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Автор: Höcker R. Skibicki K. Mühlenbeck F.
Теги: informationssicherheit internet
ISBN: 978-3-548-37322-5
Год: 2010
Текст
RALF HOCKER
KLEMENS
SKIBICKI
e FRANK
Was Ihnen im Netz
blühen kann und was Sie
dagegen tun können
MUHLENBECK
© Anne-Marie von Sarosdy
|SS
Dr. jur. Ralf Höcker
LEXIKON DER
RECHTSIRRTUMER
ZECHPRELLEREI, BEAMTENBELEIDIGUNG UND
ANDERE JURISTISCHE VOLKSMYTHEN
»WER AUFFÄHRT, HAT SCHULD«
UND ANDERE JURISHISCHE HALBWAHRHEITEN
9 uraysın
Das Buch
Das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Per
Mausklick öffnet sich die weite Welt der Unterhaltung, des Konsums und der sozialen Netzwerke. Aber die ungeahnten Möglichkeiten bergen auch ungeahnte Gefahren. Blogs und Netzwerke
können Job und Beziehung kosten und öffnen dem Mobbing Tür
und Tor. Geschäfte im Internet sind riskant: Manchmal sind Geld
und Ware weg, und wer bei eBay Markenartikel versteigert, kann
sich strafbar machen. Online-Banking ist praktisch — solange kein
Betrüger mit geklauten Daten das Konto leer räumt. Mitlesende
Maildienste, betrügerische Online-Glückspiele, abzockende Partnervermittler — das Netz ist voller Fallstricke, die einen teuer zu
stehen kommen können. Erstmals widmen sich Experten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam den Gefahren im WWW. Fun-
diert, anschaulich und unterhaltsam decken sie die fatalsten Inter-
netfallen und ihre rechtlichen Folgen auf und liefern konkrete
Tipps, wie man diesen entgegentritt.
Die Autoren
Ralf Hocker, LL.M. (London), Dr. jur. und Professor an der Cologne
Business School, betreibt eine Anwaltskanzlei in Köln. Er berät Un-
ternehmen und Künstler in Fragen des Medien-, Marken-, Urheberund Wettbewerbsrechts. Seine Bücher wurden zu Bestsellern.
Klemens Skibicki promovierte an der Universität Köln in Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Er ist Professor für Marketing, Marktforschung und Business Solutions an der Cologne Business School.
Frank Mühlenbeck berät Unternehmen in Web-Strategien und
betreibt eigene Internetportale. 2006 gründete er mit Klemens
Skibicki die Unternehmensberatung Brain Injection. Alle Autoren
sind Mitbegründer des Deutschen Instituts für Kommunikation
und Recht im Internet (DIKRI - www.dikri.de).
Von Ralf Höcker sind in unserem Hause bereits erschienen:
Lexikon der Rechtsirrtümer
Neues Lexikon der Rechtsirrtümer
Das dritte Lexikon der Rechtsirrtümer
Lexıkon der kuriosen Rechtsfälle
Ralf Hocker
Klemens Skibicki
Frank Mühlenbeck
LEXIKON DER
INTERNETFALLEN
Was Ihnen im Netz blühen kann
und was Sie dagegen tun kénnen
Ullstein
Besuchen Sie uns im Internet:
www.ullstein-taschenbuch.de
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Mix
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Produktgruppe aus vorbildlich bewirtschafteten
Wäldern und anderen kontrollierten Herkünften
www.fsc.org Zert.-Nr. GFA-COC-001278
© 1996 Forest Stewardship Council
Dieses Taschenbuch wurde auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt.
FSC (Forest Stewardship Council) ist eine nichtstaatliche, gemeinniitzige
Organisation, die sich fiir eine ökologische und sozialverantwortliche
Nutzung der Walder unserer Erde einsetzt.
Originalausgabe im Ullstein Taschenbuch
1. Auflage Juni 2010
© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2010
Die Angaben und Ratschläge in diesem Buch sind von den Autoren
und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft; dennoch kann eine
Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung der Autoren
bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und
Vermögensschäden ist ausgeschlossen. In diesem Werk erwähnte
Handelsnamen, Warenbezeichnungen etc. können auch ohne
Kennzeichnung Marken sein und als solche den gesetzlichen
Bestimmungen unterliegen.
Umschlaggestaltung: HildenDesign, München
Titelabbildung: © Hans Scherhaufer (Foto);
© Alexey Pinchuk, shutterstock (Symbol)
Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach
Gesetzt aus der Adobe Caslon
Papier: Pamo Super von Arctic Paper Mochenwangen GmbH
Druck und Bindearbeiten: CPI - Ebner & Spiegel, Ulm
Printed in Germany
ISBN 978-3-548-37322-5
Inhalt
Finleitung
Gefahren und Abhilfe
Jobverlust durch Bloggen
Anonymität verboten! Impressumspflicht
für Blogger
»Mein PC hat die Schweinegrippe!«
Virusalarm über den Browser
»Schatz, warst du auf www.geileschlampen.de«?
Kindesmissbrauch tibers Internet
Original-Markenware bei eBay verkauft?
Macht 1000 Euro
Betrug und Erpressung bei eBay
Bitte lächeln! — Bildrechte bei eBay
Vom Ego-Shooter zum Amoklaufer?
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook
die Beziehung killt
|
Wandern Filesharer in den Knast?
Sechs Richtige macht null Euro - Glücksspiel
im Internet
Warum Google Ihre E-Mails liest
Nachbar surft mit: Wenn das eigene W-LAN
zur Falle wird
6 Inhalt
»Aber er hat mich wirklich geliebt!«
Heiratsschwindler im Internet
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!«
Partnersuche auf dem Holzweg
Wer googelt, tauscht Informationen gegen
private Daten
Erwischt! Wegen www.hausarbeiten.de
von der Uni geflogen
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
Ich bin du - Identitätsklau im Internet
Internetsucht kann tédlich sein!
Selbstmord nach Mobbing übers Internet
Beim Online-Banking Konto abgeräumt
Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
Kampf um Troja - Ihr Computer wird
ferngesteuert!
Gewinnspiel-Teilnahme - für 84 Euro pro Jahr
Gratis-Software kann teuer sein!
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster —
und häufig strafbar!
Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
Über Twitter Einbrecher einladen
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230
Finleitung
Das Internet — Fluch oder Segen? Egal, wie Sie diese
Frage fiir sich beantworten, Sie kommen nicht mehr
daran vorbei. Also sollten Sie lieber früher als später
lernen, sich souverän und sicher darin zu bewegen.
Das Internet ist schneller als jede andere Erfin-
dung der Menschheit in sämtliche Bereiche unseres
täglichen Lebens gedrungen. Ob per Google, Face-
book, YouTube oder Twitter: In Deutschland zählen
mittlerweile über 70 Prozent der Bevölkerung zu
den »Onlinern«, die jüngeren Generationen — die sogenannten »digital natives« — sind nahezu komplett
im Internet vertreten und können sich ein Leben
»offline« gar nicht mehr vorstellen.
Online-Banking,
Flüge
buchen,
Einkaufen,
im
Lexikon nachschlagen, Musik und Videos runter-
laden, flirten oder mit Freunden quatschen — die Liste
dessen, was Sie heute im Internet alles machen kön-
nen, ließe sich beliebig verlängern. Rund um die Uhr
finden Sie dort schnell und einfach alles, was Sie
brauchen, egal ob bequem von zu Hause aus oder
von unterwegs per Netbook oder Handy. Mit weni-
8 Einleitung
gen Klicks ist man an jedem Ort der Welt, bei seinen
Freunden oder verfolgt, was Angela Merkel gerade
in ihrer Internet-Videobotschaft zu sagen hat. Ist
doch toll, oder? Also doch ein wahrer Segen, das
Internet?
Vorsicht: Bei all den Möglichkeiten, die das Inter-
net eröffnet, birgt es leider auch bisher ungeahnte
Risiken. Lug, Betrug, Verleumdung, Suchtgefahren —
überall lauern Fallen und Fallstricke auf den arglosen
Nutzer! Es gibt im Internet keine absoluten Geheim-
nisse und auch keine totale Sicherheit. Wenn Sie in
eine Internet-Falle tappen, kann es schnell teuer,
illegal, peinlich oder sogar gefährlich werden.
Wir wollen Ihnen hier nicht mit einem Horror-
szenario die Lust am Internet verderben - im Gegenteil! Aber als Internetnutzer müssen Sie wissen,
wie Sie die diversen Fallen erkennen und umgehen,
um nicht Opfer von Betrügern, Verführern oder einfach nur Ihrer eigenen Sorglosigkeit zu werden. Vor
allem aber müssen Sie lernen, was Sie tun können,
wenn Sie bereits in eine Internetfalle getappt sind.
Dieses Buch hilft Ihnen dabei
Wir, die Autoren dieses Buches, beschäftigen uns
seit Jahren als Unternehmer, Wissenschaftler und aus
anwaltlicher Sicht mit dem Internet, seinen Möglich-
keiten und seinen Gefahren. Im Deutschen Institut
für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI)
an der Cologne Business School in Köln haben wir
gemeinsam
die wichtigsten Stolpersteine im Netz
untersucht und Wege entwickelt, wie man sie am
besten umgehen kann. In diesem Lexikon haben wir
Einleitung 9
die typischsten Fallen unter anderem aus den folgenden Bereichen unter die Lupe genommen:
© Abzocke — Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich vor Be-
trügern schützen, ob beim Runterladen kostenloser
Software, beim Online-Banking oder in der Partnerbörse.
© Triigerische Anonymität — Nur weil man alleine vor
seinem Computer sitzt, ist man keineswegs auch
anonym. Sorglosigkeit im Internet hat schon manchen in peinliche Situationen gebracht oder sogar
den Job, die Beziehung oder eine Freundschaft gekostet.
@ Haftung für sich und andere — Wenn Sie schon ein-
mal abgemahnt oder verklagt wurden, weil Sie oder
Ihre Familienangehörigen (angeblich) ein Musikstück oder einen Film heruntergeladen haben, wissen Sie, wie teuer das werden kann. Wir zeigen
Ihnen, wie Sie sich wehren können, wenn Sie zu
Unrecht beschuldigt wurden - etwa, wenn Ihr
Nachbar sich über Ihren Anschluss einen Film aus
dem Netz »saugt«.
@ Datenschutz und Privatsphäre — Datenschutz-
skandale haben das Thema bereits in die Offentlichkeit gerückt. Wir beschäftigen uns damit, was
Google, Facebook oder Ihr Browser über Sie wissen — und wer das dann sonst noch erfahren und
weitererzählen kann.
® Täuschung und Fälschung — Die Meinungen anderer Kunden sind vielen wichtiger als die der Unter-
nehmen oder Massenmedien. Kann man diesen
Bewertungen von Produkten oder Hotels im Inter-
10 Einleitung
net wirklich trauen und echte Bewertungen von
Falschungen unterscheiden?
® Gliicksspiel und Spielen im Internet
- Hohe Ge-
winne sind verlockend, und genau das nutzen
schwarze Schafe aus. Ob Sie tatsächlich Ihr Geld
bekommen oder sich vergebens freuen, ist nicht
immer klar. Auch »nur zum Spaß« Spielen kann
übel ausgehen — gerade bei Kindern, wenn sie
deswegen tagelang am Rechner sitzen. Ist Ihr
Kind gefährdet, internetspielstichtig zu werden
oder Gewaltszenen in tödliche Realität umzusetzen?
© Einkaufen und Verkaufen — Super, wenn bei Ge-
schäften im Netz alles reibungslos klappt. Dumm,
wenn nicht. Denn leicht können Sie dabei viel
Geld verlieren oder sich sogar strafbar machen!
© Zeitfresser und Suchtfaktor Internet — Quillt Ihr
E-Mail-Postfach auch über? Bekommen Sie
ständig Meldungen über neue Nachrichten und
Chat-Anfragen? Haben Sie das Gefühl, etwas zu
verpassen, wenn Sie nicht öfters in Ihrer OnlineCommunity vorbeischauen? Das »managen« des
Informationsüberflusses wird zu einer der wich-
tigsten Herausforderungen des Internet-Zeitalters.
Wir zeigen Ihnen, wie Sie damit umgehen können
und die Anzeichen von Internet-Suchtverhalten
erkennen.
© Bösartige, Kranke, Spinner — Einige spektakuläre
Fälle haben nicht nur Prominenten, sondern Men-
schen wie Ihnen und mir schon das tägliche Leben
schwer gemacht. Wir erklären, welcher Schaden
Einleitung 11
Ihnen durch Mobbing, Stalker und missverstan-
dene Scherze entstehen kann und wie Sie sich dagegen wehren.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen, vor allem aber
einen großen Erkenntnisgewinn bei der nun folgen-
den Lektüre — damit Sie fortan umso sicherer all die
Fallen umgehen, die sich im Netz auftun, und sich
souverän im WWW bewegen.
Ralf Höcker
Klemens Skibicki
Frank Mühlenbeck
PS: Weitere Informationen über die Autoren und
über ihre Arbeit finden Sie unter www.dikri.de.
Gefahren und Abhilfe
Jobverlust durch Bloggen
Falle
Menschen äußern sich im Netz gern über Gott und
die Welt. Leider auch oft über thre Firma. Dies
kostete bereits mehrere Blogger den Arbeitsplatz.
Mitarbeiter enthüllt:
Neuer Personalchef war früher eine Frau!
Ein uns persönlich bekannter »Spaßvogel« — ausge-
rechnet ein Jurist — erlaubte sich einen etwas frag-
würdigen Scherz im Firmen-Blog: Er warnte seine
Kollegen davor, den neuen Personalchef, der dem-
nächst seine Stelle antreten sollte, auf keinen Fall
komisch von der Seite anzugucken. Denn dieser sei
früher einmal eine Frau gewesen, wolle darauf aber
unter keinen Umständen angesprochen werden. Als
der Personalchef kurz darauf seine Arbeit aufnahm,
wunderte
er sich über die verstohlenen Blicke, die
ihm seine neuen Kollegen ständig zuwarfen. Irgend-
16 Jobverlust durch Bloggen
jemand fasste sich schließlich ein Herz und klärte ihn
über die Vorgeschichte auf. Daraufhin führte der Personalchef sein erstes Kündigungsgespräch im neuen
Unternehmen.
Der »fantasiebegabte« Blogger hat inzwischen
einen neuen Job — und immer große Freude an der
Tatsache, dass sich einige seiner Ex-Kollegen bis heu-
te unschlüssig darüber sind, ob der Mann früher nicht
doch einmal Brigitte hieß ...
Diese Anekdote zeigt, wie gefährlich Bloggen sein
kann - sowohl für den Verfasser eines Blogs als auch
für diejenigen, über die sich andere öffentlich auslassen. Die Geschichte von »Frau Personalchef« ist
schon relativ extrem. Entspricht sie der Wahrheit,
kommt sie einem Zwangsouting nah. Handelt es sich
um ein Gerücht, kann dies je nach Unternehmenskultur rufschädigend sein. So oder so: Unseren Spaßvogel hat die Story seinen Job gekostet.
Exkurs: Blog
‚Der Reihe nach. Womit haben wir es hier eigentlich genau zu tun? Ein Blog ist eine Webseite, die
wie ein öffentliches Tagebuch funktioniert: Der
Blogger veröffentlicht auf der Seite selbstgeschriebene Artikel zu einem selbstgewählten Thema. Die
Beiträge werden chronologisch aufgelistet. Nutzer
können das Blog wie eine Zeitung abonnieren und
‘werden automatisch über das, Internet informiert,
wenn ein neuer.er Eintrag erscheint..
|
Jobverlust durch Bloggen 17
"Meist hat mann auch die Möglichkeit, selbst Kom- Ä
_ mentare in dem fremden Blog zu hinterlassen. Sie
"können sich an Diskussionen beteiligen, die andere
| Blogger eröffnet haben, indem Sie deren Einträge
‚kommentieren. Wenn Sie sich gern mitteilen, ist .
ein Blog vielleicht genau das Richtige für Sie. Werden Sie Ihr eigener Chefredakteur und Heraus- |
geber. u.
|
Babys erstes Bäuerchen —
und andere sensationelle News
Mittlerweile gibt es weltweit rund 200 Millionen
Blogs, mit steigender Tendenz! Ein entscheidender
Grund dafür ist, dass mit Hilfe eines Blogs wirklich
jeder za Wort kommen kann. Endlich findet man
Gleichgesinnte,
die einem
zuhören.
Oder
etwa
nicht?
Blogger schreiben über alles — ob es irgendjemand
lesen will oder nicht. Junge Mütter tauschen sich
über die Verdauung ihres Nachwuchses aus. Andere
lösen im Leserblog von www.spiegel.de auf sechs
Zeilen
die
Finanzkrise
und
den
Nahostkonflikt.
Besonders beliebte Themen von Bloggern sınd Reise-
berichte und Tourismus, Politik, Autos und Verkehr,
Sport und Wetten sowie Gesundheit und Ernährung. Blogger bereichern die Internetgemeinde jeden
Tag um Millionen neuer Blog-Beiträge.
18 Jobverlust durch Bloggen
»Keine Sau interesstert sıch für mich!« —
oder doch, wenn man es richtig anpackt
Aber wie funktioniert Bloggen überhaupt? Und wie
schafft man es, möglichst viele Leser für seinen Blog
zu interessieren?
Ganz einfach: Wenn Sie dafür sorgen wollen, dass
sich Leute für die Inhalte Ihres Blogs begeistern,
schauen Sie sich zunächst nach Blogs um, die sich
mit ähnlichen Themen befassen. Dort können Sie
die Beiträge anderer Blogger kurz kommentieren
und dabei gleichzeitig auf Ihr eigenes Blog aufmerksam machen. Gleichzeitig sollten Sie sich durch einen Link mit anderen Bloggern vernetzen, die ein
ähnlich großes Interesse an Ihren Themengebieten
haben.
Und noch ein wichtiger Tipp: Haben Sie Geduld!
Nur wer am Ball bleibt, also regelmäßig schreibt und
langsam eine Leserschaft gewinnt, kann als Blogger
erfolgreich werden. Wer weiß, vielleicht verdienen
Sie irgendwann sogar Geld mit Ihrem Online-Tage-
buch. Was andere können, können Sie schon lange —
wenn Sie es richtig angehen.
Aber egal, ob Sie in Ihrem eigenen oder in einem
fremden Blog schreiben: Unterschätzen Sie nicht,
wie brisant Ihr vermeintlich harmloses Netzgeplauder sein kann. Auf ein paar Details sollten Sie
achten.
Jobverlust durch Bloggen 19
Bloggen kann aus einem medialen David einen
Goliath machen — mit allen Konsequenzen
Ihr Chef ist ein Kotzbrocken und beutet Sie gnaden-
los aus? Sie haben den Verdacht, dass ein bekannter
Schauspieler trinkt, Drogen konsumiert und bizarre
sexuelle Neigungen hat? Sie fühlen sich von Ihrem
Telekommunikationsdienstleister abgezockt? Und Sie
vermuten, dass es in der Küche Ihres früheren Lieb-
lingsitalieners an Ordnung und Sauberkeit mangelt —
die Kakerlaken sind schließlich schon Stadtgespräch?
Im richtigen Leben hätten Sie möglicherweise
keine großen Hemmungen, sich in Ihrem engsten
Umfeld mit Angehörigen, Freunden oder Nachbarn
über derlei Themen auszutauschen. Was in vertrauter
Runde erzählt wird, bleibt für Sie in der Regel ja
völlig folgenlos.
|
Im Internet bekommen Klatsch und Tratsch jedoch
eine ganz andere Dimension. Denn erstens richten
Sie sich dort nicht nur an ein paar Freunde und Bekannte, sondern an die ganze Welt. Zweitens bleiben
Ihre Einträge auch noch nach Jahren über Suchmaschinen auffindbar. Viele Blogger, aber auch Kom-
mentatoren in fremden Blogs machen sich das nicht
ausreichend klar. Sie reflektieren nicht, dass sie im
Blog aus der Rolle des Privatmenschen, des geschützten und schutzbedürftigen Verbrauchers, Mieters
oder Arbeitnehmers heraustreten. Sie übersehen, dass
das Internet aus jedem David einen medialen Goliath
machen kann. Wenn sie für ihre Äußerungen dann
20 Jobverlust durch Bloggen
zum Teil kraftigen Gegenwind zu sptiren bekommen,
wundern, ja empören sie sich. Es fällt ihnen oft
schwer, nachzuvollziehen und nachzuempfinden, dass
sie einen Rollenwechsel vorgenommen haben: Ein
Blogger tritt aus der Rolle des Zeitungslesers heraus
und macht sich seine eigene Zeitung. Nur dass diese
grundsätzlich der gleichen Beobachtung und den
gleichen Regeln unterliegt wie ein »echtes« Printmedium.
Ein Student, der aus seinem WG-Zimmer
heraus
einen nichtkommerziellen gesellschaftskritischen Blog
betreibt, wird juristisch also nicht wesentlich anders
behandelt als etwa die Bild-Zeitung oder ein TV-Boulevardmagazin. Auch rechtlich gelten für ihn größterteils die gleichen strengen Regeln. Er kann sich nicht
darauf berufen, »doch nur« als harmlose Privatperson
gebloggt zu haben.
Was bedeutet das konkret für Ihren Blog? Vielleicht
haben Sie ja recht mit Ihrer Vermutung, dass Ihr
Lieblingsitaliener seine Küche nicht vernünftig putzt.
Und vielleicht hat Ihr Telefonanbieter Sie wirklich
übers Ohr gehauen. Aber können Sie das auch beweisen? Und gehen die Worte, die Sie da unbedarft gewählt haben, um Ihrem Ärger Luft zu machen, nicht
unter die Gürtellinie? Wer die Öffentlichkeit eines
Blogs nutzt, um mal richtig Dampf abzulassen oder
seinem Bedürfnis nach Tratsch nachzukommen, soll-
te sehr vorsichtig sein. Wenn Sie sich in Blogs negativ |
über andere Menschen oder Unternehmen auslassen,
riskieren Sie juristische Gegenwehr — und zwar ganz
egal, ob Sie den Blog selbst betreiben oder ob Sie dort
Jobverlust durch Bloggen 21
nur fremde Beiträge kommentieren. Sie sollten keine
negativen Behauptungen aufstellen, wenn Sie diese
nicht hieb- und stichfest beweisen können. Und Sie
dürfen auch keine sogenannte »Schmähkritik« von sich
geben — also Beleidigungen, die nicht mehr als sachliche Meinungsäußerung durchgehen. Übrigens: Wenn
Sie selbst den Blog betreiben und darauf aufmerksam
gemacht werden, dass konkrete Kommentare
von
Lesern rechtswidrig sind, müssen Sie diese ebenfalls
entfernen.
Abmahnungen, einstweilige Verfügungen
und Klagen
Wer all das nicht berücksichtigt, kann sich Abmahnungen von Anwälten einhandeln. Wenn die Abmahnung berechtigt ist, muss der unvorsichtige Blogger
die gegnerischen Anwaltskosten übernehmen. Und da
können schon mal über 1000 Euro für ein einziges
Abmahnschreiben zusammenkommen! Wer eine Abmahnung nicht ernst nimmt und falsch oder gar nicht
beantwortet, muss sogar damit rechnen, dass ein Ge-
richt gegen ihn eine einstweilige Verfügung erlässt.
Auch Unterlassungs- und Schadensersatzklagen und
selbst Strafverfahren wegen Beleidigung, übler Nach-
rede oder Verleumdung sind möglich — jedenfalls
dann, wenn man als Blogger oder Kommentator in
einem Blog persönlich identifizierbar ist.
22 Jobverlust durch Bloggen
Wenn Sie sich über Ihr eigenes Unternehmen
äußern, sind die Grenzen des Erlaubten sogar noch
enger. Einige Firmen haben bereits Angestellte vor
die Tür gesetzt, weil sie entweder schlechte Stimmung
unter den Mitarbeitern verbreitet oder Firmengeheimnisse ausgeplaudert haben. Bedenken Sie, dass
Ihr Blog immer im Internet gefunden werden kann.
Wenn der Name Ihrer Firma irgendwo in Ihrem Beitrag auftaucht, erhält der Arbeitgeber über Suchmaschinen möglicherweise eine automatische Benach-
richtigung über den Artikel und wird diesen prüfen.
Oder noch schlimmer: Ein Journalist findet den Bei-
trag und berichtet darüber.
Checkliste
v Wenn Sie ein Blog eröffnen, sparen Sie Geld und
nutzen Sie einen kostenlosen Blog-Anbieter wie
www.blog.de, www.blogger.de, www.wordpress.
com oder www.myblog.de.
Vv Schreiben Sie über andere Leute oder andere Firmen keine negativen Dinge, vor allem dann
nicht, wenn Sie Ihre Aussagen nicht beweisen
können. Wahren
Sie ein gewisses Niveau und
werden Sie nicht beleidigend — oder sehen Sie
wenigstens zu, dass man Ihnen den Blogeintrag
nicht persönlich zuordnen kann.
v Wenn Sie sich etwa konstruktiv mit Missständen
in Ihrer eigenen Firma auseinandersetzen wollen,
fragen Sie Ihren Arbeitgeber, ob es für Mitarbei-
Jobverlust durch Bloggen 23
ter bereits eine Richtlinie zum privaten Bloggen
gibt. Im Zweifel sparen Sie sich negative Kommentare über Ihren Brötchengeber lieber.
|v/ Wenn Sie selbst ein Blog betreiben: Nehmen Sie
Beschwerden von Menschen oder Unternehmen
ernst, über die Sie selbst oder Dritte in Ihrem
Blog negativ geschrieben haben. Löschen Sie be-
anstandete fremde Beiträge lieber, bevor Sie
selbst dafür verklagt werden.
/ Ziehen Sie in Zweifelsfällen einen Anwalt für
Medienrecht zu Rate — am besten bevor Sie mit
Ihrem Blog online gehen.
Anonymität verboten!
Impressumspflicht für Blogger
Falle
Blogger, die kein korrektes Impressum
benutzen,
rıskieren Abmahnungen und Kosten.
Ein I. mpressum — wozu sollte man das brauchen?
Wenn Sie selbst ein Blog betreiben, müssen Sie sich
in vielen Fällen auch ausdrücklich als Blogger auswei-
sen. Ebenso wie bei einer »richtigen« Zeitung gilt für
Sie eine Impressumspflicht. Das heißt, Sie sind verpflichtet, Ihren Namen und Ihre Kontaktdaten auf
der Internetseite anzugeben. Das gilt auf jeden Fall für
im weitesten Sinne journalistische sowie für kommer-
zielle Blogs. Bei rein privaten Blogs ist ein Impressum
entbehrlich.
|
Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Vieles von
dem, was Blogger für privat halten, ist in Wahrheit
alles andere als Privatsache. Wenn Sie in Ihrem Blog
Anonymität verboten! Impressumspflicht für Blogger 25
nur über Ihren Wellensittich schreiben, brauchen Sie
kein Impressum. Sobald Sie sich aber über die
schlechte Qualität seines Futters auslassen und Marke
und Hersteller nennen, ist Ihr Blog möglicherweise
schon nicht mehr rein privat. Dann ist ein Impressum
unumgänglich.
Wer die Impressumspflicht verletzt, kann sich teure
Abmahnungen und sogar Gerichtsverfahren einhandeln. Zumindest theoretisch drohen Geldbußen bis
zu 50000 Euro.
Für einen juristischen Laien ist nicht immer leicht
erkennbar, ob ein Blog ein Impressum haben muss
oder nicht. Noch schwieriger ist es manchmal zu beurteilen, welche Informationen das Impressum genau
stehen müssen. Denn je nach Inhalt des Blogs kann es.
da erhebliche Unterschiede geben. Der Teufel liegt
wie so oft im Detail.
|
|
Wenn Ihr Impressum alle folgenden Angaben vor-
weisen kann, wird man Ihnen nach derzeitiger Rechtslage keine Vorwürfe machen können. Wenn Sie
hundertprozentig sicher sein wollen, sollten Sie die
Umsetzung dennoch von einem Rechtsanwalt über-
prüfen lassen. Er kann Sie über mögliche Erleichterungen der Impressumspflicht informieren, die in Ihrem
Fall vielleicht greifen, und Sie bei der Umsetzung
unterstützen.
Impressumsangaben:
© Vor- und Nachname des Blogbetreibers mit ständi-
gem Aufenthaltsort im Inland, der die Fähigkeit
zur Bekleidung öffentlicher Amter nicht infolge
26 Anonymität verboten! Impressumspflicht für Blogger
eines Richterspruchs verloren hat, voll geschäftsfähig ist und unbeschränkt strafrechtlich verfolgt
werden kann.
© Bei kommerziellen Bloggern muss die Geschäftsanschrift, bei privaten Bloggern die Privatanschrift
angegeben werden. Achtung: Eine Postfachadresse
reicht nicht aus!
© Bestehen mehrere Niederlassungen, sollte wenigstens die Hauptniederlassung genannt werden.
© Bei juristischen Personen gilt: Korrekte und voll-
ständige Firmierung einschließlich der Vertretungsberechtigten angeben. Hier sollte man auf Abkür-
zungen, etwa GmbH, verzichten, sondern alles
ausschreiben (also »Gesellschaft mit beschränkter
Haftung«).
|
© Des Weiteren sollte sowohl eine E-Mail-Adresse
als auch eine inländische Telefonnummer aufgeführt sein und, sofern vorhanden, eine Faxnummer.
© Bei kommerziellen Blogs sollten Angaben zur zuständigen Aufsichtsbehörde aufgeführt werden,
falls es eine gibt. Dies gilt zum Beispiel bei Blogs
von Bauträgern, Gaststättenbetreibern, Maklern,
Spielhallenbetreibern oder Versicherungsunter-
nehmen.
© Ebenfalls dürfen Hinweise zum Handelsregister,
Vereinsregister, Partnerschaftsregister oder Genossenschaftsregister (einschließlich der Registernummer), in das der Blogger eingetragen ist, nicht
fehlen. Dazu gehört auch die Angabe der das
Register führenden Stelle (zum Beispiel das Amtsgericht).
Anonymität verboten! Impressumspflicht für Blogger 27
© Ubt der Blogger einen Beruf aus, bei dem eine
Kammerzugehörigkeit verpflichtend ist (zum Beispiel Architekt, Arzt, Rechtsanwalt oder Steuerberater), sind zudem Angaben über die zuständige
Kammer erforderlich. Dazu gehören auch Angaben über die gesetzliche Berufsbezeichnung, den
Staat, in dem
die Berufsbezeichnung verliehen
wurde, über die Bezeichnung der berufsrechtlichen
Regelungen und dazu, wie diese zugänglich sind.
© Falls vorhanden: Umsatzsteueridentifikationsnum-
mer nach $ 27a des Umsatzsteuergesetzes (nicht
die normale Steuernummer!) und Wirtschafts-
Identifikationsnummer.
® Und schlussendlich: Bei AGs, KGaAs und GmbHs
in Abwicklung oder Liquidation ist die Angabe der
Abwicklung bzw. Liquidation notwendig.
Alle diese Informationen müssen für den Besucher
Ihres Blogs natürlich leicht erkennbar, das heißt
unmittelbar verfügbar sein. Sie dürfen sie also nicht
»verstecken«.
|
Checkliste
V Verwenden Sie als Blogbetreiber sicherheitshalber
immer ein rechtsgültiges Impressum; machen Sie
lieber zu viele Angaben als zu wenige.
V/ Auch hier gilt wieder: Ziehen Sie in Zweifelsfal-
len sicherheitshalber einen Anwalt zu Rate - und
zwar bevor Sie mit Ihrem Blog online gehen.
»Mein PC hat die Schweinegrippe!«
Virusalarm tiber den Browser
Falle
Hacker nutzen Sicherheitslicken im System Ihres
Browsers aus, um sich Zugang zu Ihrem Computer
zu verschaffen.
Kein Browser, kein Internet-Surfen
Wenn Sie im World Wide Web unterwegs sind, brau-
chen Sie einen Browser — ein Computerprogramm,
um Internetseiten aufzurufen. Die wohl bekanntesten
Browser sind der Internet Explorer von Microsoft,
Mozilla Firefox, Safari von Apple und Chrome von
Google.
Sobald Sie sich einen Computer angeschafft und
diesen etwa mit dem Betriebssystem Windows der
Firma Microsoft ausgestattet haben, ist auch gleich
ein Browser mit an Bord: der Internet Explorer. Wenn
Sie eine Verbindung zum Internet aufgebaut haben,
»Mein PC hat Schweinegrippe!« Virusalarm über den Browser 29
ist Ihr Browser Ihre Eintrittskarte, um eine Internet-
adresse aufzurufen.
Das klingt erst einmal einfach und recht harmlos.
Man surft von einem interessanten Thema zum
nächsten und ahnt nichts Böses. Doch leider lauern
auch hier so einige Fallen, denen Sie möglichst aus
dem Weg gehen sollten. Eine der häufigsten Gefah-
ren: Immer wieder werden neue Sicherheitslücken
von Browsern bekannt. Umtriebige Menschen mit
krimineller Neigung nutzen diese, um sich selbst zu
bereichern und bei Ihnen Schaden anzurichten.
»Vielen Dank, ich habe mir gerade Ihre Passworte
und Bankdaten geholt!«
Nehmen Sie folgendes Beispiel: Sie besuchen eine
Internetseite, klicken dort auf einen Link, und schon
wird im Hintergrund auf Ihrem Computer heimlich
und für Sie unsichtbar ein Programm installiert, zum
Beispiel ein Trojaner, ein Virus oder eine Phishing-
Software. Anschließend werden Ihre Passwörter aus-
spioniert, Ihr System lahmgelegt und zu guter Letzt
auch die Browser Ihrer Freunde per E-Mail mitinfiziert.
Der wirkungsvollste Schutz gegen solche Attacken
besteht darin, dass Sie Ihre Software immer möglichst
auf dem neuesten Stand halten. Neben einem aktuel-
len Browser
schützt
Antivirensoftware.
Sie außerdem
vor allem eine
30 »Mein PC hat Schweinegrippe!« Virusalarm über den Browser
Leider bietet ein herkömmlicher Browser keinen
Rundumschutz für Kinder an. Einzige Ausnahme: Sie
geben im Browser nur voreingestellte Webseiten frei.
Alle nicht gelisteten Webseiten können dann gar
nicht betrachtet werden. Das Problem dabei: Was
wollen Sie zulassen, und welche Seiten schließen Sie
aus? Was ist zum Beispiel mit Suchmaschinen wie
Google? Wenn Sie Ihrem Kind nicht erlauben, auf
Google nach anderen Webseiten und Themen zu
suchen, dann ist die große weite Welt des Internets
schnell auf ein paar wenige Seiten zusammengeschrumpft.
Als »Add-Ons« getarnte Fallen
Die allerneuesten Webseiten benötigen vielfach zusätzliche Programme, damit zum Beispiel ein Film
gezeigt oder ein Musikstück abgespielt werden kann.
Manchmal laufen auch kleine Spiele auf einer Webseite. Diese Zusatzprogramme, die man auch »AddOns« nennt, sind mit Vorsicht zu genießen. Denn
leider
bieten
sie
Kriminellen
verschiedene
Mög-
lichkeiten, um Ihren Computer anzugreifen. Infor-
mieren Sie sich daher immer, bevor Sie sich für ein
Zusatzprogramm entscheiden. Ein Blick auf die Internetseite www.viruslis.com/de hilft weiter. Sie wird von
einem Hersteller für Sicherheitssoftware betrieben
und infomiert über aktuelle Viren. Dort können Sie
»Mein PC hat Schweinegrippe!« Virusalarm über den Browser 31
nach Informationen zu einem Add-On suchen, bevor
Sie es installieren. Wenn Sie bei einem Zusatz- |
programm Zweifel hegen, lassen Sie lieber die Finger
davon.
Wem kann man vertrauen?
Andere Zusatzprogramme wiederum sind durchaus
zu empfehlen. So helfen beispielsweise verschiedene
Add-Ons dabei, »gute« von »bösen« Webseiten zu
unterscheiden.
Für Mozilla Firefox bietet das kostenlose Programm
»Firekeeper« Schutz, indem mit seiner Hilfe »gute«
und »schlechte« Webseiten in einer Datenbank gesammelt und
ausgewertet werden.
Für den
Internet
Explorer hilft das Programm »WOT« (Web of Trust).
Daneben helfen sich die Nutzer der Programme auch
gegenseitig, indem sie in speziellen Communities
Webseiten nach Kriterien wie Glaubwürdigkeit und
Jugendschutz bewerten.
Wenn Sie Zusatzprogramme herunterladen möch-
ten, nutzen Sie unbedingt bekannte Webseiten wie
www.chip.de oder www.pcwelt.de. Laden Sie niemals
Programme von unbekannten Quellen auf Ihren
Rechner herunter. Sonst laufen Sie Gefahr, einen als
Datei getarnten Virus oder Trojaner auf Ihrem Computer zu speichern.
32 »Mein PC hat Schweinegrippe!« Virusalarm über den Browser
Checkliste
V Laden Sie niemals Programme oder Dateien aus
dem Internet auf Ihren Computer herunter, wenn
Sie die Quelle oder den Hersteller des Programms
nicht kennen.
v Stellen Sie »Sicherheitsstufe« und »Datenschutz«
auf Ihrem PC auf »hoch« ein. Beim InternetExplorer finden Sie diese Einstellung in der
Menüleiste unter dem Menüpunkt »Extras —
Internetoptionen«.
|
V Achten Sie darauf, dass Ihr Browser in einer ak-
tuellen Version vorliegt. Aktualisieren Sie ihn
regelmäßig.
v Wenn Kinder Zugriff auf Ihren Computer haben,
dann sichern Sie diesen bitte zusätzlich ab.
»Schatz, warst du auf
www.geileschlampen.de«?
Falle
Achtung! Andere können sehen, welche Internetseiten Sie besucht haben.
Ach, du dickes Ding!
Stellen Sie sich vor, Sie zeigen auf dem Notebook eine
Präsentation vor 200 Firmenkunden und wollen schnell
auf die Seite www.dikri.de surfen. Sie geben das »D«
von »Dikri« ein und Ihre Zuhörer sehen Folgendes:
DIE 4
‘Datei
Bearbe
|] http://www.d
‚ http: / www.dikri.de/
x Google
3
x Oypdfforge ~~
sie Favoriten
en
http://www. dauergeile-luder.de/
|
http: [fw dicke- ‚dinger. def
Gehe zu http: www. d’
Jeder kann lesen, wonach Sie zuletzt gesucht haben, zum Beispiel
»wwuw.dicke-dinger.de«.
34 »Schatz, warst du auf www.geileschlampen.de«
Nicht schön, oder? Und nicht nur das! Für solch einen
Fauxpas können Sie sogar Ihren Job verlieren. Sie
haben das Firmen-Notebook nämlich unerlaubt für
private Zwecke genutzt — und waren dann auch noch
so dumm, diese Seiten nicht zu löschen. Damit haben
Sie, wie der Jurist es formuliert, »fahrlässig den sozia-
len Geltungsanspruch des Unternehmens gefährdet«.
Ein anderes Beispiel: Sie teilen sich Ihren Computer mit der Familie, und Ihr zwölfjähriger Sohn entdeckt auf die gleiche Weise, dass Sie sich — natürlich
nur mal so aus Interesse — auf www.kinderheime.de
und
www.adoptionsfreigabe.de
umgesehen
haben.
Ach, solche Scherze nutzen Sie ganz bewusst als
pädagogische Maßnahme? Na gut. Aber wundern Sie
sich nicht, wenn Sie Ihren Sohn 30 Jahre später besuchen und auf dem Wohnzimmertisch Prospekte preisgünstiger Altenheime entdecken!
Grundsätzlich ist es natürlich praktisch, dass wir
nur den Anfangsbuchstaben einer Webseite eingeben
müssen und der Browser uns sogleich einige Seiten
mit demselben Buchstaben vorschlägt, die wir in der
Vergangenheit schon einmal besucht haben. Könnte
ja sein, dass wir genau dort noch einmal hinwollen.
Aber es ist eben auch nur grundsätzlich praktisch.
Denn wer den Computer nicht alleine nutzt oder
damit rechnen muss, dass andere ihm bei der Eingabe
eines Webseite-Namens über die Schulter schauen,
sollte sich über eines im Klaren sein: Auch ein Browser
hat ein Gedächtnis — beim Internet Explorer heißt es
»Verlauf«, beim Firefox »Chronik«. Hier listet der
Browser alle Webseiten auf, die Sie in letzter Zeit
»Schatz, warst du auf www.geileschlampen.de« 35
besucht haben. Wenn Sie also vermeiden wollen, dass
Ihr Nachwuchs mitbekommt, welche Seiten Sie im
Internet aufrufen, haben Sie zwei Möglichkeiten:
Entweder Sie löschen nach Ihrer Internet-Sitzung das
Gedächtnis des Browsers, oder Sie surfen von Beginn
an anonym.
|
Beides geht ganz einfach: Beim Firefox löschen Sie
das Gedächtnis unter dem Menüpunkt »Extras — Private Daten löschen«, beim Internet-Explorer unter
»Extras — Browserverlauf löschen« (oder direkt in der
Explorer-Leiste ganz rechts unter »löschen«).
Alternativ können Sie sich auch von vornherein
anonym im Internet bewegen. Hier bietet der Google
Chrome-Browser eine schöne Zusatzfunktion: »Inkognito-Surfen«. Wenn Sie im Chrome-Browser oben
rechts auf das Werkzeug-Symbol klicken, können Sie
die Funktion »Neues Inkognito-Fenster« wählen.
Damit
öffnen
Sie ein neues
Browser-Fenster,
das
oben links einen Mann mit Hut zeigt. Er erinnert ein
wenig an Inspektor Clouseau, den trotteligen Polizeibeamten der Rosarote-Panther-Filme, und
Ihnen, unerkannt durchs Netz zu navigieren.
erlaubt
Achtung: Der liebe Gott und die
Webseitenbetreiber sehen (fast) alles!
Die Menschen, mit denen Sie sich einen Computer
teilen, können
nun nicht mehr nachvollziehen, auf
36
»Schatz, warst du auf www.geileschlampen.de«
welchen Internetseiten Sie sich herumgetrieben ha-
ben. Aber leider gibt es da noch eine zweite Gruppe:
die Webseitenbetreiber. Diese können trotz Inkog-
nıto-Fenster immer noch sehen, über welchen Inter-
net-Anbieter Sie kommen, beziehungsweise können
über den Internet-Anbieter den Kundenanschluss
ausfindig machen. Wenn Sie Ihre Spuren auch vor
den Betreibern der Webseiten geheim halten möchten, können Sie das Programm »Privacy Dongle« nutzen. Allerdings wird damit die Surfgeschwindigkeit
im Internet deutlich verlangsamt.
Checkliste
V Löschen
Sie
das
Internet-Gedächtnis
Ihres
Browsers regelmäßig, wenn Sie auf Internetseiten
surfen, die Sie geheim halten möchten.
/ Wenn Kinder Zugriff auf den Computer haben,
sichern Sie ihn zusätzlich ab.
V Bevor Sie Freunde oder Angehörige an Ihren
Computer lassen oder mit Ihrem Notebook eine
Präsentation starten: Sehen Sie sicherheitshalber vorher noch einmal in den »Verlauf« des
Browsers.
Kindesmissbrauch tibers Internet
Falle
Laut einer Umfrage unter Kindern, die im Internet
chatten, wurden 80 Prozent von ihnen schon ein-
mal über das Internet sexuell belästigt. Triebtatern
mit einem Hang zu moderner Technik 1st es etn
Leichtes, thre Opfer im Netz zu finden. Sie nutzen die Anonymität von Chat-Programmen, ın
denen sich auch viele Kinder und Jugendliche
tummeln.
Exkurs: Chat
Beginnen wir von vorn: Ein Chat, was ist das
eigentlich? Beim Chatten können sich zwei oder.
mehrere Personen im Internet unterhalten, und zwar
über Text, Sprache und/oder Video. Im Gegensatz
zur E-Mail findet die Kommunikation fast zeitgleich, sozusagen in Echtzeit statt. Bei allen Chats
können Sie Ihrem Chat-Partner schreiben, ihn bei
vielen sogar mit Kopfhörer und Mikrofon hören und
sprechen und bei neueren Chats auch über Videokamera beziehungsweise Webcam sehen.
38
Kindesmissbrauch übers Internet
| Die Gespräche finden iin Virtuellen Räumen, in so‚genannten »Chat-Räumen« statt. Stellen Sie sich
einfach vor, es handele sich hierbei um abgeschlossene Räume. Jemand, der auch in den Chat-Raum
"hinein möchte, muss vorher anklopfen. Wenn Sie
ungestört chatten wollen, können Sie bei einem
Chat-Anbieter in der Regel einen eigenen ChatRaum eröffnen. Dann entscheiden Sie, wer alles in
diesen Raum hineindarf und wer nicht. Und falls
sich jemand danebenbenimmt, können Sie ihn
_ auch wieder hinauswerfen.
»Hast Du schon Briiste?«
Eine Mutter aus der Schweiz meldete sich testweise
in einem Chat an, und zwar nicht unter ihrem eigenen
Namen, sondern unter dem ihrer neunjährigen Tochter.
Prompt wurde ihr obige Frage gestellt.
.
‘Nicht immer bleibt es bei verbalen Belästigungen.
Manchmal geben sich Erwachsene gegenüber Kindern
und Jugendlichen auch als Gleichaltrige aus, um sie zu
einem Treffen in der realen Welt zu überreden.
Wie kann man Kinder vor dieser Gefahr schützen?
Am besten durch Aufklärung und eine sorgfältige
Auswahl der Chat-Seiten. Bei Kinder-Communitys
wie tivi.de oder kindernetz.de müssen Eltern ihre
Kinder schriftlich anmelden. Geschulte Moderatoren
beobachten die Kommunikation und setzen zwielich-
|
Kindesmissbrauch tibers Internet 39
tige Chat-Teilnehmer nötigenfalls vor die Tür. Mit
Wortfiltern werden die Chat-Beiträge analysiert.
Sollten verdächtige Wörter im Dialog auftauchen,
werden die Beiträge nicht veröffentlicht. In schwer-
wiegenden Fällen wird auch die Polizei informiert.
Zu den Chat-Anbietern, die für Kinder geeignet
sind, zählen zum Beispiel: www.seitenstark.de/chat,
www.kindernetz.de, www.tivi.de.
Nie mit Fremden mitgehen —
auch nicht ım Internet!
Kinder sollten sich auf keinen Fall in Chat-Räumen
für Erwachsene aufhalten. Sprechen Sie mit Ihren
Kindern über die Gefahren beim Chatten und stellen
Sie Verhaltensregeln auf. Speziell für Chats haben wir
Ihnen hier ein paar Tipps zusammengestellt:
© Bevor sich Ihr Kind in einem Chat anmeldet, über-
prüfen Sie den Chat-Anbieter. Melden Sie sich
selbst dort an, um zu erfahren, welche Anfragen Sie
von anderen Chattern erhalten.
® Reden Sie mit Ihrem Kind über seine Chats, lesen
Sie gegebenenfalls mit, und fragen Sie es, mit
wem es sıch unterhält. Nur, indem Sie fortlaufend
Interesse an den Chat-Aktivitäten Ihres Kindes
zeigen, können Sie sich ein Bild davon machen,
mit wem
es Kontakt aufnimmt und ob andere
40
Kindesmissbrauch übers Internet
Chat-Ieilnehmer ein Risiko darstellen. Grundsätzlich können Sie solch eine Gefahr auch an
übermäßigem Chatten erkennen.
© Achten Sie generell darauf, wie viel Zeit Ihre Kinder im Chat verbringen. Chatten kann zur Sucht
werden, und die virtuelle Unterhaltung kann keine
realen Kontakte ersetzen. Auch aus diesem Grund
sollten Sie die Chat-Gewohnheiten Ihres Kindes
beobachten. (Vgl. dazu das Kapitel Inzernetsucht
kann tödlich sein.)
Exkurs: Chat-Sprache und Chatiquette!
. Bevor Sie oder Ihre Kinder mit dem Chatten loslegen, sollten Sie wissen, wie man in einem Chat
‚spricht beziehungsweise schreibt. Wenn Sie das
‚sich über die veränderte Sprache wundern. Dort
können Sie beispielsweise so etwas lesen:
ie) echt? Lol
|
|
Das Wort »lol« ist eine Abkürzung und steht fir
‚den englischen Ausdruck »laughing out loud« -
“der Verfasser dieser Botschaft musste also lauthals
‚auflachen. Solche Abkürzungen werden auch
'»Akronyme« genannt
|
"Dann gibt es da noch sogenannte »Emoticons«, die |
"Sie. bestimmt schon einmal in einer E-Mail gese“hen haben - eine Art Mini-Icons, die eigentlich aus
| Interpunktionszeichen bestehen und etwas über die
Kindesmissbrauch übers Internet 41
Stimmung des Verfassers aussagen (so wie.&der seit!
lich gekippte, zwinkernde Smiley, gebildet aus
Semikolon und sich schließendem Klammerzeichen |
aus der obigen Botschaft).
ee
Fir Emoticons und Akronyme r miissten wir ein |
eigenes Lexikon herausbringen. Aber auch hier.
möchten wir Ihnen die wichtigsten für Ihre ersten.
Chatversuche nicht vorenthalten:
| Akronyme:
AU
CU
.
|
|
(engl.) for you = Für dich,
|
(engl. ) see. you = Man sieht sich.
(Nutzt man bei Beendigung eines
Chats.)
KEG
|
| FYI 5
u (engl. ) for your interest =Zur Kenntnis.
GG
(engl.) good game = - gutes Spiel, gemeint
2
aber eher im Sinne von gut gemacht.
LOL
engl.) laughing out oud = Lautes
0.
Lachen.
NS
(engl.) night (von good ight) =
PLONK
(engl.) please leave our newsroom, kia: =
00.5
Ze
THX.
Y?
Gute Nacht.
u Bitte verlasse unseren Chat-Raum,
| Junge.
|
.
(engl. ) thanks = Danke.
; - (engl.) why? = Warum?
|
|
3
7
42
Kindesmissbrauch tibers Internet
‘Emoticons:
:)
lichelnder Smiley
0°
Freude.
:D
|
zwinkernder Smiley — Apell, etwas
nicht so ernst zu nehmen.
:O
|
:(
|
Smiley-lautes Lachen.
;)
:
Ausdruck von
-
mit geöffnetem Mund laut lachender
oe
:P
|
ungläubiger, mit offenem Mund
_ staunender Smiley — Ausdruck von
Überraschung.
_ Zunge herausstreckender Smiley —
freche Geste.
Smiley mit heruntergezogenen Mund
winkeln — Ausdruck von Traurigkeit
oder Unzufriedenheit.
Die folgenden zwei Sätze könnten aus einem Chat
stammen. Bis auf das Emoticon sind sie genau
gleich:
Du bist ein Idiot.
Du bist ein Idiot. ; )
Der zweite Satz mit Emoticon ist jedoch nicht
“ganz ernst gemeint. Der zwinkernde Smiley verrät
es. Vielmehr herrscht hier ein ironischer Unterton.
‚In einer normalen Unterhaltung könnten Sie solche
feinen Untertöne in der Mimik Ihres Gegenübers
‚ablesen. In einem Chat ist dies nicht möglich. Um
Kindesmissbrauch tibers Internet 43
| kölintanikativen Missverständnisseir Vorzubeugen, behilft man sich deshalb mit ebendiesen
‚Zeichen. ..
.*.
En)
"Neuere Chat-Progtamme und E-Mailprogramme 7
wandeln die Emoticons automatisch iin ein kleines
Bild um. Aus dem :-) wird darin ein ©, aus einem”
‘-( ein ®. Wenn Sie das Programm Microsoft
Word besitzen, probieren. Sie es aus: Geben Sie.
einen Doppelpunkt »:« ein und direkt dahinter eine, |
sich schließende Klammer »)« = automatisch er-
scheint ein lächelnder Smiley.
are
re
Genauso wie die Chat-Kultur ihre eigene Sprache
hervorgebracht hat, gibt es auch Umgangsformen
in Chat-Räumen, die sogenannte Chat-Etikette-
kurz Chatiquette. Damit wird der höfliche und.
| respektvolle. Umgang mit anderen, Chat-Teilneh- 7
mern detailliert geregelt. Viele Chats besitzen eine
eigene Chatiquette. Wenn Sie mitchatten wollen,
‚müssen Sie sich an diese halten, sonst werden Sie.
gesperrt. Wer zum Beispiel seine -Chat-Partner.
ständig mit Großbuchstaben »anbrüllt«, wird sich.
dort keine Freunde machen und über kurz oder
lang : aus dem Chat-Raum fliegen.
|
Checkliste
/ Wenn Sie Kinder haben, nutzen Sie nur kindersichere Chats.
/ Überprüfen Sie den Chat zuerst selbst.
44
Kindesmissbrauch tibers Internet
V Klären Sie Ihre Kinder über die Gefahren von
Chats auf und überwachen Sie ihr Chatverhalten.
V Lesen Sie die Chatiquette — die vorgegebenen
Verhaltensregeln des Anbieters. An ihr lässt sich
viel über die Qualität eines Chats ablesen.
Original-Markenware bei eBay verkauft?
Macht 1000 Euro
Falle
Wer bei eBay Original-Markenarttkel verkauft,
riskiert eine Abmahnung, eine Strafanzeige und
Kosten von mehreren Tausend Euro.
Echte Ware schützt vor Strafe nicht!
Jedes Kind weiß wohl: Man darf keine gefälschten
Markenwaren einführen, um damit zu handeln. Doch
dass man sich selbst beim Kauf hundertprozentig
echter Ware eine Menge Ärger einhandeln kann, ist
wohl den meisten vollkommen unklar.
Viele Menschen
machen
sich zunutze,
dass die
Preise für ein und dasselbe Produkt international stark
variieren. Da werden Ed-Hardy-T-Shirts schnell mal
von einem Händler aus den USA über das Internet
erstanden und hierzulande über eBay & Co. weiter-
verkauft. Doch wer Waren
von außerhalb
der EU
46 Original-Markenware bei eBay verkauft?
einführt und hier weiterveräußert, läuft Gefahr, sich
teure Abmahnungen, einstweilige Verfügungen, Schadensersatzklagen und Strafverfahren. einzufangen.
Darüber ist sich kaum jemand im Klaren, und meist
sind Überraschung und Empörung groß, wenn. kleine
eBay-Händler eines Tages ein Anwaltsschreiben im
Briefkasten finden, in dem es sinngemäß heißt:
Anwaltliche Abmahnung
Wir sind die
Anwälte der
Firma XY.
Ste haben auf eBay 20 T-Shirts der Marke XY angeboten.
Flierbei handelt es sich zwar um Originalware, diese war
aber nıcht für den deutschen Markt, sondern nur für den
Verkauf in der Türkei bestimmt. Sie durften sie deshalb
nicht in Deutschland verkaufen.
Durch den Verstoß gegen das Verkaufsverbot haben Sie sich
strafbar gemacht. Sie müssen eine Unterlassungserklärung
unterschreiben, in der Ste sich verpflichten,
5000 Euro zu
zahlen, falls Ste sich dieses Vergehens noch einmal schuldig
machen.
Wenn
Ste die Unterlassungserklärung nicht unterschrei-
ben, verklagen wir Sie oder beantragen eine einstweilige
Verfügung gegen Ste.
Außerdem müssen Sie
1000 Euro Schadensersatz zahlen
und die Anwaltskosten von
1000 Euro übernehmen.
»Das kann doch wohl nicht wahr sein!«, meinen die-
jenigen, die einen solchen Brief erhalten. Leider doch!
Original-Markenware bei eBay verkauft? 47
Wer mit ein paar Mausklicks in der Türkei, in China
oder in irgendeinem anderen Nicht-EU-Land Originalware kauft, die vom Hersteller nicht für unseren
Markt freigegeben wurde, und sie hier dennoch
geschäftsmäßig vertreibt, der muss tatsächlich mit all
dem rechnen, was oben in der Abmahnung steht.
Entscheidend
ist dabei, dass man
die Ware
»im
geschäftlichen Verkehr« verkauft haben muss. Ein,
zwei private I-Shirt-Verkäufe gelten noch nicht als
geschäftlicher Verkehr. 20 bis 30 T-Shirts allerdings
schon.
Ein Sonderfall liegt auch dann vor, wenn es sich um
Kleidung handelt, die - mehr oder weniger — »kunst-
voll« gestaltet ist. Denn dann ist diese zudem noch
urheberrechtlich geschützt.
Der Hersteller der bereits erwähnten Ed-HardyShirts hält die Aufdrucke auf seiner Kleidung für
solche urheberrechtsschutzwürdige Werke. In einem
solchen Fall kann man sogar schon dann Ärger be-
kommen, wenn man nur ein einziges T-Shirt weiter-
verkauft. Denn das Urheberrecht an »kunstvollen«
Gestaltungen wird noch etwas strenger geschützt als
die Marke an sich.
Checkliste
V Kaufen oder verkaufen Sie grundsätzlich keine
gefälschte Markenware — auch nicht das harmlos
erscheinende
Touristenmarkt.
Polo-Shirt
vom
thailändischen
48 Original-Markenware bei eBay verkauft?
V Verkaufen Sie — egal ob über eBay oder anderswo
— selbst echte Ware nur dann, wenn sie für den
Verkauf in der EU vorgesehen ist.
V Seien Sie besonders vorsichtig beim Weiterverkauf von »künstlerisch gestalteter« Markenware.
Betrug und Erpressung bei eBay
Falle
Wer bei eBay etwas kauft oder verkauft, riskiert,
betrogen zu werden.
Es war einmal... eine passtonterte Sammlerin
Der Griindungsmythos von eBay besagt Folgendes:
Der Erfinder dieser cleveren Geschäftsidee, Pierre
Omidyar, war es einfach leid, dass seine Frau jede freie
Minute auf Sammlermessen und Flohmärkten ver-
brachte, um nach seltenem Spielzeug zu suchen. Er
dachte sich, es wire doch super, wenn sich alle Spielzeugsammler, -käufer und -verkäufer auf einer einzi-
gen Plattform im Internet treffen könnten. So würde
man es sich sparen, auf zig Tauschbörsen nach der
Nadel im Heuhaufen beziehungsweise dem Anbieter
zu suchen, der genau das seltene Sammlerstück verkaufen möchte, auf das man selbst scharf ist. Und das
Wichtigste: Seine Frau hätte dann wieder mehr Zeit
50 Betrug und Erpressung bei eBay
für ihn — eine Motivation, die stark genug war, Pierre
Omidyar zum Begründer von eBay zu machen.
3,2, 1... meins! Du bist ein Gewinner!
Da die Versteigerungen zur Gänze im Internet stattfinden sollten, wurde
dieser neue virtuelle Trödel-
markt »eBay« getauft. Wobei das E für »elektronisch«
steht und das Englische »to bay« auf deutsch »bieten«
bedeutet. Seit Ende der 1990er Jahre entwickelte sich
eBay zu einer der beliebtesten Internet-Firmen. Kunden können über die eBay-Suchmaschine oder auch
über verschiedenste Produktkategorien gezielt nach
etwas Bestimmten suchen - oder einfach nur stöbern.
Anstatt Nachmittage über Flohmärkte zu rennen, nur
um
dann
festzustellen, dass für einen wieder
mal
nichts dabei war. Gleiches gilt für die Verkäufer: Statt
am Wochenende bei Wind und Wetter auf ein paar
Trödelmarktschlenderer
zu warten,
stellen sie ihre
Ware bei eBay ein und geben Mindestpreis und Laufzeit der Auktion an. Nun müssen sie nur noch auf
Gebote warten.
Besonders in den ersten Jahren, als private Internetanschlüsse noch rar waren, gingen solche Aktivitäten
allerdings schon mal zu Lasten von Unternehmen.
Arbeitnehmer verbrachten mehr Arbeitszeit mit Auk-
tionen. »Wo steht das aktuelle Gebot?«, »Um wie viel
Euro hat mich einer überboten?« — diese Fragen waren
Betrug und Erpressung bei eBay 51
doch viel spannender als die Bearbeitung eines Schadensfalls in einer Versicherung oder die Akquise neuer
Kunden.
Selbst für Experten war nicht abzusehen, was sich
aus der Idee einer Internet-Auktionsplattform für
Sammler und Trédler entwickeln würde. Anfangs war
es unvorstellbar, dass bald auch Möbel oder ganze
Häuser auf eBay angeboten werden würden. Heute
findet man bei eBay so ziemlich alles, was gekauft und
verkauft werden kann. Zu Beginn des neuen Jahrtau-
sends war eBay die meistbesuchte Webseite Deutsch-
lands und der viertgrößte Autohändler des Landes.
Genau wie auf vielen Flohmärkten sollte man aller-
dings auch bei eBay noch feilschen und sich gegenseitig
überbieten können. Das steigert für viele der eingeschworenen eBay-Fans den Einkaufsspaß. Man freut
sich einfach darüber, zu den Gewinnern zu gehören!
Achtung: Ole1971 könnte ein Betrüger sein!
Auch sonst ist es bei eBay fast wie im wahren Leben:
Man kann seinem Geschäftspartner nur vor den Kopf
gucken, nicht hinein - und im Grunde nicht einmal
das, denn man bekommt ihn ja in diesem Falle überhaupt nicht zu Gesicht. Wichtig für das Funktionieren von eBay ist daher, dass sich jeder Anbieter und
jeder Käufer registrieren muss, wenn er in den Handel
einsteigen will.
|
52 Betrug und Erpressung bei eBay
Das alleine reicht aber noch nicht aus. Denn wer
garantiert, dass der Verkäufer Ole1971 aus Köln mir
tatsächlich
das
nur
einmal
benutzte
Hantel-Set
schicken würde, das ich ersteigert und schon bezahlt
habe? Vielleicht schickt er es nicht los, obwohl ich das
Geld überwiesen habe. Vielleicht ist aber auch der
Käufer Günther1948 der Bösewicht und bezahlt die
Hanteln nach Erhalt ganz einfach nicht. Sie merken
schon: Ohne eine ausreichende (Qualitäts-)Sicherung
lauern auf eBay eine Menge Gefahren — für Käufer
und Verkäufer gleichermaßen.
So können Sie sich schützen
eBay hat daher verschiedene Regeln und Instrumen-
tarien geschaffen, um die Risiken so klein wie möglich
zu halten. Besonders bei wertvollen Gegenständen
sollte man Vorsorge treffen und den Versand versi-
chern. eBay bietet diese Option an: Versand und
Empfang werden auf Wunsch zusätzlich durch einen
professionellen Paketdienst protokolliert.
Auch für die Bezahlung stehen gesicherte Verfah-
ren zur Verfügung, zum Beispiel der mittlerweile zu
eBay gehörende Bezahlservice Paypal. Das Geld wird
hier ähnlich wie bei einem "Treuhänder verwaltet, und
zwar so lange, bis der Verkauf abgewickelt ist. Das
System ist relativ sicher und damit für Sie eine gute
Wahl. Das in Deutschland beliebte Lastschriftein-
Betrug und Erpressung bei eBay 53
zugsverfahren ist dagegen mit Vorsichtzu genießen.
Zwar kann man unberechtigte Abbuchungen binnen
sechs Wochen rückgängig machen lassen. Wenn man
diese Frist jedoch aus irgendeinem Grund versäumt,
ist das Geld weg.
Dann gibt es noch die Bezahlung per Nachnahme:
Das
ist auch
eine
Möglichkeit,
aber
eine
teure.
Außerdem stellen Sie eventuelle Mängel ja meist erst
fest, wenn Sie bereits bezahlt haben und der Paketbote
schon wieder weg ist. Was Sie auf jeden Fall vermeiden
sollten, sind direkte Überweisungen ins Ausland.
Es geht um Ihren guten Ruf!
Das wichtigste Sicherungsinstrument zum
Schutz
von Käufern und Verkäufern bei eBay sind jedoch die
Nutzer selbst. Sie haben die Möglichkeit, andere
registrierte eBay-Nutzer öffentlich zu bewerten. Nach
der Abwicklung eines Verkaufs werden sowohl der
Käufer als auch der Verkäufer aufgefordert, sich darüber zu äußern, ob alles zufriedenstellend geklappt hat.
Die Details darüber kann man schriftlich und für andere Teilnehmer sichtbar hinterlegen. Diese können
später nicht nur nachvollziehen, welcher Nutzer ein
Produkt zur Auktion freigegeben hat, sondern auch,
seit wann dieser bei eBay ist, wie viele Bewertungen er
bekommen hat und vor allem, ob diese positiver oder
negativer Art sind.
54 Betrug und Erpressung bei eBay
Wenn Sie lesen, dass Ole1971 seit fünf Jahren bei
eBay ist und bei 420 Verkäufen zu 99 Prozent positive
Bewertungen bekommen
hat, dann ist die Wahr-
scheinlichkeit hoch, dass er sich auch in Ihrem Fall
korrekt verhalten wird.
Es sei denn, Sie haben das Pech, dass es sich um
professionell angelegte Fälschungen von Bewertungen handelt. Oder Ole will auf eBay in Zukunft
sowieso keine Geschäfte mehr machen — zumindest
nicht unter diesem Namen, weswegen ihm seine Be-
wertungen fortan völlig egal sind. Ganz sicher kann
man da nie sein!
Ist der Ruf erst ruiniert,
lebt sich’s gänzlich ungentert?
Dieses Sprichwort trifft leider auf eBay überhaupt
nicht zu. Schlechte Bewertungen von früheren Ge-
schäftspartnern bedeuten hier Umsatzverluste. Im
Extremfall können Sie Ihr eBay-Konto als Verkäufer
dichtmachen und höchstens noch unter einem ande-
ren Namen neu beginnen. Dann müssen Sie sich
mühsam eine neue Reputation aufbauen.
Für jeden, der also auch weiterhin über eBay handeln möchte, ist ein guter Ruf — untermauert durch
möglichst viele gute Bewertungen - überaus wertvoll.
Und erwiesenermaßen erzielen seriöse Verkäufer mit
langjährig guten Bewertungen sogar höhere Preise
Betrug und Erpressung bei eBay 55
und verkaufen höhere Stückzahlen als ihre fragwürdigen Kollegen.
Achtung Erpressung!
Das wirklich Gute für Käufer ist also, dass Verkäufer
in der Regel durch das Bewertungsinstrumentarium
sehr wirksam von Betrug und Missbrauch abgehalten
werden. Leider sind sie aber genau durch ebendiesen
Bewertungsmechanismus auch erpressbar. Beispiels-
weise könnte SteffiBerlin auf Ole1971 zugehen und
ihm mit einer schlechten Bewertung drohen, falls dieser nicht gewillt ist, mit dem Preis herunterzugehen.
Solche Erpressungsversuche kommen vor. Sie sind
natürlich strafbar, und wer dabei erwischt wird, ris-
kiert es, Ärger mit der Staatsanwaltschaft zu bekommen.
Ruhig Blut bei der Bewertung
anderer eBay-Nutzer
Aber auch mit Ihren eigenen Bewertungen anderer
Nutzer sollten Sie vorsichtig sein. Wenn Sie aus Frust
über einen schlechten Kauf zum Beispiel wahrheitswidrig behaupten, »Gunnar93 ist ein Dreckschwein.
56 Betrug und Erpressung bei eBay
Er hat die Ware nicht geliefert und trotzdem kassiert«,
dann riskieren Sie, dass Sie abgemahnt werden. Sie
diirfen in Ihren Bewertungen niemanden beleidigen
und auch nichts behaupten, was nicht stimmt. Tun
Sie es doch, kann der andere zivil- und strafrechtlich
gegen Sie vorgehen.
Checkliste
/ Benutzen Sie vorzugsweise sichere Bezahlverfah-
ren.
/ Lesen Sie die Bewertungen
Ihrer eBay-Vertrags8
y
8
partner — aber vertrauen
Sie den
Bewertungen
nicht blind.
V Schreiben Sie selbst nichts Falsches oder Beleidi-
gendes in Ihre Bewertungen.
Bitte lacheln! — Bildrechte bei eBay
Falle
Wer bei eBay Fotos verwendet, an denen er keine
Rechte besitzt, riskiert eine Abmahnung.
Das Auge kauft mit
Wenn Sie die alte Eisenbahn vom Speicher via Internet verkaufen wollen, setzen Sie das Produkt am bes-
ten gekonnt durch ein Bild in Szene. Denn das Auge
kauft schließlich mit. Ein gutes Foto ist Ihr persönli-
ches Schaufenster und Ihre Eintrittskarte in die Welt
professioneller eBay-Verkäufer.
Nun ist nicht jeder eBay-Verkäufer auch ein begnadeter Fotograf. Manch einer besitzt nicht einmal
eine ordentliche Kamera. Was liegt also näher, als
seine eBay-Auktion mit einem offiziellen Bild von
dem Produkt zu illustrieren, das man sich irgendwo
aus dem Internet zieht? Genauso passiert es tau-
sendfach. Was die »Fotodiebe« nicht beachten: Jedes
58 Bitte lächeln! — Bildrechte bei eBay
Bild, auch wenn es der banalste Laienschnappschuss
ist, genießt Schutz nach dem Urheberrechtsgesetz.
Fremde Fotos darf man nicht einfach kopieren und
selbst nutzen. Wer dies doch tut, riskiert eine Ab-
mahnung
und muss
Wenn
Sie die Fotos
Schadensersatz und Rechts-
anwaltskosten bezahlen. Deshalb sollte man nur
Fotos benutzen, die man entweder selbst gemacht
oder für die man zuvor die Nutzungsrechte vom
Fotografen eingeholt hat.
selbst machen,
müssen
Sie
allerdings auch ein wenig aufpassen. Vor allem sollten
Sie sich beim Fotografieren etwas anziehen, damit es
Ihnen nicht so ergeht wie dem armen Kerl, dessen
eBay-Foto vor einiger Zeit die Runde machte. Er hat-
te ein Kleidungsstück auf dem Fußboden drapiert und
dies abfotografiert. Das Dumme war nur, dass er
selbst beim Fotografieren nackt war und deshalb ein
Teil seines Körpers mit aufs Bild kam. Dreimal dürfen
Sie raten, welches...
Checkliste
/ Benutzen Sie keine fremden Produktfotos — es sei
denn, der Fotograf beziehungsweise der Rechte-
inhaber hat es Ihnen erlaubt.
/ Fotografieren Sie beim Verkauf von Produkten so
professionell wie möglich. Das Auge kauft schließlich mit.
¥ Ziehen Sie sich beim Fotografieren etwas an! ©
Vom Ego-Shooter zum Amokläufer?
Falle
Politiker machen unter anderem Computer-Spiele
für die schrecklichen Taten jugendlicher Amokläufer
verantwortlich. Diese Baller-Spiele sollen bei Kındern aggressivitätssteigernd wirken.
Ich bin in meinem eigenen Film -
und ich bin der Held!
Grünliche Rauchschwaden steigen aus dem Kornfeld
auf. Hinter der Mauer einer halbverfallenen Burg
kauert ein Terrorist auf dem Boden, die Waffe im An-
schlag. Ich höre seinen eiskalten Atem. Er wartet nur
darauf, »mir das Hirn wegzupusten«. Aber ich bin
nicht dumm. Gebückt schleiche ich mich von der an-
deren Seite des Gemäuers an ihn heran. Trotzdem
muss er mich bemerkt haben, denn plötzlich springt
er auf, dreht sich um und zielt mit seiner vollautoma-
tischen Schusswaffe genau zwischen meine Augen -
60 Vom Ego-Shooter zum Amokläufer?
der rote Strahl des Lasers durchkreuzt mein Blickfeld.
Doch diesmal ist mein Zeigefinger schneller. Knatternd feuert mein Maschinengewehr auf den Terroristen. Sein Körper explodiert geradezu, blutrot wie ein
Feuerwerk. Noch einen Augenblick bleibt er stehen,
schaut mich unverwandt an, dann fällt er rittlings über
‚einen Steinvorsprung in eine tiefe Schlucht und bleibt
in einer sich langsam ausbreitenden Blutlache liegen.
Das Gute hat gesiegt. Oder?
So oder so ähnlich laufen sogenannte Ego-Shooter-
Spiele aus der Perspektive des bewaffneten Hauptdarstellers ab. Der Spieler bewegt sich durch eine
dreidimensionale, virtuelle, aber erstaunlich echt wirkende Welt und wechselt die Waffen wie ein Fernseh-
zuschauer die Programme - per Knopfdruck. Mit
einem
zweiten
Knopfdruck
tötet er seine Gegner,
natürlich nur »im Spaß«. Und doch: Trotz Spiel bleibt
ein sehr bitterer Nachgeschmack, wenn man mit einer
Waffe auf real aussehende Menschen schießt.
Wenn sich Ihre Kinder zum Counterstrike-Spielen
mit ihren Schulkameraden verabreden, sollten Sie
wissen, worum es sich da handelt. »Counterstrike« ist
eines der bekanntesten Ego-Shooter-Spiele. Im Inter-
net treffen sich etwa 500000 Spieler!, um gemeinsam
oder auch gegeneinander durch die zahlreichen Welten
von Counterstrike zu navigieren. Neben Counterstrike
sollten Sie auch bei Namen wie »Half-Life«, »Far Cry«
oder »Doom« aufhorchen. Bei dem Spiel »Grand
Theft Auto IV« führt der Spieler veritable Killer-Auf1
Laut Statistiken der Online-Spiele-Platform Steam
Vom Ego-Shooter zum Amokläufer? 61
träge aus und schießt dabei auf Menschen, selbst wenn
diese bereits hilflos und um Gnade flehend am Boden
liegen.? Solche menschenverachtenden Spiele sollten
weder Kinder noch Erwachsene spielen.
Sind alle Computer-Spiele für Kinder und
Heranwachsende gefährlich?
Einige Politiker und Psychologen bejahen diese
Frage. Angefangen hat die ganze Debatte 1999 mit
dem Schulmassaker von Littleton an der Columbine
Highschool. Schlimm genug, dass so etwas in Amerika passiert ist, dachte die Mehrheit der deutschen
Bevölkerung damals. Zu diesem Zeitpunkt rechnete
hierzulande noch kaum jemand damit, dass sich die
nächsten Amokläufe in Deutschland abspielen würden. Nur drei Jahre später folgte der Amoklauf am
Gutenberg-Gymnasium in Erfurt, 2006 der in Ems-
detten und schließlich im März 2009 ein weiterer in
Winnenden. Alle Amokläufer waren begeisterte
Ego-Shooter-Spieler.
Ihnen
wird
nachgesagt,
sie
hätten sich von den Spielen »inspirieren lassen«, ja
diese sogar dazu genutzt, um den Amoklauf vorzubereiten.
2
Vgl. »Aggressive Spiele müssen verschwinden« in FAZ.NET vom 13.03.
2009
|
62 Vom Ego-Shooter zum Amokläufer?
Hat mein Kind das Potential zu so einer Tat?
Wenn Sie sich nun fragen, ob Ihr Kind ebenfalls zu so
einer Tat fähig sein könnte, nur weil es gern Ego-Shooter spielt, würden Jugendpsychologen Sie beruhigen.
Allein aus diesem Grund stellt noch niemand eine
Gefahr für die Gesellschaft oder die nächstgelegene
Schule dar. Trotzdem sollten sich Eltern mit dem be-
schäftigen, was ihre Kleinen am Computer spielen. Sie
müssen Ihre Kinder darüber aufklären, dass es einen
Unterschied zwischen einem Computerspiel und der
Realität gibt. Außerdem sollten Sie sich die Verpackung eines Spiels anschauen und prüfen, ob Ihr
Kind dafür bereits alt genug ist - und zwar bevor es ein
Spiel kauft oder spielt.
Sollten Sie ein wachsendes Agressionspotential bei
Ihrem Kind feststellen, unterstützen Sie es dabei, Ven-
tile zu finden, seine Aggressionen nicht auf-, sondern
abzubauen. Sport hilft hier besser als alles andere. Ab-
gesehen davon können Ihre Kinder im Sportverein
nicht nur Zeit mit animierten Menschen verbringen,
sondern echte Freunde aus Fleisch und Blut finden.
Was bringt die Selbstkontrolle?
Als Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse und die
hitzig und manchmal
auf beiden Seiten sehr pole-
Vom Ego-Shooter zum Amokliufer? 63
misch geführten Debatten hat sich die Spiele-Branche eine freiwillige Selbstkontrolle auferlegt, ähnlich
jenen, die bereits aus der Filmbranche bekannt sind.
Sie wurde unter dem Namen USK? (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) eingeführt. Man kann da-
rüber streiten, ob sich die Branche wirklich selbst
kontrollieren will und kann, schließlich will sie vor
allem Geld verdienen. Aber es ist zumindest eine erste
Reaktion und somit besser als gar nichts.
Machen Baller-Spiele körperlich krank?
In einem konkreten Fall hat der kleine Bruder eines
guten Freundes - nennen wir ihn Michael - im
wahrsten Sinne des Wortes »bis zum Erbrechen«
Ego-Shooter gespielt. In der Tat ist ihm der konzen-
trierte Blick auf den Bildschirm und die dreidimensionale Perspektive auf den Magen geschlagen. Kurze
Zeit später bekam Michael Besuch von seinem älteren
Bruder Torsten. Torsten war dafür bekannt, andere
Leute inklusive Michael zu nerven und zu ärgern. Auf
die Frage, ob er neue Spiele habe, lieh Michael seinem
Bruder schadenfroh das neu erworbene Spiel. Ziemlich genau 60 Minuten später öffnete auch Torsten
die Tür zur Toilette mit grünlich angelaufenem Gesicht — warum, können Sie sich denken.
Solche Phänomene sind nichts Neues: Viele Men-
3
Die USK informiert auf ihrer Webseite www.usk.de.
64 Vom Ego-Shooter zum Amokläufer?
schen haben Probleme damit, als Beifahrer bei einer
Autofahrt zu lesen. Im Fall von Computerspielen
nennt man diese Art der Übelkeit »Gaming Sickness«*. Laut Experten entsteht sie - ähnlich wie bei
der Seekrankheit — dadurch, dass die Augen eine Bewegung wahrnehmen, der Gleichgewichtssinn aber
nicht. Dadurch geraten die verschiedenen Sinne in
Konflikt. Die Auswirkungen können Übelkeit,
Schwindelgefühl oder auch Kopfschmerz sein. BallerSpiele sind so gesehen im wahrsten Sinne des Wortes
»zum Kotzen«. Hartgesottene Ego-Shooter-Spieler
kennen freilich kein Pardon - im Zweifelsfall steht
der Eimer direkt neben der Tastatur.
Checkliste
V_ Informieren Sie sich über die Spiele, die Ihr Kind
spielen möchte, und über die Auswirkungen.
V Begrenzen Sie die Spiel-Zeit — auch wenn Sie
selbst als Erwachsener spielen -, und kontrollieren Sie sich selbst oder Ihr Kind.
4
Ein Beitrag der TU Berlin informiert über »Gaming
http://user.cs.tu-berlin.de/-edda/gamingsickness.html.
Sickness«
unter
Erwischt, beschimpft, verlassen:
Wenn Facebook die Beziehung killt
Falle:
Wer nicht weiß, wie man sich unter der Rubrik
»Privatsphäre« schützt, verrät in Netzwerken wie
Facebook, StudiVZ oder Wer-kennt-wen definitiv
zu viel über sich.
Wie Sie Ihre Freundin in nur wenigen Minuten
loswerden
Ein Freund von uns, nennen wir ıhn Sven, hatte
sich bei Facebook angemeldet. Danach hatte er auf
der Facebook-Seite nach Bekannten gesucht, die
dort schon ein Profil angelegt hatten, um sie an-
schließend zu seinen »Facebook-Freunden« hinzu-
zufügen. Als Nächstes entschied Sven sich für eine
Facebook-Anwendung, mit der man recht offensichtlich flirten konnte. Schnell freundete er sich mit
leicht bekleideten Mädels namens Roxanne, Judy
66 Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
und Gina an, die er tiber das Flirtprogramm kennengelernt hatte.
Was Sven nicht wusste: Seine Freundin Nathalie,
die bereits ebenfalls zu seinen Facebook-Freundinnen gehörte, wurde über so ziemlich alles informiert,
was Sven da auf Facebook trieb. Und nicht nur
Nathalie! Denn weil Sven dies nicht per Einstellung
verhindert
hatte, wurden
auch
all seine
anderen
Freunde unter anderem über Folgendes in der Rubrik
»Neuigkeiten« in Kenntnis gesetzt: Erstens: Sven hat
das Programm »So flirte ich richtig« gewählt. Zweitens: Sven hat Roxanne als neue Freundin hinzuge-
fügt. Drittens: Sven hat Judy als neue Freundin
hinzugefügt.
Ein paar Minuten später konnte dann der gesamte
Freundeskreis von Sven und Nathalie unter »Neuigkeiten« folgendes lesen: Erstens: Nathalie schreibt,
»Sven ist ein A...« Und zweitens: Nathalie hat ihren
Beziehungsstatus von »In einer Beziehung« auf
»Single« geändert. Außerdem hatte Nathalie ihrem
Ärger Luft gemacht und auf die Pinnwand von Svens
Profilseite geschrieben, was sie von ihm hielt. Diese
Info erhielten wiederum alle Freunde von Sven!
Es gibt noch viel mehr Katastrophen, die Sven auf
Facebook
hätten
passieren
können.
Sogenannte
»Freunde« reagieren vielleicht in angetrunkenem
Zustand mit hochpeinlichen Nachrichten: »Du geiler
alter Bock, wie Du die Alte gestern wieder rumge-
kriegt hast — Respekt!« Vielleicht hat auch noch
irgendjemand ein Foto von Sven und der »Alten«
gemacht, dieses auf sein eigenes Profil gestellt und es
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
67: :
mit einer speziellen Funktion bearbeitet: Facebook
ermöglicht es nämlich, die Personen auf den Fotos mit
ihren Namen zu markieren. Dieses Foto erscheint
dann auch auf Svens Profil und kann dort betrachtet
werden.
Statt »Verliebt, verlobt, verheiratet« lautet also das
Fazit in Svens Fall »Erwischt, beschimpft, verlassen«.
Und zwar vor den Augen aller Freunde und Bekann-
ten. Herzlich willkommen
Welt des Internets!
in der schönen,
,
neuen
Zu Ihrer Beruhigung: Natürlich können Sie die
Weitergabe solcher oder anderer Privatinformationen steuern. Aber bis Sie ein Facebook-Experte sind
und wissen, wie man jede potentielle Peinlichkeit
umgeht, kann schon so einiges passiert sein. Also
seien Sie besser vorsichtig beim Umgang mit Informationen!
|
Bei den Einstellungen auf »Privatsphäre« können
Sie wählen, was Facebook »weitererzählen« darf und
was nicht. Damit, wie im Fall von Sven, keine
Informationen über neue Freunde an Dritte weiterge-
geben werden, müssen Sie zum Beispiel in den Rubri-
ken »Privatsphäre«, »Neuigkeiten« und »Pinnwand«
das Häkchen bei der Option »Eine/n Freund/in
hinzufügen« entfernen. Am besten, Sie schauen sich
erst mal alle Privatsphäre-Einstellungen in Ruhe an
und entscheiden dann, welche Informationen an Ihre
Freunde weitergegeben werden dürfen und welche
besser nicht.
|
68
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
Leute gucken macht Spaß — bei Facebook machen
es 500 Millionen!
Auf Deutsch übersetzt heißt Facebook »Gesichts-
buch«. Ein Buch voller Gesichter gab es in Amerika
schon immer, nämlich für jedes Abschlussjahr an
High Schools und Universitäten. Jeder Schüler und
Student konnte sich dort von seiner besten Seite
zeigen, meistens mit einem Foto und einer kurzen
Beschreibung. Vom verhassten Einser-Streber bis
zum Klassenclown stand jeder in dem Buch, das
auch später dabei half, so manchen Klassenkameraden
wiederzufinden.
Diese
Idee
griff 2004
ein
amerikanischer Student namens Marc Zuckerberg
auf und entwickelte eine Webseite, auf der sich
Studenten mit Bild und persönlichen Infos präsen-
tieren und sich darüber hinaus gegenseitig in ein
virtuelles Gästebuch schreiben und E-Mails austauschen konnten. Die Idee zu www.facebook.com
war geboren! Der Gründer war mit Anfang zwanzig
Milliardär.
Diese Idee war so bahnbrechend, dass schnell wei-
tere Universitäten auf den Zug aufsprangen. Auf die
Unis wiederum folgten Schulen und schließlich auch
andere Interessengruppen. Innerhalb von zwei Jahren
wuchs Facebook über die Grenzen von Amerika hinaus und ist heute mit mehreren hundert Millionen
Mitgliedern das größte soziale Netzwerk der Welt.
Allein der Stromverbrauch kostet das Unternehmen
ein paar Millionen Dollar - im Monat! (Nur damit
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ... 69
Sie mal ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Com-
puter Facebook braucht, um die Plattform am Laufen
zu halten.)
Warum sind alle bei Facebook & Co.?
Und warum sollte ich das machen?
Diese Frage brennt Ihnen nun vielleicht unter den
Nägeln. Was um alles in der Welt ist denn so toll daran, sein Gesicht und seine Neuigkeiten auf Facebook
bestaunen zu lassen?
Hierfür gibt es viele Gründe. Zum einen geht es
schlichtweg. darum, zu sehen und vor allem gesehen
zu werden. Zum anderen ist es einfacher, über Face-
book mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu
bleiben. Sie können auch alte Schulfreunde wiederfinden und werden von anderen gefunden. Gut, einige möchten Sie gar nicht unbedingt wiedersehen.
Aber es liegt ja in Ihrer Hand, auf welchen Kontakt
Sie sich einlassen. Jeder, der auf Facebook »gut
Freund« mit Ihnen sein möchte, fragt erst einmal an.
Sie können daraufhin die Freundschaft bestätigen —
oder eben auch nicht.
Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum
viele dabei sind bei diesem Massenklassentreffen: Der
soziale Druck, dabei sein zu müssen, steigt, je mehr
Bekannte sich auf Facebook anmelden. Wenn der
gesamte Freundeskreis und noch dazu ein Teil der
70 Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
Familie bei Facebook vertreten ist — wer will da noch
außen vor sein?
Eintritt fret
Die Anmeldung bei Facebook ist einfach: Besuchen
Sie die Webseite www.facebook.de, füllen Sie die Felder mit Namen, E-Mail, Passwort, Geschlecht und
Geburtstag aus, und klicken Sie anschließend auf die
Schaltfläche »Registrieren«. Sie erhalten eine E-Mail
mit weiteren Anweisungen und können mit einem
weiteren Mausklick Ihren Zugang zu Facebook
freischalten. Und schon sind Sie Mitglied!
Besser langsam und vorsichtig herantasten
Aber Achtung: Bevor Sie sich durch den Dschungel
von Bildern, Videos und Programmen kämpfen, besu-
chen Sie erst einmal Ihre Privatsphäre-Einstellungen.
Hier können Sie wie auf einem großen Mischpult
eines DJs ein paar Regler schieben und einstellen,
welche Informationen über Sie weitergegeben werden
sollen und welche
nicht. Damit
nicht auch Ihre
Freunde ganz schnell viel mehr von Ihnen wissen, als
Ihnen lieb ist.
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
71
Sie können auch die Einblendung von Werbung
einstellen. Ausblenden können Sie sie nicht, schließ-
lich muss Facebook irgendwie Geld verdienen. Aber
Sie können einstellen, ob Sie selbst als Empfehlender
einer Werbung bei Ihren Freunden auftauchen möchten oder nicht. Denn nehmen wir Folgendes an: Ein
Hersteller von Sexspielzeug schaltet eine Werbung für
sein neuestes salatgurkenförmiges batteriebetriebenes
Vibrationsgerät. Und da Sie Mitglied in einer Gruppe
namens »Elektrische Geräte im Haushalt für Singles«
sind, erscheinen Sie persönlich als derjenige neben der
Anzeige, der dieses Spielzeug empfiehlt. Das sieht
dann etwa so aus:
Dein Freund Ralf empfiehlt:
der beste Vibrator der Welt!
Lieber nicht, oder? Um das zu verhindern, wählen Sie
in der Einstellung »Privatsphäre« die Rubrik »Umfeld
orientierte Werbung« und klicken Sie hier einfach die
Kategorie »Niemand« an. Dann kann Ihnen so etwas
nicht passieren.
Facebook bietet tolle Möglichkeiten —
und anderen Menschen Zugriff auf Ihre Daten!
Die Flirt-Anwendung ist nur eine von vielen, die Sie
bei Facebook nutzen können. Es gibt Spiele, Kalen-
72 Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
der, Quizfragen und vieles mehr. Jeden Tag kommen
neue Anwendungen hinzu — 500000 davon gibt es
bereits.
Logischerweise konnte Facebook nicht alleine eine
so große Zahl von Anwendungen entwickeln. Dafür
sind zum Teil auch andere Unternehmen verantwortlich.
Das hat nicht nur positive Folgen: Denn wenn Sie
eine Anwendung nutzen, erklären Sie sich damit ein-
verstanden, dass Facebook viele Ihrer persönlichen
Daten an die Hersteller seiner Programme weitergibt.
Diese erhalten dann zum Beispiel Ihren Namen,
Ihre E-Mail-Adresse, vielleicht auch Ihr Geburts-
datum und überhaupt alle Informationen, die für die
Anwendung benötigt werden. Leider gibt es auch hier
ein paar schwarze Schafe, die Ihre Daten illegal weiterverkaufen oder — schlimmer noch — Ihre Passwörter
für Facebook ausspionieren. Seien Sie deshalb mit der
Auswahl von Anwendungen vorsichtig und schauen
Sie sich erst einmal an, von wem eine Anwendung
stammt - vielleicht hat ein Freund von Ihnen bereits
Erfahrung damit gesammelt.
Die wichtigsten Anwendungen hat Facebook jedoch selbst entwickelt. Eine davon heißt »Gruppen«.
Vom
Kaninchenzüchterverein
über
die
Gruppe
»Elektrische Geräte im Haushalt für Singles« (s. o.)
bis hin zu McDonalds-Fans finden sich schnell
Gleichgesinnte und tauschen sich über die neuesten
Karnickel-Haarbürsten, »Zauberstäbe« oder den Fett-
gehalt
eines
Burgers
aus. Mit
der Anwendung
»Fotos« können Sie eigene Bilder und ganze Foto-
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
73
Alben auf die Plattform laden und Ihren Freunden
zeigen.
Die Gewissensfrage: Was würden Sıe über sıch ın
der Zeitung lesen wollen ?
Nachdem Sie Ihre »Privatsphäre« eingestellt haben,
sollten Sie Ihr »Profil« ausfüllen. Das »Profil« ist Ihre
persönliche Webseite bei Facebook. Dazu gehören
neben einem Foto auch ein paar Informationen über
Ihre Person, die von anderen Facebook-Mitgliedern
gesehen werden dürfen. Übertreiben Sie nicht mit
Details, und geben Sie nur die Infos über sich heraus,
die wirklich jeder erfahren sollte.
Bedenken Sie für den Job-Alltag, dass viele Personalverantwortliche sich vor einem Einstellungsgespräch gerne im Internet über den potentiellen
neuen Arbeitnehmer schlau machen. Falls man Sie
dort als exzessiven Kampftrinker antrifft, der sich für
Gruppen interessiert wie »Malle Saufexzess« und
»Alles ist relativ — nur Wodka ist absolut«, könnte dies
Auswirkungen auf Ihr zukünftiges Arbeitsverhältnis
haben. Ein Jungpolitiker stolperte darüber, dass er in
einem anderen Netzwerk Mitglied der Gruppe »Nach
Frankreich fahr ich nur auf Ketten« war...
Denken Sie auch in diesem Zusammenhang noch
mal darüber nach, welche Fotos und Interessen Sie
von sich wirklich ins Netz stellen wollen. Alle ver-
74
Erwischt, beschimpft, verlassen: Wenn Facebook ...
fängliche Situationen, die Ihnen selber witzig erscheinen, können von anderen Betrachtern durchaus miss-
billigend zur Kenntnis genommen werden.
Checkliste
v Stellen Sie die Privatsphäre-Einstellungen bei
Facebook nach Ihren Wünschen ein.
V Schreiben Sie in Ihr Profil nur die Informationen,
die jeder sehen darf.
V Denken Sie bei Bildern mit »sensiblen Motiven«
an ein zukünftiges Einstellungsgespräch.
/ Bevor Sie eine neue Anwendung
nutzen, über-
prüfen Sie erst den Hersteller - und verzichten
Sie im Zweifelsfall lieber darauf.
Wandern Filesharer in den Knast?
Falle
Wer im Internet Musik oder Filme tauscht, läuft
Gefahr, viel Geld bezahlen oder sogar ins Gefängnıs wandern zu müssen.
Filesharing —
der größte Trödelmarkt der Welt
Filesharing — schon mal gehört, aber was das genau
ist, wissen Sie nicht?
Stellen Sie sich vor, Sie besuchen einen Trédel-
markt. Hunderte von Anbietern haben auf Tischen
eine riesige Auswahl
an Filmen, Musik-CDs
und
Computerprogrammen ausgebreitet. Jetzt kommen
Sie ins Spiel: Sie stellen auch einen Tisch auf. Als
Nächstes suchen Sie sich bei anderen alle Filme und
Musik-CDs aus, die Sie schon immer haben wollten.
Diese
kopieren
schließend
Sie einfach und legen
auf Ihren Tisch. Andere
Sie an-
Besucher des
76
Wandern Filesharer in den Knast?
Marktes
dürfen
nun
ihrerseits
alle Filme
und
Musikstücke, die sie haben möchten, von Ihrem Tisch
kopieren.
Dieses beschriebene Schlaraffenland existiert wirklich, nur viel größer und ausgeklügelter: in Form von
Kopierbörsen im Internet. Hier tauschen die Nutzer
untereinander Dateien (englisch »files«), indem sie
ihre Computer verbinden und einen Teil ihrer Festplatten zur Verfügung stellen, auf denen sie Filme,
Computersoftware und Musik zum
Kopieren an-
bieten. Dafür dürfen sie sich wiederum etwas von
den anderen Computer-Festplatten herunterkopieren. All dies funktioniert mit speziellen Computerprogrammen.
Begonnen hat die Filesharing-Szene Ende der
- 1990er Jahre auf der Plattform Napster, auf der man
Musik, Filme und Software zum Download zur Ver-
fügung stellte. Doch was den Nutzern gefiel, gefiel
der Musik- und Filmindustrie noch lange nicht.
Einige Bands verklagten Napster, woraufhin die
zentrale Tauschbörse einfach durch dezentrale Angebote ersetzt wurde: Jeder Computer eines Internetnutzers kann nun im Prinzip als kleine Zentrale
genutzt werden. Dazu offerieren Filesharing-Anbie-
ter Software, die auf den heimischen PC gespielt
wird — und schon kann der fröhliche Datentausch
beginnen. Die bekanntesten Filesharing-Angebote
heute heißen PirateBay, BitTorrent, eMule, Kazaa
und Gnutella.
Wandern Filesharer in den Knast?
77
Das Ende des Trödelmarktes — oder: Warum die
Musikindustrie auf der Jagd nach Filesharern ist
Spinnen wir das Trédelmarktbeispiel einmal fort: Warum sollte sich jemand noch eine neue CD kaufen,
wenn CDs auch ganz einfach kostenlos über Kopierbörsen im Internet zu haben sind? Die Kehrseite der
Medaille: Sobald niemand mehr bereit ist, eine CD
oder einen Film zu kaufen, wird die Musik-
oder
Filmindustrie nichts mehr verdienen und keine neuen
CDs oder Filme mehr herausbringen. Ergo wird sich
keiner mehr einen Stand auf einem Trödelmarkt leisten können.
Dann
verdient
niemand
mehr
etwas,
weder die großen Haie noch die kleinen Fische. Der
Markt wäre ausgeblutet.
|
Freilich: Das gilt in erster Linie für das alte System
mit Bands, Fans und der Musikindustrie dazwischen.
Die neuen Märkte, auf denen sich Bands und Fans
direkt, sprich, ohne Plattenfirmen, auf Plattformen
wie MySpace begegnen, entwickeln erst langsam tragfähige Geschäftsmodelle. Es ist nicht auszuschließen,
dass darin die Zukunft liegt.
Mal eben den neuesten Kinofilm »runtersaugen«?
Vorsicht!
Natürlich sind diese Formen der Kopierbörsen illegal.
Und jeder, der hier urheberrechtlich geschützte Musik,
_
78
Wandern Filesharer in den Knast?
Filme oder Biicher anbietet, geht ein hohes Risiko ein.
Die Rechteinhaber gehen inzwischen rigoros gegen
Filesharer vor. Sie verschicken über Rechtsanwälte
Abmahnungen, verlangen zum Teil sehr hohe Schadensersatzsummen und erstatten Strafanzeige. Wer
eine solche Abmahnung erhält, ist gut beraten, einen
auf Medienrecht spezialisierten Rechtsanwalt aufzu-
suchen.
Robbie Williams virenverseucht!
Ein weiterer Nachteil von Filesharing liegt darin, dass
Sie sich beim »Runtersaugen« von Dateien ganz
schnell einen Virus oder andere schädliche Software
auf Ihren Rechner ziehen können. Spieleanbieter beispielsweise versuchen, zu verhindern, dass ihre Spiele
kostenlos über Tauschbörsen verteilt werden. Deshalb
entwickeln sie Programme, die erstens den Namen
ihrer Spiele beibehalten und zweitens einen Virus |
enthalten. Sobald Sie so ein Programm illegal starten,
nistet sich dieser auf Ihrem Computer ein.
Neben
Spieleherstellern haben auch Kriminelle
ein Interesse daran, Ihre Daten zu klauen. Diese geben etwa einem Trojaner den Namen einer neuen
Robbie-Williams-CD und laden damit Filesharer
ein, die CD herunterzuladen. Auf diese Weise ver-
breiten viele zwielichtige Gestalten über Tauschbörsen virenverseuchte Dateien und verschaffen sich
Wandern Filesharer in den Knast?
79
so schrittweise Zugang zu Tausenden von Computern — ein weiterer Grund, die Finger vom Filesharing
zu lassen.
|
Es geht auch ehrlich — sogar besser!
Illegale Tauschbörsen sind nach wie vor verboten.
Aber es gibt im Internet immer mehr Alternativen,
bei denen Sie entweder sehr günstig oder sogar kostenlos Musik genießen dürfen. Die früher einmal
illegale Plattform Napster bietet — wie mittlerweile
einige andere auch — heute eine legale Musikflatrate
an. Sie zahlen monatlich einen Festbetrag und kön-
nen dafür so viel Musik herunterladen, wie Sie nur
möchten. Andere Webseiten bieten das direkte Anhören von Musik auf ihrer Plattform an. Dafür erklären Sie sich
meist damit einverstanden, neben der
Musik auch Werbung zuzulassen. Informieren Sie
sich über aktuelle legale Anbieter von Musik und
Videos. Viele sind gar nicht so teuer und daher echte
Alternativen!
Checkliste
/ Überprüfen Sie, ob Sie es mit einer legalen Filesharing-Plattform zu tun haben; lassen Sie die
Finger von illegalen Plattformen.
80
Wandern Filesharer in den Knast?
V Laden Sie nur Programme herunter und vor
allem hoch, bei denen Sie nicht gegen das Urheberrecht verstoßen.
/ Bevor Sie heruntergeladene Programme installieren, überprüfen Sie diese mit einem Antivirusprogramm.
V Falls Sie ein W-LAN besitzen, sichern Sie dieses
mit einer Verschlüsselung ab (Vgl. dazu das
Kapitel Nachbar surft mit).
Sechs Richtige macht null Euro —
Gliicksspiel im Internet
Falle
Wenn Sie im Internet Lotto spielen, haben Ste damit keinerlei Anspruch auf Ihren Gewinn,
selbst
wenn Sie sechs Richtige haben. Gleiches gılt für
Wetten und Online-Casinos.
Kurzzeit-Mulhonar ist besser als gar kein
Mulonär?
Kommt
darauf an! Manfred aus Dortmund zählte
Ende 2005 zu den großen Gewinnern eines LottoJackpots. Knapp drei Millionen durfte der Glücksbote
an den Dortmunder auszahlen. Die ersten Anschaf-
fungen standen bereits fest: ein schneller roter Flitzer
aus italienischen Gefilden, eine Luxuskreuzfahrt und
ein neues Haus. Nach kurzer Zeit hatte Manfred auch
einen sehr großen Freundeskreis, dem gegenüber er
sich jederzeit spendabel zeigte. Und da Geldausgeben
82 Sechs Richtige macht null Euro — Glücksspiel im Internet
viel Zeit kostet, kündigte Manfred sein Arbeitsverhältnis, nachdem er seinem Chef kräftig die Meinung
über dessen Führungsstil gegeigt hatte.
Leider hatte Manfred sein Geld bereits nach nicht
ganz zwei Jahren aufgebraucht. Das Einzige, was ihm
blieb, waren die laufenden monatlichen Kosten eines
Millionärs.
Von solchen Unglücksraben hört und liest man in
den Medien immer wieder. Erst sechs Richtige im
Lotto, und zwei Jahre später sind sie pleite, weil sie
mit ihrem Geld nicht richtig umgehen, die gewon-
nene Summe nicht richtig einschätzen konnten.
Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie haben sechs
Richtige und bekommen von der Lottogesellschaft
trotzdem nicht einen Cent. Ist das nicht noch schlimmer? So etwas gibt es nicht, meinen Sie? Und ob! Ge-
nau das kann Ihnen passieren, wenn Sie im Internet
Lotto spielen. Bis vor Kurzem war das noch legal und
sehr einfach. Man konnte den virtuellen Lottoschein
ausfüllen und sich ganz bequem per E-Mail oder
SMS über seinen Gewinn informieren lassen. Sogar
zusätzliche Voreinstellungen waren möglich, zum
Beispiel eine, die gewährleistete, dass man nur ab
einem besonders hohen Jackpot mitspielte.
Inzwischen hat der Gesetzgeber hier einen Riegel
vorgeschoben. Es existieren zwar nach wie vor Webseiten, die Lotto im Netz anbieten, aber diese haben
in Deutschland keine rechtliche Grundlage mehr. Das
heißt, selbst wenn Sie hier gewinnen sollten, gehen
Sie leer aus. Allein der Internet- Anbieter macht den
Reibach - und zwar mit Ihrem Einsatz.
Sechs Richtige macht null Euro — Glücksspiel im Internet 83
Rien ne va plus — Nichts geht mehr!
Schwarz, rot, schwarz, rot, schwarz, rot — die kleine
Kugel wird immer langsamer und holpert über die
letzten Zahlen des Roulette-Kessels, landet noch einmal auf einem schwarzen Feld, auf einem roten und
bleibt schließlich auf der schwarzen 15 liegen. Pech
gehabt! Ihr gesamter Einsatz lag auf der roten 21. Der
routinierte Croupier nimmt Ihre Jetons mit seinem
Schieber an sich und bittet um neue Einsätze. Die
übrigen Spieler - und Sie vielleicht auch - setzen ihre
Jetons auf die bevorzugten Farben oder sogar Zahlen,
und erneut ertönt die Stimme des Croupiers: »Rien ne
va plus — Nichts geht mehr!«
Im Grunde bringt dieser Satz das Problem ım Bezug aufs Internet auf den Punkt: Denn hier geht wirk-
lich nichts mehr in Sachen Glücksspiel — und das hat
seine. Gründe. Hauptargument: der Schutz des Bürgers. Denn eine Kontrolle der Mitspieler und des
Anbieters ist durch die Anonymität des Internets nur
schwer möglich. Wie also kann man die Spieler an-
ders schützen, als dass unser Staat ein Glücksspielverbot für das gesamte Internet ausspricht? Seit Januar
2009 sind Sportwetten, Poker und Lotto deshalb im
deutschen Internet verboten.?
Mal abgesehen davon, dass Glücksspiele im Internet also ohnehin verboten sind, gibt es in diesem
5
Vgl. Pressemitteilung der Bezirksregierung NRW unter www.bra.nrw.de/
BezRegDdorf/hierarchie/pressemittetlungen/newsarchiv/2009/02Februar/
019_2009.php.
84 Sechs Richtige macht null Euro — Glücksspiel im Internet
zwielichtigen Bereich jede Menge schwarze Schafe.
Kommen
Sie deshalb bitte nicht auf die Idee, auf
solchen Seiten Ihre persönlichen Daten, geschweige
denn Bankverbindungen oder Kreditkartenverbindungen anzugeben.
Texas Holdem und andere Kartentricks!
Ist meın Gegner ein Mensch oder ein Computerprogramm 4
Auch Pokern gehört zu den Beschäftigungen, die definitiv unter die Glücksspiele
fallen. Durch
Poker-
Millionäre, die uns aus den Medien bekannt sind, und
Prominente wie Stefan Raab, die ebenfalls regelmäßig
im Fernsehen Poker-Runden veranstalten, hat das Spiel
in Deutschland viele neue Fans gefunden. Im Internet
bieten zahlreiche Anbieter einen virtuellen Poker-Tisch
an, bei dem man gegen andere Spieler antreten kann.
Eine wesentliche Komponente, die den Reiz des
Pokerspiels ausmacht, ist der Versuch, den Gegner
einzuschätzen. Spieler üben sich darin, in der Mimik
ihrer Gegenüber »zu lesen«. Nur das sogenannte
Pokerface lässt sich nichts anmerken, selbst wenn es
um hohe Einsätze geht. Bei Profi-Pokerrunden sieht
man deshalb manche Spieler mit einer Sonnenbrille
am Tisch sitzen, um ihre entlarvenden Blicke vor den
Gegnern zu verbergen.
|
Im Internet können Sie Ihre Mitspieler nicht sehen.
Hier können Sie auch gegen Computerprogramme
Sechs Richtige macht null Euro — Glücksspiel im Internet 85
spielen wie etwa gegen einen Schach-Computer. Allerdings handelt es sich bei Schach nicht um ein Glücksspiel. Bei Poker schon. Wenn Sie also die Karten von
dem gleichen Programm zugeteilt bekommen wie Ihr
Gegner, lässt das eine Menge Betrugsmöglichkeiten zu.
Wir möchten natürlich keinem Anbieter unterstellen,
dass er solche Betrugsmöglichkeiten nutzt. Wir möch-
ten Sie als unseren Leser nur darauf hinweisen, dass so
etwas grundsätzlich möglich ist. Allein schon deshalb,
weil so ein Computerprogramm auch immer weiß, was
Sie gerade für Karten auf der Hand haben.
Checkliste
V Nehmen Sie nicht an Glücksspielen im Internet
teil.
Warum Google Ihre E-Mails liest
Falle
Der Dienst Google Mail scannt den Inhalt Ihrer
E-Mails. Zum Beispiel, um passende Werbung zu
schalten.
Google Mail — Aprilscherz oder schlimmer?
Als großer Fan der Leistungen von Google hat sich
ein Bekannter von uns frühzeitig eine kostenlose
E-Mail-Adresse bei Google besorgt. Kurze Zeit später
machte seine Freundin Schluss — was nichts mit
Google zu tun hatte. Doch seit dieser Zeit bemerkte
unser Bekannter, dass er sehr viel Werbung von FlırtCommunitys bekam. Jedes Mal, wenn er eine E-Mail
schrieb oder las, in der er sich über seine Einsamkeit
ausließ, boten ihm auf der nebenstehenden GoogleWerbefläche diverse Seitensprung-Agenturen und
Partnerbörsen an, ihm aus seiner Misere zu helfen. Die
dafür nötigen Informationen hatte Google einfach aus
dem Inhalt seiner E-Mails gescannt.
Warum Google Ihre E-Mails liest 87
Aber zuriick zu den Anfangen: Was versteckt sich
hinter Google Mail?
Am 1. April 2004 stellte Google seinen E-MailDienst Google Mail vor. Bis dahin boten sogenannte
Webmail-Anbieter wie web.de und gmx kostenlos
zwei bis 20 Megabyte Speicherplatz fiir E-Mails an.
Damit konnte man je nach Größe der E-Mail im-
merhin bis zu 1000 Nachrichten in seinem InternetPostfach speichern. Dann stieg Google Mail, damals
unter dem Namen
GMail, ins Rennen ein und bot
kostenlos einen GigaByte, also 1000 Megabyte freien
Speicherplatz an. Da Google schon fiir Aprilscherze
bekannt war, nahmen die meisten Internetnutzer dem
Unternehmen diese Aussage erst mal nicht ab. Doch
Google machte Ernst und hat den Speicherplatz bis
heute sogar immer wieder erweitert. Sehr eindrucksvoll ist auch der Google-Spamfilter, der Ihnen nervende Werbung sowie Phishing-Versuche und Viren
vom Hals halt. Dieser Spamfilter arbeitet im Gegen-
satz zu vielen anderen Webmail-Anbietern sehr tiber-
zeugend. (Mehr Infos zu Spam-Mails im Kapitel
Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens).
—
Ja, Google Mail ist wirklich gar nicht schlecht. Bis
auf die fragwürdige Tatsache, dass dieser Dienst eben
die Post anderer Leute durchleuchtet, um die passen-
de Werbung zu schalten. Die wenigsten Nutzer sind
darüber aufgeklärt, obwohl sie dieser Methode zustimmen, sobald sie die Nutzungsbedingungen akzeptiert haben. Auch kann man bei Google nachlesen,
wie das Ganze funktioniert: »Anzeigen an der Seite
von Google-Mail-Nachrichten sind den Anzeigen
88 Warum Google Ihre E-Mails liest
ähnlich, die neben Google-Suchergebnissen und auf
Content-Seiten überall im Web zu sehen sind. Unser
Ziel ist es, für Google-Mail-Nutzer Anzeigen zu
schalten, die hilfreich und auf deren Interessen abgestimmt sind.«®
Das ist ja wirklich nett, werden Sie jetzt denken —
und was heißt das ganz genau? Sitzen da wirklich
Google-Mitarbeiter in Büros, die nichts Besseres zu
tun haben, als meine Mails zu lesen?
Nach Google ist das »Targeting von Anzeigen in
Google Mail... vollständig automatisiert. Keine Personen lesen Ihre E-Mails, um Werbung oder verknüpfte Informationen darauf auszurichten. Diese
Art des automatisierten Scannens ist eine Methode,
die viele E-Mail-Dienste nutzen (nicht nur Google
Mail), um Funktionen wie Spam-Filter und Rechtschreibprüfung anzubieten. Anzeigen werden nach
ihrer Relevanz ausgewählt und von den GoogleComputern mit Hilfe derselben kontextbasierten
Werbetechnologie geschaltet, die auch das AdSenseProgramm von Google verwendet.«’
Der Werbung können Sie entgehen, indem Sie die
E-Mails in einem E-Mail-Programm wie Outlook
lesen. Gleichwohl bleibt ein schlechter Beigeschmack,
weil Google mehr über Sie erfährt, als Ihnen eventuell
lieb ist. Denn ganz abgesehen von einem Eingriff in
die Privatsphäre oder auch in das Briefgeheimnis wird
das Unternehmen damit immer mächtiger. Was an6
7
Eintrag zu Werbung bei Google Mail im Artikel »Ads in Google Mail« unter:
http://mail.google.com/support/bin/answer. py?answer=6603.
Ebd
Warum Google Ihre E-Mails liest 89
dere E-Mail-Anbieter mit Ihren Mails anstellen, weiß
allerdings auch niemand so genau. Immerhin ist
Google so fair, offen mit dem Thema umzugehen.
Wir sind der Meinung, dass eine zu starke Abhän-
gigkeit von einem so großen Konzern vermieden werden sollte. Daher raten wir dazu, zumindest ein zweites
Programm wie Outlook zu nutzen, um dort zusätzlich
die Daten Ihrer privaten und geschäftlichen Kontakte
sowie Ihre E-Mails zu speichern. Denn stellen Sie sich
vor, Google würde sich irgendwann dafür entscheiden, den Google Mail Dienst für Deutschland wieder
abzuschalten. Dies wurde Mitte 2007 von Google angedroht, da sie sich nicht mit dem Gesetz zur Internetüberwachung von Deutschland anfreunden konnten.® Soweit Sie die Daten zusätzlich anderweitig
gespeichert haben, würde Ihnen das kein Problem
bereiten. Andernfalls haben Sie ein Problem.
Checkliste
V Nutzen
Sie neben Google Mail ein weiteres
E-Mail-Programm auf Ihrem Computer.
V Speichern Sie auch Ihre Kontakte zusätzlich mit
einem weiteren Programm.
8
»Aus für deutsches »Google Maik?« in Manager Magazin vom 23.06.2007
unter www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,490330,00.
html.
Nachbar surft mit: Wenn das eigene
W-LAN
zur Falle wird
Falle
Wenn Sıe für Ihren heimischen Internetzugang ein
Drahtlosnetzwerk nutzen, haften Sie, auch wenn
ein Nachbar sich über Ihren Zugang einwählt und
im Internet Mist baut.
Ohne es zu merken in den Knast gesurft
Ein gutgläubiger Beamter mittleren Alters namens
Torsten schafft sich einen neuen Internetzugang an.
Das verlockende Angebot enthält auch eine Box, die
ihm drahtloses Surfen und Mailen per Laptop ermög-
licht. Leider hat ‘Torsten das Drahtlosnetzwerk nicht
abgesichert. Deshalb können sich auch alle Nachbarn
des Zwanzigparteienhaus, in dem er wohnt, mit weni-
gen Klicks über seinen Zugang ins Internet einwählen.
Ein besonders umtriebiger Zeitgenosse nutzt den kos-
tenlosen Zugang, um seine Musiksammlung mit einer
Nachbar surft mit: Wenn das eigene W-LAN zur Falle wird 91
Filesharingbörse zu aktualisieren. Madonna, Michael
Jackson und Robbie Williams wandern auf den Com-
puter des Nachbarn — die Abmahnungen der Anwälte
der Musikfirmen in den Briefkasten von Torsten. Der
Beamte ist in die Filesharing-Falle getappt. Selbst als
er nach langer Recherche schließlich herausfindet, dass
der Student aus der zweiten Etage der Auslöser allen
Ubels ist, hilft ihm das nicht. Der Inhaber des Internetanschlusses haftet auch dann, wenn er beweisen
kann, dass ein anderer die Musikstücke illegal heruntergeladen hat. Der Student haftet zwar auch, aber nur
zusätzlich.
Der Haftung entgehen Sie nur, wenn Sie Ihr
W-LAN vernünftig absichern. Dazu gibt es verschiedene Verschlüsselungsverfahren. Sollten Sie sich damit nicht auskennen, fragen Sie im Bekanntenkreis
nach oder beauftragen Sie einen Dienstleister. Das ist
wirklich wichtig!
Der Mitbewohner war's - egal!
Das Gleiche gilt übrigens leider für den Inhaber eines
Internetanschlüsses
in
einer Wohngemeinschaft.
Nehmen wir an, Sie haben eine Wohnung gemietet,
und der Internetanschluss läuft auf Ihren Namen. Der
Studienkollege, der mit Ihnen mal die Wohngemein-
schaft gegründet hat, ist schon vor zwei Semestern
wieder ausgezogen. Nun geben Sie dem Nachmieter
92
Nachbar surft mit: Wenn das eigene W-LAN zur Falle wird
bereitwillig die Zugangsdaten für Ihr W-LAN schließlich füllt er im Gegenzug dafür die Bierkisten-
bestände auf dem Balkon monatlich auf. Wenn er nun
beim Download von Musik oder Filmen erwischt
wird, greift die sogenannte Störerhaftung: Sie als An-
schlussinhaber haben Ihren Internetzugang nicht ver-
nünftig gegen Missbrauch abgesichert und müssen
sich deshalb verantworten.
Checkliste
V Falls Sie ein W-LAN besitzen, sichern Sie es mit
einer Verschlüsselung ab.
/ Wenn Sie Besuch haben und anderen Menschen
Ihren Internetzugang anbieten, notieren Sie sich
wenigstens Person und Zeitraum der Fremdnutzung.
»Aber er hat mich wirklich geliebt!«
Heiratsschwindler im Internet
Falle
Wenn man seine neue Liebe in einer InternetFlirtbörse kennenlernt und sich erweichen lässt,
der oder dem Angebeteten finanziell unter dıe
Arme zu greifen — ist einem nicht mehr zu
helfen.
»Ich dachte schon, ıch würde mich nie wieder
verlieben...«
»Meine letzte Freundin hat mich mies behandelt und
all mein Geld geklaut. Meine Mutter ist schwer
krank... Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Eigent-
lich dachte ich auch, ich würde mich nie wieder für
einen anderen Menschen interessieren. Aber Du bist
echt total lieb, ich glaube, ich habe mich in Dich verliebt!«
So oder so ähnlich klingen die Sprüche, mit denen
94
»Aber er hat mich wirklich geliebt!«
sich Menschen dazu bringen lassen, ihr Geld zum
Fenster hinauszuwerfen. Claudia — 38 Jahre alt, alleinerziehend — hat versucht, sich viele Jahre lang mit
harter Arbeit tiber Wasser zu halten. Der Vater ihrer
Tochter hat sich kurz nach der Entbindung aus dem
Staub gemacht, er soll in Thailand eine Strandbar
aufgemacht haben. Für eine neue Liebe war in Claudias Leben lange Zeit kein Platz. Ihr Kind und die
viele Arbeit haben sie voll in Anspruch genommen.
Kein Wunder,
dass sie in der Zwischenzeit
ganz
verlernt hat, wie das mit dem Flirten eigentlich
funktionieren soll. Schaffen Internet-Angebote hier
Abhilfe?
Im Netz gibt es zahlreiche Flirtbörsen. Aber nicht
alle sind seriös. Wenig vertrauensvoll sind aber vor
allem jene Menschen, die dort nach gutgläubigen
Opfern suchen. Die alleinerziehende Claudia hat auf
einer solchen Single-Börse einen neuen Mann
kennengelernt. Er stellte sich leider als ein Betrüger
heraus.
Erst heiß gemacht, dann abgezockt
Wie ist er vorgegangen? Über mehrere Wochen baut
er systematisch ein Vertrauensverhältnis zu Claudia
auf. Über Briefe, E-Mails und Internet-Chats zeigt er
reges Interesse an ihr, ihrer Tochter, ihrem ganzen
Leben. Genau dieses Gefühl hat Claudia schon so
_»Aber er hat mich wirklich geliebt!« 95
lange vermisst. Die beiden tauschen Fotos aus. Auf
ihrem Bild sehe sie »so sympathisch« aus, schreibt er
ihr.
Die Bilder des Abzockers sind zwar nicht echt, suggerierten aber Claudia genau das, was sie über ihre
neue Flamme denken soll und leider auch will: dass er
ein gutaussehender,
zuverlässiger, familienfreundli-
cher, lediger Mann ist.
Dann soll ein erstes Treffen stattfinden. Aber der
arme Kerl wohnt ja noch in Afrika, wo er als Ent-
wicklungshelfer arbeitet. Wie sympathisch! Den Flug
nach Deutschland kann er sich momentan leider nicht
leisten. Wie gesagt, seine Ex-Freundin hat ihn scham-
los ausgenommen, und seine gesamten Ersparnisse
sind für die lebenswichtige Operation seiner kranken
Mutter draufgegangen.... Sein größter Wunsch sei es
freilich, Claudia endlich kennenzulernen.
Zuerst hat sie ein mulmiges Gefühl, aber irgend-
wann lässt sie sich erweichen, schließlich »kennen«
sich die beiden ja inzwischen aus den zahlreichen
Briefen, Mails und Chats. Und er sieht doch so gut
aus!
|
Claudia überweist einen ersten Betrag von 2000
Euro und fiebert dem Treffen entgegen. Aber
irgendwie scheint es da immer wieder Schwierigkei-
ten zu geben mit dem Visum — Behörden eben. Eine
zweite Summe wechselt die Bankkonten. Insgesamt
zockt der Betrüger bei Claudia über 20000 Euro auf
diese Weise ab.
96
»Aber er hat mich wirklich geliebt!«
Liebe, Tod und Teufel!
Aber der Fall, oder besser gesagt, die Falle geht noch
weiter. Nachdem Claudia irgendwann zur Besinnung
gekommen ist und sich weigert, weitere Zahlungen
zu veranlassen, schlägt der vorerst nette Ton plötzlich
um. Der Betrüger stellt Forderungen, ja er droht sogar
mit Gewalttaten bis hin zu Mord. Claudia hat ihre
persönlichen Daten wie Telefonnummer und Adresse
ja bereitwillig herausgegeben.
Die Sehnsucht nach einem Partner, sei es für eine
liebevolle Beziehung, eine Heirat, einen One-Night-
Stand oder heiße Flirt-Spiele, gehört zu den stärksten
Antriebskräften in uns Menschen. Und das Internet
bietet wie so oft im Vergleich zu früher schier unglaubliche Möglichkeiten. Hier findet man immer
und überall jemanden - nicht unbedingt jemanden,
der wirklich zu einem passt, aber immer jemanden,
der unsere heimlichsten Sehnsüchte weiter schürt.
Auch wenn es grausam klingt: Mit rührseligen
Storys — »Aber es wäre doch so schön, wenn sich ausgerechnet eine so tolle Frau wie Du für mich interes-
sieren würde ...« — will man Ihnen nur Ihr Geld aus
der Tasche ziehen. Hier geht es nicht darum, dass Sie
nicht wirklich eine tolle Frau oder ein toller Mann
sind. Aber davon, dass das umgekehrt auch auf den
anderen zutrifft, sollten Sie sich immer erst überzeu-
gen, bevor Sie auch nur einen Cent überweisen! Vor-
her glauben Sie bitte nichts von dem, was Ihnen ins
Ohr gesäuselt wird.
»Aber er hat mich wirklich geliebt!« 97
Checkliste
¥ Seien Sie vorsichtig mit Personen, die Sie nur
über das Internet »kennen« und die Ihnen rührselige Geschichten erzählen oder Ihnen schmeicheln.
/ Uberweisen Sie niemals Geld an solche Leute!
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!«
Partnersuche auf dem Holzweg
Falle
Vielen Single- und Flirtbörsen mangelt es an seriösen Mitgliedern. Deshalb versuchen sie, unschuldige
Interessenten durch bewusste Täuschungsmanöver
zu ködern und ıhnen durch kostenpflichtige Angebote Geld aus der Tasche zu ziehen.
Rıchtig flırten — die Grundregeln
In den großen Communitys wie StudiVZ, Facebook
& Co. spielt sich das ganz normale Leben im Netz ab.
Hier organisieren die Mitglieder ihr Privat- oder Be-
rufsleben. Sie quatschen mit Freunden, zeigen sich
Urlaubsbilder, verabreden sich oder geben sich Tipps
fürs Einkaufen, den besten Kinofilm oder wie man
am besten Frauen beziehungsweise Männer kennenlernt. Und weil dies alles noch ziemlich na am »normalen Leben« dran ist, sind hier die Aussichten auf
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!« 99
einen »gesunden Flirt« gut. Man kann unverfanglich
ins Gespräch kommen, egal über welches Thema, und
alles Weitere kann sich daraus unverkrampft ent-
wickeln — Flirt, Liebe, Beziehung oder auch nichts
dergleichen. Außerdem ist hier das Verhältnis der
männlichen und weiblichen Mitglieder meistens recht
ausgeglichen.
Rıchtig flirten, Teil 2
Grundsätzlich ist nichts gegen Flirtbörsen im Internet zu sagen. Schenkt man den Werbeslogans glauben
(doch
besser,
Sie lassen
es), lernt bereits jeder
Sechste dort seinen Partner kennen. Es gibt aber auch
hier eine ganze Reihe weiterer Fallen, in die Sie dabei
tappen können.
Egal, ob Sie in Singlebörsen oder normalen Com-
munitys flirten, immer gilt: Seien Sie vorsichtig mit
der Herausgabe Ihrer Kontaktdaten und persönlichen
Informationen. Natürlich müssen Sie irgendwann im
sprichwörtlichen
Sinne
mal die Hosen
herunter-
lassen, schließlich wollen Sie ja jemanden kennenler-
nen — und kennengelernt werden. Aber lassen Sie sich
bitte viel Zeit mit der Herausgabe von Telefonnum-
mern und Adressdaten.
Die meisten Kontaktvermittlungsseiten sind Flirt-
Communitys, Singlebörsen, »Seitensprungermöglicher« oder ganz einfach Sexdienste. Diese versprechen
100
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!«
das Blaue vom
Himmel
herunter, vor allem einen
schnellen, unkomplizierten Zugang zu unzähligen
heißen Flirts, aus denen sich »gerne auch mehr« ent-
wickeln kann. Obwohl es die meisten besser wissen
sollten - denn das wirkliche Leben sieht einfach anders aus -, verdrängen sie die Realität, sobald sie ein
umwerfendes, leider oft gefälschtes Foto sehen oder
einer recht »fantasievollen« Beschreibung des Flırtpartners Glauben schenken.
Andere Mitglieder der Internet-Community zu
täuschen ist kinderleicht - und die Spanne beim
Schummeln riesengroß. Schnell werden ein paar
Kilos verschwiegen,
ein paar Zentimeter kommen
hinzu - nicht nur bei der Körpergröße. In einem gewissen Rahmen ist das vielleicht noch zu verzeihen -
auch bei einem ersten Live-Date versucht man ja
immer, sich von der besten Seite zu zeigen. Eine
Devise, die oft dahintersteckt: Man will erst mal ins
Gespräch kommen und die Konkurrenz ausstechen.
Aller Anfang ist schwer, aber wenn der geschafft ist,
wird alles Weitere auch klappen.
Schwieriger wird das dann schon bei geschönten
oder gar völlig veralteten Bildern aus besseren Tagen.
Spätestens beim ersten realen Date ist die Enttäuschung unvermeidbar.
Auf die Spitze treibt die Schönfärberei, wer seine
Identität, sein Aussehen oder auch gewisse Charakterzüge völlig verleugnet und sich dank geklauter Bilder als Model-Schönheit und dank geschönter Fakten
als Heiliger oder als Millionär darstellt.
Schlimm
ist auch, wenn Aussehen
und Wesens-
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!« 101
merkmale zwar stimmen, aber beispielsweise beim
Beziehungsstatus gemogelt wird. Jemand gibt vor, der
Traumpartner zu sein, sucht aber eigentlich nur nach
einer Affäre. Vielleicht steckt dieser Jemand nicht nur
in einer festen Beziehung, sondern hat sogar Familie.
Wer hier den anderen bewusst hinters Licht führt,
spielt ein falsches Spiel und muss damit rechnen,
irgendwann aufzufliegen.
Die Welt ıst ungerecht: Männer zahlen drauf
Oft läuft das Ganze so ab: Weil Frauen in Flirt-Communitys seltener anzutreffen sind als Männer, ist die
Mitgliedschaft für diese komplett kostenlos. Frauen
sollen es leichter haben — und gleichzeitig Männer
anlocken. Für Letztere ist die Anmeldung manchmal
noch kostenlos, aber nach einer Testphase müssen sie
dann zahlen. In einer anderen Variante ist zwar die
Mitgliedschaft kostenlos und »Mann« kann gucken,
aber anfassen kostet extra. Männer können sich »Appetit holen«, aber Frauen direkt eine Nachricht zukommen lassen oder selbst Nachrichten empfangen können
sie nur, wenn sie einen Obulus entrichten. Wollen sie
wirklich jemanden kennenlernen, müssen sie früher
oder später in den sauren Apfel beißen — und blechen.
»Ich bin 1,80 groß, blond, willig und habe Riesenbrüste, die Dich unbedingt
kennenlernen wollen!«
Solche Profile dienen nur einem Ziel: Sie sollen Män-
102
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns! «
ner dazu bringen, zu zahlen. Aus neugierigen Testern
sollen kostenpflichtige Mitglieder werden.
Da es aber oft gar nicht so viele oder überhaupt keine heißen, willigen Flirt-Kandidatinnen gibt, erfindet
der Betreiber einfach welche. Hauptsache, der Rubel
rollt und die mit einer Fälschung angelockten Kunden
bleiben Zahlmeister.
Es muss aber nicht unbedingt der Betreiber der
Kontaktbörse hinter den gefälschten Profilen stecken. Auch
die Konkurrenz, in Form von anderen
teuren Wucherdiensten, kann damit Jagd auf zah-
lungswillige Opfer machen. Auf kostenlosen Seiten
spielen zudem gerne mal verdächtig attraktive Menschen den Lockvogel und nehmen Kontakt zu Ihnen
auf. Sie machen Ihnen virtuell schöne Augen, um Sie
dazu zu bringen, auf kostenpflichtige Webseiten umzuziehen, oder Sie in teure Telefongespräche zu verwickeln. Sollte Ihnen also jemand erzählen, sein
Computer sei kaputt und deswegen sei es einfacher,
zu telefonieren, oder die andere Webseite
sei viel
schöner als diese hier, dann ist in der Regel Vorsicht
geboten. Man will Sie meist nur an andere Stellen
locken, wo Sie anschließend kräftig löhnen müssen.
Flirten mit »Professionellen«
»Du bist so süß, für Dich würde ich es auch umsonst
machen, aber ich muss von irgendetwas leben.« Professionelle oder halbprofessionelle Prostituierte wer-
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!«
103
ben nicht unbedingt mit gefälschten Profilen und
romantischen Illusionen in Singlebörsen für ihre Vor-
züge. Da sie keine Zeit zu verschwenden haben, kom-
men sie meist schnell auf den Punkt - und geben dem
Nutzer so die Chance, sie als das zu erkennen, was sie
wirklich sind. Nach einigem Anspornen kommt der
Hinweis darauf, dass ohne ein »Taschengeld« nicht
viel laufen würde bei einem Date. Egal, wie man dazu
steht, wenigstens wird in diesem Fall schnell geklärt,
was Sache ist.
Umsonst ıst gar nichts!
Lassen Sie sich bei Singlebörsen nicht von Worten
wie »kostenlos«, »gratis« oder »umsonst« täuschen.
Hier gilt: Lesen Sie unbedingt die Allgemeinen Geschäftsbedingungen! Leider machen manche Betreiber solcher Seiten diese so wenig tranparent wie mög-
lich und stellen die Kosten so gering wie möglich dar.
Gratisleistungen rücken in den Vordergrund. Zahlunsverpflichtungen werden versteckt. Bei bewusster
Täuschung haben Sie gute Chancen, Ihr Geld zurück
zu bekommen.
Allerdings kann man Webseiten nicht schon als unseriös beschimpfen, nur weil Sie selbst deren AGB
nicht richtig studiert haben. Stimmen Sie also immer
erst mit einem Häkchen oder Klick zu, nachdem Sie
sich informiert haben.
104
»Ihre Traumfrau finden Sie nur bei uns!«
Und achten Sie darauf, was genau Ihnen als kostenlos angeboten wird. Ein gesundes Maß an Acht-
samkeit, weniger Naivität und etwas mehr Vorsicht
sollten helfen, gar nicht erst in eine missliche
Situation zu kommen. Und wenn man Sie bewusst
‚täuscht, haben Sie gute Chancen, Ihr Geld zurück-
zubekommen.
Letztendlich: Eine gute, professionell arbeitende
Vermittlungsdienstleistung darf auch etwas kosten.
Aber bezahlen Sie nicht für reißerische, unrealistische
Versprechen
unseriöser Webseiten.
Die
besseren
Kontaktchancen haben Sie ohnehin eher in sozialen
Netzwerken, in denen Sie andere Menschen
normalen (Lebens-)Umständen kennenlernen.
unter
Checkliste
V Lesen Sie immer erst die Geschäftsbedingungen
von Partnervermittlungs- oder anderen Dienst-
leistern und informieren Sie sich genau darüber,
was kostenlos ist und was nicht.
V Fallen Sie nicht auf Lockvögel herein.
/ Geben Sie niemandem Geld, den Sie nicht persönlich kennengelernt haben. Und selbst dann:
Seien Sie vorsichtig, sichern Sie sich ab.
/ Geben Sie nicht sofort Ihre realen Kontaktdaten
an einen virtuellen Flirt-Partner.
Wer 8008
googelt, tauscht Informationen ge;
gegen
private Daten
Falle
_
Wenn Sie mit der Suchmaschine Google recherchieren, speichert Google diese Information,
ver-
knüpft sie wenn möglich mit Ihren persönlichen
Daten und bietet Ihnen daraufhin individuahsterte Werbung an.
»Wer wird Milhionar?« gestern und heute!
Erinnern Sie sich noch daran, was geschah, wenn
Familie Meier vor 20 Jahren abends vor dem Fernseher saß und in einer Quiz-Show die Frage nach
Goethes Geburtsdatum auftauchte? Wenn der Fami-
lienvater nicht selbst auf die richtige Antwort kam,
griff er beherzt ins Bücherregal. Das gut sortierte
Lexikon in 20 Bänden half ihm fast immer auf die
Sprünge: »Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter,
Frankfurt am Main 28.8.1749 ...«.
—
106
Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten
Und heute? Meier Junior klappt schnell den Laptop
auf und »googelt« die Antwort.
Google weiß mehr als jeder Geheimdhenst —
auch über Sıe!
Google hilft uns dabei, auf fast alle Fragen, die uns
unter den Nägeln brennen, eine Antwort zu finden.
Die schnellste Zugverbindung von Köln nach München? Wo kann ich ein Weihnachtsmann-Kostüm lei-
hen? Wie löse ich die Probleme der Dritten Welt?
Google »weiß« alles - auch über Sie. Und damit sind
nicht die Informationen gemeint, die Sie finden,
wenn Sie Ihren eigenen Namen googeln.
Nein, Google weiß noch wesentlich mehr über Sie:
Wenn Sie mit der Suchmaschine etwas recherchieren,
speichert Google Ihre Suchanfrage. Zusätzlich speichert Google auch Ihre Internet-Adresse, »IP-Adres-
se« genannt, Ihr Betriebssystem (zum Beispiel Win-
dows 7), Datum und Uhrzeit und mit welchem
Browser Sie aufs Netz zugreifen.” Mit jeder Anfrage
helfen wir Google dabei, alles über unsere Interessen
und unsere Bedürfnisse zu lernen. Dafür verbessert
Google automatisch die Suchergebnisse zu unseren
Gunsten. Zumindest ist das die Aussage des Unter9
Vgl. »Welche Daten speichert Google?« in Computerbild unter www.
computerbild.de/artikel/cb-Ratgeber-Kurse-Wissen-Was-weiss-Googleueber-Sie-2798893.
html.
Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten 107
nehmens, das sich als Leitmotto »Tu nichts Böses«
(»Don’t be evil«) — auf die Fahne geschrieben hat.
Wir hoffen alle, dass Google wirklich nur Gutes im
Sinn hat. Trotzdem sollten Sie sich darüber im Klaren
sein, wie viel Google speichert, um mit personalisierter Werbung Geld zu verdienen, und wie mächtig das
Unternehmen bereits heute ist. Ein wahres Monopol,
denn bei Google können Sie nicht nur die Suchfunktion nutzen. Es gibt den E-Mail-Dienst Google-
Mail, bei dem Sie kostenlos eine E-Mail-Adresse be-
antragen können (vgl. das Kapitel Warum Google Ihre
Mails liest). Google-Maps und Google-Earth bieten
Landkarten
und
Satelliten-Bilder
sowie
diverse
geografische Dienste an. Und die Videoplattform
YouTube gehört ebenfalls Google.
Google verdient Milltarden —
und was passiert mit Ihren Daten?
Google verdient Geld mit Werbeanzeigen. Wenn Sie
Ihre Suchergebnisse von Google einsehen, finden Sie
rechts und mittig direkt unter dem Suchfeld Werbeanzeigen. Zusätzlich finden Sie auf sehr vielen Inter-
netseiten Google-Werbeanzeigen. Jedes Mal, wenn
Google-Werbeanzeigen in eine Internetseite integriert sind, speichert Google Ihr Surfverhalten auf
dieser Seite. Je mehr Webseiten mit Google-Werbeanzeigen gefüllt sind, desto mehr lernt Google also
108
Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten
über Ihr Surfverhalten.1° Google kann damit eigene
Persönlichkeitsprofile für jeden seiner Nutzer erstellen. In erster Linie soll so personalisierte und passende Werbung geschaltet werden. Konkret heißt das:
Google versorgt Sie genau mit der Werbung, die Sie
am ehesten interessieren könnte. Und was Sie interessiert, weiß Google, weil das Unternehmen speichert,
auf welchen Webseiten Sie waren.
An folgendem Beispiel erkennen Sie, wie viele
Daten Google über Sie sammelt: Nehmen wir an, Sie
hätten einen Fernsehbericht über eine rechtsextreme
Gruppe in Köln gesehen. Kahlrasierte Schlägertrupps
bewaffnet mit Baseballschlägern und Schlagringen
ziehen quer durch die Stadt und pöbeln ahnungslose
Passanten an. Sollten Sie selbst in Köln wohnen, ma-
chen Sie sich natürlich Sorgen, dass Ihr Viertel nicht
mehr sicher ist. Daher googeln Sie »rechtsextreme
Gruppe Köln«. Auf einer Nachrichtenseite finden Sie
ein paar Informationen. Und zufälligerweise finden
Sie auf der linken Bildschirmseite auch eine Werbeanzeige von einer Kampfsportschule, die Selbstvertei-
digungskurse anbietet.
|
Zufalligerweise? Ganz bestimmt nicht! Dies ist
vielmehr ein Beispiel für personalisierte Werbung.
Vielleicht entschließen Sie sich dazu, den Kurs zu belegen, oder Sie klicken auf einen weiteren Link und
besuchen einen Online-Shop, der Pfeffersprays in un-
terschiedlichsten
Geschmacksrichtungen
anbietet.
10 Vgl. vom 28.08.2008: http://meinungsfreiheit.li/archives/Google-Datenschutz-unter-der-Lupe-von-meinungsfreiheit.li-=923.html.
Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten 109
Schenkt man der Artikelbeschreibung Glauben, kann
Pfefferspray helfen, einen Angreifer fiir kurze Zeit
auszuschalten, wenn man die Spraydose auf seine
Augen richtet. Sie bestellen ein Pfefferspray Marke
»Spray Attack« und erhalten als Bestätigung der Bestellung eine E-Mail. Diese E-Mail rufen Sie wiederum auf der Google-Mail-Internetseite ab...
Google weiß, was Ste brauchen —
und besorgt es Ihnen!
Um bei dem Beispiel zu bleiben: Google weiß nun,
dass Sie ein Internetnutzer aus Köln sind, der, etwa
über einen Vodafone-Internetzugang, wegen einer
rechtsextremen Gruppe in Köln recherchiert hat. Und
Google weiß auch, dass Sie sowohl auf den Werbe-
partner »Kampfsport/Selbstverteidigung« als auch auf
den
Online-Shop
mit
Pfefferspray im Angebot
geklickt haben. Diese Information speichert Google,
‚und zwar bis zu 30 Jahre lang.
Anschließend haben Sie Ihre E-Mails bei Google
Mail abgerufen, um die Bestellbestätigung für das
Spray zu erhalten. Damit ist Google nun in der Lage,
die bisherigen Daten konkret mit Ihrer Person zu
verknüpfen. Alle Daten, die in Ihrem Google-Konto
eingetragen sind, fasst Google zu einem Persönlichkeitsprofil zusammen: Ihre E-Mail-Adresse,
Ihren Namen, Informationen, die Sie gesucht, und
110 Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten
Werbeanzeigen, auf die Sie geklickt haben. Wundern
Sie sich nicht, wenn Sie in kurzer Zeit auf einer Inter-
netseite einer Werbeanzeige
begegnen,
die einen
Selbstverteidigungskurs in Ihrer unmittelbaren Nahe
anbietet. Google weiß, was Sie brauchen!
Nicht nur aufs Monopol setzen!
Um diesem Problem zu entgehen, können Sie die
Sicherheitseinstellungen in Ihrem Browser erhöhen.
‚Wenn Sie aber generell nicht wollen, dass eine Firma
so viel über Sie weiß, bleibt Ihnen leider nur die Möglichkeit, Google überhaupt nicht zu nutzen. Und
selbst dabei wird es schwierig, da Ihnen
über die
Suchmaschine hinaus auch auf vielen anderen Inter-
netseiten Google-Werbung begegnet. Der Weg aus
dieser Zwickmühle liegt irgendwo dazwischen. Ge-
hen Sie den goldenen Mittelweg, zum Beispiel, indem Sie bei der Suche im Internet auch andere Suchmaschinen wie Yahoo oder LiveSearch verwenden.
‚Messer, Gabel, Google, Licht sind für kleine
Kinder nicht!
Sollten Sie Kinder haben, die bereits alt genug sind,
um eine Tastatur zu bedienen und im Internet zu sur-
Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten 111
fen, ist Google als Suchmaschine keine gute Wahl.
Google wurde vornehmlich ftir Erwachsene kon-
zipiert. Bei der Sucheingabe »Kind« zeigen die meis-
ten Links zwar kindgerechte Ergebnisse an, aber auf :
der rechten Bildschirmseite finden sich wie immer
Werbeangebote. Und die richten sich an Eltern, nicht
an Kinder. Denn Kinder können Werbung oft nicht
von anderen Inhalten unterscheiden.
Aber die Werbung ist nur ein Problem von vielen:
Viel schlimmer sind Suchergebnisse, die nicht jugendfreie Inhalte anbieten. Zwar bietet Google auch
die Möglichkeit, solche Inhalte aus den Suchergebnissen herauszufiltern. Dazu gibt es den sogenannten
SafeSearch-Filter.
Sie erreichen den SafeSearch-Filter direkt tiber die
Google-Startseite, indem Sie rechts neben dem Suchfeld auf das Wort »Einstellungen« klicken. Es öffnet
sich ein neues Fenster, in dem man im oberen Bereich
eine bestimmte Suchsprache definieren kann.
Direkt unterhalb der Spracheinstellungen finden
Sie drei Optionen, den sogenannten SafeSearchFilter einzustellen: eine strikte Einstellung, eine mo-
derate oder gar keine Filterung.
Google weist auf den Hilfeseiten darauf hin, dass
kein Filter hundertprozentig arbeitet, aber die meisten
jugendgefährdenden Inhalte werden durch die strikte
Einstellung des Filters abgefangen. Dennoch: Ihre
Kinder sollten anstatt Google zu benutzen besser
alternative Seiten wie die kindersichere Suchmaschine www.Blinde-Kuh.de ausweichen.
112 Wer googelt, tauscht Informationen gegen private Daten
Checkliste
v Wenn Sie Kinder haben, nutzen Sie eine kind-
gerechte Suchmaschine anstatt Google.
V Sichern Sie Ihren
gen/Optionen.
Browser
über
Einstellun-
v Nutzen Sie nicht nur Google, sondern auch
mal andere Suchmaschinen wie www.yahoo.de,
www.bing.de oder www.metager.de.
Erwischt! Wegen www.hausarbeiten.de
von der Uni geflogen
Falle
Wer Seminar- oder Diplomarbeiten aus dem Internet abschreibt, dem droht der Studienausschluss.
Alles ist käuflich — auch Diplomarbeiten?
Tobias steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums
und hat Stress. Abends jobbt er als Barkeeper, um sei-
ne Miete bezahlen zu können. Tagsüber bereitet er
sich auf die Examensklausuren vor. Zusätzlich muss er
in drei Wochen seine Diplomarbeit abgeben. Leider
hat er noch keine Seite geschrieben. Da hört er seine
Studienkollegen von einem Angebot im Internet erzählen, das die Lösung all seiner Probleme zu sein
scheint. Auf Internetseiten wie www.hausarbeiten.de
kann man Texte, die zum Beispiel im Rahmen von
Referaten, Seminar- oder Diplomarbeiten von anderen während der Schul- oder Studienzeit geschrieben
114 Wegen www.hausarbeiten.de von der Uni geflogen
_ wurden, ver- oder einkaufen. Und dies für nur wenige
Euro. Eine fertige Diplomarbeit! — das wäre meine
Rettung, denkt sich Tobias und kauft die Arbeit. An
einigen Stellen »veredelt« er den Text noch mit eigenen Ergüssen und gibt das Opus schließlich rechtzeitig beim Prüfungsamt ab. Dummerweise fliegt der
ganze Schwindel auf.
Was Tobias nicht wusste: Immer mehr Dozenten
und Hochschulen nutzen Computerprogramme, die
die Arbeiten ihrer Studenten auf Übereinstimmungen
mit anderen Texten untersuchen. Da diese Program-
me immer besser werden und über das Internet immer
mehr Vergleichstexte heranziehen können, steigt die
Wahrscheinlichkeit, beim Abschreiben erwischt zu
werden. Da hilft es auch nicht, den Text stellenweise
ein wenig zu verändern.
Wollen Ste wirklich Jahrelang mit einem
Damoklesschwert über sich leben?
Abschreiben gilt hochschulrechtlich gesehen als Tau-
schungsversuch. Und darauf steht im besten Fall die
Nichtbewertung der Klausur, im schlimmsten Fall (vor
allem, wenn man zum wiederholten Mal erwischt wird)
sogar die Zwangsexmatrikulation. Obendrein verstößt
man durch das unberechtigte Abschreiben fremden
geistigen Eigentums zudem gegen das Urheberrechtsgesetz. Wer dabei erwischt wird, riskiert daher auch
Wegen www.hausarbeiten.de von der Uni geflogen
115
noch eine Abmahnung durch den wahren Autor.
Leute wie Tobias sollten zudem nicht vergessen,
dass die Tat selbst Jahre später noch herauskommen
kann. Selbst wenn man zunächst davonkommt, wird
die Diplomarbeit vielleicht fünf Jahre danach mit besseren Programmen noch einmal durchleuchtet. Solch
ein Verfahren kennen Sie vielleicht von den Doping-
Sündern im Sport. Deren Urinproben werden langfristig eingelagert und bei Verdacht Jahre später mit
neueren Nachweismethoden noch einmal analysiert.
Wenn
dann herauskommt, dass sie beim vorletzten
Wettkampf gedopt waren, werden ihnen die Medaillen
und Titel im Nachhinein aberkannt.
Stellen wir uns vor, Tobias ist schon seit ein paar
Jahren berufstätig und steht vielleicht sogar ım Licht
der Öffentlichkeit. Dann kommt heraus, dass er im
Studium gepfuscht hat. Wenn er Glück hat, wird die
Sache nicht weiter verfolgt, sondern ist einfach nur
peinlich. Ein Reputationsverlust ist in jedem Fall die
Folge.
Studieren kommt vom lateinischen
»studere« = »sich bemühen«!
Wenn Sie dennoch das Risiko des unrechtmäßigen
Kopierens eingehen, dann müssen Sie den Ausgangs-
text schon erheblich verändern, um nicht erwischt zu
werden. Aber wenn Sie bereits so viel Aufwand be-
116 Wegen www.hausarbeiten.de von der Uni geflogen
treiben müssen... da ist es doch befriedigender, eine
eigene Arbeit zu schreiben. Und letztendlich ist ja der
Lernprozess, den man beim Schreiben einer eigenen
Arbeit durchmacht, Ziel des Studiums, fiir das Sie sich
entschieden haben. Dass Sie in diesem Rahmen die
Arbeiten anderer analysieren, die sich vor Ihnen schon
mit der Fragestellung beschäftigt haben, ist völlig okay
und sogar erwünscht. Das nennt man dann, »sich
einen Überblick über den Forschungsstand verschaf-
fen«. Nutzen Sie Anregungen und Ideen, die Sie aus
anderen Arbeiten gewinnen, um in Ihrer eigenen Un-
tersuchung zu neuen Ergebnissen zu kommen. Dabei
verlangt niemand von Ihnen, dass Sie das Rad neu erfinden. Zumindest nicht, solange Sie noch nicht an
Ihrer Habilitation schreiben.
Checkliste
/ Nutzen Sie andere Texte und sogar Internetseiten
wie www.hausarbeiten.de zum Sammeln von
Ideen und als Inspiration.
V Geben Sie aber nie fremdes geistiges Eigentum
als das Ihre aus.
V Verlassen Sie sich bei Ihrer Recherche zum For-
schungsstand nicht darauf, dass Verfasser anderer
Arbeiten alles richtig gemacht haben.
V Geben Sie immer die Quellen Ihrer Arbeit an.
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
Falle
Ein Urlaubshotel kann sich als grottenschlecht erweisen, obwohl es bei Holidaycheck gut abgeschnitten hat.
|
Traumhotel oder Alptraum?
Familie Werner hat lange gespart, um endlich den ersehnten Urlaub auf einer spanischen Insel anzutreten.
Ein halbes Jahr vorher wird mit der Recherche nach
einem geeigneten Hotel begonnen. Die Hotelbewer-
tungsplattform www.holidaycheck.de zeigt am gewünschten Urlaubsort ein besonders gut bewertetes
Hotel, nur 200 Meter entfernt vom Sandstrand und
sehr zentrumsnah gelegen, außerdem sehr kinderfreundlich und mit der typischen regionalen Küche.
Nachdem bereits zahlreiche andere Familien das
Hotel als gut bis sehr gut bewertet haben, steht der
Entschluss fest: Familie Werner bucht das Hotel, die
Vorfreude steigt.
118 Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
Was dann folgt, ist allerdings alles andere als Urlaub: Die Familie findet sich in einer heruntergekommenen Absteige wieder, die direkt an der lauten
Hauptverkehrsstraße zwischen Strand und Stadt liegt.
Wie konnte das passieren?
Urlaubsplanung — gestern und heute
Das Internet hat den Tourismusmarkt völlig umge-
krempelt - zu Gunsten der Urlauber. Noch vor wenigen Jahren waren Sie bei der Suche nach einem
Urlaubsziel auf die Kataloge der Reiseveranstalter an-
gewiesen. Man kann auch sagen, Sie waren den Verkäufern gnadenlos
ausgeliefert. Eine verführerische
Katalogsprache schürte Erwartungen, von denen Ihnen
keiner sagen konnte, ob diese sich wirklich bestätigen
würden. Ob eine vielbefahrene Straße zwischen Ihrem _
Hotel und dem »nur 200 Meter entfernten Sand-
strand« lag, ob »kinderfreundlich« oder »zentral gelegen« — das konnte im günstigsten Fall genau das be-
deuten, was Sie sich darunter vorstellten, oder hieß,
dass auch nicht eine Minute an Ruhe zu denken war.
Der Einzige, der Ihnen das sagen konnte, war der
Reiseveranstalter oder das Hotel selbst. Vielleicht hatte die nette Dame im Reisebüro mehr Informationen,
weil ihr so mancher Kunde nach seiner Rückkehr aus
seinem Urlaub mal etwas darüber erzählt hatte. Und
nur in Ausnahmefällen war jemand aus Ihrem Freun-
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck? 119
des- und Bekanntenkreis schon einmal genau dort
gewesen, wo Sie gerne hinwollten.
Genau an dieser Stelle setzen die Hotelbewertungsplattformen im Internet heute an. Hier haben
Urlauber die Möglichkeit, ein Hotel, eine gesamte
Reiseroute oder eine bestimmte Region aus ihrer
Sichtweise zu bewerten und anderen von ihren Erfahrungen zu berichten. Hier erzählt Ihnen also nicht
die TUI, Neckermann oder der jeweilige Hotelbetreiber, wie super das Hotel und die Konditionen vor Ort
sind, sondern diejenigen, die als Urlauber dort waren
und dafür bezahlt haben.
Auf solchen Plattformen sind Sie unter Ihresgleichen. Sie haben Ihren Kreis an Freunden und Bekannten praktisch künstlich erweitert, um Menschen,
die sich, genau wie Sie, einen schönen Urlaub für ihr
Geld gewünscht haben. Und genau wie Sie Ihren
Freunden: glauben würden, glauben Sie auch diesen
anderen Urlaubern, weil die Ihnen ja nichts verkaufen
wollen.
Ausgehöhlte Bewertungssysteme!
Warum hatte Familie Werner dann so einen Horror-
urlaub? Hatte sie nicht gut
einfach Pech? Weder noch.
tungsplattformen hat sich
Reiseveranstaltern natürlich
genug recherchiert oder
Der Erfolg der Bewer-.
bei den Hoteliers und
herumgesprochen. Und
120 Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
schnell haben sich die unseriösen unter ihnen die
höhere Glaubwürdigkeit von Urlaubern gegenüber
den offiziellen Katalogbeschreibungen zu Nutze ge-
macht. Denn schlechte Bewertungen und niedrige
Weiterempfehlungsraten wirkten sich zunehmend
negativ auf ihre Buchungen aus. Gute Bewertungen
hingegen wurden zum Selbstläufer für Hotels und
Ferienhausanbieter. Was liegt da näher, als im Schutze
der Anonymität des Internets den eigenen guten Be-
wertungen — und den schlechten der Konkurrenz —
ein wenig nachzuhelfen?
Wir sprechen hier schlichtweg von Manipulation
und von irreführender und damit unlauterer Werbung!
Eine anonyme E-Mail-Adresse bei gmx.de oder
web.de unter falschem Namen angelegt - und es kann
losgehen! Schnell mal 30 solcher positiver Bewertungen von vermeintlichen Urlaubern eingestellt, und
schon stoßen auch Urlauber aus Fleisch und Blut auf
das angepriesene Hotel mit den höchsten Weiteremp-
fehlungsraten.
Wir behaupten nicht, dass alle Hotels so etwas ma-
chen, aber es kommt vor. Bei einer Umfrage unter Auszubildenden des Reiseverkehrs hatte jeder schon Erfahrungen mit dem Ausfüllen von Hotelbewertungen für
den eigenen Arbeitgeber, ein Hotel oder eine Hotelket-
te, gesammelt. Die Versuchung ist zugegebenermaßen
groß und die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden,
trotz aller Beteuerungen der Bewertungsportale gering!
Einige Portale werben damit, sie hätten eine tod-
sichere Filtereinstellung, die regelmäßig vom TUV
oder sonst wem überprüft würden. Unsere Meinung:
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
121
Vergessen Sie’s, es gibt keine Sicherheit. Eine Hotelbewertung kann immer gefalscht sein, zumindest im
Moment noch. In einem Selbstversuch filterten Pro-
banden in unserem Auftrag nicht einmal 10 Prozent
der von uns in schönster Katalogsprache formulierten, gefälschten Bewertungen heraus. Also: Richtigen
Schutz vor Fälschungen gibt es nicht! Das Einzige,
was hilft, ıst das kritische Lesen zahlreicher Bewer-
tungen, um ein ausgewogenes Bild zu bekommen.
Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was zu
positiv oder zu negativ dargestellt wird. Achten Sie
auf Schönfärberei, und konzentrieren Sie sich auf die
Sachinformationen der Bewertungen.
Urlaub ist nicht gleich Urlaub der feine Unterschied
Es gibt aber noch eine weitere Falle zu beachten - al-
lerdings keine, die Ihnen von Betrügern gestellt wird,
sondern
eine, die Sie sich eventuell selbst stellen,
wenn Sie nicht aufpassen: Beim Lesen von Bewertungen sollten Sie unbedingt berücksichtigen, wer
diese abgegeben hat. Hat diese Person, zumindest
nach den wenigen Kriterien zu urteilen, die Sie ken-
nen (Alter, Zusammensetzung der Reisegruppe und
so weiter), irgendetwas mit Ihnen gemein? Ansonsten
könnten bei der Deutung
Missverständnisse entstehen.
einer Bewertung leicht
122
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
Wenn Sie alleinreisender Single sind, werden Sie
ein Hotel nach völlig anderen Kriterien auswählen als
beispielsweise ein gestresster Familienvater. Der ist
weniger am Anteil der Single-Frauen im Club interessiert als an den Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Auch wird jemand, der 30 Jahre älter als Sie ist, ande-
re Bewertungsmaßstäbe anlegen: Ruhe und Kulturprogramm statt die ganze Nacht Party. Und sicher hat
ein mitten im Berufsleben stehender Urlauber ganz
andere finanzielle Möglichkeiten als ein Student im
vierten Semester. Achten Sie zudem darauf, ob Sie
Informationen darüber finden, wohin der Bewerter
sonst in den Urlaub fährt. Der Rucksacktourist kann
- ganz unabhängig vom Kontostand — ganz andere
Vorlieben haben als der Seychellen-5-Sterne-Luxus-
hotel-Hopper.
Schlechtmacheret als Hobby —
der ewige Norgler
Neben den Geschmäckern und Vorlieben anderer
Urlauber sollten Sie auch berücksichtigen, dass es
quer durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch
Spinner, Wichtigtuer und ewige Nörgler gibt, die an
allem etwas auszusetzen haben. Nehmen
Sie deswe-
gen nicht alles für bare Münze, was andere Menschen
so schreiben, sondern sehen Sie immer kritisch auf die
Meinungen anderer. Kann das wirklich sein, was da so
Horror-Urlaub trotz Holidaycheck? 123
mancher schreibt? Ist das nicht vollig tiberzogen? Hat
sich hier nur einer Luft machen wollen und seinen
persönlichen Frust in der Bewertung abgelassen?
Und: Viele (deutsche) Urlauber geben leider nur
dann Bewertungen ab, wenn sie mit etwas unzufrieden waren. Positive Erfahrungen nehmen sie als
selbstverständlich und sparen sich einen lobenden
Kommentar - zum Leidwesen wirklich guter Hotels
und anderer Urlauber.
Fazit: Hotelbewertungen sind ein tolles Mittel zur
gegenseitigen Unterstützung von Urlaubern. Damit
dies auch so bleibt, sollten Sie alles tun, um Fälschun-
gen zu entlarven. Wenn Sie einen wirklich sachdien-
lichen Hinweis haben, melden Sie diesen dem Betrei-
ber. Wenn eine schönfärberische Täuschung völlig
offensichtlich und sogar nachweisbar ist, können Sie
das betreffende Hotel auch bei der Konkurrenz oder
einer Verbraucherzentrale melden. Denn wer ge-
fälschte Bewertungen über sein Unternehmen einstellt, begeht irreführende Werbung, und die ist wettbewerbsrechtswidrig und kann abgemahnt werden!
Leider allerdings nicht von Ihnen selbst, sondern nur _
von Wettbewerbern oder Verbänden wie den Verbraucherzentralen.
Auf der anderen Seite sollten Sie selbst das System
unterstützen, indem Sie eigene Bewertungen abge-
ben. Bleiben Sie dabei aber bitte fair. Nicht nur Be-
schwerden, sondern auch Lob sind der Mühe wert.
Sie freuen sich schließlich auch, wenn Sie nicht nur
Gemecker auf einer Plattform lesen. Helfen Sie ande-
ren durch möglichst viele Sachinformationen und
124 Horror-Urlaub trotz Holidaycheck?
Tipps, weniger durch Ihre subjektive Meinung, die
andere vielleicht gar nicht nachvollziehen können.
Zusammengefasst: Nutzen Sie Hotelbewertungs-
plattformen als Informationsquellen, wenn Sie eine
Reise planen. Die Meinung von anderen Urlaubern ist
meist ehrlicher als eine Katalogwerbung und die Webseite der Reiseveranstalter und Hotels. Aber über-
schätzen Sie die Kommentare auch nicht, und lesen
Sie niemals nur einen einzigen.
Checkliste
v Prüfen Sie, ob es sich um eine manipulierte Be-
wertung Ihres potentiellen Urlaubsortes handeln
könnte, und melden Sie sie beim Betreiber der
Bewertungsplattform.
/ Konzentrieren Sie sich auf sachliche Informatio-
nen, weniger auf persönliche Meinungen.
V Legen Sie besonders viel Wert auf Bewertungen
von Urlaubern, die Ihnen vom Alter, Reisemotiv
und Verhalten her ähnlich sein könnten.
v Geben Sie selbst sachliche Bewertungen ab, die
anderen helfen können.
V Schreiben Sie nicht nur Bewertungen, wenn
Ihnen etwas nicht gefallen hat.
Ich bin du — Identitätsklau im Internet
Falle
Beim
Identitatsklau
treten
andere
im
Internet
unter Ihrem Namen auf und gehen in Ihrem Namen
shoppen — oder schaden ganz einfach Ihrem Ruf.
Das doppelte Cyber-Lottchen
Egal, ob er es als harmlosen Streich plant, aus Neugier
oder Boshaftigkeit tut oder einer richtig kriminellen
Motivation folgt: Wenn Michael in die Rolle des großen Schwarms seiner Schulzeit schlüpfen möchte, ist
das meist kein Problem für ihn.
Sie hieß Lotte Ackerbruch, zumindest damals, vielleicht hat sie in der Zwischenzeit geheiratet. In der
zwölften Klasse sah sie wirklich toll aus: 1,75 groß,
brünett, schlank — alle Jungs standen auf sie. Leider
hat sie Michael nie wirklich beachtet, und er selbst war
zu schüchtern, um sie anzusprechen. Na gut, macht ja
nichts, ist ja auch schon sechs Jahre her. Trotzdem
126
Ich bin du — Identitätsklau im Internet!
fragt Michael sich noch manchmal, ob sie ihm heute
wohl immer noch die kalte Schulter zeigen würde?
Und was Lotte wohl so macht?
Das herauszufinden ist kein Problem. Kurz mal den
Namen bei Google oder einer Personensuchmaschine
wie 123people.de eingegeben, und meist kommt
etwas Nützliches dabei heraus. Neben einigen anderen Informationen findet Michael mit wenigen Klicks
ein Profil von Lotte bei Facebook und zwei weitere
Einträge unter ihrem Namen bei Xing und auf einer
Agenturwebseite, auf der Lotte als Messehostess gemeldet ist.
Fünf Klicks, und es gibt Lotte zweimal!
Es braucht nun nicht mehr viel, um sich für Lottes
Desinteresse von damals zu rächen. Von Facebook ko-
piert er sich ihr Profilfoto auf seinen Rechner. Dazu
muss er nicht einmal bei Facebook angemeldet sein.
Ihren Namen hat er ja sowieso schon, das Geburts-
datum findet sich bei Xing und ihre Adresse steht auf
der Firmenhomepage. Da Lotte freiberuflich tätig ist
und jeder Betreiber einer Homepage ein Impressum
angeben muss, in dem die Adresse steht, ist es in ihrem
Fall besonders einfach. Gesetzlich ist sie zudem noch
dazu
verpflichtet,
ihre
Steuernummer
anzugeben.
Vielleicht erkennen Sie jetzt schon das Gefahrenpotential, das da im Internet lauert?
Ich bin du — Identitätsklau im Internet!
127
Es dauert keine Stunde, da hat Lotte fiir Tausende
Euro eingekauft, fünf Nacktbilder hochgeladen und
dem besten Freund ihres Partners ein Sexangebot
unterbreitet.
Hat Michael nun noch nicht genug von seinen
dummen Streichen, könnte er in ein Internet-Cafe gehen und von dort aus bei gmx oder web.de einen
kostenlosen und anonymen E-Mail-Account eröffnen,
zum Beispiel lotte.s1983@meinanteil.de. Danach meldet er sich mit Lottes kompletten Kontaktdaten und
mit ihrem Namen bei StudiVZ an und stattet das neue
Profil im Internet mit ihrem Bild aus. Als Kontaktadresse für StudiVZ hat er die neu angelegte FreemailAdresse angegeben, von der aus er auch die Anmel-
dung bestätigt hat. Schon kann er loslegen und in
Lottes Namen bei StudiVZ unterwegs sein, Freunde
als Kontakt einladen, sich in Gruppen anmelden,
Kommentare hinterlassen und Bilder hochladen. Merken Sie was? Zur virtuellen Aneignung einer falschen
Identität braucht niemand technisches Know-how.
Das kann jeder!
Was du nicht willst, das man dir tu...
Für alle Fälle des Identitätsklaus gilt: Machen Sie so
etwas niemals! Auch wenn Sie die Idee im Hinblick
auf so manchen Menschen, der Ihnen mal blöd gekommen ist, noch so lustig und reizvoll finden sollten:
128
Ich bin du — Identitätsklau im Internet!
Sie gehen mit so einem Racheakt erhebliche Risiken
ein. Denn Sie verstoßen damit mindestens gegen die
Namens- und Persönlichkeitsrechte Ihres Opfers und
können von diesem kostenpflichtig abgemahnt und
auf Schadensersatz verklagt werden. Wenn Sie sich
bei Ihrem »Streich« sogar materielle Vorteile erschwindeln, machen Sie sich obendrein wegen Betrugs strafbar.
Versetzen Sie sich mal in die Lage des anderen: Was
würden Sie tun, wenn Ihnen jemand Ihre Identität
oder auch nur ein Privatfoto klauen würde? Sofort
einschreiten? Aber sicher! Sie haben auch das Recht,
dies zu unterbinden. Und ab dem Moment, da Web-
seitenbetreiber Kenntnis von gefälschten Profilen er-
halten, sind diese dazu verpflichtet, sie zu löschen.
Viele Communitys versuchen, schon bei der Anmeldung falsche Profile zu verhindern. Leider erfahren
das meist nur Menschen, die zufällig auch Dieter
Bohlen oder Angela Merkel heißen. Deren Namen
würden Communitys nämlich für einen schlechten
Scherz halten und ihnen den Eintritt ins soziale Netz-
werk verwehren.
Falls Sie bemerken sollten, dass Sie einen virtuellen
Doppelgänger haben, können Sie zunächst den Weg
gehen, den der Webseitenbetreiber für solche Fälle
anbietet: Melden Sie die Fälschung! Nehmen Sie sich
dafür aber nicht mehr als zwei Wochen Zeit. Wenn
sich bis dahin immer noch nichts getan hat, sollten
Sie unbedingt einen Anwalt aufsuchen. Der kann gegen den Webseitenbetreiber eine einstweilige Verfü-
gung beantragen. Das geht allerdings in aller Regel
Ich bin du - Identitätsklau im Internet!
129
nur innerhalb von einem Monat, und zwar ab dem
Moment, in dem Sie von Ihrem virtuellen Doppelgänger erfahren haben. Wenn Sie diese Frist verpassen, können Sie nur den langwierigen und teuren
Klageweg einschlagen.
Checkliste
/ Überwachen Sie regelmäßig, ob jemand in Ihrem
Namen im Netz unterwegs ist. Suchmaschinen
im Internet oder direkt in Communitys helfen.
V Gehen Sie gegen Missbrauch vor: Erkennen Sie
in Ihrem Namen getätigte Käufe nicht an, nehmen Sie keine Warensendungen an, die Sie
nicht bestellt haben und lassen Sie gefälschte
Profile löschen. Nehmen Sie sich dafür nicht
mehr als zwei Wochen Zeit. Spätestens dann
müssen Sie zu einem Anwalt gehen, wenn Sie
die Einmonatsfrist für eine einstweilige Verfügung nicht verpassen wollen.
/ Überwachen
Sie
regelmäßig
Ihre
Bank-
und
Kreditkartenkonten, ob es Abbuchungen gab, die
Sie nicht veranlasst haben.
Internetsucht kann tédlich sein!
Falle
Die Sucht nach Online-Spielen, ständiger Kommunikation übers Netz sowie die Suche nach
Cybersexpartnern auf einschlägigen Plattformen
kann zu physischen und psychischen Krankheiten
bıs hin zum Tod durch Erschöpfung führen.
Das Leben spielt anderswo!
Käseweiß im Gesicht, nervös und zittrig kriechen sie
aus ihren höhlenartig abgedunkelten Räumen: die
Abhängigen
des Internetzeitalters. Sie tragen ein
miefiges Aroma am Körper, der schon viel zu lange
nicht mehr an der frischen Luft oder im Sportstudio
war. Die Sonne haben die Augen dieser Suchtskla-
ven zuletzt als virtuelle Scheibe auf ihrem Bildschirm gesehen — als Animation eines Films oder
eines 3D-Spiels.
Internetsucht kann tödlich sein! 131
Wen diese Sucht treffen kann? Eigentlich jeden:
Ihren Nachbarn, Ihren Freund, Ihre Kinder — oder
auch Sie selbst. Die Krankheit, die diese zombieähn-
lichen Wesen befallen hat, ist so jung wie das Internet
selbst. Noch streiten sich Wissenschaftler darüber, ob
es sich bei der Internetsucht wirklich um eine aner-
kannte Erkrankung, »nur« ein Syndrom oder eine bereits aus anderem Kontext bekannte zwanghafte
Störung handelt, die im Internetzeitalter nur in neuer
Form auftritt.
|
Den Betroffenen kann das egal sein. So oder so lei-
den sie unter den Symptomen. Anders als bei der
Sucht nach einem Medikament, Alkohol, Zigaretten
oder anderen Drogen entsteht bei der Internetsucht
eine rein seelische Abhängigkeit. Die Gefährdeten
_ verspüren einen starken Drang, sich übermäßig und
exzessiv im Internet zu bewegen.
Der Übergang von einer ersten Begeisterung für das
Medium Internet bis zur Sucht ist oft fließend. Für
einige führt der Weg von der psychischen Abhängigkeit über körperliche Ausfallerscheinungen im
Extremfall bis zum Tod. In Fachkreisen gilt heute jemand als süchtig oder stark suchtgefährdet, der mehr
als 35 Stunden pro Woche online ist. Dabei zählen die
Stunden, während denen das Internet beruflich genutzt wird, nicht mit.
In Deutschland sind geschätzte ein bis zwei Millio-
nen Menschen
von der Internetsucht betroffen, ın
China bereits mehr als 20 Millionen. Die Ausprägungen der Onlinesucht sind vielfältig, haben aber fast
immer etwas mit dem Verlangen nach Kommunikati-
|
132
Internetsucht kann tédlich sein!
on, Online-Sex (auch Cybersex genannt), oder Video-
spielsucht zu tun.
Gefahrdet kann so ziemlich jeder sein, unabhängig
von Alter, Beruf oder Geschlecht. Stärker als andere
scheinen jedoch Menschen betroffen zu sein, die
ohnehin depressiv oder einzelgängerisch veranlagt
sind. Das liegt vor allem daran, dass die Ursachen der
Sucht im Kern weniger medizinischer, sondern eher
psychologisch-soziologischer Natur sind.
Wie gesagt, die Grenzen sind fließend: Bei dem
einen fängt es vielleicht mit dem Gefühl an, das
Handy nach einer Landung sofort und noch im
Flugzeug anschalten zu müssen — man könnte ja
etwas verpasst haben in der Zeit, in der man nicht
erreichbar war. Ein anderer schaut lieber alle drei
Minuten nach, ob nicht doch eine neue E-Mail ge-
kommen ist oder ob nicht einer seiner Freunde eine
Neuigkeit bei Facebook oder StudiVZ verkündet hat
'— man will ja nichts versäumen. Bei der Gelegenheit
könnte man auch gleich mal nachschauen, ob jemand die eigene Profilseite besucht hat oder einen
Kommentar zur Statusmeldung »Was machst du
gerade?« abgegeben hat. Wieder andere haben ursprünglich aus Langeweile an einem Online-Spiel
teilgenommen und dort nette Mitspieler getroffen.
Das hat doch echt Spaß gemacht, warum also nicht
noch einmal spielen?
Internetsucht kann tédlich sein! 133
Gib mir Aufmerksamkeit, zeig mtr, dass ich
wichtig bin, liebe mich!
Die Kommunikationssucht ist die bisher am wenigsten bekannte und gleichzeitig die offensichtlichste
Erscheinungsform der Internetsucht — und sie ge-
fährdet den größten Teil der Menschen. Zunächst
waren
es Handys,
dann die Internetforen, seit ein
paar Jahren gehören auch die sozialen Netzwerke zu
den Medien, die es den Menschen ermöglicht haben,
miteinander zu kommunizieren und Beruf oder Frei-
zeit zu gestalten.
Diese brachten zunächst viele Vorteile mit sich,
denn Menschen sind soziale Wesen, die ein starkes
Bedürfnis danach haben, mit anderen in Kontakt zu
stehen und Aufmerksamkeit und Feedback zu bekommen. Deshalb gewöhnten wir uns ohne Weiteres
daran, diese Form der Beachtung auf unkomplizierte
Weise, schnell, überall und jederzeit zu bekommen.
Der Nachteil: Mit der permanent verfügbaren Option
ist leider auch die Suchtgefahr gestiegen. Denn das
Abrufen von Aufmerksamkeit ist uns so zur Gewohn-
heit geworden, dass viele es bereits als Mangel empfinden, wenn sie diese auf einmal eine Zeit lang nicht
mehr bekommen.
»Mir ist langweilig, ich fühle mich einsam, keiner
liebt mich, niemand denkt an mich, ich fühle mich
einfach schlecht!« Ganz klar, das klingt nach Entzugserscheinungen. Wie lassen diese sich abstellen?
Das ist nicht so einfach. Selbsterkenntnis ist die erste
134
Internetsucht kann tédlich sein!
Voraussetzung. Aber wie etwas erkennen, woriiber
noch so wenig bekannt ist? Und schließlich: Es machen doch alle, oder? Und was alle machen, kann doch
so ungesund nicht sein... Nirgendwo
findet man
leichter Gleichgesinnte als in den Foren, Chats und
Communitys des Internets. Warum sollte man da auf
seine »Droge« — Aufmerksamkeit — verzichten? Kostengünstige Internet-Flatrates und mobile Endgeräte
erleichtern den »Konsum sozialer Beachtung«. Am
besten, man bleibt dafür einfach gleich in der Com-
munity und damit bei seinem Bekanntenkreis eingeloggt — auch während der Arbeit, des Fernsehens oder
einer Vorlesung in der Uni.
Die niedrigen Kosten, die Anonymität des Internets und das Überangebot rund um das Thema Sex
haben eine Falle geschaffen, der viele Menschen als
zumindest zeitweise triebgesteuerte Wesen kaum entgehen können. Die sexuell motivierte Variante der
Kommunikationssucht funktioniert nach ähnlichen
Prinzipien und ist nur spezieller ausgerichtet: Es ist
schlichtweg ein gutes Gefühl, nicht nur sozial allgemein anerkannt, sondern zudem noch attraktiv gefunden, sexuell begehrt zu werden. Ein schneller Flirt
oder ein eindeutiger Sex-Chat — alles ist auf Millionen
von Webseiten und Communitys im Handumdrehen
zu finden. Und anders als bei der auch im realen
Leben bekannten Sexsucht sind die Betroffenen nicht
darauf angewiesen, immer wieder neue reale Sexpartner zu finden (oder zu kaufen). Im Internet ist das
Angebot unbegrenzt.
Internetsucht kann tödlich sein! 135
Nackt im Netz —
eine weitere unstillbare Sucht!
Menschen, die nicht so sehr auf direkten Kontakt aus
sind, sondern ihre Befriedigung im Konsum von
pornografischen Bildern oder Videos finden, sind
noch gefährdeter. Hier muss nicht erst ein realer Sexpartner überzeugt werden, abgelehnt wird man auch
nicht, insofern liegt die Hemmschwelle deutlich niedriger. Dafür haben diese Abhängigen ständig das Ge-
fühl, dass es irgendwo bestimmt noch eine bessere
Seite gibt als die, auf der sie gerade surfen. Wer die
Sucht, nach immer weiteren Seiten zu suchen, nicht
in den Griff bekommt, kann bis in alle Ewigkeit weitersurfen, ohne jemals alles gesehen und wirkliche
Befriedigung erfahren zu haben. Wenn dieser Trieb
nicht gestoppt wird, sind die Betroffenen fast hoff-
nungslos verloren.
Rollenspiele: weni gstens ım Internet
einmal Held sein
Eine der verschrieensten Ausprägungen von Internetaktivitäten mit Suchtpotential ist aber erstaunlicherweise nicht das Thema Sex, sondern sogenannte Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele (engl. »Massive
Multiplayer Online Roleplaying Games«, kurz
136
Internetsucht kann tédlich sein!
MMORPG). Zu den bekanntesten Spielen zählen
»World of Warcraft« oder »Everquest«. Im Kern geht
es bei allen Spielen darum, dass Mitspieler in die
Rollen verschiedener Fantasyfiguren schlüpfen — in
der Fachsprache Avatare genannt — und als Gruppe
Abenteuer bestehen und Aufgaben lösen.
Diese Missionen, sogenannte Quests, bringen dem
erfolgreichen Spieler nicht nur Heldenruhm und
Ehre ein, sondern auch Belohnungen, etwa virtuelles
Geld, Ausrüstungsgegenstände oder »Erfahrungspunkte«. Dafür hat er computergesteuerte menschli-
che Gegner oder Monster zu bekämpfen und unbekanntes Territorium zu erkunden.
Beute gibt es reichlich
Wie bei anderen Computerspielen, gibt es auch in
diesem Segment Spiele, die schwerpunktmäßig auf
kriegerische Handlungen oder Gewalttaten rekurrieren. Und die angesprochenen Belohnungen motivie-
ren Spieler indirekt dazu, andere »aus dem Weg zu
räumen«. Deshalb werden nach Amokläufen oder an-
deren Gewaltverbrechen weltweit immer wieder Forderungen nach Verboten laut, seit bekannt wurde, dass
Attentäter oft auch exzessive Internetrollenspieler
sind.
Internetsucht kann tédlich sein!
137
»Wenn ich jetzt aufhöre, verhere ıch alles:
Beute und Freunde«
Aber süchtig macht nicht unbedingt das Töten, sondern die Anerkennung und das Gemeinschaftsgefühl.
Wenn beispielsweise genug »Erfahrungspunkte« zu-
sammengekommen sind, kann man zur Belohnung
das nächste Level des Spiels erreichen. Dafür muss
man sich in der Regel Mitstreiter suchen, sich also
mit anderen Spielern zu einer Gruppe vereinigen. Nur
ein gutes Team ist erfolgreich, alleine kommt man
nicht weit. Gründet man eine solche »Gilde«, so wird
man deren Chefmanager oder Führungsoffizier, meist
»Gildemeister« genannt, und führt die Truppe in den
Kampf. Das schweißt zusammen, man unterstützt
sich, ergänzt sich, tauscht Erfahrungen aus. Die bewährten Gefährten werden schnell zu »Freunden« beziehungsweise Ersatzfreunden.
Zwar ist der kommunikative Aspekt nicht zu unterschätzen. Immerhin sitzt man nicht ganz alleine vorm
Rechner. Aber natürlich wächst auch hier mit zuneh-
mender Zeit, die man in und mit solchen Spielergemeinschaften statt mit realen Freunden verbringt,
ganz automatisch die Suchtgefahr.
Die Kombination
aus Gemeinschafterlebnis und
Belohnung ist ein geeigneter Nährboden für eine Spielsucht. Je länger man spielt, desto wertvoller wird die
eigene Spielfigur und desto stolzer kann man auf das
Erreichte sein. Wer will da schon aussteigen und auf
Gefühle wie Stolz, Selbstvertrauen und Erfolg verzich-
138
Internetsucht kann tédlich sein!
ten? Im Alltag zollen einem Eltern, Freunde, Lehrer
und Arbeitgeber nie so leicht Respekt und Anerkennung. In der Fantasy-Welt funktioniert das.
Kaum finden sich Spieler im grauen Alltag wieder,
bekommen eine schlechte Schulnote oder vermissen
ehrliche Bewunderung durch Freunde, Eltern oder
Kollegen, schon empfinden sie die reale Welt als mangelhaft und verspiiren Entzugserscheinungen. Dann
doch lieber schnell zuriick ins Spiel. Da ist man we-
nigstens wer oder kann daran arbeiten, ein Held zu
werden, damit die Mitspieler einem hier den Respekt
zollen, den man eigentlich fiir sich beansprucht.
Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl im Spielerteam fördert die Abhängigkeit. Denn neben der eigent-
lich positiven Starkung von Teamgeist, Kooperationsfahigkeit und Vertrauen kann schnell auch eine
gegenseitige Abhängigkeit oder sozialer Druck entstehen. Man schaukelt sich bei der Zielsetzung in der
Gruppe hoch. Man vergleicht und man misst sich mit
den anderen. Und wenn es um viel geht, kann man die
Freunde in der Gruppe nicht hängenlassen, nur weil
man gerade für eine Mathearbeit pauken muss. Auch
die Freundin, Schlaf, Essen, Duschen
oder auf die
Toilette gehen müssen da schon mal kurzfristig in den
Hintergrund rücken, schließlich verlassen sich die anderen ja auf einen.
Statt der geplanten zwei Stunden vergehen bei
einer Mission im Handumdrehen schon mal zehn
oder 15 Stunden - ein hoher Preis für das Erfolgs-
gefühl, das man in der Gruppe genießt. Ein weiterer
Preis: Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, muss
Internetsucht kann tödlich sein! 139
man Alltag und Freizeit immer mehr nach dem Spiel
ausrichten. Schule, Beruf oder Freunde und Familie
haben schnell das Nachsehen, wenn der Spielerfolg
wichtiger wird als die eigene Realität. Ein echter Teufelskreis! Denn die Vernachlässigung dieser Realität
führt genau dort zu Misserfolgen, die wiederum dazu
animieren, schnell wieder in die Fantasy-Welt zu flie-
hen. Das normale Leben wird in Folge immer unwichtiger, weil auch zunehmend erfolgloser. Das Spiel
ist jetzt der Lebensmittelpunkt, den Alltag bestimmen schlechte Laune, Nervosität, Aggressivität oder
auch Schlafstörungen und massiver Gewichtsverlust.
Vielleicht bleibt es bei vorübergehenden sozialen oder
gesundheitlichen Problemen. Dokumentiert sind jedoch bereits einige Todesfälle aufgrund teilweise
wochenlanger ununterbrochener Spiele. Diagnose:
- Unterernährung und Erschöpfung.
»Ich könnte aufhören, wenn ıch wollte...«
Wie bei allen Suchtkrankheiten ist eine Heilung nur
möglich, wenn man sich selbst eingesteht, dass man
ein ernsthaftes Problem hat. Viele Gefährdete verneinen oder verharmlosen jedoch die Anfänge ihrer
Sucht. Schließlich sind auch andere ständig online.
Klar, in der Gemeinschaft fällt alles leichter!
Selbst Menschen, die sich stundenlang in den
Parallelwelten der Online-Spiele aufhalten, argumen-
.
140 Internetsucht kann tödlich sein!
tieren noch damit, lediglich ihre feinmotorischen
Fahigkeiten zu trainieren. Auch stellen sie in den Vordergrund, dass sie bei Rollenspielen Teamfähigkeit
und Führungsstärke erlernen würden. Und schließlich muss man seine Mitkämpfer ja auch intensiv kennenlernen
— etwas
anderes
machen
Manager
Teambildungsseminaren ja auch nicht, oder?
in
Wie ein Drogenabhängiger sucht man verzweifelt
nach etwas Positivem in seiner Sucht, an dem man
sich festhalten kann — und glaubt daran: Wir alle
kennen diese Sprüche: »Mein Opa hat auch geraucht
und ist 95 geworden!« oder »Du isst ja auch mal
etwas Ungesundes!« und als Krönung: »Ich habe das
im Griff und kann damit umgehen!« oder »Ich könnte sofort aufhören, wenn ich wollte.« Diese Verharm-
losungen sind reiner Selbstbetrug und helfen natürlich überhaupt nicht weiter.
Wo gibt es Hılfe. .. ım Internet?
Es klingt wie Ironie des Schicksals, aber die erste und
beste Anlaufstelle für Hilfesuchende bei OnlineSucht ist tatsächlich die Quelle allen Übels selbst: das
Internet. Über Suchmaschinen finden Sie hier mittlerweile zahllose Selbsttests, die Ihnen - falls Sie ehr-
lich antworten — schwarz auf weiß sagen, ob Sie ge-
fährdet oder gar schon süchtig sind. Genauso finden
Sıe Foren, auf denen Sie sich mit anderen Betroffenen
Internetsucht kann tédlich sein! 141
austauschen und in deren Gemeinschaft Sie wieder
»sauber« werden können.
Anders als bei anderen Abhängigkeiten geht es bei
der Internetsucht nicht um einen völligen Entzug.
Schließlich können wir in unserer Welt kaum beruf-
lich oder gesellschaftlich ohne Internet existieren, zumindest die jüngeren Generationen. Es geht also
nicht um völlige Abstinenz vom Netz, sondern um
einen bewussten Umgang damit im Alltag. Stichwort:
Medienkompetenz.
Die meisten Gefährdeten, die sich zum Handeln
entschließen, kriegen die Kurve, ob allein oder mit der
Unterstützung von Freunden, Familien oder Lehrern.
In ganz gravierenden Fällen hilft tatsächlich nur der
Totalentzug, um erst einmal wieder zu Bewusstsein
zu kommen. Sind die Entzugserscheinungen überwunden und kann der Betroffene die Situation mit
einer gewissen Distanz betrachten, ist er in der Regel
auf einem guten Weg, seine Sucht in den Griff zu
kriegen und einen bewussten Umgang mit dem
Interent neu zu erlernen.
Schlechter sieht es jedoch aus, wenn ein Süchtiger
auf die Hilfe Dritter angewiesen ist. In Deutschland
kämpft man immer noch um die Anerkennung der
Internetsucht als offizielle Krankheit. Bisher übernehmen Krankenkassen kaum Kosten, und es gibt nur
wenige spezialisierte Ärzte oder Therapeuten. Dies
wird sich jedoch bald ändern müssen, denn die Zahl
der Abhängigen steigt weiter. Es sollte etwas pas-
sieren, bevor hierzulande Zustände herrschen wie in
China, wo die geschätzten 20 Millionen Onlinesüch-
142
Internetsucht kann tédlich sein!
tigen mittlerweile in Hunderten von Spezialkliniken
behandelt werden.
Um zu verhindern, dass es so weit kommt, sind wie
bei jeder Sucht Prävention und Aufklärung vonnöten.
Um in allen Situationen Herr der Lage zu bleiben,
sollte Medienkompetenz richtiggehend erlernt wer-
den. Nur wenn man sich der Gefahren bewusst ist,
kann man auf kleinste Anzeichen reagieren - bevor es
zu spät ist. Nutzen Sie die unzähligen Möglichkeiten
des Internets als Bereicherung, aber verlagern Sie
nicht Ihren Lebensschwerpunkt vor den Rechner.
Gleiches gilt für Ihre Kinder. Achten Sie darauf, zu
welchem Zweck und wie viel Zeit Ihre Kinder im
Internet verbringen.
Checkliste
v Machen Sie einen Selbsttest.
v Wenn Sie Anzeichen eines Suchtproblems bemerken, verharmlosen Sie diese nicht.
/ Sprechen Sie das Problem offensiv bei Freunden
an und suchen Sie Hilfe bei anderen Betroffenen
oder Therapeuten.
/ Achten Sie im engsten Freundeskreis darauf, ob
Ihre Bekannten bestimmte Symptome zeigen.
Selbstmord nach Mobbing
tibers Internet
Falle
Das Internet macht Mobbing noch einfacher, als
es im realen Leben ist. Opfer können in sozialen
Netzwerken leicht öffentlich an den Pranger gestellt und sogar über Scheinidentitäten gemobbt
werden.
»Die Welt könnte so schön sein — ohne Dich!«
Berüchtigt ist der Fall der 13-jährigen Megan aus
den USA. Das Mädchen hatte sich in den 16-jährigen Josh verliebt, der über MySpace langsam eine
Beziehung zu ihr aufgebaut hatte. Bald wusste er da-
durch ziemlich genau, was Megan mochte und was
nicht.
Sie unterhielten
sich über Klamotten, über
Hobbys, auch über Sex. Als Megan ihm schließlich
eingestand, dass sie in Josh verliebt war, brach er den
Kontakt einfach ab. Zuvor schrieb er in einer letzten
144
Selbstmord nach Mobbing übers Internet
Mail, dass die Welt ohne sie viel schöner sei. An-
schließend setzte er noch sämtliche Mitschüler ins
Bild und veröffentlichte, was Megan ihm anvertraut
hatte. Diese nahm sich daraufhin in ihrem Schmerz
das Leben.
Geschichten solcher Art gab es schon immer und
wird es immer wieder geben. Das Perfide an dieser
Geschichte ist, dass sich hinter der Identität von Josh
die Mutter einer ehemaligen Freundin von Megan
verbarg. Diese Freundin hatte den Kontakt mit
Megan vor einiger Zeit beendet, da Megan angeblich
deren Geheimnisse ausgeplaudert hatte. Um sich
stellvertretend für ihre Tochter an Megan zu rächen,
begann die Mutter, eine Scheinbeziehung in der
Rolle des frei erfundenen Josh aufzubauen, nur um
Megan später leiden zu sehen. Wie weit sie über das
Ziel hinausschießen würde, ahnte sie wahrscheinlich
nicht.
Es kann jeden treffen
Mobbing kommt vom Englischen »to mob« — »an-
pöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen«. In englischsprachigen Ländern wird inzwischen
eher von »bullying« — »tyrannisieren« gesprochen.
Beides steht im engeren Sinne für Psychoterror — ob
am Arbeitsplatz, in der Schule, im Sportverein oder
sogar im Altersheim. Das Ziel: das Opfer aus dem
Selbstmord nach Mobbing tibers Internet 145
Betrieb oder einer anderen Gemeinschaft hinauszuekeln.
Vor allem in der Schule und am Arbeitsplatz stellt
Mobbing ein besonders großes Problem dar. Die
Grenzen dessen, was alles unter den Begriff fällt, sind
fließend: Was mit Lästern anfängt, kann in üble
Nachrede
durch . Verbreitung
falscher
Tatsachen
übergehen. Auch eine Zuweisung sinnloser Tätigkeiten im Job, Beleidigungen, öffentliche Bloßstellung
oder Ausgrenzung aus einer Runde fallen darunter.
Vor allem auf Schulhöfen geht Mobbing oftmals in
körperliche Gewalt über. Das Opfer wird — meist von
mehreren — verprügelt. Allen Demiitigungen gemeinsam ist, dass Mobber dabei systematisch vorgehen.
Sowohl zum Täter als auch zum Opfer kann im
Prinzip jeder werden, ganz unabhängig von seiner
Position in einer Gemeinschaft. Ob Kollege, Vorge-
setzter, Mitschüler, Lehrer: Keiner ist vor solchen
Übergriffen gefeit. Besonders schwierig, sich zur
Wehr zu setzen, wird es dann, wenn sich Vorgesetz-
te und Kollegen zu einem Terrorteam gegen einen
einzelnen Mitarbeiter zusammentun, wenn also die
Aktionen quasi von oben gedeckt, ja unterstützt wer-
den.
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehr
als eine Million Mobbingopfer, darunter rund 60000
Lehrer. Über die Zahl der betroffenen Schüler gibt
es keine Angaben.
146
Selbstmord nach Mobbing übers Internet
»Wir kriegen Dich!« — Cyber-Mobbing
Das Internet hat leider auch in Sachen Mobbing eine
neue Dimension geschaffen. Bei der manchmal auch
Cyber-Mobbing genannten Variante haben es Tater
viel leichter, ihr Unwesen zu treiben. Die Anonymität
des Internets senkt die Hemmschwelle — und die Gefahr, erwischt zu werden. Die Tater gehen im Netz
deswegen oft weiter als im realen Leben. Ein böser
Kommentar, anonym in einem Forum verfasst, birgt
für den Mobber weniger Risiken, als wenn er seinen
Spruch mit einer Sprühdose an die nächste Haus-
wand schmiert. Gleichzeitig erreicht man über Foren
und weitergeleitete E-Mails viel mehr Menschen.
Außerdem kann das Opfer praktisch rund um die Uhr
terrorisiert werden. Und wie so oft ist die Wirkung im
Internet dauerhafter, weil man Bilder und Texteinträge in Communitys oder Foren kaum wieder
vollends eliminieren kann.
Doch nicht nur die Täter haben es im Internet
leichter, andere zu mobben. Die Opfer liefern sich
manchmal geradezu aus. Wie wir am Beispiel von
»Cyber-Lottchen« bereits gezeigt haben, ist es ein
Leichtes, an Geburtsdaten, Adressen, Telefonnummern, Hobbys, Bilder oder private Details von ande-
ren heranzukommen. Das meiste an solchen Infos ha-
ben Menschen auf der Suche nach sozialen Kontakten
selbst hochgeladen.
Fressen!
Für Mobber
ein gefundenes
Selbstmord nach Mobbing tibers Internet 147
»Jemanden, der Hitler in seinem Fotoalbum hat,
stellen wir besser nicht ein!«
Profilbilder von Opfern hat man schnell herunter-
geladen und — zu deren Nachteil — bearbeitet. Die
gefälschte E-Mail-Adresse kostenlos angelegt, und
schon kann es losgehen. Schnell ist der Kopf von
einem Porträt-Foto auf einen übergewichtigen, nackten Körper gesetzt. Stalin und Adolf Hitler gehören
plötzlich
zu
Ihrem
Freundeskreis,
und
die
arme
Miriam hat plötzlich einen Bart...
Ob echt oder nicht, solche Bilder sind jedem peinlich. Wenn die dann noch zufällig von einem potentiellen neuen Arbeitgeber gefunden werden, kann man
die Bewerbung dort abhaken. In Schülerkreisen lädt
vielleicht jemand »Freunde« in die neu gegründete
Gruppe »Ich bin die ärmste Sau in der ganzen Schule«
ein. Diese Einladung schickt man auch dem Mobbing-Opfer, dessen Foto den Namen der Gruppe
illustriert - um es auf diese Weise ganz offen zu
demütigen. Ein krasserer Schritt, der ebenfalls immer
wieder vorkommt: Ein Opfer wird mit echtem oder
gefälschtem Profil kontaktiert und bedroht. Gleichzeitig werden noch andere Kanäle, etwa die richtige
E-Mail-Adresse, ein Chat-Raum
oder Foren, be-
nutzt, um das Opfer mit Sprüchen und Bildern zu
demütigen und zu beschimpfen. Den Gemeinheiten
sind einfach keine Grenzen gesetzt.
Sicherlich endet nicht jeder Mobbing-Fall so dramatisch wie der von Megan. Aber an ihrem Beispiel
148 Selbstmord nach Mobbing tibers Internet
wird das ganze Ausmaf der Gefahren sichtbar. Zum
einen wird deutlich, wie grausam Menschen zueinander sein können. Zum anderen zeigt sich eine der
größten Gefahrenquellen für diese spezielle Art des
Psychoterrors: enttäuschte oder nicht erwiderte Gefühle.
|
Dieses starke Motiv führt dazu, dass wirklich jeder
Opfer von Mobbing werden kann, nicht nur vermeintlich labilere Persönlichkeiten. Im Gegenteil:
Gerade psychisch schwächere Menschen,
die sich
zurückgestoßen fühlen, nutzen das Internet aktiv, um
sich zu rächen und ihren ehemals Angebeteten Scha-
den zuzufügen. Gerade wenn vielleicht einmal eine
engere und vertrauensvolle Beziehung bestanden hat,
verfügt der Ex-Partner über Bilder, Videos oder
pikante Informationen, mit denen er den oder die an-
dere dann im Bekanntenkreis oder Berufsleben bloß-
stellt.
»Wehr Dich, Du Opfer!«
Was kann man tun, um sich gegen Mobbing-Aktionen
zu wehren?
Ausharren
und
hoffen,
dass
das
Ganze irgendwann aufhört? Kündigen, die Schule
wechseln? Das hilft leider meist nicht — vor allem
nicht gegen die Attacken im Internet. Außerdem »belohnt« und bestätigt man die Täter durch das vermeintliche Eingestehen einer Niederlage.
Selbstmord nach Mobbing übers Internet 149
Man sollte unbedingt eines tun, und zwar immer
wieder: Grenzen setzen und »Stopp« sagen! Das ist
sicherlich leichter gesagt als getan, denn es erfordert
Kraft, sich entschieden zur Wehr zu setzen. Genau
diese Stärke fehlt vielen Opfern, und sie nimmt nach
jahrelangen Mobbing-Angriffen auch nicht zu. Deswegen ist es besser, diese Angriffe so früh wie möglich
zu stoppen.
Wenn
Sie selbst betroffen sind, suchen Sie sich
Unterstützung, sprechen Sie das Problem’ offensiv
an! Und wenn Sie — egal, ob als Lehrer, Mitschüler,
Elternteil, Vorgesetzter oder Kollege — bemerken,
dass jemand anderes in Ihrem Umfeld gemobbt wird
und nicht die Kraft hat, sich zu wehren: Helfen Sie!
Setzen Sie sich für den Betroffenen ein. Meist schaffen es Opfer gerade nicht, die ersten Schritte zur
Gegenwehr alleine zu unternehmen, finden aber zu
innerer Stärke zurück, wenn es Ihre Unterstützung
erfährt.
Und noch etwas ist wichtig: Täter, die keine Ge-
genwehr erfahren, fühlen sich schnell ermutigt, mit
dem
Mobben
weiterzumachen.
Gleiches
gilt bei
halbherzigen Abwehrreaktionen. Also: Senden Sie
bitte immer sehr direkte »Stopp-Signale«, wenn Sie
in eine Mobbing-Situation geraten, und zeigen Sie
rasch, dass Sie die Opferrolle gar nicht erst akzep-
tieren. Aber lassen Sie sich bei Ihren Abwehrreak-
tionen auf keinen Fall selbst zu illegalen Handlungen verleiten!
150
Selbstmord nach Mobbing übers Internet
Wen man drankriegen kann — und wen nicht
Wenn Sie oder Ihre Kinder von jemandem im Internet verleumdet werden oder sich verunglimpft füh-
len, können Sie sich wehren. Handelt es sich um ein
Bild oder ein Video, müssen Sie nicht einmal von
Mobbing reden. Denn die Rechte an Ihren Bildern
liegen allein bei Ihnen. (Vgl. dazu das Kapitel Bildrechte bei eBay) Wenn
Sie oder ein Bekannter von
Ihnen das Bild gemacht hat, können Sie oder der
Bekannte als Foto-Urheber die weitere Verbreitung
verbieten. Und selbst wenn Sie nicht wissen, wer das
Foto gemacht hat: Ihnen steht auf jeden Fall das so-
genannte Recht am eigenen Bild zu. Und auch das
berechtigt Sie in solchen Fällen, die Nutzung des Bil-
des zu verbieten. Allein die Tatsache, dass Sie nicht
mit der Veröffentlichung des Bildes einverstanden
sind, reicht aus, um einen Webseite-Betreiber aufzu-
fordern, es zu entfernen. Dieser ist gesetzlich dazu
verpflichtet, sobald er davon in Kenntnis gesetzt
wurde (aber eben erst dann). Das gilt auch für Filme,
zum Beispiel, wenn Lehrer im Klassenraum gefilmt
wurden, etwa mit einem Handy.
Betreiber sind wiederum nicht verpflichtet, von
vornherein zu prüfen, ob bestimmtes Material illega-
lerweise hochgeladen wurde. Um Ihre Belange müs-
sen Sie sich schon selbst kimmern. Wenn Sie beim
Betreiber selbst nicht weiterkommen, hilft Ihnen ein
Anwalt. Bitte achten Sie aber auch hier darauf, dass
Sie nicht länger als zwei Wochen damit warten, das
Selbstmord nach Mobbing tibers Internet 151
Problem anzugehen. Denn einen Monat, nachdem
Sie das Bild entdeckt haben, läuft die sogenannte
Dringlichkeitsfrist ab, innerhalb der Sie noch eine
einstweilige Verfügung beantragen können. Danach
können Sie nur noch den langen, teuren und mühseligen Klageweg gegen den Betreiber der Internetseite
beschreiten.
Wenn Sie den Tater, der Ihren Kopf auf ein
Nacktbild montiert oder sonst mit Ihren Persönlichkeitsrechten Schindluder getrieben hat, identifizieren und ausfindig machen können — um so besser.
Ihr Anwalt schreibt ihm eine Abmahnung und
fordert ihn zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung auf. Die Kosten dafür muss der
Übeltäter tragen. Wenn er sich weigert, die Unterlassungserklärung abzugeben, hilft auch hier eine
einstweilige Verfügung. Außerdem haben Sie einen
Schadensersatzanspruch und können - je nachdem,
wie schlimm die Persönlichkeitsrechtsverletzung war
— eine satte Geldentschädigung für das Ihnen zugefügte Leid verlangen.
Ein besonders großes Problem für die unter Mob-
bing leidenden Lehrer besteht darin, dass die Mobber
selbst oft gar nicht haftbar gemacht werden können.
Kinder ab sieben Jahren sind zwar beschränkt rechts-
und deliktsfähig und könnten auf Schadensersatz verklagt werden. Dafür müssten sie aber in der Lage sein,
zu verstehen, dass sie falsch gehandelt haben. Und das
steht keineswegs immer fest.
152 Selbstmord nach Mobbing übers Internet
Klage gegen Unbekannt?
Was aber, wenn man gar nicht weiß, wer einen
mobbt? Wem soll man sich entgegenstellen, wen
rechtlich belangen? Es könnte jeder sein. Der Nach-
bar, der Kollege, der Chef, der Lehrer, der Mitschüler
— so ziemlich jeder ist heute in der Lage, im Internet
anonym oder in der Rolle einer anderen Person zu
agieren. Dies ist wohl das größte und häufigste Problem, wenn es um Mobbing-Aktionen im Internet
geht. Damals in der zehnten Klasse wusste man we-
nigstens noch, wer alles beim Mobbing mitgemacht
hat, und konnte sich an Vertrauenslehrer, die Schul-
leitung oder sozial eingestellte Mitschüler wenden,
auch wenn es schwerfiel. Aber im anonymen World
Wide Web? Wenn das Opfer den Täter nicht zuord-
nen kann, wird es schwierig.
Nicht wegklicken, sondern hingucken —
und Beweise sammeln!
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie oder auch Ihr
Kind oder ein Freund im Internet gemobbt werden,
ist es vielleicht erst mal eine ganz natürliche Reaktion,
dass man dies nicht wahrhaben will. Klar, es ist unan-
genehm. Aber es hilft nichts! Gehen Sie offensiv mit
dem Problem um, und zwar so schnell wie möglich.
Selbstmord nach Mobbing übers Internet 153
Anstatt so zu tun, als ob Ihnen so etwas nicht passieren könnte, machen Sie sich an die Arbeit und sam-
meln Sie Beweise. Und vermitteln Sie das Gleiche
Ihren Kindern. Bereiten Sie sie darauf vor, dass so
etwas jedem passieren kann. Studien zeigen, dass sich
Kinder oft vor ihren Eltern schämen, wenn sie gemobbt werden, und deshalb lieber nichts davon er-
zählen. Oder sie schweigen aus Angst vor einem
Internet-Verbot. Viele Eltern wiederum wissen zu
wenig über das Netz und glauben, dass Problem sei
erledigt, wenn sie ihren Kindern einfach untersagen,
ins Internet zu gehen. Das ist natürlich Quatsch!
Geben Sie regelmäßig Ihren Namen und den Ihrer
Kinder bei Google und anderen Suchmaschinen ein
und sehen nach, ob da etwas Negatives über Sie zu
finden ist. Wenn dem so ist und Sie dem Ganzen
schnell Einhalt gebieten wollen, ist es wichtig, Beweise zu sichern. Machen Sie Screenshots (das sind quasi
Schnappschüsse Ihres Bildschirms) und Ausdrucke
und bewahren Sie diese auf. Damit verhindern Sie,
dass ein Täter einen Eintrag schnell selbst löschen
kann, bevor sıch ein Gericht darum kümmert.
Am Ende kommt es auf Sıe selbst an
Bei allen rechtlichen Möglichkeiten, die wir haben,
um gegen Mobbing vorzugehen, muss uns klar sein,
dass Gesetze das gesellschaftliche Problem nicht
154 Selbstmord nach Mobbing übers Internet
allein lösen können. Wir alle sind gefordert, aufzu-
klären, zu lernen, hinzugucken und einzuschreiten.
Die zuvor so angeprangerten Communitys geben sich
dahingehend mittlerweile recht erfolgreich Mühe. Sie
setzen auf die soziale Kontrolle und fordern Mitglieder aktiv dazu auf, dem Betreiber und dem Moderator
jegliche Probleme zu melden. Das ist im Grunde das
Gleiche wie im Klassenraum. Auch dort müssen die
anderen aufstehen und sich schützend vor die Opfer
stellen — indem sie den Tätern zeigen, dass diese sich
inakzeptabel verhalten.
Warum Mobbing uns alle angeht
Wenn Sie zu denen gehören, die nichts gegen Mobbing unternehmen beziehungsweise sich nicht weh-
“ ren, dann machen Sie sich klar, dass die Ursache all
dessen, was geschieht, auch immer in Ihrem eigenen
Handeln (oder Nichthandeln) liegt. Und falls Sie
selbst schon mal die Versuchung spürten, jemanden
zu mobben: Denken Sie nicht, Sie würden als Persönlichkeit oder als Führungskraft dadurch reifer,
dass Sie andere erniedrigen. Genau das Gegenteil —
Zivilcourage und Unterstützung Schwächerer — zeich-
net eine Führungspersönlichkeit aus.
Selbstmord nach Mobbing übers Internet 155°
Checkliste
V Durchstöbern Sie regelmäßig Google, Personen-
und Bildsuchmaschinen sowie Videoportale nach
Ihrem Namen und denen Ihrer Kinder.
V Treten Sie ersten Mobbingversuchen entschieden
entgegen.
V Melden Sie Betreibern direkt, wenn Sie oder an-
dere gemobbt werden.
/ Wenn Sie das Problem nicht selbst lösen können:
Gehen Sie nach spätestens zwei Wochen zum
Anwalt, denn es laufen Fristen!
V/ Informieren Sie sich auch im Internet, zum Bei-
spiel unter www.klicksafe.de oder www.seiten
stark.de
Beim Online-Banking Konto abgeräumt
Falle
Während
Sıe denken,
Sie sind auf der Webseite
Ihrer Bank, wird Ihr Geld in Wirklichkeit auf die
Konten von Betrügern überwiesen.
Wachsamkeit — eine sichere Bank
Kennen Sie den »Enkeltrick« am Telefon? Vorwie-
gend ältere Menschen werden angerufen, und die
erste Frage lautet meistens: »Rate mal, wer dran ist?«
Meistens geben sich die Trickbetriiger als nahe Verwandte aus, die in Geldschwierigkeiten stecken: Man
wurde entlassen, sei mit der Miete im Rückstand und
außerdem erwarte man Nachwuchs. Viele Senioren
lassen sich erweichen und möchten ihrem Verwandten aus der Patsche helfen. Im Klartext: Sie lassen sich
über den Tisch ziehen und geben dem vermeintlichen
Angehörigen Geld.
Auch im Internet treiben Trickbetrüger ihr Unwe-
Beim Online-Banking Konto abgeräumt
157
sen, wie Sie aus anderen Kapiteln bereits wissen. Sind
Sie schon einmal per E-Mail von Ihrer Bank dazu
aufgefordert worden, Ihre Bankdaten erneut einzugeben? Man spricht hier vom sogenannten »Phishing«.
Das Kunstwort besteht aus den englischen Worten
»password harvesting« — quasi »Passwort ernten« —
und »fishing« für »angeln«. Die Betrüger versuchen,
auf diese Weise an die Passwörter ihrer Opfer zu ge-
langen. Bevor wir naher darauf eingehen, machen wir
noch einen Schritt zuriick: Denn um zu verstehen, wie
diese Kriminellen vorgehen, sollten wir uns erst noch
mal das Prinzip des Online-Bankings mit all seinen
Vorzügen und Risiken genauer anschauen.
Exkurs: Online-Banking
Wie funktioniert Online-Banking? Es gibt ye
schiedene Möglichkeiten, Ihre Bankgeschäfte von
zu Hause aus abzuwickeln. Sobald das Internet ins
Spiel kommt, können Sie entweder eine eigene
Online-Banking-Software einsetzen oder direkt.
über den Browser arbeiten. Beim Einsatz von Online-Banking-Software sollten Sie vorher mit Ihrer
Bank sprechen und sich eine aktuelle Software’
empfehlen lassen. Wenn Sie direkt über Ihren.: |
Browser auf die Internetseite Ihrer Bank gehen, iist :
Vorsicht geboten.
\
Das Verfahren an sich klingt zunächst sehr einfach: 3
Sie stellen bei Ihrer Bank einen Antrag auf OnlineBanking und erhalten daraufhin einen Benutzerzu-
158
Beim Online-Banking Konto abgeräumt
gang sowie einen separaten: Brief mit einer Liste
von Zahlen, sogenannten TAN (TAN steht für
Transaktionsnummer). Ihr Benutzerzugang besteht
"aus einem Benutzernamen und einem Passwort.
Damit melden Sie sich auf der Internetseite der
"Bank an. Und schon sehen Sie, wie viel Geld der-
zeit auf Ihrem Konto ist und welche Kontobewegungen stattgefunden haben. Sie brauchen auch
nicht mehr zur Bank zu laufen, um Ihren Konto-
auszug auszudrucken — denn alles steht jetzt auf
‚Ihrem Bildschirm, und Sie können den Auszug
auch an Ihrem-heimischen Drucker ausdrucken.
‚Wenn Sie eine Überweisung tätigen möchten, brauchen Sie zusätzlich die TAN-Liste. Nachdem Sie
auf der Internetseite den Überweisungsträger ausgefüllt haben, fragt die Bank nach einer bestimmten
Nummernkombination auf der TAN-Liste, um die
Transaktion zu bestätigen. Diese Nummer — beispielsweise jjene auf Listenplatz 15 — tragen sie in
das entsprechende Feld auf dem Bildschirm ein.
Schon ist ‘die Überweisung fertiggestellt.
|
Mit der TAN-Liste, die nur auf Sie zugelassen ist,
| stellt die Bank sicher, dass kein Krimineller die Über-
weisung tätigen kann. Selbst falls er irgendwie an Ihr
Passwort herangekommen. sein sollte, bräuchte er
quasi als zweiten Zugangscode zusätzlich die TANNummern. Diese haben Sie aber (hoffentlich) an ei-
nem sicheren Ort zu Hause aufgehoben. Bitte spei.chern. Sie die TANs
keinesfalls auf Ihrem Rechner ab!
Denn damit machen Sie es Kriminellen allzu einfach.
Beim Online-Banking Konto abgeräumt 159
Phishing for compliments — or for your password!
So oder so ähnlich klingt ein Phishing-Brief oder eine
E-Mail, die Sie angeblich von Ihrer Bank, tatsächlich
aber von einem professionellen Online-Trickbetriiger
bekommen (bei der Internetadresse www.xy-bank.de
würde natürlich sonst der Name Ihrer Bank stehen):
N ehr geehrter Kunde,
wir erneuern unser Kundensystem, um es für Ste noch
sicherer zu machen. Im Zuge dessen bitten wir Sie, sich auf
unserer Webseite erneut anzumelden, um Ihren Kundenzugang zu aktualisieren. Die neue Datensicherheit greift
erst nach der Aktualisierung.
Loggen Ste sich bitte hier ein: www.xy-bank.de
Vielen Dank für Ihr Vertrauen.
Hans Meier
Angestellter Ihrer XY-Bank
Spinnen wir das Beispiel weiter: Würden Sie nichts-
ahnend auf den Link klicken, erscheint auf Ihrem
Bildschirm eine Seite, die der Webseite Ihrer Bank
erstaunlich ähnlich ist. Sie ahnen nichts Böses und
greifen beherzt in Ihr Aktenregal, um Ihren Bank-
ordner mit der TAN-Liste herauszuziehen. Sie geben
Ihre Zugangsdaten in die Felder auf dem Bildschirm
ein. Noch schnell auf die Taste »Anmelden« geklickt und schon schnappt die Falle zu.
160 Beim Online-Banking Konto abgeräumt
Denn ohne es bemerkt zu haben, sind Sie gerade
auf einer Webseite gelandet, die zwar so aussieht wie
die Ihrer Bank, die aber gar keine Bank-Webseite ist.
Dennoch
haben Sie sich dort mit Ihren Bankzu-
gangsdaten angemeldet. Damit hat der Trickbetrüger
bereits Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort.
Nicht so schlimm, denken Sie jetzt vielleicht. Ich
habe doch gerade erfahren, dass er damit alleine gar
nichts anfangen kann, zum Geldüberweisen braucht
man schließlich noch die TAN-Liste. Und Sie haben
natürlich recht. Der Trickbetrüger kann nur dann an
Ihr Geld kommen,
wenn
er Ihre TAN-Nummern
kennt.
Bei dem neuen iTAN-Verfahren muss es sogar eine
ganz bestimmte TAN sein. Denn die durchnumme-
rierten Ziffern werden heute nicht mehr chronologisch, sondern nach dem Zufallsprinzip von Ihrer
Bank abgefragt. Am Ende einer Überweisung fordert
das Computersystem Ihrer Bank Sie zum Beispiel da-
zu auf, die TAN mit der Nummer 21 aus der TANListe einzutragen. Beim nächsten Mal ist es die 62.
Dieses Zufallsprinzip macht es für Trickbetrüger
schwieriger, an Ihr Geld zu kommen - aber nicht unmöglich.
Leider haben sich die Phishing-Experten auch dazu etwas einfallen lassen: die sogenannte Man-in-the-
middle-Attacke. Und die funktioniert so: Sobald Sie
auf dem Link zur (vermeintlichen) Bank klicken, der
in der Mail enthalten ist, erhält der Betrüger eine
Nachricht - und kann aktiv werden! Ihren Benutzer-
namen und Ihr Passwort hat er erhalten. Zeitgleich
Beim Online-Banking Konto abgeräumt 161
meldet er sich jetzt auf der richtigen Bankseite mit
diesen Daten an. Sehr schnell füllt er eine Online-
Überweisung für Ihr Konto aus. Am Ende wird er
nach einer TAN gefragt, zum Beispiel nach der Nummer 15 Ihrer TAN-Liste. Und genau die geben Sie
ihm auch. Wie das?
Gehen wir einen Schritt zurück: Sie sind immer
noch
auf der Webseite,
die aussieht wie die Ihrer
Bank. Sie haben sich angemeldet und sind gerade
noch dabei, die Informationen Ihrer Bank zu lesen:
Sicherheit wird bei unserer Bank groß geschrieben. Ihr
Bankkonto wird mit der neuen Transaktıon mit einem
Sicherheitsschlüssel belegt.
So oder so ähnlich lautet der Text, der lang genug ist,
dass er dem Betrüger genug Zeit verschafft, auf Ihrem
echten Konto den Überweisungsträger auszufüllen,
während Sie noch mit Lesen beschäftigt sind. Sie
werden in der Zwischenzeit am Ende des Schreibens
dazu aufgefordert, eine Ihrer TAN einzugeben, um
den angeblich neuen Sicherheitsschlüssel zu aktivieren. Dabei handelt es sich um genau die TAN, die der
Betrüger in diesem Moment braucht, um eine Überweisung von Ihrem Konto auf seines zu tätigen. Er
»sitzt« quasi zu diesem Zeitpunkt genau zwischen
Ihrem echten und dem gefälschten Bankkonto -
daher der Name der Attacke: man in the middle.
Nachdem Sie das nun wissen, ist Online-Banking
für Sie gestorben, sagen Sie? Das muss nicht sein! Sie
müssen einfach nur wissen, woran Sie erkennen kön-
162 Beim Online-Banking Konto abgeräumt
nen, dass es sich gar nicht um Ihre Bank handelt, die
Ihnen da eine Mail schickt.
Seien Ste schlauer als die Betrüger —
Wie Sie Phishing bemerken
Zum einen würde Ihre Bank Sie nie per E-Mail dazu
auffordern, Ihr Passwort oder andere Daten auf einer
Webseite einzugeben. Falls Sie sich bei einem Schrei-
ben nicht sicher sind, rufen Sie Ihre Bank zuerst an
und fragen dort nach, ob tatsächlich eine solche Mail
verschickt wurde. Zweitens werden Sie im Betrugsfall
nicht persönlich, also mit Ihrem Namen angeschrie-
ben. Typisch für Phishing-Mails sind nichtpersonalisierte Anreden. Drittens kann auch die InternetAdresse, die Sie oben in Ihrer Browser-Leiste hinter
dem »www« lesen, eine ganz andere sein als die, die
Sie sonst mit Ihrer Bank verlinkt. Schauen Sie daher
im Eingabefeld des Browsers auf die tatsächliche
Internetadresse, die aufgerufen wird.
In extremen Fällen kann aber auch diese gefälscht
sein. Das
geschieht mit Hilfe einer sogenannten
Schadsoftware. Diese bringt Ihren Computer dazu,
die Internetadressen umzuleiten. Wenn Sie dann in
Zukunft die Internetadresse www.google.de aufrufen,
wird in Wirklichkeit eine gefälschte Seite aufgerufen,
und Sie merken gar nichts davon — zumindest dann
nicht, wenn die Seite gut gemacht ist und das gleiche
Beim Online-Banking Konto abgeräumt 163
Erscheinungsbild hat wie das Original. Im Spionagebereich werden solche Techniken eingesetzt, um bei
Zielpersonen auszuspionieren, wonach sie im Internet
suchen. Die Suchergebnisse werden dann wieder an
Google weitergegeben. Das Opfer merkt also nicht,
dass Agent 008 jetzt darüber Bescheid weiß, dass sich
die Zielperson für Peperoni-Marinade oder Plastik-
sprengstoff interessiert.
Nicht nur über Banken,
auch über andere Kanäle wırd gephisht
Sicherlich sind Bank- und Kreditinstitute aus Verbrauchersicht die Bereiche, in denen das größte Phishing-
Risiko besteht. Klar, denn da ist am meisten zu holen!
Doch auch andere Webseiten wie soziale Netzwerke
werden dazu genutzt, an fremde Daten zu gelangen.
Schlimmstenfalls nimmt ein Betrüger im Internet
vorübergehend Ihre Identität an. Er gibt sich als Sie aus
und versorgt erst einmal Ihren kompletten Freundeskreis mit Werbung für eine Sexseite. (Erinnern Sie sich
an das Kapitel Ich bin du — Identitätsklau im Internet.)
Aus diesem Grund sollten Sie für jede Webseite ein
anderes Passwort nutzen. Stellen Sie sich lieber der
Herausforderung, mit mehreren Passwörtern jonglieren zu müssen, als dass Sie Trickbetriiger in die Lage
versetzen, mit einem Mal gleich all Ihre Zugänge und
Accounts zu knacken.
164
Beim Online-Banking Konto abgeraumt
Checkliste
V Halten Sie Ihr Antivirenprogramm
neuesten Stand.
auf dem
V Halten
Stand.
neuesten
Sie Ihren
Browser
auf dem
V Prüfen Sie immer ganz genau, ob es sich bei
Mails von der Bank tatsächlich um das Kreditinstitut Ihres Vertrauens handelt. Fragen Sie im
Zweifelsfall lieber dort nach.
/ Nutzen Sie unterschiedliche Passwörter.
Spam kostet Sie hundert Tage
Ihres Lebens
Falle
Sie verbringen täglıch viel Zeit damit, Ihre
E-Mails 1m Posteingang durchzugehen? Treffen
Sie Vorkehrungen, sonst kostet Sie das jährlich
mehrere lage Ihres Lebens.
»Sıe haben Post« —
Penisverlängerung, Viagra & Co.
Bing, bing, bing — ein wohlbekannter Dreiklang signalisiert Ihnen, dass Sie eine oder mehrere E-Mails
bekommen haben. Ein Blick ins Postfach offenbart
25 neue Nachrichten. Wenn Sie nun kurz die Betreff-Zeilen der E-Mails überfliegen, werden Sie
feststellen, dass Sie nur fünf der Mails wirklich in-
teressieren! Die anderen lassen Ihren AdrenalinSpiegel eher auf höchste Werte steigen — aus Ärger!
Denn Sie sind weder an einer Penisverlängerung
noch an den neuesten Nacktfotos Ihrer angeblichen
166 Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens
Nachbarin interessiert. Und auch das Angebot eines
Viagra-Discounters ist nicht das, was Sie gerade
brauchen. Also beférdern Sie alle 15 Werbemails in
die ewigen Jagdgriinde Ihres E-Mail-Papierkorbs.
Zum hundertsten Mal! Durchatmen. Der tägliche
Löschvorgang von Werbemüll - in der Fachsprache
»Spam« genannt — hat ja nur zehn Minuten Ihrer
wertvollen Zeit gekostet. Aber was ist das in Lebenszeit? Jeden Tag zehn Minuten Spam löschen,
das bedeutet pro Monat 300 Minuten, im Jahr sind
es 60 Stunden. Wenn Sie das die nächsten 40 Jahre
durchhalten, kommen Sie auf 100 Tage. Nutzen Sie
Ihre Zeit sinnvoller!
Warum man Ihnen Spam-Mails schickt?
Es kostet kein Porto!
Hinter Absendern von Spam-Mails stecken findige
Vertriebler, die versuchen, ihre Produkte an den Mann
zu bringen. Früher musste man aufwendige Serien-
Briefe entwerfen und diese, versehen mit teurem Porto,
an potentielle Kunden schicken. Im Zeitalter des
Internets ist das leichter: Das Versenden einer E-Mail
ist nahezu kostenlos, und als Absender kann ich sogar
prüfen, ob die E-Mail gelesen wurde oder nicht. Be-
reits im Jahr 1978 verschickte der Computerverkäufer
Gary Thuerk 600 Mails an seine Kunden — und ver-
Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens
167
diente damit als weltweit erster »Spammer« zwölf
Millionen Dollar.!!
100 Milharden Spam-Nachrichten pro lag und wie Sıe ıhnen entgehen können
Ende der 90er Jahre waren es bereits Millionen von
Werbemails pro Tag, die in die Postfächer der Inter-
netnutzer gespült wurden. Heute werden pro Tag 100
Milliarden Spam-Nachrichten versendet. Zunehmend macht sich bei den Nutzern Wut und Hilflosigkeit breit. Doch wie kann man den nervenden
Werbemails entgehen?
E-Mail-Anbieter und Software-Hersteller entwickelten sogenannte Spam-Filter, die die Viagra-
und Penisverlängerungswerbung von echter Post unterscheiden sollten. Leider funktioniert das bis heute
nicht einwandfrei, so dass zumindest ein kleiner Teil
der Spam-Mails nach wie vor Ihren Posteingang erreicht.
|
Das Wichtigste für Sie ist erst einmal, dass Sie
selbst Spam-Mails von richtiger elektronischer Post
unterscheiden
können.
Im
Kapitel über Phishing
haben Sie gelesen, wie Spams auch dazu genutzt werden, um
an Ihre Bankdaten zu gelangen — das ist
11 Vgl. »Der erste Spammer verdiente 12 Millionen Dollar - mit einer E-Mail«
in Spiegel Online vom 01.05.2008 unter www.spiegel.de/netzwelt/web/
0,1518,550919,00.html.
168 Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens
besonders gefährlich! Aber auch die permanente
Zusendung nicht erwiinschter Werbung nervt. Sie
haben mehrere Möglichkeiten, diesem Problem zu
begegnen.
E-Mail-Filter mit Erinnerun gsvermögen
Lassen Sie die unerwünschte E-Mail in Ihrem Spam-
Ordner verschwinden. Dies ist beispielsweise bei
E-Mail-Programmen wie Outlook oder Google-Mail
möglich. Auf diese Weise »lernt« Ihr E-Mail-Pro-
gramm dazu. Als Filter verfügt es nämlich über eine
Art intelligentes Gedächtnis. Bekommen Sie danach
erneut eine Mail desselben oder eines ähnlichen Absenders, landet diese gleich im Spamordner.
Spammer abmahnen!
Sie können Versender von Spam-Mails auch abmah-
nen lassen. Denn unerwünschte E-Mail-Werbung ist
genau wie unerwünschte Faxwerbung rechtswidrig!
Wenn Sie also den Absender identifizieren können
(und der nicht gerade in Botswana sitzt), lassen Sie
ihm über einen Anwalt eine Abmahnung zukommen
und fordern ihn zur Abgabe einer Unterlassungs-
Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens 169
erklärung auf. Der Spammer muss auch die Kosten
für den Anwalt übernehmen.
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis — beziehungsweise zwischen Gesetz und Internet - liegt
wie immer in der Umsetzung. Leider ist es nicht
immer einfach, an die Versender von Spam-Mails
heranzukommen. Insbesondere Internet-Laien fehlt
das technische Know-how. Hilfe findet man unter
www.internet-beschwerdestelle.de. Für rechtliche
Fragen stehen zudem die Verbraucherzentralen zur
Verfügung.
Meine Adresse kriegt nicht jeder!
Vielleicht fragen Sie sich auch, woher ein Spammer
überhaupt Ihre E-Mail-Adresse hat. Vermutlich steht
sie irgendwo auf einer oder mehreren Webseiten.
Oder Sie haben sich vielleicht in einer Community
angemeldet, die Ihre Daten weiterverkauft hat? Da-
mit Sie nicht permanent genervt werden, können Sie
vorbeugen. Geben Sie in Communitys einfach nicht
Ihre persönliche E-Mail-Adresse an. Bei E-Mail-Anbietern können Sie kostenlos mehrere Adressen erstel-
len. Wenn Sie sich beispielsweise bei der Community
www.hallo-leute.de anmelden, können Sie dafür bei
einem E-Mail-Anbieter die Adresse frank_bei_halloleute@gmx.de einrichten. Wenn Sie dann über diese
Adresse
Spam-Mails
bekommen,
wissen
Sie, von
170 Spam kostet Sie hundert Tage Ihres Lebens
wem die Adresse weitergegeben wurde. Abgesehen
davon müssen Sie die für die Anmeldung verwendete
E-Mail-Adresse nicht mal unbedingt wieder aufru-
fen, nachdem Sie Teil der Community geworden sind.
Checkliste
V Richten Sie sich für jede nicht vollständig seriöse
Plattform eine eigene E-Mail-Adresse ein.
v Setzen Sie einen Spam-Filter in Ihrer E-MailSoftware ein.
V Melden Sie Spammer bei der Internet-Beschwerdestelle.
/ Wenn
Sie den Spammer identifizieren können
oder sogar kennen, können Sie ihn durch einen
Anwalt abmahnen lassen.
Stalking — Wenn der Verehrer
zum Verfolger wird
Falle
Wer im Internet zu viel über sich preisgibt, ist ein
gefundenes Fressen für Stalker. Diese stellen ıhren
Opfern auf obsessive Weise nach und terrorisieren
sie bis hin zu physischen Übergriffen.
»Ich kann ohne Dich nicht leben!«
Sandra hat sich nach drei Monaten Beziehung von
ihrem Freund getrennt. Nachdem alles so traumhaft
schön begonnen hatte, wurde er zunehmend besitzergreifend und engte die 22-Jährige immer mehr ein,
bis sie die Reißleine zog.
Leider ließ sich ihr Ex-Freund durch die Trennung
nicht davon abbringen, Sandra zu verfolgen. Fortan
wartete er jeden Abend vor ihrer Tür. Sowohl auf dem
Festnetzanschluss als auch auf dem Handy klingelte
es alle fünf Minuten. Anfängliche Bitten wie: »Ich
172
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
will Dich zurück« oder Geständnisse wie: »Ich kann
nicht ohne Dich« bekamen zunehmend einen aggressiven Unterton, der bald den Charakter einer Dro-
hung annahm. Sandra traute sich nicht mehr allein
aus ihrer Wohnung, da ihr Ex immer in seinem Auto
kauerte und darauf wartete, sie in die Finger zu be-
kommen. Auch in ihrer Wohnung fühlte sie sich bald
nicht mehr sicher.
Letztlich hatte Sandra keine andere Wahl: Still und
heimlich bezog sie eine neue Wohnung und beantragte neue Telefonnummern, die in keinem Telefonbuch
auftauchten, und schärfte auch ihrem Freundeskreis
ein, auf gar keinen Fall mit ihrem Ex-Freund zu
sprechen.
Rien ne va plus? Von wegen...
Vor ein paar Jahren wäre Sandras Problem damit
wahrscheinlich gelöst gewesen. Aber im Zeitalter des
Internets, in dem Informationen über alles und jeden
im Netz zu finden sind, gestaltet sich der Umgang mit
hartnäckigen Stalkern ungleich komplizierter.
Woran Sandra nicht gedacht hatte: Ihr Ex-Freund
kannte natürlich auch ihr Community-Profil bei
StudiVZ. Bei Facebook war sie sogar mit ihm vernetzt. Bis vor kurzem war in ihrer beider Profil noch
»in einer Beziehung« zu lesen. Zusätzlich kannte der
Ex-Freund auch ein paar Freundinnen von Sandra.
Stalking — Wenn der Verehrer zum Verfolger wird 173
Ohne mit einer von ihnen auch nur direkten Kontakt
aufzunehmen,
meldete
er sich einfach im Namen
einer dieser Freundinnen, die noch kein eigenes Profil
hatte, als neues Mitglied an. Im nächsten Schritt frag-
_ te er als Sandras vermeintliche Freundin um deren
Freundschaft bei StudiVZ an. Sandra stimmte zu, ın
dem Glauben, es handele sich tatsächlich um ihre
Freundin. Nach ein paar kurzen freundschaftlichen
Textzeilen stellte der Ex-Freund die entscheidende
Frage: »Wie läuft es in der neuen Wohnung?«
Zwei Mailwechsel weiter verabredet man sich zum
Wochenende, um gemeinsam auf die Pirsch zu gehen
und die neue Freiheit zu genießen. Da vorher ein paar
Kaltgetränke in der neuen Wohnung genommen werden sollten, bekam der Ex auch die neue Adresse mit-
geteilt...
Die Geschichte endete nicht so schlimm, wie man
vielleicht hätte annehmen können. Zwecks Getränkeplanung rief Sandra ihre echte Freundin an, um dann
festzustellen, dass diese gar nichts von der Verabredung wusste. Einen Umzug später war Sandra sehr
viel vorsichtiger im Umgang
StudiVZ & Co.
mit ihren Daten bei
Stalker »hetzen« ıhre »Beute«!
Das englische »stalking« kommt ursprünglich aus der
Jägersprache und bedeutet auf Deutsch so viel wie
174
Stalking — Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
»heranpirschen«, »nachstellen« oder »hetzen«. Wie
ein Jäger sammelt der Stalker zunächst zahlreiche In-
formationen über seine Beute, um sie dann einkreisen
und »stellen« zu können. Um den pathologischen
Aspekt hervorzuheben, spricht man in der Psycholo-
gie von »obsessivem Verfolgen«. Es geht dem Stalker
weniger um einzelne Handlungen. Vielmehr steht die
andauernde Verfolgung und der seelische Terror des
Opfers im Vordergrund. Der Stalker fühlt sich in seiner Jägerrolle wohl. Denn hat er auch sonst keinen
Zugriff (mehr) auf den Menschen, dem er nachstellt,
so hat er doch in gewisser Weise Macht über ihn,
indem er ihm Angst macht. Das Opfer dagegen befindet sich in der unangenehmen Rolle des Gejagten.
Die Grenzen zwischen Stalking und Mobbing
sind oft fließend. Auch beim Stalking kann es zu
übler Nachrede, Verunglimpfungen oder Bloßstellung
kommen - etwa durch Veröffentlichungen intimer
Details oder Bilder auf Community-Plattformen,
Blogs oder anderen Foren. Bei weniger starken Formen des Stalkings taucht der Verfolger einfach nur
ständig in der Nähe seines Opfers auf, ruft es pausen-
los an oder schickt eine E-Mail nach der anderen.
Stalking leicht gemacht — durchs Internet!
Seit sich klassisches Stalking mehr und mehr in die
Welt des Internets verlagert — früher sprach man auch
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird 175
von Cyber-Stalking -, findet der Stalker noch leichter
Informationen über sein Opfer: Wohnort, Name,
Freunde, Aufenthaltsorte, Bilder, Vorlieben. Millio-
nen von potentiellen Opfern geben in ihren Community-Profilen, Blogs oder auf persönlichen Webseiten
bereitwillig Auskunft. Der Stalker kann sich verschie-
denster Formen der Internet-Kommunikation bedie-
nen und dabei aus einer ganzen Palette an Informationen schöpfen, um anschließend das Opfer unter
Druck zu setzen oder ihm sonstwie zu schaden. Dabei
ist die zugemüllte Pinnwand
oder das Gästebuch
voller Beleidigungen sicherlich noch eine harmlosere
Variante.
»Wenn Du mich nicht liebst,
bringe ich mich um... oder Dich!«
Wie beim Mobbing, so senkt auch hier die relativ
hohe Anonymität des Internets leider die Hemm-
schwelle der Tater. Es ist viel leichter und komfortabler, das Opfer mit 500 E-Mails täglich zu bombardieren, als bei jedem Wetter vor dessen Haustiir
herumlungern. Außerdem wird man im Netz nicht so
schnell erwischt.
Die Gründe dafür, warum einige Menschen andere
belästigen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst:
Besonders stark ausgeprägt scheinen Motive wie un-
erwiderte Liebe, verletzte Ehre oder Rache zu sein.
.
176 Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
Zurückgewiesene liebeskranke Menschen versuchen,
dem begehrten Menschen zu schaden und es ihm so
»heimzuzahlen«, wenn er sie schon nicht »glücklich
machen will«. Andere sehnen sich einfach nur auf eine
sehr irrationale Weise
nach diesem Menschen,
sie
wollen alles über ihn wissen, um sich ihm möglichst
nahe zu fühlen. Dabei kann es sich bei der Person der
Begierde sowohl um Ex-Partner als auch um völlig
unbekannte Menschen, gerne auch Prominente
handeln. Die Grenze zwischen Liebeskummer und
psychischer Störung ist oft schwierig auszumachen.
Neben Ex-Partnern kann es sich bei Stalkern auch
um Freunde oder Verwandte handeln, die nach einem
Streit oder Kontaktabbruch die Aussöhnung gegen
den Willen des Opfers erzwingen wollen. Das wahrscheinlich gefährlichste Motiv ist der Wunsch mancher Täter, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie
erliegen der Einbildung, hieraus Befriedigung ziehen
zu können. In Einzelfällen machen diese Menschen
auch vor körperlicher Gewalt nicht halt.
Ähnlich wie beim Mobbing finden sich fürs Stal-
king aber auch immer häufiger rein taktische Motive.
Menschen, die man im Job oder in anderen Lebens-
bereichen als Konkurrenten empfindet, werden durch
Psychoterror professionell eingeschüchtert und unter
dem Deckmantel eines überhaupt nicht existierenden
Stalkers »ausgeschaltet«.
Was auch immer das Motiv des Täters ist, wie beim
Mobbing kann es wirklich jeden treffen. Auch wenn
ihre Fälle vielleicht die größere Aufmerksamkeit ver-
ursachen: Prominente sind lange nicht die Mehrheit
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird 177
unter den Stalking-Opfern. Obwohl kaum eine Einschränkung gemacht werden kann, weisen Studien zu
diesem Thema doch auf einige Tendenzen hin: So ist
Stalking zwar kein typisch männliches oder weibliches Phänomen, die größere Zahl der Täter sind aber
Männer — und die Opfer weiblich. Des Weiteren ist
im privaten Bereich der Kreis der Ex-Partner unter
den Stalkern besonders groß. Im beruflichen Umfeld
sind unter den Opfern besonders häufig Berufsgruppen, die viel Kontakt zu Kunden, Patienten oder
Klienten haben.
Anders als beim Mobbing verfolgt der Stalker nicht
das schwächste Mitglied einer Gemeinschaft. Im Ge-
genteil: Gerade die Gutaussehenden, die gesellschaftlich Angesehenen und Erfolgreichen werden schnell
zu Stalking-Opfern. Manchmal reicht es, dass jemand
die eigene Niederlage im Beruf, im Kampf um das andere Geschlecht oder auch nur um einen Posten im
Karnevalsverein nicht verkraftet. Neid und das Ge-
fühl, der Verlierer zu sein, reichen aus, um den Unter-
legenen zum Stalker zu machen.
Es muss nicht mal irgendeine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer bestehen. Täter lassen für selbst empfundene seelische oder körperliche
Verletzungen durchaus auch wildfremde Menschen
büßen, quasi stellvertretend. In der Psychologie
spricht man in solchen Fällen vom Phänomen der
»Übertragung«. Das Opfer muss lediglich Merkmale aufweisen, die für den Täter einen Zusammen-
hang zur selbst erfahrenen Verletzung herstellen. Es
kann
also leider schon
ausreichen,
dass
Sie auch
178 Stalking — Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
Lehrer, Richter oder einfach nur eine Frau sind, um
zum Opfer eines Stalkers zu werden.
Leben als Stalking-Opfer
Wie reagiert man, wenn man Opfer eines Stalkers
wird? Die meisten tun das Ganze anfangs noch als
zwar nervige, aber harmlose Kleinigkeit ab, nach dem
Motto »Der wird sich schon wieder beruhigen!« Gibt
der Stalker jedoch nicht von alleine auf, stellt sich
beim Opfer Dauerstress ein: Nervosität, Angstzustände, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Gereizt-
heit wechseln sich ab. Nicht selten entwickeln sich
daraus Panikattacken, Verfolgungswahn oder sogar
Depressionen. Nach einiger Zeit kann es zu Problemen am Arbeitsplatz und im privaten Umfeld kommen. Leistungsfähigkeit und soziale Kompatibilität
nehmen ab, denn Ängste und ein Verlust an Vertrau-
en anderen gegenüber sind schlechte Voraussetzungen für beruflichen Erfolg und einen großen Freundeskreis.
Auch im Umfeld von Stalking-Opfern wird das
Problem oft zu spät als solches erkannt. Nicht selten
wirft man den Betroffenen Überempfindlichkeit oder
gar Wichtigtuerei vor. Beschwerden bei Vorgesetzten
oder Hilfesuche bei Freunden oder Behörden verlaufen im Sande, die Opfer bleiben auf sich allein gestellt.
Das ist tragisch, denn gerade die Unterstützung ande-
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
179
rer wiirde dem Opfer Kraft geben, sich gegen Stalking
zu wehren.
Dennoch sollten Sie als Opfer Ihr Umfeld unbe-
dingt informieren. Einerseits können etwa Kollegen
Sie warnen, wenn ein Stalker Ihnen auflauert. (»Du,
nimm heute besser den Hinterausgang, draußen steht
er wieder.«) Zum anderen sind auch Kollegen und
Freunden vorgewarnt, dass vielleicht komische Dinge
passieren können. So vermeiden Sie Missverständnisse, und alle wissen darüber Bescheid, dass es sich zum
Beispiel nicht um Ihre privaten Telefonate handelt, die
da ständig im Büro ankommen und den Geschäftsbetrieb stören. Genauso sind Dritte gewarnt, dass ein
Stalker versuchen könnte, sie über Sie auszuhorchen.
Und für rechtliche Schritte, die Sie eventuell später
einleiten müssen, haben Sie damit wertvolle Zeugen.
Handeln Ste — schnell und bestimmt,
aber nıe aggressiv!
Wie beim Mobbing gilt auch beim Stalking, dass Sie
beherzt einschreiten sollten, wenn
Sie oder andere
Opfer von einem Stalker verfolgt werden. Dafür ist es
zunächst wichtig, dass Sie alle Beweise festhalten.
Löschen
Sie die Mails
nicht, die Sie von diesem
Empfänger bekommen, und blockieren Sie auch nicht
Ihren Zugang. Das wäre eine verständliche Reaktion,
aber leider ein Fehler und hilft auch nur in sehr harm-
180 Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
losen Fallen. Gleiches gilt, wenn Sie jemanden in einer Community auf die »Feindes-Liste« setzen. Man-
che sozialen Netzwerke bieten zwar auch eine Funktion, mit der Sie unangenehme Mitglieder abwehren
oder melden können; unter Umständen werden diese
auch vom Betreiber selbst aus der Community ent-
fernt. Aber besser ist es, eine unangenehme Situation
einen Moment länger zu ertragen, Beweise zu sam-
meln und sogar möglichst viele Dritte darüber zu
informieren und zu Zeugen zu machen.
In krassen Fällen wird all dies leider nicht ausreichen, um dem Stalker Grenzen aufzuzeigen. Kinderleicht kann er sich eine neue anonyme E-Mail-
Adresse
oder
sogar
eine
neue
Internet-Identität
zulegen. Machen Sie also genau das Gegenteil: Löschen Sie keine Mails oder sonstigen Kontaktanfra-
gen, sondern sichern Sie diese. Machen
Sie Fotos
(Screenshots) von Ihrem Bildschirm, wenn Sie die Be-
weise nicht direkt speichern können. Gleiches gilt für
alles, was außerhalb des Internets in Sachen Stalking
passiert — Telefonate,
SMS, persönliche Treffen. Je
mehr Sie von diesen Beweisen sammeln, desto größer
ist später Ihre Chance, gegen den Stalker vorzugehen.
Das Gesetz hılft - wenn Sie den Stalker kennen!
Wenn Sie — wie in den meisten Fällen — den Täter
kennen oder zumindest identifizieren können, stehen
|
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird 181
Ihre Chancen, gesetzlich gegen ihn vorzugehen, gar
nicht schlecht. Nachdem Stalking erst langsam von
Justiz und Medizin als ernsthaftes Problem wahrge-
nommen wurde, ist es seit 2007 als »Nachstellung«
durch $ 238 des Strafgesetzbuchs unter Strafe gestellt.
Andere Gesetze wie das Gewaltschutzgesetz ergänzen
die Regelungen. Stalking-Opfer können bei Gericht
durchsetzen, dass der Täter sich in einem bestimmten
Umkreis der Wohnung oder an anderen Orten, die
das Opfer häufig besucht, nicht mehr aufhalten darf.
Auch E-Mails, Anrufe, Faxe oder SMS können verboten werden.
Durchsetzen kann man diese Ansprüche über einen
Anwalt, der den Stalker abmahnt und notfalls per
einstweiliger Verfügung des Gerichts dazu zwingt,
sich von Ihnen fernzuhalten.
Bitte die Tarnkappe aufsetzen!
Besser als juristisch gegen den Stalker vorgehen zu
müssen, ist es aber natürlich, Stalking von Vornherein
gar nicht zuzulassen oder früh in die Schranken zu
weisen. Ein spannender Ort für ungewollte DauerVerehrer sind Flirt- und Dating-Communitys, aber
auch normale soziale Netzwerke wie Facebook oder
StudiVZ. Wie schon in anderen Kapiteln erwähnt,
gilt auch hier: Persönliche Informationen sollten nur
ganz selektiv angegeben werden. Besonders in Flırt-
182 Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
Communitys sollten Sie nicht Ihren richtigen Na-
men, sondern zur Tarnung einen Spitznamen
als
- Benutzernamen verwenden. Wenn Sie noch sicherer
gehen wollen, wählen Sie keinen Benutzernamen,
der allzu anzüglich klingt (etwa »sexyscharfe-
maus91« oder »hengst35«). Auch Ihre E-MailAdresse, Telefonnummern oder Anschrift haben hier.
definitiv nichts zu suchen beziehungsweise sollten nur
mit größter Vorsicht rausgegeben werden.
»Am Anfang wirkte er so interessant ...«
Was aber tun, wenn Sie jemanden zuerst sehr nett fanden, später jedoch kein weiteres Interesse hatten? Wie
sagen Sie jemandem diplomatisch, dass Sie ihn doch
nicht spannend finden, dass Sie keinen weiteren Kontakt wünschen? Grundsätzlich gilt hier immer: Bleiben
Sie höflich, aber seien Sie auch bestimmt! Wenn
Sie
selbst zu aggressiv und unhöflich reagieren, dann kann
die Stimmung umschlagen und das Ganze eskalieren.
Dann machen Sie den oder die Abgelehnte erst richtig
wild. Auf der anderen Seite dürfen Sie aber auch nicht
zu höflich sein. Wenn Sie zum Beispiel denken, es wäre
diplomatischer, ihm oder ihr zu sagen, Sie möchten
keinen engeren Kontakt, weil Sie in einer Beziehung
leben, dann ist das falsch! Wieso? Auch wenn Sie sich
das vielleicht nicht vorstellen können, aber der Liebes-
kranke wird daraus etwas ganz anderes machen...
Stalking — Wenn der Verehrer zum Verfolger wird 183
»»Neins heist eigentlich Jac... und den Freund
liebt ste sowieso nicht...«
»Aha, Sie will mich also grundsätzlich, aber ihr Freund
verhindert das. Da muss ich also nur hartnäckig genug
baggern, dann wird das schon!« Solche Hirngespinste
können die Folge sein, wenn Sie den Kontakt schon
einmal abgebrochen, dann aber aus irgendeinem
Grund wieder aufgenommen haben. Für den Stalker
ergibt sich daraus die logische Konsequenz, dass er
Erfolg hat, wenn er nur hartnäckig genug ist. Deswegen gilt: Wenn Sie sich einmal für den Kontakt-
abbruch entschieden haben und dies auch eindeutig
und unmissverständlich mitgeteilt haben, bleiben Sie
dabei und verhandeln Sie später auf keinen Fall mehr
darüber. Egal, ob Anrufe, Mails, persönliche Ansprachen — wenn es irgendwie geht, nicht reagieren! Und
bitte auch nicht nach dem fünfzigsten Anruf wütend
ins Telefon schreien — auch das wäre für den Stalker
ein Erfolg, und er würde sich nur in seinem Handeln
bestärkt fühlen und für seine Ausdauer belohnt sehen.
Meist wird es dann nur schlimmer!
»Sie will mich, sie weiß es nur noch nicht!« Wenn
Sie solche verqueren Gedankengänge nicht nachvoll-
ziehen können, heißt das nur, dass Sie denken wie
normale Menschen. Sie müssen kein Verständnis für
einen Stalker aufbringen, aber Sie müssen wissen, dass
er anders denkt als Sie, und sich dementsprechend
verhalten. Egal, was Sie sagen oder tun, der beharr-
liche Stalker ist im Zweifelsfall felsenfest davon über-
184 Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
zeugt, dass Sie ihn eigentlich wollen. Irgendein
Grund - ein blöder Freund, Ihre Schüchternheit oder
was auch immer — steht nur gerade im Weg. Belohnen
Sie ihn also auf keinen Fall durch irgendeine Geste,
sonst werden Sie ihn nicht mehr los. Gehört der Stal-
ker zu Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld, ist ein
Mindestkontakt wahrscheinlich nicht zu vermeiden.
Beschränken Sie diesen auf das absolute Minimum
und bleiben Sie immer bei einer konsequent ablehnenden Haltung.
Beschützen Sıe andere, wehren Sie sich,
nehmen Ste Hilfe an!
Es dürfte klar geworden sein, dass Stalking nicht nur
ziemlich nervig, sondern auch gefährlich für Leib und
Seele sein kann. Schnell gehen die Aktionen eines
Stalkers von der reinen Belästigung in rufschädigende
Verunglimpfungen oder berufliche und finanzielle
Schädigungen über, ähnlich wie beim Mobbing oder
beim Identitätsklau. Deswegen beachten Sie als
Grundregel, falls Sie oder andere in Ihrem Umfeld
zum Opfer werden: den Stalkern früh und unmissver-standlich entgegentreten. Sollte dies nicht helfen,
scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung
in Anspruch zu nehmen. Erste Hilfe bekommen Sie
zum Beispiel beim Weißen Ring, einer bundeswei-
ten, kostenlosen Hilfsorganisation für Kriminalitäts-
Stalking - Wenn der Verehrer zum Verfolger wird
185
opfer. Dort wird man Sie über weiterführende
Hilfsangebote in Ihrer Nähe informieren. Auch verfügen viele Polizeidienststellen über speziell geschulte Beamte für solche Straftaten. Ist juristische Hilfe
notwendig, finden Sie zum Beispiel bei Ihrem örtlichen Anwaltverein spezialisierte Rechtsanwälte in
Ihrer Nähe.
Checkliste
V Seien Sie im Umgang mit potentiellen Stalkern
sehr vorsichtig, geben Sie keine persönlichen Informationen über sich preis.
/ Machen
Sie einem
Stalker unmissverständlich
/ Wehren
Sie sich entschieden
klar, dass Sie keinen Kontakt möchten.
oder helfen Sie
anderen, wenn ein Täter seine Annäherungsver-
suche nicht unterlässt.
¥ Suchen Sie Unterstützung im privaten und beruflichen Umfeld oder nehmen Sie professionelle
Hilfe an.
Kampf um Troja - Ihr Computer wird
ferngesteuert!
Falle
Sie erhalten eine E-Mail von einem Bekannten
und öffnen den Bıld-Anhang. In Wirklichkeit starten Sie eine Schadsoftware,
die Ihre Passwörter
ausspäht, ıllegale Dateien auf Ihrem Rechner plat-
zıert und den Rechner fernsteuert.
Lassen Ste niemanden in die »vier Wände«
Ihres Computers!
Stellen Sie sich vor, jemand klopft an Ihre Wohnungstür. Sie öffnen, und ein Mann im Anzug lächelt
Sie an. Er möchte Ihnen das neueste Modell eines
Staubsaugers vorführen. Vielleicht haben Sie ein we-
nig Zeit und bitten den freundlich aussehenden
Herrn herein. Er saugt Ihnen mit dem neuen Gerät
alle Staubflocken von Ihrem Perser. Sie finden den
Mann sympathisch und bieten ihm noch eine Tasse
Kaffee an, während er ein Verkaufsgespräch mit Ihnen
Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert! 187
führt. Da er Sie von den Vorteilen des Geräts überzeugt, holen Sie aus dem Schlafzimmer Ihre Geldbörse und zahlen den Schnäppchenpreis von 200 Euro.
Der Verkäufer bedankt sich und zieht von dannen.
Das war’s, oder?
Nicht ganz! Was tatsächlich passiert sein könnte:
Der Staubsaugerverkäufer ist nur ein Ablenkungs-
manöver. Eigentlich will da jemand ganz anderes
etwas von Ihnen. Sagen wir, Sie werden von einem
Unternehmen beschattet. Während Sie im Schlafzim-
mer waren, um Ihr Portemonnaie zu holen, installier-
te der angebliche Verkäufer eine Minikamera auf dem
Bilderrahmen eines Gemäldes in Ihrem Wohnzimmer. Das Unternehmen
kann Sie nun observieren,
und Sie bekommen nichts davon mit. Eine schreckliche Vorstellung, oder?
Programmiıert, um zu schaden
Ähnlich funktionieren sogenannte Trojaner über das
Internet. Die Geschichte vom Trojanischen Pferd aus
Homers Odyssee kennen Sie bestimmt: Da die Griechen im Kampf um Troja lange erfolglos blieben und
die gut befestigte Stadt zehn Jahre nicht einnehmen
konnten, ließen sie sich schließlich eine List einfallen.
Sie täuschten ihren Rückzug vor, indem sie mit ihren
Schiffen aufs Meer hinaussegelten, und ließen am
Strand nur ein übergroßes Holzpferd zurück. Die
188 Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert!
Trojaner hielten das zuriickgelassene Pferd fiir ein
Geschenk der Griechen an deren Gottheit und zogen
es durch das Tor der Stadtmauer nach Troja hinein.
Was sie nicht wussten: Im Bauch des Pferdes hielten
sich griechische Soldaten versteckt. Als die Trojaner
in der folgenden Nacht schliefen, stiegen die Griechen aus dem Holzpferd und öffneten ihren unterdessen zurückgekehrten Soldaten die Stadttore. So
überwanden die Griechen die Mauern, gegen die sie
jahrelang vergeblich angelaufen waren.
Übertragen wir den Mythos um das Trojanische
Pferd auf das Internet: Sie erhalten beispielsweise per
E-Mail oder auf einer Webseite ein Angebot — nein,
in diesem Fall nicht für einen Staubsauger, sondern,
sagen wir, für ein durchaus
sinnvolles
Computer-
programm. Da es preisgünstig oder sogar kostenlos
ist, entscheiden Sie sich dafür, es auf Ihren Computer
herunterzuladen und zu starten. Was Sie nicht wissen:
Wie im Trojanischen Pferd ist im eigentlichen Pro-
gramm ein zweites Programm versteckt, dass dazu
programmiert wurde, einen Schaden auf Ihrem Computer anzurichten. Da es aber versteckt »mitgeliefert«
wurde, bemerken Sie es gar nicht.
Vielleicht war es gar kein Freund?
Neben E-Mails nutzen Kriminelle auch soziale Netz-
werke zur Verbreitung von Trojanern. Bei Facebook
Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert! 189
wurden Ende April 2009 Nachrichten an Nutzer versendet, die einen Link zu einem angeblich lustigen
Video enthielten. Wer auf den Link klickte, konnte
auch tatsächlich ein Video auf einer Internetseite anschauen. Leider nicht direkt. Stattdessen bekam man
einen Hinweis, dass zum Betrachten des Films das
Programm »Adobe Flash Player« benötigt werde, das
man aber direkt auf der Seite herunterladen könne.
Wer dies tat und die Datei startete, hatte unbemerkt
einen Trojaner »an Bord« seines PCs geholt. Dieser
verschickte dann wiederum in Ihrem Namen an alle
Facebook-Kontakte die Nachricht mit dem Link zum
lustigen Video. So verbreitete sich der Trojaner rasend
schnell über die Facebook-Community."?
Schlimm? Es geht noch schlimmer: Sie erhalten
eine E-Mail mit einer Bilddatei. Leider ist die Bild-
datei gar kein Bild, sondern ein ausführbarer Trojaner.
Wenn Sie die Datei starten, öffnen Sie dem Trojaner
»die Tore« zu Ihrem Computer.
Und: Falls Sie nicht die neuesten Browser-Ver-
sionen verwenden,
besteht auch in diesem Bereich
Gefahr. Hacker finden bei den Browsern immer wieder Schwachstellen, die sie ausnutzen können, um
Trojaner auf den Rechner des Nutzers zu spielen.
Achten Sie immer darauf, dass Sie die neuesten Versionen verwenden, denn eventuelle Sicherheitslücken älterer Versionen werden so geschlossen.
12 »Koobface immer noch auf Facebook unterwegs« unter www.trojaner-info.de/
news2/koobface-facebook-wurm-aktiv.shtml.
190 Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert!
»I ch habe doch niemandem meine Kontodaten
gegeben ...«
Jetzt wissen Sie zwar, wie sich Trojaner auf Ihrem
Computer einnisten können, aber noch nicht, welchen Schaden sie konkret anrichten können. Wenn
Sie zum Beispiel Ihre Bankgeschäfte im Internet tätigen, kann ein Trojaner Ihre Kontodaten und Passwörter mitschneiden, die Sie auf der Tastatur eingeben.
Verdeckt sendet er diese Daten dann an seinen krimi-
nellen Hersteller weiter. Dies gilt auch für alle ande-
ren sensiblen Daten, die Sie über Ihre Tastatur ein-
geben.
Und woher kommen all die Dateien
auf Ihrer Festplatte ...?
Kriminelle nutzen die Festplatte anderer Rechner
auch gern als zusätzliche Speicher-Ablage. Und sie
legen nicht nur Dateien auf Ihrem Computer ab, sondern geben diese auch anderen Internetnutzern über
Filesharing-Plattformen frei (vergleiche auch das
Kapitel
Wandern Filesharer in den Knast?). Leider
handelt es sich dabei meist um illegal heruntergeladene Dateien wie Musik oder Filme. Im schlimmsten
Fall werden auf Ihrem Computer Kinderpornos abgelegt. Wenn dann die Polizei vorm Haus steht, müssen
Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert! 191
Sie erst einmal erklären, warum Sie solche Dateien
auf Ihrem Computer haben. Denn schon der Besitz
von kinderpornografischem Material kann bestraft
werden.
Feindliche Übernahme
Trojaner können Ihren Rechner auch fernsteuern.
Zum Beispiel kann ein Programm auf Ihrem Rechner
installiert werden,
mit dem
automatisch
Hundert-
tausende von E-Mails verschickt werden — Spam-
Mails zum Beispiel (vergleiche auch das Kapitel Spam
kostet Sie sechs Tage Ihres Lebens). Damit kann nicht
mehr nachvollzogen werden, wer die Spam-Mails
ursprünglich versendet hat. Stattdessen werden
ungewollt zum Absender.
Sie
Die Möglichkeit der Fernsteuerung von Rechnern
wird mitunter auch dazu genutzt, um einen »gemein-
samen Computerangriff« zu ermöglichen: Wenn zum
gleichen Zeitpunkt sehr viele Rechner Anfragen an
einen bestimmten Computer starten, kommt dieser
an seine Belastungsgrenze und kann nicht mehr ant-
worten. Bei Rechnern, die für den Außenkontakt verwendet werden, entsteht auf diese Weise sowohl ein
finanzieller Schaden als auch ein Vertrauensverlust auf
Kundenseite.
192 Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert!
»Wer hat denn diese »Peitsch mich aus:-Hotline
angerufen?«
Vor ein paar Jahren war auch die Installation von so-
genannten »Dialer-Programmen« durch Trojaner ein
Problem. Damit wurden automatisch telefonische
Verbindungen zu Internet-Zugängen hergestellt. Leider waren die Verbindungen meist teure ausländische
Anbieter, so dass die Telefonrechnung in die Tausen-
de ging — und der Anbieter sich illegalerweise eine
goldene Nase verdiente.
|
Heutzutage haben die meisten Internetnutzer eine
Flatrate. Außerdem ist der Computer nicht mehr mit
der Telefonleitung verbunden, so dass solche Dialer
keine Chance mehr haben.
Lassen Sıe Trojaner nicht zum Chef
Ihres Computers werden!
Trojaner können immer dann auf Ihrem Rechner
Schaden anrichten, wenn sie die Rechte dazu »besit-
zen«. Sie selbst geben dem Trojaner eventuell diese
Rechte, auch ohne es zu ahnen, wenn Sie sich auf Ihrem
Computer als Administrator anmelden. Beim Be-
triebssystem Windows, das in rund 90 Prozent aller
weltweiten Rechner installiert ist, haben Sie die Mög-
lichkeit, unterschiedliche Benutzerzugänge einzurich-
Kampf um Troja — Ihr Computer wird ferngesteuert! 193
ten. Sie selbst sollten immer nur dann als »Administrator« angemeldet sein, wenn Sie neue Software
installieren möchten. Ansonsten reicht ein einge-
schränktes Nutzerkonto. Selbst wenn Sie sich dann
mal einen Trojaner »einfangen«, kann dieser aufgrund
fehlender Rechte kein Programm installieren.
Da sich Trojaner häufig über Tauschbörsen verbreiten, sollten Sie diese zum Herunterladen von Soft-
ware besser nicht nutzen. Abgesehen von dem Risiko,
sich damit ein virtuelles Trojanisches Pferd in die
eigenen vier Internet-Wände zu holen, sind diese
Tauschbörsen fast immer illegal. Und last but not least:
Prüfen Sie vor dem Start eines neuen Programms
immer die Quelle.
| Checkliste
¥ Soweit Sie nur ganz normal mit Ihrem Computer
arbeiten, melden Sie sich bei diesem nicht als
Administrator an.
V Laden
Sie Programme
legalen Quellen herunter.
nur von sicheren und
/ Setzen Sie immer eine aktuelle Software ein, insbesondere in Sachen Browser, Antivirus-Pro-
gramm und Firewall.
Gewinnspiel-Teilnahme —
_ für 84 Euro pro Jahr
Falle
Auf dubiosen Webseiten von Gewinnspiel-Anbietern schließen Ste mit der Eingabe Ihrer Daten
automatisch ein kostenpflichtiges Jahres-Abonnement ab.
»S1e haben gewonnen!«
Maria ist 72 Jahre alt. Seit ihr Mann verstorben ist
und die Kinder aus dem Haus sind, hat sie mit dem
Internet einen spannenden Zeitvertreib gefunden.
Schon früher nahm sie gern an Gewinnspielen in
Rätselheften teil. Im Internet hat sie eine Webseite
gefunden, die die Teilnahme an mehreren Gewinnspielen ermöglicht, bei denen es tolle Preise gibt.
Von der Reise nach Mallorca bis zum Auto ist alles
dabei! Schnell entschließt sie sich dazu, sich auf der
Webseite zu registrieren. Angeblich meldet der Be-
Gewinnspiel-Teilnahme — für 84 Euro pro Jahr 195
treiber dieser Seite Maria dann bei öffentlichen
Gewinnspielen an, ohne dass sie dafür etwas tun
muss.
Dass hierfür Kosten anfallen sollen, daran kann
sich Maria nicht erinnern. Sie hat noch nie für die
Teilnahme an Gewinnspielen Geld ausgegeben und
hätte es auch hier nicht getan, hätte sie nur davon
gewusst.
Leider irrt die 72-Jährige in diesem Fall. Sie hat
einfach das Kleingedruckte am unteren Rand der
Webseite überlesen. In einer Schrift, die kleiner ist als
Fliegendreck und sich nur wenig von der Hintergrundfarbe der restlichen Webseite unterscheidet,
stand dort, dass für die Registrierung eine Jahresgebühr von 84 Euro anfällt.
Diese Vertragsbedingung hat Marıa übersehen. Bereits nach wenigen Tagen erhält sie per E-Mail eine
Zahlungsaufforderung über 84 Euro für das erste Jahr.
Nach kurzer Absprache mit ihrem Sohn entscheidet
sie sich dafür, die E-Mail zu ignorieren. Die erste
Mahnung
flattert zwei Wochen
später ins Haus.
Diesmal ist der Zahlungsbetrag noch gewachsen, da
zusätzliche Mahngebühren berechnet werden. Ein
weiteres Schreiben vom Rechtsanwalt droht mit ge-
richtlichen Konsequenzen und einem Schufa-Ein-
trag. Der besonders scharfe Ton macht Maria Angst,
so dass sie schließlich das Geld überweist, um Ruhe
zu haben.
196 Gewinnspiel-Teilnahme - für 84 Euro pro Jahr
Lassen Ste sich nicht einschüchtern!
Vielen Verbrauchern geht es ähnlich, wenn sie in eine
Gewinnspiel-Falle tappen. Der enorme Druck, der
über die Mahnschreiben durch Inkassounternehmen
und Rechtsanwälte auf die Abo-Opfer ausgeübt wird,
führt oft zur Kapitulation.
Was können Sie dagegen tun? So einiges! Bevor Sie
klein beigeben, informieren Sie sich über Ihre Möglichkeiten. Als Verbraucher können Sie im Internet
geschlossene Verträge innerhalb von 14 Tagen wider-
rufen. Wenn der Betreiber der Webseite Sie auf dieses
Widerrufsrecht nicht ausreichend deutlich aufmerk-
sam gemacht hat, können Sie den Vertrag sogar unbefristet widerrufen.
Aber selbst wenn ein Widerruf nicht mehr möglich
sein sollte, weil Sie die 14-tägige Frist haben verstreichen lassen, heißt das noch lange nicht, dass Sie zah-
len müssen. Denn es kann schon fraglich sein, ob hier
‚überhaupt ein wirksamer Vertrag geschlossen wurde,
den man widerrufen müsste.
Leider lässt sich nicht allgemeingültig sagen, ob
gerade in Ihrem Fall eine Zahlungsverpflichtung entstanden ist. Denn jeder Einzelfall muss gesondert
begutachtet werden. Hierbei helfen Ihnen die Verbraucherzentralen und spezialisierte Anwälte. Die
Kosten einer solchen Beratung sind viel geringer, als
Sie vielleicht fürchten. Fragen Sie einfach nach, das
kostet bekanntlich sowieso nichts!
Gewinnspiel-Teilnahme - für 84 Euro pro Jahr 197
Meist können die nur bellen
Lassen Sie sich bitte nicht durch aggressive Schreiben
beeindrucken. Bevor Sie sich nicht selbst kompetenten Rat eingeholt haben, sollten Sie in derlei Fällen
auch Briefe von Rechtsanwälten und Inkassounternehmen
ignorieren, selbst wenn
diese noch so be-
drohlich klingen! Sammeln Sie stattdessen die gesamte Korrespondenz. Falls es doch einmal zu einem
gerichtlichen Nachspiel kommt, brauchen Sie auch
hier Beweise. Reagieren müssen Sie erst, wenn Sie
einen gerichtlichen Mahnbescheid zugestellt bekom-
men — dann aber sofort! Wenn Sie gegen einen sol-.
chen Mahnbescheid nicht innerhalb von 14 Tagen
schriftlich widersprechen - am besten durch Ihren
Anwalt —, haben Sie in jedem Fall Kosten am Bein.
Checkliste:
V Lesen Sie sorgfältig die AGB, bevor Sie sich irgendwo anmelden und Ihre Daten auf Webseiten
eintragen.
/ Nutzen Sie Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht.
v Wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid erhalten und die Forderung für unberechtigt halten, widersprechen
Sie diesem
— am
besten
durch Ihren Anwalt - schriftlich innerhalb von
14 Tagen.
198 Gewinnspiel-Teilnahme - für 84 Euro pro Jahr
/ Speichern bzw. sammeln Sie alle Briefe, die Sie
im Zusammenhang mit der Gewinnspielteilnahme erhalten.
Gratis-Software kann teuer sein!
Falle
Ste laden eine sogenannte Gratis-Software aus dem
Internet herunter. Nachdem Ste die Software auf
Ihrem Rechner installiert haben, erhalten Ste eine
enorm hohe Rechnung.
»Kostenlos? Vielleicht woanders,
aber nicht bet uns!«
Dass im Internet nicht alles gratis ist, wissen Sie
längst. Aber warum sollte man gerade für kostenlose
Software bezahlen? Sie suchen beispielsweise nach
dem »Adobe Reader« oder dem kostenlosen Office
Programm »Open Office«. Beide Programme sind
sogenannte Freeware, also für jedermann frei verfüg-
bare Software. Nachdem Sie bei Google nach einem
solchen Programm gesucht haben, finden Sie tatsächlich Seiten, die ein kostenloses Downloaden versprechen. Aber Vorsicht! Unter diesen Anbietern verstecken
sich auch
immer
unseriöse
Abzocker,
die
200
Gratis-Software kann teuer sein!
Ihnen den Download von kostenlosen Programmen
versprechen, aber diesen Download tatsächlich gegen
eine monatliche Gebühr verkaufen. Denn sobald Sie
sich dort angemeldet haben, erhalten Sie eine Rechnung von acht Euro pro Monat über eine zweijährige
Laufzeit. Die Informationen über das kostenpflichtige Abo sind meistens — ähnlich wie auf Marias
Gewinnspielseite - irgendwo gut versteckt.
Diese Portale rechnen damit, dass Sie zahlen, entwe-
der aus Unwissenheit, aus Bequemlichkeit oder weil Sie
sich nicht anders zu helfen wissen. Tun Sie dies bitte
nicht. Und wenn, dann nicht vorschnell! (Wie Sie sich
wehren können, haben wir im Kapitel GewinnspielTeilnahme — für 84 Euro pro Jahr geschildert.)
Schadensbehebung durch Schadenverursacher
Noch dreister gehen einige Abzocker vor, die ver-
meintlich kostenlose Antivirenprogramme im Internet anbieten. Sie laden Ihnen die angeblich tolle, kos. tenlose Software auf Ihren Computer und führen
dann einen ersten Virencheck durch. Und hoppla, das
Programm findet natürlich einen fiesen Virus auf
Ihrem PC. Dieser beginnt angeblich schon damit, Ihr
ganzes System aufzulösen. Nur eines kann den Virus
jetzt noch aufhalten — die Vollversion des Programms,
die natürlich nicht kostenlos ist, sondern käuflich er-
worben werden kann...
Gratis-Software kann teuer sein! 201
Klingt gemein? Ist auch so! Denn in Wirklichkeit
bringt erst die kostenlose Antivirussoftware den Ein-
dringling direkt mit »an Bord« [hres Computers! In
einem solchen Fall sollten Sie die Software so schnell
wie möglich deinstallieren und eine anerkannte Antivirus-Software, zum Beispiel AntiVir Personal Edition
herunterladen und installieren. Tappen Sie aber beim
Herunterladen nicht in eine Download-Falle (vergleiche dazu auch das Kapitel Kampf um Troja — Ihr Com-
puter wird ferngesteuert!).
Checkliste:
V Lesen Sie sorgfältig die AGB, bevor Sie Ihre
Daten auf Download-Webseiten eintragen.
V Nutzen Sie Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht.
v Wenn Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid er-
halten, widersprechen Sie diesem schriftlich innerhalb von 14 Tagen.
J Speichern Sie alle Schreiben, die zwischen Ihnen
und dem Download-Portal hin- und hergingen.
V Laden
Sie nur Software herunter, die von ver-
trauenswürdigen Anbietern stammen.
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle
Internet
Falle
Ste bestellen Ware in einem Internet-Shop und bezahlen diese vorab. Die Ware wird aber nie geliefert.
Solange der Vorrat reicht
50 Euro ftir ein iPhone ohne Vertrag? Ein Angebot,
bei dem garantiert jeder sofort zugreifen möchte. Der
Online-Shop informiert darüber, dass die Ware nur
begrenzt vorhanden ist — solange der Vorrat reicht
eben. Online-Shopper Willy sieht sich bereits beim
wöchentlichen Männerstammtisch stolz sein neues
Spielzeug präsentieren. Schnell wird die Kreditkarte
gezückt und der Betrag an den Schnäppchenanbieter
überwiesen.
Zwei Wochen später ist das iPhone immer noch
nicht geliefert worden. Langsam wird Willy ungeduldig und sucht auf der Webseite nach einer Telefon-
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 203
nummer — die er aber auch nach einer halben Stunde
noch nicht gefunden hat. Auf E-Mails reagiert der
Anbieter
nicht. Und
auch nach zwei Monaten
noch kein iPhone angekommen.
ist
»Zahl Du doch mein iPhone!«
Noch dreister war ein iPhone-Fan, der zwar gern ein
eigenes iPhone haben, aber nichts dafür bezahlen woll-
te. Seine Idee: Er bot bei eBay selbst ein iPhone zum
Kauf an, obwohl er gar keines besaß. Parallel dazu
kaufte er ein iPhone von einem anderen eBay-Anbie-
ter. Seinem Käufer gab er die Kontoverbindung des
anderen Verkäufers. Diesem überwies der ahnungslose
Käufer nun den Betrag, den unser betrügerischer
iPhone-Fan selbst hätte zahlen müssen. Daraufhin
holte dieser das iPhone beim Verkäufer ab. Der Käufer
selbst hat zwar bezahlt, das iPhone aber nie gesehen.
Auf so eine Idee muss man erst mal kommen! Die Po-
lizei kam an den dreisten Fan nicht heran, da er sich
per Irojaner die Zugangsdaten für eBay besorgt hatte.
Online-Shopping —
wirklich bequem und günstig?
97 Prozent der deutschen Internetnutzer kaufen zwar
nicht nur, aber auch im Internet ein. Gehören Sie
204 Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
noch zu der unbeugsamen Minderheit, die sich bisher
erfolgreich dagegen wehrt, oder haben Sie es auch
schon getan?
Die meisten Internetnutzer haben zumindest schon
mal eine Bahnreise online gebucht oder ein Buch bei
Amazon bestellt. Nachdem
man diese »Einstiegs-
drogen« genossen hat, folgen bald schon härtere
Dosen. Schnell ist ein Flug gebucht, ein Sofa oder
auch mal ein Sexspielzeug bestellt. Letzteres geht im
Internet ja auch viel einfacher, beim Betreten eines
Beate-Uhse-Ladens könnte man schließlich gesehen
werden. Und in Hintertupfingen gibt es Beate Uhse
nicht mal..
Auch sonst ist es meistens einfacher — und oft auch
günstiger —, im Internet einzukaufen. Außerdem ist es
rund um die Uhr möglich. Man besucht den Online-
Shop, befördert die gewünschten Schnäppchen in sei-
nen virtuellen Einkaufskorb, und ab geht’s zur Kasse.
Schnell noch die Kreditkartendaten oder die Bank-
verbindung für die Lastschrift eingeben, schon hat
man erfolgreich online bestellt. Ein paar Tage später
sollten die günstigen Produkte zu Hause ankommen.
Oder nicht?
Soweit bisher bei Ihnen alles gut gegangen ist, hat-
ten Sie entweder Glück, oder Sie haben bereits un-
sere Empfehlungen beherzigt, die wir auf den folgenden Seiten aussprechen.
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 205
Keine Ware — hohe Preise
Denn die schwarzen Schafe der großen Internet-
herde kassieren entweder Ihr Geld ein, ohne jemals
Ware zu verschicken, oder sie sammeln nebenbei Ihre
Daten und verkaufen diese möglichst häufig an ver-
schiedene Geschäftspartner weiter. Daneben gibt es
noch die Verkäufer, die mit vermeintlichen Schnäppchen und Niedrigpreisen locken, die gar keine sind.
Dabei ist es im Internet sehr einfach, immer
den
günstigsten Preis herauszufinden. Sie müssen noch
nicht einmal selbst recherchieren - sogenannte Preis-
vergleichsmaschinen übernehmen das für Sie und
suchen das günstigste Produkt aller dort angeschlossenen Shops heraus. Wenn Sie sich also das neueste
und gleichzeitig günstigste iPhone kaufen möchten,
nutzen Sie so eine Maschine. Zudem
sollten Sie
immer darauf achten, dass der Shop auch seriös ist.
Dazu später mehr.
Payback, Cashback, Geld weg?
Nicht unbedingt
Im Internet gibt es sogenannte »Cashback-Portale«.
Diese versprechen dem Kunden eine Art Rabatt auf
den Preis. Ahnlich wie bei Payback zahlen Portale wie
www.meinanteil.de einen Teil der Kaufsumme an den
206 Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
Verbraucher zurtick, wenn dieser in einem der tiber
500 kooperierenden Shops einkauft. Auf diese Weise
kann der Anbieter einen tatsächlich geringeren Preis
gewährleisten, wenn er denn seriös ist. Wie Sie sehen,
gibt es tatsächlich Möglichkeiten, im Internet Geld
zu sparen.
Woran man seriöse Shops erkennt
Dass der günstigste Preis nicht immer die beste Wahl
ist, weiß man eigentlich. Wichtig ist fürs Internet-
Shopping, dass Sie nur bei seriösen, also vertrauenswürdigen Shop-Betreibern einkaufen. Wie Sie herausfinden, ob es sich um einen vertrauenswürdigen
Anbieter handelt? Der Shop muss in jedem Fall über
ein Impressum verfügen, in dem der Betreiber samt
vollständiger Adresse steht. Achten Sie auch darauf,
dass der Sitz des Unternehmens in Deutschland liegt.
Sonst werden eventuelle rechtliche Schritte schnell
kompliziert.
Bei Einkäufen über eBay sollten Sie zusätzlich da-
rauf achten, dass bei Überweisungen ım Feld »Ver-
wendungszweck« die eBay-Auktionsnummer eingetragen ist. So können sowohl aus Käufer- als auch
aus Verkäufersicht schnell Abweichungen erkannt
werden. Zum Beispiel wenn ein Dritter, etwa unser
iPhone-Fan, versucht, bei Ihren Transaktionen mitzu-
mischen. Dieser konnte sich vielleicht irgendwie über
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 207
Ihre Nutzerdaten anmelden. Aber solange er weitere
Koordinaten wie etwa die Auktionsnummer nicht
kennt, kann er nichts ausrichten und ist leichter zu
entlarven.
Auch wenn der Shop selbst nur per Vorkasse liefert,
sollten Sie im Zweifelsfall lieber woanders bestellen.
Viele Gauner bieten absichtlich nur die Möglichkeit
an, per Vorkasse zu zahlen — und liefern ihre Produkte
dann einfach nicht.
Zertifikate sind besser als nichts —
aber auch nıcht mehr
Als »Erkennungszeichen« professioneller Shops ha-
ben sich inzwischen auch Zertifikate etabliert. So
gibt es beispielsweise das »Trusted Shops Zertifikat«
oder auch ein »TUV-Zertifikat«. Bedenken Sie
trotzdem, dass ein Zertifikat allein noch nicht ausreicht, um sich als Verbraucher auf der sicheren Seite
zu wähnen - selbst wenn das Zertifikat echt ist und
der Versand reibungslos klappt.
Ärgerlich wird es meist dann, wenn Sie ein Produkt erhalten haben und dieses irgendwann nicht
mehr funktioniert. Als Erstes wenden Sie sich dann
an den Shop und rufen dort an. Aber Sie erreichen
nur den Anrufbeantworter, der Sie auf eine E-Mail-
Adresse verweist, oder Sie hängen stundenlang in
der Warteschleife. So ist das günstigste Produkt
208 Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
schnell mit so viel Arger und eventuell noch mit ho-
hen Telefonkosten verbunden. Da hätten Sie vielleicht doch lieber bei einem seriösen Anbieter ein
paar Euro mehr bezahlt.
Um
das zu vermeiden, rufen Sie einfach vor Ihrer
Bestellung beim Anbieter an und stellen irgendeine
Testfrage, zum Beispiel nach den Versandkosten.
Wenn
Sie niemanden
an den
bestellen Sie gar nicht erst.
Hörer
bekommen,
Was andere Kunden über den
Shop sagen ...
Ein weiteres Kriterium, an dem sich festmachen lässt,
ob ein Shop seriös arbeitet oder nicht, ist die Meinung
anderer Kunden. Recherchieren Sie in Bewertungsportalen wie www.ciao.de nach dem Shop, oder geben
Sie einfach bei Google den Namen des Shops ein.
Manchmal findet man in einem Diskussionsforum
Einträge von Kunden, die sich positiv oder auch negativ geäußert haben.
Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Seien Sie sich
darüber im Klaren, dass hinter solchen Bewertungen
auch der Shopbetreiber selbst stecken kann. Hier gilt
das Gleiche wie bei den schon erwähnten Hotel-
bewertungen.
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 209
Was macht der Shop mit Ihren Daten?
Ein weiteres Kriterium: Welche Informationen gibt
der Shop-Anbieter auf seiner Webseite zum Umgang
mit Ihren Daten an? Womöglich möchte er diese
Daten an andere Unternehmen weiterverkaufen.
Daher ist ein Blick auf die Datenschutzbestimmun-
gen extrem wichtig. Kommt Ihnen hier irgendetwas
spanisch vor — oder tauchen die Datenschutzbestim- _
mungen erst gar nicht auf der Seite auf -, kann es
sein, dass der Anbieter in dieser und vielleicht auch
in anderer Hinsicht alles andere als vertrauenswürdig
ist.
»Das muss ich haben!«
Eine weitere Falle — allerdings auf Kundenseite - ist
das Problem der Kaufsucht. Da der Käufer seiner Sucht
unbemerkt im stillen Kämmerlein nachgehen kann,
kann Internet-Shopping eine vorhandene Kaufsucht
noch verstärken. Kaufsüchtige fallen nicht so leicht auf
wie der Kollege, den ständig eine Alkoholfahne um-
weht. Erkennen kann man sie eventuell dadurch, dass
sie ständig neue Klamotten tragen und über ihr ewig
überzogenes Girokonto klagen. Je nachdem, wie gut
Sie den anderen kennen: Trauen Sie sich ruhig, ihn
darauf anzusprechen. Vielleicht können Sie helfen.
210 Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
Sollten Sie sich selbst dabei ertappen, dass Sie sich
nicht mehr über Neuanschaffungen freuen können,
und plagt Sie nach Einkäufen, die Sie sich eigentlich
nicht leisten können, immer häufiger das schlechte
Gewissen, dann sollten Sie nicht nur über Ihre Kaufgewohnheiten nachdenken, sondern handeln. Exper-
ten raten dazu, sogar ein Haushaltsbuch zu führen,
um den Konsum und damit sich selbst besser zu kon-
trollieren.!? Gleichzeitig sollten Sie mit anderen über
Ihr Problem sprechen, auch wenn es schwerfällt. Und
suchen Sie sich professionelle Hilfe. Die finden Sie
wie immer im Internet.
|
Reklamation & Co. Verkäuferabzocke leicht gemacht
Wenn Sie selbst Produkte auf eBay oder anderen
Portalen verkaufen
und versenden,
kann
es Ihnen
passieren, dass der Käufer die Ware reklamiert und
sein Geld zurückfordert. Sie erstatten den Preis - und
sehen Ihre Ware nie wieder.
Ein Beispiel: Emil hat ein neues Handy zum Ge-
burtstag geschenkt bekommen. Sein altes Handy, ein
iPhone der ersten Generation, bringt bei eBay noch
13 »Gefahr durch Online-Shopping? Kaufsucht: Wenn Einkaufen zwanghaft
wird« in netzwelt vom 25.05.2007 unter www.netzwelt.de/news/75614_
2-kaufsucht-einkaufen-zwanghaft.html.
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 211 |
stattliche 310 Euro. Der Käufer überweist das Geld via
Paypal, dem Bezahlsystem von eBay. Emil freut sich
über die Bestätigung von Paypal und versendet
nichtsahnend das Päckchen mit seinem alten iPhone.
Fünf Tage später reklamiert der Käufer das iPhone: Es
sei nicht angekommen. Da Emil das Gerät dummer-
weise ohne nachverfolgbare Sendungsnummer ver-
schickt hat, wie es als Warensendung oder Päckchen
normal und kostengünstig wäre, kann er wenig tun, um
sein Gerät zurückzuerhalten. Als Verkäufer ist er in der
Beweispflicht. Wendet sich der Käufer an eBay, muss
Emil im Zweifelsfall das Geld zurücküberweisen.
Gut, sagen Sie jetzt, aber dann bekommt er auch sein
Handy zurück, oder? Nicht unbedingt! Denn Paypal
bietet einen Käuferschutz. In diesem Fall muss Emil
Paypal einen Versandbeleg vorlegen, um wieder an
seine Ware zu kommen. Hat er diesen nicht oder
nicht mehr, zieht Paypal das Geld ein und zahlt es an
den Käufer zurück, ohne dass Emil die Garantie hat,
sein Handy jemals wiederzusehen.
Besser alles dokumentieren!
Natürlich ist das Paket meist beim Käufer angekommen. In solchen Fällen stecken oft kriminelle Banden
dahinter, die gezielt nach unprofessionell per Billig-
Versand verschickten Angeboten suchen. Immer wenn
sie wissen, dass der Verkäufer die Zustellung nicht
212 Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet
beweisen kann, schlagen sie zu. Wenn Sie bei eBay
oder anderswo
Produkte verkaufen und versenden,
nutzen Sie daher nur professionelle Versandmöglichkeiten mit nachverfolgbaren Sendungsnummern.
Dafür reicht bereits ein Paketversand bei DHL
(nicht aber ein Päckchen!). Es reicht nicht aus, wenn
Sie das Produkt vor dem Versand fotografieren, da
die erfolgreiche Zustellung damit nicht bewiesen
werden kann.
Exkurs: Sicher bezahlen im Internet
Egal, wo und was Sie kaufen: Bei der Bezahlung
über das Internet bestehen immer gewisse Risiken.
Insbesondere wenn Sie mit der Kreditkarte bezahlen, sollten Sie darauf achten, dass eine sichere
Internetverbindung besteht.
Woran Sie eine sichere Internetverbindung erken-
nen? In dem Feld auf dem Bildschirm, in dem Sie
die Internetadresse, also zum Beispiel http://www.
google.de, lesen, muss bei einer sicheren Verbin-
dung anstatt »http://« am Beginn der Zeile »https://«
‚stehen. Das »s« steht für »secure«, also für eine
»sichere« Verbindung. Wenn Sie bei der Eingabe
"von Bankdaten und Kreditkartennummern kein
»https« in der Adresszeile sehen, geben Sie auch
‘keine Daten an, da diese Internetverbindung dann
nicht sicher ist.
Geld weg, Ware weg? Einkaufsfalle Internet 213
Checkliste
V Achten Sie darauf, dass der Shop klare Angaben
zum Datenschutz, zur Lieferzeit und zu den Versandkosten macht.
V Ziehen Sie zertifizierte Shops vor.
V Rufen Sie vor der ersten Bestellung beim Shop
an, um festzustellen, ob eine Erreichbarkeit gewährleistet ist.
|
V Erkundigen Sie sich über den Shop auf Bewer-
tungsportalen.
V Zahlen Sie über das Internet nur bei sicheren
Verbindungen (https).
v Wenn Sie bei eBay ein Produkt verkaufen, bitten
Sie den Käufer immer, im Überweisungstext die
eBay-Auktionsnummer einzutragen.
V Nutzen Sie professionelle Versanddienste.
V Arbeiten Sie mit nachverfolgbaren Sendungsnummern.
V Bewahren Sie den Versandbeleg auf.
Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster —
und häufig strafbar!
Falle
Pornografie ım Netz ist längst nicht immer ein
harmloses Vergnügen und kann einen teuer zu
stehen kommen. Und: Wer Jugendlichen pornografisches Material zugänglich macht, macht sıch
strafbar. Sollte das Material sogar eine nicht vollJährige Person
abbilden,
handelt es sich um
die
Verbreitung von Kinder- beziehungsweise Jugendpornografie.
»Die macht wirklich alles!
Ich kann's Euch beweısen!«
Sie werden jetzt hoffentlich denken, so etwas kann
Ihnen nie passieren. Das haben allerdings andere vor
Ihnen auch schon gedacht. Ein 18-jähriger Junge namens Dan aus New Jersey beispielsweise hatte eine
Freundin und war sehr glücklich in seiner Beziehung.
Porriografie im Netz: ein heißes Pflaster-... 215
Gern lief er sich bei seinen Freunden ausgiebig tiber
seine Sex-Erlebnisse aus. »Die macht alles mit«, tön-
te der Halbstarke und genoss die bald unglaubigen,
bald neidischen Blicke seiner Kumpels. Davon angespornt, schickte er seinen Kumpels Nacktbilder seiner
Freundin per Handy und schrieb darunter: »Stille
Wasser sind tief.«
Abgesehen von seinem unreifen Verhalten und dem
Vertrauensbruch gegenüber seiner Freundin — denn
ihr Einverständnis hatte er natürlich nicht eingeholt -,
machte Dan sich wegen der Verbreitung von Kinder-
pornografie strafbar. Denn seine Freundin war noch
minderjährig. Und die Rechtslage in Deutschland ist
nicht anders als in den USA: Wer pornografisches
Material verbreitet, auf dem unter 18-Jährige zu sehen
sind, begeht eine Straftat!
In den Knast wegen E-Mail-Weiterleitung
Das gilt natürlich auch für Chats, Foren oder Communitys. Es reicht schon, wenn Sie ein pornografi-
sches Bild an den E-Mail-Verteiler Ihrer Fußballmannschaft schicken, weil Sie es für »abgefahren«
oder »krass« halten. Wenn die Person auf dem Bild
unter 18 ist, sind Sie dran.
Aber selbst, wenn »nur« Erwachsene auf den Bildern zu sehen sind, laufen Sie Gefahr, sıch strafbar zu
machen. Es muss nur ein Talent aus der B-Jugend mit
216 Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster — ...
im Verteiler stehen, und schon haben Sie unerlaubter-
weise Minderjährigen Pornografie zugänglich gemacht. Und sogar wenn Sie ausschließlich erlaubtes
pornografisches Material an Erwachsene weiterleiten,
machen Sie sich strafbar, wenn diese Sie nicht darum
gebeten hatten. Sie sehen also: Pornos sind im Inter-
net generell gefährlich!
»Gratis« ist meist nur der
Anfang
Unter die zahlreichen mittlerweile wirklich kosten-
losen Porno-Angebote der Videoplattformen werden
immer wieder Filme gemischt, die nur auf den ersten
Blick so aussehen, als seien sie gratis. Wie überall im
Internet sollten Kunden auch hier stutzen, wenn
etwas als umsonst angepriesen wird. Oft handelt es
sich nur um ein Lockvogelangebot! Es ist im Prinzip
nicht verboten, Waren
kostenlos zu testen, um
sie
dann, wenn man sie für gut befindet, zu bezahlen. Das
Problem hier ist jedoch: Nach der »Aktivierung« des
Sextriebs setzt meist der Verstand aus! Liest man
dann nur das Wort »kostenlos« und nicht mehr die
Allgemeinen Geschäftsbedingungen, kann es teuer
werden! Das ist bei Pornografie nicht anders als beim
Glücksspiel im Internet. Deswegen lesen Sie bitte unbedingt genau nach, wo Sie ein Häkchen setzen und
was Sie da mit dem Weiterklicken akzeptieren.
Schnell kann es Ihnen sonst passieren, dass Sie drei
| Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster —...
217°
Tage »kostenlos und ohne Risiko« testen können, was
Sie hinterher zwölf Monate lang zu immensen
Wucherpreisen bezahlen müssen.
Auch hier helfen im Zweifelsfall Anwälte oder Ver-
braucherschützer weiter. Die einschlägigen AbzockerSeiten finden Sie im Netz oder bei Verbraucherzentralen aufgelistet.
Die Suche nach dem Kıck
Doch auch, wenn pornografisches Material wirklich
kostenlos ist, gibt es durchaus einiges zu beachten.
Auf keinen Fall wollen wir hier die Moralkeule
schwingen. Solange niemand zu Schaden kommt, soll
jeder schauen und machen, was er will. Die ständige
und unbegrenzte Verfügbarkeit aller möglichen Spielarten der Pornografie und potentieller Sexchat-Part-
ner kann jedoch laut einiger Untersuchungen zu erheblichen Problemen im realen Leben führen. Es kann
einem etwa passieren, dass »echter« Sex einem auf
einmal nur mehr wenig abwechslungsreich vorkommt. Man misst plötzlich seine eigene Beziehung
an der vermeintlich abwechslungsreicheren Internet-
Pornografie. Die Enttäuschung darüber führt dann
wiederum zur verstärkten Flucht in die virtuelle Welt,
wodurch die reale Beziehung weiter und weiter leidet
- eine Abwärtsspirale, die auch der Einstieg in eine
spezielle Form der Internet-Sucht sein kann, der
218 Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster - . .
Onlinesex-Sucht. Nur im Internet findet der Süchtige eine scheinbar unendliche Vielfalt. Ungewöhnli-
ches wird Normalität, die Reize müssen immer extre-
mer werden, damit es überhaupt noch einen Kick gibt.
Die virtuelle Welt ist nicht mehr Ergänzung, sondern
Ersatz der Realität. In der Folge sind Süchtige kaum
mehr zu normalen sexuellen Beziehungen fähig.
»Das mag doch jede, die finden das alle geil!«
Manche Wissenschaftler befürchten auch negative
»Lerneffekte«. Nicht ganz zu unrecht! Vor allem bei
gewaltverherrlichenden Pornos und solchen, die Sex
mit Minderjährigen zeigen. Durch die permanente
Verfügbarkeit solcher Filme im Netz gäben sich
Nutzer einer Illusion der Normalität hin; sie würden
früher oder später glauben, dass das, was sie da im
Film zu sehen bekommen, okay sei oder auch auf die
Realität zuträfe, nach dem Motto »Wenn man so et-
was schon ım Film sieht, kann es ja nicht so schlimm
sein.« Vergewaltigungen wären somit eine denkbare
mögliche Folge ausgeprägten Pornokonsums, da die
Täter mit den Filmen ja die Legitimation dafür geliefert bekommen, jemanden zum Sex zu zwingen.
Solche Befürchtungen gelten als umstritten, und
natürlich sollte man sich auch in diesem Fall vor Pau-
schalisierungen hüten. Ganz abwegig klingen sie aber
nicht.
|
Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster—... 219
Einmal ım Leben Pornostar!
Im Netz kann man nicht nur einfacher, anonymer,
vielseitiger und günstiger an pornografisches Material
kommen. Darüber hinaus kann man auch viel leichter
vom passiven Zuschauer zum aktiven Darsteller oder
Mitspieler werden. Studien aus verschiedenen Ländern zeigen, dass auch immer mehr Frauen offensichtlich Spaß daran haben, sowohl Pornos anzu-
schauen als auch sich selbst beim Sex zu zeigen. Egal,
ob Mann oder Frau: Wenn man kein Problem damit
hat, Lustobjekt zu sein, gibt es auch kaum Gefahren.
Über die vielen Videoplattformen und Sex-Communitys findet man so viele Zuschauer wie niemals zuvor.
Auf einigen Plattformen könnten Sie sogar einmalig
Geld für Ihre darstellerischen Fähigkeiten bekommen
— oder vielleicht für eine professionelle Karriere ent-
deckt werden...
Denken Sie aber daran: Sie könnten Ihre Vorführungen eventuell irgendwann bereuen, zum Beispiel weil Ihr Chef oder Ihre Kinder sie »unpassend«
finden. Gehen Sie unbedingt davon aus, dass einmal
ins Internet gebrachtes Material auch dort verbleibt.
Selbst wenn Sie es löschen, kann es längst ein anderer
auf seinen Rechner geladen haben. Und von dort können die Dateien immer wieder auf Plattformen in
aller Welt gestellt werden.
220 Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster - ..
»Aber er hat doch gesagt, er zeigt das keinem!«
Besonders bei Jugendlichen ist die Gefahr groß, dass
sie heute noch nicht einschätzen können, was sie spä-
ter einmal bedauern werden. In der Pubertät finden es
junge Menschen möglicherweise ganz reizvoll, sich
sexy darzustellen und begehrenswert zu wirken. Wenn
man sich die Profilfotos bei SchülerVZ, der größten
deutschen Community für Jugendliche, ansieht, wird
diese Sexualisierung der Selbstdarstellung ganz deut-
lich.
Der
|
Grat
|
zwischen
Top-Model-Iräumen
und
Amateur-Pornografie ist dabei leider manchmal sehr
schmal. Am Anfang ist es vielleicht für viele ganz auf-
regend, Hauptdarsteller eines Sexclips zu sein, eventuell auch oder gerade, wenn andere zusehen. Wie-
derum andere wissen nicht, dass auch der nur für den
Freund bestimmte aufreizende Strip vor der Webcam
mit einem Klick mitgeschnitten werden kann. Spätestens aber wenn verletzende und demütigende
»Schlampen-Kommentare«
in den sozialen Netz-
werken oder auf dem Schulhof aufkommen, wird klar,
dass da irgendetwas nicht gut gelaufen ist. Dann ist
der Zug aber schon abgefahren, auch die besten An-
wälte der Welt werden Schwierigkeiten haben, diese
Clips aus dem Netz zu bekommen.
Seriöse Plattformen wie Youtube oder Clipfish
sperren solches Material zwar, wenn sie von einem
versierten Medienanwalt Druck bekommen. Es gibt
jedoch auch Videoportale, die in irgendwelchen exo-
Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster—...
221
tischen Ländern betrieben werden und gegen die die
deutsche Justiz nichts ausrichten kann. Ist man mit
seinem Video einmal dort gelandet, sieht es leider
düster aus.
»Das darf der gar nıcht!« —
Egal, er macht es trotzdem
Wir können es nur stets wieder betonen: Schützen
Sie Ihre Kinder und auch sich selbst. Auch wenn Sie
Ihrem
Partner
heute
noch
so sehr vertrauen,
ist
leider nicht ausgeschlossen, dass er als verlassener
Ex-Partner Ihre Privatpornos aus Rache und zu
Ihrem Schaden ins Netz stellt. Natürlich verletzt der
Täter damit Ihr Persönlichkeitsrecht und kann bei
Nachweis belangt werden. Ob dies aber die Bloß-
stellung und den verletzten Stolz ausgleicht, ist mehr
als fraglich. Leider hat im Internet so ziemlich jeder
die Macht, in Minuten Karrieren oder Beziehungen
zu zerstören. Dagegen hilft nur, kein pornografisches
Material zu erstellen beziehungsweise niemandem
Kopien davon zu überlassen. Wenn doch jemand ge-
gen Ihren Willen etwas in der Art veröffentlicht und
damit Ihr Persönlichkeitsrecht verletzt, haben Sie
zwar das Recht auf Ihrer Seite, aber leider dennoch
den Schaden.
222 Pornografie im Netz: ein heißes Pflaster — ..
Checkliste
V Reden Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren,
die ihnen beim Internet-Konsum, aber gerade
auch bei der Erstellung von pornografischem
Material drohen.
/ Vergewissern Sie sich, dass Sie keine Pornografie
verbreiten — auch nicht versehentlich.
v Stellen Sie sicher, dass Sie Minderjährige von
Pornografie fernhalten.
V Machen Sie niemandem Bild- oder Tondateien
zugänglich, die Sie nicht auch ins Fernsehen
bringen würden.
Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
Falle
Wer in der Schule oder an der Uni eine Arbeit
schreibt und Wikipedia als Quelle zitiert, kann
durchfallen.
»Es haben doch alle abgeschrieben!«
Ein Witzbold wollte testen, was passiert, wenn er
dem damals neuen Bundeswirtschaftsminister Freiherr von und zu Guttenberg auf dessen WikipediaSeite einfach mal einen weiteren Vornamen hin-
zufügt. Das
Ergebnis war eindeutig: Zahlreiche
Journalisten von Spiegel Online bis zum Handelsblatt
bewiesen, welche wichtige Rolle die Online-Enzy-
klopädie in ihrem Job spielt: Sie übernahmen den
Fehler ungeprüft. Irrwitz des Ganzen ist, dass der
Wikipedia-Autor als Begründung für seine Namensänderung genau diese Medien wieder als Quelle hät-
te nennen können.
224 Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
Wikipedia ist wirklich eines der faszinierendsten
und erfolgreichsten Projekte unserer Zeit. Der Name
setzt sich aus dem hawaiischen Wort fiir »schnell« —
»wiki« — und dem letzten Teil des englischen Begriffs
»encyclo-pedia« (»Enzyklopädie«) zusammen.
Dieses kostenfreie Nachschlagewerk im Internet
ging erst 2001 online. Es ist seitdem so erfolgreich,
dass es herkömmliche »Platzhirsche« unter den Internet-Lexika vom ersten Platz verdrängt oder gar in den
Ruin getrieben hat.
Das Erfolgsgeheimnis: Jeder kann mitmachen
Das Prinzip von Wikipedia ist so einfach wie genial:
Anders als bei anderen Lexika gibt es hier keine Redaktion im eigentlichen Sinne. Vielmehr kann jeder
Internetnutzer — angemeldet oder anonym — Web-
seiten-Artikel einstellen oder bestehende Einträge
bearbeiten.
Konkret bedeutet dies: Angenommen, Sie haben
während Ihres letzten Urlaubstrips im Dschungel von
Australien ein Grünohrkänguru entdeckt. Bei Wikipedia können Sie dazu sofort einen Eintrag erstellen
und sogar Ihr »Beweis-Foto« einbauen. Die ganze
Welt kann nun lesen, dass Sie der Entdecker des Grü-
nohrkängurus sind.
Nach anfänglichem Kopfschütteln konnte man gar
nicht so schnell gucken, wie die Webseite einen Erfolg
nach dem anderen feierte. Inzwischen gehört Wiki-
Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia! 225
pedia zu einer der meistgenutzten Funktionen im
Internet. Folgerichtig erklärte etwa der Brockhaus-
Verlag Anfang 2008, dass er seine gedruckte Version
“ angesichts der kostenlosen und immer aktualisierten
Konkurrenz nach 200 Jahren Verlagsgeschichte einstellen werde.
Ein riesiger Kreis von Hilfssheriffs überwacht
Sie... und Dieter Bohlen
Ob ein Artikel bei Wikipedia Bestand haben wird,
hängt davon ab, ob andere Bearbeiter ihn akzeptieren. Die Gemeinschaft der Autoren kontrolliert
selbst, was Nutzer zu lesen bekommen. Im Prinzip
kann jeder den Antrag stellen, dass ein Beitrag, der
nicht den qualitativen Kriterien entspricht, gelöscht
werden soll. Mit Hilfe eines recht komplizierten Ver-
fahrens von Gremien und herausragenden Autoren
wird in der Wikipedia-Gemeinde darüber diskutiert.
Ansonsten gilt: Jeder kann jeden Artikel bearbeiten.
Lediglich einige für böswillige Manipulation anfällige oder sehr umstrittene Texte sind völlig gesperrt
oder nur für bestimmte Autoren zugänglich. Dies
trifft zum Beispiel auf Artikel über Personen des
öffentlichen Lebens wie Dieter Bohlen oder Angela
Merkel zu.
226 Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
Wiki — so funktioniert's!
Der Betreiber selbst tiberwacht normalerweise nur
die unumstößlichen Grundregeln für Autoren. Diese
verpflichten die Verfasser zum Beispiel dazu, einen
neutralen Standpunkt in ihren Artikeln einzunehmen. Konkret bedeutet dies, dass ihm möglichst viele
Menschen zustimmen können sollten. Darüber hinaus dürfen nur nachprüfbare
Details geschildert
werden. In Einzelfällen kommt es deshalb zu langwierigen Diskussionen, da bei Wikipedia Autoren
jeglicher moralischer, religiöser oder politischer Richtung mitarbeiten. Dabei sollen die Teilnehmer gegen-
seitigen Respekt wahren, von Beleidigungen absehen
und die Grundhaltung wahren, dass jeder Autor
»gute Absichten hat«.
Viele Köche verderben den Brei - hier nicht!
Auf den ersten Blick ist es vielleicht erstaunlich, dass
Wikipedia überhaupt funktioniert - und dann auch
noch so gut. Im Grunde ist das Erfolgsrezept ja ein-
fach. Während bei einem professionellen Verlag wenige bezahlte Experten Beiträge schreiben, fügen bei
Wikipedia Hunderttausende beziehungsweise Millio-
nen jeweils einen kleinen Teil ihres Spezialwissens zu-
sammen. Die Addition dieser vielen kleinen Wissens-
Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
227
beitrige ergibt dann zusammengenommen ein besseres Ergebnis als das Wissen von nur wenigen Exper-
ten. Diese verfügen zwar über ein höheres Pro-KopfWissen, dies reicht aber nicht, um den Mengeneffekt
der viel größeren Zahl an Wikipedia-Autoren auszu-
gleichen.
Das mit dem Gemeinschaftswissen verhält sich so:
Würden ein FC-Bayern-Fan und eine Promi-Exper-
tin bei »Wer wird Millionär« mitmachen, würden sie
in den Kategorien Geschichte, Erdkunde und Physik
wahrscheinlich haushoch verlieren. Aber wenn sie ihr
Spezialwissen zu Fußball und Prominenten in ein
ganzes
Rateteam
einbringen könnten, würden
sie
diese Gemeinschaft unschlagbar machen.
Und was die Aktualität angeht: Während Verlagsangestellte auch mal in Pension oder ganz einfach
nach Hause gehen müssen, findet sich in der weltwei-
ten Wikipedia-Gemeinde immer jemand, der sofort
und tagesaktuell Einträge überarbeitet. Als beispielsweise das Kölner Stadtarchiv im März 2009 einstürzte,
dauerte es nur wenige Minuten, bis der Artikel über
das Archiv bei Wikipedia dahingehend aktualisiert
wurde.
Achtung: Manipulapedia!
Das Erfolgsprinzip von Wikipedia ist gleichzeitig
auch seine größte Schwachstelle: Jeder kann Inhalte
228 Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia!
verändern — zum Guten wie zum Schlechten. Wie die
Vergleichstests mit klassischen Enzyklopädien gezeigt
haben, findet man bei Wikipedia nicht mehr Fehler
als anderswo. Auch Verlagsautoren machen Fehler
und bringen vielleicht ihre persönliche Meinung in
Artikel ein. Bei Wikipedia kann dies freilich jeder,
und es dauert, bis eine mögliche Manipulation oder
eine übertriebene Meinungsäußerung auffliegt. Bekannt geworden sind in den letzten Jahren vor allem
Einträge zu Politikern, die nachweislich von politi-
schen Institutionen geschönt oder verschlechtert wurden. Genauso versuchten Unternehmen ihr Image
durch solche Arten von Manipulation aufzubessern.
Ein bekannter Cola-Konzern etwa wurde bezichtigt,
Angaben zu den schädlichen Wirkungen seines Getränks gelöscht zu haben.
Vorsicht ist angebracht,
wenn es wirklich wichtig ist
Deswegen — und hier kommen wir auf die eingangs
geschilderte Falle zurück - ist Wikipedia auch nicht
als wissenschaftliche Quelle für Hausarbeiten in
Schule oder Studium anerkannt. Schließlich könnten
Sie ja schnell selbst einen Wikipediaeintrag so ändern,
dass er als Beleg in Ihre Arbeit passt — Sie würden also
Ihren eigenen Beweis produzieren. Wenn es wirklich
wichtig ist und Sie etwas genau wissen müssen, kom-
Alles ist manipulierbar — auch Wikipedia! 229
men
Sie nicht umhin, an anderen seriösen Stellen
nachzuschauen. Aber auch da sollten Sie aufpassen;
denn auch andere könnten nur mal eben bei Wikipedia nachgeschaut und die Quelle nicht selbst geprüft haben.
Checkliste
V Fallen
Sie
nicht
auf Manipulationen
herein:
Wenn es für Beruf oder Schule wichtig ist, geben
Sie andere Quellen als Wikipedia an.
V Wenn Sie selbst Spezialwissen haben, tragen Sie
es bei Wikipedia ein - andere Nutzer werden sich
darüber freuen.
Uber Twitter Einbrecher einladen
Falle
Wer 1m Urlaub tiber Twitter oder andere Plattformen Informationen über seinen Aufenthaltsort
herausgibt, macht es Einbrechern leicht.
Lieber Einbrecher,
die Sphinx und die Pyramiden sind toll. Schöne Grüße
aus
Ägypten.
Sven Schmitz
Lieber Sven Schmitz,
Die Pyramiden sehen auf den Fotos zwar viel kleiner aus,
als ıch es mir vorgestellt habe, aber dafür finde ich Ihren
Flatscreen-Bildschirm ganz große Klasse!
Gruß zurück, Ihr Einbrecher
Ein eifriger Twitter-Freund hat mit seinem neuen
iPhone begeistert Urlaubsgrüße versendet. Als er nach
seinem zweiwöchigen Urlaub nach Hause kommt, ist
der Ärger groß: Die Tür steht halboffen, und das Ein-
Uber Twitter Einbrecher einladen 231
zige, was der Einbrecher zurtickgelassen hatte, ist die
20 Jahre alte Einbaukiiche.
Viele Fans des Zwitscher-Dienstes geben Informa-
tionen darüber an die liebe Gemeinde weiter, wo sie
sich gerade aufhalten. Wenn diese Information nur an
die Richtigen gelangt, ist dies sicherlich sehr nett. So
kann man anstatt einer Urlaubskarte auch schnell eine
Twitter-Nachricht aus dem Urlaub senden.
Was geschieht aber, wenn - vielleicht ungewollt —
sensible Nachrichten weitergegeben werden? Für
Einbrecher ist die Information über Ihren momentanen Aufenthaltsort viel wert, da sie relativ sicher
sein können, dass Ihre Wohnung zu diesem Zeitpunkt
absolut unbewacht ist. Wir raten deshalb: Heikle Informationen nicht über Twitter und auch nicht über
andere soziale Netzwerke herausgeben!
Exkurs: Twittern
Wie dieses Twittern genau funktioniert? Die Nachrichten
eines
Twitter-Mitglieds,
innerhalb
der:
Twitter-Gemeinde auch »Updates« oder »Tweets«
genannt, können von anderen Mitgliedern abonniert werden. Die Twitter-Abonnenten werden als
»Follower« (Verfolger) bezeichnet. »Gefolgt« wird
hier dem Nachrichtenfluss. Sobald der Verfasser
eine neue Nachricht schreibt, bekommen alle Fol-
lower diesen Tweet angezeigt. Die Tweets werden
chronologisch geordnet, so dass immer der neueste.
Tweet ganz oben steht. Deshalb wird Twitter auch —
als Mikro-Blogging-Dienst bezeichnet.
232
Uber Twitter Einbrecher einladen
Besser nicht mit Unbekannten twittern!
Unter »Settings« kann man bei Twitter einstellen, dass
Informationen nur an bestätigte Abonnenten weitergegeben werden. Diese Einstellung müssen Sie ma-
nuell vornehmen, da die Grundkonfiguration vorsieht,
dass jeder Iwitter-Beitrag automatisch an die gesamte Gemeinde, also an jeden X-Beliebigen weiterge-
geben wird.
Bedenken
Sie
auch,
dass Twitter-Nachrichten,
wenn sie einmal versendet wurden, immer im Internet
verfügbar sind. Wenn Sie am Abend auf einer Party
ein Bier zu viel getrunken haben, sollten Sie vom Ver-
senden von Twitternachrichten absehen.
»Ich gehe mal eben zum Bäcker«
So oder ähnlich klingen Nachrichten, die ein Mitglied
an andere Mitglieder schickt. Man fragt sich, wen um
alles in der Welt das interessiert? Aber anscheinend
gibt es eine Menge Menschen, die solche News schon
für erwähnenswert halten. Der amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher zum Beispiel ist auch Mitglied bei Twitter. Er berichtet über seinen neuesten
Film oder schreibt, was er gerade mit seiner Frau
Demi Moore anstellt. Und er hat Millionen Anhänger, die seine Nachrichten per Abonnement erhalten.
‘Uber Twitter Einbrecher einladen 233
Keine echte Gefahr, aber doch ein zunehmendes
Zeitproblem stellt die Relevanz der Twitter-Informa-
tionen dar. Über die Standard-Eigenschaften von
Twitter kann man die Inhalte nicht filtern. Dies hat
zur Folge, dass Sie einen Wust an Nachrichten kon-
trollieren müssen, dem Sie bei einer wachsenden Anzahl an Abos gar nicht mehr Herr werden können.
Nur die interessantesten Nachrichten herauszufiltern
ist schwierig, da die meisten Twitterer neben span-
nenden Kurz-Infos eben auch viel Quatsch schreiben,
der wirklich keinen interessiert. Oder haben Sie vorher jemals Ihre Freunde darüber informiert, dass Sie
zwei Tüten Milch und eine Packung Miisliriegel mit
Waldbeergeschmack bei Aldi gekauft haben?
Ob Flugzeugabsturz oder Amoklauf:
schnell, schneller, Twitter!
Schnell, schneller, am schnellsten heißt es, was die
Aktualisierungsmöglichkeiten angeht — nicht nur für
Wikipedia, sondern auch für Twitter. Wirklich tolle
Beispiele der Möglichkeiten von Twitter kann man in
der Nachrichtenbranche sehen. Als Anfang 2009 ein
Flugzeug direkt in den Hudson-Fluss vor der Skyline
Manhattans stürzte, wurde dies zuallererst auf Iwitter
gemeldet. Alle professionellen Medien standen hier ın
der zweiten Reihe. Anlass für das erste große TwitterEreignis in Deutschland war wenig später der Amok-
|
234
Uber Twitter Einbrecher einladen
Lauf von Winnenden, bei dem ein ehemaliger Schüler
einer Realschule 15 Menschen tötete. Authentische
Eindrücke von Betroffenen wurden aus unmittelbarer
Nähe vom Tatort getwittert. Zeitungen richteten
daraufhin schnell eigene Feeds ein (das sind abonnier-
bare Nachrichten, die Sie zum Beispiel per E-Mail
informieren, sobald es Neuigkeiten zu einem bestimmten Thema gibt). Hier konnten neben den Fol-
lowern auch die Polizei und andere Medien wertvolle
Informationen bekommen. Allerdings kam auch bald
die berechtigte Kritik auf, dass sich neben Zeugen bei
Twitter auch unseriöse Wichtigtuer zu Wort meldeten.
Spontan und kurz — aber für immer!
In nicht wenigen privaten und geschäftlichen Kreisen
gehört es mittlerweile zum guten Ton, einen Twitter-
Account zu besitzen und in regelmäßigen Abständen
die Twitter-Gemeinde über den aktuellen Stand der
Dinge
zu informieren. Grundsätzlich
teilen sich
Twitter-Nutzer gerne mit; andere wiederum möchten
wissen, was ihre Bekannten gerade machen - vielleicht finden sich spontan Anknüpfungspunkte für
einen kurzen Austausch oder ein Treffen.
Twitter profitiert dabei von der Begrenzung der
Nachricht auf 140 Zeichen. Wer mehr schreiben will,
muss gleich mehrere Nachrichten schicken — dies
Uber Twitter Einbrecher einladen 235
zwingt einen, sich kurz zu halten und sich auf das
Wesentliche zu begrenzen. Dieses Prinzip ist den
Nutzern von Handys vertraut. Zudem wird hierdurch
garantiert, dass nur kurzlebige Informationen ausgetauscht werden.
|
Trotzdem sollten Sie sich auch in diesem Fall klar-
machen: Alle Nachrichten, die einmal bei Twitter veröffentlicht wurden, sind für immer im Internet auf-
findbar. Speziell für Twitter gibt es inzwischen eigene
Suchmaschinen, die alle Twitter-Beiträge durchsuchen
können.
Nutzen
Sie Twitter, wenn
Sie von Freunden und
Geschäftspartnern immer die aktuellsten Nachrich-
ten erhalten oder solche an diese verschicken möchten. Schreiben Sie nur Twitternachrichten, die andere
nicht nerven. Ohnehin funktioniert das Spiel so:
Wenn Sie Ihren Followern nichts Interessantes zu berichten haben, werden sie Ihnen bald nicht mehr
zuhören — wie im realen Leben.
Checkliste
/ Auch wenn es schwerfällt: Schreiben Sie nur
Nachrichten, für die Sie sich auch selbst interessieren würden.
/ Geben Sie keine Informationen weiter, die Einbrechern oder anderen Kriminellen helfen würden.
|
www.hoecker.eu
MARKEN-
&
MEDIENRECHT
Ralf Höcker - Carsten Brennecke
Lexikon der kuriosen
Rechtsfalle
Sextraining, Waldverbot und andere Absurditäten
aus deutschen Gerichtssälen
ISBN 978-3-548-36929-7
www.ullstein-buchverlage.de
Es ist kaum
zu glauben,
mit welchen
Begehren
sich
deutsche Richter auseinandersetzen müssen. Zum Beispiel mit Klagen auf Durchsetzung einer Forderung von
66
Cent
oder
gegen
schnarchende
Sitznachbarn
im
Flugzeug. Bemerkenswert auch, zu welch kuriosen Urteilen sich Gerichte hinreiBen lassen. So gilt es als Arbeitsunfall, wenn
man schlafend vom
Bürostuhl kippt.
Und wer im Wald zu laut ist, bekommt ein »Waldverbot«
verordnet.
Bestsellerautor
Ralf
Höcker
und
Carsten
Brennecke beschreiben die spektakulärsten Auswüchse
des deutschen
Klagewahnsinns
und die abstrusesten
ullstein =]
US263
Urteile, die daraus resultieren.
Dr. jur. Ralf Hocker
Das dritte Lexikon der Rechtsirrtumer
Die Angst vorm Blaulicht und andere juristische Fehleinschatzungen
Originalausgabe
ISBN 978-3-548-36992-1
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Die juristische Aufklarung der Deutschen wird fortgesetzt.
So
sorgt
der
verpflichtet
Hinweis
zum
Kauf«
»Das
Durchblattern
für grundlose
der Zeitschrift
Einschüchterung.
Und wer sich bei der Beschädigung der geliehenen Digitalkamera auf die Haftpflichtversicherung verlässt, erlebt eine
kostspielige Überraschung.
In bewährter Manier widerlegt
Ralf Höcker diese und andere juristische Fehlannahmen.
»Wenn sich einer mit Rechtsirrtümern auskennt, dann
Süddeutsche Zeitung
ullstein =
US275
Ralf Höcker.«
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Mobbing via SchulerVZ sind nur einige der Fallen,
die im Netz lauern. Ralf Höcker, Klemens Skibicki und
Frank Mühlenbeck verdeutlichen anhand eindrücklicher
Beispiele die größten Gefahren des Internets und zeigen,
wie man sich gegen unrechtmäßige Ansprüche oder
Verleumdungen wehren kann.
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