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TR-Verlagsunion
Grundkurs I-III
PAUK MIT: LATEIN
Grundkurs I - III
Übungsbuch zu der Fernsehserie
des Bayerischen Rundfunks
von
Brita Linneweh - Josef Veitenhansl
TR-Veriagsunion
Vorwort zur 3. Auflage 1984
Die vier Bände „Pauk mit: Latein" sind die Textbücher zur gleichnamigen Sende¬
reihe des Bayerischen Fernsehens. Die zuständige Redaktion will mit diesen
Sendungen den Versuch unternehmen, die lateinische Formenlehre knapp und
übersichtlich darzustellen, sie optisch aufzubereiten. Die eingeblendete Schrift¬
grafik — im vorliegenden Buch in Kästchen hervorgehoben — kann nach Meinung
der .Redaktion und der Autoren entscheidend dazu beitragen, daß sich der Leser
die Formenlehre besser einprägen kann. Mit den knappen kulturgeschichtlichen
Informationen, die jeweils im Zusammenhang mit den Obungssätzen stehen,
sollte der Grammatikstoff ein wenig aufgelockert werden.
Das vorliegende Buch gibt den gesamten Text von „Pauk mit: Latein" Grundkurs I
wieder. Zusätzlich wurden noch einige Obungssätze angehängt und der Wort¬
schatz jeder Sendung jeweils am Ende zusammengefaßt. Dieses Buch kann auch
unabhängig von den Fernsehsendungen von den (Wieder-) Lernenden verwendet
werden. Die dritte Auflage ist ein Beweis dafür, daß diese Konzeption von den
Lesern angenommen worden ist.
München, den 1. August 1984
Brita Linneweh
Josef Veitenhansl
1. Sonderauflage 1988
© 1975 by TR-Verlagsunion GmbH, München
Alle Rechte Vorbehalten
Einbandgestaltung: Lothar Kossmehl, München.
Druck: Gebr. Bremberger, München.
ISBN: 3-8058-2180-8
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS LI
Dieser Grundkurs will all denen eine Hilfe sein, die Latein als neue Fremdsprache
lernen oder die Ihre Lateinkenntnisse wieder auffrischen wollen. Wie Sie wissen,
fordert das Erlernen jeder neuen Sprache zunächst ein grammatikalisches Grund¬
wissen, das wir Ihnen in diesem und den folgenden Kursen in gedrängter Form an¬
bieten wollen. Auch wenn Sie das schriftliche Begleitmaterial benutzen, verlangt
dieser Kurs — und darauf wollen wir Sie gleich zu Beginn hinwelsen — Ihre kon¬
zentrierte Aufmerksamkeit. Noch ein Hinweis: Wir werden von Arrfapg an die
lateinischen Bezeichnungen für die grammatikalischen Begriffe verwenden. Die
Kenntnis dieser Termini müssen wir voraussetzen. Jede einzelne Sendung wird
Ihnen aber auch etwas vom Leben der römischen Antike vermitteln, von einer Zeit,
als Latein noch die am weitesten verbreitete Sprache in Europa war.
Die Römer waren ursprünglich ein Bauernvolk. Aus diesem Bereich sind unsere
beiden Sätze genommen:
Rusticus arat.
Der (ein) Bauer pflügt.
Ancillae in horto sunt.
Die Mägde sind im Garten.
An diesen Sätzen kann man schon sehen:
1. Im Lateinischen gibt es keinen Artikel: der Bauer: rusticus, die Mägde: ancillae.
2. Im Lateinischen werden alle Wörter klein geschrieben. Ausnahmen sind: Satz¬
anfänge, hier rusticus und ancillae, und Eigennamen, wie zum Beispiel Roma —
Rom, sowie die von Eigennamen abgeleiteten Adjektive, wie zum Beispiel
Romanus — römisch.
3. Lateinische Wörter werden Im allgemeinen auf der vorletzten Silbe betont:
Romänus.
Noch ein Wort zur Aussprache des Buchstaben c: Die Römer der republikanischen
Zeit sprachen c stets wie k, also: Kikero. Doch schon in der Spätantike ging man
bei c vor e und i zur Aussprache z über, also: Zizero. Solange Latein noch eine ge¬
sprochene Sprache war. In der katholischen Kirche beispielsweise bis In die Mitte
der 60er Jahre unseres Jahrhunderts, ist man bei dieser Aussprache geblieben.
Hier nun die Vokabeln unserer beiden Sätze. Es ist zweckmäßig, bei den Substan¬
tiven den Genitiv gleich mitzulernen:
rusticus, rustici — der Bauer
arat — er, sie, es pflügt
ancilla, ancillae — die Magd
hortus, horti — der Garten
sunt — sie sind
Da dem Lateiner beim Substantiv der Artikel fehlt, muß er auf andere Weise Fälle
und Geschlechter unterscheiden: nämlich durch die Wortausgänge.
Merke: Wortausgänge beachten!
Die Wortausgänge werden an den Wortstock angehängt. Das wollen wir uns bei der
1. Deklination^der a-Deklination,ansehen. Unser Beispiel: mensa, mensae — der
Tisch.
mensa — der Tisch
mensae — des Tisches
mensae — dem Tische
mensam — den Tisch
mensa — o Tisch
mensa — durch den Tisch
von dem Tisch
mit dem Tisch
mensae — die Tische
mensarum — der Tische
mensisden Tischen
mensas — die Tische
mensae — o Tische
mensis — durch die Tische
von den Tischen
mit den Tischen
a-Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
mens a
mens ae
Genitiv:
mens ae
mens arum
Dativ:
mens ae
mens is
Akkusativ:
mens am
mens as
Vokativ:
mens a
mens ae
Ablativ:
mens a
mens is
Die Wortausgänge haben in fast allen Formen ein -a-; der Wortstock bleibt in allen
Formen unverändert!
Das Lateinische hat außer den vier auch im Deutschen vorhandenen Kasus
Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ zwei weitere:
Einmal den Vokativ zum Ausdruck der Anrede: mensa — o Tisch. Er ist meist
formengleich mit dem Nominativ, und wir werden ihn nur noch dann nennen,
wenn er eine andere Form aufweist als der Nonilnativ.
Außerdem gibt es den Ablativ, der verschiedene Funktionen hat: er steht zum
Ausdruck des Mittels auf die Frage "womit?" "wodurch?", zum Beispiel: aqua
recreare — mit Wasser erfrischen; zum Ausdruck der Trennung auf die Frage
"wovon?", zum Beispiel: curis liberare von Sorgen befreien. Schließlich steht der
Ablativ zur Bestimmung eines Gegenstandes oder eines Begriffs nach Raum und
Zeit auf die Frage "wo?" "wann?". Zum Beispiel: terra — zu Lande, autumno —
im Herbst. Bei der Übersetzung eines lateinischen Ablativs ins Deutsche benötigt
man Immer eine Präposition.
Die Substantive der a-Deklination sind Feminina.
Ausnahmen: männliche Berufsbezeichnungen wie poeta, poetae - der Dichter,
agricola, agricolae — der Bauer, nauta, nautae — der Seemann und Flußnamen
wie Isara, Isarae — die Isar sind Maskulina.
Rusticus — der Bauer gehört zu der 2. Deklination, der o-Deklination. Wir sehen
uns auch diese Deklination an und zwar am Beispiel von dominus, domini — der
Herr:
dominus - der Herr
domini — des Herrn
domino — dem Herrn
dominum — den Herrn
dom ine — o Herr
domini — die Herren
dominorum — der Herren
dominis — den Herren
dominos — die Herren
domini — o Herren
cum domino — mit dem Herrn cum dominis — mit den Herren
o-Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
domin us
domin i
Genitiv:
domin i
domin orum
Dativ:
domin o
dom in is
Akkusativ:
domin um
domin os
Vokativ:
domin e
domin i
Ablativ: cum
domin o
cum domin is
Die Substantive der o-Deklination mit der Endung -us sind in der Regel Maskulina.
Rusticus arat — der oder ein Bauer pflügt. Bis in die Zeit um 200 v.Chr. konnte er
dies als freier Bauer tun — dann wurde er von landwirtschaftlichen Großbetrieben
verdrängt. Landflucht und Anwachsen des Stadtproletariats waren Folgen dieser
Entwicklung. Doch die römische Kultur behielt immereinen gewissermaßen agra¬
rischen Hintergrund. Bis heute Ist der Italienische Stadtadel stolz darauf, Wein aus
der eigenen Kelterei oder Öl von eigenen Olivenhainen anzubieten.
Wir haben gesehen, daß beim Substantiv die Formen aus dem Wortstock und den
Ausgängen gebildet werden. Ähnlich werden die Formen des Verbums gebildet:
An den Verbalstamm werden die Personalendungen angefügt: bei arat — er, sie, es
pflügt. Ist ara- der Verbalstamm und -t die Endung für die 3. Person Singular. Nach
dem -a- des Stammauslauts gehört arat zur a-Konjugation, die man auch mit
1. Konjugation bezeichnet. Ihre Formen des Indikativ Präsens Aktiv heißen:
aro - ich pflüge
aras — du pflügst
arat — er, sie, es pflügt
aramus — wir pflügen
aratis — ihr pflügt
arant — sie pflügen
a-Konjugation
Indikativ Präsens
aro
ara s
ara t
ara mus
ara tis
ara nt
Aktiv
Die gleichen Endungen werden auch an die Stammauslaute anderer Konjugationen
angehängt. So bei der 2. oder e-Konjugation:
moneo — ich mahne
mones — du mahnst
monet — er, sie, es mahnt
monemus — wir mahnen
monetis — ihr mahnt
monent — sie mahnen
e-Konjugation
Indikativ Präsens Aktiv
mone o
mone s
mone t
mone mus
mone tis
mone nt
Entsprechend wird auch die 4. Konjugation, die i-Konjugation gebildet:
audio — ich höre
audis — du hörst
audit — er, sie,es hört
audimus — wir hören
auditis — ihr hört
audiunt — sie hören
i-Konjugation
Indikativ Präsens
audi o
audi s
audi t
audi mus
audi tis
audi u nt
Aktiv
Bei audiunt ist zwischen Wortstamm audi- und Endung -nt ein -u- eingeschoben.
Jetzt fehlt uns nur noch die 3. Konjugation, die konsonantische Konjugation. Sie
hat dieselben Endungen, nur wird zwischen den Konsonanten des Verbalstamms
und der Endung ein Vokal eingefügt, ein -i- oder ein -u-, damit man es besser aus¬
sprechen kann:
lego — ich lese
legis — du liest
legit — er, sie, es liest
legimus - wir lesen
legitis — ihr lest
legunt — sie lesen
Konsonantische Konjugation
Indikativ Präsens Aktiv
leg o
leg i s
leg i t
leg i mus
leg i tis
leg u nt
Im Lateinischen ist - wie wir bei den Konjugationen gesehen haben — die Perso¬
nalbestimmung und damit oft das Subjekt im Verbum enthalten: arat - er pflügt.
Deshalb beginnen wir beim Übersetzen lateinischer Sätze am besten immer mit
dem Verbum und fragen von da her den Satz weiter ab. Zum Beispiel:
Dominus villam possidet.
possidet — er, sie, es besitzt
Wer besitzt? dominus - der Herr.
Wen oder was besitzt der Herr?
villam — ein Landgut. Also:
Der Herr besitzt ein Landgut.*
Übrigens hat sich aus dem Wort villa — ursprünglich ein bäuerlicher Landbesitz —
im Französischen village — Dorf und ville — Stadt entwickelt, im Deutschen "der
Weiler" für eine Siedlung und "die Villa" für ein stattliches Einfamilienhaus.
*Statt durch Fragen in der angedeuteten Art kann man einen Satz selbstverständ¬
lich auch durch eine grammatikalische Bestimmung der einzelnen Wortformen
aufschlüsseln und übersetzen:
possidet 3. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv
von possidere besitzen: er, sie, es besitzt
dominus Nominativ Singular der Herr
im Satz: Subjekt zu possidet
villam Akkusativ Singular das, ein Landgut
im Satz: Akkusativobjekt zu dominus possidet
In der Praxis des Übersetzens wird wohl die eine Art des Fragens die andere der
exakten grammatikalischen Bestimmung ergänzen.
Zusätzlicher Übungssatz:
Ancilla aquam portat.
portat er, sie, es trägt oder bringt
ist das Verbum.
Wer bringt? ancilla — die Magd.
Wen oder was bringt die Magd?
aquam — Wasser. Also:
Die Magd bringt Wasser.
Wortschatz
ancilla, -ae
f
die Magd
Roma, -ae
f
Rom
mensa, -ae
f
der Tisch
cura, -ae
f
die Sorge
terra, -ae
f
das Land, die Erde
villa, -ae
f
das Landgut, das Landhaus
poeta, -ae
m
der Dichter
agricola, -ae
m
der Bauer
nauta, -ae
m
der Seemann
Isara,-ae
m
die Isar
rusticus, -i
m
der Bauer
hortus, -i
m
der Garten
autumnus, -i
m
der Herbst
dominus, -i
m
der Herr
aro
ich pflüge
moneo
ich mahne
audio
ich höre
lego
ich lese
sunt
sie sind
possideo
ich besitze
porto
ich trage, ich bringe
in
in (mit Abi. auf die Frage wo?)
cum
zusammen mit (mit Abi.)
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,2
Wir haben in der vorigen Lektion gesagt, daß es für einen römischen Adeligen
durchaus standesgemäß war, Landwirtschaft zu betreiben. Es ging ihm dabei in
erster Linie um den Gewinn aus den landwirtschaftlichen Produkten. Er folgte der
Mahnung. Vendat oleum, si pretium habeat.
Er verkaufe das Öl, wenn es einen Preis hat -
gemeint ist: wenn es einen guten Preis hat.
Und noch eine kürzere Aufforderung:
Agrum aret — er pflüge den Acker,
er möge den Acker pflügen.
Die Vokabeln unserer beiden Sätze lauten:
vendat - er, sie, es möge verkaufen;
er, sie, es verkaufe
oleum, olei n — das Ol
si — wenn, falls
pretium, pretii n — der Preis, der Wert
habeat — er, sie, es habe;
er, sie, es möge haben
ager, agri m - der Acker
aret — er, sie, es pflüge,-
er, sie, es möge pflügen
Wenden wir uns zunächst den Substantiven zu. Da fällt vor allem das Wort ager —
der Acker auf, da es nicht auf -us endet wie unser Beispiel dominus - der Herr
aus der vorigen Sendung. Ager gehört jedoch auch zur o-Deklination und unter¬
scheidet sich in den Wortausgängen nur im Nominativ von dominus; statt auf -us
endet es auf -er:
ager — der Acker
agri — des Ackers
agro — dem Acker
agrum — den Acker
in agro — auf dem Acker
agri — die Äcker
agrorum — der Äcker
agris — den Äckern
agros — die Äcker
In agris — auf den Äckern
o-Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
ager
agr i
Genitiv:
agr i
agr orum
Dativ:
agr o
agr is
Akkusativ:
agr um
agr os
Ablativ:
In agr o
in agr is
Da der Vokativ bei allen Substantiven außer bei denen auf -us, mit dem Nominativ
formengleich ist, werden wir ihn nicht mehr besonders erwähnen. Einige der
Wörter auf -er, die zur o-Deklination gehören, behalten das -e- in allen Kasus. Die
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wichtigsten davon sind: puer, pueri — der Knabe, vesper, vesperi - der Abend
oder der Abendstern, liberi, liberorum - die Kinder, nicht zu verwechseln mit
dem sehr ähnlichen Wort: liber, libri - das Buch. Ebenso wie puer, pueri wird
auch vir, viri — der Mann dekliniert. Wir üben die Wortausgänge der o-Deklina-
tion noch einmal:
puer — der Knabe
pueri — des Knaben
puero — dem Knaben
puerum — den Knaben
cum puero — mit dem Knaben
pueri — die Knaben
puerorum — der Knaben
pueris — den Knaben
pueros - die Knaben
cum pueris — mit den Knaben
o-Deklination
Nominativ:
Genitiv:
Dativ:
Akkusativ:
Singular
Plural
puer
puer i
puer i
puer orum
puer o
puer is
puer um
puer OS
puer o
cum puer is
Die Substantive der o-Deklination auf -us und -er sind in der Regel Maskulina.
Zur o-Deklination gehören auch die Neutra auf -um, wie zum Beispiel pratum,
prati — die Wiese:
pratum — die Wiese
prati — der Wiese
prato — der Wiese
pratum — die Wiese
in prato — auf der Wiese
prata — die Wiesen
pratorum — der Wiesen
pratis — den Wiesen
prata - die Wiesen
in pratis — auf den Wiesen
o-Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
prat um
prat a
Genitiv:
prat i
prat orum
Dativ:
prat o
prat is
Akkusativ:
prat um
prat a
Ablativ: in
prat o
in prat is
Bei allen Neutra sind der Nominativ, der Akkusativ und der Vokativ im Singular:
pratum — und im Plural: prata — jeweils formengleich.
Vendat oleum, si pretium habeat - Er verkaufe das öl, wenn es einen guten Preis
hat. Ein römischer Adeliger konnte sich an Geldgeschäften nicht beteiligen.
Dagegen war das Einkommen aus einem großen Landbesitz eine ehrenwerte
Sache. Im 2. Jahrhundert vor Christus hatte man in Rom die landwirtschaft¬
lichen Methoden des hellenistischen Ostens übernommen,und so wuchs die Ren¬
11
tabilität der nun entstandenen Großbetriebe beträchtlich. Man setzte verstärkt
Sklaven ein, betrieb eine systematische Viehzucht und befaßte sich mit der Ver¬
edelung vorhandener und dem Anbau neuer Kulturpflanzen, öl und Wein gehör¬
ten zu den Produkten,die den größten Gewinn brachten. Der Getreideanbau ging
zurück — übrigens wurde das Korn wie der Wein in Tonkrügen aufbewahrt — und
das einstmals wirtschaftlich unabhängige Italien war auf Getreideeinfuhren aus
Sizilien, Ägypten und Nordafrika angewiesen, das bis ins 7./8. Jahrhundert nach
Christus sehr fruchtbar war.
Agrum aret — er möge den Acker pflügen. Wie das Deutsche hat auch das Lateini¬
sche drei Modi oder Aussageweisen: Indikativ oder Wirklichkeitsform, Konjunktiv
oder Möglichkeitsform, Imperativ oder Befehlsform. Der Indikativ war Stoff der
vorigen Lektion. In unserem Satz agrum aret steht das Verb im Konjunktiv. Der
Konjunktiv drückt eine Möglichkeit, einen Wunsch oder eine subjektive Annahme
aus:
Vendat oleum, si pretium habeat — hier bezeichnet der Konjunktiv in habeat eine
bloße Annahme oder Vermutung.
Wir haben im Konjunktiv dieselben Personalendungen wie im Indikativ, außer in
der ersten Person Singular: statt -o ein -m. Zusätzlich aber wird ein Moduskenn¬
zeichen zwischen Verbalstamm und Endung eingeschoben. Bei der e-, der i-, und
der konsonantischen Konjugation ist es ein -a-. Wir sehen uns diese Formen an den
bekannten Verben nacheinander an:
moneam — ich möge mahnen
moneas — du mögest mahnen
moneat — er, sie, es möge mahnen
moneamus — wir mögen mahnen
moneatis — ihr möget mahnen
moneant — sie mögen mahnen
e-Konjugation
Konjunktiv Präsens Aktiv
mone a m
mone a s
mone a t
mone a mus
mone a tis
mone a nt
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audiam — ich möge hören
audias — du mögest hören
audiat — er, sie, es möge hören
audiamus — wir mögen hören
audiatis — ihr möget hören
audiant — sie mögen hören
i-Konjugation
Konjunktiv Präsens Aktiv
audi a m
audi a s
audi a t
audi a mus
audi a tis
audi a nt
legam -c ich möge lesen
legas — du mögest lesen
legat - er, sie, es möge lesen
legamus — wir mögen lesen
legatis — ihr möget lesen
legant — sie mögen lesen
Konsonantische Konjugation
Konjunktiv Präsens Aktiv
leg a m
leg a s
leg a t
leg a mus
leg a tis
leg a nt
Nur bei der a-Konjugation ist das Moduskennzeichen nicht das -a-, sondern ein -e*.
Dieses -e- ist mit dem Stammauslaut -a- zu einem -e- verschmolzen:
arem — Ich möge pflügen
ares — du mögest pflügen
aret — er, sie, es möge pflügen
aremus — wir mögen pflügen
aretis — ihr möget pflügen
arent — sie mögen pflügen
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a-Konjugation
Konjunktiv Präsens Aktiv
are m
are s
are t
are mus
are tis
are nt
Die Endung des Infinitiv Präsens Aktiv ist in allen vier Konjugationen -re, also:
arare — pflügen
audire — hören
monere — mahnen
legere — lesen
Infinitiv Präsens Aktiv
ara re
audi re
mone re
leg e re
Wir haben bereits in der vorigen Lektion gesehen, daß sich ein lateinischer Satz am
besten übersetzten läßt, wenn wir vom Prädikat ausgehen, also zuerst das Verbum
übersetzen und dann durch Fragen die weiteren Satzteile erkennen. Das wollen wir
an den folgenden Sätzen üben:
Servi vasa lavent.
Das Verbum heißt: lavent — sie
mögen waschen.
Wer möge waschen?
Wir haben ein Verbum in der
3. Person Plural, also muß auch
'das gesuchte Subjekt Im Plural
stehen und zwar wie immer
im Nominativ, also:
servi — die Sklaven.
Wen oder was mögen die
Sklaven waschen? vasa —
die Gefäße, vasa ist ein
Akkusativ Plural Neutrum. Der
ganze Satz heißt:
Die Sklaven mögen die Gefäße waschen.
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Vinum in dolia dividant
Das Verbum heißt: dividant —
sie mögen verteilen.
Wer möge verteilen? Hier steht
kein eigenes Subjekt, es ist
bereits im Verbum enthalten: sie.
Wen oder was mögen sie ver¬
teilen?
vinum — den Wein.
Und nun fragen wir weiter: wohin
mögen sie den Wein verteilen?
in doUa — in die Fässer. Auf die
Frage wohin? steht bei der
Präposition in der Akkusativ,
hier handelt es sich um den
Plural des Neutrums
doliuny — das Faß. Der Satz heißt:
Sie mögen den Wein in die
Fässer verteilen.
Vilicus ferias servet.
servet — er, sie, es möge beachten
oder einhalten. Wer möge beachten?
vilicus — der Verwalter —
wen oder was möge der Verwalter
beachten? ferias — die Feiertage.
Der Verwalter möge die Feiertage
beachten.
Wir haben bei diesen Sätzen schon gesehen, daß viele lateinische Verben eine Er¬
gänzung im Akkusativ bei sich haben - das ist im Deutschen genauso. Diese
Verben heißen transitiv, weil die Tätigkeit auf ein Objekt im Akkusativ zielt.
Daher erklärt sich auch, daß wir nach der Übersetzung des Verbums und des
Subjekts immer nach dem Akkusativobjekt fragen.
Wir merken uns: transitive Verben haben ein Akkusativobjekt bei sich, zum Bei¬
spiel: wir singen ein Lied. Etliche Verben stehen ohne Akkusativobjekt — sie
heißen intransitive Verben. Zum Beispiel: ihr schweigt.
Schließlich können Verben auch absolut gebraucht werden, das Objekt kann
fehlen, wenn der Sinn klar ist, zum Beispiel: wir singen.
15
Wortschatz
feriae, -arum
f
die Feiertage
servus, -i
m
der Sklave
vilicus, -i
m
der Verwalter
ager, agri
m
der Acker
puer, pueri
m
der Knabe
vesper, vesperi
m
der Abend(Stern)
liberi, liberorum
m
die Kinder
liber, libri
m
das Buch
vir, viri
m
der Mann
oleum, -i
n
das Ol
pretium, -i
n
der Preis
pratum, -i
n
die Wiese
vinum, -i
n
der Wein
dolium, -i
n
das Faß
vasa, vasorum
n
die Gefäße
lavare
waschen
servare
beachten, einhalten
habere
haben
vendere
verkaufen
dividere
teilen, verteilen
si
wenn, falls
16
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,3
Die Landgüter der römischen Adeligen wurden mit einer großen Anzahl von
Sklaven bewirtschaftet. Aber nicht nur In der Landwirtschaft, sondern auch in der
Stadt arbeiteten in begüterten Häusern zahlreiche Sklaven.
Davus servus est.
Davus ist ein Sklave.
In praediis Romanorum servi sunt.
Auf den Landgütern der Römer
sind Sklaven, oder: gibt es Sklaven.
Wir sehen uns die einzelnen Vokabeln an:
Davus, Davi — Eigenname,
servus, servi — der Sklave,
est — er, sie, es ist,
praedium, praedii - das Landgut,
Romanus, Romani — der Römer.
Die Formen des Indikativ Präsens Aktiv und des Konjunktiv Präsens Aktiv — das
haben wir in den beiden vorigen Lektionen gesehen — werden mit den jeweils
gleichen Ednungen gebildet. Hier nun noch einmal eine Übersicht über diese En¬
dungen:
Erste Person Singular: o, bzw. -m
Zweite Person Singular: -s
Dritte Pej:sofrSingular: -t
Erste Person Plural: -mus
Zweite Person Plural: -tis
Dritte Person Plural: -nt
Das Hilfszeitwort esse — sein bildet die Formen des Indikativ Präsens Aktiv eben¬
falls nach diesem Schema:
sum - ich bin
es — du bist
est — er, sie, es ist
sumus — wir sind
estis — ihr seid
sunt — sie sind
esse
Indikativ Präsens Aktiv
sum
es
es t
SU mus
es tis
s u nt
Die Formen werden teils vom Stamm s-: sum — sumus — sunt; teils vom Stamm
es- gebildet: es, est, estis.
17
Der Konjunktiv Präsens Aktiv von esse hat zwischen Stamm und Endung das
Moduszeichen i-. Die Endungen sind wiederum die gleichen:
sim — ich sei, ich möge sein
sis — du seiest, du mögest sein
sit — er, sie, es sei; er, sie, es möge sein
simus — wir seien, wir mögen sein
sitis — ihr seiet, ihr möget sein
sint — sie seien, sie mögen sein
Davus servus est — Davus ist ein Sklave. Er wurde wie viele seiner Leidensgenos¬
sen als Beute aus den zahlreichen Kriegen der Römer mitgeschleppt. Besonders
hart war das Los der Ackersklaven, die schwerste Feldarbeit verrichten mußten.
Um 100 vor Christus kam es dann auch zu schweren Sklavenaufständen im ganzen
Mittelmeerraum. Die Sklaven in der Stadt hatten es besser. Sie konnten sich durch
besondere Kenntnisse und Fertigkeiten das Leben leichter machen. Ihr Wert stieg
mit ihrem Verwendungszweck, aber er richtete sich auch nach dem Alter und der
Gesundheit. Die Sklaven in Rom wurden wie jede andere Ware gehandelt. Ein
Kochsklave zum Beispiel konnte in der Kaiserzeit einen Millionenwert haben.
Andrerseits hat zum Beispiel Cato empfohlen, einen alten und kranken Sklaven zu
verkaufen, deX Jg nur ein nutzloser Esser sei. Immerhin waren die Sklaven an ihrer
Kleidung nicht zu erkennen — in Rom hatte man da keine besonderen Vorschrif¬
ten. Unter dem Einfluß der stoischen Philosophie begann man die Sklavenfrage
unter humanitären Gesichtspunkten zu überdenken. So hat Seneca in Brief 47
den Sklaven als Freund, beziehungsweise als Mitsklaven unter der Allmacht des
Schicksals bezeichnet. Cicero hatte mit seinem einstigen Schreibsklaven und
späteren Freigelassenen Tiro eine lebenslange Freundschaft geschlossen.
Hier noch zwei Sätze zum Thema Sklaven nach Seneca, Brief 47:
Fortuna servis ministeria adsignat.
Das Verbum heißt: adsignat - er, sie, es weist zu.
Wer weist zu? fortuna — das Schicksal.
Wen oder was weist das Schicksal zu?
ministeria - Dienstleistungen, Aufgaben, Ämter.
Wem weist das Schicksal Aufgaben zu?
servis — den Sklaven.
Der Satz lautet: Das Schicksal weist
den Sklaven ihre Aufgaben zu.
18
Servos admoveo mensae.
admoveo — ich bewege heran, ich hole
von admovere — heranbewegen,
Das Subjekt: ich, ist bereits im
Verbum enthalten.
Wen oder was hole ich? servos — die
Sklaven, Akkusativ Plural von servus
Wohin hole ich die Sklaven? mensae —
an den Tisch; mensae ist ein Dativ
Singular, der hier nach admoveo stehen
muß. Also: Ich hole die Sklaven an
den Tisch.
Mensa, mensae war unser Beispiel für die a-Deklination. Substantive auf ^a, -ae sind
gewöhnlich Feminina.
Dominus, domini — der Herr und ager, agri gehören zur o-Dekünation. Die Sub*
stantive auf -us, -i und -er,-i sind gewöhnlich Maskulina.
Auch pratum, prati — die Wiese gehört zur o-Deklination. Substantive auf -um, -i
sind in der Regel Neutra.
Wie fast alle Regeln hat auch diese ihre Ausnahmen: Die Namen von Orten, Inseln
und Ländern auf -us sind Feminina. Zum Beispiel: Rhodus, Rhodi - die Insei
Rhodos.
Es gibt bei der a- und bei der o-Deklination noch etliche Besonderheiten. Einige
sind hier angegeben, eine genauere Aufstellung befindet sich am Ende der Lektion.
Wie im Deutschen bei: Eltern, Leute, Kosten, gibt es auch im Lateinischen Sub¬
stantive, die nur im Plural Vorkommen. Wir kennen bereits: liberi, liberorum m —
die Kinder. Der Singular das Kind wird im Lateinischen entweder mit puer, pueri
m — der Knabe oder mit puella, puellae f — das Mädchen genauer bezeichnet.Und
noch einige Beispiele für Pluralwörter der a-Deklination: feriae, feriarum f —
Ferien, Feiertage, reliquiae, reliquiarum f — Überrest, Überbleibsel. Von den
Pluralwörtern, die Neutra sind, ist das geläufigste: arma, armorum n — die Waffen.
Es gibt auch solche Substantive, die im Singular und im Plural verschiedene Bedeu¬
tungen haben. Dazu gehören:
fortuna, fortunae f — das Schicksal, das Glück, fortunae, fortunarum f — die
Glücksgüter, das Vermögen,
auxilium, auxilii n — die Hilfe, auxilia, auxiliorum n — die Hilfstruppen,
castrum, castri n — das Kastell, castra, castrorum n — das Lager.
In diesem Zusammenhang wollen wir noch eine Ausnahme erwähnen: locus,
loci m — der Ort bildet einen doppelten Plural mit verschiedenen Bedeutungen:
loca, locorum n — die Orte, die Plätze, das Gelände, loci, locorum m — die Stellen
in Büchern.
Bei der Übersetzung lateinischer Sätze ins Deutsche haben wir immer mit dem
Prädikat begonnen. Das Prädikat kann in verschiedener Form auftreten. In
unserem Beispielsatz: Rusticus arat — der Bauer pflügt, ist die Satzaussage im Ver¬
bum enthalten. Anders ist es in folgendem Satz: Davus servus est — Davus ist ein
19
Sklave. Hier tritt zu dem Hilfszeitwort est noch das Nomen servus. Dieses Nomen,
das ein Prädikat ergänzt, heißt Prädikatsnomen. Es kann ein Substantiv, wie hier
servus, oder auch ein Adjektiv sein. Das gilt auch im Deutschen, wie folgende Bei¬
spiele zeigen: Er arbeitet — das Verbum ist das Prädikat. Er ist Schreiner — hier
wird das Prädikat aus dem Hilfsverb 'ist' und dem Prädikatsnomen 'Schreiner'ge¬
bildet. Er Ist gesund — das Prädikat besteht aus dem Hilfsverb 'ist' und dem
Adjektiv 'gesund'*
Servi veniunt ad villam
Das Prädikat lautet: veniunt — sie
kommen, die Satzaussage ist hier
bereits im Verbum enthalten.
Wer oder was kommt? servi — die Sklaven.
Wohin kommen die Sklaven?
ad viflam — zum Landhaus.
Also: Die Sklaven kommen zum Landhaus.
Dominus imperat, ut vilicus familiae vestimenta det.
Hier sind zwei Sätze zu einer Periode verbunden, die aus einem Hauptsatz und
einem Nebensatz besteht. Der Nebensatz ist an der Konjunktion oder an einer
Nebensatzeinleitung zu erkennen. Hier heißt die Konjunktion ut— daß,damit, die
im Lateinischen immer den Konjunktiv nach sich zieht.
Die Übersetzung lateinischer Perioden beginnt man mit dem Hauptsatz, so wie wir
bisher jeden Satz übersetzt haben. Auch den Nebensatz kann man zunächst in der
gleichen Weise übersetzen, muß dann aber die Konjunktion mitelnbeziehen.
Der Hauptsatz heißt: Dominus imperat —
imperat — er, sie, es befiehlt —
wer befielt? dominus — der Herr,
also: der Herr befiehlt
Der Nebensatz heißt: ut vilicus
familiae vestimenta det —
det ist das Prädikat — er, sie, es gebe —
es steht im Konjunktiv, der in den
Nebensätzen, die mit ut- daß, damit,
eingeleitet sind, im Deutschen mit
Indikativ wiedergegeben werden kann
also: er, sie, es gibt - wer gibt?
vilicus — der Verwalter —
wen oder was gibt der Verwalter?
vestimenta — Kleider,
wem gibt der Verwalter Kleider?
familiae — dem Gesinde
der Verwalter gibt dem Gesinde Kleider;
20
nun müssen wir nur noch die Konjunktion
ut- daß, hinzunehmen,und die vollständige
Übersetzung lautet:
Der Herr befiehlt, daß der Verwalter dem
Gesinde Kleidergibt.
Zusätzliche Hinweise:
Ausnahmen und Besonderheiten der a- und o-Deklination:
1. Pluralwörter
posteri, posterorum
m
Nachkommen
fasti, fastorum
m
Kalender
Delphi, Delphorum
m
Delphi
Pompei, Pompeiorum
m
Pompeji
divitiae, divitiarum
f
Reichtum
angustiae, angustiarum
f
Engpaß, Schwierigkeit
insidiae, insidiarum
f
Hinterhalt, Falle
Athenae, Athenarum
f
Athen
Thebae, Thebarum
f
Theben
hiberna, hibernorum
n
Winterlager
2. Wörter mit verschiedenen Bedeutungen im Singular und im Plural
aqua, aquae
f
Wasser
aquae, aquarum
f
Heilquellen
copia, copiae
f
Vorrat, Menge
copiae, copiarum
f
Vorräte, T ruppen
littera, litterae
f
Buchstabe
litterae, litterarum
f
Brief, Wissenschaften
hortus, horti
m
Garten
horti, hortorum
m
Anlagen, Park
comitium, comitii
n
Versammlungsplatz
comitia, comitiorum
n
Volksversammlung
impedimentum,
impedimenti
n
Hindernis
impedimenta^
impedimentorum
n
Gepäck, Troß
rostrum, rostri
n
Schnabel
rostra, rostrorum
n
Rednertribüne in Rom
21
3. Eigenheiten in der Deklination
zeigt das Wort deus, dei — der Gott
Nominativ und Vokativ Plural meistens di
Dativ und Ablativ Plural meistens dis
Vokativ Singular deus
4. Feminina sind
a) alle Namen von Orten, Inseln und Ländern auf -us
Corinthus, Corinthi f Korinth
Aegyptus, Aegypti f Ägypten
Poleponnesus, Pelepon-
nesi f Peleponnes
b) humus, humi f Erdboden
Wortschatz
puella, -ae f das Mädchen
familia, -ae f das Gesinde
fortuna, -ae f das Schicksal
fortunae, -arum f Glücksgüter, Vermögen
reliquiae, -arum f Überrest, Überbleibsel
Rhodus, -i f Rhodos
servus, -i m der Sklave
locus, -i m Stelle, Ort, Platz
loca, -orum n Orte, Plätze, Gelände
loci, -orum m Stellen in Büchern
ministerium, -i n Dienstleistung, Aufgabe, Amt
praedium, -i n das Landgut
vestimentum, -i n das Kleid
arma, -orum n Waffen
auxilium, -i n die Hilfe
auxilia,-orum n Hilfstruppen
castrum, -i n das Kastell
castra, -orum n das Lager
adsignare
imperare
admovere
esse
ut (mit Konj.)
zuweisen
befehlen
heranbewegen
sein
daß, damit
22
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,4
Die Sklaven in Rom - sehr oft Kriegsgefangene — waren nicht unbedingt ihr
Leben lang zu diesem Schicksal verdammt. Die Römer wandten das Recht zur
Freilassung recht großzügig an.
Horatius poeta filius libertini erat.
Der Dichter Horaz war der Sohn
eines Freigelassenen.
Dominus servum bonum manumittebat.
Der Herr ließ einen guten Sklaven frei.
Hier nun die einzelnen Vokabeln:
Horatius, -im — Horaz (Eigenname)
filius. Am — der Sohn,
libertinus. Am — der Freigelassene,
erat — ev, sie, es war,
bonus, -a, -um — gut,
manumittere — freilassen.
Wir wollen uns heute mit den Adjektiven der a- und der o-Deklination beschäfti¬
gen. Das Adjektiv bonus, bona, bonum hat im Maskulinum den Wortausgang -us
im Femininum den Wortausgang -a, und Im Neutrum den Wortausgang -um. Eben¬
so wie bei den Substantiven werden diese Ausgänge an den Wortstock angehängt.
Wir deklinieren den Singular In den drei Geschlechtern:
bonus, -a, -um
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nominativ:
bon US
bon a
bon um
Genitiv:
bon i
bon ae
bon i
Dativ:
bon o
bon ae
bon o
Akkusativ:
bon um
bon am
bon um
Vokativ:
bon e
bon a
bon um
Ablativ:
bon o
bon a
bon o
23
bonus, -a, -um
Plural
Nominativ:
Genitiv:
Dativ:
Akkusativ:
Ablativ:
Maskulinum
bon i
bon orum
bon is
bon OS
bon is
Femininum
bon ae
bon arum
bon is
bon as
bon is
Neutrum
bon a
bon orum
bon is
bon a
bon is
Wir erinnern uns, daß es einige Substantive der o-Deklination gibt, die statt auf
-US, auf -er enden, zum Beispiel: ager, agri. Entsprechend gibt es auch einige
Adjektive auf -er, wie zum Beispiel: pulcher, pulchra, pulchrum - schön:
pulcher, pulchra, pulchrum
Singular
Maskulinum 1
Femininum
Neutrum
Nominativ.
pulcher
pulchr a
pulchr um
Genitiv:
pulchr i
pulchr ae
pulchr i
Dativ:
pulchr o
pulchr ae
pulchr o
Akkusativ:
pulchr um
pulchr am
pulchr um
Ablativ.
pulchr o
pulchr a
pulchr o
pulcher, pulchra, pulchrum
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nominativ:
pulchr i
pulchr ae
pulchr a
Genitiv:
pulchr orum
pulchr arum
pulchr orum
Dativ.
pulchr is
pulchr is
pulchr is
Akkusativ:
pulchr OS
pulchr as
pulchr a
Ablativ:
pulchr is
pulchr is
pulchr is
Ähnlich wie das Substantiv puer, pueri — der Knabe, behalten auch einige Adjek¬
tive das -e- in allen Formen. Dazu gehören:
asper, aspera, asperum — rauh
liber, libera, liberum - frei
miser, misera, miserum - arm, elend, unglücklich
tener, tenera, tenerum - zart
frugifer, frugifera, frugiferum - fruchtbar
dexter, dextera, dexterum — rechts
oder auch die Formen ohne das -e:
dexter, dextra, dextrum — rechts. Dagegen
sinister, sinistra, sinistrum — links,
behält das -e- nur im Nominativ Singular
des Maskulinum.
24
Horatius poeta filius libertini erat*Der Dichter Horaz war der Sohn eines Freige¬
lassenen. In Rom gab es drei Formen der Freilassung eines Sklaven: In einem for¬
mal-rechtlichen Vorgang konnte in einem Rechtsverfahren der Sklave zum Freige¬
lassenen erklärt werden. Zum anderen konnte der Censor einen Sklaven in die
Bürgerliste einschreiben — er galt dann als freigelassen. Das geschah In besonderen
Notzeiten, wenn man zum Beispiel Sklaven zum Militärdienst brauchte. Und
schließlich konnte der Herr die Freilassung In seinem Testament verfügen. Die
Freilassung bedeutete die Entlassung aus der Rechtsgewalt eines Herrn — also eine
Änderung des Rechtsstandes. Doch der Freigelassene hatte damit nicht alle Rechte
eines Freigeborenen erworben. Er hatte keinen Zugang zu Staatsämtern und zur
militärischen Laufbahn. In der Frühzelt konnte er auch keine Freigeborene hei¬
raten. Bel der Freilassung mußte der Herr eine Steuer entrichten, die 5 % des
Wertes des Sklaven entsprach. Der Freigelassene stand weiter unter dem Patronat
und Rechtsschutz seines Herren — dafür hatte auch er dem Herrn gegenüber Pflich¬
ten: zum Beispiel hatte er bei Wahlen seine Stimme für den Kandidaten abzu¬
geben, den sein Herr empfahl. Den Nachkommen der Freigelassenen wurden
jedoch mehr und mehr Rechte zuerkannt: So war zum Beispiel der Dichter Horaz
als Sohn eines Freigelassenen Militärtribun Im Heer des Brutus. Unter der Regie¬
rung des Kaisers Claudius konnten Freigelassene wie Pallas und Narcissus in den
Rang hoher Minister aufsteigen und zu Ruhm und Reichtum gelangen.
Dominus servum bonum manumittebat.
Der Herr ließ einen guten Sklaven frei.
In diesem Satz haben wir zum ersten Mal die Form eines Imperfekts:
manumittebat — die wir uns jetzt näher ansehen wollen. Der Indikativ Imperfekt
Aktiv wird gebildet, indem zwischen den Verbalstamm und die bereits bekannten
Personalendungen das Infix -ba- eingeschoben wird. Das Verb amare — lieben der
a-Konjugation hat also folgende Formen:
amabam - ich liebte
amabas — du liebtest
amabat — er, sie, es liebte
amabamus — wir liebten
amabatis — Ihr liebtet
amabant — sie liebten
a-Konjugation
Indikativ Imperfekt Aktiv
ama ba m
ama ba s
ama ba t
ama ba mus
ama ba tis
ama ba nt
25
Entsprechend sind die Formen der e-Konjugation:
monebam — ich mahnte
monebas — du mahntest
monebat — er, sie, es mahnte
monebamus — wir mahnten
monebatis — ihr mahntet
monebant — sie mahnten
e-Konjugation
Indikativ Imperfekt Aktiv
mone ba m
mone ba s
mone ba t
mone ba mus
mone ba tis
mone ba nt
Die i-Konjugation bildet das Imperfekt anders: an den Verbalstamm wird noch ein
-e- angehängt. Das Infix -ba- und die Personalendungen entsprechen denen der a-
und der e-Konjugation:
audiebam — ich hörte
audiebas — du hörtest
audiebat — er, sie, es hörte
audiebamus — wir hörten
audiebatis — ihr hörtet
audiebant — sie hörten
i-Konjugation
Indikativ Imperfekt Aktiv
audi e ba m
audi e ba s
audi e ba t
audi e ba mus
audi e ba tis
audi e ba nt
Dieses zwischen Stamm und Endung eingeschobene -e- erscheint auch in der
konsonantischen Konjugation:
legebam — ich las
legabas — du lasest
legebat — er, sie, es las
legebamus — wir lasen
legebatis — ihr laset
legebant — sie lasen
26
Konsonantische Konjugation
Indikativ Imperfekt Aktiv
leg e ba m
leg e ba s
legebat
leg e ba mus
leg e ba tis
leg e ba nt
Auch das Hilfszeitwort esse verwendet zur Bildung des Indikativ Imperfekt die
gleichen Endungen. Allerdings wird nur ein -a- zwischen den zu -er abgewandelten
Stamm und die Personalendung eingeschoben.
eram — ich war
eras du warst
erat er, sie, es war
eramus — wir waren
eratis — ihr wart
erant — sie waren
esse
Indikativ Imperfekt Aktiv
er a m
er a s
er a t
er a mus
er a tis
er a nt
Und nun zu unseren Übungssätzen:
Tullius ad amicum aegrotum litteras dabat.
Das Prädikat ist: dabat — er, sie, es gab
von dare — geben.
Wer gab? Tullius.
Wen oder was gab Tullius?
litteras — einen Brief.
An wen gab, beziehungsweise hier:
schrieb, Tullius einen Brief?
ad amicum aegrotum —
an den kranken Freund.
Der Satz heißt: Tullius schrieb
an den kranken Freund einen Brief.
27
Medicus fidus morbum periculosum
medicina curabat.
Das Prädikat ist: curabat — er, sie, es
pflegte, behandelte von curare —
pflegen, behandeln.
Wer behandelte? medicus fidus —
der treue Arzt.
Wen oder was behandelte der treue Arzt?
morbum periculosum — die gefährliche
Krankheit.
Womit? medicina — mit einem Heilmittel.
Also heißt die Übersetzung:
Der treue Arzt behandelte
die gefährliche Krankheit mit
einem Heilmittel.
Abweichend vom Deutschen stimmt im Lateinischen das Adjektiv immer mit
seinem Beziehungswort in Genus, Numerus und Kasus überein. Dabei ist es gleich¬
gültig, ob das Adjektiv als Attribut oder als Prädikatsnomen gebraucht wird:
amicus carus — ein lieber Freund, amicus carus est — der Freund ist lieb,
cena bona — ein gutes Essen, cena bona est — das Essen ist gut,
periculum magnum - eine große Gefahr, periculum magnum est - die Gefahr ist
groß.
28
Wortschatz
cena, -ae f das Essen
medicma, -ae f das Heilmittel
medicus, -i m der Arzt
amicus, -i m der Freund
filius,-i m der Sohn
libertinus, -i m der Freigelassene
morbus, -i m die Krankheit
officium, -i n die Dienstleistung, die Pflicht
periculum, -i n die Gefahr
aegrotus, -a, -um
bonus, -a, -um
carus, -a, -um
domesticus, -a, -um
fidus, -a, -um
periculosus, -a, -um
urbanus, -a, -um
asper, aspera, asperum
dexter, dextera od. dextra,
dexterum od. dextrum
frugifer, frugifera,
frugiferum
liber, libera, liberum
miser, misera, miserum
tener, tenera, tenerum
pulcher, pulchra, pulchrum
sinister, sinistra, sinistrum
krank
gut
lieb
häuslich
treu
gefährlich
städtisch
rauh
rechts
fruchtbar
frei
arm, elend, unglücklich
zart
schön
links
amare
curare
dare
laudare
lieben
pflegen
geben
loben
29
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,5
Umschlagplatz im alten Rom für Waren aller Art, auch für Sklaven, war der Markt.
Der bedeutendste war das Forum Romanum.
In foro clare oculis tuis videres
multos viros et feminas.
Auf dem Forum würdest du deutlich
mit deinen eigenen Augen viele
Männer und Frauen sehen.
An unbekannten Wörtern sind in dem Satz:
forum. An — der Marktplatz
clarus, -a, -um — klar, hell, berühmt
oculus. Am — das Auge
tuus, ^a, -um — dein
videre — sehen
multus, -a, -um — viel
et — und
femina, -ae f - die Frau
Um uns am Anfang das Lernen der a- und der o-Deklination zu erleichtern,
sprachen wir von Wortstock und Wortausgang. Künftig werden wir auch die
sprachwissenschaftlich genaueren Begriffe von Stamm und Endung verwenden.
Der Stamm eines Wortes ist oft schwer zu erkennen, da sich im Laufe der sprach-
geschichtlichen Entwicklung Änderungen ergeben haben. Der Auslaut des Stam¬
mes ist bei allen Deklinationen am besten im Genitiv Plural zu erkennen:
mensa — rum, domino - rum
Der Name a-Deklination erklärt sich daraus, daß diese Wörter -a- als Stammauslaut
hatten, der Name o-Deklination entsprechend daraus, daß die Wörter ursprünglich
-o als Stammauslaut hatten.
Die Possessivpronomina — wir hatten tuus, tua, tuum — dein, in unserem ersten
Satz — werden wie Adjektive der a- und der o-Deklination behandelt:
meus, mea, meum — mein
tuus, tua, tuum — dein
suus, sua, suum - sein, ihr, sein
noster, nostra, nostrum — unser
vester, vestra, vestrum — euer
suus, sua, suum — ihr
30
Possessivpronomen
meus
mea
meum
tuus
tua
tuum
suus
sua
suum
noster
nostra
nostrum
vester
vestra
vestrum
suus
sua
suum
Im Lateinischen werden die Possessivpronomina nicht gesetzt, wenn sie vom Sinn
her selbstverständlich sind. Sie werden vor allem zur Hervorhebung, besonders bei
Gegensätzen, verwendet.
Die Possessivpronomina können reflexiv und nicht-reflexiv verwendet werden. Nur
suus, sua, suum — sein, ihr, kann nur reflexiv verwendet werden. Die reflexiven
Formen werden dann benutzt, wenn sich das Pronomen auf das Subjekt des Satzes
bezieht:
Patrem suum videt.
Er sieht seinen eigenen Vater.
Um die Aussage eines Verbums zu modifizieren, gebraucht der Lateiner, wie auch
der Deutsche, das Adverb. Die Adjektive der a- und der o-Deklination bilden das
Adverb gewöhnlich durch Anfügen eines -e an den Wortstock:
clarus, clara, darum — klar, bildet das Adverb clare,
varius, varia, varium — verschieden, bildet das Adverb varie,
pulcher, pulchra, pulchrum — schön, bildet das Adverb pulchre,
liber, libera, liberum — frei, bildet das Adverb libere.
Neben den von Adjektiven abgeleiteten Adverbien, gibt es eine ganze Reihe
anderer Adverbien. Es sind dies zum Beispiel:
satis — genug
saepe — oft
dam — heimlich
raro — selten
heri — gestern
Das Forum Romanum war der zentrale Marktplatz im alten Rom. Ursprünglich
war es ein Sumpfgelände, das durch den Bau der Cloaca maxima entwässert wurde.
Aber schon bald gewann dieser Umschlagplatz für Waren auch eine politische
Funktion. Auf dem Forum entstanden neben den Markthallen sakrale und staat¬
liche Repräsentationsbauten. Es wurde laufend umgebaut oder neugebaut. Zu¬
letzt im Jahre 608 die Phokassäule. Danach verfiel das Gelände. Meterhoher
Schutt sammelte sich an, so daß im Mittelalter nur noch die oberen Teile der Bau¬
ten aus der Erde ragten. Auf dem Forum grasten Kühe und Schafe — zu jener Zeit
entstand der Name : campo vaccino — Kuhfeld. Erst seit dem vorigen Jahrhundert
31
hat man das Forum systematisch ausgegraben. Archäologen haben 28 verschiedene
Siedlungsschichten entdeckt. Heute kann man auf dem Forum die Reste aus den
verschiedenen Epochen der römischen Geschichte sehen.
In foro clare oculis tuis videres
multos viros et feminas.
Auf dem Forum würdest du
deutlich mit deinen eigenen Augen
viele Männer und Frauen sehen.
videres — du sähest, du würdest sehen — ist der Konjunktiv Imperfekt Aktiv. Da
im Deutschen die Formen des Konjunktiv Imperfekt Aktiv oft denen des Indikativ
Imperfekt Aktiv entsprechen, wählen wir bei der Übersetzung die Hilfskonstruk¬
tion mit "würde." Der Konjunktiv Imperfekt Aktiv wird im Lateinischen durch
ein zwischen Stamm und Endung eingeschobenes Infix -re gebildet. In der a-Kon-
jugation haben wir folgende Formen:
amarem — Ich würde lieben
amares — du würdest lieben
amaret — er, sie, es würde lieben
amaremus — wir würden lieben
amaretis — Ihr würdet lieben
amarent — sie würden lieben
a-Konjugation
Konjunktiv Imperfekt Aktiv
ama re m
ama re s
ama re t
ama re mus
ama re tis
ama re nt
e-Konjugation:
monerem — ich würde mahnen
moneres — du würdest mahnen
moneret — er, sie, es würde mahnen
moneremus — wir würden mahnen
moneretis — ihr würdet mahnen
monerent — sie würden mahnen
32
e* Konjugation
Konjunktiv Imperfekt Aktiv
mone re m
mone re s
mone re t
mone re mus
mone re tis
mone re nt
Die Formen der i-Konjugation heißen entsprechend:
audirem — ich würde hören
audires — du würdest hören
audiret — er, sie, es würde hören
audiremus — wir würden hören
audiretis — Ihr würdet hören
audirent — sie würden hören
i-KonJugation
Konjunktiv Imperfekt Aktiv
audi re m
audi re s
audi re t
audi re mus
audi re tis
audi re nt
In der konsonantischen Konjugation wird zusätzlich ein -e- an den Stamm ange¬
hängt:
legerem — ich würde lesen
legeres — du würdest lesen
legeret — er, sie, es würde lesen
legeremus — wir würden lesen
legeretis — Ihr würdet lesen
legerent — sie würden lesen
Konsonantische Konjugation
Konjunktiv Imperfekt Aktiv
leg e re m
leg e re s
leg e re t
leg e re mus
leg e re tis
leg e re nt
33
Der Konjunktiv Imperfekt von esse hat den alten Lautstand bewahrt:
essem — ich wäre
esses — du wärest
esset — er, sie, es wäre
essemus — wir wären
essetis — ihr wäret
essent — sie wären
esse
Konjunktiv Imperfekt Aktiv
es se m
es se s
es se t
es se mus
es se tis
es se nt
Wir üben diese Formen an folgenden Sätzen:
Romani et barbari in foro
conveniebant.
Das Prädikat; conveniebant ist der
Indikativ Imperfekt Aktiv,
erkennbar an dem Infix:
-ba-, von convenire — Zusammenkommen,
conveniebant — sie kamen zusammen.
Wer? Romani et barbari —
Römer und Barbaren
Wo? in foro — auf dem Forum.
Die Übersetzung heißt:
Römer und Barbaren kamen auf
dem Forum zusammen.
Ibi audiremus linguas exterorum populorum.
Das Prädikat: audiremus — steht im
eben besprochenen Konjunktiv Imperfekt
Aktiv. Also: wir würden hören.
Wer würde hören? — Es ist kein
Nominativ vorhanden, folglich ist das
Subjekt im Verbum enthalten: wh*.
Wen oder was würden wir hören?
linguas - Sprachen. Wessen Sprachen?
exterorum populorum — auswärtiger Völker —
Wo? ibi - dort.
Der Satz heißt: Dort würden wir Sprachen
auswärtiger Völker hören; oder:
Dort hörten wir Sprachen auswärtiger Völker.
34
Der deutsche Konjunktiv "wir hörten"
ist identisch mit dem Indikativ Imperfekt
Aktiv "wir hörten." Um Mißverständnisse
zu vermeiden, übersetzen wir daher audiremus
besser mit: wir würden hören.
Also: Dort würden wir die Sprachen
auswärtiger Völker hören.
Avaro acerba poena est natura sua.
Das Prädikat ist hier:
acerba poena est — es ist eine bittere Strafe.
Wer oder was ist eine bittere Strafe?
natura sua — seine Natur, oder:
die eigene Natur.
Wem? avaro — einem Geizigen.
Einem Geizigen ist die eigene Natur eine
bittere Strafe.
Dieser Satz zeigt, daß im Lateinischen genauso wie im Deutschen, ein Adjektiv als
Substantiv verwendet werden kann:
avarus, avara, avarum — geizig wird zum Substantiv: avarus, avari — der Geizige.
Übrigens stehen im Lateinischen die Adjektive gewöhnlich hinter dem Substantiv:
officia varia — verschiedene Aufgaben. Doch sonst ist die Wortstellung im Satz
wesentlich freier als im Deutschen. Grundsätzlich kann im Lateinischen jedes Wort
an jeder Stelle stehen.
Wortschatz
femina, -ae f die Frau
lingua, -ae f die Zunge, Sprache
natura, -ae f die Natur, das Wesen
poena, -ae f die Strafe
populus, -i m das Volk
oculus, -i m das Auge
barbarus, -i m der Barbar, der Fremde
forum, -i n der Marktplatz
pater, patris m der Vater
acerbus, -a, -um scharf
avarus, -a, -um geizig
clarus, -a, -um hell, klar, berühmt
exterus, -a, -um auswärtig
multus, -a, -um viel
varius, -a, -um verschieden
meus, -a, -um
tuus, -a, -um
suus, -a, -um
noster, nostra, nostrum
vester, vestra, vestrum
videre
convenire
clam
heri
ibi
raro
saepe
satis
et
mem
dein
sein, ihr, sein
unser
euer
sehen
Zusammenkommen
heimlich
gestern
dort
selten
oft
genug
und
36
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,6
Im Mittelpunkt der vorigen Lektion stand das Forum Romanum,der Marktplatz in
Rom. Doch auf dem Forum wickelte man nicht nur den Handel ab, sondern führte
auch die politische Diskussion. Redner versuchten hier die Öffentlichkeit anzu¬
sprechen:
In foro videbitis et audietis non solum
mercatores, sed etiam oratores.
Auf dem Forum werdet ihr nicht nur
Kaufleute, sondern auch Redner
sehen und hören.
Nur drei neue Vokabeln befinden sich in diesem Satz:
non solum ... sed etiam —
nicht nur . . . sondern auch
mercator, -oris m — der Kaufmann
orator, -orism — der Redner
Die Substantive mercator und orator gehören zur sogenannten 3. Deklination. Die
Substantive der 3. Deklination sind teils Maskulina, wie orator, -oris, teils
Feminina, wie oratio, -onis — die Rede, teils Neutra, wie corpus, -oris — der
Körper. Auch bei den Substantiven der 3. Deklination ist es wichtig, den Genitiv
mitzulernen, denn Im Genitiv ist der Stamm zu erkennen. Im Genitiv oratoris er¬
kennt man den Stamm orator, der in diesem Fall zugleich dem Nominativ ent¬
spricht:
orator — der Redner
oratoris — des Redners
oratori — dem Redner
oratorem — den Redner
oratores — die Redner
oratorum — der Redner
oratoribus — den Rednern
oratores — die Redner
cum oratore — mit dem Redner cum oratoribus — mit den Rednern
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
orator
orator es
Genitiv:
orator is
orator um
Dativ:
orator i
orator ibus
Akkusativ:
orator em
orator es
Ablativ: cum orator e
cum orator ibus
37
Bei den Substantiven auf -o, -onis wie: oratio, -onis — die Rede ist im Nominativ
Singular der Konsonant des Stammes, nämlich -n-, abgefallen:
oratio — die Rede
orationis — der Rede
orationi — der Rede
orationem — die Rede
oratione — durch die Rede
orationes — die Reden
orationum — der Reden
orationibus — den Reden
orationes — die Reden
orationibus — durch die Reden
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
oratio
oration es
Genitiv:
oration is
oration um
Dativ:
oration i
oration ibus
Akkusativ:
oration em
oration es
Ablativ:
oration e
oration ibus
Einige Wörter ändern auch zusätzlich den Vokal des Stammes, wenn der Konso¬
nant weggefallen ist, wie zum Beispiel: homo, hominis — der Mensch:
homo — der Mensch
hominis — des Menschen
homini — dem Menschen
hominem — den Menschen
cum homine — mit dem Menschen
homines — die Menschen
hominum - der Menschen
hominibus - den Menschen
homines - die Menschen
cum hominibus - mit den Menschen
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
homo
homin es
Genitiv:
homin is
homin um
Dativ:
homln i
homin ibus
Akkusativ:
homin em
homin es
Ablativ: cum
homin e
cum homin ibus
In der 3. Deklination sind im Plural Nominativ und Akkusativ, sowie Dativ und
Ablativ jeweils formengleich. Der Genitiv Plural der Konsonantenstämme endet
auf -um.
In foro videbitis et audietis non solum mercatores, sed etiam oratores — Auf dem
Forum werdet ihr nicht nur Kaufleute, sondern auch Redner sehen und hören. Ein
guter Redner — das war in Rom ein angesehener Mann. Als Anwalt vor Gericht
oder als Politiker konnte er die Kunst der Rede mit Erfolg einsetzen. Eine be¬
stimmte Ausbildung zum Redner gab es nicht, man lernte ausschließlich an Vor¬
bildern, hier galt der mos maiorum — der Brauch der Vorfahren. Tacitus be¬
schreibt den Werdegang eines Redners In seinem "Dialogus de oratoribus", Kapitel
34, wie folgt: Der junge Mann, der bereits die notwendige Elementarbildung be¬
38
sitzt, wird von seinem Vater zu einem Redner in die Lehre geschickt. Das heißt
nichts anderes, als daß er seinen Meister bei allen seinen Auftritten begleitet und
so die Redetechnik studieren kann. Aus der Reaktion des Publikums lernt er un¬
mittelbar die Wirkung bestimmter Argumentationsweisen und rhetorischer Mittel.
Außerdem kann der angehende Redner nicht nur die Technik seines eigenen
Lehrers, sondern auch die der Konkurrenten studieren, wenn sie als Anwalt der
Gegenpartei oder als Widersacher in einer politischen Auseinandersetzung auf-
treten. Ein Beispiel soll zeigen, welchen Einfluß die Redner in Rom allein durch
die Macht des Wortes hatten: Der römische Senat hatte beinahe schon das
Friedensangebot des Pyrrhus angenommen, als der blinde alte Appius Claudius
auftrat. Er sprach vor den Senatoren so eindringlich über die verhängnisvollen Fol¬
gen dieses Angebots, daß sie den Frieden ablehnten und den Kampf gegen Pyrrhus
fortsetzten.
In foro videbitis et audietis non solum mercatores, sed etiam oratores. Die Verbal¬
formen videbitis und audietis sind die Formen des Futur Aktiv. Aus diesen beiden
Verben kann man schon ersehen, daß das Futur auf zwei verschiedene Weisen ge¬
bildetwird.
Bei den Verben der a-Konjugation wird zwischen den Verbalstamm und die En¬
dung das Infix -b- eingeschoben und, vor folgendem Konsonanten, zusätzlich der
Erweiterungsvokal -i-, beziehungsweise -u-:
amabo ~ ich werde lieben
amabis — du wirst lieben
amabit — er, sie, es wird lieben
amabimus — wir werden lieben
amabitis — ihr werdet lieben
amabunt — sie werden lieben
a-Konjugation
Indikativ Futur Aktiv
ama b o
ama bi s
ama bi t
ama bi mus
ama bi tis
ama bu nt
Das Futur Aktiv der e-Konjugation lautet entsprechend:
monebo — Ich werde mahnen
monebis — du wirst mahnen
monebit — er, sie, es wird mahnen
monebimus — wir werden mahnen
monebitis - Ihr werdet mahnen
monebunt — sie werden mahnen
39
e-Konjugation
Indikativ Futur Aktiv
mone b o
mone bi s
mone bi t
mone bi mus
mone bi tis
mone bu nt
Die Verben der i*Konjugation und der konsonantischen Konjugation schieben da¬
gegen im Futur Aktiv zwischen Stamm und Endung ein -e- ein, nur in der ersten
Person Singular ist es ein -a-;
audiam — ich werde hören
audies — du wirst hören
audiet — er, sie, es wird hören
audiemus — wir werden hören
audietis — ihr werdet hören
audient — sie werden hören
i-Konjugation
Indikativ Futur Aktiv
audi a m
audi e s
audi e t
audi e mus
audi e tis
audi e nt
Konsonantische Konjugation
legam — ich werde lesen
leges — du wirst lesen
leget - er, sie, es wird lesen
legemus — wir werden lesen
legetis - ihr werdet lesen
legent — sie werden lesen
Konsonantische Konjugation
Indikativ Futur Aktiv
leg a m
leges
leg e t
leg e mus
leg e tis
(eg e nt
40
Das Hilfszeitwort esse bildet das Futur ähnlich wie die a- und die e-Konjugation,
nur fehlt das Infix -b-:
ero — ich werde sein
eris — du wirst sein
erit - er, sie, es wird sein
erlmus — wir werden sein
eritis — ihr werdet sein
erunt — sie werden sein.
Indikativ Futur Aktiv
er o
er i s
er i t
er i mus
er i tis
er u nt
Einen Konjunktiv gibt es im Futur nicht.
Der berühmte Cicero verdankt seinen politischen Aufstieg ausschließlich seiner
Tätigkeit als Redner. Seine erste Rede gegen den Verschwörer Catilina beginnt mit
den bekannten Worten:
Quo usque tandem abutere, Catilina,
patientia nostra?
Wie lange eigentlich noch, Catilina,
willst du unsere Geduld mißbrauchen?
Und es folgen weitere Vorhaltungen:
Quam diu furor tuus nos eludet?
Das Prädikat lautet: eludet —
er, sie, es wird verspotten.
Wer oder was wird verspotten?
furor tuus — deine Raserei.
Wen oder was wird deine Raserei ver¬
spotten? nos — uns.
Bis hierher heißt die Übersetzung:
Deine Raserei wird uns verspotten.
Einleitend steht jedoch das Fragewort:
quam diu — wie lange noch.
Der Satz ist außerdem durch das Frage¬
zeichen als Fragesatz gekennzeichnet.
Also: Wie lange noch wird deine
Raserei uns verspotten?
41
Quam diu se effrenata iactabit audacia?
Das Prädikat: iactabit — 3. Person
Singular Indikativ Futur Aktiv von
iactare — werfen;
se iactare dagegen heißt: sich brüsten
Wer oder was wird sich brüsten?
audacia effrenata — die zügellose Frechheit.
Das Substantiv audacia und das Adjektiv
effrenata stehen zwar nicht zusammen,
aber an der gleichen Endung -a
kann man erkennen, daß sie
zusammengehören. Einleitend steht
wieder das Fragewort:
quam diu — wie lange noch.
Der Satz heißt in der Übersetzung:
Wie lange noch wird sich die
zügellose Frechheit brüsten?
Zusätzlicher Übungssatz:
Magno timore consulem liberabis,
liberabis — 2. Person Singular Indikativ
Futur Aktiv von liberare — befreien.
Also: du wirst befreien.
Da ein Nominativ fehlt, ist das im
Verbum enthaltene 'du' Subjekt.
Wen oder was wirst du befreien?
consulem — den Konsul.
Wovon? magno timore — von ei ner
großen Furcht.
Also: Du wirst den Konsul von einer
großen Furcht befreien.
42
Wortschatz
audacia, -ae
f
der Wagemut, die Frechheit
patientia, -ae
f
die Geduld
oratio, -onis
f ^
die Rede
orator, -oris
m
der Redner
mercator, -oris m
der Kaufmann
furor, -oris
m
die Raserei
homo, -inis
m
der Mensch
consul, -is
m
der Konsul
effrenatus, -a,
, -um
zügellos
liberare
befreien
iactare
werfen
se iactare
sich brüsten
eludere
verspotten
nos (Nom. u.
Akk.)
uns
non solum ..
. sed etiam
nicht nur... sondern auch
quam
wie
diu
lange (von der Zeit)
43
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,7
ln der heutigen Lektion beschäftigen wir uns mit der Erziehung in der römischen
Republik. Die Kinder wurden von ihren Eltern erzogen und unterrichtet.
Romae matres filios et filias intra
privatos parietes educabant.
In Rom erzogen die Mütter ihre Söhne
und Töchter innerhalb der eigenen Wände.
Hier nun die Vokabeln:
Romae - in Rom
mater, matris ^ — die Mutter
filius, Am — der Sohn
filia, -de f — die Tochter
intra (mit Akk.) - innerhalb
privatus, -a, -um — privat, eigen
paries, parietis m — die Wand
educare — erziehen
Disce, puer, virtutem ex me.
Lerne, Knabe, Tapferkeit von mir.
disoere — lernen
virtus, virtutis f — Mannhafigkeit, Tapferkeit,
ex me — aus mir, von mir
Virtus, virtutis — die Tapferkeit und paries, parietis — die Wand gehören zur 3. De¬
klination. Sie bilden den Nominativ auf -s; der Stammauslaut -t fällt im Nominativ
bei diesen Wörtern weg:
3. Deklination
Nominativ:
Singular
virtus
Plural
virtut es
Genitiv:
virtut is
virtut um
Dativ:
virtut i
virtut ibus
Akkusativ:
virtut em
virtut es
Ablativ:
virtut e
virtut ibus
Ist der Ausgang des Wortstammes ein Gaumenlaut, so wird dieser im Nominativ
mit dem folgenden -s zu -x zusammengezogen, wie zum Beispiel bei rex, regii —
der König.
44
rex — der König
regis — des Königs
regi — dem König
regem - den König
cum rege — mit dem König
cum
reges — die Könige
regum - der Könige
regibus — den Königen
reges - die Könige
regibus — mit den Königen
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
rex
reg es
Genitiv;
reg is
reg um
Dativ;
reg i
reg ibus
Akkusativ:
reg em
reg es
Ablativ; cum reg e
cum reg ibus
Wie wir in der letzten Lektion gesehen haben, bildet orator, oratoris den
Nominativ ohne -s. Ebenso ist es bei:
mater, matris f - die Mutter
pater, patris m — der Vater
frater, fratris m - der Bruder
Einige Wörter der 3. Deklination behalten im Nominativ Singular das stammaus¬
lautende -s, während sie es in den übrigen Kasus zwischen Vokalen zu -r- verän¬
dern. Dazu gehört; corpus, corporis n — der Körper:
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ;
corpus
corpor a
Genitiv;
corpor is
corpor um
Dativ;
corpor i
corpor ibus
Akkusativ:
corpus
corpor a
Ablativ;
corpor e
corpor ibus
Nicht vergessen: Im Neutrum sind Nominativ und Akkusativ Singular und Nomi¬
nativ und Akkusativ Plural jeweils formengleich.
Hier noch zwei Beispiele zu dieser Deklination:
ius, iuris n — das Recht
mos, moris m — die Sitte, der Brauch
Wir haben im Zusammenhang mit der Ausbildung zum Redner vom mos maiorum
— von der Sitte der Vorfahren — gesprochen. Auch bei der Erziehung der Kinder
galt dieser mos maiorum, die Kinder wurden im Elternhaus erzogen. Bezeichnend
ist, daß das uns zugängliche Quellenmateria) fast ausschließlich über die Erziehung
45
der Oberschicht berichtet. Da konnten die Senatoren ihre Söhne in Senatssitzun¬
gen mitnehmen. Plutarch hat uns überliefert, daß Cato der Ältere für seinen Sohn
Markus Lehrbücher geschrieben hat — aber eben nur für seinen Sohn. Die Väter
brachten ihren Söhnen Lesen und Schreiben bei — die Mütter bereiteten ihre
Töchter auf die häuslichen Pflichten vor. Die Bildungsmöglichkeiten der unteren
Schichten waren wesentlich geringer, den sozialen Aufstieg konnten nur wenige
schaffen: Horaz zum Beispiel. Zu erwähnen ist, daß Erziehung nicht nur Wissens¬
vermittlung sondern auch Charakterbildung beinhaltete:
Disoe, puer, virtutem ex me.
Lerne, Knabe, Tapferkeit von mir.
Dieser Satz drückt einen Befehl aus. Der Lateiner unterscheidet, ob sich ein Befehl
auf einen konkreten Fall bezieht, wie hier, oder ob es sich um eine allgemeine
Aufforderung handelt, wie generelle "du sollst" — Gebote. Der konkrete Befehl
wird mit dem Imperativ Präsens ausgedrückt, wie: disce — lerne.
Wir sehen uns den Imperativ Präsens Aktiv der schon bekannten Verben an:
Zunächst im Singular:
ama — liebe, ist der bloße Verbalstamm
ohne Endung, ebenso: mone — mahne,
und audi — höre.
Nur bei den Verben der konsonantischen
Konjugation wird an den Verbafstamm
ein -e angehängt:
lege - lies.
Imperativ Präsens Aktiv
2. Person Singular
ama
mone
audi
lege
Im Plural wird an den Verbalstamm die Endung -te angehängt:
amate — liebt
monete - mahnt
audite — hört
Bei der konsonantischen Konjugation
wird zwischen Stamm und Endung der
Stammerweiterungsvokal -i- eingeschoben:
legite - lest
Imperativ Präsens Aktiv
2. Person Plural
ama te
mone te
audi te
g i te
46
Wir hatten gesagt, daß der Lateiner zwischen einem konkreten Befehl und einer
allgemeinen Aufforderung unterscheidet. Diese Unterscheidung drückt sich in der
Form aus: Bei der allgemeinen Aufforderung wird der Imperativ Futur Aktiv be¬
nutzt.
Im Singular hat der Imperativ Futur Aktiv die Endung -to für die 2. und für die 3.
Person:
amato — du sollst lieben, oder:
er, sie, es soll lieben
moneto — du sollst mahnen, oder:
er, sie, es soll mahnen
audito — du sollst hören, oder:
er, sie, es soll hören
legito - du sollst lesen, oder:
er, sie, es soll lesen.
Imperativ Futur Aktiv
2. und 3. Person Singular
ama to
mone to
audi to
leg i to
Bei der 2. Person Plural des Imperativ Futur Aktiv wird zusätzlich die Endung -te
angehängt:
amatote - ihr sollt lieben
monetote — ihr sollt mahnen
auditote — ihr sollt hören
legitote — ihr sollt lesen
Imperativ Futur Aktiv
2. Person Plural
ama to te
mone to te
audi to te
leg i to te
In der 3. Person Plural wird die Endung -nto an den Verbalstamm angehängt:
amanto — sie sollen lieben
monento — sie sollen mahnen
audiunto — sie sollen hören
legunto — sie sollen lesen.
47
Imperativ Futur Aktiv
3. Person Plural
ama nto
mone nto
audi u nto
leg u nto
Die Imperativformen von esse werden analog gebildet:
es — sei
este — seid
esto - du sollst sein, oder:
er, sie, es soll sein
estote - ihr sollt sein
sunto — sie sollen sein
esse
Imperativ Präsens Aktiv
es
es te
Imperativ Futur Aktiv
es to
es to te
s u nto
Der Imperativ Futur Aktiv steht übrigens nicht nur bei einer allgemeinen Auffor¬
derung, sondern auch wenn ein konkreter Befehl an eine bestimmte Vorbedingung
geknüpft ist:
Para cenam et ministrato,
para von parare — zubereiten, 2. Person
Singular Imperativ Präsens Aktiv:
bereite zu — ist ein konkreter Befehl
und steht deshalb im Imperativ Präsens.
Dagegen steht ministrato, von
ministrare — auftragen im Imperativ Futur,
weil es an die Vorbedingung geknüpft ist:
para — bereite zu.
Im Deutschen kann man in diesen Fällen
"dann" beim Imperativ hinzufügen»
Bereite das Essen zu und trage es dann auf.
Wir hatten gesagt, daß es auch zur Erziehung der Senatorensöhne gehörte, ihre
Väter zu Senatssitzungen zu begleiten.
48
Ita filios senatorium morem
exemplis docebant.
Docebant, von docere - lehren, ist
das Prädikat, 3. Person Plural
Indikativ Imperfekt Aktiv:
sie lehrten.
Das Subjekt ist bereits im Prädikat
enthalten: sie.
Wen lehrten sie? filios — die, oder ihre Söhne.
Was lehrten sie ihre Söhne?
morem — den Brauch.
Dazu gehört das Adjektiv senatorium,
von senatorius, -a, um- den Senat betreffend,
was wir besser mit einem Substantiv übersetzen:
senatorium morem — den Brauch des Senats.
Wodurch lehrten sie den Brauch des Senats?
exemplis - durch Beispiele.
Exemplis ist der Ablativ Plural von
exemplum. An — das Beispiel
Ita heißt so.
Und nun der ganze Satz:
So lehrten sie ihre Söhne durch
Beispiele den Brauch des Senats.
Zusätzlicher Übungssatz:
Mos senatoribus Romae erat
in curiam cum filiis introire.
Zum Prädikat erat - es war
3. Person Singular Indikativ
Imperfekt Aktiv von sein
gehört auch mos — die Sitte, der Brauch;
mos erat — es war Brauch.
Was war Brauch?
introire — hineinzugehen.
Wohin? in curiam - In die Kurie.
Mit wem? cum filiis — mit den Söhnen,
Im Deutschen sagen wir: mit ihren Söhnen.
Wo war das Brauch? Romae — In Rom.
Wer hatte diesen Brauch in Rom?
oder: wem war dieser Brauch In Rom eigen?
senatoribus — den Senatoren.
Die Übersetzung heißt: In Rom hatten
die Senatoren den Brauch,
in die Kurie mit Ihren Söhnen hineinzugehen.
49
Wortschatz
curia, -ae
f
die Kurie
filia, ae
f
die Tochter
exemplum, -i
n
das Vorbild
senator, -oris
m
der Senator
mos, moris
m
die Sitte, der Brauch
frater, fratris
m
der Bruder
mater, matris
f
die Mutter
rex, regis
m
der König
paries, parietis
m
die Wand
virtus, -tis
f
Mannhaftigkeit, Tapferkeit, Tugend
corpus, -oris
n
der Körper
ius, iuris
n
das Recht
privatus, -a, -um
eigen
educare
erziehen
parare
(zu) bereiten
ministrare
bedienen, auftragen
docere
lehren
discere
lernen
ex me
aus mir, von mir
intra (mit Akk.)
innerhalb
ita
so
50
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,8
Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Rechtswesen, das aut die Recht¬
sprechung in ganz Europa bis in dieses Jahrhundert großen Einfluß hatte.
Iudex tarn de se quam de reo iudicavit.
Der Richter hat ebenso über sich wie
über den Angeklagten geurteilt.
Hier die Vokabeln:
iudex, iudicism — der Richter
iudicare - richten, urteilen
reus, Am - der Angeklagte
tarn ... quam — so . . . wie
de (mit Abi.) — über, von
Das Wort se — sich, ist ein Personalpronomen. Wie im Deutschen werden beim
lateinischen Personalpronomen drei Personen unterschieden, die jeweils einen Sin¬
gular und einen Plural bilden und wie ein Substantiv dekliniert werden.
Die erste Person Singular lautet:
ego — ich
mei — meiner
mihi — mir
me - mich
a me — von mir
mecum — mit mir
Personalpronomen
1. Person Singular
Nominativ: ego
Genitiv: mei
Dativ: mihi
Akkusativ: me
Ablativ: a me^mecum
Die erste Person Plural:
nos — wir
nostri — unser
nostrum — unter uns
nobis — uns
nos - uns
a nobis — von uns
nobiscum — mit uns
51
Personalpronomen
1. Person Plural
Nominativ:
nos
Genitiv:
nostri, nostrum
Dativ:
nobis
Akkusativ:
nos
Ablativ:
a nobis, nobiscum
Die Formen der 2. Person Singular lauten:
tu — du
tui — deiner
tibi — dir
te - dich
a te — von dir
tecum — mit dir
Personalpronomen
2. Person Singular
Nominativ:
tu
Genitiv:
tui
Dativ:
tibi
Akkusativ:
te
Ablativ:
a te, tecum
Und die Formen der 2. Person Plural lauten:
vos — euch
vestri — euer
vestrum — unter euch
vobis — euch
vos — euch
a vobis — von euch
vobiscum — mit euch
Perso nal pro nomen
2. Person Plural
Nominativ:
vos
Genitiv:
vestri, vestrum
Dativ:
vobis
Akkusativ:
vos
Ablativ:
a vobis, vobiscum
Die Form vobiscum — mit euch, hat ebenso wie: mccum — mit mir, tecum — mit
dir und nobiscum — mit uns, das Einzelwort cum ~ mit, hinten angehängt.
52
In der dritten Person muß man reflexive und nicht-reflexive Formen unterschei¬
den. Reflexiv heißt, daß sich das Personalpronomen auf das Subjekt bezieht, wie
in dem Satz: Iudex tarn de se quam de reo iudicavit - der Richter hat ebenso über
sich wie über den Angeklagten geurteilt; se — beziehLsich auf das Subjekt: iudex.
Die reflexiven Formen des Personalpronomen der 3. Person sind im Singular und
im Plural gleich; der Nominativ fällt wie im Deutschen bei den reflexiven Personal¬
pronomina der dritten Person weg.
sui — seiner, ihrer
sibi — sich
se — sich
a se — von sich
secum — mit sich
Personalpronomen
3. Person Singular u. Plural
Nominativ:
—
Genitiv:
sui
Dativ:
sibi
Akkusativ:
se
Ablativ:
a se, secum
Nun gibt es aber eben auch nichtreflexive Personalpronomina, das heißt, das Per¬
sonalpronomen bezieht sich nicht auf das Subjekt, wie in dem Satz: Er hat ihm
ein Pferd verkauft. In diesem Fall benutzt der Lateiner ein anderes Wort, nämlich
das Demonstrativpronomen:
is, ea, id - er, sie, es
das im Plural die Formen
ii, eae, ea — sie, bildet.
Die Deklination dieses Demonstrativpronomens werden wir in einer späteren Lek¬
tion behandeln. An der Form des Personalpronomens Ist das Geschlecht der Per¬
son nicht zu erkennen: ego — ich; tu — du. Übrigens gebraucht der Lateiner den
Nominativ des Personalpronomens nur zur besonderen Hervorhebung, zum Bei¬
spiel bei Gegensätzen:
ego laboro — tu ambulas
ich arbeite — du gehst spazieren.
Der Ausbau des Rechtssystems in Rom hatte sich über Jahrhunderte hingezogen.
Um 450 vor Christus entstand das Zwölftafelgesetz, In dem erstmals römisches
Recht festgelegt wurde. Daneben galten als Rechtsquellen die Beschlüsse des
Senats und der Volksversammlung und in der römischen Republik auch das
Edictum der Prätoren. Die Vorschriften und Erlasse wurden immer umfangreicher,
und die juristischen Schriften Immer unübersichtlicher. Es entstand der Beruf des
53
Rechtsgelehrten, des iuris consultus. Er wurde als Gutachter bei Prozessen zuge¬
zogen, denn der Anwalt, so hatten wir festgestellt, war in erster Linie Redner.
Aufgabe des Rechtsgelehrten war es, aus dem schier unüberschaubaren Berg an
Entscheidungen und Urteilen, die für den jeweiligen Prozeß einschlägigen
Präzedenzfälle herauszuflnden. Erst unter Kaiser Justinian im 6. Jahrhundert nach
Christus wurde das corpus iuris geschaffen. Noch heute gelten Grundsätze, die auf
das römische Recht zurückgehen, wie: In dubio pro reo — im Zweifelsfalle für den
Angeklagten.
Iudex tarn de se quam de reo iudicavit. iudicavit — von iudicare — urteilen, richten
ist die 3. Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv: er hat geurteilt. Wir haben bis¬
her alle Verbformen vom Präsensstamm gebildet. Es waren dies: das Präsens, das
Imperfekt und das Futur.
Der Präsensstamm heißt von:
amare — ama*
von monere — mone*
von audire — audi-
und von legere — leg-
Präsensstämme
ama-
mone-
audi-
leg-
Die Formen des Perfekt beruhen auf einem anderen Stamm, nämlich dem Perfekt¬
stamm, der bei den einzelnen Verben unterschiedlich gebildet wird. Daher muß
man sich die verschiedenen Stammformen gut einprägen. Bei amare zum Beispiel
heißt der Perfektstamm: amav-. Zusätzlich hat der Indikativ Perfekt auch noch
eigene Personalendungen, die an den Stamm angehängt werden. Bei amare haben
wir folgende Formen:
amavf — Ich habe geliebt
amavisti — du hast geliebt
amavit — er, sie, es hat geliebt
amavimus — wir haben geliebt
amavistis — ihr habt geliebt
amaverunt — sie haben geliebt
amare
Indikativ Perfekt Aktiv
amav i
amav isti
amav it
amav imus
amav istis
amav erunt
54
Die Personalendungen im indikativ Perfekt heißen demnach:
-istis, -erunt.
Der Perfektstamm von monere lautet monu-;
-i, -isti, -it, -imus,
monui — ich habe gemahnt
monuisti — du hast gemahnt
monuit — er, sie, es hat gemahnt
monuimus — wir haben gemahnt
monuistis - ihr habt gemahnt
monuerunt — sie haben gemahnt
monere
Indikativ Perfekt Aktiv
monu i
monu isti
monu it
monu imus
monu istis
monu erunt
Der Perfektstamm von audire heißt audiv-r
audivi — ich habe gehört
audivisti - du hast gehört
audivit — er, sie, es hat gehört
audivimus — wir haben gehört
audivistis — ihr habt gehört
audiverunt — sie haben gehört
audire
Indikativ Perfekt Aktiv
audiv i
audiv isti
audiv it
audiv imus
audiv istis
audiv erunt
Der Perfektstamm von legere heißt leg-.'
legi — ich habe gelesen
legisti — du hast gelesen
legit — er, sie, es hat gelesen
legimus — wir haben gelesen
legistis - ihr habt gelesen
legerunt — sie haben gelesen
55
legere
Indikativ Perfekt Aktiv
leg i
leg isti
leg it
feg imus
leg istis
leg erunt
Der Perfektstamm des Hilfszeitverbs esse ist fu-:
fui — ich bin gewesen
fuisti - du bist gewesen
fuit — er, sie, es ist gewesen
fuimus — wir sind gewesen
fuistis — ihr seid gewesen
fuerunt — sie sind gewesen
esse
Indikativ Perfekt Aktiv
fu i
fu isti
fu it
fu imus
fu istis
fu erunt
Das lateinische Perfekt bezeichnet ein abgeschlossenes Geschehen. Es ist das ge>
bräuchliche Tempus bei der Darstellung vergangener Ereignisse und damit dem
deutschen Imperfekt vergleichbar. Man kann daher die lateinischen Perfektformen
oft mit dem deutschen Imperfekt wiedergeben, wie in den folgenden Übungs-
Sätzen:
Homines mali Miltiadem proditionis
accusaverunt.
accusaverunt von accusare ankfagen,
3. Person Plural Indikativ Perfekt Aktiv:
sie haben angeklagt, oder: sie klagten an.
Wer klagte an? Homines mali -
schlechte Menschen.
Wen oder was klagten schlechte Menschen an?
Miltiadem — den Miltiades.
Wessen klagten sie ihn an?
proditionis — des Hochverrats.
Also: Schlechte Menschen klagten
Miltiades des Hochverrats an.
56
Summum ius, summa iniuria —
Höchstes Recht ist höchstes Unrecht.
Dieser lateinische Satz hat kein Prädikat. Man nennt solche Sätze Nominalsätze.
Es sind immer besonders nachdrückliche Formulierungen, die meist eine Form des
Hiifszeitverbs esse — sein weglassen. Auch im Deutschen haben wir vergleichbare
Konstruktionen, wie zum Beispiel: Wie du mir, so ich dir.
Zusätzlicher Übungssatz;
ludices Miltiadem capitis quidem
absolverunt, sed pecunia multaverunt.
Dieser Satz ist durch die Partikel
quidem ... sed — zwar... aber, gegliedert.
Das erste Prädikat ist:
absolverunt von absolvere — freisprechen:
sie haben freigesprochen,
oder: sie sprachen frei.
Wer? iudices — die Richter.
Wen sprachen sie frei? Miltiadem -
den Miltiades.
Wovon? capitis — von der Todesstrafe;
caput, capitis — n heißt zunächst:
das Haupt, der Kopf.
Das zweite Prädikat ist:
multaverunt, von multare — bestrafen,
sie haben bestraft, oder:
sie bestraften.
Wer? auch hier ist iudices —
die Richter, das Subjekt.
Wen bestraften sie? Miltiadem — den Miltiades,
der auch hier Akkusativobjekt ist.
Womit bestraften sie ihn?
pecunia — mit einer Geldstrafe.
Wir nehmen die Partikel quidem ... sed-
zwar . . . aber, hinzu
und erhalten die Übersetzung:
Die Richter sprachen Miltiades zwar von der
Todesstrafe frei, belegten ihn aber
mit einer Geldstrafe.
57
Wortschatz
jniuria, <ae
f
das Unrecht
reus, -i
m
der Angeklagte
iudex, iudicis
m
der Richter
accusare
ankiagen
ambulare
Spazierengehen
laborare
arbeiten
judicare
richten, urteilen
summus, -a, -um
der oberste, höchste
dubius, -a, -um
zweifelhaft
de (mit Abi.)
über, von
pro ( mit Abi.)
für
tam .. . quam
so ... wie
58
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS!, 9
Wir haben in der letzten Lektion vom Beginn des römischen Rechts gesprochen
und vom Zwölftafelgesetz als erstem schriftlichem Zeugnis der Gesetzgebung. Das
Zwölftafelgesetz enthält unter anderem folgende Bestimmung:
Hominem mortuum in urbe ne
sepelito neve urito.
Einen Toten soll man in der Stadt
nicht begraben und nicht verbrennen.
Hier nun die Vokabeln:
mortuus, -a, -um — tot
entsprechend: homo mortuus —
ein toter Mensch, ein Toter,
urbs, urbis ^ — die Stadt,
womit meistens Rom gemeint ist.
ne - ist hier die Verneinungspartikel
beim Imperativ.
Das folgende neve führt diese
Verneinung fort: und nicht,
sepelire — begraben, bestatten
urere - verbrennen
Zur 3. Deklination gehören auch einige i-Stämme, die den Genitiv Plural nicht wie
virtus, virtutis — die Tugend, auf -um, also virtutum bilden, sondern auf -ium, wie
zum Beispiel navis, navis, f — das Schiff:
navis — das Schiff
navis - des Schiffes
navi — dem Schiff
navem — das Schiff
nave — durch das Schiff,
mit dem Schiff
naves — die Schiffe
navium - der Schiffe
navibus — den Schiffen
naves - die Schiffe
navibus — durch die Schiffe,
mit den Schiffen
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ:
nav is
nav es
Genitiv:
nav is
nav ium
Dativ:
nav i
nav ibus
Akkusativ:
nav em
nav es
Ablativ:
nav e
nav ibus
59
Man nennt Substantive wie navis, navis auch gleichsilbig, da der Nominativ und
der Genitiv Singular die gleiche Anzahl von Silben haben. Merke:
Die gleichsilbigen Substantive der 3. Deklination, deren Nominativ auf <es, oder:
-is endet, gehören zu den i^tämmen, das heißt, sie bilden den Genitiv Plural auf
-ium, wie navium.
Doch es gibt auch ungleichsilbige Substantive der 3. Deklination, die zu den
i-Stämmen gehören. Ihr Wortstock endet auf zwei oder mehr Konsonanten, zum
Beispiel: ars, artis f — die Kunst. Auch diese Substantive gehören zu den i-Stäm-
men:
3. Deklination
Singular
Plural
Nominativ: ars
art es
Genitiv: art is
art ium
Dativ: art i
art ibus
Akkusativ: art em
art es
Ablativ: art e
art ibus
Wir merken uns: Ungleichsilbige Substantive, deren Wortstock auf zwei oder mehr
Konsonanten endet, bilden den Genitiv Plural auf: -Ium, wie: artium.
Den Genitiv Plural auf -ium bilden auch:
lis, litis f — der Streit, der Rechtsstreit,
nix, nivis f - der Schnee,
und auch
mors, mortis f — der Tod
Im alten Rom deutete man den Tod anders,als es später das Christentum tat. Die
Seelen der Verstorbenen lebten nach dem Glauben der Römer als Manen weiter.
Die adeligen Familien ließen ihre Toten verbrennen — auch wenn es Ausnahmen
gab, wie die Cornelier; die armen Leute dagegen und die Sklaven wurden gewöhn¬
lich begraben — und zwar möglichst unauffällig bei Nacht. Der Leichenzug der
vornehmen Familien Roms fiel um so pompöser aus: Er fand selbstverständlich
am Tage statt; und neben den Verwandten und Freunden des Verstorbenen
nahmen symbolisch alle die Vorfahren teil, die einst das Amt eines Senators aus¬
geübt hatten. Ihre Wachsmasken und Amtsinsignien wurden von Schauspielern
mitgetragen, Flötenspieler und Klageweiber gaben der Bestattungszeremonie die
akustische Untermalung. Für die Toten, die ein wichtiges Staatsamt bekleidet
hatten, wurde auf dem Forum Romanum auf der Rednertribüne die Leichenrede
gehalten. Dann bewegte sich der Trauerzug aus der Stadt hinaus. Dort standen die
Familiengruften des Adels, teilweise monumentale Grabbauten, wie die der
Caecilia Metella an der Via Appia. Die Via Appia ist die einzige erhaltene Gräber¬
straße von Rom. Grabmale standen jedoch an jeder Ausfallstraße. Doch auch der
sogenannte kleine Mann legte Wert auf eine '"schöne Leiche". Es entstanden Be¬
gräbnisvereine, zu denen sich Berufskollegen zusammengeschlossen hatten. Diese
Vereine übernahmen die Kosten der Beerdigung, wenn eines ihrer Mitglieder ver¬
60
starb. An Arme und Reiche richtete sich der gleiche Satz:
Ne mortem timueritis.
Fürchtet den Tod nicht,
timueritis ist die Form des
Konjunktiv Perfekt Aktiv.
Zur Bildung des Konjunktiv Perfekt Aktiv werden dieselben Endungen verwendet
wie beim Konjunktiv Präsens. Nur wird zwischen Perfektstamm und Endung noch
ein -eri- eingeschoben:
amaverim — ich möge geliebt haben
amaveris — du mögest geliebt haben
amaverit - er, sie, es möge geliebt haben
amaverimus — wir mögen geliebt haben
amaveritis — ihr möget geliebt haben
amaverint — sie mögen geliebt haben
amare
Konjunktiv Perfekt Aktiv
amav eri m
amav eri s
amav eri t
amav eri mus
amav eri tis
amav eri nt
monuerim — ich möge gemahnt haben
monueris — du mögest gemahnt haben
monuerit — er, sie, es möge gemahnt haben
monuerimus — wir mögen gemahnt haben
monueritis — ihr möget gemahnt haben
monuerint — sie mögen gemahnt haben
monere
Konjunktiv Perfekt Aktiv
monu eri m
monu eri s
monu eri t
monu eri mus
monu eri tis
monu eri nt
61
audiverim — ich möge gehört haben
audiveris — du mögest gehört haben
audiverit — er, sie, es möge gehört haben
audiverimus — wir mögen gehört haben
audiveritis — ihr möget gehört haben
audiverint — sie mögen gehört haben
audire
Konjunktiv Perfekt Aktiv
audiv eri m
audiv eri s
audiv eri t
audiv eri mus
audiv eri tis
audiv eri nt
legerim — ich möge gelesen haben
legeris — du mögest gelesen haben
legerit - er, sie, es möge gelesen haben
legerimus — wir mögen gelesen haben
legeritis — ihr möget gelesen haben
legerint — sie mögen gelesen haben
legere
Konjunktiv Perfekt Aktiv
leg eri m
leg eri s
leg eri t
leg eri mus
leg eri tis
leg eri nt
Das Hilfszeitwort esse bildet die Formen analog: an den Perfektstamm fu- kommt
das Infix -eri- und dann folgen die Personalendungen des Konjunktivs:
fuerim — ich sei gewesen
fueris - du seiest gewesen
fuerit - er, sie, es sei gewesen
fuerimus — wir seien gewesen
fueritis — ihr seiet gewesen
fuerint — sie seien gewesen
62
esse
Konjunktiv Perfekt Aktiv
fu eri m
fu eri s
fu eri t
fu eri mus
fu eri tis
fu eri nt
Beim Infinitiv Perfekt Aktiv wird bei allen Konjugationen die Endung -isse an den
Perfektstamm gehängt:
amavisse - geliebt zu haben
monuisse — gemahnt zu haben
audivisse — gehört zu haben
legisse — gelesen zu haben
fuisse — gewesen zu sein
Infinitiv Perfekt Aktiv
amav isse
monu isse
audiv isse
leg isse
fu isse
Ne mortem timueritis — hatten wir mit: Fürchtet den Tod nicht, übersetzt. In Ver¬
bindung mit der Verneinungspartikel ne kann die 2. Person Konjunktiv Perfekt
Aktiv im Singular und im Plural auch als verneinter Imperativ Präsens gebraucht
werden:
ama - liebe; ne amaveris - liebe nicht
amate - liebt; ne amaveritis - liebt nicht
time — fürchte; ne timueris — fürchte nicht
timete — fürchtet; ne timueritis - fürchtet nicht.
Artem ne reliqueris.
Das Prädikat heißt reliqueris,
von relinquere — verlassen.
Ne reliqueris ist die Form des eben
besprochenen Konjunktiv Perfekt Aktiv,
der mit der Partikel ne in der 2. Person
Singular als verneinter Imperativ Präsens
gebraucht wird.
Ne reliqueris heißt demnach:
verlasse nicht.
Wen oder was? artem — die Kunst.
Verlasse die Kunst nicht.
63
Si mortem contemnis, timorem vincis.
Bei diesem Satz handelt es sich um
einen Haupt- und einen Nebensatz.
Der Nebensatz ist erkennbar an der
Nebensatzeinleitung: si — wenn, falls.
Der Hauptsatz lautet: timorem vincis —
vincis — du besiegst, von vincere — besiegen.
Wen oder was besiegst du?
timorem - die Furcht.
Also: Du besiegst die Furcht.
Der Nebensatz heißt: Si mortem contemnis —
contemnis — du verachtest, von
contemnere — verachten.
Wen oder was verachtest du?
mortem — den Tod.
Die Nebensatzeinleitung si, so hatten
wir gesagt, heißt: wenn, falls.
Der ganze Satz heißt in der Übersetzung:
Wenn du den Tod verachtest, besiegst du die Furcht.
Zusätzlicher Übungssatz:
Mors certa, hora incerta.
Wir suchen vergeblich das Prädikat —
es handelt sich wieder um einen jener
Nominalsätze, die eine besonders
nachdrückliche Formulierung beinhalten
und kein ausdrückliches Prädikat haben.
Meistens, so hatten wir in der
vorigen Lektion gesagt, ist eine Form
des Hilfszeitworts esse weggelassen.
So auch hier, denn die Übersetzung heißt:
Der Tod ist gewiß, die Stunde ungewiß.
64
Wortschatz
navis, navis
f
das Schiff
ars, artis
f
die Kunst
mors, mortis
f
der Tod
urbs, urbis
f
die Stadt
lis, litis
f
der Streit, Rechtsstreit
nix, nivis
f
der Schnee
timor, -oris
m
die Furcht
certus, -a, -um
gewiß
incertus, -a, -um
ungewiß
mortuus, -a, -um
tot
timere
fürchten
sepelire
begraben
contemnere
verachten
relinquere
verlassen
urere
verbrennen
vincere
besiegen
ne
damit nicht
neve
und nicht (wenn ne — damit nicht, vorausgeht)
65
PAUK WUT: LATEIN
GRUNDKURS I, 10
Wir alle kennen Berichte über die großartigen Erfolge des römischen Heeres, die
Sätze enthalten, wie den folgenden:
Milites Romani terra marique
hostes superaverant.
Die römischen Soldaten hatten zu
Wasser und zu Lande die Feinde überwunden.
Hier zunächst die einzelnen Vokabeln:
miles, militis m — der Soldat
mare, maris n - das Meer
hostis, hostis m — der Feind
superare - überwinden
Zu den i-Stämmen, die wir in der letzten Lektion behandelt haben, gehören eine
Reihe weiterer Substantive, zum Beispiel alle diejenigen, die im Nominativ Sin¬
gular auf -e enden, wie in unserem Satz:
mare, maris n — das Meer,
oder conclave, conclavis n — das Zimmer.
Ferner alle diejenigen, die im Nominativ Singular auf -al enden, wie zum Beispiel:
animal, animalis n — das Lebewesen,
sowie alle diejenigen, die im Nominativ Singular auf -ar enden:
exemplar, exemplaris r? — das Vorbild.
Wir merken uns: Die Substantive auf -e, -al und -ar gehören zu den -i Stämmen
und sind Neutra. Diese Substantive bilden den Ablativ Singular auf -i, den Nomi¬
nativ Plural auf -ia und den Genitiv Plural auf -ium. In tien übrigen Kasus werden
die für die 3. Deklination üblichen Endungen verwendet:
mare - das Meer
maris - des Meeres
mari — dem Meer
mare — das Meer
mari — auf dem Meer
maria — die Meere
marium — der Meere
maribus — den Meeren
maria — die Meere
maribus — auf den Meeren
66
i-Stämme auf -e, -al, -ar
Singular
Nominativ: mar e
Plural
mar ia
Genitiv:
mar is
mar ium
Dativ:
mar i
mar ibus
Akkusativ:
mar e
mar ia
Ablativ:
mar i
mar ibus
Eine Gruppe von gleichsilbigen Substantiven auf -i$ hat das -i- in den meisten
Kasus erhalten, wie zum Beispiel febris, febris f — das Fieber?
i-Stämme auf
-is
Singular
Plural
Nominativ:
febr is
febr es
Genitiv:
febr is
febr ium
Dativ:
febr i
febr ibus
Akkusativ:
febr im
febr es
Ablativ:
febr i
febr ibus
Ebenso werden folgende Wörter dekliniert:
puppis, puppis f - das Achterdeck
securis, securis f — das Beil
sitis, sitis f — der Durst
turris, turris ^ — der Turm
tussis, tussis f — der Husten
vis — die Kraft, Gewalt bildet im Singular außer dem Nominativ nur den Akkusa¬
tiv und den Ablativ: vis, vim, vi. Der Plural wird regelmäßig gebildet.
i-Stämme
Nominativ:
Singular
vis
Plural
vir es
Genitiv:
-
vir ium
Dativ:
—
vir ibus
Akkusativ:
vim
vir es
Ablativ:
vi
vir ibus
Zusammenfassend wollen wir noch einmal die Besonderheiten in der Dekli¬
nation der i-Stämme ansehen:
Der Ablativ Singular wird bei den Neutra auf -e, -al und -ar mit -i gebildet: meri.
Der Genitiv Plural der i-Stämme wird immer auf -ium gebildet: marium.
Nominativ und Akkusativ Plural der Neutra auf -e, -al, -ar haben die Endung -ia;
maria.
67
Maria — die Meere haben die römischen Soldaten ebenso beherrscht wie das Land.
Wie kam es eigentlich, daß diese Soldaten die Eroberungskriege meistens gewon¬
nen haben? Die Geschichte Roms ist auch die Geschichte seiner Heere. Ursprüng¬
lich gab es keine Berufssoldaten, sondern ein Milizheer, in dem der Kämpfer seine
Waffen selbst stellen mußte. Wer das nicht konnte, wie die proletarii durfte keinen
Wehrdienst leisten. Der Drill im römischen Heer war hart. Die Siege der Römer
sind nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in ihren Heeren eine eiserne Diszi¬
plin herrschte und ihre Taktik den Gegnern überlegen war. Der Römer der Früh¬
zeit war in erster Linie nicht Soidat, sondern Bauer, der seinen Hof während der
Zeit der Feldzüge, etwa von März bis Oktober verließ. Scipio Africanus kämpfte
noch mit einem solchen Milizheer, mit Männern also, die an Vaterland und Fami¬
lie dachten, unter Cäsar dagegen rekrutierte sich das Heer aus Berufssoldaten.
Milites Romani terra marique
hostes superaverant.
Die römischen Soldaten hatten zu
Wasser und zu Lande die Feinde überwunden.
superaverant — sie hatten überwunden, ist die Form des Indikativ Plusquam¬
perfekt Aktiv, bei dem zwischen den Perfektstamm und die Personalendung -era-
eingeschoben wird:
amaveram — ich hatte geliebt
amaveras — du hattest geliebt
amaverat — er, sie, es hatte geliebt
amaveramus - wir hatten geliebt
amaveratis — ihr hattet geliebt
amaverant — sie hatten geliebt.
amare
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv
amav era m
amav era s
amav era t
amav era mus
amav era tis
amav era nt
monere hat den Perfektstamm monu-:
monueram — ich hatte gemahnt
monueras — du hattest gemahnt
monuerat — er, sie, es hatte gemahnt
monueramus — wir hatten gemahnt
monueratis — ihr hattet gemahnt
monuerant — sie hatten gemahnt
68
monere
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv
monu era m
monu era s
monu era t
monu era mus
monu era tis
monu era nt
Nach demselben Schema wird auch der Indikativ Plusquamperfekt Aktiv von
audire gebildet. Der Perfektstamm heißt audiv-:
audire
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv
audiv era m
audiv era s
audiv era t
audiv era mus
audiv era tis
audiv era nt
Auch legere folgt dieser Regel: zwischen den Perfektstamm leg- und die Personal¬
endung wird -era- eingeschoben:
legere
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv
leg era m
leg era s
leg era t
leg era mus
leg era tis
leg era nt
Entsprechend bildet auch esse den Indikativ Plusquamperfekt Aktiv:
fueram — ich war gewesen
fueras — du warst gewesen
fuerat — er, sie, es war gewesen
fueramus — wir waren gewesen
fueratis — ihr wart gewesen
fuerant — sie waren gewesen
69
Indikativ Plusquamperfekt Aktiv
fu era m
f u era s
f u erä t
fu era mus
fu era tis
fu era nt
Das Plusquamperfekt drückt die Vorvergangenheit aus, eine Handlung, die bereits
abgeschlossen war, als eine neue Handlung begann. Das Plusquamperfekt be¬
schreibt auch einen Zustand in der Vergangenheit als Ergebnis einer vorausgegan¬
genen abgeschlossenen Handlung.
Marcus Porcius Cato civitates
Hispaniae vicerat, sed moenia
urbium non deleverat.
Dieser Satz hat zwei Prädikate, die
mit der Partikel sed - aber verbunden sind.
vicerat — er hatte besiegt.
Wer hatte besiegt? Marcus Porcius Cato.
Wen oder was hatte er besiegt?
civitates Hispaniae — die Völkerstämme Spaniens.
Also heißt der erste Teil des Satzes:
Marcus Porcius Cato hatte die Völkerstämme
Spaniens besiegt, aber...
und nun zum zweiten Prädikat:
deleverat — er hatte zerstört.
Vor dem Verb steht non — nicht,
also: er hatte nicht zerstört.
Wer hatte nicht zerstört?
Marcus Porcius Cato - das ist
auch hier das Subjekt.
Was hatte er nicht zerstört?
moenia urbium — die Mauern der Städte.
Der ganze Satz heißt:
Marcus Porcius Cato hatte die
Volksstämme Spaniens besiegt,
aber die Mauern der Städte nicht zerstört.
Itaque incolis urbium imperavit,
ut moenia delerent.
Hier haben wir einen Hauptsatz
und einen Nebensatz,
der mit ut — daß, damit, eingefeitet wird.
Bei ut — daß, damit, muß im
70
Lateinischen immer der Konjunktiv stehen.
Doch zunächst zum Hauptsatz.
Das Prädikat lautet:
imperavit — er hat befohlen.
Es ist der Indikativ Perfekt
Aktiv von imperare — befehlen.
Wer hat befohlen?
Das Subjekt ist bereits
im Verb enthalten: er.
Wem hat er befohlen?
incolis urbium — den Einwohnern der Städte.
Was hat er den Einwohnern
der Städte befohlen?
ut... delerent,
hier haben wir den Nebensatz:
daß sie zerstörten;
delerent ist die 3. Person Plural
Konjunktiv Imperfekt Aktiv.
Der Konjunktiv, so hatten wir gesagt,
muß nach ut — daß, damit stehen.
Daß sie wen oder was zerstörten?
moenia — die Mauern.
Itaque heißt daher, deshalb.
Die Übersetzung lautet:
Deshalb befahl er den Einwohnern
der Städte, daß sie ihre Mauern zerstörten.
Im Deutschen kann man den daß-Satz
auch mit einem Infinitiv wiedergeben:
Deshalb befahl er den Einwohnern
der Städte, ihre Mauern zu zerstören.
Zusätzlicher Übungssatz:
Castra Romani ceteraeque gentes
antiquitus per corpora cohortium
constituebant.
constituebant - sie richteten ein,
oder: sie schlugen auf.
Wer schlug auf? Romani ceteraeque gentes —
die Römer und die übrigen Völker.
Wen oder was schlugen sie auf?
castra — das Lager.
Wann? antiquitus — in der alten Zelt.
Wie? per corpora cohortium —
heißt wörtlich: über die Körper
der Kohorten hin, wir können sagen:
kohortenweise. Also:
In der alten Zeit schlugen die Römer und die
übrigen Völker das Lager kohortenweise auf.
71
Wortschatz
Hispania, -ae
f
Spanien
incola, -ae
m
der Einwohner
hostis, hostis
m
der Feind
mites, militis
m
der Soldat
febris, febris
f
das Fieber
puppis, puppis
f
das Achterdeck
securis, securis
f
das Beil
sitis, sitis
f
der Durst
turris, turris
f
der Turm
tussis, tussis
f
der Husten
vis
f
die Kraft, Gewalt
civitas, -atis
f
Bürgerrecht, Bürgerschaft, Volk(stamm)
conclave, conclavis n
das Zimmer
mare, maris
n
das Meer
animal, animalis
n
das Lebewesen
exemplar, exemplaris n
das Vorbild
moenia, -ium
n
die Stadtmauer
ceteri, -ae, -a
die übrigen
superare
überwinden
delere
zerstören
constituere
aufstellen
antiquitus
in alter Zeit
sed
aber, sondern
non
nicht
itaque
daher, deshalb
72
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 1,11
Wir wollen uns mit der Ausrüstung des römischen Legionärs beschäftigen:
Milites cum pila misissent,
gladiis pugnabant.
Als die Soldaten ihre Wurfspeere
geschleudert hatten,
kämpften sie mit dem Schwert.
Die Vokabeln:
cum (mit Konj.) — als, weil
pilum, -i, n — Wurfspeer
gladius. Am — Schwert
misi — ich habe geschickt
ich habe geworfen
pugnare — kämpfen
Miles, militis m ist ein Substantiv der 3. Deklination. Zur 3. Deklination gehören,
wie wir wissen, Substantive aller drei Geschlechter. Wir wollen uns das noch einmal
an einigen Beispielen ansehen. Da das Geschlecht am Adjektiv leichter zu erken¬
nen ist, nehmen wir jeweils ein Adjektiv hinzu:
color albus m — die weiße Farbe
honos magnus m — eine hohe Ehre
agger altus m — ein hoher Damm.
Wir merken uns: Die Substantive auf -or, -os und -er sind in der Regel Maskulina.^)
oratio longa f — eine lange Rede
aetas aurea f — das goldene Zeitalter
salus publica f — das öffentliche Wohl
clades magna / — eine schwere Niederlage
classis Romana f — die römische Flotte
gens valida f — ein mächtiger Volksstamm
lex antiqua — f — ein altes Gesetz
Wir merken uns: Die Substantive auf -o, -as, -atis, -us, -utis, -es und -is, sowie die
auf -s mit vorhergehendem Konsonant, auch wenn sie zu -x verschmolzen sind wie
bei lex, sind in der Regel Feminina.^^
mare vastum n — das weite Meer
animal ferum n - das wilde Tier
exemplar certum n — ein sicheres Abbild
73
fulgur clarum n - der helle Blitz
corpus sanum n — der gesunde Körper
genus humanum n - das Menschengeschlecht
omen malum n — ein schlechtes Vorzeichen
Wir merken uns: Die Substantive auf -e; -al; -ar; -ur; -us, -oris oder, -us, -eris, und
-men, sind in der Regel Neutra.^^
Die Ausnahmen von diesen Regeln finden Sie bei den zusätzlichen Hinweisen am
Ende der Lektion, ebenso die Besonderheiten der 3. Deklination, von denen wir
hier nur erwähnen wollen:
moenia, -ium n - ist ein Pluralwort mit der Bedeutung: die Stadtmauer. Im Sin¬
gular und im Plural eine verschiedene Bedeutung hat:
finis, finis m — die Grenze
fines, finium m - das Gebiet
Tentorium militi aedes et penates sunt,
aedes et penates sunt heißt:
sind Haus und Hausgötter.
Die beiden Prädikatsnomina:
aedes - das Haus und penates —
die Hausgötter stehen im Plural, daher:
sunt — ebenfalls im Plural.
Das Subjekt ist:
tentorium — das Zelt.
Wem ist das Zelt Haus und Hausgötter?
militi - dem Soldaten.
Der ganze Satz heißt:
Das Zelt ist dem Soldaten
Haus und Hausgötter.
Tentorium — das Zelt gehörte nicht zur Ausrüstung des einzelnen römischen Sol¬
daten, dafür aber Waffen und Geräte mit einem Gesamtgewicht von ungefähr
30 kg, die bei einem durchschnittlichen Marsch von 20 bis 25 km täglich mitge¬
schleppt werden mußten. Wie sah diese Ausrüstung nun im einzelnen aus? Beklei¬
det war der römische Legionär mit einem Leder- oder Eisenhelm mit Backen- und
Nackenschutz und einem Lederpanzer, der später mit Eisenstücken verstärkt
wurde. Der berittene Offizier trug einen metallenen Stückpanzer über einer roten
Tunika und zusätzlich Beinschienen. Der kommandierende Feldherr war an
seinem roten Feldherrenmantel zu erkennen. Die Waffen der römischen Soldaten
wurden in der Zeit der ausgehenden Republik und in der Kaiserzeit in staats¬
eigenen Manufakturen angefertigt. Die Hauptangriffswaffen waren Wurfspeer und
Schwert. Der Wurfspeer war 1.50 m bis 1.80 m lang und hatte einen Holzschaft,
an dem verhältnismäßig weiches Eisen mit einer festen Spitze befestigt war. Beim
Aufprall verbog sich das weiche Eisen, so daß der Wurfspeer nicht wieder zurück-
geschleudert werden konnte. Das Schwert war mit 60 bis 70 cm verhältnismäßig
74
kurz, es hatte keine Parierstange und war für Hieb und Stich gleich gut verwend¬
bar. Es wurde in einer Holzscheide getragen. Zur Verteidigung benutzte der
römische Legionär den Schild. Er war mit Leder überzogen, rechteckig und ge¬
wölbt.
Milites cum iter confecissent,
castra muniebant.
Als die Soldaten den Marsch beendet
hatten, befestigten sie ein Lager.
confecissent ist die Form des Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv. Beim Konjunk¬
tiv Plusquamperfekt Aktiv wird zwischen den Perfektstamm und die Personalen¬
dung -isse- eingeschoben, bei amare haben wir folgende Formen:
amavissem — ich hätte geliebt
amavisses — du hättest geliebt
amavisset - er, sie, es hätte geliebt
amavissemus — wir hätten geliebt
amavissetis — ihr hättet geliebt
amavissent — sie hätten geliebt.
amare
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv
amav isse m
amav isse s
amav isse t
amav isse mus
amav isse tis
amav isse nt
monere
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv
monu isse m
monu isse s
monu isse t
monu isse mus
monu isse tis
monu isse nt
audire
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv
audiv isse m
audiv isse s
audiv isse t
audiv isse mus
audiv isse tis
audiv isse nt
75
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv
leg issem
leg isse s
leg isset
leg isse mus
leg isse tis
leg isse nt
Analog lauten die Formen von esse:
fuissem — ich wäre gewesen
fuisses - du wärest gewesen
fuisset — er, sie, es wäre gewesen
fuissemus — wir wären gewesen
fuissetis — ihr wäret gewesen
fuissent — sie wären gewesen
Konjunktiv Plusquamperfekt Aktiv
fu isse m
fu isses
fu isset
fu isse mus
fu isse tis
fu isse ht
Milites castra vallo tamquam
moenibus circumdabant.
Das Prädikat heißt:
circumdabant — sie umgaben,
3. Person Plural Indikativ
Imperfekt Aktiv von circumdare —
umgeben.
Wer? milites — die Soldaten.
Wen oder was umgaben die Soldaten?
castra - das Lager.
Womit umgaben sie das Lager?
vallo — mit einem Wall.
tamquam — gleichwie
moenibus — mit einer Stadtmauer.
moenia, so hatten wir vorhin gesehen,
gehört zu den Pluralwörtern der
3. Deklination. Der Satz heißt in der Übersetzung:
Die Soldaten umgaben das Lager mit
einem Wall gleichwie mit einer Stadtmauer.
76
Zusätzliche Hinweise
Ausnahmen und Besonderheiten der 3. Deklination
1.) Substantive auf -or, -os und -er:
a) Maskulina sind ebenfalls
sal, salis
m
das Salz
sol, solis
m
die Sonne
Feminina
arbor, arboris
f
der Baum
dos, dotis
f
die Mitgift
tellus, telluris
f
die Erde
Neutra
aequor, aequoris
n
Fläche, Meer
marmor, marmoris
n
Marmor
os, oris
n
Mund, Gesicht
os, ossis
n
Knochen
cadaver, cadaveris
n
Leichnam
iter, itineris
n
Weg, Marsch, Reise
Maskulina sind
die ungleichsilbigen Wörter auf -es.
-itis
miles, militis
m
Soldat
limes, limitis
m
Grenzwall
die gleichsilbigen Wörter auf -nis
finis, finis
sov^ie:
m
Grenze
leo, leonis
m
Löwe
sermo, sermonis
m
Sprache
ordo, ordinis
m
Ordnung
as, assis
m
As (römische Münze)
pes, pedis
m
Fuß
paries, parietis
m
Wand
cinis, cineris
m
Asche
pulvis, pulveris
m
Staub
lapis, lapidis
m
Stein
sanguis, sanguinis
m
Blut
mensis, mensis
m
Monat
orbis, orbis
m
Kreis
piscis, piscis
m
Fisch
collis, collis
m
Hügel
fascis, fascis
m
Bündel, Rutenbündel
dens, dentis
m
Zahn
fons, fontis
m
Quelle
pons, pontis
m
Brücke
mons, montis
m
Berg
77
calix, calicis
m
Kelch, Becher
grex, gregis
m
Herde
vertex, verticis
m
Wirbel, Scheitel
Neutra sind außerdem folgende Wörter:
aes, aeris
n
Erz
ius, iuris
n
Recht
vas, vasis
n
Gefäß
ver, veris
n
Frühling
lac, lactis
n
Milch
mei, mellis
n
Honig
cor, cordis
n
Herz
caput, capitis
n
Haupt, Kopf
Pluralwörter
septentriones, septentrionum m
der Norden
verbera, verberum
n
Schläge
Nur im Singular kommen vor:
indoles, indolis
f
Begabung, Veranlagung
vestis, vestis
f
Kleidung, Kleider
aes alienum
n
die Schulden
5) Wörter mit verschiedener Bedeutung im Singular und Plural
aedes, aedis f Tempel aedes, aedium f Haus
pars, partis f Teil partes, partium f Partei, Rolle (d. Schauspielers)
6) Besonderheiten in der Kasusbildung zeigen folgende Wörter:
Nominativ
Genitiv
Dativ
Akkusativ
Ablativ
luppiter
lovis
lovi
lovem
ab love
m Jupiter
senex
senis
seni
senem
a sene
m Greis
senes
senum
senibus
senes
a senibus
bos
bovis
bovi
bovem
bove
m/f Rind
boves
boum
bobus
boves
bobus
bubus
bubus
caro
carnis
carni
carnem
carne
f Fleisch
carnes
carnium
carnibus
carnes
carnibus
nix
nivis
nivi
nivem
nive
f Schnee
nives
nivium
nivibus
nives
nivibus
iter
itineris
itineri
iter
itinere
n Weg,
itinera
itinerum
itineribus
itinera
itineribus
Marsch,
Reise
78
7) vas n — das Gefäß bildet den Plural nach der o-Deklination vasa, vasorum
8) Bei den i^tämmen kommt im Akkusativ Plural statt -es häufig die Endung -is vor.
hostis neben hostes
partis neben partes
9) Nicht deklinierbar sind:
fas
nefas
n göttliches Recht, Gebot
n Frevel, Unrecht
79
Wortschatz:
gladius, -i m
pilum, -i n
tentorium, -i n
finis, finis m
fines, -ium m
color, coloris m
labor, laboris m
honos, honoris m
agger, aggeris m
aetas, aetatis f
salus, salutis f
clades, cladis f
classis, classis f
gens, gentis f
lex, legis f
fulgur, fulgoris, bzw. fulguris n
genus, generis
aedes, aedis
penates, -ium
iter, itineris
n
f
m
n
das Schwert
der Wurfspeer
das Zelt
die Grenze
das Gebiet
die Farbe
die Anstrengung
die Ehre
der Damm
das Zeitalter
das Wohl, Heil
die Niederlage
die Flotte
Geschlecht, der Volksstamm
das Gesetz
der Blitz
Abstammung, Geschlecht
das Haus
die Hausgötter
Weg, Marsch, Reise
antiquus, -a,-um
albus, -a, -um
altus, -a, -um
longus, -ä, -um
aureus, -a, -um
validus, -a, -um
vastus, -a, -um
ferus, -a, -um
humanus, -a, -um
malus, -a, -um
sanus, -a, -um
alt
weiß
hoch, tief
lang
golden
kräftig, mächtig
weit
wild
menschlich
böse
gesund
circumdare
misi
umgeben
ich habe geschickt, geworfen
tamquam
gleichwie
80
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS I, 12
Wir haben in der letzten Sendung gesehen, daß sich das römische Heer von einem
Milizheer zu einem Berufsheer gewandelt hat. Mit Marius hat sich auch die
Schlachtordnung geändert. Nicht geändert hat sich dagegen, sogar bis heute die
kriegerische Maxime:
Qui prior strinxerit ferrum,
eius victoria erit.
Wer früher das Eisen gezogen haben wird,
dessen wird der Sieg sein,
oder: Wer zuerst das Schwert zieht,
dessen wird der Sieg sein.
Hier nun die Vokabeln:
prior - der vordere, frühere
strinxi — ich habe gezogen
ferrum. An — das Eisen
victoria, -ae f — der Sieg
Der Satz beginnt mit einem Relativpronomen qui — der, welcher, wer. Die For¬
men des Pronomens lauten:
qui, quae, quod - welcher, welche, welches;
der, die, das;
cuius — welches, welcher, welches;
dessen, deren, dessen;
cui — welchem, welcher, welchem;
dem, der, dem;
quem, quam, quod - welchen, welche, welches;
den, die, das;
quo, qua, quo - von welchem, von welcher,
von welchem.
qui, quae, quod
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nominativ:
qui
quae
quod
Genitiv:
cuius
cuius
cuius
Dativ:
cui
cui
cui
Akkusativ:
quem
quam
quod
Ablativ:
quo
qua
quo
81
Die meisten Pronomina bilden im Singular den Genitiv auf -ius und den Dativ auf
-i, und zwar einheitlich bei allen drei Geschlechtern. Statt cum quo — mit
welchem und cum qua - mit welcher wird oft quocum beziehungsweise quacum
gebraucht. Oer Plural heißt:
qui, quae, quae — welche, die,
quorum, quarum, quorum — welcher, deren
quibus — welchen, denen
quos, quas, quae - welche, die
quibus — von welchen, von denen.
Auch cum quibus - mit welchen, mit denen wird häufig zu quibuscum.
qui, quae, quod
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nominativ:
qui
quae
quae
Genitiv:
quorum
quarum
quorum
Dativ:
quibus
quibus
quibus
Akkusativ:
quos
quas
quae
Ablativ:
quibus
quibus
quibus
In unserem Satz befindet sich ein weiteres Pronomen:
eius — dessen, ist der Genitiv Singular des Pronomens: is, ea, id -der, derjenige, er.
Dieses Pronomen wird folgendermaßen dekliniert:
is, ea, id — er, sie, es
eius — seiner, ihrer, seiner
ei — ihm, ihr, ihm
eum, eam, id — ihn, sie, es
eo, ea, eo — von ihm, von ihr, von ihm
is, ea, id
Singular
Nominativ:
Maskulinum
is
Femininum
ea
Neutrum
id
Genitiv:
eius
eius
eius
Dativ:
ei
ei
ei
Akkusativ:
eum
eam
id
Ablativ:
eo
ea
eo
Das Pronomen is, ea, id hat mehrere Funktionen:
Zunächst ist es Demonstrativpronomen, zum Beispiel: is Piso — dieser Piso.
Zweitens ist es der Ersatz für das nicht-reflexive Personalpronomen der 3. Person,
wie wir an anderer Stelle schon erwähnt haben, also: eum video — ich sehe ihn.
Dies gilt auch für den Plural mit den folgenden Formen:
82
ii oder: ei, eae, ea — sie
eorum, earum, eorum — ihrer
eis, oder: iis — ihnen
eos, eas, ea — sie
eis, oder: iis — von ihnen
Dieses Pronomen lehnt sich im Plural in der Formenbildung an die Adjektive der
a- und der o-Deklination an.
is, ea, id
Plural
Nominativ:
Genitiv:
Dativ:
Akkusativ:
Ablativ:
Maskulinum Femininum Neutrum
ii (ei) eae ea
eorum earum eorum
eis (iis) eis (iis) eis ({{$)
eos eas ea
eis (iis) eis (iis) eis (iis)
Die Genitive von is, ea, id vertreten die nicht-reflexiveh^ Formen des Possessivpro¬
nomens der 3. Person: video patrem eorum — ich sehe ihren Vater.
Die Verbindung von is, qui — derjenige, der; derjenige, welcher ist sehr häufig.
Zum Beispiel:
Eum, qui palam est adversarius, vitamus.
Den, der offen ein Feind ist, meiden wir.
Als ab 200 vor Christus die Römer die hellenistischen Reiche des Ostens eroberten,
wurde allmählich die Bürgermiliz von Söldnerheeren abgelöst. Kaiser Augustus
führte diese Reform zu Ende, so daß es nun ein Berufsheer mit 20- bis 25jähriger
Dienstzeit gab. Es wurde in festen Garnisonen an den Grenzen des Reiches statio¬
niert. Allmähiich taten immer mehr Provinzialen im römischen Heer Dienst, auch
weil sie damit das römische Bürgerrecht erwerben konnten.
Die römische Legion hatte eine Stärke von 3600 — 6000 Mann. Zur Zeit der rö¬
mischen Republik war die sogenannte Manipeltaktik üblich: die Legion war in der
Tiefe in drei Treffen gegliedert: Vorne standen die hastati, die jüngsten Jahrgänge,
die mit Wurfspeer und Schwert kämpften. Es folgten die principes, die mittleren
Jahrgänge, und ganz hinten die triarii, die ältesten Jahrgänge. Sie dienten als mobi¬
le Schlachtreserve, ihr Einsatz war oft entscheidend für den Ausgang des Kampfes. In
der Breite war jedes Treffen noch einmal In 10 Manipel als taktische Einheiten ge¬
gliedert. Diese Aufstellung war auf eine Feindrichtung bezogen und dadurch recht
schwerfällig, zum Beispiel bei einem Überraschungsangriff. Die entscheidende tak¬
tische Reform wurde von Marius durchgeführt, der je drei Manipel, aus jedem Tref¬
fen eine, zu einer Kohorte zusammenfaßte. Damit standen Triariermanipel, Princi-
pesmanipel und Hastatimanipel nebeneinander und nicht wie ehedem hinterein¬
ander. Das Heer wurde sehr viel beweglicher als vorher.
83
Qui prior strinxerit ferrum, eius victoria erit - strinxerit ist die Form des Futur II,
des Futur exakt. In diesem Tempus wird eine Handlung als in der Zukunft vollen¬
det bezeichnet.
Die Formen des Indikativ Futur II sind identisch mit denen des Konjunktiv Per¬
fekt Aktiv — mit Ausnahme der 1. Person Singular, die an den Perfektstamm ein
-ero anhängt:
amavero — ich werde geliebt haben
amaveris — du wirst geliebt haben
amaverit - er, sie, es wird geliebt haben
amaverimus — wir werden geliebt haben
amaveritis — ihr werdet geliebt haben
amaverint — sie werden geliebt haben
amare
Indikativ Futur II Aktiv
amav er o
amav eri s
amav eri t
amav eri mus
amav eri tis
amav eri nt
Die Formen von monere sind analog gebildet. Der Perfektstamm heißt monu-:
monere
Indikativ Futur II Aktiv
monu er o
monu eri s
monu eri t
monu eri mus
monu eri tis
monu eri nt
Entsprechend lauten die Formen von audire mit dem Perfektstemrrf audiv-:
audire
Indikativ Futur II Aktiv
audiv er o
audiv eri s
audiv eri t
audiv eri mus
audiv eri tis
audiv eri nt
84
Von legere, Perfektstamm lag-. können Sie die Formen nach dem gleichen Schema
bilden:
legere
Indikativ Futuril Aktiv
leg er o
leg eri s
leg eri t
leg eri mus
leg eri tis
leg eri nt
esse hat den Perfektstamm fu-. Die Formen des Indikativ Futur 11 Aktiv lauten:
fuero — ich werde gewesen sein
fueris — du wirst gewesen sein
fuerit — er, sie, es wird gewesen sein
fuerimus — wir werden gewesen sein
fueritis — ihr werdet gewesen sein
fuerint — sie werden gewesen sein
Indikativ Futuril Aktiv
fuero
fu eri s
fu eri t
fu eri mus
fu eri tis
fu eri nt
Im Deutschen ist der Gebrauch des Futur II wegen seiner schwerfälligen Form
sehr selten. Bei der Übersetzung des lateinischen Futur II nehmen wir im Deut¬
schen daher gewöhnlich das einfache Futur, das Präsens oder das Perfekt, wie zum
Beispiel in folgendem Satz:
Certe ei molestus fuero.
Das Prädikat heißt: molestus fuero —
ich werde lästig gewesen sein,
wem? ei — ihm
certe ~ gewiß
Gewiß werde ich ihm lästig gewesen sein,
ln einfachen Hauptsätzen wie diesem
verwendet der Lateiner das Futur II,
wenn der bestimmt eintretende Erfolg
einer künftigen Handlung ausgedrückt
werden soll. Im Deutschen können wir sagen:
Ganz gewiß werde ich ihm lästig sein.
85
Ego certe officium meum praestitero,
praestitero — ich werde erfüllt haben
Wer? ego — ich, hier besonders betont.
Wen oder was? officium meum —
meine Pflicht.
Wie? certe — gewiß
Ich werde gewiß meine Pflicht
erfüllt haben, oder:
Ich werde meine Pflicht ganz gewiß erfüllen.
Oppugnabitis moenia unius urbis,
sed in una urbe universam Hispaniam
expugnaveritis.
Hier sind zwei Hauptsätze
nebeneinander gestellt und mit sed —
aber verbunden.
Im ersten Satz lautet das Prädikat:
oppugnabitis - ihr werdet belagern.
Wen oder was werdet ihr belagern?
moenia — die Stadtmauer
Wessen Stadtmauer?
unius urbis — einer einzigen Stadt,
nur einer Stadt.
Prädikat des zweiten Satzes ist:
expugnaveritis — ihr werdet erobert haben,
oder: ihr werdet ganz gewiß erobern.
Wen oder was? universam Hispaniam —
ganz Spanien.
Wo? in una urbe — in einer einzigen Stadt.
Die Übersetzung lautet also:
Ihr werdet die Mauern einer einzigen
Stadt belagern, aber ihr werdet ganz gewiß
in der einen Stadt ganz Spanien erobern.
Actio recta non erit, nisi recta
fuerit voluntas.
Der Hauptsatz heißt: actio recta non erit,
mit dem Prädikat: recta non erit —
sie wird nicht richtig sein.
Wer? actio - die Handlung.
Nisi — wenn nicht, leitet einen
verneinten Bedingungssatz ein.
Das Prädikat dazu heißt:
recta fuerit - sie wird richtig gewesen sein.
Wer? voluntas - die Absicht.
86
Also heißt der ganze Satz:
Eine Handlung wird nicht richtig sein,
wenn die Absicht nicht richtig
gewesen sein wird.
Im Deutschen können wir das Futur II
des Nebensatzes mit dem Präsens wiedergeben:
Eine Handlung wird nicht richtig sein,
wenn die Absicht nicht richtig ist.
87
Wortschatz
victoria, -ae
f
der Sieg
adversarius, -i
m
der Feind
ferrum, -i
n
das Eisen
actio,-onis
f
die Handlung
voluntas, -atis
f
die Absicht, der Wille
rectus, -a, -um
richtig, gerade
molestus, -a, -um
lästig
universus, -a, -um
ganz
oppugnare
belagern
expugnare
erobern
praestiti
ich habe erfüllt
strinxi
ich habe gezogen
is, ea, id
der, die, das
qui, quae, quod
derjenige, diejenige, dasjenige
er, sie, es
welcher, welche, welches
prior
der, die, das
der vordere, frühere
nisi
wenn nicht
88
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS I, 13
In der letzten Lektion des Grundkurses I wollen wir zum ersten Mai einen län¬
geren zusammenhängenden Text übersetzen. Es handelt sich um eine Fabel des
Phaedrus mit folgendem Text:
0$ devoratum fauce cum haereret lupi,
magno dolore victus coepit singulos
illicere pretio, ut illud extraherent malum.
Tandem persuasa est iureiurando gruis
gulaeque credens colli longitudinem
periculosam fecit medicinam lupo.
Pro quo cum pactum flagitaret pretium:
"Ingrata es" inquit "ore quae e nostro caput
incolume abstuleris et mercedem postules."
Wir werden diesen Text nun Satz für Satz durchgehen und dabei die Wörter und
die grammatikalischen Schwierigkeiten erläutern.
Os devoratum fauce cum haereret lupi,
magno dolore victus coepit singulos
illicere pretio, ut illud extraherent malum.
Der Text beginnt mit einem Nebensatz, der durch
die Konjunktion cum — als gekennzeichnet ist:
Os devoratum fauce cum haereret lupi.
Prädikat ist: haereret — er, sie, es würde stecken,
3. Person Singular Konjunktiv Imperfekt Aktiv.
Im Lateinischen muß der Konjunktiv nach cum —
als stehen, wir können ihn mit dem Indikativ übersetzen:
cum haereret — als er, sie, es stak.
Wer oder was stak? os devoratum — ein verschluckter Knochen;
OS, ossis — der Knochen ist Neutrum.
Wo stak der Knochen? fauce - im Schlund;
fauce ist der Ablativ Singular von faux, faucis f,
der hier zur Ortsangabe steht.
In wessen Schlund? lupi — des Wolfes,
von lupus, lupi m — der Wolf.
Also heißt dieser Nebensatz:
Als im Schlund des Wolfes ein verschluckter Knochen stak,.. .
magno dolore victus coepit singulos illicere pretio —
ist der Hauptsatz. Das Prädikat ist: coepit — er begann.
Wer? er, der Wolf.
89
victus magno dolore — überwältigt von großem Schmerz;
von victus — besiegt, überwältigt, hängt der Ablativ
magno dolore ab: dolor, doloris m - der Schmerz
und magnus, magna, magnum — groß.
Was begann er? illicere — zu verlocken;
Wen oder was begann er zu verlocken?
singulos — die einzelnen; Akkusativ von singuli — die einzelnen.
Womit begann er sie zu verlocken?
pretio - mit einer Belohnung; pretio ist der Ablativ
Singular von pretium, pretii n — die Belohnung, der Preis.
Der Hauptsatz heißt: er begann von großem Schmerz
überwältigt die einzelnen mit einer Belohnung zu verlocken —
ut illud extraherent malum —
ut ~ daß ist die Einleitung eines weiteren Nebensatzes,
die ebenfalls mit dem Konjunktiv steht:
extraherent — sie würden herausziehen.
Wen oder was? illud malum — jenes Übel; hier ist das
Adjektiv malus, mala, malum — schlecht, böse substantiviert.
Der ut-Satz lautet: daß sie jenes Übel herauszögen.
Der ganze erste Satz heißt in der Übersetzung:
Als ein verschluckter Knochen im Schlund des Wolfes stak,
begann er, von großem Schmerz überwältigt, die
einzelnen mit einer Belohnung zu verlocken,
daß sie jenes Übel herauszögen.
Tandem persuasa est iureiurando gruis
gulaeque'credens colli longitudinem
periculosam fecit medicinam lupo.
Dieser Satz besteht aus zwei Hauptsätzen, die durch
das an gulae angehängte que — und verbunden sind.
Tandem persuasa est iureiurando gruis ist der erste
Hauptsatz mit dem Prädikat: persuasa est —
sie ist überredet worden; das Femininum steht hier,
weil sich persuasa auf gruis — Femininum — bezieht.
Wer ist überredet worden? gruis — der Kranich;
gruis ist eine Nebenform des sonst üblichen
grus, gruis f — der Kranich.
Wodurch ist der Kranich überredet worden?
iureiurando — durch einen Eid, Ablativ Singular von
iusiurandum, iurisiurandi n —der Eid.
Wann? tandem — endlich. Der erste Hauptsatz heißt also:
Endlich wurde der Kranich durch einen Eid überredet...
que — urxi.
90
Das Prädikat des zweiten Hauptsatzes ist:
fecit — er, sie, es hat gemacht. Wer?
Subjekt ist auch hier: gruis — der Kranich,
der einzige Nominativ Singular in diesen beiden Sätzen.
Was hat der Kranich gemacht?
periculosam medicinam - die gefährliche Heilkunst.
medicinam ist der Akkusativ Singular von
medicina, medicinae f — die Heiikunst,
was wie mensa, mensae dekliniert wird,
und periculosam — gefährlich.
An wem hat er die Heilkunst ausgeführt?
lupo — dem Wolf, also: er führte am Wolf
die gefährliche Heilkunst aus.
In welcher Weise? gulae credens colli longitudinem:
credens — anvertrauend. Wen oder was?
longitudinem — die Länge, Akkusativ Singular von
longitudo, longitudinis f - die Länge; das Substantiv
wird wie homo, hominis - der Mensch dekliniert.
Wessen Länge? colli — seines Halses, Genitiv Singular von
collum, colli n — der Hals. Wem? gulae dem Schlund,
Dativ Singular von gula, gulae f — Schlund,
Speiseröhre, Kehle.
Der zweite Teil des Satzes heißt: und dem Rachen
(des Wolfes) die Länge seines Halses anvertrauend
führte er die gefährliche Heiikunst am Wolf aus.
Nun noch einmal der ganze Satz: Endlich wurde
durch einen Eid der Kranich überredet und dem
Rachen (des Wolfes) die Länge seines Halses anvertrauend
führte er die gefährliche Heilkunst am Wolf aus.
Pro quo cum pactum flagitaret pretium:
"Ingrata es" inquit "ore quae e nostro caput
incolume abstuleris et mercedem postules."
Der Hauptsatz dieser Periode besteht nur aus dem Prädikat:
inquit — er, sie, es hat gesagt.
Davon abhängig ist der Nebensatz mit cum:
Pro quo cum pactum flagitaret pretium;
flagitaret — er, sie, es würde fordern,
3. Person Singular Konjunktiv Imperfekt Aktiv
von flagitare — fordern. Der Konjunktiv ist auch
hier durch cum — als bedingt. Wer forderte?
Das Subjekt ist im Verbum enthalten, gemeint ist:
der Kranich. Wen oder was forderte der Kranich?
pactum pretium — die vereinbarte Belohnung.
91
Wofür? pro quo — dafür. Der cum-Satz lautet also:
Als er (der Kranich) dafür die vereinbarte Belohnung
forderte ... inquit — hat er (gemeint ist der Wolf)
gesagt...
"Ingrata es, ore quae e nostro caput incolume
abstuleris et mercedem postules."
Auch diese direkte Rede besteht aus einem
Haupt- und einem Nebensatz.
Ingrata es — du bist undankbar, ist der Hauptsatz,
ingrata ist der Nominativ Singular Femininum
von ingratus, ingrata, ingratum — undankbar,
das Femininum muß stehen, weil gruis — Femininum —
der Kranich, angeredet wird.
quae leitet einen Relativsatz ein:
quae ore e nostro caput incolume abstuleris et
mercedem postules.
abstuleris — du mögest herausgezogen haben.
Wen oder was? caput — den Kopf, Akkusativ Singular
von caput, capitis n — der Kopf, das Haupt.
In welchem Zustand? incolume — unversehrt.
Woraus? e nostro ore — aus unserem Mund;
e ist gleich ex - aus, eine Präposition, die im
Lateinischen mit dem Ablativ steht:
ore — Ablativ von os, oris n — der Mund,
nostro ist entsprechend ebenfalls der Ablativ
von noster, nostra, nostruifi — unser.
postules — du mögest fordern ist das zweite Verbum
dieses Relativsatzes; postules ist die 2. Person Singular
Konjunktiv Präsens Aktiv von postulare — fordern.
Was möge er fordern? mercedem — einen Lohn;
Akkusativ Singular von merces, mercedis f — der Lohn.
Da die beiden Verben abstuleris und postules
in der 2. Person Singular stehen, können wir das
Relativpronomen quae mit: "der du" übersetzen..
Der Konjunktiv dieser beiden Verben hat einen
adversativen, also einen entgegenstellenden Sinn
und soll die ganze Mißbilligung des Wolfes ausdrücken.
Im Deutschen können wir mit dem Indikativ übersetzen:
der du deinen Kopf aus unserem Mund unversehrt
herausgezogen hast und auch noch einen Lohn verlangst.
Somit heißt der letzte Satz:
Als er dafür die vereinbarte Belohnung forderte, hat
der Wolf gesagt: "Du bist undankbar, der du
deinen Kopf aus unserem Mund unversehrt herausgezogen
hast und auch noch einen Lohn verlangst."
92
Wir sehen uns noch einmal die Übersetzung des
ganzen Textes im Zusammenhang an und können
nun abschließend gelegentlich von der wörtlichen
Übersetzung abweichen, wenn der deutsche Stil
es verlangt:
Als ein verschluckter Knochen im Schlund des Wolfes
stak, begann er, von großem Schmerz überwältigt,
die einzelnen Tiere mit einer Belohnung zu verlocken,
doch jenes Übel herauszuziehen.
Endlich ließ sich der Kranich durch einen
Eid überreden, steckte seinen langen Hals in den
Rachen des Wolfes und vollzog am Wolf die gefährliche
Heilung. Als nun der Kranich dafür die vereinbarte
Belohnung forderte, erwiderte der Wolf: "Du bist
undankbar, wo du doch schon deinen Kopf aus
unserem Mund unversehrt herausgezogen hast und
auch noch einen Lohn verlangst."
93
Wortschatz
gula^-ae
f
Speiseröhre, Schlund, Kehle
lupus, -i
m
der Wolf
collum -i
n
der Hals
singuli, -orum
m
die einzelnen
iusiurandum.
iurisiurandi
n
der Eid
merces, mercedis f
der Lohn
longitudo, -inis
f
die Länge
grus, gruis
f
der Kranich
dolor, -oris
m
der Schmerz
faux, faucis
f
der Schlund
os, oris
n
der Mund
os, ossis
n
der Knochen
caput, -itis
n
Kopf, Haupt
ingratus, -a, -um
undankbar
magnus, -a, -um
groß
flagitare
fordern
postulare
fordern
haerere
stecken
extrahere
herausziehen
inquit
er, sie, es hat gesagt
ex, e (mit Ablativ)
aus
tandem
endlich
94
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 1
Wie bei allen Völkern, so gab es auch bei den Römern ursprünglich eine Natural¬
wirtschaft. Gebräuchlichstes Tauschgut war das Vieh. So ist auch das lateinische
Wort für Geld pecunia, -ae von pecus, pecudis - das Vieh - abgeleitet. Bei der
Einführung der Geldwirtschaft prägte man zahlreiche Münzen mit Abbildungen
von Tieren.
A Servio rege aes nota pecudum signatur.
Vom König Servius wird das Erz (gemeint ist das
Geld) mit dem Kennzeichen von Tieren geprägt.
Nun, wie üblich, zunächst die unbekannten Vokabeln:
aes, aeris n - Erz, Kupfer, Bronze
nota, -ae f — Zeichen, Kennzeichen
pecus, -udis f — das Stück Vieh
signare — mit einem Zeichen versehen, prägen
Die Münzen bekommen rasch einen Eigenwert:
Denarius pro decem libris aeris valuit.
Ein Denar galt für 10 Pfund Kupfererz, oder: Ein Denar
hatte einen Gegenwert von 10 Pfund Kupfererz.
denarius, -i m der Denar
libra, -ae f — die Waage, das Pfund
valere — wert sein, gelten
Decem — zehn — ist eine Grundzahl, eine Kardinalzahl. Ähnlich wie im Deutschen
werden auch im Lateinischen die meisten Zahlwörter — wie hier decem — nicht
dekliniert. Davon ausgenommen sind die Zahlen von 1 bis 3. Diese Deklinationen
wollen wir uns jetzt ansehen; unus, -a, -um — eins — hat folgende Formen:
Kardinalzahlen
unus, una.
unum
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
unus
una
unum
Gen.
unius
unius
unius
Dat.
uni
uni
uni
Akk.
unum
unum
unum
Abi.
uno
uno
uno
95
Duo, duae, duo — zwei — wird wie folgt dekliniert:
Kardinalzahlen
duo, duae, duo
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
duo
duae
duo
Gen.
duorum
duarum
duorum
Dat.
duobus
duabus
duobus
Akk.
duo/duos
duas
duo
Abi.
duobus
duabus
duobus
Bei tres, tria ~ drei — wird für das Maskulinum und für das Femininum die Form
tres gemeinsam gebraucht:
Kardinalzahlen
tres, tria
Maskulinum/Femininum
Neutrum
Nom.
tres
tria
Gen.
trium
trium
Dat.
tribus
tribus
Akk.
tres
tria
Abi.
tribus
tribus
Nicht dekliniert werden die folgenden Zahlen bis hundert:
quattuor — vier
quinque — fünf
Sex — sechs
septem — sieben
octo — acht
novem — neun
decem — zehn
Die Zahlen von 11 bis 17 sind aus 1 und 10, 2 und 10 usw. zusammengesetzt:
undecim — elf
duodecim — zwölf
tredecim — dreizehn
quattuordecim — vierzehn
quindecim - fünfzehn
sedecim — sechzehn
septendecim — siebzehn
96
Zehnerzahlen mit 8 oder 9 werden in der Regel durch Subtraktion gebildet:
18 gleich 2 von 20.
duodeviginti — achtzehn
undeviginti — neunzehn
Die weiteren Zahlen lauten:
viginti — zwanzig
triginta - dreißig
quadraginta — vierzig
quinquaginta — fünfzig
sexaginta - sechzig
Septuaginta — siebzig
octoginta — achtzig
nonaginta — neunzig
centum — hundert
Die folgenden Hunderterzahlen von 200 bis 900 werden wie Adjektive der a- und
der o-Deklination dekliniert, zum Beispiel:
ducenti, -ae, -a — zweihundert^ ^
mille — eintausend ist indeklinabel, während milia — „Tausende" — zum Beispiel
in duo milia hominum — zweitausend Menschen ~ dekliniert wird:
Kardinalzahlen
milia
Nom.
milia
Gen.
milium
Dat.
milibus
Akk.
milia
Abi.
milibus
duo milia ducenti quadraginta quinque homines —
2245 Menschen
Wie an diesem Beispiel zu sehen ist, stehen deklinierte und nicht-deklinierte Zah¬
len im Lateinischen nebeneinander. Die Endung der deklinablen Zahl richtet sich
nach dem Geschlecht des Beziehungswortes:
triginta una feminae — 31 Frauen
triginta unusdinarii — 31 Denare
Der Silberdenar mit einem Wert von 10 As oder 4 Sesterzen zu je 2 1/2 As wurde
erst während des Zweiten Punischen Krieges (219 - 201 v. Chr.) geschaffen. Ein
97
Jahrhundert später war das römische Münzwesen, nicht zuletzt wegen der militä¬
rischen Erfolge der Römer, im ganzen Mittel meerraum führend. Die schon erwähn¬
ten Tierbilder und Bildnisse von Göttern waren anfangs die Motive auf den Mün¬
zen. Caesar erhielt durch einen Senatsbeschluß das Recht, sein Porträt auf Münzen
prägen zu lassen. Sämtliche Kaiser folgten seinem Beispiel: Wir nennen nur Octa¬
vianus Augustus, Claudius, Marc Aurel, Hadrian. Die Münzen sind so zu wichtigen
Dokumenten geworden, da sie oft Abbildungen von einzigartiger Porträttreue
zeigen wie die von Brutus und Maxentius. Die römischen Münzen in eine heutige
Währung umzurechnen ist sehr schwierig, man sollte besser die Kaufkraft verglei¬
chen. In Pompeji kostete zum Beispiel ein Pfund Brot etwas weniger als ein As,
ein Saisonarbeiter verdiente etwa 10 As am Tag.
Der eingangs erwähnte König Servius lebte lange vor den Punischen Kriegen, zu
einer Zeit als das Kupfererz noch Zahlungsmittel war und in Barren geprägt mit
Tierbildern verziert wurde.
A Servio rege aes nota pecudum signatur.
Vom König Servius wird das Erz mit dem Kennzei¬
chen von Tieren geprägt.
Signatur — er, sie, es wurde geprägt — Ist eine Form des Indikativ Präsens Passiv.
Wir sehen uns die entsprechenden Formen von amare an:
amor — ich werde geliebt
amaris — du wirst geliebt
amatur — er, sie, es wird geliebt
amamur — wir werden geliebt
amamini - ihr werdet geliebt
amantur — sie werden geliebt
amare
Indikativ
amor
ama ris
ama tur
ama mur
ama mini
ama ntur
Präsens Passiv
In der ersten Person Singular amor sind die Vokale von Wortstamm -a- und En¬
dung -o- zu einem Vokal -o- verschmolzen.
98
Die Endungen des Passivs sehen wir uns noch einmal an:
-or, bzw. -r 1. Person Singular
-ris 2. Person Singular
-tur 3. Person Singular
-mur 1. Person Plural
-mini 2. Person Plural
-ntur 3. Person Plural
Mit diesen Endungen wird auch der Indikativ Präsens Passiv von monere gebildet:
monere
Indikativ
mone or
mone ris
mone tur
mone mur
mone mini
mone ntur
Präsens Passiv
Auch audire geht nach dem gleichen Schema:
audire
Indikativ
audi or
audi ris
audi tur
audi mur
audi mini
audi u ntur
Präsens Passiv
Nur bei der 3. Person Plural wird zwischen Stamm und Endung ein -u- eingescho¬
ben: audiuntur; was der Form im Aktiv entspricht: audiunt. Bei den Verben der
3. Konjugation wird im Passiv, ebenso wie im Aktiv, zwischen den Konsonanten
des Verbalstammes und der Endung ein Stammerweiterungsvokal eingeschoben:
legere
Indikativ
leg or
leg e ris
leg i tur
leg i mur
leg i mini
leg u ntur
Präsens Passiv
99
Im Infinitiv Präsens Passiv wird in der a-, der e- und der i-Konjugation die Endung
-ri an den Verbalstamm angehängt:
amari — geliebt (zu) werden
moneri — gemahnt (zu) werden
audiri — gehört (zu) werden
In der konsonantischen Konjugation wird nur ein -i an den Stamm gehängt:
legi — gelesen (zu) werden
Infinitiv Präsens Aktiv
ama ri
mone ri
audi ri
leg i
Die Kardinalzahlen von 300 bis 900:
trecenti, ae, -a dreihundert
quadringenti, -ae, -a vierhundert
quingenti, -ae, -a fünfhundert
sescenti, -ae, -a sechshundert
septingenti, -ae, -a siebenhundert
octingenti, -ae, -a achthundert
nongenti, -ae, -a neunhundert
Die römischen Ziffern:
1
- 1
XI
- 11
XXX -
30
II
- 2
XII
- 12
XL
40
III
- 3
XIII
- 13
L
50
IV
- 4
XIV
- 14
LX
60
V
- 5
XV
- 15
LXX -
70
V»
- 6
XVI
- 16
LXXX -
80
VII
- 7
XVII
- 17
XC
90
VIII
- 8
XVIII
- 18
C
100
IX
- 9
XIX
- 19
D
500
X
- 10
XX
- 20
M
1000
100
Wortschatz:
libra, >ae
f
Waage, Pfund
nota, -ae
f
Zeichen, Kennzeichen
pecunia, -ae
f
Geld
denarius, -i
m
Denar
modius, -i
m
Scheffel
argentum, -i
n
Silber
triticum, -i
n
Weizen
aes, aeris
n
Erz, Kupfer, Bronze
pecus, pecudis
f
das Stück Vieh
signare
mit einem Zeichen versehen, prägen
valere
wert sein, gelten
solvere
bezahlen
101
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 2
Unser heutiges Thema ist die Zeitrechnung der Römer. Im Alltag datierte man die
Ereignisse in der republikanischen Zeit nach den jährlich wechselnden Konsuln —
nur in der Geschichtsschreibung konnte sich die Jahreszählung ab urfoe condita —
seit Gründung der Stadt — durchsetzen.
Ducentesimo quadragesimo quinto
ab urbe condita anno accidit,
ut Tarquinius Superbus ex urbe
expellatur.
Im Jahre 245 nach Gründung der Stadt
Rom geschieht es, daß Tarquinius
Superbus aus der Stadt vertrieben wird.
Außer der Jahreszahl haben wir nur zwei unbekannte Wörter in dem Satz:
accidit — es ereignet sich, es geschieht
expellere — vertreiben, verbannen
Jahreszahlen werden im Lateinischen ebenso wie Stunden mit Ordinalzahlen aus¬
gedrückt: im 245. Jahr. Ordinalzahlen werden wie die Adjektive der a- und o-De-
klination behandelt:
primus, -a, -um — der erste
secundus, -a, -um — der zweite
tertius, -a, -um — der dritte
quartus, -a, -um — der vierte
quintus, -a, -um — der fünfte
sextus, -a, -um — der sechste
septimus, -a, -um — der siebente
octavus, -a, -um — der achte
nonus, -a, -um — der neunte
decimus, -a, -um — der zehnte
Auch die Zehnerzahlen werden wie die Adjektive der a- und o-Deklination dekli¬
niert:
undecimus, -a, -um — der elfte
duodecimus, -a, -um — der zwölfte
tertius decimus, -a, -um — der dreizehnte
quartus decimus, -a, -um — der vierzehnte
quintus decimus, -a, -um — der fünfzehnte
sextus decimus, -a, -um — der sechzehnte
septimus decimus, -a, -um — der siebzehnte
duodevicesimus, -a, -um — der achtzehnte
undevicesimus, -a, -um — der neunzehnte
vicesimus, -a, -um — der zwanzigste
102
Die Zehnerzahlen gehen regelmäßig weiter;
tricesimus, -a, -um - der dreißigste
quadragesimus, -a, -um — der vierzigste
1)
Anstelle der Endsilben -ginta, die wir von den Kardinalzahlen kennen, treten hier
nun die Endsilben -gesimus, -gesima, -gesimum bis
centesimus, -a, -um — der hundertste
ducentesimus, -a, -um — der zweihundertste^^
millesimus, -a, -um — der tausendste
Nun noch eine wichtige Bemerkung zu den Ordinalzahlen: Dienen sie der Angabe
von Jahreszahlen und Stunden, so stehen sie auf die Frage ,‘,wann?'' immer im
bloßen Ablativ und nicht mit einer Präposition wie im Deutschen:
anno post Christum natum
miUesimo nongentesimo septuagesimo sexto
Im Jahre 1976 nach Christi Geburt
Das zeitliche Bezugssystem, hier post Christum natum, steht immer zwischen
anno und der Ordinalzahl.
Selbstverständlich werden die Ordinalzahlen auch wie im Deutschen benutzt:
Romulus primus, Numa Pompilius
secundus rex Romanorum fuit.
Romulus war der erste, Numa Pompilius
der zweite König der Römer.
Grundlage der römischen Zeitrechnung war ursprünglich die Regierungszeit der
Herrscher — in Rom wurden die Ereignisse zunächst nach der Herrschaft der 7 Kö¬
nige datiert und dann nach den Konsuln. Das Jahr der Römer war ein Mondjahr
mit 12 Monaten und 355 Tagen — wir verwenden die lateinischen Monatsnamen
noch heute. Dieses Kalenderjahr mußte immer wieder mit dem Sonnenumlauf in
Deckung gebracht werden und zwar durch Einschieben von Schaltmonaten. Dies
geschah recht willkürlich, so daß der römische Kalender schließlich „weder mit
der Sonne, noch mit dem Monde, sondern gänzlich ins Wilde ging", wie es der Hi¬
storiker Theodor Mommsen ausdrückte.
Caesar bereinigte im Jahre 46 vor Christus diesen römischen Kalender, indem er
das ägyptische Sonnenjahr einführte. Dieser julianische Kalender mit einem Jahr
von 365 Tagen und einem Schalttag alle vier Jahre setzte sich bald in der gesamten
Mittelmeerwelt durch. Erst im 6. Jahrhundert nach Christus schuf der Mönch
Dionysius Exiguus die Zeitrechnung nach der Geburt Christi. Unter Papst
Gregor XIII. wurde der Kalender im Jahre 1582 noch einmal modifiziert: Im
Laufe von 400 Jahren fallen nun 3 Schalttage aus. Mit dem julianisch-gregoriani-
schen Kalender, der sich heute In weiten Teilen der Welt durchgesetzt hat, ist die
größtmögliche Übereinstimmung des Kalenderjahres mit dem Sonnenjahr erreicht.
103
Ducentesimo quadragesimo quinto
ab urbe condita anno accidit, ut
Tarquinius Superbus ex urbe expellatur.
Im Jahr 245 nach Gründung der Stadt Rom
geschieht es, daß Tarquinius Superbus aus
der Stadt vertrieben wird.
expellatur ist eine Form des Konjunktiv Präsens Passiv. Der Konjunktiv Präsens
Passiv wird gebildet, indem zwischen Verbalstamm und Passivendung ein Modus¬
kennzeichen eingeschoben wird. Analog zum Konjunktiv Präsens Aktiv schmilzt
in der 1. Konjugation das Moduskennzeichen -e- mit dem Stammauslaut -a- zu
-e-. Somit lauten die Formen von amare:
amer - ich werde geliebt, ich möge geliebt werden
ameris — du wirst geliebt, du mögest geliebt werden
ametur — er, sie, es werde geliebt, er, sie, es möge
geliebt werden
amemur — wir werden geliebt, wir mögen geliebt
werden
amemini — ihr werdet geliebt, ihr möget geliebt
werden
amentur — sie werden geliebt, sie mögen geliebt
werden
amare
Konjunktiv Präsens Passiv
ame r
ame ris
ame tur
ame mur
ame mini
ame ntur
Das Moduskennzeichen der 2., 3. und 4. Konjugation ist — ebenfalls analog zum
Aktiv — im Konjunktiv Präsens Passiv -a-:
monere
Konjunktiv Präsens Passiv
mone a r
mone a ris
mone a tur
mone a mur
mone a mini
mone a ntur
104
audire
Konjunktiv Präsens Passiv
audi a r
audi a ris
audi a tur
audi a mur
audi a mini
audi a ntur
legere
Konjunktiv
leg a r
leg a ris
)eg a tur
leg a mur
leg a mini
leg a ntur
Präsens Passiv
Die Römer teilten den Tag vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in 12 gleiche
Abschnitte ein. Sehen wir uns den Tageslauf eines Dichters an:
Prima et secunda hora clientes
patronum salutant.
salutant — sie begrüßen, sie machen ihre
Aufwartung.
Wer begrüßt? clientes — die Klienten.
Wen begrüßen sie? patronum - den
Patron.
Wann? prima et secunda hora — in der
ersten und zweiten Stunde. Wir hatten
gesagt, daß auf die Frage ,,wann?" der
bloße Ablativ steht, wir aber mit einer
Präposition übersetzen müssen: In der
ersten und zweiten Stunde machen die
Klienten dem Patron ihre Aufwartung.
Tertia hora causae aguntur,
aguntur — sie werden geführt, 3. Person
Plural Indikativ Präsens Passiv.
Wer? causae — Prozesse.
Wann? tertia hora — in der dritten Stunde,
ln der dritten Stunde werden Prozesse ge¬
führt.
105
In quintam horam Roma varios labores
extendit.
extendit — er, sie, es dehnt aus, läßt an¬
dauern.
Wer? Roma — Rom, gemeint ist das Leben
in Rom.
Wen oder was? varios labores — verschie¬
dene Mühen, Strapazen. Hier steht die
Zeitangabe im Akkusativ mit der Präpo¬
sition in: in quintam horam — bis in die
fünfte Stunde.
Bis in die fünfte Stunde läßt das Leben
in Rom verschiedene Strapazen andauern.
Poeta optat, ut septima hora labores
finiantur.
poeta optat ist der Hauptsatz, auf den ein
mit ut eingeleiteter Nebensatz folgt,
poeta optat — der Dichter wünscht;
ut finiantur — daß sie beendet werden,
3. Person Plural Konjunktiv Präsens Passiv
von finire — beenden.
Wer oder was? labores — die Mühen.
Wann? septima hora — in der siebten
Stunde.
Der Dichter wünscht, daß in der siebten
Stunde die Mühen beendet werden.
Nona hora ad cenam invitatur,
invitatur — er wird eingeladen.
Wozu? ad cenam — zu einem Mahl.
Wann? nona hora — in der neunten
Stunde.
In der neunten Stunde wird er zu einem
Mahl geladen.
Decima hora libros promit,
promit — er, sie, es holt hervor.
Wer? er. Ist im Verbum enthalten.
Wen oder was? libros — Bücher.
Wann? decima hora — In der zehnten
Stunde
In der zehnten Stunde holt er seine
Bücher hervor.
106
Ordinalzahlen von 50 bis 90:
quinquagesimus — der fünfzigste
sexagesimus — der sechzigste
septuagesimus — der siebzigste
octogesimus — der achtzigste
nonagesimus — der neunzigste
2)
Ordinalzahlen von 300 bis 900:
trecentesimus — der dreihundertste
quadringentesimus — der vierhundertste
quingentesimus — der fünfhundertste
sescentesimus — der sechshundertste
septingentesimus — der siebenhundertste
octingentesimus — der achthundertste
nongentesimus — der neunhundertste
Zusätzliche Übungssätze:
Nos non poetarum voce moveamur?
Prädikat: moveamur — wir sollten
bewegt werden, von movere — bewegen.
Wer? nos — wir
Wodurch sollten wir bewegt werden?
voce — durch die Stimme.
Wessen Stimme? poetarum — der Dichter;
non — nicht — verneint den Satz.
Wir sollten durch die Stimme des Dichters
nicht bewegt werden?
Ut ameris, ama,
ama ist der Hauptsatz; davor steht der mit
ut eingeleitete Nebensatz;
ama — 2. Person Singular
Imperativ Präsens Aktiv: liebe.
ut — daß, damit steht immer mit dem
Konjunktiv, daher
ameris — 2. Person Singular Konjunktiv
Präsens Passiv: du wirst geliebt, du mögest
geliebt werden.
Damit du geliebt wirst, liebe.
Audiatur et altera pars.
audiatur ist das Prädikat: er, sie, es möge
gehört werden.
Wer? altera pars - die andere Partei, es
handelt sich dabei um die Partei vor Gericht;
et heißt hier: auch.
Es möge auch die andere Partei gehört werden.
107
Wortschatz:
causa, *ae
f
Grund, Ursache, Prozeß
hora, ae
f
Stunde
patronus, -i
m
Patron
cliens, clientis
m
Klient
salutare
begrüßen
finire
beenden
accidit
es ereignet sich, es geschieht
agere
führen
expellere
vertreiben, verbannen
extendere
ausdehnen
promere
hervorholen
108
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 3
Rahmenthema in diesem Kapitel ist der Straßenbau in römischer Zeit.
Roma urbs celebris erat. In ea
urbe viae silice sternebantur.
Rom war eine gefeierte Stadt.
In dieser Stadt wurden die Wege
mit hartem Stein gepflastert.
Und nun zu den Vokabeln:
celeber, celebris, oelebre - gefeiert,
berühmt
Silex, silicis/77 — der harte Stein
sternere — hinbreiten, hinstreuen,
pflastern
Rom war eine gefeierte Stadt. In
dieser Stadt wurden die Wege
mit hartem Stein gepflastert.
Wie bei der a- und der o-Deklination gibt es auch bei der 3. Deklination Adjekti¬
ve. Wir wollen uns zunächst eine Gruppe dieser Adjektive ansehen und zwar die¬
jenigen, die für die drei Geschlechter im Nominativ Singular jeweils eine eigene
Endung bilden. Man nennt sie dreiendige Adjektive. Dazu gehört auch celeber,
celebris, celebre — gefeiert, berühmt — aus unserem ersten Satz. Wir wollen uns
die Deklination an dem Adjektiv acer, acris, acre — scharf, hitzig — ansehen:
acer, acris, acre
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
acer
acris
acre
Gen.
acris
acris
acris
Dat.
acri
acri
acri
Akk.
acrem
acrem
acre
Abi.
acri
acri
acri
Die Adjektive der 3. Deklination gehören zu den i-Stämmen, sie haben daher im
Ablativ Singular in allen drei Geschlechtern ein -i als Endung.
109
Auch im Plural zeigen diese Adjektive die Merkmale der i-Stämme.
acer, acris, acre
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
acres
acres
acria
Gen.
acrium
acrium
acrium
Dat.
acribus
acribus
acribus
Akk.
acres
acres
acria
Abi.
acribus
acribus
acribus
Der Genitiv wird mit -ium gebildet und der Nominativ und der Akkusativ im
Neutrum haben die Endung -ia.
Wir sagten zu Beginn, daß dies dreiendige Adjektive sind:
acer, acris, acre
Es gibt entsprechend auch zweiendige Adjektive, wie
fortis, forte — tapfer, mutig
bei denen Maskulinum.und Femininum die gleichen Formen haben, und einendige
Adjektive, wie fejix - glücklich,
bei denen im Nominativ Singular alle drei Geschlechter die gleiche Form haben.
Die zwei- und einendigen Adjektive werden wir uns in einer späteren Sendung an-
sehen.
Einige Adjektive der 3. Deklination sind substantiviert worden:
annalis, annalis m — das Jahrbuch
natalis, natalis/77 — der Geburtstag
aequalis, aequalis m — der Zeitgenosse
consularis, consularis m — der ehemalige Konsul
familiaris, familiaris m - der Vertraute
Atheniensis, Atheniensis m — der Athener
Dazu gehören auch die Monatsnamen auf -is und -er, zum Beispiel:
Aprilis, Aprilis m — April
September, Septembris m — September
Römische Ingenieure haben die Straßen schnurgerade durch die Landschaft ge¬
zogen, wie die Via Aemilia von Ariminum (Rimini) nach Placentia (Piacenza).
Auf den Meilensteinen solcher Straßen war jeweils die Entfernung von Rom oder
der nächsten Provinzhauptstadt angegeben. Außerdem stand der Name des Kaisers
darauf, unter dem die Straße ausgebessert worden war.
110
Die lateinische Bezeichnung für den Straßenbau ist viam munire — eine Straße
mauern, eine feste, mauerartige Straße anlegen. Das Verbum munire hängt mit
dem Substantiv moenia — die Mauer — zusammen. Übrigens ist auch unser deut¬
sches Wort „Straße” ein Lehnwort aus dem Lateinischen: via strata war ein mit
einem Steinbelag befestigter Weg.
Wie unser Eingangssatz sagt, waren in Rom die Straßen gepflastert:
In ea urbe viae silice sternebantur
In dieser Stadt wurden die Wege mit
hartem Stein gepflastert.
sternebantur — sie wurden gepflastert Ist eine Form des Indikativ Imperfekt Pas¬
siv. Diese Form wird analog zum Imperfekt Aktiv gebildet mit dem Imperfekt¬
suffix -ba-, das zwischen Präsensstamm und Passivendung eingeschoben wird.
Die Formen von amare heißen also:
amare
Indikativ Imperfekt Passiv
ama ba r
ama ba ris
ama ba tur
ama ba mur
ama ba mini
ama ba ntur
Die Formen von monere können Sie schon selbst bilden:
monere
Indikativ Imperfekt Passiv
mone ba r
mone ba ris
mone ba tur
mone ba mur
mone ba mini
mone ba ntur
111
In der i- und in der konsonantischen Konjugation wird das Imperfektsuffix -bä¬
um ein -e- erweitert:
audire
Indikativ Imperfekt Passiv
audi e ba r
audi e ba ris
audi e ba tur
audi e ba mur
audi e ba mini
audi eba ntur
Entsprechend lauten die Formen von legere:
legere
Indikativ Imperfekt Passiv
leg e ba r
leg e ba ris
leg e ba tur
leg e ba mur
leg e ba mini
leg e ba ntur
Wenden wir uns nun wieder dem Thema des Straßenbaus zu. An Hand unserer
Übungssätze erfahren wir, wie die Straßen im einzelnen gebaut wurden:
Primo aratris sulci ducebantur
limitesque rescindebantur.
Die beiden Prädikate dieses Satzes
ducebantur und rescindebantur sind
durch das an limites angehängte -que -
und — verbunden.
ducebantur — sie wurden geführt, gezogen —
3. Person Plural Indikativ Imperfekt Passiv
von ducere.
Wer wurde gezogen? sulci - die Furchen.
Womit wurden die Furchen gezogen?
aratris — mit Pflügen, Ablativ Plural von
aratrum, aratri n — der Pflug,
primo — zuerst, also:
Zuerst wurden die Furchen mit Pflügen
gezogen ....
112
Und nun das zweite Prädikat:
rescindebantur — hier: sie wurden
markiert, ebenfalls ein Indikativ Imper¬
fekt Passiv. Wer oder was wurde markiert?
limites — hier die Seitenbegrenzungen.
Der ganze Satz heißt:
Zuerst wurden die Furchen mit Pflügen
gezogen und die Seitenbegrenzungen markiert.
Tum fossae alia materia replebantur,
replebantur ist das Prädikat: sie wurden wieder
gefüllt - 3. Person Plural Indikativ Imperfekt
Passiv.
Wer oder was wurde wieder gefüllt?
fossae - die Gräben
Womit? alia materia — mit anderem Material,
tum — dann, darauf, danach.
Dann wurden die Gräben mit anderem Ma¬
terial wieder gefüllt.
Deinde a servis saxa et trabes apportabantur,
apportabantur — sie wurden herbeigebracht.
Wer oder was wurde herbeigebracht?
saxa et trabes — Felsblöcke und Balken.
Von wem wurden sie herbeigebracht?
a servis — von Sklaven
deinde — darauf
Darauf wurden von Sklaven Felsblöcke und
Balken herbeigebracht.
Postremo summum dorsum a fabris parabatur.
Das Prädikat heißt: parabatur — er, sie, es
wurde bereitet, angelegt, hier: aufgebracht,
3. Person Singular Indikativ Imperfekt Passiv
von parare.
Wer oder was wurde aufgebracht?
summum dorsum — der oberste Rücken, ge¬
meint ist hier die Straßendecke.
Von wem wurde sie aufgebracht?
a fabris — von Handwerkern, Ablativ Plural
von faber, fabri m — der Hand¬
werker;
postremo — zuletzt
Zuletzt wurde die Straßendecke von Hand¬
werkern aufgebracht.
113
Die römischen Straßen hatten eine Breite zwischen 3,5 und 7 Metern. Sie konnten
durch unwegsames und sumpfiges Gelände geführt werden, vor allem wegen des fe¬
sten Unterhaus. Er wurde von unten nach oben geschichtet aus immer feinerem
Material, das mit Mörtel schichten verbunden war und jeweils gesondert mit einer
Handramme festgestampft wurde.
Eine ähnliche Technik des Straßenbaus — nämlich die Aufteilung In Unterbau
und Pflasterung — wurde erst wieder im 18. Jahrhundert und in der Zeit Napo¬
leons angewandt. Die erste in Deutschland entstandene Chaussee, die 1753 nach
diesem Verfahren gebaut wurde, führte von Dettingen nach Nördlingen.
Extra urbem et in locis palustribus viae
glarea substruebantur.
Das Prädikat heißt: substruebantur — sie
wurden unterbaut, sie erhielten eine
feste Unterlage.
Wer wurde unterbaut? viae — die Wege,
die Straßen.
Womit wurden die Straßen unterbaut?
glarea — mit Kies.
Wo wurden die Straßen mit Kies
unterbaut? extra urbem - außerhalb
der Stadt
et in locis palustribus - und an sumpfi¬
gen Stellen; paluster, palustris, palustre —
sumpfig — ist ein dreiendiges Adjektiv
der 3. Deklination.
Der Satz heißt:
Außerhalb der Stadt und an sumpfigen
Stellen erhielten die Straßen einen fe¬
sten Unterbau aus Kies.
114
Wortschatz:
fossa, -ae f
glarea, -ae f
materia, -ae f
sulcus, -i m
aratrum, -i n
dorsum, -I n
saxum, -i n
faber, fabri m
limes, -itis m
silex, silicis m
trabs, trabis f
aequalis, aequalis m
annalis, annalis m
Aprilis, Aprilis m
consularis,
consularis m
familiaris, familiaris m
natalis, natalis m
September,
Septembris m
acer, acris, acre
celeber, celebris, celebre
felix
fortis, forte
paluster, palustris, palustre
replere
munire
rescindere
sternere
substruere
Graben
Kies
(Bau-)Material
Furche
Pflug
Rücken
Fels(block)
Handwerker
Grenze
der harte Stein
Balken
Zeitgenosse
Jahrbuch
April
der ehemalige Konsul
der Vertraute
Geburtstag
September
scharf, hitzig
gefeiert, berühmt
glücklich
tapfer, mutig
sumpfig
wieder füllen
bauen, mauern, befestigen
wieder aufreißen, eröffnen
hinbreiten, hinstreuen, pflastern
unterbauen
115
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 11,4
Schon in vorrömischer Zeit gab es selbstverständlich Straßen in Italien, aber erst
durch die Herrschaft der Römer wurde das Land planmäßig erschlossen:
Ut urbs ab omnibus partibus peteretur,
imperator Augustus vias minivit.
Damit die Stadt von allen Seiten erreicht
werden konnte, hat Kaiser Augustus
feste Straßen angelegt.
In diesem Satz ist an unbekannten Wörtern nur das Adjektiv:
omnis, omne — all ganz, jeder
und das Verbum:
petere — zu erlangen suchen, erreichen
omnis, omne ist ein zweiendiges Adjektiv der 3. Deklination. Diese Gruppe von
Adjektiven bildet im Nominativ Singular für Maskulinum und Femininum eine
gemeinsame Form, während das Neutrum eine eigene Form hat. Wir sehen uns
dies an dem im letzten Kapitel schon erwähnten Adjektiv fortis, forte — tapfer an.
fortis, forte
Singular
Mask. + Fern.
Neutrum
Nom.
fortis
forte
Gen.
fortis
fortis
Dat.
forti
forti
Akk.
fortem
forte
Abi.
forti
forti
An dem *i im Ablativ Singular erkennen wir, daß auch diese Gruppe der Adjektive
der 3. Deklination wie i-Stämme behandelt wird.
116
Entsprechend lauten die Formen im Plural:
fortis, forte
Plural
Mask. + Fern.
Nom. fortes
Neutrum
fortia
Gen.
fortium
fortium
Dat.
fortibus
fortibus
Akk.
fortes
fortia
Abi.
fortibus
fortibus
Das Adverb bilden die Adjektive der 3. Deklination gewöhnlich durch Anfügen des
Ausgangs -iter an den Wortstock
acer, acris, acre — scharf: acriter
celer, celeris, celere — schnell: celeriter
fortis, forte — tapfer: fortiter
brevis, breve — kurz: breviter
felix — glücklich: feliciter
Adjektiv
Adverb
acer, acris, acre
acriter
celer, -is, -e
celeriter
fortis, -e
fortiter
brevis, -e
breviter
felix
feliciter
Die Via Appia war die erste der sogenannten Konsularstraßen der Römer. Sie
führte zunächst von Rom nach Capua. Angelegt wurde sie von Appius Claudius
Caecus, der 312 vor Christus Censor war.
In der Kaiserzeit wurden dann auch Straßen in die fernen Reichsteile gebaut, bis
es schließlich ein Netz von Römerstraßen gab, das in 23 Hauptlinien von insge¬
samt circa 80 000 km Länge das römische Herrschaftsgebiet in Europa, Afrika
und Asien umspannte.
117
Diese Inschrift stammt aus der Nähe von Meran:
TI CLAUDIUS CEASAR
AUGUSTUS GERMANICUS
PONT MAX TRIB POT VI
COS DESIG llll IMP XI P P
VIAM CLAUDIAM AUGUSTAM
QUAM DRUSUS PATER ALPIBUS
BELLO PATEFACTIS DEREXERAT
MUNIVIT A FLUMINE PADO AD
FLUMEN DANUVIUM PER
M P CCCL
Tiberius Claudius Caesar
Augustus Germanicus
Pontifex maximus, Volkstribun zum
sechsten,
designierter Konsul zum vierten,
Imperator zum elften Mal, Vater des
Vaterlandes,
hat die Via Claudia Augusta,
die sein Vater Drusus angelegt hatte,
nachdem der Durchgang der Alpen durch
Krieg erzwungen war,
vom Po bis zur Donau auf eine Länge
von 350 Meilen fest ausgebaut.
Wie auch aus dieser Inschrift hervorgeht, wurden die Straßen zunächst aus mili¬
tärischen Gründen angelegt. Doch bald wurden sie auch zu Reisewegen, mit Gast¬
häusern und Pferdewechselstationen.
So gab es beispielsweise auf der 624 km langen Strecke von Rom nach Mailand
24 Gasthäuser mansiones — und 42 Stationen für den Pferde- und Wagenwech¬
sel — mutationes.
Kaiser Tiberius, der von 14 bis 37 nach Christus regierte, konnte an einem Tag
290 km zurücklegen, eine vergleichbare Reisegeschwindigkeit wurde in Europa
erst wieder im 19. Jahrhundert erreicht.
Ut urbs ab omnibus partibus
peteretur, imperator Augustus vias
munivit.
Damit die Stadt von allen Selten erreicht
werden konnte, hat Kaiser Augustus
feste Straßen angelegt.
peteretur Ist eine Form des Konjunktiv Imperfekt Passiv mit dem Infix -re- zwi¬
schen Präsensstamm und Passivendung.
118
Wir gehen unsere Beispielverben durch:
amarer — ich würde geliebt werden
amareris — du würdest geliebt werden
amaretur — er, sie, es würde geliebt werden
amaremur — wir würden geliebt werden
amaremini — ihr würdet geliebt werden
amarentur — sie würden geliebt werden
amare
Konjunktiv Imperfekt Passiv
ama re r
ama re ris
ama re tur
ama re mur
ama re mini
ama re ntur
Die Formen von monere können Sie nach diesem Schema selbst bilden:
monere
Konjunktiv Imperfekt Passiv
mone re r
mone re ris
mone re tur
mone re mur
mone re mini
mone re ntur
Auch audire hat die entsprechenden Formen:
audire
Konjunktiv Imperfekt Passiv
audi re r
audi re ris
audi re tur
audi re mur
audi re mini
audi re ntur
119
Bei der konsonantischen Konjugation wird zwischen den Verbalstamm und dem
Infex -re- noch ein zusätzliches -e- eingeschoben:
legere
Konjunktiv Imperfekt Passiv
leg e re r
leg e re ris
leg e re tur
leg e re mur
leg e re mini
leg e re ntur
Und nun zu unseren Übungssätzen:
Imperator Maximinus litus vicinum
Viae Severianae aggeribus
a fundamentis extruxit, ut homines,
qui eo itinere commearent, periculis
liberarentur.
Diese Periode besteht aus dem Hauptsatz:
Imperator Maximinus litus vicinum Viae
Severianae aggeribus a fundamentis ex¬
truxit,
und aus dem mit ut eingeleiteten Neben¬
satz: ut homines periculis liberarentur.
Davon wiederum ist ein Relativsatz ab¬
hängig: qui eo itinere commearent.
Das Prädikat des Hauptsatzes heißt:
extruxit — er, sie, es hat in die Höhe
gebaut, angelegt, befestigt.
Wer? imperator Maximinus — Kaiser
Maximinus.
Wen oder was hat Kaiser Maximinus
befestigt? litus — die Küste.
Welche Küste? vicinum Viae Severianae —
die der Via Severiana benachbarte.
Womit hat er diese Küste befestigt?
aggeribus - mit Dämmen.
In welcher Weise? a fundamentis — vom
Grund aus.
Also heißt der Hauptsatz:
Kaiser Maximinus hat die der Via
Severiana benachbarte Küste mit
Dämmen vom Grund aus befestigt.
120
Das Prädikat des ersten Nebensatzes:
liberarentur — sie würden befreit
werden — der Konjunktiv ist durch die
Nebensatzeinleitung ut — daß, damit —
bedingt.
Wer würde befreit werden? homines —
die Menschen.
Wovon würden die Menschen befreit
werden? periculis — von Gefahren.
Also: damit die Menschen von Gefah¬
ren befreit würden.
Welche Menschen? qui eo itinere
commearent -
commearent — sie würden reisen;
commearent steht im Konjunktiv,
weil dieser Nebensatz von dem kon¬
junktivischen ut-Satz abhängt. 6ei der
Übersetzung brauchen wir den Konjunk¬
tiv commearent nicht zu beachten, also:
sie reisen.
Wer reist? qui — welche, die.
Wo? eo itinere — auf diesem Weg.
Der Relativsatz heißt: . . . die auf diesem
Weg reisen.
Der ganze Satz lautet:
Kaiser Maximinus hat die der Via
Severiana benachbarte Küste mit Dämmen
vom Grund aus befestigt, damit die Men¬
schen, die auf diesem Weg reisen, von Ge¬
fahren befreit würden.
Der folgende Satz stammt aus einer Grabinschrift:
Martina cara coniunx venit de Gallia
per mansiones quinquaginta, ut
commemoraret memoriam mariti dulcis
sui.
Hier haben wir einen Hauptsatz:
Martina cara coniunx venit de Gallia
per mansiones quinquaginta und einen
mit ut angeschlossenen Nebensatz: ut
commemoraret memoriam mariti dulcis
sui.
Das Prädikat des Hauptsatzes ist venit -
er, sie, es ist gekommen.
Wer ist gekommen? Martina cara coniunx -
die liebe Gattin Martina.
121
Von wo ist sie gekommen? de Gallia
aus Gallien.
Über welche Entfernung? per
mensiones quinquaginta - über 50
Übernachtungsstationen.
Warum? ut commemoraret memoriam —
damit sie gedächte.
Wessen? mariti dulcis sui — ihres lieben
Gatten.
Der ganze Satz heißt:
Martina, die teure Gattin, ist aus Gallien
über 50 Übernachtungsstationen gekommen,
damit sie ihres lieben Gatten gedächte.
Steht wie hier im Hauptsatz und im folgenden
Finalsatz das gleiche Subjekt, so kann man im
Deutschen den Finalsatz zu einer Konstruktion
mit „um zu . . ” verkürzen. Also: Martina, die
teure Gattin, ist aus Gallien über 50 Übernach¬
tungsstationen gekommen, um ihres lieben Gatten
zu gedenken.
Besondere Adverbbildungen zeigen:
violentus — gewaltsam: violenter
alius — ein anderer: aliter
fidus — treu: fideliter
validus — stark: valde — sehr
aeger — krank: aegre - mit Mühe, kaum
difficilis — schwierig: difficulter
122
Wortschatz:
memoria, -ae
f
Gedächtnis, Erinnerung
maritus, -i
m
Gatte
fundamentum, -i
n
Grund(lage)
mansio, -onis
f
Aufenthalt, Gaststätte, Übernachtungsstation
litus, -oris
n
Küste, Ufer, Strand
coniunx, -iugis
f
Gattin
dulcis, -e
süß
omnis, omne
all, ganz, jeder
acriter
scharf
breviter
kurz
celeriter
schnell
feliciter
glücklich
fortiter
tapfer
commeare
reisen, Zusammenkommen, verkehren
commemorare
sich erinnern, gedenken
extruere
erbauen, errichten, befestigen
petere
ZU erreichen suchen, erlangen
premere
drücken, pressen, bedrängen
promittere
versprechen
123
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 11,5
Zur Zeit der Römer waren die Gastwirte meist nicht Eigentümer, sondern nur
Pächter ihrer Lokale. Ihr soziales Ansehen war gering:
In praedio Juliae Felicis locabuntur
tabernae, pergulae, cenacula.
Auf dem Grundstück der Julia Felix
werden Schankbuden, Läden und
Speiseräume vermietet werden.
Hier die unbekannten Vokabeln:
praedium, -in — Grundstück
locare — vermieten
taberna, -ae f — Schankbude, Werkstatt
pergula, -aef— Anbau, Laden
cenaculum, -in - Speiseraum
Das Adjektiv felix - glücklich — das in unserem Satz als Eigenname substanti¬
viert wurde, gehört zu den einendigen Adjektiven der 3. Deklination. Wir hat¬
ten schon darauf hingewiesen, daß die einendigen Adjektive für Maskulinum, Fe¬
mininum und Neutrum im Nominativ Singular nur eine Endung haben. Sehen
wir uns die Formen von felix an, die ebenfalls zu den i-Stämmen gehören. Im
Singular endet der Ablativ also auf -I:
felix
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
felix
felix
felix
Gen.
felicis
felicis
felicis
Dat.
felici
felici
felici
Akk.
felicem
felicem
felix
Abi.
felici
felici
felici
124
Im Plural haben wir bei den i-Stämmen im Genitiv -ium, und im Nominativ und
Akkusativ Neutrum -ia:
felix
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
felices
felices
felicia
Gen.
felicium
felicium
felicium
Dat.
felicibus
felicibus
felicibus
Akk.
felices
felices
felicia
Abi.
felicibus
felicibus
felicibus
Abweichend von den i-Stämmen gibt es einendige Adjektive der 3. Deklination
mit Konsonantenstamm, allerdings nur wenige. Dazu gehört: vetus, veteris —
alt. Der Ablativ Singular lautet: vetere; der Genitiv Plural: veterum und Nomina¬
tiv und Akkusativ Neutrum: vetera
Zu den Konsonantenstämmen gehören auch folgende Adjektive:
dives, divitis — reich
pauper, pauperis - arm
princeps, principis — der erste^^
ln praedio Juliae Felicis locabuntur
tabernae, pergulae, cenacula.
Auf dem Grundstück der Julia Felix werden
Schankbuden, Läden und Speiseräume ver¬
mietet werden.
Wirte, Diebe, Würfelspieler und Kuppler genossen im alten Rom ein gleichermaßen
geringes Ansehen. In den Städten konnte ein vornehmer Römer sich auch nicht in
einem Wirtshaus oder einer Weinstube sehen lassen — für seinen Stand gehörte es
sich einfach nicht. Das war nur etwas für Handwerker, kleine Händler und Skla¬
ven. Es ist anzunehmen, daß die Gastwirte größtenteils ehemalige Sklaven waren;
das bezeugen pompeianische Inschriften. Die Namen der Gastwirte kamen sehr
häufig aus dem Griechischen:
Epagathus, Hermes, Phoebus — Griechen also, die einst als Sklaven mitgeschleppt
worden waren.
Wirtinnen — die gab es auch — galten häufig als Hexen, ihnen wurden magische
Kräfte nachgesagt. Von den Wirten hieß es, sie stecken mit Dieben unter einer
Decke und betrügen ihre Gäste: perfidus hic caupo — der betrügerische Wirt hier -
ein gängiger Begriff, der von Horaz stammt. Übrigens kommt das deutsche Wort
„kaufen'' von caupo — der Wirt, denn beim caupo konnten die Germanen alles
kaufen.
Die Gasthäuser und Herbergen an den Landstraßen hatten einen nicht ganz so
schlechten Ruf, schließlich mußte auf Reisen auch der feine Mann eine Schlafstatt
125
finden. So ein hospitium war äußerst bescheiden eingerichtet; wenn die überlie¬
ferte Beschreibung allgemein zutrifft, so gab es in diesen Fremdenzimmern ein
Bett — lectus, einen Leuchter — candelabrum und, immerhin, einen Nachttopf —
matella.
Mit dem thermopolium haben wir den Vorläufer unserer heutigen Imbißstuben:
denn dort gab es warmes Essen und Getränke. In der Theke waren tiefe Mulden
eingelassen, darin wurden die Töpfe warm gehalten.
Als Restaurant gab es noch die popina und schließlich die auch heute noch be¬
kannte taberna — die Weinstube oder, in einfacher Form, die Schankbude.
locabuntur — sie werden vermietet werden ist eine Form des Futur Passiv. Ähn¬
lich wie beim Futur Aktiv wird in der a- und der e-Konjugation das Tempuszei¬
chen -b- und ein Erweiterungsvokal zwischen Stamm und Endung geschoben:
amabor — ich werde geliebt werden
amaberis — du wirst geliebt werden
amabitur - er, sie, es wird geliebt werden
amabimur — wir werden geliebt werden
amabimini — ihr werdet geliebt werden
amabuntur — sie werden geliebt werden
amare
Indikativ Futur Passiv
ama b or
ama be ris
ama bi tur
ama bi mur
ama bi mini
ama bu ntur
Besonders zu beachten ist, daß in der 2. Person Singular der Erweiterungsvokal
ein -e- ist: amaberis
Ebenso lauten die Formen von monere, die Sie nun schon selbst bilden können:
monere
Indikativ Futur Passiv
mone b or
mone be ris
mone bi tur
mone bi mur
mone bi mini
mone bu ntur
126
Bei der 3. und 4. Konjugation haben wir, wie im Aktiv, das Tempuskennzeichen
-e-, nur in der 1. Person Singular -a-:
audire
Indikativ Futur Passiv
audi a r
audi e ris
audi e tur
audi e mur
audi e mini
audi e ntur
Die Formen von legere lauten entsprechend:
legere
Indikativ Futur Passiv
leg a r
leg e ris
leg e tur
leg e mur
leg e mini
leg e ntur
Vinum hic assibus bibetur.
Das Prädikat: bibetur — er, sie, es wird
getrunken werden — 3. Person Singular
Indikativ Futur Passiv.
Wer wird getrunken werden? vinum — der
Wein.
Wo? hic — hier
Um welchen Preis? assibus — um Asse,
das heißt: um einen As pro Einheit.
Also: Der Wein wird hier um einen As
getrunken werden.
Non tantum corpori, sed etiam moribus
saluber locus a nobis eligetur. Wir suchen das
Prädikat, eligetur — er, sie, es wird ausgewählt
werden.
Wer wird ausgewählt werden?
saluber locus — ein gesunder Ort.
Von wem? a nobis — von uns.
Für wen? non tantum corpori, sed etiam
moribus — nicht nur für den Körper,
sondern auch für den Charakter.
127
Also heißt der Satz:
Nicht nur für den Körper, sondern auch
für den Charakter wird von uns ein
gesunder Ort gewählt werden.
Quemadmodum non inter tortores
habitamus, sic ne inter popinas
quidem.
Dieser Satz beginnt mit einem Nebensatz:
quemadmodum non inter tortores habitamus
und erst dann folgt der Hauptsatz:
sic ne inter popinas quidem.
Das Prädikat des Nebensatzes gilt auch für
den Hauptsatz: habitamus — wir wohnen.
Wo? inter popinas — unter, inmitten von
Kneipen.
ne ... quidem — nicht einmal
sic — so.
Der Hauptsatz heißt: So wohnen wir nicht
einmal inmitten von Kneipen.
Im Nebensatz gilt, wie gesagt, das gleiche
Prädikat: habitamus — wir wohnen.
Wo? inter tortores — unter Folterknechten.
quemadmodum — wie
Also lautet die ganze Übersetzung:
Wie wir nicht unter Folterknechten wohnen,
so nicht einmal inmitten von Kneipen.
Caupona potens est caelum deponere,
terram suspendere, sidera extinguere,
Tartarum illuminare.
Das Prädikat heißt: potens est — er, sie, es ist
mächtig, fähig.
Wer ist fähig? caupona — die Wirtin.
Wozu?
caelum deponere — den Himmel herunterzuholen,
terram suspendere — die Erde in die Höhe zu heben,
sidera extinguere — die Gestirne auszulöschen,
Tartarum illuminare - den Tartarus zu erhellen.
Der Satz heißt also:
Die Wirtin ist fähig, den Himmel herunterzuholen,
die Erde in die Höhe zu heben, Gestirne auszulö¬
schen, den Tartarus zu erhellen.
128
Und nun noch einige Sprüche des Publius Syrus, die nichts mit Alkohol zu tun
haben:
Inopi beneficium bis dat, qui cito dat.
Der Hauptsatz heißt: Inopi beneficium
bis dat —
dat — er, sie, es gibt — ist das Prädikat.
Wer gibt? qui cito dat — wer schnell gibt.
Wen oder was? beneficium — eine Wohltat.
Wem? inopi einem Mittellosen, einem Armen,
bis — zweimal
Einem Armen erweist die Wohltat zweimal,
wer schnell gibt.
Ubi innocens damnatur, pars patriae exulat.
pars patriae exulat ist der Hauptsatz mit dem
Prädikat: exulat — er, sie es Ist verbannt.
Wer ist verbannt? pars — ein Teil.
Wessen? patriae — des Vaterlandes.
Und nun zum Nebensatz: ubi innocens
damnatur.
damnatur — er, sie, es wird verurteilt.
Wer wird verurteilt? innocens — ein Un¬
schuldiger,
ubi — wo;
Wo ein Unschuldiger verurteilt wird, ist
ein Teil des Vaterlandes verbannt.
Adjektive der 3. Deklination mit Konsonantenstamm sind außerdem:
particeps, -ipis - teilhaftig
sospes, sospitis — wohlbehalten
superstes, -itis — überlebend
Zusätzlicher Übungssatz:
Contra felicem vix deus vires habet,
habet — er, sie, es hat
Wer hat? deus — ein Gott.
Wen? vires — Kräfte.
Gegen wen? — contra felicem — gegen einen
Glücklichen.
vix — kaum.
Gegen einen Glücklichen hat kaum ein Gott
Kräfte.
129
Wortschatz:
caupona, -ae f
matella, ae f
patria, ae f
pergula, ae f
popina, -ae f
taberna, -ae f
deus, -i m
lectus, -i m
beneficium, -I n
caelum, -i n
candelabrum, -i n
cenaculum, -i n
hospitium, -i n
thermopolium, -i n
as, assis m
caupo, -onis m
pars, partis f
sidus, sideris n
tortor, -oris m
perfidus, -a, -um
innocens, -entis
inops, inopis
potens, -entis
saluber, salubris, salubre
dives, divitis
pauper, pauperis
princeps, principis
vetus, veteris
Wirtin
Nachttopf
Vaterland
Anbau, Laden
Kneipe
(Schank)Bude, Werkstatt
Gott
Bett
Wohltat
Himmel, Klima
Leuchter
Speiseraum
Gastfreundschaft, Herberge
Schenke
As (Münze)
Wirt
Teil
Gestirn
Folterknecht
treulos, betrügerisch
unschuldig
mittellos, arm
mächtig
gesund
reich
arm
der erste, vornehmste
alt
damnare
exulare
habitare
illuminare
locare
bibere
deponere
eligere
extinguere
suspendere
verurteilen
verbannt sein
wohnen
erleuchten
vermieten
trinken
niederlegen, -setzen, -stellen
auswählen
auslöschen
aufhängen, emporheben
bis
contra (mit Akk.)
cito
quemadmodum
ne ... . quidem
yix
zweimal
gegen
schnell
wie
nicht einmal
kaum
130
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 11,6
Liebe Zuschauer, wir wollen heute wieder einmal eine zusammenhängende Fabel
übersetzen und dabei Grammatik und Formen üben. Wir haben eine Fabel des
Phaedrus ausgesucht. Alles was wir über diesen Dichter erfahren wollen, müs¬
sen wir aus seinen Texten schließen: Er lebte zur Zeit des Kaisers Augustus und
wird als Augusti libertus — als Freigelassener des Augustus bezeichnet. Hier nun
die Fabel:
(ici^decidisset vulpes in puteum inscia
et altiore clauderetur margine,
devenit hircus sitiens in eundem locum;
simul rogavit, esset an dulcis liquor
et copiosus. Illa fraudem moliens:
„Descende, amice; tanta bonitas est aquae,
voluptas ut satiari non possit mea."
Immisit se barbatus. Tum vulpecula
evasit puteo nixa celsis cornibus
hircumque clauso liquit haerentem vado. ^
Wie unsere Übungssätze am Ende jeder Sendung wollen wir nun diesen Text
Satz für Satz durchgehen.
Cum decidisset vulpes in puteum inscia
et altiore clauderetur margine,
devenit hircus sitiens in eundem locum;
Dieser Abschnitt beginnt mit einem Neben¬
satz, der mit cum eingeleitet wird und beim
Komma endet.
Der Hauptsatz lautet:
devenit hircus sitiens in eundem locum.
devenit — er, sie, es ist gekommen.
Wer ist gekommen? hircus sitiens —
hircus. Am — der Ziegenbock
sitiens — dürstend; hircus sitiens — ein dür¬
stender Ziegenbock.
Wohin ist er gekommen? in eundem locum
— an dieselbe Stelle.
Der Hauptsatz heißt: ein durstiger Ziegenbock
kam an dieselbe Stelle.
Und nun der Nebensatz: Cum decidisset
vulpes in puteum inscia et altiore
clauderetur margine.
Durch et — und — ist dieser Nebensatz in
zwei Teile gegliedert, wir haben entsprechend
zwei Prädikate:
131
decidisset und clauderetur, beide Verben
stehen im Konjunktiv, der im Lateinischen
durch cum — als — bedingt ist. Im Deut¬
schen können wir diese Konjunktive durch
Indikative wiedergeben,
cum decidisset — als er, sie, es hineingefallen
war.
Wer oder was? vulpes — der Fuchs, Nominativ
Singular von vulpes, -is f — der Fuchs
Fuchs.
Wohin? in puteum — in einen Brunnen.
Wie, in welchem Zustand war er hineinge¬
fallen? inscia — ahnungslos; inscius, inscia,
inscium - ahnungslos - steht im Femininum,
weil es von vulpes — Femininum — abhängig
ist.
Das zweite Verb des Nebensatzes: clauderetur —
er, sie, es würde eingeschlossen; wir können wie
bei decidisset mit dem Indikativ übersetzen;
cum clauderetur — als er, sie, es eingeschlossen
wurde.
Wer? er — Subjekt ist auch hier vulpes — der
Fuchs.
Wovon wurde er eingeschlossen?
altiore margine — von dem zu hohen Rand.
Somit heißt der ganze Satz:
Als ein Fuchs ahnungslos in einen Brunnen
gefallen war und von dem zu hohen Rand
e/ngeschlossen wurde, kam ein durstiger
Ziegenbock an dieselbe Stelle,
simul rogavit, esset an dulcis liquor et
copiosus.
simul rogavit ist der Hauptsatz; es folgt
eine indirekte Rede, die mit der Fragepar¬
tikel an — ob — eingeleitet wird,
rogavit — er, sie, es hat gefragt, 3. Person
Singular Indikativ Perfekt Aktiv von
rogare — fragen. Wer? er, der Ziegenbock,
simul — zugleich, d.h. noch im Herankommen,
also: zugleich fragte er. ..
Das Prädikat des Nebensatzes: esset dulcis et
copiosus — er wäre süß und reichlich.
Wer? liquor, liquoris m — die Flüssigkeit,
das Wasser.
Der ganze Satz:
Zugleich fragte er, ob das Wasser süß wäre
und reichlich.
132
IHa fraudem moliens:
steht vor der nun folgenden direkten Rede,
und wir müssen als Prädikat ein Verbum des
Sagens ergänzen; ausrufen, zum Beispiel,
lila — jene — Ist das Subjekt, es bezieht sich
auf vulpes und steht daher im Femininum,
moliens — hier: ersinnend.
Wen oder was? fraudem — einen Betrug.
Vor der direkten Rede steht somit:
Jener, einen Betrug ersinnend, rief aus:
„Descende, amice; tanta bonitas est aquae,
voluptas ut satiari non possit mea."
Descende: steig herab.
amice: Vokativ Singular: Freund!
Descende, amice — Steig herab, mein Freund!
Nun folgt ein Hauptsatz: tanta bonitas est
aquae und ein Nebensatz mit ut:
voluptas ut satiari non possit mea.
Das Prädikat des Hauptsatzes;
tanta est — sie ist so groß.
Wer? bonitas — die Güte.
Wessen? aquae — des Wassers:
so groß ist die Güte des Wassers,
voluptas ut satiari non possit mea;
ut non possit satiari — daß nicht gestillt werden
kann.
possit — er, sie, es könne, steht im Lateinischen
im Konjunktiv, der durch ut — daß — bedingt ist,
bei der Übersetzung können wir ihn außer Acht
lassen. Wer oder was kann nicht gestillt werden?
voluptas mea — mein Verlangen von voluptas,
voluptatis f — das Verlangen.
Die direkte Rede heißt: ,,Steig herab, mein
Freund; so groß ist die Güte des Wassers, daß
mein Verlangen nicht gestillt werden kann.
Immisit se barbatus.
immisit — er, sie, es hat hineingeschickt, hinein¬
gelassen.
se — ist der Akkusativ Singular des Reflexivpro¬
nomens: sich.
Wer hat sich hineingelassen?
barbatus - der Bärtige.
Der Bärtige hat sich hineingelassen.
133
Tum vulpecula evasit puteo
nixa celsis cornibus hircumque
clauso liquit haerentem vado.
Dieser Satz besteht aus zwei Haupt¬
sätzen, die durch das an hircum ange¬
hängte que — und — verbunden sind.
Das erste Prädikat lautet:
evasit — er, sie, es ist entkommen.
Wer ist entkommen? vulpecula — das
Füchslein, eine Verkleinerungsform von
vulpes.
Von wo ist das Füchslein entkommen?
puteo — aus dem Brunnen,
Wie ist es entkommen?
nixa celsis cornibus — sich auf die hohen
Hörner stützend;
tum — dann, darauf, damals.
Der erste Teil des Hauptsatzes:
Darauf entkam das Füchslein, sich auf die
hohen Hörner stützend.
Und nun zum zweiten Prädikat:
liquit — er, sie, es hat zurückgelassen.
Wer? es — das Füchslein.
Wen oder was hat es zurückgelassen?
hircum — den Ziegenbock,
In welchem Zustand? haerentem — fest¬
sitzend.
Wo? clauso vado — im eingeschlossenen
Grund des Brunnens.
.... und ließ den Ziegenbock im engen
Grund des Brunnens festsitzend zurück.
Der ganze letzte Satz: Darauf entkam das
Füchslein, sich auf die hohen Hörner stüt¬
zend, und ließ den Ziegenbock im engen
Grund des Brunnens festsitzend zurück.
Und nun wollen wir uns die Übersetzung
noch einmal im Zusammenhang ansehen:
Als ein Fuchs ahnungslos in einen Brunnen gefallen war
und von dem zu hohen Rand eingeschlossen wurde
kam ein durstiger Ziegenbock an dieselbe Stelle;
sogleich fragte er, ob das Wasser süß sei
und reichlich. Einen Betrug ersinnend, rief der Fuchs aus:
„Steig herab, mein Freund; so groß ist die Güte des Wassers,
daß mein Verlangen gar nicht gestillt werden kann."
Der Bärtige ließ sich hinein. Darauf entkam das Füchslein
sich auf die hohen Hörner stützend
und ließ den Bock auf dem Grund des Brunnens eingesperrt zurück.
134
Wortschatz:
aqua, -ae
f
Wasser
vulpecula, -ae
f
Füchslein
puteus, -i
m
Brunnen
hircus, -i
m
Ziegenbock
locus, -i
m
Ort, Platz, Stelle
amicus, -i
m
Freund
periculum, -i
n
Gefahr
effugium, -i
n
Ausweg
vadum, -i
n
Furt, Grund des Wassers, Brunnens
liquor, -oris
m
Flüssigkeit
homo, -inis
m
Mensch
margo, -inis
f
Rand
vulpes, -is
f
Fuchs
fraus, fraudis
f
Betrug
bonitas, -atis
f
Güte
voluptas, -atis
f
Vergnügen, Freude, Lust
callidus, -a, -um
schlau
malus, -a, -um
schlecht, übel, böse
Inscius, -a, -um
unwissend, ahnungslos
altus, -a, -um
hoch, tief
copiosus, -a, -um
reichlich
tantus, -a, -um
so groß
barbatus, -a, -um
bärtig
celsus, -a, -um
emporragend, hoch
dulcis, -e
süß, angenehm
rogare
fragen, bitten
satiare
sättigen
haerere
hängenbleiben, festsitzen
venire
kommen
reperire
finden
devenire
herunterkommen. Irgendwohin geraten
sitire
dürsten
moliri
in Bewegung setzen, ersinnen
quaerere
suchen, fragen
decidere
herabfallen, hineinfallen
claudere
schließen, einschließen
descendere
herabsteigen
immitere
hineinschicken
evadere
herauskommen
(re)linquere
verlassen, zurücklassen
niti
sich stützen
in (mit Akk.)
in . . . hinein, in, auf, nach, zu
simul ac
sobald als
simul
zugleich, gleichzeitig
tum
da, dann, darauf, damals
135
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 7
Ein Zitat von Plinius dem Älteren, der 79 nach Christus gestorben ist, soll in unser
heutiges Rahmenthema einführen: ,,Wer die mehr als reichliche Wasserzufuhr für
öffentliche Zwecke, für Bäder, Schwimmbecken, Kanäle, Häuser, Gärten und Vor¬
stadtvillen, wer die Länge der Aquädukte, den Bau der Arkaden, die untertunnel¬
ten Berge, die überbrückten Täler, wer all dies sorgfältig in Rechnung stellt, der
wird gestehen, daß es in der Welt, niemals ein größeres Wunder gegeben hat."
Doch zunächst schöpften die Römer das Wasser aus natürlichen Quellen:
Ab urbe condita per annos
quadringentos quadraginta unum
contenti fuerunt usu aquarum, quas
aut ex Tiberi aut ex puteis aut ex
fontibus hauriebant.
Von der Gründung der Stadt an waren
die Römer 441 Jahre hindurch mit dem
Gebrauch des Wassers zufrieden, das sie
aus dem Tiber oder aus Brunnen oder
aus Quellen schöpften.
Hier nun die unbekannten Vokabeln:
per (mit Akk.) — durch
contentus, -a, -um — zufrieden
USUS, USUS m — Gebrauch
fons, fontis n? — Quelle
Tiberis, -is m — Tiber
haurire — schöpfen, leeren
USUS, USUS m — der Gebrauch — ist ein Substantiv der 4. Deklination. Wir sehen
uns diese 4. Deklination am Beispiel von casus, casus m — der Fall, der Zufall —
an:
4. Deklination
Singular
Plural
Nom.
cas US
cas US
Gen.
cas US
cas uum
Dat.
cas ui
cas ibus
Akk.
cas um
cas US
Abi.
cas u
cas ibus
136
Substantive der 4. Deklination auf -us, wie casus, sind in der Regel Maskulina.
Doch es gibt in der 4. Deklination auch Substantive auf -u, wie cornu, cornus —
das Horn — die Neutra sind:
4. Deklination
Singular
Plural
Nom.
corn u
corn ua
Gen.
corn US
corn uum
Dat.
corn u
corn ibus
Akk.
corn u
corn ua
Abi.
corn u
corn ibus
Substantive der 4. Deklination auf -u, wie cornu, sind Neutra.
Auch in der 4. Deklination gibt es natürlich Ausnahmen von diesen Genusregeln,
denn Feminina sind:
manus, manus — die Hand
porticus, porticus — die Säulenhalle
tribus, tribus — der Stadtteil
Idus, Iduum — die Monatsmitte; das Wort
ist bekannt aus: Idus Martiae die Iden
des März.
Auch domus, domus — das Haus ist ein Femininum, es bildet teilweise Formen
nach der 2. Deklination: domo — den Ablativ Singular; domuum oder domorum —
beim Genitiv Plural gibt es beide Formen; domus oder domos - auch beim Akku¬
sativ Plural gibt es beide Formen;
domus, domus
Singular
Plural
Nom.
dom US
dom US
Gen.
dom US
dom uum/
dom orum
Dat.
dom ui
dom ibus
Akk.
dom um
dom us/
dom OS
Abi.
dom o
dom ibus
Besonders merken sollte man sich die Ausdrücke:
domi — zu Hause
domum — nach Hause
domo — von Hause^^
137
Adjektive gibt es in der 4. Deklination nicht!
Marco Valerio Maximo Publio Decio
Mure consulibus aqua Appia in urbem
inducta est ab Appio Claudio censore.
Im Konsulat des Markus Valerius Maximus
und des Publius Decius Mus ist die Aqua
Appia von dem Censor Appius Claudius in
die Stadt hineingeführt worden.
Dieser Appius Claudius hat 312 vor Christus die älteste römische Wasserleitung
anlegen lassen; der letzte Aquädukt wurde 226 nach Christus gebaut. Insgesamt
führten 11 solcher Wasserleitungen mit einer Gesamtlänge von 430 km nach Rom.
Sie versorgten die Stadt täglich mit 950 000 m^ Wasser. Die Stadt München zum
Beispiel hat heute einen täglichen Wasserverbrauch von nur ca. 400 000 m^,
wobei die Einwohnerzahl Roms im 1. und 2. Jahrhundert nach Christus auf über
eine Million geschätzt wird und ungefähr der Münchens entspricht. Die Anlage
der Aquädukte verlangte ein kompliziertes Leitungssystem: Staubecken und
Hochbehälter verhinderten einen Überdruck in den Rohren, in Setzbecken wurde
das Wasser gereinigt und durch Luftschächte frisch gehalten.
Finanziert wurden diese Anlagen aus den Tributen der Provinzen und aus Kriegs¬
beute. So stammten 180 Millionen Sesterzen für den Bau der Aqua Marcia aus der
Beute von Korinth und Karthago.
Mit der Zerstörung eines Teils der lebenswichtigen Aquädukte haben die Goten im
6. Jahrhundert nach Christus bei der Belagerung Roms den Niedergang der Stadt
beschleunigt. Im Mittelalter sind die meisten römischen Wasserleitungen verfallen.
inducta est — sie ist hineingeführt worden ist ein Perfekt Passiv. Das Partizip
Perfekt Passiv wird von dem Partizipialstamm gebildet. Dieser Partizipialstamm ist
bei den einzelnen Verben unterschiedlich und muß bei den Stammformen mitge¬
lernt werden. Bei den Stammformen ergibt sich also folgende Reihe:
Infinitiv Präsens Aktiv --
1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv
1, Person Singular Indikativ Perfekt Aktiv
Partizip Perfekt Passiv:
amare — amo — amavi — amatum — lieben
monere — moneo — monui — monitum — mahnen
audire — audio — audivi — auditum — hören
legere — lego — legi — lectum — lesen
Stammformen
Infinitiv l.Pers. Sg.
1. Pers. Sg. Partizip
Präsens
Ind. Präs.
Ind. Perf.
Perfekt
Aktiv
Aktiv
Aktiv
Passiv
amare
amo
amavi
amatum
monere
moneo
monui
monitum
audire
audio
audivi
auditum
legere
lego
legi
lectum
138
Von diesen Stammformen aus kann man sämtliche Formen eines Verbums bilden.
Das Partizip Perfekt Passiv dient zur Bildung von: Perfekt, Plusquamperfekt,
Futur II Passiv und zwar jeweils mit dem Hilfsverb esse. Dabei ist besonders zu
beachten, daß das Partizip mit seinem Beziehungswort in Genus, Kasus und
Numerus übereinstimmt.
Der Indikativ Perfekt Passiv von amare lautet;
amatus, amata, amatum sum —
ich bin geliebt worden
amatus, amata, amatum es —
du bist geliebt worden
amatus, amata, amatum est —
er, sie, es ist geliebt worden.
amati, amatae, amata sumus
wir sind geliebt worden
amati, amatae, amata estis
ihr seid geliebt worden
amati, amatae, amata sunt
sie sind geliebt worden.
amare
Indikativ Perfekt Passiv
amatus, -a, -um sum
amatus, -a, -um es
amatus, -a, -um est
amati, -ae, -a sumus
amati, -ae, -a estis
amati, -ae, -a sunt
Entsprechend wird der Konjunktiv Perfekt Passiv mit dem Partizip und dem Kon¬
junktiv Präsens des Hilfsverbs esse gebildet. Wir geben als Beispiel nur die erste
2)
Person Singular an :
amatus, amata, amatum sim —
ich sei geliebt worden
Der Indikativ Plusquamperfekt Passiv wird mit dem Partizip Perfekt Passiv und
dem Imperfekt von esse gebildet:
amatus, amata, amatum eram -
ich war geliebt worden.
Der Konjunktiv Plusquamperfekt Passiv heißt entsprechend:
amatus, amata, amatum essem —
ich wäre geliebt worden
139
Der Indikativ Futur II Passiv wird auf die gleiche Weise gebildet: mit demselben
Partizip und dem Futur von esse; 1. Person Singular:
amatus, amata, amatum ero —
ich werde geliebt worden sein.
Und zum Abschluß noch einen Übungssatz; die Aqua Virgo in Rom ist die einzige
Wasserleitung, die nie unterbrochen war:
Virgo appellata est, quod quaerentibus
aquam militibus puella virguncula venas
monstravit.
Der Hauptsatz lautet: Virgo appellata est —
und es folgt ein mit quod — weil — einge¬
leiteter Nebensatz.
Das Prädikat des Hauptsatzes: appellata est —
sie wurde genannt.
Wie wurde sie genannt? virgo — Junfgrau,
also: sie wurde Jungfrau genannt.
Prädikat des Nebensatzes ist:
monstravit — er, sie, es hat gezeigt.
Wer hat gezeigt? puella viguncula
ein junges Mädchen.
Wen oder was hat sie gezeigt?
venas — Wasseradern.
Wem? quaerentibus aquam militibus -
Wasser suchenden Soldaten.
Der Nebensatz heißt: weil ein junges
Mädchen Wasser suchenden Soldaten
Wasseradern gezeigt hat.
Und der ganze Satz: Virgo, das heißt
Jungfrau, wurde sie genannt, weil ein
junges Mädchen Soldaten, die Wasser
suchten, Wasseradern gezeigt hat.
Manchmal begegnen uns im Dativ und im Ablativ Plural noch die älteren Aus¬
gänge -ubus statt -ibus, wie z.B. lacubus - den Seen, tribubus - den Tribus,
quercubus — den Eichen von quercus, -us f — die Eiche.
Nur im Ablativ Singular sind belegt:
iussu
auf Befehl
iussu Caesaris
rogatu
auf Bitte
rogatu tuo
natu
der Geburt nach
grandis natu
maior natu
auf Befehl Caesars
auf deine Bitte
hoch betagt
älter, der Ältere
140
Indikativ Perfekt Passiv
amatus, -a, -um sum, es, est
amati, -ae, -a sumus, estis, sunt
Konjunktiv Perfekt Passiv
amatus, -a, -um sim, sis, sit
amati, -ae, -a simus, sitis, sint
Indikativ Plusquamperfekt Passiv
amatus, -a, -um eram, eras, erat
amati, -ae, -a eramus, eratis, erant
Konjunktiv Plusquamperfekt Passiv
amatus, -a, -um essem, esses, esset
amati, -ae, -a essemus, essetis, essent
Indikativ Futur II Passiv
amatus, -a, -um ero, eris, erit
amati, -ae, -a erimus, eritis, erunt
Zusätzlicher Übungssatz:
Ductus Aquae Appiae habet
longitudinem passuum undecim
milium centum nonaginta.
Das Prädikat lautet: habet — er,
sie, es hat.
Wer? ductus — die Leitung.
Wessen? Aquae Appiae — der Aqua Appia.
Wen oder was hat die Leitung der Aqua Appia? -
longitudinem — eine Länge.
Welche Länge? passuum undecim milium
centum nonaginta — von 11 190 Doppelschritt.
Die Leitung der Aqua Appia hat eine Länge von
11 190 Doppelschritt.
141
Wortschatz:
virguncula, -ae
f
Mädchen
puella virguncula
ein junges Mädchen
vena, -ae
f
Ader, Vene, Wasserader
annus,
m
Jahr
censor, -oris
m
Censor (röm. Amt)
virgo, -inis
f
Jungfrau, Mädchen
fons, fontis
m
Quelle
usus, -us
m
Gebrauch, Umgang, Ausübung, Nutzen
casus, -us
m
Fall, Zufall
cornu, -us
n
Horn
manus, -us
f
Hand, Schar
porticus, -us
f
Säulenhalle
tribus, -us
f
Tribus, Stadtteil
Idus, -uum
f
die Iden (Monatsmitte)
domus, -us
f
Haus
domi
zu Hause
domum
nach Hause
domo
von Hause
contentus, -a, -um
zufrieden
appellare
ansprechen, nennen
monstrare
zeigen
haurire
schöpfen
inducere
hineinführen
aut.... aut
entweder.... oder
quod
weil
per (mit Akk.)
durch
ex, e (mit Abi.)
aus, heraus
142
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 8
Noch heute gilt die italienische Hauptstadt als die wasserreichste Stadt Europas.
In konstantinischer Zelt mußten neben den Privathäusern 11 große Thermenan¬
lagen, 855 öffentliche Bäder sowie 1367 Brunnen und Zisternen mit Wasser ver¬
sorgt werden.
Salubrior est ex tubulis aqua quam
per fistulas, quod ex plumbo cerussa
nascitur. Haec autem dicitur esse nocens
corporibus humanis.
Gesünder Ist das Wasser aus Tonrohren als
das durch Bleirohre geleitete, weil aus Blei
Bleiweiß entsteht. Dieses aber soll dem
menschlichen Körper schädlich sein.
Zunächst die Vokabeln:
salubrior, -us - gesünder
tubulus, Am — kleines Rohr, Tonrohr
fistula, - Rohr, Bleirohr
plumbum. An — Blei
cerussa, -ae f— Bleiweiß
nascitur — er, sie, es wird geboren
er, sie, es entsteht
dicitur — es wird gesagt, es soll
gesagt werden
nocens — schädlich
Haec — dieses — Ist ein Demonstrativpronomen, ein hinweisendes Fürwort.
Wir kennen bisher Im Lateinischen nur ein Demonstrativpronomen, nämlich:
is, ea, id — der, die, das — ein Pronomen, das auch andere Funktionervhat.
Reine Demonstrativpronomina sind:
hic, haec, hoc - dieser, diese, dieses
iste, ista, istud — dieser, dein, euer;
diese, dein, euer; dieses, dein, euer;
der, die, das da.
ille, illa, illud - jener, jene, jenes;
der, die, das dort.
143
hic, haec, hoc weist auf räumlich und zeitlich Naheliegendes hin. Die Formen lau¬
ten:
hic, haec, hoc
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
hic
haec
hoc
Gen.
huius
huius
huius
Dat.
huic
huic
huic
Akk.
hunc
hanc
hoc
Abi.
hoc
hac
hoc
hic, haec, hoc
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
hi
hae
haec
Gen.
horum
harum
horum
Dat.
his
his
his
Akk.
hos
has
haec
Ab).
his
his
his
Das Pronomen hic, haec, hoc ist der ersten Person zugeordnet:
hic über — dieses mein Buch
his temporibus — in dieser unserer Zeit
Das Demonstrativpronomen iste, ista, istud — dieser, diese, dieses — bezeichnet
das Gegenüberstehende.
iste, ista, istud
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
iste
ista
istud
Gen.
istius
istius
istius
Dat.
isti
isti
isti
Akk.
istum
istam
istud
Abi.
isto
ista
isto
144
iste, ista,
istud
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
isti
istae
ista
Gen.
istorum
istarum
istorum
Dat.
istis
istis
istis
Akk.
istos
istas
ista
Abi.
istis
istis
istis
iste, ista, istud ist als Pronomen der 2. Person zugeordnet; es bezeichnet das Ge¬
genüberstehende:
iste adulescens — dieser, vor euch
stehende, junge Mann
Es kann auch verächtlich gemeint sein:
iste homo — dieser Kerl.
ille, illa, illud — jener, jene, jenes — weist auf räumlich und zeitlich Entferntes hin:
ille, illa, illud
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
ille
illa
illud
Gen.
illius
illius
illius
Dat.
ilii
illi
illi
Akk.
illum
illam
illud
Ab).
illo
illa
illo
ormen:
ille, illa,
illud
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
illi
illae
illa
Gen.
illorum
illarum
illorum
Dat.
illis
illis
illis
Akk.
illos
illas
ilia
Abi.
illis
illis
illis
145
ille ist als Pronomen der 3. Person zugeordnet, es weist auf Entferntes hin:
iUi homines — jene Leute dort, von damals
illis temporibus — in jener fernen Zeit.
Gelegentlich bezieht sich ille auch auf etwas Berühmtes:
ille Caesar — jener bekannte Caesar.
In Pompeji kann man heute noch sehen, wie das Wasser in den Städten verteilt
wurde. Die Ton- oder Bleirohre wurden häufig nicht unter der Erde, sondern eben¬
erdig verlegt. So konnte man undichte Stellen leichter finden und reparieren. Häu¬
fig sieht man in Pompeji auch noch die Sockel von Druckbehältern, die bis zu 6
Meter hoch sind. Von diesen Druckbehältern führten Leitungen zu den öffentli¬
chen Brunnen und teilweise auch zu Privathäusern. Aus den Brunnen strömte das
Wasser ständig, sie waren auch beliebter Treffpunkt der Bevölkerung. Das Vertei¬
lersystem war so aufgebaut, daß bei einem Wassermangel zunächst die privaten
Haushalte ausgeschaltet wurden, dann die Bäder und erst zuletztdie öffentlichen
Brunnen. Denn in dem sogenannten Wasserschloß, dem Ende des Aquädukts in
der Stadt, wurde das Wasser auf drei Ebenen verteilt.
Zurück zu unserem Eingangssatz:
Haec autem dicitur esse nocens
corporibus humanis — dieses aber soll
dem menschlichen Körper schädlich sein.
Das Adjektiv nocens — schädlich — Ist seiner Herkunft nach ein Partizip Präsens
Aktiv von nocere — schaden.
Das Partizip Präsens Aktiv wird gebildet. Indem man an den Präsensstamm die
Endung -ns, Genitiv -ntis anhängt:
amans, amantis — liebend;
monens, monentis — mahnend;
Bei den Verben der 3. und der 4. Konjugation wird zwischen Stamm und Endung
ein -e- eingeschoben:
audiens, audientis — hörend
legens, legentis - lesend
Das Partizip Präsens Aktiv gehört zu den i-Stämmen, es wird wie ein elnendiges
Adjektiv der 3. Deklination dekliniert, hat jedoch im Ablativ Singular meist die
Endung -e.^^
146
Neben dem Partizip Präsens Aktiv und dem in der vorigen Sendung besprochenen
Partizip Perfekt Passiv gibt es im Lateinischen ein weiteres Partizip: das Partizip
Futur Aktiv. Es wird von dem Partizipialstamm aus gebildet und zwar mit der
Endung >urus:
amaturus, amatura, amaturum —
einer, der lieben wird, der lieben will
moniturus, monitura, moniturum —
einer, der mahnen wird, der mahnen will;
auditurus, auditura, auditurum —
einer, der hören wird, der hören will;
lecturus, lectura, lecturum --
einer, der lesen wird, der lesen will.
Partizip Futur Aktiv
ama turus, -a, -um
moni turus, -a, -um
audi turus, -a, -um
lec turus, -a, -um
Im Lateinischen gibt es somit zwei Partizipien im Aktiv und eines im Passiv:
Partizip
Präsens
Futur
Perfekt
Aktiv
Aktiv
Passiv
amans
amaturus
amatus
monens
moniturus
monitus
audiens
auditurus
auditus
legens
lecturus
lectus
In dem folgenden Übungssatz wird das Verteilungssystem des Wassers noch ein¬
mal erläutert:
Cum aquae ductus venerit ad moenia,
aedificetur castellum et castello
coniunctum triplex inmissarium.
Der Hauptsatz heißt: aedificetur castellum
et castello coniunctum triplex inmissarium -
Prädikat ist: aedificetur — er, sie, es möge erbaut
werden.
Wer oder was möge erbaut werden?
castellum et castello coniunctum triplex
inmissarium —
ein Wasserschloß und mit dem Wasserschloß
verbunden ein dreifacher Wasserbehälter.
147
Der Nebensatz: Cum aquae ductus
venerit ad moenia — mit dem Prädikat;
venerit — er, sie, es wird gekommen sein.
Wer oder was wird gekommen sein?
aquae ductus — die Wasserleitung.
Wohin? ad moenia — an die Stadtmauer.
Der ganze Satz heißt; Wenn die Wasser¬
leitung an die Stadtmauer kommt, soll ein
Wasserschloß und mit dem Wasserschloß ver¬
bunden ein aus drei Wasserkästen bestehender
Behälter gebaut werden.
Eigentliche Partizipien haben im Ablativ Singular meist den Ausgang -e:
ab homine per silvam errante - von einem durch den Wald irrenden Menschen
Partizipien, die als Adjektive oder attributiv gebraucht werden, haben Im Abla¬
tiv Singular den Ausgang -i;
ardenti studio - mit brennendem Elfer
Zusätzlicher Übungssatz:
In medio ponentur fistulae in omnes
lacus et salientes, ne desit in publico, ex
altero in balneas, ex tertio in domos
privatas.
Das Prädikat des Hauptsatzes lautet;
ponentur — sie werden angelegt werden.
Wer oder was wird angelegt werden?
fistulae — Leitungen.
Wo? in medio — In mittleren.
Wohin? in omnes lacus et salientes —
zu allen Bassin- und Springbrunnen.
Warum? ne desit in publico —
ne .... desit — damit er, sie, es nicht fehle.
Wer? es — das Wasser, ist aus dem Sinnzusammen¬
hang zu ergänzen.
Wo? in publico - In der Öffentlichkeit, in öf¬
fentlichen Anlagen.
ponentur fistulae - es werden Leitungen gelegt
werden - ist auch Prädikat und Subjekt für den
restlichen Satz: Von wo werden Leitungen gelegt
werden? ex altero - aus dem zweiten.
Wohin? in balneas — In die Bäder.
Von wo werden Leitungen gelegt werden?
ex tertio — aus dem dritten.
Wohin? in domos privatas - in Privathäuser.
Im mittleren werden Rohrleitungen zu allen
Bassin- und Springbrunnen angelegt werden,
damit das Wasser in den öffentlichen Anlagen
nicht fehle, aus dem zweiten zu den Bädern,
aus dem dritten zu den Privathäusern.
148
Wortschatz:
fistula, ae
f
Röhre, hohles Rohr
balneae, -arum
f
Bad*
tubulus, -i
m
Röhre
plumbum, -i
n
Blei
castellum, -i
n
befestigter Platz, Wasserreservoir
adulescens, -ntis
m
junger Mann
tempus, -oris
n
Zeit
aquae-ductus, -us
m
Wasserleitung
lacus, -us
m
künstliches Wasserbecken: Trog, Bassin
natürliches Wasserbecken: See
medius, -a, -um
mitten, der mittlere
publicus, -a, *um
öffentlich
nocens
schädlich
aedificare
bauen
coniungere
verbinden
ponere
stellen, setzen, legen
nasci
entstehen, geboren werden
dicitur
er, sie, es wird gesagt, soll
autem (nachgestellt)
aber
149
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 9
Die Bäder spielten im römischen Alltag eine große Rolle. Wir sprachen schon da¬
von, daß es in Rom allein 855 öffentliche Bäder gab begüterte Leute wie Plinius
der Jüngere hatten natürlich private Badeeinrichtungen, meist mit piscina — einem
Schwimmbecken und apodyterium — einem Ankleideraum. Plinius selbst gibt die
Beschreibung des Bades auf seinem Landgut:
Apodyterium balinei laxum et
hilare excipit cella frigidaria.
Si natare latius aut tepidius velis,
in area piscina est.
Auf den geräumigen und freundli¬
chen Auskleideraum folgt das Kalt*
bad. Wenn du ausgiebiger oder
wärmer schwimmen willst, Ist Im
Hofraum ein Schwimmbecken.
Wir sehen die Vokabeln an:
apodyterium, -i n - Auskleideraum
balineum, -i n oder
balneum. An — Bad
laxus, -a, -um — locker, geräumig
hilaris, -e — heiter, freundlich
excipere — herausnehmen, auf¬
nehmen, unmittelbar folgen
cella, -ae f — Kammer
frigidarius, -a, -um - zum Kalten
gehörig
natare — schwimmen
latus, -a, -um — breit, weit
tepidus, -a, -um — lauwarm, mild
area, ae f — Platz, Fläche, Tenne,
Hofraum
piscina, -ae f - Fischteich, Wasser¬
behälter, Bassin, Schwimmbecken
latius - ausgiebiger — und tepidius - wärmer — sind Komparative. Wiedas Deut¬
sche hat auch das Lateinische 3 Vergleichsstufen: Positiv - Komparativ - Super¬
lativ.
150
Der Komparativ der Adjektive wird gebildet, indem an den Wortstock das Suffix
-ior im Maskulinum und Femininum und -ius im Neutrum angehängt wird, hier
einige Beispiele:
longus - lang; longior, longius - länger;
asper — rauh; asperior, asperius — rauher
pulcher - schön; pulchrior, pulchrius -
schöner
acer — scharf; acrior, acrius — schärfer
brevis — kurz; brevior, brevius — kürzer
felix — glücklich; felicior, felicius -
glücklicher
Steigerung der Adjektive
Positiv Wortstock
Komparativ
longus long-
long ior
long ius
asper asper-
asper ior
asper ius
pulcher pulchr-
pulchr ior
pulchr ius
acer acr-
acr ior
acr ius
brevis brev-
brev ior
brev ius
fei ix feile-
feile ior
felicius
Alle Adjektive und Partizipien, die als Adjektive gebraucht werden, bilden den
Komparativ auf diese Weise. Dekliniert werden die Komparative wie zweiendige
Adjektive der 3. Deklination, die zu den Konsonantenstämmen gehören.
longior, longius — länger — hat damit folgende Formen:
longior, longius
Singular
Mask. + Fern.
Neutrum
Nom.
longior
longius
Gen.
longioris
longioris
Dat.
longiori
longiori
Akk.
longiorem
longius
Abi.
longiore
longiore
Zu beachten ist das -e im Ablativ.
151
longior, longius
Plural
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Abi.
Mask. + Fern.
longiores
longiorum
longioribus
longiores
longioribus
Neutrum
longiora
longiorum
longioribus
longiora
longioribus
Der Genitiv endet auf -um, Nominativ und Akkusativ Neutrum auf -a.
Ein lateinischer Komparativ wird bei der Übersetzung meist auch mit einem Kom¬
parativ wiedergegeben. Fehlt jedoch im Lateinischen ein Vergleichsgegenstand
beim Komparativ, so wird im Deutschen der Positiv mit einem steigernden oder
abschwächenden Zusatz verwendet, zum Beispiel:
Caelum asperius est - das Klima ist
ziemlich rauh.
Der Komparativ der regelmäßig gebildeten Adverbien wird ebenfalls mit -ius ge¬
bildet:
longe — longius
Die prunkvollste Thermenanlage in Rom waren die Caracallathermen, die 211
nach Christus auf einem Gebiet von 24 000 m^ erbaut wurden, und bis zu 2 500
Besucher aufnehmen konnten.
Eine bestimmte Grundausstattung hatten auch die kleineren Thermen.
Dazu gehörte: das Apodyterium — ein Ankleideraum, das Frigidarium - ein Raum
für das kalte Bad, der gewöhnlich klein und dunkel war, das Tepidarium — ein
Übergangsraum vom kalten zum warmen Bad sowie das Caldarium - ein Raum für
das warme Bad. Das war der hellste Raum, mit Badewannen und Waschbecken
und in großen Anlagen auch mit Schwimmbecken.
Freibäder, Sportplätze und Schwitzbäder gehörten ebenfalls häufig zu Thermenan¬
lagen. In vielen Thermen waren alle diese Einrichtungen in doppelter Ausführung
vorhanden: zur Trennung der Geschlechter. Bei den übrigen wurden für Männer
und für Frauen verschiedene Badezeiten angesetzt - gemischte Thermen gab es
nicht! Der Eintrittspreis war niedrig, häufig entfiel er ganz, denn wohlhabende
Bürger oder sogar die Kaiser übernahmen die Betriebskosten. Die Baumeister der
Renaissance haben sich neben anderen antiken Vorbildern auch von der Architek¬
tur der Thermen beeinflussen lassen — letzter Zeuge einer solchen Beeinflussung
ist ein Bauwerk unseres Jahrhunderts: 1910 wurde in New York ein Zweckbau
seiner Bestimmung übergeben, dessen direktes Vorbild die Caracallathermen wa¬
ren: die Pennsylvania Station — der verkehrsreichste Bahnhof seiner Zeit.
162
Fast 2 000 Jahre vorher hatte Plinius den eingangs erwähnten Satz geschrieben:
Apodyterium balinei laxum et hilare
excipit cella frigidaria.
Auf den geräumigen und freundlichen
Auskleideraum des Bades folgt das
Kaltbad.
excipit von excipere ist ein verbum compositum, ein zusammengesetztes Verb,
bestehend aus: ex - aus - und dem verbum simplex capere - fassen,
capere gehört zur 3. Konjugation, der sogenannten kurzvokalischen Konjugation
mit der Wortstammendung -i, der Wortstamm ist also: capi-. Dieses -i- wird am
Wortausgang und vor -r zu -e-, wie im Infinitiv capere:
capere
Präsens Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
capi o
capi a m
capi s
capi a s
capi t
capi a t
capi mus
capi a mus
capi tis
capi a tis
capi u nt
capi a nt
capere
Imperfekt Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
capi e ba m
cape re m
capi e ba s
cape re s
capi e ba t
cape re t
capi e ba mus
cape re mus
capi e ba tis
cape re tis
capi e ba nt
cape re nt
153
capere
Futur Aktiv
capi a m
capi e s
capi e t
capi e mus
capi e tis
capi e nt
capere
Imperativ Präsens
cape
capite
Partizip Präsens
capiens, capientis
capere
Imperativ Futur
capito
capitote
capiunto
capere
Partizip Futur
capturus, -a. -um
Und nun zwei Übungssätze:
Magnitudinem balneorum facias pro
copia hominum.
Prädikat ist: facias — du mögest machen.
Wer? du — ist im Verbum enthalten.
Wen oder was mögest du machen?
magnitudinem — die Größe.
Wessen Größe? balneorum — der
Bäder.
In welcher Weise? pro copia hominum —
entsprechend der Menge der Menschen.
154
Also: Die Größe der Bäder mögest du
entsprechend der Menge der Menschen
machen, das heißt: Die Größe der Bäder
muß in einem bestimmten Verhältnis zur
Zahl der Besucher stehen.
Nihil est miserius quam bellum civile.
Das Prädikat lautet: est miserius — es ist
unseliger.
Wer oder was ist unseliger? nihil - nichts.
Als was? quam bellum civile — als der
Bürgerkrieg.
Nichts ist unseliger als der Bürgerkrieg.
Zusätzlicher Übungssatz:
Vivunt contra naturam, qui fundamenta
thermarum in mari iaciunt.
Das Prädikat heißt: vivunt — sie leben
Wer lebt? qui fundamentum thermarum in
mari iacunt — das Prädikat dieses Nebensatzes
heißt: iacunt — sie werfen, sie legen an.
Wer legt an? qui - welche, die
Wen oder was legen sie an? fundamenta — die
Grundmauern.
Wessen Grundmauern? thermarum — der
Thermen.
Wo? in mari — im Meer.
Also heißt der Nebensatz: welche die Grund¬
mauern von Thermen im Meer anlegen.
Wie leben sie? contra naturam — gegen die Natur.
Der Satz lautet:
Es leben gegen die Natur die Leute, die die Grund¬
mauern von Thermen im Meer anlegen.
155
Wortschatz.
cella. *ae
area.-ae
piscina, -ae
thermae, -arum
copia, -ae
invidia, -ae
vulgus, -i
apodyterium, -i
balineum, -i
balneum, -i
f Zelle. Kammer
f freier Platz. Fläche
f Fischteich. Wasserbehälter, Bassin, Schwimmbecken
f Thermenanlage
f Menge
f Mißgunst, Neid
n Masse, Pöbel
n Auskleideraum
" } Bad
n »
laxus, -a, -um
frigidarius, -a. -um
latus, -a. -um
tepidus, -a, -um
iustus, -a. -um
brevis, -e
hilaris, -e
civilis, -e
natare
capere
excipere
vivere
iacere
facere
effugere
nihil
locker, schlaff, geräumig
zum Kalten gehörig
breit, weit
lauwarm, mild
gerecht, rechtmäßig, richtig
kurz
heiter, freundlich
bürgerlich
schwimmen
fassen, fangen
herausnehmen, aufnehmen, unmittelbar folgen
leben
werfen, schleudern, errichten
machen, tun
entfliehen, entgehen, meiden
nichts
156
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 10
Die älteste römische Stadtmauer soll, nach Livius, von König Servius Tullius im
6. Jahrhundert vor Christus errichtet worden sein. Noch heute trägt dieses Bau¬
werk den Namen Servianische Mauer. Tatsächlich jedoch wurde die Stadtmauer
rund 200 Jahre später gebaut und zwar nach dem ersten Galliereinfall in Rom:
Romani urbem altissimis moenibus
circumdederunt, ne iterum a barbaris
caperetur.
Die Römer umgaben ihre Stadt mit sehr
hohen Mauern, damit sie nicht ein zwei¬
tes Mal von den Barbaren eingenommen
würde.
Die unbekannten Vokabeln:
altus, -a, -um — hoch, tief
iterum — ein zweites Mal
barbarus, -i m - Barbar
ab, a (mit Abi.) - von
Wir haben in der letzten Sendung den Komparativ besprochen und wollen uns
heute den Superlativ näher ansehen. In den meisten Fällen wird zur Bildung des
Superlativs das Suffix -issimus, -issima, -issimum an den Wortstock angehängt:
longus — lang; longissimus - der längste,
sehr lang
brevis - kurz; brevissimus - der kürzeste,
sehr kurz
felix - glücklich; felicissimus - der
glücklichste, sehr glücklich
doctus - gelehrt; doctissimus - der
gelehrteste, sehr gelehrt.
Steigerung der Adjektive
Positiv
Wortstock
Superlativ
longus
long-
long issimus
brevis
brev-
brev issimus
felix
felic-
felic issimus
doctus
doct-
doct issimus
157
Die Adjektive auf -er hängen zur Bildung des Superlativs -rimus, -rima, -rimum
an den Nominativ Singular des Maskulinums an:
asper - rauh; asperrimus - der rauheste,
sehr rauh ;
pulcher - schön; pulcherrimus - der
schönste, sehr schön;
acer — scharf; acerrimus — der schärfste,
sehr scharf.
Steigerung der Adjektive
Positiv
Superlativ
asper
asper rimus
pulcher
pulcher rimus
acer
acer rimus
Folgende Adjektive, deren Wortstock auf -il- endet, bilden den Superlativ mit dem
Suffix -limus, -lima, -limum:
facilis - leicht; facillimus - der
leichteste, sehr leicht;
similis - ähnlich; simillimus - der
ähnlichste, sehr ähnlich;
humilis — niedrig, humillimus * der
niedrigste, sehr niedrig;
gracilis — schlank; gracillimus - der
schlankste, sehr schlank.
Steigerung der Adjektive
Positiv
Wortstock
Superlativ
facilis
facil-
facil fimus
similis
simil-
simii limus
humilis
humil-
humii limus
gracilis
gracil-
gracii limus
158
Folgende Zusatzwörter können zur Verstärkung beim Superlativ stehen:
longe — longe justissimus — weitaus
der gerechteste
quam — quam longissimus - möglichst
lang
vel vel felicissimus - sogar der glück¬
lichste
ne ... quidem — ne asperrimus quidem —
nicht einmal der rauheste.
Es gibt auch Adjektive, deren Steigerung unregelmäßig ist. Man sollte sie sich gut
einprägen, da sie besonders häufig Vorkommen:
bonus — gut: melior — optimus
malus “ schlecht: peior - pessimus
magnus — groß : maior - maximus
parvus — klein: minor - minimus
multum — viel; plus — plurimum
multi — viele; plures (mit dem Genitiv
plurium), plurimi
Unregelmäßige Steigerung
der Adjektive
Positiv Komparativ
Superlativ
bonus melior
optimus
maius peior
pessimus
magnus maior
maximus
parvus minor
minimus
multum plus
plurimum
multi plures
plurimi
(Gcn. -ium)
Manchmal wird die Steigerung auch mit magis — mehr und maxime — am meisten
umschrieben, und zwar hauptsächlich bei den Adjektiven auf -us mit vorhergehen¬
dem Vokal, wie necessarius — notwendig:
magis necessarius - notwendiger
maxime necessarius - der notwendigste,
sehr notwendig.
159
Und nun zu den Adverbien. Die regelmäßig gebildeten Adverbien bilden den
Superlativ, indem sie an den Superlativ des Adjektivs statt des Ausgangs -us
den Ausgang -e anhängen:
Steigerung der Adverbien
Positiv
Superlativ
docte
doctissime
feliciter
felicissime
pulchre
pulcherrime
facile
facillime
Besonders zu beachten ist die Steigerung folgender Adverbien, die sich nach der
unregelmäßigen Steigerung der Adjektive richtet:
bene — gut: melius -- optime
male — schlecht: peius - pessime
valde, magnopere - sehr; magis - maxime
multum - viel; plus - plurimum
paulum — wenig; minus — minime
Steigerung der Adverbien
Positiv
Komparativ
Superlativ
bene
melius
optime
male
peius
pessime
valde.
magnopere
magis
maxime
multum
plus
plurimum
paulum
minus
minime
Die erste Stadtmauer in Rom entstand also 378 vor Christus — man hat das durch
Untersuchungen am Baumaterial festgestellt. Diese Mauer war bis zu 10 Meter
hoch und 3 — 5 Meter dick.
Mehr als 500 Jahre später wurde der zweite Mauerring um Rom gebaut. Anlaß
war die Bedrohung durch die Germanen. Diese Stadtmauer hieß nach dem Kaiser
unter dem sie errichtet wurde: Aurelianische Mauer. Zwei Drittel sind bis heute
erhalten. Sie überstand das Erdbeben im Jahre 442 nach Christus und die zwei¬
malige Erstürmung durch die Goten in den Jahren 535 und 546. Die Aurelianische
Mauer hatte 18 Tore und fast 400 Türme, sowie zahlreiche Verstärkungen durch
Häuser, Gartenmauern, Aquädukte und Grabmäler, die bereits vorher standen
und einfach mit eingebaut wurden - denn als am Ende des 3. Jahrhunderts nach
Christus der Einfall der Germanen drohte, war die Staatskasse leer, und man konn¬
te dadurch an Mauerwerk sparen.
160
Erst 1849 wurde die Stadtmauer schwer beschädigt als Garibaldi bei dem Kampf
um die Errichtung einer italienischen Republik an der Porta San Pancrazio schwe¬
re ArtiUerie einsetzte.
In der Mitte des 9. Jahrhunderts nach Christus wurde auch das Gebiet rechts
des Tiber mit der Peterskirche von Papst Leo IV. von einer Stadtmauer umgeben.
Bis 1870 war das Gebiet, das von der Aurelianischen und der Leonischen Mauer
eingeschlossen war, groß genug für die Stadt Rom.
Erst als Rom die Hauptstadt des geeinigten Königreiches Italien wurde, breitete
sich die Stadt weiter aus.
Wir beschäftigen uns jetzt mit dem Passiv der kurzvokalischen Verben der 3. Kon¬
jugation, nachdem wir letztes Mal das Aktiv besprochen haben. Für das Passiv
gilt im Präsensstamm die gleiche Regel wie für das Aktiv: das -i-des Wortstamms
wird vor -r- und am Wortausgang zu -e. Wir nehmen als Beispiel wieder capere -
fassen:
capere
Präsens Passiv
Indikativ
Konjunktiv
capi or
capi a r
cape ris
capi a ris
capi tur
capi a tur
capi mur
capi a mur
capi mini
capi a mini
capi u ntur
capi a ntur
capere
Imperfekt Passiv
Indikativ
Konjunktiv
capi e ba r
cape re r
capi e ba ris
cape re ris
capi e ba tur
cape re tur
capi e ba mur
cape re mur
capi e ba mini
cape re mini
capi e ba ntur
cape re ntur
capere
Futur Passiv
capi a r
capi e ris
capi e tur
capi e mur
capi e mini
capi e ntur
161
capere
Infinitiv Passiv
capi
capere, capio, cepi, captum — sind die vier Stammformen des Verbums.
Oppida non conlocantur quadrata nec
procurrentibus angulis, sed circuitionibus,
ut hostes ex pluribus locis conspicientur.
Der Hauptsatz heißt: Oppida non conlo¬
cantur quadrata nec procurrentibus
angulis, sed circuitionibus
Darauf folgt ein mit ut angeschlossener
Nebensatz.
Prädikat des Hauptsatzes ist:
conlocantur - sie werden angelegt.
Wer wird angelegt? oppida — die Städte.
Wie werden die Städte angelegt?
non quadrata nec procurrentibus angulis,
sed circuitionibus —
nicht viereckig, auch nicht mit vorsprin¬
genden Ecken, sondern mit Biegungen.
Das Prädikat des Nebensatzes heißt:
conspicientur — sie mögen erblickt wer¬
den; es steht im Konjunktiv, der durch ut -
daß, damit — bedingt ist.
Damit wer oder was erblickt werde?
hostes — die Feinde.
Von wo aus? ex pluribus locis — von
mehr Stellen.
Der ganze Satz heißt:
Die Städte werden nicht viereckig, auch
nicht mit vorspringenden Ecken, sondern
mit Biegungen angelegt, damit die Feinde
von mehr Stellen aus erblickt werden.
162
Zu manchen Komparativen und Superlativen fehlt der Positiv:
interior
exterior
ulterior
inferior
Superior
prior
posterior
deterior
propior
der innere
der äußere
der jenseitige
der untere
der obere, frühere
der vordere
der spätere
der schlechtere
der nähere
intimus
dor innerste
extremus
der äußerste
ultimus
der letzte
infimus, imus
der unterste
supremus
der oberste
primus
der vorderste
postremus
der letzte
deterrimus
der schlechteste
proximus
der nächste
Zusätzlicher Übungssatz:
Turres ad exteriorem partem moenium
proiciuntur, ut impetus hostium facilius
propulsentur.
Hauptsatz ist: Turres ad exteriorem partem
meonium proiciuntur.
Es folgt ein mit ut angeschlossener Nebensatz.
Das Prädikat des Hauptsatzes lautet:
proiciuntur — sie werden hingeworfen, vor¬
gebaut.
Wer wird vorgebaut? turres — die Türme.
Wohin? ad exteriorem partem moenium -
an den äußeren Teil der Mauern.
Das Prädikat des Nebensatzes ist:
propulsentur — sie mögen abgewehrt werden -
der Konjunktiv ist durch ut — daß, damit —
bedingt.
Wer möge abgewehrt werden?
impetus — die Angriffe.
Wessen? hostium — der Feinde.
Wie? facilius - leichter.
Demnach heißt der ganze Satz:
Die Türme werden an den äußeren Teil der
Stadtmauer vorgebaut, damit die Angriffe der
Feinde leichter abgewehrt werden können.
163
Wortschatz:
barbarus, -i
m
Barbar
angulus, -i
m
Ecke, Winkel
principium, -i
n
Anfang, Grundsatz
oppidum, -i
n
befestigter Platz, Stadt
electio, -onis
f
Auswahl
circuitio, -onis
f
das Herumgehen, Biegung
impetus, -us
m
Andrang, Angriff
doctus, -a, -um
gelehrt
necessarius, -a, -um
notwendig, verwandt
quadratus, -a, -um
viereckig
similis, -e
ähnlich
humilis, -e
niedrig, demütig
gracilis, -e
zierlich, schlank
conlocare = collocare
aufstellen, errichten
propulsare
abwehren
procurrere
vorlaufen, vorspringen
conspicere
erblicken
pro icere
vorwerfen, vorstrecken
iterum
ein zweites Mal
vel
oder, sogar
ab, a (mit Abi.)
von
164
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 11
Die Verfassung der römischen Republik wurde von dem griechischen Historiker
Polybios, 200 — 120 vor Christus, als die beste ihrer Art bezeichnet, da in ihr
die Vorzüge der Monarchie, der Aristokratie und der Demokratie vereinigt seien,
ohne daß zugleich deren negative Seiten hervorträten.
Rei publicae Romanae duo
consules praeerant.
Dem römischen Staat standen zwei Konsuln
vor, oder. An der Spitze des römischen
Staates standen zwei Konsuln.
Zunächst zu den Vokabeln:
res, rei Sache, Ding
res publica f — der Staat
praeesse — voranstehen, an der Spitze stehen
res, rei f — die Sache — ist ein Substantiv der 5. Deklination. Die Substantive
der 5. Deklination enden im Nominativ Singular auf -es; wir sehen uns das Bei¬
spiel von dies, diei — der Tag, die Frist — an:
5. Deklination
Singular
Plural
Nom.
di es
di es
Gen.
di ei
di erum
Dat.
di ei
di ebus
Akk.
di em
di es
Abi.
di e
di ebus
Die Substantive der 5. Deklination sind in der Regel Feminina.
dies hat eine Besonderheit aufzuweisen: Es ist Femininum in der Bedeutung von
„der Termin, die Frist" und Maskulinum in der Bedeutung von ,,der Tag".
dies,diei Termin, Frist
dies, diei m — Tag
Maskulinum ist auch:
meridies, -ei m - Mittag, Süden
Rei publicae Romanae duo consules
praeerant - An der Spitze des römischen
Staates standen zwei Konsuln.
165
Sie hatten eine Amtszeit von einem Jahr; wie die übrigen Beamten wurden sie
von den stimmberechtigten Bürgern in den Komitien gewählt. Stimmberechtigt
war jeder freie, männliche Bürger.
Die Konsuln hatten in Kriegszeiten auch den Oberbefehl über das Heer. Grund¬
sätzlich galt für alle römischen Beamten, daß ihre Entscheidungen während ihrer
Amtszeit unanfechtbar waren. Erst nach Ablauf ihrer Amtszeit konnten Sie zur
Rechenschaft gezogen werden.
Weitere Magistrate waren:
Die Prätoren, die das Justizwesen beaufsichtigten, die Ädilen, die bestimmte
Polizeibefugnisse und die Marktaufsicht hatten und schließlich die Quästoren, die
mit der Führung der Staatskasse betraut waren und im Krieg mit der Sorge für die
Proviantmagazine.
Oberstes Verfassungsorgan war der Senat. Hier waren ehemalige Beamte und Re¬
präsentanten der adeligen Familien versammelt. Dieses Gremium bestand aus meh¬
reren hundert Vertretern, die auf Lebenszeit berufen waren und somit die Konti¬
nuität der Staatsführung garantierten.
Alle fünf Jahre wurden zwei Zensoren gewählt; sie hatten die öffentlichen Bauauf¬
träge zu vergeben, die Senatslisten zu überprüfen und über die guten Sitten der
Senatoren zu wachen. Ein weiteres Amt hatte sich im Laufe der Zelt durchgesetzt:
das Volkstribunat. Ihm oblag die Aufgabe, die nicht-adelige Bevölkerung Roms
gegen Behördenwillkür und Adelshochmut zu schützen.
Alle Ämter in Rom waren ehrenamtlich. Kennzeichnend für das römische Beamten¬
wesen war die Annuität, das heißt die Amtszeit von einem Jahr, und die Kollegialität,
denn es übten immer zwei oder mehr Beamte ein Amt mit gleicher Befugnis aus.
Rei publicae Romanae duo consules
praeerant.
praeerant — sie standen vor — ist ein Kompositum, das aus der Präposition prae
und dem Hilfsverbum esse zusammengesetzt ist: praeesse, praesum, praefui.
Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Komposita, die sehr häufig gebraucht wer¬
den. Wir sehen uns einige mit den Stammformen an:
abesse, absum, afui - abwesend
sein, entfernt sein;
adesse, adsum, adfui — oder: affui
anwesend sein, beistehen, helfen;
deesse, desum, defui - fehlen,
mangeln;
inesse, insum, fui — darin sein;
Interesse, intersum, interfui —
dabei sein, teilnehmen;
obesse, obsum, offui - dagegen
sein, schaden;
prodesse, prosum, profui — nützen;
superesse, supersum, superfui —
übrig sein, im Überfluß vorhanden sein,
überleben.
166
Von diesen Komposita bilden zwei ein Partizip Präsens Aktiv:
absens, absentis — abwesend;
praesens, praesentis — anwesend,
gegenwärtig.
Durch das Zusammensetzen von pote — mächtig, imstande — und esse sein —
ist das Verbum posse, possum, potui imstande sein, können - entstanden. Es hat
im Präsensstamm folgende Formen:
posse, possum, potui
Präsens Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
possum
possim
potes
possis
potest
possit
possumus
possimus
potestis
possitis
possunt
possint
posse, possum, potui
Imperfekt
Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
poteram
possem
poteras
posses
poterat
posset
poteramus
possemus
poteratis
possetis
poterant
possent
posse, possum, potui
Futur Aktiv
potero
poteris
poterit
poterimus
poteritis
poterunt
Im Perfektstamm werden die Formen ausgehend von der Stammform potui ganz
regelmäßig gebildet.
167
Magistratus est lex loquens, lex
autem mutus magistratus.
Das Prädikat des ersten Hauptsatzes:
est lex loquens — er, sie, es ist ein
sprechendes Gesetz.
Wer ist ein sprechendes Gesetz?
magistratus — der Beamte, der
Magistrat, also: der Beamte ist ein
sprechendes Gesetz.
Der zweite Hauptsatz hat das Prädikat
mutus magistratus est — est ist aus dem
ersten Hauptsatz zu ergänzen, er, sie, es ist
ein stummer Beamter.
Wer ist ein stummer Beamter?
lex - das Gesetz, autem - aber, dagegen.
Der ganze Satz: Der Beamte ist ein spre¬
chendes Gesetz, das Gesetz aber ist ein
stummer Beamter.
Est res publica res populi, populus autem
non omnis hominum coetus quoquo modo
congregatus, sed coetus multitudinis iuris
consensu et utilitatis communione sociatus.
Der erste Hauptsatz heißt:
Est res publica res populi - mit dem Prädikat:
est res populi - er, sie, es ist Sache des Volkes.
Wer oder was ist Sache des Volkes?
res publica — der Staat.
Zum zweiten Hauptsatz gehört der ganze rest¬
liche Teil des Satzes, der deutlich durch non -
nicht - und sed — aber - gegliedert ist.
populus autem - ein Volk aber;
non omnis hominum coetus quoquo modo
congregatus —
congregatus - Ist ein Partizip Perfekt Passiv -
versammelt, das sich auf coetus - die Vereinigung
bezieht, non omnis hominum coetus congregatus -
nicht jede versammelte Vereinigung von Menschen.
In welcher Weise versammelt?
quoquo modo — auf welche Weise nur immer,
sed coetus multitudinis - sondern die Vereinigung
einer Menge.
sociatus ist ein Partizip Perfekt Passiv -
verbunden —, das sich auf coetus — die
Vereinigung — bezieht.
168
Wodurch verbunden? iuris consensu et
utilitatis communione - durch die Über¬
einstimmung des Rechts und durch die
Gemeinschaft des Nutzens. Die Übersetzung
heißt im Zusammenhang:
Es ist der Staat die Sache des Volkes, ein
Volk aber ist nicht jede auf welche Weise nur
immer versammelte Vereinigung von Menschen,
sondern eine durch die Übereinstimmung des
Rechts und die Gemeinschaft des Nutzens ver¬
bundene Vereinigung.
Res publica sine iustitia nullo pacto potest esse.
Das Prädikat lautet: potest esse — er, sie, es kann
sein, bestehen.
Wer kann bestehen? res publica — ein Staat,
nullo pacto ist eine besonders betonte Verneinung:
unter keinen Umständen,
sine iustitia — ohne Gerechtigkeit.
Ein Staat kann ohne Gerechtigkeit unter keinen
Umständen bestehen.
Zusätzlicher Übungssatz:
In omni re publica concordia est artissimum et
optimum vinculum Incolumitatis.
Das Prädikat heißt: est vinculum — er, sie, es
ist ein Band.
Wer? concordia — die Eintracht
Was für ein Band ist die Eintracht?
artissimum et optimum — das engste und beste.
Wovon? incolumitatis - der Sicherheit.
Wo? in omni re publica — in jedem Staat.
In jedem Staat ist die Eintracht das engste und
beste Band der Sicherheit.
169
Wortschatz:
concordia, -ae
f
Eintracht
justitia, -ae
f
Gerechtigkeit
populus, -i
m
Volk
modus, -i
m
Art und Weise, Maß
vinculum, -i
n
Band, Fessel
incolumitas, -atis
f
Unversehrtheit
multitudo, -inis
f
Vielzahl, Menge
utilitas, -atis
f
Nutzen
communio, -onis
f
Gemeinschaft
magistratus, -us
m
Beamter, Magistrat, Amt
coetus, -us
m
Zusammentreffen, Vereinigung, Gesellschaft
consensus, -us
m
Übereinstimmung
res. rei
f
Sache. Ding
res publica
f
Staat
dies, diei
m
Tag
dies, diei
f
Termin, Frist
meridies, meridiei
m
Mittag, Süden
mutus, -a, -um
stumm
artus, -a, -um
eng, straff
congregare
vereinigen, versammeln
praeesse (mit Dat.)
vorstehen, leiten
posse
können
nullo pacto
unter keinen Umständen
neque.... neque
weder.... noch
sine (mit Abi.)
ohne
170
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 12
Körperliche Ertüchtigung als Selbstzweck, wie sie von den Griechen betrieben
wurde, war den Römern fremd. In der sportlichen Betätigung sah man lediglich
eine Vorbereitung auf den Kriegsdienst.
In campo Martio pueri equis
exercebantur.
Turma eorundem puerorum etiam
Troiam lusit.
Auf dem Marsfeld trainierten Knaben
mit Pferden.
Eine Schwadron von eben diesen
Knaben führte auch das Trojaspiel
auf.
Das Trojaspiel ist ein altes Reiterspiel, dessen Herkunft nicht geklärt ist.
Doch nun zu den Vokabeln der beiden Sätze:
campus Martius -* Marsfeld
exerceri — sich üben, trainieren
turma, -ae f- Schwadron, Schar
ludere, ludo, lusi, lusum - spielen
eorundem puerorum — von eben diesen Knaben — eorundem ist eine Form von
idem. Das Pronomen idem, eadem, idem - derselbe, der nämliche — gebraucht
der Lateiner zur Bezeichnung der Identität.
Dieses Pronomen Ist aus dem uns schon bekannten is, ea, id — er, sie, es - und
einem angehängten -dem zusammengesetzt.
Wir sehen uns die Formen an:
idem, eadem, idem
Singular
Mask.
Fern.
Neutr.
Nom.
idem
eadem
idem
Gen.
eiusdem
eiusdem
eiusdem
Dat.
eidem
eidem
eidem
Akk.
eundem
eandem
idem
Abi.
eodem
eadem
eodem
171
idem.
eadem, idem
Plural
Mask.
Fern.
Neutr.
Nom.
iidem
eaedem
eadem
Gen.
eorundem
earundem
eorundem
Dat.
iisdem
iisdem
iisdem
(eisdem)
(eisdem)
(eisdem)
(isdem)
(Isdem)
(isdem)
Akk.
eosdem
easdem
eadem
Abi.
iisdem
iisdem
Iisdem
(eisdem)
(eisdem)
(eisdem)
(isdem)
(isdem)
(isdem)
Zu beachten ist, daß alle diejenigen Formen von is, ea, id, die auf -m enden, vor
dem angehängten -dem dieses -m zu -n umwandeln, zum Beispiel: eorundem -
earundem — eorundem.
Dieses Pronomen wird dann gebraucht, wenn von einer Person oder einer Sache
zweierlei ausgesagt wird:
Cicero fuit orator idemque
philosophus.
Cicero war Redner und zugleich
Philosoph.
Wenn dagegen von verschiedenen Gegenständen oder Personen das gleiche ausge¬
sagt werden soll, verwendet der Lateiner das Adverb item — ebenso, gleichfalls—:
Crassus eloquens fuit itemque
Antonius.
Crassus war beredt und ebenso
Antonius.
Das Pronomen ipse, ipsa, ipsum — selbst — hebt eine Person oder Sache besonders
hervor. Hier die Formen:
ipse, ipsa, ipsum
Singular
Mask.
Fern.
Neutr.
Nom.
ipse
ipsa
ipsum
Gen.
ipsius
ipsius
ipsius
Dat.
ipsi
ipsi
ipsi
Akk.
ipsum
ipsam
ipsum
Abi.
ipso
ipsa
ipso
172
ipse, ipsa, ipsum
Plural
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Abi.
Mask.
Fern.
Neutr.
ipsi
ipsae
ipsa
ipsorum
ipsarum
ipsorum
ipsis
ipsis
ipsis
ipsos
ipsas
ipsa
ipsis
ipsis
ipsis
Wir hatten schon gesagt, daß ipse eine Person oder Sache besonders hervorhebt
oder abgrenzt.
Hier einige Beispiele:
ipse te exspectabo - ich persönlich,
ich selbst werde dich erwarten;
ipse feci — ich selbst habe es getan;
ipse Caesar - kein Geringerer als Caesar;
ipso adventu - allein durch die Ankunft;
nunc ipsum - gerade jetzt;
res ipsa - der Kern der Sache;
ludus ipse - das Spiel an sich, das reine
Spiel.
ludus, ludi m — das Spiel, das Training — stand im Lateinischen für alle die¬
jenigen Betätigungen, die wir heute mit Sport bezeichnen.
Cato gibt eine Aufstellung über die Sportarten, die er sich für seinen Sohn
wünscht: Fechten, Speerwerfen, Schwertspiel, Reiterkunststücke, Handhaben von
Waffen aller Art, Faustkampf, Durchschwimmen eines kalten, reißenden Flusses.
Der Begriff des Wettkampfes, der bei den Griechen im Vordergrund stand, war
den Römern eigentlich fremd. Nur auf die vornehme Jugend wirkte sich im Laufe
der Zeit der griechische Einfluß aus: man sah körperliches Training nicht mehr nur
als militärische Vorübung an. Sportliche Vorführungen fanden in Rom im Amphi¬
theater oder im Zirkus statt. Junge Leute aus angesehenen Familien traten zu
Fechtkämpfen an oder sie nahmen im Zirkus an sogenannten venationes — Jag¬
den teil, die eigentlich mehr Kämpfe gegen Löwen oder Bären waren. Der bekann¬
teste „Sportler"' dieser Art und auch der prominenteste war Kaiser Commodus
(180 — 192), der Sohn des Philosophenkaisers Marc Aurel.
Wir wollen uns nun mit einer Gruppe von Verben beschäftigen, die Im Lateini¬
schen passive Formen haben, aber aktive Bedeutungen. Diese Verben heißen
Deponentien oder verba deponentia.
Ein solches Deponens befindet sich in unserem Satz:
In campo Martio pueri equis
exercebantur.
exercebantur — sie trainierten, von
exerceri — trainieren
173
Deponentien gibt es in allen Konjugationen:
hortari, hortor, hortatus sum —
ermahnen
vereri, vereor, veritus sum —
Ehrfurcht haben, fürchten
largiri, largior, largitus sum —
schenken
loqui, loquor, locutus sum -
reden, sprechen
pati, patior, passus sum -
erdulden, erleiden
Am Beispiel von hortari — ermahnen — wollen wir uns den Präsensstamm der
Deponentien ansehen:
hortor — ich ermahne
hortaris — du ermahnst
hortatur — er, sie, es ermahnt
hortamur — wir ermahnen
hortamini — ihr ermahnt
hortantur — sie ermahnen
horter — ich möge ermahnen
horteris — du mögest ermahnen
hortetur — er, sie, es möge ermahnen
hortemur — wir mögen ermahnen
hortemini — ihr möget ermahnen
hortentur — sie mögen ermahnen
hortari, hortor.
hortatus sum
Präsens
Indikativ
Konjunktiv
hortor
horter
hortaris
horteris
hortatur
hortetur
hortamur
hortemur
hortamini
hortemini
hortantur
hortentur
hortabar — ich ermahnte
hortabaris — du ermahntest
hortabatur — er, sie, es ermahnte
hortabamur — wir ermahnten
hortabamini — ihr ermahntet
hortabantur — sie ermahnten
174
hortarer — ich würde ermahnen
hortareris — du würdest ermahnen
hortaretur — er, sie, es würde ermahnen
hortaremur — wir würden ermahnen
hortaremini — ihr würdet ermahnen
hortarentur — sie würden ermahnen
hortari, hortor.
hortatus sum
Imperfekt
Indikativ
Konjunktiv
hortabar
hortarer
hortabaris
hortareris
hortabatur
hortaretur
hortabamur
hortaremur
hortabamini
hortaremini
hortabantur
hortarentur
hortabor — ich werde ermahnen
hortaberis — du wirst ermahnen
hortabitur - er, sie, es wird ermahnen
hortabimur - wir werden ermahnen
hortabimini — ihr werdet ermahnen
hortabuntur — sie werden ermahnen
hortari, hortor, hortatus sum
Futur
hortabor
hortaberis
hortabitur
hortabimur
hortabimini
hortabuntur
Von den Deponentien lassen sich auch Imperative bilden:
hortare — ermahne!
hortamini — ermahnt!
hortator — du sollst ermahnen,
er, sie, es soll ermahnen
hortantor — sie sollen ermahnen
175
hortari, hortor, hortatus sum
Imperativ
hortare
hortamini
hortator
hortantor
Neben diesen passiven Formen bilden die Deponentien auch einige aktive Formen:
Das Partizip Präsens:
hortans — ein mahnender, einer
der mahnt,
das Partizip Futur:
hortaturus — einer, der mahnen wird,
den Infinitiv Futur:
hortaturum esse — mahnen werden.
Auch das Partizip Perfekt hat eine aktive Bedeutung:
hortatus — einer, der ermahnt hat.
hortari, hortor, hortatus sum
Partizip Präsens
hortans
Partizip Futur
hortaturus
Infinitiv Futur
hortaturum esse
Partizip Perfekt
hortatus
Nun gibt es noch einige Verben, die nur einen Teil dieser Formen passivisch bil¬
den. Sie heißen: Semideponentien — Halbdeponentien.
Dazu gehören:
solere, soleo, solitus sum —
gewohnt sein, pflegen
audere, audeo, ausus sum - wagen
gaudere, gaudeo, gavisus sum — sich
freuen
1)
Semideponentien der konsonantischen Konjugation:
fidere, fido, fisus sum — trauen, vertrauen
confidere, confido, confisus sum — trauen, vertrauen
diffidere, diffido, diffisus sum — mißtrauen
reverti, revertor, reverti (Part, reversus) — zurückkehren
176
Wortschatz:
turma, ae
campus Martius
equus, -i
ludus, <i
adventus, -us
f Abteilung, Schwadron
m Marsfeld
m Pferd
m Spiel
m Ankunft
eloquens
beredt
exspectare
exerceri
ludere
hortari
vereri
largiri
loqui
pati
solere, soleo, solitus sum
audere, audeo, ausus sum
erwarten
sich üben, trainieren
spielen
ermahnen
Ehrfurcht haben, fürchten
schenken
sprechen
leiden, dulden
gewohnt sein, pflegen
wagen
gaudere, gaudeo, gavisus sum sich freuen
item
ebenso
177
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS II, 13
In dieser Lektion wollen wir wieder einen zusammenhängenden Text übersetzen.
Es geht darin um Alexander den Großen und sein Verhältnis zur Malerei. Apelles
war der berühmteste Maler am Ende des 4. Jahrhunderts vor Christus. Von seinen
Tafelbildern ist ebenso wie von denen anderer griechischer Maler keines erhalten
geblieben. Im Nationalmuseum Neapel gibt es lediglich die Kopie eines solchen
hellenistischen Gemäldes und zwar das Alexandermosaik.
Hier nun die Anekdote von Alexander dem Großen und Apelles:
Apelles, pictor suae aetatis
clarissimus, Alexandrum pinxerat
equitantem. Hanc imaginem cum rex
minus laudaret, quam meruerat artifex,
equus Alexandri interea adductus picto
equo sic adhinnivit, quasi verus esset
equus.
Tum Apelles: „O rex", inquit, „equus
tuus picturae peritior quam tu videtur
esse."
Diesen Text werden wir Satz für Satz durchgehen.
Apelles, pictor suae aetatis
clarissimus, Alexandrum pinxerat
equitantem.
Das Prädikat ist: pinxerat — er, sie, es
hatte gemalt, von pingere, pingo, pinxi,
pictum — malen.
Wer hatte gemalt? Apelles.
Wer war dieser Apelles? pictor suae aetatis
clarissimus — der berühmteste Maler seiner
Zeit;
pictor, pictoris m — der Maler und
aetas, aetatis ^ — die Zeit, das Zeitalter;
clarissimus — der berühmteste — ist der
Superlativ von clarus, clara, darum -
berühmt.
Diese Ergänzung zu Apelles steht im gleichen
Fall wie das Beziehungswort, hier im Nomi¬
nativ, man nennt sie Apposition.
Wen oder was hat Apelles gemalt?
Alexandrum — Alexander.
In welchem Zustand hat er Alexander
gemalt? equitantem - reitend, als einen
reitenden, als Reiter — von equitare — reiten.
178
Folglich heißt der ganze Satz:
Apelles, der berühmteste Maler seiner
Zeit, hatte Alexander als Reiter gemalt.
Hane imaginem cum rex minus laudaret,
quam meruerat artifex, equus Alexandri
interea adductus picto equo sic adhinnivit,
quasi verus esset equus.
Der Hauptsatz in diesem zweiten Abschnitt
lautet: equus Alexandri interea adductus
picto equo sic adhinnivit;
Prädikat ist: adhinnivit — er, sie, es, hat zu-
gewiehert — von adhinnire - zuwiehern.
Wer oder was hat zugewiehert?
equus - das Pferd.
Was für ein Pferd war das?
Alexandri interea adductus —
das inzwischen herangeführte Pferd Alexanders;
adductus ist das Partizip Perfekt Passiv von
adducere, adduco, adduxi, adductum - heran¬
führen — ein verbum compositum von
ducere, duco, duxi, ductum - führen.
Wem hat es zugewiehert? picto equo —
dem gemalten Pferd.
Wie? sic — so.
Dieses sic wird durch den folgenden Nebensatz:
quasi verus esset equus fortgeführt,
quasi - als ob;
Prädikat: verus esset — er wäre wahr, echt.
Wer? equus — das Pferd,
also: als ob das Pferd echt wäre.
Wann geschah das alles?
hanc imaginem cum rex minus laudaret -
Prädikat: laudaret - er, sie, es würde loben,
den Konjunktiv bedingt hier cum — als — wir
brauchen ihn daher bei der Übersetzung nicht
zu berücksichtigen.
Wer lobte? rex — der König.
Wen oder was lobte der König?
hanc imaginem - dieses Bild.
Wie lobte er es? minus - weniger,
also: der König lobte dieses Bild weniger.
Der Vergleich wird in dem folgenden Neben¬
satz weitergeführt:
quam meruerat artifex —
quam - als;
179
das Prädikat heißt: meruerat — er, sie,
es hatte verdient — von
merere, mereo, merui, meritum —
verdienen.
Wer hatte verd ient?artifex — der
Künstler — von artifex, artificis — m —
der Künstler
Der Vergleich heißt demnach:
als es der Künstler verdient hatte.
Nun der ganze Satz in der Übersetzung:
Als dieses Bild der König weniger lobte,
als es der Künstler verdient hatte, wieherte
das inzwischen herangeführte Pferd
Alexanders dem gemalten Pferd so zu,
als ob das Pferd echt wäre.
Tum Apelles: „O rex", inquit, „equus
tuus picturae peritior quam tu videtur
Dieser Abschnitt besteht aus zwei Haupt¬
sätzen, der erste heißt:
Tum Apelles inquit —
inquit — er, sie, es hat gesagt.
Wer hat gesagt? Apelles
Wann? tum — darauf.
Darauf sagte Apelles....
Und nun der zweite Hauptsatz:
„O rex, equus tuus picturae peritior quam
tu videtur esse."
Das Prädikat heißt: videtur peritior esse -
er, sie, es scheint kundiger zu sein — mit
dem Deponens videri, videor, visus sum —
scheinen — und dem Komparativ peritior von
peritus, perita, peritum — kundig, erfahren.
Wer oder was scheint kundiger zu sein?
equus tuus — dein Pferd.
Wessen scheint dein Pferd kundiger zu sein?
picturae — der Malerei — von pictura, -ae — f —
die Malerei.
Kundiger als wer? quam tu — als du.
O rex — König! — ist eine Anrede.
Nun der ganze Satz:
Darauf sagte Apelles: „König, dein Pferd scheint
der Malerei kundiger zu sein als du, oder: dein
Pferd scheint von der Malerei mehr zu verstehen
als du."
180
Nun den Text noch einmal im
Zusammenhang:
Apelles, der berühmteste Maler seiner
Zeit, hatte Alexander als Reiter gemalt.
Als dieses Bild der König weniger lobte,
als es der Künstler verdient hatte, wieherte
das inzwischen herangeführte Pferd Alexanders
dem gemalten Pferd so zu, als ob es echt wäre.
Darauf sagte Apelles: „König, dein Pferd
scheint mehr von der Malerei zu verstehen als
du.''
Eine andere Anekdote zeigt noch deutlicher, welche Offenheit Alexander bei
Untergebenen duldete:
Alexander olim cum piratam
comprehensum interrogaret, quo iure
maria infestaret, ille: „Eodem", inquit,
„quo tu orbem terrarum. Sed quia id ego
parvo navigio facio, latro vocor; tu quia
classe et exercitu, imperator."
Alexander olim cum piratam comprehensum
interrogaret, quo iure maria infestaret, ille...
inquit:
Dieser erste Abschnitt besteht aus dem
Hauptsatz: ille inquit —inquit - er, sie, es hat
gesagt,
Wer? ille — jener.
Vor dem Hauptsatz befindet sich ein mit cum
und Konjunktiv — als — eingeleiteter Nebensatz.
Alexander olim cum piratam
comprehensum interrogaret >
Prädikat ist: interrogaret — er, sie, es fragte.
Wer fragte? Alexander.
Wen fragte Alexander?
piratam comprehensum — einen gefangenen
Seeräuber.
Wann? olim - einst
Wonach fragte er? Und hier schließt sich der
zweite Nebensatz an:
quo iure maria infestaret —
infestaret — er, sie, es würde unsicher machen.
Wer? er — der gefangene Seeräuber.
Wen oder was würde er unsicher machen?
maria — die Meere.
In welcher Welse? quo iure — mit oder: nach
welchem Recht.
181
Als Alexander einst einen gefangenen
Seeräuber fragte, mit welchem Recht er
die Meere unsicher mache, antwortete
jener:
„Eodem quo tu orbem terrarum."
Die Prädikate für diesen Haupt- und
Nebensatz muß man aus dem vorherge¬
henden Vorwurf: quo iure maria infestaret —
mit welchem Recht er die Meere unsicher
mache — ergänzen:
Eodem — mit demselben Recht mache ich
die Meere unsicher —
quo tu orbem terrarum — mit weichem du
den Erdkreis unsicher machst.
Sed quia id ego parvo navigio facio latro
vocor;
Der Hauptsatz ist: latro vocor — ich werde
Räuber genannt.
Warum werde ich Räuber genannt?
Sed quia id ego parvo navigio facio.
Das Prädikat dieses Nebensatzes ist facio —
ich mache, ich tue.
Wer? ego — ich
Was tue ich? id — es
Womit? parvo navigio ~ mit einem kleinen
Schiff; sed — aber, quia — weil.
Aber weil ich das mit einem kleinen Schiff tue,
werde ich Räuber genannt;
tu, quia classe et exercitu, imperator.
Auch hier sind die Prädikate für Haupt- und
Nebensatz aus der vorhergehenden Periode zu
übernehmen:
Hauptsatz: tu imperator — du wirst Feldherr
genannt,
Nebensatz: quia classe et exercitu —
weil du es mit einer Flotte und einem Heer tust.
Also: du, well du es mit einer Flotte und einem
Heer tust, wirst Feldherr genannt.
Der Text im Zusammenhang:
Als Alexander einst einen gefangenen Seeräuber
fragte, mit welchem Recht er die Meere verun¬
sichere, sagte jener: „Mit dem gleichen Recht, mit
dem du den Erdkreis verunsicherst. Aber weil ich
das mit einem kleinen Schiff tue, heiße ich Räuber;
du, weil du es mit einer Flotte und einem Heer tust,
heißt Feldherr."
182
Wortschatz:
pictura, -ae
f
Malerei
pirata,-ae
m
Seeräuber
navigium, -i
n
Schiff
pictor, -oris
m
Maler
imperator, -oris
m
Feldherr, Kaiser
artifex, -icis
m
Künstler
orbis terrarum
m
Erdkreis
latro, -onis
m
Räuber
imago, -inis
f
Bild, Abbild
classis, -is
f
Flotte
exercitus, -us
m
Heer
peritus, -a, -um
erfahren, kundig
parvus, -a, -um
klein
equitare
reiten
interrogare
befragen
infestare
unsicher machen, beunruhigen
merere
verdienen
adhinnire
zuwiehern
pingere
malen
adducere
herbeiführen
comprehendere
fassen, ergreifen, verhaften
interea
inzwischen, unterdessen
quasi
gleichsam, als ob, wie wenn
183
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 1
Zunächst wollen wir uns mit dem römischen Haus befassen. Das Haus der vor¬
nehmen Familien zeichnet sich vor allem durch seine schmucklose Fassade und
seine symmetrische Innenaufteilung aus.
Singulorum generum in aedificiis
symmetrias breviter explicabo.
Ich werde die Symmetrieverhält¬
nisse der einzelnen Gebäudearten
kurz darlegen.
Hier die unbekannten Vokabeln:
aedificium, -i /7 — Gebäude
symmetria, -ae f — Symmetrie(verhältnis)
explicare — erklären, darlegen
Hier sind die Symmetrieverhältnisse der einzelnen Gebäudearten kurz dargelegt:
Das Atrium mit dem offenen Dach, dem Compluvium, und dem darunterliegen-
den Wasserbecken, dem Impluvium, war das Herzstück des römischen Hauses:
Latitudines ostiorum ad altitudinem
perficiantur, longitudo compluvii ut
atrii pro rata parte fiat.
Die Breite der Türöffnungen soll ent¬
sprechend zur Höhe hergestellt, die
Länge des Compluviums in proportio¬
nalem Verhältnis zur Länge des Atriums
gemacht werden.
Hier die Vokabeln:
latitudo, -inis f — Breite
ostium, An — Türöffnung
altitudo, -inis f — Höhe, Tiefe
pro rata parte — in einem bestimmten
Verhältnis
Bevor wir uns weiteren Details des römischen Hauses zuwenden, wollen wir uns
die Distributivzahlen, die Einteilungszahlen,ansehen. In unserem ersten Satz kam
der Begriff singulorum vor, von singuli, singulae, singula — je ein, die einzelnen.
Distributivzahlen stehen auf die Frage: „Wie viele jedes Mal?'' Sie werden wie
Adjektive der a- und der o-Deklination dekliniert.
185
Wir sehen uns die maskulinen Formen an:
singuli — je ein
bini — je zwei
terni oder: trini — je drei
quaterni — je vier
quini — je fünf
seni — je sechs
septeni — je sieben
octoni — je acht
noveni — je neun
deni — je zehn^^
Die Distributivzahlen stehen bei Multiplikationen, zum Beispiel:
bis sena sunt duodecim — zweimal
sechs ist zwölf
und bei Pluralia tantum, bei Pluralwörtern, zum Beispiel:
bina castra — zwei Lager.
Singulorum generum in aedificiis
symmetrias breviter explicabo.
Ich werde die Symmetrieverhältnisse
der einzelnen Gebäudearten kurz
darlegen.
Die symmetrische Innenaufteilung ist am Grundriß eines römischen Hauses
sehr deutlich zu erkennen. Auffallend ist zunächst die Gliederung in zwei große
Blöcke, einmal das Atrium mit den umliegenden Räumen und zum anderen
das Peristylium, ein von Säulengängen umschlossener Garten mit weiteren
Wohnräumen. Das Atrium ist ein großer, weiter Raum mit einem offenen
Dach; das durch das Compluvium eindringende Regenwasser wird in einem fla¬
chen, quadratischen Becken gesammelt, dem Impluvium. Mit einem Gang —
fauces — ist das Atrium direkt mit dem Eingang verbunden. Durch die etwas zu¬
rückgesetzte Haustüre entsteht das Vestibulum, ein kleiner Vorraum, in dem die
Klienten morgens zu warten pflegten.
Auf beiden Seiten des Atriums liegen die alae, die Wohn- und Schlafzimmer für
die Familie. Schließlich gibt es in diesem Teil des Hauses noch das Tablinum, das
mit dem Herrenzimmer einer bürgerlichen Wohnung im 19. Jahrhundert ver¬
gleichbar ist.
Den rückwärtigen Teil des Hauses um das Peristylium kann man durch einen
schmalen Gang — andron — erreichen. Hier befindet sich neben anderen Räumen
auch die Exedra — der Empfangsraum. Dieses in der Regel einstöckige Haus wur¬
de von einer Familie und der Dienerschaft über mehrere Generationen hinweg
bewohnt.
186
Die in unserem Eingangssatz von Vitruv genannten Proportionen beziehen sich
auf dieses einstöckige Haus:
Latitudines ostiorum ad altitudinem
perficiantur, longitudo compluvii ut
atrii pro rata parte fiat
Die Breite der Türöffnung soll entspre¬
chend zur Höhe hergestellt die Länge des
Compluviums in proportionalem Verhält¬
nis zur Länge des Atriums gemacht werden.
perficiantur — sie sollen hergestellt werden — ist eine Form von perficere,
einem Kompositum zu facere, facio, feci, factum — machen, tun.
Dieses sehr häufige Verbum bildet zahlreiche Komposita, von denen wir einige
nennen wollen:
satisfacere — satisfacio - satisfeci -
satisfactum — Genüge leisten
conficere — conficio — confeci —
confectum — vollenden, aufreiben
efficere — efficio — effeci — effectum —
bewirken, vollenden^^
facere und alle Komposita gehören zur Gruppe der Verben, deren Präsensstamm
auf kurzvokalisches -i gebildet wird, wir hatten uns als Beispiel capere ange¬
sehen.*
Die Komposita mit der Form -ficere werden wie capere behandelt; facere dage¬
gen und alle Komposita mit -facere zeigen folgende Besonderheiten:
1. Im Imperativ Präsens Aktiv verliert die 2. Person Singular das -e:
fac — mache, tu!
facere, facio, feci, factum
Imperativ Präsens Aktiv
2. Person Sg.
fac
2. Im Passiv werden im Präsensstamm die Formen von fieri, fio, factus sum
werden, geschehen, gemacht werden — verwendet:
^ GRUNDKURS 11,9
187
fieri, fio, factus sum
Präsens Passiv
Indikativ
Konjunktiv
fio
fiam
fis
fias
fit
fiat
fimus
fiamus
fitis
fiatis
fiunt
fiant
fieri, fio, factus sum
Imperfekt Passiv
Indikativ
Konjunktiv
fiebam
fierem
fiebas
fieres
fiebat
fieret
fiebamus
fieremus
fiebatis
fieretis
fiebant
fierent
fieri, fio, factus sum
Futur Passiv
fiam
fies
fiet
fiemus
fietis
fient
fieri, fio factus sum
Imperativ Präsens Passiv
fi
fite
Wir fassen noch einmal zusammen: facere, facio, feci, factum wird wie capere
konjugiert. Ausnahmen sind: der Imperativ Präsens Aktiv 2. Person Singular:
fac, und der Präsensstamm des Passivs, der mit den Formen von fieri, fio, factus
sum gebildet wird.
188
Veris symmetriis perficitur venustas.
Prädikat ist: perficitur — er, sie, es wird
vollendet, von perficere, perficio, perfeci,
perfectum.
Wer oder was wird vollendet?
venustas — die Lieblichkeit, die schöne
Wirkung.
Wodurch? veris symmetriis — durch
wirkliche Symmetrien, durch die Beach¬
tung wirklicher Symmetrien.
Durch die Beachtung wirklicher Sym¬
metrien wird die schöne Wirkung vollendet.
Ovilia et caprilia ita magna fiant, ut singula
pecora areae ne minus quaternos et
semipedem, ne plus senos possint habere.
Hauptsatz ist: Ovilia et caprilia ita magna
fiant mit dem Prädikat: fiant — sie sollen
gemacht, sie sollen angelegt werden.
Wer oder was? ovilia et caprilia — die Schaf-
und Ziegenställe. Wie sollen die Schaf- und
Ziegenställe angelegt werden? ita magna —
so groß.
Es folgt ein Nebensatz mit ut und dem Prä¬
dikat: possint habere — daß sie haben können.
Wer oder was? singula pecora — die einzelnen
Tiere.
Wen oder was? ne minus quaternos et semipedem
nicht weniger als vier und einen halben Fuß .. .
ne plus senos — zu ergänzen ist
pedes — nicht mehr als sechs Fuß.
Wovon? areae — von der Fläche.
Schaf- und Ziegenställe sollen so groß angelegt
werden, daß die einzelnen Tiere nicht weniger
als viereinhalb und nicht mehr als sechs Fuß
Fläche haben können.
Das ist übrigens eine Fläche von 1.35 m auf 1.80 m.
189
1) undeni je 11
duodeni je 12
terni deni je 13
quaterni deni je 14
quinideni je 15
seni deni je 16
septeni deni je 17
duodeviceni je 18
undeviceni je 19
viceni je 20
singuli et vicenii
viceni singuli ’
bini et viceni
viceni bini
duodetriceni
undetriceni
triceni
quadrageni
} je 22
je 28
je 29
je 30
je 40
quinquageni
sexageni
septuageni
octogeni
nonageni
centeni
duceni
treceni
quadringeni
quingeni
sesceni
septingeni
octingeni
nongeni
singula milia
bina milia
centena milia
je 50
je 60
je 70
je 80
je 90
je 100
je 200
je 300
je 400
je 500
je 600
je 700
je 800
je 900
je 1 000
je 2 000
je 100 000
patefacere
patefacio
patefeci
patefactum
öffnen, auf¬
decken
afficere
afficio
affeci
affectum
versehen mit,
behandeln
deficere
deficio
defeci
defectum
abfallen, aus¬
gehen, fehlen
interficere
interficio
interfeci
interfectum
töten
perficere
perficio
perfeci
perfectum
vollenden,
durchsetzen
praeficere
praeficio
praefeci
praefectum
an die Spitze
stellen
190
Wortschatz
symmetria, -ae
f
Symmetrie
aedificium, -i
n
Gebäude
ostium, -i
n
Türöffnung
altitudo, -inis
f
Höhe, Tiefe
latitudo, -inis
f
Breite
venustas, -atis
f
Lieblichkeit
caprile, -is
n
Ziegenstall
ovile, -is
n
Schafstal 1
verus, -a, -um
wahr, wirklich
explicare
erklären
facere
machen, tun
conficere
vollenden
efficere
bewirken
perficere
herstellen, vollenden
satisfacere
Genüge leisten
pro rata parte
in einem bestimmten Verhältnis
191
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 111,2
Bei unserer Betrachtung des römischen Hauses haben wir den gesellschaftlichen
Mittelpunkt bisher noch nicht erwähnt, nämlich das Triclinium, den Speisesaal.
Mit diesem Raum und den Tischsitten der Römer wollen wir uns heute beschäfti¬
gen:
Tricliniorum quanta latitudo fuerit,
bis tanta longitudo fieri debebit.
Wie groß die Breite der Triclinien
gewesen sein wird, zweimal so groß
wird ihre Länge gemacht werden
müssen.
Das heißt nicht anderes als: Die
Triclinien wird man zweimal so
lang wie breit machen müssen.
triclinium. An — Speisesaal
quantus, -a, -um — wie groß
tantus, -a, -um — so groß
debere — schulden, müssen
Die Triclinien wird man zweimal so lang wie breit machen müssen, bis — zweimal
gehört zu den Zahladverbien, die auf die Frage: „Wie oft?" oder: „Wieviel¬
mal?" stehen. Dazu gehören:
semel — einmal
bis — zweimal
ter — dreimal
quater — viermal
quinquies — fünfmal
sexies — sechsmal
septies — siebenmal
octies — achtmal
novies — neunmal
decies — zehnmal
Neben diesen Zahladverbien, die den Grundzahlen entsprechen, gibt es auch
Zahladverbien, die den Ordnungszahlen entsprechen. Sie stehen auf die Frage:
„Zum wievielten Mal?" und werden wie Neutra auf -um gebildet:
primum — zum ersten Mal
iterum — zum zweiten Mal
tertium — zum dritten Mal
quartum — zum vierten Mal
192
Dazu gehört auch:
postremum - zum letzten Mal,
nicht zu verwechseln mit
postremo — zuletzt, am Ende;
entsprechend:
primum — zum ersten Mal,
primo - zuerst.
Nun noch zu den Multiplikative — das sind einendige Zahladjektive auf -plex,
-plicis:
Simplex, -plicis — einfach
duplex, -plicis — zweifach
triplex, -plicis - dreifach
decemplex, -plicis — zehnfach
centuplex, -plicis — hundertfach
multiplex, -plicis — vielfach
Simplex acies media, comibus duplex.
Einfach ist die Schlachtreihe in der Mit¬
te, an den Flügeln doppelt.
Die Römer hatten nach 300 vor Christus von den Griechen die Sitte übernom¬
men, im Liegen zu essen. Erst zu dieser Zeit wurden auch eigene Speiseräume
erbaut, eben die eingangs erwähnten triclinia.
Dort standen um einen Tisch drei Liegen, auf denen jeweils drei Personen Platz
fanden.
Gabeln gab es noch keine; man aß mit den Fingerspitzen. Die Speisen waren von
Sklaven sorgfältig zerkleinert, so erübrigte sich meistens auch der Gebrauch eines
Messers. Löffel dagegen wurden viel benutzt und zwar in allen Größen und For¬
men.
Teller und Schüsseln waren aus schwerem Silber; die Weinpokale aus Gold, Kri¬
stall oder edlen Steinen waren reich verziert. Die von uns heute als „typisch rö¬
misch" empfundenen Tischsitten beziehen sich wieder einmal nur auf die Ober¬
schicht, die adeligen und die reichen Leute, die sich solches Geschirr, ein Haus
und Sklaven leisten konnten. Über die Gewohnheiten der Mehrzahl der Römer
gibt es auch hier kaum Quellen.
Vor Beginn des Gastmahls wurde Wasser zum Händewaschen gereicht, auch Ser¬
vietten wurden benutzt. Manche brachten sie auch von zu Hause mit, um die Re¬
ste des Essens einzupacken! Tischtücher dagegen waren erst vom 1. Jahrhundert
nach Christus an in Gebrauch.
193
Die Bedienung der Gäste besorgten die Sklaven — das Kochen auch. Es gab recht
üppige Mahlzeiten, die sich über Stunden hinzogen, so von 3 Uhr nachmittags
bis tief in die Nacht. Sie bestanden aus drei Hauptgängen:
gustus oder gustatio — einer Vorspeise, die häufig aus Eiern zubereitet war,
cena —dem Hauptgericht, und secundae mensae — dem Nachtisch, der meist aus
Dörrobst bestand. Daher die Redensart: ab ovo ad mala — vom Ei bis zu den
Äpfeln, das heißt vom Anfang bis zum Ende des Mahls.
cena — das Hauptgericht — bestand aus verschiedenen Gängen wie Geflügel,
Fleisch, Fisch. Ein solches Gastmahl war die üblichste Art von Geselligkeit, bei
dem auch Dichterlesungen, musikalische Vorträge, Glücksspiele oder Variet^-
vorstellungen stattfanden.
Pueri vinum et cibos adferunt.
Junge Sklaven tragen Wein und
Speisen auf.
adferunt - sie tragen auf - kommt von dem Verb adferre und ist ein Komposi¬
tum von ferre, fero, tuli, latum — tragen, bringen — dessen Konjugation wir
jetzt behandeln wollen.
Der Präsensstamm wird wie folgt konjugiert:
ferre, fero, tuli, latum
Präsens Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
fero
feram
fers
feras
fert
ferat
ferimus
feramus
fertis
feratis
ferunt
ferant
ferre, fero, tulijatum
Imperfekt Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
ferebam
ferrem
ferebas
ferres
ferebat
ferret
ferebamus
ferremus
ferebatis
ferretis
ferebant
ferrent
194
ferre, fero, tuli, latum
Futur Aktiv
feram
feres
feret
feremus
feretis
ferent
Beim Imperativ Präsens fällt wie bei facere in der 2. Person Singular das -e am
Ende weg:
ferre, fero, tuli, latum
Imperativ Präsens
fer
ferte
Imperativ Futur
ferto
fertote
Das Passiv im Präsensstamm lautet:
ferre, fero, tuli
i, latum
Präsens Passiv
Indikativ
Konjunktiv
feror
ferar
ferris
feraris
fertur
feratur
ferimur
feramur
ferimini
feramini
feruntur
ferantur
195
ferre, fero.
tuli, latum
Imperfekt Passiv
Indikativ
Konjunktiv
ferebar
ferrer
ferebaris
ferreris
ferebatur
ferretur
ferebamur
ferremur
ferebamini
ferremini
ferebantur
ferrentur
ferre, fero, tuli, latum
Futur Passiv
ferar
fereris
feretur
feremur
feremini
ferentur
Die zahlreichen Komposita von ferre werden in der gleichen Weise konjugiert.
Und nun zu unseren Übungssätzen:
In primis inferuntur Lucanus aper,
lactucae, radices.
Das Prädikat ist: inferuntur — sie
werden hineingetragen, von inferre,
infero, intuli, illatum — hineintragen.
Wer oder was wird hineingetragen?
Lucanus aper — lukanischer Eber,
lactucae — Kopfsalat,
radices — Radieschen.
Wann? in primis - unter den ersten,
hier: als Vorspeise.
Als Vorspeise werden lukanischer
Eber, Kopfsalat und Radieschen
hineingetragen.
Haec ut sublata sunt, puer alte cinctus
gausape purpureo mensam pertersit.
Das Prädikat des Hauptsatzes heißt:
pertersit - er, sie, es hat abgewischt.
2)
196
Wer hat abgewischt? puer alte cinctus —
ein hochgeschürzter Knabe oder: Sklave.
Wen oder was hat er abgewischt?
mensam — den Tisch.
Womit? gausape purpureo — mit
purpurnem Friesstoff.
Der Nebensatz heißt: haec ut sublata
sunt - die Nebensatzeinleitung ut steht mit
dem Indikativ Perfekt und bedeutet daher
„sobald''
sublata sunt — sie sind abgetragen worden,
von tollere, tollo, sustuli,sublatum — abtragen.
Wer oder was? haec — diese Dinge, das heißt
die im vorhergehenden Satz genannten Speisen.
Die ganze Übersetzung:
Sobald diese Speisen abgetragen waren, wischte
ein hochgeschürzter Sklave mit purpurnem
Friesstoff den Tisch ab.
Asoti de conviviis auferuntur,
auferuntur — sie werden weggetragen, entfernt -
von auferre, aufero, abstuli, ablatum — weg¬
tragen.
Wer wird entfernt? asoti — Wüstlinge.
Von wo werden sie entfernt?
de conviviis — von Gastmählern — von
convivium, convivii n — das Gastmahl.
Wüstlinge werden von den Gastmählern
entfernt.
undecies
1mai
bis et vicies >
22mal
duodecies
12mal
vicies bis '
ter decies
13mal
duodetricies
28mal
quater decies
14mai
undetricies
29mal
quinquies decies
15mal
tricies
30mal
sexies decies
16mal
quadragies
40mal
septies decies
17mal
quinquagies
50mal
duodevicies
18mal
sexagies
60mal
undevicies
19mal
septuagies
70mal
vicies
20mal
octogies
80mal
semel et vicies j
vicies semel '
21mal
nonagies
90mal
197
centies
ducenties
trecenties
quadringenties
quingenties
sescenties
lOOmal
200mal
300mal
400mal
500mal
GOOmal
septingenties
octingenties
nongenties
milies
bis milies
centies milies
700mal
SOOmal
900mal
lOOOmal
2000mal
lOO.OOOmal
2) afferre
auferre
conferre
deferre
differre
differre
efferre
inferre
offerre
perferre
referre
tollere
affero
aufero
confero
defero
differo
differo
effero
infero
offero
perfero
refero
tollo
attuli
abstuli
contuli
detuli
distuli
extuli
intuli
obtuli
pertuli
rettuli
sustuli
allatum
ablatum
collatum
delatum
dilatum
elatum
illatum
oblatum
perlatum
relatum
sublatum
herbeitragen
wegtragen
Zusammen¬
tragen, ver¬
gleichen
übertragen,
-bringen
verschieben
sich unter¬
scheiden
hinaustragen,
herausheben
hineintragen,
beibringen
darbieten,
anbieten
überbringen,
ertragen
zurückbrin¬
gen, berich¬
ten, beziehen
auf
aufheben, be¬
seitigen
Zusätzlicher Übungssatz:
Adfer calices maiores.
Prädikat ist: adfer — bring herbei —
von adferre, adfero, attuli, allatum
herbeitragen, -bringen
Wen oder was? calices maiores —
größere Becher.
Bring größere Becher herbei!
198
Wortschatz
(actuca, -ae
f
(Kopf) Salat
asotus, -i
m
Wüstling
gustus, -i
m
Kosten, Probe, Vorspeise
convivium, -i
n
Gastmahl
malum, -i
n
Apfel
ovum, -i
n
Ei
triclinium, -i
n
Speisesaal
aper, apri
m
Eber
gausape, -is
n
Fries, Wischtuch
gustatio, -onis
f
Vorspeise
radix, -icis
f
Wurzel, Rettich, Radieschen
purpureus, -a, -um
purpurn
debere
schulden
pertergere
abwischen
ferre
tragen, bringen
adferre
herbeitragen, -bringen
auferre
wegtragen
inferre
hineintragen
tollere
abtragen, aufheben
quantus
wie groß
simplex
einfach
199
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 3
Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Theater. Als selbständige theatra¬
lische Form haben die Römer die Atellane entwickelt, ein reines Improvisations¬
spiel mit vorgegebenen Typen, ähnlich wie später in der Commedia delTarte.
Der Prologsprecher stellt sich selbst vor:
Quid processerim huc et quid mihi
voluerim, dicam.
Was, oder: warum ich hier aufgetreten
bin und was ich im Sinn habe, werde
ich sagen.
Dazu die Vokabeln:
procedere, procedo, processi, processum-
hervortreten, auftreten, erscheinen
huc — hierher
Die Fragepronomen quid — was und quis — wer — werden wie folgt dekliniert:
quis, quid
Fragepronomen
Nom. quis
quid
Gen.
cuius
cuius
Dat.
cui
cui
Akk.
quem
quid
Abi.
a quo
Die Pronomina quis und quid werden substantivisch, das heißt wie ein Substan¬
tiv gebraucht; zum Beispiel:
quis es? - Wer bist du?
quidvis? —Was willst du?
Daneben gibt es wie im Deutschen auch ein adjektivisches Fragepronomen qui,
quae, quod, — welcher? welche? welches? Dieses Fragepronomen wird wie das
Relativpronomen dekliniert; hier zwei Satzbeispiele:
Quem librum legisti? — Welches Buch hast
du gelesen?
Quam artem novistis? — Welche Kunst ver¬
steht ihr?
200
Daneben kennt der Lateiner noch ein drittes Fragepronomen: uter — wer (von
zweien), utrum — was (von zweien), beziehungsweise adjektivisch: uter, utra,
utrum — welcher, welche, welches (von zweien)?
Hier die adjektivischen Formen:
uter, utra, utrum
Fragepronomen
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
uter
utra
utrum
Gen.
utrius
utrius
utrius
Dat.
utri
utri
utri
Akk.
utrum
utram
utrum
Abi.
utro
utra
utro
Durch Zusätze können die Fragepronomina noch verstärkt werden, zum Bei¬
spiel:
quisnam — wer denn?
quid tandem - was denn eigentlich?
Und nun zum verallgemeinernden Relativpronomen. Es wird wie das einfache
Relativpronomen dekliniert:
quicumque, quaecumque, quodcumque -
wer auch immer, jeder der; was auch immer,
alles was.
Dazu einen Satz:
Quoscumque de te queri audivi, quacumque
ratione placavi.
Wen auch immer ich über dich klagen hörte,
den habe ich in jeder erdenklichen Weise be¬
ruhigt.
Nur im Nominativ Singular kommen die beiden folgenden verallgemeinernden
Relativpronomina vor:
quisquis — wer nur immer, jeder der;
quidquid - was nur immer, alles was.
Nur im Ablativ gibt es den Ausdruck:
quoquo modo — auf weiche Weise nur
immer, irgendwie.
201
Entscheidend wurde das römische Theater von dem attischen Drama beeinflußt.
Griechische Komödien und Tragödien wurden ins Lateinische übersetzt und ka¬
men mehr oder weniger überarbeitet zur Aufführung. Erst Titus Maccius Plautus,
der 184 vor Christus starb, löste sich weitgehend von den griechischen Vorlagen
und schuf eine eigene römische Komödiengattung. Plautus hatte ein ausgeprägtes
Gespür für Situationskomik und schreckte auch vor sehr derben Dialogen nicht
zurück.
Auf einem pompejanIschen Wandbild sehen wir eine Szene aus seiner Komödie
,Der Bramarbas' (lat. Miles gloriosus) mit dem Prahlhans und dem Parasiten —
rechts und links sitzen zwei Bühnenaufseher.
Plautus' unmittelbarer Nachfolger im Bereich der römischen Komödie war der
in Karthago geborene Terentius, der als Sklave eines Senators nach Rom kam,
sehr bald freigelassen wurde und eine literarische Erziehung genoß. Im Gegensatz
zu Plautus wollte Terentius das gebildete Publikum ansprechen. Daher baute
er seine Komödien dramaturgisch komplizierter auf und arbeitete die Charaktere
der Personen genauer aus.
Hier sind zwei Szenen aus der Komödie ,Die Brüder' — nach einer Handschrift
aus dem 9. Jahrhundert —, In der es um die Erziehung eines jungen Mannes geht
— ein Motiv, das Moliere in seiner ,Schule für Ehemänner' übernommen hat.
Mit dem Tode des Terentius im Jahre 159 vor Christus begann das römische
Theater mehr und mehr zu verflachen. Die römische Tragödie fand in den neun
Tragödien des Seneca ihre größte Vollendung. Sie waren jedoch mehr von ihrem
philosophischen Inhalt und der Rhetorik geprägt als von der Bühnenwirksamkeit.
Eigene Theaterbauten gab es in Rom erst sehr spät, man spielte lange auf eilig
aufgestellten Brettergerüsten, denn die Amphitheater waren Gladiatorenkämpfen
und ähnlichem Vorbehalten.
Pompeius ließ das erste feste Theater aus Stein im Jahre 55 vor Christus bauen
und zwar nach dem Vorbild der griechischen halbkreisförmigen Theaterbauten.
Quid processerim huc et quid mihi
voluerim, dicam.
Warum ich hier aufgetreten bin und
was ich im Sinn habe, werde ich
sagen.
Voluerim — ich habe gewollt — ist eine Form von veile, volo, volui — wollen.
Wir sehen uns die Formen im Präsensstamm an:
202
velle, volo.
volui
Präsens
Indikativ
Konjunktiv
volo
velim
vis
velis
vult
velit
volumus
velimus
vultis
velitis
volunt
velint
velle, volo.
volui
Imperfekt
Indikativ
Konjunktiv
volebam
vellem
volebas
velles
volebat
vellet
volebamus
vellemus
volebatis
velletis
volebant
vellent
velle, volo, volui
Futur
volam
voles
volet
volemus
voletis
volent
Im Perfektstamm wird volui wie monui konjugiert. Neben dem Verbum velle,
volo, volui — wollen — gibt es noch nolle, nolo, nolui — nicht wollen, sowie
malle, malo, malui — lieber wollen. Auch nolle und malle zeigen Besonderhei¬
ten im Präsensstamm.
Wir wollen hier nur auf eine Anwendungsform von nolle hinweisen: Der Impe¬
rativ Präsens noli, nolite wird auch zum Ausdruck des verneinten Imperativs ge¬
braucht: ne laudaveris — lobe nicht — kann durch noli laudare ausgedrückt wer¬
den und ne laudaveritis — lobet nicht — durch nolite laudare.
203
Nach Livius wurden etruskische Schauspieler 364 vor Christus nach Rom geru¬
fen, als eine Pest wütete:
Cum vis morbi
nec humanis consHüs nec ope divina
levaretur, victis superstitione animis
ludi quoque scaenici
inter alia caelestis irae placamina
institui dicuntur.
Dem Hauptsatz ist ein mit cum einge-
leiteter Nebensatz vorangestellt.
Wir übersetzen zunächst den Hauptsatz
mit dem Prädikat: dicuntur — sie sollen,
der Überlieferung nach . . .
Wer oder was? ludi scaenici — szenische
Spiele, Schauspiele,
quoque - auch.
Was sollen diese Schauspiele?
institui - eingerichtet, aufgeführt werden,
also: der Überlieferung nach wurden auch
Schauspiele eingerichtet.
inter alia caelestis ira placamina — unter
anderen Besänftigungen des himmlischen
Zorns.
Der Ausdruck victis superstitione animis
ist ein sogenannter ablativus absolutus, der
übersetzt wird: da die Gemüter vom Aber¬
glauben besiegt waren, oder: da die Men¬
schen abergläubisch waren.
Somit heißt der Hauptsatz:
Da die Menschen abergläubisch waren, wur¬
den der Überlieferung nach neben anderen
Besänftigungsmitteln des himmlischen Zorns
auch Schauspiele aufgeführt.
Das Prädikat des Nebensatzes ist: levaretur —
er, sie, es wurde erleichtert, gelindert.
Wer oder was wurde gelindert?
vis morbi - die Gewalt der Krankheit.
Wodurch wurde sie gelindert?
nec huminis consiliis nec ope divina-
weder durch menschliche Überlegungen
noch durch göttliche Hilfe,
cum mit Konjunktiv — als.
204
Der ganze Satz:
Als die Gewalt der Krankheit weder durch
menschliche Überlegungen noch durch gött¬
liche Hilfe gelindert wurde, und da die
Menschen abergläubisch waren, wurden
der Überlieferung nach neben anderen Mit¬
teln zur Besänftigung des himmlischen
Zorns auch Schauspiele aufgeführt.
Praes.
Ind.
nolo
non vis
non vult nolumus
non vultis nolunt
Konj.
nolim.
nolis.
nolit, nolimus.
nolitis, nolint
Inf.
nolle
Imp.
noli
nolite
Part.
invitus, -a
, -um
(nolens, nolentis)
Impf.
Ind.
nolebam.
nolebas, nolebat, nolebamus, nolebatis, nolebant
Konj.
nollem.
nolles.
nollet, nollemus.
nolletis, nollent
Fut.
ind.
nolam.
noles.
nolet, nolemus.
noletis, nolent
Imp.
nolito
nolitote
Praes.
Ind.
malo.
mavis.
mavult, malumus.
mavultis, malunt
Konj.
malim.
malis.
malit, malimus.
malitis, malint
Inf.
malle
Impf.
Ind.
malebam, malebas, malebat, malebamus,malebatis, malebant
Konj.
mallem.
malles.
mallet, mallemus.
malletis, mallent
Fut
Ind.
malam.
males.
malet, malemus.
maletis, malent
205
Wortschatz
anima, -ae
f
Atem, Seele
ira, -ae
f
Zorn
consilium, -j
n
Rat, Überlegung, Plan
opus, operis
n
Werk
ratio, -onis
f
Verstand
superstitio, onis
f
Aberglaube
caelestis, -e
himmlisch
scaenicus, -a, -um
szenisch, Bühnen . . .
levare
erleichtern
placare
beruhigen
procedere
hervortreten, auftreten
instituere
einrichten
novi
ich kenne
velle
wollen
nolle
nicht wollen
malle
lieber wollen
huc
hierhin
quicumque
wer auch immer
quid
was
quis
wer
quisnam
wer denn
quisquis
wer auch immer
uter
wer von zweien
206
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 4
In der Kaiserzeit hatten wohlhabende Bürger in allen Teilen des römischen Rei>
ches große Landgüter. Eine genaue Beschreibung gibt uns Plinius der Jüngere von
seinen Besitzungen in der Toskana und bei Laurentum. Daraus die Angabe der
Zufahrtswege:
Laurentinum aditur non una via;
nam et Laurentina et Ostiensis
eodem ferunt. Utrimque excipit
iter aliqua ex parte harenosum.
Das Laurentinum wird nicht nur
auf einem Weg erreicht; denn so¬
wohl die Via Laurentina als auch
die Via Ostiensis führen dorthin.
Beide Straßen münden an irgend¬
einer Stelle in einen sandigen Weg.
Hier die Vokabeln;
adire — herangehen, aufsuchen,
auf sich nehmen
eodem - ebendorthin,
utrimque — von beiden Seiten,
auf beiden Seiten
harenosus, -a, -um — sandig
aliqua von aliqui, aliqua, aliquod — irgendein — ist ein Indefinitpronomen, ein
unbestimmtes Fürwort. Es ist adjektivisch gebraucht und zwar in einem Satz mit
bejahendem Sinn.
aliqui, aliqua, aliquod hat folgende Formen:
aliqui, aliqua, aliquod
Indefinitpronomen
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom. aliqui
aliqua
aliquod
Gen. alicuius
alicuius
alicuius
Dat. alicui
alicui
alicui
Akk. aliquem
aliquam
aliquod
Abi. aliquo
aliqua
aliquo
207
Der Formenbestand zeigt, daß das adjektivisch gebrauchte Indefinitpronomen
wie das Relativpronomen qui, quae, quod dekliniert wird. Eine Abweichung gibt
es nur im Plural Neutrum: Im Nominativ und im Akkusativ Plural steht aliqua.
Die Grundform von aliqui, aliqua, aliquod ist qui, quae oder qua, quod mit eben
derselben Bedeutung: irgendein. Allerdings steht qui nach bestimmten Kon¬
junktionen, wie zum Beispiel: si - wenn, ne - damit nicht, daß nicht, ubi —
W0.1'
Exspecto, $i quid dicas.
ich warte, ob du etwas sagst.
Für Sätze mit verneinendem Sinn gibt es ein drittes adjektivisches Indefinit¬
pronomen ullus, ulla, ullum, wie in diesem Beispielsatz:
... quasi fieri ullo modo possit.
... als ob es auf irgendeine Weise
geschehen könnte.
Hier nun die Formen im Singular:
ullus, ulla, ullum
Indefinitpronomen
Singular
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
ullus
ulla
ullum
Gen.
ullius
ullius
ullius
Dat.
ulli
ulli
ulli
Akk.
ullum
ullam
ullum
Abi.
ullo
ulla
ullo
Der Plural wird regelmäßig dekliniert wie etwa ille.
Wir fassen noch einmal zusammen: Das Indefinitpronomen „irgendein" kommt
adjektivisch im Lateinischen in folgenden Formen vor:
qui, quae oder qua, quod steht nach
bestimmten Konjunktionen,
aliqui, aliqua, aliquod steht in
bejahten Sätzen,
ullus, ulla, ullum steht in
verneinten Sätzen.
208
Wie beim Fragepronomen gibt es auch beim Indefinitpronomen substantivische
Formen, sie heißen entsprechend:
quis, quid bei bestimmten Kon¬
junktionen
aliquis, aliquid — in bejahten
Sätzen
quisquam, quidquam oder
quicquam in verneinten Sätzen.
Hier jeweils ein Anwendungsbeispiel:
si quis adest — wenn jemand da ist
aliquis adest — es ist jemand da
vix quicquam - kaum etwas
Zu den Indefinitpronomina gehört auch quidam, quaedam, quoddam — ein gewis¬
ser, im Plural oft mit der Bedeutung: einige, manche. Die adjektivische Form
wird ebenfalls wie das Relativpronomen dekliniert, während die substantivische
Form quidam, quaedam, quiddam — wie das Fragepronomen dekliniert wird.
Indefinitpronomen
adjektivisch
substantivisch
quidam.
quidam.
quaedam.
quaedam.
quoddam
quiddam
Wir hatten schon darauf hingewiesen, daß in unserem Eingangssatz aliqui adjek¬
tivisch in einem bejahten Satz gebraucht wird:
Utrimque excipit iter aliqua
ex parte harenosum.
Beide Straßen münden an irgend¬
einer Stelle In einen sandigen Weg.
Auf dem ländlichen Besitztum der reichen Bürger und Adeligen befanden sich
meist zwei Gebäudekomplexe: die villa rustica, die dem späteren Wirtschafts¬
hof, und die villa urbana, die dem Herrenhaus entsprach. Jedoch war die villa
urbana nicht Immer vorhanden, so lebte der Dichter Horaz zum Beispiel auf sei¬
nem Gut in den Sabinerbergen mit Verwalter und Dienerschaft unter einem
Dach.
Mittelpunkt der villa rustica war die Küche, sie war ArbeitS' und Gemeinschafts¬
raum. Ställe, Vorratsräume und Kornkammern waren ebenfalls indem Gebäude
untergebracht, das ein reiner Zweckbau für einen großen landwirtschaftlichen
Betrieb war. Die villa urbana dagegen war ein Luxusbau mit mehreren Speise¬
209
räumen in verschiedenen Größen, weiträumigen Bädern und Bogengängen mit
Säulenreihen, damit man auch bei schlechtem Wetter lustwandeln konnte; ein
sehr großzügiges Landhaus also, das für Geselligkeit und Müßiggar>g eingerichtet
war, aber auch über Arbeitszimmer und Bibliothek verfügte. Das Landgut Ciceros
bei Tusculum etwa ist Schauplatz der berühmten Tusculanae disputationes.
Laurentinum aditur non una via;
Das Laurentinum wird nicht nur
auf einem Weg erreicht.
aditur ist ein Kompositum von ire, eo, ii, itum — gehen — das wie folgt konju¬
giert wird:
ire, eo, ii, itum
Präsens Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
eo
eam
is
eas
it
eat
imus
eamus
itis
eatis
eunt
eant
ire, eo, ii.
itum
Imperfekt Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
ibam
irem
ibas
ires
ibat
iret
ibamus
iremus
ibatis
iretis
ibant
irent
ire, eo, ii, itum
Futur I Aktiv
ibo
ibis
ibit
ibimus
ibitis
ibunt
210
ire, eo, ii.
itum
Perfekt Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
ii
ierim
isti
ieris
iit
ierit
iimus
ierimus
istis
ieritis
ierunt
ierint
ire, eo, ii.
itum
Plusquamperfekt Aktiv
Indikativ
Konjunktiv
ieram
issem
ieras
isses
ierat
isset
ieramus
issemus
ieratis
issetis
ierant
issent
ire, eo, ii, itum
Futur n Aktiv
iero
ieris
ierit
ierimus
ieritis
ierint
ire, eo, ii, itum
Imperativ Präsens
ite
Imperativ Futur
ito
itote
eunto
211
ire, eo, ii, itum
Partizip Präsens
iens, euntis
Partizip Futur
iturus, itura, iturum
Das Passiv kommt nur in der 3. Person Singular vor, wie in dem Satz:
sic itur ad astra — so geht man zu
den Sternen.
Im Gegensatz zu den intransitiven Komposita^^ können die transitiven Kompo¬
sita ein vollständiges Passiv bilden. Wir nennen hier nur:
inire — hineingehen, betreten,
beginnen
obire hingehen, sterben, besuchen,
übernehmen
transire — hinübergehen, über-
schreiten^^
Zum Schluß noch ein kurzer Übungssatz, der ebenfalls von Plinius stammt:
Ambit pulvinum ambulatio
pressis varieque tonsis viridibus
inclusa.
Das Prädikat ist: ambit — er, sie
es geht herum, umgibt.
Wer oder was? ambulatio - eine
Promenade.
Was für eine Promenade?
pressis varieque tonsis viridibus
inclusa
eine von niedrigem und mannigfach
gestutztem Buschwerk umschlossene.
Wen umgibt diese Promenade?
pulvinum — das Beet, den Rasen¬
teppich.
Den Rasenteppich umgibt eine
von kurzem und mannigfach ge¬
stutztem Buschwerk eingeschlossene
Promenade.
212
3)
1) qui (ebenso quis s.u.) steht nie an der ersten Stelle des Satzes, sondern
schließt sich gern an einleitende Konjunktionen an wie z.B. si = wenn,
nisi = wenn nicht, ne = damit nicht, daß nicht, num = ob, quo = wohin,
ubi = wo, quando = wann, quanto = je (in gleicher Bedeutung auch quo),
cum = jedesmal wenn.
2) quisquam und quidquam/quicquam wird im Singular ebenso wie das Frage¬
pronomen quis, quid dekliniert; der Plural ist ungebräuchlich.
quisquam quidquam/quicquam
cuiusquam
cuiquam
quemquam quidquam/quicquam
quoquam
Intransitive Komposita sind u.a.
(her)vorgehen, auftre-
ten
zurückkehren
abire
Weggehen
prodire
exire
herausgehen, ausrücken
redire
interire
untergehen, umkommen
perire
zugrunde gehen (Passiv von perdere -
venire
verkauft werden (Passiv von vendere
4) Transitive Komposita sind u.a.
adire
herangehen
angehen, aufsuchen,
auf sich nehmen
oraculum, hominem,
periculum
inire
hineingehen
betreten, beginnen,
fassen
domum, magistratu
consilium
obire
hingehen
besuchen, übernehmen,
sterben
provinciam, munus,
mortem
praeterire
Vorbeigehen
übergehen
aliquid silentio
subire
herangehen
auf sich nehmen
laborem
transire
hinübergehen
überschreiten
flumen, modum
213
Wortschatz
astrum, -i
n
Gestirn, Stern
pulvinus, -i
m
Kissen, Beet
ambulatio, 'Onis
f
Spaziergang, Promenade
disputatio, 'Onis
f
Abhandlung, Untersuchung
(h)arenosus, -a, -um
sandig
rusticus, -a, -um
ländlich
ire
gehen
adire
herangehen
ambire
herumgehen
inire
hineingehen
obire
übernehmen, sterben
transire
hinübergehen, überschreiten
aliqui
irgendein
eodem
ebendorthin
Quisquam
irgendeiner
ullus
irgendeiner
utrimque
von beiden Seiten
214
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 111,5
In Rom wurden Spiele ursprünglich zu Ehren von Göttern oder Verstorbenen ab¬
gehalten. Doch bald wurden daraus Zirkusvorstellungen oder Gladiatorenkämpfe
zur Volksbelustigung.
Cum Romulus finitimis civitatibus
spectaculum indixisset, multi homines
convenerunt studio etiam videndi
novam urbem, maxime proximi quique.
Ais Romulus den benachbarten Städten
ein Schauspiel angekündigt hatte, ka¬
men viele Menschen zusammen, auch aus
Interesse, die neue Stadt zu sehen, am
meisten jeweils die nächsten — das heißt:
die unmittelbaren Nachbarn.
Hier die Vokabeln:
finitimus, -a, -um - benachbart
spectaculum, -in — Schauspiel
indicere, indico, indixi, indictum — ankündigen
convenire, convenio, conveni, conventum —
Zusammenkommen
studium,-i n — Eifer, Interesse
novus, -a, -um — neu
quique von quisque, quaeque, quodque — jeder — ist ein adjektivisch gebrauchtes
Pronomen.
Wie bei den Indefinitpronomen — bei aliquis zum Beispiel — gibt es auch bei den
Pronomen quisque — jeder — eine adjektivische und eine substantivische Form:
quisque, quaeque, quodque
adjektivisch
Maskulinum Femininum
Neutrum
Nom.
quisque
quaeque
quodque
Gen.
cuiusque
cuiusque
cuiusque
Dat.
cuique
cuique
cuique
Akk.
quemque
quamque
quodque
Abi.
quoque
quaque
quoque
215
quisque, quidque
substantivisch
Mask./Fem.
Neutrum
Nom.
quisque
quidque
Gen.
cuiusque
cuiusque
Dat.
cuique
cuique
Akk.
quemque
quidque
Abi.
quoque
quoque
quisque kann nicht alleine stehen, es braucht ein Wort, an das es sich anlehnen
kann. Es handelt sich dabei um reflexive, relative oder interrogative Pronomina,
Ordinalzahlen sowie um Superlative, zum Beispiel: se quisque amat — jeder liebt
sich; hier steht quisque mit dem reflexiven Pronomen se — sich.
Quinto quoque anno ludi sunt In jedem fünften Jahr sind die Spiele, oder:
Alle vier Jahre finden die Spiele statt; quisque steht bei einer Ordinalzahl.
Optimum quidque rarissimum est. Jedes Beste ist sehr selten, oder: Gerade die
besten Dinge sind seiten; quisque steht bei einem Superlativ.
Auch uterque, utraque, utrumque — jeder von beiden — kann adjektivisch und
substantivisch verwendet werden; ebenso:
quivis, quaevis, quidvis, adjektivisch im Neutrum: quodvis — und quilibet,
quaelibet, quidlibet, adjektivisch im Neutrum: quodlibet mit der Bedeutung:
jeder beliebige.
Gladiatores in arenam vocantur
pugnatum.
Die Gladiatoren werden in die Arena
zum Kampf gerufen.
Diese „Gladiatoren" waren meist Kriegsgefangene, die für die Kämpfe eigens aus¬
gebildet wurden. Es war ein blutiger Kampf Mann gegen Mann, der häufig mit
dem Tod des Verlierers vor den Augen der johlenden Masse im großen Amphi¬
theater endete. Gekämpft wurde mit dem Schwert, mit dem Netz oder mit dem
Dreizack. Es war nicht ungewöhnlich, daß man auch mit unterschiedlichen Waf¬
fen gegeneinander antrat. In späteren Zeiten wurden selbst Frauen in die Arena
geschickt, und rfian schreckte auch nicht davor zurück, ehemalige Senatoren in
die Arena zu zwingen.
Die öffentlichen Hinrichtungen von Verbrechern lagen auf derselben Linie: eine
schier unglaubliche Sensationsgier kennzeichnete den Zeitgeschmack.
Nicht weniger blutrünstig ging es bei den sogenannten ,,Jagden" zu: die Tiere
wurden zu Tode gehetzt.
216
Alle diese Attraktionen wurden dem Volk von Rom bei der Einweihung des
Colosseums 80 nach Christus gleich 100 Tage hintereinander geboten. Selbst
für Rom war das ein Fest der Superlative: 5 000 Gladiatorenpaare traten im
Colosseum gegeneinander an, 11 000 Tiere wurden bei Hetzjagden erlegt.
Ein vergleichsweise harmloses Vergnügen waren die Wagenrennen im Zirkus:
Mit Vierspännern fuhr man mehrere Runden, wobei das Wenden an zwei schar¬
fen Kurven größte Geschicklichkeit verlangte. Immerhin wurde der erfolgreiche
Rennfahrer ebenso gefeiert wie der erfolgreiche Gladiator.
Gladiatores in arenam vocantur
pugnatum.
Die Gladiatoren werden in die
Arena zum Kampf gerufen.
pugnatum — zum Kampf — ist ein Supinum auf -um zu dem Verb pugnare —
kämpfen. Das Supinum ist eine erstarrte Kasusform. Das Supinum auf -um
ist ein Akkusativ auf die Frage „wohin? ", der meist in Verbindung mit Verben
der Bewegung steht, zum Beispiel:
venatum ire - auf die Jagd gehen
salutatum venire — zur Begrüßung
kommen
filiam alicui nuptum dare - einem
die Tochter zur Frau geben
Das Supinum wird ebenso gebildet wie das Partizip Perfekt Passiv:
Supinum
ama tum
moni tum
audi tum
lec tum
cap tum
Auch der Infinitiv Futur Passiv geht auf eine solche Supinform zurück: amatum
iri. Neben dem Supinum auf -um gibt es auch die seltenere Form auf -u, eben¬
falls ein erstarrter Kasus der 4. Deklination. Das Supinum auf -u wird zur An¬
gabe einer Beurteilung verwendet, wie zum Beispiel:
difficile dictu — schwer zu sagen
facile factu — leicht zu tun
mirabile auditu — wunderbar zu hören
217
Und nun noch zu einer anderen Form: dem Gerundium oder Gerund. Das Ge¬
rundium ist der substantivierte Infinitiv eines Verbums — eine Form, die auch
im Deutschen üblich ist, zum Beispiel: Die Kunst des Singens.
Sehen wir uns amare an:
Gerundium
Nom.
ama re
Gen.
ama ndi
Dat.
ama ndo
Akk.
ama re/ ad ama ndum
Abi.
ama ndo
Der Akkusativ ist gleich dem Nominativ, da der substantivierte Infinitiv als
Neutrum gilt. Steht das Gerundium jedoch bei einer Präposition, die den Akku¬
sativ verlangt, so bildet es einen eigenen Akkusativ: ad amandum.
Und nun zu unseren Übungssätzen. Der Dichter Ovid berichtet in seiner
amandi" von den weiblichen Zuschauern:
Spectatum veniunt, veniunt
spectentur ut ipsae.
Der erste Hauptsatz ist: spectatum
veniunt
veniunt — sie kommen
Wer kommt? sie, ist im Verbum
enthalten. Aus dem Zusammen¬
hang geht hervor, daß Frauen
gemeint sind.
Warum kommen die Frauen?
spectatum — zum Zuschauen,
zum Schauen;
spectatum ist ein Supinum auf -um
von spectare — schauen.
Der zweite Hauptsatz ist:
veniunt — sie kommen — und es
folgt ein mit ut angeschlossener
Nebensatz: spectentur ut ipsae —
spectentur — sie mögen gesehen
werden.
Der Konjunktiv ist durch ut — daß,
damit — bedingt.
Wer oder was? ipsae — sie selbst.
.ars
218
Somit heißt der Satz:
Zum Schauen kommen sie, sie kom¬
men, damit sie selbst gesehen werden;
oder: sie kommen, um selbst gesehen
zu werden.
Schon Seneca hatte die hemmungslose Sensationsgier des Publikums in Rom
beklagt:
Mane leonibus et ursis homines,
meridie spectatoribus suis obiciuntur.
Das Prädikat dieser beiden durch ein
Komma getrennten Hauptsätze ist
obiciuntur — sie werden vorgeworfen.
Wer? homines — die Menschen
Wem werden die Menschen vorgeworfen?
leonibus et ursis — den Löwen und Bären.
Wann? mane — am Morgen, morgens.
Der zweite Hauptsatz mit dem gleichen
Prädikat und dem gleichen Subjekt:
homines obiciuntur — die Menschen
werden vorgeworfen.
Wem? spectatoribus suis — ihren Zu¬
schauern.
Wann? meridie — am Mittag, mittags.
Der Satz lautet:
Am Morgen werden die Menschen den
Löwen und Bären, am Mittag ihren Zu¬
schauern vorgeworfen.
1) Das Gerundium der übrigen Musterverben:
Nom.
mone-re
audi-re
leg-e-re
capere
Gen.
mone-ndi
audi-e-ndi
leg-e-ndi
capi-e-ndi
Dat.
mone-ndo
audi-e-ndo
leg-e-ndo
capi-e-ndo
Akk.
< mone-re
audi-re
leg-e-re
capere
« mone-dum
ad audi-e-ndum
ad leg-e-ndum
ad capi-e-ndum
Abi.
mone-ndo
audi-e-ndo
leg-e-ndo
capi-e-ndo
219
Wortschatz
arena, >ae
f
Arena, Sand
spectaculum, -i
n
Schauspiel
studium, -i
n
Eifer, Interesse
gladiator, -oris
m
Gladiator
ursus, -i
m
Bär
finitimus, -a, -um
benachbart
novus, -a, -um
neu
facilis, -e
leicht
mirabilis, -e
wunderbar
pugnare
kämpfen
spectare
sehen
venari
auf die Jagd gehen
convenire
Zusammenkommen
indicere
ankündigen
obicere
entgegenwerfen, von/verfen
mane
morgens, am Morgen
meridie
mittags, am Mittag
quilibet
jeder beliebige
quisque
jeder
quivis
jeder beliebige
uterque
jeder von zweien
220
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 6
Die Römerin führte kein zurückgezogenes Leben wie etwa die griechische Frau.
Gemeinsam mit dem Mann erzog sie die Kinder, beaufsichtigte die Dienerschaft
und repräsentierte an der Seite ihres Mannes in der Öffentlichkeit. Sie nahm
auch an Empfängen und Gastmählern teil:
Neminem Romanorum puduit
uxorem in convivium ducere.
Es beschämte keinen Römer, oder:
Kein Römer schämte sich, seine
Gattin zu einem Gastmahl zu
führen.
pudet — es beschämt
uxor, -oris f — Gattin
neminem — keinen — ist der Akkusativ von nemo — niemand.
Auch bei diesem Indefinitpronomen muß man wie im Deutschen zwischen ad¬
jektivischer und substantivischer Verwendung unterscheiden.
Wir sehen uns zunächst die substantivischen Formen an:
Indefinitpronomen
substantivisch
Nom.
nemo
Gen.
nullius
Dat.
nemini
Akk.
neminem
Abi.
a nullo
Allerdings kann nemo in Verbindung mit männlichen Personenbezeichnungen
adjektivisch verwendet werden, zum Beispiel:
Nemo servus libenter domino paret.
Kein Sklave gehorcht gern seinem Herrn.
nihil, nil — nichts — bildet In der substantivischen Verwendung nur den Nomina¬
tiv und den Akkusativ, die übrigen Kasus müssen umschrieben werden:
221
Indefinitpronomen
substantivisch
Nom.
nihil, nil
Gen.
nullius rei
Dat.
nulli rei
Akk.
nihil, nil
Abi.
nuila re
Die adjektivischen Formen lauten: nullus, nulla, nullum — kein^^
Mit nemo und nihil kann non - nicht — verschiedene Verbindungen eingehen.
Dabei muß man auf die Stellung von non achten, denn je nach Stellung ändert
sich die Bedeutung:
nemo non - jeder
non nemo - mancher
nullus non — jeder
non nullus — mancher
nonnulli — einige, manche
nihil non - alles
non nihil — manches
,Keiner von zweien' heißt in subjektivischer und in adjektivischer Verwendung:
Indefinitpronomen
subjektivisch, adjektivisch
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
neuter
neutra
neutrum
Gen.
neutrius
neutrius
neutrius
Dat.
neutri
neutri
neutri
Akk.
neutrum
neutram
neutrum
Abi.
neutro
neutra
neutro
Gemeinsam mit den Knaben lernten die Mädchen in Rom schreiben, lesen und
rechnen. Danach wurden die jungen Mädchen aus vornehmen Familien in Lite¬
ratur, Zitherspiel, Gesang und Tanz von privaten Lehrern unterrichtet. Lernen
mußten sie natürlich auch das, was man als typisch weibliche Arbeiten bezeich¬
net, wie Weben und Sticken. In einer Grabinschrift werden die folgenden Eigen¬
schaften einer Römerin hervorgehoben:
222
Casta fuit, domum servavit,
lanam fecit.
Sie ist züchtig gewesen, hat das
Haus bewahrt, Wolle gewebt.
Römische Mädchen wurden in sehr frühem Alter verheiratet und zwar bestimmte
der Vater den Bräutigam. Mit der Eheschließung schied die Frau aus ihrem bis¬
herigen Familienverband aus und unterstand nunmehr juristisch ihrem Ehemann.
Die Eheschließung der Römer konnte formal ganz verschieden aussehen: Es gab
einmal den sakralen Brauch der confarreatio — der Name kommt von libum
farreum — Weizenkuchen —,den das Brautpaar während der Zeremonie gemein¬
sam aß.
Zum anderen gab es den Kauf der Braut: coemptio, der jedoch in der Zeit der
römischen Republik nur noch symbolisch durchgeführt wurde; und es gab
schließlich den usus: die Ehe galt nach einem Jahr des Zusammenlebens als ge¬
schlossen. Außerdem konnte die Frau auch rechtlich weiterhin ihrer väterlichen
Familie zugehören, diese ganz unformelle Ehe hieß sine manu.
Eine Scheidung hatte keine rechtlichen Schwierigkeiten, doch billigte die öffent¬
liche Meinung in der republikanischen Zeit eine zweite Heirat der Frau nicht!
Auch dann nicht, wenn der Mann gestorben war. Angesehen war nur die univira,
die Frau, die nur mit einem Mann verheiratet war.
Übrigens gab es schon zu dieser Zeit den Brauch, die Braut am Hochzeitstag
über die Schwelle zu tragen. Sie wurde dabei nach ihrem Namen gefragt und
antwortete: ubi tu Gaius — ego Qaia — wo du Gaius bis, da will ich Gaia sein.
Deliberandum est, quidquid statuendum est semel. Bedenke, was du einmal
mußt entscheiden — dieser Satz führt uns zu einem grammatikalischen Thema
zurück!
Deliberandum und statuendum sind Formen des Gerundivs.
Das Gerundiv ist ein Verbaladjektiv, das nur im Lateinischen vorkommt. Es be¬
zeichnet etwas, was getan werden muß, beziehungsweise was nicht getan werden
darf.
Hier einige Beispiele mit unseren Musterverben, bei denen das Gerundiv attri¬
butiv gebraucht wird:
homo amandus — ein zu liebender
Mensch, ein Mensch, der geliebt werden
muß.
puer monendus - ein zu mahnender
Knabe; ein Knabe, der gemahnt werden
muß.
VOX audienda — eine zu hörende Stimme;
eine Stimme, die gehört werden muß.
liber legendus — ein zu lesendes Buch;
ein Buch, das gelesen werden muß.
223
consilium capiendum — ein zu fas¬
sender Beschluß; ein Beschluß, der
gefaßt werden muß.
Neben diesem attributiven Gebrauch des Gerundivs gibt es auch einen prädika¬
tiven Gebrauch: Zum Gerundiv eines transitiven Verbums wird eine Form von
esse hinzugesetzt:
homo amandus est — der Mensch
muß geliebt werden;
puer monendus est — der Knabe
muß gemahnt werden;
VOX audienda est — die Stimme
muß gehört werden;
liber legendus est — das Buch muß
gelesen werden;
consilium capiendum est — der Be¬
schluß muß gefaßt werden.
Beim prädikativen Gebrauch des Gerundivs steht die handelnde Person im Dativ.
Um Unklarheiten zu vermeiden kann auch der Ablativ mit der Präposition ab, a
verwendet werden, zum Beispiel:
homo nobis amandus est oder homo a nobis amandus est — der Mensch ist uns
ein zu liebender, der Mensch muß von uns geliebt werden, wir müssen den Men¬
schen lieben.
Intransitive Verben können als Gerundiv nur unpersönlich konstruiert werden:
Divitiis recte utendum,
non abutendum est.
Reichtum soll man richtig
verwenden, nicht mi߬
brauchen.
Eine wichtige Bemerkung zur Übersetzung des Gerundivs: Die zuerst angegebene
wörtliche Übersetzung kann nur eine Hilfskonstruktion zum Verständnis des
Inhalts sein. In keinem Fall darf sie stehen bleiben.
Hier einige Beispiele:
Maiores nostri a nobis venerandi
et colendi sunt.
Prädikat ist: venerandi et colendi
sunt — sie sind zu verehrende und
zu pflegende — ein prädikatives Ge¬
rundiv, das bei der Endübersetzung
im Deutschen anders wiedergegeben
werden muß, zum Beispiel: sie sind
zu verehren und zu pflegen.
224
Wer oder was ist zu verehren und
zu pflegen? maiores nostri — unse¬
re Vorfahren.
Von wem? a nobis — von uns.
Unsere Vorfahren sind von uns zu
verehren und zu pflegen, oder:
Wir müssen unsere Vorfahren ver¬
ehren und pflegen, oder:
Verehrung und Pflege unserer Vor¬
fahren sind unsere Pflicht.
Suum cuique tribuendum est.
Das Prädikat ist: tribuendum est —
es muß zugeteilt werden.
Was muß zugeteilt werden? suum —
das Seine.
Wem? cuique — jedem
Jedem muß das Seine zugeteilt wer¬
den.
Cavendi nulla est dimittenda occasio.
Prädikat: dimittenda est — sie muß
vorbeigelassen werden.
Wer oder was? nulla occasio — keine
Gelegenheit.
Wozu? cavendi — des Sich-in-acht-Nehmens,
sich in acht zu nehmen.
Sich in acht zu nehmen darf keine Gelegen¬
heit vorübergelassen werden —
Man darf keine Gelegenheit verstreichen
lassen, sich in acht zu nehmen. Das heißt
nichts anderes als: Man muß immer auf
der Hut sein.
Maximae cuique fortunae minime
credendum est.
Das Prädikat lautet: credendum est ~ man
muß glauben, vertrauen.
Wem? maximae cuique fortunae
jedem größten Glück, gerade dem größten
Glück.
In welcher Weise? minime — am wenigsten.
Gerade dem größten Glück darf man am
wenigsten vertrauen.
225
1) nullus
nullum
nullo
nulla
nullius
nulli
nullam
nulla
nullum
nullum
nullo
Zusätzlicher Übungssatz:
Casta ad virum matrona parendo
imperat.
Das Prädikat dieses Satzes: imperat —
er, sie, es befiehlt.
Wer? casta ad virum matrona — die
zum Manne züchtige Frau, das heißt:
die dem Mann gegenüber respektvolle
Frau.
Wodurch? parendo — durch Gehorchen.
Durch Gehorchen gebietet die ihrem
Mann gegenüber respektvolle Frau —
Die respektvolle Frau beherrscht ihren
Mann durch Unterordnung.
226
Wortschatz
lana, -ae
f
Wolle
matrona, -ae
f
(ältere) Frau
occasio, -onis
f
Gelegenheit
uxor, -oris
f
Gattin
vox, vocis
f
Stimme
castus, -a, -um
keusch
nullus, -a, -um
kein
libenter
gern
recte
richtig
deliberare
überlegen
cavere
sich hüten
colere
verehren
credere
glauben
dimittere
entlassen, vorbeilassen
parere
gehorchen
pudet
es beschämt
statuere
hinstellen, entscheiden
tribuere
Zuteilen
uti
gebrauchen
abuti
mißbrauchen
venerari
verehren
nemo
niemand
nihil
nichts
227
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 7
Unser heutiges Rahmenthema ist das römische Auguralwesen. Während die Grie¬
chen die Zukunft vor allem aus Orakel Sprüchen erforschten, leiteten die Römer
ihre Weissagungen aus der Natur ab. Als Weissagung nach der Kunst wird die
Auslegung bestimmter Ereignisse nach überlieferten Regeln bezeichnet, wie die
Beobachtung des Vogelflugs oder die Leberschau der Opfertiere.
Duo sunt divinandi genera,
quorum alterum artis est,
alterum naturae.
Es gibt zwei Arten von Weissagung,
von denen die eine der Kunst, die
andere der Natur angehört.
Die Vokabeln dieses Satzes:
divinare — weissagen
alter, altera, alterum — der eine von
zweien, der andere
alterum . . . alterum — die eine, die andere — ist eine Form des Pronominalad¬
jektivs alter, altera, alterum. Zu den Pronominaladjektiven gehören folgende
Wörter:
unus, una, unum — einer
solus, sola, solum — allein
totus, tota, totum — ganz
ullus, ulla, ullum — irgendeiner
nullus, nulla, nullum — kein
uter, utra, utrum — welcher von
zweien
neuter, neutra, neutrum — keiner
von zweien
alter, altera, alterum — der eine von
zweien, der andere
alius, alia, aliud — ein anderer
Diese Pronominaladjektive bilden also die drei Geschlechter wie die Adjektive
der a- und der o-Deklination.
Wir sehen uns die Deklination am Beispiel von alius, alia, aliud — ein anderer —
an:
228
Pronominaladjektiv
Singular
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
Abi.
Maskulinum
Femininum
Neutrum
alius
alia
aliud
alterius
alterius
alterius
alii
alii
alii
alium
aliam
aliud
alio
alia
alio
Der Genitiv wird auf -ius gebildet, der Dativ auf -i. Die übrigen Formen entspre¬
chen der a- und der o-Deklination.
Der Plural wird, sofern er vorkommt, ganz regelmäßig nach der a- und der o-De¬
klination gebildet:
Pronominaladjektiv
Plural
Maskulinum
Femininum
Neutrum
Nom.
alii
aliae
alia
Gen.
aliorum
aliarum
aliorum
Dat.
aliis
aliis
aliis
Akk.
alios
alias
alia
Ab).
aliis
aliis
aliis
Die oben erwähnten Weissagungen konnten nur von bestimmten Priesterkolle¬
gien durchgeführt werden. Den Vogelflug beobachtete der Augur von einem
windrosenförmig eingeteilten templum aus, einem sakralen Ort. Er richtete den
Blick nach Süden und stellte fest, welche Vogelarten innerhalb einer bestimmten
Zeit in welche Richtung fliegen, welche Schreie sie ausstoßen, welche Beute sie
in den Fängen tragen und so weiter. Daraus konnte der Augur die Abneigung
oder die Zuneigung der Götter erkennen und damit Gefahr oder Vorteil für den
Staat.
Der Haruspex untersuchte die Leber der geschlachteten Opfertiere und erkannte
an ihren Veränderungen den Willen der Götter. Als Modell für die Aussagekraft
bestimmter Leberteile gab es eine Bronzeleber, die mit einem Quadrierungsnetz
überzogen war.
Diese Priester hatten eine spezielle Ausbildung hinter sich und zwar in Caere,
dem heutigen Cerveteri, denn auch im Auguralwesen waren die Etrusker die
Lehrmeister der Römer.
Allerdings wurde diese Tätigkeit später auch von Scharlatanen ausgeübt, so daß
schon der alte Cato anmerkte, er müsse sich wundern, daß ein Haruspex beim
229
Anblick eines anderen Haruspex nicht in Lachen ausbreche — daher unsere
Redensart vom „Augurenlächeln", dem verständnisvollen Lächeln unter Einge¬
weihten.
Doch zurück zur lateinischen Grammatik. Wir wollen uns heute eine Gruppe von
Verben ansehen, die man verba defectiva - unvollständige Verben nennt; unvoll¬
ständig deswegen, weil nicht alle Formen gebildet werden. Die geläufigsten sind:
memini - ich gedenke, ich erinnere
mich
odi — ich hasse
novi — ich kenne
consuevi — ich pflege, bin gev^ohnt
Das besondere Charakteristikum dieser Verben ist, daß sie Perfektformen, aber
Präsensbedeutung haben. Wir gehen die Formen von memini durch:
1. Person Singular Indikativ Perfekt:
memini - ich erinnere mich
1. Person Singular Konjunktiv Perfekt;
meminerim - Ich möge mich erinnern
memini
Perfekt
Indikativ
Konjunktiv
memini
meminerim
meministi
memineris
meminit
meminerit
meminimus
meminerimus
meministis
memineritis
meminerunt
meminerint
1. Person Singular Indikativ Plusquamperfekt:
memineram — ich erinnerte mich
1. Person Singular Konjunktiv Plusquamperfekt:
meminissem — ich würde mich erinnern
230
memini
Plusquamperfekt
Indikativ
Konjunktiv
memineram
meminissem
memineras
meminisses
meminerat
meminisset
memineramus
meminissemus
memineratis
meminissetis
meminerant
meminissent
1. Person Singular Futur II:
meminero — ich werde mich erinnern
memini
Futur II
meminero
memineris
meminerit
meminerimus
memineritis
meminerint
memini
Imperativ
memento
mementote
Lediglich einzelne Formen gibt es von aio — ich sage^^
231
aio
Indikativ Imperfekt
aiebam
aiebas
aiebat
aiebamus
aiebatis
aiebant
Mit der Weissagung beschäftigt sich der nun folgende, längere Übungssau:
Apud mäores nostros senatus tum,
cum florebat imperium, decrevit,
ut de principum filiis decem singulis
Etruriae populis in disciplinam
traderentur, ne ars tanta propter
tenuitatem hominum a religionis
auctoritate abduceretur ad mercedem
atque quaestum.
Der Hauptsatz heißt: Apud maiores
nostros senatus tum decrevit —
Prädikat des Hauptsatzes ist:
decrevit — er, sie, es hat beschlossen.
Wer oder was hat beschlossen?
senatus — der Senat.
Wo? apud maiores nostros — bei
unseren Vorfahren,
Wann? tum — damals.
Bei unseren Vorfahren hat der Senat
damals beschlossen.
Der erste Nebensatz lautet:
cum florebat imperium -;
florebat — er, sie, es blühte.
Wer oder was? imperium — das
Reich, die Herrschaft,
cum - damals als;
... damals als die Herrschaft blühte,
auf ihrem Höhepunkt war....
232
Der nächste Nebensatz ist mit ut —
daß, damit — angeschlossen:
ut de principum filiis decem singuli
Etruriae populis in disciplinam
traderentur —
traderentur — sie würden übergeben
werden.
Wer oder was? decem — zehn.
Wovon? de principum filiis — von den
Söhnen der Vornehmsten.
Wem würden sie übergeben werden?
singulis Etruriae populis — den
einzelnen Völkern Etruriens.
Wozu? in disciplinam - zum Unter¬
richt
Somit heißt dieser ut-Satz: . . . daß von
den Söhnen der Vornehmsten zehn den
einzelnen Völkern Etruriens zur Unter¬
weisung übergeben würden.
Und nun zum letzten Nebensatz, der mit
ne — damit nicht — angeschlossen ist:
ne ars tanta propter tenuitatem hominum
a religionis auctoritate abduceretur ad
mercedem atque quaestum —
abduceretur — er, sie, es würde weggeführt,
erniedrigt werden.
Wer oder was würde erniedrigt werden?
ars tanta — eine so große Kunst.
Wozu würde sie erniedrigt werden?
ad mercedem atque quaestum — zu Lohn
und Erwerb.
Wovon würde sie weggeführt werden?
a religionis auctoritate - vom Einfluß der
Religion.
Weswegen? propter tenuitatem hominum-
wegen der Armseligkeit der Menschen, also:
damit nicht eine so große Kunst wegen der
Armseligkeit der Menschen vom Einfluß der
Religion entfremdet und zu Lohn und Er¬
werb erniedrigt würde.
233
Der ganze Satz heißt Inder Übersetzung:
Bei unseren Vorfahren beschloß der Senat
damals, als die Herrschaft auf dem Höhe¬
punkt stand, daß von den Söhnen der Vor¬
nehmsten zehn den einzelnen Völkern Etru¬
riens zur Unterweisung übergeben würden,
damit eine so bedeutende Kunst nicht wegen
der Armseligkeit der Menschen vom Einfluß
der Religion entfremdet und zu Lohn und
Erwerb erniedrigt würde.
1) In eine direkte Rede eingeschoben wird inquam — sage ich — mit folgenden
Formen:
Indikativ Präsens:
Indikativ Perfekt:
Futur:
Zu den verba defectiva gehören auch:
inquam — sage ich
inquit — sagt er, sie, es
inquiunt — sagen sie
inquit — hat er, sie,es gesagt
inquies — wirst du sagen
salve, ave — sei gegrüßt
salvete, avete — seid gegrüßt
vale — leb wohl
valete — lebt wohl
quaeso — bitte, ich bitte
quaesumus — wir bitten
234
Wortschatz
disciplina, -ae
f
Unterricht, Zucht
imperium, -i
n
Reich, Herrschaft
princeps, principis
m
der Vornehmste, Fürst, der Erste
auctoritas, -atis
f
Ansehen
religio, 'Onis
f
Gottesfurcht
tenuitas, -atis
f
Dünnheit, Armseligkeit
quaestus, -us
m
Erwerb
senatus, -us
m
Senat
alter, altera, alterum
der eine, der andere
unus, -a, -um
einer
solus, -a, -um
allein
totus, -a, -um
ganz
divinare
weissagen
abducere
wegführen
decernere
beschließen
florere
blühen
aio
ich sage
consuevi
ich pflege, bin gewohnt
memini
ich gedenke, erinnere mich
odi
ich hasse
novi
ich kenne
quaeso
(ich) bitte
salve
sei gegrüßt
vale
lebe wohl
atque
und
apud (mit Akk.)
bei
propter (mit Akk.)
wegen
235
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 111,8
Unter dem Namen der sieben Weisen haben die Griechen eine Gruppe von Män¬
nern ihrer frühen Geschichte zusammengefaßt, die für sie Lebensweisheit und po¬
litische Klugheit verkörperten. Der soziale Status der Weisen spielte dabei keine
Rolle, so stand neben dem König Kroisos von Lydien der Bauer Myson. Je nach
Herkunft der einzelnen Quellen sind die Namen der sieben Weisen recht unter¬
schiedlich. Vier von ihnen erscheinen bei jeder Aufzählung und zwar: der Philo¬
soph Thaies von Milet, Pittakos, der gerechte Herrscher von Lesbos, der Gesetz¬
geber und Dichter Solon von Athen und schließlich der weise Bias von Priene.
Prägnante Kürze zeichnet die Spruchweisheit dieser Männer aus. Das zeigt auch
die folgende Anekdote des Bias:
Bias erat unus e septem sapientibus.
Aliquando navigabat cum hominibus
improbis. Cum adversa tempestate
in alto mari iactarentur fluctibusque
navis quateretur, illi invocaverunt
deos. Tum Bias: „Silete", inquit,
„ne vos dei hic navigare sentiant!"
Bias erat unus e septem sapientibus.
Das Prädikat heißt:
erat unus e septem sapientibus —
er war einer von den sieben Weisen.
Wer? Bias
Bias war einer von den sieben Weisen.
Aliquando navigabat cum hominibus
improbis.
Das Prädikat lautet: navigabat —
er, sie, es machte eine Seereise.
Wer? er — Bias — ist im Prädikat
enthalten.
Wann? aliquando — irgendwann einmal.
Mit wem? cum hominibus improbis —
mit schlechten Menschen.
Irgendwann einmal machte er mit schlech¬
ten Menschen eine Seereise.
Cum adversa tempestate in alto mari
iactarentur fluctibusque navis
quateretur, illi invocaverunt deos.
Der Hauptsatz ist: illi invocaverunt deos —
mit dem Prädikat:
invocaverunt — sie haben angerufen.
236
Wer? illi — jene
Wen oder was haben sie angerufen?
deos — die Götter, also:
jene haben die Götter angerufen.
Der mit cum — als — eingeleitete
Nebensatz ist durch das an fluctibus
angehängte -que — und — in zwei
Teile gegliedert.
Das Prädikat des ersten Teiis heißt:
iactarentur — 3. Person Plural
Konjunktiv Imperfekt Passiv von
iactare — werfen, hin und her werfen.
Der Konjunktiv ist hier durch cum — als —
bedingt, wir brauchen ihn bei der deutschen
Übersetzung nicht zu berücksichtigen:
sie wurden hin und her geworfen.
Wer? sie — ist im Prädikat enthalten und
meint die homines improbi — die
schlechten Menschen.
Wo wurden sie hin und her geworfen?
in alto mari — auf dem hohen Meer,
auf hoher See.
Wodurch? adversa tempestate — durch
einen widrigen Sturm.
Der erste Teil des Nebensatzes heißt
demnach: Als sie durch einen widrigen
Sturm hin und her geworfen wurden.
Und nun zum zweiten Teil mit dem
Prädikat:
quateretur — er, sie, es wurde leck
geschlagen.
Wer? navis — das Schiff
Wodurch wurde es leck geschlagen?
fluctibus — durch die Fluten, also:
und das Schiff durch die Fluten
leck geschlagen wurde....
Somit heißt der ganze Satz:
Als sie durch einen widrigen Sturm auf
hoher See hin und her geworfen wurden
und das Schiff durch die Fluten leck ge¬
schlagen wurde, riefen jene die Götter an.
237
Tum Bias: ,^ilete", inquit, „ne vos dei hic
navigare sentiant."
Der erste Satz lautet:
Tum Bias inquit — mit dem Prädikat:
inquit - sagte er, sie, es.
Wer? Bias
Wann? tum — dann, da.
Da sagte Bias:
Und nun die direkte Rede:
„Silete, ne vos dei hic navigare
sentiant."
Der Hauptsatz ist: silete —
schweigt, seid still.
Es folgt ein mit ne — damit nicht —
eingeleiteter Nebensatz mit dem Prä¬
dikat: sentiant — sie merken.
Wer? dei — die Götter.
Damit die Götter wen oder was nicht
merken?
vos navigare — daß ihr zur See fahrt.
Wo? — hic — hier, also: Seid still,
damit die Götter nicht merken, daß
ihr hier auf dem Meer fahrt.
Und nun noch einmal die ganze Über¬
setzung im Zusammenhang:
Bias war einer von den sieben Weisen.
Irgendwann einmal machte er mit
schlechten Menschen eine Seereise.
Als sie von einem Unwetter auf hoher
See hin und her geworfen wurden und
das Schiff durch die Fluten leck geschla¬
gen wurde, riefen jene die Götter an. Da
sagte Bias: „Seid doch still, damit die
Götter nicht merken, daß ihr hier auf
dem Meer fahrt."
Zahlreiche Sprüche zeigen Bias als Lehrer einer praktischen und manchmal auch
pessimistischen Lebensweisheit. Das wird auch in seinen Aussagen über Besitz
und Reichtum deutlich. Dazu möchte ich Ihnen zwei Sprüche in der Überset¬
zung geben: „Wenn du ein armer Schlucker bist, dann schimpfe nicht auf die
Reichen, es sei denn du hast großen Vorteil davon."
„Einen unwürdigen Mann lobe nich^ wegen seines Reichtums."
238
Dazu noch einen lateinischen Text:
Biantis patriam Prienen hostis
ceperat. Ceteri fugientes multa
de suis rebus asportabant. At ille,
cum esset admonitus, ut idem
faceret: „Ego vero", inquit, „facio;
nam omnia mea mecum porto."
Biantis patriam Prienen hostis
ceperat.
Prädikat ist: ceperat — er, sie, es
hatte eingenommen.
Wer? hostis — der Feind
Wen oder was hatte der Feind eim
genommen?
patriam Prienen — die Vaterstadt
Priene; Prienen ist eine griechische
Akkusativform.
Wessen Vaterstadt? Biantis — des
Bias.
Der Feind hatte Priene, die Vater¬
stadt des Bias, eingenommen.
Ceteri fugientes multa de suis rebus
asportabant.
Das Prädikat heißt: asportabant —
sie trugen weg, sie trugen davon.
Wer? ceteri — die übrigen.
Wen oder was trugen sie weg?
multa de suis rebus — viel von ihrem
Besitz.
In welchem Zustand, bei weicher Ge¬
legenheit taten sie das?
fugientes — als Fliehende, auf der
Flucht.
Die übrigen trugen auf der Flucht viel
von ihrem Besitz mit sich fort, oder:
nahmen viel von ihrem Besitz mit.
At ille, cum esset admonitus, ut idem
faceret, inquit...
Der Hauptsatz: at ille inquit — mit dem
Prädikat: inquit — sagte er.
Wer sagte? ille — jener
239
at — aber
Aber jener sagte....
Der erste Nebensatz ist mit cum — als —
eingeleitet: cum esset admonitus —
dieses cum bedingt den Konjunktiv im Prädikat:
esset admonitus, den wir nicht zu berücksichtigen
brauchen, also: er war ermahnt worden.
Wer? ille — jener — das Subjekt des Hauptsatzes
gilt auch hier; als jener ermahnt worden war.. .
Wozu war er ermahnt worden? Hier folgt der
zweite Nebensatz, der mit ut — daß — eingeleitet
ist: ut idem faceret.
Das Prädikat faceret steht im Konjunktiv, der durch
ut bedingt ist: er, sie, es solle tun.
Wer? er — ist das gleiche Subjekt wie im Hauptsatz
und im übergeordneten Nebensatz, der mit cum einge¬
leitet ist. Was solle er tun? idem — das gleiche.
Aber jener, als er ermahnt worden war, daß er doch
das gleiche tun solle, sagte ...
„Ego vero facio; nam omnia mea mecum porto."
Der erste Hauptsatz ist: Ego vero facio mit dem
Prädikat: facio — ich mache, tue.
Wer? ego — ich, hier besonders betont.
Wie, in welcher Weise? vero — wirklich. In der Tat,
also: ich tue es in der Tat.
Der zweite Hauptsatz hat das Prädikat:
porto — Ich trage
Wer? ich — ist im Verbum enthalten. Wen oder
was trage ich? omnia mea — all das Meine.
Wo trage ich es? mecum — mit mir. nam — denn .. .
denn ich trage all das Meine mit mir.
Die direkte Rede heißt: Ich tue es doch in der Tat;
denn ich trage all das Meine mit mir.
Wir sehen uns diese Anekdote nun wie üblich
noch einmal im Zusammenhang an:
Der Feind hatte Priene, die Vaterstadt des Bias,
eingenommen. Die übrigen trugen auf der Flucht
viel von ihrem Besitz mit sich fort. Als aber Bias
ermahnt worden war, doch das gleiche zu tun, ent-
gegnete er: „Ich tue es doch in der Tat; denn ich
trage all das Meine mit mir."
240
Wortschatz
tempestas, -atis f
Witterung, Sturm
fluctus, -US m
Woge, Flut
adversus, -a, -um
feindlich, widrig
improbus, -a, -um
schlecht, ruchlos
sapiens, -ientis
weise
vero
wirklich, in der Tat
asportare
wegbringen, wegtragen
invocare
anrufen
navigare
segeln, eine Seereise machen
admonere
ermahnen
sentire
fühlen, merken
fugere
fliehen
quatere
schütteln, beschädigen
aliquando
(irgendwann) einmal, einstmals
at
aber
idem
das gleiche
nam
denn
241
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 9
Die Urreligion der Römer kannte keine persönlichen Götter. Wie in anderen Kul¬
turkreisen auch fühlte sich der Mensch jener Zeit unbestimmbaren Naturgewal¬
ten ausgeliefert, deren Ursachen er nicht erkennen konnte. Bald jedoch personi¬
fizierte er diese Kräfte und gab ihnen Namen: Sie wurden zu Wesen, zu Göttern.
Man konnte nun Abbilder von ihnen schaffen, und diese Abbilder waren so un¬
antastbar wie der Gott selbst. Das geht auch aus dem Protokoll eines Gerichts¬
verfahrens hervor, bei dem ein Statthalter beschuldigt wurde, das Kultbild einer
Göttin entfernt zu haben:
Tanta religione obstricta tota
provincia est, quanta nulla alia gens.
Durch so große Gottesfurcht ist die
ganze Provinz verpflichtet wie kein
anderer Stamm.
religio, -onis f — Gewissenhaftigkeit,
Gottesfurcht
obstringere — festbinden, verpflichten
tanta . . . quanta — wörtlich: so groß . . . wie groß — gehört zu einer Reihe von
Adjektiven, die von Pronominalstämmen abgeleitet sind.
Als Demonstrativum tanta, von tantus, tanta, tantum und als Relativum quanta,
von quantus, quanta, quantum treten sie in Beziehung zueinander. Man nennt
diese Beziehung Korrelation. Dazu gehören auch:
tantum — so viel, quantum — wieviel;
talis, tale — so beschaffen, qualis, quale —
wie beschaffen;
tot — so viele, quot — wie viele.
1)
Bei der Übersetzung ins Deutsche muß die Korrelation nicht so streng ausge-
drückt werden wie im Lateinischen, es genügt zu sagen:
so groß ... wie
so viel. .. wie
so beschaffen... wie
so viele ... wie
242
Hier noch ein Beispielsatz:
Tantum scimus, quantum memoria
tenemus.
Wir wissen nur so viel, wie wir im
Gedächtnis festhalten.
Wir sagten zu Beginn, daß sich die Menschen der frühen Zeit den Naturgewalten
ausgeliefert fühlten. Durch Riten und Opfer versuchte vor allem die bäuerliche
Bevölkerung diese unbekannten und unberechenbaren Mächte gnädig zu stim¬
men. Zum Beispiel wurde ein Hund von rötlicher Farbe getötet, um den Getrei¬
derost abzuwehren. Oder es wurden Füchse gejagt, denen man brennende Fak-
keln an den Schwanz gebunden hatte, um die Sonnenglut zu bannen. Ähnliche
Vorstellungen gab es für alle Lebensbereiche. Dabei wurden diese Mächte nur in
ihren Auswirkungen erfaßt, blieben aber sonst unbestimmt.
Die sakralen Handlungen wurden auf dem bäuerlichen Anwesen vom Hausvater
selbst vorgenommen. Als der römische Staat sie dann übernahm, wurden be¬
stimmte Priesterkollegien mit diesen Aufgaben betraut.
Die Vestalinnen zum Beispiel hatten darüber zu wachen, daß das Herdfeuer nicht
erlischt — wie im Bauernhaus, wo das Entzünden eines neuen Feuers ein schwie¬
riges Unterfangen war — ganz abgesehen von der symbolischen Bedeutung des
erlöschenden Feuers, das als Vorbote des Unglücks galt.
Numina caeiistia venerari homines
decet.
Himmlische Mächte zu verehren ziemt
sich für die Menschen.
decet — es ziemt sich — gehört zu den verba Impersonalia, zu den unpersönli¬
chen Verben. Diese verba Impersonalia kommen meist nur in der 3. Person Sin¬
gular und Im Infinitiv vor. Hier einige Beispiele:
constat — constitit — constare —
es steht fest, es Ist bekannt
praestat — praestitit — praestare —
es ist besser
iuvat — iuvit — iuvare — es erfreut
placet — placuit — placere —
es gefällt, man beschließt
licet — licuit — licere —
es ist erlaubt
oportet — oportuit — oportere —
es gehört sich, es ist in Ordnung
accidit — accidit — accidere —
es ereignet sich, es tritt ein.^^
243
Nemo umquam tam impudens fuit,
qui a dis immortalibus tot et tantas
res tacitus auderet optare, quot et
quantas di immortales ad Cnaeum
Pompeium detulerunt.
Hauptsatz ist: nemo umquam tam
impudens fuit mit dem Prädikat:
impudens fuit — er, sie, es ist unver¬
schämt gewesen.
Wer? nemo — niemand
Wann? — umquam — jemals
tarn - so
Niemand ist jemals so unverschämt
gewesen.
An den Hauptsatz angeschlossen ist
ein konsekutivischer Relativsatz, der
im Lateinischen im Konjunktiv steht,
im Deutschen aber mit dem Indikativ
wiedergegeben werden kann.
Das Prädikat auderet heißt demnach
hier: er, sie, es wagte
Wer? qui — welcher
Was wagte er? optare — zu wünschen
Wen oder was? tot et tantas res —
so viele und so große Dinge
Von wem? a dis immortalibus —
von den unsterblichen Göttern.
In welchem Zustand? tacitus —
schweigend.
Der Relativsatz heißt also:
welcher von den unsterblichen
Göttern so viele und so große Dinge
schweigend zu wünschen wagte.
Dazu gehört der mit quot eingeleitete
Nebensatz mit dem Prädikat
detulerunt — sie haben übertragen.
Wer? di immortales — die unsterblichen
Götter
Wen oder was haben sie übertragen?
quot et quantas — wieviele und wie große
Wem? ad Cnaeum Pompeium — an Cnaeus
Pompeius.
244
Somit lautet der ganze Satz:
Nie war jemand so unverschämt, daß
er von den unsterblichen Göttern so
viele und so große Dinge stillschweigend
zu wünschen wagte, wie sie die unsterb¬
lichen Götter an Cnaeus Pompeius über¬
tragen haben.
Cum hoc decere dicimus, illud non decere,
et id appareat, utrum decere an oportere
dicas.
Hauptsatz ist: et id appareat
mit dem Prädikat: appareat —
es möge klar sein.
Wer oder was? et id — auch das.
Der erste Nebensatz ist mit cum — wenn —
angeschlossen: cum hoc decere dicimus,
illud non decere —
dicimus - wir sagen, bezeichnen.
Was sagen wir? hoc decere, illud non decere
dieses als sich ziemen, jenes als sich nicht
ziemen.
Der zweite Nebensatz ist:
utrum decere an oportere dicas —
dicas — du mögest sagen, du sollst sagen.
Wen oder was? utrum decere an oportere —
ob sich ziemen oder in Ordnung sein.
Der ganze Satz lautet:
Wenn wir das eine als sich ziemen be¬
zeichnen, das andere als sich nicht
ziemen, möge auch dies klar sein, ob
du ,sich ziemen' oder ,in Ordnung sein'
sagen sollst.
Oportere enim perfectionem declarat
officii, decere quasi aptum esse
consentaneumque tempori et personae
contraque item dedecere.
Der Satz besteht aus drei Teilen, die alle
vom Verbum declarat abhängen; declarat —
er, sie, es erklärt, bezeichnet.
Wer oder was bezeichnet? oportere —
ist hier ein Subjektsinfinitiv — sich gehören,
in Ordnung sein.
245
Wen oder was? perfectionem officii —
die Vollendung einer Aufgabe;
enim heißt denn.
Somit heißt der erste Teil des Satzes: Denn
,in Ordnung sein' bezeichnet die Vollendung
einer Aufgabe.
Beim zweiten Teil haben wir, wie schon er-
wähnt,dasselbe Prädikat: declarat er, sie, es
bezeichnet.
Wer oder was bezeichnet? decere — eben¬
falls ein Subjektsinfinitiv — sich ziemen.
Was bezeichnet ,sich ziemen'?
quasi aptum esse consentaneumque —
gewissermaßen passend und übereinstimmend
zu sein.
Mit wem? tempori et personae - mit dem
Zeitpunkt und der Person, also: ,sich ziemen'
bezeichnet gewissermaßen passend und überein¬
stimmend zu sein mit dem Zeitpunkt und der
Person.
Und nun zum dritten Teil des Satzes mit dem¬
selben Prädikat: declarat — er, sie, es bezeichnet.
Wer oder was? dedecere — sich nicht ziemen,
wiederum ein Subjektsinfinitiv.
Wie? contraque item - und dagegen ebenso.
Die Übersetzung des ganzen Satzes lautet:
Denn ,in Ordnung sein' bezeichnet die Vollen¬
dung einer Aufgabe, ,sich ziemen' gewissermaßen
passend und übereinstimmend zu sein mit dem
Zeitpunkt und der Person und ebenso umgekehrt
,sich nicht ziemen'.
1) tantundem
ebensoviel
quantumcumque
wieviel auch immer
2)
totidem
ebenso viele
quotcumque)
wieviele auch im
quotquot »
mer
Die Wörter tot und quot sowie
alle davon abgeleiteten Wörter sind im Latei-
nischen
indeklinabel, d.h. sie
ändern sich in
den einzelnen Kasus nicht.
apparet
apparuit
apparere
es ist klar, offenbar
decet
decuit
decere
es ziemt sich, schickt sich
dedecet
dedecuit
dedecere
es ziemt sich nicht
paenitet
paenituit
paenitere
es reut
pudet
puduit
pudere
es beschämt
246
evenit
evenit
evenire
contingit
contigit
contingere
fallit
fefellit
fallere, i
fugit
fugit
fugere f
interest
interfuit
Interesse )
refert
retulit
referre '
es ereignet sich, stößt zu
es gelingt, glückt
es entgeht, bleibt verborgen
es liegt daran, ist wichtig
Zusätzlicher Übungssatz:
Talis est quaeque res publica, qualis eius
aut natura aut voluntas, qui illam regit.
Der Hauptsatz lautet:
talis est quaeque res publica mit dem
Prädikat: talis est — er, sie, es ist so beschaf¬
fen.
Wer oder was? quaeque res publica — jeder
Staat.
Daran schließt sich ein Nebensatz an:
qualis eius aut natura aut voluntas —
wie entweder die Natur oder der Wille dessen .
Es folgt ein Relativsatz:
qui illam regit —
regit — er, sie, es lenkt, leitet.
Wer? qui — welcher.
Wen oder was? illam — jene —
gemeint ist rem publicam - den Staat.
Demnach heißt der ganze Satz:
So beschaffen ist ein jeder Staat wie
Wesen oder Wille dessen, der ihn lenkt.
247
Wortschatz
numen, -mis n
perfectio, -onis f
Gottheit, göttliche Macht
Vollendung, Vollkommenheit
aptus, -a, -um
consentaneus, -a, -um
immortalis, -e
tacitus, -a, -um
declarare
optare
accidit
decet
licet
oportet
placet
constat
iuvat
praestat
deferre
regere
tenere
scire
passend
übereinstimmend
unsterblich
schweigend, verschwiegen
erklären
wünschen
es ereignet sich
es ziemt sich
es ist erlaubt
es gehört sich
es gefällt
es steht fest
es erfreut
es ist besser
übertragen
lenken
halten
wissen
an
enim
qualis
quot
talis
tot
umquam
oder
denn, nämlich
wie beschaffen
wie viele
so beschaffen
so viele
jemals
248
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 10
Unter dem Einfluß der Griechen kamen die Römer später auch zu einer persona¬
len Göttervorstellung. Vermittler waren, wie in vielen anderen Bereichen, die
Etrusker. So übernahmen die Römer sehr oft fremde Götter, seltener personifi¬
zierten sie eigene, schon lange verehrte göttliche Mächte.
Deos ridere credo, cum felix vocat.
Ich glaube die Götter lachen, wenn
ein Glücklicher ruft.
ridere - lachen
credere — glauben
vocare — rufen
Die Wörter deos ridere drücken einen sogenannten Akkusativ mit Infinitiv aus,
lateinisch: accusativus cum infinitivo, in der Abkürzung a.c.i. gebräuchlich.
Diese sehr geläufige Konstruktion wird im Lateinischen als Satzteil empfunden:
Wen oder was glaube ich? deos ridere - die Götter lachen. Hier ist der a.c.i.
also ein Akkusativobjekt.
Anders ist es jedoch bei unpersönlichen Verben. Da übernimmt der a.c.i. die
Funktion des Subjekts; zum Beispiel:
Legem brevem esse oportet,
oportet — es gehört sich.
Was gehört sich? legem brevem
esse — daß ein Gesetz kurz ist.
Im a.c.i. stehen keine Bitten, Wünsche oder ähnliches,sondern Aussagen über
Tatsachen, wie in unseren Beispielen: die Götter lachen; ein Gesetz ist kurz.
Zum Ausdruck einer Tatsache steht der a.c.i. bei Verben des Sagens: verba
dicendi; bei Verben des Wahrnehmens, Meinens und Wissens: verba sentiendi
und bei Verben der Gefühlsäußerung: verba affectus.
verba dicendi sind zum Beispiel:
dicere — sagen
affirmare — behaupten
respondere — antworten
persuadere — überzeugen
scribere — schreiben
tradere — überliefern
simulare — vorgeben, tun als ob
249
Zu den verba sentiendi gehören:
sentire — fühlen, merken
audire - hören
videre — sehen
intellegere — einsehen
credere — meinen, glauben
scire — wissen
verba affectus sind u.a.:
gaudere, laetari — sich freuen
gloriari — sich rühmen
mirari — sich wundern
indignari — empört sein
dolere — Schmerz empfinden
queri - klagen, sich beklagen^*
Fassen wir noch einmal alles bisher Gesagte über den a.c.i. zusammen:
Der a.c.i. ist ein Satzteil, und zwar Objekt nach Vollverben oder Subjekt nach
unpersönlichen Ausdrücken. Im a.c.i. werden Tatsachen ausgedrückt. Der a.c.i.
steht bei verba dicendi, sentiendi und affectus.
Bei der Übersetzung eines a.c.i. ins Deutsche ist zu beachten: Der Infinitiv wird
zum Prädikat und der Akkusativ wird im deutschen Gliedsatz zum Subjekt. Es
gibt grundsätzlich fünf Möglichkeiten einen a.c.i. ins Deutsche zu übersetzen.
Wir probieren sie an unserem Beispielsatz aus:
Deos ridere credo
1. Übersetzung mit einem daß-Satz:
Ich glaube, daß die Götter lachen —
diese Übersetzung sollte in der End¬
übersetzung durch eine andere Kon¬
struktion ersetzt werden.
2. Übersetzung mit einem Gliedsatz
ohne Konjunktion:
Ich glaube, die Götter lachen.
3. Übersetzung mit einem Hauptsatz
mit Einschub:
Die Götter lachen, wie ich glaube.
4. Übersetzung mit einem Hauptsatz
mit Präpositionalausdruck:
Nach meiner Überzeugung lachen
die Götter.
5. Übersetzung mit einem Hauptsatz
mit Adverb:
Die Götter lachen wohl
250
Wie schon eingangs erwähnt,fand die griechische Religion über die Etrusker Ein¬
gang bei den Römern. Die Etrusker waren es auch, die die ersten Götterbilder
nach Rom brachten, wie den Apoll von Veji. Vor 500 wurde mit dem Bau des
Tempels auf dem Kapitol begonnen, er war drei Göttern geweiht: Jupiter, dem
Hauptgott Roms — Juno, der Gemahlin Jupiters — und Minerva — der Göttin
der Handwerker und des Krieges. Die Römer übernahmen bereitwillig die frem¬
den Gottheiten, wenn sie deren Macht gespürt zu haben glaubten. Für diese
Übernahme gab es unter anderem einen eigenen Ritus, die evocatio: Dabei wurden
die Götter einer verfeindeten Stadt aufgefordert, diese Stadt zu verlassen und
nach Rom zu übersiedeln — dort war schon ein Tempel für sie bereitet. Nach die¬
sem feierlichen Akt konnte ein Krieg mit voller Härte geführt werden, denn die
Götter waren ja nach Rom übergesiedelt!
Aus Griechenland hatten die Römer neben vielen anderen Gottheiten auch
Diana, die Göttin der Jagd, übernommen, Apollo, den Sohn des Zeus, Venus,
die Göttin der Schönheit, sowie Mars, den Kriegsgott.
Sie alle wurden mit Tempeln, Statuen und Bildnissen verehrt. Als jedoch in den
Jahren nach 200 vor Christus die Beziehungen zum hellenistischen Osten immer
enger wurden, begann eine Epoche der Religionsvermischung, und die alte
römische Religion verflachte. Der Kult erstarrte zur leeren Form und jede Art
von Wiederbelebungsversuchen, wie sie etwa Kaiser Augustus unternahm, mußte
mißlingen. Einige Gottesvorstellungen überlebten jedoch und wurden auch ins
Christentum übernommen. Dabei wurden die Funktionen der Götter auf die
Heiligen übertragen: So ist zum Beispiel die Heilige Anna als Geburtshelferin die
Nachfolgerin der Juno Lucina und die Madonna vom guten Rat die Nachfolge¬
rin der Artemis arlstobule.
Doch zurück zur lateinischen Grammatik. Bevor wir den a.c.i. in einigen Sätzen
üben, noch ein Hinweis auf die Perfektbildung der einzelnen Konjugationen. Je
nach der unterschiedlichen Perfektbildung werden die Verben innerhalb der
Konjugationen zu einzelnen Gruppen zusammengefaßt.
Wir sehen uns je ein Beispiel der a-Konjugation an:
Das Perfekt auf -vi, wie In amare:
amare, amo, amavi, amatum —
lieben
Das Perfekt auf -ul:
domare, domo, domui, domitum —
zähmen, bändigen
Das Perfekt mit Dehnung des
Stammvokals:
adiuvare, adiuvo, adiuvi, adiutum —
unterstützen, helfen
251
Das Perfekt mit Reduplikation:
constare, consto, constiti, constaturus —
bestehen, kosten
Die unregelmäßigen Verben der a-Konjugation müssen mit den Stammformen
gelernt werden.^^
Memini perturbari exercitum nostrum
religione et metu, quod serena nocte
subito candens et plena luna defecerat.
Das Prädikat des Hauptsatzes heißt:
memini — ich erinnere mich.
Wer? ich, ist im Verbum enthalten.
Woran erinnere ich mich? perturbari
exercitum nostrum religione et metu
auch hier haben wir wieder einen a.c.i.
mit dem Verbum perturbari — daß
verwirrt wurde — und dem Subjekt:
exercitum nostrum — unser Heer.
Wodurch? religione et metu —
durch religiöse Bedenken und Furcht
Der Hauptsatz heißt:
Ich erinnere mich, daß unser Heer durch
religiöse Bedenken und Furcht verwirrt
wurde.
Es folgt ein mit quod — weil — angeschlos¬
sener Nebensatz mit dem Prädikat:
defecerat — er, sie, es war verschwunden,
hatte abgenommen.
Wer oder was hatte abgenommen?
candens et pfena luna — der leuchtende
und volle Mond.
Wann? serena nocte — bei klarer Nacht.
subito - plötzlich
Somit lautet der ganze Satz:
Ich erinnere mich, daß unser Heer durch
religiöse Bedenken und Furcht verwirrt
wurde, weil plötzlich bei klarer Nacht der
leuchtende Vollmond abgenommen hatte.
Sulpicius Gallus postridie in castris docuit
nullum esse prodigium.
Prädikat: docuit — er, sie, es hat gelehrt,
dargelegt.
Wer? Sulpicius Gallus
252
Was hat er dargelegt?
nuUum esse prodigium — wiederum
ein a.c.i. mit dem Verbum esse — daß sei —
und dem Subjekt:
nullum prodigium — kein Vorzeichen
Wann? postridie — am folgenden Tag
Wo? in castris — im Lager.
Der ganze Satz lautet:
Sulpicius Gallus legte am folgenden Tag
im Lager dar, es sei gar kein Vorzeichen.
1) Zu den verba dicendi gehören u.a. noch:
contendere behaupten nuntiare
negare verneinen, fama est (fert)
leugnen*
concedere zugestehen dissimulare
melden
es geht das Gerücht
sich stellen,
als ob nicht
ferunt
narrare
man sagt
erzählen
Zu den verba sentiendi gehören u.a. noch:
2)
animadvertere
wahrnehmen
meminisse
sich erinnern
cognoscere
erkennen
oblivisci
vergessen
verisimile est
es ist wahr¬
arbitrari
scheinlich
credere
meinen.
constat
es ist bekannt
existimare
putare
glauben
fallit, fugit
es entgeht,
bleibt verbor¬
gen
nescire
nicht wissen
apparet
es ist klar,
offenkundig
verum est
es ist recht
und billig
Perfekt auf ■
ui
vetare
Veto
vetui
vetitum verbieten
cubare
cubo
cubui
liegen
secare
seco
secui
sectum schneiden
sonare
sono
sonui
tönen, klingen
253
Perfekt mit Dehnung des Stammvokals
lavare lavo lavi
Perfekt mit Reduplikation
Stare sto steti
praestare praesto praestiti
restare
dare
circumdare
Deponentia
hortari
resto
do
circumdo
hortor
restiti
dedi
circumdedi
hortatus sum
(lautus rein) waschen
staturus stehen
praestaturus 1. voranste¬
hen, übertref¬
fen (alicui)
2. leisten, er¬
weisen (ali¬
quid)
übrigbleiben
geben
datum
circum¬
datum
umgeben
ermahnen
Zusätzlicher Übungssatz:
Deos esse constat.
Prädikat ist: constat — es steht fest,
es ist bekannt.
Wer oder was? deos esse — ein a.c.i.
mit dem Akkusativ deos und dem
Infinitiv esse, im Deutschen also mit
dem Subjekt deos und dem Prädikat
esse: daß Götter sind, existieren, also:
Es ist bekannt, daß Götter existieren.
Wir vermeiden im Deutschen den daß-
Satz:
Bekanntlich gibt es Götter, oder:
Die Existenz von Göttern steht fest.
254
Wortschatz
luna, -ae
f
Mond
prodigium, -i
n
Vorzeichen
nox, noctis
f
Nacht
metus, -us
m
Furcht
serenus, -a, -um
heiter
adiuvare
unterstützen
affirmare
behaupten
constare
bestehen, kosten
domare
zähmen, bändigen
perturbare
verwirren
simulare
vorgeben, so tun als ob
candere
leuchten, glänzen
dolere
Schmerz empfinden
intellegere
einsehen
persuadere
überzeugen
respondere
antworten
ridere
lachen
deficere
abnehmen, mangeln
scribere
schreiben
gloriari
sich rühmen
laetari
sich freuen
mirari
sich wundern
queri
klagen, sich beklagen
indignari
empört sein
postridie
am folgenden Tag
subito
plötzlich
255
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 11
Die Nationaltracht der Römer war die toga, die aber nur bei offiziellen Anlässen
getragen wurde. Die Toga der Beamten und freigeborenen Knaben hatte einen
Purpursaum:
Constat Romae pueros sedecim
annos natos togam virilem sumpsisse.
Es ist bekannt, daß in Rom die Knaben
im Alter von 16 Jahren die Männertoga
genommen haben, oder: Bekanntlich
haben in Rom die Knaben im Alter von
16 Jahren die Männertoga angelegt.
virilis, virile — männlich, zum Manne
gehörend
sumere — nehmen, anlegen
toga, -ae f - Toga
Wir haben bei der Übersetzung dieses a.c.i. im Deutschen die Konstruktion mit
einem Adverb gewählt, die sich bei einigen Verben anbietet: constat — bekannt-
lieh.
Hier gleich noch einige Beispiele der Verben, die bei einem a.c.i. adverbial wie¬
dergegeben werden können:
apparet — offenbar
verisimile est — wahrscheinlich
simulare — angeblich
sperare — hoffentlich
dolere — leider
putare — vermutlich
Außer bei den in Lektion 10 schon genannten verba dicendi, sentiendi und
affectus steht der a.c.i. auch bei folgenden Verben des Begehrens:
cupere — wünschen
veile — wollen
nolle — nicht wollen
malle — lieber wollen
1)
Der Infinitiv beim a.c.i. drückt keine absolute Zeit aus, sondern nur ein Zeit¬
verhältnis zum übergeordneten Verbum. Die im a.c.i. ausgedrückte Handlung
kann somit vorzeitig, gleichzeitig oder nachzeitig sein.
Die Gleichzeitigkeit im Verhältnis zum übergeordneten Verbum wird durch den
Infinitiv Präsens ausgedrückt; die Vorzeitigkeit durch den Infinitiv Perfekt und
die Nachzeitigkeit durch den Infinitiv Futur.
256
Dazu jeweils ein Beispiel:
accepi eum dicere — ich hörte« daß
er sagte — Infinitiv Präsens, also Gleich¬
zeitigkeit« hier Imperfekt,
accepi eum dixisse — ich hörte, daß er
gesagt habe — Infinitiv Perfekt, also Vor¬
zeitigkeit;
promisit se venturum esse -
er versprach« daß er kommen werde —
Infinitiv Futur« also Nachzeitigkeit.
Der Infinitiv Futur steht immer dann« wenn die Handlung des a.c.i. noch nicht
abgeschlossen ist« zum Beispiel auch bei den Verben:
iurare — schwören
minari — drohen
polliceri« promittere -
versprechen
sperare — hoffen
Der Lateiner nimmt es mit der Angabe dieser Zeitverhältnisse sehr genau« bei der
Übersetzung ins Deutsche kann man das Futur vernachlässigen.
Bei folgendem Satz gibt es daher die Übersetzungsmöglichkeiten:
Promisit se venturum esse —
Er versprach« daß er kommen werde —
Er versprach« daß er komme —
Er versprach zu kommen —
Alle Ergänzungen zum logischen Subjekt des a.c.i. — zu dem Akkusativ also« der
im Deutschen zum Subjekt wird — stehen ebenfalls im Akkusativ« wie bei unse¬
rem Satz:
Constat Romae pueros sedecim
annos natos togam virilem sumpsisse.
Die Ergänzung natos, die zu pueros
gehört« steht im Akkusativ.
Dazu noch ein Beispiel:
Spero vos salvos reversuros esse.
Ich hoffe« daß ihr wohlbehalten
zurückkehren werdet.
Auch hier richtet sich salvos und
reversuros nach dem Akkusativ vos.
257
Äußerlich unterscheiden sich beim a.c.i. das logische Subjekt und das eigentliche
Akkusativobjekt nicht voneinander. Dadurch können doppeldeutige Aussagen
entstehen, wie der Orakelspruch von Delphi zeigt, der König Pyrrhus von Epirus
erteilt wurde, als er fragte, ob er die Römer besiegen könnte:
Aio te, Aiacida, Romanos
vincere posse.
Ich sage, Nachkomme des Aiakos,
daß du die Römer besiegen kannst,
oder: Ich sage, Nachkomme des
Aiakos, daß die Römer dich besiegen
können.
Um solche Doppeldeutigkeit zu vermeiden, gebraucht der Lateiner eine Wendung
mit einem passiven Infinitiv, zum Beispiel:
Te a nullo adiutum iri puto.
Ich glaube, daß dich niemand
unterstützen wird.
Die reflexive Form von Personal- und Possessivpronomen bezieht sich im a.c.i.
auf das Subjekt des Satzes, zum Beispiel:
Promisit se venturum esse —
er versprach, daß er komme,
dagegen:
Eum venturum esse puto —
ich meine, daß er kommt.
Die römische Toga aus weißem Wollstoff war ellipsenförmig zugeschnitten. Das
Anlegen der Toga war recht mühsam, man benötigte einige Zeit und die Hilfe
eines Sklaven, der die Falten ordnete. Der Dichter Horaz bekannte freimütig,
daß er mit diesem recht komplizierten Kleidungsstück nie zurecht gekommen
war.
In der Kaiserzeit wurde die Toga dann von praktischeren Mänteln abgelöst,
vom pallium zum Beispiel.
Unter der Toga trug der Römer die Tunica, die eigentliche Haus- und Arbeits¬
kleidung. Sie bestand aus zwei Stoffbahnen; die vordere reichte bis unter das
Knie, die hintere bis zu den Waden. Die Tunica wurde mit einem Gürtel zusam¬
mengehalten und war außerdem bei Senatoren mit einem breiten Purpurstreifen
verziert.
Die Kleidung der Frauen bestand ebenfalls aus einer Tunica und aus einer Stola,
die bis zu den Füßen reichte und auch mit einem Gürtel zusammengehalten
wurde. Darüber trug die römische Frau einen einfachen Mantel, der Kopf und
Schultern bedeckte.
258
In Rom gingen Männer und Frauen in der Regel barhäuptig. Nur die Freigelas¬
senen trugen eine randlose Kappe — pileus — als Zeichen ihrer Freiheit. In der
französischen Revolution wurde diese sogenannte phrygische Mütze wieder zum
Freiheitssymbol.
Nach den unregelmäßigen Verben der a-Konjugation wollen wir uns heute mit
den unregelmäßigen Verben der e-Konjugation befassen. Wir sehen uns zunächst
nur die beiden Gruppen an, die das Perfekt auf -vi und auf -ui bilden:
e-Konjugation
Perfekt auf -vi:
delere, deleo, delevi, deletum —
zerstören
flere, fleo, flevi, fletum —
weinen, beweinen
complere, compleo, complevi,
completum — anfüllen
e-Konjugation
Perfekt auf -ui:
habere, habeo, habui, habitum —
haben, halten
debere, debeo, debui, debitum —
schulden, verdanken, müssen
docere, doceo, docui, doctum —
lehren, unterweisen. '
Togam veteres ad calceos usque
demisisse scimus.
Prädikat ist: scimus — wir wissen.
Wer? wir — ist im Verbum enthalten.
Was wissen wir? togam veteres ad
calceos usque demisisse —
ein a.c.i. mit dem Verbum:
demisisse — daß herabgelassen hat,
und dem Subjekt: veteres — die Alten;
Objekt ist: togam — die Toga.
Bis wohin? ad calceos usque —
bis zu den Schuhen.
Der Satz heißt:
Wir wissen, daß die Alten die Toga bis
zu den Schuhen herabhängen ließen,
oder: Unseres Wissens haben die Alten
die Toga bis zu den Schuhen herabhän¬
gen lassen.
259
Ipsam togam rotundam esse et apte
caesam velim.
Prädikat ist: velim — ich möchte.
Wer? ich — ist im Verbum enthalten.
Was möchte ich? ipsam togam rotundam
esse et apte caesam —
ein a.c.i. mit dem Verbum:
rotundam esse et apte caesam —
daß rund und genau zugeschnitten sei —
und dem Subjekt: ipsam togam
die Toga selbst.
Demnach heißt der Satz:
Ich möchte, daß die Toga selbst rund und
genau zugeschnitten ist; oder: Die Toga
selbst sollte nach meiner Vorstellung
rund und genau zugeschnitten sein.
Pars eius prior mediis cruribus optime
terminatur.
Das Prädikat lautet: terminatur — er, sie, es
wird begrenzt.
Wer wird begrenzt? pars eius prior —
ihr vorderer Teil.
Wodurch? mediis cruribus — durch
die Mitte der Schenkel.
Wie? optime — am besten.
Ihr vorderer Teil wird durch die Mitte
der Schenkel am besten begrenzt; oder:
Der vordere Teil der Toga soll bis in die
Mitte der Schenkel hinabreichen.
1) Der a.c.i. steht auch bei den aktiven Formen von iubere = befehlen, vetare =
verbieten, sinere = lassen sowie bei pati = zulassen, dulden.
2) Perfekt auf -ui
adhibere
adhibeo
adhibui
adhibitum
anwenden
prohibere
prohibeo
prohibui
prohibitum
abhalten, hindern
praebere
praebeo
praebui
praebitum
darreichen, gewähren
monere
moneo
monui
monitum
ermahnen, erinnern
nocere
noceo
nocui
nociturus
schaden
placere
placeo
placui
placitum
gefallen
tacere
taceo
tacui
—
schweigen
terrere
terreo
terrui
territum
(er)schrecken (transitiv)
260
dolere
do (eo
dolui
doliturus
Schmerz empfinden
iacere
i aceo
iacui
iaciturus
liegen
parere
pareo
parui
pariturus
gehorchen
apparere
appareo
apparui
appariturus
erscheinen, sich zeigen
tenere
teneo
tenui
—
halten
censere
censeo
censui
censum
schätzen, meinen
recensere
recenseo
recensui
recensum
mustern
studere
studeo
studui
—
sich bemühen, streben
timere
timeo
timui
—
(sich) fürchten
261
Wortschatz
toga, -ae
f
Toga
calceus, -i
m
Schuh
crus, cruris
n
Schenkel, Bein
medius, -a, -um
mitten, der mittlere
rotundus, -a, -um
rund
salvus, -a, -um
gesünd, wohlbehalten
virilis, -e
männlich, zum Manne gehörend
terminare
begrenzen
sperare
hoffen
complere
anfüllen
demittere
herablassen, herabsenden
flere
weinen
cupere
wünschen
sumere
nehmen
reverti
zurückkehren
262
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS III, 12
In der Zeit der frühen Republik ließen die Römer Haare und Bart wild wachsen,
so daß Cicero später feststellte, wie schauerlich der Bart auf alten Statuen und
Bildern sei.
Olim Romani barbam non torKlebant.
Einst schnitten die Römer den Bart
nicht ab.
Die Vokabeln:
Olim - einst
barba, -ae f — Bart
tondere ~ scheren, abschneiden
Eine Reihe von Adverbien stehen in enger Beziehung zu Pronomina, man nennt
sie deshalb Pronominaladverbien. Man kann diese Pronominaladverbien in ver¬
schiedene Gruppen unterteilen.
Pronominaladverbien des Ortes können relativ und interrogativ sein:
ubi — wo
quo — wohin
unde — woher
qua — wie
Pronominaladverbien des Ortes gibt es auch als Demonstrative:
hic — hier
illic - dort
ibi — da
eodem — ebendahin
Und schließlich gibt es auch indefinite Pronominaladverbien des Ortes, wie zum
Beispiel:
alibi — anderswo
usquam — irgendwo
nusquam — nirgendwo
ubique — überall
Eine andere Gruppe stellen die Pronominaladverbien der Zeit dar;
relativ und interrogativ sind:
cum — wann, als
quando — wann?
quotiens — wie oft
263
Demonstrativ sind unter anderem:
tum — damals, dann, da
nunc — jetzt
totiens — so oft
Indefinit sind schließlich:
olim — einst
aliquando - irgendwann, einst
numquam — niemals
Und hier zwei Sätze dazu:
Illucescet aliquando ille dies.
Irgendwann wird jener Tag anbrechen.
Numquam ante hoc tempus.
Niemals vor diesem Zeitpunkt.
Eine dritte Gruppe stellen die Pronominaladverbien der Art und Weise dar.
Relativ und interrogativ:
quam — wie
quantopere - wie sehr
Demonstrativ:
tarn — so — bei Adjektiven und
Adverbien,
ita, sic — so — bei Verben
tantopere — so sehr
Die folgenden Ausdrücke als Beispiele:
Ita sum — so bin ich
Ita fecit — so hat er gehandelt.
Tarn mihi mea vita quam tibi tua cara est.
Mein Leben ist mir so lieb wie dir das deine.
Ursprünglich haben sich die Römer weder rasiert noch die Haare geschnitten.
Scipio Africanus ist die tägliche Rasur zu verdanken — sein Zeitgenosse Claudius
Marcellus, der Eroberer von Syrakus, ist der erste Römer, der rasiert auf einer
Münze dargestellt wurde. Im Jahre 300 vor Christus kamen die ersten Barbiere
von Sizilien nach Italien.
264
Die Haare des ersten Bartes eines jungen Mannes wurden feierlich einer Gottheit
geweiht: depositio barbae nannte man diesen Ritus, der Anlaß für ein großes
Familienfest war. Der junge Mann ließ dann nur noch ein sorgsam gepflegtes
Bärtchen stehen, das erst abrasiert wurde, wenn sich die ersten grauen Haare
zeigten, so um das 40. Lebensjahr. Die volle Rasur war somit ein Zeichen des
Alterns!
Ein langer Bart und ungepflegtes Haar wurden in der Antike auch als Ausdruck
der Trauer verstanden. Wer sich als Angeklagter einem Strafprozeß stellen
mußte, erschien unrasiert, mit wirrem Haar und schlecht gekleidet vor dem Rich¬
ter. Einen mächtigen Vollbart trugen jedoch die Philosophen, vor allem die
Stoiker und die Kyniker.
Die römischen Frauen hatten immer langes Haar, im Nacken geknotet oder als
Zöpfe aufgesteckt, nur die verheiratete Frau konnte sich gewisse Extravaganzen
erlauben. Erst in der Zeit der Flavier waren komplizierte Hochfrisuren en vogue.
Übrigens wurde ein schwunghafter Handel mit dem Haar keltischer und germani¬
scher Frauen betrieben, denn die Ideal-Farbe der dunkelhaarigen Römerinnen
war natürlich blond.
Doch nun zurück zur Grammatik. Wir wollen uns weitere Perfektbildungen der
e-Konjugation bei einigen Beispielverben anschauen:
e-Konjugation:
Perfekt auf -si:
ridere, rideo, risi, risum - lachen
persuadere, persuadeo, persuasi,
persuasum - überreden, überzeugen
iubere, iubeo, iussi, iussum — beauf¬
tragen, befehlen
e-Konjugation:
Perfekt mit Dehnung des Stammvokals:
movere, moveo, movi, motum —
bewegen
possidere, possideo, possedi, possessum —
besitzen
videre, video, vidi, visum — sehen
e-Konjugation:
Perfekt mit Reduplikation:
mordere, mordeo, momordi, morsum —
beißen
spondere, spondeo, spopondi, sponsum -
geloben, versprechen
265
respondere, respondeo, respondi,
responsum — antworten
Der folgende Text aus der ars amatoria von Ovid soll hier als Sittenbild vorge-
stellt und nur die Übersetzung ohne die sonst übliche grammatikalische Auf¬
schlüsselung gegeben werden:
Corpora si veteres non sic coluere puellae
nec veteres cultos sic habuere viros.
Wenn in der alten Zeit die Mädchen
ihre Körper nicht so gepflegt haben,
so waren bei den Alten auch die Männer
nicht so gepflegt.
Nunc aurea Roma est,
et domiti magnas possidet orbis opes.
Jetzt ist Rom golden,
und besitzt die großen Schätze des
unterworfenen Erdkreises.
Prisca iuvent alios. Ego me nunc denique natum
gratulor. Haec aetas moribus apta meis.
Die alten Dinge mögen andere
erfreuen. Ich beglückwünsche mich
dazu, daß ich erst jetzt geboren bin.
Dieses Zeitalter paßt zu meiner Art,
... quia cultus adest nec nostros mansit in annos
rusticitas, priscis illa superstes avis.
weil es die feine Lebensart gibt
und nicht bis in unsere Jahre an¬
dauert
die Plumpheit, der Rest aus der
alten Zeit.
Munditiis capimur. Non sint sine lege capilli:
admotae formam dantque negantque manus.
Durch ein gepflegtes Aussehen werden
wir gefangen. Es seien die Haare
nicht ohne Gesetz:
Die hingeführten Hände geben ihnen
Gestalt oder verweigern sie, das heißt: bringen die
Haare in Unordnung.
266
Nec genus ornatus unum est: quod quamque decebit
elegat, et speculum consulat ante suum.
Und es gibt nicht nur eine Art des
Schmucks: was einer jeden steht,
soll sie auswählen und zuvor
den Spiegel befragen.
Longa probat facies capitis discrimina puri.
Zu einem langen Gesicht paßt
gescheiteltes Haar.
Exiguum summa nodum sibi fronte relinqui,
ut pateant aures, ora rotunda volunt.
Daß ein kleiner Knoten über der Mitte
der Stirn bleibt,
verlangt ein rundes Gesicht, damit
die Ohren frei bleiben.
Alterius crines umero iactentur utroque.
Bei einer anderen mögen die Haare
auf beide Schultern herabfallen.
Altera succinctae religetur more Dianae^
ut solet, attonitas cum petit illa feras.
Wieder eine andere knüpft es nach
Art der geschürzten Diana,
wenn sie nach ihrer Gewohnheit das
erschrockene Wild jagt.
Et neglecta decet multas coma: saepe, iacere
hesternam credas, illa repexa modost.
Auch nachlässiges Haar steht vielen
Frauen: oft ist es gerade gekämmt,
wenn du glaubst, daß es von
gestern noch liegt.
T^rs casu similis. Sic capta vidit ut urbe'
Alcides Iolen, „hanc ego" dixit „amo".
Kunst sei dem Zufall ähnlich. Als
Herkules, nachdem er die Stadt einge*
nommen hatte, so lole sah, sprach
er: „diese liebe ich".
Nos male detegimur, raptique aetate capilli,
ut borea frondes excutiente, cadunt.
Wir Männer werden schändlich ent¬
blößt, und die vom Alter geraubten
Haare fallen, wie Laub, das der
Nordwind abschüttelt.
267
"femina canitiem Germanis inficit herbis
et melior vero quaeritur arte color:
Die Frau färbt ihre grauen Haare
mit Kräutern aus Germanien ein
und durch künstliche Mittel wird eine
bessere Farbe erworben als die echte:
Femina procedit densissima crinibus emptis
proque suis alios efficit aere suos.
Die Frau geht mit einem ganz dichten
Haarschopf aus gekauften Haaren einher
und statt ihrer eigenen erwirbt sie
mit Geld fremde Haare als eigene.
Nec rubor est emisse: palam venire videmus*
Herculis ante oculos virgineumquq chorum.
Und sie wird gar nicht rot vor Scham,
daß sie ihre eigenen Haare gekauft
hat: ganz offen sehen wir sie kommen
vor die Augen des Herkules und den
Chor der Jungfrauen.
Die Verse in eckigen Klammern werden im Fernsehkurs nicht gebracht.
1) Perfekt auf-si
augere
augeo
auxi
auctum
vermehren, för¬
dern
suadere
suadeo
suasi
suasum
raten, Zureden
manere
maneo
mansi
mansurus
bleiben
Perfekt mit Dehnung des Stammvokals:
cavere
caveo
cavi
cautum
sich hüten
commovere
commoveo
commovi
commotum
bewegen, rühren
permovere
permoveo
permovi
permotum
heftig bewegen
sedere
sedeo
sedi
sessum
sitzen
invidere
invideo
invidi
invisum
beneiden (alicui)
videri
videor
visus sum
scheinen
268
Perfekt mit Reduplikation:
tondere
tondeo
totondi tonsum
scheren
Deponentia:
polliceri
polliceor
pollicitus sum
versprechen
vereri
vereor
veritus sum
(sich) scheuen,
fürchten, ehren
reri
reor
ratus sum
rechnen, meinen
fateri
fateor
fassus sum
bekennen, geste¬
hen
profiteri
profiteor
professus sum
offen erklären
mederi
medeor
sanavi
heilen, (alicui
rei)
tueri
tueor
tutatus sum
betrachten, (be)-
schützen
269
Wortschatz
barba, -ae
f
Bart
coma, -ae
f
Haar
ferae
f/p!
wilde Tiere
herba, -ae
f
Gras,p/. Kräuter
munditia, -ae
f/p!
Sauberkeit, gepflegtes Aussehen
capillus, -i
m
Haar
chorus, -i
m
Chor
nodus, -i
m
Knoten
umerus, -i
m
Schulter
speculum, -i
n
Spiegel
aetas, -atis
f
Lebensalter
auris, auris
f
Ohr
canities, -ei
f
graues Haar
crinis, -is
m
Haar
frons, frontis
f
Stirn
ornatus, -us
m
Schmuck, Ausstattung
rubor, -oris
m
(Scham) Röte
rusticitas, -atis
i
Einfachheit, Plumpheit
attonitus, -a, -um
bestürzt
densus, -a, -um
dicht
exiguus, -a, -um
klein, unbedeutend
frondeus, -a, -um
belaubt
hesternus, -a, -um
gestrig
purus, -a, -um
rein
priscus, -a, -um
alt(modisch), altertümlich
virgineus, -a, -um
jungfräulich
discriminare
trennen, scheiteln
iuvat
es erfreut, ergötzt
negare
verneinen, verweigern
probare
prüfen, billigen
raptare
rauben
religare
festbinden
gratulari
Glück wünschen
iubere
beauftragen, befehlen
manere
bleiben, andauern
mordere
beißen
movere
bewegen
patere
offen stehen, frei bleiben
spondere
geloben
270
tondere
scheren, abschneiden
repectere
wieder kämmen
cadere
fallen
colere
pflegen
detegere
abdecken, entblößen
emere
kaufen
excutere
abschütteln
illucescit
es wird Tag
inficere
anmachen, benutzen, färben
neglegere
vernachlässigen
succingere
schürzen
alibi
anderswo
aliquotiens
einigemal
denique
endlich, zuletzt
hic
hier
illic
dort
numquam
niemals
nunc
jetzt
nec
und nicht
olim
einst
qua
wie
quando
wann
quantopere
wie sehr
quo
wohin
quotiens
wie oft
ubique
überall
unde
woher
usquam
irgendwo
tantopere
so sehr
271
PAUK MIT: LATEIN
GRUNDKURS 111, 13
ln der letzten Lektion des Grundkurses soll ein zusammenhängender Text über¬
setzt werden und zwar ein Liebesgedicht von Catull, der von ca. 84 bis 54 vor
Christus lebte. Catull schildert in seiner Dichtung seine Gefühle und Stimmungen
mit einer für die Antike ungewöhnlichen Intensität. Er gehörte zur Dichtergrup¬
pe der Neoteriker, die große Heldenepen im Stil Homers ablehnten und sich um
eine gewisse Lebensnähe Ihrer Themen bemühten. 116 Gedichte von Catull
sind erhalten, darunter die Liebesgedichte an Lesbia. Lesbia war die Schwester
von Ciceros Todfeind P. Clodius Pulcher.
Ule mt par esse deo videtur,
ille, si fas est, superare divos,
qui sedens adversus identidem te
spectat et audit
dulce ridentem, misero quod omnis
eripit sensus mihi: nam simul te,
Lesbia, aspexi, nihil est super mi
lingua sed torpet, tenuis sub artus
flamma demanat, sonitu suopte
tintinant aures, gemina teguntur
lumina nocte.
Otium, Catulle, tibi molestum est:
otio exultas nimiumque gestis.
Otium et reges prius et beatas
perdidit urbes.
Diesen Text wollen wir nun im einzelnen durchgehen, erläutern und übersetzen.
Wir können den Text in drei Blöcke aufgliedern. Der erste geht über die erste
Strophe hinaus:
Ille mi par esse deo videtur,
ille, si fas est, superare divos,
qui sendens adversus identidem te
spectat et audit
dulce ridentem, misero quod omnis
eripit sensus mihi:
Der Hauptsatz in dieser Periode heißt:
Ille mi par esse deo videtur, ille ...
superare divos.
272
Prädikat ist: videtur — er, sie, es scheint.
Wer? ille — jener, der...
Was scheint er? par esse deo -
einem Gott gleich zu sein.
Wem scheint das so? mi — mir —
mi ist eine Kurzform von mihi.
Diese Konstruktion wiederholt sich in
Vers 2: ille superare divos — zu ergänzen
ist videtur — er, sie, es scheint — aus
Vers 1.
Wer? ille — jener
Was scheint er? superare divos — die
Götter zu übertreffen - divus, divi m —
der Gott, von
divus, -a, -um - göttlich.
Der Hauptsatz heißt: Jener scheint mir
einem Gott gleich zu sein, jener scheint
die Götter noch zu übertreffen.
Der Einschub si fas est — wenn es recht
ist, oder: wenn es kein Frevel ist —
schränkt diese Aussage etwas ein.
Angeschlossen ist ein Relativsatz:
qui sedens adversus identidem te spectat
et audit dulce ridentem
Das Prädikat dieses Relativsatzes ist:
spectat et audit — er, sie, es sieht und hört.
Wer? qui —welcher.
Wen oder was? te dulce ridentem —
dich süß lachen — ridentem ist ein Parti¬
zip Präsens von ridere — lachen.
Wie sieht und hört er dich süß lachen?
sedens adversus — gegenübersitzend,
te — dich — bezieht sich sowohl auf
spectat et audit als auch auf
sedens adversus
also: er sieht und hört dich, dir gegen¬
übersitzend.
Wie oft? identidem — immer wieder.
Somit lautet der Relativsatz:
. .. der dir gegenübersitzend dich immer
wieder sieht und hört, wie süß du lachst.
Es folgt ein weiterer Relativsatz:
misero quod omnis eripit sensus mihi
Das Prädikat ist: eripit — er, sie, es raubt.
273
Wer? quod — was;
Wen oder was? omnis sensus - alle Sinne -
omnis ist hier als Akkusativ Plural statt
omnes gebraucht.
Wem raubt das alle Sinne?
misero mihi — mir Unglücklichem.
Demnach heißt dieser Nebensatz:
was mir Unglücklichem alle Sinne raubt.
Und nun noch einmal dieser Teil im Zu¬
sammenhang:
der scheint mir einem Gott gleich
zu sein,
der, wenn es kein Frevel ist,
scheint mir die Götter zu übertreffen,
der, sitzt er dir gegenüber, dich
immer wieder sieht und hört,
wie süß du lachst, was
mir Unglücklichem alle Sinne raubt.
... nam simul te,
Lesbia, aspexi, nihil est super mi
lingua sed torpet, tenuis sub artus
flamma demanat, sonitu suopte
tintinant aures, gemina teguntur
lumina nocte.
Diese Periode beginnt mit einem Nebensatz,
dem mehrere Hauptsätze folgen. Wir beginnen
hier ausnahmsweise mit der Übersetzung des
Nebensatzes: nam simul te, Lesbia, aspexi —
angeschlossen ist dieser Nebensatz mit der
Konjunktion simul — sobald.
Prädikat ist: aspexi — ich habe erblickt,
von aspicere, aspicio, aspexi, aspectum —
erblicken.
Wen oder was habe ich erblickt?
te — dich; Lesbia ist eine Anrede!
nam — denn.
.... denn sobald ich dich, Lesbia, erblickt habe .
Der erste Hauptsatz:
nihil est super mi
Das Prädikat ist: est super, das heißt nichts an¬
deres als superest — er, sie, es ist übrig — von
super esse, supersum, superfui — übrig sein, im
Überfluß vorhanden sein.
274
Wer oder was ist übrig?
nihil — nichts.
Wem ist nichts übrig?
mi — mir.
nichts ist mir übrig . . .
(Im Originaltext ist hier eine Lücke
von einer Zeile, die wir durch Punkte
gekennzeichnet haben.)
Der zweite Hauptsatz ist:
lingua sed torpet mit dem Prädikat:
torpet — er, sie, es ist erstarrt, steif,
unbeweglich.
Wer oder was ist erstarrt?
lingua - die Zunge -
sed — sondern —
sondern die Zunge ist erstarrt.
Der dritte Hauptsatz:
tenuis sub artus flamma demanat
mit dem Prädikat: demanat —
er, sie, es fließt herab.
Wer oder was? flamma — eine Flamme
Wohin? sub artus tenuis — unter die
zarten Glieder; also: eine Flamme fließt
unter die zarten Glieder herab, oder:
dringt unter die Haut.
Und nun zum vierten Hauptsatz:
sonitu suopte tintinant aures.
Das Prädikat heißt: tintinant —
sie klingen.
Wer klingt? aures - die Ohren.
Wovon klingen die Ohren?
sonitu suopte — von ihrem eigenen
Klang —
sonitus, sonitus m - Ton, Schall, Klang,
suopte ist ein verstärktes suo.
Von ihrem eigenen Klang klingen die
Ohren.
Der fünfte und letzte Hauptsatz dieser
Periode:
gemina teguntur lumina nocte
Das Prädikat ist: teguntur - sie werden
bedeckt.
Wer oder was wird bedeckt? lumina —
die Lichter, hier: die Augen.
275
Wodurch werden sie bedeckt?
gemina nocte — durch eine doppelte
Nacht; durch eine doppelte Nacht werden
die Augen bedeckt, oder: zwiefache Nacht
bedeckt die Augen.
Hier noch einmal diese ganze Periode:
Denn sobald ich dich,
Lesbia, erblickt habe, bleibt nichts
von mir übrig . ..
sondern die Zunge ist erstarrt, eine
Flamme dringt unter die
Haut, von ihrem eigenen Klang
brausen die Ohren, zwiefache Nacht
bedeckt die Augen.
Otium, Catulle, tibi molestum est:
otio exultas nimiumque gestis.
Hier haben wir zwei Hauptsätze, der
erste ist: otium, Catulle, tibi molestum est —
mit dem Prädikat: molestum est — es ist lästig.
Wer ist lästig? otium - die Ruhe, Muße, die
Untätigkeit, das Nichtstun.
Wem ist sie lästig?
tibi — dir; Catulle ist wieder eine Anrede:
Catull.
Das Nichtstun, Catull, ist dir lästig.
Der zweite Hauptsatz otio exultas nimiumque
gestis hat zwei Prädikate, die durch das an
nimium angehängte -que — und — verbunden
sind:
exultas - du jubelst, springst empor.
Wer? du — ist im Verbum enthalten.
Wodurch? otio — durch Nichtstun
Das zweite Prädikat: gestis — du bist ausge¬
lassen, übermütig.
Wie? nimium — allzu sehr.
Vor Nichtstun springst du auf und wirst
allzu ausgelassen.
Otium et reges prius et beatas perdidit urbes.
Prädikat ist: perdidit — er, sie, es hat vernich¬
tet.
Wer hat vernichtet? otium — das Nichtstun.
Wen oder was hat es vernichtet?
et reges et beatas urbes —
sowohl Könige als auch glückliche Städte.
276
Wann? prius — früher.
Nichtstun hat früher schon sowohl
Könige als auch glückliche Städte
vernichtet.
Und hier die ganze Übersetzung noch
einmal im Zusammenhang:
Der scheint mir einem Gott zu gleichen,
ja, wenn es kein Frevel, die Götter noch zu übertreffen,
der, sitzt er dir gegenüber, dich immer wieder
sieht und hört,
wie süß du lachst, was mir Unglücklichem
alle Sinne raubt: denn sobald ich dich,
Lesbia, erblickt habe, bleibt nichts von mir übrig
sondern gelähmt ist die Zunge, ein Feuer
dringt unter die Haut, von ihrem eigenen Klang
brausen die Ohren, zwiefache Nacht bedeckt
die Augen.
Nichtstun, Catull, ist dir lästig:
Vor Nichtstun gerätst du außer Rand und Band.
Nichtstun hat früher schon Könige und glückliche
Städte vernichtet.
277
Wortschatz
flamma, -ae
f
Flamme
boreas, -ae
m
Nordwind
otium, -i
n
Muße
lumen, -inis
n
Licht, Auge
artus, -us
m
Gelenk, p/. Glieder
sensus, -us
m
Gefühl, Empfindung, Sinn
sonitus, -us
m
Klang
beatus, -a, -um
glücklich
geminus, -a, -um
doppelt
divus, -a, -um
göttlich
demanare
herabfließen
exsultare
aufspringen
tintinare
klingen
torpere
erstarren, schlaff sein
sedere
sitzen
videri
scheinen
gestire
ausgelassen sein
tegere
bedecken
perdere
vernichten
aspicere
erblicken
eripere
rauben, entreißen
superesse
übrig sein
identidem
immer wieder
nam
denn
nimium
allzu sehr
prius
früher
adversus (mit Akk.)
gegenüber
278
Wörterverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge
(Die in Klammern angegebenen Zahlen verweisen auf die jeweils 13 Folgen der Grundkurse 1-3)
ab, a (2.10)
von
aliquotiens (3.12)
einigemal
abducere (3.7)
wegführen
alius (2.4)
ein anderer
abire (3.4)
Weggehen
alter (3.7)
der eine, der andere
abuti (3.6)
mißbrauchen
altitudo (3.1)
Höhe, Tiefe
accidit (2.2)
es ereignet sich
altus (1.11)
hoch, tief
accusare (1.7)
anklagen
amare (1.4)
lieben
acer(2.3)
scharf
ambire (3.4)
herumgehen
acerbus (1.5)
bitter
ambulare (1.8)
Spazierengehen
actio (1.12)
Handlung
ambulatio (3.4)
Spaziergang
adducere (2.13)
heranführen
amicus (1.4)
Freund
adferre (3.2)
herantragen
an (3.9)
oder
adhibere (3.11)
anwenden
ancilla (1.1)
Magd
adire (3.4)
herangehen
angulus (2.10)
Ecke
adiuvare (3.10)
unterstützen
anima (3.3)
Atem, Seele
admonere (3.8)
ermahnen
animadvertere
wahrnehmen
admovere (1.3)
heranbewegen
(3.10)
adsignare (1.3)
zuweisen
animal (1.10)
Lebewesen
adulescens (2.8)
junger Mann
annalis (2.3)
Jahrbuch
adventus (2.12)
Ankunft
annus (2.7)
Jahr
adversarius (1.12)
Feind
antiquitus (1.10)
in, seit alter Zeit
adversus (3.13)
gegenüber
antiquus (1.11)
alt
adversus (3.8)
feindlich
aper (3.2)
Eber
aedes (1.11)
Haus, Tempel
apparere (3.11)
erscheinen
aedificare (2.2)
bauen
apparet (3.9)
es ist klar
aedificium (3.1)
Gebäude
appellare (2.7)
nennen
aeger (2.4)
krank
Aprilis (2.3)
April
aegre (2.4)
kaum
aptus (3.9)
passend
aegrotus (1.4)
krank
apud (3.7)
bei
aequalis (2.3)
Zeitgenosse
aqua (1.3)
Wasser
aequor (1.11)
Fläche, Meer
aquae (1.3)
Heilquellen
aes(l.ll)
Erz
aquaeductus
Wasserleitung
aes alienum (1.11)
Schulden
(2.8)
aetas(1.11)
Zeitalter
arare (1.1)
pflügen
afferre (3.2)
herantragen
aratrum (2.3)
Pflug
afficere (3.1)
versehen
arbitrari (3.10)
meinen
affirmare (3.10)
behaupten
arbor (1.11)
Baum
ager (1.2)
Acker
area (2.9)
Fläche
agere (2.2)
führen
arena (3.5)
Arena, Sand
agger(1.11)
Damm
argentum (2.1)
Silber
agricola (1.1)
Bauer
arma (1.3)
Waffen
aio (3.7)
ich sage
ars (1.9)
Kunst
albus (1.11)
weiß
artifex (2.13)
Künstler
alibi (3.12)
anderswo
artus (2.11)
eng, straff
aliquando (3.2)
einstmals
as(l.ll)
As, (Münze)
aliqui (3.4)
irgendein
asper (1.4)
rauh
279
aspicere (3.13)
asportare (3.8)
astrum (3.4)
at (3.8)
Athenae (1.2)
atque (3.7)
attonitus (3.12)
auctoritas (3.7)
audacia (1.6)
audere (2.12)
audire (1.1)
auferre (3.2)
augere (3.12)
aureus (1.11)
auris (3.12)
aut. .. aut (2.7)
autem (2.8)
autumnus (1.1)
auxilia (1.3)
auxilium (1.3)
avarus(1.5)
balineum (2.9)
balneum (2.9)
barba (3.12)
barbarus(1.5)
barbatus (2.6)
beatus (3.13)
beneficium (2.5)
bibere (2.5)
bis (2.5)
bonitas (2.6)
bonus (1.4)
bos, bovis (1.11)
brevis (2.9)
cadaver (1.11)
cadere (3.12)
caelestis (3.3)
caelum (2.5)
calceus (3.11)
calix (1.11)
callidus (2.6)
campus (2.12)
candelabrum (2.5)
candere (3.10)
canities (3.12)
capere (2.9)
capillus (3.12)
caput (1.11)
anb licken
wegbringen
Gestirn
aber
Athen
und
bestürzt
Ansehen
Kühnheit
wagen
hören
wegtragen
vermehren
golden
Ohr
entweder... oder
aber
Herbst
Hilfstruppen
Hilfe
geizig
Bad
Bad
Bart
fremdländisch
bärtig
glücklich
Wohltat
trinken
zweimal
Güte
gut
Rind
kurz
Leichnam
fallen
himmlisch
Himmel
Schuh
Kelch
schlau
Feld
Leuchter
leuchten
graues Haar
fassen
Haar
Haupt
caro (1.11)
carus (1.4)
castellum (2.8)
castra (1.3)
castrum (1.3)
castus (3.6)
casus (2.7)
caupo (2.5)
caupona (2.5)
causa (2.2)
cavere (3.6)
celeber (2.3)
cella (2.9)
celsus (2.6)
cena (1.4)
cenaculum (2.5)
censere (3.11)
censor (2.7)
certus (1.9)
ceteri (1.10)
chorus (3.12)
cinis (1.11)
circumdare (1.11)
cito (2.5)
civilis (2.9)
civitas (1.10)
clades (1.11)
clam (1.5)
clarus(1.5)
classis (1.11)
claudere (2.7)
cliens (2.2)
coetus (2.11)
cognoscere (3.10)
colere (3.6)
collis(l.ll)
collum (1.13)
collocare (2.10)
color (1.11)
comitia (1.3)
comitium (1.3)
commeare (2.4)
commovere (3.12)
communio (2.11)
complere (3.11)
comprehendere
(2.13)
concedere (3.10)
conclave (1.10)
Fleisch
lieb
Befestigung
Lager
Kastell
keusch
(Zu)Fall
Wirt
Wirtin
Grund, Prozeß
sich hüten vor
berühmt
Zelle
hoch
Essen
Speiseraum
schätzen
Zensor
gewiß
die übrigen
Chor
Asche
umgeben
schnell
bürgerlich
Bürgerschaft
Niederlage
heimlich
berühmt
Flotte
schließen
Klient
Zusammentreffen
erkennen
verehren, pflegen
Hügel
Hals
auf stellen
Farbe
Volksversammlung
Versammlungsplatz
Zusammenkommen
bewegen
Gemeinschaft
anfüllen
umfassen
zugestehen
Zimmer
280
concordia (2.11)
conferre (3.2)
conficere (3.1)
congregare (2.11)
coniunx (2.4)
consensus (2.11)
consentaneus (3.9)
consilium (3.3)
conspicere (3.10)
constare (3.10)
constituere (1.10)
consuevi (3.7)
consul (1.6)
consularis (2.3)
contemnere (1.9)
contendere (3.10)
contentus (2.7)
contingit (3.9)
contra (2.5)
convenire (1.5)
convivium (3.2)
copia (1.3)
copiae (1.3)
copiosus (2.6)
cor (1.11)
Corinthus (1.11)
cornix (1.3)
cornu (2.7)
corpus (1.7)
credere (3.6)
crinis (3.12)
crus (3.11)
cubare (3.10)
cum (3.7)
cum (1.1)
cupere (3.11)
cura (1.1)
curare (1.4)
curia (1.7)
damnare (2.5)
dare (1.4)
de (1.8)
debere (3.1)
decernere (3.7)
decet (3.9)
decidere (2.6)
deferre (3.12)
deficere (3.10)
delere (1.10)
Eintracht
Zusammentragen
vollenden
vereinigen
Gattin
Übereinstimmung
übereinstimmend
Plan, Beschluß
erblicken
bestehen
auf stellen
ich pflege
Konsul
ehern. Konsul
verachten
sich anstrengen
zufrieden
es gelingt
gegen
Zusammenkommen
Gastmahl
Menge
Truppen
reichlich
Herz
Korinth
Krähe
Horn
Körper
glauben
Haar
Schenkel
liegen
damals als
mit
wünschen
Sorge
sorgen
Kurie
verurteilen
geben
von, über
schulden
beschließen
es ziemt sich
herabfallen
übertragen
mangeln
zerstören
deliberare (3.6)
Delphi (1.3)
demanare (3.13)
demittere (3.11)
denarius (2.11)
dens (1.11)
densus (3.12)
deponere (2.5)
descendere (2.6)
detegere (3.12)
deus (2.5)
dexter(1.4)
dicere (2.8)
dies (2.11)
differre (2.12)
difficilis (2.4)
dimittere (3.6)
denique (3.12)
discere (1.7)
disciplina (3.7)
disputatio (3.4)
dissimulare (3.10)
diu (1.6)
dives (2.5)
dividere (1.2)
divinare (3.7)
divus (3.13)
divitiae (1.2)
docere (1.7)
doctus (2.10)
dolere (3.10)
dolium (1.2)
dolor (1.13)
domare (3.10)
domesticus (1.4)
domi (2.7)
dominus (1.1)
domo (2.7)
domum (2.7)
domus (2.7)
dorsum (2.3)
dos (1.10)
dubius (1.8)
dulcis (2.4)
educare (1.7)
efferre (3.2)
efficere (3.1)
effrenatus (1.6)
überlegen
Delphi
herabfließen
herabsenden
Denar
Zahn
dicht
niederlegen
hinabsteigen
abdecken
Gott
rechts
sagen
Frist, Tag
aufschieben,
sich unterscheiden
schwierig
entlassen
endlich
lernen
Zucht
Abhandlung
verhehlen
lange
reich
teilen
weissagen
göttlich
Reichtum
lehren
gelehrt
Schmerz empfinden
Faß
Schmerz
zähmen
häuslich
zu Hause
Herr
von Hause
nach Hause
Haus
Rücken
Mitgift
zweifelhaft
süß
erziehen
hinaustragen
bewirken
zügellos
281
effugere (1.5)
entfliehen
femina (1.5)
Frau
effugium (2.6)
Ausweg
ferae (3.12)
wilde Tiere
electio (2.10)
Auswahl
feriae (1.2)
Feiertage
eligere (2.5)
auswählen
ferre (3.2)
tragen, hervorbrin¬
eloquens (2.12)
beredt
gen
eludere (1.6)
verspotten
ferrum (1.12)
Eisen
emere (3.12)
kaufen
ferunt (3.10)
man sagt
enim (3.9)
denn
ferus (1.11)
wild
eodem (3.4)
ebendorthin
fidus (1.4)
treu
equitare (2.13)
reiten
filia (1.6)
Tochter
equus (2.12)
Pferd
filius (1.4)
Sohn
eripere (3.13)
entreißen
fines (1.11)
Gebiet
esse (1.1)
sein
finire (2.2)
beenden
et (1.5)
und
finis (1.11)
Grenze
evadere (2.6)
entkommen
finitimus (3.5)
benachbart
evenit (3.9)
es ereignet sich
fistula (2.8)
Röhre
ex (1.13)
aus
flagitare (1.13)
fordern
excipere (2.9)
herausnehmen
flamma (3.13)
Flamme
excutere (3.12)
abschütteln
flere (3.11)
weinen
exemplar (1.10)
Vorbild
florere (3.7)
blühen
exemplum (1.7)
Beispiel
fluctus (3.8)
Woge, Flut
exerceri (2.12)
sich üben
fons (1.11)
Quelle
exercitus (2.12)
Heer
fortis (2.3)
tapfer
exiguus (3.12)
klein
fortuna (1.3)
Schicksal
exire (3.4)
herausgehen
fortunae (1.3)
Vermögen
expellere (2.2)
vertreiben
forum (1.5)
Marktplatz
explicare (3.1)
erklären
fossa (2.3)
Graben
expugnare (1.12)
erobern
frater (1.7)
Bruder
exspectare (2.12)
erwarten
fraus (2.6)
Betrug
exsultare (3.13)
aufspringen
frigidarius (2.9)
zum Kalten gehörig
extendere (2.2)
ausdehnen
frondeus (3.12)
belaubt
externus (1.5)
auswärtig
frons (3.12)
Stirn
extinguere (2.5)
auslöschen
frugifer (1.4)
fruchtbar
extrahere (1.13)
herausziehen
fugere (3.7)
fliehen
extruere (2.4)
erbauen
fugit (3.9)
es entgeht
exulare (2.5)
verbannt sein
fulgor (1.11)
Blitz
faber (2.3)
Handwerker
fundamentum
(2.4)
Grund(lage)
facere (2.9)
machen
furor (1.6)
Raserei
facilis (3.5)
fallit (3.9)
leicht
es entgeht
gaudere (2.12)
sich freuen
familia (1.3)
Gesinde
geminus (3.13)
doppelt
familiaris (2.3)
Vertrauter
gens (1.11)
Geschlecht
fas(l.ll)
Gebot
genus (1.11)
Geschlecht
fascis (1.11)
Rutenbündel
gestire (3.13)
frohlocken
fasti (1.3)
Kalender
gladiator (3.5)
Gladiator
fateri (3.12)
gestehen
gladius (1.11)
Schwert
fauces (1.13)
Schlund
glarea (2.3)
Kies
febris (1.10)
Fieber
gloriari (3.10)
sich rühmen
felix (2.3)
glücklich
gracilis (2.10)
zierlich
282
gratulari (3.12) Glück wünschen
grex (1.11)
grus (1.13)
gula (1.13)
gustatio (3.2)
gustus (3.2)
habere (1.2)
habitare (2.5)
haerere (1.13)
harenosus (3.4)
haruspex (3.7)
haurire (2.7)
herba (3.12)
heri (1.5)
hesternus (3.12)
hiberna (1.3)
hic (3.12)
hilaris (2.9)
hircus (2.5)
Hispania (1.10)
homo (1.6)
honor (1.11)
hora (2.2)
hortari (2.12)
horti (1.3)
hortus (1.1)
hospitium (2.5)
hostis (1.10)
huc (3.3)
humanus (1.11)
humilis (2.10)
humus (1.3)
iacere (3.11)
iacere (2.9)
iactare (1.6)
ibi (1.5)
idem (3.8)
identidem (3.13)
Idus (2.7)
illic (3.12)
illucescit (3.12)
illuminare (2.5)
imago (2.13)
immittere (2.6)
immortalis (3.9)
impedimenta (1.3)
Herde
Kranich
Kehle
Vorspeise
Kosten, Probe, Vor¬
speise
haben
wohnen
hängenbleiben
sandig
Opferschauer
schöpfen
Gras
gestern
gestrig
Winterlager
hier
heiter
Ziegenbock
Spanien
Mensch
Ehre
Stunde
ermahnen
Park
Garten
Gastfreundschaft
Feind
hierhin
menschlich
niedrig
Erdboden
liegen
werfen
werfen
dort
derselbe
immer wieder
Monatsmitte
dort
es wird Tag
erleuchten
Bild
hineinschicken
unsterblich
Gepäck
impedimentum
(1.3)
imperare (1.3)
imperator (2.13)
imperium (2.7)
impetus (2.10)
improbus (3.8)
impudens (3.9)
in(l.l)
incertus (1.9)
incola (1.10)
incolumitas (2.11)
indicere (3.5)
Indignari (3.10)
inducere (2.7)
Inferre (3.2)
infestare (2.13)
ingratus (1.13)
inire (3.4)
iniuria (1.8)
innocens (2.5)
inops (2.5)
inquit (1.13)
inscius (2.6)
insidiae (1.3)
instituere (3.3)
intellegere (3.10)
interea (2.13)
interest (3.9)
Interficere (3.1)
interire (3.4)
interrogare (2.13)
intra (1.7)
invidere (3.12^
invidia (2.9)
invocare (3.8)
ira (3.3)
Ire (3.4)
is(1.12)
Isara (1.1)
ita (1.7)
itaque (1.10)
item (2.12)
iter (1.11)
iterum (2.10)
iubere (3.12)
iudex (1.8)
iudicare (1.7)
luppiter (1.11)
Hindernis
befehlen
Feldherr
Reich
Angriff
ruchlos
unverschämt
in
ungewiß
Einwohner
Unversehrtheit
ankündigen
empört sein
hineinführen
hineintragen
beunruhigen
undankbar
hineingehen
Unrecht
unschuldig
arm
sagt er
unwissend
Hinterhalt
einrichten
einsehen
inzwischen
es ist wichtig
töten
untergehen
fragen
innerhalb
beneiden
Neid
anrufen
Zorn
gehen
er
Isar
so
daher
ebenso
Weg
ein zweites Mal
befehlen
Richter
urteilen
Jupiter
283
ius (1.7)
Recht
lupus (1.13)
Wolf
iusiurandum
Eid
(1.13)
magistratus (2.11)
Amt
justitia (2.11)
Gerechtigkeit
magnus (1.13)
groß
iustus (2.9)
gerecht
maiores (3.6)
Ahnen
iuvare (3.12)
erfreuen
malle (3.3)
lieber wollen
malum (3.2)
Apfel
labor (1.11)
Arbeit
malus (1.11)
böse
laborare (1.8)
arbeiten
mane (3.5)
morgens
lac(l.ll)
Milch
manere (3.12)
bleiben
lacus (2.7)
See, Bassin
mansio (2.4)
Aufenthalt
laetari (3.10)
sich freuen
manus (2.7)
Hand
lana (3.6)
Wolle
mare (1.10)
Meer
iapis (1.11)
Stein
margo (2.6)
Rand
largiri (2.12)
schenken
maritus (2.4)
Gatte
latitudo (3.1)
Breite
marmor (1.11)
Marmor
latro (2.13)
Räuber
matella (2.5)
Nachttopf
latus (2.9)
weit
mater (1.7)
Mutter
laudare (1.4)
loben
materia (2.3)
(Bau)Material
lavare (1.2)
waschen
matrona (2.6)
Frau
laxus (2.9)
locker
mederi (3.12)
heilen
lectus (2.5)
Bett
medicina (1.4)
Heilmittel
legere (1.1)
lesen
medicus (1.4)
Arzt
leo(l.ll)
Löwe
medius (2.8)
mitten
levare (3.3)
erleichtern
mei (1.11)
Honig
lex (1.11)
Gesetz
memini (3.7)
ich erinnere mich
libenter (3.6)
gern
memoria (2.4)
Gedächtnis
liber (1.2)
Buch
mensa (1.1)
Tisch
liber (1.4)
frei
mensis (1.11)
Monat
liberare (1.6)
befreien
mercator (1.6)
Kaufmann
liberi (1.2)
Kinder
merces (1.13)
Lohn
libertinus (1.4)
Freigelassener
merere (2.13)
verdienen
libra (2.1)
Waage
meridie (3.5)
mittags
licet (2.9)
es ist erlaubt
meridies (2.11)
Mittag
limes (1.11)
Grenze
metus (3.10)
Furcht
lingua (1.5)
Zunge, Sprache
meus (1.5)
mein
lis (1.9)
Streit
ministerium (1.3)
Dienst, Amt
littera (1.2)
Buchstabe
ministrare (1.7)
bedienen
litterae (1.2)
Brief
mirabilis (3.5)
wunderbar
litus (2.4)
Küste
mirari (3.10)
sich wundern
locare (2.5)
vermieten
miser (1.4)
arm
loci (1.3)
Stellen (in Büchern)
mittere (1.11)
schicken
locus (1.3)
Ort
modius (2.1)
Scheffel
longus (1.11)
lang
modus (2.11)
Art, Weise
loqui (2.12)
sprechen
moenia (2.10)
Stadtmauer
ludere (2.1)
spielen
molestus (1.12)
lästig
ludus (2.12)
Spiel
moliri (2.6)
in Bewegung set¬
lumen (3.13)
Licht
zen
luna (3.10)
Mond
monere (1.1)
ermahnen
284
mons (1.11)
Berg
novi (3.7)
ich kenne
monstrare (2.7)
zeigen
novus (3.5)
neu
morbus (1.4)
Krankheit
nox (3.10)
Nacht
mordere (3.12)
beißen
nullo pacto (2.11)
unter keinen Um¬
mors (1.9)
Tod
ständen
movere (3.12)
bewegen
nullus (3.6)
kein
multitudo (2.11)
Menge
numen (3.9)
Gottheit
multus (1.5)
viel
numquam (3.12)
niemals
munditiae (3.12)
Sauberkeit
nunc (3.12)
jetzt
munire (2.3)
befestigen
nuntiare (3.10)
melden
mutus (2.11)
stumm
nusquam (3.12)
nirgendwo
nam (3.8)
denn
obire (3.4)
hingehen
narrare (3.10)
erzählen
obicere (3.5)
verwerfen
nasci (2.8)
geboren werden
oblivisci (3.10)
vergessen
natalis (2.3)
Geburtstag
obstringere (3.9)
festbinden
natare (2.9)
schwimmen
occasio (3.6)
Gelegenheit
natura (1.5)
Natur
oculus(1.5)
Auge
nauta (1.1)
Seemann
odi (3.7)
ich hasse
navigare (3.8)
segeln
offerre (3.2)
darbieten
navigium (2.13)
Schiff
officium (1.4)
Pflicht
navis (1.9)
Schiff
oleum (1.2)
Öl
ne (1.9)
damit nicht
olim (3.12)
einst
ne... . quidem
nicht einmal
omnis (2.3)
ganz, all, jeder
(2.5)
oportet (3.9)
es gehört sich
nec, neque (3.12)
und nicht
oppidum (2.10)
(kleine) Stadt
necessarius (2.10)
notwendig
oppugnare (1.12)
belagern
nefas (1.11)
Frevel
optare (3.9)
wünschen
negare (3.10)
verneinen
opus (3.3)
Werk
neglegere (3.12)
vernachlässigen
oratio (1.6)
Rede
nemo (3.6)
niemand
orator (1.6)
Redner
neque . . . neque
weder. . . noch
orbis (1.11)
(Erd) Kreis
(3.12)
ordo (1.11)
Ordnung
nescire (3.10)
nicht wissen
ornatus (3.12)
Ausstattung
neuter(3.7)
keiner (von beiden)
osd.ll)
Knochen
neve (1.9)
und daß nicht
os(l.ll)
Mund
nihil (3.6)
nichts
ostium (3.1)
(Tür)Öffnung
nimium (3.13)
allzusehr
otium (3.13)
Muße
nisi (1.12)
wenn nicht
ovum (3.2)
Ei
niti (2.6)
sich stützen auf
nix (1.9)
Schnee
paenitet (3.9)
es reut
nocens(2.8)
schädlich
paluster (2.3)
sumpfig
nocere (3.11)
schaden
parare (1.7)
bereiten
nolle (3.3)
nicht wollen
parere (3.6)
gehorchen
non (1.10)
nicht
paries (1.7)
Wand
non solum . . .
nicht nur.. .
pars (1.11)
Teil
sed etiam (1.6)
sondern auch
partes (1.11)
Partei
noster (1.5)
unser
particeps (2.4)
teilhaftig
nota (2.1)
Zeichen
parvus (2.13)
klein
285
pater (1.5)
patere (3.12)
pati (2.12)
patientia (1.6)
patria (2.5)
patronus (2.2)
pauper (2.5)
pecunia (2.1)
pecus (2.1)
penates (1.11)
per (2.7)
perdere (3.13)
perfectio (2.9)
perferre (3.2)
perficere (3.1)
perfidus (2.5)
periculosus (1.4)
periculum (1.4)
perire (3.4)
peritus (2.13)
permovere (3.12)
persona (3.9)
persuadere (3.10)
perturbare (3.10)
pes(l.ll)
petere (2.4)
pictor (2.13)
pictura (2.13)
pilum (1.11)
pingere (2.13)
pirata (2.13)
piscina (2.9)
piscis (1.11)
placare (3.3)
placet (3.9)
plumbum (2.8)
poena (1.5)
Peloponnesus
(1.3)
polliceri (3.12)
Pompei (1.3)
ponere (2.8)
pons (1.11)
popina (2.5)
populus (1.5)
portare (1.1)
porticus (2.7)
posse (2.11)
Vater
offen stehen
leiden
Geduld
Vaterland
Patron
arm
Geld
Vieh
Hausgötter
durch
vernichten
Vollendung
überbringen
vollenden
treulos
gefährlich
Gefahr
zugrunde gehen
erfahren
heftig bewegen
Person
überreden
verwirren
Fuß
erstreben
Maler
Malerei
Wurfspeer
malen
Seeräuber
Fischteich
Fisch
beruhigen
es gefällt
Blei
Strafe
Peloponnes
versprechen
Pompeji
setzen, stellen,
legen
Brücke
Kneipe
Volk
tragen
Säulenhalle
können
possidere (3.12)
posteri (1.2)
postridie (3.10)
postulare (1.13)
potens (2.5)
praebere (3.11)
praedium (1.3)
praeesse (2.11)
praeficere (3.1)
praestare (1.12)
praestat (3.9)
praeterire (3.4)
pratum (1.2)
premere (2.4)
pretium (1.2)
princeps (2.5)
principium (2.10)
prior (1.12)
privatus (1.7)
pro (1.8)
probare (3.12)
procedere (3.3)
procurrere (2.10)
prodigium (3.10)
prodire (3.4)
profiteri (3.12)
prohibere (3.11)
proicere (2.10)
promere (2.2)
promittere (2.4)
propter (3.7)
propulsare (2.10)
publicus (2.8)
pudet (3.6)
puella (1.3)
puer (1.2)
pugnare (3.5)
pulcher (1.4)
pulvis (1.11)
puppis (1.10)
purpureus (3.2)
putare (3.10)
puteus (2.6)
qua (3.12)
quadratus (2.10)
quaerere (2.6)
quaeso (3.7)
qualis (3.9)
besitzen
Nachkommen
am folgenden Tag
fordern
mächtig
darreichen
Landgut
vorstehen
voranstellen
voranstehen
es ist besser
Vorbeigehen
Wiese
drücken
Preis
der erste
Anfang
früher
eigen
für
prüfen
hervortreten
vorlaufen
Vorzeichen
(her)vorgehen
offen erklären
verhindern
vorwerfen
hervorholen
versprechen
wegen
abweh ren
öffentlich
es beschämt
Mädchen
Knabe
kämpfen
schön
Staub
Achterdeck
purpurn
glauben
Brunnen
wie
viereckig
suchen, fragen
(ich) bitte
wie beschaffen
286
quam (1.6)
quando (3.12)
quantus (3.2)
quasi (2.13)
quatere (3.8)
-que (1.10)
quemadmodum
(2.5)
queri (3.10)
qui (1.12)
quicumque (3.3)
quilibet (3.5)
quis (3.3)
quisnam (3.3)
quisquam (3.4)
quisque (3.5)
quisquis (3.3)
quivis (3.5)
quo (3.12)
quod (2.7)
quot (3.9)
quotiens (3.12)
radix (3.2)
raptare (3.12)
raro (1.5)
ratio (3.3)
recensere (3.11)
rectus (1.12)
redire (3.4)
referre (3.2)
refert (3.9)
regere (3.9)
religare (3.12)
religio (3.7)
relinquere (1.9)
reliquiae (1.3)
reperire (2.6)
replere (3.3)
reri (3.12)
res (2.11)
res publica (2.11)
rescindere (2.3)
respondere (3.10)
restare (3.10)
reus (1.8)
reverti (3.11)
rex (1.7)
Rhodus (1.3)
wie, als
wann
wie groß
gleichsam
schütteln
und
wie
klagen
welcher
wer auch Immer
jeder beliebige
wer
wer denn
irgendwer
jeder
wer auch immer
jeder beliebige
wohin
weil
wie viele
wie oft
Wurzel
rauben
selten
Verstand
mustern
richtig
zurückkehren
zurückbringen
es ist wichtig
lenken
festbinden
Gottesfurcht
verlassen
Überreste
finden
wieder anfüllen
meinen
Sache
Staat
wieder aufreißen
antworten
übrig bleiben
Angeklagter
zurückkehren
König
Rhodos
ridere (3.10)
rogare (2.6)
Roma (1.1)
rostra (1.3)
rostrum (1.3)
rotundus (3.11)
rubor (3.12)
rusticitas (3.12)
rusticus (1.1)
saepe (1.5)
sal (1.11)
saluber (2.5)
salus (1.11)
salutare (2.1)
salve (3.7)
salvus (3.11)
sanguis (1.11)
sanus (1.11)
sapiens (3.8)
satiare (2.6)
satis (1.5)
satisfacere (3.1)
saxum (2.3)
scaenicus (3.3)
scire (3.9)
scribere (3.10)
secare (3.10)
securis (1.10)
sed (1.10)
sedere (3.13)
senator (1.7)
senatus (3.7)
senex (1.11)
sensus (3.12)
sentire (3.8)
sepelire (1.9)
September (2.3)
septentriones
(1.11)
serenus (3.10)
sermo (1.11)
servare (1.2)
servus (1.2)
si (1.2)
sic (3.12)
sidus (2.5)
signare (2.1)
silex (2.3)
lachen
bitten
Rom
Rednertribüne
Schnabel
rund
Röte
Rohheit
ländlich, Bauer
oft
Salz
gesund
Heil
grüßen
sei gegrüßt
gesund
Blut
gesund
weise
sättigen
genug
Genüge leisten
Fels(block)
szenisch
wissen
schreiben
schneiden
Beil
aber, sondern
sitzen
Senator
Senat
Greis
Gefühl
fühlen
begraben
September
Norden
heiter
Rede
beachten, bewahren
Sklave
wenn
so
Gestirn
prägen
Kieselstein
287
similis (2.10)
simplex (3.2)
simul (2.6)
simulare (3.10)
sine (2.11)
singuli (1.13)
sinister (1.4)
sitire (2.6)
sitis (1.10)
sol (1.11)
solere (2.12)
solus (3.7)
solvere (2.1)
sonare (3.10)
sonitus (3.13)
sospes (2.5)
spectaculum (3.5)
spectare (3.5)
speculum (3.12)
sperare (3.11)
spondere (3.12)
stare (3.10)
statuere (3.6)
sternere (2.3)
stringere (1.12)
studere (3.11)
studium (3.5)
suadere (3.12)
subire (3.4)
subito (3.10)
succingere (3.12)
sulcus (2.3)
sumere (3.11)
summus (1.8)
superare (1.10)
superesse (3.13)
superstes (2.5)
superstitio (3.3)
suspendere (2.5)
symmetria (3.1)
taberna (2.5)
tacere (3.11)
tacitus (3.9)
talis (3.9)
tam . .. quam
(1.8)
tamquam (1.11)
gleich, ähnlich
einfach
gleichzeitig
vorgeben
ohne
die einzelnen
links
dürsten
Durst
Sonne
pflegen, gewohnt
sein
allein
bezahlen
tönen
Klang
wohlbehalten
Schauspiel
sehen
Spiegel
hoffen
geloben
stehen
hinstellen
hinstreuen
ziehen
sich bemühen
Eifer
raten, Zureden
herangehen
plötzlich
schürzen
Furche
nehmen
der höchste
besiegen
übrig sein
überlebend
Aberglaube
aufhängen
Symmetrie
(Schank)Bude
schweigen
schweigend
so beschaffen
so . . . wie
gleichwie
tantopere (3.12)
tantundem (3.9)
tantus (2.6)
tegere (3.12)
tempestas (3.8)
tempus (2.8)
tener(1.4)
tenere (3.9)
tentorium (1.11)
tenuitas (3.9)
tepidus (2.9)
terminare (3.10)
terra (1.1)
terrere (3.11)
Thebae (1.3)
thermae (2.9)
timere (1.9)
timor (1.9)
toga (3.11)
tollere (3.2)
tondere (3.12)
torpere (3.13)
tortor (2.5)
tot (3.9)
totiens (3.9)
totus (3.7)
trabs (2.3)
tradere (3.7)
transire (3.4)
tribuere (3.6)
tribus (2.7)
triclinium (3.2)
triticum (2.1)
tubulus (2.8)
tueri (3.12)
tum (2.6)
turma (2.11)
turris (1.10)
tussis (1.10)
ubique (3.12)
ullus (3.4)
umerus (3.12)
umquam (3.9)
unde (3.12)
universus (1.12)
unus (3.7)
urbanus (1.4)
urbs (1.9)
so sehr
ebenso viel
so groß
decken
Sturm
Zeit
zart
halten
Zelt
Dünnheit
warm
begrenzen
Erde
erschrecken
Theben
Thermen
fürchten
Furcht
Toga
aufheben
scheren
erstarren
Folterknecht
so viele
wie oft
ganz
Balken
übergeben
hinübergehen
Zuteilen
Stadtteil
Speisesaal
Weizen
Röhre
(be)schützen
dann
Abteilung
Turm
Husten
überall
irgendeiner
Schulter
jemals
woher
ganz
einer
städtisch
Stadt
288
urere (1.9)
ursus (3.5)
usquam (3.12)
usus (2.7)
ut (1.3)
uter (3.3)
uti (3.6)
utilitas (2.11)
utrimque (3.4)
uxor (3.6)
vadum (2.6)
vale (3.7)
valere (2.1)
validus (1.11)
varius (1.5)
vas (1.11)
ve) (2.10)
velle (3.3)
vena (2.7)
venari (2.5)
vendere (1.2)
venerari (3.6)
venire (2.6)
venire (3.4)
venustas (3.1)
vertex (1.11)
verus (3.1)
vesper(1.2)
verbrennen
Bär
irgendwo
Gebraucli
daß, damit
wer (von zweien)
gebrauchen
Nutzen
auf beiden Seiten
Gattin
Furt
leb wohl
stark sein
kräftig
verschieden
Gefäß
oder
wollen
Ader
auf die Jagd gehen
verkaufen
verehren
kommen
verkauft werden
Lieblichkeit
Wirbel
wahr
Abend
vestimentum (1.3)
vestis (1.11)
vetare (3.10)
vetus (2.5)
victoria (1.12)
videre (1.5)
videri (3.13)
vilicus (1.2)
villa (1.1)
vincere (1.9)
vinculum (2.11)
vinum (1.2)
violentus (2.4)
vir (1.2)
virgineus (3.12)
virgo (2.7)
virguncula (2.6)
virilis (3.11)
virtus (1.7)
vis (1.10)
vivere (2.9)
vix (2.5)
vocare (3.10)
voluntas (1.12)
voluptas (2.6)
vox (3.6)
vulgus (2.9)
vulpecula (2.6)
vulpes (2.6)
Kleid
Kleidung
verbieten
alt
Sieg
sehen
scheinen
Verwalter
Landhaus
siegen
Fessel
Wein
heftig
Mann
jungfräulich
Jungfrau
Mädchen
männlich
Tugend
Kraft
leben
kaum
rufen
Wille
Vergnügen
Stimme
Masse, Pöbel
Füchslein
Fuchs
289