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                    INGO GEISLER

VERLAG • WILLMERING


Arbeits- und Fachkunde für Schuhmacher Von Max Sahm 6. Auflage 1994 (unveränderter Nachdruck der 4. Auflage 1960) G Ingo Geisler Verlag • 93497 Willmering
Mit Genehmigung des Verlages B. G. Teubner, Stuttgart, veranstalteter reprographischer Nachdruck der „Arbeits- und Fachkunde für Schuhmacher" von Max Sahm, 4. Auflage 1960. Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des auszugsweisen Nachdruckes und der Wiedergabe, seitens B. G. Teubner, Stuttgart, vorbehalten. Gesamtherstellung: Neue Presse Druck GmbH • 94030 Passau
Max Sahm Arbeits- und Fachkunde für Schuhmacher
Vorwort zur 6. Auflage Dieses Fachbuch soll dem lernenden, aber auch dem im Beruf Stehenden, hel­ fen, indem es einen Überblick über die Techniken des Schuhemachens vermit­ telt. Trotz der Problematik, die der unveränderte Nachdruck, mit freundlicher Li­ zenz-Genehmigung des Teubner-Verlages, vor allem hinsichtlich der Abbildun­ gen, birgt, findet der angehende Schuhfachmann für seine praktische Arbeit, aber auch in der Theorie, viele Anregungen, die mit Vorteil verwendet werden können. Zwischenzeitlich weitergehende Arbeitsweisen, wie geklebte Böden, Zwicken mit Zwicktacker, Einstechen mit Lippenband, Verarbeitung von Kunststoffkap­ pen oder einzelne Schuhtypen und ihre Macharten usw., werden in loser Folge in der, vom Verlag herausgegebenen, Fachzeitschrift „Der Schuhmacher" ver­ öffentlicht und als Sonderdrucke erscheinen. Der Werkstoff, der für das Schuhwerk hauptsächlich verarbeitet wird, ist Leder, dessen richtige Behandlung und Verarbeitung im Betrieb nicht nur Kenntnisse seiner Herstellung, sondern auch eine sorgfältige Beobachtung erfordert. Des­ halb ist der Beschreibung dieses wichtigen Rohstoffes auch der gebührende Raum gewidmet. Alle, die in der Schuhbranche tätig sind, ob im Handwerk oder im Handel, dür­ fen nie vergessen, in welch starkem Maße die Fußgesundheit von der rich1igen Beschuhung abhängt. Deshalb sind fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Fußgesundheit Voraussetzung. Dieses Wissen wird in dem hier in 6. Auflage vorgelegten, seit Jahrzehnten bewährten und für das handwerkliche Wirken im­ mer noch gültigen Fachbuch hinreichend abgehandelt. Ingo Geisler V
VORWORT Vielerlei Ursachen wirken sich auf die Gesundheit unserer Füße schädigend aus, verändern schon beim Jugendlichen die Fußformen, machen unsere Füße lei­ stungsschwach und zu einer Quelle von Beschwerden. Mit zunehmendem Alter entwickeln sich daraus oft ausgeprägte, äußerst schmerzhafte Fußkrankheiten, sogenannte Belastungserkrankungen, wie Knick-, Senk-, Platt-, Spreizfuß und deren Begleiterscheinungen, wie Krampfadern, Venen- und Nervenerkrankun­gen. Viele Mittel versprechen Linderung, doch versagen sie in den meisten Fällen, weil das Grundübel nicht vom richtigen, fußgesunden Schuh aus ange­gangen wird. Dieser aber spielt die Hauptrolle sowohl bei der Verhütung als auch bei der Bekämpfung der Fußleiden und nicht die meist billigen, in unzweckmäßigem Schuhwerk getragenen Behelfsmittel. Für die Gesunderhaltung des Fußes, für das volle Wiederherstellen verlorengegangener Leistungsfähigkeit und besonders für das Beheben von Fußbeschwerden gibt es kein besseres Mittel als den alle Eigen­arten des Fußes berücksichtigenden Schuh nach Maß. Für den Schuhmacher wird es sich somit künftig vielfach darum handeln, für Fußkranke geeignetes Schuhwerk herzustellen; und neben den Wiederherstellungs- und Korrekturar­beiten an Schuhen wird es seine Aufgabe sein, die falsch Beratenen und der Hilfe Bedürftigen über ihre Beschwerden aufzuklären. Dazu muß der Schuhmacher imstande sein, einen Schuh von Grund auf selbst herzustellen. Erst dann beherrscht er die Arbeit seines Faches und damit die Gmndlagen für eine Handwerkerexistenz mit goldenem Boden. Boden. Das ist eine gewiß nicht leichte Aufgabe, denn zu jedem einzelnen Gebiet, wie dem Boden- und Leistenbau, dem Modellieren und Schäftebau, dem Maßnehmen, der Auswahl, Verarbeitung und Auswertung der Rohstoffe gehören umfangreiches Wissen und Können. Vom Meister bzw. Orthopädie-Schuhmachermeisier muß verlangt werden, daß er alle diese Gebiete beherrscht. Jedoch ist schon bei der Ausbildung des Lehrlings mit dem Erlernen einer einwandfreien Bodenarbeit zu beginnen. Denn es ist eine unerläßliche Forderung unserer Zeit an das Schuh­ macherbandwerk, den höchsten Leistungsstand zu erreichen, damit es seine wichtigen Aufgaben für die Fußgesunderhaltung erfolgreich bewältigen kann. Die Besonderheit der Aufgabe, die Arbeit am Schuh und das dazu notwendige Wissen darzustellen, machte es erforderlich, zahlreiche Photos und Bilder zur Veranschaulichung heranzuziehen. Langjährige Erfahrungen· aus meiner Tätigkeit als Schuhmacher- und Orthopädie-Schuhmachermeister im In- und Ausland und als Lehrer kamen mir bei der Gestaltung dieser Arbeits- und Fachkunde zugute. VII
Sie gibt dem Lernbeflissenen die Möglichkeit, sich, gestützt auf seine Werkstatt-, Berufsschul- und Fachschulerfahrungen, die Grundlagen der Anatomie, einer gu­ten Bodenarbeit sowie der Leisten-, Modellier- und Schäftearbeit anzueignen. Ich hoffe, daß auch dieser 4. Auflage ein Erfolg beschieden ist und daß sie zur unerläßlichen Leistungssteigerung im Schuhmacherhandwerk beiträgt. Frankfurt (Main), Frühjahr 1960 VIII MAX SAHM
INHALT Erster Teil Seite 1 A. Die Auswahl des Bodeuleders I. Vom Bodenleder und seiner Gewinnung ................... .. a) Vom Einkauf des Bodenleders. b) Fehler der Haut ..... . ... . . . 1. Naturschäden ............ 2. Schnittschäden . . . . . ...... c) Das .Altgerben .............. II. Das Zerlegen der Haut und der Bodenlederausschnitt .... . . .. . . a) Die halbe Haut und ihre Zer­ legung . ................... . b) Der Ausschnitt des Bodenleders aus der Haut ............... c) Die Bodenlederzutaten ... .... B. Das Zurichten des Boden1eders ... . . I. Die Bodenlederteile werden für das Zurichten vorbereitet . . ... . .... II. Das Zurichten der Brandsohle .. a) Werkzeuge für die Bodenarbeit b) DieBrandsohle wird beschnitten c) Das Einarbeiten der Einstech­ bahn bei der Brandsohle ..... III. Das Zurichten der Hinterkappe . IV. Das Zurichten der Rahmen ..... V. Das Zurichten der Steifkappen .. VI. Das Zurichten des Fleck- oder Absatzleders ..... . ..... . .. .... VII. Das Zurichten der Keder ... . . . . VIII. Das Zurichten des Gelenkleders .. IX. Das Zurichten der Durchaussohlen X. Das Zurichten der Überstemme .. C. Das Aufzw:ickcn der Schäfte ........ I. Die Schäfte werden überprüft und zum Aufzwicken vorbereitet .... II. Die Schäfte werden aufgezwickt . a) Das Vorholen ............... b) Das Zwicken des Fersen- und Gelenkteils ...... ........... III. Das Einarbeiten der Steifkappen a.) Die Steifka.ppe wird zwischen Besatz und Zierkappe einge­ bracht ....... .............. 1 1 4 4 6 6 11 11 13 13 16 16 19 19 23 25 31 33 34 36 37 37 38 38 39 39 41 41 43 47 47 Seite b) Die Steifkappe wird auf das Futter gezwickt .... . .. ...... 49 D. Die Bodenbefestigung ... ......... . I. Der Einstechdraht . . . .. . . . . . . . II. Das Einstechen ..... .......... III. Das Einbinden des Fersenteils .. IV. Das Beschneiden des Rahmens .. V. Das Einarbeiten des Gelenkleders VI. Das Ausballen ............... . VII. Das Aufrichten und Beschneiden der Durchaussohlen ......... .. VIII. Das Rißschneiden .... . ........ IX. Das Nähen und Doppeln der Durchaussohlen. .... . . ..... . . . . a) Die Nähmittel ............. . 1. Garne und Zwirne ... .... . 2.Seide .. . ........... . ..... 3. Borsten .. ............ . . . b) Das Nähen und Doppeln ..... X. Der Absatzbau ................ a) Die Nägel .........'......... 1. Holznägel ... ............. 2. Metallnägel ............ .. b) Der Absatzbau . ........... . XI. Die Ausputza.rbeiten .... . ...... a} Die Ausputzmittel .......... 1. Glaspapier . ..... . . . . ..... 2.Tragant ............. ... . 3. Kaltpoliertinte ........ ... 4. Wachse .................. 5. Oberlederschwär.i:e .... .... 6. Oberlededaok {Appretur) . . b) Der Vorputz .. ............. c) Der Ausputz .......... ..... d) Der naturfarbige Ausputz ... . e} Das Ausleisten . . ...... .... . XII. Da.s Kittverfahren ............ . XIII. Hilfsmittel für die Sohuhmacherarbeit ........................ a) Klebemittel ........... .... . b) Kork ...................... 51 51 53 57 58 60 62 62 63 65 65 65 68 68 69 71 71 71 71 73 79 79 79 79 79 80 80 80 81 81 82 82 83 84 84 85 IX
Zweiter Teil Sc!Le A. Das Maßnehmen . .. .............. 86 I. Das Umzeichnen des Fußes und die Abnahme der Trittspur .. ....... . a) Ein Trittspurgerät wird benutzt . b) Farbblätter werden verwendet .. II. Das Abnehmen der Weiterunaße .. . 86 86 87 88 B. Vom gesunden und kranken Fuß .. . !J0 I.Der gesunde Fuß ....... . ....... a) Das Skelett ...... .. ... ... .... l . Das Bein- und Fußskelct.t . .. 2.Die Gelenke ..... .......... 3. Die Bänder . .... . . ...... ... b) Die Muskeln ... . .... .. . . ..... II. Der kranke Fuß .... ... . . . . .. . . . !J l 91 91 94 95 97 102 C. Der Leistenbau .................. 109 I.Die Erarbeitung eines Maßleisterui aus dem Roh.klotz ......... . ... . 109 a) Das Brandsohlenmuster wird her­ gestellt . ...... ..... .......... 109 b) Das Leistenprofil wird entwickelt 110 II.Die maschinelle Leistenherstellung 113 III.Leistenformen .................. 116 IV. Leistenspitzenformen ............ 118 D. Das Schüftemachen .............. 119 I.Der Schuhmacher muß die Schäfte selbst machen ..... . . . . . . . ...... II. Das Schäftezeichneo und Modellieren a) Die Einzeichnungen am Leisten . b) Die Entwicklung der Leistenkopie c) Das Schaftzeichnen und Modellieren verschiedener Muster . . .. .. X 119 120 120 122 124 1.Das Herrenschnürstiefel. Muster mit Ringsbesatz ..... 2. Das Herrenderbystiefel-Mustor mit Blatt .... .. .. . .. .. ..... 3.Das HerrenschnürschuhMuster .................... 4. Das Derbyschuh-Mustcr mit Blatt . .... . ........... .... 5.Das DmnenschnürschuhMuster .... ................ 6. Das Damcnspangcns<'huhMust.er ....... .. ........... Seite 124 129 131 135 136 138 III.Das Schäftemachen .........._ .. 142 a) Das Oberleder und seine Gerbung 142 1.Die vegetabile Gerbung .. ... 142 2.Die Alaun- oder Wcißgerbung 144 3.Die Mineralgerbung . ... . . . . . 144 4.Die Sämisch- öder Fettgerbung 145 5. Die gebräuchlichsten Oberleder des Schuhmachers .......... 146 6. Die Koll\binationsgerbung . .. 150 b) Das Auslegen und Am,fellen .... 150 l. Das Auslegen .... . . ... ..... 150 2. Das Ausfeilen .. ............ 156 c) Das Futter . .......... ....... 160 d) Der Arbeitslauf bei der Anferti­ gung einzelner Schaftartcn . .... 160 1. Der Herrenschnürstiefe1scha.ft mit Ringsbesa� ............ 160 2. Der Damen-Derbyschuh mit Kappenbcsatz .............. 169 Saohweiser .. ·. ... ... .... ...... . . ... . 173
ERSTER TEIL A.Die Auswahl des Bodenleders I.Vom Bodeoleder und seiner Gewinnung Die Verwendung besten Werkstoffes, der je nach dem Zweck, den erzu erfüllen hat, auszuwählen ist, und eine fachgemäße Verarbeitung beeinflussen die Güte des Schuhwerks sehr. Was nützt z.B. dem Träger eines Maßstiefels die durch einen guten Leisten bedingte Paßform, wenn sie durch Auswa� ungeeig neter Werk­ stoffe und nicht fachgemäße Verarbeitung nach kurzerTragdauer verlorengeht� Die Auswahl nur bester Ober-und Bodenlederist auch deshalb geboten, weil zur Anfertigung guter, einwand­ frei. gearbeiteter1\faßstie­fel eine Gesamtarbeitszeit von durchschnittlich22 Stunden gebraucht wird {= rund drei Arbeitstage). Für eine derart lange Ar­beitszeit dürfen nur erst­klassige Werkstoffe zur Ver­ arbeitung kommen. Sonst gerät die aufgewandte Ar­ beitszeit in ein nicht zu rechtfert,igendes :Mißver­ hältnis zum verbrauchten minderwertigen Werkstoff. 1.1 Der Schuhmacher bei der Auswahl desLeders a)Vom Einkauf des Bodenleders Der Einkauf fordert gute Fachkenntnis, Die Vielgestaltigkeit des auf dem Markte angebotenen Bodenleders macht den Einkauf schwierig. Der Verkauf von Boden­leder nach Gewicht birgt die Gefahr in sich, daß der Gerber das natürliche Ge­wicht des Bodenleders künstlich erhöht und die Gerbdauerverringert. Beidesver­ändert zwar denPreis, verschlechtert aberauch die Güte desLeders. Der „Kilopreis" ist nicht ausschlaggebend. Wer Bodenleder einkauft, sollte sich einprägen, daß es falsch ist, den Kilopreisdes Leders als allein ausschlaggebend anzusehen. Denn „billiges" Lederist in derRegelteurerals ein Leder,dessen An- 1
schaffungskosten im Kilopreis höher sind. Nicht die Tatsache, daß beispielsweise ein Croupon 20,- DM und ein anderer 30,- DM kostet, darf beim Einkauf ent­ scheidend sein, sondern ausschließlich die Überlegung, welches Bodenleder sich in der Werkstatt am vorteilhaftesten verwerten läßt. Darum sind auch dlie Stärke des Leders, die Stellung der Haut, vor allem aber das Gewicht im Verhältnis zur Stärke z u berücksichtigen. Auch ein gleichmäßig heller Narben darfnicht bestechen. Denn diese gleichmäßige, schöne, helle Farbe wird fast nur durch B l e i c h e n des Leders mit chemischen Mitteln erzielt. Jedes Bleichen schädigt aber den natürlichen Zustand der Haut. Oft sind aber gerade die schönsten Leder wertmäßig die geringsten. ,,Schnellgegerhte" Leder sind schwerer. Die meisten heute im Lederhandel käuf­lichen Bodenledersorten sind „moderngegerbt" bzw. ,,schnellgegerbt", und diese Leder sind je Flächeneinheit viel schwerer als das nach altem Verfahren mit Eichen­lohe in Gruben in einer Dauer von 9···20 Monaten gegerbte Bodenleder. Der Schuhmacher zahlt daher beim Einkauf von schnellgegerbtem Leder nicht allein die Hautstoffe, die für ihn von Wert sind, sondern auch Gerbund andere Füll­stoffe, die sich beim Eindampfen des Leders zum größten Teil wieder auswaschen und bis zu 20% des Ledergewichts und darüber ausmachen können. Eine Ver­gleichsrechnung zeigt folgendes Ergebnis : Ein schnellgegerbtes Leder kostet z. B. 5,20 DM je kg, ein altgegerbtes 6,50 DM je kg. Aus altgegerbtem Leder erhält man Herrensohlen, die 200 g je Paa.r wiegen, während die Sohlen aus schnellgegerbtem Leder gleicher Größe um mindestens 10% schwerer sind, häufig aber noch viel mehr. Nimmt man zu Sohlen aus schnell­ gegerbtem Leder ein Gewicht von 220 g an, so kosten sie bei dem genannten Leder­preis 1,18 DM. Die altgegerbten Sohlen, die nur 200 g wiegen, würden dagegen 1,30 DM kost.cn. Während also das altgegerbte Leder im Kilopreis um 1,30 Dl\iI teurer war als das schnellgegerbte, macht dieser Unterschied im Sohlenpreis nur noch 12 Dpf aus. · Dafür aber ist das altgegerbte Leder in der Güte, in der Haltbarkeit und nicht zuletzt für die Gesundheit des Fußes jedem a n deren Leder weit überlegen. Versuch: Dampfe minderwertiges, billiges und bestes, altgegerbte.s EicheruohledP,r von gleicher Größe und Stärke gleiclvmäßig wnge ein. Das minderwertige Leder sche idet einen großen Teil des Gerbstoffes und der Füllmittel aus, was an dem stark getrübten und schla-mmartig verwandelten Wasser erkenntlich ist. Minderwertiges Leder hat viele Nachteile. Stark mitGerbstoff gefüllte Leder worden mitunter mit einem chemischen :Mittel behandelt, um das Ausscheiden des über­ schüssigen Gerbstoffes zu verhüten. Dieses Leder wird im Trockenzustande äußerst hart, spröde und brüchig.. Kommt Schuhwerk aus diesem Werkstoff mit ·wasser in Berührung, so saugt sich das Leder schnell voll, und der Träger hat innerhalb kurzer Zeit nasse Füße, anderer­seits trocknet es nur sehr langsam und 1mgleichmäßig. Das im Trockenzustand sehr harte und spröde Leder unterbindet die Beweglieh­ keit des Fußes. Das wirkt um so schädlicher, je dicker die Sohlen bzw. die Boden­ werkstoffe beschaffen sind. Im nassen Zustand fügt es sich dem Drucke des Fußes und trocknet in der dabei angenommenen Form. Solches Leder hat keine Trag-enen Form. Solches Leder hat keine Trag- 2
kraft und unt,erwirft sich widerstandslos der krankhaften Veränderung der Fuß­form. Eine Verwendung für :Maßschuhe und Orthopädieschuhwerk scheidet somit ganz aus. Altgegerbtes Leder kommt allein in Frage. Das Wa.sser, in dem das altgegerbte Leder eingedampft wurde, hat an Klarheit kaum eingebüßt, ein Beweis da.für, daß das Leder nicht mit überschüssigen Gerbstoffen beschwert ist und beim Weiter­verarbeiten sehr bald den gewünschten Trockengrad erreicht und sich anstandslos nach altem Handwerksbrauch verarbeiten läßt. Im fertig verarbeiteten Zustande, zur Neuarbeit wie zur Reparatur, erfüllt es in bester Weise alle Erfordernisse. Das Leder folgt durch seine Elastizität den Be­ wegungen des Fußes beim Abrollen, andererseits bietet es Halt und Stütze da, wo es im Interesse der Gesunderhaltung des Fußes notwendig ist. Die Wasserdichtig­ keit ist, ebenso eine Eigenschaft des guten Leders wie die Dauer11aftigkeit. Leder ist haltbar gemachte, formfest gegerbte Tierhaut. Während man in früheren Jahrhunderten nur das altgegerbte Leder kannte, gibt es heute viele Gerbarten : Altgegerhtc Leder werden mit reiner Eichenlohe in Gruben gegerbt, in denen der Gerbstoff langsam und allmählich in dünnen Lösungen die Haut durchdringt. Dieses Gerhverfahren dauert mindestens 12 Monate. Grubengegerbte Leder, bei denen die Eichenlohe nicht mehr der alleinige Gerbstoff ist, sondern nur norh als Zwischen.streu für Auszüge und ausländische Gerbstoffe dient, werden nur wenige Monate in Gruben gegerbt. Diese Leder werden ,,iclfach fälschlich als „reine Eichenlohgrubengerbung" in den Handel gebracht. Gemischgcger li to Leder machen außer einer Grubengerbung noch eine Be­ handlung mit Gerbstoffen im Faß durch. R c h n e l lgegerbte Leder werden nur im Faß gegerbt. Die Bodenlederarten unterscheidet man nach dem Gerbverfahren. Beim Altgerhen bleiben die eigentlichen Hautstoffe erhalten. Im Gegensatz zu allen anderen Gerbarten wird bei der alten Grubengerbung alles peinlichst vermieden, was die Haut in ihrer Art oder ihrem Aufbau schädigen könnte. Die sogenannt-e Substanz der Haut (die Eiweißstoffe), dr.r Leim oder, wie man auch sagt, der „Lobensschleim" der Haut, sollen erhalten bleiben, denn in diesem Lebensschleim sind die Pasern der Haut eingebettet, und er verleiht ihr die Schmiegsamkeit, Biegsamkeit, Zähigkeit und die Wasserundurchlässigkeit bei voller Erhaltung der Porigkeit, d. h. der Atmungsfähigkeit. Diese natürlichen, hochgeschätzten Eigen­schaften der rohen Haut werden beim Altgerben auch auf das Leder übertragen. Deshalb darf die Haut aurh den Gerbstoff g,ir nicht so rasch aufnehmen, sie muß ganz langsam und mit aller Vorsicht vorbereitet und angegerbt werden. Die Häute euro­päischer Rinder (Ochse, Kuh und Kalbin) bezeichnet man als „Zahmhäute", die der ausländischen Tiere als ,,\Vildhäute". Die letzteren wurden vor allem aus den südamerikanischen Staaten Argentinien, Uruguay, Paraguay und Teilen von Bo­livien und Brasilien, den sogenannten „La-Plata-Staaten", nach Europa einge. führt. Für Bodenleder verwendet man vorzugsweise die Haut der Rinder. 3
Die frisch abgezogene Haut, Grünhaut genannt, ist bald zu Leder zu verarbeiten, damit sie vor Fäulnis bewahrt wird. Zum Haltbarmachen verwendet man vergälltes Kochsalz. l\fit diesem Salz werden die von Blut und Schmutz befreiten Häute lückenlos und satt bedeckt und Aasseite gegen Aasseite gestapelt. Konservierend wirkt auch das vollständige Trocknen der Häute, das da angewandt wird, wo das Salz nicht in genügenden Mengen zur Verfügung steht. Sie kommen unter der Bezeichnung „Trockenhäute" in den Handel. h) Fehler der Haut Beim Einkauf von Ober- und Bodenleder ist auch auf die Hautfehler zu achten. Die Haut des Tieres kann durch Schäden in ihrem Wert bed�utend gemindert werden. 1. Naturschäden Die Dasselfliege verursacht großen Schaden (4.1). Ihre Eier legt sie etwa von Mitte Mai bis Oktober, am meisten in den Monaten Juni und Juli, an den Haaren des Weideviehs ab. Schon nach einigen Tagen schlüpfen daraus die jungen Larven, die sich sofort in die Haut einbohren. Diese Larven wandern nun sechs bis sieben Monate lang innerhalb des Tierkörpers. Längere Zeit hindurch sind sie in gehäufter Men­ ge am Schlund zu finden, von da aus wandern sie dann zum Rückenmarkskanal, bis sie gegen Ende des Winters und Anfang des Frühjahrs in der Haut der Rücken- und Lendengegend ange­ langt sind. Hier bohren sie sich Atemlöcher durch die Haut und verkapseln sich dann. Dadurch ent­ stehen die jedem Viehzüchter bekannten „Dasselbeulen". Sind die Larven in diesen Dasselbeulen ausge­ etwa in den Monaten Mai, Juni, Juli, dann reift, 4.1 Dassellliego mH Larve verlassen sie die Beulen durch das Atemloch und fallen auf den Weideboden, in dem sie sich dann verpuppen. Aus der Puppe entwickelt sich im Laufe von vier bis sechs Wochen die neue Fliege, die wieder die Tiere zum Zweck der Eiablage befällt. Die Dasselfliege verursacht riesigen Schaden, weil sie in manchen Gegenden sehr zahlreich auftritt und jedes Weibchen bis 500 Eier ablegt. In einem Stück Vieh entwickeln sich dann Hunderte von Larven, die die Haut zum Einschlüpfen durch­löchern, um sich beim Verlassen des Tierkörpers erneut Atem­ und Auskriechlöcher zu bohren. Derartig beschädigte Häute sind zur Herstellung von Oberleder kaum brauchbar. Für Bodenleder sind sie als ganz minderwertig zu bezeichnen, weil durch das notwendige Umgehen der Bohr­ löcher beim Bodenlederausschnitt zu große Verluste entstehen; auch die Güte der Haut ist stark gemindert (4.2). 4.2 Lederausschnitt mit zum größten Teil vernarbten Löchern, von den Larven der Dassel.fliege verursacht 4
Auch Hautverletzungen führen zu Schäden. Großen Schaden verursachen Stachel­ drahtzäune um Wiesen und Weiden. Juckreize veranlassen die ·weidetiere, sich am Einzäunungsdraht zu reiben, wobei sie sich die Haut verletzen; es entstehen mehr oder weniger tiefe Hautrisse und blutende Wunden. Das gleiche ist der Fall, wenn die Tiere auszubrechen versuqben. Die Stacheldrahtverletzungen sind auch am fertigen Leder als tiefe Risse sicht­ bar; sie liegen meist im besten Teil der Haut : im Rücken (Kern und Schild). So besr,hädigtesLeder, besonders Ober­leder, ist fast völlig wertlos. Auch am Tiere abgeheilte und vernarbte Wun­den und Risse bleiben im Leder als dauernder glei­chen Die zurück. Schaden Hautschäden entstehen durch Dornen- und Heckenrisse (5.1). 5.1 Sohllederstück mit Dornenrissen 5.2 Vernarbtes ßra,ndmal Die Besitzer der wilden Rinderherden von Übersee brennen ihren Rindern im besten Teil der ommen Haut ein Erkennungszeichen ein (5.2). Werden die Besitzer öfters gewechselt, dann k immer neue Brandmale hinzu, was zu einer großen Wertminderung der Haut führt. Schäden durch Ungeziefer und Hautkrankheiten. Kot und l\ilist verhärten und bil­den auf der Haut dicke, feste Krusten. Dadurch wird die Hautatmung gehemmt und damit das Wohlbefinden der Tiere stark beeinträchtigt. Darüber hinaus verursachen Kot und Mist, besonders unter 1\!Iitwirkung von Urin, Verätzungen und Entzündungen der Haut. Das fertige Leder (Oberleder) ist an solchen Stellen stark aufgerauht oder wird bei farbigen Ledern dunkelfieckig, wodurch es an Wert verliert. Mangelhafte Reinlichkeit begünstigt auch das Auftreten von Insekten, Milben sowie von Hautpilzen verschiedener Art. Läuse, Zecken, Milben, Haarlinge stechen oder beißen das Vieh und saugen oder graben sich in die Haut ein; die Hautpilze durchwachsen das Hautgewebe. Es entstehen Wunden, Krusten und Beulen sowie haarlose, flechtenartige, entzündete, vereiterte Stellen, und mit­unter löst sich die Haut in ganzen Fet­zen ab'. Die befallenen Tiere werden durch Juck­ reize veranlaßt, sich zu scheuern und zu reiben, wodurch der Ausschlag und die Wunden nur noch verschlimmert und auf weitere, bisher gesunde Hautpartien über­tragen werden. Die fertigen Leder sind durchlöchert oder dünn und brüchig, der Narben des Leders ist und oder verborkt eingesun ken Schäden können Die vernarbt. manchmal so weitgehende sein, daß das Leder (Oberleder) nicht mehr den geringsten Beanspruchungen stand­hält. 5.3 Schlecht abgezogene, mit Fleischerschnitten übersäte Haut 5
2. Schnittschäden Durch fehlerhaften Abzug der Häute und Felle werden alljährlich sehr große Werte vernichtet. Als Folge von unsachgemäßem, meist aber leichtfertigem Arlbeiten mit dem Messer entstehen Schnitte, sogenannte „M:et,zger- oder Fleischerschnitte", und Kerben in der Haut, die sie in jedem }!'alle entwerten, ganz besonders stark, wenn sie im Kern, im besten Teil der Haut, liegen. Man kann oft Häute sehen, die mit solchen Schnitten und Kerben buchstäblich übersät sind (5.3). An den Kerben, an denen zu tief in die Haut eingeschnitten V\/urde, ohne sie ganz zu durchstoßen, ist das Leder dünn und reißt bei der geringsten Beanspruchung. c) Das .Altgerbcn Der Aufbau der Haut. So wie die Haut nach d(lm Schlachten anfällt, kann sie noch nicht zu Leder verarbeitet werden. Von der aus drei Schichten (Oberhaut; Leder­haut, Unterhautbindegewebe) zusammengesetzten Haut verwendet der Gerber nur die Lederhaut (6.1 u. 2), weshalb er die Oberhaut mit den Haaren und das Unterhautbindegewebe entfernen muß. Die Oberhaut, Epidermis ge­ nannt, bestehtauseinerOber­ fläehenschicht(Hornschicht), -OberMul einer mittleren Schicht {Kör­ nerschlcht)und der den Über­ Papillarschicht gang zur Lederhaut bilden­ · } der Lederhaut den Schleimschicht . }4., Relikulurschic:h fder Lederhaut � - ....� ◄l-1 SolmiL& durch eine frische Kall>shn11t;, et;wa 20faoh vergrößert (Nach Dr. Fritz Stather, Haut- und Lederfehler) 6.2 Vereinfachte DursteUuag der Hautschichlen 6 !nferhuuf­ bindegewebe Beider Lederhaut unterschei­ det man zwei Schichten: die unter der Oberhaut liegende ,,Papillarschicht", die am fer. tigen Leder die Bezeichnung Narben trägt., und die „Reti­kularschicht", d. b.. netzför­migeSchicht. DieanderOher­flächeder Papillarschicht vor­handenen Durchbrechungen sind Haarlöcher und Aus­ scheidungsgänge der Fett­ und Schweißdrüsen. Sie be­ stimmen am fert.igen Leder das Narbenbild, woran auch
unter Benutzung einer starken Lupe die Haut,gat tung der einzelnen Leder, beson­ ders Oberleder, festzustPllPn ist, (7.1 u, 2). Das UntPrhant hind<>gl,we>hc ist, für die Lr<lerherstellung wertlos, Rindshaut Kalbshaut 7.1 Narhenh!l<ler Schafshaut Zicg�nhauf Roßhaut Sclmeinshaut 1.� N'arlw11bildt•r Die Eichenlohgrubengerhung nach alten Verfahren. Die Hauptarbeit.sgänge wer­ den an Hand von Bildern1), die bei der Herst,dlung altgegerhtfü Vacheleders auf­genommen wurden, gPzc>igt. Die gesalzenen Häute komnH'l.1 zum \\'eiehPn in T I'<'C'ht.­eckige \'i asst>rbchältcr, worin sie h<'i öfterem \Yoehsel tle;.; Wassers 'l.Wl'i bis drei Tage verbleiben. Die H äutr sincl dann ganz saulwr und haben clarnwh d wa dic lksC'haffc>nheit ang<•nommc>n, wil' sie vom 'l'iPrc ahgezogPn \1'tJl'<lt·11. 7.3 Grs.1lzrnr lbutr 7.5 Enthaart wird cnLwcd�r von JI:UHl oder 111lt J·1nthnarm:ischincn. Dei geschwödoten Häuten werden die HMre auch durch ,.\Valken." im Walkfäß gelocl,ert. Hierbei entsteht durch das Drehen des mit lnuwnrniem Wasser aufgefüllten Fasses eine gegenseitige Reibung der liiiutc, woclon,h �ic sich vo11 selbst; cuthnaten, '1.4 Die Haarlockerung im Äscher 1) Die Bilder wurden in der Va.chcledcrfabrik Jakob Pfeiffer, Inh. Fritz Pfeiffe r, in Eberstadt bei Darmstadt a.ufgenommmen. 7
Bei der Herstellung von Vacheleder kommen die Häute zum Zwecke der Haar­ lockerung in einen sogenannten „Äscher". Es sind dies mit verdünnter Kalkmilch gefüllte Kästen oder Becken, in die die Häute eingehängt oder eingelegt werden. Im allgemeinen kommen die Häute in drei Äscher, die von steigender Stärke sind. Der Haarlockerungsvorgang selbst dauert etwa fünf bis zehn Tage. Bei der Herstellung von Sohlleder er­reicht man dies durch Einlagern <lcr Häute in Kammern. Von jeder Luft­zufuhr abgesperrt) kommen die Häute darin zum „Schwitzen". Dies ist die J;'olge eines Fäulnisvorgangs, durch den die Haarwurzeln gelorkert werden. Aber auch durch das Auftragen eines Breies aus Kalk, Schwefelnatrium, Kalziumsulfhydrat oder rohem Ar­senik auf die Aasseite der Haut läßt sich die Haarlockerung erzielen. Diese Art wird mit, ,,Schwöden" der Haut bezeichnet. 8.1 Nach demEnthaaren werdendie Häuteabgespült. S.2 Das Entfernen der Unterhaut wird auch mit „Entlleischcn" bezeichnet. Hierbei wird die Haut mit der Fleisehseite nach oben über dch „Scher­baum" gelegt und die Unterhaut mit dem sehr scharfen „Scherdegcn" entfernt. S.3 Die Blößen gelangen nun in die „Farben" zur Vorgerbung. Die llezelchnung .Farben" ist auf die lederartige Färbung der Häute in diesen ltä­sten zurückzuführen. Die Farben sind gerbstoff­haltige Brühen, die je nach der Güt.,e des Leders schwächer oder stilrkcr nngesetzt werden. Die Häute laufen durch de!\ Fnrbengnng in immer stärker werdende Brüllen. Je schneller die Haut in Leder übergeführt werden soll, um so stärl,er werden dfo Häute in den Farben angcgerbt. 8.4 Nnch dem Angerben in den Farben werden die Häute oder Croupons In Gruben mit Lohe „ver­setzt", d. h. die Räut-e werden entsprechend ihrer Stärke mit Lobe bestreut. Nach jeder Haut oder Jedem Croupon folgt eine Schicht L<>he. Die Gru­ben aind im allgemeinen 2.60 m ticC unu nehmen 60···100 Häute auf. Die Häute kommen je nach Lederart und Güte zwei- bis vierm.:il zum Ver• set.zen, bei einer jeweilig steigenden Zeitdauer von drei bis zu sechs Monaten. 8
Nach nochmaligem Spülen werden die Häute mit einem „Glättstein" und einem scharfen, gekrümmten Messer geglättet und gestrichen, um den noch in der Haut befindlichen Kalk und sonstige Unreinlichkeiten auf der Narbenseite zu entfernen. Nach diesen Arbeitsvorgängen be­zeichnet der Gerber die Haut als ,,Blöße", fertig für das Gerben. 9.1 9.1 Nach dem \'ersetzen wird die Gru\Je mit einem Deckel abgeschlossen und mit 8teinen beschwert. Hieraufwird die Grube bis obenhin mit Lohbrühe aufgefClllt. Durch das Beschweren mit Steinen wird das Hochkommen drs Grubeninhaltes ver­ hindert. An Stelle der Steine werden auch oberenll.ande der Gruben st,arkc am fü·ettcr(Planken) eingeklemmt. 9.2 Nach beendetem Gerbevorgang aus einem der Sätze werden die Häute oder Croupons aus der Grube gezogen. 9.3 Die zwischen den Häuten befindliche Lohe wird nachdemEntleerender GrubezurHerstellungvon LohbrUhen in besonderen Behältern ausgelaugt. 9.4 Um die fertiggegerbte Ilaut leichter bcar\Jeiten zu können, trennt mau sie über den Rücken in zwei Hälften. 9.2 9.5 Nach dem Gerben wird die Haut auf der mit einem Messerkopf (Reckwalze) versehenen Ma­schine auf dl'r Aasseite von noch anhafteutlcn losen Fleischteilen und Lohe:\nhiings,•ln befreit. 9.a -� . k;:::c.,...., ,.,._.w....,__....,..., 9
10.1 Um dom Letlcr eine ,•ollkouunen glatte lleschnlfen­ 10.� Die Unuch• und Halst.eile, die '<"On der StoUma­ scbine nicht ,::cnügend erfaßt sind. werorn mit dem belt >.u geben, richtet man die llinte nuf der „Recken" auf die Tafel glatt aufgedrtlckt. Damit Stoßmaschine zn. mn sich drehender Messerkopf', das Leder einen glanzomlen und geschmeidigen wle die über die .tlnut laufcndo gerillte Wnlzo Xru-bcn crhillt, wird es hl<'rnnf abgl'iil L und in den bezeichnet wird, druckt die Haut auf dcu mit, 'l'rockcnrnurn i:cbrachl. einer lfetnllpl:itte versehenen drehbarrn Tisch ft'llt. und reckt sie n:ich allen Seiten aus. 10.� Tro\'kr•ncs, nn�1•\\0:1lzh•s L,·,kr, cr�tnprlt 10.1 Jm aui.:cfcuchteten Zustand wird das Ledrr •uu, Schluss., gewalzt,, d:uni� t':I gcnn:::�ndc l,\,,ligkeit, und ::ut.r• .\ui;S('hrn Nhält. U►.6 Die .Altgerber sind im .Altgcruer<•ctb:ind E.V." zusammfügc•scltlosscn. Seine Mitglieder bedienen :,loh zur besontlcron KenntltchmMhung ihrer nltgegerbtcn I,edcr eines vom Verband bernusgcbrachten, cesetzlich geschützten .Alt�•rberstempds, womit auch undrrerseits der Verlxmd <'fne Gewähr filr ,Ins ,·on s,,incn lliltgliedcm gelicfnte T.edrr Obemimmt. Gerbmittel. Die EiC"hcnrindc liefert tlcn edelsten Gerbstoff, mit dem auch heute noch wie in Urzeit,en das beste Leder hergestellt wird. Auch die Fichtenrinde ist ein s<>hr brauchbarer Gerbstoff; sie liefert jedoch, allein ou('r in überwiegendem 1Iaß angewandt, ein weniger gutes Leder. ]'ür die weitere Verwendung wird die Rinde gemahlen. Sie erhält dam1 clie Be­zeichnung „Eichenlohe" bzw. I◄'ichtenlohe (11.1). Die fertigen Leder erhalten oinen Stempel, aus dem der Hersteller, die Güte des Leders und seine Gerbdauer zu ersehen sind, z. B.: 10
Vacheledcrfabrik P.P. Garantiert für und reine EichenlobGrubengerbung in 1beste ½ · bis 2 jähriger Gerbdauer nach altem, bewährtem Verfahren 11.1 Links: Fichtenrindebüodel,im Korb„Fichtenlohe" Itecht&: Eichenriodebuodel, im Korb „Eichenlohe" II. Das Zerlegen der Haut und der Bodenlederausschnitt a) Die haThe Haut und ihre Zerlegung Die Hautwerte werden eingeteilt. Für genähte Böden werden zweckmäßig eichen­ lohgrubengegerbte Z a h m vachehäute verarbeitet, weil sie gute Festigkeit und Haltbarkeit haben und außerdem noch besonders biegsam sind. Bei Neu­ arbeit verwendet man vorzugsweise halbe . en Häute, weil in ilm Bodenle­ sämtliche derteile enthalten ·w erkstätten, sind. die in der Hauptsache mit Aus besserungsar­ beiten beschäftigt sind, verarbeiten mei­ stens Kerntafeln, ,,Croupons" genannt, die -durch die Zerle­ gung (Crouponieren) einer Haut anfallen (Croupon ist der französischen Sprache entlehnt und heißt Hinterteil.) 11.2 Die Einteliung der Jfaut am lebenden Tier Unter Crouponieren einer Haut versteht man also das Freile­ gen des wertvollsten Hautteiles, des Ker­ nes oder der Kernta­fel, durch das Ab­schneiden von Kopf, Hals und Bauch. 1 1 .3 Die Einteilung der halben Raut 11
Wie die einzelnen Hautwerte eingeteilt werden, ist aus den Bildern 11.2 (am le­benden Tier) und 11.3 (halbe Haut) ersichtlich. Die Hautwerte werden abgegrenzt. Vor dem Zerlegen einer Haut muß eine mög­lichst genaue .Abgrenzung der einzelnen Hautwerte zueinander erfolgen. Am sichersten wird dies dadurch er­ reicht, daß man zuerst die Seite (Bauch) der Haut mit dem Narben nach innen so weit flach aufgedrückt in den Kern hineinschiebt, bis man auf Widerstand trifft. Dies wieder­ holt man an zwei bis drei Stellen der Seite, kennzeichnet die Widerstands­ grenze {12.1) und schneidet die Seite hier ab. Hierbei empfiehlt es sich, die Schnittstelle etwa 3·--4 cm wei­ ter in den Kern hineinzuverlegen, damit der Kernübergang zum Teil noch an der Seite verbleibt1). Im gleichen Sinne verfährt man mit -��---�-�.-, der Abgrenzung d e s Halses vom 12.1 Die Widerstandsgrenze wird gekennzeichnet eigentlichen Kern (12.2). Ein Trennen des Halskernes vom Halsabfall erfolgt in der Praxis des Maßschuhmachers nur selten. Man soll das Zerlegen einer Haut in viele Teile nach Möglichkeit vermeiden, weil hierdurch zu große Verluste durch unvorteilhaftes Ausschneiden der einzelnen Bodenteile entstehen. D i e Regel sagt: Je größer die Fliiche, deBlo varteilliafter das Auslegen, desto geringer die Abfälle; je kll'iner die Fläche, um so größer die Abfälle, um so größer die Verluste. Nur beim Ausschneiden derjenigen Bo­ denteile, die aus Halskern und Halsab­ fall genommen werden müssen, wie auch zur Berechnung derselben ist die Abgren­ zung zu berücksichtigen. Anders beim Le­ derhändler, welcher Halskern und Hals­ abfall für den Yerkauf besonders trennt und ent.'>prechend bewertet. Die Ausdeh­ nung des Kopfes ist an der Haut leicht zu erkennen. Gewöhnlich wird der Kopf nach dem Abschl!ciden der Seite entfernt. 12.2 Der Hals wird vom Kern abgegrenzt ", 1) In einigen Gegenden wird auch so verfahren, daß der Schuhmacher Hinterklauc, Yorderteil und Hals nacheinander bis zum Kern drückt, wobei er mit dem Daumen die ·widerstands­ stellen abfühlt. Diese Stellen werden dann verbunden, so daß der Kern herausgeschnitten werden kann. 12
b) Der Ausschnitt des Bodenleders aus der Haut Die zweckmäßige Hautauswahl ist wichtig. Unwirtschaftlich {unvorteilha,ft) ist es, die zur Herstellung von ein Paar Böden benötigten Bodenzutaten in jedem Falle aus ein und derselben Haut zu schneiden. Starke Häute eignen sich nicht zum Ausschnitt von m.ittelstarken oder gar leichten Böden. Durch übermäßiges Aus­ nehmen zu schwer geschnittener Zutaten entsteht ein nicht zu rechtfertigender Wert- und Arbeitszeitverlust, wobei noch immer die Gefahr besteht, daß das Schuhwerk zu schwer ausfällt. Umgekehrt verhält es sich bei der Verarbeitung zu leichter Bodenleder, die in Ermangelung einer kräftigeren Haut aus der gerade vorhandenen leichteren geschnitten werden. Leichte Zutaten für kräftiges Schuh­ werk zeitigen dieselben Nach teile wie die Verwendung minderwertiger und un­ fachgemäß verarbeiteter Bodenzutaten. Hieraus ergibt sich die Forderung, stets mehrere Häute von verschiedenen Stärken im Anschnitt zu haben {genau wie bei der Verarbeitung von Kerntafeln für Reparaturzwecke), damit jeweils die geeignetste Zutat ausgeschnitten werden kann. Nun lassen sich aus ein und derselben Haut auch nicht 6, 7 oder 8 Paar vollständige Bodenzutaten ausschneiden, sondern es wird entsprechend der Größe und Stellung der Haut für diese Anzahl Böden immer an Unterfleckleder, Gelenkledler, guten Brandsohlen und Hinterkappen fehlen. Diesem Mangel wird durch Sonderbe­ schaffung einzelner Köpfe, Hälse und Seiten, woraus die fehlenden Bodenteile geschnitten werden, abgeholfen. In welchem Maße eine halbe Haut vorteilhaft ausgewertet werden kann, hängt-im wesentlichen von ihrer „Stellung" ab. Hierunter versteht man nicht allein das Mengenverhältnis vom Kern (Croupon) zum übrigen Teil der Haut, sondlern auch, wie die Haut hinsichtlich ihrer Festigkeit und Gleichmäßigkeit beschaffen ist. Dies gilt für alle Häute und Felle, gleich, ob zu Unter- oder Oberleder verarbeitet. Lose, schlappige Häute können, ebensowenig wie beschädigte Häute, niemals eine gute Stellung haben und wirken sich im Ausschnitt und Zuschnitt verlustbringend aus. Die großen Nachteile schlechtgestellter Häute und Felle lassen sich sehr an­ schaulich durch das unvorteilhafte Auslegen nachweisen, besonders aber durch Gegenüberstellungen mit gleich schweren bzw. gleich großen, aber gutgestellten Häuten und Fellen. c) Die Bodenlederzutaten Die Bodenlederzutaten für einfache Böden sind folgende: 7. Gelenkleder 1. Brandsohlen 4. Streifstände 5. Unterfleckleder 2. Hinterkappen 8. Durchaussohlen 9. Oberflecke 6. Keder 3. Rahmen Aus Bild 14.l ist die allgemein übliche Art des Bodenlederausschnittes zu ersehen, doch ist ein Abweichen von diesen Regeln in Sonderfällen nicht immer falsch; Eine zweckmäßige Verarbeitung anders ausgelegter Bodenteile behebt ohne Zweifel manche Mängel, die sonst in Erscheinung treten müssen. Brandsohlen. Man bezeichnet sie als die Grundlage des Schuhwerks, dessen Tragfähigkeit und Lebensdauer in nicht geringem Maße von ihrer Beschaffenheit abhängig sind. Dünne, schlechte Brandsohlen bleiben auch im verarbeiteten Zu13
stande kraftlos, die Einstechnaht bekommt keine feste Auflage, die Rahmen fügen sich nicht fest an den Schaft und Nässe und Schmutz dringen bereits nach kurzer Tragdauer in das Schuhwerk ein. Brandsohlen müssen aber auch deshalb kräftig sein, weil sie für den Schuh bei annähernd durchgelaufener Sohle den einzigen Halt (Zusammenhalt) bedeuten. Versagen die Brandsohlen, dann ist solches Schuhwerk schnell außer Form getreten, es wird, wie der Fachmann sagt, ver­latscht, weil die Brandsohlen zu schwach und somit zu nachgiebig sind. Im all­gemeinen schneidet man die Brandsohle aus der Seite (Bauch), doch eignen sich 14.1 Der Bodenlederausschnitt aus der halben Haut. Natürlich muß die Haut viel ausgiebiger als hier darge­ stellt. ausgelegt werden. Es soll hier nur angede ute t werden, in welcher Art bzw. aus welchem Hautteil die einzelnen Bodenteile zu schneiden sind auch dünne Hälse (Rinder- und Kuhhälse) besonders gut für Brandsohlen, von orthopädischem, Sportund vor­zugsweise bei Anfertigung Arbeitsschuhwerk, wasserdichtem Schuhwerk und Schuhen für Schweißfüße. Selbst für die Her­stellung von Damenluxusschuhen ist die Verwendung leichter Halsbrandsohlen dringend zu empfehlen. Hinterkappen. Sie sind als seitlicher Fersenhalt von besonderer Wichtigkeit für die Erhaltung unserer Fußgesundheit. Man muß wissen, daß die meisten Fuß­leiden durch die Knickfußbildung (eine krankhafte Drehung der Ferse nach außen) eingeleitet werden. Dieser Drehung der Ferse kann durch das Einbauen kerniger und doch elastisch wirkender Hinterkappen vorgebeugt werden. Voraus­setzung hierfür ist jedoch, daß die Leistenferse die richtige Breite hat, dam'it die Kappe auch einen Halt gibt. Eine derartige Kraft können aber nur kernige und gut verarbeitete Hinterkappen aus dem Halskern oder Halsabfall aufbringen. Entsprechend der Hautbeschaffenheit lassen sich mitunter auch Hinterkappen aus der Kratze schneiden. Der Ausschnitt von Hinterkappen aus Bauch, Klaue oder Kopf ist abzulehnen; diese Hautteile sind von zu loser Beschaffenheit. 14
Rahmen. An ihnen befestigt man die Durchaussohlen (Sohlen) durch Naht oder Klebstoff. Die große Beanspruchung des Rahmens beim Gehen (Biegen), durch Schmutz und Nässe verlangt somit kernigen und biegsamen Werkstoff. Auch hierfür eignet sich Halskern am besten, nicht aber Seite oder Kopf. Steifstände. Ein l\1ittel zur Formgestaltung und -erhalt,ung der Schuhspitze und zum S c hutz der Zehen gegen Stoß und Verletzung sind die Steifstände. Unter der Voraussetzung fachgemäßer Verarbeitung schneidet man sie allgemein aus der Flemme (Wampe), doch bei stärkerer Beanspruchung (z. B. Sportschuhwerk} auch aus dem unteren Teil des Halskernes oder Hals abfalles. Niemals aber dürfen Steifkappen aus den Klauen geschnitten werden, weil sie dann zu ungleich­ mäßig und spissig sind und sich nicht formgerecht verarbeiten lassen. Unterfleckleder. Zum Bau der Absätze verwendet man Unterflcckleder. Es soll in seiner Stärke gleichmäßig, doch nicht zu dick sein. Den festesten Absatz gibt dünnes, gut verarbeitetes Fleckleder, weil sich dünne Unterflecke im Aufbau besser und unsichtbarer verbinden und somit auch weniger Gefahr laufen, zu springen, als solche aus dickem Unterfleckleder. Nicht zu starke Ausschnitte aus Kopf und Flemme, aber auch aus Seitenabfall, eignen sich am besten. Keder. Man verwendet sie beim Absatzbau als Ausgleich der Fersenrundung. Die Keder sollen dieselbe Stärke wie das Unterfleckleder haben, doch vor allem von fester Beschaffenheit sein, damit sich der Absatzbau leichter und fester gestaltet. Sie werden vorzugsweise aus Kopf, aber auch aus Halsabfall ausge­ schnitten. Gelenkleder. li;ntsprcchcnd der Zweckbestimmung des zu hauenden H<:huhes schncickt man das Gelenkleder ffu' flexible Schuhböden aus Halskern, für zu versteifende H c h u h g e l c n k e , z . B. bei durchgetretenen Fußgewölben (Pla.tt­fuß), aus Klauen (Hinterklauen}, die sich wegen ihrer Spissigkeit hierfür beson­ders eignen. Durchaussohlen. Als Laufsohlen des Schuhwerks müssen die D.urchaussohlen in­folge ihrer starken Abnutzung von bester Beschaffenheit sein. Da der hintere Teil der Sohlen unter den Absatz zu liegen kommt, ist es nicht notwendig, dlaß sie bis hinten hinaus aus bestem Kernleder geschnitten werden. Zweckmäßig schneidet man sie aus dem Seitenkern, und zwar so, daß der Absatzteil an die Schnitt­stelle zwischen Kerntafel und Seite zu liegen kommt. Dieser Teil der Haut ist noch nicht Vollkern und findet so seine beste Verwertung. Die besten Durchaus­sohlen schneidet man aus dem Schildkern, mit dem Absatzteil in die Kratze hinein. Leichtere Durchaussohlen (für Damenschuhwerk) kann man aus Halskern schneiden, doch nur, wenn die Struktur der Haut besonders gut ist. Oberflecke. Den besten (festesten) Kern gebraucht man für Ober.flecke, weshalb sie nach Möglichkeit dem Rücken der Kerntafel entnommen werden. Halbsohlen. Der nach Ausschnitt der Durchaussohlen verbleibende Kern findet für Halbsohlen und Ober.flecke Verwendung. Ausschnittregeln. Durchaussohlen und Brandsohlen sollen im allgemeinen mit ihrer Spitze dem Rücken entgegen gelegt werden, dem Zuge der Haut folgend. Auch Hinterkappen und Rahmen soll man mit ihrer Länge nach Möglichkeit in dieser Richtung auslegen, weil sich die im Leder vorhandene Dehnbarkeit n icht nach einer falschen Richtung auswirken darf. Ein regelwidriger Ausschnitt des Bodenleders kann ebenso wie sein n icht fachgemäßes Verarbeiten zu Fehlergebnissen führen. 15
B. Das Zurichten des Bodenleders 1. Die Boden]edcrteile werden für das Zurichten vorbereitet Voraussctzm1g für ein einwandfreies Schuhwerk ist eine wirklich gute Boden­ arbeit. Bei dt1re11 Ausführung ist deshalb mit besonderer SorgfalL und Überlegung zu verfahren. Beim Eindampfen kann das Bodenleder „versaufen". ,,Eindampfen" ist das Ein­weichen des Bodenleders. Rein eichcngrubengcgcrbte Leder werden beim Einweichen nicht so leicht zuviel ·wasser auf­ nehmen, wie misch- oder schnellgegerbteLeder.Das liegt am Ger bstoffund an, derlangsameren Gerbung, die den Zellenaufbau der Haut nicht beeinträchtigen. Beim Einweichen werden die kernigen Teile des Leders zuerst in den Weichkübel eingelegt; denn das Hautgewebe des Kernes ist dichter und fester als da..s anderer Hautteile, wodurch eine langsamere Wasseraufnahme bedingt ist. Dann legt man die weniger kernigen Teile und zuletzt die aus dem lockeren, schwammigen Haut­gewebe geschnittenen Teile ein. Somit ergibt sich für das Einlegen der Teile fol­gende Reihenfolge: Zuerst Durchaussohlen und Oberflecke, dann die Rahmen und Hinterkappen, das Fleckleder, die Keder, das Gelenkleder, die Steifstände und zuletzt die Brandsohlen. Wegen ihrer Bedeutung für das ganze Schuhwerk müssen die Erandsohlen be­ sonders sorgsam behandelt werden. Vor allem dürfen sie nicht zuviel Wasser auf­ nehmen. Weil öfters nachzusehen ist, ob sie genügend dampf sind, müssen sif• schon aus diesem Grund im vVeichkübel obenauf liegen. Kleine Einschnitte (Schnittproben) in die einzelnen Bodenteile lassen den Fortschritt des Dampf­ werdens leicht erkennen. Richtig durchdämpfte Leder haben in der Schnittfläche eine einheitliche braune Tönung (Farbe), nur teilweise durchdämpfte weisen in der :Mitte der Schnittfläche einen helleren Streifen auf (16.1 u. 2). �arben.. seite 16,1 Gut dutcll­ cfümpftes Lederstürk Schnitt­ fläche Narben• sctte 16.2 Nur teilweise durchdämpftes Lederstück 16 Schnitt• fiiiche
Vor dem endgültigen Dampfwerden sind die Lederteile aus dem Wasser zu nehmen. Vor der vollkommenen Durchsättigung der Lederteile mit Wasser entnimmt man sie dem Weichkübel, um sie langsam nachziehen zu lassen. Dadurch wird nicht nur ein allzu starkes Auslaugen der auswaschbaren Gerbstoffe verhindert, son­dern auch. das Trocknen des Leders beschleunigt. Der Gerber walzt im letzten Arbeitsga-ng die Haut (10.4), um ihr die notwendige Festigk eit zu geben. Wenn aber das dampfende Leder hin und 'l'.ieder aus dem Wasser genommen wird, um es zur Beschleunigung der ,vasseraufnahme mit den Händen durchzuwalken, so verliert es wieder die durch das Walzen des Gerbers erzielte Festigkeit; seine Güte wird sehr beeinträch­ tigt. Bodenleder soll fest und elastisch sein, nicht aber weich wie Oberleder. Das durchdampfte Leder wird gereinigt. Unter dem Reinigen des Leders versteht man vor allem das Entfernen der Faserbündel (Hautfasern, Muskelfasern) des Unterhautbindegewebes, die der Aasseite zum Teil noch anhaften, durch das Ein­dampfen gelockert und beim Scheren oder Falzen der Haut durch den Gerber oft­mals nicht gründlich genug entfernt werden. Zum Reinigen nimmt man am zweck­ mäßigsten ein gutes, scharfes Boden­ lederschäifmesser, mit dem auchgleich­zeitig unebene Stellen ausgeglichen werden können. Das Abschärfen der Aasseite mit dem Schärfmesser er­fordert eine gewisse Sicherheit; denn allzu schnell kann das Messer zu tief eingreifen und dadurch das Lederstück unbrauchbar machen (17.1). Das Verschärfen eines Lederteils durch Verwendung ungeeigneter oder gar stumpfer Messer ist unzweckmäßig, weil dann nämlich der beim Schärfen auszuübende Druck größer sein muß als bei scharfen Messern und das Gefühl für die Schnittiefe verloren­ geht. zum Reinigen des Leders eine Wird 17,1 Beim Abschiirfen der Aasseite Ziehklinge oder ein Glasstück genom­ men, so kann zwar das Leder nicht ein­ geschnitten werden, jedoch ist darauf zu achten, daß nicht gegen den Zug des Leders geschabt wird, da es sich sonst auflockert und der Schaberfolg nur unvollkommen ist (17.2). Beim Schärfen des Leders ist auf den Narben zu achten. Wo der Narben ent­ fernt wird, fehlt dem betreffenden Stück Leder der Stand bzw. die Kraft. Vergleicht man zwei gleiche Leder­ stücke (Hinterkappen- oder Brandsohlenstücke), so w ird man feststel- n.2 Bier wird gegen den Zug geschabt. 17
len, daß da,s Lederstück mit ganz oder ti>ilwciso entferntem Narben lappig, das andere aber fest ist (18.1). Hinterkappen, Rahmen Brandsohlen, und Slcifständi> müssen aber Kraft und Stand haben. Darum ist die möglich­ste Erh1iltung des Xarhens Gnmdbe­ dingung. Doch können gewisse Gesichtspunkte dazu führt'll, ihn l>ei einzelnen Boden­lederteilen zu cntfrrncn. InfolgA 18.l :r.wcl Lederstock�. Dns cino Ist lappig; !ler seiner glatten uncl festen Rcschaffenheit Nnrben ist entfernt. D:,s nndcrc ist lht: der bin­det sich der Narben nur schlecht. Dar­ Narben ist nicht entfernt um muß i>r an allen den Stellen, die mittels Kleber mit anderen Lederteilen oder "'erkstoffen verbunden wi>r<len solli>n, ganz oder teilweise entfernt sein, z. B. beim Fleckleder, Gelenkleder und bei den Kedcrn. �arben hat auch die unangenehme Eigenschaft, sich besonders bei dünnen oder abgesdüi.rften Lederteilen durch Einfluß von Feuchtigkeit und Wärme (Fuß­schweiß, Fußwärme oder durchnäßtem Schuhwerk) nach innen, also nach derNarbenseite zu, einzurollen. Bei Hinterkappen und Steifständen müssen die obe­ren Kanten des Narbens in einer Breite von mindestens l .. ·l¼ c m a.bgeschärft werden, sonst kann der sich rollende Narben, wenn er dem Inneren des Schuhes zugc-ki>hrt ist, am Fuß (Ferse und Zehen) reiben und die Haut verletzen. Vbcr dem Schoßbrett wird ausgereckt. Brandsohlen und Fleckleder müssen vor ihrer weiteren Verarbeitung über dem Schoßbrett ausgereckt werden, und zwar dann, wenn diese Bodenteilo aus zugigen oder dünnen Hautteilen geschnitten sind. Bei festen Bra.ndsohlen aus der Seite der Haut, bei Halsbrandsohlen und bei kräf­tigem Fleckleder aus dem Kopf erübrigt sich diese )faßnahmo. Das Ausrecken ge­schieht zweckmäßig über dem Schoßbrott, wobei die · linke Hand das Lederstück fest an das Brett drückt (festhält) und die rechte das Leder mit der Zwickzange über die Kante des Brettes zieht. Auf diese Art wird das Lederstück rundherum gercc-kt (18.2). Das Aunecken über dem Scboßbrett 18.2 18
Das Klopfen und Walzen des Leders festigt das Bindegewebe. ·wenn nach dem Schiirfon bri einzelnen Lederteilen ein Klopfen notwendig wird, so soll nur leicht von cfor Aasseite aus da.s fast trnckene Leder geklopft werden; denn durch das feste Klopfen noch feuchten Leders oder das Klopfen des Narbens kommt es zur Lockerung des Bindegewebes, und der Stand des Leders geht zum großen Teil verloren. Vorsichtiges, von der )litt e des Leders aus kreisförmig nach außen durchgefiilirtes Klopfen führt bei Verwendung eines ganz flachen Klopfliammers mit breiter l<'lächo am siclwrstm zm· Festigung des Bindegewebes (19.1) . Das YValzcn des Leders soll nur mit größter Vor- • sieht erfolgen, doch nie> dann, wenn das Leder noch na.ß ist. Durch die jeweils einseitige Dehnung wird <la,s Bindegewebe beim Walzen übermäßig gezerrt uncl verliert seine wert­ vollen Eigenschaften. 19.1 Das Klopfen des Leders von innen nach außen II. Das Zurichten der Brandsohle a) Werkzeuge für die Bodenarbeit Güte kommt es an. Zur Auf Form rmd einwau<l­freien Bodenarbeit gehört vor allem ein ausgesncht gutes Werkzeug. Der tatsächliche Wert eines vVerk­zeuges liegt nicht nur in seiner l!'orm, sondern vor allem auch in der Güte des Stahles. Brenneisen verlieren ihren Wert, wenn sie die Hitze nicht halten, mögen sie auch noch so genau und formschön ausgearbeitet sein. Messer sind wertlos, wenn der Stahl zu weich oder zu hart ist, denn im ersten Fall verlieren sie sofort an Schärfe und im zweiten springen sie beim geringsten Widerstand aus, lassen sich schlecht anfeilen und schärfen. 19.2 Messer (siehe auch Bild 69.2) Kleines, handliches a) Zuricht- und Beschneldmesser d) Bescbneid­messer für Rahmen, b) Stark gebogenes Schärfmesser Riß, Schnitt, Gelenk usw. c) Schwach gebogenes e) Randmesser zum Ablassen von Schärf­messer Kanten a) b) c) d} e} 19
Zu einem Werkzeugsatz für die Bodeuarheit gehfü·en folgende Werkzeuge : 1. Messer (19.2) 2. Zangen (20.1) 3. Raspeln und Feilen (20.2) 4. Brennwerkzeuge (20.3) 5. Sonderwerkzeuge (21.1, 22.1 u. 3) 20.1 Zangen a) Beißzange b) Sct1male Zwickzonge c) Breite Zwlckzangc d) Knips. oder Drahtzange b) o) d) c) 20.2 Raspeln u:nd Feilen a) b) und c) Schnittraspeln d)Absatzraspel e)Absatzkanteufeile(dic Anwendung ist ans Biltl 'l"l' .2 ersichtlich) f)Stiftenfeil� g)ört<.1rfeile h)Dreikantfeile zum Anfeilen von Messern, Ziehklingen nsw. i)Stoßraspel wm l,nt­fernen von Unebenhei­ten der Brandsohlen nach dem Ausleisten a) b) c} d} e} f) g} h) 20.3 Brennwerl<zeuge a) Keileisen zum Aus­brennen von Keilabsiit­zen und starken Sohlen­schnitten b) Schnitteisen (gewölbt, mit breiten Schnittkan­ten, für Reparaturarbei­ten geeignet) c) Scbn!U,eisen (flach, m it schmalen Schnitt­kanten, f.ür Neuarbeit geeignet, l Satz not­wendig) d) Gelenk- oder Hohl­ schnitteisen (1 Satz not­wendig) e) Absatzplatte f) Kantensetzer g) Verzierungsrädchen Damenböden) h) Absatzlianteneisen mit (je l für Herren- und k) 20 Yerzierungs.rädchen i) Stup prad (1 Satz not­ wendig) k) Auspulizstahl
g) n) a) b} c) d} 21.1 Sonderwerkzeuge a) Rlßötfner b) Brandsohlenhobel (die Anwen­dung Ist aus Bild 28.2 und 29.2 ersichtlich) c) Spitzknochen d) Putzholz (zum Beidrficken von Sohlen• und Gelenkschnitt uml Riß nach dem Nähen der �ohlen) e) Gfül!schiene (zum Anarbeiten der Brandsohlen n<>rh dem f) h) i) Übenvalken und zum Bear­beiten der Sohlen und Durch• aussohlcn) 1 Hammer (hiervon eine·n größe­ren zum Klopfen des Boden­leders und einen kleineren für die übrigen Klopfärbeiren) g) Ziehklinge (zu Schabezwecken) h) Beschneidhom (dfoAnwenduug ist aus �9.3 ersichtlich) {} m) i) Stiftensetzer(zumVorschlagcn der Herrnstiftenreihe in die Oberflecke) k) Leistenbaken l) Nagelort m) Rahmenklopfer (die Anwen­dung ist aus 59.1 zu.crsehep) n) Rißrollcr (iur Yerbreiterung des Sohlenrisses) 21,2 Aufbewahrung der Jlrennwerkzeuge %1,3 Aufbewahrung der Näh- und Nagelörter 21
Gutes Werkzeug bedarf einer entsprechend sorgfältigen Behandlung umd Pflege, damit es seinen ursprünglichen '\Vert nicht verliert. Das Werkzeug kann nur dann scharf erhalten werden, wen n es für seine Verwendung auf dem Arbeitstisch oder in greifbarer Nähe gut übersichtlich untergebracht ist. Auf den Werktisch selbst gehören nur die Werk22.1 Plattort, Aufsicht zeuge, die im ständigen � uud Seitenansicht Gebrauch sind, und diese 2 ht wieder so angeordnet, 22· �t?:ltena�::f��ct 22.3 Nagclörtcr, rund• daß die Messer mit den Raspeln nicht in Berühuud flachkantig tung kommen können. Besonders ist auf das Niederlegen der Messer nach deren Ge. brauch zu achten. Die Messer­ spitze muß dabei so zu liegen kommen , daß man beim Ergreifen eines a n ­ deren Werkzeuges nicht hineinfährt. Auch das Ablegen von Örtern auf dem Werk­ tisch führt zu Verletzugen, da deren feine Spitzen in dem Durcheinander eines unordentlichen Werktisches leicht übersehen werden. j Örter sind nach Größe und Platt-, Quer-, Bestech-, Stepp- und Nagel­ örtern geordnet an einem Wandbrett (21.3, 22.1 · .. 3) unterzubringen. Schnitteisen, Gelenkeisen und alle üb­ rigen Brenneisen werden ebenfalls ent­ sprechend ihrer Zusammengehörigkeit geordnet an einem Brett aufgehängt, wozu noch alle übrigen Wcrkzeuge kom­ men, die weniger gebraucht werden und mit einem Griff zum Aufhängen und Führen derselben versehen werden kön­ nen (21.2). Haben alle Werkzeuge so ihren bestimmten Platz, wohin sie nach jeweiligem Gebrauch zurückgelegt wer­ den, so ·wird man erstaunt sein, wie leer und übersichtlich der Werktisch er­ scheint (22.4). Das lästige und zeitrau­ bende Suchen hört auf, Verletzungs­ möglichkeiten sind ausgeschaltet, und 22 22.4 Werktisch
von dem typischen Bild der„ Schusterwerkstatt" (23.1) ist der Hauptdar­ steller, der „Schuster­ tisch", verschwunden, keinesfalls aber zum Nachteil des Schuh­ macherhandwe.rks. Zur Pflege des Werkzeuges gehört auch das leichte Einölen oder Einwach­ sen von wenig gebrauch . tenBrenneisen, damitsie vor dem Verrosten ge­ schützt sind. 23.1 „Schusterwerkstatt" h) Die Brandsohle wird beschnitten Die Brandsohlen sind auf dem Narben einzustechen. Damit der glatte Narben beim Einballen Bindekraft erhält und es späterhin nicht zum „Krachen" des Schuh­ werks kommen kann, wird er leicht, bis etwa zur Hälfte, mit der Ziehklinge oder mit Glas abgezogen. Viele Schuhmacher stechen Brandsohlen auf der Aa.sseite ein, kehren also die Narbenseite dem Fuße zu. Wenn auch in diesem Falle der Narben dem Schuh ein schöneres und gepfleg­ teres Aussehen gibt, so sprechen doch wichtige gesundheitliche Erwägungen gegen eine solche Bearbeitungsart. Der Schuhmacher muß meistens Schuhe für Füße krankhafter Art machen. Bei der Gestaltung des Schuhwerkes und der Wahl der Werkstoffe muß das berücksichtigt werden. Bei körperlichen Anstrengungen kommt es an der Fußsohle zu· stärkeren Schwei ß ­ absonderungen. Diese Schweißabsonderungen sind bei Plattfüßigen weg�n der allgemeinen Fußschwäche besonders groß. Die im Schweiß enthaltenen Säuren (Essigsäure, Fettsäure) führen zum Ätzen (Brandigmachen) der Brandsohlen. Nun ist der Narben gegen die Ein­ wirkung der Säurnn besonders wenig widerstandsfähig. Er wird glasig h art, verliert seine Elastizität und springt durch die Bewegung des Schuhwerkes beim Gehen. Die Aasseite der Brandsohle aber verhält sich ganz anders. Sie ist schweißaufsaugend und läßt eine sclmelJe Ausdünstung zu, da sie größere Zwischenräume zwischen den Faserbündeln (das lockere Geflecht der Hautfaser) hat. Sie wird nicht glasig und springt auch nicht. Wird die glasig harte �arbenfläche dem Fuße zugekehrt, so bietet sie ihm beim Gehen wenig Halt unrl Ur<>ifmöglichkeit. Die Zehenarbeit kann dann aueh nur unvollkommen erfolgen. Die Auftrittsfläehe des Fußes soll aber besondns für Zweckroäßigkeitsschuhwerk und bei Schuh­ werk für kranke Füße rauh und saugfähig, nicht a,ber glatt, hart und luftabdichtcnd sein. Sind die Brandsohlen auf der Aas- und Narbenseite abgezogen, so werden sie nach dC'm Lrü;tcnumriß mit einer Zuga, be von etwa 1 cm rundherum ausl'inander­ gcschnitten. Da.s YerfahrC'n , die Brandsohlen mit Hilfe eines vom Leisten ge­ wom1enC'11 Bra,nrlsohlenmm;tcrs herauszuschneiden, die zweite Brandsohle nach der erstf-n zu formen und auf dem Schoßbrett zu mngieren, darf höchstens für Jeichtp,; Schuhwt>l'k ( Luxusschuhwerk) n,ugcwandt. werden, nicht aber für die Her­ sklhmg von z,wckmäßi�kcitssclrnlnrcrk. 23
Die Brandsohle wird auf dem Leisten befestigt. Wenn der Brandsohle die Dehn­ barkeit nicht genommen wird, kann es vorkommen, besonders bei dünne1·en, auch bei dickeren losen Brandsohlen, daß sie im Tragen „wachsen". Die auf der Brand­ sohle ruhende Last des Körpers drückt das Bindegewebe des Leders bei mangel­ hafter Verarbeitung nach allen Seiten auseinander. Beim Feuchtwerden des Schuhwerks (Schweiß oder Wasser) führt das schnell zum „Verlatschen". Das schon erwähnte Ausrecken des Bra.ndsohlenleders über dem Schoßbrett sowie das zusätzliche Klopfen genügen noch nicht, um das „Wachsen" der Brandsohle zu verhindern. Darum mfü,sen die Brandsohlen ordnungsgemäß über die Leisten gewalkt werden. Erst dann ist ihnen die letzte Dehnbar­ keit genommen. Zu diesem Zweck heftet man die noch etwas feuchte, leicht "durch­ geklopfte Brandsohle mit 3/ ,zölli­ gen Stiften mit der Aasseite gegen den Leisten. Ist der Leisten wie in Bild 24.2, Pfeil, zur Abstützung des Fußquergewölbes stäl'ker aus­ gekehlt, so muß die Brandsohle an dieser Stelle mit einem Kernstück befestigt werden (Einwalken, 24.1), bevor mit dem Auszwicken der Brandsohle begonnen wird. Hier­ nach erfolgt nun ein nicht allzu kräftiger seitlicher Zug am Groß­ zehenballen, darauf ein Gegenzug am Kleinzehenballen. Na.eh jedem 24.l Die Brandsohle ist 24.2 Leisten mit A11skehlung Zug wird die Brandsohle seitlich über den Leisten zum Abstütze11 des Fuß­ gewalkt quergewölbes bei Spreiz­ am Lei!lten befestigt. Nun beginnt fuß das Auszwicken des Brandsohlengelenkes, an den Ballen beginnend und abwechselnd einmal innen, einmal außen bis zur Stelle, wo der Absatz beginnt. Dann erfolgt ein kräftiger Zug nach hinten über die Ferscnmitte und einige Züge links und rechts davon, anschließend ein kräftiger Spitzenzug und dann das abwechselnde Auszwicken der Seiten bis zu den Ballen. Nach dem Über­ walken bearbeitet man die Narbenseite der Brandsohle mit der Glättschiene, wo­ bei ein fester Druck ausgeübt werden muß (24.1). Nach einern anderen Verfahren wird die Brandsohle zuerst an der Leistenspitze festgeheftet., den1 ein kräftiger Zug von der Fersenmitte nach hinten folgt. Durch diesen starken Längszug entstehen besonders bei stärker gesprengten (im Gelenk ausgekehlten) Leisten große Längs­ spannungen, die den Gelenkteil der Brandsohle nur sehr schwer cinzuwalken erlauben. Erst recht ist dieses Verfahren bei stärk hinter den Groß- und Kleinzehenballen ausgekehlten Lei­ sten für Spreizfüße verfehlt; denn in diesem Falle muß sich die Brandsohle in die ausgekehlte Mulde zur Abstützung der durchgetretenen Mittelfußköpfchen anlegen (24.2, Pfeil). SViederum verhindern große Längsspannungen dann das Einwalken. Bei Ausübung von Zw:ang durch Presse oder Aufnageln eines harten, kernigen Lederstückes würde das Bindege'l'l"ebe leiden. 24
Die Brandsohlen müssen run Leisten seihst beschnitten werden. Wenn die Brand­ sohlen vollständig trocken sind, werden die Walkstifte entfernt (nur die mittleren Heftstifte bleiben), und das Beschneiden der Brandsohle hart an der Leistenkante kann beginnen. Vor dem Beschneiden des inneren Gelenkes wird zweckmäßig der Gelenkverlauf eingezeichnet, denn das freihändige Ausschneiden setzt eine große Sicherheit in der Messerführung und Formgebung voraus. Das äußere Gelenk soll nach Möglichkeit voll gelassen werden; denn ein volles Brand-,ohlengelenk hat weit mehr Tragfähigkeit als ein schmales, eingezogenes, das dem Fuße, der Hinterkappe und auch dem Absatz kein genügend starkes Widerlager gibt. Volle Gelenke sind aber nur dann angebracht, wenn es sich um Schuhwerk für durchge­ tretene, ganz- oder teilversteifte Füße handelt und das Schuhgelenk zur Stüzte des durch­ getretenen Fußes b r e i t und versteift gearbeitet werden muß. In Normalfällen und bei nicht versteiften Knick- und Senkfußfällen sollen das innere Gelenk möglichst schmal und das ganze Gelenk beweglich gehalten werden. Dies aber auch nur dann, wenn der Knick- bzw. Senk­ fuß nach neuzeitlichen Erkenntnissen korrigiert wird. Das Beschneiden beider Brandsohlen muß an dem Leisten selbst erfolgen, wobei es zweckmäßig ist, an der inneren Fersenseite des linken oder der äußeren Fersen­ seite des rechten Leistens zu beginnen. Dies hat den Vorteil, daß man nach Er­ reichen einer gewissen Sicherheit die innere und äußere Brandsohlenseite in einem Zug und somit auch genauer und sauberer beschneiden lernt. Würde man die zuerst beschnittene Brandsohle vom Leisten abnehmen und auf dem Schoß­ brett wieder glattstreichen, damit die zweite B�ndsohle danach geschnitten bzw. geformt werden kann, wie dies leider noch so oft geschieht, so wäre die ganze Arbeit des Einwalkens det· dem F\tße angepaßten Leistenform sinnlos. c) Das Einarbeiten der Einstechbahn bei der Brandsohle Das Einarbeiten der Einstechbahn, auch Ran­ gierungsbahn genannt, bei der Brandsohle ist eine der schwierigsten Arbeiten beim ganzen Bodenbau und muß darum besonders sorgsam ausgeführt werden. Die Absatzlänge wird festgestellt. Zunächst wird die Absatzlänge für den herzustellenden Boden festgestellt und l'Uf die Brandsohle übertragen. Durchschnittlich kann für alle Absätze bis zu höchstens fünf Stich ein Viertel der normalen Leistenlänge gerechnet werden. Da <lie meisten Maßschuhe das Gelenk des Fußes vom inneren Fersenrand aus abstützen müssen, gibt ein etwas länger als üblich gehaltener Absatz dem Schuh bedeutend mehr Tragkraft als ein kür­ zerer Absatz, bei welchem dann ein viel kräfti­ geres Gelenk eingebaut werden muß. Es richtet sich nach dem Einzelfall, ob bei der Absatzlänge zu- oder abgegeben werden muß. 2�-1 Die Absatzlänge beträgt '/. der Lei­ stenlänge 25
Nach der Fertigstellung des Schuhes muß der Absatz die Richtung zur Leisten­ spitze annehmen, was voraussetzt, daß er im rechten Winkel zur Längsachse des Leistens aufgebaut wird (25.1). Die durch die Spitzen- und Fersenmitte laufende Längsachse der Brandsohle wird durch 4 geteilt und auf ein Viertel der Gesamt­ länge von der hinteren Fersenkante aus berechnet. Dann wird im rechten Winkel zur Längsachse die Absatzfront bezeichnet. Spitze Leisten habell ein sog. Über­ maß von ein, zwei und mehr Stich, das vor der Vierteilung von der Gesamtlänge abgezogenwerden muß. An der so festgelegten Absatzfront beginnen auch die Ein­ stechbahn, der Anfang und das �nde für das Einstechen der Rahmen. Häufig wird die Absatzlänge nach Augenmaß bestiill.lllt. Das führt aber zu .Absätzen, die zu kurz oder zu lang sind, zu falschen Absatzstellungen und unsauberem Übergang vom Gelenk zum Absatz. Oft bemerkt man erst beim Absatzbau diesen Grundfehler und macht nun den Absatz entgegen der Rahmenanordnung länger oder kürzer. Durch ein nachträgliches Kür­ zerhalten des Absatzes fehlt dann ein Stück Rahmen und durch ein Längerhalten kommt ein Stück Rahmen unter den Absatz zu liegen, was einen exakten Gelenkverlauf vei:hindert. Nach der im Leisten angeord­ neten Lage des Groß- und Kleinzehenballens richtet sieb die innere und äußere Gelenklänge. Ihre Anordnung zueinander kann sehr unterschiedlich sein (26.1 ). Die innere und äußere GelenkJänge wird festgelegt. ' y 1 . •·,i t7l a 26.1 Die Anordnung der inneren und äußeren Gelenkfänge �ei verschiedenor Lai:c des Groß- und Kleinzehen­ hallens 26.2 Das.Fcstle1:en derEin­ stechbahn an der Ge• lenkeiomundung Beim Einstechen der Außeneinstechbahn muß darauf geachtet werden, daß das innere und äußere Gelenk entsprechend der Gelenkform des Leisten verläuft, d. h. , das Innengelenk muß unmittelbar hinter dem Großzehenballen enden und das Außengelenk unmittelbar hinter dem Kleinzehenballen. Bei mangelhafter Form­ gebung der Einstechbahn ist schlechtes Tragen der Gelenke m1d des Schuhwerkes die unausbleibliche Folge. Durch genaues Festlegen der Gelenkmündungen beugt man derartigen Fehlern zweckmäßig vor (26.2, Pfeil a und b). 26
Da.s Festlegen der inneren und äußeren Gelenklänge mit Hilfe des Winkelsystems kann höchstens für die mengenmäßige Herstellung in Frage kommen, nicht aber für den Schub nach Maß bzw. für den Einzelfall. An getragenem, zur Reparatur übergebenem Schuhwerk läßt sich sehr häufig in anschaulicher Weise die Auswirkung unzweckmäßig geformter Gelenke nachweisen. In den meisten Fällen wird bei Schuhwerk mit vorstehendem Rand das innere Gelenk zu kurz gehalten, d. h. die Sohle reicht zu weit über die Belastungsstelle des Groß• zehenballens bei Punkt b in Bild 26.2 hinaus.Dieser Sohlenteil wird nicht mehr belastet, wölbt sich und führt zum Abdrücken des Gelenkes. Die Einstechbahn wird vorgezeichnet. Die Entfernung der Einstechbahn von der Brandsohlenkante ist von zweierlei abhängig: 1. von der Dicke oder Stärke des Schaftmaterials, 2. von der Randgestaltung, ob anliegender oder vorstehender Schnitt. Gut eingearbeitete Bodenarbeiter machen in dieser ljinsicht oftmals keinen Unterschied zwischen anliegendem und vorstehendem Schnitt und gleichen den Unterschied durch eine entsprechende Führung des Einstechortes aus. Bei Böden mit vorstehendem Schnitt und bei Verwendung mittelstarker Oberleder verläuft die äußere Rißlinie der Ein­ stechbahn (vornherum, vom Groß- zum Kleinzehenballen) im gleichmäßigen Ab­ stand von durchschnittlich 4 mm von der Brandsohlenkante (27.1 a). Ein weiteres Einrücken der Einstechbahn uni die Spitze herum ist unnötig, wenn die am Einzwick gewöhnlich zu dick gehaltenen Steifkappen ord­ nungsgemäß dünn ausgcschärftwerden, wodurch sie nicht übermäßig auftragen können. Wenn man stärkere Oberlederarten und Schaftstoffe verwendet, kommt die äußere Rißlinie weiter nach innen, also etwa 5.. . 6 mm von der Brandsohlenkantc zu liegen (27.1 b ). Das gilt auch bei Böden r Die Binstecbb:tltn verlliuft bei a 4.. .5 mm mit, anliegendem Schnitt. Zum \ orzeich- 27.1 bei b 5. . -6 mm von der llrandsohlcnk:mte nen de-r ii.nßercn Rißlinie ,•erwcndet man entweder die Spitze des Beschneidmessers oder man umfährt mit dem ent­ sprechend breit eingestellten Zirkel die Brandsohlenkante. Auch mit einem ge­ nügend breiten Schnitteisen kann die Rißlinie eingezeichnet werden. Die Rißlinie des inneren Gelenkes soll unabhängig von der Brandsohlenkante in leichtem Bogen nach innen verlaufen. Hierbei ist zu beachten, daß ein zu volles · Gelmk das Schuhwerk übermäßig schwer gestaltet, auch plump wirkt, und eine ungehemmte freie Abwicklung des Fußes verhindert.. Dadurch trägt sich das Schuhwerk schlecht, das Nachaußentreten wird gefördert. :Für die Gelenkbreite sind das Leistengelenk und der Zweck des herzustellenden Schuhwerkes entschei­ dend. Eine Regel hierfül' gibt es nicht, denn die Brandsohlen werden, wie schon er­ "·älmt, im Gelenk oft voll gelassen oder gar hochgewalkt. Nur in wenigen Fällen kann sich die Gelenkrißlinie dem Verlauf der inneren Brandsohlengelenkkante anpassen. 27
Die Rißlinie des äußeren Gelenkes folgt am besten dem Verlauf der äußeren Brandsohlengelenkkante. Ein geschweiftes äußeres Gelenk trägt sich nicht immer gut und wird deshalb selbst bei leichter Damenarbeit heute kaum noch angewandt, niemals aber bei Herrenarbeit. Da die Hinterkappen stets kräftig gehalten werden sollen, tragen sie auch nach dem Einzwicken im Gelenk sehr auf im Gegensatz zu vorn, wo nur das Oberleder und die Schaftstoffe (Überstemme und Futter} in die Einstechnaht kommen. Darum muß die innere und äußere Gelenkrißlinie, je näher sie beim Einstechen an die Absatzfront kommt, mehr und mehr nach innen verlaufen (um etwa 2 mm mehr, s. Bild 27.1), sonst würde das Gelenk an der Absatzfront zu breit werden. Ein zu starkes Einrücken an dieser Stelle führt dazu, daß die Gelenkbreite und somit auch der Absatz zu schmal werden, wodurch die Hinterkappen am ferti­ gen Schuh wie übergetreten aussehen. Die Rißlinie wird eingeschnitten und geöffnet. Die nunmehr in die Brandsohle ein­ geritzte oder mit dem Schnitteisen bzw. Zirkel eingedrückte äußere Rißlinie wird zweckmäßig mit einem Messer sehr vorsichtig eingeschnitten, im Sinne des Riß­ schneidens bei den Sohlen. Nur beginnt man auf der linken Seite an der Absatz­ front, die Leistenspitze sich zugekehrt, wobei die Messerspitze nach außen gehal­ ten werden muß (28.1). Voraussetzung dazu ist allerdings, daß die Brandsohle kräft.ig und kernig genug ist, daß man sie um etwa ein Drittel ihrer Stärke ein­ schneiden kann; denn dünne oder lose Brandsohlen können diese Art des Ran­ gierens nicht vertragen. Mit einem Rißöffner wird der Riß dann geöffnet und die Brandsohlenkante ent­ sprechend der Rißtiefe mit dem Brandsohlenhobel abgelassen (28.2). So wird ein 1 � t.1 28.1 Das Einschneiden der Rlßlinie 28 :IS.2 Das Ablassen der Brnndsohlenkaote
29.1 Das Einzeichnen der zweiten Rißlinie 29.2 Das Ablassen der Rißlippe mit dem Brandsohlen­ hobel gutes Widerlager für die Rahmen geschaffen, und der Boden wird bedeutend trag­ fähiger. Zwar wird dieses Verfahren vielfach abgelehnt. Das liegt aber daran, daß die Verwendung schlechten Brandsohlenleders gang und gäbe war und es leider auch heute noch vielerorts ist. Die so geschaffene kantige Abstufung rund um die Brandsohle gesti:i,ttet es, mit einem auf 7 mm Weite ein­ gestellten Zirkel die zweite Rißlinie einzuzeichnen. Auch auf dieser Rißlinie schnei­ den Wir die Brandsohle ganz leicht ein (29.1), öffnen den Riß und lassen die Riß­ lippe mit dem Brandsohlenhobel ab (29.2). Die Messerhaltung und -führung ist hierbei so wie bei der ersten Rißlinie, nur wird jetzt auf der rechten Seite ange­ fangen. Das Einschneiden endet dort, wo bei der ersten Rißlinie zu schneiden angefangen wurde . . Das Messer darf nicht so in die Brandsohle einschneiden, .daß der Einstechdraht beim Anziehen die Einstechbahn zum Einreißen bringt. Bild 29.1 zeigt die richtige Messerhaltung. In den Fällen, wo dünnes Brandsohlenleder zur Verarbeitung kommt, ist von dom Erarbeiten der inneren und äußeren Rißlinie abzusehen, da die Einstechbahn hier­ durch geschwächt wird und der Beanspruchung nicht standzuhalten vermag. Man hilft sich, indem man die Einstechbahn mit Bleistift vorzeichnet oder mit der Messerspitze leicht vorritzt, worauf das leichte Abstoßen (nicht Abschärfen) der äußeren Brandsohlenkante erfolgt. Nach Möglichkeit vermeide man auch das Vorstechen, vorausgesetzt, daß genügend Sicherheit im Einstechen besteht. Die zweite Rißlinie wird eingezeichnet und geöffnet. 1 1 i 1· l 29
Die Einstechbahn wird vorgestochen, wenn sie so fertiggestellt ist. Die Abstände von Stich zu Stich sollen durchschnittlich 7 mm betragen. Für eine feste Gestaltung der Einstechnaht ist auch die Richtung der Stiche von großer Bedeutung. Eine rechtwinklige Anordnung der Stiche zur Einstechbahn ist die allgemeine Forderung, doch lehrt auch hier ,�ieder die Er­ fahrung, daß eine leichte Schrägstellung deshalb einen festeren Stich ermöglicht und dem Rahmen einen noch festeren Ha.lt bietet, weil durch die Schrägstellung der Rahmen fester an die Einstechbahn herangezogen werden kann und hierdurch eine größere Spannung erhält (30.l, s. auch S. 53 bis 57, Ein­ stechen). Die Tiefe des Stiches soll nicht meht· als zwei Drittel der Brandsohlenstärke ausmachen. Tiefere Stichlagen können unter Umständen durch die Belastung des Fußes zum Durch­ drücken der Stiche nach innen führen, besonders da.rw., wenn der zur Verwendung kommende Einstechdraht stark ist und die Brandsohlen wenig kernig sind. Die Stärke des Einstechortes muß stets der des Ein­ 30.1 Beim VorstA!Chen stechdrahtes angepaßt sein, d. h. er soll immer ein wenig der Einstechbahn schwächer als der Draht gewählt werden. Ein zu feiner Ort sollen die Stiche eine leichte führt zum Verbrennen des Drahtes und ein zu starker zur Schräglage haben Lockerung der Einstechnaht und Undichtigkeit <les Bodens. Bereits beim Vorstechen muß Wert, darauf gelegt werden, daß der Einstechort vorsichtig durch die Rangierungsba.hn ge­ führt wird und die Spitze des Ortes nur wenig aus der Bahn hervortritt, damit keine zu großen Löcher entstehen, die sich kaum mehr schließen können (30.2). Die vielen beim Einstechen zu beobachtenden Schwierigkeiten sind in der Mehrzahl auf die Ver­ arbeitung ungeeigneten Brandsohlen- und Näb­ matorials wie auch auf die ungenaue Einarbeitung der Einstechbahn zurückzuführen. Ist dieselbe zu breit gehalten, so muß der Stich sehr tief ge­ führt werden, damit die Spitze des Einstechortes die �ußere Rißlinie erreicht. Dadurch besteht aber bei jedem Stich die Gefahr, die Brandsohle durchzustechen. Was das bedeutet, stellt sich erst nach dem Ausleisten heraus. Die Einstecb­ stirhe liegen unschön auf der Brandsohle und machen sie uneben. Das muß, besonders bei empfindlichen und kranken Füßen, zu Bean­ standungen führc-n.Bei zu schmalrangierten Ein­ stechbahnen besteht die Gefahr, daß sie beim festen Anziehen des Drahtes durchreißen oder sich nach kurzer Tragdauer des Schuhwerks los­ reißen. ::\fan sei deshalb sehr gewissenhaft bei der Erarbeitung der Einstechbahn. 30.2 Das Yorstechen der Einstechbahn
lll. Das Zurichten der Hinterkappe Auf die richtige Hinterkappenlänge und -höhe kommt es an. Die Grundform der Hinterkappe ist von der Leistenform, dem Schaftschnitt und dem Zweck des herzustellenden Schuhwerks abhängig. Allerdings unterscheiden sich Hinterkappen für Herrenstra.ßenschuhwerk auch bei verschiedenen Schaftschnit­ ten nur unwesentlich. :.Vleistens sind die Hinterkappen zu kurz und zu hoch gehal­ ten. Die Länge der Hinter­ kappe soll jeweils der Länge des Leistens (ohne Übermaß) entsprechen, wenigstens so­ weit dies der Schaftschnitt zu­ läßt. Schuhwerk (auch Damen­ schuh,verk) trägt sich viel besser, wenn die Hinterkappen weit in die Gelenke hinein­ 1 '----'1 1 ragen. Schwache oder kranke 1 äußerelänge l--Füße bedürfen zur Stütze in 1 1 innere Länge --J fast allen Fällen einer genü­ gend langenundkräftigen Hin­ terkappe besonders auf der inneren Seite. Darum muß sie hier auch länger als außen ge­ t-. -br-------..,....1. --_i_t:1_� � halten werden. : :,r ., ., ere nappenlete 1 1 innere Kappenseife iI au ·· n � Die Höhe der Hinter­ � kappe kann nach folgender 31.1 Der Entwurf der Hinterkappenform Formel berechnet werden: Zur Leistenlänge (ohne Übermaß) des herzustellenden Stiefels zählt man bei allen Größen die Zahl 6, teilt das Ergebnis durch 6 und gibt 2 Stich für Zwickeinschlag hinzu. Beispiel : f-�y d-- � {� - e � J- - � 11 § - - �1:s [ t/ ·, , , .,, � Die Lei9tenlänge ist 42 Stich + 6 48 : 6 8 Stich + 2 Stich Zwickeinschlag 10 Stich Kappenhöhe für Herrenstiefel, Größe 42. = Die Hinterkappenform für Herrenstiefel (Gtöße 42) wird entworfen (31.1). 1 . Ein Rechteck von 42 Stich Länge und 10 Stich Höhe zeichnen. 2. Die Hälfte der Leistenlänge (21 Stich 2 Stich Zugabe für die innere Gelenk­ seite) von a nach b abtragen und Senkrechte c errichten. 3. Bei a und b an den Senk.rechten etwa 1¼ Stich seitliche Kappensprengung ab­ tragen. (Bei Absätzen von 5 Stich Höhe aufwärts beträgt die seitliche Kappen­ sprengung je nach Verlauf des Leistengelenkes 1 ¼ bis 2½ Stich.) 4. Kappenform einzeichnen. Der innere, längere Kappenflügel d läuft im leichten Bogen nach unten aus, hingegen der äußere e kurz, rund. Für einen besseren „Schluß" der Hinterkappe senkt man die obere Kappenlinie bei der Senkrechten c um ½ Stich. + 31
Bei Hinterkappen für Halbschuhe und Stiefel mit nicht durchgestepptem Futter werden die Bogen d unde der beiden Kappen.flügel gleichmäßig in der Form (wie der Kappen.flügel d) gehalten. Bevor das fertig­ gestellte Kappenmuster verarbeitet wird, muß man es an den Leisten halten, um es a.uf seine Paßform zu prüfen. Beim Anlegen der beiden Kappen.flügel am inneren und äußeren Gelenk ist festzustellen, ob sie nicht zu weit über die Vorrangierung der Brandsohle hinausgehen (32.1, Pfeile), denn in diesem Falle fällt der abge­ schärfte Zwickeinschlag zum großen Teil ab. 32.l Das Anlegen der beiden Kappenftügel am inneren und :l.ußeren Gelenk Wenn solche Kappenmuster verwendet werden, fällt der niohtgeschärfte untere Teil des KappenfiügeJs· in die Einstechnaht. Das führt zu einer Verbreiterung des Gelenkes, und ein guter Übergang zur Fersenkante (Absatzkante) wird hierdurch unmöglich gemacht. Außerdem trägt sich ein solches Gelenk nicht, denn die Stärke der Hinterkappe läßt an. der Einstechnaht eine feste Verbindung mit der lBrandsohle nicht zu. Nach dem Zuschneiden werden die Hinterkappen geschärft. Das Schärfen beginnt an der Narbenseite. Der Narben gibt der Hinterkappedennotwendigen „ Stand", er darf deshalb nur außen herum entfernt werden, und zwar in einer Breite von etwa 2 bis 2¼ Stich. Det dunkle Teil der eingezeichneten Kappe (31.1) zeigt den nicht ausgeschärften Narben. Die Stärke des abzuschärfenden Leders beträgt an den Kanten etwa ein Drittel der Gesamtkappenstärke und lä-uft bis· zum stehen­ bleibenden Narben hin aus. Die teilweise Entfernung des Narbens ist notwendig, weil er sich bei Einfluß von Feuchtigkeit (Schweiß) nach innen rollt, hart und glasig wird, das Futter und Oberleder durchscheuert und Hautverletzungen verursacht. Von der Aasseite erfolgt dann das breitere und unmerksam auslaufende Schärfen nach den Kanten hin. Durch das nachträgliche Bearbeiten mit der Zieh• klinge oder mit Glas werden bestehende Unebenheiten ausgeglichen. Die Hinterkappe wird leicht geklopft. In halbtrockenem Zustand werden die Kap­ pen von der Mitte der Aasseite aus leicht geklopft. Harte Schläge müssen vermie­ den werden, damit da-s Bindegewebe der Ha11t nicht leidet. Die Kappe verliert dadurch ihre Festigkeit. Um unnötige Faltenbildung beim Einzwicken der Hinter­ kappe zu vermeiden, schneidet man bei Pfeil f (31.1) eine Kerbe in Höhe von nicht mehr als 1 ¼ Stich ein. Wenn die Zwickzugabe richtig gewählt und wenn ordnungs­ gemäß ausgeschärft wurde, erübrigen sich mehrere Kerben. Das Walzen der Hinterkappe hat wegen der einseitigen Druckwirkung gewebezerstörenden Einfluß auf die geschärfte Hinterkappe und verformt sie auch ; es ist darum nicht anzuwenden. 32
IV. Das Zurichten der Rahmen Zuschnitt und Verarbeitung des Rahmens richten sich nach der Bodenart und nach der Schnittart (ob anliegender oder vorstehender Schnitt, ob schmal oder breit vorstehend). Damenrahmen für anliegen­ den Schnitt hält man durchschnittlich 8 mm und für vorstehenden Schnitt 8···10 mm breit, Herrenrahmen für anliegenden Schnitt 10 mm und für vorste­ henden Schnitt 12· · · 14 mm breit. Beim Zuschnitt ist zunächst·auf genauen Schnitt und Einhalten einer gleichmäßigen Breite zu achten. Die Länge wird zweckmäßig an der vorrangierten Brandsohle abgemessen. Länge und Breite des Rahmens werden abgemessen. Solange noch keine genügende Erfahrung im Einstechen da istt werden der abgemessenen Länge 3···4 mm zugegeben, da die Kappen und Schäfte auftragen und durch das„Einhalten" des Rahmens im Gelenk und um die Spitze Längenverluste entstehen, die im voraus nur ungenau bem.essen werden können. Es kann sonst vorkommen, daß der Rahmen angesetzt oder übermäßig angezogen werden muß, damit er langt. Dadurch entstehen aber Spannungen im Rahmen, besonders im Gelenk, das sich dann nicht gut anlegt und deshalb schlecht trägt (s. S. 56: ,,Einstechen"). Vor dem Einstechen des Rahmens ist die innere oder äußere Gelenklänge genau ab­ zumessen. Wenn das Außengelenk oder beide Gelenke im „Plattschnitt" herge­ stellt werden sollen (z.B. bei schwerem und Sportschuhwerk), wird der Rahmen in der ganzen Länge einheitlich rangiert. Soll der Gelenkschnitt jedoch dünner als der Sohlenschnitt werden, dann ist es ratsam, einen schon starken Rahmen im Gelenkteil um etwa 1/3 seiner Stärke abzulassen. Bei mittelstarkem Rahmen ist ein Ablassen im Gelenk nicht zu empfehlen, weil er sonst an Haltbarkeit verliert. Vor Beginn des Einstechens ist also ein genaues Abmessen der inneren oder äuße­ ren Gelenklänge notwendig. Der Übergang vom Gelenk zum Schnitteil muß genau abgegrenzt sein, wenn auf einwandfreie Arbeit Wert gelegt wird, Bei Gelenkhohl­ schnitt muß einer genauen Abgrenzung noch mehr Beachtung geschenkt werden, denn bei falschen Abmessungen fällt die 'Obergangsstelle vom Gelenk zum Schnitt unsauber aus. Die Rangierung des Rahmens richtet sich nach der Bodenart. Die bekannteste Art des Rangierens für den in den Platt­ schnitt fallenden Teil des Rahmens ist das einfache, schräge Ablassen der einen Rahmenkante um etwa ein Drittel der Rahmenbreite. Für leichtere Böden und für Böden mit anliegendem Schnitt ist diese Rangierungsart angebracht. Schwere Böden mit vorstehendem b a b Schnitt benötigen eine festere Ver- a ankerung, wie sie bereits bei der Ran- 33.1 Rnngiert� :&ahmen a) für festeres Schuhwerk gierung der Brandsohlen erwähnt wurb) für leichteres Schuhwerk de, denn sie sind einer stärkeren Beanspruchung ausgesetzt. Der schräge Schnitt (33.l b) bietet dem Rahmen kein festes Widerlager gegen Schaft und Brandsohle. Besser ist die Rangierungsart, 33
wie sie in Bild 33.1 a dargestellt ist. Das stufenmäßige Ablassen des Rahmens er­ gibt eine Kante, die sich fest der auf gleiche Weise rangierten Brandsohlenkante anzupassen vermag. So entsteht ein festes Widerlager. Die Gegenüberstellung beider Rangierungsarten in Bild 34.1 läßt ihre Wirkungsweise gut erkennen. ,. eingezwickter ,/ Schaft�11 / ,,­ [in.sfechnoht i eing�zwiclrfer / Schaft �/ I I 1 1 Einsfechnahf { Brandsohle he + .. ···· ---··· \� rr-____is;;:;:_:...---..- \ -._-_Bra_._n_i_o-.-l__. -i _____-tLt---+. .A -1 -�-----\ Rahmen . Einstechbahn ,_ :, ? t · Rahmen L.,,,.. . s Einslechbahn 3'l.l Brandsohlen uod Rahmen ; links für fcsoor�s Schuhwerk, rechts für leichteres Schuhwerk Der Rahmen wird rangiert in derselben Weise, wie es bei der Herstellung der ersten Rißlinie auf der Brandsohle besprochen wurde. Mit einem Zirkel wird zunächst die Breite der abzulassenden Kante für den vorstehend zu arbeit enden Rahmen­ teil gekennzeichnet. Unter leichtem, vorsichtigem und gleichmäßigem Druck schneidet man mit einem scharfen Beschneidemesser eine Rißlinie ein. Das Riß­ schneiden erfolgt genau so wie das für eine zu nähende Sohle. Die abzulassende Kante liegt links. Das Messer wird in leichter Schrägstellung von rechts nach links geführt (siehe die Messerhaltung in Bild 28.1). Nun wird der Riß mit dem Riß­ öffner vorsichtig geöffnet und die Kante mit dem Brandsohlenhobel um etwa die Hälfte der Rahmenstärke abgelassen. Der genau zu . bemessende Gelenkteil des Rahmens wird von der Aasseite aus entsprechend dünn geschärft. Zum Schluß wird die obere Schicht des Narbens vom ganzen Rahmen entfernt, damit sich die Stiche leichter in den Rahmen einziehen können und die Ausputzfarben (Schwärze) besser einzudringen vermögen. Auch die Aasseite muß gut mit Glas oder mit der Ziehklinge abgezogen werden. Der andere Gelenkteil des Rahmens wird zweckmäßig erst dann scharf begrenzt und durch Unterlegen einer Glasplatte oder dünnen Schärfeplatte fertig geschärft, wenn man mit dem Einstechen auf 2···3 cm an das Gelenk gekommen ist. Nur so kann mit größter Sicherheit ein genauer Gelenkübergang erzielt werden ( siehe auch Seite 57 „Das Einstechen"). V. Das Zurichten der Steifkappen Die Form der Steifkappen wird bestimmt. Bei Steifständen entwickelt sich das Muster aus der Leisten- und Schaftform. B e i Schäften mit g e r a d e n Z i e r kap­ p e n bekommt die Steifkappe in den meisten Fällen die gleiche Form und Größe, 34
:,ic ist ihl' also im 1Iuster nur anzupassen. Nun kommt es aber vor, claß der Zwick­ einschlag an den Schäften außergewöhnlich groß ist. Würde die Steifkappe mit , lern gleichen großen Zwickeinschlag versehen, so wäre mit einer zu großen Falten­ hildung an der Spitze zu rechnen und der geschärfte Zwickeinschlag der Steif­ kappe würde zum großrn Teil abfallen. Dadurch würde der Rahmen zu weit nach außen kommen, clenn der Zwickeinschlag fällt dann stark in die Einst,echnaht hinein. Auch das Herausarbeiten einer guten Spit,zenform würde unmöglich ge­ macht. Es ist deshalb notwenrlig, die Schäfte zunächst ordentlich überzustollen, damit sie auf ihre Pu,ßform geprüft und vom übermäßigen Zwickeinschlag befreit werden können. Von der jetzigen Größe der Zierkappe fertigt man ein Muster und schneidet hiernach die Steifstände. Steifstände, welche zwischen Zierkappe und Besatz oder Blatt ein­ gearbeitet werden solleu, müssen mit ihrem Bogen (ober:e Kante) scharf gegen <lie Steppnaht oder Kappenverzierung stoßen und somit auch genau die Bogenform der Verzierungsnaht haben. Steifstände über das Futter gezwickt müssen über die Verzierung bis zur Kante der Verzierungskappe reichen . In diesem Falle wird also das Steifkap­ penmuster um die Verzierungsbreite größer. Schäfte ohn e Zierkappen erhalten im allgemeinen eine Steifkappe in der Größe, als sei eine Zierkappe am Schaft vorhanden, nur wird der Kappenbogen fast gerade gehalten und auch etwas dünner und langsamer verlaufeml· ausge­ schärft. Ste ifkappen für sog. ,,Flügel­ kappen" bekommen ebenfalls eine Flügelform, nur werden die Flügel kurz gehalten (35.1). Die dunkleren Flächen des Bildes stellen die einzel­ nen Steifkappenformen und ihr Ver­ hältnis zu den Zierkappen dar. Die Steifkappen wei:den geschärft wie die Hinterkappen, zunächst von der Narbenseite aus und in einer Breite von etwa 2···2½ Stich rundherum (35.1 e). Von der Aasseite aus nimmt man das restliche Schärfen vor, stets daraufbedacht, daß derÜbergang von der Mitte nach den Seiten hin ein kaum merklicher ist und der Einzwick dünn genug gehalten wird, damit er sich leicht einzwicken läßt und die Falten­ verteilung und Kantenbearbeitung ohne Schwierigkeiten vor sich gehen kann. Das Ausglasen und Klopfen erfolgt wie bei der Hinterkappe. n 35.1 Verschiedene Formen der $teifkappe tl) Steifknppengrößc zum Aufzwlcken aufdas Futter b) Steifkappengröße zum Einschieben c) Steifkappengröße für Schäfte ohne Zierkappe d) Flügelsteifka1ipe e) Narbenseite eines geschärften Steifstandes 35
VI. Das Zurichten des Fleck- oder Absatzleders Vor dem Zuschneiden muß geschärft und geklopft werden. Damit das unenvünschte Platzen (Reißen) der Absätze vermieden wird, empfiehlt es sich, die Aasseite bis zum Erscheinen des Bindegewebes der Haut zu reinigen bzw. abzuschärfen. Auch der Narben muß fast restlos abgezogen werden, da seine Sprödigkeit und Festigkeit einer festen Verbindung entgegenwirkt. Das Fleckleder wird zweckmäßig von der Aasseite aus geklopft, und zwar in fast trockenem Zustand. Die Größe des Fleckleders wird bestimmt. Das Rangieren der einzelnen Unterflecke richtet sich nach dem Oberfleck oder dem Oberfleckmuster. Die Größe des Oberfleckes ist im allgemeinen durch die Höhe des Absatzes bestimmt. · Flache Absätze bis zu 4 Stich Höhe werden breit und lang gehalten (englische Form). Für den Musterentwurf benutzt man die rangierte Brandsohle, indem man die Ferse bis zur ein­ gezeichneten Absatzlänge mit einem Zirkel um­ fährt, und zwar mit einer Zugabe von ungefähr l Stich (36.l a). Nach diesem Muster werden die Unterflecke rangiert, jedoch gibt man in der Länge, an der Absatzfront, etwa ¼ Stich zu, damit das Beschneiden der Absatzfront nach dem Aufbau des Absatzes genauer durchgeführt 36_1 verschiedene Größen und Formen der Absätze werden kann. Übermäßiges Größerschneiden der Unterflecke ist unzweckmäßig_ und erübrigt sich überhaupt dann, wenn an der Brandsohle die endgültige Absatzlänge festgelegt wurde. Nach der Höhe des zu bauenden Absatzes und der Stärke des Fleckleders richtet sich die zu rangierende Anzahl der Unterflecke. Absätze von 5 · · · 6 Stich Höhe (amerikanische Form) müssen entsprechend der Breite und Form der Leistenferse schmal gehalten, untersetzt und in der Form gefällig gehalten werden. Das Oberfleckmuster wird also schmaler als die rangierte Brandsohlenferse entworfen, und zwar um annähernd l Stich. Durch das Unter­ set,zen und Schmalhalten des amerikanischen Absatzes verkürzt sich zwangsläufig auch der Oberfleck, und zwar um 1½···2 Stich (36.lb u. 36.2a). 36.2 Der amerikanische Absatz 36 Eine feste Regel für das Einrücken des Ober­ fleckes, die Gestaltung der Oberfleckenbreite und -lä-nge gibt es nicht, denn bei Verwen­ dung starken Schaft- und Kappenwerkstolfes entsteht eine größere Fersenbreite als bei dünnen Werkstoffen. Da aUe Regeln für Oberfl.eckberechnung von der Brandsohlen-
breite und -länge ausgehen, würden die nach solchen Regeln geformten Oberflecke im oben erwähnten Falle zu klein (schmal und kurz) ausfallen, wodurch dann der Absatz eine U-Omög­ lirhe Form erhalten wfüde.Entscheidend für die eigentliche Form und Stellung des Absatzes ist die gesamte Bodenbreite, wie sie sich nach dem Nähen und Beschneiden der Durchaus­ sohlen ergibt. Die Oberfleckformung nach der Brandsohlenbreite kann nur als eine behelfs­ mäßige bezeichnet werden, und nur der erfa.h.rene Bodenarbeiter ist in der Lage, ein Ober­ flec-kmuster schon bei der Rangierung des Fleckleders annähernd passend zu gestalten. VII. Das Zurichten der Keder D i e Länge der Keder errechnet sich aus dem Umfang der Leistenfersenkante unter Zugabe von 2,.. 3 Stich für das Verkürzen des Keders bei der Formgebung. Die Breite des Kederstreifens soll unter Berücksichtigung eines Vf!rlustes durch das Spalten 4 · ··5 Stich betragen. Der gespaltene Keder ist durchschnittlich 31/t .. ·4 Stich breit. Zu schmal gehaltene Keder behindern oft eine genaue Aufbauarbeit, weil die Holz1üigel zu nahe an der Kante eingeschlagen werden müssen und die Gefahr besteht, daß sie bei der weiteren Bearbeitung her­ auskommen oder die Keder wegen ihrer keilförmigen Beschaffenheit beim unfach­ gemi1ßon Aufnageln im Verlaufe des Tra­ gens des Schuhwerks herauswachsen. �· �,s,�;,�eff{'N a) .... • ............ __, ......f b) Yor dem Spalten zieht man die 31,1 Kederstrelfen a) gespalten b) geformt Karben- und .Aasseite ordentlich ab, um eine gute Bindefähigkeit für das spätere Kleben zu schaffen. Nach dem Spalten bringt man die Kcderstreifen unter ständiger Bearbeitung mit dem Hammer in die Hufeisenform und klopft sie leic-bt durch {37.1). Vlß. Das Zurichten des Gelenkleders Das entweder aus dem Halskern oder den Hinterklauen zu schueiden<le Gelenk­ leder (s. auch K. 15 und 60) wird von beiden Seiten gut gereinigt, und <ler Narbc-n wircl dabei gut aufgerauht, um das „Krachen" der Gelenke zu ,·erhindern. Dann klopft man es in fast trockenem Zustand ordentlich durc-h. Die Breite und Länge richten sich nach dem innerhalb der Einstech- und Einhindena.ht, verhleibenden Raum. Yorn sollen <lie Gelenkstücke etwa 2 1 {,.. .3 cm über die Ballenliniehinaus­ r�gen, was zur besseren Formhaltung' des C:elenkesund desSchuhes wesent- 31,2 Die GelenkstOcke gehen 2'/,· ..3 cm liber die Ballen­ llnie hinaus lic-h beiträgt {37.2). 37
rx. Das Znricbten dt>r Dur<'hanssohlt'D Die Durchaussohlen werden zugeschnitten. Der Zuschnitt erfolgt nac·h ücm Brnud­ sohlcmmuster. Zunächst wird die Aasseite gut gereinigt, und Vnterschiede in <ler Sohlenstärkc werden durch Ausschärfru ausge&rlfrhen. Das BrandsoMenmu:-tc•r wird auf die Durchn,ussohle gelegt und mit dem Zirkd nl.Ilfahrm. Bei mittelmäßig Yorstehendem Schnit.t und mittclstarkem ScJiaft- t11Hl Kappenwerkstoff muß die Durchaussohlc rundherum <.>twa 1 Stich hrriter gehal­ ten werden als das Brandsohlenmuster. Durchaussohlcn für anliegenden Schnitt bekommrn eine Zugab<.> Yon -1 . ••5 mm. Vor dem Umzeichnen muß clcsluilb die Zirkek•instellung entsprcchcncl erfolgen. Damit der Gelenkhohlschnitt nicht zu dick ausfällt, nimmt. man ,om Gelenk der Durchaussohle seitlich in einer Breite von 2½--·3 Stich im Verhältnis der. rnrge­ sehenen Hohlschnittstärke etwas ab. Vorher jedoch muß die innere und äußere Gelenklänge an der Durchaussohle genau gekennzeichnet werden, um einen schlie­ ßenden Übergang vom Hohlschnitt zum Plattschn.itt der Sohle zu gewä.hrleisten. In halbtrockenem Zustand werden die Durchaussohlen nunmehr Yon der �litte aus kreisförmig nach außen hin geklopft. Der jetzt fertig rangierte Boden muß vor dem Austrocknen bewahrt werden, wenn er nicht sofort zur Verarbeitung kommt. Zur Aufbewahrung eignen sich Stein�t­ behälter. Auch das Auflegen der Zutaten auf Steinplatten, Einpacken in feuchtes Papier usw. sind zulässig. Das Austrocknenlassen und gelegentliche Wiederbe­ feuchten schadet dem Leder und dessen Weiterverarbeitung. X. Das Zurichten de1· Überstemme Die Auswahl des richtigen Leders ist wichtig. Überstemme dienen dem Schaft als seitliche Stütze. Sie müssen deshalb aus standhaftem Oberleder geschnitten wer­ den. Durch die stete :Bewegung des Schuhwerks bei der Abwick­ lung sackt ein loser Überstemm sehr bald zusammen und führt zu Faltenbildung, die nicht nur dem Fuß, sondern auch dem Aussehen des Schuhwerks schadet. Wenn auch die Überstemme zwischen den Schaft zu liegen kommen und somit nicht sichtbar sind, so darf doch dafür kein Oberlederabfall verwendet werden, wie das leider häufig geschieht. 38.1 Überstemme mit Hinterkappe und Steifkappe Die Länge u n d Form der Ü b e r s t e m m e werden be­ stimmt. Sie richten sich nach dem Schaftschnitt und der Länge der Hinter­ kappen und Steifstände, denn sie sollen vorn um etwa 1 cm über die Steifkappen 38
und hinten 1¼·· · 2 cm über die Hinterkappen hinausreichen. Die Gesamtbreite (also einschließlich 2 Stich Zwickeinschlag) beträgt durchschnittlich 5 · · · 6 Stich für Damenüberstemme, 6···7 Stich für Herrenüberstemme. Der untere :Bogen der Überstemme muß dem Schaftverlauf folgen. Vorher aber muß vom Schaft der übermäßige Zwickzuschlag entfernt sein, damit ein einwandfreies Überstemm­ muster erarbeitet werden kann (38.1). Das Schärfen der Überstemme soll von der A.asseit.e aus erfolgen, doch ist es bei Verwendung kerniger Überstemme ratsam, auch die Kante des Narbens leicht abzustoßen, da sich der Narben des Oberleders durch Einfluß von Feuchtig­ keit (Schweiß) und Wärme rollt und zur Faltenbildung führen kann. C. Das Aufzwicken der Schäfte I. Die Schäfte werden überprüft und zum Aufzwicken vorbereitet Das Überholen der Schäfte geht dem Zwicken voraus. Vor dem Einbringen der Hinterkappen und Überstemme müssen die Schäfte auf richtigen Sitz überprüft werden, d. h. es muß festgestellt werden, ob die Zierkappen und Hinternähte (Hinterriemen) eine gerade Anordnung haben. Dies läßt sich nur durch ein ordnungsgemäßes Überholen der Schäfte erreichen, worunter man ein Überzwicken der Schäfte über die Leisten mit nur wenigen Zwickstiften versteht. Hierdurch läßt sich feststellen, ob die Zwickzugabe am Schaft nicht übermäßig groß ist, besonders an der Ferse und der Spitze, wo sie beim Zwicken wegen zu großer Faltenbildung störend wirkt und einer guten Kantenausarbeitung hinderlich ist. Der überschüssige Zwickzuschlag wird etwa ein Stich hinter den nicht weiter als zwei Stich von der Leisten­ kante entfernt eingeschlagenen Zwickstiften abgeschnit­ ten (49.2). Wenn durch das Überholen festgestellt wird, daß die Zierkap­ pen schief angebracht sind, soll mau nicht durch stärkeres Vor­ holen des etwas zurückstehenden Kappenfiügels versuchen, diesen Fehler unsichtbar zu machen, denn dies führt meistens zu Zwickfalten, die nach dem Ausleisten noch störender wer­ den. Richtiger und in allen Fällen zeitsparender ist es, Fehler am Schaft auch am Scho.ft selbst zu beheben. Die Paß- und Tragform des Schuhes würde dagegen sehr leiden, wenn man versuchte, Nähte, Hinterriemen oder Zierkappen durch einseitige Zwickmaßnahmen in die richtige Lage zu zerren. Der Untertritt muß abgeschärft werden, wenn er zu breit ist. Durch das Überholen, das dem eigentlichen Zwicken vorausgeht, nehmen die Schäfte teilweise die Leisten- 39.1 Breiter, ungeschiirfter Quartier-Untertritt 39
form an (besonders wichtig bei Schäften für Ortho­ pädiefälle), wodurch das Zwicken bedeutend erleich­ tert wird. Bei nicht ordnungsgemäß gearbeiteten Schäften ist der zwischen dem Oberteil und dem Ringbesatz oder Blatt liegende Untertritt oft zu breit und nicht ausgeschärft (39.1). Es zeichnen sich dann die unteren Kanten der Schaftoberteile am Be­ satz oder Blatt ab, wirken bei zu großer Stärke und Härte des Oberleders im vorderen Teil aufBallen und Zehen als Druckstellen und können Hautentzündun­ gen hervorrufen. In solchen Fällen müssen der Besatz oder das Blatt umgeklappt und der Untertritt auf etwa 1 cm Breite abgeschärft werden. Die Hinterkappen werden eingehi:acht. Vor dem Einbringen der halbfeuchten Hinterkappen durch­ näßt man noch einmal besonders deren Zwickein­ schlag, denn das Einzwicken wird dadurch wesent­ lich erleichtert. Nunmehr bestreicht man die Aas seit e der Hinterkappe in ihrer ganzen Höhe mit frisch DasEinldebenderHinterkappe und dünn angerührtem Wiener Kleber (die beiden 40.1 ·in den llingsbesatzschäften Flügelenden müssen in einer Breite von 2···2½ cm von Kleber frei bleiben, damit sich die Kappen seitlich nicht auszeichnen) und klebt sie mit dem Narben nach innen gegen den Besatz. Hierbei ist auf die rich­ tige Verteilung der inneren und äußeren Kappenlänge zu achten. (Die Kappen­ mitte ist gewöhnlich durch den Keilausschnitt im Zwickeinschlag gekennzeichnet. Siehe die Herstellung des Kappenmusters, 31.1.) Bei Schäften mit durchgesteppten Ring­ besätzen muß das Hauptaugenmerk auf das genaue Abschließen der oberen Kap­ penkante mit. der Besatznaht gerichtet werden. Die Kappen sind hierbei so fest wie möglich gegen die Besatznaht zu schieben. Der Untertritt der Oberteile muß hierbei auf die Narbenseite der Kappe zu liegen kommen (40.1), sonst zeichnet er sich nach außen ab oder hil­ det eine Wulst. Das Einbringen der Hinterkappen mit dem Nar­ ben na.ch innen gibt ihnen eine größere Festig­ keit, hervorgerufen durch das Zusammenpres­ sen des Narbens beim Umbiegen nach innen. 40.2 Das Spannen des Schaftes Ober dem Knie 40 Nun bestreicht man auch die Narben­ seite in der gleichen ·weise wie die Aas­ seite mit nicht zu dünnem Kleber, damit er nicht durch das Futter dringen kann, schlägt das Futter wieder zurück auf die
Kappe und drückt es unter gleichmäßiger Verteilung der Futterfalten gut an. Nachträglich spannt man den Schaft leicht über das Knie, damit sich Oberle­ der und Futter durch den Längszug entsprechend ver­ teilen können (40.2). Damit die eingeklebten Hin­ terkappen während des Zwickens nicht aus ihrer Lage können, empfiehlt es sich, sie am Zwickein­ schlag, hinten und an den beiden Flügeln durch ein Drahtende mit dem Oberleder und dem Futter zu befestigen. Das Einbringen der Üherstemme. Die Überstemme sollen mit der Narbenseite gegen den Scha:.ft liegen. Sie werden nur hinten und· vorn festgeklebt. E:inten können sie bis etwa 2 cm über die Kappenflügel ragen, vorn jedoch nicht mehr als 1 cm über die Steifkappe (41.1). (Siehe auch Abschnitt „Über­ stemme", Seite 38, Bild 38.1.} 41 .1 Das Einkloben der trbentemme II. Die Schäfte werden aufgezwickt Zum Zwicken verwendet man für leichtere Arbeiten seitlich und vornherum ¾zöllige, für schwerere Arbeiten und für den Fersenteil 1/1zöllige Zwick. stifte, wodurch keine zu großen Löcher in der Brandsohle entstehen und auch die Leisten ge­ schont werden. a) Das Vorholen Der Schuh muß sich später gut ausleisten lassen. Vor dem Aufzwicken bestreut man das Schaftfutter leicht mit Talkum (Streupulver), besonders den hinteren Kap­ penteil und die Spitze, um ein Festkleben des Futters an den Leisten zu verhindern und ein gutes Ausleisten zu ermöglichen. Zweckmäßig heftet man auch die Brandsohle außenherum mit einigen Zwickstiften an den Leisten, um besonders bei dünnem oder losem Brand­ sohlenleder ein Abdrücken der Brandsohlen.kante durch das Einzwicken des Schaftes zu verhindern (41.2). 41.2 Das Festheften der Brandsohle an den Leisten 41.S Das Beilegen eines Rutschriemens 41
Damit sich der Schaft später leichter vom Leisten herunterholen läßt und Falten­ bildungen im Futter vermieden werden, legt man dem Schaft im Fersenteil einen Rutschriemen aus einem kernigen Stück Abfalleder bei (41.3). Ein Heftstift wird eingeschlagen. Der zum Aufzwicken vorgerichtete Schaft wird gerade auf den Leisten gesetzt. Damit das Vorholen erleichtext wird und der Stiefel einen guten „Schluß" (Sitz) bekommt, muß der Schaft hinteu hochgesetzt werden, d. h. die untere Schaftkante wird mit der Lei­ stenfersenkante auf gleiche Höhe gesetzt und mit einem 1& oder ¾zölligen Stift seitlich der Hin­ ternaht oder beieinem Schaft mit Hinterriemen in dessen Mitte be­ festigt. Der Heftstift da.rf -jedoch nur im Zwickeinschlagteil ange­ �bracht werden, nicht aber in ,· � _;:,i,,;,--.. :-� _,,,,_ � halber Kappenhöhe oder in der Naht selbst, weil dies zu einer Beschädigung derselben oder des 42.I I>ns Hochseli�n d�s Schaftes zum Vorholen Oberleders führt (42.1). e:: Schäfte aus kräftigem Oberleder und Futter lassen sich schwerer vorholen als solche, die aus leichteren Zutaten geschnitten sind. Denn je kräftiger und fester die Schaftzutaten, desto weniger zugig sind sie. Zur Rrleichterung des Vorholens setzt man solche Schäfte 2···2½ cm höher als die Leistensohlenkante. Mit der Zwickzange wird der Schaft über den Leisten gezogen. Die Zwickzange muß nun genau in der Mitte der Schaftspitze angesetzt werden, und der erste Zug c.'rfolgt nach vorn über die Mitte der Leistenspitze. Nur so ist, es möglich, daß die Kappe bereits beim ersten Zwickzug ,geracle zu liegen kommt und die Verschnürung genau die Mitte des Leistens einnimmt (42.2). Damit das Vo rholen des zweiten Schaftes in der gieichen Stärke erfolgen kann, empfiehlt es sich, die Zierkappe- oder Besatzhöhe sofort nach dem Vorholzug zu messen und das ):faß aufzuschreiben. Der zweite Zug liegt seitlich der Spitze, aber doch ziemlich vorn. Dieser Zug muß vorsichtig und nicht zu kräftig erfolgen , da sich der Schaft (Kappe) mangels Halt. auf der gegenüber­ liegenden Seite drehen kann. Der dritte Zug, unmittelbar gegenüber, kann etwas kräftiger sein. Zum Ausgleich zieht man den Zwickstift des zweiten Zuges wieder heraus (die Schaftspitze mit der linken Hand fest umklammernd, damit der Schaft nicht zurück kann) und wiederholt den zweiten Zug mit derselben Stärke wie eben beim dritten Zug. t 42.2 Das Yorholen des Schaftes 42 Wenn die Schäfte Zierkappen haben, müssen diese nunmehr gerade sitzen, oder die beiden seitlichen Spitzenzüge müssen
entsprechend der Zierkappenstellung wiederholt werden, bis das der Fall ist. Erst dann folgen die beiden Querzüge an der inneren und äußeren Zierkappennaht, wovon der erste Zug ·wieder weniger kräftig gehalten wird als der zweite. :N"ach dem zweiten Zierkappenzug wird dann der erste wieder­ holt-, jedoch diesmal kräftiger als beim ersten Male. Wieder muß der Verlauf des Zierkappenbogens überprüft werden. Sollte die Kappe ein wenig schief sitzen, so ist die etwas zurückliegende Kappenseite erneut kräftig nach vorn zu ziehen. Niemals darf aber ein Zug nach hinten geführt werden, da dies zur Bildung von Zerrfalten führt. Der nächste Zug, der sechste also, liegt etwa 1¼ cm hinter der Zierkappe und ihm gegenüber der siebente. Der Blick richtet sich von nun ab nach jedem Zug auf den Blatt- oder Besatz­ bogen, daß derselbe genau in der :Mitte des Leistens liegt bzw. durch einseitige Zwickzüge nicht verzerrt wird. Abwechselnd folgt nun in einem Abstand von ungefähr 2½ cm Zug um Zug bis hinter den Groß- und Kleinzehenballen. Nachdem der vor­ dere Schaftteil fest am Leisten anliegt, (43.1), beginnt man mit dem Einzwicken des Fersen- und Gelenkteiles . 43.1 Die O.bergeholt-e Vorfußpartie .N"ach einer anderen Arbeitsfolge kann man zunächst mit dem Einarbeiten der Steifkappe beginnen und den vorderen Schafttcil vollständig fertig zwicken, um zuletzt zum Zwicken des hinteren Schaftteiles überzugehen. Einen besonderen Zwickvorteil hat dieses Verfahren nicht. Richtiger ist es, den Fersenteil so schnell wie möglich zum Einzwicken ·zu bringen, damit die Hinterkappe nicht trocken wird und der Kleber binden kann. h) Das Zwicken des Fersen- und Gelenkteils Futter und Oberleder werden einzeln ausgezwickt. Nachdem der hintere, Heftstift entfernt ist, wird der Schaft, indem man mit der breiten Zwickzange den hervor­ stehenden Rutschriemen faßt, so weit heruntergeholt', daß der genau bemessene Zwickeinschlag über die Leistenkante herausragt. Der Rutschriemen ,vird dann herausgezogen, und es werden Futter und Oberleder im Fersenteil zunächst ein­ zeln ausgezwickt. Durch da-s Herunterholen des Schaftes kann sich daa Futter seitlich und hintenherum in Falten legen, besonders wenn die Hinterkappen an Oberleder und Futter nicht oder nur mangel­ haft angeheftet wurden. Auch das Oberleder, das infolge des Vorholens und Herunterziehens des Schaftes in die Länge gespannt wurde, muß durch Querzüge am KappenteH wieder in der Länge ausgeglichen werden. Bei Schäften mit nicht durchgestepptem Futter bedarf daa Auszwicken des Oberleders und des Futters besonderer Vorsicht, weil sich bei ungleichmäßigem Z,vicken Futter- und Ober­ lederfalten bilden können, wodurch der ganze Schaft verzerrt wird. Zweckmäßig hält man den oberen Schaftteil (Innen- und Außenteil zusammen­ fassend) mit der linken Hand über dem linken Knie fest und zwickt zunächst das Futter mit vorsichtigen, leichten Zügen nach unten aus. Dasselbe geschieht an­ schließend mit dem Oberleder (44.1). 43
Futter und Oberleder müssen nun gleichmäßig ausgespannt sein, doch kann es vorkommen, daß Unterschiede in der Spannung zwischen bei­ den bestehen. Es ist des­ halb notwondig, den hin­ teren Schaftteil noch­ mals besonders zu span­ nen. Hierzu hält man den Fersenteil mit der linkrn Hand fest und streckt mit der reen.ten den Schaft nach oben aus (44.2}. Das Einzwicken des Fersenteils beginnt. Zu­ erst wird der Schaft an den Stellen eingezwickt, wo die beiden Kappen­ flügel auslaufeJ1 bzw. wo «.1 Das .\u�zwi<·ken d{'S l'utters in ul'r Fcrscoparile sie seitlich mit Futter und Oberleder zusammengeheftet. sind (44.3). l!utter, Kappe, Überstemme und Oberlc<ler mfü;,-c>n ab<'r zus:imm.en in die Zwirkzange genommen werden. Ein fesl<'s Hrrunl<'nwit•k<'n des Srhaft<'s darf jPdoth nicht Prfolgen. denn sonst g<'ht die im \'or hoI<· n rrreiC'hte Lä.nf.(s9pannung (aurh „Schluß" g<'nanut) -verloren, und das gute Passen
des Stiefels wird in Frage gestellt. Bei Schäften mit Ringsbesätzen mußbeimEinzwickendesseitlichen Fersenteiles und des Gelenkes auf den geraden Verlauf der seitlichen Besatznaht geachtet werden (45.1, Pfeil). Die Hinterkappe wird einge­ zwickt. Nach dem Festheft,en der beiden Kappen.ß.ügel be­ ginnt man mit dem Ein­ zwicken der Hinterkappe, und zwar zuerst hinten in der Fersenmitte. Der die Hinter­ kappe mit dem Oberleder ver­ bindende Heftstich wird zuvor aufgeschnitten. Mit der breiten Zwickzangefaßt man zunächst den Rutschriemen des Futters und zwickt ihn unter leichtem Zuge bei. Hierauf erfolgt das Beizwicken der Hinterkappe, doch derart, daß der Zwickzug nicht von oben nach unten, sondern waagerecht verläuft. Die Kappe muß nach dem Ein­ zwicken fest an der unteren Leistenkante anliegen, was zweckmäßig durch leichtes Beiklopfen mit dem Hammer während des Beizwickens er­ folgt (45.2). 45.1 Die Besatznnht und Ihr Yerlauf beim Gelenkzwicken Bei nicht fest an den Leist-en bei­ gezwickten Hinterkappen ent­ stehen a-n der Absatzkante durch den später folgenden Absatzbau Wulstbildungen (Hohlraum zwi­ schen Kappe und Leisten), die den Absatzbau erschweren und die Form des Schuhwerks ungünstig beeinflussen. Die Kappe wird in Form ge­ bracht. Während die linke Hand die Leistenferse um• klammert und der Zeigefinger gegen die beigezwickte Hinter­ kappe drückt, löst man die Zange, um nun das Oberleder 45.2 Das Elnzwicl<en Mr Hlnt.:-rl<appe -15
(Kaht oder Hinterriemen) beizuzwicken und mit einem 1/izölligen Stiften zu be­ festigen (45.1). Auf die gleiche Art werden jetzt die beiden Seiten und dann die beiden Ecken der Ferse beigezwickt, stets zuerst das Futter, dann die Kappe und zuletzt das Oberleder erfassend. Mit der Spitzzange verteilt man dann die in den Zwischemäumen liegenden Falten und bearbeitet mit dem Hammer den eingezwick:ten Kappenteil. Besonderer Wert muß auf das Herausarbeiten eines gleichmäßigen und flachen An­ schlages für die Durchaussohle und denAbsatzkeder gelegt wer­ den (49.2), weil ein runder An­ schlag den Absatzbau wesent­ lich erschwert. Solange die Kappe noch feucht ist, soll sie in ihrer ganzen Aus­ dehnung durch leichtes Anklop­ fen an den Leisten in Form ge­ bracht, gewissermaßen anmo­ delliert werden, wodurch sie formschöner, formbeständiger und tragfähiger wird. Die nun an den Kappenenden einsetzenden, zum Groß- und Kleinzehenballen führenden Gelenkzüge müssen abwechselnd � und in Abständen von 2--· 2¼ cm erfolgen. 4G.l Das E!nzwlcken des Oberleders und Futters Im Innengelenk soll der Schaft mehr an­ gelegt a.ls mit besonderer Zugwirkung ein­ gezwickt werden. Ein festes Auszwioken des Innengelenkes hat oft zur Folge, daß der dem Stiefel durch das Vorholen eingearbeitete .,Schluß" wieder verlorengeht. Das Nach:r;wicken beginnt. Die kräftig­ • 46.2 Das Nachzwlcken des Vorfußteiles 46 sten und auch letzten Gelenkzüge liegen unmittelbar hinter dem Groß- und Kleinzehenballen. Mit diesen beiden Zügen beginnt gleichzeitig das Nach­ zwicken des bereits bis zu den Ballen eingezwickten vorderen Schaftteiles. Die Zwickzüge erfolgen wiederum ab­ wechselnd, wobei Futter, trherstemme und Oberleder zunächst zusammengefaßt werden.
Alsdann werden Futter und Oberleder jeweils allein nachgezwickt, wobei der Daumen der linken Hand fest gegen das Oberleder drückt, um ein Zurückgehen des Schaftes zu verhüten (46.2). Zum Schlusse faßt man Futter, Überstemme und Oberleder nochmals zu einem gemeinsamen festeren Zwickzuge zusammen. Die Züge sollen in der Richtung zur Spitze geführt werden und enden an der Zierkappennaht bzw. am Anfang der Steifkappe. lll. Das Einarbeiten der Steifkappen a) Die Steifkappe wird zwischen Besatz und Zierkappe einge:hrncht Die Zie1·k appe wird zuerst bis zur Naht zm·ückgeschlageu. Dazu zieht man zuerst den Zwickst.iften der Spitze heraus, um ihn nach Freigabe der Zierkapp� sofort wieder in Besatzteil und Futter einzuschlagen, da.mit sich der Besatz oder das Blatt nicht zurückziehen kann. Es folgen auf die gleiche Weise die Zierkappensciten und dann die Spiitzenecke, so daß zum Schluß die Zierkappe frei wird und der darunterliegende Besatz- oder Blatteil mit Futter faltenlos eingezwickt werden kann. Ein jetzt vorhandener Zwicküberschuß muß kurz hinter den Zwickstiften abgeschnitten werden. Die Steifkappe wird festgeheftet und eingezwickt. Die eingezwickte Spitze wird nunmehr bis zur Kappennaht mit Wiener Kleber bestrichen und die S.tejfkappe unter Mitverwendung eines Spitzknochens so fest gegen die Kappennaht gcdrüekt., daß der Kappenbogen ohne den geringsten Zwischenraum mit der Zierkappen­ naht abschließt. Für eine gleichmäßige Verteilung des Zwickeinschlages auf bei­ den Seiten ist vorher Sorge zu tragen. Dann heftet man die Steifkappe oben mit zwei halbzölligen Stift,en fest (47.1, Pfeil a) und zwickt die beiden Ecken des Kappenbogens ein (Pfeil b). Auch hier ist darauf zu achten, daß sich Kappenbogen und Zierka,ppennaht genau decken. Beim Einzwicken der beiden Steifkappenfl.ügel kann ein leichter Zug rüclrni.irts gegen die Kappennaht erfolgen, damit auch beim · restlichen Zwicken des Steifstandes kein Zwischen­ raum entstehen kann (Pfeil b in 47.1). Hierauf folgen ein nicht zu kräfüger Spitzenzug (47.2, Pfeil a und 48.1, Pfeil a) und die beiden Sei­ tenzüge (47.2. Pfrile b und c). 41.l Das Einbringen der Steifkappe 47.2 Die Ha11ptzwick­ z1igc Lei der ;;1eifkappe
Schwieriger ist es jct zt, dit' beitlc-n Erken dc-r Spitze sauber cinzuzwik­ ken (48.1, Pfcilr b und c). Zur möglich. t glrich­ mäßigrn Vert(•ilung der Falten muß die brl'ite Zwirk z angli g<>n,rn in Ül•r ::\litte der SpitzP1wk­ ken angl·:setzt W('r<h•n {48.�). Dil• sich nun bil­ denden kleineren Falten wc-rden mit der Spitz z a n g e, die jewöils genau die :Mitte der Falte cr­ faßt,, verteilt. Auf dic-se Weise gelingt es, alle Falten wulstfrei einzn­ z,yirken. 4S.l Die Zwirk,.ügc no den l<pilzene�kro 41!.2 l>ie Fnllenvertfllung mit der breiten Zwkk1,1nge Der Steifkappe wird sorgfältig gute Form gegeben. Das geschieht durch A.nhäm­ mern und Formklopfen mit einem kleinen Hammer, dessen Platte ganz flach ge­ staltet ist, damit sich beim Hämmern keine Unebenheiten (Mulden) im Leder bilden kö1men. )fit einer feinen flachen Raspel wird die letzte Form gegeben, wobei auf das Herausarbeiten ein('r scharfen Kante besonderer Wert zu legen ist (48.3 u. 4, 49. 1). Bei wulstigem und ungleichem Steifstandcinsehlag ist es unmöglich, eine glatte Einstcchna.ht herzu­ stellen und einen gleichmäßigen Rah­ menverlauf zu erar­ beiten .Weiterhin füh­ ren derartige Zwick­ einschla�ste zu . Wasserunclichtigkeit des Schuhwerks und Lockerung des Rah­ mens. 48,4 Die gle!chmäßig und scharf ausgear• beitete K:1nto 4R 48,3 Die fertig gezwickte Sleifkappo Etwas schwach aus­ gefallenen Steifstä.n­ den kann man nach der Formgebung durch Verbrennen und Einbrennen von
gutem Ausputzwachs mit Hilfe der Ausputzplattc er­ höhte, federnde Widerstandskraft geben oder sie mit einem Agoaufstrich versehen. Die Zierkappe wird wieder eingezwickt. Nun erfolgt das Einzwicken der Zierkappe, wozu die Zwickstifte wieder entfernt werden müssen. Es verbleiben nur die beiden Stifte an den Flügeln der Steifstände und je einer kurz vor der Spitzenrundung. Die Steifkappe wird gut mit Wiener Kleber bestri­ chen und die Zierkappe ohne starken Zug vorge­ zwickt. Es folgen die beiden Seiten unmittelbar hinter den noch festgehefteten Kappenflügeln, zwei weitere Seitenzüge etwas weiter vom und dann die beiden Spitzenecken. Anschließend werden die kleineren F11l­ ten mit der Spitzzange gleichmäßig verteilt. Gutes Formgeben ist wichtig. Die letzte und auch gründlichste Formgebung geschieht nunmehr mit dPm leichten, fla.clien Hammer. Diese Arbeit muß nicht nur äußerst gefühlvoll, sondern auch mit genügend Zeitaufwand durchgeführt werden. Nähte, Übergangs­ stellen von Hinterka.ppe ins Gelenk und vom Steif. stand in den nicht versteiften vorderen Schaftteil, Kanten und Einzwickteil, alles muß durch leichtes Anklopfen an den Leisten gefestigt und in eine gefäl­ lige Form gebracht werden. Der Abschluß der Zwick­ arbeit besteht im Abschneiden des hinter den Zwick­ stiften stehenden Zwickeinschlagcs (49.1 und 2). 49.1 I>n bis ,ur Spitze fertig ge­ zwickte Schaft nach Entfer­ nung des überl!üssigeo Zwickcinschlagcs b) Die Steifk.appe wird auf das Futter gezwickt Das Oberleder wird zurückgeschlagen. Hierbei sind die 'Arbeiten des Vorholens die gleichen wie schon vorher besprochen . Damit die Steifkappenhöhe genau der Zier­ kappenhöhe entspricht, klopft man mit dem Hammer auf die Ziernaht. Sie drückt sich dadurch auf das darunterliegende Futter ab. Nun folgt das Zurückschlagen 49.2 Der fertig gezwickte und auf Kanten angearbeitete Schaft 49
der Zierka.ppe mit dem daruntel"liegenden Besatz- oder Blatteil. Hierzu zieht man die Zwickstifte, an <ler Spitze beginnend, einzeln heraus, um das Oberleder freizugeben. Die Stifte werden aber sofort wieder im Futter befestigt, damit es sich nicht wieder zurück­ ziehen kann. Das Oberleder darf aber nur bis 1.11rz hinter die Zierkappennaht zurückgeschlagen werden. Alle Zwickstifte, die die innere und äußere Scbaftseite festhalten, müssen im Oberleder verbleiben (50.1). :.o.i Die Zw!ckarbei� beim Eln• kleben der Steifkappe auf das Futter Falsch ist es, das Oberleder bis zum Groß. und Klein­ zebenballcn freizugeben und nur das Futter aufgezwickt zu lassen. Hierdurch entstehen Unterschiede zwischen der Spannung des Fut;t-crs zum Oberleder, denn es ist kaum möglich, beim zweiten Vorholen des Oberleders obpe Futter dieselbe Zugkraft und Zugwirlnmg zu erzielen wie beim ersten gemeinsamen Vorholen und Kachzwicken mit dem Futter. Zerr- und Futterfalten sind oft die Folgen dieser Zwickart. Das Aufzwicken der Steifkappe auf clas Futter erfolgt nun in der gleichen Weise wie bei dem Einarbeiten der Steifkappe zwischen Zierkappe und Besatz. oder Blatteil. Auch das nach­ folgende Zwicken der Zierkappe mit dem Blatt- oder Besatztcil ist wieder das gleiche wie vorher. Beim Zwicken des zweiten Stiefels oder Schuhes wiederholen sich alle Arbeitsvorgänge. Dabei sind die dem ersten Stiefel oder Schub gegebene Ka.ppenhöhe sowie die vordere und hintere Besa.tzhöhe einzuhalten. Sie dürfen keine Unterschiede aufweisen . 50
D. Die Bodenbefestigung I. Der Einstechdraht Vom einwandfreien Einstechen ist die Tragfähigkeit und Wasserdichtigkeit des Schuhwerks in großem Maße abhängig. Dem Einstechdraht fällt die Aufgabe zu, den Schaft mit Hinterkappen, Steifstand und Rahmen so fest an die Brandsohle zu binden, daß eine Lockerung auch nach längster Tragdauer des Schuhwerks kaum möglich wird. Feuchtigkeit (Wasser, Schweiß), auch eindringender Schmutz bei nicht festgefügter Einstechnaht zer­ mürben vorzeitig den nicht fachgemäß oder aus minderwertigen Vi'erkstoffen her­ gestellten Draht der Einstechnaht. Nur ein aus bestem, frischem Hanfgarn (Einstechgarn) unter Verwendung ein­ wandfreien Peches hergestellter Einstechdraht bietet die Gewähr größter Haltbar­ keit. Die Stärke des Einstechdrahtes richtet sich nach der Stärke des Schaft­ und Bodenstoffes und nach dem Zweck des herzustellenden Schuhwerks. Kräftige und große Böden (z. B. Sport- und Arbeitsschuh·werk) sollte man stets mit zwei Drähten, die vor der Spitze gewechselt werden, einstechen. Der Draht verliert beim Durchziehen durch die Einstechlöcher immer mehr an Festigkeit, die Reibung der Drähte führt hierbei zu ihrer Erhitzung, besonders dann, wenn der Einstechort zu dünn gewählt ist. Der Draht verbrennt dadurch, d. h. er wird mürbe. Der Einstechdraht wird angefertigt. Zunächst muß der Draht „abgewor­ fen" werden, worunter man das Nebeneinanderfügen der geWtiru;chten Anzahl Fäden vom Hanfgarnknäuel (auch Hanfgarnklingel genannt) zu einem Draht versteht. Man kann sich hierbei des Ar.mes in Beugestel­ lung bedienen oder, was zweckmäßiger ist, die Fäden durch Ausspreizen der Arme bemessen. Die durchschnittliche Länge eines Drahtes liegt um 3···3,50 m. Dieses Maß wird mit einem zweimaligen Ausspreizen der Arme erreicht. Das Ende des ersten Fadens soll nicht abgerissen, sondern auf dem Knie aufgedreht und zugleich zur Verfeinerung der Fadcnspitze ausge­ zupft werden. Auf diese Art gewinnt man sofort die Spitze für den zwei­ ten Faden, die auch nochmals besonders ausgezupft und um etwa 4 cm , über die Spitze des ersten Fadens hinausgelegt wird (51.1). So geht es nun auf jeder Seite weiter, bis durch das Zusammenfügen einer entspre­ chenden Anzahl Fäden die gewünschte Drahtstärke erreicht ist. Die eine Seite der Drahtspitze wird nun mit den Fingerspitzen leicht an­ gefeuchtet, mit der Hand ausgestrichen und dann gepicht. Auf dem Knie wird sie alsdann gedreht und nochmals mit der Hand gut ausgestrichen. 51.1 51
- - -- • - 1 r, picht und dann die zweite Spitze üher das Knie gedreht. Erst, jetzt wird der Dra.ht in der bekannten Weise durch einen in der Wand befestigten Ring gezogen und am besten mit einem fet.tgaren Stück Oberleder ausgestrichen, um il1m Gleich­ mäßigkeit und Glätte zu geben. EiustPr-h- und J)oppeldrii.hte dürfen ni<'11t übermäßig gedreht werden, weil sie sich sonst nicht fla,ch gE>m1g a,n den Rahmen anlegen können und somit zu sehr auftragen. Auch rollt sich ein zu stark gedrehter Draht und behindert hierdurch das Nähen sehr. Ein flottes Einstechen ist nur dann möglich, wenn die Drahtspitze (auch Kleispe genannt) einen gleichmäßigen, nicht zu dünnen, aber auch nicht zu dicken Aus­ lauf hat. �\ rückläufiges, wende/­ förmiges !1ufdrehender i Draht.spitze aufdie&r.sfe Borstenspitze (Wurzel) Zu dünn und lang auslaufende Spitzen reißen sehr leicht ab, besonders wenn der Draht beim Nähen irgendwo hängenbleibt. Bei zu dick und zu kurz auslaufenden Spitzen reißen die Bor­ sten ab, oder man muß, um dies zu vermeiden, den Einstechort (Ahle) viel zu weit durch die Einstt>chbabn führen, was wieder der Wasserdichtigkeit und Haltbarkeit Abbruch tut. Das richtige Einsetzen der Borsten ist besonders wichtig. Die verbreitetste Art, nach der die Borste zum Einsetzen zur Hälfte gespalten wird, schwächt sie schon im Anfang. Auch finden die mit der einen Borstenhälfte gedrehte Drahtspitze und die darüber gedrehte andere Borstenhälfte kein genügend festes Widerlager beim Durch2.iehen durch die Einstech- oder Nählöcher. Seht häufig führt dies bereits nach wenigen Stichen zum Strippen der Drahtspitze, oder die Borste reißt bei Anwendung von Zwang ab, oder sie löst sich vom Draht. 52
die Zwickstiftenreihe der dem Nähanfang gegen­ überliegenden Seite bis zur Spitze um (56.1 u. 2). Zum Einstechen spannt man den Schuh mit dem Spannriemen über das linke Knie, die Spitze des Schuhes gegen den Körper gepreßt, und beginnt mit dem ersten Stich hinter der Absatzlinie. Zweckmäßig führt man zuerst einen Leerstich aus, d. h. im Absatzteil und ohne Rahmen (54.1, Pfeil a). Mit dem zweiten Stich erfaßt man nun den Rah­ men, darauf bedacht, daß er genau auf die bezeich­ nete Absatzlinie zu liegen kommt. Auf diese Weise ist der Rahmenanfang gut verankert, wodurch die Tragfähigkeit des Gelenkes erhöht wird. Beim Durchstechen des Plattol'tes durch Kappe, Oberleder und Rahmen muß die Spitze des Ortes die Rangierungskante des Rahmens treffen. Bei der abgesetzten Rangierungsform wird die Ort­ spitze in der Rille des Rahmens angesetzt (54.2). su Der ,\nfang des Einstecbens Während des Durchstechens muß der Daumen der linken Hand fest gegen Rahmen und Oberleder drücken. Andernfanls kann ein Zwischenraum zwischen Schaft und Brandsohle entstehen, wodurch ein un­ behindertes Nachführen der Borste beim Herausziehen des Nähortes schlecht möglich ist. Auch wird in solchen Fällen die Verbindung von Schaft und Rah­ men mit der Brandsohle nie fest genug werden. Im Gelenk wird der Rahmen für HohL5chnittgelenke wie auch für Böden mit anliegendem Schnitt rundherum flach gegen das Oberleder gedrückt (54.3). Bei Gelenkplattschnittund für Böden mit vorstehendem Schnitt muß der Rahmen in waagrechter Halt�ng gegen den Schaft gepreßt werden (55.1). Hierdurch legt sich der Rahmen im ersteren Falle flach an, im zweiten Fall steht er dagegen vom Schaft ab. 54.2 Der Durchstich durch den Rahmen Beim Einstechen folgt die in der linken Hand geführte Bol'ste (vor­ her leicht gebogen) sofort dem her• ausziehenden Ort (55.2), damit sich ..... 54.3 Das BeidrQcken des Rahmens Im Gelenk 54 das Einstechloch nicht zuziehen kann, was bei manchenVverkstoffen möglich ist. Gleich nach dem Aus­ tritt der Borstenspitze a.us der Brandsohle muß die ebenfalls leicht gebogene Borste des anderen Draht­ endes durch die itangierungsbahn geführt werden, wobei der Rahmen,
ohne seineLage zu verändern, leicht gegen den Schaft gedrückt wird, bis die Borste aus dem Rahmen heraustritt. Xach dem beiderseitigen Durchzie­ hen der Drahtspitzen muß derDraht ,.überlegt" werden (53.2). Hier­ durch erreicht man eine noch festere Verbindung, da sich eine gut schlie­ ßende Schlinge bildet. Das „Über­ legen" wird so ausgeführt, daß die auf der linken Seite liegende Drahtschlinge über die nur kurz herausgezogene ·Borste gelegt und dann der Stich zugezogen wird (53.2). Nach dem Zuziehen des Stiches legt man die linke Drahtseite um die linke Hand über das Handleder und wickelt die rechte Drahtseite kurz hinter dem Stich ein- bis zweimal um den Griff des Nähor­ tes. In dieser Haltung wird der Stich nochmals fest zugezogen. Hierbei kann der Zug mit dem Griff des Nähortes etwas fester sein als der der linken Hand (55.3). Das Herausziehen der Zwickstifte zum Zwecke des Einstechens soll nie zu früh geschehen, weil sich der be­ t,reffende Schaftteil sonst wieder zurückziehen kann. Im weiteren Verlauf des Einstechens ist darauf zu achten, daß der Rah­ men im Innengelenk und um die Spitze hernm nicht angezogen, sondern lose haltend beigedrückt wird. Beim rechten Schuh soll der Rahmen vom Großzehenbailen bis zur Spitze und von seiner anderen Seit.e bis zum Kleinzehenballen an­ gespannt werden. Im äußeren Ge­ lenk wird der Rahmen nur dam1 angezogen, wenn es voll gehalten, d. h. nicht eingekurvt ist oder wenn der Schnitt bis zum Absatz vor­ stehend als Plattschnitt gearbei­ tet werden soll. f ' 55,l Das Beidrücken des Rahmens bei vorstehendem Schnitt !;S,2 Die Führung der Borste �eim l:!instcchen 55.3 )Iandleder und JS'ähort beim Stichanziehen 55
Beim linken Schuh beginnt das .Anspannen des Rahmens am Kleinzehenballen (bei vollem Ge­ lenk und bei Gelenh-plattschnitt bereits nach den ersten Einstichen) und hört wieder kurz vor der Spitze auf, um auf der anderen Seite kurz hinter der Spitze erneut zu beginnen. Hinter dem Großzehenballen, im Innengelenk, wird der Rahmen, wiederum ohne angespannt zu werden, beigedrückt. Rahmen, die im Gelenk und um die Spitze herum (oder bei Innen- und Außenkurven) angespannt wer­ den, bekommen Spannungen, die zum Abstehen des Gelenkschnittes und zur schlechten Anarbeitung des Rahmens an die Sohlen führen.Beim Nähen ist darauf zu achten, daß Hammer, Zange oder sonstige Werk­ zeuge (auch Lederschnitzel) nicht auf dem Boden her­ umliegen, weil sie sich in die Schlingen des Drahtes ver­ fangen können und Anlaß zum Abreißen der Borsten und Drahtspitzen geben. Dadurch wird der Draht oft unbrauchbar. "" 56.1 Das Beilegen \nes Drahtendes bei eng angeordnet.eo Stichen Bei spitzem Schuhwerk liegen die Einstechlöcher um die Spitze herum sehr eng beieinander, wodurch es zum Durchreißen der Rangienmgsbahn kommen kann. In solchen Fällen (auch bei schwachen Brandsohlen) legt man den Stichen ein Drahtende bei, damit die Schlingen ein festeres Widerlager bekommen (56.1). L 56 Ist der Rahm�n um die Spitze herum (bis etwa zur Zierkappen. naht) eingestochen, so muß fest­ gestellt werden, ob die Gelenk­ rangierung des Rahmens die Gelenkmarkierung der Brand­ sohle genau trifft. Wo dies nicht der Fall ist, kann man jetzt noch auf leichte Art den Rahmen zur genauenAbgrenzungdes Gelenk­ überganges· nachrangieren. Der Gelenkanfang wird auf der Narbenseite des Rahmens durch Einritzen mit der Messerspitze oder dem Nähort festgelegt und auf einer untergelegten Glas­ platte entsprechend nachran­ giert (56.2). 56.2 Das Nachrn.ngieren des Rahmens für den Gelenkteil
Häufig kommt es vor, daß der für den Plattschnitt rangierte Ra.hmenteil zu lang bemes­ sen wurde, was sich aber erst herausstellt, wenn der Schuh um die Spitze herum einge­ stochen ist. Schärft man diesen zu dicken, in das Gelenk hineinreichenden Rahmenteil nicht ordnungsgemäß aus, dann ist die Erarbeitung eines gleichmäßigen Hohlschnittes nie möglich. Wird das Abschärfen aber erst nach dem Einstechen vorgenommen, dann liegt der Hohlschnitt nicht fest an und wird trotzdem zu dick und zu rund. Ein solcher Fehler kann auch durch keine sonstigen }faßnahmen, gleich welcher Art, beseitigt werden. Das Rahmenende muß ebenfalls genau mit der festgelegten Absatzlinie abschließen, die letzten Stiche müssen ebenso geführt werden wie die ersten. Der letzte Stich i<,t wieder ein Leerstich. Die Drahtenden werden, sofern sie nöch lang und kräftig genug sind, nicht abgeschn itten, sondern man verbraucht sie anschließend zum Einbinden. Will man nun feststellen, ob die Einstechnaht fest ist, so drückt- man den Rahmen nach oben und unten. Bewegen sich die Stiche hierbei nicht, dann ist die Einstechnaht fest, andernfalls hält sie nicht, und Staub und Wasser können in das Schuhwerk eindringen. III. Das Einbinden des Fersenteiles Hierunter versteht man das Annähen des unter dem Absatz liegenden Schaft- und Kappenteiles. Zum Einbinden kann entweder der „Überkantstich" (auch Über­ wmdlingsstich genannt) oder der Kettenstich angewendet werden. Beim Oberkantstich wird nur mit einem Drahtende gearbeitet. Der Plattort wird hierbei hinter dem Rahmenende, nach dem Leerstich, von der Schaftseite aus in die Brandsohle eingestochen und kommt gleich hinter der eingezwickten Kappen­ kante heraus. Nun wird die Spitze des frisch gepichten Drahtendes durch das vor­ gestochene Loch geführt, der Draht nachgezogen und fest angezogen (57.1). Mit dem Hammer werden dieKappeund der Stich sogleich leicht festgeklopft. Es folgt der zweite Stich in einem Abstandevon etwa 1 cm, immer v0n der Schaftseite aus, von wo auch stets das gleiche Drahtende durchgeführt, angezogen und der Stich festgeklopft wird. So geht es rings um den Fersenteil herum bis zum Rahmenanfang, wo das Drahtende auf irgendeine Art verwahrt wird. Beim Kettenstich wird mit zwei Drähten gear­ beitet, wovon abwechselnd die eine, dann die andereDrahtspitzeaußenzu liegen kommt. Man beginnt mit dem auf dei· Außenseite liegenden Drahtende und sticht, wie bei der gewöhn­ lichen Einbindenaht mit einem Draht, mit dem Einstechort von der Oberlederseite aus vor und zieht das Drahtende a (58.1) nach. Das Drahtende b wird vor dem festen Zuziehen des Drahtendes a unter dessen Schlinge durch­ geführt. Jetzt wird in einer Entfernung von 1 cm ein zweites Vorstechloch von der Ober­ lederseite aus gemacht, diesmal aber das GT,1 Da,s Einbinden der l•'erse mit Über• kaotstich 57
,. Vor&techloc Oro/Jle!!__de � �· Voröfechl fürDrahte äS.1 Das Einbinden der Ferse mit Kettenstich. Die Stiebe sind zum besseren Verstiindnis der Schlln­ genbildung nicht zugezogen Das Abdrücken des Rahmens vom Ober­ leder erfordert größte Vorsicht. Die Spitze des Spitzknochens muß ziemlich flach, nicht scharfkantig und vor allen Dingen vollkom­ men glatt und unbeschädigt sein, andern­ falls das Oberleder sehr leicht beschädigt werden kann. Der über die Einstechnaht hinausra­ gende Zwickeinschlag von Jiutter, Überstemme, Steifkappe und Oberle­ der wird mit einem scharfen i\1esser bis zur Höhe der Einstechstiche säu­ berlich abgeschnitten. Diese Arbeit muß besonders vorsichtig ausgeführt werden, kommt es doch zu oft vor, daß die Stiche hierbei zum Teil dem i\'Iesser zum Opfer fallen und die Ein­ stechnaht an diesen Stellen trennt. IV. Das Beschneiden des Rahmens Drahtende b durchgezogen und das Drahtende a unter der Schlinge durch­ geführt. So geht es rundherum weiter (in der Fersenrundung müssen die Stiche näher zueinander angeordnet werden als seitlich) bis zum Rahmen­ anfang, wo die beiden Drahtenden ver­ wahrt \Verden. Die Kettennaht kann auch so angeordnet werden, daß die Verschlingung der Stiche nach innen auf die Brandsohle zu liegen kommt.(Vgl. die beiaen Arten in den Bildern 58.1 und 3.) Nachdem die Kappe eingebunden ist, klopft man �en Rahmen rundherum mit dem Hammer leicht und vorsichtig an (harte Schläge können zur Verlet­ zung und Schwächung der Stiche füh­ ren) und drückt ihn mit nicht zu großem Druck mit dem Spitzknochen vom Ober­ leder ab. aS.2 Der Gelenkeinbau Zum einwandfreien Beschneiden des 58.3 Die mlt KeUenstich eingebundene Ferse Rahmens ist ein haarscharfes Messer nötig. Ferner muß <ler Rahmen Stand haben, d. h. er muß in sich fest sein, damit er dem Druck des l\fessers nicht nachgibt, wie dies bei losen und dünnen Rahmen 58
der Fall ist. Daswird erreicht durch leichtes Klopfen mit dem Rahmenklopfer (59.1). Den Rahmenklopfer fertigt man sich zweckmäßig aus einer alten, � breiten Flachraspel selbst an. Sie wird ausgeglüht, die Raspelhiebe werden ausgefeilt, das eine Ende 1 in einer Breite von 2 cm, glühend, 1 im Schraubstock rechtwinklig umgeschmiedet.Hierauf wird der umgebogene Teil hergefeilt, d. h. es wird nach der vorderen Kante zu flach zugefeilt und die Run­ dung des umgebogenen Ra.spei­ endes fast gerade gefeilt, damit es sich gut an den Rahmen und den Schaft anlegen kann. Die Kante 59.1 Das Rahmenklopfen muß dann geglättet werden, damit sie das Oberleder nicht beschädigt. Behelfsmäßig kann man den Rahmen, anstatt ihn zu klopfen, auch mit einer geraden Z,,;ckzange zusammenpressen. ' L Nun kann der Rahmen beschnitten werden. Bei Verwendung eines gleichmäßig breit rangierten Rahmens und bei gleichmäßigem Verlauf der Einstecbnaht bleibt zum Beschneiden nicht viel übrig, und man kann eher von einem Ausgleichen (Egalisieren) des Rahmens sprechen. Der Rahmen des anliegenden Schnittes soll vornherumgenau mit der Leistenkante 59.3 Das U.ahmcnbcschneidcn mit dem Boschneidhorn 59
abschließen. Der vorstehende Rahmen soll von oben gesehen auf der äußereu Seite und vorn herum gleichmäßig breit vorstehen, hingegen auf der inneren Seite fast oder ganz unsichtbar sein. Denn der Boden soll nach außen herausgearbeitet und nach innen untergearbeitet- werden, wa.s bereits in der Leistenform zum Aus­ druck kommen muß (59.2, 78.l u. 2). Das Beschneiden des Rahmens im Gelenk ist für den Anfänger eine nicht ganz un­ gefährliche Arbeit, da das Messer nur allzuleicht das Oberleder treffen kann. l\Ian verwendet deshalb ein schmales Stück Zinkblech oder ein Beschneidhorn, das dem Rahmen beim Beschneiden untergelegt wird (59.3). Danach werden die Kanten des beschnittenen Rahmens im Gelenk etwas abgelassen (worunter ein schmales Abschärfen zu verstehen ist,), vorausgesetzt, daß die Gelenke anliegend., d. h. auf Hohlschnitt gearbeitet werden sollen. Bei Plattschnittgelenken dürfen die Rah­ menkanten nicht abgelassen werden, da sich Rahmen und Sohle nicht fest miteinander verbinden würden. V. Das Einarbeiten des Gelenkleders Unter „Gelenk" versteht man eine bewegliche Verbindung zweier Körper, deren es im Fuß zur Erfüllung seiner Aufgaben, Tragen und :Fortbewegen des Körpers, mehrere gibt (s. S. 94, Abschn. ,,Die Gelenke"). Beim Bau des Schuhes für den gesunden Fuß als auch für den biinderschwa.chen, korrigierbaren Knickfuß ist deshalb darauf zu achten, daß das Muskelspiel und die Gelenkbewegungen des ]'ußes durch den Schuh keine Einschränkung er­ fahren. Das Schubgelenk soll also biegsam und auch nach den Seiten beweglich gestaltet werden. Je schmaler und :flacher (dünner) ein Gelenk ist, desto weniger leistet es den Gelenkbewegungen des l!'ußes Widerstand, desto mehr trägt es zur Stärkung und Gesundung des Fußes bei. Auch verhindert ein ßlastisches Schuh­ gelenk das so lästige Übertreten des Schuhes nach außen, weil es den dreiseitigen Bewegungen des Fußes im Gehen keinen Widerstand entgegensetzt. Dadurch kommt es auch nicht zu dem unaufhörlichen „Kamp( des Fußes mit dem Schuh", welcher Zehendeformierungen, Haut- und Nagelschäden verursacht. Weniger bekannt ist auch, daß ein elastisches Schuhgelenk häßliche Faltenbildung im Vorfußteil weitestgehend verhindert, d. h. zur guten Paßform des Schuhes we­ sentlich beiträgt. Wo es sich um Schuhwerk für bänderschwache, aber noch voll korrigierbare Knickfüße handelt, ist das elastische Schuhgelenk ebenso erforderlich wie bei Schuhwerk für gesunde Füße, nur ist dabei die Abstützung- des Fersenbeins auf der Innenseite des Fußes, unterhalb der Durchbruchstelle des Sprungbeines, vermittels eines Fersenkorrektors aus Elastrakork oder Porokrepp unerläßlich; siehe hierzu auch Bild 61.1, Pfeile a und b, und Bild 61.2. Hat sich das Fußgewölbe aber schon soweit gesenkt, daß der Belastungsdruck des Körpers in den Bereich des Schuhgelenkes fällt, so muß dieses als Stütze des durchgetretenen Fußgewölbes versteift werden, und zwar je nach Stärke des Belastungsdruckes in unterschiedlichem Maße. Hilfsmittel zur besonderen Verstärkung oder Versteifung des Schuhgelenkes sind Gelenk­ federn verschiedener Größe, Breite und Stärke, Versteifungsstoffe, zusätzliche Nagelung des 60
Gelenkes, der verfängerte Absatz, der ::lti>gabsatz oder noch wirksamer der Keilabsatz bis zum Groß- und ]Geinzehenballen auslaufend. Es handelt sich hierbei um Konstruktionen, die zum Arbeitsbereich des Orthopädie5chuhmachers gehören. Das Gelenkstück, je nach / l Zweckbestimmungein-oder 1 1 zweischichtig, reicht seitlich J .,,1 __ ... bis zurEinstechnaht,hinten bis zur Einbindung und vorne etwa 2¼···3 cm über dieBallenliniehinaus (61.3). ·wurden die Rahmen aufder Gl.2 Abstützung des Fersenbeins zur Korrektur �arbenseite der Brandsohle de• Knic.kfußes b eingest-ochen, dann muß der Gl.l Gelenkform :Xarben derselben vor dem !1) schmales Schuhgelenk ohne Versteifungsmittel EinbringendesGelenkleders b) allgemein übliche Gelenkform gut aufgerauht werden, da­ mitGelenkstück und Brand­ Gl,3 Der Einbau des Gelenkleders, sohle eine gute Bindung bei ein- oder zwelsch!cht!g der Verklebung eingehen , können. Zum Verkleben verwendet man heute vor­ zugsweise einen Einkompo­ nenten-Schnellkleber, was voraussetzt, daß nur voll­ kommen trockenes Gelenk­ leder zur Verarbeitung kommt. Wo ein doppeltes Gelenkstück notwendig ist, oftmals wenn der Hohlraum zwischenBrandsohle und Rahmenhöhe miteinem Einzelgelenkstück nicht genügend ausgefüllt wird, muß der Narben des ersten Gelenkstückes ebenfalls gut aufge­ rauht werden, auch deshalb, u m das „Knarren" oder „Krachen" des Gelenkes zu verhüten. Nach kräftigem Anklopfen oder Pressen des eingeklebten Gelenk­ leders erfolgt das Abschärfen. Es wird so geschärft, daß das Gelenk eine nach den Seiten hin leicht abfallende Form erhält. Nach vorn zu soll es flach auslaufen. Es darf zwischen Groß- und Kleinzehenballen, an der Auftrittsfläche also, keine Rundung aufweisen, weil der Schuh an dieser Stelle flach wie ein Brett aufstehen muß, wenn er sich gut tragen und dem Träger das Gefühl <:1es sicheren Stehens und Gebens vermitteln soll. Ein rundes, nach den Seiten kurz abfallendes Gelenk wirkt plump und beeinträchtigt das gute Aussehen des Schuhes. Das Gelenkteil unter der Ferse wird ebenfalls flach ausgeschärft, damit für den Absatzbau eine sichere Aufbaufläche geschaffen wird. Nun folgt das Bera.speln und besondere Aufrauhen des fertig geformten Gelenkstückes, damit es sich mit der nachfolgenden Durchaussohle gut verkleben läßt (62.1). Wenn eine Gelenkfeder eingearbeitet werden soll, so verankert man diese zweck­ mäßig zwischen zwei Gelenkstücken, wobei besonders auf die gute Verklebung 61
zu achten ist (trockenes, gut aufgerauhtes Gelenkleder und vorschriftsgemäße Trockendauer des Klebstoffes vor dem Einmontieren, Anklopfen oder Pressen). Damit die Gelenkfeder ihre Lage beim Tragen des 8chuhes beibehält, befestigt man die Gelenkstücke zu beiden Seiten <ler Feder mit einer Reihe Holznägel. VI. Das Aushallen Der durch das Einstechen entstandene Leerraum zwischen Brandsohle und Rahmenhöhe ist auszufüllen, auszuballen. Der hierfür zur Verarbeitung kommende Werkstoff soll nicht nur eine gute Tragfestigkeit haben, sondern auch elastisch sein, damit sich die Härte der Lederbrandsohle nicht zu ermüdend auf den Fuß auswirkt. Hierzu sind am besten geeignet Teerfilz, alter Hutfilz und Korkstoff. Das Einarbeiten hat so zu geschehen, da.ß die Ausballung die Rahmenhöhe nicht übertrifft, auch in der Mitte nicht höher wird als an den Seiten. Seitlich und an der Spitze schließt die Ausballung mit der Einstechnaht a.b, hinten 62.l Das ausgearbeitete Gelenk reicht sie, dünn auslaufend, bis an den Gelenkanfang nnd die A.usballung (62.1). Vor dem Einkleben muß die Brandsohle, wenn auf dem Narben eingestochen wurde, ebenfalls aufge­ rauht werden. Teerfi.lz wird entweder mit Wiener Kleber oder mit Pech eingeklebt, Hutfilz und Korkstoff am besten mit hochwertiger Gummilösung oder Ein­ kornponenten-Schnellkleber. VII. Das Aufrichten und Beschneiden der Durchaussohlen Die Durehaussohle wird aufgerichtet. Die halbfeuchte Durchaussohle wird bis nahe an die Kante mit Wiener Kleber bestrichen und mit drei dünnen 3/�zölligen Stiften an der Spitze, im Gelenk und in der :B'ersenmit,te aufgerichtet. Ein gleichmäßiges Anklopfen der Kanten und der gesamten Sohlenfläche ist notwendig, damit eine gute Bindung mit dem Gelenkstück, der Ausballmasse und dem Rahmen zustande kommt. Das Gelenk wird unter Zuhilfenahme des fest anzuspttrmenden Spannriemens Stück um Stück mit leicht geführten Hammerschlägen gegen den Spar_mriemen angearbeitet. Den Fersenteil der Durchaussohle nagelt man, um sie besser be­ schneiden zu können, mit. einigen Holznägeln gut 1 cm von der Kante entfernt an. Hierauf folgt das Ausglätten der Sohle mit der Glättschiene und das Arnh·üc,ken des Rahmens an die Durchaussohle mit. dem Spitzknochen. Die Durchaussohle wfrd beschnitten. Bei ordnungsgemäß durchiteführtel· Rangie­ rung der Durclrnussohl.e bedarf es eigentlich nur noch ihres l€'ichten Besc-lmcidens. Wenn aufPlattschnitt gearbeitet, wir d, ist bis dicht an den R"'hmen zu beschneidE>n. Der Schnitt soll senkiecht zur Bodenfläche verlaufen, kann ahei: a,uf der Außen­ seite eine leichte Nachaußenstellung bekommen, etwa in demselben �faße wie der Absatz. 62
Im Gelenk darf die Sohle bei Hohlschnitt keinesfalls bis an den Rahmen heran­ geschnitten werden, sie muß vielmehr eine Kleinigkeit darüber hinausragen (63.1). Durch das Unterarbeiten des Rahmens im Gelenk legt es sich nicht nur fester an, son­ dern es gestaltet sich auch im Hohlschnitt flacher, weil der Rahmen nicht mit hineinfällt. 63.1 Der im Gelenk unterarbeitete Rahmen Das Messer muß im Gelenk besonders vorsichtig geführt werden. Die messerhaltende Hand liegt während des Beschneidens fest auf dem rechten Oberschenkel auf, während sich der Daumen zur sicheren Führung des }fossers an das Gelenk des Bodens anlegt und stützt (63.2). Nach dem Beschneiden von Schnitt und Gelenk wird die .Absatzkante beschnitten. Hierbei folgt man dem am Scha� sichtbaren Verlauf der Leistenkante unter Belassung von etwa 2 mm Zugabe. Alsdann wird die Kante im Abstand von l Stich mit einer Reibe Holz­ nägel angenagelt (65.2 und 69,1). .Auch beim Beschneiden der Durcbaussoble ist mit einem sehr scharfen Messer z.u arbeiten, ebenso beim nachfolgenden Rißschneiden, denn nur dann läßt sich der Schnitt schön glatt und gleichmäßig formen. Bei wenig scharfen Messern muß ein besonderer Druck ausgeübt werden, damit es überhaupt :i;u einer Schnittwirkung kommt. Der Schnitt kann auch nicht lang gezogen werden, er wird immer wieder unterbrochen, weil das stumpfe .Messer nicht greili. Dies führt zu einer ungleichmäßigen Schnittbildung. VIIJ. Das Riischneiden ,,. Der Riß in die Sohlenkante dient der Einbettung der Soh­ lennaht,die dadurch vor früh­ zeitiger Beschädigung ge­ schützt werden soll. Gewöhnlich wird der Riß in einer Entfernung von 2 mm von der Sohlenka.nte angebracht, doch ist die Kantenbreite des zur Verwendung kommen­ den Schnitt- bzw. Gelenk­ eisens hierfür ausschlagge­ bend. Mit der Messerspitze wird der Riß meistens in sei­ nem Verlauf festgelegt. Die Tiefe des Schnittes rich­ tet sich nach der Sohlen­ stärke. Je dicker die Sohle, ... 63.2 Das Beschneiden der Durchaussohle im Gelenk \ 63
'..... desto tiefer der Schnitt und um so gerader die Messerhal­ tung. Die Schnittiefe soll i m allgemeinen die Hälfte der Sohlenstärke betragen. Bei dünneren Sohlen muß der Stich aber ebenfalls gut ein­ gebettet sein, und man hilft sich dann durch entspre­ chend schrägere Haltung des Messers. Ebenso verfährt man beim Schneiden des Ge­ lenkrisses (64.1). Die Durchaussohlen sind bei fachgemäßer Rangierung an den Seiten des Gelenkes dünner ausgeschärft, wenig­ stens auf der Seite des Hohl­ schnittes. Vornherum wird das Messer nur wenig schräg gehalten, die Fingerspitzen gleiten dabei zur sicheren Führung des Messers am Sohlen­ schnitt entlang (64.2). Zum Rißöffnen eignet sich am besten der besonders zugerichtete Rillöffner. Not-­ falls kann ein l Stich breiter Schraubenzieher hierzu Verwendung finden. Das Riß­ öffnen hat mit großer Vorsicht z u geschehen, denn allzu leicht kann das \.Verkzeug ausrutschen und das Leder beschädigen . (65.1). Dann wird dei- Riß mit dem Spitz­ knochen gut ausgerieben und mit dem Rißriller oder, wenn man einen solchen nicht zur Verfügung hat, mit der Spitze des Plattortes nach unten noch etwas verbreitert, wo­ durch sich der Draht gut ein­ zubetten vermag (65.2). Mit demVorstuppen oder Vor­ radeln des Rahmens wird die Stichgröße für das Nä­ hen und Doppeln der Sohlen besonders vom Anfänger vor­ 64.1 Die Messerhaltung beim Rißschneiden im Geleoktell her festgelegt. Hierzu wird 64.2 Die Messerhaltung beim Rißschneiden vornherum 6-! der Rahmen mit einer Zahn­ bürste leicht angefeuchtet und dann mit dem Stupprad vorgeradelt. Es wird beim
65.1 Das Rißötfoen 65.2 Die zum Nähen vorgerichtete Durchaussohle linken Schuh am inneren Gelenkanfang, beim rechten am äußeren angesetzt (bei Gelenkplattenschnitt mit vorstehendem Rand bis zum Absatz, jedoch vom Ab­ satzanfang aus) und das Stupprad ohne abzusetzen unter festem Druck bis zum anderen Gelenkanfang herumgeführt. Ein Unterbrechen oder Absetzen des Stupp­ rades führt z u lmgleichmäßigem Verlauf der Stichanordnung. IX. Das Nähen und Doppeln der Durchaussohlen a) Die Nähmitte] 1. Game und Zwil'ne Der Rohstoff der Schuhmachergarne und -zwirne, welche von besonderer Güte sein müssen, ist der Flachs. Flachs, auch Lein genannt, ist eine 1 m hohe, feinstengelige Pfia�ze, die im gemäßigten Klima, besonders im nördlichen Europa, gedeiht. Der Flachsstengel ent.hält im Innern die zur Herstellung der Garne notwendige Bastfaser. Zu ihrer Gewinnung muß der auf dem Felde gelbreif gewordene Flachs mit der \Yurzel ausgezogen und an der Luft getrocknet werden. Damit sich die Bastfaser von der Rinde und Holzschicht des röhrenförmigen Flachs­ stengels außen und innen lösen kann, wird der Flachs auf großen Wiesenflächen a'll.!lgebreitet, wo er wochenlang liegenbleibt. Unter dem Einfluß von Sonne, Tau und Regen gedeiht auf den Halmen ein winziger Pilz; mit seiner Hilfe verwittern die holzigen Schichten, ihr Gefüge lockert sich und löst sich vom Bast. Nach einem anderen Verfahren stellt man die Flachsbündel aufrecht in große, heizbare Zementbottiche und beschwert sie, damit sie nicht nach oben treiben können. Im ,�asser und 65
in der Wärme werden die holzigen Stengel ausgela.ugt; Gärung entsteht; das Wasser trübt sich und fä.i:bt sich wie dunkles Bier. Gasblasen steigen auf und bilden Schaum, l\Iilliarden von Bakterien arbeiten an der Zersetzung des Pflanzenleims. Nach einigen Tage11 ist die Aufschließung der Fasern beendet. Nun wird der Flachs an der Luft sorgfältig getrocknet. Die Verarbeitung von Flachs zu Garn. 1. Damit die holzigen Stengel von den Faserbündeln a.bge­ streift werden können, müssen sie geknickt werden. Schicht­ weise werden sie in die Knick­ maschine (66.1) geschoben und zwischen geriffelten Eisen­ walzen durchgedreht. Ein gro­ ßer1'eil der zerbrochenen Holz­ teilchen - man nennt sie „l::lcheben" - wird schon in CG.2 Schwiogll!o.chs dieser Maschine abgestreift 66•1 Knlckflachs Schimmernd wie blondes Frauenhaar kommen die Faserbündel an den Tag. Ergebnis: K nickflachs. 2. Auf der Schwingmaschine werden die „Scheben" durch schnellkreisende Holzmesser oder durch eiserne Schlagwellen YOn der Faser abgestreift (66.2). Die gereinigte Faser bildet den Rohstoff für die Leinenspinnerei. Ergebnis : S c h w ingflachs. 3. Auf der Hechelmaschine wird der Schwing­ flachs durch zahlreiche Stahlnadeln, die aufrund­ laufenden Lederbahnen angebracht sind, ausge­ kämmt {,,gehechelt"), Unreinigkeiten und kurze Fasern (,,Werg") werden dabei abgestreift (66.3). Ergebnis : Hechelflachs. 4. Der Hechelflachs kommt nun zur Herstellung von Flachsgarn in die Lcinenspinnerei, wo er zu­ nächst dachziegelförmig übereinandergelegt und in ein endloses Faserband verwandelt wird (66.4). (Aus dem Werg wird Werggarn hergestellt.) Er­ 66.S HechclOachs gebnis : Anlegeband. 5. Die Faserbündel werden auf verschiedenen Streckmas c h i n e n verzogen (gestreckt) und ge­ doppelt. Dadurch werden sie feiner und gleic·h­ mäßiger (67.1). E.'rgebnis: Streckband. 6. Die Bänder werden von der Vorspinn ma­ schine lose zusammengedreht. Noch aber ist das so gewonnene Garn der ersten Verarbeitungsstufe locker, verhältnismäßig dick und wenig reißfest (67.2). Ergebnis: Vorgarn. 06.( Aolegeband 66
6T.1 Streckband 61.2 \'orcnm 7. Beim Durchlaufen durch ein heißes Wasserbad wird der Pflanzenleim gelöst, dann drnhen die schnellaufenden Spindeln der F e i n s p i n n m a s c h i n e n das Vorgarn zu einem festen Faden zusammen (67.3). Ergebnis: Feingarn. 8. Das Feingarn wird auf der Zwirnmaschine „ge­ zwirnt", d. h., es werden zwei oder mehr Feingarn­ fäden von den Zwirnspindeln zu eineru zweifachen oder mehrfachen „Zwirn'' zusa.mmengedreht (67.4). Ergebnis: L e i n e n z w irn. Es sind vetschiedene Zwirnarten im Handel. Durch das Zwirnen werden kleine Unebenheiten des Fein­ garnes ausgeglichen, der Faden gewinnt an Gleich­ mäßigkeit und gleichzefüg an Festigkeit. Die Game können -je nach dem Verwendungszweck des Leinen­ zwimes - fest oder lose, in Rechtsdrehung „S" oder Linksdrehung „Z" gezwirnt werden. Auch die verschiedenartige Weiterbehandlung des . Leinenzwirnes muß sich sorgfältig den Zwecken anpassen, denen er als zuverlässiger Nähfaden dienen soll. Durch Auskochen wird der Leinenz,\irn von den letzten Unreinigkeiten befreit. In der Bleiche werden aufkünstlichem oder natürlichem Wege die Farbstoffe und Pflanzenleime der Fla.chsfaser ent­ G7.3 l-'elognrn fernt. Lcinenzwirne können in den ,erschiedenst.en Far­ ben, auch ind:inthren, gefärbt werden. Jfänige Zwirn­ sorten erhalten dureh die „Appretur" Geschmeicüg­ keit und eine besondere Glätte zm Verbesserung ihrer yähfähigkeit, andere Zwirnsorten werde11 weich erhalten, sie kommen in l\Iat,tausführung in den Han­ del. T)ie Leinenzwirne für die Schuhherstellung er­ halten eine besondere Aufnahmefähigkeit für Pech und Gleitmittel. GT.4 Leincnzwim 67
GS,l Einst.ech• Doppel- BesLecbgnrn Die Handelsaufmachung der Leinen­ garne und -zwirne ist verschiederui.rtig. Sie werden teils nach Längen in Stück oder Strangaufmachung, teils nach Gewicht, auf Knäueln, Holzrollen, Papphülsen und Pappsternen aufge­ wickelt, zum Versand gebracht (68.1 und 68.2). 2. Seide Man unterscheidet echte und „unechte Seide", letztere trägt die Bezeichnung ,,Schappeseide". Echte Seide wird aus dem Seidengehäuse (Kokon) der Seidenraupe gewonnen. Im allgemeinen liefert ein Kokon einen sehr dünnen Seidenfaden bis zu· 3000 m Länge, von der aber nur 300···500m abgewickelt werden können. Mehrere dieser dünnen Seidenfäden vereinigt, ergeben einen einfachen Seidenfaden. Zur Gewin­ nung des eigentlichen, gebrauchsfertigen Seidenfadens werden zwei, drei und mit­ unter noch mehr solcher einfachen Seidenfäden zu einem Faden vereinigt, der als gewöhnlicher Faden bezeichnet wird. Er kommt roh oder gefärbt in den verschie­ densten Stärken in den Handel. Echte Seide findet vorzugsweise zum Steppen der Schäfte Verwendung. Schappeseide ist an sich auch echte Se.ide. Kokons, welche durch das Ausschlüpfen der Schmetterlinge beschädigt wurden und somit keinen durchlaufenden Sei­ denfaden liefern, sowie nicht fertig ge­ sponnene Kokons, verletzte usw. werden Sch:ippeseide zu Schappeseide verarbeitet. Da der 68,2 Leinenzwirne Rohstoff derselbe ist wie bei der echten Seide, steht die erste Güte Schappeseide der echten Seide nicht viel nach. Sie eignet sich besonders zum Steppen von Schaftgarnituren (68.2). Seidenersatz ist ein mehrfach gezwirnter (gedrehter) Nähfaden aus bester ägyp­ tischer Baumwolle von besonders gleichmäßiger, glatter Beschaffenheit, zur Verwendung als Ober- und Unterfaden für Schaftarbeiten aller Art wie auch für Nadelarbeiten. Seidenersatz ist ziemlich reißfest, doch wenig elastisch, wo­ durch der Faden beim festen Auszwicken einer Naht brechen kann. Er kommt na.turfarbig, schwarz und braun in den Handel. 3. Borsten Die besten Borsten werden vom älteren Wildschwein gewonnen, wobei die längs des Rückgrates wachsenden Borsten, die sogenannten „Ka.mmborsten", die be­ vorzugten sind. Sie müssen bei guter Beschaffenheit genügend stark, in sich fest und federnd, glatt, rund und möglichst durchscheinend (glasig) sein. Die Borsten des zahmen Schweines sind weniger stark. Sie werden vor dem Brühen des geschlachteten Schweines ausgezogen. Zum Geschmeidigmachen der Borsten verwendet mau Glyzerin, Tragant oder ähnliche :Mittel. 68
b) Das Nähen und Doppeln Das richtige Nähen gliedert sich in das Gelenknähen und in das Sohlennähen· oder Doppeln. Die Beschaffenheit der Drähte. Das Gelenk wird bei Hohlschnitt stets schlank genäht. Ein schlanker Stich hat mehr auszuhalten als ein kurzer. Schon aus diesem Grund muß der Gelenkdraht stärker sein als der zum Kurznähen bestimmte. Da nun das Gelenk mehr auszuhalten hat als die Sohle und noch viel mehr, wenn - endig, für das Ge­ es mit einer starken Gelenkfeder ausgestattet ist, ist es .notw lenknähen einen besonders guten und vor allem frischen Draht zu verwenden. Vollkommen falsch ist jedoch die Verwendung von Drahtenden, denn sie sind durch das ständige Erhitzen beim Durchziehen des Drahtes durch die Löcher ver­ brannt und haben keine Kraft mehr. Das Trennen der Gelenke ist in den meisten Fällen auf die Verarbeitung derartiger Drahtenden zurückzuführen. Nur einen Draht für die ganze Durchausso hle zu verwenden, ist ebenso falsch. Wird der Draht dünn gehalten, dann ist er vielleicht für das Doppeln recht, für das Gelenk aber zu schwach, und wird er stark gehalten, dann ist er vielleicht für das Gelenk gut, aber für das Doppeln zu dick. Wird der Draht aber in einer mittelmäßigen Stärke gehalten, dann ist er weder für das Gelenk nocb für das Doppeln geeignet und verliert erst recht seinen Wert, wenn er, fast aufgebraucht und mürbe, die andere Seite des Gelenkes noch durchnähen soll. Deshalb die For­ derung: für jedes Gelenk einen kurzen und frischen Draht, ebenso für die Sohlen. Das Nähen der Gelenke. Man beginnt stets mit dem Nähen der Gelenke. Hierzu verwendet man einen Plattort, dessen Stärke sich nach der Gelen kstärke und der Drahtstärke richtet. Genäht wird mit schlan­ ken Stichen. Um das Oberleder vor Beschädigungen durch den Ort und den Draht zu bewahren, reibt man bei schwarzen Oberledern und bei Lack ein Stück Kernseife oder Bienenwachs unmittelbar oberhalb des Rahmens da­ gegen. Bei farbigen Ledern ist das Beilegen eines dün­ nen Oberlederstreifens zu empfehlen. Vor dem Nähen werden Rahmen und Riß leicht an­ gefeuchtet. Der Plattort muß so gehogen sein, daß er ohne besondere Anstrengung (Abdrücken des Rahmens und der Sohle) und ohne Druck gegen das Oberleder durch den Rahmen in den Gelenkriß geführt werden kann. Beim Durchstechen des Leders drückt der Daumen der linken Hand fest gegen die Soblenka.nte unmittelbar neben dem Durchstich, damit das Gelenk nicht ab­ gedrückt wird. Die Borsten sind stets so durchzu­ führen, daß die Drahtenden beim Durchziehen vorn zu G9.l Die .Anordnung der Gelenb:­ und Doppelstiche 69
liegen kommen. In dieser Lage der Drahtenden muß auch der Stich zu­ gezogen werden. In der Gleichmäßigkeit des Nähern,, aber besonders auch im gleichmäßigen Anziehen der Stiche, liegt der tadellose Verlauf einer Naht begründet (69. 1 und 70.1). 10.I Doppelnaht die Drahtst,ärke abgestimmt seinundeine scharfe Schneid­ fläche an der Spitze haben. Rahmen und Riß werden an­ gefeuchtet; der Spannriemen hält den Schuh auf dem lin­ ken Oberschenkel in gerader Stellung fest, der Ort durch­ sticht mit einem festen, aber sicheren Druck und ohne Drehbewegung den Rahmen und die Sohle und soll genau aus der Rißmitte heraus­ treten. Dabei drückt der Dau- Das Doppeln der Sohle. Der zum Doppeln bestimmte Querort muß auf 10.2 Die Handhaltung beim Doppeln men der linken Hand wie beim Nähen der Gelenke fest gegen die Sohle. Die Spitze des ·. Ortes darf höchstens ¼ Stich durch die Rißbahn treten, da das Loch andernfalls zu groß wird und die Stiche bei enger Anordnung durchreißen können. Auch beim Doppeln müssen die Draht­ enden beim Durchziehen vorn laufen. Ferner soll man sich nie angewöhnen, die Borsten nach jedem Stich mit dem Munde festzuhalten oder gar fallen zu lassen, um sie jedesmal wieder aufzu­ greifen. Borsten. und Ort Yerbleiben bei jedem Stich in der Hand (70.2 u. 3). Nun werden die Stiche mit dem Spitz­ knochen ausgerieben, der angefeuch­ tete Riß wird mit Wiener Kleber be• 10.3 Der Laufder Drahtenden heim Doppeln 70
su1c-Len und mit dem Spitzknochen beigedrückt. Die Kanten, die sich infolge des Druckes mit dem Querort etwas abgehoben haben, ,,.erden leicht, aber gleich­ mäßig angeklopft. Im Gelenk wi.rd, wie beim Aufrichten der Durnhaussohle, der Spannriemen zum Anklopfen zu Hilfe genommen. Nun folgt das Beidrücken des Sohlen- und Gelenkschnittes mit dem Putzholz, worauf die leicht angefeuchtete Sohle mit der Glättschiene geglättet wird. Beim Überprüfen muß die Sohlenfläche vollkommen flach in der Vorfußpartie sein, und die Kanten müssen einen gleichmäßigen Verlauf nehmen. Der Boden ist jetzt für den .Absatzbau vorbereitet. Nach einem anderen Arbeitsverfahren kann man den Sohlenriß auch mit hochwertiger Gummi­ lösung schließen. Hierzu muß die nach dem Nähen noch feucht ausgeriebene RißriJle voll­ kommen trocknen. Danach wird sie zweckmäßig vermittels eines schmalen Borstenpinsels mehrmals mit Gummilösung bestrichen. Nach ihrem Eintrocknen wird die R.ißrille wieder leicht angefeuchtet, vermittels des Spitzknochens, des Putzholzes und der Glättscbiene bei­ gedrückt und mit dem Hammer angeklopft. X. Der Absatzbau a) Die Nägel 1. Holznägel Es gibt deutsche und amerikanische Holznägel. Deutsche sind zweiseitig zuge­ spitzt, und amerikanische haben eine pyramidenförmige, vierseitige Spitze. Die deutschen Holznägel, auch „Berliner" genannt, schonen die Leisten mehr als die amerikanischen, da die Nagelspitzen weniger große Löcher verursachen. Holznägel werden vorzugsweise aus Birkenholz erstellt, aber auch aus Buche und Ahorn. Zu ihrer Herstellung werden die entrindeten Stämme entsprechend der Holznagellänge mit der Kreissäge in einzelne Stammabschnitte (Scheiben) zerlegt. Von hier aus gelangen die Scheiben oder Platten zur Streifenschlagroascbine und dann zur Spitzenmaschine. In der Stiftsch.lagma.sehine werden die angespitzten Streifen in einzelne Holznägel zerlegt. Nun werden die Holznägel in schwefeliger Säure gebleicht. worauf sie in kreisende, geheizte Trom­ meln zum Trocknen kommen. Rchlechte Holznägel werden durch die Sortiermaschine aus­ geschieden. Gute Holznägel müssen von heller Farbe, leicht glänzend, scharfkantig und beim Gebrauch trocken sein, weshalb sie an einem t.rockenen Orte aufbewahrt werden müssen. Trockene Holznägel brechen bei der Probe kurz ab und biegen sich nicht. Feucht vcrarbeit€'te Holznägel lösen sich bei T1·ockenheit schon bei ge­ ringfügiger Bewegung des Schuhwerks aus ihrer Verbimlung, bieten also keinen Halt. Zur Verarbeitung kommen meistens sechs Größen , von 5· ·30 mm Länge und 1,4···2,4 mm Dicke. 2. Metallnägel Metallnägel werden im Schuhmacberhandwerk für vielerlei Arbeiten benötigt, wonach sich auch ihre Beschaffenheit richtet. 71
Zum Zwicken und Absatzbau benötigt man Drahtstifte in den Größen von 1/2, ¾ und 1 Zoll. Wie die Bezeichnung sagt, sind sie aus Stahldraht geschnitten, gleich­ mäßig dünn, von verschiedenen Dicken und haben kleine, flache Köpfe (72.1). Die zum Zwicken noch im Handel befindlichen blauen Stahlzwecken (S-Zwecken genannt) finden immer weniger Anwendung, da sie nicht allein die Brandsohle zu sehr durchlöchern, sondern auch die Leisten stark verbrauchen (72.1). f ' $-Zwecke 72.1 l Tackse 72.2 !1 � Dmhtstlftc � � Herren- und Damen• Absatzstifte Gegen das vorzeitige Ablaufen der Oberflecke ver­ wendet man Absatzstifte. Hiervon gibt es die SO· genannten Damenstifte von runder Form und in verschiedenen Größen und Sfärken. Für Herren­ absätze verwendet man entweder die geschnit­ tenen oder die keilförmigen Absatzstifte, die eben­ falls in verschiedenen Größen und Stärken geführt werden (72.2). Tackse sind im Schuhmacherhandwerk weniger im Gebrauch. Sie finden nur gelegentlich als Heftnägel gute Verwendung, wie beispielsweise zur Erarbeitung der Leistenkopie beim Schäftemodellieren, bei Klebe­ arbeiten, Befestigung von Weitungen an Leisten und Blöcken. Ihre Hauptverwendung finden sie zum Re. parieren minderwertigen Schuhwerks (72.2). Messingstifte sind weicher als Stahlstifte, sie dienen darum als 0berfl.eckstifte für leichtes und Luxusschuhwerk. Mit Messingstiften beschlagene Oberflecke wirken nicht so hart im Auftritt, weshalb sie mit gutem Erfolg in der 0rthopädie­ schuhmacherei zur Verarbeitung kommen. 'l'2.3 Sohlennägel Sohlennägel finden· als Verschleiß­ schutz der Sohlen und Oberflecke von Sport- und Berufsschuhwerk Verwendung. Dementsprechend sind sie geformt und bezeichnet (72.3). Nägel für Hochgebirgsschuhwerk. 'l'2.4 Hochgebirgsnägel 72 Hochgebirgsschuhwerk erfordert ei­ nen besonderen Sohlen- und Absatz. beschlag, damit ein Ausgleiten ver­ hindert wird. Die besten Nägel für diese Zwecke sind geschmiedet. Es gibt flach-, rund-, spitzköpfige, solche mit langem Stiel zum Um. nieten um die Sohlenkante, andere mit kurzem Stiel zum einfachen Einschlagen, ferner einschraubbare oder sogenannte Stollen (72.4).
b) Der Ahsatzbau Man beginnt mit dem Auf­ richten des Keders. Zuvor wird die Sohlenkante, An­ schlag genannt, flach aus­ geschärft oder geraspelt. Ein gewölbter Anschlag bietet dem Keder kein festes Auf­ lager und verhindert eine gute Bindung mit dem Ab­ satz. Der beraspelte Anschlag wird mit WienerKleber bestrichen und dann der Keder hinten in der Mitte mit einem Holz­ nagel geheftet. Von hier aus wird zunächst die eine und dann die andere Seite des 73.1 Das Aufoagelo des Keders Keders mit der Anschlagkante gleichgelegt und stellenweise mit Holznägeln geheftet. Nun wird der Keder beschnitten und mit etwa 1 cm langen Holznägeln genagelt. Die Nagelreihe soll nach dem formgerechten Beschneiden des Keders nicht weiter als 1 Stich von der Kante verlaufen. Die vordersten Holznägel schlägt man eben­ falls 1 Stich vor der auf der Durchaussohle bezeichneten Absatzfront ein (73.1). Das Abschärfen und Beraspeln des Keder!!. Sollte der Keder nicht kräftig genug gewesen sein, um die Fersenrundung der Durchaussohle auszugleichen, so kann ein zweiter Keder aufgenagelt werden; a,ndernfalls wird der erste Unterfleck mit Kleber bestrichen, hinten und seitlich mit je einem Holznagel geheftet, ange­ klopft und beschnitten. Nun folgt das Aufnageln mit einer Reihe Holznägel, das feste gleichmäßige Anklopfen der Kanten, das Abschärfen des Fleckes und das Bera.s­ peln. Der zweite Fleck kommt in der gleichen Weise zum Aufbau (73.2). Besonders sorgfältig muß das Niederklopfen der Kanten durchgeführt werden. Die Schläge sollen gleichmäßig fest sitzen und dicht neben- 73.2 Das Aufo:,gel.n des erst-On UoterOecks 73
einanderliegen. Stellen sich hiernach Unebenheiten heraus, so müssen diese durch Abschärfen und Abraspeln ausgeglichen werden, nicht aber durch einseitiges, gewaltmäßiges Niederklopfen von Erhöhungen, was zu einem schlechten Tragen des Absatzes führt. Falsch jst es auch, ilie durch da.s Niederklopfen der Kanten elll.,stehende Wölbung in der Fleckmitte flachklopfen zu wollen . Dadurch bekommen die Absa.tzkanten Spannungen, diefür ein Platzen des Absatzes mit verantwortlich sind. Der erhöhte Teil muß vollkommen abgeschärft und der Fleck hierauf beraspelt werden (74.1). Zum weiteren Aufbau des Absatzes kommen je zwei Flecke zum Aufkleben und A�fnageln, vorausgesetzt, 74.1 Das Ausschärfen des aufgenagelten Unterflecks 14.2 Das Beschneiden des Absatzes 74 daß nicht zu dicke Flecke verwendet werden: An Stelle der Holznägel ver­ wendet man jetzt ½- bis ¾zöllige Drahtstifte. Tore Größe muß so gewählt werden, daß sie nicht bis zur Brandsohle durchdrin­ gen können. Nach dem Aufnageln müs­ sen die Köpfe der Draht­ nägel mit dem Versenker versenkt werden, denn sie stören beim Abschärfen und Beraspeln der Flecke. Da sich dieDrahtnäge1, weil sie rund und glatt sind, mit der Zeit lockern, ist das Einschlagen einiger langer, kräftiger Holznägel zwi­ schen die Stiftreihe an­ gebracht. BesondereVorsicht ist beim Einschlagen der Drahtnägel an den Flecken des Absatzes geboten; sie müssen etwas schräg nach innen, hinten zum Einschlag kommen, in der Richtung also, die dem Verlauf der Absatzfront am fertigen Absatz entsprioht. Es kann sonst leicht vor­ kommen, daß man beim Beschneiden des Absatzes auf ilie Nägel trifft.
Drahtnägel, welche beim Einschlag eine falsche oder fraidiche Richtung genom­ men haben, soll man besser hl-'rausschneiden und sie nicht belassen. Das spä­ tere Hervorkommen eines Drahtstiftes erfordert mehr Arbeit, wirkt sich aurh nac:hteilig für das Aussehen des Absatzes aus. Zwischen­ durch wird der Absatz au­ ßen herum roh beschnitten (74.2). 75.I l>as Ub�rprüfen des Absatzea auf scioon wuagerechteo Aufbau Nachdem die gewünschte Absatzhöhe erreicht ist, wird der mit Kleber be­ strichene Oberfleck mit drei Drahtstiften, die verdeckt eingeschlagen werden, aufgehcftet. Das Hauptaugenmerk ist hierbei auf die Stellung des Oberfleckes zur Schuhspitze zu legen, denn der Absatz soll zur Schuhspitze hin gerichtet sein (siehe auch S. 25: ,,Die Absatzlänge wird festgestellt"). Der Schuh ,vird nun auf eine glatte, waagerechte Fläche gestellt, um zu prüfen, ob der Absatz überall gleichmäßig aufsteht (75.1). Unwesentliche Erhöhungen be­ seitigt man durch leichte Hammerschläge, größere jedoch durch Abheben des Oberfleckes und neue Ausrichtung der Absatzoberßäche (75.1). Der Absatz wird leicht angefeuchtet und in Form geschnitten. Flache Absätze erhalten gerade, volle Seitenflächen, und nur bei höheren Absätzen ist es angebracht, die Flächen etwas zu ziehen, d. h. leicht ein ­ zubuchten. Die jeweilige Form ist in der Hauptsache vom Zweck des Schuhes und vom besonderen Wunsch des Kunden abhängig, falls sie nicht von der Mode be­ stimmt wird. Da.-. Beschneiden des Absatzes. Heim BesC'hneiden an der &>hlenkantc ist das Mitführen desBeschneidhoros zum Schut­ ze des Oberleders anzuraten. Nachdem der Absatz außen herum beschnitten ist, wird dieAbsatzfront beschnitten (75.2). Der Schnitt muß nach Möglichkeit in einem Zuge geführt werden und dem Verlauf der Oberfleck­ kante folgen. Vorsicht ist beim Erreichen der Durchaussohle geboten, damit sienichteingeschnit­ ten wird. Der überstehende 6 },'aohk. f. Schuhmacher -'tli.2 Das .Frontbeschnelcleo d"s Absatzes 75
Keder wkd zweckmäßig von der Seite durchschnitten. Das Messer bekommt hierbei eine leichte Schrägstellung, auch die Absatzkante muß schräg verlaufen, wenn der Absatz nicht plump wkken soll. (76.1). Hierauf wird der Oberfleck in der bekannten Weise gestiftet. Das Bearbeiten des Absatzes und der Absatzkante. Wiederum wird der Absatz leicht angefeuchtet, die Absatzkante mit dem Spitzknochen leicht vom Oberleder abgedrückt und danach gleichgerichtet bzw. abgelassen. Hierzu verwendet man das Randmesser (76.2). Eine vorsichtige Handhabung dieses Messers ist geboten, da der Dorn des Messers leicht in das Oberleder eindringen kann und es beim Ablassen der Kante mit durchschneidet. Hierauf wird der Absatz mit der Kehrseite des Hammers bearbeitet,. damit sich clie Absatzflecke noch fester gegeneinanderpres­ sen. Auch die Absatzkante wird beigeklopft, damit eine gute Verbindung zwischen Keder und Durchaussohle entsteht (77.1). Die Absatzkante wird mjt der Absatzkantenraspel gleichgerichtet, so daß sie einen ununterbrochenen Verlauf mit der Rahmen­ kante nimmt (77.2). Nun wird. die Hinterkappe angeklopft, dicht oberhalh der Absatzkante. Diese Ar­ '16.1 Das Schrägschneiden der vorclcrco Absatzkaote beit hat den Zweck, die Absatzkante für die nach­ folgenden Arbeiten an det­ selben freizulegen. Um die Ahsatzkante nicht zu tref­ fen, setzt man die Hammer­ schläge auf einen guten Kernlederstreifen, der an der Absatzkante entlang. geführt wird (77.3). Damit. ist der Absatz zum Beras­ peln fertig. Das Gelenk- und Schnitt­ l - --16.2 Das Ablassen der Sohlenkante mit dem Rauurn�ssn 76 beschneiden. Diese �<\..rbeit kann ebensogut -vor wie nach dem Absatzbau ge­ leistet werden. Für den
Anfänger ist das Gelenk­ beschneiden nach dem Ab­ satzbau ratsamer, denn hierdurch wird vermieden, daß das Gelenk zu tief in den Anschlag hinein ge­ formt wird, wodurch das Ausarbeiten einer einwand­ freien Absatzkante unmög­ lich ist. So aber legt die fertige Absatzkante die Länge des Hohlschnittes fest. Das Gelenk \\ird entspre­ chend der Form des zur Verwendung kommenden Hohlschnitteisens beschnit­ ten. Zweckmiißig läßt man zunächst die Sohlen.kante miteinemMesserzugeschräg nach unten ab, doch darf die untere Sohlenkantehier­ bei nichts verlieren (78.1). Alsd,in n setzt man das Ge­ lenkeisenversuchsweiseauf, wodurch festgestellt. werden kann, oh und wo noch zu­ viel steht. Zur Vermeidung eines zu dicken Hohlsclmit­ tes setzt man das Eisen möglichst flach auf, ,,,.o. durc,h der Druck mehr von oben nach unten geführt wird, als von vorne gegen die Sohlenkante. Erst wenn dns Eisen den Hohlschnitt gut. und lückenlos aus­ d rürkt, kann er leicht hr­ raspelt und mit, der Zil'h­ klinge noch etwas nac·h­ gezogcn werden. Das Be­ arbeiten mit Glasprtpier erübrigt sich (78.2). Der Schnitt wfrd nach dem Nähen nochmals Icichtna<'h­ heschnittcu, worauf clas Ah­ st uppen bzw. Ahrn,deln dm· '\j 1 . j 1 �..J 77.1 Das Anklopfen des Absatzes 17.2 J)ie Bearbeitung der Sohlenkante mit der Absatzkantenraspel 17.3 Das Anklopfon der Hinterkappe 77
Doppelstiche folgt. Der Rahmen wird leicht angefeuchtet und das erwärmte Stupprad am An­ fang der Doppelstiche aufge­ setzt. Als Unterlage dient das Schoßbrett, gegen das die Soh­ lenkante beim Abradeln ge­ drückt ·wird, damit sie sich nicht abheben kann. Das Stupprad soll beim ersten Umfahren nicht abgesetzt wer­ den, weil dies zu ungleichmäßi­ gen Sticheindrücken führt. Beim Nachradeln besteht diese Gefahr weniger, weil die Rillen des Stuppra.des sofort in die des vorgestuppten Rahmens eingreifen (78.3). ;s.1 Das Beschneiden des Geleukea farbiger Abradeln Beim Schuhe ist das Beilegen eines dünnen Oberlederstreifen.� rundherum notwendig, damit das Oberleder durch das Stupprad nicht befleckt wird. Das Absatz- und Schnittberaspeln. Ein gut beschnittener Absatz und Schnitt erfordert nicht. mehr viel Raspelarbeit. Sie dient nur zum Ausgleich von kleinen Unebenheiten, die beim Beschneiden nicht behoben werden können. Beim Beraspeln des Absat,zes ist das �Iit­ führen des Beschneidhorns zum Schutz des Oberleders zu empfehlen (79.1 ). Die Ra.spei soll bei der Bearbeitung von gradwandigen Absätzen breit sein, einen feinen Hieb haben, wo­ durch allzu tiefe Rillen im Leder vermieden werden und das nachfolgende Ausglasen erleichtert wird. Für das Beraspeln des Schnittes verwendet man besser eine schmale Schnittraspel, denn sie ist handlicher und läßt sich sicherer führen. Am Schnittverlauf ändert sich beim Be­ raspeln nichts. Das Abfeilen des Oberfleckes beschließt die Raspel­ arbeiten. 1s.2 JJas frrtig IJearbuitcte <;e1�111< Das Beschaben und Ausglasen. Die durch das Beraspeln verursachten Rillen werden durch die Bearbeitung mit einer scharfen Ziehklinge besei- 78 1$.3 Der mit. dem Stupl)rad a.bg<•�i..u1,1HP. R..ihrncu
tigt. Ein guter Ausputz kann nur dann erzielt wer. den, wenn diese Arbeit mit peinlichster Sorgfalt durch­ geführt wircl. Dies gilt, ganr. besonders für den Absatz, denn durch flüchtiges Aus­ schaben übersehene Rillen treten am Ausputz 1111ci·­ hittlich hervor und heein­ t.rächtigen das Ausr-rhen cles ganzen Bodens. Beim Ausschaben von Ab­ satz und Schnitt müssen limge Züge geführt werden, wodurch eine einheitlich glatte Fläche erzielt wird. Nun folgt mit gleicher 79.I Das Bcra.speln dPS Ahsot.z.., Sorgfalt das Bcschaben der Bodenfläche. Schnitt und Absatz werden noch mit feinkörnigem Glaspapier ausgeglast, um jede Rauhigkeit dfä, Leders zu beseitigen. Zum Ausglasen der Bodenfläche ver­ wendet man ein handgroßes Stück gradflächigen Kork, um den das Glaspapier gelegt wird. Die Bodenfläche bearbeitet mn.n unter festem Druck in kreisför­ migen Bewegungen so lange, bis alle Rillen oder Unebenheiten beseitigt sind. Zur Erzielung eines tadellosen Ausputzes ist das Nachglasen mit feinstem Glas­ papier zu empfehlen. XI. Die A usputzarbeiten a) Die Ausputzmittel 1. Glaspapier Zum Ausglasen der Schnitt-, Gelenk-, Absatz. und Sohlenflächen verwemiet man Glaspapier. Pulverisierte Glasabfälle werden in verschiedenen Körnungen, fein bis grob, auf geleimtes Papier gestreut. Das Waspapier wird z1.1 gebrauchsfertigen Stücken zweckmäßig so zerschnitten, daß man die Bogen auf der Papierseite mit der Spitzenrückseite eines alten Messers anreißt, worauf sich die Stücke glatt ab­ reißen lassen. 2. Tragant Für einen einwandfreien Ausputz müssen die nach dem Ausglasen noch vorhan­ denen feinen Lederfasern geglättet werden. Hierzu verwendet man Tragant. Es ist diC's getrockneter Pflanzenschleim von besonderen Sträuchern Griechenlands und Kleinasiens mit hornartigem, durchsichtigem Aussehen. Zu seinem Gebrauch muß er je nach seiner Dicke einige Tage im Wasser auf. gelöst werden, bis er zu einer dickflüssigen Masse geworden ist, die leimartige Eigenschaften hat. Hiermit werden die auszuputzenden Bodenteile vor dem Vor­ brennen leicht eingerieben. 79
3. Kaltpoliertinte Für einen guten Bodenausputz verwendet man Kaltpoliertinte. S c hwarze Kaltpoliertinte besteht aus einer Lackemulsion (milchähnliche, schleimige Flüssig­ keit) mit Zusatz von Anilinfarben. Braune Kaltpoliertinte wird aus emulgierten (zu einer schleimigen Flüssig­ keit verwandelten) Lacken und vVachsen unter Zusatz von natürlichen u. nd künst­ lichen Farbstoffen hergestellt. 4. Wachse An Stelle von Hartwachs o der zum Nachwachsen ausgeputzter Böden verwendet man Schmierwachs. Es wird aus besonderen Wachsverbindungen (Tulineral- und Pflanzenwachs) unter Zusatz von Terpentinersatz hergE:Jstellt. Beschädigungen am Schaft können durch _R epa­ rierwachs, das in Schwarz und allen Farbenab­ stufungen hergestellt wird, unsichtbar gemacht werden, falls sie geringfügiger Natur sind. Es kommt als Knetwachs oder in Form sogenannter ,,Reparierstifte" in den Handel (80.1). Ausputzwachs besteht aus mehreren \Vachssorten, welche ein Schmelzverfahren durchmachen 80,1 Oben: Reparierwa.chs und mit Teerfarbstoffen gefärbt sind. Es ist unter unten: Ausputzwa.chs der Bezeichnung „Hasenwachs", ,,S<Jhlangen­ wachs" usw. in runden, rechteckigen und ovalen Stücken im Handel und findet als allgemeines Ausputz­ wachs Verwendung (80.1). 5. Oberlederschwärze (Blitzschwärze) 80,2 Oberlederschwärze Zum Schwärzen farbigen Schuhwerks verwendet man Blitz­ schwärze {80.2), die aus Anilinyerbindungen und Kohlen­ wasserstoffen zusammengesetzt ist. Das zu färbende Schuh­ werk muß YOr dem SchwäJ:zen mit lauwarmer, guter Seifen­ brühe entfettet werden, da die Schwärze sonst nicht in die Hautporen eindringen kann. Das Waschen mit scharfen Mit­ teln, wie Salmiakgeist, scharfe Sodalösung, Azeton usw., ist nach Möglichkeit zu vermeiden, da das Oberleder hierdurch brüchig und hart wird. 6. Oberlederlack (Appretur) Aus Harz oder Schellack, die in Spiritus aufgelöst werden, stellt, ma.n Oberleder­ lack her. Reine Spiritusappreturen sind aber brüchig, weshalb sie noch einen Zu­ satz von Firnis und Terpentinöl erhalten. Diese Appreturen verleihen dem Ober­ leder nach dem Ausbügeln des Schaftes einen milden Glanz, doch ist ein zu reich­ liches Auftragen zu vermeiden, da das Schuhwerk andernfalls einen lackierten Charakter erhält, was dem Aussehen nur abträglich ist. Je dünner die Appreturen aufgetragen werden, desto schöner w:iJ:d der Glanz und desto besser hält die Appretur. Sie kommt in kleinen Fläschchen in den Handel. 80
b) Der Vorputz Das Vorbrennen von Absatz, Gelenk und Schnitt. Zunächst wir<l der Sohlenschnit.t leicht angefeuchtet und die Sohlenkante mit dem Spitzknochen glattgedrückt. Die abgest:uppte Rahmenkante wird wenig und äußerst gleichmäßig mit dem Rand­ messer abgelassen, etwas befeuchtet und ebenfalls mit dem Spitzknochen leicht geglättet und nach unten gedrückt. Das Schnitteisen wird ausgewählt, vorsichtig aufgesetzt und festgestellt, ob es der Schnittstärke entspricht und ob de1· Schnitt rundherum eine gleichmäßige Stärke aufweist. Machen sich Veränderungen am Schnitt zum Anpassen an das Schnitteisen notwendig, so sind sie von der Sohlen­ kante, nicht aber vom Rahmen aus vorzunehmen. Auf den mit Tra,gant eingeriebenen Schnitt setzt man das nicht zu heiße Eisen erst leicht auf und umfährt den Schnitt unter vorsichtigem Hin- und Herführen des Eisens. Erst nachdem der Schnitt leicht vorgedrückt ist, wird diese Arbeit mit vermehrtem Druck wiederholt, bis der Schnitt voll und gleichmäßig ausgedrückt ist. In gleicher "\II/eise werden die Gclrnke vorgebrannt, nur ist, ein vorheriges Ablassen von Kanten nicht mehr notwendig. Auch der Absatz wird mit Tragant befeuch­ tet und mit dem nicht sehr heißen Absat.zeisen vorgebrannt. Hierbei wird gleich­ zeitig die Oberfleckkante mit ausgedrückt,. Soll der Ausputz schwarz oder farbig werden, so empfiehlt sich auch das Vorbren­ nen der Sohlen- und Oberfl.eckfl.äche mit dem Polierstahl. Das vorherige Befeuch­ ten mit Tragant ist hierhei ebenfalls notwendig. Der Vorputz schließt mit dem Auf.setzen des „6, bsatzkanteneisens an den beiden vorderen Absatzkanten und an der Absatzsohlenkahte. c) Der Auspulz Der Ausputz schützt den Boden gegen Feuchtigkeit uncl gibt dem: Schuh ein form­ vollendetes Aussehen. Der durch das Vorbrennen bewirkte Glanz verhindert das Eindringen der Schwärze oder der Farbe in das Leder, weshalb das Bestreichen aller vorgebrannten Teile, auch des abgestuppten Rahmens, mit nicht zu schar­ fem Salmiakgeist notwendig ist. Erst wenn der Salmiakgeist vollständig einge­ trocknet ist, kann das Schwärzen oder Färben beginnen. Der Auspntz vollzieht sich am besten und einfachsten, wenn er mit Kaltpoliertinte ausgeführt wird. Deckt die Schwärze oder Farbe beim ersten Auftragen nicht ge­ nügend, muß es wiederholt werden. Beim Ausputz wird so vorgegangen wie beim Vorbrenncn. Sohle und Oberfleck werden nach gutem Eintrocknen der Kaltpoliertinte mit dem nicht zu heißen Aus­ putzstahl bearbeitet, und zwar so lange, bis überall ein matter Glanz entstanden ist. Hierauf wird Schmierwachs oder gute Schuhkreme aufgerieben. Absatz, Ge­ lenk- und Sohlenschnitt werden auch gebrannt, worauf dann eine hauchdünne Schicht Ausputzwachs aufgetragen wird. Zwischendurch wird der Rahmen ab. geradelt, zuerst ohne und dann mit leichtem Einfügen von Wachs, und hiernach nochmals Absatz, Gelenk und Schnitt. Mit dem Aufsetzen des Kantensetzers schließt die eigentliche Ausputzarbeit. Das Wachs wird mit einem weichen, wolle­ nen Lappen verrieben, a.lle a.usgeputzten Teile nochmals mit Schmierwachs oder 81
Creme bestrichen und dann leirht nachgerieben. Wurden alle Vornrhci. ten µcinlichst durrhgeführt, muß sieh jetzL ein einwandfreier Ansputz erge­ ben. Das Aufsct1.cu eines Yerziern ngs­ räd<'hens ist dann nur noch im Gelenk und an der Absn.tzkante angebracht, denn zm·iel Ver-.i:ierung hat zu,icl zu v-enlccken! (82.l u. 82.2). 82.1 MustergOltig l\bge,ituppter Rahmen d) Der naturfarbige Ausputz Für eiuen er$lklassigen �aturausputz eignet sich nur hestes grubengcgcrbtes EichenlohJcder. Auch muß der Absat1. mit gleichmäßig starkem l<'leckledcr aufgebaut sein, da man bei dieser Ausputzart jeden Fleck sieht. Schnitt, Abstuppung, Gelenk und Absatz wor­ den na.ch dem Beglasen mit Anilin­ farbe, die auf die Farbe des Oberleders genau abgestimmt sein muß, 1.weimal 82.2 Der Verlauf des vorst�henden Schnittes bestrichen. Nach dem Einziehen der Farbe wird Tragant aufgetragen, nun in üblicher Weise erst ohne und clann mit farbigem Ausputzwarhs ,.usge­ hra.nnt. Nach dem Verreiben des Wachses zeigt sich ein einheitlicher, aber auch 82,3 Der nnturfarhige Ausputz durchsichtiger Ausputz, der schöner wirkt als der beste Ausputz mit, far­ biger Kaltpoliertinte (82.3). Die Sohlen- und Oherfle<'k­ fl.ächen werden mit einer :\Iischung von Tragant und Klee­ salz oder Zuckersäure abgerieben, wodurch sie glatt werden und eine einheitliche helle Färbung erhalten. Das Ausar­ beiten genauer Kanten iclt beim naturfarbigen Ausputz beson ders notwendig, da sie einen gut sichtbaren Abschluß bilden (82.4, 83.1 und 2). Ein flach ausgearbeiteter Boden ist für einen sicheren Auf­ tritt und für ein gutes Tragen notwendig (83.3). e) Das Ausleisten Wenn die Leistenkanten bei neuen Leisten vor dem Auf­ zwicken mit Glaspapier abgerundet und das Schaftfutter 82 2.4 BodcniinskMdcsna.,urfarblg ausgoput:r;ten Bodens
im unteren Teil mit Talkum bestreut wurden, kann die Arbeit nicht sch,,·er­ fa.llen. Sollten sich dennoch Schwierig­ keiten zeigen, so helfen einige vorsich­ tige Hammerschläge auf das Gelenk, dicht beim Absatz, nach. Auch ein vor­ sichtiges Klopfen gegen die Seiten der Zierkappe hilft den Leisten lockern. Durch das Einhängen des Spannrie­ mens in oder um den Griff des Leisten­ hakens erhöht sich die Zugwirkung beim Ausleisten. Dabei wird der Schuh im Schoß festgehalten, die beiden Hände umklammern die Fersenpartie {nicht ;i.m Absatz anfassen), Schuh­ spitze gegen sich gerichtet. worauf der Spannriemen mit dem Fuße anirezogen wird. Sollte der Leisten noch immer nicht nachgeben, muß mit den Schlägen auf das Gelenk unter gleichmäßigem An­ ziehen des Spannriemens fortgefahren werden. Ka.ch dem Ausleisten entfernt man mit der Stoßraspel alle Unebenheiten der Brandsohle und glättet sie hierauf mit der Glättschiene. Nun kommen die Deckbrandsohlen oder Klappenstücke zum Einkleben, wozu nur frischer Wie­ ner Kleber verwandt werden soll. Mit dem Säubern und Ausbüge ln des Schaftes mit einem mäßig warmen Ab­ satzeisen schließt die Bodenarbeit ab. S3.1 Die Raarkaot.en beim cntklasslgen Boden 83.2 Das fcstanUogonde Gelenk, der vorbil<lllclle Yer· lauf der Sohlenkante 83.3 Die !loch ausgearbeitete Sohlenfü(che XII. Das .Kjttverfahren Dem Kitt,erfahren liegt der Gedanke zugrunde, zur Herstellung und Reparatur von Schuhen an Stelle von Garn und Nägeln ein chemisches Bindemittel zu be­ nutzen. Auch das Kittverfa.hren erfordert sachgemäße und gewissenhafte Arbeit. Der Schuhmacher muß deshalb mit dem Wesen und der Technik des KittYerfahrens voll und ganz vert,ra.ut sein, a.nderenfa.11s bleiben Mißerfolge nicht aus. Die Güte einwandfrei gearbeiteter, genähter Böden (Rahmenarbeit) wird auch durch das Kittverfahren angestrebt. Die altbewährte Arbeit des genähten Bodens muß auf jeden Fall erlernt sein, wenn die Anwendung des Kittverfahrens den gewünschten Erfolg haben soll. 83
XIII. Hilfsmittel für die Schuhmacherarheit a) Klebemittel Zelluloid-Klebestoffe. Aus Zellulose (aus Holzstoffen gewonnen), die mit einem Gemisch von Salpeter- und Schwefelsäure behandelt zur Kollodiumwolle wird, entsteht unter weiterer Verwendung von Kampfer und Alkohol Zelluloid. Dieses trockene Zelluloid mit Lösungsmitt,el (Aceton, Essigsäure) vermischt, ergibt den flüssigen Zelluloidklebestoff. Die Zelluloidklebestoffe zeichnen sich in der Vcrarbeitung durch rasches Trocknen, große Dehnbarkeit und außergewöhnlich hohe Haltbarkeit aus. Weder Feuchtig­ keit noch Kälte oder Wärme können die damit hergestellten Verbindungen trennen. Je nach dem Verwendungszweck des Klebemittels sind in der Zusammen.setzung verschiedene Abänderungen notwendig. So ist ein Klebestoff für leichtes Damen­ schuhwerk nicht. verwendbar zum Kleben von Hausschuhen aus Kamelhaarstoff und Filzsohlen. Ebenso ist für stark gefet,tetes Chromleder ein besonders geeigne­ ter Klebest,off geschaffen worden. Dieser Kitt eignet sich auch für alle anderen Leder, da er schnell trocknet und überall da verwendbar ist, wo auf schnelle Ar­ beit Wert gelegt wird. Wiener Kleber ist infolge seiner guten Klebekraft, Dehnbarkeit und Ausgiebigkeit der geeignetste für den Schäfte- und Bodenbau. Gewonnen wird er aus Weizen, der im gequollenen Zustande zerquetscht und hierauf ausgewaschen wird, damit die Bestandteile des Weizens, Stärke und Kleber, voneinander getrennt werden . Guter vViener Kleber, dPsscn Vcrhreihmg von Vlicn ausging, worauf auch cli<' Bezeichnung zurückzuführen ist, hat eine wC'ißgraue, clurchscheinendc :Farbe und ist dünnblättrig. Er wird zweckmäßig in <1iucr flachen Porzolla.nschale mit Wasser angeset,zt, da. :,; nach etwa ½···¾. Stunden abgegossen wird, worauf der Kleber durch kräftiges Umrührnn m:it, einem Holzstäbchen so lange bewegt· wird, bis er Klebkraft be­ kommt. Da.mit der Kleber über Niwht, nieht eintrocknet,, überschüttet man ihn mit etwas Wasser, d:ts 11m a.nder<'n Morgen wieder abgegossen wird, worauf der Kleber wieder tüchtig umgerührt werden muß, his er Fäden zieht. Dextrin-Kleber. Die als Ersat,z für den hochwertigen Wiener Kicher auf dem Markte befindlichen Kleber (meist fertig in Blechdosen) sind mehr oder weniger Dextrinklel;>er. Dextrin wirrl u. a. durch Erhitzen von Kartoffelstärke gewonnen und ist ein im Wasser leicht lösliches, hellgelbes Pulver. Dext,rinkleber ist im trok­ kenen Zustande sehr spröde uml ha,t geringe Bindekraft. Mit Dextrin geklebte Gegenst,ände sind anfangs steif, durch Bewegungen (Schn.ft und Boden) pulveri­ siert sich der getrocknete Kleber, wodurch auch die Bindekraft aufgehoben wird. Als Schuhmacherkleber ist er somit wenig geeignet. Schwarzes und braunes Pech. Schw,trzcs Pech wird am; H, ür.kstii.nclc'11 clcs Holz­ teeres gewonnen. Schwarzpech ist von geringer Bindekraft. Braunes Pech wird aus Fichtenharz bereitet. Durch Erhitzen wird dem Harz der Terpentingehalt entzogen, worauf es durch Zufügen von anderen Ölen geschmeidig 84
ZWEITER TEIL A. Das Mafinehmcn unter Maßnehmen verstPht nrn11 <hs ('mzr•id111Pn clt>s FuBe,;, \n>durch man <las Längenmaß, clic Breite und die Fußsohlenform erhält, ferner die Abn:1hme des Trittspurbilde!'l, welches die Belastungsfläche rlcr Fußsohle deutlich mn,cht, und das Messen dm; Fußumfa,nges, woclutch tlie WeitP1unnß , e festgestellt werden. l. Das Umuichnen des Fufü,s und die AhnahmP der Trittspur Beide Arbeitsgänge werden gleic·bzeit,ig im,;geführt., Ma,11 bedient sich hierbei ent­ weder des ,,'rritt_spurgcrätes" oder der „ Anilinfarbhlätter". a) Ein Trittspurgerät wird benutzt Es wird in sitzender Körperhaltung gearbeitet. Unter die mit 8te.mpelfarbe ver­ sehene Gummiplatte des Ge1•iit8 wird ein i\Jaßhlatt von rtwa der gleichen Größe gelegt. �un wird der :Fuß in waage­ rechter Haltung hei sPnkrecht.er Bein­ stellung auf die Gummiplatte aufgesetzt (Pernon in sitzender Körperhaltu, ng, den Fuß leicht belastet), und mit dem clem Gerät beigefügten Laufrädchen senkrecht umfahren (86.1). B<.'im Aufsetzen des Fußes a.uf die Gummi­ platt<' ist darauf zu achten, daß die Zehenlage nicht <lurch zu kur-.te oder zu spitze Strümpfe beengt wird. Das fort.ige Rchuhwerk könnte sonst spät�r vom Kunden als zu kurz oder zu S<'hmal ahgc!C'hnt WC'rdt'n. S6.l Die Trittspurabnahme 86 Das Fußumrißzeichnen und Trittspur­ abnehmen in stehender, also vollbela­ steter Körperhaltung führt ebenfalls zu Fehlergebnissen, weil das hiernach gebaute Schuhwerk in der Regel zu weit wird. Auch wenn man den Leisten schmaler halten würde, als die stehend genommene Fußumrißzeichnung breit ist, erhielte man unvollkommene Er-
gemacht wird. Zu diesem Zweck bringt man es in Tongefäßen zum Kochen, was vorsichtig geschehen muß, da sich hierbei Luftblasen bilden, so daß es leicht über­ läuft. Unter dauerndem Umrühren wird dem Harz das Öl zugesetzt, um danach in kaltes Wasser gegossen zu werden. Hierbei wird die Masse mit den Händen tüch­ tig geknetet und gezogen. Je länger dies geschieht, desto besser. wird die Verbin­ dung von Harz und Öl und um so besser wird das Pech. Gutes Pech muß imWasser schwimmen und darf bei der Verarbeitung nicht springen. Das im Wasser zu einem Strang gezogene Pech wird in kleine, handliche Stücke zerschnitten (Schere) und zweckmäßig mit Talkum bestreut, in pergamentähnliches Papier gehüllt und an einem kühlen Ort aufbewahrt. In dieser Aufmachung kommt es auch in den Handel. Isolierkitt. Zum "\Vasserdichtmachen von Nähten an Schaft und Böden verwendet man Isolierkitt. Er wird auf die Nähte mit einem weichen Borstenpinsel mehr­ mals aufgetragen und schließt nach dem Trocknen die Nahtlöcher vollkommen ab. b) Kork Für Ausgleichsebenen im Schuhwe.rk wird Kork verarbeitet, Gewonnen wird er von der Korkeiche, die vorzugsweise in Algerien, Spanien und Portugal vor­ kommt. Die Korkgewinnung beginnt im allgemeinen an 15jährigen Bäumen. Von diesem Alter ab können sie in Zeit­ räumen von acht bis zehn Jahren 100···150 Jahre lang geschält werden. Die abgeschälten Korkschichten wer­ den zu Stößen übereinandergelegt, mit Steinen beschwert und getrocknet, wor­ auf die· äußere und die innere Schicht entfernt werden kann. In großen Kes­ seln setzt man den Kork etwa 5 l\liinu­ ten siedendem Wasser aus, wodurch seine Güte verbessert wird. Klima, Alter der Korkeiche und die Zubereitung be­ stimmen die Güte des Korkes, der in ganzen Stücken oder in Form von ge­ schliffenen Platten in den Handel 85,1 Das Schälen der Korkeiche kommt. Kunstkorkplatten (Elastra-Korkplatren) übertreffen den Naturkork bedeutend an Güte. Sie lassen sich einfacher verarbeiten und sind dauerhaft,er. Es wird Korkschrot aus besonders elastischem Korkholz neben anderen Stoffen mit Bindemitteln, wie z. B. Kautschukmilch, in geeignetem Verhältnis gemischt. Die Massen machen dann ein Reifeverfahren durch und kommen nach einiigen wei­ teren Arbeitsgängen in Plattenform zum Vertrieb. Elastra-Korkplatten werden hauptsächlich in der Orthopädie-Schuhmacherei zur Herstellung von Ausgleichs­ ebenen und elastischen Einlagen verwendet. Leichter, aber nicht so druckfest und dauerhaft wie Elastra-Kork ist Flexokork, ebenfalls in Plattenform ver­ schiedener Stärken im Handel. 85
gebnisse, die zu Beanstandungen führen. Jeder Fuß hat seine besondere Eigen­ art; er muß durch das Schuhwerk mehr oder weniger zusammengehalten werden. Der vollbelastete schwache Fuß liefert als Umrißzeichnung eine krankhafte Fuß­ form, die dem Schuhmacher niemals als Unterlage für den Leistenbau dienen kann. Nur das Längenmaß ist vom vollbelasteten Fuß für die Leistenarbeit zu verwenden. Eine Gegenüberstellung richtig und falsch ab­ genommener Fußumrißzeichnungen (87.l ). Zeichnung a wurde von einem jugendlichen Knick-Senk-Spreizfuß in stehender, also voller Fußbelastung genommen, Zeichnung b in sitzender, leichter Belastung. Zeich­ nung c zeigt die Unterschiede. Die äußere gestrichelte Linie stellt die Fußlänge und Breite des krankhaft ver­ formten Fußes dar. Die größere Länge c) b) und Breite, durch das schwarze Feld u) ung ac 111.1 Richtige unu falsche Fußzeichnuni::c,, gekennzeichnet, istdurchdieVerfi h des Fußgewölbes in stehender Stellung zu erklären. Der Pfeil weist auf die Gefahrenstelle des Knick-Senkfußes hin. Hiernach gebautes Schuhwerk fällt zu breit a,us; das Fußleiden verschlimmert sich also trotz Tragens von Maßschuhen. Bei Verwendung der Fußzeichnung b, bei der der Fuß die sogenannte „Konek­ turstellung" einnahm, kann der Leisten bei fachgemäßer Erarbeitung nicht zu breit ausfallen, und der bänderschwache Fuß bekommt seitlichen Halt, a.ußerdem bei sonst richtiger Leistenformung und Bodenarbeit Stütze von unten her. h) Farbblätter werden verwendet Das Arbeitsverfahren verändert sich nichL Die den Farbblättern beigefügten Papp­ tafeln werden mit Wasser leicht durchtränkt. 11an läßt sie etwas anziehen und nach dem Auflegen des Farbblattes, das für jeden Fuß erneuert werden muß, vom Fuß wie bei Benut,zung des Trittspurgerätes belasten. Die Feuchtigkeit des Kartons löst die Farbe des aufgelegten Anilinblattes und überträgt sie je nach deT Druck­ stärke, die auf den gesunden oder kranken Belastungsstellen der Fußsohle ruht, mehr oder weniger stark aufdie Papptafel. So ent, steht die 'frittspur, die die Eigen­ art der Fußbelastung wiedergibt. Die Unterschiede der I<'üße erfordeni, <laß von beiden Füßen die Umrißzeichnung und Tritt­ spur abgenommen wird, und jeder Leisten muß danach gearbeitet werden. Nux bei der end­ gültigen Formgebung richtet man den einen Leisten nach d0m anderen, soweit dies ohne Beeinträchtigung der Paßform möglich ist. Anilin-Farbblätter kann roan auch selbst berst()llcn. Man schneidet zweckmäßig aus hell­ farbigem Schreibpapic-r l3X 35 cm große Stücke, die auf der einen Seite mit einer Lösung von etwa 10 Gramm violettem, wasserlöslichen Anilin und 1,'4 Liter \Vasscr bestrichen werden. Nach dem Trocknen erfolgt ein zweiter Anstrich. Dann sind die Blätter gebrauchsfertig. Als Unterlage dient weißer Karton. 87
II. Das Abnehmen der Weitenma&e Die abgenommenen Weitenmaße wer,len in einer Zeichnung vermerkt. Fußumriß­ zeichnung und Trittspurbild genügen noch nicht als Unterlagen für den Leisten­ bau. Von der genauen .Abnahme der Weiten- oder Umfangmaße des Fußes ist das gute Passen des an­ zufertigenden Maßschuhes sehr ab­ hängig. Höcker des 5. Mittelfufiknochens 88.l l!'ußweltenmaßc l Großzehenballenrnnß 4 Fersenmaß 2 Kleinzehenballenmaß 5 Knöchel- oder Beinlllaß 3 Reihen- oder Spannmaß 6 Scha!t-liöhenrnaß Von den Fußweiten.maßen wird entsprechend der herzustellenden Schiihart am Leisten „abge­ brochen", d. h., der Leisten wird an den Stellen, wo der Fuß Halt benötigt und auch Halt vei·tragen kann, schwächer gearbeitet, als das Fußmaß angibt. Um wieviel das :Niaß schwächer �halten werden ka.nn, entscheidet auch vor allem die jeweilige Beschaffenheit des Fußes, was beim Maßnehmen sofort festgestellt werden muß. Die abgenommenen Maße vermerkt man zweckmäßig an den Stellen der Fußzeichnung, wo sie :auch am Fuße genommen wurden. Das erste abzunehmende Maß ist das „Großzehenballenmaß". Es führt über den Großzehenballen und über die kleine Zehe (88.1). Beim Abnehmen der Vorfuß­ weitenmaße soll der Fuß ebenfalls leicht auftreten (Person sitzend). Das Maßband wird ohne besondere Anspannung um den Fuß . herumgelegt, es soll also nur gut anliegen. Das so ermittelte Ballenmaß gibt dem Vorfuß bei ordnungs­ gemäßer Übertragung f!.uf den Leisten die passende Vorfußweite, d. h. Groß­ zehenballen und kleine Zehe haben genügend Raum, um ihre Aufgaben beiBelastung erfüllen zu können (88.2). Das zweite Vorfußmaß geht ül1er den KJeinzehenballen und hinter den Großzehen­ ballen. Es wird zweckmäßig 88,2 Das Abnehmen der iVeltenmnße 88
als „Kleinzehenballenmaß" bezeichnet. Von diesem Maß bricht man für den Leisten durchschnittlich P/2 Stich ab, denn hier benötigt der Fuß (besonders der Spreizfuß) genügend seitlichen Halt, auch damit eine weitere Spreizung der Mittelfußknochen nach außen vermieden und der Ballendruck gegen das Oher­ leder verringert wird. Da aber nicht jeder Fuß gleichmäßig viel Abbruch vertragen kann, hilft man sieb zweckmäßig durch entsprechendes An­ spannen des Maßbandes, bis sich ein Widerstand bemerkbt�r macht, und vermerkt neben dem erst,genommcnen Klcinzehen­ ballen.maß das durch Anspannen erhaltene Leisten.maß (89.1). Aufdiese Art ist mo.n vor Schaden bewahrt, denn es gibt I<'iUle, wo mehrere Stiche abgebrochen werden könne n (fleiachigo, fette, lockere l!'üße), und solche, wo kaum ein Stich Abbruch Vt'rtrag<'•t wird (knochige, sehnige und atärkcr ausgeprägte Hohlfüße). Das dritte Maß ist das „Reihenmaß" oder „Spannmaß", das !'19.l TrltlSf)UJ' mit cln­ gdragencn \\'�i­ tt1nrnaßen vor dem Höcker des fünften Mittelfußknochens über den Reihen oder den Spann führt. Der Höcker ist bei den meisten Füßen sichtbar und fühlbar ausgeprägt und an der Fußumrißzeichnung durch eine Ausbuchtung am äußeren Gelenk erkennbar (s. auch Bild 87.1 u. 89.1, Pfeile). Wie beim vorhergehenden, bricht man auch an dieRem Maß für den Leistenbau entsprechend dem "Ergebnis durch das Anziehen des .Maßbandes ab. .Beide :;}fuße müssen nebeneinander vermerkt werden, <las Leistenmaß am besten cingt'• �ammert, denn so hat man stets eine genaue Kontrolle, wieviel vom eigentlichen F11ßmaß abgebrochen wurde. Nun wird das „Fersenmaß" o!lcr „Backenmaß" abgenommen. Dazu wird die :Ferse um die vorgesehene Höhe des Absatzes angehoben. Der Vorfuß bleibt da.bei leicht aufgetreten. Das Maßband wird um den hinteren unteren Fersenrand ge­ führt und geht zur Fußbeuge. Es liegt auch hier am. Fuße fest an, ohne ange­ spannt zu werden. Von dem ermittelten Maße bricht· man nichts ab, denn der l!'uß benötigt in diesem Teile des Stiefels genügend Bewegungsmöglichkeit. Bei Halbschuhleisten ist dasAbbrechen von durchschnittlich einem Stich zu empfehlen. Bei hochgestellter Ferse kann sich das Fersenmaß in einzelnen Fiillen bis zu zwei Stich gegenüber dem Maß bei aufstehender Ferse verringern. Wenn bei aufstehender Ferse ge­ messen wurde, kann der Stiefel oder Halbschuh im Fersenteil viel zu weit werden. Für Stiefel benötigt man weiterhin das „Knöchel- oder Beinmaß". Es wird an der dünnsten Stelle des Beines genommen, oberhalb des Schien- oder Waden­ beinknöchels, etwa in halber Höhe der Fußlänge, seitlich außen gemessen. Für die Schaftweite (Schaftmuster) bricht man von diesem Maße durchschnittlich einen Stich ab, jedoch nur dann, wenn es bei der Abnahme nicht angespannt wurde. Bei dünnem Schaftstoff bricht man von den gesamten Fußweiten für den Leisten­ bau zusätzlich noch etwas ab, bei stärkerem Leder weniger, da es aufträgt und nicht so zügig ist. Leisten zur Herstellung von schwerem Schuhwerk benöt-igen umgekehrt eine Zugabe bei allen Maßen; sie muß beim Kleinzehenballenma.ß und H.eihenmaß zu den angespannt genommenen Maßen gegeben werden. 89
B. Vom gesunden und kranken Fufi Die dem Schuhmacher in Auftrag gegebene :Maßarbeit ist heute vorzugsweise für Menschen bestimmt, die durch eine Fußkrankheit in ihrer Leistungsfähigkeit. gehemmt sind. Diese Aufgabe kann aber ohne Kenntnis vom Bau des menschlichen Fußes und seinen Jn-ankhaften Veränderungen nicht übernommen werden. Die Lehens- 1uid Beschäftigungsart besonders der Städter ist grundverschieden von der unserer Vorfahren. Das Wechselspiel der Muskeln, das den Körper gesund er­ hält, ist bei unserer heutigen Lebens- und Arbeitsweise oft ungenügend. Anderer­ seits gewinnen aber die Muskeln durch häufige Arbeit an Stärke, und je mehr a.lle Muskeln des Körpers zu gewöhnlichen täglichen Leistungen mit Erholungspausen herangezogen werden, desto gesünder, ebenmäßiger und kräftiger entwickelt sich der Körper. Meist haben sich unsere Füße zu Formen entwickelt, ilie i�lles andere als die Bezeichnung „gesund", ,,ebenmäßig" und „kräftig" verdienen. An dieser Entwicklung trägt der Mißbrauch unserer Füße die Hauptschuld. Der Bau <les menschlichen Fußes und seine Muskelanordnung sind zum Gehen auf dem Erdboden eingerichtet, doch wirkt sich die ebene und harte Beschaffenheit des Bodens der Straßen, del· Wohnung, der Arbeitsstätte und nicht zuletzt des Schuh,�rerkes zermürbend auf den Fuß aus. Menschen mit vorzugsweise stehender Berufstätigkeit sind nun doppelt der Gefahr einer Fußerkrankung ausgesetzt, weil das ständige Stehen noch schädlicher ist, als das fußschwächt:mde Gehen auf flachem und hartem Boden. Landbewohner sind Fußerkrankungen weniger ausgeset,zt, weil si.e mit dem glatten Asphalt- und Steiupß.asterboden weniger in Berührung kommen als die Städter. Ihre Fuß- und Beinmuskeln, aber auch die übrigen Üi-gane, können sich auf dem ungleichmäßigen Boden der Mutter Erde bei ihren täglichen Leistungen kräftigen. Die Vielgestaltigkeit der ]'uß- und Beinbewegungen sorgt, für eine gut,e Durch­ blutung. Für gesunde oder normale Füße fertigt der Schuhmacher nur noch selten Miaßschuhe an. Den weitaus größten Anteil an der Verdrängung des M�1ßschuhes hatte die Ent­ wicklung der Technik, wodurch es möglich wurde, Schuhwerk in großen Mengen schneller, billiger und vielgestaltiger anzufertigen. 1\1.Iit der Verdrängung der reinen Handwerksarbeit durch die Maschine bekam auch der Begriff „l\fode" eine andere Bedeutung. Der im Verhältnis zu anderen Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens immerhin teure, aber sehr haltbare Maßschuh konnte nicht so oft ge­ wechselt werden. Darum änderte sich die Mode früher auch viel langsamer. Dies wurde aber mit der Einfühiung des in großen Mengen hergestellten und billigeren Schuhwerks anders. Die hierzu verwandten Werkstoffe waren aber auch allgemein von geringerer Güte, es entstanden Nachahmungen aller bis dahin vom Schubmacherhandwerk verarbeiteten Ober- und Unterleder und Stoffe,, wodurch jedoch die Tragdauer derartigen Schuhwerks bedeutend herabgesetzt wurde. 90
Scholl Von jetzt aber vollzog sich ein schnellerer ·wechsel, bald ,vurde diese, bald jene neu in Erscheinung getretene Schuh­ form als Ersatz für das verbrauchte oder unansehnlich ge­ wordene alte Schuhpaar gewählt. Der Wettbewerb zwang die Schuhfabriken untereinander sehr bald, nach immer neuen Mustern, Schnittarten, Farben, Farbenzusammenstel­ lungen zu suchen, die Preise durch noch bessere Arbeitsverfahren, größere Einkäufe usw. weiter herabzusetzen, damit ein noch größerer Absatz erzielt werden konnte. Aus der Mode wurde ein Schnellauf um den größten Absatz, und nur teuere Markenschuhe haben heute noch einen Teil { � der Eigenschaften, die ein wirklich guter Maßschuh hat. Um [ so mehr hat der Schuhmacher, der Maß-Schuhwerk in Auf­ i- trag nimmt, die Pflicht, sich die Kenntnisse anzu eignen, die zur ordnungsmäßigen und besten Durchführung allerArbeiten vorausgesetzt werden müssen. ;\ ln •· Vertiefung filr den oberen Teif der Kniescheibe \.-- Ob,rschenhe/knorren I. Der gesunde Fun a) Das Skelett Wadenbein Das fest e Gerüst des menschlichen Körpers nennt man Skelett; es besteht aus Knochen, Knorpeln und Bändern. l i ,\ 1 Zwi,chenknochenbona -4Wl,1!11,I - - -Schienbein Äußerer oder Innerer oder Schienbcin­ �nuchcl --f:ft ,j-11,11 b} 91.1 Fuß- und Beinskelett Knöchelgobet 1. Das Bein- und Fußskelett Das Beinskelett wird aus dem Ober­ und Unterschenkelskelett gebildet. Das Oberschenkelskelett besteht aus nur einem Knochen, dem „Oberschenkel­ bein". Das ist ein Röhrenknochen (so genannt, weil er hohl ist), sehr stark, hart und fest wie alle- Röhrenknochen des Skeletts. Das Oberschenkelbein ist der mächtigste Knochen des ganzen Körpers. Am oberenTeil, auf der inneren Seite, befindet sich der mit einem Hals versehene „Gelenkkopf", der in die „Ffanne" des Hüftbeins paßt und so das „Hüftgelenk", ein Kugelgelenk, bildet. Der mittlere Teil trägt die Be­ zeichnung „Schaft" und der untere ver­ breiterte Teil „Oberschenkelknorren". In einer Vertiefung daran findet ein Teil der Kniescheibe Aufnahme (91.la). 91
und zwar aus dem Hauptknochen, dem „Schienbein", dem „Wadenbein" und der „Knie­ scheibe". Schien- und Wadenbein sind ebenfalls Röhrenknochen, die durch Bänder und Gelenke fest miteinander verbunden sind. Das auf der Innenseite liegende Schienbein hat einen di-eieckigen Querschnitt und ist bedeutend stärker als das außen liegende schlanke Wadenbein, das den Muskeln als Stütze dient. Das Uotel'schenkelskelett setzt sich aus mehreren Knochen zusammen, f,;-- '- Oberschenhelbein l Kniescheib• BeriJhrungslläch• des , Oberschenkel· knochens lcnochenl Pfanne . ·"/ - Schienbein - J 92.l Dns Kniegelenk in Beugestellung Das obere, verbreiterte Ende des Schien­ beines bildet zwei Mulden (,,Pfannen"), die sich mit den Berührungsflächen des Oberschenkelknochens decken (92.1). Oberschenkelknochen, oberes Schien­ beinende una" Kniescheibe bilden zu­ sammen das Kniegelenk. Das untere erweiterte Ende des Schienbeins bildet den inneren Knöchel, den „Schienbein­ knöchel", und das untere Ende des Wadenbeines den äußerenKnöchel, auch Wadenbeinknöchel genannt (91.lb) . Obgleich Schien- und Wadenbein von gleicher Länge sind, liegt der äußere Knöchel tiefer als der Schienbein­ knöchel , was durch die tiefere Anord­ nung des Wadenbeines bedingt ist. Dies ist bei der Herstellung von Halbschul1en besonders zu beachten. Damit die äußere Schaftkante nicht am Wadenbeinknöc:hel reibt und auch ein guter „Knöchelschluß" zustande kommt, muß die äußere Schaftkante genügend tief'verlaufon. Form und Anordnung des Schien- und "\Vadenbeinknöchels bilden die „Knöchel­ gabel" zur Einfügung des Fußskeletts (91.la.). Schien- und Wadenbein sind durch das „Zwischenknochenband" fest miteinander verbunden (91.lb) . Das Fußskelett ist äußerlich mit einem Gewölhebau zu vergleichen. Es wird gebil­ det von 26 Knochen zuzüglich der zwei unter dem Mittelfußköpfchen angeordneten Sesambeine. Sie werden in drei Gruppen gegliedert : a) Fußwurzelknochen, b) Mit­ telfußknochen und c) Zehenknochen (93.1 ···4). Zu a) Zur Fußwurzel gehören sieben Knochen: 1. das Fersenbein, ein mächtiger Fußknochen 2. das Spnmgbein, der oberste, in der Knöchel­ gabel angeordnete Knochen 3. das Kahn- oder Schiffbein 92 4. 5. 6. 7. das erste das zweite 1 Keilbein das di-itte das Würfelbein
Zehenhnochen Hil//eres - ��••· Zeheng/ied Zehengrundglied-+-4,11. Zehenhnochen Nagelgl1ed der Großu.>e Großzehengrundglitd 2 Sesambeine Großzehen­ Grundgelenh Kleinzehen­ Grundg•lenh Knochen 1 - 5 Hillelluß- Drilles Keilbei Kahnbein Würfelbein Sprungbein Fersenbein 93.2 Skelett von oben 93.1 Skelett von unten Zu b) Der Mittelfuß wird von fünf Mittelfußknochen ge­ bildet: 1. Erster oder Großzehenmittelfußknochen 2. zweiter lVIittelfußknochen 3. dritter l\fittelfußknochen 4. vierter Mittelfußknochen 5. füntter oder Kleinzehenroittelfußlrnochen. Sprungbein Xohnbtir, Gro8zthM-Crundg�fenlf FuJwurul 93.3 Skclcttinnenscite Die unteren verdickten Enden der Mittelfußknochen heißen „1\fütel­ fußköpfoben". Zu c) Zur Zehengruppe ge­ hören 14 Zehenknochen. Die Großzehe hat zwei und die übrigen Zehen drei Zehenglie­ der. Die a n die lVIittelfußköpf­ chen stoßenden Zehenglieder werden als „Zehengrundglie­ der" bezeichnet, die nächst- 93.4 Skelettaußenseit,e 93
fulg<'nden als „miLLlcre Zehengliccler'. und. die vorderen als ,.:Xagclglie<ler". Unter dem Köpfchen des Großzehemnittelfußkuochens hcfinclcn sich z,1·ei Sesam­ hcine. .An ilmen setzen �ich Muskeln des Großzchenballc115 an. Sie clü-ncu dem Großzchcnballen gleichzeitig als „Rolle'-. Das Fußskelett hat einen inneren und eiucn äußeren Gewölbebogen. Der äußci·e wird �chil<let Yon dem l<'crscnhcin-\\'iirfelhein 11n1l <km fünften Mit.telfußknoc·hcn; Außerer Gewölbebogen Innerer Gtwolbebogon 9�. I a und b G,•wüll>cbogen dl'S J."ull•kcletls <las innereLängsgewölbe vom schräg nach oben stehenden Fersenbein, dem ihm aufliegenden Sprungbein, dem Kahnbein, dem er­ sten Keilbein und dem ersten :i\Iittelfußknochen (94.la u. b). r Diedrei tief,;ten Punkte des normalen Fußskeletts sind das Fersen­ bein, der Großzehenballen und der Kleinzehenba.llen (94.2). Die / fünf l\Iittelfußlrnochen bilden unterei.t1u.nder t 'f (wenn der Fuß nicht belastet ist) vome bei <len Köpfchen einen Querbogen. :Bei der Be­ lastung des Fußes verflacht er sich, so daß nun jedes l\fittelfußköpfchen ebenfalls zu einem Stützpunkt wird (94.2). Ouer• bogen 2. Die Gelenke Gelenke verbinden die für die Bewegung be­ stimmten Knochen miteinander, und Bänder halten sie zusa,mmen . Die GelenJ-enden sincl mit eitler Knorpelschicht über­ zogen, damit sich die Gelenkereibungs­ los bewegen können. Gleichzeitig dient dieKnorpelschicht auch als nachgiebige Pufferschieht. Umschlossen wird da.s ganze Gelenk von einer aus beiden Knochenenden herauswachsenden Gelen,kkaspel (94.3). Auf der Innenseitehat sieeine Sehleim94 -�� c a 94.2 Die drei Haup�stützpunkt e des Fuß• sk�letts G1/onkonde Gelenkkap�•I GtltnHapsel 94.3 Das Gelenk Ge/tnkhöhle
haut zur Absonderung der Gelenkschmiere, die als schlei martige Flüssigkeit die Gelenkhöhle ausfüllt. Hüftgelenk und Kniegelenk sind die stärksten und festesten Gelenke des mensch­ lichen Körpers. Entsprechend den mit einem Gelenk zu vollziehenden Bewegungen unterscheidet man das „freie Gelenk", ,,straffe Gelenk", ,,Sattelgelenk", ,,Scharnier- oder Win­ kelgelenk" und „Drehgelenk". Die Bewegungsarten kommen durch die verschie­ denen Bezeichnungen zum Ausdruck. Das Kniegelenk ist ein einfaches Schar­ niergelenk, in gebeugter Stellung aber auch ein Drehgelenk, da mit dem Knie in der Beugestellung eine „Nachinnendrehung" ausgeführt werden kann. Die Haupt­ bewegungen, die im Kniegelenk ausgeführt werden können, sind Beugen und St.recken des Unterschenkels. Die Hauptbewegungen des Fußes gehen im Sprunggelenk vor sich. Hierbei unter­ scheidet man die Bewegungen im „oberen Sprunggelenk", gebildet von der Knö­ chelgabel (91.lb) und dem oberen Schiet>bein __ _ Teil des Sprungbeines mit der sogenannten Sprungbein Sprungbein-, Fer�enbein• ,,Rolle" (91.la). Kahnbein-Gelen/rflächen Dieses Gelenk gestattet nur ein Kahnbein 2. Keilbein Fußheben und 1. Keilbein -senken. Die seitliehen Fußbewegungen vollzie- Großzehen Hillelfußkncchen hen sich im un'-" chen und teren Sprung- Köpf Gol.nklläche gelenk an den des GroßzehenBerührungsflä- millelfußknochens Plonnenbond 2 s,sambeine eben des Sprung­ beines mit dem 95.1 Fußwurzelgelenke Fersenbein (hinterer Abschnitt) und den Berührungsflächen des Sprungbeines mit dem Fersen­ bein und Kahnbein (vorderer Abschnitt) (95.1). Die übrigen Fußwurzelknochen sind untereinander durch straffe Gelenke ver­ bunden ; ebenso wie der Fußwurzelknochen mit dem l\'Iittelfuß. Die Verbindung von Mittelfuß mit den Zehengrundgliedern (Berührungsstelle der Yrittelfußköpfchen mit den ersten Zehengliedem) wird durch Kugelgelenke vermittelt, die von straffen Kapseln umschlossen sind. Die übrigen Zehenglieder haben Scharniergelenke, durch die Beugen und Strek­ ken der beiden Zehenglieder möglich ist. 3. Bänder Bänder dienen den Gelenkkapseln a1s Verstärkung und halten die Knochen zu­ sammen. Sie bestehen aus einem fasrigen Bindegewebe und haben eine große Zug­ festigkeit. Das Skelett würde ohne Bänder keinen Zusammenhalt haben 95
.,I . Zwischenknochenband €, ,.. Wadonbom Knöchelbiinder Fußrücken• bönder 96.1 Fußwurzelbändor und müßte auseinanderfallen. Die kräftigsten Bänder des Fußes sind die Gabelbänder zwischen Schien- und Wadenbein (Verbindung der Knöchel­ gabel), dann die Knöchelbänder, die den Zusammenhalt des Schien- und Wadenbeines mit den Fußwurzelkno­ chen bewirken (96.1). Von besonderer Bedeutung für die Ifußgesundheit ist das „Untere Fersenbein-Kahnbein-Band". Es verbin­ det das Fersenbein mit dem Kahnbein. Beide Knoclien stoßen aber nicht, zu­ sammen, sondern sind durch eine Lücke voneinander getrennt, die das Band überbrücken muß. In dieser Lücke ruht ein Teil des Sprungbein­ kopfes, es wird von unten her durch das vorerwähnte, mit einer Knorpel­ einlage versehene wichtige Band (auch „Pfannenband" genannt) ge­ stützt (95.1). Es hat die Aufgabe, das Sprungbein vor dem Abwä.rtssinken an dieser offenen und somit gefährdeten Stelle zu schützen. Eine Schwächung der Bänder bedeutet stets eine Gefahr fü,.- <lie Fuß- und Köi:pergesundheit. Die Gelenk.fläche 9G.2 Skelett des gesunden l'ußcs 9G.3 Skelett des Plattfußes 96 des Fersenbeines für das Sprung­ bein hat eine etwas schräg nach vorn und innen verlaufende Form (mit einer nach vom und innen abschüssig verlaufenden Ebene zu vergleichen) (95.1). Das belastete Sprungbein rutscht auf dieser schl'ägen. Gelenlcfläche nach innen vorn ab. Hierdurch entsteht eine Mehrbelastung der Bän­ der und Muskeln, was auf die Dauer das gesamte Gehwerk schwächen muß. Das Sprungbein zwängt sich immer mehr zwischen Fersenbein und Kahn­ bein (96.2 u. 96.3, Pfeil), wodurch es zu einer Nachaußendrehung des Fer­ senbeines (Knickfußstellung der Ferse, Bild 97.1) und des Vorfußes kommt. So entwickelt sich aus dem Knickfuß der Senkfuß (meist verbunden mit
dem Spreizfuß) und hieraus schließlich der Plattfuß, ,1·ie er sich oft mit Zehenentartungen in den verschiedensten Ab­ stufungen und Formen zeigt. Aueb die übrigen Bänder von Fuß und Bein haben mebr oder weniger starke Belastungen auszuhalten, und dies ganz besonders bei ein­ seitiger stehender Berufstätigkeit, wie es z.B.bei Schlossern, Bäckern, Schreinern, Friseuren, Ärzten, Krankenpflegern der Fall ist. b) Die Muskeln Muskeln sind aus Muskelfasern zusammengesetzte Bündel, welche sich zu Muskelschläuchen vereinen. Sie sind reichlich von Blutgefäßen durchdrungen und mit Nerven verselien. Die Enden eines Muskels gehen in Sehnenfasern über, die sich schließlich zu einer Sehne zusammenschließen. An ihrem Ende spaltet sich die Sehne wieder in Sehnenfasern auf, welche eine innige Verbindung mit dem Knochen (Ansatz­ stelle) eingehen. Die Muskeln vollführen die Bewegungen. Zu jedem Muskel gehen Bewegungsnerven. Sie verteilen sich zu sehr feinen ]'ädchen. Jedes Fädchen läuft in eine Nervenendplatte aus und stellt hier eine Verbindung mit einer Muskelfaser her. Durch einen Nervenreiz wird in der Muskelfaser eine Zu­ sammenziehung bewirkt. 9r.1 links: cerade Fuß- u. Beinstellung bzw.Achse rechts: Knickuog der Ferse nach außen und Nach­ außeodrellung d.Vorfußes Durch Verletzung oder Erkrankung kann es vorkommen, daß der zuführende Nerv an irgend­ einer Stelle unterbrochen wird. Dann kann sich der zu diesem Nerv gehörige Muskel nicht mehr willkürlich zusammenziehen. Man spricht von einer l\1uskellähmung. Auf einen Nervenbefehl hin kann sich ein Muskel zwar zusammenziehen,, nie aber selbständig wieder ausdehnen. Beim Zusammenziehen verkürzt sich der Muskel und wird dicker. Das Strecken eines Muskels bewirkt·. jeweils ein Gegenmuskel. So gibt es daher Beuger - Strecker Heber - Senker Anzieher - Abzieher Einwärtsdreher - Answärtsdreher usw. Besonders wichtig ist das Kennenlernen der wesentlichsten Unterschenl.{el- und Fußmuskeln und ihrer Wirkungsweise. Muskeln und Sehnen am Untefschenkel und Fuß A. Vordere }1nskeln des Unterschenkels (dorsale Muskeln, rückwärts, hinten) 1.Vorderer Schienbeinmuskcl (musculus tibialis anterior) Bild 98.1 (12) Wirkung bei Spielbein: Dorsalflexion = Heben der Fußspitze Wirkung bei Standbein: Unterschenkel wird an den Fußrücken herangezogen. Bei Lähmung der Gegenspieler entsteht ein Spitzfuß. Ursprung: Von der oberen Hälfte der äußeren Schicnbeinfläche ·und. der angrenzenden Zwischenknochenhaut Ansatz : Am ersten Keilbein - und vor allem am ersten Mittelfußknochen 97
2.Langer Zehenstrecker (musculus extensor digitorum longus) Bild 98.l (8) Wirkung bei Spielbein: Dorsalflexion = Heben des ganzen l!'ußes \Virkung bei Standbein : Unterschenkel wird an Fußrücken herangezogen 3.Langer Großzehenstrecker (musculus extensor hallucis long1.1s) Bild 99.1 (10) Wirkung bei Spielbein: Strecken der Großzehe und Heben des Fußes Wirkung bei Standbein : Unterschenkel wird an Fußrücken herangezogen Ursprung, Verlauf und Ansatz: Langer Zehenstrecker und Langer Großzehenstrecker entspringen abgestuft von der Vorderfläche dl:ls Wadenbeines und vom Zwischenlu1ochen­ band, der eine auch noch vom äußeren Knochen des Schienbeins. Die Sehnen werden unter dem queren Band und durch Leitkanäle (Sehnenscheiden) unter dem Kreuzband des Unterschenkels hindurch über den Fußrücken zu den Zehen geführt, deren End­ glieder sie erreichen. B. Seitliche (laterale) Muskeln des Unterschenkels (dorsale Muskeln, rückwärts, hinten) 1. Langer Wadenbeinmuskel (musculus peronaeus longus) Bilder 98.l (6) und 99.1 (12) Wirkung bei Spielbein: Sen­ kel} des Fußes (Pla.ntarflexion) bei gleichzeitiger Drehbewe­ gung des Fußes, Hebung des äußeren und Senkung des inneren Fußrandes,(Auswärts­ kant1.1I1g) und Abdu1.-tion, Be­ wegung des :Fußes .von der Körpermitte nach außen Zu 98.l 1 Wadenheinköpfche11 2 Zwillingswadenmuskel 3 Schollenmuskel 9S.l Fuß- und lleirunuskelu') •) Nach Frohses Anatomischen Wandtafeln 98 4 Sohlenspanner 5 Sehne des Solllenspanocrs 6 Langer Wadenbeinmuskel 7 KurzerWadenbe.inmuskel 8 Lanp:er Zehenstrecker 9 Dritter Wadenbeinmuskel 10 Langer Großzehenbeugcr 11 Achillessehne 12 vorderer Schlenbeinmnsk�I 13 Queres Unterschenlrnlband l4 Kreuzband des Unterschenkels und Fnßes 15 Oberes Halteband der Waden­ belnmuskel 16 Unteres Halteband der Wadenbeinmuskel 17 Fersenbeln 18 Kurzer Zehenstrecker 19 u. 20 Kleinzehenab,ziebcr 21 Kleillzehengegensteller 22 Langer Zehenbeuger 23 des hinteren Schienbein­ . Sehne muskels
Wirkung bei Standbein: Andrücken des Fußes auf Boden. Bei Lähmung des Muskels entsteht ein Spitzklumpfuß Ursprung, Verlauf und Ansatz: vom oberen, seitlichen Teil des Wadenbeins (Fibula) und verläuft unter dem äußeren Knöchel zum äußeren Fußrand. Hier biegt er hinter der Rauhigkeit des 5. Mittelfußknochens in eine Furche des Würfelbeins ein und läuft quer zur Fußsohle bis zum Keilbein 1 und 1. Mittelfußknochen, wo er gegenüber dem vorderen Schienbeinmuskel ansetz-t. Zu�ammen mit dem vorderen Schienbeinmuskel bildet er eine Art Steigbügel (100.1 b), worin das Fußgewölbe gesichert ruht, und der das Abweichen des stark belasteten 1. Mittelfußknochens nach der Seite verhindern soll. 2. Kurzer Wadenbeinmuskel (musculus peronaeus brevis) Bild 98.1 (7) Wirkung bei Spielbein: Plantarflexion = Senken der Fußspitze, Pronation = Drehbe­ wegung des Fußes bei gleichzeitiger Hebung d�s äußeren und Senkung des inneren Fuß­ randes (Auswärtskantung) und Abduktion = Bewegung des Fußes von der Körper­ mitte nach außen. Bei Lähmung der Gegenspieler zieht der Muskel den Fuß in Platt­ knickfußstellung. Ursprung, Ansatz: An der Hinterfläche des Wadenbeins (Fibula), oberer Teil. Rauhig­ keit des 5. Mittelfußknochens C. Tiefe Mus k e l n d e r Hinterseite d e s U n­ t e r s c he n k e ls 1. Hinterer Schienbeinmuskel (musculus tibia­ lis posterior) Bilder 99.1 (6) und 98.l (23) Wirkung bei Spielbein: Supination = Drehbe­ wegung des Fußes bei gleichzeitiger Hebung des inneren Fußrandes, die Fußsohlen werden Zu 99.1 1 Dreiköpflger Wadenmuskel (Zwillingswadenmuskel Schollenmuskel) 2 Sehne des Sohlenspanners 3 Schollenmuskel 4 Achillessehne 5 Langer Zehenbeuger 6 Hinterer Schienbeinmuskel 7 Langer Beuger der großen Zehe 8 Zipfelband 9 Vorderer Schienbeinmuskel 10 Langer Strecker der großen Zehe 11 Langer Zehenstrecker 12 Langer Wadenbeinmuskel 13 Queres Unterschenkelband 14 Kreuzband des Unterschenkels und Fußes 15 Kurzer Zehenstrecker 16 Zwischenknochenmuskel 17 Abzieher der großen Zehe 99.1 Fuß- und Beinmuskeln') ') Nach Frohses Anatomischen Wandtafeln 99
dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung), Abduktion = Bewegung des Fußes von der Seite nach der Körpermitte hin und Plantarfiexion = Senken der Fußspitze Wirkung bei Standbein: Unterschenkel wird Ferse und Fußsohle genähert Ursprung, Verlauf und Ansatz: Auf der Rückseite des Schienbeins (Tibia) und Waden­ beins (Fibula) und ihrer sehnigen Zwischenwand.Er verläuft unter dem inneFen Knöchel und setzt an der Rauhigkeit des Kahnbeins (Tuberositas navicularis) und an der Unter­ seite der drei Keilbeine an. 2. Langer Großzehenbeuger (musculus flexor hallucis longus) Bilder 98.1 (10) und 99.1 (7) Wirkung bei Spielbein: Plantarflexion = Senken der Fußspitze, Supination = Dreh­ bewegung des Fußes bei gleichzeitigem Heben des inneren Fußrandes, die Fußsohlen werden dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung) und Abduktion = Bewegung des Fußes von der Seite nach der Körper­ mitte hin Wirkung bei St-1,ndbein : nähert den Un­ terschenkel der Fußsohle, ·wird also wirksam beim Zehenstand und AbSehne deslangen Wadepbeinmuske!s wickeln des Fußes Sehne deshinleren Sehne deskurzen Schienbeinmuskels Bei Schwäche oder Lähmung des Mus­ W!1denbeinmuskels kels ent-steht ein Plattknickfuß. Ursprung, Verlauf und Ansatz: An der Sehnedesvorderen Hinterfläche des ·wadenbeins (Fibula), Sdlienbeinmuske/s greift auf das Zwischenkmochenband über, verläuft hinter dem inneren Knö­ chel (MaUeolus medialis), unter dem Vorsprung des Fersenbeins auf der inneren Seite, genannt „Balkon", zu dem Endglied der Großzehe 3.Langer Zehenbeuger (musculus flexor digitorum longus) Bilder 9S.l (22) nnd 100.l Die Sehne des langen Wadenbeinmuskels t-rittam 99.1 (5) äußeren Rand des Fußes in die Rinne des Würfel­ beines ein und läuft schief durch die Fußsohle Wirkung bei Spielbein: Supination = hindurch zum ersten Keilbein Drehbewegung des Fußes bei gleichzeitiger.Hebung des inneren Fußran­ des, die Fußsohlen werden dabei einander zugekehrt (Einwärtskantung), .Abduktion = Bewegung des Fußes von der Seite nach der Körpermitte hin und Plantarfle:rion = Senken der Fußspitze Wirkung bei Standbein: unterstützt sehr wesentlich die Abwicklung und den Zehen­ stand. Der l\1uskel ist ein wichtiger Gewölbespanner. Ursprung, Verlauf und Ansatz: Er entspringt an der Rückseite des Schienbeins ('l'ibia), geht unter dem inneren Knöchel hindurch und zu den Endgliedern der Zehen 2 bis ein­ schließlich 5. Auf der Unterfläche der Zehenglieder sind die Sehnen durch feste, derbe, fll8erige Scheiden festgehalten, so daß sie bei Beugung derselben nicht von den Kno­ chen abschnellen können. D.Oberflächliche Muskeln d e r Hinterseite d e s Unterschenkels, W a d e n m u s k e l n Die folgenden drei Muskeln bilden die Wade und gehen in eine gemeinsame Sehne über, die Achillessehne. 1. Schollenmuskel (musculus soleus) Bilder 98.1 (3) und 99.1 (3) Wirkung beim Standbein: verhindert durch seinen Zug am Fersenbein das Vornüber­ fallen im Fußgelenk 100
Ursprung und Ansatz: Die Fasern seines mächtigen, plattovalen l!'leischbauches gehen von den Hinterflächen beider Unterschenkelknochen und von zwei Sehnenstreifen dieser Knochen aus, welche sich in die Fleischmasse einsenken.Die Fasern gehen in die Achil­ lessehne über, die die obere glatte Hinterfläche des Fersenbeinhöckers überläuft und sich erst am mittleren, rauhen Teil des Höckers ansetzt. 2. Musculus plantaris (in der Abbildung nicht sichtbar) Dieser Muskel gehört zu den rückgebildeten. Seine Ausbildung ist wechselnd; mit der Achillessehne verschmolzen, kann er sogar ganz fehlen. 3.Zwillingsmuskel (musculus gastroonemius) Bilder 98.l (2) und 99.1 ( 1 ) Die Wirkung istvielseitig und erstreckt sich aufKnie und Fußgelenk.Er kann den Fuß senken, von der Seite an den Körper heranziehen und den Fuß ein­ wärtskanten. Er kann aber auch die Wirkung des Schollenmuskels unter­ stützen. Abzieher der 4.Achillessehne (tendo calcaneus Achil­ Abzieher der großen Zeh• les) Bilder 98.l (11) und 99.1 (4) ·kleinen Zehe Sie ist die dieser Muskelgruppe gemein­ Gemefoscho/1/icher same kriiJUge Sehne, die am hinteren Zehembeuger - .......;IU Kurzer oberen Teil des Fersenbeins ansetzt, um Großz,hen-B•ug,r Zwischonknochon­ in den Zwillingsmuskel und Schollen­ Muskeln langon du Sehne muskelüberzugehen.Sieistdie stärkste Großzehen-8,ugers Sehne im menschlichen Körper. ).I Fußmuskeln (101.1) A. Am Rücken: Kurzer gemeinschaftlicher Zehenstrecker (gemeinschaftliche Zehenstreckung) ' B.An der Sohle: 101.1 Fußsoblenmuskeln a) Am inneren Fußrand: Der Abzieher der großen Zehe (.Abziehen der Großzehe) Der kurze Beuger der großen Zehe (Beugen der Großzehe) Der Anzieher der großen Zehe (Anziehen der Großzehe) b) Am äußeren Fußrand sind zwei, nur die kleine Zehe betreffende Muskeln angeordnet: Der Abzieher der kleinen Zehe (Abziehen der kleinen Zehe) Der J.71rze Beuger der kleinen Zehe (Beugen der kleinen Zehe) C.I n der Mitte der Sohle liegen: Der kurze gemeinschaftliche Zehenbeuger (Beugen des zweiten Gliede s der zweiten bis fünften Zehe) Die Zwischenknochenmuskeln a) Drei äußere (Abzieher der Zehen) b) Vier innere (Anzieher der Zehen) (Nicht alle vorstehend angeführten Muskeln sind in den Abbildungen sichtbar, da sie zum Teil tief liegen.) Im Zusammenhang mit den Darlegungen über die Anatomie des Fußes siehe auch : M o l lie r, S : Plastische .Anatomie. Die konstruktive Form des menschlichen Körpers.2.Aufl.München 1938 und Eckhardt, H.: Medizinische Fachausdrücke. 101
II. Der kranke Fu.6 Meistens hört die Körperpflege beim Fuße auf, obwohl er bei einseitiger und schwerer Arbeitsweise, besonders bei stehender Berufstätigkeit, den ersten An­ spruch auf gründlichste Pflege haben sollte. Sind unsere Füße infolge fortgesetzter Überbeanspruchung geschwächt, so er­ fahren sie durch ungenügende Säuberung eine weitere Schwächung. Zur ordnungsgemäßen Fußpflege gehört, außer derReinhaltung, zweckentsprechen­ des, gut gepflegtes, die gesunde Fußform nicht beeinflussendes Schuhwerk. Zu schmales, spitzes, kurzes Schuhwerk unterbindet die normale Fuß- und Bein­ tätigkeit ebensosehr wie Damenschuhwerk mit unvernünftig hohen und schmalen Absätzen. In solchem Schuhwerk ist ein ausgleichendes Spiel der Muskeln nicht möglich, denn die eine Muskelgruppe wird in der zwangsläufigen Fehlstellung dauernd entspannt und die Gegengruppe überdehnt. Dies bedeutet eine Störung des Muskelgleichgewichtes ; außerdem kommt es zu Gelenkverlagerungen. Den Gelenkbändern ergeht es durch dieFehlstellung des Fußes eben so wie den Muskeln ; auch sie werden einseitig überdehnt oder entspannt. So sind es also mannigfacheEinflüsse,diedenehemalsgesundenFuß in die eine oder andere Fehlform hineinzwingen, wenngleich auch schwererwiegende Ursachen in dem einen oder anderen Falle ausschlaggebend für eine Fußerkrankung sein können, auf die aber an dieser Stelle nicht eingegangen werden kann. J Die verbreitetste Fehlform des Fußes ist der erwor­ bene Plattfuß (102.1). Er entwickelt sich aus dem 102.1 Pbttfuß Knickfuß. (Der Veränderungsvorgang am Skelett wurde unter dem Abschnitt „Bänder" Bild 96.2 u. 3, 97.1, erläutert). Der auf die innere Seite des Sprungbeines verlagerte einseitige ;Druck des Körpergewichtes führt nicht nur zur Abknickung der Ferse nach außen, sondern gleichzeitig zur Sen­ kung des Längsgewölbes. So entsteht der Knick­ Senkfuß. (Beachte auch das Trittspurbild in Bild 102.2.) Wird dem Senkfuß nicht die richtige Hilfe zu­ teil, verflacht sich das Längsgewölbe mehr und mehr, bis es schließlich vollkommen platt auf­ liegt. Der Fuß wird so zum Knick-Plattfuß (siehe auch Bild 102.1). Dieser Entwicklungsgang a) b) d) c) hat allerdings viel mehr 102.2 Trittspuren a.) vom gesunden Fuß, b)vom leichten Hohlfuß, c) vom Abstufungen als hier darschweren Hohlfuß, d) vom Plti.ttfuß ·-- 102
gestellt, doch interessieren uns zunächst nur die augenscheinlichsten. Der Spreizfuß ist erkenntlich an der außergewöhn­ lichen Verbreiterung des Vorfußes, des Ballenteils (103.1). Das Röntgenskizzenbild eines „Knick-Platt­ Spreizfußes" (103.2) zeigt eine „Spreizung" der Mittelfußknochen, besonders des ersten und fünften (siehe Pfeilrichtung!). Die Ursachen sind ebenfalls in einer Störung der Muskelarbeit zu suchen. In den meisten Fällen ist der Spreizfuß eine Begleiter­ scheinung des Knick-Senk- und Knick-Plattfußes, doch kann er sich auch ohne Knickfußerkrankung entwickeln. Dann handelt es sich um den Spreiz­ fuß des Hohlfußes. Die krankhafte Spreizung der Mittelfußknochen ist auf eine Dehnung und somit Lockerung der Bandverbindung der Mittelfußköpf­ chen zurückzuführen. 103.1 Spreizfuß Die Ballenhildung ist eine weitere Folge des Spreizfußes durch die Verdrängung der Großzehe nach außen. Durch das gestörte Muskelgleichgewicht und die Ein­ wirkungen des Bodendruckes kommt es zu dieser Schrägstellung der Großzehe, wobei in vielen Fällen auch die übrigen Zehen in Mitleidenschaft gezogen ,verden. Fest gegeneinandergepreßt, ohne Spielraum müssen sie ihre nicht leichte Aufgabe erfüllen. Die Zehenlage ist jetzt keine schöne breite, wie die des gesunden Fußes, sondern eine spitz zulaufende. Dadurch, daß der Großzehenmittelfußknochen nach innen spreizt, die Großzehe sich aber nach außen verlagert, entsteht am Großzehenbal­ len ein kugelförmiger Vorsprung, der volkstümlic·h mit „Eallenbil­ dung" bezeichnet wird (103.2). Knic•sl•l/ ng d•r Ferse nach außen Zu spitzes Schuhwerk trägt zur Herausbildung und Verschlimme­ Hervorlrelen des rung der Ballenbildung viel bei inneren Fußrandes (104.1). Verbildungen der Zehen infolge Ourchlrel•ns des Sprungbeines, und Nägel sind weitere Begleit­ Xahnbet'nes und erscheinungen des Spreizfußes u 1. Keilbtines Spreizen --f-11.'1' des 5. Millelfuß­ knochens noch außen noch innen Di• sogenannlt .,Bol/enblldung" Schrägsle/lung dtr Großzehe noch außen 103.2 :Knick-Platt-Spreizfuß-Skelett (104.2). Das Einsinken des Querbogens ist häufig zu beobachten. Bei der Be­ sprechung des Fußskeletts wurde erwähnt, daß die fünf Mittelfuß­ köpfcheneinen Querbogen bilden. Durch das Lockern der Bandver­ bindung der Mittelfußköpfchen bei der Spreizfußbildung kommt eshäufigzumEinsinkendes Quer­ bogens (104.3). 103
Nach fachä-rztlichen Darstellungen handelt es sich aber nicht um ein Einsinken des Querbo­ gens o der „Durchtreten" der Mittelfußköpf­ chen, sondern um eine Hebung der Groß- und Kleinzehenmittelfußköpfcben, hervorgerufen durch die erwähnte Störung des Muskelgleich­ gewichtes bei Beginn eines· Fußleidens. Der Hauptdruck des belasteten Vorfußes ruht jetzt nicht mehr auf dem Groß- und Klein­ zehenballen, sondern hauptsächlich auf dem zweiten, dritten und vierten liittelfußköpf­ chen. Häufig liegt der Hauptdruck in der Mitte, also unterhalb cles dritten Mittelfuß. köpfchens, dae. sich mit der Zeit in die Brand­ sohle eine l\Iulde bohrt (104.4). I04.I Gegenüberstellung der Zehen.Jage In vernünftigem und zu spitzem Sehnil­ werk links: Gesunde Zellenlage und Sprei1.mög­ lichkeit der Zehen in d�r Vorfußbe­ lastung, ausgeglichene lfuskelarbeit rechts: Zusammengepreßte ZeheJJlagc, keine Sprelzmöglichkeit der Zehen, weitere Verkiimmerung derselben, . gestörte Muskefarbelt,zunehmende Fußerluan­ k,:mg 104.2 Ve.rkUmmerte Zehen durch spitzes Schuh­ werk Druckstelle 104.3 Der Querbogen Querbogen „durchgetreten" 104 104.4 durch dcnkonzent.rier­ ten Druck des 3. Mit­ telfußköpfchens ver­ ursachte Mulde
........ , j. .... . tt \J \> . 1,.. fJtfldrp1.1nld . [._.._ IOä,l :Kennzeichen des Spreizfußes I0ä.2 Steilstellun!l des :\!iLtelfußes durch Tragen unvcr­ niinWg bohcr Absätze Wie stark dieses Leiden Yerbreitet ist, läßt sich in jeder Werkstatt an getragenem Schuh­ werk feststellen. Der „Dienst am Kunden" erfordert es, den Fußkranken auf sein Leiden und auf die weiteren Folgen hinzuweisen. Auch das kreisrunde Durchlaufen der Sohlen an dieser Stelle rührt daher (105.1 ) . Bei un­ vernünftig hohen Absätzen kommen die Mit­ telfußknochen in eine Steilst.ellung (105.2). In solchen Fällen wird der kräftigste Teil des Fußes, die Fußwurzel, der Hauptauf­ gabe, die Last de'> Körpers aufzufangen, entzogen und diese Last auf die kleine Vorfußfläche übertragen. Jeder Schritt, be­ sonders aber das �tehen, wird zur Q,ual, denn Schwielen, Hühneraugen und sehr schmerz­ hafte Entzündungen sind die Folgen diesrr einseit,igen Vorfußbelastung (105.3). I05.3 Schwielen und Entzündun�en als Mnflge Begleiterscheinungen des �prcizfußes Der Hohlfuß zeichnet sich aus durch einen ausgeprägt hohen Reihen, ein übertrieben hohes Gelenk, die mehr oder weniger starke Klauenstellung der Zehen und die in der Belastung stark gespannte Achillessehne (105.4). Die beim Hohlfuß verkürzten Sohlenmuskeln ziehen die Ferse nach unten, weshalb die sich am 10$.4 Der Hohlful.\ iJ 1�-- gespannte ' Achillessehne 105
:Fersenbein ansetzende .Achillessehne übermäßig gespannt wird (zu kurz erscheint) und somit eine gestreckte Haltung einnimmt. Hohlfüßler laufen daher auf Absätzen von mittelmäßiger Höhe viel leichter als auf niedrigen, weil hierdurch die Achillessehne mit der Wa­ denmuskulatur eine Entspannung erfährt. 106.1 Hohlfuß (rechts) mit Drehung der Ferse nnch innen Im Trittspurbild fohlt die Gelenkbelastung oder tritt nur schwach hervor (102.2). Die Fußstellung ist mehr o der weniger stark gekrümmt, eine Art Sichelfußstellung. Der Großzehen­ ballen nähert sich der Ferse und der äußere Fußrand ist ge­ krümmt. Die Ferse, von hinten gesehen, nimmt die entgegen­ gesetzte Stellung der Knickfußferse ein (106.1). Meist ist der Hohlfuß vom Spreizfuß und den vorerwähnten zusätzlichen Leiden begleitet. Die Beschwerden des stark ausgeprägten Hohlfußes oder Hohl­ Spreizfußes können mitunter Formen annehmen, die ärztliche (operative) Eingriffe erzwingen. Doch auch dann ist eine be­ friedigende Behebung aller noch verbleibenden Beschwerden ohne den zwe.-:kmäßig gearbeiteten orthopädischen Schuh kaum möglich, denn diese Fehlform ist weit schwieriger durch ärzt­ liche Mittel zu behandeln als der Plattfuß. Der Klumpfuß ist diejenige Formveränderung des Fußes, bei der in schweren Fällen das gesamte Fußskelett um die Längsachse des Fußes gedreht ist. Es ist zu unterscheiden zwischen angeborenen und nach der Geburt erworbenen Klumpfüßen. .Angeborener Klumpfuß kann sich vererben. Er ist diejenige Fehl­ form des Fußes, die von allen angeborenen Fehlformen am häufigsten vorko mmt (106.2 u. 3). Die nach der Geburt erworbenen Klumpfüße sind zum größte°: Teil auf Erkran­ kungen des Nervensystems zurückzuführen, zum anderen Teil auf Verletzungs­ folgen, wie schlecht geheilte Knöchel-, Fußwurzel- und Unterschenkelbrüche. Nach fachärztlichen Dar­ stellungen sollen etwa drei Viertel aller Klumpfüße angeboren sein und bei Knaben doppelt so oftvor­ kommen wie bei Mädchen. Infolge der Verdrehung des Klumpfußes ist der Gang sehr erschwert. Bei geringeren Verformungen und Verwendung zweck­ mäßig gebauten Schuh­ werks kann das sonst mühsame Gehen sehr er­ leichtert werden, da es ja noch über dem äußeren 106.3 106.2 Fußrand möglich ist. Angeborener Klumpfußfall Erworbener Klumpfuß (operiert) 106
Bei den schwersten Formen jedoch, wo der Fußrücken als Auftrittsfläohe dient, ist die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit sehr beschränkt, zumal der Schuh auch noch die Fehlform des Fußes nach Möglichkeit verbergen soll. Eine zwar mühevolle, viel Übung und Erfahrung vor­ aussetzende, dafür aber auch eine große und dankbare Aufgabe des Orthopädie­ Schuhmachers ! 10'7.l Spitzfuß Der Spitzfuß ist eine Daue1form des Fußes im Zehenstand, wobei also nur die Fuß­ spitze im Stand und beim Gehen den Boden berührt, die Ferse hingegen mehr oder weniger in die Höhegezogenist (107.1 ). Meist entsteht er durch Verletzungen und hieraus folgende Verkürzungen der Waden­ muskulatur. Besonders sind Schwerver­ letzte infolge des langen Stilliegens der Ge­ fahr einer Spitzfußbildung ausgesetzt. Da die Abwicklung des Fußes fehlt (die Ferse tritt nicht auf), ist der Gang beim Menschen mit Spitzfüßen stapfend, nicht nachgiebig federnd. Dieser Mangel läßt sich bei leichteren Verkürzungsfällen durch eine im orthopädischen Schuh eingebaute Ausgleichsebene fast unsichtbar beheben, größere Verkürzungen werden. durch Verkürzungsgeräte oder Hilfsglieder (Prothesen) ausgeglichen. Der Hakenfuß bietet das umgekehrte Bild des Spitzfußes. Die Fußspitze steht und ist in die Höhe gerichtet, die Ferse allein kommt zum Auftritt {107.2). Der Hakenfuß wird in der Mehrzahl durch Lähmungen oder Verletzungen der Waden­ muskulatur (Durchschneiden der Achillessehne) verursacht, kommt aber auch angeboren vor. Der Gang des Hakenfüßlers ist unbeholfen. Die Ferse stampft hart auf, ein Er­ heben auf die Zehenspitzen ist nicht möglich. Besondere Schwierigkeiten bestehen beim Treppensteigen und Bergaufgehen, Ermüdung tritt rasch ein. Je nachdem der Hakenfuß locker oder versteift ist, der Vorfuß in Platt- oder Hohlfußstellung steht, hat man die Ortho­ pädiehilfsmittel zum Erleichtern der Ab­ wicklung auszuwählen. Durch Unterar­ beiten einer Ausgleichsebene aus Kork oder korkähnlichen Werkstoffen, welche am Vorfuß am höchsten ist (Vertiefung, Einbetten der Ferse im sehr niedrig ge­ haltenen Absatz) ,kann dem Hakenfuß zur Leistungsfähigkeit zurückverholfen wer­ den. Mit Gummizügen, die am hinteren Fersenteil des Schuhes angebracht und unterhalb des Knies an einer Kniebau- 101.2 Hakenfuß 107
dage verstellbar befestigt werden, gelingt es, die ausgefallene Fähigkeit der Wa­ denmuskulatur, die Ferse nach oben zu ziehen, zu ersetzen. Der Schuh für Fußkranke kann kein „Bekleidungsstück" im üblichen Sinne sein, sondern muß einer „Prothese" gleichgestellt werden, die nicht nur passen, sondern vor allen Dingen Erfordernisse der Orthopädie erfüllen soll. Fehlstelluugen des Fußes müssen nach Möglichkeit verbessert, bei unverbesserlichen Formen und Stellungen soll mit Hilfe von Ausgleichsebenen ein möglichst normales Aussehen erreicht werden. (108.la···c). a) b) c) 108.1:l-•·C Die verbesserte Fehlstellung des Fußes a) Jugendlicher Knickfuß. b) Derselbe Fuß Im Serieuschnh ruit verordneten Einlagen. Die Fehl­ stellung ist mit diesem Mittel nicht behoben. c) Der,iclbe Fuß im Korrekturstiefel nach Maß, i11 ges1mdcr Fuß- und Beinst.ellung Nicht immer läßt sich ein gutes Arbeitsergebnis ohne Mitarbeit eines Facharztes erzielen. Fachärztlichen Beratungen muß der Schuhmacher aber zu folgen ver­ mögen. Hieraus ergibt sich von selbst die dringende Forderung, nicht nur ein tüchtiger Facharbeiter zu werden, sondern in gleich starkem Maße sich fach­ ärztliches Denken zu eigen zu machen. Nur so hat der Nachwuchs des Schuh­ macherhandwerks die Gewähr, eine voll befriedigende .und auskömmliche Lebens­ giundlage zu finden. 108
C. Der Leistenbau Fußumrißzeichnungeu, Trittspurbilder w1d Weitenwaße dienen im allgemeinen als Unterlagen für den Leistenbau, doch finden bei der Herstellung von Leisten für besonders schwierige Orthopädie:fälle auch Fußmodelle aus Ton, Gips oder an­ deren Stoffen Verwendung. Mit Hilfe diese1· Unterfagen ist es nun mög­ lich, einen,Leisten aus dem „Rohklotz" zu entwickeln, falls dies notwendig ist, wie beispielsweise für schwer deformierte Füße. Leisten für normales .Maßschubwerk und leicht<' orthopädische Arbeiten stellt man schneller und einfacher aus ,,Rohleisten" her. Diese sind in allen Größen und Formen zu beziehen und ba.bcn genügend Holz, um dem Leisren die gewünschte Form anzuarbeiten (109.l). I. Die Erarbeitung eines l\1a6• leistens aus dem Rohklotz Eine Leistenform wird aus dem Rohklotz an Hand des besonderserarbeiteten Brand­ sohlenmusters und des Leistenlängsschnit­ tes, welcher auch als Leistenprofil be­ zeichnet wird, herausgearbeitet. Roh/eisten 109.t Rohklotz und .Rohleisten a) Das Brandsohleumuster wird hergestellt Man benutzt die Fußumrißzeiehnuug und die Trittspur. Damit der Vorfuß in der Abwicklung, im Augenblick der vollen Belastung genügend Raum in der Schuh­ spitze hat, muß das Brandsohlenmuster mindesten 2 .. ·2¼ Stiche über die Fuß­ spitze hinausreichen. Diese Zugabe wird auch zur Erarbeitung einer gefälligen Spitzenform benötigt. Schlanke, halbrunde und spitze Schuhformen erfordern eine entsprechend größere Spitzenzugabe. Z"reckmäßig beginnt man mit der Ar­ beit bei der Brandsohleneinzeichnung mit der Spitzenzugabe an der großen Zehe (110.1). Von hier aus folgt man dem Trittspurumriß der Großzehe, am Groß­ zehenballen vorbei bis hinter denselben und läßt die Linie für Herrenbrandsohlen in ein breiteres, für Damenbrandsohlen in ein schmaleres Gelenk auslaufen. Besonderer Wert ist darauf zu Jegen, daß der Gelenkbogen an der Stelle, wo er den Absatz trifft (¼ der normalen Leistenlänge), wieder an die Umrißzeichnung 109
der Ferse heranreicht, d. h., man bleibt etwa ¼···¾ Stich davon entfernt und folgt der Fersenumrißlinie bis zumK.lein­ zehenballen im gleichen Abstande. Das Einrücken (Schma.lerbalten) derj Brandsohlenzeicbnung im l!'ersenteil bezweckt einen guten Sitz des Schuhwerks und wirkt sich bei Verwendung kräftigenKappenstoffes als seitlicher Halt für Knick- und Senkfußleidende aus. Vom Kleinzehenba.llen a.us folgt die Brandsohlenlinie eine kurze Strecke der Zehenumrißzeichnung, um dann ent­ sprechend der Spitzenform schmaler oder breiter in die Spitzenrundung mit der vorerwähnten Spitzenzugabe aus­ zulaufen. Das Erarbeiten von Brandsohlenmusrern nach geometrischen Grundlagen muß für das Maßschuhmacherhandwerk abgelehnt wer­ den, da sich individuelle anatomische Gegebenheiten geometrisch nicht erfassen lassen. 110.1 Br11.ndsohlenelnr.eichnun11 b) Das Leistenprofil wird entwickelt Man bedient sich des „Fußprofils", das in der gewünschten Absatzstellung und Reinhaltung vom Fuße abgezeichnet wird (110.2). Hierbei wird die Fuß- oder Fersenbeuge am gezeichneten Fußprofil besonders gekennzeichnet, weil an dieser Stelle das Fersenmaß des Fußes beim Ausarbeiten des Leistens angelegt werden muß (110.2). Nun beginnt man mit dem Einzeichnen des Leistenprofils (110.3). Zunächst zieht man sich von der hinteren unteren Fersenkante, der Absatz. höhe also, = Punkt a, eine Verbindungslinie zum Fersenpunkt b und verlängert sie um etwa. 2½ bis 3 Stiche,wodurch man zu Punkt c gelangt. Es handelt sich hlerbei um eine Vorverlegung des Fersenpunktes, denn die Leisten, besonders die Halbschuhleisten, werden im „Kamm" schmaler gehalten, als der Fuß breit ist, wodurch ein guter Sitz oder „Schluß", wie sich der Fachmann ausdrückt, erzielt wird. Mit „Kamm" bezeichnet man den oberen Teil des Leistens, vom oberen Reihenteil zum hinteren oberen Fersenteil führend. Halbschuh- __J_____ :,/--Kammlinie fuß- oder Fersenbeug 110 I I0.3 J-:111zrirhn�n ,les Leist,·n11rottl, In das l•"11llprofU d
leisten haben einen schmalen Kamm, Stiefelleisten dagegen einen breiten (111.1). Denn Stiefel gehen über die Knöchel hinaus, weshalb die obere Leistenpartie entsprechend der Knöchelstärke breiter sein muß, damit die Knöchel genügend Raum ün Stiefel haben. Halb­ schuhe schließen unterhalb der Knöchel ab, wodurch ein schmalerer Kamm begründet ist. a) b) Von der hinteren Fersenkante a (110.3) wird die hintere Leistenhöhe nach Punkt d abgetragen. Die hintere Leisteuhöhe wird ermittelt. Für die Berechnung der hinteren Leistenhöhe bedient man sich der gleichen Formel wie für die Berechnung der Hinterkappenhöhe (S. 31). Danach wird die Hinter­ kappe für eine Schuhgröße von 42 Stich einschließlich 2 Stich Zwickeinscblag 10 Stich hoch. Diese Höhe bnn auch als normale Leistenhöhe für einen Leisten von 42 Stich Länge bezeichnet werden. Sonderleisten für kranke Füße und Reitstiefelleisten fallen nicht unter diese Berechnungsart. Etwa drei Stich oberhalb des vorverlegten Fersenpunktes c be­ ginnt man mit der Reihenlinie. Sie verläuft in einem leichten Bogen nach unten in dieProfil. 111.1 a) breiter Kamm bei Stiefelleisten linie des Vorfußes, deckt sich dann mit dem b) schmaler Kamm bei Halbschuhleisten Zehenprofil, wird bei Punkt e um etwa 2... 3 Stich in leicht abfallendem Bogen über die Großzehe hinaus verlängert und schließt hier mit der Sohlenbahn des Vorfußes ab. Punkt / ist der Ballenauftrittspunkt, wo das Gelenk seinen Anfang nimmt. Von / nach a führt die Gelenklinie. Die Reihenlinie wird festgelegt. Da fast jeder Fuß, mit Ausnahme des Hohlfußes, eine mehr oder weniger starke Gelenkstütze benötigt, aber auch der schöneren Form willen erhält die Profillinie des Leistengelenkes eine etwas stärkere Sprengung als die des Fußprofils. Ferner.muß sich die Gelenklinie dem Gesamtbild des Leistenprofils anpassen, wobei der Zweck des Schuhwerks, die Absatzhöhe, die Festigkeit des Schaft- und Bodenstoffes mit zu berücksichtigen sind. Abschließend wird die Kammliuie eingezeichnet. Sie beginnt bei Punkt d und verläuft in leichtem Bogen zum Anfang der Reihenlinie, oberhalb des Punktes c. DaserarbeiteteLeistenprofilwird dann ausgeschnitten und mit Reißbrett­ stiften auf dem Leistenklotz befestigt (111.2). Der Leisten wird geschuitteu. DieForm des Leistens wird von Hand oder mit �iaschine geschnitten. Mancherorts bedient man sich des Druckmessers, da es auf einem feststehenden Arbeitstisch aufgebaut - �-____·:.___... ·h=-__,/., 111.2 An den Rohklotz geheftetes Leistenprofil lll
112.2 Dos Leistenformen an der Itaspelschci!Je ist (112.1). Hiermit wird geschnitzt, wozu allerdings gründlicheÜbung gehört. Einfäoher ist das Bearbeiten des Leistenklotzes mit der groben Raspelscheibe (112.2), die behelfsmäßig auf der Welle der Ausputzmaschine befestigt werden kann. Bild 112.3 zeigt ein ausgearbeitetes Leistenprofil. Die nächste Arbeit ist das Herausarbeiten des Brandsohlenumrisses. Dazu wird das Brandsohlenmuster auf die Sohlenbahn des Leistenklotzes geheftet. Der Holz­ klotz erhält nach Abschluß dieser Arbeit die grobe Leistenform (112.4). 112.1 Das Leistenformen ml� dem Druckmesser 11:M Dl\8 at.LBgeubeitetc Leistenprofil Längs­ achse 112.4 Braodsohlenscbnltt des Rohklotzes 112.5 Die Längsachse 112
Es folgt nunmehr das Herausarbeiten des Leistenkammes, der am besten in der Leistenmitte liegt. Durch das Einzeichnen einer „Leistenlängs­ achse", von der Spitzenmitte zur Fersenmitte (über Reihen und Kamm) (112.5), wird die Kamm.­ Mitte genau festgelegt. Nun wird 113.1 Der fertige Rohlelsten die weitere Formgestaltung des Reihens durchgeführt, derZehen-undBallenpartie, bis der Rohleisten heraus­ gearbeitet ist (113.1). Mit dem Ausschneiden des Keiles ist die Rohleisten­ arbeit erledigt. Es beginnt das Herausarbei­ ten der Weitenmaße. Von großer Wichtigkeit ist hierbei das genaue Übertragen der Fußmaße auf den Rohleisten. Auch diese Arbeiten C �-' [!.: . _ 113.2 Die letzte Formgebung am Leistenbock werden au der Raspelscheibe ausgeführt, d: h. so weit, bis die Maße annähernd herausgearbeitet sind. Die letzte l\fa,ßein­ arbeitung und endgültige Formgestaltung· wird auf dem Leistenbock durchgeführt (113.2). Es ist dies ein am Boden fest verankerter Arbeitstisch oder Ständer, auf den ein halb­ kreisförmig ausgekehlter und mit Leder gepolsterter Bock gestellt ist, auf dem der zu bearbeitende Leisten in allen Stel­ lungen mit Spannriemen festgehalten werden kann. Auf diese Art entsteht das den jeweiligen Verhältnissen entsprechend gearbeitete Leistenpaar (113.3). II. Die maschinelle Leistenherstelltmg Es handelt sich hierbei um das Herstellen von Leisten für die Schuhindustrie sowie von „Handelsleisten" und „Roh­ leisten" für das Schuhmacherhandwerk. 113.3 Der fertige Maßleist,in Der Schuhmacher braucht auch Roh- und Handelsleisten. Handelsleisten sind Fertigleisten in allen gangbaren Formen, die dem Schuhmacher das Selbstherstellen von Leist.an er­ sparen soll.Rohleisten hingegen sind rohgedrehteLeisten, 113
fast in der Form, wfo sie aus der Leistendrehbank heraus­ kommen, jedoch ohne vordere und hintere Ansatzteile, mit denen sie in der Kopiermaschine eingespannt waren (111.1). Diese Rohleisten haben „Holz", rl. h., sie haben überall reichlich Übermaß, so daß das Aufar1Jeiten von Lederdecken, ge­ nannt Weitungen , und das Ver­ breitern von Leisten durch An­ schläge erspart bleibt. 114,1 Transport der Buchenstämme Handels- und Rohleisten werden hergestellt Für Handelsleisten und Rohleisten verwendet man i n Deutschland fast ausschließlich Rotbuchenholz. Die Baumstämme werden in den Win­ termonaten gefällt. In der Leisten­ fabrik (114.1) werden sie mit der Pcndelkreissäge in einzelne, der Länge eines Leistens entsprechende Stammabschnitte zerteilt (114.2). Aus diesen Abschnitten wird mit einer Bandsäge sodann die Form des Rohklotzes ausgeschnitten (114.3). 114.2 Zerschneiden der Stämme mit der Pendelkreissiige 114,3 Ausschneiden des Rohklotzes 114 Die Rohklötze haben ein langes Trockenverfahren durchzuma­ chen. Zunächst werden sie in so­ genannten „Holzdämpfern" einem Dampfdruck von etwa zwei Atmosphären ausgesetzt, wodlU'ch dem frischen Holz ein großer Teil seines Feuchtigkeits­ gehaltes entzogen wird. Das Lufttrocknen der Roh klötze, das an das Dämpfen an­ schließt, dauert je nach der Größe eines Klot,zes bis zu 11/z Jahre. Auch jetzt sind die Klötze (auch als Rohlinge bezeichnet) noch nicht zur endgültigen Be­ arbeitung fertig. Sie kommen nunmehr nochmals in Trocken­ kammern, die mit Dampf er­ wärmt werden.
Yollständig trocken darf der Leisten nicht sein, da er sonst während der weiteren Arbeits­ gänge wieder}feuchtigkeit auf­ nehmen und quellen würde. Die dauernde Überwachung der Rohklötze während der Trocknung erfordert peinlich­ ste Gewissenhaftigkeit. Eine Leistenfabrik muß, wenn sie einen einwandfreien, maßbe­ ständigen Leisten herstellen will, dauernd einen Bestand an Rohhölzern auf etwa l 1/2 ,Tahre eingeschnitten am Lager 11r..1 Teilansicht des Trockenlagers haben (115.1). Nach dem Trocknungsverfahren in den 'frockenkammern werden die Rohklötze gestapelt, um sich der gewöhnlichen Temperatur wieder angleichen zu können. Erst jetzt kann die Weiterverarbeitung, die mit dem Drehen beginnt, ihren An­ fang nehmen. Das Drehen des Leistens wird auf der sogenannten „Leistendrehbank", dei: wich­ tigsten Maschine in der Leistenherstellung, vorgenommen. Die Drehbank (115.2 u. 116.1) besteht aus einem sehr kräftigen Gestell, auf dem ein Schlitten, der das sogenannte Kopierrad und den Messerkopf trägt, beweglich an­ geordnet ist. Ein pendelnder Rahmen, in dem das l\fosterdes zu drehendenLei!'tens sowie der Rohklotz eingespannt wird, ist so in der Maschine aufgehängt, , daß das Muster vor das Kopierrad und der Rohklotz vor den Messerkopf zu liegen kommt. Beim Inbetriebsetzen der Lei. stendrehbank drehen sich das Muster und der Rohklotz, während sich der Schlitten mit Messerkopf und Kopier­ scheibe langsam von rechts nach links bewegt. Das Kopierrad liegt während des Drehvorganges fest an dem Muster und der Messerkopf entsprechend an dem Rohklotz an. Durch die drehende Bewegung des Musters und die Verschiebung des Kopierrades wird dn.s Muster von dem Kopierrad in allen Teilen abgetastet und der Leisten entsprechend durch den Messerkopf aus dem Rohklotz 11s.2 Die Drehbank 115
hcrnusgeschält,. Die .Drehbank ist weiterhin mit einer Längen­ und Weit,eneinstellung ver­ sehen, so daß mit Hilfe eines Musters Leisten mit verschiede­ nen Längen und Weiten herge­ stellt werden können. Weiterhin kann man Muster und Rohklotz in gleicher und Richtung entgegengesetzter chehen lassen. Durch diese Maß­ nahme lassen sich mit, Hilfe eines Musters rechte und linke Leisten herstellen (116.1). Bild 116.2 stellt eine Teilansicht der Dreherei dar. 116,2 Teilansicht der Dreherei 116.1 Die Arbeit an der l>rehl.Jank Nach dem Dreheu werden zunächst die Drehansätze an Spitze und Ferse des ge­ drehten Leistens durch Sondermaschi­ nen entfernt. Nachdem die Kammlöcher gebohrt sind (zumAusleisten des Schuh . werks), wird der Keil des Leistens aus­ geschnitten (116.3). Die Befestigung des Keiles ist dann die nächste Arbeit. Nach dem 1<:inschla­ gen von Musternummer, Länge und Weite auf dem Karnrn des Leistens wird geschliffen, eine Arbeit, die wohl die größte Übung und Erfahrung in de!' Leistenherstellung erfordert. Diese Ar­ beitsstufe Ült allerdings nur dann not­ wendig, wenn die bis jetzt erstellten Rohleisten zu HandelsleisLen weiter­ verarbeitet werden. Durch das Schleifen (117.1) werden die während des Drehens entstandenen Drehrillen entfernt. Der Leisten wird dann noch :mit einem besonderen Wachs an Lederscheiben poliert (117.2). Eine letzte Überprüfung beendet die zahlreichen Arbeitsgänge, die zur Her­ stellung eines Serienleistens als auch einzelner lVfaßpa.are erforderlich sind (117.3). 116 ltG.3 Keila.usschaeiden
117.1 Schlcücn 117.S') Der Wcrdegnng des ScrieDleistcns III. Leistenformen Man unterscheidet „flachgesprengte" und „starkgesprengte" Leisten. Erstore finden für die Herstellung von Schuhwerk mit flachen Absätzen Verwendung, die stark­ gesprongten fürsolches mit hohen Absätzen. UnterLeistensprengung versteht man 1. die hochgestellte Leistenferse zumUnterbaueines entsprechend hohen Absatzes, auch mit „Absatzsprengung" bezeichnet {ll8.l), 2. die leicht vom Boden abstehende Leistenspitze, auch „Spitzensprengung" genannt (118.2). Diese ist zum gefahrlosen Gehen notwendig (besonders für die Herstellung kräfti­ geren Schuhwerks), damit die Schuhspitze beim Abstoßen des Fußes, vornehmlich bei unebenem Boden, nicht hängenbleibt, a.lso einen Spielraum hat, und sich nicht vorzeitig abläuft. Ferner verhindert die Spitzensprengung die Bildung allzu starker -- 1) Die Bilder 114.1··•117.3 wurden in der Schuhleistenfabrik von Gg. Hartmann in Arfeld aufgenommen. 117
l 18.1 Der starkgcsprengte Damenleisten �:'?JJ} 118.2 Der tlaehgesprengte Herrenleisten Gehfalten in der Fußpartie d!.es Schuh­ werks (118.2). Die Rege) sagt: Je niedriger die Absätze und je stärker der Stoff für Schaft und Boden, desto zweckmäßiger ist eine höhere Spitzensprengung des Leistens ; je höher die Absätze und je leichter der Stofffür Schaft und Boden, desto niedri­ ger kann die Spitiensprengung sein. Leichtes Schuhwerk und Damenschuh­ werk mit hohen Absätzen erhalten be­ sonders bei Luxusausführung kaum eine oder gar keine Spitzensprengung. Für festeres Straßenschuhwerk kommen solche von durchschnittlich 7.:. s mm in Anwendung. Die Spitzensprengungen für kranke Füße werden persönlichen Erfordernissen angepaßt. IV. Leistenspitzenformen Für den 1\laßscbuhmacher kommen nur ,,gesunde" Formen in Frage. Leistenfor­ men und Leistenspitzenformen sollen im besonderen Maße den gesundheit­ lichen Erfordernissen des Fußes und dem Zweck des herzustellenden Schuh­ werks angepaßt sein. Eine Beeinflus­ sung durch die mehr oder weniger fußschädliche „Mode" muß vom Maß­ schuhmach�rhandwerk abgelehnt wer­ den. Sie k�nn sich in reichgestaltiger Weise und ohne Schaden zu stiften am Schuhoberteil, dem Schaft, entfalten. Für das Maßschuhmacherhandwerk kommen somit nur sogenannte „ge­ Leistenformen" und „Leisten­ sunde 118.3 I..eisteorormen spitzenformen" in Betracht (118.3). 1. Die breit-runde Form, für ]'üße mit breit-runder Zehenlage, gibt den Zehen eine gute Spreizmöglichkeit im Stand und in der Abwicklung. Besonders geeignet zur Herstellung von Berufs-, Sport-, Straßenschuhwerk und Korrekturschuh­ werk für Fußkranke. 2. Die gezogene, schlanke, halbbreite Form für entsprechend geformte Füße eig­ net sich besonders für die Herstellung von zweckmäßigem, dabei a.ber doch modisch wirkendem Schuhwerk. 3. Die ovale Form für die gleichartige Fußform mit spitz-runder Zehenlage ist für Sportschuhwerk wie für Zweckmäßigkeitsschuhwerk und Luxusausführung gleich gut geeignet. 118
D. Das Schäftemachen I. Der Schuhmacher mu.fi die Schäfte selbst machen Mit der Einführung der Nähmaschine wurde der Schäftemacher selbständig. In früheren Zeiten stellten die Schuhmacher ihre Schäfte fast ausnahmslos selbst her. Die Nähte wurden mit der Hand gemacht, was in Anbetracht der hierbei aufzu­ wendenden Sorgfalt eine stets mühevolle Arbeit war. Durch die Einführung der Nähmaschine, insbesondere der Schuhmacher-Sonder­ maschinen, wie Linksarm-, Säulen-, Knopfloch- und Zylindermaschine, trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine Wandlung ein. Bisher selbständige Schuhmacher, mit besonderer Eignung für Schäftemachen, verlegten sieb ausschließlich auf dieses Arbeitsgebiet, zumal sich auch mit der Ein­ führung chromgegerbter, leichterer Ledersorten die Technik des Schäftebaus ändern mußte. So erlebte das Schuhmacherhandwerk eine Berufsspaltung, die mit der Zeit als ganz selbstverständlich hingenommen wurde. Diese Entwicklung hatte zur Folge, daß sich der Schuhmacher· um die Schäfte­ macherei kaum oder überhaupt nicht mehr bemühte. Das minderte aber die Wirtschaftlichkeit des Schuhmacherhandwerks stark herab. Das Herausnehmen eines Arbeitsgebietes bedeutet eine störende Unterbrechung des Arbeitsablaufes. Das Hin und Her zum Schäftemacher erfordert viel Zeit. Sind die Schäfte zur vereinbarten Zeit nicht fertig geworden oder nicht auf­ tragsgemäß ausgefallen, stellen sich beim Überholen oder Zwicken Mängel oder Fehler heraus (schiefe Naht, schiefe Kappen, zu kurze �appen, zu große oder enge Schaftweite, Zerreißen des Futters oder des Oberleders beim Zwicken, Ausreißen einer Naht und dergleichen mehr), dann ergibt sich nicht nur ein neuer Zeitver­ lu.st, sondern auch eine neue Arbeitsunterbrechung. Wie oft wird hierdurch ein vereinbarter Lieferzeitpunkt für bestelltes Schuhwerk nicht eingehalten, wie oft wird die Kundschaft dadurch verärgert und geht dem Meister in Wiederholungs­ fällen schließlich verloren. Derartige Mängel tragen keinesfalls zur Erhaltung und Steigerung der Berufsfreude bei, denn nicht nur die Kundschaft ist der notleidende Teil, sondern in weit größerem Maße der Meister selbst. Durch das Herausnehmen der Schäftemacherei aus dem Schuhmacherbetrieh geht ihm auch der Teil der Arbeitsaufträge verloren, der an den Schäftemacher weiter­ geleitet werden muß. Der dem selbständig arbeitenden Schäftemacher zu ent­ richtende Schäftemacherlohn ist nicht nur ein Arbeitslohn, sondern ein aus Ar­ beitslohn, Geschäftsunkosten und Gewinn zusammengesetzter Aufwand. Würde der Schuhmacher seine Schäfte selbst herstellen, d. h. innerhalb seines Be­ triebes, könnte er auch die ruhigere Geschäftszeit nutzbringend auswerten. Durch das Vergeben der Schäftearbeit entstehen dem Schuhmacher weitere Verluste, 119
falls der Schäftemacher auch das Leder zu den Schäften liefert. Es gehen ihm nämlich alle mit der Haltung eines eigenen Lederlagers verbundenen Vorteile ver­ loren, wie beispielsweise Einsparungen durch Großeinkauf, Gelegenheitskäufe, vorteilhafteres Auslegen der Schaftteile usw. II. Das Schäftezeichnen und Modellieren Ausgangspunkt f"ür das Schäftemodellieren ist der Leisten. Nach seiner Fertigstel­ lung·muß er für das Erarbeiten des Schaftgrundmusters vorbereitet werden. Das Schaftgrundmuster soll die :flächenmäßige Form des Leistenkörpers mit den eingezeichneten Teilmustern wie Oberteil oder Quartier, Hinterteil, Besatz oder Blatt, Kappe oder sonstige Unterteilungen darstellen. Zum Entwurf des Grund­ musters dient in vielen Fällen ein aus Linien zusammengesetztes Gerüst, das allgemein als „Winkelsystem" bezeichnet wird. Die Werkstatterfahrung spricht jedoch gegen die ausschließliche Anwendung des Winkelsystems, da ein aus dem hiernach entwickelten Schaftmuster gearbeiteter Schaft vielfach nicht so paßt, wie es notwendig ist. Besonders aber gilt dies für die Anfertigung von Schäften für Orthopädie-Schuhwerk. Es ist nun einmal nicht möglich, das jeweils einem Fuß angepaßte räumliche Liniennetz des Leistenkörpers mit Hilfe einer Winkelzeichnung in ein flächen­ haftes nachträglich noch zu übertragen, oder es sei, daß das nach dem Winkel­ system erarbeitete Grundmuster an den Leisten angeglichen wird. Das aber er­ fordert genügend Erfahrung im Schäftebau, da sonst mehr verdorben als gebessert wird. Für den Anfänger im Scbäftemodellieren bedeutet die Verwendung von Hilfslinien eine große Erleichterung, doch soll er nach Erreichung genügender Sicherheit bemüht sein, sich ihrer nur in beschränld;em Maße zu bedienen, damit die Fä-bigkeiten zur eigenen Form­ gestaltung gefördert werden. r .� .. . . ;,, , ' ! , Das einfachste Hilfsmittel für die �rstellung eines .paßgerechten Schaftmu­ sters ist „die Leistenkopie" unter Anwendung weniger Hilfslinien. Unter Leisten­ kopie versteht man die flä­ chenhafte Abwicklung des Leistenkörpers, d. h. seiner Innen- und Außenseite. a) Die Einzeichnungen am Leisten 120.1 Die Leilltenlitngsachsc 120 l28.2 Einzeichnen des Gelenk­ Vt:l'laufes Man beginnt mit dem Ein­ zeichnen der Längsachse des Leistens, wie dies be­ reits bei der Erarbeitung des Leistens erläutert wurde
(120.1). Durch Anlegen eines biegsamen, etwa 2 ...2½ cm breiten Lineals (am be­ sten aus Zinkblech) läßt sich die Achsenmitte über Spitzenmitte und Kamm-Mitte einwandfrei einzeichnen. Sie wird dann von der hinteren Kamm-Mitte zur unteren Fersenmitte als Fersenachse weitergeführt (120.1 u. 2). Nunmehr wird der Verlauf des inneren und äußeren Brandsohlengelenkes festgelegt, denn die herzustellende Leistenkopie muß bis zu den Brandsohlenkanten reichen, weshalb das Einzeichnen der Gelenk.breite notwendig ist (120.2). An der Leisten­ längsachse müssen hoch die Zier- oder Vorderkappenhöhe (falls solche angebracht werden soll), die Blatt- o der Besatzhöhe und die Fuß- oder Fersenbeuge ge­ kennzeichnet werden (120.1). Das Abtragen der Kappenhöhe und der Blatt- oder Besatzhöhe wird zweckmäßig nach Augenmaß am Leisten durchgeführt. Zunächst kennzeichnet man die Höhe für den Besatz oder das Blatt, etwa am Ende des Reihens, da, wo die obere Kante des Maßba.ndes beim Abnehmen des Großzehenballenmaßes zu liegen kommt. Entscheidend für die Bestimmung der Blatt- oder Besatzhöhe sind aber auch die Leistenform und die an das Schuhwerk gestellten Anforderungen. So benötigen z.B. teilweise oder ganz versteifte Füße einen leichten Einschlupf, der nur durch einen kurzen Besatz oder ein Blatt möglich gemacht werden kann.Ein Schuh, derandererseit-sschlankwirkensoll, bra.ucht ein langes Blatt oder einen langen Besatz. Eine allgemeine Festlegung ist darum nicht empfehlenswert, weil sie in vielen Fällen zu Fehlergebnissen führt. Die Zier- oder Vorde.-kappenhöhe kann nach Augenmaß in die Mitte zwischen Leistenspitze und Blatt- oder Besatz­ höhenpunkt angeordnet werden ; maß­ lieh soll sie ungefähr zwei Drittel der Blatt- oder Besatzhöhe ausmachen. Der Fersenbeugepunkt kann (siehe Ab­ schnitt „Leistenbau", S. 109) vermittels des Fußprofils übertragen werden, indem man den Leisten auf das Fußprofil auf­ legt. Da man dieses Verfahren aber nur in besonderen Fällen (Orthopädie) anzu­ wenden braucht, kann man sich zur Bestimmung des Fersenbeugepunktes auch des Winkelmessers bedienen. Die Fersenbeuge liegt nämlich bei gerader Fußstellung (ohne Absatzunterstellung) durchschnittlich bei 35 Grad (121.la), bei starkgesprengten :Bußtypen (Hohl­ füßen) bei 40 Grad (121.lb) und bei Plattfüßen bei 30 Grad (121.lc). Durch das Hochstellen der Ferse er­ höht sich der Fersenwinkel, und zwar je Stich um 1 Grad. Das heißt also, daß die Fersenbeuge bei einer Normal­ form mit vier Stich Absatzunterstellung a) Fersenbeuqepunkt b) Fersenbeuqepunkt ' 121.1 a--·c Die Lage des Fersenbeuge]!)unktes bei verschiedenen Fußtypen 121
bei 39 Grad liegt. Winkelmäßig wird der Fersenbeugepunkt im Verlaufe des Schaftmusteraufbaues übertragen. b) Die Entwicklung der Leistenkopie 1 . Man legt den Leisten mit seiner Innenseite auf ein doppelt liegendes Stück Musterpapier (denn es müssen die beiden Leistenseiten kopiert werden) und umzeichnet ihn mit senkrecht gehaltenem Bleistift (122.1). 2. Diese Leistenprofillinien reichen aber beim AnJegen an den Leisten nicht über die untere Leistenkante und über die am Leisten festgelegte Längsachse hin­ aus, was aber notwendig ist, um die Leistenkopie zu erarbeiten. Deshalb ist eine entsprechend große Zugabe zum abgezeichneten Lei­ stenprofil erforderlich. Sie ist nicht überall gleich (122.2). Die Zugabe ist durch die gestrichelte Linie 122.1 Umzeichnen des Lcislenproflls dargestellt. An der Kammlinie des Leistens bekommt die Profillinie keine Zugabe. 3. Nun wird das doppelt gelegte Pa­ i 7cm pier ausgeschnitten. Damit es sich i i gut an den Leisten anschmiegt, muß es keilförmige Ausschnitte er­ halten, wobei das Papier ebenfalls doppelt liegt (122.3). 122.2 Zugaben zum Leistenprofil 4. Eines der keilförmig ausgeschnit­ tenen Papiere heftet man jetzt mit 4...5 Stiftehen, welche mit kleinen Lederscheibchen unterlegt sind, da­ mit das Papier während des Arbeits­ vollzuges nicht einreißt, gegen die innere oder äußere Leistenseite. Am zweckmäßigsten fängt man dabei an der Fersenpartie an. 122.3 Kcilausschociden Das Papier muß hinten über die Fersenachse und unten über die Leistenkante etwa 1½ cm hinaus­ reichen. Hierauf drückt man es in der vorderenKammpartie so an den Leisten, daß es oben und vorne an der Spitze ebensoviel über die ein­ gezeichnete Längsachse hinausragt wie an der unteren Leistenkante. In dieser Lage wird es mit einem zweiten Stiftehen geheftet. Jedes 12%.4 Heften des zugerichteten Musterpapiers an den weitere Anheften mit Stiftehen Leisten 122
muß so durchgeführt werden, daß das Papier von selbst in seine Lage fällt, d. h., es darf nicht mit Zwang an seinen Platz geschoben werden, da die Kopie sonst eine falsche Form bekommt und das hiernach gebaute Schaftmuster n icht paßt. Stellt man nach dem Heften des zwei­ ten Stiftchens fest, daß die Papierverteilung nach vorne nicht gleichmäßig ist, muß das zweite Stiftehen wieder entfernt und das Papier in die richtige Lage gebracht werden (122.4). j 5. Es folgt die Übertragung der Leistenlängs­ achse auf die einzelnen Papierzacken. Dabei ist zu bedenken, daß keine Zacke bei der Übertragung eine falsche Stellung einnimmt (123.1). Die am Leisten bezeichnete Kappen­ und Besatzhöhe wird bei der Achsenüber­ tragung mit übernommen, desgleichen die Fersenbeugelage, sofern sie am Leisten fest­ gelegt ist. Auf dieselbe Art wird die untere Leistenkante von der Spitze bis zur Fersen­ mitte übertragen, ebenfalls der Verlauf der Brandsohlen- Gelenkpartie (123.2). 6. Das Papier wird nun wieder herunterge­ nommen und dem Verlaufe derübertragenen Linien folgend ausgeschnitten (123.3). In gleicher Weise verfährt man mit der anderen Leistenseite. 123.1 tlbertragen der Längsachse auf das Musterpapier ,... 7. Die beiden Ergebnisse sollen zu einer Ein­ heit umgewandelt werden, zur sog. ,,Mittel­ kopie" oder „Leistenkopie" . Die Unterschiede zwischen innerer und äußerer Ko­ pie sind bei geradegehaltenen Leisten meist unwesent­ lich, weshalb man sich in solchen Fällen mit der einen Seite (Innenseit�) als Leistenkopie helfen kann. Man benötigt dann also keine Außenkopie und keine Mittel­ kopie. Bei weniger geraden und krummen Leisten ist jedoch die Erarbeitung der Mittelkopie zu empfehlen. 123.2 tlbertragen der GelenkJinie und der Sohlenkante auf das ;',fusterpapier Man legt die Innenkopie, als eile meist längere, auf ein Stück Modellpapier und umzeichnet sie genau. Nachdem man sie weggenommen hat, legt man die Außen­ seite derart auf die gezeichnete Innen123.3 Das Au3SOhnelden der Leistenkopie 123
---r4"J,// , Hitte/kopielinie � � ,,, 1 fersenbeugepunkl \ 1 8esalLNihe ��e l'liffe/kopitlime 124,l Die Erarbeitung der Mittelkopie 124.2 \ � �� Miffelkopiefinie kopie, daß sich die Umrisse nach Möglichkeit decken (124.l). Kleine Abweichungen sind nichtvon Belang. Die nächste Arbeit besteht nun dar­ in, eine Mittellinie zwischen beiden Kopielinien einzuzeichnen, soweit sie sich nicht decken, wie z. B. bei der hinteren Fersenlinie (124.2) . Kappen. 124.S Die fertige Lelitenkopie höhe, Besatzhöbe und die Fersen. beuge, sofern sie am Leisten festgelegt ist, werden wiederum auf die :Mittelkopie­ zeichnung übertragen. Auf der l\fittelkopielinie wird nun ausgeschnitten, womit die Leistenkopie fertig ist (124.3). Ba.llenma.ß und Fersenmaß sind in der fertigen Leistenkopie enthalten, weshalb sie beim Musterzeichnen nicht mehr besonders übertragen werden müssen. c) Das Schaft.zeichnen und Modellieren verschiedener Muster 1. Das Herreoschnürstiefel-1\luster mit Ringsbesatz (125.1) Das Zeichnen des Musters Zum Schaftzeichnen soll man möglichst mattes, hellfarbiges und festes Papier verwenden. Als Schneidunterlage dient ein gla.ttes Zuschneidebrett (Ahorn oder Stirnholzbrett) oder, was weniger bekaunt, aber besonders geeignet ist, eine Zinkblechplatte, worauf sieb äußerst ge­ naue Sohnittk&nten ergeben. Sie ist dem Messer keinesfalls schädlich. Der Arbeitsablauf beim Zeichnen (125.1) 1. Grundlinie und Senkrechte aufzeichnen (a) 2. An der Senk.rechten die erforderliche Absatzhöhe abtragen (b) 3. Leistenkopie abzeichnen (c). Die Sohlenbahn der Leistenkopie berührt am Ballen die Grundlinie, hinten die Absa,tzhöhe. 4. Festlegen des Fersenpunktes : Falls er a.m Leisten nicht bezeichnet ist, trägt man zwei Drittel der Leistenlänge vom Absatzhöhenpunkt b nach der Grundlinie ab und verbindet beide Punkte durch eine Linie (Gelenklinie d). Auf der Gelenklinie legt man im Absatzhöhenpunkt b den Winkelmesser an und bezeichnet den 39. Grad, worüber von Punkt b aus eine Linie (e) zum 124
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so ermittelten Fersenbeugepunkt f gezeichnet wird. Bei Scha.ftmuster für Platt- oder Hohlfüße muß ein entsprechend niederer oder höherer Winkel abgetragen werden (S. 121). 5. D i e Schaftstellungsl i n i e : Das Schaftoberteil, auch „ Quartier" genannt, muß eine dem Verlauf des Beines angepaßte Stellung bekommen, d. h., am fertigen Stiefel darf es weder eine Neigung nach vorne noch nach hinten ha­ ben, da sich der Schaft sonst verzerren würde. Der Schaft muß „Stellung" haben, wie der Fachmann sagt. Sie wird erreicht, indem man die Fersenlinie e balbiert ; dadurch erhält man den Punkt g, durch welchen man eine Senk­ rechte zur Grundlinie zieht (h), die sog. ,,Schaftstellungslinie". An ihr wird auch die Schafthöhe abgetragen. 6. Die Sehanhöh e : Als normale Schafthöhe kann man für Knaben- und Herrenschäfte die Hälfte des Leistenlängenmaßes verwenden. Mit dieser Höhe trifft man die dünnste Stelle des Beines, oberhalb des inneren Knöchels, die sich als Schafta.bschluß am besten eignet. Außerdem steht diese Schafthöhe im richtigen Verhältnis zur Stiefellänge. Das Abtragen der Schafthöhe geht nicht von der Grundlinie aus, sondern von der Sohlenbahn der Leistenkopie, wodurch man zu Punkt i gelangt. 7. D i e Schaftabschluß l i n i e : In Punkt i wird an der Schaftstell'ungslinie der 98. Grad abgetragen, worüber die Scha.fta.bschlußlinie k nach vorne und hinten gezogen wird. 8. Abtragen der Beinweit e : Da. nur eine Schaftseite gezeichnet wird, be­ nötigt man auch nur die Hälfte des Beinmaßes. Beträgt dasselbe z. B. 34 Stich, so verwendet man für das Schaftmuster 17 Stich. Die Hälfte hiervon, also 81/i Stich, trägt man von Punkt i nach vorn und 81/2 Stich nach hinten ab und gelangt zu den Punkten l und m. 9. Einzeichnen der vorderen und hinteren Quart i e r l i n i e : Durch An­ legen des rechten Winkels an die Schaftabschlußlinie. in Punkt i zieht man eine kleine Hilfslinie zum Einzeichnen der vorderen Quartierlinie n. Soll die vordere Scbaftlinie einen paßgerechten Verlauf nehmen, läßt man sie nicht in den Fersenpunkt f auslaufen, sondern führt sie etwa 1/2 Stich darüber YOr­ bei. Sie mündet unmittelbar unter dem Ferseupunkt f in die Reihenlinie der Leistenkopie ein. Zu ihrer Berechnung bedient man sich wieder der Regel, wie sie für die Er­ rechnung der Hinterkappenhöhe angewandt wurde : Zur normalen Leisten­ länge, in Stichen ausgedrückt, zählt man immer die Zahl 6 und teilt das Er­ gebnis durch 6. Beispiel: Leistenlänge = 42 Stich, plus 6 = 48, geteilt durch 6 = 8 Stich für die hintere Besatzhöhe des 42er Stiefels. 126 Dies so errechnete l\'.faß wird an der hinteren Fersenlinie, vom Absatzhöhen­ punkt b nach oben, Punkt o, abgetragen. Nun kann die hintere Quartierlinie p von Punkt m na.ch o eingezeichnet werden. Diese Linie darf nicht zu stark im Bogen verlaufen, da der Schaft sonst in diesem Teil zu eng wird.
Beim Zeichnen der Schaftlinien muß man sich bewußt sein, daß es sich um flächenmäßige Linien handelt, die erst a.uf dem Leisten, ganz besonders aber am Fuße die schärfer gekurvten Linienführungen erhalten. So kann eine gerade Schnittlinie am Muster aJs leicht gebogene Linie am Schuh oder Stiefel in Erscheinung treten, eine leicht gebogene Musterlinie als stärker gebogene Schaftlinie hervortreten usw. Wo also die Schaftzeichnung bereits durch körperhaft wirkende Linien ausgezeichnet wird (siehe Skizze 125.l a), muß sich der Schaft am Fuß z u eng und somit fehlerhaft aus'l\'1l'ken. 10. D i e Besatz l i n i e: Hierfür wird eine weitere Hilfslinie benötigt. Vom Be­ satzhöhenpunkt q zieht man nach der Grundlinie die allgemein als „Ballen­ linie" bezeichnete Hilislinie r. Sie mündet jeweils am Ballenpunkt der Leisten­ kopie, das ist die Stelle, wo die Sohlenbahn der Leistenkopie die Grundlinie a am Ballen trifft. Durch Halbieren der Ballenlinie kommt man bei Verwendung kräftiger Oberledersorten {Sportleder usw.) zur seitlichen Besatz- oder Blatt­ höhe. BeiVerwendung leichter bis mittelkräftiger Ledersorten, wie beispielsweise Chevreau und Boxcalf, geht man 1 Stich über die halbierte Ballenlinie, Punkt s. Leichtes Schaftmaterial ist zugiger und gibt im Zwickprozeß nach, was beim Festlegen der seitlichen Besatz- oder Bla.tthöhe berücksichtigt werden muß. Andernfalls fällt der Besatz oder bei Halbschuhen da.s Blatt seitlich zu niedrig aus. 11. Das E i n z e i c h n e n der Besatzbruc h l i n i e : ZumAusmodellieren des Rings­ besatzmusters mit den beiden Besatzflügeln muß eine Modellierlinie ( u), welche die Mitte des Ringsbesatzes darstellt, eingezeichnet werden. Sie geht durch den Besatzhöhenpunkt q und verläuft nach hinten und vorn parallel mit der Besatzhilfslinie t. Bei Verwendung dünner Oberleder oder zugigen Materials ist es zweckmäßig, die Besatz­ bruchlinie nach hinten um etwa 8 bis 10 mm zu senken. Hierdurch gestaltet sich der Besatz. ausschnitt hinten schmaler als vorne am Besatzbogen, was eine bessere Paßform ergibt. Die Besatzbruchlinie (u) in Bild 125.1 hat diesen nach hinten gesenkten Verlauf. Je nach Höhe der Leistenspitze verläuft die Besa.tzbruchlinie nach vorne a u f der Leisten­ kopiespitze wie in Bild 125.1, ü b e r derselben bei flachen Leistenspitzen und darunter bei hohen, was durchaus seine Richtigkeit hat, auch wenn die Linienführung bei Eigen­ entwurf eine andere ist als in Bild 125.1 dargestellt. 12. Die Zwic k z u g a b e : Sie beträgt durchschnittlich 2¼ Stich. Zunächst wird die Leistenkopiespitze auf die Besatzbruchlinie übertragen. Man gelangt so zu Punkt v. Von hier aus wird die Zwickzugabe nach vorn und unten (w) gegeben. Je nachdem die Besatzbruchlinie über oder unterhalb der Leistenkopiespitze verläuft, muß an der Zwickzugabe entsprechend abgebrochen oder zugegeben werden. Allgemein gibt man am äußeren Ballen etwa l Stich mehr Zwickzugabe als innen, weil die äußere Leistenseite gewöhnlich etwas breiter ist als die innere. 13. Die Zier- oder Vorderkappe: Der an der Leistenkopie festgelegte Zier­ kappenhöhenpunkt wird auf die Besatzbruc hlinie übertragen, Punkt x. Eine rechtwinklige Linie in Punkt x zur Besatzbruchlinie führt zur soeben ein­ gezeichneten Zwickzugabe. Von hier wird 1 cm nach links Punkt y festgelegt, worin der von Punkt x kommende Zierka.ppenbogen einmündet. 14. Das E i n z e ic h n e n des Besatzbogens: Es ist die letzte Verrichtung, am Schaftmuster. Etwa 2... 3 mm oberhalb des Besatzböhenpunktes r beginnend, 127
berührt der kurz-rund zu haltende Bcsatzbogen die Ballenlinie s und mündet in die Besatzhilfslinie t ein. Der Verlauf der eigentlichen Besatzlinie z soll aber · nicht gerade, sondern leicht nach oben gebogen sein. Das „Heben" der Besa.tz­ linie, wie dieser Vorgang bezeichnet wird, beträgt in der Mitte des Besatzflügels etwa 3 mm, von der Hilfslinie t aus gemessen. Würde die Besatzlinie am fertigen Scha.ft gerade verlaufen, so hätte die Besatz:naht xricht genügend Spannung für das Zwicken und könnte nach unten fallen, wodurch der neue Stiefel schon das .Aussehen eines getragenen Serienstiefels bekommt. Das A u s m o dellieren Zunächst wird das Schaftmuster auf seinen äußersten Linien rundherum ausge­ schnitten. Man erhält so das sog. ,,Grundmuster", denn es dient als Unterlage zur Herstellung aller Teilmuster, wie Quartier, Besatz, Kappe, und ist gleichzeitig auch das Futtermuster. ·.,_��•·"': ______..;;•·::::: --.·-""---;,/ ··../ --. . .. 7 . ..· 1 Das Quartiermuster wird zugeschnitten. Man unterlegt dem Grundmuster ein genügend großes Stück Modellpapier, umzeichnet die hintere, obere und vordere Kante des Quartiers und kopiert den Besatzvedauf mit dem Kopierrädchen durch . Nach Wegnahme des Grundmusters gibt man zur durchkopierten Besatzlinie l cm Zugabe als 128.1 Das Modellieren des llJngsbesatz-Musters „Untertritt" für das Auflegen und Ansteppen des Besatzes, worauf das Quartiermuster ausgeschnitten wird (128.l , Strichlinien). Um Uneben­ heiten bei der Schaftarbeit zu vermeiden, schneidet man am fertigen Quartier die hintere untere Ecke in Höhe und Breite von einem Stich ab. Die obere vordere Kante wird mit einem Bogen versehen. ....-'/ ,.. Zu den Quartieren gehören die Ösenstreifen. Sie dienen zur Verstärkung der vor­ deren Quartierkanten und zum Abschluß des Futters. In Fällen, wo eine Ösen­ Verzierungsnaht angebracht werden soll, benutzt man das entsprechend gehal­ tene Ösenstreifenmuster als Richtmuster für den Verlauf der Verzierungsnaht. Es ist etwa 2 c m breit und läuft nach unten in einem leichten Bogen aus (Punkt­ linie in Bild 128.1 ). Das Besatzmuster wird ausgeschnitten. Ein Stück Musterpapier in der Größe von 25 c m X 35 cm wird in derMitte der Länge nach gefalzt. Die Bruchlinie des gefalzten Papiers wird genau unter die ausgeschnittene und eingezeichnete Besatzbruch­ linie des Grundmusters gelegt, der Zwickzugabe entlang und hinten umzeichnet, und die Besatzlinie mit dem Kopierrädchen durchkopiert. Nachdem wird das Muster in der gefalzten Lage, wie umzeichnet und durchkopiert, herausgeschnit­ ten (Voll-Linie in Bild 128.1). 128
Da der Besatz dw·ch seine Länge viel Zugigkeit beim Zwicken aufweist, fällt er bei Belassung seiner ganzen Länge zu lang aus, weshalb man bei dünnen, dehn­ baren Ledern gut 1 cm hinten am Muster kürzen kann. Zur Herstellung der Zier• oder Vorderkappenmuster wird in der gleichen Weise wie beim Besatz die Bruchlinie eines entsprechend großen, gefalzten Papierstückes mit der des Grundmusters gleichgelegt. Der Kappenbogen wird durchkopiert, die Zwickzugabe im Spitzenteil um.zeichnet und herausgeschnitten. Um das Grundmuster als Futtermuster verwenden zu können, muß man es nach Fertigstellung aller Teilmuster im vorderen Teil etwas verändern. Da da.s Futter hei Ringsbesatzschäften vorn eine Naht erhält, schneidet man das Grundmuster vom Besatzhöhenpunkt r (Bild 125.l, schraffierte Linie) bis zur Spitze auf der Leistenkopielinie aus. Die Kundenmuster werden aufbewahrt. Nachdem die Teilmuster in der R!;lihen­ folge G111ndmuster, Quartier, Besatz, Kappe aufeinandergelegt sind, Kappe auf­ geklappt, durchschneidet man sämtliche Muster mit zwei parallel angeordneten Schnitten und schiebt das Ösenriemenmuster zum Zusammenhalt aller Muster hindurch (129.1). So werden die Kundenmuster, alphabetisch geordnet, in einem besonderen Musterschränkchen aufbewahrt. Hinterriemenmuster, Rutschriemenmuster und Bordürenmuster st.ellt man nur dann besonders her, wenn sie außergewöhnliche Größen oder Formen erhalten sollen, andern­ falls bedient man sich bereitliegender Fertig­ muster. 129.1 Das fertige, zusammengelegte �1uster 2. Das Berrenderbystiefel-1\luster mit Blatt Das Zeichnen d e s Musters Gezeichnet wird genau wie beim Herrenschnürstiefelmuster mit Ringsbesatz. Es tritt lediglich an Stelle des Ringsbesatzes das Derbybbtt. Die Strichlinie:n (130.1) zeigen, wieweit für den Entwurf des Derbymusters der Aufbau des Herrenschnür­ stiefelmusters Anwendung findet. Der Derbybogen nimmt seinen Anfang am Blatthöhenpunkt a (130.1), geht etwa ¼ Stich über den oberen Teil der Ballenlinie hinaus und stößt ¼··-1 Stich hinter derselben bei Punkt b auf die Besatzhilfslinie c. Der B l attbogen. An der Gelenklinie der Leistenkopie von Punkt d nach e trägt man etwa ein Drittel ihrer Länge ab, wodurch man die Blattlänge bei Punkt f erhält. Der Blattbogen verläuft von Punkt b über / bis zw· Grundlinie. 129
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Die Blattbruchlinie. Sie führt über die höchste Stelle der Leistenkopiespitze (g) und durch den Blatthöhenpunkt a, wo sie noch 7... 8 Stich nach Punkt h wei­ tergeführt wird. Von Punkt n, aus wird die Laschenzunge eingezeichnet (130.1). Da das Blatt unter das Quartier zu liegen kommt, muß es am Blattbogen eine Zugabe (Untertritt) von etwa 1 cm bekommen. Sodann wird die 2½ Stich breite Zwick­ zugabe eingezeichnet. Die Zier- oder V o r d e r k appe. Die Einzeichnung ist die gleiche wie beim Herrenstiefelmuster. D a s Ausmodellieren Das Quartiermuster. Der Arbeitsgang ist der gleiche wie beim Modellieren des Herrenschnürstiefelmusters. Das dem Grundmuster unterlegte Stück Modell­ papier wird entsprechend dem Verlauf des Quartiers umzeichnet und der Derby­ und Blattbogen mit dem Kopierrädchen durchkopiert. Hierauf wird ausge­ schnitten (131.1). Der Ö se n riemen, 2 cm breit, wird entsprechend dem Verlauf der Punktlinie im Quartiermuster eingezeichnet und ausmodelliert. Das Derbyl:ilatt. Die Bruchlinie des gefalzten Papierstückes wird mit der des Grundmusters gleichgelegt, die untere Schaftkante umzeichnet und der Verlauf der Lasche mit der Zugabe über den Untertritt durchkopiert (131.2). Ausgeschnit­ ten wird auf der umzeichneten und durchkopierten Linien­ führung. Im Blattmuster müssen noch die Punkte a, b, c festgelegt werden, die man alsdann mit einer kleinen Lochnadel durchlocht. Sie zeigen an, an welcher Stelle des Blattes das Quartier zum Aufsteppen aufgelegt (aufgeklebt) werden muß. Die Punkte werden am Grundmuster bezeichnet und beim Durchkopieren des Blattes mit einem Stepport durchstochen. 131,1 Das Modellieren des Quartiers und Ösenrlemens 3. Das Herrenschnürschuh-Muster Das Zeichnen d e s Musters Durch den Wegfall des oberen Schaft­ teiles tritt für das Entwerfen von Halbsohuhmlllltem eine wesentliche Vereinfachung im Aufbau der Hilfs­ linien ein (132.1). 131.2 Das Modellieren des Derbyblattes 131
1 1 1 \ 1 \ \ \ \ l. Hauptlin ien u n d -punkte fostlegen. Grundlinie und Senkrechte abtragen (a). An der Senkrechten dieer. förderliche Absatzhöhe be­ zeichnen (b). Leistenkopie einzeichnen (c), Kappenhöhe d, Blatt­ höhe e und Fersenbeuge. punkt f festlegen. 2. Die hin tere Schuh-· höhe vom Absatzhöhen­ punkt b nach g abtragen. Sie errechnet sich auf der gleichen Grundlage, wie si� zur Bestimmung der hinte­ ren Leistenhöheangewandt wird: Zur Leistenlänge,inStichen ausgedrückt, die Zahl 6 ge­ ben, das Ergebnis durch 6 teilen und 2 Stich hinzu. geben. Somit beträgt die hintere Schuhhöhe bei einem Herren­ halbschuh von 42 Stich Größe 10 Stich. DieseHöhe ist als äußerste hintere Schuhhöhe zu be­ ·. zeichnen. Eine größere Höhe führt zu unschönem Schaftschnitt und trägt sich auch nicht g11t, weil sie :,m sehr in die Beuge der Achillessehne hineinreicht, worin sich ihre Streck- und Beugebewegungen bei der Abwicklung des Fußes voll­ ziehen. Hautverletzungen und Entzündungen können die Folgen des zu hohen hinteren Schaftschnittes sein. 13:t.1 Der Entwurf des Herrenhalbschu.b•)!usters 132 In vielen Fällen genügt eine hintere Schuhhöhe von 9 Stich für die Größe 42, jedoch ist die
Fuß- und Fersenbeschatfenheit für die richtige Höhenbemessung entscheidend, wie auch die Gestaltung der Leistenferse eine nicht unwesentliche Rolle hierbei spielt. 3. Die vordere Schuhhöhe. Die Fersenbeuge t ist die höchste zulässige Stelle für die vordere Schuhhöhe. Im allgemeinen schließt der geschlossene Schnürschuh etwa 1 cm unterhalb der Fersenbeuge ab, Punkt h. Durch Anlegen des rechten Winkels auf der Reihenlinie in Punkt h gelangt man vermittels einer zur Grund­ linie führenden Hilfslinie zu Punkt i. Sie begrenzt in ihrem oberen Tern die vor­ dere Schuhhöhe. 4. D i e seitliche Schuh höhe. Von Punkt i wird an einer Senkrechten nach Punkt k die seitliche Schuhhöhe abgetragen. Auch sie wird in der bekannten Weise errechnet, jedoch fällt die Zugabe von zwei Stich weg. Demnach kann die seitliche Schuhhöhe für die Schuhgröße 42 acht Stich betragen. Dieses Maß ist füi· die äußere Schullhöhe bestimmt, damit der tiefliegende Wadenbeinknöchel nicht berührt wird. Die Schuhkante führt bei zu großer seitlicher Schuhhöhe zu Knöchelverletzungen, ferner ist sie einem guten Schuhschluß hinderlich. Soll die hintere Schuhhöhe niedriger als nach dem Beispiel errechnet werden, so muß auch die äußere, seitliche Schuhlb.öhe ent­ sprechend tiefer fallen. Bei Verwendung von Schuhleisten mit runden Fersen {pla­ stischer Sohle) muß die äußere Schuhhöhe um 1 Stich niedriger gehalten werden, bei Schuhgröße 42 also höchstenfalls 7 Stich. Die innere Schuhseite· soll etwa 1 cm höher sein als die äußere, womit der Fuß auf der belastungsgefährdeten Innen­ seite einen festeren (sichereIJ.) Halt bekommt; außerdem liegt der Schienbein­ knöchel bedeutend höher. 5. Einzeichnen der oberen Schuhkante. Punkt g wird mit Punkt k durch eine Hilfslinie verbunden, die bis zur Verbindungslinie h-i weitergeführt wird. Es verbleibt das Einzeichnen der im leichten Bogen verlaufenden oberen Schuh­ kante, bei Punkt h beginnend, wo sie im Bereiche des Punktes k in die Hilfslinie nach Punkt g verläuft. Der Verlauf der inneren Schuhoberkante ist aus der Zeichnung ersichtlich. 6. Einarbeiten des Schaftschlusses. Der gute Knöcbelschluß am Schuh wird durch eine gute Leistenform, einen im Schaft eingearbeiteten „Schaftschluß" und durch eine fachgemäß durchgeführte Zwickarbeit gewährleistet. Den Schaftschluß erzielt man durch ein von Fall zu Fall bemessenes Engerhalten der Schuhquartiere im oberen Teil. Dünne, zugige Leder vertragen hierbei mehr Abbruch als festere oder stärkere. Erreicht wird das Engerhalten, indem man bei der hinteren oberen Schaftkante bei Punkt g ½ Stich einrückt, um etwa 3 bis 3½ Stich tiefer wieder in die Fersen­ linie der Leistenkopie einzumünden. Dasselbe geschieht an der Reihenlinie bei Punkt h, nur daß die Einmündung in die Reihenlinie der Leistenkopie etwas tie­ fer, also 5 bis 6 Stich unterhalb des Punktes h, vorgesehen wird. Die obere Schaft. ecke bei Punkt h wird durch einen leichten Bogen abgerundet. Der in Schluß gearbeitete obere Schaftteil wird beim •überzwicken über den Lei.sten stark gespannt, da er jetzt enger als die Leistenkopie ist. Dies wirkt sich nach dem Ausleisten des Schuhes als eine Spannung aus, wodurch sich die Seitenteile fest an den Fuß anlegen. 7. Der Blattbogen. Vom Blatthöhenpunkt e nach der Sohlenbahn der Leisten­ kopie die bei Bild 125.1, Abschnitt 10, näher besprochene „Ballenlinie" 1 einzeich133
nen. Sie wird wie beim Ringsbesatzstiefelmuster halbiert und bekommt nach oben einen Stich Zugabe, doch nur, wenn dünnes Schaftmaterial zur Verarbeitung kommen soll, Punkt m. Bei stärkerem bzw. wenig zugigem Schaftmaterial begrenzt die halbierte Ballenlinie die Breite des Blattbogens oder Blattausschnittes ohne einen Stich Zugabe nach oben. Von Punkt m aus wird eine kurze Hilfslinie in Richtung zur hinteren Schuhhöhe gezogen. Nun trägt man an der Gelenklinie etwa ein Drittel ihrer Länge von der Ballenlinie nach hinten ab, wodurch die Blattlänge bei Punkt n festgelegt wird. Jetzt wird der Blattbogen eingezeichnet, bei Punkt e beginnend, bei Punkt m in kurz-rundem Bogen auf die kurze Hilfs­ linie stoßend, um alsdann nach Punkt n hin im schön verlaufenden Bogen in die Grundlinie auszulaufen. 8. Die Blattbruchlinie u n d Zwickzugabe. Wie beim Herrenderbymuster mit Blatt führt sie von der höchsten Stelle der Leistenkopiespitze bei Punkt o nach dem Blatthöhenpunkt e. Nach vorn erhält sie wie bei den vorhergehenden Mustern eine Zwickzugabe von 21/2 Stich, desgleichen an der Sohlenbahn der Leistenkopie. Das Kappenmuster wird wie üblich eingezeichnet. 9. Einzeichnen eines Kappenbesatzes. Soll das Halbschuhquartier mit einem Kappenbesatz versehen werden, so zieht man 2 Stich unterhalb eine Par­ allele zu der Hilfslinie g-k (p). Durch das Einzeichnen zweier Bogen q und r erhält man eine gefällige Kappenbesatzform. Eine Verzierungsnaht im Ösenteil (s), welche in einem Abstand von 2½ bis 3 Stich von der Verschnürungskante in leichter Bogenform verläuft, vollendet das HeITenschnürschuhmuster. Das Ausmodellieren Das Quartier- oder Hinterteilmuster wird ausgeschnitten. Das Blatt wird „aufgelegt", wofür man dem Hinterteil einen 1 cm breiten Untertritt für die Auflage des Blattes geben muß (134.1). Der Verlauf der hinterei1, oberen und vor­ deren Schuhkante wird auf das untergelegte Musterpapier durch­ kopiert, desgleichen die vordere Kante des Untertrittes. Nach Umzeichnen der EinzwickQuarti,r kante wird das Muster ausge­ schnitten. Soll ein inneres und ein äußeres Quartierteil geschnitten werden, so muß am Grundmuster auch der Verlaufder höher liegen134.1 Das Modellieren des Quartiers und Blattes den, oberen Schaftkante einge­ zeichnet werden, die ebenfalls durch.kopiert wird. Ausgeschnitten wird dann mit doppelt gelegtem Musterpapier, doch geht die Schnittführung über die höher liegende Schaftkante. Nach dem Ausschnitt wird an dem einen Teil der Unter­ schied weggeschnitten, wodurch man das Außenteil erhält. Durch den doppelten Ausschnitt wird das zweifache Ausmodellieren überflüssig. Der Kappenbesatz kann auf die ganz belassenen Quartiere aufmon­ tiert werden, so daß in diesem Falle die Quartiermuster unverändert bleiben. 134
Zweckmäßig gibt man jedoch am Muster unterhalb des Kap­ penbogenverlaufes 1 cm Unter­ trittund schneidet den unteren Fersenteil ab, wodurch Leder gespart wird (135.1). Das Quartiermuster wird durch­ kopiert, umzeichnet und aus­ geschnitten. 135.1 Das Modellieren des Quartiers für Kappenbesatz Für d a s Blatt m u s t er wird die Bruchlinie des gefalzten Musterpapieres mit der Bruch­ linie des Grundmusters gleich­ gelegt, der Blattbogen durch. kopiert, die Zwickzugabe um­ zeichnet und ausgeschnitten. Das Kappenmuster wird, wie besprochen, ausmodelliert. / / / / ( <...> \ \,( \ 4. Das Derbyschuh-lUuste:r mit Blatt Das Z e i c h n e n des Musters Der Aufbau ist zunächst der­ selbe wie beim Schnürschuh­ muster. An Stelle des Blatt­ bogens tritt die Einzeichnung des Derbybogens, wie sie beim Herrenderby - Stiefelmuster mit Blatt erklärt wurde. Die 135.2 Der Entwurf des Derby­ schuh-Musters mit matt 135.3 Das l\lOdellieren des D�rbyschuh­ Musters 135
Blattbruchlinie führt über die höchste Stelle der Leistenkopiespitze, Punkt a, durch den Blatthöhenpunkt b bis zur Hilfslinie c (135.2). Hier beginnt der Laschen­ bogen, falls Blatt und Lasche in einem Stück gearbeitet werden sollen, und endet 2 cm vor dem Derbybogen. Da das Derbyblatt unter dem Quartier zu liegen kommt, benötigt das Blatt einen Untertritt von 1 cm. Die Kappeneinzeichnung ist die übliche. Das Ausmodellieren Das Quartiermuster wird entsprechend dem Verlauf der Voll-Linie (135.3) durchkopiert und ausgeschnitten, das Blattmuster gemäß der Strichlinie. 5. Das Damenschnürschuh-Muster Das Zeichnen des Muste1·s Der Aufbau ist im wesentlichen derselbe wie der des Herrenschnürschuh-Musters (137.1). 1. Hauptlinien und -punkte festlegen. Grundlinie und Senkrechte aufstellen. Absatzhöhe an der Senkrechten abtragen, a. Leistenkopie mit Blatthöhe und Kappenhöhe einzeichnen. 2. Fersenbeugepunkt festlegen. Vom Absatzhöhenpunkt a nach der Grund­ linie zwei Drittel der Leistenlänge übertragen und durch Linie (Gelenklinie) ver­ binden. Auf derselben im Absatzhöhenpunkt a Winkel von 42 Grad abtragen (35 Grad zuzüglich 7 Grad für die Absatzhöhe = 42 Grad). Fersenlinie zur Vermeidung überflüssiger Hilfslinien nicht einzeichnen, sondern durch Anlegen des Lineals über den 42. Grad den so ermittelten Fersenbeuge­ punkt b an der Leistenkopie festlegen (137.1). 3. Abtragen der hinteren Schuhhöhe wie beim Herrenhalbschuh-Muster c. Beispiel: Schuhgröße 40 Stich; 40 plus 6 = 46; 46 : 6 + 2 = 72 + 2 == 9 /3 2/ 3 Stich. 4. Einzeichnen der Ballenlinie. Im Blatthöhenpunkt d rechten Winkel auf Leistenkopie anlegen und wie bisher die Ballenlinie einzeichnen. Durch Halbieren derselben und 1 Stich Zugabe nach oben gelangt man zum seitlichen Blatthöhen­ punkt e, den man mit der hinteren Schuhhöhe c durch eine Hilfslinie verbindet. 5. Die Bemessung der vorderen Schuhhöhe. Wie beim Herrenschnürschuh­ Muster erwähnt, ist der Fersenbeugepunkt die höchste Stelle für den vorderen Schuhabscbluß. Soll der Schuh einen tieferen Ausschnitt erhalten, wie dies im vorliegenden Beispiel der Fall ist, so legt man den rechten Winkel entsprechend tiefer an der Reihenlinie der Leistenkopie an, Punkt /, und zieht eine Verbindungs­ linie na.ch der Sohlenbahn der Leistenkopie. Von Punkt f aus beginnt das Einzeich­ nender oberen Schuhkantena.ch Punkte.Bei Punkt c und/werden noch, wie schon beim Herrenhalbschuh erwähnt, der Schuhschluß eingezeichnet und d!ie obere Schaftecke in Punkt f abgerundet. 6. Die Blattlänge. Sie wird in der gleichen Weise wie bei den Herrenschuh­ Mustern erzielt, Punkt g. Hierauf wird dem Blattbogen vom Blatthöhenpunkt d nach g die Form gegeben. 136
137.1 DerEntwurf desDamenschnür• sc'huh-Musters 7. Die Blattbruchlinie. Bei gesprengten Damen­ leisten empfiehlt es sich, die Blattflügel so zu schnei­ den, daß sie näher zusam­ menkommenund nicht aus­ einanderstehen (137.2). Die Strichlinie stellt die Flügel­ stellung ohne Schluß dar, die Voll-Linie dieselbe mit Schluß. Durch diese Form­ gestaltung erzielt man den sog. ,,Blattschluß", d.h.,das Blatt legt sich beim Zwicken nicht nur leichter oben an den Leisten an und verhin­ dert Spannungen an der Blattnaht, sondern es be­ kommt auch einen besseren seitlichen Schluß. Erreicht wird dies, indem man die / ,--'. ·o � .X -·-·7 \ i ' 1' 1' 1 ' 1 .i \ 137.2 Das Modellieren des Damen-lllatt,os 137.3 Das Modellieren des Damen-Blattes Blattbruchlinie vorn an der höchsten Stelle der Leistenkopiespitze, Punkt h, um etwa l Stich hebt und von hier aus nach dem Blatthöhenpunkt d führt. Nach der üblichen Zwickzugabe ist das Muster fertiggestellt, falls der Schuh nicht noch eine Zierkappe, Ösennaht, Kappenbesatz oder andere Verzierungen erhal­ ten soll. 137
D a s Ausmodellieren Unter der üblichen Zugabe für den Untertritt wird wie beim Herrenschnürschuh­ Muster verfahren. Bild 137.3 zeigt in der Strich­ linie das Quartiermuster und in der Voll-Linie das Blatt. 6. Das Damenspangen­ schuh-Muster D a s Z e i c h n e n d-es Musters 1. Hauptlinien u n d -pu nkte festlegen. Lei­ stenkopie mit festgelegter Blatthöhe und Fersen beuge auf Grundlinie und Senk­ rechte in entsprechender Absatzhöhe einzeichnen (138.1). Hintere Schuhhöhe abtra­ ....... gen (a). Ballenlinie wie üblich ein­ zeichnen und halbieren, Punkt b. Hilfslinie von der hinteren Schuhhöhe a nach b ein­ zeichnen. ·2. Die Spangenhöhc soll höchstens bis an den Fer­ senbeugepun.kt c reichen, doch erzielt man bei tieferer Anordnung im allgemeinen bessere Paßformen, beson­ 138.l Der Entwurf des Damenders bei weniger stark ge­ 1-Spangcn-Mustcrs (Blat.t untergelegt) sprengten Leisten: Auch richtet sich die Spangen­ höhe wesentlich nach der Blatthöhe. Soll z.B. das Blatt kurz werden, muß auch die Spange entsprechend tiefer angeordnet sein, damit der Raum zwischen Blatt­ höhe und Spange nicht zu groß wird und dadurch das Gesamtbild stört. Je höher das Blatt, desto höher auch die Spange. Bei einer Durchschnittsblatthöhe kann man die Spange 1 cm unterhalb des Fersenbeugepunktes festlegen, Punkt d. Wie bei den übrigen Schuhmustern, wird auch hierbei in Punkt d der rechte Win­ kel zur Reihenlinie angelegt und eine Verbindungslinie (e) nach der Hilfslinie a-b gezogen. 138
� - Die Spangenbreite. Von Punkt b zieht man zur Hilfslinie e eine Parallele zur Reihenlinie. Im Schnittpunkt / wird der 80. Grad abget.ragen, worüber von Punkt f eine über den Reihen hinausgehende Hilfslinie g zum Abtragen der Span­ genlänge gezogen wird. Zu diesen Hilfslinien zieht man 1 cm tiefer eine Parallele h. Wenn die Spange entsprechend breiter werden soll, muß diese Parallele in größerem Abstande von der Hilfslinie g einge• zeichnet werden. 4.DieSpangenlänge.Die Entfernung von Punkt f nach Punkt d unter Zurech­ nung von zwei Stich von Punkt d auf die Spangen­ hilfslinie g übertragen. Punkt i ist sodann die Spangenlänge. -----·-------- ·7 1. 1 . 1 5. D a s E i n z e i c h n e n der Spange. Zweckmäßig be­ ginnt man beim Spange n ­ längenpunkt i, indem man zunächst den Spangenkopf einzeichnet. Dann folgt man dem VerlaufderHilfslinie g, wodie Spangenlinie alsobere Schuhkante an Punkt/ vor­ bei weitergeführt wird. Den gleichen Verlauf nimmt die Spange bei der Hilfslinie h, berührt alsdann die Hilfs­ linie b-f, um im ovalen Bogen in den Blatthöhen­ punkt k einzumünden. 1 . 1 1 6. Das Einzeichnen des Blattes. Das Blatt kann unterlegt oder aufgelegt werden. Im ersteren Falle 139.1 Das Modellieren des Damen-1-Spangen-Muster 139.2 Entwurf desDamen­ Spangen­ Mustersmlt aufgeleg­ tem Blatt 139
geht man vom Blatthöhenpunkt k 1 Stich tiefer, Punkt 1, und folgt in stets breiter werdendem Abstand dem ovalen Blattausschnitt, um, wie bei den übrigen Halbschuhmustern, im guten Drittel der Gelenklinie bei Punkt m in flachge­ haltenem Bogen einzulaufen. 7. Die B l a t tbruchli n ie. Tor Verlauf ist der gleiche wie bei dem vorausge­ gangenen Damenschnürschuhmuster und aus der Zeichnung ersichtlich. 8. Zwickzugabe und Untertritt. DieZwickzugabe ist die übliche. Der Unter­ tritt beginnt bei Punkt J� und ·wird bei unterlegtem Blatt an dieser Stelle knapp 1 Stich breit ge­ halten, verbreitert sich 1' jedoch nach der Seite · 1 und unten hin auf 1 cm. ' Nachdem der Schuh­ schluß beim hinteren 1 Schafthöhenpunkta ein­ gezeichnet ist, wird die 1 Knopfbefestigungsstelle auf der Hilfslinieb-f bei \ 1 ' Punkt n festgelegt. \ A 2 bis 2½ Stich oberhalb 1 / \ des Punktes n bekommt \ 1 das äußere Quartierteil \ einen bogenförmigen Ab­ schluß, der in seinem vorderen Teil aber nicht breiter als clieSpangesein darf, damiternichtsicht­ barwird.Hältman diesen Auslauf kürzer, dann ist / eine Knopfversetzung � nach vorn mit Schwierig. / 1 �/ keiten verbunden, für die sonst genügend Spiel­ raum vorhanden ist. / -----.:.::;;----�-:.=:::::--·-·1 . . ,,. ,, .........____________"""I\ \ 1 1 1 ------------J ' I 1 1 140.1 140 Das Modellieren des Damen-Spangen-Musters mit aufgelegtem Blatt 140.2 Entwurf des 2-Spangen­ Musters ,,.,,,.
D a s Ausmo dellieren Die Voll-Linie (139.1) zeigt den Modellschnitt des Spangen- und Knopfteiles, die Strichlinie den des „unterlegten Blattes". In Bild J.39.2 ist der Entwurf für das Spangenmuster mit „aufgelegtem Blatt" dargestellt. Modelliert wird in der bisher besprochenen Weise. Der Verlauf der Blattlinie wird in Bild 140.1 durch die Voll-Linie veranschaulicht und der des Quartieres durch die Strichlinie. Der Zweispangenschuh (Bild 140.2) hat denselben Aufbau wie der Einspangenschuh, nur wer­ den für die zweite Spange zwei weitere, parallel zur ersten Span­ ge laufende Hilfslinien einge­ zeichnet. Auch der sog. ,,Bindeschuh" (141.l) wird wie die vorerwähn­ ten Halbschuhmuster entwik­ kelt. Die seitlichen Verzierungs­ ausschnitte müssen sich der Ge­ samtlinienführung des Schaftes anpassen und werden am Schluß freihändig eingezeichnet. Mit der Leistenkopie werden die Schaftmuster paßgerechter. Ver­ mittels des Leistenkopierverfah­ rens lassen sich unter teilweiser Mitbenutzung desWinkelverfah­ rens alle Schaftarten in paßge­ rechter und auch formvollende­ ter Weise zusammenstellen. Vor­ aussetzung ist jedoch, daß die Herstellung der Leistenkopie fleißig geübt und der Aufbau des Grundmusters für Stiefel und Schuhe so erlernt wird, daß die Anordnung der wenigen Hilfs­ linien auswendig erfolgen kann. Das Herrenderbyschuh-Muster mit Quartierverzierung und „Flügelkappen" (142.1) zeigt in klarer ,veise, daß es vermittels der Leistenkopie entschieden einfacherist, formschöneund vor allem paßgerechte Schaftmuster zu entwickeln als unter Zugrun­ delegung eines rein geometrisch aufgebauten Winkelsystems. 141,l Entwurf des Bindeschuhes 141
m. Das Schäftemachen a) Das Oberleder und seine Gerbung .o:, .o., .0.1 .o.1 .r ? 0 ·o·I o·r .eil 1• Für die gebräuchlichsten Ober­ leder verwendet man leichte Rindshäute, Kipse (Bezeichnung für die Häute des Zeburindes), Kalb-, Ziegen- , Schaf-, Reh-, Gems-, Antilopen-, Renntier- und Reptilienfelle. Entsprechend der Art der Haut, dem zur Anwendung kommenden Gerbverfahren und der .Art der )fachbehandlung erhält ma,n Le­ der von verschiedenem Aussehen und mit verschiedenen Eigen­ schaften, wie schwarzes oder far­ biges, mattes oder glänzendes, rauhes oder glattes, grob- oder feinnarbiges „ dünnes oder kräf­ tiges, trockenes oder fettiges (wasserdichtes), mehr oder weni­ ger zugiges, geschmeidiges und dehnbares Leder usw. Die zur Ge­ ,rinnung der Blößen notwendigen Vorarbeiten sind im wesentlichen dieselben wie• die bei der Boden­ ledergerbung (s. S. 6 bis 8). Für das Gerben werden verschiedene Verfahren angewendet. l. Die vegetabile Gerbung Hierbei finden Gerbstoffe aus dem Pflanzenreich Verwendung, die aus Rinden, Holz, Wurzeln, Früchten und Gallen gewonnen werden. (Siehe auch S. 7 bis 10.) Rinden als Gerbstoffe. Eich en­ rin dewit-d von 15-bis20jährigen, in besonderen Schälwäldern her­ angezogenen Eichenstämmchen 14%.1 Entwurf des Herrendetbyschuh•llusters mit FIOgelkappen und Knppenbes:1.tz gewonnen. Geschält wird gewöhn­ lich Anfang Juni, weil dann die größte Menge Saft vorhanden ist, wodurch das Schälen leichter fällt. Fichtenrinde wird von 30- bis 60jährigen oder älteren Bäumen gewonnen. 142
Ferner finden Verwendung W e i d e n r i n d e , T a n n e n ­ r i n d e , Mimosenrinde (von verschiedenen tropischen Akaziensorten gewonnen), Mangrovenrincle (von tropischen Sträuchern stammend) u. a. m. Auch Hölzer finden als Gerbstoffe Verwendung, und zwar besonders Eichenho l z , K a s t a n i e n h o l z und Que­ brachoho lz. Quebrachoholz ist von allen Hölzern das wichtigste. Der Quebrachobaum wächstnicht in Wäldern, so ndern findet sich in Gruppen in den Ebenen Uruguays, Paraguays und Brasiliens. Das Holz ist von roter Farbe, sehr fest und schwer, fast steinart,ig. Die jungen Stämme sind reicher an Gerbstoffen als die älteren. In Verbindung mit anderen Gerbstoffen ist Quebracho ein sehr wert­ voller Gerbstoff und ko mmt meist in Form von trocke­ nem oder flüssigem Auszug in die Gerbereien. H3.l Yalonea 10.2 Myrobaw.neu Von Blättern, die als Gerbstoff dienen, ist der Sumach zu nennen. Er besteht aus Blättern und jungen Trieben mehrerer verwandter Pflanzen, die vorzugsweise in den Mittelmeerländern wild wachsen. Von grünlicher Farbe, kommt er vollständig getrocknet in Form zerkleinerter Blätter oder zu Pulver gemahlen in den Handel. 143,3 Dividivi Verschiedene Früchte sind als Gerbstoff wertvoll. V a l o n e a nennt man die Frucht­ becher der namentlich in Kleinasien beheimateten immergrünen Eiche (143.1). Valonea ist ein für die Sohlledergerbung sehr wertvoller Gerbstoff, doch wird er wegen seines hohen Preises meist nur als zusätzliches Einstreumittel mit der Eichenlohe verwendet. Er vermittelt dem Narben des gegerbten Leders einen hellen Belag (die „Blume"), der ein Zeichen der Güte des Leders darstellt. Myr o b a l a n en sind die Früchte einer in Indien beheimateten Baumgattung, ge­ nannt „Terminalia" (143.2). Dividivi ist die Schotenfrucht eines in Zentral- und Südamerika wildwachsenden Strauches. Die Schoten haben im getrockneten Zustande eine S-Form und sind außen von rötlicher Farbe (143.3). Algarobilla ist die Schotenfrucht einer in Südamerika wildwachsenden Kiefern­ art. Die Farbe ist ocre (hell ockergelb). Algarobilla findet auch zur KombinatioBS­ gerbung mit Mineralgerbmitteln Verwendung. Von den Gallengerbstoffen seien Knoppern und Galläpfel genannt. Durch den Stich der Knoppernzellwespe in die jungen Eicheln der Stieleichen verkümmert die Eichel und erhält eine größere und unregelmäßigere Form von gelblichbrauner Farbe. Diese verkümmerte Frucht i�t sehr gerbstoffhaltig und trägt die Bezeich­ nung „Knoppern". G a l l ä p f e l sind runde, krankhafte Auswüchse auf den Blättern und jungen Ästen der Eiche, hervorgerufen durch den Stich der Gallenwespe, die in die Öffnung 143
ihre Eier ablegt. Es bilden sich bräunliche Anschwellungen, die sich mit dem Wachstum der Larve bis zu 2½ cm vergrößern. Die Galläpfel müssen noch vor dem Ausschlüpfen der Insekten eingesammelt werden. Bei der vegetabilen Oberledergerbung werden aus den genannten Gerbmitteln Brühen bereitet, in denen die Blößen so lange angegerbt werden, bis sich der Narben gleichmäßig entwickelt hat, worauf in der Hauptsache im Fasse ausgegerbt wird. Für das Anger ben in den Brühen verwendet man Eichen- oder Fichtenlohe und für das Ausgerben im Faß Auszüge von Quebracho, Fichten usw. Damit das fertige Leder mehr die Eigenschaften der besten Lohgerbung, der Eichengerbung, erhält, bringt man sie nochmals in ein Versenk mit Eichenlohe und Gambierbrühe oder in eine Brühe mit einer starken Lösung von Gambier, Katechu oder Sumach. Je nach der zu erzielenden Beschaffenheit des Oberleders ist die Gerbausführung, die Zusammensetzung der Brühen, die Nachbehandlung usw. eine verschiedene. Nach der Gerbung wird das Leder weiter zugerichtet. 2. Die Alaun- oder Weißgerbung Die Bezeichnung stammt von der Verwendung des weißen Alaunsalzes, dem noch Kochsalz zugesetzt wird. Schon den alten Ägyptern war bekannt, daß bestimmte Salze, wieKochsalz und .Alaun, erhaltende (konservierende) Eigenschaften haben. Man bezeichnet diese Gerbung auch a.ls „Weißgerbung", weil das Leder hierbei eine weiße Farbe annimmt. Weißgegerbtes Leder ist nach dem Gerben hart und steif und bekommt erst durch die Nachbehandlung (Strecken und Stollen) Weichheit und Geschmeidigkeit. Im Wasser verliert es aber seine Gerbung und geht hei längerem Kochen in Leim über. Weißgegerbtes Leder eignet sich für Schuhzwecke nicht besonders und findet vorzugsweise für Luxusschuhwerk Ver­ wendung. 3. 1'1inera1gerbung Sie ist das bedeutendste Gerbverfahren unserer Zeit, denn die meisten Oberleder werden heute mineralgegerbt (chromgegerbt). Chromgegerbtes Leder unterscheidet sich vom lobgegerbten sehr. Seine für Oberleder so wichtige Zugfestigkeit ist viel größer, und es ist auch gegen äußero Einflüsse, wie Wasser, Hitze und Kälte, als auch gegen Laugen und Säuren viel widerstandsfähiger. Gewichtsmäßig ist es leichter als lohgegerbtes Leder, was gerade für Oberleder von besonderem Wert ist. Gut gegerbtes Chromleder wird selbst in kochendem Wasser kaum beeinflußt. Das Gerbverfahren geht schnell vor sich (4 bis 12 Stunden), entsprechend der Haut- bzw. Fellstärke und dem angewandten Gerbverfahren. Bei der Chromgerbung unterscheidet man das Einbad- und Zweibadverfähren. Beim Einbadverfahren kommen die Blößen, ähnlich wie bei der Lohgerbung, in eine fertige Chromlösung, wobei sich das Chromsalz auf der Hautfaser nieder­ schlägt. Beim Zweibadverfahren wendet man zwei Bäder an. Im ersten Bad dringt die Chromsäure in die Blößen ein, wodurch sie eine gelbliche Färbung erhalten. Hierauf kommen die Blößen in ein zweites Bad, in dem die Chromsäure zu 144
Chromoxyd verwandelt wird, das sich mit der Hautfaser innig verbindet und nicht mehr entfernen läßt. Im Zweibad gegerbte Leder zeigen im Schnitt eine mehr grünliche, die im Einbad gegerbten eine mehr bläuliche Färbung. Nach der Gerbung werden die Leder entsäuert, für schwarz oder farbig weiter verarbeitet, und erhalten durch eine sachgemäße Zurichtung die dem Chromleder wertvollen Eigenschaften, wie Weichheit, Zugigkeit, Schönheit des Narbens usw. 4. Die Sämisch- oder Fettgerbung Die Sämischgerbung wird vorzugsweise mit Tranen (Dorschlebertran und Ton­ fischtran) durchgeführt, ferner kommen Gehirnfett, Eidotter, Kuhbutter, Rüböl und Leinöl in Anwendung. Andere Fette, wie z. B. Klauenöl, Rinderfett unq. Talg, dienen mehr als Schmier- und Füllmittel. An Häuten finden vorzugsweise die Felle des Wildes (Hirsch, Reh, Gemse, Anti­ lope, Gazelle, Renntier) Verwendung, doch eignen sich hierzu auch schwache Rindshäute, Kalb-, Ziegen- und Schaffelle sowie Spalte. Der Gerbvorgang. Die Narbenschicht wird zum besseren Eindringen des Öles bzw. Fettes beim Enthaaren mit entfernt oder aber auf der Spaltmaschine abge­ spalten. Nachdem durch die übrigen Arbeiten in der Wasserwerkstatt die Blößen erarbeitet sind, werden sie gut gewässert und hierauf unter der Presse ausgepreßt. Danach werden die Blößen mit Tran bestrichen, worauf sie in einem Walkgerät ¼ bis 1 Tag gewalkt werden. Hierbei verbindet sich der Tran mit dem in den Blößen noch vorhandenen Wasser und dringt durch das Walken in das Zellgebilde des Felles ein. Um das Wasser zum Teil verdunsten zu lassen, werden sie nunmehr in einem warmen Raum aufgehängt. Hierauf werden sie, wiederum in einem warmen Raum, zu Häufen geschichtet und weiter erwärmt. Damit sie sich nicht über 40 Grad erwärmen, werden sie zwi­ schendurch umgeschichtet. Sobald eine weitere Selbsterwärmung über 40 Grad nicht mehr eintritt, ist die Gerbung beendet. Die gerbende Wirkung kommt da­ durch zustande, daß die Trane und Fette den Sauerstoff der Luft aufnehmen und hierdurch oxydieren und ranzig werden. Die Leder bekommen dadurch eine gelbe Farbe und einen eigentümlich scharfen Geruch. Nun folgt das Entfernen des überschüssigen Fettes mit einer Soda- oder Pott­ aschelösung, worauf die Felle unter der Presse ausgepreßt, mit Wasser gut nachge­ waschen und getrocknet werden. Die nachfolgende mechanische Bearbeitung gibt dem Leder die gewünschte Weichheit und Geschmeidigkeit. :fliiit dem Glattschleifen auf besonderen Maschinen sind die Leder fertiggestellt. 145
5. Die gebräuchlichsten Oberleder des Schuhmachers Oberlederart Fahlle der Hautart Rindshäute (Jungtiere) Chromsport Rindshäut;e (Jungtiere) (auch Rindsport genannt) Hauptsächliche Gerbarl Lohgerbung und mit Tran geschmiert Chromgerbung Waterproof Rindshäute (Jungtiere) Juchten Rindshäute und leichtere Kuhhäute Rindbox Rindshäute und leichtere Kuhhäute Reine Chromgerbung Mastbox Mastkalbfelle von 2 bis 5 Monate Reine Chromgerbung alten Kälbern Boxcalf Kalbfelle von Kälbern, welche nur Reine Chromgerbung mit Muttermilch ernährt wurden Chevreau Ziegenfelle Rind\ack Leichte Rindshäute, besonders Kuh- Chromgerbung häute, Fresscrhäute, das sind Häute von älteren Kälbern bis zu etwa. l Jahr, l\1astka.lbhäute Kalblack Chromgerbung oder Chrom mit Lohe verbunden, besonders kräftig gefett�t Mit Weiden- u.Birkenrinde. Schmieren mit . einer 1\1ischung von Tran- und Birkenteeröl, auch „Juchtcnöl" genannt N a c h a h m u n g : Lohgerbung und mit Birkenteeröl durchsetztem Fett nachbehandelt. Juchtengeruch ist nicht von langer Dauer. Reine Chromgerbung Kalbfelle Chromgerbung Chevreaulack Feine Ziegenfelle Chromgerbung Roßla.ck Pferdefelle Chromgerbung FoWenlack Junge Tiere (Fohlen) Chromgerbung 146 1
Eigenschaften 1Erkennungsmerkmale Verwendung Geschmeidig, widerstandsfähig Halbe Häute, feinkörniger dichter Schuhwerk für Industriegegen äußere Einflüsse, wasser- Narben durch die Behandlung mit arbeiter u. dgl. mehr dicht und sehr dauerhaft Tran. Naturfarbig (lohfarbig) und schwarz (wird nach Gewicht bewertet) Kräftiges, aber doch geschmei- Halbe Häute mit grobem Preßnar- Sportschuhwerk aller Art diges, widerstandsfähiges Leder ben (Perlnarben) schwarz und farbig Gut wasserabstoßendes Leder Halbe Häute, glatter Naturnarben Berg- und Wintersportschuhwerk äußerst geschmeidig und haltbar schwarz und farbig Kräftiges, aber besonders mildes, Halbe Häute, Narben glatt oder ge- Jagdstiefel, Fischerstiefel, wasserdichtes, krispelt oder aufgepreßt in schief- Touristenschuhwerk, Kageschmeidiges, dauerhaftes und gegen äußere winkligen Quadraten oder Recht- nalarbeiterschuhwerk ecken. Narben dieser Art werden Einflüsse widerstandsfähiges auch „Juchtennarben" genannt. Leder Sehr angenehmer Geruch meist schwarz u. braunrot gefärbt Sehr zähes, festes, aber doch noch Halbe Häute mit grobem Boxcalfnar- �farschstiefel und festeres geschmeidiges Leder ben, schwarz und farbig Gebrauchsschuhwerk Volles, kerniges Leder, nicht so Große Felle (100··· 160 dm 2) mit �farschstiefel und festeres kräftig wie Rindbox, strapazier- Boxcalfnarben und gröber.Am Hals- Herrenstraßenschuhwerk fähig teil stark sichtbare Streifen „Mastriemen" genannt schwarz und farbig Weiches, aber doch festes, zähes Ganze Felle (70· · · 100 dm2) mit fei- Herren-, Damen- und nem, mildem, durch „Krispeln" er- Kinder-Straßenschuhwerk und widerstanruifähige s Leder zeugtem Boxcalfnarben schwarz und farbig Sehr weiches, geschmeidiges und Ganze Felle (40···60 dm2) mit glat- Leichtes Herren- u. Kinim Verhältnis zur Stärke sehr tem, sehr mildem Naturnarben. Mitderschuhwerk, besonders einer Lupe in Gruppen angeordnete aber für Damenschuhwerk dauerhaftes Leder Haarporen erkennbar aller Art schwarz, braun und feinfarbig Glatt.es, hochglä.nzendes Lede1·, Halbe Häute, Naturnarben Lackrei tstiefol, Herren-, krä.ftig, aber doch geschmeidig. schwarz und feinfarbig Damen-, Kinder- und Die Narben.körnung ist bei �fastLuxusschuhwerk ka.lblack feiner als bei Rindlack Voiles, kerniges, geschmeidiges Ganze Felle, Naturnarben und hochglänzendes Leder schwarz und feinfarbig Luxusschuhwerk a,ller Art Weiches, geschmeidiges und halt- Ganze Felle mit Chevreaunarbung Vorzugsweise für Damenbares Leder schwarz und feinfarbig Luxusschuhwerk Glattes, hochglänzendes und ge- Halbe Häute mit etwas grobem Billigeres Straßen- und schmeidiges Leder Naturnarben Luxusschuhwerk aller Art schwarz und feinfarbig Sehr weiche s, besonders ge- Ganze Felle mit sehr feinem Natur- Hochwertiges Herren- und schmeidiges, hochglänzendes und narben. 70· . . 130 dm2, von größeren Damen-Luxusschuhwerk haltbarst.es Lackleder Tieren bis 140 dm2 schwarz und feinfarbig 147
D i e g e b r ä u eh 1 i c b s t e n O b e rI e d e r d e s S e h u h m a c h e r s (Fortsetzung) Oberlederart Wildleder Hautart .A.ntilopenfelle Gazellenfelle Rehfelle Hirschfelle Hauptsächliche Gerbart Sämischgerbung (Gerbung mit Tranen, am besten mit Dorschlebertrau und Thunfischtran) WildlederRindshäute Nachahmungen, sogenanntes Kalbfelle ,,Sämischleder" Sämischgerbung Nubukleder Alaun-Weißgerbung, auch teilweise kombinierte Gerbung Ziegenfelle Rindshä.ute Kalbfelle Reptilleder Eidechsenhäute Alaun- und Vegetabilgerbung Schlangenhäute Krokodilhä.ute .Kalbfelle ReptillederNachahmungen Ziegenfelle Mineral-, Vegetabil- oder Kombinationsgerbung Futterleder Kalbfelle Vegetabilgerbung Ziegenfelle Chromgerbung 148
1Eigenschaften Erkennungsmerkmale Verwendung Äußerst geschmeidig, sehr halt- Ganze Felle, samtartig im Griff und Vorzugsweise z u Damenbar, wenig sehmutzempfindlich Aussehen, auf der Fleischseite ZU· Luxus- und Straßenund leicht zu reinigen schuhwerk und Einsätze gerichtet für Herrenschuhwerk Sehr geschmeidig, weniger haltbar und schrnutzempfindlicher als Antilopen- und Gazellenfelle Weich und geschmeidig, von Halbe Häute guter Tragfestigkeit, trägt aber infolge der Dicke sehr auf Ganze Felle Gut zu reinigen Ganze Felle Fester als Sämischleder, da der Halbe Häute Narben zum Teil erhalten, geschmeidig und dauerhaft Schmutzempfindlicher und Halbe und schwieriger z u reinigen als ganze Felle Sämischleder auf der Fleischseite Billigeres Herren-, Dazugerichtet, tuch- men- u. Kinderschuhwerk artiges Aussehen, und für Einsätze rauher als WildJeder und nicht so weich irn Griff Der Narben ist Herren- und Damenganz fein geschlif- schuhwerk und für fen, daher das Einsätze Aussamtartige sehen Infolge der hornartigen Narben- Je nach Gattung verschiedene Vorzugsweise z u Damen-, beschaffenheit weniger geschmei- Zeichnungen. Runde bis ovale, horn- Luxus- und -Straßendig als andere Leder, von teil- artige Narbuog, welche sich seitlich schuhwerk und für Einweise beschränkter Haltbarkeit. verfeinert sätze die aber durch Aufbügeln vo� Ganze Felle, schwarz u. feinfarbig Guttaperchastoff erhöht werden kann Je nach Gattung verschiedenartige Wenig schmutzempfindlich, Zeichnungen der „Schuppen", woran leicht zu reinigen echtesSchlangenleder z u erkennen ist Ganze Häute, schwarz u.feinfarbig Ganze Häute, Schuppen in der Rückenpartie sind groß u. viereckig, seitlich dagegen rund bis oval Ganze Häute, schwarz u.feinfarbig Festes, wenig zugiges, aber <lauer- Ganze Felle, wie Kalbleder und Che- Wie bei Reptilleder hafteres Leder als Reptilleder vreau, fest irn Griff, wenig elastisch, An stark beanspruchten Stellen gleichmäßig starkes Leder, da die schwindet die künstliche Nar- Felle egalisiert. Die Reptilnarbung ist künstlich aufgepreßt.Bei Schlanbung mit der Zeit gen- und Krokodilnarbung sind die Schuppennachahmungen nur oberOächlich betont, während die Schuppen bei echtem Reptilleder tief in die Haut eindringen Festes, aber doch geschmeidiges Vorzugsweise minderwertige oder be- Als Futterleder ffü Schuhund haltbares Leder schädigte Felle, auch als Stückware werk aller Art im Handel Weiches, geschmeidiges und sehr braun und feinfarbig haltbares Leder 149
6. Die Kombinationsgerbung Mit diesem Gerbverfahren sollen die Eigenschaften der einen Gerbung mit denen einer anderen Gerbung vereinigt, ergänzt werden, um ein noch hochwertigeres oder zweckmäßigeres Leder zu gewinnen. So vereinigt man z. B. die Lohgerbung mit der Mineralgerbung. Die erstere bringt ein volles, festes Leder hervor, hingegen die Mineralgerbung ein weiches, zartes und zugiges Leder. Weitere häufig ange­ wandte Kombinationsgerbungen sind die Verbindung von Alaunvorgerbung mit Chromhauptgerbung, Chromhauptgerbung mit vegetabiler Nachgerbung usw. (Be­ a,chte auch die Oberledertafeln S. 146 bis 149.) b) Das Auslegen und Ausfeilen 1. Das Auslegen Die Teile sind auszulegen, wie es ihrer Beanspruchung entspricht. Beim Auslegen kommt es zunächst darauf an, nicht nur möglichst viele Teile aus einem Fell her­ auszuholen, vielmehr sollen die Teile auch bezüglich ihrer Beschaffenheit allen An­ forderungen eines guten Maßschuhes entsprechen. Sie sollen also haltbar sein und ein schönes Aussehen haben. Dies gilt besonders für die Kappen-, Besatz- und Blatteile, denn sie unterliegen der größten Abnutzung und gehören zum „Gesicht" des Schuhwerks. Der Kern ist der widerstandsfähigste und auch schönste Teil des Felles, weshalb die genannten Teile aus ihnen geschnitten werden. Die Oberteile oder Quartiere des Stiefels und die Hinterteile des Halbschuhes sind an gewissen Stellen ebenfalls einer starken Beanspruchung unterworfen. Sie müs­ sen deshalb so im Fell ausgelegt werden, daß sie am fertigen Schuh nicht frühzeitiger als die Kernteile verbraucht werden. Oberteile dürfen aber auch nicht kernig sein, da der Schaft sonst zu s, teif wird, was die Bewegungen in der Knöchelpartie stark behindern würde. Hinterteile brauchen ebenfalls nicht zu kernig zu sein, da sie ja durch die Hinterkappen ge­ sichert sind. Quartiere und Hinterteile schneidet man aus dem weniger kernigen Teil des Felles, aus Hals, Kopf und den Seiten, soweit sich die letzteren hierzu eignen. muß man es auf „Stellung", d. h. auf seine Beschaffenheit untersuchen, denn nicht alle Felle sind gleich stark und fest. Gleichzeitig muß das Fell genau überprüft werden, ob keine versteckten Narbenfehler oder Schnitte auf der Aasseite vorhanden sind. Auf der Narbenseite sind entdeckte Fehler mit einem Lederfarbstift zu umgrenzen, damit man sie beim Auslegen der Muster nicht übersieht. Bevor man mit dem Auslegen eines Felles beginnt, Werden derartige Fellbeschädigungen nicht gleich festgestellt, so kann es vor­ kommen, daß sie in das eine oder andere Schaftteil mit hineinfallen und vielleicht erst im Zwickprozeß zum Vorschein kommen. In solchen Fällen entsteht unter Umständen ein größerer Verlust, denn die Arbeit muß wieder aufgetrennt, ein neues Teil ausgeschnitten und die Arbeit wiederholt ·werden. 150
Diese Fehlerquellen, meist an min­ derwertigen Häuten, vorzufinden, ,erursacht in manchen Fällen ein äußerst verlustreiches Ausfällen. Der Kaufpreis für solche Ware ist im Vergleich zu dem einer erstklassigen meist wesentlich geringer und er­ scheint somit günstig. Eine genaue Überprüfung der Auswertungser­ gebnisseläßt aber erkennen, daß sich solche Felle in der Endrechnung teurer stellen als das beste Marken­ leder. Beispiel für gute und schlechte Fellaus­ nutzung (151.1). 151.1 Das Auslegen eines hochwertigen Felles 1. Ein erstklassiges Boxcalffell von 10¾ Quadratfuß l Fuß kostet 5,00 Dl1, zusammen also 53,75 DM. Ausgelegt wurden: 2 Paar Herren-Ringsbesatzschäfte mit Kappen 1 Paar Herrcn-Derbystiefel mit Blatt und Kappen und 4 Herrenderbyschuh-Quartiere. Das sind zusammen rund 3½ Paar Herrenschäfte mit gut 3 Fuß je Paar. l Paar stellt sich demnach auf 53,75 DM : 3,5 rund = 15,36 D:.\1. 2.Ein minderwertiges, fehlerhaftes Fell mit lappigem Kopf und lappigen Seiten (151.2 u. 3). Die Ausfellmöglichkeit ist infolge starker Narbenbeschädigung und stark hervortretender Halsfalten und Adern entsprechend gering.Fellgröße = 11 ½ Fuß. 1 Fuß kostete 3,35 DM, zu­ sammen 38,52 DM. Es können aber nur 2 Paar Schäfte aus­ gefe!Jt werden, nämlich 1 Paa;r Herren-Ringsbesatzschäfte mit Kappen und 1 Paar Herren-Derbyschuhe mit Kappen. Auf l Paar Schäfte entfallen somit 11 ½ Fuß: 2 = 5¼ Fuß, oder 1 Päät stellt sich a,uf38,52 DM : 2 = 19,26 DM. i'lfit demAbfalldieses minderwertigen Felles läßt sich nichts Besonderes an- 151.2 Verlustreiches Auslegeneines minderwertigen Felles 151.S Schäden eines minderwertigen Felles 151
fangen. Kaum verwendbar für Lederfutter, kann es bestenfalls zu Klappenstücken, Rutschriemen und dergleichen verarbeitet werden, wofür aber die Preise für Ab­ falleder zugrunde gelegt werden müssen. Das Beste ist doch das Billigste. Die Minderwertigkeit des Felles (151.2) bezieht sich nicht nur auf seine schlechte Stellung, sondern auch auf die Güte. Schlecht­ gestellte Felle oder Häute erfahren nicht die sorgsame und eingehende Pflege bei der Lederherstellung, welche die Güte eines Markenleders begründet. Schlechtes Tragen und vorzeitiges Abnutzen sind die Kennzeichen der nur scheinbar billigen Lederarten, durch deren Verarbeitung auch noch der Kunde geschädigt wird. Von großem Vorteil ist auch, wenn mau stets mehrere Felle Zll.ID Auslegen bereitlegt und mehrere Schäftepaare zugleich auslegt. Dies kommt vorzugsweise bei schwar­ zem oder gleichartigem farbigen Leder in Betracht. Die Erfahrung lehrt nämlich, daß beim Ausfällen einzelner Schäftepaare aus gut­ gestellten Fellen durchschnittlich drei Quadratfuß je Paar benötigt werden, hin­ gegen können beim Ausfällen von sechs, acht, zehn Paar Schäften und mehr in einem Arbeitsgang und aus mehreren Fellen Ersparnisse von ½ bis 3/4 Fuß je Paar erzielt werden. Es wird dies durch das viel vorteilhaftere Ineina.nderlegen größerer und kleinerer Teilmuster mit verschiedenen Formen ermöglicht. So gibt es schmale, lange Felle und auch breite, kurze (153.1). Es kann sich ein Fell bereits durch seine Form zum Auslegen bestimmter Muster eignen, weshalb die Felle und Muster beim Auslegen gegeneinander abgestimmt werden müssen. Beim Auslegenist zu berücksichtigen, daß einige Teile besonderem Verschleiß unter­ worfen sind, wie z. B. die Blätter und Besätze, die man aus diesem Grunde aus dem besten Teil des Felles oder der Haut, nämlich dem Kern, schneidet. Quartiere oder Oberteile für Stiefelschäfte werden weniger stark beansprucht, müssen auch geschmeidig sein, damit die Bewegungen in der Knöchelpartie nicht gehemmt werden und der Schaft sich gut anlegt. Hals, Kopf und die Seiten eignen sich hierfür am besten, sofern die letzteren nicht zu lose im Gefüge sind. Auch die Hinterteile für Halbschuhe werden in diesen Teilen des Felles ocier der Haut ausgelegt. Betrachtet man bei getragenem Schuhwerk die Stellen, die am häufigsten überholt werden müssen, so findet man bei Stiefeln, daß sie am Quartier, hinten, oberhalb der Hinterkappe brüchig werden. Es ist dies eine Bewegungsstelle der Achillessehne beim Abwickeln des Fußes. Die Bewegung ist hier um so größer, je niedriger der Absatz ist. Zwar ist frühzeitige Abnutzung nicht immer hieraus abzuleiten, son­ dern sehr häufig auch aus einer schlechten Stellung der Leistenferse oder des Schaftmusters ocl.er aus dem gleichzeitigen Einwirken aller Einflüsse. Immerhin muß dieser besonders beanspruchten Stelle durch eine entsprechende Anordnung des Quartiermusters beim Auslegen Rechnung getragen werden. An dieser Stelle des Quartiers muß das Leder möglichst kernartig sein. Ist es einmal nicht möglich, das Teil so zu legen, dann hilft man sich damit, die gefährdete Stelle durch Unt.erkleben eines dünnen Kernstückes mit verstärkter Gummilösung zu festigen. Dasselbe gilt bezüglich der Halbschuhqua.rtiere an der oberen hinteren Schaft. kante, die weniger durch die Bewegungen des Fußes als durch das An.ziehen ohne Schuhlöffel in Mitleidenschaft gezogen werden. 152
Sind diese Stellen nicht fest genug ausgeschnitten oder unterlegt, dann geht zu­ nächst der im Schuh eingebaute Schluß verloren, und durch die Überbeanspru­ chung des Schuhes beim nachlässigen Anziehen kommt es zum Brechen der hin­ teren Naht. Diese besonders gefährdeten Stellen sind an den Quartiermustern und den Besatzmustern (153.1) durch schraffierte Linien gekennzeichnet. 153.1 Vorteilhafte• Auswerten des :F'cllcs durch Auslegen mehrerer Schäftepaare in einem Arbeit,Sgang Beispiel für das Auslegen mehrerer Schäftepaare aus mehreren Fellen, 5 Chevreaufelle von a) 4¼ Fuß, b) 5 Fuß, c) 4¼ Fuß, d) 4 Fuß und e) 4¼ Fuß (153.1), zusammen also 22¼ Quadratfuß. Ausgelegt sind nachstehende Schä.ftepaare, die zur Überprüfu ng auf jedem Schaftteil nurneriert sind: = = = 1 Paar Herren-Ringsbesatzschäfte mit Kappen Nr. 1 Gr.42 -Derbyhalbschuhe 1 2 " 43 1 3 42 -Ringsbesatzschäfte „ 4= 1 " 43 ,, -Derbyhalbschuhe ,, 43 ............. .. 5 =1 6 = 1 ,, Da.rnen-Knöchelspangenschuhe ......... . . ......... ... " 40 7= 1 -Zweispangenschuhe ........... . .......... . .. . " 39 8 = 1 ,, Herren-Blatthalbschuhe mit Kappen ........... . ...... 43 9=1 ,, 43 9=1 ,, ,, " 42 ,, 10 = 1 „ Knabenschnürschuhe,, " 40 . 153
Das sind zehn Paar Schäfte aus 22½ Quadratfuß oder 209,02 dm2 Leder � 2¼ Fuß oder 20,90 dm2 je Paar, obwohl die Felle nicht immer ganz ausgewertet sinrl. 154.1 und 2 DerOcksichtigung der Zugrichtung des Felles beim A11slegen Beim Auslegen soll auch die Zugrichtung des Felles berücksichtigt werden. Der Zug geht vom Rücken nach den Seiten. Der Zug in den Klauen und in den Flem­ men entspricht dem Richtungsverlauf der vorderen und hinteren Klauen, ist also ein etwas schräger (154.1 und 2). Ein Fell muß nach Möglichkeit auch so ausgelegt werden, daß die einzelnen Teile gleichmäßig zum Ausschnitt kommen, d. h. das Fell wird in der Mitte gebrochen oder geknickt, damit der Verlauf dieser „Rückenlinie" deutlich 1?ichtbar ·wird. (In den Abbildungen durch die weiße Linie veranschaulicht.) Wenn z. B. ein Besatz auf der einen Fellseite ausgelegt wird, soll der zweite auf die andere Seite zu liegen kommen . Die Teile sollen also spiegelbildlich, d. h. gleichmäßig im Fell, ausgelegt werden, damit sie zusa=enpassen und sich.am Schub vor allen Dingen gleichmäßig tragen. Teile üher den Rücken hinwegzulegen, ist grundsätzlich falsch, denn der ist spröde und brüchig, zeichnet sich am fertigen Schuh durch erhöhten Glanz aus und reißt sehr leicht bei schärferem Zwicken (154.3). IG4.3 Falsches Auslegen 154 Blatt- oder Besatzteile, die eine Zier- oder Vorderkappe erhalten, läßt man nur 1---1¼ cm unter die Kappen gehen. Dementsprechend knickt man das Muster im Spitzenteil um, wodurch unter Umsi;änden die Kappen für diese Schäfte gewonnen werden (151.1 und 154.1).
b C \ \ g f h ,,�,� : 1S1 ; .____h-- t m tJ.,.,. .J 111 l 11 0 p 1&5.1 Die gebr:iuchlichsfon SchäftemacherwerkzeUge a) Knopfbefestigung3za.nge f) Umbughamrner b) Verzierungsloohzange g) Kopierrädchen h) Schuhmacherscliere c) Knopflochzange d) Ösenlochza�iie l) gebogene Ablaßschere k) schmale Zuschneidemesser e) Zirkel zum Ubertragen der 1) breites Oberlederschärfmesser Abmessungen von einem auf dec anderen Schaft m) schmales Oberlederscbärfmesser r n) Bleibesoliwerer o) Klo.mmern zum Festbalten der Scbaftmusoor an dWumzubugen­ den Scbaftteile p) Stepport q) Ausrelbbolz r) Abzieh- oder Scbmirgelbolz 155
2. Das Ausfällen Das roheAusschneiden der ausgezeichneten Schaft. teile .bezeichnet man als Ausfeilen. Beim Ausle­ .,.,. gen der Muster ist schon zu berücksichtigen, daß sie keine Umbugzugabe haben, was beim Ausfällen erst recht zu beachten ist. Ging es beim Auslegen knapp zu, dann ergeben sich beim Ausfeilen immer noch Möglichkeiten, das 156.1 Das Ausziehen des Oberlederteiles eine oder andere Teil etwas vorteilhafter zu drehen bzw. das Fell an der fehlenden Stelle etwas auszuziehen, wodurch Fläche gewonnen wird. Die Oberteile werden nach allen Seiten ausgezogen. Als Oberteile werden alle Ober­ lederteile des Schaftes, wie Kappen, Blatt oder Besatz, Quartier oder Hinterteil und sonstige äußere Gamiturteile, bezeichnet. Nachdem die Oberteile ausgefällt sind, müssen sie ausgezogen werden, und zwar nicht nur in Zugrichtung, son­ dern nach allen Seiten. Wird diese Arbeit unterlassen, so haben die Teile am fertigen Schuh Gelegenheit zum „Wachsen", d. h.- das Oberleder gibt dem Druck des Fußes nach, dehnt sich infolge des ihm belassenen Zuges aus, worauf sich das bekannte Bild des „verlatschten'' Schuhes ent­ wickelt. Ausgezogen wird mit der breiten Zwiokzange auf dem Zu­ schneidebrett (156.1 ). 156.2 Das Zuschneiden mit Bugzugabe 156.3 Das offenkantige Zuschneiden 156 Nach dem Ausziehen werden die Oberteile zugeschnitten. Kanten, die umgebugt werden sollen, erhalten eineBugzugabevon5--- 6mm (156.2), alle übrigen Kanten werden mit dem aufgelegten Muster gleich geschnit­ ten, wofür der Ausdruck „offen­ kantig" gebraucht wird (156.3). Chevreau-Zierkappen und -besätze wird man stets umbugen, hingegen Boxcalf-pierkappen und -besätze in den meisten Fällen „offenkantig" schneiden, da. sich das Boxcalfleder
infolge seiner festeren Beschaffenheit im Kern zum Umbugen schlecht eignet. Beim Zuschneiden ist darauf zu achten, daß das Messer nach Möglichlrnit nicht abgesetzt wird, so daß der Schnitt in einem Zuge verläuft. Dies wird erreicht, indem das auf dem Schaftteil liegende Muster mit einem abgerundeten, flachen Metallstück (am besten Blei) beschwert wird, wobei das auszuschneidende Schaft­ teil nun so gelegt werden muß, daß das Umschneiden des Musters ohne Verkramp­ fung der Handstellung gelingt. Dies gilt vor allem für den offenkantigen Ausschnitt von Besätzen, Blättern und sonstigen offenkantigen Verzierungsschnitten, wie Flügelkappen, Hinterbesätzen usw. (156.3). Beim Schneiden aufHolz kann die Messerspitze infolge des ausgeübten Druckes zu tief eindringen, oder sie findet durch das ungleichmäßige Gefüge des Holzes un­ gleichmäßigen Widerstand, was zu einem unsauberen Schnitt führt. Zwar weiß ein erfahrener Zuschneider diesen Mängeln zu begegnen, doch dem weniger ge­ übten gelingt das nicht so leicht. Anders aber beim Schneiden auf Zinkblech, in das die Messerspitze nur den Bruchteil eines Millimeters einzudringen vermag, was sich auch bei ungleichmäßigem Druck nicht ändert-, so daß jeder Anfanger sehr bald in der Lage ist, genaue, offenkantige Schnitte herzustellen. Zum Schneiden auf Zinkblech sind dünne und dünn ausgeschliffeneMesser nicht angebracht, da die Spitze beim Schneiden schwankt. Am besten eignen sich hierzu kurz geschliffene Messer mit dickem Rücken. Das Schneiden auf einer Zinkblechplatte ermöglicht besonders glatte Schnittkanten. Vierkantholz, das an einem Ende in einen Griff ausläuft. Die vier Flächen werden mit Schmirgelpapier {besser noch mit Schmirgelleinen) beklebt, jedoch so, daß die erste Fläche das gröbste Schmirgelpapier erhält, die nächstfolgende eine Nummer feineres und so weiter bis zur vierten Fläche. Das Messer wird nun aufder gröbsten Seite des Abziehholzes abgezogen, wobei auf eine gerade Messerhaltung zu achten ist, damit die Schneide nicht 111nd wird. Es wird dann die nächstfeinere ]fläche benutzt und so weiter bis zur feinsten, auf der das Messer etwas länger als auf den übrigen abgezogen wird, d. h. so lange, bis die Messerschneide keinen Grat mehr hat. Ist das Messer wieder stumpf ge­ worden, so ist es nicht notwendig, es wiederum auf allen vier Flächen abzu­ ziehen, sondern es genügt das Abziehen auf den beiden feineren (155.1). Zum Scharfhalten der Messer benutzt man ein etwa 40 cm langes und 3 cm breites Die Kanten offenkantig geschnittener Schaftteile müssen gebrochen werden, damit sie nicht zu dick wirken und wie umgebugte Teile aussehen. Ent­ sprechend dem Arbeitsvorgang ge­ braucht man auch die Bezeichnung „Abstoßen der Kanten". Es wird auf der Schärfeplatte durchgeführt-, wobei die Spitze des Zusohneidemessers bei flacher Messerhaltung die Sohärfplatte 151.l Dus Abstoßen der Kanten 157
ganz leicht berührt (157.1) und die Kante von sich wegstößt. Ein äußerst scharfes Messer ist für diese Arbeit un­ erläßlich. Die abgestoßenen Kanten werden hier­ auf geschwärzt oder gefärbt und, was weniger bekannt ist, geleimt. Ein über den Zeigefinger gezogenes, feuchtes Lei­ nenläppchen wird so lange auf einer Leimplatte gerieben, bis sich etwas Leimmasse gelöst hat, die dann in die Kanten von der Aasseite aus fest ein- 1ss.1 Das Kantenbearbeiten gerieben werden. Der Schärfstein dient hierbei als Unterlage (158.1). Derart bearbeitete Kanten sind von um.gepugten kaum zu unterscheiden. Die Kanten müssen äußerst gleichmäßig ausgeschärft werden, denn hiervon ist die Erarbeitung einer tadellosen Umbugkante und Steppnaht im besonderen Maße ab­ hängig. Die Schärfbreite bei dünneren Lederarten beträgt 5... 7 mm, bei stärkeren 8,. ,10 mm. Das Hauptaugemnerk ist beim Schärfen darauf zu legen, daß das Leder an der Stelle, w o die Steppnaht liegen wird, nicht zu dünn ausgeschärft wird, da sonst die Gefahr des Ausreißens beim Zwicken oder Ausleisten besteht. Das Schärfmesser muß dünn und möglichst stark gebogen sein, wodurch das Schärfen k:urzrunder Aus­ schnitte bedeutend erleich­ tert wird. Geschärft wird ebenfalls . auf der Schärf­ platte, niemals aber auf dem _Zuschneidebrett (158.2). Gradlinige Kanten werden ohne Zuhilfenahme von Werkzeogen umgebugt. Die geschärften Teile werden mit Umbugzement oder Gummilösung bestrichen. Nach dem Trocknen wird auf der Schärfplatte umge­ 158,2 Das Schii.rfen bugt, wobei auf Gleich­ mäßigkeit das Hauptaugenmerk zu richten ist. Es empfiehlt sich, das Schaft­ muster des umzubugenden Teiles genau auf seine Narbenseite aufzulegen und mit kleineren Klammern (155.1, 158.2) festzuhalten, wodurch ein genaues Um­ bugen möglich ist. Zweckmäßig führt man beim Umbugen die umzubugende Kante durch die auf der Schärfeplatte ruhende linke Hand, wobei der Zeigefinger die Kante i n der ge­ wünschten Breite umlegt. Der nachfolgende Daumen der rechten Hand drückt alsdann die umgelegte Kante fest an (159.1). 158
Innere Bogen, wie Blatt­ oder Besatzausschnitte, wer­ den auf die gleiche Weise um­ gebugt, nur müssen die Kan­ t.en zur Behebung von , Spannungen beim Umlegen eingeschnitten werden. Die Tiefe der Einschnitte richtet sich nach der Umbugbreite, soll abei' nie mehr als zwei Drittel derselben be­ tragen. Die Abstände der Einschnitte sollen so eng wie möglich angeordnet sein,dennjeenger sie zueinander liegen, desto schöner wird der Bogenum­ bug. Weit voneinander und ungleichmäßig liegende Ein­ schnitte führen zu ungleich­ mäßigenund eckigenUmbug­ kanten (159.2 und 3, 166.2, 170.1). Äußere Bogen, wie Span­ genköpfe, Blattbogen, wer­ den mit einer spitzen Messer­ spitze oder mit einem Stepp­ ort umgebugt. Das Wichtig­ ste ist hierbei das gleich­ mäßigeFalt.enlegen, wodurch allein eine schöne Rundung erzielt wird. Der Arbeitsvor­ gang ist in Bild 159.3 wieder­ gegeben. Nachdem die Teile umgebugt sind, werden die Kanten mit dem Umbughammer leicht angeklopft. Soweit die Teile mit Untertritt versehen sind, muß dieser ebenfalls ausge­ schärft werden, damit er sich am aufliegenden Teil nicht abzeichnet und am Fuße nicht drückt. Damit sind die Ober­ teile zum Steppen vorgerich­ tet. 1!;9,1 Das Bugen 159.2 Das Bugen innerer Bogen_ (Besatzbogen) 159.3 Das Bugen äußerer Bogen 159
c) Das Futter Gutes Drellfutter ist aus dreifach gezwirntem Baumwollgarn geweht. Das Gewebe muß sehr dicht (geschlossen) sein, wodurch das Futter Stand und Festigkeit erhält. Bei minderwertigen Futtern werden diese ganz. oder teilweise fehlenden Eigenschaften durch ,,Appretieren" (Zoriohten) vorgetäuscht.Durch festes Reiben und Zerdrücken solchen minder­ wertigen Futters bröckelt die Appretur ab und das Gewebe erscheint danach durchsichtig, verliert seine Festigkeit- (Stand) und wird lappig. Aber auch das gute Futter bedarf einer leichten Zurichtung, gewöhnlich aus Dex­ trin und Kartoffelmehl, damit es sich besser verarbeiten (zuschneiden) läßt. Denn nicht zugerichtete Futter rollen sich an den Schnittkanten, das Gewebe öffnet sich hier und gibt somit Anlaß zum Einreißen. Bei der Reib- und Zerdrückprobe bleiben aber gute Drelle in sich fest und werden nicht' durchscheinend. Das Futter ist durch die Ausscheidungen des Fußes, besonders des feuchten Fußes, starkem Verschleiß unterworfen. Die im Fußschweiß enthaltene Essigsäure und Fettsäure zermürbt die Faser des Futtergewebes sehr schnell, hauptsächlich aber, wenn das Schuhwerk nicht genügend Zeit zum Ausdünsten bekommt. Maßschuhe sind dieser Gefahr weit mehr ausgesetzt als Schuhe aus dem Kasten. Da sich nicht jeder ein zweites Paar Maßschuhe erlauben kann, so bekommt sie der zu­ friedengestellte Kunde nicht mehr vom Fuße, was naturgemäß zu einem vorzeiti­ gen Verschleiß führen muß. Ein vom Fußschweiß verbranntes und zerfetztes Schuhfutter läßt sich nicht aus­ wechseln oder sonstwie ausbessern. Ist das Futter zerstört, fehlt dem Oberleder der Schutz vor den erwähnten zerstörenden Einflüssen, es wird ebenfalls vorzeitig mürb und brüchig. Das Futter wird entsprechend der Schaftart zugeschnitten. Stiefelschäfte erhalten im allgemeinen ein Durchausfutter und Halbschuhschäfte aus Futterleder und Drell zusammengesetzte Futter, falls sie nicht ganz mit Futterleder ausgestattet werden sollen. Die Art des Zuschnittes ist aus dem. Arbeitsgang des Schäfte­ machens zu ersehen. d) Der Arbeitslauf bei der Anfertigung einzelner Schaftarteo l. Der Herrenschnürstiefelschaft mit Ringsbesatz Das Futter wird zugeschnitten und eingelegt. Das Futter wird nach dem Grund­ muster ausgeschnitten und erhält hinten eine Nahtzugabe von 1 cm, ebenso vorn von der Leistenkopiespitze bis etwa 1 cm oberhalb des Besatzhöhenpunktes (161.1). Unter „Einlegen des Futters" versteht man das Einbringen der Rutschriemen, der Ösenriemen, der Bordüren und Struppen. Rutschriemen dienen dem guten Einschlupf des Stiefels als auch zum Schutz des Futters. Das Muster dafür wird nicht für jedes Paar Schäfte neu erstellt, son­ dern ist ein Einheitsmuster. Es wird in der Höhe um 1 ... 1¼ cm niedriger als der 160
SJa;snwpun.19 sap 3/U!//JDlFJS llfDU.lalJnJ 8/>f:J(!Jaliu_,a a.10 l6l.l Der Zuschnitt des Stiefelfutters Schaft gehalten, ist oben 2¼••-3 cm breit und er­ weitert sich nach unten im allgemeinen auf 5,.. 6 cm. Weil das Schuhfutter in sehr vielen Fällen beiderseits der Ferse achnell durchgescheuert und viel zu früh auabesserungsbedürftig wird, sollen die Rutschriemen im unteren Teil genügend breit, etwa 10··· 12 cm, gehalten werden, damit sie die gefährdeten Futterstellen ge�ügend abdecken (161..2). Die Ösenriemen �erden entsprechend dem Ösenrie­ menmuster geschnitten und bekommen keinerlei wei­ tere Zugaben, wenn das Mu­ ster 2 cm breit gehalten ist. Bordüren werden zum Abdecken des Futters an der oberen Schaftkante b e ­ nötigt. Sie werden, teils mit der Firmenbezeichnung be­ druckt, fertig bezogen oder aus Futterleder und Abfall­ leder, wie die Rutsch- und Ösenriemen, geschnitten. Ihre Breite beträgt durch­ ·schnittlioh 2¼ cm, die Länge entspricht dem Maß der Beinweite in der ge­ wünschten Sohafthöhe. Vor dem Einlegen dieser Teile muß das Futter hinten znsammengesteppt werden. IGl.2 Das Einkleben der Futt-ergarnlturen Damit das Futter nicht zu füllig wird, denn es nimmt ja den Innenraum des Stie­ fels ein, der um etwas enger ist als die Schaftaußenseite, steppt man es hinten eim� Kleinigkeit ab (161.1), und zwaroben3mm, in derMitte etwa 4 mm, nach unten 5 mm. 161
162.I Da9 Aufsteppen der Futtergarnituren l62.2 Die gesteppte Futtergarnitur J 162.3 Dl>S Na.htausrelben 162 Nun versieht man die abgesteppte Futterzugabe im mittleren Teil mit 1 cm breiten E:inschnitten, um Span­ nungen zu beheben, dann legt man sie auf dem sog. Ausreibeholz mit dem Umbughammer um, worauf zunächst die Rutschriemen, 1 cm von der obe­ ren Kante entfernt, leicht mit Kleber eingeheftet werden. Es folgen die an den Enden abge­ schärften Bordüren und hierauf die Ösenriemen, die man vorn und oben etwa 2 mm über das Futter hin,�usgehen läßt. Zum Schlusse werden die Struppen eingebracht, dazu wird scharf unter der Bordüren.kante in dem Rutschriemen und durch das Futter hindurch ein der Breite der Struppe ange­ paßter Einschnitt gemacht, durch welchen die Struppe herausragt (161.2). Nach demEinlegenwirdgesteppt, und zwar ohne Unterbrechung der Steppkante fol­ gend. Das Futter wird da­ nach ein Stich von der oberen Bordü­ renkante abgeschnitten, damit es nicht �o�steht (162.1 u. 2, 163.2). Das Futter wird in die Quartiere ein­ gebracht. Die umgebugten Quar tierteile werden h:inten -durch eine 1 mm breite Naht von der Aasseite aus zusammengesteppt, die Naht aus­ gerieben (162.3) und dann ein Hinter­ riemen mit guter, echter Seide aufge-­ steppt (163.1). Der Hinterriemen er­ hält oben eine Zugabe von 1 cm zum Einschlagen um die Quartierkanten. Die Quartiere werden nun rundherum in einer Breite von etwa. 2 cm mit Gummilösung bestrichen, desgleichen die Futter, und nach dem Trocknen gegen die zusammengesteppten Quar­ tierteile geklebt. Hierbei beginnt man
an der Hinternaht der Quartierteile, die genau auf die Hinternaht des Futters aufgelegt wird; gleichzeitig bleibt man bedacht, daß die Ober­ kante der Quartiere mit der Bordüre genau ab­ schließt (163.2). Nun werden die oberen Quartierkanten auf die obere Bordürenkante ge­ legt, zunächst nach der einen und dann nach der anderen Seite hin. Diese Arbeit wird zweck­ mäßig über dem Knie erledigt, wodurch sich der Schaft der Fußru n ­ dung besser anpaßt und auch verhütet ·wird, daß das Futter zu weit e i n ­ gelegt wird. Zuletztwerden dieÖsen­ teile des Quartiers ge­ gen die Ösenriemen des Futters gedrückt, doch so, daß die letzteren vorn und oben 2 mm vorste­ hen. Dieser vorstehende Teil wird zum Ablassen der Naht nach dem Absteppen der Kanten benötigt (163.3). Sollte das Futter im Ösenteil über die Quartierkanten herausragen, muß der überstehende Teil abge­ schnitten werden. IG3.1 Der aufgesteppte lllntertleruen 163.2 Das Einlegen des Futters Nun werden die Kanten rundherum mit dem IG3.3 Das eingelegte Futter Umbughammer flachgeklopft und gesteppt (164.1). Hierauf wird der überstehende Teil der Ösenriemen mit der Scheren­ spitze abgela-ssen, was jedoch sehr vorsichtig geschehen muß, damit die Stiche nicht beschädigt werden (164.2). 163
Die gesteppte Kante wird nochmals leicht geklopft, geschwärzt oder gefärbt und von der Futterseite aus mit dem bereits besprochenen Leimläppchen bearbeitet. Damit die Struppen einen festeren Halt bekommen, steppt man sie im Anschluß an dieseArbeiten nochmals mit Quartier und Futter zusammen (164.2). Der Schaft wird zusammen­ genadelt. Die demFutter an der Schaftspitze bis oberhalb des Besatzhöhenpunktes belassene Nahtzugabe wird nach a.ußen ungeklebt umgebugt, die beiden Quartierteile oberhalb der Fersenbeuge mit einer Kfammer zusammengehalten und von der Fersenbeuge aus bis zur Futterspitze zusa.m.men­ genadelt. Von der Fersenbeuge bis zur Besatzhöhe der Quartiere werden große Stiche gemacht, da sie ja nach der Fertigstellung des Stiefels wieder amfgetrennt werden, und von hier ans bis zur Spitze kleine (164-.3). Mit dem Ausreiben der Futterhandnaht ist der Schaft fertig zum Überstellen. 164.1 Die gest.eppten Quarticrkanten Der Schaft wird über den Leisten gestellt, d. h. der bis hierhin gearbeitete Scha,ft 164.2 Das Ablassen des überstehenden ösenriemena 164.3 Der zusammeugenadcUc Sch.aft 164
wird für das Aufsetzen des Ringsbesatzes übergezwickt, aber nicht sehr fest und mit wenigen Heftstellen. Das Futter wird hinten leicht hochgesetzt oder es schließt mit der Fersenkante des Leistens ab. In dieser Lage wird es festgeheftet und dann so weit vorgezwickt, bis die Zange auf größeren Widerstand beim Anziehen des Futters stößt. Ein schärferes Zwicken ·würde nicht allein den Schaft zu weit vorfallen lassen, sondern auch zum Zerreißen des Futters führen. Hieraufführt man je einen Zug zu beiden Seiten der Spitze aus, dann beiderseits abwechselnd bis zu den beiden Ballen in Abständen von 3 ... 4 cm die folgenden Züge. Das Futter muß jetzt fest aufliegen. Sollen die Obe!'teile einen guten Schluß bekommen, d. h. eine für ihren festen Sitz um die Knöchelpartie erforderliche Spannung, dann müssen die Quartiere in dieser Schaftstellung leicht nach vorn ausgezwickt w�rden. Der Quartieruntertritt wird rundherum mit Kleber bestrichen, worauf im vor­ deren Teil vorgezwickt wird. Die Zwickzange erfaßt zunächst das untere Ende am Ösennahtteil, zieht es leicht nach vorn, doch so, daß sich keine Zerrfalten bilden, tmd dann wird angeheftet. Dasselbe wiederholt sich auf der Gegenseite. Der zweite Zug folgt etwa 2½ cm neben dem ersten, der nächste wieder­ um auf der anderen Seite. Dies wiederholt sich in gleichen Abständen 3- bis 4-mal (165.1). Die Arbeit muß schnell vor sich ge­ hen, damit der Kleber am seitlichen Untertritt nicht eintrocknet. Nun wird der Schaft hinten zur vorgesehenen Höhe und heruntergezogen festgeheftet, das Futter an den Seiten leicht an­ gezogen und im Gelenk befestigt, worauf die 165.1 Der teilweise übergestelltc Schaft Quartierseiten ebenfalls leicht angezwickt und nach jedem Zug an das Futter angeklopft, wer­ den (165.2). Die Ringshesatzschäfte werden besätzt oder auf­ montiert. Fertig umge­ bugt oder offenkantig beschnitten, muß der Besatz zunächst auf seine Länge überprüft werden. Hierzu wird der Besatzbogen im Besatz­ höhenpunkt aufgelegt, der Besatz nach beiden 165.2 Der Qbergestellte Schaft 165
Seiten zugleich angespannt und dann mit je einem Stift am Groß- und Kleinzehen­ ballen geheftet (166.1). Nun umfaßt die linke Hand mit festem Griff im Besatz­ bogenteil den Leisten, während die rechte den einen Eesatzfl.ügel fest nach hinten zur Nahtmitte zieht, um festzustellen, ob die Flügellänge stimmt. Sollte sie sich als zu lang heraus­ stellen, so bezeichnet man durch einen Eindruck mit l6G.1 Das Abmessen der Besatzlänge dem Daumennagel die rich­ tige Länge (166.1). Dasselbe geschieht mit dem anderen Besatzflügel. Die Schnittkanten werden darauf hin abgestoßen und die beiden Besatzflügel durch eine Naht verbunden (166.2). Der vordere Teil des Quartieruntertrittes wird jetzt mit Kleber bestrichen und, damit er nicht zu schnell trocknet, mit Wasser leicht betupft. Dasselbegeschieht am hinteren Teil des Quartieruntertrittes, worauf der Besatz an der bezeichneten hinteren Besatzhöhe, in genauer Nahtmitte, aufgelegt und so weit vorgeholt wird, daß der Besatzbogen den festgelegten Besatzhöhenpunkt erreicht. Hierauf wird der Besatz vorn mit einem Zwickstift geheftet, mit Daumen und Handballen beiderseits gleichmäßig angespannt und geheftet. Dieser Arbeitsvor­ gang (166.3) wird als das „überholen" des Besatzes bezeichnet. Der Besatz wird zu beiden Seiten der Spitze heruntergeholt, dall;Il, ebenso etwas weiter zurück und abwechselnd, einmal hüben, einmal drüben bis zu den beiden 166.2 Die Bcsatzuaht 166,3 166 Das 1Jberholen (Besätzen) des Schaftes
Zchenballen. Dies erst ist eigentliches „Überstellen". Nach jedem Zug muß der Besatzbogen überprüft werden, ob er schön rund und gleichmäßig ver­ läuft, so, wie er am Schaftmuster ge,1,;eichnet und auch ausmodelliert wurde. Beim seitlichen Herunter­ ziehen der Besatzfl.ügel ist ebenfalls aufeinen gleich­ mäßigen Verlauf der oberen Kanten Wert zu legen. In dieser Lage werden sie leicht geklebt, und die Kanten rundherum angeklopft. Die Zierkappen werden an der Zierkante ebenfalls leicht mit Kleber bestrichen, auf dem im Besatz bezeichneten Zierkappenhöhenpunkt gerade an­ gelegt und die beiden Kappenfl.ügel seitlich ange­ drückt, wobei ein leichter Zug beiderseits nach rückwärts ausgeübt mrd. Hierdurch legt sich die Zierkappenspitze fest an die Leistenspitze an, wo161.1 Das trberstellen der Zierdurch eine allzu große Faltenbildung an der Spitze kappe vermieden wird. Das Hauptaugenmerk muß darauf gerichtet sein, daß die Zierkappe ge­ rade aufgerichtet wird, wa,s durch ein teilweises Einzwicken gut zu überprüfen ist (167.1). Nachdem Kappe und Besatz gut an­ getrocknet sind, wird der Schaft vom Leisten heruntergenommen und ge­ steppt. Damit der Besatz am Anfang der Verschnürung nicht einreißen kann, was ja schon du.roh ein schweres Ausleisten, besonders aber bei zu scb,malen Besatzausschnitten, möglich ist, wird an dieser Stelle ein 161.2 Der gesteppte SchafL kleines, nach oben abgerundetes Lederscheibchen unterlegt, das mitgesteppt wird (167.2, Pfeil a). Besatz und Kappe werden gesteppt. Gute und starke Seide für den Oberfaden und ein fester Unterfaden sind ebenso Grundbedingung für Q.'7CJ · "" das Halten einer Besatz- und Kappennaht, wie !111111 1 eine gut geregelte Spannung des Ober- und o,.,,....,.,,,"''·"'"''""'"'""""'•"""'"' Unte,fadens. Eine gu<e Sp•nnung liegt vo,, wenn . l� sich Ober- und Unterfaden gleichmäßig stark anziehen lassen, wodurch sich die Fäden oben � und unten auch gleichmäßig ins Leder oder u,,,,,.,,,.,.,,.<l>l,Ob,c/aden ,.... ,,, ...,.,,,,, Futter einziehen. Durch eine gleichmäßige, aber zu leichte Span­ nung bleibt die Naht locker. Das führt zu denOb,r-undV,r.,fad,og/•i"'"•'•9"P••nt selben Folgen wie eine ZU lockere Einstech- oder Doppelnaht. 16'1.8 Richtige und fal5che Spa.D.llUilgen t:)c::J !iE··II 4L ;a .n. 167
Ist an einer Naht der untere Fa.den nach oben durchgezogen, dann ist entweder die obere Spannung übermäßig star.k oder die untere z u schwach. Kommt der Oberfaden unten zur Sicht, ist die Schiffchenspannung zu stark oder die Spannung des Oberfadens zu schwach.Nähte mit durchkommendem Ober­ oder Unterfäden können nie haltbar sein, weil die Stiche hervorstehen undl sich daher leicht durchscheuern oder sonst beschädigt werden können (167.3). 168,1 Die Linksarmmaschine Die zweckmäßigste Maschine für das Schäftesteppen ist die „Linksarmma­ schine". Mit ihr lassen sich fast alle Schäftearbeiten ausführen (168._l). Sondermaschinen kommen vorzugs­ weise in Betrieben zur .Anwendung, welche sich mit der Herstellung von Reit-, Marsch-, Jagd- und Sportschuh­ werk befassen. rigsten Stepparbeiten am Schaft, kommt es doch darauf an, daß die Naht bzw. die Doppelnaht, falls der Besatz eine solche erhalten soll, genau ausfällt. Hierzu gehört eine durch viel Übung zu erreichende Sicherheit. Besondere Schwierigkeit ,,erursacht das Steppen des Besatzbogens, der ohne Unterbrechung durchgesteppt werden muß, andernfalls der Naht­ verlauf leicht ungleichmäßig ausfallen kann, was zu einer starken Beeinträch­ tigung des Gesamtbildes führt. Beim Steppen der Besatzflügel muß 168.2 Die Handhaltung beim Steppeo des Besatzes der Schaft mit beiden Händen fest an­ spannt werden, damit sich die Naht nicht einsteppt (168.2). Ist die Spannung an der Maschine nämlich eine feste, wie dies für das Steppen von Besätzen, Blättern und Kappen notwendig ist, dann wird die Naht eingehalten. Das hat zur Folge, daß besonders der weniger dehnbare Unterfaden beim tüchtigen Auszwicken des Schaftes reißt, wodurch die Naht keinen Halt mehr hat und bereits nach kurzem Tragen des Schuhwerks aufgeht. Dasselbe gilt bezüglich der Zierkappennaht. Ihr wird außerdem beim Steppen ein Streifen Futter unterlegt, damit sie gegen ein Ausreißen beim Zwicken besser gesichert ist (aus Bild 40.1 ersichtlich). Das Besatzsteppen ist eine der schwie­ Das Lochen der Ösenteile zum Befestigen der Ösen und Haken folgt und als Abschluß das Untersteppen der Lasche. Die Steppnaht für die Lasche verläuft 168
im Besatzbogen auf den Quartierteilen, dicht hinter der Besatzkante (167.2, Pfeil b). Nicht zu vergessen ist das Abzeichnen der Schäfte im vorderen Futterteil auf links und rechts, da durch eine Verwechslung der Schäfte die Paßform des Schuhwerks in Frage gestellt werden kann. Damit sind die Schäfte für die Bodenarbeit fertig. 2. Der Damen-Derbyschuh mit Kappenbesatz Der Schaft für diese Schuhart setzt sich zusammen aus Bla,tt, Quartieren oder Hinterteilen, Kappenbesatz, Zierkappe, Futterleder und Blattfutter. Oberteile und Futter werden ausgeschnitten. Das Ausfeilen geschieht nach den beschriebenen Regeln. Hiernach werden alle Oberteile ausgezogen, nach den Teil­ mustern zugeschnitten und zum Steppen vorgerichtet. Als Futterleder kommt vorzugsweise Chevreau- und Kalblcderfutter zur Ver­ arbeitung. Es wird auch aus den Abfallteilen nicht voll ausgewerteter CheTTeau- und Kalblederfelle geschnitten. Auch die Futterlederteile müssen vor dem eigent­ lichen Zuschnitt nach allen Seiten gut ausgezwickt werden. Das Blattfutter soll aus dem Futterstück so ausge­ schnitten werden, daß die Blattbruchlinie des Mu­ sters schräg, etwa unter 45 Grad, zum Fadenverlauf des lt'utters liegt, ,vodurch das Futter eine größere Dehnbarkeit erhält, sich leichter zwicken läßt und auch im Tragen weniger Roißmöglichkeit bietet L.,, (169.1 ). Die vorgerichteten Schaftteile werden zu­ sammengesetzt. Zu­ erst nimmt man das Blatt und das Blatt­ futter vor. Da sich ein aus Drell geschnitte­ nes Blattfutter zum Abdecken der durch die Verlängerung des Blattes gebildeten Lasche nicht eignet, erhält das Futter im Blattbogen nur einen kleinen Ansatz von 1 cm Breite zum An­ kleben und Anstep­ pen eines Lederla­ schenfutters (169.2). Dieses Laschenfutter 169.1 Der Ausschnitt dc.s '.Blllitrutt.ers IG9.2 Die zugerichteten Einzelteile des Do.men-Derby-Schuhes 169
bekommt außen herum eine Zugabe von 2 ... 3 m m zum Ablassen der Kante nach dem Steppen. (169.2 b) sind Verstärkungsscheibchen aus kernigem, mittelkräf. tigem Oberleder oder aus Köperfutter, clie als Nahtschutz für die Derbyecken dienen. Nun wird das Blatt auf das Blattfutter aufgeklebt, wobei aber nur die Laschen mit der Aasseite gegeneinandergeklebt werden dürfen. Dann wird die Laschen­ kante abgesteppt (170.1). Nach dem Ablassen des überstehenden Laschenfutters werden auf der Narben­ seite des Blattes die im Blattmuster festgelegten Punkte für das Einlegen der Quartiere mit Bleistift übertragen (170.1 u. 172.1). Die Quartierlederfutter erhalten oben, vorn und Eisen9arnband beigelegt Die abgesteppte Laschenkante mit überstehendem Laschenfutter 110.l Zuaerichtete Scho.ftteile apercho/einen ufgebügelt im Derbybogen eben­ falls eine Abfaß-zugabe von 2... 3 mm und unten i m Blattbogen des Quar­ tiers eine solche von 1 cm (170.2). Die Hinternahtkanten werden abgestoßen, da­ mit die Naht nicht drückt, die Teile Narben gegen Narben genau zu­ sammengelegt und hin­ ten zusammengesteppt. Nachdem die Naht aus­ gerieben ist, sind die Quartjerfutter zum Ein­ legen in die Quartier­ oberi,eile fertig. Die Quartieroherleder­ teile werden mitunter aus weichem oder wenig standhaftem Oberleder geschnitten, z. B. Wild­ leder, dünnes Chevreau­ leder, auch Schlangen-, Eidechsen-, Krokodilleder usw. Man verstärkt dann die hieraus geschnittenen Teile durch Aufbügeln von Guttaperchaleinen auf die Aasseite. Diese Leinenteile werden ohne jede Zugabe, genau wie das Muster, ausgeschnitten und mit dem heißen Bügeleisen aufgebügelt (169.2 u. 170.1). 170.2 Zugaben am Quartierlederfutter Damit die Ösen einen festen Halt bekommen, verstärkt man die Ösenteile durch Unterkleben von 2 cm breiten Futterstreifen (169.2, Pfeil d u. 170.1). Sollen die Verschnürungslöcher ohne Ösen bleiben, so verstärkt man mit dünnen, aber ker­ nigen Oberlederstreifen. Untergeklebt wird ebenfalls mit Gummilösung, damit die Ösenteile nicht zu steif werden. 170
Die umgehugten Teile iur Kappcnhesätze erhalten hinten eine Naht, worauf die Kanten 1 cm breit mit Kleber bestrichen und gegen die Quartiere geklebt werden. Die Kappenbesä.tze bekommen hinten, oben, eine Zugabe von 1 cm zum Ein­ schlagen um die Quartierkanten (169.2 u. 170.1). Die Zugabe muß gut a.usgeschä.rft sein, damit die durch die Quartiere und den Kappenbesatz gebildete Oberkante nicht zu dick ausfällt und hin.durchdrückt. Nach dem Aufklebenwird derKappen­ besatz abgesteppt. (170.2) Da die Hinternaht des Schuhes sowohl durch falsches Anziehen als auch durch unfachgemäßes Ein.leisten bei Ausbesserungsarbeiten sehr in Mitleidenschaft ge­ zogen wird, schützt man sie durch Beilegen eines Eisengarnbandes, wozu sich ein in der Mitte geteiltes Stück Struppenband am besten eignet. Es wird mit Gummi­ lösung dicht an die Oberkante geklebt, damit es beim Absteppen der Kanten noch mitgefaßt wird (170.1). Die Zugabe des Kappenbesatzes wird dann um die Quartierkante und den Eisen­ garnstreifen geschlagen und mit Gummilösung festgeklebt. Die Quartiere werden in das L;derfotter eingelegt. Quartiere und Futterteile werden an den oberen und vorderen Kanten 2 cm breit mit Gummilösung bestrichen und dann nach dem Trocknen gegeneinandergeklebt. Man verfährt hierbei genau so wie beim Einlegen der Quartiere in die Stiefelfutter. Die Hinternabt der Quartierteile muß auf die des Futters zu liegen kommen, wobei das Futterleder um die Ablaß­ zugabe an der Oberkante herausragt. Alsdann wird die eine Quartierseite gegen das Lederfutter geklebt, wobei auf das gleichmäßige "Überstehen der Ablaßzugabe des Lederlutters oben und vorn am Osenteil zu achten ist; in gleicher Weise wird die andere Seite eingelegt (170.2). Die Kanten werden noch geklopft und abgesteppt (170.2), die Futterkanten abgelassen, gefärbt und geglättet. Das Blatt wird jn die Quartierteile eingelegt. Das im Blattbogen des Quartieres 1 cm überstehende Lederfutter (170.2) muß zum Einlegen des Blattes einge­ schnitten werden. Der Verlauf des Ein­ schnittes wird am l\fo­ ster bezeichnet. Hierzu legt man das Blatt­ muster entsprechend den Einzeichnungen im Grundmuster genau auf das Quartiermuster auf (der Blattbogen des Quartiers muß auf die Kennpunkte des Blattes zu liegen kommen), hält die beiden Muster mit 2 Klammem indieser Lage a fest und sticht mit dem Stepport am Ausgangs­ punkt des Laschenbo- Die durchschnittene Lederfutterzugabe gens durch das Quar- 111.1 Das Einlegen des Blattes in die Quartlerteile 171
' 172.l Das auf die Markieruugspunkte eingelegte Quartier tiermuster (171.1). Von diesem Punkte aus wird ein schräg nach unten, vorn, verlaufender Ein­ schnitt in das Quartier­ muster gemacht. Dieser Einschnitt wird dann am Lederfutter bezeichnet und beim Einschneiden des Futters durch die er­ wähnte Zugabe weiterge­ führt (171.1). Der am Auslauf des Derbyhogens überstehende Teil der Zu­ gabe wird abgeschnitten (171.1). Nun ist das Ein­ legen des Blattes möglich. Der Blattbogenteil des Quartiers wird mit Kleber auf die Kennpunkte des Blattes aufgeklebt(l72.l), der Schaft herumgedreht und dieZugabedles Leder­ futters an das Blattfutter geklebt (172.2). Da.mit das Blatt an den Derbyecken nicht einrei­ 112.2 Das auf das Blattfutter aufgeklebte Quartierfutter ßen kann, bekommt es an diesen Stellen etwa 2 cm breite, runde, kernige Lederscheibchen unterklebt (169.2, Pfeil b). Zuerst wird die linke Blattseite in das Quartier eingelegt und gesteppt, dann die rechte. Das Steppen des Blattes. Nachdem der Kleber gut trocken ist, steppt man zweck­ mäßig zuerst nur das Oberleder, wobei das Futter mit dem Futterquartier zurück­ geschlagen wird. Beste starke Seide bzw. bestes Nähmaterial und gute gleich­ mäßige Fadenspannung sind bei diesen Nähten Grundbedingung, wenn sie halten sollen. Hierauf wird das Futter gesteppt, und zum Schluß folgt eine Durchstepp­ naht, im Bedarfsfalle auch eine Doppelnaht, die das Futter mit dem Oberteil ver­ bindet; d iese jedoch nur von der Mitte des Blattbogens aus, weil das Futter für das Einbringen der Hinterkappen im Gelenk offenbleiben muß (173.1). In gleicher Weise geht das Einlegen und Steppen auf der anderen Blattseite vor sich. Nachdem die Ösenteile zur Aufnahme der Ösen gelocht sind, schließt die Schaft­ arbeit mit dem Zusammennadeln oder Zubinden der Ösenteile (173.2). Derby-Schaftschnitte können in vielen Abarten erstellt werden, denen sich auch die Stepparbeiten anzupassen haben. Der Derbyschaft (173.3) hat außer der Kappenbesatzverzierung noch eine Ösennahtverzierung und eine Zierkappe. Fer- 172

Crouponieren 11. 12 Damenstiften 72 Dasselfliege 4 Dextrin-Kleber 84 Doppeln 69·--71 Drahtnägel 72 Durchaussohlen 15. 62···63 Eichenlohe 10. 143 Einbinden 57. 58 Eindampfen 16. 17 Einstechbahn 27···30 Ein.stechen 53···57 Entfleischen 8 Enthaaren 7 Fatbblätter 87 Feilen 20 Fersenbein 93···96 Fersenbeuge 110. 111. 121 Fichtenlohe 10. 143 Flügelkappen 35 Fußkrankheiten 102··· 108 Fußwurzelbänder 96 Fußwurzelknochen 93 Futter 160. 161. 170 Futtereinlegen 163··· 165 Futtersteppen 162. 163 Garne 65···68 Gebirgsnägel 72 Gelenkbeschneiden 76. 77 Gelenkeinbau 37. 60···62 Gelenkfeder 6 1 Gelenkleder 13. 15. 37 Gelenknähen 69 Gerbarten (Bodenleder) 3 - (Oberleder) 143. 144. 151 Gerbstoffe 3. 10. 143···151 Glaspapier 79 Grünhäute 3 Haarlockerung 7 Hakenfuß 107 Hand.Jeder 55 Hauteinteilung 11. 12 Hautfehler 4···6 Hautkrankheiten 5 Herrnstiften 72 Hinterkappe 31. 32. 38···41 Hohlfuß 105. 106 Hohlschnitt 77 Holznägel 71 Kahnbein 93. 95. 96 174 Kaltpoliertinte 79. 80 Keder 15. 73. 74 Keilbeine 93. 95. 96 Kern 11. 12. 15 Kettenstich 57 Klebemittel 84 Klebeverfahren 83 Klopfen 18. 19 Klumpfuß 106. 107 Knickfuß 97. 102 Kniegelenk 92 Kombinationsgerbung 151 Kork 85 Korrektionsschuhwerk 108 Leisten (Maß) 109···113 - (Roh-, Handelsware) 113 Leistenformen 118 Leistenkopie 120···124 Leistensprengung 117. 118 Linksarmmaschine 168 Loh- oder Altgerbung 2. 3. 6 Maßnehmen 86···89 Metallnägel 71. 72 Mineralgerbung 145 Modellieren 122··· 142 Muskeln 97···101 Nägel 71.72 Narbenbeschaffenheit 6 Narbenfehler 4···6 Oberfleck 13. 15. 36 Oberlederarten (Tabellen) 146···149 Oberlederlack 80 Oberlederschwärze 80 Oberlederverarbeitung 156···159 Örter 21. 22 Sämischgerbung 145 Scha.ftgarnituren 161. 162 Schappeseide 68 Schärfen (Bodenleder) 17. 32. 35 - (Oberleder) 39. 158 Schnittberaspeln 78 Schnittbeschneiden 76. 77 Schwärze 80 Schwielenbildung 105 Schwöden 8 Seide 68 Seidenersatz 68 Senkfuß 102 Skelett 91···96 Sohlen 13···15 Sohlennägel 72 Spitzfuß 107 SpittLzange 20 Spreizfuß 103. 104 Sprungbein 91. 93. 95. 96 Steifstand 16. 34. 35. 47 Stuppen 77. 78 Tackse 72 Tragant 79 Trittspur 86. 89. 102. 109 Übei.-holen 39. 166 Überkantstich 57 Überstellen 165·..167 Überstemme 38. 39 Unterflecke 15 Veget.abilgerbung ( Oberleder) 143 · Vorholen 41. 42 Vorputz 8-1 · Wachse 80 Wadenbein 91. S2 Walzen 19 Weitenmaße 88. 89 Werktisch 22. 23 Pech 84. 85 Pflege des Werkzeuges 22. 23 Werkzeuge (BodeDt) 19···22 - (Schäfte) 155 Plattfuß 102 Wiener Kleber 84 Würfelbein 93 Rahmen 15. 33. 34 Rahmenbeschneiden 58···60 Zehenerkrankungen 102 Rahmenklopfen 58···60 Zehen1..,1ochen 93 Rangieren 23···38 Zelluloid-Kleber 84 Raspeln 20···22 Zierkappen 35.42. 43.46···49. Rißöffnen 64 121 Ri.ßschneiden 63. 64 Zuschnitt 156, 157 Rohklotz 109 Zwi.ckstifte 72 Rohleisten 109. 113 Zwirne 65···68