neuen — dies¬
mal, dem „Heiligen“ sei Dank, den letzten — Übergang zum 35
„I c h“. Ehe wir ihm dahin folgen, wollen wir noch einen Blick
auf seinen letzten „sauren Lebenskampf“ mit dem „humanen Li¬
beralismus“ werfen.
Nachdem unser Biedermann Sancho in seiner neuen Rolle als
caballero andante, und zwar als Caballero de la tristisima figura 40
die ganze Geschichte durchzogen, überall die Geister und Gespen¬
ster, die „Drachen und Straußen, Feldteufel und Kobolde, Mar¬
der und Geier, Rohrdommeln und Igel“ (vgl. Jes. 34, 11—14)
28 Auf dem Photo der Text durch den umgebogenen Rand der Seite verdeckt
III. Sankt Max
213
bekämpft und „umgeblasen“ hat, wie wohl muß ihm jetzt werden,
wenn er nun endlich aus allen diesen verschiedenen Ländern auf
seine Insel Barataria, in „das Land“ als solches kommt, wo „der
Mensch“ in puris naturalibus herumläuft! Rufen wir uns noch
6 einmal seinen Großen Satz, das ihm aufgebundene Dogma ins
Gedächtnis, worauf seine ganze Geschichtskonstruktion beruht:
daß „die Wahrheiten, die sich aus dem Begriffe des Men¬
schen ergeben, als Offenbarungen eben dieses Begriffes ver¬
ehrt und — heilig gehalten werden“; den „Offenbarungen dieses
10 heiligen Begriffs“ werde selbst „durch Abschaffung mancher
durch diesen Begriff manifestierten Wahrheiten nicht ihre Heilig¬
keit genommen.“ (p. 51). Wir brauchen kaum zu wiederholen,
was wir dem heiligen Schriftsteller an allen seinen Beispielen
nachgewiesen haben, daß man hinterher als Offenbarung des Be-
15 griffs „Mensch“ konstruiert, darstellt, sich vorstellt, befestigt und
rechtfertigt, was empirische, von den wirklichen Menschen in
ihrem wirklichen Verkehr, keineswegs vom heiligen Begriff des
Men[schen] geschaffene Verhältnisse sind. [Man] rufe sich auch
seine Hierarchie [in das] Gedächtnis. Nun zum humanen [Libe-
2o r]alismus.
[P. 4]4, wo Sankt Max „in Kürze“ [„die theo] logische Ansicht
Feuerbachs und Unsere [einander] gegenüberstellt“, wird Feuer¬
bach /40c[38c]/ zunächst Nichts entgegengestellt als eine Redens¬
art. Wie wir schon bei der Geisterfabrikation sahen, wo „Stirner“
25 seinen Magen unter die Sterne versetzt (dritter Dioskur, Schutz¬
patron gegen die Seekrankheit), weil er und sein Magen „verschie¬
dene Namen für völlig Verschiedenes“ sind (p. 42) — so erscheint
das Wesen hier zunächst auch als existierendes Ding, und „so
heißt es nun“ p.44: „Das höchste Wesen ist allerdings das
зо Wesen des Menschen, aber eben weil es sein Wesen und nicht
er selbst ist, so bleibt es sich ganz gleich, ob wir es außer ihm
sehen, und als „Gott“ anschauen, oder in ihm finden und „Wesen
des Menschen“ oder „d e г Mensch“ nennen. Ich bin weder Gott,
noch der Mensch, weder das höchste Wesen, noch Mein Wesen,
35 und darum ist’s in der Hauptsache einerlei, ob Ich das Wesen in
Mir, oder außer Mir denk e.“ — Das „Wesen des Menschen“ ist
also hier als ein existierendes Ding vorausgesetzt, es ist „das
höchste Wesen“, es ist nicht „Ich“, und Sankt Max, statt über
„das Wesen“ etwas zu sagen, beschränkt sich auf die einfache Er-
4o klärung, daß es jleichjültig ist, „ob Ich es in Mir oder außer Mir“,
ob ich es in dieser oder jener Lokalität „denke“. Daß diese
Gleichgültigkeit gegen das Wesen durchaus keine bloße Nach¬
lässigkeit des Stils ist, geht schon daraus hervor, daß er selbst
18—22 Von den Mäusen zerfressene Stellen
214
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
die Unterscheidung zwischen wesentlich und unwesentlich macht,
daß bei ihm selbst sogar „das edle Wesen des Egoismus“ p. 72
figurieren kann. Was übrigens bisher von deutschen Theoretikern
über Wesen und Unwesen gesagt worden ist, findet sich Alles
schon viel besser bei Hegel in der Logik. 5
Wir fanden die grenzenlose Rechtgläubigkeit „Stirners“ an
die Illusionen der deutschen Philosophie darin konzentriert, daß
er fortwährend der Geschichte als einzig handelnde Person „d e n
Menschen“ unterschiebt und glaubt, „der Mensch“ habe die Ge¬
schichte gemacht. Wir werden dies jetzt auch wieder bei Feuer- 10
bach finden, dessen Illusionen er getreulichst akzeptiert, um dar¬
auf weiter fortzubauen.
P. 77. „Überhaupt bewirkt Feuerbach nur eine Umstel¬
lung von Subjekt und Prädikat, eine Bevorzugung des
Letzteren. Da er aber selbst sagt: „Die Liebe /{41}[39]/ ist nicht 15
dadurch heilig (und hat den Menschen niemals dadurch für heilig
gegolten), daß sie ein Prädikat Gottes, sondern sie ist ein Prädi¬
kat Gottes, weil sie durch und für sich selbst göttlich ist“, so
konnte er finden, daß der Kampf gegen die Prädikate selbst er¬
öffnet werden mußte, gegen die Liebe und alle Heiligkeiten. Wie 20
durfte er hoffen, die Menschen von Gott abzuwenden, wenn er
ihnen das Göttliche ließ? Und ist ihnen, wie Feuerbach sagt,
Gott selbst nie die Hauptsache gewesen, sondern nur seine Prädi¬
kate, so konnte er ihnen immerhin den Flitter noch länger lassen,
da ja die Puppe doch blieb, der eigentliche Kern“. Weil Feuer- 25
bach also „selbst“ das sagt, so ist das Grund genug für Jacques
le bonhomme ihm zu glauben, daß den Menschen die Liebe ge¬
golten habe, weil sie „durch und für sich selbst göttlich ist“.
Wenn nun gerade das Umgekehrte von dem, was Feuerbach sagt,
stattfand — und wir „erkühnen uns, dies zu sagen“ (Wigand 30
p. 157) — wenn den Menschen weder Gott noch seine Prädikate
jemals die Hauptsache gewesen sind, wenn dies selbst nur die
religiöse Illusion der deutschen Theorie ist — so passiert also
unsrem Sancho dasselbe, was ihm bereits bei Cervantes passierte,
als man ihm vier Pfähle unter seinen Sattel stellte, da er schlief, 35
und seinen Grauen unter ihm wegzog. — Auf diese Aussagen
Feuerbachs gestützt, beginnt Sancho den Kampf, der ebenfalls be¬
reits bei Cervantes am neunzehnten vorgezeichnet steht, da der
ingenioso hidalgo gegen die Prädikate kämpft, die Vermummten,
so den Leichnam der Welt zu Grabe tragen, und die, in ihren Tala- 40
ren und Leichenmänteln verwickelt, sich nicht regen können und es
unsrem Hidalgo leicht machen, sie mit seiner Stange umzurennen
und weidlich abzuprügeln. Der letzte Versuch, die nun bis zur Er¬
müdung durchgepeitschte Kritik der Religion als einer eignen
Sphäre weiter auszubeuten, innerhalb der Voraussetzungen der 45
III. Sankt Max
215
deutschen Theorie stehen zu bleiben und doch sich den Schein zu
geben, als trete man heraus, aus diesem bis zur letz[ten] Faser
abgenagten Knochen noch [eine Ru]mfordsche breite Bettelsuppe
[für „das] Buch“ zu kochen, bestand darin, /[39a]/ die materiel-
5 len Verhältnisse nicht in ihrer wirklichen Gestalt, nicht einmal
in der profanen Illusion der in der heutigen Welt praktisch Be¬
fangenen, sondern in dem himmlischen Extrakt ihrer profanen
Gestalt als Prädikate, als Emanationen Gottes, als Engel zu be¬
kämpfen. So war nun das Himmelreich wieder bevölkert und der
io alten Manier der Exploitation dieses Himmelreichs wieder neues
Material in Masse geschaffen. So war der Kampf mit der reli¬
giösen Illusion, mit Gott, wieder dem wirklichen Kampf unter¬
geschoben. Sankt Bruno, dessen Broterwerb die Theologie ist,
macht in seinen „sauren Lebenskämpfen“ gegen die Substanz
15 denselben Versuch pro aris et focis, als Theologe aus der Theo¬
logie herauszutreten. Seine „Substanz“ ist Nichts als die in Einem
Namen zusammengefaßten Prädikate Gottes; mit Auschluß der
Persönlichkeit, die er sich vorbehält — der Prädikate Gottes, die
wieder nichts sind als die verhimmelten Namen von Vorstellun-
2o gen der Menschen von ihren bestimmten empirischen Verhältnis¬
sen, Vorstellungen, die sie später aus praktischen Gründen heuch¬
lerisch festhalten. Das empirische, materielle Verhalten dieser
Menschen kann natürlich mit dem von Hegel ererbten theoreti¬
schen Rüstzeug auch nicht einmal verstanden werden. Indem
25 Feuerbach die religiöse Welt als die Illusion der bei ihm selbst
nur noch als Phrase vorkommenden irdischen Welt aufzeigte,
ergab sich von selbst auch für die deutsche Theorie die, von ihm
nicht beantwortete, Frage: Wie kam es, daß die Menschen sich
diese Illusionen „in den Kopf setzten“? Diese Frage bahnte selbst
зо für die deutschen Theoretiker den Weg zur materialistischen,
nicht voraussetzungslosen, sondern die wirklichen ma¬
teriellen Voraussetzungen als solche empirisch beobachtenden
und darum erst wirklich kritischen Anschauung der Welt.
Dieser Gang war schon angedeutet in den deutsch-französischen
35 Jahrbüchern in der „Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechts¬
philosophie“ und „zur Judenfrage“. Da dies damals noch in phi¬
losophischer Phraseologie geschah, so gaben die hier /[39b]/ tra¬
ditionell unterlaufenden philosophischen Ausdrücke wie „mensch¬
liches Wesen“, „Gattung“ pp den deutschen Theoretikern die er-
4o wünschte Veranlassung die wirkliche Entwicklung zu mißverste¬
hen und zu glauben, es handle sich hier wieder nur um eine neue
Wendung ihrer abgetragenen theoretischen Röcke — wie denn
auch der Dottore Graziano der deutschen Philosophie, der Doktor
2—4 Von den Mäusen zerfressene Stellen
216 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Arnold Rüge, glaubte, er dürfe hier noch fortwährend mit seinen
unbeholfenen Gliedmaßen um sich schlagen und seine pedantisch¬
burleske Maske zur Schau tragen. Man muß „die Philosophie bei
Seite liegen lassen“ (Wig. p. 187, vgl. Heß, die letzten Philoso¬
phen, p. 8), man muß aus ihr herausspringen und sich als ein ge- &
wohnlicher Mensch an das Studium der Wirklichkeit geben, wozu
auch literarisch ein ungeheures, den Philosophen natürlich un¬
bekanntes Material vorliegt; und wenn man dann einmal wieder
Leute wie Krummacher oder „Stirner“ vor sich bekommt,
so findet man, daß man sie längst „hinter“ und unter sich hat. Phi- io
losophie und Studium der wirklichen Welt verhalten sich zu ein¬
ander wie Onanie und Geschlechtsliebe. Sankt Sancho, der trotz
seiner, von uns mit Geduld und von ihm mit Emphase konstatier¬
ten Gedankenlosigkeit innerhalb der Welt der reinen Gedanken
stehen bleibt, kann natürlich nur durch ein moralisches Postulat, w
durch das Postulat der „Gedankenlosigkeit“ sich vor ihr
retten (p. 196 des „Buchs“). Er ist der Bürger, der sich durch
die banqueroute cochonne vor dem Handel rettet, wodurch er
natürlich kein Proletarier, sondern unbemittelter bankerutter Bür¬
ger wird. Er wird nicht Weltmann, sondern gedankenloser, ban- 20
kerutter Philosoph.
Die von Feuerbach überlieferten Prädikate Gottes als wirkliche
Mächte über die Menschen, als Hierarchen, sind der der empiri¬
schen Welt untergeschobne Wechselbalg, den „Stirner“ vorfindet.
So sehr beruht seine ganze „Eigenheit“ nur auf „Eingegebnem“. 25
Wenn „Stirner“ (s. auch p. 63) Feuerbach vorwirft, er komme zu
Nichts, weil er das Prädikat zum Subjekt mache und umgekehrt,
[so] kann er nur noch zu viel weniger kommen, [weil] er diese
Feuerbachschen, zu Subjekten gemac]hten Prädikate als wirk¬
liche [die Welt behe] rrschende Persönlichkeiten, diese Phrasen зо
über die Verhältnisse als die wirklichen Verhältnisse /[39c]/ treu¬
lichst akzeptiert, ihnen das Prädikat heilig beilegt, dies Prä¬
dikat in ein Subjekt, „das Heilige“, verwandelt, also
ganz dasselbe tut, was er Feuerbach zum Vorwurf macht, und
nun, nachdem er hierdurch den bestimmten Inhalt, um den es sich 35
handelte, gänzlich losgeworden ist, gegen dies „Heilige“, das
natürlich immer dasselbe bleibt, seinen Kampf, d. h. seinen „Wi¬
derwillen“ eröffnet. Bei Feuerbach ist noch das Bewußtsein, was
ihm Sankt Max zum Vorwurf macht, „daß es sich bei ihm „nur
um die Vernichtung einer Illusion handelt.“ “ (p. 77 „des Buchs“) 40
— obgleich Feuerbach dem Kampfe gegen diese Illusion noch
viel zu große Wichtigkeit beilegt. Bei „Stirner“ ist auch dies Be¬
wußtsein „alle jeworden“, er glaubt wirklich an die Herrschaft
28—30 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
217
5
10
15
20
25
30
35
40
der abstrakten Gedanken der Ideologie in der heutigen Welt, er
glaubt in seinem Kampfe gegen die „Prädikate“, die Begriffe,
nicht mehr eine Illusion, sondern die wirklichen Herrschermächte
der Welt anzugreifen. Daher seine Manier, alles auf den Kopf
zu stellen, daher seine enorme Leichtgläubigkeit, mit der er alle
scheinheiligen Illusionen, alle heuchlerischen Beteuerungen der
Bourgeoisie für bare Münze nimmt. Wie wenig übrigens „die
Puppe“ „der eigentliche Kern“ „des Flitters“ und wie lahm dies
schöne Gleichnis ist, zeigt sich am Besten an „Stirners“ eigner
„Puppe“ — „dem Buch“ — an dem gar kein, weder „eigent¬
licher“ noch un-„eigentlicher“ „Kem“ vorhanden ist, und wo
selbst das Wenige, was auf den 491 Seiten vorhanden ist, kaum
den Namen „Flitter“ verdient. — Sollen wir aber einmal einen
„Kem“ darin finden, so ist dieser Kem — der deutsche
Kleinbürger.
Woher übrigens Sankt Maxens Haß gegen die „Prädikate“
stammt, darüber gibt er selbst im apologetischen Kommentar
einen höchst naiven Aufschluß. Er zitiert folgende Stelle aus dem
„Wesen des Christentums“ p. 31. „Ein wahrer Atheist ist nur der,
welchem die Prädikate des göttlichen Wesens, wie z. B. die
Liebe, die Weisheit, die Gerechtigkeit Nichts sind, aber nicht der,
welchem nur das Subjekt dieser Prädikate Nichts ist“ — und
ruft dann triumphierend aus: „Tri f ft d ie s nicht bei Stir¬
ner ein?“ — „Hier ist Weisheit“. Sankt Max fand in obiger
Stelle einen Wink, wie man es anfangen müsse, um „am Aller-
weitesten“ zu gehen. Er glaubt Feuerbach, daß dies Obige
das „Wesen“ des „wahren Atheisten“ sei und läßt sich nun
von ihm die „Aufgabe“ stellen, der „wahre Atheist“ zu werden.
Der „Einzige“ ist „der wahre Atheist“.
Noch viel leichtgläubiger als gegen Feuerbach, „machiniert“
er gegen Sankt Bruno oder „die Kritik“. Was er sich alles von
„der Kritik“ aufbinden läßt, wie er sich unter ihre Polizei-Auf¬
sicht stellt, wie sie ihm seine Lebensart, seinen „Beruf“ eingibt —
wir werden das allgemach sehen. Einstweilen genügt als Probe
seines Glaubens an die Kritik, daß er p. 186 „Kritik“ und „Masse“
als zwei Personen behandelt, die gegeneinander kämpfen und
„sich vom Egoismus zu befreien suchen“ und p. 187 Beide „für
das nimmt, wofür sie sich — ausgeben“.
Mit dem Kampf gegen den huma-/ (42}[40]/nen Liberalismus
ist der lange Kampf des alten Bundes, wo der Mensch ein Zucht¬
meister auf den Einzigen war, beendigt; und die Zeit ist erfüllet
und das Evangelium der Gnade und Freude bricht herein über die
sündige Menschheit.
218
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Der Kampf um „den Menschen“ ist die Erfüllung des Wortes,
das da geschrieben steht bei Cervantes am einundzwanzigsten,
„welches von dem hohen Abenteuer und reichen Gewinnung des
Helmes Mambrins handelt“. Unser Sancho, der seinem ehemali¬
gen Herrn und jetzigen Knecht Alles nachmacht, hat „den Schwur 5
getan, den Helm Mambrins“ — den Menschen — für sich „zu
erobern“. Nachdem er in seinen verschiedenen „Auszügen“ den
ersehnten Helm bei den Alten und Neuen, Liberalen und Kommu¬
nisten vergebens gesucht hat, „sieht er einen Menschen zu Pferde,
der auf seinem Kopfe etwas trägt, welches leuchtet, als wenn es 10
von Gold wäre“, und spricht zu Don Quijote-Szeliga: „Wenn ich
mich nicht täusche, so kommt Einer dort zu uns heran, der auf
seinem Haupte den Helm Mambrins trägt, wegen dessen Ich den
Schwur getan habe so du weißest“. „Nehme sich Eure Herrlich¬
keit wohl in Acht, was sie sagen und noch mehr, was sie tun“, er- 15
widert der im Laufe der Zeit klug gewordene Don Quijote. „Sage
Mir, siehst du nicht jenen Ritter, der zu uns heran kommt auf
einem graugefleckten Roß, und hat auf seinem Haupte einen gol¬
denen Helm?“ — „Was Ich sehe und gewahre“, erwidert Don
Quijote, „ist nur ein Kerl auf einem grauen Esel .wie der Eurige, 20
welcher auf seinem Kopfe etwas trägt, was glänzt“. — „Also das
ist der Helm des Mambrin“, sagt Sancho. — Unterdessen kam der
heilige Barbier Bruno auf seinem Eselein, der Kritik, ruhig
herangetrabt, mit seinem Barbierbecken auf dem Kopfe; Sankt
Sancho legt seine Lanze auf ihn ein, Sankt Bruno springt von sei- 25
nem Esel, läßt das Becken liegen (wie wir ihn denn auch hier im
Konzil ohne dies Becken auftreten sahen) und läuft querfeldein,
„weil er der Kritiker selber ist“. Sankt Sancho nimmt hocherfreut
den Mambrinshelm auf, und als Don Quijote bemerkt: er sehe einem
/[40a]/ Barbierbecken vollkommen ähnlich, antwortet Sancho: зо
„Ohne Zweifel ist dieses famose Stück des verzauberten „spuk¬
haft“ gewordenen Helmes in die Hand eines Menschen gefallen,
der seinen Wert nicht zu schätzen wußte, die eine Hälfte ein¬
schmolz und die andre so zurecht gehämmert, daß sie, wie Du
sagst, ein Barbierbecken zu sein scheint; er möge übrigens für 35
profane Augen aussehen, wie er wolle, für mich, der ich seinen
Wert kenne, ist das einerlei“.
„Die zweite Herrlichkeit, das zweite Eigentum ist nun erwor¬
ben!“ —
Jetzt, nachdem er „den Menschen“, seinen Helm, erworben hat, 40
stellt er sich ihm gegenüber, verhält sich zu ihm wie zu seinem
„unversöhnlichsten Feind“ und erklärt ihm rund heraus (warum,
werden wir später sehen), daß Er (Sankt Sancho) nicht „der
Mensch“, sondern „der Unmensch, das Unmenschliche“ sei. Als
dieses „Unmenschliche“ zieht er nun auf die Sierra Morena, um 45
III. Sankt Max
219
sich durch Büßungen auf die Herrlichkeit des neuen Bundes vor¬
zubereiten. Dort zieht er sich „splitternackt“ aus (p. 184), um
seine Eigenheit zu erlangen und um Das zu übertreffen, was sein
Vorläufer bei Cervantes am fünfundzwanzigsten tut: „Und sich
5 mit aller Eile der Hosen entkleidend, blieb er halb nackt im
Hemde und machte ohne sich zu besinnen zwei Bocksprünge in
der Luft, den Kopf nach unten, die Beine nach oben, Dinge ent¬
hüllend, die seinen getreuen Schildknappen veranlaßten, Rozi-
nante herumzuwerfen, um sie nicht zu sehen“. „Das Unmensch-
Ю liehe“ übertrifft sein profanes Vorbild bei weitem. Es „kehrt
entschlossnen Mutes sich selbst den Rücken und wen¬
det sich dadurch auch von dem beunruhigenden Kritiker ab“ und
„läßt ihn stehen“. „Das Unmenschliche“ läßt sich dann
mit der „stehen gelassenen“ Kritik in eine Disputation ein, es
15 „verachtet sich selbst“, es „denkt sich im Vergleich zu einem An¬
dern“, es „befiehlt Gott“, es „sucht sein besseres Selbst außer
sich“, es tut Buße dafür, daß es noch nicht einzig war, es erklärt
sich für das Einzige, „das Egoistische und das Einzige“ —
obwohl es dies kaum /[40b]/ noch zu erklären brauchte, nachdem
2o es sich selbst entschloßnen Muts den Rücken gekehrt hat.
Alles dies hat „das Unmenschliche“ aus sich selbst vollbracht
(siehe: Pfister: Geschichte der Deutschen), und nun reitet
Es auf seinem Grauen geläutert und triumphierend in das Reich
des Einzigen ein.
Ende des alten Testaments
/43 [41]/
NEUES TESTAMENT: „ICH“
1. Ökonomie des Neuen Bundes
Wenn wir im Alten Bunde die „einzige“ Logik innerhalb der
Vergangenheit zum Gegenstände unserer Erbauung hatten, 3
so haben wir nun die Gegenwart innerhalb der „einzigen“
Logik vor uns. Wir haben den „Einzigen“ in seinen mannigfalti¬
gen, antediluvianischen „Brechungen“, als Mann, kaukasischen
Kaukasier, vollendeten Christen, Wahrheit des humanen Liberalis¬
mus, negative Einheit von Realismus und Idealismus ppp bereits
hinlänglich beleuchtet. Mit der historischen Konstruktion des
„Ich“ fällt das „Ich“ selber. Dies „Ich“, das Ende einer geschicht¬
lichen Konstruktion, ist kein „leibhaftiges“ fleischlich von Mann
und Weib erzeugtes Ich, das keiner Konstruktionen bedarf, um
zu existieren; es ist ein geistlich von zwei Kategorien: „Idealis- is
mus“ und „Realismus“ erzeugtes „Ich“, eine bloße Gedanken¬
existenz.
Der Neue Bund, der schon mit dem Alten Bunde, seiner Vor¬
aussetzung, aufgelöst ist, hat einen buchstäblich ebenso weisen
Haushalt, wie der alte, nämlich „unter mancherlei Wandlungen“ 20
denselben, wie dies aus der folgenden Tabelle hervorgeht:
I. Die Eigenheit = die Alten, Kind, Neger pp in ihrer
Wahrheit, nämlich die Herausarbeitung aus der „Welt
der Dinge“ zur „eignen“ Anschauung und Besitzergreifung
dieser Welt. Es ergab sich bei den Alten Lossein von der 25
Welt, bei den Neuen Lossein vom Geist, bei den Liberalen
Lossein von der Person, bei den Kommunisten Lossein vom
Eigentum, bei den Humanen Lossein von Gott, also über¬
haupt die Kategorie des Losseins (Freiheit) als Ziel. Die
negierte Kategorie des Losseins ist die Eigenheit, зо
die natürlich keinen andern Inhalt als dies Lossein hat. Die
Eigenheit ist die philosophisch /[41a]/ konstruierte Eigen¬
schaft aller Eigenschaften des Stimerschen Individui.
III. Sankt Max
221
II. Der Eigner — als solcher ist Stirner hinter die
Unwahrheit der Welt der Dinge und der Welt des Gei¬
stes gekommen, also die Neuen, Phase des Christentums
innerhalb der logischen Entwicklung — Jüngling, Mongole.
5 — Wie die Neuen in die dreifach bestimmten Freien, so
schlägt der Eigner in die drei ferneren Bestimmungen aus¬
einander:
1. Meine Macht, dem politischen Libe¬
ralismus entsprechend, wo die Wahrheit des
io Rechts an den Tag kömmt, das Recht als die Macht
„des Menschen“ in die Macht als das Recht des „Ich“
aufgelöst wird. Kampf gegen den Staat als sol¬
chen.
2. Mein Verkehr, dem Kommunismus ent-
15 sprechend, wobei die Wahrheit der Gesell¬
schaft an den Tag kommt und die Gesellschaft als
der durch „den Menschen“ vermittelte Verkehr (in
ihren Formen als Gefängnisgesellschaft, Familie,
Staat, bürgerliche Gesellschaft pp) in den Verkehr des
го „Ich“ aufgelöst wird.
3. Mein Selbstgenuß, dem kritischen, hu¬
manen Liberalismus entsprechend, worin die
Wahrheit der Kritik, das Verzehren, Auflösen
und die Wahrheit des absoluten Selbstbewußtseins als
25 Selbstverzehren an den Tag kommt, und die Kritik als
das Auflösen im Interesse des Menschen in das Auf¬
lösen im Interesse des „Ich“ sich verwandelt.
Die Eigentümlichkeit der Individuen löste sich, wie wir
sahen, in die allgemeine Kategorie der Eigenheit auf, welche
зо die Negation des Losseins, der Freiheit im Allgemeinen war.
Die Beschreibung der besondem Eigenschaften des Indivi¬
duums kann also wieder nur in der Negation dieser „Frei¬
heit“ in ihren drei „Brechungen“ bestehen; jede dieser nega¬
tiven Freiheiten wird jetzt durch ihre Negation in eine posi-
35 tive Eigenschaft verwandelt. Es versteht sich, daß wie im
Alten Testament das Lossein der Welt der Dinge und der
Welt der Gedanken schon als Aneignung dieser beiden Wel¬
ten gefaßt /[41b]/ wurde, so auch hier diese Eigenheit oder
Aneignung der Dinge und Gedanken wieder als vollendetes
4o Lossein dargestellt wird.
Das „Ich“ mit seinem Eigentum, seiner Welt, die in den
eben „signalisierten“ Eigenschaften besteht, ist Eigner.
Als sich selbst genießend und sich selbst verzehrend, ist es
das „Ich“ in der zweiten Potenz, der Eigner des Eigners, den
45 es ebensowohl los ist, als er ihm gehört, also die „absolute
222
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Negativität“ in ihrer doppelten Bestimmung als Indifferenz,
Jleichgültigkeit und negative Beziehung auf sich, den Eigner.
Sein Eigentum an der Welt und sein Lossein von der Welt
hat sich nun verwandelt in diese negative Beziehung auf sich,
in dieses Selbstauflösen und Sichselbstgehören des Eigners. 5
Das Ich, so bestimmt, ist
III. Der Einzige, der also wieder keinen andern In¬
halt hat, als den Eigner plus die philosophische Bestimmung
der „negativen Beziehung auf sich“. Der tiefsinnige Jacques
gibt sich den Schein, als sei von diesem Einzigen Nichts aus- 10
zusagen, weil er ein leibhaftiges, nicht konstruierbares Indi¬
viduum ist. Es verhält sich aber vielmehr damit, wie mit der
Hegelschen absoluten Idee am Ende der Logik und der ab¬
soluten Persönlichkeit am Ende der Encyklopädie, von der
ebenfalls Nichts auszusagen ist, weil nämlich die Konstruk- 15
tion Alles enthält, was von solchen konstruierten Persönlich¬
keiten ausgesagt werden kann. Hegel weiß dies und geniert
sich nicht, dies zu gestehen, während Stirner die Heuchelei
begeht, zu behaupten, sein „Einziger“ sei noch etwas Andres
als der konstruierte Einzige, aber Etwas, das sich nicht sagen 20
lasse — nämlich ein leibhaftiges Individuum. Dieser heuch¬
lerische Schein verschwindet, wenn man die Sache umkehrt,
den Einzigen als Eigner bestimmt und vom Eigner aussagt,
daß er die allgemeine Kategorie der Eigenheit zu seiner all¬
gemeinen Bestimmung hat; womit nicht allein Alles gesagt 25
ist, was über den Einzigen „s а g b а r“ ist, sondern auch was
er überhaupt ist — minus Jacques le bonhomme’s Einbil¬
dung von ihm.
„0 welch eine Tiefe des Reichtums, beides /43c [41c] / der Weis¬
heit und Erkenntnis des Einzigen! Wie gar unergründlich sind 30
seine Gedanken und unerforschlich seine Wege!“
„Siehe, also gehet sein Tun; aber davon haben wir ein geringes
Wörtlein vernommen.“ (Hiob 26, 14).
2. Phänomenologie
des mit sich einigen Egoisten, oder die Lehre von
der Rechtfertigung
Wie wir bereits in der Ökonomie des Alten Bundes und später
sahen, ist Sankt Sanchos wahrer, mit sich einiger Egoist keines¬
wegs mit dem trivialen Alltagsegoisten, dem „Egoisten im
III. Sankt Max
223
gewöhnlichen Verstände“ zu verwechseln. Er hat viel¬
mehr sowohl diesen (den in der Welt der Dinge Befangenen, Kind,
Neger, Alten pp), wie den aufopfernden Egoisten (den in der
Welt der Gedanken Befangenen, Jüngling, Mongole, Neuen pp)
5 zu seiner Voraussetzung. Es liegt indes in der Natur der Geheim¬
nisse des Einzigen, daß dieser Gegensatz und die aus ihm hervor¬
gehende negative Einheit — der „mit sich einige Egoist“
— erst hier, im Neuen Bunde, betrachtet werden kann.
Da Sankt Max den „wahren Egoisten“ als etwas ganz Neues, als
10 das Ziel der bisherigen Geschichte darstellen will, so hat er einer¬
seits den Aufopfernden, den Predigern des devoüment, nachzuwei¬
sen, daß sie wider Willen Egoisten, und den Egoisten im gewöhn¬
lichen Verstände, daß sie Aufopfernde, daß sie keine wahren,
keine heiligen Egoisten sind. — Beginnen wir mit den erstem, den
15 Aufopfernden.
Zu unzähligen Malen sahen wir, daß in der Welt Jacques le
bonhomme’s Alle vom Heiligen besessen sind. „Indessen macht es
doch einen Unterschied“, ob „man gebildet oder ungebildet ist“.
Die Gebildeten, die sich mit dem reinen Gedanken beschäftigen,
2o treten uns hier als die vom Heiligen „Besessenen“ par excellence
entgegen. Sie sind in ihrer praktischen Gestalt die „Aufopfern¬
den“.
„Wer ist denn aufopfernd? Vollständig“ (!) „doch“ (!!)
„wohl“ (!!!) „derjenige, der an Eins, Einen Zweck, Einen
25 Willen, Eine Leidenschaft alles Andre setzt. Ihn beherrscht
eine Leidenschaft, /[42]/ der er die übrigen zum Opfer bringt.
Und sind diese Aufopfernden etwa nicht eigennützig? Da sie nur
Eine herrschende Leidenschaft haben, sorgen sie auch nur für
Eine Befriedigung, aber für diese desto eifriger. Egoistisch ist
зо ihr ganzes Tun und Treiben, aber es ist ein einseitiger, u n -
aufgeschlossener, bornierter Egoismus; es ist Be¬
sessenheit.“ p. 99. Sie haben also nach Sankt Sancho nur eine
herrschende Leidenschaft; sollen sie auch für die Leidenschaften
sorgen, die nicht sie, sondern Andre haben, um sich zum
35 allseitigen, aufgeschlossenen, unbeschränkten Egoismus zu er¬
heben, um diesem fremden Maßstab des „heiligen“ Egoismus
zu entsprechen?
Beiläufig wird in dieser Stelle auch der „Geizige“ und der
„V ergnügungssüchtige“ (wahrscheinlich, weil Stirner
4o glaubt, er suche „d а s Vergnügen“ als solches, das heilige Ver¬
gnügen, nicht die wirklichen Vergnügungen aller Art) ebenso wie
„Robespierre z. B., Saint Just usw.“ (p. 100) als Exempel des
„aufopfernden, besessenen Egoisten“ angeführt. „Von einem ge¬
wissen Standpunkt der Sittlichkeit aus räsoniert man“ (d. h. unser
45 heiliger, „mit sich einiger Egoist“, von seinem eignen, mit sich
224
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
höchst uneinigen Standpunkte aus) „etwa so“: „Opfere Ich aber
Einer Leidenschaft andere, so opfere Ich darum dieser Leiden¬
schaft noch nicht Mich, und opfere nichts von dem, wodurch
Ich wahrhaft Ich selber bin.“ (p. 386) Sankt Max ist durch
diese beiden „mit sich uneinigen“ Sätze dazu gezwungen, die 5
„lumpige“ Distinktion zu machen, daß man wohl sechs, „z. B.“,
sieben „usw.“ Leidenschaften einer einzigen andern opfern dürfe,
ohne aufzuhören, „wahrhaft Ich selber“ zu sein, aber bei Leibe
nicht zehn oder gar noch mehr Leidenschaften. Robespierre und
Saint Just waren allerdings nicht „wahrhaft Ich selber“, ebenso ю
wenig wie sie wahrhaft „der Mensch“ waren, aber sie waren
wahrhaft Robespierre und Saint Just, diese einzigen, unver¬
gleichlichen Individuen.
Das Kunststück, den „Aufopfernden“ nachzuweisen, daß sie
Egoisten seien, ist ein alter Kniff, bereits bei Helvetius und Ben- 15
tham hinläng-/[42a]/lieh exploitiert. SanktSanchos „eignes“Kunst¬
stück ist die Verwandlung der „Egoisten im gewöhnlichen Ver¬
stände“, der Bourgeois, in Nichtegoisten. Helvetius und Bentham
weisen allerdings den Bourgeois nach, daß sie durch ihre Bor¬
niertheit sich praktisch schaden, aber Sankt Maxens „eignes“ 20
Kunststück besteht darin, ihnen nachzuweisen, daß sie dem
„Ideal“, dem „Begriff“, „Wesen“, „Beruf“ pp des Egoisten nicht
entsprechen und sich nicht als absolute Negation zu sich selbst ver¬
halten. Ihm schwebt wieder nur sein deutscher Kleinbürger vor.
Nebenbei bemerkt rechnet unser Heiliger, während der „Geizige“ 25
p. 99 als „aufopfernder Egoist“ figuriert, den „Habgierigen“
p. 78 dagegen zu den „Egoisten im gewöhnlichen Verstände“, zu
den „Unreinen, Unheiligen“.
Diese zweite Klasse der bisherigen Egoisten wird p. 99 so defi¬
niert: „Diese Leute“ (die Bourgeois) „sind also nicht aufopfernd, зо
nicht begeistert, nicht ideal, nicht konsequent, keine Enthusiasten;
sie sind im gewöhnlichen Verstände Egoisten, Ei¬
gennützige, auf ihren Vorteil bedacht, nüchtern, berechnend usw.“.
Da „das Buch“ nicht am Schnürchen geht, so hatten wir bereits
beim „Sparren“ und beim „politischen Liberalismus“ Gelegen- 35
heit zu sehen, wie Stimer das Kunststück, die Bourgeois in Nicht¬
egoisten zu verwandeln, hauptsächlich durch seine große Unkennt¬
nis der wirklichen Menschen und Verhältnisse zu Stande bringt.
Hier dient ihm dieselbe Unkenntnis zum Hebel.
„Dem“ (d. h. der Stimerschen Einbildung der Uneigennützig- 40
keit) „widersetzt sich der starre Kopf des weltlichen Menschen,
ist aber Jahrtausende lang wenigstens so weit erlegen, daß er den
widerspenstigen Nacken beugen und höhere Mächte verehren
mußte.“ (p. 104). Die Egoisten im gewöhnlichen Verstand „be¬
tragen sich halb pfäffisch und halb weltlich, dienen Gott und dem 45
ІП. Sankt Max
225
Mammon.“ (p. 105). P. 78 erfahren wir: „der Mammon des Him¬
mels und der Gott der Erde fordern beide genau denselben
Grad der Selbstverleugnung“ — wonach nicht abzusehen
ist, wie die Selbstverleugnung für /[42b]/ den Mammon und die
5 für Gott als „weltlich“ und „pfäffisch“, entgegen gesetzt werden
können.
P. 106 fragt sich Jacques le bonhomme: „Wie kommt es in¬
dessen, daß der Egoismus derer, welche das persönliche Interesse
behaupten, dennoch immer wieder einem pfäffischen oder schul-
io meisterlichen, d. h. einem idealen Interesse unterliegt?“ (Es ist
hier beiläufig zu „signalisieren“, daß an dieser Stelle die Bour¬
geois als die Vertreter der persönlichen Interessen dargestellt
werden). Dies kommt daher: „Ihre Person kommt ihnen selbst zu
klein, zu unbedeutend vor, und ist es in der Tat auch, um Alles in
15 Anspruch zu nehmen und sich vollständig durchsetzen zu können.
Ein sicheres Zeichen dafür liegt darin, daß sie sich selbst in zwei
Personen, eine ewige und eine zeitliche zerteilen, am Sonntage für
die ewige, am Werkeltage für die zeitliche sorgen. Sie haben den
Pfaffen in sich, darum werden sie ihn nicht los.“ — Sancho fühlt
2o hier Skrupel, er fragt besorgt, ob es der Eigenheit, dem Egoismus
im außergewöhnlichen Verstand „ebenso gehen werde?“ — Wir
werden sehen, daß diese ängstliche Frage nicht ohne Grund getan
wird. Ehe der Hahn zweimal gekräht, wird der heilige Jakobus
(Jacques le bonhomme) dreimal sich selbst „v erleugnet“
25 haben.
Er entdeckt zu seinem großen Mißvergnügen in der Geschichte,
daß von den beiden in ihr hervortretenden Seiten, dem Privat¬
interesse der Einzelnen und dem sogenannten allgemeinen Inter¬
esse, das eine stets das andere begleitet. Und er entdeckt es wie
зо gewöhnlich in einer falschen Form, in seiner heiligen Form, nach
der Seite der idealen Interessen, des Heiligen, der Illusion hin. Er
fragt: wie kommt es, daß die gewöhnlichen Egoisten, die Vertre¬
ter der persönlichen Interessen, zugleich unter der Herrschaft all¬
gemeiner Interessen, der Schulmeister, daß sie unter der Hier-
35 archie stehen? Er beantwortet seine Frage dahin, daß die Bürger
etc. „sich zu klein vorkommen“, wovon er das „sichre Zeichen“
darin findet, daß sie sich religiös verhalten, nämlich sich in eine
zeitliche und ewige Person teilen, d. h. er erklärt ihr religiöses Ver¬
halten aus ihrem religiösen Verhalten, nachdem er vor-/44c[42c]/
40 her den Kampf der allgemeinen und persönlichen Interessen in
das Spiegelbild des Kampfes verwandelte, simpler Reflex inner¬
halb der religiösen Phantasie. — Was die Herrschaft des Ideals
auf sich hat, siehe oben die Hierarchie.
Übersetzt man Sanchos Frage aus ihrer überschwenglichen
45 Form in die profane Sprache, so „heißt es nun“:
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 15
226
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Wie kommt es, daß die persönlichen Interessen sich den Per¬
sonen zum Trotz immer zu Klasseninteressen fortentwickeln, zu
gemeinschaftlichen Interessen, welche sich den einzelnen Personen
gegenüber verselbstständigen, in der Verselbstständigung die Ge¬
stalt allgemeiner Interessen annehmen, als solche mit den 5
wirklichen Individuen in Gegensatz treten, und in diesem Gegen¬
satz, wonach sie als allgemeine Interessen bestimmt sind, von
dem Bewußtsein als ideale, selbst religiöse, heilige Interessen
vorgestellt werden können? Wie kommt es, daß innerhalb dieser
Verselbstständigung der persönlichen Interessen zu Klasseninter- 10
essen das persönliche Verhalten des Individuums sich versach¬
lichen, entfremden muß und zugleich als von ihm unabhängige,
durch den Verkehr hervorgebrachte Macht ohne ihn besteht, sich
in gesellschaftliche Verhältnisse verwandelt, in eine Reihe von
Mächten, welche ihn bestimmen, subordinieren und daher in der 15
Vorstellung als „heilige“ Mächte erscheinen? Hatte Sancho ein¬
mal das Faktum begriffen, daß innerhalb gewisser, natürlich nicht
vom Wollen abhängiger, Produktionsweisen stets fremde,
nicht nur vom vereinzelten Einzelnen, sondern sogar von ihrer Ge¬
samtheit unabhängige praktische Mächte sich über die Menschen 20
setzen, so konnte es ihm ziemlich gleichgültig sein, ob dies Faktum
religiös vorgestellt oder in der Einbildung des Egoisten, über den
Alles in der Vorstellung sich setzt, dahin verdreht wird, daß er
Nichts über sich setzt. Sancho war dann überhaupt aus dem Reich
der Spekulation in das der Wirklichkeit herabgestiegen, aus dem, 25
was die Menschen sich einbilden, zu dem, was sie sind, aus dem,
was sie sich vorstellen, zu dem, wie sie /45 [43]/ sich betätigen und
unter bestimmten Umständen betätigen müssen. Was ihm als Pro¬
dukt des Denkens erscheint, würde er als Produkt des Lebens
begriffen haben. Er wäre nicht zu der seiner würdigen Abge- зо
schmacktheit fortgegangen, den Zwiespalt zwischen persönlichen
und allgemeinen Interessen daraus zu erklären, daß die Menschen
sich diesen Zwiespalt auch religiös vorstellen und sich so oder
so vorkommen, was aber nur ein andres Wort für das „Vor¬
stellen“ ist. 35
Selbst in der abgeschmackten kleinbürgerlich deutschen Form,
worin Sancho den Widerspruch der persönlichen und allgemeinen
Interessen erfaßt, mußte er übrigens einsehen, daß die Individuen,
wie sie nicht anders konnten, immer von sich ausgegangen sind
und daher beide von ihm notierte Seiten, Seiten der persönlichen 40
Entwicklung der Individuen sind, beide durch gleich empirische
Lebensbedingungen der Individuen erzeugt, beide nur Ausdrücke
derselben persönlichen Entwicklung der Menschen, beide da-
4 Im Original in die Verselbstständigung
IIL Sankt Max
227
her nur in scheinbarem Gegensatz. Was die durch besondere
Entwicklungs-Umstände und durch die Teilung der Arbeit dem
Individuum zugefallene Stelle betrifft, ob es mehr die eine oder
andere Seite des Gegensatzes repräsentiert, mehr als Egoist oder
5 mehr als Devouierter erscheint, war eine durchaus untergeordnete
Frage, die sogar nur dann irgend ein Interesse erhielt, wenn sie
innerhalb bestimmter Geschichtsepochen an bestimmten Individuen
aufgeworfen würde. Sie konnte sonst nur zu moralisch quack¬
salbernden Redensarten führen. Aber Sancho läßt sich als Dog-
10 matiker hier täuschen und weiß sich nicht anders zu helfen, als
indem er Sancho Pansas und Don Quixoten geboren werden und
dann den Sanchos dummes Zeug von den Don Quixoten in den
Kopf setzen läßt — als Dogmatiker nimmt er sich die eine Seite,
schulmeisterlich aufgefaßt, heraus, erklärt sie den Individuen
15 /45a [43c]/ als solchen gehörig und spricht seinen Widerwillen
gegen die andre aus. Als einem Dogmatiker erscheint ihm daher
auch die andre Seite teils als bloße Gemütsaffektion, De-
voüement, teils als ein bloßes „Prinzip“, nicht als ein aus der
bisherigen natürlichen Daseinsweise der Individuen notwendig
го hervorgehendes Verhältnis. Das „Prinzip“ hat man sich konse¬
quent auch nur „aus dem Kopfe zu schlagen“, obgleich es der
Sanchoschen Ideologie gemäß allerlei empirische Dinge schafft.
So hat z. B. p. 180 das „Lebens- oder Sozietätsprinzip“ „das ge¬
sellschaftliche Leben, alle Umgänglichkeit, alle Verbrüderung und
25 alles [d]as“ . . . „geschaffen“. Umgekehrt besser: Das [L]eben
hat das Prinzip geschaffen.
Der Kommunismus ist deswegen un[se]rm Heiligen rein
unbegreiflich, weil die [Ko]mmunisten weder den Egoismus gegen
die Aufopferung, noch die Aufopferung gegen den Egoismus gel-
3o tend machen, und theoretisch diesen Gegensatz weder in jener ge¬
mütlichen, noch in jener überschwänglichen, ideologischen Form
fassen, vielmehr seine materielle Geburtsstätte nachweisen, mit
welcher er von selbst verschwindet. Die Kommunisten predigen
überhaupt keine Moral, was Stirner im ausgedehntesten Maße
35 tut. Sie stellen nicht die moralische Forderung an die Menschen:
Liebet Euch unter einander, seid keine Egoisten pp; sie wissen im
Gegenteil sehr gut, daß der Egoismus ebenso wie die Aufopferung
eine unter bestimmten Verhältnissen notwendige Form der Durch¬
setzung der Individuen i st. Die Kommunisten wollen also keines-
4o wegs, wie Sankt Max glaubt, und wie ihm sein getreuer Dottore
Graziano (Arnold Rüge) nachbetet (wofür ihn Sankt Max, Wi¬
gand p. 192, einen „ungemein pfiffigen und politischen Kopf“
nennt) — den „Privatmenschen“ dem „allgemeinen“, dem auf¬
25—28 Von den Mäusen zerfressene Stellen
15*
228
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
opfernden Menschen zu Liebe aufheben — eine Einbildung, wor¬
über sie sich Beide bereits in den Deutsch-französischen Jahr¬
büchern /[43b]/ die nötige Aufklärung hätten holen können. Die
theoretischen Kommunisten, die einzigen, welche Zeit haben, sich
mit der Geschichte zu beschäftigen, unterscheiden sich gerade da- з
durch, daß sie allein die Schöpfung des „allgemeinen Interesses“
durch die als „Privatmenschen“ bestimmten Individuen in der
ganzen Geschichte entdeckt haben. Sie wissen, daß dieser
Gegensatz nur scheinbar ist, weil die eine Seite, das sogenannte
„Allgemeine“, von der andern, dem Privatinteresse, fortwährend 10
erzeugt wird, und keineswegs ihm gegenüber eine selbstständige
Macht mit einer selbstständigen Geschichte ist, daß also dieser
Gegensatz fortwährend praktisch vernichtet und erzeugt wird. Es
handelt sich also nicht um eine Hegelsche „negative Einheit“ von
zwei Seiten eines Gegensatzes, sondern um die materiell bedingte in
Vernichtung einer bisherigen materiell bedingten Daseinsweise der
Individuen, mit welcher zugleich jener Gegensatz samt seiner Ein¬
heit verschwindet. —
Wir sehen also, wie der „mit sich einige Egoist“ im Gegensatz
zu dem „Egoisten im gewöhnlichen Verstände“ und dem „auf- 20
opfernden Egoisten“ von vornherein in einer Illusion über beide
und die wirklichen Verhältnisse der wirklichen Menschen beruht.
Der Vertreter der persönlichen Interessen ist bloß „Egoist im ge¬
wöhnlichen Verstände“ wegen seines notwendigen Gegensatzes
gegen die gemeinschaftlichen Interessen, innerhalb der bisherigen 25
Produktions- und Verkehrsweise zu allgemeinen Interessen ver¬
selbstständigt und in der Form idealer Interessen vorgestellt und
geltend gemacht. Der Vertreter der gemeinschaftlichen Interessen
ist bloß „Aufopfernder“ wegen seines Gegensatzes gegen die als
Privatinteressen fixierten persönlichen Interessen, wegen der Be- зо
Stimmung der gemeinschaftlichen Interessen als allgemeiner und
idealer.
Beide, der „aufopfernde Egoist“ wie der „Egoist im gewöhn¬
lichen Verstände“ treffen in letzter Instanz zusammen in der
Selbstverleugnung. P. 78: „So ist die Selbstverleugnung 35
den Heiligen gemein mit den Unheiligen, den /45c[43c]/ Reinen
mit den Unreinen: Der Unreine verleugnet alle bessern Ge¬
fühle, alle Scham, ja die natürliche Furchtsamkeit und folgt nur
der ihn beherrschenden Begierde. Der Reine verleugnet seine
natürliche Beziehung zur Welt. Von Gelddurst getrieben, 40
verleugnet der Habgierige alle Mahnungen des Gewissens, alles
Ehrgefühl, alle Milde und alles Mitleid; er setzt alle Rücksichten
aus den Augen: ihn reißt die Begierde fort. Gleiches begeht der
Heilige: er macht sich zum Spotte der Welt, ist „hartherzig“ und
„streng gerecht“; denn ihn reißt das Verlangen fort.“ — 45
III. Sankt Max
229
Der „Habgierige“, der hier als unreiner, unheiliger Egoist,
also als Egoist im gewöhnlichen Verstände auftritt, ist nichts als
eine [von] moralischen Kinderfreunden und Romanen [br]eit-
getretene, in der Wirklichkeit aber nur [a] 1s Abnormität vorkom-
з mende Figur, keines [w]egs der Repräsentant der habgierigen
[Bourgeois, die im Gegenteil weder „Mahnungen des Gewissens“,
„Ehrgefühl“ etc. zu verleugnen brauchen, noch sich auf die eine
Leidenschaft der Habgier beschränken. Ihre Habgier hat vielmehr
eine ganze Reihe anderer, politischer und sonstiger Leidenschaften
10 im Gefolge, deren Befriedigung die Bourgeois keinesfalls auf¬
opfern. Ohne hierauf weiter einzugehen, halten wir uns gleich an
die Stimersche „Selbstverleugnung“.
Sankt Max schiebt hier dem Selbst, das sich verleugnet, ein
andres, nur in Sankt Maxens Vorstellung existierendes Selbst
15 unter. Er läßt „den Unreinen“ allgemeine Eigenschaften, wie
„bessere Gefühle“, „Scham“, „Furchtsamkeit“, „Ehrgefühl“ pp
aufopfern und fragt gar nicht darnach, ob der Unreine dieseEigen-
schaften auch besitzt. Als ob „der Unreine“ notwendig alle diese
Qualitäten besitzen müsse! Aber selbst dann, wenn „der Unreine“
го sie alle besäße, würde die Aufopferung dieser Eigenschaften
noch keine Selbstverleugnung, sondern nur das selbst in der
„mit sich einigen“ Moral zu rechtfertigende Faktum konstatieren,
daß Einer Leidenschaft mehre andere geopfert werden. Und end¬
lich ist nach dieser Theorie alles „Selbstverleugnung“, was Sancho
25 tut und nicht tut. Er mag sich anstellen oder nicht anstellen [.. .1
/46a[44a]/
Obgleich nun Sankt Max p. 420 sagt: „Über der Pforte unserer
[Zeit] steht nicht ...: Erkenne dich selbst, [sondern] ein: Ver¬
werte Dich“ (wo der Schulmeister wieder die wirkliche, von ihm
зо vorgefundene Verwertung in das Moralgebot der Verwertung ver¬
wandelt) — so muß [statt für] den bisherigen „aufopfern [den“,
für den] „Egoisten im gewöhn [liehen Verstände“] „jenes [apolli¬
nische“ Wortlauten: „] Erkennet Euch [nur wieder, erkennet
nur, was] Ihr [wirklich seid, und laßt Eure törichte Sucht fahren,
35 etwas Anderes zu sein, als Ihr seid!“ „denn“: „Dies gibt die Er¬
scheinung des betrogenen Egoismus, wo Ich nicht Mich be¬
friedige, sond]em Eine [meiner Begierden, z.] B. den Glück [selig-
keitstrieb. — All] Euer Tun und Trei[ben ist heim]licher, ver¬
deckter . . . [Egoismus,] unbewußter Egoismus, darum
40 [aber] nicht Egoismus, sondern Knechtschaft, Dienst, Selbstver-
3—6 Von den Mäusen zerfressene Stellen
25 Hier fehlt eine Fortsetzung. Eine durchgestrichene, von den Mäusen ganz
zerfressene Seite geben wir im Anhang wieder
2G Auf dieser Seite machte Marx den Vermerk: III. Bewußtsein
28—4ü Von den Mäusen zerfressene Stellen
230
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
leugnung. Ihr seid Egoisten und Ihr seid es nicht,
indem Ihr den Egoismus verleugnet.“ (p. 217).
„Kein Schaf, kein Hund bemüht sich, ein rechter“ Egoist „zu
werden“ (p. 443); „kein Tier“ ruft den andern zu: erkennet
Euch nur wieder, erkennet nur, was Ihr wirklich seid, — „Eure 5
Natur ist nun einmal eine“ egoistische, „Ihr seid“ egoistische
„Naturen, d. h.“ Egoisten. „Aber eben weil Ihr das bereits seid,
braucht Ihrs nicht erst zu werden“ (ibid.). Zu dem, was Ihr seid,
gehört auch Euer Bewußtsein, und da Ihr Egoisten seid, so habt
Ihr auch das Eurem Egoismus entsprechende Bewußtsein, also ist io
gar kein Grund vorhanden, der Stimerschen Moralpredigt, in
Euch zu gehen und Buße zu tun, die geringste Folge zu leisten.
Stirner exploitiert hier wieder [den] alten philosophischen
Witz, auf [den] wir später zurückkommen [wer]den. Der Philo¬
soph sagt nicht di-/46b[44b]/rekt: Ihr seid keine Menschen. Ihr is
wart immer Menschen, aber Euch fehlte das Bewußtsein von
Dem, was Ihr wart und eben darum seid Ihr auch in der Wirklich¬
keit keine Wahren Menschen gewesen. Darum entsprach Eure Er¬
scheinung Eurem Wesen nicht. Ihr wart Menschen und Ihr wart es
nicht. — Der Philosoph gesteht hier auf einem Umwege, daß 20
einem bestimmten Bewußtsein auch bestimmte Menschen und be¬
stimmte Umstände entsprechen. Aber er bildet sich zu gleicher
Zeit ein, daß seine moralische Forderung an die Menschen, ihr
Bewußtsein zu verändern, dies veränderte Bewußtsein zu Stande
bringen werde, und er sieht in den, durch veränderte empirische 25
Verhältnisse veränderten Menschen, die nun auch natürlich ein
andres Bewußtsein haben, nichts Andres, als ein verändertes [Be¬
wußtsein.] — Ebenso [Euer Bewu]ßts[ein, das Ihr heimlich] er¬
seh [nt; darin seid] Ihr heim [liehe, unbewußte] Egoisten — d. h.
Ihr seid wirklich Egoisten, soweit Ihr unbewußt seid, aber Ihr зо
seid Nichtegoisten , soweit Ihr bewußt seid. Oder: Eurem jetzi-
g[en Bewußtsein liegt] ein bestimmtes Sein zu Gr[unde, das] nicht
das von Mir verlangte Sein] ist; Euer Bewußtsein ist das Be¬
wußtsein des Egoisten, wie er nicht [sein] soll und zeigt daher,
daß Ihr selbst Egoisten seid, wie sie nicht sein sollen — oder 35
daß Ihr Andre sein sollt, als Ihr wirklich seid. Diese
ganze Trennung des Bewußtseins von den ihm zu Grunde liegen¬
den Individuen und ihren wirklichen Verhältnissen, diese Einbil¬
dung, der Egoist der heutigen Bourgeoisgesellschaft habe nicht
das seinem Egoismus entsprechende Bewußtsein, ist nur eine alte 40
Philosophenmarotte, die Jacques le bonhomme hier gläubig ak¬
zeptiert und nachmacht. Bleiben wir bei Stirners „rührendem Bei¬
spiel“ vom Habgierigen. Diesem Habgierigen, der nicht der „Hab-
13—14 Von den Mäusen zerfressene Stellen
27—34 Von den Mäusen zerfressene Stellen
ІП. Sankt Max
231
gierige“ überhaupt, sondern /[44c]/ der Habgierige „Hans oder
Kunz“, ein ganz individuell bestimmter „einziger“ Habgieriger,
und dessen Habgier nicht die Kategorie „der Habgier“ ist (Sankt
Maxens Abstraktion von seiner umfassenden, komplizierten, „ein-
5 zigen“ Lebensäußerung), und „nicht davon abhängt, wie Andre“
(z. B. Sankt Max) „sie rubrizieren“ — diesem Habgierigen will
er vormoralisieren, daß er „nicht sich befriedige, sondern eine
seiner Begierden“. Aber „nur im [Augen]blicke bistDuDu, nur als
[Augenblicklicher bis Du wirklich. Ein [von Dir, de]m Augen-
io blicklichen [getrenntes“, ist] ein absolut Höheres, [ist z. B.
das Geld. Aber „daß] Dir“ das Geld „viel[mehr“ ein höherer
Genus] s, daß es Dir [ein „absolut Höheres“ ist oder nic]ht ist,
mich vielleicht [„verleugne“? — Er]
findet, daß die [Habgier mich] Tag und Nacht besitzt; [aber das]
15 tut sie nur in seiner [Refle]xion. Er ist es, der aus den vielen Mo¬
menten, in denen Ich immer der Augenblickliche bin, immer Ich
selber, immer wirklich, „Tag und Nacht“ macht, wie nur Er die
verschiedenen Momente meiner Lebensäußerung zu einem mora¬
lischen Urteil zusammenfaßt und sagt, daß sie die Befriedigung
го der Habgier seien. Wenn Sankt Max das Urteil fällt, daß Ich nur
Eine meiner Begierden befriedige, nicht Mich, so stellt er Mich
als volles ganzes Wesen Mir selber gegenüber. „Und worin be¬
steht dies volle ganze Wesen? Eben nicht in Deinem augenblick¬
lichen Wesen, nicht in dem, was Du augenblicklich bist“ —
25 also nach Sankt Max selbst in dem — heiligen „Wesen.“ (Wigand
p. 171). Wenn „Stirner“ sagt, daß Ich Mein Bewußtsein ver¬
ändern müsse, so weiß Ich [meinerseits, daß mein augenblick¬
liches [Be]wußtsein auch zu meinem augenblicklich]en Sein ge¬
hört und Sankt Max, in[dem] er mir dies Bewußtsein [streitig
зо macht, als versteckter Moralist /{47}[45]/ meinen ganzen Lebens¬
wandel angreift. Und dann „bist Du nur, wenn Du an Dich denkst,
bist Du nur durch das Selbstbewußtsein?“ (Wig. p. 157, 158).
Wie kann Ich etwas Andres als Egoist sein? Z. B. wie kann Stirner
etwas Andres als Egoist sein, er mag den Egoismus verleugnen
35 oder nicht? „Ihr seid Egoisten und Ihr seid es nicht, indem Ihr
den Egoismus verleugnet“, predigst Du. — Unschuldiger, „be-
8—15 Von den Mäusen zerfressene Stellen
13 Hier folgt eine von den Mäusen total zerfressene Stelle, die wahrscheinlich
folgendermaßen gelautet hat:
[das hängt nicht von Deinem Wollen oder Laufen ab, sondern von den empi¬
rischen Verhältnissen, unter denen Du lebst. — Darüber kann ihn der „pro¬
fane“ Egoist, der Bourgeois, belehren:
Will Er, Jacques le bonhomme, Mir vorp]redigen, [ich sei nicht Ich;
daß ich]
27—29 Von den Mäusen zerfressene Stellen
30 Hier hat Marx wieder den Vermerk gemacht:
III (Bewußtsein)
232
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
trogner“, „uneingestandener“ Schulmeister! Die Sache verhält
sich gerade umgekehrt. Wir Egoisten im gewöhnlichen Ver¬
stände, Wir Bourgeois wissen sehr wohl: charite bien ordonnee
commence par soi-meme, und wir haben längst das Sprüchlein:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, dahin interpretiert, daß 5
Jeder sich selbst der Nächste ist. Aber wir leugnen, daß wir eng¬
herzige Egoisten seien, Exploiteurs, gewöhnliche Egoisten, deren
Herzen sich nicht zu dem Hochgefühl erheben können, die Inter¬
essen ihrer Mitmenschen zu den Ihrigen zu machen — was unter
uns gesfagt, so]viel heißt, daß wir unsre In[teressen] als di[e] 10
unsrer Mitmenschen [be]hau[pten. Du] leu[gnest den] „gewöhn¬
lichen“ Egoismus des einzigen Egoisten [nur deshalb, w]eil Du
deine [„natürlichen Beziehungen zur [Welt verleugnest“. Du
verstehst daher nicht, warum wir den praktischen Egoismus eben
darin vollenden, daß wir die Redensart des Egoismus verleugnen js
— wir, denen es um die Durchsetzung wirklicher egoistischer In¬
teressen, nicht um das heilige Interesse des Egoismus zu tun ist.
Übrigens war es vorauszusehen — und damit dreht der Bourgeois
kaltblütig Sankt Maxen den Rücken — daß Ihr deutschen Schul¬
meister, wenn Ihr Euch einmal an die Verteidigung des Egoismus 20
geben würdet, nicht den wirklichen, „profanen, auf platter Hand
liegenden“ („Das Buch“ p. 455) Egoismus, also „nicht mehr das,
was man“ Egoismus „nennt“, sondern den Egoismus im außerge¬
wöhnlichen, im Schulmeisterverstande, den philosophischen oder
Lumpenegoismus, proklamieren würdet. 25
Der Egoist im außergewöhnlichen Verstände ist also „nun erst
gefunden“. „Sehen wir uns diesen neuen Fund einmal genauer
an.“ (p. 13). —
Aus dem so eben Gesagten hat sich bereits ergeben, daß die
bisherigen Egoisten nur /47a [45a]/ ihr Bewußtsein zu verändern зо
haben, um Egoisten im außergewöhnlichen Verstände zu werden;
daß also der mit sich einige Egoist sich von den früheren nur
durch das Bewußtsein, d. h. als Wissender, als Philosoph unter¬
scheidet. Aus der ganzen Sankt Maxischen Geschichtsanschau¬
ung folgt ferner, daß, weil die bisherigen Egoisten nur vom „Hei- 35
ligen“ beherrscht waren, der wahre Egoist nur gegen „das Hei¬
lige“ zu kämpfen hat. Die „einzige“ Geschichte zeigte, wie Sankt
Max die historischen Verhältnisse in Ideen, und dann den Egoisten
in einen Sünder gegen diese Ideen verwandelte, wie jede egoisti¬
sche Geltendmachung in eine Sünde [gegen diese] Ideen verwan- w
delt wurde, [die Macht der] Privilegierten in Sünde [gegen die
Idee] der Gleichheit, des Des[potismus; bei der] Idee der Freiheit
[der Konkurrenz] konnte deshalb [in „dem Buch“ gesagt wer] den,
10—13 Von den Mäusen zerfressene Stellen
40—43 Von den Mäusen zerfressene Stellen
IIL Sankt Max
233
daß er [das Privateigentum für „] das Persönliche“ [ansieht,
(p. 155)] [ ] großen, [ • • • •
den aufopfernden] Ego[isten . . . .] notwendig und
unbezwingbar . . . .] nur dadurch zu bekämpfen, daß er sie in
5 heilige verwandelt und nun die Heiligkeit an ihnen, d. h. seine
heilige Vorstellung von ihnen, sie [also] nur, insoweit sie in
ihm, als einem Heiligen, existieren, aufzulösen beteuert.
/47b[45b]/ P. 50: „Wie Du in jedem Augenblicke bist,
so bist Du Dein Geschöpf, und eben an dieses Geschöpf magst
io Du Dich, den Schöpfer, nicht verlieren. Du bist selbst ein
höheres Wesen als Du, d. h. daß Du nicht bloß Geschöpf, sondern
gleicherweise Schöpfer bist, das eben verkennst Du als unfrei¬
williger Egoist, und darum ist das höhere Wesen Dir ein fremdes“.
— Mit einer etwas andern Wendung heißt dieselbe Weisheit
15 p. 239 „des Buchs“: „Die Gattung ist Nichts“ (später wird
sie allerlei, siehe Selbstgenuß), „und wenn der Einzelne sich über
die Schranken seiner Individualität erhebt, so ist das vielmehr
gerade Er selbst als Einzelner, er ist nur, indem er sich erhebt, er
ist nur, indem er nicht bleibt, was er ist, sonst wäre er fertig, tot“.
2o — Zu diesen Sätzen, seinem „Geschöpf“, verhält sich Stirner
sofort als „Schöpfer“, indem er ..sich nicht an sie verliert“: „Nur
im Augenblicke bist Du, nur als Augenblicklicher bist Du
wirklich . . . Ich bin in jedem Momente ganz, was Ich bin ... ein
von Dir, dem Augenblicklichen, Getrenntes“ ist „ein absolut
25 Höheres“ . . . (Wigand p. 170); und p. 171 ibid. wird „Dein
Wesen“ als „Dein augenblickliches Wesen“ bestimmt. Während
Sankt Max im „Buche“ sagt, er habe noch ein anderes, höheres
Wesen als ein augenblickliches Wesen, wird im apologetischen
Kommentar das „augenblickliche Wesen“ [seines] Individuums
зо mit seinem „vollen [ganzen] Wesen“ identifiziert und jedes [We¬
sen] als das „augenblickliche Wesen“ [in ein] „absolut höheres
Wesen“ verwandelt. Er ist also „im Buche“ in jedem Augenblick
ein höheres Wesen, als Das, was er in diesem Augenblick ist,
während im Kommentar Alles, was er nicht in diesem Augenblick
35 immittelbar ist, ein „absolut höheres Wesen“, ein heiliges Wesen
ist. — Und dieser ganzen Spaltung gegenüber p. 200 „des Buchs“:
„Ich weiß Nichts von der Spaltung eines „unvollkommnen“
„und“ „v о 11 k о m m n e n“ Ichs“.
Der „mit sich einige Egoist“ braucht sich keinem Höheren
40 mehr zu opfern, da er sich selbst der Höhere ist, und diesen /[45c]/
1—6 Von den Mäusen zerfressene Stellen
7 Der Schluß dieser Seite ist durchgestrichen; wir geben den Text im Anhang
8 Am Anfang dieser Seite machte Marx den Vermerk: II (Schöpfer und Ge¬
schöpf)
29—31 Von den Mäusen zerfressene Stellen
234
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Zwiespalt zwischen einem „Höheren“ und einem „Niederen“ in
sich selbst verlegt. So ist in der Tat (Sankt Sancho contra Feuer¬
bach, „Das Buch“, p. 243) „am höchsten Wesen Nichts als eine
Metamorphose vorgegangen“. Sankt Maxens wahrer Egoismus be¬
steht in dem egoistischen Verhalten gegen den wirklichen Egois- 5
mus, gegen sich selbst, wie er „in jedem Augenblicke“ ist. Dies
egoistische Verhalten gegen den Egoismus ist die Aufopferung.
Sankt Max als Geschöpf ist nach dieser Seite hin der Egoist im
gewöhnlichen Verstände, als Schöpfer ist er der aufopfernde
Egoist. Wir werden auch die entgegengesetzte Seite kennen lernen, 10
denn beide Seiten legitimieren sich als echte Reflexionsbestim¬
mungen, indem sie die absolute Dialektik durchmachen, in der
jede von ihnen an sich selbst ihr Gegenteil ist.
Ehe wir auf dies Mysterium in seiner esoterischen Gestalt
näher eingehen, ist [es] nun in einzelnen [seiner sauren] Lebens- 15
kämpfe zu beobachten],
[Die all] gemeinste Qualität, [den Egoisten, a}Is Schöpfer mit
sich [selbst in Einklang zu] bringen [vom Standpunkt der Welt]
des Geistes[, vollbringt Stirner p. 82,83:]
[„Es hat das Christentum] dahin [gezielt, Uns von der Natur- го
bestimm]ung [ (Bestimmung durch die Natur), von den Begierden
[als antreibend, zu erlös]en, [mithin gewollt, daß,der Mensch
s]ich [nicht von seinen Begierden be] stimmen [lasse. Darin liegt
nicht, daß] er keine [Begierden haben solle, so]ndem[,] daß
die [Begierden ihn] nicht haben sollen, daß [sie] nicht fix, unbe- 25
zwinglich, unauflöslich] werden sollen. Was nun das Christen¬
tum gegen die Begierden machinierte, könnten wir das nicht
auf seine eigene Vorschrift, daß uns der Geist bestimmen solle,
anwenden. ..?... Dann ginge es auf die Auflösung des
Geistes, Auflösung aller Gedanken aus. Wie es dort heißen зо
mußte, so hieße es nun: Wir sollen zwar Geist haben,
aber der Geist soll uns nicht haben.“
„Die aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt
den Lüsten und Begierden“ (Galater 5, 24) — womit sie nach
Stirner als wahre Eigentümer mit den gekreuzigten Lüsten und 35
Begierden verfahren. Er übernimmt das Christentum auf Liefe¬
rung, will es aber nicht bei dem gekreuzigten Fleisch bewenden
lassen, sondern auch seinen Geist kreuzigen, also den „ganzen
Kerl“.
Das Christentum wollte uns nur darum von der Herrschaft des w
Fleisches und den „Begierden als antrei-/(48}[46]/benden“ be¬
freien, weil es unser Fleisch, unsre Begierden für etwas uns Frem¬
des ansah; es wollte uns nur darum von der Naturbestimmung er-
15—25 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
235
lösen, weil es unsre eigne Natur für uns nicht zugehörig hielt. Bin
ich nämlich nicht selbst Natur, gehören meine natürlichen Be¬
gierden, meine ganze Natürlichkeit — und dies ist die Lehre des
Christentums — nicht zu mir selbst, so erscheint mir jede Be-
5 Stimmung durch die Natur, sowohl durch meine eigne Natürlich¬
keit wie durch die sogenannte äußere Natur, als Bestimmung
durch etwas Fremdes, als Fessel, als Zwang, der mir angetan wird,
als Heteronomie im Gegensatz zur Autonomie des
Geistes'. Diese christliche Dialektik akzeptiert er unbesehen und
10 wendet sie nun auch auf unsern Geist an. Übrigens hat das Chri¬
stentum es ja nie dahin gebracht, uns auch nur in dem von Sankt
Max ihm untergeschobenen Juste-Milieu-Sinn von der Herrschaft
der Begierden zu befreien; es bleibt bei dem bloßen, in der Praxis
resultatlosen Moralgebot stehen. Stirner nimmt das moralische
и Gebot für die wirkliche Tat, und ergänzt es durch den weiteren
kategorischen Imperativ: „Wir sollen zwar Geist haben, aber der
Geist soll Uns nicht haben“ — und deshalb verläuft sich sein gan¬
zer mit sich einiger Egoismus „näher“, wie Hegel sagen würde,
in eine nicht minder ergötzliche als erbauliche und beschauliche
2o Moralphilosophie.
Ob eine Begierde fix wird oder nicht, d. h. ob sie zur aus¬
schließlichen [Macht über uns wird,] wodurch indes ein [weiterer
Fortschritt nicht aus]geschlossen ist, das hängt davon ab, ob die
materiellen Umstände, die „schlechten“ weltlichen Verhältnisse
25 erlauben, die.se Begierde normal zu befriedigen und andererseits
eine Gesamtheit von Begierden zu entwickeln. Dies Letztere wie¬
der hängt davon ab, ob wir in Umständen leben, die uns eine all-
seitige Tätigkeit und damit eine Ausbildung aller unserer An¬
lagen gestatten. Ebenso hängt es von der Gestaltung der wirk-
3o liehen Verhältnisse und -der in ihnen gegebenen Möglichkeit der
Entwickelung für jedes Individuum ab, ob die Gedanken fix wer¬
den oder nicht — wie z. B. die fixen Ideen der deutschen Philo¬
sophen, dieser „Opfer der Gesellschaft“, qui nous font pitie,
yon den deutschen Verhältnissen unzertrennlich sind. Bei Stir-
35 ner ist übrigens die Herrschaft der Begierde eine reine Phrase,
die ihn zum absoluten Heiligen stempelt. So, um bei dem „rüh¬
renden Beispiel“ vom Habgierigen zu bleiben: „Ein Habgieriger
ist kein Eigner, sondern ein Knecht, und er kann Nichts um
Seinetwillen tun, ohne es zugleich um seines Herrn willen zu tun“.
4o P. 400. Niemand kann etwas tun, ohne es zugleich einem seiner
Bedürfnisse und dem Organe dieses Bedürfnisses zu Liebe zu tun
— wodurch für Stirner dies Bedürfnis und sein Organ zum Herrn
über ihn gemacht wird, gerade wie er früher schon das Mittel
22—23 Von den Mäusen zerfressene Stellen
236
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
zur Befriedigung eines Bedürfnisses (vgl. politischen Liberalis¬
mus und Kommunimus) zum Herrn über sich machte. Stirner
kann nicht essen, ohne zugleich um seines Magens willen zu essen.
Hindern ihn die weltlichen Verhältnisse daran, seinen Magen zu
befriedigen, so wird dieser sein Magen zum Herrn über ihn, die 5
Begierde des Essens zur fixen Begierde und der Gedanke ans
Essen zur fixen Idee — womit er zugleich ein Beispiel für den
Einfluß der weltlichen Umstände auf die Fixierung seiner Be¬
gierden und Ideen hat. /48a [46a]/ Sanchos „Empörung“ gegen die
Fixierung der Begierden und Gedanken läuft hiernach auf das io
ohnmächtige Moralgebot der Selbstbeherrschung hinaus, und lie¬
fert einen neuen Beleg dafür, wie er nur den trivialsten Gesin¬
nungen der Kleinbürger einen ideologisch hochtrabenden Aus¬
druck verleiht.
/[46b]/ In diesem ersten Exempel bekämpft er also einerseits is
seine fleischlichen Begierden, andererseits seine geistigen Gedan¬
ken, einerseits sein Fleisch, andererseits seinen Geist, wenn sie,
seine Geschöpfe, sich gegen ihn, den Schöpfer, verselbstständigen
wollen. Wie unser Heiliger diesen Kampf führt, wie er sich als
Schöpfer zu seinem Ge[schöpf verhält], werden wir jetzt sehen. 20
Bei dem Christen „im gewöhnlichen Verstände“, dem chretien
„simple“, um mit Fourier zu reden, „hat der Geist die alleinige
Gewalt und keine Einrede des „Fleisches“ wird ferner gehört.
Gleichwohl aber kann Ich nur durch das „F1 e i sch“ die Tyrannei
des Geistes brechen; denn nur, wenn ein Mensch auch sein 25
Fleisch vernimmt, vernimmt er sich ganz, und nur, wenn er sich
ganz vernimmt, ist er vernehmend oder vernünftig.
Führt aber einmal das Fleisch das Wort, und ist der Ton des¬
selben, wie es nicht anders sein kann, leidenschaftlich
so glaubt er“ (der chretien simple) „Teufelsstimmen zu vemeh- зо
men, Stimmen gegen den Geist und eifert mit Recht
dagegen. Er müßte nicht Christ sein, wenn er sie dulden wollte“.
P. 83.—
Also wenn sein Geist sich gegen ihn verselbstständigen will, so
ruft Sankt Max sein Fleisch zu Hülfe und wenn sein Fleisch rebel- 35
lisch wird, erinnert er sich, daß er auch Geist ist. Was der Christ
nach einer Seite hin tut, das tut Sankt Max nach Beiden Seiten hin.
Er ist der chretien „compose“, er beweist sich abermals als voll¬
endeter Christ.
Hier in diesem Exempel tritt Sankt Max, der Geist, nicht als 40
Schöpfer seines Fleisches, und umgekehrt, auf; er findet sein
Fleisch und seinen Geist vor, und erinnert sich nur, wenn eine
Seite rebellisch wird, daß er auch noch die andere an sich hat,
20 Von den Mäusen zerfressene Stelle
III. Sankt Max
237
und macht nun diese andere Seite als sein wahres Ich dagegen gel¬
tend. Sankt Max ist also hier nur Schöpfer, insofern er „auch-
Anders-Bestimmter“ ist, insofern er noch eine /[46c]/ an¬
dere Qualität besitzt, als die, welche es ihm gerade beliebt, unter
5 die Kategorie: Geschöpf zu subsumieren. Seine ganze schöpfe¬
rische Tätigkeit besteht hier in dem guten Vorsatz, sich zu verneh¬
men, und zwar sich ganz zu vernehmen oder vernünftig zu
sein*}, sich als „volles, ganzes Wesen“ als von „seinem augen¬
blicklichen Wesen“ unterschiedenes Wesen, ja im geraden Gegen-
io satz zu dem, was er „augenblicklich“ für ein Wesen ist, zu ver¬
nehmen.
[Ge]hen wir nun zu einem [der „sauren] Lebenskämpfe“ [uns¬
res Heiligen] über:
[P. 80, 81: „Mein Eife]r braucht nicht [geringer zu sein, als
15 der] fanatischste, [aber Ich bleibe zu gleicher Zeit gegen [ihn
frostig kalt, ungläubig und sein [unversöhnlichster Feind;] Ich
bleibe [sein Richter, weil Ich sein] Eigentümer [bin“.]
[Um Dem Sinn zu] geben, was Sankt [Sancho v]on [S] ich aus¬
sagt, so beschränkt sich seine schöpferische Tätigkeit hier darauf,
го daß er in seinem Eifer über seinen Eifer ein Bewußtsein behält,
daß er über ihn reflektiert, daß er sich als reflektierendes Ich zu
sich als wirklichem Ich verhält. Es ist das Bewußtsein, dem er will¬
kürlich den Namen „Schöpfer“ beilegt. Er ist nur „Schöpfer“, so¬
weit er bewußt ist.
25 „Hierüber vergissest Du Dich selbst in süßer Selbstvergessen¬
heit Bist Du aber nur, wenn Du an Dich denkst, und ver¬
kommst Du, wenn Du Dich vergissest? Wer vergäße
sich nicht alle Augenblicke, wer verlöre sich nicht in Einer
Stunde tausendmal aus den Augen?“ (Wigand, p. 157,
зо 158). — Dies kann Sancho seinem „Selbstvergessen“ natürlich
nicht vergessen, und „bleibt“ daher „zu gleicher Zeit sein unver¬
söhnlichster Feind“.
Sankt Max, das Geschöpf, hat in demselben Moment einen enor¬
men Eifer, /{49} [47] / wo Sankt Max, der Schöpfer, vermöge seiner
35 Reflexion zugleich über diesen seinen Eifer hinaus ist; oder der
wirkliche Sankt Max eifert, und der reflektierende Sankt Max bil¬
det sich ein, über diesen Eifer hinaus zu sein. Dieses Hinaussein
in der Reflexion über das, was er wirklich ist, wird nun in Roman¬
phrasen ergötzlich und abenteuerlich dahin beschrieben, daß er
40 seinen Eifer fortbestehen läßt, d. h. mit seiner Feindschaft gegen
*) Hier rechtfertigt also Sankt Max vollständig Feuerbachs „rühren¬
des Exempel“ von der Hetäre und Geliebten. In der ersteren ..vernimmt“
ein Mensch nur sein Fleisch, oder nur ihr Fleisch, in der zweiten
sich ganz oder sie ganz. Siehe Wigand p. 170, 171.
12—18 Von den Mäusen zerfressene Stellen
238
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ihn nicht wirklich Emst macht, aber sich „frostig kalt“, „ungläu¬
big“, als „unversöhnlichster Feind“ gegen ihm verhält. — Insofern
Sankt Max eifert, d. h. sofern der Eifer seine wirkliche Eigenschaft
ist, verhält er sich nicht als Schöpfer zu ihm, und insofern er sich
als Schöpfer verhält, eifert er nicht wirklich, ist ihm der Eifer 5
fremd, seine Nicht-Eigenschaft. Solange er eifert, ist er nicht der
Eigner des Eifers, und sobald er sein Eigner wird, hört er auf zu
eifern. Er, der Gesamtkomplex, ist in jedem Augenblick als Schöp¬
fer und Eigentümer der Inbegriff aller seiner Eigenschaften, mi¬
nus die eine, die er zu sich, dem Inbegriff aller andern, als Ge-10
schöpf und Eigentum in Gegensatz bringt, sodaß ihm immer ge¬
rade d i e Eigenschaft fremd ist, auf die als die S e i n i g e er
den Akzent legt.
So überschwenglich nun Sankt Maxens wahre Geschichte von
seinen Heldentaten in sich selbst in seinem Bewußtsein klingt, so 15
ist es dennoch ein notorisches Faktum, daß es reflektierende Indi¬
viduen gibt, die in und durch ihre Reflexion über Alles hinaus¬
zusein glauben, weil sie in der Wirklichkeit nie aus der Reflexion
herauskommen.
/49a[47a]/ Dieser Kunstgriff, sich gegen eine bestimmte Eigen- 20
schäft als Auch-Anders-Bestimmter, nämlich im vorliegenden Bei¬
spiel als Inhaberder Reflexion auf das Entgegen¬
gesetzte geltend zu machen, kann bei jeder beliebigen Eigen¬
schaft mit den nötigen Variationen wieder angewandt werden. Z.
B. Meine Gleichgültigkeit braucht nicht geringer zu sein, als die 2>
des Allerblasiertesten; aber ich bleibe zu gleicher Zeit gegen sie
schwitzend heiß, ungläubig und ihr unversöhnlichster Feind etc.—
[Wir dür]fen nicht vergessen, daß [der Gesamt]komplex aller
seiner Eigenschaften, der Eig]ner, als welcher [Sankt] Sancho
[der Ein] en Eigenschaft [reflektierend gegenüber tri] tt, in diesem зо
[Falle nichts anderes als] die einfache [Reflexion Sanchos über
diese E [ine Eigenschaft [ist, welche er in sein Ich] verwandelt [hat
indem er sta]tt des Gesamt [komplexes die Eine,] bloß reflektie¬
ren [de Qualität, und] jeder seiner Eigen [schäften, wie d]er Reihe
gegenüber [nur die Eine] Qualität der Reflexion, ein Ich, und 35
sich als vorgestelltes Ich, geltend macht.
Dies feindselige Verhalten gegen sich selbst, diese feierliche
Parodie der Benthamschen Buchführung über seine eignen Inter¬
essen und Eigenschaften, wird jetzt von ihm selbst ausgesprochen:
P. 188: „Ein Interesse, es sei wofür es wolle, hat an Mir, wenn 40
Ich nicht davon los kommen kann, einen Sklaven erbeutet, und ist
nicht mehr Mein Eigentum, Ich bin das Seine. Nehmen Wir daher
die Weisung der Kritik an, Uns nur wohl zu fühlen im Auflösen.“
„Wir!“ — Wer sind „Wir“? Es fällt /49b[47b]/ „Uns“ gar nicht
28—35 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
239
ein, die „Weisung der Kritik“ „anzunehmen“. — Also fordert hier
Sankt Max, der augenblicklich unter der Polizeiaufsicht „der Kri¬
tik“ steht — „Ein und dasselbe Wohlsein Aller“, „das Gleichwohl¬
sein Aller bei Einem und demselben“, „die direkte Gewaltherr-
5 schäft der Religion“. — Seine Interessiertheit im außer¬
gewöhnlichen Verstände zeigt sich hier als eine himmlische Inter¬
esselosigkeit. — Wir brauchen übrigens hier gar nicht mehr dar¬
auf einzugehen, daß es in der bestehenden Gesellschaft keineswegs
von Sankt Sancho abhängt, ob „ein Interesse“ „an ihm einen Skla-
10 ven erbeutet“ und „er nicht mehr davon loskommen kann“. Die
Fixierung der Interessen durch die Teilung der Arbeit und die
Klassenverhältnisse liegt noch viel mehr auf der Hand, als die der
„Begierden“ und „Gedanken“.
Um die kritische Kritik zu überbieten, hätte unser Heiliger
із wenigstens bis zum Auflösen des Auflösens fortgehen müssen,
denn sonst ist das Auflösen ein Interesse, von dem er nicht los¬
kommen kann, das an ihm einen Sklaven erbeutet hat. Das Auf¬
lösen ist nicht mehr sein Eigentum, sondern er ist das Eigentum
des Auflösens. Wollte er etwa in dem so eben gegebenen] Beispiel
2o konsequent sein, s[o mußte er] [seinen Eifer gegen sei]nen „Eifer“
als [ein „Interesse“ behandeln] und sich dagegen [als ein „unver-
söhn]licher Feind“ v[erhalten. Er mußte aber] auch seine [„fro¬
stig kalte“ Interesselosigkeit] gegen seinen [„frostig kalten“ Eifer
bejtrachten und glanz ebenso „frostig kalt“] werden — wodurch
25 [er selbstverständlich] seinem ursprüng[liehen „Interesse“] und
sich damit die „Anfechttung“ ersparte, sich] auf dem spekulativen
[Absatz im Kreis] zu drehen. — Dagegen fährt er getrost fort
(ibid.): „Ich will nur Sorge tragen, daß Ich Mein Eigentum
Mir sichere“ (d. h. daß ich Mich vor Meinem Eigentum sichere)
зо „und um es zu sichern, nehme Ich es jederzeit in Mich zurück,
vernichte in ihm jede Regung nach Selbstständigkeit, und ver¬
schlinge es, eh’ sichs fixiere und zu einer fixen Idee oder Sucht
werden kann“. — Wie Stirner wohl die Personen „verschlingt“,
die sein Eigentum sind! —
35 Stirner hat sich soeben von „der Kritik“ einen „Beruf“ geben
lassen. Er behauptet, diesen „Beruf“ sogleich wieder zu verschlin¬
gen, indem er sagt p. 189: „Das tue Ich aber nicht um meines
menschlichen Berufs willen, sondern weil Ich Mich dazu berufe.“
— Wenn ich mich nicht dazu berufe, bin ich, wie wir vorhin hör-
4o ten, Sklave, nicht Eigentümer, nicht wahrer Egoist, verhalte mich
nicht als Schöpfer zu mir, was ich als wahrer Egoist tim muß; so¬
weit Einer also wahrer Egoist sein will, hat er sich zu diesem ihm
von „der Kritik“ angewiesenen Beruf zu berufen. Es ist also ein
allgemeiner Beruf, ein Beruf für Alle, nicht nur Sein Beruf,
19—27 Von den Mäusen zerfressene Stellen
240 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sondern auch sein Beruf. — Andrerseits tritt hier der wahre
Egoist als ein von der Mehrzahl der Individuen unerreichbares
Ideal /49c [47c]/ auf, denn (p. 434) „die gebomen beschränkten
Köpfe bilden unstreitig die zahlreichste Menschenklasse“ — und
wie sollten diese „beschränkten Köpfe“ das Mysterium des un- j
beschränkten Selbst- und Welt-Verschlingens durchdringen kön¬
nen. — Übrigens sind diese fürchterlichen Ausdrücke: vernichten,
verschlingen usw. nur eine neue Wendung für den obigen „frostig
kalten unversöhnlichsten Feind“.
Jetzt endlich werden wir in den Stand gesetzt, eine Einsicht in ю
die Stimerschen Einwürfe gegen den Kommunismus zu bekom¬
men. Sie waren Nichts als eine vorläufige, versteckte Legitimation
seines mit sich einigen Egoismus, in welchem sie leibhaftig wieder
[a]uferstehen. Das „Gleichwohlsein Aller [in Elinem
und Demselben“ ersteht [wieder] in der Forderung, daß n
„Wir [Uns nur] wohl fühlen sollen im [Auflösen“. „Die Sor]ge“
steht wieder [auf in der einzigen „Sorg]e“ sich [sein Ich als Eigen¬
tum zu sichern; [aber „mit der Zei]t“ steht wieder [„die Sorge
auf, wie man“] zu einer [Einheit kommen könne, n]ämlich der [von
Schöpfer und Geschöpf.] Und schließlich [erscheint der Hu]ma- 20
nismus wieder [, der als der wa]hre Egoist als unerreichbares Ideal
[den emp] irischen Individuen gegenübertritt. Es muß also p. 117
„des Buches“ folgendermaßen heißen: Der mit sich einige Egois¬
mus will jeden Menschen recht eigentlich in einen „Geheimen Po¬
lizei-Staat“ verwandeln. Der Spion und Laurer „Reflexion“ über- 25
wacht jede Regung des Geistes und Körpers, und alles Tim und
Denken, jede Lebensäußerung ist ihm eine Reflexionssache, d. h.
Polizeisache. In dieser Zerrissenheit des Menschen in „Naturtrieb“
und „Reflexion“ (innerer Pöbel, Geschöpf und innere Polizei,
Schöpfer) besteht der mit sich einige Egoist. зо
Heß hatte („Die letzten Philosophen“, p. 26) unsrem Heiligen
vorgeworfen: „Er steht fortwährend unter der geheimen Polizei
seines kritischen Gewissens. Er hat „die Weisung der
Kritik Uns nur wohl zu fühlen im Auflösen“ nicht ver¬
gessen Der Egoist, ruft ihm fortwährend sein kritisches 35
Gewissen ins Gedächtnis zurück, darf sich für Nichts so sehr inter¬
essieren, daß er sich seinem Gegenstände ganz hingibt“ usw. —
Sankt Max „ermächtigt sich“, hierauf Folgendes zu antworten:
Wenn „Heß von Stimer sagt: er stehe fortwährend usw. — was
ist damit weiter gesagt, als daß er, wenn er kritisiert, nicht ins Ge- 40
lag hinein“ (d. h. beiläufig: einzig) ..kritisieren, nicht faseln, son¬
dern eben wirklich“ (d. h. menschlich) „kritisieren will?“ —
„Was damit weiter gesagt“ war, daß Heß von der geheimen
14—22 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
241
Polizei usw. sprach, ist aus der obigen Stelle von Heß /{50} [48]/
so klar, daß selbst Sankt Maxens „einziges“* Verständnis derselben
nur für ein absichtliches Mißverständnis erklärt werden kann.
Seine „Virtuosität im Denken“ verwandelt sich hier in eine Virtuo-
5 sität im Lügen, die wir ihm um so weniger verdenken, als sie hier
sein einziger Notbehelf war — die aber sehr schlecht zu den sub¬
tilen Distinktiönlein über das Recht zu lügen paßt, welche er an¬
derwärts „im Buche“ aufstellt. Daß übrigens Sancho, „wenn er kri¬
tisiert“, keineswegs „wirklich kritisiert“ sondern „ins Gelag hinein
io kritisiert“ und „faselt“, haben wir ihm, mehr als er verdient,
nachgewiesen.
Zunächst wurde also das Verhalten des wahren Egoisten als
Schöpfer zu sich als Geschöpf dahin bestimmt, daß er gegen eine
Bestimmung, worin er sich als Geschöpf fixierte, z. B. gegen sich
15 als Denkenden, als Geist, sich als Auch-anders-Bestimmter, als
Fleisch geltend machte. Später machte er sich nicht mehr geltend
als wirklich Auch-anders-Bestimmter, sondern als die bloße
Vorstellung des Auch-Anders-Bestimmtseins
überhaupt, also im obigen Beispiel als Auch-Nichtdenkenden, Ge-
2o dankenlosen, oder als Gleichgültigen gegen das Denken, eine Vor¬
stellung, die er wieder fahren läßt, sobald der Unsinn sich heraus¬
stellt. Siehe oben die Kreiselbewegung auf dem spekulativen Ab¬
satz. Also die schöpferische Tätigkeit bestand hier in der Reflexion,
daß ihm diese eine Bestimmtheit, hier das Denken, auch gleichgül-
25 tig sein könne — im Reflektieren überhaupt; wodurch er natürlich
auch nur Reflexionsbestimmungen schafft, wenn er irgend etwas
schafft (z. B. die Vorstellung des Gegensatzes, deren schlichtes We¬
sen unter allerlei feuerspeienden Arabesken verdeckt wird). —
Was nun den Inhalt seiner als Geschöpfes anbetrifft, so sahen
зо wir, daß er nirgends diesen Inhalt, diese bestimmten Eigenschaf¬
ten, z. B. sein Denken, seinen Eifer pp schafft, sondern nur die Re¬
flexionsbestimmung dieses Inhalts als Geschöpf, die Vorstellung,
daß diese bestimmten Eigenschaften seine Geschöpfe seien. Bei
ihm finden sich alle seine Eigenschaften vor, und woher sie ihm
35 kommen, ist ihm gleichgültig. Er braucht sie also weder auszubil¬
den, also z. B. tanzen zu lernen, um über seine Beine Herr zu wer¬
den, oder /50a [48a]/ sein Denken an Material, das nicht Jedem ge¬
geben wird, und nicht Jeder sich anschaffen kann, zu üben, um
Eigentümer seines Denkens zu werden — noch braucht er sich um
зо die Weltverhältnisse zu kümmern, von denen es in der Wirklichkeit
abhängt, wie weit ein Individuum sich entwickeln kann. — Stir¬
ner ist wirklich nur durch Eine Eigenschaft die andere (d. h die
Unterdrückung seiner übrigen Eigenschaften durch diese „an¬
dere“) los. In der Wirklichkeit ist er dies aber nur, insofern diese
4-> Eigenschaft nicht nur zur freien Entwicklung gekommen, nicht
Marx-Engels-Cesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 16
242
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
bloß Anlage geblieben ist, sondern auch [in] sofern die Weltverhält¬
nisse ihm [erlau]bten, eine Totalität von Ei [genschaften] gleich¬
mäßig zu entwi[ekeln, d. h. also] durch die Teilung [der Arbeit,
und darum] die vor [wiegende Betätigung einer einlzigen Leiden¬
schaft, z.] B. des Bücher [schreibens, — wie wir schon gezeig]t 5
haben. [Überhau]pt ist es eine [Widersinnigkeit, wenn] man, wie
Sankt [Max, unterstellt, man könne Eine [Leidenschaft], von allen
andern getrennt, [be] friedigen, man könne sie befriedigen, ohne
sich, das ganze lebendige Individuum zu befriedigen. Wenn diese
Leidenschaft einen abstrakten, abgesonderten Charakter annimmt, 10
wenn sie mir als eine fremde Macht gegenübertritt, wenn also die
Befriedigung des Individuums als die einseitige Befriedigung
einer einzigen Leidenschaft erscheint — so liegt das keineswegs
am Bewußtsein oder am „guten Willen“, am allerwenigsten an
dem Mangel an Reflexion über den Begriff der Eigenschaft, wie 15
Sankt Max sich vorstellt. Es liegt nicht am Bewußtsein, son¬
dern — am — Sein; nicht am Denken, sondern am Leben; es
liegt an der empirischen Entwicklung und Lebensäußerung des In¬
dividuums, die wiederum von den Weltverhältnissen abhängt.
Wenn die Umstände, unter denen dies Individuum lebt, ihm nur 20
die [ein]seitige Entwicklung einer Eigen [scha]ft auf Kosten aller
andern erlauben, [wenn] sie ihm Material und Zeit /50b [48b]/ zur
Entwicklung nur dieser Einen Eigenschaft geben, so bringt dies In¬
dividuum es nur zu einer einseitigen, verkrüppelten Entwicklung.
Keine Moralpredigt hilft. Und die Art, in der sich diese Eine, vor- 25
zugsweise begünstigte Eigenschaft entwickelt, hängt wieder einer¬
seits von dem ihr gebotenen Bildungsmaterial, andererseits von
dem Grade und der Art ab, in denen die übrigen Eigenschaften
unterdrückt bleiben. Ebendadurch, daß z. B. das Denken Denken
dieses bestimmten Individuums ist, bleibt es s e i n, durch seine In- зо
dividualität und die Verhältnisse, in denen es lebt, bestimmtes
Denken; das denkende Individum hat also nicht erst nötig, ver¬
mittelst einer langwierigen Reflexion über das Denken als solches
sein Denken für sein eignes Denken, sein Eigentum zu erklären, es
ist von vom herein sein eignes, eigentümlich bestimmtes Denken 35
und grade seine Eigenheit h[at sich bei Sankt] Sancho als „Gegen¬
teil“ da [von erwiesen, als] Eigenheit, die Eigenheit „an sich
[“ ist.] Bei einem Individuum z.B., dessen Leben einen großen Um¬
kreis mannigfaltiger Tätigkeiten und praktischer Beziehungen zur
Welt umfaßt, das also ein vielseitiges Leben führt, hat das Denken 40
denselben Charakter der Universalität, wie jede andere Lebensäuße¬
rung dieses Individuums. Es fixiert sich daher weder als abstrak-
1— 8 Von den Mäusen zerfressene Stelle
21—22 Von den Mäusen zerfressene Stelle
36—38 Von den Mäusen zerfressene Stelle
ІИ. Sankt Max
243
tes Denken, noch bedarf es weitläufiger Reflexionskunststücke,
wenn das Individuum vom Denken zu einer andern Lebensäuße¬
rung übergeht. Es ist immer von vornherein ein nach Bedürfnis
verschwindendes und sich reproduzierendes Moment im Gesamt-
5 leben des Individuums. Bei einem lokalisierten Berliner Schul¬
meister oder Schriftsteller dagegen, dessen Tätigkeit sich auf
saure Arbeit einerseits und Denkgenuß andererseits beschränkt,
dessen Welt von Moabit bis Köpenick geht und hinter dem Ham¬
burger Tor mit Brettern zugenagelt ist, dessen Beziehungen zu die-
10 ser Welt durch eine miserable Lebensstellung auf ein Minimum re¬
duziert werden, bei einem solchen Individuum ist es allerdings
nicht zu vermeiden, wenn es Denkbedürfnis besitzt, daß das Den¬
ken ebenso abstrakt /50c[48c]/ wird, wie dies Individuum und sein
Leben selbst, daß es ihm, dem ganz Widerstandslosen gegenüber,
15 eine fixe Macht wird, eine Macht, deren Betätigung dem Indivi¬
duum die Möglichkeit einer momentanen Rettung aus seiner
„schlechten Welt“, eines momentanen Genusses bietet. Bei einem
solchen Individuum äußern sich die wenigen übrigen, nicht sosehr
aus dem Weltverkehr als aus der menschlichen Leibeskonstitution
2o hervorgehenden Begierden nur durch Reperkussion ;d.h. sie
nehmen innerhalb ihrer bornierten Entwicklung denselben einsei¬
tigen und brutalen Charakter an wie das Denken, kommen nur in
langen Zwischenräumen und stimuliert durch das Wuchern der
vorherrschenden Begierde (unterstützt durch unmittelbar physi-
25 sehe Ursachen, z. B. Kompression [des Unter] leibs) zum Vorschein
und äußern [sich] heftig, gewaltsam, mit brutalster Verdrängung
der gewöhn [liehen, natürlichen] Begierde [, indem sie zur wei-
t]er[n] Herrschaft über [das Denken führen. D]aß das schulmei¬
ster [liehe Denken über] dies empirische [Faktum auf eine schul 1-
3o meisterliche Weise [reflektiert und spintisiert, ver]steht sich von
selbst. [Aber das bloße Inse]rat davon, daß Stirfner seine Eigen¬
schaften überhaupt „schafft“, [erklärt] nicht einmal ihre be¬
stimmte [Entwicklung. In wiefern diese Eigenschaften universell
oder lokal entwickelt werden, inwiefern sie lokale Borniertheiten
35 überschreiten oder in ihnen befangen bleiben, hängt nicht von ihm,
sondern vom Weltverkehr und von dem Anteil ab, den er und die
Lokalität, in der er lebt, an ihm nehmen. Keineswegs, daß
die Individuen in ihrer Reflexion sich einbilden oder vornehmen,
ihre lokale Borniertheit aufzulösen, sondern, daß sie in ihrer em-
4o pirischen Wirklichkeit und durch empirische Bedürfnisse be¬
stimmt, es dahin gebracht haben, einen Weltverkehr zu produzie¬
ren — nur dies Faktum macht es den Einzelnen möglich, unter
günstigen Verhältnissen ihre lokale Borniertheit los zu werden.
/{511 [49] / Das Einzige, wozu es unser Heiliger mit seiner sauren
25—33 Von den Mäusen zerfressene Stellen
16*
244
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Reflexion über seine Eigenschaften und Leidenschaften bringt, ist,
daß er sich durch seine fortwährende Häkelei und Katzbalgerei
mit ihnen ihren Genuß und ihre Befriedigung versäuert.
Sankt Max schafft, wie schon vorhin gesagt, bloß sich als Ge¬
schöpf, d. h. beschränkt sich darauf, sich unter diese Kategorie des з
Geschöpfs zu subsumieren. Seine Tätigkeit [als] Schöpfer besteht
darin, sich als Geschöpf [zu] betrachten, wobei er nicht einmal [da¬
zu fo]rtgeht, diese Spaltung in sich als [Schöpfer und s] ich als Ge¬
schöpf als sein eignes [Produkt wie] der aufzulösen. Die Spaltung
[in „Wesentliches“ un]d „Unwesentliches“ wird [bei ihm zu einem] ю
permanenten Lebensprozeß, [also zum bloßen Sc]hein, d. h. sein
eigentliches Le]b[e]n existiert nur [in der „reinen“] Reflexion, ist
gar [nicht einmal ein] wirkliches Dasein, [denn da dies jeden Aul¬
genblick außer [ihm und seiner Reflexion] ist, bemüht er sich [ver¬
geblich diese als] wesentlich darzustel[len. „Indem] aber dieser 15
Feind“ (näm[l]ich der wahre Egoist als Geschöpf) „in seiner Nie¬
derlage sich erzeugt, indem das Bewußtsein, da es sich ihn fixiert,
vielmehr statt frei davon zu werden, immer dabei verweilt, und sich
immer verunreinigt erblickt, und indem zugleich dieser Inhalt sei¬
nes Bestrebens das Niedrigste ist, so sehen wir nur eine auf sich 20
und ihr kleines Tun“ (Tatlosigkeit) „beschränkte und sich be¬
brütende, ebenso unglückliche, als ärmliche Persön¬
lichkeit“. (Hegel).
/!52}[49b]/Was wir bisher über Sanchos Spaltung in Schöpfer
und Geschöpf sagten, drückt er selbst nun schließlich in logischer 25
Form aus: Schöpfer und Geschöpf verwandeln sich in vorausset¬
zendes und vorausgesetztes, resp. (insofern seine Voraussetzung
[seines Ichs eine] Setzung ist) setzendes und gesetztes Ich:
„Ich Meinesteils gehe von einer Voraussetzung aus, indem Ich
Mich voraussetze; aber meine Voraussetzung ringt nicht зо
nach ihrer Vollendung“ (vielmehr ringt Sankt Max nach ihrer Er¬
niedrigung), „sondern dient Mir nur dazu, sie zu genießen und zu
verzehren“ (ein beneidenswerter Genuß!). „Ich zehre gerade an
Meiner Voraussetzung allein, und bin nur, indem Ich sie verzehre.
D а rum“ (großes „Darum!“) „aber ist jene Voraussetzung gar 35
keine; denn da“ (großes „denn da“!) „Ich der Einzige bin“
(soll heißen der wahre, der mit sich einige Egoist), „so weiß Ich
nichts von der Zweiheit eines voraussetzenden und vorausgesetzten
Ichs, (eines „unvollkommnen“ und „vollkommnen“ Ichs oder
Menschen)“ — soll heißen, besteht die Vollkommenheit meines 40
Ichs nur darin, mich jeden Augenblick als unvollkommnes Ich, als
Geschöpf zu wissen— „sondern“ (allergrößtes „Sondern“!),
„daß Ich Mich verzehre, heißt nur, daß Ich bin.“ (Soll heißen:
ß—16 Von den Mäusen zerfressene Stelle
28 Von den Mäusen zerfressene Stelle
III. Sankt Max
245
Daß Ich bin, heißt hier nur, daß Ich an mir die Kategorie des Vor¬
ausgesetzten in der Einbildung verzehre). „Ich setze Mich nicht
voraus, weil Ich Mich jeden Augenblick überhaupt erst setze oder
schaffe“ (nämlich als Vorausgesetzten, Gesetzten oder Geschaffe-
j nen setze und schaffe) „und nur dadurch Ich bin, daß Ich nicht
vorausgesetzt, sondern gesetzt bin“, (soll heißen: und nur dadurch
bin, daß Ich Meinem Setzen vorausgesetzt bin) „und wiederum nur
in dem Moment gesetzt, /[49c]/ wo Ich Mich setze, d.h. Ich bin
Schöpfer und Geschöpf in Einem“.
ю Stimer ist ein „gesetzter Mann“, da er stets ein gesetztes Ich
und sein Ich „auch Mann“ (Wig. p. 183) ist. „Darum“ ist
er ein gesetzter Mann; „denn d a“ er nie von Leidenschaften zu
Exzessen hingerissen wird, „so“ ist er das, was die Bürger einen
gesetzten Mann nennen, „sonder n“ daß er ein gesetzter Mann
io ist, „das heißt nur“, daß er stets Buch über seine eignen Wandlun¬
gen und Brechungen führt.
Was bisher, um nach Stimer auch einmal mit Hegel zu spre¬
chen, nur „für uns“ war, nämlich daß seine ganze schöpferische
Tätigkeit keinen andern Inhalt als allgemeine Reflexionsbestim-
2o mungen hatte, das ist jetzt von Stimer selbst „gesetzt“. Sankt
Maxens Kampf gegen „d аs Wesen“ erreicht nämlich hier darin
sein „letztes Absehen“, daß er sich selbst mit dem Wesen, und zwar
dem reinen, spekulativen Wesen identifiziert. [Da] s Verhältnis von
Schöpfer und Geschöpf [verw]andelt sich in eine Expli [kation] des
2öSich-selbst-Voraussetzens,d. h. [er verwandelt] in eine
höchst „unbeholfene“] und durcheinander geworfene [Vorstel¬
lung,] was Hegel in „der [Lehre vom Wesen]“ über die Reflexion
[sagt. Da nämlich] Sankt Max ein [Moment seiner] Reflexion,
die [setzende Reflexion her] ausnimmt, [werden seine Phantas]ieen
зо „nega[tiv“, indem er nämlich] sich pp in „Selbst [Voraussetzung“,
zum Unterschied zwischen [sich als dem Setzende] n und Gesetzten,
[und die Re]flexion in den mystischen Gegensatz von Schöpfer und
Geschöpf verwandelt. Nebenbei ist zu bemerken, daß Hegel in
diesem Abschnitt der Logik die „Machinationen“ des „schöpfe-
35 rischen Nichts“ auseinandersetzt, woraus sich auch erklärt, weshalb
sich Sankt Max schon p. 8 als dies „schöpferische Nichts“ „setzen“
mußte.
Wir wollen jetzt einige Sätze aus der Hegelschen Explikation
des Sich-selbst-Voraussetzens zur Vergleichung mit Sankt Maxens
4o Explikationen „episodisch einlegen“. Da Hegel indes nicht so zu¬
sammenhangslos und „ins Gelag hinein“ schreibt, wie unser Jac¬
ques le bonhomme, sind wir genötigt, uns diese Sätze von verschie¬
denen Seiten der „Logik“ zusammenzuholen, um sie dem großen
Satze Sanchos entsprechend zu machen.
23—33 Von den Mäusen zerfressene Stellen
246
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Das Wesen setzt sich selbst voraus, und das Aufheben dieser
Voraussetzung ist es selbst. Weil es Abstoßen seiner von sich selbst
oder Gleichgültigkeit gegen sich, negative Beziehung /{53} [50]/
auf sich ist, setzt es sich somit sich selbst gegenüber... das Setzen
hat keine Voraussetzung... das Andre ist nur durch das Wesen s
selbst gesetzt... Die Reflexion ist also nur als das Negative ihrer
selbst. Als Voraussetzende ist sie schlechthin setzende Reflexion. Sie
besteht also darin, sie selbst und nicht sie selbst in einer Einheit“
(„Schöpfer und Geschöpf in Einem“) „zu sein“. Hegels Logik,
II, p. 5, 16, 17, 18, 22. io
Man hätte nun von Stimers „Virtuosität im Denken“ erwarten
sollen, daß er zu weiteren Forschungen in der Hegelschen Logik
fortgeschritten wäre. Dies unterließ er indes weislich. Er würde
dann nämlich gefunden haben, daß er als bloß „gesetztes“ Ich,
als Geschöpf, d. h. soweit er Dasein hat, ein bloßes S c h e i n - /5
Ich, und nur „Wesen“, Schöpfer ist, soweit er nicht da
ist, sich bloß vorstellt. Wir haben bereits gesehen, und werden
noch weiter sehen, daß seine ganzen Eigenschaften, seine ganze
Tätigkeit und sein ganzes Verhalten zur Welt ein bloßer Schein ist,
den er sich vormacht, nichts als „Jongleurkünste auf dem Seile 20
des Objektiven“. Sein Ich ist stets ein stummes, verborgenes
„Ich“, verborgen in seinem als Wesen vorgestellten Ich.
Da der wahre Egoist in seiner schöpferischen Tätigkeit also nur
eine Paraphrase der spekulativen Reflexion oder des reinen
Wesens ist, so ergibt sich „nach der Mythe“ „durch natürliche 25
Fortpflanzung“, was schon bei der Betrachtung der „sauren
Lebenskämpfe“ des wahren Egoisten hervortrat, daß seine „Ge¬
schöpfe“ sich auf die einfachsten Reflexionsbestimmungen, wie
Identiftät], Unterschied, Gleichheit, Ungleich [heit, Gegen] satz
pp beschränken — [Reflexions]bestimmungen, die er sich an зо
[„Sich“, von] dem „die Kunde bis nach [Köln gedrun]gen ist“, klar
zu machen [sucht. Über] sein voraussetzungsloses [Ich
werden] wir gelegentlich noch [„ein gerin]ges Wörtlein ver¬
nehmen“. Siehe u. A. den „Einzigen“.
Wie in Sanchos Geschichtskonstruktion, nach Hegelscher 35
Methode, die spätere historische Erscheinung zur Ursache, zun
Schöpfer der früheren gemacht wird, so beim mit sich einigen
Egoisten der Stirner von heute zum Schöpfer des Stirner von
gestern, obgleich, um in seiner Sprache zu sprechen, der Stirner
von heute das Geschöpf des Stirner von gestern ist. Die Reflexion 40
dreht dies allerdings um und in der Reflexion, als Reflexions¬
produkt, als Vorstellung, ist der Stirner von gestern das Geschöpf
des Stirner von heute, ganz wie die Weltverhältnisse innerhalb der
Reflexion die Geschöpfe seiner Reflexion sind.
29—33 Von den Mäusen zerfressene Stellen
TAFEL III: Aus dem Manuskript „111. Sankt Max“; s. S. 246, 600
III. Sankt Max
247
/53Ы50Ы/ P. 216. „Suchet nicht die Freiheit, die Euch
gerade um Euch selbst bringt, in der „Selbstverleugnung“, sondern
suchet Euch selbst“ (d.h. suchet Euch selbst in der Selbstver¬
leugnung), „werdet Egoisten, werde Jeder von Euch ein
5 allmächtiges Ich!“
Wir dürfen uns nach dem Vorhergehenden nicht wundem,
wenn Sankt Max sich später zu diesem Satze wieder als Schöpfer
und unversöhnlichster Feind verhält, und sein erhabenes Moral¬
postulat: „Werde ein allmächtiges Ich“, dahin „auflöst“,
io daß ohnehin Jeder tut, was er kann und kann, was er tut, wo¬
durch er natürlich für Sankt Max „allmächtig“ ist. — Übrigens
ist in dem obigen Satze der Unsinn des mit sich einigen Egoisten
zusammengefaßt. Zuerst das Moralgebot des Suchens, und zwar
des Sich-selbst-Suchens. Dies wird dahin bestimmt, daß man
15 etwas werden soll, was man noch nicht ist, nämlich Egoist, und
dieser Egoist wird dahin bestimmt, daß er „ein allmächtiges Ich“
ist, worin das eigentümliche Vermögen aus wirklichem in Ich,
in die Allmacht, die Phantasie des Vermögens sich aufgelöst hat.
Sich selbst suchen heißt also etwas Andres werden als man ist,
2o und zwar allmächtig werden, d. h. Nichts, ein Unding, eine
Phantasmagorie werden.
Wir sind jetzt soweit vorgedrungen, daß eines der tiefsten
Mysterien des Einzigen und zugleich ein Problem, das die zivili¬
sierte Welt seit längerer Zeit in ängstlicher Spannung hielt, ent-
25 hüllt und gelöst werden kann.
Wer ist Szeliga? So fragt sich seit der kritischen Literatur¬
zeitung (Siehe: „Die Heilige Familie“ etc.) Jeder, der die Ent¬
wicklung der deutschen Philosophie verfolgt hat. Wer ist Szeliga?
Alle fragen, Alle horchen auf bei dem barbarischen Klange
зо dieses Namens — Keiner antwortet.
Wer ist Szeliga? Sankt Max gibt uns den Schlüssel dieses „Ge¬
heimnisses aller Geheimnisse“.
Szeliga ist Stirner als Geschöpf, Stirner ist
Szeliga als Schöpfer. Stirner ist das „Ich“, Szeliga das
35 „Du“ „des Buchs“. Stirner, der Schöpfer, verhält sich daher zu
Szeliga, dem Geschöpf, als zu seinem „unversöhnlichsten Feind“.
Sobald sich Szeliga gegen Stirner /[50c]/ verselbstständigen will
— wozu er einen unglückseligen Versuch in den „Norddeutschen
Blättern“ machte — „nimmt“ ihn Sankt Max wieder „in sich
4o zurück“, ein Experiment, was gegen diesen Szeligaschen Versuch
auf p. 176—179 des apologetischen Kommentars bei Wigand voll¬
zogen wird. Der Kampf des Schöpfers gegen das Geschöpf, Stir-
248
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ners gegen Szeliga, ist indes nur scheinbar: [Sz]eliga führt gegen
seinen Schöpfer [jetzt] die Phrasen dieses [Schöpfers] ins Feld —
z. B. „daß [der bloße,] blanke Leib die Gedan[kenlosigkei]t ist“
(Wig. p. 148). Sankt [Max dachte] sich, wie wir sahen, nur [das
blanke Flei] sch, den Leib, vor sei[ner Bildung] und gab bei die- з
[ser Gelegenheit dem Leibe die [Bestimmung „d]as Andere des
Gedank[ens“, der] Nicht-Gedanke und Nicht-Den [ken]de zu sein,
also die Gedankenlosigkeit; ja an einer späteren Stelle spricht er
es geradezu aus, daß nur die Gedankenlosigkeit (wie vorher
nur das Fleisch, die also identifiziert werden) ihn vor den Ge- ю
danken rette (p. 196). — Einen noch viel schlagenderen Beweis
dieses geheimnisvollen Zusammenhangs erhalten wir bei Wigand.
Wir sahen bereits p. 7 „des Buchs“, daß „Ich“, d. h. Stimer, „der
Einzige“ ist. Auf p. 153 des Kommentars redet er nun seinen
„Du“ an: „Du“ „bist der Ph rasen inh alt“, nämlich 75
der Inhalt des „Einzigen“, und auf derselben Seite heißt es: „daß
er selber, Szeliga, der Phraseninhalt sei, läßt
er außer Acht.“ „Der Einzige“ ist die Phrase, wie Sankt Max
wörtlich sagt. Als „Ich“, d. h. als Schöpfer gefaßt, ist er
Phraseneigner — dies ist Sankt Max. Als „Du“, d. h. 20
als Geschöpf gefaßt, ist er Phraseninhalt — dies ist
Szeliga, wie uns so eben verraten wurde. Szeliga, das Ge¬
schöpf, tritt als aufopfernder Egoist, als verkommener Don Qui¬
jote auf; Stimer, der Schöpfer, / {54} [51] / als Egoist im gewöhn¬
lichen Verstände, als heiliger Sancho Panza. 25
Hier tritt also die andere Seite des Gegensatzes von Schöpfer
und Geschöpf auf, wo jede der beiden Seiten ihr Gegenteil an
sich selbst hat. Sancho Panza Stimer, der Egoist im gewöhnlichen
Verstände, überwindet hier den Don Quijote Szeliga, den auf¬
opfernden und illusorischen Egoisten, eben als Don Quijote, зо
durch seinen Glauben an die Weltherrschaft des Heiligen. Was
war [überhaupt Stirners Egoist im gewöhnlichen] Verstände
anders als Sanfcho Panza] und sein aufopfernder Egotist andres]
als Don Quijote, und [ihr gegenseitiges Verhältnis in der bis¬
cherigen Form an]ders als das des [Sancho Panza Stimer] zum 35
Don Quijotte Szeliga? Jetzt, als] Sancho Panza gtehört Stimer
sich als] Sancho nur, u[m Szeliga als] Don Quijote glautben zu
machen, daß] er ihn in der Don[quijoterie über]trifft und einer
[solchen Rolle gemäß, als] vorausgesetzte allgemeine Dontquijo-
terie Nichts] gegen die D[onquijoterie sei]nes ehemaligen Herrn 40
[ (auf] die er mit dem festesten Bedientenglauben schwört) unter¬
nimmt und dabei seine schon bei Cervantes entwickelte Pfiffigkeit
geltend macht. Dem wirklichen Gehalt nach ist er daher der Ver-
1—7 Von den Mäusen zerfressene Stellen
32—41 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
249
teidiger des praktischen Kleinbürgers, aber bekämpft das dem
Kleinbürger entsprechende Bewußtsein, das sich in letzter Instanz
auf die idealisierenden Vorstellungen des Kleinbürgers von der
ihm unerreichbaren Bourgeoisie reduziert. — Don Quijote ver-
5 richtet also jetzt als Szeliga bei seinem ehemaligen Schildknappen
Knechtsdienste.
Wie sehr Sancho in seiner neuen „Wandlung“ noch die alten
Gewohnheiten behalten hat, zeigt er auf jeder Seite. Noch immer
bildet das „Verschlingen“ und „Verzehren“ eine seiner Haupt-
10 Qualitäten, noch immer hat seine „natürliche Furchtsamkeit“
solche Herrschaft über ihn, daß sich der König von Preußen und
der Fürst Heinrich LXXII ihm in den „Kaiser von China“ oder
den „Sultan“ verwandeln, und er nur von den „d Kam¬
mern“ zu sprechen wagt; noch immer streut er Spriichwörter und
15 Sittensprüchlein aus seinem Schnappsack um sich, noch immer
fürchtet er sich vor „Gespenstern“, ja erklärt sie für das allein
Furchtbare; der einzige Unterschied ist, daß, während Sancho in
seiner Unheiligkeit von den Bauern in der Schenke geprellt wurde,
er im Stande der Heiligkeit jetzt fortwährend sich selbst prellt.
2o Kommen wir indes auf Szeliga zurück. Wer hat nicht längst in
allen „Phrasen“, die Sankt Sancho seinem „Du“ in den Mund
legte, Szeligas Finger entdeckt? Und nicht allein in den Phrasen
des „Du“, sondern auch in den Phrasen, wo Szeliga als Schöpfer,
also als Stirner auftritt, ist Szeligas Spur fortwährend zu ver-
25 folgen. Darum aber, weil Szeliga Geschöpf ist, konnte in der
„heiligen Familie“ Szeliga nur als „Geheimnis“ auftreten.
Die Enthüllung des Geheimnisses kam Stirner dem Schöpfer zu.
Wir ahnten freilich, daß hier ein großes, heiliges Abenteuer zu
Grunde liege. Wir sind nicht getäuscht worden. Das einzige Aben-
3o teuer ist wirklich nie gesehen und nie erhört, und übertrifft das
von den Klappermühlen Cervantes am Zwanzigsten.
/54a[51a]/ 3. Offenbarung Johannis des Theologen,
oder „die Logik der neuen Weisheit“
Im Anfang war das Wort, der Logos. In ihm war das Leben,
35 und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht schei¬
net in die Finsternis und die Finsternis haben es nicht be¬
griffen. Das war das wahrhaftige Licht, es war in der Welt,
und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum und
250
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen,
denen gab er Macht Eigentümer zu werden, die an [den N]amen
des Einzigen glauben. [Aber we]r hat den Einzigen je ge[sehen?]
[Betrachten] wir jetzt dieses „Licht der [Welt“ in „der] Logik
der neuen Weis[heit“, da Sankt] Sancho sich bei den frii[heren з
Vernich]tungen nicht beruhigt.
[Bei unserm „] einzigen“ Schriftsteller versteht es sich [von
selbst, daß] die Grundlage seiner [Genialität] in einer glänzen-
[den Reihe persönlicher Vorzüge [besteht, welc]he seine eigen¬
tümliche Virtuosität] im Denken ausmalchen. D]a alle diese ю
Vorzüge bereits im Vorhergehenden weitläuftig nachgewiesen
sind, so genügt hier eine kurze Zusammenstellung der hauptsäch¬
lichsten unter ihnen: Liederlichkeit im Denken — Konfusion —
Zusammenhangslosigkeit — eingestandene Unbeholfenheit — un¬
endliche Wiederholungen — beständiger Widerspruch mit sich 15
selbst — Gleichnisse ohne Gleichen — Einschüchterungsversuche
gegen den Leser — systematische Gedanken-Erbschleicherei ver¬
mittelst der Hebel „Du“, „Es“ „Man“ usw. und groben Mi߬
brauchs der Konjunktionen Denn, Deshalb, Darum, Weil, Dem¬
nach, Sondern, etc., — Unwissenheit — schwerfällige Beteuerung 20
— feierlicher Leichtsinn — revolutionäre Redensarten und fried¬
liche Gedanken — Sprachpolterei — aufgedunsene Gemeinheit
und Kokettieren mit wohlfeiler Unanständigkeit — Erhebung des
Eckenstehers Nante in den absoluten Begriff, — Abhängigkeit von
Hegelschen Traditionen und Berliner Tagesphrasen — kurz voll- 25
endete Fabrikation einer breiten Bettelsuppe (491 Seiten) nach
Rumfordscher Manier.
In dieser Bettelsuppe schwimmen dann eine ganze Reihe von
Übergängen als Knochen herum, von denen wir jetzt einige
Specimina zur öffentlichen Ergötzung des ohnehin so gedrückten зо
deutschen /[51b]/ Publikums mitteilen wollen: „Könnten wir nicht
— nun ist aber — man teilt mitunter — Man kann nun — Zur
Wirksamkeit von gehört besonders das, was man häufig ....
nennen hört — und dies heißt — Es kann nun, um hiermit zu
schließen, einleuchten — mittlerweise — so kann hier beiläufig 35
gedacht werden — sollte nicht — oder wäre nicht etwa — der
Fortgang von ... dahin, daß ... ist nicht schwer — Von einem
gewissen Standpunkt aus räsoniert man etwa so — z. B. u. s. w.“
— etc. und „ist an dem“ in allen möglichen „Wandlungen“.
Wir können hier gleich einen [logischen] Kniff erwähnen, von 40
dem [sich nicht] entscheiden läßt, ob er der [gepriesenen] Tüch-
2—10 Von den Mäusen zerfressene Stellen
6 Nach [Vernichtjungen nicht beruhigt, stand wahrscheinlich noch: (Wie
könnte er!!), wovon nur die Schlußklammer übriggeblieben ist. Cf. 1,
Kor. 3, 1—2.
40—41 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
251
tigkeit Sanchos [oder der] Untüchtigkeit seiner [Gedanken seine]
Existenz verdankt. Diester Kniff besteht] darin, aus einer Vor-
stelllung, aus einem] Begriff, der mehrere [bestimmt aus]gemachte
Seiten [hat, eine Seite] als die bisher allein[ige und einzige]
5 herauszunehmen, sie [dem Begriff als] seine alleinige Be -
stimmtlheit unter]zuschieben und dieser gege[nüber jede
andre] Seite unter einem [neuen Namen als] etwas Originelles
gelten[d zu machen]. So mit der Freiheit und der Eigen[heit, wie]
wir später sehen werden.
10 Unter den Kategorien, welche weniger der Persönlichkeit
Sanchos, als der allgemeinen Bedrängnis, in welcher sich die
deutschen Theoretiker dermalen befinden, ihren Ursprung ver¬
danken, steht obenan die lumpige Distinktion, die Voll¬
endung der Lumperei. Da unser Heiliger sich in den „seelen-
15 martemdsten“ Gegensätzen herumtreibt wie Einzelnes und All¬
gemeines, Privatinteresse und allgemeines Interesse, gewöhnlicher
Egoismus und Aufopferung pp, so kommt es schließlich auf die
lumpigsten Konzessionen und Transaktionen der beiden Seiten
untereinander, die wiederum auf den subtilsten Distinktionen be-
2o ruhen — Distinktionen, deren Nebeneinander-Bestehen durch
„auch“ ausgedrückt und deren Trennung von einander dann
wieder durch ein dürftiges „insofern“ aufrecht erhalten wird.
Solche lumpige Distinktionen sind z. B.: wie die Menschen sich
gegenseitig exploitieren, aber doch Keiner dies auf
25 Kosten des Andern tut; inwiefern Etwas mir eigen oder
eingegeben ist, die Konstruktion einer menschlichen
und einer einzigen Arbeit, die neben einander existieren; das
für das menschliche Leben Unentbehrliche und das dem
einzigen Leben Unentbehrliche; was der reinen Persönlichkeit
зо angehört und was sachlich zufällig ist, wo Sankt Max, von seinem
Standpunkte aus, gar kein Kriterium hat; was zu den Lumpen
und was zur Haut des Individuums gehört; was er durch die
Verneinung total los wird oder sich an eign et; /54c[51c]/
inwiefern er bloß seineFreiheitoderbloßseineEigenheit aufopfert,
35 wo er auch opfert, aber nur insofern er eigentlich nicht opfert,
was mich als Band und was mich als persönliche Beziehung zu den
Andern in Verhältnis bringt. EinTeildieserDistinktionen ist absolut
lumpig, ein anderer verliert, wenigstens bei Sancho, allen Sinn und
Halt. Als Vollendung dieser lumpigen Distinktion kann betrachtet
4o werden die zwischen der Weltschöpf ung durch das Individuum
und dem Anstoß, den es von der Welt erhält. Ginge er hier
z. B. auf den Anstoß näher ein, in der ganzen Ausbreitung und
Mannigfaltigkeit, in der dieser auf ihn wirkt, so würde [sich bei]
1— 8 Von den Mäusen zerfressene Stellen
43 Von den Mäusen zerfressene Stelle
252 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ihm schließlich der Widerspruch [herauss] teilen, daß er ebenso
blind [abhängig] von der Welt ist, wie er [sie egois]tisch¬
ideologisch schafft. (Siehe: „Mein Selbstgenuß“). Er [würde
seine „] Auchs“ und Insofern s“ [eben so wenig] neben
einander [nennen, wie d]ie „menschliche“ Arbeit [neben der з
„] einzigen“, Eins nicht [gegenüber dem] Andern streitig [machen,
so Eins nic]ht dem Andern [in den Rücken] fallen und so nicht
der [„mit sich selbst e]inige Egoist“ vollständig [sich
selbst unterstellt werden — aber wir [wissen,] daß dieser nicht
erst [unterste] 11t zu werden braucht, sondern schon von vom herein ю
der Ausgangspunkt war. Diese Lumperei derDistinktion geht durch
das ganze „Buch“, ist ein Haupthebel auch der übrigen logischen
Kniffe, und äußert sich namentlich in einer ebenso selbstgefälligen
wie spottwohlfeilen moralischen Kasuistik. So wird uns an Ex-
empeln klar gemacht, in wie weit der wahre Egoist lügen darf und із
nicht lügen darf, inwiefern es „verächtlich“ und nicht verächtlich
ist, ein Vertrauen zu täuschen, inwiefern Kaiser Sigismund und
Franz I. von Frankreich Eide brechen durften und inwiefern sie
sich dabei „lumpig“ benahmen, und andre dergleichen feine
historische Illustrationen. Gegenüber diesen mühsamen Distink- 20
tionen und Quästiunculis nimmt sich dann wieder sehr gut aus die
Gleichgültigkeit unsres Sancho, der Alles einerlei ist und die alle
wirklichen, praktischen und Gedanken-Unterschiede bei Seite
wirft. Im Allgemeinen können wir schon jetzt sagen, daß seine
Kunst, zu unterscheiden noch lange nicht reicht an seine Kunst. 25
nicht zu unterscheiden, alle Kühe in der Nacht des Heiligen grau
werden zu lassen, und Alles auf Alles zu reduzieren — eine
Kunst, die in der /[52]/ Apposition ihren adäquaten Aus¬
druck erreicht.
Umarme Deinen „Grauen“, Sancho, Du hast ihn hier wieder- зо
gefunden! Lustig springt er Dir entgegen, nicht achtend der Fu߬
tritte, die ihm geworden sind, und begrüßt Dich mit heller Stimme.
Kniee nieder vor ihm, umschlinge seinen Hals, und erfülle Deinen
Beruf, zu dem Dich Cervantes am 30sten berufen hat.
Die Apposition ist der Graue Sankt Sanchos, seine logische 35
und historische Lokomotive, die auf ihren kürzesten und einfach¬
sten Ausdruck reduzierte treibende Kraft „des Buchs“. Um eine
Vorstellung in eine andere zu verwandeln, oder die Identität
zweier ganz disparaten Dinge nachzuweisen, werden einige Mittel¬
glieder gesucht, die teils dem Sinn, teils der Etymologie, teils dem 40
bloßen Klange nach zur Herstellung eines scheinbaren Zusammen¬
hangs zwischen den beiden Grundvorstellungen brauchbar sind.
Diese werden dann in der Form der Apposition der ersten Vor-
1—10 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
253
Stellung angehängt, und zwar so, daß man immer weiter von dem
abkommt, wovon man ausging und immer näher zu dem kommt,
wohin man will. Ist die Appositionskette soweit präpariert, daß
man ohne Gefahr schließen kann, so wird vermittelst eines Ge-
5 dankenstrichs die Schlußvorstellung ebenfalls als Apposition an¬
gehangen und das Kunststück ist fertig. Dies ist eine höchst emp¬
fehlenswerte Manier des Gedankenschmuggels, die um so wirk¬
samer ist, je mehr sie zum Hebel der Hauptentwicklungen gemacht
wird. Wenn man dies Kunststück bereits mehrere Male mit Erfolg
10 vollzogen hat, so kann man, nach /55a[52a]/ Sankt Sanchos Vor¬
gang, allmählich einige Mittelglieder auslassen und endlich die
Appositionsreihe auf die allemotdürftigsten Haken reduzieren.
— Die Apposition kann nun auch, wie wir schon oben sahen,
umgedreht werden, und dadurch zu neuen, komplizierten Kunst-
15 stücken und erstaunlicheren Resultaten führen. Wir sahen eben¬
daselbst, daß die Apposition die logische Form der unendlichen
Reihe aus der Mathematik ist. — Sankt Sancho wendet die Ap¬
position doppelt an, einerseits rein logisch, bei der Kanonisation
der Welt, wo sie ihm dazu dient, jedes beliebige weltliche Ding
2o in „das Heilige“ zu verwandeln, andererseits historisch, bei Ent¬
wicklungen des Zusammenhangs und bei Zusammenfassung ver¬
schiedener Epochen, wo jede geschichtliche Stufe auf ein ein-
zigesWort reduziert wird und am Ende das Resultat herauskommt,
daß das letzte Glied in der historischen Reihe um kein Haarbreit
25 weiter ist als das erste, und sämtliche Epochen der Reihe schlie߬
lich in [e]iner einzigen abstrakten Kategorie, [e]twa Idealismus,
Abhängigkeit von Gedanken pp zusammengefaßt werden. Wenn
in die historische Appositionsreihe der Schein eines Fortschritts
gebracht werden soll, so geschieht dies dadurch, daß die Schluß-
3o phrase als die Vollendung der ersten Epoche der Reihe, und die
Zwischenglieder als Entwicklungsstufen in auf steigender Ordnung
zur letzten, vollendeten Phrase hin gefaßt werden.
Der Apposition zur Seite geht die Synonymik, die von
Sankt Sancho nach allen Seiten hin exploitiert wird. Wenn zwei
35 Worte etymologisch Zusammenhängen oder nur ähnlichen Klang
haben, so werden sie solidarisch für einander verantwortlich ge¬
macht, oder wenn ein Wort verschiedene Bedeutungen hat, so wird
dies Wort nach Bedürfnis bald in der einen, bald in der andern
Bedeutung und zwar mit dem Scheine gebraucht, als spreche Sankt
4o Sancho von Einer und derselben Sache in verschiedenen „Brechun¬
gen“. Eine eigne Sektion der Synonymik bildet noch die Uber-
Setzung, wo ein französischer oder lateinischer Ausdruck durch
einen deutschen ergänzt wird, der jenen ersten halb und sonst noch
26 Von, den Mäusen zerfressene Stellen
254 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ganz andre Dinge ausdrückt, z. B. wenn, wie wir oben sahen, „re¬
spektieren“ durch „Ehrfurcht und Furcht empfinden“ pp übersetzt
wird. Man erinnere sich an Staat, Status, Stand, Notstand etc. Wir
haben beim Kommunismus schon Gelegenheit gehabt, /55b[52b] /
reichhaltige Exempel dieses Gebrauchs von doppelsinnigen Aus- s
drücken zu sehen. Wir wollen jetzt noch kurz ein Beispiel der
etymologischen Synonymik vornehmen.
„Das Wort „Gesellschaft“ hat seinen Ursprung in dem
Worte „S а 1“. Schließt ein Saal viele Menschen ein, so machts
der Saal, daß sie in Gesellschaft sind. Sie sind in Gesell- ю
schäft und machen höchstens eine Salon-Gesellschaft
aus, indem sie in den herkömmlichen Salon-Redensarten
sprechen. Wenn es zum wirklichen Verkehr kommt, so ist die¬
ser als von der Gesellschaft unabhängig zu betrachten.“ (Pag.
286).— 15
Weil „das Wort „Gesellschaft“ in „Sal“ seinen Ursprung hat“
(was beiläufig gesagt, nicht wahr ist, da die ursprünglichen
Wurzeln aller Wörter Zeitwörter sind), so muß „Sal“ =
„Saal“ sein. Sal heißt aber im Althochdeutschen ein Gebäude,
Kisello, Geselle, wovon Gesellschaft herkommt, ein Haus- 20
genösse, und daher kommt der „Saal“ ganz willkürlich herein.
Aber das tut nichts; der „Saal“ wird sogleich in einen „Salon“
verwandelt, als ob zwischen dem althochdeutschen „Sal“ und dem
neufranzösischen „Salon“ nicht eine Zwischenstufe von zirka
tausend Jahren und so und so viel Meilen läge. So ist die Gesell- 25
schäft in eine Salon-Gesellschaft verwandelt, in der nach deutsch¬
spießbürgerlicher Vorstellung nur ein Phrasenverkehr stattfindet
und von der aller wirkliche Verkehr ausgeschlossen ist. — Übri¬
gens hätte Sankt Max, da er doch nur darauf ausgeht, die Gesell¬
schaft in „das Heilige“ zu verwandeln, die Sache viel kürzer haben зо
können, wenn er die Etymologie etwas genauer betrieben und sich
ein beliebiges Wurzellexikon angesehen hätte. Welch ein Fund
wäre es für ihn gewesen, wenn er dort den etymologischen Zu¬
sammenhang zwischen „Gesellschaft“ und „selig“ entdeckt hätte
— Gesellschaft — selig — heilig — das Heilige — was kann 35
einfacher aussehen?
Wenn „Stimers“ etymologische Synonymik richtig ist, so
suchen die Kommunisten die wahre Grafschaft, die Grafschaft als
das Heilige. Wie Gesellschaft von Sal, Gebäude, so kommt Graf
goth. garävjo) vom /[52c]/ [go]thischen rävo, Haus. Sal, Gebäude 40
= Rävo, Haus, also Gesellschaft gleich Grafschaft. Vor- und End¬
silben sind in beiden Worten gleich, die Stammsilben haben
gleiche Bedeutung — also ist die heilige Gesellschaft der Kom-
40 Das Papier ist beschädigt
III. Sankt Max
255
5
10
15
20
25
30
35
40
munisten die heilige Grafschaft, die Grafschaft als Das Heilige
— was kann einfacher aussehen? Sankt Sancho ahnte dies, als
er im Kommunismus die Vollendung des Lehnswesens, d.h. Graf¬
schaftenwesens sah.
Die Synonymik dient unsrem Heiligen einerseits dazu, empi¬
rische Verhältnisse in spekulative zu verwandeln, indem er ein
Wort, das in der Praxis, sowohl wie in der Spekulation vorkommt,
in seiner spekulativen Bedeutung anwendet, über diese spekula¬
tive Bedeutung einige Phrasen macht, und dann sich stellt, als ob
er damit auch die wirklichen Verhältnisse kritisiert habe, zu deren
Bezeichnung dasselbe Wort auch gebraucht wird. So mit der
Spekulation. P. 406 „erscheint“ „die Spekulation“ nach
zwei Seiten hin als Ein Wesen, das sich eine „doppelte Erschei¬
nung“ gibt — о Szeliga! Er poltert gegen die philosophische
Spekulation und glaubt, damit auch [die] kommerzielle
Spekulation, von [der] er nichts weiß, abgetan zu [hab]en. —
Andrerseits dient ihm, dem verborgnen Kleinbürger, [die]se Sy¬
nonymik dazu, Bourgeoisverhältnisse (siehe, was oben beim
„Kommunismus“ über den Zusammenhang der Sprache mit den
Bourgeoisverhältnissen gesagt wird) in persönliche, individuelle
zu verwandeln, die man nicht antasten kann, ohne das Individuum
in seiner Individualität, „Eigenheit“ und „Einzigkeit“ anzutasten.
So exploitiert Sancho z. B. den etymologischen Zusammenhang
zwischen Geld und Geltung, Vermögen und vermögen, usw.
Die Synonymik, vereinigt mit der Apposition, bildet den Haupt¬
hebel seiner Eskamotage, die wir bereits zu unzähligen
Malen enthüllten. Um ein Exempel davon zu geben, wie leicht
diese Kirnst ist, wollen wir auch einmal ä la Sancho eskamotieren.
Der Wechsel als Wechsel ist das Gesetz der Erschei¬
nung, sagt Hegel. Darum, könnte „Stimer“ fortfahren, die Er¬
scheinung von der Strenge des Gesetzes gegen falsche Wechsel;
denn es ist hier das über der Erscheinung erhabene Gesetz, das
Gesetz als solches, das heilige Gesetz, das Gesetz als das Heilige,
— das Heilige, wogegen gesündigt und das in der Strafe gerächt
wird. /{56}[53]/ Oder aber: Der Wechsel „in seiner doppel¬
ten Erscheinung“ als Wechsel (lettres de change) und Wechsel
(changement) führt zum Verfall (echeance und decadence).
Der Verfall als Konsequenz des Wechsels zeigt sich in der
Geschichte unter anderm beim Untergang des römischen Reichs,
der Feudalität, des deutschen Kaiserreichs und der Herrschaft
Napoleons. „Der Fortgang von“ diesen großen geschicht¬
lichen Krisen „zu“ den Handelskrisen unserer Tage
„ist nicht schwer“ und hieraus erklärt sich denn auch, warum
15—17 Von den Mäusen zerfressene Stellen
256
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
diese Handelskrisen stets durch den Verfall von Wechseln
bedingt sind.
Oder er konnte auch, wie Vermögen und Geld, den Wechsel
etymologisch rechtfertigen, und „von einem gewissen Standpunkt
aus etwa so räsonieren“: Die Kommunisten wollen unter andern 5
den Wechsel (lettre de change) beseitigen. Besteht aber nicht
gerade im Wech sei (changement) der Haupt-Weltgenuß? Sie
wollen also das Tote, Unbewegte, China — d. h. der vollendete
Chinese ist Kommunist. „Daher“ die Deklamationen der Kom¬
munisten gegen die Wechselbriefe und die Wechsler. Als 10
ob nicht jeder Brief ein Wechselbrief, ein einen Wechsel
konstatierender Brief, und jeder Mensch ein Wechselnder,
ein Wechsler wäre!
Um der Einfachheit seiner Konstruktion und seiner logischen
Kunststücke einen recht mannigfaltigen Schein zu geben, hat 15
Sankt Sancho die Episode nötig. Von Zeit zu Zeit legt er eine
Stelle „episodisch“ ein, die an einen andern Teil des Buchs ge¬
hörte oder ganz gut wegbleiben könnte, und unterbricht so den
ohnehin vielfach zerrissenen Faden seiner sogenannten Entwick¬
lung noch mehr. Dies geschieht dann mit der naiven Erklärung, 20
daß „Wir“ „nicht am Schnürchen gehen“, und bewirkt nach mehr¬
maliger Wiederholung in dem Leser eine gewisse Stumpfheit
gegen alle, auch die größeste Zusammenhangslosigkeit. Wenn man
„das Buch“ liest, gewöhnt man sich an Alles, und läßt zuletzt gern
das /56a [53a]/ Schlimmste über sich ergehen. Übrigens sind diese 25
Episoden, wie sich von Sankt Sancho nicht anders erwarten [läßt,]
selbst nur scheinbare, und nur [Wiederhol] ungen der hundertmal
[schon dage]wesenen Phrasen unter [andern Fir]men.
Nachdem Sankt Max [sich so in] seinen persönlichen Qualitäten
[gezeigt, so]dann in der Distinktion, [in der] Synonymik und Epi- зо
sode als [„Schein“ und] als „Wesen“ enthüllte, kommen [wir zu
de] r wahren Spitze und Vollen [düng der] Logik, zum „B e g r i f f“.
[Der] Begriff ist „Ich“, (Siehe Hegels Logik, 3-terTeil), die
Logik [als Ich]. Es ist das reine Verhältnis [des] Ich zur Welt, das
Verhältnis, [entkleidet] aller für ihn existierenden realen Verhält- 35
nisse, [eine Forme] 1 für alle Gleichungen, in [die ein He]iliger
die weltlichen [Begriffe] bringt. Schon oben ist ent [hüllt], wie
Sancho in dieser Formel sich nur die verschiedenen reinen Re¬
flexionsbestimmungen, wie Identität, Gegensatz pp an allen mög¬
lichen Dingen klar zu machen erfolglos „trachtet“. 40
Fangen wir gleich an irgend einem bestimmten Exempel an,
z. B. dem Verhältnis von „Ich“ und Volk.
26—37 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
257
Ich bin nicht das Volk.
Das Volk = Nicht-Ich.
Ich = das Nicht-Volk.
Ich bin also die Negation des Volks, das Volk ist in Mir auf-
j gelöst.
Die zweite Gleichung kann auch in der Nebengleichung gefaßt
werden:
Das Volks-Ich ist nicht,
oder: Das Ich des Volks ist das Nicht Meines Ich.
10 Die ganze Kunst besteht also 1) darin, daß die Negation, die
im Anfang zur Kopula gehörte, erst zum Subjekt und dann zum
Prädikat geschlagen wird; 2) daß die Negation, das „Nicht“, je
nachdem es konveniert, als Ausdruck von Verschiedenheit, Unter¬
schied, Gegensatz und direkte Auflösung gefaßt wird. Im vor-
15 liegenden Beispiel wird es als absolute Auflösung, als vollständige
Negation gefaßt; wir werden finden, daß es je nach Sankt Maxens
Konvenienz auch in den andern Bedeutungen gebraucht wird. So
verwandelt sich denn der tautologische Satz, /56b [53b]/ daß Ich
nicht das Volk bin, in die gewaltige neue Entdeckung, daß Ich
2o die Auflösung des Volkes bin.
Zu den bisherigen Gleichungen war es nicht einmal nötig, daß
Sankt Sancho auch nur irgend eine Vorstellung vom Volk hatte;
es genügte zu wissen, daß Ich und Volk „völlig verschiedene
Namen für völlig Verschiedenes sind“; es reichte hin, daß beide
25 Worte nicht einen einzigen Buchstaben gemeinsam haben. Soll
mm vom Standpunkt der egoistischen Logik weiter über das Volk
spekuliert werden, so genügt es, an das Volk und an „Ich“ von
Außen her, aus der alltäglichen Erfahrung irgend eine beliebige
triviale Bestimmung anzureihen, was zu neuen Gleichungen An-
зо laß gibt. Es wird zugleich der Schein hervorgebracht, als würden
verschiedne Bestimmungen verschiedenartig kritisiert. In dieser
Weise soll nun jetzt über Freiheit, Glück und Reichtum spekuliert
werden:
Grundgleichungen: Volk = Nicht-Ich.
35 Gleichung No. I: Volks-Freiheit = Nicht Meine Freiheit.
Volks-Freiheit = Meine Nichtfreiheit.
Volks-Freiheit = Meine Unfreiheit.
(Dies kann nun auch umgedreht werden, wo dann der große
Satz herauskommt: Meine Unfreiheit = Knechtschaft ist die Frei-
4o heit des Volkes.)
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 17
258
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Gleichung No. II. Volks-Glück = Nicht Mein Glück.
Volks-Glück = Mein Nichtglück.
Volks-Glück = Mein Unglück.
(Umkehrung: Mein Unglück, Meine Misere ist das Glück des
Volkes.) 5
Gleichung No. III. Volksreichtum = Nicht Mein Reichtum.
Volksreichtum = Mein Nichtreichtum.
Volksreichtum = Meine Armut.
(Umkehrung: Meine Armut ist der Reichtum des Volkes.) Dies
ist mm ad libitum weiter zu führen und auf andre Bestimmungen ю
auszudehnen.
Zur Bildung dieser Gleichungen gehört außer einer höchst all¬
gemeinen Kenntnis derjenigen Vorstellungen, die er mit „Volk“
in ein Wort zusammensetzen darf, weiter nichts als die Kenntnis
des positiven Ausdrucks für das in negativer Form gewonnene 15
Resultat, also z. B. Armut für Nicht-Reichtum pp, also gerade so¬
viel Kenntnis der Sprache, wie man im täglichen Umgang sich er¬
wirbt, reicht vollständig hin, um auf diese Weise zu den über¬
raschendsten Entdeckungen zu kommen.
Die ganze Kirnst bestand also hier darin, daß Nicht Mein Reich- ~>u
tum, Nicht Mein Glück, Nicht Meine Freiheit verwan-/56c[53c]/
delt wird in Mein Nichtreichtum, Mein Nichtglück, Meine Nicht¬
freiheit. Das Nicht, was in der ersten Gleichung die allgemeine
Negation [ist,] alle möglichen Formen der Verschiedenheit aus¬
drücken, z. B. bloß enthalten kann, daß es Unser gemeinsamer, 25
nicht Mein ausschließlicher Reichtum ist, wird in der [zweiten
Gl]eichung zur Verneinung Meines Reich [tums, Meines] Glücks
pp, und schreibt Mir [das Nichtglüc]k, das Unglück, die Knecht¬
schaft [zu. Indem] Mir ein bestimmter Reichtum, [der Volks-
re]ichtum, keineswegs der [Reichtum] überhaupt abgesprochen зо
wird, [meint Sancho,] muß Mir die [Armut zu]gesprochen wer¬
den. Dies [aber kom]mt nun auch dadurch zu [Stande,] daß
Meine Nichtfreiheit [ebenfalls pos]itiv übersetzt, und so in Meine
[„Unfreiheit“] verwandelt wird. Meine [Nichtfreiheit] kann ja
aber hundert [andre] Dinge sein als dies — z. B. meine [,,Un- зз
frei]heit“, meine Nichtfreiheit von [meine]em Leibe etc.
Wir gingen eben aus von der zweiten Gleichung: Das Volk
= Nicht-Ich. Wir hätten auch ausgehen können von der dritten
Gleichung: Ich = das Nicht-Volk, wo sich dann z. B. beim Reich¬
tum nach obiger Manier schließlich herausgestellt haben würde: 40
24—36 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
259
„Mein Reichtum ist die Armut des Volks“. Hier würde aber Sankt
Sancho nicht so verfahren, sondern die Vermögensverhältnisse
des Volks überhaupt und das Volk selbst auflösen und dann zu
dem Resultate kommen: Mein Reichtum ist die Vernichtung nicht
3 nur des Volksreichtums, sondern des Volkes selbst. Hier zeigt sich
denn, wie willkürlich Sankt Sancho verfuhr, wenn er eben den
Nicht-Reichtum in die Armut verwandelte. Unser Heiliger wendet
diese verschiedenen Methoden durch einander an, und exploitiert
die Negation bald in der einen, bald in der andern Bedeutung.
ю Welch eine Konfusion daraus entsteht, „sieht augenblicklich“
auch „Jeder ein, der Stirners Buch nicht gelesen hat“ (Wigand
p. 191).
Ebenso „machiniert“ das „Ich“ gegen den Staat.
Ich bin nicht der Staat.
15 Staat = Nicht-Ich.
Ich = Nicht des Staates.
Nichts des Staates = Ich.
Oder in andern Worten: Ich bin das „schöpferische Nichts“, worin
der Staat untergegangen ist.
го /(57} [54]/ Diese einfache Melodie kann nun auf jedes belie¬
bige Thema abgesungen werden.
Der große Satz, der allen diesen Gleichungen zu Grunde liegt,
ist: Ich bin nicht Nicht-Ich. Diesem Nicht-Ich werden verschiedene
Namen gegeben, die einerseits rein logisch sein können, wie z. B.
25 Ansichsein, Anderssein, andererseits die Namen konkreter Vor¬
stellungen, Volk, Staat pp. Hierdurch kann denn der Schein einer
Entwicklung hereingebracht werden, indem man von diesen Na¬
men ausgeht und sie vermittelst der Gleichung oder der Apposi¬
tionsreihe allmählich wieder auf das ihnen von Anfang an zu
зо Grunde gelegte Nicht-Ich reduziert. Da die auf solche Weise her¬
eingebrachten realen Verhältnisse nur als verschiedene, und zwar
nur dem Namen nach verschiedene Modifikationen des Nicht-Ich
auftreten, so braucht über diese realen Verhältnisse selbst gar
nichts gesagt zu werden. Dies ist um so komischer, als d [ie realen]
35 Verhältnisse die Verhältnisse [der Individuen selbst sind, und
man ebe[n dadurch,] daß man sie für Verhältnisse [des Nicht]-
Ichs erklärt, beweist, daß man nichts von ihnen weiß. Dies verein¬
facht die Sache so sehr, daß selbst die aus „gebomen beschränk¬
ten Köpfen bestehende große Mehrzahl“ diesen Kunstgriff in höch-
4o stens zehn Minuten erlernen kann. Dies gibt zugleich ein Krite¬
rium für die „Einzigkeit“ Sankt Sanchos.
34—36 Von den Mäusen zerfressene Stellen
17*
260 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Das dem Ich gegenüberstehende Nicht-Ich wird nun von Sankt
Sancho dahin bestimmt, daß es das dem Ich Fremde, das
Fremde ist. Das Verhältnis des Nicht-Ich zum Ich ist „daher“ das
der Entfremdung. Wir haben so eben die logische Formel dafür
gegeben, wie Sankt Sancho irgend ein beliebiges Objekt oder Ver- j
hältnis als das dem Ich Fremde, die Entfremdung des Ichs dar¬
stellt; auf der andern Seite kann Sankt Sancho nun wieder irgend
ein Objekt oder Verhältnis, wie wir sehen werden, als ein vom Ich
geschaffenes und ihm angehöriges darstellen. Abgesehen
zunächst von der /57a[54a]/ Willkür, mit der er jedes beliebige ю
Verhältnis als ein Verhältnis der Entfremdung darstellt oder nicht
darstellt (da Alles in die obigen Gleichungen paßt), sehen wir
schon hier, daß es [sich bei] ihm um weiter nichts handelt, [als
daru]m, alle wirklichen Verhältnisse, [eben so wie] die wirklichen
Individuen [als entfre]mdet (um den philosophischen [Ausdruck] 15
einstweilen noch beizubehalten) vorfinden [zu lass]en, in die ganz
[abstrakte] Phrase der Entfremdung zu ver[wandeln; sta]tt der
Aufgabe also, die [wirklichen] Individuen in ihrer [wirklichen]
Entfremdung und den empi [rischen Verh]ältnissen dieser Ent¬
fremdung darzus]teilen, tritt hier [eben dasselbe ein, an die 20
Stelle der Entwicklung aller [rein empirischen Verhältnisse den
[bloßen Gedanke]n der Entfremdung, [des Fremde]n, des Hei¬
ligen zu [setzen.] [Die] Unterschiebung der Kategorie [der
Entfremdung (wieder einer Reflexionsbestimmung, die als Ge¬
gensatz, Unterschied, Nichtidentität pp gefaßt werden kann) er- 25
hält darin ihren letzten und höchsten Ausdruck, daß „das Fremde“
wieder in „das Heilige“, die Entfremdung in das Verhältnis
von Ich zu irgend einer beliebigen Sache als dem Heiligen ver¬
wandelt wird. Wir ziehen vor, den logischen Prozeß an Sankt San¬
chos Verhältnis zum Heiligen zu verdeutlichen, da dies die so
vorherrschende Formel ist, und bemerken nebenbei, daß „das
Fremde“ auch als „das Bestehende“ (per appos.), das, was
ohne Mich besteht, das unabhängig von Mir Bestehende, per
appos., das durch Meine Unselbstständigkeit Selbstständige gefaßt
wird, so daß Sankt Sancho also Alles, was unabhängig von ihm 35
besteht, z. B. den Blocksberg, als das Heilige schildern kann.
Weil das Heilige etwas Fremdes ist, wird jedes Fremde in das
Heilige, weil jedes Heilige ein Band, eine Fessel ist, wird jedes
Band, jede Fessel in das Heilige verwandelt. Hiermit hat Sankt
Sancho schon das gewonnen, daß ihm alles Fremde zu einem Ыо- to
ßen Scheine, einer bloßen Vorstellung wird, von der er
sich einfach dadurch befreit, daß er gegen sie protestiert und er¬
klärt, daß er diese Vorstellung nicht habe. Gerade wie wir beim
13—24 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
261
mit sich uneinigen Egoisten sahen, daß die Menschen bloß ihr Be¬
wußtsein zu ändern haben, um Alles in der Welt all right zu
machen.
Unsere ganze Darstellung hat gezeigt, wie Sankt Sancho alle
5 wirklichen Verhältnisse dadurch kritisiert, /57b[54b]/ daß er sie
für „das Heilige“ erklärt, und sie dadurch bekämpft, daß er seine
heilige Vorstellung von ihnen bekämpft. Dies einfache Kunststück,
Alles in das Heilige zu verwandeln, kam, wie wir schon oben weit¬
läufig sahen, dadurch zu Stande, daß Jacques le bonhomme die
io Illusionen der Philosophie auf guten Glauben akzeptierte, den
ideologischen, spekulativen Ausdruck der Wirklichkeit, getrennt
von seiner empirischen Basis, für die Wirklichkeit selber nahm,
ebenso die Illusionen der Klein fbürger über] die Bourgeoisie für
das „[heilige Wesen“ der] Bourgeoisie versah, und daher sich ein-
15 bilden konnte, es nur mit Gedanken und Vorstellungen zu tun zu
haben. Nicht minder leicht verwandelten sich auch die Menschen
in „Heilige“, indem sie, nachdem ihre Gedanken von ihnen und
ihren empirischen Verhältnissen getrennt waren, nun als bloße
Gefäße dieser Gedanken gefaßt werden konnten, und so z. B. aus
2o dem Bourgeois der heilige Liberale gemacht wurde.
Die positive Beziehung des in letzter Instanz [gläubigen Sancho]
zum Heiligen ([von ihm] Respekt genannt), figuriert auch
[unter dem] Namen „Liebe“. „Liebe“ [heißt das] anerkennende
Verhältnis zu „dem [Menschen“,] Heiligen, Ideal, höheren We-
25 sen, oder ein solches menschliches, heiliges, ideales, wesentliches
Verhältnis. Was sonst als Dasein des Heiligen ausgedrückt
wird, z. B. Staat, Gefängnisse, Tortur, Polizei, Handel und Wan¬
del pp, kann von Sancho auch als „ein anderes Beispiel“ der
„Liebe“ gefaßt werden. Diese neue Nomenklatur befähigt ihn,
зо neue Kapitel über das zu machen, was er schon unter der Firma
des Heiligen und des Respekts perhorresziert hat. Es ist die alte
Geschichte von den Ziegen der Schäferin Torralva in ihrer heili¬
gen Gestalt, womit er, wie damals seinen Herrn, jetzt sich und
das Publikum das ganze Buch durch an der Nase herumführt,
35 ohne sie indes so geistreich abzubrechen, wie vorzeiten, da er noch
profaner Schildknapp war. Überhaupt hat Sancho seit seiner Ka¬
nonisation allen seinen ursprünglichen Mutterwitz verloren.
Die erste Schwierigkeit scheint dadurch hereinzukommen, daß
dies Heilige in sich sehr verschieden ist, und so auch bei der Kri-
io tik eines bestimmten Heiligen die Heiligkeit außer Augen gesetzt
und der bestimmte Inhalt selbst kritisiert werden müßte. Sankt
Sancho umgeht diese Klippe dadurch, daß er alles Bestimmte nur
als Ein „Beispiel“ des Heiligen anführt; gerade wie es in der
13—14 Von den Mäusen zerfressene Stellen
21—24 Von den Mäusen zernagte Stelle
262
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Hegelschen Logik gleichgültig ist, ob zur Erläuterung des „Für-
sichseins“ das Atom oder die Person, als Beispiel der Attraktion
das Sonnensystem, der Magnetismus oder die Geschlechtsliebe an¬
geführt wird. Wenn „das Buch“ von Beispielen wimmelt, so
ist das also keineswegs zufällig, sondern im innersten Wesen 5
der darin vor sich gehenden Entwicklungsmethode begründet. Es
ist die „einzige“ Möglichkeit für Sankt Sancho, einen Schein von
Inhalt hereinzubringen, wie dies schon bei Cervantes prototypisch
sich findet, da Sancho ebenfalls stets in Beispielen redet. So kann
Sancho denn sagen: „Ein anderes Beispiel des Heiligen“ (Un-10
interessanten) „ist die Arbeit.“ Er konnte fortfahren: ein anderes
Beispiel ist der Staat, ein anderes Beispiel ist die Familie, ein an¬
deres Beispiel die Grundrente, ein anderes Beispiel St. Jacobus
(Saint-Jacques, le bonhomme), ein anderes Beispiel die heilige
Ursula und ihre elftausend Jungfrauen. Alle diese Dinge haben 15
nun zwar in sei-/[54c]/ner Vorstellung das gemein, daß sie „das
Heilige“ sind. Aber sie sind zugleich total von einander verschie¬
dene Dinge, und eben das macht ihre Bestimmtheit aus. [Soweit
über] sie in ihrer Bestimmtheit [gesprochen] wird, wird über sie,
insofern [sie nicht „] das Heilige“ sind, gesprochen. [Die Arbeit is]t 20
nicht die Grundrente und [die Grundrente] ist nicht der Staat, [es
kommt] also darauf an, zu bestimmen, [inwiefern] Staat, Grund¬
rente, Arbeit sind, abgetsehen von] ihrer vorgestellten Heilig[keit,
und San]kt Max macht das nun so. [Er tut, als] spräche er vom
Staat, [der Arbeit] etc., bezeichnet dann [„den“ Staat] als die 25
Wirklichkeit irgend [einer Ide]e, der Liebe, des Füreinan[der-
seins, d]es Bestehenden, des über die [Einzelnen] Mächtigen, und,
vermittelst [eines Gedankenstrichs — „des Heiligen“, [was er
vo]n vom herein hätte sagen [können.] Oder über die Arbeit wird
[gesagt, si]e gelte als Lebensaufgabe, Be[ruf, Bestimmung —зо
„das Heilige“. D. h. Staat und Arbeit werden erst unter eine schon
vorher in derselben Weise zurechtgemachte, besondere Art des
Heiligen subsumiert, und dies besondre Heilige dann wieder
in das allgemeine „Heilige“ aufgelöst; was Alles geschehen
kann, ohne über die Arbeit und den Staat irgend etwas zu sagen. 35
Derselbe ausgekaute Kohl kann nun bei jeder Gelegenheit wieder-
gekäut werden, indem Alles, was scheinbar der Gegenstand der
Kritik ist, unsrem Sancho nur zum Vorwande dient, die abstrak¬
ten Ideen und in Subjekte verwandelten Prädikate (die nichts
andres sind als das assortierte Heilige und von denen stets ein 40
hinreichendes Lager gehalten wird) für das zu erklären, wozu sie
schon im Anfänge gemacht waren, für dasHeilige. Er hat in
der Tat Alles auf den erschöpfenden, klassischen Ausdruck redu-
18—30 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
263
ziert, wenn er von ihm ausgesagt hat, daß es „ein anderes Bei¬
spiel des Heiligen“ sei. Die Bestimmungen, die vom Hörensagen
hereinkommen und sich auf den Inhalt beziehen sollen, sind ganz
überflüssig, und bei ihrer näheren Betrachtung ergibt sich dann
5 auch, daß sie weder eine Bestimmung, noch einen Inhalt herein¬
bringen, und sich auf unwissende Abgeschmacktheiten reduzieren.
Diese wohlfeile „Virtuosität im Denken“, von der nicht zu sagen
wäre, mit welchem Gegenstände sie nicht fertig ist, schon ehe
sie ihn kennt, kann / {1 [55] sich natürlich Jeder, nicht wie
io vorher, in zehn, sondern in fünf Minuten aneignen. Sankt Sancho
bedroht uns im Kommentar mit „Abhandlungen“ über
Feuerbach, den Sozialismus, die bürgerliche Gesellschaft und, das
Heilige weiß, worüber noch sonst Alles. Diese Abhandlungen kön¬
nen schon vorläufig hier auf ihren einfachsten Ausdruck folgen-
15 dermaßen reduziert werden:
Erste Abhandlung: Ein anderes Beispiel des Heiligen
ist Feuerb ach.
Zweite Abhandlung: Ein anderes Beispiel des Heiligen
ist der Sozialismus.
2o Dritte Abhandlung: Ein anderes Beispiel des Heiligen
ist die bürgerlicheGesellschaft.
Vierte Abhandlung: Ein anderes Beispiel des Heiligen
ist die verstimerte „Abhandlung“.
usw. in infinitum.
25 Die zweite Klippe, woran Sankt Sancho bei einiger Überlegung
notwendig scheitern mußte, ist seine eigne Behauptung, daß jedes
Individuum ein von allen Andern total verschiedenes, einziges ist.
Da jedes Individuum ein durchaus Andres, also das Andere ist, so
braucht das, was für das Eine Individuum ein Fremdes, Heiliges
зо ist, es keineswegs für das andre Individuum zu sein, kann es
sogar nicht sein. Und der gemeinsame Name, wie Staat, Religion,
Sittlichkeit etc. darf uns nicht täuschen, da diese Namen nur Ab¬
straktionen von dem wirklichen Verhalten der einzelnen Indivi¬
duen sind, und diese Gegenstände durch das total verschiedene
35 Verhalten der einzigen Individuen gegen sie, für jedes derselben
einzige Gegenstände werden, also total verschiedene Gegen¬
stände, die nur den Namen mit einander gemein haben. Sankt
Sancho hätte also höchstens sagen dürfen: Der Staat, die Religion
pp sind Mir, Sankt Sancho, das Fremde, das Heilige. Statt dessen
40 müssen sie bei ihm das absolut Heilige, das für alle Individuen
Heilige sein — wie hätte er sonst auch sein konstruiertes Ich, sei¬
nen mit sich einigen Egoisten etc. fabrizieren, wie hätte er sonst
überhaupt sein ganzes „Buch“ schreiben können. Wie wenig ihm
überhaupt einfällt, jeden „Einzigen“ zum Maßstab seiner eignen
45 „Einzigkeit“ zu machen, wie sehr er seine „Einzigkeit“ als Maß-
264
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
stab, als moralische Norm an alle andern Individuen legt und sie
als echter Moralist in sein Prokrustesbett i [55a] / wirft, geht schon
unter anderm aus seinem Urteil über den selig verschollenen Klop-
stock hervor. Diesem hält er die sittliche Maxime entgegen: er
hätte sich „ganz eigen gegen die Religion verhalten“ sollen, wo 5
er dann nicht, wie der richtige Schluß wäre (ein Schluß, den
„Stimer“ unzählige Male, z. B. beim Geld, selbst macht), eine
eigne Religion, sondern eine „Auflösung und Verzehrung
der Religion“ (p. 85), ein allgemeines, statt eines eignen, einzigen
Resultats erhalten hätte. Und als ob Klopstock nicht auch eine 10
„Auflösung und Verzehrung der Religion“ erhalten hätte, und
zwar eine ganz eigne, einzige Auflösung, wie sie nur dieser ein¬
zige Klopstock „prästieren“ konnte, eine Auflösung, deren Ein¬
zigkeit „Stimer“ schon aus den vielen mißlungenen Nachahmun¬
gen ersehen konnte. Klopstocks Verhalten zur Religion soll kein 15
„eignes“ gewesen sein, obgleich es ein ganz eigentümliches, und
zwar ein den Klopstock zum Klopstock machendes Verhalten zur
Religion war. „Eigen“ würde er sich erst zu ihr verhalten haben,
wenn er sich nicht als Klopstock, sondern als moderner deutscher
Philosoph zu ihr verhalten hätte. 20
Der „Egoist im gewöhnlichen Verstände“, der nicht so folgsam
ist wie Szeliga, und schon oben allerlei Einwendungen zu machen
hatte, wirft unsrem Heiligen hier Folgendes ein: Ich gehe hier in
der Wirklichkeit, und das weiß ich sehr wohl — rien pour la
gloire — auf meinen Vorteil, auf weiter Nichts aus. Außerdem 25
macht es mir Spaß, mir auch noch Vorteil im Himmel, mich un¬
sterblich zu denken. Soll ich diese egoistische Vorstellung auf¬
opfern, dem bloßen Bewußtsein des mit sich einigen Egoismus,
das mir keinen Pfennig einbringt, zu Liebe? Die Philosophen
sagen mir: Das sei unmenschlich. Was schert das mich? Bin ich зо
nicht ein Mensch? Ist nicht Alles Menschlich, was ich tue und weil
ichs tue, und kümmerts mich überhaupt, wie „Andre“ meine
Handlungen „rubrizieren“? Du, Sancho, der Du zwar auch ein
Philosoph, aber ein bankrutter Philosoph bist und schon wegen
deiner Philosophie keinen pekuniären und wegen deines Bank- 35
rutts keinen Gedankenkredit verdienst, sagtst mir, ich verhalte mich
nicht eigen zur Religion. Du sagst mir also dasselbe, was die
andern /[55b]/ Philosophen sagen, nur daß es bei Dir, wie ge¬
wöhnlich, allen Sinn verliert, indem Du „eigen“ nennst, was sie
„menschlich“ nennen. Könntest Du sonst von einer andern Eigen- 40
heit, als von Deiner eignen sprechen, und das eigne Verhalten wie¬
der in ein allgemeines verwandeln? Ich verhalte mich, wenn Du
willst, auch in meiner Weise kritisch zur Religion. Einmal zaudre
ich gar nicht, sie aufzuopfem, sobald sie in meinen Commerce
störend eingreifen will, dann dient es mir in meinen Geschäften, 45
III. Sankt Max
265
5
10
15
20
25
30
35
40
45
wenn ich für religiös gelte (wie es meinem Proletarier dient, wenn
er den Kuchen, den Ich hier esse, wenigstens im Himmel ißt) und
endlich mache ich den Himmel zu meinem Eigentum. Er ist une
propriete ajoutee ä la propriete, obgleich schon Montesquieu, der
doch ein ganz anderer Kerl war als Du, mir weismachen wollte, er
sei une terreur ajoutee ä la terreur. Wie Ich mich zu ihm verhalte,
so verhält sich kein andrer zu ihm, und durch dies einzige Ver¬
hältnis, welches ich mit ihm kontrahiere, ist er ein einziger Gegen¬
stand, ein einziger Himmel. Du kritisierst also höchstens Deine
Vorstellung von meinem Himmel, nicht meinen Himmel. Und nun
gar die Unsterblichkeit! Da wirst Du mir lächerlich. Ich verleugne
meinen Egoismus, wie Du den Philosophen zu Lieb behauptest,
weil ich ihn verewige und die Natur- und Denkgesetze für null
und nichtig erkläre, sobald sie Meiner Existenz eine Bestimmung,
die nicht von mir selbst produziert, mir höchst unangenehm ist,
nämlich den Tod, setzen wollen. Du nennst die Unsterblichkeit
eine „leidige Stabilität“ — als ob ich nicht fortwährend ein „be¬
wegtes“ Leben führen könnte, solange im Diesseits oder Jenseits
der Handel gut geht und ich in andern Dingen als Deinem „Buch“
machen kann. Und was kann „stabiler“ sein als der Tod, der mei¬
ner Bewegung wider meinen Willen ein Ende macht und mich
in das Allgemeine, die Natur, die Gattung, in das — Heilige ver¬
senkt? Und nun gar Staat, Gesetz, Polizei! Die mögen für man¬
ches „Ich“ als fremde Mächte erscheinen; Ich weiß, daß sie meine
eignen Mächte sind. Übrigens — und hiermit kehrt der Bourgeois,
diesmal mit gnädigem Kopfnicken, unsrem Heiligen wieder den
Rücken — poltre meinetwegen nur fort gegen Religion, Himmel,
Gott u. dgl. Ich weiß doch, daß Du in Allem, was in meinem In¬
teresse liegt, Privateigentum, Wert, Preis, Geld, Kauf und Ver¬
kauf immer das „Eigne“ siehst.
Wir haben eben gesehen, wie die Individuen unter sich ver¬
schieden sind. Jedes Individuum ist aber wieder in sich selbst ver¬
schieden. So kann Sankt Sancho, indem er sich in irgend einer
dieser Eigenschaften reflektiert, d. h. sich als „Ich“ in einer die¬
ser Bestimmtheiten faßt, /58c [55c]/ bestimmt, den Gegenstand
der andern Eigenschaften und diese andern Eigenschaften selbst
als das Fremde, das Heilige bestimmen, und so der Reihe nach
mit allen seinen Eigenschaften. So z. B. was Gegenstand für sein
Fleisch, ist das Heilige für seinen Geist, oder was Gegenstand für
sein Bedürfnis des Ausruhens, ist das Heilige für sein Bedürfnis
der Bewegung. Auf diesem Kunstgriff beruht seine obige Ver¬
wandlung alles Tuns und Nichttims in Selbstverleugnung. Übri¬
gens ist sein Ich kein wirkliches Ich, sondern nur das Ich der
obigen Gleichungen, dasselbe Ich, das in der formellen Logik bei
der Lehre von den Urteilen als C а j u s figuriert.
266
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Ein anderes Beispiel“, nämlich ein allgemeineres Beispiel von
der Kanonisation der Welt ist die Verwandlung praktischer Kol¬
lisionen, d. h. Kollisionen der Individuen mit ihren praktischen
Lebensbedingungen in ideelle Kollisionen, d. h. in Kollisionen
dieser Individuen mit Vorstellungen, die sie sich machen oder з
sich in den Kopf setzen. Dies Kunststück ist wieder sehr einfach.
Wie Sankt Sancho früher schon die Gedanken der Individuen ver¬
selbstständigte, so trennt er hier das ideelle Spiegelbild der wirk¬
lichen Kollisionen von diesen Kollisionen und verselbstständigt
es. Die wirklichen Widersprüche, in denen sich das Individuum 10
befindet, werden verwandelt in Widersprüche des Individuums
mit seiner Vorstellung, oder, wie Sankt Sancho es auch einfacher
ausdrückt, mit der Vorstellung, dem Heiligen. Hierdurch bringt
er es zu Stande, die wirkliche Kollision, das Urbild ihres ideellen
Abbildes, in eine Konsequenz dieses ideologischen Scheins zu ver- 15
wandeln. So kommt er zu dem Resultat, daß es sich nicht um
praktische Aufhebung der praktischen Kollision, sondern bloß
um das Aufgeben der Vorstellung von dieser Kol¬
lision handelt, ein Aufgeben, wozu er die Menschen als
guter Moralist dringend auffordert. 20
Nachdem Sankt Sancho so die sämtlichen Widersprüche und
Kollisionen, in denen sich ein Individuum befindet, in bloße
Widersprüche und Kollisionen dieses Individuums mit einer seiner
Vorstellungen verwandelt hat, die sich von ihm unabhängig ge¬
macht und es sich unterworfen hat, daher sich „leicht“ in d i e 25
Vorstellung, die heilige Vorstellung, das Heilige verwandelt,
bleibt also dem Individuum nur noch das Eine zu tun übrig, daß
es die Sünde wider den heiligen Geist begehe, von dieser Vorstel¬
lung abstrahiert, und das Heilige für ein Gespenst erklärt. Diese
logische Prellerei, welche das Individuum mit sich selbst vor- зо
nimmt, gilt unsrem Heiligen für einen der höchsten Efforts des
Egoisten. Andrerseits wird aber Jeder einsehen, wie leicht es ist,
auf diese /! 59 J [56]/ Weise alle vorkommenden geschichtlichen
Konflikte und Bewegungen vom egoistischen Standpunkte aus für
untergeordnet zu erklären, ohne etwas von ihnen zu wissen, indem 35
man nämlich nur einige der dabei vorkommenden Redensarten
herauszunehmen, auf die angegebne Weise in „das Heilige“ zu
verwandeln, die Individuen als unterjocht von diesem Heiligen
darzustellen und sich dann als Verächter „des Heiligen als sol¬
chen“ auch hiergegen geltend zu machen hat. 40
Eine weitere Verzweigung dieses logischen Kunststücks, und
zwar das Lieblingsmanöver unsres Heiligen, ist die Exploitation
der Worte: Bestimmung, Beruf, Aufgabe pp, wodurch es ihm un¬
endlich erleichtert wird, Alles Beliebige in das Heilige zu ver¬
wandeln. Im Beruf, Bestimmung, Aufgabe pp erscheint nämlich /5
III. Sankt Max
267
das Individuum in seiner eignen Vorstellung als ein Anderes, als
was es wirklich ist, als das Fremde, also das Heilige, und macht
seine Vorstellung von dem, was es sein soll, als das Berechtigte,
das Ideale, das Heilige, seinem wirklichen Sein gegenüber geltend.
5 So kann Sankt Sancho, wo es ihm darauf ankommt, durch fol¬
gende Appositionsreihe Alles in das Heilige verwandeln: Sich
bestimmen, d. h. sich eine Bestimmung (setze hier einen belie¬
bigen Inhalt herein) setzen, sich die Bestimmung als solche set¬
zen, sich die heilige Bestimmung setzen, sich die Bestimmung als
10 das Heilige, d. h. das Heilige als die Bestimmung setzen. Oder:
Bestimmt sein, d. h. eine Bestimmung haben, d i e Bestimmung
haben, die heilige Bestimmung, die Bestimmung als das Heilige,
das Heilige als die Bestimmung, das Heilige zur Bestimmung, die
Bestimmung des Heiligen haben. — Jetzt braucht er natürlich
15 nichts mehr zu tun als die Menschen kräftiglich zu vermahnen,
sich die Bestimmung der Bestimmungslosigkeit, den Beruf der
Berufslosigkeit, die Aufgabe der Aufgabenlosigkeit zu setzen —
obgleich er im ganzen „Buche“ „bis hinab zum“ Kommentar
Nichts tut, als den Menschen lauter Bestimmungen zu setzen, Auf-
2o gaben zu stellen und sie als Prediger in der Wüste zum Evan¬
gelium des wahren Egoismus zu berufen, von dem es allerdings
heißt: Alle sind berufen, aber nur Einer — O’Connell — ist
auserwählt.
Wir sahen bereits oben, wie Sankt Sancho die’Vorstellungen
25 der Individuen von ihren Lebensverhältnissen, ihren praktischen
Kollisionen und Widersprüchen trennt, um sie dann in das Hei¬
lige zu verwandeln. Hier nun erscheinen diese Vorstellungen in
der Form der Bestimmung, des Berufs, der /59a[56a]/
Aufgabe. Der Beruf hat bei Sankt Sancho eine doppelte Ge-
зо stalt; zuerst als Beruf, den Mir Andre setzen, wovon wir schon
oben bei den Zeitungen, die von Politik strotzen und bei den Ge¬
fängnissen, die unser Heiliger für Sittenverbesserungshäuser ver¬
sah, Exempel hatten. Sodann erscheint der Beruf noch als ein Be¬
ruf, an den das Individuum selber glaubt. Wenn das Ich aus allen
35 seinen empirischen Lebensverhältnissen, aus seiner Tätigkeit, sei¬
nen Existenzbedingungen losgerissen, von der ihm zu Grunde lie¬
genden Welt und von seinem eignen Leib getrennt wird, so hat es
freilich keinen andern Beruf und keine andre Bestimmung, als
den Cajus der logischen Urteile zu repräsentieren und Sankt
4o Sancho zu den obigen Gleichungen zu verhelfen. In der Wirklich¬
keit dagegen, wo die Individuen Bedürfnisse haben, haben sie
schon hierdurch einen Beruf und eine Aufgabe, wobei es zu¬
nächst noch gleichgültig ist, ob sie diesen auch in der Vorstellung
zu ihrem Beruf machen. Es versteht sich indes, daß die Indivi-
43 duen, weil sie Bewußtsein haben, sich von diesem ihnen durch ihr
268
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
empirisches Dasein gegebenen Beruf auch eine Vorstellung
machen, und dadurch Sankt Sancho Gelegenheit bieten, sich an
das Wort „Beruf“, an den Vorstellungsausdruck ihrer wirklichen
Lebensbedingungen festzuklammem und diese Lebensbedingun¬
gen selbst außer Augen zu lassen. Der Proletarier z. B., der den з
Beruf hat, seine Bedürfnisse zu befriedigen, wie jeder andre
Mensch, und der nicht einmal die ihm mit jedem andern Men¬
schen gemeinsamen Bedürfnisse befriedigen kann, den die Not¬
wendigkeit einer vierzehnstündigen Arbeit zu gleicher Stufe mit
dem Lasttier, den die Konkurrenz zu einer Sache, einem Handels- ю
artikel herabdrückt, der aus seiner Stellung als bloße Produktiv¬
kraft, der einzigen, die ihm übrig gelassen, durch andre gewalti¬
gere Produktivkräfte verdrängt wird, — dieser Proletarier hat
schon hierdurch die wirkliche Aufgabe, seine Ver-/59b[56b]/hält-
nisse zu revolutionieren. Er kann sich dies allerdings als seinen 15
„Beruf“ vorstellen, er kann auch, wenn er Propaganda machen
will, diesen seinen „Beruf“ so ausdrücken, daß es der mensch¬
liche Beruf des Proletariers sei, dies und jenes zu tim, um so mehr,
da seine Stellung ihm nicht einmal die Befriedigung der aus sei¬
ner unmittelbaren menschlichen Natur hervorgehenden Bedürf- 20
nisse gestattet. Sankt Sancho kümmert sich nicht um die dieser
Vorstellung zu Grunde liegende Realität, nicht um den praktischen
Zweck dieses Proletariers — er hält fest an dem Wort „Beruf“,
und erklärt ihn für das Heilige und den Proletarier für einen
Knecht des Heiligen — die leichteste Manier, sich überlegen zu 25
wissen und „weiter zu gehen“. — Namentlich unter den bisheri¬
gen Verhältnissen, wo immer eine Klasse herrschte, wo die Le¬
bensbedingungen eines Individuums stets mit denen einer Klasse
zusammenfielen, wo also die praktische Aufgabe jeder neu auf¬
kommenden Klasse jedem Individuum derselben als eine аН-зо
gemeine Aufgabe erscheinen mußte, und wo wirklich jede
Klasse nur dadurch ihre Vorgängerin stürzen konnte, daß sie die
Individuen aller Klassen von einzelnen bisherigen Fesseln be¬
freite — namentlich unter diesen Umständen war es notwendig,
daß die Aufgabe der Individuen einer zur Herrschaft strebenden 35
Klasse als die allgemein menschliche Aufgabe dargestellt wurde.
— Wenn übrigens z. B. der Bourgeois dem Proletarier vorhält.
Er, Proletarier, habe die menschliche Aufgabe, vierzehn Stunden
täglich zu arbeiten, so hat der Proletarier ganz recht, in derselben
Sprache zu antworten: seine Aufgabe sei vielmehr, das ganze 40
Bourgeoisregime zu stürzen.
Wir haben schon zu wiederholten Malen gesehen, wie Sankt
Sancho eine ganze Reihe von Aufgaben stellt, die sich alle in die
schließliche, für alle Menschen existierende Aufgabe des wahren
Egoismus auflösen. Aber selbst da, wo er nicht reflektiert, sich 45
III. Sankt Max
269
nicht als Schöpfer und Geschöpf weiß, bringt er es vermöge der
folgenden lumpigen Distinktion zu einer Aufgabe:
P. 466: „Ob Du Dich mit dem Denken des Weiteren befassen
willst, das kommt auf Dich an. W enn D u es im Denken zu etwas
j Erheblichem bringen willst, so“ (fangen die Bedingungen und
Bestimmungen für Dich an) „so hat also, wer denken
will, allerdings eine Aufgabe, die er sich mit jenem Willen be¬
wußt oder unbewußt setzt; aber die Aufgabe zu denken hat
Keiner.“
io Zunächst abgesehen von dem sonstigen Inhalt dieses Satzes, ist
er schon /59c [56c]/ insofern selbst von Sankt Sanchos Standpunkt
aus unrichtig, als der mit sich einige Egoist allerdings, er mag
wollen oder nicht, die „Aufgabe“ hat zu denken. Er muß denken,
einerseits um das nur durch den Geist, das Denken, zu bändigende
15 Fleisch im Zaum zu halten, und andererseits, um seine Reflexions¬
bestimmung als Schöpfer und Geschöpf erfüllen zu können. Er
stellt daher auch die „Aufgabe“ des Sichselbsterkennens an die
ganze Welt von betrogenen Egoisten — eine „Aufgabe“, die ohne
Denken wohl nicht auszuführen sein wird.
го Um nun diesen Satz aus der Form der lumpigen Distinktion
heraus in eine logische Form zu bringen, ist zuerst das „Erheb¬
liche“ wegzuschaffen. Für jeden Menschen ist das „Erhebliche“,
wozu er es im Denken bringen will, ein verschiedenes, je nach
seiner Bildungsstufe, seinen Lebensverhältnissen, und seinem
25 augenblicklichen Zweck. Sankt Max gibt uns hier also gar kein
festes Kriterium dafür, wann die Aufgabe, die man sich mit
dem Denken stellt, anfängt, wie weit man denken kann, ohne sich
eine Aufgabe zu stellen — er beschränkt sich auf den relativen
Ausdruck „erheblich“. „Erheblich“ ist mir aber Alles, was mich
so zum Denken sollizitiert, „erheblich“ Alles, worüber ich denke.
Daher muß es statt: Wenn Du es im Denken zu etwas Erheblichem
bringen willst, heißen: Wenn Du überhaupt denken willst. Dies
hängt aber gar nicht von Deinem Wollen oder Nichtwollen ab, da
Du Bewußtsein hast, und Deine Bedürfnisse nur durch eine Tätig-
35 keit befriedigen kannst, bei der Du auch Dein Bewußtsein an¬
wenden mußt. Ferner muß die hypothetische Form weggeschafft
werden. „Wenn Du denken willst“ — so stellst Du Dir von
vom herein die „Aufgabe“ zu denken; diesen tautologischen Satz
brauchte Sankt Sancho nicht so pomphaft auszuposaunen. Der
4o ganze Satz war überhaupt nur in diese Form der lumpigen Di¬
stinktion und pomphaften Tautologie gehüllt, um den Inhalt zu
verdecken: Als Bestimmter, Wirklicher, hast Du eine Be¬
stimmung, eine Aufgabe, Du magst ein Bewußtsein darüber
haben oder nicht. / {60} [57]/ — Sie geht aus Deinem Bedürfnis
45 und seinem Zusammenhang mit der vorhandenen Welt hervor.
270
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Die eigentliche Weisheit Sanchos besteht nun darin, daß es vorn
Deinem Willen abhängt, ob Du denkst, lebst etc., überhaupt iin
irgend einer Bestimmtheit bist. Sonst, fürchtet er, würde die Be¬
stimmung aufhören, Deine Selbstbestimmung zu sein. Wenn Diu
Dein Selbst mit Deiner Reflexion oder nach Bedürfnis mit Dei- з
nem Willen identifizierst, so versteht es sich von selbst, daß in
dieser Abstraktion Alles nicht Selbstbestimmung ist, was nicht
durch Deine Reflexion oder Deinen Willen gesetzt ist, also auch
z. B. Dein Atmen, die Zirkulation Deines Blutes, Denken, Leben
pp. Bei Sankt Sancho besteht aber die Selbstbestimmung nicht 10
einmal im Willen, sondern, wie wir beim wahren Egoisten schon
sahen, in der reservatio mentalis der Gleichgültigkeit gegen jede
Bestimmtheit, eine Gleichgültigkeit, die hier als Bestimmungs¬
losigkeit wiederkehrt. In seiner „eignen“ Appositionsreihe würde
sich das so ausnehmen: Jedem wirklichen Bestimmen gegenüber 15
setzt er sich die Bestimmungslosigkeit als Bestimmung, unterschei¬
det von sich in jedem Momente den Bestimmungslosen, ist so in
jedem Momente auch ein Anderer als er ist, eine dritte Person,
und zwar der Andere schlechthin, der heilige Andere, der jeder
Einzigkeit gegenüberstehende Andere, der Bestimmungslose, der 20
Allgemeine, der Gemeine, der — Lump. — Rettet Sankt Sancho
sich vor der Bestimmung durch den Sprung in die Bestimmungs¬
losigkeit (selbst eine Bestimmung, und zwar die allerschlech¬
teste), so ist der praktische, moralische Gehalt dieses ganzen
Kunststücks, abgesehen von dem schon oben beim wahren Egoisten 25
Entwickelten, nur die Apologie des in der bisherigen Welt jedem
Individuum aufgedrungenen Berufs. Machen z. B. die Arbeiter in
ihrer kommunistischen Propaganda geltend, es sei Beruf, Bestim¬
mung, Aufgabe jedes Menschen, sich vielseitig, alle seine Anlagen
zu entwickeln, /60a[57a] / z. B. auch die Anlage des Denkens, so зо
sieht Sankt Sancho hierin nur den Beruf zu einem Fremden, die
Geltendmachung „des Heiligen“, wovon er dadurch zu befreien
sucht, daß er das Individuum, wie es auf Kosten seiner selbst
durch die Teilung der Arbeit zerstümmelt und unter einen einsei¬
tigen Beruf subsumiert worden ist, gegen sein eignes, ihm als 35
Beruf von Andern ausgesprochenes Bedürfnis, anders zu
werden, in Schutz nimmt. Was hier unter der Form eines Berufs,
einer Bestimmung geltend gemacht wird, ist eben die Verneinung
des durch die Teilung der Arbeit bisher praktisch erzeugten Be¬
rufs, des einzig wirklich existierenden Berufs — also die Vemei- 40
nung des Berufs überhaupt. Die allseitige Verwirklichung des Indi¬
viduums wird erst dann aufhören, als Ideal, als Beruf pp vorgestellt
zu werden, wenn der Weltanstoß, der die Anlagen der Individuen
zur wirklichen Entwicklung sollizitiert, unter die Kontrolle der In¬
dividuen genommen ist, wie dies die Kommunisten wollen. 45
III. Sankt Max
271
Schließlich hat das ganze Gekohl über den Beruf in der egoisti¬
schen Logik wieder den Beruf, die Hineinschauung des Heiligen
in die Dinge möglich zu machen, und zu ihrer Vernichtung zu be¬
fähigen, ohne daß man sie zu berühren braucht. Also z. B. Arbeit,
> Geschäftsleben pp gelten Diesem oder Jenem für seinen Beruf.
Damit werden sie die heilige Arbeit, das heilige Geschäftsleben,
das Heilige. Dem wahren Egoisten gelten sie nicht als Beruf; da¬
mit hat er die heilige Arbeit und das heilige Geschäftsleben auf¬
gelöst. Damit bleiben sie, was sie sind, und er, was er war. Es fällt
10 ihm nicht ein zu untersuchen, ob Arbeit, Geschäftsleben pp, diese
Daseinsweisen der Individuen, ihrem wirklichen Inhalt und Pro¬
zeß nach nicht notwendig zu den ideologischen Vorstellungen füh¬
ren, die er als selbstständige Wesen bekämpft, d. h. bei ihm: kano¬
nisiert.
15 Gerade wie Sankt Sancho den Kommunismus kanonisiert, um
seine heilige Vorstellung von ihm nachher im Verein als „eigne“
Erfindung desto besser an den Mann zu bringen, gerade so poltert
er gegen „Beruf, Bestimmung, Aufgabe“ nur, um sie als kate¬
gorischen Imperativ in seinem ganzen Buche zu reprodu-
2o zieren. Überall wo Schwierigkeiten entstehen, durchhaut Sancho
sie mit einem solchen kategorischen Imperativ: „VerwerteDich“,
„Erkennet Euch wieder“, „Werde Jeder ein allmächtiges Ich“
usw. Über den kategorischen Imperativ siehe den „Verein“, über
„Beruf“ usw. siehe den „Selbstgenuß“.
25 /60b [57b]/ Wir haben jetzt die hauptsächlichsten logischen
Kunststücke auf gezeigt, vermittelst deren Sankt Sancho die be¬
stehende Welt kanonisiert und damit kritisiert und verzehrt. Er
verzehrt wirklich nur das Heilige an der Welt, ohne sie selbst nur
anzurühren. Daß er sich daher praktisch ganz konservativ verhal-
зо ten muß, versteht sich von selbst. Wollte er kritisieren, so finge
die profane Kritik gerade da an, wo der etwaige Heiligenschein
aufhört. Je mehr die normale Verkehrsform der Gesellschaft und
damit die Bedingungen der herrschenden Klasse ihren Gegensatz
gegen die fortgeschrittenen Produktivkräfte entwickeln, je größer
35 daher der Zwiespalt in der herrschenden Klasse selbst und mit der
beherrschten Klasse wird, desto unwahrer wird natürlich das die¬
ser Verkehrsform ursprünglich entsprechende Bewußtsein, d. h.
es hört auf, das ihr entsprechende Bewußtsein zu sein, desto mehr
sinken die früheren überlieferten Vorstellungen dieser Verkehrs-
4o Verhältnisse, worin die wirklichen persönlichen Interessen ppp als
allgemeine ausgesprochen werden, zu bloß idealisierenden Phra¬
sen. zur bewußten Illusion, zur absichtlichen Heuchelei herab. Je
mehr sie aber durch das Leben Lügen gestraft werden und je
weniger sie dem Bewußtsein selbst gelten, desto entschiedner
45 werden sie geltend gemacht, desto heuchlerischer, moralischer und
272
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
heiliger wird die Sprache dieser normalen Gesellschaft. Je heuch¬
lerischer diese Gesellschaft wird, desto leichter ist es einem leicht¬
gläubigen Mann wie Sancho, überall die Vorstellung des Heiligen,
des Idealen zu entdecken. Aus der allgemeinen Heuchelei der Ge¬
sellschaft kann er, der Leichtgläubige, den allgemeinen Glauben з
an das Heilige, die Herrschaft des Heiligen, abstrahieren und dies
Heilige sogar für ihr Piedestal versehen. Er ist der Düpe dieser
Heuchelei, aus der er gerade das Umgekehrte hätte schließen
sollen.
Die Welt des Heiligen faßt sich in letzter Instanz zusammen 10
in „d e m Menschen“. Wie wir schon im ganzen Alten Testament
sahen, legt er „d e n Menschen“ der ganzen bisherigen Geschichte
als tätiges Subjekt unter; im Neuen Testament dehnt er diese Herr¬
schaft „d e s Menschen“ auf die ganze vorhandene, gegenwärtige
physische und geistige Welt, wie auf die Eigenschaften der jetzt 13
existierenden Individuen aus. Alles ist „d e s Menschen“, und so¬
mit die Welt in „die Welt des Menschen“ verwandelt. Das Hei¬
lige als Person ist „d e r Mensch“, der bei ihm nur ein anderer
Name für den Begriff, d ie Idee ist. Die von den wirklichen Din¬
gen getrennten Vorstellungen und Ideen der Menschen müssen 20
natürlich auch nicht die wirklichen Individuen, sondern das In¬
dividuum der philosophischen Vorstellung, das von seiner Wirk¬
lichkeit getrennte, bloß gedachte Individuum, „d e n Menschen“
als solchen, den Begriff „des Menschen“ zu ihrer Grundlage haben.
Darin vollendet sich sein Glaube an die Philosophie. 23
Jetzt, nachdem Alles in „das Heilige“ oder in das, was „des
Menschen“ ist, verwandelt ist, kann unser Heiliger dadurch zur
Aneignung weiter gehen, daß er die Vorstellung vom „Hei¬
ligen“ oder vom „Menschen“ als einer über ihm stehenden Macht
aufgibt. Dadurch, daß das Fremde in das Heilige, in eine bloße 30
Vorstellung, verwandelt worden ist, ist natürlich diese Vorstellung
von dem Fremden, die er für das wirkliche Fremde versieht, sein
Eigentum. Die Grundformeln zur Aneignung der Welt des Men¬
schen (die Manier, wie das Ich nun Besitz von der Welt ergreift,
nachdem es keinen Respekt mehr vor dem Heiligen hat) liegen 35
schon in den obigen /[57c]/ Gleichungen.
Herr über seine Eigenschaften ist Sankt Sancho, wie wir sahen,
bereits als mit sich einiger Egoist. Um Herr über die Welt zu
werden, hat er nichts zu tun, als sie zu seiner Eigenschaft zu
machen. Die einfachste Weise, dies zu tun, ist, daß er die Eigen- 40
schäft „d e s Menschen“ mit dem ganzen Unsinn der darin liegt,
direkt als s e i n e Eigenschaft ausspricht. So vindiziert er sich z. B.
als die Eigenschaft des Ich den Unsinn der allgemeinen
Menschenliebe, indem er behauptet, „Jeden“ zu lieben
(p. 387) und zwar mit dem Bewußtsein des Egoismus, weil „die 45
III. Sankt Max
273
Liebe ihn glücklich macht“. Wer ein so glückliches Naturell hat,
der gehört freilich zu denen, von welchen es heißt: Wehe Euch,
so Ihr Einen dieser Kleinen ärgert!
Die zweite Methode ist die, daß Sankt Sancho Etwas als s e i n e
5 Eigenschaft konservieren will, während er dasselbe, wenn es
ihm ganz notwendig als Verhältnis erscheint, in ein Verhält¬
nis, eine Daseinsweise „des Menschen“, ein heiliges Ver¬
hältnis verwandelt und damit zuriickstößt. Dies tut Sankt Sancho
selbst da, wo die Eigenschaft, getrennt von dem Verhältnis, durch
10 welches sie realisiert wird, sich in reinen Unsinn auflöst. So will
er z. B. p. 322 den Nationalstolz beibehalten, indem er „die Natio¬
nalität für seineEigenschaft, die Nation für seine Eigne¬
rin, und Herrin erklärt“. Er könnte fortfahren: DieReligio-
s i t ä t ist Meine Eigenschaft, sie aufzugeben als Meine Eigen-
15 schäft, das sei ferne von Mir — die Religion ist Meine Herrin, das
Heilige. Die Familienliebe ist Meine Eigenschaft, die Familie
Meine Herrin. Die Rechtlichkeit ist Meine Eigenschaft, das Recht
Mein Herr, das Politisieren ist Meine Eigenschaft, der Staat Mein
Herr.
2o Die dritte Weise der Aneignung wird dann angewandt, wenn
er eine fremde Macht, deren Druck er praktisch empfindet, ganz
und gar als heilig verwirft, ohne sie sich anzueignen. In diesem
Falle sieht er in der fremden Macht seine eigne Ohnmacht, und
erkennt diese als seine Eigenschaft, sein Geschöpf an, über das
25 er in jedem Moment als Schöpfer hinaus ist. Dies ist der Fall z. B.
mit dem Staat. Auch hier kommt er glücklich dahin, es mit keinem
Fremden, sondern nur mit seiner eignen Eigenschaft zu tim zu
haben, gegen die er sich nur als Schöpfer / i 61} [58]/ zu setzen
braucht, um sie zu überwinden. Der Mangel einer Eigenschaft
so gilt ihm also im Notfall auch für seine Eigenschaft. Wenn Sankt
Sancho verhungert, so ist nicht der Mangel an Nahrungsmitteln
die Ursache davon, sondern Sein eignes Hunger haben, seine eigne
Eigenschaft des Hungerns. Wenn er aus seinem Fenster fällt und
den Hals bricht, so geschieht dies nicht, weil die Macht der
35 Schwere ihn herabstürzt, sondern weil der Mangel an Flügeln, die
Ohnmacht zu fliegen, seine eigne Eigenschaft ist.
Die vierte Methode, die er mit dem brillantesten Erfolg an wen¬
det, ist die, Alles, was Gegenstand Einer seiner Eigenschaften ist,
als seinen Gegenstand für sein Eigentum zu erklären, weil er sich
40 vermöge einer seiner Eigenschaften darauf bezieht, gleichviel, wie
diese Beziehung auch immer beschaffen sei. Also was man bisher
Sehen, Hören, Fühlen pp nannte, nennt dieser harmlose Akka-
pareur Sancho: Eigentum erwerben. Der Laden, den ich ansehe,
ist als Erblickter der Gegenstand Meines Auges, und sein Reflex
45 auf meiner Retina ist das Eigentum meines Auges. Nun wird der
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 18
274
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Laden außer der Beziehung zum Auge sein Eigentum und nicht
nur das Eigentum seines Auges — sein Eigentum, das gerade so
auf dem Kopfe steht, wie das Bild des Ladens auf seiner Retina.
Läßt der Ladenhüter das Rouleau (oder nach Szeliga „Gardinen
und Vorhänge“) herunter, so hört sein Eigentum auf, und er be- 5
hält, wie der bankrutte Bourgeois, nur noch die schmerzliche
Erinnerung vergangenen Glanzes. Geht „Stimer“ an der Hofküche
vorbei, so erwirbt er sich allerdings ein Eigentum an dem Geruch
der Fasanen, die dort gebraten werden, aber die Fasanen selbst
bekommt er nicht einmal zu sehen. Das einzige nachhaltige Eigen- 10
tum, was ihm dabei zu Teil wird, ist ein mehr oder weniger lautes
Knurren in seinem Magen. Übrigens hängt es nicht nur von dem
vorhandenen Weltzustand ab, den er keineswegs gemacht hat,
was und wieviel er zu sehen bekommt, sondern auch von seinem
Beutel und von seiner ihm durch die Teilung der Arbeit zugefal- 15
lenen Lebensstellung, die ihm vielleicht sehr viel verschließt, ob¬
gleich er sehr akkaparierende Augen und Ohren haben mag. —
Hätte Sankt Sancho schlecht und recht gesagt, daß Alles, was Ge¬
genstand seiner Vorstellung ist, als von ihm vorgestellter Gegen¬
stand, d. h. als seine Vorstellung von einem Gegenstände, seine 20
Vorstellung, id est sein Eigentum ist (ebenso mit dem Anschauen
pp), so würde man nur die kindliche Naivetät des Mannes be¬
wundert haben, der an einer solchen Trivialität einen Fund und ein
Vermögen erbeutet zu haben glaubt. Daß er aber diesem spekula¬
tiven Eigentum das Eigentum schlechthin unterschiebt, mußte 25
natürlich eine große Magie auf die eigentumslosen deutschen Ideo¬
logen ausüben. — Sein Gegenstand ist auch jeder andere Mensch
in seinem Bereich, „und als sein Gegenstand — sein Eigentum“,
seine Kreatur. Jedes der Ichs sagt zu dem andern (siehe p. 184):
„Mir bist Du nur Dasjenige, was Du für Mich bist“ (z. B. mein зо
Exploiteur), „nämlich Mein Gegenstand und weil Mein Gegen¬
stand, mein Eigentum.“ Daher auch meine Kreatur, die Ich jeden
Augenblick als Schöpfer verschlingen und in Mich zurücknehmen
kann. Jedes Ich nimmt das Andre also nicht als einen Eigentümer,
sondern als sein Eigentum; nicht als„Ich“, (si[ehep.!84).] /[58a:/ 35
sondern als Sein-für-Ihn, als Objekt; nicht als sich angehörig, son¬
dern als ihm, einem Andern angehörig, als sich entfremde:.
„Nehmen Wir denn Beide, wofür sie sich ausgeben“ (p. 187), fix
Eigentümer, für Selbstangehörige, „und wofür sie einander neb-
men“, für Eigentum, für dem Fremden Angehörige. Sie sind Eigen- 40
tümer und sind es nicht (vergL p. 187). Es ist aber für Sankt
Sancho wichtig in allen Verhältnissen mit Andern nicht das wirk¬
liche Verhältnis zu nehmen, sondern was Jeder sich einbild en
kann, in seiner Reflexion an sich ist.
35 Das Papier ist beschädigt
III. Sankt Max
275
Da Alles, was Gegenstand für „Ich“ ist, vermittelst irgend
einer seiner Eigenschaften auch sein Gegenstand ist, d. h. also
sein Eigentum, z. B. die Prügel, die er erhält, als Gegenstand
seiner Gliedmaßen, seines Gefühls, seiner Vorstellung,
□ sein Gegenstand, mithin sein Eigentum sind, so kann er sich als
Eigentümer jedes für ihn vorhandenen Gegenstandes proklamie¬
ren, und damit die ihn umgebende Welt, möge sie ihn auch noch
so sehr mißhandeln und zu einem „Menschen von nur idealem
Reichtum, einem Lump“ herabdrücken, für sein Eigentum erklären
10 und sich zu ihrem Eigentümer proklamieren. Andererseits, da
jeder Gegenstand für „Ich“ nicht nur Mein Gegenstand, sondern
auch mein Gegenstand ist, so kann jeder Gegenstand mit
derselben Gleichgültigkeit gegen den Inhalt für das Nicht-Eigne,
Fremde, Heilige erklärt werden. Derselbe Gegenstand und das-
15 selbe Verhältnis kann daher mit gleicher Geläufigkeit und glei¬
chem Erfolge für das Heilige und für Mein Eigentum erklärt wer¬
den. Es kommt Alles darauf an, ob der Akzent auf das Mein oder
auf den Gegenstand gelegt wird. Die Methoden der Aneignung
und Kanonisation sind nur zwei verschiedene „Brechungen“ Einer
2o „Wendung.“
Alle diese Methoden sind bloß positive Ausdrücke für die Ne¬
gation des in den obigen Gleichungen dem Ich fremd-Gesetzten;
nur daß die Negation wieder, wie oben, in verschiednen Bestim¬
mungen gefaßt wird. Die Negation kann erstlich rein formell be-
25 stimmt werden, so daß sie den Inhalt gar nicht affiziert, wie oben
bei der Menschenliebe und in allen Fällen, wo sich seine ganze
Veränderung auf die Hinzufügung des Bewußtseins der Gleichgül¬
tigkeit beschränkt. Oder die ganze Sphäre des Objekts oder Prädi¬
kats, der ganze Inhalt kann negiert werden, wie bei Religion und
so Staat, oder drittens kann die Kopula, meine bisher fremde Be¬
ziehung zum Prädikat, allein negiert und auf das Mein der Ak¬
zent gelegt werden, sodaß Ich mich als Eigentümer zum Meinigen
verhalte, z. B. beim Gelde, was zur Münze Meines eignen Geprä¬
ges wird. In dem letzteren Fall kann sowohl die Eigenschaft des
35 Menschen, wie sein Verhältnis allen Sinn verlieren. Jede der Eigen¬
schaften des Menschen wird dadurch, daß Ich sie in Mich zuriick-
nehme, in meiner Ichheit ausgelöscht. Es ist nicht mehr von ihr
zu sagen, was sie ist. Sie ist nur noch nominell, was sie war. Sie hat
als „Mein“, als in Mir aufgelöste Bestimmtheit, gar keine Be-
40 stimmtheit mehr gegen Andre, noch gegen Mich, sie ist bloß von
Mir gesetzt, S ch e i n - Eigenschaft. So z. B. Mein Denken. Eben
wie mit Meinen Eigenschaften verhält es sich mit den Dingen, die
mit Mir in einem Verhältnis stehen und wie schon oben gesehen,
im Grunde auch nur [M]eine Eigenschaften sind — z. B. mit
44 Von den Mäusen zerfressene Stellen
18*
276
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
[Meinem angeschauten Laden. Insofern [also] in Mir das Denken
von allen [andern] Eigenschaften, z. B. der Goldschmiedsladen
wieder von dem Wurstladen etc. total unter [schieden] ist, kommt
der Unter [schied] /[58b]/ wieder als Unterschied des Scheins her¬
ein, und macht sich auch nach Außen, in Meiner Äußerung für j
Andre, wieder geltend. Hiermit ist diese aufgelöste Bestimmtheit
glücklich wieder vorhanden und muß, soweit sie überhaupt sprach¬
lich ausgedrückt werden kann, ebenfalls in den alten Ausdrücken
wiedergegeben werden. (Von Sankt Sanchos nichtetymologischen
Illusionen über die Sprache werden wir übrigens auch noch ein 10
geringes Wörtlein vernehmen.)
An die Stelle der obigen einfachen Gleichung tritt hier die
Antithese. In ihrer simpelsten Form lautet sie z. B. so:
Denken des Menschen — Mein Denken, egoisti-
schesDenken, 15
wo hier das Mein so viel heißt, daß er auch gedankenlos sein
kann, also das Mein das Denken aufhebt. Verwickelter schon
wird die Antithese im folgenden Beispiel:
Das Geld als Tauschmittel des — Das Geld meines eignen Ge-
Menschen — präges, als Tauschmittel des 20
Egoisten —
wo der Unsinn entbunden wird. — Noch verwickelter wird die
Antithese, wenn Sankt Max eine Bestimmung hereinbringt und
sich den Schein einer weitläufigen Entwicklung geben will. Hier
wird aus der einzelnen Antithese eine Antithesenreihe. Zuerst 25
heißt es z. B.
Das Recht überhaupt als Recht | | Recht is was Mir Recht ist
des Menschen J |
wo er ebensogut statt Recht jedes andre Wort setzen könnte, da
es eingestandenermaßen gar keinen Sinn mehr hat. Obgleich die- зо
ser Unsinn fortwährend noch mitunterläuft, so muß er doch, um
von ihr weiter zu kommen, eine andre, notorische Bestimmung
des Rechts hereinbringen, die sowohl im rein persönlichen als
auch im ideologischen Sinn gebraucht werden kann — etwa die
M а c h t als Basis des Rechts. Nun erst, wo das Recht in der ersten 35
These noch eine andere Bestimmtheit hat, die in der Antithese
festgehalten wird, kann die Antithese einen Inhalt erzeugen. Nur.
heißt es:
Recht — die Macht des Men-Macht_das Recht Meiner
sehen J l 30
1—4 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
277
was dann wieder sich einfach dahin auf löst:
Macht als Recht Meiner = Meine Macht. —
Diese Antithesen sind weiter nichts als die positiven Umdrehun¬
gen der obigen negativen Gleichungen, bei denen sich schon am
5 Schluß fortwährend Antithesen herausstellten. Sie übertreffen die
Gleichungen noch an einfacher Größe und großer Einfalt.
Wie Sankt Sancho früher Alles für fremd, ohne ihn be¬
stehend, heilig, ansehen konnte, so kann er nun ebensoleicht Alles
für sein Machwerk, für nur durch ihn bestehend, für sein Eigen-
10 tum ansehen. Da er nämlich Alles in seine Eigenschaften verwan¬
delt, so braucht er sich mm dazu nur [so zu ver-]/[58c] halten,
wie er sich als mit sich einiger Egoist zu seinen ursprünglichen
Eigenschaften verhielt, eine Prozedur, die wir hier nicht zu wie¬
derholen brauchen. Hierdurch wird unser Berliner Schulmeister
із absoluter Herr der Welt — „freilich ist dies auch der Fall mit
jeder Gans, jedem Hunde, jedem Pferde“. (Wig. p. 187).
Das eigentliche logische Experiment, das allen diesen Formen
der Aneignung zu Grunde liegt, ist eine bloße Form des Spre¬
chens, nämlich die Paraphrase, die Umschreibung eines
2o Verhältnisses als Ausdruck, als Existenzweise eines andern. Wie
wir eben sahen, daß jedes Verhältnis als Exempel des Verhältnis¬
ses des Eigentums dargestellt werden konnte, geradeso kann es als
Verhältnis der Liebe, der Macht, der Exploitation usw. dargestellt
werden. Sankt Sancho fand diese Manier der Paraphrase in der
25 Spekulation fertig vor, wo sie eine Hauptrolle spielt. Siehe unten
„Exploitationstheorie“.
Die verschiedenen Kategorien der Aneignung werden gemüt¬
liche Kategorien, sobald der Schein der Praxis hereingebracht
und mit der Aneignung Ernst gemacht werden soll. Die gemütliche
зо Form der Behauptung des Ich gegen das Fremde, Heilige, die
Welt „des Menschen“ ist die Renommage. Dem Heiligen
wird der Respekt auf gekündigt (Respekt, Achtung etc., diese ge¬
mütlichen Kategorien gelten ihm für Beziehung auf das Heilige
oder auf ein Drittes als Heiliges), und diese permanente Aufkiin-
гз digung eine Tat tituliert, eine Tat, die umso burlesker erscheint,
als er fortwährend nur gegen das Gespenst seiner heiligenden Vor¬
stellung kämpft. Andererseits, da die Welt trotz seiner Respekts¬
kündigung gegen das Heilige heillos mit ihm umspringt, genießt
er dagegen die innere Befriedigung, ihr zu erklären, daß er nur
4o nötig habe zur Macht gegen sie zu kommen, um respektslos mit ihr
umzuspringen. Diese Drohung mit ihrer weltvemichtenden reser¬
vatio mentalis vollendet die Komik. Zur ersten Form der Renom-
11 Von den Mäusen zerfressene Stelle
278
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
mage gehört, wie Sankt Sancho p. 16 „nicht den Zorn des Posei¬
don, nicht die rächenden E u m en i d en“ „fürchtet“, p. 58 „den
Fluch nicht fürchtet“, p. 242 „keine Vergebung will“, usw. und
zum Schluß beteuert, die „maßloseste Entweihung“ des Heiligen
zu begehen. Zur zweiten Form seine Drohung gegen den Mond з
p. 218: „Könnte Ich Dich nur fassen, Ich faßte Dich wahrlich,
und finde Ich nur ein Mittel, zu Dir hinaufzukommen, Du sollst
Mich nicht schrecken Ich gebe Mich nicht auf gegen Dich,
sondern warte nur Meine Zeit ab. Bescheide Ich Mich auch für
jetzt, Dir etwas anhaben zu können, so gedenke Ich Dirs doch!“ ю
— eine Apostrophe, in der unser Heiliger unter das Niveau von
Pfeffels Mops im Graben sinkt — ebenso p. 425, wo er „der
Macht über Leben und Tod nicht entsagt“ usw. — Schließlich
[kann] die renommistische Praxis wieder zu einer bloßen [Pra¬
xis] innerhalb der Theorie werden, [indem] der Heilige mit den із
pomphaftesten] Worten Dinge getan zu haben [vorgibt], die er
nie getan [hat, wobei er] tradi[tion]elle Triviali[tät]en vermittelst
[volltönender Phrasen [als] originelle Schöp[f]ungen einzu¬
schmuggeln versucht. [Da-]/{62}[59]/zu gehört eigentlich das
ganze Buch, speziell seine uns als eine Entwicklung aufgedrun- 20
gene, aber nur schlecht abgeschriebene Geschichtskonstruktion,
dann die Versicherung, daß „das Buch“ „gegen den Menschen ge¬
schrieben zu sein scheint“ (Wig. p. 168), und eine Unzahl ein¬
zelner Beteuerungen, wie: „Mit einem Hauche des lebendigen Ichs
blase Ich Völker um“ (p. 219 des Buchs), „Ich schlage frisch 25
drauf los“ (p. 254), p. 285: „Tot ist das Volk“, ferner die Be¬
teuerung, „in den Eingeweiden des Rechts zu wühlen“ p. 275 und
der herausfordernde, mit Zitaten und Sprüchlein verbrämte Ruf
nach „einem leibhaftigen Gegner“ p. 280.
Die Renommage ist schon an und für sich sentimental. Außer- зо
dem kommt aber die Sentimentalität im Buche auch noch
als ausdrückliche Kategorie vor, die namentlich bei der positiven
Aneignung, welche nicht mehr bloße Behauptung gegen das
Fremde ist, eine Rolle spielt. So einfach die bisherigen Methoden
der Aneignung auch waren, so muß bei näherer Entwicklung doch 35
der Schein hereingebracht werden, als ob das Ich sich dadurch
auch Eigentum „im gewöhnlichen Verstände“ erwerbe, und dies
ist nur durch eine forcierte Aufspreizung dieses Ich zu erreichen,
nur dadurch, daß er sich und Andre in einen sentimentalen Zau¬
ber hüllt. Die Sentimentalität ist überhaupt gar nicht zu vermeiden. м
sobald er sich die Prädikate „d e s Menschen“ unbesehen als seine
eignen vindiziert, z. B. „J ed en“ „aus Egoismus“ „liebt“ — und
so seinen Eigenschaften eine überschwengliche Aufgedunsenheit
gibt. So wird p. 351 „das Lächeln des Kindes“ für „sein Eigen-
14—18 Von den Mäusen zerfressene Stellen
III. Sankt Max
279
tum“ erklärt und ebendaselbst die Stufe der Zivilisation, auf der
man die Greise nicht mehr totschlägt, als die Tat dieser Greise
selbst mit den rührendsten Wendungen dargestellt pp. Zu dieser
Sentimentalität gehört auch durchaus sein Verhältnis zur Mari-
5 tornes.
Die Einheit von Sentimalität und Renommage ist die Em¬
pörung. In ihrer Richtung nach Außen, gegen Andre, ist sie
Renommage; in ihrer Richtung nach innen, als Knurren-in-sich,
ist sie Sentimentalität. Sie ist der spezifische Ausdruck des ohn-
10 mächtigen Widerwillens des Philisters. Er empört sich beim Ge¬
danken des Atheismus, Terrorismus, Kommunismus, Königsmor¬
des etc. Der Gegenstand, wogegen Sankt Sancho sich empört, ist
das Heilige; darum ist die Empörung, die zwar auch als
Verbrechen charakterisiert wird, in letzter Instanz /[59a]/
is Sünde. Die Empörung braucht also in keiner Weise als eine Tat
aufzutreten, da sie nur „die Sünde“ wider „das Heilige“ ist.
Sankt Sancho begnügt sich daher damit, sich die „Heiligkeit“ oder
den „Geist der Fremdheit“ „aus dem Kopfe zu schlagen“ und
seine ideologische Aneignung zu vollziehen. Wie ihm aber über-
2o haupt Gegenwart und Zukunft sehr im Kopfe durcheinander gehen,
wie er bald behauptet, sich schon alles angeeignet zu haben, bald
es erst erwerben zu müssen, so fällt ihm auch bei der Empörung
zuweilen ganz zufällig ein, daß er das wirkliche Fremde sich
auch dann noch gegenüber hat, wenn er mit dem Heiligenschein
25 des Fremden fertig geworden ist. In diesem Falle oder vielmehr
Einfalle wird dann die Empörung in eine eingebildete Tat und
das Ich in ein „Wir“ verwandelt. Hierüber werden wir später das
Nähere sehen. (Siehe: „Empörung“).
Der wahre Egoist, der sich nach der bisherigen Darstellung als
so der größte Konservateur erwiesen hat, sammelt schließlich die
Brocken „der Welt des Menschen“, zwölf Körbe voll; denn „es
sei ferne, daß Etwas verloren gehe!“ Da sich seine ganze Aktion
darauf beschränkt, an der ihm von der philosophischen Tradition
überlieferten Gedankenwelt einige abgegriffene, kasuistische
35 Kunststücke zu probieren, so versteht es sich von selbst, daß die
wirkliche Welt für ihn gar nicht besteht und daher auch fortbeste¬
hen bleibt. Der Inhalt des Neuen Testaments wird uns dazu den
Beweis im Einzelnen liefern.
So „erscheinen wir vor den Schranken der Mündig-
4o k e i t und werden mündig gesprochen“ (p. 86).
280
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
/62Ь [59b]/
4. Die Eigenheit
„Sich eine eigne Welt gründen, das heißt sich einen Him¬
mel erbauen“. P. 89 „des Buchs“.
Wir haben bereits das innerste Heiligtum dieses Himmels s
„durchschaut“. Wir werden uns jetzt bestreben, „mehr Dinge“
von ihm kennen zu lernen. Wir werden indes im neuen Testament
dieselbe Heuchelei wiederfinden, die bereits im alten durchging.
Wie in diesem die geschichtlichen Data nur Namen für ein paar
einfache Kategorien waren, so sind auch hier im neuen Bunde alle io
weltlichen Verhältnisse nur Verkleidungen, andre Benennungen für
den magern Inhalt, den wir in der Phänomenologie und Logik zu¬
sammengestellt haben. Unter dem Scheine, als spräche er von der
wirklichen Welt, spricht Sankt Sancho immer nur von diesen
magern Kategorien. /з
„Du willst nicht die Freiheit, alle diese schönen Sachen zu
haben . . . Du willst sie wirklich haben, . . . als D e i n Eigen¬
tum besitzen . . . Du müßtest nicht nur ein Freier, Du mü߬
test auch ein Eigner sein“. P. 205.
Hier wird eine der ältesten Formeln zu denen die anfangende 20
soziale Bewegung kam, der Gegensatz des Sozialismus in seiner
miserabelsten Gestalt gegen den Liberalismus zu einem Ausspruch
des „mit sich einigen Egoisten“ erhoben. Wie alt dieser Gegensatz
selbst für Berlin ist, kann unser Heiliger schon daraus ersehen,
daß bereits in Rankes historisch-politischer Zeitschrift, Berlin м
1831, mit Schrecken /[59c]/ darauf hingewiesen wird.
„Wie Ich sie“ (die Freiheit) „benutze, das hängt von Meiner
Eigenheit ab.“ p. 205. Der große Dialektiker kann das auch um¬
drehen und sagen: Wie Ich meine Eigenheit benutze, das hängt
von Meiner Freiheit ab. — Nun fährt er fort: „Frei — wovon?“ 3°
Hier verwandelt sich also durch einen Gedankenstrich die Frei¬
heit schon in die Freiheit von Et wa s, per apposit. von „Allem“.
Diesmal wird indes die Apposition in Form eines scheinbar näher
bestimmenden Satzes gegeben. Nachdem er nämlich dies große
Resultat erreicht hat, wird Sancho sentimental: „0 was läßt33
sich nicht Alles abschütteln!“ Zuerst „das Joch der Leibeigen¬
schaft“, dann eine ganze Reihe andrer Joche, die endlich unver¬
merkt dahin führen, daß „die vollkommenste Selbstverleugnung
nichts als Freiheit, Freiheit . . . vom eignen Selbst ist, und der
Drang nach Freiheit als etwas Absolutem . . . Uns um die Eigen- 40
III. Sankt Max
281
heit brachte“. Durch eine höchst kunstlose Reihe von Jochen
wird hier die Befreiung von der Leibeigenschaft, die die Geltend¬
machung der Individualität der Leibeignen und zugleich die Nie-
derreißung einer bestimmten empirischen Schranke war, mit der
5 viel früheren christlich-idealistischen Freiheit aus den Briefen an
die Römer und Korinther identifiziert und damit die Freiheit über¬
haupt in die Selbstverleugnung verwandelt. Hiermit wären wir
schon mit der Freiheit fertig, da sie jetzt unbestritten „das Hei¬
lige“ ist. Ein bestimmter historischer Akt der Selbstbefreiung wird
10 von Sankt Max in die abstrakte Kategorie „der Freiheit“ ver¬
wandelt, und diese Kategorie dann wieder aus einer ganz andern
historischen Erscheinung, die ebenfalls unter „d i e Freiheit“ sub¬
sumiert werden kann, näher bestimmt. Das ist das ganze Kunst¬
stück, die Abschüttelung der Leibeigenschaft in die Selbstverleug-
15 nung zu verwandeln.
Um dem deutschen Bürger seine Freiheitstheorie sonnenklar zu
machen, fängt Sancho jetzt an, in der eignen Sprache des Bür¬
gers, speziell des Berliner Bürgers, zu deklamieren: „Je freier
Ich indes werde, desto mehr Zwang türmt sich vor Meinen Augen
го auf, desto ohnmächtiger fühle Ich Mich. Der unfreie Sohn der
Wildnis empfindet noch nichts von all den Schranken, die einen
jebildeten Menschen bedräntgen]: er dünkt sich freier als dieser.
In dem Maße als Ich Mir Freiheit /{63} [60]/ erringe, schaffe Ich
Mir neue Grenzen und neue Aufgaben; habe Ich die Eisenbahnen
25 erfunden, so fühle Ich Mich wieder schwach, weil Ich noch nicht,
dem Vogel gleich, die Lüfte durchsegeln kann, und habe Ich ein
Problem, dessen Dunkelheit Meinen Geist beängstigte, gelöst, so
erwarten Mich schon unzählige andere pp“. P. 205, 206. 0 „un¬
beholfener“ Belletrist für Bürger und Landmann!
зо Nicht „der unfreie Sohn der Wildnis“, sondern „die gebil¬
deten Menschen“ „dünken“ sich den Wilden freier als den Gebil¬
deten. Daß der „Sohn der Wildnis“ (den F. Halm in Szene gesetzt
hat) die Schranken des Gebildeten nicht kennt, weil er sie nicht
erfahren kann, ist ebenso klar als daß der „gebildete“ Berliner
35 Bürger, der den „Sohn der Wildnis“ nur vom Theater kennt, von
den Schranken des Wilden nichts weiß. Die einfache Tatsache ist
diese: die Schranken des Wilden sind nicht die des Zivilisierten.
Die Vergleichung, die unser Heiliger zwischen Beiden anstellt, ist
die phantastische eines „gebildeten“ Berliners, dessen Bildung
40 darin besteht, von Beiden nichts zu wissen. Daß er von den Schran¬
ken des Wilden nichts weiß, ist erklärlich, obgleich etwas davon
zu wissen nach den vielen neueren Reisebeschreibungen eben keine
Kunst ist: daß er auch die des Gebildeten nicht kennt, beweist sein
22 Von den Mäusen zerfressene Stelle
282
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Exempel von den Eisenbahnen und dem Fliegen. Der tatlose Klein ¬
bürger, dem die Eisenbahnen vom Himmel gefallen sind, und der
eben deswegen glaubt, sie selbst erfunden zu haben, phantasiert
sogleich vom Luftflug, nachdem er einmal auf der Eisenbahn ge¬
fahren ist. In der Wirklichkeit kam erst der Luftballon und dann з
die Eisenbahnen. Sankt Sancho mußte dies umdrehen, weil sonst
Jedermann gesehen hätte, daß mit der Erfindung des Luftballons
das Postulat der Eisenbahnen noch lange nicht da war, während
man sich das Umgekehrte leicht vorstellen kann. Er stellt über¬
haupt das empirische Verhältnis auf den Kopf. Als der Hauderer ю
und Frachtwagen den entwickelten Bedürfnissen des Verkehrs
nicht mehr genügte, als u. A. die Zentralisation der Produktion
durch die große Industrie neue Mittel zum rascheren und massen-
weisen Transport ihrer Massen von Produkten nötig machte, er¬
fand man die Lokomotive und damit die Anwendung der Eisen- 15
bahn auf den großen Verkehr. Dem Erfinder und den Aktionären
war es um ihren Profit, dem Commerce überhaupt um die Vermin¬
derung der Produktionskosten zu tun; die Möglichkeit, ja die abso¬
lute Notwendigkeit der /63a[60a]/ Erfindung lag in den empiri¬
schen Verhältnissen. Die Anwendung der neuen Erfindung in ver- 20
schiednen Ländern beruhte auf verschiednen empirischen Ver¬
hältnissen, z. B. in Amerika auf der Notwendigkeit die einzelnen
Staaten des ungeheuren Gebietes zu vereinigen, und die halbzivi¬
lisierten Distrikte des Innern mit dem Meere und den Stapelplätzen
ihrer Produkte zu verbinden. (Vergl. u. А. M. Chevalier, Lettres 25
sur l’Amerique du Nord). In andern Ländern, wo man bei jeder
neuen Erfindung nur bedauert, daß sie nicht das Reich der Er¬
findungen vollendet, wie z. B. in Deutschland — in solchen Län¬
dern wird man endlich nach vielem Widerstreben gegen die ver¬
werflichen, keine Flügel verleihenden Eisenbahnen durch die Коп-зо
kurrenz gezwungen, sie zu adoptieren, und den Hauderer und
Frachtwagen, wie das altehrwürdige, sittsame Spinnrad fahren zu
lassen. Der Mangel an andrer gewinnreicher Anlegung des Kapi¬
tals machte das Eisenbahnbauen zum dominierenden Industrie¬
zweig in Deutschland. Die Entwicklung seiner Eisenbahnbauten 33
und seine Schlappen auf dem Weltmarkt gingen gleichen Schritt.
Nirgend aber baut man Eisenbahnen der Kategorie „der Frei¬
heit v о n“ zu Lieb, wie Sankt Max schon daraus ersehen konnte,
daß Niemand Eisenbahnen baut, um frei von seinem Geldsack
zu werden. Der positive Kem der ideologischen Verachtung des 40
Bürgers gegen die Eisenbahnen aus Sehnsucht nach dem Vogelflug
ist die Vorliebe für den Hauderer, den Frachtwagen und die Land¬
straße. Sancho sehnt sich nach der „eignen Welt“, die, wie wir
oben sahen, der Himmel ist. Darum will er an die Stelle der Loko¬
motive den feurigen Wagen Eliä setzen und gen Himmel fahren. 45
III. Sankt Max
283
Nachdem sich diesem tatlosen und unwissenden Zuschauer das
wirkliche Niederreißen der Schranken, das zugleich eine sehr po¬
sitive Entwicklung der Produktivkraft, reale Energie und Befrie¬
digung unabweisbarer Bedürfnisse, Ausdehnung der Macht der
5 Individuen ist, in das bloße Freiwerden von einer Schranke ver¬
wandelt hat — was er wieder sich logisch als Postulat des Frei¬
werdens von der Schranke schlechthin zurechtmachen kann —
kommt jetzt am Schluß der ganzen Entwicklung heraus, was be¬
reits am Anfang vorausgesetzt war: „Freisein von Etwas — heißt
10 nur: Ledig oder Los sein.“ p. 206. Er gibt gleich ein sehr
unglückliches /63b[60b]/ Exempel davon: „Er ist frei vom Kopf¬
weh ist gleich: er ist es los“, als ob nicht dies „Lossein“ vom Kopf¬
schmerz gleich wäre einer ganz positiven Dispositionskraft über
meinen Kopf, gleich einem Eigentum an meinen Kopf, während
15 ich, solange Ich Kopfschmerzen hatte, das Eigentum meines
kranken Kopfes war. „Im „Los“ vollenden wir die vom Christen¬
tum empfohlene Freiheit, im Sündlos, Gottlos, Sittenlos usw.“
p. 206. Daher findet unser „vollendeter Christ“ auch seine Eigen¬
heit erst im „gedankenlos“, „bestimmungslos“, „berufslos“, „ge-
20 setzlos“, „verfassungslos“ pp und fordert seine Brüder in Christo
auf, „sich nur wohlzufühlen im Auflösen“, d. h. im Produzieren
des „Losseins“, der „vollendeten“, „christlichen Freiheit“. — Er
fährt fort:
„Müssen wir etwa, weil die Freiheit als ein christliches Ideal
25 sich verrät, sie aufgeben? Nein, Nichts soll verloren
gehen“ (voila notre conservateur tout trouve), „auch die Frei¬
heit nicht; aber sie soll unser eigen werden, und das kann sie
in der Form der Freiheit nicht.“ p. 207.
Unser „mit sich“ (toujours et partout) „einiger Egoist“ ver-
30 gißt hier, daß wir bereits im alten Testament durch das christliche
Ideal der Freiheit, d.h. durch die Einbildung der Freiheit zu
„Eignem“ der „Welt der Dinge“ wurden; er vergißt ebenfalls,
daß wir danach nur noch die „Welt der Gedanken“ loszuwerden
brauchten, um auch ihre „Eigner“ zu werden; daß sich hier die
35 „Eigenheit“ als Konsequenz der Freiheit, des Losseins für
ihn ergab.
Nachdem unser Heiliger sich die Freiheit als Freisein von
Etwas, und dies wieder als „Lossein“, das als christliches Ideal
der Freiheit und damit der Freiheit „des Menschen“ zurecht ge-
lo macht hat, kann er an diesem präparierten Material einen prak¬
tischen Kursus seiner Logik durchmachen. Die erste einfachste
Antithese lautet:
Freiheit des Menschen — Freiheit Meiner,
284
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
wo in der Antithese die Freiheit aufhört, „in der Form der Frei¬
heit“ zu existieren. Oder:
Lossein im Interesse d e s Men- I [ T • • т * •
i — Lossein im Interesse Meiner,
sehen | l
Diese beiden Antithesen ziehen sich, mit einem zahlreichen Ge- 5
folge von Deklamationen, durch das ganze Kapitel von der Eigen¬
heit durch, aber mit ihnen allein würde unser welterobemder
Sancho noch zu sehr wenig, nicht einmal zur Insel Barataria,
kommen. Er hat sich oben, wo er sich das Treiben der Menschen
aus seiner „eignen Welt“, seinem /[60c]/ „Himmel“ betrachtete, 10
bei seiner Abstraktion der Freiheit zwei Momente der wirklichen
Befreiung auf die Seite gebracht. Das erste war, daß die Indi¬
viduen in ihrer Selbstbefreiung ein bestimmtes wirklich empfun¬
denes Bedürfnis befriedigen. An die Stelle der wirklichen Indivi¬
duen trat durch Beseitigung dieses Momentes „der Mensch“, 13
und an die Stelle der Befriedigung des wirklichen Bedürfnisses
das Streben nach einem phantastischen Ideal, der Freiheit als
solcher, der „Freiheit des Menschen“. — Das Zweite war, daß ein
in den sich befreienden Individuen bisher nur als Anlage existie¬
rendes Vermögen erst als wirkliche Macht betätigt oder eine 20
bereits existierende Macht durch Abstreifung einer Schranke ver¬
größert wird. Allerdings kann man das Abstreifen der Schranke,
das bloß eine Folge der neuen Machtschöpfung ist, als die
Hauptsache betrachten. Zu dieser Illusion kommt man aber nur
dann, wenn man entweder die Politik als die Basis der empi- 23
rischen Geschichte annimmt, oder wenn man, wie Hegel, überall
die Negation der Negation nachzuweisen hat, oder endlich, wenn
man, nachdem die neue Macht geschaffen ist, als unwissender
Berliner Bürger über die neue Schöpfung reflektiert. — Indem
Sankt Sancho dies zweite Moment zu seinem eignen Gebrauch auf so
Seite bringt, hat er nun eine Bestimmtheit, die er dem übrig¬
bleibenden, abstrakten caput mortuum „der Freiheit“ entgegen¬
setzen kann. Hierdurch kommt er zu folgenden neuen Antithesen:
Freiheit, die inhaltslose Ent- ] I Eigenheit, das wirkliche Inne-
femung der fremden Macht J | haben der eignen Macht. 35
Oder auch:
Freiheit, Abwehr fremder] j Eigenheit Besitz eigner
Macht. | | Macht.
Wie sehr Sankt Sancho seine eigne „Macht“, die er hier der
Freiheit gegenüberstellt, aus derselben Freiheit heraus und in sich 40
hinein eskamotiert hat, darüber wollen wir ihn nicht auf die Ma¬
terialisten oder Kommunisten, sondern nur auf das Dictionnaire
IIL Sankt Max
285
de l’academie verweisen, wo er finden kann, daß liberte am häu¬
figsten im Sinne von puissance gebraucht /{64} [61]/ wird. Sollte
Sankt Sancho indes behaupten, daß er nicht gegen die „liberte“,
sondern gegen die „Freiheit“ kämpfe, so mag er sich bei Hegel
з über die negative und positive Freiheit Rats erholen. Als deut¬
scher Kleinbürger mag er sich an der Schlußbemerkung dieses
Kapitels delektieren.
Die Antithese kann auch so ausgedrückt werden:
Freiheit, idealistisches Trach-1 t Eigenheit, wirkliches Los-
io ten nach Lossein und Kampf ] sein und Genuß am eignen
gegen das Anderssein ' * Dasein.
Nachdem er so durch eine wohlfeile Abstraktion die Eigen¬
heit von der Freiheit unterschieden hat, gibt er sich den
Schein, als fange er jetzt erst an diesen Unterschied zu entwickeln
in und ruft aus: „Welch ein Unterschied zwischen Freiheit und
Eigenheit!“ p. 207. Daß er außer den allgemeinen Antithesen
sich nichts auf die Seite gebracht hat, und daß neben dieser Be¬
stimmung der Eigenheit auch noch fortwährend die Eigenheit
„im gewöhnlichen Verstände“ höchst ergötzlich mit unterläuft,
2o wird sich zeigen:
„Innerlich kann man trotz des Zustandes der Sklaverei frei
sein, obwohl auch wieder nur von Allerlei, nicht von Allem;
aber von der Peitsche, der gebieterischen Laune pp des Herrn
wird man nicht f г e i“.
23 „Dagegen Eigenheit, das ist mein ganzes Wesen und Dasein,
das bin Ich selbst. Frei bin Ich von dem, was ich los bin, Eigner
von dem, was Ich in meiner Macht habe, oder dessen Ich
mächtig bin. Mein eigen bin Ich jederzeit und unter allen
Umständen, wenn Ich Mich zu haben verstehe und nicht an
зо Andre wegwerfe. Das Freisein kann Ich nicht wahrhaft wollen,
weil Ich’s nicht machen ... kann: Ich kann es nur wünschen und
danach trachten, denn es bleibt ein Ideal, ein Spuk. Die Fesseln
der Wirklichkeit schneiden jeden Augenblick in mein Fleisch die
schärfsten Striemen. Mein Eigen aber bleibe Ich. Einem Ge-
35 bieter leibeigen hingegeben, denke Ich nur an Mich und meinen
Vorteil; seine Schläge treffen mich zwar: Ich bin nicht davon
frei; aber Ich erdulde sie nur zu meinem Nutzen, etwa um ihn
durch den Schein der Geduld zu täuschen und ihn sicher zu
machen, oder auch, um nicht durch Widersetzlichkeit Ärgeres Mir
40 zuzuziehen. Da Ich aber Mich und Meinen Eigennutz im Auge
behalte“ (während die Schläge ihn und seinen Rücken im Besitz
behalten), „so fasse Ich die nächste gute Gelegenheit beim
Schopfe“ (d.h. er „wünscht“, er „trachtet“ nach einer nächsten gu¬
ten Gelegenheit, die aber „ein Ideal, ein Spuk bleibt“) „den Sklaven¬
286
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
besitzer zu zertreten. Daß Ich dann von ihm und seiner Peitsch e
/[61a]/ frei werde, das ist nur die Folge meines vorangegangenem
Egoismus. Man sagt hier vielleicht: Ich sei auch im Stande der
Sklaverei frei gewesen, nämlich „an sich“ oder „innerlich“; allein
„an sich frei“ ist nicht „wirklich frei“, und „innerlich“ nicht 5
„äußerlich“. Eigen hingegen, Mein eigen war Ich ganz
und gar, innerlich und äußerlich. Von den Folterqualen
und Geißelhieben ist mein Leib nicht „frei“ unter der Herrschaft
eines grausamen Gebieters; aber Meine Knochen sind es,
welche unter der Tortur ächzen, Meine Fibern 10
zucken unter den Schlägen, und Ich ächze, weil
Mein Leib ächzt. Daß Ich seufze und erzittre, be¬
weist, daß Ich noch bei Mir, daß Ich Mein eigen
bin.“ p. 207, 208.
Unser Sancho, der hier wieder den Belletristen für Kleinbürger 15
und Landmann spielt, beweist hier, daß er trotz der vielen Prügel,
die er schon bei Cervantes erhielt, stets sein „Eigner“ blieb und
daß diese Prügel vielmehr zu seiner „Eigenheit“ gehörten. Sein
„eigen“ ist er „jederzeit und unter allen Umständen“, wenn er
sich zu haben versteht. Hier ist also die Eigenheit hypothetisch 20
und hängt von seinem Verstände ab, unter dem er eine sklavische
Kasuistik versteht. Dieser Verstand wird dann auch später zum
Denken, wo er an sich und seinen „Vorteil“ „denkt“ — welches
Denken und welcher gedachte „Vorteil“ sein gedachtes „Eigen¬
tum“ sind. Er wird weiter dahin erklärt, daß er die Schläge „zu 25
seinem Nutzen“ erduldet, wo die Eigenheit wiederum in der Vor¬
stellung des „Nutzens“ besteht und wo er das Arge „erduldet“,
um nicht „Eigner“ von „Ärgerem“ zu werden. Später zeigt sich
der Verstand auch als „Eigner“ des Vorbehalts einer „nächsten
guten Gelegenheit“, also einer bloßen reservatio mentalis, und зо
endlich als „Zertreten“ des „Sklavenbesitzers“ in der Antizipa¬
tion der Idee, wo er dann „Eigner“ dieser Antizipation ist, wäh¬
rend der Sklavenbesitzer ihn in der Gegenwart wirklich zertritt.
Während er also hier Sich mit seinem Bewußtsein identifi¬
ziert, das sich durch allerlei Klugheitsmaximen zu beruhigen 35
strebt, identifiziert /[61b]/ er sich am Schluß mit seinem Leibe,
sodaß er ganz und gar, innerlich und äußerlich „sein eigen“ ist,
solange er noch einen Funken Leben und selbst nur noch bewußt¬
loses Leben in sich hat. Erscheinungen, wie Ächzen der „Kno¬
chen“, Zucken der Fibern usw., Erscheinungen, aus der Sprache 10
der einzigen Naturwissenschaft in die pathologische übersetzt,
die durch Galvanismus an seinem Kadaver, wenn man ihn frisch
von dem Galgen abgeschnitten, an dem er sich oben erhing, die
selbst an einem toten Frosch hervorgebracht werden können, gelten
ihm hier für Beweise, daß er „ganz und gar“, „innerlich und 45
III. Sankt Max
287
äußerlich“ noch „sein eigen“, seiner mächtig ist. Dasselbe, woran
sich die Macht und Eigenheit des Sklavenbesitzers zeigt, daß
gerade Er geprügelt wird und kein Anderer, daß gerade seine
Knochen „ächzen“, seine Fibern zucken, ohne daß Er es ändern
5 kann, das gilt unsrem Heiligen hier für einen Beweis seiner eignen
Eigenheit und Macht. Also wenn er im surinamischen Spanso
Bocho eingespannt liegt, wo er weder Arme, noch Beine, noch
sonst ein Glied rühren kann, und Alles über sich ergehen lassen
muß, so besteht seine Macht und Eigenheit nicht darin, daß er
10 über seine Glieder disponieren kann, sondern in dem Faktum,
daß sie s e i n e Glieder sind. Seine Eigenheit rettete er hier wieder
dadurch, daß er sich immer als Anders-Bestimmten faßte, bald
als bloßes Bewußtsein, bald als bewußtlosen Leib (siehe die
Phänomenologie).
із Sankt Sancho „erduldet“ seine Tracht Prügel allerdings mit
mehr Würde, als die wirklichen Sklaven. Die Missionäre mögen
diesen noch so oft im Interesse der Sklavenbesitzer vorhalten,
daß sie die Schläge „zu ihrem Nutzen erdulden“, die Sklaven
lassen sich dergleichen Faseleien nicht einreden. Sie machen nicht
so die kühle und furchtsame Reflexion, daß sie sonst „Ärgeres sich
zuziehen“ würden, sie bilden sich auch nicht ein, „durch ihre Ge¬
duld den Sklavenbesitzer zu täuschen“ — sie verhöhnen ihre
Peiniger im Gegenteil, sie spotten ihrer Ohnmacht, die sie nicht
einmal zur Demütigung zwingen kann, und unterdrücken jedes
25 „Ächzen“, jede Klage, solange der physische Schmerz es ihnen
noch erlaubt. (Siehe Charles Comte. Traite de legislation.)
Sie sind also weder „innerlich“ noch „äußerlich“ ihre „Eigner“,
sondern bloß die „Eigner“ ihres Trotzes, was ebensogut so aus¬
gedrückt werden kann, daß sie weder „innerlich“ noch „äußer-
3o lieh“ „frei“, sondern bloß in einer /[61c]/ Beziehung frei, näm¬
lich „innerlich“ frei von der Selbstdemütigung sind, wie sie auch
„äußerlich“ zeigen. Insofern „Stirner“ die Prügel erhält, ist er
Eigner der Prügel, und damit frei vom Nichtgeprügeltwerden,
und diese Freiheit, dies Lossein gehört zu seiner Eigenheit. —
35 Daraus, daß Sankt Sancho ein besonderes Kennzeichen der Eigen¬
heit in den Vorbehalt setzt, bei „der nächsten guten Gelegenheit“
wegzulaufen und in seinem dadurch bewerkstelligten „Frei¬
werden“ „nur die Folge seines vorangegangenen Egoismus“
. (seines, d. h. des mit sich einigen Egoismus) sieht, geht her-
4o vor, daß er sich einbildet, die revolutionierenden Neger von Haiti
und die weglaufenden Neger aller Kolonien hätten nicht sich,
sondern „den Menschen“ befreien wollen. Der Sklave, der den
Entschluß faßt, sich zu befreien, muß schon darüber hinaus sein,
daß die Sklaverei seine „Eigenheit“ ist. Er muß „frei“ von
45 dieser „Eigenheit“ sein. Die „Eigenheit“ eines Individuums
288
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
kann aber allerdings darin bestehen, daß es sich „wegwirft“.
Es hieße „einen fremden Maßstab“ an es legen, wenn „Man“
das Gegenteil behaupten wollte.
Zum Schluß rächt sich Sankt Sancho für seine Prügel durch
folgende Anrede an den „Eigner“ seiner „Eigenheit“, den 5
Sklavenbesitzer: „Mein Bein ist nicht „frei“ von dem Prügel
des Herrn, aber es ist mein Bein, und ist unentreißbar.
Er reiße Mir’s aus und sehe zu, ob er noch mein Bein hat! Nichts
behält er in der Hand, als den — Leichnam meines Beines, der so
wenig mein Bein ist, als ein toter Hund noch ein Hund ist“. P. 208. 10
Er — Sancho, der hier glaubt, der Sklavenbesitzer wolle sein
lebendiges Bein haben, wahrscheinlich zum eignen Ge¬
brauch, — „sehe zu“, was er von seinem „unentreißbaren“ Beine
noch an sich hat. Er behält nichts als den Verlust seines Beines
und ist zum einbeinigen Eigner seines ausgerissenen Beines ge- 15
worden. Wenn er acht Stunden täglich die Tretmühle treten muß,
so ist er es, der mit der Zeit zum Idioten wird, und der Idiotismus
ist dann seine „Eigenheit“. Der Richter, der ihn dazu ver¬
dammt hat, „sehe zu“ ob er noch Sancho’s Verstand „in der Hand
hat“. Damit ist aber dem armen Sancho wenig geholfen. 20
„Das erste Eigentum, die erste Herrlichkeit ist erworben!“
Nachdem unser Heiliger an diesen eines Asketen würdigen
Exempeln den Unterschied zwischen Freiheit und Eigenheit mit
bedeutenden belletristischen Produktionskosten enthüllt hat, er¬
klärt er / (65} [62]/ p.209 ganz unerwartet, daß „zwischen der 25
Eigenheit und Freiheit noch eine tiefere Kluft liegt als die
bloße Wortdifferenz.“ Diese „tiefere Kluft“ besteht darin, daß
die obige Bestimmung der Freiheit unter „mancherlei Wandlun¬
gen“ und „Brechungen“ und vielen „episodischen Einlagen’6
wiederholt wird. Aus der Bestimmung „der Freiheit“ als 30
„des Losseins“ ergeben sich die Fragen: wovon die Menschen
frei werden sollen (p. 209) pp, die Streitigkeiten über dies Wovon
(ibid.) (er sieht hier wieder als deutscher Kleinbürger in dem
Kampfe der wirklichen Interessen nur den Hader um die Be¬
stimmung dieses „Wovon“, wobei es ihm dann natürlich sehr 35
verwundersam ist, daß „der Bürger“ nicht „vom Bürgertum“ frei
werden will, p. 210), dann die Wiederholung des Satzes, daß die
Aufhebung einer Schranke die Position einer neuen Schranke ist
in der Form, daß „der Drang nach einer bestimmten Freihel
stets die Absicht auf eine neue Herrschaft einschließt66, p. 210 40
(wobei wir erfahren, daß die Bourgeois in der Revolution nicht
auf ihre eigne Herrschaft, sondern auf „die Herrschaft des Ge¬
setzes“ ausgingen — siehe oben über den Liberalismus), dann
das Resultat, daß man von Dem nicht los werden will, was Einen
„ganz recht ist, z. B. dem unwiderstehlichen Blick der Geliebten* 45
III. Sankt Max
289
(p. 211). Ferner ergibt sich, daß die Freiheit ein „Phantom“ ist
(p.211), ein „Traum“ (p.212); dann erfahren wir nebenbei,
daß „die Naturstimme“ auch einmal zur „Eigenheit“ (p. 213)
wird, dagegen die „Gottes- und Gewissensstimme“ für „Teufels-
5 werk“ zu halten sei, und dann renommiert er: „Solche heillose
Menschen“ (die das für Teufelswerk halten) „gibt es; wie werdet
Ihr mit ihnen fertig werden?“ (p. 213, 214). Aber nicht die
Natur soll Mich, sondern Ich soll Meine Natur bestimmen, geht
die Rede des mit sich einigen Egoisten. Und mein Gewissen ist
io auch eine „Naturstimmme“. — Bei dieser Gelegenheit ergibt sich
dann auch, daß das Tier „sehr richtige Schritte tut“, (p. 214).
Wir hören weiter, daß die /[62a]/ „Freiheit darüber schweigt, was
nun weiter geschehen soll, nachdem Ich frei geworden bin“,
(p. 215). (Siehe: „Dashohe Lied Salomonis“). Die Opposition
із der obigen „tieferen Kluft“ wird damit beschlossen, daß Sankt
Sancho die Prügelszene wiederholt und sich diesmal etwas deut¬
licher über die Eigenheit ausspricht. „Auch unfrei, auch in
tausend Fesseln geschlagen, bin Ich doch, und Ich bin nicht etwa
erst zukünftig und auf Hoffnung vorhanden, wie die Freiheit, son-
20 dem Ich bin auch als Verworfenster der Sklaven — gegenwärtig.“
(p. 215). Hier stellt er also sich und „die Freiheit“ als
zwei Personen gegenüber, und die Eigenheit wird zum bloßen
Vorhandensein, Gegenwart und zwar der „verworfensten“ Gegen¬
wart. Hier ist die Eigenheit also bloße Konstatierung der persön-
25 liehen Identität. Stirner, der sich bereits oben als „Geheimer-
Polizei-Staat“ konstituierte, wirft sich hier zum Paßbureau auf.
„Es sei ferne“, daß aus „der Welt des Menschen“ „Etwas ver¬
loren gehe“! (Siehe: „Das hohe Lied Salomonis“). — Nach
p.218 kann man auch seine Eigenheit „aufgeben“ durch die „Er-
зо gebenheit“, „Ergebung“, obwohl sie nach dem Obigen nicht auf¬
hören kann, solange man überhaupt vorhanden ist, sei es
auch in noch so „verworfner“ oder „ergebner“ Weise. Oder ist
der „verworfenste“ Sklave nicht der „ergebenste“? Nach einer
der früheren Beschreibungen der Eigenheit kann man seine
35 Eigenheit nur dadurch „aufgeben“, daß man sein Leben auf¬
gibt. — P.218 wird die Eigenheit einmal wieder als die eine
Seite der Freiheit, als Macht, gegen die Freiheit als Lossein,
geltend gemacht, und unter den Mitteln, durch die Sancho seine
Eigenheit zu sichern vorgibt, „Heuchelei“, „Betrug“ (Mittel, die
io Meine Eigenheit anwendet, weil sie sich den Weltverhältnissen
„ergeben“ mußte) usw. angeführt, „denn die Mittel, welche Ich
anwende, richten sich nach dem, was Ich bin“. Wir haben schon
gesehen, daß unter diesen Mitteln die Mittellosigkeit eine
Hauptrolle spielt, wie sich auch wieder bei seinem Prozeß gegen
45 den Mond zeigt (siehe oben, Logik). Dann wird die Freiheit zur
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 19
290
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Abwechslung als „S el b s t b e f r e i un g“ gefaßt, „d.h. daß Ich
nur soviel Freiheit haben kann als Ich durch meine Eigenheit Mi r
verschaffe“, wo die bei allen, namentlich deutschen, Ideologen!
vorkommende /[62b]/ Bestimmung der Freiheit als Selbst¬
bestimmung, als Eigenheit auftritt. Dies wird uns daran 5
klar gemacht, daß es „den Schafen“ nichts „nützt“, „wenn ihnen
die Redefreiheit gegeben wird.“ (p. 220). Wie trivial hier seine
Auffassung der Eigenheit als Selbstbefreiung ist, sieht man schon
aus seiner Wiederholung der bekanntesten Phrasen über oktroy¬
ierte Freiheit, Freilassung, Sich-Freimachen usw. (p. 220, 221). 10
Der Gegensatz zwischen der Freiheit als Lossein und der Eigen¬
heit als Negation dieses Losseins wird nun auch poetisch aus¬
gemalt: „Die Freiheit weckt Euren Grimm gegen Alles, was Ihr
nicht seid“ (sie ist also die grimmige Eigenheit, oder haben
nach Sankt Sancho die bil[i]ösen Naturen, z. B. Guizot, keine/з
„Eigenheit“? Und genieße Ich Mich nicht im Grimm gegen
Andre?), „der Egoismus ruft Euch zur Freude über Euch
selbst, zum Selbstgenusse“ (er ist also die sich freuende Freiheit;
wir haben übrigens die Freude und den Selbstgenuß des mit sich
einigen Egoisten kennen gelernt). „Die Freiheit ist und bleibt eine 20
Sehnsucht“ (als ob die Sehnsucht nicht auch eine Eigenheit, Selbst¬
genuß besonders geformter Individuen, namentlich der christlich¬
germanischen wäre — und soll die Sehnsucht „verloren gehen“?).
„Die Eigenheit ist eine Wirklichkeit, die von selbst soviel Un¬
freiheit beseitigt, als Euch hinderlich den eignen Weg versperrt“ 25
(wo denn, ehe die Unfreiheit beseitigt ist, meine Eigenheit eine
versperrte Eigenheit ist. Für den deutschen Kleinbürger ist
es wieder bezeichnend, daß ihm alle Schranken und Hindernisse
„von selbst“ fallen, da er nie eine Hand dazu rührt und die¬
jenigen Schranken, die nicht „von selbst“ fallen, durch Gewohnheit 30
zu seiner Eigenheit macht. Nebenbei bemerkt tritt hier die Eigen¬
heit als handelnde Person auf, obwohl sie später zur bloßen
Beschreibung des Eigners erniedrigt wird). P. 215.
Dieselbe Antithese erscheint uns wieder in folgender Form:
„Als Eigne seid Ihr wirklich Alles los, und was Euch 35
anhaftet, das habt Ihr angenommen, das ist Eure Wahl und Be¬
lieben. Der Eigne ist der geborne Freie, der Freie dagegen
nur der Freiheitssüchtige“. Obgleich Sankt Sancho p. 252 „zu¬
gibt“, „daß Jeder als Mensch geboren wird, mithin die Neu¬
gebomen darin gleich seien“. — Was Ihr als Eigne nicht „los 40
seid66, das ist „Eure Wahl /[62c] / und Belieben“, wie oben bei dem
Sklaven die Prügel. — Abgeschmackte Paraphrase! — Die Eigen¬
heit reduziert sich also hier auf die Einbildung, daß Sankt Sancho
Alles, was er nicht „los66 ist, aus freiem Willen angenommen und
beibehalten habe, z. B. den Hunger, wenn er kein Geld hat. Abge- 45
III. Sankt Max
291
sehen von den vielen Sachen, z.B. Dialekt, Skrofeln, Hämorrhoiden,
Armut, Einbeinigkeit, Zwang zum Philosophieren durch die Tei¬
lung der Arbeit ihm aufgedrungen ppp — abgesehen davon, daß es
keineswegs von ihm abhängt, ob er diese Sachen „annimmt“ oder
j nicht, so hat er, selbst wenn wir uns für einen Augenblick auf seine
Voraussetzungen einlassen, doch immer nur zwischen bestimmten,
in seinem Bereiche liegenden und keineswegs durch seine Eigen¬
heit gesetzten Dingen zu wählen. Als irischer Bauer hat er z. B. nur
dazwischen zu wählen, ob er Kartoffeln essen oder verhungern will,
10 und auch diese Wahl steht ihm nicht immer frei. Zu bemerken ist
noch in dem obigen Satze die schöne Apposition, wodurch, gerade
wie im Recht, das „Annehmen“ mit der „Wahl“ und dem „Be¬
lieben“ ohne Weiteres identifiziert wird. Was übrigens Sankt
Sancho unter einem „geborenen Freien“ versteht, ist weder in noch
із außer dem Zusammenhänge zu sagen. — Und ist nicht auch ein
ihm eingegebenes Gefühl sein von ihm angenommenes Gefühl?
Und erfahren wir nicht p.84,85, daß die „eingegebnen“ Gefühle
nicht „eigne“ Gefühle sind? Übrigens tritt hier, wie wir bei Klop-
stock (der hier als Beispiel angeführt wird) schon sahen, hervor,
2o daß das „eigne“ Verhalten keineswegs mit dem individuellen Ver¬
halten zusammenfällt; obwohl dem Klopstock das Christentum
„ganz recht“ gewesen zu sein und ihm keineswegs „hinderlich den
Weg versperrt zu haben“ scheint.
„Der Eigner braucht sich nicht erst /{66} [63]/ zu be-
freien, weil er von vom herein Alles außer sich verwirft, ...
Befangen im kindlichen Respekt, arbeitet er gleichwohl schon
daran, sich aus dieser Befangenheit zu „befreien“.“ — Weil der
Eigne sich nicht erst zu befreien braucht, arbeitet er schon
als Kind daran, sich zu befreien, und das Alles, weil er, wie wir
зо sahen, der „geborne Freie“ ist. „Befangen im kindlichen
Respekt“, reflektiert er bereits imbefangen, nämlich eigen, über
diese seine eigne Befangenheit. Doch das darf uns nichts wundem
— wir sahen schon im Anfang des alten Testaments, welch ein
Wunderkind der mit sich einige Egoist war. — „Die Ei gen-
3jheit arbeitet in dem kleinen Egoisten und ver¬
schafft ihm die begehrte „Freiheit“.“ Nicht „Stirner“ lebt,
sondern die „Eigenheit“ lebt, „arbeitet“ und „verschafft“ i n ihm.
Wir erfahren hier, daß nicht die Eigenheit die Beschreibung
des Eigners, sondern der Eigner nur die Umschreibung der
io Eigenheit ist.
Das „Lossein“ war, wie wir sahen, auf seiner höchsten Spitze
das Lossein vom Eignen Selbst. Selbstverleugnung. Wir sahen
ebenfalls, daß er hiergegen die Eigenheit als Behauptung seiner
selbst, als Eigennutz geltend machte. Daß dieser Eigennutz aber
45 selbst wieder Selbstverleugnung war, haben wir auch gesehen. —
19*
292
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Wir vermißten seit einiger Zeit „das Heilige“ schmerzlich. Wir
finden es plötzlich auf p. 224 am Schluß der Eigenheit, ganz ver¬
schämt, wieder, wo es sich mit folgender neuen Wendung legiti¬
miert: „Zu einer Sache, die ich eigennützig betreibe“ (oder auch
gar nicht betreibe), habe Ich ein anderes Verhältnis, als zu 5
einer, welcher Ich uneigennützig diene“ (oder auch welche Ich be¬
treibe) . Noch nicht zufrieden mit dieser merkwürdigen Tautologie,
die Sankt Max aus „Wahl und Belieben“ „angenommen66 hat,
tritt auf ein Mal der längst verschollene „Man66 als die Identität
des Heiligen konstatierender Nachtwächter wieder auf und meint, 10
er „könnte folgendes Erkennungszeichen anführen: Gegen Jene
kann Ich Mich versündigen oder eine Sünde begehen66
(sehenswerte Tautologie!), /[63a]/ „die andre nur verscher¬
zen, von Mir stoßen, Mich darum bringen, d. h. eine Unklugheit
begehen“. (Wobei er sich verscherzen, sich um sich bringen, um 15
sich gebracht — umgebracht werden kann). „Beiderlei Betrach¬
tungsweisen erfährt die Handelsfreiheit, indem sie66 teils
für das Heilige gehalten wird, teils nicht, oder wie Sancho selbst
dies umständlicher ausdrückt, „indem sie teils für eine Freiheit
angesehn wird, welche unter Umständen gewährt oder ent- 20
zogen werden könne, teils für eine solche, die unterallenUm-
ständenheiligzu halten sei“. P. 224, 225. Sancho zeigt hier
wieder eine „eigne66 „Durchschauung“ der Frage von der Han¬
delsfreiheit und den Schutzzöllen. Ihm wird hiermit der „Beruf66
gegeben, einen einzigen Fall aufzuweisen, wo die Handelsfreiheit 25
1) weil sie eine „Freiheit“ ist und 2) „unter allen Um¬
ständen“ „heilig66 gehalten wurde. — Das Heilige ist zu allen
Dingen nütze.
Nachdem, wie wir sahen, die Eigenheit vermittelst der logi¬
schen Antithesen und des phänomenologischen „Auch-anders-Be- зо
stimmtseins“ aus der vorher zurechtgestutzten „Freiheit66 kon¬
struiert war, wobei Sankt Sancho Alles, was ihm gerade Recht
war (z. B. die Prügel) in die Eigenheit, und alles, was ihm nicht
recht war, in die Freiheit „verwarf66, erfahren wir schließlich,
daß dies Alles noch nicht die wahre Eigenheit war. „Die Eigen- 35
heit“, heißt es p. 225, „ist keine Idee, gleich der Freiheit pp,
sie ist nur eine Beschreibung des — Eigners.66 Wir werden
sehen, daß diese „Beschreibung des Eigners66 darin besteht, die
Freiheit in ihren drei von Sankt Sancho untergeschobenen Bre¬
chungen des Liberalismus, Kommunismus und Humanismus zu 40
negieren, in ihrer Wahrheit zu fassen, und diesen, nach der
entwickelten Logik höchst einfachen, Gedankenprozeß die Be¬
schreibung eines wirklichen Ich zu nennen.
III. Sankt Max
293
Das ganze Kapitel von der Eigenheit reduziert sich auf die
allertrivialsten Selbstbeschönigungen, mit denen sich der deutsche
Kleinbürger über seine eigne Ohnmacht tröstet. Er glaubt gerade
wie Sancho, in dem Kampfe der Bourgeoisinteressen gegen die
5 Reste der Feudalität und absoluten Monarchie in andern Ländern
handle es sich nur um die Prinzipienfrage, wovon „der
Mensch“ freiwerden solle. (Siehe auch oben den politischen
Liberalismus). Er sieht daher in der Handelsfreiheit nur eine Frei¬
heit und kannegießert mit vieler Wichtigkeit und ganz wie Sancho
10 darüber, ob „d e r Mensch“ „unter allen Umständen“ Handels¬
freiheit haben müsse oder nicht. Und wenn, wie dies unter diesen
Verhältnissen nicht anders möglich, seine Freiheitsbestrebungen
ein jämmerliches Ende nehmen, so tröstet er sich, abermals wie
Sancho, damit, daß „d e r Mensch“ oder er selber doch nicht „von
із Allem frei werden“ könne, daß die Freiheit ein sehr unbestimm¬
ter Begriff sei, und selbst Metternich und Karl X. an die „wahre
Freiheit“ appellieren konnten (p. 210 „des Buchs“, wobei nur zu
bemerken, daß gerade die Reaktionäre, namentlich die histo¬
rische Schule und die Romantiker, ebenfalls ganz wie Sancho, die
20 wahre Freiheit in die Eigenheit, z. B. der Tiroler Bauern, über¬
haupt in die eigentümliche Entwicklung der Individuen und weiter
der Lokalitäten, Provinzen und Stände setzen) — und daß er als
Deutscher, wenn er auch nicht frei sei, doch durch seine unbestreit¬
bare Eigenheit für alle Leiden entschädigt werde. Er sieht, noch
25 einmal wie Sancho, nicht in der Freiheit eine Macht, die er sich
verschafft, und erklärt daher seine Ohnmacht für eine Macht.
Was der gewöhnliche deutsche Kleinbürger in aller Stille des
Gemütes sich leise zum Tröste sagt, posaunt der Berliner als geist¬
reiche Wendung laut aus. Er ist stolz auf seine lumpige Eigenheit
30 und eigne Lumperei.
/ {67} [63b]/ 5. Der Eigner
Wie „der Eigner“ in die drei „Brechungen“: „Meine Macht“,
„Mein Verkehr“ und „Mein Selbstgenuß“ auseinanderfällt, dar¬
über siehe die Ökonomie des Neuen Bundes. Wir gehen gleich
35 zur ersten dieser Brechungen über.
A.MeineMacht
Das Kapitel von der Macht ist wieder trichotomisch gegliedert,
indem 1) Recht, 2) Gesetz und 3) Verbrechen darin abgehandelt
294
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
werden — eine Trichotomie, zu deren sorgsamer Verdeckung
Sancho die „Episode“ überaus häufig anwendet. Wir werden das
Ganze tabellarisch, mit den nötigen episodischen Einlagen, be¬
handeln.
I. DasRecht
5
A. Kanonisation im Allgemeinen:
Ein anderes Beispiel des Heiligen ist das Recht.
Das Recht ist nicht Ich
= Nicht Mein Recht
= das fremde Recht
= das bestehende Recht.
Alles bestehende Recht = Fremdes Recht
= Recht von Fremden (nicht von
Mir.)
= von Fremden gegebnes Recht.
= (Recht, welches man Mir gibt,
Mir widerfahren läßt.) p.244,45.
10
Q-
Cd
cn
Note No I. Der Leser wird sich wundem, warum der Nach¬
satz von Gleichung No 4 in Gleichung No 5 plötzlich als Vorder¬
satz zum Nachsatze von Gleichung No 3 auftritt und so an die 20
Stelle „des Rechtes“ auf Einmal „Alles bestehende Recht“ als
Vordersatz tritt. Dies geschieht, um den Schein hervorzubringen,
als spreche Sankt Sancho vom wirklichen, bestehenden Recht,
was ihm indes keineswegs einfällt. Er spricht vom Recht nur, in¬
sofern es als heiliges „Prädikat“ vorgestellt wird. 25
Note N о 2. Nachdem das Recht als „fremdes Recht“ be¬
stimmt ist, können ihm nun beliebige Namen gegeben werden,
als „sultanisches Recht“, „Volksrecht“ pp, jenachdem Sankt
Sancho gerade den Fremden bestimmen will, von dem er es erhält.
Es kann dann weiter gesagt werden, daß das „fremde Recht von зо
Natur, Gott, Volkswahl pp gegeben“ sei (p. 250), also „nicht von
Mir“. Naiv ist nur die Art, wie unser Heiliger vermittelst der Syno¬
nymik in die obigen simpeln /[63c]/ Gleichungen den Schein einer
Entwicklung zu bringen sucht.
„Wenn ein Dummkopf Mir Recht gibt“ (wenn nun der Dumm- 35
köpf, der ihm Recht gibt, er selber wäre?) „so werde Ich mi߬
trauisch gegen mein Recht“ (es wäre in „Stimers“ Interesse zu
wünschen, daß dies der Fall gewesen wäre). „Aber auch wenn ein
Weiser Mir Recht gibt, habe Ich’s drum doch noch nicht. Ob Ich
Recht habe, ist völlig unabhängig von dem Rechtgeben der Toren 40
und Weisen. Gleichwohl haben Wir bis jetzt nach diesemRecht
III. Sankt Max
295
5
10
15
20
25
30
35
40
getrachtet. Wir suchen Recht und wenden uns zu diesem Zweck
ans Gericht . . . Was suche Ich also bei diesem Gericht? Ich
suche sultanisches Recht, nicht mein Recht, Ich suche fremdes
Recht... vor einem Oberzensurgericht also das Recht der Zensur“.
P. 244,245.
In diesem meisterhaften Satze ist zu bewundern die schlaue An¬
wendung der Synonymik. Recht geben in der gewöhnlichen Kon¬
versationsbedeutung und Rechtgeben in der juristischen Bedeu¬
tung werden identifiziert. Noch bewunderungswürdiger ist der
Berge versetzende Glaube, als ob man sich „ans Gericht wende64
des Vergnügens halber, Recht zu behalten — ein Glaube, der die
Gerichte aus der Rechthaberei erklärt. Endlich ist noch die Pfiffig¬
keit bemerkenswert, womit Sancho, wie oben bei Gleichung 5, den
konkreteren Namen, hier das „sultanische Recht66, vorher ein¬
schmuggelt, um seine allgemeine Kategorie: „fremdes Recht66,
nachher desto /[64]/ sicherer anbringen zu können.
Fremdes Recht = Nicht Mein Recht.
Mein Fremdes Recht haben = Nicht Recht haben
= Kein Recht haben
= die Rechtlosigkeit haben
(p.247).
Mein Recht = Nicht Dein Recht
= DeinUnrecht.
Dein Recht = Mein Unrecht.
Note. „Ihr wollt gegen die Andern im Rechte sein“ (soll hei¬
ßen in Eurem Rechte sein). „Das könnt Ihr nicht, gegen sie bleibt
Ihr ewig „im Unrecht“; denn sie wären ja Eure Gegner nicht,
wenn sie nicht auch in „ihrem66 Rechte wären. Sie werden Euch
stets „Unrecht geben“ . . . Bleibt Ihr auf dem Rechtsboden, so
bleibt Ihr bei der — Rechthaberei“. P. 248, 253. —
„Fassen Wir inzwischen die Sache noch anders“. Nachdem
Sankt Sancho so seine Kenntnisse vom Recht hinlänglich dokumen¬
tiert hat, kann er sich jetzt darauf beschränken, das Recht nochmals
als das Heilige zu bestimmen und bei dieser Gelegenheit einige der
dem Heiligen bereits vorhin gegebenen Beiwörter mit dem Zusatze:
„Das Recht“ zu wiederholen.
/[64a]/„Ist das Recht nicht ein religiöser Begriff, d.h.
etwas Heilige s?“ p. 247.
„Wer kann, wenn er sich nicht auf dem religiösen Stand¬
punkte befindet, nach dem „Rechte66 fragen?“ ibid.
„Recht „an und für s i ch“. Also ohne Beziehung auf Mich?
„Absolutes Recht“! Also getrennt von Mir. — Ein „an und
für sich seiendes!66 — Ein Absolutes! Ein ewiges
Recht, wie eine ewige Wahrheit66 — das Heilige. P. 270.
296
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Ihr schreckt vor den Andern zurück, weil Ihr neben ihnen das
Gespenst des Rechts zu sehen glaubt!“ p. 253.
„Ihr schleicht umher, um den Spuk für Euch zu gewinnen.“
ibid.
„Recht ist ein Sparren, erteilt von einem Spuk“ (Synthese з
obiger zwei Sätze) p. 276.
„Das Recht ist .. . eine fixe Idee.“ p. 270.
„Das Recht ist der G e i s t . . .“ p. 244.
„Weil Recht nur von einem Geiste erteilt werden kann“.
P. 275. ю
Jetzt entwickelt Sankt Sancho nochmals, was er bereits im
Alten Testament entwickelte — nämlich was eine „fixe Idee“ ist,
nur mit dem Unterschiede, daß hier überall „das Recht“ als „ein
anderes Beispiel“ der „fixen Idee“ dazwischenläuft.
„Das Recht ist ursprünglich Mein Gedanke, oder er“ (!) „hat 15
seinen Ursprung in Mir. Ist er aber aus Mir entsprungen“ (vulgo
durchgebrannt), „ist das „Wort“ heraus, so ist es Fleisch ge¬
worden“ (woran Sankt Sancho sich satt essen mag), „eine fixe
Idee“ — weshalb das ganze Stimersche Buch aus „fixen Ideen“
besteht, die „aus“ ihm „entsprungen“, von uns aber wieder ein- 20
gefangen und in das vielbelobte „Sittenverbesserungshaus“ ge¬
sperrt worden sind. „Ich komme nun von dem Gedanken nicht
mehr los“; (nachdem der Gedanke von ihm los geworden!)
„wie Ich Mich drehe, er steht vor Mir.“ (Der Zopf der hängt ihm
hinten). „So sind die Menschen des Gedankens „Recht“, den sie 25
selber erschufen, nicht wieder Meister geworden. Die Kreatur geht
mit ihnen durch. Das ist das absolute Recht, das von Mir
absolvierte“ (o Synonymik) „und abgelöste. Wir können
es, indem wir’s als Absolutes verehren, nicht wieder / {68} Г 64b]/
aufzehren, und es benimmt Uns die Schöpferkraft, das Geschöpf зи
ist mehr als der Schöpfer, ist an und für sich. Laß das Recht ein¬
mal nicht mehr frei umherlaufen . . .“ (wir werden diesen Rat
gleich mit diesem Satze befolgen und ihn hier bis zur weiteren
Verfügung an die Kette legen) p. 270.
Nachdem Sankt Sancho so das Recht durch alle möglichen Was- 35
ser- und Feuerproben der Heiligung hindurchgeschleift und kano¬
nisiert hat, hat er es damit vernichtet.
„Mit dem absoluten Recht vergeht das Recht selbst,
wird die Herrschaft des Rechtsbegriffs“ (die Hier¬
archie), „zugleich getilgt. Denn es ist nicht zu vergessen, daß 40
seither Begriffe, Ideen, und Prinzipien Uns beherrschten, und daß
unter diesen Herrschern der Rechtsbegriff oder der Begriff
der Gerechtigkeit eine der bedeutendsten Rollen spielte.“ p. 276.
Daß die rechtlichen Verhältnisse hier wieder als Herrschaft des
Rechts b e g r i f f s auftreten, und daß er das Recht schon dadurch 45
III. Sankt Max
297
tötet, daß er es für einen Begriff und damit für das Heilige er¬
klärt, das sind wir gewohnt, und darüber siehe die „Hierarchie“.
Das Recht entsteht nicht aus den materiellen Verhältnissen der
Menschen und ihrem daraus entstehenden Widerstreit unter ein-
5 ander, sondern aus ihrem Widerstreit mit ihrer Vorstellung, die
sie sich „aus dem Kopfe zu schlagen“ haben. Siehe „Logik“.
Zu dieser letzten Form der Kanonisation des Rechts gehören
noch folgende drei Noten.
Note 1. — „Solange dies fremde Recht mit dem Meini¬
ngen übereinstimmt, werde Ich freilich auch das Letztere bei
ihm finden“. P. 245. Über diesen Satz möge Sankt Sancho vorläufig
nachdenken.
Note 2. — „Schlich sich einmal ein egoistisches Inter¬
esse ein, so war die Gesellschaft verdorben, . . . wie z. B. das
io Römertum beweist mit seinem ausgebildeten Privat rech t.“
p. 278. — Hiernach mußte die römische Gesellschaft von vom
herein die verdorbene römische Gesellschaft gewesen sein, da
in den zehn Tafeln das egoistische Interesse noch viel krasser her¬
vortritt als in dem „ausgebildeten Privatrecht“ der Kaiserzeit. In
2o dieser unglücklichen Reminiszenz aus Hegel wird also das Privat-
recht als ein Symptom des Egoismus, und nicht des Hei¬
ligen, aufgefaßt. Sankt Sancho möge auch hier nachdenken,
/[64c]/ inwiefern das Privat recht mit dem Privateigentum
zusammenhängt und inwiefern mit dem Privatrecht eine ganze
25 Masse anderer Rechtsverhältnisse gegeben sind (Vergl. „Privat¬
eigentum, Staat und Recht“), von denen Sankt Max nichts zu sagen
weiß als daß sie das Heilige seien.
Note 3. — „Wenn das Recht auch aus dem Begriffe
kommt, so tritt es doch nur in die Existenz, weil es nütz-
30 1 І c h für die Bedürfnisse ist“. — So Hegel (Rechtsphil. § 209,
Zusatz) — von dem unsrem Heiligen die Hierarchie der Begriffe
in der modernen Welt überkommen ist. Hegel erklärt also die
Existenz des Rechtes aus den empirischen Bedürfnissen
der Individuen, und rettet den Begriff nur durch eine einfache
35 Versicherung. Man sieht, wie unendlich materialistischer Hegel
verfährt, als unser „leibhaftiges Ich“, Sankt Sancho.
B. Aneignung durch einfache Antithese:
— Das Recht Meiner.
— Das egoistische Recht.
| |Mein Recht = von Mir be-
I l rechtigt sein.
j— [Recht ist, was mir recht ist.
a. Das Recht des Menschen
b. Das menschliche Recht
4o c. Fremdes Recht = von
Fremden berechtigt sein
d. Recht ist, was dem Men¬
schen recht ist.
298
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Dies ist das egoistische Recht, d. h. Mir ists so recht, darum
ist es Recht.“ (passim, letzter Satz p. 251.)
Note 1. — „Ich bin durch Mich berechtigt zu morden, wenn
Ich Mir’s selbst nicht verbiete, wenn Ich selbst Mich nicht vorm
Morde, als vor einem Unrechte, fürchte“. P. 249. Muß heißen: 5
Ich morde, wenn Ich Mir’s selbst nicht verbiete, wenn Ich Mich
nicht vorm Morde fürchte. Dieser ganze Satz ist eine renom-
mistische Ausfüllung der zweiten Gleichung in Antithese c, wo das
„berechtigt“ den Sinn verloren hat.
Note 2. — „Ich entscheide, ob es in Mir das Rechte ist; io
а u ß e r M i r gibt es kein Recht.“ p. 249. — „Sind wir das, was
in uns ist? Sowenig als das, was außer uns ist . . . Gerade weil
Wir nicht der Geist sind, der i n u n s wohnt, gerade darum mußten
wir ihn außer uns versetzen . . . außeruns existierend den¬
ken . . . imjenseit s.“ p. 43. 15
/[65]/ Nach seinem eignen Satze von p. 43 also muß Sankt
Sancho das Recht „in ihm“ wieder „außer sich“ und zwar „ins
Jenseits“ versetzen. Will er aber einmal nach dieser Manier sich
aneignen, so kann er die Moral, die Religion, das ganze „Heilige“
„in sich“ versetzen, und entscheiden, ob es „in ihm“ das Mora- 20
lische, das Religiöse, Heilige ist; „außer ihm gibt es keine“ Moral,
Religion, Heiligkeit, um sie alsdann nach p. 43 wieder außer sich,
ins Jenseits zu versetzen. Womit die „Wiederbringung aller Dinge“
nach christlichem Vorbild hergestellt ist.
Note 3. „Außer Mir gibt es kein Recht. Ist es Mir Recht, so ist 25
es recht. Möglich, daß es darum den Andern noch nicht recht ist.“
p. 249. Soll heißen: Ist es Mir recht, so ist es Mir recht, noch nicht
den Andern. Wir haben jetzt Exempel genug davon gehabt, welche
synonymische „Flohsprünge“ Sankt Sancho mit dem Worte:
„Recht“ vomimmt. Recht und recht, das juristische „Recht“, das зо
moralische „Rechte“, das, was ihm „recht“ ist, usw., werden
durcheinander gebraucht, wie es gerade konveniert. Sankt Max
möge versuchen, seine Sätze über das Recht in irgend einer andern
Sprache wiederzugeben, wo der Unsinn vollständig an den Tag
kommt. Da in der Logik diese Synonymik ausführlich behandelt 35
wurde, so brauchen wir hier bloß darauf zu verweisen.
Derselbe obige Satz wird noch in folgenden drei „Wandlun¬
gen“ vorgebracht:
A. „Ob Ich Recht habe oder nicht, darüber gibt es keinen
andern Richter als Mich selbst. Darüber nur können Andre urtei-
len und richten, ob sie Meinem Rechte beistimmen und ob es auch
für sie als Recht besteht.“ p. 246.
B. „Die Gesellschaft will zwar haben, daß Jeder zu seinem
Rechte komme, aber doch nur zu dem von der Gesellschaft sank¬
tionierten, dem Gesellschaftsrechte, nicht wirklich zu seinem^'
III. Sankt Max
299
Rechte“ (soll heißen: zu Seinem; — Recht ist hier ein ganz
nichtssagendes Wort. Und nun renommiert er weiter:) „Ich aber
gebe oder nehme Mir das Recht aus eigner Machtvollkommen¬
heit . . . Eigner und Schöpfer Meines Rechts“, („Schöpfer66 nur
5 insofern er erst das Recht für seinen Gedanken erklärt und dann
diesen Gedanken in sich zurückgenommen zu haben versichert)
„erkenne Ich keine andre Rechtsquelle als — Mich, weder Gott,
noch den Staat, noch die Natur, noch den Menschen, weder gött¬
liches noch menschliches Recht.66 p. 269.
іо / Гб5а]/ C. „Da das menschliche Recht immer ein Gegebenes
ist, so läuft es in der Wirklichkeit immer auf das Recht hinaus,
welches die Menschen einander geben, d. h. ein räum en.66
p. 251. Das egoistische Recht dagegen ist das Recht, was I ch M i г
gebe, oder nehme. „Es kann“ indessen, „um hiermit zu
15 schließen, einleuchten66, daß das egoistische Recht im Sanchoschen
Millenium, worüber man sich gegenseitig „verständigt“, von
dem nicht sehr verschieden ist, was man sich gegenseitig „gi bt“
oder „ein räumt66.
Note 4. — „Zum Schlüsse muß Ich nun noch die halbe Aus-
2o drucksweise zurücknehmen, von der Ich nur solange Gebrauch
machen wollte, als Ich in den Eingeweiden des Rechts wühlte,
und das Wort wenigstens bestehen ließ. Es verliert aber in der
Tat mit dem Begriffe auch das Wort seinen Sinn. Was Ich Mein
Recht nannte, das ist gar nicht mehr Recht.“ p. 275. Warum
25 Sankt Sancho in den obigen Antithesen „das Wort“ Recht be¬
stehen ließ, sieht Jeder auf den ersten Blick. Da er nämlich vom
Inhalt des Rechts gar nicht spricht, noch weniger ihn kritisiert,
so kann er sich nur durch die Beibehaltung des Wortes Recht
den Schein geben, als spräche er vom Recht. Läßt man das Wort:
зо Recht in der Antithese weg, so ist Nichts darin gesagt, als „Ich“,
„Mein“ und die übrigen grammatikalischen Pronominalformen
der ersten Person. Der Inhalt kam auch immer erst durch die Bei¬
spiele herein, die aber, wie wir sahen, nichts als Tautologien waren
wie: Wenn Ich morde, so morde ich usw., und in denen die Worte
35 „Recht“, „berechtigt“ pp bloß deshalb untergebracht wurden, um
die einfache Tautologie zu verdecken und mit den Antithesen in
irgend eine Verbindung zu bringen. Auch die Synonymik hatte
diesen Beruf, den Schein hervorzubringen, als handle es sich um
irgend einen Inhalt. Man sieht übrigens sogleich, welch eine reich-
4o haltige Fundgrube der Renommage dieses inhaltslose Ge¬
schwätz über das Recht liefert. — Das ganze „Wühlen in den Ein¬
geweiden des Rechts“ bestand also darin, daß Sankt Sancho von
„der halben Ausdrucksweise Gebrauch machte66 und „das Wort
wenigstens bestehen ließ“, weil er von der Sache gamichts zu
45 sagen wußte. Wenn die Antithese irgend einen Sinn haben soll,
300
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
d. h. wenn „Stirner“ in ihr einfach seinen Widerwillen gegen das
Recht / {69} [65b]/ manifestieren wollte, so ist vielmehr zu sagen,
daß nicht er „in den Eingeweiden des Rechts“, sondern das Recht
in seinen Eingeweiden „wühlte“, daß er nur zu Protokoll gab,
daß das Recht Ihm nicht recht sei. „Halte Er sich dies Recht un- 5
verkümmert“, Jacques le bonhomme! —
Damit in diese Leerheit irgend ein Inhalt hereinkomme, muß
Sankt Sancho noch ein andres logisches Manöver vornehmen, das
er mit vieler „Virtuosität“ mit der Kanonisation und der einfachen
Antithese gehörig durcheinander würfelt und mit häufigen Epi- io
soden vollends so verdeckt, daß das deutsche Publikum und die
deutschen Philosophen es allerdings nicht durchschauen konnten.
C. Aneignung durch zusammengesetzte Antithese
„Stirner“ muß jetzt eine empirische Bestimmung des Rechts
hereinbringen, die er dem Einzelnen vindizieren kann, d. h. er muß is
in dem Recht noch etwas Anderes als die Heiligkeit anerkennen. Er
hätte sich hierbei seineganzen schwerfälligen Machinationen sparen
können, da seit Macchiavelli, Hobbes, Spinoza, Bodinus pp in der
neueren Zeit, von den Früheren gar nicht zu reden, die Macht als
die Grundlage des Rechtes dargestellt worden ist; womit die theo- 20
retische Anschauung der Politik von der Moral emanzipiert und
weiter nichts als das Postulat einer selbstständigen Behandlung der
Politik gegeben war. Später, im achtzehnten Jahrhundert in
Frankreich und im neunzehnten in England, wurde das gesamte
Recht auf das Privatrecht, wovon Sankt Max nicht spricht, und 25
dies auf eine ganz bestimmte Macht, die Macht der Privateigen¬
tümer, reduziert, wobei man sich aber keineswegs mit der bloßen
Phrase begnügte.
Sankt Sancho nimmt sich also die Bestimmung: Macht aus
dem Recht heraus und verdeutlicht sie sich an Folgendem: зо
„Wir pflegen die Staaten nach der verschiedenen Art, wie die
„höchste Gewalt“ verteilt ist, zu klassifizieren . . . also die
höchste Gewalt! Gewalt gegen wen? Gegen den Einzelnen . . . der
Staat übt Gewalt . . . des Staats Betragen ist Gewalttätig¬
keit, und seine Gewalt /[65c]/ nennt er R ech t ... Die Gesamt- 35
heit . . . hat eine Gewalt, welche berechtigt genannt, d.h. welche
Recht ist“. P. 259, 260.
Durch „Unser“ „Pflegen“ kommt unser Heiliger zu seiner er¬
sehnten Gewalt und kann sich nun selber „pflegen“.
Recht, die Macht des Men-1 L, , , n i.ir- 40
selben J I Macht, das Recht Meiner.
III. Sankt Max
301
Zwischengleichungen:
Berechtigt sein = Ermächtigt sein
Sich berechtigen = Sich ermächtigen
Antithese:
5 Vom Menschen berechtigt sein — Von Mir ermächtigt sein.
Die erste Antithese:
Recht, Macht des Menschen —Macht, Recht Meiner
verwandelt sich jetzt in:
i i i (Macht Meiner,
Recht des Menschen — л/г л м n f
(M eine Macht,
jo da in der These Recht und Macht identisch sind und in der Anti¬
these die „halbe Ausdrucksweise“ „zurückgenommen“ werden
muß, nachdem das Recht „allen Sinn verloren“ hat, wie wir ge¬
sehen haben.
Note 1. Proben bombastischer und renommistischer Umschrei-
15 bung obiger Antithesen und Gleichungen:
„Was Du zu sein die Macht hast, dazu hast Du das Recht.64 —
„Ich leite alles Recht und alle Berechtigung aus M i r her, Ich
bin zu Allem berechtigt, dessen Ich mächtig bin.“ —
„Ich fordere kein Recht, darum brauche Ich auch keins anzu-
2o erkennen. Was Ich Mir zu erzwingen vermag, erzwinge Ich Mir,
und was Ich nicht erzwinge, darauf habe Ich auch kein Recht pp.
— Berechtigt oder unberechtigt — darauf kommt Mir’s nicht an;
bin Ich nur mächtig, so bin ich schon von selbst ermäch¬
tigt, und bedarf keiner andern Ermächtigung oder Berechti-
25 gung.“ p. 248, 275.
Note 2. — Proben von der Art, wie Sankt Sancho die Macht als
die reale Basis des Rechts entwickelt:
„So sagen „die66 Kommunisten“: (woher nur „Stimer“ das
alles weiß, was die Kommunisten sagen, da er außer dem Blunt-
3o schlibericht, BeckersVolksphilosophie und einigen wenigen andern
Sachen Nichts von ihnen zu Gesichte bekommen hat?) „Die gleiche
Arbeit berechtige die Menschen zu /[66]/ gleichem Genüsse ...
Nein, die gleiche Arbeit berechtigt Dich nicht dazu, sondern der
gleiche Genuß allein berechtigt Dich zum gleichen Genuß. Ge-
35 nieße, so bist Du zum Genuß berechtigt . . . Wenn Ihr den Genuß
nehmt, so ist er Euer Recht; schmachtet Ihr hingegen nur danach,
ohne zuzugreifen, so bleibt er nach wie vor ein „wohlerworbnes
Recht66 Derer, welche für den Genuß privilegiert sind. Er ist ihr
Recht, wie er durch Zugreifen Euer Recht wird.66 p. 250.
4o Über das, was hier den Kommunisten in den Mund gelegt wird,
vergleiche man oben den „Kommunismus“. Sankt Sancho unter¬
stellt hier wieder die Proletarier als eine „geschlossene Gesell-
302
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
schäft“, die nur den Beschluß des „Zugreifens“ zu fassen habe,
um am nächsten Tage der ganzen bisherigen Weltordnung sum¬
marisch ein Ende zu machen. Die Proletarier kommen aber in der
Wirklichkeit erst durch eine lange Entwicklung zu dieser Einheit,
einer Entwicklung, in der der Appell an ihr Recht auch eine Rolle з
spielt. Dieser Appell an ihr Recht ist übrigens nur ein Mittel, sie
zu „Sie“, zu einer revolutionären, verbündeten Masse zu machen.
— Was den Satz im Übrigen angeht, so bildet er von Anfang bis
zu Ende ein brillantes Exempel der Tautologie, wie sogleich klar
wird, wenn man, was unbeschadet des Inhalts geschehen kann, so- 10
wohl Macht wie Recht herausläßt. Zweitens macht Sankt Sancho
selbst den Unterschied zwischen persönlichem und sachlichem
Vermögen, womit er also zwischen Genießen und Macht zu ge¬
nießen unterscheidet. Ich kann große persönliche Macht
(Fähigkeit) zum Genießen haben, ohne daß ich darum auch die и
sachliche Macht (Geld pp) zu haben brauche. Mein wirk¬
liches „Genießen“ ist also noch immer hypothetisch.
„Daß das Königskind sich über andre Kinder stellt“, fährt der
Schulmeister fort in seinen für den Kinderfreund passenden
Exempeln, „das ist schon seine Tat, die ihm den Vorzug sichert, 20
und daß die andern Kinder diese Tat billigen und anerkennen,
das ist ihre Tat, die sie würdig macht, Untertanen zu sein.“
p. 250.
/[66a]/ In diesem Exempel wird das gesellschaftliche Verhält¬
nis. in dem ein Königskind zu andern Kindern steht, als die Macht, 25
und zwar persönliche Macht des Königskindes und als die
Ohnmacht der andern Kinder gefaßt. Will man es einmal als die
„T at“ der andern Kinder fassen, daß sie sich von dem Königs¬
kinde kommandieren lassen, so beweist dies höchstens, daß sie
Egoisten sind. „Die Eigenheit arbeitet in den kleinen Egoisten64 jo
und treibt sie dazu, das Königskind zu exploitieren, einen Vorteil
von ihm zu erhaschen.
„Man“ (Hegel nämlich) „sagt, die Strafe sei das Recht des
Verbrechers. Allein die Straflosigkeit ist ebenso sein Recht. Ge¬
lingt ihm sein Unternehmen, so geschieht ihm Recht, und gelingt 35
es nicht, so geschieht ihm gleichfalls Recht. Begibt sich Jemand
tollkühn in Gefahren und kommt er darin um, so sagen wir wohl:
es geschieht ihm recht, er hat es nicht besser gewollt. Besiegt er
aber die Gefahren, d. h. siegt seine Macht, so hätte er auch
Recht. Spielt ein Kind mit dem Messer und schneidet sich, so 40
geschieht ihm recht; aber schneidet sichs nicht, so geschieht ihm
auch recht. Dem Verbrecher widerfährt daher wohl Recht, wenn
er leidet, was er riskierte; warum riskiert ers auch, da er die mög¬
lichen Folgen kannte?“ p. 255.
In dem Schluß dieses Satzes, in der Frage an den Verbrecher: 45
HL Sankt Max
303
Warum ers auch riskierte, wird der schulmeisterliche Unsinn des
ganzen latent. Ob einem Verbrecher Recht geschieht, wenn er
beim Einsteigen in ein Haus fällt und das Bein bricht, ob einem
Kinde, wenn es sich schneidet — bei diesen wichtigen Fragen, die
5 nur einen Sankt Sancho beschäftigen können, kommt also nur her¬
aus, daß hier der Zuf all für meine Macht erklärt wird. Also
im ersten Beispiel war Mein Tun, im zweiten das von mir un¬
abhängige gesellschaftliche Verhältnis, im dritten der Zufall
„Meine Macht“. Doch diese widersprechenden Bestimmungen
10 haben wir schon bei der Eigenheit gehabt.
Zwischen die obigen kinderfreundlichen / (70) [66b]/ Exempel
legt Sancho noch folgendes erheiterndes Zwischenschiebsel ein:
„Sonst eben hat das Recht eine wächserne Nase. Der
Tiger, der Mich anfällt hat Recht, und Ich, der ihn niederstößt,
jo hat auch Recht. Nicht Mein Recht wahre Ich gegen ihn, sondern
Mich.“ p. 250.
Im Vordersatz stellt sich Sankt Sancho in ein Rechtsverhältnis
zum Tiger, und im Nachsatz fällt ihm ein, daß doch im Grunde
kein Rechtsverhältnis stattfindet. Darum „eben hat das Recht
2o eine wächserne Nase66. Das Recht „des Menschen66 löst sich auf
in das Recht „d e s Tigers“. —
Hiermit ist die Kritik des Rechts beendet. Nachdem wir aus
hundert früheren Schriftstellern längst wußten, daß das Recht aus
der Gewalt hervorgegangen sei, erfahren wir noch von Sankt
25 Sancho, daß „das Recht66 „die Gewalt des Menschen66 ist, womit er
alle Fragen über den Zusammenhang des Rechts mit den wirk¬
lichen Menschen und ihren Verhältnissen glücklich beseitigt
und seine Antithese zu Stande gebracht hat. Er beschränkt sich
darauf, das Recht als das aufzuheben, als was er es setzt, nämlich
зо als das Heilige, d. h. das Heilige aufzuheben und das Recht stehen
zu lassen.
Diese Kritik des Rechts ist mit einer Menge von Episoden ver¬
ziert, nämlich mit allerlei Zeug, wovon bei Stehely Nachmittags
von 2—4 gesprochen zu werden „pflegt66.
35 E p i s o d e 1. — „M e n sch e n r e ch t“ und „w ohlerworb-
nes Recht“. „Als die Revolution die „Gleichheit66 zu einem
„Rechte stempelte, flüchtete sie ins religiöse Gebiet, in die
Region des Heiligen, des Ideals. Daher seitdem der
Kampf um die heiligen, unveräußerlichen Menschenrechte. Gegen
4o das ewige Menschenrecht wird ganz natürlich und gleichberechtigt
das „wohlerworbne Recht des Bestehenden66 geltend gemacht;
Recht gegen Recht, wo natürlich Eins vom Andern als Unrecht ver¬
schrieen wird. Das ist der Rechtsstreit seit der Revolution.66 p. 248.
Zuerst wird wiederholt, [66c]/ daß die Menschenrechte „das Hei-
45 lige“ sind, und daher seitdem der Kampf um die Menschenrechte
304
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
stattfindet. Womit Sankt Sancho bloß beweist, daß die materielhe
Basis dieses Kampfes ihm heilig, d.h. fremd geblieben ist. —
Weil „Menschenrecht“ und „wohlerworbnes Recht“ Beides
„Rechte“ sind, so sind sie „gleichberechtigt“, und zwar hier iiin
historischen Sinn „berechtigt“. Weil Beides im jur ist i - 5
sehen Sinn „Rechte“ sind, darum sind sie im historischem
Sinn „gleichberechtigt“. In dieser Weise kann man Alles in kür¬
zester Frist abmachen, ohne etwas von der Sache zu wissen, umd
z. B. bei dem Kampfe um die Komgesetze in England sagen: gegem
den Profit (Vorteil) „wird dann ganz natürlich und gleichberechi- 10
tigt“ die Rente, die auch Profit (Vorteil) ist, „geltend gemacht6’.
Vorteil gegen Vorteil, „wo natürlich Eins vom Andern ver¬
schrieen wird. Das ist der Kampf“ um die Komgesetze seit 1815
in England. — Übrigens konnte Stirner von vom herein sagen:
Das bestehende Recht ist das Recht des Menschen, das Men-15
schenrecht. Man „pflegt“ es auch, von gewisser Seite her, „wohl¬
erworbnes Recht“ zu nennen. Wo bleibt also der Unterschied zwi¬
schen „Menschenrecht“ und „wohlerworbnem Recht“.
Wir wissen schon, daß das fremde, heilige Recht das ist, was
mir von Fremden gegeben wird. Da nun die Menschenrechte auch 20
die natürlichen angebomen Rechte genannt werden und bei Sankt
Sancho der Name die Sache selbst ist, so sind sie also die mir von
der Natur, d. h. der Geburt gegebenen Rechte. Aber „die wohl¬
erworbnen Rechte kommen auf dasselbe hinaus, nämlich auf
die Natur, welche Mir ein Recht gibt, d. h. die Geburt und 25
weiter die Erbschaft“ und so weiter. „Ich bin als Mensch ge¬
boren ist gleich: Ich bin als Königssohn geboren.“ p. 249, 250,
wo denn auch dem Babeuf der Vorwurf gemacht wird, daß er nicht
dies dialektische Talent der Auflösung des Unterschiedes besessen
habe. Da „Ich“ „unter allen Umständen“ „auch“ Mensch ist, wie зо
Sankt Sancho später konzediert und diesem Ich daher „auch“ das,
was es als Mensch hat, zu Gute kommt, wie ihm z. B. als Berliner
der berliner Tiergarten zu Gute kommt, so kommt ihm „auch“
das Menschenrecht „unter allen Umständen“ zu gut. Da er aber
keineswegs „unter allen Umständen66 als „Königssohn“ geboren зз
ist, kommt ihm das „wohlerworbne Recht“ keineswegs „unter allen
Umständen“ zu Gute. Auf dem Rechtsboden ist daher ein wesent¬
licher Unterschied zwischen „Menschenrecht“ und „wohlerworb¬
nem Recht“. Hätte er nicht seine Logik verdecken müssen, /[67]/
so „war hier zu sagen66: Nachdem Ich den Rechtsbegriff aufgelöst40
zu haben meine, in der Weise, wie Ich überhaupt aufzulösen
„pflege66, so ist der Kampf um diese beiden speziellen Rechte ein
Kampf innerhalb eines von Mir in Meiner Meinung aufgelösten
Begriffes und braucht „daher“ von Mir gamicht weiter berührt
zu werden. — Zur Vermehrung der Gründlichkeit hätte Sankt 45
ІП. Sankt Max
305
Sancho noch folgende neue Wendung hinzufiigen können: Auch
das Menschenrecht ist erworben, also wohl erworben,
und das wohlerworbne Recht ist von Menschen besessenes,
menschliches, Menschenrecht. — Daß man übrigens solche
5 Begriffe, wenn man sie von der ihnen zu Grunde liegenden empi¬
rischen Wirklichkeit trennt, wie einen Handschuh umdrehen kann,
ist bereits von Hegel ausführlich genug bewiesen, bei dem diese
Methode den abstrakten Ideologen gegenüber berechtigt war. Sankt
Sancho braucht sie also nicht erst durch seine „unbeholfenen66
10 „Machinationen66 lächerlich zu machen.
Bis jetzt „liefen66 das wohlerworbne und das Menschenrecht
„auf dasselbe hinaus66, damit Sankt Sancho einen außer sei¬
nem Kopf in der Geschichte existierenden Kampf in Nichts ver¬
flüchtigen konnte. Nun beweist uns unser Heiliger, daß er eben so
15 scharfsinnig im Distinguieren wie allmächtig im Zusammenwerfen
ist, um einen neuen im „schöpferischen Nichts66 seines Kopfes
existierenden schrecklichen Kampf hervorbringen zu können.
„Ich will auch zugeben66 (großmütiger Sancho) „daß Jeder als
Mensch geboren werde66 (mithin nach der obigen, dem Babeuf vor-
2o gehaltenen Weisung, auch als „Königssohn66) „mithin die Neu¬
geb о rn e n darin einander gleich seien . . . nur deshalb, weil
sie sich noch als nichts anderes zeigen und betätigen, als eben als
bloße — Menschenkinder, nackte Menschlein.66 Dagegen die Er¬
wachsenen sind „Kinder ihrer eignen Schöpfung66. Sie „besitzen
25 mehr als bloß angebome Rechte, sie haben Rechte e г w о г b e n66.
(Glaubt Stimer, daß das Kind ohne seine eigne Tat aus dem Mut¬
terleib heraus kam, eine Tat, durch die es sich erst das „Recht66
außer dem Mutterleib zu sein, erwarb; und zeigt und betätigt
sich jedes Kind nicht gleich von vom herein als „einziges66 Kind?)
зо „Welcher Gegensatz, welch ein Kampffeld! Der alte Kampf der
angebomenRechte und der wohl-/[67a]/erworbnenRechte!66 p.252.
Welch ein Kampf der bärtigen Männer gegen die Säuglinge!
Übrigens spricht Sancho bloß gegen die Menschenrechte, weil
„man in neuester Zeit66 wieder dagegen zu sprechen „pflegte66. In
35 Wahrheit hat er auch diese angebomen Menschenrechte sich „er¬
worben66. In der Eigenheit hatten wir schon den „gebomen Freien66,
wo er die Eigenheit zum angebomen Menschenrechte machte, in¬
dem er sich als bloß Gebomer schon als Freier zeigte und betätigte.
Noch mehr: „Jedes Ich ist von Geburt schon ein Verbrecher
4o gegen den Staat66, wo das Staatsverbrechen zum angebomen Men¬
schenrecht wird und das Kind schon gegen etwas verbricht, was
noch nicht für es, sondern wofür es existiert. Endlich spricht „Stir¬
ner66 später von „geb о rn en beschränkten Köpfen66, „gebor-
n e n Dichtern66, „g e b о r n e n Musikern66 usw. Da hier die Macht
45 (musikalisches, dichterisches, resp. beschränktes Vermögen)
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 20
306
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
angeboren, und Recht = Macht ist, so sieht man wie „Stirner66 dem
„Ich66 die angebomen Menschenrechte vindiziert, wenn auch die
Gleichheit diesmal nicht unter ihnen figuriert.
Episode 2. Bevorrechtigt und gleichberechtigt.
Den Kampf um Vorrecht und gleiches Recht verwandelt unser 5
Sancho zunächst in den Kampf um die bloßen „Begriffe66 : bevor¬
rechtigt und gleichberechtigt. Damit erspart er es sich, etwas von
der mittelalterlichen Produktionsweise, deren politischer Aus¬
druck das Vorrecht, und der modernen, deren Ausdruck das
Recht schlechthin, das gleiche Recht ist, und von dem 10
Verhältnisse dieser beiden Produktionsweisen zu den ihnen ent¬
sprechenden Rechtsverhältnissen zu wissen. Er kann sogar die
obigen beiden „Begriffe66 auf den noch einfacheren Ausdruck:
gleich und ungleich reduzieren und nachweisen, daß Einem das¬
selbe (z. B. die andern Menschen, ein Hund usw.) je nachdem и
gleichgültig, d. h. gleich oder nicht gleich gültig, d. h. ungleich,
verschieden, bevorzugt sein können usw., usw. — „Ein Bruder
aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe.66 Saint-Jacques le
bonhomme 1, 9.
II. Das Gesetz
Wir haben hier dem Leser ein großes Mysterium unsres heili¬
gen Mannes / {71} [67b]/ zu enthüllen — nämlich, daß er seine
ganze Abhandlung über das Recht mit einer allgemeinen Erklä¬
rung des Rechts beginnt, die ihm „entspringt66, solange er vom
Recht spricht und von ihm erst dann wieder eingefangen wird, so- 25
bald er auf ganz etwas Anderes, nämlich auf das Gesetz, zu spre¬
chen kommt. Damals rief das Evangelium unserm Heiligen zu:
Richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet — und er tat
seinen Mund auf, lehrete und sprach:
„Das Recht ist der Geist der Gesellschaft.66 (Die зо
Gesellschaft aber ist das Heilige). „Hat die Gesellschaft einen
Willen, so ist dieser Wille eben das Recht: sie besteht nur
durch das Recht. D а sie aber nur dadurch besteht66 (nicht
durch das Recht, sondern nur dadurch), „daß sie über die Ein¬
zelnen eine Herrschaft ausübt, so ist das Recht ihr Herr-35
scherwill e66. P. 244. D. h. „das R e c h t . . ist . . hat . . so . .
eben . , besteht nur . . da . . aber nur dadurch besteht . . daß . .
so . . Herrscherwille.66 Dieser Satz ist der vollendete Sancho.
Dieser Satz „entsprang66 unsrem Heiligen damals, weil er nickt
in seine Thesen paßte und wird jetzt teilweise wieder eingefanger, 40
weil er ihm jetzt teilweise wieder paßt.
„Es dauern die Staaten so lange, als es einen herrschenden
Willen gibt, und dieser herrschende Wille als gleich¬
III. Sankt Max
307
bedeutend mit dem eignen Willen angesehen wird. Des Herrn
Wille ist Gesetz.“ p. 256.
Der Herrscherwille der Gesellschaft = Recht,
Der herrschende Wille = Gesetz —
5 Recht = Gesetz.
„Mitunter“, d. h. als Wirtshausschild seiner „Abhandlung66
über das Gesetz, wird sich auch noch ein Unterschied zwischen
Recht und Gesetz herausstellen, der merkwürdiger Weise beinahe
ebensowenig mit seiner „Abhandlung“ über das Gesetz zu tim hat,
io als die „entsprungene“ Definition des Rechts mit der „Abhand¬
lung“ über das „Recht“: „Was aber Recht, was in einer Gesell¬
schaft Rechtens ist, das kommt а u ch zu Worte — im G e s e t z e.“
p. 255. Dieser Satz ist eine „unbeholfene“ Kopie aus Hegel: „Was
gesetzmäßig, ist die Quelle der Erkenntnis dessen, was Recht ist
15 oder eigentlich was Rechtens ist.“ Was Sankt Sancho „zu Worte
kommen“ heißt, nennt Hegel auch „gesetzt“, „gewußt66 etc. Rechts¬
philosophie, §211 seqq.
Warum Sankt Sancho das Recht als „den /71a [67c]/ Willen66
oder „Herrscherwillen66 der Gesellschaft aus seiner „Abhand-
2o lung“ über das Recht ausschließen mußte, ist sehr begreiflich.
Nur insoweit das Recht als Macht des Menschen bestimmt
war, konnte er es als seine Macht in sich zurücknehmen. Er
mußte also seiner Antithese zulieb die materialistische Bestim¬
mung der „Macht66 festhalten und die idealistische des „W i 1 -
25 lens66 „entspringen“ lassen. Warum er jetzt, wo er vom „Ge¬
setze“ spricht, den „Willen“ wieder einfängt, werden wir bei den
Antithesen über das Gesetz sehen.
In der wirklichen Geschichte bildeten diejenigen Theoretiker,
die die Macht als die Grundlage des Rechts betrachteten, den
зо direktesten Gegensatz gegen diejenigen, die den Willen für die
Basis des Rechts ansehen, — einen Gegensatz, den Sankt Sancho
auch als den von Realismus (Kind, Alter, Neger pp) und Idealis¬
mus (Jüngling, Neuer, Mongole pp) auffassen könnte. Wird die
Macht als die Basis des Rechts angenommen, wie es Hobbes etc.
35 tun, so sind Recht, Gesetz pp nur Symptom, Ausdruck anderer
Verhältnisse, auf denen die Staatsmacht beruht. Das materielle
Leben der Individuen, welches keineswegs von ihrem bloßen „Wil¬
len“ abhängt, ihre Produktionsweise und die Verkehrsform, die
sich wechselseitig bedingen, ist die reelle Basis des Staats, und
40 bleibt es auf allen Stufen, auf denen die Teilung der Arbeit und
das Privateigentum noch nötig sind, ganz unabhängig vom Wil¬
len der Individuen. Diese wirklichen Verhältnisse sind keines¬
wegs von der Staatsmacht geschaffen, sie sind vielmehr die sie
schaffende Macht. Die unter diesen Verhältnissen herrschenden In¬
20*
308
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
dividuen müssen, abgesehen davon, daß ihre Macht sich als
Staat konstituieren muß, ihrem, durch diese bestimmten Ver¬
hältnisse /71b[68]/ bedingten Willen einen allgemeinen Ausdruck
als Staatswillen geben, als Gesetz — einen Ausdruck, dessen In¬
halt immer durch die Verhältnisse dieser Klasse gegeben ist, wie з
das Privat- und Kriminalrecht aufs Klarste beweisen. Sowenig es
von ihrem idealistischen Willen oder Willkür abhängt, ob ihre
Körper schwer sind, so wenig hängt es von ihm ab, ob sie ihren
eignen Willen in der Form des Gesetzes durchsetzen und zugleich
von der persönlichen Willkür jedes Einzelnen unter ihnen unab- jo
hängig setzen. Ihre persönliche Herrschaft muß sich zugleich als
eine Durchschnittsherrschaft konstituieren. Ihre persönliche Macht
beruht auf Lebensbedingungen, die sich als Vielen gemeinschaft¬
liche entwickeln, deren Fortbestand sie als Herrschende gegen
andere und zugleich als für Alle geltende zu behaupten haben. is
Der Ausdruck dieses durch ihre gemeinschaftlichen Interessen be¬
dingten Willens ist das Gesetz. Grade das Durchsetzen der von ein¬
ander unabhängigen Individuen und ihrer eignen Willen, das auf
dieser Basis in ihrem Verhalten gegeneinander notwendig ego¬
istisch ist, macht die Selbstverleugnung im Gesetz und Recht nötig, 20
Selbstverleugnung im Ausnahmsfall, Selbstbehauptung ihrer In¬
teressen im Durchschnittsfall (die daher nicht ihnen, sondern
nur dem „mit sich einigen Egoisten66 für Selbstverleugnung gilt).
Dasselbe gilt von den beherrschten Klassen, von deren Willen es
ebensowenig abhängt, ob Gesetz und Staat bestehen. Z. B. solange 25
dieProduktivkräfte noch nicht soweit entwickelt sind, um die Kon¬
kurrenz überflüssig zu machen, und deshalb die Konkurrenz
immer wieder hervorrufen würden, solange würden die beherrsch¬
ten Klassen das Unmögliche wollen, wenn sie den „Willen66 hät¬
ten, die Konkurrenz und mit ihr Staat und Gesetz abzuschaffen, зо
Übrigens entsteht dieser „Wille66, ehe die Verhältnisse so weit ent¬
wickelt sind, daß sie ihn produzieren können, auch nur in der
Einbildung des Ideologen. Nachdem die Verhältnisse weit genug
entwickelt waren, ihn zu produzieren, kann der Ideologe diesen
Willen als einen bloß willkürlichen und daher zu allen Zeiten und 35
unter allen Umständen faßbaren sich vorstellen. — Ebensowenig
wie das Recht, geht das Verbrechen, d. h. der Kampf des isolier¬
ten Einzelnen gegen die herrschenden Verhältnisse, /71c[68a]/ aus
der reinen Willkür hervor. Es hat vielmehr dieselben Bedingungen
wie jene Herrschaft. Dieselben Visionäre, die im Recht und Ge- 40
setz die Herrschaft eines für sich selbstständigen allgemeinen Wil¬
lens erblicken, können im Verbrechen den bloßen Bruch des
Rechts und Gesetzes sehen. Nicht der Staat besteht also durch den
herrschenden Willen, sondern der aus der materiellen Lebens¬
weise der Individuen hervorgehende Staat hat auch die Gestalt 45
III. Sankt Max
309
eines herrschenden Willens. Verliert dieser die Herrschaft, so hat
sich nicht nur der Wille, sondern auch das materielle Dasein und
Leben der Individuen, und bloß deswegen ihr Wille, verändert.
Es ist möglich, daß Rechte und Gesetze sich „forterben“, aber sie
з sind dann auch nicht mehr herrschend, sondern nominell, wovon
die altrömische und englische Rechtsgeschichte eklatante Beispiele
liefern. Wir sahen schon früher, wie bei den Philosophen ver¬
mittelst der Trennung der Gedanken von den ihnen zur Basis
dienenden Individuen und ihren empirischen Verhältnissen eine
10 Entwicklung und Geschichte der bloßen Gedanken entstehen
konnte. Ebenso kann man hier wieder das Recht von seiner realen
Basis trennen, womit man dann einen „Herrscherwillen“ heraus¬
bekommt, der sich in den verschiedenen Zeiten verschieden modi¬
fiziert und in seinen Schöpfungen, den Gesetzen, eine eigne selbst-
15 ständige Geschichte hat. Womit sich die politische und bürgerliche
Geschichte in eine Geschichte der Herrschaft von aufeinander¬
folgenden Gesetzen ideologisch auflöst. Dies ist die spezifische
Illusion der Juristen und Politiker, die Jacques le bonhomme sans
fagon adoptiert. Er macht sich dieselbe Illusion, wie etwa Fried-
2o rieh Wilhelm IV., der auch die Gesetze für bloße Einfälle des
Herrscherwillens hält und daher immer findet, daß sie am „plum¬
pen Etwas“ der Welt scheitern. Kaum feine] seinefr] durchaus un¬
schädlichen Marotten realisiert er weiter als in Cabinetsordren.
Er befehle einmal 25 Millionen Anleihen, den hundertzehnten
25 Teil der englischen Staatsschuld, und er wird sehen./{72} [68b]/
wessen Wille sein Herrscherwille ist. Wir werden übrigens auch
später finden, daß Jacques le bonhomme die Phantome oder Spuke
seines Souverains und Mitberliners als Dokumente benutzt, um
daraus seine eignen theoretischen Sparren über Recht, Gesetz,
зо Verbrechen usw. zu spinnen. Es darf uns dies um soweniger wun¬
dem, da selbst der Spuk der Vossischen Zeitung ihm zu wieder¬
holten Malen etwas „präsentiert“, z. B. den Rechtsstaat. Die ober¬
flächlichste Betrachtung der Gesetzgebung, z. B. der Armengesetz¬
gebung in allen Ländern wird zeigen, wie weit es die Herrschen-
35 den brachten, wenn sie durch ihren bloßen „Herrscherwillen“,
d. h. als nur Wollende, irgend etwas durchsetzen zu können sich
einbildeten. Sankt Sancho muß übrigens die Illusion der Juristen
und Politiker über den Herrscherwillen akzeptieren, um in den
Gleichungen und Antithesen, an denen wir uns gleich ergötzen
4o werden, seinen eignen Willen herrlich leuchten lassen zu können,
und dahin zu kommen, daß er sich irgend einen Gedanken, den er
sich in den Kopf gesetzt hat. wieder aus dem Kopf schlagen kann.
..Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in An¬
fechtungen fallet“. Saint-Jacques le bonhomme I, 2. —
310
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Gesetz = Herrscherwille des Staats,
= Staatswillen.
Antithesen:
Staatswille, fremder Wille — Mein Wille, eigner Wille.
Herrscherwille des Staats — Eigner Wille Meiner 5
— Mein Eigenwille.
Staatseigne, die das Gesetz des] l’d^cS^fS^selbst
Staats tragen | ( « p 268
/72a[68c]/ Gleichungen:
A. Der Staatswille = Nicht Mein Wille.
B. Mein Wille = Nicht der Staatswille.
C. Wille = Wollen.
D. Mein Wille = Nichtwollen des Staats,
= Wille wider den Staat, 15
= Widerwille gegen den Staat.
E. Den Nichtstaat wollen = Eigenwille
Eigenwille = Den Staat nicht wollen.
F. Der Staatswille = Das Nichts Meines Willens,
= Meine Willenlosigkeit. 20
G. Meine Willenlosigkeit = Sein des Staatswillens.
(Schon aus dem Früheren wissen wir, daß das Sein des Staats-
willens gleich ist dem Sein des Staats, woraus sich folgende
neue Gleichung ergibt:)
H. Meine Willenlosigkeit = Sein des Staats. 25
I. Das Nicht Meiner Willen¬
losigkeit = Nichtsein des Staats.
K. Der Eigenwille = Das Nichts des Staats.
L. Mein Wille = Nichtsein des Staats.
Note 1. Schon nach dem oben zitierten Satze von p. 256 „dauern зо
die Staaten solange, als der herrschende Wille als gleich¬
bedeutend mit dem eignen Willen angesehen wird.“
Note 2. — „Wer, um zu bestehen“ (wird dem Staat ins Ge¬
wissen geredet) „auf die Willenlosigkeit Andrer rechnen
muß, der ist ein Machwerk dieser Andern, wie der Herr ein 35
Machwerk des Dieners ist.“ p. 257. (Gleichungen F. G. H. I.)
Note 3. „Der eigne Wille Meiner ist der Verder¬
ber des Staats. Er wird deshalb von Letzterem als Eigen¬
wille gebrandmarkt. Der eigne Wille und der Staat sind
todfeindliche Mächte, zwischen welchen kein ewiger Friede mög- 40
lieh ist.“ p.257. — „Daher überwacht er auch wirklich Alle, er
IIL Sankt Max
311
sieht in Jedem einen Egoisten66 (den Eigenwillen) „und vor dem
Egoisten fürchtet er sich.66 p.263. „Der Staat . . . widersetzt
sich dem Zweikampf, . . . selbst jede Prügelei wird gestraft66
(auch wenn man die Polizei nicht herbeiruft), p. 245.
5 Note 4. „Für ihn, den Staat, ists unumgänglich nötig, daß
Niemand einen eignen Willen habe; hätte ihn Einer, so
müßte der Staat ihn ausschließen66 /72b[69]/ (einsperren, ver¬
bannen); „hätten ihn Alle66 („wer ist diese Person, die Ihr
„Alle66 nennt?66) „so schafften sie den Staat ab66. P. 257. Dies kann
io nun auch rhetorisch ausgeführt werden: „Was helfen Deine Ge¬
setze, wenn sie Keiner befolgt, was Deine Befehle, wenn sich
Niemand befehlen läßt?66 p. 256.
Note 5. Die einfache Antithese: Staatswille — Mein Wille er¬
hält im Folgenden eine scheinbare Motivierung: „Dächte Man
15 sich auch selbst den Fall, daß jeder Einzelne im Volk den glei¬
chen Willen ausgesprochen hätte, und hierdurch ein vollkommener
Gesamtwille66 (!) „zu Stande gekommen wäre: die Sache
bliebe dennoch dieselbe. Wäre Ich nicht an Meinen gestrigen Wil¬
len heute und ferner gebunden? . . . Mein Geschöpf, nämlich ein
2o bestimmter Willensausdruck, wäre Mein Gebieter geworden; Ich
aber, . . . der Schöpfer, wäre in Meinem Flusse und Meiner Auf¬
lösung gehemmt. ... Weil Ich gestern ein Wollender war, bin Ich
heute ein Willenloser, gestern /72c[69a]/ freiwillig, heute unfrei¬
willig.66 p.258.
25 Den alten, von Revolutionären wie Reaktionären schon oft aus¬
gesprochenen Satz, daß in der Demokratie die Einzelnen ihre Sou-
veränetät nur für einen Moment ausüben, dann aber sogleich wie¬
der von der Herrschaft zurücktreten, sucht sich Sankt Sancho hier
auf eine „unbeholfene66 Art anzueignen, indem er seine phäno-
30 menologische Theorie von Schöpfer und Geschöpf auf ihn an¬
wendet. Die Theorie von Schöpfer und Geschöpf benimmt diesem
Satze aber allen Sinn. Sankt Sancho ist nach dieser seiner Theorie
nicht heute ein Willenloser, weil er seinen gestrigen Willen ge¬
ändert hat, d. h. einen anders bestimmten Willen hat, und nun das
35 dumme Zeug, was er gestern als seinen Willensausdruck zum Ge¬
setz erhob, seinen heutigen besser erleuchteten Willen als Band
oder Fessel drückt. Nach seiner Theorie muß vielmehr sein
heutiger Wille die Verneinung seines gestrigen sein, weil er die
Verpflichtung hat, sich als Schöpfer auflösend zu seinem gestrigen
4o Willen zu verhalten. Nur als „Willenloser66 ist er Schöpfer, als
wirklich wollender ist er stets Geschöpf. (Siehe die „Phänomeno¬
logie66). Dann aber ist er, „weil er gestern ein Wollender war66,
keineswegs heute ein „Willenloser66, sondern vielmehr ein W i -
derwilliger gegen seinen gestrigen Willen, mag dieser die
45 Form des Gesetzes angenommen haben oder nicht. Er kann ihn in
312
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
beiden Fällen auflösen, wie er überhaupt aufzulösen pflegt, näm¬
lich als seinen Willen. Damit hat er dem mit sich einigen
Egoismus vollkommen Genüge geleistet. Ob also sein gestriger
Wille als Gesetz eine Existenzform außer seinem Kopfe angenom¬
men hat, oder nicht, ist hier ganz gleichgültig, besonders wenn wir 5
bedenken, wie schon oben das „aus ihm heraus entsprungene
Wort“ sich ebenfalls rebellisch gegen ihn verhielt. Und dann will
im obigen Satze Sankt Sancho ja nicht seine Eigenwilligkeit, son¬
dern seine Freiwilligkeit, Willensfreiheit, Freiheit
wahren, was ein arger Verstoß gegen den Moralkodex des mit 10
sich einigen Egoisten ist. In diesem Verstoße befangen, geht Sankt
Sancho sogar soweit, daß er die, oben so sehr verschrieene, inner¬
liche Freiheit, die Freiheit des Widerwillens, als die wahre Eigen¬
heit proklamiert.
„Wie zu ändern?“ ruft Sancho aus. „Nur dadurch, daß Ich 15
keine Pflicht anerkenne, d. h. Mich nicht binde oder binden lasse.
— Allein man wird Mich binden! — Meinen Willen kann
Niemand binden und Mein Widerwille bleibt frei!“
p.258.
„Pauken und Trompeten huldigen Seiner jungen Herrlich- 20
keit!“
/{73} [69b]/ Wobei Sankt Sancho vergißt die „einfache Re¬
flexion anzustellen“, daß sein „Wille“ allerdings insofern „gebun¬
den“ ist, als er wider seinen Willen ein „W i d e r wille“ ist.
In dem obigen Satze über das Gebundensein des Einzelwillens 25
durch den als Gesetz ausgedrückten allgemeinen Willen vollendet
sich übrigens die idealistische Anschauungsweise vom Staat, für
die es sich bloß vom Willen handelt und die bei französischen und
deutschen Schriftstellern zu den spitzfindigsten Quästiunculis ge¬
führt hat. зо
Wenn es sich übrigens nur um das „Wollen“, nicht um das „Kön¬
nen“, und im schlimmsten Falle nur um den „Widerwillen“ han¬
delt. so ist nicht abzusehen, warum Sankt Sancho einen so er-
gie-/73a[69c]/bigen Gegenstand des „Wollens“ und „Widerwil¬
lens“ wie das Staatsgesetz ist, platterdings beseitigen will. 35
„Gesetz überhaupt pp — soweit sind wir heute“. P. 256. Was
Jacques le bonhomme nicht alles glaubt. —
Die bisherigen Gleichungen waren rein vernichtend gegen der
Staat und das Gesetz. Der wahre Egoist mußte sich rein ver¬
nichtend gegen Beide verhalten. Die Aneignung vermißten wir. 40
obwohl wir dagegen die Freude hatten, Sankt Sancho das große
III. Sankt Max
313
Kunststück verrichten zu sehen, wie man durch eine bloße Ver¬
änderung des Willens, die natürlich wieder vom bloßen Willen
abhängt, den Staat vernichtet. Indessen auch an der Aneignung
fehlt es hier nicht, obgleich sie hier nur ganz nebenherläuft und
5 erst später „mitunter“ Resultate haben kann. Die obigen zwei Anti¬
thesen:
Staatswille, fremder Wille — Mein Wille, eigner Wille,
Herrscherwille des Staats — Eigner Wille Meiner
können auch so zusammengefaßt werden:
10 Herrschaft des fremden 1 _J Herrschaft des eignen
Willens J l Willens.
In dieser neuen Antithese, die übrigens seiner Vernichtung des
Staats durch seinen Eigenwillen fortwährend versteckt zu Grunde
lag, eignet er sich die politische Illusion über die Herrschaft der
15 Willkür, des ideologischen Willens an. Er konnte dies auch so aus¬
drücken:
Willkür des Gesetzes — Gesetz der Willkür.
Zu dieser Einfachheit des Ausdrucks hat es Sankt Sancho indes
nicht gebracht.
2o In der Antithese III haben wir schon ein „Gesetz in ihm“; aber
er eignet sich das Gesetz noch direkter an in folgender Antithese:
Gesetz, Willenserklärung des
Staats
Gesetz, Willenserklärung Mei¬
ner, Meine Willenserklä¬
rung.
25 „Es kann Jemand wohl erklären, was er sich gefallen lassen
will, mithin durch ein Gesetz das Gegenteil sich verbitten“ pp,
p. 256. Dies Verbitten wird mit obligaten Drohungen begleitet.
/73b [70]/ Diese letzte Antithese ist von Wichtigkeit für den Ab¬
schnitt über das Verbrechen. —
зо Episoden.?. 256 wird uns erklärt, daß „Gesetz“ von „will¬
kürlichem Befehl, Ordonnanz“ nicht verschieden sei, weil Beides
= „Willenserklärung“, mithin „Befehl“. — P. 254, 255, 260,
263 wird unter dem Schein, als werde von „dem Staat“ gespro¬
chen, der preußische Staat untergeschoben und die wichtig-
35 sten Fragen der Vossischen Zeitung über Rechtsstaat, Absetzbar¬
keit der Beamten, Beamtenhochmut und dergl. dummes Zeug ver¬
handelt. Das einzig Wichtige ist die Entdeckung, daß die altfran¬
zösischen Parlamente auf dem Rechte bestanden, königliche
Edikte zu registrieren, weil sie „nach eignem Rechte richten“
40 wollten. Das Registrieren der Gesetze durch die französischen Par¬
lamente kam auf zugleich mit der Bourgeoisie und der für die da¬
314
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
mit absolut werdenden Könige gesetzten Notwendigkeit, sowohl
dem Feudaladel wie fremden Staaten gegenüber einen fremden
Willen, von dem der ihrige abhängig sei, vorzuschützen, und zu¬
gleich den Bourgeois eine Garantie zu geben. Sankt Max kann sich
dies aus der Geschichte seines geliebten Franz I. eines Weiteren j
verständlich machen; im Übrigen möge er sich aus den vierzehn
Bänden Des Etats generaux et autres assemblees nationales, Paris
1788, über das, was die französischen Parlamente wollten oder
nicht wollten und was sie zu bedeuten hatten, einigermaßen Rats
erholen, ehe er sie wieder in den Mund nimmt. Überhaupt wäre 10
es wohl am Ort, hier eine kurze Episode über die Belesenheit
unsres eroberungssüchtigen Heiligen einzulegen. Abgesehen von
den theoretischen Büchern, wie Feuerbachs, und B. Bauers Schrif¬
ten, sowie von der Hegelschen Tradition, die seine Hauptquelle
bildet — abgesehen von diesen notdürftigsten theoretischen Quel-
len benutzt und zitiert unser Sancho folgende historische Quellen.-
Für die französische Revolution Rutenbergs politische Reden und
die Bauerschen Denkwürdigkeiten; für den Kommunismus Proud-
hon, A. Beckers Volksphilosophie, die „21 Bogen“, und den
Bluntschli-Bericht; für den Liberalismus die Vossische Zeitung, 20
die sächsischen Vaterlandsblätter, die badische Kammer, wieder
die „21 Bogen“ und E. Bauers epochemachende Schrift; außer¬
dem werden noch hier und da als historische Belege zitiert: die
Bibel, Schlossers 18tes Jahrhundert, Louis Blanc Histoire de dix
ans, Hinrichs politischen Vorlesungen, Bettina: dies Buch gehört 25
dem Könige, Heß’ Triarchie, die deutsch-französischen Jahr¬
bücher, die Züricher Anekdota, Moritz Carriere über den / [70a] I
Kölner Dom, Sitzung der Pariser Pairskammer vom 25. April
1844, Karl Nauwerck, Emilia Galotti, die Bibel — kurz, das
ganze Berliner Lesekabinett samt seinem Eigentümer Willibald зо
Alexis Cabanis. Man wird es nach dieser Probe von Sanchos tiefen
Studien erklärlich finden, daß so unendlich viel Fremdes, d.h.
Heiliges für ihn in dieser Welt existiert.
III. Das Verbrechen
Note 1. „Läßt Du Dir von einem Andern Recht geben, so mußt 35
Du nicht minder Dir von ihm Unrecht geben lassen. Kommt Dir
von ihm die Rechtfertigung und Belohnung, so erwarte auch seine
Anklage und Strafe. Dem Rechte geht das Unrecht, der Ge¬
setzlichkeit das Verbrechen zur Seite. Was — bist — Du?
— Du — bist — ein — Verbrecher!!“ p.262. 40
Dem Code civil geht der code penal, dem code penal der code
ІП. Sankt Max
315
de commerce zur Seite. Was bist Du? Du bist ein — Gommer-
gant!
Sankt Sancho konnte uns diese nervenerschiittemde Über¬
raschung sparen. Bei ihm hat das: „Läßt Du Dir von einem An-
5 dem Recht geben, so mußt Du Dir auch Unrecht von ihm geben
lassen“, allen Sinn verloren, insofern dadurch eine neue Bestim¬
mung hinzu kommen soll; denn bei ihm heißt es schon nach einer
früheren Gleichung: Läßt Du Dir von einem Andern Recht geben,
so läßt Du Dir fremdes Recht, also Dein Unrecht geben.
/174ІІ70Ы/ A. Einfache Kanonisation von Ver¬
brechen und Strafe
a) Verbrechen
Was das Verbrechen anbetrifft, so ist es, wie wir schon sahen,
der Name für eine allgemeine Kategorie des mit sich einigen Egoi-
15 sten, Negation des Heiligen, Sünde. In den angeführten Anti¬
thesen und Gleichungen über die Beispiele des Heiligen: Staat,
Recht, Gesetz konnte die negative Beziehung des Ich auf diese Hei¬
ligen oder die Kopula auch Verbrechen genannt werden, wie bei
der Hegelschen Logik, die ebenfalls ein Beispiel des Heiligen ist,
2o Sankt Sancho auch sagen kann: Ich bin nicht die Hegelsche Logik,
Ich bin ein Sünder gegen die Hegelsche Logik. Er mußte nun, da
er vom Recht, Staat pp sprach, fortfahren: Ein andres Beispiel
der Sünde oder des Verbrechens sind die sogenannten juristi¬
schen oder politischen Verbrechen. Statt dessen tut er uns
25 wieder ausführlich dar, daß diese Verbrechen seien
die Sünde gegen das Heilige,
„ die fixe Idee,
„ „ „ das Gespenst,
„ .. „ „den Menschen“.
зо „Nur gegen ein Heiliges gibt es Verbrecher.“ p. 268.
„Der Kriminalkodex hat nur durch das Hei¬
lige Bestand.“ p. 318.
„Aus der fixen Idee entstehen die Verbrechen.66 p. 269.
„Man sieht hier, wie es wieder „d e r Mensch66 ist, der auch
35 den Begriff des Verbrechens, der Sünde und damit den des
Rechts zuWege bringt.66 (Vorhin war es umgekehrt). „Ein Mensch,
in welchem Ich nicht den Menschen erkenne, ist ein Sünder.66
p. 268.
Note 1. — „Kann Ich annehmen, daß Einer gegen Mich ein
4o Verbrechen begehe66 (wird im Gegensatz zum französischen Volk
in der Revolution behauptet), „ohne anzu-/[70c]/nehmen, daß er
so handeln müsse, wie Ich’s für gut finde? Und dieses Handeln
316
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
nenne Ich das Rechte, Gute pp, das Abweichende ein Verbrechen.
Mithin denke Ich, die Andern müßten auf dasselbe Ziel
mit Mir losgehen ... als Wesen, die irgend einem „vernünftigen“
Gesetze“ (Beruf! Bestimmung! Aufgabe! Das Heilige!!!) „ge¬
horchen sollen. Ich stelle auf, was der Mensch sei, und was 5
wahrhaft menschlich handeln heiße, und fordere von Jedem, daß
ihm dies Gesetz Norm und Ideal werde, widrigenfalls er sich als
Sünder und Verbrecher ausweise . .“ p. [267,] 268. Dabei
weint er eine ahnungsvolle Träne auf dem Grabe der „eigenen
Menschen“, die zur Schreckenszeit vom souveränen Volk im 10
Namen des Heiligen geschlachtet wurden. Er zeigt weiter an einem
Beispiel, wie von diesem heiligen Standpunkt aus die Namen der
wirklichen Verbrechen konstruiert werden können. „Wird, wie
in der Revolution, das, was das Gespenst, der Mensch sei, als
„guter Bürger“ gefaßt, sogibtes von diesem Begriffe des Men- is
sehen die bekannten „politischen Vergehen und Verbrechen.““
(Soll heißen: so gibt dieser Begriff pp die bekannten Ver¬
brechen von sich.) p. 269. Wie sehr die Leichtgläubigkeit in
dem Abschnitt über das Verbrechen die vorherrschende Qualität
unsres Sancho ist, davon haben wir hier ein glänzendes Exempel, 20
indem er die Sansculotten der Revolution vermittelst einer synony¬
mischen Mißhandlung des Wortes citoyen in Berliner „gute Bür¬
ger“ verwandelt. „Gute Bürger und treue Beamte“ gehören nach
Sankt Max unzertrennlich zusammen. „Robespierre z. B., Saint
Just usw.“ wären also die „treuen Beamten“, während Danton 25
einen Kassendefekt sich zu Schulden kommen ließ und die Gelder
des Staats verschleuderte. Sankt Sancho hat einen guten Anfang zu
einer Revolutionsgeschichte für den preußischen Bürger und Land¬
mann gemacht. —
Note 2. — Nachdem Sankt Sancho uns so das politische und зо
juristische Verbrechen als ein Beispiel des Verbrechens über¬
haupt, nämlich seiner Kategorie des Verbrechens, der Sünde, der
Negation, Feindschaft, Beleidigung, Verachtung des Heiligen, des
unanständigen Betragens gegen das Heilige, vorgeführt hat, kann
er nun getrost erklären: „Im Verbrechen hat sich /[71]/ bisher 35
der Egoist behauptet und das Heilige verspottet.“ p. 319. An die¬
ser Stelle werden alle bisherigen Verbrechen dem mit sich einigen
Egoisten ins Credit geschrieben, obwohl wir späterhin wieder Eini¬
ges davon ins Debet werden übertragen müssen. Sancho glaubt,
man habe bisher nur Verbrechen begangen, um „das Heilige“ zu 40
verspotten und sich nicht gegen die Dinge, sondern gegen das Hei¬
lige а n den Dingen zu behaupten. Weil der Diebstahl eines armen
Teufels, der sich einen fremden Taler aneignet, unter die Kate¬
gorie des Verbrechens gegen das Gesetz subsumiert werden kann,
darum beging dieser arme Teufel den Diebstahl aus reiner Lust, 45
III. Sankt Max
317
das Gesetz zu brechen. Gerade wie Jacques le bonhomme sich oben
einbildete, nur um des Heiligen willen seien überhaupt Gesetze
gegeben worden, und nur um des Heiligen willen würden Diebe
eingesteckt.
5 b) Strafe
Da wir gerade mit juristischen und politischen Verbrechen uns
zu schaffen machen, so findet sich bei dieser Gelegenheit, daß der¬
gleichen Verbrechen „im gewöhnlichen Verstände“ eine Strafe
nach sich zu ziehen pflegen, oder auch, wie geschrieben steht, „der
10 Tod der Sünde Sold ist.“ — Es versteht sich nun, nachdem, was
wir bereits über das Verbrechen vernommen haben, daß die Strafe
die Selbstverteidigung und Abwehr des Heiligen gegen die
Entheiliger ist.
Note 1. „Die Strafe hat nur dann einen Sinn, wenn sie Sühne
15 für Verletzung eines Heiligen sein soll.“ p. 316. In der Strafe
„verfallen Wir in die Torheit, das Recht, den Spuk“ (das Heilige)
„befriedigen zu wollen. Das Heilige soll sich“ hier „gegen den
Menschen wehren“. (Sankt Sancho „verfällt hier in die Torheit“,
„den Menschen66 für „die Einzigen66, „eignen Ichs66 usw. zu ver-
2o sehen) p. 318.
Note 2. — „Der Kriminalkodex hat nur durch das Heilige Be¬
stand und verkommt von selbst, wenn man die Strafe aufgibt.66
p. 318. Sankt Sancho will eigentlich sagen: die Strafe verkommt
von selbst, wenn man den Kriminalkodex aufgibt, d.h. die Strafe
25 /[71a]/ besteht nur durch den Kriminalkodex. „Ist aber nicht ein66
nur durch die Strafe existierender Kriminalkodex „ein Unsinn
und ist eine66 nur durch den Kriminalkodex existierende Strafe
„nicht auch ein Unsinn?66 (Sancho contra Heß, Wig. p. 186).
Sancho versieht hier den Kriminalkodex für ein Lehrbuch der
зо theologischen Moral.
Note 3. — Als Beispiel, wie aus der fixen Idee das Verbrechen
entsteht, Folgendes: „Die Heiligkeit der Ehe ist eine fixe
Idee. Aus der Heiligkeit folgt, daß die Untreue ein Ver¬
brechen ist und es setzt daher ein gewisses Ehegesetz66
35 (zum großen Ärger der „d Kammern66 und des „Kaisers
aller R “, nicht minder des „Kaisers von Japan66 und des
„Kaisers von China66 und speziell des „Sultans66), „eine kürzere
oder längere Strafe darauf.66 p. 269. — Friedrich Wilhelm IV.,
der da glaubt, nach dem Maßstabe des Heiligen Gesetze geben zu
40 können, und sich deswegen stets mit aller Welt brouilliert, kann
sich damit trösten, daß er an unsrem Sancho wenigstens Einen
Staatsgläubigen gefunden hat. Sankt Sancho vergleiche das preu¬
ßische Ehegesetz, das bloß im Kopfe seines Autors existiert, ein¬
mal mit den praktisch geltenden Bestimmungen des Code civil, wo
318
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
er den Unterschied zwischen heiligen und weltlichen Ehegesetzen
finden kann. In der preußischen Phantasmagorie soll die Heilig¬
keit der Ehe von Staatswegen sowohl gegen den Mann wie gegen
die Frau geltend gemacht werden; in der französischen Praxis, wo
die Frau als Privateigentum des Mannes angesehen wird, kann nur 5
die Frau, und auch sie nur auf Verlangen des Mannes, der sein
Eigentumsrecht geltend macht, wegen Ehebruch bestraft werden.
B. Aneignung von Verbrechen und Strafe durch
Antithese
Brechen des Gesetzes des Men- 10
Verbrechen im Sinne des Men- _ sehen (der Willenserklä-
schen rung des Staats, der Staats¬
gewalt) p. 259 ff.
Verbrechen im Sinne Meiner — Brechen des Gesetzes Meiner
(Meiner Willenserklärung, 15
Meiner Gewalt) p. 256 und
passim.
Diese beiden Gleichungen stehen einander antithetisch gegenüber
und gehen bloß aus dem Gegensatz von „der Mensch“ und „Ich“
hervor. Sie sind nur Zusammenfassung des bereits Dagewesenen. 20
Das Heilige straft den „Ich“ — „Ich strafe den „Ich“.
/75[71b]/
Verbrech en = Feindschaft
gegen das
Gesetz des
Menschen
(das Hei¬
lige).
Verbrecher = der Feind
oder Geg¬
ner gegen
den Heili¬
gen (das
Heilige als
moralische
Person).
Strafen = Sich Wehrendes
Heiligen gegen
„Ich“.
Strafe = Genugtuung
(Rache) des
Menschen gegen
„Ich“.
Feindschaft = Verbre¬
chen ge¬
gen das 25
Gesetz
Meiner.
30
Feind oder G e g n e r = der
Verbrechergegen„Ich“,den
Leiblichen.
35
Mich Wehren = Strafe
Meiner gegen „Ich“.
Genugtuung (Rache) 40
= Strafe Meiner gegen
„Ich“.
III. Sankt Max
319
In der letzten Antithese kann die Genugtuung auch Selbst-
genugtuung genannt werden, da es die Genugtuung Meiner im
Gegensatz zur Genugtuung des Menschen ist.
Hält man nun in den obigen antithetischen Gleichungen immer
5 nur das erste Glied im Auge, so ergibt sich folgende Reihe ein¬
facher Antithesen, wo in der These immer der heilige, allgemeine,
fremde Namen, in der Antithese immer der profane, per¬
sönliche, angeeignete Namen steht.
Verbrechen — Feindschaft.
10 Verbrecher — Feind oder Gegner.
Strafen — Mich Wehren.
q r (Genugtuung, Rache, Selbst-
tra e I genugtuung.
Wir werden sogleich ein geringes Wörtchen über diese Gleichun-
15 gen und Antithesen zu sagen haben, die so einfach sind, daß selbst
„ein gebomer Dummerjan“ (p. 434) sich diese „einzige“ Methode
des Denkens in fünf Minuten aneignen kann. Vorher noch einige
andre Belegstellen, als die schon Dagewesenen.
Note 1. — „Gegen Mich kannst Du nie ein Verbrecher
2o sein, sondern nur ein Gegner“, p.268 — und „Feind“ in dem¬
selben Sinne p. 256. — Verbrechen als Feindschaft des Menschen
— hierfür werden p. 268 die „Fein-/[71c]/de des Vaterlandes“ als
Beispiel angeführt. — „An die Stelle der Strafe soll“ (mo¬
ralisches Postulat) „die Genugtuung treten, die wiederum
25 nicht darauf abzielen kann, dem Recht oder der Gerechtigkeit
genungzutun, sondern Uns ein Genüge zu verschaffen“. P. 318.
Note 2. — Indem Sankt Sancho gegen den Heiligenschein (die
Klappermühle) der bestehenden Gewalt kämpft, lernt er nicht ein¬
mal diese Gewalt kennen und greift sie selbst noch viel weniger
зо an; er stellt nur die moralische Forderung, daß man die Beziehung
des Ich auf sie formell ändere. (Siehe Logik). — „Ich muß Mirs
gefallen lassen“ (aufgespreizte Beteuerung), „daß er“ (sc. Mein
Feind, der ein paar Millionen hinter sich stehen hat) „Mich als
seinen Feind behandelt; allein niemals, daß er mit Mir als seiner
35 Kreatur umspringt und daß er seine Vernunft oder Unvernunft
zu Meiner Richtschnur macht.“ p. 256 (wo er dem pp. Sancho
eine sehr beschränkte Freiheit läßt, nämlich die Wahl, sich als
seine Kreatur behandeln zu lassen, oder die 3300 ihm von Merlin
auf die posaderas gebundenen Prügel zu ertragen. Diese Freiheit
io läßt ihm jeder Kriminalkodex, der ihn freilich nicht erst fragt, in
welcher Weise er dem pp. Sancho seine Feindschaft zu erklären
hat). — „Aber wenn Ihr dem Gegner auch als Macht impo¬
320
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
niert“ (ihm „eine imposante Macht“ seid), „eine gehei¬
ligte Autorität seid Ihr darum doch nicht; er müßte denn eim
Schächer sein. Respekt und Achtung ist er Euch nicht
schuldig, wenn er sich auch vor Euch und Eurer Gewalt i n
Acht nimmt.“ p. 258. Sankt Sancho tritt hier selbst als „Schä- 5
eher“ auf, indem er um den Unterschied von „Imponieren“ unid
„Respektiert werden“, „in Acht nehmen“ und „Achtung haben6"6,
einen Unterschied von höchstens einem Sechszehntel, mit vielem
Ernste schachert. Wenn Sankt Sancho sich vor Jemand „in
Acht nimmt66, so „lebt er in der Re-/75b[72]/flexion, und ю
hat er einen Gegenstand auf den er reflektiert, den er re¬
spektiert und vor dem er Ehrfurcht und Furcht empfindet.66
(p. 115). — In den obigen Gleichungen ist die Strafe, Rache, Ge¬
nugtuung pp bloß als von Mir ausgehend dargestellt; insofern
Sankt Sancho der Gegenstand der Genugtuung ist, können die Anti- 15
diesen umgedreht werden: Hiermit verwandelt sich die Selbst¬
genugtuung in das einem Andern an Mir Genuggetanwerden, oder
meinem Genüge Abbruch getan werden.
Note 3. — Dieselben Ideologen, die sich einbilden konnten,
daß das Recht, Gesetz, der Staat pp aus einem allgemeinen Be- 20
griff, etwa in letzter Instanz dem Begriff des Menschen, hervor¬
gegangen und um dieses Begriffes willen ausgeführt worden seien,
dieselben Ideologen können sich natürlich auch einbilden, Ver¬
brechen würden aus reinem Übermut gegen einen Begriff began¬
gen, Verbrechen seien überhaupt weiter Nichts als Verspottung 25
von Begriffen, und würden nur bestraft, um den verletzten Begrif¬
fen Genüge zu leisten. Hierüber haben wir oben beim Recht und
schon früher bei der Hierarchie bereits das Nötige gesagt, wor¬
auf wir hiermit zurückverweisen. — In den obigen Antithesen
wird den kanonisierten Bestimmungen Verbrechen, Strafe pp der зо
Name einer andern Bestimmung gegenübergestellt, die Sankt
Sancho sich aus diesen ersten Bestimmungen nach seiner be¬
liebten Manier herausnimmt und an eign et. Diese neue Be¬
stimmung, die, wie gesagt, als bloßer Namen hier auftritt, soll
als profan die unmittelbar individuelle Beziehung enthalten 35
und das tatsächliche Verhältnis ausdrücken. (Siehe Logik).
In der Rechtsgeschichte findet sich nun, daß in den frühesten und
rohesten Epochen diese individuellen, tatsächlichen Verhältnisse
in ihrer krassesten Gestalt ohne Weiteres das Recht konstituierten.
Mit der Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft, also mit der 40
Entwickelung der persönlichen Interessen zu Klasseninteressen
veränderten sich die Rechtsverhältnisse und zivilisier-/[72a] zten
ihren Ausdruck. Sie wurden nicht mehr als individuelle, sondern
als allgemeine aufgefaßt. Gleichzeitig übertrug die Teilung
der Arbeit dieWahrung der kollidierenden Interessen der einzelnen
III. Sankt Max
321
Individuen an Wenige, womit auch die barbarische Geltend¬
machung des Rechts verschwand. Die ganze Kritik Sankt Sanchos
über das Recht beschränkt sich in den obigen Antithesen darauf,
den zivilisierten Ausdruck der Rechtsverhältnisse und die
5 zivilisierte Teilung der Arbeit für eine Frucht der „fixen Idee“,
des Heiligen zu erklären und dagegen den barbarischen Ausdruck
und die barbarische Art sie zu schlichten, sich zu vindizieren. Es
handelt sich für ihn nur um die Namen, die Sache selbst be¬
rührt er nicht, da er die wirklichen Verhältnisse nicht kennt, auf
10 denen diese verschiedenen Formen des Rechts beruhen, und in dem
juristischen Ausdruck der Klassenverhältnisse nur die idealisierten
Namen jener barbarischen Verhältnisse erblickt. So finden wir in
der Stimerischen Willenserklärung das Befehden, in der Feind¬
schaft, Sich Wehren pp den Abklatsch des Faustrechts und die
15 Praxis des älteren Feudalwesens, in der Genugtuung, Rache pp
das jus talionis, die altgermanische Gewere, die compensatio, satis-
factio, kurz die Hauptsachen aus den leges barbarorum und den
consuetudines feudorum wieder — die Sancho nicht aus Bibliothe¬
ken, sondern aus den Erzählungen seines ehmaligen Herrn von
2o Amadis von Gallien sich angeeignet und liebgewonnen hat. Sankt
Sancho kommt also in letzter Instanz wieder nur zu einem ohn¬
mächtigen Moralgebot, daß Jeder sich selbst Genugtuung verschaf¬
fen und Strafen vollziehen soll. Er glaubt dem Don Quijote, er
könne die aus der Teilung der Arbeit entstehenden sachlichen
25 Mächte ohne Weiteres durch ein bloßes Moralgebot in persönliche
Mächte verwandeln. Wie sehr die juristischen Verhältnisse mit der
aus der Teilung der Arbeit hervorgegangenen Entwickelung dieser
sachlichen Mächte Zusammenhängen, kann man schon ersehn aus
der historischen Entwickelung der Macht der Gerichte und aus dem
зо Jammer der Feudalen über die Rechtsentwicklung. (Siehe z. B.
Montheil 1. c. XIV, XV siede). Grade in der Epoche zwischen der
Herrschaft der Aristokratie und der der Bourgeoisie, als die Inter¬
essen zweier Klassen kollidierten, als der Handelsverkehr unter
den europäischen Nationen bedeutend zu werden begann und das
35 internationale Verhältnis daher selbst einen bürgerlichen
Charakter annahm, fing die Macht der Gerichte an, bedeutend zu
werden, und unter der Bourgeoisherrschaft, wo diese ausgebildete
Teilung der Arbeit unumgänglich nötig ist, erreicht sie ihre höchste
Spitze. Was sich die Knechte der Teilung der Arbeit, die Richter,
io und nun gar die professores juris dabei einbilden, ist höchst gleich¬
gültig.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5
21
322
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
/{76} [72b]/
C. Das Verbrechen im gewöhnlichen und außer¬
gewöhnlichen Verstände
Vorhin wurde das Verbrechen im gewöhnlichen Verstände dem
Egoisten im außergewöhnlichen Verstände kreditiert, indem es з
verfälscht wurde; jetzt kommt diese Verfälschung an den Tag. Der
außergewöhnliche Egoist findet mm, daß er nur außergewöhnliche
Verbrechen begeht, die gegen das gewöhnliche Verbrechen geltend
gemacht werden müssen. Wir belasten also dem pp Egoisten die
gewöhnlichen Verbrechen wieder, wie pr. contra. io
Den Kampf der gewöhnlichen Verbrecher gegen das fremde
Eigentum kann man auch so ausdrücken (obgleich das von jedem
Konkurrenten gilt),
daß sie — „fr em des Gut suchen“ (p. 265),
heiliges Gut suchen,
das Heilige suchen, womit der gewöhnliche
Verbrecher in einen „Gläubigen“ (p. 265) verwandelt ist.
Dieser Vorwurf des Egoisten im außergewöhnlichen Verstände
gegen den Verbrecher im gewöhnlichen Verstände ist indes nur
scheinbar — er ist es ja selbst, der nach dem Heiligenschein der 20
ganzen Welt trachtet. Was er dem Verbrecher eigentlich vorwirft,
ist nicht, daß er „das Heilige“, sondern daß er das „Gut“
sucht.
Nachdem Sankt Sancho sich eine „eigne Welt, einen Himmel“,
nämlich diesmal eine Welt der Fehden und fahrenden Ritter für 25
seinen eignen Kopf in der modernen Welt erbaut, nachdem er zu¬
gleich seinen Unterschied als ritterlicher Verbrecher von den ge¬
meinen Verbrechern dokumentiert hat, unternimmt er abermals
einen Kreuzzug gegen die „Drachen und Straußen, Feldteufel“,
„Gespenster, Spuke und fixen Ideen“. Sein getreuer Knecht Sze- зо
liga reitet andächtig hinter ihm her. Da sie aber ihres Weges
ziehen, so begibt sich das erstaunliche Abenteuer von den Un¬
glücklichen, so dahin geschleppt wurden, wohin sie nicht gehen
wollten, wie geschrieben steht Cervantes am zwei und zwanzigsten.
Derweil nämlich unser fahrender Ritter und sein Knecht Don Qui- 55
jote fürbaß trabten, schlug Sancho die Augen auf und sah an die
zwölf Männer ihnen entgegen kommen, /[72c]/ geschlossen mit
Handschellen und einer langen Kette, und begleitet von einem
Kommissär und vier Gensdarmen, so da angehörten der heiligen
Hermandad, der Hermandad des Heiligen, dem Heiligen. Da sie w
aber nahe herzugekommen waren, bat Sankt Sancho ihre Wächter
III. Sankt Max
323
gar höflich, sie möchten ihm doch, wenn’s gefällig, sagen, warum
diese Leute so zusammengeschlossen geführt würden. — Bau¬
gefangene Sr. Majestät, nach Spandau kommandiert, mehr braucht
Ihr nicht zu wissen. — Wie, rief Sankt Sancho, gezwungene Leute?
5 Ists möglich, daß der König einem „eigenen Ich“ Gewalt antun
kann? So berufe Ich Mich zu dem Berufe, dieser Gewalt zu steuern.
„Des Staats Betragen ist Gewalttätigkeit, und dies nennt er Recht.
Die Gewalttätigkeit aber des Einzelnen nennt er Verbrechen.“
Hierauf hub Sankt Sancho zuerst an, die Sträflinge zu vermahnen,
ю und sagte, sie sollten sich nicht grämen, sie seien zwar „nicht frei“,
aber doch „eigen“, und ihre „Knochen“ würden vielleicht unter
einigen Geißelhieben zu „ächzen“ haben, auch werde man ihnen
vielleicht ein „Bein ausreißen“ — aber, sprach er, in dem Allen
überwindet Ihr weit, — denn „Euren Willen kann Niemand bin-
15 den!“ „Und ich weiß gewiß, daß es keine Hexerei auf der Welt
gibt so den Willen bewegen und zwingen könne, wie einige Ein¬
faltspinsel sich einbilden; denn er ist unsre freie Willkür und es
gibt kein Kraut noch Zauberspruch, der ihn bezwinge.“ Ja, „Euren
Willen kann Niemand binden, und Euer Widerwille bleibt frei!“
2o — Da sich aber die Baugefangenen bei diesem Sermon nicht be¬
ruhigen wollten, sondern nach der Reihe erzählten, wie ungerecht
man sie verurteilt habe, sprach Sancho: „Lieben Brüder, aus
Allem so Ihr Mir erzählt habt, habe Ich ins Klare gebracht, daß,
obgleich man Euch für Eure Verbrechen gestraft hat, Euch die
25 Strafe, die Ihr leiden sollt, wenig Vergnügen macht, also daß Ihr
derselbigen widerwillig und gar ohne Lust entgegen gehet. Und es
kann sehr wohl sein, daß der Kleinmut des Einen auf der Prügel¬
maschine, die Armut des Andern, der Mangel an Gunst für den
Dritten und endlich das parteiische Gericht des Richters
зо die Ursache von Eurem Verderben sind, und daß man Euch nicht
das Recht zu Gute kommen ließ, das Euch ge¬
hörte, „das Recht Eurer“. Alles dies zwingt Mich, Euch zu
zeigen, warum der Himmel Mich in die Welt gesetzt hat. Da es
aber die Klugheit des mit sich einigen Egoisten erfordert, Nichts
35 durch Gewalt zu tun, was man durch Verstän-/[73]/digung er¬
langen kann, so bitt’ ich hiermit den Herrn Commissarius und die
Herrn Gensdarmen, Euch loszuschließen und Eures Weges wan¬
dern zu lassen. Überdies, meine Herren Gensdarmen, haben Euch
alle diese Armen nichts zu Leide getan. Es geziemt mit sich
4o einigen Egoisten nicht, Henker andrer Einzigen zu werden, die
ihnen nichts getan haben. Bei Euch scheint „die Kategorie des
Bestohlenen in den Vordergrund zu treten“. Warum „eifert“ Ihr
..gegen das Verbrechen?66 „Wahrlich, wahrlich ich sage Euch,
„Ihr seid für die Sittlichkeit begeistert, von der Idee der Sittlich-
43 keit erfüllt“, „was ihr feindlich ist, das verfolgt Ihr“ — Ihr
21*
324
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„bringt“ diese armen Baugefangenen „durch Amtseid ins Loch66,
Ihr seid das Heilige! Also laßt diese Leute gutwillig los. Wo nicht,
so bekommt Ihrs mit Mir zu tun, der „mit einem Hauche des leben¬
digen Ich Völker umbläst“, „die maßloseste Entweihung begeht66
und „sich selbst vor dem Monde nicht fürchtet.“ “ — з
„Na seht mir doch die schöne Flegelei!“ rief der Kommissär.
„Rück Er sich lieber das Bartbecken gerade auf dem Kopf und
scher Er sich seines Weges!“
Sankt Sancho aber legte erbost über diese preußische Grobheit
seinen Spieß ein, und rannte so hastig auf ihn los, als die Apposi- 10
tion nur laufen wollte, sodaß er ihn alsbald zu Boden warf. Jetzt
entspann sich ein allgemeiner Kampf, in welchem die Baugefan¬
genen sich befreiten, Szeliga-Don Quijote von einem Gensdarmen
in den Landwehr- oder Schafgraben geworfen wurde und Sankt
Sancho die größten Heldentaten gegen das Heilige verrichtete. 15
Nach wenig Minuten waren die Gensdarmen zerstreut, Szeliga aus
dem Graben gekrochen, und das Heilige vorläufig beseitigt.
Sankt Sancho versammelte nun die befreiten Baugefangenen um
sich, und hielt folgende Rede an sie (p. 265, 266 „des Buchs66):
„Was ist der gewöhnliche Verbrecher“ (der Verbrecher 20
im gewöhnlichen Verstände) „anders als Einer, der das verhäng¬
nisvolle Versehen begangen hat“ (verhängnisvoller Belletrist
für Bürger und Landmann!) „nach dem zu streben, was des Vol¬
kes ist, statt nach dem Seinen zu suchen? Er hat das ver¬
ächtliche66 (allgemeines Murren der Baugefangenen über dies 23
moralische Urteil) „fremde Gut gesucht, hat getan, was die
Gläubigen tun, die nach dem trachten, was Gottes ist“ (der
Verbrecher als schöne Seele). „Was tut der Priester, der den Ver¬
brecher vermahnt? /[73a]/ Er stellt ihm das große Unrecht vor, daß
vom Staat Geheiligte, das Eigentum desselben, wozu ja auch das зо
Leben der Staatsangehörigen gerechnet werden muß, durch seine
Tat entweiht zu haben. Dafür könnte er ihm lieber vorhalten,
daß er sich besudelt habe“ (Kichern der Baugefangenen über diese
egoistische Aneignung der banalen Pfaffenredensarten), „indem
er das Fremde nicht verachtete, sondern des Raubest
wert hielt“ (Grunzen der Baugefangenen): „er könnte es, wenn
er nicht ein Pfaffe“ (ein Baugefangener: „im gewöhnlichen Ver¬
stände!66) „wäre66. Ich aber „rede mit dem Verbrecher, als mit
einem Egoisten und er wird sich schämen66 (schamloses,
lautes Hurrah der Verbrecher, die sich nicht zur Scham berufen 40
lassen wollen), „nicht daß er gegen Eure Gesetze und Güter sich
verging, sondern daß er Eure Gesetze des Umgehens66 (hier ist
nur vom „Umgehen“ „im gewöhnlichen Verstände66 die Rede,
sonst aber „umgehe Ich einen Felsen bis Ich ihn sprengen kann66
und „umgehe66 z. B. selbst „die Zensur66), „Eure Güter des 43
III. Sankt Max
325
Verlangens wert hielt“ (abermaliges Hurrah) „wird sich
sch ä men —“
Gines von Passamonte, der Erzdieb, der überhaupt nicht viel
ertragen konnte, schrie: „Sollen wir denn nichts tim als uns der
з Scham ergeben, Ergebung zeigen, sobald der Pfaff im außer¬
gewöhnlichen Verstände uns „vermahnt“?“
„Wird sich schämen“, fährt Sancho fort, „daß er Euch mit¬
samt den Eurigen nicht verachtete, daß er zu wenig Egoist war.“
(Sancho legt hier einen fremden Maßstab an den Egoismus des
10 Verbrechers. Daher entsteht ein allgemeines Gebriille unter den
Baugefangenen; etwas verwirrt lenkt Sancho ein, sich mit einer
rhetorischen Bewegung gegen die abwesenden „guten Bürger“
wendend:) „Aber Ihr könnt nicht egoistisch mit ihm reden, denn
Ihr seid nicht so groß wie ein Verbrecher, Ihr — verbrecht Nichts“.
и Gines fällt wieder ein: Welche Leichtgläubigkeit, guter Mann!
Unsre Zuchtmeister im Gefängnis verbrechen allerdings, machen
Kassendefekte und Unterschleife und begehen Schändung [...]
/{80} [73b]/ [...] zeigt er nur wieder seine Leichtgläubigkeit.
Schon die Reaktionäre wußten, daß die Bourgeois in der Konsti-
2o tution den naturwüchsigen Staat aufheben und einen eignen Staat
errichten und machen; daß „le pouvoir constituant, qui etait
dans le temps (naturwüchsig) passa dans la volonte humaine“,
daß „dieser gemachte Staat wie ein gemachter, gemalter Baum
ist“ usw. Siehe Fievee, Correspondance politique et administra-
25 tive, Paris 1815 — Appel ä la France contre la division des
opinions — le drapeau blanc von Sarrans aine und Gazette de
France aus der Restaurationszeit, und die früheren Schriften von
Bonald, De Maistre pp. Die liberalen Bourgeois werfen wiederum
den alten Republikanern vor, von denen sie natürlich ebensowenig
зо wußten als Sankt Max vom Bourgeoisstaat, daß ihr Patriotismus
nichts sei, als „une passion, factice envers un etre abstrait, une
idee generale“ (Benj. Constant, de l’esprit des conquetes, Paris
1814, p. 93), während die Reaktionäre den Bourgeois vorwarfen,
daß ihre politische Ideologie nichts sei, als „une mystification que
35 la classe aisee fait subir ä celles qui ne le sont pas“. (Gazette de
France, 1831, Fevrier). — P. 295 erklärt Sankt Sancho den Staat
für „eine Anstalt, das Volk zu christianisieren“, und weiß von der
Grundlage des Staats soviel zu sagen, daß dieser durch „den Kitt“
der „Achtung vor dem Gesetz66 oder das Heilige durch die Achtung
40 (das Heilige als Kopula) vor dem Heiligen „zusammengehalten
wird“ (p. 314).
Note 4. — „Ist der Staat heilig, so muß Zensur sein“, p. 316.
— „Die französische Regierung bestreitet die Preßfreiheit nicht
17—18 Hier fehlen die Bogen (77), (78) und (79), im ganzen zwölf Seiten
326
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
als Menschenrecht, sie fordert aber vom Einzelnen eine Kaution
dafür, daß er wirklich Mensch sei“ (Quel bonhomme!
Jacques le bonhomme wird zum Studium der Septembergesetze
„berufen“). P. 380.
/[73c]/ Note 5, in der wir die tiefsten Aufschlüsse erhalten 5
über die verschiedenen Staatsformen, die Jacques le bonhomme
verselbstständigt und in denen er nur verschiedene Versuche
sieht, den wahren Staat zu realisieren. — „Die Republik ist gar
nichts anderes als die absolute Monarchie: denn es ver¬
schlägt nichts, ob der Monarch Fürst oder Volk heiße, da Beide w
eine Majestät“ (das Heilige) „sind. . . . Der Konstitutionalismus
ist weiter als die Republik, weil er der in der Auflösung be¬
griffene Staat ist“. Diese Auflösung wird dahin erklärt: „Im kon¬
stitutionellen Staate . . . will die Regierung absolut sein, und das
Volk will absolut sein. Diese beiden Absoluten“ (sc. Heiligen) 15
„werden sich an einander aufreiben.“ p. 302. — „Ich bin nicht
der Staat, Ich bin das schöpferische Nichts des Staats“; „damit
versinken alle Fragen“ (über Konstitution pp) „in ihr wahres
Nichts.“ p. 310. — Er hätte hinzufügen sollen, daß auch die
obigen Sätze über die Staatsformen nur eine Umschreibung dieses 20
„Nichts“ sind, dessen einzige Schöpfung der obige Satz ist: Ich
bin nicht der Staat. Sankt Sancho spricht hier in ganz deutscher
Schulmeistermanier von „d e r“ Republik, die natürlich viel älter
ist, als die konstitutionelle Monarchie, z. B. die griechischen Re¬
publiken. — Daß in einem demokratischen Repräsentativstaat 25,
wie Nordamerika die Klassenkollisionen bereits eine Form er¬
reicht haben, zu der die konstitutionellen Monarchien erst hinge¬
drängt werden, davon weiß er natürlich Nichts. Seine Phrasen
über die konstitutionelle Monarchie beweisen, daß /80b[74]/ er
seit dem 1842 des Berliner Kalenders Nichts gelernt und Nichts so
vergessen hat. —
N о t e 6. — „Der Staat verdankt nur der Mißachtung, welche
Ich vor Mir habe, seine Existenz“, und wird „mit dem Verschwin¬
den dieser Geringschätzung ganz erlöschen“ (wonach es nur von
Sancho abhängt, wie bald alle Staaten der Welt „erlöschen“ sollen. 35
Wiederholung von Note 3 in umgekehrter Gleichung — siehe
Logik): „er ist nur, wenn er über Mir ist, nur als Macht
oder Mächtiger. Oder“ (merkwürdiges Oder, das das
Gegenteil von dem beweist, was es beweisen soll) „könnt Ihr Euch
einen Staat denken, dessen Einwohner sich allesamt“ (Sprung 40
aus dem „Ich“ in das „Wir“) „nichts aus ihm machen“. P. 377.
— Auf die Synonymik von „Macht“, „Mächtig“ und „machen66
brauchen wir nicht mehr einzugehen. — Daraus, daß es Leute in
jedem Staat gibt, die sich aus ihm etwas machen, d. h. die im Staat
und durch den Staat aus sich etwas machen, schließt Sancho, daß 45
III. Sankt Max
327
der Staat eine Macht über diesen Leuten ist. Es handelt sich hier
wieder nur darum, daß man sich die fixe Idee des Staats aus dem
Kopfe zu schlagen hat. Jacques le bonhomme träumt noch immer,
daß der Staat eine bloße Idee sei, und glaubt an die selbstständige
5 Macht dieser Staatsidee. Er ist der wahre „Staatsgläubige, Staats¬
besessene, Politiker.“ (p. 309). Hegel idealisierte die Vorstel¬
lung der politischen Ideologen vom Staat, die noch von den ein¬
zelnen Individuen, wenn auch bloß vom Willen dieser Indivi¬
duen ausgingen; Hegel verwandelt den gemeinsamen Willen dieser
ю Einzelnen in den absoluten Willen, und diese Idealisierung der
Ideologie nimmt Jacques le bonhomme bona fide für die richtige
Ansicht vom Staate an und kritisiert sie in diesem Glauben da¬
durch, daß er das Absolute für das Absolute erklärt.
5) Die Gesellschaft als bürgerliche
Gesellschaft
Wir werden uns bei diesem Kapitel etwas länger aufhalten,
weil es, nicht ohne Absicht, das konfuseste aller „im Buche“ ent¬
haltenen konfusen Kapitel ist, und weil es zugleich am glänzend¬
sten beweist, wie wenig es unsrem Heiligen gelingt, die Dinge in
2o ihrer profanen Gestalt kennen zu lernen. Statt sie zu profanieren,
heiligt er sie, indem er nur seine eigne heilige Vorstellung dem
Leser „zu Gute kommen läßt“. Ehe wir auf die eigentliche bürger¬
liche Gesellschaft kommen, werden wir noch über das Eigentum
überhaupt und in seinem Verhältnis zum Staat einige neue Auf-
25 Schlüsse vernehmen. Diese Aufschlüsse erscheinen um so neuer,
als sie Sankt Sancho Gelegenheit geben, seine /80c[74a]/ belieb¬
testen Gleichungen über Recht und Staat wieder anzubringen und
dadurch seiner „Abhandlung“ „mannigfaltigere Wandlungen“
und „Brechungen“ zu geben. Wir brauchen natürlich bloß die
зо letzten Glieder dieser schon dagewesenen Gleichungen zu zitieren,
da der Leser sich aus dem Kapitel: „Meine Macht66 ihres Zu¬
sammenhanges noch erinnern wird. —
Privateigentum oder
bürgerliches Eigentum = Nicht Mein Eigentum,
= Heiliges Eigentum
35 = Fremdes Eigentum
= Respektiertes Eigentum oder
Respekt vor dem fremden
Eigentum
40 = Eigentum des Menschen
(p.327,369).
328
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Aus diesen Gleichungen ergeben sich zugleich folgende Anti¬
thesen :
Eigentum im bürgerlichen] (Eigentum im egoistischen
Sinne j (Sinne (p. 327) .
„Eigentum des Menschen“ —„Eigentum Meiner“. >
(„Menschliche Habe“ — Meine Habe) p. 324.
Gleichungen: Der Mensch — Recht
-- Staatsgewalt.
Privateigentum oderl n bxl. ,
k- i- и TT- i — Rechtliches Eigentum
bürgerliches Eigentum] 324) ю
= Mein durch das Recht
(p. 332),
- garantiertes Eigentum,
= Eigentum von Fremden,
= dem Fremden angehöriges із
Eigentum,
__ dem Rechte angehöriges
Eigentum,
—Rechtseigentum (p. 367,332),
-ein Rechtsbegriff, 20
Etwas Geistiges,
- - Allgemeines,
Fiktion,
reiner Gedanke,
= fixe Idee, 25
= Gespenst,
— Eigentum des Gespenstes.
(p. 368,324, 332, 367,369).
Privateigentum — Eigentum des Rechts,
Recht - Gewalt des Staats. зо
Privateigentum -- Eigentum in der Gewalt des
Staats
- Staatseigentum, oder auch
Eigentum — Staatseigentum.
Staatseigentum = Nichteigentum Meiner. зз
Staat = der alleinige Eigentümer
(p. 339, 334).
Wir kommen jetzt zu den Antithesen.
/{81} [74b]/
Privateigentum — Egoisti sch esEigentum 40
Vom Recht (Staat, dem Men¬
schen) zum Eigentum berech¬
tigt
(Von Mir zum Eigentum er-
Imächtigt. P. 339.
ІП. Sankt Max
329
Mein durch das Recht — Mein durch Meine Macht
oder Gewalt (p.332).
Vom Fremden gegebenes|_|Von Mir genommenes Eigen-
Eigentum j [tum (p. 339).
5 Rechtliches Eigentum Anderer — Rechtliches Eigentum des An¬
dern ist, was Mir Recht ist
(p. 339),
was in hundert andern Formeln, wenn man z. B. Vollmacht statt
Macht setzt, oder schon dagewesene Formeln anwendet, wiederholt
io werden kann.
Privateigentum = Fremdheit! [Mein Eigentum = Eigentum
am Eigentum aller Andern) [am Eigentum aller Andern
oder auch:
Eigentum an Einigem — Eigentum an Allem (p. 343).
is Die Entfremdung als Beziehung oder Copula in den obigen Glei¬
chungen kann auch in folgenden Antithesen ausgedrückt werden:
Privateigentum
„Sich auf das Eigentum als
Heiliges, Gespenst, beziehen“,
„es respektieren“,
„Respekt vor dem Eigentum
haben“ (p. 324).
egoistisches Eigentum.
„Die heilige Beziehung zum
Eigentum aufgeben“,
es nicht mehr als fremd be¬
trachten,
vor dem Gespenst sich nicht
mehr fürchten,
keinen Respekt vor dem
Eigentum haben,
Das Eigentum der Respekts¬
losigkeit haben.
(p. 368, 340, 343).
Die in obigen Gleichungen und Antithesen enthaltenen Modi der
30 Aneignung werden erst beim „Verein“ ihre Erledigung finden; da
wir uns einstweilen noch in der „heiligen Gesellschaft befinden,
so geht uns hier nur die Kanonisation an. .
Note Warum die Ideologen das Eigentumsverhältnis als em
Verhältnis „des Menschen“ fassen können, dessen verschiedene
3.-, Form in verschiedenen Epochen sich danach bestimmt, wie die In¬
dividuen sich „den Menschen“ vorstellen, das ist schon bei der
330
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Hierarchie“ behandelt worden. Wir brauchen hier nur darauf
zurückzuverweisen.
Abhandlung 1: Über Parzellierung des Grundbesitzes,
Ablösung der Servituten, und Verschlingung des kleinen Grund¬
eigentums durch das große. 5
Diese Sachen werden Alle aus dem heiligen Eigen-/ [74c]/tum
und der Gleichung bürgerliches Eigentum = Respekt vor dem
Heiligen, entwickelt. 1) „Eigentum im bürgerlichen Sinn bedeutet
heiliges Eigentum, der Art, daß Ich Dein Eigentum respek¬
tieren muß. „Respekt vor dem Eigentum!“ Daher möchten 10
die Politiker, daß Jeder sein Stückchen Eigentum besäße, und
haben durch dies Bestreben zum Teil eine unglaubliche Parzel¬
lierung herbeigeführt“. P. 327, 328. — 2) „Die politischen Li¬
beralen tragen Sorge, daß womöglich alle Servituten abgelöst wer¬
den, und Jeder freier Herr auf seinem Grunde sei, wenn dieser
Grund auch nur soviel Bodengehalt hat“ (der Grund hat Boden-
geh alt!) „als von dem Dünger Eines Menschen sich hinlänglich
düngen läßt. . . Sei es auch noch so klein, wenn man nur Eigenes,
nämlich ein respektiertes Eigentum hat. Je mehr solcher
Eigner, desto mehr freie Leute und gute Patrioten hat der Staat“. 20
P. 328.— 3) „Es rechnet der politische Liberalismus, wie alles
Religiöse, auf den Respekt, die Humanität, die Liebestugen¬
den. Darum lebt er auch in unaufhörlichem Ärger. Denn in der
Praxis respektieren die Leute Nichts, und alle Tage '
werden die kleinen Besitzungen wieder von größeren Eigentümern 25
aufgekauft, und aus den „freien Leuten“ werden Tagelöhner.
Hätten dagegen die „kleinen Eigentümer“ bedacht, daß auch
das große Eigentum das Ihrige sei, so hätten sie sich nicht selber
respektvoll davon ausgeschlossen, und würden nicht ausgeschlos¬
sen worden sein.“ p. 328. зо
1) Zuerst wird hier also die ganze Bewegung der Parzellierung,
von der Sankt Sancho nur weiß, daß sie das Heilige ist, aus einer
bloßen Einbildung erklärt, die „d i e Politiker“ „sich in den Kopf
gesetzt haben“. Weil „die Politiker“ „Respekt vor dem Eigen¬
tum“ verlangen, daher „möchten“ sie die Parzellierung, die 35
noch dazu überall durch das N i ch t r e s p ek t i e г en des frem¬
den Eigentums durchgesetzt worden ist! „Die Politiker66 haben
„zum Teil eine unglaubliche Parzellierung66 wirklich „herbei¬
geführt“. Es war also die Tat der „Politiker“, daß in Frankreich
schon vor der /[75]/ Revolution, wie noch heutzutage in Irland 40
und teilweise in Wales, die Parzellierung in Beziehung auf die
Kultur des Bodens längst bestand, und zur Einführung der
großen Kultur die Kapitalien und alle übrigen Bedingungen
mangelten. Wie sehr übrigens „die Politiker“ die Parzellierung
III. Sankt Max
331
heutzutage durchführen „möchten“, kann Sancho daraus ersehen,
daß sämtliche französische Bourgeois mit der Parzellierung, so¬
wohl weil sie die Konkurrenz der Arbeiter unter sich verringert,
wie aus politischen Gründen, unzufrieden sind; ferner daraus, daß
5 sämtliche Reaktionäre (was Sancho schon aus des alten Arndt
„Erinnerungen“ ersehen konnte) in der Parzellierung weiter nichts
sahen, als die Verwandlung des Grundeigentums in modernes, in¬
dustrielles, verschacherbares, entheiligtes Eigentum. Aus welchen
ökonomischen Gründen die Bourgeois diese Verwandlung
10 durchführen müssen, sobald sie zur Herrschaft kommen — eine
Verwandlung, die ebensogut durch die Aufhebung der über den
Profit überschießenden Grundrente, wie durch die Parzellierung
geschehen kann — das ist unsrem Heiligen hier nicht weiter aus¬
einander zu setzen. Ebensowenig ist ihm auseinanderzusetzen, wie
и die Form, in der diese Verwandlung geschieht, von der Stufe ab¬
hängt, worauf die Industrie, der Handel, die Schiffahrt pp eines
Landes stehen. Die obigen Sätze über Parzellierung sind weiter
nichts als eine bombastische Umschreibung des einfachen Fak¬
tums, daß an verschiedenen Orten, „hie und da“, eine große Par-
2o zellierung existiert — ausgedrückt in der kanonisierenden Rede¬
weise unsres Sancho, die auf Alles und Nichts paßt. Im Übrigen
enthalten Sanchos obige Sätze nur die Phantasien des deutschen
Kleinbürgers über die Parzellierung, die für ihn allerdings das
Fremde, „das Heilige“ ist. Vergl. polit. Liberalismus.
25 2) Die Ablösung der Servituten, eine Misere, die nur in
Deutschland vorkommt, wo die Regierungen nur durch den fort¬
geschrittenen Zustand der Nachbarländer und durch Finanzverle¬
genheiten dazu gezwungen wurden, gilt hier unserm Heiligen für
Etwas, das „d i e politischen Liberalen“ wollen, um „freie Leute
зо und gute Bürger“ zu erzeugen. Sanchos Horizont reicht wieder
nicht über den pommerschen Landtag und die sächsische Abgeord¬
netenkammer hinaus. Diese deutsche Servituten-Ablösung hat nie
zu irgend einem politischen oder ökonomischen Resultat geführt
und blieb als halbe Maßregel überhaupt ohne alle Wirkung. Von
35 der historisch wichtigen Ablösung der Servituten im vier¬
zehnten und fünfzehnten Jahrhundert, die aus der beginnenden
Entwicklung des Handels, der Industrie und dem Geldbedürfnis
der Grundbesitzer hervorging, weiß Sancho natürlich wieder
Nichts. — Dieselben Leute, die in Deutschland die Servituten ab-
4o lösen wollten, um, wie Sancho glaubt, I [75a]/ gute Bürger und freie
Leute zu machen, wie z. B. Stein und Vincke, fanden nachher, daß,
um „gute Bürger und freie Leute66 zu erzeugen, die Servitute wie¬
der hergestellt werden müßten, wie dies eben jetzt in Westfalen
versucht wird. Woraus folgt, daß der „Respekt“, wie die Furcht
45 Gottes zu allen Dingen nütze ist.
332 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
3) Das „Aufkäufen“ des kleinen Grundbesitzes durch die
„großen Eigentümer“ findet nach Sancho statt, weil der „Re¬
spekt vor dem Eigentum“ in der Praxis nicht stattfindet. — Zwei
der alltäglichsten Folgen der Konkurrenz, Konzentration und Ak-
kaparement, überhaupt die Konkurrenz, die ohne Konzentra- 5
tion nicht existiert, erscheinen hier unsrem Sancho als Verlet¬
zungen des bürgerlichen, in der Konkurrenz sich bewegenden
Eigentums. Das bürgerliche Eigentum wird dadurch schon ver¬
letzt, daß es existiert. Man darf nach Sancho Nichts kaufen, ohne
das Eigentum anzugreifen. Wie tief Sankt Sancho die Konzentra- 10
tion des Grundbesitzes durchschaut hat, geht schon daraus hervor,
daß er nur den augenscheinlichsten Akt der Konzentration, das
bloße „Aufkäufen“ darin sieht. Inwiefern übrigens die kleinen
Eigentümer dadurch aufhören, Eigentümer zu sein, daß sie Tag¬
löhner werden, ist nach Sancho nicht abzusehen. Sancho entwickelt 15
ja selbst auf der nächsten Seite (p.329), höchst feierlich gegen
Proudhon, daß sie „Eigentümer des ihnen verbleibenden Anteils
am Nutzen des Ackers66, nämlich des Arbeitslohns, bleiben. — „Es
will mitunter etwa in der Geschichte gefunden werden66, daß ab¬
wechselnd der große Grundbesitz den kleinen, und der kleine den 20
großen verschlingt, zwei Erscheinungen, die sich für Sankt Sancho
friedfertig in den zureichenden Grund auflösen, daß „in der / {82}
[75b]/ Praxis die Leute Nichts respektieren.66 Dasselbe gilt von den
übrigen vielfachen Gestalten des Grundeigentums. Und dann das
weise „hätten die kleinen Eigentümer66 usw.! Im alten Testament 25
sahen wir, wie Sankt Sancho nach spekulativer Manier die Frühe¬
ren die Erfahrungen der Späteren bedenken ließ; jetzt sehen wir,
wie er sich nach Kannegießer-Manier darüber beklagt, daß die
Früheren nicht nur die Gedanken der Späteren über sie, sondern
auch seinen eignen Unsinn nicht bedachten. Welche Schulmeister- зо
„J esch ei th e i t“! Hätten die Terroristen bedacht, daß sie
Napoleon auf den Thron bringen würden — hätten die englischen
Barone von Runnymede und der Magna Charta bedacht, daß 1849
die Korngesetze abgeschafft werden würden — hätte Krösus be¬
dacht, daß Rothschild ihn an Reichtum übertreffen würde — hätte 35
Alexander der Große bedacht, daß Rotteck ihn beurteilen und sein
Reich den Türken in die Hände fallen würde — hätte Themi-
stokles bedacht, daß er die Perser im Interesse Ottos des Kindes
schlagen würde — hätte Hegel bedacht, daß er auf eine so „kom¬
mune“ Weise von Sankt Sancho exploitiert werden würde — hätte, 40
hätte, hätte! Von welchen „kleinen Eigentümern66 bildet sich Sankt
Sancho denn ein zu sprechen? Von den eigentumslosen Bauern,
welche durch Zerschlagen des großen Grundbesitzes erst zu „klei-
33 Soll heißen 1849 die Korngesetze abgeschafft sein würden
III. Sankt Max
333
nen Eigentümern“ wurden, oder von denen, die heutzutage
von der Konzentration ruiniert werden? In beiden Fällen sieht
Sankt Sancho sich so ähnlich, wie ein Ei dem andern. Im ersten
Falle schlossen sie sich ganz und gar nicht vom „großen Eigentum“
5 aus, sondern nahmen es Jeder soweit in Besitz, als er von den An¬
dern nicht ausgeschlossen wurde und Vermögen hatte. Dies Ver¬
mögen war aber nicht das Stimersche renommistische Vermögen,
sondern ein durch ganz empirische Verhältnisse bedingtes, z. B.
durch ihre und die ganze bisherige Entwicklung der bürgerlichen
10 Gesellschaft, die Lokalität und ihren größeren oder geringeren
Zusammenhang mit der Nachbarschaft, die Größe des in Besitz
genommenen Grundstücks und die Zahl derer, die es sich aneig¬
neten, die Verhältnisse der Industrie, des Verkehrs, die Kommuni¬
kationsmittel und Produktionsinstrumente ppp. Wie wenig sie sich
15 ausschließend gegen das große Grundeigentum verhielten, geht
schon daraus hervor, daß viele unter ihnen selbst große Grund¬
besitzer wurden. Sancho macht sich selbst vor Deutschland lächer¬
lich mit seiner Zumutung, diese Bauern hätten damals die Parzel¬
lierung, die noch gar nicht existierte /[75c]/ und die damals die
2o einzig revolutionäre Form für sie war, überspringen und mit Einem
Satze in seinen mit sich einigen Egoismus sich lancieren sollen.
Von seinem Unsinn gar nicht zu sprechen, war es ihnen nicht mög¬
lich, sich kommunistisch zu organisieren, da ihnen alle Mittel ab¬
gingen, die erste Bedingung einer kommunistischen Assoziation,
25 die gemeinsame Bewirtschaftung durchzuführen, und da die Par¬
zellierung vielmehr nur Eine der Bedingungen war, welche das Be¬
dürfnis für eine solche Assoziation später hervorriefen. Überhaupt
kann eine kommunistische Bewegung nie vom Lande, sondern im¬
mer nur von den Städten ausgehen. — Im zweiten Falle, wenn
зо Sankt Sancho von den ruinierten kleinen Eigentümern spricht —
haben diese immer noch ein gemeinsames Interesse mit den großen
Grundeigentümern gegenüber der ganz besitzlosen Klasse und
gegenüber der industriellen Bourgeoisie. Und falls dies gemein¬
same Interesse nicht stattfindet, fehlt ihnen die Macht, sich das
35 große Grundeigentum anzueignen, weil sie zerstreut wohnen und
ihre ganze Tätigkeit und Lebenslage ihnen eine Vereinigung, die
erste Bedingung einer solchen Aneignung, unmöglich macht und
eine solche Bewegung wieder eine viel allgemeinere voraussetzt,
die gamicht von ihnen abhängt. — Schließlich kommt Sanchos
4o ganzen Tirade darauf hinaus, daß sie sich bloß den Respekt vor
: dem Eigentum Andrer aus dem Kopf schlagen sollen. Hiervon
werden wir weiter unten noch ein geringes Wörtlein vernehmen.
Nehmen wir schließlich noch den Einen Satz ad acta: „In der
Praxis respektieren die Leute eben Nichts“; so-
45 daß es doch am „Respekt“ „eben“ nicht zu liegen scheint.
334
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
/{83} [76]/ Abhandlung No. 2: Privateigentum, Staat und Recht
„Hätte, hätte, hätte!“
„Hätte“ Sankt Sancho für einen Augenblick die kursierenden
Gedanken der Juristen und Politiker über das Privateigentum, wiie
die Polemik dagegen, bei Seite liegen lassen, hätte er dies Privat- 5
eigentum einmal in seiner empirischen Existenz, in seinem Zusam¬
menhänge mit den Produktivkräften der Individuen gefaßt, so
würde seine ganze Weisheit Salomonis, mit der er uns jetzt unter¬
halten wird, sich in Nichts aufgelöst haben. Es „hätte“ ihm dann
schwerlich entgehen können (obwohl er, wie Habakuk, capable io
de tout ist), daß das Privateigentum eine für gewisse Entwick¬
lungsstufen der Produktivkräfte notwendige Verkehrsform ist,
eine Verkehrsform, die nicht eher abgeschüttelt, nicht eher zur Pro¬
duktion des immittelbaren materiellen Lebens entbehrt werden
kann, bis Produktivkräfte geschaffen sind, für die das Privateigen-15
tum eine hemmende Fessel wird. Es „hätte“ dann auch dem Leser
nicht entgehen können, daß Sancho sich auf materielle Verhält¬
nisse einlassen mußte, statt die ganze Welt in ein System der theo¬
logischen Moral aufzulösen, um diesem ein neues System ego¬
istischseinsollender Moral entgegenzustellen. Es „hätte“ ihm 20
nicht entgehen können, daß es sich um ganz andre Dinge, als den
„Respekt“ und Despekt handelte. „Hätte, hätte, hätte!“
Dies „hätte“ ist übrigens nur ein Nachklang des obigen Sancho-
schen Satzes; denn „hätte“ Sancho dies Alles getan, so hätte er
allerdings sein Buch nicht schreiben können. — 25
Indem Sankt Sancho die Illusion der Politiker, Juristen und
sonstigen Ideologen, die alle empirischen Verhältnisse auf den
Kopf stellt, auf Treu und Glauben akzeptiert und noch in deut¬
scher Weise von dem Seinigen hinzutut, verwandelt sich ihm
das Privateigentum in Staatseigentum, resp. Rechts- зо
eigentum, an dem er nun ein Experiment zur Rechtfertigung
seiner obigen Gleichungen machen kann. Sehen wir uns zuerst die
Verwandlung des Privateigentums in Staatseigentum an.
/[76a]/ „Über das Eigentum entscheidet nur die Gewalt“ (über
die Gewalt entscheidet einstweilen vielmehr das Eigentum) „und 35
da der Staat, gleichviel ob Staat der Bürger, Staat der Lumpe“
(Stimerscher „Verein66) „oder Staat der Menschen schlechthin
der allein Gewaltige ist, so ist er allein Eigentümer.66 p. 333.
Neben der Tatsache des deutschen „Staats der Bürger“ figurie¬
ren hier wieder Sanchosche und Bauersche Hirngespinste in glei- 40
eher Ordnung, während die historisch bedeutenden Staatsbildun¬
gen nirgends zu finden sind. Er verwandelt den Staat zunächst in
eine Person, „d en Gewaltigen66. Das Faktum, daß die herrschende
Klasse ihre gemeinschaftliche Herrschaft zur öffentlichen Gewalt,
III. Sankt Max
335
zum Staat konstituiert, versteht und verdreht er in deutsch-klein¬
bürgerlicher Weise dahin, daß „der Staat66 sich als eine dritte
Macht gegen diese herrschende Klasse konstituiert und alle Ge¬
walt ihr gegenüber in sich absorbiert. Er wird jetzt seinen Glauben
5 an einer Reihe von Exempeln bewähren.
Wenn das Eigentum unter der Herrschaft der Bourgeoisie wie
zu allen Zeiten an gewisse, zunächst ökonomische, von der Ent¬
wicklungsstufe der Produktivkräfte und des Verkehrs abhängige
Bedingungen geknüpft ist, Bedingungen, die notwendig einen juri-
10 stischen und politischen Ausdruck erhalten — so glaubt Sankt
Sancho in seiner Einfalt, „der Staat knüpfe den Besitz des
Eigentums66 (car tel est son bon plaisir) „an Bedingungen, wie
er Alles daran knüpft, z. B. die Ehe66. P. 335.
Weil die Bourgeois dem Staat nicht erlauben sich in ihre Pri¬
us vatinteressen einzumischen und ihm nur soviel Macht geben, als
zu ihrer eignen Sicherheit und der Aufrechterhaltung der Kon¬
kurrenz nötig ist, weil die Bourgeois überhaupt nur insofern als
Staatsbürger auftreten, als ihre Privatverhältnisse dies gebieten,
glaubt Jacques le bonhomme, daß sie vor dem Staate „Nichts
•зо sind66. „Der Staat hat nur ein Interesse daran, selbst reich zu sein;
ob Michel reich und Peter arm ist, gilt ihm gleich; sie sind
Beide vor ihm Nichts.66 p. 334. Dieselbe Weisheit schöpft er p. 345
aus der Duldung der Konkurrenz im Staat.
Wenn eine Eisenbahndirektion sich bloß um die Aktionäre zu
25 kümmern hat, insofern sie ihre Einzahlungen leisten und ihre Di¬
videnden empfangen, so schließt der Berliner Schulmeister in sei¬
ner Unschuld, daß die Aktionäre „vor ihr Nichts sind, wie wir vor
Gott allzumal Sünder sind.66 Aus der Ohn-/[76b]/macht des Staats
dem Treiben der Privateigentümer gegenüber beweist Sancho die
зо Ohnmacht der Privateigentümer gegenüber dem Staat und seine
eigne Ohnmacht gegenüber Beiden.
Ferner. Weil die Bourgeois die Verteidigung ihres Eigentums
im Staat organisiert haben, und „Ich66 daher „jenem Fabrikanten66
seine Fabrik nicht abnehmen kann, außer innerhalb der Bedin-
35 gungen der Bourgeoisie, d.h. der Konkurrenz — glaubt Jacques
le bonhomme: „der Staat hat die Fabrik als Eigentum, der Fabri¬
kant nur als Lehen, als Besitztum.66 p. 347. Ebenso „hat66 der
Hund, der mein Haus bewacht, das Haus „als Eigentum66 und Ich
habe es nur „als Lehen, als Besitztum66 vom Hunde.
io Weil die verdeckten materiellen Bedingungen des Privateigen¬
tums häufig in W iderspruch treten müssen mit der juristischen
Illusion über das Privateigentum, wie sich z. B. bei Expro¬
priationen zeigt, so schließt Jacques le bonhomme daraus, daß
„hier das sonst verdeckte Prinzip, daß nur der Staat Eigentümer
45 sei, der Einzelne hingegen Lehnsträger, deutlich in die Augen
336
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
springt.“ p. 335. Es „springt hier nur in die Augen66, daß unserm
wackern Bürger die profanen Eigentumsverhältnisse hinter der
Decke „des Heiligen66 aus den Augen gesprungen sind, und daß
er sich noch immer aus China eine „Himmelsleiter66 borgen muß,
um eine „Sprosse der Kultur“ zu „erklimmen“, auf der in zivili- ,5
sierten Ländern sogar die Schulmeister stehen. Wie hier Sancho
die zur Existenz des Privateigentums gehörigen Widersprüche
zur Negation des Privateigentums macht, so verfuhr er, wie
wir oben sahen, mit den Widersprüchen innerhalb der bürger¬
lichen Familie. ю
Wenn die Bourgeois, überhaupt alle Mitglieder der bürger¬
lichen Gesellschaft, genötigt sind, sich als Wir, als moralische Per¬
son, als Staat zu konstituieren, um ihre gemeinschaftlichen In¬
teressen zu sichern, und ihre dadurch hervorgebrachte Kollektiv¬
gewalt schon um der Teilung der Arbeit willen an Wenige dele- lj
gieren, so bildet sich Jacques le bonhomme ein, daß „Jeder nur
solange den Nießbrauch des Eigentums hat, als er das Ich des
Staats in sich trägt, oder ein loyales Glied der Gesellschaft ist ...
Wer ein Staats-Ich, d. h. ein guter Bürger oder Untertan ist, der
trägt als solches Ich, nicht als eignes, das Lehen ungestört66. 20
P. 334, 335. Auf diese Weise hat Jeder nur solange den Besitz
einer Eisenbahnaktie, als er „das /[76c]/ Ich66 der Direktion „in
sich trägt66, wonach man also nur als Heiliger eine Eisenbahnaktie
besitzen kann.
Nachdem Sankt Sancho auf diese Weise die Identität des Pri- 25
vat- und Staatseigentums sich weis gemacht hat, kann er fort¬
fahren: „Daß der Staat nicht willkürlich dem Einzelnen entzieht,
was er vom Staate hat, ist nur dasselbe wie dies, daß der Staat
sich selbst nicht beraubt.66 p. 334, 335. Daß Sankt Sancho nicht
willkürlich Anderen ihr Eigentum raubt, ist nur dasselbe wie dies, зо
daß Sankt Sancho sich selbst nicht beraubt, da er ja alles Eigen¬
tum als das Seinige „a n s i e h t“.
Auf Sankt Sanchos übrige Phantasien über Staat und Eigen¬
tum, z. B. daß der Staat die Einzelnen durch Eigentum „kirrt66
und „belohnt66, daß er aus besonderer Malice die hohe Sportel-
taxe erfunden habe, um die Bürger zu ruinieren, wenn sie nicht
loyal seien etc. etc., überhaupt auf die kleinbürgerlich-
deutsche Vorstellung von der Allmacht des Staats, eine
Vorstellung, die bereits bei den alten deutschen Juristen durch¬
läuft und hier in hochtrabenden Beteuerungen sich auf spreizt, io
kann man uns nicht zumuten, weiter einzugehn. — Seine hinrei¬
chend nachgewiesene Identität von Staats- und Privateigentum
sucht er schließlich noch durch etymologische Synonymik dar¬
zutun, wobei er seiner Gelehrsamkeit indes en ambas posaderas
schlägt.
III. Sankt Max
337
„Mein Privateigentum ist nur Dasjenige, was der Staat mir
von dem Seinigen überläßt, indem er andere Staatsglieder
darum verkürzt (priviert): es ist Staatseigentum.66 p. 339.
Zufällig verhält sich die Sache gerade umgekehrt. Das Privat-
5 eigentum in Rom, worauf sich der etymologische Witz allein be¬
ziehen kann, stand im direktesten Gegensatz zum Staatseigentum.
Der Staat gab allerdings den Plebejern Privateigentum, ver-/ {84 i
[77]/kürzte dagegen, nicht „Andre66 um ihr Privateigentum, son¬
dern diese Plebejer selbst um ihr Staatseigentum (ager publicus)
io und ihre politischen Rechte, und deshalb hießen sie selbst pri-
vati, Beraubte, nicht aber jene phantastischen „andern Staatsglie¬
der66, von denen Sankt Sancho träumt. Jacques le bonhomme
blamiert sich in allen Ländern, allen Sprachen und allen Epochen,
sobald er auf positive Fakta zu sprechen kommt, von denen „das
15 Heilige66 keine aprioristische Kenntnis haben kann.
Die Verzweiflung darüber, daß der Staat alles Eigentum ab¬
sorbiert, treibt ihn in sein innerstes „empörtes66 Selbstbewußtsein
zurück, wo er durch die Entdeckung überrascht wird, daß er L i -
terat ist. Er drückt diese Verwunderung in folgenden merk-
2o würdigen Worten aus:
„Im Gegensatz zum Staat fühle Ich immer deutlicher, daß Mir
noch eine große Gewalt übrig bleibt, die Gewalt über Mich selbst66;
was weiter dahin ausgeführt wird: „An Meinen Gedanken habe
Ich ein wirkliches Eigentum, womit Ich Handel treiben kann66.
25 P. 339. Der „Lump66 Stirner, der „Mensch von nur ideellem Reich¬
tum66, kommt also auf den verzweifelten Entschluß, mit der ge¬
ronnenen, sauer gewordenen Milch \seiner Gedanken Handel zu
treiben. Und wie schlau fängt er es an, wenn der Staat seine Ge¬
danken für Contrebande erklärt? Horcht: „Ich gebe sie auf66
зо (allerdings sehr weise) „und tausche Andere für sie ein66 (d.h.
falls Jemand ein so schlechter Geschäftsmann sein sollte, seine
Gedankenwechsel anzunehmen), „die dann mein neues, erkauftes
Eigentum sind.66 p. 339. Der ehrliche Bürger beruhigt sich nicht
eher, als bis er es schwarz auf weiß besitzt, daß er sein Eigentum
35 redlich erkauft hat. — Siehe da den Trost des Berliner Bürgers in
allen seinen Staatsnöten und Polizeitrübsalen: „Gedanken sind
zollfrei!66
Die Verwandlung des Privateigentums in Staatseigentum redu¬
ziert sich schließlich auf die Vorstellung, daß der Bourgeois nur
4o besitzt als Exemplar der Bourgeoisgattung, die in ihrer Zusam¬
menfassung Staat heißt und den Einzelnen mit Eigentum belehnt.
Hier steht die Sache wieder auf dem Kopf. In der / [77a]/ Bour¬
geoisklasse, wie in jeder anderen Klasse, sind nur die persönlichen
Bedingungen zu gemeinschaftlichen und allgemeinen entwickelt,
45 unter denen die einzelnen Mitglieder der Klasse besitzen und leben.
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 22
338
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Wenn auch früher dergleichen philosophische Illusionen in
Deutschland kursieren konnten, so sind sie doch jetzt vollständig
lächerlich geworden, seitdem der Welthandel hinlänglich bewie¬
sen hat, daß der bürgerliche Erwerb, ganz unabhängig von der
Politik, die Politik dagegen gänzlich abhängig vom bürgerlichen 5
Erwerb ist. Schon im achtzehnten Jahrhundert war die Politik so
sehr vom Handel abhängig, daß z. B., als der französische Staat
eine Anleihe machen wollte, ein Privatmann für den Staat den
Holländern gutsagen mußte.
Daß die „Wertlosigkeit Meiner“ oder „der Pauperismus“ die 10
„Verwertung“ oder das „Bestehen“ des „Staats“ ist (p. 336), ist
eine der 1001 Stimerschen Gleichungen, die wir hier bloß deshalb
erwähnen, weil wir bei dieser Gelegenheit einige Neuigkeiten
über den Pauperismus hören.
„Der Pauperismus ist die Wertlosigkeit Meiner, die 15
Erscheinung, daß Ich Mich nicht verwerten kann. Deshalb ist
Staat und Pauperismus Ein und Dasselbe . . . Der Staat geht alle¬
zeit darauf aus, von Mir Nutzen zu ziehen, d.h. Mich zu
exploitiem, auszubcuten, zu verbrauchen, bestände dieser Ver¬
brauch auch nur darin, daß Ich für eine Proles sorge (Prole- 20
tariat). Er will, Ich soll seine Kreatur sein.66 p. 336.
Abgesehen davon, daß sich hier zeigt, wie wenig es von ihm
abhängt, sich zu verwerten, obgleich er seine Eigenheit überall und
immer durchsetzen kann, daß hier abermals Wesen und Erschei¬
nung im Gegensatz zu den früheren Behauptungen ganz von ein- 25
ander getrennt werden, kommt die obige kleinbürgerliche Ansicht
unsres Bonhomme wieder zu Tage, daß „der Staat66 ihn exploitie-
ren will. Uns interessiert nur noch die altrömische etymologische
Abstammung des Proletariats, die hier naiver Weise in den
modernen Staat / [77b]/eingeschmuggelt wird. Sollte Sankt Sancho зо
wirklich nicht wissen, daß überall, wo der moderne Staat sich
entwickelt hat, das „Sorgen für eine Proles“ dem Staat, d. h. den
offiziellen Bourgeois gerade die unangenehmste Tätigkeit des Pro¬
letariats ist? Sollte er nicht etwa zu seinem eignen Besten auch
Malthus und den Minister Duchätel ins Deutsche übersetzen? 35
Sankt Sancho „fühlte“ vorhin „immer deutlicher66, als deutscher
Kleinbürger, daß ihm „im Gegensatz zum Staat noch eine große
Macht blieb66, nämlich dem Staat zum Trotz sich Gedanken zu
machen. Wäre er ein englischer Proletarier, so würde er gefühlt
haben, daß ihm „die Macht blieb“, dem Staat zum Trotz Kinder 40
zu machen.
Weitere Jeremiade gegen den Staat! Weitere Theorie des Pau¬
perismus! Er „schafft66 zunächst als „Ich“ „Mehl, Leinwand oder
Eisen und Kohlen“, womit er die Teilung der Arbeit von vorn
herein aufhebt. Dann fängt er an „lange66 zu „klagen66, daß seine 45
III. Sankt Max
339
Arbeit nicht nach ihrem Wert bezahlt wird und gerät zunächst in
Konflikt mit den Bezahlenden. Der Staat tritt dann „beschwich¬
tigend“ dazwischen. „Lasse Ich Mir nicht genügen an dem Preise,
den er66 (nämlich der Staat) „für meine Ware und Arbeit fest-
j setzt, trachte Ich vielmehr den Preis Meiner Ware selbst zu be¬
stimmen, d.h Mich bezahlt zu machen, so gerate Ich zunächst“
(großes „Zunächst“ — nicht mit dem Staat, sondern) „mit den
Abnehmern der Ware in Konflikt.“ p. 337. Will er mm in ein „di¬
rektes Verhältnis“ mit diesen Abnehmern treten, d. h. „sie bei den
io Köpfen fassen“, so „interveniert“ der Staat, „reißt den Menschen
vom Menschen“ (obgleich es sich nicht vom „Menschen“, sondern
vom Arbeiter und Arbeitgeber oder, was er durcheinander wirft,
vom Verkäufer und Käufer der Ware handelte), und zwar tut der
Staat dies in der böswilligen Absicht „um sich als Geist“ (jeden-
15 falls heiliger Geist) „in die Mitte zu stellen. Die Arbeiter, welche
höheren Lohn verlangen, werden als Verbrecher behandelt, sobald
sie ihn erzwingen wollen.“ p.337.
[77c]/ Hier haben wir wieder einmal eine Blütenlese des Un¬
sinns. Herr Senior hätte seine Briefe über den Arbeitslohn sparen
2o können, wenn er sich vorher in ein „direktes Verhältnis“ zu Stir¬
ner gesetzt hätte; besonders da in diesem Falle der Staat wohl
nicht „den Menschen vom Menschen gerissen“ haben würde.
Sancho läßt hier den Staat dreimal auftreten. Zuerst „beschwich¬
tigend“, dann preisbestimmend, zuletzt als „Geist“, als das Hei-
25 lige. Daß Sankt Sancho nach der glorreichen Identifikation des
Privat- und Staatseigentums den Staat auch den Arbeitslohn be¬
stimmen läßt, zeugt von gleich großer Konsequenz und Un¬
bekanntschaft mit den Dingen dieser Welt. Daß „die Arbeiter,
welche höheren Lohn erzwingen wollen“, in England, Amerika
зо und Belgien keineswegs sogleich als „Verbrecher“ behandelt wer¬
den, sondern im Gegenteil oft genug diesen Lohn wirklich er¬
zwingen, ist ebenfalls ein unsrem Heiligen unbekanntes Faktum,
und zieht durch seine Legende vom Arbeitslohn einen großen
Strich. Daß die Arbeiter, selbst wenn der Staat nicht „in die Mitte
35 träte“, wenn sie ihre Arbeitgeber „bei den Köpfen fassen“, damit
noch gar nichts gewinnen, noch viel weniger als durch Assozia¬
tionen und Arbeitseinstellungen, solange sie nämlich Arbeiter und
ihre Gegner Kapitalisten bleiben — das ist ebenfalls ein Faktum,
das selbst in Berlin einzusehen wäre. Daß die bürgerliche Gesell¬
te schäft, die auf der Konkurrenz beruht und ihr Bourgeoisstaat
ihrer ganzen materiellen Grundlage nach, keinen andern als einen
Konkurrenzkampf unter den Bürgern zulassen können, und nicht
als „Geist“, sondern mit Bajonetten dazwischen treten müssen,
wenn die Leute sich „an den Köpfen fassen“, braucht ebenfalls
45 nicht auseinander gesetzt zu werden.
22*
340
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Übrigens stellt Stirners Einfall, daß nur der Staat reicher werde,
wenn die Individuen auf der Basis des bürgerlichen Eigentums
reicher werden, oder daß bisher alles Privateigentum Staatseigen¬
tum gewesen sei, das historische Verhältnis wieder auf den Kopf.
/{85} [78]/ Mit der Entwicklung und Akkumulation des bürger- з
liehen Eigentums, d. h. mit der Entwicklung des Handels und der
Industrie wurden die Individuen immer reicher, während der
Staat immer verschuldeter ward. Dies Faktum trat schon hervor
in den ersten italienischen Handelsrepubliken, zeigte sich später
in seiner Spitze in Holland seit dem vorigen Jahrhundert, wo der io
Fondsspekulant Pinto schon 1750 darauf aufmerksam machte,
und findet jetzt wieder Statt in England. Es zeigt sich daher auch,
daß sobald die Bourgeoisie Geld gesammelt hat, der Staat bei ihr
betteln gehen muß und endlich von ihr geradezu an sich gekauft
wird. Dies findet in einer Periode Statt, in welcher die Bourgeoisie із
noch eine andre Klasse sich gegenüberstehen hat, wo also der
Staat zwischen Beiden den Schein einer gewissen Selbstständig¬
keit behalten kann. Der Staat bleibt selbst nach diesem Ankauf
immer noch geldbedürftig und dadurch von den Bourgeois ab¬
hängig, kann aber dennoch, wenn es das Interesse der Bourgeois 20
erfordert, immer über mehr Mittel verfügen als andre weniger
entwickelte und daher weniger verschuldete Staaten. Aber selbst
die unentwickeltsten Staaten Europas, die der heiligen Allianz,
gehen diesem Schicksal unaufhaltsam entgegen und werden von
den Bourgeois angesteigert werden; wo sie sich dann von Stirner 25
mit der Identität von Privateigentum und Staatseigentum vertrö¬
sten lassen können, namentlich sein eigner Souverain, der ver¬
gebens die Stunde des Verschacherns der Staatsmacht an die
„böse“ gewordnen „Bürger66 hinzuhalten strebt.
Wir kommen jetzt zu dem Verhältnis von Privateigentum und зо
Recht, wo wir dieselben Siebensachen in anderer Form wieder
hören. Die Identität von Staats- und Privateigentum erhält eine
scheinbar neue Wendung. Die politische Anerkennung des
Privateigentums im Recht wird als Basis des Privateigentums
ausgesprochen. 35
„Das Privateigentum lebt von der Gnade des Rechts. Nur im
Rechte hat es seine Gewähr — Besitz ist ja noch nicht Eigentum,
es wird erst das Meinige durch Zustimmung des Rechts; — es ist
keine Tatache, sondern eine Fiktion, ein Gedanke. Das ist das
Rechtseigentum, rechtliches Eigentum, garantiertes Eigentum: 40
nicht durch Mich ist es Mein, sondern durchs — Recht66. P. 332.
Dieser Satz treibt nur den schon dagewesenen Unsinn vom
Staatseigentum auf eine noch komischere Höhe. 85a [78a] Wir
gehen daher gleich auf Sanchos Exploitation des fiktiven jus utendi
et abutendi über. 45
III. Sankt Max
341
P. 332 erfahren wir außer der obigen schönen Sentenz, daß das
Eigentum „die unumschränkte Gewalt über etwas ist, womit Ich
schalten und walten kann nach Gutdünken“. „Die Gewalt“ ist
aber „nicht ein für sich existierendes, sondern lediglich im ge-
5 waltigen Ich, in Mir, dem Gewaltigen“. P. 366. Das Eigentum ist
daher kein „Ding“, „nicht dieser Baum, sondern Meine Gewalt,
Verfügung über ihn ist die Meinige“. P. 366. Er kennt bloß
„Dinge“ oder „Iche“. Die „vom Ich getrennte“, gegen es ver¬
selbstständigte, in ein „Gespenst“ verwandelte „Gewalt ist das
io Recht“. „Diese verewigte Gewalt66 (Abhandlung über das Erb¬
recht) „erlischt selbst mit Meinem Tode nicht, sondern wird über¬
tragen oder vererbt. Die Dinge gehören nun wirklich nicht Mir,
sondern dem Rechte. Andererseits ist dies weiter Nichts als eine
Verblendung, denn die Gewalt des Einzelnen wird allein dadurch
75 permanent und ein Recht, daß Andre ihre Gewalt mit der seinigen
verbinden. Der Wahn besteht darin, daß sie ihre Gewalt nicht
wieder zurückziehen zu können glauben“. P. 366, 367. „Ein
Hund sieht den Knochen in eines andern Gewalt und steht nur ab,
wenn er sich zu schwach fühlt. Der Mensch aber respektiert das
2o Recht des Andern an seinen Knochen . . . Und wie hier, so heißt
überhaupt dies „menschlich66, wenn man in Allem etwas
Geistiges sieht, hier das Recht, d. h. Alles zu einem Gespenste
macht und sich dazu als zu einem Gespenste verhält . . . Mensch¬
lich ist es, das Einzelne nicht als Einzelnes, sondern als ein All-
25 gemeines anzuschauen.66 p. 368, 369.
Das ganze Unheil entspringt also wieder aus dem Glauben der
Individuen an den Rechtsbegriff, den sie sich aus dem Kopfe
schlagen sollen. Sankt Sancho kennt nur „Dinge“ und „Iche66,
und von Allem, was nicht unter diese Rubriken paßt, von allen
зо Verhältnissen kennt er nur die abstrakten Begriffe, die sich ihm
daher auch in „Gespenster“ verwandeln. „Andererseits“ dämmert
ihm freilich zuweilen, daß dies Alles „weiter Nichts ist als eine
Verblendung66, und daß „die Gewalt des Einzelnen66 85b [78b]/
sehr davon abhängig ist, ob Andre ihre Gewalt mit der seinigen
35 verbinden. Aber in letzter Instanz läuft Alles doch auf „den
Wahn“ heraus, daß die Einzelnen „ihre Gewalt nicht wieder zu¬
rückziehen zu können glauben66. Die Eisenbahn gehört wieder
„wirklich66 nicht den Aktionären, sondern den Statuten. Sancho
gibt gleich ein schlagendes Exempel am Erbrecht. Er erklärt es
4o nicht aus der Notwendigkeit der Akkumulation und der vor dem
Recht existierenden Familie, sondern aus der juristischen
Fiktion von der Verlängerung der Gewalt über den
Tod hinaus. Diese juristische Fiktion selbst wird von allen Gesetz¬
gebungen immer mehr aufgegeben, jemehr die feudale Gesell-
45 schäft in die bürgerliche übergeht. (Vergleiche z. B. den code Na¬
342
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
poleon). Daß die absolute väterliche Gewalt und das Majorat, so¬
wohl das naturwüchsige Lehnsmajorat, wie das spätere, auf sehr
bestimmten materiellen Verhältnissen beruhten, braucht hier nicht
auseinandergesetzt zu werden. Dasselbe findet bei den antiken Völ¬
kern statt in der Epoche der Auflösung des Gemein wesens durch 5
das Privatleben. (Bester Beweis die Geschichte des römischen
Erbrechts). Sancho konnte überhaupt kein unglücklicheres Bei¬
spiel wählen als das Erbrecht, das am allerdeutlichsten die Ab¬
hängigkeit des Rechts von den Produktionsverhältnissen zeigt. Ver¬
gleich zum Beispiel römisches und germanisches Erbrecht. Ein 10
Hund hat freilich noch nie aus einem Knochen Phosphor, Knochen¬
mehl oder Kalk gemacht, ebensowenig wie er sich je über sein
„Recht66 an einen Knochen „etwas in den Kopf gesetzt hat66; Sankt
Sancho hat sich ebenfalls nie „in den Kopf gesetzt66 darüber
nachzudenken, ob nicht das Recht, das die Menschen auf einen 15
Knochen sich vindizieren und die Hunde nicht, mit der Art zu¬
sammenhängt, wie die Menschen diesen Knochen produktiv be¬
handeln und die Hunde nicht. Überhaupt haben wir hier an einem
Beispiel die ganze Manier der Sanchoschen Kritik und seinen un¬
erschütterlichen Glauben an kurante Illusionen vor uns. Die bis- 20
herigen Produktionsverhältnisse der Individuen müssen sich eben¬
falls als politische und rechtliche Verhältnisse ausdrücken. (Sieh
oben). Innerhalb der Teilung der Arbeit müssen diese Verhält¬
nisse gegenüber den Individuen sich verselbstständigen. Alle Ver¬
hältnisse können /86c[78c]/ in der Sprache nur als Begriffe aus- 25
gedrückt werden. Daß diese Allgemeinheiten und Begriffe als
mysteriöse Mächte gelten, ist eine notwendige Folge der Verselbst¬
ständigung der realen Verhältnisse, deren Ausdruck sie sind.
Außer dieser Geltung im gewöhnlichen Bewußtsein erhalten diese
Allgemeinheiten noch eine besondere Geltung und Ausbildung зо
von den Politikern und Juristen, die durch die Teilung der Arbeit
auf den Kultus dieser Begriffe angewiesen sind und in ihnen, nicht
in den Produktionsverhältnissen, die wahre Grundlage aller realen
Eigentumsverhältnisse sehen. Diese Illusion adoptiert Sankt
Sancho unbesehens, hat es damit fertig gebracht das rechtliche 35
Eigentum für die Basis des Privateigentums und den Rechtsbegriff
für die Basis des rechtlichen Eigentums zu erklären und kann nun
seine ganze Kritik darauf beschränken, den Rechtsbegriff für
einen Begriff, ein Gespenst zu erklären. Womit Sankt Sancho
fertig ist. Zu seiner Beruhigung kann ihm noch gesagt werden, daß 40
das Verfahren der Hunde, wenn ihrer zwei einen Knochen finden,
in allen ursprünglichen Gesetzbüchern als Recht anerkannt wird;
vim vi repellere licere, sagen die Pandekten; idque jus natura
comparatur, worunter verstanden wird jus quod natura omnia ani-
malia — Menschen und Hunden — docuit; daß aber später die
III. Sankt Max
343
organisierte Repulsion der Gewalt durch die Gewalt „eben“ das
Recht ist.
Sankt Sancho, der nun im Zuge ist, dokumentiert seine rechts¬
geschichtliche Gelehrsamkeit dadurch, daß er Proudhon seinen
<5 „Knochen“ streitig macht. Proudhon, sagt er, „schwindelt uns vor,
die Sozietät sei die ursprüngliche Besitzerin und die einzige
Eigentümerin von unverjährbarem Rechte; an ihr sei der so¬
genannte Eigentümer zum Diebe geworden; wenn sie nun dem
dermaligen Eigentümer sein Eigentum entziehe, so raube sie ihm
w Nichts, da sie nur ihr unverjährbares Recht geltend mache. Soweit
kommt man mit dem Spuk der Sozietät als einer moralischen
Person.“ p.330, 331. Dagegen will Stirner uns „vorschwin¬
deln“, p. 340, 367, 420 und anderwärts, wir, nämlich die Besitz¬
losen, hätten den Eigentümern ihr Eigentum geschenkt, aus Un-
15 künde, Feigheit, oder auch Gutmütigkeit usw., und fordert uns
auf, unser Geschenk zurückzunehmen. Zwischen den beiden / (86)
[79]/ „Schwindeleien66 ist der Unterschied, daß Proudhon sich
auf ein historisches Faktum stützt, während Sankt Sancho sich
nur etwas „in den Kopf gesetzt66 hat, um der Sache eine „neue
2o Wendung66 zu geben. Die neueren rechtsgeschichtlichen Forschun¬
gen haben nämlich herausgestellt, daß sowohl in Rom, wie bei den
germanischen, keltischen und slavischen Völkern die Eigentums¬
entwicklung vom Gemeindeeigentum oder Stammeigentum aus¬
ging und das eigentliche Privateigentum überall durch Usurpation
25 entstand, was Sankt Sancho freilich nicht aus der tiefen Einsicht
herausklauben konnte, daß der Rechtsbegriff ein Begriff ist. Den
juristischen Dogmatikern gegenüber war Proudhon vollständig be¬
rechtigt dies Faktum geltend zu machen und überhaupt sie mit
ihren eignen Voraussetzungen zu bekämpfen. „Soweit kommt man
30 mit dem Spuk66 des Rechtsbegriffs als eines Begriffs. Proudhon
könnte nur dann wegen seines obigen Satzes angegriffen werden,
wenn er dem über dies ursprüngliche Gemeinwesen hinausgegan¬
genen Privateigentum gegenüber die frühere und rohere Form ver¬
teidigt hätte. Sancho resümiert seine Kritik Proudhons in der
35 stolzen Frage: „Warum so sentimental, als ein armer Beraubter,
das Mitleid anrufen?66 P. 420. Die Sentimalität, die übrigens
bei Proudhon nirgends zu finden ist, ist nur der Maritomes gegen¬
über erlaubt. Sancho bildet sich wirklich ein, ein „ganzer Kerl66
zu sein gegenüber einem Gespenstergläubigen wie Proudhon. Er
40 hält seinen aufgedunsenen Kanzleistil, dessen sich Friedrich Wil¬
helm IV. zu schämen hätte, für revolutionär. „Der Glaube macht
selig!66
/87а[79а]/ P. 340 erfahren wir: „Alle Versuche, über das
Eigentum vernünftige Gesetze zu geben, liefen vom Busen der
45 L i eb e in ein wüstes Meer von Bestimmungen aus.66 Hierzu paßt
344
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
der gleich abenteuerliche Satz: „Der bisherige Verkehr beruhte
auf der Liebe, dem rücksichtsvollen Benehmen, dem Füreinander-
Tun“. P. 385. — Sankt Sancho überrascht sich hier selbst mit
einem frappanten Paradoxon über das Recht und den Verkehr.
Wenn wir uns indes erinnern, daß er unter „der Liebe“ die Liebe 5
zu „d em Menschen66, überhaupt einem An-und-für-sich-seienden,
Allgemeinen, das Verhältnis zu einem Individuum oder Ding als
zum Wesen, zu dem Heiligen versteht, so fällt dieser glän¬
zende Schein zusammen. Die obigen Orakelsprüche lösen sich
dann in die alten, durch das ganze „Buch66 uns enuyierenden Tri- 10
vialitäten auf, daß zwei Dinge, von denen Sancho Nichts weiß,
nämlich hier das bisherige Recht und der bisherige Verkehr —
„das Heilige66 sind, und daß überhaupt bisher nur „Begriffe die
Welt beherrscht66 haben. Das Verhältnis zum Heiligen, sonst „Re¬
spekt66 genannt, kann auch gelegentlich „Liebe66 tituliert werden. 15
(Siehe „Logik66).
Nur ein Beispiel, wie Sankt Sancho die Gesetzgebung in ein
Liebesverhältnis und den Handel in einen Liebeshandel verwan¬
delt: „In einer Registrationsbill für Irland stellte die Regierung
den Antrag, Wähler diejenigen sein zu lassen, welche fünf Pfund 20
Sterling Armensteuer entrichten. Also wer Almosen gibt, der er¬
wirbt politische Rechte oder wird anderwärts Schwanenritter.66
p. 344. Zuerst ist hier zu bemerken, daß diese „Registrationsbill“,
die „politische Rechte66 verleiht, eine Munizipal- oder Korpora¬
tionsbill war, oder um für Sancho verständlich zu sprechen, 25
eine „Städteordnung66, die keine „politischen Rechte66, sondern
städtische Rechte, Wahlrecht für Lokalbeamte, verleihen sollte.
Zweitens sollte Sancho, der den Mac-Culloch übersetzt, doch wohl
wissen, was das heißt, to be assessed to the poor-rates at five
pounds. Es heißt nicht „fünf Pfund Armensteuer zahlen“, son- зо
dem in den Armen-/87b[79b]/steuerrollen als Bewohner eines
Hauses eingetragen sein, dessen jährliche Miete fünf Pfund be¬
trägt. Der Berliner Bonhomme weiß nicht, daß die Armensteuer in
England und Irland eine lokale Steuer ist, die in jeder Stadt
und in jedem Jahre verschieden ist, sodaß es eine reine Un- 35
möglichkeit wäre, irgend ein Recht an einen bestimmten Steuer¬
betrag knüpfen zu wollen. Endlich glaubt Sancho, daß die eng¬
lische und irische Armensteuer ein „А 1 mоsen66 sei, während sie
nur die Geldmittel zu einem offenen und direkten Angriffskrieg
der herrschenden Bourgeoisie gegen das Proletariat aufbringt. Sie 40
deckt die Kosten der Arbeitshäuser, die bekanntlich ein Malthu-
sianisches Abschreckungsmittel gegen den Pauperismus sind. Man
sieht, wie Sancho ..vom Busen der Liebe in ein wüstes Meer von
Bestimmungen ausläuft.66
Beiläufig bemerkt, mußte die deutsche Philosophie, weil sie 45
III. Sankt Max
345
nur vom Bewußtsein ausging, in Moralphilosophie verenden, wo
dann die verschiedenen Heroen einen Hader um die wahre Moral
führen. Feuerbach liebt den Menschen um des Menschen willen,
Sankt Bruno liebt ihn, weil er es „verdient“ (Wig. p. 137), und
Sankt Sancho liebt „Jeden,66 weil es ihm gefällt, mit dem Bewußt¬
sein des Egoismus („das Buch66, p. 387).
Wir haben schon oben, in der ersten Abhandlung, gehört, wie
die kleinen Grundeigentümer sich respektvoll vom großen Grund¬
eigentum ausschlossen. Dies Sich-Ausschließen vom fremden
io Eigentum aus Respekt wird überhaupt als Charakter des bürger¬
lichen Eigentums dargestellt. Aus diesem Charakter weiß Stirner
sich zu erklären, warum „innerhalb des Bürgertums trotz seines
Sinnes, daß Jeder Eigentümer sei, die Meisten soviel wie Nichts
haben.66 p. 348. Dies „kommt daher, weil die Meisten sich schon
75 darüber freuen, nur überhaupt Inhaber, sei es auch von einigen
Lappen, zu sein.66 p. 349. Daß „die Meisten66 nur „einige Lap¬
pen66 besitzen, erklärt sich Szeliga ganz natürlich aus ihrer Freude
an den Lappen. —
P. 343: „Ich wäre bloß Besitzer? Nein, bisher war man nur
2o Besitzer, gesichert im Besitze einer Parzelle, dadurch, daß man
Andere auch im Besitze einer Parzelle ließ; jetzt aber gehört
Alles Mir. Ich bin Eigentümer von Allem, dessen Ich brauche
und habhaft werden kann.66 Wie Sancho vorhin die /86c [79c]/
kleinen Grundbesitzer sich respektvoll vom großen Eigentum aus-
25 schließen ließ, jetzt die kleinen Grundbesitzer sich von einander,
so konnte er weiter ins Detail gehen, die Ausschließung des kom¬
merziellen Eigentums vom Grundeigentum, des Fabrikeigentums
vom eigentlich kommerziellen usw. durch den Respekt bewerk¬
stelligen lassen und es so zu einer ganz neuen Ökonomie auf der
so Basis des Heiligen bringen. Er hat sich dann nur den Respekt aus
dem Kopf zu schlagen, um die Teilung der Arbeit und die daraus
hervorgehende Gestaltung des Eigentums mit Einem Schlage auf¬
zuheben. Zu dieser neuen Ökonomie gibt Sancho p. 128 „des
Buchs66 einen Beleg, wo er die Nadel nicht vom shopkeeper, son-
35 dem vom Respekt kauft, und nicht mit Geld von dem shopkeeper,
sondern mit Respekt von der Nadel. Übrigens ist die von Sancho
angefeindete dogmatische Selbstausschließung eines Jeden
vom fremden Eigentum eine rein juristische Illusion. In der heuti¬
gen Produktions- und Verkehrsweise schlägt Jeder ihr ins Gesicht
40 und trachtet gerade danach, alle Andern von ihrem einstweiligen
Eigentum auszuschließen. Wie es mit Sanchos „Eigentum an Al¬
lem66 aussieht, geht schon aus dem ergänzenden Nachsatz hervor:
„dessen Ich brauche und habhaft werden kann.66 Er erörtert
dies selbst näher p. 353: „Sage Ich: Mir gehört die Welt, so i st
45 das eigentlich auch leeres Gerede, das nur inso¬
346
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
fern Sinn hat, als Ich kein fremdes Eigentum respektiere.“ Also
insofern der Nichtrespekt vor dem fremden Eigentum sein
Eigentum ist.
Was Sancho an seinem geliebten Privateigentum kränkt, ist
eben die Ausschließlichkeit, ohne die es Unsinn wäre, das Fak- 5
tum, daß es außer ihm noch andre Privateigentümer gibt. Frem¬
des Privateigentum ist nämlich heiliges. Wir werden sehen, wie
er in seinem „Vereine66 diesem Übelstand abhilft. Wir werden
nämlich finden, daß sein egoistisches Eigentum, das Eigentum im
außergewöhnlichen Verstände, weiter nichts ist als das durch seine 10
heiligende Phantasie verklärte, gewöhnliche oder bürgerliche
Eigentum.
Schließen wir mit dem Spruch Salomonis: „Gelangen die Men¬
schen dahin, daß sie den Respekt vor dem Eigentum verlieren, so
wird Jeder Eigentum haben . . . dann [werden Vereine auch js
in dieser Sache die Mittel des Einzelnen multiplizieren und sein
angefochtenes Eigentum sicher stellen.66 p. 342.]
[Abhandlung 3: Über die Konkurrenz im gewöhnlichen und
außergewöhnlichen Verstände]
/{88} [80]/ Schreiber dieses begab sich eines Morgens im 20
gebührlichen Kostüm zum Herrn Minister Eichhorn: „Weil es
mit dem Fabrikanten nicht geht66 (der Herr Finanzminister hatte
ihm nämlich weder Raum noch Geld zur Errichtung einer eigenen
Fabrik gegeben, noch der Herr Justizminister ihm erlaubt, dem
Fabrikanten die Fabrik zu nehmen — siehe oben bürgerliches 25
Eigentum), „so will Ich mit jenem Professor der Rechte konkur¬
rieren; der Mann ist ein Gimpel und Ich, der Ich hundertmal mehr
weiß als er, werde sein Auditorium leer machen. — „Hast Du stu¬
diert und promoviert, Freund?66 — Nein, aber was tut das? Ich
verstehe, was zu dem Lehrfache nötig ist, reichlich. — „Tut mir зо
leid, aber die Konkurrenz ist hier nicht frei. Gegen deine Person
ist nichts zu sagen, aber die Sache fehlt, das Doktordiplom. Und
dies verlange Ich, der Staat.66 — Dies also ist die Freiheit der
Konkurrenz66, seufzte Schreiber dieses, „der Staat, Mein
Herr, befähigt mich erst zum Konkurrieren.66 Worauf er nieder- 35
geschlagen in seine Behausung zurückkehrte. P. 347.
In entwickelten Ländern wäre es ihm nicht vorgekommen, den
Staat um die Erlaubnis fragen zu müssen, ob er mit einem Pro¬
fessor der Rechte konkurrieren dürfe. Wenn er sich aber an den
Staat als einen Arbeitgeber wendet und Besoldung, d. h. А r - 40
16—17 Nach haben . . . dann fehlt der Bogen 87 , d. h. vier Seiten. Die Ergänzung
des Zitats aus Stirners „Der Einzige und sein Eigentum“ ebenso wie die
folgende Überschrift stammen von uns
III. Sankt Max
347
5
10
15
20
25
30
35
40
45
b e i t s 1 о h n verlangt, also sich selbst in das Konkurrenzverhält¬
nis stellt, so ist allerdings nach seinen schon dagewesenen Abhand¬
lungen über Privateigentum und privati, Gemeinde-Eigentum, Pro¬
letariat, lettres patentes, Staat und Status usw. nicht zu vermuten,
daß er „glücklich werben“ wird. Der Staat kann ihn, nach seinen
bisherigen Leistungen, höchstens als Küster (custos) „des Heili¬
gen66 auf einer hinterpommerschen Domäne anstellen.
Zur Erheiterung können wir hier „episodisch66 die große Ent¬
deckung Sanchos „einlegen66, daß zwischen „Armen66 und
„R eichen66 kein „anderer Unterschied“ existiert — „als der der
Vermögenden und Unvermögenden.“ p. 354.
Stürzen wir uns jetzt wieder in das „wüste Meer66 der Stimer-
schen „Bestimmungen“ über die Konkurrenz: „Mit der Konkur¬
renz ist weniger66 (o„Weniger66!) /[80a]/„die Absicht verbun¬
den, die Sache am besten zu machen, als die andre, sie möglichst
einträglich, ergiebig zu machen. Man studiert daher auf
ein Amt los (Brotstudium), studiert Katzenbuckel und Schmeiche¬
leien, Routine und Geschäftskenntnis, man arbeitet auf den
Schein. Während es daher scheinbar um eine gute Leistung
zu tun ist, wird in Wahrheit nur auf ein gutes Geschäft und Geld¬
verdienst gesehen. Man möchte zwar nicht gerne Zensor sein, aber
man will befördert sein . . . man fürchtet Versetzung oder gar Ab¬
setzung.66 p. 354, 355.
Unser Bonhomme möge ein ökonomisches Handbuch auf¬
spüren, worin selbst die Theoretiker behaupten, es sei in der Kon¬
kurrenz um „eine gute Leistung66, oder darum zu tun, „die Sache
am besten zu machen66 und nicht, „sie möglichst einträglich zu
machen.66 Er kann übrigens in jedem derartigen Buche finden,
daß innerhalb des Privateigentums die ausgebildete Konkurrenz,
wie z. B. in England, die „Sache66 allerdings „am besten macht66.
Der kleine kommerzielle und industrielle Betrug wuchert nur unter
bornierten Konkurrenzverhältnissen, unter den Chinesen, Deut¬
schen und Juden, überhaupt unter den Hausierern und Klein¬
krämern. Aber selbst den Hausierhandel erwähnt unser Heiliger
nicht; er kennt nur die Konkurrenz der Supemumerarien und Re-
ferendarien, er beweist sich hier als vollständigen k. preuß. Sub-
altembeamten. Er hätte ebenso gut die Bewerbung der Hofleute
aller Zeiten um die Gunst ihres Fürsten als Beispiel der Konkur¬
renz anführen können, aber das lag seinem kleinbürgerlichen Ge¬
sichtskreis viel zu fern.
Nach diesen gewaltigen Abenteuern mit den Supemumerarien,
Salarien-Cassen-Rendanten und Registratoren besteht Sankt
Sancho das große Abenteuer mit dem famosen Roß Clavileno, da¬
von der Prophet Cervantes zuvor geredet hat im neuen Testament
am Einundvierzigsten. Sancho setzt sich nämlich aufs hohe öko¬
348
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
nomische Pferd und bestimmt das Minimum des Arbeitslohnes
vermittelst „des Heiligen“. Allerdings zeigt er hier wieder einmal
seine angebome Furchtsamkeit /[80b]/ und weigert sich anfangs,
das fliegende Roß zu besteigen, das ihn in die Region trägt, „wo
der Hagel, der Schnee, der Donner, Blitz und Wetterstrahl erzeugt 5
werden66, weit über die Wolken hinaus. Aber „der Herzog66, das
ist „der Staat66, ermuntert ihn, und nachdem der kühnere und er¬
fahrnere Szeliga-Don Quijote sich einmal in den Sattel geschwun¬
gen hat, klettert unser wackerer Sancho ihm nach auf die Kruppe.
Und als die Hand Szeligas die Schraube am Kopfe des Pferdes 10
gedreht hatte, erhob es sich hoch in die Lüfte, und alle Damen,
vomämlich Maritomes, riefen ihnen nach: „Der mit sich einige
Egoismus geleite Dich, tapferer Ritter, und noch tapfrerer Schild¬
knapp, und möge es Euch gelingen uns von dem Spuk des Malam-
bruno, „des Heiligen66, zu befreien. Halte Dich nur in der Ba- 15
lance, tapferer Sancho, damit du nicht fallest und es Dir nicht
ergehe wie Phaeton, da er den Sonnenwagen lenken wollte!66
„Nehmen wir an66 (er schwankt schon hypothetisch), „daß, wie
die Ordnung zum Wesen des Staats gehört, so auch die
Unterordnung in seiner Natur“ (angenehme Modulation 20
zwischen „Wesen66 und „Natur66 — den „Ziegen66, die Sancho auf
seinem Fluge beobachtet) „gegründet ist, so sehen wir, daß von
den Untergeordneten66 (soll wohl heißen Übergeordneten) „oder
Bevorzugten die Zurückgesetzten unverhältnismäßig
überteuert und übervorteilt werden.66 p. 357. 25
„Nehmen wir an, ... so sehen wir.66 Soll heißen: so nehmen
wir an. Nehmen wir an, daß „Übergeordnete66 und „Untergeord¬
nete66 im Staat existieren, so „nehmen wir66 ebenfalls „an66, daß
erstere vor den letzteren „bevorzugt66 werden. Doch die stilistische
Schönheit dieses Satzes, sowie die plötzliche Anerkennung des зо
„Wesens66 und der „Natur66 eines Dings, schieben wir auf die
Furchtsamkeit und Verwirrung unsres ängstlich balancierenden
Sancho während seiner Luftfahrt, sowie auf die unter seiner Nase
abgebrannten Raketen. Wir bewundern selbst nicht, daß Sankt
Sancho sich die Folgen der Konkurrenz nicht aus der Konkurrenz, 35
sondern aus der Bureaukratie erklärt, und den Staat hier wieder¬
um den Arbeitslohn bestimmen läßt.
/[80c] / Er bedenkt nicht, daß die fortwährenden Schwankun¬
gen des Arbeitslohns seiner ganzen schönen Theorie ins Gesicht
schlagen und ein näheres Eingehen auf industrielle Verhältnisse 40
ihm allerdings Exempel zeigen würde, wo ein Fabrikant von seinen
Arbeitern nach allgemeinen Konkurrenzgesetzen „übervorteilt66
und „überteuert66 würde, wenn nicht diese juristischen und mora¬
lischen Ausdrücke innerhalb der Konkurrenz allen Sinn verloren
hätten. 45
III. Sankt Max
349
Wie einfältiglich und kleinbürgerlich sich in dem einzigen
Schädel Sanchos die weltumfassendsten Verhältnisse abspiegeln,
wie sehr er als Schulmeister daran gebunden ist, aus allen diesen
Verhältnissen sich moralische Nutzanwendungen zu abstrahieren
5 und sie mit moralischen Postulaten zu widerlegen, das zeigt wieder
deutlich die Zwerggestalt, zu der für ihn die Konkurrenz zusam¬
menschrumpft. Wir müssen diese kostbare Stelle in extenso mit¬
teilen, „auf daß Nichts verloren gehe66.
„Was noch einmal die Konkurrenz betrifft, so hat sie gerade
10 dadurch Bestand, daß nicht Alle sich ihrer Sache annehmen
und sich über sie mit einander verständigen. Brot ist z. B.
das Bedürfnis aller Einwohner einer Stadt, deshalb könnten sie
leicht Übereinkommen, eine öffentliche Bäckerei einzurichten.
Statt dessen überlassen sie die Lieferung des Bedarfs den kon-
15 kurrierenden Bäckern. Ebenso Fleisch den Fleischern, Wein den
Weinhändlem usw. . . . Wenn Ich Mich nicht um Meine Sache
bekümmere so muß Ich mit dem vorlieb nehmen, was Ande¬
ren Mir zu gewähren beliebt. Brot zu haben ist Meine Sache,
Mein Wunsch und Begehren, und doch überläßt man es den Bäk-
2o kern und hofft höchstens durch ihren Hader, ihr Rangablaufen,
ihren Wetteifer, kurz ihre Konkurrenz einen Vorteil zu erlangen,
auf welchen man bei den Zünftigen, die gänzlich und allein
im Eigentum der Backgerechtigkeit saßen, nicht rechnen konnte.66
p. 365.
25 Charakteristisch für unsern Kleinbürger ist es, daß hier eine
Anstalt wie die öffentliche Bäckerei, die unter dem Zunftwesen
vielfach existierte und durch die wohlfeilere Produktionsweise
der Konkurrenz gestürzt wurde, eine lokale Anstalt, die sich nur
unter beschränkten Verhältnissen halten konnte, und mit dem
зо Eintreten der Konkurrenz, welche die lokale /{89} [81]/ Borniert¬
heit aufhob, notwendig untergehen mußte — daß Sankt Sancho
eine solche Anstalt der Konkurrenz gegenüber seinen Mitspieß-
bürgem empfiehlt. Er hat nicht einmal das aus der Konkurrenz
gelernt, daß „der Bedarf66, z. B. an Brot, jeden Tag ein anderer ist,
35 daß es keineswegs von ihm abhängt, ob morgen noch das Brot
„seine Sache66 ist, oder ob sein Bedürfnis den Andern noch für
eine Sache gilt und daß innerhalb der Konkurrenz der Brotpreis
durch die Produktionskosten und nicht durch das Belieben der
Bäcker bestimmt wird. Er ignoriert sämtliche von der Konkurrenz
4o erst geschaffenen Verhältnisse, Aufhebung der Lokalbeschrän¬
kung, Herstellung von Kommunikationen, ausgebildete Teilung
der Arbeit, Weltverkehr, Proletariat, Maschinerie pp, um einen
wehmütigen Blick auf die mittelalterliche Spießbürgerei zurück¬
werfen. Von der Konkurrenz weiß er soviel, daß sie „Hader,
45 Rangablaufen und Wetteifer66 ist; um ihren sonstigen Zusammen¬
350
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
hang mit der Teilung der Arbeit, dem Verhältnis von Nachfrage
und Zufuhr etc. kümmert er sich nicht. Daß die Bourgeois sich
allerdings überall, wo es ihr Interesse erheischte (und dar¬
über wissen sie besser zu urteilen als Sankt Sancho), jedes¬
mal „verständigten“, soweit sie innerhalb der Konkurrenz und з
des Privateigentums dies konnten, zeigen die Aktiengesellschaf¬
ten, die mit dem Aufkommen des Seehandels und der Manu¬
faktur begannen und alle ihnen zugänglichen Zweige der Industrie
und des Handels an sich rissen. Solche „Verständigungen“, die
u. A. zur Eroberung eines Reiches in Ostindien führten, sind frei- 10
lieh kleinlich gegenüber der wohlmeinenden Phantasie einer
öffentlichen Bäckerei, die in der Vossischen Zeitung besprochen zu
werden verdiente. — Was die Prole-/[81a]/tarier betrifft, so sind
diese, wenigstens in ihrer modernen Gestalt, erst aus der Konkur¬
renz entstanden und haben bereits vielfach gemeinschaftliche An-із
stalten errichtet, die aber jedesmal untergingen, weil sie nicht mit
den „hadernden“ Privatbäckem, Fleischern pp konkurrieren
konnten, und weil für die Proletarier, wegen ihrer durch die
Teilung der Arbeit selbst vielfach entgegengesetzten Interessen
eine andere als politische, gegen den ganzen jetzigen Zustand ge- 20
richtete „Verständigung66 immöglich ist. Wo die Entwicklung der
Konkurrenz die Proletarier befähigt, sich zu „verständigen6’, da
„verständigen66 sie sich über ganz andre Dinge als über öffentliche
Bäckereien. Der Mangel an „Verständigung66, den Sancho hier
unter den konkurrierenden Individuen bemerkt, entspricht und 25
widerspricht vollständig seiner weiteren Ausführung über die Kon¬
kurrenz, die Wir im Kommentar, Wigand p. 173, genießen. „Man
führte die Konkurrenz ein, weil man ein Heil für Alle darin sah,
man einigte sich über sie, man versuchte es gemein¬
schaftlich mit ihr . . . man stimmte in ihr etwa so ü b e r e i n, зо
wie sämtliche Jäger bei einer Jagd für . . . ihre Zwecke es zuträg¬
lich finden können, sich im Walde zu zerstreuen und „vereinzelt66
zu jagen . . . Jetzt freilich stellt es sich heraus . . . daß bei der Km-
kurrenz nicht Jeder seinen Gewinn . . . findet66. — „Es stellt shh
hier heraus66, daß Sancho von der Jagd geradesoviel weiß wie v)n 35
der Konkurrenz. Er spricht nicht von einer Treibjagd, auch nicht
von einer Hetzjagd, sondern von der Jagd im außergewöhnlichen
Verstände. Es bleibt ihm nur noch übrig, nach den obigen Pr n-
zipien eine neue Geschichte der Industrie und des Handels m
schreiben und einen „Verein66 zu einer derartigen außergewöln- 40
liehen Jagd zu Stande zu bringen.
/[81b]/ Ganz in demselben stillen, gemütlichen und dorf¬
zeitungsmäßigen Geleise spricht er sich über die Stellung der
Konkurrenz zu den sittlichen Verhältnissen aus.
..Was der Mensch als solcher66 (!) „an körperlichen Gütern 45
III. Sankt Max
351
nicht behaupten kann, dürfen wir ihm nehmen: dies der Sinn der
Konkurrenz, der Gewerbefreiheit. Was er an geistigen Gütern
nicht behaupten kann, verfällt uns gleichfalls. Aber unantastbar
sind die geheiligten Güter. Geheiligt und garantiert durch
5 wen? . . . Durch den Menschen oder den Begriff, den Begriff der
Sache“. Als solche geheiligte Güter führt er an „das Leben66,
„Freiheit der Person66, „Religion66, „Ehre66, „Anstands-, Scham¬
gefühl66 usw. p. 325.
Alle diese „geheiligten Güter66 „darf66 Stirner in entwickelten
io Ländern zwar nicht „dem Menschen als solchen66, aber doch den
wirklichen Menschen nehmen, natürlich auf dem Wege und inner¬
halb der Bedingungen der Konkurrenz. Die große Umwälzung der
Gesellschaft durch die Konkurrenz, die die Verhältnisse der Bour¬
geois unter einander und zu den Proletariern in reine Geldverhält-
15 nisse auflöste, sämtliche oben genannte „geheiligte Güter66 in Han¬
delsartikel verwandelte und für die Proletarier alle naturwüch¬
sigen und überkommenen, z. B. Familien- und politische Verhält¬
nisse nebst ihrem ganzen ideologischen Überbau zerstörte —
diese gewaltige Revolution ging allerdings nicht von Deutschland
20 aus; Deutschland spielte in ihr nur eine passive Rolle, es ließ sich
seine geheiligten Güter nehmen und bekam nicht einmal den ku¬
ranten Preis dafür. Unser deutscher Kleinbürger kennt daher nur
die heuchlerischen Beteuerungen der Bourgeois über die morali¬
schen Grenzen der Konkurrenz der Bourgeois, die die „geheiligten
25 Güter66 der Proletarier, ihre „Ehre“, „Schamgefühl66, „Freiheit
der Person66 täglich mit Füßen treten und ihnen selbst den Reli¬
gionsunterricht entziehen. Diese vorgeschützten „moralischen
Grenzen66 gelten ihm für den wahren „Sinn66 der Konkurrenz, und
ihre Wirklichkeit existiert nicht für ihren Sinn.
зо Sancho resümiert die Resultate seiner Forschungen über die
Konkurrenz in folgendem Satze: „Ist eine Konkurrenz frei, die der
Staat, dieser Herrscher im bürgerlichen Prinzip, in tausend Schran¬
ken einengt?“ p. 347. Das „bürgerliche Prinzip66 Sanchos, „den
Staat66 überall zum „Herrscher66 zu machen und die aus der Pro-
35 duktions- und Verkehrsweise hervorgehenden Schranken der Kon¬
kurrenz für Schranken zu halten, in die „der Staat66 die Konkur¬
renz „einengt66, spricht sich hier noch einmal mit gebührender
„Empörung66 aus.
Sankt Sancho hat „in jüngster Zeit66 „aus Frankreich66 herüber
40 (vgl. Wigand p. 190) allerlei Neuigkeiten läuten gehört, /[81c]/
und unter Andern über die Versachlichung der Personen in der
Konkurrenz und über den Unterschied zwischen Konkurrenz und
Wetteifer. Aber der „arme Berliner66 hat „aus Dummheit die
schönen Sachen verdorben66. (Wig. ibidem, wo sein böses Gewis-
45 sen aus ihm redet). „So sagt er z. B.“ p. 346 „des Buchs66: „Ist die
352
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
freie Konkurrenz denn wirklich frei? Ja, ist sie wirklich eine Kon¬
kurrenz, nämlich der Personen, wofür sie sich ausgibt, weil
sie auf diesen Titel ihr Recht gründet?“ Die Dame Konkurrenz
gibt sich für etwas aus, weil sie (d.h. einige Juristen, Politiker
und schwärmerische Kleinbürger, die letzten Nachzügler in ihrem 5
Gefolge) auf diesen Titel ihr Recht gründet. Mit dieser Alle¬
gorie beginnt Sancho die „schönen Sachen64 „aus Frankreich66 für
den Meridian von Berlin zurechtzustutzen. Wir übergehen die
schon oben abgemachte absurde Vorstellung, daß „der Staat
gegen Meine Person nichts einzuwenden hat66 und mir so zu kon- 10
kurrieren erlaubt, mir aber „die Sache66 nicht gibt (p. 347) und
gehen gleich auf seinen Beweis über, daß die Konkurrenz keine
Konkurrenz der Personen ist.
„Konkurrieren aber wirklich die Personen? Nein, wieder¬
um nur die Sachen! Die Gelder in erster Reihe, usw.; in 15
dem Wetteifer wird immer Einer hinter dem Andern Zurückblei¬
ben. Allein es macht einen Unterschied, ob die fehlenden Mittel
durch persönliche Kraft gewonnen werden können, oder
nur durch Gnade zu erhalten sind, nur als Geschenk, und zwar in¬
dem z. B. der Ärmere dem Reicheren seinen Reichtum lassen, 20
d. h. schenken muß.66 p. 348. —
Die Schenkungstheorie „schenken wir ihm66 (Wig. p. 190). Er
möge sich im ersten besten juristischen Handbuch, Kapitel „Ver¬
trag66, unterrichten, ob ein „Geschenk66, das er „schenken muß“,
noch ein Geschenk ist. In dieser Weise „schenkt66 uns Stirner unsre 25
Kritik seines Buchs, weil er sie uns „lassen, d.h. schenken muß64.
Die Tatsache, daß von zwei Konkurrenten, deren „Sachen66
gleich sind, der eine den andern ruiniert, besteht für Sancho nicht.
Daß die Arbeiter unter einander kon-/{90! [82]/kurrieren, ob¬
gleich sie keine „Sachen“ (im Stimerschen Verstände) besitzen, зо
existiert desgleichen nicht für ihn. Indem er die Konkurrenz der
Arbeiter unter einander aufhebt, erfüllt er einen der frommsten
Wünsche unsrer „wahren Sozialisten66, deren wärmster Dank ihm
nicht entgehen wird. „Nur die Sachen“, nicht „die Personen66,
konkurrieren. — Nur die Waffen kämpfen, nicht die Leute, die 35
sie führen und zu führen gelernt haben. Diese sind bloß zum Tot-
geschossenwerden da. — So spiegelt sich der Konkurrenzkampf in
den Köpfen kleinbürgerlicher Schulmeister ab, die sich den
modernen Börsenbaronen und Cotton-Lords gegenüber mit dem
Bewußtsein trösten, daß ihnen nur „die Sache“ fehle, um ihre 40
„persönliche Kraft66 gegen sie geltend zu machen. Noch komische:
wird diese bornierte Vorstellung, wenn man auf die „Sachen6,
etwas näher eingeht, statt sich auf das Allergemeinste und Popu¬
lärste, z.B. „das Geld66 (das indes nicht so populär ist, wie es
scheint), zu beschränken. Unter diese „Sachen66 gehört u. A„ daß 45
III. Sankt Max
353
der Konkurrent in einem Lande und in einer Stadt lebt, wo er die¬
selben Vorteile hat, wie seine von ihm vorgefundenen Konkur¬
renten; daß das Verhältnis von Stadt und Land eine fortgeschrit¬
tene Entwicklungsstufe erlangt hat; daß er in einer günstigen geo-
5 graphischen, geologischen und hydrographischen Lage konkur¬
riert; daß er als Seidenfabrikant in Lyon, als Baumwollfabrikant
in Manchester fabriziert, oder in einer früheren Epoche als Ree¬
der in Holland sein Geschäft betrieb; daß die Teilung der Arbeit
in seinem wie in andern, von ihm keineswegs abhängigen Pro-
10 duktionszweigen eine hohe Ausbildung erlangt hat, daß die Kom¬
munikationen ihm denselben wohlfeilen Transport sichern, wie
seinen Konkurrenten, daß er geschickte Arbeiter und ausgebildete
Aufseher vorfindet. Alle diese „Sachen66, die zum Konkurrieren
nötig sind, überhaupt die Konkurrenzfähigkeit auf dem Welt¬
zs markte (den er nicht kennt und nicht kennen darf, um seiner
Staatstheorie und öffentlichen Bäckerei willen, der aber leider
die Konkurrenz und Konkurrenzfähigkeit bestimmt), kann er sich
weder durch „persönliche Kraft66 gewinnen, noch durch „die
Gnade66 „des Staats66 „schenken66 „lassen66 (vgl. p. 348). Der
2o preußische Staat, der es versuchte der Seehandlung alles dies zu
„schenken66, kann ihm darüber am besten Belehrung geben. Sancho
erweist sich hier als k. preuß. Seehandlungsphilosoph, indem er
die Illusion des preußischen Staats über seine Allmacht und die
Illusion der Seehandlung über ihre Konkurrenzfähigkeit eines
25 Breiteren glossiert. Übrigens hat die Konkurrenz allerdings als
eine „Konkurrenz der Personen66 mit „persönlichen Mitteln66 an¬
gefangen. Die Befreiung der Leibeigenen, die erste Bedingung der
Konkurrenz, die erste Akkumulation von „Sachen66, waren rein
„persönliche66 Akte. Wenn Sancho also die Konkurrenz der Per-
3o sonen an die Stelle der Konkurrenz der Sachen setzen will, so
heißt das: er will in den Anfang der Konkurrenz zurückgehen
und zwar mit der Einbildung, durch seinen guten Willen und sein
außergewöhnlich-egoistisches Bewußtsein der Entwicklung der
Konkurrenz eine andre Richtung geben zu können.
35 /[82a]/ Dieser große Mann, dem Nichts heilig ist, und der nach
der „Natur der Sache66 und dem „Begriff des Verhältnisses66 Nichts
fragt, muß dennoch zuletzt die „Natur66 des Unterschiedes zwi¬
schen persönlich und sachlich und den „Begriff des Verhältnisses66
dieser beiden Qualitäten für heilig erklären, und damit darauf
4o verzichten, sich als „Schöpfer66 dazu zu verhalten. Man kann die¬
sen, ihm heiligen Unterschied, wie er ihn im zitierten Passus macht,
indes aufheben, ohne darum „die maßloseste Entheiligung66 zu
begehen. Zunächst hebt er ihn selbst auf, indem er durch persön¬
liche Kraft sachliche Mittel erwerben läßt und so die persönliche
45 Kraft in eine sachliche Macht verwandelt. Er kann dann ruhig an
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 23
354
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
die Andern das moralische Postulat stellen, sich persönlich zu ihm
zu verhalten. Gerade so hätten die Mexikaner von den Spaniern
verlangen können, sie nicht mit Flinten zu erschießen, sondern mit
den Fäusten auf sie drein zu schlagen, oder mit Sankt Sancho „sie
bei den Köpfen zu fassen“, um sich „persönlich66 bei ihnen zu ver- 5
halten. — Wenn der Eine durch gute Nahrung, sorgfältige Er¬
ziehung und körperliche Übung eine ausgebildete Körperkraft
und Gewandtheit erlangt hat, während der Andre durch schmale
und ungesunde Kost und davon geschwächte Verdauung, durch
Vernachlässigung in der Kindheit und durch übermäßige An- 10
strengung nie „Sachen“ gewinnen konnte, um Muskel anzusetzen,
geschweige eine Herrschaft über sie zu erhalten, so ist die „per¬
sönliche Kraft66 des Einen dem Andern gegenüber eine rein sach¬
liche. Er hat sich nicht „die fehlenden Mittel durch persönliche
Kraft“ gewonnen, sondern im Gegenteil, er verdankt seine „per- 15
sönliche Kraft66 den vorhandenen sachlichen Mitteln. — Übrigens
ist die Verwandlung der persönlichen Mittel in sachliche und der
sachlichen in persönliche nur eine Seite der Konkurrenz, die von
ihr gar nicht zu trennen ist. Die Forderung, daß man nicht mit
sachlichen, sondern mit persönlichen Mitteln konkurrieren soll, 20
kommt auf das mora-/90b[82b]/lische Postulat heraus, daß die
Konkurrenz und die Verhältnisse, von denen sie bedingt ist, andre
als ihre unvermeidlichen Wirkungen haben sollen.
Abermalige und diesmal schließliche Zusammenfassung der
Philosophie der Konkurrenz: 25
„Die Konkurrenz leidet an dem Übelstande, daß nicht Jedem
die Mittel zum Konkurrieren zu Gebote stehen, weil sie nicht aus
der Persönlichkeit entnommen sind, sondern aus der Zu¬
fälligkeit. Die Meisten sind unbemittelt und deshalb“ (o Des¬
halb!) „unbegütert.“ p. 349. зо
Es ist ihm schon oben bemerkt worden, daß in der Konkur¬
renz die Persönlichkeit selbst eine Zufälligkeit und die Zufällig¬
keit eine Persönlichkeit ist. Die von der Persönlichkeit unabhängi¬
gen „Mittel“ zur Konkurrenz sind die Produktions- und Verkehrs¬
bedingungen der Personen selbst, die innerhalb der Konkurrenz 35
den Personen gegenüber als eine unabhängige Macht erscheinen,
als den Personen zufällige Mittel. Die Befreiung der Menschen
von diesen Mächten wird nach Sancho dadurch bewerkstelligt,
daß man sich die Vorstellungen von diesen Mächten oder
vielmehr die philosophischen und religiösen Verdrehungen die- 40
ser Vorstellungen aus dem Kopfe schlägt, sei es durch etymolo¬
gische Synonymik („Vermögen“ und „vermögen66), moralische
Postulate (z. B. Jeder sei ein allmächtiges Ich), oder durch affen¬
artige Grimassen und gemütlich-burleske Renommagen gegen „das
Heilige“. 45
III. Sankt Max
355
Schon früher hörten wir die Klage, daß in der jetzigen bür¬
gerlichen Gesellschaft, namentlich des Staats wegen, das „Ich“
sich nicht verwerten, id est seine „Vermögen“ nicht wirken lassen
könne. Jetzt erfahren wir noch, daß die „Eigenheit“ ihm nicht die
5 Mittel zum Konkurrieren gibt, daß „seine Macht“ keine Macht ist,
und daß er „unbegütert“ bleibt, wenn auch jeder Gegenstand,
„weil sein Gegenstand, auch sein Eigentum ist“. Das De¬
menti des mit sich einigen Egoismus ist vollständig. Aber alle diese
„Übelstände66 der Konkurrenz werden schwinden, sobald „das
10 Buch66 in das allgemeine Bewußtsein übergegangen ist. Bis dahin
beharrt Sancho bei seinem Gedankenhandel, ohne es indes zu einer
„guten Leistung“ zu bringen oder „die Sache am besten zu
machen.“ —
/90с[82c]/ II. Die Empörung
15 Mit der Kritik der Gesellschaft ist die Kritik der alten, heiligen
Welt beschlossen. Vermittelst der Empörung springen wir her¬
über in die neue egoistische Welt.
Was die Empörung überhaupt ist, haben wir bereits in der Lo¬
gik gesehen: die Aufkündigung des Respekts gegen das Heilige.
го Hier indes nimmt sie außerdem noch einen besondem praktischen
Charakter an.
Revolution ~ heilige Empörung.
Empörung = egoistische oder profane Revolution.
Revolution = Umwälzung der Zustände.
25 Empörung = Umwälzung Meiner.
Revolution = politische oder soziale Tat.
Empörung — Meine egoistische Tat.
Revolution Umsturz des Bestehenden,
Empörung -- Bestehen des Umsturzes,
зо etc. etc. p. 422 usf. Die bisherige Weise der Menschen, ihre vor¬
gefundene Welt umzustürzen, mußte natürlich auch für heilig er¬
klärt und eine „eigne66 Art des Bruchs der vorhandenen Welt da¬
gegen geltend gemacht werden.
Die Revolution „besteht in einer Umwälzung des bestehenden
35 Zustandes oder Status, des Staats oder der Gesellschaft, ist mithin
23*
356
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
eine politische oder soziale Tat“. Die Empörung „hat
zwar eine Umwandlung der Zustände zur unvermeidlichen Folge,
geht aber nicht von ihr, sondern von der Unzuf riedenkeit
der Menschen mit sich aus46. „Sie ist eine Erhebung der
Einzelnen, ein Emporkommen, ohne Rücksicht auf die Ein- ;
richtungen, welche daraus entsprießen. Die Revolution zielte auf
neue Einrichtungen; die Empörung führt dahin, Uns nicht
mehr einrichten zu 1 а s s en, sondern Uns selbst einzurichten. Sie
ist kein Kampf gegen das Bestehende, da, wenn sie gedeiht, das
Bestehende von selbst zusam-/{91} [83]/men stürzt, sie ist nur ein 10
Herausarbeiten Meiner aus dem Bestehenden. Verlasse Ich das
Bestehende, so ist es tot, und geht in Fäulnis über. Da nun nicht
der Umsturz eines Bestehenden mein Zweck ist, sondern Meine
Erhebung darüber, so ist Meine Absicht und Tat keine politische
oder soziale, sondern als allein auf Mich und Meine Eigenheit ge- is
richtet, eine egoistische“. P.421,422.
Les beaux esprits se rencontrent. Was die Stimme des Predi¬
gers in der Wüste verkündete, ist in Erfüllung gegangen. Der heil¬
lose Johannes Baptista „Stimer“ hat im „D r. Kuhlmann aus
Holstein66 seinen heiligen Messias gefunden. Man höre: 20
„Ihr solltet nicht niederreißen und zerstören, was Euch da im
Wege stehet, sondern es umgehen und verlassen. — Und wenn Ihr
es umgangen und verlassen habt, dann höret es von selber auf,
denn es findet keine Nahrung mehr“. (Das Reich des Geistes etc.
Genf, 1845, p.116). 25
Die Revolution und die Stimersche Empörung unterscheiden
sich nicht, wie Stimer meint, dadurch, daß die Eine eine politische
oder soziale Tat, die Andre eine egoistische Tat ist, sondern da¬
durch, daß die Eine eine Tat ist und die Andre keine. Der Un¬
sinn seines ganzen Gegensatzes zeigt sich sogleich darin, daß er зо
von „der Revolution66 spricht, einer moralischen Person, die mit
„d em Bestehenden“, einer zweiten moralischen Person, zu kämp¬
fen hat. Hätte Sankt Sancho die verschiedenen wirklichen
Revolutionen und revolutionären Versuche durchgegangen, so
hätte er vielleicht in ihnen selbst diejenigen Formen gefunden, die 35
er bei der Erzeugung seiner ideologischen „Empörung66 dunkel
ahnte; z. B. bei den Korsikanem, Irländern, russischen Leibeig¬
nen, und überhaupt bei unzivilisierten Völkern. Hätte er sich fer¬
ner um die wirklichen, bei jeder Revolution „bestehenden66 Indi¬
viduen und ihre Verhältnisse gekümmert, statt sich mit dem reinen 40
Ich und „dem Bestehenden66, d. i. der Substanz, zu begnügen
(eine Phrase, zu deren Sturz keine Revolution, sondern nur ein
fahrender Ritter wie Sankt Bruno nötig ist), so wäre er vielleicht
zu der Einsicht gekommen, daß jede Revolution und ihre Resul¬
tate durch diese Verhältnisse, durch die Bedürfnisse, bedingt war, 45
III. Sankt Max
357
und daß „die politische oder soziale Tat“ keineswegs zu „der
egoistischen Tat46 /91a [83a]/ im Gegensatz stand.
Welche tiefe Einsicht Sankt Sancho in „die Revolution“ hat,
zeigt sich in dem Ausspruch: „Die Empörung hat zwar eine Um-
5 Wandlung der Zustände zur Folge, geht aber nicht von ihr aus66.
Dies, in der Antithese gesagt, impliziert, daß die Revolution „von
einer Umwandlung der Zustände66 ausgeht, d. h. daß die Revo¬
lution von der Revolution ausgeht. Dagegen „geht“ die Empörung
„von der Unzufriedenheit der Menschen mit sich aus66. Diese „Un-
io Zufriedenheit mit sich66 paßt vortrefflich zu den früheren Phrasen
über die Eigenheit und den „mit sich einigen Egoisten“, der stets
„seinen eignen Weg“ gehen kann, der stets Freude an sich erlebt
und in jedem Augenblicke das ist, was er sein kann. Die Unzufrie¬
denheit mit sich ist entweder die Unzufriedenheit mit sich inner-
15 halb eines gewissen Zustandes, durch den die ganze Persönlich¬
keit bedingt ist, z. B. die Unzufriedenheit mit sich als Arbeiter —
oder die moralische Unzufriedenheit. Im ersten Falle also Un¬
zufriedenheitzugleich und hauptsächlich mit den bestehenden Ver¬
hältnissen; im zweiten Falle ein ideologischer Ausdruck dieser
so Verhältnisse selbst, der keineswegs über sie herausgeht, sondern
ganz zu ihnen gehört. Der erste Fall führt, wie Sancho glaubt, zur
Revolution; es bleibt also nur der zweite, die moralische Un¬
zufriedenheit mit sich, für die Empörung. „Das Bestehende66 ist,
wie wir wissen, „das Heilige66; die „Unzufriedenheit mit sich“
25 reduziert sich also auf die moralische Unzufriedenheit mit sich
als einem Heiligen, d. h. einem Gläubigen an das Heilige, das Be¬
stehende. Es konnte nur einem malkontenten Schulmeister einfal¬
len, sein Raisonnement über Revolution und Empörung auf Zu¬
friedenheit und Unzufriedenheit zu basieren, Stimmungen, die
зо ganz dem kleinbürgerlichen Kreise angehören, aus welchem
Sankt Sancho, wie wir fortwährend sehen, seine Inspirationen
schöpft.
Was das „Heraustreten aus dem Bestehenden“ für einen Sinn
hat, wissen wir schon. Es ist die alte Einbildung, daß der Staat
35 von selbst zusammenfällt, sobald alle Mitglieder aus ihm heraus¬
treten, und daß das Geld seine Geltung verliert, wenn sämtliche
/91b [83b]/ Arbeiter es anzunehmen verweigern. Schon in der hypo¬
thetischen Form dieses Satzes spricht sich die Phantasterei und
Ohnmacht des frommen Wunsches aus. Es ist die alte Illusion, daß
4ü es nur vom guten Willen der Leute abhängt, die bestehenden Ver¬
hältnisse zu ändern, und daß die bestehenden Verhältnisse Ideen
sind. Die Veränderung des Bewußtseins, abgetrennt von den Ver¬
hältnissen, wie sie von den Philosophen als Beruf, d. h. als Ge¬
schäft, betrieben wird, ist selbst ein Produkt der bestehenden
45 Verhältnisse und gehört mit zu ihnen. Diese ideelle Erhebung über
358
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
die Welt ist der ideologische Ausdruck der Ohnmacht der Philo¬
sophen gegenüber der Welt. Ihre ideologischen Prahlereien werden
jeden Tag durch die Praxis Lügen gestraft.
Jedenfalls hat Sancho sich nicht gegen seinen Zustand der Kon¬
fusion „empört“, als er diese Zeilen schrieb. Ihm steht die „Um- 5
Wandlung der Zustande66 auf der einen, und die „Menschen66 auf
der andern Seite, und beide Seiten sind ganz von einander getrennt.
Sancho denkt nicht im Entferntesten daran, daß die „Zustände66
von jeher die Zustände dieser Menschen waren, und nie umgewan¬
delt werden konnten, ohne daß die Menschen sich umwandeln, 10
und wenn es einmal so sein soll, „mit sich66 in den alten Zuständen
„unzufrieden“ wurden. Er glaubt der Revolution den Todesstreich
zu versetzen, wenn er sie auf neue Einrichtungen zielen läßt, wäh¬
rend die Empörung dahin führt uns nicht mehr einrichten zu las¬
sen, sondern Uns selbst einzurichten. Aber schon darin, daß „Wir66 15
„Uns66 einrichten, schon darin, daß die Empörer „Wir66 sind, liegt,
daß der Einzelne sich trotz alles Sanchoschen „Widerwillens66, von
den „Wir66 „einrichten lassen66 muß und so Revolution und Em¬
pörung sich nur dadurch unterscheiden, daß man in der einen
dies weiß und in der andern sich Illusionen macht. Dann läßt 20
Sancho es hypothetisch, ob die Empörung „gedeih t“ oder nicht.
Wie sie nicht „gedeihen66 soll, ist nicht abzusehen, und wie sie
gedeihen soll, noch viel weniger, da jeder der Empörer nur seinen
eignen Weg geht; es müßten denn profane Verhältnisse dazwischen
treten, die den Empörern die Notwendigkeit einer gemein-25
samen Tat zeigten, einer Tat, die „eine politische oder soziale66
wäre, gleichviel, ob sie von egoistischen Motiven ausginge oder
nicht. Eine fernere „lumpige Distinktion“, die wieder auf der
Konfusion beruht, macht Sancho zwischen „Umstürzen66 des Be¬
stehenden und „Erhebung“ darüber, /91c[83c] / als ob er nicht im зо
Umstürzen sich darüber erhebe und im Erheben darüber es um¬
stürze, sei es auch nur in so weit als es an ihm selbst Bestand hat.
Übrigens ist weder mit dem „Umstürzen66 schlechthin, noch mit
dem „Sich erheben66 schlechthin etwas gesagt; daß das Sich-Er-
heben ebenfalls in der Revolution vorkommt, kann Sancho daraus 35
abnehmen, daß das: Levons-nous! in der französischen Revolution
ein bekanntes Stichwort war.
„Einrichtungen zu machen, gebietet66 (!) „die Revolution,
sich auf oder emporzurichten, heischt die Empörung.
Welche Verfassung zu wählen sei, beschäftigte die revolu- 40
tionären Köpfe, und von Verfassungskämpfen und Verfassungs¬
fragen sprudelt die ganze politische Periode, wie auch die sozia¬
len Talente an gesellschaftlichen Einrichtungen (Phalansterieen
u. dergl.) ungemein erfinderisch waren. Verfassungslos
zu werden, bestrebt sich der Empörer.“ p. 422. 45
III. Sankt Max
359
Daß die französische Revolution Einrichtungen zur Folge
hatte, ist ein Faktum; daß Empörung von empor herkommt, ist
auch ein Faktum; daß man in der Revolution und später um Ver¬
fassungen gekämpft hat, desgleichen; daß verschiedene soziale
5 Systeme entworfen worden sind, ebenfalls; nicht minder, daß
Proudhon von Anarchie gesprochen hat. Aus diesen fünf Fakten
braut sich Sancho seinen obigen Satz zusammen.
Aus dem Faktum, daß die französische Revolution zu „Ein¬
richtungen66 geführt hat, schließt Sancho, daß die Revolution
10 dies „gebiete66. Daraus, daß die politische Revolution eine poli¬
tische war, in der die soziale Umwälzung zugleich einen offiziellen
Ausdruck als Verfassungskämpfe erhielt, entnimmt Sancho, getreu
seinem Geschichtsmakler, daß man sich in ihr um die beste Ver¬
fassung gestritten habe. An diese Entdeckung knüpft er durch ein
15 „Wie auch66 eine Erwähnung der sozialen Systeme. In der Epoche
der Bourgeoisie beschäftigte man sich mit Verfassungsfragen,
„wie auch66 verschiedene soziale Systeme neuerdings gemacht
worden sind. Dies ist der Zusammenhang des obigen Satzes.
Daß die bisherigen Revolutionen innerhalb der Teilung der Ar-
2o beit zu neuen politischen Einrichtungen führen mußten, geht aus
dem oben gegen Feuerbach Gesagten hervor; daß die kommuni¬
stische Revolution, die die Teilung der Arbeit aufhebt, die poli¬
tischen Einrichtungen schließlich beseitigt, geht ebenfalls daraus
hervor; und daß die kommunistische Revolution sich nicht nach
25 den „gesellschaftlichen Einrichtungen erfinderischer sozialer Ta¬
lente66 richten wird, sondern nach den Pro-/(92}[84]/duktivkräften,
geht endlich auch daraus hervor.
Aber „verfassungslos zu werden bestrebt sich der Empörer!66
Er, der „gebome Freie66, der von vom herein Alles los ist, bestrebt
зо sich am Ende der Tage, die Verfassung los zu werden.
Es ist noch zu bemerken, daß zur Entstehung der Sanchoschen
„Empörung66 allerlei frühere Illusionen unsres Bonhomme beige¬
tragen haben. So u. A. der Glaube, die Individuen, die eine Revo¬
lution machen, seien durch ein ideelles Band zusammengehalten
35 und ihre „Schilderhebung66 beschränke sich darauf, einen neuen
Begriff, fixe Idee, Spuk, Gespenst — das Heilige auf den Schild
zu heben. Sancho läßt sie sich dies ideelle Band aus dem Kopfe
schlagen, wodurch sie in seiner Vorstellung zu einer regellosen
Rotte werden, die sich nur noch „empören66 kann. Zudem hat er
4o gehört, daß die Konkurrenz der Krieg Aller gegen Alle ist, und
dieser Satz, vermengt mit seiner entheiligten Revolution, bildet
den Hauptfaktor seiner „Empörung66.
„Indem ich zu größerer Verdeutlichung auf einen Vergleich
sinne, fällt Mir wider Erwarten die Stiftung des Christentums
45 ein.66 p. 423. „Christus66, erfahren wir hier, „war kein Revolu¬
360
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
tionär, sondern ein Empörer der sich emporrichtete. Darum
galt es ihm auch allein um ein: „Seid klug wie die Schlan¬
gen““ (ibid.).
Um dem „Erwarten66 und dem „Allein66 Sanchos zu entsprechen,
muß die letzte Hälfte des eben zitierten Bibelspruchs (Matt. 10, 5
16): „und ohne Falsch wie die Tauben66, nicht existieren. Christus
muß hier zum zweiten Male als historische Person figurieren, um
dieselbe Rolle zu spielen wie oben die Mongolen und Neger. Man
weiß wieder nicht, soll Christus die Empörung, oder soll die Em¬
pörung Christus verdeutlichen. Die christlich-germanische Leicht- 10
gläubigkeit unsres Heiligen konzentriert sich in dem Satze, daß
Christus „die Lebensquellen der ganzen heidnischen Welt abgrub,
mit welchen der bestehende Staat ohnehin66 (soll heißen: ohne
ihn) „verwelken mußte66. P. 424. — Welke Kanzelblume! Siehe
oben „die Alten“. Im Übrigen credo ut intelligam, oder damit Ich 15
„einen Vergleich zur Verdeutlichung“ finde.
Wir haben an zahllosen Exempeln gesehen, wie unsrem Hei¬
ligen überall nichts als die heilige Geschichte einfällt, und
zwar an solchen Stellen, wo sie nur dem /92a[84a]/ Leser „wider
Erwarten66 kommt. „Wider Erwarten66 fällt sie ihm sogar im Kom- 20
mentar wieder ein, wo Sancho p. 154 „die jüdischen Rezensenten“
im alten Jerusalem der christlichen Definition: Gott ist die Liebe,
gegenüber ausrufen läßt: „Da seht Ihr, daß es ein heidnischer Gott
ist, der von den Christen verkündet wird; denn ist Gott die Liebe,
so ist er der Gott Amor, der Liebesgott!66 — „Wider Erwarten66 ist 25
aber das neue Testament griechisch geschrieben und die „christ¬
liche Definition66 lautet: 6 ауйтіт) zotlv, 1 Joh. 4, 16; wäh¬
rend „der Gott Amor, der Liebesgott66 “EqcdZ heißt. Wie also die
„jüdischen Rezensenten“ die Verwandlung von aydnri in Fqcdc zu
Stande brachten, darüber wird Sancho noch Aufschluß zu geben зо
haben. An dieser Stelle des Kommentars wird nämlich Christus,
ebenfalls „zur Verdeutlichung66, mit Sancho verglichen; wobei
allerdings zugegeben werden muß, daß Beide diefrappantesteÄhn-
lichkeit mit einander haben, Beide „beleibte Wesen66 sind und
wenigstens der lachende Erbe an ihre wechselseitige Existenz resp. 35
Einzigkeit glaubt. Daß Sancho der moderne Christus ist, auf diese
seine „fixe Idee66 „zielt“ bereits die ganze Geschichtskonstruktion.
Die Philosophie der Empörung, die uns so eben in schlechten
Antithesen und welken Redeblumen vorgetragen wurde, ist in
letzter Instanz nichts als eine bramarbasierende Apologie der Par- 40
venuwirtschaft (Parvenü, Emporkömmling, Emporgekommener,
Empörer). Jeder Empörer hat bei seiner „egoistischen Tat66 ein
spezielles Bestehende sich gegenüber, worüber er sich zu erheben
strebt, unbekümmert um die allgemeinen Verhältnisse. Er sucht das
Bestehende nur in so weit es eine Fessel ist, loszuwerden, im Übri- 45
ІП. Sankt Max
361
gen dagegen sucht er es sich vielmehr anzueignen. Der Weber, der
zum Fabrikanten „emporkommt66, wird dadurch seinen Webstuhl
los und verläßt ihn; im Übrigen geht die Welt /92b[84b]/ ihren
Gang fort und unser „gedeihender66 Empörer stellt an die Andern
5 nur die heuchlerische moralische Forderung, auch Parvenüs zu
werden, wie er. So verlaufen sich alle kriegerischen Rodomontaden
Stirners in moralische Schlußfolgerungen aus Gellerts Fabeln und
spekulative Interpretationen der bürgerlichen Misere.
Wir haben bisher gesehen, daß die Empörung Alles, nur keine
io Tat ist. P. 342 erfahren wir, daß „das Verfahren des Zugreifens
nicht verächtlich sei, sondern die reine Tat des mit sich
einigen Egoisten bekunde66. Soll wohl heißen der mit ein¬
ander einigen Egoisten, da sonst das Zugreifen auf das unzivi¬
lisierte „Verfahren66 der Diebe oder das zivilisierte der Bourgeois
15 hinausläuft, und im ersten Falle nicht gedeiht, im zweiten Falle
keine „Empörung66 ist. Zu bemerken ist, daß dem mit sich einigen
Egoisten, der Nichts tut, hier die „reine66 Tat entspricht, eine
Tat, die allerdings von einem so tatlosen Individuum allein zu
erwarten stand.
2o Nebenbei erfahren wir, was den Pöbel geschaffen hat, und wir
können im Voraus wissen, daß es wieder eine „Satzung66 und der
Glaube an diese Satzung, an das Heilige, ist, der hier zur Ab¬
wechslung als Sündenbewußtsein auftritt: „Nur daß das Zugreifen
Sünde, Verbrechen ist, nur diese Satzung schafft einen Pöbel. . .
25 das alte Sündenbewußtsein trägt allein die Schuld66. P. 342. —
Der Glaube, daß das Bewußtsein an Allem Schuld ist, ist seine
Satzung, die ihn zum Empörer und den Pöbel zum Sünder macht.
Im Gegensatz zu diesem Sündenbewußtsein feuert der Egoist
sich, resp. den Pöbel, zum Zugreifen an wie folgt:
зо „Sage Ich Mir: Wohin meine Gewalt langt, das ist mein Eigen¬
tum, und nehme Ich Alles als Eigentum in Anspruch, was zu er¬
reichen Ich Mich stark genug fühle etc.66 p. 340.
Sankt Sancho sagt sich also, daß er sich etwas sagen will, fordert
sich auf, zu haben, was er hat, und drückt sein wirkliches Verhält-
35 nis als ein Verhältnis der Gewalt aus, eine Paraphrase, die über¬
haupt das Geheimnis aller seiner Renommagen ist. (Siehe Logik).
Dann unterscheidet er, der jeden Augen-/92c [84c]/blick ist, was
er sein kann, also auch hat, was er haben kann, sein realisiertes,
wirkliches Eigentum, das er auf Kapitalkonto genießt, von seinem
40 möglichen Eigentum, seinem unrealisierten „Gefühl der Stärke66,
das er sich auf Gewinn- und Verlust-Konto gutschreibt. Beitrag zur
Buchführung über das Eigentum im außergewöhnlichen Verstände.
Was das feierliche „Sagen66 zu bedeuten hat, verrät Sancho an
einer bereits angeführten Stelle: „Sage Ich M i r . . . so ist das
43 eigentlich auch leeres Gerede.66
362
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Er fährt darin fort: „Der Egoismus“ sagt „dem besitzlosen
Pöbel“, um ihn „auszurotten“: „Greife zu und nimm, was Du
brauchst!“ p. 341. — Wie „leer“ dies „Gerede“ ist, sieht man
gleich an dem folgenden Beispiel. „In dem Vermögen des Ban¬
kiers sehe Ich so wenig etwas Fremdes, als Napoleon in den Län- .5
dem der Könige: Wir“ (das „Ich“ verwandelt sich plötzlich in
„Wir“) „tragen keine Scheu es zu erobern und sehen Uns
auch nach den Mitteln dazu um. Wir streifen ihm also den
Geist der Fremdheit ab, vor dem Wir Uns gefürchtet hatten.“
p. 369. Ю
Wie wenig Sancho dem Vermögen des Bankiers „den Geist der
Fremdheit abgestreift“ hat, beweist er sogleich mit seinem wohl¬
meinenden Vorschlag an den Pöbel, es durch Zugreifen zu „er¬
obern“. „Er greife zu und sehe, was er in der Hand behält!“ Nicht
das Vermögen des Bankiers, sondern nutzloses Papier, den „Leich- 15
nam“ dieses Vermögens, der ebensowenig ein Vermögen ist, „als
ein toter Hund noch ein Hund ist“. DasVermögen des Bankiers ist
nur innerhalb der bestehenden Produktions- und Verkehrsverhält¬
nisse ein Vermögen, und kann nur innerhalb der Bedingungen die¬
ser Verhältnisse und mit den Mitteln, die ihnen gelten, „erobert“ 20
werden. Und wenn etwa Sancho sich zu anderm Vermögen wenden
sollte, so dürfte er finden, daß es damit nicht besser aussieht. So¬
daß die „reine Tat des mit sich einigen Egoisten“ schließlich auf
ein höchst schmutziges Mißvertändnis hinausläuft. „Soweit kommt
man mit dem Spuk“ des Heiligen. 2.5
Nachdem mm Sancho sich gesagt hat, was er sich sagen wollte,
läßt er den empörten Pöbel sagen, was er ihm vorgesagt hat. Er
hat nämlich für den Fall einer Empörung eine Proklamation / {93}
[85]/ nebst Gebrauchsanweisung verfertigt, die in allen Dorf¬
kneipen aufgelegt und auf dem Lande verteilt werden soll. Sie 30
macht Anspruch auf Insertion in den „hinkenden Botten“ und den
herzoglich nassauischen Landeskalender. Einstweilen beschränken
sich Sanchos tendances incendiaires auf das platte Land, auf die
Propaganda unter den Ackerknechten und Viehmägden mit Aus¬
schluß der Städte, was ein neuer Beweis ist, wiesehr er der großen 35
Industrie „den Geist der Fremdheit abgestreift hat“. Inzwischen
wollen wir das vorliegende Dokument, das nicht verloren gehen
darf, möglichst ausführlich mitteilen, um „soviel an Uns ist, zur
Verbreitung eines wohlverdienten Ruhmes beizutragen.“ (Wig.
P. 191). 40
Die Proklamation steht Seite 358 u. f. und beginnt wie folgt:
„Wodurch ist denn Euer Eigentum sicher, Ihr Bevorzugten? . .
Dadurch, daß Wir Uns des Eingriffs enthalten, mithin durch
unsern Schutz... Dadurch, daß Ihr Uns Gewalt antut.“
Erst dadurch, daß wir uns des Eingriffs enthalten, d.h. da- 45
III. Sankt Max
363
durch, daß wir uns selbst Gewalt antun, dann dadurch, daß
Ihr uns Gewalt antut. Cela va ä merveille. Weiter.
„Wollt Ihr unsren Respekt, so kauft ihn für den Uns ge¬
nehmen Preis ... Wir wollen nur Preiswürdigkei t.“
5 Erst wollen die „Empörer“ ihren Respekt um den ihnen „ge¬
nehmen Preis“ verschachern, nachher machen sie die „Preiswür¬
digkeit“ zum Kriterium des Preises. Erst ein willkürlicher, dann
ein durch kommerzielle Gesetze, durch die Produktionskosten und
das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr, unabhängig von der
10 Willkür, bestimmter Preis.
„Wir wollen Euer Eigentum Euch lassen, wenn Ihr dies Lassen
gehörig aufwiegt . . . Ihr werdet über Gewalt schreien, wenn wir
zulangen . . . ohne Gewalt bekommen wir sie nicht“ (nämlich die
Austern der Bevorzugten)... „Wir wollen Euch Nichts, gar Nichts
15 nehmen.“
Erst „lassen“ wirs Euch, dann nehmen wirs Euch, und müssen
„Gewalt“ anwenden, und endlich wollen wir Euch doch lieber
Nichts nehmen. Wir lassen es Euch in dem Falle, wo Ihr selbst
davon ablaßt; in einem lichten Augenblick, dem einzigen, den Wir
2o haben, sehen wir allerdings ein, /93a[85a]/ daß dies „Lassen“ ein
„Zulangen“ und „Gewalt“ anwenden ist, aber man kann uns den¬
noch schließlich nicht vorwerfen, daß wir Euch irgend etwas
„nehmen.“ Wobei es sein Bewenden hat.
„Wir plagen uns zwölf Stunden im Schweiße unsres Angesichts,
25 und Ihr bietet uns dafür ein paar Groschen. So nehmt denn auch
für Eure Arbeit ein Gleiches . . . Nichts von Gleichheit!“
Die „empörten“ Ackerknechte beweisen sich als echte Stimer-
sche „Geschöpfe“.
„Mögt Ihr das nicht? Ihr wähnt, Unsre Arbeit sei reichlich mit
зо jenem Lohne bezahlt, die Eure dagegen eines Lohnes von vielen
Tausenden wert. Schlüget Ihr aber die Eurige nicht so hoch an,
und ließet Uns die Unsrige besser verwerten, so würden Wir er¬
forderlichen Falls wohl noch wichtigere zu Stande bringen, als Ihr
für die vielen tausend Taler, und bekämet Ihr nur einen Lohn wie
35 Wir, Ihr würdet bald fleißiger werden, um mehr zu erhalten. Lei¬
stet Ihr Etwas, was uns zehn und hundertmal mehr wert scheint,
als Unsre eigne Arbeit, ei“, (ei du frommer und getreuer Knecht!)
„so sollt Ihr auch hundertmal mehr dafür bekommen; Wir denken
Euch dagegen auch Dinge herzustellen, die Ihr Uns höher als mit
4o dem gewöhnlichen Taglohn verwerten werdet.“
Zuerst klagen die Empörer, ihre Arbeit werde zu niedrig be¬
zahlt. Am Ende versprechen sie aber erst bei höherem Taglohn
Arbeit zu liefern, die „höher als mit dem gewöhnlichen Taglohn“
zu verwerten ist. Dann glauben sie, sie würden außerordentliche
45 Dinge leisten, wenn sie nur erst besseren Lohn bekämen, während
364
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sie zu gleicher Zeit vom Kapitalisten erst dann außerordentliche
Leistungen erwarten, wenn sein „Lohn“ auf das Niveau des ihrigen
herabgedrückt ist. Endlich, nachdem sie das ökonomische Kunst-
/93b[85b]/stück fertig gebracht haben, denProfit, diese notwendige
Form des Kapitals, ohne welchen sie sowohl wie der Kapitalist zu 5
Grunde gehen würden — den Profit in Arbeitslohn zu verwandeln,
vollbringen sie das Wunder, „hundertmal mehr“ zu zahlen, „als
ihre eigne Arbeit“, d. h. hundertmal mehr als sie verdienen. „Dies
ist der Sinn“ des obigen Satzes, wenn Stimer „meint, was er sagt.“
Hat er aber nur einen stilistischen Fehler begangen, hat er die Em- io
pörer als Gesamtheit hundertmal mehr offneren lassen wollen, als
Jeder von ihnen verdient, so läßt er sie dem Kapitalisten
nur Das anbieten, was jeder Kapitalist heutzutage bereits hat. Daß
die Arbeit des Kapitalisten in Verbindung mit seinem Kapital
zehn, resp. hundertmal mehr wert ist, als die eines einzelnen is
bloßen Arbeiters, ist klar. Sancho läßt also in diesem Falle, wie
immer, Alles beim Alten.
„Wir wollen schon mit einander fertig werden, wenn Wir nur
erst dahin übereingekommen sind, daß Keiner mehr dem Andern
etwas zu schenken braucht. Dann gehn wir wohl gar selbst so 20
weit, daß wir selbst den Krüppeln und Greisen und Kranken einen
angemessenen Preis dafür bezahlen, daß sie nicht aus Hunger und
Not von Uns scheiden, denn wollen Wir, daß sie leben, so geziemt
sichs auch, daß Wir die Erfüllung unseres Willens erkaufen.
Ich sage erkaufen, meine also kein elendes Almosen.“ 25
Diese sentimentale Episode von den Krüppeln etc. soll bewei¬
sen, daß Sanchos empörte Ackerknechte bereits zu jener Höhe des
bürgerlichen Bewußtseins „emporgekommen“ sind, auf der sie
nichts schenken und nichts geschenkt haben wollen, und auf der
sie glauben, in einem Verhältnis sei die Würde und das Interesse зо
beider Teile gesichert, sobald es in einen Kauf verwandelt sei. —
Auf diese donnernde Proklamation des in Sanchos Einbildung
empörten Volks folgt die Gebrauchsanweisung in Form eines Dia¬
logs zwischen dem Gutsbesi-/93c[85c]/tzer und seinen Acker¬
knechten, wobei sich diesmal der Herr wie Szeliga und die Knechte 35
wie Stimer gebärden. In dieser Gebrauchsanweisung werden die
englischen Strikes und französischen Arbeiterkoalitionen apriori
berlinisch konstruiert.
Der Wortführer der Ackerknechte: „Was hast Du denn?“
Der Gutsbesitzer. „Ich habe ein Gut von tausend Morgen“. 40
Der Wortführer. „Und Ich bin Dein Ackerknecht und werde
Dir Deinen Acker hinfort nur für einen Taler Taglohn bestellen.“
Der Gutsbesitzer. „Dann nehme Ich einen Andern.“
Der Wortführer. „Du findest keinen, denn Wir Ackersknechte
tuns nicht mehr anders, und wenn Einer sich meldet, der weniger 45
III. Sankt Max
365
nimmt, so hüte er sich vor Uns. Da ist die Hausmagd, die for¬
dert jetzt auch so viel, und Du findest keine mehr unter diesem
Preise.“
Der Gutsbesitzer. „Ei, so muß ich zu Grunde gehen!“
5 Die Ackerknechte im Chorus: „Nicht so hastig! Soviel wie Wir
wirst Du wohl einnehmen. Und wäre es nicht so, so lassen wir so¬
viel ab, daß Du wie Wir zu leben hast. — Nichts von Gleichheit!“
Der Gutsbesitzer. „Ich bin aber besser zu leben gewohnt!“
Die Ackerknechte. „Dagegen haben Wir nichts, aber es ist nicht
10 Unsre Sorge; kannst Du mehr erübrigen, immerhin. Sollen Wir
Uns unterm Preise vermieten, damit Du wohlleben kannst?“
Der Gutsbesitzer. „Aber Ihr ungebildeten Leute braucht doch
nicht so viel!“
Die Ackerknechte. „Nun, Wir nehmen etwas mehr, damit Wir
io damit die Bildung, die Wir etwa brauchen, Uns verschaffen
können.“
Der Gutsbesitzer. „Aber wenn Ihr so die Reichen herunter¬
bringt, wer soll dann noch die Künste und Wissenschaften unter¬
stützen?“
so Die Ackerknechte. „I nun, die Menge muß es bringen; Wir
schießen zusammen, das gibt ein artiges Sümmchen, Ihr Reichen
kauft /{94} [86]/ ohnehin jetzt nur die abgeschmacktesten Bücher
und die weinerlichen Muttergottesbilder, oder ein Paar flinke
Tänzerbeine.“
25 Der Gutbesitzer. „0 die unselige Gleichheit!“
Die Ackerknechte. „Nein mein bester alter Herr, Nichts von
Gleichheit. Wir wollen nur gelten, was Wir wert sind, und wenn
Ihr mehr wert seid, da sollt Ihr immerhin auch mehr gelten. Wir
wollen nur Preiswürdigkeit, und denken des Preises, den
зо Ihr zahlen werdet, Uns würdig zu zeigen.“
Am Schlüsse dieses dramatischen Meisterwerks gesteht Sancho,
daß „die Einmütigkeit der Ackerknechte“ allerdings „erfordert“
werde. Wie diese zu Stande kommt, erfahren wir nicht. Was wir
erfahren, ist, daß die Ackerknechte nicht beabsichtigen, die be-
35 stehenden Verhältnisse der Produktion und des Verkehrs irgend¬
wie zu ändern, sondern bloß dem Gutsbesitzer soviel abzuzwingen,
als er mehr ausgibt als sie. Daß diese Differenz der Depensen,
auf die Masse der Proletarier verteilt, jedem Einzelnen nur eine
Bagatelle abwerfen und seine Lage nicht im Mindesten verbessern
4o würde, das ist unsrem wohlmeinenden Bonhomme gleichgültig.
Welcher Stufe der Agrikultur diese heroischen Ackerknechte an¬
gehören, zeigt sich gleich nach dem Schlüsse des Dramas, wo sie
sich in „Hausknechte“ verwandeln. Sie leben also unter einem
Patriarchat, in dem die Teilung der Arbeit noch sehr unentwickelt
45 ist, in dem übrigens die ganze Verschwörung dadurch „ihr letztes
366
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Absehen erreichen66 muß, daß der Gutsherr den Wortführer in die
Scheune führt und ihm einige Hiebe aufzählt, während in zivili¬
sierten Ländern der Kapitalist die Sache dadurch beendigt, daß
er die Arbeit einige Zeit einstellt und die Arbeiter „spielen gehen66
läßt. Wie praktisch überhaupt Sancho bei der ganzen Anlage seines 5
Kunstwerks zu Werke geht, wie sehr er sich innerhalb der Gren¬
zen der Wahrscheinlichkeit hält, geht außer dem sonderbaren Ein¬
fall, einen Tumout von Ackerknechten zu Stande bringen zu
wollen, namentlich aus der Koalition der „Hausmägde66 hervor.
Und welch eine Gemütlichkeit, zu glauben, der Kompreis auf dem ю
Weltmärkte werde sich nach den Lohnforderungen dieser hinter-
pommerschen Ackerknechte richten! statt nach dem Ver-/94a [86a]
hältnis von Nachfrage und Zufuhr! Einen wahren Knalleffekt
macht der überraschende Exkurs der Ackerknechte über die Lite¬
ratur, die letzte Gemäldeausstellung und die renommierte Tänzerin 15
des Tages, überraschend selbst noch nach der unerwarteten Frage
des Gutsherrn wegen Kunst und Wissenschaft. Die Leute werden
ganz freundschaftlich, sowie sie auf dies literarische Thema kom¬
men, und der bedrängte Gutsherr vergißt selbst für einen Augen¬
blick seinen drohenden Ruin, um sein Devoüment für Kunst und 20
Wissenschaft an den Tag zu legen. Schließlich versichern ihn dann
auch die Empörer ihrer Biederkeit und geben ihm die beruhigende
Erklärung, daß sie weder vom leidigen Interesse, noch von sub¬
versiven Tendenzen getrieben werden, sondern von den reinsten
moralischen Motiven. Sie wollen nur Preiswürdigkeit, und ver- 25
sprechen auf Ehre und Gewissen, sich des höheren Preises würdig
zu machen. Die ganze Sache hat nur den Zweck, Jedem das Seine,
seinen redlichen und billigen Verdienst, „redlich erarbeiteten Ge¬
nuß66, zu sichern. Daß dieser Preis von der Stellung des Arbeits¬
markts abhängt und nicht von der sittlichen Empörung einiger зо
literarisch gebildeten Ackerknechte, die Kenntnis dieses Faktums
war allerdings von unsren Biedermännern nicht zu verlangen.
Diese hinterpommerschen Empörer sind so bescheiden, daß sie,
trotz ihrer „Einmütigkeit66, die ihnen zu ganz andern Dingen Macht
gibt, Knechte nach wie vor bleiben wollen, und „ein Taler Tag- 35
lohn66 der höchste Wunsch ihres Herzens ist. Ganz konsequent
katechisieren sie daher nicht den Gutsherrn, der in ihrer Gewalt
ist, sondern der Gutsherr katechisiert sie.
Der „sichere Mut66 und das „kräftige Selbstgefühl des Haus¬
knechts66 äußert sich auch in der „sichern66 und „kräftigen4’ 40
Sprache, die er und seine Genossen verführen. „Etwa — I nun —
die Menge m u ß es bringen — artiges Sümmchen — mein bester
alter Herr— immerhin.66 Schon vorher in der Proklamation /94b
[86b]/hieß es: „erforderlichen Falls wohl — ei — Wir denken
herzustellen — wohl — vielleicht, etwa usw.66 Man meint die 45
III. Sankt Max
367
5
10
15
20
25
30
35
Ackerknechte hätten ebenfalls das famose Roß Clavileno be¬
stiegen.
Die ganze lärmende „Empörung“ unsres Sancho reduziert sich
also in letzter Instanz auf einen Tumout, aber einen Tumout im
außergewöhnlichen Verstände, nämlich einen berlinisierten Tum¬
out. Während die wirklichen Tumouts in zivilisierten Ländern
einen immer untergeordneteren Teil der Arbeiterbewegung bilden,
weil die allgemeinere Verbindung der Arbeiter unter einander zu
andern Bewegungsformen führt, versucht Sancho den kleinbürger¬
lich karikierten Tumout als letzte und höchste Form des welthisto¬
rischen Kampfs darzustellen.
Die Wogen der Empörung werfen uns jetzt an die Küste des
gelobten Landes, da Milch und Honig fließt, wo jeder echte Israelit
unter seinem Feigenbaum sitzt und das Millennium der „Verstän¬
digung“ angebrochen ist.
/94с [86c]/ III. Der Verein
Wir haben bei der Empörung zuerst die Prahlereien Sanchos
zusammengestellt und dann den praktischen Verlauf der „reinen
Tat des mit sich einigen Egoisten“ verfolgt. Wir werden beim
„Verein“ den umgekehrten Weg einschlagen; zuerst die positiven
Institutionen prüfen und dann die Illusionen unseres Heiligen über
diese Institutionen daneben halten.
1) Grundeigentum
„Wenn Wir den Grundeigentümern den Grund nicht länger
lassen, sondern Uns zueignen wollen, so vereinigen Wir Uns zu
diesem Zwecke, bilden einen Verein, eine societe“ (Gesell¬
schaft), „die sich zur Eigentümerin macht; glückt es
Uns, so hören Jene auf, Grundeigentümer zu sein.“ — Der „Grund
und Boden“ wird dann „zum Eigentum der Erobernden . . . Und
diese Einzelnen werden als eine Gesamtmasse nicht weniger will¬
kürlich mit Grund und Boden umgehen, als ein vereinzelter Ein¬
zelner oder sogenannter proprietaire. Auch so bleibt also das
Eigentum bestehen, und zwar auch als „a u s s c h 1 i e ß 1 i c h“,
indem die Menschheit, diese große Sozietät, den Einzel¬
nen von ihrem Eigentum ausschließt, ihm vielleicht nur ein Stück
368
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
davon verpachtet, zu Lohn gibt ... So wirds auch bleiben und
werden. Dasjenige, woran Alle Anteil haben wollen, wird
demjenigen Einzelnen entzogen werden, der es für sich allein
haben will, es wird zu einem Gemeingut gemacht. Als an einem
Gemeingut hat Jeder daran seinen Anteil, und dieser An- 5
teil ist sein Eigentum. So ist ja auch in unsren alten Verhältnissen
ein Haus, welches fünf Erben gehört, ihr Gemeingut; der fünfte
Teil des Ertrags aber ist eines Jeden Eigentum“. P. 329, 330.
Nachdem unsre tapfem Empörer sich zu einem Verein, einer
Sozietät, formiert und in dieser Gestalt sich ein Stück Land er- ю
obert haben, „macht sich“ diese „societe“, diese moralische
Person, „zur Eigentümerin“. Damit man dies ja nicht mi߬
verstehe, wird gleich darauf gesagt, daß „diese Sozietät den Ein¬
zelnen vom Eigentum / {95} [87]/ ausschließt, ihm vielleicht
nur ein Stück davon verpachtet, zu Lohn gibt“. Auf diese Weise 15
eignet Sankt Sancho sich und seinem „Verein“ seine Vorstellung
vom Kommunismus an. Der Leser wird sich erinnern, daß Sancho
in seiner Ignoranz den Kommunisten vorwarf, sie wollten die
Gesellschaft zur höchsten Eigentümerin machen, die dem Ein¬
zelnen seine „Habe“ zu Lehen gebe. — Ferner die Aussicht, die 20
Sancho seinen Mannschaften auf einen „Anteil am Gemeingut“
eröffnet. Bei einer späteren Gelegenheit sagt derselbe Sancho eben¬
falls gegen die Kommunisten: „Ob das Vermögen der Gesamtheit
gehört, die Mir davon einen Teil zufließen läßt, oder einzelnen
Besitzern, ist für Mich derselbe Zwang, da Ich über keins von 25
Beiden bestimmen kann“ (weswegen ihm auch seine „Gesamt¬
masse“ dasjenige „entzieht“, von dem sie nicht will, daß es ihm
allein gehöre und ihm so die Macht des Gesamtwillens fühlbar
macht). — Drittens finden wir hier wieder die „Ausschließlich¬
keit“, die er dem bürgerlichen Eigentum so oft vorgeworfen hat, зо
sodaß „ihm nicht einmal der armselige Punkt gehört, auf dem er
sich herumdreht“. Er hat vielmehr nur das Recht und die Macht,
als armseliger und gedrückter Fronbauer darauf herumzuhocken.
— Viertens eignet sich hier Sancho das Lehnswesen an, das er zu
seinem großen Verdruß in allen bisher existierenden und projek-35
tierten Gesellschaftsformen entdeckte. Die erobernde „Sozietät“
benimmt sich ungefähr wie die „Vereine“ von halbwilden Ger¬
manen, die die römischen Provinzen eroberten, und dort ein noch
sehr mit dem alten Stammwesen versetztes, rohes Lehnswesen ein¬
richteten. Sie gibt jedem Einzelnen ein Stückchen Land „zu Lohn“. 40
Auf der Stufe, auf welcher Sancho und die Germanen des sechsten
Jahrhunderts stehen, fällt das Lehnswesen allerdings noch sehr
mit dem „Lohn“wesen zusammen. — Es versteht sich übrigens,
daß das von Sancho hier neuerdings zu Ehren gebrachte Stamm¬
eigentum sich binnen kurzem wieder in die jetzigen Verhältnisse 45
ІП. Sankt Max
369
auf lösen müßte. Sancho fühlt dies selbst, indem er ausruft: „So
wirds /95a[87a]/ auch bleiben und“ (schönes Und!) „wer-
d e n“, und schließlich durch sein großes Exempel von dem Hause,
das fünf Erben gehört, beweist, daß er gamicht die Absicht hat,
5 über unsre alten Verhältnisse hinauszugehen. Sein ganzer Plan zur
Organisation des Grundeigentums hat nur den Zweck, uns auf
einem historischen Umwege zu der kleinbürgerlichen Erbpacht und
dem Familieneigentum deutscher Reichsstädte zurückzuführen.
Von unsren alten, d.h. den jetzt bestehenden Verhältnissen, hat
ю sich Sancho nur den juristischen Unsinn angeeignet, daß die Ein¬
zelnen oder proprietaires „willkürlich“ mit dem Grundeigentum
umgehen. Im „Verein“ soll diese eingebildete „Willkür“ von
Seiten der „Sozietät“ fortgesetzt werden. Es ist für den „Verein“
so gleichgültig, was mit dem Boden geschieht, daß die „Sozietät“
15 „vielleicht“ den Einzelnen Parzellen verpachtet, vielleicht auch
nicht. Das ist Alles ganz gleichgültig. — Daß mit einer bestimmten
Organisation des Ackerbaues eine bestimmte Form der Tätigkeit,
die Subsumtion unter eine bestimmte Stufe der Teilung der Arbeit
gegeben ist, kann Sancho freilich nicht wissen. Aber jeder Andere
20 sieht ein, wie wenig die von Sancho hier vorgeschlagenen kleinen
Fronbauern in der Lage sind, daß „Jeder von ihnen ein allmäch¬
tiges Ich werden“ kann und wie schlecht ihr Eigentum an ihre
lumpige Parzelle zu dem viel gefeierten „Eigentum an Allem“ paßt.
In der wirklichen Welt hängt der Verkehr der Individuen von ihrer
25 Produktionsweise ab, und daher wirft Sanchos „Vielleicht“ viel¬
leicht seinen ganzen Verein über den Haufen. „Vielleicht“ aber
oder vielmehr unzweifelhaft tritt hier schon die wahre Ansicht
Sanchos über den Verkehr im Verein zu Tage, nämlich die Ansicht,
daß der egoistische Verkehr das Heilige zu seiner Grundlage hat.
30 /95b [87b] / Sancho tritt hier mit der ersten „Einrichtung“ seines
zukünftigen Vereins an das Tageslicht. Die Empörer, die „verfas¬
sungslos“ zu werden sich bestrebten, „richten sich selbst ein“, in¬
dem sie eine „Verfassung“ des Grundeigentums „wählen“. Wir
sehen, daß Sancho Recht hatte, wenn er sich von neuen „Institu-
35 tionen“ keine glänzenden Hoffnungen machte. Wir sehen aber zu¬
gleich, daß er einen hohen Rang unter den „sozialen Talenten“
einnimmt, und „an gesellschaftlichen Einrichtungen ungemein er¬
finderisch ist“.
2) Organisation der Arbeit
зо „Die Organisation der Arbeit betrifft nur solche Arbeiten,
welche Andre für Uns machen können, z. B. Schlachten, Ackern
usw.; die übrigen bleiben egoistisch, weil z. B. Niemand an Deiner
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 24
370
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Statt Deine musikalischen Kompositionen anfertigen, deine Maler¬
entwürfe ausführen usw. kann. Raphaels Arbeiten kann Niemand
ersetzen. Die letzteren sind Arbeiten eines Einzigen, die nur dieser
Einzige zu vollbringen vermag, während Jene menschliche“
(p. 356 identisch gesetzt mit den „gemeinnützigen“) „ge- 5
nannt zu werden verdienen, da das Eigne daran von geringem
Belang ist, und so ziemlich jeder Mensch dazu abgerichtet
werden kann“. P. 355.
„Es ist immer fördersam, daß Wir Uns über die menschlichen
Arbeiten einigen, damit sie nicht, wie unter der Konkurrenz, alle 10
unsre Zeit und Mühe in Anspruch nehmen . . . Für wen soll aber
Zeit gewonnen werden? Wozu braucht der Mensch mehr Zeit als
nötig ist, seine abgespannten Arbeitskräfte zu erfrischen? Hier
schweigt der Kommunismus. Wozu? Um seiner als des Einzigen
froh zu werden, nachdem er als Mensch das Seinige getan hat.“ 15
p. 356, 357.
„Durch Arbeit kann Ich die Amtsfunktionen eines Präsiden¬
ten, Ministers usw. versehen; es erfordern diese Ämter nur eine
allgemeine Bildung, nämlich eine solche, die allgemein erreich¬
bar ist . . . Kann aber auch Jeder diese Ämter bekleiden, so gibt 20
doch erst die einzige, ihm allein eigne Kraft des Einzelnen, ihnen
sozusagen Leben und Bedeutung. Daß er sein Amt nicht 95c [87c]/
wie ein gewöhnlicher Mensch führt, sondern das Vermögen seiner
Einzigkeit hineinlegt, das bezahlt man ihm noch nicht, wenn man
ihn überhaupt nur als Beamten oder Minister bezahlt. Hat ers 25
Euch zu Dank gemacht, und wollt Ihr diese dankenswerte Kraft
des Einzigen Euch erhalten, so werdet Ihr ihn nicht als einen
bloßen Menschen bezahlen dürfen, der nur Menschliches ver¬
richtet, sondern nur als Einen, der Einziges vollbringt.“ p. 362,
363. зо
„Vermagst Du Tausenden Lust zu bereiten, so werden Tau¬
sende Dich dafür honorieren, es stände ja in Deiner Gewalt es zu
unterlassen, daher müssen sie Deine Tat erkaufen.“ — p. 351.
„Über meine Einzigkeit läßt sich keine allgemeine Taxe fest¬
stellen, wie für das, was Ich als Mensch tue. Nur über das Letztere 35
kann eine Taxe bestimmt werden. Setzt also immerhin eine allge¬
meine Taxe für menschliche Arbeiten auf, bringt aber Eure Ein¬
zigkeit nicht um ihren Verdienst.“ p. 363.
Als Beispiel der Organisation der Arbeit im Verein wird p. 365
die schon besprochene öffentliche Bäckerei angeführt. Diese öffent- 40
liehen Anstalten müssen wahre Wunder sein unter der oben vor¬
ausgesetzten vandalischen Parzellierung.
Zuerst soll die menschliche Arbeit organisiert und dadurch ver¬
kürzt werden, damit Bruder Straubinger hinterher, wenn er früh
Feierabend gemacht hat, „seiner als des Einzigen froh werden 45
III. Sankt Max
371
kann“ (p. 357); während p. 363 das „Frohwerden“ des Einzigen
sich in seinen Extraverdienst auflöst. — P. 363 kommt die Lebens¬
äußerung des Einzigen nicht hinterdrein nach der menschlichen
Arbeit, sondern die menschliche Arbeit kann als einzige betrieben
5 werden, und erfordert dann einen Lohnzuschuß. Der Einzige, dem
es nicht um seine Einzigkeit, sondern um den höheren Lohn zu tun
ist, könnte ja sonst seine Einzigkeit in den Kleiderschrank ver¬
schließen und der Gesellschaft zum Trotz sich damit begnügen
den gewöhnlichen Menschen und sich selbst damit einen Possen zu
io spielen. — Nach p.356 fällt die menschliche Arbeit mit der ge¬
meinnützigen / (96}[88]/ zusammen, aber nach p. 351 und 363
bewährt sich die einzige Arbeit eben darin, daß sie als gemein¬
nützige oder wenigstens Vielen nützliche extra honoriert wird.
Die Organisation der Arbeit im Verein besteht also in der
15 Trennung der menschlichen Arbeit von der einzigen, in der Fest¬
stellung einer Taxe für die menschliche und in dem Mauscheln um
einen Lohnzuschuß für die einzige Arbeit. Dieser Lohnzuschuß ist
wieder doppelt, nämlich einer für die einzige Ausführung der
menschlichen Arbeit und ein anderer für die einzige Aus-
2o führung der einzigen Arbeit, was eine um so verwickeltere
Buchführung gibt, als heute Das eine menschliche Arbeit wird,
was gestern eine einzige war (z. B. Baumwollengam No. 200 zu
spinnen), und als der einzige Betrieb menschlicher Arbeiten eine
fortwährende Selbstmoucharderie im eignen, und allgemeine
25 Moucharderie im öffentlichen Interesse erfordert. Dieser ganze
wichtige Organisationsplan läuft also auf eine ganz kleinbürger¬
liche Aneignung des Gesetzes von Nachfrage und Zufuhr hinaus,
das heute existiert und von allen Ökonomen entwickelt worden ist.
Sancho kann das Gesetz, wonach der Preis derjenigen Arbeiten
зо sich bestimmt, die er für einzige erklärt, z. B. der einer Tänzerin,
eines ausgezeichneten Arztes oder Advokaten, schon bei Adam
Smith erklärt und bei dem Amerikaner Cooper taxiert finden. Die
neueren Ökonomen haben aus diesem Gesetz das hohe Salär des¬
sen, was sie travail improductif nennen und das niedrige der Acker-
35 bautaglöhner, überhaupt die Ungleichheiten des Arbeitslohns er¬
klärt. Wir sind so mit Gottes Hülfe wieder bei der Konkurrenz
angekommen, aber bei der Konkurrenz in einem gänzlich herunter¬
gekommenen Zustande, so heruntergekommen, daß Sancho eine
Taxe, eine Fixierung des Arbeitslohns durch Gesetze, wie weiland
4o im 14. und 15. Jahrhundert, vorschlagen kann. — Es verdient noch
erwähnt zu werden, daß die hier von Sancho ans Licht gebrachte
Vorstellung sich ebenfalls als etwas ganz Neues bei dem Herrn
Messias Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein findet.
Was Sancho hier menschliche Arbeiten nennt, ist, mit Ausschluß
45 seiner bureaukratischen Phantasien, dasselbe, was man sonst unter
24*
372
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Maschinenarbeit versteht und was die Entwicklung der Industrie
mehr und mehr den Maschinen anheim gibt. In dem „Verein66 sind
freilich bei der oben geschilderten Organisation des Grundbesitzes
die Maschinen eine Unmöglichkeit, und daher ziehen es die mit
sich einigen Fron-/[88a]/bauern vor, sich über diese Arbeiten zu 5
verständigen. Über „Präsidenten66 und „Minister66 urteilt Sancho,
this poor localized being, wie Owen sagt, nur nach seiner unmittel¬
baren Umgebung.
Wie immer hat Sancho hier wieder Unglück mit seinen prak¬
tischen Exempeln. Er meint, Niemand könne „an Deiner Stelle 10
Deine musikalischen Kompositionen anfertigen, Deine Maler¬
entwürfe ausführen. Raphaels Arbeiten könne Niemand ersetzen66.
Sancho könnte doch wohl wissen, daß nicht Mozart selbst, sondern
ein Anderer Mozarts Requiem größtenteils angefertigt und ganz
ausgefertigt, daß Raffael von seinen Fresken die wenigsten selbst 15
„ausgeführt66 hat.
Er bildet sich ein, die sogenannten Organisateure der Arbeit
wollten die Gesamttätigkeit jedes Einzelnen organisieren, während
gerade bei ihnen zwischen der unmittelbar produktiven Arbeit,
die organisiert werden soll, und der nicht unmittelbar produktiven 20
Arbeit unterschieden wird. In diesen Arbeiten aber soll nach ihrer
Meinung nicht, wie Sancho sich einbildet, Jeder an Raffaels Statt
arbeiten, sondern Jeder, in dem ein Raffael steckt, sich ungehin¬
dert ausbilden können. Sancho bildet sich ein, Raffael habe seine
Gemälde unabhängig von der zu seiner Zeit in Rom bestehenden 25
Teilung der Arbeit hervorgebracht. Wenn er Raffael mit Leonardo
da Vinci und Tizian vergleicht, so kann er sehen, wie sehr die
Kunstwerke des ersteren von der unter florentinischem Einfluß
ausgebildeten damaligen Blüte Roms, die des zweiten von den
Zuständen von Florenz, und später die des dritten von der ganz ver- зо
schiedenen Entwicklung Venedigs bedingt waren. Raffael, so gut
wie jeder andre Künstler, war bedingt durch die technischen Fort¬
schritte der Kirnst, die vor ihm gemacht waren, durch die Organi¬
sation der Gesellschaft und die Teilung der Arbeit in seiner Loka¬
lität, /[88b]/ und endlich durch die Teilung der Arbeit in allen 35
Ländern, mit denen seine Lokalität im Verkehr stand. Ob ein In¬
dividuum wie Raffael sein Talent entwickelt, hängt ganz von der
Nachfrage ab, die wieder von der Teilung der Arbeit und den dar¬
aus hervorgegangenen Bildungsverhältnissen der Menschen ab¬
hängt. — 40
Stirner steht hier noch weit unter der Bourgeoisie, indem er die
Einzigkeit der wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeit pro¬
klamiert. Man hat es bereits jetzt für nötig gefunden diese „ein¬
zige66 Tätigkeit zu organisieren. Horace Vemet hätte nicht Zeit
für den zehnten Teil seiner Gemälde gehabt, wenn er sie für Ar- 45
III. Sankt Max
373
beiten angesehen hätte, „die nur dieser Einzige zu vollbringen
vermag“. Die große Nachfrage nach Vaudevilles und Romanen in
Paris hat eine Organisation der Arbeit zur Produktion dieser Ar¬
tikel hervorgerufen, die noch immer Besseres leistet, als ihre „ein-
5 zigen“ Konkurrenten in Deutschland. In der Astronomie haben es
Leute wie Arago, Herschel, Enke und Bessel für nötig gefunden,
sich zu gemeinsamen Beobachtungen zu organisieren, und sind erst
seitdem zu einigen erträglichen Resultaten gekommen. In der Ge¬
schichtschreibung ist es für den „Einzigen66 absolut unmöglich
10 etwas zu leisten, und die Franzosen haben auch hier längst durch
die Organisation der Arbeit allen andern Nationen den Rang ab¬
gelaufen. Es versteht sich übrigens, daß alle diese auf der moder¬
nen Teilung der Arbeit beruhenden Organisationen immer noch zu
höchst beschränkten Resultaten führen und nur gegenüber der bis-
15 herigen bornierten Vereinzelung ein Fortschritt sind.
Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß Sancho die
Organisation der Arbeit mit dem Kommunismus verwechselt und
sich gar wundert, daß „der Kommunismus66 ihm nicht auf seine
Bedenken über diese Organisation antwortet. So wundert sich ein
2o Gascogner Bauernjunge, daß Arago ihm nicht zu sagen weiß, auf
welchem Stern der liebe Gott seinen Hof aufgeschlagen habe.
Die exklusive Konzentration des künstlerischen Talents in Ein¬
zelnen und seine damit zusammenhängende Unterdrü-/[88c]/ckimg
in der großen Masse ist Folge der Teilung der Arbeit. Wenn selbst
25 in gewissen gesellschaftlichen Verhältnissen Jeder ein ausgezeich¬
neter Maler wäre, so schlösse dies noch gamicht aus, daß Jeder
auch ein origineller Maler wäre, sodaß auch hier der Unterschied
zwischen „menschlicher66 und „einziger66 Arbeit in bloßen Unsinn
sich verläuft. Bei einer kommunistischen Organisation der Gesell-
3o schäft fällt jedenfalls fort die Subsumtion des Künstlers unter die
lokale und nationale Borniertheit, die rein aus der Teilung der
Arbeit hervorgeht, und die Subsumtion des Individuums unter
diese bestimmte Kunst, sodaß es ausschließlich Maler, Bildhauer
usw. ist, und schon der Name die Borniertheit seiner geschäftlichen
35 Entwicklung und seine Abhängigkeit von der Teilung der Arbeit
hinlänglich ausdrückt. In einer kommunistischen Gesellschaft gibt
es keine Maler, sondern höchstens Menschen, die unter Anderm
auch malen.
Sanchos Organisation der Arbeit zeigt deutlich, wiesehr alle
4o diese philosophischen Ritter von der Substanz sich bei bloßen
Phrasen beruhigen. Die Subsumtion der „Substanz“ unter das
„Subjekt“, wovon sie Alle so hohe Worte machen, die Herab¬
setzung der „Substanz“, die das „Subjekt66 beherrscht, zu einem
bloßen „Akzidens66 dieses Subjekts, zeigt sich als bloßes „leeres
45 Gerede66. Sie unterlassen es daher weislich auf die Teilung der
374
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Arbeit, auf die materielle Produktion und den materiellen Verkehr
einzugehen, die eben die Individuen unter bestimmte Verhältnisse
und Tätigkeitsweisen subsumieren. Es handelt sich bei ihnen über¬
haupt nur darum, neue Phrasen zur Interpretation der bestehenden
Welt zu erfinden, die um so gewisser in burleske Prahlereien aus- 5
laufen, jemehr sie sich über diese Welt zu erheben glauben und in
Gegensatz zu ihr stellen. Wovon Sancho ein beklagenswertes Bei¬
spiel ist.
/{97}[89J/ 3) Geld
„Das Geld ist eine Ware, und zwar ein wesentliches Mi 11 e 110
oder Vermögen; denn es schützt vor der Verknöcherung des Ver¬
mögens, hält es im Fluß und bewirkt seinen Umsatz. Wißt Ihr ein
besseres Tauschmittel, immerhin; doch wird es wieder ein Geld
sein.“ p. 364.
P. 353 wird das Geld als „gangbares oder kursierendes Eigen- 15
tum66 bestimmt.
Im „Verein“ wird also das Geld beibehalten, dies rein gesell¬
schaftliche Eigentum, dem alles Individuelle abgestreift ist. Wie
sehr Sancho in der bürgerlichen Anschauungsweise befangen ist,
zeigt seine Frage nach einem besseren Tauschmittel. Er setzt also 20
zuerst voraus, daß ein Tauschmittel überhaupt nötig ist, und dann
kennt er kein anderes Tauschmittel als das Geld. Daß ein Schiff,
eine Eisenbahn, die Waren transportieren, ebenfalls Tauschmittel
sind, kümmert ihn nicht. Um also, nicht bloß vom Tauschmittel,
sondern vom Gelde speziell zu sprechen, ist er genötigt, die übrigen 25
Bestimmungen des Geldes, daß es das allgemein gangbare und
kursierende Tauschmittel ist, alles Eigentum im Fluß erhält etc.
hereinzunehmen. Damit kommen auch die ökonomischen Bestim¬
mungen herein, die Sancho nicht kennt, die aber gerade das Geld
konstituieren; und mit ihnen auch der ganze jetzige Zustand, Klas- 30
senwirtschaft, Herrschaft der Bourgeoisie etc.
Wir erhalten indes zunächst einige Aufschlüsse über den — sehr
originellen — Verlauf der Geldkrisen im Verein.
Es entsteht die Frage: „Wo Geld hemehmen? . . . Man bezahlt
nicht mit Geld, woran Mangel eintreten kann, sondern mit seinem 35
Vermögen, durch welches allein Wir vermögend sind ... Nicht das
Geld tut Euch Schaden, sondern Euer Unvermögen es zu neh¬
men.66 Und mm der moralische Zuspruch: „Laßt Euer Vermögen
wirken, nehmt Euch zusammen, und es wird an Gelde, an Eurem
Gelde, dem Gelde Eures Gepräges, nicht fehlen . . . Wisse denn, 40
Du hast soviel Geld, als Du — Gewalt hast; denn Du giltst soviel,
als Du Dir Geltung verschaffst.66 p. 353, 364.
In der Macht des Geldes, in der Verselbstständigung des allge-
III. Sankt Max
375
meinen Tauschmittels, sowohl der Gesellschaft wie den Einzelnen
gegenüber, tritt die Verselbstständigung der Produktions- und Ver¬
kehrsverhältnisse überhaupt am deutlichsten hervor. Also Sancho
/89а/ weiß, wie gewöhnlich, Nichts vom Zusammenhänge der Geld-
б Verhältnisse mit der allgemeinen Produktion und dem Verkehr. Er
behält als guter Bürgersmann das Geld ruhig bei, wie dies auch
nach seinerTeilung der Arbeit und Organisation des Grundbesitzes
nicht anders möglich ist. Die sachliche Macht des Geldes, die in
den Geldkrisen eklatant hervortritt, und den „kauflustigen“ Klein-
io bürger in der Gestalt eines permanenten Geldmangels drückt, ist
dem mit sich einigen Egoisten ebenfalls ein höchst unangenehmes
Faktum. Er entledigt sich seiner Ungelegenheit dadurch, daß er
die gewöhnliche Vorstellung des Kleinbürgers umgekehrt aus¬
drückt und dadurch den Schein hereinbringt, als sei die Stellung
15 der Individuen gegenüber der Geldmacht eine rein vom persön¬
lichen Wollen oder Laufen abhängige Sache. Diese glückliche
Wendung gibt ihm dann Gelegenheit, dem erstaunten und vom
Geldmangel ohnehin entmutigten Kleinbürger eine durch Synony¬
mik, Etymologie und Umlaut unterstützte Moralpredigt zu halten,
so und dadurch alle ungelegenen Fragen über die Ursachen der Geld¬
klemme vorweg abzuschneiden.
Die Geldkrise besteht zunächst darin, daß alle „Vermögen66 auf
ein Mal gegenüber dem Tauschmittel depreziiert werden und das
„Vermögen66 über das Geld verlieren. Die Krise ist gerade dann
25 da, wenn man nicht mehr mit seinem „Vermögen66 zahlen kann,
sondern mit Geld zahlen muß. Dies findet wieder nicht dadurch
Statt, daß Mangel an Geld eintritt, wie der Kleinbürger sich vor¬
stellt, der die Krise nach seiner Privatmisere beurteilt, sondern da¬
durch, daß der spezifische Unterschied des Geldes als der а 11 ge-
зо meinen Ware, des „gangbaren und kursierenden Eigentums“
von allen andern speziellen Waren sich fixiert, die plötzlich
aufhören, gangbares Eigentum zu sein. Die Ursachen dieses Phä¬
nomens hier, Sancho zu Gefallen, zu entwickeln, kann nicht er¬
wartet werden. Den geld- und trostlosen Kleinkrämem gibt Sancho
35 nun zunächst den Trost, daß nicht das Geld die Ursache des Geld¬
mangels und der ganzen Krise sei, sondern ihr Unvermögen es zu
nehmen. Nicht der Arsenik ist Schuld daran, /[89b]/ daß Jemand
stirbt, der ihn gegessen hat, sondern das Unvermögen seiner Kon¬
stitution, Arsenik zu verdauen. — Nachdem Sancho vorher das
4o Geld als ein wesentliches, und zwar spezifisches Vermögen,
als allgemeines Tauschmittel, als Geld im gewöhnlichen Verstände
bestimmt hat, dreht er auf einmal, sowie er sieht zu welchen
Schwierigkeiten dies führen würde, die Sache um und erklärt alles
Vermögen für Geld, um den Schein der persönlichen Macht her-
45 vorzubringen. Die Schwierigkeit während der Krise ist eben, daß
376
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„alles Vermögen66 aufgehört hat „Geld66 zu sein. Übrigens läuft
dies auf die Praxis des Bürgers hinaus, der „alles Vermögen66 so¬
lange an Zahlungsstatt annimmt, als es Geld ist, und erst dann
Schwierigkeiten macht, wenn es schwierig wird, dies „Vermögen66
in Geld zu verwandeln, wo er es dann auch nicht mehr für ein „Ver- з
mögen66 ansieht. Die Schwierigkeit in der Krisis besteht ferner
gerade darin, daß Ihr Kleinbürger, zu denen Sancho hier spricht,
das Geld Eures Gepräge, Eure Wechsel nicht mehr zirkulieren
lassen könnt, sondern, daß man Geld von Euch verlangt, woran
Ihr nichts mehr zu prägen hattet und dem kein Mensch es ansieht, 10
daß es durch Eure Finger gegangen ist. — Endlich verdreht Stir¬
ner das bürgerliche Motto: Du giltst soviel als Du Geld hast, dahin:
Du hast soviel Geld, als Du giltst, womit Nichts verändert, sondern
nur der Schein der persönlichen Macht hereingebracht und damit
die triviale Bourgeoisillusion ausgedrückt ist, daß Jeder selbst 15
Schuld daran sei, wenn er kein Geld habe. So wird Sancho fertig
mit dem klassischen Bourgeoisspruch: L’argent n’a pas de maitre,
und kann nun auf die Kanzel steigen und ausrufen: „Lasset Eure
Vermögen wirken, nehmt Euch zusammen, und es wird am Gelde
nicht fehlen.!66 Je ne connais pas de lieu ä la bourse ou se fasse le 20
transfert des bonnes intentions. Er brauchte nur noch hinzuzu¬
setzen: Verschafft Euch Kredit, knowledge is power, der erste
Taler ist schwerer zu erwerben als die letzte Million, seid mäßig
und haltet das Eurige zu Rate, besonders aber pulluliert nicht zu
viel usw., um statt des einen beide Eselsohren hervorblicken zu 25
lassen. Überhaupt endigen bei dem Manne, für den Jeder ist, was
er sein kann, und tut, was er tun kann, alle Kapitel mit moralischen
Postulaten.
/[89c]/ Das Geldwesen im Stimerschen Verein ist also das
existierende Geldwesen, ausgedrückt in der beschönigenden und зо
gemütlich-schwärmerischen Weise eines deutschen Kleinbürgers.
Nachdem Sancho auf diese Weise mit den Ohren seines Grauen
paradiert hat, richtet sich Szeliga Don Quijote in seiner ganzen
Länge auf, um mit einer feierlichen Rede über die moderne
fahrende Ritterschaft, wobei das Geld in die Dulcinea von Toboso 35
verwandelt wird, die Fabrikanten und Commergants en mässe zu
Rittern, nämlich Industrierittem, zu schlagen. Die Rede hat noch
den Nebenzweck, zu beweisen, daß das Geld, weil ein „wesent¬
liches Mittel66 auch „wesentlich Tochter ist66. Und er reckte seine
Rechte aus, und sprach: 40
„Vom Gelde hängt Glück und Unglück ab. Es ist darum in der
Bürgerperiode eine Macht, weil es nur wie ein Mädchen66 (Vieh¬
mädchen, per appos. Dulcinea) „umworben, von Niemand unauf-
*> Vgl. „Die heilige Familie“ p. 266
III. Sankt Max
377
löslich geehlicht wird. Alle Romantik und Ritterlichkeit des Wer¬
bens um einen teuren Gegenstand lebt in der Konkurrenz wieder
auf. Das Geld, ein Gegenstand der Sehnsucht, wird von den
kühnen Industrierittem entführt.66 p. 364.
5 Sancho hat jetzt einen tiefen Aufschluß darüber erhalten, wes¬
halb das Geld in der Bürgerperiode eine Macht ist, nämlich erstens,
weil von ihm Glück und Unglück abhängt und zweitens, weil es
ein Mädchen ist. Er hat ferner erfahren, weshalb er um sein
Geld kommen kann, nämlich, weil ein Mädchen von Niemand un-
io auflöslich geehlicht wird. Jetzt weiß der arme Schlucker woran
er ist.
Szeliga, der so den Bürger zum Ritter gemacht hat, macht nun
folgendermaßen den Kommunisten zum Bürger, und zwar zum
bürgerlichen Ehemann:
15 „Wer das Glück hat, führt die Braut heim. Der Lump hat das
Glück, er führt sie in sein Hauswesen, die Gesellschaft, ein,
und vernichtet die Jungfrau. In seinem Hause ist sie nicht mehr
Braut, sondern Frau, und mit der Jungfräulichkeit geht auch der
Geschlechtsname verloren. Als Hausfrau heißt die Geldjungfer
го Arbeit, denn Arbeit ist der Name des Mannes. Sie ist ein
Besitz des Mannes. — Um dies Bild zu Ende zu bringen, so ist das
Kind von Arbeit und Geld wieder ein Mädchen66 („wesentlich
Tochter66), „ein unverehlichtes66 /{98}[90]/ (ist dem Szeliga je
vorgekommen, daß ein Mädchen „verehlicht66 aus dem Mutter-
25 leibe gekommen ist?), „also Geld66. (Nach dem obigen Beweise,
daß alles Geld „ein unverehlichtes Mädchen66 sei, leuchtet es von
selbst ein, daß „alle unverehlichten Mädchen66 „Geld66 sind) —
„also Geld, aber mit der gewissen Abstammung von der Ar¬
beit, seinem Vater66 (toute recherche de la patemite est interdite).
зо „Die Gesichtsform, das Bild, trägt ein anderes Gepräge.66 p. 364,
365.
Diese Hochzeits-, Leichenbitter- und Kindtaufsgeschichte be¬
weist wohl durch sich selbst hinlänglich, wiesehr sie „wesentlich
Tochter66 Szeligas, und zwar Tochter von „gewisser Abstammung66,
35 ist. Ihren letzten Grund hat sie indes in der Unwissenheit seines
ehmaligen Stallknechts Sancho. Diese tritt deutlich heraus am
Schluß, wo der Redner wieder um das „Gepräge66 des Geldes ängst¬
lich besorgt ist, und dadurch verrät, daß er noch immer das Metall¬
geld für das wichtigste zirkulierende Medium hält. Wenn er sich
40 um die ökonomischen Verhältnisse des Geldes etwas näher beküm¬
mert hätte, statt ihm einen schönen grünen Jungfemkranz zu flech¬
ten, so würde er wissen, daß, von Staatspapieren, Aktien pp nicht
zu sprechen, die Wechsel den größten Teil des zirkulierenden Me¬
diums ausmachen, während das Papiergeld ein verhältnismäßig
45 sehr kleiner, und das Metallgeld ein noch kleinerer Teil davon
378
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ist. In England zirkuliert z. B. fünfzehnmal mehr Geld in Wech¬
seln und Banknoten, als in Metall. Und selbst was das Metallgeld
betrifft, so wird es rein durch die Produktionskosten, d.h. die
Arbeit bestimmt. Stimers weitläufiger Zeugungsprozeß war also
hier überflüssig. — Die feierlichen Reflexionen, die Szeliga über 5
ein auf der Arbeit beruhendes und doch vom jetzigen Gelde unter¬
schiedenes Tauschmittel anstellt, das er bei einigen Kommunisten
entdeckt haben will, beweisen nur wieder die Einfalt, mit der
unser edles Paar Alles unbesehen glaubt, was es liest.
Beide führen, wenn sie nach dieser „ritterlichen und roman- 10
tischen“ Kampagne „des Werbens66 /[90a]/ nach Hause reiten, kein
„Glück66 heim, noch weniger „die Braut66, am allerwenigsten
„Geld66, sondern höchstens ein „Lump“ den andern.
4) Staat
Wir haben gesehen, wie Sancho in seinem „Verein66 die be-15
stehende Form des Grundbesitzes, die Teilung der Arbeit und das
Geld, in der Weise, wie diese Verhältnisse in der Vorstellung
eines Kleinbürgers leben, beibehält. Daß nach diesen Prämissen
Sancho den Staat nicht entbehren kann, leuchtet auf den ersten
Blick ein. 20
Zunächst wird sein neuerworbenes Eigentum die Form des
garantierten, rechtlichen Eigentums anzunehmen haben. Wir haben
schon gehört: „Dasjenige, woran Alle Anteil haben wollen, wird
demjenigen Einzelnen entzogen werden, der es für sich allein
haben will66 (p. 330). Hier wird also der Wille der Gesamtheit 25
geltend gemacht gegenüber dem Willen des vereinzelten Einzelnen.
Da jeder der mit sich einigen Egoisten mit den Andern uneinig
werden und damit in diesen Widerspruch treten kann, muß der
Gesamtwille auch einen Ausdruck haben gegenüber den vereinzel¬
ten Einzelnen — „und man nennt diesen Willen den Staats- зо
wi llen“ (p. 357). Seine Bestimmungen sind dann die recht¬
lichen Bestimmungen. Die Exekution dieses Gesamtwillens wird
wieder Repressivmaßregeln und eine öffentliche Gewalt nötig
machen. „Vereine werden dann auch in dieser Sache66 (dem Eigen¬
tum) „die Mittel des Einzelnen multiplizieren und sein ange-«
fochtenes Eigentum sicher stellen66, (garantieren also
garantiertes Eigentum, also rechtliches Eigentum, also Eigentum,
das Sancho nicht „unbedingt66 besitzt, sondern vom „Verein66 „zu
Lehen trägt66). P. 342.
Mit den Eigentumsverhältnissen versteht sich dann, daß das 40
ganze Zivilrecht wiederhergestellt wird, und Sancho selbst träg:
III. Sankt Max
379
z. B. die Lehre vom Vertrag ganz im Sinne der Juristen vor, wie
folgt:
„Auch hat es Nichts zu sagen, wenn Ich selbst Mich um diese
und jene Freiheit bringe, z. B. durch jeden Kontrakt66. P.409.
5 Und um die „angefochtenen66 Kontrakte „sicher zu stellen66, wird
es ebenfalls „Nichts /[90b]/ zu sagen haben66, wenn er sich wieder
einem Gerichte und allen jetzigen Folgen eines Zivilprozesses zu
unterwerfen hat.
So rücken wir „allgemach aus Dämmerung und Nacht66 den be-
Ю stehenden Verhältnissen wieder näher, nur den bestehenden Ver¬
hältnissen in der zwerghaften Vorstellung des deutschen Klein¬
bürgers.
Sancho gesteht:
„In Bezug auf die Freiheit unterliegen Staat und Verein keiner
15 wesentlichen Verschiedenheit. Der letztere kann ebensowenig ent¬
stehen und bestehen, ohne daß die Freiheit auf allerlei Art be¬
schränkt werde, als der Staat mit ungemessener Freiheit sich ver¬
trägt. Beschränkung der Freiheit ist überall unabwendbar, denn
man kann nicht Alles loswerden; man kann nicht gleich einem
го Vogel fliegen, bloß weil man so fliegen möchte etc.. . . Der Unfrei¬
heit und Unfreiwilligkeit wird der Verein noch genug enthalten,
denn sein Zweck ist eben nicht die Freiheit, die er im Gegenteil
der Eigenheit opfert, aber auch nur der Eigenheit66. P« 410,
411.
25 Abgesehen einstweilen von der komischen Distinktion zwischen
Freiheit und Eigenheit, so hat Sancho seine „Eigenheit66 in seinem
Vereine durch die ökonomischen Einrichtungen schon ge¬
opfert, ohne es zu wollen. Als echter „Staatsgläubiger66 sieht er
erst da eine Beschränkung, wo die politischen Einrichtungen an-
3o fangen. Er läßt die alte Gesellschaft fortbestehen, und mit ihr die
Subsumtion der Individuen unter die Teilung der Arbeit; wobei er
dann dem Schicksal nicht entgehen kann, von der Teilung der
Arbeit und der ihm dadurch zugefallenen Beschäftigung und
Lebenslage eine aparte „Eigenheit66 sich vorschreiben zu lassen.
35 Wird ihm z. B. das Los angewiesen, in Willenhall als Schlosser¬
gesell zu arbeiten, so wird seine aufgedrungene „Eigenheit66 in
einer Verdrehung der Hüftknochen bestehen, die ihm ein „Hinter¬
bein66 verschafft; wird „das Titelgespenst seines Buchs66 als
Throstlespinnerin existieren müssen, so wird ihre „Eigenheit66 in
4o steifen Knieen bestehen. Selbst wenn unser Sancho bei seinem alten
Beruf des Fronbauers bleibt, den ihm schon Cervantes angewiesen
hat und den er jetzt für seinen eignen Beruf erklärt, zu dem er sich
beruft, /[90c]/ so fällt ihm kraft der Teilung der Arbeit und der
Trennung von Stadt und Land die „Eigenheit66 zu, von allem Welt¬
380
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
verkehr und folglich von aller Bildung ausgeschlossen ein bloßes
Lokaltier zu werden.
So verliert Sancho im Verein seine Eigenheit malgre lui durch
die gesellschaftliche Organisation, wenn wir einmal ausnahms¬
weise die Eigenheit im Sinne von Individualität nehmen wollen. 5
Daß er nun auch durch die politische Organisation seine Freiheit
auf gibt, ist ganz konsequent und beweist nur noch deutlicher, wie
sehr er den jetzigen Zustand im Verein sich anzueignen strebt.
Die wesentliche Verschiedenheit von Freiheit und Eigenheit
bildet also den Unterschied zwischen dem jetzigen Zustande und 10
dem „Verein64. Wie wesentlich dieser Unterschied ist, haben wir
bereits gesehen. Die Majorität seines Vereins wird sich ebenfalls
an dieser Distinktion möglicherweise nicht stören, sondern das
„Lossein66 von ihr dekretieren, und wenn er sich dabei nicht be¬
ruhigt, wird sie ihm aus seinem eignen „Buche66 beweisen, daß es 15
erstens keine Wesen gibt, sondern Wesen und wesentliche Unter¬
schiede „das Heilige66 sind; zweitens, daß der Verein nach „der
Natur der Sache66 und „dem Begriff des Verhältnisses66 gar nichts
zu fragen hat, und drittens, daß sie keineswegs seine Eigenheit an¬
tastet, sondern nur seine Freiheit, sie zu äußern. Sie wird ihm 20
vielleicht beweisen, wenn er „sich bestrebt verfassungslos zu wer¬
den66, daß sie nur seine Freiheit beschränkt, wenn sie ihn ein¬
sperrt, ihm Hiebe diktiert, ihm ein Bein ausreißt, daß er partout
et toujours „eigen66 ist, solange er noch die Lebensäußerungen
eines Polypen, einer Auster, ja eines galvanisierten Froschleich- 25
nams von sich zu geben vermag. Sie wird ihm für seine Arbeit eine
„Preisbestimmung setzen66, wie wir schon hörten, „eine wirkliche
freie66 (!) „Verwertung seines Eigentums nicht zulassen66, da
sie ihm hiermit die Freiheit, nicht die Eigenheit beschränkt; Dinge,
die Sancho p. 338 dem Staate vorwirft. „Was soll also66 der Fron- зо
bauer Sancho „anfangen? Auf sich halten und nach dem66 Verein
„nichts fragen66, (ibid.). Sie wird ihm schließlich insinuieren, so
oft er gegen die ihm gesetzte Schranke poltert, daß solange er die
Eigenheit hat, Freiheiten für Eigenheiten zu erklären, sie sich die
Freiheit nimmt, seine Eigenheiten für Freiheiten anzusehen. 35
Wie oben der Unterschied zwischen menschlicher und einziger
Arbeit nur eine kümmerliche Aneignung des Gesetzes von Nach¬
frage und Zufuhr war, so ist jetzt der Unterschied zwischen Frei¬
heit und Eigenheit eine kümmerliche Aneignung des Verhältnisses
von Staat und bürgerlicher Gesellschaft, oder, wie Herr GuizoNo
sagt, der liberte individuelle und des pouvoir public. Dies / {99}
[91]/ ist sosehr der Fall, daß er im Folgenden den Rousseau fast
wörtlich abschreiben kann:
„Die Übereinkunft, der Jeder einen Teil seiner Freiheit opfern
muß66, geschieht, „ganz und gar nicht um eines Allgemeinen oder 45
III. Sankt Max
381
auch nur um eines andern Menschen willen66, sondern „Ich ging
vielmehr nur auf sie ein aus Eigennutz. Was aber das Opfern
betrifft, so opfere Ich doch wohl nur Dasjenige, was nicht in
Meiner Gewalt steht, d.h. opfere gar Nichts66. P. 418. Diese Qua-
5 lität teilt der mit sich einige Fronbauer mit jedem andern Fron¬
bauer und überhaupt mit jedem Individuum, das je auf der
Welt gelebt hat. Vergleiche auch Godwin, Political Justice. —
Sancho scheint, nebenbei bemerkt, die Eigenheit zu besitzen, zu
glauben, bei Rousseau schlössen die Individuen den Vertrag dem
io Allgemeinen zu Liebe, was Rousseau nie eingefallen ist.
Indessen Ein Trost ist ihm geblieben.
„Der Staat ist h e i 1 i g, . . der Verein aber ist . . . n i ch t hei¬
lig.66 Und darin besteht „der große Unterschied zwischen Staat
und Verein66. P. 411. Dieser ganze Unterschied läuft also darauf
15 hinaus, daß der „Verein66 der wirkliche moderne Staat, und der
„Staat66 die Stimersche Illusion vom preußischen Staat ist, den er
für den Staat überhaupt versieht.
5) Empörung
Sancho traut seinen feinen Distinktionen zwischen Staat und
2o Verein, heilig und nicht heilig, menschlich und einzig, Eigenheit
und Freiheit usw. schließlich mit Recht so wenig, daß er zur ul¬
tima ratio des mit sich einigen Egoisten seine Zuflucht nimmt, —
zur Empörung. Diesmal indes empört er sich nicht gegen sich
selbst, wie er früher vorgab, sondern gegen den Verein. Wie er
25 sich über alle Punkte erst im Verein klar zu werden suchte, so
auch hier mit der Empörung.
„Macht Mirs die Gemeinde nicht recht, so empöre Ich Mich
gegen sie und verteidige Mein Eigentum.66 p. 343.
„Gedeiht66 die Empörung nicht, so wird der Verein „ihn aus-
зо schließen (einsperren, verbannen usw.)66. P.256,257.
Sancho sucht sich hier die droits de l’homme von 1793, unter
denen /[91a]/ auch das Recht der Insurrektion aufgezählt wird,
anzueignen, ein Menschenrecht, das natürlich bittere Früchte für
den trägt, der davon nach seinem „eignen66 Sinn Gebrauch
33 macht.—
Der ganze Verein Sanchos läuft also auf Folgendes hinaus.
Während er früher in der Kritik die bestehenden Verhältnisse nur
nach der Seite der Illusion betrachtete, sucht er im Verein diese
Verhältnisse ihrem wirklichen Inhalt nach kennen zu lernen und
4o diesen Inhalt gegen die früheren Illusionen geltend zu machen.
Bei diesem Versuch mußte unser ignoranter Schulmeister natür-
382
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
lieh mit Eklat scheitern. Er hat sich ausnahmsweise einmal be¬
strebt, sich „die Natur der Sache“ und „den Begriff des Verhält¬
nisses“ anzueignen, aber es ist ihm nicht gelungen, irgend einer
Sache oder einem Verhältnis „den Geist der Fremdheit abzu¬
streifen“. 5
Nachdem wir jetzt den Verein in seiner wirklichen Gestalt ken¬
nen lernten, bleibt uns nur noch übrig, die schwärmerischen Vor¬
stellungen, die Sancho sich von ihm macht, die Religion und
Philosophie des Vereins, zu betrachten.
6) Religion und PhilosophiedesVereins
Wir fangen hier wieder mit dem Punkte an, mit dem wir oben
die Darstellung des Vereins eröffneten. Sancho gebraucht zwei
Kategorien, Eigentum und Vermögen; die Illusionen über das
Eigentum entsprechen hauptsächlich den gegebenen positiven
Daten über das Grundeigentum, die über das Vermögen den Daten is
über die Organisation der Arbeit und das Geldwesen im „Verein“.
A. Eigentum
P. 331. „Mir gehört die Welt.“ Interpretation seiner Erbpacht
an der Parzelle.
P. 343. „Ich bin Eigentümer von Allem, dessen Ich brauche“, 20
eine beschönigende Umschreibung davon, daß seine Bedürfnisse
seine Habe sind und daß das, was er als Fronbauer braucht, durch
seine Verhältnisse bedingt ist. In derselben Weise behaupten die
Ökonomen, daß der Arbeiter Eigentümer von Allem ist, was er als
Arbeiter braucht. Siehe die Entwicklung über das Minimum des 25
Salärs bei Ricardo.
P. 343. „Jetzt aber gehört Alles /[91b]/ Mir.“ Musikalischer
Tusch zu seiner Lohntaxe, seiner Parzelle, seiner permanenten
Geldklemme, und seinem Ausgeschlossensein von Allem, wovon
die „Sozietät“ nicht will, daß er es allein besitze. Derselbe Satz зо
findet sich p. 327 auch so ausgedrückt: „Seine“ (sc. des Andern)
„Güter sind mein, und Ich schalte damit als Eigentümer nach dem
Maße meiner Gewalt.“ Dies hochtönende Allegro marciale geht
folgendermaßen in eine sanfte Kadenz über, in welcher es all¬
mählich ganz auf den Hintern fällt — gewöhnliches Schicksal 35
Sanchos:
P. 331: „Mir gehört die Welt. Sagt Ihr“ (Kommunisten) „etwas
Anderes mit dem umgekehrten Satze: Allen gehört die Welt?
Alle sind Ich und wieder Ich usw.“ (z. B. „Robespierre z. B. Saint-
Justusw.“). 40
III. Sankt Max
383
P. 415: „Ich bin Ich und Du bist Ich, aber . . . dieses Ich worin
Wir Alle gleich sind, ist nur Mein Gedanke eine Allgemein¬
heit“ (das Heilige). Die praktische Variation dieses Themas fin¬
det sich
5 p. 330, wo die „Einzelnen als eine Gesamtmasse“ (d.h. Alle)
dem „vereinzelten Einzelnen“ (d. h. Ich im Unterschied von Alle)
als regulierende Macht gegenüber gestellt werden.
Diese Dissonanzen lösen sich also schließlich in den beruhigen¬
den Schlußakkord auf, daß, was Ich nicht besitze, jedenfalls das
io Eigentum eines andern „Ich“ ist. Das „Eigentum an Allem“ ist
hiermit nur die Interpretation davon, daß Jeder ein ausschlie߬
liches Eigentum besitzt.
P. 336. „Eigentum ist aber nur Mein Eigentum, wenn Ich das¬
selbe unbedingt inne habe. Als unbedingtes Ich habe Ich Eigen-
15 tum, treibe freien Handel“. Wir wissen schon, daß wenn die Han¬
delsfreiheit und Unbedingtheit im Verein nicht respektiert wird,
damit nur die Freiheit und nicht die Eigenheit angetastet wird.
Das „unbedingte Eigentum“ ist ein passendes Supplement zu
dem „sichergestellten“, garantierten Eigentum im Verein.
2o P. 342. „Nach der Meinung der Kommunisten soll die Ge¬
meinde Eigentümerin sein. Umgekehrt, Ich bin Eigentümer und
verständige Mich nur mit Anderen über Mein Eigentum.“ Nach
p. 329 sahen wir, wie „sich die Societe zur Eigentümerin
macht, und nach p. 330, wie sie „die Einzelnen von ihrem
25 Eigentum /[91c]/ ausschließt“. Überhaupt sahen wir das Stamm-
lehnswesen, den rohesten Anfang des Lehnswesens, eingeführt.
Nach p. 416 ist „Feudalwesen = Eigentumslosigkeit“, weswegen
nach eben derselben Pagina „im Vereine und nur im Vereine das
Eigentum anerkannt wird“, und zwar aus dem zureichenden
зо Grunde, „weil man das Seine von keinem Wesen mehr zum Lehen
trägt.“ (ibid.) D. h. in dem bisherigen Lehnswesen war „das
Wesen“ der Lehnsherr, im Verein ist es die societe. Woraus wenig¬
stens soviel hervorgeht, daß Sancho ein „ausschließliches“, aber
keineswegs „sicher gestelltes“ Eigentum am „Wesen“ der bis-
35 herigen Geschichte hat.
Im Zusammenhang mit p. 330, wonach jeder Einzelne von dem
ausgeschlossen wird, wovon es der Sozietät nicht recht ist, daß er
es allein besitzt, und mit dem Staats- und Rechtswesen des Vereins,
steht
40 p. 369: „Rechtliches und rechtmäßiges Eigentum eines Andern
wird nur dasjenige sein, wovon Dirs recht ist, daß es sein Eigen¬
tum sei. Hört es auf Dir recht zu sein, so hat es für Dich seine
Rechtmäßigkeit eingebüßt, und das absolute Recht daran wirst
Du verlachen.“ Er dokumentiert hiermit das erstaunliche Fak-
45 tum, daß das, was Rechtens im Verein ist, ihm nicht recht zu
384
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
sein braucht — ein unbestreitbares Menschenrecht. Findet sich
im Verein die Institution der altfranzösischen Parlamente, die
Sancho ja so sehr liebt, so wird er sogar seinen zu Protokoll ge¬
gebenen Widerwillen auf dem Greffe deponieren können, und
dabei den Trost behalten, daß „man nicht von Allem los sein 5
kann“.
Die bisherigen Sätze scheinen mit sich, unter einander und mit
der Wirklichkeit des Vereins im Widerspruch zu stehen. Der
Schlüssel zum Rätsel liegt indes in der schon angeführten juristi¬
schen Fiktion, daß da, wo er vom Eigentum Anderer ausgeschlos- 10
sen wird, er sich bloß mit diesen Andern verständigt. Diese Fik¬
tion wird in folgenden Sätzen näher ausgeführt:
/{100} [92]/ p. 369. „Das nimmt ein Ende“ (sc. der Respekt
von dem fremden Eigentum), „wenn Ich jenen Baum zwar einem
Andern überlassen kann, wie Ich meinen Stock usw. einem Andern 15
überlasse, aber nicht von vom herein ihn als Mir fremd, d. h. hei¬
lig betrachte. Vielmehr ... er bleibt mein Eigentum, auf solange
Ich ihn auch an Andre abtrete, er ist und bleibt Mein. In dem Ver¬
mögen des Bankiers sehe Ich Nichts fremdes.“
P. 328. „Vor Deinem und Eurem Eigentum trete Ich nicht scheu 20
zurück, sondern sehe es stets als Mein Eigentum а n, woran Ich
Nichts zu respektieren brauche. Tut doch desgleichen mit dem, was
Ihr mein Eigentum nennt. Bei dieser Ansicht werden wir uns
am leichtesten mit einander verständigen.“
Wenn Sancho nach den Statuten des Vereins „mit Kolben ge- 23
laust“ wird, sobald er nach fremdem Eigentum zugreift, so wird
er zwar behaupten, es sei seine „Eigenheit“, lange Finger zu
machen, aber der Verein wird dekretieren, Sancho habe sich nur
eine „Freiheit“ herausgenommen. Und wenn Sancho so „frei“ ist,
zuzugreifen, so hat der Verein die „Eigenheit“, ihm dafür Hiebe зо
zu diktieren.
Die Sache selbst ist die. Das bürgerliche, und zwar speziell
das kleinbürgerliche und kleinbäuerliche Eigentum bleibt im
Verein bestehen, wie wir sahen. Nur die Interpretation,
die „Ansicht“ ist eine verschiedene, weshalb auch Sancho den Jo-
Akzent stets auf das „Ansehen“ legt. Die „Verständigung“ wird
damit vollzogen, daß diese neue Philosophie des Ansehens beim
ganzen Verein zu Ansehen kommt. Diese Philosophie besteht
darin, daß erstens jedes Verhältnis, sei es durch ökonomische Be¬
dingungen oder durch direkten Zwang herbeigeführt, für ein Ver- 40
hältnis der „Verständigung“ angesehen wird; zweitens daß man
sich einbildet, alles Eigentum Andrer sei ihnen von uns überlassen
und bleibe ihnen nur solange, bis wir die Gewalt haben, es ihnen
zu nehmen, und bekommen wir diese Gewalt nie, tant mieux; drit¬
tens, daß Sancho und sein Verein sich in der Theorie die gegen- 45
III. Sankt Max
385
seitige Respektslosigkeit garantieren, während in der Praxis der
Verein vermittelst des Stockes sich mit Sancho „verständigt“, und
endlich, daß diese „Verständigung“ eine bloße Phrase ist, da
Jeder weiß, daß die Andern /[92a]/ sie nur mit dem geheimen
5 Vorbehalt eingegangen sind, sie bei der nächsten Gelegenheit wie¬
der umzustoßen. Ich sehe in Deinem Eigentum nicht das Deine,
sondern das Meine; da jedes Ich dies tut, so sehen sie das All¬
gemeine darin, wobei wir denn bei der modem-deutschphiloso¬
phischen Interpretation des gewöhnlichen, besondern und aus-
io schließlichen Privateigentums angelangt sind.
Zu der Philosophie des Vereins über das Eigentum gehören
u. A. auch noch folgende, aus dem System Sanchos hervorgehende
Marotten:
P. 342, daß man durch die Respektslosigkeit im Verein Eigen-
15 tum erwerben kann, p. 351, daß „Wir Alle im Vollen sitzen“ und
Ich „nur zuzulangen habe sogut Ich kann“ — während doch der
ganze Verein zu den sieben magern Kühen Pharaonis gehört, und
endlich, daß Sancho „Gedanken hegt“, die „in seinem Buche
stehen“, was p. 374 in der unvergleichlichen an sich gerichteten,
2o den drei Heineschen Oden an Schlegel nachgemachten, Ode be¬
sungen wird: „D u, d e г D u solche Gedanken, wie sie in Deinem
Buche stehen, hegst — Unsinn!“ Dies ist die Hymne, die Sancho
vorläufig sich selbst dekretiert und worüber sich später der Verein
mit ihm „verständigen“ wird.
25 Schließlich versteht es sich auch ohne „Verständigung“, daß
das Eigentum im außergewöhnlichen Verstände, von dem wir
schon in der Phänomenologie sprachen, im Verein als „gangbares“
und „kursierendes Eigentum“ an Zahlungsstatt angenommen wird.
Über die einfachen Tatsachen, z. B., daß Ich Mitgefühl hege, daß
so Ich mit Andern spreche, daß Mir ein Bein amputiert (resp. aus¬
gerissen) wird, wird der Verein sich dahin verständlichen, daß
„das Gefühl der Fühlenden auch das Meinige, ein Eigentum ist“,
p. 387; daß auch fremde Ohren und Zungen Mein Eigentum sind,
daß auch mechanische Verhältnisse Mein Eigentum sind. So wird
35 das Akkaparament im Verein hauptsächlich darin bestehen, daß
alle Verhältnisse vermöge einer leichten Paraphrase in Eigentums¬
verhältnisse verwandelt werden. Diese neue Ausdrucksweise schon
jetzt grassierender „Übelstände“ ist ein „wesentliches Mittel oder
Vermögen“ im Verein und wird das bei dem „sozialen Talente“
40 Sanchos unvermeidliche Defizit an Lebensmitteln glücklich decken.
/[92b]/ B. Vermögen
P. 216. „Werde Jeder von Euch ein allmächtigeslch!“
P. 353. „Denke auf die Vergrößerung Deines Vermögens!“
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 25
386
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
P. 420: „Haltet auf den Wert Eurer Gaben;
„Haltet sie im Preise,
„Laßt Euch nicht zwingen, unter dem Preise loszuschlagen,
„Laßt Euch nicht einreden, Eure Ware sei nicht preiswürdig,
„Macht Euch nicht zum Gespötte durch einen Spottpreis, 5
„Ahmt den Tapfem nach“ etc.!
P. 420: „Verwertet Euer Eigentum!
„Verwerte Dich!“
Diese Sittensprüchlein, die Sancho von einem andalusischen
Schacherjuden gelernt hat, der seinem Sohne Lebens- und Han- 10
delsregeln gab, und die er jetzt aus seinem Schnappsack hervor¬
langt — bilden das Hauptvermögen des Vereins. Die Grundlage
aller dieser Sätze ist der große Satz p. 351: „Alles was Du ver¬
magst, ist Dein Vermögen.“ Dieser Satz hat entweder keinen, d. h.
einen bloß tautologischen Sinn, oder einen Unsinn. Tautologie ist 15
er, wenn er heißt, was Du vermagst, vermagst Du. Unsinn ist er,
wenn das Vermögen N0. 2 Vermögen „im gewöhnlichen Verstand“,
Handelsvermögen, ausdrücken soll, und wenn also auf diese Ety¬
mologie basiert wird. Die Kollision besteht eben darin, daß mei¬
nem Vermögen etwas Anderes, als dies Vermögen leisten kann, zu- 20
gemutet wird, z. B. von meinem Vermögen Verse zu machen ver¬
langt wird, Geld aus diesen Versen zu machen. Man verlangt eben
von meinem Vermögen etwas ganz Anderes als das eigentümliche
Produkt dieses besondem Vermögens, nämlich ein von fremden,
meinem Vermögen nicht unterworfenen Verhältnissen abhängiges 25
Produkt. Diese Schwierigkeit soll im Verein durch etymologische
Synonymik gelöst werden. Man sieht wie unser egoistischer Schul¬
meister auf einen ansehlichen Posten im Verein spekuliert. Übri¬
gens ist diese Schwierigkeit nur scheinbar. Das gewöhnliche Kem-
und Sittensprüchlein der Bourgeois: Anything is good to make зо
money of, wird hier in Sanchos feierlicher Manier breitgetreten.
C. Moral, Verkehr, Exploitationstheorie
P. 352. „Egoistisch verfahrt Ihr, wenn Ihr einander weder als
Inhaber, noch als Lumpe oder Arbeiter achtet, sondern als einen
Teil Eures Vermögens, als brauchbare Subjekte. Dann 35
werdet Ihr weder dem Inhaber, Eigentümer /[92c]/ für seine Habe
etwas geben, noch Dem, der arbeitet, sondern allein Dem, den
Ihr braucht. Brauchen Wir einen König, fragen sich die Nord¬
amerikaner, und antworten: Nicht einen Heller ist er und seine
Arbeit Uns wert46. 40
Dagegen wirft er p.229 der „Bürgerperiode“ vor: „Statt Mich
zu nehmen, wie Ich bin, sieht man lediglich auf Mein Eigentum,
Meine Eigenschaften, und schließt mit Mir einen ehelichen Bund,
III. Sankt Max
387
nur um Meines Besitztums willen. Man heiratet gleichsam was
Ich habe, nicht was Ich bin.“ D. h. also, man nimmt bloß Rück¬
sicht auf das, was Ich für den Andern bin, auf meine Brauchbar¬
keit, man behandelt Mich als brauchbares Subjekt. Sancho spuckt
5 der „Bürgerperiode“ in die Suppe, um sie im Verein ganz allein
auszufressen.
Wenn die Individuen der heutigen Gesellschaft einander als
Inhaber, als Arbeiter, und wenn Sancho will, als Lumpe achten,
so heißt das ja weiter Nichts, als daß sie sich als brauchbare Sub-
10 jekte behandeln, ein Faktum, das nur ein so unbrauchbares Indi¬
viduum wie Sancho in Zweifel zu ziehen vermag. Der Kapitalist,
der den Arbeiter „als Arbeiter achtet“, nimmt nur deshalb Rück¬
sicht auf ihn, weil er Arbeiter braucht; der Arbeiter macht es eben¬
so mit dem Kapitalisten; wie denn auch die Amerikaner nach San-
15 chos Meinung (er möge uns anzeigen welcher Quelle er dies histo¬
rische Faktum entnommen) deswegen keinen König brau¬
chen, weil sie ihn nicht als Arbeiter brauchen. Sancho hat
sein Beispiel wieder mit seinem gewöhnlichen Ungeschick ge¬
wählt, indem es gerade das Gegenteil von dem beweisen soll, was es
•so wirklich beweist.
P. 395. „Du bist für Mich Nichts als eine Speise, gleichwie
auch Ich von Dir verspeiset und verbraucht werde. Wir haben zu
einander nur Eine Beziehung: die der Brauchbarkeit, der Nutz¬
barkeit, des Nutzens.“
25 P. 416. „Es ist Keiner für Mich eine Respektsperson, auch der
Mitmensch nicht, sondern lediglich wie andre Wesen“ (!) „ein
Gegenstand, für den Ich Teilnahme habe oder auch nicht, ein
interessanter oder uninteressanter Gegenstand, ein brauchbares
oder unbrauchbares Subjekt.“ —
зо /{101)1931/ Das Verhältnis der „Brauchbarkeit“, welches im
Verein die einzige Beziehung der Individuen auf einander sein
soll, wird sogleich wieder paraphrasiert in das gegenseitige „Ver-
speisen“. Die „vollendeten Christen“ des Vereins verzehren
natürlich auch ein Abendmahl, nur nicht mit einander, sondern an
35 einander.
Wie sehr diese Theorie der wechselseitigen Exploitation, die
Bentham bis zum Überdruß ausführte, schon im Anfänge dieses
Jahrhunderts als eine Phase des vorigen aufgefaßt werden konnte,
beweist Hegel in der Phänomenologie. Siehe daselbst das Kapitel:
io Der Kampf der Aufklärung mit dem Aberglauben, wo die Brauch¬
barkeitstheorie als das letzte Resultat der Aufklärung dargestellt
wird. — Die scheinbare Albernheit, welche alle die mannigfaltigen
Verhältnisse der Menschen zu einander in das Eine Verhältnis
der Brauchbarkeit auflöst, diese scheinbar metaphysische Ab-
45 straktion geht daraus hervor, daß innerhalb der modernen bürger-
25*
388
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
liehen Gesellschaft alle Verhältnisse unter das Eine abstrakte
Geld- und Schacherverhältnis praktisch subsumiert sind. Diese
Theorie kam auf, mit Hobbes und Locke, gleichzeitig mit der
ersten und zweiten englischen Revolution, den ersten Schlägen,
wodurch die Bourgeoisie sich politische Macht eroberte. Bei öko- а
nomischen Schriftstellern ist sie natürlich schon früher stillschwei¬
gende Voraussetzung. Die eigentliche Wissenschaft dieser Nütz¬
lichkeitstheorie ist die Ökonomie; in den Physiokraten erhält sie
ihren wahren Inhalt, da diese zuerst die Ökonomie systematisch zu¬
sammenfassen. Schon bei Helvetius und Holbach findet sich eine ю
Idealisierung dieser Lehre, die ganz der oppositionellen Stellung
der französischen Bourgeoisie vor derRevolution entspricht. / [93a]
Bei Holbach wird alle Betätigung der Individuen durch ihren gegen¬
seitigen Verkehr als Nützlichkeits- und Benutzungsverhältnis dar¬
gestellt, z.B. Sprechen, Lieben etc. Die wirklichen Verhältnisse, die v>
hier vorausgesetzt werden, sind also Sprechen, Lieben, bestimmte
Betätigungen bestimmter Eigenschaften der Individuen. Diese Ver¬
hältnisse sollen nun nicht die ihnen eigentümliche Bedeutung
haben, sondern der Ausdruck und die Darstellung eines dritten,
ihnen untergeschobenen Verhältnisses sein, des N ü tz 1 i ch k e i t s- 20
oder Benutzungsverhältnisses. Diese Umschrei¬
bung hört erst dann auf sinnlos und willkürlich zu sein, sobald
jene Verhältnisse den Individuen nicht ihrer selbst wegen gelten,
nichts als Selbstbetätigung, sondern vielmehr als Verkleidungen
keineswegs der Kategorie Benutzung, sondern eines wirklichen 25
dritten Zwecks und Verhältnisses, welches Nützlichkeitsverhältnis
heißt. Die Maskerade in der Sprache hat nur dann einen Sinn,
wenn sie der unbewußte /[93b]/ oder bewußte Ausdruck einer
wirklichen Maskerade ist. In diesem Falle hat das Nützlichkeits¬
verhältnis einen ganz bestimmten Sinn, nämlich den, daß ich mir зо
dadurch nütze, daß ich einem Andern Abbruch tue (exploitation
de l’homme par l’homme) ; in diesem Falle ist ferner der Nutzen,
den ich aus einem Verhältnisse ziehe, diesem Verhältnisse über¬
haupt fremd, wie wir oben beim Vermögen sahen, daß von jedem
Vermögen ein ihm fremdes Produkt verlangt wird, eine Be- 35
ziehung, die durch die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmt
ist — und diese ist eben die Nützlichkeitsbeziehung. Dies Alles
ist wirklich bei dem Bourgeois der Fall. Ihm gilt nur ein Ver¬
hältnis um seiner selbst willen, das Exploitationsverhältnis; aBe
andern Verhältnisse gelten ihm nur soweit, als er sie unter dies 40
eine Verhältnis subsumieren kann, und selbst wo ihm Verhältnisse
vorkommen, die sich dem Exploitationsverhältnis nicht direkt
unterordnen lassen, subordiniert er sie ihm wenigstens in der Illu¬
sion. Der materielle Ausdruck dieses Nutzens ist das Geld, der Re¬
präsentant der Werte aller Dinge, Menschen und gesellschaft- 43
III. Sankt Max
389
liehen Verhältnisse. Im Übrigen sieht man auf den ersten Blick,
daß aus den wirklichen Verkehrsbeziehungen, in denen ich zu
andern Menschen stehe, keineswegs aber aus Reflexion und bloßem
Willen, erst die Kategorie: „Benutzen“ abstrahiert wird und dann
5 umgekehrt jene Verhältnisse für die Wirklichkeit dieser aus ihnen
selbst abstrahierten Kategorie ausgegeben werden, eine ganz spe¬
kulative Methode zu verfahren. Ganz in derselben Weise und mit
demselben Rechte hat Hegel alle Verhältnisse als Verhältnisse des
objektiven Geistes dargestellt. Holbachs Theorie ist also die histo-
10 risch berechtigte, philosophische Illusion über die eben in Frank¬
reich aufkommende Bourgeoisie, deren Exploitationslust noch
ausgelegt werden konnte als Lust an der vollen Entwicklung der
Individuen in einem von den alten feudalen Banden befreiten Ver¬
kehr. Die Befreiung auf dem Standpunkte der Bourgeoisie, die
із Konkurrenz, war allerdings für das achtzehnte Jahrhundert die
einzig mögliche Weise, den Individuen eine neue Laufbahn freie¬
rer Entwicklung zu eröffnen. Die theoretische Proklamation des
dieser Bourgeoispraxis entsprechenden Bewußtseins, des Bewußt¬
seins der wechselseitigen Exploitation als des allgemeinen Ver-
20 hältnisses aller Individuen zu einander, war ebenfalls ein /[93c]/
kühner und offner Fortschritt, eine profanierende Aufklärung
über die politische, patriarchalische, religiöse und gemütliche Ver¬
brämung der Exploitation unter der Feudalität; eine Verbrämung,
die der damaligen Form der Exploitation entsprach und nament-
25 lieh von den Schriftstellern der absoluten Monarchie systemati¬
siert worden war.
Selbst wenn Sancho in seinem „Buche“ dasselbe getan hätte,
was Helvetius und Holbach im vorigen Jahrhundert taten, so wäre
der Anachronismus immer noch lächerlich. Aber wir sahen, wie er
зо [a]n die Stelle des tätigen Bourgeoisegoismus einen rodomontieren-
den, mit sich ei[ni]gen Egoismus setzte. Sein einziges Ver[die]nst
hat er wider seinen Willen und ohne es zu wissen; das Verdienst,
der Ausdruck der deutschen Kleinbürger von heute zu sein, die
danach trachten, Bourgeois zu werden. Es war ganz in der Ord-
35 nung, daß so kleinlich, zaghaft und befangen diese Bürger prak¬
tisch auftreten, ebenso marktschreierisch, bramarbasierend und
vorwitzig „der Einzige“ unter ihren philosophischen Repräsen¬
tanten in die Welt hinaus renommierte; es paßt ganz zu den Ver¬
hältnissen dieser Bürger, daß sie von ihrem theoretischen Maul-
40 beiden Nichts wissen wollen und er Nichts von ihnen weiß, daß sie
mit einander uneinig sind, und er den mit sich einigen Egoismus
predigen muß; Sancho sieht jetzt vielleicht, durch welche Nabel¬
schnur sein „Verein“ mit dem Zollverein zusammenhängt.
30—31 Das Papier ist beschädigt
390
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Die Fortschritte der Nützlichkeits- und Exploitationstheorie,
ihre verschiedenen Phasen hängen genau zusammen mit den ver¬
schiedenen Entwicklungsepochen der Bourgeoisie. Bei Helvetius
und Holbach war sie dem wirklichen Inhalt nach nie weit darüber
hinausgekommen, die Ausdrucksweise der Schriftsteller aus der 0
Zeit der absoluten Monarchie zu umschreiben. Es war eine andere
Ausdrucksweise, mehr der Wunsch, alle Verhältnisse auf das Ex¬
ploitationsverhältnis zurückzuführen, den Verkehr aus den mate¬
riellen Bedürfnissen und den Weisen ihrer Befriedigung zu er¬
klären, als die Tat selbst. Die Aufgabe war gestellt. Hobbes und 10
Locke hatten sowohl die frühere Entwicklung der holländischen
Bourgeoisie (sie lebten Beide eine zeitlang in Holland) wie die
ersten po-/! 1021 [94]/1 irischen Aktionen, durch welche die Bour¬
geoisie in England aus der lokalen und provinziellen Beschrän¬
kung heraustrat, und eine schon relativ entwickelte Stufe der in
Manufaktur, des Seehandels und der Kolonisation vor Augen;
besonders Locke, der gleichzeitig mit der ersten Periode der eng¬
lischen Ökonomie, mit dem Entstehen der Aktiengesellschaften,
der englischen Bank und der Seeherrschaft Englands schrieb. Bei
ihnen, und namentlich bei Locke, ist die Exploitationstheorie noch 20
unmittelbar mit ökonomischem Inhalt verbunden. — Helvetius
und Holbach hatten außer der englischen Theorie und der bisheri¬
gen Entwicklung der holländischen und englischen Bourgeoisie,
die um ihre freie Entfaltung noch kämpfende französische Bour¬
geoisie vor sich. Der allgemeine kommerzielle Geist des achtzehn- 25
ten Jahrhunderts hatte namentlich in Frankreich in der Form der
Spekulation alle Klassen ergriffen. Die Finanzverlegenheiten der
Regierung und die daraus entspringenden Debatten über die Be¬
steuerung beschäftigten schon damals ganz Frankreich. Dazu
kam, daß Paris im achtzehnten Jahrhundert die einzige Weltstadt зо
war, die einzige Stadt, in welcher ein persönlicher Verkehr von
Individuen aller Nationen stattfand. Diese Prämissen, zusammen
mit dem universelleren Charakter der Franzosen überhaupt, gaben
der Theorie von Helvetius und Holbach die eigentümliche all¬
gemeine Färbung, nahmen ihr aber zugleich den noch bei den зз
Engländern vorfindlichen, positiven ökonomischen Inhalt. Die
Theorie, die bei den Engländern einfache Konstatierung einer
Tatsache war, wird bei den Franzosen zu einem philosophischen
System. Diese, des positiven Inhalts beraubte Allgemeinheit, wie
sie in Helvetius und Holbach hervortritt, ist wesentlich verschie- *o
den von der inhaltsvollen Totalität, die erst bei Bentham und Mill
sich findet. Die erstere entspricht der kämpfenden, noch unent¬
wickelten Bourgeoisie, die zweite der herrschenden, entwickelten.
— Der von Helvetius und Holbach vernachlässigte Inhalt der Ex¬
ploitationstheorie wurde gleichzeitig mit Letzterem von den Phy- 4;
III. Sankt Max
391
siokraten entwickelt und systematisiert; da ihnen aber die unent¬
wickelten ökonomischen Verhältnisse /[94a]/ Frankreichs zu
Grunde lagen, wo der den Grundbesitz zur Hauptsache machende
Feudalismus noch ungebrochen war, so blieben sie in sofern in der
5 feudalistischen Anschauungsweise befangen, daß sie den Grund¬
besitz und die Agrikulturarbeit für diejenige [Produktivkraft] er¬
klärten, welche die ganze Gestaltung der Gesellschaft bedingt. —
Die weitere Entwicklung der Exploitationstheorie ging in England
durch Godwin, besonders aber durch Bentham vor sich, der den von
io den Franzosen vernachlässigten ökonomischen Inhalt nach und
nach wieder hereinnahm, je weiter sich die Bourgeoisie, sowohl in
England wie in Frankreich, durchsetzte. Godwins political justice
wurde während der Schreckensperiode, die Hauptwerke Benthams
während und seit der französischen Revolution und der Entwick¬
le lung der großen Industrie in England geschrieben. Die vollständige
Vereinigung der Nützlichkeitstheorie mit der Ökonomie finden wir
endlich bei Mill.
Die Ökonomie, die früher, entweder von Finanzmännem, Ban¬
kiers und Kaufleuten, also überhaupt von Leuten, die unmittelbar
so mit ökonomischen Verhältnissen zu tun hatten — oder von all¬
gemein gebildeten Männern wie Hobbes, Locke, Hume behandelt
wurde, für die sie als ein Zweig des enzyklopädischen Wissens
Bedeutung hatte — die Ökonomie wurde erst durch die Physio¬
kraten zu einer besondem Wissenschaft erhoben und seit ihnen als
25 eine solche behandelt. Als besondere Fachwissenschaft nahm sie
die übrigen, politischen, juristischen etc. Verhältnisse, soweit in
sich auf, daß sie diese Verhältnisse auf ökonomische reduzierte.
Sie hielt aber diese Subsumtion aller Verhältnisse unter sich nur
für eine Seite dieser Verhältnisse und ließ ihnen damit im Übrigen
зо auch eine selbstständige Bedeutung außer der Ökonomie. Die voll¬
ständige Subsumtion aller existierenden Verhältnisse unter das
Nützlichkeitsverhältnis, die unbedingte Erhebung dieses Nützlich¬
keitsverhältnisses zum einzigen Inhalt aller übrigen, finden wir
erst bei Bentham, /[94b]/ wo nach der französischen Revolution
35 und der Entwicklung der großen Industrie die Bourgeoisie nicht
mehr als eine besondre Klasse, sondern als die Klasse auftritt,
deren Bedingungen die Bedingungen der ganzen Gesellschaft sind.
Nachdem die sentimentalen und moralischen Paraphrasen, die
bei den Franzosen den ganzen Inhalt der Nützlichkeitstheorie bil-
4o deten, erschöpft waren, blieb für die fernere Ausbildung dieser
Theorie nur noch die Frage übrig: Wie die Individuen und Ver¬
hältnisse zu benutzen, zu exploitieren seien. Die Antwort auf diese
6 Von der Produktivkraft ist in dem gestrichenen Text die Rede, an dessen
Stelle Engels die jetzt vorliegende Formulierung nieder schrieb, wobei er das
Substantiv zu wiederholen vergaß
392
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Frage war inzwischen in der Ökonomie schon gegeben wordem;
der einzig mögliche Fortschritt lag in dem Hereinnehmen des öko¬
nomischen Inhalts. Bentham vollzog diesen Fortschritt. In der Öko¬
nomie aber war es schon ausgesprochen, daß die hauptsächlichen
Verhältnisse der Exploitation unabhängig von dem Willen der Ein- 5
zelnen durch die Produktion im Ganzen und Großen bestimmt und
von den einzelnen Individuen fertig vorgefunden werden. Es blieb
also für die Nützlichkeitstheorie kein anderes Feld der Speku¬
lation, als die Stellung der Einzelnen zu diesen großen Verhält¬
nissen, die Privat-Exploitation einer vorgefundenen Welt durch 10
die einzelnen Individuen. Hierüber hat Bentham und seine Schule
lange moralische Reflexionen angestellt. Die ganze Kritik der be¬
stehenden Welt durch die Nützlichkeitstheorie erhielt hierdurch
ebenfalls einen beschränkten Gesichtskreis. In den Bedingungen
der Bourgeoisie befangen, blieben ihr zur Kritik nur diejenigen 15
Verhältnisse, die aus einer früheren Epoche überkommen waren
und der Entwicklung der Bourgeoisie im Wege standen. Die Nütz¬
lichkeitstheorie entwickelt daher allerdings den Zusammenhang
sämtlicher bestehenden Verhältnisse mit ökonomischen, aber nur
auf eine beschränkte Weise. — Die Nützlichkeitstheorie hatte von 20
vom herein den Charakter der Gemeinnützlichkeitstheorie; dieser
Charakter wurde jedoch erst inhaltsvoll mit dem Hereinnehmen
der ökonomischen Verhältnisse, speziell der Teilung der Arbeit
und des Austausches. In der Teilung der Arbeit /[94c]/ wird die
Privattätigkeit des Einzelnen gemeinnützlich; die Gemeinnützlich- 25
keit Benthams reduziert sich auf dieselbe Gemeinnützlichkeit, die
überhaupt in der Konkurrenz geltend gemacht wird. Durch das
Hereinziehen der ökonomischen Verhältnisse von Grundrente, Pro¬
fit und Arbeitslohn kamen die bestimmten Exploitationsverhält¬
nisse der einzelnen Klassen herein, da die Art der Exploitation von so
der Lebensstellung des Explodierenden abhängt. Bis hieher konnte
die Nützlichkeitstheorie sich an bestimmte gesellschaftliche Tat¬
sachen anschließen; ihr weiteres Eingehen auf die Art der Ex¬
ploitation verläuft sich in Katechismusphrasen. — Der ökono¬
mische Inhalt verwandelt die Nützlichkeitstheorie allmählich in 35
eine bloße Apologie der Bestehenden, in den Nachweis, daß unter
den existierenden Bedingungen die jetzigen Verhältnisse der Men¬
schen zu einander die vorteilhaftesten und gemeinnützlichsten
seien. Diesen Charakter trägt sie bei allen neueren Ökonomen. —
Während so die Nützlichkeitstheorie wenigstens den Vorzug 40
hatte, den Zusammenhang aller bestehenden Verhältnisse mit den
ökonomischen Grundlagen der Gesellschaft anzudeuten, hat sie
bei Sancho allen positiven Inhalt verloren, abstrahiert von allen
wirklichen Verhältnissen und beschränkt sich auf die bloße Illu¬
sion des einzelnen Bürgers über seine „Gescheitheit“, mit der er 43
III. Sankt Max
393
die Welt zu exploitieren glaubt. Übrigens läßt sich Sancho nur an
sehr wenigen Stellen auf die Nützlichkeitstheorie selbst in dieser
verdünnten Gestalt ein; der mit sich einige Egoismus, d.h. die Il¬
lusion über diese Illusion des Kleinbürgers, erfüllt fast das ganze
5 „Buch“, wie wir gesehen haben. Und selbst diese wenigen Stellen
löst Sancho schließlich, wie sich zeigen wird, in blauen Dunst auf.
D. Religion
„In dieser Gemeinsamkeit“ (sc. mit andern Leuten) „sehe Ich
durchaus nichts Anderes, als eine Multiplikation Meiner Macht,
10 und nur solange sie Meine /! 103} [95]/ vervielfachte Kraft ist,
behalte Ich sie bei.“ p. 416.
„Ich demütige Mich vor keiner Macht mehr, und er¬
kenne, daß alle Mächte nur Meine Macht sind, die Ich sogleich
zu unterwerfen habe, wenn sie eine Macht gegen oder über Mich
із zu werden drohen; jede derselben darf nur eins Meiner Mit¬
tel sein, Mich durchzusetzen.“
Ich „sehe an“, ich „erkenne“, ich „habe zu unterwer¬
fen“, die Macht „darf nur eins Meiner Mittel sein“. Was diese
moralischen Forderungen zu bedeuten haben und wie sehr sie der
2o Wirklichkeit entsprechen, hat sich uns beim „Verein“ selbst ge¬
zeigt. — Mit dieser Illusion von seiner Macht hängt denn auch
genau die andre zusammen, daß im Verein „die Substanz“
(Siehe: „Humaner Liberalismus.“) vernichtet wird, und die Ver¬
hältnisse der Vereinsglieder nie eine feste Gestalt gegenüber den
25 einzelnen Individuen gewinnen.
„Der Verein, die Vereinigung, diese stets flüssige Vereinigung
Alles Bestandes . . . Allerdings entsteht auch durch Verein eine
Gesellschaft, aber nur, wie durch einen Gedanken eine fixe Idee
entsteht... Hat sich ein Verein zur Gesellschaft krystallisiert, so
зо hat er aufgehört eine Vereinigung zu sein; denn Vereinigung ist
ein unaufhörliches Sich Vereinigen; er ist zu einem Vereinigtsein
geworden, der Leichnam des Vereins oder der Vereinigung — Ge¬
sellschaft . . . Den Verein hält weder ein natürliches noch ein gei¬
stiges Band zusammen.“ p. 294,408,416.
35 Was das „natürliche Band“ anbetrifft, so existiert das trotz
Sanchos „Widerwillen“ in der Fronbauerwirtschaft und Organisa¬
tion der Arbeit etc. im Verein, ebenso das „geistige Band“ in der
Sanchoschen Philosophie. Im Übrigen brauchen wir nur auf das
zu verweisen, was wir mehrmals und noch beim Verein /[95a]/
4o über die auf der Teilung der Arbeit beruhende Verselbstständi¬
gung der Verhältnisse gegenüber den Individuen gesagt haben.
„Kurz, die Gesellschaft ist heilig, der Verein ist Dein
eigen: die Gesellschaft verbraucht Dich, den Verein verbrauchst
Du“ usw. P. 418.
394
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
E. Nachträgliches zum Verein
Während wir bisher keine andre Möglichkeit sahen in den
„Verein“ zu kommen, als durch die Empörung, erfahren wir jetzt
aus dem Kommentar, daß der „Verein von Egoisten“ bereits „zu
Hunderttausenden“ von Exemplaren existiert als eine Seite der 5
bestehenden bürgerlichen Gesellschaft, und uns auch ohne alle
Empörung und jeden „Stimer“ zugänglich ist. Sancho zeigt uns
dann „solche Vereine im Leben. Faust befindet sich mitten in sol¬
chen Vereinen, als er ausruft: Hier bin ich Mensch“ (!) „hier
darf ichs sein — Göthe gibts hier sogar schwarz auf weiß“ („aber 10
Humanus heißt der Heilige, s. Göthe“, vgl. „das Buch“) . . .
„Sähe Heß das wirkliche Leben aufmerksam an, so würde er Hun¬
derttausende von solchen teils schnell vorübergehenden, teils
dauernden egoistischen Vereinen vor Augen haben.“ Sancho läßt
dann vor Heß’ Fenster „Kinder“ zum Spiele zusammenlaufen, 15
„ein paar gute Bekannte“ ihn ins Wirtshaus abnehmen, und ihn
mit seiner „Geliebten“ sich vereinigen. — „Freilich wird Heß es
diesen trivialen Beispielen nicht ansehen, wie inhaltsschwer und
wie himmelweit verschieden sie von den heiligen Gesellschaften,
ja von der brüderlichen, menschlichen Gesellschaft der heiligen 20
Sozialisten sind.“ (Sancho contra Heß, Wigand, p. 193, 194). —
Ebenso ist schon p. 305 „des Buchs“: „die Vereinigung zu ma¬
teriellen Zwecken und Interessen“ als freiwilliger Verein von
Egoisten zu Gnaden angenommen worden.
Der Verein reduziert sich hier also einerseits auf die Bourgeois- 25
Assoziationen und Aktiengesellschaften, andererseits auf die Bür-
gerresourcen, Picknicks usw. Daß die /[95b]/ ersteren ganz der
gegenwärtigen Epoche angehören, ist bekannt, und daß
die letzteren nicht minder, ist ebenfalls bekannt. Sancho möge sich
die „Vereine“ einer früheren Epoche, etwa der Feudalzeit oder зо
die anderer Nationen, etwa die der Italiener, Engländer etc. bis
auf die Kinder herab, ansehen, um den Unterschied kennen zu
lernen. Er bestätigt durch diese neue Interpretation des Vereins
nur seinen eingerosteten Konservatismus. Sancho, der die ganze
bürgerliche Gesellschaft in sein vorgebliches neues Institut auf- з.>
nahm, soweit sie ihm angenehm war, Sancho beteuert hier nach¬
träglich nur, daß man in seinem Verein sich auch amüsieren und
zwar ganz in hergebrachter Weise amüsieren wird. Welche unab¬
hängig von ihm existierenden Verhältnisse ihn in den Stand oder
außer Stand setzen, „ein paar gute Bekannte in ein Weinhaus zu 40
begleiten“, daran denkt unser Bonhomme natürlich nicht.
Die hier nach Berliner Hörensagen verstimerte Idee, die ganze
Gesellschaft in freiwillige Gruppen aufzulösen, gehört Fourier
an. Aber bei Fourier hat diese Anschauung eine totale Umgestal-
III. Sankt Max
395
tung der Gesellschaft zur Voraussetzung und basiert auf der Kri¬
tik der bestehenden, von Sancho so bewunderten „Vereine“ und
ihrer ganzen Langweiligkeit. Fourier schildert diese Erheiterungs¬
versuche von heute im Zusammenhänge mit den bestehenden Pro-
5 duktions- und Verkehrsverhältnissen; und polemisiert gegen sie;
Sancho, weit entfernt, sie zu kritisieren, will sie mit Haut und
Haaren in sein neues Beglückungsinstitut der „Verständigung66
verpflanzen und beweist dadurch nur noch einmal, wie sehr er in
der bestehenden bürgerlichen Gesellschaft befangen ist.
10 Schließlich hält Sancho noch folgende Oratio pro domo, d.h.
für den „Verein“:
„Ist ein Verein, in welchem sich die Meisten um ihre natür¬
lichsten und offenbarsten Interessen prellen lassen, ein Verein von
Egoisten? Haben sich da Egoisten vereint, wo Einer des Andern
r> Sklav oder Leibeigner /[95c]/ ist? ... Gesellschaften, in welchen
die Bedürfnisse der Einen auf Kosten der Andern befriedigt wer¬
den, in denen z. B. die Einen das Bedürfnis der Ruhe dadurch be¬
friedigen können, daß die Andern bis zur Erschlaffung arbeiten
müssen,... Heß . .. identifiziert. . . diese seine „egoistischen Ver-
2o eine“ mit dem Stirnerschen Verein von Egoisten.66 p. 192,193.
Sancho spricht also den frommen Wunsch aus, daß in seinem
auf der gegenseitigen Exploitation beruhenden Verein alle Mit¬
glieder gleich mächtig, pfiffig etc., etc. sein möchten, damit Jeder
die Andern gerade soweit exploitiert als er von ihnen exploitiert
23 wird, und damit Keiner um seine „natürlichsten und offenbarsten
Interessen66 „geprellt66 wird oder seine „Bedürfnisse auf Kosten
der Andern befriedigen“ kann. Wir bemerken hier, daß Sancho
„natürliche und offenbare Interessen“ und „Bedürfnisse“ Aller —
also gleiche Interessen und Bedürfnisse anerkennt. Wir er-
30 innem uns ferner zugleich der p. 456 des Buchs, wonach „die
Übervorteilung“ ein „vom Zunftgeist eingepredigter moralischer
Gedanke66 ist, und einem Menschen, der eine „weise Erziehung66
genossen hat, bleibt sie „fixe Idee, gegen die keine Gedanken¬
freiheit schützt“. Sancho „hat seine Gedanken von oben und bleibt
35 dabei66, (ibid.). Diese gleiche Macht Aller ist nach seiner Forde¬
rung, daß Jeder „allmächtig“, d.h. daß Alle gegen einander
ohnmächtig werden sollen, ein ganz konsequentes Postulat,
und fällt zusammen mit dem gemütlichen Verlangen des Klein¬
bürgers nach einer Welt des Schachers, in der Jeder seinen Vor-
40 teil findet. Oder aber, unser Heiliger setzt urplötzlich eine Gesell¬
schaft voraus, in der Jeder seine Bedürfnisse ungehindert befrie¬
digen kann, ohne dies „auf Kosten Andrer“ zu tun, und in diesem
Falle wird die Exploitationstheorie wieder zu einer sinnlosen
Paraphrase für die wirklichen Verhältnisse der Individuen zu
45 einander. —
396
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Nachdem Sancho in seinem „Verein“ die Andern „verzehrt“
und verspeist und damit den Verkehr mit der Welt in den Verkehr
mit sich verwandelt hat, geht er von diesem indirekten zum direk¬
ten Selbstgenuß über, indem er sich selber verspeist.
/ (104}[96j/ C. Mein Selbstgenuß
Die Philosophie, welche das Genießen predigt, ist in
Europa so alt wie die cyrenäische Schule. Wie im Altertum die
Griechen, sind unter den Neueren die Franzosen die Ma-
tadore in dieser Philosophie, und zwar aus demselben Grunde,
weil ihr Temperament und ihre Gesellschaft sie am meisten zum ю
Genießen befähigte. Die Philosophie des Genusses war nie etwas
andres als die geistreiche Sprache gewisser zum Genuß privile¬
gierter gesellschaftlicher Kreise. Abgesehen davon, daß die Weise
und der Inhalt ihres Genießens stets durch die ganze Gestalt der
übrigen Gesellschaft bedingt war und an allen ihren Wider-15
Sprüchen litt, wurde diese Philosophie zur reinen Phrase, so¬
bald sie einen allgemeinen Charakter in Anspruch nahm, und sich
als die Lebensanschauung der Gesellschaft im Ganzen prokla¬
mierte. Sie sank hier herab zur erbaulichen Moralpredigt, zur so¬
phistischen Beschönigung der vorhandenen Gesellschaft, oder sie 2o
schlug in ihr Gegenteil um, indem sie eine unfreiwillige Askese
für Genuß erklärte. —
Die Philosophie des Genusses kam auf in der neueren Zeit m t
dem Untergange der Feudalität, und der Umwandlung des feu¬
dalen Landadels in den lebenslustigen und verschwenderischen 25
Hofadel unter der absoluten Monarchie. Bei diesem Adel hat sie
noch mehr die Gestalt immittelbarer naiver Lebensanschauung,
die ihren Ausdruck in Memoiren, Gedichten, Romanen pp erhäh.
Zur eigentlichen Philosophie wird sie erst unter den Händen einiger
Schriftsteller der revolutionären Bourgeoisie, die einerseits an der 30
Bildung und Lebensweise des Hofadels teilnahmen und anderei-
seits die auf den allgemeineren Bedingungen der Bourgeoisie be¬
ruhende allgemeinere Anschauungsweise dieser Klasse teilten. Sb
wurden deshalb von beiden Klassen, obwohl von /[96a]/ ganz vei-
schiedenen Gesichtspunkten aus, akzeptiert. War beim Add
diese Sprache noch ganz auf den Stand und die Lebensbedingun¬
gen des Standes beschränkt, so wurde sie von der Bourgeoisie vei-
III. Sankt Max
397
allgemeinert und an jedes Individuum ohne Unterschied gerichtet,
sodaß von den Lebensbedingungen dieser Individuen abstrahiert
und die Genußtheorie dadurch in eine fade und heuchlerische
Moraldoktrin verwandelt wurde. Als die weitere Entwicklung den
5 Adel gestürzt und die Bourgeoisie mit ihrem Gegensatz, dem Pro¬
letariat, in Konflikt gebracht hatte, wurde der Adel devot-religiös
und die Bourgeoisie feierlich moralisch und streng in ihren
Theorien, oder verfiel in die oben angedeutete Heuchelei, obwohl
der Adel in der Praxis keineswegs aufs Genießen verzichtete und
10 der Genuß bei der Bourgeoisie sogar eine offizielle ökonomische
Form annahm — als L u x u s.
/[96b]/ Der Zusammenhang des Genießens der Individuen
jeder Zeit mit den Klassenverhältnissen und den sie erzeugenden
Produktions- und Verkehrsbedingungen, in denen sie leben, die
15 Borniertheit des bisherigen, außer dem wirklichen Lebensinhalt
der Individuen und zu ihm in Gegensatz stehenden Genießens, der
Zusammenhang jeder Philosophie des Genießens mit dem ihr vor¬
liegenden wirklichen Genießen und die Heuchelei einer solchen
Philosophie, die sich an alle Individuen ohne Unterschied richtet.
20 konnte natürlich erst aufgedeckt werden, als die Produktions- und
Verkehrsbedingungen der bisherigen Welt kritisiert werden konn¬
ten, d. h. als der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat
kommunistische und sozialistische Anschauungen erzeugt hatte.
Damit war aller Moral, sei sie Moral der Askese oder des Ge-
25 nusses, der Stab gebrochen.
/[96c]/ Unser fader, moralischer Sancho glaubt natürlich, wie
aus dem ganzen Buche hervorgeht, es komme nur auf eine andere
Moral, auf eine ihm neu scheinende Lebensanschauung, auf das
„Sich-aus-dem-Kopf-schlagen66 einiger „fixen Ideen66 an, damit
зо Alle ihres Lebens froh werden, das Leben genießen können. Das
Kapitel vom Selbstgenuß könnte also höchstens unter einer neuen
Etikette dieselben Phrasen und Sentenzen wiederbringen, die er
schon so oft sich den „Selbstgenuß66 machte uns zu predigen. Das
einzig Originelle darin beschränkt sich auch darauf, daß er allen
35 Genuß verhimmelt und philosophisch verdeutscht, indem er
ihm den Namen „Selbstgenuß66 gibt. Wenn die französische
Genußphilosophie des achtzehnten Jahrhunderts wenigstens ein
vorhandenes heiteres und keckes Leben in geistreicher Form schil¬
derte, so beschränkt sich Sanchos ganze Frivolität auf Ausdrücke
40 wie „Verzehren66, „Vertun66, auf Bilder wie „das Licht66 (soll
heißen die Kerze) und auf naturwissenschaftliche Erinnerungen,
die entweder auf belletristischen Unsinn, wie daß die Pflanze
..Luft des Äthers einsaugt66, daß „die Singvögel Käfer schlucken66
oder auf Falsa auslaufen, z. B. daß eine Kerze sich selbst ver-
45 brennt. Dagegen genießen wir hier wieder den ganzen feierlichen
398
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Emst gegen „das Heilige“, von dem wir hören, daß es in seiner
Gestalt als „Beruf — Bestimmung — Aufgabe“, „Ideal“, den
Menschen bisher ihren Selbstgenuß versalzen hat. Ohne im Übri¬
gen auf die mehr oder weniger schmutzigen Formen einzugehen,
in denen das Selbst im „Selbstgenuß“ mehr als eine Phrase sein 5
kann, müssen wir dem /! 105} [97] Leser nochmals die Machina¬
tionen Sanchos gegen das Heilige, mit den geringen Modulationen
dieses Kapitels, in aller Kürze vorführen.
„Beruf, Bestimmung, Aufgabe, Ideal“ sind, um dies kurz zu
wiederholen, entweder 10
1) die Vorstellung von den revolutionären Aufgaben, die einer
unterdrückten Klasse materiell vorgeschrieben sind; oder
2) bloße idealistische Paraphrasen, oder auch entsprechender
bewußter Ausdruck der durch die Teilung der Arbeit zu verschie¬
denen Geschäften verselbstständigten Betätigungsweisen der Indi- 15
viduen; oder
3) der bewußte Ausdruck der Notwendigkeit, in der Indivi¬
duen, Klassen, Nationen sich jeden Augenblick befinden, durch
eine ganz bestimmte Tätigkeit ihre Stellung zu behaupten; oder
4) die in den Gesetzen, der Moral pp ideell ausgedrückten Exi- 20
stenzbedingungen der herrschenden Klasse (bedingt durch die bis¬
herige Entwicklung der Produktion), die von ihren Ideologen mit
mehr oder weniger Bewußtsein theoretisch verselbstständigt wer¬
den, in dem Bewußtsein der einzelnen Individuen dieser Klasse als
Beruf pp sich darstellen können und den Individuen der beherrsch- 25
ten Klasse als Lebensnorm entgegengehalten werden, teils als Be¬
schönigung oder Bewußtsein der Herrschaft, teils als moralisches
Mittel derselben. Hier wie überhaupt bei den Ideologen ist zu be¬
merken, daß sie die Sache notwendig auf den Kopf stellen und
ihre Ideologie sowohl für die erzeugende Kraft wie für den Zweck зо
aller gesellschaftlichen Verhältnisse ansehen, während sie nur ihr
Ausdruck und Symptom ist.
Von unsrem Sancho wissen wir, daß er den unverwüstlichsten
Glauben an die Illusionen dieser Ideologen hat. Weil die Men¬
schen sich je nach ihren verschiedenen Lebensverhältnissen ver- 35
schiedne Vorstellungen von sich, d. h. dem Menschen machen, so
glaubt Sancho, daß die verschiedenen Vorstellungen die verschie¬
denen Lebensverhältnisse gemacht und so die En gros-Fabrikanten
dieser Vorstellungen, die Ideologen, die Welt beherrscht haben.
Vgl. p. 433. 40
„Die Denkenden herrschen in der Welt“, „der Gedanke be¬
herrscht die Welt“; „die Pfaffen oder Schulmeister“ „setzen sich
allerlei Zeug in den Kopf“, „sie denken sich ein Menschenideal“,
wo-/[97a]/nach sich die Übrigen richten müssen (p. 442). Sancho
kennt sogar ganz genau den Schluß, wonach die Menschen den 45
HI. Sankt Max
399
Schulmeistergrillen unterworfen wurden und in ihrer Dummheit
sich selbst unterwarfen: „Weil es Mir“ (dem Schulmeister)
„denkbar ist, ist es den Menschen möglich, weil den Men¬
schen möglich, so s о 111 e n sie es sein, so war es ihr Beruf ; und
5 endlich nur nach diesem Beruf, nur als Berufene hat man
die Menschen zu nehmen. Und der weitere Schluß? Nicht der Ein¬
zelne ist der Mensch, sondern ein Gedanke, ein Ideal ist
der Mensch — Gattung — Menschheit.“ p. 441.
Alle Kollisionen, in die die Menschen durch ihre wirklichen
io Lebensverhältnisse mit sich oder mit Andern geraten, erscheinen
unsrem Schulmeister Sancho als Kollisionen, in die die Menschen
mit Vorstellungen über das Leben „des Menschen“ geraten, die
sie entweder sich selbst in den Kopf gesetzt haben oder sich von
Schulmeistern haben in den Kopf setzen lassen. Schlügen sie sich
із diese aus dem Kopf, „wie glücklich“ könnten „diese armen Wesen
leben“, welche „Sprünge“ dürften sie machen, während sie jetzt
„nach der Pfeife der Schulmeister und Bärenführer tanzen“ müs¬
sen! (p. 435) (der niedrigste dieser „Bärenführer“ ist Sancho,
da er nur sich selbst an der Nase herumführt). Hätten z. B.
2o die Menschen sich nicht fast immer und fast überall, in China so¬
wohl wie in Frankreich, in den Kopf gesetzt, daß sie an Über¬
bevölkerung litten, welch einen Überfluß an Lebensmitteln würden
diese „armen Wesen“ nicht alsbald vorgefunden haben.
Sancho versucht hier seine alte Historie von der Herrschaft des
23 Heiligen in der Welt wieder anzubringen unter dem Vorwande
einer Abhandlung über Möglichkeit und Wirklichkeit. Möglich
heißt ihm näm- [97b]/lieh Alles, was sich ein Schulmeister von mir
in den Kopf setzt, wo Sancho dann leicht beweisen kann, daß diese
Möglichkeit keine andre Wirklichkeit hat, als in seinem Kopfe. —
зо Seine feierliche Behauptung, daß „sich der folgenreichste Mi߬
verstand von Jahrtausenden hinter dem Wort möglich versteckt
hielt“ (p. 441), beweist hinlänglich, wie unmöglich es ihm ist, die
Folgen seines reichlichen Mißverstandes von Jahrtausenden hinter
Worten zu verstecken.
зз Diese Abhandlung über „Zusammenfallen von Möglichkeit und
Wirklichkeit“ (p. 439), von dem, was die Menschen das Vermögen
haben zu sein und von dem, was sie sind, welche in so guter Har¬
monie steht mit seinen bisherigen zudringlichen Ermahnungen,
man solle sein Vermögen wirken lassen usw., führt ihn indes noch
io auf einige Abschweifungen über die materialistische U m -
Standstheorie, die wir sogleich näher würdigen werden. Vor¬
her noch ein Beispiel seiner ideologischen Verdrehung. P. 428
identifiziert er die Frage, „wie man das Leben erwerben könne“,
mit der Frage, wie man „das wahre /[97c]/ Ich“ (oder auch „Le-
45 ben“), „in sich herzustellen“ habe. Nach derselben p. hört das
400
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„Bangen ums Leben“ mit seiner neuen Moralphilosophie auf und
das „Vertun“ desselben beginnt. Die wundertätige Kraft dieser
seiner angeblich neuen Moralphilosophie spricht unser Salomo
„sprechender“ noch in folgendem Sprüchlein aus: „Sieh Dich als
mächtiger an, als wofür man Dich ausgibt, so hast Du mehr Macht;
sieh Dich als mehr an, so hast Du mehr.“ p. 483. Siehe oben im
„Verein“ Sanchos Manier, Eigentum zu erwerben. —
Nun zu seiner Umstandstheorie.
„Einen Beruf hat der Mensch nicht, aber er hat Kräfte, d i e
sich äußern, wo sie sind, weil ihr Sein ja einzig in ihrer Äuße- 10
rung besteht, und sowenig untätig verharren können, als das
Leben. ... Es gebraucht Jeder in jedem Augenblick soviel Kraft
als er besitzt“ („verwertet Euch, ahmt den Tapfem nach, werde
Jeder von Euch ein allmächtiges Ich“ usw. ging oben die Rede
Sanchos) . . . Die Kräfte lassen sich allerdings schärfen und ver- 15
vielfältigen, besonders durch feindlichen Widerstand oder freund¬
lichen Beistand; aber wo man ihre Anwendung vermißt, da kann
man auch ihrer Abwesenheit gewiß sein. Man kann aus einem
Steine Feuer schlagen, aber ohne den Schlag kommt keines heraus;
in gleicher Art bedarf auch ein Mensch des An Stoßes. Darum 20
nun, weil Kräfte sich stets von selbst werktätig erweisen, wäre das
Gebot sie zu gebrauchen, überflüssig und sinnlos . . . Kraft ist nur
ein einfacheres Wort für Kraftäußerung.“ p. 436, 437.
Der „mit sich einige Egoismus66, der seine Kräfte oder Ver¬
mögen ganz nach Belieben wirken oder nicht wirken läßt und 25
das jus utendi et abutendi auf sie appliziert, purzelt hier /{106}
[98]/ plötzlich und unerwartet zusammen. Die Kräfte wirken
hier auf Einmal selbstständig, ohne sich um das „Belieben“ San¬
chos zu kümmern, sobald sie vorhanden sind, sie wirken wie che¬
mische oder mechanische Kräfte, unabhängig von dem Indivi- зо
duum, das sie besitzt. Wir erfahren ferner, daß eine Kraft nicht
vorhanden ist, wenn man ihre Äußerung vermißt; was dadurch be¬
richtigt wird, daß die Kraft eines Anstoßes bedarf, um sich
zu äußern. Wie aber Sancho entscheiden will, ob bei mangelnder
Kraftäußerung der Anstoß oder die Kraft fehlt, erfahren 35
wir nicht. Dagegen belehrt uns unser einziger Naturforscher, daß
„man aus einem Steine Feuer schlagen kann“, ein Beispiel, das
wie immer bei Sancho, gar nicht unglücklicher gewählt werden
konnte. Sancho glaubt als schlichter Dorf schulmeister, daß wenn
er Feuer schlägt, dies aus dem Stein kommt, wo es bisher ver- 40
borgen lag. Jeder Quartaner wird ihm sagen können, daß bei die¬
ser in allen zivilisierten Ländern längst vergessenen Methode des
Feuermachens durch die Reibung von Stahl und Stein Partikelchen
vom Stahl, nicht vom Stein, abgelöst werden, die durch eben die¬
selbe Reibung in Glühhitze geraten; daß also „das Feuer“, was für 45
III. Sankt Max
401
Sancho nicht ein unter gewissen Hitzegraden stattfindendes Ver¬
hältnis gewisser Körper zu gewissen andern Körpern, speziell dem
Sauerstoff, sondern ein selbstständiges Ding, ein „Element“, eine
fixe Idee, „das Heilige“ ist — daß dies Feuer weder aus dem
6 Stein, noch aus dem Stahl kommt. Sancho hätte ebenso gut sagen
können: man kann /[98a]/ aus Chlor gebleichte Leinwand machen,
aber wenn der „Anstoß“ fehlt, nämlich die ungebleichte
Leinwand, so „kommt keine heraus“. — Bei dieser Gelegenheit
wollen wir zu Sanchos „Selbstgenuß44 ein früheres Faktum der
io „einzigen“ Naturwissenschaft registrieren. In der Ode vom Ver¬
brechen hieß es:
„Grollt es nicht in fernen Donnern
Und siehst Du nicht, wie der Himmel
Ahnungsvoll schweigt und sich trübt?“
15 (p. 319 des Buchs.)
Es donnert und der Himmel schweigt. Sancho weiß also von
einem andern Ort, wo es donnert, als am Himmel — Sancho be¬
merkt ferner das Schweigen des Himmels durch seinen Ge¬
sichtssinn, ein Kunststück, das ihm niemand nachmacht. Oder
2o aber, Sancho hört das Donnern und sieht das Schweigen, wo
Beides gleichzeitig geschehen kann. — Wir sahen wie Sancho
beim „Spuk44 die Berge den „Geist der Erhabenheit“ repräsen¬
tieren ließ. Hier repräsentiert ihm der schweigende Himmel den
Geist der Ahnung.
25 Man sieht übrigens nicht ein, warum Sancho hier so sehr gegen
„das Gebot, seine Kräfte zu gebrauchen44, eifert. Dies Gebot kann
ja möglicherweise der fehlende „Anstoß44 sein, ein „Anstoß“, der
zwar bei einem Stein seine Wirkung verfehlt, dessen Wirksamkeit
Sancho indes bei jedem exerzierenden Bataillon beobachten kann.
зо Daß das „Gebot“ selbst für seine geringen Kräfte ein „Anstoß“
ist, geht ohnehin daraus hervor, daß es für ihn ein „Stein des An¬
stoßes44 ist. — Das Bewußtsein ist auch eine Kraft, die sich nach
der Doktrin, die wir eben hörten, auch „stets von selbst werktätig
erweist44. Sancho müßte hiernach also nicht darauf ausgehen, das
35 Bewußtsein zu ändern, sondern höchstens den „Anstoß“, der auf
das Bewußtsein wirkt; wonach Sancho sein ganzes Buch umsonst
geschrieben hätte. Aber in diesem Falle hält er allerdings seine
Moralpredigten und „Gebote“ für einen hinreichenden „Anstoß44.
„Was Einer werden kann, das wird er auch. Ein gebomer Dich-
4o ter mag wohl durch die Ungunst der Umstände gehindert
werden auf der Höhe der Zeit zu stehen und nach den dazu uner¬
läßlichen großen Studien große Kunstwerke zu schaffen; aber
dichten wird er, sei er Ackerknecht, oder so glücklich am Weimar¬
sehen Hofe zu leben. Ein gebomer Musiker wird Musik treiben,
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 26
402
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
gleichviel ob auf allen Instrumenten,“ (diese Phantasie von
„allen Instrumenten“ hat ihm Proudhon geliefert. Sieh: „Der
Kommunismus“) „oder nur auf einem Haferrohr“ (dem Schul¬
meister fallen natürlich wieder Virgils Eklogen ein). „Ein ge-
bomer philosophischer Kopf kann sich als Universitätsphilosoph 5
oder /[98b]/ als Dorf philosoph bewähren. Endlich ein geborner
Dummerjan wird immer ein vernagelter Kopf bleiben. Ja d ie
gebomen beschränkten Köpfe bilden unstreitig die zahlreichste
Menschenklasse. Wa rum sollten auch in der Menschen¬
gattung nicht dieselben Unterschiede hervortreten, welche in 10
jeder Tiergattung unverkennbar sind?“ p. 434.
Sancho hat wieder sein Exempel mit dem gewöhnlichen Unge¬
schick gewählt. Angenommen seinen Unsinn von den gebomen
Dichtem, Musikern, Philosophen, so beweist dies Exempel einer¬
seits nur, daß ein geborner pp das b le i b t, was er schon durch 15
die Geburt ist, nämlich Dichter etc., und andererseits, daß der
gebome pp, soweit er wird, sich entwickelt, „durch die Ungunst
der Umstände“ dahin kommen kann, das nicht zu werden, was er
werden konnte. Sein Exempel beweist also nach der einen
Seite hin gar nichts, nach der andern das Gegenteil von dem, was 20
es beweisen sollte und nach beiden zusammen, daß Sancho, gleich¬
viel ob durch Geburt oder Umstände, zu der „zahlreichsten
Menschenklasse“ gehört. Er teilt dafür mit ihr und seinem
„Nagel“ den Trost, daß er ein einziger „vernagelter Kopf66 ist.
Sancho erleidet hier das Abenteuer mit dem Zaubertrank, den 25
Don Quijote aus Rosmarin, Wein, Öl und Salz gebraut hatte, und
wovon Cervantes am siebzehnten berichtet, daß Sancho danach
zwei Stunden lang unter Schweiß und Verzuckungen aus beiden
Kanälen seines Leibes sich ergoß. Der materialistische Trank, den
unser tapferer Schildknapp zu seinem Selbstgenuß eingenommen зо
hat, entleert ihn seines ganzen Egoismus im außergewöhnlichen
Verstände. Wir sahen oben, wie Sancho gegenüber dem „Anstoß66
plötzlich /[98c]/ alle Feierlichkeit verlor und auf seine „Vermö¬
gen66 verzichtete, wie weiland die ägyptischen Zauberer gegenüber
den Läusen Mosis; hier kommen nun zwei neue Anfälle von Klein- зз
mütigkeit vor, in denen er auch vor „der Ungunst der Um¬
stände“ sich beugt und endlich sogar seine ursprüngliche phy¬
sische Organisation für etwas anerkennt, das ohne sein Zutun ver¬
krüppelt wird. Was bleibt unsrem bankerutten Egoisten nun noch
übrig? Seine ursprüngliche Organisaton steht nicht in seiner 40
Hand; die „Umstände66 und der „Anstoß“, unter deren Einfluß
diese Organisation sich entwickelt, kann er nicht kontrollieren;
„wie er in jedem Augenblicke ist, ist er“ nicht „sein Geschöpf66,
sondern das Geschöpf der Wechselwirkung zwischen seinen ange¬
bomen Anlagen und den auf sie einwirkenden Umständen — alles 45
III. Sankt Max
403
das konzediert Sancho. Unglücklicher „Schöpfer“! Unglücklich¬
stes „Geschöpf44!
Aber das größte Unglück kommt zuletzt. Sancho, nicht zu¬
frieden damit, daß die tres mil azotes у trecientos en ambas sus
5 valientes posaderas längst vollzählig sind, Sancho muß sich
schließlich noch einen Hauptschlag dadurch versetzen, daß er
sich als einen Gattungsgläubigen proklamiert. Und wel¬
chen Gattungsgläubigen! Er schreibt der Gattung zuerst die Tei¬
lung der Arbeit zu, indem er sie für das Faktum verantwortlich
10 macht, daß einige Leute Dichter, andre Musiker, andre Schul¬
meister sind; er schreibt ihr zweitens die existierenden physischen
und intellektuellen Mängel der „zahlreichsten Menschenklasse“
zu, und macht sie dafür verantwortlich, daß unter der Herrschaft
der Bourgeoisie die Mehrzahl der Individuen seines {107} [99]/
15 Gleichen sind. Nach seinen Ansichten über die gebomen be¬
schränkten Köpfe müßte man sich die heutige Verbreitung der
Skrofeln daraus erklären, daß „die Gattung44 ein besondres Ver¬
gnügen daran findet die gebomen skrofulösen Konstitutionen „die
zahlreichste Menschenklasse44 bilden zu lassen. Über dergleichen
2o Naivetäten waren sogar die gewöhnlichsten Materialisten und Me¬
diziner hinaus, lange ehe der mit sich einige Egoist von der „Gat¬
tung“, der „Ungunst der Umstände44 und dem „Anstoß“ den „Be¬
ruf“ erhielt vor dem deutschen Publikum zu debütieren. Wie
Sancho bisher alle Verkrüppelung der Individuen und damit ihrer
25 Verhältnisse aus den fixen Ideen der Schulmeister erklärte, ohne
sich um die Entstehung dieser Ideen zu bekümmern, so erklärt er
diese Verkrüppelung jetzt aus dem bloßen Naturprozeß der Er¬
zeugung. Er denkt nicht im Entferntesten daran, daß die Entwick¬
lungsfähigkeit der Kinder sich nach der Entwicklung der Eltern
зо richtet und daß alle diese Verkrüppelungen unter den bisherigen
gesellschaftlichen Verhältnissen historisch entstanden sind und
ebenso gut historisch wieder abgeschafft werden können. Selbst
die naturwüchsigen Gattungsverschiedenheiten, wie Rassenunter¬
schiede etc., von denen Sancho gar nicht spricht, können und
35 müssen historisch beseitigt werden. Sancho, der bei dieser Ge¬
legenheit einen verstohlenen Blick in die Zoologie wirft und dabei
entdeckt, daß die „gebomen beschränkten Köpfe“ nicht nur bei
Schafen und Ochsen, sondern auch bei den Polypen und Infu¬
sorien, die keine Köpfe haben, die zahlreichste Klasse bilden —
4o Sancho hat vielleicht davon gehört, daß man auch Tierrassen ver¬
edeln und durch die /[99a]/ Rassenkreuzung ganz neue, sowohl
für den Genuß der Menschen wie für ihren eignen Selbstgenuß
vollkommnere Arten erzeugen kann. „Warum sollte nicht“ Sancho
hieraus einen Schluß auf die Menschen ziehen können?
45 Bei dieser Gelegenheit wollen wir Sanchos „Wandlungen44 über
26*
404
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
die Gattung „episodisch einlegen“. Wir werden sehen, daß er si ch
zur Gattung gerade so stellt wie zum Heiligen; jemehr er gegen
sie poltert, desto mehr glaubt er an sie.
No I sahen wir schon, wie die Gattung die Teilung der Arbeit
und die unter den bisherigen sozialen Umständen entstandenen :>
Verkrüppelungen erzeugt, und zwar so, daß die Gattung samt
ihren Produkten als etwas unter allen Umständen Unveränder¬
liches, von der Kontrolle der Menschen Unabhängiges gefaßt wird.
No II. „Die Gattung ist bereits durch die Anlage realisiert;
was Du hingegen aus dieser Anlage machst“ (müßte nach Obigem w
heißen: was die „Umstände66 aus ihr machen) „das ist die Reali¬
sation Deiner. Deine Hand ist vollkommen realisiert im Sinne
der Gattung, sonst wäre sie nicht Hand, sondern etwa Tatze . . .
Du machst aus ihr Das, was und wie Du sie haben willst und
machen kannst.66 p. 184, 185 Wig. із
Hier wiederholt Sancho das unter No I Gesagte in andrer
Form.
Wir haben also im Bisherigen gesehen, wie die Gattung unab¬
hängig von der Kontrolle und der geschichtlichen Entwicklungs¬
stufe der Individuen die sämtlichen physischen und geistigen An- 20
lagen, das unmittelbare Dasein der Individuen, und im Keim die
Teilung der Arbeit, in die Welt setzt.
N0 III. Die Gattung bleibt als „Anstoß66, der nur der allge¬
meine Ausdruck für die „Umstände66 ist, welche die Entwicklung
des wieder /[99b]/ von der Gattung erzeugten ursprünglichen Zu¬
individuums bestimmen. Sie ist für Sancho hier eben dieselbe
mysteriöse Macht, die die übrigen Bourgeois die Natur der Dinge
nennen, und der sie alle Verhältnisse auf die Schultern schieben,
die von ihnen als Bourgeois unabhängig sind und deren Zusammen¬
hang sie deshalb nicht verstehen.
N0 IV. Die Gattung als das „Menschenmögliche66 und „mensch¬
liche Bedürfnis66 bildet die Grundlage der Organisation der Arbeit
im „Stimerschen Verein66, wo ebenfalls das Allen Mögliche und
das Allen gemeinschaftliche Bedürfnis als Produkt der Gattung
gefaßt werden. — 33
N0 V. Wir haben gehört, welche Rolle die Verständigung im
Verein spielt. P. 462: „Kommt es darauf an sich zu verständigen
und mitzuteilen, so kann Ich allerdings nur von den mensch¬
lichen Mitteln Gebrauch machen, die Mir, weil Ich zugleich
Mensch bin“ (id est Exemplar der Gattung) „zu Gebote stehen.66 40
— Hier also die S p г а c h e als Produkt der Gattung. Daß Sancho
deutsch und nicht französisch spricht, verdankt er keineswegs der
Gattung, sondern den Umständen. Die Naturwüchsigkeit der
Sprache ist übrigens in jeder modernen ausgebildeten Sprache,
teils durch die Geschichte der Sprachentwicklung aus vorgefun- 45
III. Sankt Max
405
denem Material, wie bei den romanischen und germanischen
Sprachen, teils durch die Kreuzung und Mischung von Nationen,
wie im Englischen, teils durch auf ökonomischer und politischer
Konzentration beruhender Konzentration der Dialekte innerhalb
5 einer Nation zur Nationalsprache aufgehoben. Daß die Indivi¬
duen ihrerzeit auch dies Produkt der Gattung vollständig unter
ihre Kontrolle nehmen werden, versteht sich von selbst. In dem
Verein wird man die Sprache als solche sprechen, die heilige
Sprache, /[99c]/ die Sprache des Heiligen — Hebräisch, und
io zwar den aramäischen Dialekt, den das „beleibte Wesen44 Chri¬
stus sprach. Dies „fiel44 uns hier „wider Erwarten44 Sanchos ein,
„und zwar lediglich, weil Uns dünkt, es könne zur Verdeutlichung
des Übrigen beitragen44.
No VI. — P. 277, 278 erfahren wir, daß „die Gattung in
15 Völker, Städte, Stände, allerlei Körperschaften44, zuletzt „in die
Familie44 sich auftut und daher konsequent bis jetzt auch „Ge¬
schichte gespielt44hat. Hier wird also die ganze bisherigeGeschichte
bis auf die unglückliche Geschichte des Einzigen zum Produkt der
„Gattung44, und zwar aus dem zureichenden Grunde, weil man zu-
2o weilen diese Geschichte unter dem Namen: Geschichte der
Menschheit, i. e. der Gattung, zusammengefaßt hat.
No VII. Sancho hat in dem Bisherigen der Gattung mehr
zugeteilt, als je ein Sterblicher vor ihm, und resümiert dies nun in
dem Satz: „Die Gattung ist Nichts .. . die Gattung nur ein
25 Gedachtes44 (Geist, Gespenst pp). P. 239. — Schließlich hat
es denn auch mit dem „Nichts44 Sanchos, das mit dem „Ge¬
dachten44 identisch ist, nichts auf sich, denn er selbst ist „das
schöpferische Nichts44, und die Gattung schafft, wie wir sahen,
sehr viel, wobei sie also sehr gut „Nichts44 sein kann. Überdem
зо erzählt Sancho uns p. 456: „Durch das Sein wird gar nichts ge¬
rechtfertigt; das Gedachte i st sogut wie das Nichtgedachte.44
Von p. 448 an spinnt Sancho ein 30 Seiten langes Garn ab, um
„Feuer44 aus dem Denken und der Kritik des mit sich einigen
Egoisten zu schlagen. Wir haben schon zu viel Äußerungen seines
35 Denkens und seiner Kritik erlebt, um dem Leser noch mit Sanchos
Armen-/(108)[ 100] Jiaus-Gerstenbrühe einen „Anstoß44 zu geben.
Ein Löffel voll von dieser Brühe mag hinreichen.
„Glaubt Ihr, die Gedanken flögen so vogelfrei umher, daß sich
Jeder welche holen dürfte, die er dann als sein unantastbares
4o Eigentum gegen mich geltend machte? Was umherfliegt, ist Alles
— Mein.44 p. 457.
Sancho begeht hier Jagdfrevel an gedachten Schnepfen. Wir
haben gesehen, wie viele von den umherfliegenden Gedanken er
sich eingefangen hat. Er wähnte sie erhaschen zu können, sobald
45 er ihnen nur das Salz des Heiligen auf den Schwanz streute. Dieser
406
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
ungeheure Widerspruch zwischen seinem wirklichen Eigentum an
Gedanken und seiner Illusion darüber mag als klassisches und
sinnfälliges Exempel seines ganzen Eigentums im außergewöhn¬
lichen Verstände dienen. Eben dieser Kontrast bildet seinen
Selbstgenuß. <5
6. Das hohe Lied Salomonis,
oder
Der Einzige
Cessem do sabio Grego, e do Troiano,
As navegagoes grandes que fizeram; 10
Calle-se de Alexandro, e de Trajano
А fama das victorias que tiveram,
Cesse tudo о que а Musa antigua canta,
Que outro valor mais alto se alevanta. 43
E vos, Spre'ides minhas
Dai-me huma furia grande, e sonorosa,
E naöde agreste avena, on frauta ruda;
Mas de tuba canora, e bellicosa
Que о peito accende, e о cör ao gesto muda, 20
gebt mir, о Nymphen der Spree, ein Lied, wie es würdig ist der
Helden, die an Eurem Ufer wider die Substanz und den Men¬
schen kämpfen, ein Lied, das über alle Welt sich verbreitet und
in allen Landen gesungen wird — denn es handelt sich hier um
den Mann, der getan hat 23
Mais do que promettia а forga humana,
mehr als die bloß „menschliche66 Kraft zu leisten vermag, um den
Mann, /[100a]/ der edificara
Novo reino que tanto sublimära
der ein neues Reich gestiftet hat unter entferntem Volk, nämlich зо
den „Verein66 — es handelt sich hier um den
— tenro, e novo ramo florenscente
De huma arvore de Christo, mais amada,
um den zarten und jungen, blühenden Schößling eines von Christo
vorzugsweise geliebten Baumes, der nicht weniger 35
III. Sankt Max
407
„certissima esperanga
Do augmento da pequena Christiandade,
die gewisseste Hoffnung des Wachstums ist für die kleinmütige
Christenheit — es handelt sich mit Einem Wort um etwas „Noch
5 nie Dagewesenes66, um den „Einzigen66.*^
Alles, was sich in diesem noch nie dagewesenen hohen Liede
vom Einzigen findet, ist bereits früher im „Buch66 dagewesen. Bloß
der Ordnung wegen erwähnen wir dies Kapitel; um dies mit An¬
stand tun zu können, haben wir uns einige Punkte bis jetzt auf-
10 gespart und werden andre kurz rekapitulieren.
Das „Ich66 Sanchos macht eine komplette Seelenwanderung
durch. Wir fanden es schon als mit sich einigen Egoisten, als Fron¬
bauer, als Gedankenhändler, als unglücklichen Konkurrenten, als
Eigner, als Sklaven, dem ein Bein ausgerissen wird, als von der
15 Wechselwirkung zwischen Geburt und Umständen in die Luft ge¬
prellten Sancho und in hundert andern Gestalten. Hier nimmt es
Abschied als „Unmensch66; unter derselben Devise, unter der
es seinen Einzug ins neue Testament hielt.
„Wi rk 1 ich er Mensch ist nur der — Unmensch.66 p.232.
2o Dies ist eine der Tausend und ein Gleichungen, in welche Sancho
seine Legende vom Heiligen setzt. / [100b] /
Der Begriff Mensch ist nicht wirklicher Mensch.
Der Begriff Mensch = D e r Mensch.
Der Mensch = nicht wirklicher Mensch
25 Wirklicher Mensch = Der Nicht-Mensch
Der Unmensch
„Wirklicher Mensch ist nur der — Unmensch66.
Sancho sucht sich die Harmlosigkeit dieses Satzes in folgen¬
den Wendungen klar zu machen:
зо „Mit dürren Worten zu sagen, was ein Unmensch sei, hält
nicht eben schwer; es ist ein Mensch, [...] welcher dem Begriffe
des Menschlichen nicht angemessen ist. Die Logik nennt dies ein
widersinniges Urteil. Dürfte man wohl dies Urteil, daß einer
Mensch sein könne ohne Mensch zu sein, aussprechen, wenn man
35 nicht die Hypothese gelten ließe, daß der Begriff des Menschen
von der Existenz, das Wesen von der Erscheinung getrennt sein
könne. Man sagt: Der erscheint zwar als Mensch, ist aber kein
Mensch. Dies widersinnige Urteil haben die Menschen eine lange
Reihe von Jahrhunderten hindurch gefällt, ja was noch mehr ist,
4o in dieser langen Zeit gab es nur Unmenschen. Welcher Einzelne
hätte je seinem Begriffe entsprochen?66 p. 232.
Die hier wieder zu Grunde liegende Einbildung unsres Schul¬
meisters von dem Schulmeister, der sich ein Ideal „d e s Menschen66
*) Vgl. Camoens, Lusiadas, 1, 1—7.
408
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
gemacht und dies den Übrigen „in den Kopf gesetzt44 habe, ist der
Grundtext „des Buches44.
Sancho nennt das eine Hypothese, daß Begriff und Existenz,
Wesen und Erscheinung „des Menschen44 getrennt sein können, als
wenn er in den Worten selbst /[100c]/ nicht schon die Möglichkeit 5
der Trennung ausspräche. Sobald er B e g r i f f sagt, sagt er etwas
Unterschiedenes von der Existenz, sobald er Wesen sagt,
sagt er etwas Unterschiedenes von der Erscheinung. Nicht
diese Aussagen bringt er in Gegensatz, sondern sie sind die
Aussagen eines Gegensatzes. Die einzige Frage wäre also gewesen, 10
ob er etwas unter diese Gesichtspunkte rangieren dürfe; und um
hierauf einzugehen, hätte Sancho sich die wirklichen Verhältnisse
der Menschen, die in diesen metaphysischen Verhältnissen andre
Namen erhalten haben, betrachten müssen. Im Übrigen zeigen
Sanchos eigne Abhandlungen über den mit sich einigen Egoisten 15
und die Empörung, wie man diese Gesichtspunkte auseinander¬
fallen lassen, und über Eigenheit, Möglichkeit und Wirklichkeit
im „Selbstgenuß“, wie man sie zu gleicher Zeit zusammen- und
auseinanderfallen lassen kann.
Das widersinnige Urteil der Philosophen, daß der wirkliche 20
Mensch nicht Mensch sei, ist nur innerhalb der Abstraktion der
universellste, umfassendste Ausdruck des faktisch bestehenden
universellen Widerspruchs zwischen den Verhältnissen und den
Bedürf-/! 109} [101]/nissen der Menschen. Die widersinnige Form
des abstrakten Satzes entspricht ganz der Widersinnigkeit der auf 25
ihre höchste Spitze getriebenen Verhältnisse der bürgerlichen Ge¬
sellschaft. Gerade wie Sanchos widersinniges Urteil über seine
Umgebung: sie sind Egoisten und sind es nicht, dem faktischen
Widerspruch entspricht zwischen dem Dasein der deutschen
Kleinbürger und den ihnen durch die Verhältnisse aufgedrungenen зо
und als fromme Wünsche und Gelüste in ihnen selbst hausenden
Aufgaben. Übrigens haben die Philosophen die Menschen nicht
darum für unmenschlich erklärt, weil sie dem Begriff des Men¬
schen nicht entsprachen, sondern weil ihr Begriff des Menschen
nicht dem wahren Begriff des Menschen entsprach, oder weil sie 35
nicht das wahre Bewußtsein vom Menschen hatten. Tout comme
chez nous im „Buche“, wo Sancho auch die Menschen nur des¬
halb für Nichtegoisten erklärt, weil sie nicht das wahre Bewußt¬
sein vom Egoismus haben.
Der durchaus harmlose Satz, daß die Vorstellung vom/0
Menschen nicht wirklicher Mensch sei, daß die Vorstellung
eines Dinges nicht das Ding selbst ist — dieser auch vom Stein
und der Vorstellung des Steins geltende Satz, wonach Sancho sagen
müßte, daß wirklicher Stein nur der Unstein ist, hätte wegen seiner
enormen Trivialität und unbezweifelten Gewißheit keiner Erwäh- 45
III. Sankt Max
409
nung bedurft. Aber Sanchos bekannte Einbildung, daß die Men¬
schen bisher nur durch die Herrschaft der Vorstellungen und Be¬
griffe in allerlei Unglück gestürzt worden, macht es ihm möglich,
an diesen Satz seine alten /[101a]/ Folgerungen wieder anzu-
5 knüpfen. Sanchos alte Meinung, man habe sich nur einige Vorstel-
lung[en] aus dem Kopf zu schlagen, um die Verhältnisse, aus
denen diese Vorstellungen entstanden sind, aus der Welt zu
schlagen, reproduziert sich hier in der Gestalt, daß man sich nur
die Vorstellung Mensch aus dem Kopf zu schlagen habe, um die
io heute unmenschlich genannten wirklichen Verhältnisse zu
vernichten, sei dies Prädikat „unmenschlich66 nun das Urteil des
im Widerspruch mit seinen Verhältnissen stehenden Individuums
oder das Urteil der normalen, herrschenden Gesellschaft über die
abnorme, beherrschte Klasse. Gerade wie ein aus seinem Salz¬
ig wasser in den Kupfergraben versetzter Walfisch, wenn er Bewußt¬
sein hätte, diese durch „Ungunst der Umstände66 bewirkte Lage
für unwalfischmäßig erklären würde, obwohl ihm Sancho demon¬
strieren könnte, sie sei schon deswegen walfischmäßig, weil sie
seine, des Walfisches, Lage sei — gerade so urteilen die Menschen
2o unter gewissen Umständen.
P. 185 wirft Sancho die große Frage auf: „Aber der Un¬
mensch, der doch in jedem Einzelnen steckt, wie dämmt man den?
Wie stellt man’s an, daß man mit dem Menschen nicht zugleich
den Unmenschen frei läßt? Der gesamte Liberalismus hat einen
25 Todfeind, einen unüberwindlichen Gegensatz, wie Gott den Teufel;
dem Menschen steht der Unmensch, der Egoist, /[101b]/ der Ein¬
zelne, stets zur Seite. Staat, Gesellschaft, Menschheit bewältigen
diesen Teufel nicht.66
„Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los
зо werden aus seinem Gefängnis, und wird ausgehen zu verführen
die Heiden in den vier Örtern der Erde, den Gog und Magog sie
zu versammeln in einem Streit . . . Und sie traten auf die Breite
der Erde und umringten das Heerlager des Heiligen und die ge¬
liebte Stadt.66 Offenbarung Johannis, 20, 7—9.
35 Die Frage wie Sancho sie selbst versteht, läuft wieder auf reinen
Unsinn hinaus. Er bildet sich ein, die Menschen hätten sich bisher
immer einen Begriff vom Menschen gemacht und sich dann soweit
befreit, als nötig war, um diesen Begriff in sich zu verwirklichen;
das jedesmalige Maß der Freiheit, das sie sich errungen, sei durch
40 ihre jedesmalige Vorstellung vom Ideal des Menschen bestimmt
worden; wobei denn nicht fehlen konnte, daß in jedem Individuum
ein Rest zuriickblieb, der diesem Ideal nicht entsprach und daher
als „unmenschlich66 nicht oder nur malgre eux befreit wurde. —
In der Wirklichkeit trug sich die Sache natürlich so zu, daß die
45 Menschen sich jedesmal soweit befreiten, als nicht ihr Ideal vom
410
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Menschen, sondern die existierenden Produktivkräfte ihnen vor¬
schrieben und erlaubten. Allen bisherigen Befreiungen lagen indes
beschränkte Produktivkräfte zu Grunde, deren für die ganze Ge¬
sellschaft unzureichende Produktion nur dann eine Entwicklung
möglich machte, wenn die Einen auf Kosten der Andern ihre Be- 5
dürfnisse befriedigten, und dadurch die Einen — die Minorität
— das Monopol der Entwicklung erhielten, während die Andern
— die Majorität, durch den fortgesetzten Kampf um die Befriedi¬
gung der notwendigsten Bedürf-/[101c]misse einstweilen (d.h. bis
zur Erzeugung neuer revolutionierender Produktivkräfte) von 10
aller Entwicklung ausgeschlossen wurden. So hat sich die Gesell¬
schaft bisher immer innerhalb eines Gegensatzes entwickelt, der
bei den Alten der Gegensatz von Freien und Sklaven, im Mittel-
alter der vom Adel und Leibeignen, in der neueren Zeit der von
Bourgeoisie und Proletariat ist. Hieraus erklärt sich einerseits is
die abnorme „unmenschliche64 Weise, in der die beherrschte
Klasse ihre Bedürfnisse befriedigt, und andererseits die Beschrän¬
kung, innerhalb deren der Verkehr und mit ihm die ganze herr¬
schende Klasse sich entwickelt; sodaß diese Beschränktheit der
Entwicklung nicht nur in dem Ausschließen der einen Klasse, son- 20
dem auch in der Borniertheit der ausschließenden Klasse besteht,
und das „Unmenschliche44 ebenfalls in der herrschenden Klasse
vorkommt. — Dies sogenannte „Unmenschliche44, ist eben sogut
ein Produkt der jetzigen Verhältnisse, wie das „Menschliche64; es
ist ihre negative Seite, die auf keiner neuen revolutionären Produk- 25
tivkraft beruhende Rebellion gegen die auf den bestehenden Pro¬
duktivkräften beruhenden herrschenden Verhältnisse und die
ihnen entsprechende Weise der Befriedigung der Bedürfnisse. Der
positive Ausdruck „menschlich64 entspricht den bestimmten, einer
gewissen Produktionsstufe gemäß herrschenden Verhältnis- зо
sen und der durch sie bedingten Weise die Bedürfnisse zu befrie¬
digen, wie der negative Ausdruck: unmenschlich, dem durch die¬
selbe Produktionsstufe täglich neu hervorgerufenen Versuche er.t-
spricht diese herrschenden Verhältnisse und die in ihnen herr¬
schende Weise der Befriedigung innerhalb der existierenden Pn- з$
duktionsweise zu negieren.
Solche weltgeschichtliche Kämpfe verlaufen sich für unsren
Heili-/{110}[102]/gen in eine bloße Kollision Sankt Brunos urd
„der Masse46. Vergl. die ganze Kritik des humanen Liberalismus,
namentlich p. 192seqq. 40
Unser einfältiger Sancho kommt also mit seinem einfältigen
Sprüchlein über den Unmenschen und seinem Sich aus dem Kopf
schlagen des Menschen, womit auch der Unmensch verschwindet
und kein Maß mehr für die Individuen existiert, schließlich яі
folgendem Resultat. Er anerkennt die Verkrüpplung und Kneci- 45
III. Sankt Max
411
tung, der ein Individuum durch die bestehenden Verhältnisse phy¬
sisch, intellektuell und sozial anheim gefallen ist, als die Indivi¬
dualität und Eigenheit dieses Individuums; er erkennt als ordi¬
närer Konservateur diese Verhältnisse ruhig an, nachdem er sich
5 dadurch von allem Kummer befreit hat, daß er sich die Vorstel¬
lung der Philosophen von diesen Verhältnissen aus dem Kopfe ge¬
schlagen hat. Wie er hier die dem Individuum aufgedrungene Zu¬
fälligkeit für seine Individualität erklärt, so abstrahierte er früher
(vgl. Logik) bei seinem Ich nicht nur von aller Zufälligkeit, son-
ю dem auch überhaupt von aller Individualität.
Dies sein „unmenschlich“ großes Resultat besingt Sancho in
folgendem Kyrieeleison, das er „dem Unmenschlichen“ in den
Mund legt:
„Ich war verächtlich, weil Ich Mein besseres Selbst
15 außer Mir suchte;
„Ich war das Unmenschliche, weil Ich vom Menschlichen
träumte;
„Ich glich den Frommen, die nach ihrem wahren Ich hun¬
gern und immer arme Sünder bleiben;
2o „Ich dachte Mich nur im Vergleich zu einem Andern;
„Ich war nicht Alles in Allem, war nicht — einzig.
„Jetzt aber höre ich auf, Mir als das Unmenschliche vorzu¬
kommen ;
„Höre auf Mich am Menschen zu messen und messen zu lassen;
23 „Höre auf etwas über Mir anzuerkennen —
„Ich bin das Unmenschliche /[102a] nur gewesen, bin es nicht
mehr, bin das — E i n z i g e!“ Hallelujah!
Ohne hier weiter darauf einzugehen, wie „das Unmenschliche66,
das sich beiläufig gesagt dadurch in den nötigen Humor versetzt
зо hat, daß es „s i c h selbst und dem Kritiker66 Sankt Bruno „d e n
Rücken kehrt66 — wie „das Unmenschliche66 sich hier „vor¬
kommt66 oder nicht „vorkommt“, notieren wir, daß das oder der
„Einzige“ hier dadurch qualifiziert wird, daß er sich zum neun¬
hundersten Male das Heilige aus dem Kopfe schlägt, womit, wie
35 wir ebenfalls zum neunhundertsten Male wiederholen müssen,
Alles beim Alten bleibt, abgesehen davon, daß es nur ein frommer
Wunsch ist.
Wir haben hier den Einzigen zum ersten Mal. Sancho, der unter
der obigen Litanei zum Ritter geschlagen worden ist, eignet sich
4o jetzt seinen neuen adligen Namen an. Sancho kommt dadurch zu
seiner Einzigkeit, daß er sich „den Menschen66 aus dem Kopfe
schlägt. Hiermit hört er auf, „sich nur im Vergleiche zu einem An¬
dern zu denken“, und „etwas über sich anzuerkennen66. Er wird
unvergleichlich. Wir haben hier wieder die alte Marotte Sanchos,
412
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
daß Vorstellungen, Ideen, „das Heilige“, hier in Gestalt „des
Menschen“ das alleinige tertium comparationis und das alleinige
Band zwischen den Individuen seien, nicht ihre Bedürfnisse.
[102b]/ Er schlägt sich eine Vorstellung aus dem Kopfe
und wird dadurch einzig. з
Um „einzig“ in seinem Sinne zu sein, muß er uns vor Allein
seine Voraussetzungslosigkeit beweisen.
P.470: „Dein Denken hat nicht das Denken zur Voraus¬
setzung, sondern Dich. Aber so setzest Du Dich doch voraus?
Ja, aber nicht Mir, sondern Meinem Denken. Vor Meinem Den- io
ken bin—Ich. Daraus folgt, daß Meinem Denken nicht ein Ge¬
danke vorhergeht, oder daß Mein Denken ohne eine Voraussetzung
ist. Denn die Voraussetzung, welche Ich für Mein Denken bin, ist
keine vom Denken gemachte, keine gedachte, sondern
— ist der Eigner des Denkens und beweist nur, daß das Denken is
nichts weiter ist, als — Eigentum.“
Daß Sancho nicht eher denkt, als bis er denkt, und daß er und
jeder Andre in dieser Hinsicht ein voraussetzungsloser Denker
ist, „wird ihm hiermit zugegeben“. Ebenso wird ihm konzediert,
daß er keinen Gedanken zur Voraussetzung seines Daseins hat, d. h. so
daß er nicht von Gedanken gemacht worden ist. Wenn Sancho
einen Augenblick von seinem ganzen Gedankenkram abstrahiert,
was ihm bei seinem spärlichen Sortiment nicht schwer fallen kann,
so bleibt sein wirkliches Ich, aber sein wirkliches Ich innerhalb
der für es existierenden wirklichen Weltverhältnisse übrig. Er hat 25
sich damit /[102c]/ aller dogmatischen Voraussetzungen für einen
Augenblick entledigt, aber dafür fangen die wirklichen Vor¬
aussetzungen für ihn erst an. Und diese wirklichen Voraussetzun¬
gen sind auch die Voraussetzungen seiner dogmatischenVor-
aussetzungen, die ihm mit den wirklichen wiederkommen, er mag зо
wollen oder nicht, solange er nicht andre wirkliche Voraussetzun¬
gen und damit auch andre dogmatische Voraussetzungen erhält,
oder solange er die wirklichen Voraussetzungen nicht materiali¬
stisch als Voraussetzungen seines Denkens anerkennt, womit die
dogmatischen überhaupt aufhören. Wie ihm mit seiner bisherigen 35
Entwicklung und mit seinen Berliner Umgebungen jetzt die dog¬
matische Voraussetzung des mit sich einigen Egoismus gegeben ist,
so wird sie ihm trotz aller eingebildeten Voraussetzungslosigkeit
bleiben, solange er nicht ihre wirklichen Voraussetzungen über¬
windet. 40
Sancho trachtet als echter Schulmeister noch immer nach dem
vielberühmten Hegelschen „voraussetzungslosen Denken“, d. h.
dem Denken ohne dogmatische Voraussetzungen, das bei Hegel
auch ein frommer Wunsch ist. Er glaubte es durch eine feine Volte
erhaschen und es dadurch überbieten zu können, daß er auch auf 45
III. Sankt Max
413
das voraussetzungslose Ich Jagd machte. Aber sowohl das Eine wie
das Andre ist ihm entwischt.
Sancho versucht sein Glück nun auf eine andre Manier.
P. 214, 215. „Erschöpft“ die Freiheitsforderung! „Wer soll
j frei werden? Du, Ich, Wir. Wovon frei? Von Allem, was nicht
Du, nicht Ich, nicht Wir ist. Ich also bin der Kern... Was bleibt
übrig, wenn Ich von Allem, was nicht Ich bin, frei worden? Nur
Ich und n i c h t s als Ich.“
„Das also war des Pudels Kem!
io Ein fahrender Scholast? Der Casus macht mich lachen.66
„Alles, was nicht Du, nicht Ich, nicht / {111} [103]/ Wir ist66,
ist natürlich hier wieder eine dogmatische Vorstellung, wie Staat,
Nationalität, Teilung der Arbeit pp. Nachdem diese Vorstellungen
kritisiert sind, was Sancho von „der Kritik66, nämlich der kriti-
15 sehen, schon vollführt glaubt, bildet er sich wieder ein, auch vom
wirklichen Staat, der wirklichen Nationalität und Teilung der Ar¬
beit befreit zu sein. Das Ich, das hier „der Kem“ ist, das „von
Allem, was nicht Ich bin, frei worden“, ist also wieder das obige
voraussetzungslose Ich mit Allem, was es nicht losgeworden ist.
2o Nähme Sancho indes das „Freiwerden“ einmal so, daß er nicht
bloß von den Kategorien, sondern von den wirklichen Fesseln frei
werden wollte, so setzt diese Befreiung wieder eine ihm mit einer
großen Masse Anderer gemeinsame Veränderung voraus und be¬
wirkt einen veränderten Weltzustand, der ihm wieder mit den
25 Andern gemeinsam ist. Hiernach „bleibt66 nach der Befreiung
allerdings sein „Ich“, aber als ein ganz verändertes Ich übrig, das
mit Andern eine veränderte Weltlage gemeinsam hat, die eben die
ihm mit Andern gemeinsame Voraussetzung seiner und ihrer Frei¬
heit ist, und hiernach gerät die Einzigkeit, Unvergleichlichkeit und
so Unabhängigkeit seines „Ich“ wieder in die Brüche.
Sancho versuchts noch auf eine dritte Manier:
P. 237: „Nicht daß sie66 (Jude und Christ) „sich а u s s c h 1 i e -
ßen, ist ihre Schmach, sondern daß dies nur halb geschieht.
Könnten sie vollkommen Egoisten sein, so schlössen sie sich ganz
35 aus66.
P. 273. „Man faßt die Bedeutung des Gegensatzes zu formell
und schwächlich, wenn man ihn nur auflösen will. Der
Gegensatz verdient vielmehr verschärft zu werden66.
P. 274. „Ihr werdet Euren /[103a]/ Gegensatz erst dann nicht
40 länger bloß verhehlen, wenn Ihr ihn ganz anerkannt und Jeder¬
mann vom Wirbel bis zur Zehe sich als einzig behauptet . . .
Der letzte und entschiedenste Gegensatz, der des Einzigen gegen
den Einzigen, ist im Grunde über das, was Gegensatz heißt, hin¬
aus . . . Du hast als Einziger nichts Gemeinsames mehr mit dem
45 Andern, und darum auch nichts Trennendes oder Feindliches...
414
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Der Gegensatz verschwindet in der vollkommenen . . . Geschiedem-
heit oder Einzigkeit“.
P. 183: „Ich will nichts Besonderes vor Andern habem
oder sein; Ich messe Mich auch nicht an Andern . . . Ich will Alles
sein und Alles haben, was Ich sein und haben kann. Ob Andrre з
Ähnliches sind und haben, was kümmerts Mich? Das Gleiche,
dasselbe können sie weder sein noch haben. Ich tue ihnen keinen
Abbruch, wie Ich dem Felsen dadurch keinen Abbruch tue, dalß
Ich die Bewegung vor ihm voraus habe. Wenn sie’s haben könni-
ten, so hätten sie’s. Den andern Menschen keinen Abbruch zu tum, 10
darauf kommt die Forderung hinaus, kein Vorrecht zu besitzen .. .
Man soll sich nicht für „etwas Besonderes“ halten, wie z. B.
Jude oder Christ. Nun, Ich halte Mich nicht für etwas B e s о n -
deres, sondern für einzig. Ich habe wohl Ähnlichkeit miit
Andern; das gilt jedoch nur für die Vergleichung oder Reflexion ; 15
in der Tat bin Ich unvergleichlich, einzig. Mein Fleisch ist nicht
ihr Fleisch, mein Geist ist nicht ihr Geist. Bringt Ihr sie unter
die Allgemeinheiten „Fleisch“, „Geist“, so sind das Eure
Gedanken, die mit Meinem Fleische, Meinem Geiste nicht s
zu schaffen haben.“ 20
/[103b]/ P. 234. „An den Egoisten geht die menschliche Gesell¬
schaft zu Grunde, denn sie beziehen sich nicht mehr als Menschen
aufeinander, sondern treten egoistisch als ein Ich gegen ein von
Mir durchaus verschiedenes und gegnerisches Du auf“.
P. 180. „Als ob nicht immer Einer den Andern suchen wird, 25
und als ob nicht Einer in den Andern sich fügen muß, wenn er
ihn braucht. Der Unterschied ist aber der, daß dann wirklich der
Einzelne sich mit dem Einzelnen vereinigt, indes er früher
durch ein Band mit ihm verbunden war.“
P. 178. „Nur wenn Ihr einzig seid, könnt Ihr als das, was Ihr 30
wirklich seid, mit einander verkehren“.
Was die Illusion Sanchos über den Verkehr der Einzigen „als
das, was sie wirklich sind“, über die „Vereinigung des Einzelnen
mit dem Einzelnen“, kurz über den „Verein“ betrifft, so ist das
vollständig abgemacht. Bemerken wir nur: wenn im Verein Jeder jo¬
den Andern nur als seinen Gegenstand, als sein Eigentum be¬
trachtete und behandelte (vgl. p. 167 und die Eigentums- und Ex¬
ploitationstheorie), so sieht der Statthalter der Insel Barataria
im Kommentar (Wig. p. 157) dagegen ein und erkennt es an, daß
der Andre auch sich selbst gehört, Sein eigen, einzig ist, und 40
auch in dieser Qualität Gegenstand Sanchos wird, obgleich
nicht mehr Sanchos Eigentum. In seiner Verzweiflung rettet er
sich nur durch den unerwarteten Einfall, daß er sich „hierüber
selbst vergißt in süßer Selbstvergessenheit“, ein Genuß, den er
sich „in jeder Stunde tausendmal macht“ und den ihm das süße 45
III. Sankt Max
415
Bewußtsein noch versüßt, daß er dann doch nicht „ganz ver¬
schwunden“ ist. Es kommt hier also der alte Witz heraus, daß
Jeder für sich und für /[103c]/ Andre ist.
Lösen wir jetzt Sanchos pomphafte Sätze in ihren bescheidenen
5 Inhalt auf.
Die gewaltigen Redensarten über den „Gegensatz“, der ver¬
schärft und auf die Spitze getrieben werden soll, und über das
„Besondre“, das Sancho nicht voraus haben will, laufen auf Ein
und Dasselbe hinaus. Sancho will oder glaubt vielmehr zu wol-
io len, daß die Individuen rein persönlich miteinander verkehren
sollen, daß ihr Verkehr nicht durch ein Drittes, eine Sache ver¬
mittelt sein soll (vgl. die Konkurrenz). Dies Dritte ist hier das
„Besondre66 oder der besondre, nicht absolute Gegensatz, d. h. die
durch die jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse bedingte Stei¬
n' lung der Individuen zu einander. Sancho will z. B. nicht, daß zwei
Individuen als Bourgeois und Proletarier zu einander im „Gegen¬
satz66 stehen, er protestiert gegen das „Besondre“, das der Bour¬
geois vor dem Proletarier „voraus hat“; er möchte sie in ein rein
persönliches Verhältnis treten, als bloße Individuen mit einander
2o verkehren lassen. Er bedenkt nicht, daß innerhalb der Teilung der
Arbeit die persönlichen Verhältnisse notwendig und unvermeid¬
lich sich zu Klassenverhältnissen fortbilden und fixieren, und daß
darum sein ganzes Gerede auf einen bloßen frommen Wunsch her¬
ausläuft, den er zu realisieren denkt, indem er die Individuen die-
25 ser Klassen vermahnt, sich die Vorstellung ihres „Gegensatzes“
und ihres „besondem“ „Vorrechts66 aus dem Kopf zu schlagen.
In den oben zitierten Sätzen Sanchos kommt es überhaupt nur dar¬
auf an, wofür sich die Leute halten, und wofür er sie hält,
was sie wollen und was er will. Durch ein verän-/ (112) [104]/der-
зо tes „Dafür halten“ und „W ollen“ wird der „Gegensatz“ und
das „Besondre“ aufgehoben.
Selbst das, was ein Individuum als solches vor dem andern vor¬
aus hat, ist heutzutage zugleich ein Produkt der Gesellschaft und
muß sich in seiner Verwirklichung wieder als Privilegium gel-
35 tend machen, wie wir Sancho schon bei Gelegenheit der Konkur¬
renz gezeigt haben. Das Individuum als solches, für sich selbst
betrachtet, ist ferner unter die Teilung der Arbeit subsumiert,
durch sie vereinseitigt, verkrüppelt, bestimmt.
Worauf läuft Sanchos Zuspitzung des Gegensatzes und Auf-
4o hebung der Besonderheit im besten Falle hinaus? Daß die Ver¬
hältnisse der Individuen ihr Verhalten sein sollen und ihre
gegenseitigen Unterschiede ihre Selbstunterscheidun¬
gen (wie das eine empirische Selbst sich vom Andern un¬
terscheidet). Beides ist entweder, wie bei Sancho, eine ideolo-
45 gische Umschreibung des Bestehenden, denn die Verhält-
416
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
nisse der Individuen können unter allen Umständen nichts
andres als ihr wechselseitiges Verhalten, und ihre Unterschiede
können nichts andres als ihre Selbstunterscheidungen sein.
Oder es ist der fromme Wunsch, daß sie sich so verhalten und
so von einander unterscheiden möchten, daß ihr Verhalten 5
nicht als von ihnen unabhängiges gesellschaftliches Verhältnis
verselbstständigt, daß ihre Unterschiede von einander nicht den
sachlichen (von der Person unabhängigen) Charakter annehmen
möchten, den sie angenommen haben und noch täglich an¬
nehmen. 10
Die Individuen sind immer und unter allen Umständen „v о n
sich ausgegangen“, aber da sie nicht einzig in dem Sinne
waren, daß sie keine Beziehung zu einander nötig gehabt hätten,
da ihre Bedürfnisse, also ihre Natur, und die Weise sie zu
befriedigen, sie auf einander bezog, (Ge-/ [104a]/schlechtsverhält-15
nis, Austausch, Teilung der Arbeit), so mußten sie in Verhält¬
nisse treten. Da sie ferner nicht als reine Ichs, sondern als Indi¬
viduen auf einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer Produktiv¬
kräfte und Bedürfnisse in Verkehr traten, in einen Verkehr, der
seinerseits wieder die Produktion und die Bedürfnisse bestimmte, 20
so war es eben das persönliche, individuelle Verhalten der Indi¬
viduen, ihr Verhalten als Individuen zu einander, das die beste¬
henden Verhältnisse schuf und täglich neu schafft. Sie traten als
das mit einander in Verkehr, was sie waren, sie gingen „von sich
aus“ wie sie waren, gleichgültig welche „Lebensanschauung“ sie 25
hatten. Diese „Lebensanschauung“, selbst die windschiefe der
Philosophen, konnte natürlich immer nur durch ihr wirkliches
Leben bestimmt sein. Es stellt sich hierbei allerdings heraus, daß
die Entwicklung eines Individuums durch die Entwicklung aller
andern, mit denen cs in direktem oder indirektem Verkehr steht, зо
bedingt ist, und daß die verschiedenen Generationen von Indivi¬
duen, die mit einander in Verhältnisse treten, einen Zusammen¬
hang unter sich haben, daß die Späteren in ihrer physischen Exi¬
stenz durch ihreVorgänger bedingt sind, die von ihnen akkumulier¬
ten Produktivkräfte und Verkehrsformen übernehmen, und da- 35
durch in ihren eignen gegenseitigen Verhältnissen bestimmt wer¬
den. Kurz es zeigt sich, daß eine Entwicklung stattfindet und die
Geschichte eines einzelnen Individuums keineswegs von der Ge¬
schichte der vorhergegangenen und gleichzeitigen Individuen loß-
zureißen ist, sondern von ihr bestimmt wird. 40
Das Umschlagen des individuellen Verhaltens in sein Gegen¬
teil, ein bloß sachliches Verhalten, die Unterscheidung von Indivi¬
dualität und Zufälligkeit durch die Individuen selbst, ist, wie wir
bereits nachgewiesen haben, ein geschichtlicher Prozeß, und
nimmt auf verschiednen Entwicklungsstufen verschie-/[104b]/dene, 45
III. Sankt Max
417
immer schärfere und universellere Formen an. In der gegenwär¬
tigen Epoche hat die Herrschaft der sachlichen Verhältnisse über
die Individuen, die Erdrückung der Individualität durch die Zu¬
fälligkeit, ihre schärfste und universellste Form erhalten und da-
5 mit den existierenden Individuen eine ganz bestimmte Aufgabe
gestellt. Sie hat ihnen die Aufgabe gestellt, an die Stelle der Herr¬
schaft der Verhältnisse und der Zufälligkeit über die Individuen,
die Herrschaft der Individuen über die Zufälligkeit und die Ver¬
hältnisse zu setzen. Sie hat nicht, wie Sancho sich einbildet, die
10 Forderung gestellt, daß „Ich Mich entwickle“, was jedes In¬
dividuum bis jetzt ohne Sanchos guten Rat getan hat, sie hat
vielmehr die Befreiung von einer ganz bestimmten Weise der Ent¬
wicklung vorgeschrieben. Diese durch die gegenwärtigen Ver¬
hältnisse vorgeschriebene Aufgabe fällt zusammen mit der Auf-
15 gäbe, die Gesellschaft kommunistisch zu organisieren.
Wir haben bereits oben gezeigt, daß die Aufhebung der Ver¬
selbstständigung der Verhältnisse gegenüber den Individuen, der
Unterwerfung der Individualität unter die Zufälligkeit, der Sub¬
sumtion ihrer persönlichen Verhältnisse unter die allgemeinen
2o Klassenverhältnissse etc., in letzter Instanz bedingt ist durch die
Aufhebung der Teilung der Arbeit. Wir haben ebenfalls gezeigt,
daß die Aufhebung der Teilung der Arbeit bedingt ist durch die
Entwicklung des Verkehrs und der Produktivkräfte zu einer sol¬
chen Universalität, daß das Privateigentum und die Teilung der
25 Arbeit für sie zu einer Fessel wird. Wir haben /[104c]/ ferner ge¬
zeigt, daß das Privateigentum nur aufgehoben werden kann unter
der Bedingung einer allseitigen Entwicklung der Individuen, weil
eben der vorgefundene Verkehr und die vorgefundenen Produk¬
tivkräfte allseitig sind und nur von allseitig sich entwickelnden
зо Individuen angeeignet, d. h. zur freien Betätigung ihres Lebens
gemacht werden können. Wir haben gezeigt, daß die gegenwärti¬
gen Individuen das Privateigentum aufheben müssen, weil
die Produktivkräfte und die Verkehrsformen sich soweit entwik-
kelt haben, daß sie unter der Herrschaft des Privateigentums zu
35 Destruktivkräften geworden sind, und weil der Gegensatz der
Klassen auf seine höchste Spitze getrieben ist. Schließlich haben
wir gezeigt, daß die Aufhebung des Privateigentums und der Tei¬
lung der Arbeit selbst die Vereinigung der Individuen auf der
durch die jetzigen Produktivkräfte und den Weltverkehr gegebe-
4o nen Basis ist.
Innerhalb der kommunistischen Gesellschaft, der einzigen,
worin die originelle und freie Entwicklung der Individuen keine
Phrase ist, ist sie bedingt eben durch den Zusammenhang der In¬
dividuen, ein Zusammenhang, der teils in den ökonomischen Vor-
45 aussetzungen besteht, teils in der notwendigen Solidarität der
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 27
418
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
freien Entwicklung Aller, und endlich in der universellen Betätti-
gungsweise der Individuen auf der Basis der vorhandenen Pr o¬
duktivkräfte. Es handelt sich hier also um Indi-/ {113} [1057vi-
duen auf einer bestimmten historischen Entwicklungsstufe, keines¬
wegs um beliebige zufällige Individuen, auch abgesehen von d<er 5
notwendigen kommunistischen Revolution, die selbst eine gemein¬
same Bedingung ihrer freien Entwicklung ist. Das Bewußtsein
der Individuen über ihre gegenseitige Beziehung wird natürlich
ebenfalls ein ganz andres und daher ebensowenig das „Liebesprin-
zip“ oder das Devoüement wie der Egoismus sein. ю
Die „Einzigkeit“, in dem Sinne der originellen Entwicklung
und des individuellen Verhaltens, wie es oben entwickelt wurde,
genommen, setzt also nicht nur ganz andre Dinge als den guten
Willen und das rechte Bewußtsein voraus, sondern auch gerade
das Gegenteil von den Phantastereien Sanchos. Bei ihm ist sie 15
weiter nichts als eine Beschönigung der bestehenden Verhältnisse,
ein tröstliches Balsamtröpflein für die arme ohnmächtige, in der
Misere miserabel gewordene Seele.
Wie mit der „Einzigkeit“, verhält es sich mit Sanchos „Un-
vergleichlichkeit“. Er selbst wird sich erinnern, wenn er 20
nicht ganz „verschwunden“ ist „in süßer Selbstvergessenheit66,
daß die Organisation der Arbeit im „Stirnerschen Verein
von Egoisten“ nicht nur auf der Vergleichlichkeit, sondern auf
der Gleichheit der Bedürfnisse beruhte. Und er unterstellte
nicht mir gleiche Bedürfnisse, sondern auch gleiche Betätigung, 25
sodaß Einer den andern in der „menschlichen Arbeit“ ersetzen
konnte. Und das Extrasalär des „Einzigen“, das seine Erfolge
krönt, worauf beruhte es anders, als daß seine Leistung mit denen
andrer verglichen und wegen ihres Vorzugs besser versilbert
wurde? Und wie kann Sancho überhaupt von Unvergleichlichkeit зо
sprechen, wenn er die praktisch verselbstständigte Vergleichung,
das Geld, bestehen läßt, sich ihm subordiniert, sich zur Ver¬
gleichung mit Andern /[105a]/ an diesem Universalmaßstabe mes¬
sen läßt? Wie sehr er selbst also seine Unvergleichlichkeit Lügen
straft, ist evident. Nichts leichter, als Gleichheit und Ungleich- 35
heit, Ähnlichkeit und Unähnlichkeit Reflexionsbestimmungen zu
nennen. Auch die Unvergleichlichkeit ist eine Reflexionsbestim¬
mung, welche die Tätigkeit des Vergleichens zu ihrer Vorausset¬
zung hat. Wie wenig die Vergleichung eine reine willkürliche Re¬
flexionsbestimmung ist, davon brauchen wir nur ein Beispiel an- 40
zuführen, das Geld, das stehende tertium comparationis aller
Menschen und Dinge. — Übrigens kann die Unvergleichlichkeit
verschiedne Bedeutungen haben. Die einzige, die hier in Betracht
kommt, die „Einzigkeit“ im Sinne von Originalität, setzt voraus,
daß die Tätigkeit des unvergleichlichen Individuums in einer be- 45
III. Sankt Max
419
stimmten Sphäre sich selbst von der Tätigkeit Gleicher unter¬
scheidet. Unvergleichliche Sängerin ist die Persiani, eben weil
sie Sängerin ist und mit andren Sängerinnen verglichen wird,
und zwar von Ohren, welche durch die auf normaler Konstruktion
5 und musikalischer Bildung beruhende Vergleichung zur Erkennt¬
nis ihrer Unvergleichlichkeit befähigt sind. Unvergleichlich ist
der Gesang der Persiani mit dem Gequäke eines Frosches, ob¬
gleich auch hier eine Vergleichung stattfinden könnte, die aber
dann eine Vergleichung zwischen Mensch und Frosch, nicht zwi-
10 sehen der Persiani und diesem einzigen Frosch wäre. Nur im
ersten Fall ist von Vergleichung zwischen Individuen zu reden, im
zweiten geht die Vergleichung ihre Art oder Gattungseigenschaft
an. Eine dritte Art der Unvergleichlichkeit — die Unvergleich¬
lichkeit des Gesanges der Persiani mit dem Schwänze eines Ko-
15 meten, überlassen wir Sancho zu seinem „Selbstgenuß“, da er
ohnehin am „widersinnigen Urteil“ solche Freude hat, aber selbst
diese widersinnige Vergleichung hat in der Widersinnigkeit der
heutigen Verhältnisse eine Realität. Das Geld ist der gemeinsame
Maßstab aller, auch der heterogensten Dinge.
го Übrigens kommt Sanchos Unvergleichlichkeit wieder auf
/ [105Ы/ dieselbe Phrase hinaus wie die Einzigkeit. Die Indivi¬
duen sollen nicht mehr an einem von ihnen unabhängigen tertium
comparationis gemessen werden, sondern die Vergleichung soll
zu ihrer Selbstunterscheidung, id est zur freien Entwicklung ihrer
25 Individualität umschlagen, und zwar dadurch, daß sie sich die
„fixen Ideen“ aus dem Kopf schlagen.
Übrigens kennt Sancho nur die Literaten- und Kannegießer-Ver¬
gleichung, die zu dem großartigen Resultate kommt, daß Sancho
nicht Bruno und Bruno nicht Sancho ist. Die Wissenschaften da-
3o gegen, die erst durch die Vergleichung und die Feststellung der
Unterschiede innerhalb der Sphären der Vergleichung zu bedeuten¬
den Fortschritten gekommen sind und in denen die Vergleichung
einen allgemein bedeutenden Charakter erhält, die vergleichende
Anatomie, Botanik, Sprachforschung etc., kennt er natürlich nicht.
35 Große Nationen, Franzosen, Nordamerikaner, Engländer, ver¬
gleichen sich fortwährend unter einander praktisch und theore¬
tisch, in der Konkurrenz wie in der Wissenschaft. Kleinkrämer
und Spießbürger wie die Deutschen, die die Vergleichung und
Konkurrenz zu scheuen haben, verkriechen sich hinter den Schild
4o der Unvergleichlichkeit, den ihnen ihr philosophischer Etiketten¬
fabrikant liefert. Sancho hat nicht nur in ihrem, sondern auch in
seinem eignen Interesse sich alle Vergleichung verbeten.
P.415 sagt Sancho: „Es ist Keiner Meines Gleichen“,
und p. 408 wird der Umgang mit „Meines Gleichen“ als die Auf-
45 lösung der Gesellschaft in den Verkehr dargestellt: „Es zieht das
27*
420
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Kind den Verkehr, den es mit Seines Gleichen eingeht,
der Gesellschaft vor.“ —
Sancho braucht indes mitunter „Meines Gleichen“ und das
Gleiche /[105c]/ überhaupt für „Dasselbe“, z. B. die oben zi¬
tierte Stelle p. 183: „Das Gleiche, dasselbe können sie .5
weder sein noch haben.“ Und hiermit nimmt er seine schließliche
„neue Wendung“, die namentlich im Kommentar verbraucht wird.
Die Einzigkeit, die Originalität, die „eigne“ Entwicklung der
Individuen, die nach Sancho z. B. bei allen „menschlichen Arbei¬
ten66 nicht stattfindet, obgleich Niemand leugnen wird, daß ein io
Ofensetzer den Ofen nicht auf „dieselbe“ Weise setzt wie der
andre; die „einzige“ Entwicklung der Individuen, die nach dem¬
selben Sancho in den religiösen, politischen etc. Sphären nicht
stattfindet (siehe die „Phänomenologie“), obgleich Niemand leug¬
nen wird, daß unter Allen, die an den Islam glauben, Keiner auf 13
„dieselbe66 Weise an ihn glaubt, und sich insofern „einzig“ ver¬
hält, wie unter allen Staatsbürgern keiner auf „dieselbe66 Weise
sich zum Staat verhält, schon weil Er es ist und nicht der
Andre, der sich verhält — die vielgerühmte „Einzigkeit66, die
so sehr von der „Dieselbigkeit“, der Identität der 20
Person sich unterschied, daß Sancho in allen bisherigen Indi¬
viduen fast nur „Exemplare“ einer Gattung sah, löst sich also
hier auf in die polizeilich konstatierte Identität einer Person mit
sich selbst, darin, daß Ein Individuum nicht das Andre ist. So
schrumpft der Weltstürmer Sancho zum Schreiber eines Paß- 25
bureaus zusammen.
P. 184 des Kommentars setzt er mit vieler Salbung und großem
Selbstgenuß auseinander, daß Er nicht davon satt wird, wenn der
Kaiser von Japan ißt, weil sein und des Kaisers von Japan Einge¬
weide „einzige66, „unvergleichliche Eingeweide“, id est, nicht зо
dieselben seien. Wenn Sancho glaubt, hierdurch die bisheri¬
gen sozialen Verhältnisse oder auch nur / (114} [106]/ Natur¬
gesetze aufgehoben zu haben, so ist diese Naivetät gar zu groß,
und rührt bloß daher, daß die Philosophen die sozialen Verhält¬
nisse nicht als die gegenseitigen Verhältnisse dieser mit sich iden- 33
tischen Individuen und die Naturgesetze als die gegenseitigen Be¬
ziehungen dieser bestimmten Körper dargestellt haben.
Berühmt ist der klassische Ausdruck, den Leibniz diesem alten
Satz (der in jedem Handbuch der Physik als Lehre von der Un¬
durchdringlichkeit der Körper auf der ersten Seite figuriert), ge- 40
geben hat: „Opus tarnen est ut quaelibet monas differat ab alia
quacunque, neque enim unquam dantur in natura duo entia, quo-
rum unum exasse conveniat cum altero.“ (Principia Philos. seu
Theses pp). Sanchos Einzigkeit ist hier zu einer Qualität herab¬
gesunken, die er mit jeder Laus und jedem Sandkorn teilt. 43
III. Sankt Max
421
Das größte Dementi, mit dem die Philosophie enden konnte,
war, daß sie die Einsicht jedes Bauerlümmels und Polizeiserge¬
anten, daß Sancho nicht Bruno ist, für eine der größten Entdek-
kungen, und die Tatsache dieser Verschiedenheit für ein wahres
5 Wunder ansieht.
So hat sich das „kritische Juchhe“ unsres „Virtuosen im Den¬
ken“ in ein unkritisches Miserere verwandelt.
Nach allen diesen Abenteuern segelt unser „einziger“ Schild¬
knapp wieder in den Hafen seiner heimischen Fronkote ein. „Das
10 Titelgespenst seines Buchs“ springt ihm „jauchzend“ entgegen.
Ihre erste Frage ist, wie /[106a]/ sich der Graue befinde.
Besser als sein Herr, antwortet Sancho.
Gott sei gedankt dafür, daß er mir soviel Gutes getan hat; aber
erzähle mir jetzt, mein Freund, was hat Dir denn Deine Knapp-
15 schäft eingebracht? Was für ein neues Kleid bringst Du mir mit?
Ich bringe Nichts der Art, antwortet Sancho, aber „das schöp¬
ferische Nichts, das Nichts, aus dem Ich selbst als Schöpfer Alles
schaffe“, das heißt Du sollst mich noch sehen als Kirchenvater
und Erzbischof einer Insel und zwar einer der besten, die man
2o finden kann.
Der Himmel gebe das, mein Schatz, und bald, denn wir haben’s
nötig. Aber was ist denn das mit der Insel, ich versteh das nicht.
Honig ist nichts für das Maul des Esels, erwidert Sancho. Du
wirst das seiner Zeit sehen, Weib. Aber das kann ich Dir jetzt
25 schon sagen, daß es nichts Angenehmeres auf der Welt gibt, denn
die Ehre als mit sich einiger Egoist und Schildknapp von der trau¬
rigen Gestalt Abenteuer zu suchen. Es ist freilich wahr, daß die
meisten, die man findet, nicht so „ihr letztes Absehen erreichen“,
daß „die menschliche Forderung befriedigt wird“ (tan сото
зо el hombre querria), denn von hunderten, die man trifft, pflegen
neun und neunzig schief und verzwickt abzulaufen. Ich weiß das
aus Erfahrung, denn aus Einigen bin ich geprellt, aus andern ge¬
mahlen und gedroschen heimgegangen. Aber bei Alledem ist es
doch eine schöne Sache, denn die „einzige66 Forderung wird jeden-
35 falls dabei befriedigt, wenn man so durch die ganze Geschichte va¬
gabundiert, alle Bücher des Berliner Lesekabinetts zitiert, in allen
Sprachen ein etymologisches Nachtlager hält, in allen Ländern
politische Fakta verfälscht, gegen alle Drachen und Strauße, Ko¬
bolde, Feldteufel und „Gespenster“ fanfaronierende Herausfor-
4o derungen erläßt, sich mit allen Kirchenvätern und Philosophen
herumschlägt, und schließlich doch nur mit seinem eigenen Kör¬
per bezahlt. (Vgl. Cervantes I, Cap. 52.)
/{115} [106b]/ 7. Apologetischer Kommentar
Obgleich Sancho vor Zeiten und im Stande seiner Erniedrigung,
Cervantes Cap.26 und 29, allerlei „Bedenken“ trug, eine Kirchen¬
pfründe zu genießen, hat er sich doch in Erwägung der veränder¬
ten Umstände und seiner früheren vorbereitenden Stellung als 5
Famulus einer andächtigen Bruderschaft (Cervantes am einund-
zwanzigsten) endlich entschlossen, sich dies Bedenken „aus dem
Kopf zu schlagen“. Er ist Erzbischof der Insel Barataria und Kar¬
dinal geworden und sitzt als solcher mit feierlicher Miene und
erzpriesterlichem Anstande unter den Ersten unsres Konzils. Zu 10
diesem Konzil kehren wir jetzt nach der langen Episode „des
Buchs“ zurück.
Wir finden „Bruder Sancho“ in seiner neuen Lebensstellung
freilich sehr verändert. Er stellt die ecclesia triumphans dar im
Gegensatz zur ecclesia militans, in der er sich früher befand. An 15
die Stelle der kriegerischen Fanfaren „des Buchs“ ist ein feier¬
licher Emst, an die Stelle von „Ich“ ist „Stirner“ getreten. Dies
zeigt, wie wahr das französische Sprüchwort ist, qu’il n’y а qu’un
pas du sublime au ridicule. Sancho nennt sich nur noch „Stirner“,
seitdem er Kirchenvater geworden ist und Hirtenbriefe erläßt. 20
Er hat diese „einzige“ Manier des Selbstgenusses von Feuerbach
gelernt, aber leider steht sie ihm nicht besser an, wie seinem Grauen
das Lautenschlagen. Wenn er von sich in der dritten Person
spricht, so sieht Jeder, daß Sancho der „Schöpfer66 nach Art der
preußischen Unteroffiziere sein „Geschöpf66 Stirner mit „E r“ an- 25
redet, und keineswegs mit Cäsar zu verwechseln ist. Der Eindruck
wird noch komischer dadurch, daß Sancho, bloß um Feuerbach
Konkurrenz zu machen, diese Inkonsequenz /[106c]/ begeht. San¬
chos „Selbstgenuß66 seines Auftretens als großer Mann wird hier
malgre lui zum Genuß für Andere. зо
Das „Besondere“, was Sancho in seinem Kommentar tut,
so weit wir ihn nicht schon in der Episode „verbraucht“ haben,
besteht darin, daß er eine neue Reihe von Variationen über die
bekannten Themata zum Besten gibt, die im „Buche“ bereits so
weitläuftig abgeleiert wurden. Sanchos Musik, die wie die der 35
1 Soll heißen: 2. Apologetischer Kommentar. Cf. S. 98
III. Sankt Max
423
indischen Wischnupriester nur Eine Note kennt, wird hier einige
Tonarten höher gesetzt. Ihre opiumartige Wirkung bleibt dabei
natürlich dieselbe. So z. B. wird der Gegensatz von „egoistisch“
und „heilig“ hier unter den Wirthshausschildem von „interessant“
5 und „uninteressant“, dann „interessant“ und „absolut interessant“
wieder durchgeknetet, eine Neuerung, die übrigens nur für Lieb¬
haber des ungesäuerten Brotes, vulgo Matzekuchens, interessant
sein kann. Die belletristische Verdrehung des Interessierten in
das Interessante ist natürlich einem „jebildeten“ Berliner Klein-
10 bürger nicht zu verübeln. — Sämtliche Illusionen, die nach San¬
chos Lieblingsmarotte von den „Schulmeistern“ geschaffen wur¬
den, erscheinen hier „als Schwierigkeiten — Bedenken“, die
„nur der Geist geschaffen“, und welche „die armen Seelen, die
sich jene Bedenken haben aufschwatzen lassen“, durch „Leicht-
15 sinn“ (das berüchtigte Sich aus dem Kopf zu schlagen) „über¬
winden... müssen“ (p. 162). Folgt dann eine „Abhandlung66,
ob man sich die „Bedenken66 durch „Denken“ oder „Gedanken¬
losigkeit66 aus dem Kopf schlagen soll, und ein kritisch-morali¬
sches Adagio, in dem er in Mollakkorden jammert: „Das Denken
2o d arf nicht etwa durch Jauchzen unterdrückt werden.66 (p. 162).
Zur Beruhigung Europas, namentlich des bedrängten Old
merry and young sorry England, erläßt Sancho, sobald er sich
in seiner bischöflichen chaise /[107]/ percee etwas eingesessen
hat, von dieser aus folgenden gnädigen Hirtenbrief: „Dem Stir-
25 ner liegt die bürgerliche Gesellschaft ganz und gar nicht am Her¬
zen, und er gedenkt sie keineswegs so auszudeh¬
nen, daß sie Staat und Familie verschlinge.“
(p. 189) — wonach Herr Cobden und Herr Dunoyer zu achten.
Als Erzbischof nimmt Sancho zugleich die geistliche Polizei in
зо seine Hände und erteilt Heß p. 193 einen Verweis wegen „poli¬
zeiwidriger66 Verwechslungen, die um so unverzeihlicher sind, je
größere Mühe sich unser Kirchenvater fortwährend gibt, die Iden¬
tität festzustellen. Um demselben Heß zu beweisen, daß „Stimer“
auch den „Heldenmut der Lüge“ besitzt, diese orthodoxe Eigen-
35 schäft des mit sich einigen Egoisten, singt er p. 188: „Aber Stir¬
ner spricht gar nicht davon, daß, wie Heß ihn reden läßt, der
ganze Fehler der bisherigen Egoisten nur darin bestehe, daß sie
kein Bewußtsein von ihrem Egoismus hätten“. Vergl. die
„Phänomenologie66 und das ganze „Buch“. — Die andre Eigen-
40 schäft des mit sich einigen Egoisten, die Leichtgläubigkeit, beweist
er p. 162, wo er dem Feuerbach „nicht bestreitet66, daß
„das Individuum Kommunist sei“. — Eine weitere Aus¬
übung seiner Polizeigewalt besteht darin,, daß er p. 154 seinen
sämtlichen Rezensenten die Rüge appliziert, daß sie nicht „auf
45 den Egoismus, wie er von Stimer aufgefaßt wird, näher66
424
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
eingegangen seien. Sie begingen allerdings Alle den Fehler zu
glauben, es handle sich um den wirklichen Egoismus, während es
sich nur um „Stimers“ Auffassung desselben handelte.
Der apologetische Kommentar beweist auch noch dadurch San¬
chos Befähigung zum Kirchenvater, daß er mit einer Heuchelei 5
beginnt.
/[107a]/ „Wenn auch vielleicht nicht den genannten Rezensen¬
ten, so mag doch manchem andern Leser des Buchs eine kurze Er¬
widerung von Nutzen sein.“ p. 147.
Sancho spielt hier den Devouierten, und behauptet seine kost- ю
bare Zeit zum „Nutzen“ des Publikums aufzuopfern, obwohl er uns
überall versichert, er habe stets nur seinen eignen Nutzen im Auge,
obwohl er hier nur sein kirchenväterliches Fell zu salvieren strebt.
Damit wäre das „Besondre“ des Kommentars erledigt. Das
„Einzige“, das sich indes auch schon „im Buche“ p.491 fin- 15
det, haben wir weniger zum „Nutzen“ „mancher andren Leser“,
als zum eignen Nutzen „Stimers“ bis hieher aufbewahrt. Eine
Hand wäscht die andre, worauf unbestreitbar folgt, daß „das In¬
dividuum Kommunist ist“.
Für die Philosophen ist es eine der schwierigsten Aufgaben, 20
aus der Welt des Gedankens in die wirkliche Welt herabzusteigen.
Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die Sprache.
Wie die Philosophen das Denken verselbstständigt haben, so mu߬
ten sie die Sprache zu einem eignen Reich verselbstständigen.
Dies ist das Geheimnis der philosophischen Sprache, worin die 25
Gedanken als Worte einen eignen Inhalt haben. Das Problem, aus
der Welt der Gedanken in die wirkliche Welt herabzusteigen, ver¬
wandelt sich in das Problem, aus der Sprache ins Leben herab¬
zusteigen.
Wir haben gezeigt, daß die Verselbstständigung der Gedan- 30
ken und Ideen eine Folge der Verselbstständigung der persön¬
lichen Verhältnisse und Beziehungen der Individuen ist. Wir
haben gezeigt, daß die ausschließliche systematische Beschäfti¬
gung mit diesen Gedanken von Seiten der Ideologen und Philoso¬
phen und damit die Systematisierung dieser Gedanken eine Folge 35
der Teilung der Arbeit /{116} [107b]/ ist, und namentlich die
deutsche Philosophie eine Folge der deutschen kleinbürgerlichen
Verhältnisse. Die Philosophen hätten ihre Sprache nur in die ge¬
wöhnliche Sprache, aus der sie abstrahiert ist, aufzulösen, um sie
als die verdrehte Sprache der wirklichen Welt zu erkennen und 40
einzusehen, daß weder die Gedanken noch die Sprache für sich ein
eignes Reich bilden; daß sie nur Äußerungen des wirklichen
Lebens sind.
Sancho, der den Philosophen durch Dick und Dünn folgt, muß
notwendig nach dem Stein der Weisen, der Quadratur des 45
ІП. Sankt Max
425
Zirkels und dem Lebenselixier suchen, nach einem „Wort“,
welches als Wort die Wunderkraft besitzt, aus dem Reich der
Sprache und des Denkens ins wirkliche Leben hinauszuführen.
Sancho ist so angesteckt von seinem langjährigen Umgang mit
5 Don Quijote, daß er nicht merkt, daß diese seine „Aufgabe“, die¬
ser sein „Beruf“, selbst nichts weiter als eine Folge des Glaubens
an seine dickleibigen philosophischen Ritterbücher ist.
Sancho beginnt damit, die Herrschaft des Heiligen und der
Ideen in der Welt, abermals, und zwar in der neuen Form der
10 Herrschaft der Sprache oder der Phrase, uns vorzuführen. Die
Sprache wird natürlich zur Phrase, sobald sie verselbstständigt
wird.
P. 151 nennt Sancho die jetzige Welt „eine Phrasenwelt, eine
Welt, in deren Anfang das Wort war“. Er beschreibt näher die
15 Motive seiner Jagd auf das Zauberwort: „Es war die Spekulation
darauf gerichtet, ein Prädikat zu finden, welches so allge¬
mein wäre, daß es Jeden in sich begriffe... soll das Prädikat
einen Jeden in sich begreifen, so muß ein Jeder darin als Sub¬
jekt erscheinen, d. h. nicht bloß als das, w а s er ist, sondern als
20 der, der er ist.“ p. 152. Weil die Spekulation solche Prädikate,
früher von Sancho als Beruf, Bestimmung, Aufgabe, Gattung usw.
ausgesprochen, „suchte“, „suchten“ sich die wirklichen Men¬
schen bisher „im Worte, im Logos, im Prädikat66. P. 153. /[107c]/
Solange man bisher innerhalb der Sprache ein Individuum vom
25 andern bloß als identische Person unterscheiden wollte, brauchte
man den Namen. Sancho beruhigt sich aber nicht bei den ge¬
wöhnlichen Namen, sondern weil ihm die Spekulation die Auf¬
gabe gestellt hat, ein Prädikat zu finden, was so allgemein wäre,
daß es Jeden als Subjekt in sich begreift, so sucht er den philo-
30 sophischen, abstrakten Namen, den „Namen66, der über alle Na¬
men ist, den Namen aller Namen, den Namen als Kategorie, der
z. B. Sancho von Bruno und Beide von Feuerbach so präzis unter¬
scheidet, wie ihre eignen Namen und dennoch auf sie alle drei so¬
gut wie auf alle andern Menschen und beleibte Wesen paßt —
35 eine Neuerung, die in alle Wechselbriefe, Heiratskontrakte usw.
die größte Verwirrung bringen und alle Notariats- und Zivil-
standsbureaux mit einem Schlage vernichten würde. Dieser wun¬
derbare Name, dies Zauberwort, welches in der Sprache der Tod
der Sprache ist, die Eselsbrücke zum Leben und die höchste Stufe
4o der chinesischen Himmelsleiter, ist — der Einzige. Die wun¬
dertätigen Eigenschaften dieses Wortes werden in folgenden Stro¬
phen besungen:
„Der Einzige soll nur die letzte, die sterbende Aussage von
Dir und Mir, soll nur diejenige Aussage sein, welche in die Mei-
45 nung umschlägt:
426
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
„ein Aussage, die keine mehr ist,
„eine verstummende, stumme Aussage.“ p. 153.
„Bei ihm“ (dem Einzigen) „ist das Unausgesprochene diie
Hauptsache.“ p. 149.
Er ist „bestimmungslos“, (ibid.). 5
„Er weist auf seinen Inhalt außerhalb oder jenseits des Be¬
griffes hin.“ (ibid.).
/[108]/ Er ist „ein bestimmungsloser Begriff, und kann durch
keine andern Begriffe bestimmter gemacht werden“. P. 150.
Er ist die philosophische „Tauf e“ der profanen Namen. 10
P. 150.
„Der Einzige ist ein gedankenloses Wort.
„Er hat keinen Gedankeninhalt.“
„Er drückt Einen aus“, „der nicht zum zweiten Male dasein,
folglich auch nicht ausgedrückt werden kann; 15
„Denn könnte er wirklich und ganz ausgedrückt werden, so
wäre er zum zweiten Male da, wäre im Ausdruck da.66 p. 151.
Nachdem er so die Eigenschaften dieses Wortes besungen hat,
feiert er die Resultate, die mit der Entdeckung seiner Wunder¬
kräfte gewonnen sind, in folgenden Antistrophen: 20
„Mit dem Einzigen ist das Reich der absoluten Gedanken ab¬
geschlossen“ (p. 150).
„Er ist der Schlußstein unsrer Phrasen weit.“ p. 151.
„Er ist die als Phrase verendende Logik.“ p. 153.
„Im Einzigen kann die Wissenschaft in das Leben aufgehn, 25
„indem ihr Das zum Der und Der wird,
„Der sich dann nicht mehr im Worte, im Logos, im Prädikate
sucht.66 p. 153.
Allerdings hat Sancho an seinen Rezensenten die üble Erfah¬
rung gemacht, daß auch der Einzige „als Begriff fixiert“ werden зо
kann, „und das tun die Gegner“ (p. 149), die so sehr Sanchos
Gegner sind, daß sie die erwartete magische Wirkung des Zau¬
berwortes gar nicht empfinden, vielmehr wie in der Oper singen:
Ce n’est pas да, ce n’est pas да! Namentlich gegen seinen Don
Quijote Szeliga wendet sich Sancho mit großer Erbitterung und 35
feierlichem Emst, da bei diesem das Mißverständnis eine offene
„Empörung“ und ein gänzliches Verkennen seiner Stellung als
„Geschöpf46 voraussetzt: „Hätte Szeliga verstanden, daß der Ein¬
zige, weil die völlig inhaltlose Phrase oder Kategorie, darum
keine Kate- [108a] /gorie mehr ist, so hätte er ihn vielleicht als den
Namen dessen, was ihm noch namenlos ist, anerkannt.66 p. 179. —
Sancho erkennt also hier ausdrücklich an, daß er und sein Don
Quijote auf Ein und dasselbe Ziel lossteuem, nur mit dem Unter¬
schiede, daß Sancho den rechten Morgenstern entdeckt zu haben
glaubt, während Don Quijote noch im Dunkeln 45
III. Sankt Max
427
üf dem wild in Lebermer
der gruntlosen werlde swebt.*)
Feuerbach sagte Philosophie der Zukunft, p. 49: „Das Sein,
gegründet auf lauter Unsagbarkeiten, ist darum selbst etwas Un-
5 sagbares. Jawohl das Unsagbare. Wo die Worte aufhören, da fängt
erst das Leben an, erschließt sich erst das Geheimnis des Seins“.
Sancho hat den Übergang aus dem Sagbaren in das Unsagbare, er
hat das Wort gefunden, welches zu gleicher Zeit mehr und weni¬
ger ist als ein Wort.
io Wir haben gesehen, daß das ganze Problem vom Denken zur
Wirklichkeit und daher von der Sprache zum Leben zu kommen
nur in der philosophischen Illusion existiert, d. h. nur berechtigt
ist für das philosophische Bewußtsein, das über die Beschaffen¬
heit und den Ursprung seiner scheinbaren Trennung vom Leben
15 unmöglich klar sein kann. Dies große Problem, sobald es über¬
haupt in den Köpfen unsrer Ideologen spukte, mußte natürlich
den Verlauf nehmen, daß zuletzt einer dieser fahrenden Ritter ein
Wort zu suchen ausging, das als Wort den fraglichen Übergang
bildete, als Wort aufhörte, bloßes Wort zu sein, als Wort in
2° mysteriöser, übersprachlicher Weise aus der Sprache heraus auf
das wirkliche Objekt, das es bezeichnet, hinweist, kurz, unter den
Worten dieselbe Rolle spielt wie der erlösende Gottmensch unter
den Menschen in der christlichen Phantasie. Der hohlste und
/ f 117} 1108b]/ dürftigste Schädel unter den Philosophen mußte
25 die Philosophie damit „verenden“ lassen, daß er seine Gedanken¬
losigkeit als das Ende der Philosophie und damit als den trium¬
phierenden Eingang in das „leibhaftige“ Leben proklamierte.
Seine philosophierende Gedankenlosigkeit war ja schon von selbst
das Ende der Philosophie, wie seine unaussprechliche Sprache
30 das Ende aller Sprache. Sanchos Triumph war noch dadurch be¬
dingt, daß er unter allen Philosophen am Allerwenigsten von den
wirklichen Verhältnissen wußte, daher bei ihm die philosophi¬
schen Kategorien den letzten Rest von Beziehung auf die Wirk¬
lichkeit, und damit den letzten Rest von Sinn verloren.
35 Und nun gehe ein, Du frommer und getreuer Knecht Sancho,
gehe oder vielmehr reite auf Deinem Grauen ein zu deines Ein¬
zigen Selbstgenuß, „verbrauche66 Deinen „Einzigen66 bis auf
den letzten Buchstaben, ihn, dessen wunderbare Titel, Kraft und
Tapferkeit bereits Calderon besungen hat wie folgt:
4o Der Einzige —
El valiente Campeon,
El generoso Adalid,
El gallardo Caballero,
*) Meister Kuonrat von Wurzeburc, Diu guldin Smitte, v. 143. —
428
Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
El ilustre Paladin,
El siempre fiel Cristiano,
El Almirante feliz
De Africa, el Rey soberano
De Alexandria, el Cade 5
De Berberia, de Egipto el Cid,
Morabito, у Gran Senor
De Jerusalem
„Zum Schlüsse dürfte es nicht unpassend sein“, Sancho, den
Großherm von Jerusalem, an Cervantes „Kritik“ Sanchos, Don 10
Quijote cap. 20, pag. 171 der Brüsseler Ausgabe von 1617, „zu
erinnern“. (Vergl. Kommentar p. 194). —
SCHLUSS DES LEIPZIGER KONZILS
Schluß des Leipziger Konzils .
Geschrieben ca. Anfang Mai 1846 in Brüssel
431—432
/[108c]/ SCHLUSS DES LEIPZIGER KONZILS
Nachdem Sankt Bruno und Sankt Sancho, der auch Max heißt,
alle Opponenten vom Konzil verjagt haben, schließen sie einen
ewigen Bund, indem sie folgendes rührende Duett absingen und
5 dabei wie zwei Mandarine einander freundlich mit den Köpfen
zuwackeln.
Sankt Sancho.
„Der Kritiker ist der wahre Wortführer der Masse ... er ist ihr
Fürst und Feldherr in dem Freiheitskriege gegen den Egoismus.66
io (Das Buch, p. 187).
Sankt Bruno.
„Max Stirner ist der Anführer und Heerführer der Kreuz¬
fahrer“ (gegen die Kritik). „Zugleich der Tüchtigste und Tap¬
ferste von allen Kämpfern.“ (Wig. p. 124).
Sankt Sancho.
„Wir gehen jetzt dazu über, den politischen und sozialen Libe¬
ralismus vor den Richterstuhl des humanen oder kritischen Libe¬
ralismus“ (id est kritische Kritik) „zu stellen.66 (Das Buch,
p. 163).
Sankt Bruno.
„Vor dem Einzigen und seinem Eigentum fällt der politisch
Liberale, der den Eigenwillen brechen will, und der soziale
Liberale, der das Eigentum zerstören will. Sie fallen vor dem
kritischen“ (d. h. dem der Kritik gestohlnen) „Messer des
25 Einzigen“. (Wig. p. 124).
Sankt Sancho.
„Vor der Kritik ist kein Gedanke sicher, weil sie der den¬
kende Geist selber ist... Die Kritik oder vielmehr Er“
(sc. Sankt Bruno) (Das Buch, p. 195, 199).
432 Deutsche Ideologie. Das Leipziger Konzil
Sankt Bruno.
(unterbricht ihn mit Verneigungen)
„Allein der kritische Liberale, ... — der will nicht fallen
[vor] der Kritik, weil Er selber [der Kritiker] ist.“ [Wig.
p. 124.] 5
/[109]/ Sankt Sancho
„Die Kritik, und allein die Kritik, steht auf der Höhe der
Zeit . . . Unter den Sozialtheorien ist unstreitig die Kritik die
vollendetste... In ihr kommt das Liebesprinzip des Christentums,
das wahre Sozialprinzip, zum reinsten Vollzug, und es wird das w
letzte mögliche Experiment gemacht, die Ausschließlichkeit [und]
das Abstoßen den Menschen zu benehmen: ein Kampf gegen den
Egoismus in seiner einfachsten und darum härtesten Form66.
(Das Buch p. 177).
Sankt Bruno.
„Dies Ich ist... die Vollendung und der Höhepunkt einer
vergangnen Geschichtsepoche. Der Einzige ist der letzte Zufluchts¬
ort in der alten Welt, der letzte Schlupfwinkel, von wo aus sie
ihre Angriffe66 auf die kritische Kritik „machen kann... Dieses
Ich ist der gesteigertste, mächtigste und kräftigste Egoismus der 20
alten Welt66 (id est des Christentums) „... Dieses Ich ist die Sub¬
stanz in ihrer härtesten Härte.66 (Wig. p. 124).
Nach diesem traulichen Zwiegespräch heben die beiden großen
Kirchenväter das Konzil auf. Dann drücken sie sich stumm die
Hand, der Einzige „vergißt sich selbst in süßer Selbstvergessen- 25
heit“, ohne jedoch darüber „ganz zu verschwinden“, und der Kri¬
tiker „lächelt66 dreimal, und „geht66 dann „unaufhaltsam, siegs¬
gewiß, und siegreich seiner Wege66.
4—5 Das Manuskript ist beschädigt: der Text durch Falzung des Papiers auf der
Photographie verdeckt
DER WAHRE SOZIALISMUS
Der wahre Sozialismus
435—437
Geschrieben ca. April 1846 in Brüssel
DER WAHRE SOZIALISMUS
Dasselbe Verhältnis, das wir im ersten Bande (vgl. „Sankt
Max“, „der politische Liberalimus“) zwischen dem bisherigen
5 deutschen Liberalismus und der französischen und englischen
Bourgeoisie-Bewegung nachgewiesen haben, findet statt zwischen
dem deutschen Sozialismus und der Proletariatsbewegung Frank¬
reichs und Englands. Neben den deutschen Kommunisten hat
sich eine Anzahl Schriftsteller aufgetan, die einige französische
jo und englische kommunistische Ideen auf genommen und mit ihren
deutsch-philosophischen Voraussetzungen verquickt haben. Diese
„Sozialisten“ oder „wahren Sozialisten“, wie sie sich nennen,
sehen in der kommunistischen Literatur des Auslandes nicht den
Ausdruck und das Produkt einer wirklichen Bewegung, sondern
із rein theoretische Schriften, die ganz wie sie es sich von den deut¬
schen philosophischen Systemen vorstellen, aus dem „reinen Ge¬
danken“ hervorgegangen sind. Sie denken nicht daran, daß die¬
sen Schriften, selbst wenn sie Systeme predigen, die praktischen
Bedürfnisse, die ganzen Lebensverhältnisse einer bestimmten
20 Klasse bestimmter Länder zu Grunde liegen. Sie nehmen die Illu¬
sion mancher dieser literarischen Parteirepräsentanten, als handle
es sich bei ihnen um die „vernünftigste“ Ordnung der Gesell¬
schaft und nicht um die Bedürfnisse einer bestimmten Klasse und
Epoche, auf Treu und Glauben an. Die deutsche Ideologie, in der
25 diese „wahren Sozialisten66 befangen sind, erlaubt ihnen nicht,
das wirkliche Verhältnis zu betrachten. Ihre Tätigkeit gegenüber
den „unwissenschaftlichen66 Franzosen und Engländern besteht
nun darin, vor allen Dingen die Oberflächlichkeit oder den
„rohen66 Empirismus /[2]/ dieser Ausländer gehörig der Verach-
30 tung des deutschen Publikums Preis zu geben, der „deutschen
Wissenschaft66 einen Hymnus zu singen, und ihr die Mission zu
geben, die Wahrheit des Kommunismus und Sozialismus, den
absoluten, den wahren Sozialismus erst an den Tag zu bringen.
Sie geben sich auch sogleich an die Arbeit, um als Vertreter der
35 „deutschen Wissenschaft66 diese Mission zu erfüllen, obwohl in
den meisten Fällen diese „deutsche Wissenschaft“ ihnen fast
28*
436
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
ebenso fremd geblieben ist wie die Originalschriften der Franzo¬
sen und Engländer, die sie nur aus den Kompilationen von Stein,
Oelckers etc. kennen. Und worin besteht diese „Wahrheit“,
die sie dem Sozialismus und Kommunismus geben? Sie suchen
sich die ihnen, teils wegen ihrer Unkenntnis schon des bloß lite- 5
rarischen Zusammenhangs, teils wegen ihrer erwähnten falschen
Auffassung der sozialistischen und kommunistischen Literatur
gänzlich unerklärlichen Ideen dieser Literatur mit Hülfe der deut¬
schen, namentlich Hegelschen und Feuerbachschen Ideologie klar
zu machen. Sie heben die kommunistischen Systeme, Kritiken ю
und Streitschriften ab von der wirklichen Bewegung, deren blo¬
ßer Ausdruck sie sind, und bringen sie dann in einen willkür¬
lichen Zusammenhang mit der deutschen Philosophie. Sie tren¬
nen das Bewußtsein bestimmter geschichtlich bedingter Lebens¬
sphären von diesen Lebenssphären und messen es an dem wahren, 15
absoluten, d. h. deutsch-philosophischen Bewußtsein. Sie ver¬
wandeln ganz konsequent die Verhältnisse dieser bestimmten In¬
dividuen in Verhältnisse „d e s Menschen66, sie erklären sich die
Gedanken dieser bestimmten Individuen über ihre eignen Ver¬
hältnisse dahin, daß sie Gedanken über „den Menschen66 seien. 20
Sie sind damit vom wirklichen geschichtlichen Boden auf den
Boden der Ideologie zurückgekommen und können nun, da sie
den wirklichen Zusammenhang nicht kennen, mit Hülfe der „abso¬
luten66 oder einer andern ideologischen Methode leicht einen phan¬
tastischen Zusammenhang konstruieren. Diese Übersetzung der 2.5
französischen Ideen in die Sprache der deutschen Ideologen und
dieser willkürlich fabrizierte Zusammenhang zwischen dem Kom¬
munismus und der deutschen Ideologie bilden dann /[3]/ den
sogenannten „wahren Sozialismus66, der wie die englische Konsti¬
tution von den Tories, für „den Stolz der Nation und den Neid aller зо
Nachbarvölker66 ausposaunt wird.
Dieser „wahre Sozialismus66 ist also weiter nichts als die Ver¬
klärung des proletarischen Kommunismus und der ihm mehr oder
minder verwandten Parteien und Sekten Frankreichs und Eng¬
lands im Himmel des deutschen Geistes und, wie wir ebenfal.s 35
sehen werden, des deutschen Gemütes. Der wahre Sozialismus,
der auf der „Wissenschaft66 zu beruhen vorgibt, ist vor allen Dir-
gen selbst wieder eine esoterische Wissenschaft; seine theoretische
Literatur ist nur für Die, die in die Mysterien des „denkender
Geistes66 eingeweiht sind. Er hat aber auch eine exoterische Lik- 40
ratur, er muß, schon weil er sich um gesellschaftliche, exoteriscle
Verhältnisse kümmert, eine Art Propaganda machen. In dieser
exoterischen Literatur appelliert er nicht mehr an den deutscher
„denkenden Geist66, sondern an das deutsche „Gemüt66. Dies ist un
so leichter, als der wahre Sozialismus, dem es nicht mehr um de 45
Der wahre Sozialismus
437
wirklichen Menschen, sondern um „den Menschen66 zu tun ist,
alle revolutionäre Leidenschaft verloren hat und an ihrer Stelle
allgemeine Menschenliebe proklamiert. Er wendet sich somit nicht
an die Proletarier, sondern an die beiden zahlreichsten Menschen-
5 klassen Deutschlands, an die Kleinbürger und ihre philantropi-
schen Illusionen und an die Ideologen eben dieser Kleinbürger,
die Philosophen und Philosophenschüler; er wendet sich über¬
haupt an das gegenwärtig in Deutschland herrschende „gemeine66
und ungemeine Bewußtsein.
10 Es war nach den in Deutschland faktisch vorliegenden Ver¬
hältnissen /[4]/ notwendig, daß sich diese Zwischensekte bildete,
daß eine Vermittlung des Kommunismus mit den herrschenden
Vorstellungen versucht wurde. Es war ebenso notwendig, daß eine
Menge deutscher Kommunisten, die von der Philosophie ausgin-
15 gen, erst durch einen solchen Übergang zum Kommunismus kamen
und noch kommen, während Andere, die den Schlingen der Ideo¬
logie sich nicht entwinden können, diesen wahren Sozialismus bis
an ihr seliges Ende predigen werden. Wir können daher nicht wis¬
sen, ob diejenigen der „wahren Sozialisten,66 deren hier kritisierte
2o Schriften vor einiger Zeit verfaßt wurden, diesen Standpunkt noch
behaupten oder ob sie weiter gegangen sind. Wir haben überhaupt
gegen die Personen nichts, wir nehmen bloß die gedruckten Akten¬
stücke als Ausdruck einer für ein so versumpftes Land wie
Deutschland, unvermeidlichen Richtung.
25 Außerdem aber hat der wahre Sozialismus allerdings einer
Masse jungdeutscher Belletristen, Wunderdoktoren und sonstiger
Literaten eine Tür eröffnet zur Exploitation der sozialen Bewe¬
gung. Der Mangel wirklicher, leidenschaftlicher, praktischer
Parteikämpfe in Deutschland machte auch die soziale Bewegung
зо anfangs zu einer bloß literarischen. Der wahre Sozialismus ist
die vollkommenste soziale Literaturbewegung, die ohne wirkliche
Parteiinteressen entstand und nun, nachdem die kommunistische
Partei sich formiert hat, trotz ihr fortbestehen will. Es versteht
sich, daß seit dem Entstehen einer wirklichen kommunistischen
35 Partei in Deutschland die wahren Sozialisten immer mehr auf
Kleinbürger als Publikum, und impotente verlumpte Literaten als
Repräsentanten dieses Publikums sich beschränken werden.
I
DIE „RHEINISCHEN JAHRBÜCHER“
ODER
DIE PHILOSOPHIE DES WAHREN SOZIALISMUS
I. Die „rheinischen Jahrbücher66, oder
die Philosophie des wahren Sozia¬
lismus
Geschrieben im Frühjahr 1846 in Brüssel
441—468
/{5}/
I
Die „rheinischen Jahrbücher“
oder
die Philosophie des wahren Sozialismus
10
15
20
25
A. „Kommunismus, Sozialismus, Humanismus“
Rhein. Jahrb. 1. Bd., p. 167ff.
Wir beginnen mit diesem Aufsatz, weil er den deutsch-natio¬
nalen Charakter des wahren Sozialismus mit vollständigem Be¬
wußtsein und großem Selbstgefühl zur Schau trägt.
P. 168. „Es scheint, als ob die Franzosen ihre eignen
Genies nicht verständen. Hier kommt ihnen die deutsche
Wissenschaft zu Hülfe, die im Sozialismus, wenn
bei der Vernunft eine Steigerung gilt, die vernünftigste
Ordnung der Gesellschaft gibt.66 Hier gibt also „die
deutsche Wissenschaft66 eine, und zwar „die vernünftigste66, „Ord¬
nung der Gesellschaft66 „im Sozialismus66. Der Sozialismus wird
ein bloßer Zweig der allmächtigen, allweisen, Alles umfassenden
deutschen Wissenschaft, die sogar eine Gesellschaft stiftet. Der
Sozialismus ist zwar ursprünglich französisch, aber die franzö¬
sischen Sozialisten waren „an sich66 Deutsche, weshalb
auch die wirklichen Franzosen sie „nicht verstanden66. Daher
kann unser Verfasser sagen: „Der Kommunismus ist
französisch, der Sozialismus deutsch ; ein Glück ist
es für die Franzosen, daß sie einen so glücklichen gesellschaft¬
lichen Instinkt haben, der ihnen einst die wissenschaft¬
lichen Studien wird ersetzen helfen. Dieses Resultat lag in
dem Entwicklungsgänge beider Völker vorgezeichnet; die Fran¬
zosen kamen durch die Politik zum Kommunismus66 (nun
442
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
weiß man natürlich, wie das französische Volk zum Kommuniis-
mus kam) „die Deutschen durch die Metaphysik, die zuletzt
in Anthropologie umschlug, zum Sozialismus“ (nämlich zmm
„wahren Sozialismus66). „Beide lösen sich zuletzt in Humanis¬
mus auf66. Nachdem man den Kommu-/[6]/nismus und Sozia- 5
lismus in zwei abstrakte Theorien, zwei Prinzipien verwandelt hat,
ist natürlich nichts leichter als eine beliebige Hegelsche Einheit
dieser beiden Gegensätze unter einem beliebigen unbestimmten
Namen zu phantasieren. Womit nicht nur ein durchdringender
Blick in „den Entwicklungsgang beiderVölker“ geworfen, sondern 10
auch die Erhabenheit des spekulierenden Individuums über Fran¬
zosen und Deutsche glänzend dargetan ist. — Übrigens ist die¬
ser Satz ziemlich wörtlich kopiert aus dem Püttmannschen Bürger¬
buch p. 43 und anderwärts; wie denn auch die „wissenschaftlichen
Studien66 des Verfassers über den Sozialismus sich auf eine kon- із
struierende Reproduktion der in diesem Buche, den „Einundzwan¬
zig Bogen66 und anderen Schriften aus der Entstehungsepoche des
deutschen Kommunismus gegebenen Ideen beschränken.
Wir geben nur einige Proben von den in diesem Aufsatze er¬
hobenen Einwendungen gegen den Kommunismus. 20
P. 168. „Der Kommunismus verbindet die Atome zu keinem
organischen Ganzen.66 Die Verbindung von „Atomen66 zu einem
„organischen Ganzen66 ist ebenso wenig zu verlangen wie die
Quadratur des Zirkels.
„Wie der Kommunismus faktisch in Frankreich, seinem Haupt- 25
sitz, vertreten wird, ist er der rohe Gegensatz gegen die
egoistische Zerfallenheit des Krämerstaats, über diesen politischen
Gegensatz kommt er nicht hinaus, gelangt zu keiner unbeding¬
ten, voraussetzungslosen Freiheit.66 (ibidem). Voilä
das deutsch-ideologische Postulat der „unbedingten, vorausset- зо
zungslosen Freiheit66, die nur die praktische Formel für das „un¬
bedingte, voraussetzungslose Denken66 ist. Der französische Kom¬
munismus ist allerdings „roh66, weil er der theoretische Ausdruck
ei-/[7]/nes wirklichen Gegensatzes ist, über den er nach uns¬
rem Verfasser aber dadurch hinaus sein sollte, daß er diesen 35
Gegensatz in der Einbildung als schon überwunden unterstellt.
Vergleiche übrigens Bürgerbuch u. A. p.43.
„Innerhalb des Kommunismus kann die Tyrannei recht wohl
fortbestehen, weil er nicht die Gattung fortbestehen läßt.66 p. 168.
Arme Gattung! Bisher hat die „Gattung66 gleichzeitige
mit der „Tyrannei66 bestanden; aber eben weil der Kommunismus
die „Gattung“ abschafft, deswegen kann er die „Tyrannei“
fort bestehen lassen. Und wie fängt es nach unsrem wahren
Sozialisten der Kommunismus an, „die Gattung66 abzuschaffen?
Er „hat die Masse vor sich“, (ibidem). 43
I. Die ..Rheinischen Jahrbücher“
443
„Der Mensch wird im Kommunismus seines Wesens nicht
bewußt .. . seine Abhängigkeit wird durch den Kommunismus
auf das letzte, brutalste Verhältnis gebracht, auf die
Abhängigkeit von der rohen Materie — Trennung von Ar¬
beit und Genuß. Der Mensch gelangt zu keiner freien
sittlichen T ä t i g k e i t.“
Um die „wissenschaftlichen Studien“ zu würdigen, welche uns¬
rem wahren Sozialisten zu diesem Satz verhülfen haben, vergleiche
man folgenden Satz:
10 „Die französischen Sozialisten und Kommunisten... haben
das Wesen des Sozialismus theoretisch keineswegs erkannt...
selbst die radikalen“ (französischen) „Kommunisten sind noch
keineswegs über den Gegensatz von Arbeit und Genuß hinaus . ..
haben sich noch nicht zum Gedanken der freien Tätigkeit
15 erhoben... Der Unterschied zwischen dem Kommunismus und
der Krämerwelt ist nur der, daß die vollständigeEntäuße-
rung des wirklichen menschlichen Eigentums im
Kommunismus aller Zufälligkeit enthoben, d. h. idealisiert
werden soll.“ Bürgerbuch p. 43.
20 Unser wahrer Sozialist wirft also hier den Franzosen vor, daß
sie ein richtiges Bewußtsein ihrer faktischen gesellschaftlichen
Zustände /[8]/ haben, während sie das Bewußtsein „des Men¬
schen“ über „sein Wesen66 zu Tage fördern sollten. Alle Vor¬
würfe dieser wahren Sozialisten gegen die Franzosen laufen dar-
25 auf hinaus, daß die Feuerbachsche Philosophie nicht die letzte
Pointe ihrer gesamten Bewegung ist. Wovon der Verfasser aus¬
geht, ist der vorgefundene Satz von der Trennung von Arbeit und
Genuß. Statt mit diesem Satze anzufangen, dreht er ideologisch
die Sache um, fängt an mit dem fehlenden Bewußtsein des Men-
3o sehen, schließt daraus auf die „Abhängigkeit von der rohen Ma¬
terie66, und läßt diese sich realisieren in der „Trennung von
Arbeit und Genuß66. Wir werden übrigens noch Exempel davon
sehen, wohin unser wahrer Sozialist mit seiner Unabhängigkeit
„von der rohen Materie66 kommt. — Überhaupt sind diese Herren
33 alle von merkwürdigem Zartgefühl. Alles, namentlich die Mate¬
rie, chokiert sie, überall klagen sie über Roheit. Oben hatten wir
schon den „rohen Gegensatz66, jetzt das „brutalste Verhält¬
nis66 der „Abhängigkeit von der rohen Materie66.
Der Deutsche öffnet den Mund weit:
i0 Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Natürlich, die deutsche Philosophie in ihrer Verkleidung als So¬
zialismus geht zwar zum Schein auf die „rohe Wirklichkeit66 ein,
aber sie hält sich immer in anständiger Entfernung von ihr und
45 ruft ihr mit hysterischer Gereiztheit zu: noli me tangere!
444
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Nach diesen wissenschaftlichen Einwürfen gegen den franzö¬
sischen Kommunismus kommen wir auf einige historische Erörte¬
rungen, die von der „freien sittlichen Tätigkeit“ und den „wissen¬
schaftlichen Studien“ unsres wahren Sozialisten, wie auch vom
seiner Unabhängigkeit von der rohen Materie glän-/{9)/zendes 5
Zeugnis ablegen.
P. 170 kommt er zu dem „Resultate“, daß „der“ (abermals )
„rohe französische Kommunismus“ der einzige ist, den es „gibt4“.
Die Konstruktion dieser Wahrheit а priori wird mit großem „ge¬
sellschaftlichem Instinkt44 durchgeführt und zeigt, daß „der jo
Mensch seines Wesens sich bewußt44 geworden ist. Man höre:
„Es gibt keinen andern, denn was Weitling gegeben hat, ist nur
eine Verarbeitung fourieristischer und kommunistischer Ideen,
wie er sie in Paris und Genf kennen lernte.44
„Es gibt keinen44 englischen Kommunismus, „denn was Weit-із
ling“ usw. Thomas Morus, die Levellers, Owen, Thompson, Watts,
Holyoake, Harney, Morgan, Southwell, Goodwyn Barmby, Grea-
ves, Edmonds, Hobson, Spence werden sich sehr wundem, resp.
im Grabe umdrehen, wenn ihnen zu Ohren kommt, wie sie keine
Kommunisten sind, „denn44 Weitling ging nach Paris und Genf. 20
Übrigens scheint der Weitlingsche Kommunismus doch auch
ein andrer zu sein, als der „rohe französische44, vulgo Babouvis-
mus, da er auch „fourieristische Ideen44 enthält.
„Die Kommunisten waren besonders stark in der Aufstellung
von Systemen oder gleich fertigen Gesellschaftsordnungen (Ca- 25
bets Ikarien, la Felicite, Weitling). Alle Systeme aber sind dog¬
matisch-diktatorisch44. P. 170.
Mit seiner Meinungsabgabe über Systeme überhaupt hat der
wahre Sozialismus sich natürlich der Mühe überhöhen, die kom¬
munistischen Systeme selbst kennen zu lernen. Mit einem Schlage 30
hat er nicht nur Ikarien, sondern auch alle philosophischen
Systeme von Aristoteles bis Hegel, das Systeme de la nature, das
Linnesche und Jussieusche Pflanzensystem und sogar das Sonnen¬
system überwunden. Was übrigens die Systeme selbst angeht, so
sind diese fast alle im Anfänge der kommunistischen Bewegung 35
auf gekommen, und dienten /[10]/ damals der Propaganda als
Volksromane, die dem noch unentwickelten Bewußtsein der sich
eben in Bewegung setzenden Proletarier vollkommen entsprachen.
Cabet selbst nennt seine Icarie einen roman philosophique und
ist keineswegs aus seinem System, sondern aus seinen Streitschrif- 40
ten, überhaupt aus seiner ganzen Tätigkeit als Parteichef zu be¬
urteilen. Einige dieser Romane, z. B. das fouriersche System, sind
mit wirklich poetischem Geiste, andere wie das Owensche und Ca-
betsche, ohne alle Phantasie mit kaufmännischer Berechnung
oder juristisch-schlauem Anschmiegen an die Anschauungen der 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
445
zu bearbeitenden Klasse ausgeführt. Diese Systeme verlieren bei
der Entwicklung der Partei alle Bedeutung und werden höchstens
nominell als Stichwörter beibehalten. Wer glaubt in Frankreich
an Icarien, wer in England an die verschieden modifizierten Pläne
5 Owens, die er selbst je nach veränderten Zeitumständen oder mit
Rücksicht auf Propaganda unter bestimmten Klassen predigte?
Wie wenig der wirkliche Inhalt dieser Systeme in ihrer systema¬
tischen Form liegt, beweisen am besten die orthodoxen Fourie-
risten der Democratie pacifique, die bei all ihrer Orthodoxie die
10 geraden Antipoden Fouriers, doktrinäre Bourgeois sind. Der
eigentliche Inhalt aller epochemachenden Systeme sind die Be¬
dürfnisse der Zeit, in der sie entstanden. Jedem derselben liegt
die ganze vorhergegangne Entwicklung einer Nation, die geschicht¬
liche Gestaltung der Klassenverhältnisse mit ihren politischen,
15 moralischen, philosophischen und andern Konsequenzen zu
Grunde. Dieser Basis und diesem Inhalt der kommunistischen Sy¬
steme gegenüber ist mit dem Satz, daß alle Systeme dogmatisch,
diktatorisch sind, gar nichts ausgerichtet. Den Deutschen lagen
keine ausgebildeten Klassenverhältnisse vor, wie den Engländern
2o und Franzosen. Die deutschen Kommunisten konnten daher die
Basis ihres Systems nur aus den Verhältnissen des Standes neh¬
men, aus dem sie hervorgingen. Daß daher das einzige existie¬
rende /[11]/ deutsche kommunistische System eine Reproduktion
der französischen Ideen innerhalb der durch die kleinen Hand-
25 werkerverhältnisse beschränkten Anschauungsweise war, ist ganz
natürlich.
Die Tyrannei, die innerhalb des Kommunismus fortbesteht,
zeigt „der Wahnsinn Cabets, welcher verlangt, daß alle Welt
auf seinen Populaire abonnieren soll.“ p. 168. Wenn unser
зо Freund Forderungen, die ein Parteichef durch bestimmte Um¬
stände und die Gefahr der Zersplitterung beschränkter Geldmit¬
tel gezwungen an seine Partei stellt, zuerst verdreht und dann an
dem „Wesen des Menschen“ mißt, so muß er allerdings zu dem
Resultate kommen, daß dieser Parteichef und alle andern Partei-
35 leute „wahnsinnig“, dagegen bloß unparteiische Gestalten, wie er
und das „Wesen des Menschen“, gesunden Verstandes seien. Er
möge übrigens aus Cabets: ma ligne droite das wahre Sachverhält¬
nis kennen lernen.
Schließlich faßt sich der ganze Gegensatz unsres Verfassers
4o und überhaupt der deutschen wahren Sozialisten und Ideologen
gegen die wirklichen Bewegungen andrer Nationen in einem klas¬
sischen Satze zusammen. Die Deutschen beurteilen Alles sub spe-
cie aetemi (nach dem Wesen des Menschen), die Ausländer sehen
alles praktisch, nach den wirklich vorliegenden Menschen und
45 Verhältnissen. Die Ausländer denken und handeln für die Zeit,
446
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
die Deutschen für die Ewigkeit. Dies gesteht unser wahrer
Sozialist folgendermaßen ein: „Schon durch seinen Namen, den
Gegensatz gegen die Konkurrenz, zeigt der Kommunismus seine
Einseitigkeit; soll denn aber diese Befangenheit, die wohl jetzt als
Parteiname ihre Geltung haben kann, ewig währen?“ 5
Nach dieser gründlichen Vernichtung des Kommunismus geht
unser Verfasser auf seinen Gegensatz, den Sozialismus über.
„Der Sozialismus gibt die anarchische Ordnung, die der
menschlichen Gattung, wie dem Universum, wesentlich
eigentümlich ist“ — (p. 170) und ebendeshalb für „die w
menschliche Gattung“ bisher nicht existiert hat. Die freie Konkur¬
renz ist zu „roh“, um unsrem wahren Sozialisten als „anarchische
Ordnung“ zu erscheinen.
„Voll Vertrauen auf den sittlichen Kem der Mensch¬
heit46 dekretiert „der Sozialismus66, daß „die Vereinigung der n
Geschlechter nur die höchste Steigerung der Liebe ist und sein
sollte, denn nur das Natürliche ist wahr und das Wahre ist
sittlich.“ p. 171.
Der Grund, weshalb „die Vereinigung etc. etc. ist und sein
sollte“, paßt auf Alles. Z. B. „Voll Vertrauen auf den sittlichen 20
Kem“ des Affengeschlechts kann „der Sozialismus“ ebenfalls de¬
kretieren, daß die bei den Affen sich natürlich / [12]/ vorfindende
Onanie „nur die höchste Steigerung der“ Selbst-„Liebe ist und
sein sollte; denn nur das Natürliche ist wahr und das Wahre ist
sittlich“. 25
Woher der Sozialismus den Maßstab dessen nimmt, was
„natürlich“ ist, läßt sich schwer sagen.
„Tätigkeit und Genuß fallen in des Menschen Eigentüm¬
lichkeit zusammen. Durch diese werden jene beiden bestimmt,
nicht durch die außer uns stehenden Produkte.“ зо
„Da nun aber diese Produkte zur Tätigkeit, das ist zum wah¬
ren Leben unumgänglich sind, dieselben aber durch die gemein¬
same Tätigkeit der gesamten Menschheit sich von Letzterer gleich¬
sam abgelöst haben, so sind oder sollen sie auch für Alle
das gemeinsame Substrat weiterer Entwicklung sein (Güter- 35
gemeinschaf t).“
„Unsre heutige Gesellschaft ist freilich so verwildert, daß En-
zelne in tierischem Heißhunger über die Produkte fremder Arbeit
herfallen und dabei untätig ihr eignes Wesen verfaulen lassen
(Rentiers); wovon wieder die notwendige Konst-eo
quenz ist, daß Andere, deren Eigentum (ihr eignes mensci-
liches Wesen) nicht durch Untätigkeit, sondern durch aufreibeme
Anspannung verkümmert, zu maschinenmäßigem Prodi-
zieren getrieben werden (Proletarier) . . . Beide Extrene
unsrer Gesellschaft aber, Rentiers und Proletarier, stehen aif 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
447
Einer Stufe der Bildung, Beide sind abhängig von den
Dingen außer ihnen“ oder „Neger“, wie Sankt Max sagen
würde. P. 169, 170.
Diese obigen „Resultate“ unsres „Mongolen“ über „Unser
5 Negertum“ sind das Vollendetste, was der wahre Sozialismus bis
jetzt „als zum wahren Leben unumgängliches Produkt gleichsam
von sich abgelöst hat“ und wovon er nach „des Menschen Eigen¬
tümlichkeit“ glaubt, daß „die gesamte Menschheit“ darüber „in
tierischem Heißhunger herfallen“ müsse.
10 „Rentiers“, „Proletarier44, „maschinen-/{ 13)/mäßig“, „Güter¬
gemeinschaft44 — diese vier Vorstellungen sind jedenfalls für
unsren Mongolen „außer ihm stehende Produkte44, in Beziehung
auf welche seine „Tätigkeit44 und sein „Genuß44 darin besteht, sie
als die bloß antizipierten Namen für die Resultate seines eignen
15 „maschinenmäßigen Produzierens“ darzustellen.
Wir erfahren, daß die Gesellschaft verwildert ist und daß des¬
halb die Individuen, die eben diese Gesellschaft bilden, an aller¬
hand Gebrechen leiden. Die Gesellschaft wird getrennt von die¬
sen Individuen, verselbstständigt, sie verwildert auf eigne Faust
2o und erst in Folge dieser Verwilderung leiden die Individuen.
Die erste Folge dieser Verwilderung sind die Bestimmungen Raub¬
tier, untätig, und Inhaber eines „verfaulenden eignen Wesens44,
worauf wir zu unsrem Schrecken erfahren, daß diese Bestimmun¬
gen „der Rentier44 sind. Dabei ist nur zu bemerken, daß dies „ver-
23 faulen lassen des eignen Wesens“ weiter nichts ist als eine philo-
sophisch-mystifizierte Manier sich über die „Untätigkeit44 klar zu
werden, von deren praktischer Beschaffenheit man wenig zu wis¬
sen scheint.
Die zweite „notwendige Konsequenz46 dieser ersten Folge der
зо Verwilderung sind die beiden Bestimmungen „Verkümmern des
eignen menschlichen Wesens durch aufreibende Anspannung“
und „Getrieben werden zu maschinenmäßigem Produzieren44.
Diese beiden Bestimmungen sind die „notwendige Konsequenz
davon, daß die Rentiers ihr eignes Wesen verfaulen lassen44 und
35 heißen in der profanen Sprache, wie wir wiederum mit Schrecken
erfahren, „der Proletarier44.
Der Kausalnexus des Satzes ist also folgender: Daß Proleta¬
rier existieren und maschinenmäßig arbeiten, findet sich als Tat¬
sache vor. Warum müssen die Proletarier „maschinenmäßig pro-
40 duzieren“? Weil die Rentiers „ihr eignes Wesen verfaulen las¬
sen44. Warum lassen die Rentiers ihr eignes Wesen verfaulen?
Weil „unsre heutige Gesellschaft so verwildert ist44. Warum ist sie
so verwildert? Das frage Deinen Schöpfer.
/[14]/ Charakteristisch ist für unsren wahren Sozialisten, daß
45 er in dem Gegensatz von Rentiers und Proletariern „die Extreme
448
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
unsrer Gesellschaft“ sieht. Dieser Gegensatz, der so ziemlich
auf allen einigermaßen entwickelten Gesellschaftsstufen existiert
hat und seit undenklicher Zeit von allen Moralisten breitgeschla¬
gen ist, wurde namentlich ganz im Anfänge der proletarischen Be¬
wegung wieder hervorgesucht, zu einer Zeit, wo das Proletariat 5
mit der industriellen und kleinen Bourgeoisie noch gemeinsame
Interessen hatte. Vergleiche z. B. Cobbetts und P. L. Courriers
Schriften oder Saint-Simon, der im Anfänge die industriellen Ka¬
pitalisten noch zu den travailleurs rechnete, im Gegensatz zu den
oisifs, den Rentiers. Diesen trivialen Gegensatz auszusprechen, 10
und zwar nicht in der gewöhnlichen, sondern in der heiligen
philosophischen Sprache, für diese kindliche Einsicht nicht den
passenden, sondern einen verhimmelten, abstrakten Ausdruck zu
geben, darauf reduziert sich die Gründlichkeit der im wahren So¬
zialismus vollendeten deutschen Wissenschaft hier wie in allen 15
andern Fällen. Dieser Gründlichkeit setzt dann auch der Schluß
die Krone auf. Hier verwandelt unser wahrer Sozialist die ganz
verschiedenen Bildungsstufen der Proletarier und Rentiers in
„Eine Stufe der Bildung“, weil er von ihren wirklichen Bildungs¬
stufen Umgang nehmen und sie unter die philosophische Phrase: 20
„Abhängigkeit von den Dingen außer ihnen“ subsumieren kann.
Hier hat der wahre Sozialismus die Bildungsstufe gefunden, auf
der die Verschiedenheit aller Bildungsstufen in den drei Natur¬
reichen, der Geologie und Geschichte sich vollständig in Nichts
auflöst. 25
/[15]/ Trotz seines Hasses gegen die „Abhängigkeit von Dingen
außer ihm“ gesteht der wahre Sozialist doch ein, daß er von ihnen
abhängig ist, „da die Produkte“, d. h. eben diese Dinge „zur Tä¬
tigkeit“ und „zum wahren Leben unumgänglich sind66. Dies ver¬
schämte Geständnis wird gemacht, um einer philosophischen Kon- зо
struktion der Gütergemeinschaft Bahn zu brechen, einer Kon¬
struktion, die in so baren Unsinn verläuft, daß sie bloß der Auf¬
merksamkeit des Leser zu empfehlen ist.
Wir kommen jetzt zu dem ersten der oben zitierten Sätze. Hier
wird wieder die „Unabhängigkeit von den Dingen66 für die Tätig- 35
keit und den Genuß in Anspruch genommen. Tätigkeit und Genuß
„werden bestimmt66 durch „die Eigentümlichkeit des Menschen66.
Statt diese Eigentümlichkeit in der Tätigkeit und dem Genuß der
ihn umgebenden Menschen nachzuweisen, wo er sehr bald gefun¬
den haben würde, inwiefern hier die außer uns stehenden Pro- 40
dukte ebenfalls mitsprechen, läßt er Beide in „der Eigentümlich¬
keit des Menschen zusammenfallen66. Statt die Eigentümlichkeit
der Menschen in ihrer Tätigkeit und der dadurch bedingten Wese
des Genusses sich zur Anschauung zu bringen, erklärt er Bede
aus der „Eigentümlichkeit des Menschen“, wo dann alle Diskis- 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
449
sion abgeschnitten ist. Von der wirklichen Handlung des Indivi¬
duums flüchtet er sich wieder in seine unbeschreibliche, unnah¬
bare Eigentümlichkeit. Wir sehen hier übrigens, was die wah¬
ren Sozialisten unter der „freien Tätigkeit“ verstehen. Un-
5 ser Verfasser verrät uns unvorsichtiger Weise, daß sie die Tätig¬
keit ist, die „nicht durch die Dinge außer uns bestimmt wird“,
d. h. der actus purus, die reine, absolute Tätigkeit, die nichts als
Tätigkeit ist und in letzter Instanz wieder auf die Illusion vom
„reinen Denken“ hinaus läuft. Diese reine Tätigkeit wird natür-
10 lieh sehr verunreinigt, wenn sie ein materielles Substrat und ein
materielles Resultat hat; der wahre Sozialist befaßt sich nur
widerstrebend mit solcher unreinen Tätigkeit, und verachtet ihr
Produkt, das nicht /[16]/ mehr „Resultat“, sondern „nur ein Ab¬
fi all vom Menschen“ genannt wird (p. 169). Das Subjekt, das
15 dieser reinen Tätigkeit zu Grunde liegt, kann daher auch kein
wirklicher sinnlicher Mensch, sondern nur der denkende Geist
sein. Die so verdeutschte „freie Tätigkeit“ ist nur eine andere
Formel für die obige „unbedingte, voraussetzungslose Freiheit44.
Wie sehr übrigens dies Gerede von der „freien Tätigkeit44, das bei
2o den wahren Sozialisten nur dazu dient, ihre Unkenntnis der wirk¬
lichen Produktion zu verhüllen, in letzter Instanz auf das „reine
Denken44 hinausläuft, beweist unser Verfasser schon dadurch, daß
das Postulat der wahrhaften Erkenntnis sein letztes Wort ist.
„Diese Sonderung der beiden Hauptparteien der
25 Z e i t“ (nämlich des französischen rohen Kommunismus und
des deutschen Sozialismus) „hat sich durch die Entwick¬
lung der letzten zwei Jahre ergeben, wie sie namentlich
in Heß’ Philosophie der Tat — Herweghs Einundzwanzig Bogen
— begann. Es war somit an der Zeit, auch einmal die Schi-
зо boleths der gesellschaftlichen Parteien näher zu be¬
leuchten.44 p. 173.
Wir haben hier also auf der einen Seite die wirklich existie¬
rende kommunistische Partei in Frankreich mit ihrer Literatur,
und auf der andern einige deutsche Halbgelehrte, die sich die
35 Ideen dieser Literatur philosophisch zu verdeutlichen streben.
Diese letzteren gelten eben so gut wie die ersteren für eine
„H auptpartei der Z e i t“, also für eine Partei, die nicht nur
für ihren nächsten Gegensatz, die französischen Kommunisten,
sondern auch für die englischen Chartisten und Kommunisten,
40 die amerikanischen Nationalreformer und überhaupt alle andern
Parteien „der Zeit44 von unendlicher Wichtigkeit ist. Leider wis¬
sen alle diese Parteien nichts von der Existenz dieser „Haupt¬
partei44. Es ist aber seit geraumer Zeit die Manier der deutschen
Ideologen, daß jede ihrer literarischen Fraktionen, besonders die,
45 die „am weitesten zu gehen44 wähnt, sich nicht nur für „eine
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 29
450
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Hauptpartei“, sondern geradezu für „d i e Hauptpartei der Zeit“
erklärt. Wir haben so unter andern „die Hauptpartei“ der kri-
/{17} /tischen Kritik, „die Hauptpartei“ des mit sich einigen Egois¬
mus, und jetzt „die Hauptpartei“ der wahren Sozialisten. Deutsch¬
land kann es auf diese Weise noch zu einem ganzen Schock von 5
„Hauptparteien“ bringen, deren Existenz bloß in Deutschland,
und auch hier nur unter dem kleinen Stande der Gelehrten, Halb¬
gelehrten und Literaten bekannt ist, während sie alle wähnen, die
Kurbel der Weltgeschichte zu drehen, wenn sie das lange Garn
ihrer eignen Phantasien spinnen. 10
Diese „Hauptpartei“ der wahren Sozialisten hat sich „durch
die Entwicklung der letzten zwei Jahre ergeben, wie sie namentlich
in Heß’ Philosophie begann“. D.h. sie hat „sich ergeben“, als
die Verwicklung unsres Verfassers in den Sozialismus „be¬
gann“, nämlich in den „zwei letzten Jahren“, womit es für ihn 15
„an der Zeit war“, sich vermittelst einiger „Schiboleths“ über
das, was er für „gesellschaftliche Parteien“ hält, „auch einmal
näher“ zu e r leuchten.
Nachdem wir so mit dem Kommunismus und Sozialismus fer¬
tig geworden sind, führt uns unser Verfasser die höhere Einheit 20
Beider, den Humanismus vor. Von diesem Augenblicke an
betreten wir das Land „d e s Menschen“ und von nun an trägt sich
die ganze wahre Geschichte unsres wahren Sozialisten nur in
Deutschland zu.
„In dem Humanismus nun lösen sich alle Namenstreitig- 25
keiten auf; zu was Kommunisten, zu was Sozialisten? Wir sind
Menschen“ (p. 172) —tous freres, tous amis,
Laßt uns nicht schwimmen gegen
den Strom,
Ihr Brüder, es hilft uns wenig! зо
Laßt uns besteigen den Templower
Berg,
Und rufen: Es lebe der König!
Zu was Menschen, zu was Bestien, zu was Pflanzen, zu wis
Steine? Wir sind Körper! 35
Folgt eine historische Auseinandersetzung, die auf der deit-
schen Wissenschaft basiert und die denFranzosen ihr „gesellscha t-
licher Instinkt einst ersetzen helfen wird“. Antike Zeit — Naive¬
tät, Mittelalter — Romantik, /[18]/ neue Zeit — Humanismus.
Durch diese drei Trivialitäten ist natürlich der Humanismus uis- 40
res Verfassers historisch konstruiert und als die Wahrheit du*
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
451
Humaniora von ehedem erwiesen. Über dergleichen Konstruktio¬
nen vergleiche man „Sankt Max“ im ersten Bande, der diesen Ar¬
tikel viel kunstgerechter und weniger dilletantisch fabriziert.
P. 172 wird uns berichtet, daß „die letzte Folge des Schola-
5 stizismus die Spaltung des Lebens ist, die Heß vernichtete“. Die
Theorie wird hier also als die Ursache der „Spaltung des Lebens“
dargestellt. Man sieht nicht ein, weshalb diese wahren Sozialisten
überhaupt von der Gesellschaft sprechen, wenn sie mit den Phi¬
losophen glauben, daß alle wirklichen Spaltungen durch
io Begriffsspaltungen hervorgerufen wurden. Sie können
sich in diesem philosophischen Glauben an die weltschöpferische
und weltzerstörende Macht der Begriffe dann auch einbilden, ein
beliebiges Individuum habe durch irgend welche „Vernichtung“
von Begriffen „die Spaltung des Lebens vernichtet“. Bei diesen
15 wahren Sozialisten wird, wie bei allen deutschen Ideologen, die
literarische Geschichte fortwährend mit der wirklichen Geschichte
als gleich wirkend durcheinander geworfen. Diese Manier ist
allerdings sehr begreiflich bei den Deutschen, die die miserable
Rolle, die sie in der wirklichen Geschichte gespielt haben und
го fortwährend spielen, dadurch verdecken, daß sie die Illusionen,
an denen sie so besonders reich waren, auf gleiche Stufe mit der
Wirklichkeit stellen.
/[19]/ Nun zu den „letzten zwei Jahren“, in denen die deutsche
Wissenschaft sämtliche Fragen gründlichst erledigt und den an-
25 dem Nationen nichts mehr übrig läßt, als die Ausführung ihrer
Dekrete.
„Das Werk der Anthropologie, die Wiedergewinnung seines“
(Feuerbachs oder des Menschen?) „ihm entfremdeten Wesens
durch den Menschen ward durch Feuerbach nur einseitig voll-
ao zogen, d. h. begonnen; er vernichtete die religiöse Illusion,
die theoretische Abstraktion, den Gott-Menschen, während Heß
die politische Illusion, die Abstraktion seines“ (Hessens oder
des Menschen?) „Vermögens, seiner Tätigkeit, d. i. das Ver¬
mögen zerstört. Nur durch die Arbeit des letzteren ward
3s der Mensch von den letzten Mächten außer ihm befreit, zu
sittlicher Tätigkeit befähigt — alle Uneigennützigkeit der frühe¬
ren“ (vorhessischen) „Zeit war nur eine scheinbare — und in
seine Würde wieder eingesetzt: oder wo galt der Mensch früher“
(vor Heß) „das, was er war? Wurde er nicht nach seinen Schätzen
4o geschätzt? Sein Geld schaffte ihm seine Geltung.“ p. 171.
Charakteristisch ist für alle diese hohen Worte von Befreiung
usw., daß immer nur „d e г Mensch“ der Befreite etc. ist. Ob¬
gleich es nach den obigen Aussprüchen scheint, als habe nun das
„Vermögen“, „Geld“ usw. aufgehört, so erfahren wir doch im
45 folgenden Satz: „Nun erst, nach Zerstörung dieser Illusionen“ (das
29*
452
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Geld ist sub specie aetemi betrachtet, allerdings eine Illusion, Гог
n’est qu’une chimere) „kann an eine neue, menschliche Ord¬
nung der Gesellschaft gedacht werden“, (ibid.) Dies ist aber
ganz überflüssig, denn „die Erkenntnis des Wesens des Men¬
schen hat ein wahrhaft menschliches Leben zur natürlichen, not- 5
wendigen Folge.“ (p. 172).
Durch die Metaphysik, durch die Politik pp, zum Kommunis¬
mus oder Sozialismus kommen — diese bei den wahren Sozialisten
sehr beliebten Phrasen besagen weiter nichts, als daß dieser oder
jener Schriftsteller die ihm von Außen zugekommenen, und aus 10
ganz andern Verhältnissen entsprungenen, kommunistischen Ideen
sich in der Redeweise seines bisherigen Standpunkts angeeignet
und ihnen den /[20]/ diesem Standpunkte entsprechenden Aus¬
druck gegeben hat. Ob einer oder der andre dieser Standpunkte
bei einer ganzen Nation vorwiegt, ob ihre kommunistische An- 15
schauungsweise politisch, metaphysisch oder sonst tingiert ist,
hängt natürlich von der ganzen Entwicklung des Volkes ab. Unser
Verfasser zieht aus der Tatsache, daß die Anschauungsweise der
meisten französischen Kommunisten eine politische Färbung hat
— einer Tatsache, der die andre gegenübersteht, daß sehr viele 20
französische Sozialisten von der Politik gänzlich abstrahiert haben
— den Schluß, daß die Franzosen „durch die Politik“, durch ihre
politische Entwicklung „zum Kommunismus gekommen seien“.
Dieser überhaupt in Deutschland sehr stark zirkulierende Satz be¬
weist nicht, daß unser Verfasser von der Politik, namentlich der 25
französischen politischen Entwicklung oder vom Kommunismus
irgend etwas weiß, sondern nur, daß er die Politik für eine selbst¬
ständige Sphäre hält, die ihre eigne, selbstständige Entwicklung
hat. ein Glaube, den er mit allen Ideologen teilt.
Ein anderes Stichwort der wahren Sozialisten ist das „wahre 30
Eigentum“, das „wahre, persönliche Eigentum“, „wirkliche“,
„gesellschaftliche“, „lebendige“, „natürliche“ ppp Eigentum, wo¬
gegen sie höchst charakteristisch das Privateigentum als „soge¬
nanntes Eigentum“ bezeichnen. Wir haben schon im ersten
Bande darauf hingewiesen, daß dieser Sprachgebrauch ursprüng- 35
lieh von den Saint-Simonisten herrührt, bei denen er indes nie
diese deutsche metaphysisch-mysteriöse Form erreichte und bei
denen er im Anfänge der sozialistischen Bewegung gegenüber dem
bornierten Geschrei der Bourgeoisie einigermaßen berechtigt wir.
Das Ende, das die meisten Saintsimonisten genommen haben, be- 40
weist übrigens, wie leicht dies „wahre Eigentum“ sich in „gewöhn¬
liches Privateigentum“ wieder auflöst.
/(21) / Wenn man sich den Gegensatz des Kommunismus zur
Welt des Privateigentums in der rohsten Form vorstellt, d. h. in
der abstrakten Form, in der man alle wirklichen Bedingungen die- 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
453
ses Gegensatzes entfernt, so hat man den Gegensatz von Eigentum
und Eigentumslosigkeit. Man kann dann die Aufhebung dieses
Gegensatzes als Aufhebung der einen oder der andern Seite fas¬
sen, als Aufhebung des Eigentums, wobei die allgemeine Eigen-
5 tumslosigkeit oder Lumperei herauskommt oder als Aufhebung
der Eigentumslosigkeit, die in der Herstellung des wahren Eigen¬
tums besteht. In der Wirklichkeit stehen auf der einen Seite die
wirklichen Privateigentümer, auf der andern die eigentumslosen
kommunistischen Proletarier. Dieser Gegensatz wird täglich schär-
10 fer und drängt auf eine Krise hin. Wenn also die theoretischen
Vertreter der Proletarier irgend etwas durch ihre literarische Tä¬
tigkeit ausrichten wollen, so müssen sie vor Allem darauf drin¬
gen, daß alle Phrasen entfernt werden, die das Bewußtsein der
Schärfe dieses Gegensatzes schwächen, alle Phrasen, die diesen
15 Gegensatz vertuschen und wohl gar den Bourgeois Gelegenheit bie¬
ten, sich kraft ihrer philanthropischen Schwärmereien der Sicher¬
heit halber den Kommunisten zu nähern. Alle diese schlechten
Eigenschaften finden wir aber in den Stichwörtern der wahren
Sozialisten, namentlich in dem „wahren Eigentum“. Wir wissen
го sehr gut, daß die kommunistische Bewegung nicht durch ein paar
deutsche Phrasenmacher verdorben werden kann. Aber es ist
dennoch nötig, in einem Lande wie Deutschland, wo die philoso¬
phischen Phrasen seit Jahrhunderten eine gewisse Macht hatten,
und wo die Abwesenheit der scharfen Klassengegensätze andrer
25 Nationen ohnehin dem kommunistischen Bewußtsein weniger
Schärfe und Entschiedenheit gibt, allen Phrasen entgegenzutreten,
die das Bewußtsein über den totalen Gegensatz des Kommunismus
gegen die bestehende Weltordnung /[22]/ noch mehr abschwächen
und verwässern könnten.
зо Diese Theorie vom wahren Eigentum faßt das bisherige wirk¬
liche Privateigentum nur als Schein, dagegen die aus diesem
wirklichen Eigentum abstrahierte Vorstellung als Wahrheit
und Wirklichkeit dieses Scheins, ist also durch und durch
ideologisch. Sie spricht nur klarer und bestimmter die Vorstellun-
35 gen der Kleinbürger aus, deren wohltätige Bestrebungen und
fromme Wünsche ebenfalls auf die Aufhebung der Eigentums¬
losigkeit hinauslaufen.
Wir haben in diesem Auf satze wieder gesehen, welche borniert¬
nationale Anschauungsweise dem vorgeblichen Universalismus
4o und Kosmopolitismus der Deutschen zu Grunde liegt.
Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Britten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.
454
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Hier üben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich
Auf platter Erde entwickelt.
Dieses Luftreich des Traums, das Reich des „Wesens des Men- 5
sehen“ halten die Deutschen den andern Völkern mit gewaltigem
Selbstgefühl als die Vollendung und den Zweck der ganzen Welt¬
geschichte entgegen; auf jedem Felde betrachten sie ihre Träume¬
reien als schließliches Endurteil über die Taten der andern Na¬
tionen, und weil sie überall nur das Zusehen und Nachsehen haben, 10
glauben sie berufen zu sein, über alle Welt zu Gericht zu sitzen
und die ganze Geschichte in Deutschland ihr letztes Absehen er¬
reichen zu lassen. Daß dieser aufgeblasene und überschwengliche
Nationalhochmut einer ganz kleinlichen, krämerhaften und hand¬
werkermäßigen Praxis entspricht, haben wir bereits mehrere Male 15
gesehen. Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist,
so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit
der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Inter¬
essen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegen gehal¬
ten wird, /[23]/ die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen 20
auf wirklichen Interessen offen eingestehen. Übrigens findet sich
unter allen Völkern das Beharren auf der Nationalität nur noch
bei den Bourgeois und ihren Schriftstellern. —
B. „Sozialistische Bausteine“
Rhein. Jahrbb. p. 155seqq.
In diesem Aufsatze wird der Leser zunächst durch einen belle¬
tristisch-poetischen Prolog auf die schweren Wahrheiten des wah¬
ren Sozialismus vorbereitet. Der Prolog beginnt damit, als „End¬
zweck alles Strebens, aller Bewegungen, der schweren und un¬
ermüdeten Anstrengungen vergangner Jahrtausende“ ... „das зо
Glück“ zu konstatieren. Wir erhalten in einigen kurzen Zügen so
zu sagen eine Geschichte des Strebens nach Glück: „Als das Ge¬
bäude der alten Welt in Trümmer zerfiel, flüchtete sich das mensch¬
liche Herz mit seinen Wünschen hinüber in das Jenseits; dorthin
übertrug es sein Glück.“ p. 156. Daher alles Pech der irdischen 35
Welt. In der neuesten Zeit hat der Mensch dem Jenseits den Ab¬
schied gegeben, und unser wahrer Sozialist fragt nun: „Vermag
er die Erde wiederum als das Land seines Glücks zu begrüßen?
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
455
Hat er in ihr wieder seine ursprüngliche Heimat erkannt?
Warum trennt er dann noch länger Leben und Glück, warum hebt
er die letzte Scheidewand nicht auf, welche das irdische Leben
selbst noch immer in zwei feindliche Hälften spaltet?“ (ibidem)
5 „Land meiner seligsten Gefühle!“ etc.
Er erläßt mm eine Einladung zu einem Spaziergange an „d e n
Menschen“, eine Einladung, die „der Mensch“ mit Vergnügen ak¬
zeptiert. „Der Mensch“ tritt in die „freie Natur“ und entwickelt
unter Anderm folgende Herzensergießungen eines wahren Sozia¬
le listen:
„ . ! . bunte Blumen ... hohe und stolze Eichen ... ihr Wachsen
und Blühen, /[24]/ ihr Leben ist ihre Befriedigung, ihr Glück...
eine unermeßliche Schar von kleinen Tieren auf den Wiesen...
Waldvögel... mutige Schar junger Rosse... ich sehe“ (spricht
15 „der Mensch“), „daß diese Tiere kein anderes Glück kennen noch
begehren, als dasjenige, welches für sie in der Äußerung und im
Genüsse ihres Lebens liegt. Wenn die Nacht herabsinkt, begegnet
dem Blick meines Auges eine unzählbare Schar von Welten, welche
nach ewigen Gesetzen im unendlichen Raum kreisend sich um-
20 schwingen. In diesen Schwingungen sehe ich eine Einheit von Le¬
ben, Bewegung und Glück.“ p. 157.
„Der Mensch“ konnte noch eine Masse andrer Dinge in der
Natur sehen, z. B. die größte Konkurrenz unter Pflanzen und Tie¬
ren, wie z. B. im Pflanzenreich, in seinem „Walde von hohen und
25 stolzen Eichen“ diese hohen und stolzen Kapitalisten dem kleinen
Gebüsch die Lebensmittel verkümmern und dies ebenfalls aus¬
rufen könnte: terra, aqua, aere et igni interdicti sumus, er konnte
die Schmarotzerpflanzen, die Ideologen der Vegation sehen, fer¬
ner einen offenen Krieg zwischen den „Waldvögeln“ und der „un-
зо ermeßlichen Schar kleiner Tiere“, zwischen dem Grase seiner
„Wiesen“ und der „mutigen Schar junger Rosse“. Er konnte in
der „unzählbaren Schar von Welten“ eine ganze himmlische Feu¬
dalmonarchie mit Hintersassen und Inliegem sehen, von welchen
letzteren Einige, z. B. der Mond, eine sehr kümmerliche Existenz
35 fristen, aere et aqua interdicti; ein Lehnswesen, in dem sogar die
heimatlosen Vagabunden, die Kometen, eine ständische Gliede¬
rung erhalten haben, und in dem z. B. die zerschlagenen Asteroi¬
den von zeitweiligen unangenehmen Auftritten zeugen, während
die Meteorsteine, diese gefallnen Engel, sich verschämt durch „den
4o unendlichen Raum“ schleichen, bis sie irgendwo ein bescheidnes
Unterkommen finden. Weiter hinaus würde /{25}/ er dann auf
die reaktionären Fixsterne kommen.
„Alle diese Wesen finden in der Übung und Äußerung aller
ihrer Lebensfähigkeiten, mit denen sie von der Natur begabt sind,
45 zugleich ihr Glück, die Befriedigung und den Genuß ihres Lebens.“
456
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
D. h. in der gegenseitigen Einwirkung der Naturkörper auf
einander, in der Äußerung ihrer Kräfte findet „der Mensch“, daß
diese Naturkörper darin ihr Glück usw. finden.
„Der Mensch“ erhält nunmehr von unsrem wahren Sozialisten
einen Verweis wegen seiner Zwietracht: &
„Ist der Mensch nicht gleichfalls hervorgegangen aus der Ur¬
welt, ein Geschöpf der Natur wie alle andern? Ist er nicht aus
denselben Stoffen gebildet, mit denselben allgemeinen
Kräften und Eigenschaften begabt, welche alle Dinge be¬
leben? Warum sucht er sein Glück auf der Erde noch immer in 10
einem irdischen Jenseits?“ p. 158.
„Dieselben allgemeinen Kräfte und Eigenschaften“, die der
Mensch mit „allen Dingen“ gemein hat, sind Kohäsion, Undurch¬
dringlichkeit, Volumen, Schwere usw., die man auf der ersten
Seite jedes Lehrbuchs der Physik ausführlich verzeichnet findet. 15
Wie hieraus ein Grund gezogen werden kann, warum der Mensch
nicht „sein Glück in einem irdischen Jenseits suchen“ sollte, ist
schlechterdings nicht abzusehen. Aber, ermahnt er den Menschen:
„Sehet die Lilien auf dem Felde“. Ja sehet die Lilien auf dem
Felde, wie sie von den Ziegen verspeist, von „dem Menschen“ 20
ins Knopfloch verpflanzt werden, wie sie unter den unkeuschen
Liebkosungen der Viehmagd und des Eseltreibers zusammenknik-
ken! „Sehet die Lilien auf dem Felde, sie arbeiten nicht, sie
spinnen nicht, und euer himmlischer Vater ernähret sie doch.“
Gehet hin und tut desgleichen! 25
Nachdem wir so die Einheit „des Menschen“ mit „allen Din¬
gen“ erfahren haben, erfahren wir mm seinen /[26]/ Unter¬
schied von „allen Dingen“.
„Aber der Mensch erkennt sich, besitzt das Bewußt¬
sein seiner selbst. Während in den andern Wesen die so
Triebe und Kräfte der Natur einzeln und unbewußt zur Er¬
scheinung kommen, vereinigen sie sich im Menschen und gelan¬
gen in ihm zum Bewußtsein . . . seine Natur ist der Spiegel der
ganzen Natur, welche sich in ihm erkennt. Wohlan! Er¬
kennt sich die Natur in mir, so erkenne ich in der Natur mich <35
selbst, in ihrem Leben mein eignes Leben [...] So leben auch wir
aus, was die Natur in uns hineingelegt hat.“ p. 158.
Dieser ganze Prolog ist ein Muster naiver philosophischer
Mystifikation. Der wahre Sozialist geht von dem Gedanken aus,
daß der Zwiespalt von Leben und Glück aufhören müsse. Um für 40
diesen Satz einen Beweis zu finden, nimmt er die Natur zu Hülfe
und unterstellt, daß in ihr dieser Zwiespalt nicht existiere, und
hieraus schließt er, daß, da der Mensch ebenfalls ein Naturkör¬
per sei und die allgemeinen Eigenschaften des Körpers besitze,
für ihn dieser Zwiespalt ebenfalls nicht existieren dürfe. Mit viel 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
457
größerem Rechte konnte Hobbes sein bellum omnium contra
omnes aus der Natur beweisen, und Hegel, auf dessen Konstruk¬
tion unser wahrer Sozialist fußt, in der Natur den Zwiespalt, die
liederliche Periode der absoluten Idee erblicken, und das Tier so-
5 gar die konkrete Angst Gottes nennen. Nachdem unser wahrer
Sozialist die Natur so mystifiziert hat, mystifiziert er das mensch¬
liche Bewußtsein, indem er es zum „Spiegel“ der so mystifizierten
Natur macht. Natürlich, sobald die Äußerung des Bewußtseins den
Gedankenausdruck eines frommen Wunsches über menschliche
10 Verhältnisse der Natur untergeschoben, versteht es sich von
selbst, daß das Bewußtsein nur der Spiegel ist, in dem die Natur
sich selbst beschaut. Wie oben aus der Qualität des Menschen als
bloßer Naturkörper, so hier aus seiner Qualität als bloßer passiver
Spiegel, in dem die Natur zum Bewußtsein /[27]/ kommt, wird
15 bewiesen, daß „der Mensch“ den in der Natur als nicht existierend
unterstellten Zwiespalt ebenfalls in seiner Sphäre aufzuheben habe.
Doch sehen wir uns den letzten Satz, in dem sich der ganze Unsinn
zusammenfaßt, näher an.
Der Mensch besitzt Selbstbewußtsein, erstes Faktum, was aus-
2o gesagt wird. Die Triebe und Kräfte der einzelnen Naturwesen
werden verwandelt in die Triebe und Kräfte „der Natur44, die
dann natürlich in diesen einzelnen Wesen vereinzelt „zur
Erscheinung kommen44. Diese Mystifikation war nötig, um nach¬
her die Vereinigung dieser Triebe und Kräfte „d e r Natur“ im
25 menschlichen Selbstbewußtsein hervorzubringen. Hiermit wird
dann auch ganz selbstredend das Selbstbewußtsein des Menschen
verwandelt in das Selbstbewußtsein der Natur in ihm. Diese Mysti¬
fikation wird dadurch scheinbar wieder aufgelöst, daß der Mensch
an der Natur Revanche nimmt und dafür, daß die Natur in ihm
so i h r Selbstbewußtsein findet, er nun in ihr das seinige sucht —
eine Prozedur, wobei er natürlich nichts in ihr findet als was er
durch die oben beschriebne Mystifikation in sie hineingelegt hat.
Er ist jetzt glücklich wieder dabei angekommen, wovon er im
Anfänge ausging, und dies Herumdrehen auf dem Absatz nennt
35 man neuerdings in Deutschland... Entwicklung.
Nach diesem Prologe kommt die eigentliche Entwicklung des
wahren Sozialismus.
Erster Baustein
P. 160. „Saint-Simon sagte auf seinem Totenbett zu seinen
4o Schülern: Mein ganzes Leben faßt sich in Einen Gedanken zu¬
458
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
sammen: allen Menschen die freieste Entwicklung ihrer natür¬
lichen Anlagen zu sichern. Saint-Simon war ein Verkündiger des
Sozialismus.“
Dieser Satz wird nach der oben geschilderten Methode der
wahren Sozialisten in Verbindung mit der Naturmystifikation des 5
Prologs verarbeitet.
/[28]/ „Die Natur als Grundlage alles Lebens ist eine aus sich
selbst hervorgehende und auf sich selbst zurückgehende Einheit,
welche alle die unzähligen Mannigfaltigkeiten ihrer Erscheinun¬
gen umfaßt und außer welcher Nichts ist.“ p. 158. 10
Wir haben gesehen, wie man es anfängt, die verschiedenen
Naturkörper und ihre gegenseitigen Verhältnisse in mannigfaltige
„Erscheinungen“ des geheimen Wesens dieser mysteriösen „Ein¬
heit“ zu verwandeln. Neu ist in diesem Satze nur, daß die Natur
einmal „die Grundlage alles Lebens“ heißt, und gleich darauf 15
gesagt wird, daß „außer ihr Nichts ist“, wonach sie „das Leben“
ebenfalls umschließt und nicht seine bloße Grundlage sein
kann.
Auf diese Donnerworte folgt das Pivot des ganzen Aufsatzes:
„Jede dieser Erscheinungen, jedes Einzelleben besteht 20
und entwickelt sich nur durch seinen Gegensatz, seinen
Kampf mit der Außenwelt, beruht nur auf seiner Wechsel¬
wirkung mit dem Gesamtleben, mit dem es wiederum
durch seine Natur zu einem Ganzen, zur organischen Ein¬
heit des Universums verknüpft ist.“ p. 158, 159. 25
Dieser Pivotalsatz wird folgendermaßen näher erläutert: „Das
Einzelleben findet einerseits seine Grundlage, seine Quelle und
Nahrung in dem Gesamtleben, andererseits sucht das Gesamtleben
das Einzelleben in stetem Kampf zu verzehren und in sich auf¬
zulösen.“ p. 159. зо
Nachdem dieser Satz so von allem Einzelleben ausgesagt ist,
kann er / {29} / „demnach“ auch auf den Menschen angewandt
werden, wie dies auch wirklich geschieht: „Der Mensch kann sich
demnach nur in und durch das Gesamtleben entfalten.“ (No.I)
ibid. 35
Nun wird dem unbewußten Einzelleben das bewußte, dem all¬
gemeinen Naturleben die menschliche Gesellschaft gegenüber¬
gestellt, und dann der letztzitierte Satz unter folgender Form wie¬
derholt: „Ich kann meiner Natur nach nur in und durch die Ge¬
meinschaft mit andern Menschen zur Entwicklung, zum selbst- 40
bewußten Genüsse meines Lebens gelangen, meines Glückes teil¬
haftig werden.“ (N0. II) ibid.
Diese Entwicklung des einzelnen Menschen in der Gesellschaft
wird, wie oben beim „Einzelleben“ überhaupt, weiter ausgeführt:
„Der Gegensatz des einzelnen zum allgemeinen Leben wird 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
459
auch in der Gesellschaft die Bedingung zur bewußten mensch¬
lichen Entwicklung. Ich entwickle mich im steten Kampfe, in ste¬
ter Gegenwirkung gegen die Gesellschaft, die mir als beschrän¬
kende Macht gegenübersteht, zur Selbstbestimmung, zur Freiheit,
5 ohne welche kein Glück ist. Mein Leben ist eine fortwährende
Befreiung, ein fortwährender Streit und Sieg über die bewußte
und unbewußte Außenwelt, um sie mir zu unterwerfen und sie
zum Genüsse meines Lebens zu verbrauchen. Der Trieb der Selbst¬
erhaltung, das Streben nach eignem Glück, Freiheit, Befriedigung
10 sind also natürliche, d. h. vernünftige Lebensäußerungen.“
(ibid.)
Weiter.
„Ich verlange demnach von der Gesellschaft, daß sie mir
die Möglichkeit gewährt, von ihr meine Befriedigung, mein
15 Glück zu erkämpfen, daß sie meiner Kampfeslust ein Schlacht¬
feld eröffne. — Wie die einzelne Pflanze Boden, Wärme, Sonne,
Luft und Regen verlangt um zu wachsen; ihre Blätter, Blüten und
Früchte zu tragen, so will auch der Mensch in der Gesellschaft die
Bedingungen für die allseitige Ausbildung und Befriedigung
so aller seiner Bedürfnisse, Neigungen und Anlagen finden. Sie
soll ihm die Möglichkeit /[30]/ zur Erringung seines Glücks bie¬
ten. Wie er sie benutzen, was er aus sich, aus seinem Leben
machen wird, das hängt von ihm, von seiner Eigenheit ab. Uber
mein Glück kann Niemand als ich selbst bestimmen.“ p. 159, 160.
25 Folgt nun der von uns am Anfänge dieses Bausteins zitierte Satz
Saint-Simons als Schlußresultat der ganzen Auseinandersetzung.
Der französische Einfall ist somit durch die deutsche Wissenschaft
begründet. Worin besteht diese Begründung?
Der Natur waren bereits oben einige Ideen untergeschoben, die
зо der wahre Sozialist in der menschlichen Gesellschaft realisiert zu
sehen wünscht. Wie früher der einzelne Mensch, so ist jetzt die
ganze Gesellschaft der Spiegel der Natur. Von den der Natur
untergeschobenen Vorstellungen kann jetzt ein weiterer Schluß
auf die menschliche Gesellschaft gezogen werden. Da der Verfas-
55 ser sich nicht auf die historische Entwicklung der Gesellschaft ein¬
läßt und sich bei dieser dürren Analogie beruhigt, so ist nicht ab¬
zusehen, weshalb sie nicht zu allen Zeiten ein getreues Abbild der
Natur gewesen. Die Phrasen über die Gesellschaft, die den Ein¬
zelnen als beschränkende Macht gegenübertritt usw., passen
40 daher auch auf alle Gesellschaftsformen. Daß bei dieser Kon¬
struktion der Gesellschaft einige Inkonsequenzen sich einschlei¬
chen, ist natürlich. So muß hier im Gegensatz zur Harmonie des
Prologs, ein Kampf in der Natur anerkannt werden. Die Gesell¬
schaft, das „Gesamtleben66, faßt unser Verfasser nicht als die
45 Wechselwirkung der sie zusammensetzenden „Einzelleben66, son-
460
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
dem als eine besondre Existenz, die mit diesen „Einzelleben“
noch in eine aparte Wechselwirkung tritt. Wenn hier irgend eine
Beziehung auf wirkliche Verhältnisse zu Grunde liegt, so ist es
die Illusion von der Selbstständigkeit des Staates gegenüber dem
Privatleben und der Glaube an diese scheinbare Selbstständigkeit 5
als an etwas Absolutes. Übrigens handelt es sich hier ebensowenig
wie im ganzen Aufsatze von Natur und Gesellschaft, sondern bloß
von den beiden Kategorien Einzelnheit und Allgemeinheit, denen
verschiedene Namen gegeben werden und von welchen gesagt
wird, daß /[31]/ sie einen Gegensatz bilden, dessen Versöhnung 10
höchst wünschenswert sei.
Aus der Berechtigung des „Einzellebens“ gegen das „Gesamt¬
leben“ folgt, daß die Befriedigung der Bedürfnisse, die Entwick¬
lung der Anlagen, die Selbstliebe pp „natürliche, vernünftige
Lebensäußerungen“ sind. Aus der Auffassung der Gesellschaft 15
als Spiegelbild der Natur folgt, daß in allen bisherigen Gesell¬
schaftsformen, die gegenwärtige eingeschlossen, diese Lebens¬
äußerungen zu ihrer vollständigen Entwicklung kamen und in
ihrer Berechtigung anerkannt wurden.
Plötzlich erfahren wir p. 159, daß „in unsrer heutigen Gesell- 20
schäft“ diese vernünftigen, natürlichen Lebensäußerungen den¬
noch „so oft unterdrückt werden“ und „gewöhnlich nur deshalb in
Unnatur, Verbildung, Egoismus, Laster pp ausarten.“
Da also dennoch die Gesellschaft nicht der Natur, ihrem Ur¬
bilde, entspricht, so „verlangt“ der wahre Sozialist von ihr, daß 25
sie sich naturgemäß einrichte, und beweist sein Recht zu diesem
Postulat durch das unglückliche Beispiel von der Pflanze. Erstens
„verlangt“ nicht die Pflanze von der Natur alle die oben aufgezähl¬
ten Existenzbedingungen, sondern sie wird gar nicht Pflanze, sie
bleibt Samenkorn, wenn sie sie nicht findet. Dann hängt die Be- 30
schaffenheit der „Blätter, Blüten und Früchte“ sehr von dem „Bo¬
den“, der „Wärme“ pp, von den klimatischen und geologischen
Verhältnissen ab, unter denen sie wächst. Während also das der
Pflanze untergeschobene „Verlangen“ sich in eine vollständige
Abhängigkeit von den vorliegenden Existenzbedingungen auflöst, 35
soll eben dies Verlangen unsren wahren Sozialisten berechtigen,
eine Einrichtung der Gesellschaft nach seiner individuellen
„Eigenheit“ zu verlangen. Das Postulat der wahren sozialistischen
Gesellschaft begründet sich auf das eingebildete Postulat einer
Kokospalme /[32]/ an „das Gesamtleben“, ihr am Nordpol „Bo- 40
den, Wärme, Sonne, Luft und Regen“ zu verschaffen.
Aus dem angeblichen Verhältnis der metaphysischen Personen
Einzelnheit und Allgemeinheit, nicht aus der wirklichen Entwick¬
lung der Gesellschaft, wird das obige Postulat des Einzelnen an
die Gesellschaft deduziert: Hierzu braucht man nur die einzelnen 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
461
Individuen als Repräsentanten, Verkörperungen der Einzelnheit,
und die Gesellschaft als Verkörperung der Allgemeinheit zu in¬
terpretieren, und das ganze Kunststück ist fertig. Zugleich ist hier¬
durch der Saintsimonistische Satz von der freien Entwicklung der
5 Anlagen auf seinen richtigen Ausdruck und seine wahre Begrün¬
dung zurückgeführt. Dieser richtige Ausdruck besteht in dem Un¬
sinn, daß die Individuen, die die Gesellschaft bilden, ihre „Eigen¬
heit“ bewahren, daß sie bleiben wollen, wie sie sind, während sie
von der Gesellschaft eine Veränderung verlangen, die bloß aus
10 ihrer eignen Veränderung hervorgehen kann.
/{33}/ Zweiter Baustein
„Und wer das Lied nicht weiter kann,
Der fang es wieder von vomen an.“
и „Die unendliche Mannigfaltigkeit aller Einzel-
Wesen als Einheit züsämmengefäßt ist der Weltörgänismüs.“
(p.160)
Also zurück an den Anfang des Aufsatzes sind wir geschleudert,
und erleben die ganze Komödie vom Einzelleben und Gesamtleben
2o zum andern Mal. Wiederum enthüllt sich uns das tiefe Geheimnis
der Wechselwirkung zwischen den beiden Leben, restaure ä neuf
durch den neuen Ausdruck: „polares Verhältnis“ und die
Verwandlung des Einzellebens in ein bloßes Symbol, „Abbild“
des Gesamtlebens. Dieser Aufsatz reflektiert sich kaleidoskopisch
25 in sich selbst, eine Manier der Entwicklung, die allen wahren So¬
zialisten gemeinsam ist. Sie machen es mit ihren Sätzen wie jenes
Kirschenweib, das unter dem Einkaufspreise losschlug nach dem
richtigen ökonomischen Prinzip: die Masse muß es tun. Bei
dem wahren Sozialismus ist dies um so notwendiger als seine Kir-
3o sehen faul waren ehe sie reiften.
Einige Proben dieser Selbstspiegelung:
Baustein NoI. P. 158, 159.
„Jedes Einzelleben
besteht und entwickelt
35 sich nur durch seinen
Gegensatz . . . beruht nur
auf der Wechselwirkung
mit dem Gesamtleben,
Baustein Noll. P. 160, 161.
„Jedes Einzelleben
besteht und entwickelt
sich in und durch das
Gesamtleben, das Gesamt¬
leben nur in und durch das Ein¬
zelleben.“ (Wechselwirkung.)
462
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Mit dem es wieder durch
seine Natur zu einem Ganzen
verknüpft ist.
Organische Einheit des Uni¬
versums.
Das Einzelleben findet einer¬
seits seine Grundlage,
Quelle und Nahrung in dem
Gesamtleben,
Andrerseits sucht das Ge¬
samtleben das Einzelleben in
stetem Kampfe zu verzehren.
Demnach (p. 159):
Was dem unbewußten Ein¬
zelleben das unbewußte, all¬
gemeine Weltleben, das ist
dem bewußten . . . Leben
die menschliche Gesellschaft.
Ich kann nur in und
durchdie Gemeinschaft
mit andern Menschen zur Ent¬
wicklung gelangen ... Der
Gegensatz des einzelnen und
а 11 g e m e i n en L e b e n s wird
auch in der Gesellschaft“ usw.
/[34]/ „Die Natur... ist
eine... Einheit, welche alle
die unzähligen Mannigfal¬
tigkeiten ihrer Erscheinun¬
gen umfaßt.“
„Das Einzelleben entwickelt
sich ... als Teil des allgemei¬
nen Lebens.
Einheit zusammengefaßt ist
der Weltorganismus. 5
Das“ (das Gesamtleben)
„der Boden und Nahrung
seiner“ (des Einzellebens) „Ent¬
faltung wird ... daß sich beide
gegenseitig begründen... ю
Daß sich beide bekämp¬
fen und feindlich gegenüber¬
stehen.
Daraus folgt (p.161):
Daß auch das bewußten
Einzelleben durch das be¬
wußte Gesamtleben und66 . . .
(umgekehrt) ... „bedingt ist.
Der einzelne Mensch 20
entwickelt sich nur in
und durch die Gesell¬
schaft, die Gesellschaft“ vice
versa usw.
/[34]/ „Die Gesellschaft ist
die Einheit, welche die
Mannigfaltigkeit der ein¬
zelnen menschlichen Lebensent- 30
Wicklungen in sich begreift und
zusammenfaßt.“
Mit dieser Kaleidoskopie nicht zufrieden, wiederholt unser
Verfasser seine einfachen Sätze über Einzelnheit und Allgemein¬
heit auch noch auf andre Weise. Zuerst stellt er diese ganz dürren 35
Abstraktionen als absolute Prinzipien auf und schließt daraus,
daß in der Wirklichkeit dasselbe Verhältnis wiederkehren müsse.
Dies gibt schon Gelegenheit, unter dem Schein der Deduktion alles
zweimal zu sagen, in abstrakter und als Schluß darais in schein¬
bar konkreter Form. Dann aber wechselt er mit den konkreten <0
Namen, die er seinen beiden Kategorien gibt. Die Allgemein¬
heit tritt so nach der Reihe als Natur, unbewußtes Gesamtleben,
bewußtes ditto, allgemeines Leben, Weltorganismus, zusammen-
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
463
fassende Einheit, menschliche Gesellschaft, Gemeinschaft, orga¬
nische Einheit des Universums, allgemeines Glück, Gesamtwohl
pp, und die Einzelnheit unter den entsprechenden Namen unbe¬
wußtes und bewußtes Einzelleben, Glück des Einzelnen, eignes
<5 Wohl pp auf. Bei jedem dieser Namen müssen wir dieselben Phra¬
sen wieder anhören, die über Einzelnheit und Allgemeinheit schon
oft genug gesagt sind.
Der zweite Baustein enthält also nichts als was der erste schon
enthielt. Da sich aber bei den französischen Sozialisten die Worte
ю egalite, solidarite, unite des interets vorfinden, so sucht unser Ver¬
fasser sie durch Verdeutschung zu „Bausteinen“ des wahren So¬
zialismus zuzuhauen.
„Als bewußtes Mitglied der Gesellschaft erkenne ich jedes
andre Mitglied als ein von mir verschiedenes, mir gegenüber-
15 stehendes, zugleich aber wieder als ein auf dem gemeinschaft¬
lichen Urgrunde des Seins ruhendes, und von ihm ausgehendes,
mir gleiches Wesen. Ich erkenne jeden Mitmenschen durch seine
besondre Natur als mir entgegengesetzt, und durch seine all¬
gemeine Natur als mir gleich. Die Anerkennung der menschlichen
го Gleichheit, der /{35}/ Berechtigung eines Jeden zum Leben, be¬
ruht demnach auf dem Bewußtsein der gemeinschaftlichen,
allen gemeinsamen menschlichen Natur; Liebe, Freundschaft, Ge>
rechtigkeit und alle gesellschaftlichen Tugenden beruhen gleich¬
falls auf dem Gefühle der natürlichen menschlichen Zusammen-
25 gehörigkeit und Einheit. Hat man sie bisher als Pflichten bezeich¬
net und auferlegt, so werden sie in einer Gesellschaft, welche
nicht auf äußern Zwang, sondern auf das Bewußtsein der
inneren menschlichen Natur, d. h. die Vernunft, gegründet ist, zu
freien, naturgemäßen Äußerungen des Lebens werden. In der
зо natur-, d. h. vernunftgemäßen Gesellschaft müssen daher die
Bedingungen des Lebens für alle Mitglieder gleich, d. h. allge¬
mein sein.“ p. 161, 162.
Der Verfasser besitzt ein großes Talent, zuerst einen Satz asser¬
torisch aufzustellen und ihn dann durch ein Daher, Dennoch
35 pp als Konsequenz aus sich selbst zu legitimieren. Ebenso ver¬
steht er es mitten in diese merkwürdige Art der Deduktion tradi¬
tionell gewordene sozialistische Sätze durch ein „Hat“, „Ist“ —
„so müssen“, „so wird“ usw. erzählend einzuschmuggeln.
In dem ersten Baustein hatten wir auf der einen Seite den Ein-
4o zelnen und auf der andern das Allgemeine, gegenüber den Ein¬
zelnen, als Gesellschaft. Hier kehrt der Gegensatz in der Form
wieder, daß der Einzelne in sich selbst in eine besondre und eine
allgemeine Natur gespalten wird. Aus der allgemeinen
Natur wird dann auf die „menschliche Gleichheit“ und die Ge-
45 meinschaftlichkeit geschlossen. Die den Menschen gemeinschaft-
464
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
liehen Verhältnisse erscheinen hier also als Produkt des „Wesens
des Menschen“, der Natur, während sie ebenso gut wie das
Bewußtsein der Gleichheit historische Produkte sind. Damit noch
nicht zufrieden, begründet der Verfasser die Gleichheit durch ihr
allerseitiges Beruhen „auf dem gemeinschaftlichen Urgrunde des з
Seins“. Im Prolog erfuhren wir p. 158, daß der Mensch „aus den¬
selben Stoffen gebildet, mit denselben allgemeinen Kräften und
Eigenschaften begabt ist, welche alle Dinge beleben.66 Im ersten
Baustein /{36J / erfuhren wir, daß die Natur die „Grundlage alles
Lebens66 ist, also „der gemeinschaftliche Urgrund des Seins“. Der ю
Verfasser ist also weit über die Franzosen hinausgegangen, indem
er „als bewußtes Mitglied der Gesellschaft“ nicht nur die Gleich¬
heit der Menschen unter sich, sondern auch ihre Gleichheit mit
jedem Floh, jedem Strohwisch, jedem Stein bewiesen hat.
Wir wollen gerne glauben, daß „alle gesellschaftlichen Tugen-15
den66 unsres wahren Sozialisten „auf dem Gefühl der natürlichen
menschlichen Zusammengehörigkeit und Einheit“ beruhen, ob¬
wohl auf dieser „natürlichen Zusammengehörigkeit“ auch die Feu¬
dalhörigkeit, die Sklaverei und alle gesellschaftlichen Ungleich¬
heiten aller Epochen beruhen. Nebenbei bemerkt, ist diese „natiir- 20
liehe menschliche Zusammengehörigkeit“ ein täglich von den
Menschen umgestaltetes historisches Produkt, das immer sehr
natürlich war, so immenschlich und widernatürlich es nicht nur
vor dem Richterstuhl „d e s Menschen“, sondern auch einer nach¬
folgenden revolutionären Generation erscheinen mag. 25
Zufällig erfahren wir noch, daß die jetzige Gesellschaft „aif
äußerm Zwang“ beruht. Nicht die beschränkenden materiellen
Lebensbedingungen gegebner Individuen stellen sich die wahren
Sozialisten unter „äußerm Zwang“ vor, sondern nur den Staats-
zwang, Bajonette, Polizei, Kanonen, welche weit entfernt сіе зо
Grundlage der Gesellschaft zu sein, nur eine Konsequenz ihrer e g-
nen Gliederung sind. Es ist dies bereits in der „heiligen Familie66
und jetzt wieder im ersten Bande dieser Publikation auseinander
gesetzt.
Gegenüber der jetzigen „auf äußerm Zwang beruhenden“ C-e- 35
Seilschaft stellt der Sozialist das Ideal der wahren Gesellschaft
auf, die auf dem „Bewußtsein der innern menschlichen Natir,
d. h. der Vernunft“ beruht. Also auf dem Bewußtsein des le-
wußtseins, dem Denken des Denkens. Der wahre Sozialist unter¬
scheidet sich nicht einmal im Ausdruck mehr von den Philosophen. 40
Er vergißt, daß sowohl die „innere Natur“ der Menschen wie hr
„Bewußtsein“ darüber, „d. h.“ ihre „Vernunft66, zu allen Zeitm
ein historisches Produkt war, und daß selbst, wenn / (37) / ihre
Gesellschaft, wie er meint, „auf äußerm Zwang66 beruhte, ihre
„innere Natur“ diesem „äußern Zwang“ entsprach. 45
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“
465
Folgen p. 163 die Einzelnheit und Allgemeinheit mit gewohn¬
tem Gefolge in der Gestalt des einzelnen Wohls und des Gesamt¬
wohls. Ähnliche Erklärungen über das Verhältnis Beider findet
man in jedem Handbuch der Nationalökonomie bei Gelegenheit
5 der Konkurrenz, und u. A. auch, nur besser ausgedrückt, bei
Hegel. Z. B. Rhein. Jahrb. p. 163:
„Indem ich das Gesamtwohl fördere, fördere ich mein eignes
Wohl, und indem ich mein eignes Wohl fördere, das Gesamtwohl.“
Hegels Rechtsphilosophie p.248. (1833) „Meinen Zweck be-
io fördernd, fördere ich das Allgemeine und dieses befördert wieder¬
um meinen Zweck.“
Vergl. auch Rechstphil. p. 323 seqq über das Verhältnis des
Staatsbürgers zum Staat.
„Als letztes Ergebnis erscheint daher die bewußte Einheit des
із Einzellebens mit dem Gesamtleben, dieHarmonie.“ (p.l63.Rh. J.)
„Als letztes Ergebnis“ nämlich daraus, daß: „dieses polare Ver¬
hältnis zwischen dem einzelnen und allgemeinen Leben darin be¬
steht, daß sich einmal Beide bekämpfen und feindlich gegenüber¬
stehen, das andre Mal, daß sich Beide gegenseitig bedingen und
го begründen.“
„Als letztes Ergebnis“ folgt hieraus höchstens die Harmonie
der Disharmonie mit der Harmonie, und aus der ganzen abermali¬
gen Repetition der bekannten Phrasen folgt nur der Glaube des
Verfassers, daß sein vergebliches Abquälen mit den Kategorien
25 der Einzelnheit und Allgemeinheit die wahre Form sei, in der die
gesellschaftlichen Fragen zu lösen seien.
Der Verfasser schließt mit folgendem Tusch: „Die orga¬
nische Gesellschaft hat zur Grundlage die all¬
gemeine Gleichheit und entwickelt sich durch
зо die Gegensätze der Einzelnen gegen das All¬
gemeine zum freien Einklänge, zur Einheit des
einzelnen mit dem allgemeinen Glücke, zur so¬
zialen“ (!) „gesellschaftlichen“ (!!) „Harmonie,
dem Spiegelbilde der universellen Harmonie.“
35 p. 164.
Nur die Bescheidenheit kann diesen Satz einen „Baustein“
nennen. Er ist ein ganzer Urfels des wahren Sozialismus. —
/[38]/ Dritter Baustein
..Auf dem polaren Gegensatz, der Wechselwirkung meines be-
40 sondern Lebens mit dem allgemeinen Naturleben beruht der
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 30
466
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Kampf des Menschen mit der Natur. Wenn dieser Kampf als be¬
wußte Tätigkeit erscheint, heißt er Arbeit.“ p. 164.
Sollte nicht umgekehrt die Vorstellung von dem „polaren
Gegensatz“ auf der Beobachtung eines Kampfes der Menschen nnit
der Natur beruhen? Erst wird eine Abstraktion aus einem Faktum з
gezogen; dann erklärt, daß dies Faktum auf dieser Abstraktion
beruhe. Wohlfeilste Methode deutsch, tief und spekulativ zu er¬
scheinen.
Z. B.: Faktum: Die Katze frißt die Maus.
Reflexion : Katze — Natur, Maus — Natur, Ver- ю
zehren der Maus durch die Katze = Verzehren der Natur durch
die Natur, = Selbstverzehren der Natur.
Philosophische Darstellung des Faktums: Auf
dem Selbstverzehren der Natur beruht das Gefressenwerden der
Maus von der Katze. 15
Nachdem also auf diese Weise der Kampf des Menschen mit
der Natur mystifiziert ist, wird die bewußte Tätigkeit des Men¬
schen in Beziehung auf die Natur mystifiziert, indem sie als E r-
scheinung dieser bloßen Abstraktion wirklicher Kämpfe ge¬
faßt wird. Schließlich wird dann das profane Wort Arbeit als 20
Resultat dieser Mystifikation hereingeschmuggelt, ein Wort, das
unser wahrer Sozialist von Anfang an auf der Zunge hatte, aber
erst nach gehöriger Legitimierung auszusprechen wagte. Die Ar¬
beit wird aus der bloßen, abstrakten Vorstellung des Menschen
und der Natur konstruiert und daher auch auf eine Weise be- 25
stimmt, die auf alle Entwicklungsstufen der Arbeit gleich gut
paßt und nicht paßt.
„Die Arbeit ist demnach jede bewußte Tätigkeit des Men¬
schen, wodurch er die Natur seiner Herrschaft in geistiger und
materieller Beziehung zu unterwerfen strebt, um sie zum bewuß- зо
ten Genuß seines Lebens zu bringen, sie zu seiner geistigen oder
körperlichen Befriedigung zu verwenden.“ (ibid.)
/{39}/ Wir machen bloß auf die glänzende Schlußfolgerung
aufmerksam: „Wenn dieser Kampf als bewußte Tätigkeit er¬
scheint, heißt er Arbeit — die Arbeit ist demnach jede bewußte 35
Tätigkeit des Menschen“ usw. Diese tiefe Einsicht verdanken wir
dem „polaren Gegensatz“.
Man rufe sich den obigen Saint-Simonistischen Satz von dem
libre developpement de toutes les facultes ins Gedächtnis zurück.
Man erinnere sich zu gleicher Zeit, daß Fourier an die Stelle des 40
heutigen travail repugnant den travail attrayant gesetzt sehen
wollte. Dem „polaren Gegensatz “ verdanken wir folgende philo¬
sophische Begründung und Explikation dieser Sätze:
„Da aber“ (dies Aber soll andeuten, daß hier kein Zusam-
1. Die „Rheinischen Jahrbücher“
467
menhang stattfindet) „das Leben in jeder Entfaltung,
Übung und Äußerung seiner Kräfte und Fähigkeiten zu seinem
Genüsse, zu seiner Befriedigung kommen soll, so ergibt
sich, daß die Arbeit selbst eine Entfaltung und Entwicklung
5 menschlicher Anlagen sein und Genuß, Befriedigung und Glück
gewähren soll. Die Arbeit selbst muß m i t h i n zu einer freien
Äußerung des Lebens, und dadurch zum Genuß werden.“
(ibid.)
Hier wird gezeigt, was in der Vorrede der Rh. Jahrb. verspro-
io chen ist, nämlich „in wiefern die deutsche Gesellschaftswissen¬
schaft in ihrer bisherigen Ausbildung sich von der französischen
und englischen unterscheidet“, und was das heißt, „die Lehre des
Kommunismus wissenschaftlich darzustellen“.
Es ist schwer jeden logischen Lapsus in diesen wenigen Zei-
15 len aufzudecken, ohne langweilig zu werden. Zunächst die Schnit¬
zer gegen die formelle Logik.
Um zu beweisen, daß die Arbeit, eine Äußerung des Lebens,
Genuß bringen soll, wird unterstellt, daß das Leben in jeder
Äußerung Genuß bringen soll, und hieraus geschlossen, daß das
20 Leben dies auch in seiner Äußerung als Arbeit soll. Mit dieser
paraphrastischen Verwandlung eines Postulats in eine Konklusion
nicht zufrieden, macht der Verfasser die Konklusion noch dazu
falsch. Daraus, daß „das Leben in jeder Entfaltung zum Genuß
kommen soll“, ergibt sich für /[40]/ ihn, daß die Arbeit, die eine
25 dieser Entfaltungen des Lebens ist, „selbst eine Entfaltung und
Entwicklung menschlicher Anlagen“, also wieder des Lebens,
„sein soll“. Sie soll also sein, was sie ist. Wie hätte die Arbeit es
anfangen sollen, um jemals nicht eine „Entfaltung menschlicher
Anlagen“ zu sein? — Damit nicht genug. Weil die Arbeit dies
зо sein soll, „muß“ sie es „mithin“ sein, oder noch besser:
Weil sie eine „Entfaltung und Entwicklung menschlicher Anlagen
sein soll“, muß sie mithin ganz etwas Andres werden,
nämlich „eine freie Äußerung des Lebens“, wovon bisher noch
gar nicht die Rede war. — Und während oben direkt von dem Po-
35 stulat des Lebensgenusses auf das Postulat der Arbeit als Genuß
geschlossen wurde, wird hier dies letztere Postulat als Konsequenz
des neuen Postulats der „freien Äußerung des Lebens in der Ar¬
beit“ dargestellt.
Was den Inhalt dieses Satzes angeht, so ist nicht abzusehen,
4o warum die Arbeit nicht immer das war, was sie sein soll, und
warum sie es jetzt werden muß oder warum sie etwas werden soll,
was sie bis xlato nicht muß. Aber bisher war freilich nicht das
Wesen des Menschen und der polare Gegensatz des Menschen und
der Natur entwickelt.
45 Folgt eine „wissenschaftliche Begründung“ des kommunisti-
30*
468
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
sehen Satzes von dem gemeinschaftlichen Eigentum an den Pro¬
dukten der Arbeit:
„Das Produkt der Arbeit aber“ (dies abermalige Aber hat
denselben Sinn wie das obige) „muß zugleich dem Glücke des
Einzelnen, Arbeitenden und dem allgemeinen Glücke dienen. Dies 5
geschieht durch die Gegenseitigkeit, durch die gegenseitige Er¬
gänzung aller gesellschaftlichen Tätigkeiten.“ (ibid.)
Dieser Satz ist nichts als eine durch das Wort „Glück“ schwan¬
kend gemachte Kopie dessen, was in jeder Ökonomie der Konkur¬
renz und Teilung der Arbeit nachgerühmt wird. 10
Endlich philosophische Begründung der französischen Orga¬
nisation der Arbeit:
„Die Arbeit als eine genußreiche Befriedigung gewährende,
und zugleich dem allgemeinen Wohle dienende freie Tätigkeit ist
die Grundlage der Organisation der Аrbeit.“ p. 165. 15
Da die Arbeit erst „eine genußreiche pp freie Tätigkeit“ wer¬
den soll und muß, es also noch nicht ist, so wäre eher zu
erwarten, daß die Organisation der Arbeit umgekehrt die
Grundlage der „Arbeit als einer genußreichen Tätigkeit“ ist. Aber
der Begriff der Arbeit als dieser Tätigkeit reicht vollständig 20
hin.
Der Verfasser glaubt am Schlüsse seines Aufsatzes zu „Resul¬
taten“ gekommen zu sein.
Diese „Bausteine“ und „Resultate“, zusammen mit den übri¬
gen Granitblöcken, die sich in den Einundzwanzig Bogen, dem 25
Bürgerbuch und den „Neuen Anecdotis“ finden, bilden den Fel¬
sen, auf den der wahre Sozialismus, alias deutsche
Sozialphilosophie, seine Kirche bauen wird.
Wir werden gelegentlich einige der Hymnen, einige Fragmente
der cantique allegorique hebraique et mystique hören, die in die- so
ser Kirche gesungen werden. —
IV
KARL GRÜN:
„DIE SOZIALE BEWEGUNG IN FRANKREICH UND BELGIEN“
(DARMSTADT, 1845)
ODER:
DIE GESCHICHTSCHREIBUNG DES WAHREN SOZIALISMUS
IV. Karl Grün: „D ie soziale Bewegung
in Frankreich und Belgien“ (Darm¬
stadt, 1845) oder: die Geschicht¬
schreibung des'wahren Sozialismus 471—516
Geschrieben im Frühjahr 1846 in Brüssel
III
IV
Karl Grün:
„Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien“
(Darmstadt, 1845)
oder:
Die Geschichtschreibung des wahren Sozialismus
„Wahrlich, gälte es hier nicht, zugleich eine ganze Rotte zu
zeichnen . . . wir würden die Feder noch wegwerfen . . . Und jetzt
10 tritt sie66 (Mundts Geschichte der Gesellschaft) „mit derselben
Anmaßung vor den großen Leserkreis des Publikums, des Publi¬
kums, das heißhungrig nach Allem greift, was nur das Wort:
sozial an der Stirne trägt, weil ein richtiger Takt ihm sagt,
welche Geheimnisse der Zukunft in diesem Wörtchen verborgen
15 liegen. Doppelte Verantwortlichkeit des Schriftstellers, doppelte
Züchtigung, wenn er imberufen ans Werk ging!“
„Darüber wollen wir eigentlich mit Herrn Mundt nicht rechten,
daß er von den faktischen Leistungen der sozialen Literatur Frank¬
reichs und Englands durchaus nichts weiß, als was ihm Herr
го L. Stein verraten, dessen Buch anerkannt werden konnte, als es
erschien. . . . Aber heute noch . . . über Saint Simon Phrasen
machen, Bazard und Enfantin die beiden Zweige des Saint’Simo-
nismus nennen, Fourier folgen lassen, über Proudhon ungenügen¬
des Zeug nachplappem etc.! . . . Dennoch würden wir gerne ein
25 Auge zudrücken, wäre mindestens die Genesis der sozialen
Ideen eigen und neu dargestellt.“
Mit dieser hochfahrenden, rhadamantischen Sentenz eröffnet
Herr Grün („Neue Anekdota“ p. 122, 123) eine Rezension von
Mundts „Geschichte der G e sei 11 s ch а f t“.
зо Wie überrascht wird der Leser von dem artistischen Talent des
Hern Grün sein, das unter der obigen Maske nur eine Selbstkritik
seines eignen, damals noch ungebomen Buchs versteckte.
472
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Herr Grün bietet uns das amüsante Schauspiel einer Verschmel¬
zung des wahren Sozialismus mit jungdeutschem Literatentum.
Das obige Buch ist in Briefen an eine Dame geschrieben, woraus
der Leser schon ahnt, daß hier die tiefsinnigen Götter des wahren
Sozialismus mit den Rosen und Myrthen der „jungen Literatur“ 5
bekränzt einherwandeln. Pflücken /[la]/ wir gleich einige Rosen:
„Die Carmagnole sang sich selbst in meinem Kopfe . . . auf
alle Fälle aber bleibt es schrecklich, daß die Carmagnole im
Kopfe eines deutschen Schriftstellers, wenn nicht vollständig
logieren, so doch ein Frühstück nehmen darf.“ p. 3. 10
„Hätte ich den alten Hegel hier, ich packte ihn bei den Ohren:
Was, die Natur wäre das Anderssein des Geistes? Was, Er Nacht¬
wächter?“ p. 11.
„Brüssel stellt gewissermaßen den französischen Konvent dar:
es hat eine Bergpartie und eine Partie des Tales.“ p. 24. 15
„Die Lüneburger Haide der Politik.“ p. 80.
„Bunte, poetische, inkonsequente, phantastische Chrysalide.“
p. 82.
„Den Liberalismus der Restauration, den bodenlosen Kaktus,
der sich als Schmarotzerpflanze um die Bänke der Deputierten- 20
kammer wand.“ p. 87, 88. Daß der Kaktus weder „bodenlos“,
noch eine „Schmarotzerpflanze“ ist, tut diesem schönen Bilde
ebensowenig Abbruch, wie dem vorigen, daß es weder „bunte“,
noch „poetische“, noch „inkonsequente“ Chrysaliden oder Pup¬
pen gibt. 25
„Ich selbst aber komme mir mitten in diesem Gewoge“ (der
Zeitungen und Zeitungsschreiber im Cabinet Montpensier) „vor
wie ein zweiter Noah, der seine Tauben aussendet, ob sich irgend¬
wo Hütten oder Reben bauen lassen, ob es möglich sei, mit den
erzürnten Göttern einen räsonnablen Vertrag abzuschließen.“ зо
p. 259. Herr Grün spricht hier wohl von seiner Tätigkeit als Zei¬
tungskorrespondent.
„Camille Desmoulins war ein Mensch. Die Constituante be¬
stand aus Philistern. Robespierre war ein tugendhafter
Magnetiseur. Die neue Geschichte ist mit einem Wort der 35
Kampf auf Tod und Leben wider die Epiciers und die Magneti¬
seure!!!“ p. 311.
„Das Glück ist ein Plus, aber ein Plus in der xten Potenz.“
p. 203. Also das Glück = +x, eine Formel, die sich nur in der
ästhetischen Mathematik des Herrn Grün findet.
„Die Organisation der Arbeit, was ist sie? Und die Völker
antworteten der Sphinx mit tausend Zeitungsstimmen . . . Frank¬
reich singt die Strophe, Deutschland die Antistrophe, das alte
mystische Deutschland.“ p. 259.
„Nordamerika ist mir sogar widerwärtiger als die alte Welt, «
IV. Karl Grün
473
weil die-/[lb]/ser Egoismus der Krämerwelt die rote Farbe einer
impertinenten Gesundheit trägt . . . weil dort Alles so ober¬
flächlich, so wurzellos, fast möchte ich sagen so kleinstäd¬
tisch ist . . . Ihr nennt Amerika die neue Welt; es ist die älteste
5 von allen alten, unsre abgetragenen Kleider machen dort Pa¬
rade.66 p. 101, 324. Bisher wußte man nur, daß die ungetragenen
deutschen Strümpfe dort getragen werden, obwohl sie zum „Pa¬
rade machen66 zu schlecht sind.
„Der logisch feste Garantismus dieser Institutionen.66 p. 461.
io Wen solche Blüten nicht erfreun,
Verdienet nicht ein „Mensch66 zu sein!
Welch graziöser Mutwille! Welche schnippische Naivetät!
Welch heroisches Durchwühlen durch die Äesthetik! Welche
Heinesche Nonchalance und Genialität!
15 Wir haben den Leser getäuscht. Herrn Grüns Belletristik
schmückt nicht die Wissenschaft des wahren Sozialismus, son¬
dern die Wissenschaft ist nur die Ausfüllung zwischen diesen
belletristischen Schwätzereien. Sie bildet so zu sagen ihren „so¬
zialen Hintergrund66.
го In einem Aufsatze des Herrn Grün: „Feuerbach und die So¬
zialisten66 („Deutsches Bürgerbuch66 p.74), findet sich folgende
Äußerung: „Wenn man Feuerbach nennt, so hat man die ganze
Arbeit der Philosophie genannt von Baco von Verulam bis heute,
so hat man zugleich gesagt, was die Philosophie in letzter Instanz
25 will und bedeutet, so hat man den Menschen als letztes Er¬
gebnis der Weltgeschichte. Dabei geht man sicherer, weil
gründlicher, zu Werke, als wenn man den Arbeitslohn, die
Konkurrenz, die Mangelhaftigkeit der Konstitutionen und Ver¬
fassungen aufs Tapet bringt . . . Wir haben den Menschen
зо gewonnen, den Menschen, der sich der Religion, der toten Ge¬
danken, alles ihm fremden Wesens, mit allen Übersetzungen in
der Praxis entledigt hat, den reinen, wahrhaften Men¬
schen.66
Dieser Eine Satz klärt vollständig auf über die Art von
35 Sicherheit66 und „Gründlichkeit66, welche bei Herrn Grün zu
suchen ist. Auf kleine Fragen läßt er sich nicht ein. Ausgestattet
mit dem ungetrübten Glauben an die Resultate der deutschen Phi¬
losophie, wie sie in / [1c] I Feuerbach niedergelegt sind, nämlich
daß „der Men sch66, der „reine wahrhafte Mensch66, das End-
40 ziel der Weltgeschichte sei, daß die Religion das entäußerte
menschliche Wesen sei, daß das menschliche Wesen das mensch¬
liche Wesen und der Maßstab aller Dinge sei; ausgestattet mit
den weiteren Wahrheiten des deutschen Sozialismus (siehe oben),
daß auch das Geld, die Lohnarbeit pp Entäußerungen des mensch-
474
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
liehen Wesens seien, daß der deutsche Sozialismus die Verwirk¬
lichung der deutschen Philosophie und die theoretische Wahrheit
des auswärtigen Sozialismus und Kommunismus sei pp — reist
Herr Grün nach Brüssel und Paris mit der ganzen Selbstgefällig¬
keit des wahren Sozialismus. 5
Die gewaltigen Posaunenstöße des Herrn Grün zum Lobe des
wahren Sozialismus und der deutschen Wissenschaft übertreffen
Alles, was von seinen übrigen Glaubensgenossen in dieser Be¬
ziehung geliefert ist. Was den wahren Sozialismus angeht, so
kommen diese Lobpreisungen offenbar von Herzen. Herrn Grüns ю
Bescheidenheit erlaubt ihm nicht, einen einzigen Satz auszu¬
sprechen, den nicht schon ein andrer wahrer Sozialist vor ihm in
den Einundzwanzig Bogen, dem Bürgerbuch und den Neuen Anek-
dotis geoffenbart hatte. Ja, sein ganzes Buch hat keinen andren
Zweck als ein in den Einundzwanzig Bogen p. 74—88 von Heß 15
gegebnes Konstruktionsschema der französischen sozialen Be¬
wegung auszufüllen und damit einem ebendaselbst p. 88 ausge¬
sprochenen Bedürfnis zu entsprechen. Was aber die Lobeserhe¬
bungen der deutschen Philosophie angeht, so muß diese sie ihm
um so höher anrechnen, je weniger er sie kennt. Der Nationalstolz 20
der wahren Sozialisten, der Stolz auf Deutschland als das Land
„des Menschen“, des „Wesens des Menschen“ gegenüber den
andern profanen Nationalitäten erreicht bei ihm seinen Gipfel¬
punkt. Wir geben gleich einige Proben davon:
„Ich möchte doch wissen, ob sie nicht Alle erst von uns lernen 25
müssen, Franzosen und Engländer, Belgier und Nordamerika¬
ner.“ p. 28.
Dies wird jetzt ausgeführt.
/2/ „Die Nordamerikaner kommen mir grundprosa¬
isch vor, und den Sozialismus sollen sie wohl, trotz aller зо
ihrer gesetzlichen Freiheit, erst von uns kennen lernen.44 p. 101.
Besonders seitdem sie, seit 1829 eine eigne sozialistisch-demokra¬
tische Schule haben, die ihr Nationalökonom Cooper bereits 1830
bekämpfte.
„Die belgischen Demokraten! Glaubst Du wohl, sie wären 35
halb so weit als wir Deutsche? Habe ich mich wieder mit
Einem herumbalgen müssen, der die Realisierung des
freien Menschentums für eine Chimäre hält!44 p. 22.
Hier macht sich die Nationalität ..des Menschen44, des ..Wesens
des Menschen44, des „Menschentums44 breit gegenüber der bei- 40
gischen Nationalität.
..Ihr Franzosen, laßt den Hegel in Ruhe, bis Ihr ihn ver¬
steht.44 (Wir glauben, daß die sonst sehr schwache Kritik der
Rechtsphilosophie von Lerminier mehr Einsicht in Hegel le-
weist als irgend etwas, was Herr Grün sei es unter eignem Namen, «
IV. Karl Grün
475
sei es qua „Emst von der Haide66 geschrieben hat.) „Trinkt ein¬
mal ein Jahrlang keinen Kaffee, keinen Wein; erhitzt Euer Gemüt
durch keine aufregende Leidenschaft; laßt den Guizot regieren
und Algier unter die Herrschaft Marokkos kommen66 (wie sollte
5 Algier je unter die Herrschaft Marokkos kommen, selbst wenn die
Franzosen es aufgäben!); „sitzt auf einer Mansarde und studiert
die Logik nebst der Phänomenologie. Wenn Ihr dann
endlich nach Jahresfrist mager und mit rotangelaufenen Augen
in die Straßen hinabsteigt, und meinetwegen über den ersten
10 Dandy oder öffentlichen Ausrufer stolpert, laßt Euch das nicht
irren. Denn Ihr seid mittlerweile große und mächtige Menschen
geworden, Euer Geist gleicht einem Eichbaum, den wundertätige66
(!) „Säfte ernährten; was Ihr anseht, das enthüllt Euch seine ge¬
heimsten Schwächen; Ihr dringt als erschaffne Geister dennoch
15 ins Innre der Natur; Euer Blick ist tötend, Euer Wort versetzt
Berge, Eure Dialektik ist schärfer als die schärfste Guillotine. Ihr
stellt Euch ans Hotel de Ville — und die Bourgeoisie ist gewesen,
Ihr tretet /[2a]/ ans Palais Bourbon — und es zerfällt, seine
ganze Deputiertenkammer löst sich in das nihilum album auf.
2o Guizot verschwindet, Ludwig Philipp erblaßt zum geschichtlichen
Schemen, und aus all diesen zu Grunde gegangnen Momenten er¬
hebt sich siegesstolz die absolute Idee der freien Gesellschaft.
Ohne Scherz, den Hegel könnt Ihr nur bezwingen, wenn Ihr selbst
vorher Hegel werdet. Wie ich schon oben sagte: Moors Geliebte
25 kann nur durch Moor sterben.66 p. 115, 116.
Der belletristische Duft, der diese Sätze des wahren Sozialis¬
mus umgibt, wird Jedermann in die Nase steigen. Herr Grün, wie
alle wahren Sozialisten, vergißt nicht das alte Geschwätz von der
Oberflächlichkeit der Franzosen wieder vorzubringen:
зо „Bin ich doch dazu verdammt, den französischen Geist jedes¬
mal, wenn ich ihn in der Nähe habe, ungenügend und oberfläch¬
lich zu finden.66 p. 371.
Herr Grün verheimlicht es uns nicht, daß sein Buch dazu be¬
stimmt ist, den deutschen Sozialismus als die Kritik des franzö-
35 sischen zu verherrlichen:
„Der Pöbel der deutschen Tagesliteratur hat unsren sozialisti¬
schen Bestrebungen nachgesagt, sie seien die Nachahmung fran¬
zösischer Verkehrtheiten. Es hat bis jetzt Niemand der Mühe wert
gehalten, nur eine Silbe darauf zu erwidern. Dieser Pöbel muß
40 sich schämen — besitzt er anders noch Schamgefühl — wenn er
dieses Buch liest. Das hat er sich wohl nicht träumen lassen,
daß der deutsche Sozialismus die Kritik des fran¬
zösischen ist, daß er, weit entfernt, die Franzosen für Erfinder
des neuen Contrat social zu halten, vielmehr die Forderung an sie
45 stellt, sich erst durch die deutsche Wissenschaft zu
476
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
ergänzen? In diesem Augenblick wird hier in Paris die Her¬
ausgabe einer Übersetzung von Feuerbachs Wesen des Christen¬
tums veranstaltet. Wohl bekomme den Franzosen die deutsche
Schule! Was auch aus der ökonomischen Lage /[2b]/ des Lan¬
des, aus der Konstellation der hiesigen Politik entstehe, zu 5
einem menschlichen Leben in der Zukunft befähigt einzig
die humanistische Weltanschauung. Das unpolitische, verworfne
Volk der Deutschen, dies Volk, welches gar kein Volk ist, wird
den Eckstein gelegt haben zum Bau der Zukunft.“ p. 353. Aller¬
dings, „was aus der ökonomischen Lage und der Konstellation der ю
Politik“ in einem Lande „entsteht“, braucht ein wahrer Sozialist
bei seinem vertrauten Umgänge mit dem „Wesen des Menschen“
nicht zu wissen.
Herr Grün als Apostel des wahren Sozialismus begnügt sich
nicht damit, gleich seinen Mitaposteln der Unwissenheit andrer 15
Völker die Allwissenheit der Deutschen stolz entgegenzuhalten.
Er nimmt seine alte Litera tenpraxis zu Hülfe, er drängt sich den
Repräsentanten der verschiedenen sozialistischen, demokratischen
und kommunistischen Parteien in der verrufensten Weltfahrer-
Manier auf, und nachdem er sie von allen Seiten beschnüffelt hat, 20
tritt er ihnen als Apostel des wahren Sozialismus entgegen. Er hat
sie nur noch zu belehren, ihnen die tiefsten Aufschlüsse über das
freie Menschentum mitzuteilen. Die Überlegenheit des wahren So¬
zialismus über die Parteien Frankreichs verwandelt sich hier in
die persönliche Überlegenheit des Herrn Grün gegenüber den 25
Repräsentanten dieser Parteien. Schließlich bietet dies dann auch
Gelegenheit, nicht nur die französischen Parteichefs als Piedestal
des Herrn Grün dienen zu lassen, sondern auch noch eine Masse
von Klatschereien anzubringen, und so den deutschen Kleinstädter
/[2c]/ für die Anstrengung zu entschädigen, die ihm die Inhalt- зо
volleren Sätze des wahren Sozialismus verursacht haben.
„Kats verzog sein ganzes Gesicht zu einer plebejischen Heiter¬
keit, als ich ihm meine hohe Zufriedenheit mit seiner Rede be¬
zeugte.“ p. 50. Herr Grün erteilt Kats auch sogleich Unterricht
über den französischen Terrorismus, und: „war so glücklich, 35
meinem neuen Freunde Beifall abzugewinnen.“ p. 51.
Ganz anders bedeutsam wirkt er auf Proudhon: „Ich hatte
das unendliche Vergnügen, gewissermaßen der Privatdozent
des Mannes zu werden, dessen Scharfsinn vielleicht seit Lessing
und Kant nicht Überboten wurde.“ p. 404. 40
Louis Blanc ist nur „sein schwarz Jüngelchen.“ p. 314.
„Er frug sehr wißbegierig, aber zugleich sehr unwissend, nach
unsren Zuständen. Wir Deutsche kennen“ (?) „die französischen
fast so gut wie die Franzosen selbst; wenigstens studieren66 (?)
„wir sie.“ p.315. 45
ГѴ. Karl Grün
477
Und über den „Papa Cabet66 erfahren wir, daß er „borniert66
ist. p. 382. Herr Grün legt ihm Fragen vor, von denen Cabet
„gestand, daß er sie nicht gerade approfondiert hätte. Das hatte
ich” (Grün) „längst gemerkt, und da hörte natürlich Alles auf,
5 um so mehr, als mir einfiel, daß Cabets Mission eine längst in sich
abgeschlossene sei.66 p. 383. Wir werden später sehen, wie Herr
Grün dem Cabet eine neue „Mission66 zu geben gewußt hat.
Wir heben zunächst das Schema und die paar überkommenen
allgemeinen Gedanken hervor, die das Gerippe des Grünschen
io Buches bilden. Beides ist abgeschrieben von Heß, den Herr Grün
überhaupt auf die großartigste Weise paraphrasiert. Sachen,
13 / die schon bei Heß ganz imbestimmt und mystisch sind, die
aber im Anfänge — in den Einundzwanzig Bogen — anzu¬
erkennen waren und nur durch ihre ewige Wiederaufdrängung im
15 Bürgerbuch, den Neuen Anekdotis, und den Rheinischen Jahr¬
büchern zu einer Zeit, wo sie bereits antiquiert waren, langweilig
und reaktionär geworden sind — diese Sachen werden bei Herrn
Grün vollends Unsinn.
Heß synthetisiert die Entwicklung des französischen Sozialis-
2o mus mit der Entwicklung der deutschen Philosophie — Saint Si¬
mon mit Schelling, Fourier mit Hegel, Proudhon mit Feuerbach.
Vergl. z. B. Einundzw. Bogen p. 78, 79, 326, 327, Neue Anekd.
p. 194, 195, 196, 202seqq. (Parallele zwischen Feuerbach und
Proudhon. Z.B. Heß: „Feuerbach ist der deutsche Proudhon66 pp,
25 N. A. p.202. Grün: „Proudhon ist der französische Feuerbach66,
p. 404.) — Dieser Schematismus mit der Ausführung, die Heß
ihm gibt, bildet den ganzen inneren Zusammenhang des Grünschen
Buchs. Nur daß Herr Grün nicht verfehlt, die Heßschen Sätze
belletristisch anzustreichen. Ja selbst offenbare Schnitzer von
зо Heß, z. B. daß theoretische Entwicklungen den „sozialen Hinter¬
grund66 und die „theoretische Basis66 praktischer Bewegungen bil¬
den (z. B. N. An. p. 192), schreibt Herr Grün getreulichst nach.
(Z. B. Grün p.264: „Der soziale Hintergrund, den die politische
Frage des achtzehnten Jahrhunderts hatte..., war das gleichzeitige
35 Produkt beider philosophischen Richtungen66 — der Sensualisten
und Deisten.) Ebenso die Meinung, man brauche Feuerbach nur
praktisch zu machen, ihn nur aufs soziale Leben anzuwenden, um
die vollständige Kritik der bestehenden Gesellschaft zu geben.
Nimmt man noch die sonstige Kritik des franz. Kommunismus
4o und Sozialismus durch Heß hinzu, z. B. daß „Fourier, Proudhon
pp nicht über die Kategorie der Lohnarbeit hinausgekommen
sind66, Bürgerbuch p.40 u.a., daß „Fourier die Welt mit neuen
Assoziationen des Egoismus beglücken möchte,66 N. Anekd. p. 196,
daß „selbst die radikalen franz. Kommunisten noch nicht über
45 den Gegensatz von Arbeit und Genuß hinaus sind, sich noch nicht
478
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
zu der Einheit von Produktion und Konsumtion
pp erhoben haben,44 Bürgerb. p. 43, daß „die Anarchie die Ne¬
gation des Begriffs der politischen Herrschaft ist,44 21 Bog;en
p. 77 ppp, so hat /[3a]/ man die ganze Kritik der Franzosen
durch Herrn Grün in der Tasche, ebensogut wie Herr Grün sie 5
bereits in der Tasche hatte, ehe er nach Paris ging. Außer dem
Obengenannten erleichtern dann noch einige in Deutschland tra¬
ditionell zirkulierende Phrasen über Religion, Politik, Nationa¬
lität, menschlich und unmenschlich ppp, Phrasen, die von den
Philosophen auf die wahren Sozialisten übergegangen sind, Herrn 10
Grün den Rechnungsabschluß mit den französischen Sozialisten
und Kommunisten. Er hat nur überall nach „dem Menschen44
und dem Worte: menschlich zu suchen, und zu verdammen, wo
er dies nicht findet. Z. B.: „Du bist politisch, Du bist borniert44
p. 283. In ähnlicher Weise kann Herr Grün dann ausrufen: Du 15
bist national, religiös, nationalökonomisch, Du hast einen Gott —
Du bist nicht menschlich, Du bist borniert, wie er dies im ganzen
Buche tut. Womit natürlich Politik, Nationalität, Religion pp
gründlich kritisiert, und zugleich die Eigentümlichkeit der ge¬
rade kritisierten Schriftsteller und ihr Zusammenhang mit der ge- 20
sellschaftlichen Entwicklung hinreichend beleuchtet sind.
Man sieht schon hieraus, daß das Grünsche Machwerk weit
unter dem Buche von Stein steht, der wenigstens versuchte, den
Zusammenhang der sozialistischen Literatur mit der wirklichen
Entwicklung der französischen Gesellschaft darzustellen. Es be- 25
darf indes kaum der Erwähnung, daß Herr Grün sowohl im vor¬
liegenden Buche wie in den Neuen Anekdotis mit der größten Vor¬
nehmheit auf seinen Vorgänger herabsieht.
Aber hat Herr Grün wenigstens die ihm von Heß und Andern
überlieferten Sachen richtig kopiert? Hat er innerhalb seines, 30
höchst unkritisch auf Treu und Glauben angenommenen Schemas,
wenigstens das nötige Material niedergelegt, hat er eine richtige
und vollständige Darstellung der einzelnen sozialistischen Schrift¬
steller nach den Quellen gegeben? /[3b]/ Dies sind doch wahr¬
lich die niedrigsten Forderungen, die man an den Mann stellen 33
kann, von dem Nordamerikaner und Franzosen, Engländer und
Belgier zu lernen haben, der der Privatdozent Proudhons war und
jeden Augenblick auf die deutsche Gründlichkeit gegenüber den
oberflächlichen Franzosen pocht.
IV. Karl Grün
479
Saint-Simonismus
Von der ganzen Saintsimonistischen Literatur hat Herr Grün
kein einziges Buch in der Hand gehabt. Seine Haupt¬
quellen sind: vor Allem der vielverachtete Ludwig Stein,
5 ferner die Hauptquelle Steins, L. Reybaud (wofür er p. 260
an Herrn Reybaud ein Exempel statuieren will und ihn einen Phi¬
lister nennt; er stellt sich auf derselben Seite, als sei ihm Reybaud
erst lange, nachdem er die St. Simonisten abgefertigt, ganz zufäl¬
lig in die Hände geraten) und stellenweise L. B1 а n c. Wir werden
io den Beweis ganz direkt liefern.
Vergleichen wir zuerst, was Herr Grün über das Leben Saint-
Simons selbst sagt.
Die Hauptquellen für das Leben Saint-Simons sind die Frag¬
mente seiner Selbstbiographie in den Oeuvres de Saint-Simon,
15 publiziert von Olinde Rodrigues, und dem Organisateur vom
19. Mai 1830. Wir haben hier also sämtliche Aktenstücke vor
uns: 1) die Originalquellen, 2) Reybaud, der sie auszog, 3) Stein,
der Reybaud benutzte, 4) die belletristische Ausgabe von Herrn
Grün.
го Herr Grün: „Saint-Simon kämpft den Befreiungskampf der
Amerikaner mit, ohne ein besondres Interesse am Kriege selbst zu
haben; es fällt ihm ein, man könne die beiden gro-
/[3c],-ßen Weltmeere verbinden.“ p. 85.
Stein p. 143: „Zuerst trat er in den militärischen Dienst ...
25 und ging mit Bouille nach Amerika. ... In diesem Krieg, dessen
Bedeutung er übrigens wohl begriff . . . der Krieg als solcher,
sagt er, interessierte mich nicht, nur der Zweck dieses Kriegs etc.“
... „Nachdem er vergebens versucht den Vizekönig von Mexico
für einen großen Kanalbau zur Verbindung der beiden Weit¬
em e er e zu interessieren.“
Reybaud p. 77: „Soldat de l’independance americaine, il
servait sous Washington ... la guerre en elle-meme ne m’interes-
sait pas, dit-il, mais le seul but de la guerre m’interessait vive-
ment, et cet interet m’en faisait supporter les travaux sans
35 repugnance.“
Herr Grün schreibt nur ab, daß St. Simon „kein besondres
Interesse am Kriege“ selbst hatte, läßt aber die Pointe aus, näm¬
lich sein Interesse für den Zweck dieses Kriegs.
Herr Grün läßt ferner weg, daß Saint-Simon seinen Plan beim
4o Vizekönig habe durchsetzen wollen, und reduziert ihn dadurch auf
einen bloßen „Einfall“. Er läßt ebenfalls fort, weil Stein dies nur
durch die Jahreszahl andeutet, daß Saint-Simon dies erst „ä la
paix“ tat.
Herr Grün fährt unmittelbar fort: „Später“ (wann?)
480
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
„entwirft er den Plan zu einer französisch-holländischen Ex¬
pedition nach dem englischen Indien.“ (ibid.)
Stein: „Er reiste 1785 nach Holland, um eine vereinigte
französisch-holländischen Expedition gegen die englischen Kolo¬
nien in Indien zu entwerfen.“ p. 143. 5
Stein erzählt hier falsch und Grün kopiert getreu. Nach Saint-
Simon selbst hatte der Herzog von La Vauguyon die General¬
staaten bestimmt, eine vereinigte Expedition mit Frankreich nach
den englischen Kolonien in Indien zu unternehmen. Von sich
selbst sagt er nur, daß er „während eines Jahres die Ausführung 10
dieses Plans betrieben“ (poursuivi) habe.
Herr Grün: „In Spanien will er einen Kanal von Madrid
ins Meer graben.“ (ibid.) Saint-Simon will einen Kanal
graben, welcher Unsinn! Vorhin fiel ihm ein, jetzt will
er. Grün verfälscht hier das Faktum, nicht weil er, wie oben, den 15
Stein zu getreu, sondern weil er ihn zu oberflächlich abschreibt.
Stein p. 144: „1786 nach Frankreich zurückgekehrt, ging
er schon im folgenden Jahr nach Spanien, um dem Gouvernement
einen Plan zur Vollendung eines Kanals von Madrid /4/ bis
zum Meere vorzulegen.“ Herr Grün konnte bei raschem Lesen 20
sich seinen obigen Satz aus dem Steinschen abstrahieren, weil es
bei Stein wenigstens den Schein hat, als sei der Bauplan und die
Idee des ganzen Projekts von Saint-Simon ausgegangen, während
dieser nur einen Plan zur Beseitigung der bei dem längst be¬
gonnenen Kanalbau eingetretenen finanziellen Schwierigkeiten 25
entwarf.
R e у b а u d : „Six ans plus tard il proposa au gouvernement
espagnol un plan de canal qui devait etablir une ligne navigable
de Madrid ä la mer.“ p. 78. Derselbe Irrtum wie bei Stein.
Saint Simon p. XVII: „Le gouvernement espagnol avait зо
entrepris un canal qui devait faire communiquer Madrid ä la mer;
cette entreprise languissait parceque ce gouvernement manquait
d’ouvriers et d’argent; je me concertai avec M. le comte de Ca-
barrus, aujourdhui ministre des finances, et nous presentämes au
gouvernement le projet suivant“ etc. 35
Herr Grün: „In Frankreich spekulierter auf National¬
güter.“
Stein schildert erst Saint-Simons Stellung während der Reso¬
lution und kommt dann auf seine Spekulation in Nationalgütem
p. 144 seqq. Woher aber Herr Grün den unsinnigen Ausdruck 40
hat: „auf Nationalgüter spekulieren“ statt in Nationalgütem,
auch hierüber können wir dem Leser durch Vorlage des Originils
Aufklärung geben:
Reybaud p. 78: „Revenu ä Paris, il touma son activte
vers des speculations, et trafiqua sur les domaines nationaux.“ 45
IV. Karl Grün
481
Herr Grün stellt seinen obigen Satz ohne alle Motivierung hin.
Man erfährt gar nicht, weshalb Saint-Simon in Nationalgütern
spekulierte und weshalb dies an sich triviale Faktum von Bedeu¬
tung in seinem Leben ist. Herr Grün findet nämlich überflüssig,
5 aus Stein und Reybaud abzuschreiben, daß Saint-Simon eine wis¬
senschaftliche Schule und ein großes industrielles Etablissement
als Experimente gründen und sich das dazu nötige Kapital durch
diese Spekulationen verschaffen wollte. Saint-Simon motiviert
selbst seine Spekulationen hierdurch. (Oeuvres p. XIX.)
jo Herr Grün: „Er heiratet, um die Wissenschaft bewirten zu
können, um das Leben der Menschen zu erproben, /[4a]/ um
sie psychologisch auszusaugen.66 (ibid.) Herr Grün überspringt
hier plötzlich eine der wichtigsten Perioden Saint-Simons, die
seiner naturwissenschaftlichen Studien und Reisen. Was heißt
15 das, heiraten, um die Wissenschaft zu bewirten, hei¬
raten, um die Menschen (die man nicht heiratet) psycho¬
logisch auszusaugen pp? Die ganze Sache ist die: Saint-Simon
heiratete, um Salons halten und dort unter Andern auch die Ge¬
lehrten studieren zu können.
2o Stein drückt dies so aus p. 149: „Er verheiratet sich 1801.
... Ich habe die Ehe benutzt, um die Gelehrten zu studieren.66 (Vgl.
St. Simon p. 23.) Jetzt, durch Vergleichung des Originals, wird
Herrn Grüns Unsinn verständlich und erklärlich.
Das „psychologische Aussaugen der Menschen66 reduziert
25 sich bei Stein und Saint-Simon selbst auf die Beobachtung der
Gelehrten im gesellschaftlichen Leben. Saint-Simon wollte,
ganz im Zusammenhänge mit seiner sozialistischen Grundansicht,
den Einfluß der Wissenschaft auf die Persönlichkeit der Gelehr¬
ten und auf ihr Verhalten im gewöhnlichen Leben kennen lernen.
so Bei Herrn Grün verwandelt sich dies in einen sinnlosen, unbe¬
stimmten, romanhaften Einfall.
Herr Grün: „Er wird arm,66 (wie, wodurch?) „kopiert in
einem Lombard für tausend Franken Jahrgehalt — er, der
Graf, der Sprößlings Karls des Großen; dann66 (wann und
35 warum?) „lebt er von der Gnade eines ehemaligen Dieners; spä¬
ter66 (wann und warum?) „versucht er sich zu erschießen, wird
gerettet, und beginnt ein neues Leben des Studiums und der Pro¬
paganda. Jetzt erst schreibt er seine beiden Hauptwerke.66
„Er wird66 — „dann66 — „später66 — „jetzt66 sollen bei Herrn
40 Grün die Chronologie und den Zusammenhang der einzelnen Le¬
bensmomente Saint-Simons ersetzen.
Stein p. 156,157: „Dazu kam ein neuer und furchtbarer Feind,
die allmählich immer drückender werdende äußere Not... Nach
sechs Monaten pein-/[4b]/liehen Harrens wird ... ihm eine Stelle
45 —66 (auch den Gedankenstrich hat Herr Grün von Stein, nur
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 31
482
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
daß er so pfiffig war, ihn hinter den Lombard zu stellen) „als
Kopist im Lombard“ (nicht, wie Herr Grün pfiffiger Weise än¬
dert, „in einem Lombard“, da es bekanntlich in Paris nur den
einen, öffentlichen Lombard gibt) „mit tausend Franken Jahr¬
gehalt. Wunderbarer Glückswechsel jener Zeiten! Der Enkel des з
berühmten Höflings an Ludwigs XIV. Hofe, der Erbe einer Her¬
zogskrone, eines mächtigen Vermögens, ein gebomer Pair von
Frankreich und Grande von Spanien, Kopist in einem Lom¬
bard!“ Hier erklärt sich Herrn Grüns Versehen mit dem Lom¬
bard; hier, bei Stein, ist der Ausdruck am Orte. Um sich auch 10
sonst noch von Stein zu unterscheiden, nennt Herr Grün Saint-
Simon nur „Graf“ und „Sprößling Karls des Großen.“ Letzteres
hat er von Stein p. 142, Reybaud p. 77, die indes so klug sind, zu
sagen, Saint-Simon leite sich selbst von Karl dem Großen her.
Statt der positiven Fakta Steins, die allerdings unter der Re -
stauration die Armut Saint-Simons auffallend machen, er¬
fahren wir bei Herrn Grün nur seine Verwunderung darüber, daß
ein Graf und angeblicher Sprößling Karls des Großen überhaupt
herunterkommen kann. Stein: „Zwei Jahre lebte er noch“ (nach
dem Selbstmordsversuch) „und wirkte in ihnen vielleicht mehr 20
als in eben so viel Jahrzehnten seines früheren Lebens. Der Ca-
techisme des industriels ward vollendet“ (Herr Grün ver¬
wandelt dies Vollenden eines längst vorbereiteten Werks in: „Jetzt
erst schrieb er“ pp) „und der nouveau christanisme pp“
p. 164, 165. — P. 169 nennt Stein diese beiden Schriften „die 25
beiden Hauptwerke seines Lebens“.
Herr Grün hat also nicht nur die Irrtümer Steins ko¬
piert, sondern auch aus unbestimmt gehaltenen Stellen Steins
neue fabriziert. Um seine Abschreiberei zu verdecken,
nimmt er nur die hervorspringendsten Fakta heraus, raubt ihnen зо
aber /[4c]/ ihren Charakter als Fakta, indem er sie sowohl aus
dem chronologischen Zusammenhänge wie aus ihrer ganzen Moti¬
vierung reißt und selbst die allemotwendigsten Mittelglieder aus¬
läßt. Was wir nämlich oben gegeben haben, ist buchstäblich
Alles, was Herr Grün von Saint-Simons Leben berichtet. In 35
dieser Darstellung wird das bewegte, tätige Leben Saint-Simors
in eine Reihe von Einfällen und Ereignissen verwandelt, de
weniger Interesse darbieten als das Leben des ersten besten gleich¬
zeitigen Bauern oder Spekulanten in einer bewegten Provirz
Frankreichs. Und dann, nachdem er diese biographische Sudelei
hingeworfen hat, ruft er aus: „dieses ganze, echt zivil -
si erte Leben!“ Ja er scheut sich nicht, p. 85 zu sagen: „Sain-
Simons Leben ist der Spiegel des Saintsimonismus selbst —“ as
wenn dies Griinsche „Leben“ Saint-Simons der Spiegel von irgenl
etwas wäre, außer von Herrn Grüns Art der Buchmacherei „selbst6.45
IV. Karl Grün
483
Wir haben uns bei dieser Biographie länger aufgehalten, weil
sie ein klassisches Exempel von der Art und Weise liefert, in der
Herr Grün die französischen Sozialisten gründlich behandelt.
Wie er hier schon scheinbar nonchalant hinwirft, ausläßt, ver-
5 fälscht, transponiert, um seine Abschreiberei zu verbergen, so
werden wir später sehen, daß Herr Grün auch fernerhin alle
Symptome eines innerlich beunruhigten Plagiarius entwickelt:
künstliche Unordnung, um die Vergleichung zu erschweren, Aus¬
lassung von Sätzen und Worten, die er wegen Unkenntnis der Ori-
10 ginale nicht recht versteht, aus den Zitaten seiner Vorgänger,
Dichtung und Ausschmückung durch unbestimmte Phrasen, per¬
fide Ausfälle auf die Leute, die er gerade kopiert. Ja Herr Grün
ist so übereilt und hastig in seiner Abschreiberei, daß er sich oft
auf Sachen beruft, von denen er dem Leser nie gesprochen, die er
15 aber als Leser Steins im Kopfe mit sich herumträgt.
/5/ Wir gehn jetzt auf die Grünsche Darstellung der Doktrin
St. Simons über.
1. Lettres d’un habitant de Geneve ä ses
contemporains
2o Herr Grün wurde aus Stein nicht recht klar, in welchem Zu¬
sammenhänge der in der eben zitierten Schrift gegebene Plan zur
Unterstützung der Gelehrten mit dem phantastischen Anhänge der
Broschüre steht. Er spricht von dieser Schrift, als wenn es sich in
ihr hauptsächlich um eine Organisation der Gesellschaft handle,
25 und schließt wie folgt:
„Die geistliche Macht in den Händen der Gelehrten, die welt¬
liche Macht in den Händen der Eigentümer, die Wahl für Alle.“
p. 85. Vgl. Stein p. 151, Reybaud p.83.
Den Satz: „le pouvoir de nommer les individus appeles ä
5o remplir les fonctions des chefs de l’humanite entre les mains de
tout le monde“, den Reybaud aus Saint-Simon (p. 47) zitiert und
Stein höchst unbeholfen übersetzt — diesen Satz reduziert Herr
Grün auf: „die Wahl für Alle“, wodurch er allen Sinn verliert.
Bei Saint-Simon ist von der Wahl des Newtonschen Rats die Rede,
35 bei Herrn Grün handelt es sich von der Wahl überhaupt.
Nachdem Herr Grün durch vier oder fünf von Stein und Rey¬
baud abgeschriebne Sätze längst mit den „Lettres pp“ fertig ge¬
worden ist und schon vom nouveau christianisme gesprochen hat,
kehrt er plötzlich zu ihnen zurück.
31*
484
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
/[5a]/ „Aber die abstrakte Wissenschaft tuts freilich nicht.“
(Noch viel weniger die konkrete Unwissenheit, wie wir sehen.)
„Vom Standpunkt der abstrakten Wissenschaft waren ja die
„Eigentümer“ und „Jedermann“ noch auseinander gefallen.“
p. 87.
Herr Grün vergißt, daß er bisher nur von „der Wahl für Alle44,
nicht von „Jedermann44 gesprochen hat. Aber bei Stein und Rey-
baud findet er „tout le monde“, und setzt daher „Jedermann44 in
Anführungszeichen. Er vergißt ferner, daß er den folgenden Satz
Steins, wodurch das „j a“ in seinem eignen Satze motiviert wird, ю
nicht mitgeteilt hat:
„Es treten ihm“ (Saint-Simon) „neben den Weisen oder Wis¬
senden die proprietaires und tout le monde aus
einander. Zwar sind Beide noch ohne eigentliche Grenze im
Verhältniß zu einander . . . dennoch liegt schon in jenem vagen 15
Bilde der tout le monde der Keim der Klasse verborgen, die zu
begreifen und zu heben die spätere Grundtendenz seiner Theorie
ward, der classe la plus nombreuse et la plus pauvre, wie in der
Wirklichkeit dieser Teil des Volkes damals nur potentiell da
war.44 p. 154. 20
Stein hebt hervor, daß Saint-Simon zwischen proprietaires und
tout le monde schon einen Unterschied, aber noch einen sehr
unbestimmten macht. Herr Grün verdreht dies dahin, daß Saint-
Simon den Unterschied überhaupt noch macht. Dies ist natür¬
lich ein großes Versehen von Saint-Simon und nur dadurch zu er- 25
klären, daß er in den Lettres auf dem Standpunkte der abstrakten
Wissenschaft sich befindet. Leider aber spricht Saint-Simon an
der fraglichen Stelle gar nicht, wie Herr Grün meint, von Unter¬
schieden in einer zukünftigen Gesellschaftsordnung. Er adressiert
sich wegen einer Subskription an die ganze Menschheit, die ihm, зо
wie er sie vorfindet, in drei Klassen geteilt erscheint: in drei Klas¬
sen, die nicht, wie Stein glaubt, savants, proprietaires und tout le
monde sind, sondern /[5b]/ 1) die savants und artistes und alle
Leute mit liberalen Ideen, 2) die Gegner der Neuerung, d. h. die
proprietaires, sofern sie sich nicht der ersten Klasse anschließen, 35
3) das surplus de l’humanite que se rallie au mot: Egalite. Diese
drei Klassen bilden tout le monde. Vgl. Saint-Simon, Lettres
p. 21, 22. Da St. Simon übrigens an einer späteren Stelle sagt, er
halte seine Verteilung der Gewalt für vorteilhaft für alle Klassen,
so entspricht in der Stelle, wo er von dieser Verteilung spricht, 40
p. 47 tout le monde offenbar dem surplus, das sich bei der Parole
Gleichheit ralliiert, ohne indes die andern Klassen auszuschlie¬
ßen. Stein hat also in der Hauptsache das Richtige getroffen, ob¬
wohl er die Stelle p. 21, 22 nicht berücksichtigt, und Herr Griin,
der das Original gar nicht kennt, klammert sich an das unbedeu- 45
IV. Karl Grün
485
tende Versehen Steins, um aus seinem Raisonnement sich baren
Unsinn zu abstrahieren.
Wir erhalten sogleich ein noch frappanteres Beispiel. P. 94,
wo Herr Grün gar nicht mehr von Saint-Simon sondern von seiner
5 Schule spricht, erfahren wir unerwartet:
„Saint-Simon sagt in einem seiner Bücher die mysteriö¬
sen Worte: Die Frauen werden zugelassen werden, sie werden
selbst ernannt werden können. Aus diesem fast tauben Saatkorn
ist der ganze ungeheure Spektakel der Emanzipation der Frauen
io entsprossen.66
Allerdings, wenn Saint-Simon in einer beliebigen Schrift
von einer Zulassung und Ernennung der Frauen, man weiß nicht
wozu, gesprochen hat, so sind dies sehr „mysteriöse Worte.66 Dies
Mysterium existiert aber nur für Herrn Grün. Das „eine der
15 Bücher66 Saint-Simons ist kein andres als die Lettres d’un habitant
de Geneve. Nachdem Saint-Simon hier gesagt hat, daß jeder
Mensch für den Newtonschen Rat oder dessen Abteilungen unter¬
schreiben kann, fährt er fort: Les femmes seront admises ä
souscrire, elles pourront etre nommees. — Natürlich, zu
2o einer Stelle in diesem Rat oder seinen Abteilungen. Stein hat diese
Stelle, wie sich gebührt, bei dem Buche selbst zitiert und macht
dabei folgende Bemerkung: Hier pp „finden sich alle Spuren
seiner späteren Ansicht und selbst seiner Schule im Keime
wieder, und selbst der erste Gedanke einer Emanzipation
25 der Frauen.66 p. 152. Stein hebt auch richtig in einer Note
hervor, daß Olinde Rodrigues diese Stelle in seiner Ausgabe von
1832 als einzige Belegstelle für die Frauenemanzipation bei Saint-
Simon selbst aus polemischen Gründen groß drucken ließ. Grün,
um seine Abschreiberei zu verbergen, versetzt diese Stelle von dem
зи Buch, wohin sie gehört, in die Schule, macht den obigen Unsinn
daraus, verwandelt Steins „Keim66 in ein „Saatkorn66 und bildet
sich kindischer Weise ein, die Lehre von der Emanzipation der
Frauen sei aus dieser Stelle hervorgegangen.
75c] / Herr Grün riskiert eine Ansicht über einen Gegensatz,
35 worin die „Briefe eines Bewohners von Genf66 zum „Katechismus
der Industriellen66 stehen sollen, und der darin besteht, daß im
Katechismus das Recht der travailleurs geltend gemacht wird.
Herr Grün mußte diesen Unterschied allerdings zwischen den ihm
von Stein und Reybaud überlieferten Lettres und dem ebenso
io überlieferten catechisme entdecken. Hätte er den Saint-Simon
selbst gelesen, so konnte er statt dieses Gegensatzes in den Lettres
schon sein „Saatkorn66 zu der unter Andern im Catechisme weiter
entwickelten Anschauung finden. Z. B. „Tous les hommes travail-
leront66, Lettres p. 60. „Si sa cerveile66 (des Reichen) „ne sera pas
45 propre au travail, il sera bien oblige de faire travailler ses bras;
486
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
car Newton ne laissera sürement pas sur cette planete ... des
ouvriers volontairement inutiles dans l’atelier.“ p. 64.
2. Catechisme politique des industriels
Da Stein diese Schrift gewöhnlich als Catechisme des indu¬
striels zitiert, so kennt Herr Grün keinen andern Titel. Die An- з
gäbe des richtigen Titels wenigstens wäre um so eher von Herrn
Grün zu verlangen gewesen als er da, wo er ex officio von dieser
Schrift spricht, ihr nur zehn Zeilen dediziert.
Nachdem Herr Grün aus Stein abgeschrieben hat, daß Saint-
Simon in dieser Schrift der Arbeit die Herrschaft geben will, io
fährt er fort:
„Die Welt teilt sich für ihn jetzt in Müßiggänger und Indu¬
strielle.“ p. 85.
Herr Grün begeht hier ein Falsum. Er schiebt dem Catechisme
eine Unterscheidung unter, die er bei Stein viel später, bei Ge-
legenheit der Saintsimonistischen Schule vorfindet: Stein p. 206:
„Die Gesellschaft besteht gegenwärtig nur aus Müßiggängern
und Arbeitern.“ (Enfantin.) /6/ Statt dieser untergeschobenen
Einteilung findet sich im Catechisme die Einteilung in drei Klas¬
sen, die classes feodale, intermediaire et industrielle, auf die 20
Herr Grün natürlich nicht eingehen konnte, ohne Stein abzuschrei¬
ben, da er den Catechisme selbst nicht kannte.
Herr Grün wiederholt hierauf noch einmal, daß die Herrschaft
derArbeit der Inhalt des Catechisme ist, und schließt dann seine
Charakteristik dieser Schrift folgendermaßen: 25
„Wie der Republikanismus sagt: Alles für das Volk, Alles
durch das Volk, so sagt Saint-Simon: Alles für die Industrie,
Alles durch die Industrie.44 (ibid.)
Stein p. 165: „Da Alles durch die Industrie geschieht, so muß
auch Alles für sie geschehen.“ зо
Wie Stein richtig angibt (p. 160, Note), findet sich bereits auf
der Schrift Saint-Simons: L’industrie von 1817 das Motto: Tout
par l’industrie, tout pour eile. Herrn Grüns Charakteristik des
Catechisme besteht also darin, daß er, außer dem obigen Falsum,
das Motto einer viel früheren Schrift, die er gar nicht kennt, 35
falsch zitiert.
Hiermit hat die deutsche Gründlichkeit den Catechisme poli¬
tique des industriels hinreichend kritisiert. Wir finden indes noch
an andern sehr zerstreuten Stellen des Griinschen Sammelsuriums
einzelne hieher gehörige Glossen. Herr Grün verteilt mit innerem 40
Vergnügen über seine eigene Schlauheit die Sachen, die er bei
Steins Charakteristik dieser Schrift zusammen findet, und ver¬
arbeitet sie mit anerkennenswerter Courage:
IV. Karl Grün
487
Herr Grün p. 87: „Die freie Konkurrenz war ein unreiner, ein
konfuser Begriff, ein Begriff, der in sich selbst eine neue Welt
von Kampf und /[6a]/ Unglück enthielt, den Kampf zwischen
Kapital und Arbeit und das Unglück des kapitallosen Arbeiters.
s Saint-Simon reinigte den Begriff der Industrie, er
reduzierte ihn auf den Begriff der Arbeiter, er
formulierte die Rechte und Beschwerden des vierten Stan¬
des, des Proletariats. Er mußte das Erbrecht aufheben, weil es
zum Unrecht am Arbeiter, am Industriellen wurde. Diese Bedeu-
io tung hat sein Katechismus der Industriellen.“
Herr Grün fand bei Stein p. 169 bei Gelegenheit des Cate¬
chisme: „Das ist mithin die wahre Bedeutung Saint-Simons, diesen
Gegensatz“ (von Bourgeoisie und Peuple) „als einen bestimmten
vorausgesehen zu haben.“ Dies das Original zu der „B edeu-
15 tung“ des Katechismus bei Herrn Grün.
Stein: „Er66 (Saint-Simon im Catechisme) „beginnt mit dem
Begriff des industriellen Arbeiters.“ Hieraus macht Herr Grün
den kolossalen Unsinn, daß Saint-Simon, der die freie Konkur¬
renz als einen „unreinen Begriff66 vorfand, „den Be-
2o griff der Industrie reinigte und ihn auf den Begriff
der Arbeiter reduzierte.“ Daß der Begriff des Herrn Grün
von der freien Konkurrenz und Industrie ein sehr „unreiner66 und
„konfuser“ ist, zeigt er an allen Ecken.
Noch nicht zufrieden mit diesem Unsinn, wagt er die direkte
25 Lüge, Saint-Simon habe die Aufhebung des Erbrechts verlangt.
Immer noch auf die Art gestützt, wie er den Catechisme nach
Stein versteht, sagt er p.88: „Saint-Simon hatte die Rechte des Pro¬
letariats festgesetzt, er hatte die neue Parole bereits ausgegeben:
Die Industriellen, die Arbeiter sollen auf die erste
зо Stufe der Macht erhoben werden. Das war /[6b]/ einseitig, aber
jeder Kampf führt die Einseitigkeit mit sich; wer nicht ein¬
seitig ist, kann nicht kämpfen.“ Herr Grün mit seiner schönredne¬
rischen Maxime von der Einseitigkeit begeht hier selbst die Ein¬
seitigkeit, den Stein dahin mißzuverstehen, Saint-Simon habe die
35 eigentlichen Arbeiter, die Proletarier, „auf die erste Stufe
der Macht erheben“ wollen. VergL p. 102, wo über Michel Che¬
valier gesagt wird: „M. Chevalier spricht noch mit sehr großer
Teilnahme von den Industriellen . . . aber dem Jünger sind
die Industriellen nicht mehr die Proletarier, wie dem
4o Meister; er faßt Kapitalist, Unternehmer und Arbeiter in
einen Begriff zusammen, rechnet also die Müßiggänger mit zu
einer Kategorie, die nur die ärmste und zahlreichste Klasse um¬
fassen sollte.“
Bei Saint-Simon gehören zu den Industriellen außer den Ar-
45 beitem auch die fabricants, negociants, kurz sämtliche in-
488
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
dustrielle Kapitalisten, an die er sich sogar vorzugs¬
weise adressiert. Herr Grün konnte dies bereits auf der ersten
Seite des Catechisme finden. Man sieht aber wie er ohne die
Schrift selbst je gesehen zu haben, nach dem Hörensagen belle¬
tristisch über sie phantasiert. 5
Bei seiner Besprechung des Catechisme sagt Stein: „Von . . .
kommt Saint-Simon zu einer Geschichte der Industrie
in ihrem Verhältnis zur Staatsgewalt ... er ist der erste, der es
zum Bewußtsein gebracht hat, daß in der Wissenschaft der In¬
dustrie ein staatliches Moment verborgen liege ... es läßt 10
sich nicht leugnen, daß ihm ein wesentlicher Anstoß gelungen ist.
Denn erst seit ihm besitzt Frankreich eine Histoire de l’economie
politique“ pp, p. 165, 170. Stein selbst ist im höchsten Grade
konfus, wenn er von einem „staatlichen Moment“ in „der Wissen¬
schaft der Industrie44 spricht. Er zeigt indes, daß er eine richtige 15
Ahnung hatte, indem er hinzufügt daß die Geschichte des Staats
aufs Genauste Zusammenhänge mit der Geschichte der Volkswirt¬
schaft.
Sehen wir, wie Herr Grün später, da er von der Saintsimonisti¬
schen Schule spricht, diesen Fetzen Steins sich aneignet. 20
/[6c]/ „Saint-Simon hatte in seinem Katechismus der Indu¬
striellen eine Geschichte der Industrie versucht, indem
er das staatliche Element in ihr hervorhob. Der Meister
selbst brach also die Bahn zur politischen Ökonomie.*4
p. 99. 25
Herr Grün verwandelt „also44 zunächst das „staatliche Mo¬
ment“ Steins in ein „staatliches Element“ und macht es zu
einer sinnlosen Phrase, indem er die näheren Data, die Stein ge¬
geben hatte, wegläßt. Dieser „Stein, den die Bauleute verworfen
haben“ ist für Herrn Grün wirklich zum „Eckstein“ seiner „Briefe зо
und Studien“ geworden. Zugleich aber auch zum Stein des An¬
stoßes. Aber noch mehr. Während Stein sagt, St. Simon hab*
durch Hervorhebung dieses staatlichen Moments in der Wissen¬
schaft der Industrie die Bahn gebrochen zur Geschichte de*
politischen Ökonomie, läßt Herr Grün ihn die Bahn zur poli- 35
tischen Ökonomie selbst brechen. Herr Grün räsonier
etwa so: Ökonomie gab es bereits vor Saint-Simon; wie Steil
erzählt, hob er das staatliche Moment in der Industrie hervoi,
machte also die Ökonomie staatlich — staatliche Ökonomie =
politische Ökonomie, also brach Saint-Simon die Bahn zur poli 40
tischen Ökonomie. Herr Grün verrät unleugbar einen sehr heiterr
Geist bei Bildung seiner Konjekturen.
Der Art. wie Herr Grün Saint-Simon die Bahn zur politischer
Ökonomie brechen läßt, entspricht die Art, wie er ihn die Bahr
zum wissenschaftlichen Sozialismus brechen läßt: ..Er“ (de? 45
IV. Karl Grün
489
Saintsimonismus) „enthält... den wissenschaftlichen Sozialismus,
indem Saint-Simon sein ganzes Leben lang nach der neuen Wis¬
senschaft suchte66! P.82.
3. Nouveau ch ri st i аn i sme
5 Herr Grün gibt in derselben glänzenden Weise wie bisher Aus¬
züge aus den Auszügen von Stein und Reybaud mit belletristi¬
scher Ausschmückung und unbarmherziger Zerreißung der bei
diesen zusammengehörigen Glieder. 7/ Wir geben nur ein Bei¬
spiel, um zu zeigen, daß er auch diese Schrift nie in der Hand
io gehabt hat.
„Es galt für Saint-Simon, eine einheitliche Weltanschauung
herstellen, wie sie für organische Geschichtsperioden paßt, die e r
ausdrücklich den kritischen gegenüberstellt. Seit Luther
leben wir nach seiner Meinung in einer kritischen Periode,
io er gedachte den Anfang der neuen organischen Periode zu
begründen. Daher das Neue Christentum.66 p. 88.
Saint-Simon hat nie und nirgends die organischen Ge¬
schichtsperioden den kritischen gegenübergestellt. Herr Grün lügt
dies geradezu. Erst Bazard machte diese Einteilung. Herr
2o Grün fand bei Stein und Reybaud, daß im Nouveau christianisme
Saint-Simon die Kritik Luthers anerkennt, aber seine positive,
dogmatische Doktrin mangelhaft findet. Herr Grün wirft die¬
sen Satz mit seinen Reminiszenzen aus eben denselben Quellen
über die saintsimonistische Schule zusammen, und fabriziert
25 daraus seine obige Behauptung.
Nachdem Herr Grün in der geschilderten Weise über Saint-
Simons Leben und Werke mit einziger Benutzung von Stein und
dessen Leitfaden Reybaud einige belletristische Phrasen gemacht
hat, schließt er mit dem Ausruf:
зо „Und diesen Saint-Simon haben die Philister der Moral, Herr
Reybaud und mit ihm die ganze Schar deutscher Nachschwätzer,
in Schutz nehmen zu müssen geglaubt, indem sie mit ihrer ge¬
wöhnlichen Weisheit orakelten, ein solcher Mensch, ein solches
Leben seien nicht nach gewöhnlichen Maßstäben zu messen!
35 — Sagt doch, sind Eure Maßstäbe von Holz? Sprecht die Wahr¬
heit, es soll uns lieb sein, wenn sie von recht festem Eichenstamm
sind. Gebt sie her, wir wollen sie als ein kostbares Geschenk dank¬
bar hinnehmen, wir wollen sie nicht verbrennen, behüte! Wir
wollen /[7a]/ den Rücken der Philister mit ihnen — messen.66
io p. 89.
Durch solche belletristische burschikose Phrasen dokumentiert
Herr Grün seine Überlegenheit über seine Vorbilder.
490
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
4. Saintsimonistische Schule
Da Herr Grün von den Saintsimonisten gerade soviel gelesen
hat, wie von Saint-Simon selbst, nämlich Nichts, so hätte er wenig¬
stens einen ordentlichen Auszug aus Stein und Reybaud machen,
die chronologische Reihenfolge beobachten, den Verlauf im Zu- 5
sammenhange erzählen, die nötigen Punkte erwähnen sollen. Statt
dessen tut er, durch sein böses Gewissen verleitet, das Gegenteil,
wirft möglichst durch einander, läßt die allernotwendigsten
Dinge aus, und richtet eine Konfusion an, die noch größer ist als
in seiner Darstellung von Saint-Simon. Wir müssen uns hier noch 10
kürzer fassen, da wir ein Buch schreiben müßten, so dick wie das
des Herrn Grün, um jedes Plagiat und jeden Schnitzer hervor¬
zuheben.
Über die Zeit vom Tode Saint-Simons bis zur Julirevolution,
die Zeit worin mit die bedeutendste theoretische Entwicklung des 15
Saintsimonismus fällt, erfahren wir nichts: Hiermit fällt sogleich
der bedeutendste Teil des Saintsimonismus, die Kritik der be¬
stehenden Zustände, ganz fort für Herrn Grün. Es war in der Tat
auch schwer, hierüber etwas zu sagen, ohne die Quellen selbst,
namentlich die Journale, zu kennen. 20
Herr Grün eröffnet seinen Kursus über die Saintsimonisten mit
folgendem Satze: „Jedem nach seiner Fähigkeit, jeder Fähigkeit
nach ihren Werken, so heißt das praktische Dogma des Saintsimo¬
nismus.“ Wie Reybaud p. 96 diesen Satz als Übergangspunkt von
Saint-Simon zu den Saintsimonisten darstellt, so Herr Grün, der 25
fortfährt: „Es entspringt unmittelbar aus dem letzten Worte
Saint-Simons: /[7b]/ allen Menschen die freiste Entwicklung ihrer
Anlagen zu sichern.“ Herr Grün wollte sich hier von Reybaud
unterscheiden. Reybaud knüpft dieses „praktische Dogma“ an
den nouveau christianisme an. Herr Grün hält dies für einen зо
Einfall Reybauds und substituiert dem nouveau christianisme un¬
geniert das letzte Wort Saint-Simons. Er wußte nicht, daß Rey¬
baud nur einen wörtlichen Auszug aus der Doctrine de Saint-
Simon, Exposition, premiere annee, p. 70 gab. — Herr Grün weiß
sich nicht recht zu erklären, wie hier bei Reybaud, nach einigen 35
Auszügen über die religiöse Hierarchie des Saintsimonismus, das
„praktische Dogma“ plötzlich hereingeschneit kommt. Während
dieser Satz erst im Zusammenhang mit den religiösen Ideen des
nouveau christianisme aufgefaßt, auf eine neue Hierarchie hin¬
weisen kann, während er ohne diese Ideen höchstens eine profane
Klassifikation der Gesellschaft verlangt, bildet sich Herr Grün
ein, aus diesem Satze allein folge die Hierarchie. Er sagt p. 91:
„Jedem nach seiner Fähigkeit, das heißt die katholische Hier¬
archie zum Gesetz der gesellschaftlichen Ordnung machen. Jeder
IV. Karl Grün
491
Fähigkeit nach ihren Werken: das heißt auch noch die Werkstatt
zur Sakristei, auch noch das ganze bürgerliche Leben in eine
Domäne des Pfaffen verwandeln.“ Bei Reybaud findet er näm¬
lich im oben erwähnten Auszug aus der Exposition: „L’eglise
5 vraiment universelle va paraitre . . . l’eglise universelle gou-
veme le temporel comme le spirituel ... la Science est sainte,
l’industrie est sainte ... et tout bien est bien d’eglise et toute
professsion est une fonction religieuse, un grade dans la hier-
archie sociale. — А chacun selon sa capacite, ä
Mchaque capacite selon ses oeuvres.“ Herr /[7c]/ Grün
hatte offenbar nur diese Stelle umzudrehen, nur die vorhergehen¬
den Sätze in Folgerungen aus dem Schlußsatz zu verwandeln, um
seinen ganz unbegreiflichen Satz herauszubringen.
„So wirr und kraus gestaltet sich“ die Grünsche Widerspiege-
15 lung des Saintsimonismus, daß er p. 90 erst aus dem „praktischen
Dogma“ ein „geistiges Proletariat“, aus diesem geistigen Prole¬
tariat eine „Hierarchie der Geister“, und aus dieser Hierarchie
der Geister eine Spitze der Hierarchie hervorgehen läßt. Hätte er
auch nur die Exposition gelesen, so würde er gesehen haben, wie
2o die religiöse Anschauungsweise des Nouveau christianisme in
Verbindung mit der Frage, wie denn die capacite festzustellen sei,
die Notwendigkeit der Hierarchie und ihrer Spitze hereinbringt.
Mit dem Einen Satz ä chacun selon sa capacite, ä chaque capa¬
cite selon ses oeuvres hat Herr Grün seine ganze Darstellung und
25 Kritik der Exposition von 1828—29 abgeschlossen. Den Pro-
ducteur und Organisateur erwähnt er außerdem kaum
einmal. Er blättert in Reybaud, und findet in dem Abschnitt:
Dritte Epoche des Saintsimonismus, p. 126, Stein p. 205: „... et
les jours suivants le G1 оbe parut avec le sous-titre de Jour-
J0nal de la doctrine de Saint Simon, laquelle etait
resumee ainsi sur la premiere page:
Religion
Science Industrie
Association universelle.“
36 Herr Grün springt nun immittelbar von dem obigen Satze ins
Jahr 1831, indem er folgendermaßen Reybaud verarbeitet
(p.91):
„Die Saintsimonisten stellten folgendes Schema ihres
Systems auf, dessen Formulierung besonders das Werk Bazards
40 war:
492
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Religion
Wissenschaft Industrie
Allgemeine Assoziation.44
/8/ Herr Grün läßt drei Sätze fort, die ebenfalls auf deim
Titel des Globe stehen und sich Alle auf praktische soziale R<e- з
formen beziehen. Sie finden sich sowohl bei Stein wie bei Rey¬
baud. Er tut dies, um dies bloße Aushängeschild eines Journals
in ein „Schema44 des Systems verwandeln zu können. Er ver¬
schweigt, daß es auf dem Titel des Globe stand, und kann nun im
verstümmelten Titel dieses Blattes den ganzen Saintsimonismus ю
durch die kluge Bemerkung kritisieren, daß die Religion oben¬
an stehe. Er konnte übrigens bei Stein finden, daß im Globe dies
keineswegs der Fall ist. Der Globe enthält, was Herr Grün freilich
nicht wissen konnte, die ausführlichsten und wichtigsten Kritiken
der bestehenden, besonders der ökonomischen Zustände. — Woher
Herr Grün die neue aber wichtige Nachricht hat, daß die „Formu¬
lierung dieses Schemas44 von vier Worten „besonders das
Werk Bazards war44, ist schwer zu sagen.
Vom Januar 1831 springt Herr Grün jetzt zurück zum Okto¬
ber 1830: 20
„Ein kurzes, aber umfassendes Glaubensbekenntnis adressier¬
ten die Saintsimonisten in der Periode Bazard44 (woher
die?) „kurz nach der Julirevolution an die Deputiertenkammer,
nachdem die Herren Dupin und Mauguin sie von der Tribüne
herab bezichtigt hatten, Güter- und Weibergemeinschaft zu leh- 25
ren.44 Folgt nun diese Adresse, und macht Herr Grün darauf die
Bemerkung: „Wie vernünftig und gemessen ist das Alles noch.
Bazard redigierte die Eingabe an die Kammer.44 p. 92—94. Was
zunächst diese Schlußbemerkung betrifft, so sagt Stein p. 205:
„Seiner Form und Haltung nach stehen wir keinen Augenblick an. зо
es44 (dies Aktenstück) „mit Reybaud Bazard mehr zuzuschrei¬
ben als Enfantin.44 Und Reybaud p. 123: „Aux formes, aux pre-
tentions assez moderees de cet ecrit il est facile de voir qu’il
provenait p 1 ü t о t de l’impulsion de M. Bazard que de celle de son
collegue.44 /[8a]/ Herrn Grüns geniale Kühnheit verwandelt Rey- 35
bauds Vermutung, daß Bazard eher als Enfantin den Anstoß zu
dieser Adresse gab, in die Gewißheit, daß er sie ganz redigierte.
Der Übergang zu diesem Aktenstück ist übersetzt aus Reybaud
p. 122: „MM. Dupin et Mauguin signalerent du haut de la tribune
une secte qui prechait la communaute des biens et la communaute 40
des femmes.44 Nur läßt Herr Grün das von Reybaud gegebne Da¬
tum weg und sagt dafür: „kurz nach der Julirevolution44. Die Chro¬
nologie paßt überhaupt nicht in die Art des Herrn Grün, sich vor.
IV. Karl Grün
493
seinen Vorgängern zu emanzipieren. Von Stein unterscheidet er
sich hier, indem er in den Text setzt, was bei Stein in einer Note
steht, indem er den Eingangspassus der Adresse wegläßt, indem
er fonds de production (produktives Kapital) mit „Grund ver-
5 mögen“ und classement social des individus (gesellschaftliche
Klassifizierung der Individuen) mit „gesellschaftliche Ordnung
der Einzelnen66 übersetzt.
Folgen nun einige liederliche Notizen über die Geschichte der
saintsimonistischen Schule, welche mit derselben künstlerischen
10 Plastik aus Stein, Reybaud und L. Blanc zusammengewürfelt
sind, wie oben das Leben Saint-Simons. Wir überlassen dem Leser,
diese im Buche selbst nachzusehen.
Wir haben dem Leser jetzt Alles mitgeteilt, was Herr Grün
vom Saintsimonismus in der Periode Bazard, d.h. seit dem Tode
15 Saint-Simons bis zum ersten Schisma, zu sagen weiß. Er kann
jetzt einen belletristisch-kritischen Trumpf ausspielen, indem er
Bazard einen „schlechten Dialektiker66 nennt und fortfährt:
„Aber so sind die Republikaner. Sie wissen nur zu sterben,
Cato wie Bazard; wenn sie sich nicht /[8b]/ erdolchen, lassen sie
2o sich das Herz brechen.66 p.95.
„Wenige Monate nach diesem Streite brach ihm66 (Bazard)
„d а s H e r z.66 Stein p. 210.
Wie richtig die Bemerkung des Herr Grün ist, beweisen Repu¬
blikaner wie Levasseur, Camot, Barrere, Billaud-Varennes, Buo-
25 narotti, Teste, D’Argenson etc. etc.
Folgen nun einige banale Phrasen über Enfantin, wo wir bloß
auf folgende Entdeckung des Herrn Grün aufmerksam machen:
„Wird es an dieser geschichtlichen Erscheinung endlich klar, daß
die Religion nichts ist als Sensualismus, daß der Materialismus
зо kühn denselben Ursprung in Anspruch nehmen darf, wie das hei¬
lige Dogma selbst?66 p. 97. Herr Grün blickt selbstgefällig um
sich: „Hat wohl schon Jemand daran gedacht?66 Er würde
nie „daran gedacht66 haben, wenn nicht schon die Hallischen Jahr¬
bücher bei Gelegenheit der Romantiker „daran gedacht66 hätten.
35 Man hätte übrigens hoffen können, daß seit der Zeit Herr Grün
weiter gedacht hätte.
Herr Grün weiß, wie wir gesehen haben, von der ganzen ökono¬
mischen Kritik der Saintsimonisten Nichts. Indessen benutzt er
Enfantin, um auch über die ökonomischen Konsequenzen Saint¬
no Simons, von denen er schon oben fabelte, ein Wort zu sagen. Er
findet nämlich bei Reybaud p. 129 und Stein p. 206 Auszüge aus
der politischen Ökonomie Enfantins, verfälscht aber auch hier,
indem er die Aufhebung der Steuern auf die notwendigsten
Lebensbedürfnisse, welche Reybaud und Stein nach Enfantin
45 richtig als Konsequenz der Vorschläge über das Erbrecht dar¬
494
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
stellen, zu einer gleichgültigen, unabhängigen Maßregel neben
diesen Vorschlägen macht. Er beweist auch darin seine Origina¬
lität, daß er die chronologische Ordnung verfälscht, zuerst vom
Priester Enfantin und Menilmontant, und dann vom Öko¬
nomen Enfantin spricht, während seine Vorgänger die Ökonomie >
Enfantins /[8c]/ in der Periode Bazard, gleichzeitig mit dem
Globe behandeln, für den sie geschrieben wurde. Wenn er hier
die Periode Bazard in die Periode Menilmontant hereinzieht, so
zieht er später, wo er von der Ökonomie und M. Chevalier spricht,
wieder die Periode von Menilmontant herein. Das livre nouveau 10
gibt ihm hiezu Gelegenheit, und wie gewöhnlich verwandelt er die
Vermutung Reybauds, daß M. Chevalier der Verfasser dieser
Schrift sei, in eine kategorische Behauptung.
Herr Grün hat jetzt den Saintsimonismus „in seiner Gesamt¬
heit“ (p. 82) dargestellt. Er hat sein Versprechen gehalten, „ihn is
nicht in seine Literatur hinein kritisch zu verfolgen“ (ibid.) und
hat sich daher in eine ganz andere „Literatur“, in Stein und Rey¬
baud, höchst unkritisch verwickelt. Zum Ersatz gibt er uns einige
Aufschlüsse über M. Chevaliers ökonomische Vorlesungen von
1841—42, wo er längst aufgehört hatte, Saintsimonist zu sein. 20
Herrn Grün lag nämlich, als er über den Saintsimonismus schrieb,
eine Kritik dieser Vorlesungen in der Revue des deux Mondes
vor, die er in derselben Weise benutzen konnte wie bisher Stein
und Reybaud. Wir geben nur eine Probe seiner kritischen Ein¬
sicht: 25
„Er behauptet darin, es würde nicht genug produziert. Das ist
ein Wort, ganz würdig der alten ökonomischen Schule mit ihren
verrosteten Einseitigkeiten ... So lange die politische Ökonomie
nicht einsieht, daß die Produktion abhängig von der Konsumtion
ist, so lange kommt diese sogenannte Wissenschaft auf keinen 30
grünen Zweig.“ p. 102.
Man sieht, wie Herr Grün mit den ihm vom wahren Sozialis¬
mus überlieferten Phrasen über Konsumtion und Produktion weit
über jedes ökonomische Werk erhaben dasteht. Abgesehen davon,
daß er in jedem Ökonomen finden kann, daß die Zufuhr auch /9/ 3*
von der Nachfrage, d. h. die Produktion von der Konsumtion ab¬
hängt, gibt es in Frankreich sogar eine eigne ökonomische Schule,
die von Sismondi, die die Produktion in einer andern Weise von
der Konsumtion abhängig machen will als dies durch die freie
Konkurrenz ohnehin der Fall ist, und die den entschiedensten Ge- 40
gensatz bildet zu den von Herrn Grün angefeindeten Ökonomer.
Wir werden Herrn Grün übrigens erst später mit dem ihm anver¬
trauten Pfunde, der Einheit von Produktion und Konsumtion, mit
Erfolg wuchern sehen.
Herr Grün entschädigt den Leser für die durch seine dünner, **
ГѴ. Karl Grün
495
verfälschten und mit Phrasen adulterierten Auszüge aus Stein und
Reybaud erregte Langeweile durch folgendes jungdeutsch sprühen¬
des, humanistisch glühendes und sozialistisch blühendes Raketen¬
feuer:
5 „Der ganze Saint-Simonismus als soziales System war nichts
weiter als ein Sprudelregen von Gedanken, den eine wohltätige
Wolke über den Boden Frankreichs ausgoß“ (früher p. 82, 83
eine „Lichtmasse, aber noch als Lichtchaos“ (!), „nicht als ge¬
ordnete Helle66!!). „Er war ein Schaustück von der erschüt-
io temdsten und lustigsten Wirkung zugleich. Der Dichter starb noch
vor der Aufführung, der eine Regisseur während der Vorstellung;
die übrigen Regisseure und sämtliche Schauspieler legten ihre Ko¬
stüme ab, schlüpften in ihre bürgerlichen Kleider hinein, gingen
heim und taten als sei Nichts vorgefallen. Es war ein Schauspiel,
15 ein interessantes, zuletzt etwas verwirrt, einige Akteure chargier¬
ten — das war Alles.66 p. 104.
Wie richtig hat Heine seine Nachkläffer beurteilt: „Ich habe
Drachenzähne gesäet und Flöhe geerntet.66
Fourierismus
го Außer einigen Übersetzungen über die Liebe aus den quatre
mouvements erfahren wir auch hier nichts, was nicht schon bei
Stein vollständiger ist. Die Moral fertigt Herr Grün mit einem
Satze ab, der schon lange vor Fourier von hundert anderen Schrift-
/[9a]/stellem gesagt war: „Die Moral ist nach Fourier weiter
го nichts als der systematische Versuch, die Leidenschaften der Men¬
schen zu unterdrücken.66 p. 147. Die christliche Moral hat sich
selbst nie anders definiert. Auf Fouriers Kritik der jetzigen Land¬
wirtschaft und Industrie geht Herr Grün gar nicht ein, und be¬
gnügt sich zur Kritik des Handels einige allgemeine Sätze aus der
зо Einleitung (Origine de l’economie politique et de la controverse
mercantile, p. 332,334 der quatre mouvements) zu einem Ab¬
schnitt der quatre mouvements zu übersetzen. Folgen dann einige
Auszüge aus den quatre mouvements und einer aus dem traite de
l’association über die französische Revolution, nebst den schon aus
35 Stein bekannten Tabellen über die Zivilisation. So wird der kri¬
tische Teil Fouriers, der wichtigste, auf 28 Seiten wörtlicher Über¬
setzungen, die sich mit sehr wenigen Ausnahmen auf das Aller¬
allgemeinste und Abstrakteste beschränken und Wichtiges und
Unwichtiges durcheinanderwerfen, mit der größten Oberflächlich-
4o keit und Hast abgefertigt.
496
Deutsche Ideologie. Der vahre Sozialismus
Herr Grün geht nun zur Darstellung des fourierschen Systems
über. Vollständigeres und Besseres liegt längst in der schon von
Stein zitierten Schrift von C h о u г о а vor. Herr Grün hält es
zwar für „unumgänglich nötig44, tiefe Aufschlüsse über die Serien
Fouriers zu geben, weiß aber zu diesem Behufe nichts besseres 5
zu tim, als wörtliche Zitate aus Fourier selbst zu übersetzen und
später, wie wir sehen werden, einige belletristische Phrasen über
die Zahl zu machen. Er denkt nicht daran, zu zeigen, wie Fourier
auf die Serien kam und wie er und seine Schüler Serien kon¬
struiert haben; er gibt nicht den geringsten Aufschluß über die 10
innere Konstruktion dieser Serien. Derartige Konstruktionen ge¬
rade wie die Hegelsche Methode, werden nur kritisiert, indem
/[9b]/ man aufzeigt, wie sie zu machen sind und dadurch be¬
weist, daß man Herr über sie ist. — Bei Herrn Grün tritt endlich
ganz in den Hintergrund, was Stein wenigstens einigermaßen 15
hervorhebt, der Gegensatz von travail repugnant und travail
attrayant.
Die Hauptsache bei dieser ganzen Darstellung ist die Kritik
Fouriers durch Herrn Grün. Wir rufen dem Leser ins Gedächtnis
zurück, was wir schon oben über die Quellen der Grünschen Kri- 20
tik sagten, und werden nun an einigen Beispielen zeigen, wie Herr
Grün die Sätze des wahren Sozialismus erst akzeptiert, und dann
übertreibt und verfälscht. Daß die Fouriersche Teilung zwischen
Kapital, Talent und Arbeit einen prächtigen Stoff zu breiter Klug¬
tuerei bietet, daß man hier über die Unmöglichkeit und Unge- 25
rechtigkeit der Teilung, über das Hereinkommen der Lohnarbeit
usw. weitläuftiges Gerede machen kann, ohne diese Teilung aus
dem wirklichen Verhältnis von Arbeit und Kapital zu kriti¬
sieren, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Proudhon hat das vor
Herrn Grün schon Alles unendlich besser gesagt, ohne damit den зо
Kem der Frage auch nur berührt zu haben.
Die Kritik der Psychologie Fouriers schöpft Herr Grün,
wie seine ganze Kritik, aus dem „Wesen des Menschen44:
„Denn das menschliche Wesen ist Alles in Allem.44 p. 190.
„Fourier appelliert ebenfalls an dies menschliche Wesen, ces- 35
sen inneres Gehäuse44 (!) „er uns auf seine Weise in der Tafel 1er
zwölf Leidenschaften enthüllt; auch er will, was alle redlichen
und vernünftigen Köpfe wollen, das innere Wesen des Menschen
zur Wirklichkeit, zur Praxis machen. Was drinnen ist, soll
auch draußen sein, und so der Unterschied zwischen*#
drinnen und draußen überhaupt aufgehoben
werden. Die Geschichte der Menschheit wimmelt von Sozia¬
listen, wenn wir sie an diesem Merkmale erkennen wollen . . es
kommt bei Jedem nur darauf an, was er sich unter dem Wesen
/[9c]/ des Menschen denkt.44 p. 190. *5
IV. Karl Grün
497
Oder vielmehr es kommt den wahren Sozialisten nur darauf
an, Jedem Gedanken über das Wesen des Menschen unterzuschie¬
ben und die verschiedenen Stufen des Sozialismus in verschiedne
Philosophien des Wesens des Menschen zu verwandeln. Diese un-
5 geschichtliche Abstraktion verleitet hier Herrn Grün dazu, die
Aufhebung alles Unterschiedes zwischen Innen und Außen zu
proklamieren, eine Aufhebung, die sogar der Fortpflanzung des
Wesens des Menschen ein Ende machen würde. Man sieht übri¬
gens gar nicht ein, weshalb die Deutschen so erschrecklich mit
10 ihrer Weisheit vom Wesen des Menschen renommieren, da ihre
ganze Weisheit, die drei allgemeinen Eigenschaften, Verstand,
Herz und Wille bereits seit Aristoteles und den Stoikern ziemlich
allgemein bekannt sind. Von diesem Standpunkt aus, wirft Herr
Grün Fourier vor, daß er den Menschen in zwölf Leidenschaften
15 „zerklüftet66. „Von der Vollständigkeit dieser Tafel, psycho¬
logisch gesprochen, will ich gar nicht reden; ich halte sie für
ungenügend66 — (wobei sich, „psychologisch gesprochen66, das
Publikum beruhigen mag) — „Weiß man etwa durch diese Zwölf¬
zahl, was der Mensch ist? Noch keinen Augenblick. Fourier
2o hätte ebensogut bloß die fünf Sensitiven nennen können; in ihnen
liegt der ganze Mensch, wenn man sie erklärt, wenn man
den menschlichen Inhalt derselben zu deuten versteht66 (als wenn
dieser „menschliche Inhalt66 nicht ganz von der Stufe der Produk¬
tion und des Verkehrs der Menschen abhinge). „Ja, der Mensch
25 liegt ganz allein in Einem Sinne, im Gefühle, er fühlt anders
als das Tier66 pp p. 205.
Man sieht, wie Herr Grün, hier zum ersten Male im ganzen
Buche, sich anstrengt, um vom Feuerbachschen Standpunkte nur
irgend etwas über Fouriers Psychologie zu sagen. Man sieht eben-
зо falls, welch eine Phantasie dieser „ganze Mensch66 ist, der in einer
einzigen Eigenschaft eines wirklichen Individuums „liegt66 und
vom Philosophen aus ihr heraus interpretiert wird; was das über¬
haupt für ein „Mensch66 ist, der nicht in seiner wirklichen ge¬
schichtlichen /10/ Tätigkeit und Dasein angeschaut wird, son-
35 dem aus seinem eignen Ohrläppchen oder sonstigen Unterschei¬
dungsmerkmal vom Tier gefolgert werden kann. Dieser Mensch
„liegt66 in sich selbst, wie sein eigner Comedon. Daß das mensch¬
liche Gefühl menschlich und nicht tierisch ist, diese Einsicht
macht natürlich nicht nur jeden psychologischen Versuch über-
40 flüssig, sondern ist auch zugleich die Kritik aller Psychologie.
Fouriers Behandlung der Liebe kann Herr Grün sehr leicht
kritisieren, indem er dessen Kritik der jetzigen Liebesverhältnisse
an den Phantasien mißt, in denen Fourier sich eine Anschauung
von der freien Liebe zu geben suchte. Herr Grün nimmt diese
45 Phantasien ernsthaft als echter deutscher Philister. Sie sind das
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 32
498
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Einzige, das er ernsthaft nimmt. Wollte er einmal auf diese Seite
des Systems eingehen, so ist nicht abzusehen, weshalb er nicht
auch auf Fouriers Ausführungen über Erziehung einging, die bei
weitem das beste sind, was in dieser Art existiert und die genial¬
sten Beobachtimgen enthalten. Übrigens verrät Herr Grün bei Ge- 5
legenheit der Liebe, wie wenig er als echter jungdeutscher Belle¬
trist von Fouriers Kritik gelernt hat. Er meint, es sei einerlei, ob
man von der Aufhebung der Ehe oder des Privateigentums aus¬
gehe, eins müsse immer das Andre nach sich ziehen. Es ist aber
reine belletristische Phantasie, von einer andern Auflösung der 10
Ehe, als wie sie sich schon jetzt in der bürgerlichen Gesellschaft
praktisch vorfindet, ausgehen zu wollen. Bei Fourier selbst
konnte er finden, daß dieser überall nur von der Umänderung der
Produktion ausgeht.
Es nimmt Herrn Grün Wunder, daß Fourier, der doch überall 15
von der Neigung (soll heißen Attraktion) ausgeht, allerlei „ma¬
thematische46 Versuche /[10a]/ macht, weshalb er auch p. 203
der „mathematische Sozialist66 genannt wird. Selbst die ganzen
Lebensverhältnisse Fouriers aus dem Spiel gelassen, hätte Herr
Grün auf die Attraktion näher eingehen müssen, wo er sehr bald 20
gefunden haben würde, daß solch ein Naturverhältnis nicht ohne
Berechnung näher bestimmt werden kann. Statt dessen regaliert
er uns mit einer belletristischen, mit Hegelschen Traditionen ver¬
quickten Philippika gegen die Zahl, worin Stellen vorkommen
wie: Fourier „berechnet die Moleküle Deines abnormsten Ge- 25
schmackes66, ein wahres Wunder — ferner: „Die so hart befehdete
Zivilisation beruhte auf dem herzlosen Einmaleins . . . die Zahl
ist nichts Bestimmtes, . . . Was ist Eins? Die Eins hat keine Ruhe,
sie wird Zwei, Drei, Vier66 — es geht ihr wie dem deutschen Lard-
pfarrer, der auch „keine Ruhe66 hat bis er eine Frau und nean зо
Kinder hat. . . . „Die Zahl tötet alles Wesentliche und Wirkliche,
was ist eine halbe Vernunft, was ist ein Drittel Wahrheit66 — er
hätte auch fragen können, was ist ein grün angelaufener Logarih-
mus? . . . „bei der organischen Entwicklung wird die Zahl ver¬
rückt66 . . . ein Satz, worauf die Physiologie und organische Cie- 35
mie beruhen, (p. 203, 204). „Wer die Zahl zum Maße der Dirge
nimmt, der wird, nein — der i s t ein Egoist.66 — An diesen Sitz
kann er den ihm von Heß überlieferten (s. oben) Übertreibeid
anknüpfen: „Der ganze Fouriersche Organisationsplan beruht auf
Nichts als auf Egoismus... Der ärgste Ausdruck des zivilisierten 40
Egoismus ist gerade Fourier.46 p. 206, 208. Er beweist dies ю-
gleich, indem er erzählt, wie in der Fourierschen Weltordnuig
der Ärmste täglich von 40 Schüsseln speist, 5 Mahlzeiten täglch
genommen werden, die Leute 144 Jahre alt werden und der'l.
mehr. Die kolossale Anschauung der Menschen, die Fourier cer 45
IV. Karl Grün
499
bescheidnen Mittelmäßigkeit /[10b]/ der Restaurationsmenschen
mit naivem Humor gegenüberstellt, gibt Herr Grün bloß Ge¬
legenheit, die unschuldigste Seite herauszunehmen und darüber
moralische Philisterglossen zu machen.
j Indem Herr Grün Fourier Vorwürfe macht über seine Auf¬
fassung der französischen Revolution, gibt er zugleich einen Vor¬
schmack seiner eignen Einsicht in die Revolutionszeit: „Hätte
man nur vierzig Jahre früher um die Assoziation gewußt66 (läßt er
Fourier sagen), „so wäre die Revolution vermieden worden. Wie
io kam es denn aber66 (fragt Herr Grün), „daß der Minister Turgot
das Recht zur Arbeit kannte und daß dennoch der Kopf Ludwigs
XVI. fiel? Mit dem Rechte zur Arbeit hätte man doch leichter, als
mit Hühnereiern, die Staatsschuld bezahlen können.66 p. 211. Herr
Grün übersieht nur die Bagatelle, daß das Recht zur Arbeit, wo-
и von Turgot spricht, die freie Konkurrenz ist, und daß eben diese
freie Konkurrenz die Revolution nötig hatte, um sich durchzu¬
setzen.
Herr Grün kann seine ganze Kritik Fouriers zusammenfassen
in dem Satz, daß Fourier „die Zivilisation66 keiner „gründlichen
2o Kritik66 unterworfen habe. Und warum tat Fourier dies nicht?
Man höre:
„Sie ist kritisiert worden in ihren Erscheinungen, nicht
in ihren Grundlagen; sie ist als daseiendes perhorres-
ziert, lächerlich gemacht, in ihrer Wurzel aber nicht unter¬
es sucht worden. Weder die Politik noch die Religion sind
vor das Forum der Kritik gezogen worden, und deshalb blieb das
Wesen des Menschen ununtersucht.66 p. 209.
Herr Grün erklärt hier also die wirklichen Lebensverhältnisse
der Menschen für Erscheinungen, Religion und Politik
зо aber für die Grundlage und Wurzel dieser Erscheinun¬
gen. Man sieht an diesem abgeschmackten Satze, wie die wahren
Sozialisten die ideologischen Phrasen der deutschen Philosophie
gegenüber den wirklichen Darstellungen /[10c]/ französischer
Sozialisten als höhere Wahrheit geltend machen und zugleich, wie
35 sie ihr eigentliches Objekt, das Wesen des Menschen, mit den
Resultaten der französischen Kritik der Gesellschaft zu verbinden
streben. Daß wenn Religion und Politik als Grundlage der mate¬
riellen Lebensverhältnisse gefaßt werden, Alles in letzter Instanz
auf Untersuchungen über das Wesen des Menschen, d. h. über das
4o Bewußtsein des Menschen von sich selbst ausläuft, ist ganz natür¬
lich. — Man sieht zugleich, wie wenig es dem Herrn Grün darauf
ankommt, was er abschreibt; an einer späteren Stelle, wie auch in
den Rhein. Jahrbüchern, eignet er sich in seiner Weise an, was in
den deutsch-französischen Jahrbüchern über das Verhältnis von
32*
500
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
citoyen und bourgeois gesagt war und was dem obigen Satze direkt
widerspricht.
Wir haben dem Leser bis zuletzt die Ausführung des vom wah¬
ren Sozialismus Herrn Grün anvertrauten Satzes über Produktion
und Konsumtion vorbehalten. Sie ist ein schlagendes Exempel, з
wie Herr Grün die Sätze des wahren Sozialismus als Maßstab an
die Leistungen der Franzosen legt und sie dadurch, daß er sie aus
ihrer völligen Unbestimmtheit herausreißt, als vollständigen Un¬
sinn darlegt.
„Produktion und Konsumtion lassen sich in der Theorie und in 10
der äußern Wirklichkeit zeitlich und räumlich trennen,
dem Wesen nach sind sie nur Eins. Ist nicht die Tätigkeit des ge¬
wöhnlichsten Gewerbes, z. B. des Brotbackens, eine Produktion,
welche für hundert Andre zur Konsumtion wird? Ja, welche es
für den-Backenden selbst ist, der ja Korn, Wasser, Milch, Eier pp is
konsumiert? Ist die Konsumtion von Schuhen und Kleidern nicht
die Produktion bei Schustern und Schneidern? . . . Produziere ich
nicht, wenn ich Brot esse? Ich produziere ungeheuer, ich produ¬
ziere Mühlen, Backtröge, Back-/ll/öfen und folglich Pflüge,
Eggen, Dreschflegel, Mühlräder, Schreinerarbeit, Maurerarbeit66 20
(„und folglich66 Schreiner, Maurer und Bauern, „folglich66 ihre
Eltern, „folglich66 alle ihre Vorfahren, „folglich66 Adam). „Kcn-
sumiere ich nicht, wenn ich produziere? Ebenfalls ungeheuer...
Lese ich ein Buch, so konsumiere ich zwar zunächst das Produkt
ganzer Jahre, wenn ich es für mich behalte oder verderbe, ich kon- 25
sumiere den Stoff und die Tätigkeit der Papierfabrik, der Buch¬
druckerei, des Buchbinders. Produziere ich aber nichts? Ich pro¬
duziere vielleicht ein neues Buch, und dadurch neues Papier, neie
Typen, neue Druckerschwärze, neue Buchbinderwerkzeuge; lese
ich es bloß, und lesen es tausend Andre auch, so produzieren wir зо
durch unsre Konsumtion eine neue Auflage, und dadurch alle jeie
Materialien, die zur Beschaffung derselben erforderlich sind. Die
Alles das verfertigen, konsumieren wieder eine Masse Rohmate¬
rial, das aber produziert werden will, und nur durch Konsumtion
produziert werden kann... Mit Einem Worte, Tätigkeit uid 35
Genuß sind Eins, eine verkehrte Welt hat sie nur aus einander
gerissen, hat den Begriff des Wertes und Preises zwischen
Beide hineingeschoben, durch diesen Begriff den Menschen mitten
auseinander gerissen und mit dem Menschen die Gesellschaft66
p. 191, 192. 40
Produktion und Konsumtion stehen in der Wirklichkeit viel¬
fach im Widerspruch gegen einander. Man braucht aber nur dü¬
sen Widerspruch wahrhaft zu interpretieren, das wahe
Wesen der Produktion und Konsumtion zu begreifen, un
die Einheit Beider herzustellen, und allen Widerspruch aufzi- 45
IV. Karl Grün
501
heben. Diese deutsch-ideologische Theorie paßt daher auch ganz
vortrefflich auf die bestehende Welt; die Einheit von Produktion
und Konsumtion wird an Exempeln aus der gegenwärtigen Gesell¬
schaft bewiesen, sie existiert an sich. /[11a]/ Herr Grün be-
6 weist vor allen Dingen, daß überhaupt ein Verhältnis zwischen
Produktion und Konsumtion existiert. Er setzt auseinander, daß
er keinen Rock tragen, kein Brot essen kann, ohne daß Beides pro¬
duziert ist, und daß es in der heutigen Gesellschaft Leute gibt, die
Röcke, Schuhe, Brot produzieren, von welchen Dingen andre Leute
io die Konsumenten sind. Herr Grün hält diese Einsicht für neu. Er
drückt sie in einer klassischen, belletristisch-ideologischen Sprache
aus. Z. B.: „Man glaubt, der Genuß des Kaffees, des Zuckers
usw. sei bloße Konsumtion; ist dieser Genuß aber nicht Produk¬
tion in den Kolonien?66 Er hätte ebensogut fragen können: Ist
15 dieser Genuß nicht der Genuß der Peitsche für den Negersklaven
und die Produktion von Prügeln in den Kolonien? Man sieht, wie
bei dieser überschwenglichen Manier nichts als eine Apologie der
bestehenden Zustände herauskommt. Die zweite Einsicht des Herrn
Grün besteht darin, daß er konsumiert, wenn er produziert, näm-
20 lieh das Rohmaterial, überhaupt die Produktionskosten; dies ist
die Einsicht, daß Nichts aus Nichts wird, daß er Material
haben muß. Er konnte in jeder Ökonomie unter dem Kapitel:
Reproduktive Konsumtion ausgeführt finden, welche verwickelten
Beziehungen in dies Verhältnis hereinkommen, wenn man sich
25 nicht mit Hern Grün auf die triviale Erkenntnis beschränkt, daß
man ohne Leder keine Stiefel machen kann.
Bisher hat Herr Grün sich davon überzeugt, daß produziert
werden muß, um zu konsumieren und daß bei der Produktion Roh¬
material konsumiert wird. Die eigentliche Schwierigkeit / [11b] /
зо für ihn beginnt da, wo er beweisen will, daß er produziert, wenn
er konsumiert. Herr Grün macht hier einen gänzlich verfehlten
Versuch, sich über das allertrivialste und allgemeinste Verhältnis
von Nachfrage und Zufuhr ein geringes Licht zu verschaffen. Er
bringt es zu der Einsicht, daß seine Konsumtion, d. h. seine Nach-
35 frage, neue Zufuhr produziert. Er vergißt aber, daß seine Nach¬
frage eine effektive Nachfrage sein, daß er ein Äquivalent
für das verlangte Produkt bieten muß, damit sie neue Produk¬
tion hervorrufe. Die Ökonomen beziehen sich ebenfalls auf die
Untrennbarkeit von Konsumtion und Produktion, und die absolute
4o Identität von Nachfrage und Zufuhr, gerade wenn sie beweisen
wollen, daß nie Überproduktion stattfindet; aber so ungeschickte
und triviale Dinge wie Herr Grün bringen sie nicht vor. Übrigens
ist diese Manier ganz dieselbe, wodurch alle Adlige, Pfaffen, Ren¬
tiers usw. von jeher ihre Produktivität bewiesen haben. Herr
45 Grün vergißt ferner, daß Brot heutzutage durch Dampfmühlen,
502
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
früher durch Wind- und Wassermühlen, noch früher durch Hand¬
mühlen produziert wurde, daß diese verschiedenen Produktions¬
weisen vom bloßen Brotessen gänzlich unabhängig sind, und also
eine geschichtliche Entwicklung der Produktion hereinkommt, an
die der „ungeheuer produzierende66 Herr Grün nicht denkt. Daß з
mit diesen verschiedenen Stufen der Produktion auch verschie¬
dene Verhältnisse der Produktion zur Konsumtion, verschiedne
Widersprüche Beider gegeben sind, daß diese Widersprüche zu
verstehen sind nur aus einer Betrachtung, zu lösen nur durch eine
praktische Veränderung der jedesmaligen Produktionsweise und jo
des ganzen darauf basierenden gesellschaftlichen Zustandes, das
ahnt Herr Grün nicht. Wenn Herr Grün in seinen übrigen Bei¬
spielen an Trivialität schon unter den allergewöhnlichsten Ökono¬
men steht, so beweist er bei seinem Beispiel vom Buch, daß diese
viel „menschlicher66 sind /[11c]/ als er. Sie verlangen gar nicht, n
daß er, wenn er ein Buch konsumiert hat, sogleich ein neues
produziere! Sie sind damit zufrieden, daß er seine eigne Bildung
dadurch produziert und damit auf die Produktion überhaupt
günstig wirkt. Durch die Auslassung des Mittelgliedes, der baren
Zahlung, die Herr Grün durch bloße Abstraktion von ihr über- 20
flüssig macht, wodurch seine Nachfrage erst effektiv wird,
verwandelt sich die reproduktive Konsumtion des Herrn Grün in
ein blaues Wunder. Er liest, und durch sein bloßes Lesen setzt
er die Schriftgießer, Papierfabrikanten und Drucker in den Stand,
neue Typen, neues Papier, neue Bücher zu produzieren. Seine 25
bloße Konsumtion ersetzt allen diesen Leuten die Produktions¬
kosten. Wir haben übrigens bisher die Virtuosität hinreichend
nachgewiesen, womit Herr Grün aus alten Büchern neue Bücher
herauszulesen und sich als Produzent von neuem Papier, neuen
Typen, neuer Druckerschwärze und neuen Buchbinderwerkzeugen зо
um die kommerzielle Welt verdient zu machen weiß. Der erste
Brief des Grünschen Buchs endet mit den Worten: „Ich stehe im
Begriff, mich in die Industrie zu stürzen.66 Nirgendwo im ganzen
Buche verleugnet Herr Grün diese seine Devise.
Worin bestand also die ganze Tätigkeit des Herrn Grün? Um 35
den Satz des wahren Sozialismus von der Einheit von Produktion
und Konsumtion zu beweisen, nimmt Herr Grün seine Zuflucht zu
den allertrivialsten Sätzen der Ökonomie über Nachfrage und Zu¬
fuhr, und um diese wieder für seinen Zweck zu-/12/rechtzustutzen,
wirft er aus ihnen die notwendigen Mittelglieder heraus und ver- 40
wandelt sie damit in reine Phantasien. Der Kem des Ganzen ist
also eine unwissende und phantastische Verklärung der bestehen¬
den Zustände.
Charakteristisch ist noch der sozialistische Schluß, worin er
wieder ganz seinen deutschen Vorgängern nachstammelt. Pro- 45
IV. Karl Grün
503
duktion und Konsumtion sind getrennt, weil eine verkehrte Welt
sie auseinandergerissen hat. Wie fing das diese verkehrte Welt
an? Sie schob einen Begriff zwischen Beide. Durch diesen
Schub riß sie den Menschen mitten auseinander. Damit
5 nicht zufrieden, reißt sie hierdurch die Gesellschaft, d.h. sich
selbst, ebenfalls mitten auseinander. Diese Tragödie hat sich im
Jahre 1845 zugetragen.
Die Einheit von Konsumtion und Produktion, die bei den wah¬
ren Sozialisten ursprünglich die Bedeutung hat, daß die Tätigkeit
io selbst Genuß bieten soll ( bei ihnen freilich eine rein phantastische
Vorstellung), wird von Herrn Grün dahin weiter bestimmt, daß
„Konsumtion und Produktion, ökonomisch gesprochen, sich
decken müssen66 (p. 196), daß kein Überschuß der Produkten¬
masse über die unmittelbaren Konsumtionsbedürfnisse stattfinden
15 darf, womit natürlich alle Bewegung ein Ende hat. Er wirft daher
auch Fourier mit wichtiger Miene vor, daß er diese Einheit durch
eine Überproduktion stören wolle. Herr Grün vergißt,
daß die Überproduktion nur durch ihren Einfluß auf den Tausch¬
wert der Produkte Krisen hervorruft, und daß nicht nur bei Fou-
2o rier, sondern auch in der besten Welt des Herrn Grün der Tausch¬
wert verschwunden ist. Über diese philisterhafte Albernheit ist
weiter nichts zu sagen, als daß sie des wahren Sozialismus wür¬
dig ist.
Herr Grün wiederholt an vielen Orten mit großer Selbstgefäl-
25 ligkeit seinen Kommentar zur Theorie des wahren Sozialismus
über Produktion und Konsumtion. So auch bei Gelegenheit Prou-
dhons: „Predigt die soziale Freiheit der Konsumenten, so habt
Ihr die wahre Gleichheit der Produktion.66 p. 433. Nichts leichter
als das zu predigen! Der Fehler lag bisher bloß daran, „daß die
зо Konsumenten nicht erzogen, nicht /Г12а]/ gebildet sind, daß nicht
Alle menschlich konsumieren.66 p.432. „Dieser Gesichts¬
punkt, daß die Konsumtion der Maßstab der Produktion ist,
nicht umgekehrt, ist der Tod jeder bisherigen ökonomischen An¬
schauung.66 (ibid.) „Die wahre Solidarität der Menschen unter¬
es einander macht sogar den Satz zur Wahrheit, daß die Konsumtion
eines Jeden die Konsumtion Aller zur Voraussetzung hat.66 (ibid.)
Die Konsumtion eines Jeden hat innerhalb der Konkurrenz plus
ou moins fortwährend die Konsumtion Aller zur Voraussetzung,
ebenso wie die Produktion eines Jeden die Produktion Aller. Es
4o handelt sich nur darum, wie, in welcher Weise dies der Fall ist.
Hierauf antwortet Herr Grün nur mit dem moralischen Postulat
der menschlichen Konsumtion, der Erkenntnis des „wahren
Wesens der Konsumtion66 (p. 432). Da er von den wirklichen
Produktions- und Konsumtionsverhältnissen nichts weiß, so bleibt
45 ihm keine andre Zuflucht übrig, als der letzte Schlupfwinkel der
504
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
wahren Sozialisten, das Wesen des Menschen. Aus demselben
Grunde beharrt er darauf, nicht von der Produktion, sondern von
der Konsumtion auszugehen. Wenn man von der Produktion aus¬
geht, so muß man sich um die wirklichen Produktionsbedingun¬
gen und die produktive Tätigkeit der Menschen bekümmern. Wenn 5
man aber von der Konsumtion ausgeht, so kann man sich bei der
Erklärung, daß jetzt nicht „menschlich66 konsumiert werde und
bei dem Postulat der „menschlichen Konsumtion66, der Erziehung
zur wahren Konsumtion und dergleichen Phrasen beruhigen, ohne
sich im Geringsten auf die wirklichen Lebensverhältnisse der ю
Menschen und ihre Tätigkeit einzulassen.
Schließlich ist noch zu erwähnen, /[12b]/ daß gerade die Öko¬
nomen, die von der Konsumtion ausgingen, reaktionär waren und
das revolutionäre Element in der Konkurrenz und großen Indu¬
strie ignoriert haben. w
Der „bornierte Papa Gäbet66 und Herr Grün
Herr Grün schließt seinen Exkurs über die fourieristische
Schule und Herrn Reybaud mit folgenden Worten:
„Ich will den Arbeitsorganisierem das Bewußtsein ihres
Wesens beibringen, ich will ihnen historisch zeigen, 20
woher sie stammen . . . diesen Zwittern . . . die auch nicht den
mindesten Gedanken aus sich selbst geschöpft
haben. Und später werde ich vielleicht Raum finden, an dem
Herrn Reybaud ein Exempel zu statuieren, nicht nur an Herrn
Reybaud, sondern auch an Herrn Say. Im Grunde genommen ist 25
der erstere so schlimm nicht, er ist bloß dumm; der Zweite aber
ist mehr als dumm, er ist gelehrt.
Also.66 p. 260.
Die gladiatorische Stellung, in die sich Herr Grün wirft, seine
Drohungen gegen Reybaud, die Verachtung gegen die Gelehrsam- зо
keit, seine schmetternden Versprechungen, alles das sind sichre
Zeichen, daß er hier mit großen Dingen schwanger geht. Im vollen
„Bewußtsein seines Wesens66 ahnten wir aus diesen Symptomen,
daß Herr Grün im Begriffe stehe, einen der ungeheuerlichsten
plagiarischen Coups auszuführen. Wenn man seiner Taktik ein- 35
mal auf die Spur gekommen ist, verliert seine Marktschreierei
ihre Unschuld und löst sich überall in eine pfiffige Berechnung
auf.
„Also66:
IV. Karl Grün
505
Folgt ein Kapitel mit der Überschrift:
„Die Organisation der Arbeit!“
„Wo wurde dieser Gedanke geboren? — In Frankreich. — Aber wie?“
Auch unter der Etikette:
5 / [12c]/ „Rückblick auf das achtzehnte Jahrhundert.66
„Wo wurde dies66 Kapitel des Herrn Grün „geboren? In Frank¬
reich. Aber wie?66 Das wird der Leser sogleich erfahren.
Noch einmal erinnre sich der Leser, daß Herr Grün hier den
französischen Arbeitsorganisierem das Bewußtsein ihres Wesens
io durch eine historische Demonstration auf gründliche deutsche
Weise beibringen will.
Also.
Als Herr Grün gemerkt hatte, daß Cabet „borniert66 und seine
„Mission eine längst in sich abgeschlossene66 sei, was er freilich
и längst gemerkt hatte, hörte nicht „natürlich alles auf66. Im Gegen¬
teil, er gab dem Cabet die neue Mission, in einigen willkürlich zu¬
sammengewürfelten Zitaten den französischen „Hintergrund66 zu
Herrn Grüns deutscher Geschichte der sozialistischen Entwicklung
des 18ten Jahrhunderts zu bilden.
2o Wie beginnt er dies? Er liest „produktiv66.
Cabet in seiner Voyage en Icarie würfelt im zwölften
und dreizehnten Kapitel die Meinungen alter und neuer Autori¬
täten für den Kommunismus zusammen. Er macht durchaus nicht
die Prätension eine historische Bewegung zu schildern. Der Kom-
25 munismus gilt den französischen Bourgeois für eine anrüchige
Person. Gut, sagt Cabet, ich werde Euch Zeugenbeweise der re¬
spektabelsten Männer aller Zeiten beibringen, die für den Cha¬
rakter meines Klienten einstehen; und Cabet verfährt wie ein
Advokat. Selbst die seinem Klienten ungünstigen Zeugenaussagen
зо verwandelt er in günstige. Historische Treue ist in einem Plaidoyer
nicht zu verlangen. Wenn ein berühmter Mann gelegentlich ein¬
mal gegen das Geld, gegen die Ungleichheit, gegen den Reichtum,
gegen soziale Mißstände ein Wort hat fallen lassen, Cabet hebt es
auf, bittet es zu wiederholen, macht es zum Glaubensbekenntnis
35 des Mannes, läßt es drucken, klatscht in die Hände und ruft mit
ironischer Bonhommie seinem geärgerten Bourgeois zu: Ecoutez,
ecoutez, n’etait-il pas Communiste? Da entgeht ihm keiner, nicht
Montesquieu, nicht Sieyes, /13/ nicht Lamartine, nicht einmal
Guizot — Alles Kommunisten malgre eux. Voilä mon Communiste
io tout trouve!
Herr Grün in seiner produktiven Laune liest die von Cabet für
das achtzehnte Jahrhundert gesammelten Zitate; er zweifelt keinen
Augenblick, daß das alles seine Richtigkeit habe, er phantasiert
506
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
dem Leser einen mystischen Zusammenhang vor zwischen den
Schriftstellern, die bei Gäbet sich zufällig auf einer Seite begeg¬
nen, er übergießt das Ganze mit seiner jungdeutsch-belletristischen
Jauche und tauft es dann wie oben.
Also.
Herr Grün:
Herr Grün eröffnet seinen
Rückblick mit folgenden Wor¬
ten:
„Die soziale Idee ist nicht
vom Himmel gefallen, sie ist or¬
ganisch, d. h. im Wege der all¬
mählichen Entwicklung entstan¬
den. Ich kann hier ihre vollstän¬
dige Geschichte nicht schreiben,
kann nicht bei Indern und Chi¬
nesen beginnen, nach Persien,
Ägypten und Judäa übergehen,
die Griechen und Römer um ihr
gesellschaftliches Bewußtsein
fragen, das Christentum, den
Neuplatonismus und die Patri¬
stik verhören, das Mittelalter
und die Araber reden lassen, die
Reformation und die erwachen¬
de Philosophie untersuchen,
und so bis aufs achtzehnte Jahr¬
hundert kommen.“ p. 261.
Cabet:
Cabet eröffnet seine Zitate
mit folgenden Worten:
„Vous pretendez, adversai- 10
res de la communaute qu’elle
n’a pour eile que quelques opi-
nions sans credit et sans poids;
eh bien, je vais interroger de-
vant vous l’histoire et tous les /5
philosophes: ecoutez! Je ne
m’arrete pas ä vous parier de
plusieurs peuples anciens, qui
pratiquaient ou avaient prati-
que la communaute des biens! 20
Je ne m’arrete non plus aux
Hebreux ... ni aux pretres
figyptiens, ni ä Minos... Ly-
curgue et Pythagore ... je ne
vous parle non plus de Confu- 25
cius et de Zoroastre, qui I’un en
Chine et I’autre en Perse . . .
proclamerent ce principe.66 Vo-
yage en Icarie, deuxieme edi-
tion p. 470. зо
Nach den angeführten Stellen geht Cabet auf die griechische
und römische Geschichte ein, verhört das Christentum, den Neu¬
platonismus, die Patristik, das Mittelalter, die Reformation, die
erwachende Philosophie. Vgl. Cabet p. 471—482. Herr Griin
überläßt das Abschreiben dieser elf Seiten andern „geduldigeren 35
Leuten, dafem der Bücherstaub den66 (zum Abschreiben nämlich)
„nötigen Humanismus in ihrem Herzen hat bestehen lassen.66 Gr.
p. 261. Nur das soziale Bewußtsein der Araber gehört Herrn
Grün. Wir harren mit Sehnsucht der Aufschlüsse, die er hierüber
der Welt mitzuteilen hat. „Ich muß mich aufs achtzehnte Jahr- 40
hundert beschränken66. Folgen wir Herrn Grün ins achtzehn.e
Jahrhundert und bemerken wir nur vorher, daß fast ganz die¬
selben Worte bei Grün wie bei Cabet unterstrichen sind.
IV. Karl Grün
507
Herr Grün: „Locke, der
Begründer des Sensualismus,
sagt: Derjenige, welcher über
seine Bedürfnisse hinaus besitzt,
5 überspringt die Grenzen der
Vernunft und der ursprüng¬
lichen Gerechtigkeit und raubt,
was Andern gehört. Jeder
Überfluß ist eine Usur¬
pation, und der Anblick des
Dürftigen muß die Gewissens¬
bisse in der Seele des Reichen
erwecken. Verderbte Menschen,
die ihr im Überflüsse und der
15 Wollust schwimmt, zittert, daß
eines Tages der Unglückliche,
der desNotwendigen ermangelt,
wahrhaft die Rechte
des Menschen kennen
го 1 e r n e — der Betrug, die Treu¬
losigkeit, die Habsucht haben
die Ungleichheit des Besitzes
hervorgebracht, welche das
Unglück des mensch¬
lichen Geschlechts aus¬
macht, indem sie auf der
einen Seite neben den Reich¬
tümer, auf der andern /[13 a]/
neben dem Elende alle Leiden
so aufhäuft. Der Philosoph
muß also den Gebrauch
der Münze als eine der
verderblichsten Erfin¬
dungen der menschli-
ajchen Industrie betrach¬
ten.“ p. 266.
Cabet: Mais voici Locke,
ecoutez-le s’ecrier dans son ad-
mirable Gouvernement
c i v i 1: „Celui qui possede au
delä de ses besoins, passe les
bornes de la raison et de la
justice primitive et enleve ce
qui appartient aux aut-
re s. Toute superfluite est
une Usurpation, et la vue
de l’indigent devrait eveiller le
remord dans Farne du riche.
Hommes pervers, qui nagez
dans l’opulence et les voluptes,
tremblez qu’un jour l’infortune
qui manque du necessaire n’ap-
prenne ä connaitre vraiment les
droits de l’homm e.“ Ecou¬
tez le s’ecrier encore: „La frau-
de, la mauvaise foi, l’avarice
ont produit cette i n e g а 1 i t e
dans les fortunes, qui
fait le malheur de l’espe-
ce humaine, en amoncelant
d’un cote tous les vices avec la
richesse et de l’autre tous les
maux avec la misere“ (woraus
Herr Grün /[13a]/ Unsinn
macht). „Le philosophe doit
donc considerer l’usage de la
m о n n а i e comme une des plus
funestes inventionsdel’indu-
strie humaine.66 p. 485.
Herr Grün schließt aus diesen Zitaten Cabets, daß Locke „ein
Gegner des Geldsystems66 (p. 264) „der erklärteste Gegner des
Geldes und jedes Besitzes, der über das Bedürfnis hinausgeht,66
4o (p. 266) gewesen sei. Leider ist dieser Locke einer der ersten wis¬
senschaftlichen Verfechter des Geldsystems, ein ganz spezieller
Patron des Durchpeitschens der Vagabunden und Paupers, einer
der doyens der modernen Nationalökonomie.
508
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Herr Grün: „Schon Bos-
s u e t, der Bischof von Meaux,
sagt in seiner Politik aus der
heiligen Schrift gezogen: „Ohne
die Regierungen (ohne die Poli¬
tik66 — lächerlicher Zusatz des
Herrn Grün) „würde die Erde
nebst allen ihren Gütern ebenso
gemeinschaftlich den Menschen
gehören als Luft und Licht;
nach dem Urrechte der Natur
hat Niemand das besondre Recht
auf irgend etwas. Alles ge¬
hört Allen, aus der bür¬
gerlichen Regierung
entspringt das Eigen-
t u m.66 Ein Pfaff aus dem sieb¬
zehnten Jahrhundert besitzt die
Ehrlichkeit, solche Dinge zu sa¬
gen, solche Anschauungen! Auch
der germanische Puffen-
dorf, den man66 (i. e. Herr
Grün) „nur aus einem Schiller¬
sehen Epigramm kennt, meinte:
„Die gegenwärtige Un¬
gleichheit des Vermö¬
gens ist eine Ungerech¬
tigkeit, welche die übrigen
Ungleichheiten nach sich ziehen
kann durch die Unver¬
schämtheit der Reichen und
durch die Feigheit der Ar¬
men.6666 p. 270. Herr Grün fügt
noch hinzu: „Wir wollen nicht
abschweifen, sondern in Frank¬
reich bleiben.66
Cabet: „ficoutez le banon
de Puffendorff, professenir
de droit naturel en Ällemagme
et conseiller d’etat ä Stockholm
et ä Berlin, qui dans son droit 5
de la nature et des gens refuite
la doctrine d’Hobbes et de Gro-
tius sur la monarchie absoluie,
qui proclame l’egalite naturelle,
la fraternite, la communauite 10
des biens primitive, et qui re-
connait que la propriete est ume
institution humaine qu’elle re-
sulte d’un partage consenti ponir
assurer ä chacun et surtout au is
travailleur une possession per-
petuelle, indivise ou divise et
que par consequent l’inegalite
actuelle de fortune est une i n -
justice qui n’entraine les 20
autres inegalites66 (unsinnig von
Herrn Grün übersetzt) „que par
l’insolence des riches
et la lächetedes pauv-
res. — 25
Et Bossuet, l’eveque de
Meaux, le precepteur du dau-
phin de France, le celebre Bos¬
suet, dans sa politique
tirc de l’ecriture sain-м
te, redigöe pour l’instruction
du Dauphin, ne reconnait-il pas
aussi que sans les gouveme-
ments la terre et tous les biens
seraient aussi communs entre 35
les hommes que I’air et la hi¬
ndere: selon le droit primitif de
la nature nul n’a le droit parti-
culier sur quoi que c e s о i t:
tout est ä tous, et c’est du'0
gouvernement civil, que nait la
propriete.66 p.486.
Herrn Grüns „Abschweifung66 von Frankreich besteht darin,
daß Cabet einen Deutschen zitiert. Er orthographiert sogar den
IV. Karl Grün
509
deutschen Namen nach der unrichtigen Orthographie des Franzo¬
sen. Abgesehen davon, daß er gelegentlich falsch übersetzt und
ausläßt, überrascht er durch seine Verbesserungen. Cabet spricht
zuerst von Pufendorff und dann von Bossuet, Herr Grün spricht
5 zuerst von Bossuet und dann von Pufendorff. Cabet spricht von
Bossuet als einem berühmten Mann; Herr Grün nennt ihn „einen
Pfaffen66. Cabet zitiert den Pufendorff mit seinen Titeln; Herr
Grün macht die aufrichtige Bemerkung, daß man ihn nur aus
einem Schillerschen Epigramm kenne. Jetzt kennt er ihn auch aus
10 einem Cabetschen Zitat, und es zeigt sich, daß der bornierte Fran¬
zose Cabet nicht nur seine eignen Landsleute, sondern auch die
Deutschen besser studiert hat als Herr Grün.
/[13b]/ Cabet sagt: „Ich beeile mich auf die großen Philo¬
sophen des achtzehnten Jahrhunderts zu kommen, und ich beginne
15 mit Montesquieu.66 p. 487; Herr Grün, um auf Montesquieu zu
kommen, beginnt mit einer Schilderung „des legislativen Genies
des achtzehnten Jahrhunderts66, p. 282. Man vergleiche ihre wech¬
selseitigen Zitate aus Montesquieu, Mably, Rousseau, Turgot. Uns
genügt es hier, Cabet und Herrn Grün über Rousseau und Turgot
го zu vergleichen. Cabet kommt von Montesquieu zu Rousseau; Herr
Grün konstruiert diesen Übergang: „Rousseau war der radikale
Politiker, wie Montesquieu der
Herr Grün zitiert aus
Rousseau: „Dasgrößte Übel
26 ist schon geschehen, wenn man
Arme zu verteidigen und Reiche
im Zaum zu halten hat etc.66. . .
зо (endet mit den Worten) „wo¬
raus folgt, daß der soziale Zu¬
stand den Menschen nur dann
vorteilhaft ist, wenn sie Alle von
ihnen etwas und keiner von
35 ihnen zuviel hat.66 Rousseau
wird nach Herrn Grün „konfus
und völlig schwankend, wenn er
sich über die Frage erklären
soll: welche Umwandlung geht
4o mit dem früheren Besitz vor,
wenn der naturwilde Mensch in
die Gesellschaft tritt. Was ant¬
wortet er? Er antwortet: Die Na¬
tur hat alle Güter gemeinschaft¬
konstitutionelle.66
Cabet: „ Ecoutez mainte-
nant Rousseau, l’auteur de
cetimmortel contrat social
. . . ecoutez: „Les hommes sont
egaux en droit. La nature а ren-
du tous les biens communs . . .
dans le cas de partage le part de
chacun devient sa propriete.
Dans tous les cas la societe est
toujours seule proprietaire de
tous les biens66 (Pointe, die Herr
Grün wegläßt). Ecoutez encore:
. . . (endet:) d’oü il suit, que
l’etat social n’est avantageux
aux hommes, qu’autant qu’ils
ont tous quelque chose, et
qu’aucun d’eux n’a rien de trop.
Ecoutez, öcoutez encore Rous¬
seau dans son e соn оm i e
p о 1 i t i q u e: „Le plus grand
mal est deja fait quand on а des
pauvres ä defendre, et des riches
510
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
lieh gemacht66... (endet mit ä contenir66, etc. etc. p. 489,
den Worten:) „im Fall einer 490.—
Teilung wird der Anteil eines
Jeden sein Eigentum.66 p. 284,
285. — 5
Herrn Grüns geniale Neuerungen bestehen hier darin, erstens,
daß er die Zitate aus dem Contrat social und der Economie po»li-
tique durcheinanderwirft, und zweitens, daß er damit anfängt,
womit Cabet schließt. Cabet nennt die Titel der Rousseauschen
Schriften, woraus er zitiert, Herr Grün verschweigt sie. Diese io
Taktik erklären wir daraus, daß Cabet von einer economie poli-
tique des Rousseau spricht, die Herr Grün nicht einmal aus einem
Schillerschen Epigramme kennen kann. Herrn Grün, der alle Ge¬
heimnisse der Enzyklopädie durchschaut hat (vgl. p. 263), war es
ein Geheimnis, daß Rousseaus economie politique nichts Andres is
ist als der Artikel der Enzyklopädie über die ёсопотіе politique.
Gehen wir zu T u r g о t über. Bei diesem begnügt sich Herr
Grün nicht mehr mit dem bloßen Kopieren der Zitate, er schreibt
die Schilderung ab, die Cabet von Turgot gibt.
Herr Grün: „Einer der Cаbet: „Et cependant tan- 20
edelsten und vergeblichsten Ver¬
suche, auf dem Boden des Al¬
ten, das den Zusammensturz al-
lerwärts drohte, das Neue auf¬
zupflanzen, wurde von Turgot
gemacht. /[13c]/ Umsonst. Die
Aristokratie bringt eine künst¬
liche Hungersnot, bringt Revol¬
ten zu Wege, kabaliert und ver¬
leumdet so lange, bis der de-
bonnäre Ludwig seinen Mini¬
ster — entläßt. Die Aristokra¬
tie wollte nicht hören, sie mu߬
te also fühlen. Die Entwicklung
der Menschheit rächt immer die
guten Engel, welche den letzten
dringenden Mahnruf vor einer
Katastrophe ergehen lassen, auf
das Furchtbarste. Das französi¬
sche Volk segnete Turgot, Vol¬
taire wünschte ihm vor seinem
Tode die Hand zu küssen, der
König hatte ihn seinen Freund
genannt . . . Turgot, der Baron,
dis que le roi declare, que lui
seul et son ministre (Turgot)
sont dans la cour les amis du
peuple, tandis que le peuple le
comble de ses bene-/ [13c]/ die- 25
tions, tandis que les philoso-
phes le couvrent de leur admira-
tion, tandis que Voltaire veut,
avant de mourir, baiser la
main qui а signe tant d’amelio- зо
rations populaires, l’aristocratie
conspire, organise meme une
vaste famine et des erneutes
peur le perdre et fait tant par
ses intrigues et calomnies qu’el- 35
le parvient ä dechainer les sa-
lons de Paris contre le refonra-
teur et ä perdre Louis XVI lui
meme en le forgant ä renvoyer
le vertueux ministre qui le sau-
verait. p. 497. — Revenons ä
Turgot, Baron, ministre Je
Louis XVI pendant la premiere
annee de son regne, qui veut re-
IV. Karl Grün
511
der Minister, einer der letzten
Feudalherren trug sich mit dem
Gedanken, man müsse eine
Hauspresse erfinden, um die
5 Preßfreiheit völlig sicher zu
stellen.66 p. 289, 290.
former les abus, qui fait une
foule de reformes, qui veut fai¬
re etablir une nouvelle langue
et qui pour assurer la liberte de
la presse travaille lui meme ä
l’invention d’une presse ä domi-
cile.66 p. 495.
Cabet nennt Turgot Baron und Minister, Herr Grün schreibt
ihm dies ab. Um Cabet zu verschönern, verwandelt er den jüngsten
io Sohn des Prevöts der Kaufleute von Paris in „einen der älte¬
sten Feudalherren.66 Cabet irrt sich, wenn er die Hungersnot
und die Revolte von 1775 als Machwerk der Aristokratie hinstellt.
Bis auf die heutige Zeit ist man über die Urheber des Geschreis
über die Hungersnot und der damit zusammenhängenden Be-
15 wegung nicht aufgeklärt. Jedenfalls hatten die Parlamente und
populäre Vorurteile weit mehr Anteil daran als die Aristokratie.
Daß Herr Grün diesen Irrtum des „bornierten Papa66 Cabet ab¬
schreibt, ist in der Ordnung. Er glaubt an ihn wie an ein Evan¬
gelium. Auf Cabets Autorität gestützt, zählt Herr Grün Turgot
го unter die Kommunisten, Turgot, einen der Chefs der physiokra-
tischen Schule, den entschiedensten Vertreter der freien Konkur¬
renz, den Verteidiger des Wuchers, den Lehrer Adam Smiths.
Turgot war ein großer Mann, weil er seiner Zeit entsprach und
nicht den Einbildungen des Herrn Grün. Wie diese entstanden
25 sind, haben wir gezeigt.
Gehen wir nun zu den Männern der französischen Revolution
über. Cabet setzt seinen Bourgeois, gegen den er plädiert, in die
äußerste Verlegenheit, indem er Sieyes unter die Vorläufer des
Kommunismus zählt, und zwar weil Sieyes die Gleichheit der
зо Rechte anerkenne und das Eigentum erst durch den Staat sanktio¬
nieren lasse, Cabet p. 499—502. Herr Grün, der „jedesmal dazu
verdammt ist, den französischen Geist, wenn er ihn in der Nähe
hat, ungenügend und oberflächlich zu finden66, schreibt dies ge¬
trost ab und bildet sich ein, ein alter Parteichef wie Cabet sei dazu
35 berufen, den „Humanismus66 des Herrn Grün „vor dem /14/
Bücherstaub66 zu konservieren. Cabet fährt fort: „Ecoutez le fa-
meux Mirabeau!“ p.504, Herr Grün sagt: „Hören wir Mirabeau!66
p. 292, und zitiert einige der von Cabet hervorgehobenen Stellen,
worin Mirabeau sich für gleiche Teilung der Erbschaft unter den
40 Geschwistern ausspricht. Herr Grün ruft aus: „Kommunismus
für die Familie!66 p. 292. Nach dieser Methode kann Herr Grün
sämtliche Bourgeois-Institutionen durchgehen und überall ein
Stück Kommunismus finden, so daß sie alle zusammen der voll¬
endete Kommunismus sind. Er kann den Code Napoleon einen
512
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Code de la communaute taufen, und in den Hurenhäusern, Kia¬
semen und Gefängnissen kommunistische Kolonien entdecken.
Schließen wir diese langweiligen Zitate mit Condorcet.
Die Vergleichung der beiden Bücher wird dem Leser hier ga.nz
speziell zeigen, wie Herr Grün ausläßt, durcheinanderwirft, baild 5
Titel zitiert, bald nicht, die chronologischen Daten wegläßt, aber
genau der Ordnung Cabets folgt, selbst wenn dieser nicht gemau
nach der Chronologie geht, und schließlich es doch nie weitter
bringt als zu einem schlecht und ängstlich maskierten Auszu.ge
aus Cabet. 10
Herr Grün: „Der radi¬
kale Girondist ist Condorcet.
Er erkennt die Ungerechtigkeit
der Besitzverteilung an, er ent¬
schuldigt das arme Volk . . .
wenn das Volk ein wenig die¬
bisch aus Prinzip sei, so liege
das an den Institutionen.
„In seinem Journal: Der so¬
ziale Unterricht ... er gestattet
sogar große Kapitalisten . . .
„Condorcet machte bei der
Legislative den Antrag, die 100
Millionen der drei emigrierten
Prinzen in 100000 Teile zu
verteilen . . . organisiert den
Unterricht und die Einrich¬
tung öffentlicher Unterstützun¬
gen66 (vergl. Urtext).
„In seinem Bericht über
die öffentliche Erziehung an die
Legislative sagt Condorcet: „Al¬
len Individuen der mensch¬
lichen Gattung die Mittel dar¬
bieten, ihre Bedürfnisse zu be-
Cabet: Entendez Con¬
dorcet soutenir dans sa гё-
ponse ä l’academie de Berlin66
. .. (kommt lange Stelle bei Ca¬
bet, schließt): „C’est donc uni- 13
quement,.parce que les institu-
tions sont mauvaises que le
peuple est si souvent un peu vo-
leur par principe.
Ecoutez-le dans son joumal 20
l’Instruction sociale...
il tolere meme de grands capi-
talistes. pp
Ecoutez l’un des chefs Giron-
dins, le philosophe Condorcet, 25
le 6 Juillet 1792 ä la tribune
de l’assemblee legislative: De-
cretez que les biens des trois
princes frangais (Louis XVIII,
Charles X, et le prince de Conde66 зо
— was Herr Grün wegläßt —)
„soientsur-le-champmisenvente
. . . ils montent ä pres de 100
millions, et vous remplacerez
trois princes par Cent mille ci- 35
toyens . . . organisez l’instruc-
tion et les etablissements
de secours publics.
Mais ecoutez le comite d’in-
struction publique presentant ä 40
l’assemblee legislative son
rapport sur le plan d’education
redige par Condorcet, 20 Avril
1792: „L’education publique
ГѴ. Karl Grün
513
friedigen . . . das ist der Gegen¬
stand des Unterrichts und die
Pflicht einerStaatsgewalt etc.66 66
(Hier verwandelt Herr Grün
5 den Bericht des Comites über
Condorcets Plan in einen Be¬
richt Condorcets.) Grün p. 293,
294.
doit offrir ä tous les individus
les moyens de pourvoir ä leurs
besoins . . . tel doit etre le pre-
mier but d’une instruction na¬
tionale et sous ce point de vue
eile est pour la puissance poli¬
tique un devoir de justice66 66 pp
p. 502, 503, 505, 509.
Herr Grün, der durch diese unverschämte Abschreiberei aus
ю Cabet den französischen Arbeitsorganisierern auf historischem
Wege das Bewußtsein ihres Wesens beibringt, verfährt nebenbei
noch nach dem Prinzip: Divide et impera. Er wirft zwischen die
Zitate sogleich sein Endurteil über die Leute, die er so eben aus
einer Stelle kennen gelernt, ferner einige Phrasen über die fran-
15 zösische Revolution, und teilt das Ganze in zwei Hälften durch
einige /[14a]/ Zitate aus Morelly, der gerade zur rechten Zeit
für Herrn Grün durch Villegardelle in Paris en vogue gebracht
und von dem die Hauptstellen bereits lange vor Herrn Grün im
Pariser „Vorwärts66 übersetzt worden waren. Von der Liederlich-
2o keit, mit der Herr Grün übersetzt, hier nur ein paar eklatante
Beispiele:
Morelly: „L’interet rend les coeurs den atures et repand
l’amertume sur les plus doux liens, qu’il change en de pesantes
chaines que detestent chez nous les epoux en se
25 detestant eux-memes.66
Herr G rün: „Das Interesse macht die Herzen unnatür¬
lich und verbreitet Bitterkeit über die süßesten Bande, die es
in schwere Ketten verwandelt, welche unsre Gatten ver¬
abscheuen und sich selbst d а zu.66 p. 274. Reiner Un-
30 sinn.
Morelly: „Notre äme . . . contracte une soif si furieuse,
qu’elle se suffoque pour l’etancher.66
Herr G rün: „Unsere Seele . . . bekommt . . . einen so
wütenden Durst, daß sie erstickt, um ihn zu löschen.66
35 ibid. Wieder reiner Unsinn.
Morelly: „Ceux qui pretendent regier les moeurs et
dicter des lois66 pp.
Herr Grün: „Die, welche sich dafür ausgeben,
die Sitten zu regeln und Gesetze zu diktieren66 pp. P. 275. Alle
io drei Fehler aus einem einzigen Passus von Morelly, in 14 Zeilen
bei Herrn Grün. Auch in seiner Darstellung Morellys sind große
Plagiate aus Villegardelle.
Herr Grün kann seine ganze Weisheit über das achtzehnte
Jahrhundert und die Revolution in folgende Worte zusammen-
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 33
514
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
fassen: „Gegen die alte Welt liefen der Sensualismus, der Deis¬
mus und der Theismus vereinigt Sturm. Die alte Welt stürzte.
Als eine neue Welt erbaut werden sollte, siegte der Deismus in
der Konstituante, der Theismus im Konvent, der reine Sensualis¬
mus wurde geköpft oder stumm gemacht.“ p. 263. Man sieht, 5
wie die philosophische Manier, die Geschichte mit einigen kir¬
chengeschichtlichen Kategorien abzufertigen, bei Herrn Grün auf
der Stufe der tiefsten Erniedrigung, der bloßen belletristischen
Phrase steht; wie sie nur dazu dient, die Arabeske seiner Plagiate
zu bilden. Avis aux philosophes! ю
Wir übergehen, was Herr Grün über den Kommunismus sagt.
Die historischen Notizen sind aus Cabets Broschüren abgeschrie¬
ben, die voyage en Icarie in der vom wahren Sozialismus adop¬
tierten Weise aufgefaßt (vgl. Bürgerbuch und Rheinische
Jahrbb.). Herr Grün beweist seine Kenntnis der französischen 15
und zugleich der englischen Zustände dadurch, daß er Cabet den
„kommunistischen O’Connell von Frankreich“ nennt, p. 282, und
sagt dann: „Er wäre im Stande, mich hängen zu lassen, wenn er
die Gewalt dazu hätte und wüßte, was ich über ihn denke und
schreibe. Diese Agitatoren sind für Unsereins gefährlich, weil 20
sie borniert sind.66 p. 283.
Proudhon
„Herr Stein hat sich selbst das glänzendste Armuts-Zeugnis
ausgestellt, da er diesen Proudhon en bagatelle behandelte“ (vgl.
Einundzw. Bogen p. 84). /[14b]/ „Es gehört freilich etwas mehr 25
als Hegelscher abgekochter Kohl dazu, um diese inkarnierte
Logik zu verfolgen.“ p. 411.
Einige wenige Beispiele mögen zeigen, daß Herr Grün atch
in diesem Abschnitte sich treu bleibt.
Er übersetzt von p. 437—444 einige Auszüge aus den nationil- зо
ökonomischen Beweisen Proudhons, daß das Eigentum unmögl ch
sei, und ruft am Ende aus: „Dieser Kritik des Eigentums, welche
die vollständige Auflösung desselben ist, brauchen vir
nichts hinzuzufügen! Wir wollen hier nicht eine neue Kriik
schreiben, welche wieder die Gleichheit der Produktion, die Vir- 35
einzelung der gleichen Arbeiter aufhöbe. Schon oben habe ch
das Nötige angedeutet, das Übrige“ (was Herr Grün nämlich
ГѴ. Karl Grün
515
nicht angedeutet hat) „wird sich beim Wiederaufbau der Gesell¬
schaft, bei der Gründung der wahren Besitzverhältnisse finden.“
p. 444.
So sucht Herr Grün dem Eingehen auf die nationalökonomi-
5 sehen Entwicklungen Proudhons zu entschlüpfen und zugleich
sich darüber zu erheben. Proudhons sämtliche Beweise sind
falsch, doch das wird sich für Herrn Grün finden, sobald es von
Andern nachgewiesen ist.
Die in der „heiligen Familie“ gegebenen Bemerkungen über
io Proudhon, namentlich, daß Proudhon die Nationalökonomie vom
nationalökonomischen, das Recht vom juristischen Standpunkte
aus kritisiere, werden von Herrn Grün abgeschrieben. Er hat in¬
des so wenig verstanden, w[or]u[m] es sich handelte, daß er die
[eigentliche Pointe wegläßt, [nämlich] daß Proudhon die II-
15 lusifonen der] Juristen und Ökonomen gegenüber] ihrer Pra¬
xis geltend m[acht, und] rein sinnlos [e Phrasen] /[14c]/ für den
obigen Satz gibt.
Das Wichtigste in Proudhons Buch De la creation de l’ordre
dans l’humanite ist seine dialectique serielle, der Versuch, eine
2o Methode des Denkens zu geben, wodurch an die Stelle der selbst¬
ständigen Gedanken der Denkprofceß tritt. Proudhon sucht
von französischem Standpunkte aus nach einer Dialektik, wie
Hegel sie wirklich gegeben hat. Die Verwandtschaft mit Hegel ist
hier also realiter vorhanden, nicht durch phantastische Analogie.
25 Hier war es also leicht, eine Kritik der Proudhonschen Dialektik
zu geben, wenn man mit der Kritik der Hegelschen fertig gewor¬
den war. Dies war aber um so weniger von den wahren Sozia¬
listen zu verlangen, als der von ihnen sich vindizierte Philosoph
Feuerbach damit nicht zu Stande gekommen war. Herr Grün
зо sucht auf eine wirklich drollige Weise seine Aufgabe zu eskamo-
tieren. Gerade an der Stelle, wo er sein deutsches schweres Ge¬
schütz spielen lassen sollte, reißt er aus mit einer unanständigen
Gebärde. Er füllt erst einige Blätter mit Übersetzungen aus, und
erklärt dem Proudhon dann mit breitspuriger belletristischer
35 captatio benevolentiae, daß er mit seiner ganzen dialectique
serielle nur den Gelehrten spielen wolle. Er sucht ihn
freilich durch den Zuruf zu trösten: „Ach mein lieber Freund,
was das Gelehrt-46 (und „P г i v а t d о z en t-)sein anbetrifft,
so täusche dich nicht. Wir haben Alles wieder verlernen
40 müssen, was uns unsre Scholarchen und Universitätsmaschinen66
(mit Ausnahme von Stein, Reybaud und Cabet) „mit so unend¬
licher Mühe, mit so vielem Widerwillen von ihrer und von unsrer
Seite beizubringen suchten.66 p. [457.]
13—16 Lücken im Manuskript
33*
516
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
Zum Beweise, daß Herr Grün jetzt nicht mehr „mit so unend¬
licher Mühe“, wenn auch vielleicht noch mit eben „so vielem
Widerwillen66 lernt, beginnt er seine sozialistischen St[ud]ien und
Briefe in Paris am 6. November [und] hat bis zum nächsten 20. Ja¬
nuar [nicht] nur die Studien, sondern auch [die Darstel¬
lung de]s „wahren Gesamteindrucks des vollständig]en Ver¬
laufs mit Notwendigkeit66 voll[en]det.
3—7 Lücken im Manuskript
V
„DER DR. GEORG KUHLMANN AUS HOLSTEIN“,
ODER
DIE PROPHETIE DES WAHREN SOZIALISMUS
V. „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Hol¬
stein“, oder die Prophetie des wah-
renSozialismus 519—528
Verfaßt wahrscheinlich von Moses Heß, redigiert von Marx
ca. Frühjahr 1846 in Brüssel
/El]/
V
„Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“, oder die Prophetie
des wahren Sozialismus
DIE NEUE WELT
oder
das Reich des Geistes auf Erden.
Verkündigung
„Es fehlte an einem Manne“, heißt es im Vorworte, „in dessen
10 Munde all’ unser Leiden und all’ unser Sehnen und Hoffen, mit
einem Worte Alles, was unsre Zeit im Innersten bewegt, zur
Sprache würde. Und er mußte mitten in diesem Drängen und
Ringen des Zweifels und der Sehnsucht hervortreten aus der Ein¬
samkeit des Geistes mit der Lösung des Rätsels, das uns Alle in
15 so lebendigen Bildern umringt. — Dieser Mann, den unsre Zeit
erwartet — er ist aufgetreten. — Es ist der Dr. Georg
Kuhlmann aus Holstein.66
August Becker, der Verfasser dieser Zeilen, ließ sich also von
einem sehr einfältigen Geiste und sehr zweideutigen Charakter in
20 den Kopf setzen, es sei noch kein einziges Rätsel gelöst, noch keine
einzige Tatkraft geweckt — die kommunistische Bewegung, welche
bereits alle zivilisierten Länder ergriffen hat, sei eine taube Nuß,
deren Kem nicht zu entdecken, ein Weltei, das vom großen Welt¬
huhn ohne Hahn gezeugt worden — der wahre Kem und der
25 eigentliche Hahn im Korbe: das sei der Doktor Georg Kuhlmann
aus Holstein! ...
Dieser große Welthahn ist aber ein ganz gewöhnlicher Kapaun,
der sich einige Zeit von den deutschen Handwerkern in der
Schweiz füttern ließ und seinem Schicksale nicht entgeht.
зо Nicht, als ob wir den Doktor Kuhlmann aus Holstein für einen
ganz ordinären Charlatan und schlauen Betrüger hielten, der
selbst nicht an die Heilkraft seiner Lebenstinktur glaubt und mit
520
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
seiner ganzen Makrobiotik nur bezweckt, seine eigne Person de?m
Leben zu erhalten — nein, wir wissen es sehr wohl, dieser inspi¬
rierte Doktor ist ein spiritualistischer Charlatan, enn
frommer Betrüger, ein mystischer Schlaukopf, der aber, wrie
seine ganze Spezies, in der Wahl der Mittel nicht allzu gewissem- j
haft verfährt, weil mit seinem hei-/ [2]/ligen Zwecke seine Perston
innig verwachsen ist. Die heiligen Zwecke sind nämlich immer miit
den heiligen Personen auf das Innigste verwachsen; denn sie simd
rein idealistischer Natur und haben ihre Existenz nur in dien
Köpfen. Alle Idealisten, die philosophischen wie die religiösem, 10
die alten wie die modernen, glauben an Inspirationen, an Offen -
barungen, an Heilande, an Wundermänner, und es hängt nur von
der Stufe ihrer Bildung ab, ob dieser Glaube eine rohe, religiöse
oder eine gebildete, philosophische Gestalt annimmt, wie es mur
von dem Maße ihrer Energie, ihrem Charakter, ihrer gesellschatft- 13
liehen Stellung usw. abhängt, ob sie sich passiv oder aktiv zu m
Wunderglauben verhalten, d. h. Wunderschäfer oder Schafe simd,
ob sie ferner theoretische oder praktische Zwecke dabei verfol¬
gen. — Kuhlmann ist ein sehr energischer Mann und nicht ohne
philosophische Bildung; er verhält sich keineswegs passiv zum 20
Wunderglauben und verfolgt dabei sehr praktische Zwecke. —
August Becker teilt nur mit Kuhlmann die nationale Gemüts¬
krankheit. Der gute Mann „bedauert die, welche es nicht über
sich bringen können, einzusehen, daß der Wille und Gedanke der
Zeit immer nur von Einzelnen ausgesprochen werden kann.“ — 25
Für den Idealisten hat jede weltumgestaltende Bewegung ihre Exi¬
stenz nur im Kopfe eines Auserwählten, und das Schicksal der
Welt hängt davon ab, ob dieser eine Kopf, der alle Weisheit als
Privateigentümer besitzt, durch irgend einen realistischen Stein
tödlich verletzt wird, bevor er seine Offenbarungen von sich ge- зо
geben. — „Oder wäre dem nicht so?“ fügt August Becker heraus¬
fordernd hinzu. „Setzet alle Philosophen und Theologen der Zeit
zusammen und laßt sie raten und abstimmen, und dann sehet, was
da herauskommt!66
Die ganze historische Entwicklung reduziert sich für den Ideo- 35
logen auf die theoretischen Abstraktionen der historischen Ent¬
wicklung, wie sie in den „Köpfen“ aller „Philosophen und Theo¬
logen der Zeit“ sich gebildet haben, und da man alle die
„Köpfe“ unmöglich „zusammensetzen66 und „raten und abstim¬
men“ lassen kann, so muß es Einen heiligen Kopf geben, der die 40
Spitze von allen jenen philosophischen und theologischen Köpfen
bildet, und dieser Spitzkopf ist die spekulative Einheit
jener /[3]/ Dickköpfe — der Erlöser.
Dieses Kopfsystem ist so alt, wie die ägyptischen Pyramiden,
mit denen es mancherlei Ähnlichkeit hat, und so neu, wie die 45
V. Der Dr. Georg Kuhlmann
521
preußische Monarchie, in deren Hauptstadt es kürzlich wieder
verjüngt auf erstand. — Die idealistischen Dalai-Lamas haben das
mit dem wirklichen gemein, daß sie sich einreden möchten,
die Welt, aus der sie ihre Nahrung ziehen, könne ohne ihre
.5 heiligen Exkremente nicht bestehen. — Sobald diese idealistische
Tollheit praktisch wird, tritt alsbald ihr bösartiger
Charakter an den Tag: ihre pfäffische Herrschsucht, ihr religiö¬
ser Fanatismus, ihre Charlatanerie, ihre pietistische Heuchelei,
ihr frommer Betrug. Das Wunder ist die Eselsbrücke aus
10 dem Reiche der Idee zur Praxis. Herr Dr. Georg Kuhlmann aus
Holstein ist eine solche Eselsbrücke — er ist inspiriert — und es
kann daher nicht fehlen, daß sein Zauberwort die stabilsten Berge
versetzt; das ist ein Trost für die geduldigen Geschöpfe, die nicht
genug Energie in sich verspüren, diese Berge durch natür¬
liches Pulver zu sprengen, eine Zuversicht für die Blinden
und Zaghaften, welche den materiellen Zusammenhang in den
mannigfaltig zersplitterten Erscheinungen der revolutionären Be¬
wegung nicht sehen können. — „Es fehlte bisher66, sagt August
Becker, „an einem Vereinigungspunkt.66 — Der heilige Georg
го überwindet mit leichter Mühe alle realen Hindernisse, indem er
alle realen Dinge in Ideen verwandelt, und sich als die spekulative
Einheit derselben konstruiert, wodurch er sie zu „regieren und
ordnen66 vermag:
„Die Gesellschaft der Ideen ist die Welt. Und ihre
25 Einheit ordnet und regiert die Welt.66 (138).
In dieser „Gesellschaft der Ideen66 schaltet und wal¬
tet unser Prophet nach Herzenslust.
„Da wollen wir geführt von unsrer eignen Idee umherwandeln
und Alles bis ins Einzelne betrachten, so weit es unsre Zeit er-
3o fordert.66 (138).
Welch eine spekulative Einheit des Unsinns!
Aber das Papier ist geduldig, und das deutsche Publikum, dem
der Prophet seine Orakelsprüche vortrug, wußte von der philoso¬
phischen Entwickelung des eignen Vaterlandes so wenig, daß es
35 nicht einmal merkte, wie der große Prophet in seinen spekula¬
tiven /[4]/ Orakelsprüchen nur die verkommensten philosophi¬
schen Phrasen wiederholt und sie für seine praktischen Zwecke
zurecht gemacht hat. —
Wie die medizinischen Wundermänner und Wunderkuren auf
/oder Unbekanntschaft mit den Gesetzen der natürlichen, so
fußen die sozialen Wundermänner und Wunderkuren auf der
Unbekanntschaft mit den Gesetzen der sozialen Welt — und
der Wunderdoktor aus Holstein ist eben der sozialistische
Wunderschäf er aus Niederempt.
45 Dieser Wunderschäfer eröffnet zunächst seinen Schafen:
522
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
„Ich sehe vor mir eine Versammlung Auserwählter, die
mir vorangegangen, durch Wort und Tat zu wirken für
das Heil der Zeit und nun gekommen sind, zu hören, was i c h
über das Wohl und Wehe der Menschheit reden werde.“
„Viele schon haben in ihrem Namen geredet und geschrieben; з
noch aber hat Niemand ausgesprochen, woran sie eigentlich
leidet, was sie hoffet und erwartet, und wie sie das erreichen kann.
Das aber ist es, was i ch tun will.“
Und seine Schafe glauben ihm das. —
Im ganzen Werke dieses „heiligen Geistes66, der bereits ver- ю
altete, sozialistische Theorien auf die kahlsten, allgemeinsten Ab¬
straktionen reduziert, ist kein einziger, origineller Gedanke. —
Selbst in der Form, im Stil ist nichts Originelles. Der heilige Stil
der Bibel ist schon von Andern glücklicher nachgeahmt worden.
Kuhlmann hat sich in dieser Beziehung Lamennais zum Muster 15
genommen. Aber er ist nur die Karikatur Lamennais’. Wir wol¬
len unsern Lesern hier eine Probe von den Schönheiten seines Stils
geben:
„Sagt mir erstens, wie wird Euch zu Mute, wenn Ihr daran
denkt, was aus Euch werden soll in alle Ewigkeit? 20
„Viele lachen zwar und sagen: „Was kümmert mich die Ewig¬
keit?“
„Andre reiben sich die Augen aus und fragen: „Ewigkeit —
was ist das? ...“
„Wie ist Euch ferner, wenn Ihr an die Stunde denkt, wo Euch 25
das Grab verschlingen wird?“
„Und ich höre viele Stimmen.“ — Darunter eine, welche also
spricht:
„Man lehrt in neuester Zeit, der Geist sei ewig, er werde im
Tode nur wieder aufge-/[5]/löst in Gott, von dem er ausgegangen зо
sei. Die aber solches lehren, können mir nicht sagen, was dann
von mir übrig bleibt. 0, daß ich nie geboren wäre! Und gesetzt,
ich daure fort, — o, meine Eltern, meine Schwestern, meine Brü¬
der, meine Kinder und Alle, die ich liebe, werd’ ich Euch dann
jemals wiedersehen? 0, hätt’ ich Euch nie gesehen!“ usw. 35
„Wie wird Euch ferner, wenn Ihr denkt an die Unendlich¬
keit?66. ..
Es wird uns übel, Herr Kuhlmann — nicht vor dem Gedanken
des Todes, sondern vor Ihrer Phantasie des Todes, ver
Ihrem Stil, vor Ihren armseligen Mitteln, auf die Ge- 40
müter zu wirken!
„Wie wird Dir zu Mute“, lieber Leser, wenn Du einen Pfaf¬
fen hörst, der seinen Schafen die Hölle recht heiß und das G>
müt recht weich macht, dessen ganze Beredsamkeit sich darai_f
beschränkt, die Tränendrüsen seiner Zuhörer in Aktivitit 45
V. Der Dr. Georg Kuhlmann
523
zu setzen, und der nur auf die Feigheit seiner Gemeinde spe¬
kuliert? —
Was den magern Inhalt der „Verkündigung66 betrifft, so
läßt sich zunächst die erste Abteilung oder die Einleitung in
.5 die „Neue Welt66 auf den einfachen Gedanken reduzieren, daß
Herr Kuhlmann aus Holstein gekommen ist, um das „Reich
des Geistes66, das „Himmelreich66 auf Erden zu gründen,
daß kein Mensch vor ihm gewußt habe, was die eigentliche Hölle
und was der eigentliche Himmel — daß nämlich jene die bis-
10 herige, dieser die zukünftige Gesellschaft, das „Reich des Gei¬
stes66 — und er selbst der ersehnte heilige „Geist66 sei...
Alle diese großen Gedanken sind nicht gerade ganz originelle
Gedanken des heiligen Georg, und er hätte sich nicht von Holstein
nach der Schweiz zu bemühen und aus der „Einsamkeit des Gei-
15 stes66 zu den Handwerkern herabzulassen und sich zu „offenbaren66
nötig gehabt, um der „Welt66 dieses „Gesicht66 zu zeigen. —
Daß aber der Herr Dr. Kuhlmann aus Holstein der
„ersehnte heilige Geist66, dieser Gedanke ist allerdings sein ganz
ausschließliches Privateigentum und wird es bleiben.
2o Die heilige Schrift unsres St. Georg nimmt nun, wie er dieses
selbst „offenbart66, folgenden Verlauf:
„Sie wird eröffnen66, sagt er, „das Reich des Geistes in irdischer
Gestalt, damit Ihr schauet /[6]/ dessen Herrlichkeit und sehet, daß
kein ander Heil ist, als im Reich des Geistes. — Auf der anderen
25 Seite wird sie enthüllen Euer Jammertal, damit Ihr Euer Elend
schauet und erkennt den Grund aller Eurer Leiden. — Dann
werde ich den Weg zeigen, der hinüberführt aus dieser kummer¬
vollen Gegenwart in eine freudenvolle Zukunft. — Zu diesem
Ende folget mir im Geist auf eine Höhe, von wannen wir eine
зо freie Aussicht haben in die weite Gegend.66
Der Prophet läßt uns also zunächst seine „schöne Gegend66,
sein Himmelreich schauen. Wir sehen nichts, als ein er¬
bärmlich in Szene gesetztes Mißverständnis des St. Simonismus in
karikierten Lamennaisschen Kostüm, verbrämt mit Erinnerungen
35 aus Herrn Stein.
Wir zitieren nun die wichtigsten Offenbarungen aus dem H i m-
melreich. welche die prophetische Methode konstatieren.
Z. B. Seite 37:
„Die Wahl ist frei und richtet sich nach eines Jeden
4o Neigung. — Die Neigung richtet sich nach seinen Anlagen.66
„Wenn in der Gesellschaft66, orakelt St. Georg, „Jeder seiner
Neigung folgt, so werden alle ihre Anlagen insgesamt entwickelt,
und wenn dieses ist, so wird auch stets hervorgebracht, was
Alle insgesamt bedürfen, im Reich des Geistes wie im Reich der
45 Materie. — Denn die Gesellschaft besitzt stets so viele Anlagen
524
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
und Kräfte, als sie Bedürfnisse hat“... „Les attractions sont
proportionelles aux Destinees“, vergleiche auch Proudhon.
Der Herr Kuhlmann unterscheidet sich hier von den Sozialisten
und Kommunisten nur durch ein Mißverständnis, dessen
Grund in der Verfolgung seiner praktischen Zwecke und 5
ohne Zweifel auch in seiner Borniertheit zu suchen ist. Er ver¬
wechselt die Verschiedenheit der Anlagen und Fähig¬
keiten mit der Ungleichheit des Besitzes und des vom
Besitze bedingten Genusses, und polemisiert daher gegen
den Kommunismus. ю
„Niemand soll da“ (nämlich im Kommunismus) „ei n en V о r-
zug haben vor dem Andern“, eifert der Prophet, „Niemand
mehr besitzen und besser leben, als der Andre... Und
wenn Ihr daran Zweifel heget und nicht einstimmt in ihr Geschrei,
dann schmähen sie, verdammen und verfolgen Euch und hän-/[7]/ 15
gen Euch an den Galgen.“ (p. 100.)
Kuhlmann prophezeit zuweilen doch ganz richtig.
„In ihrer Reihe stehen darauf Alle, die da rufen: Weg mit der
Bibel! Weg vor Allem mit der christlichen Religion, denn es ist
die Religion der Demut und der knechtischen Gesinnung! Weg 20
überhaupt mit allem Glauben! Wir wissen nichts von Gott noch
von Unsterblichkeit. Das sind nur Hirngespinste, zu ihrem Vor¬
teil ausgebeutet“ (soll heißen: die von den Pfaffen zu ihrem Vor¬
teil ausgebeutet werden) „und fortgesponnen von Lügnern und Be¬
trügern. Fürwahr, wer noch an solche Dinge glaubt, der ist der 25
größte Narr!“
Kuhlmann polemisiert namentlich heftig gegen die prinzipiel¬
len Widersacher der Lehre vom Glauben, von der Demu:
und Ungleichheit, d.h.dem ,,U n t e r s ch i e d d e s Stan¬
des und der Geburt“. — Auf die niederträchtige Lehre de' зо
prädestinierten Sklaverei, die, in der Kuhlmannschen Weise aus
gedrückt, stark an Friedrich Rohmer erinnert — auf die
theokratische Hierarchie und in letzter Instanz auf seine eigen«
heilige Person begründet er seinen Sozialismus!
„Jeder Zweig der Arbeit“, heißt es p. 42, „wird geleitet von 35
Geschicktesten, der selber mitarbeitet, und jeder Zweig im Reich«
des Genusses vom Vergnügtesten, der selber mitgenießet
— Wie aber die Gesellschaft ungeteilt ist und nur einen Geis
hat, so wird die ganze Ordnung nur von einem Menschen ge
leitet und regiert. — Und dieses ist der Weiseste, der T u 40
gendhafteste und Seligste.“
Seite 34 erfahren wir:
„Wenn der Mensch im Geist nach Tugend strebt, sc
reget und bewegt er seine Glieder und entwickelt unc
bildet und gestaltet Alles an und außer sich nach seinem Wohl 45
V. Der Dr, Georg Kuhlmann
525
gefallen. — Und wenn er sich im Geiste wohlbefindet, so
muß er es empfinden an Allem, was da an ihm leibt und
lebt. — Daher ißt und trinkt der Mensch und läßt sich’s
schmecken; daher singt und spielt und tanzt er und
5 k ii ß t und w eint und lach t.“
Der Einfluß der Anschauung Gottes auf den Appe-
t i t und der geistigen Seligkeit auf den Geschlechts¬
trieb ist zwar auch nicht eben das Privateigentum des Kuhl-
mannismus; aber er enthüllt doch manche dunkle Stelle im
10 Propheten.
/[8]/
Z. B. p. 36.
„Beides“ (Besitz und Genuß) „richtet sich nach seiner“ (näm¬
lich des Menschen) „Arbeit. Diese ist der Maßstab seiner Bedürf-
15 nisse.“ (So verdreht Kuhlmann den Satz, daß die kommunistische
Gesellschaft im Ganzen stets so viele Anlagen und Kräfte,
als Bedürfnisse hat.) „Denn die Arbeit ist die Äußerung der
Ideen und der Triebe. Und darin ruhen die Bedürfnisse. — Da
aber die Anlagen und Bedürfnisse der Menschen stets verschie-
2o den sind und so verteilt, daß jene nur entwickelt und diese nur
befriedigt werden können, wenn Einer stets für Alle schafft, und
das Erzeugnis Aller ausgewechselt und verteilt wird nach Ver¬
dienst“ — (?) — „so empfängt Jeder nur den Wert für seine
Arbeit.“ —
25 Dieser ganze tautologische Galimathias wäre — wie die fol¬
genden Sätze und wie noch viele andere, mit denen wir den Leser
verschonen — trotz der von A. Becker gerühmten „erhabenen
Einfachheit und Klarheit“ der „Offenbarung“ schlechter¬
dings undurchdringlich, wenn man nicht in den p г а k -
зо tischen Zwecken, die der Prophet verfolgt, einen Schlüssel
hätte. — Es wird sogleich Alles verständlich sein. —
„Der Wert“ — orakelt Herr K. weiter — „bestimmt sich selbst
nach dem Bedürfnis Aller.“ (?) „— Im Wert ist eines Jeden Ar¬
beit stets enthalten, und dafür“ (?) „kann er sich verschaffen, was
35 sein Herz nur wünschen mag.“
„Sehet, meine Freunde,“ heißt es p. 39, „die Gesellschaft
wahrer Menschen betrachtet das Leben stets als eine Schule
. . . um sich ... zu erziehen. Und dabei will sie selig
sein. — Solches“ (?) „aber muß erscheinen und sichtbar wer-
40 den“ (?), „sonst ist es“ (?) „nicht möglich.“
Was Herr Georg Kuhlmann aus Holstein damit sagen will, daß
„solches“ (das Leben? oder die Seligkeit?) „erscheinen“ und
„sichtbar“ werden müsse, weil „es“ sonst nicht „möglich“ sei —
daß die „Arbeit“ im „Wert enthalten“ sei und man /[9]/ sich dafür
45 (wofür?) verschaffen könne, was das Herz wünscht — daß end-
526
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
lieh der „Wert“ nach dem „Bedürfnis“ sich selbst bestimme: isst
wiederum nicht abzusehen, wenn man die Pointe der ganzesn
Offenbarung, die praktische Pointe außer Acht läßt.
Versuchen wir daher eine praktische Erklärung.
Der heilige Georg Kuhlmann aus Holstein hat, wie wir vom 5
August Becker erfahren, im Vaterlande kein Glück gemacht. Er
kommt nach der Schweiz und findet hier eine ganz „neue Welt6“:
die kommunistischen Gesellschaften der deutschen Handwerkern.
Das ist ihm schon recht — und er macht sich sofort an den Koim-
munismus und die Kommunisten. Er hat immer, wie Augmst 10
Becker uns erzählt, „unablässig daran gearbeitet, seine Lehire
weiter zu bilden und sie auf die Höhe der großen Zeit zu e ir -
h eb en,“ d. h. er wurde unter den Kommunisten ad majorem D«ei
gloriam Kommunist. — So weit ging Alles sehr gut. — Nun abeer
besteht eines der wesentlichsten Prinzipien des Kommunismus, 15
wodurch er sich von jedem reaktionären Sozialismus unterschei¬
det, in der auf die Natur des Menschen begründeten empirischem
Ansicht, daß die Unterschiede des Kopfes und der intellelk-
tuellen Fähigkeiten überhaupt keine Unterschiede des Mag eins
und der physischen Bedürfnisse bedingen; daß mithiin 20
der falsche, auf unsre bestehenden Verhältnisse begründete
Satz: „Jedem nach seinen Fähigkeiten66, sofern er sich avjf
den Genuß im engeren Sinne bezieht, umgewandelt werden muß
in den Satz: Jedem nach Bedürfnis; daß, mit andern
Worten, die Verschiedenheit in der Tätigkeit, in den Ar- 25
beiten, keine Ungleichheit, kein Vorrecht des Besitzes
und Genusses begründet. — Das konnte der Prophet nicht zu¬
geben; denn das Vorrecht, der Vorzug, das Auserwähltsein vor
Andern, ist eben der Kitzel des Propheten. „Solches aber muß
erscheinen und sichtbar werden, sonst ist cs nicht möglich.66 Ohne зо
praktischen Vorzug, ohne fühlbaren Kitzel wäre eben der
Prophet kein Prophet, kein praktischer, sondern nur ein
theoretischer Gottesmann, ein Philosoph. — Der Prophet
muß also den Kommunisten begreiflich machen, daß die Ver¬
schiedenheit der Tätigkeit, der Arbeit, eine Verschieden-35
heit des /[10]/ Wertes und der Seligkeit (oder des Genusses,
Verdienstes, Vergnügens, was Alles dasselbe) begründe, und daß,
da Jeder seine Seligkeit, wie seine Arbeit, selbst bestimme,
folglich er, der Prophet — dieses ist die praktische Pointe der
Offenbarung — ein besseres Leben zu beanspruchen habe, 40
als der gemeine Handwerker.^ — Hiernach werden alle
dunklen Stellen des Propheten klar: daß der „Besitz66 und „Ge¬
nuß66 eines Jeden sich nach seiner „Arbeit66 richte; daß die „Ar-
*) In einer nicht gedruckten Vorlesung hat der Prophet dieses übri¬
gens unverhüllt ausgesprochen. 45
V. Der Dr. Georg Kuhlmann
527
beit“ des Menschen der Maßstab seiner „Bedürfnisse“
sei; daß alsdann Jeder den „Wert“ für seine Arbeit emp¬
fange; daß der „Wert“ sich nach dem „Bedürfnis“ selbst be¬
stimme; daß eines Jeden Arbeit im Werte „enthalten“ sei und er
6 sich dafür, was sein „Herz“ verlangt, verschaffen kann; daß end¬
lich die „Seligkeit“ des Auserwählten „erscheinen und sichtbar
werden“ müsse, weil sie sonst nicht „möglich“ ist. — All dieser
Unsinn wird jetzt begreiflich. —
Wir wissen nicht, wie weit die praktischen Ansprüche des Dr.
10 Kuhlmann den Handwerkern gegenüber in derWirklichkeit gehen.
Wir wissen aber, daß seine Lehre das Grunddogma aller geist¬
lichen und weltlichen Herrschsucht, der mystische Schleier aller
muckerhaften Genußsucht, die Beschönigung jeder Niederträch¬
tigkeit und die Quelle vieler Verrücktheiten ist.
із Wir dürfen nicht unterlassen, dem Leser noch den Weg zu
zeigen, der, nach Herrn Kuhlmann aus Holstein, „hinüberführt
aus dieser kummervollen Gegenwart in eine freudenvolle Zu¬
kunft“. — Dieser Weg ist lieblich und ergötzlich, wie der Früh¬
ling in einem Blumengefilde — oder wie ein Blumengefilde im
2o Frühling. „Sanft und leise — mit warmer Hand — und treibet
Knospen — aus den Knospen werden Blüten — und ruft die
Lerche und die Nachtigall — imd weckt die Grille im Grase. —
Wie der Frühling, so komme daher die neue Welt.“ (p. 114 sq.)
Wahrhaft idyllisch malt der Prophet den Übergang aus der
25 jetzigen sozialen Isolierung in die Gemeinschaft. — Wie er die
wirkliche Gesellschaft in eine „Gesellschaft /[11]/ von Ideen“ ver¬
wandelt, um „geführt von der eignen Idee darin umherzuwandeln
und Alles bis ins Einzelne betrachten zu können, so weit es seine
Zeit erfordert“, ebenso verwandelt er die wirkliche soziale Бе¬
зо wegung, die schon in allen zivilisierten Ländern sich als Vorläufe¬
rin einer furchtbaren Umwälzung der Gesellschaft ankündigt —
in eine gemütliche und stille Bekehrung, in ein
Stilleben, bei dem die Besitzer und Beherrscher der Welt
sehr ruhig schlafen können. — Die theoretischen Ab-
35 straktionen der wirklichen Begebenheiten, ihre ideellen Zei¬
chen, sind für den Idealisten die Wirklichkeit — die wirk¬
lichen Begebenheiten nur „Zeichen, daß die alte Welt
zu Grabe geht.“
„Was greift Ihr so ängstlich nach den Erscheinungen des
io Tages“, grollt der Prophet p. 118, „die nichts weiter sind, als
Zeichen, daß die alte Welt zu Grabe geht, und vergeudet Eure
Kräfte auf Bestrebungen, die Eure Hoffnungen und Erwartungen
nicht erfüllen können?“
„Ihr sollet nicht niederreißen und zerstören, was Euch da im
45 Wege stehet, sondern es umgehen und verlassen. — Und wenn Ihr
528
Deutsche Ideologie. Der wahre Sozialismus
es umgangen und verlassen habt, dann höret es von selber auf,
demi es findet keine Nahrung mehr.“
„Wenn Ihr die Wahrheit suchet und das Licht verbreitet, so
verschwindet unter Euch die Lüge und die Finsternis.“ (p. 116).
„Es werden aber Viele sagen: „Wie sollen wir ein neues Leben 5
gründen, so lange die alte Ordnung noch besteht, die uns daran
verhindert. Müßte sie nicht erst zerstört werden?“ — „Nimmer¬
mehr,“ antwortet der Weiseste, Tugendhafteste und Seligste —
„Nimmermehr. Wenn Ihr mit Andern in einem Hause wohnt, das
morsch geworden ist und Euch zu eng und imbequem, und die 10
Andern wollen darin wohnen bleiben, so brechet Ihr’s nicht ab
und wohnet unter freiem Himmel, sondern bauet erst ein neues,
und wenn es fertig ist, da zieht Ihr ein und überlaßt das alte
seinem Schicksal“, (p. 120).
Der Prophet gibt nun zwei Seiten lang Regeln, wie man sich in 15
die neue Welt hineinschleichen kann. — Dann wird er
kriegerisch.
/ [12]/ „Es ist aber nicht genug, daß Ihr zusammenstehet und der
alten Welt entsagt, — Ihr werdet auch die Waffen wider sie ge¬
brauchen, um sie zu bekämpfen und Euer Reich erweitern und 20
verstärken. Doch nicht auf dem Wege der Gewalt,
sondern auf dem Wege der freien Überzeugung.“
Sollte man aber dennoch dazu kommen, daß man ein
wirkliches Schwert ergreifen und das wirkliche Leben
daransetzen müßte, um „den Himmel zu erobern mit Gewalt“, 2.5
dann verspricht der Prophet seiner heiligen Schar eine russische
Unsterblichkeit (die Russen glauben in ihren respektiven Ort¬
schaften wieder lebendig aufzustehen, wenn sie im Kriege vom
Feinde getötet werden):
„Und die da fallen auf dem Wege, werden neu geboren werden зо
und schöner auf erblühen, denn sie vorher waren. Darum“ (darurr.)
„sorget nicht für Euer Leben und fürchtet nicht den Tod.“ (129 )
Also auch im Kampfe mit wirklichen Waffen, beruhigt
der Prophet seine heilige Schar, braucht Ihr Euer Leben nicit
wirklich, sondern nur zum Scheine einzusetzen. 35
Die Lehre des Propheten ist in jedem Sinne beruhigend,
und man kann sich nach diesen Proben seiner heiligen Schrift, g>
wiß nicht über den Beifall wundem, den sie bei einigen gemü:-
liehen Schlafmützen gefunden hat. —
ANHANG
[Marx über sein Verhältnis zu Hegel
und Feuerbach] 531
Geschrieben ca. Januar 1845 in Paris
[Die bürgerliche Gesellschaft und die
kommunistische Revolution] . . . 532
Geschrieben ca. Januar 1845 in Paris
[Marx über Feuerbach] 533 535
Geschrieben ca. März 1845 in Brüssel
[Aus: „I. Feuerbach“] 536 537
Geschrieben ca. Ende 1845 in Brüssel
[Engels über Feuerbach] 538—540
Geschrieben ca. Oktober 1846 in Paris
[Sankt Bruno contra die Verfasser der
„Heiligen Familie“] 541—544
Geschrieben 20. November 1845 in Brüssel. Verfaßt wahr¬
scheinlich von Edgar v. Westphalen, redigiert von Marx.
Abgedruckt in Heft VII des „Gesellschaftsspiegels“ im Ja-
nuar 1846
[MARX ÜBER SEIN VERHÄLTNIS ZU HEGEL UND
FEUERBACH]
Die folgenden vier Notizen befinden sich auf der 16. Seite des Notizbuchs von Marx
mit den 11 Thesen „1) ad Feuerbach“
/[16]/
Hegelsche Konstruktion der Phänomenologie.
1) Selbstbewußtsein statt des Menschen. Subjekt—Objekt.
2) Die Unterschiede der Sachen unwichtig, weil die Sub¬
stanz als Selbstunterscheidung oder weil die Selbstunterschei-
io düng, das Unterscheiden, die Tätigkeit des Verstandes als we¬
sentlich gefaßt wird. Hegel gab daher innerhalb der Speku¬
lation wirkliche, die Sache ergreifende Distinktionen.
3 ) Aufhebung der Entfremdung identifiziert mit Aufhebung
der Gegenständlichkeit (eine Seite, namentlich von
іа Feuerbach entwickelt).
4) Deine Aufhebung des vorgestellten Gegenstandes, des
Gegenstandes als Gegenstandes des Bewußtseins, identifiziert
mit der wirklichen gegenständlichen Aufhebung,
der vom Denken unterschiednen sinnlichen Aktion, Pra-
20 xis, und realen Tätigkeit. (Noch zu entwickeln.)
[DIE BÜRGERLICHE GESELLSCHAFT UND DIE KOMMU¬
NISTISCHE REVOLUTION]
Die folgenden, 11 Punkte befinden sich auf der 23. und 22. Seite des Notizbuchs
von Marx mit den 11 Thesen „1) ad Feuerbach“
/[23]/
1) Die Entstehungsgeschichte des Modernen
Staats oder die französische Revolution.
Die Selbstüberhebung des politischen Wesens — Verwechs¬
lung mit dem antiken Staat. Verhältnis der Revolutionäre zur bür¬
gerlichen Gesellschaft. Verdoppelung aller Elemente in bürger- io
liehe und Staatswesen.
2) Die Proklamation der Menschenrechte und die
Konstitution des Staats. Die individuelle Freiheit und
die öffentliche Macht.
Freiheit, Gleichheit und Einheit. Die Volkssouveränität, is
3) Der Staat und die bürgerliche Gesellschaft.
4) Der Repräsentativstaat und die Charte.
Der konstitutionelle Repräsentativstaat, d[er] d[er] demo¬
kratische Repräsentativstaat.
5) Die Teilung der Gewalten. Gesetzgebende und 20
exekutive Gewalt.
6) Die gesetzgebende Gewalt und die gesetzgeben¬
den Körper. Politische Klubs.
7) Die exekutive Gewalt. Zentralisation und Hier¬
archie. Zentralisation und politische Zivilisation. Fede- 25
rativwesen und Industrialismus. Die Staatsver¬
waltung und Gemeindeverwaltung.
/[22]/
8) Die richterliche Gewalt und das Recht.
8 ) Die Nationalität und das Volk. зо
9) Die politischen Parteien.
9 ) Das Wahlrecht, der Kampf um die Aufhebung de^
Staats und der bürgerlichen Gesellschaft.
[MARX ÜBER FEUERBACH]
Die folgenden Thesen befinden sich auf den Seiten [51 ] bis [55] des Marxschen
Notizbuchs
/[51]/
Der göttliche Egoist im Gegensatz zum
egoistischen Menschen.
Die Täuschung in der Revolution über das
antike Staatswesen.
Der „Begriff“ und die „Substanz“.
Die Revolution = Entstehungsgeschichte
des modernen Staats.
1) ad Feuerbach.
1)
Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus (den Feuer-
15 bachschen mit eingerechnet) ist, daß der Gegenstand, die Wirk¬
lichkeit, Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder
der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich
menschliche Tätigkeit, Praxis; nicht subjektiv. Daher
die tätige Seite abstrakt im Gegensatz zu dem Materialismus
20 von dem Idealismus — der natürlich die wirkliche, sinnliche
Tätigkeit als solche nicht kennt — entwickelt. Feuerbach will
sinnliche — von den Gedankenobjekten wirklich unterschiedne
Objekte: aber er faßt die menschliche Tätigkeit selbst nicht als
gegenständliche Tätigkeit. Er betrachtet daher im Wesen
23 des Christentums nur das theoretische Verhalten als das echt
menschliche, während die Praxis nur in ihrer schmutzig jüdischen
Erscheinungsform gefaßt und fixiert wird. Er begreift daher nicht
die Bedeutung der „revolutionären“, der „praktisch-kritischen“
Tätigkeit.
534
Anhang
/[52]/
2)
Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständlicheWalhr-
heit zukomme — ist keine Frage der Theorie, sondern eine prak¬
tische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, 5
i. e. Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens be¬
weisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit
des Denkens, — das von der Praxis isoliert ist, — ist eine rein
scholastische Frage.
3)
Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstämde
und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen
verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß
daher die Gesellschaft in zwei Teile — von denen der eine über
ihr erhaben ist — sondieren. и
Das Zusammenfallen des Ändern [s] der Umstände und der
menschlichen Tätigkeit oder Selbstverändenmg kann nur als
revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden
werden.
/[53]/
4)
Feuerbach geht von dem Faktum der religiösen Selbstentfrem-
dung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse und eine welt¬
liche aus. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre
weltliche Grundlage aufzulösen. Aber daß die weltliche Grund- 25
läge sich von sich selbst abhebt und sich ein selbstständiges Reich
in den Wolken fixiert, ist nur aus der Selbstzerrissenheit und Sich-
selbstwidersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären.
Diese selbst muß also in sich selbst sowohl in ihrem Widerspruch
verstanden, als praktisch revolutioniert werden. Also nachdem 30
z. B. die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie
entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch und praktisch ver¬
nichtet werden.
5)
Feuerbach, mit dem abstrakten Denken nicht zufrieden, 35
will die Anschauung; aber er faßt die Sinnlichkeit nicht als
praktische menschlich-sinnliche Tätigkeit.
Marx über Feuerbach
535
/[54]/
6)
Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche
Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen
s Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist
es das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht
eingeht, ist daher gezwungen:
1) von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das
io religiöse Gemüt für sich zu fixieren, und ein abstrakt — iso¬
liert — menschliches Individuum vorauszusetzen.
2) das Wesen kann daher nur als „Gattung“, als innere,
stumme, die vielen Individuen natürlich verbindende Allge¬
meinheit gefaßt werden.
7)
Feuerbach sieht daher nicht, daß das „religiöse Gemüt“ selbst
ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Indivi¬
duum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform an¬
gehört.
/[55]/
8)
Alles gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch. Alle
Mysterien, welche die Theorie zum Mystizism veranlassen, fin¬
den ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und in dem
25 Begreifen dieser Praxis.
9)
Das höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt, d.h.
der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätig¬
keit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und
зо der bürgerlichen Gesellschaft.
10)
Der Standpunkt des alten Materialismus ist die bürgerliche Ge¬
sellschaft, der Standpunkt des neuen die menschliche Gesellschaft
oder die gesellschaftliche Menschheit.
11)
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpre¬
tiert, es kömmt drauf an sie zu verändern.
[AUS
I. FEUERBACH]
[Marxens Notizen auf den beiden letzten Seiten des Manuskripts ,J. Feuerbach“ ]
Einfluß der Teilung der Arbeit auf die Wissenschaft.
Was bei den Staat, Recht, Moral etc. die Repression. 5
[Im] Gesetz müssen die Bourgeois sich einen allgemeinen Aus¬
druck geben müssen, eben weil sie als Klasse herrschen.
Naturwissenschaft und Geschichte.
Es gibt keine Geschichte der Politik, des Rechts, der Wissen¬
schaft etc., der Kunst, der Religion etc. ю
Warum die Ideologen alles auf den Kopf stellen.
Religiösen, Juristen, Politiker.
Juristen, Politiker (Staatsleute überhaupt), Moralisten, Reli¬
giöse.
Für diese ideologische Unterabteilung in einer Klasse, 1) Ver - 15
selbstständigung des Geschäfts durch die Tei¬
lung der Arbeit; jeder hält sein Handwerk für das Wahre.
Über den Zusammenhang, worin ihr Handwerk mit der Wirklich¬
keit steht, machen sie sich um so notwendiger Illusionen, da dies
schon durch die Natur des Handwerks selbst bedingt wird. Die 20
Verhältnisse werden in der Jurisprudenz, Politik etc. — im Be¬
wußtsein zu Begriffen; da sie nicht über diese Verhältnisse h[in]-
aus sind, sind auch die Begriffe derselben in ihrem Kopf fixe Be¬
griffe; der Richter z. B. wendet den Code an, ihm gilt daher die
Gesetzgebung für den wahren aktiven Treiber. Respekt vor ihrer 25
Ware; da ihr Geschäft es mit Allgemeinem zu tun hat.
Idee des Rechts. Idee des Staats. Im gewöhnlichen Be¬
wußtsein ist die Sache auf den Kopf gestellt. — — —
Religion ist von vornherein das Bewußtsein der Transzen¬
denz [, das] hervorgeht aus dem wirklichen Müssen. зо
3—22 Das Papier ist beschädigt, daher Lücken im Manuskript
4—7 Auf dieser Höhe notierte Marx in der rechten Spalte:
Dem „Gemeinwesen“, wie es im antiken Staat, dem Feudalwesen, der
absoluten Monarchie erscheint, diesem Band entspricht* *) namentlich die
(kath[olische Religion]) religiösen Vorstellungen.
*) Soll heißen: entsprechen
Aue: I. Feuerbach
537
Dies populärer. — — —
Tradition, für Recht, Religion etc.
/[73]/
Die Individuen sind immer von sich ausgegangen, gehen immer
f von sich aus. Ihre Verhältnisse sind Verhältnisse ihres wirklichen
Lebensprozesses. Woher kömmt es, daß ihre Verhältnisse sich
gegen sie verselbstständigen? daß die Mächte ihres eignen Lebens
übermächtig gegen sie werden?
Mit einem Wort: die Teilung der Arbeit, deren Stufe
10 von der jedesmal entwickelten Produktivkraft abhängt.
Gemeindeeigentum.
Grundeigentum, feudales, modernes.
Ständisches Eigentum. Manufaktureigentum. industriellesKapital.
10 Gegenüber dem vorstehenden marxschen Text dieser letzten Seite des Manu¬
skripts befindet sich in Engels Altershandschrift mit Bleistift mit lateinischen
Buchstaben in der rechten Spalte die Bestimmung:
I
Feuerbach
Gegensatz von materialistischer und idealistischer Anschauung.
[ENGELS ÜBER FEUERBACH]
FEUERBACH
/9/
a) Feuerbachs ganze Philosophie läuft heraus auf 1) Natur¬
philosophie — passives Anbeten, verzücktes Niederknien vor der 5
Herrlichkeit und Allgewalt der Natur — 2) Anthropologie, und
zwar a) Physiologie, worin nichts Neues gesagt wird als das, was
die Materialisten über die Einheit von Körper und Seele gesagt
haben, nur nicht so mechanisch, dafür etwas überschwenglicher.
ß) Psychologie, läuft hinaus auf verhimmelnde Dithyramben auf 10
die Liebe, analog dem Naturkultus, sonst nichts Neues. 3) Moral,
Forderung, dem Begriff „des Menschen“ zu entsprechen, impuis-
sance mise en action. Vergleiche § 54, pag. 81: „das sittliche
und vernünftige Verhältnis des Menschen zum Magen besteht da¬
rin, denselben nicht als ein viehisches, sondern menschliches We- 15
sen zu behandeln. —“ § 61: „Der Mensch ... als moralisches We¬
sen“ und das viele Sittlichkeitsgerede im „Wesen des Christen¬
tums“.
b) Daß auf der jetzigen Entwicklungsstufe die Menschen ihre
Bedürfnisse nur innerhalb der Gesellschaft befriedigen können, 20
daß überhaupt gleich von vornherein, sowie sie existierten, die
Menschen einander nötig hatten und nur dadurch ihre Bedürfnisse
und Fähigkeiten pp entwickeln konnten, daß sie in Verkehr tra¬
ten, wird bei Feuerbach so ausgedrückt, daß „der einzelne Mensel
für sich das Wesen des Menschen nicht in sich hat“. 25
daß „das Wesen des Menschen nur in der Gemeinschaft, in der
Einheit des Menschen mit dem Menschen enthalter
ist, eine Einheit, die sich aber nur auf die Realität des Unter
schieds von Ich und Du stützt. — Der Mensch für sich is:
Mensch (im gewöhnlichen Sinn), der Mensch mit Mensch — die зо
Einheit von Ich und Du i st Gott“ (d. h. Mensch im über
gewöhnlichem Sinn). § 61, 62 pag.83. — Soweit kommt die Philo
sophie, daß sie die triviale Tatsache über die Unentbehrlichkeit
des Verkehrs zwischen den Menschen, ohne deren Erkenntnis die
[Engels über Feuerbach] Feuerbach
539
zweite Menschengeneration, die überhaupt existierte, nie erzeugt
worden wäre, die überhaupt schon im Geschlechtsunterschied liegt,
als das größte Resultat am Ende ihrer ganzen Karriere hinstellt.
Und noch dazu in der mysteriösen Form der „Einheit von Ich und
5 Du“. Diese Phrase wäre gar nicht möglich, wenn Feuerbach nicht
an den Geschlechtsakt, den Gattungsakt, die Gemeinschaft von Ich
und Du хат9 е^о%г]ѵ gedacht hätte Und soweit seine Gemein¬
schaft praktisch wird, beschränkt sie sich auch auf den Ge¬
schlechtsakt und die Verständigung über philosophische Gedan-
10 ken und Probleme, die „wahre Dialektik“, § 64, den Dialog, auf
„die Erzeugung des Menschen, des geistigen sogut wie des
physischen“, p. 67. Was dieser „erzeugte“ Mensch nachher
tut, außer daß er wieder „geistig“ und „physisch“ „Menschen er¬
zeugt“, davon ist keine Rede. Feuerbach kennt auch nur den Ver-
15 kehr zwischen Zweien, „die Wahrheit, daß kein Wesen für sich
allein ein wahres, ein vollkommnes, ein absolutes Wesen, daß die
Wahrheit und Vollkommenheit nur ist die Verbindung, die Ein¬
heit von zwei sich wesensgleichen Wesen“. P.83, 84.
/10/
го c) Der Anfang der Philosophie der Zukunft beweist gleich die
Differenz zwischen uns und ihm: § 1: „Die Aufgabe der neueren
Zeit war die Verwirklichung und Vermenschlichung Gottes, die
Verwandlung und Auflösung der Theologie in die Anthropologie66.
Vgl. „Die Negation der Theologie ist das Wesen der neueren
25 Zeit66. Philosophie der Zukunft, p. 23.
d) Der Unterschied, den Feuerbach zwischen Katholizismus
und Protestantismus, § 2, macht, Katholizismus: „Theologie“
„kümmert sich um das, was Gott an sich selber ist“, hat „speku¬
lative und kontemplative Tendenz66, der Protestantismus bloß
зо Christologie, überläßt den Gott an sich selber, die Spekulation und
Kontemplation der Philosophie — weiter nichts als eine aus einem
der unentwickelteren Wissenschaft entsprechenden Bedürfnis
hervorgegangene Teilung der Arbeit. Aus diesem bloßen Bedürf¬
nis innerhalb der Theologie erklärt Feuerbach den Pro¬
35 *) Nämlich da d e r Mensch = Kopf + Herz ist und zwei dazu nötig
sind, um den Menschen darzustellen, so tritt Einer als Kopf, der
andre als Herz auf in ihrem Verkehr — Mann und Weib. Sonst
nicht abzusehen, weshalb Zwei Menschlicher sind als Einer. Das saint-
simonistische Individuum.
540
Anhang
testantismus, woran sich dann ungezwungen eine selbstständige
Geschichte der Philosophie anschließt.
e) „Das Sein ist kein allgemeiner, von den Dingen abtrenn¬
barer Begriff. Es ist Eins mit dem, was ist ... Das Sein ist die
Position des Wesens. Was mein Wesen, ist mein Sein, s
Der Fisch ist im Wasser, aber von diesem Sein kannst du nicht
sein Wesen abtrennen. Schon die Sprache identifiziert Sein und
Wesen. Nur im menschlichen Leben sondert sich, aber auch
nur in abnormen, unglücklichen Fällen Sein vom
Wesen — ereignet es sich, daß man nicht da, wo man sein Sein, 10
auch sein Wesen hat, aber eben wegen dieser Scheidung auch nicht
wahrhaft, nicht mit der Seele da ist, wo man wirklich mit dem
Leibe ist. Nur wo Dein Herz ist, da bist Du. Aber alle Dinge
sind — naturwidrige Fälle ausgenommen — gerne
da, wo, und gerne das, was sie sind.“ p. 47. Eine schöne Lobrede 15
auf das Bestehende. Naturwidrige Fälle, wenige, abnorme Fälle
ausgenommen, bist Du gerne mit dem siebenten Jahre Türschlie¬
ßer in einer Kohlengrube, vierzehn Stunden allein im Dunkeln,
und weil Dein Sein, so ist es auch Dein Wesen. Desgleichen piecer
an einem selfactor. Es ist Dein „Wesen“ unter einen Arbeitszweig 20
subsumiert zu sein. Vgl. Wesen des Glaubens p. 11, „unbefriedig¬
ter Hunger“, diese а
f) § 48, p. 73. „Das Mittel, entgegengesetzte oder widerspre¬
chende Bestimmungen ohne Widerspruch in einem und demsel¬
ben Wesen zu vereinigen, ist nur die Zeit. So ist es wenigstens im 25
lebendigen Wesen. So nur kommt hier z. B. im Menschen der
Widerspruch zum Vorschein, daß jetzt diese Bestimmung,
dieser Vorsatz, jetzt eine ganz andere, eine geradezu entgegenge¬
setzte Bestimmung mich beherrscht und erfüllt“. Dies nennt
Feuerbach 1) einen Widerspruch, 2) eine Vereinigung von Wider- 30
Sprüchen, und 3) soll die Zeit das tun. Allerdings die „erfüllte“
Zeit, aber immer die Zeit, nicht das, was in ihr passiert. Der Sat?
= dem, daß nur in der Zeit eine Veränderung möglich.
10
15
20
25
30
[SANKT BRUNO CONTRA DIE VERFASSER DER
„HEILIGEN FAMILIE“]
Gesellschafts spiegel, Organ zur Vertretung der besitzlosen
Volksklassen und zur Beleuchtung der gesellschaftlichen Zustände
der Gegenwart. Zweiter Band. [Elberfeld, Januar 1846.]
‘Brüssel, 20. November. Bruno Bauer stammelt in Wi¬
gan d s Vierteljahrsschrift, 3. Band, pag. 138ff., einige Worte der
Erwiderung auf Engels’ und Marx’ Schrift: „die heilige Fa¬
milie oder Kritik der kritischen Kritik. 1845.“ Von vom herein er¬
klärt B. Bauer, daß Engels und Marx ihn nicht verstanden
hätten, wiederholt mit der unbefangensten Naivität seine alten prä-
tenziösen, längst in ihr Nichts aufgelösten Phrasen und bedauert
die Unkenntnis jener Schriftsteller über seine Stichworte vom
„immerwährenden Kämpfen und Siegen, Vernichten und Schaf¬
fen der Kritik“, wie sie die „einzige Macht der Geschichte“ sei,
wie „einzig und allein der Kritiker die Religion in ihrer Totalität
und den Staat in seinen verschiedenen Erscheinungen gebro¬
chen“ habe, wie „der Kritiker gearbeitet hat und arbeitet“ und
was dergleichen sonore Beteurungen und pathetische Ergießungen
mehr sind. In seiner Erwiderung selbst gibt Bauer unmittelbar
eine neue, schlagende Probe davon, „wie der Kritiker ge¬
arbeitet hat und arbeitet“. Der „arbeitsame“ Kritiker
findet es nämlich seinem Zweck entsprechender, statt das Buch
von Engels und Marx, eine mittelmäßige und konfuse Rezen¬
sion dieses Buchs in dem „Westfälischen Dampf-
boot66 (Maiheft pag. 208ff.) zum Gegenstand seiner Ausrufun¬
gen und Zitate zu machen — eine Eskamotage, die er mit
kritischer Vorsicht seinem Leser verheimlicht. — Indem Bauer
aus dem Dampfboot abschreibt, unterbricht er diese „saure
Arbeit66 des Kopierens nur mit einsilbigem, aber vielsinnigem
Achselzucken. Auf Achselzucken beschränkt sich die kritische Kri¬
tik, seitdem sie nichts mehr zu sagen hat. Sie findet ihr Heil in
den Schulterblättern, trotz ihres Hasses gegen die Sinn-
542
Anhang
1 i ch k ei t, die sie nur unter der Form eines „Stocks“ (sieahe
Wigands Vierteljahrsschrift, pag. 130) sich vorzustellen weiiß,
eines Zuchtinstrumentes für ihre theologische Blöße. — Der west¬
fälische Rezensent gibt in oberflächlicher Hast lächerliche und (di¬
rekt dem von ihm angezeigten Buch widersprechende Zusammen- 5
fassungen dieses Buchs. Der „arbeitsame“ Kritiker schreiibt
das Machwerk der Rezensenten ab, schiebt es E n g e 1 s und Marx
unter, und ruft der unkritischen Masse, die er mit dem einen Au ge
niederschmettert, während er sie mit dem andern kokettierend
heranwinkt, triumphierend zu: Siehe da, meine Gegner! 10
— Stellen wir nun wörtlich die Aktenstücke zusammen. — Der
Rezensent im Westfälischen Dampfboot: „Um die Juden tot zu
schlagen, verwandelt er“ (B. Bauer) „sie in Theologen und die
Frage der politischen Emanzipation in die der menschlichen; um
Hegel zu vernichten, verwandelt er ihn in Herrn Hinrich s ; 15
und um die französische Revolution, den Kommunismus, den
Feuerbach los zu werden, schreit er „Masse, Masse, Masse!“ und
wieder „Masse, Masse, Masse!“ kreuzigt sie zum Preise des Gei¬
stes, der da ist die Kritik, die wahrhaftige Inkarnation der ab¬
soluten Idee in Bruno von Charlottenburg.“ (Westfälisches Dampf- 20
boot 1. c. pag. 212). Der „а r b e i t s а m e“ K r i t i k e r : „Der Kri¬
tiker der kritischen Kritik“ werde „am Ende kindisch“, „erscheine
als Harlekin auf dem theatro mundi“ und „wolle uns glauben
machen“, „ganz im Emst behaupte er’s, daß BrunoBauer,
um die Juden etc. etc.“ — folgt die ganze, nirgendwo in der „hei- 25
ligen Familie“ befindliche, Stelle aus dem Westfälischen Dampf¬
boot wörtlich. (W i g а n d s Vierteljahrsschr. pag. 142). Man
vergleiche dagegen das Verhältnis der kritischen Kritik zur Juden¬
frage und zu der politischen Emanzipation in der heiligen Familie,
unter andern pag. 163—185, über ihr Verhältnis zur französischen 30
Revolution pag. 185—195, über ihr Verhältnis zum Sozialismus
und Kommunismus p. 22—74, p. 211 ff., p. 243—244 und den
ganzen Abschnitt über die kritische Kritik als Rudolph Fürst
von Gerolstein p. 258—333. Über das Verhältnis der kritischen
Kritik zu Hegel siehe das Geheimnis der „spekulativen Kon- 35
struktion“ und die folgende Ausführung p. 79ff., ferner p. 121
u. 122, p. 126—128, p. 136—137, p. 208—209, p. 215—227
und p. 304—308; über das Verhältnis der kritischen Kritik zu
Feuerbach siehe p. 138—141, und endlich über das Resultat
und die Tendenz der kritischen Kämpfe gegen die französische/0
Revolution, den Materialismus und Sozialismus p. 214—215. —
Man wird aus diesen Zitaten ersehen, daß der westfälische Rezen¬
sent ein möglichst schiefes, lächerlich mißverstehendes und nur
[Sankt Bruno contra die Verfasser der „Heiligen Familie“] 543
eingebildetes Resume dieser Entwickelungen gibt, ein Resume,
das der „reine“ und „arbeitsame“ Kritiker mit „schöpfe¬
rischer und vernichtender“ Gewandtheit dem Original unter¬
schiebt. — Weiter! — Der Rezensent im „Westfäli-
5 sch en D ampf boot: „Seine“ (nämlich B. Bauers) „alberne
Selbstapotheose, in der er zu beweisen versucht, daß da, wo er frü¬
her befangen war von den Vorurteilen der Masse, diese Befangen¬
heit nur ein notwendiger Schein der Kritik war, erwidert Marx
mit dem Anerbieten folgenden scholastischen Traktät-
10 1 e i n s : „Warum die Empfängnis der Jungfrau Maria gerade von
Herrn BrunoBauer bewiesen werden mußte etc. etc.66 (Dampf¬
boot p. 213.) Der „arbeitsame Kritiker : „Er“ (der Kri¬
tiker der kritischen Kritik) „will uns weis machen und glaubt66
am Ende seinem Schwindelgeiste selber, daß Bauer da, wo er
15 früher befangen war von den Vorurteilen der Masse, diese Befan¬
genheit nur als einen notwendigen Schein der Kritik, und nicht
vielmehr aus dem notwendigen Entwicklungsgang der Kritik dar¬
stellen wolle, und bietet darum als Erwiderung solcher „alber¬
nen Selbstapotheose“ folgendes scholastische Traktätlein an:
го „Warum die Empfängnis der Jungfrau Maria etc. etc.“ (Wigands
Vierteljahrsschr. p. 142—143). In der heiligen Familie p. 150 bis
163 findet der Leser einen eigenen Abschnitt über die Selbst-
apologieBrunoBauers, worin leider kein Jota von dem
scholastischen Traktätlein steht, welches also in keinem Fall als Er-
25 widerung auf die Selbstapologie Bruno Bauers angeboten
wird, wie der westfälische Rezensent sich einbildet und der dienst¬
fertige Bruno Bauer teilweise sogar mit Anführungszei¬
chen als Zitat aus der heiligen Familie abschreibt. Das
Traktätlein findet sich in einem andern Abschnit und in einem an-
3o dem Zusammenhänge. (Siehe heilige Familie p. 164 und 165).
Was es da zu bedeuten hat, mag der Leser selbst nachsehen und
abermals die „reine“ Schlauheit des „arbeitsamen“ Kritikers be¬
wundern. — Der „arbeitsame“ Kritiker ruft schließlich
aus: „Damit“ (nämlich mit den von Bruno Bauer dem
35 westfälischen Dampfboot entlehnten und den Schriftstellern der
heiligen Familie untergeschobenen Anführungen) „ist
natürlich Bruno Bauer tüchtig abgemuckt und die Kritik zur
Räson gebracht. Vielmehr Marx hat uns ein Schauspiel ge¬
geben, indem er zuletzt selbst als ergötzlicher Komödiant auf-
4o tritt.“ (Wigands Vierteljahrsschrift p. 143.) Um dies „viel¬
mehr“ zu verstehen, muß man wissen, daß der westfälische
Rezensent, bei welchem Bruno Bauer als Kopist arbei¬
tet, seinem kritischen und arbeitsamen Schreiber in die Feder dik-
544
Anhang
tiert: „Das welthistorische Drama66 (nämlich der Kampf der
Bauer sehen Kritik gegen die Masse), „zerfließt ohne viele Kunst
in die ergötzlichsteKomödi e.66 (Westfälisches Dampfboot
p. 213). Da springt der unglückliche Kopist auf, es geht über seine
Kräfte, sein eignes Urteil abzuschreiben. „Vielmehr!66 — fällt er 5
dem diktierenden westfälischen Rezensenten ins Wort — „Viel¬
mehr... Marx... der ergötzlichste Komödiant!66 und er wischt
sich den Angstschweiß von der Stirne. Bruno Bauer,
indem er zur ungeschicktesten Eskamotage, zum traurigsten
Taschenspielerkunststück seine Zuflucht nimmt, hat in letzter In- 10
stanz das Todesurteil bestätigt, das Engels und Marx in der
„Heiligen Familie66 über ihn gefällt haben.
BESCHREIBUNG DER MANUSKRIPTE
TEXTVARIANTEN
In der Sammlung der Textvarianten geben wir alle stilistisch und inhaltlich vom
endgültigen Text abweichenden Streichungen wieder; bei den mit e “ w bezeichneten
Worten handelt es sich um nachträgliche Einschaltungen von Engels, resp. Korrek¬
turen von Marx, resp. von Weydemeyer angefertigte Kopien der Korrekturen. Aus
der Beschreibung der Manuskripte ist zu ersehen, in wessen Handschrift die betreffen¬
den Manuskripte geschrieben sind.
Die Reihenfolge bei der Wiedergabe der Tilgungen entspricht durchweg der
Textfolge unseres Bandes. Eine Ausnahme bilden die dem Manuskript „I. Feuerbach“
entnommenen Tilgungen, die in ihrer Aufeinanderfolge nicht der Reihenfolge der
Seiten unseres Bandes entsprechen, weil wir die einzelnen Teile dieses Manuskripts
auf Grund der Notizen von Marx und Engels umgestellt haben.
Marxens Notizbuch »
aus den Jahren 1844—1847.
Das älteste auf uns gekommene Marxsche Notizbuch, dem die im Anhang abge¬
druckten Notizen (cf. S. 531 bis 535 unseres Bandes) entnommen sind, wurde von
Marx in den Jahren 1844 bis 1847 benutzt; in Paris begonnen, machte es die Über¬
siedlung nach Brüssel, die Reise nach England im Juli-August 1845 und die Rück¬
kehr nach Brüssel mit. In ihm hat der Übergang von der „heiligen Familie“ zur
„Deutschen Ideologie“, von der „Deutschen Ideologie“ zur „Misere de la Philosophie“
seine Spur hinterlassen; aus ihm wissen wir, welch Riesengebiet der politischen Öko¬
nomie und politischen Theorie Marx bereits durchgeackert, resp. zu bewältigen vor
hatte, als er die „Kritik der Politik und Nationalökonomie“ aussetzte, um mit Engels
zusammen an die Kritik der Ideologie heranzugehen.
Das Notizbuch ist aus 9 einzelnen Blätterbündeln (Format 9,75 X 15,75 cm) zu¬
sammengeheftet. Die Heftnähte liegen zwischen den Seiten
1 und 2
[3], [4], [5], [6] „ 7, 8, 9, 10
11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18 „ 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26
27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34 „ 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42
43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50 „ 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58
59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66 „ 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74
75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82 „ 83, 84, 85, 86, 87, 88, [89, 90]
91 92 93 94
95, 96, [97], [98] ” [99], [100], 101, 102
Seite 1 und 102 sind mit blauem Papier überklebt und an den vorderen, resp.
hinteren Buchdeckel geklebt. Die durch eingeklammerte Zahlen bezeichneten
Seiten 3, 4, 5, 6, 89, 90, 97, 98, 99, 100 sind herausgerissen. Im ganzen bestand das
Notizbuch also aus 100 zum Schreiben bestimmten nicht numerierten Seiten.
Auf Seite 2 befindet sich eine Notiz zu „Misere de la Philosophie“1; eine von
fremder Hand geschriebene Adresse: Mr. Egoroff. Rue de Canettes 13, au 1er, sowie
von derselben Hand die Namen d’Angeville und Chomond. Marx notierte hier die
Formel:
G.
W. G.
M. G.
Auf den fehlenden Seiten 3—6 befand sich der Anfang einer Bücherliste, die auf
Seite 7 mit der Nummer 28) Adam Smith. Richesse des Nations. 5 t. fortgesetzt, auf
Seite 13 mit der Nummer 134) Mad. Roland. Memoires abschließt, wobei die Nu¬
merierung noch bis 140 fortgeht, ohne daß irgend welche Büchertitel oder Autoren¬
namen notiert sind.
Unter der Überschrift Zu kaufen oder sonst zu verschaffen beginnt auf Seite 14
eine bis Seite 19 fortgesetzte Liste von 37 in alphabetischer Reihenfolge nach
A. Blanquis „Histoire de Гeconomie politique en Europe“ (1842) auf gezählten
Werken. Dabei sind erwähnt unter: 1) Buonarotti (Herwegh), 2) Sismond Sismondi.
Nationalökonomische Schrift, 3) Wuon 1 2 franz. Übers. (Gay), 8) List (Engels3),
14) Cabrion 4-Nisas (A. de) Principes d’economie politique Paris, 1825 (Precis
historique de Banque de France), 27) ConsideranL Destinee sociale (Herwegh).
An diese Liste schließt sich auf Seite 19 unmittelbar an folgende Aufstellung:
1 Vgl. MEG А 116 S. 117—228
2 Soll heißen Owen
3 Vgl. MEGA III/1 S. 6ö-e u. S. 19m-3G
4 Richtig: Carrion-Nisas. Cabrion figuriert bei E.Sue in: Les Mysteres de Paris
35*
548
Beschreibung der Manuskripte
Bei Guillaumin \ Gallerie de la Bourse, Panoramas:
Physiocrates 10 fr.
Turgot 12 fr.
Malthus 10 fr.
(Ricardo oeuvres c о m p 1.) 10 fr.
(Say. Cours complete) 20 fr.
Summa (62) (42) 32 fr.
Darunter die Adresse: Th. Zerbst. Neue Orangenstrasse, im Pahlschen Hause.
Auf Seite 20 werden Godwins „Recherches“ notiert, darunter der „Catechisme“
von J. Bentham. Darauf folgt:
Bei Aillaud1, Quai Voltaire (111)11:
1) Cabrion-Nisas. Principes d’economie polit. 3 fr.
2) God wi n. Recherches sur la population etc. 2voL 12 fr.
3) Storch. Cours d’economie politique. 5vol. 35 fr.
50 fr.
Everett1 2 (Renouard) 2 42 fr.
92 fr.
82 fr.
Seite 21 befindet sich die Notiz über die „Hegelsche Konstruktion der Phäno¬
menologie“ 3, Seite 23 und 22 Die Entstehungsgeschichte des Modernen Staats 4 etc.
Seite 24 folgt wieder eine Aufstellung:
Sismondi. Prtincipes] 2 vol. 12 fr. payes
Bentham, defense 6
Theorie 14
Stewart 12—15
Rue des Gres Sorbonne 10. Capelle 4
Dann die Notiz:
Helvetius (nicht syst. soc. sondern de l’homme)
S i(s)m onde Sismondi statt Sismond etc.
Darauf bis Seite 26 Büchertitel — nach A. Blanqui, „Histoire“ etc.; u. a. Giilich.
„Geschichtliche Darstellung des Handels“ etc. mit dem Vermerk: 10 fr. bei Klink-
siek1. — Bei demselben Klinksiek wollte Marx erwerben für 94 fr.: Burdach. Die
Philosophie als Erfahrungswissenschaft; für 12 fr.: Kindlinger. Geschichte der deut¬
schen Hörigkeit; für 8 fr.: List. Das nationale System der politischen Ökonomie und
für 34 fr. 70 cent.: Rau. Handbuch der politischen Ökonomie. 3 vol.
Danach folgt bis Seite 27 eine Liste von 16 Autoren, die anfängt mit:
1) C ülich 40 fr.
2) List 8 fr.
3) (Rau) (3) 5 48
<8> <3> ,
Unter der Liste der Vermerk: An Capelle 4 Malthus. Principes d’economie pol.
Zu 11 fr.
Auf Seite 28 und 29 hat Jenny Marx 5 ihrem Mann folgenden schriftlichen Auf¬
trag gegeben:
Soziale Fragen.
1) Douanengeschichte.
Ist es möglich alte Meubles, alten Hausrat, Porzellan, Wäsche, Kleidungsstücke,
1 Buchhandlung
2 Es handelt sich um Everett (Alex.-H.) Nouvelles idees sur la po¬
pulation avec des remarques sur les theories de Malthus et de Godwin; traduit
de l’anglais par C.-J. Ferry. Paris, Renouard, 1826, in-8° (Cf. Ad. Blanqui, Histoire de
Peconomie politique en Europe etc., Paris, 1842, t. II, p. 424)
3 Vgl. S. 531 unseres Bandes
4 Vgl. S. 532 unseres Bandes
5 K. Marx verließ in Begleitung von Heinrich Bürgers Paris am 3. Februar 1845;
Frau und Tochter folgten am 21. Februar 1845 nach
Marxens Notizbuch
549
alles gebraucht, ganz frei zu bekommen? wo nicht, sind die Tarifsätze mäßig [?].
Diese Sache ist gleich zu besorgen. Ferner
2) Wohnungsgeschichten.
Wie viel kosten 4 Zimmer und eine Küche und irgend ein Raum, dunkel oder
hell, Koffer und Schund unterzubringen ohne Meubles? Wieviel kosten diese Räume
möbliert? Von diesen 4 Stuben müßten 3 heizbar sein, die eine könnte auch ein
bloßes cabinet sein, wenn nur ein Bett darin stehen könnte. Die Stube des Kindes,
die zugleich Schlafstube sein würde, brauchte durchaus nicht elegant zu sein. Im
Gegenteil wäre es gut, wenn diese und deine Arbeitsstube ganz einfach möbliert
wären. Wenn nur eine Stube gut wäre.
Die Küche brauchte nicht garniert zu sein. Für Kochtöpfe will ich selbst sorgen.
Auch Betten und Wäsche wären von den Meubles auszunehmen. Wie sind sonst die
Preise der Meubles, denn es müßte immer noch neu angeschafft werden im Fall ich
unsere mitbringen sollte, oder wäre es möglich Meubles apart zu mieten und selbst die
Zimmer zu garnieren ungefähr wie hier?
Das Übrige überlasse ich dem weisen Urteil meiner hohen Gönner; nur muß ich
noch bitten ein besonderes Augenmerk auf etwaige Wandschränke zu haben; sie
spielen eine Hauptrolle im Leben der Hausfrau und sind ein höchst beachtenswerter
nicht zu übersehender Gegenstand. Wie wären die Bücher am besten unterzubringen.
Und somit Amen!
Seite 24 notierte Marx folgende Adresse:
Mainz *.
Place du petit Sablon 24.
Place de Musee 6 (restaurant)
Seite 25 steht folgender Entwurf 1 2:
Morelli
Mably
Baboeuf
Buonarotti
Cercle soc[ial]
Hebert
Leroux
Ledere
Bentham
Godwin
Holbach
Helvetius
Fo u г r i e r
Owen
St. Simon
(Lalande)
Die Schriften der Schule
Considerant
Producteur. Globe
Dezamy. Gay.
Cabet
Fratemite, l’Egalitaire etc. Fhumanitaire etc.
Proudhon.
Seite 26 ist leer. Seite 27:
Emil Blanc 3 esq. 18 King Street Cheapside — pr. Ostende — London.
Buchhändler}. (Ward) Watson. St. Pauls Alley, Pater noster row. London.
Seite 34 bis 41 sind wieder durch Büchertitel fast ausschließlich ökonomischer
Werke beansprucht.
Seite 42:
Sir Henry Parnell 1804: Principles of currency and exchange; 1827 Ob-
servations on paper money, banking and overtrading.
D’A v e n а n t. Essay upon Ways and Means
Discources on the Trade of England
Darunter in der Handschrift von Engels:
1 Soll heißen Maynz (Karl Gustav)
2 Vgl. MEGA 111/1 S. 1637-175, 14, 26, 17зв 7926 und 1/3 S. 306—310
3 Engels Schwager, Gatte von Marie Engels-Blank, s. Bd. 1/2 u. ПІ/1, Namen¬
register
550
Beschreibung der Manuskripte
А Compendious or Briefe examination of certayne ordinary complaints, by W.
S. 1581 (enthält e[ine] Abh[an]dl[un]g über die Verwandlung des Ackerlandes in
Weideland.
Defoe, Daniel: Giving Alms no Charity
Darunter von Marx:
Wallace. Darwins Botanic Garden. Townsend Dissertation on the po<or
laws. 1786.
Darunter von Engels:
An Essay on the Application of Capital to Land. By а fellow of U. C. Oxf[or]<d.
1815 (von West).
Darunter von Marx:
The Christian and civic economy of large towns, v. Thomas Chalmers.
Glasgow. 1821—26.
Seite 43 ist leer. Seite 44 von Marx die Notiz:
Thompson
Alison
C h i 11 i
und Seite 45: Heß1: Buonarotti 2B.
D e z а m у Code
id. Lammenais refute
id. L’e g а 1 i t а i r e 2 Hefte
(L’etat de t>
Campanella
Cherbulliez
Die Seiten 46 bis 49 sind leer. Seite 50:
Krisen des englischen H[an]d[els]
<1762> 1633, 1772, 1793
1811, 1816, 1818 u. 1825. 1837—1842.
Folgt ein Zitat über Ricardo und Colonell Thompson.
Seite 51—55 Thesen 1) ad Feuerbach1 2, Seite 56—71 französische und englische
Büchertitel mit Chiffern der Brüsseler Bibliothek.
Seite 72 sind unter der Überschrift Catalog der Leihbibliothek bis
Seite 81 englische ökonomische Schriften auf gezahlt, Seite 82 unter der Überschrift
Population bis Seite 83 ebenfalls englische Werke; Seite 84 unter der Überschrift
Bibliothek Bücher von Anderson, Attwood, Chalmers, Collier, Townsend notiert.
Seite 85—88 leer; Seite 89 und 90 herausgerissen; Seite 91 leer.
Seite 92 und 93 unter der Überschrift Atheneum3 Büchertitel von Werken
englischer und amerikanischer ökonomischer Schriftsteller. Seite 94 und 95 sind leer.
Seite 96 befindet sich folgende Notiz zu „Misere de la Philosophie“:
Zu Kapitel 15 1. Noten:
2) Die historisch-deskriptive Methode Proudhons
3) Lauderdale
z u § 2.
y) Nachfrage und Zufuhr, relative Arbeitszeit. Hierbei zu entwickeln das Akzi¬
dentelle und die sogenannte Durchschnittszahl der Ökonomen.
e) Ricardos Verdienst. Historische Entgegenstellung d. Klassen. Grundrente.
Natürlicher Wert.
Seite 97 bis 100 herausgerissen. Seite 101 leer. Seite 102 mit blauem Papier über¬
klebt und vermittelst desselben mit dem hinteren Buchdeckel verbunden.
1 M. Heß beabsichtigte 1845 eine Übersetzung von Buonarottis Geschichte der
Babeuf sehen V erschwörung und Dezamy's Code de la communaute herauszugeben
2 Vgl. S. 533—535 unseres Bandes
3 Gemeint ist wahrscheinlich die Bibliothek des Atheneum-Klubs in London
1. Paginierungsschema
der Manuskripte der „Deutschen Ideologie“
Die Zahlen in den Paginierungstabellen haben folgende Bedeutung: die zwischen
{} gesetzten Seiten-, resp. Bogenzahlen stammen von Engels, die ohne Klammern
von Marx, die in [] gesetzten bilden unsere Ergänzung zu der bei Engels, resp. Marx
fehlenden Paginierung. Die Zahlen zwischen [ [ bezeichnen die Seiten unseres Bandes.
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Blatt
2. Blatt
Vorrede1
/3, 565—566/
[1]
[1] /3/ <[la]> /565-566/
[1b] /566/ leer
1. Blatt
<2. Blatt>
I. Feuerbach*
/7—67, 566—583/
[!?]'<[!?]> /566-567/ <[l?a]> /567/
| [1 ?b] /567-568, 10/ [1 ?c] /10, 568/
<1. Blatt>
2. Blatt
[2?]
[2?] /10—11/ [2?a leer]
[2?b leer 2?c leer]
1. Blatt
2. Blatt [fehlt]
1
1 /7/ [la] /7-8/
[1b leer 1c leer]
1. Blatt
2. Blatt [fehlt]
2
2 /8, 568/ [2 a] /568, 8—9/
[2 b] /9—10, 568/ [2 c] /10, 568/
1. Blatt
2. Blatt
{3}
{3} /11, 569/ [3a] /11—12, 569/
[3b] /12, 569, 13/ [3c] /13—14, 569/
1. Blatt
2. Blatt
4
4 /14—15, 569/ [4a] /15, 569/
[4 b leer 4 c leer]
1. Blatt
2. Blatt [fehlt]
{5}
{5} /15, 569/ [5a] /569—570, 15/
[5 b] /15—16, 570/ [5 c] /16—17, 570/
1. Blatt
2. Blatt
{6}
<6b> {6} 8 /32—33, 570/ <6c> [{6}a] 9 /33, 34, 570/
<6d> [{6}b] 10 /34, 571/ <6e> [{6}c] 11 /571, 17—18/
1. Blatt
2. Blatt
{7}
{7} 12 /18—19, 571/ [{7}a] 13 /19, 571/
[{7}b] 14 /19—20, 571/ [[7}c] 15 /20—21, 571/
1. Blatt
2. Blatt
{8}
{8} 16 /571—572, 21—22/ [{8}a] 17 /572, 22, 23/
[{8}b] 18 /22—23, 572—573, 23, [{8}c] 19 /25, 573/
24—25
1. Blatt
2. Blatt
{9}
{9} 20 /34—35, 573/ [{9}a] 21 /35, 573, 26—27/
[{9}b] 22 /27, 573-574, 59/ [[9}c] 23 /59—60, 574/
1. Blatt
2. Blatt
{10}
{10} /574/ [{10}a] 24 /574—575, 27—28/
[{10}b] 25 /28—29, 575/ [{10]c] 26 /29—30, 575/
1. Blatt
2. Blatt
{11}
{11} 27 /30—31, 575/ [{ll}a] 28 /31,575-576,31-32/
[{ll}b] [29] [fehlt] [{ll}c]
1. Blatt
2. Blatt [fehlt]
1 In Marxens Handschrift
2 In Engels' Handschrift
552
Beschreibung der Manuskripte
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Blatt
2. Blatt
{20}
{20} /576/
[{20}b] 31 /36, 577/
[{20}a] 30 /576-577, 35—36/ 1
[{20}c] 32 /36—37, 577/
1. Blatt
2. Blatt
{21}
{21} 33 /37—38, 577/
[{21}b] /578/
[{21 }a] 34 /578, 38—39, 578/
[{21}c] 35 /578/
39, 578—579/
1. Blatt
2. Blatt
{83}
fehlt
{83} 36
[{83}b] 38
{83}a 37
{83}c 39
1. Blatt) r i ix
2. BlattJ fenit
{84}
{84} 40 /55, 579/
[{84}b] 42 /40—41, 579/
[{84}a] 41 /55—56, 39-40, 579/
[{84}c] 43 /41,579—580, 41,42/
1. Blatt
2. Blatt
{85}
<{84}> {85} 44 /41—42, 42, 580/
[{85}b] 46 /44—45, 580/
[{85}a] 45 /42, 43—44, 580/
[{85} c] 47 /45, 580, 45—46/
1. Blatt
2. Blatt
{86}
{86} 48 /46—47, 580/
[{86}b] 50 /48—49, 580—581/
[{86}a] 49 /47, 580, 47—48/
[{86}c] 51 /49, 581, 49—50/
1. Blatt
2. Blatt
{87}
{87} 52 /50—51, 581,
6324—36, 13—15/
[{87}b] 54/18—19 (Note), 42—43
[{87}a] 53 /63, 50—51 (Note)
18 (Note), 581
[{87}c]55 /43, 65, 581, 63—64/
1. Blatt
2. Blatt
{88}
{88} 56 /64, 65—66, 582/
[{88}b] 58 /66 (Note), 67, 64,
582/
[{88}a] 57 /66—67, 582/
[{88} c] 59 /64, 60, 582/
1. Blatt
2. Blatt
{89}
{89} 60 /60—61, 582/
[{89}b] 62 /62—63, 12, 582/
[{89}a] 61 /61—62, 582/
[{89}c] 63 /12—13, 54, 582/
1. Blatt
2. Blatt
{90}
{90} 64 /54, 56, 582/
[{90}b] 66 /57, 583, 58/
[{90}a] 65 /56, 62 (Note), 56—57/
[{90}c] 67 /58, 583/
1. Blatt
2. Blatt
{91}
{91} 68 /58—59,25—26,51,583/ [{91}a] 65 /51—52, 583/
[{91}b] 20 /51, 583, 53/ [{91}c] 71 /53, 583/
1. Blatt
2. Blatt
{92}
{92} 72 /53—54, 536—537/
[{92}b leer
[{92}a] /537/
{92}c leer]
1. Blatt
2. Blatt fehlt
Das Leipziger Konzil1
/71—72, 583/
[1]
[1] /71, 583/
[la] /71—72/
1. Blatt
[1b] /72, 583/
leer
2. Blatt
II. Sankt Bruno1
/75—94, 583—583/
1
1 /75, 583/
[1b] /76—77, 584/
[la] /75—76, 583/
[1c] /77, 584/
1. Blatt
2. Blatt
2
2 /77—78, 584/
[2b] /79/
[2 a] /78—79, 584/
[2 c] /79—80, 584/
1. Blatt
2. Blatt
3 1
3 /80/
[3 b] /81—82, 584/
[3 a] /80—81, 584/
[3 c] /82/
1. Blatt
2. Blatt
1 In Engels' Handschrift
Paginierungsschema der Manuskripte der „Deutschen Ideologie*
553
Bogen
1.
3.
2.
Seiten
4.
1. Blatt
2. Blatt
i
4 /82—83/
[4b] /83—84, 584/
[4 a] /83, 584/
[4 c] /84—85, 584/
1. Blatt
2. Blatt
5
5 /85, 584/
[5 b] /85—86/
[5 a] /584, 85/
[5 c] /86, 584/
1. Blatt
2. Blatt
6
6 /86—87/
[6b] /88/
[6 a] /87—88/
[6 c] /88—89, 584/
1. Blatt
2. Blatt
7
2 /89/
[7b] /90, 584/
[7 a] /89—90/
[7 c] /90—91, 584/
1. Blatt
2. Blatt
8
8 /91/
[8b] /92—93, 584/
[8 a] /91—92, 584/
[8c] /93, 584, 93/
1. Blatt
2. Blatt
9
9 /93—94/
[9b] fehlt
[9a] /94, 585/
[9 c] fehlt
1. Blatt
2. Blatt
III. Sankt Max1
/97—428, 585—630/
la
1 /97/
3 [1b] /99—100, 585/
[la] /98—99/
[1c] /100—101/
1. Blatt
2. Blatt
2a
2 /101/
[2b] /102—103, 585/
[2a] /101—102, 585/
[2 c] /103—104, 585/
1. Blatt
2. Blatt
3a
3 /104, 585/
[3b] /105—106/
[3 a] /104—105, 585/
[3 c] /106—107/
1.
2.
Blatt
Blatt
4a
4 /107—108, 585/
6 [4 b] /109—110/
5 [4a] /108—109/
<5> 2 [4c] /110—112, 585/
1.
2.
Blatt
Blatt
[{5}]
von Marx entfernt, weil durch Weydemeyers Abschrift ersetzt
{6}
{6} /585, 112—113/
[5b] [{6)b] /114—116/
7 [5a] [{6}a] /113—114, 585/
[5c] [{6}c] /116—117, 585/
1. Blatt
2. Blatt
{7}
{2} [6] /117, 585/
[{7}b] [6b] /118—119, 585/
8 [{7}a] [6a] /117—118, 585/
[{7}c] [6c] /119—120, 585/
1.
2.
Blatt
Blatt
{8}
{8} [7] /120, 585/
[{8}b] [7b] /121—122,586/
[{8}a] [7a] /120—121, 585—586/
8 [{8}c] [7 c] /122—123, 586/
1.
2.
Blatt
Blatt
{9}
{9}[8] /123, 586/
9b [8b] /125, 586/
9a [8a] /123—125, 586/
9 c [8 c] /125—126, 586/
1.
2.
Blatt
Blatt
{10}
{10} [9] /126—127, 586/
10 b [9 b] /127—128, 586/
10a [9a] /127, 586/
[{10}c] [9 c] /128—129, 586/
1. Blatt
2. Blatt
{11}
{11} [10] /129—130, 586—587/
[{ll}b] [10b] /130—131/
[{ll}a] [10a] /130, 587/
[{lljc] [10c] /131—132, 587/
1. Blatt
2. Blatt
{12}
{12} [11] /132—133, 587/
12 b [11b] /134—135, 587/
12 a [11a] /133—134/
12 c [11c] /135, 587/
1. Blatt
2. Blatt
1 In Engels' Handschrift
2 Weydemeyers Handschrift, Marxens Paginierung
554
Beschreibung der Manuskripte
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Blattt
2. Blattt
‘{13}
{13} [12] /135—136, 587/
13b [12b] /137—138, 587/
[{13}a] [12a] /136—137, 587/
13 c [12 c] /138, 587/
1. Blatt
2. Blatt
{14}
{14} [13] /138—139, 587/
14b [13b] /140—141, 587/
14a [13a] /139—140, 587/
14 c [13 c] /141—142, 587/
1. Blatt
2. Blatt
151
15 [14] /142/
von Marx entfernt, weil durch
15a [14a] /142—143,
Weydemeyers Abschrift ersetzt
1. Blatt
2. Blatt fehlt
{16}
{16} 15 /143—144, 587—588/
16b [15b] /145—146, 588/
16a [15a] /144—145, 588/
16c [15c] /588, 146/
1. Blatt
2. Blatt
{17}
{17} [16] /146—148, 588/
17b [16b] /148—149, 588/
17a [16a] /148, 588/
17 c [16 c] /149—150, 588/
1. Blatt
2. Blatt
{18}
{18} [17] /150—151, 588/
18b [17b] /152—153, 588/
18a [17a] /151—152, 588/
18c [17c] /153, 588/
1. Blatt
2. Blatt
{19}
{19} [18] /153—154, 588/
19b [18b] /155—156, 588/
19a [18a] /154—155, 588/
[{19}c] [18 c] /156—157, 588/
1. Blatt
2. Blatt
201
20 [19] /157, 589/
20b [19b] /158—159, 589/
20a [19a] /157—158, 589/
20 c [19 c] /159/
1. Blatt
2. Blatt
2P
21 [20] /159—160/
21b [20b] /161—162, 589/
21a [20a] /160—161, 589/
21c [20 c] /162—163/
1. Blatt
2. Blatt
221
22 [21] /163/
22 b [21b] /164—165/
22 a [21a] /163—164, 589/
22 c [21c] /165—166/
1. Blatt
2. Blatt
231
23 [22] /166—167/ 23a [22a] /167—168/
von Marx entfernt, weil durch Weydemeyers Abschrift ersetzt
1. Blatt
2. Blatt fehlt
[{24}]
von Marx entfernt, weil durch Weydemeyers Abschrift ersetzt
1. Blatt fehlt
2, Blatt fehlt
{25} 24
{25} (24) [23] /168/
25b [23b] /169—170, 589/
25a [23a] /168—169, 589/
25c [23c] /170—171, 589/
1. Blatt
2. Blatt
{26}
{26} [24] /171, 589/
26c [24b] /172—173, 589/
26a [24a] /171—172, 589/
26 c [24 c] /173—174, 589/
1. Blatt
2. Blatt
27a1
27a [25]
27c [25]
/174, 589/
b] /175—176, 589/
27b [25a] /174—175/
27d [25c] /176—177, 589/
1. Blatt
2. Blatt
28 a1
28 a [26] /177, 589/
28c [26b] /178—179,589/
28b [26a] /177—178, 589/
28d [26c] /179—180,589/
1. Blatt
2, Blatt
fehlt ein Einschiebsel in Weydemeyers Abschrift
{29}
{29} [27] /180—181, 589—90/
29b [27b] /181—182, 590/
29a [27a] /181, 590/
29c [27c] /182—183, 590/
1. Blatt
2. Blatt
{30}
{30} [28] /183/
30b [28b] /184—185,590/
30a [28a] /183—184, 590/
[{30}c][28c] /185—186, 590/
1. Blatt
2. Blatt
[{31}]
fehlt
1. Blatt fehlt
2. Blatt fehlt
1 W eydemeyers Handschrift, Marxens Paginierung
Paginierungsschema der Manuskripte der „Deutschen Ideologie*
555
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Blatt
2. Blatt
{32}
{32} [30] /186—187, 590/ [{32}a] [30a] /187, 590/
[{32}b] [30b] /187—188, 590/ [{32}c] [30c] /188—189, 590/
1. Blatt
2. Blatt
{33}
{33} [31] /590, 189/ [{33}a][31a]/189—190,590—591/
[{33}b] [31b]/591, 190/ [{33}c][31c] /190—191, 591/
1. Blatt
2. Blatt
{34}
{34} [32] /191—192, 591/ 34a [32a] /192—193,591/
[{34}b] [32b] /193, 591/ [{34}c] [32c] /194, 591/
1. Blatt
2. Blatt
{35}
{35} [33] /194—195, 591/ [{35}a] [33a] /195—196, 591/
[{35}b] [33b] /196—197, 591/ [{35}c] [33 c] /197, 591/
1. Blatt
2. Blatt
{36}
{36} [34] /197—198, 591—592/ [{36}a] [34a] /198—199,592/
[{36}b] [34b] /199—200, 592/ [{36}c] [34 c] /200, 592/
1. Blatt
2. Blatt
{37}
{37} [35] /200—201, 592/ [{37}a] [35a] /201—202, 592/
[{37}b] [35b] /202—203, 592/ [{37}c] [35c] /203—204, 592/
1. Blatt
2. Blatt
{38}
{38} [36] /204—205, 592/ [{38}a] [36a] /205, 592—593/
[{38}b] [36b] /205—206, 593/ [{38}c] [36c] /206—207/
1. Blatt
2. Blatt
{39}
{39} [37] /207—208/ [{39}a] [37a] /208, 593/
[{39}b] [37b] /208—209, 593/ [{39}c] [37c] /209—210, 593/
1. Blatt
2. Blatt
{40}
{40} [38] /210—211, 593/ 40a [38a] /211—212, 593/
40b [38b] /212—213,593/ 40c [38c] /213—214, 593/
1. Blatt
2. Blatt
{41}
{41} [39] /214—215, 593/ [{41}a] [39a] /215, 593—594/
[{41}b] [39b] /215—216, 594/ [{41}c] [39c] /216—217, 594/
1. Blatt
2. Blatt
{42}
{42} [40] /217—218, 594/ [{42}a] [40a] /218—219, 594/
[{42}b] [40b] /219, 594/ [{42}c] [40c] leer
1. Blatt
2. Blatt
431
43 [41] /220/ [{43}a] [41a] /220—221/
[{43}b] [41b] /221—222/ 43 c [41c] /222—223/
1. Blatt
2. Blatt
[{44}]‘
[{44}] [42] /223—224/ [{44}a] [42a] /224—225/
[{44}b] [42b] /225, 594/ 44c [42c] /225—226, 594/
1. Blatt
2. Blatt
45l
45 [43] /226—227/ 45a [43a] /227—228/
[{45}b] [43b] /228, 5..../ 45c [43c] /228—229/
1. Blatt
2. Blatt
fehlt ein Einschiebsel in Weydemeyers Abschrift
C{46}>
<{46}> /594—595/ 46 a [44 a] /229—230, 595/
46b [44 b] /230—231, /595/ [{46}c] [44 C] /231, 595/
1. Blatt
2. Blatt
{47}
{47} [45] /231—232, 595/ 47a [45a]/232—233,595—596/
47b [45b] /233, 596/ [{47}c] [45c] /234, 596/
1. Blatt
2. Blatt
{48}
{48} [46] /234—236, 596/ 48a [46a] /596—597, 236/
[{48}b] [46b] /236—237, 597/ [{48}c] [46 c] /237, 597/
1. Blatt
2. Blatt
{49}
{49} [47] /597, 237—238, 598/ 49a [47a] /598, 238, 598/
49b [47b] /238—240, 598/ 49c [47c] /240—241, 598/
1. Blatt
2. Blatt
{50}
{50} [48] /241, 598/ 50 a [48 a] /241—242, 598/
50b [48b] /242—243, 598/ 50c [48c] /243, 598—599/
1. Blatt
2. Blatt
Weydemeyers Handschrift, Marxens Paginierung
556
Beschreibung der Manuskripte
Bogen
1.
Seil
3.
2.
ten
4.
1. Bhatt
2. Bhatt
{51}
{51} [49] /243—244, 599/
{52} [49a] /600, 244—245/
[{51 }a] /599—600/
[{51}] [49 c] /245—246, 600/
1. Blatt
2. Blatt
{53}
{53} [50] /246, 600—601/
53b [50b] /247, 601/
[{53}a] /601/
[{53}c] [50c] /247—248, 601/
1. Blatt
2. Blatt
{54}
{54} [51] /248—249, 601/
[{54}b] [51b] /250—251, 601/
54 a [51a] /249—250, 601/
54 c [51 c] /251—252,601—602/
1. Blatt
2. Blatt
[{55}]
[{55}] [52] /252—253, 602/
55b [52b] /254, 602/
55a [52a] /253—254, 602/
[{55}c] [52 c] /254—255, 602/
1. Blatt
2. Blatt
{56}
{56} [53] /255—256, 602/
56b [53b] /257—258, 602/
56a [53a] /256—257, 602/
56 c [53 c] /258—259, 602/
1. Blatt
2. Blatt
{57}
{<56>}{57}[54]/259—260,602-603/ 57a [54a] /260—261, 603/
57b [54b] /261—262, 603/ [{57}c] [54c] /262—263,603/
1. Blatt
2. Blatt
{58}
{58} [55] /263—264, 603/
[{58}b] [55 b] /264—265, 603/
[{58}a] [55 a] /264, 603/
58 c [55c] /603, 265—266/
1. Blatt
2. Blatt
{59}
{59} [56] /266—267, 603—604/
59b [56b] /268—269, 604/
59a [56a] /267—268, 604/
59 c [56 c] /269, 604/
1. Blatt
2. Blatt
{60}
{60} [57] /604, 269—270/
60b [57b] /271—272, 604/
60 a [57 a] /270—271, 604/
[{60}c] [57c] /272—273, 604/
1. Blatt
2. Blatt
{61} I {61} [58] /273—274, 604—605/
j[{61}b] [58b] /276—277, 605/
[{61 }a] [58a] /274—276, 605/
[{61 }c] [58 c] /277—278, 605/
1. Blatt
2. Blatt
{62}
{62} [59] /278—279, 605/
62 b [59 b] /605—606, 280/
[{62}a] [59a] /279, 605/
[{62}c] [59c] /606,280—281/
1. Blatt
2. Blatt
{63}
{63} [60] /281—282, 606/
63b [60b] /283—284, 606/
63 a [60 a] /282—283, 606/
[{63}c] [60c] /284—285, 606/
1. Blatt
2. Blatt
{64}
{64} [61] /285—286, 606/
[{64}b] [61b] /286—287, 606/
[{64}a] [61a] /286, 606/
[{64}c] [61 c] /287 288,606-607/
1. Blatt
2. Blatt
{65}
{65} [62] /607, 288—289/
[{65}b] [62b] /290, 607/
[{65}a] [62a] /607, 289—290/
[{65}c] [62 c] /290—291, 607/
1. Blatt
2. Blatt
{66}
{66} [63] /291—292, 607/ [{66}a] [63a] /292—293, 607/
v. Marx entfernt, weil durch rechte Spalte v. p. [63 a] ersetzt
1. Blatt
2. Blatt fehlt
{67}
{67} [63b] /293—294, 607/
[{67}a] [64] /608, 295/
[{67}a] [63 c]/294-295,607-608/
[{67}c] [64a] /295—296, 608/
1. Blatt
2. Blatt
{68}
{68} [64b] /296—297, 608/
[{68}b] [65] /298—299, 608/
[{68}a] [64 c] /608, 297—298/
[{68}c] [65a] /299—300, 608/
1. Blatt
2. Blatt
{69}
1
{69} [65 b] /300, 608/
[{69}b] [66] /301—302, 609/
[{69}a] [65 c] /300—301, 609/
[{69}c] [66 a] /302—303, 609/
1. Blatt
2. Blatt
{70}
{70} [66b] /303, 609/
[{70}b] [67] /304—305, 609/
[{70}a] [66c] /303—304,609/
[{70}c] [67 a] /305—306, 609/
1. Blatt
2. Blatt
{71}
{71} [67b] /306—307, 609—610/
71b [68] /308, 610/
71a [67 c] /307—308,610/
71c [68a] /610,308—309/
1. Blatt
2. Blatt
{72}
{72} [68b] /309—310, 610/
71b [69] /311, 611/
72 a [68 c] /611,310—311/
72 c [69a] /311—312,611/
1. Blatt
2. Blatt
Paginierungsschema der Manuskripte der „Deutschen Ideologie*
557
Bogen
1.
3.
2.
Seiten
4.
1. Blatt
2. Blatt
' {73}
{73} [69b] /312, 611—612/
73b [70] /313—314, 612/
73 a [69 c] /312—313, 612/
[{73}c] [70a] /314—315, 612/
1. Blatt
2. Blatt
{74}
{74} [70b] /612, 315/
[{74}b] [71] /316—317, 612/
[{74}a][70c] /315—316/
[{74}c] [71a] /317—318, 612/
1. Blatt
2. Blatt
751
75 [71b] /318—319/
75b [72] /320/
[{75}a] [71b] /319—320/
[{75}c] [72a] /320—321, 612/
1. Blatt
2. Blatt
{76}
{76} [72b] /322, 612/
[{76}bJ [73] /323—324, 613/
[{76}a] [72 c] /322—323, 613/
[{76}c] [73a] /324—325, 613/
1. Blatt
2. Blatt
[{77}]
fehlt
[{78}]
fehlt
[{79}]
fehlt
{80}
{80} [73b] /325—326, 613/
80b [74] /326—327, 613/
[{80}a] [73 c] /613, 326/
80c [74a] /327—328, 613/
1. Blatt
2. Blatt
{81}
{81} [74 b] /328—330, 613/
[{81}b] [75] /330—331, 613/
[{81 }a] [74 c] /330, 613/
[{81}c] [75a] /331—332, 613/
1. Blatt
2. Blatt
{82}
{82} [75b] /332—333, 614/
[{82}b] entfernt
[{82}a] [75c] /333, 614/
[{82}c] entfernt
1. Blatt
2. Blatt
{83}
{83}[76] /334, 614/
[{83}b] [76b] /335—336, 615/
[{83}a] [76 a] /334—335, 614/
[{83}c] [76c] /336—337, 615/
1. Blatt
2. Blatt
{84}
{84} [77] /337, 615/
[{84}b] [77b] /338—339,615/
[{84}a] [77 a] /337—338, 615/
[{84}c] [77 c] /339—340, 615/
1. Blatt
2. Blatt
{85}
{85} [78] /340, 615/
85 b [78 b] /341—342, 615—
85a [78a] /340—341, 615/
616/ 86 c [78 c] /342—343, 616/
1. Blatt
2. Blatt
{86}
{86} [79] /343, 616/
87b [79b] /344—345, 616/
87a [79a] /616, 343—344/
86 c [79c] /345—346, 616/
1. Blatt
2. Blatt
[{87}]
fehlt
{88}
{88} [80] /346—347, 616—617/ [{88}a] [80a] /347—348, 617/
[{88}b] [80b] /348, 617/ [{88}c][80c] /617, 348—349/
1. Blatt
2. Blatt
{89}
{89} [81] /349—350, 617/
[{89}b] [81b] /350—351, 618/
[{89}a] [81a] /350, 617—618/
[{89}c] [81c] /618, 351—352/
1. Blatt
2. Blatt
{90}
{90} [82] /352—353, 618/
90b [82b] /354—355, 618/
[{90}a] [82 a] /353—354, 618/
90 c [82 c] /355—356,618/
1. Blatt
2. Blatt
{91}
{91} [83] /356—357, 618—619/ 91a [83a] /357, 619/
91b [83 b] /357—358, 619/ 91c [83 c] /358—359, 619/
1. Blatt
2. Blatt
{92}
{92} [84] /359—360, 619/
92b [84b] /361, 619/
92 a [84 a] /360—361, 619/
92 c [84 c] /361-362,619-620/
1. Blatt
2. Blatt
{93}
{93} [85] /362—363, 620/
93 b [85 b] /364, 620/
93a [85a] /363—364, 620/
[{93}c] [85 c] /364—365,620/
1. Blatt
2. Blatt
Weydemeyers Handschrift, Marxens Paginierung
558
Beschreibung der Manuskripte
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Bllatt
2. Bllatt
{94}
{94} [86] /365—366, 620/ 94a [86a] /366, 620/
94 b [86b] /366—367, 620/ 94 c [86 c] /367—368/
1. Blattt
2. Blattt
{95}
{95} [87] /368—369/ 95 a [87 a] /369, 620—621/ 1
95b [87b] /369—370/ 95c [87 c] /370—371, 621/
1. Blattt
2. Blattt
(96}
{96} [88] /371—372, 621/ [{96}a] [88a] /372, 621/
[[96}b] [88b] /372—373, 621/ [{96}c] [88c] /373—374, 621/
1. Blatt
2. Blattt
{97}
{97} [89] /374—375, 621/ [{97}a] [89a] /375, 621/
[{97}b] [89b] /375—376, 621/ [{97}c] [89c] /376—377, 621/
1. Blatt
2. Blatt
{98}
{98} [90] /377—378, 621/ [{98}a] [90a] /378—379, 621/
[{98}b] [90b] /379, 622/ [{98}c] [90 c] /379—380, 622/
1. Blatt
2. Blatt
{99}
{99} [91] /380—381, 622/ [{99}a] [91a] /381—382, 622/
[{99}b] [91b] /382—383, 622/ [{99}c] [91c] /383—384, 622/
1. Blatt
2. Blatt.
{100}
{100} [92] /384—385, 622/ [{100}a] [92a] /385, 622/
[{100}b] [92b] /385—386, 622/ [{100}c] [92c] /386—387, 622/
1. Blatt
2. Blatt
{101}
{101} [93] /387—388, 622/ [{101 }a] [93a] /622—623, 388/
[{101 }b] [93b] /388—389, 623/ [{101}c] [93c] /389—390, 623/
1. Blatt
2. Blatt
{102}
{102} [94] /390—391, 623/ [{102}a] [94a] /391, 623/
[{102}b] [94b] /391—392, 623/ [{102}c] [94 c] /392—393/
1. Blatt
2. Blatt
{103}
{103} [95] /393, 623—624/ [{103}a] [95a] /393—394, 624/
[{103}b] [95b] /394—395, 624/ [{103}c] [95 c] /395—396, 624/
1. Blatt
2. Blatt
{104}
{104} [96] /396, 624/ [{104}a] [96a] /396-397,624-25/
[{104}b] [96b] /625, 397/ [{104}c] [96 c] /397—398, 625/
1. Blatt
2. Blatt
{105}
{105} [97] /398, 625/ [{105}a] [97 a] /398—399, 625/
[{105}b] [97b] /399, 625/ [{105}c] [97 c] /399—400, 625/
1. Blatt
2. Blatt
{106}
{106} [98] /400—401, 625—626/ [{106}a] [98 a]/401—402, 626/
[{106}b] [98b] /402, 626/ [{106}c] [98 c] /402—403,626/
1. Blatt
2. Blatt
{107}
{107} [99] /403, 626/ [{Ю7)а] [99a] /403—404, 626/
[{107}b] [99b] /404—405, 626/ [{107}c] [99c] /405, 626/
1. Blatt
2. Blatt
{108}
{108} [100] /405—406, 626/ [{108}a] [100a] /406—407, 626/
[{108}b] [100b] /626, 407—408/ [{108}c] [100c] /408, 626/
1. Blatt
2. Blatt
{109}
{109} [101] /408—409, 626—627/[{109}a] [101a] /409, 627/
[{109}b] [101b] /409—410, 627/ [{109}c] [101c] /410, 627/
1. Blatt
2. Blatt
{110}
{110} [102] /410—411, 627/ [{110}a] [102a] /411—412, 627/
[{110}b] [102b] /627, 412/ [{110}c] [102 c] /412-413,627-28/
1. Blatt
2. Blatt
{111}
{111} [103] /413, 628/ [{lll}a] [103a] /413—414, 628/
[{lll}b] [103b] /414—415, 628/ [{Ш}с] [103c] /415, 628/
1. Blatt
2. Blatt
{112}
{112} [104] /415—416, 628/ [{112}a] [104 a] /416, 628/
[{112}b] [104b] /416—417, 628/ [{112}c] [104 c] 417—418, 628/
1. Blatt
2. Blatt
{113}
{113} [105] /418, 628/ [{113}a] [105a] /418-419,628-29/
[{113}b] [105b] /419—420, 629/ [{113}c] [105 C] /420, 629/
1. Blatt
2. Blatt
{114}
{114} [106]/420—421,629/ [{114}a] [106a] /421/
[{114}b] entfernt [{114}c] entfernt
1. Blatt
2. Blatt fehlt
Paginierungsschema der Manuskripte der „Deutschen Ideologie*
559
Bogen
1. 2.
Seiten
3. 4.
1. Blatt
2. Blatt
{115}
{115} [106b] /422, 629/ [{115}a] [106 c] /422—423, 629/
[{115}b] [107] /423—424, 629/ [{115}c] [107a] /424, 629/
1. ßlatt
2. Blatt
{116}
{116} [107b] /424—425, 629/ [{116}a] [107C] /425—426/
|[{116}b] [108] /426, 629/ [{116}c] [108a] /426—427, 629/
1. Blatt
2. Blatt
{117}
{117} [108b] /427—428, 629—630/ in Engels’ Handschrift
Schluß des Leipziger Konzils /431—432, 630/
[{117}a] [108c] /431—432/
[{117}b] [109] /432, 630/ [{117}c] leer
1. Blatt
1. Blatt
2. Blatt
Der wahre Sozialismus1
/435—437, 630/
[1]
{1} /435, 630/
[la] [{2}] /435—436, 630/
1. Blatt
[1b] [{3}] /436—437, 630/
[1c] [{4}] /437, 630/
2. Blatt
I. Die „Rheinischen Jahrbücher“, oder die Philosophie des wahren Sozialismus1
/441—468, 630—634/
[2]
{5} /441—442 , 630/
[2 b] [{7}] /442—443, 630/
[2a] [{6}] /442, 630/
[2 c] [{8}] /443—444, 630/
1. Blatt
2. Blatt
[3]
{9} /444, 631/
[3b] [{11}] /445—446, 631/
[3 a] [{10}] /444—445, 631/
[3 c] [{12}] /446—447, 631/
1. Blatt
2. Blatt
[4]
{13} /447, 631/
[4b] [{15}] /448—449, 631/
[4a] [{14}] /447—448, 631/
[4 c] [{16}] /449—450, 631/
1. Blatt
2. Blatt
[5]
{17} /450, 631/
[5b] [{19}] /451—452, 632/
[5a] [{18}] /450—451, 631/
[5 c] [{20}] /452, 632/
1. Blatt
2. Blatt
[6]
{21} /452—453, 632/
[6b] [{23}] /454—455, 632/
[6 a] [{22}] /453—454, 632/
[6 c] [{24}] /455, 632/
1. Blatt
2. Blatt
[7]
{25} /455—456, 632/
[7b] [{27}] /457—458, 632/
[7a] [{26}] /456—457, 632/
[7 c] [{28}] /458, 632/
1. Blatt
2. Blatt
[8]
{29} /458—459, 632/
[8b] [{31}] /633, 460/
[8 a] [{30}] /459-460,632-633/
[8 c] [{32}] /460—461, 633/
1. Blatt
2. Blatt
[9]
{<29>} {33} /461—462, 633/
{35} [9b] /463—464, 633/
[9a] [{34}] /462—463, 633/
{36} [9c] /464, 633—634/
1. Blatt
2. Blatt
[10]
{37} /464—465, 634/
{39} [10b] /634, 466—467/
[10a] [{38}] /465—466, 634/
[10 c] [{40}] /467—468, 634/
1. Blatt
2. Blatt
V. Karl Grün: Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien (Darmstadt,
1845) oder die Geschichtschreibung des wahren Sozialismus1
/471—516, 634—639/
1
1 /471—472, 634/
[1b] /473, 634/
[la] /472—473, 634/
[1c] /473—474, 634/
1. Blatt
2. Blatt
о
2 /474—475, 634/
[2b] /476, 635/
[2 a] /475—476, 634/
[2 c] /476—477, 635/
1. Blatt
2. Blatt
1 In Engels' Handschrift
560
Beschreibung der Manuskripte
Bogen
1.
3.
2.
Seiten
4.
1. Blatt
2. Blatt
3
3 /477—478, 635/
[3 b] /478—479, 635/
[3a] /478, 635/
[3 c] /479—480, 635/
1. Blatt
2. Blatt
4
4 /480—481, 635/
[4 b] /481—482, 635/
[4a] /481, 635/
[4 c] /482—483, 635/
1. Blatt
2. Blatt
5
5 /635—636, 483/
[5b] /636, 484—485/
[5a] /484, 636/
[5 c] /485—486, 636/
1. Blatt
2. Blatt
6
6 /636, 486—487/
[6b] /487—488, 636/
[6a] /487, 636/
[6 c] /488—489, 636/
1. Blatt
2. Blatt
7
7 /636, 489/
[7b] /490—491, 636/
[7 a] /489—490, 636/
[7 c] /491—492, 636/
1. Blatt
2. Blatt
8
8 /492, 636/
[8b] /493—494, 636/
[8a] /492—493, 636/
[8c] /494, 636/
1. Blatt
2. Blatt
9
9 /494—495, 636—637/
[9b] /496, 637/
[9 a] /495—496, 637/
[9c] /496—497, 637/
1. Blatt
2. Blatt
10
10 /637, 497—498/
[10b] /499, 637/
[10a] /498—499, 637
[10 c] /499—500, 637/
1. Blatt
2. Blatt
11
11 /500—501, 637
[11b] /501—502, 637/
[11 a] /501, 637/
[Uc] /502, 637/
1. Blatt
2. Blatt
12
12 /502—503, 637—638/
[12b] /504—505, 638/
[12 a] /503—504, 638/
[12 c] /505, 638/
1. Blatt
2. Blatt
13
13 /505—507, 638/
[13b] /509—510, 638/
[13 a] /507—509/
[13 c] /510—511, 638/
1. Blatt
2. Blatt
11
14 /511—513, 638/
[14b] /514—515, 638/
[14 a] /513—514, 638/
[14 c] /515—516, 638—639/
1. Blatt
2. Blatt
V. „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“, oder die Prophetie ces
wahren Sozialismus1
/519—528, 639/
[1]
[1] /519—520/
[3] [1b] /520—521, 639/
[2] [la] /520/
[4] [1c] /521—522/
1. Blatt
2. Blatt
2
2 [5] /522—523/
[2b] [7] /524—525/
[2a] [6] /523—524, 639/
[2 c] [8] /639, 525/
1. Blatt
2. Blatt
[3]
[3] [9] /525—526, 639/
[3b] [11] /527—528, 639/
[3a] [10] /526—527, 639/
[3 c] [12] /528/
1. Blatt
2. Blatt
1 In Weydemeyers Handschrift
2. Die Richtlinien
für die Redigierung der Manuskripte
I. Feuerbach.
Richtlinien für die Redigierung waren die von Marx und Engels selbst im Manu¬
skript gemachten Notizen, Randglossen und sonstigen Angaben über die Formung des
Stoffs. Es kam darauf an, den dialektischen Zusammenhang der einzelnen Stoff¬
gruppen der Darstellungsweise der Verfasser entsprechend herauszuarbeiten.
Die direkten Angaben von Marx und Engels lassen sich in drei Gruppen ein¬
teilen :
1. Angaben über die Komponierung, resp. die weitere Ausarbeitung des nicht
abgeschlossenen Manuskripts.
2. Relativ zahlreiche Randglossen — hauptsächlich von Marx.
3. Trennungsstriche zwischen einzelnen zusammenhängenden Stoffblocks und
Einklammerung anderer, kurzer Abschnitte.
Außerdem kamen als Anhaltspunkte für die Plazierung einzelner Abschnitte die
getilgten Stellen in Betracht.
Diese von den Verfassern für sich fixierten Anhaltspunkte zusammen mit den für
Andere Rückschlüsse zulassenden Tilgungen werden durch die im „III. Sankt Max“
verstreuten Bezugnahmen auf den fragmentarischen „I. Feuerbach“ ergänzt.
I. Als Gruppe „Angaben“ liegen a) Überschriften, b) Hinweise auf weitere Aus¬
arbeitungspläne vor.
Im ,J. Feuerbach“ sind drei Schichtungen des Stoffs unverkennbar:
A. Der Urtext: Bogen {6} bis {11}, {20} und {21} und {84} bis {92}.
B. Die Reinschriftvorlage: Bogen [I?] und [2?] und
C. Ein Reinschriftsversuch, zum Teil wirkliche Reinschrift: Bogen {1} bis {5}.
Die Schichtung А weist nur eine Überschrift auf: „Verhältnis von Staat
und Recht zum Eigentum“. (Seite 68 des Manuskripts).
Die Schichtung B auf der ersten Seite des Bogens U?].* „I. Feuerbach“ und auf
der dritten Seite desselben Bogens: „1. Ideologie überhaupt, speziell
die deutsche Philosophie. — A“
Schichtung C — zwei Überschriften: „I. Feuerbach“ (Seite 1) und: „I. Feuer¬
bach. — A. Die Ideologie überhaupt, namentlich die deut-
s c h e“.
Ausgangspunkt für die Redigierung ist die Reinschrift (Schichtung C). Der
Vergleich ihrer zweiten Überschrift mit der zweiten der Reinschriftvorlage (Schich¬
tung B) ergibt, daß der durch beide qualifizierte Stoff nicht „die Ideologie überhaupt,
speziell die deutsche Philosophie“, sondern „die Ideologie überhaupt,
namentlich die deutsche“ ist. Die Überschrift: „1. Die Ideologie über¬
haupt, speziell die deutsche Philosophie“, als nicht dem Gegenstand entsprechend
und nach dem Reinschriftversuch hinfällig, wurde also nur als Orientierungsmerk¬
mal für den darunter nicht ausgemerzten Text belassen.
Bei der Redigierung kommen als der Darstellung adäquate Überschriften prak¬
tisch nur drei in Betracht: a) die allgemeine: „I. — Feuerbach“ (in beiden
Schichtungen identisch); b) die besondere: „A. Die Ideologie überhaupt,
namentlich die deutsch e“, worin „1. Die Ideologie überhaupt, speziell
die deutsche Philosophie“ auf gehoben; c) die einmalig erscheinende spezielle: „N e r-
hältnis von Staat und Recht zum Eigentu m“.
Der allgemeine Titel schied als besondere Überschrift aus. Blieben zwei Über¬
schriften besonderer Abschnitte: „A. Die Ideologie überhaupt, nament¬
lich die deutsche“ und „Verhältnis von Staat und Recht zum
Eigentu m“. — Unter diese beiden Stichworte war der vor gefundene Stoff zu ran¬
gieren. Als leitende Prinzipien der Redigierung waren sie allein aber unzureichend.
II. Die Überschriften sind im Manuskript durch Notizen über die Weiterarbeit
vervollständigt. Seite 19 sind deren zwei: „Bisher haben wir hauptsächlich nur die
eine Seite der menschlichen Tätigkeit, die Bearbeitung der Natur durch
die Menschen, betrachtet. Die andere Seite, die Bearbeitung der
Menschen durch die Menschen — —“; und die zweite: „Ursprung
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 36
562
Beschreibung der Manuskripte
des Staats und Verhältnis des Staats zur bürgerlichen Ge-
sellschaf t“. Außer diesen, nur noch auf Seite 64 am Schluß eines Abschnittes:
ortzufahren —“.
Das der zweiten Notiz entsprechende Thema wurde im „III. Sankt Max“ im
5. Abschnitt des 5. Kapitels des „Neuen Testaments“ behandelt; im „I. Feuerbach“
ist die Rede in der Hauptsache von dem „Verhältnis von Staat und Recht zum Eigen¬
tum“. Die letzten 35 Bogen 6 {83} bis {117}) des „III. Sankt Max“ wurden sämt¬
lich zu einer späteren als der Abfassungszeit der Schichtung „A“ des „I. Feuerbach“
niedergeschrieben. Mit dem „III. Sankt Max“-Bogen {83} beginnt die „Abhand¬
lung 2: Privateigentum, Staat und Recht“1, worin der „Ursprung des Staats und
Verhältnis des Staats zur bürgerlichen Gesellschaft“ behandelt wird, deren Inhalt
also einen Einblick in den geplanten Aufbau und Inhalt des entsprechenden „I. Feuer¬
bach“-Abschnitts gestattet.
III. Die Überschriften und Ausarbeitungsnotizen werden durch Randglossen er¬
gänzt. Es kamen natürlich nur die in Betracht, die nicht bloß an einzelne Worte
oder Sätze anknüpfen, um dem Gedankengang eine andere Richtung zu geben, son¬
dern nur die eine knappe Zusammenfassung eines schon aus gearbeiteten Haupt¬
gedankens enthalten.
In Bezug auf die Notiz über die „Bearbeitung der Menschen durch
die Menschen“ macht Marx die Randglosse: „Verkehr und Produktiv¬
kraft“. D. h. die „Bearbeitung der Menschen durch die Menschen“ sollte als Ver¬
hältnis von „Verkehr und Produktivkraft“ gefaßt werden.
Randglossen gibt es nur im Urtext; — Beweis dafür, daß es sich tatsächlich um
einen unausgearbeiteten Stoff und um Ausarbeitungs projekte handelt. Die prin¬
zipiell bedeutenden Randglossen sind:
„Geschichte“ (Seite 11). Dazu auf derselben Seite die erklärende Bemer¬
kung „(die erste) 1.)“, die auf Seite 16 durch die Zahlen „11, 12, 13, 14, 15, 16“ da¬
hin erläutert wird, daß das Thema „Geschichte“ auf Seite 11 beginnt und auf Seite 16
noch behandelt wird.
Seite 21 beginnt nach einer Streichung ein neues Thema, das weiter unten formu¬
liert ist: „Über die Produktion des Bewußtsein s“.
Die Seiten 8, 9, 10 und 24 bis 28 sind charakterisiert durch den Vermerk: „Feuer¬
bach“ im Gegensatz zu den dazwischenliegenden, durchgestrichenen, im „II. Sankt
Bruno“ verwandten, ohne Numerierung gelassenen, mit „Baue r“ bezeichneten Sei¬
ten. Beide Bezeichnungen wurden gemacht, als beide Manuskripte Bestandteile der
noch ungegliederten Kritik der gesamten nachhegelschen Philosophie waren, es also
noch keine selbständigen Bauer und Feuerbach gegenüber gestellten Einzelkritiken
gab. Sie fallen also als Redigierungsrichtlinien für das erst später als Feuerbach¬
kritik projektierte und jetzt als „I. Feuerbach“ vorliegende Manuskript weg. Die
durch „Feuerbach“ bezeichneten Seiten gehören also zum Thema .,Über die Pro¬
dukt i о n des Bewußtsein s“.
Eine auf den unmittelbar danebenstehenden Text der Seite 55 bezügliche Rand¬
glosse von Engels ist wichtig als Anhaltspunkt für den Inhalt der fehlenden Fort¬
setzung der mitten im Satz abbrechenden Seite 28. Die Engelssche Randglosse lautet:
„(Feuerbach: Sein und Wesen)“.
Von prinzipieller Bedeutung ist dagegen die Marxsche allgemein charakterisie¬
rende Randglosse von Seite 60 r „Produktion der Verkehrsform selbst“.
Gelang es den Stoff nach den sechs obigen Gesichtspunkten zusammenfassend
zu gliedern, so war die Hauptschwierigkeit beseitigt. Es blieben nur einzelne kleine
Stücke, die diesem oder jenem Stoffblock mehr oder weniger ungezwungen angeglie¬
dert werden durften. Bei der Redigierung eines unfertigen Manuskripts war es un¬
vermeidlich, daß notwendige Übergänge fehlten und so gewisse Rauheiten nicht zu
umgehen waren. Aber die große Linie der Komponierung liegt jetzt klar.
I.
Feuerbach
A. Die Ideologie überhaupt, namentlich die deutsche.
[1.] Geschichte.
[2.] Über die Produktion des Bewußtseins.
1 Vgl. S. 334—346 unseres Bandes
Richtlinien der Redigierung
563
[B. Die wirkliche Basis der Ideologie.]
[1.] Verkehr und Produktivkräfte
[2.] Verhältnis von Staat und Recht zum Eigentum.
[3. Naturwüchsige und zivilisierte Produktionsinstrumente und Eigentums¬
formen.]
[C.] Kommunismus — Produktion der Verkehrsform selbst.
Der Abschnitt [B. 3] liegt nur teilweise vor. Der Anfang fehlt. Die Bezeichnung
ergibt sich aus dem Inhalt des vorhandenen Textes.
IV. Die Frage war: wie den auf den ersten Blick aus einem Guß hingeworfenen
Stoff trennen. Es ergab sich, daß Marx und Engels zahlreiche Trennungsstriche
zwischen einzelnen kürzeren und längeren Abschnitten gemacht, andere eingeklam¬
mert, dritte speziell als Fußnoten (mit „NB“) bezeichnet hatten. — Die praktische
Redigierung ging deshalb den umgekehrten Weg ihrer Darstellung. Das Ganze
wurde an den durch die Trennungsstriche bezeichneten Stellen in seine Bestandteile
aufgelöst und danach auf Grund der Randglossen und redaktionellen Bemerkungen
umgeformt.
V. Bei allen übrigen Manuskripten handelte es sich in der Hauptsache darum, die
ausgemerzten Stellen aus dem Text zu entfernen, die der „nagenden Kritik der Mäuse“
am meisten ausgesetzt gewesenen Teile der Manuskripte wiederherzustellen und die
richtige Reihenfolge der einzelnen membra disjecta der „Deutschen Ideologie“ fest¬
zulegen. In Bezug auf die in dem „Wahren Sozialismus“ fehlenden Manuskripte
Nr. II und III läßt sich nur vermuten, daß Engels sie 1847 aussonderte und in seine
beiden Manuskripte „Die wahren Sozialisten“1 und „Der Status quo in Deutsch¬
land“1 2 („Konstitutionsbroschüre“3) hineinverar beitete. Möglicherweise handelt es
sich in den ausgesonderten Manuskripten um Kritiken der „Einundzwanzig Bogen
aus der Schweiz“ 4 und desPüttmannschen„DeutschenBürgerbuches für 1845“. Bei den
Lücken haben wir die entsprechenden von uns gemachten Ergänzungen in [ ] gesetzt,
so daß ohne weiteres ersichtlich ist, was im Manuskript fehlt. Zumeist handelte es
sich um einzelne Worte oder Zitate, die es nur zu finden galt. Wo die Lücke sich
über ganze Sätze erstreckte, die einen den Zusammenhang erhellenden Übergang
bilden, sind die Ergänzungen in Fußnoten gegeben; wo eine Ergänzung des Textes
ganz problematisch war, deuteten wir die Lücke durch Punkte an, wobei die Anzahl
der Punkte ungefähr angibt, wie groß die betreffende Lücke ist.
VI. Bezüglich des Manuskriptes „III. Sankt Max“ ist besonders hervorzuheben,
daß S. I8O21—22 eine Fortsetzung fehlt. Weydemeyer schrieb die beiden (von Marx
numerierten) vorhergehenden Bogen (27 und 28) von der uns nicht vorliegenden
Vorlage ab. Am Schluß des Bogens 28 gab er an, daß die nächste Seite mit dem
Worte „klinge n“ beginnen müsse. Eine solche Seite liegt aber nicht vor. Wahr¬
scheinlich bildete sie die erste Seite eines ganzen abhandengekommenen Bogens, den
Weydemeyer abzuschreiben hatte. Ebenso erklärt sich die Lücke von Seite 229 25—26,
wo im Original ganz offensichtlich ein ganzer Bogen (als Ersatz für den zum größten
Teil ausgemerzten Engelsschen Text des Bogens 46) in Weydemeyers Abschrift fehlt.
S. 32517—18 fehlen 12 Seiten (die Bogen 77 bis 79). Aus Seite 22716—19 und
Stirners „Der Einzige“ etc., p. 276—426, speziell p. 286—310 und p. 319, geht her¬
vor, daß hier das Gegenstück zu S. 283 36—32515 („A. Meine Macht“) fehlt; dies
Gegenstück, die zweite „Brechung“ des „Eigners“: ,.B. Mein Verkehr“5 (vgl. S. 22114
und Stirners „Der Einzige“ etc., p. 276) war wieder trichotomisch geteilt und zerfiel
1 Vgl. MEGA I[6 S. 73—116
2 Vgl. MEGA 1/6 S. 231—249
3 Vgl. MEGA III11 S. 6521-29 und S.685—7
4 Vgl. Textvarianten, Streichung S. 18916—19
5 E. Bernstein hat, „Dokumente des Sozialismus“, Bd. III, 2. Heft, p. 67, ganz
ungerechtfertigter Weise hier „ein neues Kapitel (das sechste dieser Abteilung)“
beginnen lassen. Es handelt sich nicht um ein „sechstes Kapitel“, (das „Das hohe
Lied Salomonis, oder der Einzige“ heißt und von Bernstein, p. 68 der „Dokumente
des Sozialismus“, 111. Bd., 2. Heft, im Widerspruch zu der von Marx durch ein „C“
zum Ausdruck gebrachten Numerierung, willkürlich mit einer „6“ bezeichnet wurde),
sondern um den zweiten (B.) Abschnitt des 5. Kapitels („Der Eigner“)
36*
564
Beschreibung der Manuskripte
in: „I. Die Gesellschaft“ (ein großer Teil, darunter der Anfang, fehlt), „II. Die Em¬
pörung“ f355u—36715) und „ПІ. Der Verein“ (S. 36718—396V. Die erste dieser
drei Bestimmungen, in die „B. Mein Verkehr“ „auseinander schlug“ — „I. Die Gesell¬
schaft“ —, zerfiel ihrerseits in 5 Abschnitte; wie der erste davon benannt war, wis¬
sen wir nicht; es ist jedoch anzunehmen, daß es sich um einen Abschnitt: „1. Die
verstirnerte Gesellschaft“ oder: „1. Die Gesellschaft im Allgemeinen“ oder: „1. Die
menschliche Gesellschaft“ handelte. Darauf folgte Abschnitt ,JL Die Gesellschaft als
Gefängnisgesellschaft“ (vgl. S. 22118), Abschnitt „3. Die Gesellschaft als Familie"
(vgl. S. 22118), Abschnitt „4. Die Gesellschaft als Staat“ (vgl. S. 22119) und Abschnitt
„5. Die Gesellschaft als bürgerliche Gesellschaft“ (vgl. S. 22119). Von diesen fünf Ab¬
schnitten sind erhalten nur der Schluß des vierten (S. 32518—32713, Schluß von
Note 3 und die Noten 4 bis 6) und der fünfte (vgl. S. 32714—355 із), in welch letz¬
terem wiederum ein ganzer Bogen (4 Seiten) fehlt (vgl. S. 34615—17).
3. Beschreibung der Manuskripte. Textvarianten
DieHandschrift
Die „Vorrede“ ist von Marx geschrieben, alle übrigen Manuskripte von Engels
mit Änderungen und Korrekturen von Marx. Eine Ausnahme bildet das Ms. „V. „Der
Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“ oder die Prophetie des wahren Sozialismus“, das
in Weydemeyers Handschrift vorliegt, von Marx paginiert und von Weydemeyer mit
der Unterschrift M. H e ß versehen wurde. Der ursprüngliche, von W eydemeyer an¬
gegebene Titel lautete: St. Georg Kuhlmanns Werke. Engels änderte ihn in den
obigen um.
Was den Anteil Joseph Weydemeyers an der Niederschrift der „Deutschen Ideo¬
logie“ angeht, so liegen in seiner Handschrift nur noch im „Sankt Max“ Teile vor,
und zwar die Bogen 1 bis 4 (Seite 97 bis 1122); 15 (Seite 1423 bis 14328); 20 bis 23
(Seite 1579 bis 16814); 27 und 28 (Seite 1744 bis 18020); 43 bis 45 (Seite 220 bis
22925) und Bogen 75 (Seite ЗІ821 bis 32141). Sämtliche Bogen, mit Ausnahme der
von Weydemeyer abgeschriebenen, sind von Engels numeriert.
Wie der Leser sich überzeugen wird, sind die Bogen 20 bis 23 des „III. Sankt
Max“ nichts als Weydemeyersche Abschriften der von Engels geschriebenen und
numerierten und von Marx korrigierten Bogen 20 und 21 des Ms. „I. Feuerbach“.
Da diese Bogen im Ms. ,J. Feuerbach“ teilweise noch einen Text enthielten, der zu
dem Fragment gebliebenen „1. Feuerbach“ gehört, so schrieb Weydemeyer daraus das
für den ,Jll. Sankt Max“ ab, was nicht in den „I. Feuerbach“ gehörte und für den
„III. Sankt Max“ bestimmt war. E. Bernstein, der ganz ungerechtfertigter Weise
Weydemeyers Handschrift Moses Heß zuschrieb, stützte zum Teil auf diese falsche
Annahme seine Behauptung über Heß' Mitverfasserschaft an der „Deutschen Ideo¬
logie L Es ist klar, daß sämtliche von Weydemeyer geschriebenen Seiten der „Deut¬
schen Ideologie“ bloße Kopien von Marx-Engelsscher Vorlage sind. Möglich, daß
„ „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“, oder die Prophetie des wahren Sozialismus“
von Weydemeyer nach einem von Heß verfaßten Original abgeschrieben wurde,
einem Original, das aber von Marx redigiert und selbst noch in der Weydemeyerschen
Abschrift durchnumeriert wurde. Heß hatte tatsächlich einen Beitrag zur „Deutschen
Ideologie“ geliefert unter dem Titel: „Dottore Graziano, der Bajazzo der deutschen
Philosophie“1 2. Aus den unten folgenden ausgemerzten Stellen wird ersichtlich, daß
1 Vgl. „Dokumente des Sozialismus“. III. Band, 1. Heft, S. 17
2 So schreibt Heß in einem ca. Juni 1847 verfaßten gegen Rüge gerichteten, un¬
veröffentlichten Artikel. Außerdem ist aus seinem Briefwechsel mit Marx im Jahre
1846 bekannt, daß er nach dem Zerwürfnis mit den Brüsselern und dem Nicht¬
zustandekommen des Verlagsunternehmens zur Herausgabe der „Deutschen Ideologie“
und anderer Schriften seinen Rüge-Beitrag von Marx zurückverlangt und zugeschickt
erhalten hat. Den Beitrag selbst besitzen wir nicht
TAFEL IV: Schluß der „Vorrede“; s. S. 565—566
Textvarianten
565
Rüge ursprünglich in der „Deutschen Ideologie“ kritisiert werden sollte. In der Tat
bot sich dazu die Gelegenheit erst in den „Großen Männern der Emigration“1.
In allen Fällen, wo Marxens oder Weydemeyers Handschrift vorliegt, wird dies
durch ein “ resp. w hervor gehoben, falls nicht in Fußnoten vermerkt. Alle nach¬
träglich von Engels in den von ihm geschriebenen Text eingeschalteten Stellen sowie
seine Korrekturen oder Zusätze zu Einschaltungen von Marx wurden durch ein * ge¬
kennzeichnet.
Textvarianten
Bei der Wiedergabe der ausgemerzten Teile des Textes hielten wir uns selbst¬
verständlich an die Reihenfolge des Originals, nicht an die Form, die es infolge der
Redigierung erhalten hat. Da dies für die Aufeinanderfolge nur der durch die Redi-
gierung umgestellten Teile des Manuskripts ,J. Feuerbach“ wesentlich ist, so wird
der Leser die unvermeidliche Diskrepanz zwischen der Reihenfolge bei der Wieder¬
gabe der durchgestrichenen Stellen und der Reihenfolge des redigierten Textes mit
in Kauf nehmen müssen; diese Diskrepanz wird ihm zugleich ein Hilfsmittel sein,
sich die Aufeinanderfolge der einzelnen Teile des ursprünglichen Manuskripts, die
von der des redigierten abweicht, zu vergegenwärtigen. Den Beginn und Schluß nicht¬
horizontaler Tilgungen kennzeichnen wir durch • — •. Horizontale Streichungen
durch ( ).
А. „V о r r e d e“ /S. 3/
Die „Vorrede“ ist von Marx auf 24І2 Seiten eines Briefbogens nieder geschrieben,
wovon die erste nur Tilgungen einzelner Worte und Satzteile auf weist, die beiden
letzten 1 Ч2 dagegen absatzweise von oben nach unten mehrmals durch gestrichen
sind.
3 3 über sich selbst gemacht^, von den was) (. Sie bildeten sich ein, so oder so zu
sein), von dem was 4 Nach ihren Vorstellungen von Gott, von (einem) dem
Normalmenschen 14 und — die (wirkliche Welt) bestehende Wirklichkeit wird
(zu) (von selbst) zusammenbrechen. 21 Der erste Band dieser Publikation (wird
die) hat den Zweck, 26 deutschen Zustände (bemätnteln]) (überschwenglich)
widerspiegeln. 27 sophischen Kampf mit (dem) den Schatten der Wirklich¬
keit, 35 erhaben. (Er bekämpfte) Sein Leben lang
S. 3 unseres Bandes gibt die erste, nicht durchgestrichene Seite der Vorrede
wieder. Darauf folgen die erwähnten IH2 Seiten, deren Text vollständig getilgt ist:
•(Die deutsche Philosophie unterschied sich von [der] Ideologie (der) aller
andern Völker.) Der deutsche Idealismus (hat) (bieEtetl) (hat) (bietet) sondert
sich durch keinen spezifischen Unterschied von der Ideologie aller andern Völker
ab. (Durch ein charakteristisches) Auch diese betrachtet die Welt als durch Ideen
beherrscht, die Ideen u[nd] Begriffe als bestimmende Prinzipien, (als die beste
u[nd] wahrste Form, worin) (vorbeigehen) bestimmte Gedanken als (die beste
u[nd] wahrste Gestalt der) das (MysteErium]) den Philosophen zugängliche (Be¬
stimmung) Mysterium der materiellen Welt. (DEer] Deutsche Idealismus) (dEas]
Denken, das andre d[er] Gedanken, dEer] Produkte d[es] Denkens.)*
•Hegel hatte (d[ie] DarstellEung]) (darstelflen wollen]) den positiven Idealis¬
mus vollendet. Nicht nur hatte (n sich ihm alle Zustände uEndl) (Verhältnisse])
sich ihm d[ie] ganze materielle Welt in eine Gedankenwelt (vollenEdetl) uEnd]
d[ie] ganze Geschichte in eine Geschichte von Gedanken verwandelt. (Er hatte
auch dEen] Proz [eß]) (Er beschrieb nicht) Er begnügt sich nicht, die Gedanken¬
dinge (zu Protokoll zu nEehmen]) einzuregistrieren, er sucht auch den Produk¬
tionsakt darzustellen.*
(Die deutschen)
(Wenn die deutschen Philosophen aus ihrer Traumwelt erwachen)
•Die deutschen Philosophen, aus ihrer Traumwelt auf gerüttelt, protestieren
gegen d[ie] Gedankenwelt, der sie die Vorstellung der wirklichen, leib [hefti¬
gen ...]•
1 Vgl. Marx-Engels-Archiv (russische Ausgabe), Bd. V, S. 326—376
566
Beschreibung der Manuskripte
*Die deutschen philosophischen Kritiker (teilen) (haben einen gemeinschaft¬
lichen Gegner, das Hegel’sche System. Dieses System ist die Welt, die sie be¬
kämpfen.) (V[on]) (theoretische Voraussetzung, die sie zugleich zu vernichten
suchen — das Hegelsche System) (In ihre) (Die Gedanken) (stimmen sämtlich in
dem Glauben übereinl, daß Ideen, Vorstellungen]) behaupten sämtlich, daß Ideen,
Vorstellungen, Begriffe bisher (die Welt beherrscht haben) d[ie] wirklichen Men¬
schen beherrscht u[nd] bestimmt haben, (das soll nun anders werden, das findet
aber bis auf diesen Augenblick Statt) daß d[ie] wirkliche Welt ein Produkt d[er]
ideellen Welt ist. Das findet bis auf diesen Augenblick Statt, das soll aber anders
werden. Sie unterscheiden sich in der Art, wie sie (diesen vorgefulndenen]) die
nach ihrer Ansicht so unter d[er] Macht ihrer eignen fixen Gedanken seufzende
Menschenwelt erlösen wollen; sie (stimmen überein) unterscheiden sich (in) (über)
(durch die Ausdehnung d.f) (indlem]) in dem, was sie für fixe Gedanken (hal¬
ten) erklären; sie stimmen überein in d[em] Glauben(, daß) dieser Gedankenherr¬
schaft, sie stimmen überein in dem Glauben, daß (ihre Methode, um sie zu be¬
kämpfen,) ihr kritischer Denkakt dien] Untergang dies] Bestehenden herbeiführen
müsse, (ihr kritischer Denkakt) sei es nun, daß sie ihre isolierte Denktätigkeit für
zureichender halten odter] das allgemeine Bewußtsein (zu) erobern (gedenken)
wollen.*
(Daß) *Der Glaube, daß die reelle Welt d[as] Produkt der ideellen Welt sei, daß
die (Gedanken) Welt der Ideen [...]♦
•(Seitdem d[ie] deutschen Philosophen an) An ihrer hegel’schen Gedanken¬
welt irre geworden (sind), protestieren d[ie] deutschen Philosophen gegen d[ie]
Herrschaft d[er] Gedanken, (das) (oder was dasselbe) Ideen, Vorstellungen, die
bisher nach ihrer Ansicht, d. h. nach der Illusion Hegel’s, die wirkliche
Welt produzierten, bestimmten, beherrschten. Sie legen Protest ein u[nd] ver¬
enden [...]*
*(In) Nach dem Hegel’schen System hatten Ideen, Gedanken, Begriffe (dliel
Gestalt dtes] wirlklichen]) (die mit wirklichen) das wirkliche Leben d[er] Men¬
schen, ihre materielle Welt, (auch produziert,) ihre reellen Verhältnisse produziert,
bestimmt, beherrscht. Seine rebellischen Schüler (bezweifeln dies keinen Auglen-
blick]) (glauben ihm diese) (haben keinen Augenblick diese seine) nehmen dies
von ihm [ ]*
(Seitdem sie nicht mehr an das Hegelsche System, das ihnen bisher mit d. wi)
(Die deutschen Philosophen trentnen])
B. „I. F e u e r b а c h“ /S. 7—67/.
Wir reproduzieren die Tilgungen in der oben in unserer Tabelle der Paginie¬
rung des Manuskripts angegebenen, der tatsächlichen stofflichen Aufeinanderfolge
der einzelnen Teile entsprechenden Reihenfolge. Das Manuskript ist von Engels
geschrieben, mit Korrekturen und Einfügungen von Marx.
I.
* Feuerbach*
*Wie (unsre) deutsche(n) Ideologen (versichern, ist in den letzten Jahren
eine Umwälzung durchgemacht,) (die) (wiem sie“ in der Geschichte unerhört ist.)
melden“, hat0 Deutschland0 in den letzten Jahren eine Umwälzung ohne“ Glei¬
chen“ durchgemacht. Der Verwesungsprozeß (der) dese Hegelschen (Schule)
Systems0, der mit Strauß begann, hat sich zu einer (Gärung) Weltgärung ent¬
wickelt, in welche alle „Mächte der Vergangenheit“ hineingerissen sind. (Aus) In
dem allgemeinen Chaos haben sich gewaltige® Reiche gebildet (und sind wieder
untergegangen), um alsbald® wieder unterzugehen, (Heroen) sind Heroen mo¬
mentan aufgetaucht, um von kühneren und mächtigeren Nebenbuhlern wieder in
die Finsternis zurückgeschleudert zu werden. Es war eine Revolution, (gegen die)
wogegen“ die französische ein Kinderspiel (,) (war) ist0, ein Weltkampf, vor
dem die Kämpfe (um) der (Nachfolger Alexanders) Diadochen® kleinlich er¬
scheinen. (Ein Prinzip verdrängte das andre, ein Gedankenheld) Die Prinzipien
verdrängten, die Gedankenhelden überstürzten einander mit unerhörter Hast, und
in den wenigen Jahren 1842—1845 wurde in Deutschland mehr aufgeräumt als (in
den letzten) sonst in drei Jahrhunderten.*
Textvarianten
567
♦Alles dies soll sich im reinen Gedanken zugetragen haben. (Die profane
Außenwelt erfuhr davon natürlich Nichts, denn die ganze welterschütternde Be¬
gebenheit belief sich im Grunde auf den Verwesungsprozeß des absoluten Geistes.)
Es handelt sich allerdings um ein interessantes Ereignis, um den Verfaulungs¬
prozeß des absoluten Geistes. (Der Hochzeits- und Leichenbitter(, d[er] KEriti-
ker]) durfte nicht fehlen.) (der (sich seit d[en]) als Residuum der großen Befrei¬
ungskriege si) 1 Die verschiedenen Bestandteile dieses Caput mortuums (gintgen]^
traten nach (entf) Erlöschen des letzten Lebensfunkens in Dekomposition, gingen
neue Verbindungen ein (,) und bildeten neue /[l?a]/ Substanzen. Die verschie¬
denen philosophischen Industriellen, die bisher von der Exploitation des absoluten
Geistes gelebt hatten, warfen sich jetzt auf die neuen Verbindungen (und). Jeder
(suchte natürlich aus dem ihm zugefallenen Teil das Möglichste zu machen. Da¬
durch entwickelte sich Konkurrenz) betrieb den Verschleiß des ihm zugefallenen
Teils (möglEichst]) mit möglichst großer Geschäftigkeit (um allen den andern
(auf) GewiEnn]) (ohne die Annoncen) und obligater Erbitterung1 2. (Dies) Es“
konnte dies“ nicht ohne Konkurrenz abgehen(, die anfangs ziemlich bürgerlich
und solide, später mit Erbitterung geführt wurde und in einen Kampf auslief,
der uns jetzt als welthistorischer Umschwung, als Erzeuger der gewaltigsten Resul¬
tate und Errungenschaften geschildert und konstruiert wird)3. Sie wurde anfangs
ziemlich bürgerlich und solide geführt, später, als der deutsche Markt überführt
war und trotz aller Mühe die Ware auf dem Weltmarkt keinen Anklang fand,
(nahm) (wurde der Kampf (mit allen Waffen der Scheinproduktion und oEbli-
gater Erbitterung]) mit Erbitterung]) wurde das Geschäft (durch Scheinpro-
duEktion]) nach gewöhnlicher deutscher Manier durch fabrikmäßige und Schein¬
produktion, Verschlechterung (d[es] Mtaterials]) der Qualität, (Sophistizierung)
Sophistikation des Rohstoffs, Scheinkäufe, Wechselreiterei und ein aller reellen
(Batsis]) Grundlage entbehrendes Kreditsystem nach gewöhnlicher deutscher
Manier unsolide gemacht. Die Konkurrenz lief in einen Kampf aus4, der uns jetzt
als welthistorischer Umschwung als Erzeuger der gewaltigsten Resultate und Er¬
rungenschaften geschildert und konstruiert wird.*
♦Um (die Bedetutung]) diese philosophischen Renommistereien, deren (laute)
Verkündigung selbst in der Brust des ehrsamen deutschen Bürgers ein(en) wohl-
tätige(n)s Nationalgefühl erweckt, (richtig zu würdigen), um jeden“ Zweifel“
[über] die Kleinlichkeit und“ die0 lokale0 ((und“ nationale“)) Borniertheit (und
Unbedeutendheit), die“ winzige“ Wirklichkeit“ dieser ganzen junghegelschen Be¬
wegung (richtiEg]) anschaulich“ zu erkennen, ist es nötig, sie einmal von einem
Standpunkte anzusehen, der außerhalb Deutschland liegt. Wir schicken daher
der speziellen Kritik der einzelnen Repräsentanten dieser Bewegung einige all¬
gemeine Bemerkungen (über die deutsche Philosophie und die gesamte Ideologie)
voraus(. Diese Bemerkungen werden hinreichen, um den Standpunkt unsrer Kritik
so weit zu bezeichnen, als es zum Verständnis und zur Begründung der nachfolgen¬
den Einzelkritiken nötig ist. Wir stellen diese Bemer/[l?b]/kungen gerade Feuer¬
bach gegenüber, weil er der Einzige ist, der wenigstens einen Fortschritt ge¬
macht hat und auf dessen Sachen man de bonne foi eingehen kann.), welche die
ihnen allen gemeinsamen ideologischen Voraussetzungen näher beleuchten werden.*
(А.) 1. Die Ideologie überhaupt, speziell die deutsche
Philosophie.
A.
♦Wir kennen nur eine einzige Wissenschaft, die Wissenschaft der Geschichte.
Die Geschichte kann von zwei Seiten aus betrachtet (werden, als Geschichte), in
die Geschichte der Natur und die Geschichte der Menschen abgeteilt werden. Beide
Seiten sind indes (von der Zeit) nicht zu trennen; solange Menschen existieren,
bedingen sich Geschichte der Natur und Geschichte der Menschen gegenseitig. Die
Geschichte der Natur, die sogenannte Naturwissenschaft, geht uns hier nicht an;
1 Es handelt sich allerdings bis hierher alles von Marx
2 Von (und) Jeder bis hierher korrigierte Marx den Engelsschen Text um
3 Dies der ursprüngliche Engelssche Text
4 Von Sie wurde anfangs bis hierher Marxsche Fassung mit seinen Korrekturen
568
Beschreibung der Manuskripte
auf die Geschichte der Menschen werden wir indes einzugehen haben, da faste die
ganze Ideologie sich entweder auf eine verdrehte Auffassung dieser Geschichte
oder auf eine gänzliche Abstraktion von® ihr® reduziert. Die Ideologie (ist) selbst
ist nur eine der Seiten dieser Geschichte.*
Hierauf folgt S. Ю12—20
10 20 menschlicher Individuen. *Der erste geschichtliche Akt dieser Indi¬
viduen, wodurch sie sich von den Tieren unterscheiden, ist nicht, daß sie denken,
sondern, daß sie anfangen ihre Lebensmittel zu produzieren.* Der
erste zu 23—24 Wir können hier natürlich (nicht näher) weder® auf* die* physi¬
sche® bis selbst®, noch® auf die 26—28 klimatischen und andern Verhältnisse^
sowie® die® eigne® anatomische* Beschaffenheit* der*) eingehen. * Diese Verhält¬
nisse bedingen aber, nicht nur die ursprüngliche, naturwüchsige Organisation der
Menschen, (den) namentlich die Rassenunterschiede, sondern auch ihre ganze
weitere Entwicklung oder Nicht-Entwicklung bis auf den heutigen Tag.* Alle
Geschichtschreibung muß von diesen natürlichen Grundlagen (der ganzen Ge¬
schichte ausgehen, die in) und ihrer 33—34 ein Schritt, der (eben) durch ihre
38—39 vorgefundenen® und® zu* reproduzierenden®
11 4 Wie die Individuen (sich äußern) ihr Leben äußern, 5—7 Was sie sind,
(zeigt sich also in ihrer Produktionsweise, sowohl in dem, was sie produzieren,
wie in dem wie) fällt® also® zusammen® io Sie setzt selbst wieder einen (durch)
Verkehr 11—12 Verkehrs ist (durch) wieder durch
Mit Seite 1112 schließt die Reinschriftvorlage. Die Reinschrift ist Seite 71
bis Seite 1011 unseres Bandes abgedruckt.
91—1015 sind in der Reinschrift keinerlei Korrekturen, nur
8 4 ist erbitterten von Engels nachträglich eingeschaltet, ebenso 10—и Borniert¬
heit (und) dieser* ganzen® junghegelschen* Bewegung*, um* namentlich* den tragi¬
komischen
17-18 /2/ I.
Feuerbach
A. Die Ideologie überhaupt, namentlich die deutsche.
Die (in Deutschland geübte) deutsche“ Kritik 19—21 (Sie war soweit) Weit“
davon entfernt, ihre (philosophischen) allgemein-philosophischen Voraussetzungen
zu untersuchen, (daß sämtliche Fragen, mit denen sie sich beschäftigte,) sind“ ihre“
sämtlichen“ Fragen“ 22 Systems, des Hegelschen, (wuch) gewachsen (sind).
(Es lag daher nicht) Nicht“ nur 23 Antworten, (sondern) schon in den Fragen
selbst lag“ eine Mystifikation. 26 auch nur (versucht hat, obwohl) versuchte“, so“
sehr“ Jeder 27 gegen Hegel und (unter[einander]) gegen einander 29 das ganze
System, (so)wie“ gegen 35 Die gesamte (Kritik) deutsche philosophische Kritik
36—37 Stirner beschränkt sich auf (eine) Kritik der religiösen Vorstellungen.
*, die mit dem Ansprüche auftrat, die absolute (Befrteierin]) Erlöserin der Welt
von allem Uebel zu sein. Die Religion wurde fortwährend als letzte Ursache aller
diesen Philosophen widerwärtigen Verhältnisse, als Erz-/[2a]/feind angesehen und
behandelt. (Was religiöse Vorstellung)* Man ging 38 Theologie. (Im Anfänge) Was
9 2—4 bestand darin, (auch) die angeblich herrschenden metaphysischen, politi¬
schen, rechtlichen (und), moralischen und andern Vorstellungen (für relitgiös]
auch“ unter der Sphäre 5 ebenso das (metaphysische) politische, 14—15 en bloc
(kanonisieren konnte.) heilig sprechen 18 kritisierten Alles, indem sie
(es auf) ihm religiöse 30 zu kämpfen haben(, und daß eine Veränderung des
herrschenden Bewußtseins das Ziel ist, worauf sie hinstreben). Da nach 32 und
Schranken (ein Produkt (ihres) des) Produkte ihres Bewußtseins 35 oder egoisti¬
schen Bewußtsein zu (veränfdern]) vertauschen 36 ihre Schranken zu (unter¬
graben]) beseitigen. 38 d. h. es (durch) vermittelst einer 40 „welterschüttem-
den“ (Gedanken) Phrasen® 43—44 daß sie (selb[st]) diesen Phrasen selbst
44—45 und daß sie® die wirkliche bestehende Welt (unverändert bleibt,) keineswegs
10 3—< einige und noch dazu einseitige religionsgeschichtliche* Aufklärungen über
(christliche (Ge[schichte]) Religions[geschiehte]) das Christentum; (die) ihre
sämtlichen 6 Aufklärungen (sämtliche) welthistorische Entdeckungen
Nach S. 1011 sind im Original ’/з der Seite frei geblieben. Darauf folgt
Bogen {3} u.s.f.
Text Varianten
56?
11 19 und ihres innem* und® äußern* Verkehrs ab. 20—21 zeigt (sich) am augen¬
scheinlichsten 24 das Eingeklammerte nachträglich von Engels eingefügt
25 Aus(dehnung)bildung der Teilung der Arbeit zur Folge. 26 einer Nation
(spaltet diese Nation) führt zunächst 27 und® kommerziellen® 30 führt zur
Trennung der (industriellen und) kommerziellen Arbeit 32—34 der Arbeit inner¬
halb dieser verschiednen (Arbetiten]) Branchen wieder verschiedene (Klassen)
(Verhältnisse) Abteilungen unter den zu bestimmten Arbeiten (cooper[ierenden])
zusammenwirkenden Individuen. 35 bedingt durch die (Art, in der die) Betriebs¬
weise der 40 Die verschiedenen (Formen) Entwicklungsstufen
12 3 Es setzt (zugleich) in diesem 7—8 Die (ganze) gesellschaftliche Gliederung
(ist daher auch) beschränkt sich 10 erst® 14 Gemeinde®- und® 16 durch® bis
Eroberung® 18 aber (das Gemeindeeigentum) als eine abnorme, 21—22 /[3b]/
schäft die (Herrschaft) Macht über ihre arbeitenden Sklaven (deren Schwäche)
und sind 22—25 Es® bis bleiben0 27 Grade, in dem (das) namentlich das
33 ist vollständig ausgebildet. *; in den römischen Plebejern, finden wir (anfangs)
zuerst kleine Grundeigentümer, später die Anfänge eines Proletariats, das indes-
in seiner halben Stellung zwischen besitzenden Bürgern und Sklaven zu keiner
Entwicklung kommt. (Zugleich finden wir hier zuerst)*
Hieran schließt sich, im Original durch einen Strich von dem Beginn des fol¬
genden Absatzes getrennt, an S. 1320
13 21 die wir (im) beim modernen 22—23 wiederfinden werden(:). Einerseits® die
Konzentration 25—26 vor sich ging(, und); andrerseits® im Zusammenhänge
30 oder ständische Eigentum(; eine [Form]). Wenn 31 und® ihrem® (Gebiet)
kleinen® Gebiet® 32—33 Die (zersplitterte]) vorgefundene® dünne®, über eine
große 37—38 anfangs (darauf fo[rtgesetzte]) damit verknüpfte 40 durch die®
Barbaren selbst 43 unterbrochen, die (Landbevölkerung]) ländliche und 44—45
Verhältnisse (entwickelten im Zusammenhang]) und die dadurch
14 6 gegenüberstehen. (Später trtaten]) Zugleich 7 tritt noch® 10 Macht über
die (kleinen) Leibeignen. 12 nur (mit dem Unterschiede, daß die) war die Form
14 weil verschiedene Produktions(bedin) (und Verkehrsbedingungen)bedin-
gungen 17—18 Organisation (der Industrie) des Handwerks. 25 einzelner Hand¬
werker, (die wachsende Bevölkerung bei der stabilen Zahl der Handwerker maEch¬
ten]) und® ihre® stabile® Zahl® bei® der® 28 wie die® auf dem Lande 36—37 Stadt
und Land in sich; (außer der Ständegliederung war die) die Ständegliederung war
(zwar) allerdings® sehr 39—<0 Gesellen (und), Lehrlingen (auf) und® bald*
auch® (Pöbel®) Taglöhnerpöbel® in 42 neben* bis aufkam®, 43 in der Industrie
(waren zwar die einzelnen HaEndwerke]) war die Arbeit,
15 1 entwickelte sich in (einander) den neueren 4 war für den Grund(besitz)adel
5—6 hatte daher (jedes) überall einen Monarchen an der Spitze.
Diese zweite Seite des Bogens 4 ist zu */e leer gelassen.
7 Individuen (unter bestimmten Produktionsverhältnissen), die auf 10 Beobach¬
tung^ die sich einfach an die wirklichen Fakta hält, wird in jedem einzelnen Fall
im Stande sein,) muß in jedem 12—15 Spekulation (nachzuweisen) aufzuweisen®.
(Man sieht hier, wie die) Die gesellschaftliche Gliederung und der Staat gehen®
beständig aus dem Lebensprozeß bestimmter Individuen hervor(geht); aber (nicht)
dieser Individuen (wie sie), nicht 17 materiell produzieren (und tätig sind), also
wie® sie® unter 19—20 tätig sind.
*Die Vorstellungen, die sich diese Individuen machen, sind (entweder) Vor¬
stellungen entweder über ihr Verhältnis zur Natur oder über ihr Verhältnis unter
einander, oder über ihre eigne Beschaffenheit. Es ist einleuchtend, daß in allen
diesen Fällen diese Vorstellungen der — wirkliche oder illusorische — (Aus-
drEuck]) bewußte Ausdruck ihrer wirklichen Verhältnisse und Betätigung, ihrer
Produktion, ihres Verkehrs, ihrer (ihres®) gesellschaftlichen und politischen Orga¬
nisation (Verhaltens*) sind. Die entgegengesetzte Annahme ist nur dann möglich,
wenn man außer dem Geist der wirklichen, materiell bedingten Individuen noch
einen aparten Geist voraussetzt. Ist /E5a]/ der bewußte Ausdruck der wirklichen
Verhältnisse dieser Individuen illusorisch, stellen sie in ihren Vorstellungen ihre
Wirklichkeit auf den Kopf, so ist dies wiederum eine Folge ihrer bornierten mate¬
riellen Betätigungsweise (der) und® ihrer® daraus entspringenden bornierten gesell¬
schaftlichen Verhältnisse.*
570
Beschreibung der Manuskripte
Die Produktion
22 Verkehr der Menschen, (das Aussprechen) Sprache 23 Lebens. (Die Vorstel ¬
lungen und Gedanken,) Das Vorstellen, Denken 26 der* Gesetze*. 27—28 Di«
Menschen sind die (Vorstellungen) Produzenten* ihrer Vorstellungen, Ideen ppj,
* und zwar die Menschen, wie sie durch die Weise der Produktion ihres materiellem
Lebens, durch ihren (Verkehr und die (weittere]) in) materiellen Verkehr und sein«
weitere Ausbildung in der gesellschaftlichen und politischen Gliederung bedingtt
sind,* aber die wirklichen 29 bedingt sind durch (ihre) eine bestimmt«
45 wird von den wirklich(en) tätigen*
16 6—7 sonstige Ideologie (verlieren hiermit alle ihre scheinbare Selbstständig -
keit])und° bis Bewußtseinsformen® behalten® 9—10 sondern die (in ihrer materiellem
Produktion und ihrem wirklichen Verkehr sich entwickelnden Menschen) ihrem
materiellen n ihr Denken und (der) die Produkte 14 als dem (handelndem
Individuum selbst) lebendigen® 17 das Bewußtsein nur als (das Bewußtsein diesen-
praktisch sich betätigenden Individuen.) ihr Bewußtsein. 25 wie bei den (bor¬
nierten) selbst® noch* abstrakten* 28—31 wirklichen Leben, (fängt also die wirk¬
liche, positive Wissenschaft an.) beginnt* also die wirkliche, positive Wissenschaft.,
die® bis Menschen*. 32—33 Die selbstständige (Wissenschaft) Philosophie 38 durch ¬
aus keinen Wert (und helfen nur dazu,) (dienen). Sie können 40 Reihenfolge;
(der) seiner*
16 40—175 Sie® bis ergeben®
1644—171 Betrachtung und Ordnung des (historischen) Materials, (an das Auf-
suchen des wirklichen, faktischen Zusammenhangs der verschiedenen Schichten
gibt.) sei® es* bis Darstellung* gibt. Die (Lösung) Beseitigung
17 4—5 Epoche (herrischen]) sich ergeben. 5—6 heraus, (wie sie) die® wir*
7 Beispielen erläutern. Hiermit schließt die Reinschrift. Das letzte Viertel dieser
zweiten Seite des Bogens {5} ist freigelassen.
32 5 / {6}1 8/ sich in Wirklichkeit (darum handelt) und für den 13—14 Feuer¬
bachs (theoretische) „Auffassung“ der (Sinnlichkeit) sinnlichen* Welt® 15—17 und
andrerseits auf® die bloße® Empfindung (. —), er“ sagt“ bis „der“ Deutsche““.
17—18 in der Anschauung der (Natur) sinnlichen* Welt®, 20—21 aller*
(Glieder*) Teile* bis namentlich® 27—30 sich stets gleiches (Produkt) Ding ist,
sondern das (Resultat) Produkt der Tätigkeit (, das Produkt,) einer ganzen Reihe
von Generationen (ist), deren Jede 27—29 der* Industrie® und® des® Gesellschafts¬
zustandes* (ist*) und* zwar* in® dem® Sinne®, daß® sie® in® (jeder®) geschichtlichen*
(Epoche*) das* (Produkt®) Resultat® Produkt“ ist“ 32 ihre soziale(n Institutio¬
nen]) Ordnung
33 1 „sinnlichen Gewißheit“ (z. B. ein Kirschbaum,) sind ö/(6c)91 2/ 12—15 zur
Natur, (worauf) aus der 12—15 (oder“ bis habe“) 21—23 ebenso wie der
..Kampf“ d[es] Menschen mit d[er] Natur, bis zur (völligen) Entwicklung seiner
Produktivkräfte auf einer (für) (geseHlschaftlichen]) entsprechenden Basis
(u[nd]d.) 3. 28—29 und Maschinen sieht, wo (er) vor hundert Jahren nur Spinn¬
räder und Webstühle (sah) zu® sehen® waren®, 32 Feuerbach spricht (in seiner)
namentlich von der (Auftfassung]) Anschauung 37 erst® durch Handel
33 38—349 So® sehr® bis existiert®. —
33 41 würde, Feuerbach (nicht nur zahllose Fak[ta]) eine ungeheure 44—45 würde.
(Denn allerdings) Allerdings
3345—341 Priorität der äußeren® Natur bestehen, (und es fällt uns nicht ein zu)
und allerdings hat (diese (Natur) Unterscheidung keine) dies Alles keine /(6d)4 10/
Anwendung
1 Diese von Engels ursprünglich mit einer „6“ bezeichnete erste Seite des Bogens
numerierte Marx zunächst mit „6b“, dann mit „8“. In der rechten Spalte machte
er den Vermerk: Feuerbach
2 Marx numerierte diese Seite ursprünglich als Seite 6c. In die rechte Spalte
schrieb er abermals zunächst F., dann Feuerbach
3 Dieser Satz von Marx eingeschaltet
4 Marx numerierte diese Seite ursprünglich als Seite 6d. In die rechte Spalte
schrieb er abermals F., dann Feuerbach
Textvarianten
571
34 5—6 ja nicht die Natur (Feuerbachs), in der u—13 aber abgesehen“ davon“
bis faßt“, da er sich auch (hier an der rteinen] Theorie hält, so kommt er nicht
dazu, (die Mensch [en]) den „wirklichen, individuellen leibhaftigen Menschen“
nicht in seinem gegebenen geschichtlichen Zusammenhänge, nicht unter seinen vor¬
liegenden Lebensbedingungen, die ihn zu Dem,) hierbei in der Theorie 20 d. h. er
(bringt es zu keinem andern) kennt keinen andern 22—23 und“ zwar“ idealisiert“
bis Lebensverhältnisse“. 24 Welt als die (vereinigte sinnliche) ge¬
samte“ lebendige“ sinnliche 25 Individuen aufzufassen, und (wo der praktische
Materialist) ist daher 29 also gerade* da 32 wie der (sozialen) gesellschaftlichen
Gliederung sieht. 34—35 ist er kein* Materialist
36 aus dem Gesagten erklärt. •Wenn wir nun dennoch auf die (sogenannte) Ge¬
schichte hier näher eingehen, so geschieht es deshalb, weil die Deutschen gewohnt
sind /(бе)1 11/ bei den Worten Geschichte und geschichtlich sich alles Mögliche,
nur nicht (alles) das Wirkliche (zu dtenken]) vorzustellen, wovon namentlich der
„kanzelberedsamkeitliche“ Sankt Bruno ein glänzendes Exempel ablegt. —* —1 2
17 9 Wir müssen (also) bei den (Deutschen voraussetzungslos damit anfangen)
voraussetzungslosen Deutschen 13—14 Zum Leben aber gehört (Essen und Trinken,
vor Allem Nahrung,) vor Allem
15—18 Auf dieser Höhe malte Marx in die rechte Spalte daneben eine rhomboe¬
drische Figur, die er durch eine Linie mit einem Kreis verband, in den er hinein¬
schrieb und wieder durchstrich: (Die erste) und diese Durchstreichung ersetzte
durch die Angabe l3.
20—23 Selbst0 bis voraus* 28 Engländer (haben wenigstens), wenn sie auch (diese)
den
18 2 Das Zweite ist, (daß die (Mentschen]) erworbene* Leichtigkeit* der* Be¬
friedigung der ersten Bedürfnisse sogleich neue Bedürfnisse erzeugt,) /{7} 12/ daß
(die Befriedigung der) das (schon) befriedigte erste Bedürfnis(se) 24—25 und
die vermehrte Menschenzahl neue Bedürfnisse 4
1829—195 Übrigens0 bis machen*. —
19 15—16 und“ bis „Produktivkraft““, 16 daß (der Stand) die Menge 19 und*
des* Austausches* 21 solche (Jahrbütcher]) Geschichte (in Deutschland]) zu
schreiben, 2&—29 Menschen selbst — (daß also zur „Geschichte) ein Zusammen¬
hang, 34 daß der Mensch (unter andern auch „Geist“ hat, und daß dieser „Geist“
sich als „Bewußtsein“ „äußert“.) auch5 „Bewußtsein“ hat5.
20 4 also* bis existierende* 6 — erst aus dem (Verkehr) Bedürfnis, der* Not¬
durft® 7—9 andern Menschen. *Mein Verhältnis® zu® meiner® Umgebung* ist* mein®
Bewußtsein*.* Wo® ein* bis nicht*. 9—10 Für“ bis Verhältnis“ 10 Das Bewußt¬
sein ist (zuerst natürlich) natürlich zuerst 13 nächste“ 14 bornierten“
16 Bewußtsein (über die) der Natur, 20—27 Man“ bis modifiziert“ ist“, 21 Diese
Naturreligion (ist bedingt durch (d[en] Verkefhr]) d[icl Gesellschaftsform (d)
und de[n]) oder dies 22 ist bedingt (mit) durch die 27 die Natur noch (noch)
(wenig) kaum 29—30 der Anfang des (Gesellschaftlichen) Bewußtseins 35 ist.
((Hammel oder Stammbewußtsein).) Dieses Hammel —
21 2 etc. etc. von selbst (also) oder 4 wo eine Teilung der (geistigen und)
materiellen 7 der bestehenden (Dinge) Praxis zu sein, (etwas Wirkliches)
wirklich etwas 18 Umkreis, sondern (auch bloß im Kreis des dazu gehörigen
Bewußtseins (eintrfitt]) sich einstellt.) zwischen
20—21 einer Nation ((wie jetzt in Deutschland)) sich einstellt. — *wo dieser Nation
dann, weil dieser Widerspruch (sich) scheinbar nur als ein Widerspruch (des Be¬
wußtseins eintritt,) innerhalb des nationalen Bewußtseins erscheint, auch der Kampf
sich auf diese na-/{8}6 16/tionale Scheiße zu beschränken scheint, eben weil diese
1 Marx numerierte diese Seite mit 6e, dann mit 11
2 Dieser dicke Trennungsstrich nachträglich, nach der Streichung, an dieser
Stelle angebracht
3 Vergleiche hierzu die Fußnote zu Seite 16 des Manuskripts, S. 572 unseres
Bandes, Note 1
4 Diese 6 Worte von Engels nachträglich eingeschaltet
5 Von Marx korrigiert. Daneben in der rechten Spalte seine Notiz von S. 23 Note
6 Diese erste Seite des ursprünglich 8. Bogens numerierte Marx mit einer 16
572
Beschreibung der Manuskripte
Nation die Scheiße an und für sich ist.* Übrigens 22 Auf der Höhe dieser Zeile
notierte Marx in der rechten Spalte: 11, 12, 13, 14. 15, 16,1 25 geraten können®
und® müssen®, 27—28 und materielle (Arbeit) Tätigkeit — ^Tätigkeit und Den¬
ken, d.h. gedankenlose Tätigkeit und (gedanken[loses]) tatloser Gedanke,* 1 2 daß
der Genuß und die Arbeit, Produktion® und® Konsumtion®, verschiedenen 33 der
idealistische (spekulative) geistliche 34 des (einzelnen) vereinzelten Individuums
2 1 37—221 bewegt. (Dieser idealistische Ausdruck bestehender ökonomischer Schran¬
ken ist nicht allein rein theoretisch, sondern auch im praktischen Bewußtsein vor¬
handen, d. h. (er) das sich emanzipierende und mit der bestehenden Produktions¬
weise in (Zwtiespalt]) Widerspruch geratende Bewußtsein bildet nicht allein
Religionen und Philosophien, sondern auch Staaten.)
Mit der Teilung
22 7—8 das Eigentum, das (sich bereits) in(nerhalb) /17/ der Familie. 9 sind,
(naturwüchsig entwickelt hatte.) schon® bis hat*. 13— ie Übrigens® sind® bis aus¬
gesagt® wird®. — 17—18 Interesse des (Einzelnen und) einzelnen Individumms oder
24—25 daß (die eigne Tat der Menschen,) solange (diese Tat keine (wirklich) freie
gesellschaftliche) die Menschen 27 solange die (Arbeit) Tätigkeit 28 geteilt
ist, (die Teilung) die(se TäEtigkeit] > eigne Tat 30 ihn (beherrscht) unterjocht,
statt 31 verteilt (ist) zu werden anfängt, hat 31—32 ausschließlichen®
33—34 oder“ kritischer“ Kritiker“ 39—40 morgens (Schuhmacher (und mittfags]),
nachmittags Gärtner, abends Schauspieler zu sein, wie ich gerade Lust habe) zu
jagen 40—41 nach“ dem“ Essen“ zu“ kritisieren“ 42 Fischer (oder), Hirt oder“
Kritiker“
2243—2326 Konsolidation (meines) unsres eignen Produkts zu einer (Macht über
mir) sachlichen* Gewalt® über uns®, die (meiner) unsrer* Kontrolle entwächst,
(meine) unsre* Erwartungen durchkreuzt, (meine) unsre* Berechnungen zu Nichte
macht, ist eines der Hauptmomente in der (bestehenden sozilalen]) bisherigen ge¬
schichtlichen Entwicklung, und (im Eigentum, das, anfangs eine durch (den) die
Menschen (eingefrichtete]) selbst vollzogene Einrichtung, bald der Gesellschaft eine
eigne, von seinen Urhebern keineswegs beabsichtigte Wendung gibt, für einen
Jeden anschaulich, der sich nicht im „Selbstbewußtsein“ oder im „Einzigen“ fest¬
gerannt hat.) /17/ eben® bis darzustellen*.
23 3 gemeinschfaftlichen] Interesseis] (bildet sich) nimmt 6 und® bis Gemein¬
schaftlichkeit* 23 und“ der“ Herrschaft“ überhaupt“ 26—38 Eben“ weil“ bis
nötig“. 28—29 überhaupt® das* Allgemeine® illusorische® Form* der® Gemein¬
schaftlichkeit® 39 in* bis bedingte®
24 3—34 Diese“ „Entfremdun g““ bis voraussetzt“. 7 daß sie (eine) die
Masse 13 schon (das weltgeschichtliche, statt dies] lokalen) die in
weltgeschichtlichem“, statt dler] in“ lokalem“ Dasein 19 universel¬
len“ 20 gesetzt ist“, daher 22 gleichzeitig er (scheint) zeugt ((die“) allgemeine“
Konkurrenz“) (und nun), jedes 23 Umwälzungen der“ andern abhängig macht(.
Ohne dies), und 24 empirisch“ 26 (und) 2) die (fremden) Mächte зо lo¬
kalen“ 36 annehmen, und (z. B.) etwa* das® Grundeigentum® 37—38 in Frank¬
reich aus (dem großen Grundbesitz) der Parzellierung 41—12 nichts ist als (das
Verhlältnis]) der Austausch der (einzelnen) Produkte
25 7—9 und der (Vernichtung) darin liegenden Vernichtung (des Scheins, als ob
die Fremdheit) der Fremdheit, mit der sich die Menschen zu ihrem eignen Produkt
verhalten, die Macht (der Nachfrlage]) des Verhältnisses 10—11 die Produktion,
(ihr gegenseitiges) die Weise ihres gegenseitigen 11 bekommen? —3 12—17 Der“
Kommunismus“ bis Voraussetzung“. 13 ein Ideal, (das Fremdgewlordene])
wonach 14—16 Wir nennen Kommunismus die (pralktische]) wirkliche Be¬
wegung, (welche die praktisch[e Aufhebung]) welche den jetzigen Zustand aufhebt.
(W’ir haben bloß zu schreiben,) Die Bedingungen dieser Bewegung (sind nach der
1 Diese Zahlenreihe besagt, daß der Text der Seiten 11—16 und weiter den
Anfang des Abschnitts über Geschichte bildet, der mit Seite 11 beginnt. Vergl.
Streichung S. 1715—18, S. 571 unseres Bandes
2 Das zwischen ♦—♦ gesetzte, schrieb Marx in die rechte Spalte und strich es
hinterher wieder durch
8 Ein dicker Trennungsstrich zwischen diesen Worten und dem mit Die durch
die auf allen beginnenden Absatz
Textvarianten
573
realen (vorliegenden) Wirklichkeit selbst zu beurteilten]) ergeben 19 abgeschnittne
Arbeiter(klas[se]) kraft—, 22 Das Proletariat (setzt also die Weltgeschichte als
praktisch empirische“ Existenz voraus.) kann also 23 seine“ Aktion“
25—26 d. h. Existenz der Individuen, die (materiell) unmittelbar mit der (Geschichte
aller) Weltgeschichte 35 und wie (falsch) widersinnig
37—38 Staatsaktionen ist.
(Jetzt erst, nachdem wir uns über diese (realistische]), der) Bisher haben wir
hauptsächlich nur die eine Seite der menschlichen Tätigkeit, die Bearbeitung
der Natur durch die Menschen betrachtet. Die andre Seite, die Bearbei¬
tung der Menschen durch die Menschen — —1
Ursprung des Staats (aus) und das Verhältnis des Staats zur bürgerlichen Ge¬
sellschaft.1 2
34 37 Ursprünglich von Engels mit einer 9 bezeichnet, als erste Seite des Bogens 9,
dann von Marx mit der Nummer 20 versehen. 3&—39 vorhergegangenen (hinter-
laEssenen]) übermachten (Kapitalien, Materiale) Materiale, Kapitalien, 41 die
(alte) überkommene 45 der Zweck (zum Grunde lag) zu Grunde gelegt wird,
35 6—7 Abstraktion (aus) von der späteren Geschichte (, aus dem Resultat und
Produkt dessen, worin man diese Geheimnisse sieht) ist, efine] Abstr[aktion] von
dem 11—14 durch die ausgebildeten (Verhältnisse]) Produktionsweise, Ver-
kehr(sformen) und (massenhafte) dadurch naturwüchsig® hervorgebrachte Teilung
der Arbeit (aufgehoben) zwischen® verschiednen® Nationen* vernichtet 26—21 Kon¬
tinentalsystem (her [vorgebrachte]) (notwendig gern [achte]) erzeugte 22 /21/ (ge¬
gen Napoleon) zum Auf stände 26 Weltgeistes“
29 den Beweis liefert. — *der heilige Max Stirner selbst trägt die Weltgeschichte
auf seinem Rücken herum und ißt und trinkt sie jeden Tag, wie vor Zeiten den
Leib und das Blut unsres Herrn Jesu Christi. Es folgt also, daß in der „Welt¬
geschichte“ die Individuen ebenso sehr dieselben „Eigner“ sind (und sowenig in)
wie in jedem Stimerschen „Verein“ von Studenten und freien Nähterinnen(. Ferner
ergibt) und die Weltgeschichte produziert ihn, den Einzigen, der sein eignes Pro¬
dukt ist, (täglich) wiederum täglich, da er essen, trinken und sich kleiden muß;
die Zitate im „Einzigen etc.“ wie die Polemik des heiligen Max gegen Heß und
andre entlegene Leute beweisen, wie er auch geistig von der Weltgeschichte produ¬
ziert wird.* Hierauf folgt im Original
26 14 In der bisherigen Geschichte 17 fremden Macht (geknech) (, einer immer
massenhafter werdenden Macht) geknechtet worden sind 21 daß durch (die)
den Umsturz (und die Auflösung) des 23—24 unten) und* die damit* identische®
Aufhebung 25—26 Macht aufgelöst wird® und alsdann* die Befreiung (des) jedes
einzelnen Individuums in (mit) demselben (Verhältnisse der) Maße 28—30 Daß“
bis klar“. 32 (auch“ mit“ der“ geistigen“) 33—34 Beziehung gesetzt und (be¬
fähigt) in* den® Stand® bis für® 35 Erde ((Menschenschöpfungen“) Schöpfungen“
der“ Menschen“) zu (genießen) erwerben. 36 diese (erste) naturwüchsige® Form
27 12 physisch und geistig, (wenn auch nicht im Sinne) aber nicht sich machen,
weder im Unsinn des heiligen Bruno, wonach *„es im Begriff“ (1) „der Persönlich¬
keit“ (2) „überhaupt“ ((1)) (3) „liegt“ (4), „sich selbst beschränkt zu setzen“
(was ihm vortrefflich gelingt) „und diese Beschränkung, die sie“ (nicht durch sich,
(sondern) auch nicht überhaupt, auch nicht durch ihren Begriff, sondern) „durch
ihr allgemeines“ (5) „Wesen“ ((3)) ((5)) (6) „setzt“, (7) „da eben
dieses Wesen nur das Resultat ihrer i n n e r n“ ((6)) (8) „Selbstunterscheidung“
(9), „ihrer Tätigkeit ist, wieder“ ((7)) (10) „aufzuheben“ ((8)) (ll)3. p. 87, 88;
noch im Sinne des „Einzigen“, des (ein) „gemachten“ Mannes.*
*Es ergibt sich nun aus dem Vorhergehenden (, daß, (für die je) (wenn) für
1 Diese beiden Sätze strich Marx rechts an und notierte daneben: Verkehr
und Produktivkraft
2 Nach diesem Satz ist x/e der Spalte frei geblieben
3 Alle Numerierungsversuche von Engels und Umnumerierungen von Marx hat¬
ten den Zweck, dem „heiligen Bruno“ ein Dutzend unzweifelhafter hegelscher Kate¬
gorien in einem einzigen seiner Sätze nachzuweisen; da dies an dieser Stelle mi߬
lang, schrieb Marx, nachdem er das ganze Zitat und den folgenden Absatz durch¬
gestrichen, auf der Höhe der Tilgung in die rechte Spalte:
(Herr Bruno bringt es nicht zum Dutzend)
574
Beschreibung der Manuskripte
das kommunistische Bewußtsein) soviel, daß die Individuen, deren Bewußtsein
kommunistisch ist, sobald sie (die bestehende Gesellschaft) mit der bestehenden
Gesellschaft nitcht]* Hierauf folgt im Manuskript
59 9 (Um) Schließlich erhalten wir io— n Entwicklung der (Geselllschaft])
Produktivkräfte 17 zu genießen, welche (außer der) aus der 19 allen andern
Klassen (gezw[ungen]) forciert 24 2) daß (jede Entwicklungsstufe der (Gesell¬
schaft) Produktivkräfte (einer bestimtmten]) der Herrschaft einer bestimmten
Klasse der Gesellschaft zur Basis dient,) die Bedingungen, 27 sind, deren soziale
(Macht, als die), aus ihrem 29 und deshalb (auf der letzten Stufe der bürger¬
lichen Gesellschaft) jeder 29—30 gegen (die herr[sehende]) eine Klasse, 33 an”
andre* Perc-sonenm 35 richtet, (und) die Arbeit (die (moderfne]) Form der
Tätigkeit (der) unter der die Herrschaft der) (aufhebtt]) beseitigt,
60 1—3 schon® der® Ausdruck® bis Gesellschaft® ist®; 4 dieses (Bewußtstem])
kommunistischen 11—12 vom Halse zu (stürzen) schaffen und (eine) zu einer neuen
Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden.* ({10})1 Während über diese
Notwendigkeit der Revolution sämtliche Kommunisten sowohl in Frankreich, wie in
England und Deutschland seit geraumer Zeit einverstanden sind, träumt der heilige
Bruno ruhig weiter fort, und meint, (wenn) der „Reale Humanismus“, d. h. Kom¬
munismus, werde nur deswegen „an die Stelle des Spiritualismus“ (der® keine®
Stelle® hat®) gesetzt, damit er Verehrung gewinne. Dann, träumt er fort, müsse wohl
„das Heil gekommen (sein), die Erde zum Himmel und der Himmel zur Erde ge¬
macht sein“. (Der (Theologe) Gottesgelahrte kann den Himmel noch immer nicht
verschmerzen.) „Dann tönt in himmlischen Harmonien Freud und Wonne von Ewig¬
keit zu Ewigkeit“ (p. 140). Der heilige Kirchenvater wird sich doch sehr wundern,
wenn der jüngste Tag, an dem sich dies alles erfüllet, über ihn hereinbricht —
(der) ein Tag, dessen Morgenrot der Widerschein brennender Städte am Himmel
ist, wenn (diese „himmlischen Harmonien“ in der Gestalt) unter diesen „himm¬
lischen Harmonien“ die Melodie der Marseillaise und Carmagnole (unter) mit
obligatem Kanonendonner an sein Ohr (sc)hall(en)t, und die Guillotine dazu den
Takt schlägt; wenn die verruchte „Masse“ 9a ira, 9a ira (schreit) brüllt“ und das
..Selbstbewußtsein“ (ä la lanterne) vermittelst der Laterne aufhebt. Der heilige
Bruno hat am Allerwenigsten Ursache sich von der „Freud und Wonne von Ewigkeit
zu Ewigkeit“ ein erbauliches Gemälde zu entwerfen. (Die „Anhänger der Feuer-
bachschen Liebesreligion“ scheinen (sich) doch eine eigentümliche Vorstellung von
dieser „Freud und Wonne“ zu haben — wo es auf ganz andre Dinge als „himm¬
lische Harmonien“ ankommt. Und obwohl sie den heiligen Mann ziemlich genau
kennen, so enthalten sie sich doch des Vergnügens (über) das Verhalten (des
heitligen]) Sankt Brunos am jüngsten Tage (einigetrmaßen]) (spekuUativ]) а
priori zu konstruieren.) 1 2 3 Wir enthalten uns des Vergnügens, das Verhalten Sankt
Brunos am jüngsten Tage а priori zu konstruieren. 8 Es (wäre) ist“ auch schwer
zu entscheiden, ob die (cm[pörtenl) proletaires en revolution als „Substanz“ (die
gegen das Selbstbewußtsein rebelliert), als „Masse“, die die Kritik stürzen will,
oder als „Emanation“ des Geistes, der indessen noch die zur Verdauung Bauer-
/24/scher Gedanken nötige Konsistenz abgeht (zu fassen wären) gefaßt“ werden“
müßten“.*4 * * Hierauf folgt
27 15 (Dieser Geschichtsauffassung]) Diese Geschichtsauffassung 18 mit dieser
(Produktion) Produktionsweise 20—21 verschiedenen Stufen (und in ihrem prak¬
tisch-idealistischen Spiegelbilde, dem Staat,) als® Grundlage® bis darzustellen®,
1 Marx tilgte diese Engelssche Bogenbezeichnung, numerierte selbst die gänz¬
lich durchgestrichene Seite nicht, sondern schrieb auf die 10 drauf: Bauer
2 Marx machte rechts eine Klammer, die vom Beginn der Seite bis hierher geht
und schrieb daneben Heilige Familie. Dieser Vermerk diente, ebenso wie die
Bezeichnung „Feuerbach“, in dem ursprünglichen Manuskript dazu, es in die „Einzel¬
kritiken“ zu zergliedern, noch ehe die Titel dieser „Einzelkritiken“ fixiert waren.
Die Bezeichnung Heilige Familie bedeutete also nichts als den provisorischen Titel
des Manuskripts „Sankt Bruno“
3 Diesen Satz formte Marx aus dem Engelsschen
4 Diese zwei Zeilen am Anfang der Spalte strich Marx zweimal durch, trennte
die Streichung durch einen über beide Spalten gehenden Strich von dem folgenden
Text, schrieb über den Strich die 24 und darunter: Feuerbach
Textvarianten
575
22 theoretischen® 23—27 etc. etc. (zu erklären) aus ihr zu erklären und (auf sie
zurückzuführen.) ihren“ bis werden“ kann“. зз—34 durch (Nachweis) Auflösung
ins „Selbstbewußtsein“ 40 sonstigen Theorie ist. (Hieraus geht nun ferner) Sie
zeigt, daß 43—<4 ein“ historisch“ bis zu“ einander“ 45 von ihrer (früheren)
Vorgängerin
28 1 Kapitalien® 8 jedes® Individuum® und® jede Generation (gegeben vorfindet)
als etwas 19—24 nämlich“ bis revolutionierte“ 21 einer revolutionären“ Masse,
21—22 Bedingungen d. bisherigen (Verkehrs) Gesellschaft, 23 selbst, (gegen) —
(ihre allgemeine Tätigkeit) die „Gesamttätigkeit“, 31—38 steht(, betracfhtet]).
(Die so behanfdelte Geschichte])® Die® Geschichte® muß* bis erzeugt“ wird®.
39 Staatsaktaionen (gesehen, die) und (thfeologische]) religiöse und überhaupt®
2842—29 з Z.“ B.“ bis verwandelt“, welche die Praxis
28 43—44 obgleich“ bis Motive“ sind“,
29 2 wird in d. (wirklich) einzig bestimmende und aktive (Wesen verwfandelt])
Macht verwandelt, 9 Engländer (sich) wenigstens 12 Kraft der Geschichte.
(Hegel ist der (die) konsequente letzte) Die Hegelsche 16—20 handelt, (die
man) die dann auch ganz konsequent dem heiligen Max Stirner 16—19 auch dem“
heiligen“ Bruno“ bis und“ noch“ konsequenter“ 26 und setzt in® ihrer® Einbil¬
dung® die religiöse 29 samt (der daraus) ihrer Auflösung 37—38 und als ob (es
nicht höchstens (als) wissenschaftlich amüsant sein könne, das Kuriosum dieser
theoretischen Wolkenbildung aus den wirklichen irdischen Verhältnissen auch im
Einzelnen zu erklären und nachzuweisen.) (das mehr als ein wissenschaftliches
Amüsement sein könne,) das wissenschaftliche Amüsement, 39—10 umgekehrt“
29 38—3014 denn® mehr® als® das® bis Umstände® aufgelöst®.
30 1—2 /{11)27/ in irgend eine andre Marotte aufzulösen, (während es sich) d. h.
4—5 handelt diese (Entwicklung) theoretischen Phrasen 6—7 dieser Phrasen (im
Bewußtsein der), die Beseitigung 8 wie* schon® gesagt®, 9 theoretische (Be¬
weisführung) Deduktionen 12 und wenn (sie) diese Masse 14 aufgelöst. — (Die
Nationalität) Das rein Nationale 31—34 Jahrhundert, (so geschieht dies auch
nur,) so® gehen® sie® bis auch® diese® nur® in der Absicht, um diese Zeit als eine
(Vforstufe]) unvollkommene Vorstufe(, als den Johfannnes Baptista]), als den
36 des (Berliner) deutschen Philosophenkampfes
31 8 Deutschland, sie (haben) verwandeln das Rheinlied in ein geistliches Lied
(verwanfdelt]) 10—11 französischer Provinzen, französische (Departements) Ge¬
danken 13—14 Weltherrschaft Deutschlands proklamieren. Hierauf folgt im Ori¬
ginal:
•(Um an) Kehren wir nun, nach dieser unvermeidlichen Abschweifung, zum
heiligen Bruno und seinen welthistorischen Kämpfen zurück. Nachdem (er) Bruno“
also Feuerbach* einige gewichtige Worte ans Herz gelegt hat, sieht er sich den
Kampf zwischen diesem und dem „Einzigen“ an. Das Erste, (was er) wodurch er
sein Interesse an diesem Kampfe bezeugt, ist ein feierliches, dreimaliges Lächeln.
„Der Kritiker geht unaufhaltsam, siegesgewiß und siegreich seines Weges. Man
verleumdet ihn: er lächelt. Man verketzert ihn: er lächelt. Die alte Welt
macht sich auf in einem Kreuzzug gegen ihn: er 1 ä c h e 11“. Daß der Kritiker
seines Weges geht, oder seiner Wege, ist nicht neu — (abefr]) meine Wege sind
nicht Eure Wege, meine Gedanken nicht Eure Gedanken, meine Wege sind theolo¬
gische Wege und ich bin zu gescheut, mich auf andere — zu wagen, spricht der
Kritiker. Der (Kritfiker]) heilige Bruno — das ist also (seine) konstatiert, geht
seiner Wege, aber er geht sie nicht wie andre Leute, er geht einen kritischen
Gang, er vollzieht diese wichtige Handlung mit „Lächeln“. „Er lächelt mehr Linien
in sein Gesicht hinein als auf der Weltkarte mit beiden Indien stehen. Das Fräu¬
lein wird ihm Ohrfeigen geben, und wenn sie es tut, wird er lächeln und es für
eine große Kunst halten“ — wie Malvoglio bei Shakspeare. Der heilige Bruno
rührt selbst keinen Finger, um seine beiden Gegner zu bekämpfen, er weiß ein
besseres Mittel, sie los zu werden, er überläßt sie — divide et impera — ihrem
eignen Streit. Er stellt dem „Einzigen“ den Feuerbach, den „Menschen“ p. 124,
und dem Feuerbach den „Einzigen“ (p. 126 ff.) gegenüber; er weiß, daß sie (sich
wufetend]) so erbittert auf einander sind, wie*1
1 Die Fortsetzung in Gestalt der 3. u. 4. Seite des Bogens 11 fehlt (Vgl. S. 83 33
bis 84n unseres Bandes)
576
Beschreibung der Manuskripte
Statt des obigen durchgestrichenen Textes der linken Spalte dieser Seite schrieib
Engels in die rechte Spalte derselben den Text von
3115—325 den Marx überschrieb: Feuerbach
31 1&—19 in“ ein“ bis verwandelt“, 20 revolutionären® 22 Feuerbachs ganzte
(Beweisführung) Deduktion 27 Bewußtsein über (das Bestehende) ein b e -
stehendes Faktum 29—30 Wir erkennen (übrigens sehr wohl an) es übrigems
vollständig an, 30—31 gerade (über diese) dieser Tatsache (hervorztubringem
sucht]) zu erzeugen 34 Max (den feuertbachschen Kommunisten]) die Vorstel¬
lung 35 was teilweise® schon 44—45 bestimmten Existenzverhältnisse®, Lebens¬
weise und Tätigkeit eines (Menschen) tierischen
412 1 Hier (sieht) wird 5 ihr „Sein“ ihrem 1
Auf die fehlenden Seiten 29 und 30 (3. und 4. Seite des Engelsschen Bogens 11)
folgt eine von Marx nicht numerierte durchgestrichene Seite, die Engels in dem
ursprünglichen Manuskript als erste Seite des Bogens 20 mit einer 20 numerierte.
/{20}/ *also der Protestantismus die Wahrheit der Hierarchie, also die wahre
Hierarchie ist. Da aber nur die wahre Hierarchie den Namen der Hierar¬
chie verdient, so ist es klar, daß die Hierarchie des Mittelalters eine schwäch¬
liche“ sein mußte, was ihm um so leichter (wird al[s]) zu beweisen wird, als (er)
in den obigen und hundert andern Hegelschen Stellen die Unvollkommenheit der
Geistesherrschaft im Mittelalter dargestellt war, was er nur abzuschreiben brauchte
und wobei seine ganze „eigne“ Tätigkeit darin bestand, das Wort „Geistesherr¬
schaft“ durch „die Hierarchie“ zu ersetzen. Die einfache Schlußfolge, durch wel¬
che sich ihm die Geistesherrschaft schlechthin in die Hierarchie verwandelte,
braucht er nicht einmal zu (ziehten]) machen, nachdem es unter den deutschen
Theoretikern Mode geworden war, die Wirkung mit dem Namen der Ursache zu
belegen und Alles z. B. (theologisch zu nennen, was) in die Kategorie der Theo¬
logie zurückzuwerfen, was (sich) aus der Theologie hervorgegangen war (— die
Spekulation) und noch nicht ganz auf der Höhe (ihrer) der Prinzipien dieser
Theoretiker stand — z. B. die Hegelsche Spekulation, den Straußischen Pantheis¬
mus pp — ein Kunststück, das namentlich im Jahre 1842 an der Tagesordnung
war. Aus den obigen Stellen geht ebenfalls hervor (1)), daß Hegel 1) die französi¬
sche Revolution als eine neue und vollendetere Phase dieser Geistesherrschaft faßt,
2) (die Weither[rschaft]) in den Philosophen die Weltherrscher des neunzehnten
Jahrhunderts sieht, (und) 3) (die) behauptet, daß jetzt nur abstrakte Gedanken
unter den Menschen (herrschen) gelten (und), 4) daß schon bei ihm Ehe, (Staat)
Familie, Staat, Selbsterwerb (pp), bürgerliche Ordnung, Eigentum® pp“ als („das
Göttliche und Heilige) göttlich und heilig, als® „das Religiöse®“ gefaßt werden,
und 5) daß die Sittlichkeit als (die vollendete Vergeistigung der Welt)
verweltlichte Heiligkeit oder geheiligte Weltlichkeit, als die höchste und letzte
Form der Herrschaft des Geistes über die Welt dargestellt wird 1 2 — Alles Dinge,
die wir bei Stirner (bereits) wörtlich wiederfinden (werden).*
♦Hiernach wäre in Beziehung auf die Stimersche Hierarchie gar nichts mehr
zu sagen, als warum (er) Sankt Max Hegel abgeschrieben hat — ein Faktum, zu
dessen Erklärung aber wiederum materielle Fakta nötig sind, (die) und /30/ das
deshalb nur für diejenigen erklärlich ist, die die Berliner Luft kennen. Eine
andre Frage ist, wie die Hegelsche (Auffassung) Vorstellung von der Herrschaft
des Geistes zu Stande kommt, und hierüber ((wird) (es) werden allerdings für
(Deutschland]) die deutschen Theoretiker einige Worte hier angebracht sein^
siehe“ oben“.* 3
Hierauf folgt mit einem Absatz
35 30 Die Gedanken der herrschenden Klasse 32 herrschende materielle'
Macht (der Geschichte ist) der Gesellschaft 36 im Durchschnitt“ 38 weiter
Nichts als der ide(ologische)elle Ausdruck
1 Die Fortsetzung in Gestalt der Seite [29] und [30] fehlt (Vgl. S.5403—21
unseres Bandes)
2 Von und 5) bis hierher von Engels nachträglich eingeschaltet
3 Marx trennte das Durchgestrichene von dem Folgenden durch einen Strici
über beide Spalten der Seite, die er mit einer 30 versah. (Vgl. S. 1579—15 unseres
Bandes)
Textvarianten
577
36 8 als herrschender Gedanke die (Vorstell [ung]) Doktrin 12 Teilung der (ma-
teriefllen]) geistigen 15 Ausbildung” der® 20 dazu® bis und® Gedanken®
21 kann diese (Teilung der) Spaltung 24 wo die Klasse (als solche) selbst
31—33 (Läßt) Löst man nun bei der Auffassung des geschichtlichen Verlaufs (die
herrschende Klasse weg) die® Gedanken® der* herrschenden® Klasse® von® der®
herrschenden® Klasse® los0, verselbstständigt® man® sie* und bleibt 35—36 sich um
die (Art) (Weise) Bedingungen der Produktion und® um* die® Produzenten® dieser
36—37 läßt® man® bis weg®, 39 herrschte, die (Gedanken) Begriffe
41 herrschten. * Diese „herrschenden Begriffe“ werden eine® um so allgemeinere und®
umfassendere® Form haben, je mehr die herrschende Klasse genötigt ist, ihr Inter¬
esse als das (der ganzen) aller Mitglieder der Gesellschaft darzustellen. Die herr¬
schende Klasse selbst hat im Durchschnitt die Vorstellung, daß diese ihre Begriffe
herrschten, und unterscheidet sie nur dadurch von herrschenden Vorstellungen
(andrer Klassen) früherer Epochen, daß sie sie als ewige Wahrheiten darstellt.* 1
Die herrschende Klasse
37 3—4 schon® um ihren Zweck durchzu(setzen)führen, ihr Interesse als das (der
gantzen Gesellschaft]) gemeinschaftliche® Interesse® aller Mitglieder 6—7 einzig
vernünftigen, allgemein* gültigen® darzustellen. 14 sich® unter® bis Verhältnisse®
19—20 Herrschaft der (Feudfalität]) Aristokratie 24 wogegen (später) sich dann
später 32 Klasse (nichts sei) nur 35 besonderes Interesse (praktisch als Allen
gemeinschaftlich und theoretisch als allgemein darzustellen.) als allgemeines
38—39 und“ vor“ allem“ bis hervorgehen“
38 1 ist es (nicht mehr schwer) sehr leicht 2—3 die“ Idee“ etc.“ 4 alle (ver¬
schiedenen) diese einzelnen t>—9 Es1 2 ist2 bis können2. 13 nun wieder auf
die (Repräsentanten) Produzenten 15 Die® Denkenden® als® solche,®
17 ausgesprochen wurde. *Das ganze Kunststück also, in der Geschichte die Ober¬
herrlichkeit des Geistes oder, wie Stimer sagt, die Hierarchie nachzuweisen,
beschränkt sich auf folgende drei (Wandlunfgen]) Efforts, deren Halt eine durch¬
aus unkritische Leichtgläubigkeit ist — bei Stirner unterstützt durch* *Die Adop¬
tion der Hegelschen (Herrschaft) Weltherrschaft der Philosophen und ihre Ver¬
wandlung in eine Hierarchie durch (Stirfner]) Sankt Max (wird) kommt vermit¬
telst der gänzlich unkritischen Leichtgläubigkeit unseres Heiligen (zu Stande) und
durch* /[ {21} a]/ *eine „heilige“ oder® heillose® Unwissenheit zu® Stande®,
die sich damit begnügt die Geschichte zu „durchschauen“ (d. h. die Hegelschen
geschichtlichen Sachen durchzuschauen) ohne von ihr viele „Dinge“ zu „wis¬
sen“. Überhaupt müßte er ja fürchten, sobald er „lernte“ — sich nicht mehr „ab¬
schaffend und auflösend“ (p. 96) zu verhalten, also in der „Geschäftigkeit des Un¬
geziefers“ stecken zu bleiben — Grund genug, um nicht zur „Abschaffung und
Auflösung“ seiner eignen Unwissenheit „weiter zu gehen“.* 3
Erstens. Man muß 17—20 Das4 ganze4 bis 34 Efforts4. 21 (Erstens)
No® Iе. Man muß 26 (Zweitens. No® 2®) Man muß (diese) (unter) in diese
(herrschenden Gedanken) Gedankenherrschaft 27 bringen, (den) einen (Zusam¬
menhang) (Gedankenzusammenhang) (logischen) mystischen 28—29 nachweisen,
was (nur) dadurch (geschehen kann) zu Stande 30—32 (dies® ist® bis Zusammen¬
hängen® 32—34 und“ weil“ bis werden“). 35 (Drittens) No® 3®. Um (die
Mystik dieses) das mystische 37—38 um® recht® bis erscheinen®, 40 die“ Ideo¬
logen“, 41 als® die® Herrschenden®
39 3 Zügel schießen lassen.
*(Wenn) Macht“ man wie“ Hegel“ eine solche Konstruktion zum ersten Male
(macht und sie) für die ganze Geschichte und® die® gegenwärtige® Welt® in® ihrem®
ganzen® Umfange® macht(, wie® Beides® bei® Hegel® der® Fall® war”,) so ist dies
nicht möglich ohne umfassende“ positive Kenntnisse (und), ohne wenigstens stel¬
1 Dieser Satz statt des vorhergehenden nachträglich von Engels eingeschaltet und
ebenfalls durch gestrichen
2 Diesen Satz schrieb Marx ohne Einfügungszeichen in die rechte Spalte
3 Marx trennte die vorhergehende Streichung von dem Folgenden durch einen
ungerechten, über beide Spalten gehenden Strich und versah die Seite mit der
No 34 (Vgl. S. 1581—12 unseres Bandes)
4 Von Marx statt des Getilgten eingeschaltet
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt.. Bd. 5 37
578
Beschreibung der Manuskripte
lenweise auf die empirische Geschichte einzugehen (und“) ohne“ (eine"1) gro-
ße(nm) Energie“ und“ Tiefblick. (Wenn) Begnügt"1 man sich (aber damit be¬
gnügt) dagegen“, eine vorhandene (Geschichte-) überlieferte /[{21 }b]/ Konstruk¬
tion zu seinen eignen Zwecken zu exploitieren und umzuwandeln, und diese „eigene“
Auffassung (mit) an einzelnen Exempeln (z. B. Neger und Mongolen, Katholiken
und Protestanten, der französischen Revolution pp) nachzuweisen, (so ist) — und
dies tut unser Eiferer wider das Heilige — so ist (der Rückfatll]) dazu durchaus
keine Kenntnis der Geschichte nötig (und das). Das Resultat dieser ganzen Exploi¬
tation (fällt) (muß notwendig ein so (unstinniges]) komisches sein, wie wir es
bei Sankt Max bisher gefunden haben und noch finden werden. Am Komischsten
wird diese Art die Welt zu konstruieren, wenn sie aus der Vergangenheit in die
unmittelbarste Gegenwart tritt, wie wir davon beim „Sparren“ und sonst schon
Exempel hatten und noch herrlichere Exempel finden werden.) wird notwendig
komisch; am Komischsten, wenn aus der Vergangenheit in die unmittelbarste Gegen¬
wart hinübergesprungen wird, wie wir davon beim „Sparren“ schon Exempel
fanden.* 1
*Was nun die wirkliche Hierarchie des Mittelalters betrifft, so bemerken wir
hier bloß, daß diese für das Volk, für die große Masse der Menschen nicht exi¬
stierte. Für die große Masse existierte nur die Feudalität, und die Hierarchie nur,
insofern sie selbst entweder Feudalität oder antifeudal (innerhalb der Feudalität)
ist. Die Feudalität selbst hat ganz empirische Verhältnisse zu ihrer Grundlage. Die
Hierarchie und ihre Kämpfe mit der Feudalität (die Kämpfe der Ideologen einer
Klasse gegen die Klasse selbst) sind nur der ideologische Ausdruck der Feudalität
und der innerhalb der Feudalität selbst sich entwickelnden Kämpfe, wozu auch
die Kämpfe der feudalistisch organisierten Nationen unter sich gehören. (Also)
Die“ Hierarchie( =) ist“ die“ ideale Form der Feudalität(.—). die“ Feuda¬
lität ( = ) die“ politische Form der mittelaltrigen Produktions- und Verkehrsver¬
hältnisse. ((d.h. das gegenseitige Verhalten der Individuen in ihrer unmittelbar¬
sten materiellen Wirklichkeit) (deren Darstellung also) die in letzter Instanz also
die reelle Basis innerhalb (der beiden herrschenden) sowohl der Feudalität) Aus
der Darstellung dieser praktischen, materiellen Verhältnisse (also) ist also allein
(sowohl die Hierafrchiel) (allein) der Kampf der Feuda/[{21 }c]/lität gegen die
Hierarchie zu erklären; mit dieser Darstellung hört von selbst die bisherige Ge¬
schichtsauffassung, die die Illusionen des Mittelalters auf Treu und Glauben an¬
nahm, auf — namentlich die Illusionen, die Kaiser und Papst in ihrem Kampfe
gegen einander geltend machen.* 1 2
Statt dieser ganzen auf Seite 34 des Manuskripts beginnenden Streichung,
schrieb Marx in die rechte Spalte jener Seite den Text von S. 3910—16 und kreuzte
ihn links an. An die Fortsetzung der Streichung schließt sich auf Seite 35 des Manu¬
skripts unmittelbar an der Text von
39 4—9 Während (man) im gewöhnlichen 10—n und“ warum“ 12 mit d. (ideo¬
logischen Bewußtsein) Illusion d. Ideologen 16 und“ der“ Teilung“ der“ Arbeit“.
9 sich einbildet.
*Da (übrigens) Sankt Max (über die wirkliche®, geschichtliche® Hierarchie
nichts sagt,*)* als daß sie eine sehr „schwächliche“ gewesen sei, womit Nichts ge¬
sagt ist, so haben wir mit dem Obigen bereits zu viel über die Hierarchie gesagt
(und), was übrigens nicht um Stirners willen geschehen ist. (Die) Eine (er¬
schöpfendere) wirkliche Darstellung dieses Gegenstandes, statt der obigen abstrak¬
ten Andeutungen über die wirkliche Darstellung würde man dem (Biederma[nn])
„edlen“ Egoisten Stirner vielleicht geben, sobald er sich den Gegenstand selbst
..aneignet“ und sich nicht mehr damit begnügt. (Phrasen aus) Hegels Abstrak¬
tionen über die Hierarchie und das Mittelalter (sich) auf einige „pomphafte Worte
und armselige Gedanken“ zu reduzieren.* — * (außer) nur Hegels Abstraktionen
über Mittelalter und Hierarchie auf „pomphafte Worte und armselige Gedanken“
1 Von wird notwendig bis hierher von Marx statt der von ihm getilgten Engels¬
sehen Fassung eingeschaltet
2 Statt der mit dem Eingeklammerten beginnenden horizontalen Streichung ist
dieser Satz von Marx aus dem ursprünglichen Engelsschen Text umgeformt worden
(Vgl. S. 15813—1592 unseres Bandes)
Textvarianten
579
reduziert, ist keine Veranlassung gegeben, (von) auf d. wirkliche(n) geschicht¬
liche^) Hierarchie weiter (zu sprechen) einzugehn.* 1
*Aus (der obigen Anleitung eine Hierarchie ä la Stirner zu konstruieren) dem“
Obigen“ geht (übErigensl) schon hervor, daß man das Kunststück auch umdrehen
und den Katholizismus nicht nur als Vorstufe, sondern auch als Verneinung der
wahren Hierarchie fassen kann; so ist also Katholizismus = Negation des Geistes,
Ungeist, Sinnlichkeit, und hierbei kommt dann der große Satz unsres Jaques le bon¬
homme heraus, daß (der Jesuitismus) die Jesuiten „Uns vor dem Verkom¬
men und Untergang der Sinnlichkeit gerettet haben“ (p. 118). Was aus
„Uns“ geworden wäre, wenn der „Untergang“ der Sinnlichkeit zu Stande ge¬
kommen wäre, erfahren wir nicht. (Es ist nicht die) Die ganz materielle Bewe¬
gung^ die mit dem) seit dem sechzehnten Jahrhundert (ein) die „Uns“ nicht (nur)
vor dem „Verkommen“ der Sinnlichkeit rettete, sondern im Gegenteil die „Sinn¬
lichkeit“ viel weiter ausbildete, existiert® für® Stimer® nicht® — es sind die Jesuiten,
die alles das zu Stande gebracht haben. Man vergleiche übrigens Hegels Phil. d.
Gesch. p. 425.* 1 2
* (Kommen wir nun zur Hierarchie des heiligen Max.) Indem (er den) St.“
Max“ die alte Pfaffenherrschaft in die neuere Zeit überträgt, (brauchte er nur
die) hat er damit (das Gesetz) die neuere Zeit als „das Pfaffentum“ auf¬
gefaßt; und indem er diese in die neuere Zeit übertragene Pfaffenherrschaft wie¬
der (nach den) in ihrem Unterschiede von der alten mittelaltrigen Pfaffenherr¬
schaft faßt, stellt er sie als Herrschaft der Ideologen, als „das Schulmeister-
tum“ dar. So ist also Pfaffentum = (Geifstesherrschaft]) Hierarchie als Geistes¬
herrschaft.* 3
Im Manuskript fehlen hierauf die Seiten 36, 37, 38 und 39, die von dem Engels¬
sehen Bogen {83} gebildet wurden. Die Fortsetzung der letzten Seite dieses Bogens
{83} bildet die erste Seite des Bogens {84} — in unserm Bernde
55 з funden wird, von Marx als Seite 40 bezeichnet. 10—n (das“ Wasser“ etc.“)
14 unter (die Arbeit) ein Produkt der Arbeit. 16 naturwüchsige Herrschaft (des
EigentEumsl), im zweiten 19 der® Boden® selbst® 21 den Austausch zusammen
(gehören) gehalten werden. 26 reicht der (gewöhnElichel) durchschnittliche
29 Arbeit praktisch® vollzogen 30 Nichteigentümer (eine rein persönliche) auf
31 auf® bis beruhen®, 35 Produktionsinstruments (; im zweiten Falle), und daher
ohne (TEeilungl) Verteilung
56 6 in der großen Industrie (tritt) ist der Widerspruch 7 Privateigentum erst(,
wenn sie bereits entwickelt ist, hervor.) ihr Produkt, 9 erst möglich. —4 Hierauf
folgt im Manuskript
39 19 Die größte Teilung 26—27 des® Gemeindewesens0 und® damit® der 27 Hier
(zeigen sich zuerst die beiden großen Klassen) zeigte sich 36 die® Teilung® der®
Arbeit®, unter®
40 15—16 hat. (Kommen wir jetzt auf unser Beispiel.) In den Städten, 23 Leib¬
eigenen, (die Notwendigkeit) der fortwährend 26—31 die® Notwendigkeit® bis er¬
lernten® Arbeit® (gegen*) 33—35 Wir® haben® bis einzugehen®. 39—40 machtlos
waren (und mit der Stellung vorlieb nehm [en mußten!), worin sie sich 44 die®
erlernt® werden® mußte®,
41 7 und® Verteidigungsmittel® 10—11 kriegsmäßig gerüsteten (Macht unorga[ni-
siertl), sie eifersüchtig 14 am besten entsprach; (sie) (die Gesellen des ein)
(sie waren unter sich wieder zersplittert, indem die Gesellen der verschiedenen
Meister innerhalb eines und desselben Handwerks wieder gegenüberstanden; das)
das patriarchalische 27—29 Die® großen* bis total® erfolglos®. —4 Hierauf folgt im
Manuskript
42 4—13 Das Kapital bis ständisches Kapital. —4 Hierauf folgt im Manu¬
skript
41 30 Die (Arfbeitl) Teilung der Arbeit
1 Von (außer) nur bis hierher ist der Text von Marx geschrieben, als Ersatz für
die von ihm gestrichene Engelssche Fassung
2 Dieser ganze Absatz von Engels nachträglich eingeschoben
3 Hier bricht der Text ab (Vgl.S. 159 3— 28 unseres Bandes)
4 Ein langer Trennungsstrich vor dem folgenden Absatz
37*
580
Beschreibung der Manuskripte
42 4—« war ein (spe[zifisch]) naturwüchsiges (spezifisch ständisches) Kapi¬
tal, das in (einem Hause) der Wohnung (und), den Handwerkszeugen und” bis
Kundschaft* 8 auf den Sohn forterb(te)en mußte.
41 36—37 der* Mangel® bis Bedürfnisse* ließen keine weitere*
42 3 unter sie subsumiert. —1 Hierauf folgt im Manuskript
42 14 Die nächste Ausdehnung 16 Kaufleuten, eine (Teiltung]) Trennung,
17 u.” A.* mit® den* Juden*) 19 den (unmittelbaren) nächsten Umkreis 23 be¬
kanntlich* 24—25 jedesmalige® 28 durch® die® Kaufleute® 29 hinaus, (mit dem )
(tritt) tritt (die Verbindung]) sogleich зо—31 Die Städte treten (aus ihrer Iso¬
lierung heraus, verk) mit einander in (Verkehr) Verbindung, (die Produk¬
tionsinstrumente) (eine) es werden 36—37 aufgelöst zu werden. —1 Hierauf
folgt im Manuskript
43 35 Es hängt lediglich von der Ausdehnung des Verkehrs ab, (inwiefern) ob
40 Lokalität (neu) besonders gemacht werden, und (ob nun) bloße
44 1 hin, (eine Masse gewonnener Produktivkräfte und Erfindungen (auf lange
Zeit) und Bedürfnisse auf lange Zeit wieder) ein Land 4—5 Wie wenig (eine>
ausgebildete Produktivkräfte selbst bei einem (ziemlich) verhältnismäßig
6—7 sicher sind, (beweist die Geschichte der Phönizier) beweisen die Phönizier,
und“ die“ Glasmalerei“ im“ Mittelalter“, deren Erfindungen 9 Verfall (dieser
Nation) auf lange Zeit 11—12 geworden ist, und (ein Konkurrenzkampf aller
Nlationen]) die große Industrie 18 und® später* in Flandern® 25 teils® in* den*
Zünften* 25—26 teils® bei* den* Kaufleuten® 36—37 Akkumulation* und* Mobi¬
lisation des (Kapittals]) naturwüchsigen Kapitals
45 1—3 Neben den (weben[den]) zum Selbstgebrauch webenden Bauern, die
(noch immer) fortbestehen blieben und noch (selbst) fortbestehen, kam eine neue
Klasse von (Export) Webern 13—14 war (das (Eigen[tum]) Kapital der) durch
das 23—24 hatten. *Mit der Manufaktur veränderte sich ebenfalls das Verhältnis
der Arbeiter zum Arbeitgeber. An die Stelle des patriarchalischen*
(Die) Mit dem Anfänge 26—27 Gefolgschaften (und), die Entlassung der zu¬
sammengelaufenen* Armeen, die 28—29 durch* bis Viehweiden*. зо genau mit
(dem Aufhötren]) der Auflösung
45 39—46 2 Mit* der* Manufaktur* bis politische® Bedeutung®.
46 11 und® überhaupt* bis Produktion® 14 Die (neuen Märkte, die) neuen,
17 und dem feudalen® Grundeigentum und® den® Arbeitern* 20—21 riefen (Be¬
dürfnisse]) eine neue
47 2—4 Privilegien(, die natürlich nicht gegen inländische, sondern nur gegen5}
nicht entbehren, die natürlich nicht nur gegen inländische, sondern hauptsächlich
gegen 5—11 Prohibitionen (und Schutzzöllen) auf die ganze Nation erweitert.
Die* Zölle® bis Geld* zu* bekommen®. — Die (Entdeckung) Erscheinung ie Der
Staat, der des Geldes (nicht mehr) täglich weniger 27 und* die* Schiffahrt*
23—30 spielte; (der sich öffnende Weltmarkt wurde von den einzelnen Nationen
akkapariert. die sich um seine Exploitation stritten. Diejenige Nation]) die® Kolo¬
nien® bis Weltmarkt®. 33 Traktate (und in letzter Instanz durtch]) möglichst
34 wurde® der* Konkurrenzkampf® 35 Seekriege) (beseitigt) geführt® und® ent¬
schieden®. Die (im Seeehandel) zur® See® 36—37 im® Handel® bis Ein® Land*.
39 im® Kolonialmarkte® durch® Monopole®
4743—481 die* Ausfuhr* bis England*
48 4—5 Ausdehnung der (Industrie) Manufaktur. Die (kleine) Manufaktur 6 di
sie (unter ungünstigen Bedingungen eben) durch 11—12 einer (Nation) großer
17—18 und daher (die Herrschaft dietser]) der Einfluß 20-21 die Manufacturien
(bekamen ihren) verlangten 23—24 einigermaßen® 25 Vgl.* Aikin* pp.° 29 e:
de marine.“ Hierauf folgt im Manuskript
48 33—34 — 1 Die Bewegung bis Vgl. A. Smith. — 1 35—37 Nation ausge(geschlos-
sen)beutet wurde, die® bis unter* sich*, 43—44 bleiben sie (Spießbürfger]) Klein¬
bürger. Vgl. A. Smith — 1 Hierauf folgt im Manuskript
48 30 Diese Periode
1 Ein langer Trennungsstrich vor dem folgenden Absatz
Textvarianten
581
48 32—492 Aktien*- und Fondsspekulationen, (und) der Agiotage in allen Artikeln
(überhaupt) und” der® Ausbildung* des® Geldwesens* überhaupt.
49 7—8 einen relativen® Weltmarkt(, soweit ein) und damit 18—20 (die* durch*
bis Wissenschaft®) 24 das® seine® bis wollte® 29—31 (sie® ist* bis Handelsfrei¬
heit*), stellte die® Kommunikationsmittel und® 32 Weltmarkt her (und erzeugte
die rasche Zirkulation (der Kapitalien, (die Abhängigkeit]) damit) und (und
Zentralfisation]) Konzentration der Kapitalien), unterwarf® sich® den® Handel®, ver¬
wandelte 41—42 bisherige® naturwüchsige® Ausschließlichkeit
50 4—5 und® löste® bis Geldverhältnisse® auf®. 14—18 Diese* Produktivkräfte* bis
Anwendung® kommen®. 21—22 jeder Nation (durch) noch aparte nationale Inter¬
essen (gegen andre Nationen) (noch ein) behält, (schafft) schuf 24—27 eine*
Klasse®, bis selbst® unerträglich®. 28—30 Industrie nicht (in (allen Ländern) jedem
Lande und nicht) in jeder Lokalität(en) eines Landes zu derselben Höhe der Aus¬
bildung kommt(, aber): Dies (übt) hält indes (auf) die Klassenbewegung des
Proletariats (keinen) nicht auf, 35—39 Ebenso® bis hereingerissen® sind®. (, indem
dadurlch])®
51 4 geworden war. Hierauf folgt im Manuskript — 1 und danach
63 24—36 Dieser Widerspruch bis machten 28 wobei er (sich in verschiedenen
Gestalten, als Kollision verschiedener Klassen, als Widerspruch des Bewußtseins etc.
mit reproduzierte.) zugleich verschiedene 32—33 sie als die (eigentliche) Basis
36 Illusionen machten. Hierauf folgt im Manuskript
63 13—23 —1 2 Alle Kollisionen bis gebracht). Hierauf folgt im Manuskript
50 40—51 36—38 — 2 (Wie die) Die Konkurrenz bis Kopf schlagen sollen.
50 41 sondern (auch) noch mehr
5042—5136—32 diese Individuen (wieder vereinigt werden) sich vereinigen, abge-
sehn® bis erst® hergestellt® sein® müssen®.
51 37 existieren soll (und) oder daß die Individuen (sich) Verhältnisse, über
(denen) die 38 schlagen sollen. Hierauf folgt im Manuskript —2 und danach
1830—1937—11 Häuserbau. bis sich von selbst. Hierauf folgt im Manuskript —? und
danach
65 36—40 3[Der bei bis existiert habe.] 3 Hierauf folgt im Manuskript
42 38—43 34 Die Bürger bis mehrere Male angedeutet. —
42 41 führte (zu der (Assoziatfion]) Vereinigung mehrerer Städte, die in der
Gleichheit der Interessen gegenüber dem Feudaladel ihren Grund hatte.) die ein¬
zelnen Städte
42 45—431 Die Lebensbedingungen der (Einzelnen) einzelnen Bürger wurden durch
(die Vereinigung dieser Einzelnen zu den gemeinschaftlichen Existenzbedingungen
einer Klasse.) den Gegensatz
43 2 die davon® bedingte® Art 4—8 Die® Bürger® bis bedingt® waren®. 15 be¬
sitzenden® 16—18 (während® bis entwickelt®) 26—27 und® damit* ihre® Persön¬
liche® Entwicklung® 33—34 angedeutet. —2 Hierauf folgt im Manuskript
65 1—15 Wenn man bis durchzusetzen hat. — 1—3 Wenn man diese Entwicklung
der Individuen in (den (gegebfenen]) ihnen) (ihren teils gegebenen, teils durch
weitere Ausbildung der gegebenen Existenzbedingungen philosophisch betrachtet)
den gemeinsamen Existenzbedingungen der (Klassen) geschichtlich® aufeinander¬
folgenden® Stände und Klassen 15 mehr durchzusetzen hat. — (, eine Klasse, die)
Hierauf folgt im Manuskript — 2 und danach
63 37—6414 Die Verwandlung bis ihre Freiheit.—
6З42—641 und® die® bis aufheben®. Dies (kann) ist® ohne die Gemeinschaft (nicht
geschehen, und die durch sie gegebene vollständig freie Entwicklung des Indi¬
viduums unmöglich. In der Gemeinschaft ist erst) nicht® möglich®. Erst in
64 4 In den bisherigen (scheinbaren) Surrogaten® der® 13—14 In der wirklichen
Gemeinschaft (haben) erlangen die Individuen in und durch ihre Assoziation zu¬
gleich ihre Freiheit. — 2 Hierauf folgt im Manuskript
1 Ein langer Trennungsstrich
2 Ein dicker Trennungsstrich zwischen dem vorhergehenden und dem folgenden
Absatz
3 Die eckigen Klammern von Marx
582
Beschreibung der Manuskripte
6516—6714 Die Individuen bis durchzusetzen.
65 21 der (historisfchen]) gesellschaftlichen 27 bedingt und (modifiziert) be¬
stimmt, 34—35 die* Zufälligkeit“ bis In[dividuume] tritt
66 5 freier* als* früher“, 11—13 ihre Existenzbedingung, das Mobileigentum
(als etwas, das) und* die“ Handwerksarbeit“, die* schon vor ihrer Trennung vom
Feudalverbande latent existiert (hatte, und nahm daher als etwas Positives) hatten,
als etwas Positives 15 die feudale Form in (seiner) ihrer* Weise an. 29—30 und
worüber ihnen (die) keine gesellschaftliche Organisation eine Kontrolle
geben kann,1 30 und der (Gegensaltz]) Widerspruch
67 4 in die andre stellen. — 1 2 Hierauf folgt im Manuskript — 2 und danach
66 32—<3 NB bis zu erwerben. — Hierauf folgt im Manuskript — 2 und danach
67 4—14 Während bis durchzusetzen. 8—9 um* persönlich* bis zu® kommen®,
9—10 die® zugleich® bis Gesellschaft“ ist®, 12 der die Individuen* der* Ge¬
sellschaft
13—14 um (zur Herrschaft) ihre* Persönlichkeit* durchzusetzen®. Hierauf folgt im
Manuskript — 2 und danach
64 15—43 Es geht bis Verkehrsformen. — 15—16 hervor, daß (die Individuen, die
sich in jeder geschichtlichen Epoche befreiten, nur ihre bereits vorhandenen, ihnen
gegebenen Existenzbedingungen weiter entwickelten.) das gemeinschaftliche
16—17 einer* Klasse* traten®, und® das* durch 19—21 Durchschnittsindividuen
angehörten*, nur soweit sie in den Existenzbedingungen ihrer Klasse lebten (ange¬
hörten, nicht aber eine Gemeinschaft, in denen sie als), ein Verhältnis, 31—34 durch*
ihre* bis geworden* war“, 35—36 (keineswegs* bis notwendige“) 36—38 (ver¬
gleiche* bis Republiken“) 43 Verkehrsformen. — Hierauf folgt im Manuskript
— 2 und danach
6015—6312 Der Kommunismus bis erhielten).
60 19 der bisherigen (Individuen) Menschen 22 materielle (Einrichtung) Her¬
stellung 25 Basis zur* Unmöglichmachung* 26 unabhängig (und doch aus
bestehenden, 28 Die Kommunisten (verhalten sich) behandeln 31 oder* die*
Bestimmung* 34 /{89)60/ (Das persönliche) Der Unterschied zwischen persön¬
lichem
61 15 die Erzeugung (oder) wie* die* 17—18 (widerhaariges* bis hominem*).
24 unter bestimmten (Bedingungen) Verhältnissen*
62 16—24 Hieraus* folgt®, bis zu® brechen® ist®.
63 9—10 schon* um® bis zu® sichern*. 11—12 wo sie die (vollständigste]) voll¬
endetste Form der feudalen Organisation erhielten). — Hierauf folgt im Manuskript
12 34—1319 [3 Dieser ganzen bis unterbrochen werden konnte. — 4
12 35—36 den” Krieg®, Plünderung®, Raubmord® pp®
13 4—11 (verursacht® außer® bis verursacht® wurde®), 19 unterbrochen werdet
konnte. — Hierauf folgen im Manuskript — 2 und danach
54 4—37 Es ist nichts bis (Karl der Große pp). 8 Bei dem Nehmen durch'
Barbaren® 12 Vereinigung und (ihrem Zusammenwirken, soweit dies möglicE
ist,) dem Gemeinwesen beruhen. 13—14 Das ine Papier® bestehende® Vermöget
27—28 von den (romanisierten) Eroberten 37 (Karl der Große pp) Hierauf folgt
im Manuskript die Angabe fortzufahren — darauf — 2 und danach
56 10—З8 In der großen Industrie bis dieser Zersplitterung 14 für® die® Indi
viduen® 15—22 Also® liegt® bis capitaux® entgegen®. 25—26 gegenübertritt, (zeig;
sich als Notwendigkeit) entwickelt sich 31 Werkzeuge® und® Materisdien'
32—34 und® damit® bis Eigentums® selbst®. 36—37 dieser Zersplitterung. Hieraw
folgt im Manuskript — 2 und danach
62 40—45 (Persönliche Energie bis sitzen geblieben). Hierauf folgt im Manuskript
—2 und danach
1 Diese 11 Worte von Marx hinzugefügt
2 Ein langer Trennungsstrich
3 Eckige Klammer von Marx
4 Vgl. Streichung S.1233
Textvarianten
583
56 39—598 Es zeigen sich bis zu verwandeln.
57 28—29 (welche® die® jetzt® bis Selbstbetätigung* ist®), 31 Es ist also jetzt
soweit gekommen, daß die (zu einer Totalität entwickelten und mit einem uni¬
versellen Verkehr zusammenhängenden Produktivkräfte gar nicht mehr von den
Individuen angeeignet werden können,) Individuen sich die 39 Charakter haben.
(Sie ist ferner bedingt durch die Individuen, die diese) Die »Aneignung
58 1 Selbstbetätigung vollständig® ausgeschlossenen 16 und® das® Eigentum*
unter® Alle*
59 8 zu verwandeln. — 1 Hierauf folgt im Manuskript
2538-26 12 Die bürgerliche Gesellschaft bis bezeichnet worden.
26 3 sich® geltend® machen*. 11—12 bildet, (kann indes ebensogut mit diesem
Namen bezeichnet werden) ist indes fortwährend mit demselben Namen bezeich¬
net worden. —1 Hierauf folgt im Manuskript
515—543 Verhältnis von Staat und Recht zum Eigentum1 2.—
Die erste Form bis aufzunehmen.
51 10—17 Bei® den® antiken® bis ex® jure* Quiritum”). 10 Bei den antiken Völ¬
kern ((besonders Rom und Sparta)) erscheint, 16 (Sklaverei* und® Gemein¬
wesen®)
52 10 Interessen notwendig* geben. 13 Ländern (überwundenen) beseitigten*
16 Dies ist (nur) namentlich 24—25 und* die® ganze* bis zusammenfaßt*,
33 industrielle* und® kommerzielle® 34 dieselbe blieb (und diese Entwicklung
nicht (von einer) durch eine (Entwicklung) Ausdehnung der Industrie und des
Handels herbeigeführt wurde). Bei den 36 begann mit (der Entwicklung) dem
Entstehen
53 16—17 auf dem bloßen (Willen) Privatwillen®, der® willkürlichen® bis Sache®
22 Verkehr, und® bis Recht® zu einer Sache (wird), zu 28 durch die Konkurrenz
die (Grundrente) Rente 31 nichts damit anfangen, (sein Eigentum nutzt ihm
zu Nichts,) er besitzt 32—33 um (den) seinen Boden 34 es sich, daß (alle
Verhältnisse, in (die) welche® Individuen unter einander treten, für den
Juristen für ganz (zufällige) willkürliche Verhältnisse) es für sie und® für®
jeden® Kodex® 35—36 z.® B.® Verträge®, (und® daß* der® Inhalt® der* Verträfgel®)
und daß ihm diese Verhältnisse für® solche® gelten*, (die* er®) 37—38 /t'.^;72/
[kann] (die also) und* deren® Inhalt® ganze
54 3 die Eigentumserwerbsarten aufzunehmen. Hiermit bricht der Engelssche
Text ab. Darauf folgt im Manuskript
536 4—53713 alles von Marx geschrieben
536 17—18 das Wahre. (2) kömmt hinzu, daß diese Kerls) Über den Zusammen¬
hang 21 Verhältnisse werden in der (Wirklichkeit) Jurisprudenz,
537 5 von sich aus. (Wie kömmt es, daß sie unter) Ihre Verhältnisse 7—8 daß
die (v[on] ihnen) Mächte ihres eignen Lebens (als Mächte) übermächtig 9 die
Teilung der Arbeit (Naturwüchsige), deren Stufe
C. „Das Leipziger Konzil“ /71—72/.
Dies Ms., von Engels auf die linken Spalten der drei ersten Seiten eines Folio¬
bogens nieder geschrieben, ist eine Reinschrift. Paginierung fehlt.
71 16 alias Absoluten (verhandelt) plädiert wird,
Nach S. 72 45 folgt:
*Im Hintergründe erscheint Dottore Graziano, alias Arnold Rüge, unter dem
Vorwande eines „ungemein pfiffigen und politischen Kopfes“. (Wigand, p. 192).*
D. „II. Sankt Bruno“ /S. 75—94/.
Dies Manuskript ist eine von Engels angefertigte Reinschrift. Der Text ist in
die linken Spalten der Foliobogen geschrieben. Die Paginierung stammt von Marx.
75 4 (Kampf) I.® „Feldzug®“ gegen Feuerbach
76 9 gleich den ersten (Satz) Passus“ 10 Reiche Gottes (eröffnet):
1 Ein langer Trennungsstrich
2 Vgl. S. 3341—34617 unseres Bandes
584
Beschreibung der Manuskripte
77 з Widerspruch (mit seinen beiden Bestandteilen) und behauptet 9—n wie®
statt® bis dieses® Selbstbewußtseins® 15—17 da® er® bis versieht*.
19—20 den wirklichen (Dingen) Menschen® und® ihren® Verhältnissen® 25 Boden
aus und (hält ihn so sehr für den einzig geeigneten Kampfplatz, daß er die
Frage über das Verhältnis „des Selbstbewußtseins“ zum „absoluten Geist“ immer
noch für eine Röchst wichtige, entscheidende Frage hält.) steht selbst
30 längst (präexistierende) antizipierte* 36 Stirner als (sein,) B r u n о s(,)
Machwerk 40—41 Ur®-Original
78 11 Selbstunterscheidung (im Detnken]®) des* Menschen® im* Denken*
27 (obwohl Bruno (nie etwas Anderes getan als) stets“ das 42—із hervorgeht,
(welchen Felsenglauben) wie* felsenfest* 44—45 eine* neue* bis Verhältnisse*,
80 9 sogar sein (Wille) Magen® 40 außer ihr voll(zieht)zogen“,
81 1—5 Bruno“ greift“ keineswegs“ (Feuerbachs“ höchst“ bornierte“ Weise“
an“) die“ bis Sünde“. 27 Fleischliche(, die keinen Geist haben). Diese
83 18 wirkliches Wesen“ (sei) wäre“), 28 dann auch (für ihn), daß
(er) St.“ Bruno“ 30 Inhalt (des Materialismus) ihrer* Weltanschauung* 31 St.“
Brunos“ Betrachtungen
84 5 (Daß der Kritiker) Der Heilige Bruno“, das 19—21 Über* diese® bis seien*.
26—27 der sogar (ein spezifischer Geruch) als“ odor“ specificus“ der Massen (war)
galt“, akzeptiert er p. 129 von Stirner den (Egoisten) Egoismus“, 39—40 zwischen
(Bruno Bauer und der Masse) (Bruno Bauer), dem* Kritiker* Bruno“ Bauer“
und® dem* Dogmatiker* zieht,
85 21—22 Milch habe ich Euch zu trinken gegeben(“, d. h. Humanismus, „) und
nicht Speise(“, d. h. Kommunismus, „), denn Ihr konntet noch nicht.“ 1. Kor. 3,
1—2. Hierauf folgt im Manuskript als neuer Absatz:
*Wenn der Kommunismus1 an die Stelle des Spiritualismus (der keine
Stelle hat) gesetzt wird, träumt der heilige Bruno und läßt er die V[er]f[asser]
der Heiligen Familie träumen, „müsse wohl das Heil gekommen, die Erde zum
Himmel und der Himmel zur Erde gemacht sein. Dann tönt in himmlischen
Harmonien Freud und Wonne von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ p. 140. /[5al / Der heilige
Kirchenvater (beweist“ durch“ diese“ Stelle“(, da) nichts“, als“ daß“ er“
aus“ nicht“) wird sich doch sehr wundern, wenn der jüngste Tag, an dem sich dies
Alles erfüllet, über ihn hereinbricht, ein Tag dessen Morgenrot der Widerschein
brennender Städte am Himmel ist, (und an dem) wo“ Kanonendonner und das“
Schlachtgeschrei der verruchten“ Masse die „(Wonne) Freud und Wonne“ der
Ideologen in ihre Hosen jagen wird. Wir (enthalten uns des Vergnügens) ver¬
zichten“ auf“ das“ Vergnügen“, das Verhalten Sankt Brunos an diesem jüngsten
Tage а priori zu konstruieren. Es ist auch wirklich schwer zu entscheiden, ob
die proletaires en revolution als „Substanz“, die gegen das „Selbstbewußtsein“
rebelliert, als „Masse“, die „die Kritik“ stürzen will, oder als „Emanation“ des
Geistes, „der indes noch zur Verdauung“ Bauerscher Gedanken „nötige Konsi¬
stenz abgeht“ (siehe B. Bauers Religion des alten Testaments) gefaßt werden
müßten. —* 1 2 Hierauf folgt im Manuskript
23 Der erste Eindruck,
86 34—35 die (die „Entfaltung) das“ „Leben“ der Menschheit“ (hindert) nieder¬
hielten“,
89 4—8 „in dessen bis Tätigkeit ist“? 3
90 0—10 durch“ ökonomische“ Verhältnisse“ erzeugte“
91 10 Aus der (Erörterung) Beleuchtung® 17 wie (ihm) sein Vorgänger
45 Schließlich läßt (Herr) Sankt® Bruno
92 23 Disparateste in einen (angeblichen) vorgeblichen® 33—34 für“ dessen“
bis übernehmen“,
93 7 durch“ einen“ Umweg™ 11—20 daß die „wahre“ (1) bis (12) „noch nicht5
27 von ,Auferstehen“ spricht, (was allerdings eine überflüssige Konzession an die
Phrasen der Philosophen war,) so setzt
1 Über Kommunismus schrieb Marx reale Humanismus
2 Vgl. Streichung S.6O11, S. 544 unseres Bandes
3 Vgl. Streichung S. 2712, S. 573 unseres Bandes u. Note
Textvarianten
585
94 29—30 Sankt Bruno (würde) wäre“ für das weibliche Geschlecht allerdings
gefährlich (sein), da er die 34—35 Blumen brechen, sondern sie (nach der „un¬
widerstehlichen Persönlichkeit“, die „dieses einzige Geschlecht) verwelken lassen
38 besitzt“. Hierauf folgt im Manuskript
* (5. Sankt Bruno auf seinem „Triumpfwagen“.)*
* Ehe wir unseren „siegreichen und siegsgewissen“ Kirchenvater verlassen,
treten wir für einen Augenblick unter die gaffende Masse, die ebenso eifrig
herbeiläuft, wenn er „auf seinem Triumpfwagen fährt und neue Triumpfe sam¬
melt“, als wenn der General Tom Thumb mit seinen vier Ponies eine Diversion
macht. Wenn wir einzelne Gassenlieder (dabei singen) brummen® hören, so „liegt
es doch im Begriff“ des Triumphats „überhaupt“, mit Gassenliedern empfangen
zu [werden.] * 1
E. „III. S а n k t M а x“ /S. 97—428/.
971—1122 Der Text liegt in Weydemeyers Handschrift vor.
99 16 „Gott“ (in) und“ „der
102 17—18 Hand- und (Schul)Schubdienstem
103 8 Verwandlung des“ Strebens 40 Du mir als vollendeter (Geist) Mathe¬
matiker
104 24—25 (ein Interesse der“ Befriedigung
105 18—19 leibhaftig. — Abermalige“ Eskamotage (No 2). 34 dessen wirk¬
liche“ Macht
108 8 der Mann als“ negative
111 16—20 Zweite“, historische“ bis Idealismus“, Mann“).
112з—1424 Der Text liegt in Engels Handschrift vor
112 2—3 „Diew Besessenen“".
/{6}/(3. Negative Einheit)
A. Reine unreine Geistergeschichte.
37 = Neger, Kinder®, Katholiken,
113 12 Philosophen selbst (— ein Glaube an die Spekulation, der allen Glauben
übersteigt). Seine 14—16 wird (hier in ein) ine der® Hierarchie® zu® einem®
gegenwärtig wirklich (existierendes) existierenden Verhältnis, (als) zur Welt¬
herrschaft der Ideologen (vorgestellt) (verwandelt).
114 14—19 1. Es® können® bis Realismus® sind®. —®
116 25 Bewährtheit“ (in seine Einzige Geschichte hinein). Wenn wir
117 31—33 Schwanz an. (Hier folfgt]) (Er läßt) Folgen® sogleich noch ein paar
Exempel dieser (auf einer) kindlichen Leichtgläubigkeit (beruhenden Methode
folgen.):
11745—1181 /8[6a]/ Rechte hätte (er) St.“ Max“ sogleich
118 11—12 Die (wirkliche) faktische Unwahrheit 39 Skeptikern über (in denen
er die Vollender der von Sokrates angefangenen Arbeit entdeckt.) Er entdeckt
in ihnen 41—43 folgt, namentlich“ die enzyklopädische Wissenschaft des Ari¬
stoteles (und ihre Weiterbildung in der alexandrinischen Schule entstfand])
existiert
119 19—21 Neuakademikern und Skeptikern /[6c]/(, bei Jedem von denen er eine
verschiedene Gestalt ist.). Jede® dieser® bis Geschlecht®“ hat®. 29—30 und (daher
auch) an die Stelle
120 18 Material durchzuführen, (wo dann notwendig allerlei, was ohne einen
Geisterapparat,) und 26 erlaubt ist, sich (über alle bestehenden Gesetze und
Vorstellungen hinwegzusetzen. Z. B. Blutschande zu begehen, den Eid zu
brechen etc. etc.) in jeder 39—40 Philosophie haben. (Das Einzige, was)
/[{8}al [7a]/ Wir hören nur von ihnen (hören, ist,) daß Horaz!
121 5—6 ev&vuia — (Frohsinn) niederdeutsch® Wellmuth®) 14—15 Aristoteles
ist und® bis Laertius®, 18—25 Griechen war — daß (bei ihm die uns ohnehin
1 Fortsetzung fehlt, da das zweite Blatt dieses Bogens 9 abgerissen wurde
586
Beschreibung der Manuskripte
wenig bekannte Ethik von viel untergeordneterer Bedeutung ist, als die Natur¬
philosophie —) seine® kaum* bis (Dalton® usw.®) — Alles das 21 per abusiun
Philosophie genannt werden (können) (dürfen), (und) weil 22 nur eine (phy¬
sische) physikalische 30 [ {8}bl [7b]/ wispert (und sich selbst beschaut), nur
wie
122 5—6 social ( ovvOqxrj )(, i.“ e.m einem Konkurrenzverhältnis“) beruhe.
21—24 des* Schweins®, behalten, weshalb* bis 1688е). 31—39 So0 kommen* bis
p.®327®. 42—<4 Hierbei® bis (ibid.*).
123 12—13 der letzten antiken (Philosophen (zu) für die alte Geschichte und
die Auflösung) Philosophien während der 13 zu würdigen (und zugleich ihreX,
hätte (der heilige) Jacques
23—24 zu amüsieren. *(. Sie (waren) wurden); gerade wie die französischen Aristo¬
kraten nach der Revolution die Tanzmeister von ganz Europa wurden, und wie
die englischen Lords bald (zu den Stallknechten) als die Stallknechte und Hunde-
fütterer(n) der zivilisierten Welt (herabsinken werden.) ihre rechte Stelle finden
werden.*
Wollte übrigens 27—28 auflösen lassen mußte, (die nichts weiter sind als)
deren® Philosophie* nichts weiter ist®, als die phantastische Zusammenfassung
31—32 sich auflösen.
*Stirner hätte uns dagegen zeigen müssen, wie das Griechentum selbst nach
seiner (politischen und philosophischen) Auflösung noch eine lange Zeit fort¬
existierte — wie neben ihm die Römer zur Weltherrschaft kamen, was sie über¬
haupt in der Welt taten, wie das Römertum sich entwickelte und zerfiel und
endlich Griechentum und Römertum idealistisch im Christentum, (real) materiali¬
stisch in der Völkerwanderung zu Grunde gingen.* „Stirner®“ hat® bis p. 186)*.
34—36 (Folgte ursprünglich unmittelbar auf das Getilgte:) Statt uns (aber) zu
sagen, w i e „das Altertum“ (mit der) zu* einer* Welt der Dinge kommt* und*
mit® ihr* „fertig“ wird, läßt (er) der“ unwissende“ Schulmeister“ es durch
124 1 Dinge“ (sich verklären) vertilgt* bis Geistes®, 9—15 Ebenso* bis
„Lüge*“ ist.
17—25 Das® „Einzige*“, bis besser* gehen®.
125 12—13 Epochen und® die* bis diese* Illusionen® werden treulich geglaubt.
30—31 —* „die® bisherige® bis p.®422* —* 40 gibt (er) Sankt* Max* 41 p. 230(,
das wir hierher ziehen müssen):
126 26—27 Tieren (gibt) zuschreibt.
Konstruieren wir auch einmal (nach Stirner) äe la® Sankt Max. 38 des® Code*
Napoleon®
127 7—8 oder auch die (Usurpation der) /10а[9а1/ Proklamation 18 wie* bei®
den* Alten*: 22 vgl.* bis p.® 128*), 24 (Hegel®, bis 227®), 26—27 vgl.® bis
24Г) 35 Hegel*, bis 229*), 36 Luther und (B. Bauer) Hegel* 40 gebracht,
einem* Satze*, den
128 8—11 Und* an® bis 6*. — Der Apokalyptiker 24—25 gerade® wie® bis Zeit*“
war*. 27 zehn (Urteilen) Thesen bewiesen 30—31 (erst® bis Welt*);
129 7—8 als — Geister“. P. 38—39.
* (These 1—9) Von These 1—9 behauptet jeder Satz dasselbe, und endlich
in These 10 bringt ein „Aber“ uns „die Geister“ herein, nachdem bisher nur
„der Geist“, „Geistiges“, und „eine geistige Welt“ vorgekommen waren. „Die
geistige Welt“ wird vom ersten Satze an wieder als existierend angenommen,
statt aus „dem Geiste“ entwickelt zu werden. (Nachdem) (Sankt Max scheint
auch die Mangelhaftigkeit seiner Argumentation gefühlt zu haben und gibt p. 41
eine neue Deduktion (für) dieser geistigen Welt, die aber noch viel mangel¬
hafter ist.) Das ganze Resultat ist, daß in der letzten These dasselbe wiederholt
wird wie in der ersten: nämlich, daß der Geist nur ist, indem er sich eine
geistige Welt „schafft“, oder daß die Schöpfung einer geistigen Welt durch den
Geist die — Selbstschöpfung des Geistes ist, die aber zugleich als Schöpfung
nicht von bloß Geistigem, sondern auch von Geistern gefaßt wird.*
*Die Selbstschöpfung des Geistes wird uns p. 41 nochmals in einer neuen
Wandlung vorgeführt. „Der Geist ist nur, indem er Geistiges schafft“. Was ist
nun seine erste geistige Schöpfung?* Hierauf folgt
8—14 Die® „geistige* Welt®“ bis gewesen* war*. 21 (ibid). (Der Geist ist wie Gott,
Textvarianten
587
der sich aus Nichts schafft. Der heillose Stirner ist die Schöpfung aus Nichts noch
nicht einmal los.) „Hat er diese
34 Der heilige Eskamoteur unterstellt (den Geist, um (zu) ihn geistige Schöpfun¬
gen (in letzter Instanz Geister) (produzieren]) hervorbringen zu lassen), daß
40 Entwicklung Dessen, was (Stirner) Sankt® Max*
130 9 von (Stimer) Sankt* Max® zu Szeliga 12 Geist schafft(, keineswegs
um die). Sankt® Max0 macht* hieraus® die® 16—17 der® sich® bis auftreten® darf”,
18 imponieren? (Stirner) Sankt® Max®
131 31 (aus (Nichts) Etwas 40—11 d.m h.m er* habe® bis zu® spielen®.
132 13—14 Ein® Andrer* bis Arago*. 19 Geist überhaupt, und (das Streben
z. B. des achtzehnten Jahrhunderts, geistreich zu werden, (als) mit der Ertötung
des Fleisches und christlichen Selbstverleugnung zu identifizieren.) die frivole
33 Szeliga“, d.“ h.“ 35—36 Wort; (da) obwohl dies jetzt (nach Feuerbach) kein
133 9—12 Jetzt“ (handtelt“]) fragt“ bis als“ er“ selbst?
134 23 „die® überall® Götter® sahen®“, 35 empirischen (Verhältnissen) Bedin¬
gungen* 41 warum (und inwiefern hieraus) die Vorstellung 42 im® Mittelalter®
135 g—9 Menschen und ihrer Welt (die ganze) nur® in® der* Verwandlung®
der® ganzen* Weltgeschichte in den (bloßen) Leib 16 „dem Gegenstände“ (ver¬
wandelt) reduziert®. 20 Naturreligion* 21 Autoritätsstaat® 26 der* Geist® als®
für® den® Geist®). Das erste (kann und) wird 31—32 Reihe® von® Verkleidungen®
eines® Gedankens*
136 26 „allezeit“ (schwanger) trächtig* sei 43—44 nämlich die sinnlichen®
Gegenstände
137 10—11 umgedreht werden, (, wie die Progression in der Mathematik) — so hier,
26 neuen praktischen® Sinn 33 „Schnürchen“ ab, (um später auf diesen Punkt
einzugehen) weil 35 diese Intermezzi(s) (Sancho® bis Intermezzis®) —*
44—45 kraft® einiger* bis „an® sich®“ —
138 8—9 In Wahrheit aber (zieht) (gibt®) schiebt® er nur (die Konsequenzen)
seiner 15 da® die® Menschen® bis nur® 17 d.® h.® bis Gespenster® 20 für® den®
Menschen® 20—21 (Siehe" bis „den" Menschen"“. 23—26 vorüberziehen(; wobei
der ehrliche Mann nur), Jacques® le® bonhomme® bis Lumpereien® sind®.
139 3—4 fortgeschritten®. 14—15 der Gottmensch, Christus® (herein®),
ohne alle sichtbare Veranlassung(, als Stirners Drang, das Faßbare zum Spuk zu
machen, der für ihn als Drang der Geschichte, den Spuk faßtbar zu machen])
herein®. 17 an seinen „wirklichen® Leib®“.
140 3 Dinge (unter) in® der Klasse (der): Gespenster io durch® bloßen® Glau¬
ben® 19 also vom (absoluten) natürlichsten® Interesse“ 42 materiellen Welt.
(Vergleiche oben p.®) (Vgl.“ oben“ Feuerbach“)1
141 5—17 Über® bis Spekulanten®. 20 der heilige Max(, der seinem Knecht
gegenüber sich als in seiner „Macht“ geltend macht,) seinen Sklaven 33 der*
Mann®, 35—36 die ganze Menschenwelt ((d. h. die ganze mit Ausnahme seiner —
der für sich selbst eine Welt ist)) aus veritablen
37 (Die folgenden sieben) Der® Sparren (oder Todsünden die), den Sankt Max
in den Köpfen der Menschen entdeckt, (sind) ist 39—41 aeterni betrachtet und
(alle Illusionen des Berliner Bürgers für die realen Motive seiner Handlungsweise
und) sowohl® die® bis versieht®; weswegen
142 4—143 28 /151 2[14]/ unterworfen3 bis nun3 nicht3 an3
143 32—33 die Maxime, keine(n festen Standpunkt) Maxime*, bis keinen® festen®
Standpunkt
143зѳ—1445 oder vernünftig“. (Der heilige Max, der Messias eines neuen Welt¬
reichs, muß auch die „Maxime“ haben, nicht zu essen, damit er Herr über den
Hunger wird und es nicht „heiße“: „der Hunger hat ihn“. Er ist wie der alte
Messias, er geht vierzig Tage in die Hasenheide und fastet und wird allda vom
„Heiligen“ versucht.)
1 Vgl. S. 7 bis 67 unseres Bandes
2 Von Marx mit Bleistift numeriert
3 Von Weydemeyer angefertigte Reinschrift auf Grund einer Vorlage, die der
ursprünglich von Engels geschriebene und numerierte Bogen 15 bildete
588
Beschreibung der Manuskripte
* (Außer) Über diesen sieben Sparren gibt es noch einen Sparren der
Sparren, die Todsünde als solche — die „Bestimmung, der Beruf, die Aufgabe“
— worauf wir später kommen werden.*
(B.) C. Unreine unreine Geistergeschichte.
a. Neger(tum) und M оn g о 1 e n(t u m).
Wir (müssen) (gehn*) kehren* jetzt (in den) zum* Anfang der „einzigen“
Geschichtskonstruktion und Namengebung zurück (gehen, um hier das nachzu¬
holen, was wir eben mit Stirner ausließen. Wir kommen jetzt also auf die neue
Wandlung des Kindes und Jünglings in Neger und Mongolen — die Voraus¬
setzung der späteren Namengebung innerhalb der kaukasischen Rasse (»Alter“
und „Neuer“)). Das* Kind* wird* Neger®, bis alten* Bundes*.
144 7 einlegen will“ ((dieser Satz ist offenbar, wie manche andre Stelle
im „Buche“, nach gewissen Kabinettsordren stilisiert)), „gebe Ich u Namen
(„verdeutlichte“ er dadurch, daß er), indem er 19 (Vgl.® bis Bundes*“).
35 Pc re* bis Charivari*)
145 22—25 ... Jongleurkünste® bis gefaßt* wird®).
146 6—7 China geübt!“ /16с[15с1/ *Darum? Nein, darum weil Sankt Max
aus gewissen Gründen nicht rasch genug nach China kommen kann, „darum“
macht er diesen enormen „Flohsprung“ aus der Sittlichkeit nach China — und
weil er Hegel aufs Wort glaubt, „darum“ wird in seiner Vorstellung, „die durch¬
aus keinen Anspruch auf Gründlichkeit oder auch nur auf Bewährtheit macht“,
in China „ein lauteres sittliches Handeln am schlichtesten geübt“ — während
außer seiner anspruchslosen Vorstellung die Chinesen ein „unlauteres, unsitt¬
liches Handeln“ am frechsten üben und die abgefeimtesten Spitzbuben sind.*
Sankt Max ist unglücklich 12—14 Hätte® ere bis finden* können*.
147 39 und (Wurfgeschossen) Shrapnelle-Bombene 40 p.® 118* und®
148 15 zu beweisen hatte (und statt dessen der Menschheit es befiehlt, gerade als
wenn er mit seinem Knecht Szeliga zu tun hätte) — erstens
149 з—1 d.® h.® bis kaukasischen® Kaukasier* 6 als* „Beruf®“ bis
finden*“ sollen®, als* 27 was® bis nachweisen*, 29—30 aufeinanderfolgenden®
Generationen* зз diesen* Spuk®, 43 zuletzt zu (diesem Resultate,) dem
150 з gelegt (werden) und nun (“ (nachdem nämlich der Begriff des Geistes
der Geschichte als Grundlage untergeschoben ist) „) gezeigt 15—18 repräsentiere“
etc. — (weil es nämlich als »Jüngling“ mit der „Welt der Dinge“ fertig geworden
sein muß.) wo* er® bis werden* kann*. 38 daß sie allerdings (einigen) »Anspruch
39—40 Seine“ ganze“ bis zusammengebraut“.
151 24—25 p.e 140® bis macht*, 32—34 besteht darin, daß (er den Hegel auf eine
tölpelhafte Weise abschreibt.) der* Egoist* bis verwandelt®. 37—39 Wesen des
Mittelalters (berücksichtigt und das wirkliche profane Mittelalter ihm zu gemein
ist, so) die® Religion® bis „in® Allen*“) 40 gleich* ihren (wirklichen) richtigen
152 37-39 „Die® Lehre* bis 331*)
153 8—9 p. 234. (Alles dies macht)
(P. 111 geht Stirner dadurch von Luther zur Philosophie über, daß „die Frei¬
heit“ sowohl im Denken wie im lutherischen Glauben)
„Stirner®“ fährt® fort®: 38—39 wie* Bacon* und* Hume®“ (p. 112) —
154 8—9 Wie® Stirner* bis nachsehen®.
10 (C.) D. Die Hierarchie
11 Jacques le bonhomme (hat) faßt® 15 in „das Heilige“ auflösen(, aufgefaßt).
17—19 Welt (faßt) stellt® er nun (als Resultat der bisherigen Geschichte,) als gegen¬
wärtiges- historisches Verhältnis dar®, (als) (und hat damit die gegenwärtige
Herrschaft des Heiligen über die Welt — die Hierarchie zu Stande gebracht.) als*
Herrschaft* bis Hierarchie®. In Dieser Hierarchie (zufolge) (herrschten)
haben wir (nun“) das, was
155 3—9 (p.* 97*). bis konzediert*). 21 der neueren Geschichte ist(, wie schon
aus dem Gesagten hervorgeht,) nur wieder 23—24 breitgetreten. (Diese Stelle
zeigt wiederum,) Ja®, bis sogar®, wie der 27—28 und* nun® bis „machiniert*“.
157 2—3 Ausbildung sieht. (Er ist aber) So® unhistorisch* bis er® doch* noch historisch
Textvarianten
589
1579—16814 /201[19]/ also1 2 der2 Protestantismus2 bis am2 Ende2 der2
157 45 und hierüber siehe oben ((Feuerbach 3)).
158 44 Geschichtsauffassung auf111, die die Illusionen 45 Glauben annahm, (auf) —
namentlich
159 10—11 Ungeist, (Dämlichkeit) Sinnlichkeit“
161 14 „usw.“(, George Sand, Proudhon) von „Robespierre
162 12 so“ oft“ es“ tunlich“ ist“
163 41 Dies ist der (Keim) Sinn“ der Hierarchie“.
168 14 der2 /{25} (24) 4 [23]/ alten 44 [verursacht. (Sankt Max möge) [Daß]
169 1—2 Jm Innern“, ([des hei]ligen Max, nämlich diesmal® in seitnem]
Kopfe,) nämlich5 bis heiligen5 Max5, 6—8 Spannungen“ vorstellt® und doch
dazu bei® solchen(, die) „chemischen® Spannungen®“, die® „im Innern erregen“
(als ob ein mechanischer® Stoß“ 19 (oder® Einfall®) 28 durch die (große)
kolossale 29—30 die0 (damit verknüpfte*) dadurch® hervorgerufene® bis Italien*,
durch 32 nur die („im Innern erregenden“) „chemischen 34—39 Die® großen®
bis ,,[un]wirksam®“ oder 5 chemische 5 Spannungen 5.
170 18—19 und® seine Lumpengenossenschaft® 29—30 überhaupt 5 bis verloren 5
hatte 5,
171 21 Kindes“; (und) er 5 gibt5 dem Egoisten dasselbe 5 Verhältnis 5 zur Welt
26 geschah — um dann (ebenfalls) auch“
172 ii Er, (der Einzige) (St.“ Max“) der“ Einzige“, und Szeliga 12—13 „schwei¬
fen* bis hinausgetrieben*“; 14 Hunger“ ruft (der Einzige) St.“ Max“ seinem
20 fährt (köpflings) ärschlings“ gen Himmel
173 5—9 So zieht er aus, (Er, (der Einzige) St.“ Max“, und Szeliga sein
Knecht,) Er5, Sankt 5 Max5 bis sich 5 einfindet 5, um dieses 8—9 gesenkten
Hauptes(, und den Schwanz zwischen den Beinen,)5 wieder 23 des weltbefreien¬
den® „Kriegsknechts 32—33 negerhafte® Kaukasier®,
1744—18020 /27a[25]/ Diese6 Einheit6 bis so6 klingen6,
174 6—7 negative Einheit, (indem) in“ der“ die beiden
176 22—23 der einzige Teil (des heiligen römischen Reichs) der“ Hanse“, der
44—45 weiter (geschrieben), getrieben“ wurde. Der Staat konstituierte sich so
zu einer (im“ Bfewußtsein“]) scheinbar“
177 5 über den Staat, (und endlich) wie“ die 7 Bürgern haben, (und) —“ der
30 um (bloß) ihm allein“
178 26—27 Wenn man, wie die Berliner Ideologen, (die Kritik des) den“ Libe¬
ralismus und (des Staats) den“ Staat“, selbst 29 Liberalismus sich“ beschränkt,
34 wie er sich (namentlich) bis zur neuesten Zeit hin aus(spricht)sprach“, ist
17936—1801 in „das Heilige“ verwandelt(, womit für ihn alle Kritik „ihr letztes
Absehen erreicht“ und alle Kühe grau werden, womit er zugleich seine Unwissen¬
heit über die wirkliche Grundlage und den wirklichen Inhalt der Bourgeoisie¬
herrschaft gesteht.). Wir wollen
180 29 amerikanischen® 33 politischen und® ökonomischen® 34—35 König oder*
sonst* Jemand* 36—37 die darin bestehen, (den Staat) die® Staatsmacht® 41 Kon¬
kurrenz die (Bürger) Bourgeois 42—43 Verwandlung der (historischen) geschicht¬
lichen Bourgeois“ in geschichtslose deutsche“ Philister
1 Die Seitenzahlen des Manuskripts bis Seite 23a einschließlich stammen von
Marx
2 Der Text ist von Weydemeyer nach einer Engelsschen Vorlage kopiert. Der
Anfang dieser Vorlage liegt vor im Manuskript ,J. Feuerbach“. (Vgl. Streichung
S. 325, S. 38 n S. 39 3, S. 399, S. 576—579 unseres Bandes)
3 Von Marx hinzugefügt (Vgl. Streichung S. 325, S. 526 u. S. 587 unseres Bandes,
Note)
4 (24) von Marx mit Bleistift vor die Engelssche 25 geschrieben, da durch die
Weydemeyersehe Abschrift die ursprünglichen Bogen 20—24 von 5 auf 4 Bogen redu¬
ziert worden sind
6 Von Marx eingeschaltet, von Weydemeyer durch gestrichen und in Schönschrift
wiederholt
6 Von Weydemeyer nach einer Vorlage abgeschrieben, von Marx numeriert
590
Beschreibung der Manuskripte
181 2—4 Beamte“ (!!) — (die Beide nur in Deutschland gedacht werden köm-
nen) zwei™ bis dürfen“1 — und 6 Börse von London®, Manchester 7 Da Sankt Max
(nun einmal) im Zuge ist, (so) kann n—13 Man"1 sieht“ bis erholt“ haben“.
22 gut(, um) und* lassen® bis damit® sie® 26—27 (als“ Abzug“ am“ Arbeitslohn1“)
182 5 massenhaften® Entstehen 12—13 widerstandslos(e) gewordene® Proletarier
14 Pauper ist. (Für Stirner, der keine Proletarier kennt als Paupers und Vaga-
bonden, ist das natürlich gleichgültig.) Vgl.“ Sismondi“, Wade“ etc.“ 15 Augen
der (englischen und französischen) Proletarier 23 soweit* bis kennt*,
24—25 und 152, wo (der Bourgeois) das Lumpenproletariat 43—44 oder® als®
deutscher® „guter® Bürger®“
183 6—7 an die (Macht des) „Wahrheit“ des 9 Staaten der Welt (existieren)
zerstreut® sind*, 43—44 die* im* bis Wat® Tyler*, 44—45 und* 1549® bis
Kett® „auftauchten“, die (bald darauf) dann®
184 2 veranlaßten, die (zu gleicher Zeit) bald® darauf* 23 daß selbst eine (be¬
deutende) Minorität 28—29 in dem (O’Connorschen) „heiligen Monat“ 45 frei¬
lich“ karikiert“ genug“!
185 5—7 großes Unglück (mit) (so“ oft“ er“), wie“ in“ allen™ andern“
Sphären“, so“ auch“ in“ der Nationalökonomie. 29—30 als® Subjekt®, 36 zu¬
erst das „Haben“ (überhaupt mit dem „Haben“) als Privateigentümer
186 1—2 als Grundbesitzer, als (Kapitalist) Rentier®, als* Commer^ant* 8 die
„Nation“ zur (obersten Herrin) höchsten 11—24 Über* die® Gesellschaft® bis
Lebensreichtum®“. 20 also® vor® Weitlings® Garantien® 28 Nachdem er (also)
das 41 dreihundert (Arschprügeln) Backenstreichen
187 10 Raub am (Raub der Personen ist „Die Gesellschaft“, „das Persönliche“
und „die Menschlichkeit“ schenken wir ihm.) „Raub“ des“ Persönlichen““ ist™.
29—31 D. h. (die) der® bis liberalen® Privateigentümer gaben im® Anfänge® bis
Revolution® dem Privateigentum 33 als (kämpfende) revolutionierende* Partei
35 des® Eigentums* zu* geben®,
188 22 heutigen Bourgeois, *wo es sich auf das Minimum, die Mittel zur bloß
animalischen Existenz beschränkt, den Kommunistmus]* unter, 23 die ihrer®
Lumpigkeit® wegen® 27 zu Stande gebracht. (Wenn er es wünscht, so sind wir
gern bereit, ihm auch hier, wie bei früheren Gelegenheiten, die Quellen anzu¬
geben, aus denen er seine „kindliche Einfalt“ eines Bessern belehren kann.)
Schließlich 33—34 so™ wenig™ bis selbst™, sondern 35—36 (Vgl.m unten™ den“
„Verein““)
189 1—3 werden wir (weiter unten) beim® „wahren® Sozialismus®“ (siehe®
Band* II®)1 sprechen. Was das Recht betrifft, so haben wir * schon oben die
Stellen der d[eutsch]-f[ranzösischen] Jahrbtücher] zitiert, an denen wir selbst
gegen dieses aufgetreten sind. Wie aber Kommunisten,] 1 2 ehe denn Stirner war,
diesem [in seiner]2 Polemik gegen das Recht [geholfen]2 haben, ohne (an)
eine /{33)31/ derartige Exploitation zu gewärtigen, davon kann man sich über¬
zeugen, wenn man die (Äußertungen]) Entwicklung von Heß („21 Bogen“,
p. 326) nachliest.* * selbst unter vielen Andern das Recht sowohl als politi¬
sches und privates, wie in seiner allgemeinsten Form als Menschenrecht * 3 unter
vielen Andern 9—10 ebenso® bis Monopol®. 14 führen sollen, (als unkommu¬
nistisch) 1 als Axiome io—19 p. 98, 99. — (Es finden sich übrigens schon sehr
frühe selbst bei den deutschen Kommunisten Stellen, die „Stirner“ in seiner Kritik
des Rechts sich aneignen und verdrehen konnte, z. B. Heß, Einundzwanzig Bogen
aus der Schweiz, 1843, p. 326. ((siehe unten p. [47722])) und® anderwärts*.)1 (Den
obigen Vorwurf) Die® obige* Redensart® übrigens einem Babeuf (zu machen) ent-
1 Ob diese Streichung von Marx oder vielleicht von E. Bernstein gemacht
wurde, läßt sich auf der Photographie nicht entscheiden, da die Farbe des Bleistifts
nicht festzustellen ist
2 Von den Mäusen angefressene Stelle
3 Dieser wieder durch gestrichene nicht zuende geschriebene Zusatz befindet sich
noch auf p. [{32)cl [30c]
Textvariailten
591
gegenzuhalten0 bis fassen0, konnte nur einem Berliner (Biedermann und) Schul¬
meister einfallen. 36 daß der Staat(, von dem er nicht behaupten wird, daß er
nicht das Recht anerkenne,) sich nicht
190 5 unser (Heiliger) Wort0 Gottes® vom® Lande® 7—8 reduziert. (Ganz in
der Manier eines deutschen „Wortes Gottes vom Lande“, das etwas von der revo¬
lutionären fraternite gehört hat und sie sich vermittelst einer Bibelstelle ver¬
ständlich /[{33}]b [31b]/ zu machen sucht.)
Drittes Corollar. n Sankt Maxens ist (und ihm auch wohl nicht
nachgemacht werden wird), leitet 16—17 Nichts. (Da der Kommunismus den Egois¬
mus angreift, so, muß er also (in der) notwendig zur hysterischen Sentimentalität
der Liebesseligkeit und Überschwenglichkeit gehören.) —
Dritte logische 25—27 die* zunächst® bis besteht®, durchzusetzen(, das
(weitere®) „Entdecken“ überlassen sie ihren Theoretikern). Weil
191 13—14 Schuld“ (zumiß[t]), d.® h.® bis Weltzustandes® „in sich“ 24—25 und“
Beide™ bis Personen™,
192 19—20 verwandelte, und® bis befindet®; 21 2) glaubt er, die (Proletarier)
Kommunisten™ 23 Gesellschaft geben (oder vielmehr) wollen; 25 Nutzen
ziehen will, (bevor) ohne® daß® er und (Seinesgleichetn]) andre 31—36 (im®
Interesse* bis p.®247®);
193 1 „trachtet“, (haben wir bereits gesehen.) um durch io— n d.® h.e bis
Lebensweise®
194 13—14 seinem® ihm® bis Satz® vergessen, (daß) in® dem®
195 16 Proudhon. (*)) Hierzu die Fußnote *(*) Proudhon, dem das kommu¬
nistische Arbeiterjournal la fraternite bereits 1841 wegen des gleichen Arbeits¬
lohns, des (Nation[alarbeitertums]) Arbeitertums überhaupt und der sonstigen
ökonomischen Befangenheiten, die sich bei diesem ausgezeichneten Schriftsteller
vorfanden, scharf kritisierte, und von dem die Kommunisten Nichts akzeptiert haben
als seine Kritik des Eigentums.* 19—34 Übrigens® bis entlarvt®“. 20—21 Die
(erste, bereits vor Weitlings „Garantien“ in Paris erschienene komfmunistische])
schon® oben* zitierte® deutsche kommunistische Zeitschrift, „Die® Stimme® des*
Volks®“, 35 hat nun Sankt Max(, vermittelst Proudhons,) den ganzen 42—44 Und®
endlich® bis der* Menschen®.
196 2—3 herein(, den er „durchschaut“ hat). Wie schon 7 Als echter (Bour¬
geois) Kleinbürger™ 9—10 hätte (als daß man sein Haben ganz), als™ seinem
eignen „Vermögen“ (überlasse) überlassen® zu® bleiben®. — 15—17 d.® h.® bis
Staatsbürgertum®, (dem® „gleichen®“ Rechte® Aller), daß sie da, wo sie es
haben, wie® in® Amerika®, es (ger)gerade „verwerten“, (wollen,) und 18 nord¬
amerikanischen (Kommunisten und Anti-Renters) Arbeiter™ in zahllosen 20 Kom¬
munismus und™ Reformismus™.
197 1 (Hieraus ergeben sich) „Ist dem so“,
19—22 „redlich erarbeiteter Genuß“! (Stirner) *Wer außer Stimer ist im Stande
den unmoralischen revolutionären Proletariern dergleichen moralische Albern¬
heiten in den Mund zu legen? — den Proletariern, die, wie man in der ganzen
zivilisierten Welt weiß (wozu Berlin, das bloß jebildet ist, freilich nicht gehört)
die verruchte Absicht haben, ihren „Genuß“ nicht „redlich zu erarbeiten“, son¬
dern zu erobern!* Und® nun® gar® bis wegfällt®.
24—26 vertritt — *den „Egoisten im gewöhnlichen Verstände“. Er ist sosehr ein
„Egoist im gewöhnlichen Verstände“, daß er auch hier nur das allergewöhn¬
lichste Verständnis vom Kommunismus hat und sich einbildet, die Kommunisten
seien lauter kleine von der Gewerbfreiheit ruinierte Handwerksmeister.* seinen™
kleinen™, von der Gewerbfreiheit ruinierten™ und™ moralisch™ „empörten™“ Hand¬
werksmeistern™. 26—27 der trivialsten (Bourgeois) Bürger™anschauung an.
27—28 ist aber (der) das (moralische) pfiffige® Bürger(vorwurf) bedenken®, den er
29—30 und* sprächen® bis Aller®“.
39 kämpfen hat. *Und schließlich] stellt er an die Kommunisten [die] 1 mora¬
lische Zumutung, sie sollen sich von den Rentiers, Kaufleuten, Industriellen etc.
in alle Ewigkeit ruhig exploitieren lassen, weil sie diese Exploitation nicht auf¬
heben können, ohne zugleich das „Wohlsein“ dieser Herren zu vernichten!
1 Von den Mäusen angefressene Stelle
592
Beschreibung der Manuskripte
Jacques le bonhomme, der sich hier zum Champion der gros-bourgeois aufwirf t,
kann sich die Mühe ersparen, den Kommunisten Sittenpredigten zu halten^. Sbe
werden sich die), die sie täglich von seinen „guten Bürgern“ viel besser hören
können.* Die Kommunisten
41—42 dazu haben werden. *, und gerade darum machen sie sich kein Gewissen
daraus, weil ihnen das „Wohl Aller“ als „leibhaftiger Individuen“ über dais
„Wohlsein“ der bisherigen gesellschaftlichen Klassen geht. Das „Wohlsein“, dais
der Rentier als Rentier genießt, ist nicht das „Wohlsein“ des Individuums*
als® solchen®, sondern das des Rentiers, (kein persönliches]) individuelles, son¬
dern eine innerhalb® der Klasse allgemeines Wohlsein; und es)* Es“ liegt (den
Kommunisten) ihnen® keineswegs (etwas) daran
198 1—3 durch® bis bedingte® „Wohlsein“ (zu einem persönlichen „Wohlsein“ ge¬
worden ist.) auch® als® persönliches „Wohlsein“ sich® bis adressiert®. 9 im® Bür¬
gertum® 17—18 „Sorge“ des® Bürgers® wie die Not des® Proletariers® aufheben will,
30— 39 „Woher® nur® bis geboren® wurde*“.
199 5 Montheil®, bis ppp®), 6—7 die kleinen® Pfaffen(, solange sie selbst noch
kein Interesse an der (Aufrechterhaltung) Abschaffung der Leibeigenschaft hat¬
ten,), namentlich® bis Mittelalters®, 13 Formen® der® Arbeiteraufstände
31— 32 Einführung der Maschinen“-Arbeit die Arbeiter 39 159. Eben (war es
die moralische Bestimmung des) wollten
200 G war es (zuerst) die Aristokratie, 11—12 der Aristokratie (in ihre Tasche)
in der Gestalt des Geldes in“ die“ bis Bourgeois“ rückte). —
201 10 Bourgeois, daß (sie durch die Tat ihrer eignen Befreiung über¬
haupt, d.h. die gesamte Gesellschaft (von) befreiten) sie, indem sie sich von
(diesem®) Befehl und Willkür Einzelner“ befreiten, 13 realiter® 14—15 Kor¬
poration, (und) Zunft, der“ Stände“ und 22—23 „Befehl und Willkür“ der im
(Einzelnen) Monarchen“ (und), im Adel (inkorporierten) und“ in“ bis konzen¬
trierten“ politischen Macht 24 durch die in Gesetzten (durch) von“ Bourgeois
28 Indem Sankt Sancho /[{37}a] [35a]/ (voraussetzt, daß „die Konjunktur der
Verhältnisse) nun die 29—30 welche mit (dem Aufkommen) der® Herrschaft*
20142—20214 Diese® große® bis zu® Boden®.
201 43 oder® bis Vordersatz*, 45 Liberalismus (hob) hebt“
202 11 „Freien“ (dadurch wären) umgeworfen worden wären“. 12 Ein (paar
Schlüsse) einziger® Schluß* 29 anfangs* noch® partikuläre® 31 und® dadurch®
bis war®, 33 wert „betrachtet®“ zu (sein) werden (dem 34 daß also (Jeder)
die® größte® Masse®, „die
203 10 Inhalt dieses Satzes. *Glaubt Stirner „dagegen“ noch in ihm irgend
etwas Geschichtliches über die Zeit nach der Aufhebung der Leibeigenschaft,
oder” überhaupt® irgend® Etwas® gesagt zu haben, so (müßten wir) muß jedes
Wort dieses Satzes in sein Gegenteil (verwandeln) verwandelt® werden®. Man
müßte diesen unbestimmten Phrasen erst die wirklichen historischen Tatsachen
wieder unterlegen, sie mit diesen Phrasen zusammenstellen, und mindestens einen
halben Druckbogen schreiben, um zu beweisen, daß in diesem ganzen Satze —
gar Nichts gesagt ist.* — Obgleich 14 den Kommunismus (als Schluß aus den
beiden monströsetn]) als Wechselbalg® 43 in die deutschen (Kommunisten)
Theoretiker®
204 13 Menschen“. (— Unglücklicher)[O®, P]roudhon! — 20—22 d.h. bei den
Kommunisten die (freiwillige Lebensäußerung des Individuums oder) aus* der®
bis schöpferische* 35 den „Erwerb“ und“ die“ Bureaukratie“ 40 (rechtfertigt)
legitimiert* er vorläufig
205 3 appellieren! (Sankt Max (beweist hier wieder) schreibt sich hier wieder
die Weisheit des Zugreifens und Zuschlagens zu, als ob nicht seine ganze Pauke
des sich empörenden Proletariats eine verunglückte Travestie Weitlings und
seines stehlenden Proletariats sei — Weitlings, eines der wenigen Kommunisten,
die er durch die Gnade Bluntschlis kennt.) Die wenigen
5—6 die (ganze) große“ Masse der Kommunisten (mit Ausschluß dieser Wenigen
sind) ist in allen Ländern revolutionär. *In Frankreich machen sämtliche Kom¬
munisten (die Fried [lichkeit]) den Saint-Simonisten und Fourieristen den Vor¬
wurf der Friedlichkeit und unterscheiden sich (dadörch]) hauptsächlich durch
Textvarianten
593
ihr Aufgeben aller „gütlichen Lösung“ von diesen, wie in England sich die
Chartisten (durch) hauptsächlich durch dasselbe Kriterium von den Sozialisten
unterscheiden.* 1 Was 9 Stellen Cabets®, 13—14 Angriff® auf® den® Kommunis¬
mus® gerichtet, der in Paris noch® eine 19 (sagt™ Buchez“) 35 nehmen, was
(unsre) die® eigne® Pflicht
206 20 ein (Arbeiter) Werkmann (ouvrier)
207 23 Indem (Stirner) St.“ Max“ hier 37—38 Eigentum (gäbe) gebe“ oder
nicht (gäbe) gebe“
208 23—24 „Das sind höchst populäre“ (Kritiken des) bereits® bis gegen® den® Kom¬
munismus
209 4—5 hier die (Abschaffbarkeit des Eigentums) Unabschaffbarkeit®
21—23 umgekehrt. (Das wirkliche Privateigentum ist gerade das Allerallgemeinste,
was mit der Individualität gar nichts zu tun hat, ja was sie geradezu umstößt.
Soweit ich als Privateigentümer gelte, soweit gelte ich nicht als Individuum —
ein Satz, den die Geldheiraten täglich beweisen.) *In welchem Sinne hier die
Unterscheidung zwischen dem Individuum als solchem und dem Individuum der
heutigen Gesellschaft zu nehmen ist, siehe*1 2 In der Wirklickeit (geht mein
Eigentum nur soweit, als auch Andre darin einen Wert entdecken, während meine
Eigenheit ihnen höchst wertlos sein kann.) habe® ich® bis unverschacherbar® sein
kann. 25—26 verschachern, versetzen oder verkaufen kann, (als er) /[ {o9}c] [37c]/
(einen Wert auch für Andre hat;) [als er verschacher]bar® ist®, (verliert) Verliert
er (diesen Wert) diese Eigenschaft, 28—29 er® kann® bis machen®. 32 Kom¬
mando gibt(, — während es allerdings meine Eigenschaft sein kann, einen zer¬
rissenen Rock zu tragen). Der Jurist, 34 Das Privateigentum (hebt) entfrem¬
det“ 35 der Menschen (auf), sondern
210 5 als (unsre Bourgeoistheoretiker) unser“ theoretisierender“ Kleinbürger“.
18—22 Mit“ einem“ bis nur“ so“ lange“ 21 nur so lange, (als die materiellen
Grundlagen der Bourgeoisie noch die sehr“ beschränkte Grundlage der Selbst¬
betätigung überhaupt sind.) als“ sie® bis geworden® sind®.
23 Nach Destutt de Tracy (müssen also) muß“ die
210 38—2111 Wenn® Sankt® Max® bis Synonymik® halten®. — Der gutmütige und
leichtgläubige Jacques (le bonhomme) nimmt den Wortwitz des® Bourgeois®
211 15—16 Da diese von® den® bis outrierte® Phrase® (namentlich) von den
18—19 und® zuletzt® bis Anlaß® gegeben® hat®, 20 wo sie (gar keine) (ganz ohne
Grund hereinkommt) nichtssagend“ ist“, auch nicht 21 unten, (wo wir auf
den wahren Sozialismus zu sprechen kommen) bei“ Gelegenheit“ des“ wahren
Sozialismus. 27 Jahrhundert (in Paris) die® Pariser® Bettler®, ein 34 unvoll¬
endete (Darstellung) Existenzweisen 35—36 überhaupt (dargestellt hat) sich®
zurechtgemacht® hat®
211 36—2123 (wozu® bis erhalten® hat®)
212 6 und® zugleich® bis beiden®, darzustellen. 19 p.® 180®, 181®. 24 (aller¬
größtes® Denn®!®) 30—31 Eigentum im Himmel, (der Phantasie eines Eigen¬
tums) das® Eigentum® der® Phantasie®, die" Phantasie" des" Eigentums" für
31—32 und® den® letzten® Notanker® des® Eigentums®
213 4 Mensch“ in puris® naturalibus® herumläuft(, und wo Sankt Sancho nur
noch mit ebenbürtigen])! Rufen wir
214 3—5 Was® übrigens® bis in® der® Logik®. 6—7 Wir (haben) fanden" die
grenzenlose Rechtgläubigkeit „Stirners“ (gegen) an die Illusionen der deutschen
Philosophie (bisher schon daran gesehen) darin" konzentriert" (gefunden"), daß
10—11 bei Feuerbach (sehen) finden®, dessen Illusionen er getreulichst® akzeptiert,
26 genug für (Sankt Max) Jacques зо — und wir (haben (die Keckhfeit]) dies
schon getsehen]) „erkühnen 31—32 wenn® den® bis gewesen® sind®, wenn dies
215 13 Sankt Bruno, dessen (Profession) Broterwerb® 19—22 verhimmelten
Namen von (Illusionen) Vorstellungen® (die sich die Menschen unter) der“
Menschen (über") von" ihren" bestimmten empirischen Verhältnissen (machen
1 Dieser nachträglich von Engels eingeschaltete Satz wurde von Marx mit
Bleistift durchgestrichen
2 Dieser Satz nachträglich von Engels eingeschaltet und wieder getilgt
Marx-Engeh-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 38
594
Beschreibung der Manuskripte
müssen und später), Vorstellungen", die" sie" später aus praktischen Gründern
(empirisch) heuchlerisch" festhalten. 25—26 als die Illusion der (irdischen )
bei® ihm® bis irdischen® Welt® aufzeigte, 26 nur noch als (vorgestellte Welt)
Phrase m vorkommenden 33 und® darum* bis kritischen* Anschauung
35—38 Jahrbüchern ((u. A. p. 72). Indessen) in" der" bis „Judenfrage"“. Da die;s
(indes) damals (bei Gelegenheit eines theoretischen Buches, also auch notwendig
in allgemeiner philosophischer Ausducksweise geschah) noch® in® philosophi¬
scher® (Redeweise®) Phrasologie* geschah®, so gaben die hier (noch) /[{41} bl
[39b]/ traditionell (und zufällig sich vorfindenden) unterlaufenden® 38—39 wie*
bis „Gattung®“ pp* 40—41 Veranlassung(, die dort gegebenen wirklichen Ent¬
wicklungen) die wirkliche Entwicklung zu mißverstehen und zu (ihren Zweck zui
verdrehen) glauben, 43 auch der (Pagliazzo) Dottore* Graziano® der deutschen
216 1—3 Rüge, (hier noch glauben konnte,) glaubte“, er dürfe hier® noch fort¬
während (in seiner alten Maske erscheinen.) mit® bis Schau® tragen®. 12 wi<e
(Päderastie) Onanie* und 13 mit (vieler) Emphase 14 Welt der® reinen* Ge¬
danken 17 (p.m bis ,.Buchs““). 23—24 sind (die empirische Welt) der der
empirischen® Welt untergeschobne® Wechselbalg®, (die) den® „Stirner“ vorfindet.
27 Nichts, (wenn) weil“ зо—31 diese® Phrasen® über® die® Verhältnisse* als*
die® wirklichen® Verhältnisse* 35—36 nachdem® er* bis losgeworden® ist*,
37—38 d.® h.® seinen® „Widerwillen*“
217 1 abstrakten Gedanken der* Ideologie* 5 zu stellen, (die wir schon so
oft bewundert haben,) daher 9—10 Stimers eigner® „Puppe“ 13—29 Sollen*
wir* bis „der® wahre® Atheist*“. 33—34 eingibt — (we shall see that by and
by.) wir" werden" das" allgemach" sehen". 40 Bundes, (der) wo® der*
Mensch* ein
218 20 auf einem (gefleckt[en]) grauen Esel wie der (meinige) Eurige,
22—23 kam (Sankt) der* heilige® Barbier® Bruno
219 9—10 zu sehen“. (Sankt Sancho) „Das® Unmenschliche*“ übertrifft 10—n Es
, Je ehrt entschloßnen* Mutes 22 (siehe“: bis Deutschen“),
2202—22925 Neues" Testament" bis oder" nicht" anstellen"
225 24 (Jacques" le" bonhomme")
226 10—11 Klasseninteressen (die persönlichen Verhältnisse) das 17—18 natür¬
lich" bis abhängiger", 26 was sie sind, (alsdann) aus dem,
229 25 oder nicht anstellen [...] /{46}[44]/ *er Egoist ist, seine eigne Selbst¬
verleugnung. Wenn er ein Interesse verfolgt, verleugnet er die Gleichgültigkeit
gegen dies Interesse, wenn er Etwas tut, verleugnet er das Nichtstun. (Es ist
also für Sankt Max) Nichts leichter, als“ für“ Sancho“ als dem „Egoisten
im gewöhnlichen Verstand e“, seinem* Stein* des* Anstoßes®, nach¬
zuweisen, daß er stets sich selbst verleugnet, weil er stets das Gegenteil von dem
verleugnet, was er tut und nie sein wirkliches Interesse (verteidigt) verleugnet.*
*Nach (diesen Beispielen von) seiner“ Theorie“ der“ Selbstverleugnung ist
es (denn auch nicht zu verwundern, daß Sankt Sancho) kann“ Sancho“ p.80
(ausruft) ausrufen“: ..Ist nun etwa die Uneigennützigkeit unwirklich und nir¬
gends vorhanden? Im Gegenteil, Nichts ist gewöhnlicher!“*
*Wir freuen uns wirklich ü[ber die „Uneigennützigkeit“]1 des® Bewußt¬
seins* der deutschen Klein[bürger ganze] Welt [. . J1 * 1 2 3 *
*Er gibt von dieser Uneigennützigkeit sogleich ein gutes Beispiel, indem er
eifnen]1 Waisenhaus®-F[rankc. O’Connell, den heiligen Bon]ifa[z]ius[, Robes¬
pierre, Theodor Körner8 ...] **
*[ ] 1 (O’Connell) [....] 1 ([O’Conlnell). dies weiß jedes [Kind] 1 in
England. Nur in Deutschland und namentlich in Berlin kann man sich noch ein¬
bilden, daß O’Connell „uneigennützig“ sei.) O’Connell, der (wie ein Fürst lebt,)
für die Unterbringung seiner Bastardkinder und die Vergrößerung seines V*r-
1 Von den Mäusen zerfressen
2 Dieser nachträglich von Engels eingeschaltete Absatz befindet sich in cer
rechten Spalte. Die Mäuse haben diese Seite in zwei Hälften zerfressen, und dabei
den Text dieses Einschiebsels vertilgt
3 Vgl. „Der Einzige und sein Eigentum. Von Max Stirner. Leipzig, Verlag von
Otto Wigand. 1845“, p. 79—80
Textvarianten
595
mögens „unermüdlich arbeitet“, seine einträgliche Advokatenpraxis (10.000® Pfund*
jährlich®) mit der (besonders® in® Irland®, wo® er® keine® Konkurrenz® vorfand*)
noch viel einträglicheren eines Agitators (20®—30.000® Pfund® jährlich®) nicht
umsonst vertauschte (und), der die irischen Bauern als Middleman „hartherzig“
exploitiert (,“ denn ihn reißt das Verlangen fort.) sie bei ihren Schweinen wohnen
läßt, während er, König Dan, in seinem Palaste in Merrion-Square einen fürstlichen
Hof hält und dabei® über das Elend dieser Bauern fortwährend jammert, „denn®
ihn* reißt* dasw Verlangen* fort®“ (und); der die Bewegung immer® gerade so
(hoch) weit treibt, als nötig ist, ihm seinen National Tribute und seine Stellung
als Chef zu sichern, und jedes(mal) Jahr nach Einsammlung des Tributs alle
Agitation aufgibt, um auf seinem Landgute zu Derrynane seines Leibes zu pflegen.
(Dieser Lump O’Connell ist trotz seiner sonstigen Brauchbarkeit durch) Durch
seine langjährige juristische Charlatanerie und (die Enthüfllung]) (den) überaus
unverschämte Exploitation jeder Bewegung, an der er Teil nahm, (auch® bei* den®
englischen® Bourgeois® gänzlich außer Kredit gesetzt)1 ist O’Connell, seiner son¬
stigen Brauchbarkeit zum Trotz, sogar den englischen Bourgeois verächtlich ge¬
worden.1 2 3 *
* Daß übrigens Sankt Max(, der) als Entdecker des wahren Egoismus ein
großes Interesse daran hat, die Herrschaft der Uneigennützigkeit in der bisherigen
Welt nachzuweisen, ist klar. Er spricht darum auch (Wigand, p. 165) den großen
Satz aus, daß die Welt „seit Jahrtausenden nicht egoistisch“ ist. Höchstens darf
„der Egoist“ von Zeit zu Zeit einmal als avant-coureur von Stimer aufgetreten
sein und „die Völker zu Falle gebracht“ haben(, z. B. als römisches Privatrecht,
p. 278)8.* 4
/46а[44a]/ ПІ. Bewußtsein.5
* „Schlich sich ein egoistisches Interesse hinein, so war die Gesellschaft ver¬
dorben“, p. 278 „des Buchs“. — Als Beispiel hiervon wird das römische Privatrecht
angeführt; hiernach müßte die römische Gesellschaft von vom herein die ver¬
dorbene römische Gesellschaft gewesen sein, da (auf) in den zehn Tafeln der
Egoismus noch viel krasser und unverhüllter hervortritt als in der Kaisergesetz¬
gebung. ♦
26 Bewußtsein5
29—31 (wo* der* bis verwandelt®) —
230 20—22 daß (dem veränderten) einem® bestimmten® Bewußtsein auch (ein
veränderter (wir) Mensch) bestimmte® Menschen® und (veränderte) bestimmte®
Umstände entsprechen^ nur). Aber 25 bringen werde(, womit® er® alles® für®
ab[gemacht® hält®]), und (daß) er sieht 29 Egoisten (also weil Ich ver[lan]g[e])
— d. h. 31—36 bewußt seid. (Weil Ich nur verlange, daß) Oder:® bis wirk¬
liche® seid®. 37—39 Bewußtseins von (der) den® ihm zu Grunde liegenden
(Wirklichkeit, dieser Einbildung, der zu glauben, der Egoist) Individuen* und®
ihren® wirklichen® Verhältnissen®, diese Einbildung(, der zu glauben,) der
42 nachmacht. * Am lächerlichsten tritt diese Marotte in der Geschichte auf, wo
die spätere Epoche natürlich ein andres Bewußtsein über die frühere hat, als diese
über sich selbst, und wo z. B. die (Forderfung]) Griechen über sich das Bewußt¬
sein der Griechen, nicht das Bewußtsein hatten, was wir über sie haben, (weil sie)
und wo (die Forderung) der® Vorwurf® an die Griechen (das unsetre]), warum
sie dies unser Bewußtsein über sich selbst, d.® h.® „das® Bewußtsein® von* dem®,
was* sie® doch® wirklich® waren®“, nicht gehabt hätten, sich in den Vorwurf auf¬
löst: warum sie Griechen gewesen seien. * Bleiben wir
231 з „der Habgier“(, sondern) ist® (Sankt 5 Lebensäußerung®) (ist), und
8 Aber (ein von Dir, dem) „nur im ir—19 zu® einem® moralischen® Urteil* zu¬
sammenfaßt und sagt, (daß sie die Befrie[digung]) daß
232 14 verstehst (also) daher® nicht,
29 Aus dem (Bisherigen) so® eben® Gesagten® 35 ferner, daß (während), weil®
1 Von sie bei ihren Schweinen bis hierher von Engels nachträglich eingeschaltet
2 Von ist O’Connell, seiner bis hierher von Marx eingeschaltet
3 Dieser wieder durchgestrichene Zusatz von Engels nachträglich eingeschaltet
4 Die ganze Seite, alle Einschaltungen inbegriffen, durchgestrichen
5 Diese Notiz machte Marx in der rechten Spalte
38*
596
Beschreibung der Manuskripte
233 5—8 an® ihnen® bis Heiligen®, existieren®, aufzulösen beteuert. (Wie dies voll!-
bracht wird, werden wir in der Logik eines Weiteren betrachten.)
* Was der mit sich einige, der wahre Egoist ist, hat sich schon ergeben: di«
negative Einheit des aufopfernden und des gewöhnlichen Egoisten. (Diese negativ«
Einheit ist nur weiter) Die (weiteren) näheren Bestimmungen dieser negativem
Einheit müssen sich ihm aus seiner bisherigen Konstruktion ergeben. *
* Als negative Einheit des aufopfernden und gewöhnlichen Egoisten enthält den-
wahre Egoist Sankt (Max) Mäzens' zunächst beide Momente in sich, aber negativ
aufeinander bezogen. In dieser Gestalt treten sie als Schöpfer und Geschöpf ein¬
ander wieder gegenüber.* (Der Egofist]) (Das Geschöpf ist der) /47b[45b] /
(Egoist p.) P. 50: 16 allerlei, (z. B. meine Körperbildung, die [menschliche Ar¬
beit (pp)) im „einzigen Verein pp)) siehe® Selbstgenuß), „und 35 ein® heiliges*
Wesen®
39 Der „mit sich einige Egoist“ (konstatiert hier also sogleich seine vollständig«
Uneinigkeit mit sich selbst. Er) braucht
234 2—3 (Sankt" Sancho" bis p." 243) 4 Sankt (Max verhält) Maxens® wahrer
8 nach® dieser® Seite® hine 10—13 Wir® werden® bis Gegenteil® ist®. 15 näher®
eingehen, (wollen wir noch einige seiner exotterischen] \ praktischen Seiten be¬
trachten. [(Es)]1 ist (nun) also) ist [es]1 nun 38—39 den „ganzen (Einzigen)
Kerl®“
40 Das Christentum (konnte) wollte uns 41—<2 befreien (wollen), weil es 43 an¬
sah; es (konnte) wollte®
23443—2351 erlösen (wollen), weil es unsre eigne Natur für (eine) uns (fremde an¬
sah) nicht
235 1—9 Bin* ich* bis angetan® wird®, als"1 Heteronomie“ bis des“
Geistes“. 21—23 Ob (die Begierden fix werden) eine“ Begierde“ fix“ wird“1
oder nicht, d. h. ob sie (uns als fremde Macht gegenübertritt oder nicht, das) zur®
ausschließlichen® bis ist®, das® 25 Begierde normal® zu befriedigen 26—27 wie¬
der“ hängt 29 gestatten. (Daß die Umstände der heutigen Welt dies nicht
erlauben, (ist) folgt bereits aus dem (p. 179) oben® (siehe® p®. —) Gesagten.)
Ebenso hängt es зз dieser® „Opfer® bis pitiee,
23534—23614 Bei® Stirner® bis Ausdruck' verleiht®.
23543—2362 gerade® wie® bis sich® machte®,
236 14—15 verleiht.
* (Nur) Die Kommunisten, indem sie die materielle Basis angreifen, auf der
die bisher notwendige Fixität der Begierden oder Gedanken beruht, sind die Ein¬
zigen, (bei denen) durch deren geschichtliche Aktion das (Aufhören) Flüssig¬
machen® der fixwerdenden Begierden und Gedanken wirklich vollzogen wird und
aufhört, wie bei allen bisherigen Moralisten, „bis herab zu“ Stirner, /48a[46a]/ ein
ohnmächtiges Moralgebct zu sein. (Nebenbei bemerkt, wird) Die kommunistische
(Gesellschaft) Organisation® wirkt in doppelter Weise auf die Begierden, welche
die heutigen Verhältnisse im Individuum hervorbringen; ein(en) Teil dieser Be¬
gierden, diejenigen nämlich, welche unter allen Verhältnissen existieren und nur
der Form und Richtung nach von verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen
verändert werden, (verändert) wird® auch (diese) unter® dieser Gesellschaftsform
nur® verändert®, indem (sie) ihnen die Mittel zur normalen Entwicklung (gibt)
gegeben® werden'; ein(en) andere(n)r Teil dagegen, (der auf) diejenigen Be¬
gierden nämlich, die ihren Ursprung nur einer bestimmften]1 Gesellschaftsform,
bestimmten Protduktions]1- und Verkehrsbedingungen verdanken, (macht sie über¬
flüssig. Welche) wird® ganz® und® gar' seiner® Lebensbedingungen' beraubt®.
Welche® [Begierden]1 nun (von) unter® der® kommunisti[sehen Organ]isation1 bloß
verändert, und [welche aufgelöst]1 werden, läßt [sich nur auf praktische Weise,
durch [Veränderung der wirkHichen \ praktischen [„Begierden“, nicht durch
(historische1) Vergleitchungen mit früheren geschichtlichen1 [Verhältnissen, ent¬
scheiden.]1 *
* [Natürlich sind die]1 beiden Ausdrü[cke: „fix“ und „Begierden“]1, die wir
(hier) [soeben gebrauchten, um]1 Stirner in [dieser „einzigen“ Tatsache1 schlagen
zu [können,]1 ganz unpassend. Die Tatsache, daß (ein) in der heutigen Gesell-
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
Textvarianten
597
schäft bei einem Individuum sich (die Befriedigung) e i n Bedürfnis auf Kosten
aller andern befriedigen kann, und daß dies „nicht sein soll“ und daß dies plus ou
moins bei allen Individuen der jetzigen Welt geschieht und daß dadurch die freie
Entwicklung des ganzen Individuums unmöglich gemacht wird, drückt Stirner,
weil er von dem empirischen Zusammenhang dieser Tatsache mit der bestehenden
Weltordnung nichts weiß, dahin aus, daß bei den mit sich uneinigen Egoisten, „die
Begierden fix werden“. Eine Begierde ist schon durch ihre bloße Existenz etwas
„Fixes“, und es kann nur Sankt Max und Konsorten einfallen, seinen Geschlechts¬
trieb z. B. nicht „fix“ werden zu lassen, was er schon ist und nur durch die
Kastration oder™ (Alterssch[wäche“]) Impotenz“ aufhören würde zu sein. Jedes
einer „Begierde“ zu Grunde liegende Bedürfnis ist ebenfalls etwas „Fixes“, und
Sankt Max bringt es (nicht) mit aller Mühe nicht fertig, diese „Fixität“ aufzu¬
heben und z.B. (zu) (es) dahin zu (bringen,) kommen®. /[{48}b] [46b]/ daß er
nicht innerhalb (einer) „fixer“ Zeiträume essen muß. Die Kommunisten denken
auch nicht daran, diese Fixität ihrer Begierden und Bedürfnisse aufzuheben, wie
Stirner in der Welt seines Wahnes ihnen (mit) nebst® allen andern Menschen zu¬
mutet; sie erstreben nur eine solche Organisation der Produktion und des Ver¬
kehrs, die ihnen die normale, d. h. nur durch (die volle Befriedigung) die Be¬
dürfnisse selbst beschränkte Befriedigung (dieser) aller Bedürfnisse möglich
macht. * Hierauf folgt im Manuskript 15 (Wir werden jetzt in) In diesem ersten
Exempel (wo) bekämpft* er® also® einerseits 16—ir geistigen Gedanken, (also)
einerseits sein Fleisch, andererseits seinen Geist (bekämpft), wenn sie, seine® Ge¬
schöpfe®. sich gegen ihn, (verselbstständifgen]) den Schöpfer, 19—20 wie® er®
bis verhält®] \
21 Bei dem (einfachen) Christen
237 2 Sankt Max (als Schöpfer) ist also 6 besteht hier (darin) in® dem® guten®
Vorsatz®, sich
10—12 zu vernehmen.
* Dies Verhältnis des wahren Egoisten zu sich selbst als Schöpfer und Ge¬
schöpf modifiziert sich nun noch in verschiede[ne]n1 Wandlungen, von denen wir
[uns jetzt]1 an ein paar Beispielen [überzeugen]1 wollen.*
[Gelhen1 wir nun 22 Es ist (wieder wie oben) das Bewußtsein, 30—31 Dies
kann (Stimer) Sancho“ seinem „Selbstvergessen“ natürlich nicht vergessen, und
(verhält sich daher in demselben Moment) „bleibt“
32—35 Feind“.
* (Hier verh[ält]) In der Stelle des Kommentars verhält sich Sankt Max also
als Schöpfer zu dem Satze „des Buchs“, nämlich „ungläubig“ und als „sein unver¬
söhnlichster Feind“. *
Sankt Max, das Geschöpf, hat (zu derselben Zeit) in® demselben® Moment®
einen enormen Eifer /{49}[47]/ (und reflektiert in demselben Moment), wo® Sankt®
bis seiner® Reflexion® 35 hinaus ist(, wie jeder reflektierende Bourgeois); oder
39 und abenteuerlich®
23740—2381 d.® h.® bis Ernst® macht®,
238 ft in® jedem® Augenblick® 9 Eigentümer der (Gesamtkomplex]) Inbe¬
griff 10—11 die eine, (zu der) die® er® zu® sich®, (den) dem® Inbegriff aller
andern, als (Schöpfer und Eigentümer) Geschöpf* und Eigentum® in
13—14 den Akzent legt. * So dreht sich Sankt Maxens Satz nun dahin um: In der
Wirklichkeit reflektiert unser Heiliger, und in der Einbildung eifert er. *
So überschwenglich 15 in® seinem® Bewußtsein® 1R—19 weil® sie® bis heraus¬
kommen®.
18—20 glauben,* (während sie in derWirklichkeit, eben weil sie nie aus der Reflexion
heraustreten, über Nichts hinauskommen.) In der Tat ist dies alles nur ein schwül¬
stiger Ausdruck für den Bourgeois, der jede seiner Aufregungen überwacht, um
keinen Schaden zu nehmen, andrerseits aber mit einer Masse Eigenschaften renom¬
miert, wie z. B. philantropischem Eifer, gegen die er sich „frostig kalt, ungläubig
und als unversöhnlichster Feind“ verhalten müsse, damit er nicht sich als Eigen¬
tümer daran verliere, sondern der Eigentümer der Philanthropie bleibe. Aber
Sankt /49a[47a]/ Max opfert die Eigenschaft, zu der er sich als „unversöhnlichster
Feind“ verhält, seinem (wirklichen) reflektierenden Ich, seiner Reflexion zu Liebe,
Von den Mäusen zerfressene Stelle
598
Beschreibung der Manuskripte
während der Bourgeois seine Neigungen und Begierden immer einem bestimmtem
wirklichen Interesse opfert. *
Dieser Kunstgriff, 21—22 im° vorliegenden* Beispiel* 22—23 Entgegen¬
gesetzte (Bestimmter), geltend
27—28 Feind etc. — * Doch [davjon1 werden wir später noch ein [geringes]1 Wörti-
lein vernehmen. *
[Wir dür]fen nicht 29 als welcher [Sankt (Max)]1 Sancho™ [der Ein]en 1
35— 37 Reflexion, ein (vorgestelltes) Ich, und™ bis Ich™ geltend macht.
* Wie (so) Sankt Max fortwährend seine Eigenschaften so in Frage stellt, so
stellt er p. 80 ebenfalls seine „Zwecke“ fortwährend „in Frage“ und sieht darin s-ein
Eigentum an ihnen, daß sie ihm stets fremde Zwecke bleiben. Er opfert den wirk¬
lichen Zweck des Egoismus dem fraglichen Egoismus des Zwecks. —*
Dies feindselige 39 jetzt von (Sankt Max) ihm™ selbst ausgesprochen:
239 7—1З Wir0 brauchen* bis „Gedanken*“. 19—27 Wollte* er* (z. B.) etwa* in*
dem* bis zu* drehen®. — 20 s[o mußte er] (sich nicht nur „frostig kalt[“ gegen
seinen] Eifer, sondern au[ch) seinen Eifer gegen sei]nen „Eifer“ 36 Er (ver¬
schlingt) behauptet*,
240 12 als eine vorläufige0, versteckte* Legitimation 17 steht wieder [auf in
(dem einzigen Bestreben) der® einzigen* „Sorg]e*“ 21 unerreichbares*
22—ЗІ Es* muß* also* bis einige® Egoist*. — * Wenn übrigens Sankt Max „einen
hohen preußischen Offizier sagen läßt: Jeder Preuße trägt seinen Gendarmen in der
Brust, so muß dies heißen: den Gendarmen des Königs, (der) nur der „mit sich
einige Egoist“ trägt seinen eignen Gendarmen in der Brust.*®
Heß hatte
241 5—6 im Lügen, die wir ihm (freilich nicht moralisch verdenken, da es hier)
um™ so™ weniger™ verdenken™, als™ sie™ hier™ sein einziger 8 Daß übrigens
(Sankt Max) Sancho™, „wenn er
11—12 nachgewiesen.
* Nach der Betrachtung dieser „sauren Lebenskämpfe“ können wir nun zu dem
Mysterium von „Schöpfer“ und „Geschöpf“ zurückkehren. *
Zunächst wurde also™ das 14 worin er sich als (Schöpfer) Geschöpf 11—15 z. B.
gegen™ sich als Denkenden, als* Geist*, sich als 17 als w i r k 1 i c h * Auch-anders-
Bestimmter, 20—23 eine* Vorstellung* bis Absatz*. 23 hier in (dem Reflektie¬
ren) der Reflexion, 31—32 Reflexionsbestimmung (dieser Eigenschaften) dieses*
Inhalts® 36—37 zu werden, (noch) oder /50a[48a]/ sein Denken (auszubilden > <zu
üben) an Material, 39—40 zu werden — noch (hängt) braucht er (von den Welt¬
verhältnissen ab) sich® um* die® Weltverhältnisse*
242 6 haben. (Dies [wird später weihläuftiger1 entwickelt.; Überhaujpt1 ist es
11 Macht gegenübertritt, (d. h. wenn ihre Entwicklung auf Kosten (der) meiner
andern Leidenschaften sich geltend macht, so,) wenn also 16—17 Es liegt (daran,
daß) (also) nicht am Bewußtsein, sondern — am —™ Sein; nicht™ am™
Denken™, sondern™ (an™ dem™ wirklichen™) am Leben; es 20—21 Individuum
lebt, ihm (keine andre Entwicklung erlauben als) nur™ die 22—25 andern erlau¬
ben™, [wenn] 1 sie (alle) ihm Material und Zeit /50b[48bl / (nur) zur Entwicklung
nur dieser Einen Eigenschaft geben, so (bleilbtj) bringt (er es nur) dies Indivi¬
duum es nur zu einer einseitigen, verkrüppelten Entwicklung(, und Sankt Max ist
nicht im Stande dem durch endlose Moralpredigten abzuhelfen). Keine™ Moral¬
predigt™ hilft™. Und 29 unterdrückt bleiben. (Wenn z. B. ein Weltmann, ein Indi¬
viduum, das in mannigfaltiger Tätigkeit lebt, denkt, so nimmt sein Denken keines¬
wegs den Charakter des Denkens schlechthin, des „absoluten Denkens“ an, sondern
ebendadurch,) Ebendadurch, daß (es) z.® B.® das Denken Denken* 36—38 und™
grade™ bis „an™ sich™[“ ist™.] 1 40—42 führt, hat (schon) das Denken (selbst
den) denselben™ Charakter der Universalität^ den (das Individuum hat) es mit
jeder andern Lebensäußerung dieses Individuums teilt und fixiert sich), wie™ jede“
andere™ Lebensäußerung dieses Individuums. Es“ fixiert
243 1 Denken, noch (macht) bedarf™ es (weitläuftige) weitläufiger™ Reflexions¬
kunststücke (nötig), 6 oder* Schriftsteller® 22 und* brutalen* Charakter
36— 37 Anteil ab, den er* und® die* Lokalität, in der (ein Individuum) er* lebt, an
ihm (hat.) nehmen (kann). 39 lokale Borniertheit (abzuschaffen) aufzulösen,
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
Textvarianten
599
40—41 Wirklichkeit (und nach jahrtausendlanger Arbeit) und” durch® empirische®
Bedürfnisse® bestimmt®, es dahin
43_44 los zu werden. * (Das spezifische® revolutionäre® Verhältnis und der
spezifische Unterschied der revolutionären Kommunisten zu diese) Dies spezifische
revolutionäre Verhältnis der Kommunisten (zur) zu® den® (oben® entwickelten®)
bisherigen ([Unterordnung der) Lebensbedingungen® der® Individuen (unter)
[wurde]1 bereits früher dargestellt. *
* Sankt Max erkennt an einer späteren]1, profanen Stelle an, daß das (Indi¬
viduum) Ich® von der Welt einen (Fichteschen) /{51)[49]/ „Anstoß“ erhält. Daß
die Kommunisten diesen „Anstoß“, der freilich, wenn man sich nicht mit der bloßen
Redensart begnügt, ein höchst verwickelter und vielfach bestimmter „Anstoß“ wird,
unter ihre Kontrolle zu nehmen beabsichtigen, das ist freilich für Sankt Max ein
viel zu verwegener Gedanke, als daß er sich darauf einlassen könnte. *
Das Einzige, wozu
244 2—3 fortwährende (Intervention in ihrem Genüsse und ihrer Befriedigung
stört.) Häkelei® und® Katzbalgerei® mit® ihnen® ihren Genuß und ihre Befriedigung
versäuert. 10—11 [zu einem (beständigen) permanenten Lebensprozeß,
23—24 (Hegel).
♦ Übrigens ist Sankt Maxens (logische® Rechtfertigung® seiner®) (ganze)
Theorie von Schöpfer und Geschöpf (wörtlich) mit® ziemlicher® „Unbeholfen¬
heit®“ aus Hegels „Lehre vom Wesen“ (genommen, nur d[aß]) und zwar speziell aus
dem (genommen) abgeschrieben, was Hegel dort über die Reflexion sagt. Nur daß
Sankt Max ein Moment dieser Reflexion, die reine Reflexion, herausnimmt,
(und) die Hegelschen Kategorien: negative Beziehung auf sich pp, in „Selbst¬
verzehren“, Selbstauflösen usw., und den Unterschied zwischen dem setzenden und
gesetzten Ich in der Reflexion in den mystischen /[51a] [49a]/ Gegensatz von
Schöpfer und Geschöpf verwandelt. Kein Wunder, nachdem wir gesehen haben,
wie seine ganze schöpferische Tätigkeit sich auf Reflektieren über® sein® Verhält¬
nis® zu® seinen® Eigenschaften® beschränkt(e), daß er nun auch dahin fort¬
schreitet, (sich) Sich“ für „die reine Reflexion“ Hegels zu erklären, die übrigens
bei Hegel das „reine Wesen“ ist. So erreicht hier Sankt Maxens Kampf gegen das
„Wesen“ darin sein letztes Absehen, daß er sich selbst mit dem „Wesen“, und zwar dem
„reinen Wesen“ identifiziert. Hegel wollte übrigens in diesem Abschnitt der
Logik das „schöpferische Nichts“ in seinen Machinationen erklären, woraus es sich
erklärt, daß Stirner sich auch als dies „schöpferische Nichts“ darstellen muß.*
♦ Stirner * * Hegel *
* Ich setze bloß Mich voraus und
da I c h Mich voraussetze, habe
Ich keine Voraussetzung, denn
Ich verzehre meine Voraussetzung, denn
da Ich der Einzige bin, weiß Ich Nichts
von der Zweiheit eines voraussetzenden
und vorausgesetzten Ichs“ (in dem „Ein¬
zigen“ ist hier das z zu viel), „sondern
daß Ich Mich verzehre, heißt nur, daß
Ich bin. Ich setze Mich nicht voraus,
weil Ich Mich jeden Augenblick erst
setze oder schaffe, und nur da¬
durch Ich bin, daß Ich nicht voraus¬
gesetzt, sondern gesetzt bin, d. h. Ich
bin Schöpfer und Geschöpf in Einem.“
p. 200.*
* „Das Wesen setzt sich selbst vor¬
aus, und das Aufhelben]1 dieser
Voraussetzung ist es selbst, (p. 17) Weitl
es]1 Abstoßen seiner von sich selbst,
ofder Gleich] gültigkeit1 gegen sich,
negative [Beziehung auf]1 sich ist,
setzt es sich somit sich [selbst gegen¬
über1 ... es hat keine Vorausset¬
zung“. (p. 22)]1 ... „Das andere ist
nur durch [die Negation seiner“
(p. 107).]1 „Die Reflexion ist also [nur
als das Negative]1 ihrer selbst.
(Die setze [nde) Als voraussetzende
ist]1 sie schlechthin setzend [e Re¬
flexion“ (p. 18) ... „Sie besteht]1 also
darin, sie s e 1 b[s t und nicht sie
selbst und zwar]1 in Einer Ein¬
heit zu sein“ (p. 16. Schöpfer und
Geschöpf]1 in Einer Person).*
* „Es selbst“ (das Wesen) [..ist
diese Negativität, das sich]1 Aufheben
des An[dersseins und der Bestimmtheit“
(p.5)]1 *1 2
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
2 Dieser letzte Absatz von Marx eingeschaltet
600
Beschreibung der Manuskripte
* Es versteht sich, daß Hegel nicht so gedankenlos „ins Gelag hinein“ schreibt,
wie Sankt Max, und daher die Hegelschen, von unsrem Autor exploitierten Sätze
von verschiedenen Stellen zusammengeholt werden mußten, um seinem zusamm<en-
hangslosen Satze zu entsprechen. *
* „Ich setze bloß Mich voraus, und da“ usw.. d. h. Ich reflektiere über Mich,
und zwar Reflektieren hier im spekulativen Sinn genommen1. •
* (Von dieser) Über* diese® logische Funktion, in die er sich hier gesetzt
hat, stellt er nun weitere Betrachtungen an und spekuliert darüber, was das heißt,
daß ich über Mich (voraussetze) reflektiere®. (Die paar geringen logischen
Kunststücke, die er dazu nötig hatte, fand er fertig vor, konnte sie aber dennoch
nur mit dem größten Ungeschick und) Das geschieht (um nur Ein Beispiel zu
geben,) (etwa so:) (also folgender [maßen]) nun möglichst ..schief“. Z. B.: „Ich
setze bloß Mich voraus, und da Ich Mich voraussetze, habe Ich keine Vor¬
aussetzung“. Jedoch1 2 die „Virtuosität im Denken“, die er in diesem Satz, nament¬
lich nach Hegel entwickelt, „wollen Wir ihm schenken“ (Wig. p. 190), „ob¬
gleich jedes“ Wort „angegriffen werden müßte“ (ibid. p. 179), was „eine lang¬
weilige Arbeit wäre“ (ibid. p. 176). —*
* Da Stirner so nichts als eine Paraphrase des reinen Wesens oder der speku¬
lativen Reflexion ist, so ergibt sich, „nach der Mythe“, „durch natür-/{52}[49b] /
liehe Fortpflanzung“ schon hier von selbst, daß (seine) die „Geschöpfe seines
Geistes“ sich auf die einfachsten Reflexionsbestimmungen, wie Identität, Unter¬
schied, Gegensatz, beschränken, (wobei) Reflexionsbestimmungen, die er sich an
Allem, was „bis nach Berlin gedrungen ist“, klar zu machen sucht. — Was sein
„voraussetzungsloses Ich“ angeht, so werden wir darüber später noch „ein geringes
Wörtlein vernehmen“; kehren wir nun zu unsrer, als Schöpfer sich selbst als
(Geschöpf bebrütenden) Persönlichkeit zurück. *
Was wir bisher über (sein) Sanchos“ Spaltung 25—29 sagten, drückt (Stir¬
ner) er“ selbst“ nun schließlich (selbst) in logischer Form(. wo sich) aus“:
Schöpfer und Geschöpf verwandeln“ sich“ in voraussetzendes und vorausgesetztes,
resp. (insofern® bis ist®) setzendes und gesetztes Ich (verwandeln, so aus):
..Ich Meinesteils 42 (allergrößtes“ „Sondern““!“),
245 10—16 Stirner® ist* bis führt®. 44 Satze (Sankt Maxens) Sanchos“ ent¬
sprechend
246 11—21 Man* hätte* bis Objektiven*“. (Sein „Ich“ ist stets ein stummes, inner¬
lich verborgenes Ich, in seinem vorgestellten Ich, in dem als „Wesen“
vorgestellten Ich.)® 14 daß er als bloß „gesetztes“ Ich, (ein bloßes Schein-Ich,
und als) als Geschöpf 16—17 und nur“ „Wesen““, Schöpfer“ ist“, soweit
er nicht da ist. sich bloß vorstellt. (Schöpfer ist. „das Wesen“ ist.) soweit“
er“ 19 und“ sein“ ganzes“ Verhalten“ zur Welt 21—22 Sein“ ,Jch““ bis
vorgestellten Ich“. 3.3—34 Wörtlein vernehmen“. 34 Siehe* bis ..Einzigen*“.—
35—14 Wie“ bis Reflexion“ sind“. 43 ganz wie (bei seinem Verhältnis zur Welt)
die“ Weltverhältnisse“
Statt der obigen Einschaltung von Marx stand ursprünglich folgender Engels¬
scher Text
33—31 Wörtlein vernehmen“.
* (Der wahre Egoist (als) ist® Schöpfer (ist)) Wir haben bereits in der Ge¬
schichtskonstruktion unsres Heiligen häufig Gelegenheit gehabt zu bemerken, wie
(Sankt Max) Sancho“ nach Hegelscher Manier die Geschichte auf den Kopf
stellt und die spätere historische Erscheinung zur Ursache, zum Schöpfer der
früheren macht. Hier beim mit sich einigen Egoisten wendet (Sankt Max nun)
er“ dieses Kunststück auf sich selber an. (Wie er als Geschöpf ist, so ist er
in seiner Vorstellung.) Der Stirner gestern ist Geschöpf, der Stirner von heute
ist der Schöpfer. Er ist heute über sich, wie er gestern war. erhaben, er ist um
eines Tages Erfahrung reicher, er ist in (einer) andern Umgebungen, andre
Motive wirken auf ihn ein, (und) er hat ein Bewußtsein über das, was er gestern
war. und über den Unterschied zwischen seiner gestrigen und seiner heutigen
Bestimmtheit. Kurz er hat eine Vorstellung von dem. was er gestern w’ar, eine
Vorstellung, die das Geschöpf seiner Reflexion ist. Weil (ihm) nun die Reflexion,
1 Von d. h. bis hierher von Engels nachträglich eingeschaltet
2 Von Das geschieht bis hierher von Marx eingeschaltet
Textvarianten
601
und zwar die spekulative Re-/[{53}a] [50a]/flexion, seine spezifische Tätigkeit
ist, so verwechselt er, wie das im Wesen dieser Reflexion liegt, seine Vorstellung
von sich mit seiner Wirklichkeit und bildet sich ein, nicht (nur) etwa seine Vor¬
stellung von dem was er gestern war, sondern sich selbst, wie er gestern war ge¬
schaffen zu haben. In der Wirklichkeit freilich verhält sich die Sache umgekehrt
und der Stirner von gestern ist der Schöpfer oder vielmehr die Basis des Stirners
von heute. *
♦ Übrigens mußte der mit sich einige Egoist, (nicht) wenn Sankt Max kon¬
sequent war, nicht als Dualismus, sondern als Dreieinigkeit erscheinen. Unser
heiliger Autor zeigt uns zwar, wie der wahre Egoist Schöpfer und wie er Ge¬
schöpf ist, aber wie er Beides in Einem ist, das erfahren wir nicht. Bei Vater
und Sohn darf aber der heilige Geist nicht fehlen, und Sankt Max hat sich, durch
die Erzeugung der beiden ersteren, zugleich die Verpflichtung auferlegt, auch
diesen Dritten im Bunde nachzuliefern. *
* Der wahre Egoist ergab sich gleich im Anfang (der Konstruktion) als die®
negative Einheit des aufopfernden Egoisten und des Egoisten im gewöhnlichen
Verstände. Dies hat sich im ganzen Verlauf der Konstruktion bewährt.* Hierauf
ist die ganze untere Hälfte der Spalte leer gelassen. Darauf folgt nach Freilassung
des oberen Sechstels der folgenden Seite im Manuskript
247 1 /53Ь[50Ы/ P. 216. „Suchet 3—4 (d.®h.® bis Selbstverleugnung®)
17—18 worin“ bis aufgelöst“ hat“. 20—21 eine“ Phantasmagorie“ 27 (Siehe“:
bis etc.“) 34—35 Stirner® bis „des® (Geschöpf[s]®) Buchs®“.
247 42—2481 wird.* Wie aber der Kampf des Schöpfers gegen das Geschöpf über¬
haupt sich uns schon als ein bloß scheinbarer, innerhalb der Einheit Beider vor sich
gehender erwies, so auch der Kampf zwischen Stirner und Szeliga. * Der“ Kampf“
bis scheinbar“:
248 2 [jetzt] (seine eignen) die Phrasen 12 Zusammenhangs (zwischen Sankt
Max und Szeliga, seinem Knecht,) erhalten 13 d.® h.® Stirner. 22—23 wurde.
(Übrigens) Szeliga, das Geschöpf, tritt als aufopfernder Egoist, als (verklärter)
verkommener® Don
24825—249 ß Sancho Panza. * Da der Schöpfer stets über dem Geschöpf steht, so muß
in dieser Verjüngung Don Quijote bei seinem ehemaligen Schildknappen Knechts¬
dienste verrichten (muß).* * ; obwohl® es® sich® versteht®, daß (SanktMax®) Stirner”
in® letzter” Instanz® den® Egoisten® ime außergewöhnlichen® Verstände® geltend®
macht®. — *
Hier® tritt® bis Knechtsdienste®.
24 8 32 [überhaupt (der) Stirners® Egoist 33 und (der) sein® aufopfernder
38 machen, (in Donquijoteri[en sei er ihm]) [daß] er ihn 40 gegen die (Herr¬
schaft]) D[onquijoterie sei]nes
249 3—4 von (seinem) der” ihm® unerreichbaren (Ideal) Bourgeoisie (erstrfeckt])
reduziert. 5 als“ Szeliga“ 14 noch immer (wirft) streut® er (mit) Sprüch-
wörter(n) 19 er (sich jetzt) im Stande der Heiligkeit jetzt“ fortwährend sich“
selbst 23 in den Phrasen (Stirners, des Schöpfers selbst), wo Szeliga 25 weil”
Szeliga® Geschöpf® ist®, 26 Szeliga nur als (Geschöpf, nicht) ,.G e h e i m -
n i s“ auftreten. 27 des Geheimnisses kam (nicht ihm, dem Geschöpf, sie kam)
Stirner 28—31 daß hier (etwas Großes. Heiliges zu Grunde liege, und eben darum
(ließen) blieben wir ehrfurchtsvoll in der Ferne stehen. Unser Glaube, unsre De¬
mut, ist belohnt worden. Das gottselige Geheimnis ist offenbaret durch die Gnade
des Einzigen. Hallelujah!) ein® großes® bis am® Zwanzigsten®.
250 5 da Sankt] (Max) Sancho“ 11 weitläuftig® nachgewiesen® 16—17 Gleich¬
nisse® bis Leser® 20 (pomphafte) schwerfällige® Beteuerung 22—24 Sprach¬
polterei® bis absoluten® Begriff®, —
250 40—2519 Wir* können® bis sehen® werden®.
25041—2511 Tüchtigkeit (Sankt Maxens) Sanchos“
251 14 Da(, wie wir gesehen haben,) unser Heiliger 18—19 der* beiden* Seiten®
untereinander® 27—28 das (Unentbehrliche und) für das mensch¬
liche ((hier mit dem physischen Leben identifizierte)) Leben 36—39 was®
mich® bis Halt®. 38—39 wenigstens bei (Sankt Max) Sancho“ allen Sinn und
Halt *, weil ihm jedes Kriterium mangelt und er deshalb entweder rein will-
602
Beschreibung der Manuskripte
kürlich oder nach empirischen Bestimmungen verfahren muß, die seinen Stand¬
punkt umstoßen.* Als Vollendung
252 3 (Siehe“: „Mein“ Selbstgenuß““). 13—14 einer („scharfsinnigen“) eben¬
so* selbstgefälligen® wie* spottwohlfeilen® 16—17 inwiefern® bis täuschen®,
22 unsres (Sankt) Sancho, 23 und® Gedanken®-Unterschiede 34 Beruf, (den
Dir) zu® dem® Dich® Cervantes am 30sten (gesetzt) berufen® hat. 41 Klange
nach (sich einschieben lassen, um) zur
253 9 wird. * Sie sieht so unschuldig und harmlos aus, daß es Niemanden ein¬
fällt, etwas hinter ihr zu suchen, besonders wenn man gleich auf die Apposition
einige recht tautologische (Sätze) und unbestreitbare Sätze in der Form von tief¬
sinnigen Schlüssen folgen läßt, (welche dann sicher sind) die kritische Aufmerksam¬
keit gänzlich von der Apposition ablenken. Dieser ablenkende Anhang ist um so wohl¬
feiler herzustellen, als man durch die Apposition ja doch Alles erreicht hat, was man
wollte.* Wenn man io /55a[52a]/ Sankt (Maxens) Sanchos 19 Welt, wo (sich)
sie“ ihm dazu 29—30 daß die (Schlußepoche) Schlußphrase“ 32 vollendeten
(Phase) Phrase hin
25340—254 3 in® verschiedenen® bis übersetzt® wird®.
254 3 Man“ bis Notstand“ etc.“ 25 und“ so"' und“ so“ viel“ Meilen“
26—27 nach“ deutsch“-spießbürgerlicher“ Vorstellung“ (natürlich) nur
36—37 aussehen?
(Etymologisieren wir auch einmal.)
Wenn
255 7—10 das in der (Empirie) Praxis“ sowohl wie in der (Theorie) Speku¬
lation vorkommt, in seiner (theoretischen) spekulativen“ Bedeutung anwendet,
(und damit zugleich) über diese (theoretische) spekulative Bedeutung einige
Phrasen macht, und dann sich stellt, als ob er damit auch die (empirischen) wirk¬
lichen“ Verhältnisse 12—14 P.® 406® bis o® Szeliga®! 17 dem® verborgnen® (Bour¬
geois®) Kleinbürger“ 18—20 (siehe® bis wird®) 18—19 oben (p.) beim“ „Kommu¬
nismus““ 28 ä la (Stimer) Sancho зо sagt® Hegel®. 41 Napoleons. (Hieraus er¬
klärt sich dann auch ganz natürlich) „Der
256 1—2 Verfall von Wechseln (( der Wechsel pflegt hier in seiner
Bestimmtheit als Solawechsel aufzutreten)) bedingt sind. 5—6 unter® andern®
den Wechsel (lettre® de® change®) beseitigen. 33 (Siehe“ bis Teil“.)
35 für® ihn® existierenden® 37—41 wie (Sankt® Max® in”) Sancho“ in“ dieser Formel
sich nur (eine [Folrmel1 für reine) die® verschiedenen® reinen® Reflexionsbestim-
mungen, wie Identität, Gegensatz pp (ist.)
((Die) Das allgemeinste (Form) Urteil ist) an® allen® möglichen® Dingen® (klar”
macht®) (sich“ erfolglos“) klar“ bis „trachtet““.
(Ich bin nicht Nicht-Ich.)
Fangen wir
257 12 wird(, wodurch sich der einfache Satz, daß Ich nicht das Volk bin, in
die große, neue Entdeckung verwandelt, daß Ich die Auflösung des Volks
bin.); 2) 22 Sankt (Max) Sancho® (uns irgend etwas über das Volk sagte.)
auch nur 25 haben. (An das Volk kann nun von Außen, d. h. aus der alltäg¬
lichen Erfahrung) Soll
25 8 22—23 Meine Nichtfreiheit (und weiter in Meine Armut, Mein Unglück).
Das 24—26 Negation [ist, (elbensowohl1 nun (die bloße Verschie[denheit]) den
bloßen [Unterschlied1 ausdrückt, wird in der [zweiten GHeichung1 zu einer ganz be¬
stimmten [Verschiedenheit, dlem1 direkten Gegensatz und [dadurch zu der]1 Ver¬
neinung; Meine Nichtfreitheit, also z.]1 B. Verneinung) alle® möglichen® bis Reich¬
tum® ist®, wird
37 Wir gingen eben aus“ von 40 nach® obiger® Manier®
259 7—8 wendet (nun) diese verschiedenen (Manieren) Methoden 34—37 Dies® ist"
bis ihnen® weiß® 34 Dies ist um so (leichter) komischer*
25941—2601 Sankt Sanchos.
* Die hauptsächlichsten metaphysischen® Namen, die diesem dem Ich gegea-
überstehenden Nicht-Ich gegeben werden, sind nun: das Bestehende, also dis
ohne mich selbstständig Bestehende, das Fremde, das Heilige. Wir haben in unserer
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
Textvarianten
603
(ganzen) bisherigen (Kritik) (Entwicklung®) Darstellung® gesehen, wie die ganze
Kritik Sankt Sanchos darin bestand, den zu kritisierenden Gegenstand (in) für „das
Heilige“ zu (verwandeln) erklären®, und sein Kampf gegen die Welt darin, seine
heilige Vorstellung von ihr zu bekämpfen. *
Das dem Ich
260 7—8 nun wieder (dasselbe) irgend® ein® Objekt 9 und“ ihm“ an¬
gehöriges“ 16—17 vorfinden“ [zu lass]en1, in die (bloße) ganz [abstrakte]
(Entfremdung, die bloße [Illusion1]) Phrase® 21 Stelle der® Entwicklung® aller
23 zu [setzen. (Wie]1 sehr Sankt Sancho sich [auf die) Die]1 Unterschiebung
25—26 werden kann) (beschränkt, geht schon daraus hervor, daß er) erhält
31— 36 und® bemerken® bis schildern® kann®. 37—38 in das Heilige (verwandelt.
Weil), weil“ 40—41 alles Fremde (nur ein Gedanke, eine Vorstellung
ist) zu® einem® bloßen® Scheine®, einer bloßen® Vorstellung wird“,
von der
261 8—9 oben weitläuftig® sahen 13—14 ebenso® die® Illusionen® bis Bourgeoisie®
versah®, 13 ebenso die (wirkliche oder schteinbare, bloß]1 in scheinheiligen
Phrasen be[stehende, heuchlerische]1 Illusion einer Klasse für d[as einzige]1
reale Motiv der von Indifviduen dieser bestimmten]1 Klasse ausgehenden Hand¬
lut ngen versah]1) Illusionen der Klein [bürger über]1 die Bourgeoisie
21—37 Die® positive® bis verloren® 36 Überhaupt hat (er) Sancho®
262 6—8 Es ist (Sankt Sanchos) die „einzige“ Möglichkeit für Sankt Sancho(,
wirklichen Inhalt) einen“ Schein™ von“ Inhalt“ hereinzubringen, 9—10 So kann
(Sankt) Sancho 16 Vorstellung („das Heilige“) das gemein, 23 Arbeit ([von
einander1 verschieden) sind(, inwiefern sie selbst1 das Heilige sind), ab¬
gesehen von]1 38—39 die abstrakten (Prädikate und) Ideen
263 23 ist die (Stirnersche“) verstimerte“ „Abhandlung“.
264 9 (p.® 85®) 20 Philosoph (dazu) (d.® h.® kritisch) zu ihr 39 Sinn ver¬
liert, (weil) indem Du
265 10 Vorstellung von® meinem® Himmel”, nicht (meine) meinen® Himmel®. 16—23 Du®
nennst® bis Heilige® versenkt®?
32— 33 in sich selbst verschieden, (und so kann Sankt Sancho, indem er auf das
Verhältnis des Individuums zu seinen eignen Eigenschaften übergeht, der Reihe
nach jede einzelne Eigenschaft als das Heilige fassen, wie /58c[55c]/ wir schon
oben bei der Selbstverleugnung sahen, jenachdem er sich® das Individuum in
einer oder der andern seiner Eigenschaften bestimmt denkt, den Gegenstand zu
dem diese Eigenschaft in Beziehung steht, als das Heilige fassen, und so der
Reihe nach mit allen seinen Eigenschaften und den ihnen entsprechenden äuße¬
ren Objekten. Hiervon haben wir schon oben bei der Selbstverleugnung weitläuftige
Exempel gehabt.) 33—35 So“ kann Sankt Sancho, indem® bis faßt®, bestimmt
36—37 der" andern" bis andern® Eigenschaften“ selbst”(, wie“ wir" das® vorhin® ge¬
sehen® haben®), als das® Fremde®, das Heilige bestimmen“, und so 38—42 So® z.® B.”
bis ine Selbstverleugnung®.
266 2—6 der Welt ist (Folgendes,) die Verwandlung praktischer Kollisionen®,
d.® h.® Kollisionen der Individuen (d.e h.® Kollisionen®) mit ihren® (wirklichen)
praktischen® Lebensbedingungen®, in ideelle® Kollisionen, d.e h.e ine Kollisionen®
dieser Individuen mit Vorstellungen, die sie sich machen oder® sich® in® den®
Kopfe setzen®. 8—9 Spiegelbild der (praktischen) wirklichen® Kollisionen іо—із Die®
wirklichen® bis dem® Heiligen®. 14 zu Stande, die (praktische) wirkliche® Kollision,
(die (Ursache der) Basis) das Urbild 15—16 zu verwandeln. (Und hierdurch)
So“ kommt er (dann) zu 25—26 daher® sich® bis verwandelt®. 28—29 heiligen
Geist begehe (und dieser Vorstellung den Gehorsam aufkündigt,), von“ dieser
Vorstellung (diesem Heiligen) abstrahiert“, 38—39 die® Individuen® bis darzu¬
stellen® und sich dann
41 Eine® weitere(s) Verzweigung® dieses* logische(s)n Kunststücks, und
267 2 wirklich ist, als® das® Fremde®, also“ das® Heilige®, und macht 3—4 als
das (einzig) Berechtigte, das“ Ideale“, das 7—8 (setze“ bis herein“)
25—26 der Individuen von (ihrer Basis, den) ihren“ Lebensverhältnissen, (den)
ihren“ praktischen Kollisionen und Widersprüchen (in® denen® sich® diese(r)
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
604
Beschreibung der Manuskripte
Individuen befinden,) trennt, 27 Hier nun (treten) erscheinen“ diese 28—30 der
/59а[56аІ/ Aufgabe (auf). Der Beruf (erscheint) hat“ bei Sankt Sancho (in)
eine(r) doppelte(n) Gestalt;
35 Exempel hatten. * Über diese Art des Berufes, wo eine der Lebensbedin¬
gungen einer Klasse von den diese Klasse konstituierenden Individuen heraus¬
gehoben und als allgemeine Forderung an alle Menschen hingestellt wird, wo
(also z. B.) der Bourgeois die Politik und die Moralität deren Existenz er nicht
entbehren kann, zum Beruf aller Menschen macht, hierüber haben wir schon oben
weitläuftig gesprochen. * Sodann 33—34 also ein Beruf, an“ den das Individuum
(sich selber (setzt,) einbildet“ zu dem es sich beruft) selber“ glaubt“. Wenn 37 und®
von® seinem® eignen® Leib®
26745—2681 von diesem ihnen durch (die Verhältnisse) ihr® empirisches® Dasein®
268 8 gemeinsamen Bedürfnisse^ geschweige seine,) befriedigen 9 Arbeit (auf
gleiche) zu“ gleicher“ Stufe n—15 der® aus® seiner® Stellung® bis verdrängt*
wird®, — 13—15 dieser Proletarier^ der) hat“ schon hierdurch die wirkliche
Aufgabe (hat,) seine Ver-/59b[56b]/hältnisse (durch eine Revolution anders zu
gestalten, kann) zu“ revolutionieren“. Er“ kann 17—21 ausdrücken, daß (er
seine Verhältnisse menschlich gestalten, daß er als „Mensch“ anerkannt sein
will.) (es® sein® menschlicher® Beruf®) es® der® menschliche® bis Bedürfnisse® ge¬
stattet®. 23 an dem Wort“ „Beruf“, 25—26 die® leichteste® bis zu® gehen®“.
28—29 eine Klasse herrschte, (muß) (wo also wieder) (und wo stets eine andre
Klasse gegen die herrschende kämpfte) wo® (also®) die® bis zusammenfielen®,
35 die Aufgabe (jeder) der“ Individuen“ einer“ zur Herrschaft
269 22 wegzuschaffen. (Was ist denn dies „Erhebliche“ für unsren Heiligen?)
Für 32—36 Dies® hängt® bis anwenden® mußt®. (Dann) Ferner“ muß 41—42 ge¬
hüllt, um den (ganz nackt tautologischen) Inhalt zu verdecken: (Wenn Du als)
Als Bestimmter,
44—45 oder nicht. * Du kannst nicht leben, nicht essen, nicht schlafen, nicht
Dich bewegen, nicht irgend etwas Beliebiges tun, ohne Dir zugleich eine Bestim¬
mung. eine Aufgabe zu setzen. — eine Theorie, die also, statt von der Aufgaben¬
stellung, dem Beruf pp (zu befreiefn]) loszukommen, wie sie vorgibt, erst recht
jede Lebens-/{60}[57]/äußerung, ja das Leben selbst in eine „Aufgabe“ ver¬
wandelt.* Sie geht aus (dem Bedürfnis, daß Du realisieren mußt, und dem Zu¬
sammenhang seiner Verwirklichung) Deinem® Bedürfnis und® (Deinem®) seinem®
270 6—7 daß in® dieser® Abstrakion® Alles 9 Deines Blutes, (pp. Sonst gehört
Alles zu Deiner Selbstbestimmung, was (aus Deiner) (Gesa) (eben) (Eben so allge¬
meine Sachen sind) Denken, 17—18 in jedem Momente auch* ein Anderer 24 der
praktische®, moralische 30—31 des Denkens(; wenn Sankt Sancho dies gerne hört,)
so sieht (dieser) Sankt“ Sancho“ hierin nur 40 des einzig (praktischen) (wirk¬
lichen) existierenden“ Berufs, (der überhaupt existiert) — also n Die allseitige
Verwirklichung (der Anlagen) des 42 als Beruf pp (zu erscheifnen]) vorgestellt
271 4 ohne daß man (von ihnen etwas zu wissen braucht) sie“ zu“ berühren“
braucht“.
15—24 Gerade® wie® bis „Selbstgenuß®“. 26 Kunststücke aufgezeigt®, vermittelst
26—27 die bestehende® Welt kanonisiert 27 und verzehrt(. aufgezeigt). Er 30—3t von
selbst. (. da er nur die Illusion sich gegenüberstehen hat, nur mit seinen eignen, die
Welt heiligenden Vorstellungen kämpft. Soweit er aber kritisieren wollte) Wollte“
er™ kritisieren, so“ finge die profane® Kritik 32 aufhört. („Wollte er“ kritisieren,
so hatte er diesen „Beruf“. Wir behaupten nun keineswegs, daß Sankt Sancho zur
Kritik ..berufen“ ist. weisen vielmehr nach, wie er sich völlig ..beruflos“ zu diesem
Geschäft herzudrängte.)
271.32—2729 Je® mehr® bis schließen® sollen*.
272 12—13 Geschichte als (treibende Kraft, als) tätiges 18—24 der® bei® ihm® bis
Grundlage® haben®. зо aufgibt. (Die Grundformeln dieser Aneignung liegen
schon in den obigen Gleichungen, wo er sich nur als positives Ich gegenüber dem
Volk, Volksreichtum etc. geltend zu machen hat.) Dadurch 4.3—44 Unsinn der
(christlichen Liebe) allgemeinen® Menschenliebe®,
273 6 ihm ganz* notwendig® als 7 eine* Daseinsweise® „d e s Menschen“, 17 Die
(Gesetzlichkeit) Rechtlichkeit зо—36 Wenn* Sankt® Sancho® bis Eigenschaft® ist*.
Textvarianten
605
274 7—12 Gehte „Stirner®“ bis Knurren® in* seinem* Magen®. 17—27 Ohren haben
mag. — (Was Sankt Sancho eigentlich mit dieser Art der Aneignung will, ist daß die
andern Leute arbeiten sollen, während er sich durch seine fünf Sinne die Produkte
ihrer Arbeit (ungeniert) auf eine ungenierte angenehme Weise aneignet.) Hätte® bis
Ideologen” ausüben®. 36—37 nicht” als“ sich® bis als® sich” entfremdet”. 44 in“
seiner™ bis ist™.
275 1—20 Da® Alles® bis „Wendung®.“ 21—22 für die Negation® des* ine den obigen
Gleichungen (schon enthaltene Negation des) dem Ich зо—31 Kopula, meine* bis
Prädikat”, allein
27 5 44—27 6 3 z. B. ([Meilner1 Astronomie) mit [Meijnem1 angeschauten® Laden”.
Insofern [also]1 in Mir das Denken von allen [andern]1 Eigenschaften (und die
Astronomie, [ebensow]ohl1 Medizin etc. total verschieden) (der® Laden“) z.” B.” bis
Wurstladen® etc. total unterschieden® ist,
276 35—37 Nun™ erst™, wo™ bis Bestimmtheit™ hat™, die” in® der® Antithese” fest¬
gehalten® wird”, kann™ die™ Antithese™ einen™ Inhalt™ (erhalten™) erzeugen™.
277 7—8 ohne” ihn® bestehend®, heilig”, ansehen konnte, 9 für sein (Geschöpf)
Machwerk®, für
14 brauchen. * Wir erinnern nur daran, daß damals Eigentum an einer Sache als
,Auflösen“ bestimmt wurde, nämlich als Auflösen seiner eignen Reflexionsbestim¬
mung, ein Auflösen, das in letzter Instanz die Form der Gleichgültigkeit hatte, die,
wie wir sahen, wieder aufgelöst werden mußte.* 1 2 * Hierdurch wird
17—26 Das® eigentliche® bis „Exploitationstheorie®“ 27—28 Aneignung (treten auch
als) werden“ gemütliche Kategorien (auf), 32—35 (Respekt” bis als” Hei¬
liges“), und diese permanente Aufkündigung (in) eine Tat (verwandelt) tituliert™,
eine Tat, die umso (komischer) burlesker“ erscheint, 40—11 um respektlos mit ihr
(zu verfahren) umzuspringen™. Diese (ganze) Drohung mit (seiner) ihrer™ weltver¬
nichtenden
278 3—5 und” zum“ Schluß bis zu“ begehen”. 14 Praxis wieder ([in]1 die Theorie
umschlagen, (wo) und) zu einer 17—19 wobei® er®] bis versucht®. 28 mit® Zitaten*
und“ Sprüchlein® verbrämte”
30—32 Die Renommage (erscheint) (, die) ist schon an und für sich sentimental (ist
erscheint uns). Außerdem® kommt* aber® die® Sentimentalität® im Buche
auch noch als“ (ausdrücklich als Sentimentalität) ausdrückliche“ Kategorie“
vor”, die 35 waren, so muß(te) bei“ näherer“ Entwicklung” doch 37—38 und
dies (war) ist nur durch eine (innerliche,) forcierte Aufspreizung (des) dieses Ich
40—41 vermeiden, (wo) sobald“ er sich die Prädikate „d e s Menschen“ (ausdrück¬
lich als seine) unbesehen 42—44 „aus“ Egoismus”“ „liebt“ — (wo er natürlich)
und“ so“ seinen Eigenschaften eine (aufgedunsene Überschwenglich[keit]) über¬
schwengliche Aufgedunsenheit gibt.
279 1 erklärt und” ebendaselbst® 28 sehen. (Siehe™: „Empörung““). 31 zwölf®
Körbe“ voll“; 34 einige abgegriffene, (logische) (unlogische®) kasuistische*
37—38 uns dazu den (weiteren) Beweis im Einzelnen liefern.
39—10 So“ bis (p.“86”). Hiernach ist 4/і der Seite freigelassen.
280 4—5 P. 89 „des Buchs“.
* Die Freiheit ist von den Philosophen bisher in doppelter Weise bestimmt wor¬
den; einerseits als Macht (über (die) der Selbstbestimmung), als Herrschaft über
die Umstände und Verhältnisse, in denen ein Individuum lebt, — von allen Ma¬
terialisten; andrerseits als Selbstbestimmung“, Lossein von der wirklichen Welt, als
bloß imaginäre Freiheit des Geistes — von allen Idealisten, besonders den deutschen.
— Nachdem wir vorhin in der Phänomenologie Sankt Maxens wahren Egoisten
seinen Egoismus im Auflösen, im Produzieren des Losseins, der idealistischen Frei¬
heit suchen sahen, nimmt es sich komisch aus, wie er im Kapitel von der Eigenheit
die entgegengesetzte Bestimmung, die Macht(, seine Bedürf [nisse]) über die ihn be¬
stimmenden Umstände, die materialistische Freiheit gegenüber dem „Lossein“ geltend
macht. *
Wir haben bereits 8 die bereits im (ersten da war) alten durchging. 14 spricht
1 Von den Mäusen zerfressene Stelle
2 Diese durchgestrichene Stelle von Engels nachträglich in die rechte Spalte ge¬
schrieben
606
Beschreibung der Manuskript«
Sankt (Max) Sancho“ 15 magern Kategorien (die er sich an (allen) den Namen
von allerlei wirklichen Dingen, jedoch mit wenig Erfolg, klar zu machen strebt).
21—22 des Sozialismus (und politischen Liberalismus) in seiner miserabelsten (Form)
Gestalt“ gegen
26—27 hingewiesen wird. * (Daß sich übrigefns]) Wenn der Leser sich übrigens er¬
innert, was bei Sankt Max „Eigentum“ heißt, so wird er lächeln über den schwachen
Versuch unsres Heiligen, hier den Schein hervorzubringen, als knüpfe er an be¬
kannte Voraussetzungen an.*
„Wie Ich 32—34 per® apposit.® von* „Allem*“. Dies* („Alles* wird® indes* im®
folgenden* Satze® scheinbar® näher® bestimmt®) mal® wird* indes* bis gegeben®. (Und
nachdem) Nachdem* er nämlich* dies 35 wird (Sankt Max) Sancho“ sentimental:
281 3 und* zugleich® 4—6 Schranke war, (in die) mit der viel (frühere) früheren
christlich- (idealistische) idealistischen Freiheit aus den Briefen an die Römer und
Korinther (verwandelt.) identifiziert 16 Um dem (Publikum) deutschen Bürger
(dies Alles) seine® Freiheitstheorie® sonnenklar zu machen, fängt (Sankt Max)
Sancho“ 34 daß der „gebildete*“ Berliner 36—37 weiß. (Der einfache Satz:)
Die einfache Tatsache ist diese: 41—43 obgleich® bis Kunst® ist*;
282 2—5 gefallen sind, und“ der“ bis zu“ haben“, phantasiert (nun) sogleich* vom
Luftflug, nachdem® bis gefahren® ist®. 6 Eisenbahnen. (Er) Sankt® Sancho*
10—14 Kopf. (Wenn) Als der Hauderer und Frachtwagen den entwickelten Bedürf¬
nissen des Verkehrs nicht mehr genügte, (wurden Hauderer) als u. A. die Zentrali¬
sation der (großen Industrie) Produktion durch die große Industrie neue Mittel
(zu massenhaftem) zum rascheren® und® massenweisen® Transport 16—17 Dem
Erfinder und* den® Aktionären® war es um (seinen) ihren® Profit, 20—21 Erfindung
(beruhte) in (andern) verschiednen“ Ländern beruhte (wieder) auf (andern) ver-
schiednen“ empirischen 26 du Nord). (Wieder in) In“ andern 32—36 Spinn¬
rad (aufzugeben) fahren zu lassen. Der“ Mangel“ bis gleichen“ Schritt“. 40 Der
positive Kern (dieser) der® ideologischen® Verachtung (Sankt® Sanchos®) des® Bür¬
gers* gegen 42—43 Landstraße. (Stimer) Sancho“ sehnt sich (nämliclh]) nach
283 1 tatlosen und (ignoranten) unwissenden 25 verrät (“ (vielmehr von Stirner
„verraten“ wird) „), sie aufgeben? 34—36 zu werden; daß“ sich“ bis für“ ihn“
ergab“. 38—39 das® als® christliches*, bis „des® Menschen®“ zurecht
284 7—8 unser (Welteroberer) welterobernder® Sancho® 13—14 ein bestimmtes*
wirklich(es,) empfundenes Bedürfnis befriedigen. (Durch die Beseitigung dieses Mo¬
ments konnte Sankt Sancho die Individuen nach einem phantastischen Ideal, (der)
nach der Freiheit als solcher, der Freiheit „des [Menschen“]) An die Stelle 15 trat
(somit) durch® Beseitigung* dieses® Momentes® „der Mensch“, 18—22 Das Zweite
war, daß (in den (Selbst) historischen Befreiungen die) ein(e bisher nur) in den
sich befreienden Individuen bisher® nur als Anlage (existierende Macht) existieren¬
des® Vermögen® erst (verwirklicht wurde, daß jeder geschichtliche Befreiungsakt zu¬
gleich eine Vermehrung der existierenden Gesamt-Produktionskraft war,) als* wirk¬
liche* Macht* betätigt* oder eine bereits existierende Macht durch Abstreifung einer
Schranke vergrößert (wurde) wird®. (Wenn bisher) Allerdings® kann® man* das Ab¬
streifen 24—26 Hauptsache (betrachtet, so kann dies nur dann geschehen) betrach¬
ten®. Zu® dieser® Illusion® kommt® man® aber® nur® dann*, wenn man entweder* die
Politik als die Basis der (Geschichte) empirischen 27—28 oder endlich, wenn® man®
(nachher, wenn) nachdem® die neue Macht 34—35 Eigenheit, das (erfüllte) wirk¬
liche* Innehaben der (wirklichen) eignen® Macht
28441—2851 hat, darüber® wollen wir (ihm) ihn® nicht (mit den) auf* die® Ma¬
terialisten oder Kommunisten(, was er nicht verdient), sondern (mit dem) nur® auf®
das® Dictionnaire de l’academie (beweisen) verweisen®,
285 5—7 Als® deutscher® bis delektieren*. 12 Nachdem er so (selbst) durch
(s)eine (bisherige) wohlfeile“ Abstraktion 14 jetzt erst an diesen® Unter¬
schied* zu entwickeln 17—19 und® daß* bis mit* unterläuft*.
286 16 beweist hier, (statt sich über die vielen Prügel, die er erhält, zu beklagen,
vielmehr, daß diese Prügel sein Eigentum sind.) daß er 29 auch als („Eigentum
des) „Eigner®“ des* Vorbehalts 10—41 aus“ der“ Sprache“ bis übersetzt“.
28 7 26 (Siehe“ bis legislation“.) 31 ..innerlich*“ frei von der (Demütigung)
Selbstdemütigung* sind, (die) wie“ sie 34 dies Lossein (will er nicht los werden)
(bildet® eine* seiner®) gehört® zu* seiner® Eigenheit®. — 41—15 Er“ muß“ bis
..Eigenheit““ sein“. Die „Eigenheit“ eines® Individuums*
Textvarianten
607
288 2—3 Maßstab“ an (ihn) es legen, wenn (unser Heiliger) „Man““ das Gegenteil
11—13 der” hier' glaubt' bis Gebrauch', — ..sehe zu“, 14—15 behält' nichts' bis
Beines' und' ist zum 15—16 Beines geworden (und behält nichts als den Verlust
seines Beines). Wenn er (wölf) acht' Stunden 17 der mit1’ der“ Zeit® zum Idioten
21 „Das® erste® bis erworben®!“ 27 Diese „tiefere Kluft“ (wird uns nun dadurch
erklärt) besteht® darin®, daß 30 Aus (dieser) der“ Bestimmung 33 als“
deutscher“ Kleinbürger 34—35 Interessen nur den (Kampf) Hader um (den In¬
halt) die® Bestimmung® dieses „Wovon“ (und zeigt sich so wieder, daß die Leicht¬
gläubigkeit seine „Eigenheit“ ist — bei welcher Gelegenheit]), wobei
289 io Bei (der Naturstimme) dieser® Gelegenheit® 14 (p. 215). ((Wir werden
an einem späteren Ort auf die Erschöpfung der Freiheitsforderung zu sprechen
kommen) Siehe“: „Das“ hohe“ Lied“ Salomonis““).
22—28 wird zum bloßen (Dasein) Vorhandensein®, Gegenwart *. Wenn Sankt Max
bereits p. 210 sich darauf beruft, daß auch Metternich und Karl X. stets von der
Freiheit in ihrem Sinn sprechen, so ist ihm hierauf zu Gemüte zu führen, daß diese
Leute ebensosehr sich auf die Eigenheit beriefen, auf die Eigenheit der Tiroler
Bauern, die ihnen nicht genommen werden sollte usw. — daß namentlich in Deutsch¬
land (die Geltendmachung der) die Eigenheit gegen die Freiheit von der politischen
Reaktion immer geltend gemacht wurde (vergl. die historische Schule pp)* unde
zwar" bis verloren” gehe®“! (Siehe“: „Das“hohe“Lied“Salomonis““). 29—30 durch'
die® „Ergebenheit®“, „Ergebung®“, 31—36 sei® es' bis Leben® aufgibt®. (Nach p.219,
wo er gegen den Mond wütet, besteht setine]) — P. 218 38 durch die (Sankt Max)
Sancho“ seine 39—41 (Mittel®, die' bis mußte') 40 Meine Eigenheit (anwenden
muß) anwendet, 41 „ergeben“ (hat) mußte)
290 8 Auffassung der (Freiheit) Eigenheit 14—17 oder® haben® bis gegen®
Andre'?) 38 Obgleich (er) Sankt® Sancho® 42 — Abgeschmackte“ Para¬
phrase“! — 45 z.® B.” bis Geld® hat®.
291 4 Sachen („angenommen“ hat) „annimmt“ 7—8 und® keineswegs® bis ge¬
setzten® 23—24 zu haben“ scheint. (Wenn wir übrigens einmal in Stirnerscher
Manier distinguieren wollen, so ..ist hier zu sagen“, daß in „dem Buche“ das wenige
Richtige (z. B. daß Franzi, einen Eid brach, daß Robespierre viele Leute köpfen
ließ, daß pp) und die Hälfte des Unsinns „eingegeben“, die andre Hälfte des Unsinns
dagegen „eigen“ ist.)
„Der Eigner
292 1 Wir (haben) vermißten“ seit einiger Zeit „das Heilige“ schmerzlich (vermißt).
Wir 22 P. 224, 225. (Stirner) Sancho zeigt 35—36 Eigenheit war. (Die wahre,
eigentliche Eigenheit ist nämlich die Beschreibung]) „Die Eigenheit“, 41 negie¬
ren (und), in ihrer (positiven) Wahrheit zu fassen, (ein Gedankenprozeß, nach)
und diesen, 43 wirklichen Ich zu nennen. [Hiermit schloß ursprünglich das Ka¬
pitel von der „Eigenheit“. Engels schrieb jedoch in die rechte Spalte dieser zweiten
Seite des Bogens 66 den Text von
293 1—30, nachdem die dritte und vierte, das zweite Blatt des Bogens bildende Seite
aus dem Manuskript entfernt war]. 25 wie Sancho, nicht® in der Freiheit (keine)
eine® Macht,
26—27 für eine Macht.
(Der Berliner Kleinbürger, speziell der ein „jebildeter Mann“ ist, ist über die
Freiheit längst hinweg und verhält sich gleichgültig gegen sie.)
Was der gewöhnliche 29—30 Er ist stolz auf (seine Ohnmacht. Sancho ist der
ideologisierende Berliner Kleinbürger, der sich seiner (Lumperei) Ohnmacht rühmt
und) seine lumpige Eigenheit und eigne Lumperei (als höchsten Effort der Philo¬
sophie proklamiert).
294 1—2 Verdeckung (er) Sancho“ 21—22 als® Vordersatz® 24—25 Er“ spricht“
bis wird“. 25 es (in ein Prädikat Gottes) als heiliges 27 ist, (kann es nun beliebig
bestimmt) können' ihm® nun® beliebige' Namen' gegeben' werden, 35—36 Recht
gibt“ ((d. h.) wenn (Stirner sich selbst Recht gibt) nun' bis wäre”?)
295 5—6 P. 244, 245. (Die Schlauheit, die wir schon) In diesem meisterhaften Satze
ist zu bewundern (erstens) die schlaue
7 der Synonymik(. womit das Recht, was mir ein beliebiger „Dummkopf“ gibt, in
das Recht verwandelt wird, das mir ein Gerichtshof gibt). Recht geben 9 werden
608
Beschreibung der Manuskripte
(hier) identifiziert. (Zweitens) Noch“1 bewunderungswürdiger“ ist (zu bewunderm)>
der
11—12 zu behalten — (was höchstens hier und da in der deutschen Kleinstädterei ads
spießbürgerliches point d’honneur vorkommt. Diese Leichtgläubigkeit, die) —“ eim“1
Glaube“, der“ die Gerichte aus der Rechthaberei erklärt. (, übertrifft alle Proben.,
die wir bisher davon* hatten.) (Drittens) * Welche Vorstellung Saint Jacques le bo>n-
homme überhaupt von einem Gericht hat, geht schon daraus hervor, daß er als Exenn-
j>el das Oberzensurgericht anführt, was höchstens in der preußischen Vorstellung f ür
ein Gericht gilt, (was kein) ein Gericht, (was) das bloß Verwaltungsmaßregeln zu
beschließen, keine Strafe zu diktieren, keine Zivilprozesse zu schlichten hat. (Drittelns/
(Übrigens) Daß zwei ganz verschiedne (Weltzulstände]) (Gesellschaftszulstände ]/
Produktionszustände den Individuen zu Grunde liegen, wo Gericht und Administra¬
tion getrennt sind und wo sie patriarchalisch zusammenfallen (geht Stirner), küm¬
mert einen Heiligen nicht, der es immer mit den wirklichen Individuen zu Luu
hat(, nichts an).* 1 Endlich“ ist noch 13—14 bemerkenswert, (mit der) womit“1
Sancho“, wie oben bei Gleichung 5, (die konkretere Bestimmung) den* konkreteren*
Namen®, hier 16—17 /[ {67} a] [64]/sicherer anbringen zu können.
* Note No 3. „Fassen Wir inzwischen die Sache noch anders“ (p. 246). Das
fremde, von Andern mir gegebne Recht, ist somit ein Recht, dem „Ich Mich unter¬
ordnen soll, das Ich für heilig halten soll . . . das Recht Aller soll Meinem Rechte
vorgehen ... das Recht Aller, z. B. zu essen, ist ein Recht jedes Einzelnen. HaJte
sich Jeder dies Recht unverkümmert, so üben es von selbst Alle; aber sorge Er doch
nicht für Alle, ereifere Er sich dafür nicht als für ein Recht Aller.“ p. 246. *
* Die obigen Gleichungen werden hier in „Beruf“, „Bestimmung“, „Aufgabe“,
Moralgebote verwandelt, die Sankt Max seinem getreuen Knecht Szeliga, den er
hier als preußischer Unteroffizier (sein eigner „Gendarm“ spricht aus ihm) mit „Er“
anredet, ins beklommene Gewissen zugedonnert. Halte Er sich das Recht zu essen
unverkümmert usw. Das Recht zu essen hat man den Proletariern nie „ver¬
kümmert“, trotzdem aber kommt es „von selbst“, daß sie es sehr oft nicht „üben“
können. —*
Fremdes Recht — Nicht Mein Recht
40—41 fragen?“ ibid.
(„Ihr schreckt vor den Andern zurück, weil Ihr neben ihnen das)
„Recht „an und für sic h“. Also
296 8—Ю „Dase Recht® bis P.® 275e.
24— 25 (Der® Zopf® bis hinten®). 35 Nachdem Sankt Sancho so das Recht (als Abso¬
lutes) durch 36—37 hindurchgeschleift(, es kanonisiert und damit vernichtet hat)
und kanonisiert hat, 40—41 daß seither ((seit p. — nämlich) Begriffe
29645—2971 und daß er (den Rechtsbegriff dadurch tötet, daß er ihn) das® Recht®
bis und® damit® für das Heilige
297 11 P. 245. (Dieser) Über diesen Satz(, der (mit) zu seinen früheren Gleichun¬
gen im geraden Gegensatz steht,) möge 16—19 Hiernach® bis Kaiserzeit®.
25— 26 Masse anderer (Verhältnisse) Rechtsverhältnisse“ bis Recht““), von denen
27 das Heilige seien(, gegeben sind. Das Angeführte ist übrigens Alles, was vom
Privatrecht gesagt wird).
298 22—23 um® sie® bis zu® versetzen®. Womit 29 synonymische (Kunststücke)
„Flohsprünge““ Sankt Sancho 34 wo (ihm) der Unsinn (selbst) vollständig
299 4—6 („Schöpfer®“ bis versichert®) 39—41 Man® sieht® bis Recht® liefert®. —
300 4—5 „wühlte“, (er erklärte) daß“ er“ nur“ zu“ Protokoll“ gab“, daß
9 vieler „Virtuosität (im Denken)“ (vollzieht und) mit der io durcheinander
(wirft) würfelt® und 12 deutschen Philosophen(, namentlich B. Bauer) es aller¬
dings nicht (zu seiner Durchschauung kommen konnten) durchschauen konnten.
14 eine empirische® Bestimmung 17 hierbei seine (ganze langwierige Entwicklung)
ganzen® schwerfälligen® Machinationen sparen 18 Macchiavelli®, (Spinoza, Hob-
bes) Hobbes, Spinoza, 20—22 womit die theoretische Anschauung® (von®) der®
Politik von der Moral (und dem Privatrecht) emanzipiert und (ihre Kritik möglich
gemacht war.) (das Posttulat]) weiter 25—26 auf® das® Privatrecht® bis und® dies“
1 Von Daß zwei ganz verschiedne bis hierher von Marx in die rechte Spalte ge¬
schrieben und ebenso wie der getilgte Engelssche Text mit Buntstift durch gestrichen
Textvarianten
609
auf eine 89—10 selber „pflegen“(, da die Anwendung seiner alten Kniffe für ihn
wenigstens keine Arbeit mehr ist).
Recht, die Macht
301 12 nachdem (es) dase Recht® „allen Sinn verloren“ hat,
39—40 p. 250.
(Da wir hier wieder „die halbe Ausdrucksweise zurücknehmen müssen“, so
„heißt es nun“: „)Über das, was hier
302 6—7 ist übrigens(, wie schon gesagt,) nur ein Mittel, sie zu (einer) „Sie“,
8 Was den Satz (sonst) (in dem Zusammenhänge angeht, in dem er bei Stirner
steht) im Übrigen 12—13 sachlichem (Eigentum) Vermögen, 17—18 hypothe¬
tisch. (Drittens wir hier die „)
„Daß das 26—27 und® zwar® persönliche® Macht* (sowohl) des Königs¬
kindes (wie der andern.) und* als* die® Ohnmacht® der® andern* Kinder gefaßt. (Es
ist die Tat des Einen, daß es kommandiert, der Andern, daß sie sich kommandieren
lassen müssen.) Will man
303 5 nur einen® Sankt Sancho 7 war Mein (unmittelbares®) Tun (unmittelbar
meine Macht), im zweiten 22 beendet. (Sankt Max) (Wir erfahren, daß das Recht
seine Gewalt sei, d. h.) Nachdem 25—28 daß „das Recht“ („die Gewalt“ und zwar)
„die Gewalt des Menschen“ ist, womit* er® (weit® genug® ist®, um®) alle® bis ge¬
bracht* hat*. (Auf das wirkliche* Verhältnis von Gewalt und Recht geht Sankt Sancho
gewohntermaßen durchaus nicht ein; statt dessen beschränkt er) Er“ beschränkt“
sich
31—32 zu lassen. * Die „Gewalt“ oder „Macht“ verliert bei ihm ebensosehr allen
Sinn, wie das Recht, und seine Macht, die er bereits auf dem Wirtshausschilde
dieses Kapitels anpreist, erweist sich als die vollendetste Ohnmacht. *
Diese Kritik
304 5—7 Weil® Beides® bis „gleichberechtigt®“. (Mit) In“ dieser (Synonymik)
Weise“ kann 8 ohne® etwas® bis wissen®, 10—12 Profit (Vorteil“) (des Fabri¬
kanten) „wird dann ganz natürlich und® gleichberechtigt”“ die Rente, (, der Profit
des Grundbesitzers) die” auch* Profit (Vorteil“) ist®, „geltend gemacht“. (Profit)
Vorteil“ gegen (Profit) Vorteil“, „wo natürlich із seit® 1815® 21—22 ange-
bornen Rechte (heißen) genannt* bis Sache® selbst® ist®, so 23 der Natur, d.“ h.m
der“ Geburt“ gegebenen Rechte*. 29 der® Auflösung® des* Unterschiedes*
30—31 Da (Sankt Sancho) „Ich”“ „unter® allen* Umständen*“ „auch“ Mensch ist,
wie (er) Sankt® Sancho® später konzediert und (ihm) diesem® Ich® daher 34 Um¬
ständen“ zu gut. (, während er ihm) (Er“ ist“) Da“ aber“ 36 ist, (und das
Mentschenrecht]) kommt“ ihm“ das“ „wohlerworbne Recht“ (ihm daher) keines¬
wegs 37 zu Gute (kommt). 40 /[{70}b] [67]/ so (würde er) (hätte er sagen
müssen) „war® hier® zu® sagen®“: 44 und braucht „daher®“
305 12—13 hinaus“, (um) damit* Sankt® Sancho® einen außer (Stirners) seinem*
Kopf in der Geschichte existierenden (Kampf in geschichtlichen) Kampf
14 konnte. (Jetzt) Nun“ beweist 16 einen neuen (aus dem) im® „schöpferischen
18 „Ich* will® bis Sancho®) („Daß) „daße 27—28 eine Tat, (die ihm zuerst) durch®
die® er® sich® erst® das „Recht“ außer (ihr) dem® Mutterleib® zu sein erwarb;
33 Übrigens spricht (Stirner) Sancho“ bloß 37—38 wo er* die® bis machte®,
indem® er sich (nur) als bloß
306 15 (z.®B.® die(selben) andern® Menschen (pp), ein® Hund® usw.®)
17—19 sein können (etc.“, etc.“) usw.“, usw.“ (Auch kann er, jenachdem (eini[ge])
allerlei Reminiszenzen aus kursierenden Schriften anbringen, z.B. daß das Recht auch
ein Vorrecht sei usw., Dinge, die in diesem Zusammenhänge allen Sinn verlieren
und als reine Redensarten erscheinen.) — „Ein® Bruder® bis le* bonhomme® 1,9*.
23—27 Abhandlung (mit einem Satze begann) über das Recht mit (einem Satze
beginnt, der (in der) gar nicht wieder vorkommt) einer® allgemeinen® Erklärung*
des® Rechts® beginnt*, die® ihm® „entspringt®“, solange er vom Recht spricht,
(sondern erst da in etwas veränderter Form wieder angebracht werden kann,
wo das Gesetz nach Sanchoscher Weise kritisiert zu werden „pflegt“. Wir (würden
diesen) zitieren diesen Satz nur um seiner stilistischen Vollkommenheit willen,) und*
von* bis zu® sprechen® kommt®. Damals rief 36—38 D.® h.e bis Dieser® Satz® ist® der*
(vollendetste®, zu® dem® Sankt®) vollendete“ Sancho“ (es® bis jetzt® gebracht® hat*).
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 39
610
Beschreibung der Manuskripte
307 5—7 „Mitunter“, d.e h.e bis über® das* Gesetz®, 8—9 Weise beinahe® ebenso¬
wenig mit (dem „Gesetz“) seiner® »Abhandlung*“ über® das® Gesetz* zu tun 10—n mit
der (Entwicklung) ,Abhandlung*“ 20—25 begreiflich. (Weil er dem „Recht“ die
„Macht“ gegenüberstellte,) Nur insoweit“ das Recht als Macht des.Menschen
(zu fassen hatte, um es) bestimmt“ war“, konnte“ er“ es“ als seine Macht in
sich zurücknehmen (zu können, mußte er es in der materialistischen Bestimmung als
„Macht“ und nicht in der idealistischen als „Willen“ fassen). Er“ mußte also“
seiner“ Antithese“ zulieb“ die“ materialistische Bestimmung der“ „Macht“ fest¬
halten“ und die“ idealistische“ des“ „Willens““ „entspringen““ lassen“. Warum
26 „Willen“ wieder (hineinbringt) einfängt“, werden
27—28 das Gesetz sehen.
* Die Gedankenlosigkeit und Zusammenhangslosigkeit, (mit der) womit“
Sankt Sancho diese beiden obigen Sätze mit seinen übrigen Phrasen über das
Recht zusammenstellt, ist nur dieselbe Konfusion, (die) mit der er das Recht
sowohl als „Willen“ wie als „Macht“ auffaßt. * In der wirklichen Geschichte
(der Theorie) bildeten 32 (Kind® bis pp®) зз (Jüngling® bis ppe) 38 ihre Pro¬
duktionsweise und die (damit zusammenhängende) Verkehrsform 40—43 bleibt es
(ganz unabhängig vom Willen der Individuen) auf allen Stufen, (wo sie noch nicht
über die) (auf denen die* Arbeit® und® das Privateigentum (und die Arbeit) noch
nötig sind.) auf“ denen“ bis der“ Individuen“. Diese (wirkliche, keineswegs (von
ihm) vom® Staat* geschaffene, vielmehr ihn schaffende Macht) wirklichen Verhält¬
nisse sind keineswegs (vom Staat) von* der® Staatsmacht* geschaffen,
308 4 als (Recht oder) Gesetz — 5—6 wie* das® bis beweisen®. 13—15 beruht auf
(Verhältnissen) Lebensbedingungen®, die (ihnen Allen gemeinschaftlich sind und)
sich* als* Vielen® gemeinschaftliche* entwickeln®, deren Fortbestand sie als Herr¬
schende gegen andere (nicht herrschende Klassen), und® zugleich® als® für® Alle® gel¬
tende® zu behaupten haben. 17 Gerade (solange) das Durchsetzen 21 Selbstver¬
leugnung^ zu der sie gezwungen sind, die also keine Selbstverleugnung ist) im
Ausnahmsfall, 22—23 ((und®) die“ daher* bis gilt*). 24 Klassen, von (denen)
deren* Willen* 30 und® mit* ihr® Staat* und* Gesetz* 33—34 Einbildung des Ideo¬
logen^ der, nachdem). Nachdem“ die Verhältnisse (so)weit genug“ entwickelt waren,
(daß sie) ihn (produzierten) zu“ produzieren“, kann“ der“ Ideologe“ diesen 36 vor¬
stellen (kann). — Ebensowenig 38—39 herrschenden Verhältnisse^ ein Kampf, der
dadurch, daß er zugleich gegen das Recht und Gesetz d.h. den /71c[68a]/ allgemeinen
Ausdruck dieser Verhältnisse gerichtet ist, den Namen Verbrechen erhält), aus (dem
reinen Willen) der reinen Willkür hervor.
309 9—10 Individuen® und® ihren® empirischen Verhältnissen eine (Geschichte)
Entwicklung 14—15 und in* seinen® Schöpfungen®, den® Gesetzen®, eine eigne
selbstständige* Geschichte 23 Marotten ((Schwanenorden pp)) realisiert er
weiter* als® in 26 wessen Wille (in seinen Staaten) sein® Herrscherwille ist.
27—28 die (Phantasien) Phantome® oder® Spuke® seines 29—30 seine eignen
(Theorien) theoretischen® Sparren® über Recht, Gesetz, Verbrechen usw.
32—34 Die (geringste) oberflächlichste Betrachtung der“ Gesetzgebung“, z. B. der
Armengesetzgebung in® allen* Ländern* (kann) wird* 36—37 d.® h.e bis Wol¬
lende®, irgend etwas durchsetzen (wollten) zu® können* sich* einbildeten*. Sankt
310 9 p. 268.
• Gleichungen:*
* (Der Staatswille ist)
a. Staatswille = Nicht Mein Wille
b. Willen = Wollen
c. Den Nichtstaat wollen = Eigenwillen
d. Mein Willen = Nicht der Staatswille. *
* a. Staatswille — Nicht Mein Wille
b. Mein Wille = Nicht der Staatswille
c. Wille = Wollen
d. Den Nichtstaat wollen = Eigenwille
Den Staat nicht wollen = Eigenwille
e. Der Eigenwille = Das Nichts des Staats
f. Der Staatswille = Das Nichts Meines Eigenwillens
= Meine Willenlosigkeit *
Textvarianten
611
/72а[68с]/
* g. Meine Willenlosigkeit = Sein des Staatswillens
(Schon aus dem Früheren wissen wir, daß das Sein des Staats willens gleich ist
dem Sein des Staats, woraus sich folgende neue Gleichung ergibt:)
h. Meine Willenlosigkeit = Sein des Staats
i. Das Nicht Meiner Willenlosigkeit = Nichtsein des Staats
k. Mein Wille = Nichtsein des Staats
l. Mein Wille = Nichtwollen des Staats
Wollen wider den Staat
= Widerwille gegen den Staat. *
Gleichungen:
311 12—13 p. 256.
* Note 5. „Man bemüht sich, Gesetz von willkürlichem Befehl, von einer
Ordonnanz zu unterscheiden ... Allein Gesetz über menschliches Handeln ...
ist eine Willenserklärung, mithin Befehl (Ordonnanz)“ p. 256 ... „Es
mag Jemand wohl erklären, was er sich gefallen lassen wolle, mithin durch
ein Gesetz das Gegenteil sich verbitten, widrigenfalls er den Übertreter
als seinen Feind behandeln werde .. . Ich muß Mirs gefallen lassen, daß
er Mich als seinen Feind behandelt, allein niemals, daß er mit Mir als seiner
Kreatur umspringt, und daß er seine Vernunft oder auch Unvernunft zu Meiner
Richtschnur macht.“ p. 256. — Hier hat also unser Sancho gegen das Gesetz
Nichts einzuwenden, sobald es den Übertreter als einen Feind behandelt. Die
Feindschaft wider das Gesetz geht nur gegen die Form, nicht gegen dfen Inhalt.
Jedes Repressivgesetz, das ihm mit Galgen und Rad droht, ist ihm ganz recht,
insofern er es als eine Kriegserklärung fassen kann. Sankt Sancho beruhigt
sich, wenn man ihm nur die Ehre antut, ihn als Feind, nicht* als* Krea¬
tur* anzusehen. In der Wirklichkeit ist er höchstens der Feind „des Men¬
schen“, aber die Kreatur der Berliner Verhältnisse. *
Note (6)5. Die einfache 30—31 ihn anwendet. („Mein Geschöpf, ein be¬
stimmter Willensausdruck, wäre mein Gebieter geworden“, gerade wie schon
oben das „Wort“, das („heraus) „aus ihm entsprungen“ war. Sankt Sancho gibt vor,
durch seinen „gestrigen Willen) Die Theorie 32—42 allen Sinn. (Zuerst ist Sankt
Sancho) Sankt® Sancho® bis Dann* aber® ist® er“, 43 keineswegs heute® ein „Willen¬
loser“, 44—45 gestrigen Willen(. Dies ist er als Schöpfer in jedem Fall), mag (sein
gestriger Wille) dieser® die Form
311 45—3122 Er kann ihn® in beiden Fällen (seinen gestrigen Willen) auflösen, wie
er überhaupt aufzulösen pflegt, nämlich (ihn) als seinen Willen (auflösen).
312 20—21 „Pauken* bis Herrlichkeit®!“ 26 als® Gesetz® ausgedrückten®
2R—31 und® die® bei® französischen® bis geführt® hat*. * Ob der Eigenwille eines
Individuums sich morgen unter dem Gesetz gedrückt fühlt, das er gestern machen
half, hängt davon ab, ob neue® Umstände eingetreten, ob seine Interessen soweit
verändert sind, daß das gestern gemachte Gesetz nicht mehr diesen veränderten
Interessen entspricht. Wirken diese neuen Umstände auf die Interessen der gan¬
zen herrschenden Klasse, so wird diese Klasse das Gesetz ändern, wirken sie nur
auf Einzelne, so (bleiben sie als) bleibt ihr Widerwille von der Majorität natür¬
lich unbeachtet. *
* Da es ihm jedfoch] *
* Mit dieser Freiheit des Widerwillens ausgerüstet, kann (er) Sancho“ nun
die Beschränkung des Willens des Einen durch den Willen der Andern, die eben
die Grundlage der obigen idealistischen Auffassung des Staats bildet, wieder¬
herstellen. *
* „Es müßte ja Alles drunter und drüber gehen, wenn Jeder tun könnte, was
er wollte. — Wer sagt denn, daß Jeder Alles tun kann?“ („was er will“, ist
hier weislich ausgelassen). — *
•„Werde Jeder von Euch ein allmächtiges Ich!“ ging die Rede des mit
sich einigen Egoisten. *
* „Wozu“, heißt es weiter, „wozu bist Du denn da, der Du nicht Alles Dir
gefallen zu lassen brauchst? Wehre Dich, so wird Dir keiner was tun.“ p. 259 —
und um (allen) den® letzten* Schein des Unterschieds wegfallen zu lassen, läßt
er hinter dem einen „Dir“ noch „einige Millionen“ „zum Schutz stehen“, sodaß
39*
612
Beschreibung der Manuskripte
seine ganze Verhandlung sehr wohl als „unbeholfener“ Anfang einer Staatstheorie
im Rousseauschen Sinne dieser dienen kann. * Wenn es sich
38— 40 Die bisherigen Gleichungen (und Antithesen) waren rein vernichtend gegen
den (Inhalt des) Staat und das Gesetz(, obgleich bereits in der dritten Antithese die
Rede vom „eignen Gesetz“ war). Der* wahre* bis verhalten*.
313 1—2 eine bloße (Vernichtung) Veränderung 3 den Staat (vernichten kann)
vernichtet. 15 Willens an(, wodurch er natürlich nur eine illusorische Herr¬
schaft seines Willens zu Stande bringt. Nach seiner Phänomenologie kann diese
Herrschaft). Er konnte 27 Dies" Verbitten" bis begleitet".
31340—314б Das* Registrieren* bis im* Übrigen® möge* er*
31341—3141 und der (damit) für die damit® absolut® werdenden® Könige
314 2 dem Feudaladel wie (den andern) fremden™ 6 machen®; (Sankt Max
möge) im® Übrigen® möge® er® sich 11—12 Episode über (die Gelehrsamkeit
unseres mit™ (AllgemeinLern])™ Einfalt™ über Gott und die Welt aburteilenden
Heiligen einzulegen.) die® Belesenheit® bis einzulegen®. 19 die*
„21® Bogen®“ 21 die® sächsischen® Vaterlandsblätter® 24—25 Louis® Blanc*
bis ans®, 29 Emilia® bis Bibel® 30—31 samt® bis Cabanis®.
315 5—6 so® mußt* Du® bis lassen®“, 6—7 insofern® bis kommen® soll*;
9— 10 Dein Unrecht geben. (Ohnehin) (Da) * Was das Verbrechen an¬
betrifft, so war ja in allen bisherigen Gleichungen und Antithesen das Ich die
Negation des Staats, des Rechts, des Gesetzes, mit einem Wort: des Heiligen.
Die negative Beziehung auf das Heilige ist die Sünde, das Verbrechen, nämlich
das Verbrechen im außergewöhnlichen Verstände. In dem gegenwärtigen Ab¬
schnitte über das Verbrechen wird namentlich die Beziehung des® Ich® auf® das®
Höilige®, die Negation exploitiert®, sofern® sie® (auf die) der Kopula in einen
Teil der obigen Gleichungen (zu) (exploitiert) angehört®. Wie Sankt Sancho,
nachdem er Staat, Recht, Gesetz pp aufgelöst hat, nun noch die Strafe, d. h.
die Reaktion dieser Mächte gegen ihn, noch hereinbringen, wie er also dem
schon® aufgelösten Recht, Staat, Gesetz pp noch Macht zuschreiben kann, ist nur
dadurch zu erklären, daß (Sankt) er (sich zu d) die mißliebige Tatsache ent¬
deckt, daß außer seinem Kopfe sich die Dinge anders /{74}[70bJ/ zutragen, als
in seinem Kopfe. — Bei dieser Gelegenheit findet sich auch, daß das Heilige in
seiner Gestalt als Recht, Staat, Gesetz etc. gegen seine Entheiligung (protestiert),
das Verbrechen (protestiert) reagiert*. Diese(r Protest) Reaktion ist die
Strafe.*
*A. Kanonisation der Strafe.*
A. Einfache Kanonisation von Verbrechen und Strafe
316 33 Feindschaft® 33—34 des® unanständigen® bis das® Heilige®, vorgeführt
39— 40 übertragen müssen. (Am bemerkenswertesten ist hier wieder die Leicht¬
gläubigkeit Sanchos. Er bildet sich ein,)m Sancho™ glaubt, man habe 44 gegen’
das® Gesetz®
317 1 Gerade wie (Sankt Sancho) Jacques* le® bonhomme® 12 die (Abwehr)
Selbstverteidigung® und* Abwehr* des Heiligen 29—30 (Sancho* bis Moral*.
З6—37 nicht® minder® bis „Sultans®“), 44 mit den praktisch (existierenden)
geltenden
318 3 von* Staatswegen*
31823—32141 Verbrechen" bis gleichgültig"
321 29—31 und™ aus“ bis siede™).
322 5—7 indem® es* verfälscht® wurde®; jetzt (scheint es, daß der) kommt® bis
an* den® Tag* (und* wiesehr®). Der™ außergewöhnliche Egoist (auch) findet”
nun®, daß* er* (auch®) nur* außergewöhliche 9 gemacht werden müssen™. Wir
(werden) belasten™ also
10— 11 contra (zu belasten haben).
(Es ist aus dem alltäglichen Leben bekannt, daß die gewöhnlichen) (Man
kann)
Den Kampf 16—17 womit® bis verwandelt* ist®. 24—25 Nachdem Sankt Sancho
sich (hiermit, wie wir oben sahen,) eine „eigne Welt, einen Himmel“, (in der
modernen Welt) nämlich® diesmal* 28—29 unternimmt er abermals™ (s)einen
33—34 gehen (sollten) wollten, 35—36 Don® Quijote® fürbaß trabten, (erhebt)
Textvarianten
613
schlägt) schlug Sancho 38—39 einem* Kommissär® und* 40—41 Heiligen. (Die Ge¬
schlossenen aber waren Baugefangene, die nach Spandau geführt wurden. Sankt
Sancho bat) Da® sie® bis bat® Sankt® Sancho®
323 2—3 würden. — (Es sind) Baugefangene 4—9 Wie®, rief® bis hub® Sankt®
Sancho® 11 aber® doch® „eigen®“, 27—28 auf der (Folter) Prügelmaschine®
32 „das® Recht® Eurer'“. 39—41 Es® geziemt® bis getan® haben'.
324 19 (p.® bis Buchs'“): 25—26 (allgemeines® bis Urteil®)
325 з—4 Gines von Passamonte, der (hier ungeduldig wurde,) Erzdieb' bis konnte',
schrie: 11—12 sich mit® einer® rhetorischen® Bewegung® gegen die abwesenden®
„guten 39—40 oder® das® bis Heiligen®
326 2 (Quel® bonhomme'!
4—5 P. 380. * — „Mag Mein Volk der Preßfreiheit entbehren. Ich suche Mir eine
List oder Gewalt aus, um zu drucken — Die Druckerlaubnis hole Ich Mir nur
von — Mir und Meiner Kraft.“ p, 377. (D.h. gelingts Ihm, so hat Er Recht,
und wird er eingesteckt, so hat er auch Recht. Wenn /[ {80}a] [73c]/ übrigens
in Deutschland Preßfreiheit seit längerer Zeit existiert hätte, so würde Sankt
Sanchos Stileigenheit jedenfalls genießbarer sein und (sich) in seinem Kopfe
sich auch etwas mehr Bekanntschaft mit den Dingen dieser Welt vorfinden.
Jedenfalls beweisen Diejenigen mehr Kraft, die sich nicht bei dem zufälligen
Gelingen ihrer „List und Gewalt“ beruhigen, sondern (an® die® Stelle® des® Zu¬
falls®) (diesen Zufall) (zu ihrem „eignen Gesetz“) (ihr® „eignes Gesetz®“ (durch¬
führen) durchzuführen0 streben) über allen Zufall erhaben.) —) *
Note 5 11 (das® Heilige®) 15 (sc.® Heiligen®) 28 davon® bis Nichts®,
зо seit dem® 1842 des® Berliner® Kalenders® Nichts 35—37 sollen. (Im Übrigen')
Wiederholung® bis Logik®): 38—39 (merkwürdiges® bis soll®)
327 4—5 Idee sei, und (gibt dieser Staatsidee vermöge „seiner Macht“ eine
eigne Macht.) glaubt® bis Staatsidee® 6—13 Hegel® bis erklärt®. 16—17 etwas länger
(aufzuhalten haben) aufhalten, weil es (einerseits), nicht 18—21 und weil es (an¬
dererseits aufs Schlagend[ste]) zugleich® am glänzendsten beweist, wie (fremd)
wenig® es® unsrem Heiligen (gelungen® ist') gelingt®, die Dinge (geblieben sind, von
den er zu sprechen vorgibt, von denen er aber in Wirklichkeit) in® ihrer® bis indem®
er® 24—25 einige neue® Aufschlüsse (zu) vernehmen (haben). Diese Aufschlüsse
(sind) erscheinen® 28 dadurch (seinem Stoff) seiner® „Abhandlung®“ 29 Wir
brauchen natürlich (auf diese schon dagewesenen Gleichungen nicht wieder einzu¬
gehen) bloß
329 зз Note (1).
330 2—5 zurückzuverweisen.
(Note 2. (Abhandlung über Parzellierung des Grundbesitzes, Ablösung der
Servituten und Verschlingung des kleinen Grundbesitzes durch den großen))
Abhandlung® 1®: bis das® große®.
30—31 p. 328. * Das Eigentum, wie die bürgerlichen Liberalen es verstehen, ver¬
dient die Angriffe der Kommunisten und Proudhons: es ist unhaltbar, weil der
bürgerliche Eigentümer wahrhaft nichts als ein Eigentumsloser, ein überall Aus¬
geschlossener ist. Statt daß ihm die Welt gehören könnte, gehört ihm
nicht einmal der armselige Punkt, auf welchem er sich herum dreht.“ p. 328. 329. *
1) Zuerst wird hier 32 von der(en Bedeutung) Sankt Sancho nur weiß, daß sie
das Heilige (bedeutet) ist, 35—36 die noch® dazu® überall (aus dem) durch® das®
Nichtrespektieren 37 Eigentums (hervorgegangen ist) durchgesetzt wor¬
den® ist®! 38—39 „herbeigeführt“. (Die französischen Bauern (also), welche sich in
der Revolution die Güter des Adels ohne weiteres aneigneten, waren also „Politiker“.)
Es war 43 und® alle® übrigen® Bedingungen®
331 з—4 verringert (also) wie® aus politischen Gründen ((z. B. Herr Thiers))
unzufrieden 8 verschacherbares®, entheiligtes® 9 Bourgeois diese (Aufhebung
des Unterschieds zwischen Grundeigentum]) Verwandlung n der (vom) über®
den® 15—16 geschieht, (davon) von' der® Stufe® abhängt (wie) (auf welcher
Stufe) worauf® 21—24 Im® Übrigen® bis Liberalismus® 26 vorkommt, (wo die
Bürger stets Kleinbürger blieben und) wo® die Regierungen nur® durch
27—28 und' durch® Finanzverlegenheiten' 34 Maßregel überhaupt' ohne
36—37 der® beginnenden' bis Industrie® und®
614
Beschreibung der Manuskripte
332 4 der alltäglichsten (Arten sich Eigentum zu erwerben.) Folgen 5 die
(ganze) Konkurrenz, die (namentlich) ohne
10 anzugreifen.“ * Zu diesem Unsinn kommt Sankt Sancho, weil er den juristi¬
schen, ideologischen Ausdruck des bürgerlichen Eigentums für das wirkliche
bürgerliche Eigentum hält und sich nun nicht erklären kann, weshalb dieser
seiner Illusion die Wirklichkeit nicht entsprechen will.* Wie tief 12—13 daß er nur
den (sichtbaren) augenscheinlichsten® Akt der Konzentration, das bloße „Aufkäufen“
darin sieht (und von den empirischen Ursachen, der Konkurrenz der Grundbesitzer,
der Unmöglichkeit der kleinen Besitzer ihr Grundstück (vorteilh[aft]) ohne Verlust
zu bebauen pp, (wie gewöhnlich gar nichts weiß) welche den Einen zum Verkauf,
den Andern zum Aufkauf zwingen, wie® gewöhnlich® gar nichts zu sagen weiß und zu
sagen braucht, als daß es respektswidrig ist.). Inwiefern 15 ist nach“ Sancho™ nicht
abzusehen(, da sie, wie). Sancho entwickelt 19—21 daß (bald) abwechselnd™ der
große Grundbesitz den kleinen (, bald) und™ der kleine den großen (verschlungen
hat, eine Erscheinung) verschlingt™, zwei® Erscheinungen® 24 Gestalten des Grund¬
eigentums^ der metairie, copyhold, leasehold, tenantry-at will). Und dann 26—27 spe¬
kulativer Manier (den) die® Früheren (das Spätere als Zweck unterschob) die* Er¬
fahrungen® der® Späteren® bedenken® ließ®; jetzt 28—30 beklagt, daß (das Frühere
einen eignen Zweck und nicht den (die Späteren) hatte, das Spätere zu erzeugen.)
die® Früheren® bis bedachten®. Welche.
333 8—10 ganz empirische (Bedingungen) Verhältnisse® bedingtes®, z. B. durch®
bis bürgerlichen* Gesellschaft®, die Lokalität, 13—14 die Kommunikationsmittel
(das™ Verhältnis™ von™ Stadt™ und™ Land™) (das* vorrätige® Kapital®) und®
Produktionsinstrumente® ppp. 22—23 war es ihnen nicht (einmal) möglich, sich kom¬
munistisch zu organisieren, da ihnen (hierzu) alle Mittel 24—26 einer kommunisti¬
schen (Einrichtung) Assoziation, die gemeinsame (Arbeit) Bewirtschaftung* durch¬
zuführen,(. Überhaupt kann eine kommunistische Bewegung nie vom Lande ausgehen.)
und da die Parzellierung (selbst) vielmehr* nur Eine der Bedingungen (ist) war®,
27 Assoziation (hervorrufen) später hervorriefen. 32—33 und* gegenüber* bis Bour¬
geoisie*. 37—39 und® eine® solche® bis abhängt*. 41—12 Eigentum Andrer (verlie¬
ren) aus® dem* Kopf* schlagen® sollen(, wovon). Hiervon* werden* wir 42—13 Würt-
lein vernehmen.
(Das Einzige, was wir hier (sonst) noch zu tun haben, ist, daß) Nehmen*
wir schließlich* noch® den Einen Satz ad acta (nehmen): „In der
33345—3341 liegen scheint.
* (Note 2. — Privateigentum und Staat.) Abhandlung® 2®.
Privateigentum (und), Staat und Recht. — 1) Die Identität von Staatseigentum
und Privateigentum wird zuerst aus der Gewalt des Staats durch folgende glän¬
zende Sätze bewiesen p. 333: „Über das Eigentum entscheidet nur die Gewalt,
und da der Staat, gleichviel ob Staat der Bürger oder der Lumpe oder der
Menschen schlechthin, der allein Gewaltige ist, so ist er allein Eigentümer:
Ich der Einzige habe Nichts und werde nur belehnt, bin Lehnsmann und als
solcher Dienstmann“. — P. 334: „Durch Eigentum, womit er“ (der Staat „die
Einzelnen belohnt, kirrt er sie; es bleibt aber sein Eigentum, und Jeder hat
nur solange den Nießbrauch davon, als er das Ich des Staats in sich trägt,
oder *1
Abhandlung No 2: Privateigentum, Staat und Recht
334 5 liegen lassen (und), hätte™ er™ dies 28—29 und noch in® deutscher*
Weise® von 41—42 während* die* (wirklich*) bis zu® finden* sind*. (Wir sind
das bei Jacques le bonhomme schon gewohnt.) Er verwandelt
33444—3351 ihre gemeinschaftliche® Herrschaft (zum Staat konstituieren muß) zur*
öffentlichen® Gewalt®, zum Staat konstituiert™, versteht
335 3—6 und alle (Macht) Gewalt® ihr gegenüber in sich (vereinigt) absor¬
biert*. (Diese ideologische* Verdrehung finden wir in den folgenden (histori-
[sehen]) Exempeln wiederholt.) Er* wird® bis bewähren*.
Wenn(, wie oben in der Einleitung gegen™ Feuerbach™ entwickelt,) das
Eigentum 12 (cart® bis plaisir®) 17—18 weil* die® Bourgeois* (nur* noch®) über¬
1 Das zweite Blatt dieses Bogens 82 ist abgerissen. Mit Bogen 83 beginnt ein
neugeschriebener Text. Cf. S. 515—54 3 unseres Bandes und „Die Richtlinien für die
Redigierung der Manuskripte“, ,J. Feuerbach“, ll.
Textvarianten
615
haupt® bis Privatverhältnisse® dies® (unumgänglich* nötig® machen®,) gebieten“,
37—39 Ebenso* bis vom® Hunde®. 40 Weil die verdeckten materiellen*
336 2—3 Eigentumsverhältnisse (durch die) hinter“ der“ Decke „des Heiligen“
(„verdeckt geblieben ist) aus“ den“ Augen“ gesprungen“ sind“, und daß 5 um
(die) eine „(Stufe) Sprosse® der Kultur“ 26 sich (klar) weis“gemacht hat,
32—33 „ansieht“. (Womit natürlich Alles beim alten bleibt und Sankt Sancho die be¬
stehende Welt als die beste sanktioniert.)
Auf Sankt Sanchos 40—*1 Beteuerungen (wieder breit gemacht wird, brauchen
wir (jetzt) nicht (mehr) weiter* eingehen.) sich“ aufspreizt“, (aufersteht“, um“
nur“) kann“ bis einzugehn“. — Seine
337 6 stand im (geraden) direktesten“ Gegensatz 9 (ager* publicus*) із allen®
Sprachen® 15 Kenntnis (hat) haben“ kann“. (Wir werden noch mehrere solche
Exempel sehen) 34 schwarz auf weiß (hat) besitzt*, daß er* sein(e Gedanken)
Eigentum 35—37 Siehe® da® bis zollfrei®!“ 40—41 die® in* ihrer® Zusammen¬
fassung® bis belehnt*. 43—<4 nur die persönlichen“ Bedingungen
338 7 daß z. B. (in Frankreich,) als der französische® Staat 22 daß (hier) sich hier“
zeigt, 24 daß hier abermals“ Wesen 26 kommt (hier wieder) die obige 27—28 Bon¬
homme wieder“ zu Tage, daß „der Staat“ ihn exploitieren will. (Da diese (schon)
eben erst auseinandergesetzt wurde, so geht sie uns hier weiter nichts an. Das einzige,
was uns hier interessiert, ist) Uns“ interessiert nur“ noch“ die altrömische® etymo¬
logische 32—33 Proles“ (von Seiten des Proletariats) dem Staat, d. h. den (herr¬
schenden) offiziellen“ Bourgeois 38—39 nämlich (sein Gedankenhandel) dem® Staat®
bis zu® machen®. Wäre.
41—13 zu machen.
(In seiner) Weitere“ Jeremiade gegen den Staat (führt er nun seine)!“ Weitere“
Theorie des Pauperismus (weiter aus und)! Er“ „schafft“ zunächst® als „Ich“
339 2—3 Bezahlenden(, wo dann der). Der“ Staat tritt“ dann“ „beschwichtigend“
dazwischen (tritt). „Lasse 32—33 Faktum(, das) und“ zieht“ durch 34 Strich
(macht). Daß 36 nichts gewinnen (würden), noch viel 39—io Daß (der Bour¬
geoisstaat, der) die® bürgerliche® Gesellschaft®, die 40—41 beruht und® ihre® bis
Grundlage® nach* 42 Bürgern zulassen können®, und 43 dazwischen treten
müssen®,
340 5 und® Akkumulation® 15—iS dies® findet® bis behalten® kann®. 19—20 und*
dadurch® bis abhängig® 22 Staaten(, deren offizieller Staatsreichtum nur ein Be¬
weis ihrer wirklichen Armut ist). Aber selbst 25 wo sie sich dann (mit) von®
Stirner 26—29 Staatseigentum (trösten können) vertrösten“ lassen“, bis strebt“.
30—31 Verhältnis (des) von“ Privateigentum^ zum) und Recht, 32 hören (müs¬
sen). Die Identität 32 Privateigentum erhält (dadurch nämlich) eine 33 Wen¬
dung. <f. daß) (indem“ die) Die 34—35 im Recht (zur) wird“ als“ Basis des
Privateigentums (gemacht wird) ausgesprochen“ (wird“). 41—42 P. 332.
(Da auf diesen) Dieser“ Satz(, der) treibt“ nur“ den schon 43—44 Staatseigen¬
tum (nur) (noch) auf eine noch komischere Höhe, (treibt, und deshalb garnichts
/85a[78a]/ zu erwidern ist, so) Wir“ gehen (wir) daher“ gleich
341 9 in® ein® „Gespenst®“ verwandelte® „Gewalt“
26—28 Das ganze Unheil (kommt) entspringt“ also wieder (daher, daß die) aus“
dem“ Glauben“ der“ Individuen (am Glauben) an den Rechtsbegriff (laborieren),
den sie sich aus dem Kopfe (zu) schlagen (haben) sollen“. Sankt Sancho
29—31 und (Alles) von® Allem®, was nicht unter diese Rubriken paßt, (alle Ver¬
hältnisse verwandeln sich ihm daher in bloße Abstrakta, in „Gespenster“.) von®
allen® bis verwandeln®. .Andererseits“ 39—40 am Erbrecht(, das er). Er“ erklärt“
es“ nicht 41 Familie (erklärt), sondern
341 43—3427 Tod hinaus. * Er hätte sich aus den entwickelteren Rechtsformen,
die den entsprechendsten Ausdruck (über) der modernen Eigentumsverhältnisse
geben, (z. B. aus dem Code civil) (eines* Besseren®) dahin“ belehren können(, wie)
Im Code civil wird „die verewigte Gewalt“, die „selbst mit Meinem Tode nicht
erlischt“, auf ein Minimum reduziert, und in den Pflichtteilen der Kinder die
materielle Basis des Rechts und zwar des Rechts (auf) unter der Herrschaft der
Bourgeoisie anerkannt.* Diese" bis Erbrechts"). (Überhaupt) Sancho“ konnte
(Stirner) überhaupt“
616
Beschreibung der Manuskripte
341 43 Fiktion selbst (ist) wird™ von allen 45 bürgerliche (übergegangen i:st)
übergeht“. (Vergleiche
342 5 statt (bei) in“ der“ Epoche“ der Auflösung 9—io Vergleich“ zunn“
Beispiel“ römisches“ und“ germanisches“(, englisfches“]) (altfranzösisches“ und“)
Erbrecht“ (und“ die“ verschiedene“). Ein 13—15 Sankt Sancho (möge indes bis
auf Weiteres) hat® sich® bis gesetzt®“ darüber (nachdenken. — diesen „Beruf“ stehlen
wir ihm —) nachzudenken“, ob nicht das Recht (auf einen „Knochen“ damit zu¬
sammenhängt, wie dieser Knochen produziert und was (mit) aus ihm weiter gemacht
wird.), das 17—18 diesen Knochen (produzieren) produktiv“ behandeln“ und
20—21 Die bisherigen® Produktionsverhältnisse der Individuen(. eben weil sie ge¬
meinschaftliche sind,) müssen sich 22—23 (Sieh“ oben“). 23—24 müssen diese
(politischen und rechtlichen) Verhältnisse gegenüber® den® Individuen® sich 26 Daß
diese (Verhältnisse) (Begriffe) Allgemeinheiten® und® Begriffe® 27—28 Folge (ihrer)
der Verselbstständigung der® realen® bis sind®. зз Kultus (derselben) dieser® Be¬
griffe® angewiesen 32—33 nicht® in® den® Produktionsverhältnissen®, 41—42 das
(Recht) Verfahren® der Hunde (auf ihren Knochen), wenn* ihrer* zwei* einen® Kno¬
chen finden®, in allen ursprünglichen Gesetzbüchern als® Recht® anerkannt wird;
43—45 idque® jus® bis docuit*;
343 2—4 Recht ist.
(Da) Sankt Sancho (eben im Zuge), der“ nun“ im“ Zuge“ ist(, so kann er nicht
umhin) dokumentiert“ (er“) seine rechtsgeschichtliche Gelehrsamkeit dadurch < zu
beweisen), daß 17 /{86} [79]/ „Schwindeleien“ ist (nur) der 19—20 gesetzt“
hat, (und) um® der Sache eine „neue Wendung“ (gegeben zu haben glaubte) zu*
geben*. 22—24 germanischen, keltischen“ und slavischen Völkern ((bei letzteren
noch (in ziemlich) (zu) vor* einer verhältnismäßig kurzen Zeit)) die Eigentums¬
entwicklung vom Gemeindeeigentum oder“ Stammeigentum“ ausging 25 freilich
nicht (daraus wissen konnte,) aus der 34 hätte. (Proudhon tut dies aber keines¬
wegs, sondern stellt das Postulat einer dritten Form, der Assoziation, deren Ausfüh¬
rung (er) ihm“ allerdings nicht (fertig gebracht hat;) gelungen“ ist“, was® Stimer
(ist am allerwenigsten berechtigt ihm hieraus einen Vorwurf zu machen.) übrigens*
nichts angeht. Seine) Sancho“ resümiert“ seine“ Kritik Proudhons (resümiert er) in
41—43 revolutionär (gegenüber der energischen Sprache des französischen Proleta¬
riers. Darüber ist weiter Nichts zu sagen). „Der“ Glaube“ macht“ selig“!“
/87a[79a]/ (Weiter ersehen wir p. —) (Nach dieser Abfertigung des Ge¬
spenstergläubigen Proudhon kann Sankt Sancho seine ganze Rechtstheorie in fol¬
gendem Satze zusammenfassen:)
P. 340 erfahren wir: „Alle
344 3—< Sankt Sancho (gibt) überrascht® sich hier (das Ansehen) selbst* mit
einem frappanten Paradoxon (der ganzen bisherigen Auffassung der Rechts- und
Verkehrsgeschichte eine neue Wendung geben zu wollen.) über* bis Verkehr*.
6—7 überhaupt® bis Allgemeinen®, 7—8 als (zu einem) zum® Wesen®, zu® dem®
Heiligen 15—16 „Liebe“ (genannt) tituliert werden. (Siehe“ „Logik““).
18 und* den* Handel® in* einen* Liebeshandel® 24—25 eine Munizipal- (Registra-
tions-) oder® Korporationsbill* 32 eingetragen sein, (das fünf Pfund jährlichen
Mietbetrag einbringt) dessen jährliche Miete 33—34 Armensteuer in* England*
und® Irland*
345 1 in (eine) Moralphilosophie (sich verlaufen) verenden®, wo 4 (Wig.®
p.® 137®) 10 aus* Respekt® 17—18 besitzen, (weiß) erklärt“ sich Szeliga (nicht
besser zu erklären, als daraus, daß sie Freude daran haben. —) ganz“ bis Lap¬
pen“. — 33—37 Zu* dieser® bis Nadel®. (Wie sehr übrigens) Übrigens* ist® die
(hier) von Sancho angefeindete dogmatische“ (.Ausschließung“) Selbstaus¬
schließung 38 eine rein(e) juristische Illusion (ist, die Sancho wieder treulich
glaubt, geht daraus hervor, daß in). In“ der 39—41 Verkehrsweise schlägt“ Jeder
ihr ins Gesicht (schlägt) und (strebt“) trachtet“ gerade (danach trachtet) danach“
alle Andern von (denri ihrem“ einstweiligen“ Eigentum auszuschließen (strebt,
was einstweilen noch das Ihrige ist). Wie es (übrigents]) mit (seinem) Sanchos“
Eigentum
346 4 Was (Stirner) Sancho“ an 6—7 Fremdes® bis heiliges®. 8—9 abhilft (und
dort) (; nämlich“). Wir® werden® nämlich* finden, 22 (der Herr® Finanzminister
37 wäre es ihm (wohl) nicht
Textvarianten
617
.347 5 daß er (die freiwillig unternommene Konkurrenz aushalten werde.) „glück¬
lich“ werben““ wird“. 6 Küster (custos®) 23 p. 354, 355.
(Erstens. Wir wünschen von Herzen, unser) Unser“ Bonhomme möge(, um
doch einmal Recht behalten zu können,) ein ökonomisches 28—29 machen“. (Es
ist) Er“ kann® übrigens (bekannt) in® bis finden*, daß 30—31 macht(; während
der). Der“ kleine kommerzielle und industrielle Betrug wuchert“ nur unter
33—31 Kleinkrämern (an der Tagesordnung ist). Aber selbst 41 Nach diesen (über¬
standenen) gewaltigen 42 Salarien-Cassen-Rendanten und (Regierungsschreibern)
Registratoren®
348 23 (soll® bis Übergeordneten®) 28—29 daß (letztere von ersteren „übervor¬
teilt“) erstere® bis „bevorzugt®“ werden. 32 Furchtsamkeit und® Verwirrung®
unsres 34 Wir bewundern (hier nur) selbst* nicht®, daß
37—38 Arbeitslohn (bestimmt) bestimmen® läßt®.
* Er bedenkt hier wieder nicht, daß die „Übervorteilung“ und „Überteuerung“ der
Arbeiter in der modernen Welt auf ihrer Besitzlosigkeit beruht und daß diese Be¬
sitzlosigkeit im direkten Widerspruch steht mit der (offiziellen) von Sanchos® den®
liberalen® Bourgeois® untergeschobenen® Versicherung /[{88}cl[80c]/ den libe¬
ralen Bourgeois, die durch die Parzellierung des Grundbesitzes einem Jeden Eigen¬
tum (zu geben versichern) zu® geben® behaupten®; * (er) Er“ bedenkt nicht,
34842—3491 nach® allgemeinen® Konkurrenzgesetzen® „übervorteilt“ und „über¬
teuert“ (wird.) würde®, wenn® nicht® bis verloren® hätten®. * Er schlägt sich säjnt-
liche „Bedenken“ mit seinem forcierten und „angenommenen“ „kritischen Juchhe“
aus dem Kopf, und statuiert ..den Staat“ wieder zum „Heiligen“. Der Staat tut hier
Wunder und versetzt Berge.*
Wie einfältiglich
349 5—e und® sie® bis zu“ widerlegen® (zu® wollen®), das (sehen wir) zeigt“
wieder deutlich (an der) die“ Zwerggestalt, 26 wie® die® öffentliche® Bäckerei®.
29—30 unter beschränkten (Lokalverhältnissen) Verhältnissen“ halten konnte, und
mit (der Konkurrenz, die diese) dem® Eintreten® der® Konkurrenz, (die diese)
welche“ die“ lokale
36—39 „seine Sache“ ist, * und daß innerhalb der jetzigen (Verkehrsverh) Pro¬
duktions- und Verkehrsweise er keineswegs mit dem von der Gnade der Bäcker
„beliebten“ Preise „vorlieb nehmen muß“, sondern das Brot so wohlfeil erhält, wie
es überhaupt jetzt geliefert (wird) werden kann.* oder® ob® bis bestimmt® wird®.
Er (unterstellt) ignoriert® sämtliche 42—44 Arbeit, Weltverkehr®, Proletariat®,
Maschinerie® pp®, um (mit ihnen den Leuten zu beweisen, daß sie die Konkurrenz,
von der er nur soviel weiß.) einen® wehmütigen® bis zurückzuwerfen®. Von* der® Kon¬
kurrenz weiß® er* soviel, daß sie 45 Wetteifer“ ist; um (deren) ihren® sonstigen
350 2 Zufuhr etc. kümmert® er sich (aber) nicht, (bekümmert — nicht nötig ge¬
habt hätten.) * Sie hätten sich von vom herein „verständigen“ können. Daß erst
die Konkurenz eine „Verständigung“ (um dies moralische Wort zu gebrauchen)
überhaupt möglich macht, daß von einer Sanchoschen „Verständigung“ Aller wegen
der entgegengesetzten Klasseninteressen keine Rede sein kann, das kümmert unsren
(wackem Bürger) Weisen wenig. Überhaupt sehen diese deutschen Philosophen
ihre eigne kleine Lokalmisere für welthistorisch an, während sie sich einbilden, bei
den umfassendsten geschichtlichen Verhältnissen habe es nur an ihrer Weisheit
gefehlt, um die Sache durch „Verständigung“ abzumachen und Alles ins Reine zu
bringen. Wie weit man mit solchen Phantasien kommt, sehen wir an unsrem
Sancho.* Daß die Bourgeois 5—6 soweit* sie® bis dies® konnten®, 9—11 Solche®
„Verständigungen®“ bis freilich® kleinlich® (Das sind freilich kleinliche „Verstän¬
digungen“) gegenüber 14 diese®, wenigstens® bis Gestalt®, erst aus der 16—17 weil
sie nicht mit® den* bis pp® konkurrieren 21—23 unmöglich ist. (Wenn die Prole¬
tarier so weit sind und wo sie durch®) Wo“ die® Entwicklung® der® Konkurrenz®
(so weit sind, daß sie es können) die“ Proletarier“ befähigt“, sich“ zu“ „verstän¬
digen““, da „verständigen“ sie
24 Bäckereien. * „Sie“ sollen sich über eine öffentliche Bäckerei „verständigen“. Daß
diese „Sie“, diese „Alle“ (zu) in® jeder (verschiednen) Epoche und unter verschie¬
denen Verhältnissen selbst verschiedene Individuen mit verschiedenen Interessen
sind, das geht unsern Sancho natürlich gar nichts an. Überhaupt haben die Indi¬
viduen der ganzen bisherigen Geschichte jedesmal den Fehler begangen, nicht
gleich von vom herein diese superkluge „Gescheitheit“ sich anzueignen, mit welcher
618
Beschreibung der Manuskripte
unsre deutschen Philosophen nachträglich über sie kannegießern. * Der Mangel
34—35 ... findet.“ — (Sancho beweist hier, daß er) „Es* stellt® sich* hier® heraus*“,
daß Sancho® von der
351 9—Ю „geheiligten Güter“ (hat) „darf““ Stirner (das Recht) in entwickelten
(Staaten das Recht) Ländern® zwar 11—13 wirklichen Menschen (zu) nehmen,
(aber) natürlich auf dem Wege innerhalb“ der“ Bedingungen“ der Konkurrenz(,
und wenn er im Stande ist, die Konkurrenz auszuhalten. Wie wenig aber überhaupt
diese „geheiligten]). Die große (Revolution, die) Umwälzung® der® Gesellschaft®
durch® die Konkurrenz (in allen Klassen der Gesellschaft vollzog, indem sie), die*
die Verhältnisse 15—16 auflöste, sämtliche® bis verwandelte* und für die 19—22 diese
gewaltige Revolution (geht unsern Spießbürger natürlich Nichts an.) ging* aller¬
dings* bis Preis* dafür*. (Er) Unser® deutscher* Kleinbürger* kennt daher* nur
24—29 Grenzen der Konkurrenz (und diese) der* Bourgeois® bis „moralische* Gren¬
zen®“ gelten ihm für (ihren) den* wahren „Sinn“ der* Konkurrenz®, (während ihm
ihre Wirklichkeit für ihren Unsinn gilt.) und® ihre® bis ihren* Sinn®. 30 seiner
(bisherigen) Forschungen 37 sich hier (schließlich) noch einmal 38—39 „Em¬
pörung“ aus. (Es ist nur (noch) zu bemerken, daß die radikaleren unter den)
Sankt Sancho 41—43 /[{89}c] [81c]/ und unter Andern (auch, (über) daß zum
Konkurrieren seine Person nicht hinreiche, sondern er auch noch allerlei Sachen
haben müsse, ferner® einiges® über® Konkurrenz® und® Wetteifer®, aber) über® bis
Wetteifer®. Aber der „arme Berliner“
352 23—24 Kapitel* „Vertrag®“, 37—38 So spiegelt sich (die Konkurrenz) der
Konkurrenzkampf in (Berliner Weißbierkellem) den Köpfen 38—39 die (nun)
sich den modernen 40 im Bewußtsein trösten, (Uns fehlt) daß® ihnen* nur „die
Sache“(, Euch zu schltagen]) sie aber im übrigen, was) fehle®, um* ihre „persön¬
liche Kraft“ (angehe, ganz andere Leute seien.) gegen* sie® geltend® zu® machen®.
Noch komischer
353 1 in einem Lande (lebt) und in einer Stadt (konkurriert) lebt®, wo er
3—6 daß® das* Verhältnis® (Übergewicht®) bis Lage® konkurriert; daß 9—10 ab¬
hängigen (Geschäftszweigen) Produktionszweigen 14—18 überhaupt* die® Kon¬
kurrenzfähigkeit® bis bestimmt*), kann er sich weder durch* „persönliche® Kraft“
gewinnen®, noch® durch die 25—34 Übrigens* hat® bis geben® zu® — können®.
38—39 Verhältnisses“ (zwischen diesen beiden Vorstellungen) dieser beiden Quali¬
täten 43—45 indem er (sich) durch persönliche (Macht) Kraft sachliche Mittel
(erwirbt) erwerben* läßt* und so* die(se) persönliche Kraft(, den Anderen gegen¬
über,) in eine
354 1—2 persönlich zu (einander) ihm® zu verhalten. Gerade so (könnten die
Indianer von den Yankees) hätten* die Mexikaner® von den Spaniern* 20—21 soll,
(verwandelt sich in die) kommt® auf® das 22—25 bedingt ist, (nicht mehr existie¬
ren solle.) andre® als® bis haben® sollen®.
(Schließliche) Abermalige® und* diesmal® schließliche Zusammenfassung der (gan¬
zen) Philosophie 44 und (burleske) gemütlich*-burleske Renommagen
355 7—8 Eigentum ist“. (Der Unterschied zwischen Wesen und Erscheinung
setzt sich hier trotz Sancho durch.) Das Dementi
20—22 noch einen (eignen) besondem praktischen Charakter an(, den Sankt Sancho
mit dem in der Logik bereits erledigten fortwährend durcheinander wirft).
* Wir werden bei der Empörung den umgekehrten Weg, wie beim Verein, ein¬
schlagen. Während wir beim letzteren zuerst die näheren positiven Bestimmungen
prüfen und dann die Renommage unsres Heiligen daneben halten werden, wollen
wir hier zuerst die Prahlereien über die Empörung Sanchos zusammenstellen und
dann den praktischen Verlauf verfolgen, den die Empörung in seinem Kopfe
nimmt. *
(Eigentlich liegen hier wieder (die) einfache(n) Gleichungen zu Grunde:)
Revolution = heilige Empörung 26—29 Revolution* bis Umsturzes®, 32 „eig¬
ne“ Art des (Umstürzens) Bruchs* der* vorhandenen* Welt®
356 20 seinen heiligen* Messias 24 Nahrung mehr“. (Wenn Ihr die Wahrheit
suchet und das Licht verbreitet, so verschwindet unter Euch die Lüge und die
Finsternis.) (Das Reich 35—38 gefunden, die (ihm) er® bei der Erzeugung seiner
ideologischen „Empörung“ dunkel (vorschwebte) ahnte®; z. B. (das Heraustreten
Einzelner aus der bestehenden Gesellschaft, wie es) bei den Korsikanern, Irländern,
Textvarianten
619
russischen* Leibeignen®, und überhaupt bei unzivilisierten Völkern (vorkommt).
Hatte 39—40 Individuen* und* ihre* Verhältnisse 40—41 mit dem® reinen® Ich*
und* „d em 45 durch" die" Bedürfnisse",
357 2 Tat“ /91a[83a]/ (eine Antithese bildet.) im Gegensatz (steht) stand.
4—5 zwar eine (Umwälzung) Umwandlung* der (bestehenden) Zustände zur Folge.
12 der* stets® Freude* an* sich* erlebt* 21 wie Sancho (selbst kommentiert)
glaubt*, zur 24—25 mit sich“ (ist weiter) (und die aus ihr hervorgehende Em¬
pörung ist) reduziert® sich® also* auf® die moralische 26 als einem (Gläubigen an
(das Heilige) den® Heiligen®, das Bestehende, und der Akt der Empörung reduziert
sich darauf, daß man sich diesen Glauben aus dem Kopfe schlägt.) Heiligen*, d.* h.*
einem* Gläubigen an 27 Es konnte (übrigens) nur 29 zu basieren, (Worte)
Stimmungen®, die 31 wie® wir* fortwährend® sehen®, 37—39 Schon* bis Wun¬
sches® aus*. 41—42 zu ändern, (eine Illusion, über die weiter kein Wort zu ver¬
lieren ist.) und* daß® (das® Bestehende® die® Ideen® sind®.) die® bestehenden* Ver¬
hältnisse® Ideen* sind®.
358 2 gegenüber (den Verhältnissen) der“ Welt“. (Ihr ideologischer Hochmut
wird) Ihre® bis werden* 8—10 die „Zustände“ (eben) von® jeher® die Zustände
dieser Menschen (sind) waren*, und® (daß die Zustände nicht) nie® umgewandelt
werden (können) konnten*, ohne daß die Menschen (mit umgewandelt werden)
((und mit ihnen wenn* es* einmal® so* sein* soll*, ihre® Unzufriedenheit® mit®
sich®)) sich* umwandeln*, 12 „unzufrieden“ (werden) wurden®. Er glaubt (fer¬
ner) der Revolution 18 lassen“ muß und (das Resultat) (die Empörung, sie mag
darauf „zielen“ oder nicht, doch wieder „auf neue Einrichtungen“ hinausläuft.) so
Revolution 20—21 Dann (macht) läßt“ Sancho 22—23 „gedeihen“ soll, ist“
nicht“ bis noch“ viel“ weniger“, 24 Weg geht(, ist nicht abzusehen); es müßten
denn (andre) profane
359 2—3 daß Empörung® bis Faktum®; 8 daß die französische“ Revolution
11—12 in der die* soziale® bis Ausdruck* als* Verfassungskämpfe (geführt wur¬
den) erhielt®, entnimmt 14 knüpft (Sancho) er“ durch 17—18 neuerdings
(aufgeworfen) gemacht worden sind. Dies ist der (Sinn) Zusammenhang® des
obigen Satzes(, seiner ideologischen Verhüllung entkleidet). 22—23 der Arbeit
aufhebt, (dies nicht mehr dazu führt,) die* politischen® bis beseitigt*, geht
27 geht (schließlich) endlich“ auch daraus hervor. 29—31 Alles los ist, (strebt
schließlich) bestrebt® sich® (zugu[terletzt“]) am“ Ende“ der“ Tage“, die Ver¬
fassung los zu werden(, womit er nur den neuen frommen Wunsch ausspricht,
die Verhältnisse möchten sich nicht gegen ihn verselbstständigen).
Es ist 33 haben. (So u. A. die Konkurrenz, von der Sancho gehört hat, daß
sie der Krieg Aller gegen Alle ist, und die, zusammen mit seiner Idealisierung der
Revolution) So u. A. der Glaube, 35—37 und® ihre® „Schilderhebung®“ bis zu®
heben®. 39—40 regellosen (Bande) Rotte“ werden, die eich nur noch „empören“
kann. (Dazu) Zudem“ hat (Sancho) er“ gehört 40—41 und (diese Vorstellung)
dieser® Satz®, vermengt
360 4 und® dem* „Allein*“ Sanchos 10—11 verdeutlichen. Die (ganze) christ-
lich*-germanische® Leichtgläubigkeit 34—36 Wesen“ sind und (an) wenigstens*
der® lachende* Erbe® an ihre wechselseitige Existenz resp. Einzigkeit (glauben/
glaubt®.
36—38 Christus ist, (darauf) auf® diese* seine® „fixe® Idee0“ „zielt“ bereits die ganze
Geschichtskonstruktion *, weswegen die verschämte Maskerade in der Stelle des
Kommentars, wo Sancho sich stellt, als spräche er von den alten Christen über¬
haupt, nur den Zweck hat, den Leser selbst die süße Gewißheit erraten zu lassen *.
Die Philosophie 40—41 nichts als eine (aufgeblähte und wildtuende) bramar¬
basierende Apologie (des Treibens) der Parvenüwirtschaft
361 4—7 stellt an die (übrige Welt) Andern nur® die heuchlerische* moralische
Forderung, (selbst) auch Parvenüs zu werden, wie er. (Es ist die alte Moral
des Kleinbürgers, daß die Welt am besten bestellt ist, wenn ein Jeder es für
sich so weit wie möglich zu bringen sucht und sich im Übrigen nicht um den
Weltlauf kümmert.) So verlaufen sich (alle Schlachtgesänge) alle kriegerischen®
Rodomontaden® Stirners 13—14 auf das unzivilisierte* „Verfahren*“ der Diebe
16 keine (Sanchosche) „Empörung“ ist. 19 erwarten (ist) stand“. 22 Glaube an*
diese® Satzung®, an das 36 (Siehe“ Logik“). 39 wirkliches Eigentum, (sein Kapi¬
620
Beschreibung der Manuskripte
tal) das® er* auf® Kapitalkonto® genießt®, von seinem 41 Verlust-Konto (zu Gute
schreibt) gutschreibt.
362 15 sondern nutzloses® Papier®, den 19—21 und kann® nur® bis „erobert®“
werden*. Und* wenn 27 läßt er den empörten® Pöbel 29—30 verfertigt, die
(an allen Straßenecken angeschlagen) in“ allen“ Dorfkneipen“ aufgelegt“ und
auf dem Lande зз sich (Stirners) Sanchos tendances 34—36 Viehmägden mit®
Ausschluß* bis abgestreift* hat*“. (Vielleicht wird er sich nächstens auch auf
die Städte werfen.) Inzwischen 41 358 u. f. und (lautet) beginnt* wie folgt:
43 Dadurch®, daß* Wir* bis mithin® durch*
44—45 antut“.
(Erst durch „unsern Schutz“ und dann dadurch, daß Ihr uns „Gewalt an¬
tut“.) Erst dadurch,
363 14—15 „Wir® wollen® bis „nehmen*“. 17—18 anwenden, und® endlich* bis
Nichts® nehmen®. Wir 37 ei“, (ei (eil?) du® bis Knecht*!) 44 Dann glauben
sie. (ihr bisheriger schlechter Lohn sei einzig schuld daran, daß sie bisher
wenig geleistet haben, während sie zu gleicher Zeit glauben, der bisherige über¬
große „Lohn“ des (Fabrikanften]) Kapitalisten sei einzig schuld daran, daß
er bisher wenig geleistet habe.) sie würden
364 1—2 zu gleicher Zeit vom (Fabrikanten) Kapitalisten erst (den außerordent¬
lichen Lohn) dann* außerordentliche® Leistungen® erwarten, 6—7 verwandeln,
(vollbringt er) vollbringen* sie® das Wunder, (die Empörer) „hundertmal mehr“
zu* zahlen (zu lassen), ..als 13—14 bereits hat. (Zu der „Arbeit“ des Kapita¬
listen gehört auch seine aufgespeicherte Arbeit, das Kapital, und das, was er
mit diesem Kapital zu machen gewußt hat.) Daß die Arbeit der Kapitalisten
(samt) in“ Verbindung“ mit“ seinem 30 und® das® Interesse* 37—39 Arbeiter¬
koalitionen (für den Meridian von Berlin zurechtgestutzt.) apriori* berlinisch® kon¬
struiert*. (Der Ackerknecht, der hier spricht)
Der Wortführer
365 34 nicht (darauf eingehen) beabsichtigen®, die
366 2—5 während® in* zivilisierten® bis „spielen* gehen*“ läßt®. 13 Zufuhr!
(Doch betrachten wir die Schönheiten (der) unsrer Dichtung im Detail.)
Einen wahren 28—29 Verdienst, „redlich“ erarbeiteten“ Genuß““, zu sichern.
37 Gutsherrn, der (ganz) in ihrer Gewalt 38—39 katechisiert sie (über sozialistische
Sätze. Pläne zur Reorganisation der Gesellschaft und über Kunst und Wissenschaft).
Der „sichere Mut“
367 1—3 Roß Clavileno bestiegen.
* In Frankreich wird verhältnismäßig mehr produziert als in Hinterpommern.
In Frankreich kommen nach Michel Chevalier, wenn die ganze jährliche Pro¬
duktion auf die Bevölkerung gleichmäßig verteilt wird, 97 Franken auf den
Kopf, macht für eine Familie (von fünf Köpfen, wie der) •
Die ganze (hochtönefnde]) lärmende 5—8 berlinisierten Turnout. (, wobei die
rebellischen Arbeiter mit ihrem Arbeitgeber ein lichtfreundlich moralisches Zwie¬
gespräch verführen und über Aesthetik räsonieren, als ob sie bei Steheley in die
hohe Schule gegangen wären. Während in zivilisierten Ländern (die Epoche der)
die* Turnouts, die übrigens ganz anders verlaufen als die obige Empörung, allmäh¬
lich aufhören, weil die (zu) in allgemeinere) Während“ die“ wirklichen“ bis weil“
die“ allgemeinere Verbindung der Arbeiter unter* einander® zu 9—n führt, (ver¬
suchen unsere deutschen Spekulanten sie natürlich nur nach vorhergegangener Zu-
stutzung) versucht“ bis karikierten“ Turnout“ als letzte und höchste Form des
welthistorischen“ Kampfs (der Arbeiter gegen die Bourgeoisie') darzustellen. 15 an¬
gebrochen ist. Hierauf ist im Manuskript das letzte Viertel der Seite freigelassen.
Mit der folgenden Seite beginnt eine von Engels verfertigte Reinschrift.
369 5 über (die kleinbürgerlichen) unsre® alten® Verhältnisse (deutscher Reichs¬
städte) hinauszugehen. 7 einem historischen* Umwege (in die (teure) Zustände
der teuren Heimat zurückzuführen) zu der kleinbürgerlichen* Erbpacht
10 Sancho nur (die juristische Illusion) den® juristischen® Unsinn* angeeignet
12 soll diese eingebildete* „Willkür“ 16 nicht. (Wer kann dieser „Willkür“
Regeln vorschreiben?) Das ist Alles 17 eine® bestimmte* Form® der® Tätig¬
keit®, 23—24 an Allem“ paßt. (Während in) In® der wirklichen Welt hängt®
der 25 Produktionsweise ab(hängt und daher Sancho hier durch ein „Viel¬
Textvarianten
621
leicht“ vielleicht seine ganzen Hoffnungen über den Vereinsverkehr umwirft),
und daher
371 7—8 verschließen und (sich wie ein gewöhnlicher Mensch aufführen.) der*
Gesellschaft® bis begnügen® 23—25 spinnen), und® als® bis erfordert*. Dieser
32 erklärt und® bei® dem® Amerikaner® Cooper“ taxiert® finden. 38—40 so®
heruntergekommen®, bis Vorschlägen“ kann®. — Es verdient — 44—45 mit® Aus¬
schluß® bis Phantasien®,
372 7—9 Owen sagt, (wieder) nur" nach seiner unmittelbaren Umgebung. * Es
wäre zu wünschen, daß unser Bonhomme Gelegenheit fände, „seine einzige Kraft“
in die Funktionen eines Präsidenten der Vereinigten Staaten oder eines franzö¬
sischen Ministers „hineinzulegen“. *
Wie immer
373 15 Fresken (keine einzige) diew wenigsten" selbst 23 Unterdrü-/[ {96}c]
L88c]/ckung (derselben) in der großen Masse 34—35 seiner geschäftlichen® Ent¬
wicklung und® seine® Abhängigkeit® von® der® Teilung“ der® Arbeit® 38—39 auch
malen.
(Diese) Sanchos® Organisation der Arbeit (für den Stirnerschen Verein zeigt)
deutlich, wiesehr
37 3 45—374 s Gerede“. * Hätte Sancho mit seinen Phrasen ernst machen wollen,
so hätte er (doch) auf die Teilung der Arbeit eingehen müssen. Dies unterließ
er weislich und akzeptierte die bestehende Teilung der Arbeit ohne Bedenken,
um sie für seinen Verein zu exploitieren. Er würde bei näherem Eingehen auf
diesen Gegenstand freilich gefunden haben, daß die(se) Teilung der Arbeit da¬
mit nicht aufgehoben ist, wenn man sie „sich aus dem Kopfe schlägt“. Der
Kampf der Philosophen gegen die „Substanz“ und ihre gänzliche Vernachlässi¬
gung der Teilung der Arbeit, der materiellen Grundlage (auf) aus der das
Phantom der Substanz hervorgegangen ist, beweist eben nur, daß es diesen Helden
nur um die Vernichtung der Phrasen zu® tun® ist® und keineswegs um die Ver¬
änderung der Verhältnisse, aus denen diese Phrasen entstehen mußten(; zu tun
ist.) * Sie® unterlassen® bis Beispiel® ist®.
374 19 Sancho (im) in der bürgerlichen (Eigentum) Anschauungsweise® befan¬
gen 20—22 Er setzt® also® bis und® dann® kennt er“ kein 28—29 hereinzuneh-
men(; und damit). Damit® kommen* auch die ökonomischen® Bestimmungen
herein®, die (er) Sancho® nicht kennt 30 und (damit) mit® ihnen® auch (den)
der® ganze(n) jetzige(n) Zustand 32—33 — sehr® originellen® — 33—34 im Ver-
ein(, die auf eine sehr originelle Manier vor sich gehen).
Es entsteht
37443—3752 Macht des Geldes (erhält die) (liegt), in® der® Verselbstständigung®
bis tritt® die Verselbstständigung
375 з—4 Also Sancho(, der) /[{97}a] [89a]/ weiß®, wie® gewöhnlich®, Nichts vom
5—6 und dem Verkehr (nichts ahnt, der). Er® behält® als guter Bürgersmann
das Geld (beibehält) ruhig® bei®, wie (er) dies 7—8 Grundbesitzes (mußte,
Sancho) (nicht® anders® konnte®.) nicht anders (kann.) möglich ist. 13—14 des
Kleinbürgers (auf den Kopf stellte und diese) umgekehrt® ausdrückt® und 20 alle
ungelegenen® Fragen 31 speziellen Waren sich® fixiert®, die plötzlich
32 Eigentum zu sein(, sich fixiert).
376 11 daß es (von Euch kommt.) durch® Eure® Finger® gegangen® ist®. —
20—21 Je® ne® connais® bis intentions®. зз richtet sich Szeliga Don® Quijote*
4 4 Note®
377 25 „also Geld“, ((„also“ versetzt Stirner das Faktum, daß dermalen alle
„unverehelichten Mädchen“ „Geld“ sind, aus der „Bürgerperiode“ in die kom¬
munistische, ein Kunststück, das sich um so leichter macht, als nach) (Nach“
dem obigen 26—27 unverehlichtes® Mädchen“ sei, (es) leuchtet® es® von selbst
ein(leuchtet), daß „alle unverehlichten® Mädchen“ 32 Diese Hochzeits-, Leichen¬
bitter- und 41 statt ihm* einen (Hochzeitskranz) schönen® grünen® Jungfemkranz* zu
45 sehr (unbedeutend) kleiner, und das Metallgeld (noch unbedeutender) ein
378 13 sondern höchstens (führt) ein „Lump“ den andern (heim). 37 also®
rechtliches* Eigentum®, 38 Sancho nicht® „unbedingt*“ besitzt*, sondern® vom
„Verein“
622
Beschreibung der Manuskripte
379 9—Ю Nacht“ (dem wirklichen Inhalt des Sanchoschen Vereins näher, and
finden, daß er sich in lauter triviale Vorstellungen aus der Gegenwart auflöst^
den bestehenden 11—12 Vorstellung(, die ein deutscher Kleinbürger sich von
ihnen macht.) des® deutschen® Kleinbürgers*. 25 Abgesehen einstweilen* von
27 durch® die® ökonomischen® Einrichtungen® 28—30 Als® echter* bis
anfangen*.
380 8 im Verein (wiederherstellen will.) sich anzueignen 15—19 beweisen, daß®
es® erstens® bis und* drittens®, daß sie 26—32 Sie® wird® ihm® bis fragen®“, (ibid.*).
37 Aneignung des (Unterschieds zwischen Teilung) Gesetzes
38 1 25—26 suchte, so (bestrebt er sich, auch (über®) die Empörung erst hier
sich® klar zu machen.) auch® hier* mit* der® Empörung*. 34 nach® seinem®
„eignen*“ Sinn
382 33—34 Gewalt.“ (Diese hochtönenden Sätze gehen) Dies® hochtönende*
Allegro® marciale® geht® folgendermaßen (allmählich) in eine
383 3 Die praktische (Ausführung) Variation
35—З6 Geschichte hat. * Wir nehmen noch ausdrücklich ad acta; daß Alles, was
Sancho früher über das Lehnswesen der Kommunisten gesagt hat, hiermit von
selbst zusammenfällt.*
Im Zusammenhang
384 36—38 Die „Verständigung“ (liegt eben darin,) wird* damit® vollzogen®, daß
diese neue Philosophie des® Ansehens® beim® (vom) ganzen Verein (angestaunt
wird.) zu® Ansehen® kommt*.
385 18—19 daß Sancho (in seinem Buch) „Gedanken hegt“, die® „in® seinem®
Buche® stehen®“, was 39—40 wird (den) das® bei dem „sozialen Talente“
Sanchos unvermeidliche(n Mangel) Defizit® an Lebensmittel glücklich (ersetzen)
decken“.
38 6 24—25 ein von (sachlichen) (fremden®, meinem 27—28 Man® sieht® bis
spekuliert®. 29—30 Das gewöhnliche (Bourgeoissprüchwort:) Kern®- und® Sitten¬
sprüchlein® der® Bourgeois®:
387 5—6 der „Bürgerperiode“ (nur deswegen) in die Suppe, (weil er) um“
sie im Verein ganz allein (ausfressen möchte) auszufressen“. 10—11 ein® Fak¬
tum®, bis vermag*.
29—30 Subjekt“. * Und wenn Ich ihn gebrauchen kann, so verständige Ich Mich
wohl und einige Mich mit ihm, um durch die Übereinkunft Meine Macht zu
verstärken, und durch gemeinsame Gewalt mehr zu leisten, als die einzelne be¬
wirken könnte“ —*
/{101}[93]/ Das Verhältnis 31 Verein (hiernach) die einzige 36—37 Ex¬
ploitation, die (bereits Bentham aus der bürgerlichen Gesellschaft der neueren Zeit
(im aller) abstrahierte und (in aller Ausführlichkeit) bis“ zum* Überdruß* dar¬
stellte,) Bentham“ (bereits“) bis“ zum“ Überdruß“ ausführte“, schon 40—11 wo
die (Nützlichkeitstheorie) Brauchbarkeitstheorie“ als 42 Albernheit, (auf der
diese Theorie beruht, daß) welche“ alle 43—44 in das (eine) Eine“ Verhältnis
der Brauchbarkeit (aufgelöst werden) auflöst“, diese scheinbar(e) metaphysische
387 45—3881 hervor, daß (in der Wirklichkeit) innerhalb* der® modernen® bürger¬
lichen® Gesellschaft® (diese vielseitigen) alle“ Verhältnisse (auf) unter“ das“
(eine) Eine abstrakte
388 2—3 Schacherverhältnis (für jeden Einzelnen reduziert) (subordiniert“)
praktisch“ subsumiert“ sind. Diese Theorie kam (daher (auch erst mit der) in
der neueren Zeit auch erst mit der modernen bürgerlichen Gesellschaft) auf,
(()mit Hobbes und Locke().), (Sie ist) (Was in der Theorie immer absurd
bleibt, ist, daß in ihr alle Beziehungen als bloße Reflexions beziehungen auf¬
gefaßt werden, als Verhältnisse, deren Schließung auf dem freien Willen beruht.)
gleichzeitig 6—7 Schriftstellern (kommt) ist“ sie natürlich schon früher (als)
stillschweigende Voraussetzung (vor). Die (wahre, wissenschaftliche) eigentliche*
Wissenschaft* dieser 8—9 erhält sie (zuerst) ihren wahren Inhalt, da diese (die
ersten sind, die) zuerst“ die Ökonomie
12—13 der französischen“ Bourgeoisie vor der Revolution entspricht. * (, wo).
Weil“ sie revolu-/[{101 }a] [93a]/tionär war (und) (idealisierte“ sie“, nach“
ihr“ eigne“) (ihre) (die“ Verhältnisse idealisierte), (die) weil sie diese Ver¬
Textvarianten
623
hältnisse noch nicht hatte praktisch durchführen können. Bei Holbach wird alle
Entwicklung der Fähigkeiten eines Individuums durch den Verkehr mit andern
Menschen als* im Verhältnis der Brauchbarkeit aufgefaßt, sodaß Ich z. B. mit
einem andern spreche, ihn liebe pp, weil (er) dies* mir (hierzu brauchbar ist)
nützt*. Das wirkliche Verhältnis, daß (durch mein Sprechen, mein Lieben) ich
mit dem Andern spreche, ihn liebe pp, (bleib[t]) daß sich dadurch meine
Fähigkeiten entwickeln, bleibt bestehen und wird als solches anerkannt. Da¬
neben wird aber ein zweites Verhältnis eingeschoben, in das ich (nur) dadurch
zu dem Andern trete; (und) ich soll nämlich außer dem wirklichen Verhältnis,
das sich von selbst versteht, noch ein besondres Brauchbarkeitsverhältnis zu ihm
haben, einen aparten Nutzen von ihm ziehen. In dieser Theorie wird das Ver¬
hältnis des Bourgeois zu Andern philosophisch ausgedrückt; dem Bourgeois ist
es nicht um das Verhältnis selbst, sondern um einen aparten Nutzen zu tun, der
mit dem Verhältnis überhaupt Nichts zu tun hat, sondern erst durch die gesell¬
schaftlichen Bedingungen mit ihm verbunden wird. (Der Bourgeois spricht und
liebt z. B. nicht aus unmittelfbarem])* Bei Holbach
16—17 Lieben (und schließen diese Betätigung dieser Eigenschaften durch die
beteiligten Individuen ein.) (Betätigungsweisen“), bestimmte“ Betätigungen“
bestimmter“ Eigenschaften“ der“ Individuen“. 18—19 sollen nun nicht (die in
ihnen selbst liegende und sich von selbst verstehende) (ihre“) die“ ihnen“ eigen¬
tümliche* Bedeutung haben, sondern der“ Ausdruck“ und“ die“ Darstellung“
(ein drittes) eines“ dritten“, ihnen (untergeschobenes Verhältnis, das Nützlichkeits¬
oder Benutzungsverhältnis (aussprechen und darstellen) ausdrücken“) unterge¬
schobenen“ Verhältnisses“ sein“, des“ Nützlichkeits- oder Benut¬
zungsverhältnisses“. Diese 23—24 den Individuen nicht ihrer® selbst®
wegen® gelten“, nicht* als Selbstbetätigung (und Verwirklichung), sondern (nur)
vielmehr 26—27 Nützlichkeitsverhältnis heißt(, gelten). 34—37 fremd, (und ist
durch die bestehenden Bedingungen des gesellschaftlichen Verkehrs bestimmt.) wie*
wir® bis Nützlichkeitsbeziehung*. Dies Alles 38 Fall. (Er hat einen Nutzen als
solchen, Seine Lebensstellung drängt) Ihm gilt 42—43 nicht direkt® unterordnen
lassen 44—45 Repräsentant (aller) der® Werte(, der) aller* Dinge,
389 2 daß (die Beziehungen) aus® den® (praktischen*) wirklichen* Verkehrs¬
beziehungen®, in denen 18—22 des* Bewußtseins® der® bis zu* einander*, war eben¬
falls ein (un-/[ {101 }c] [93c]/geheurer) kühner* und* offner* Fortschritt (gegenüber
der in), eine (wahre) profanierende® Aufklärung (gegenüber der von politi¬
schem, patriarchialischem und religiösem Unrat verhüllten Exploitation des Feuda¬
lismus.) über 25—26 Monarchie (ihren theoretischen Ausdruck erhalten hatte.)
systematisiert 30—32 Stelle des tätigen® Bourgeoisegoismus einen (renommieren¬
den) rodomontierenden*, mit sich ei[ni]gen Egoismus setzte. (Das einzige) Sein“
einziges“ Verdienst], (was Sancho hat — und das wir ihm hier zu Gute schrei¬
ben —) hat er 3ß auftreten, (ihr theoretischer Repräsentant) ebenso 37—зк vor¬
witzig (renommierte® ihr*) „der* Einzige*“ unter* ihren* philosophischen® Reprä¬
sentanten* in die 38—39 ganz zu den (Lebensverhältnissen) Verhältnissen* dieser
40—42 Nichts wissen wollen® und er Nichts von ihnen weiß®, daß® sie® bis predigen®
muß*; Sancho sieht
390 7—8 alle* Verhältnisse* bis zurückzuführen®, den Verkehr 17—18 gleich¬
zeitig mit der® ersten® bis Ökonomie®, mit® dem Entstehen 22 Holbach hatten (die
englische Theorie und den allgemeinen kommerziellen Geist des achtzehnten Jahr¬
hunderts vor sich, die Handelsrivalität der Franzosen gegen die Engländer, und in
Frankreich) außer® der® englischen* Theorie und der 27—29 Die* Finanzverlegen¬
heiten® bis Frankreich*. 42—43 der kämpfenden, noch* unentwickelten Bourgeoisie,
391 5—7 befangen, daß sie den (Boden für die einzige Produktivkraft erklär¬
ten.) Grundbesitz® bis Gesellschaft* bedingt*. — 8 Entwicklung (sowohl der
Ökonomie wie) der Exploitationstheorie 33 zum (einzig maßgebenden) einzigen®
Inhalt
392 9—11 großen Verhältnissen, (das subjektive Verhalten eines Jeden zu) die®
Privat-Exploitation® einer vorgefundenen Welt durch* die® einzelnen® Individuen*.
393 19—21 bedeuten haben und“ wie“ sehr“ sie“ der“ Wirklichkeit“ (des“
Vereins“) entsprechen“, hat sich uns beim „Verein“ selbst gezeigt.
(Mit der Illusion, daß die Macht des) * Das einzige (Mittel, das im Verein
624
Beschreibung der Manuskripte
existiert,) ime Verein® existierende0 praktische® Mittel®, wodurch der Einzeln«
sich den Verein unterwirft, besteht praktisch darin, daß man sich empört umd
wenn dies (mißglückt, wie natürlich) wie natürlich, mißglückt, so bleibt denn
Empörer immer noch der theoretische Trost, daß er sich die Vorstellung
von der Macht der Andern aus dem Kopfe schlägt. * — Mit dieser 22—24 genaiu
die® andre® zusammen, daß im Verein (die Vorstellung von der) „die“ Substanz“
(Siehe™: „Humaner™ Liberalismus.1““) vernichtet wird, und die Verhältnisse de;r
Vereinsglieder (in einem stets flüssigen Zusttand]) nie eine 37—38 Arbeit etc.™
im Verein, ebenso das „geistige Band“ in der (ganzen) Sanchoschen Philosophie^,
namentlich der Philosophie des Vereins). Im Übrigen 40—41 /[{103}a] L95a]/
über die auf™ der™ bis beruhende™ Verselbstständigung 41—42 den Individuen)
(durch die Teilung der Arbeit) gesagt haben(, um diesen frommen Wunsch Jacqueis
le bonhomme’s in seiner ganzen Biedermännigkeit erscheinen zu lassen).
„Kurz,
394 4—5 daß (die) der™ „Verein(e) von® Egoisten®“ bereits „zue Hunderttausen¬
den®“ von™ Exemplaren™ existiert (und zwar) als eine Seite 7 Empörung und™
jeden™ „Stirner““ zugänglich (sind) ist“. 26—27 Bürgerressourcen, (, Stamm¬
gastwirtschaften (und sonstigen) usw.) Picknicks® usw. 28—29 die letzteren
(ebenfalls in ihrer bestehenden Gestalt durch die jetzigen Verhältnisse bedingt
und bestimmt werden, braucht auch nicht bewiesen zu werden.) nicht™ minder1™,
ist™ ebenfalls™ bekannt“. Sancho зо—32 oder® (der® anderen®) die“ anderer™
Nationen®, bis Kinder® herab®, 33—34 Vereins nur (dieselbe konservative Vor¬
liebe für die bestehenden Verhältnisse, die (er) wir schon früher im Verein
fanden.) seinen“ eingerosteten™ Konservatismus™. Sancho, 37—38 amüsieren und
zwar (gut bürgerlich) ganz® in® hergebrachter® Weise® amüsieren wird. 39—40 oder®
außer® Stand® setzen,
42—44 Die hier® nach® bis verstirnerte® Idee, (daß®) die ganze (gesellschaftliche
Tätigkeit durch freiwillige (in® freie®) Gruppen (aufzulösen®) (vollziehen) voll¬
zogen werden könne,) Gesellschaft® in™ freiwillige™ Gruppen“ aufzulösen™, ge¬
hört Fourier an.
395 1 zur Voraussetzung und (ist begleitet von) basiert“ auf™ der 4—5 be¬
stehenden (Verhältnissen überhaupt; Sancho) Produktions™- und“ Verkehrsver¬
hältnissen™; und 21 Sancho spricht also (hier) den 29—35 und Bedürfnisse
(, also“ das“ berüchtigte™ „Gleichwohlsein“ Aller™ bei™ Einem“ und™ dem-
sfelben™]) anerkennt. Wir" erinnern® bis (ibid.®). 38—40 und® fällt® zusam¬
men" bis Vorteil® findet®. 39 nach einer Welt(ordnung) des® Schachers*,
40 setzt urplötzlich® eine
396 2—3 und damit (in ihnen nur seine eigne Verspeisungskraft, d. h. sich selbst
genossen) den® Verkehr® bis verwandelt® hat, geht
5 /{104}[96]/ C.“ Mein Selbstgenuß 7 cyrenäische Schule. (Das Ge¬
nießen selbst ist natürlich viel älter.) Wie im Altertum 12—13 gewisser zum® Ge¬
nuß® priviligierter 25 lebenslustigen und® verschwenderischen® 26—27 Bei diesem
Adel (kommt sie noch mehr als unmittelbare naive Lebensanschauung vor) hat™
sie™ noch™ mehr™ die™ (naive™) Gestalt“ unmittelbarer“ naiver“
39629—3974 unter den Händen einiger® Schriftsteller® der revolutionären® Bour¬
geoisie, die (diesem Hofadel revolutionär entgegen trat und das Genießen, ihren
allgemeineren Bedingungen ent-/[{104}a] [96a]/sprechend, als (Recht) allge¬
meine® Lebensanschauung® der ganzen Gesellschaft (in Anspruch nahm.) aus¬
sprach®.) einerseits® bis verwandelt® wurde®.
397 4—5 Als die (Revolution) weitere® Entwicklung® den Adel 8—9 oder® ver¬
fiel® bis Heuchelei®, obwohl (Beide) (beide Klassen) der™ Adel™ in der Praxis
9—11 Genießen verzichtete(n .) und“ der“ Genuß“ bis als™ Luxus™.
* Im Mittelalter waren die Genüsse vollständig klassifiziert; jeder Stand
hatte seine besondem Genüsse und seine besondre Weise des Genießens. Der
Adel war der zum ausschließlichen Genießen priviligierte Stand, während bei
der Bourgeoisie (die) schon die Spaltung zwischen Arbeit und Genuß existierte
und der Genuß der Arbeit subordiniert war. Die (beschränkten Genüsse der)
Leibeignen, die ausschließlich zur Arbeit bestimmte Klasse, hatte nur höchst
wenige und beschränkte Genüsse, die (neben der Arbeit) ihnen mehr zufällig
kamen, von der Laune ihrer Herren und andern zufälligen Umständen abhingen
Textvarianten
625
und kaum in Betracht kommen können. — Unter der Herrschaft der Bourgeoisie
nahmen die Genüsse ihre Form von den Klassen der Gesellschaft an. Die Ge¬
nüsse der Bourgeoisie richten sich nach dem Material, was diese Klasse in ihren
verschiednen Entwicklungsstufen produziert hatte, und nahmen von den Indivi¬
duen sowie von der fortgesetzten® Subordination des Genusses unter den Geld¬
erwerb (einen) den langweiligen Charakter an, den sie noch jetzt haben. Die
Genüsse des Proletariats erhielten (sowohl) einerseits® (von) durch die lange
Arbeitszeit, die das Genußbedürfnis aufs Höchste steigerte, und andrerseits durch
die qualitative /[{104]b] [96b]/ und quantitative Beschränkung der dem Prole¬
tarier zugänglichen Genüsse, die gegenwärtige® brutale Form (, die). — Die Ge¬
nüsse (der ganzen) Aller® bisherigen Stände und Klassen mußten überhaupt (im¬
mer) entweder kindisch, ermüdend, oder brutal sein, weil (durch) sie immer
von der gesamten Lebenstätigkeit, dem eigentlichen Inhalt des Lebens der Indi¬
viduen getrennt waren, (ihre ganze) und sich mehr oder weniger darauf redu¬
zierten, daß einer inhaltslosen Tätigkeit ein scheinbarer Inhalt gegeben wurde.
Die Kritik dieser bisherigen Genüsse konnte natürlich erst dann stattfinden, als
der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat soweit entwickelt war, daß
(der faktisch) auch die bisherige Produktions(weise)- und Verkehrsweise kriti¬
siert werden konnte. *
Der Zusammenhang 13 Klassenverhältnissen und den (allgemein) sie erzeu¬
genden 14—17 in denen sie leben, (und damit) die® Borniertheit® (alles®) des®
bis bestehenden® Genießens®, der Zusammenhang (der) jeder* Philosophie
22—24 Bourgeoisie und® Proletariat® kommunistische und sozialistische Anschau¬
ungen (und Schriftsteller) erzeugt hatte. (Diese Schriftsteller wiesen denn auch
sogleich nach, daß das Genießen eines Individuums nicht von seiner Anschauungs¬
weise abhängt.) Damit war 25—26 Stab gebrochen (und die.) (Die einzig mög¬
liche (Anschauungsweise) revolutionäre Anschauungsweise war (nun) jetzt nur die
Kritik der bestehenden wirklichen Verhältnisse).
/[{104}c] [96c]/ Unser fader, 26—28 wie (schon) aus dem ganzen Buche her¬
vorgeht, es (hänge nur von einer andern) komme* nur auf* eine® andere® Moral, (von
einer) auf® eine® ihm neu scheinende(n) Lebensanschauung, (von dem) auf* das®
35 philosophisch (überse[tzt]) (verdeutlicht]) (transzendiert) verdeutscht*, indem
43— 44 daß „die“ Singvögel“ Käfer“ schlucken““, oder auf Falsa auslaufen*, z. B.
44— 15 verbrennt (und daß Singvögel Käfer schlucken). Dagegen
398 2 „Ideal*“ 4—5 Formen einzugehen®, in denen (ein) das* Selbst® im*
„Selbstgenuß“ n 1) die (praktischen) Vorstellung* von® den® revolutionären
13—14 oder® auch“ entsprechender® bewußter® Ausdruck* der durch 17—20 3) der®
bewußte* bis behaupten”; (oder® zu®) oder“ (3)) 4)® die in 18—19 befinden,
durch (fortgesetzte oder ausgedehnte) eine“ ganz“ bestimmte“ Tätigkeit 20 ideell
(theoretisch) ausgedrückten 23 Bewußtsein (nach der wirklichen (idealisiert)
ideell) theoretisch* verselbstständigt зз Von unsrem Sancho wissen wir (schon),
daß er 34—40 Weil® die® Menschen* bis Vgl.* p.e 433®. 43 in den Kopf“, („was
sie sich denken, das ist möglich und muß verwirklicht werden“,) „sie denken
399 10 Lebensverhältnisse mit* sich* oder® mit* Andern® geraten, 12 Vorstel¬
lungen über (ihren Beruf) (ihr Leben) das® Leben® „d e s Menschen”“
18—19 (p.435) ((der“ vornehmste“) (kletinste“]) der“ niedrigste“ bis herum¬
führt“). Hätten 20—21 und* fast® überall® bis Frankreich®, in den Kopf
25—27 in der Welt wieder“ anzubringen“ unter dem Vorwande (wieder anzu¬
bringen, daß er eine) einer“ Abhandlung 26—27 Wirklichkeit (gibt). Möglich
heißt (hier) ihm“ näm-/[{105]a] [97b]/lieh
42—13 ideologischen Verdrehung. * Weil Wir, d.h. die Mehrzahl der Menschen
bisher nur Mittel und Werkzeug waren, um unser Leben, d. h. die physische Exi¬
stenz, zu fristen, so schließt Sancho: daß Wir uns in den Kopf gesetzt hatten, einen
„Lebensberuf“, eine „Lebensaufgabe“ zu haben, „durch unser Leben ein Etwas zu
verwirklichen oder herzustellen für welches unser Leben nur Mittel und Werkzeug
ist, ein Etwas, das mehr wert ist als dieses Leben, ein Etwas, dem man das Leben
schuldig ist. Man hat einen Gott, der ein lebendiges Opfer verlangt.“ p. 430. Ebenso*
P.“ 428“ identifiziert er (p. (439 und 35) 428) die Frage,
400 з seiner (neuen Moral) angeblich 6—7 mehr.“ (Siehe) p. 483. Siehe oben
im* „Verein”“ Sanchos 25—26 und® das* jus® bis appliziert*, purzelt 32 wenn
(sie) man® ihre Äußerung 40—41 verborgen (war) lag“. Jeder
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 40
626
Beschreibung der Manuskripte
401 1—2 Sancho nicht ein (chemisches*) unter0 (einem*) gewissen* Hitzegraden*
stattfindendes* Verhältnis 5 Stahl kommt(, und daß endlich sein Exempel nichts
beweist als die altbekannten physikalischen Tatsachen von der Undurchdringlichkeit
der Körper und der Erzeugung von Hitze durch Reibung). Sancho hätte &—25 her¬
aus“. — Bei® dieser* Gelegenheit* bis Geist® der® Ahnung®. Man sieht übrigens
(gar) nicht ein, 30—32 Daß® das® „Gebot®“ bis Anstoßes*“ ist®. — Das Bewußt¬
sein 36 wonach Sancho (allerdings) sein ganzes
38—39 „Anstoß“.
(Im Übrigen siehe über den „Anstoß“, was oben (bei Feuerbach) bei® Sanchos*
lumpiger® Distinktion® und® der® Logik® gesagt worden ist.) „Was Einer werden
kann,
402 1—3 (Diese“ Phantasie“ bis „Der“ Kommunismus““) 27 daß (er) Sancho“
danach 33—34 /[{106}c] [98c]/ alle (Frivolität) Feierlichkeit® verlor und* auf*
bis verzichtete*, wie 38—<0 Zutun (gemacht) verkrüppelt“ wird. Was (soll) bleibt
unsrem bankerutten (Einzigen) Egoisten nun noch übrig“? 41—42 „Anstoß“,
(wodurch) unter® deren* Einfluß* diese
403 24—25 Verkrüppelung der Individuen und damit® ihrer® Verhältnisse 30 und
daß alle diese (Symptome von) Verkrüppelungen 32 historisch wieder (überwunden)
abgeschafft“ werden 35 historisch (überwunden) beseitigt“ werden. 37—39 nicht*
nur* bis sondern® auch bei den Polypen und (Korallen) Infusorien®, die keine Köpfe
haben, die (Mehrzahl btilden]) zahlreichste 41—43 ganz neue, sowohl® für* bis
Selbstgenuß® vollkommnere
404 5—6 Umständen (erzeugten) entstandenen® Verkrüppelungen 29 von ihnen
als“ Bourgeois“ unabhängig 32—33 Grundlage (seiner) der“ Organisation der
Arbeit im „Stimerschen Verein“, wo 34 das Allen“ gemeinschaftliche Bedürfnis
405 3—4 teils durch auf® ökonomischer® bis beruhender® Konzentration (aller) der*
Dialekte* 12 „und® zwar® lediglich®, weil Uns 18—19 des Einzigen zum“ Pro¬
dukt“ der“ Gattung““, und 32—34 Von p. 448 an (wickelt) spinnt® Sancho (auf)
ein* 30 Seiten (eine Abhandlung ab über Denken und Kritik) langes® Garn® ab®,
um* „Feuer®“ aus® dem® Denken und der® Kritik des mit sich einigen Egoisten zu*
schlagen®. Wir 35—36 noch mit Sanchos (Illusionen über seine Kräfte) Armen-
/{108} [100]/haus-Gerstenbrühe 44—45 Er® wähnte® bis Schwanz® streute®.
406 5—6 Selbstgenuß.
(Der Einzige)
6“. Das hohe Lied
407 12 durch. Wir (hatten) fanden“ es schon 14—16 ausgerissen wird, als*
von* der’ bis geprellten* Sancho® und in 16—18 Hier (macht) nimmt* es (sein
Debüt) Abschied® als „Unmensch“; unter® derselben® bis Testament® hielt®.
20—22 Dies ist (wieder) eine der Tausend und ein (Manieren) Gleichungen®, in
welche(n) Sancho seine(n Lieblingssatz, daß die Negation des Heiligen die wirk¬
lichen Individuen schafft, an den Mann zu bringen sucht.) Legende® vom® Heili¬
gen setzt®. • Wir /[{108}b] [100b]/ werden sogleich Gelegenheit finden zu zeigen,
daß (nur) diese Proklamation des „Unmenschen“ weiter nichts ist als eine ver¬
deckte (Art) Weise*, die alten Phrasen gegen das Heilige zu wiederholen.*
Der Begriff Mensch 42—43 Einbildung (Sanchos) unsres® Schulmeisters® von
408 1—2 habe, ist (bereits bei Gelegenheit des „Berufs“ abgemacht.) der“ Grund¬
text“ „des Buches““. з—4 daß Begriff und (Erscheinung) Existenz®, Wesen und
Erscheinung (eines) „des* Menschen“
11 rangieren dürfe; • und beim Eingehen auf diese Frage kann man allerdings
einerseits (Begriff) die beiden Gesichtspunkte zusammenfallen lassen, wie Sancho
im Selbstgenuß Möglichkeit und Wirklichkeit, Vermögen und Sein, Begriff und
Existenz, und andrerseits sie einander entgegenstellen, wie Sancho* bei der „Em¬
pörung“ tut, (wo) die eben (auf) durch den Unterschied zwischen Wesen und
Erscheinung, Begriff und Existenz, Möglichkeit und Wirklichkeit hervorgerufen
wird. Man kann ebenso Sanchos Gerede über die bisherigen Menschen auf den
Satz zurückführen, daß sie wesentlich Egoisten waren, aber nicht als solche er¬
schienen, oder umgekehrt, daß sie als Egoisten erschienen, aber ihrem Wesen
nach keine waren. * und um 17 über Eigenheit“, Möglichkeit und Wirklichkeit
24 Bedürf-/{109)[101]/nissen (und Anlagen) der Menschen. 29 Widerspruch ent¬
spricht *, in dem sich die deutschen Bürger augenblicklich befinden, die zwar
Textvarianten
627
Bourgeois (Egoisten) werden wollen, aber nicht den Mut dazu haben, es zu wer¬
den. * zwischen dem Dasein (einerseits) der deutschen 31—32 in ihnen selbst (sich
abspiegelnden) hausenden Aufgaben. 43—<4 wonach Sancho' sagen' müßte, daß
wirklicher Stein nur der Unstein (wäre) ist“1, hätte
409 1 bedurft(, wenn nicht). Aber' Sanchos 2—4 bisher nur durch die (Verwechs¬
lung) Herrschaft' der (Vorstellung mit dem Dinge selbst) Vorstellungen® und Be¬
griffe' in allerlei Unglück gestürzt worden (wären), macht es ihm möglich, (auf)
an1" diesen Satz seine (neue) alten' /[{ 109}a] [101a]/ (Tirade gegen „das Heilige“
zu bauen, von der wir hier einiges herausnehmen.) Folgerungen 16 diese durch
Geburt“ oder) „Ungunst
20—21 Umständen (auch).
* P. 166 wird dem „Humanen“ vorgeworfen, er urteile nicht „so liberal, alles
Menschenmögliche für menschlich auszugeben“. Gerade wie Sancho nicht so
liberal verfährt, alles Ichmögliche für egoistisch auszugeben — vergl. den mit sich
einigen Egoismus.*
P. 185 wirft 23 mit den Menschen nicht“ zugleich 43 oder' nur' malgre eux®
befreit
410 2—< Allen bisherigen (Produktivkräften) Befreiungen lagen indes (bornierte)
beschränkte® Produktivkräfte zu Grunde, (die die Entwicklung der Gesellschaft)
deren® für' die' ganze' Gesellschaft® unzureichende 7 — das Monopol der (ge¬
sellschaftlichen) Entwicklung іо-il von aller (gesellschaftlichen) Entwicklung
ausgeschlossen wurden. (Aus diesem Grunde) So“ hat 16 abnorme „unmensch¬
liche®“ Weise, 27—29 beruhenden herrschenden® Verhältnisse und® die® bis Be¬
dürfnisse® (und der). Der' positive 30—32 Produktionsstufe gemäß(en Institu¬
tionen und Vorstellungen) herrschenden® (Zuständen') Verhältnissen® bis
zu' befriedigen®, wie der 32—33 unmenschlich, dem (Versuche entspricht®, diese
(Verselbständigung]) (Institutionen Zustände® und Vorstellungen zu negieren.)
durch dieselbe 42—45 Unmenschen und® seinem® Sich' bis Individuen® existiert®,
schließlich zu (dem) folgendem® Resultat'(, daß er einerseits (die) jedes). Er®
anerkennt® die
411 1—2 physisch (und), intellektuell und® sozial' anheim 3—4 dieses Indivi¬
duums (anerkennt und (die) andrerseits läßt' er'); er“ erkennt“ als“ ordinärer“
Konservateur“ diese Verhältnisse ruhig (fortbestehen läßt) an“, nachdem
5—11 Vorstellung(, die sich die Philosophen) der Philosophen von diesen Verhält¬
nissen (machen,) aus dem Kopf geschlagen hat(, abgesehen® davon®, daß). * Die
ganze Renommage mit dem Unmenschen (läuft) also wieder auf den ordinärsten
Konservatismus hinausläuft, haben wir beim mit sich einigen Egoisten gesehen,
wie das Ich Sanchos (von) andrerseits die Abstraktion von aller Individualität,
ein bloßer abstrakter Begriff war *. Wie® er® hier® bis aller® Individualität®.
Dies sein (großes) „unmenschlich“ großes 29—30 dadurch in (die nötige
feierliche Stimmung gesetzt) den® nötigen Humor® versetzt' hat, daß —
36—40 abgesehen® davon® bis Wunsch' ist®.
(Es ereignet sich hier ein Wunder, wodurch eine wichtige Stelle bei Cervantes
am vier und vierzigsten eine wichtige Berichtigung erhält. Mambrins Helm (vergl.
oben beim humanen Liberalismuts])
Wir haben hier den Einzigen zum ersten Mal *, und zwar als Resultat der
Machinationen des Unmenschen gegen den Menschen, die zuletzt in Machinationen
des Unmenschen gegen sich selbst umschlagen und ihn so in den Einzigen ver¬
wandeln *. Sancho®, der® unter* bis Namen® an®. Sancho kommt 43—44 Er wird
unvergleichlich (und® absolut frei, absoluter Herr, frei). Wir haben
412 i daß Vorstellungen®, Ideen®, „das Heilige“,
3—4 Individuen seien, nicht“ ihre“ Bedürfnisse“. (Daß die (Mentschen]) Indivi¬
duen durch ihre Bedürfnisse mit einander verbunden sind, daß die bisherige Ent¬
wicklung der Produktivkräfte eine Herrschaft /[{110}b] [102b]/ der Einen über
die Andern bedingte, darum hat sich Sancho, der nur für „das Heilige“ Augen
hat, nicht zu kümmern.)
Er schlägt sich
5—6 dadurch einzig.
(Diese Einzigkeit wird uns folgendermaßen des Breiteren auseinandergesetzt.)
Um „einzig“ 18 in® dieser® Hinsicht® 13—35 solange® er® nicht bis über¬
40*
628
Beschreibung der Manuskripte
haupt® aufhören*, 31—32 wirkliche Voraussetzungen (erhält, wodurch er) und® da¬
mit“ auch 38 wird sie ihm® trotz aller 43—44 das bei® Hegel auch ein
413 12 eine dogmatische® Vorstellung, 15 er sich (natürlich) wieder ein.
22 Befreiung wieder eine(n veränderten Zustand, der) ihm 23—25 Anderer (ge¬
meinsam ist, mit diesem veränderten Zustand eine Veränderung der diese Masse
ausmachenden Individuen und endlich eine gemeinsame Tat dieser Masse voraus.)
gemeinsame" Veränderung® bis gemeinsam® ist®. 26—29 Ich übrig, das® mit“
Andern® bis Freiheit" ist®, und 27 gemeinsam hat (und) (das) (die eben die
Voraussetzung seiner Befreiung und der der Andern ist;), die eben
414 34—35 kurz über (das rein individuelle Verhältnis der Sanchoschen Egoisten
zu einander) den" „Vereinw“ betrifft, so ist das (beim Verein schon hinreichend)
vollständig® abgemacht (und wird hier nicht weiter berücksichtigt). Bemerken wir
nur (noch, daß): wenn 40 auch sich" selbst" gehört", Sein eigen, einzig ist.
(sich selbst angehört) und 41 Gegenstand Sanchos (ist) (bleibt") wird",
obgleich
415 1—2 verschwunden“ ist (und nicht aufhört). Es kommt 9—10 oder"
glaubt* vielmehr" zu" wollen", 15 der Individuen (verschiedner Klassen) zu
einander. Sancho will z.m B.m nicht, 24 den er (dadurch) zu realisieren denkt,
(daß) indem“ er 26—27 zu schlagen. (Bei ihm sind sie auch nicht etwas „Be¬
sonderes“ gegen einander, (sondern) sie ..halte n“ sich nur dafür, — bloße
Beschränktheit ihres Bewußtseins, — er hält sich nicht dafür.) In den
32 Selbst das, was ein(e) Individu(alität)um® als (solche) solches® vor (der)
dem" 33 Produkt der“ Gesellschaft“ 37 ist ferner (durch) unter* die
416 26—27 selbst* die* windschiefe* der® Philosophen®, 28—31 daß® die® Ent¬
wicklung* bis bedingt® ist®, 33—35 die Späteren (die®) in* ihrer® bis bedingt"
sind®, die® von (ihren Vorgängern) ihnen* akkumulierten 37 Kurz es® zeigt*
sich®, daß
41645—4171 verschie-/[{112)b] [104bl/dene, (sich) immer (mehr erweiternde und
universalisierende) schärfere* und* universellere® Formen an.
417 5 den existierenden* Individuen 12—13 vielmehr (ein ganz bestimmtes Feld
und® eine® ganz® bestimmte® Weise®) die® Befreiung® von® einer* ganz® bestimm¬
ten* Weise* der Entwicklung vorgeschrieben(; nämlich die). 14 vorgeschriebene
Aufgabe (kann nur) (wird gelöst durch die (Durch) kommunistische Gesellschaft;
diese Aufgabe) fällt zusammen 15 zu organisieren^ eine“ Aufgabe“, die“)
18—19 unter die Zufälligkeit der® Subsumtion® ihrer 20 Klassenverhältnisse(, die
(freie) originelle® Entwicklung jedes Individuums) etc., in letzter Instanz
23 Entwicklung des Verkehrs (zum Weltverkehr) und der 26 daß (die Teilung
der Arbeit und) das Privateigentum 27 der Bedingung(, daß die Individuen^
28 eben der vorgefundene® Verkehr" und die vorgefundenen® Produktivkräfte
зо Individuen (unter Kontrolle genommen werden können) angeeignet, d. h. (zu
ihren freien Lebensäußerungen) zur* freien Betätigung® ihres® Lebens® 31 Wir
haben (ferner) gezeigt,
418 1 Entwicklung Aller, (und endlich in der universellen Betätigungsweise der
Individuen) und endlich
2—3 Produktivkräfte. * Diese Universalität der Individuen bedingt also® Individuen
auf einer bestimmten Entwicklungsstufe und mit bestimmten Produktivkräften, und
bedingt ebenfalls die Veränderung der existierenden Individuen durch eine uni¬
verselle Revolution. • Es handelt sich 4 bestimmten historischen“ Entwicklungs¬
stufe, 6 notwendigen® kommunistischen® Revolution, 8 Beziehung (ist) wird“
natürlich 9—10 „Liebesprinzip“ oder“ das“ Devoüment“ wie der Egoismus sein'“.
12 Verhaltens, (in der sie) wie" es® oben 13 setzt also nicht® nur® ganz 14—15 Be¬
wußtsein^ ganz andre Dinge voraus® als Sancho sich träumen läßt.) voraus*, son¬
dern* auch® bis Phantastereien® Sanchos®. Bei ihm ist sie (indes keineswegs in
diesem Sinne zu nehmen (und wenn sie überhaupt einen Sinn hat, so hat, sie die¬
sen), sondern bei Sancho) ist sie weiter nichts 23 von Egoisten“ ((dessen Stirn
von wenig Gehirn zeugt)) nicht nur 32—33 subordiniert, sich (behufs einer) zur
Vergleichung 39—<2 Wie* wenig* (damit® abgemacht" ist®, daß Sancho®) die* bis
Menschen® und® Dinge®. — Übrigens 45 daß (das unvergleichliche Individuum)
die® Tätigkeit® des* unvergleichlichen® Individuums® in einer
Textvarianten
629
419 1 von der (Anderer unterscheidet]) Tätigkeit Gleicher 4 Ohren, (die)
welche“ durch die u Vergleichung zwischen® Individuen* zu 13 Eine dritte
Art der (Vergleichung — die zur Erkenntnis führt) Unvergleichlichkeit® — die
16—19 Freude hat, aber® selbst* bis heteregonsten® Dinge* (und Individuen*).
25—26 und“ zwar“ dadurch“ bis schlagen“. 29—30 Die (vergleichenden) Wissen¬
schaften dagegen, (in denen) die (vergleichende Tätigkeit) erst durch 32—33 die
Vergleichung (einer universellen) einen* allgemein* bedeutenden® Charakter
34 kennt (Sancho) er“ natürlich nicht. 36 fortwährend unter* einander* praktisch
42—13 Vergleichung verbeten. * Er darf sich nicht einmal mit dem Schwänze eines
Kometen vergleichen. *
P. 415 sagt Sancho:
420 6 Und hiermit (macht Sancho) nimmt“ er“ seine io—n daß (jeder) ein*
Ofensetzer 16—17 sich insofern „einzig“ (entwickelt) verhält“, wie 19 Andre,
der® sich® verhält® — die 24—26 So® schrumpft® bis zusammen®. (Er® bescheidet*
sich® mit* seinem® alten® Posten® als® Gymnasiallehrer®]) 31—32 bisherigen (ge¬
schichtlichen) sozialen 35—36 dieser (bestimmten®) mit* sich® identischen®
Individuen
42045—4211 Sandkorn teilt (und die überhaupt das Allerdürftigste ist, was er von
irgend einem Dinge aussagen kann.)
(Die Philosophie „verendet“ im Erstaunen darüber, daß sie die wund) Das
größte Dementi,
421 6—7 Juchhe“ unsrers® „Virtuosen® im® Denken®“ in ein
422 1 /{115}[106b]/ 7.“ Apologetischer Kommentar
4 zu genießen, (so) hat 8 Erzbischof der* Insel® Barataria® und 13 Wir
finden (unsren) „Bruder Sancho“ 17—19 Dies® zeigt*, bis au® ridicule*.
22—23 steht sie ihm (sehr schlecht an.) nicht“ besser“ bis Lautenschlagen“.
24 spricht, (so macht er nur den Effekt eines preußistchen]) so steht 28—31 be¬
geht. Sanchos® „Selbstgenuß®“ bis für® Andere®.
(Das Erste, was Sancho in sei[nem])
Das (Einzige) „Besondere®“ was 33 eine neue® Reihe 34—35 zum Besten gibt,
die (wir) im „Buche“ bereits so weitläuftig (und eintön[ig]) (verhandelt) ab¬
geleiert® wurden.
423 9—Ю einem (deutschen) „jebildeten®“ Berliner® Kleinbürger 18—19 schla¬
gen soll, und (dann das) ein® kritisch-moralisches 21—22 Europas, namentlich*
bis England®, erläßt 28 wonach Herr Cobden und Herr (Bastiatt]) Dunoyer“
zu achten. 33—34 zu beweisen, daß (er als guter) „Stirner®“ auch 40 die®
Leichtgläubigkeit®
424 11—12 aufzuopfern, (wo) obwohl® er uns (doch) überall* versichert 33 ge¬
zeigt, daß die (eigne) ausschließliche® systematische зл—зя /{116}[107b] / ist,
und® namentlich® bis kleinbürgerlichen® Verhältnisse®. Die Philosophen 42—43 bil¬
den; daß“ sie“ bis Lebens“ sind“.
425 2 welches als® Wort® die Wunderkraft 6—7 nichts weiter als (ein Glauben)
eine* Folge* des® Glaubens® an (die Gespenster) seine(r) dickleibigen philosophi¬
schen (Amadisse) Ritterbücherw ist. 22—23 „suchte n“ sich® die wirklichen
Menschen
426 24 „Er ist die bis p. 153 . 30 daß auch der Einzige 44—45 daß Sancho
(seine Bemühungen mit Erfolg gekrönt) den® rechten® bis zu® haben® glaubt,
während
427 10—15 Wir haben gesehen, daß das ganze Problem (bei Sancho und die ganze
Spaltung bei Feuerbach) vom® Denken® bis zu® kommen® nur in der philosophi¬
schen Illusion existiert(. In der Wirklichkeit selbst (ist) hört“ weder das Den¬
ken noch die Sprache (von der Wirklichkeit getrennt, sondern fort [während])
jemals“ auf“. Sprechen“ ist“ eine“ Lebens äußerung“ der“ Individuen“.)
d.® h.* nur® bis unmöglich® klar® sein® kann*. Dies große 19—21 Wort zu sein,
als Wort (zugleich (ein) das® wirkliche Objekt ist, das es ausdrücken soll, oder®
wenigstens®) in mysteriöser® bis hinweist*, kurz, unter 23—24 Der hohlste und
/{117}[ 108b]/ (unwissendste) dürftigste“ Schädel 25—27 daß er seine Gedanken¬
losigkeit (für) als® das Ende der Philosophie und damit (für) als® den triumphie¬
renden Eingang in das (wirkliche) „leibhaftige®“ Leben (erklärte) proklamierte.
630
Beschreibung der Manuskripte
29—31 wie seine (sprachlose) unaussprechliche® Sprache das Ende Aller (verselbst¬
ständigten) Sprache. (Um dies mit dem Erfolge von Sancho tun zu können, gehörte
noch dazu, daß dieser hohle Schädel) (Noch“ war“ zu“) Sanchos® Triumpf"1 (er¬
forderlich“1) war“ bis daß“ егш unter allen 36—37 gehe oder® vielmehr® reite® auf®
Deinem® Grauen® ein zu (der Freude) deines Einzigen ((Grauen)) Selbstgenuß.
F. „Schluß des Leipziger Konzils“ /S. 431—432'.
Dies Stück ist von Engels auf die beiden letzten Seiten des Bogens {117} des
„Sankt Max" nieder geschrieben.
432 25 Hand, (Sankt Sancho) der® Einzige „vergißt
G. „Der wahre Sozialismus“ /S. 435—437/.
Dies Stück, von Engels auf einen selbständigen Bogen, dessen erste Seite die
Nummer 1 trägt, nieder geschrieben, ist eine Reinschrift mit einigen Einschaltungen
und ganz geringfügigen Korrekturen und bildet ein Ganzes mit
H. „I. Die „Rheinischen Jahrbüche r“, oder die Philo¬
sophie des wahren Sozialismus“ /S.441—468/.
Wir werden diese beiden Manuskripte zusammen beschreiben, da das erstere
zwar die Einleitung wie zu dem zweiten so auch zu den folgenden Manuskripten
bildet, mit den folgenden aber in keinem materiellen Zusammenhang steht.
Dagegen ist der „Wahre Sozialismus" in gleicher Weise numeriert wie die „Rheini¬
schen Jahrbücher". Diese sind ebenfalls bogenweise numeriert und zwar so, daß
die ersten Seilen der Bogen nicht deren Ordnungszahl tragen, sondern die jedes¬
malige fortlaufende Seitenzahl, als wären die Seiten kontinuierlich numeriert wor¬
den. So z. B. trägt die erste Seite des ersten Bogens der Kritik der „Rheinischen
Jahrbücher'' die Zahl 5, weil sie die 5. Seite der als ein Ganzes zusammengefaßten
beiden Manuskripte ist, nicht aber einen 5. Bogen kennzeichnet. Beide Manuskripte
sind von Engels auf Foliobogen geschrieben, die rechten Spalten der Seite, wie
bei allen schon beschriebenen Manuskripten, für Einschaltungen etc. freigelassen.
Auf der letzten Seite dieses Manuskripts machte Engels mit Bleistift den Vermerk:
I. Philosophie des wahren Sozialismus.
435 7—8 der Proletariatsbewegung (Englands) Frankreichs und® Englands®,
и Voraussetzungen (vermischt) verquickt® haben. 18—19 predigen (und wenn
ihre Verfasser), die® praktischen Bedürfnisse, die ganzen® Lebensverhältnisse
34 die Arbeit, um (im Namen) als® Vertreter® der
436 3—4 diese „W а h r h e i t“ (des), die® sie® dem® Sozialismus und Kommunis¬
mus geben®? (Darin, daß) Sie 5—6 Unkenntnis schon® des bloß® literarischen
(und faktischen) Zusammenhangs, 8—9 dieser Literatur (durch) mit Hülfe der
deutschen, namentlich® Hegelschen und Feuerbachschen® Ideologie io—16 Sie
heben* bis d.® h.® deutsch-philosophischen® Bewußtsein®. 13—15 Sie (nehmen)
trennen das Bewußtsein bestimmter geschichtlich(er) bedingter® Lebensphären
26—27 Sprache der deutschen (Ideologie sowohl) Ideologen und dieser (ideologische 5
willkürlich 30—31 Neid aller (umgebenden Völker) Nachbarvölker 34 minder
verwandten (Richtungen) Parteien
437 з—4 somit nicht (mehr) an die Proletarier, 4—5 Menschenklassen (in
Deutschland) Deutschlands 6—7 Kleinbürger, die (deutschen) Philosophen
8—9 herrschende „gemeine®“ und® ungemeine® io—n Verhältnissen (eine (nicht
zu leugnende) (unleugbare) positive Notwendigkeit]) - Ile] [ {4J]/ notwendig
17—18 Sozialismus (in alle Ewigkeit) bis an ihr 24 Deutschland, unvermeid¬
lichen (Partei) Richtung®. 26 Masse jungdeutscher® Belletristen, Wunder¬
doktoren® und 36 Publikum, und (literarische) impotente (oder) und verlumpte
441 22 „nicht (verstehen“ konnten. Darum) verstanden®“. Daher®
442 12 dargetan (worden) ist. — 32—зз Der französische (Ausdrufckl) Kom¬
munismus 39 fortbestehen läßt.“ ((arme Gattung!)) p. 168.
443 5—6 Der® Mensch® bis Tätigkeite“.
Bewußtsein des Menschen, (kommt) schließt
Materie“, und (übersetzt diese) läßt diese
(gibt sich zwar mit der „rohen“ Wirklichkeit (not[gedrungen]) ab, aber nur
notgedrungen und mit Ekel.) geht zwar 44 immer in (respektvoller) anstän¬
diger® Entfernung
29— 30 fängt an mit dem fehlenden*
30— 31 „Abhängigkeit von der rohen*
42—43 Verkleidung als Sozialismus
Textvarianten
631
444 16 Thomas* Morus®, die® Levellers®, 38 in Bewegung setzenden (Volks
vom) Proletarier 39—42 philosophique und® ist* bis zu® beurteilen*. 41 aus
(seinem) seiner* ganzen (Auftreten) Tätigkeit* als Parteichef 42 Einige dieser
(Systeme) Romane,
44445—1451 Anschmiegen an die Anschauungen® der® zu bearbeitenden Klasse
(entwofrfen]) ausgeführt.
445 3 nominell als (Schiboleth) Stichwörter 5 die er selbst® je 7 Wie wenig
(diese Systeme) der wirkliche 16—17 Inhalt der kommunistischen® Systeme
19 keine (so) ausgebildeten 24 Ideen (auf der) innerhalb der 34 dieser Partei¬
chef und alle andern Parteileute (für*) „wahnsinnig“ (sei®), dagegen bloß un¬
parteiische Gestalten, wie (sich) er® und das „Wesen des Menschen“ (für®) bei®
gesunden Verstandes (zu* erklären) seien.
44539—4465 Schließlich* bis ewig® währen*?“
445 41—42 in einem klassischen* Satze zusammen. Die Deutschen (sehen) be¬
urteilen 43—44 die Ausländer (nach den) (prak[tischen]) (wirklich) (praktisch)
sehen alles praktisch,
447 6 jetzt („gleichsam von sich) „als zum 9 Heißhunger herfallen“ (werde.)
müsse*. 14 als die bloß® antizipierten Namen für (seine eignen) die Resultate
16—17 Gesellschaft verwildert ist und (und in Folge dieser Verwilderung) daß®
deshalb® die Individuen 21—22 Verwilderung sind die (Rentiers. Der Rentier
wird geschildert als Raubtier) Bestimmungen* Raubtier, (als) untätig, und (als)
Inhaber 23—24 worauf® wir* bis „der* Rentier*“ sind*. Dabei 26—27 „Untätig¬
keit“ klar® zu® werden*, von
447 45—4481 „die Extreme (der heutigen) unsrer* Gesellschaft sieht.
(Diese Extreme) Dieser® Gegensatz®
448 7 z. B. Cobbetts und® P.® L.® Courriers* io—n Rentiers. (Auf diese triviale
Erkenntnis reduziert) Diesen trivialen Gegensatz auszusprechen, (darauf redu¬
ziert]) und zwar 13 sondern (den) einen* verhimmelten 21—22 subsumieren
kann. • Hier kommt unsrem Verfasser der heilige Max „zu Hülfe“, der des Brei¬
teren nachgewiesen hat, was Alles sonst noch unter diese Kategorie gefaßt we’rden
kann. • Hier hat der (heilige) wahre 42 zusammenfallen“. • Allerdings wenn
es eben eine „Eigentümlichkeit“, eine aparte Marotte „des Menschen“ ist, daß
Tätigkeit und Genuß zusammenfallen, so ist weiter nichts zu sagen. *
448 42—449 3 Statt* die* Eigentümlichkeit1“ bis unnahbare* Eigentümlichkeit®. Wir
sehen hier
44 8 43 der Menschen (aus) in® ihrer 41 Genusses (zu erklären) sich® zur® An¬
schauung* zu* bringen®, erklärt
449 4 unter der (so vielgepriesenen) „freien Tätigkeit“ 9—10 wird natürlich
(dadurch) sehr verunreinigt, (daß) wenn® sie 14—17 Das* Subjekt®, bis Geist® sein®.
Die so (qualifizierte) verdeutschte* freie 19 Wiesehr übrigens (diese) dies® Ge¬
rede* von* der’ „freien Tätigkeit“, (die) das bei 22—23 daß (die „wahrhafte)
das Postulat 44 Ideologen, daß jede (Fraktion von ihnen) ihrer® literarischen*
Fraktionen*, besonders
450 4—5 Sozialisten. (Wir können es in) Deutschland 6 bringen, (die nicht)
(von®) deren Existenz (nicht nur) bloß
35—36 Körper!
(Jetzt folgt) Folgt
451 10 hervorgerufen wurden. • Sie kämen viel kürzer zu ihrem Ziele, wenn sie
sich in der reinen Theorie hielten und diese Begriffsspaltung, die Ursache®, direkt
aufhöben. • Sie können 13 Individuum (könne) habe® durch 14 des Lebens
(vernichten“.) vernichtet*“. 15 wie bei allen deutschen® Ideologen 19—20 und*
fortwährend® spielen*, dadurch
22—23 Wirklichkeit stellen.
• Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Britten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten. •
* Hier üben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich
Auf platter Erde entwickelt. •
632
Beschreibung der Manuskripte
/[5b] [{19}]/ Nun zu den 25 Nationen (nur noch) nichts mehr 28 (Feuer¬
bachs* oder* des* Menschen*?)
45145—452г (das* Geld* bis chimere®) kann
452 14 gegeben hat. (Wie falsch es übrigens ist diese Redensarten vollends* auf
eine ganz) Ob (der eine) einer oder 17—18 Volkes ab. (Soll aber z. B. die Redens¬
art, die Franzosen seien durch die Politik zum Kommunismus gekommen) (Man hat
z. B. in Deutschland aus) Unser* Verfasser* zieht* aus* der Tatsache 22 — den
Schluß (gezogen), daß 25—26 namentlich® bis Entwicklung® 44 in der rohsten
Form vorstellt®, d. h.
453 2—7 und Eigentumslosigkeit (nennen). Man kann * den Kommunismus als
Eigentumslosigkeit, den bestehenden Zustand als den des Eigentums fassen, womit
nichts als eine Phrase gesagt ist, oder man kann den jetzigen Zustand Eigentums¬
losigkeit nennen und hat dann natürlich den Kommunismus als Hersteller des wahren
Eigentums gegenüber dem bisherigen Scheineigentum.* die® Aufhebung* bis Eigen¬
tums* besteht*. In der 7—8 die wirklichen (Eigentümer) Privateigentümer®, auf
12 ausrichten (können) wollen®, so 13—14 entfernt werden, die (Vorstell[ung]>
(Auffassung) das Bewußtsein (über die) der* Schärfe
454 5—6 das® Reich* bis des* Menschen*“ 7—8 Weltgeschichte (gegenüber) ent¬
gegen*; 13 und* überschwengliche* 21 auf (materiellen) wirklichen* Inter¬
essen 31 in einigen (Grund [zügen]) kurzen Zügen
455 35 interdicti; (und) (in welchem) ein* Lehnswesen,
456 20—23 Ziegen (mit vielem Appetit) verspeist, von „dem Menschen“ ins Knopf¬
loch verpflanzt werden*, wie* sie* (von) unter* den unkeuschen Liebkosungen der
Viehmagd und des (Ackerknechts bei der Heuernte) Eseltreibers zusammenknicken!
42—43 nicht existiere *. d. h. daß in der nichtmenschlichen Natur menschliche Ver¬
hältnisse existieren (aber) und zwar so, wie der wahre Sozialist wünscht, daß sie
unter den Menschen existieren; * 1 und hieraus
457« 2—3 beweisen, und (selbst) Hegel, auf 3—4 fußt, (sich) in der Natur
4—5 der absoluten Idee erblicken“, und (nannte) das Tier sogar die konkrete Angst
Gottes nennen“. Nachdem 6—7 so mystifiziert (und ihr seine eignen Vorstel¬
lungen untergeschoben hat,) hat*, mystifiziert er &—io den* Gedankenausdruck®
bis menschliche* Verhältnisse* der Natur 15 wird (dem Menschen hier) be¬
wiesen, daß 24—25 Triebe und Kräfte „der* Natur®“ im menschlichen (Bewußt
sein) Selbstbewußtsein® hervorzubringen. 35 in Deutschland (einen Beweis) ...
Entwicklung“. 36 kommt die (wirkliche) eigentliche® Entwicklung
39 (§ 1.) Erster Baustein
458 4 Dieser Satz wird (nun) nach der
іо-n p. 158.
* Wie und woraus diese (Einheit) „aus sich selbst hervorgehende und auf sich
selbst zurückgehende Einheit“ „hervorgegangen“ ist und worauf sie „zurückgeht“,
haben wir eben gesehen.* „Wir haben (ebenfalls) gesehen, wie 15 alles Lebens“(.,
außer der also „das Leben“ steht.) heißt*, und gleich
25—26 p. 158,159
*(Das Einzelleben) Das Einzelleben und das Gesamtleben sind also die* zwei
Seiten eines Verhältnisses, das sowohl in einem (K ampf) Gegensatz* dieser
beiden Faktoren gegeneinander, wie in ihrer Einheit besteht. Beiläufig erfahren
wir hier zum ersten Mal. daß auch in der Natur ein „Kampf“ vor sich geht, womit
sich die Harmonie des Prologs in Mißfallen auflöst. *
(Der obige) Dieser Pivotalsatz 44 beim „Einzelleben“ (in abstracto) über¬
haupt*, weiter
45928—46019 Begründung?
• Nachdem (in der Natur das) die gegenseitigen Verhältnisse der Naturkörper
in das mystische Verhältnis der Wechselwirkung zwischen Einzelleben und Gesamt¬
leben verwandelt ist, kann der wahre Sozialist mit Hinweisung auf seine Verwand¬
lung des Menschen in den Spiegel der Natur sehr leicht den Satz aufstellen, daß die
gegenseitigen Verhältnisse der Menschen sich ebenfalls in das Verhältnis von Einzel¬
leben und Gesamtleben auflösen. Aber diese neue Folgerung zieht einige Tnkonse-
1 Das Durchgestrichene ist von Engels nachträglich in die rechte Spalte ge¬
schrieben worden
Textvarianten
633
quenzen nach sich. Im Prolog war die Natur lauter Harmonie und Friede; in der
Gesellschaft, die doch der Spiegel der Natur ist, findet sich Zwietracht und Kampf.
Daher wird die ursprüngliche Harmonie der Natur in einen Kampf verwandelt.
Mit dieser ersten Inkonsequenz ist es noch nicht genug. Das Resultat des Natur¬
kampfes ist die „Auflösung“ und „Verzehrung“ des Einzellebens durch das Gesamt¬
leben. Das Resultat des gesellschaftlichen Kampfes ist der Sieg des Einzellebens
über das Gesamtleben: „ich, der Einzelne, entwickle mich in stetem Kampfe ...
gegen die Gesellschaft, die mir als beschränkende Macht gegenübersteht, zur Selbst¬
bestimmung, zur Freiheit, ohne welche kein Glück ist. Mein Leben ist eine fort¬
währende Befreiung, ein fortwährender Streit und Sieg über die ... Außenwelt,
um sie zu unterwerfen und ... zu gebrauchen“ (d. h. zu v e r z e h r e n). Die
bestehende Gesellschaft ist also, nach der logischen Konstruktion vermittelst
/[8b] [{31}]/ der beiden Kategorien Einzelnheit und Allgemeinheit vollständig be¬
friedigend für unsren wahren Sozialisten; sie entspricht vollkommen ihrem Zweck,
der bewußte Spiegel der Natur zu sein. Aus dieser inkonsequenten, der Konstruktion
widersprechenden, Verzehrung des gesellschaftlichen Gesamtlebens durch das Einzel¬
leben wird nun noch gefolgert, daß (die Menschen in der) die* Befriedigung ihrer
Bedürfnisse „natürliche, vernünftige Lebensäußerungen“ der Menschen sind, ein
großes Resultat nach so gewaltigen Anstrengungen.* Der* Natur* bis anerkannt®
wurden*.1
459 32 Spiegel der Natur (und von). Von“ den 34—36 Da der Verfasser sich
(aber) nicht auf die historische Entwicklung der Gesellschaft einläßt und (die Ge¬
sellschaft von jeher der Spiegel der Natur gewesen sein (soll) muß“) sich* bei® bis
beruhigt*, so ist 37 weshalb sie nicht (fortwährend) zu* allen* Zeiten® ein getreues
42 im Gegensatz (zur Natur) (zum Prolog) (neben der) zur Harmonie
460 8 Einzelnheit und Allgemeinheit^ von denen gesagt), denen 27 durch das
unglückliche“ Beispiel von der Pflanze(, an dem der ganze Unsinn sonnenklar wird).
Erstens 30—31 Dann (hängen die) hängt* die* Beschaffenheit® der* „Blätter,
35 vorliegenden Existenzbedingungen ((also Auflösen und Verzehren des Einzel¬
lebens durch das Gesamtleben)) auflöst, 37—38 nach (seinen) seiner®(, und zwar
seinen*) individuellen (Vorstellungen) „Eigenheit“ ((also Auflösen und Verzehren
des Gesamtlebens durch das Einzelleben)) zu verlangen. 39 begründet sich auf
(die Einbildung* von* der* Möglichkeit des Postulats) das“ eingebildete“ Postulat“
einer
41—43 zu verschaffen.
• Dies Postulat (ist) an „die Gesellschaft“ ist nun die Verdeutschung des
obigen® Saintsimonistischen Satzes, eine Verdeutschung, die einen doppelten Unsinn
in ihn hineinlegt. Zuerst begründet unser wahrer Sozialist sein Postulat nicht auf
wirkliche gesellschaftliche Voraussetzungen, auf die in der gegenwärtigen Gesell¬
schaft vorliegenden Resultate des bisherigen historischen Entwicklungsprozesses,
(der) sondern auf einige Phantasien über die Natur und über das Wesen des Men¬
schen^ und ihr gegenseit[iges]). Dann verdreht er den Satz selbst, indem er an
„die Gesellschaft“, als eine ihm gegenüberstehende Person, die Forderung stellt, ihm
die Befriedigung seiner Eigenheit möglich zu machen, diese Eigenheit möge be¬
schaffen sein, wie sie wolle. *
Aus dem (logischen) angeblichen® Verhältnis der metaphysischen* Personen*
Einzelnheit (zur) und* Allgemeinheit,
461 21 beiden Leben, (das hier neu aufgeputzt) restaure 29—30 notwendiger als
(nicht einmal) seine Kirschen faul (wurden) waren* ehe
462 38 unter* dem* Schein der* Deduktion* 39 als* Schluß* daraus* 42—43 un¬
bewußtes* Gesamtleben, bewußtes® ditto®, allgemeines
463 9 Da sich aber bei den (Franzosen die Worte) französischen 11—12 Sozialis¬
mus (tauglich zu machen.) zuzuhauen®. 28 d.* h.* die* Vernunft*, 33—34 einen
Satz (apodiktisch) assertorisch“ 36—37 Deduktion (die wenigen) traditionell ge-
gewordene(n) sozialistische
464 6 Im (ersten Baustei[n]) Prolog 27 beruht. (Unter ..äußerm) Nicht die be¬
schränkenden* materiellen 30—31 Kanonen, welche (nicht) weit* entfernt® die
1 Diese lange nachträgliche Einschaltung wurde von Engels in die rechte Spalte
geschrieben
634
Beschreibung der Manuskripte
Grundlage der Gesellschaft^, sondern) zu” sein®, nur® eine Konsequenz 38 d.® h.*
der* Vernunft* 45 „innere Natur“ (und ihr „Bewußtsein“ darüber dieser Gesell¬
schaft und) diesem „äußern Zwang“ ensprach(en).
465 4—5 bei* Gelegenheit* der® Konkurrenz®, 6 Hegel. Z. B. (in der Rechtsphilo¬
sophie bei der bürgerlfichen Gesellschaft]) Rhein. 25—26 in der (man sich mit)
die® gesellschaftlichen
46 6 32—33 zu verwenden“, (ibid.)
* Diese Trivialitäten über Arbeit, die aus dem „polaren Gegensatz“ und dem
„Wesen des Menschen“ folgen, ihrem profanen Kern nach aber einem Kinderfreund
entlehnt zu sein scheinen, diese Trivialitäten reichen hin, um mit /{39}[10Ы/ drei
Sprüngen ä 3—4 Zeilen zur Organisation der Arbeit zu führen. *
Wir machen
37—12 Gegensatz“.
•Bekanntlich sagte Fourier, (der) die travail repugnant der heutigen Gesellschaft
müsse durch den travail attrayant verdrängt werden. ♦
Man® rufe® bis sehen* wollte*. Dem „polaren Gegensatz**
46 7 24—25 /[10c][{40}]/ ihn, daß die Arbeit, (selbst) die® (als*) eine dieser Ent¬
faltungen des Lebens(, vorausgesetzt) ist*, „selbst 32 Andres (sein) werden*,
34—35 direkt von dem Postulat* des® Lebensgenusses auf das® Postulat® (die) der®
Arbeit 36—37 als® Konsequenz* (aus dem (Postu[lat]) neuen Postulat) des* neuen
Postulats 41—42 oder* warum® bis nicht® muß*. Aber
45 Folgt (also) eine
468 26 und den (Grünschen) „Neuen Anekdotis“ 27—28 der wahre Sozia¬
lismus (und (oder*) die), alias* deutsche Sozialphilosophie, (ihre)
seine* Kirche bauen (werden) wird®.
29—30 Wir werden (jetzt) gelegentlich* einige der Hymnen, einige® Fragmente®
bis mystique® hören,
J. ,ДѴ. Karl Grün: „Die soziale Bewegung in Frankreich
und Belgien“ (Darmstadt, 1845) oder: die Geschichtschrei¬
bung des wahren Sozialismus** /S. 471—516/.
Die „IV “ ist durchgestrichen, ob von der Redaktion des „W estphälischen Dampf-
boots“, in dem dies Manuskript 1847 veröffentlicht wurde, oder von E. Bernstein, der
es 1899—1900 in der „Neuen Zeit** abdruckte, läßt sich nicht entscheiden. Das
Manuskript ist von Engels auf Foliobogen geschrieben, wobei die rechte Spalte jeder
Seite freigelassen, und die erste Seite jedes Bogens von Marx numeriert wurde.
E. Bernstein hat ebenso wie im „Sankt Max** seine Anmerkungen mit Bleistift und
Tinte in die rechten Spalten der betreffenden Seiten eingetragen. In der rechten
Spalte der letzten Seite machte Engels in seiner Altershandschrift mit Bleistift den
Vermerk:
Grün.
IV.
Geschichtschreibung des wahren Sozialismus.
471 зо Wie überrascht wird der Leser (über das artistische) von® dem* artistischen
Talent 31—32 sein, (der) das® unter der obigen Maske nur (das Urteil über sein
eignes, damals noch ungebornes) eine Selbstkritik seines* eignen®, damals noch
ungebornen
472 1 (Wir haben in) Herr(n) Grün bietet uns 6 Pflücken /[la]/ wir gleich einige
(dieser) Rosen(, um dem Leser Mut zu machen, daß er uns durch Herrn Grüns
Buch folge):
473 7 Strümpfe dort (Parade machen) getragen 15—16 getäuscht. (Die) Herrn
Grüns (poetische Blumen schmücken) Belletristik* schmückte® nicht 20—21 „Feuer¬
bach® und* die® Sozialisten®“,
474 8—9 Glaubensgenossen in (diesem Artikel) dieser® Beziehung® geliefert
15 von“ Heß“ 20 anrechnen, (als er von ihr nur einige Formeln und Phrasen
kennt.) je® weniger* er® sie® kennt®. Der Nationalstolz 22—23 gegenüber“ bis
Nationalitäten“ 44 von® Lerminier®
475 26 Der belletristische (Hauch) Duft*, der 27 umgibt, wird (Niemanden ent¬
gehen.) Jedermann* in® die* Nase® steigen*.
Textvarianten
635
476 19—20 verrufensten (Belletrist[en-]) Weltfahrer-Manier 24—25 Frankreichs
(stellt) verwandelt® sich hier (dar als) in® die
25—26 Grün gegenüber diesen Leuten Repräsentanten“ dieser“ Parteien“. ♦ Schlie߬
lich referiert dann Herr Grün in seinem Buche dem deutschen Kleinstädter die ganze
erbauliche Geschichte, in der er natürlich von Anfang bis zu Ende als Heros auf¬
tritt.* Schließlich bietet 27 Gelegenheit, (außer dem, daß hier) nicht® nur® die
französischen 28 dienen zue lassen®, sondern auch noch 29—30 und so® den deut¬
schen Kleinstädter (dadurch) /[2c]/ für
477 8—9 die paar überkommenen® allgemeinen io bilden. (Sowohl das Schema
wie die) Beides 11 Weise (abschreibt) paraphrasiertw. Sachen, 14 ewige
(Wiederholung) Wiederaufdrängung® 32 (z.* B.e bis 192®) 32—36 nach. (, wie
(Vergl. z. B.) wir unten sehen werden.) (, womit® vergl.®) (Z.® B.® bis Deisten®).
Ebenso 40 Sozialismus (heraus) durch® Heß® hinzu®, z. B.
478 15 dann (die Religion) ausrufen: 23—25 versuchte, (die sozialistische Be¬
wegung) den® Zusammenhang® bis Literatur® mit der wirklichen (gesellschaftlichen)
Entwicklung der französischen Gesellschaft (in Zusammenhang zu bringen.) darzu¬
stellen. 33 der einzelnen (französischen) sozialistischen
479 9 L. B1 а n c. * Wir wollen nicht einmal darauf Rücksicht nehmen, daß sich
bei Herrn Grün kein einziger Satz findet, der nicht aus Stein oder Reybaud exzerpiert
ist, und auch aus Reybaud nur dann, wenn Stein, der den Reybaud nennen darf,
weil er auch die übrigen Quellen kennt, auf ihn hingewiesen hat. * Wir werden
24—27 „Zuerst“ bis Kriegs“ etc.““
30—38 zu interessieren.“
(Saint-Simon, Oeuvres p. (60) XVI: „une communication entre les deux mers.“)
Reybaud“ p.“ 77“: bis dieses“ Kriegs“. 37—38 Pointe aus, (daß St. Simons
Interesse für den Zweck des amerikanischen Kriegs ihn bereitwillig sich seinen Be¬
schwerden]) nämlich 39 läßt ferner“ weg,
480 6 Stein erzählt hier (selbst) falsch(, was ihm) 22 als sei (auch) der Bauplan
27—29 Reybaud® bis wie® bei® Stein®.
481 5—6 eine (große) wissenschaftliche Schule 7 Experimente gründen (wollte)
und sich 8—9 Saint-Simon (erzählt dies) motiviert® selbst (p. 19.) seine Speku¬
lationen hierdurch. (Oeuvres“ p.“ XIX“). 18 Salons halten (zu können) und
24 Aussaugen der® Menschen®“ 27—28 Zusammenhänge mit (seinen gelehrten
Studien) seiner® sozialistischen® Grundansicht®, den Einfluß (kennen lernen, den
solche Studien) der® Wissenschaft® auf 29 gewöhnlichen Leben (haben.) kennen®
lernen®. Bei
482 1 pfiffig war, ihn (zu versettzen]) hinter 2 Lombard“ ((Stein erzählt) nicht,
16—18 auffallend machen, (wundert sich Herr Grün darüber) erfahren® wir® bis Ver¬
wunderung® darüber, daß ein Graf und (ein) angeblicher” Sprößling Karls des
Großen überhaupt® 30—31 heraus, (nimmt) raubt“ ihnen aber /[4c]/ ihren (fak-
tisch[en]) Charakter als Fakta, 37 Ereignissen (verwickelt) verwandelt,
38—39 besten gleichzeitigen® Bauern 40 Frankreichs (während der Revolution,
Kaiserzeit und Restauration). Und dann, 45 außer von® Herrn Grüns
483 2—3 liefert, (wie) in* der® Herr Grün 7 beunruhigten (Abschreiibers])
Plagiarius 8—11 zu erschweren, Auslassung* bis Vorgänger®, Dichtung 11—12 Phra¬
sen, (vornehme) (verächtliche®) perfide® Ausfälle 14—17 von denen er dem® Leser®
nie gesprochen (hat), die er aber (im Stein gelesen hat.) als Leser Steins im Kopfe
mit sich herumträgt.
/[5]/ * Wir können natürlich nicht in dieser Ausführlichkeit die Plagiate des
Herrn Grün der Reihe nach verfolgen. Wir müssen es dem Leser überlassen, sich
durch Vergleichung (der) von Stein und Reybaud mit Grün zu überzeugen, daß
Herr Grün immer nur die dümmsten Exzerpte aus den Exzerpten seiner beiden Vor¬
gänger gibt, einzelne Sätze und selbst [diese] aus ihrem Raisonnement herausreißt
und dies Wenige möglichst durcheinandergeworfen (als eine) (für) als die kritische
Darstellung des Saint-Simonismus (ausgibt) feilbietet“. Wir können hier nur noch
einige Beispiele (davon) geben, an denen die eben genannten Symptome des ge¬
ängstigten Abschreibers schlagend hervortreten. *
Wir“ gehn“ bis über“. 20—21 Zusammenhänge der (hier) in“ der“ bis Schrift“
gegebene Plan
636
Beschreibung der Manuskripte
28— 29 Reybaud p. 83
(Herr Grün (läßt hier weg) reduziert0 den0 Satz*) Den0 Satz0: 31 tout le
monde“, (wie) den0 Reybaud aus Saint-Simon (zitiert) (p. 47) 33 für Alle“, (wobei)
wodurch* er 34—35 Bei (Stein) Saint-Simon ist (vom Newtonschen Rat) von0 der*
Wahl0 des0 Newtonschen Rat[s] die Rede, bei Herrn Grün (weiß man garnicht, vro-
von es sich handelt.) handelt es 36 vier oder fünf (Sätze) von Stein
484 21 Stein hebt (ganz richtig) hervor, 23 Herr Grün (macht daraus) verdreht*
dies* dahin0, daß 26 daß er (sich) in den Lettres 27 Wissenschaft sich0 be¬
findet. 31—32 geteilt erscheint: in (die savants) drei* Klassen0, bis glaubt*,
savants,
48432—485з tout le monde ((p. 21, 22). Stein hat die /[5b]/ Stelle also richtig auf¬
gefaßt, während Grün sie gar nicht kannte und sich aus dem Steinschen Raison-
nement baren Unsinn abstrahiert hat.) sind0, sondern0 /[5b]/ 1)° die* savants0 bis
Unsinn* zu0 abstrahieren0.
Wir erhalten
485 и in0 einer0 beliebigen* Schrift* 32 kindischer* Weise0 ein, die Lehre*
von* der* Emanzipation 41 selbst (nach)gelesen, so 42 unter0 Andern*
486 6 wenigstens wäre (schon deshalb) um so 16—18 Schule vorfindet ♦. Er tut
dies, weil er, ohne diese Unterscheidung herein zu ziehen nicht recht klar (daraus)
(aus dem) aus den von Stein nach dem Catechisme gegebenen drei Klassen, der
classe feodale, der ♦ : Stein* bis (Enfantin*.) /6/ (Er begeht (nicht) dieses Falsum,
um nicht von Stein die wirk) Statt dieser 32 L’industrie (bereits 1817) von*
1817* das 35—36 früheren Schrift (zitiert), die er gar nicht kennt, falsch* zitiert0.
487 14 zu haben.“ (Stein verfehlt nicht hervorzuheben) Dies das 16 Stein (beginnt
seine Charakteristik]): „Er“ 33—34 Einseitigkeit (zu glauben), den* bis mißzuver¬
stehen0, Saint-Simon
488 4 gesehen zu haben, (sich bloß belletristische Phantasien über die bei Stein
vorgefundenen Data macht) nach dem 13—18 p.* 165*, 170°. bis Volkswirtschaft*.
29— 32 Dieser* Stein* bis des* Anstoßes*. Aber
489 7—8 und* unbarmherziger* bis Glieder* (nur daß hier seine Aus-/7/züge wo
möglich noch dürftiger sind). Wir geben 20 daß im (kritischen) Nouveau
490 12 und jeden (auf seiner Unbekannts[chaft]) Schnitzer 20 Journale (selbst)
zu kennen. 23—24 des Saintsimonismus“(; wie auch). (Gerade* wie*) Wie*
Reybaud 36 des Saintsimonismus, (der Satz von den Fähigkeiten]) das
39 nouveau christianisme (auf eine) aufgefaßt*, auf* eine 40—42 höchstens eine
(einfache*) profane* Klassifikation der Gesellschaft verlangt, (steht bei Herrn
Grün (dieser) der Zusammenhang die[ser]) bildet sich Herr Grün ein, (er habe)
aus diesem Satze allein folge die Hierarchie. Er sagt p.* 91*:
49113 seinen (obigen Unsinn) ganz* unbegreiflichen* Satz* herauszubringen.
23 Mit (diesem) dem Einen 27 einmal. Er (springt jetzt sogleich über) blättert
492 4 /8/ Herr Grün läßt (die folgenden) drei* Sätze 6 Sie (stehen) finden“ sich™
sowohl 7 Er (verwandelt) tut* dies0, um* dies bloße &—il des Systems(, ver¬
schweigt, daß es auf dem Titel des Globe stand, und kritisiert im Titel) verwandeln*
zu0 können*. Er* verschweigt, daß es auf dem Titel des Globe stand, und kann0 nun*
im verstümmelten* Titel dieses Blattes den ganzen Saintsimonismus durch die kluge
Bemerkung kritisieren*, daß die 17 vier Worten „(hauptsächlich) beson¬
ders*“ das 32 Und Reybaud p.* 123°: 35 /[8a] / (Herr Grün in seiner genialen)
Herrn* Grüns0 geniale® Kühnheit
493 i Vorgängen zu (unterscheiden) emanzipieren*. Von
12—13 nachzusehen.
(Mit der Übersetzung des Mottos des Globe (und), der Adresse) Wir haben
24—25 Billaud-Varennes, (Buonarotti) Buonarroti", Teste, 34—36 „daran gedacht“
hätten. (Daß das Ganze Unsinn ist, bedarf wohl keiner weiteren Auseinander¬
setzung.) Man™ hätte™ bis gedacht“ hätte“. 42 Ökonomie (des Enfantin)
Enfantins,
494 4 und* Menilmontant* io Menilmontant herein (durch das). Das* livre*
nouveau (livre) 12—13 Verfasser (dieses nouveau) dieser Schrift sei, (wieder) in
eine
32—33 Man sieht, wie Herr Grün mit den ihm (von Heß) vom* wahren* Sozialismus*
überlieferten 40 Konkurrenz ohnehin® der Fall
Textvarianten
637
495 22 Die Moral fertigt (er) Herr'“ Grün“ mit 29 einige allgemeine* Sätze
зо Einleitung. (zu* einem* Abs[chnitt*]) (Origine 3t mouvements) (zu über¬
setzen) zu einem Abschnitt
496 6—7 Fourier selbst (zu geben) zu* übersetzen* und (erst) später 14 Bei
(Grün) Herrn Grün 25—26 und* Ungerechtigkeit* 28 dem (Verhältnis])
wirklichen Verhältnis
497 17—18 (wobei* bis mag*) 22—24 versteht“ (p. 205) (als* wenn* bis ab¬
hinge*). ,Ja, 33—34 der nicht (aus) inm seiner wirklichen geschichtlichen“ /10/
(Tätigkeit, sondern dadurch dargestellt wird) Tätigkeit 42 indem er (seine)
dessen“ Kritik 43 an (seinen) den Phantasien
498 4 existiert und (voll der gfenialsten]) die 5 verrät (sich) Herr Grün
6 Liebe, (als) wie* wenig* er* als* echter jungdeutscher 18 genannt wird. (Ohne)
Selbst® die 21 solch ein (naturwissenschaftliches]) Naturverhältnis 43 speist,
(fünf) 5* Mahlzeiten 45 die (humoristische*) kolossale Anschauung
499 2 mit* (vielem*) naivem® Humor® gegenüberstellt з die (naivste) unschul¬
digste* Seite 34 Sozialisten als höhere* Wahrheit 38 Lebensverhältnisse (einer
Epoche) gefaßt 39—10 d.® h.® über® bis sich® selbst® ausläuft,
500 5 vorbehalten. (Herr Grün entwickelt diesen Satz in einer durchaus neuen
Weise und legt ihn so als Maßstab an die Leistungen der Franzosen, speziell
Fouriers.) Sie ist 44 W e s e n (von) der“ Produktion
501 1 Diese deutsch-(philosophische) ideologische (Einbildung) Theorie® paßt
4 an sich. *, leider ist eine verkehrte Welt dazwischen gekommen, die ihre
Realisierung verhindert.* /[11a]/ Herr Grün
6—11 auseinander, daß * es Bäcker, Schuster, Schneider, Bauern usw. gibt, daß
die Einen produzieren, was die andern konsumieren usw. und vice versa. Er beweist
mit vielem Aufwande von Produktivkraft, daß nichts konsumiert werden kann,
was nicht vorher produziert worden ist — lauter Einsichten, von denen Herr Grün
wissen konnte, daß sie auch ohne ihn (in D) selbst in Deutschland sehr verbreitet
sind.* er® keinen* bis für* neu*. Er drückt (diese ganze (tiefe) scharfsinnige*
Entwicklung) sie® in einer
17—18 überschwenglichen Manier, * das einfache Faktum auszusprechen, daß
Zucker und Kaffee nicht konsumiert werden können, ohne produziert zu sein *
nichts® als* bis herauskommt*. 22—24 Er konnte (diese, bei ihm sich auf das Aller¬
trivialste beschränkende Einsicht) in jeder Ökonomie unter dem Kapitel: Repro¬
duktive Konsumtion (hundertmal besser ausgeführt finden) ausgeführt finden, welche
verwickelten (Verhältnisse) Beziehungen* in dies 35 neue (Nachfrage) Zufuhr*
produziert. 37—40 Produkt bieten muß, (um die Produzenten in den Stand zu setzen
sich® neues (Rohprodutkt]) Material (sich) zu verschaffen.) damit* sie® bis hervor¬
rufe*. Die Ökonomen (vergessen dies ebenfalls) beziehen® sich® bis Zufuhr®, gerade®
wenn sie beweisen 39 Produktion, und (vergessen ebenfalls, daß die Nachfrage
effektiv sein muß) die absolute
42—45 bringen sie nicht vor. * Sie behaupten nicht, daß (Herr Grün) Jemand*
durch sein bloßes Brotessen Mühlen und Pflüge (produziert), sondern höchstens,
daß er sich selbst produziert, und wenn er nicht unmittelbar materiell produziert,
daß seine (Arbeit) Tätigkeit (überhaupt) von günstigem Einfluß auf die Produk¬
tion überhaupt ist.* Übrigens® ist® bis bewiesen* haben®. (Sie vergessen ferner
nicht wie) Herr Grün(, daß) vergißt® ferner*, daß* Brot
502 10—12 der jedesmaligen* Produktionsweise^ das übersieht Herr Grün eben¬
falls.)
(In seinem Beispiel von dem Bücherlesen, dessen gute Se[iten]) und* des*
ganzen* bis Herr® Grün* nicht®. Wenn Herr Grün 20—21 Zahlung, die® Herr®
Grün* bis überflüssig* macht®, (wird übrig[ens]) wodurch seine 25 neuen Typen,
(neue Bücher) neues Papier, 26—27 Produktionskosten. (Überhaupt sozialisiert
Herr Grün das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr dadurch, daß er von seiner
Bedingung, von seinem Exponenten, dem Gelde abstrahiert.) Wir haben
35 Herrn Grün? * Darin, die Sätze des wahren Sozialismus durch die trivialsten Be¬
hauptungen der Ökonomie zu erklären, d. h. die (trivialst) allergewöhnlichsten Ver¬
hältnisse der bestehenden Konsumtions- und Produktionsweise (hcrauszunehmen)
in einer phantastischen Weise zu schildern und von ihren Bedingungen zu abstra¬
hieren. * Um 44 ist noch der (Schlutß]) sozialistische (Trumpf) Schluß®, worin
638
Beschreibung der Manuskripte
50245—5031 nachstammelt(, und sich die Trennung von der Produktion und Kon¬
sumtion aus der). Produktion
503 10—11 (bei ihnen freilich (ein reiner frommer Wunsch) eine® rein® phanta¬
stische* Vorstellung*), wird von Herrn Grün weiter (ausgeführt) bestimmt®, daß
13— 15 (p.® 196®), daß (genau so viel (nicht* mehr®) produziert werden muß (darf*),
als konsumiert wird.) kein® Überschuß® bis ein* Ende® hat®. Er wirft 17—21 Herrm
Grün“ vergißt™, bis verschwunden™ ist™. Über diese philisterhafte® Albernheit
iS—19 daß die (völlige) Überproduktion nur durch ihren Einfluß auf den (Preis)
(Tauschwert) Tauschwert der 43 der menschlichen Konsumtion, (mit
einem Appell an das menschliche Wesen.) der* Erkenntnis* bis Konsumtion®“
(p.® 432®)(; also). Da er von
504 s—9 der™ Erziehung™ bis Phrasen™ beruhigen. 12—13 /[12b]/ daß (alle)
gerade* die* Ökonomen 29—30 in die sich Herr Grün (hier) wirft, (die) seine™
Drohungen(, die er) gegen Reybaud (ausstößt), die Verachtung 30—31 die Ge¬
lehrsamkeit, (die* schm[ettemden®]) seine* schmetternden* Versprechungen®,
32 daß (Herr Grün) er™ hier зз Wesens“ (ahnt) (merkten) ahnten™ wir (an)
aus™ diesen 35—36 Coups auszuführen(, die seit Erschaffung der Welt gemacht
worden sind). Wenn man seiner Taktik („also“) einmal (ein wenig) auf die
Spur gekommen ist, (so) verliert 36—37 Marktschreierei (alle) ihre Unschuld
505 15—16 alles auf“. (Wie) (Herr Grün hat uns selbst erz[ählt]) Im Gegenteil
18—19 der sozialistischen (Geschichte) Entwicklung® des
506 1—2 zwischen* den* Schriftstellern* 42—43 daß fast® ganz® dieselben
510 6—7 darin, erstens®, daß er (erstens) die* Zitate
511 9 ihm dies ab (und (verschönert) verstärkt dies durch einen* Zusatz*: „einen
der letzten Feudalherren“, was er aus eignen Mitteln hinzufügt). Um Cabet
14— 15 zusammenhängende (Auftritte) Bewegung® nicht 23—24 seiner Zeit ent¬
sprach und nicht(s von dem war. was Herr Grün nach ein paar Zitaten bei Cabet
sich von ihm einbildet.) den Einbildungen des Herrn Grün. 36 Bücherstaub“ zu
(bewahren) konservieren.
512 2—3 Gefängnissen (mit* noch® viel® mehr* Recht®) kommunistische Kolonien
(sehen.) entdecken™. (Welcher Unterschied zwischen dem oberflächlichen Fran¬
zosen und dem deutschen Gründling! Der Franzose)
Schließen wir 3—5 Condorcet. (Wir machen den) Die* Vergleichung® der®
beiden* Bücher* wird* dem® Leser hier ganz* speziell (darauf aufmerksam) zeigen*,
wie Herr Grün 6—9 Daten wegläßt, (aber es nie) aber* genau* bis es® doch® nie*
weiter bringt
513 9—Ю Herr Grün, der (in) durch® diese(r) unverschämte(n Weise Abschreiber)
Abschreiberei* aus Cabet 16—12 Morelly, der (eben) gerade zur* rechten® Zeit® für*
Herrn* Grün® durch Villegardelle in Paris en vogue gebracht (worden war.), und*
von® dem® bis Plagiate® aus® Villegardelle*. 23 denatures ((entartet)) et
repand 25 d et es t an t eux-meme s,“ ((Bande, verabscheut von unsern
Gatten, die sich zugleich selbst verabscheuen).) 31 Morelly: Notre äme ...
(pertretuellement) ... contracte une soif 32 pour l’etancher“ ((daß sie sich frei¬
willig erstickt pp)). 36 „Ceux qui pretendent ((sich anmaßen)) regier
40 Passus (der Ba[siliade]) von Morelly
514 6—7 die Geschichte (unter Kirchen geschichtliche Kategorien zu rangieren
auf) mit einigen kirchengeschichtlichen® Kategorien® abzufertigen®, bei 9 rur
dazu dient, (durch die Ausfüllung der Intervalle) die Arabeske io—11 philosophes!
(Proudhon.)
Wir übergehen, 14—15 Weise (behandelt) aufgefaßt (vgl. Bürgerbuch* urd*
Rheinische Jahrbb. (oben)). Herr Grün 21 borniert sind(, vielleicht borniert
sein müssen)“, p. 283. 30 Er (zitiert) übersetzt® von p. 437—444(, Übersetzunfgenl)
einige Auszüge
515 5 zu entschlüpfen und (doch) zugleich* 12 werden von Herrn Grün (nit
vieler Weitläuftifgkeit]) abgeschrieben. ie geltend m[acht, und] (dadurch ge¬
zwungen wird .?. lieber von seinem eig[nen Kohl] hinzufügt) rein sinnlotse Plra-
een] /[14c]/ für den 20—21 der (fixen) selbstständigen Gedanken 28—29 zu ver¬
langen, als (ihr) der von* ihnen® sich vindizierte Philosoph Feuerbach (es) <a-
mit* nicht zu Stande (gebracht) gekommen war. 34—35 Proudhon dann (umer
Sammlung der im Original getilgten Stellen
639
vielem belletritischem Geschwätz) mite breitspuriger* belletritischer* (Bemänte¬
lung*) captatio* benevolentiae*, daß er 36 s p i e 1 e n w о 11 e. (p. 457.) Er sucht
K. „V. „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstei n“,
odef die Prophetie des wahren Sozialismus“ /S. 519—528/.
Dies Manuskript ist anscheinend von Moses Heß verfaßt, obwohl es nur in
einer Reinschrift von Joesph Weydemeyer vorliegt, der am Schluß des Textes die
Angabe: M.Heß machte. Der ursprüngliche Titel des Manuskripts lautete:
St. Georg Kuhlmanns Werke.
Die neue Welt
oder
das Reich des Geistes auf Erden.
Verkündigung.
Engels strich die erste Zeile weg und ersetzte sie durch die von uns wieder¬
gegebene: „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstei n“, oder die
Prophetie des wahren Sozialismus und versah das Manuskript mit
der Hummer V. In seiner Altershandschrift ist mit lateinischen Buchstaben auf
der letzten Seite der Vermerk gemacht: Kuhlmann. Marx numerierte die Bogen
mit Bleistift, außer der Hummer 2 ist alles verwischt. Das Manuskript besteht
aus drei Foliobogen (12 Seiten), das Papier ist liniert, die linke Spalte jeder Seite be¬
schrieben, die rechte freigelassen. Korrekturen gibt es fast keine.
521 21 alle realen* Dinge
524 2 aux Destinees“ (sagt), vergleiche* auch Proudhon.
525 10—12 Propheten.
/[8]/ • Die heilige Schrift unsres St. Georg nimmt nun, wie er dieses selbst
„offenbart“, folgenden Verlauf: ♦
•„Sie wird eröffnen“, sagt er, „das Reich des Geistes in irdischer Gestalt,
damit Ihr schauet dessen Herrlichkeit und sehet, daß kein ander Heil ist, als im
Reich des Geistes. — Auf der andern Seite wird sich enthüllen*
Z. B. Seite 36
526 17 in der auf die (empirische) Natur des Menschen
527 2—3 für seine Arbeit(er) empfange; 45 Wege (steht) stehet™, sondern
[Engels über Feuerbach] /S. 538—540/.
Diese Hotizen schrieb Engels auf die beiden Seiten eines langen Streifens
Papier (die eine Spalte eines Quartblattes). Allem Anschein nach hat Engels sie
in einem seiner Briefe an das Brüsseler Korrespondenzkomitee für Marx mit¬
geschickt. Dafür spricht, daß auf der zweiten Seite zweimal der Anlauf genommen
wurde, eine Brief anrede zu formulieren: Liebet Freunde], diese Anrede beide
Male wieder ausgemerzt und die Engelsschen Ausführungen fortgesetzt wurden.
Marx numerierte die beiden Kehrseiten des Papierstreifens. Auf die erste Seite
schrieb er zuerst 1, dann 8, dann 9, resp. erst 18, dann 19, oder umgekehrt; auf
die zweite erst 9, dann 10, resp. umgekehrt (da die Zahlen aufeinander geschrieben
sind, läßt sich die richtige Chronologie nicht mehr feststellen). Ob sie sich auf die
Seitenzahlen des Manuskripts „I Feuerbach“ beziehen und ob auf die Seiten 8
und 9, resp. 9 und 10, resp. 18 und 19 desselben, läßt sich so nicht entscheiden.
Die alphabetische Humerierung der Absätze stammt von Marx. Der Text selbst
ist in derselben stenographischen Manier und in derselben Handschrift geschrieben
wie die Engelssche Einschaltung von Seite 17 des Manuskripts „I Feuerbach“
(S. 232—26 unseres Bandes). JFir haben überall, wie im Text, die Engelsschen Ab¬
kürzungen stillschweigend ergänzt.
538 io läuft hinaus auf (eine) verhimmelnde 13 mise en action. („Man soll
sich menschlich) Vgl. § 54, p. 81: (über) „das sittEliche] 19—20 bm) (Die)
Daß® auf der jetzigen Entwicklungsstufe (der) die* Menschen ihre Bedürfnisse
nur (durch) innerhalb 21 daß (von dem ersten Anfang einer geschieht![ichen]
Entwicklung überhaupt an) überhaupt gleich 28 eine Einheit, die sich (wesent¬
lich) aber® nur* auf die
640
Beschreibung der Manuskripte
639 35—39 Diese Fußnote ist nachträglich am Längsrand der Seite nieder geschrie¬
ben. 7 gedacht hätte.*) U[nd] (in der Praxtis]) soweit seine io die* „wahre®
bis Dialog*,
19—20 /10/
(Liebe)
c“) Der Anfang
24- 25 Vgl.® „Die® bis p.e 23*.
25— 26 (Liebe)
d“) Der Unterschied
31—32 weiter nichts als eine aus (dem Bedürfnis der) einem der unentwickelteren
QUELLENNACHWEIS UND TITELVERZEICHNIS
Quellennachweis und Titelverzeichnis enthalten alle in dem vorliegenden Bande
vorkommenden Autorennamen und Büchertitel in alphabetischer Reihenfolge. Wo
Zitate angeführt werden, gibt die Zahl über dem Zitat die Seite und Zeile unseres
Bandes an, die Zahl links vom Zitat die Seite des zitierten Werks. Die unter einem
Buchtitel befindlichen Seiten- und Zeilenangaben geben die Stellen an, wo der be¬
treffende Titel bloß charakterisierend erwähnt wird. Alle mit dem zitierten Werk
übereinstimmenden Zitate sind nicht extra durch Seiten- und Zeilenangabe vermerkt.
Bei der Bibel ist nur angegeben, was überhaupt davon zitiert wird, ohne die Angabe,
wo dies in unserm Bande geschieht; dies, weil biblische Zitate massenhaft vorkommen
und überall leicht festgestellt werden können, ohne daß dies jedesmal besonders fixiert
zu werden brauchte. Ebenso Cervantes’ „Don Quijote“, aus dem fast sämtliche Zitate
von Marx und Engels übersetzt und jedesmal die entsprechenden Angaben von
ihnen gemacht sind.
QUELLENNACHWEIS UND TITELVERZEICHNIS
In, den Quellennachweis sind nur die Stellen aufgenommen, die inhaltlich von
ihren Zitaten bei Marx-Engels abweichen. Alle wörtlich mit den Zitaten übereinstim¬
menden Stellen sind nicht reproduziert.
А un Catholique. Sur la vie et le caractere de Saint-Simon. In: L’Organisateur.
N» 40. (Rre annee) 19Mai 1830. 47915,17
А i k i n, J. A. Description of the Country from 30 to 40 miles round Manchester.
London, Stockdale. 1795. 4825
А 1 e x i s, Willibald. Cabanis. 1832. 31430—31
Allgemeine Literatur-Zeitung. Monatsschrift. Herausgegeben von Bruno Bauer.
Bd. I/II. Charlottenburg, Egbert Bauer. 1844. (cf. auch B. Bauer, Reichardt,
Szeliga) 871 8828 8937—38 9311—12 19832
А m а d i s de Gaula. Mittelalterlicher Ritterroman. 32120
Anekdote zur neuesten deutschen Philosophie und Publicistik von Bruno Bauer,
Ludwig Feuerbach, Friedrich Koppen, Karl Nauwerck, Arnold Rüge und einigen
Ungenannten. Herausgegeben von Arnold Rüge. 2 Bde. Zürich und Winterthur,
Verlag des Literarischen Comptoirs. 1843. (cf. auch Feuerbach) 31427
(Anonym) Friedrich Wilhelm IV. und Morelli. In: Vorwärts! Pariser Deutsche
Zeitschrift. 1844 Nr. 87, p. 2 u. 3. 51319
(Anonym) Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Br. Bauer
und Consorten. Von F. Engels und K. Marx. Frankfurt 1845. In: Westphälisches
Dampfboot. 1. Jahrgang 1845. p. 206—214. 71 35 9019—20,21,25 91 3,11,19,24,34
923 54125—26 5427,12,20—21, 42—43 5434—5, 11—12,26,35,41—42 5443—4
(Anonym) Le livre nouveau [des Saint Simoniens]. 4941о
(Anonym) Preußen seit der Einsetzung Arndt’s bis zur Absetzung Bauers. In:
Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz, p. 1—32. 1818
(Anonym) Über das Recht des Freigesprochenen, eine Ausfertigung des wider ihn
ergangenen Erkenntnisses zu verlangen. In: Wigand’s Vierteljahrsschrift. 1845,
Vierter Band. p. 326—329. 792—3
Anonyme: cf auch Kerverseau, Lourdoueix
Arndt, Emst Moritz. Erinnerungen aus dem äußeren Leben. Leipzig, Weidmann.
1840. 3315-6
Arnim, Bettina von. Dies Buch gehört dem Könige. 2 Theile. Berlin, Schröder.
1843. 31425-26
Bacon, Francis. Opera Omnia. Francoforti ad M. 1665. 1542—5
— Works. 5 vols. London. 1765. Wiederabdruck: London. 1778. 5 vols. 154s
B а r r er e, Bertrand. Le Point du jour, ou Resultat de ce qui s’est passe la veille
ä l’Assemblee nationale. 19 juin 1789 — 2 oct. 1791. Red. par Bertrand Barrere.
2 vol. Paris, lib. Cussac. 16023 49324
Bauer, Bruno. Charakteristik Ludwig Feuerbachs. In: Wigand’s Vierteljahrsschrift.
1845. Dritter Band. p. 86—146. 3312 7120, 23, 29,32 7513—14 7629—30 7820,33
794, 6, 28, 37 8032 8134 8211, 18 8312, 20, 33 8415, 16, 27, 32, 33, 36, 42 8528 869—10 8818
9026,44—45 917,16, 22,45 9412—16,18, 23,28 43114, 25 4324—5,22 5416—7 5422,27
543 20—21, 40
S. 7611—15
Hegel hatte die Substanz Spinozas und das Fichtesche Ich in
Eins zusammengefaßt. Die Einheit von beiden, die Verknüpfung dieser
entgegengesetzten Sphären, das Oscilliren zwischen zwei Seiten, die
p. 86 keine Ruhe gönnen und in ihrem Abstoßen doch nicht von einander
41*
644
Quellennachweis und Titelverzeichnis
B. Вайет,
„Charakteri¬
stik“ etc.
p. 87—88
p. 94
p. 102
p. 104
p. 105
p. 105
p. 109
lassen können, das Hervorbrechen und Überwiegen des Einen vor dem
Andern und des Andern vor dem Ersten bilden das eigenthiimliche
Interesse, das Epochemachende, das Wesenhafte, aber auch zugleich die
Schwäche, die Endlichkeit und Nichtigkeit an der Hegelschen Philo¬
sophie.
S. 7615—29
Dieser Widerspruch, daß das Absolute das Beste und Höchste, das
Ganze, die Wahrheit für den Menschen, das Maß, das Wesen, die
Substanz, das Ende des Menschen ist, daß aber wiederum der Mensch
die Substanz, das Selbstbewußtsein ist, welches das Resultat seiner
eigenen Thätigkeit, sein eigenes schöpferisches Product ist und sein
Bestehen seiner That, seinem geschichtlichen Ringen verdankt, darum
aber auch das Absolute nothwendig zu einem beschränkten macht, —
dieser Widerspruch, in dem sich das Hegelsche System hin und her
bewegte, aus dem es aber nicht herauskommen konnte, mußte gelöst
und vernichtet werden. Er konnte es aber nur dadurch, daß die Auf¬
stellung der Frage, wie verhält sich das Selbstbewußtsein zum absoluten
Geiste und der absolute Geist zum Selbstbewußtsein nicht mit Halb¬
heiten oder Phantasien vertuscht, sondern für immer unmöglich gemacht
wurde. Es war nach zwei Seiten möglich. Entweder muß das Selbst¬
bewußtsein wieder in der Glut der Substanz verbrennen, d. h. das reine
Substantialitätsverhältnis feststehen und bestehen, oder es muß auf¬
gezeigt werden, „daß die Persönlichkeit der Urheber ihrer Attribute
und ihres Wesens ist“, daß es „im Begriffe der Persönlichkeit überhaupt
liegt, sich selbst beschränkt zu setzen und diese Beschränkung, die sie
durch ihr allgemeines Wesen setzt, wieder aufzuheben, da eben dieses
Wesen nur das Resultat ihrer innem Selbstunterscheidung, ihrer
Thätigkeit ist“. —
S. 75io
— Nachdem Feuerbach so die Grundlage des Hegelschen Systems ge¬
sichert hat, geht er zur Bestimmung der absoluten Idee fort.
S. 75io
— Was also früher zur Sicherung und zum Nutzen des Friedens zwi¬
schen Religion und Philosophie zu geschehen schien, nämlich die Be¬
kämpfung der Theologie, welche sich auf ein Monopol stützt, das war
jetzt zum eigenen Unheil der Religion umgeschlagen.
S. 80 s—4, 5—6, 9
Die göttliche Dreieinigkeit i m Menschen über dem individuellen
Menschen ist die Einheit von Vernunft, Liebe, Wille.
S. 9418
Ist nicht, wenn die Gattung das Maß der Wahrheit sein soll, wenn nur
„wahr ist, was mit dem Wesen der Gattung übereinstimmt,“ die Wahr¬
heit zu etwas Fixem und Firmem gemacht, ist sie nicht das Feste, das
Bestehende, darum die Lüge, die Unwahrheit?
S. 7929—34
Feuerbach hat aus dem Individuum, aus dem entmenschten Menschen
des Christenthums nicht den Menschen, den wahren, wirklichen, persön¬
lichen Menschen, sondern den entmannten Menschen, den Sklaven
geschaffen.
S. 156 iö
Beide stehen auf Einem Standpunkte, dem Standpunkte der Substanz,
nur daß der Eine die Linien genauer gezogen und enger gezeichnet
weil er nur nach gezogen und nach gezeichnet hat, als der Andere.
S. 9329—34,37—38
Die Menschengattung ist die ausgedrückte und ausdrückliche Unbe¬
kanntschaft des Menschen mit sich selbst, die naive Aussage, daß der
wirkliche, lebende und leibhaftige Mensch noch nicht geboren ist und
p. 110
Quellennachweis und Titelverzeichnis
645
B. Bauer, die erzeugte Zwittergestalt noch nicht im Stande ist, aller dogmatischen
„Charakteri- Formen Herr zu werden, sondern sich gezwungen sieht, sich zu einem
” sri&“ etc. Dinge herabzusetzen, den geheiligten Titel, den sie stürzen wollte, selber
anzunehmen, das Vorurtheil und Privilegium, das sie vernichten wollte,
zu restauriren, das Absolute, dessen Namen sie für immer tilgen wollte,
selber zu werden und sich damit und dadurch das testimonium pauper-
tatis auszustellen.
S. 8014—19
— Feuerbach ist ein Knecht, und seine knechtische Natur erlaubt ihm
nicht, das Werk eines Menschen zu vollbringen, das Wesen der Religion
zu erkennen. Er erkennt das Wesen der Religion nicht, weil er nicht
in der Region steht, wo die Leidenschaft zum Schweigen gebracht, die
Liebe und der Haß, der Fanatismus und Enthusiasmus zurückgewiesen,
p. Ш die Schwäche und Angst des Vorurtheils niedergemetzelt, die Timidität,
die Aufdringlichkeit, die leidenschaftliche Sorge und peinliche Quälerei
der religiösen und theologischen Voraussetzungen gehoben sind. Er
erkennt das Wesen der Religion nicht, weil er die Brücke nicht kennt,
auf der er zum Quell der Religion gelangen kann, vielmehr diese ab¬
bricht und sich den Weg dahin unmöglich macht.
S. 8134—35,43—45 821
Mag darum Feuerbach immerhin sprechen „das Menschliche ist das
Wahre und Wirkliche, denn das Menschliche nur ist das Vernünftige,
der Mensch das Maß der Vernunft“, „Freiheit und Universalität er¬
streckt sich über das ganze Wesen des Menschen;“ mag er er immerhin
behaupten „die neue Philosophie macht den Menschen mit Einschluß
der Natur, als der Basis des Menschen, zum alleinigen, universalen und
höchsten Gegenstände der Philosophie“: er vernichtet dennoch den
Menschen, weil er das Wort „Mensch“ zur bloßen Phrase macht, er
p. 120—1211 „verrückt“ dennoch so gut, wie „die absolute Identitätsphilosophie“
„den Standpunkt der Wahrheit gänzlich“, weil er „den natür¬
lichen (!) Standpunkt des Menschen, den Standpunkt der Unter¬
scheidung in Ich und Du, Subject und Object“ „zum wahren,
absoluten Standpunkt, folglich zum Standpunkt der Philosophie“ macht,
weil er nicht den Menschen ganz macht und schafft, sondern die
ganze Menschheit zum Absoluten erhebt, weil er — das ist das Ende
vom Liede und das Lied vom Ende — auch nicht die Menschheit, viel¬
mehr den „Sinn“ zum „Organ des Absoluten“ und als das Absolute,
..das Unbezweifelbare, das unmittelbare Gewisse, das Object des Sinnes,
der Anschauung, der Empfindung“ — das „Sinnliche“ stempelt. —
S. 9431—32
Er ist in seiner Fortschrittsperiode nicht gott-los, atheistisch, sondern
erst recht gott-voll geworden; er hat an die Stelle des geistigen Gottes
einen absoluten Monarchen, der nicht mehr mit sich schalten und walten
läßt, wie jener theilnahmlose, außerweltliche Gott, ein unerbittbares
p. 121 Gespenst, das wie ein Alp auf dem Menschen liegt, ihn niederdrückt
und zusammenschnürt, einen Vampyr, der alles Mark und Blut dem
Menschenleben aussaugt, die unüberschreitbare Schranke, an der sich
der Mensch den Todesstoß geben muß, gesetzt. Er betet die Sinnlich¬
keit an.
S. 8315—16, 18—19
Feuerbach ist nicht mehr oder nicht wieder der französische Materialist,
der nur das gegenwärtige, das wirkliche Wesen anerkennt, die Materie
„und sie als thätig sich in die Vielheit ausbreitend und verwirklichend,
die Natur,“ sondern er ist, wie seine Anhänger richtig bemerken, der
mit Humanismus versetzte und zersetzte Materialist, d. h. der Materialist,
der kein Materialist, und der Humanist, der kein Humanist ist, sondern
p. 123 der Materialist, der es nicht auf der Erde und ihrem Sein auszuhalten
vermag, sondern sich vergeistigen und in dem Himmel einkehren will,
1 Irrtümlich p. 121
646
Quellennachweis und Titelverzeichnis
stikli etc.
p. 123—124
p. 134—135
p. 138
p. 138—139
p. 139
B. Bauer, und der Humanist, der nicht denken und keine geistige Welt auf bauen
„Charakteri- kann, sondern der sich mit Materialismus schwängert und eine Philo¬
sophie hervorbringt, die allerdings „die W а h r h e i t der Hegelschen,
die Wahrheit der neueren Philosophie überhaupt
ist,“ weil sie das Geheimniß der neueren Philosophie verrathen hat,
weil sie gezeigt hat, was die Philosophie an ihrem Ende, in ihrer Voll¬
endung werden mußte, eine Melange, weder Fisch noch Fleisch, weder
schwarz noch weiß, weder Himmel noch Erde, weder Gott noch Mensch,
sondern Schweben zwischen Himmel und Erde, Unbestimmtheit, Irre¬
reden — Nichts, als schlechthinniges Abhängigkeitsgefühl, Theologie. —
S. 35712
Der Kritiker geht unaufhaltsam, siegsgewiß und siegreich seines
Weges. Man verläumdet ihn: er lächelt. Man verketzert ihn: er lächelt.
Die alte Welt macht sich auf in einem Kreuzzuge gegen ihn: er
lächelt. —
S. 3454
irrtümlich p. 137
S. 85 31
Sie darf und kann — das ist das Erste und unbedingt Nothwendige,
wenn sie überhaupt gegen den Kritiker aufsteht — die Kritik nicht
verstehen. Sie darf und kann die Kritik in ihrer Entwicklung nicht
kennen und erkennen.
S. 7122—23
Sie darf und kann nicht wissen, wie einzig und allein der Kritiker die
Religion in ihrer Totalität und den Staat in seinen verschiedenen Er¬
scheinungen gebrochen hat, weil er allein die Kategorie der „Substanz“,
die bisher von und vor der Welt heilige und geheiligte Macht kritisirt,
d. h. aus ihrer Göttlichkeit herabgezogen, mit ihren Prätensionen
zurückgeschoben, in ihr Geburtsland, das Selbstbewußtsein, die Persön¬
lichkeit, den kritisirenden und kritisirten Menschen zurückgenommen
und verworfen hat.
S. 54116
Sie darf und kann nicht wissen, daß die Kritik und die Kritiker, so
lange sie sind, die Geschichte gelenkt und gemacht haben, daß sogar
ihre Gegner und alle Bewegungen und Regungen der Gegenwart ihre
Geschöpfe sind, daß sie allein es sind, welche die Gewalt in ihren
Händen haben, weil die Kraft in ihrem Bewußtsein und weil sie die
Macht aus sich selber, aus ihren Thaten, aus der Kritik, aus ihren
Gegnern, aus ihren Geschöpfen schöpfen; — daß erst mit dem Acte
der Kritik der Mensch befreit wird und damit d i e Menschen, der
Mensch geschaffen und damit d i e Menschen.
Bauer, Bruno. Das entdeckte Christenthum. Eine Erinnerung an das achtzehnte
Jahrhundert und ein Beitrag zur Krisis des neunzehnten. Zürich und Winterthur,
Druck und Verlag des literarischen Comptoirs. 1843. Neu herausgegeben von Ernst
Barnikol. Jena, Diederichs. 1927. 77 29,39—40
— Ludwig Feuerbach. In: Norddeutsche Blätter. 1844. Heft 4, p. 1—13. 7523—25
— Geschichte der Politik, Cultur und Aufklärung des achtzehnten Jahrhunderts.
2 Bde. Charlottenburg, Egbert Bauer. 1843 u. 1845. 311—2
— Die gute Sache der Freiheit und meine eigene Angelegenheit. Zürich und Winter¬
thur, Verlag des literarischen Comptoirs. 1842. 7513—14 7926—27
— Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker. Bd. I. Leipzig, Otto Wigand.
1841. Dasselbe, verändert. Leipzig, Otto Wigand. 1846. 7728 8924
— (anonym) Kritik über Hinrichs „politische Vorlesungen“ Bd. I. In: Allgemeine
Literatur-Zeitung. 1844. Heft I, p. 29—31. 9311—12
— (anonym) Neueste Schriften über die Judenfrage. In: Allgemeine Literatur-
Zeitung. 1844. Heft I, p. 1—17. Heft IV, p. 10—19.
S. 8915
Wie lange die Übergangsperiode dauern wird, in der wir leben,
ist eine Frage, deren Beantwortung uns in dem Augenblicke, wo wir
Quellennachweis und Titelverzeichnis
647
damit beschäftigt sind, die Macht, die die Thore der Zukunft ver-
Heft IV p. 10 schlossen zu halten sucht, der Kritik zu unterwerfen, und wo der
Widerstand, den die Kritik findet, von ihrer Kraft und ihren Erfolgen
zeugt, uns ziemlich gleichgültig seyn kann. In keinem Falle wenigstens
wird sie für uns beunruhigend seyn: das Schicksal mag entscheiden,
wie es will — wir wissen jetzt, daß es unser Werk ist.
S. 8938 9421
Diejenige Weltform, welche die Kritik vorbereitet und deren Gedanken
sie sogar erst vorbereitet, ist keine blos rechtliche, sondern eine gesell-
Heft IV p. 15 schaftliche, von der wenigstens so viel gesagt werden kann, daß wer
zu ihrer Ausbildung nicht das Seinige beigetragen hat, nicht mit seinem
Gewissen und Gemüth in ihr lebt, sich in ihr nicht zu Hause fühlen
und an ihrer Geschichte nicht theilnehmen kann.
Bauer, Bruno, (anonym) Was ist jetzt der Gegenstand der Kritik? In: Allgemeine
Literatur-Zeitung. 1844. Heft ѴПІ, p. 18—26. 8918—20
Bauer, Edgar. Bailly und die ersten Tage der Französischen Revolution. In: Bauer,
B. und E. Denkwürdigkeiten zur Geschichte der neueren Zeit seit der Revolution.
Charlottenburg, Egbert Bauer. 1843. 1902—3 31418
— Die liberalen Bestrebungen Deutschlands. 2 Hefte. Zürich. 1843. 31422
.Bauer, Bruno und Bauer, Edgar. Denkwürdigkeiten zur Geschichte der neueren
Zeit seit der Revolution. 7 Bde. Charlottenburg, Egbert Bauer. 1843. 1902—3
31418
Bayrhoffer, Karl Theodor. Die Idee und Geschichte der Philosophie. Leipzig,
Wigand. 1838.1 16424
Beaulieu, Claude Frangois. Essais historiques sur les causes et les effets de la
Revolution de France. Paris, Maradan. 1801—1803. 16026
Becker, A. Vorrede zu: Georg Kuhlmann, „Die Neue Welt oder das Reich des
Geistes auf Erden“. 52031 52118—19 52527 52610—n
— Die Volksphilosophie unserer Tage. Neumünster. 1843. 30130 31419
Beiträge zum Feldzuge der Kritik, s.r Norddeutsche Blätter.
Bibel. 85 22 8612—30 88 n—із 931—2 9737 9929 107 зз—35 109 21 11735,42,43
124 21—22,28—29 12810 139 36—37 143 24,29 167 5.12 16817 169 42—13 170 9—10,19
173 42 174 28 18115 200 34 21243 222 33 234 34 267 22-23 30617—18 309 43-44 31429
3179—10 33410 343 41—42 360 27 402 34—35 4 0 9 34 45619,23—24 488 29—30 52214
1. Mose, 4, 1
2. Mose 7. u. 8.
1. Samuelis 25, 2
Josua 10, 12
Hiob 26, 14
Psalter 24, 7—10
Psalter 118
Jesaia 34, 11—14
Jeremia
Habakuk 1—4
Ev. St. Matthäi 5, 3 u. 37; 6, 26 u. 28; 8, 10 u. 22; 11, 27; 20, 16; 21, 42
Ev. St. Marei 16, 16
Ev.St. Lucä 1,45; 12, 27
Ev. St. Johannis 2, 4
Römer 3, 28; 4. 18 u. 22; 6. 23; 9, 16 u. 20—21
1. Corinther 3, 1—2; 13, 12
2. Corinther 5, 17
Galater 3, 24; 5, 24
Epheser 6, 12
1. Petri 2, 9
1. Johannis 4. 16
Ebräer 11, 13
Jakobi 1,2; 1,9
Offenbarung 13, 18; 12, 5; 17, 3, 5, 6; 13, 7; 20. 7—9
1 Vermutlich
648
Quellennachweis und Titelverzeichnis
Blanc, Louis. Histoire de dix ans. 1830—1840. 5vol. Paris, Pagnerre. 1841. 314/^25
47641 4799 49310
B 1 u n t s c h 1 i. Cf. Die Kommunisten in der Schweiz etc.
Bois-Guillebert, Pierre le Pesant. Le Detail de la France. La Cause de la
diminution de ses biens, et la facilite du remede. In: Eugene Daire, Economistes
Financiers du XVHIe siede. Paris, Guillaumin. 1843. 17941—12
— Dissertation sur la nature des richesses de l’argent et des tributs ou Ton decouvre
la fausse idee qui regne dans le monde ä l’egard de ces trois articles. In: Eugene
Daire, Economistes etc. 17941—12
— Factum de la France, ou moyens tres faciles de retablir les finances de L’Etat. In:
Eugene Daire, Economistes etc. 17941—42
— Traite de la nature, culture, commerce et interet des Grains tant par rapport au
public qu’ä toutes les conditions d’un Etat. In: Eugene Daire, Economistes etc.
17941-42
B о n а 1 d, Louis Gabriel Ambroise. Oeuvres completes. 12 vol. Paris, Le Clerc.
1817—1819. 32528
B r i s s о t, Jacques Pierre. Memoires. 4 vol. Paris. 1830. 18016
Browning, G. The Domestic and financial Condition of Great Britain; preceded
by а Brief Sketch of her Foreign Policy; and of the statistics and politics of
France, Russia, Austria, and Prussia. London, Longmans, Rees, Orme, Brown,
Green & Longman. 1834. 163 27
Buhl, Ludwig. Geschichte der zehn Jahre 1830—1840 von Louis Blanc. Aus dem '
Französischen übersetzt. 5 Bde. Berlin, Wilhelm Hermes. 1844. 1792
Cabet, Etienne. Ma ligne droite ou le vrai chemin du salut pour le peuple. Paris,
C. BajaL 1841. 44537
— Voyage en Jcarie. Paris, J. Mailet & Ge. 1842. 44425—26 50521 50628—30,34
507зз 50842 50915 5101—2 5117,31,37 5138
— Refutation des doctrines de l’Atelier. Paris, Prevot. 1842. 2059 2063—4 2077
Caesar, Caius Julius. De Bello Gallico. 42226
Camо?s, Luis. Lusiada. Accrescentam-se as estancias despresadas por о poeta, as
ligöes varias, el breves notas para а illustragaö do poema. Edigaö de J. E. Hitzig.
Berlin, Dümmler. 1810. 4075
C а г r i e r e, Moritz. Der Kölner Dom als freie deutsche Kirche. Gedanken über
Nationalität, Kunst und Religion beim Wiederbeginn des Baues. Stuttgart,
Franckh’sche Buchhandlung. 1843. 31427
Cervantes, Saavedra Miguel de. Primera у segunda partes del Ingenioso Hidalgo
Don Quixote de la Mancha. Compuesto por Miguel de Cervantes Saavedra.
Dirigido al Duque de Bejar, Marquez de Gibraleon, Conde de Benalcagar, у
Banares, Vizcondo de la Puebla de Alcozer, Senor de las villas de Capilla, Curiel,
у Burgillos. En Brucelas, por Huberto Antonio, Impressor de sus Altezas, en la
Aguila de oro, cerca de Palacio, ano 1617. 186 40 187 6 21239 21438 218 2 2194
249зі 252 34 261 31—37 262 8 31928,38 322 34 347 44—45 379 41 402 26—27 421 42
422 8, 6—7 428 іо-i i
C h а m i s s о, Adalbert von. Werke. Gedicht: Tragische Geschichte. 1822. 29624—25
Charivari. Redigiert von Ed. Maria Oettinger. Leipzig, Reclam. 1842—46.1
14435
Ch asteilux, Fr. Jean de. (anonym) De la Felicite publique, ou considerations
sur le sort des hommes dans les differentes epoques de ITiistoire. 2 vol. Amster¬
dam, Rey. 1772. — 2e ed. augmentee, Bouillon, typographique. 1776. — Nouvelle
ed. augm. de notes inedites de Voltaire. Paris, Renouard. 1822. 44426
Cherbuliez, Antoine-Elise. Riehe ou Pauvre, exposition succincte des Causes et
des Effets de la Distribution actuelle des Richesses sociales. Paris. 1841. 5620
Chevalier, Michel. Cours d’economie politique fait au College de France. Annee
1841—1842. Paris, Capelle. 1842. 49419-20
— Lettres sur l’Amerique du Nord. Paris, Gosselin. 1836. 28225—26
Child, Josiah. Traites sur le commerce et sur les avantages qui resultent de la
reduction de Pinterest de l’argent. Amsterdam, J. Neaulme. 1754. 17942
C1 e m e n t i s Alexandrini Opera ed. Dindorf, Oxinii 1869, auch Col. 1688. 12223—24
Vermutlich nicht das gleichnamige Pariser Witzblatt
Quellennachweis und Titelverzeichnis
649
Code Napoleon. Seconde Edition. Paris, Leopold Collin. 1807. 31441 3151—2
31744 34146 51146
Comte, Charles. Traite de legislation ou Exposition des lois generales suivant
lesquelles les peuples prosperent, deperissent ou restent stationnaires. 4 vol. Paris,
Sautelet. 1826—1827. 28726
Constant, Benjamin. De l’esprit des conquetes et de l’usurpation dans leurs
rapports avec la civilisation europeenne. 4e ed. Paris, NicoIIe et le Normant, libr.
1814. 32532-83
Cooper, Thomas. Lectures on the elements of political economy. Columbia. 1826.
37132 474зз
Courier, P.L. Oeuvres completes. 4 vol. Paris, A. Sautelet. 1829—1830. 4487
— Pamphlets politiques et litteraires. 2 vol. Paris, Paulin. 1831. 4487
Destutt de Tracy. Traite de la volonte et de ses effets. 5 vol. Paris, chez
Mme Levi. 1826. 20739 2082,10,12,22 21023
Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst. Herausgegeben unter Ver¬
antwortlichkeit der Verlagshandlung 2. Juli 1841—Dez. 1842. Leipzig, Wigand.
1841—1842. 3023-24 90e
Deutsches Bürgerbuch für 1845. Herausgegeben von H. Püttmann. Darmstadt,
Leske. 1845. (cf. auch Grün, Heß) 46826 47413
Deutsch-Französische Jahrbücher. Herausgegeben von Arnold Rüge und
Karl Marx. Iste und 2te Lieferung. Paris. Au Bureau des Annales. 1844. S. Neu¬
drucke marxistischer Seltenheiten I. (cf. auch Engels, Marx) 17927—28 1895—6
21534—35 2882—3 31426—27
Dictionnaire de l’Academie. 28442—2851
Diogenes Laertius. Zeno. 11911—12 120 e, 32—зз, 45 12115
Duchatel, Charles-Marie-Tanneguy. De la Charite dans ses rapports avec l’etat
moral et le bien-etre des classes inferieures de la societe. Paris, Mesnier. 1829.
33835
Eden, Frederic Morton. The State of the Poor: or, an History of the Labouring
Classes in England. 3 vols. London, Davis. 1797. 1993—4
E d m о n d s, Thomas Rowe. Practical Moral and Political Economy; or the govern-
ment, religion, and institutions; most conductive to individual happiness and to
national power. London, Wilson. 1828. 44418
L’E g а 1 i t а i r e. Journal de l’Organisation Sociale. Premiere Annee. Juin 1840,
NoIL 18613
Eindundzwanzig Bogen aus der Schweiz. Herausgegeben von Georg Herwegh.
Zürich und Winterthur, Verlag des Literarischen Comptoirs. 1843. (cf. auch
Anonyme, Heß) 31419,22 44216—17 44928 46825 47413
Encyclopedie, ou Dictionnaire Raisonne des Sciences, des arts et des metiers,
par une societe de gens de lettres. Mis en ordre et publie par M. Diderot, de
l’Academie Royale des Sciences et des Belles-Lettres de Prusse; et quant ä la
Partie Mathematique, par M. D’Alembert, de l’Academie Royale des Sciences de
Paris, de celle de Prusse, et de la Societe Royale de Londres. 14 vol. Paris,
Briasson, 1751. (cf. auch Rousseau) 51016
Enfantin, Barthelemy-Prosper. Economie politique et politique. Article extrait
du Globe. Paris, Guiraudet. 1831. In: Religion Saint-Simonienne. 493-12 4945—6
Engels, Friedrich. Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie. In: Deutsch-
Französische Jahrbücher. 1844 p. 86—114. S. MEGA 1/2, p. 379—404. 18916
Engels. Friedrich und Karl Marx. Die heilige Familie oder Kritik der kritischen
Kritik. Gegen Br. Bauer und Consorten. Frankfurt, Literarische Anstalt (J. Rüt-
ten). 1845. S. MEGA 1/3, p. 173—388. 2320 7239 76 31-32 7 7 32 7 9 32 8 0 42-43
83 4 8515,23 871,10,29 8815,18—21,27—28 8914,21 9011,25 91 35,39,41—42 92 21
93 6,42 130 43 191 20—21 247 27 464 32 515 9 541 8—9 542 29—32,34,36—39,41
543 21—22, so, 36 54412
Ewald, Joh. Ludwig. Der gute Jüngling. Gatte und Vater oder Mittel um es zu
werden. 2 Bde. Frankfurt, Fr. Wilmanns. 1804. 10120—21
Felicite, De la. Cf. Chastellux, Fr. Jean de.
Feuerbach, Ludwig. Geschichte der neueren Philosophie. Darstellung, Entwick¬
lung und Kritik der Leibnitz’schen Philosophie. Ansbach, Brügel. 1837. 75 30
650
Quellennachweis und Titel Verzeichnis
Feuerbach, Ludwig. Pierre Bayle. Ein Beitrag zur Geschichte der Philosophie
und Menschheit. Ansbach, Brügel. 1838. 7530
— Grundsätze der Philosophie der Zukunft. Zürich und Winterthur, Verlag des Lite¬
rarischen Comptoirs. 1843. 3142 7910 17412 427 s 538 із, 16,32 53910, 12,18,25
54015, 23
— Vorläufige Thesen zur Reformation der Philosophie. In: Anekdota zur neuesten
deutschen Philosophie und Publicistik. Bd. II, p. 62—86. 1416 17411
— Das Wesen des Christenthums. 2. verm. Aufl. Leipzig, Otto Wigand. 1843. 75 30
76 1 82 27 21719 533 24—25
— (anonym) Über das „Wesen des Christenthums“ in Beziehung auf den „Einzigen
und sein Eigenthum“. In: Wigand’s Vierteljahrsschrift. 1845. Zweiter Band,
p. 193—205. 3116—17 8227 8334—35 422 21
— Das Wesen des Glaubens im Sinne Luthers. Ein Beitrag zum „Wesen des Christen¬
thums“. Leipzig, Otto Wigand. 1844. 54021
— (anonym) Zur Kritik der „positiven Philosophie“. In: Hallische Jahrbücher.
1838, N0 289—293. 761-2
Fi e v ee. Joseph. Correspondance politique et administrative, commencee au mois
de mai 1814 et dediee ä M. le Comte de Blacas l’Aulpes. Part. 1—15. Paris, Le
Normant. 1815—1819. 32524—25
Fourier, Charles. La Fausse Industrie. Paris, Pere Bossange. 1835. 18618—19
— Theorie de I’unite universelle. 4 vol. PubHee par la Societe pour la propagation
et la realisation de la theorie de Fourier. Paris. 1843. 39443,44 395 3
— Theorie des quatre mouvements et des destinees generales. Paris, AuxBureaux de
la Phalange. 1841. 49530—33
— Traite de l’association domestique-agricole. 2 vol. Paris, Pere Bossange. 1822.
49 5 33—34
Gazette, la, de France. Paris. Begr. 1613. 32 5 26—27,35—36
Gellert, Christian Fürchtegott. Fabeln. 1746 und 1748. 3617
G1 о b e, le. Journal de la doctrine saint-simonienne, par Michel Chevalier, Carnot,
Barrault, Duveyrier. 18 janvier 1831—20 avril 1832. 4925,9,12,13 4947
G о d w i n, William. Enquiry concerning political justice, and its influence on morals
and happiness. 2 vols. London, Robinson. 1796. 3817 39112
Goethe, Johann Wolfgang von. Faust Г. 3316 309 4,21—22 393 37 39411 4139—10
Grün. Karl. Feuerbach und die Socialisten. In: Deutsches Bürgerbuch für 1845,
p. 49—75. 473 20—21 51414
— Rezension: Geschichte der Gesellschaft. Von Theodor Mundt. (Berlin, M. Si-
mion. 1844). In: Neue Anekdota, p. 122—123. 47110,28—29 478 27
S. 4719-15
Und jetzt tritt sie mit derselben Anmaßung vor den großen Leserkreis
des Publikums, des Publikums, das heißhungrig nach Allem greift,
p. 123 was nur das Wort sozial an der Stirne trägt, weil ein richtiger
Instinkt ihm sagt, welche Geheimnisse der Zukunft in diesem Wörtchen
verborgen liegen:
— Politik und Sozialismus. In: Rheinische Jahrbücher. 1845. Bd. I, p. 98—144.
436 44 49943 51414—15
— Die soziale Bewegung in Frankreich und Belgien. Briefe und Studien. Darmstadt,
Leske. 1845. 4713—5 47726,33 47815.22 4795,23 48012,36 4811,10,32 48316,28
485 з 4871,27,36 488 зо—зі 490 21 49114—15,37 495 26 502 34 506 37—38 51014
51427,30 516з—4
S. 500 35—40
Mit einem Worte, Thätigkeit und Genuß sind Eins,
eine verkehrte Welt hat sie nur auseinander gerissen, hat den Begriff
p. 192 des W e r t h e s , des Preises zwischen beide hineingeschoben.
durch diesen Begriff den Menschen mitten auseinander gerissen ur.d
mit dem Menschen die Gesellschaft.
S. 50930—35
284 Rousseau zieht sie nicht; er knüpft an den letzten Satz folgenden
Schluß: „Woraus folgt, daß der soziale Zustand den Menschen nur
Quellennachweis und Titelverzeichnis
651
dann vorteilhaft ist, wenn sie Alle Etwas und wenn Keiner von ihnen
zu viel hat.“ Folgt das, und nur das?
S. 51417
p. 382 irrtümlich p. 282
S. 51418—21
p. 382 irrtümlich p. 283
S. 50312—43
Die wahre Solidarität der Menschen unter einander macht sogar den
Satz zur Wahrheit, daß die Konsumzion eines Jeden die Konsumzion
p. 432 Aller zur Voraussetzung hat, daß der Einzelne erst dann wahrhaft kon-
sumiren, genießen kann, wenn Alle konsumiren; denn das bisher gänz¬
lich unverstandene Wesen der Konsumzion ist, daß sie eben an ihr
selbst Produkzion ist.
G u i z о t, Frangois-Pierre-Guillaume. Histoire de la civilisation en France, depuis
la chute de l’Empire romain jusqu’en 1789. Bruxelles, Haumann. 1839. 1994—5
— Rede in der Pairskammer vom 25. April 1844. 31428—29
Hallische Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und Kunst. Erster Jahr¬
gang. 1838. Leipzig, Otto Wigand. 1838. (cf. auch L. Feuerbach, K. Rosen¬
kranz) 30 23
H e g e 1, G. W. F. Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse.
Heidelberg, Oswald (C. F. Winter). 1830. 1737 10839 12611—12 22214
— Grundlinien der Philosophie des Rechts. Berlin, Nicolai. 1821. 188 6,16 297 30—31
302 зз 30716—17 4659,12
S. 30717
p. 210—211 § 212 Zusatz irrtümlich § 211
— Phänomenologie des Geistes. Berlin, Duncker und Humblot. 1841. 7730,41
9040 11439 11714 13429 13511 174зв 244гз 38739 5316
S. 17435
Jetzt besteht darum die Arbeit nicht so sehr darin, das Individuum aus
der unmittelbaren sinnlichen Weise zu reinigen und es zur gedachten
p. 26 und denkenden Substanz zu machen, als vielmehr in dem Entgegen¬
gesetzten, durch das Aufheben der festen bestimmten Gedanken das
Allgemeine zu verwirklichen und zu begeisten.
S. 11432—39
Das Instrument dieses gleichtönigen Formalismus ist nicht schwerer
zu handhaben, als die Palette eines Malers, auf der sich nur zwei Farben
p. 39 befänden, etwa Roth und Grün, um mit jener eine Fläche anzufärben,
wenn ein historisches Stück, mit dieser, wenn eine Landschaft verlangt
wäre.
— Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. 3. Bd. Berlin, Duncker und
Humblot. 1836. 1349—10
Wir zitieren nach der 1. Ausgabe; die Seitenzahlen der von Marx-Engels benutzten
2. von 1843 geben wir in Klammern an.
S. 1502-4
In der philosophischen Geschichte ist der Inhalt dieser, daß der Begriff
des Geistes zum Grunde gelegt wird, und nun die Geschichte der
p. 103 (91) Proceß des Geistes selbst ist, aus seinem ersten ungründlichen, einge¬
hüllten Bewußtseyn sich zu enthüllen und zu diesem Standpunkt seines
freien Selbstbewußtseyns zu gelangen, — daß das absolute Gebot des
Geistes, „Erkenne Dich selbst,“ erfüllt werde.
S. 15610
p. 140—141 (131)
S. 155 34—40 15611—20 164зо
Wir haben bei Plato in seiner Republik die Idee gesehen, daß die
Philosophen regieren sollen. Jetzt ist es die Zeit, in der ausgesprochen
p. 141 (132) Sinn erhalten, daß das Geistliche, die Geistlichen herrschen
652
Quellennachweis und Titelverzeichnis
Hegel, Bd.3. wird, daß das Geistige herrschen solle; und dieß Geistige hat den
sollen. Das Geistige ist so zur besonderen Gestalt, zum Individuum
gemacht; aber der rechte Sinn ist, daß das Geistige das Bestimmende
seyn soll, was bis auf unsere Zeiten gegangen ist.
S. 1565—7
Diese Herrschaft ist also schon, wie sie Herrschaft des Geistigen seyn
D. 143 (134) so^’ e’ne Herrschaft der Leidenschaft; so hat die Kirche meistentheils
Unrecht nach dem Princip der Weltlichkeit, der Leidenschaft, aber sie
hat Recht nach der geistigen Seite.
S. 1529—10
p. 146(148)
S. 15235—37
Luther hat diese Weise verändert; er hat den mystischen Punkt
beibehalten in dem, was das Abendmahl genannt wird, daß das Subjekt
in sich empfängt das Göttliche, — aber daß es nur insofern göttlich ist,
als es genossen wird im Glauben, insofern es im Glauben und im Genuß
aufhört, ein äußerliches Ding zu seyn. Dieser Glauben und Genuß ist
p. 146 (138) erst die subjektive Geistigkeit; und sofern es in dieser ist, ist es geistig,
nicht indeß es ein äußerliches Ding bleibt. In der Kirche des Mittel¬
alters, in der katholischen Kirche überhaupt ist die Hostie auch ver¬
ehrt als äußerliches Ding: so daß, wenn eine Maus eine Hostie frißt, sie
und ihre Excremente zu verehren sind; da hat denn das Göttliche voll¬
kommen die Gestalt der Äußerlichkeit.
S. 15124 15215
p. 148(140)
S. 12722
p. 154(128)
S. 1564
p. 199(136)
S. 15543
p. 201—202 (136)
S. 15625, 37
p. 208 (185)
S. 15232—35
Dieß ist nun das, was der lutherische Glauben ist, daß der Mensch
in Verhältniß zu Gott stehe, und darin er selbst als Dieser nur er¬
scheinen, nur Daseyn haben müsse: d.h. seine Frömmigkeit und die
p. 256 (230) Hoffnung seiner Seligkeit und Alles dergleichen erfordere, daß sein
Herz, sein Innerstes dabei sey. Seine Empßndung, sein Glauben,
schlechthin das Seinige ist gefordert, — seine Subjektivität, die innerste
Gewißheit seiner selbst; nur diese kann wahrhaft in Betracht kommen
in Beziehung auf Gott.
S. 12735
p. 256—257 u. 259—260 ( 228—229)
S. 152 29—32 153 5—8
Es ist dieß also das erste Verhalten des Geistes zu diesem Inhalte,
p. 261 (234) so daß der Inhalt zwar wesentlich ist, daß aber ebenso wesentlich ist,
daß der heilige und heiligende Geist sich zu demselben verhalte.
S. 12724
p. 267 ( 227)
S. 15342
p. 280 (254)
S. 15343
p. 281 (255)
Hegel, G. W. F. Vorlesungen über die Naturphilosophie als der Encyclopädie der
philosophischen Wissenschaften im Grundrisse zweiter Theil. Berlin, Duncker und
Humblot. 1842. 109?
Quellennachweis und Titelverzeichnis
653
Hegel, G. W. F. Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte. Berlin, Dunk-
ker und Humblot. 1837. 3810 12239 14523—24 14613, 14 14740 15119, 24 15642
15920—21
— Vorlesungen über die Philosophie der Religion. Bd. II. Berlin, Duncker und
Humblot. 1832. 152 39 1 55 45 156 5,27, 29,31
S. 15237—39
Das Allgemeine der Kirche ist, daß die Wahrheit hier vorausgesetzt
ist, nicht, wie im Entstehen, der heilige Geist erst ausgegossen, erst
p’ 331 erzeugt wird, sondern daß die Wahrheit als vorhandene Wahr¬
heit ist.
— Wissenschaft der Logik. Nürnberg, Joh. Leonhard Schräg. 1812. 13041—42 2145
22213 24527,43 2469—10 256 зз 262 1 265 44 31519,20,21
Heine, Heinrich. Deutschland. Ein Wintermärchen. 1844. Caput VIL 45341
—4544
— Harzreise. 1824. Bergidylle 3. 31220—21
— Lyrisches Intermezzo 1822—1823, No. 50.
S. 44339—41
Der Domherr öffnet den Mund weit:
Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Das Fräulein lispelt: Wie so?
— Sonette. An A. W. von Schlegel. 38520
— Sonette und vermischte Gedichte. Sonettenkranz an A. W. von Schlegel. 38520
— Zeitgedichte XXI. Verkehrte Welt. 45028—30
— 49517—181
Heß, Moses. Europäische Triarchie. Leipzig. 1841. 31426
— Die letzten Philosophen. Darmstadt, C. W. Leske. 1845. 9236 9342—43 94з
2164—5 240зі
— Philosophie der Tat. In: Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz, p. 309—331.
44928 45018 47712
— Socialismus und Communismus. In: Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz,
p. 74—91. 47413—14,15,17 47722 4783—4 51426
S. 4782-3
Oder populär ausgedrückt: Von Fichte datirt in Deutschland der
Atheismus — von Baboeuf in Frankreich der Communismus, oder,
p. 77 wie jetzt Proudhon sich präziser ausdrückt, die Anarchie, d. h.
die Negation jeder politischen Herrschaft, die Negation des Begriffes
Staat oder Politik.
— Über die Noth in unserer Gesellschaft und deren Abhülfe. In: Deutsches Bürger¬
buch für 1845, p. 22—48. 44213—14, 37 44319 47413 47742 4782
S. 47744-45 4781-2
Selbst diejenigen, die praktisch am Weitesten gehen, die nicht nur das
Privateigenthum negirt haben, die auch die Arbeit nicht mehr als
Lohnarbeit aufgefaßt wissen wollen, selbst die radicalen Communisten,
p. 43 sagen wir, sind noch nicht über den Gegensatz von Arbeit und Genuß
hinaus, haben sich noch nicht zu dem Gedanken der Einheit von Pro¬
duktion und Consumtion, noch nicht zum Gedanken der freien
Thätigkeit erhoben.
S. 47742
p. 46 irrtümlich p. 40
— Über die sozialistische Bewegung in Deutschland. In: Neue Anekdota, p. 188—220.
47413—14 47722—23,25,32,43 49838
1 Nicht festgestellt
654
Quellennachweis und Titelverzeichnis
S. 47731
Diese Geschichte hat zwar selbst nur einen theoretischen Verlauf; aber
Heß, „Sozial, sie verhält sich nicht zur praktischen Geschichte der Franzosen, wie
Bewegung“ die deutsche Philosophie sich zur praktischen deutschen Geschichte
p. 192 verhält — sie ist nicht die „ideale Verlängerung“, sondern der so¬
ziale Hintergrund der praktischen Kämpfe der Franzosen —
und wenn die deutsche Philosophie den philosophischen Gedanken zum
geschichtlichen Prozeß der Neuzeit, so enthält sie auch den philosophi¬
schen Gedanken zum sozialen Hintergründe derselben.
.Hinkende Bote“, Der. 2. Aufl. Straubingen. 1804. 36231
Hinrichs, Hermann Fr. W. Politische Vorlesungen. Unser Zeitalter und wie es
geworden, nach seinen politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Zuständen,
mit besonderm Bezüge auf Deutschland und namentlich Preußen. 2 Bde. Halle,
Schwetschke u. Sohn. 1843. 31425
Historisch-politische Zeitschrift. Herausgegeben von Leopold Ranke.
2 Bde. Hamburg, Perthes. 1832—1836. 28025
Hoffmann von Fallersleben. Werke. Gedicht: Nur in Deutschland! 1824.
, 16633
d’Holbach, Paul-Henri-Dietrich. (Pseudonym: Mirabaud) Systeme de la nature
ou des loix du monde physique et du monde moral, par M. Miraubaud. 2 vol.
Londres, 1770 — 2 vol. Londres, 1771 — 2 vol. Londres, 1781 — Nouvelle edition
avec des notes et des corrections par Diderot. 2 vol. Paris, E. Ledoux. 1821.
44432
H о г а t i u s. Opera. Od. I, 22. 12041—42
Jean Paul. Sämtliche Werke. Bd. 5—8: „Hesperus oder fünfundvierzig Hunds¬
posttage“. Berlin. 1861. 11923
K а n t, Immanuel. Kritik der praktischen Vernunft Riga. 1788. 17513—14 17712
[Ker verseau, Fr. Marie, prisonnier de guerre ä Londres, et G. Clavelin, librairel.
(Anonym) Histoire de la Revolution de 1789 et de l’etablissement d’une Consti¬
tution en France, precedee de Fexpose rapide des administrations succesives qui
ont determine cette revolution memorable, par deux amis de la liberte. 20 vol.
Paris, Clavelin-Bidault. 1790—1803. (cf. auch Beaulieu) 160 23
Klopstock, Friedrich Gottlieb. Der Messias. 4 Bde. Wien, Edlen von Trattnern.
1775—1783. 2643-4 29118-19
Kommunisten, Die, in der Schweiz nach den bei Weitling vorgefundenen Pa¬
pieren. Wörtlicher Abdruck des Kommissionalberichtes an die H. Regierung des
Standes Zürich. Zürich, Orell Füssli und Comp. 1843. 18926,41,42 190 з 196 6
30129—30 31420
Konrad von Würzburg. Goldene Schmiede von Wilhelm Grimm. Berlin. 1840.
4271-2
Kuhlmann, Georg. Die Neue Welt oder das Reich des Geistes auf Erden. Ver¬
kündigung. Genf, MarcVaney. 1845. 35624—25 37143 5195—8 5235—6,10—11,20
S. 523 31
In diesem Lichte breitet sich aus ein wonniges Gefilde ohne Grenze.
Alles was das Auge sieht, Alles erfüllet es mit Wonne und Entzücken,
p. 12—13 so im Reiche der Natur wie im Reiche der Kultur. Alles blickt uns an
in seiner Schönheit, vom Eisfeld bis zur Blume, die im Grase winkt.
Und was man sieht, Alles athmet Leben und freuet sich des Lebens.
Landkalender für das Großherzogtum Hessen auf das Jahr der gnadenreichen
Geburt Jesu Christi 1841. Darmstadt, Leske. 1840. 362 32
Leibniz, Gottfried Wilhelm. Principia Philosophiae, Seu Theses in gratiam
Principis Eugenii. In: Opera Omnia nunc primum collecta, in classes distributa
praefationibus & indicibus exomata, Studio Ludovici Dutens. t. 2. p. 20—31.
Geneva. De Tournes. 1768. 42038
Lerminier, Jean Louis Eugene. Philosophie du droit. Paris, Paulin. 1831.
474 43—44
Lessing, Gotthold Ephraim. Emilia Galotti. 1772. 31429
Quellennachweis und Titelverzeichnis
655
Levasseur (de la Sarthe), Rene. Memoires. 4 vol. Paris, Rapilly. 1829, 1831.
16021—22
L i n g u e t, Simon-Nicolas-Henri. Theorie des lois civiles, ou principes fondamentaux
de la societe. 2 vol. Londres (Paris). 1767. 18013—14
[Lourdoueix, H.l (Anonym) Appel ä la France contre la division des opinions.
Paris. 1831. 32525—26
Louvet de Couvray, Jean-Baptiste. Memoires. Paris, Baudouin. 1823. 16025
Lucian us. Opera ex recens. Guil. Dindorfi. 2 vol. Parisis, DidoL 1840. 16925
Lucretius, Carus Titus. De rerum natura. Ed. Diels. 11928
Marx, Karl. Zur Judenfrage. In: Deutsch-Französische Jahrbücher. 1844, p. 182—214
Cf. MEGA I 7/7 p. 576—606. 2319 17937 1895-6,9 215зб 228г-з 49944
— Zur Kritik der Hegel’schen Rechts-Philosophie. Einleitung. In: Deutsch-Franzö¬
sische Jahrbücher. 1844, p. 71—85. Cf. MEGA I Ifl p.6O7—627. 18913 21535—36
Matthäi, Rudolf. Socialistische Bausteine. In: Rheinische Jahrbücher. 1845.
Bd. I, p. 155—166. 45425,35 4554,21 45611,37 45739 45810,25,30,35,42 45911,24
46020 46117 46214 4651,6,35 4662,32 4678 4687,15
S. 462 e—9
Jedes einzelne Leben entspringt aus dem allgemeinen
W e 111 e b e n, ist Zeichen, Abbild des allgemeinen Lebens. Es ent¬
wickelt sich als besonderes Leben im Gegensätze zum
p. 160 allgemeinen Leben, und als Abbild und Theil des
allgemeinen Lebens zugleich durch und in Ge¬
meinschaft mit diesem, das der Boden und Nahrung seiner
Entfaltung wird.
M i c h e 1 e t, Carl Ludwig. Geschichte der letzten Systeme der Philosophie in
Deutschland von Kant bis Hegel. 2 Bde. Berlin, Duncker und Humblot. 1837—
1838.1 16425
M о n t e i 1, Amans-Alexis. Histoire des Fran^ais des divers etats aux cinq demiers
siecles. 10 vol. 1828. 199 s 32131
Montgaillard, Guillaume Honore. Revue chronologique de l’histoire de France.
1787—1818. Paris, Didot. 1820. 16023-24
M о n t j о i e, Christophe Felix Louis. Histoire de la conjuration de Maximilien
Robespierre. Paris, Marat. 1795. 160 39
Morelly. Code de la Nature. Avec l’Analyse raisonnee du Systeme social de
Morelly par Villegardelle. Paris, Paul Masgana. 1841. 51316, 22, 31,36,40
— Code de la Nature. Auszüge. In: Vorwärts! Pariser Deutsche Zeitschrift. 1844,
Nr. 72 p. 3 u. 4; Nr. 73 p. 2, 3 u. 4. 51319
Morus, Thomas. De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia. 1516.
44416
M. R. Cf. Regnier d'Estourbet.
Nauwerck, Karl. Über die Theilnahme am Staate. Leipzig, Wigand. 1844. 31429
Neue Anekdota. Herausgegeben von Karl Grün. Darmstadt, Leske. 1845. (cf.
auch Grün, Heß) 46826 47413—14
Norddeutsche Blätter für Kritik, Literatur und Unterhaltung. 1844 u. 1845.
Mit Beiträgen von Bruno und Edgar Bauer, A. Fränkel, L. Koppen, Szeliga u. A.
Berlin, Adolf Rieß. 1846. HercaLsgegeben unter d. Titel: „Beiträge zum Feldzuge
der Kritik“, (cf. auch B. Bauer, Szeliga) 7522,24
Nougaret, Pierre Jean Baptiste. Histoire des prisons de Paris et des departements;
contenant des memoirs rares et precieux. Le tout pour servir ä l’histoire de la
revolution frangaise... Redige et publie par Paris, chez l’editeur. 1797. 16022
О e 1 c k e r s, Theodor. Die Bewegung des Socialismus und Communismus. Leipzig,
Fest’sche Verlagsbuchhandlung. 1844. 436 3
L’Organisateur. Journal de la doctrine de Saint-Simon. 47915,17 49126
P e r e i r e, J. Lenons sur l’industrie et les finances. Paris, Au bureau de Globe. 1832.
21110—11
1 Vermutlich
656
Quellennachweis und Titelverzeichnis
Pfister, J. C. Geschichte der Teutschen. Nach den Quellen. In: Geschichte der
europäischen Staaten. Herausgeg. von А. H. L. Heeren und F. A. UkerL 5 Bde.
Hamburg, Perthes. 1829—1835. 21922
Pinto, Isaac. Lettre sur la Jalousie du Commerce, ou l’on prouve que ITnteret des
Puissances Commer^antes ne se croise point, mais qu’elles ont un interet commun
ä leur bonheur reciproque et ä la Conservation de la paix. Amsterdam, Marc
Michel Rey. 1771. pp.234, 283. 4826 34011
P г о d u c t e u r, Le. Journal philosophique de l’industrie, des Sciences et des beaux-
arts. 1825—1826. 49125-26
Proudhon, P.-J. De la creation de l’ordre dans l’humanite ou principes d’organi-
sation politique. Paris, librairie de PrevoL 1843. 31418—19 51518—19
— Qu’est-ce que la propriete? ou recherches sur le principe du droit et du gou-
vememenL Paris, Brocard. 1840. 31418—19 4022
R а b e 1 а i s, Frangois. Oeuvres. Paris, chez Ledentu. 1837. 17322
[Regnier d’Estourbet, Hippolite.l {Pseudonym: M. R.) Histoire du clerge de France
pendant la revolution. Paris, librairie catholique. 1828. 160 33—35
Reichard t, Carl. Kritik von A. F. Wönigers „Schriften über den Pauperismus.
Die Gründe des wachsenden Pauperismus.“ In: Allgemeine Literatur-Zeitung. 1844.
Bd. I. Heft 1, p. 17—29. 19832 21123
Revue des deux Mondes. 49422
Reybaud, Louis. Etudes sur les Reformateurs ou Socialistes Modernes. 3 vol.
Bruxelles, Societe Beige de Librairie. 1844. t. 1er 4795,17,31 48029,44 48213
48328 4847—8 48539 49024 4913,27 49232,35,38 49310,41 49417—18
Da nicht festzustellen, welche Ausgabe von Marx-Engels benutzt, zitieren wir nach
obiger und geben in Klammern, hinter den Angaben von Marx-Engels, die Seiten¬
zahlen der obigen Ausgabe.
p. 87 (86)
p. 78 (86—87)
p. 78(87)
S. 48329—31
Tel etait le theme. Le developpant dans une serie de lettres, Saint*
Simon partageait l’humanite en trois grandes categories, cherchant ä
prouver ä toutes, et avec des arguments appropries ä chacune, l’excel-
lence de sa methode de remuneration; puis il etablissait la formule
p. 83(92) suivante: le pouvoir spirituel entre les mains des savants; le pouvoir
temporel entre les mains des proprietaires; le pouvoir de nommer les
individus appeles ä remplir les fonctions de grands chefs de l’humanite
entre les mains de tout le monde: pour salaire aux gouvemants, la
consid6ration. —
p. 96 (105)
p. 122 (132)
p. 123(132)
p. 126(136)
p. 129(138)
Rheinische Jahrbücher zur gesellschaftlichen Reform. Herausgegeben unter
Mitwirkung Mehrerer von Hermann Püttmann. Bd. I. Darmstadt, C. W. Leske.
1845. (cf. auch K. Grün, R. Matthai, H. Semmig) 441 з 467 9
S. 46745
Vor Allem war es nöthig jede Einseitigkeit zu meiden, und nicht
allein eine Beleuchtung der gesellschaftlichen Zustände der Gegenwart
zu geben, sondern auch die Lehre des Communismus wissenschaftlich
p. III darzustellen, um sowohl ihre mehr als genügende Berech*
t i g u n g den gelehrten Egoisten und Staatsmännern gegenüber dar*
zuthun, als auch gleichzeitig zu zeigen, inwiefern die deutsche Ge¬
sellschaftswissenschaft sich von der französischen und eng¬
lischen in ihrer bisherigen Ausbildung unterscheidet.
Quellennachweis und Titelverzeichnis
657
Rheinische Zeitung. Köln. 1. Januar 1842—31. März 1843. 90ö—7
Ricardo, David. On the principles of political economy and taxation. 1817. 38226
Roland, Marie Jeanne. Appel ä l’impartiale posterite par la citoyenne Roland ...
ou Recueil des ecrits qu’elle а rediges pendant sa detention aux prisons de ГАЬ-
baye et de Saint-Pelagie. Part. 1—4. Paris, Louvet, librairie. 1795. 16024
Rosenkranz, Karl. Ludwig Tieck und die romantische Schule. In: Hallische
Jahrbücher. 1838 Nr. 155—158, 160—163. 493 33-34
Rousseau, Jean-Jacques. Du contrat social ou principes du droit politique.
Londres. 1782. (Amsterdam, Rey. 1762) 6435 3819—10
— Economie ou Oeconomie (Morale & Politique) In: Encyclopedie etc., vol. 5,
p. 337—349. 51015-16
Rutenberg, Adolf. (Hrsg.) Bibliothek politischer Reden aus dem 18. und 19.
Jahrhundert. 6 Bde. Berlin. 1843—1844. 31417
Saint-Simon, Henri. Catechisme politique des industriels. 1824. Vues sur la
propriete et la legislation, 1818. Paris, Ad. Naquet. 1832. 48535—36, 40 486 3, 22, 24
486 34,37—38 48711—12,16,26 488з, 6
— Doctrine. Exposition. Premiere Annee 1828—1829. Troisieme edition. Paris, Au
Bureau de l’Organisateur. 1831. 49033—34
— L’industrie, ou discussions politiques, morales et philosophiques. Paris, 1817—
1818. 48632
— Nouveau christianisme, dialogue entre un conservateur et un novateur. Paris,
Bossange pere. 1825. 4894,20
— Lettres d’un habitant de Geneve ä ses contemporains. In: Oeuvres. Paris, Capelle.
1841. 48318—19, 31,37 48 4 26,37—38,41 48515—16, 26—27, 35,39,44
S. 483 29—31
Je crois que toutes les classes de la societe se trouveraient bien de
cette Organisation: le pouvoir spirituel entre les mains des savans; le
p. 47—481 pouvoir temporel entre les mains des proprietaires; le pouvoir de
nommer ceux appeles ä remplir les fonctions de grands chefs de
Phumanite, entre les mains de tout le monde; pour salaire aux gou-
vemans, la consideration.
— Oeuvres. Publiees en 1832 par Olinde Rodrigues. Paris, Capelle. 1841. 47914,17
48122
— Vie de Saint-Simon. Ecrite par lui-meme. In: Oeuvres. Paris, Capelle. 1841.
47914 480 so 4819,22
Schiller, Friedrich von. Epigramme. 50823—24 5099 51013
Schlosser, Fr. Eph. Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts u. neunzehnten
bis zum Sturz des französischen Kaiserreichs. 3 Bde. Heidelberg, Mohr. 1836,
1837, 1842. 31424
S e m m i g, Hermann. Communismus, Socialismus und Humanismus. In: Rheinische
Jahrbücher. 1845. Bd. I, p. 167—174. 441 e, n 44221,29,39,45 4447,27 44529
44610,18 4473 44914,31 45027 4514,40 4526
S. 452 30—31,41 45319
Oder wird sie nicht das wahre geistige Eigenthum jedes Gebildeten, der
p. 169 sie anschaut, wenn er auch nicht das Recht hat, nach Belieben darüber
als über sein „Eigenthum“ schalten zu können?
S. 452 30—31, 41 45319
Was man sonst „Eigenthum“ nannte, die Producte der Arbeit des
Menschen, das ist nur ein Abfall von ihm und dient ihm nur (als
P’ Nahrung, Stoff, Bildungshebel u. s. w.) als Substrat seiner weitem
Entwickelung.
S. 4431-6
Der Mensch wird in ihm sich seines Wesens nicht bewußt und bleibt
p. 170 noch immer ein Sklave, seine Abhängigkeit wird durch den Communis¬
mus auf die Spitze getrieben, auf das letzte brutalste Verhältniß ge-
1 Irrtümlich p. 47
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 42
658
Quellennachweis und Titelverzeichnis
Semmig, bracht, auf die Abhängigkeit von der rohen Materie (Trennung des
„Communis- Genusses von der Arbeit); der Mensch gelangt zu keiner freien sitt-
mus“ liehen Thätigkeit, denn indem die Arbeit ihren Lohn erhält, wäh¬
rend die Thätigkeit ihr eigner Preis ist, verkauft sich der Arbeiter
selbst.
S. 43527
Dieser Unterschied zwischen Communismus und Socialismus be¬
steht factisch; ersterer ist französisch, dieser deutsch; ein Glück ist es
p. 171 für die Franzosen, daß sie einen so richtigen gesellschaftlichen I n -
s t i n c t haben, der ihnen einst die wissenschaftlichen Studien wird
ersetzen helfen.
Senior, Nassau William. Three lectures on the rate of wages delivered before
the University of Oxford, in easter term 1830. London, Murray. 1830. 33919
Shakespeare. Was ihr wollt. 3. Aufzug, Schluß der 2. Szene. Übersetzung
Schlegel-Tieck. 84 n
S. 849—h
Das Fräulein wird ihm Ohrfeigen geben, und wenn sie’s tut, wird er
lächeln und es für eine große Gunst halten.
— Timon von Athen. 4. Akt, 3. Szene. 2104
Sismondi, Simonde de. Nouveaux principes d’economie politique ou de la richesse
dans ses Rapports avec la population. 2 vol. Paris, Delaunay. 1827. 5620 18214
49438
Smith, Adam. Recherches sur la nature et les causes de la richesse des nations.
Traduction nouvelle avec les notes et observations par Germain Garnier. 5 vol.
Paris. 1802. 4844
Spinoza, Benedicti de, Opera quae supersunt omnia. Iterum edenda curavit,
praefationes, vitam auctoris, nec non notitias, quae ad historiam scriptorum per¬
tinent addidit Henr. Eberh. Gottlob Paulus. 2 Bde. Jenae in bibliopolio academio.
1802. 1612 30018
Stein, Lorenz von. Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreichs.
Ein Beitrag zur Zeitgeschichte. Leipzig, Otto Wigand. 1842. 18943 4362 47823
4794,17,24 480 5,17,40 481 20,42 48213,19,25 48315,28 48420, 32, 43 4851,25,
48531,39 48616,29,31 48711,16 48813 489 6 4904 49128 492 6,29 4931,2,10,22,41
49417,23 4951,22,35 496 s 523 35
S. 48328
Das ist der eigentliche Grundgedanke dieser ersten Schrift, der er die
Formel für die Organisation der Gesellschaft hinzufügt: „die geistige
Gewalt in den Händen der Weisen; die zeitliche Gewalt in den Händen
p. 151 der Besitzer; die Gewalt, diejenigen zu ernennen, die die Obliegen¬
heiten der großen Leiter der Menschheit zu erfüllen berufen sind, in
den Händen Aller; als Belohnung den Regierenden die Achtung;“
aber dieses Resultat wäre doch zu ärmlich, um eines irgendwie be¬
deutenden Mannes würdig zu erscheinen.
S. 48225—26
Das Hauptwerk seines Lebens, die Grundlage seiner Schule war noch
p. 1641 nicht begonnen, und niemand scheidet, ehe er seine Aufgabe voll¬
bracht hat.
Stimme des Volks, Die. Pariser deutsche kommunistische Zeitschrift1 2. 1839,
Heft 3. 18621-22 19521
Stirner, Max. Der Einzige und sein Eigenthum. Leipzig, Otto Wigand. 1845.
Inhalt.
Seite
Ich hab’ mein’ Sach’ auf Nichts gestellt . 5
p. 3 Erste Abtheilung. Der Mensch.
I. Ein Menschenleben 13
1 Irrtümlich p. 169
2 Nicht festzustellen
Quellennachweis und Titelverzeichnis
659
Stirner, „Der IL Menschen der alten und neuen Zeit 21
Einzige“ etc. 1. Die Alten —
2. Die Neuen 33
§. 1. Der Geist 37
§. 2. Die Besessenen 45
§. 3. Die Hierarchie 87
3. Die Freien 129
§. 1. Der politische Liberalismus —
§. 2. Der sociale Liberalismus 153
§. 3. Der humane Liberalismus 163
Zweite Abtheilung. Ich.
I. Die Eigenheit 204
II. Der Eigner 226
1. Meine Macht 244
2. Mein Verkehr 276
3. Mein Selbstgenuß 426
Ш. Der Einzige 485
S. 14037
Ihr wißt von Gott viel Gründliches zu verkünden und habt Jahr-
- tausende lang „die Tiefen der Gottheit erforscht“ und ihr ins Herz
p’ geschaut, so daß Ihr Uns wohl sagen könnt, wie Gott die „Sache
Gottes“, der Wir zu dienen berufen sind, selber betreibt.
S. 23227—28
Der Mensch ist dem Menschen das höchste Wesen, sagt Feuerbach,
jp Der Mensch ist nun erst gefunden, sagt Bruno Bauer.
P* Sehen Wir Uns denn dieses höchste Wesen und diesen neuen Fund
genauer an.
S. 100 20
p Im Kindheitsalter nimmt die Befreiung den Verlauf, daß Wir auf
p* den Grund der Dinge oder „hinter die Dinge“ zu kommen suchen:
S. 10132—33
Nicht die Macht der rächenden Eumeniden, nicht den Zorn des Ро-
P. 16 seidon, nicht den Gott, so fern er auch das Verborgene sieht, nicht die
Strafruthe des Vaters fürchten Wir, sondern das — Gewissen.
S. 17922—23
Indeß gedacht haben Wir auch schon als Kinder, nur waren unsere
16 Gedanken keine fleischlosen, abstracten, absoluten, d.h. nichts
als Gedanken, ein Himmel für sich, eine reine Gedankenwelt, logi¬
sche Gedanken.
S. 10127—30
Bei solchen rein logischen, d. h. theologischen Fragen: „Was ist Wahr-
17 heit“ hält sich Pilatus nicht auf, wenngleich er im einzelnen Falle
p’ darum nicht zweifelt, zu ermitteln, „was Wahres an der Sache ist“, d. h.
ob die Sache wahr ist.
S. 101.39 1022 10242 1032,4—5,16—17, 18 1833
Den reinen Gedanken zu Tage zu fördern, oder ihm anzu¬
hängen, das ist Jugendlust, und alle Lichtgestalten der Gedankenwelt,
wie Wahrheit, Freiheit. Menschenthum, der Mensch u. s. w. erleuchten
und begeistern die jugendliche Seele.
Ist aber der Geist als das Wesentliche erkannt, so macht es doch
p. 17 einen Unterschied, ob der Geist arm oder reich ist, und man sucht
deshalb reich an Geist zu werden: es will der Geist sich ausbreiten, sein
Reich zu gründen, ein Reich, das nicht von dieser Welt ist, der eben
überwundenen. So sehnt er sich denn alles in allem zu werden, d. h.
obgleich Ich Geist bin, bin Ich doch nicht vollendeter Geist, und
muß den vollkommenen Geist erst suchen.
1 Irrtümlich p. 13
42*
660
QueDennachweis und Titel Verzeichnis
S. 21838—39
Stirner, „Der Darum zeigt der Mann eine zweite Selbstfindung. Der Jüngling
Einzige“ etc. fand sich als Geist und verlor sich wieder an den allgemeinen
p. 19 Geist, den vollkommenen, heiligen Geist, den Menschen, die Mensch¬
heit, kurz alle Ideale; der Mann findet sich als leibhaftigen
Geist.
S. 10110—14
Alles nicht Geistige befaßt der junge Mensch unter dem verächt¬
lichen Namen der „Äußerlichkeiten“. Wenn er gleichwohl an den klein-
p. 19 liebsten Äußerlichkeiten haftet (z. B. Burschikosen und andern For¬
malitäten), so geschieht es, weil und wenn er in ihnen Geist ent¬
deckt, d. h. wenn sie ihm Symbole sind.
S. 100 20
Das Kind war realistisch, in den Dingen dieser Welt befangen, bis
ihm nach und nach hinter eben diese Dinge zu kommen gelang; der
Jüngling war idealistisch, von Gedanken begeistert, bis er sich zum
p. 20 Manne hinaufarbeitete, dem egoistischen, der mit den Dingen und Ge¬
danken nach Herzenslust gebahrt und sein persönliches Interesse über
alles setzt. Endlich der Greis? Wenn Ich einer werde, so ist noch Zeit
genug, davon zu sprechen.
S. 10544
Einzig um das Geistige bemüht sich der Geist, und in Allem sucht er
die „Spuren des Geistes“ auf: dem gläubigen Geiste „kommt alles
p. 27 von Gott“ und interessirt ihn nur insofern, als es diese Abkunft offen¬
bart; dem philosophischen Geiste erscheint alles mit dem
Stempel der Vernunft und interessirt ihn nur so weit, als er Vernunft,
d. h. geistigen Inhalt, darin zu entdecken vermag.
S. 283 зз
Mit der Welt des Geistes beginnt dann das Christenthum. Der
Mensch, welcher der Welt noch gewappnet gegenüber steht, ist
p. 33 der Alte, der — Heide (wozu auch der Jude als Nichtchrist gehört);
der Mensch, welchen nichts mehr leitet als seine „Herzenslust“, seine
Theilnahme, Mitgefühl, sein — Geist, ist der Neue, der — Christ.
S. 12744 2239
Die Welt liegt verachtet zu Unsern Füßen, tief unter Uns und Unserem
Himmel, in den ihre mächtigen Arme nicht mehr hineingreifen und
p. 36 ihr sinnbetäubender Hauch nicht eindringt; wie verführerisch sie sich
auch gebährde, sie kann nichts als unsern Sinn bethören, den Geist
— und Geist sind Wir doch allein wahrhaft — irrt sie nicht.
S. 25723—24
Nur aus diesem Zwiespalt, in welchem Ich und der Geist liegen, nur
weil Ich und der Geist nicht Namen für ein und dasselbe, sondern ver-
p. 42 schiedene Namen für völlig Verschiedenes sind, nur weil Ich nicht Geist
und Geist nicht Ich ist: nur daraus erklärt sich ganz tautologisch die
Nothwendigkeit, daß der Geist im Jenseits haust, d. h. Gott ist.
S. 21321—22
_ Stellen Wir in Kürze die theologische Ansicht Feuerbach’s und
Unsern Widerspruch einander gegenüber!
S. 36034 40510
Der Drang, den Spuk faßbar zu machen, oder den nonsens zu
p realisiren, hat ein leibhaftiges Gespenst zu Wege gebracht,
ein Gespenst oder einen Geist mit einem wirklichen Leibe, ein beleibtes
Gespenst.
S. 13928—31
55 Fortan graut dem Menschen nicht eigentlich mehr vor Gespenstern
außer ihm, sondern vor ihm selber: er erschrickt vor sich selbst.
Quellennachweis und Titelverzeichnis
661
S. 14021
Stirner, „Der Das Volk ist ein höheres Wesen als ein Einzelner, und gleich dem
Einzige“ etc. Menschen oder Menschengeiste ein in den Einzelnen spukender Geist:
p. 56 der Volksgeist.
S. 14135—36 1421—2
Mensch, es spukt in Deinem Kopfe; Du hast einen Sparren zu viel!
Du bildest Dir große Dinge ein und malst Dir eine ganze Götterwelt
aus, die für Dich da sei, ein Geisterreich, zu welchem Du berufen seist,
p. 57 ein Ideal, das Dir winkt. Du hast eine fixe Idee!
Denke nicht, daß Ich scherze oder bildlich rede, wenn Ich die am
Höheren hangenden Menschen, und weil die ungeheure Mehrzahl hier¬
her gehört, fast die ganze Menschenwelt für veritable Narren, Narren
im Tollhause ansehe.
S. 143з
p. 61 irrtümlich p. 60
S. 2142
p. 71 irrtümlich p. 72
S. 22835—45
So ist die Selbstverleugnung den Heiligen gemein mit
den Unheiligen, den Reinen und Unreinen. Der Unreine verleugnet
alle „besseren Gefühle“, alle Scham, ja die natürliche Furchtsamkeit,
und folgt nur der ihn beherrschenden Begierde. Der Reine verleugnet
seine natürliche Beziehung zur Welt („verleugnet die Welt“) und folgt
p. 78 nur dem ihn beherrschenden „Verlangen“. Von Gelddurst getrieben
verleugnet der Habgierige alle Mahnungen des Gewissens, alles Ehr¬
gefühl, alle Milde und alles Mitleid: er setzt alle Rücksichten aus den
Augen: ihn reißt die Begierde fort. Gleiches begeht der Heilige. Er
macht sich zum „Spotte der Welt“, ist hartherzig und „strenggerecht“;
denn ihn reißt das Verlangen fort.
S. 2251-3
Der Mammon der Erde und der Gott des Himmels fordern beide
p‘ genau denselben Grad der — Selbstverleugnung.
S. 2648—11 29117—18
So war in Klopstock das religiöse Gefühl ein eingegebenes, das sich in
der Messiade nur künstlerisch verkündete. Wäre hingegen die Religion,
welche er vorfand, für ihn nur eine Anregung zu Gefühl und Gedanke
p. 85 gewesen, und hätte er sich ganz eigen dagegen zu stellen gewußt, so
ergab sich statt religiöser Begeisterung eine Auflösung und Verzehrung
des Objectes. Dafür setzte er im reifen Alter nur seine kindischen, in
der Kindheit empfangenen Gefühle fort, und verpraßte die Kräfte seiner
Mannheit in dem Aufputz seiner Kindereien.
S. 14419—21 283 зз
ЯЯ Der Zukunft sind die Worte vorbehalten: Ich bin Eigner der Welt der
p* Dinge, und Ich bin Eigner der Welt des Geistes.
S. 2803-4
Es unterliegt auch in der That keinem Zweifel, daß der Mensch sich
durch Gewohnheit gegen die Zudringlichkeit der Dinge, der Welt,
P‘ sichert und eine eigene Welt gründet, in welcher er allein heimisch und
zu Hause ist, d. h. sich einen Himmel erbaut.
S. 22343
Und sind diese Aufopfernden etwa nicht eigennützig, nicht Egoi¬
sten? Da sie nur Eine herrschende Leidenschaft haben, sorgen sie auch
p. 99 nur für Eine Befriedigung, aber für diese um desto eifriger: sie gehen
in ihr auf. Egoistisch ist ihr ganzes Thun und Treiben, aber es ist ein
einseitiger, unaufgeschlossener, bomirter Egoismus: es ist Besessenheit.
1 Irrtümlich p. 78
662
Quellennachweis und Titel Verzeichnis
Stirner, „Der
Einzige“ etc.
p. 100
p. 102
p. 103
p. 104
p. 108—109
p. 113 irrtümlich p. 112
S. 15927
Hier haben Wir den Begriff des Pfaff enthums, oder wie es in
seiner pädagogischen Wirksamkeit auch genannt werden kann, der
Schulmeisterlichkeit; denn die Idealen schulmeistern Uns.
S. 18711—13
Weil ihm der Diebstahl ohne alle Frage für verabscheuungswürdig gilt,
darum glaubt z. B. Proudhon schon mit dem Satze: „Das Eigenthum
ist ein Diebstahl“ dieses gebrandmarkt zu haben.
S. 1496
Der Mensch ist ja keine Person, sondern ein Ideal, ein Spuk.
S. 22440—44
Dem widersetzt sich der starre Kopf des weltlichen Menschen, ist
aber Jahrtausende lang immer so weit wenigstens erlegen, daß er den
widerspenstigen Nacken beugen und „die höhere Macht verehren“
mußte: das Pfaffenthum drückte ihn nieder.
S. 1521—6,22—25 14837
Eine lange Zeit verfloß, in welcher man sich mit dem Wahne be¬
gnügte, die Wahrheit zu haben, ohne daß man daran ernstlich
dachte, ob man selbst vielleicht wahr sein müsse, um die Wahrheit zu
besitzen. Diese Zeit war das Mittelalter. Mit dem gemeinen, d. h.
dem dinglichen Bewußtsein, demjenigen Bewußtsein, welches nur für
Dinge oder Sinnnliches und Sinnfälliges Empfänglichkeit hat, gedachte
man das Undingliche, Unsinnliche zu fassen. Wie man freilich auch
sein Auge anstrengt, um das Entfernte zu sehen, oder seine Hand müh¬
sam übt, bis sie Fingerfertigkeit genug erlangt hat, um die Tasten
kunstgerecht zu greifen: so kasteite man sich selbst auf die mannig¬
fachste Weise, damit man fähig würde, das Übersinnliche ganz in sich
aufzunehmen. Allein, was man kasteite, war doch nur der sinnliche
Mensch, das gemeine Bewußtsein, das sogenannte endliche oder gegen¬
ständliche Denken. Da dieses Denken jedoch, dieser Verstand, welchen
Luther unter den Namen der Vernunft „anpfuit“, der Auffassung des
Göttlichen unfähig ist, so trug seine Kasteiung gerade so viel dazu bei,
die Wahrheit zu begreifen, als wenn man die Füße Jahr aus und Jahr
ein im Tanzen übte und hoffte, sie würden auf diesem Wege endlich
Flöten blasen lernen. — Erst Luther, mit welchem das sogenannte
Mittelalter endet, begriff, daß der Mensch selber ein anderer werden
müsse, wenn er die Wahrheit auffassen wolle, nämlich eben so wahr,
als die Wahrheit selbst. Nur wer die Wahrheit schon im Glauben hat,
nur wer an sie glaubt, kann ihrer theilhaftig werden, d. h. nur der
Gläubige findet sie zugänglich und ergründet die Tiefen derselben.
S. 153 31, 39
p. 123—124
p. 171 3—5
Die Welt ist prosaisch geworden, denn das Göttliche ist aus ihr
verschwunden: sie ist Mein Eigenthum, mit dem ich schalte und walte,
wie Mir’s (nähmlich dem Geiste) beliebt.
p. 124
p. 124
p. 126
Als Ich Mich dazu erhoben hatte, der Eigner der Welt zu
sein, da hatte der Egoismus seinen ersten vollständigen Sieg errungen,
hatte die Welt überwunden, war weltlos geworden, und legte den
Erwerb eines langen Weltalters unter Schloß und Riegel.
S. 1731—2 21838—39
Das erste Eigenthum, die erste .,Herrlichkeit“ ist erworben!
S. 20021
Begriffe sollen überall entscheiden, Begriffe das Leben regeln, Be¬
griffe herrschen. Das ist die religiöse Welt, welcher Hegel einen
Quellennachweis und Titelverzeichnis
663
Stirner, „Der systematischen Ausdruck gab, indem er Methode in den Unsinn brachte
Einzige** etc. und die Begriffssatzungen zur runden, festgegriindeten Dogmatik voll¬
endete.
S. 20021
p. 127 Jetzt herrscht in der Welt nichts als der Geist.
S. 17216
Bald umspannt jene Kirche die ganze Erde, und Du bist zum äußersten
p. 128 Rande hinausgetrieben; noch ein Schritt, und die Welt des Hei¬
ligen hat gesiegt: Du versinkst in den Abgrund.
S. 17921—24
Das Bürgerthum ist nichts anderes als der Gedanke, daß der Staat
p. 130 alles in allem, der wahre Mensch sei, und daß des Einzelnen Menschen¬
werth darin bestehe, ein Staatsbürger zu sein.
S. 65 36—40
Nicht der einzelne Mensch — und dieser allein ist der
Mensch — wurde frei, sondern der Bürger, der citoyen, der poli-
p. 146 tische Mensch, der eben deshalb nicht der Mensch, sondern ein
Exemplar der Menschengattung, und specieller ein Exemplar der
Bürgergattung, ein freier Bürger ist.
S. 18633—35
Wenn der Proletarier seine beabsichtigte „Gesellschaft“, worin der
Abstand von Reich und Arm beseitigt werden soll, wirklich gegründet
p. 155 haben wird, dann ist er Lump, denn er weiß sich etwas damit, Lump
zu sein, und könnte „Lump“ so gut zu einer ehrenden Anrede erheben,
wie die Revolution das Wort „Bürger“ dazu erhob.
S. 191 зз 20245
Die Reflexionen und Schlüsse des Communismus sehen sehr ein¬
fach aus. Wie die Sachen dermalen liegen, also unter den jetzigen
Staatsverhältnissen, stehen die Einen gegen die Andern, und zwar die
Mehrzahl gegen die Minderzahl im Nachtheil. Bei diesem Stande
der Dinge befinden sich jene im Wohlstände, diese im Noth-
stände. Daher muß der gegenwärtige Stand der Dinge, d. i. der
p. 156 Staat (status — Stand) abgeschafft werden. Und was an seine Stelle?
Statt des vereinzelten Wohlstandes — ein allgemeiner Wohl¬
stand, ein Wohlstand Aller.
Durch die Revolution wurde die Bourgeoisie allmächtig und alle
Ungleichheit dadurch aufgehoben, daß Jeder zur Würde eines Bür¬
gers erhoben oder erniedrigt wurde: der gemeine Mann — erhoben,
der Adlige — erniedrigt; der dritte Stand wurde einziger Stand,
nämlich Stand der — Staatsbürger.
S. 19824—26 19919—23
So lange das Glauben für die Ehre und Würde des Menschen aus¬
reichte, ließ sich gegen keine auch noch so anstrengende Arbeit etwas
einwenden, wenn sie nur den Menschen nicht im Glauben hinderte,
p. 158 Hingegen jetzt, wo Jeder sich zum Menschen ausbilden soll, fällt die
Bannung des Menschen an maschinenmäßige Arbeit zusammen mit der
Sklaverei. Muß ein Fabrikarbeiter sich zwölf Stunden und mehr todt-
müde machen, so ist er um die Menschwerdung gebracht.
S. 203 35—37 204 4—6
Jedwede Arbeit soll den Zweck haben, daß der Mensch befriedigt
werde. Deshalb muß er auch in ihr Meister werden, d. h. sie als
Totalität schaffen können. Wer in einer Stecknadelfabrik nur die
Knöpfe aufsetzt, nur den Draht zieht u. s. w., der arbeitet wie mecha-
p. 158 nisch, wie eine Maschine: er bleibt ein Stümper, wird kein Meister:
seine Arbeit kann ihn nicht befriedigen, sondern nur e r -
müden. Seine Arbeit ist, für sich genommen, nichts, hat keinen
664
Quellennachweis und Titel Verzeichnis
Stirner, „Der Zweck in sich, ist nichts für sich Fertiges: er arbeitet nur einem
Einzige“ etc. Andern in die Hand, und wird von diesem Andern benutzt (ex-
ploitirt).
S. 20429—30
i Daß der Communist in Dir den Menschen, den Bruder erblickt, das
ist nur die sonntägliche Seite des Communismus.
S. 22723—26
Was soll jedoch werden? Soll das gesellschaftliche Leben ein Ende
p. 180 haben und alle Umgänglichkeit, alle Verbrüderung, alles, was durch
das Liebes- oder Societätsprinzip geschaffen wird, verschwinden?
S. 21210—22
So verläuft der Liberalismus in folgenden Wandlungen:
„Erstens: Der Einzelne ist nicht der Mensch, darum gilt seine
einzelne Persönlichkeit nichts: kein persönlicher Wille, keine Willkühr,
kein Befehl oder Ordonnance!
p. 180—181 Zweitens: Der Einzelne hat nichts Menschliches, darum gilt kein
Mein und Dein oder Eigenthum.
Drittens: Da der Einzelne weder Mensch ist noch Menschliches
hat, so soll er überhaupt nicht sein, soll als ein Egoist mit seinem
Egoistischen durch die Kritik vernichtet werden, um dem Menschen,
„dem jetzt erst gefundenen Menschen“ Platz zu machen.
S. 2192
Im humanen Liberalismus vollendet sich die Lumperei. Wir müssen
184 erst аи^ das Lumpigste, Armseligste herunterkommen, wenn Wir zur
Eigenheit gelangen wollen, denn Wir müssen alles Fremde aus-
ziehen. Lumpiger aber scheint nichts, als der nackte — Mensch.
S. 27931—32
p. 189 Es sei ferne, daß etwas Errungenes verloren gehe!
S. 20144—2121 21218-19
Der Egoismus des Eigenthums hat sein Letztes eingebüßt, wenn
auch das „Mein Gott“ sinnlos geworden ist; denn Gott ist nur, wenn
p. 189 ihm das Heil des Einzelnen am Herzen liegt, wie dieser in ihm sein
Heil sucht.
Der politische Liberalismus hob die Ungleichheit der Herren und
Diener auf, er machte herrenlos, anarchisch.
S. 21918
Wie aber, wenn das Unmenschliche, indem es entschlossenen
Muthes sich selbst den Rücken kehrte, auch von dem beunruhigenden
Kritiker sich abwendete und ihn, von seiner Einrede unberührt und
ungetroffen, stehen ließe? „Du nennst Mich das Unmenschliche, könnte
es zu ihm sagen, und Ich bin es wirklich — für Dich; aber Ich bin es
nur, weil Du Mich zum Menschlichen in Gegensatz bringst, und Ich
konnte Mich selbst nur so lange verachten, als Ich Mich an diesen
Gegensatz bannen ließ. Ich war verächtlich, weil Ich mein „besseres
Selbst“ außer Mir suchte; Ich war das Unmenschliche, weil Ich vom
P« 193—194 ..Menschlichen“ träumte; Ich glich den Frommen, die nach ihrem
„wahren Ich“ hungern und immer „arme Sünder“ bleiben; Ich dachte
Mich nur im Vergleich zu einem Andern; genug Ich war nicht Alles
in Allem, war nicht — einzig. Jetzt aber höre Ich auf. Mir selbst
als das Unmenschliche vorzukommen, höre auf. Mich am Menschen zu
messen und messen zu lassen, höre auf, etwas über Mir anzuerkennen,
und somit — Gott befohlen, humaner Kritiker! Ich bin das Unmensch¬
liche nur gewesen, bin es jetzt nicht mehr, sondern bin das Einzige,
ja Dir zum Abscheu das Egoistische, aber das Egoistische nicht, wie es
am Menschlichen, Humanen und Uneigennützigen sich messen läßt,
sondern das Egoistische als das — Einzige.“
1 Irrtümlich p. 163
Quellennachweis und Titelverzeichnis
665
S. 23337—38
Stirner, „Der Darum aber ist jene Voraussetzung gar keine; denn da Ich der Einzige
Einzige** etc. bin, so weiß Ich nichts von der Zweiheit eines voraussetzenden und
p. 200 vorausgesetzten Ich’s (eines „unvollkommenen“ und „vollkommenen“
Ich’s oder Menschen), sondern, daß Ich Mich verzehre, heißt nur, daß
Ich bin.
S. 36214
Mein Bein ist nicht „frei“ von dem Prügel des Herrn, aber es ist
mein Bein und ist unentreißbar. Er reiße Mir’s aus und sehe zu, ob
p. 208 er noch mein Bein hat! Nichts behält er in der Hand als den — Leich¬
nam meines Beines, der so wenig mein Bein ist, als ein todter Hund
noch ein Hund ist: ein Hund hat ein pulsierendes Herz, ein sogenannter
todter Hund hat keines und ist darum kein Hund mehr.
S. 29314—15
Freiheit wollt Ihr Alle, Ihr wollt die Freiheit. Warum schachert
Ihr denn um ein Mehr oder Weniger? Die Freiheit kann nur die
ganze Freiheit sein; ein Stück Freiheit ist nicht die Freiheit. Ihr
p. 211 verzweifelt daran, daß die ganze Freiheit, die Freiheit von Allem, zu
gewinnen sei, ja Ihr haltet’s für Wahnsinn, sie auch nur zu wünschen?
— Nun, so laßt ab, dem Phantome nachzujagen, und verwendet Eure
Mühe auf etwas Besseres, als auf das — Unerreichbare.
S. 28911
So hält Jeder sich selbst für den — Teufel; denn hielte er sich, so¬
fern er um Religion u. s. w. unbekümmert ist, nur für ein Thier, so
p. 2131 fände er leicht, daß das Thier, das doch nur seinem Antriebe
(gleichsam seinem Rathe) folgt, sich nicht zum „Unsinnigsten“ räth
und treibt, sondern sehr richtige Schritte thut.
S. 2893—Ю
Und wenn er Euch früge, woher Ihr’s denn so sicher wißt, daß die
Naturstimme eine Verführerin sei? Und wenn er Euch gar zumuthete,
p. 213—214 die Sache umzukehren, und geradezu die Gottes- und Gewissensstimme
für Teufelswerk zu halten? Solche heillose Menschen giebt’s; wie
werdet Ihr mit ihnen fertig werden?
S. 29124—25
Jener ist urspünglich frei, weil er nichts als sich an-
erkennt; er braucht sich nicht erst zu befreien, weil er von vornherein
P’ Alles außer sich verwirft, weil er nichts mehr schätzt als sich, nichts
höher anschlägt, kurz, weil er von sich ausgeht und ..zu sich kommt“.
S. 2786
p. 218—219 irrtümlich p. 218
S. 2906-7
Was nützt den Schaaf en, daß ihnen Niemand die Redefreiheit verkürzt?
Sie bleiben beim Blöken. Gebt einem, der innerlich ein Muhamedaner,
ein Jude oder ein Christ ist, die Erlaubniß zu sprechen, was er mag:
er wird doch nur bornirtes Zeug vorbringen.
S. 1468-9
Aber wenn der Staat sein Princip, bei den Seinigen nichts voraus¬
zusetzen, als daß sie Menschen seien, rein vollzogen hat (bis jetzt setzen
p. 2341 2 selbst die Nordamerikaner bei den Ihrigen noch voraus, daß sie Reli¬
gion, wenigstens die Religion der Rechtschaffenheit, der Honettetät,
haben), dann hat er sich sein Grab gegraben.
1 Irrtümlich p. 214
2 Irrtümlich p. 116
666
Quellennachweis und Titel Verzeichnis
S. 41421—24
Stirner, „Der An den Egoisten geht die „menschliche Gesellschaft“ zu Grunde; denn
Einzige“ etc. sie beziehen sich nicht mehr als Menschen auf einander, sondern
p. 234 treten egoistisch als ein Ich gegen ein von Mir durchaus verschie¬
denes und gegnerisches Du und Ihr auf.
S. 188 42—43
Nun soll Jeder die ewigen Menschenrechte haben, und in der voll-
p. 238 kommenen „Demokratie“ oder, wie es richtiger heißen müßte — An-
thropokratic, nach der Meinung der Communisten sie genießen.
S. 2784
Indem der Egoist sich gegen die Anmuthungen und Begriffe der
p. 242 Gegenwart wendet, vollzieht er unbarmherzig die maaßloseste — Ent¬
heiligung. Nichts ist ihm heilig!
S. 300 5—6
Halte sich Jeder dieß Recht unverkümmert, so üben es von selbst
p. 246 Alle; aber sorge er doch nicht für Alle, ereifere er sich dafür nicht als
für ein Recht Aller.
S. 29517—20
Ob Ich loyal bin in einer Despotie oder in einer Weitlingschen „Gesell-
p. 247 schäft“, das ist dieselbe Rechtlosigkeit, insofern Ich in beiden Fällen
nicht mein, sondern fremdes Recht habe.
S. 30128—39
So sagen die Communisten: die gleiche Arbeit berechtige die
Menschen zu gleichem Genüsse. Früher warf man die Frage auf, ob
nicht der „Tugendhafte“ auf Erden „glücklich“ sein müsse. Die Juden
folgerten auch wirklich so: „Auf daß Dir’s wohlgehe auf Erden.“ Nein,
die gleiche Arbeit berechtigt Dich nicht dazu, sondern der gleiche
p. 250 Genuß allein berechtigt Dich zum gleichen Genuß. Genieße, so bist Du
zum Genuß berechtigt. Hast Du aber gearbeitet und lassest Dir den
Genuß entziehen, so — „geschieht Dir Recht“.
Wenn Ihr den Genuß nehmt, so ist er euer Recht; schmachtet
Ihr hingegen nur darnach, ohne zuzugreifen, so bleibt er nach wie vor
ein „wohlerworbenes Recht“ derer, welche für den Genuß privilegirt
sind. Er ist ihr Recht, wie er durch Zugreifen euer Recht würde.
S. 13213—14 278 25—26
Ein Anderer früge einfach so: Will Ich, was der Gegner will? „Nein!“
P- 254 Nun, so mögen tausend Teufel oder Götter für ihn kämpfen, Ich
schlage doch drauf los!
S. 30233—44
Man sagt, die Strafe sei das Recht des Verbrechers. Allein die
Straflosigkeit ist ebenso sein Recht. Gelingt ihm sein Unternehmen, so
geschieht ihm Recht, und gelingt’s nicht, so geschieht ihm gleichfalls
Recht Wie Du Dich bettest, so schläfst Du. Begiebt sich Jemand toll-
p. 255 kühn in Gefahren und kommt darin um, so sagen Wir wohl: es ge¬
schieht ihm Recht, er hat’s nicht besser gewollt. Besiegte er aber die
Gefahren, d. h. siegte seine Macht, so hätte er auch Recht Spielt
ein Kind mit dem Messer und schneidet sich, so geschieht ihm Recht;
aber schneidet sich’s nicht, so geschieht ihm auch Recht. Dem Ver¬
brecher widerfährt daher wohl Recht, wenn er leidet, was er riskirte;
warum riskirte er’s auch, da er die möglichen Folgen kannte!
S. 31215—18 32314—15, 18—19
Wie zu ändern? Nur dadurch, daß Ich keine Pflicht an¬
erkenne, d. h. Mich nicht binde oder binden lasse. Habe Ich keine
p. 258 Pflicht, so kenne Ich auch kein Gesetz.
„Allein man wird Mich binden!“ Meinen Willen kann Niemand
binden, und mein Widerwille bleibt frei.
Quellennachweis und Titelverzeichnis
667
S. 31613—16
Stirner, „Der Wird, wie in der Revolution, das, was „der Mensch“ sei, als „guter
Einzige“ etc. Bürger“ gefaßt, so giebt es von diesem Begriffe „des Menschen“ die
p. 2681 bekannten „politischen Vergehen und Verbrechen“.
S. 30125
p. 275—276 irrtümlich p. 248, 275
S. 1942-4
Immer fern davon, Sich zur vollen Entwicklung und Geltung
kommen zu lassen, haben die Menschen bisher auch ihre Gesellschaften
P’ ^77 nicht auf Sich gründen, oder vielmehr, sie haben nur „Gesellschaf¬
ten“ gründen und in Gesellschaften leben können.
S. 2239
Es ist fortan nicht mehr um den Staat (die Staatsverfassung
u. s. w.) zu thun, sondern um Mich. Damit versinken alle Fragen über
p. 310 Fürstenmacht, Constitution u. s. w. in ihren wahren Abgrund und ihr
wahres Nichts. Ich, dieses Nichts, werde meine Schöpfungen aus
Mir hervortreiben.
S. 31923—26
Gerade die Strafe aber muß der Genugthuung den Platz räumen, die
p. 318 wiederum nicht darauf abzielen kann, dem Rechte oder der Gerechtig¬
keit genug zu thun, sondern Uns ein Genüge zu verschaffen.
S. 31716—18
Thut Uns Einer, was Wir Uns nicht gefallen lassen wollen,
so brechen Wir seine Gewalt und bringen die Unsere zur Geltung:
Wir befriedigen U n s an ihm und verfallen nicht in die Thorheit, das
Recht (den Spuk) befriedigen zu wollen. Nicht das Heilige soll
p. 318 sich gegen den Menschen wehren, sondern der Mensch gegen den
Menschen, so wie ja auch nicht mehr Gott sich gegen den Menschen
wehrt, dem sonst und zum Theil freilich noch jetzt alle „Diener Gottes“
die Hand boten, um den Lästerer zu strafen, wie sie eben heute noch
dem Heiligen ihre Hand leihen.
S. 40112—15
Im Verbrechen hat sich seither der Egoist behauptet und das
Heilige verspottet: der Bruch mit dem Heiligen, oder vielmehr des
p. 319 Heiligen kann allgemein werden. Eine Revolution kehrt nicht wieder,
aber ein gewaltiges, rücksichtsloses, schamloses, gewissenloses, stolzes
— Verbrechen, grollt es nicht in fernen Donnern, und siehst Du
nicht, wie der Himmel ahnungsvoll schweigt und sich trübt?
S. 32810
Es haben die Menschen Eigenes, und Ich soll dieß Eigene
anerkennen und heilig halten. Ihr Eigenes besteht theils in äußer¬
licher, theils in innerlicher Habe. Jenes sind Dinge, dieses Geistig-
p. 324—325 keiten, Gedanken, Überzeugungen, edle Gefühle u.s.w. Aber immer nur
die rechtliche oder menschliche Habe soll Ich respec-
tiren; die unrechtliche und unmenschliche brauche Ich nicht zu schonen,
denn der Menschen wirklich Eigenes ist nur das Eigene des Menschen.
S. 38420—24
Von deinem und eurem Eigenthum trete Ich nicht scheu zurück, son¬
dern sehe es stets als mein Eigenthum an, woran Ich nichts zu ,.re-
p. 328 spectiren“ brauche. Thuet doch desgleichen, mit dem, was Ihr mein
Eigenthum nennt!
Bei dieser Ansicht werden Wir Uns am leichtesten mit einander
verständigen.
1 Irrtümlich p. 269
668
Quellennachweis und Titelverzeichnis
S. 32813—ie 340з&—41 3412—з
Stirner, „Der Das Privateigenthum lebt von der Gnade des Rechts. Nur im
Einzige'* etc. Rechte hat es seine Gewähr — Besitz ist ja noch nicht Eigenthum, er
wird erst „das Meinige“ durch Zustimmung des Rechts —; es ist keine
Thatsache, nicht un fait, wie Proud’hon meint, sondern eine Fiction, ein
p. 332—3331 Gedanke. Das ist das Rechtseigenthum, rechtliches Eigenthum, garan-
tirtes Eigenthum. Nicht durch Mich ist es mein, sondern durch’s
— Recht.
Dennoch ist Eigenthum der Ausdruck für die unumschränkte
Herrschaft über Etwas (Ding, Thier, Mensch), womit „Ich schalten
und walten kann nach Gutdünken“.
S. 32914 36923 З8З10
Ich wäre bloß Besitzer? Nein, bisher war man nur Besitzer, gesichert
243 im Besitz einer Parcelle, dadurch, daß man Andere auch im Besitz einer
p’ Parcelle ließ; jetzt aber gehört Alles Mir, Ich bin Eigenthümer von
Allem, dessen Ich brauche und habhaft werden kann.
S. 34512—14
Nach dem Sinne des Bürgerthums ist Jeder Inhaber oder „Eigen-
p. 348 thümer“. Woher kommt es nun, daß doch die Meisten so viel wie nichts
haben?
S. 20218—21
Es war außerordentlich viel gewonnen, als man es durchsetzte, als
Inhaber betrachtet zu werden. Die Leibeigenschaft wurde damit auf-
p. 350 gehoben und Jeder, der bis dahin dem Herrn gefrohndet hatte, und
mehr oder weniger dessen Eigenthum gewesen war, ward nun ein
„Herr“.
S. 38516
Also was Du vermagst, ist dein Vermögen! Vermagst
Du Tausenden Lust zu bereiten, so werden Tausende Dich dafür
honoriren, es stände ja in deiner Gewalt, es zu unterlassen, daher
müssen sie deine That erkaufen. Vermagst Du keinen für Dich ein¬
zunehmen, so magst Du eben verhungern.
p. 3511 2 Soll Ich nun etwa, der Vielvermögende, vor den Unvermögenderen
nichts voraus haben?
Wir sitzen Alle im Vollen; soll Ich nun nicht zulangen, so gut Ich
kann, und nur abwarten, wie viel Mir bei einer gleichen Theilung
bleibt?
Gegen die Concurrenz erhebt sich das Princip der Lumpengesell¬
schaft, die — Vertheilung.
S. 19541—42
Über meine Einzigkeit läßt sich keine allgemeine Taxe feststellen,
wie für das, was Ich als Mensch thue. Nur über das Letztere kann eine
p. 363 Taxe bestimmt werden.
Setzt also immerhin eine allgemeine Schätzung für menschliche
Arbeiten auf, bringt aber eure Einzigkeit nicht um ihren Verdienst.
S. 34117—25 342 із 343 5
Ein Hund sieht den Knochen in eines andern Gewalt und steht nur
ab, wenn er sich zu schwach fühlt. Der Mensch aber respectirt das
Recht des Andern an seinem Knochen. Dieß also gilt für mensch¬
lich, jenes für brutal oder „egoistisch“.
p. 368—369 Und wie hier, so heißt überhaupt dieß „m e n s c h 1 i c h“, wenn
man in Allem etwas Geistiges sieht (hier das Recht), d.h. alles
zu einem Gespenste macht, und sich dazu als zu einem Gespenste ver¬
hält, welches man zwar in seiner Erscheinung verscheuchen, aber nicht
tödten kann. Menschlich ist es. das Einzelne nicht als Einzelnes, son¬
dern als ein Allgemeines anzuschauen.
1 Irrtümlich p. 332
2 Irrtümlich p. 357
Quellennachweis und Titelverzeichnis
669
S. 38532
Stimer, „Der Jenes Mitgefühl beweist nur, daß das Gefühl der Fühlenden auch das
Einzige“ etc. meinige, mein Eigenthum, ist, wogegen das erbarmungslose Verfahren
p. 387 des „Rechtlichen“ (z. B. gegen den Notar Ferrand) der Gefühllosigkeit
jenes Räubers gleicht, welcher nach dem Maaße seiner Bettstelle den
Gefangenen die Beine abschnitt oder ausreckte: Rudolfs Bettstelle,
wonach er die Menschen zuschneidet, ist der Begriff des „Guten“.
S. 38721—24
Du bist für Mich nichts als — meine Speise, gleichwie auch Ich von
p. 395 Dir verspeiset und verbraucht werde. Wir haben zu einander nur Eine
Beziehung, die der Brauchbarkeit, der Nutzbarkeit, des Nutzens.
S. 41944—45
Die Auflösung der Gesellschaft aber ist der Verkehr oder
P’ Verein.
S. 25437—2554
Die Communisten führen nur consequent weiter, was während der reli-
p. 416—417 giösen Entwicklung und namentlich im Staate längst vorhanden war,
nämlich die Eigenthumslosigkeit, d. h. das Feudalwesen.
S. 38044-3814
Allein um des „Allgemeinen“ willen fiele das Opfer ganz und gar
nicht, so wenig als Ich die Übereinkunft um des „Allgemeinen“ oder
auch nur um irgend eines andern Menschen willen schloß; vielmehr
p. 418 ging Ich auf sie nur um meines eigenen Nutzens willen, aus Eigen*
nutz, ein. Was aber das Opfern betrifft, so „opfere“ Ich doch wohl
nur dasjenige, was nicht in meiner Gewalt steht, d. h. „opfere“ gar
nichts.
S. 25938—39 40139—40211
Was Einer werden kann, das wird er auch. Ein geborener Dichter
mag wohl durch die Ungunst der Umstände gehindert werden, auf der
Höhe der Zeit zu stehen und nach den dazu unerläßlichen großen Stu¬
dien ausgebildete Kunstwerke zu schaffen; aber dichten wird
er, er sei Ackerknecht oder so glücklich, am Weimarschen Hofe zu
leben. Ein geborener Musiker wird Musik treiben, gleichviel ob auf
allen Instrumenten oder nur auf einem Haferrohr. Ein geborener phi¬
losophischer Kopf kann sich als Universitätsphilosoph oder als Dorf-
p. 434 philosoph bewähren. Endlich ein geborener Dummerjan, der, was sich
sehr wohl damit verträgt, zugleich ein Pfiffikus sein kann, wird, wie
wahrscheinlich Jeder, der Schulen besucht hat, an manchen Beispielen
von Mitschülern sich zu vergegenwärtigen im Stande ist, immer ein
vernagelter Kopf bleiben, er möge nun zu einem Büreauchef einexercirt
und dressirt worden sein, oder demselben Chef als Stiefelputzer dienen.
Ja die geborenen beschränkten Köpfe bilden unstreitig die zahlreichste
Menschenklasse. Warum sollten auch in der Menschengattung nicht
dieselben Unterschiede hervortreten, welche in jeder Thiergattung un¬
verkennbar sind? Überall finden sich Begabtere und minder Begabte.
S. 39743
^36 Der Vogel lebt keinem Berufe nach, aber er gebraucht seine Kräfte
p’ so viel es geht: er hascht Käfer und singt nach Herzenslust.
S. 15927
So herrschen die Denkenden in der Weh, so lange die Pfaffen¬
oder Schulmeister-Zeit dauert, und was sie sich denken, das ist mög¬
lich, was aber möglich ist, das muß verwirklicht werden. Sie denken
p. 442 sich ein Menschen-Ideal, das einstweilen nur in ihren Gedanken wirk¬
lich ist; aber sie denken sich auch die Möglichkeit seiner Ausführung,
und es ist nicht zu streiten, die Ausführung ist wirklich — denkbar,
sie ist eine — Idee.
670
Quellennachweis und Titelverzeichnis
S. 6115—20
Kein Schaaf, kein Hund bemüht sich, ein „rechtes Schaaf, ein
rechter Hund“ zu werden; keinem Thier erscheint sein Wesen als eine
Aufgabe, d. h. als ein Begriff, den es zu realisiren habe. Es realisirt
sich, indem es sich auslebt, d. h. auflöst, vergeht. Es verlangt nicht,
etwas Anderes zu sein oder zu werden, als es ist.
S. 39531—35
Auch auf andere Weise sorgt der Zunftgeist dafür, daß freie Gedanken
gar nicht kommen, vor allem durch eine weise Erziehung. Wem die
Grundsätze der Moral gehörig eingeprägt wurden, der wird von mora¬
lischen Gedanken niemals wieder frei, und Raub, Meineid, Übervor-
theilung u. dgl. bleiben ihm fixe Ideen, gegen die ihn keine Gedanken¬
freiheit schützt. Er hat seine Gedanken „von oben“ und bleibt dabei.
S. 1559—10
Das Denken wird so wenig als das Empfinden aufhören. Aber die
Macht der Gedanken und Ideen, die Herrschaft der Theorien und Prin-
cipien, die Oberherrlichkeit des Geistes, kurz die — Hierarchie
währt so lange, als die Pfaffen, d. h. Theologen, Philosophen, Staats¬
männer, Philister, Liberale, Schulmeister, Bedienten, Altern, Kinder,
Eheleute, Proud’hon, George Sand, Bluntschli u.s.w., u.s.w. das große
Wort führen: die Hierarchie wird dauern, so lange man an Principien
glaubt, denkt, oder auch sie kritisirt: denn selbst die unerbittlichste
Kritik, die alle geltenden Principien untergräbt, glaubt schließlich
doch an das Princip.
S. 4128—16
Dein Denken hat nicht „das Denken“ zur Voraussetzung, sondern
Dich. Aber so setzest Du Dich doch voraus? Ja, aber nicht Mir,
sondern meinem Denken. Vor meinem Denken bin — Ich. Daraus
folgt, daß meinem Denken nicht ein Gedanke vorhergeht, oder
daß mein Denken ohne eine „Voraussetzung“ ist. Denn die Voraus¬
setzung, welche Ich für mein Denken bin, ist keine vom Denken
gemachte, keine gedachte, sondern ist das gesetzte
Denken selbst, ist der Eigner des Denkens, und beweist nur,
daß das Denken nichts weiter ist, als — Eigenthum, dh. daß
ein „selbständiges“ Denken, ein „denkender Geist“ gar nicht existirt.
Stirner, Max. {Pseudonym: M. St.) Recensenten Stirners. In: Wigand’s Viertel-
jahrsschrifk 1845. Dritter Band, p. 147—194. 72зз 7517—18 97б 12334 12419—20
13028 137 36 14019—20 14815 164 зз 1794 184 35 18716—17 2032, 8 214 зо—зі 2164
227 41-42 23 1 25-26, 32 233 25 234 2-3 237 29-30, 44 24511 24 7 41 248 4, и, 14 25911-12
278 23 31728 350 27 35 1 40,44 3 5 2 22 3 6 0 20—21,31 36 2 39—40 3 9 4 21 39 5 20 4 0415
41437, 39 420 7,27 42310,20,28,30,35,41,43 4 2 4 4,9 4 2513,20,23
426 17, 22, 23, 24, 28, 31, 41 428 12
Stirner, „Der
Einzige“ etc.
p. 443
p. 456
p. 467
p. 470
4262, 4, 5, 7, 9, 11,
p. 151
p. 153
S. 42616—17
Der Einzige ist ein Wort, und bei einem Worte
doch etwas denken können, ein Wort müßte doch
inhalt haben. Aber der Einzige ist ein gedankenloses Wort, es
hat keinen Gedankeninhalt. — Was ist aber dann sein Inhalt, wenn der
Gedanke es nicht ist? Einer, der nicht zum zweiten Male dasein, folg¬
lich auch nicht ausgedrückt werden kann; denn könnte er aus¬
gedrückt, wirklich und ganz ausgedrückt werden, so wäre er zum zweiten
Male da, wäre im „Ausdruck“ da.
S. 42624
Was der Logiker verächtlich behandelt, das ist freilich unlogisch
oder nur „formell logisch;“ aber es ist auch, logisch betrachtet,
nur noch eine Phrase, es ist die als Phrase verendende Logik.
S. 42625—26
Im Einzigen kann die Wissenschaft als Leben aufgehen, indem ihr
Das zum Der und Der wird, der sich dann nicht mehr im Worte,
im Logos, im Prädicate sucht.
müßte man sich
einen Gedanken-
p. 153
Quellennachweis und Titelverzeichnis
671
Stirner, $• 41445
„Recensen- Wer vergäße sich nicht alle Augenblicke, wer verlöre sich nicht
ten“ p. 158 tausendmal in einer Stunde aus den Augen?
S. 42320
p. 166 irrtümlich p. 162
S. 23321—25
Was ist „Höheres und Niederes?“ Doch wohl nicht etwas, das sich nach
Dir richtet und wofür Du das Maaß bist? Gälte etwas Dir und zwar Dir
in diesem Augenblicke — denn nur im Augenblicke bist Du Du,
nur als augenblicklicher bist Du wirklich; als „allgemeines
Du“ wärest Du vielmehr in jedem Augenblick ein „Anderer“ — gälte
also etwas Dir in diesem Augenblicke „höher“ als etwas Anderes, so wür-
p. 170—171 dest Du’s nicht dem letzteren opfern, vielmehr opferst Du in jedem
Augenblicke nur das, was Dir in eben diesem Augenblicke als „Niederes“
oder als minder wichtig gilt. Soll hiernach das Feuerbachsche „Höhere“
einen Sinn haben, so muß es ein von Dir, dem Augenblicklichen, ge¬
trenntes und freies Höheres, es muß ein absolut Höheres sein. Ein
absolut Höheres ist ein solches, bei welchem Du nicht erst befragt
wirst, ob es Dir das Höhere sei, welches vielmehr trotz Dir das
Höhere ist.
S. 246зі
So sagt er z. B. „Man hat in der jüngsten Zeit bei uns soviel vom
leibhaftigen Individuum, vom wirklichen Menschen, von der Verwirk-
p. 190 lichung der Idee gesprochen, daß man sich nicht darüber wundern darf,
wenn die Kunde davon auch nach Berlin gedrungen ist und da philo¬
sophische Köpfe aus ihrer Seligkeit aufgerüttelt hat.
S. 36240
p. 190 irrtümlich p. 191
S. 1949
Zum Schlüsse dürfte es nicht unpassend sein, die Recensenten an
p* Feuerbachs Kritik des Antihegels Seite 4 zu erinnern.
Szeliga. „Der Einzige und sein Eigenthum“. Von Max Stirner. Kritik von со
In: Norddeutsche Blätter. 1845. Heft 9, p. 1—34. 34516—17
— Eugen Sue: Die Geheimnisse von Paris. Kritik von -v>. In: Allgemeine Literatur-
Zeitung. 1844. Heft 7, p. 8—48. 2744-5
Villegardelle s. Morelly.
Virgils Eklogen. 4024
Vorwärts! Pariser Deutsche Zeitschrift. 1844 Nr. 72, 73 u. 87. (cf. auch Anonyme,
Morelly) 51319
Vossische Zeitung. Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen.
Gegründet 1704. 309зі 31335 31420 35012
Wade, John. History of the Middle and Working classes with а populär exposition
of the economical and political principles which have influenced past and present
condition of the industrious ordere. London. 1835. 18214
Watts, John. The Facts and Fictions of political Economists: being А Review of
the Principles of the Science, separating the true from the false. Manchester, Abel
Heywood. 1842. 1914 44416
Weitling, Wilhelm. Garantien der Harmonie und Freiheit. 1842. 18620 44426
— Die Menschheit, wie sie ist und wie sie sein sollte. 1838. 44426
Weicker, Motion in der Sitzung der Badischen Kammer vom 10. Februar 1844.
31421
Westphälische Dampfboot, Das. Eine Monatsschrift. Redigirt von Dr. Otto
Lüning. Erster Jahrgang. Bielefeld, A. Helmich’s Verlag. 1845. (cf. auch Anonyme)
Wigand’s Vierteljahrsschrift 1845. Zweiter Band. Leipzig, Otto Wigand. 1845.
(cf. auch Feuerbach)
— Dritter Band. Leipzig, Otto Wigand. 1845. (cfauch Bauer, Stirner) 713 9044—45
97e 24812
— Vierter Band. Leipzig, Otto Wigand. 1845. (cf. auch Anonyme)
REGISTER
Namenregister S. 675
Im Namenregister sind nur die Namen vermerkt, über deren Träger selbst etwas
ausgesagt ist, nicht aber solche, die nur im Vorbeigehen erwähnt werden. Mytholo¬
gische Namen wurden nicht aufgenommen.
Sachregister S. 682
Im Sachregister wurden unter den betreffenden Stichworten alle Stellen vermerkt,
wo die Rede von der durch das Stichwort bezeichneten wirklichen Kategorie ist,
nicht nur die Stellen, wo die als Stichwort gewählte Bezeichnung genannt wird. Es
wurden außerdem aufgenommen sämtliche auf frühere oder spätere Stellen des Textes
bezüglichen Verweise von Marx und Engels, überall, wo die Seitenangaben direkt
auf das Stichwort folgen, handelt es sich um den allgemeinen Begriff der betreffenden
Kategorie, in den Unterrubriken um Spezialfälle. Im allgemeinen richtete sich die
Aufeinanderfolge der Unterrubriken nach der Reihenfolge ihres Vorkommens im
Text. Eine Ausnahme wurde gemacht bei den Stichworten: „Deutschland“, „Frank¬
reich“, „Großbritannien“, bei denen die Unterrubriken in alphabetischer
Reihenfolge angeordnet sind. Bei dem Stichwort „Gesellschaft“ richtete sich in der
Unterrubrik „Gesellschaftsstufen“ die Reihenfolge der betreffenden Stichworte nach
der historischen Aufeinanderfolge der einzelnen Kulturstufen, ebenso unter dem
Stichwort „Philosophen“ nach der der verschiedenen philosophischen Richtungen.
Das Sachregister bezieht sich nur auf Text und Anhang. Die Sammlung der Til¬
gungen ist nicht einbegriffen worden, weil ihre Berücksichtigung, mit Ausnahme weni¬
ger zusammenhängenden Stellen, in einem Sachregister nicht vermerkt werden kann,
da es sich in ihr meist um Textvarianten, also oft nur um stilistische Unterschiede
handelt.
NAMENREGISTER
Abd el Kader, Sidi el Hadschi Uld Ma-
hiddin (1807—1883) Araberführer,
1830—1847 Emir von Algier, Haupt¬
führer der Kämpfe gegen die Fran¬
zosen in Marokko 144
Aikin, John (1747—1822) englischer Arzt,
Historiker und radikaler Publizist 48
Alexis, Willibald (Georg Wilhelm Hä¬
ring) (1798—1871) 1827 Redakteur
des „Berliner Conversationsblatts“,
1830—1835 des „Freimütigen“; sein
Roman „Cabanis“ erschien 1832 als
1. Band einer Folge vaterländischer
Romane. Von 1842 ab gab er mit Hit¬
zig zusammen den „Neuen Petaval“
heraus, eine Sammlung von „Verbre¬
chergeschichten“ 314
Al Hussein, Abu Ali Ben Abdallah Ibn
Sina (Avicenna) (980—1037) be¬
rühmter arabischer Arzt 144
Arago, Dominique-Francois (1786—1853)
Astronom und berühmter Mathemati¬
ker, s. Namenregister III/4 132 373
D’Argenson, Marc-Rene de Voyer, mar-
quis (1771—1842) stellte sich auf die
Seite der Revolution, wurde Flügel¬
adjutant von Lafayette, dessen Flucht
er nicht mitmachte. Unter Napoleon
1803—1813 Präfekt; 1815 Deputier¬
ter, kämpfte gegen den weißen Ter¬
ror im Süden. Wurde wieder Freund
Lafayettes und einer der Führer der
Bewegung gegen die Bourbonen. Un¬
ter Louis Philippe trat er als Demo¬
krat hervor, Babouvist 493
Aristoteles (384—322 v. Chr.) 118—123
444 497
Arndt, Emst Moritz (1769—1860) 331
Arnim, Bettina v. (1785—1859) 314
Augustus, C. Octavius Octavianus (63 v.
Chr.—14. n. Chr.) 33
Babeuf (Baboeuf), Francois Noel (Ga
jus Gracchus) (1760—1797) 189 205
.304 305
Bac.o von Verulam, (Lord Francis Ba-
<con) (1561—1626) 153 154 473
BaiHly, Jean Sylvain (1736—1793) Astro¬
nom, Girondist, während der Revolu
ttion Maire von Paris, 1793 hingerich-
ßet 180
Barere (Barrere de Vieuzac), Bertrand
(1775—1841) Politiker, s. Namenregi¬
ster 1/3 160 493
Barmby, John Goodwin (1820—1881)
englischer christlicher Sozialist 444
Bauer, Bruno (1809—1882) s. Namen¬
register III/4 17 22 27—31 33 38 71
72 75-94 119 146 163 178 180 190
194 198 215 217—219 239 240 314
334 345 348 356 359 410 411 413 421
425 431 432 541—544
Bauer, Edgar (1820—1886) s. Namen¬
register III/4 314
Bayrhoffer, Karl Theodor (1812—1888)
Professor der Philosophie, anfangs
Hegelianer, rückte 1839/1840 vom He¬
gelianismus ab, trat für die deutsch¬
katholische Bewegung ein 164
Bazard, Aman (1791—1832) Haupt der
Saint-Simonisten 471 489 491—494
Beaulieu, Claude-Frangois (1754—1827)
royalistischer Publizist 160
Becker, August (1814—1871) Verfasser
von „Die Volksphilosophie unserer
Tage“ (1843), „Was ist ein Commu¬
nist?“ (1844), „Was wollen die Kom¬
munisten?“ (1844), s. Namenregister
III/4 301 314 519—521 525 526
Bentham, Jeremy (1748—1832) 192 224
238 387 391 392
Billaud-Varenne, Jean-Nicolas (1756—
1819) Mitglied des Ausschusses für
die öffentliche Wohlfahrt 493
Blanc, Jean-Joseph-Louis (1811—1882)
s. Namenregister ІІГ/4 179 314 476
479 493
Bluntschli, Johann Kaspar (1808—1881)
190 196 301 314
Bodin (Bodinus), Jean (1530—1596 ) 300
Bois-Guillebert. Pierre le Pesant, sieur de
(gest. 1714) 179
Bonald, Louis-Gabriel-Ambroise, Vicomte
de (1754—1840) Paire von Frank¬
reich, konterrevolutionärer Philosoph
325
Bossuet, Jacques-Benigue (1627—1704)
1681 Bischof von Meaux 508
Bouille, Fran^ois-Claude-Amour, mar-
quis de (ca. 1740—1800) französi¬
scher Militär unter Ludwig XVI., ver¬
teidigte den französischen Kolonial¬
besitz in Amerika gegen die Englän¬
der 479
43*
676
Namenregistei
Brissot, Jacques-Pierre (1754—1793)
einer der Führer der Girondisten, ent
hauptet 180
Browning, G., Verfasser von „The dome-
stical and financial Condition of Great
Britain; preceded by а brief Sketch
of her foreign Policy; and of the Sta-
tistics and Politics of France, Russia,
Austria, and Prussia“, London 1834
163
Buchez, Philippe-Joseph-Benjamin (1796
—1865) 205—207
Buhl, Ludwig Heinrich Franz (1814—
Anfang der 80-er Jahre) übersetzte
Louis Blanc, „Histoire de dix ans“
Berlin 1844/1845, Herausgeber der
„Berliner Monatsschrift“, s. Namen¬
register 11/2 179
Buonarotti, Filippo Michele (1761—1837)
Freund Babeufs, Teilnehmer der Ver¬
schwörung 493
Cabarrus, Frangois, comte de (1752—
1810) spanischer Finanzier und Fi¬
nanzminister 480
Cabet, Etienne (1788—1856) 205—207
444 445 477 504—515
Caesar, C. Julius (100—44 v. Chr.) 422
Calderon, Pedro de la Barca (1600—1681)
427
Camots, Luis, Vaz de (1523—1580) klas¬
sischer portugiesischer Dichter 407
Carnot, Joseph-Frangois-Claude (1752—
1835) Richter des Revolutionstribu¬
nals 493
Carriere (Carriere), Moriz (1817—1895)
Junghegelianer, Ästhetiker 314
Cartesius, s. Descartes, Rene
Cato, Marcus Porcius (95—46 v. Chr.)
493
Cervantes, Saavedra Miguel de (1547—
1616) 186 214 218 248 249 252 262
286 319 322 347 379 402 421 422 428
Charles X, s. Karl X.
Cherbuliez, Antoine-Elise (1797—1869)
schweizer Ökonom, Sismondist 56
Chevalier, Michel (1806—1879) Ökonom,
Redakteur des „Globe“, ursprünglich
Saint-Simonist 282 287 494
Child, Sir Josiah (1630—1699) 179
Chouroa, s. Rochau
Clemens Alexandrinus, Titus Flavius (ca.
150—216) Kirchenschriftsteller 122
Cobbett, William (1762—1835 ) 448
Cobden, Richard (1804—1865) Fabri¬
kant in Manchester, Führer der Frei¬
händler 423
Comte, Frangois-Charles (1782—1837)
französischer liberaler Politiker und
Publizist 287
Conde, Louis-Joseph de Bourbon, prince
de (1736—1818) 512
Condorcet, Marie-Jean, marquis de (1743
—1794) 512 513
Constant-Rebecque, Henri-Benjamin de
(Benjamin-Constant) (1767—1830)
Publizist 325
Cooper, Thomas (1759—1839) amerika¬
nischer Arzt, Chemiker und ökonomi¬
scher Schriftsteller, Freund Priestleys
371 474
Courier de Mere, Paul - Louis (1772—
1824) während d. Revolution u. d.
Kaiserreichs Artillerieoffizier, hervor¬
ragender Hellenist, während d. Re¬
stauration entschiedener Demokrat,
bekämpfte den weißen Terror 448
Dähnhardt, Marie Wilhelmine (1818—
1902) gehörte den „Freien“ an, 1843
—1847 mit Johann Caspar Schmidt
verheiratet. Stirner widmete ihr als
„Meinem Liebchen Marie Dähnhardt“
sein Buch „Der Einzige und sein
Eigentum“. (Die Braut; Dulzinea von
Toboso; die freie Nähterin; die Ge¬
liebte; die keusche Berliner Nähte¬
rin; Maritomes; die Schäferin Tor¬
ralva; die Throstlespinnerin: das
Titelgespenst von Stirners Buch;
das Viehmädchen; „Weib“) 173 184
188 261 279 288 343 348 376 377 379
421
Dalton, John (1766—1844) Begründer
der modernen Chemie 121
Danton, Georges-Jacques (1759—1794)
316
Demokrit, von Abdera (460—370 v. Chr.)
120 121
Descartes, Rene (1596—1650) 154
Desmoulins, Benoit-Camille (1760—1794)
472
Destutt de Tracy, Antoine-Louis-Claude
(1754—1836) idealistischer Philosoph
und Nationalökonom der Restaura¬
tion, Begründer der Lehre von der
Ideologie 207 208 210
Diogenes Laertius (um 240 v. Chr.) 119
120 121
Dottore Graziano der deutschen Philoso¬
phie, s. Rüge, Arnold
Duchätel, Charles-Marie (1803*—1867)
Akademiker, Deputierter, 1824—1848
mehrmals Minister, Malthusianer, s.
Namenregister 1/2 338
Dunoyer, Barthelemy-Charles-Pierre-Jo-
seph (1786—1862) ökonomischer
Schriftsteller, Politiker, nach der Juli¬
revolution Präfekt 423
Namenregister
677
Dupin, Andre-Marie-Jacques (1783—
1865) französischer Politiker, einer
der aktivsten Teilnehmer am Julium¬
sturz 492
Duvergier de Hauranne, Prosper (1798—
1881) liberaler, nach 1848 konserva¬
tiver französischer Journalist und Po¬
litiker, Freund Thiers. Deputierter,
beschäftigte sich mit der Marokko¬
frage 144
Eden, Sir Frederic Morton (1766—1809)
Historiker und Nationalökonom 199
Edmonds, Thomas Rowe (1803—1889)
Owenist, Verfasser von „Practical,
Moral and Political Economy“, Lon¬
don, 1828 444
Edward VI., König v. England (1537—
1553) 184
Eichhorn, Johann Albrecht Friedrich
(1779—1856) preußischer Staats¬
mann, 1840—1848 Kultusminister 346
Enfantin, Barthelemy-Prosper, gen. Le
Pere Enfantin (1796—1864) Haupt
der Saint-Simonisten 144 471 486 492
—494
Epikur (341—271 v. Chr.) s. Namenregi¬
ster 1/1 121 122
Ewald, Johann Ludwig (1747—1827)
Theologe, Professor der Moral 101
Fauchet, Claude (1744—1793) französi¬
scher Bischof, mit den Girondisten
hingerichtet 180
Feuerbach, Ludwig Andreas (1804—
1872) 7 30—34 38 63 72 75—85 92 93
97 110 114 116 118 126 141 174 213
—217 234 237 263 314 345 359 422
423 425 427 451 473 476 477 515 533
—535 538 539 542
Fievee, Joseph (1767—1839) royalisti¬
scher Politiker und Schriftsteller 325
Fourier, Charles (1772—1837) 186 236
394 395 444 445 466 471 477 495—
499 503
Franz I., König v. Frankreich (1494—
1547) 252 314
Friedrich Wilhelm ГѴ. König v. Preußen
(1795—1861) 309 317 323 340 343
Gellert. Christian Fürchtegott (1715—
1769) Fabeldichter 361
Godwin, William (1756—1836) 381 391
Goethe, Johann Wolfgang von (1749—
1832) 394
Greaves, James Pierrepont (1777—1842)
englischer Pädagoge und mystischer
Philosoph, befaßte sich seit 1832 mit
sozialen Plänen für die Landarbeiter
444
Gregor ѴП. (ca. 1020—1085) Papst 160
Grotius, Hugo de (1583—1645) Staats¬
rechtler 508
Grün, Karl Theodor Ferdinand (1817—
1887) s. Namenregister III /4 468 471
—516
Guizot, Frangois-Pierre-Guillaume (1787
—1874) 1840—1847 französischer
Außenminister 127 199 290 380 475
505
Halm, Friedrich (Pseudonym), s. Münch-
Bellinghausen
Hampden, John (1653—1696) seit 1679
Parlamentsmitglied, Gegner Karls II.
Wegen Beteiligung am Rye House
Komplott in den Tower gebracht und
zu 40 Tausend Pfund Geldstrafe ver¬
urteilt, begnadigt gegen 6000 Pfund.
1689 wieder ins Parlament gewählt,
trat hervor als Redner der radikalen
Whigs, 1690 nicht wiederge wählt,
wirkte er als Publizist. Nach erneu¬
ter Wahlniederlage 1696 beging er
Selbstmord 179
Hannibal (246—183 v. Chr.) 144
Harney, George Julian (1817—1897)
Freund von Engels, Chartistenfüh¬
rer, Redakteur des „Northern Star“
444
Hegel, Georg Friedrich Wilhelm (1770
—1831) 8 17 38 76—79 84 90 91 93
101—103 108—110 114 117 118 122
126 127 129 134 135 138 146—153 155
—159 163 164 167 171 172 174 178
179 188 214 215 222 235 244 245 246
255 256 284 285 297 302 305 307 327
332 387 389 444 457 465 474 477 505
531 542
Heine, Heinrich (1797—1856) 385 473
495
Heinrich ѴІП., König v. England (1491
—1547) 45
Helvetius. Claude-Adrien (1715—1771)
224 388—390
Heraklit aus Ephesos (etwa 540—480 v.
Chr.) 119
Herwegh, Georg Friedrich (1817—1875)
s. Namenregister III/4 449
Heß, Moses (1812—1875) s. Namenregi¬
ster III4 72 92—94 97 216 240 241
314 317 394 395 423 426 442 449 450
451 474 477 478 498
Hinrichs, Hermann Friedrich Wilhelm
(1794-—1861) Althegelianer, seit 1825
Professor der Philosophie in Halle
91 93 314 542
Hobbes. Thomas (1588—1679) 300 307
388 390 391 457 508
Hobson. Joshua, Chartist, Mitherausgeber
des „Northern Star“ (1843) 191 444
678
Namenregister
Hoffmann von Fallersleben, August Hein¬
rich (1798—1874) romantischer Dich¬
ter 166
Holbach, Paul-Henri, baron d’ (1723—
1789 ) 388—390
Holyoake (Holyoke), George Jacob (1817
—1906) secularistischer Owenist, spä¬
ter Genossenschaftler 444
Horatius, Quintus Flaccus (65—8 v. Chr.)
120
Hume, David (1711—1776) 153
Innocenz III. (1161—1216) Papst 160
Jean Paul, s. Richter
Kant, Immanuel (1724—1804) 175 177
476
Karl der Große (742-814) 54 199 481
Karl X., Philipp, Graf von Artois (1757
—1836) 1824—1830 König der Fran¬
zosen 293 512
Kats, Jacob (1804—1886) flämischer Ar¬
beiterdichter und Dramaturg 476
Kaulbach, Wilhelm von (1804—1874)
Maler 71
Kett (Ket), Robert (1549 hingerichtet)
Führer des englischen Bauernaufstan¬
des von 1549 183
Klopstock, Friedrich Gottlieb (1724—
1803) 264 291
Konfuzius (551—478 v. Chr.) 506
Krummacher, Friedrich Wilhelm (1796
—1868) pietistischer Theologe, Pastor
in Elberfeld, s. Namenregister 1/2 216
Kuhlmann, Georg, Dr. (geb. 1812) wah¬
rer Sozialist, spielte den Apostel un¬
ter den Arbeitern in der Schweiz,
Abenteurer. Am 1. September 1845
aus der Schweiz ausgewiesen. Ver¬
fasser von „Die neue Welt oder das
Reich des Geistes auf Erden. Verkün¬
digung“. (Genf 1845) und .,Das Reich
Gottes in der Wirklichkeit oder die
organisierte Freiheit“. (Genf 1845)
356 371 519-528
Kuonrat von Wurzeburc (gest. 1287)
mittelhochdeutscher Dichter 427
Lafayette, Marie-Joseph, marquis de
(1757-1834) 180
Lamartine, Alphonse-Marie-Louis de Prat
de (1790—1869) Dichter, Diplomat
und liberaler Abgeordneter 505
Lamennais, Felicite-Robert de (1782—
1854) Deputierter, Philosoph, reli¬
giöser Sozialist 522 523
Leibniz, Gottfried Wilhelm (1646—1716)
161 420
Leonardo da Vinci (1452—1519) 372
Lerminier, Jean-Louis-Eugene (1803—
1857) Jurist, liberaler Politiker und
Philosoph, Mitarbeiter am „Globe“
474
Leroux, Pierre (1798—1871) bis zur
Spaltung Saint-Simonist, Begründer
des „Globe“, Mitarbeiter an der „Re¬
vue des deux Mondes“, Demokrat,
später Sozialist 211
Lessing, Gotthold Ephraim (1729—1781)
314 476
Levasseur, Rene (de la Sarthe) (1747—
1834) s. Namenregister 1/3 und III/4
160 493
Linguet, Simon-Nicolas-Henri (1736—
1794) Advokat, Staatstheoretiker, Hi¬
storiker, Publizist 180
Locke, John (1632—1704) 388 390 391
507
Louis ХѴГ, König v. Frankreich (1754—
1793) 127 499 510
Louis XVIII, Stanislas-Xavier, König v.
Frankreich (1755—1824) 512
Louis Philippe, Herzog von Orleans (1773
—1850) 1830—1848 König von Frank¬
reich 475
Louvet de Couvray, Jean-Baptiste (1760
—1797) Jakobiner, s. Namenregister
1/3 160
Lucretius, Titus Carus (ca. 96—55 v.Chr.)
119 122
Luther, Martin (1483—1546) 122 127 152
489
Luzian (ca. 125—180) griechischer Sati¬
riker 123 169
Mably, Gabriel-Bonmot de (1709—1785)
Publizist, Historiker und Philosoph
180 509
Macchiavelli, Niccolö di Bernardo dei
(1469—1527 ) 300
MacCulloch, John Ramsay (1789—1864)
344
Maistre, Joseph-Marie, comte de (1754—
1821) Schriftsteller und Philosoph
325
Malthus, Thomas Robert (1766—1834)
338
Marat, Jean-Paul (1744-1793) 180
Matthäi, Rudolf, schrieb im „Gesell¬
schaftsspiegel“ 1845: „Wohltätigkeits-
Zwecke“, „Über die Ablösung der
bäuerlichen Dienstpflichtigkeit“, „Die
ackerbautreibende Bevölkerung in
Schlesien“ und lieferte in „Rheinische
Jahrbücher zur gesellschaftlichen Re¬
form“ einen Beitrag „Sozialistische
Bausteine“ 442—468
Namenregister
679
Mauguin, Francois (1785—1854) franzö¬
sischer Rechtsanwalt und Parlamen¬
tarier 492
Mehemed Ali (1769—1849) s. Namen¬
register 1/2 144
Mercier de la Riviere, Paul-Pierre (1720
—1793) 180
Metternich, Klemens Lothar Wenzel,
Fürst von (1773—1859) 293
Michelet, Karl Ludwig (1801—1893) He¬
gelianer, seit 1829 Professor der Phi¬
losophie in Berlin, Mitherausgeber
der Hegelausgabe 101 103 163 164
Mill, James (1773—1836) 390 391
Mirabeau, Gabriel - Honore - Riquetti,
comte de (1749—1791) 511
Monteil (Montheil) Amans-Alexis (1769
—1850) französischer Historiker 199
Montesquieu, Charles de Secondat, baron
de la Brede et de (1689—1755 ) 265
505 509
Montez, Lola (Maria Dolores Eliza Ro¬
sanna Gilbert) (1818—1861) Tänze¬
rin 366
Montjoie, Christophe, Ventre de la Tou
loubre, gen. Galart de (1746?—1816)
französischer Publizist, Royalist 160
Morelly (Mitte des 18. Jahrhunderts)
französischer kommunistischer Philo¬
soph, s. Namenregister III/4 513
Morgan, John Minter (1782—1854) Owe¬
nist, Verfasser von „Remarks on the
Practicability of Mr. Owen’s Plan to
improve the Conditions of the Lower
Classes“, 1819 444
Morus, Thomas (1478—1535) 444
Mozart, Wolfgang Amadeus (1756—1791)
372
M. R., s. Regnier d’Estourbet, Hipp.
Münch-Bellinghausen, Elegius Franz Jo¬
seph, Reichsfreiherr von (1806—1871)
Dichter (Friedrich Halm), Verfasser
einer Reihe von Dramen u. a. „Der
Sohn der Wildnis“ (1842/43 ) 281
Mundt, Theodor (1808—1861) 471
Napoleon I (1769—1821) 35 116 118 144
177 255 332 362
Nauwerk (Nauwerck), Karl Ludwig Theo¬
dor (1810—1891) s. Namenregister I
1/1 314
Newton, Sir Isaac (LM2-1727) 49 485
Nougaret, Pierre-Jean-Baptiste (1742—
1823) Publizist und Politiker 160
O’Connell, Daniel (1775-1847) 267
Oelckers, Hermann Theodor (1816—
1869) studierte Medizin, seit 1839
Schriftsteller, Übersetzer hervorragen
der englischer und französischer
Werke; seine Schrift „Die Bewegung
des Sozialismus und Kommunismus“
wurde von Karl Grün 1844 in der
„Neuen Anekdota“ rezensiert 436
Owen, Robert (1771—1858) 195 372 444
445
Paulus, der Apostel 122
Peltier, Jean-Gabriel (gesL 1825) franzö¬
sischer Emigrant, lebte meist in Eng¬
land, schrieb gegen die Revolution
und das Kaiserreich, Royalist 160
Persiani, Fanny, geb. Tacchinardi (1812
—1867) italienische Sängerin 419
Petty, Sir William (1623—1687) 179
Pfeffel, Gottlieb Konrad (1736—1809)
Fabeldichter 278
Pfister, Johann Christian (1772—1835)
Historiker 219
Philippson (Dessau), Ludwig, Dr. (1811
—1889) liberaler Rabbiner, schrieb
gegen Bruno Bauer 92
Pinto, Isaak (1715—1787) portugiesisch¬
holländischer Kaufmann und ökono¬
mischer Schriftsteller, Fondsspeku¬
lant 48 340
Plato (427—347 v. Chr.) 123 155
Plutarch (ca. 45—125) 122
Proudhon, Pierre-Joseph (1809—1865)
161 195 204 314 332 343 359 402 471
476 477 478 496 503 514 515 524
Pufendorf (Puffendorf), Samuel, Frei¬
herr von (1632—1694) 508 509
Pythagoras (ca. 582—493) 506
Raffael (Raphael) Santi (1483—1520)
370 372
Ranke, Leopold von (1795—1886) 280
Regnier d’Estourbet, Hippolyte (1804—
1832) abbe, Dramaturg, katholischer
Schriftsteller, schrieb unter den Pseu¬
donymen M. R., abbe Tiberge, Eugene
de Dalman u. docteur Ritter de Brig-
ton 160
Reichhardt, Carl, Schriftsteller, Mitar¬
beiter an der Bauerschen „Allgemei¬
nen Literaturzeitung“, wo er August
Wönigers Buch „Die Gründe des
wachsenden Pauperismus“ kritisierte,
s. Namenregister 1/3 198 211
Reybaud, Marie-Roch-Louis (1799—
1879) französischer Historiker und
Nationalökonom, Herausgeber von
Fourier 479—485 489—494 504 515
Ricardo, David (1772—1823 ) 382
Richter, Jean Paul Friedrich (Jean Paul)
(1763—1825) 119 177
Robespierre, Maximilien-Marie-Isidor de
(1758—1794) 159 160 161 224 472
680
Namenregister
Roch au, August Ludwig v. (Pseudonym
Chouroa) (1810—1873) liberaler
Publizist und Politiker 496
Rodrigues, Benjamin - Olinde (1794—
1851) Saint-Simonist 479 485
Rohmer, Friedrich (1814—1856) philoso¬
phischer und politischer Schriftstel¬
ler, gehörte zum Kreise von Bluntschli
(Zürich) 524
Roland, Manon-Jeanne Phlipon (1754—
1793) französische Schriftstellerin 160
Rousseau, Jean-Jacques (1712—1778)
380 381 509 510
Rüge, Arnold, Dr. (1802—1880), s. Na¬
menregister III/4 111 215 216 227
Rumford, Benjamin Thompson, Graf von
(1753—1814) Abenteurer, englischer
Offizier, bayrischer Staatsminister, Phi¬
losoph. Erfinder der Rumford-Suppe
215
Rutenberg, Adolf (1808—1869) s. Na¬
menregister 11/2 314
Saint-Just, Louis - Antoine (1767—1794)
159 160 161 224
Saint-Simon, Claude Henri, comte de
(1760—1825 ) 448 457—459 471 477
479—491 493 523
Sand, George (Amandine-Lucile-Aurore
Dupin dame Dudevant) (1804—1876)
161
Sarran, Jean-Raimond-Pascal (Sarrans
aine) (1780—1844) ultramonarchisti¬
scher Publizist der Restauration 325
Say, Jean-Baptiste (1767—1832) Ökonom
504
Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph von
(1775—1854) 114 174 477
Schiller, Friedrich von (1759—1805 ) 508
509 510
Schlegel, August Wilhelm von (1767—
1845) 385
Schlosser, Friedrich Christoph (1776—
1861) Historiker 314
Schmidt, Johann Caspar (Max Stirner)
(1806—1856 ) 8 9 27—31 35 38 61 65
71 72 75 77—80 83—85 92 97—110
114 116—175 177—199 200—227 229
—257 258—309 310—328 330—388
389 392 396 397—417 418—432 447
450
Semmig, Friedrich Hermann (1820—
1897), s. Namenregister III/4 441—450
452
Senior, Nassau William (1790—1864)
Ökonom 339
Shakespeare, William (1564—1616) 84
210
Siegismund L, deutscher Kaiser (1368—
1437) 252
Sieyes, Emanuel-Joseph (1748—1836)
505 511
Sismondi, Jean-Charles-Leonard-Simonde
de (1773—1842 ) 56 182 494
Smith, Adam (1723—1790) 48 371
Sokrates (469—399 v. Chr.) 118 119 127
Sophokles (497—406 v. Chr.) 117
Southwell, Charles, englischer Kommu¬
nist 444
Spartakus (71 v. Chr. gefallen) 199
Spence, Thomas (1750—1814) englischer
Kommunist, s. Namenregister 1/2 444
Spinoza, Benedictus (1632—1677) 161
300
Stehely. s. Namenregister 1 1/2 303
Stein, Heinrich Friedrich Karl, Freiherr
vom und zum (1757—1831), preußi¬
scher Staatsminister 331
Stein, Lorenz von (1815—1890) 189 436
471—496 514 515 535
Stephenson, George (1781—1848) Er¬
finder der Lokomotive 282
Stirner, Max, s. Schmidt, Johann Caspar
Strauß, David Friedrich (1808—1874)
7 8 157
Szeliga, s. Zychlinsky
Tertullianus, Quintus Septimius Florens
(ca. 160—220) Kirchenschriftsteller
144
Teste, Jean-Baptiste (1780—1852) nahm
schon mit 12 Jahren am politischen
Leben teil, Jurist, Akademiker 493
Thompson, William (ca. 1783—1833)
irischer Gutsbesitzer, Ökonom, ricar-
dianisch-owenistischer Sozialist 444
Timon von Phlius, der Sillograph (ca.
250 v. Chr.) 118 123
Tizian (Tiziano Vecelli) (1477—1576)
372
Turgot, Anne-Robert-Jacques. baron
d’Aulne (1727—1781) 499 509 510
511
Vauguyon, Paul-Frangois, duc de la
(1746—1828) französischer Staats¬
mann; Gesandter in Holland (1770)
und Spanien (1784—1790) 480
Venedey, Jakob (1805—1871) Publizist.
Veröffentlichte im „Deutschen Bür¬
gerbuch für 1845“ (herausgegeben
von Püttmann) ein „Credo“, s. Na¬
menregister HI/4 31
Vergilius, Publius V. Maro (70—19 v.
Chr.) 402
Vemet, Horace (1789—1863) Maler 372
Villegardelle, Frangois (1810—1856)
Fourierist, s. Namenregister 1/3 513
Namenregister
681
Vincke, Friedrich Ludwig Wilhelm,
Freiherr von (1774—1844) preußi¬
scher Staatsmann, s. Namenregister
Г/3 331
Voltaire, Frangois-Marie Aronet, gen.
(1694-1778) 510
„Publizistische Abhandlungen: I. Die
Gründe des wachsenden Pauperis¬
mus“, die von Carl Reichardt in der
„Allgemeinen Literatur-Zeitung“ be¬
sprochen wurden 211
Wade, John (1788—1875) englischer po¬
litischer Ökonom und Historiker 182
Washington, George (1732—1799) 479
Watts, John (1818—1887) Lecturer an
der Hall of Science in Manchester,
englischer Sozialist, Anhänger von
R. Owen 191 444
Wat Tyler (gest. 1381) einer der Führer
des Aufstandes der englischen Bauern
und Handwerker gegen die Feudalen
183
Weitling, Wilhelm Christian (1808—
1871) 186 444
Wigand, Otto (1795-1870) Verleger 97
Wöniger. August Theodor, Dr., bürger¬
licher Schriftsteller, schrieb 1843
Zeno, byzantinischer Kaiser (474—491)
183
Zeno aus Kition (336—264 v. Chr.) Phi¬
losoph, Begründer der Stoa 120
Zychlinsky, Franz Szeliga Zychlin von,
(1816—1900) betätigte sich in seiner
Jugend als junghegelianischer Schrift¬
steller, Mitarbeiter (1843—1845) an
der „Allgemeinen Literatur-Zeitung“
und den „Norddeutschen Blättern“
Bruno Bauers; in letzteren veröffent¬
lichte er im März 1845 seine Kritik
des Stimerschen Buches 38 97 100—
102 129 130 131—136 141 152 172
173 203 255 264 274 314 315 322 324
345 348 363 364 372 376 377 387 426
SACHREGISTER
Abstrahieren: von wirklichen Vor¬
aussetzungen nur in d. Einbildung
möglich 10 35 59 306 349 397 411 412
448 452-453 497 502 535
Abstrakt (e) (losgerissen,verselbstän¬
digt): sind d. Empiriker selbst noch
16; Gedanken u. Vorstellungen 36 78
110 157 174 178 216—217 262 309
466; Tat 39; Individuen 57 243 403
535; Ausdruck wirklicher Verhält¬
nisse 76—77 124 388 448 452; Phra¬
sen 77 260; Charakter der stimer-
schen „Philosophie“ 153; Kategorien
209 253 281 341 425; Charakter wirk¬
licher Erscheinungen 242 397 533;
Denken 242—243 442 534; Ideologen
305; Tatsachen 359
Abstraktion: allgemeinster Resul¬
tate 16; geschichtliche 17 263 408 520
527; sinnlose 77 159 231 266 272 284
285 484—485; v. einer Abstraktion 78
136 147 389 453 462 466 480 522;
scheinbar metaphysische 387; s. auch
Ideologie
Ackerbau: als Lebensbasis eines Vol¬
kes 12; Ackerland: Verwandlung des¬
selben in Viehweide 13 45 127; als
naturwüchsiges Produktionsinstru¬
ment 55; u. römische Eroberungen 13;
im verfallenden römischen Reich 13;
geringer u. roher im Mittelalter 14;
feudaler, parzelliert, erschwerte Ar¬
beitsteilung 14; u. gemeinsame Haus¬
wirtschaft 18; gemeinsamer 18; u.
Vagabundentum 45; u. Eigentum 46;
Weise d. Betriebs desselben nach d.
Bauernkriegen in Deutschland 176; u.
Parzellierung in Irland, Wales u.
Frankreich 330; bestimmte Organisa¬
tion desselben 369; u. Physiokraten
391; kapitalistische Landwirtschaft
495; s. auch Landwirtschaft.
Adel: als feudaler Stand 14 65 201;
grundbesitzender 15 42 45 66 396; als
herrschende Klasse 15 321 410;
Kampf desselben m. Demokratie u.
Monarchie 23 36 53 314; ideologische
Auffassung d. Herrschaft desselben
36; Sturz seiner Herrschaft 37 53 397;
alter feudaler in Deutschland 175—
176; weltlicher u. geistlicher feuda¬
ler 199; setzte zuerst an d. Stelle d.
Genusses d. Evangelismus d. Evange¬
lium d. Weltgenusses 200 396; Macht
desselben rückte in Gestalt d. Geldes
in d. Taschen d. Bourgeoisie 200;
devote Religiosität desselben 397;
Beweis desselben v. seiner „Produk¬
tivität“ 501; französischer, u. Hun¬
gersnot v. 1775 511; s. auch Feuda¬
lität
Akkumulation: d. naturwüchsigen
Kapitals 44; d. mobilen Kapitals 46
66 340; d. Arbeit als Kapital 55;
Wachstum derselben 56; Notwendig¬
keit derselben 56; u. Erbrecht 341;
ursprüngliche kapitalistische 353; v.
Produktivkräften u. Verkehrsformen
416; s. auch Produktion, Zirkulation
Aktiengesellschaften 335 336
341 350 390 394
Allgemeine, das: angebliche Herr¬
schaft desselben 9 37; als Resultat ge¬
schichtlicher Abstraktion 16 36—37
390; als wirklicher Begriff 22 23 37
262 342 385 461 463 465; als illuso¬
rische Form d. Gemeinschaftlichkeit
23 37 52 228 251; als metaphysische
Person 138 265 344 381 390 460; als
feuerbachsche „Gattung“ 535
Altertum: Eigentumsverhältnisse des¬
selben 12—13 51 140 170 410; Aus¬
gangspunkt desselben 13—14; Epi¬
kur als eigentlicher radikaler Aufklä¬
rer desselben 122; identifiziert m. al¬
ter Philosophie 123; als Realismus b.
d. Deutschen, als Idealismus b. d.
Franzosen u. Engländern 124; u.
Christenum 170—171; u. Neuzeit 396;
als Naivität 450; s. auch Griechen¬
land, Rom
Amerika 34—35 46 62 180 181 196
449; südamerikanische Republiken
64; s. auch Vereinigte Staaten von
Nordamerika
Arbeit: als einseitige Tätigkeit, als Be¬
ruf 7 36 39 41 42 57 65 67 204 215 243
268 270—271 337 342 357 373 379 398
403 424 536 540; historische Entwick¬
lung derselben 11 14 40—45 50—51
55 56 59 66—67 185 199 466; als
korporatives Eigentum 14 40—42; bei
Hegel 17 155; als Produktion d.
eigenen Lebens 19 66 467; quantita¬
Sachregister
683
tive u. qualitative Verteilung dersel¬
ben 21 22 55 59 197—200 443 468
526; fremde, Kommando darüber 22
186 209 364; als Lebensbedingung d.
Arbeiters 25 42 56 66; sinnliche, als
Basis d. Gesellschaft 33 56; geistige
u. materielle 36 39 105 371—373 379
—391 446; entfremdete 40 43 50—57
59 67 185 196 339; als ausschließliche
Basis d. Kapitals 40 55 56 196 496;
Aufhebung derselben 43 59 67 185
198; einfache u. zusammengesetzte
45 379; absolute Naturwüchsigkeit
derselben 50; Organisation derselben
51 369-374 393 404 418 468 505;
Austausch d. Produkte derselben 55;
abstrakte, als Gestalt d. Privateigen¬
tums 56 57 196; freie 67 184—185;
Lohnarbeit 196 339 363 364 473 496;
b. proletarischen Schriftstellern 188
466 486 496; „einzige“ u. „mensch¬
liche“ 251—252 339 370—373 380;
Grundrente u. Staat 262; Zwangs¬
arbeit 288; u. Arbeitslohn 363 364
371; gesellschaftlich notwendige 371;
„produktive“ u. „unproduktive“ 371—
372; wertbestimmende 378; gemein¬
sames Eigentum an d. Produkten der¬
selben 467—468
Arbeiter: Taglöhner 14 41 332 364—
371; Lohnarbeiter 25 42 46 50 181—
186 201 331 339 348 352—353 357
364 387; v. Weltmarkt abhängig 34
191; mittelalterliche 40—42 46; indu¬
strielle u. nichtindustrielle 50; Kampf
derselben gegen d. Kapitalisten 184
196 208 270 339 348 364—367 387;
einzelner 191; politische Interessen
derselben 196 199 357 364 367; b. St.
Simon 448 485 487; s. auch Prole¬
tarier
Arbeiterbewegung5060 183 184
191 195 196 199 205 270 280 333 339
364 367 435—437 441—445 448 449
451—453 468 474 475 477 478 483 499
505 513 519—521 523; Aufstände 183
196 199; Streiks 184 339 364 366 367;
Reformismus 196; National reformer
449; s. auch Kommunismus, Revolu¬
tion, Sozialismus
Arbeitskraft: Verfügung über
fremde 22; massenhaft vom Kapital
oder irgend einer bornierten Befriedi¬
gung abgeschnittene 25; auf d. Markt,
Preis derselben 366; eines Individu¬
ums 372—373
Arbeitslohn: b. Stirner 163 181 332
339 346—347 348 363 371 418; Ab¬
züge davon zugunsten d. Bourgeois
181 363—364 392; gleicher, als
angeblicher Kommunismus 195;
Schwankungen desselben 348; Mini¬
mum desselben 348 366 382; gesetz¬
liche Festsetzung desselben 371
Arbeitslosigkeit 25 35 45
Arbeitsteilung: im internationalen
Verkehr 11 35 372; innerhalb einer
Nation 11 22 23 39 44 65 176 239 393
417 536; innerhalb d. drei Arten d.
Arbeit 11 14 41 49—51 398; Entwick¬
lungsstufen derselben 11 22 51 307
321 349—353 537; u. Stammeigentum
12 365; u. Gemeindeeigentum 12;
Weiterentwicklung derselben 12 14
20—23 41 49—51 55 56 321 349—353
373; naturwüchsige 12 20—22 35 41
50; u. Feudalismus 14 41—42; ur¬
sprüngliche im Geschlechtsakt 20—21
539; moderne 21—23 49 55—56 63
64 320—321 336 349—353 373 413 417
424 468 536—539; als Trennung d.
materiellen u. geistigen Arbeit 21—23
39 55 372—374 379—380; Aufhebung
derselben 21 63—64 359 417; u. Di¬
stribution 22; u. Interessen 22; Sub¬
sumtion darunter 22 43 56 58 64—65
227 243 270 274 369 379 415—417; in
Indien u. Ägypten 29; innerhalb d.
herrschenden Klasse 36 43; als Aus¬
druck d. Allgemeinheit 37; Folgen
derselben 56 63—65 321 373 424; zwi¬
schen stimerschen Kategorien 102; u.
Philosophie 291 343—347 539; il
Staat 320 336 342; u. vorproletarische
Revolutionen 359; in d. Kunst 372
373; u. Bildungsverhältnisse d. Men¬
schen 372; u. Nützlichkeitstheorie
392; u. Gattung 403—404; als Vor¬
aussetzung persönlicher Verhältnisse
415—416; u. Wissenschaft 536
Arbeitszeit 268 288 370 540
Armee: zusammengelaufene, ihre Ent¬
lassung mit Aufhören d. feudalen Ge¬
folgschaften 45; kleine, d. Duodez¬
fürsten 176; u. Klassenkampf im
Bourgeoisstaat 339; als Mittel d.
Staatszwangs 464
Assoziation, s. Gemeinschaft
Atom: b. Demokrit u. b. Epikur 121; b.
Hegel 262; b. d. wahren Sozialisten
442
Attraktion: b. Hegel 262; b. Fou¬
rier 498 524
Babouvismus 189 444
Bankwesen: Entstehung desselben
in d. Manufakturperiode 48; u. Bour¬
geoisstaat 51; als Voraussetzung d.
..Nehmens“ d. Bankiersvermögens 54
362 390; u. philosophische Kämpfe
71; s. auch Deutschland, Kredit
Barbarei, s. Gesellschaft
684
Sachregister
Barbaren: zerstören alte Zivilisation
12 43—44; erobern d. römische Reich
12—13 54; erobernde, betreiben d.
Krieg als regelmäßige Verkehrsform
12
Bauern: kleine plebejische in Rom 13;
kleine leibeigene 14 45 66 368—372
379—382; als feudaler Stand 14;
Hausindustrie derselben 14 44 45;
Zersplitterung derselben im Mittel-
alter u. Ohnmacht in d. Neuzeit 41
176 333; als mittelalterliche Reserve¬
armee d. aufkommenden Manufaktur
45 66; Hörigkeit u. Fronlasten der¬
selben 176 331 368—372 379—382;
als aktiv revolutionäre Klasse in
Deutschland im 17. u. 18. Jahrh. un¬
möglich 176; französische, in d. Gro¬
ßen Revolution 187 482; als „Ge¬
drückte“ b. Stirner 190; irische 291;
Tiroler 293; Loskaufung derselben v.
d. Servituten 331; kleine, eigentums¬
lose 332—333; kleine, als Eigentümer
384; fronpflichtiger 407 e. M. Stir¬
ner, Namenregister
Bedürfnisse 12—15 17—21 32 33
39—44 49 51 58 61 62 80 90 170
175 188 201 235 243 265—270 282—
284 297 331 333 340 349 356 382 387
390 394—395 404 408—410 416 418
435 445 460 474 493 503 523 525—526
538 539; Befriedigung derselben 17
—18 31—32 47 49 61 80 229 235 236
242 244 268 269 283 284 390 395 410
416 460 538; b. Hegel 17 297; Luxus
44 396 397; Hunger 80 146 191 273
274 290; b. Kant 175
B e g r i f f 9 18 21 36 38 61 71 78 83 86
138 140 149—152 162—165 177 188
199—200 209 213 217 242 250—251
256 272 293 296—297 304—306 320
341—343 359 407—409 451 468 503
533 536; s. auch Erkenntnis
Belgien: Lohnkämpfe 339; Fourieris-
mus 445; u. K. Grün 474 478
Berlin (Berliner, berlinisch): 101 103
135 143 157 161 164 166 173 178—180
183—185 189 197 204 207 243 250 277
280 281 284 293 304 309 314 316 324
335 337 339 344 351 364 367 394 406
409 412 421 423 450 521
Bestehendes: philosophische Apo¬
logie desselben 31 51 78—79 175 250
271—272 293 361 373—376 384 385
394—396 411 540; 60 64 262 356 357
360 415; wahrhaft sozialistische Apo¬
logie desselben 453 500—501 503—
504; Feuerbachs Lobrede auf das¬
selbe 540; s. auch Substanz
Bevölkerung: Vermehrung dersel¬
ben 11—13 14 18 20 44 46—47 399;
Zersplitterung derselben 13 39 41 57
184 333; Abnahme derselben 13 169;
Teilung derselben in Klassen 39; Kon¬
zentration derselben 39 44; im Mittel-
alter 13 14 39 41; in d. Manufaktur¬
periode 41 44—47; in modernen Län¬
dern 51 62; Übervölkerung 399
Bewußtsein 3 8—10 15—16 19—21
26—39 52 59—63 77—79 107—108
114 117—118 134—135 141 165 177
180 192 196 204 216 226 230—232
237 242 259 260—261 264 267 269 271
—272 275 286—287 342—345 352—
353 357—361 364 389 398 401 408
418 427 436—437 443—444 453 457
—458 464 499 506 531 536; religiöses
8—9 16 134 536; politisches 9 15—
17 20 29 35 77 108 186 271 313 325
334 452 536; juristisches 9 21 334 348
536; moralisches 9 16 21 101 177 194
197 227 229 231 252 264 270—272
312 319 348—349 351 354 357 361
366 368 374—376 391—393 396—401
415 499 503; ideologisches 9 16 19 21
31 59 61 78—79 107—108 114 117
135 141 165 237 242 264 271 272 275
286—287 309 344—345 353 357 361
398 427 436—437 457 458 464 499
515 531 536; als Unterscheidungs¬
merkmal d. Menschen v. d. Tieren
10; Produktion desselben 15 20 26—
39; u. Sein 15—16 20 21 30 31 35
52 62 63 77 165 231 242 412; u.
Sprache 20 210; b. Feuerbach 31 32
216; komunistisches 36 59—60 62 192
196 398 443 444 453; b. Hegel 38
135 157 166 174 531; redliches Be¬
amtenbewußtsein 177; Veränderung
desselben 27 30 107 230 232 357 401;
kleinbürgerliches 143 1 77 182 204 211
226 249 261 282 335 336 347 349 352
357 367 369 371 375 393 395 453; als
Ausgangspunkt d. deutschen Philoso¬
phie 344—345 436 499; bürgerliches
177 187—188 192 196 207—208 210
231 264—265 308 351 364 376 386 388
—389 536; individuelles 16 20 27 35
—36 63 77 165 267—269 309 329 398
416 418; gesellschaftliches 20—21 27
30 60 63 77 108 165 196 226 271 398
436—437 457 464 506 536; s. auch
Denken, Ideologie, Logik
Bildung: u. Eigentumslosigkeit 24
26; u. Eroberung 54; u. Bewußtsein
d. Revolutionäre 63; Stufe derselben
b. jedem Menschen verschieden 63
269 281 448 520; kleinbürgerliche u.
bürgerliche 143 166 281 396; Einfluß
derselben auf d. Produktion 353 502;
literarische 366; u. Arbeitsteilung
372; u. Weltverkehr 380 391; musika¬
lische 418; Produktion derselben 502
Sachregister
685
Bourgeois 37 47 48 50—53 65 98
112 143 154 161—162 175 177—184
187 188 191 192 196 197 201 202 205
207 208 210 212 224 225 228 231 232
255 261 264 265 268 274 288 293 307
—308 314 321 325—327 331 335 340
350—352 361 364 376 386 388 389 404
415 445 452 453 454 499—500 505
.511 536; s. auch Grundbesitzer, In¬
dustrielle, Kapitalisten, Kaufleute
Bourgeoisie 26 36 37 43 46 47 50
52—53 65 66 98 162 175—179 182-
184 200 208 210 217 249 261 308 313
321 333 335 337 340 344 359 372 374
388—392 396 397 403 410 435 448
452 454 487; s. auch Adel, Proleta¬
riat, Staatsform
Bürger, s. Kleinbürgertum,
Staatsbürger
Bürokratie 176 204 313 348 371 372
Ch artismus 187 196 364 435 441—
443 449 452 463 474 475 478 483 499
China: u. d. Weltmarkt 35; b. Hegel
145 146 148; b. Stimer 146—148 151
2156 336 347 399; s. auch Deutsch¬
land
Christentum^. Religion
Da sein, s. Existenz
Demokratie: ihr Kampf mit d. Ari¬
stokratie und Monarchie 23; Zwie-
s palt der Interessen in ihr 23; u. Sou¬
veränität d. Einzelnen 311; als Re-
piräsentativstaat 326
Denken: u. materielles Verhalten 15
16 36 242 270 534; b. Hegel 38 78
135 412 515 531; b. Aristoteles u. b.
d.. wahren Sozialisten 123 464; dialek¬
tisches 174 515; abstraktes 226 242
243 534; reflektierendes 226 242 243
2.'52 286; als Genuß u. Bedürfnis 243
2f69 270
Detntschland 3 7—8 18—19 29 31
35 39 52 63 90 163 166 171 175
—178 195 211 282 331 333 336 338
351 437 450 452—454 457 474 478
521 526; Deutsche 3 17—19 21
2'9—32 35 62 98 104 178 181 293
3 47 419 441—446 451—454 476 497
508 509 520; Bauern 176 293 331
365—366; Bauernkriege 44 175—
176; Bürger 8 90 108 175—181 183
198 200 281 334 377; Geschichte seit
der Reformation 175—178; Geschicht¬
schreibung 15—16 19 29 30 34 39
253 282 450—451 471—516; Handel
176 473; Historische Rechtsschule
293; Ideologen (Theoretiker, Kirchen¬
väter) 7 23 26 30 31 38 79 85 89 92
93 98 99 110 117 122 142 153 157 163
170 171 174 177 179 181 203 211 214
215 232 251 274 290 312 326 336 421
—424 432 436 445 449—453 459 474
476 505; Ideologie (Theorie) 17 89
90 214—215 435 436; Industrie 63
176 282 473; Kleinbürger 98 177—
180 217 224 226 232 254 285 288 290
293 331 335 351 369 376 389 408 437 ;
Kritik 8—10 22 27 30 34 35 71 72 75
78 82 84 86—93 97 98 122 175—179
188 189 212 214—218 221 238—239
257 261 262 271 303 321 327 342 343
352 355 381 405 410 421 431 432 450
466 475 478 491—492 496—500 509
541—543; Kritiker 8 22 30 82 87 90
—93 125 431—432 542—543; Leipzi¬
ger Konzil d. Deutschkatholiken 71;
Kosmopolitismus 31 140 175 437 453;
napoleonische Eroberung 35 177—
178; Nationalismus 30 31 166 175 436
441 450 454 467 474; Philosophen 3
7—10 17 24 28—34 38 53 58—59 65
77—79 110 113 124 153 154 157 158
171 174 195 216 264 300 356—358
411 416 424 427 437 478 497; Philo¬
sophie (Spekulation) 3 8 10 15 29—
31 38 76—77 85 87 90 112 113 125
138 144 145 153 155 166 167 192 214
—216 226 239 241 247 255 257 264
277 279 291 344—345 354 360 382—
385 392—393 400—402 421 424—427
436—437 441—468 473 477 497 499
538—540; Preußen 192 309 313 317
—318 331 337 340 353 381 520—521;
Preußische Seehandlung 353; Proleta¬
riat 63 184 196 198 280 437 444—445
453 477; Publikum 3 250 300 403 424
435 521; Rhein 19; Tugendbündler
177; Zollverein 389; s. auch China,
Ideologen, Ideologie
Dialektik 174 193 194 215 216 234
237-238 241—247 244—245 248 258
334 410 515 534 539; s. auch Erkennt¬
nis
Distribution: u. Eigentum 22 66
186 196 365; d. Arbeit 22 33 55 59;
d. Gedanken 36; d. Gewalt b. St. Si¬
mon 484
Eg oismus: stirnerscher 84 98—99
111 113—114 137 154 161 170—172
190 222—223 225—228 230 232 234
239 240 244 246—248 252 263—272
277—280 287 289—291 302 311—316
322 333 355 362 389 393 400 408 412
424 450; wirklicher 154 222—225 227
228 230—232 234 248 264—265 297
308 389 408 416 424 533; s. auch
Ideologie
686
Sachregister
Ehe : bürgerliche 162 317-318 377;
St. Simons 481; Aufhebung derselben
498; s. auch Familie
Eigentum (Besitz): als wirkliche
Kategorie 11—15 22 24 26 40—45 51
—59 66 162 169 170 180 186—189
199 208—212 265 300 322 329—337
340 341 343-346 353 361 368 374
378—379 383—384 452—453 467—
468 484 511 514 524 526 537; Ge¬
meinde und Staatseigentum 12—14
26 51 334—337 340 343 347 537;
Grundeigentum 13 14 24 40 51 55
66 126—127 169 176 185—186 330—
333 345 367—369 372 375 378 391
537; industrielles 14 25 28 34 39—56
163 282 330—331 352 363—364 496
537; Privateigentum 12 13 18 22 26
39 43-58 185—189 196 207—211 233
265 297 307 317-318 327—329 334—
350 385 417 452—453 498 520 523;
Stammeigentum 11—12 14 51 343 368
—369; ständisches 13—15 42—45 51
189; b. d. Ökonomen 22 25 56 209
382; b. Stirner 72 106 113 126—127
160 170—171 180 185 208—212 220
—222 239 265 272—277 283 327—329
332 334 336 337 341—347 355 369
372 378 382 385 400 406 414; b.
Hegel 157 188; b. Destutt de Tracy
207—208; s. auch Feudalität, Stamm¬
wesen, Stand
Eisenbahnen 71 140 282 335—336
341 374; s. auch Technik
Empirie 10 15 16 21 24 26 35 38
62 108 109 110 117 118 121 127 134
135 140 153 154 158 162 179 184 213
215 216 226 227 230 242 243 255 260
261 267 268 281 282 284 297 300 305
309 333 334 392 415 435 498 526
Energie: d. Individuen 49 62 182 413
520 521; d. Proletariats 58; göttliche,
als Lebensideal d. Aristoteles 119;
große, u. Tiefblick als Vorbedingun¬
gen d. Hegelschen Geschichtskon¬
struktion 158
England, s. Großbritannien
Entdeckungen 10 34—35 46 228
Erfindungen 35 43—44 140 282;
s. auch Technik
Erkenntnis (Erklärung) 9 10 27—
29 31 32 35 39 44 54 62 78—79 83
85—86 98 108 117 122 125 128 130
132 134 135 140—143 146 153 155
157 158 161 163 169—170 174 181—
183 188 201 203 210—217 225 226
230 243 245 261 272 286 287 293 295
297 306 314—316 325—327 330 334
335 338 339 341 342 345 348 349 351
352 359—364 374—390 394—403 410
—416 423 424 435 436 445 448 452
453 456 460 463 465 467 478—485 492
494 497 499—501 505 514—516 523
—526 534 535; s. auch Begriff,
Dialektik, Ideologie, Illusion, Philo¬
sophie
Eroberung: militärische 12—14 44
54 63 169 175 350 354 368; d. poli¬
tischen Macht 23 37 49 176 388
Erwerb (Akkaparement, Aufkauf)
13 47 51 58 66 177 187 188 198 332
333 338 340 353 361 385 400; b. Stir¬
ner 106 170 219 273—274 385 400;
privater, b. Hegel 156 157
Erziehung 269—271 353 354; b.
Fourier 497; b. d. Materialisten 534;
d. Erzieher 534
Existenz (Dasein): menschliche 10
—11 17—20 24 31—33 57 268 404
412 416 497; illusorische 19 22 29 52
62 64 113 153 170 211 244 246 261
305 317 408 412 501 520; wirkliche
20 22 62 178 182 210 244 267—268
305 309 312 317 334 360 408 412 416
449 497 501; lokale, d. Kommunismus
24; d. Proletariers 25 36 56—57 66
—67 162 357; weltgeschichtliche 25
35 57 349; d. Privateigentums 39 40
52 55 56 57 66 162 163 210 228 332
334 336 501; d. Zunftwesens 41 66;
d. Manufaktur u. Konkurrenz 48; d.
Staats nur um d. Privateigentums wil¬
len 52 307—309; f. sich u. f. andere
113 153 158 162 184 208 244 246 261
265 267 305 306 312 317 360 391 412
520; u. Begriff 408; „an sich“ 501;
Koexistenz: v. Gemeinde- u. Pri¬
vateigentum 12; dreier ursprüng¬
lichen Momente d. Geschichte 17—
19; illusorischer u. wirklicher Ge¬
meinschaftlichkeit als Staat u. als
bürgerl. Gesellschaft 23 52 176—177
335; v. Armut einer- u. Reichtum u.
Bildung andrerseits im Kapitalismus
24; d. zum Selbstgebrauch webenden
Bauern u. in d. Städten neu aufkom¬
menden Klasse v. Webern (einfache
Kooperation u. Manufaktur) 45; jahr¬
hundertlange v. besiegten geschicht¬
lichen Stufen und Interessen u. sieg¬
reichem Interesse 62; d. Handarbeit
in Deutschland u. d. Maschinerie in
England 176; d. Privatinteresses u. d.
sogenannten Allgemeininteresses in d.
Geschichte 225; d. Privateigentümer
346; d. Fachwissenschaften neben d.
Ökonomie 391; massenhafte, d. Indi¬
viduen 416; Präexistenz: d.
Lebensbedingungen f. d. Individuen
10; d. materiellen gegenüber d. ideel¬
len Zusammenhang d. Menschen un¬
tereinander 19; d. Materie gegenüber
d. „Geist“ 19—20; gesellschaftlicher
Verhältnisse gegenüber d. Bewußt-
Sachregister
687
sein 20; vorausgesetzte, d. Natur ge¬
genüber d. Geschichte, unterstellt Be¬
trachtung d. Menschen als v. d. Natur
unterschieden 33; d. Klasse gegen¬
über d. Individuen b. Stirner 65 337;
d. Begriffs d. Materie gegenüber d.
Materie b. B. Bauer 83; d. schöpfe¬
rischen Kategorien b. Hegel 83; eines
massenhaften Lumpenproletariats ge-
gegenüber d. modernen Proletariat
182; d. Kategorien b. d. wahren So¬
zialisten 461; d. Ideen im gewöhn¬
lichen Bewußtsein 536; s. auch Sein
Existenzbedingungen: kleiner
u. großer Industrie 55—64; d. Indi¬
viduen unter großer Industrie u. Pri¬
vateigentum 56—57 64 66; d. Indivi¬
duen unter großer Industrie u. Kom¬
munismus 57 64 67 334; d. Klassen¬
individuen 64 208 308—309 398 459—
461 536; d. Arbeit ist d. Zersplitterung
56—57; d. städtischen Bürger 66; d.
Leibeigenen 67; d. Proletarier 66—
67; d. Sklaverei im Altertum 140; d.
kleinen kommerz. u. industr. Betrugs
347
Exploitation (Ausbeutung, Aus¬
schlachtung) 7 12 34 42 48 78—80
84—85 97 110 158 175 176 179 180 188
203 208—210 214—215 224 230 232
253 259 266 277 332 351 387—395 437
501 524 526; Exploitations¬
theorie: Stirners 181—184 203—
204 251 277 388 386—393 395 414;
Helvetius’ u. Holbachs 388—390;
wirklicher Inhalt derselben 390—392;
b. d. Physiokraten 390—391; in Eng¬
land 391; Vereinigung derselben m.
d. Ökonomie 391; u. Kritik d. be¬
stehenden Welt 392
Expropriation: d. Expropriateurs
186 197; d. feudalen Grundeigentums
in d. Großen franz. Revolution 187;
stimersche 332—333 335 345 362 365
384; d. Großgrundbesitzes durch d.
eigentumslosen Bauern 333; kapita¬
listische 335 345
Familie: unterm Stammeigentum 12
23; u. naturwüchsige Arbeitsteilung
12 19 22 55; ursprünglich einziges
soziales Verhältnis 18—19 22 25 55;
Begriff derselben 18 162 163; b. d.
Wilden u. b. d. Nomaden 18; Eltern
u. Kinder 18 101 189 342 403; Auf¬
lösung derselben 19 60—61 118 162
— 163 351 534; Trennung d. Gesell¬
schaft in einzelne 22 23 25 163 221;
u. Eigentum 22 163 369; bürgerliche
25 118 162—163 336; im 18. Jahrh.
162—163; u. Recht 341; s. auch Ehe
Feudalität 12 13—15 43—47 51—
54 63 66 158 175—176 198—200 293
321 341—342 389—392 394 396 455
536 537; Gefolgschaften 14 45; Leib¬
eigenschaft 14 40 66 198 199 202 281
286—287 353 356; Taglöhnerpöbel 14
40 41; Hörigkeit 47 176 464; Plün¬
derung 47; s. auch Adel, Eigentum,
Gesellschaft, Produktionsweisen, Zunft
Fourierismus 394—395 445 466
495—504; Attraktion b. Fourier 262
498 524; Serien Fouriers 496
F г а n k r e i c h 7 17 24 29 31 34 37 44
47 49 53 62 98 104 118 124 144 156
160 163 175—184 186 187 196 200
205 211 212 288 300 312—318 325
326 330—332 338 353 358—359 364
373 388—391 396—397 399 404 419
422 435—436 441—445 449 452 453
459 463 464 468 474—463 490 494
495 499 500 505 508—511 513—515
532 533 542; Franzosen 17 29 144
211 390 391 396 419 435 441 442 445
452 453 464 474 475 478 500; Adel
37 53 176 200 201 313 314 321 325
396—397 482 511; Aufstände 183 184
199 211 511; Bauern 44 183 184 315
331 373 482; bourbonische Restaura¬
tion 325 326 397 462 499; Bourgeois
98 178 180 181 184 191—192 212 314
325 331 352 353 389 445 505 511;
Bourgeoisie 37 175 177 187 313 388
—390 435; Genußphilosophie 397;
Geschichtschreibung 17 29 124 373;
Gesetzgebung 182 313-314 317—318
326; Grundeigentum 24 330—331;
Hungersnot von 1775: 511; Jacquerie
44 183; Julirevolution 178 397 490;
Kolonialmacht 144 453 474; Litera¬
tur 163 182 353; Manufaktur 44 47;
Naturwissenschaft 49 124; Paris 89
104 118 181 184 205 211 373 390 444
474 478 482 511 513; Parlamente
313 511; Philosophie 31 388—391
444; politische Ökonomie 124; poli¬
tische Parteien 476; Recht 53 300;
römische u. fränkische Eroberung 62;
Sozialismus 163 441 452 463 475 477
478 483 499 523; Sprache 404; Staat
31 180 191—192 325 338; s. auch Ar¬
beiterbewegung, Fourierismus, Große
französische Revolution, Saint-Simo¬
nismus
Freiheit 64 66 67 98 160 184 220
221 251 257—258 280 281—285 287
—293 312 319 351 352 372 373 379
380 383 384 409 413 417 418 442
532; d. Arbeit 185; b. Hegel 285;
Handelsfreiheit 293; d. individuellen
Entwicklung 351 372 373 379 383—
384 417—418 532; u. politische Or¬
688
Sachregister
ganisation 380 418; als Menschen¬
recht 532
Fürsten 13 14 45 53 105 106 159
176 177 180 313—314 347
Gattung 8 27 34 65 79 265 337 403
—405 425 442 535; s. auch Mensch
Gegenständlichkeit (Dinglich¬
keit) 22 55 57 63 66 302 321 352—
354 375 416 417 531 533 534; s. auch
Metaphysik
Geist 4 27 29 31 38—39 48 71 72 75
89 102 103 106 108 112 118 120 125
126 128—140 150—161 166 168 170
171 174 220 235 241 265 266 269
339 389 390 401 405 436 449 522
523 538; absoluter 4 126; „reiner“
29 130; heiliger 75 102 103 125 132
137 140 151 266 339 522 523; b. d.
Stoikern 120; christlicher 132 134—
135; b. Hegel 135 138 150 155—159
166 174 389; b. Feuerbach 538; s.
auch Ideologie
Geistlichkeit: als feudaler Stand
14 198—199; u. Montagnards 160;
als Grundeigentümer 198—199; u.
Sklaverei 287; indische 422—423;
520—528; s. auch Ideologen, Ideolo¬
gie, Religion
Geld 42 46 47—50 55 56 59 162 163
183 184 190 200 210 231 255 263 265
274—276 290 302 331 340 345 351
352 357 374—378 382 386 388 394
418 419 451—452 473 505; Papier¬
geld (Wertzeichen) 48 171 377—378;
als Zirkulationsmittel 276 374—378;
Geldkrisen 374—376; als Maß der
Werte 375—376 418—419; als Münze
377—378
Gemeinschaft (Assoziation) 12
14 18 19 23 37 40 42 43 51 53 56
62-64 142 178 184 190 192 302 333
337 339 341 350 358 364 394 395 413
448 463 527 539; Gemeinwesen 14 26
51-56 123 124 342 343 536
Genuß 21 26 39 59 64 161 197 200
243 244 302 396—403 422 443 447
448 467 468 501 503 524—527
Germanen 14 51 54 144 169 191
321 342 343 360 368 370 405; Heer¬
verfassung 14 54; Stammeigentum 51
343 368; Eroberung 54 169 368;
Vandalen 144 370; Recht 321 342;
germanische Sprachen 405; s. auch
Barbaren
Geschichte 10—19 24—30 33-36
38—54 57-60 62 63 65 108—110
114 125—127 134 135 141 142 151
153 158 163—167 175—177 182 184
187 225-228 253 272 282 284 305
307 309 320 321 329 340 353 359 367
377 390 392 394 403—405 408—410
416—417 435 442 445 450 451 454
457 464 473 488 493 505 506 514
532 533 535 536 540; treibende Kraft
derselben 12 29 49 58—59 110 160;
b. Hegel 29 45 135 148—150 157
158; b. Feuerbach 34 535; Ge¬
schichtsepochen: 11—18 27 28 30 33
35—36 39 45—51 52 57 62 63 108
157 176 182 196 201 321 329 340 342
353 359 377 390 392 394 417 435 442
445 464 493; Weltgeschichte: 24—
27 49 135 166 367 405 410 450 454
473
Geschichtsauffassung: kom¬
munistische 12 15—16 17 27—28 34
35 59—60 63 158 228; deutsch-philo¬
sophische 15—16 25 27—29 32 34—
39 63 65 90 110 113 138 145 149 151
155 158 160 172 232 284 309 360 405
460; ideologische 15—16 25 27—29
34-39 63 65 90 110 113 138 145 149
151 155 158 160 172 232 284 309 360
405 460; empiristische 17 25 63
Geschichtschreibung 10 15—
17 19 28—30 34 36 39 253 282 373
450—451 471—516
Gesellschaft 3 9—43 48 50—53
55 58 67 75 77—79 90 105 107 108
HO 112 113 134 140 142 146 154 158
162—165 168 178—180 183—186 188
190 192 193 196—198 201 203 209
210 213 215 221 224 226—228 230
232 235 239 241 242 254 255 259—
261 263 267—269 271 272 274 279—
282 289 293 296 297 302 303 306—
309 318 320 321 327—329 333—336
339—342 347—351 353 355—369 371
—375 377—382 384—399 402—404
408—411 415—420 424 427 435—437
443 445 447 448 450—452457—464 477
478 481 483 490 492 495—499 501 504
520 521 523 525—527 532 534—538;
menschliche 9 459 463 535; antike
379; römische 297; feudale 43 52 66
158 341 342 389 392 396 536; bürger¬
liche 17—18 23 25—28 52 59—60 66
67 163 188 230 239 263 271 272 297
320 327 333 336 339 341 365 374 380
387—391 394 395—396 408—410 417
460 461 463 464 477 498 501 523 527
532 534 535—538; kapitalistische 23
26 50 59—60 66 67 163 165 184 188
230 239 271—272 320 333 336 339
351 355 372 374 375 380 387—388
391 394 395 396 408 409 410 417 460
461 463 464 499 501 503 523 527 532
- 535; kommunistische 22 192 197 198
209 373 394 417—418 523 525 526;
französische 396 478; Gesellschafts¬
gliederung 12 26 34 58; Gesell-
schaftsverhältnis: 3 9—12 14 15 20
Sachregister
689
21—23 27 35 37—38 41—43 45 46 48
50 51 53 55 61-65 75 77—79 90 107
108 134 140 142 158 162 163 165 168
178 179 183 185 186 189 190 192 193
197 201 209 210 213 215 216 224 226—
228 230 232 235 239 241 241 251 255
259—261 267—269 271 274 280 282
289 293 296 297 302 303 306—309 318
—321 334 339 341 342 349 351 353
357 358 359 361 364 368 369 372—
375 378—382 384 385 387—395 397
—399 402—404 408—411 415—420
424 427 435—437 443 445 457—460
462—465 477 481 496 497—504 520
526 535; Gesellschaftsschichten: 11
12 13 14—15 22—25 35—36 39 40-
43 374 396; Gesellschaftsstufen: 11
12 13 18 20 22 24—27 37 39 42 43
—44 48—51 54—56 58—59 62 63 66
80 140 146 162 170 178 199 210 253
279 281 307 320 321 331 334 335 353
365—369 390 404 410 416 447 448
464 466 495 497 502 527 532 537 538;
Wildheit 18 281 368 447; Barbarei
12 39 43 44 54 156 (b. Hegel) 321
368 369; Zivilisation 12 39 48 55 146
162 279 281 320 321 361 365—369
495 (b. Fourier) 527 532; s. auch
Feudalität
Gesetz (Naturgesetz): d. Schwere
3 172 273 308 456; „ewiges“, v. d.
Teilung d. Gewalten 36; d. ungleich¬
mäßigen ökonomischen Entwicklung
47 49 50 62 63; d. Natur 265 420
521; d. Denkens 265; kommerzielle
363 371 380; d. sozialen Entwicklung
521
Gesetzgebung: römische 13 52 53
123 342; als Sprache eines Volkes
15 201 308 317—318 344 398 536;
d. Zunft 44; Prohibitionen 45—47;
über Gold- u. Silberausfuhr im Mit¬
telalter 46; über Schiffahrt u. Ko¬
lonialmonopole i. d. Manufaktur¬
periode 47; als angeblich willkürliche
Bestimmung 52 201 307—309 317—
319 341—343; u. Recht 52 306—309
536; u. Bourgeois 162 200—201 265
308 317 536; englische 182 184 332
344; französische 182 184 313—315
317—318 341—342; gegen d. Arbei¬
ter 183 184 371; als Ausdruck d. Ge¬
samtinteressen d. herrschenden Klasse
201 308 312 398 536; <L 10 Tafeln
297; Geschichte derselben 309; preu¬
ßische 317—318; consuetudines feu-
dorum 321; Leges barbarorum 321;
ursprüngliche 342; Pandekten 342; s.
auch Handel
•Gewalt: als Repression 9 12 14 22
26 40 45 48 62 242 339 351 373 398
409 410 411 417 536; als angeblich
Marx-Engela-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5
treibende Kraft d. Geschichte 12 29
300 303 334 362—363 384 464; Raub¬
mord 12; u. Handel 13; Raub 13 54
322; polizeilich-militärische 14 39—
41 143 181 261 265 311 323 324 337
339 464; sachliche, d. Produkts über
d. Produzenten 22—23 26 27 63 66
216 226 242 321 352—354 374—377;
öffentliche 23 35—36 39 40 51 53 57
63 90 106 142 143 160 176 177 180
181 197 201 228 232 265 307—308
311 321 323 324 327 334—337 339
341 342 343 346 378 379 388 464
532; Anwendung derselben 160 363
378 384 484 532; als Kampfmittel d.
Arbeiter gegen d. Bourgeoisie 184
187; u. Recht 300 303 341 378—379
532; Strafe 317—318 320—321; u.
Eigentum 334; angebliche Absorp¬
tion derselben durch d. Staat gegen¬
über d. herrschenden Klasse 335; u.
Solidarität 341; absolute väterliche
341; organisierte Repulsion derselben
durch dieselbe 342—343; richterliche,
u. d. Recht 379 532; b. Saint-Simon
484; gesetzgebende u. exekutive 532;
s. auch Macht, ökonomische Ent¬
wicklung, Politik
Gleichheit: als Reflexionsbestim¬
mung 160 246 418 464; als Men¬
schenrecht 190 332 306 532; juristi¬
sche 306 352—353 511; u. Konkur¬
renz 352—353; d. Interessen u. Be¬
dürfnisse 395 418; als Losung d.
Masse d. Menschheit bei Saint-Simon
484
Gold 46—48 210
Gott 3 29 30 71 72 98 99 103 113 132
138 139 140 183 214—216 220 225
265 360 457
Griechenland 13 506; Philosophie
116 118—123; Griechen 118 121—123
169 396; Athen 166; Republiken 326;
s. auch Altertum
Großbritannien: England 24 35
44 45 47—49 53 62 63 76 176 177
184 189 300 304 339—340 344 347
378 390—391 423 436 445 453 514;
Engländer 17 29 33 47 177 181 353
390 394 419 435 445 453 478; Adel
176 332; Anticorn-Law-League 35
304; Bank of England 390; Bauern¬
aufstände 44 183 356; Bourgeois 98
177 181 191 340; Bourgeoisie 175 340
390 435; u. Deutschland 176—177;
East-lndia Company 350; Evil-May-
day 183; Exploitationstheorie 391;
Fabrikarbeiter 108 184 339; Friedens¬
richter 189; Geldzirkulation 378; Ge¬
schichtschreibung 17 29 124; Gesetz¬
gebung 53 182—184 189 344; Grund¬
eigentum 24 76 127 304 330; Handel
44
690
Sachregister
17 49 390; Industrie 17 33 49 63 175
184 353 391 397; industrielle Revo¬
lution 184 391 397; Kolonien 46 47
48 480; Konstitution 189 436; Korn¬
gesetze 76 304 332; Literatur 182;
London 104 181; Magna Charta 332;
Manchester 33 181 353; Manufaktur
44—49 390; Mechanik im 18. Jahrh.
49; Opiumkrieg 147; Oregonfrage 76;
Philosophie 153—154 173 390—391;
politische Ökonomie 25 56 124 390
507; Proletarier 108 184 338 339 364
435; Recht 53 300 309; Revolution
v. 1640 u. v. 1688 : 49 388 390; säch¬
sische u. normännische Eroberung 62
63; Seeherrschaft 47 390 453; Sozia¬
listen 163; Staat 309 338—340;
Staatsschulden 309 340; Tories 436;
Schottland 127; Wales 330; s. auch
Chartismus, China, Indien, Kommu¬
nismus
Große französische Revolu¬
tion 7 34 37 49 135 156—158 160
163 164 166 175 177—180 184 186
187 190 200—201 288 314—316 330
332 358 359 381 388 391 397 480 495
499 511 513 532 533 542; als Ent¬
stehungsgeschichte d. modernen Staats
37 49 160—163 175 177—178 201 391
499 532 533; u. freie Konkurrenz 49
190 499; b. Hegel 135 156 157 164;
Girondins 160; regne de la terreur
(Montagnards) 160—161 177 316 332
391; Thermidoriens 160; Menschen¬
rechte 160 179 187 189 303—306 381
511 532; u. Abschaffung d. Familie
163; sans-culottes 186 316; Konstitu¬
tion von 1789: 381; u. Nützlichkeits¬
theorie 391; u. Genußphilosophie 397;
u. Saint-Simon 480; u. Fourier 495
499; Konstitution von 1792: 532; s.
auch Frankreich, Terrorismus
Grundbesitzer 208—209 331 333
345 364—365; s. auch Bourgeois
Grundrente 53 208—210 262 304
331 392
Handel 264 265 337 350 355; Tausch¬
handel 12; Seehandel 12 48 52 350
390; Einfuhr u. Ausfuhr 13 46—48;
antiker 13 44; d. mittelalterlichen
Städte 14—15 42 331; u. Industrie
14—15 33 49 52 180 340; Geschichte
desselben 17—18; Austausch 19 24 25
33 40 42 45 55 210 339 364 392 416
501; Welthandel 24—25 140 176 321
338; Kauf u. Verkauf 40 47 265 339
364 375 386 461; u. Politik 46 338;
u. Manufaktur 46 49; kapitalistischer
46—49 140 180 265 282 321 350 388
(Fouriers Kritik desselben) 495; krä¬
merhafter 48 176 347 395; Spekula¬
tion 48—49 142 162 255 340 386 390
480—482; Wucher 48 52 511; Han¬
delsfreiheit 49 292 383; Handelskri¬
sen 98; u. Religion 264; Entwicklungs¬
stufen desselben 331; s. auch Gesetz¬
gebung, Recht, Verkehr, Zirkulation
Handwerk 14 40 41 50 66; s. auch
Zunft
Handwerker 14 40—42 48 197 445
519 523 526—527; s. auch Stände,
Zunft
Harmonie: b. Feuerbach 32; b. d.
Stoikern 119; b. Kant 175; b. d. wah¬
ren Sozialisten 455—457 459 465
Hauswirtschaft 18
Hegelianismus, s. Philosphie
Hegemonie: d. industriellen Prole¬
tariats i. d. Arbeiterbewegung 50
333; d. Aktiengesellschaften i. Han¬
del u. Industrie 350
Heilige Allianz 340
Hierarchie: mittelalterliche 14 158
—159; b. Stirner 38 112—114 141 154
—167 200 202 207 225 296 297 320
330 425; b. Hegel 156 159 297; theo-
kratische 207 490 524; b. d. Saint¬
simonisten 490; d. exekutiven Gewalt,
u. d. politische Zentralisation i. mo¬
dernen Staat 532
Holland 176 338 340 353 390 480
Ideal 25 58 119 132 225 240 249 261
270 283 284 389 395 398 407 409 464;
s. auch Idealismus
Idealismus: in d. Geschichtsauffas¬
sung 16—18 27—30 34—39 83 312
398; Feuerbachs 34; b. B. Bauer u.
Hegel 83; als abstrakte Kategorie 110
—114 124 150 174 220 253; u. Ma¬
terialismus 307 533; naturwissen¬
schaftlicher 459; religiöser 520; bös¬
artige praktische Eigenschaften des¬
selben 521; u. Wirklichkeit 527; s.
auch Ideal, Ideologie, Philosophie,
Substanz
Idee: als spekulative Kategorie 3 38 53
77 110 112 113 154 161 163 165 171
178 232 262 272 286 357 412 424 425
527; Produktion derselben 15 27 35
53 165 232 272 357 424 436 445 449
521 536; fixe, als Kategorie Stimers
112 141 235 296 315 317 321 327 359
397 401 403 419; absolute 154 457;
liberale 484; religiöse Saint-Simons
490; u. Praxis 521; d. Rechts 536; d.
Staats 536
Ideologen 3 9 21 23 26 30 31 35
—39 62 65 77 113 141 154 158 159
165 177—179 208 209 290 307 308
320 327 329 334 347 398 424 427 437
Sachregister
691
445 452 455 520 536; religiöse 21 112
159—160 199 287 324 422 423 501
519—528 536; Juristen 39 53 209
307 309 321 334 336 342 343 345 346
352 369 371 378—379 384 515 536;
Politiker 39 309 330—331 334 342
352 536; s. auch Deutschland, Geist¬
lichkeit, Kunst, Literatur, Philoso¬
phen, Religion, Wissenschaft
Ideologie 3 7 8 15—17 21 35—39
43 49 59 81 89 141 158 161 162 166 177
178 211 217 227 236 252 260 261 266
268 271 273—276 279 282 290 308
309 313 320 325 327 329 330 334 337
340 342 351 356—358 398—400 403
409 412 415 425 427 435—437 442
443 450 453 499 501 536; s. auch
Idealismus, Kunst, Literatur, Philo¬
sophie, Politik, Religion, Theologie,
Theorie, Wissenschaft
Illusion (Einbildung, Phantasterei):
3 9 23 28-30 36—39 52 53 60 63 65
78 79 98 105 108 121 125 139—143
147 148 150 153 155 158 159 164—
166 170 171 174 177—184 192 193
196 197 201 202 204—205 212 214—
217 222 225—228 230 237 244—245
261 271 276 282—284 287 290—291
293 295 308 309 312 313 317 318 320
—322 327 331 334—336 338 342 345
352 353 356—359 363—364 367 369
371 372 376 381 382 384 388 392 393
397—399 406—409 412—415 418 423
426 427 437 441 442 447 449 451 452
454 460 465 477 485 498 511 521 525
532 533 536; s. auch Erkenntnis,
Ideologie
Indien 29 35 46 175 350 480
Individuen: menschliche 10—11 16
23 27 31—32 56 64 65 197 226—228
241 259 265 381 404 416—420 425
497 535 537; produzierende 11 15 17
19 21 23 34 35—36 48 55—58 60
—62 334 342 369 371—374 398 415
418 449; gesellschaftliche 15 19—27
37 51 53 55—56 58 60 63—65 243 268
284 307—309 340 369 378 389 395
415—416 447 461 537; geschichtliche
17 24—27 48 51 52 55 56—67 79
107 166 198 210 225—228 240 242
255 259 260 265—272 283—284 307
—309 311 320-321 340 342 356—
359 364 373—375 379 380 387 389
—391 397 398 403 404 409 411 413
—420 436 497 537; persönliche u. zu¬
fällige 21—28 39—41 43 49 53 56—
61 63—66 198 204 226—227 242 243
255 260 263 265 270—272 327 337
356 358 359 361 372—375 378 389
—392 397—398 403 404 411 415—419
424 535; weltgeschichtliche 24—27
35 49 55 56—64 242 243 270 390
417—419 539; verschiedener Genera¬
tionen 27—28 58—59 416; philoso¬
phische 34 58—59 65 79 107 108 119
130 131 135 141 166 167 175 220—
224 233 251 264—267 272 284 287
288 329 341 387 395 410 535; ab¬
strakte 57 238 243 403 442 461; b.
Feuerbach 34 535 538 539; saint-
simonistische 539; s. auch Menschen,
Person, Persönlichkeit
Industrie: unter d. antiken Ge¬
meindeeigentum 12; im sinkenden rö¬
mischen Reich 13; im Mittelalter
14—15; bäuerliche Hausindustrie 14
44—45 176; Geschichte derselben 17
19 32-33 52—54 331 333 340 350
372; Produkte derselben 32 49 56 282
473; u. Natur 32 33; u. Naturwissen¬
schaften 33 168; u. Kommunismus 34
199; große 44 49—52 55 56 163 175
180 199 362 372 391 486—489 495
504; i. d. Manufakturperiode 46—50
331; ungleichmäßige Entwicklung
derselben 50 63 176 282; kleine 55
56; extraktive 56 540; s. auch Arbeit,
Handwerk, Manufaktur, Produktion,
Tätigkeit
Industrielle 14 48; b. Saint-Simon
487 488; s. auch Bourgeois, Kapita¬
list
Industrielle Revolution 184
391 397
Industrialismus: Föderativwesen
u. exekutive Gewalt 532
Interessen: entgegengesetzte 11 12
22 23 39 40 42 43 47 53 59 62—64
161 175 177 178 225 228 232 251 288
293 297 320—321 333 336 350 371
388 448 454; gemeinschaftliche 22
23 39—43 50 52 59 64 140 160 161
175—179 201 225—228 251 287 308
320—321 333 335 336 371 395 419
448; besondere 22 23 29 31 39-41
47 50 52 59 62—64 83 104 143 160
—161 175 178 179 225—228 232 239
251 271 293 320 321 333 335 350 371
388 437 454 479 524; wirkliche u. il¬
lusorische 22 23 29 31 39 52 104
160—161 165—179 192 196 225—228
232 238—239 251 265 271 288 321
333 335 336 340 350 364 366 371 388
395 419 437 454 524
I r 1 а n d 84 291 330 344 356
Italien 12 13 33 44 51 52—54 63
117 118 120 122 123 144 169 199 297
309 337 342 343 368 372 394 506;
Campagna di Roma 33; pontinische
Sümpfe 33; Amalfi 52; Neapel 63;
Handelsrepubliken 340; Florenz 372;
Venedig 372; Renaissance 372; Ita¬
liener 394; s. auch Rom
44*
692
Sachregister
Juden 42 126 162 193 347 386 533
542
Junghegelianer 3 8—10 27—31
36—39 406 498 ; 8. auch Literatur,
Philosophie
Juristen, s. Ideologen
Kapital 14 25 28 34 39 40 42—46
48—51 53—56 163 282 330 352 363
—364 496 537; s. auch Arbeit
Kapitalisten: römische 33 123;
Manufacturiers 46; moderne 50 65
205 208 339 364 366 387; b. Saint-
Simon 448 487 488; s. auch Arbeiter,
Bourgeois, Grundbesitzer, Individuen,
Industrielle, Kaufleute, Proletarier
Kategorien: hegelsche 8 9 27 31
77 83 87—88 105 106 195 460 462
465; philosophische 9 31 77 87—88
105 106 109—110 114 127 142 157
174 195 201 220 222 231 237 244 253
260 277 278 280 281 282 295 315 316
382 388 389 413 425 427; abstrakte
27 31 77 109—110 127 142 201 220
—222 231 244 253 281 282 295 388
389 413 425 460 462 265; wirkliche
31 77 201 237 260 413; feuerbachsche
114
Kaufleute 14 40 42 44—48 162 186
347 376—377 391 511; s. auch Hand¬
werker, Industrielle, Kapitalisten
Kinder 18 22 100 163 189 191 305
338 354 394 403 540; als stirnersche
Kategorie 100 106 107 109—113 118
125 135 142 144 150 151 153 154 163
171 173 189 220 223 291 302 305 307
394; Kinderarbeit 191 540
Klassen: u. Ideologen derselben 3 36
158 177 179 271 272 536; beherrschte
12—14 23 36 37 39 43 50 59 60 64
65 66 198—199 271 308 333 398 409
410 415 417; herrschende 12—15 35
—39 43 52 59 60 64 65 175 181 268
271 307—308 334 398 410 415 417
435 444 445 536; revolutionäre 23 36
37 50 59 66 160 176 268 271 398;
Gliederung derselben 23 33; u. Indi¬
viduum 35 36 43 52 59 64 65 108 268
320 337 391 397; u. Stand 37 52 65
66 176 340 396—397; besondere 37
42—43 45 65 391; s. auch Ideologie,
Produktionsweisen
Klassenherrschaft 12 14 23 35
—37 38 43 46 55 59 66 161 162 176
178—180 184 197 201 202 268 288
307—309 321 331 334 335 374 398
403 409 417 536
Klassenkämpf e 11 12 14 23 36
37 42 43 45 46 50—52 59 60 62—66
158 177 192 196—199 215 225 226
266—268 288 293 303—305 321 326
338 339 344 359 367 390—392 397
398 410 417 437 453 457 532
Klassenverhältnisse 12 14 15
25 27 30 32—37 42 43 46 50 51 52
53 56—67 77 108 134 143 158 161—
163 165 168 175—187 191—193 196
—198 201 209 210 213 215 224—228
230 232 235 239 241—243 255 259
260 261 266 267 268 269 270 271—
272 293 297 302 303 307—309 320
321 326 330 331 333—336 337 339
340 342 344 348—351 357 358 368
369 374 378—38 1 387—392 393 394—
395 396—397 398 399 403 404—405
408—411 412 413 415^20 424 427
435—437 444—445 447 451 453 459—
460 463 464 504 526 532 536 537; b.
Saint-Simon 484 486; b. Fourier 496
Kleinbürgertum 42—43 46 48 66
98 143 160 161 175 177 179 182 184
196 198 204 210 211 216 217 225 226
236 249 255 261 281 282 285 288 316
335 336 337 338 339 347 349 352 357
367 369 371 375—377 384 389 392 393
395 403 423 437 453
Kolonien 47 48 63 287 480 501 512
Kolonisation 46 47 62—63 390 501
Kommunikation (Verbindung) 20
41 42 43—44 49 51 62 177 282 333
349 353
Kommunismus (kommunistische)
Bewegung, kommunistische Gesell¬
schaft) 22 24—28 31 59 60 64 182 185
—190 192 194—199 201 202—204 207
—209 211 212 221 227 240 254 271
279 292 301 333 359 368 373 397
402 405 417 418 435—437 442—446
449 450 452 453 467 468 474 476 477
505 511 512 514 519 524-527 542;
Diktatur des Proletariats: 23 26—27
34 37 51 58 59 60 63—64 67 193
197—198 209 268 270 359 404—405
413 417 418 527 534; s. auch Arbei¬
terbewegung, Kontrolle, Parteien, Re¬
volution, Sozialismus
Kommunisten 31 32 34 50 58—60
64 67 85 184 186 188 189 191—198
200 204 205 208 209 211 218 220
227 228 254—256 268 270 284 301
368 372 377 378 382 397 417 418
435 436 443—445 449 452 453 476
478 505 511 524 526; deutsche 85
186 195 435 437 444—445; s. auch
Proletarier
Konkurrenz: freie 7—8 24 25 37
43 44 48—51 53 56 63 66 89 99 110
140 163 178—180 185 187 189 202
232 268 282 308 322 331 332 335 339
346—355 359 371 373 389 392 407
415 419 422 446 465 468 487 494
499 503 504 511; gebundene 14 40
43 45 47 48
Sachregister
693
Konstitution 71 160 178 325 359
381 436 532
Konsumtion 13 21 47 494 500—
504; s. auch Genuß, Nachfrage
Kontrolle, gesellschaftliche 22 27
51 64 66 270 402 404 405; s. auch
Kommunismus
Konzentration 13 39 44 46 47
49 176 201 332 333 373 405
Kooperation 23 54; s. auch Ar¬
beit (Organisation derselben), Pro¬
duktionsstufen
Kredit 51 264 338 376; s. auch Bank-
wesen
Krieg 12 35 40 43-45 47 51 169 184
455; s. auch Gewalt
Krisen 98 374—376 453 501 503; s.
auch Distribution, Geld, Handel, Pro¬
duktion. Zirkulation
Kunst (Kunstwerke) 41 71 156 366
371—373 402 403 536; s. auch Ideolo¬
gen, Ideologie, Literatur, Sprache,
Stil
Land: Gegensatz zur Stadt 11 12 13
14 18 39 40 50 333 353 379—380; im
Altertum 12 13 39; im Mittelalter 13
14 39 40—42 44; i. d. Manufaktur¬
periode 46 48; kapitalistisches 50
333 353 362 379—380; s. auch
Bauern, Eigentum, Grundbesitzer
Ländereien 11 12 53 333 368;
Ackerland 13 45 55 127; Viehweiden
13 33 45 127; s. auch Grundrente,
Landwirtschaft
Landwirtschaft: Ackerbau 12—
14 18 45 46 176 330 369 391 495;
Viehzucht 12 22 51 149; s. auch
Eigentum, Parzellierung
Leben: menschliches, gesellschaft¬
liches 10 15—22 26—29 33 39 41 57
58 61 65 119 121 165 166 176 226
227 242 243 267 270 271 274 286
289 307 309 334 337 342 351 396
—399 416 417 424 436 456 458 460
462 477 481 493 499 504 535 537;
Produktion u. Reproduktion dessel¬
ben 17-19 21 27 29 33 57 61 165
334: kommerzielles u. industrielles
26 29 33 41 57 65 307 309 337 342
351 391; d. Gesellen in d. Zünften
41; abstraktes 57 243; u. Selbstbetä¬
tigung 58 417; persönliches u. zufäl¬
liges 61 65 243 25І; spekulatives
107 135 159 161 163 166 171 244 251
289 351 397 399 424 427 456 462;
Ideal desselben b. d. Stoikern 119;
Demokrits 121; d. preußischen Kraut¬
junker 176; privates 271 342 460;
bewußtloses 286 458; ,.Anschauung“
desselben 396 416; Norm desselben
f. beherrschte Klasse 398 435—436;
Basis desselben b. d. wahren Sozia¬
listen 458; Saint-Simons 479—482;
Fouriers 498; s. auch Bedürfnisse,
Existenz, Sein
Lebensäußerung 11 192 204 231
242 243 371 380 397 424 460 467
Lebensbedingung 10 28 32 34
42 43 65—67 226 242 266 268 308
396 397 464
L e b e n s m i 11 e 1 10 17 22 25 29 57 64
80 235 236 354 455
Lebensprozeß 15—17 244 537
Lebensverhältnisse (Verhält¬
nisse) 3 9-15 17-38 41-43 45 46
48 50 51 53 55 60—65 77—90 107 110
134 140 142 158 162 163 165 168 174
178—180 183 201 209 210 213 215 216
224 226—228 230 235 239 241 242
251 255 259—261 267—269 271 273
274 277 280 282 289 293 297 302 303
307—309 317 320 321 333—335 339
341 342 347—351 357 358 360 362
368 369 372—375 380—384 387—392
394 395 397—399 402—404 408—411
415—417 419 420 424 436 437 445
452 457 460 462—465 496 498 499
501—504 526 535 537; s. auch Lebens¬
weise, Wirklichkeit
Lebensweise 10 11 13 15 19 21 25
27 31 32 35 37 39 43 48 57 58 59 60
120 140 176 177 193 210 226 227 242
271 307—309 333 345 351 355 374
379 390 396 398 410 417 418 448 502
503; s. auch Lebensverhältnisse
Leib: menschlicher 17 19 27 107 108
130 241 243 248 258 267 270 286 287
354 379 402—404 411 416 526
Leibeigenschaft, s. Feudal i-
t ä t
Liberalismus 90 175 177—182 187
211 212 221 280 293 325 435; s. auch
Deutschland, Frankreich, Sozialismus
L i t e г а t u r 18 30 52 143 182 188 216
242—243 281 293 300 303 312 337
347 366 373 386 388—392 396 397
402 403 419 421 435—437 444 449—
454 472 478 479 493—495 502 506;
junghegelsche 18 30 216 397 419 421
435 449-450 451 452 478 493 494
495 514; politisch • ökonomische 52
143 182 216 281 293 300 303 312 347
388—392 397 435—437 444—445 479
515; schöne 163 182 216 281 305 366
373 386 396 402—403 421 437 450
454 472—473; proletarische 188 216
435—436 444—445; als Geschäft 242
—243 337 373 437 450 502; d. Auf¬
klärung 389—390 397; kommuni¬
stische 435—436 444^445 449 479
505—514 515; jungdeutsche 437 472
694
Sachregister
—473 479 493—495 506 515; s. auch
Ideologen, Ideologie, Kunst, Sprache,
Stil
L о g i k 78 99 101 102 120 130 135 152
163—165 168 185-198 202 204 208
216 220 221 244 249—260 264—283
289 292 297—300 304 319 320 326 344
355 361 408 411 467; s. auch Den
ken, Dialektik, Erkenntnis, Philoso¬
phie
Lokalität 24 29 39 42 43 44 47 50
52 55 62 108 166 175 178 213 243 293
333 344 349 353 372 373 380 390; s.
auch Nationalität
M а c h t 12 14 20 22—29 35 36 40 41 48
51 53 58—60 62 63 80 90 105 106
142 143 176 177 180 197—201 216
221 226 228 232 242 243 272 273 276
277 283 284—289 293 300—308 321
327 333 335 338 342 353—355 366
368 374-377 383 388 393 395 404
437 451 453 459 532 537; Ohnmacht
40 41 49 163 167 171 175 176 209 210
265 273 279 287 293 321 333 335 357
358 395 538; s. auch Eigentum, Ge¬
walt, Wille
Mann 18 22 220 318 539; s. auch Weib
Manufaktur 44—51 176 350 390
537; s. auch Produktionsweisen, Zunft
Markt 7 44—48; Weltmarkt 7 25 26
46-49 191 282 353 366
Maschinerie, s. Technik
Masse (Majorität) 24 25 28 30 37 43
48 50 57-59 78 158 160 201 205 217
240 302 365 373 410 413 452; Bauer-
sche 71 78 89 410 542 544
Materialismus 34 43 124 215 216
297 307 403 533—535 538; b. Feuer¬
bach 34 215 534-538; b. Hegel 297;
mechanischer 403 534 538; s. auch
Wirklichkeit
Materialisten 32 34 83 216 284
307 403 538
Materie 19—20 83 443 444; s. auch
Geist
Mathematik 137 253 498; s. auch
Wissenschaft
Mensch, der 3 8 9 19 20 22 28—34
38 58 61 71 78—80 93 99 109 134
138-140 142 165—168 179 199 200
204 211 213 214 218 221 224 227 228
256 261 272 273 275—278 283 284
287 293 303 307 315 317—320 329
339 344 345 351 371 398 399 406—
411 436 437 443 445 450 451 454—
458 464 466 473 474 478 496 497 499
503 504 525 531 533 535 538-540;
s. auch Abstraktion, Begriff, Deutsch¬
land, Gattung, Kategorie, Person,
Philosophie, Subjekt
Menschen 3 9 10 15—34 38 55 60
77 88 122 127 135 138 140—142 145
157 158 163 165 169 170 178 189 192
—195 209 210 213—216 224 226 228
230 261 268 272 284 297 303 342 351
354 358 364 371—373 387—389 392
397 398 404 408 409 425 427 436—437
445 448 449 458 463—465 497—499
504 526 538; s. auch Gesellschaft, In¬
dividuen
Menschheit 19 24 9899 148 405 464
535
Metaphysik (Dogmatismus, Feti¬
schismus, Verselbständigung) 3 8 9
10 15 16 22—24 26 28—30 33 34 36—
39 43 44 51—53 77 80 100 141 149
163 213 227 235 239 242—243 251
258 266 271—273 308 309 327 335
343 345 349 358 361 387 398 400 401
412 413 416 418 422 424 425 436 447
452 459 460 493 494 515 526 533—537
540; s. auch Ideologie, Gegenständ¬
lichkeit, Mystifikation
Methode (Manier, Welse) 7 10 12 13
15 17 19 21 25 30—39 48 52 57—60
67 80 81 85 92 93 99 106 125 126
132 137 140 142 144 149 157 160 161
165 166 170 179 204 208 209 215 217
243 246 259 262 264 272—275 278
294—297 305 319 327—329 332 334—
336 342 352 368 376 378 386 389 390
392 400 410—415 422 427 436 447
449 451 458 461 462 466 483 496 499
501 511 514 515 523 524; ideologische
15—17 30—31 38—39 92 99 106 125
126 132 137 140 142 144 157 160 165
166 170 179 204 208 209 215 217 243
259 262 272—275 277 278 294—297
315 319 320 327—329 332 334—336
342 352 368 376 378 386 389 390 400
410—415 422 436 447 449 451 458
461 462 466 483 501 511 514 515 523
524; Feuerbachs 31—35 80 81; He¬
gelsche 149 215 246 305 332 389 496
515 531
Mittelalter 13—15 40—44 51 52
125 134 151 152 155 156 158—159
182 199 306 322—333 349 410 450;
Völkerwanderung 13 14 54 169 368;
s. auch Feudalität
Monopol 47—48 189 410; s. auch
Eigentum, Gesetzgebung
M о г а 1 15 16 21 27 49 101 162 177 194
197 227 229 231 252 264 266 270-272
287 298 300 312 317 319 334 336 348
349 351 354 356 357 361 366 368 374
-376 386-393 396-398 400 401 415
445 448 495 499 503 536 538
Mystifikation 8 15 26 27 38 103
245 427 456—458 466 477 485 506
520 527 535 539; s. auch Metaphysik
Sachregister
695
N а c h f г а g e 24 25 44 49 349 350 363
366 371-373 380 494 501 502; s. auch
Konsumtion
N а h r u n g 17 273 274 354 455 456 501;
Kartoffelkrankheit von 1845—1846:
71; Kartoffeln 190 291
Nationen 11 21 26 30 35 39 44—50
54 62 158 175 181 321 373 390 398
405 419 445 452 454; Nationalismus
454
Nationalität 26 35 50 60 166 373
404 413 435 454 474 478 532
N а t u r 18 20 27 28 32—34 55 77 83 94
119 120 167-169 235 265 268 289 348
416 448 455—466 526 538; Natur-
kräfte 18 49 55 400 456; Subsumtion
unter dieselbe 20 55; u. Geschichte
20 27 28 32-34 55 167-168 458—
460 463 464 466; Naturanschauung:
Heraklits 119, stoische 119, epikure¬
ische 119; s. auch Wissenschaft
N а t u r g e s e t z e 265 420 455 457 521;
s. auch Gesetz
Naturverhältnisse 20 27 28 32
33 55 77 168 498
Naturwissenschaft, s. Wis¬
senschaft
Naturwüchsigkeit 10 12 19—23
26 27 35 41 42 49 50 55 58 62 325 342
351 402—405 535
N о t (Notdurft) 20 24 31 45 198 410 416
538
N о t wendigkeit (Zwang, Zwangs¬
läufigkeit) 12 14 18—34 36 37 39—49
51—67 117 132 134 141 142 162 163
165 184 187 191 198 202 226 227 235
268 269 271 273 282 291 308 314 321
331 334—336 339 341 342 350 358
368 369 372 378 384 396 398 408 412
415—418 424 437 445 464 499 535
536; d. kommunistischen Revolution
34 40 57—60 62 67 198 339 358 398
417
Objekt (Ding, Gegenstand) 15 31—34
47 53 54 57 98 99 114 118 122 135
141 153 171 173 184 209 213 260 262
263 265 268 272—275 279 304 312 316
320 344 349 353—355 388 398 401
404 408 414 427 499 521 531 533;
b. Feuerbach 32—34 533; i. d. Juris¬
prudenz 53; b. Hegel 135 531; u. Pri¬
vateigentum 209 265 388 404; s. auch
Rohstoff
Ökonomische Entwicklung
90 176 178 180—183 202 331 333 336
374 377 379 384 390-392 397 405
417 418 488 492-494 514 515
Ostindische Kompanie, s.
Großbritannien
Partei: kommunistische 31 437 444
445 449 476; proletarische 435 436;
u. Parteichef 445 476 511; u. Unpar¬
teilichkeit 445; sozialistische 476;
demokratische 476; politische, im mo¬
dernen Staat 532; s. auch Gemein¬
schaft, Große französische Revolution
Parzellierung 14 24 126 176 330
—333 369 370 382; s. auch Bauern,
Eigentum, Landwirtschaft
Pauperismus 13 14 117 170 182 190
192 338 344 437 506; antiker 13 117
170; mittelalterlicher 14 182; i. Eng¬
land u. Irland 344; u. Malthus 344;
u. Locke 506
P e r s о n 20 57 59 65 140 165 167 201
226 239 351—354 505 520; unge¬
schichtliche 30 38 80 98 99 102 118
148 160 185 214 217 220 270 272 289
290 311 334 352 353 360 460; mora¬
lische 35 140 148 214 336 356 368;
handelnde 130 214; b. Hegel 262;
grammatische 422; identische 425; u.
Zweck derselben 520; s. auch Begriff
Persönlichkeit 65—67 78 97 197
198 208 215 216 251 308 354 357 481
Philosophen: I. antike: Sophisten
118 127; Cyrenaiker 396; Stoiker 118
—123 166 169 497; Epikuräer 118—
123; Neuakademiker 119; Neuplato-
niker 120 123 506; Skeptiker 118 119
122 123; IL mittelalterliche: 127 506;
ІП. bürgerliche: 24 28 30—32 38 58
65 77—79 HO 113 124 153 154 157
158 174 216 230 232 264 265 309 357
358 374 408 411 416 420 424 427 437
451 478 497 526 535; Deisten 477;
Sensualisten 477 493; Spiritualisten
520; englische 153 154; Junghegelia¬
ner 9 10 27—31 36—39 406; s. auch
Deutschland, England, Ideologen, Phi¬
losophie, Theorie
P h i 1 о s о p h i e 3 8 16 21 27 29 31 38
85 87 90 112 116 118 120—123 125
127 135 149 153 155 156 164 166 173
—175 177 178 216 261 264 272 291
354 357 358 360 382—385 393 396
397 400—402 421 427 437 441—468
473 477 497 506 520 521 536 538—
540; Aufklärungsphilosophie d. 18.
Jahrh. 119 387 389; Epikurs 121 122;
Kants 175 177; spekulative 15 16 18
27 34—38 76 77 92 108 110 113 122
125 135 138 140 141 144 145 149
153—155 157 167 192 211 226 239 241
—245 246 255 257 261 274 277 282
332 334 335 361 389 392 425 457 466
520 521 531 539 542; Hegels 7—9 15
—18 27 29 34—38 76—79 83 84 90—
93 101—103 108—110 113 114 117
118 122 125-129 134 135 138 140
696
Sachregister
145—159 163-167 171—174 178 179
183 188 195 214 215 222 226 228 235
244—246 250 255 256 262 265 267
277 284 285 297 302 305 307 314 315
327 332 387 389 412 436 442 444 457
465 474 477 496 498 505 515 531; alt-
hegelsche 9 30 76; junghegeleche 3
8 17 18 21—23 27—31 33 38 39 65
71 72 75—94 98—432; philosophische
Konstruktion 8 30 88 92 105 107—110
114—116 122 124—126 128 137 140
144 149 153 158 167—174 183 185
—213 220 246 251 256 263 278 292
316 360 364 378 436 444 448 450 451
457 459 466 474 496 509 521 542;
Feuerbachs 31—34 63 75 76 78—83
85 87 110 114 116 117 118 126 141
174 213—217 237 345 422 423 427
436 443 473 477 515 533—535 538—
540; Moralphilosophie 9 27 51 177
190 194 216 223 227 229 230 235 239
240 247 264 266 267 270 271 310 312
317 319 321 333 334 343 345 349 354
361 375 376 385—386 388 392—393
395—397 400 410 411 412 415—417
419 443 448 449 451 460 467 499 503
504 522 523 526 527 538; s. auch
Deutschland, England, Erkenntnis,
Idealismus, Ideologie, Materialismus,
Materialisten, Methode, Philosophen,
Theorie
P о 1 i t i k 13 15 23 26—30 35—37 41—
51 52 58—67 76 90 98 105 106 134
142 158—161 171 175—187 189—193
196—202 205 228 229 239 265 267
268 273 280 284 293 300 302—304
306—309 311—314 316—321 325—
327 330 331 333—342 344 347 350
351 355—359 367 379 380 388—391
405 409 410 413 415—418 421 435—
437 441 442 444 445 451—453 464
475 478 485 488 499 502 505 511 528
532 536; europäisches Gleichgewicht
76 423; Oregonfrage 76; orientalische
Frage 144; Opiumkrieg (1840—1842)
147; s. auch Gewalt, Große französi¬
sche Revolution, Ideologen, Ideologie,
Illusion, Krieg, Revolution, Staat
Politische Ökonomie 22 25 56
106 124 181-183 185 209 210 345 347
348 364 367—378 382 388 390—392
465 468 488 494 501—507 514 515;
Physiokratie 180 388 390 391 511;
Merkantilismus 507
P r ä d i k а t e 31 140 214—216 257 262
275 278 294 427
P г а x i s 21 27—29 31 48 53 122 177
194 195 235 249 255 266 267 270 271
277 278 318 321 355 358 366 367 371
376 385 389 391 397 419 454 477 496
515 520 521 533—535; s. auch Tätig¬
keit, Theorie
P r e i s 163 265 339 347 349 363 366 371
461; s. auch Arbeitslohn, Geld, Ware,
Wert
Preußen, s. Deutschland
Privateigentum, s. Eigentum
Privatrecht, s. Recht, Gesetz¬
gebung
Privileg, s. Recht
Produktion (Erzeugung): d. Be¬
wußtseins 7 15 18 21 26—39 59 60
77 107 118 132 140 161 164 265 308
397 398 502; materielle 10—12 14—
19 21 22 24—29 33 35 41—44 46 48
—50 54 56 57 59—61 63 66 77 90
118 140 142 163 165 170 184—186
209 210 226 228 241—244 249 270
272 282 306—308 334 342 345 349—
351 365 369 374 375 398 410 447 449
497 498 500—504; neuer Eigenschaf¬
ten d. Menschen 12 17 18 20 32 33
42—44 49 51 60—62 80 107 130 170
192 198 226—229 235 236 238 239
241 243 268—270 283 308 309 320
321 333 353 357 372 373 379 394 395
401—403 405 410 413 415—418 437
461 464 498 499 502 533—535 538;
d. gesellschaftlichen u. politischen
Gliederung 14 15 18 19 21 23-29 33
35—37 39—54 56—67 77 90 140 142
165 170 176—178 180 181 184 185
186 192 197 198 209 210 226 228 268
270—272 302 306—309 320 321 326
327 330—346 349—351 357 359 368
369 373 374 392 394 395 397 403 405
409—411 413 415—418 459 460 464
498 502 527 532 534 535 537; Repro¬
duktion 18 40 51 184; Überproduk¬
tion, s. Krisen; s. auch Arbeit, Ge¬
schichte, Gesellschaft, Große franzö¬
sische Revolution, Industrie, Kontrolle,
Politik, Produktion, Revolution, Staat,
Tätigkeit. Zirkulation, Zufuhr
Produktionsbedingungen 10
11 14 15 36 42 43 51 54 56 57 58 65
165 354 371 397 504
Produktionsinstrument 11 33
35 39 41 42 44 55—58 176 190 209 282
333 361 371 372 502 540; s. auch
Technik
Produktionskosten 127 202 282
349 363 378 501
Produktionsmittel 13 35 41
Produktionsverhältnisse 11
14 15 19 27 35 37 41 46 48 50 51 53
60 134 142 158 168 170 177 178 180
183 188 193 227 228 308 334 339 342
346—349 351 362 373—375 384 387
388 391 394 395 416 417 496 502 503
Sachregister
697
Produktionsweisen (-stufen) 10
13 15 19 21 22 25—27 29 33 35 37
42—44 46 48—52 54 56—63 66 67
80 140 142 163 165 176 184—186 210
226 228 306 307 331 334 335 345 349
—351 362 365 369 371—376 390 392
398 410 416—418 466 502 503 537
538; Patriarchalismus 11 12 18 41 46
146 176 365 389; Sklaverei 11—13 22
51 140 464; s. auch Feudalität, Indu¬
strie, Klassen, Kooperation, Manufak¬
tur, Revolution, Sklaven, Stände, Tä¬
tigkeit, Technik, Verkehr
Produktionszweige4445 86 353
Produktivkraft 11 13 15 18-21
23—25 27 28 33 34 39 43 44 49-51
54 56—59 61—64 140 190 210 268 271
283 308 334 335 359 391 398 410 416
—418 537
Profit 208—210 282 304 331 363 364
392; Revenue d. Grundbesitzers unter
d. Masse d. Proletarier verteilt 365
Prohibitionen, s. Gesetz
g e b u n g
Proletariat: antikes 13 338; moder¬
nes 23—25 30 37 43 50 58—60 63 65
66 162 163 182 183 333 338 344 349
397 410 435 445 448; s. auch Arbeiter,
Klasse, Pauperismus
Proletarier 25 32 34 35 37 50 58
64 66 67 181 182 184 193 196 198 210
211 216 265 268 301 302 338 350 351
365 415 437 444 447 448 453 487; s.
auch Arbeiter, Individuen, Menschen
Propoganda: kommunistische 193
268 270 302 444 445; kleinbürger¬
liche 349 362 436 437; s. auch Moral,
Philosophie
Prostitution 191
R а s s e 23 62 343 403
Reaktion (politische) 29 122 211 293
325 331 477 504 526
R e c h t 9 51—54 62 64 126 140 160 187
—189 221 241 273 276 291 293—309
315 320 321 334 337 340—344 368
378 379 381 383 391 485 499 511 515
532 535—537; Vertrag 12 53 122 353
378 379 381 384 425; politisches 23
160 302 304 306-344 381 485 532;
Wahlrecht 23 344 532; Privileg 47
189 306 396 415 526; Besitzrecht 51
53 54 187 189 276 297 300 340—343
378 526; römisches 51 53 309 342 343;
Privatrecht 52 53 189 297 300 308;
jus utendi et abutendi 53 318 340
369 400; Straf recht 308 314 315 317
319; Faustrecht 321; jus talionis 321;
Erbrecht 341 342 369 382 487 493
494; s. auch Gesetz, Gewalt, Große
französische Revolution, Handel, Ideo-
lolen, Ideologie, Verkehr
Reflexion: Reflexionsbestimmung 76
—78 83 137 152 220—222 226—241
245 246 248 251 256 257—260 265
266 267 269 270 274—277 281 284
287—292 294—297 418; ideologisch¬
ungeschichtliche 144—150 231 237
238 241—246 268—270 274 281 284
291 378 389 418 419 461 466; d. Bour¬
geois 192 231 232 264—265; auf d.
Entgegengesetzte 238—240 265 270
273—275; reine 244 256; an sich 274;
moralische 378 392; in sich 461
Reformation 175 176 506; s. auch
Deutschland, Religion
Regierung: in d. Manufaktur¬
periode, schafft sich eine Einkommens¬
quelle durch Verkauf v. Privilegien
47; deutsche 331; französische 390;
Regierungsform, s. Staatsform
R e i c h t u m 24 26 117 211 257 258 340
505
Religion 8-10 15 16 20 21 27—30
49 53 80 117 120 122 125 134 135 139
140 153 185 189 214 215 263 264 265
273 275 287 298 350 382—385 389
393 397 473 478 490 492 493 499 520
533—536; Christentum 10 111 117
118 123 124 126 134 135 152 160 169
—171 193 198 199 221 234 236 281
283 287 291 360 387 427 432 495 506;
Geistlichkeit 14 21 160 198 199 287
422 423 501 520—528 536; Naturreli¬
gion 20 135; Kirche 71 152 156 172
422; Protestantismus 112 113 135
151—154 156 157 539 540; Katholi¬
zismus 112 113 135 151—155 159 422
539; Buddhismus 151; Papst 159 160;
Congregatio de Propaganda fide 193;
s. auch Geistlichkeit, Reformation,
Theologie
Reproduktion, s. Produktion
Revolution (Umwälzung): philoso¬
phische 7 8 356—358; in d. politi¬
schen, Eigentums- und Produktions¬
verhältnissen 12-14 22-24 27 28 35
49 308 309 351 355—359 398 410 502;
in d. Naturverhältnissen 17—19;
kommunistische 23 24 26 27 31 34 37
58—60 62 63 193 268 357 359 410 413
417 418 527 534; Auf stände: mittel¬
alterliche 41 183 199; d. katalonischen
Arbeiter (im Juli 1845) 199; d. Ne¬
ger v. Haiti (1843 bis 1847) 287; d.
Korsikaner 356; Hungerkravalle in
Frankreich (1775) 511; s. auch Ar¬
beiterbewegung, Arbeiterunruhen,
Großbritannien, Große französische
Revolution
698
Sachregister
Revolutionäre 311; in Stirners
Vorstellung 359; Verhältnis derselben
zur bürgerlichen Gesellschaft 532
Rohstoff (Material) 11 16 18 19 33
34 47 48 56 60 120 146 167 215 216
241 242 283 401 404—405 478 501;
s. auch Objekt, Technik
R о m 12 13 54 144 297 337 343 368 372
506; Römer 51 52 120 122 169; u.
Barbaren 12 13 54 368; Wehherr¬
schaft 13 54 117 123 169 368; Eigen¬
tum 13 51 52 337 343; Plebejer 13
337; Bürgerkriege 13; Licinisches
Ackergesetz 13; Kapitalisten 33 123;
Campagna di Roma 33; Recht 52 53
309 342; Gesetzgebung 118; Sklaven¬
krieg 199; s. auch Altertum, Italien
Rußland: Russen 145 453 528; als
Staat d. heiligen Allianz 340; Leib¬
eigenaufstände 356
Saint-Simonismus 211 452 460
461 466 479-495 523 539; s. auch
Frankreich
Schottland, s. Großbritan¬
nien
S c h w e i z 419 444 523 526
S e i n 11 15 31 32 63 65 83 102 197 226
230 231 242 267 270 274 275 402 412
415 540; u. Bewußtsein 15 230 231
242; u. Wesen 32 63 540; u. Werden
402; s. auch Existenz
Selbstbewußtsein 8 15 27—29
33 35 38 71 72 75—77 79 87 93 134
140 141 221 337 457 491 531
Sinnlichkeit 17 19 32—34 80 81
135 159 531 533—535 541 542
S i 11 e n 43 48 54 142 365 366 394—397
Sklaven 12—14 22 123 140 170 189
199 286—290 380 407 410; Sklaven¬
besitzer 189 286—288; s. auch Pro¬
duktionsweisen
Solidarität, s. Gemeinschaft
S о z i а 1 i s m u s 58 263 280 352 397 441
442 446 450 474 475 477 481 488 497
526 542; „wahrer“ 189 211 435—437
441—443 446—448 450 452 457 463
465 468 472—476 494—496 500 502
503 514 519—528; religiöser 523; re¬
aktionärer 526; s. auch Arbeiterbewe¬
gung. Kommunismus
S о z i а 1 i s t e n 163 192 280 441 463 499
524; „wahre“ 211 352 435 437 445—
447 449—455 457 458 460 461 464 474
—476 478 497 499 503 504 515 524; s.
auch Namenregister
Spontaneität: d. Beseitigung v.
Schranken i. d. Einbildung d. deut¬
schen Kleinbürgers 290; d. Beseiti¬
gung d. Staats, alte Einbildung dar¬
über 357
S p г а c h e 15 20 23 54 90 130 210 212
225 246 250 255 258 268 271 272 276
281 286 291 342 366 373 385 388 396
404 405 424 425 427 436 447 448 501;
Übersetzungen 88 89 120 121 179 182
186 225 226 253 286 436 483 492 493
495 496 509 513 514; Etymologie 209
252 336 354 359 375 386; Synonymik
210 253—256 294—296 298 299 316
326 336 354 375 386; Zeitwörter 254;
Sprichwörter 376 386 400 410; s. auch
Bewußtsein, Kunst, Literatur, Stil
S t а а t 9 12 15 23 25 27 29 3 1 39 43 47
51 52 59 62 64 67 71 105 122 155-
157 163 176—185 189—192 221 228
254 259 261—263 265 273 275 307—
309 312 313 315 320 321 325—327
334—340 346—348 351 353 355 357
359 378 380 383 413 460 465 488 511
532 533 536; Repräsentativstaat 326
338 532; s. auch Ideologie, Klassen¬
herrschaft, Überbau
Staatsbürger 12 179 194 196 335
465; s. auch Bürger
Staatsform: monarchische 15 176
177 201 293 314 321 326 389 390 396
455 520—521 536; demokratische 23
311 326 532; u. Klassenkampf 59; re¬
publikanische 64 160 180 196 325 326
340
Staatsschuld 48 51 309 340
Stadt: Gegensatz zum Land 11—14 18
39 40 50 333 353 379 380; im Alter¬
tum 12 13 39 42 51 169; mittelalter¬
liche 14 15 39—44 47 52; Erbauung
derselben 18; u. Politik 39; in d. Ma¬
nufakturperiode 45—48; kapitalisti¬
sche 50 51 163 333 353 362; u. kom¬
munistische Bewegung 51 333; reichs-
unmittelbare deutsche 176 369; s.
auch Bevölkerung, Industrie, Kommu¬
nismus, Land, Politik
S t а m m w e s e n 12 20 23 25 39 51 55
62 65 140 368 383; s. auch Eigentum,
Familie, Germanen, Produktionswei¬
sen
S t а n d 11 13—15 42 43 45 46 48 51 52
60 65 66 177 189 191 192 201 254 293
396 397 445 455 537; s. auch Eigen¬
tum, Ideologen, Kleinbürger, Produk¬
tionsweisen, Recht
S t e u e r n 39 51 181 390; lokale in Eng¬
land u. Irland 344; auf d. notwendig¬
sten Lebensbedürfnisse 493
S t i1 80 81 85 93 166 186 250 251 353
364 376 390 471—476 479 488 489
493 506 522; s. auch Kunst, Litera¬
tur, Sprache
Strafe, s. Gewalt
Sachregister
699
Subjekt 16 27 87 102 126 130 136
141 185 216 257 262 272 274 312 349
357 373 387 398 425 449 531 533; s.
auch Objekt, Person, Tätigkeit
S u b s t а n z 7 8 28 33 71 72 75-77 84
87 88 102 141 145 215 356 373 393
406 531 533; s. auch Bestehendes,
Idealismus
Subsumtion: unter d. Arbeitsteilung
39 40 42 43 56 58 65 270 369 374 379
415 540; d. Individuums unter d.
Klasse 43 65 66 337 374 417; d. Wis¬
senschaft unter d. Kapital 50; d. In¬
dividuen unter Kapital u. Grund¬
eigentum 55; kleiner Industrie unter
naturwüchsige Produktionsinstru¬
mente 55; e. Masse v. Individuen un¬
ter ein Produktionsinstrument 58; e.
Masse v. Produktionsinstrumenten un¬
ter ein einziges Individuum 58; d.
Eigentums unter alle 58; d. moder¬
nen universellen Verkehrs unter alle
58; sachlicher Mächte unter d. Indi¬
viduen 63; d. Individuen unter sach¬
liche Gewalt 66; ideologische 157 189
237 244 262 281 316 373 440; d.
Staatsmacht unter d. Interessen d.
Bourgeois 51 52 180 181 265 307 308
325 334 335 338 340 460; aller bür¬
gerlichen Verhältnisse unter d. Ex¬
ploitationsverhältnis 351 388; einzel¬
ner Teile d. Arbeiterbewegung unter
d. allgemeine Bewegung 367; d.
Künstlers unter lokale u. nationale
Borniertheit 373; aller bürgerlichen
Verhältnisse unter d. ökonomischen
391; s. auch Arbeitsteilung, Ideolo¬
gie, Klassenherrschaft, Vorstellungen
Tätigkeit 9-11 15—18 21 22 25—
29 31-34 39 55 59 61 63 77 125 145
149 157 163 173 184 193 198 204 226
235 237 241 243-246 267 274/303
305 333 338 356 357 361 369 372—
374 388 390-392 398 417—419 424
435 447-449 453 466 468 497 502-
504 525-527 531 533-535; Selbst¬
betätigung 57 58 61 193 388
Tauschwert, s. Wert
Technik: Instrumente 11 18 41 42 56
176; Dampfheizung 18; Gasbeleuch¬
tung 18; Wasserleitung 18; d. Häu¬
serbaus 18—19; Maschinerie 18 33
35 44 49 59 176 190 199 209 349 371
372 540; Spinnrad 33 176 282 371;
Webstuhl 33 176 361 540; Eisenbah¬
nen 140 282 374; Hacke u. Pflug
190; künstlerische 372; Dampfmüh¬
len 501 502; Windmühlen 502; Was¬
sermühlen 502; s. auch Eisenbahnen,
Erfindungen, Industrie, Kunst, Land¬
wirtschaft, Produktionsinstrument
Terrorismus 161 279 316 476; Kö¬
nigsmord 279; s. auch Große franzö¬
sische Revolution
T h e о 1 о g i e 8 18 21 75 79 92 93 141
157 166 171 215 317 334 539 540 542;
s. auch Ideologie, Moral, Religion
T h e о r i e 18 19 21 27—31 34 49 83 90
122 125 177 189 208 209 215 227—
229 278 281 300 309 311 338 347 340
352 353 384 385 388—393 397—399
400 414 419 435 436 442 443 451 453
457-461 466-468 477 490 496 500—
503 520 521 525—527 533 534; s. auch
Bewußtsein, Geschichtsauffassung,
Ideologie, Praxis, Wissenschaft
T i e r e 10 20 31 32 126 142 163 173 289
342 403 419 446 455—457 497
Überbau (Superstruktur) 26 391 534
536; s. auch Ideologie
Verbrechen 293 305 308 309 313
315—320 322—325; Raubmord 12;
Raub 54 322; Diebstahl 316 361 362
384
Vereinigte Staaten von Nord¬
amerika: vollendetstes Beispiel d.
modernen Staats 52 192 326; als mo¬
dernes Kolonisationsprodukt 62; Yan¬
kees 62 108 146 189 387 419 478;
Börse von New York 181; Arbeiter
196 339 449; Eisenbahnen 282; Na¬
tionalreformer 449; deutsche Indu¬
striewaren daselbst 473; Sozialdemo¬
kratische Schule 474; s. auch Ame¬
rika, Arbeiterbewegung, Bourgeois,
Bourgeoisie, Individuen, Kolonisation
Verkehr 11 12 14—16 20 22 24—26
32 33 35 39 41—44 46 53 54 56—61
63 158 183 188 210 213 221 226 228
254 271 282 321 333—335 344 345
351 354 362 365 369 372 374 375 386
388—390 395—397 410 414—419 497
538 539; Weltverkehr 24 37 44 50 178
243 349 379 380 396 417; Schiffahrt
47 331 374; s. auch Eisenbahnen,
Handel, Individuen, Produktion, Pro¬
duktionsweisen, Produktivkraft
V e r k e h r s b e d i n g u n g en 54 56
60—62 165 333 354 362 397 417 418;
s. auch Existenzbedingungen
Verkehrsformen 11 12 21 25 27
28 53 54 56 60—64 165 193 271 307
334 416
Verkehrsmittel 45 49 50 282 333
374 415; s. auch Kommunikation
700
Sachregister
Verkehrsverhältnisse
(■machte): 11 21 24 27 31 41 42 45 46
50 51 53 60 61 63 64 77 134 142 158
162 165 183 188 210 213 215 224 226
—230 235 239 241 242 251 255 256
260 271 277 280 282 289 297 302 303
306 307—309 312 320 321 333—335
341 342 344 349—351 356 357 360—
364 366 368 369 372 374 375 378 381
384—395 398 399 404 408—411 415
—420 424 427 435—437 445 460 462
465 497 498 501—504 526 535; s.
auch Gesellschaft, Individuen, Pro¬
duktionsverhältnisse
Voraussetzungslosigkeit 16
17 215 244—247 412 442
Vorstellungen 3 8 9 15 21 27 28
—31 43 54 58 63 65 67 78 83 98 105
106 110 112 113 118 119 121 122 132
134 138 140 141 148 150 154 157 163
165 166 169 170 171 173 179 182 186
213 215 226—228 233 241 242 245
246 249 251 252 254 259—262 264—
272 274 275 277 297 327 329 336 337
352 354 359 364 368 371 375 378 382
398 399 408 412 435 437 447 452 453
459 464 466 487 503 536; s. auch Be¬
wußtsein, Denken, Illusion
Ware 7 40 110 339 347 349 351 374
375 376 386 503 536; Depreziation
derselben gegenüber d. Geld 375—
376; s. auch Wert
Weberei44 45 361; s. auch Technik
Weib 18 22 82 83 220 318 485 539; s.
auch Mann
Wert 163 210 265 364 388 389 525—
527; Gebrauchswert 209 264 364;
Tauschwert 209 264 265 375 378 503;
s. auch Geld, Preis, Ware
Wildheit, s. Gesellschafts¬
stufen
W i 11 e 23 24 40 52 53 162 163 175 177
178 194 226 242 270 290 291 307—
309 311—313 327 353 368 378 389
392 413 418; s. auch Macht, Willkür
W i11 k ü r 15 39 53 64 117 118 201 237
259 260 308 313 349 357 363 369 375
400 436 505; s. auch Gesetzgebung.
Macht, Wille
Wirklichkeit 3 10 15—17 20 21 23
25—39 41 52 53 56 57 59—61 66 76
77 79 83 89 90 108 110 113 114 118
122 123 125 130 134 140—142 148
149 151 154 156 158—166 168—172
175 177—179 182 188 201 209 210
213 215—217 224 226 228—230 232
234 237 238 241 243 244 247—249
252 254 255 259—268 270—272 274
279 280 282 284 287 288 292 294 301
—303 305 307 309 311 316 321 341
342 351 356 358 361 365—367 369
371 381 382 384 388—390 392—395
397 399 406 408—410 412 413 416
419 424—427 435—437 441 442 445
448 449 451—454 462 466 478 496
497 499 500 503 504 515 521 527 528
531 533—537; s. auch Ideologie, Illu¬
sion, Tätigkeit
Wissenschaft 16 29 49 118 119
156 215 216 264 265 366 371—373 388
391 419 435 436 441 448 450 459 473
474 481 484 488 535 536 539; Geolo¬
gie 17 448 460; Naturwissenschaft 33
50 120 167—169 172 286 397 400 401
444 455 536; Chemie 33 121 168 400;
Physik 33 119 121 168 400 401 420
456; Mechanik 49; Zoologie 403; s.
auch Philosophie
Wohnung 17—1942
Zentralisation 49 282 532
Zirkulation 42 44 46 48 49 105 376
—378; Tauschmittel 276 374 375
378; s. auch Handel, Verkehr
Zivilisation.s. Gesellschafts¬
stuf e n
Zölle 47 49; Schutzzölle 45 47—49 71
178 292
Z u f а 11 21 32 43 303
Zufälligkeit 53 56 58 60 61 64—66
354 411 416 417
Z u f u h r 24 25 349 350 363 371 380 494
501; s. auch Handel, Nachfrage, Pro¬
duktion
Z u n f t 14 40 41 44—46 50 201 349; Ge¬
sellen 14 41 46; Lehrlinge 14 41;
Meister 14 40 41 46 197; s. auch Ar¬
beit, Deutschland, Feudalität, Hand¬
werk, Handwerker, Mittelalter
Z w e c k 3 19 27 30 31 33—35 37 47 49
57 59 89 107—110 142 158 166 167
169 179 192 195—197 264 268 269
299 358 360 366 369—371 388 398
454 474 479 481 502 520 521 524 525
535
INHALT
Inhalt
Seite
Einleitung zum fünften Bande. Vom Herausgeber IX
DIE DEUTSCHE IDEOLOGIE
Kritik der neuesten deutschen Philosophie.
in ihren Repräsentanten, Feuerbach,
B. Bauer und Stirner, und des
deutschen Sozialismus in seinen
verschiedenen Propheten
Vorrede 3
L FEUERBACH. GEGENSATZ VON MATERIALISTISCHER
UND IDEALISTISCHER ANSCHAUUNG 7—67
A. Die Ideologie überhaupt, namentlich die deutsche 8
1. Geschichte 17
2. Über die Produktion des Bewußtseins . . . . 26
B. Die wirkliche Basis der Ideologie 39
1. Verkehr und Produktivkraft 39
2. Verhältnis von Staat und Recht zum Eigentum . 51
[3. Naturwüchsige und zivilisierte Produktions¬
instrumente und Eigentumsformen] 55
C. Kommunismus. Produktion der Verkehrsform selbst . . . . 60
Das Leipziger Konzil 71—432
II. SANKT BRUNO 75—94
1. „Feldzug“ gegen Feuerbach 75
2. Sankt Brunos Betrachtungen über den Kampf zwischen Feuer¬
bach und Stimer 83
3. Sankt Bruno contra die Verfasser der „heiligen Familie“ . . 85
4. Nachruf an „M. Heß“ 92
III. SANKT MAX 97-Л28
1. Der Einzige und sein Eigentum 98—421
Altes Testament: Der Mensch 100—219
1. Genesis, d. i. Ein Menschenleben 100
2. Ökonomie des alten Bundes 109
3. Die Alten 116
4. Die Neuen 124
A. D e r Geist (Reine Geistergeschichte) 128
B. Die Besessenen (Unreine Geistergeschichte) .... 133
Anleitung zum Geistersehen 133
704
Inhalt
Seit«
Zweite Anleitung zum Geistersehen 135
a) Der Spuk 13<8
b) Der Sparren 141
C. Unreine unreine Geistergeschichte. . . . 144
a) Neger und Mongolen 144
Erste „geschichtliche Reflexion“ 144
Zweite „geschichtliche Reflexion“ 144
Dritte „geschichtliche Reflexion“ 145
Vierte „geschichtliche Reflexion“ 145
Fünfte „geschichtliche Reflexion“ 146
Sechste „geschichtliche Reflexion“ 147
Siebente „geschichtliche Reflexion“ 148
Achte „geschichtliche Reflexion“ 149
Eingelegte „geschichtliche Reflexion“ 150
b) Katholizismus und Protestantismus 151
D. Die Hierarchie 154
5. Der in seiner Konstruktion vergnügte Stirner .... 167
6. Die Freien 175
A. Der politische Liberalismus 175
B. Der Kommunismus 185
Erste logische Konstruktion 185
[Zweite logische Konstruktion] 185
Dritte logische Konstruktion 190
Vierte logische Konstruktion 194
Erste historische Konstruktion 198
Zweite geschichtliche Konstruktion 199
Dritte historische Konstruktion 200
Vierte geschichtliche Konstruktion 202
C. Der humane Liberalismus 211
N e u es T e s t а m e n t: „I c h“ 220—421
1. Ökonomie des Neuen Bundes 220
2. Phänomenologie des mit sich einigen Egoisten, oder die
Lehre von der Rechtfertigung 222
3. Offenbarung Johannis des Theologen, oder „die Logik der
neuen Weisheit“ 249
4. Die Eigenheit 280
5. Der Eigner 293
A. Meine Macht 293
I. Das Recht 294
A. Kanonisation im allgemeinen 294
B. Aneignung durch einfache Antithese 297
C. Aneignung durch zusammengesetzte Antithese .... 300
II. Das Gesetz 306
ПІ. DasVerbrechen 314
A. Einfache Kanonisation von Verbrechen und Strafe . . . 315
a) Verbrechen 315
b) Strafe 517
B. Aneignung von Verbrechen und Strafe durch Antithese . 318
Inhalt
705
Seite
C. Das Verbrechen im gewöhnlichen und außergewöhnlichen
Verstände 322
5. Die Gesellschaft als bürgerliche Gesellschaft .... 327
Abhandlung 1: Über Parzellierung des Grundbesitzes, Ab¬
lösung der Servituten und Verschlingung des kleinen
Grundeigentums durch das große 330
Abhandlung 2: Privateigentum, Staat und Recht . . . 334
[Abhandlung 3: Über die Konkurrenz im gewöhnlichen
und außergewöhnlichen Verstände] 346
II. Die Empörung 355
III. DerVerein 367
1. Grundeigentum 367
2. Organisation der Arbeit 369
3. Geld 374
4. Staat 378
5. Empörung 381
6. Religion und Philosophie des Vereins 382
A. Eigentum 382
B. Vermögen 385
C. Moral, Verkehr, Exploitationstheorie 386
D. Religion 393
E. Nachträgliches zum Verein . . 394
C. Mein Selbstgenuß 396
6. Das hohe Lied Salomonis oder der Einzige 406
7. Apologetischer Kommentar 422
Schluß des Leipziger Konzils 431—432
DerwahreSozialismus 435—437
I. DIE „RHEINISCHEN JAHRBÜCHER“ ODER DIE PHILO¬
SOPHIE DES WAHREN SOZIALISMUS 441-468
A. „Kommunismus, Sozialismus, Humanismus“ 441
B. „Sozialistische Bausteine“ 454
Erster Baustein 457
Zweiter Baustein 461
Dritter Baustein 465
IV. KARL GRÜN: „DIE SOZIALE BEWEGUNG IN FRANK¬
REICH UND BELGIEN“ (DARMSTADT, 1845) ODER: DIE
GESCHICHTSCHREIBUNG DES WAHREN SOZIALISMUS 471—516
Saint-Simonismus 479
1. Lettres d’un habitant de Genève à ses contemporains 483
2. Catéchisme politique des industriels 486
3. Nouveau christanisme 489
4. Saintsimonistische Schule 490
Fourierismus 495
Der „bornierte Papa Cabet“ und Herr Grün . . . . 504
Proudhon 514
V. „DER DR. GEORG KUHLMANN AUS HOLSTEIN“ ODER
DIE PROPHETIE DES WAHREN SOZIALISMUS. Die neue
Welt oder das Reich des Geistes auf Erden. Verkündigung . 519—528
Marx-Engels-Gesamtausgabe, I. Abt., Bd. 5 45
706
Inhalt
Seite
ANHANG 531—544
[Marx über sein Verhältnis zu Hegel und Feuerbach] .... 531
[ Die bürgerliche Gesell schäft und die kommunistische Revolution ] 532
[Marx über Feuerbach] 533
[Aus: „I. Feuerbach“] 536
[Engels über Feuerbach] 538
[Sankt Bruno contra die Verfasser der „Heiligen Familie“] . . 541
Beschreibung der Manuskripte. Textvarianten 545—640
Marxens Notizbuch aus den Jahren 1844—1847 . 547—550
Paginierungsschema der Manuskripte der Deut¬
schenideologie“ 551—560
Richtlinien der Redigierung 561—564
Textvarianten 561—640
A. Aus: der Vorrede 565—566
B. Aus: I. Feuerbach 566—583
C. Aus: Das Leipziger Konzil 583
D. Aus: II. Sankt Bruno 583—585
E. Aus: ІІI. Sankt Max 585—630
F. Aus: Schluß des Leipziger Konzils 630
G. Aus: Der wahre Sozialismus 630
H. Aus: I. Die „rheinischen Jahrbücher“ oder die Philosophie des
wahren Sozialismus 630—634
I. Aus: IV. Karl Grün: „Die soziale Bewegung in Frankreich und
Belgien“ (Darmstadt, 1845) oder die Geschichtschreibung des
wahren Sozialismus 634—639
J. Aus: V. „Der Dr. Georg Kuhlmann aus Holstein“ oder die Pro¬
phetie des wahren Sozialismus 639
Quellennachweis 641—671
Register : 673—700
Namenregister 675—681
Sachregister 682—700
Beilagen
Tafel I. Die Seite 15 des Manuskripts „I. Feuerbach“ . . vor S. 21
Tafel II. Die Seite 18 des Manuskripts „I. Feuerbach“ . . vor S. 23
Tafel III. Die Titelseite des Bogens des Manuskripts
„III. Sankt Max“ vor S. 247
Tafel IV. Die zweite und dritte Seite des Konzepts der Marx¬
sehen „Vorrede“ vor S. 565
Druckfehler
XVIII12 statt und Sammlung der im Text getilgten Stellen lies . Textvarianten
552 s statt /578,38—39,578/ lies /577,38—39,578/
552< statt 35 /578/ lies 35 /578,
55214,16 statt /63,50—51 (Note) 18(Note),S&llies /63,50—51 (Note), 18 (Note),581/
55216 statt 42—43 lies 42—43/
55217 statt 65—66,582/ lies 65—66,581—582/
55283 statt /75—94,583—583/ lies /75—94,583—585/
5546 statt /142—143, lies /142—143/
56016 statt /498-499,637 lies /498—499,637/
589 Fußn. з statt S. 526 lies 576
69820 statt Leibeigenaufstände lies Leibeigenenaufstände