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Теги: zeitschrift zeitschrift trend
Год: 2021
Текст
Für Menschen in
unternehmerischer
Verantwortung
Klüger lesen,
schöner reisen,
besser essen:
Das SommerService des
Österreichische Post AG WZ 16Z040645 W VGN Medien Holding GmbH, Taborstraße 1-3, 1020 Wien, Retouren an Postfach 100, 1350 Wien
€ 7,50 / 25. JUNI 2021
Felix Ohswald und
Gregor Müller,
GoStudent (hinten)
Eric Demuth und
Paul Klanschek,
Bitpanda
Junge Start-up-Millionäre
verweisen Old-EconomyGrößen auf die Plätze
TREND
WIRTSCHAFT
INTERN
weber.andreas@trend.at
Liebe Leserin, lieber Leser!
H
ERZLICH WILLKOMMEN zu diesem trend.PREMIUM.
Wir präsentieren Teil zwei unseres klassischen Doppels
in den Juni-Heften: in der vergangenen Ausgabe das
Ranking der 500 größten Unternehmen Österreichs
und diesmal die Rangliste der 100 reichsten Österreicher. Vanessa Voss und Andreas Lampl, die Autoren der
Titelgeschichte, haben wieder viel Rechenarbeit hinter sich. Denn bei den
Vermögen der wirklich Wohlhabenden in diesem Land hat sich einiges getan. Trotz Corona sind diese nämlich spürbar gewachsen. Erstmals besitzen
ANDREAS WEBER
die 100 reichsten Österreicher insgesamt mehr als 200 Milliarden, was fast
CHEFREDAKTEUR
zehn Prozent des heimischen Gesamtvermögens entspricht. An der Spitze
liegen traditionell die Familien Piëch und Porsche, gefolgt von Dietrich
Mateschitz. Auffälligste Veränderung in den Top Ten: Investor Michael
Tojner auf Platz sieben, der sein Vermögen auf beachtliche 4,7 Milliar- II
den steigern konnte und nur noch 200 Millionen hinten Immobilien
tycoon Réne Benko liegt. Größte Überraschung beim diesjährigen
Ranking: Erstmals machen Start-up-Millionäre Etablierten der Old
Economy massiv Konkurrenz. So sind die GoStudent-Gründer
Felix Ohswald und Gregor Müller die jüngsten Selfmade-Millionäre
im Ranking, zusammen immerhin 300 Millionen Euro schwer.
Titelgeschichte ab Seite 28.
II
Nach mehrfachem Verschieben des Termins war es am Montag,
dem 21. Juni, so weit. Bernhard Ecker traf in Wattens den CEO des
Glitzerimperiums Swarovski zum Exklusivinterview. Robert Buchbauer,
innerhalb der zerstrittenen Familienstämme nicht unumstritten, hält an
seinen Umbauplänen für den Tiroler Kristallkonzern eisern fest und
präsentierte dem trend – ebenfalls exklusiv – das Modell, mit dem der
komplexe Konzern künftig gesteuert werden soll (ab Seite 38).
Abschließend noch der Hinweis auf eine neue sogenannte CommunityAusgabe aus unserem Haus. trend.LAW ist ein maßgeschneidertes Produkt für alle Anwälte und Topjuristen des Landes. Das Heft ist im freien
Handel nicht erhältlich. Sollten Sie es nicht zugesendet bekommen
haben und trotzdem daran interessiert sein, bestellen Sie es einfach unter
redaktion@trend.at. Spannende Lektüre wünscht Ihnen
Erstmals machen
Start-up-Millionäre im
Ranking der reichsten
Österreicher Etablierten
der Old Economy massiv
Konkurrenz.
ANDREAS WEBER
FOTO: LUKAS ILGNER
NEUES PRODUKT aus unserem
Haus. Der trend.LAW richtet
sich an die Anwälte und
Topjuristen des Landes.
EXKLUSIVTERMIN. Bernhard Ecker (r.) trifft in Wattens den
CEO des Swarovski-Konzerns, Robert Buchbauer, zum Interview.
Die nächste Ausgabe des trend
erscheint am Freitag, dem 9. Juli 2021.
25. 6. 2021 | T RE ND
5
25. JUNI 2021
28
COVER
Das traditionelle trendRanking der 100 reichsten
Österreicher. Start-upMillionäre wie die
GoStudent-Gründer
sind erstmals dabei.
Die 100 Reichsten besitzen mehr als
200 Milliarden Euro und damit fast zehn Prozent
des heimischen Gesamtvermögens.
6
T REND | 25. 6. 2021
38
PRIVAT
SWAROVSKI
152 AKTUELL
Swarovski-CEO Robert
Buchbauer im trendExklusivinterview über seine
Umbaupläne für den angeschlagenen Kristallkonzern.
Künstlerkollektiv Gelitin im Tiroler Landesmuseum • Styriarte in Graz • Seefestspiele Mörbisch • Knapps Liste
154 LESELISTE
Spitzenbücher für jeden Geschmack.
160 REISE
Ruhe vor dem Touristensturm: trendTraveller Gerald Sturz im noch
entspannten Florenz • Hoteltipp
163 REAKTIONEN
Leserbriefe • Impressum
164 MAHR UNTERWEGS
Wo es zwischen Cannes und
Saint-Tropez die besten Austern gibt.
166 AUTO
START
8 AKTUELL I
Puls-4-Chef Markus Breitenecker
raucht die Friedenspfeife mit dem
ORF • trend-Umfrage: wie die Österreicher nach Corona arbeiten wollen
10 AKTUELL II
Berater Alois Czipin verkauft seine
Firma • Erratum • Neue Troubles bei
Hygiene Austria
12 AKTUELL III
PwC-Studie: Familienunternehmen
nach der Krise • Disput Bank Austria
gegen 3 Banken Gruppe geht weiter
14 POLITIK BACKSTAGE
Josef Votzi über die Doppelstrategie
von Sebastian Kurz, um sich aus dem
Skandalsumpf zu ziehen.
ÖSTERR E ICH
28 COVER
Die 100 reichsten Österreicher.
38 SWAROVSKI
Swarovski-CEO Robert Buchbauer
und sein Reformvorhaben für den
Tiroler Kristallkonzern.
44 INTERVIEW
Ex-Kanzler und doppelter Aufsichtsratschef Alfred Gusenbauer.
48 START-UP
ParityQC bietet den Bauplan für
Quantencomputer.
50 UMWELT
WKO-Präsident Harald Mahrer
wehrt sich gegen Vorwürfe, die
Kammer sei ein Klimasünder.
52 PORTRÄT
Klimaanwältin Michaela Krömer.
54 KLIMASCHUTZWETTBEWERB
Gesucht werden die besten Ideen,
um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
FOTOS: LUKAS ILGNER (2), EDWARDQUINN.COM; COVER: LUKAS ILGNER, BITPANDA
56 START-UP
STANDPU NKTE
16 LEITARTIKEL
Andreas Lampl über mangelnde
Zukunftsperspektiven der jungen
Generation.
18 AUS DER REDAKTION
Angelika Kramer • Franz C. Bauer •
Martina Bachler
20 GASTKOMMENTAR
Franz Ferdinand Wolf über Härte
und Maßlosigkeit der politischen
Auseinandersetzung.
22 GASTKOMMENTAR
Rainer Kraft und Birgit Kronberger
über zu wenig Praxisexpertise im
Gesetzgebungsprozess.
24 ESSAY
Helmut A. Gansterer erklärt, warum
nicht alles an Corona grausig ist.
Die fünf Sieger der Start-up-Compe
tition des CASH Handelsforums.
58 IMMOBILIEN
Wohnimmobilien am Wasser versprechen rasante Wertsteigerungen.
SPE ZIAL
SERVICE
120 GELD
Das britische Pfund hat den Euro
abgehängt • Aktien-Favorit Geberit •
Anlagestrategie • Raiffeisen-Zertifikat
122 TOURISMUSAKTIEN
Welche Aktien und ETFs von der
Reise-Aufbruchstimmung profitieren.
Der Porsche Boxster wird 25.
166 BODY & SOUL
Nespresso-Chef Alessandro Piccinini
liebt fremde Kreativität als Inspiration.
170 SPRECHEN SIE
WIRTSCHAFT?
Comedian Gernot Kulis würde sein
letztes Geld definitiv für ein Rückflugticket nach Hause ausgeben.
124 BÖRSENSPIEL
Die Demokratisierung an den Börsen.
Plus: 5 Tipps für den Aktienhandel.
130 PRIVATE BANKING
Auf welche Aktien und alternativen
Anlageformen Experten setzen.
133 GASTKOMMENTAR
Ken Fisher über Währungsschwankungen und warum sie keine Auswirkungen auf die Börsenkurse haben.
138 TREND-TEST
Was Österreichs beste Reiseversicherer zu bieten haben.
144 KARRIERE
154
SOMMER
Klüger lesen, schöner reisen,
besser essen mit dem trend.
Im Bild: Neuauflage des KultBildbands „Riviera Cocktail“.
Wie Millennials und Generation Z im
Job ticken • Handel umwirbt IT-Kräfte
• Arbeiten per Smartphone • Webinare
148 KOLUMNE
Robin Lumsden über den Versuch,
in Kalifornien die Impfbereitschaft
zu steigern.
151 BUSINESS CLASS
Wie Alois Czipin der Spagat zwischen
einem besonders schwierigen Projekt
und einem lange geplanten Familien
urlaub geglückt ist.
126 PRIVATE BANKING
Nachhaltigkeitskriterien bei der
Veranlagung werden bedeutsamer.
134 STRATEGIE
Mit welchen Megatrends Sie
am besten Ihr Vermögen sichern.
140 IMMOBILIEN
Bauherrenmodelle mit alternativer
Nutzung für mehrere Generationen.
146 KLIMAZIEL
Nachhaltigkeitsberatung hinsichtlich
Regulierungs- und Berichtspflichten.
TREND
BRANCHEN
SEITEN 66 BIS 76
25. 6. 2021 | T RE ND
7
TREND
WIRTSCHAFT
VON B ER N HA R D E C K E R
Puls-4-Chef Markus
Breitenecker ist mit seiner
Strategie digitaler Allianzen
in der Realität angekommen:
Gemacht wird, was möglich
ist. Um den ORF-Generalsjob will er sich nicht
bewerben.
D
NEUE TÖNE. Senderchef Markus
Breitenecker
bilanziert, wo
Kooperationen
funktionieren –
und wo nicht. Den
„österreichischen
Streaming-Champion“ will er aber
selbst schaffen.
DAS DUELL
DER PLAYER
8
T REND | 25. 6. 2021
er stets selbstbewusste und
angriffslustige Privat-TVBoss Markus Breitenecker
war zuletzt auffällig leise.
Seine Sendergruppe ProSiebenSat.1-Puls 4 hat zwar
die Marktführerschaft bei den jungen
Zuschauern auch in der Pandemie verteidigt, musste aber 2020 Umsatzrückgänge einstecken, das zweite Quartal mit
einem Minus im zweistelligen Prozentbereich sei „ein brutaler Schock“ gewesen, sagt Breitenecker.
Doch nun tritt er wieder mit strategischen Ansagen in Erscheinung. Am 25.
Juni gibt es auf „seinem“ News-Sender
Puls 24 sogar eine eigene, einstündige
Unternehmenspräsentation als Show.
Zufällig kurz vor der ORF-Generaldirektorenwahl? „Das hat mit der ORF-Wahl
gar nichts zu tun“, sagt Breitenecker mit
Bestimmtheit. Nachsatz: „Und nein, ich
werde mich nicht für den Job des
ORF-Generaldirektors bewerben.“ Seit
Jahren wird er, auch wegen seiner guten
Verbindungen ins türkise Machtzen
trum, als potenzieller Interessent für den
Wrabetz-Posten genannt.
Breiteneckers neue Strategieansage ist
genau genommen die Erkenntnis, dass
große Visionen nicht umzusetzen sind.
Seit Jahren trommelt er die Notwendigkeit von Allianzen: zwischen lokalen,
regionalen oder nationalen Medienhäusern – gegen die digitalen Silicon-Valley-
Giganten wie Google oder Netflix. Doch
die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, so
Breitenecker, hält sich in Grenzen: „Wir
haben erkannt, dass es nicht zielführend
ist, erst mit allen zu diskutieren, auf
welche Plattform man sich einigt. Es
herrscht zu viel Misstrauen, wenn es um
Kooperation geht. Dieser Ansatz hat also
wenig gebracht.“
Auf der großen Ebene ist er ohnehin
desillusioniert: Einen europäischen Play-
er als Gegenwicht zu Amazon & Co. zu
formen, „ist deshalb schwer zu reali
sieren, weil Bewegtbild sprachlich sehr
begrenzt ist“.
Deshalb geht er nun von der Praxis
aus. Was umsetzbar ist, wird gemacht –
Ultrapragmatismus der neuen Breiten
ecker’schen Art. Konkret verweist er
darauf, in welchen Bereichen es nach
mehrmaligem Anlauf gelungen ist, mit
anderen Medienhäusern zusammenzu
arbeiten: „Wir können jetzt Bilanz zie
hen, was in der Praxis funktioniert: das
Austria Log-in, der Austria Marketpla
ce, die Austria Videoplattform und der
Austria Player“, zählt Breitenecker auf:
„In all diesen Bereichen gibt es zahlrei
che Kooperationen: mit dem ORF eben
so wie mit der VGN, mit Magenta eben
so wie mit dem Handelsverband, mit
Red Bull ebenso wie mit der ‚Krone‘.“
Und das sei, ergänzt er, „eine unvollstän
dige Aufzählung“. Sogar in Richtung
Küniglberg spuckt er keine großen Töne
mehr: Er ist froh, wenn der ORF bei
dem einen oder anderen Kooperations
projekt an Bord ist.
FOTOS: PULS 4/BERNHARD EDER, BEIGESTELLT
STAAT UND MARKT. De facto bringt er
jedoch im gleichen Atemzug sein „größ
tes Projekt“, einen Austria Player mit der
App Zappn, in Stellung – gegen das riva
lisierende Mammutprojekt ORF-Player.
Es soll „ein österreichischer StreamingChampion“ werden, genau, wie ihn der
ORF realisieren will: Inhalte verschie
denster Anbieter, viel österreichischer
Content, Mediatheken. Die App wurde
inzwischen 1,8 Millionen Mal herunter
geladen, berichtet der Senderchef. Aktu
ell gebe es 939.000 monatlich aktive
User, „ein unerwarteter Erfolg.“
Übersetzt heißt das: Jeder macht jetzt
sein eigenes Ding, und der Markt soll
entscheiden, was sich am Ende durch
setzt, denn Platz für mehrere österrei
chische Player wird es realistischerweise
kaum geben.
Dass dieser Markt aber den Staat als
Regulator braucht, ist auch Breitenecker
klar. Deshalb kann er sich, wenngleich in
staatstragendem Ton, am Ende einen
kleinen Seitenhieb in Richtung ORF
dann doch nicht verkneifen: „Wir haben
uns aus dem Thema ORF-Wahlen be
wusst herausgehalten. Der im letzten
Jahr aber stärkere Ruf nach Staat und
Förderungen ist nicht gut für Unterneh
men. Für ein Medienunternehmen ist
die tatsächliche Unabhängigkeit von
Staat und Politik wichtig.“
Gemischte Gefühle im Homeoffice:
Arbeitserfahrungen in der Pandemie
Die große trend-Umfrage: Welchen Einfluss die Erfahrungen
der Pandemie auf den Stellenwert der Arbeit und den Wunsch
nach Vereinbarkeit mit dem Privatleben hatten.
Je stärker in den Firmen wieder auf
Präsenz gesetzt wird, umso mehr
wird die Notwendigkeit klarer
Homeoffice-Regelungen ersichtlich. Denn
viele Arbeitnehmer, berichten Arbeitsmarkt
experten, müssen nach der Erfahrung von
Kurzarbeit und Distanzarbeit in der Pandemie
nun quasi in einen anderen Modus schalten.
Wer die Vorzüge des hybriden Arbeitens oder
von weniger Arbeitsstunden entdeckt hat,
will oft auch dabei bleiben. Haben die
Corona-Erfahrungen die Einstellung zur
Arbeit generell verändert – und haben sie
dem Thema Work-Life-Balance noch einmal
einen Schub gegeben?
Eine Umfrage des Linzer market-Instituts
für den trend legt nahe, dass die Pandemie
jedenfalls auch in dieser Hinsicht nicht
spurlos an den Österreichern vorbeigegangen ist. 28 Prozent geben an, dass sich der
Stellenwert der Arbeit durch die Corona-Erfahrung in ihrem Leben verändert hat.
44 Prozent sagen Nein. 28 Prozent der
1.000 Befragten sind nicht (mehr) berufstätig.
Der Ausgleich zwischen Berufs- und
Privatleben scheint insgesamt an Bedeutung
zu gewinnen. Laut market sagt fast ein
Viertel, 23 Prozent, der Befragten, dass sie
künftig mehr Wert auf Work-Life-Balance
legen wollen. Weitere 40 Prozent antworten
mit „eher doch“. Insgesamt 37 Prozent sind
bei diesem Punkt eher skeptisch.
Sehr gemischt ist das Meinungsbild
bei der Einstellung zum Homeoffice. Für
31 Prozent ist es kein erstrebenswertes Ziel.
Auffälliges Detail: Die Zustimmung ist bei
den unter 30-Jährigen und bei den 40- bis
50-Jährigen deutlich höher. „In der Alters
phase dazwischen sind oft Kleinkinder im
Haus“, interpretiert market-Expertin Birgit
Starmayr diese Kluft als Erfahrung von
altersspezifischem Homeoffice-Horror.
Grundsätzlich können sich 22 Prozent der
Befragten Arbeit von zu Hause an einem Tag
pro Woche vorstellen, weitere 33 Prozent
sogar an zwei und mehr Arbeitstagen.
Dauerhaft den Job in die eigenen vier Wände
zu verlegen, halten dagegen nur 14 Prozent
für ein erstrebenswertes Ziel. „So wirklich
überzeugt ist man nicht, dass Homeoffice
eine Alternative ist“, fasst Starmayr
zusammen.
BECK
Hat sich der Stellenwert der Arbeit in
der Pandemie für Sie verändert?
28 %
Ja
28 %
nicht (mehr)
berufstätig
44 %
Nein
Werden Sie künftig mehr Wert auf
Work-Life-Balance legen?
16 %
sicher nicht
21 %
eher weniger
23 %
auf jeden Fall
40 %
eher doch
Ist für Sie Homepffice ein erstrebenswertes Ziel?
14 %
gesamte
Arbeitswoche
31 %
Nein, nicht
wirklich
33 %
An 2-3
Tagen/Woche
22 %
An einem
Tag/Woche
Diese repräsentative
trend-Umfrage wurde vom
market-Institut durchgeführt.
n = 1.000 Befragte.
market.at
BIRGIT STARMAYR,
market-Institut
25. 6. 2021 | T RE ND
9
TREND
WIRTSCHAFT
START
ALOIS CZIPIN, 65,
der Produktivitätsberater, will nun unter
dem Dach einer französischen Gruppe
seine Dienstleistungen erweitern. Czipin
ist seit längerer Zeit
auch trend-Kolumnist
(siehe Seite 151).
Einmal geht’s noch
V
or zwei Jahrzehnten verkaufte
Unternehmensberater Alois
Czipin sein damaliges Unternehmen an den britischen
Consulter Proudfoot. Er machte dabei
gutes Geld, aber die Sache ging nicht gut
aus. Eigentlich sollte Czipin an Bord
bleiben, aber die neuen Eigentümer
hatten ihre eigenen Vorstellungen, und
er war bald raus.
Er gründete ein neues Unternehmen,
das sich wieder auf Produktivitätssteigerung spezialisierte – und verkaufte es
jetzt fast genau auf den Tag 20 Jahre
nach dem ersten Deal an Efeso, eine
Consultinggruppe mit Hauptsitz in Paris, die 600 Leute beschäftigt. „Efeso ist
ebenfalls stark in der Verbesserung von
Produktionen und damit der perfekte
Partner für uns“, gibt sich Alois Czipin
überzeugt, dass es diesmal besser klappt:
„Wir werden in Österreich weiter unter
unserer Marke agieren und unsere Stärke in Vertrieb und Marketing in die gesamte Gruppe einbringen.“ Nachsatz:
„Die Schmerzen, mit denen ich den ersten Verkauf bezahlt habe, werden sich
nicht wiederholen.“
10
T REND | 25. 6. 2021
Czipin hat seine Anteile komplett abgegeben, wird aber mit seinen 30 Leuten
die Länderverantwortung für Österreich
behalten. Und er wird einer der größeren
Partner (und Teilhaber) bei Efeso
Consulting sein. Zu 75 Prozent gehört
die Gesellschaft einem Private Equity
Fund im Dunstkreis der berühmten
Familie Lazard.
Der 65-jährige Produktivitätsberater
meint, er hätte drei Optionen gehabt: zu
warten, bis jemand auftaucht, der die
Firma weiterführt, oder mit zunehmendem Alter langsam zu schrumpfen oder
eben mit einem starken Partner noch
eine Zeit lang weiterzumachen und zu
internationalisieren. „Das hätte ich aus
eigener Kraft nicht mehr geschafft. Wir
haben ein gutes System für Effizienz
steigerungen, aber Themen wie Digitalisierung oder Industrie 4.0 nur wenig
beleuchtet. Jetzt können wir auch diese
Bereiche anbieten.“
Im Übrigen sei das Produktivitäts
dilemma gerade im Wandel begriffen:
Denn die meisten Unternehmen hätten
schlicht zu wenig Personal, um alle Aufträge zu bewältigen, die sie bekommen
könnten.
Für vorerst fünf Jahre ist Alois Czipin
noch fix bei Efeso engagiert: „Ein neues
Kapitel in meinem Leben.“ – erstmals
nicht mehr als ausschließlich eigen
ALP
verantwortlicher Unternehmer.
Erratum
In der Story über das oberösterreichische
Fotobuch-Unternehmen HappyFoto auf
Seite 52 in trend Top 500 (Juni 2021) ist ein
bedauerlicher Irrtum passiert. Zu
den Kunden des seit 2020 von
Marlene Kittel, der Tochter des
Gründers Bernhard Kittel,
MARLENE
KITTEL
geführten Unternehmens zählen nicht, wie
im Artikel angeführt, Ketten wie Hartlauer,
BIPA oder dm. HappyFoto ist ein reines
B2C-Unternehmen und mit rund
500.000 Stammkunden
Österreichs größter
Fotobuchproduzent.
FOTOS: WOLFGANG WOLAK (2), PICTUREDESK.COM/APA/ROBERT JAEGER, OTS/DANIEL SHAKED
Zum zweiten Mal hat Alois Czipin eine PRODUKTIVITÄTSBERATUNG verkauft. Mit der Efeso-Gruppe als Partner soll es
besser laufen als nach dem ersten Deal.
Maskerade
bei Hygiene
Austria
Der heimische Maskenhersteller HYGIENE AUSTRIA sorgt
auch nach dem Ausstieg von
Lenzing für Rätselraten.
D
rei Monate nach der Trennung der
Hälfteeigentümer Lenzing und
Palmers kommt der Maskenhersteller Hygiene Austria nicht zur Ruhe.
Der neu eingesetzte Co-Geschäftsführer
Michael Schleiss hat die Firma schon
nach einem Monat wieder verlassen. Es
sei „von Beginn an klar“ gewesen, dass
Schleiss „nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung steht“, heißt es auf
Anfrage.
Für ein Interview steht Alleingeschäftsführerin Claudia Witzemann
nicht zur Verfügung. Hygiene Austria
OFFENE FRAGEN.
Hygiene-Austria-
Produktion (links),
Geschäftsführerin
Claudia Witzemann.
war wegen des Verdachts der Schwarz
arbeit und des Betrugs in die Schlag
zeilen geraten.
Rätselhaft ist die Anfang Mai erfolgte
Abspaltung des Geschäfts mit FFP2und MNS-Masken in eine Firma namens
bnb.healthcare, die formell im Besitz der
Wiener Rechtsanwaltskanzlei Höhne In
der Maur ist. Wer dahinter steht, will
bnb.healthcare-Geschäftsführer Thomas
In der Maur mit Verweis auf anwaltliche
Verschwiegenheitspflichten nicht sagen.
Auf trend-Anfrage sagen die Palmers-
Eigentümer, dass auszuschließen sei,
dass „einer oder mehrere Eigentümer
von Palmers oder den Eigentümern von
Palmers nahe stehende ( juristische oder
natürliche) Personen mit bnb.healthcare
verbunden sind“.
Die Abspaltung ist deshalb delikat,
weil sie den künftigen Kaufpreis beeinflussen könnte. Mit der Abtretung des
Hälfteanteils Ende März hat Lenzing
vorerst nur einen Euro von Palmers
kassiert, bis 2025 kann der Faserspezialist je nach Umsatz bis zu 3,6 Millionen
Euro erlösen. Ohne Maskengeschäft –
oder nur noch mit einem Teil davon –
stellen sich die Perspektiven jedoch verändert dar. Lenzing setzt auf Vertrauen:
Man habe „keinen Grund zur Annahme,
dass die Palmers AG ihren vertraglichen
Verpflichtungen nicht nachkommen
BECK
wird“, so ein Sprecher.
TREND
WIRTSCHAFT
START
Bankenzwist
wird noch
brutaler
Gestärkt aus der Krise
Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum kamen
laut PWC-STUDIE gut durch die Krise und sehen sich
großteils bereits wieder auf Wachstumskurs.
W
ie bereits in früheren Krisen
haben Familienunternehmen
auch in der Covid-Pandemie
Widerstandsfähigkeit bewiesen“, fasst
PwC-Partner Rudolf Krickl eine aktuelle
Studie des Wirtschaftprüfers und Beraters zusammen. Gerade in Österreich
werden auch große Leitbetriebe und
Weltmarktführer wie Spar, Andritz,
Palfinger oder Plansee von Eigentümerfamilien geprägt. Unabhängigkeit und
langfristiger Bestand sind für sie hohe
Werte.
Deshalb setzen sie auf starke Eigen
kapitalquoten, was ihnen in der Krise zugute kam. Weniger als ein Fünftel haben
im Krisenzeitraum auf externes Kapital
zurückgegriffen. „Auch in einer Krise
schießen Eigentümer eher selbst Kapital
Covid-Einschnitte bei Familienunternehmen in D-A-CH-Region
52 %
keine
32 %
Dividendenkürzung
28 %
Bonusreduktion
QUELLE: PWC
Gehaltskürzung
Eigenkapitalzuschuss
durch Inhaber
19 %
10 %
MEHR ALS DIE HÄLFTE der Familienbetriebe kamen ohne finanzielle Einschnitte durch die Krise.
12
T REND | 25. 6. 2021
zu“, so Krickl. Konkret notwendig war
das aber nur bei zehn Prozent der befragten Unternehmen in der Region. „In Familienunternehmen kam es auch zu weniger Einschnitten durch Bonusreduktion oder Gehaltskürzungen“, so der
Experte weiter (siehe Grafik). „Die Botschaft an ihre Mitarbeiter war, die Krise
gemeinsam durchzustehen. Sie haben
weniger Kurzarbeit in Anspruch genommen als internationale Konzerne und die
Krise nicht benutzt, um Personal abzubauen“, sagt Krickl.
„Mit ihren flexiblen Strukturen können sie schnell reagieren und haben
schon zu Krisenbeginn nachgedacht, wie
sie gestärkt herauskommen. Daher können sie Chancen wahrnehmen, sie sind
bei Transaktionen schon jetzt dabei und
institutionellen Investoren voraus“, beobachtet der Berater. Im laufenden Geschäftsjahr gehen immerhin 57 Prozent
von einem Wachstum aus, für 2022
erwarten 82 Prozent Umsatzzuwächse.
Aufholbedarf konstatiert der PwC-Experte jedoch bei der Digitalisierung. Bei
digitalen Geschäftsmodellen seien viele
noch nicht so weit. „Sie sind auch häufiger von Cyberangriffen betroffen, weil sie
oft schlechter geschützt sind und Angreifer wissen, dass Eigentümerfamilien
Lösegeld bezahlen können“, nennt Krickl
MID
eine Achillesferse der Betriebe.
Man ist ja schon einiges gewohnt
im mittlerweile über zwei Jahre
andauernden Rechtsstreit
zwischen der UniCredit Bank Austria und
der 3-Banken-Gruppe (Oberbank, BKS
und BTV). Auf der letztwöchigen
außerordentlichen Hauptversammlung der
BTV, auf der eine Umwandlung der
Vorzugs- in Stammaktien beschlossen
wurde, eskalierte die Auseinandersetzung
in noch nicht dagewesenem Ausmaß.
Aktionärsvertreter sprechen davon, dass
die BTV die Rechte der Aktionäre mit
Füßen getreten habe.
Wie mehrfach berichtet, fühlt sich die
Bank Austria, die an den drei Regionalbanken jeweils zwischen 27,8 (Oberbank) und
46,8 (BTV) Prozent besitzt, durch die
Überkreuz-Beteiligungen der 3-Banken
benachteiligt und in ihren Aktionärsrechten
beschnitten. Dazu laufen ein Verfahren bei
der Übernahmekommission und mehrere
Hauptversammlungsanfechtungen bei
Gericht. Kürzlich errang die Bank Austria
beim OGH einen Etappensieg gegen die
3-Banken, in dem festgehalten wurde,
dass es eine Umgehung der Minderheitenrechte der Bank Austria darstelle, wenn
diese keinen Aufsichtsrat stellen dürfe.
Doch zurück zu der letztwöchigen
Hauptversammlung: Unter Vorsitzführung
des BTV-Aufsichtsratsvorsitzenden Hanno
Ulmer wurden reihenweise Fragen der
UniCredit nicht beantwortet, einige gar
nicht zugelassen, die Beschlussfolge
verändert und die Stimmen der Bank
Austria zum Beschluss gar nicht zugelassen, weil diese angeblich „treuwidrig“
agierte. Kleinaktionärsvertreter Florian
Beckermann meint: „Für den Vorzugsaktien-Streubesitz ist das Votum zwar
erfreulich, erhält man doch stärkere
Stammaktien. Beschämend ist allerdings
der Weg dorthin: Gegen den Widerstand
der UniCredit Bank Austria wird hier das
Aktienrecht flexibilisiert – nicht unbedingt
ein Glanztag für die Hauptversammlungskultur. Eine juristische Lösung des Zwists
FOTOS: NADINE STUDENY, WOLFGANG WOLAK, OTS/THOMAS SCHROTT
RUDOLF KRICKL,
Partner und Leiter
des Bereichs
Familienunter
nehmen und Entrepreneurship bei
PwC Österreich,
attestiert heimischen Familien
unternehmen
Krisenresistenz
dank solider
finanzieller Basis.
BTV brüskiert Großaktionär
Bank Austria auf der Hauptversammlung. Kleinaktionäre
reagieren empört.
DIE WOGEN ZWISCHEN BANK AUSTRIA-CEO ROBERT ZADRAZIL (l.) und BTV-Chef Gerhard
Burtscher gehen hoch. Die BTV ließ Aktionär Bank Austria auf der Hauptversammlung
nicht mitstimmen.
mit der UniCredit Bank Austria ist teuer,
langatmig und, wie es scheint, nicht ziel
führend. Die meisten Aktionäre sind davon
nur noch genervt“, so Beckermann.
In der BTV sieht man das anders.
Langatmige Fragerunden und Anträge auf
uferlose Sonderprüfungen durch die Bank
Austria seien nicht nur der Versuch einer
Zermürbungstaktik, sie bilden die Grundlage
weiterer Anfechtungsklagen und gerichtlicher
Schritte, vermutet die BTV. Und dies alles sei
Teil eines Plans der UniCredit,die Kontrolle
über die 3-Banken mit „unlauteren Methoden“
zu erlangen. Die vergangene Woche erfolgte
Umwandlung der Aktien sei für die Eigenmittel
der BTV wichtig gewesen. Alle anderen
Aktionäre hätten dem Antrag auch zuge
stimmt, so die BTV.
Dem widerspricht wiederum die Bank
Austria. Die Umwandlung ohne Stimmrechte
der Bank Austria stelle eine neuerliche,
massive Verletzung von Aktionärsrechten
dar. Daher „wird die UniCredit Bank Austria
als größter Minderheitsaktionär rechtlich
dagegen vorgehen“, heißt es aus der Bank.
Die Bank Austria wollte der Umwandlung
der Aktien nur deshalb nicht zustimmen, weil
es vor der Hauptversammlung zum Abschluss
von „rechtswidrigen Subsyndiaktsverträgen“
unter anderem mit Doppelmayr und der
Vorarlberger Landesversicherung gekommen
sein soll, ist zu hören. Sprich: Die 3-Banken
sollen sich weitere Verbündete zur Abwehr
der UniCredit-Begehren ins Boot geholt
haben, ohne dies transparent zu machen.
Was die BTV auf Anfrage aber bestreitet.
Es sieht also alles in allem nicht so aus, als
könnten bald eine Lösung des Konflikts gefun
den werden.
AKRA
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
D
„Ein Klima
des Zweifelns“
Mit einer Doppelstrategie sucht sich
aus
dem Skandalsumpf zu
ziehen: erst in der
Märtyrer-Pose, jetzt
als Kanzler, dem die Welt
vertraut. Nicht nur
zu Hause machen sich
dennoch Gerüchte und
Fragen breit.
ie
PropagandaTruppe am Wiener
Ballhausplatz wollte
es besonders spanSEBASTIAN KURZ
nend machen. Vergangenen Freitag
setzte sie folgendes
Aviso ab: Diesen Montag wird ein prominenter ausländischer Gast im Garten
des Wiener Palais Liechtenstein erwartet. Die kindliche Geheimnistuerei fiel
nicht einmal am Boulevard auf fruchtbaren Boden. Das vermeintliche Rätsel
ohne Sphinx war rasch gelüftet.
EU-Kommissions-Präsidentin Ursula
von der Leyen machte Montagmittag in
Wien für zwei Stunden Station.
Unmittelbar nach der missglückten
Sensation auf Raten setzte der Ballhausplatz das nächste Aviso ab. Gleich nach
VON JO SEF VO T Z I
der Von-der-Leyen-Visite lädt das Kanzleramt Bildmedien zum „Kamera den frei nach Hubert Gorbach zutrifft:
schwenk“. Anlass: eine Videokonferenz „The World in Austria is too small“.
mit Angela Merkel.
Man kann, was in Türkisistan zunehZu Wochenbeginn tat die türkise mend verpönt ist, die Ereignisse aber
PR-Truppe den dritten Streich kund, mit auch als das einordnen, wofür sie zualdem Sebastian Kurz endlich wieder kräf- lererst gedacht sind. In den vergangenen
tig Punkte machen will. Der Kanzler jet- Monaten hagelte es mehr negative
Schlagzeilen, als selbst die ditet am Dienstag zu einem für
cke Teflonschicht des Kanzlers
exakt 25 Minuten angesetzten
Auftritt beim „Tag der deutabzufedern vermochte.
schen Industrie“ nach Berlin.
Erst an der Corona-Front,
wo sich das Licht am Endes
Der Event ist hochkarätig:
Nach Monaten des Lockdowns
Impf-Tunnels lange nicht einstellen wollte. Dann an der
ein Speed-Dating aller Spitzen
Front des Ibiza-U-Ausschuss,
der deutschen Wirtschaft und
wo die Lawine politisch hochPolitik – von Noch-Regierungs
notpeinlicher und persönlich
chefin Angela Merkel bis zu
entlarvend pubertärer Chats
den schwarz-grünen NachfolgeDER AUTOR .
in Kurz’ türkiser Nomenklatur
Duellanten Armin Laschet
Josef Votzi ist
nicht enden wollte.
und Annalena Baerbock. Kurz
einer der renomIn Sachen Corona hoffen
ist einer von 113 „Speakern“ der
miertesten Polialle Beteiligten auf die Strahldreitägigen Hybrid-Tagung.
tikjournalisten des
Man kann über die Abfolge Landes. Er arbeitete kraft eines entspannten Somfür profil und News
mers. Gegen die vielen Eindes im Laufe dieser Woche angesetzten Staccatos an Bildern und „Kurier“. Für den schläge aus dem Ibiza-U-Austrend verfasst er
und Messages so berichten,
schuss setzen die Türkisen auf
jede Woche „Politik
wie es die Regisseure am Balljenes Rezept, mit dem sie bei
Backstage“. Jeden
hausplatz gerne hätten: Seder letzten Wahl reüssierten:
Freitag auch auf
alle gegen Kurz, der Obertürbastian Kurz, ein Kanzler, auf
trend.at
14
T REND | 25. 6. 2021
kise in Märtyrerpose. Neue Strophe im
gleichen Lied: Weil ihm die Opposition
bei Wahlen nicht beikäme, würden sie
nun U-Ausschuss und Justiz „missbrauchen“, um ihn politisch kleinzukriegen.
Zu Hause: Kurz das Opfer heimischer
Neider und sinistrer Justizkreise. Jenseits
der Grenzen Kurz als begehrter Gesprächspartner von Topgrößen aus Wirtschaft und Politik – das sind die Bilder,
mit denen sich die ÖVP am eigenen
Schopf wieder aus dem Skandal-Sumpf
ziehen will.
Kein Vier-Augen-Termin
bei Merkel
Die ÖVP-Regisseure tun alles, damit
nicht sichtbar wird: Vieles ist alles andere als Gold, was hier auf gülden glänzend poliert wird.
Die Blitzvisite von Ursula von der Leyen
in Wien war nur eine vielen, die sie dieser
Tage unternimmt. Die EU-Kommissionspräsidentin hat aus der massiven Kritik während der Coronakrise gelernt. Sie
will nun die Good News so oft wie möglich selbst vor Ort überbringen: Die EU
nimmt so viel Geld wie noch nie für Neustart und Umbau der Wirtschaft in die
Hand. Sie macht nicht wegen Sebastian
Kurz in Österreich Station, sondern wegen Ursula von der Leyen.
Mehr Schein als Sein auch das groß
inszenierte Videotelefonat von Sebastian Kurz mit Angela Merkel: Ende dieser
Woche stand wieder einmal ein EU-Gipfel der Staats- und Regierungschef in
Brüssel an. Davor wird regelmäßig das
Terrain sondiert. Ungewöhnlich war allein, dass Kurz ein Routinetelefonat in
die Medienauslage stellte.
Auffällig ungewöhnlich war, sagen
EU-Insider, dass Merkel und Kurz bloß
telefonierten, obwohl es nicht einmal 24
Stunden später die Chance gegeben hätte, unter vier Augen zu reden.
Das deutsche Kanzleramt war freilich, so das gut gesicherte Ondit, ob des
Umgangs von Kurz mit Merkel alles
andere als amused.
ternimmt die ÖVP, wenn der türkise
Hoffnungsträger durch zusätzliche
Chats, eine Anklage oder gar eine Verurteilung zu einer derartigen Belastung
wird, dass es besser erschiene, sich zumindest kurzfristig zurückzuziehen und
die Klärung abzuwarten?
Kein Rauch ohne Feuer – in einigen
Macht Kurz Blümel zum
ÖVP-Zirkeln ging die vermeintliche
Bauernopfer?
Junggotteslästerung tatsächlich um:
Jüngst machten vermehrt Gerüchte die Wer kommt, wenn Kurz gehen muss?
Runde,
Kurz
würde
demnächst
In der überschaubaren Gruppe der
kaltschnäuzig auch einen seiner engsten türkisen Entscheidungsträger war und ist
Parteifreunde
opfern,
dies bis jetzt kein Thema.
um seine eigene Haut zu
In den Polit- und „Gerüchte sind schon
retten. Gernot Blümel
im Umlauf. Eine
medialen Zirkeln länger
wurde zuletzt gar als
Ablöse oder ein kurzfrisvon Berlin wird
tiger Ersatz von Kurz
künftiger EU-Kommissar genannt, sobald Jowurde im Kreise der Parjeder Österreihannes Hahn die Pensiteiobleute aber noch nie
cher gefragt:
besprochen“, versichert
on schmackhaft gemacht
worden sei. Es war nur „Wie lange gibt es ein ÖVP-Landesfürst.
Kurz eigentlich
eines von mehreren auf„Die Substanz dieser
geregten Rücktrittsszeganzen Geschichten ist,
noch?“
narien. Dieses soll den
dass es ein Klima des
Finanzminister intern kurzzeitig sogar Zweifelns gibt“, analysiert ein anderer
amüsiert habe, weil es wenigstens nicht Spitzentürkiser. Die Skandal-Chats lösunschmeichelhaft klang.
ten ÖVP-intern breite Verunsicherung,
Ein Bauernopfer Blümel würde Kurz aber keine neue Obmann-Debatte aus:
selber freilich noch mehr zur Zielscheibe „Unsere Leute sind eher auf dem Trip,
von Rücktrittsforderungen der Opposi- das ist ein Wahnsinn. Etwa, dass auch
tion machen. Zumal in Zeitungen be- die Chats zwischen Schmid und seiner
reits Vorarlbergs Markus Wallner und Sekretärin über seinen Dienstpass und
Salzburgs Wilfried Haslauer als mögli- sein Leumundszeugnis veröffentlicht
che Ersatzspieler kolportiert wurden. werden dürfen. Es gibt statt einer ObHintergrund dieser Planspiele: Was un- manndebatte vielmehr den Wunsch
nach einer Gegenrevolte: Der Rechtsstaat muss für alle gelten.“
Dort wo sich der Ösi-Kanzler dieser
Tage etwas Politur und Glanz für sein
schwer ramponiertes Image erhofft,
wird „Kurz und der Sumpf von Wien“
(„Der Spiegel“) zunehmend ohne jedes
Wenn und Aber besprochen.
In den Polit- und medialen Zirkeln
von Berlin wird jeder, der als Österreicher ausgemacht wird, in Sachen Sebastian Kurz vor allem mit einer Frage konfrontiert: „Wie lange gibt es Kurz bei
euch eigentlich noch?“
Die Moment plausibelste Antwort, es
gebe null Indizien für einen Kanzlerwechsel, löst im bestem Fall Verblüffung, in vielen Fällen auch blankes Unverständnis aus. Mit simpler Opfer-InVIDEOCHAT. Kanzler Kurz vergangenen
szenierung ist für den österreichischen
Montag bei einer Videokonferenz mit Angela
Kanzler bei den deutschen Nachbarn
Merkel. Persönliche Treffen mit dem Österreicher
auch mit der neuen Charmeoffensive
meidet die deutsche Kanzlerin.
wohl nichts zu gewinnen.
FOTO: PICTUREDESK.COM/APA/DRAGAN TATIC
Wien hatte Berlin erst wenige Tage
davor wissen lassen, dass Kurz zum Tag
der deutschen Industrie und einem publicityträchtigen Get-together mit dem
Starvirologen Christian Drosten anreist.
Zudem irritiere die deutschen Staatskanzleien schon länger, dass Kurz zusätzliche Terminwünsche nicht über die
Diplomatie einfädle, sondern über den
befreundeten Springer-Verlag.
Merkel und die Springer-Flaggschiffe „Bild“ und „Welt“ sind einander
schon länger spinnefeind. Kurz wird
dort nach wie vor hofiert. Jetzt sogar
noch auffälliger, weil so gut wie alle
deutschen Medien dem Messias-Hype
abgeschworen haben.
Folge der chronischen Verstimmung
zwischen Merkel und Kurz: Es ist bereits
das zweite Mal binnen weniger Monate,
dass die deutsche Kanzlerin bei einer
seiner Berlin-Visiten keine Zeit für den
Österreicher findet.
Die langgediente Kanzlerin, die mit
dem Jungspund nie warm wurde, fühlt
sich in ihrer persönlichen Skepsis längst
auch politisch bestätigt. Ganz oben auf
ihrem Kurz-Sündenregister: der Versuch, im Frühjahr gemeinsam mit der
sozialdemokratischen dänischen Regierungschefin aus der EU-Impfstrategie
auszubrechen und sein Glück mit einer
Reise zu Benjamin Netanyahu zu versuchen, in der – allerdings enttäuschten –
Hoffnung, mit frischem Impfstoff im
Gepäck nach Hause zu kommen. Als
schwer verzeihlich wertet Merkel auch
die EU-interne Front, die Kurz in Sachen Impfstoffverteilung aufmachte.
Und, als die behaupteten „EU-Pannen“
primär als hausgemacht entlarvt wurden, einen Beamten dafür über die Klinge springen ließ.
25. 6. 2021 | T RE ND
15
Alterserscheinungen
Die Last der Pandemie wäre ein Anlass, ein Programm gegen den
Mangel an Zukunftsperspektiven der jungen Generation zu entwerfen.
D
ANDREAS LAMPL
Chefredakteur
ie Überlegung, nur Geimpften und
Genesenen den Zugang zur Nacht
gastronomie zu gewähren, nicht aber
negativ Getesteten, quittierte der
Sohn einer Freundin ziemlich sauer:
Wer sich immer brav an alles gehalten und sich nicht
infiziert habe, soll jetzt dafür bestraft werden. Er
stünde besser da, hätte er sich mit dem Virus
angesteckt. Das Gesundheitsrisiko wäre für einen
20-Jährigen ja tatsächlich minimal gewesen.
Man kann jetzt einwenden, dass es eh nur noch
ein, zwei Monate dauert, bis auch die unter 30-Jäh
rigen halbwegs durchgeimpft sind. Und was sind
schon ein paar Nächte weniger in einem Club? Das
wäre aber jene Ignoranz, mit der den Jungen schon
während der gesamten Pandemie begegnet wird. Die
Politik hat dem Gesundheitspersonal und Angestell
ten des Lebensmittelhandels Dank ausgesprochen.
Aber niemand hat sich bei der jungen Generation be
dankt, die sich überwiegend strikt an die Einschrän
kungen gehalten hat. Kaum um ihrer selbst willen,
wohlgemerkt – sie hatte ja wenig zu befürchten –,
sondern um zum Schutz der Menschen ab 40 beizu
tragen. Und nein, das ist nicht selbstverständlich!
Der Staat hat sich auch wenig um die Sicherung
der Ausbildungsqualität an Schulen und Universi
täten gekümmert. Manche hatten Glück mit enga
giertem Lehrpersonal, andere nicht. Aber es waren
Hundertschaften der Polizei zur Stelle, wenn sich –
wie erst in letzter Zeit des Öfteren – der Frust bei
Feiern im öffentlichen Raum entlud.
V
iele Jugendliche und vor allem junge Erwach
sene hatten schon vor Corona das Gefühl,
schlechtere Rahmenbedingungen vorzufinden als
ihre Eltern. Die Pandemie hat diese Stimmung ver
festigt. Dass sie am Jobmarkt am stärksten von der
Covid-Krise betroffen sind, hat das Wirtschaftsfor
schungsinstitut unmissverständlich festgestellt. Wer
nicht IT-Spezialist ist, musste sich schon davor häu
fig von einem Praktikum zum anderen oder von ei
ner Teilzeitstelle zur nächsten hangeln. Nun ist es
noch schwieriger geworden. Der holprige Start ins
Berufsleben könnte sich bei manchen über die ge
samte Arbeitslaufbahn hinweg negativ auswirken.
Die Jungen werden auch die größte Last durch
die enorm gestiegene Staatsverschuldung zu tragen
haben. Jene, die in den nächsten Jahren in Pension
gehen, sind davon wenig betroffen. Politik und Sozi
alpartner hätten auch unabhängig von Covid genug
16
T REND | 25. 6. 2021
Anlässe gehabt, ein Zukunftsprogramm zu entwer
fen, in dem nicht Absicherung erworbener Rechte
im Vordergrund steht, sondern Chancengleichheit
für die Einsteiger, die naturgemäß nicht die stärks
ten Lobbys haben. Jetzt gilt das umso mehr. Ge
sundheitskrise, digitale und ökologische Transfor
mation rütteln an der Stabilität des Wirtschaftssys
tems. Für die, die sich noch nicht etablieren konnten,
werden die Karrierewege verschlungener.
Ins Ranking der reichsten Österreicher in dieser
trend-Ausgabe fanden eine paar Start-up-Multimil
lionäre Eingang, die mit innovativen Ideen hoch be
wertete Unternehmen gegründet haben. Schön, weil
sie als Identifikationsfiguren taugen. Aber solche Er
folgsstorys ändern nichts daran, dass die Generation
unter 30 ihren Platz im Wirtschaftsgefüge noch
nicht gefunden hat. Sie wird zwar im Durchschnitt
mehr erben als ihre Vorgänger, weil die Gesellschaft
in einer langen Phase der Prosperität Vermögen
kumulieren konnte. Das mag für manche ein Trost
sein, aber noch keine Erfüllung.
E
s ist bezeichnend, dass zum Beispiel in Pensi
onsdebatten bei uns fast nie über die Zukunfts
vorsorge der Jüngeren gesprochen wird, obwohl auf
der Hand liegt, dass im derzeitigen System für sie
nicht mehr viel zu erwarten ist. In Deutschland gibt
es zumindest den Vorschlag, dass der Staat für jedes
Kind bis zum 18. Lebensjahr 100 Euro monatlich am
Kapitalmarkt investieren soll, um einen Anstoß zu
geben, diese Praxis danach privat weiterzuführen.
Norwegen hat seit Langem einen höchst e rfolgreichen
staatlichen Pensionsfonds. In Österreich gibt es nach
Karl-Heinz
dem dämlichen Modell der einst von
Grasser eingeführten geförderten Zukunftsvorsorge
keinerlei Anreize mehr in diese Richtung, obwohl
damit der Wirtschaft Investitionskapital zur Verfü
gung stünde und gleichzeitig jungen Menschen beim
Vermögensaufbau geholfen werden könnte.
Die so gerne cool auftretende Kanzlerpartei ÖVP,
die ihre mit Abstand höchsten Wählerquoten aller
dings bei den über 60-Jährigen erreicht, hat er
staunlich wenige Ideen, um den Jungen die Start
phase zu erleichtern. Ihre antiquierten bildungs
politischen Vorstellungen sind eher das Gegenteil.
Österreich ist definitiv noch kein ausreichend at
traktiver Ort, um hier zu studieren, zu forschen oder
Unternehmen zu gründen. Anderenfalls würden wir
ja mehr gute Köpfe aus dem Ausland anziehen.
lampl.andreas@trend.at
KLIMA
CORONA, DIE VIERTE
Wien darf nicht
Athen werden
Bitte gleich Omega
Nachdem der „Gürtelpool“ der rot-grünen
Stadtregierung vergangenen Sommer
nicht den gewünschten Erfolg brachte,
versucht die Stadt
Wien heuer mit
„Sommerspritzern“ und „Karlsplatsch“
der Hitze Herr zu werden. Eine „coole
App“ soll den hitzegeplagten Städtern
den Weg zum kühlen Nass weisen. Die
wird es auch brauchen, denn manche
dieser nicht gerade billigen Wasserspender finden sich an etwas seltsamen
Orten. Kürzlich entdeckt: eine Dusche
in Ottakring zwischen Friedhof und
Altersheim, die ausschließlich die
Straße und einen Teil des Gehsteigs
besprenkelt. Im nahen Park oder am
Kinderspielplatz verzichtete man hingegen auf Abkühlung. Egal! Letztes
Wochenende zog es ohnehin halb
Wien in die Freibäder. Doch auch da
gelangten viele Wiener an ihre Grenzen, denn die Corona-bedingte Onlineanmeldung funktionierte vielfach nicht
und Menschenschlangen vor den Bädern wegen zu wenig Personals – auch
hier übrigens kein „Spritzer“ – verzögerten die heiß ersehnte Abkühlung
erheblich. Wien ist eine coole Stadt –
keine Frage! Aber wir brauchen weder
Gürtelpools noch andere Klima
schmähs wie völlig verpeilte Sprinkler
an verwaisten Straßenecken. Wien hat
tolle Freibäder, denen mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt und die
großteils entsprechend aus- und umgebaut werden sollten, um Corona-Abstände auch nur annähernd einhalten
zu können. Und beim Bau neuer Stadtviertel sollte tunlichst noch stärker
darauf geachtet werden, Grünflächen
und Parks einzubauen. Denn Wien
darf nicht Athen werden, jedenfalls
nicht im Sommer!
kramer.angelika@trend.at
18
T REND | 25. 6. 2021
Wir halten jetzt also bei Delta. Kenner des
griechischen Alphabets schließen daraus,
dass es die dritte Mutation des Virus ist.
Mangels griechischer Lettern auf der
Tastatur schreiben die Medien aber
ohnedies „D“. Die Briten, bei
denen sich die nicht eben
fantasievoll bezeichnete
Variante „B.1.617.2“ flott
verbreitet, müssen
sich langsam mit dem
Gedanken anfreunden, ihr lauwarmes
Bier vielleicht bald
wieder zu Hause zu
konsumieren. Die
gerade erst mühsam
konstituierte israelische
Regierung muss darüber
nachdenken, sich bei der Bevölkerung des
Corona-Musterlandes gleich unbeliebt zu
machen und ihr wieder einen Maulkorb –
pardon, natürlich Masken – zu verpassen.
Und wir … mal sehen. Momentan stehen die
Zeichen auf „Öffnung“, zumindest sobald
wir die „ZIB“ aufdrehen, wenn gerade der
Bundeskanzler spricht. Der Wiener
Gesundheitsstadtrat, der die Gefahr
vor einem Jahr wortgewaltig
heruntergespielt hat und die
Regierung wegen
angeblich hysterischer
Ängstlichkeit
kritisierte, hat sich
dagegen eines
Besseren besonnen
und sieht das mit den
Öffnungsschritten
(übrigens zu Recht) gar
nicht mehr so locker. Also
wir halten bei Delta. Ein
Vorschlag: Nennen wir die
nächste Variante doch einfach „Omega“.
Damit könnten wir dem Virus vielleicht
signalisieren, dass es uns langsam reicht.
bauer.franz@trend.at
ARBEITSKOSTEN
Personal muss man sich leisten können
Martina Bachler über das Spannungsfeld zwischen personalintensiven
Branchen und jenen, die mit nur sehr wenigen Mitarbeitern auskommen.
Seit Wochen klagen Hoteliers, Wirte und Bäcker, dass es ihnen an
Mitarbeitern fehlt, und ebenso lange tobt in den sozialen Medien der Klassenkampf: Würden die Arbeitgeber ihre Leute besser bezahlen, würden sie auch
arbeiten kommen, sagen die einen. Dann ginge sich ihr Geschäft nicht mehr aus,
sagen die anderen. Es ist ein bekanntes Spannungsfeld, das gerade zugespitzt
diskutiert wird. Die digitalisierte Welt wird diese Diskussion aber noch öfter
einfordern: Während Facebook zum Beispiel 2020 nur 60.000 Mitarbeiter (also
50 Prozent mehr als die ÖBB) brauchte, um gigantische 72 Milliarden Euro
weltweit umzusetzen, müssen sich viele kleine Betriebe bei jedem zusätzlichen Mitarbeiter fragen,
ob er sich überhaupt tragen kann. Von der Gastronomie bis zur Pflege gilt: Wo wirklich Personal
gebraucht wird, aber die Umsatzmöglichkeiten pro Person nicht quasi ins Unendliche gehen, sind
Kalkulationen knapper und Löhne und Gehälter geringer. Das gilt absurderweise auch für den
Bereich, in dem die digitale auf die echte Welt trifft: die Auslieferer der Lieferservices, die
Lagerarbeiter von Onlinehändlern. Sie alle verdienen mies, und das oft unter miesen Bedingungen.
Die Lohnnebenkosten zu senken, kann ein Weg sein, um diese Spannung zwischen den Branchen
etwas aufzulösen. Das alleine wird aber nicht reichen. Als Gesellschaft entscheiden wir, für welche
Leistungen wir wie viel Geld ausgeben wollen und wie wir sie besteuern – da gibt es viel zu tun.
bachler.martina@trend.at
FOTO: GETTY IMAGES
Angelika Kramer über zum Teil
entbehrliche Klimainitiativen der
Stadt Wien.
Franz C. Bauer über Mutationen, Reaktionen und einen
kreativen Vorschlag zu Namensnennung.
Die Auseinandersetzungen haben ein Ausmaß erreicht, das
die Republik in ihren Grundfesten erschüttert.
POLITIK IST KEIN PONYHOF. Da geht es immer hart
zur Sache. Aber die Härte und Maßlosigkeit, mit
der derzeit die politische Auseinandersetzung
geführt wird, überrascht. Die Mischung aus Pan
demie samt (notwendiger) Einschränkung von
Grund- und Freiheitsrechten, einem ausufernden
und längst in Emotionen versunkenen parlamen
tarischen Untersuchungsausschuss, der Veröf
fentlichung unterirdischer Chatverläufe und der
massiven Radikalisierung zumindest einer der
Oppositionsparteien erweist sich als toxisch für die
gewohnte Konsensdemokratie. Gehässigkeit, Streit,
Verdächtigungen, Unterstellungen und Polarisie
rung, wohin man schaut.
Unser politisches System be
wegt sich ganz beiläufig in Rich
tung totaler Konfrontation. Geht
es so weiter, sind wir auf dem
Weg in die dritte Republik, in der
andere Spielregeln gelten.
Bei den aktuellen Auseinan
dersetzungen wird es mit Daten
und Fakten nicht so genau genommen. So werden
etwa die durchaus verzichtbaren parteipolitischen
Angriffe auf Teile der Staatsanwaltschaft als An
griffe auf die Unabhängigkeit der Justiz insgesamt
gebrandmarkt. Das ist im wahrsten Sinn des Wor
tes eine Halbwahrheit. Unabhängig sind Richter,
Staatsanwälte sind bekanntlich weisungsgebun
den. An der Spitze der Weisungskette findet sich
die Politik in Gestalt der Ministerin. Eine Total
reform durch Einführung eines unabhängigen
Bundesstaatsanwalts ist absolut zu begrüßen.
Entscheidend sind Art der Auswahl und Weise der
Bestellung. Soll das ein Recht der Parteien, des
Parlaments mit Mehrheitsbeschluss oder des Ver
fassungsgerichts sein, dessen Mitglieder die Par
teien übrigens nach einem festgelegten Schlüssel
nominieren? Der Bundespräsident darf bestellen.
Ein anderes Beispiel für den saloppen Umgang
mit Recht und Verfassung ist die Rechtfertigung
der Neos für das leaken der allgemein empörenden
Chats aus den Ermittlungsakten, die dem U-Aus
schuss vorliegen: Die Veröffentlichung der privaten
und vertraulich zu haltenden Ermittlungsunter
lagen sei im Interesse der Demokratie erfolgt.
II In der dritten
Republik gelten
dann andere
Spielregeln. II
20
T REND | 25. 6. 2021
Feine Aussichten, ein Rechtsstaat, dessen Geset
ze nach politischen Einschätzungen und Partei
absichten eingehalten oder gebrochen werden. Das
wäre tatsächlich der Kollaps der rechtsstaatlichen
Demokratie, von der so viel besorgte Rede ist.
Die Neos bestätigen mit diesem Bekenntnis zum
parteipolitischen Faustrecht ganz nebenbei den
neuen FPÖ-Chef, der trotz seiner Leidenschaft für
Pferde auf Steuerzahlerkosten als gesetzlich wenig
sattelfester Innenminister einst gefordert hatte,
dass das Recht der Politik zu folgen habe. Und
nicht die Politik dem Recht. Wovon halt der kleine
Mann in Opposition zu allem so träumt.
DIE ALLGEMEINE POLITISCHE UNRUHE hat längst
auch die sogenannte Zivilgesellschaft erreicht. Hono
rige Ex-ler mobilisieren für ein Volksbegehren, das
den Rechtsstaat stärken und die Korruption schwä
chen soll. Mit gleich 71 Vorschlägen bekämpfen sie
die Alltagskorruption nach dem Motto „Du bist mir
was schuldig“ ebenso wie parteipolitischen Posten
schacher in Staatsbetrieben oder die Vergabe von In
seraten durch die öffentliche Hand, mit der der Bou
levard geflutet wird. Auch massive Compliance-Ein
griffe in Redaktionen und deren verbriefte Rechte
oder die Verkürzung der Amtszeit des ORF-General
direktors finden sich auf der Forderungsliste.
Insgesamt verlangen die Initiatoren höhere mo
ralische Standards von der Politik und wollen mit
schärferen Auflagen und neuen Gesetzen eine Wen
de der politischen Realität erzwingen. Ob das mit
einem Volksbegehren gelingt? An Gesetzen man
gelt es bekanntlich nicht, sehr wohl aber immer
wieder an der Bereitschaft, sich daran zu halten.
Im Zusammenhang mit der Kritik an dem weit
verbreiteten System der Parteipatronage ist aber
auch zu erwähnen, dass ein gewichtiger Teil der
Proponenten des Volksbegehrens den Großteil sei
nes gesamten Berufslebens unter der schützenden
Hand einer Partei verbracht hat.
Kein Zweifel, eine Abkühlung der hitzigen
Auseinandersetzungen ist dringend geboten. Der
Wunsch nach Sauberkeit, Appelle an Anstand in
der Sache, Fairness in der Auseinandersetzung sind
richtig und gut. Ob’s wohl hilft? Die Politik ist kein
Ponyhof.
FOTO: RENE PROHASKA
FRANZ
FERDINAND WOLF
ist Journalist und
trend-Autor
Die Lust am
parteipolitischen Faustrecht
In Österreichs Gesetzgebung
ist der Wurm drin
Experten kritisieren zu viel Marketing und zu wenig Praxis-Expertise
im Gesetzgebungsprozess anhand eines konkreten Beispiels.
RAINER KRAFT und
BIRGIT KRONBERGER
sind Geschäftsführer
des Vorlagenportals,
eines Anbieters von
aktuell über 1.400
Vorlagen und Text
mustern für alle
Bereiche der Perso
nalverrechnung und
des Arbeitsrechts
(vorlagenportal.at)
22
T REND | 25. 6. 2021
tensvorschriften den Menschen im Alltag Orientierung und Sicherheit geben. Dass die österreichische
Gesetzgebung diese Anforderungen oftmals nicht
erfüllt, ist auch für juristische Laien erkennbar. Gesetzen fehlt es immer öfter an Praxistauglichkeit.
Das Problem ist der Mix aus fehlendem Fachwissen, lautem Marketing und Schnellschüssen der
Politiker. Gesetze wurzeln nämlich immer häufiger
in konkreten Anlässen (z. B. gesellschaftspolitischen Skandalen oder einem dringend erscheinenden Förderbedarf ), die in politischen Kreisen sofortige Reaktionen auslösen. Statt Gesetzwerdungsprozesse fundiert aufzubereiten, wird eilig
eine politische Lösungsidee der Öffentlichkeit via
Pressekonferenz oder Aussendung präsentiert, die
zunächst meist nur aus Überschriften besteht. Das
Ausarbeiten konkreter Gesetzestexte liegt dann
beim zuständigen Bundesministerium oder Parlamentsausschuss, wo unter höchstem Druck der
Spitzenpolitik gearbeitet wird. Experten aus der
Praxis werden hier nur selten einbezogen. Die inhaltliche Arbeit der Gesetzgebung erfolgt also in
falscher Reihenfolge.
Aktuelles Beispiel für eine Husch-Pfusch-Gesetzgebung ist die per Presseaussendung Mitte Mai
2021 verkündete Nachricht, dass Ärzte und Pflegekräfte für ihren Einsatz in der Pandemie einen Corona-Bonus von 500 Euro bekommen sollen, dies
voraussichtlich im Herbst 2021. In Kürze werde ein
diesbezüglicher Gesetzesantrag erscheinen, der alle
Details regeln werde, hieß es.
Die Bundesregierung wurde für diese eher nebulose Ankündigung von vielen Seiten gefeiert. Als
fünf Tage später der angekündigte Gesetzesantrag
präsentiert wurde, folgte die Ernüchterung: Der
Entwurf beschränkt sich auf eine finanzielle Zusage
der Bundesregierung in Höhe von durchschnittlich
500 Euro pro Kopf für Betreuungs- und Pflegepersonal, die konkrete Verteilung wird den Bundesländern und Gemeinden überlassen. In jenen wenigen
Punkten, in denen der Gesetzesentwurf etwas konkreter wird, wirft er mehr Fragen als Antworten
auf. Seit Wochen hagelt es von vielen Seiten massive Kritik, unter anderem von Gewerkschaft und
Ärztekammer. Etwa dafür, dass er zwischen priva-
ten und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen
unterscheide und bei Weitem nicht alle Alltagshelden erfasse. So soll der Bonus für Angestellte bei
Rettungsdiensten, Arztpraxen oder Zahnärzten
nicht anwendbar sein, obwohl diese ebenfalls monatelang dem Infektionsrisiko ausgesetzt waren.
CHAOSGEFAHR. Eine bis dato nicht geklärte Frage
ist, wie die Auszahlung der Corona-Boni konkret
abgewickelt werden soll. Voraussichtlich wird die
Abwicklung über die Gehalts- und Lohnverrechnung laufen (Auszahlung durch den Arbeitgeber),
und der Arbeitgeber wird sich mit Rückerstattungsanträgen gegenüber dem Bundesland oder
der Gemeinde herumschlagen müssen. Wenn man
bedenkt, welches administrative Chaos seit dem
Frühjahr 2020 bei der – von den Bundesländern zu
vollziehenden – Epidemiegesetz-Rückerstattung
herrscht (diese betrifft Fälle behördlicher Quarantäne von Arbeitnehmern und Selbstständigen),
erscheint die Delegierung an die Bundesländer keine besonders gute Idee zu sein.
Die Empfehlung kann nur lauten, Gesetzesvorhaben durch jenes Gesetzwerdungsverfahren laufen zu lassen, das eigentlich vorgesehen ist: als erster Schritt politische Verhandlungen ohne Effekthascherei, sachorientiert und unter Einbeziehung
von Experten aus der Praxis, die von der Anwendung direkt betroffen sind und diese umsetzen sollen. Wichtig ist, dass schon auf der politischen Ebene Umsetzbarkeit und der Realitätsbezug zumindest in Grundzügen berücksichtigt werden und die
politische Einigung keine aus bloßen Überschriften
bestehende „Seifenblase“ darstellt.
Auf dieser Basis wird vom zuständigen Bundesministerium ein Gesetzesentwurf erarbeitet, der
einer mehrwöchigen Begutachtung mit Möglichkeit zur Stellungnahme durch Interessenvertretungen und fachkundige externe Stellen unterzogen wird. Nach Analyse der eingelangten Stellungnahmen wird im Nationalrat ein verbesserter
Gesetzesentwurf (Regierungsvorlage oder Initiativ
antrag) eingebracht und mit der Behandlung im
zuständigen Ausschuss des Nationalrats und zuletzt mit der Abstimmung im Nationalratsplenum
abgeschlossen.
FOTOS: STEFAN HAEUSLER/FOTOGRAFIESH.AT
GESETZE SOLLEN ALS generell-abstrakte Verhal-
H E L M UT A . G ANS T ER ER
Zwei Leben in einem Leben
„Gegensätze ziehen sich nicht immer an.
Oft müssen sie dazu gezwungen werden.“
Adam Bronstein
I
ch sitze in meinem liebsten Gastgarten, der unweit vom häuslichen
Schreibpult wieder geöffnet ist. Er war
nun so lang geschlossen gewesen, dass
man dies kaum noch erwartet hatte.
Der Garten liegt an der Donau. Sie
fließt dort so träge wie der Mississippi vor
New Orleans. Ich fühlte mich aber nicht
gleich zu Tom Sawyer und Huckleberry
Finn verjüngt. Der erste Wiederbesuch
war zunächst unbehaglich. Die CoronaPandemie hat mich seit etwa Frühling
2020 zweifach beschädigt, und zwar im
Kopf. Plötzlich hatte ich Scheu vor öffentlichen Plätzen und vor Menschen.
Früher konnte mir kein Platz groß genug sein. Diagonal federte ich über den
Graben in Wien, den Alexanderplatz in
Berlin, die Plaza de la Constitución in
Mexiko City. Ein Place Vendôme in Paris
und ein Petersplatz in Rom machten
mich zum glücklichen Müßiggänger, der
sich auf weiten Flächen und im Menschengewimmel wohl fühlte.
Doch jetzt, an diesem Festtag des ersten Wirtshausbesuchs seit Langem,
schlich ich wie ein Dieb durch das vertraute Gartentor und immer an der Wand
lang zu meinem liebsten Frischluft-Stehtisch mit Barhocker unter einer schützenden Linde.
Man muss kein Psychologe sein, um einen schweren Fall von Agoraphobie zu diagnostizieren. Als klassischer HomeofficeWorker war ich Corona-lang nicht in die
Welt hinausgegangen. Zu Tests und den
zwei Moderna-Impfungen chauffierte
mich die Holde. Sie führte mich wie einen
Versehrten direkt zu den Wattestäbchen
24
T REND | 25. 6. 2021
N
icht alles an
Corona ist grausig.
Die Seuche weckte in
Grüblern eine Sehnsucht
nach Vita activa und in
Vielbewegten eine nach
Vita contemplativa.
und Nadeln. Danach ging’s flugs wieder
heim wie ein Graf von Monte Christo, der
gern in sein Verlies zurückkehrt. Nun hatte ich, und zwar ganz allein, meinen Stehtisch gesucht und gefunden. Eine Heldentat, praktisch ein Achttausender.
Der allwissende Oberkellner, seit Jahren ein Per-Sie-Freund, strahlte mich an
wie eine Sonne nach langer Nacht. Da ich
mittlerweile nicht nur Angst hatte, öffentliche Plätze zu betreten, sondern
auch menschenängstlich geworden war,
schickte ich ihn herzlich, aber rasch mit
einer Bestellung zurück, einer MagnumFlasche vom Besten.
D
as erste Glas, noch zu frisch aus der
Dekantier-Karaffe geschöpft, war
eine Sensation. Ich war lange abstinent
gewesen. Ich bin ein Social Drinker,
kein einsamer Süffler. Und trinke aus
Freude, nie in einem Pandemie-Kum-
mer. Sonst droht eine gefährlichen Spirale nach unten.
Ich war also entwöhnt. Demgemäß
schossen die ersten roten Tropfen wie
eine Serie kleiner Explosionen ins System. Die wieder zu kindlicher Jungfräulichkeit gesäuberten Geschmacksknospen lieferten sensorische Sensationen wie
nie zuvor. Erstmals schien mir ein neuer
Traumberuf denkbar: Testtrinker.
In den Berufswünschen war ich immer
flexibel gewesen. Der Rennmotorkon
strukteur (nach HTL-Mödling) wich
dem Notenbankchef (nach WU-Wien),
und dieser auf Zufallswegen dem Journalismus.
Der Wein schenkte neuen Mut. Aus
der Kameratasche holte ich eine alte Ray
Ban. Geschützt durch die dunklen Gläser
wagte ich nun auch einen ersten Blick auf
die Menschen im Garten.
Ich erkannte erleichtert, dass sie mein
Erscheinen nicht wahrgenommen hatten.
Sie waren mit sich selbst beschäftigt. Alle
redeten glücklich durcheinander. Schließlich mussten sie den Innendruck eines
langen Corona-Staus loswerden. Und
zeigten sich dabei wunderbar diszipliniert. Sie hielten Distanz und nahmen die
Maske hoch, wenn sie zur Toilette gingen.
Glücklich ein Land, dessen kluge
schweigende Mehrheit in Krisen wie dieser weiß, wie man sich in solidarischer
Rücksicht zu benehmen hat. Jedes zivilisierte Land hat freilich auch einen fixen
Bodensatz an Widerspenstigen, Paranoiden und Verschwörungstheoretikern, die
auch Pandemien als Gift der Mächtigen
sehen, um das Volk zu lähmen. Der populäre, lebensnahe Philosoph Richard David Precht empfahl einmal, diesen unausrottbaren Anteil an Flachwurzlern,
Dünnbrettbohrern und oft unschuldigen
Idioten nicht durch Angriffe aufzuwer-
II Glücklich ein Land, dessen kluge
schweigende Mehrheit in Krisen wie dieser
weiß, wie man sich in solidarischer
Rücksicht zu benehmen hat. II
ten, sondern ins Leere laufen zu lassen –
eine vorbildliche Anregung.
FOTO: BEIGESTELLT
N
un, da ich die Gäste des Wirtshausgartens mit sich selbst beschäftigt
sah, entspannte ich mich. Ich fürchtete
sie nicht mehr. Im Gegenteil: Mein massives Menschen-Interesse kehrte zurück.
Damit auch meine Neugier und totale Indezenz, die wichtigsten Eigenschaften eines Berichterstatters.
Ich richtete meine Lauscher auf den
nächstliegenden Gästetisch. Dieser verhieß Gutes. Die dortigen vier Trinker
hielten Distanz und fielen dadurch auf,
dass sie einander zuhörten und ausreden
ließen – heutzutage so selten wie ein
fröhliches Grüßen im Wald.
Das Quartett hatte sich offenbar vorgenommen, Corona-Erfahrungen selbstlos mit den Freunden zu teilen. Bald ergab sich daraus ein Grundmuster.
Die früher zwanghaft Aktiven, die sich
im Karriere-Racing keine Pause vergönnt
hatten, berichteten, dass sie dank der Isolation nun auch eine Vita contemplativa
entdeckten. Eine neue Welt stiller Freuden
und kreativer Erfüllung. Einer sagte, sein
beruflicher Ehrgeiz bleibe zwar unverletzt,
doch werde er nie wieder nur auf die Arbeit starren. Er erzählte von der österlichen Wiederauferstehung seines früheren
Klaviertalents. Ein Zweiter schwärmte davon, die Fotografie entdeckt zu haben und
zugleich das „Tagebuch“, das er nun täglich führe und das ihm einen unverhofft
tiefen, inneren Frieden schenke.
Die andern Beiden am Tisch waren
von der anderen Fraktion. Sie waren immer eingeschnorchelte Kopfarbeiter und
Grübler gewesen, durchaus zufrieden,
aber ihrer ewigen Tiefenentspannung
schon überdrüssig. Sie entdeckten dank
Corona die für sie neue Welt einer „Vita
activa“. Der eine fand diese in einer Leidenschaft für Gartenarbeit (das „Garteln“
wurde zu einem boomenden Wirtschaftszweig), der andere für Waldspaziergänge,
was ihn auch zu einem botanischen Kenner machte: „Über Eichen erzählt mir
keiner was.“ Und beide entdeckten Sport
wieder, der ihnen seit der Jugendzeit immer fremder geworden war.
Der, den sie „Hermann“ riefen, fiel
durch auffällig-unauffällige Eleganz auf.
Er trug einen dezenten Maßanzug und
eine noch dezentere alte „Piaget“, deren
elfenbeinfarbenes Zifferblatt schon leicht
vergilbt war. Er wirkte extra wohlhabend,
was sich bestätigte, als er von einer
„glücklichen Idee“ sprach, „die mein Leben von Grund auf verbesserte“.
Er hat sich in eine derzeit behördlich
geschlossene Tennishalle eingekauft. Als
privater Eigentümer erlaubt er sich einsame Morgen-Trainings mit der Ballwurf-Maschine. Und er fühle sich, wie er
sagt, mittlerweile wie ein Testimonial für
den genialen Werbespruch von Nike:
„Just do it!“
D
er erfreuliche Nebentisch schenkte
mir auch eine Erinnerung. In meinem einstigen Studium der Nationalökonomie hatten mich zwei Spezialthemen
extra interessiert. Erstens die Zyklus
theorien. Und zweitens Vita activa & Vita
contemplativa, die ja nichts Neues sind.
Sie tauchten als Begriff erstmals bei
Aristoteles auf. Die Philosophen des antiken Griechenland machten daraus, was
sie am besten konnten: Sie bildeten gleich
themenbezogene, eigene Denkschulen,
die einander spöttisch bekämpften. Auch
gingen sie derart tief in die Sache, bis aus
einer eigentlich simplen Sache ein Labyrinth wurde, in dem sich kein Normal
sterblicher mehr zurechtfand.
Als das Thema viel später in einer
zweiten Flutwelle neu hochgeworfen
wurde, war es kaum besser. Im Mittelpunkt stand die Journalistin, Reise
berichterstatterin, Schriftstellerin und
Philosophin Hannah Arendt (1906–
1975). Ihr Hauptwerk hieß „VITA ACTIVA oder VOM TÄTIGEN LEBEN“. Beeinflusst von Aristoteles, Heidegger und
Kant polarisierte sie. Man fand nur
Arendt-Verehrer oder -Gegner. Für die
meisten war sie aber durch großartige
Reportagen und Bücher zur Entrechtung und Verfolgung der Juden sakrosankt.
Ich fand sie einst ein wenig ermüdend.
Der erigierte Lehrerin-Zeigefinger zwischen den Zeilen störte enorm. Aber vielleicht bin ich heute geistig weiter. Ich
werde sie nochmals lesen.
Treue, ältere trend-Leser werden sich
an ein drittes Spezialthema erinnern. Ihr
liebstes Wirtschaftsmagazin, seinem Namen gerecht werdend, war immer bemüht, neue Begriffe verständlich zu machen. Dazu zählten auch, so unglaublich
dies klingt, einst die heutigen Fixbegriffe
wie Mitarbeiter oder flache Hierarchie
oder Motivation.
In einigen Essays holte trend auch
unser heutiges Thema aus der Motten
kiste und entstaubte es. Wir übertrugen
ACTIVA & CONTEMPLATIVA in eine
MISCHKUNST DES LEBENS. Zumal
sich gezeigt hatte, dass einer, der beide
Lebensformen in seinem einen Leben
vereinigt, nur Vorteile hat.
Die Rechnung lautet: 1 + 1 = 3. Man
verliert keine Zeit, sondern gewinnt einander potenzierende Energien. Das gilt
speziell auch für Studenten, Manager und
Unternehmer, also die Kernschicht
unserer klugen Leserinnen und schönen
Leser.
25. 6. 2021 | T RE ND
25
COVER
10
BITPANDA-TRIO. Mit der 2014 als Kryptobörse gegründeten Tradingplattform
haben die Bitpanda-Gründer Eric Demuth,
Christian Trummer und Paul Klanschek (v. l.)
das erste österreichische Unicorn geschaffen.
Zusammen halten sie noch über 60 Prozent der
Anteile und kommen damit auf ein kumuliertes
Vermögen von über 600 Millionen Euro. Sie
steigen neu ins Ranking ein.
MICHAEL TOJNER
Der Wiener Investor konnte sein
Vermögen, das
aus Industrie
beteiligungen und
Immobilien besteht, heuer auf
über 4,7 Milliarden
Euro steigern.
Damit gelang ihm
der Sprung in die
Top Ten.
28
T REND | 25. 6. 2021
MARIA-ELISABETH SCHAEFFLER
Finanziell hat sich
Maria-Elisabeth
Schaeffler, die
Miteigentümerin
der Autozulieferer
Schaeffler und
Conti, wieder stark
erholt. Mit einem
Vermögen von
9,4 Milliarden Euro
liegt ihre Familie
auf Platz drei.
REICHSTEN
ÖSTERREICHER
DIE
TREND
WIRTSCHAFT
REINOLD GEIGER
Der Hauptaktionär
und CEO der in
Hongkong börsennotierten Kosmetikkette L’Occitane
profitierte von
steigenden Aktienkursen. Sein
Vermögen wuchs
auf drei Milliarden
Euro.
FOTOS: BITPANDA, PICTUREDESK.COM/KURIER/JEFF MANGIONE, GETTY IMAGES (2), LUKAS ILGNER
00
Nach der Coronabedingten Delle
im Vorjahr sind die
meisten der großen
Vermögen jetzt
wieder spürbar gewachsen. Mit mehr
als 200 Milliarden
Euro besitzen die
100 REICHSTEN
ÖSTERREICHER
fast zehn Prozent
des heimischen
Gesamtvermögens.
Erstmals finden
sich auch die Gründer von milliardenschweren heimischen Start-ups
darunter.
Vor dem Hintergrund der guten
Wirtschafts- und
Börsenaussichten
zeigt der Trend
weiter nach oben.
Die Ungleichheit
wird sich somit
noch vergrößern.
E
s ist nicht einmal
drei Monate her, als
Felix Ohswald mit
der Nachricht überraschte, für sein
Wiener NachhilfeStart-up GoStudent
eine Finanzierung über 70 Millionen Euro finalisiert zu haben.
Mitte Juni steht der groß gewachsene CEO, der seine blonden Haare
meistens zu einem kleinen Pferde-
GOSTUDENT-DUO. Mit 26 bzw. 27 Jahren sind Felix Ohswald (l.) und Gregor Müller die
jüngsten Selfmade-Millionäre im Ranking. Die aktuelle Finanzierungsrunde macht ihre
in Wien vor fünf Jahren gegründete Nachhilfeplattform GoStudent zum wertvollsten Startup des Landes mit einer Bewertung von 1,4 Milliarden Euro. Zusammen kommen die beiden
Gründer so auf ein Vermögen von über 300 Millionen Euro.
schwanz zusammengebunden hat,
in seinem Wiener Büro und kann
schon die nächste Jubelmeldung
verkünden: GoStudent fixiert mit
nochmals über 200 Millionen Euro
die bis dato größte Kapitalrunde der
österreichischen Start-up-Szene.
Der üppige Geldsegen, der in
so kurzer Zeit auf Ohswald und
üller
seinen Co-Gründer Gregor M
niederprasselt, wäre ohne Corona unvorstellbar gewesen: „Die
VON
A N D R EA S
LA M P L
UND
VA N ESSA
VO SS
Pandemie hat den FundraisingProzess stark beschleunigt. Vom
Erstgespräch bis zum Vertrag dauerte es gerade mal zwei Monate“,
erklären die beiden, die ihren neuen
Hauptinvestor, die Risikokapital
gesellschaft DST Global des Russen
Juri Milner, erst nach der Unterschrift in London persönlich kennengelernt haben. Zusammen wollen sie GoStudent jetzt auf ein neu ollen
es Level heben: „Wir w
25. 6. 2021 | T RE ND
29
TREND
WIRTSCHAFT
DI E BEW ERTUNG
COVER
das größte Bildungs-Start-up der
Welt werden“, lautet die Ankündigung.
Mit einer Bewertung von 1,4 Milliarden Euro ist GoStudent das wertvollste
Start-up Österreichs. Ohswald und Müller, denen über Stiftungen rund 22 Prozent der Anteile zuzurechnen sind, kommen zusammen auf ein Vermögen von
300 Millionen Euro. Was der CEO mit
Coolness kommentiert: „Für Gregor und
mich ist das nur eine Zahl auf dem Papier.“ Aber eine mit Signalwirkung: Mit
26 bzw. 27 Jahren gehören die beiden zu
den jüngsten Selfmade-Multimillionären
im Land – mit einem Platz im Ranking
der 100 reichsten Österreicher.
Auch ein zweiter Neuzugang ist in der
Start-up-Welt beheimatet. Das Gründertrio der 2014 als Kryptobörse gegründeten
Tradingplattform Bitpanda bringt es mit
der aktuellen Bewertung von rund einer
Milliarde Euro auf ein Vermögen von in
Summe über 600 Millionen Euro. Damit
sichern sich die Bitpanda-Jungs eine Platzierung auf Augenhöhe mit so angesehe-
nen und einflussreichen Industriellenfamilien wie Zimmermann oder Kapsch.
46 MILLIARDÄRE. Die vergangenen, von
der Coronakrise geprägten zwölf Monate
haben auch den meisten etablierten Superreichen – unter ihnen nun 46 Milliardäre – in die Hände gespielt. Sie konnten
ihr Vermögen im trend-Beobachtungszeitraum bis Mitte 2021 überwiegend zumindest stabilisieren oder mehr oder weniger
deutlich steigern. Was anfänglich kaum
absehbar war. Aber die unerwartet deutliche Konjunkturerholung hat die Multiples – die bei nicht börsennotierten Unternehmen eine grobe Bewertung auf Basis
von Umsatz oder Gewinn erlauben – in
vielen Branchen befeuert. Dazu kommen
der ungewöhnlich starke Anstieg der Weltbörsen und die – abgeschwächte – Fortsetzung des Immobilienbooms. Privatbanken
berichten unisono, dass ein durchschnittliches Portfolio der betuchten Klientel
im Jahresabstand um über zehn Prozent
anstieg. Das Gesamtvermögen der
DIE IN DER LISTE der 100 reichsten Österreicher
angegebenen Beträge spiegeln drei unterschiedliche
Vermögensarten wider: Stiftungsvermögen wie
beispielsweise bei den Familien Porsche und Piëch.
In sehr vielen Fällen handelt es sich um Beteiligungsvermögen, also direkt gehaltene Gesellschafteranteile
an Unternehmen. Teilweise geht Vermögen auch auf
Erbschaften (oft über Generationen) zurück. Dazu
kommen Geld-, Immobilien- und Wertpapierbesitz.
Meistens liegt eine Kombination diverser Werte vor.
Die Berechnung der Liste wurde mithilfe verschiedener
Methoden erstellt: Die Werte beruhen einerseits auf den
über viele Jahre durchgeführten Erhebungen des trend.
Zusätzlich wurden weitere Quellen herangezogen, etwa
vom Research-Haus Hurun, von Bloomberg, „Forbes“ und
Immobilienexperten. Mithilfe von Vermögensverwaltern
und Privatbanken wurden die Wertentwicklungen in den
verschiedenen Anlagekategorien im Jahresvergleich
berücksichtigt. Bei börsennotierten Unternehmen wurde
der Wert der Beteiligungen mit Mitte Mai 2021 berechnet.
Bei nicht börsennotierten Firmen wurden der Umsatz und/
oder der Gewinn (Ebit) mit den der jeweiligen Branche
entsprechenden Multiples, die auch die auf breiter Front
erfolgte wirtschaftliche Erholung nach der Coronakrise
miteinbeziehen, zum Unternehmenswert hochgerechnet.
Trotz gründlicher Methodik können die aktuellen Vermögensbeträge aber letztlich nur Schätzungen darstellen.
DI E V E R MÖ G E N S KONZENTR ATI ON I N ÖSTERREI CH
QUELLE: BCG, 2021
30
T REND | 25. 6. 2021
400
20 bis 100 Mio. USD
1.700
1 bis 20 Mio. USD
50.500
0,25 bis 1 Mio. USD
205.800
unter 0,25 Mio. USD
7.200.000
7%
15 %
9%
34 %
QUELLE: BCG, 2021
34 %
über 100 Mio. USD
Finanzvermögen 2020 Anzahl der Personen
Einnahmen aus Vermögenssteuern
in Prozent des BIP
(Ausgewählte OECD-Länder)
Großbritannien
12,4 %
USA
12,1 %
Luxemburg
9,7 %
Frankreich
8,9 %
Japan
8,1 %
Griechenland
8,1 %
Schweiz
7,3 %
Italien
5,8 %
OECD-Schnitt
Deutschland
5,6 %
2,8 %
Österreich
1,3 %
Tschechien
1,2 %
QUELLE: OECD
rund 400 Personen mehr als ein Drittel davon – keine weniger als 100 Millionen Dollar.
Bis 2025 soll der Anteil dieser Gruppe auf
36 Prozent steigen.
Daran wird sich auch nichts ändern,
wenn das Gesamtvermögen der Österreicher bis 2025 auf über
Entwicklung Gesamtvermögen Österreich in Mrd. USD
3,9 Billionen Dollar
zulegt, wie der „Global
Gesamt
3.865
Wealth Report“ der
Finanzvermögen
Realvermögen
Boston Consulting
Verbindlichkeiten
3.236 3.346
Group vorhersagt.
3.129
1.216
3.038
Nicht zuletzt aufgrund
2.943
2.873
ihrer risikoreicheren
986
941
891
Asset-Allokation (siehe
875
834
798
Seite 34) werden die
Superreichen auch
davon überpropor
tional profitieren.
2.372
2.114
Arbeiterkammer und
2.058
2.006
1.939
1.888
1.864
Gewerkschaften
fordern schon länger
höhere Vermögenssteuern, weil Österreich deutlich unter
–212
–220
–225
–231
–238
–246
–277
dem OECD-Schnitt
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2025
liegt.
Durch die boomenden Aktienmärkte
ist das Wachstum des Finanzvermögens 2020 mit fünf Prozent auf knapp
eine Billion Dollar deutlicher ausgefallen als
nach Ausbruch der Coronakrise zunächst
erwartet. Aber schon heute besitzen nur
Vermögenskonzentration in Österreich
Anteil am Gesamt-Finzanzvermögen in %
Bis 2025 wird das Gesamtvermögen der Österreicher auf
3,9 Billionen Dollar zulegen. DIE SCHON AUSGEPRÄGTE
UNGLEICHHEIT wird sich weiter verschärfen.
TEIL
Rang
Vermögen 2021
(in Euro)
Art des
Vermögens
Name
Unternehmen, Aktivitäten
1
Porsche & Piëch, Familien
Beteiligung Porsche, VW, Finanzanlagen, Immobilien
51.100.000.000
SV
2
Mateschitz, Dietrich
Red Bull GmbH (49 %), Medien, Hotels, Beteiligungen
16.400.000.000
BV
3
Schaeffler, Elisabeth & Georg
Schaeffler AG, Continental AG (Autozulieferung, Reifen)
9.400.000.000
BV
4
Wlaschek, Friederike, Karl Philipp, Marie-Luise Erben nach K. Wlaschek (Immobilien, Billa), Stiftungsbegünstigte
5.600.000.000
SV, EV
5
Graf, Johann
Novomatic-Gruppe
5.500.000.000
BV
6
Benko, René
Immobilien (Signa-Gruppe), Handel (Signa Retail), Medien
4.900.000.000
SV, BV
7
Tojner, Michael
Montana Tech Components (u. a. Varta), WertInvest
4.700.000.000
BV
8
Stumpf, Georg
Immobilien, Industriebeteiligungen (M+W-Gruppe, exyte)
4.300.000.000
SV, BV
9
Flick, Ingrid & Familie
Finanzvermögen aus Erbe nach F. K. Flick
4.000.000.000
SV, EV
10
Swarovski, Familie
Glas-, Kristall-, Optik-, Schleifmittelkonzern
3.600.000.000
SV, BV
11
Mayr-Melnhof, Franz & Familie
Mayr-Melnhof AG (Karton, Verpackung), Ländereien, Holzwirtschaft
3.600.000.000
SV, BV
12
Lehner, H. & G. Familien
Alpla-Gruppe (Kunststoffe, Verpackungen)
3.500.000.000
SV, BV
13
Schlaff, Martin
Finanzinvestor (z. B. RHI AG, ca. 30 %)
3.400.000.000
SV, BV
14
Kaufmann, Michael, Christian, Andreas
Erben nach H. Kaufmann; FRAPAG (Immobilien), Billerud, Leica
3.200.000.000
SV, BV
15
Geiger, Reinhold
L’Occitane International SA (Kosmetik)
3.000.000.000
BV
16
Horten, Heidi
Erbe nach Verlassenschaft H. Horten
2.800.000.000
EV, BV
17
Haselsteiner, Hans Peter & Familie
Strabag (ca. 26 %), Beteiligungen (u. a. Signa Prime), Hotels
2.600.000.000
SV, BV
18
Kahane, Familie
Jungbunzlauer AG, Bank Gutmann
2.500.000.000
BV, EV
19
Sohmen, Helmut & Familie
BW Group (Reederei)
2.200.000.000
BV
20
Blum, Herbert, Gerhard & Familien
Julius Blum GmbH (Beschläge)
2.100.000.000
SV, BV
SV, BV
21
Greiner, Peter & Familie
Greiner-Gruppe (Kunststoffe, Verpackungen)
2.100.000.000
22
Leitner, Wolfgang & Familie
Andritz AG (ca. 31,5 %)
2.100.000.000
SV
23
Rauch, Franz & Familie
Fruchtsäfte, Abfüllungen (Coca-Cola, Red Bull), Beteiligungen
2.000.000.000
SV, BV
SV,BV
24
Pappas, Alexander & Catharina
Kfz-Handel, Verkauf Alpine Bau, Immobilien
1.700.000.000
25
Prinzhorn, Thomas & Familie
Prinzhorn Holding (Papier)
1.700.000.000
SV
26
Heinzel, Alfred & Familie
Heinzel Holding (Papier); Großlandwirtschaft
1.700.000.000
SV, BV
SV, BV
27
Pierer, Stefan
Pierer Industrie (Motorräder), Beteiligungen
1.700.000.000
28
Engleder, Neumann Familien
Engel Gruppe (Maschinenbau)
1.600.000.000
BV
29
Breiteneder, Bettina & Familie
Immobilien, Development, Tiefgaragen
1.600.000.000
SV, BV
30
Egger, Michael & Fritz
Egger-Gruppe (Holzwerkstoffe, Getränke)
1.500.000.000
SV
31
Glock, Gaston & Familie
Faustfeuerwaffen
1.500.000.000
SV, BV
BV
32
Hallmann, Klemens
Immobilien, Filmproduktion, Beteiligungen
1.500.000.000
33
Schwarzkopf, Familie
Plansee Holding AG (Metallurgie)
1.400.000.000
SV
34
Bergmair, Bernd
MindGeek (Pornhub)
1.400.000.000
k. A.
EV, SV
35
Palmers, Christian & Familie
Finanzvermögen, Immobilien, Verkauf Wolford (ca. 51 %)
1.300.000.000
36
Schweighofer, Familie
Finanzvermögen, Immobilien, Holzindustrie
1.200.000.000
SV
37
Erber, Erich
Verkauf Erber-Gruppe
1.200.000.000
k. A.
38
Dujsik, H., C. Höfer, M. Totta
Erbe nach Hans Dujsik (Immobilien, SCS)
1.200.000.000
EV, BV
39
Trierenberg, Familie
Verkauf Tann Papier, delfortgroup
1.200.000.000
SV, BV
40
Binder, Franz, Reinhard, Matteo
Binder Holding (Holz)
1.200.000.000
SV, BV
41
Turnauer, Stanislaus & Familie
Constantia Industries, Finanzvermögen
1.100.000.000
EV, BV
42
Schmid, Familie
Baustoffindustrie (Baumit, Austrotherm)
1.100.000.000
BV
43
Ernst, Burkhard & Lemberger, Gabriela
Rainer-Gruppe (Immobilien, Hotels, Auto, Film)
1.100.000.000
BV
44
Ortner, Klaus & Familie
IGO Industries, Porr (39 %), UBM (34 %)
1.000.000.000
BV
45
Koch, Frederike, Herbert & Familie
Verkauf Leiner/kika-Gruppe, Verkauf PEMA-Anteile, Immobilien
1.000.000.000
46
Kwizda, Johann Franz, Richard Peter & Familie Kwizda Holding (Pharma)
900.000.000
SV
SV, BV
47
Dichand, Familie
Kronen Zeitung (50 %), Kunstsammlung
900.000.000
BV, EV
48
Fries, Rudolf & Familie
Investor (u. a. Engel, Immofinanz); Böhler-Verkauf
900.000.000
SV, BV
49
Palfinger, Hubert & Familie
Palfinger AG (ca. 60 %)
900.000.000
SV, BV
50
Bartenstein, Martin
Bartenstein Holding (Pharma), Bene u. a. (Büromöbel), Knapp (Logistik)
850.000.000
SV, BV
51
Umdasch, Hilde & Familie
Umdasch Group (The StoreMakers, Doka, Ventures)
800.000.000
SV, BV
LEGENDE | BV = BETEILIGUNGSVERMÖGEN | EV = ERBSCHAFTSVERMÖGEN | SV = STIFTUNGSVERMÖGEN
25. 6. 2021 | T RE ND
31
TREND
WIRTSCHAFT
COVER
in den trend-Top-100 Vertretenen
wuchs darum deutlich um über 15 Prozent
auf erstmals über 200 Milliarden Euro.
So konnten die Familien Porsche und
Piëch, die Abonnementsieger in der Rang
liste, einen phänomenalen Zugewinn von
mehr als 16 Milliarden Euro verbuchen.
Sie halten über Stiftungen die Mehrheit
an der deutschen Porsche SE und damit wesentliche Anteile an Volkswagen,
Porsche und der Salzburger Porsche Holding, Europas größtem Autohändler. Dass
VW-Chef Herbert Diess den Konzern
konsequent auf die durch den staatlichen
Förderturbo boomende E-Mobilität ausrichtet, honorierte die Börse mit Rekordkursen. Und die Porsche SE behielt auch
ihre üppige Dividendenpolitik bei.
Von der Stabilisierung der Autobranche profitiert auch die Deutschösterreicherin Maria-Elisabeth Schaeffler, die
zusammen mit ihrem Sohn Georg über
die Familienholdiung drei Viertel der
Anteile am gleichnamigen Zulieferer und
knapp die Hälfte der zugekauften Conti
DER IN LONDON LEBENDE Oberösterreicher Bernd
Bergmair ist Mehrheitseigentümer des MindGeekImperiums, das mit Pornhub eine der bekanntesten
Marken im Pornogeschäft besitzt.
AG hält. Die Kurse beider Unternehmen
liegen mittlerweile wieder über Corona
niveau. Unter Abzug der verbliebenen
Schulden aus der Conti-Übernahme kommen die Schaefflers nun auf ein Vermögen von rund 9,4 Milliarden Euro – und
konnten damit den dritten Platz von
Novomatic-Gründer Johannes Graf zurückerobern, dessen Glücksspielkonzern
infolge der Coronakrise einen Millionenverlust ausweisen musste.
AUFHOLJAGD. Der MSCI-World-Aktien-
index lag zum trend-Erhebungsstichtag
deutlich über dem Niveau von Mai 2020,
die Erholung des ATX fiel sogar noch
besser aus. Dass die Vermögenden von
den robusten Aktienmärkten überproportional profitieren, liegt auch an ihrer
Asset-Allokation. Während Personen mit
einem Vermögen von über 100 Millionen
Dollar rund zwei Drittel in Aktien und
Fonds anlegen, beträgt die Quote beim
Durchschnittsösterreicher nur 35 Prozent
(siehe Portfolio Seite 34). Und: Der Wert
privater Liegenschaften stieg in Österreich laut Nationalbank alleine im Jahr
2020 um rund sieben Prozent an.
„Wer die richtigen Immobilien besitzt,
blieb von der Coronakrise verschont“,
erklärt etwa Immobilienunternehmer
Klemens Hallmann sein „wirtschaftlich
phänomenales“ Jahr 2020. Die Bilanz der
Hallmann Holding wird ein Vorsteuerergebnis von etwa 200 Millionen Euro und
einen Nettogewinn von knapp 170 Millionen ausweisen. In Neu-Ulm wurde das
größte Fachmarktzentrum Deutschlands
mit 110.000 Quadratmetern Fläche
D I E FR AUEN 202 1
BET
TINA BREITENEDER
MICHAEL
TOJNER
I
n der Coronakrise hat sich die Wiener
Immobilien- und Garagendynastie
Breiteneder mit Investments zurückge
halten. Durchgesickert ist nur der Erwerb
des Luxushotels „The Ring“ im Wert von
rund 30 Millionen Euro. Bekanntes Gesicht
der Familie ist Bettina Breiteneder als
Immofinanz-Aufsichtsratsvorsitzende.
32
T REND | 25. 6. 2021
IRIS ORTNER
D
ie Tochter des Tiroler Unternehmers
Klaus Ortner gehört zu den wenigen
Frauen, die operative Verantwortung
in einem Familienunternehmen tragen.
Neben ihrem Job als Geschäftsführerin der
IGO-Ortner-Gruppe ist sie als ÖBAG-Aufsichtsrätin in die Nachfolgesuche für
Thomas Schmid eingebunden.
CATHARINA PAPAS
N
achdem ihr Bruder vor einigen Jahren
aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist, musste Catharina Pappas
den Autohändler alleine durch die extrem
herausfordernde Coronakrise manövrieren.
Die sich im Verlauf 2020 stabilisierende
Autoindustrie hat die Familie vor größeren
Vermögenseinbußen bewahrt.
FOTOS: TOM PILSTON/TORTOISE MEDIA, ANDI BRUCKNER, WOLFANG WOLAK, BEIGESTELLT
Drei UNTERNEHMERINNEN, die in den von ihren Vätern aufgebauten Betrieben
Verantwortung tragen und in unterschiedlicher Form mit der extremen Erfahrung
der Pandemie umgehen mussten.
TEIL
Rang
Name
Unternehmen, Aktivitäten
Vermögen 2021
(in Euro)
Art des
Vermögens
52
Mitterbauer, Peter & Familie
Miba AG (100 %), (Auto, Windenergie)
800.000.000
BV
53
List, Hans Christoph
Immobilien, Tiefgaragen
800.000.000
BV
54
Bernecker, Familie
Verkauf von Bernecker+Rainer an ABB (50 %)
800.000.000
SV
55
Rainer, Josef
Verkauf von Bernecker+Rainer an ABB (50 %)
800.000.000
SV
56
Bertalanffy, Peter & Familie
Ebewe-Verkauf (Pharma), Immobilien
800.000.000
SV
57
List, Helmut
AVL List (Autozulieferer)
750.000.000
BV
58
Doppelmayr, Michael & Familie
Doppelmayr Holding (Seilbahnen)
700.000.000
SV, BV
59
Senger-Weiss, Familie
Gebrüder Weiss Holding (Logistik; 50 %)
700.000.000
BV
60
Pühringer, Peter
Finanzinvestor, Immobilien
700.000.000
SV, BV
61
Fronius, Klaus & Familie
Fronius (Elektrotechnik)
700.000.000
SV, BV
62
Stalf, Valentin, Tayenthal, Maximilian
N26 (22,6 %)
700.000.000
BV
6 00 – 40 0 M ILL IO NEN EURO
63
Meinl, Julius V. & Familie
House of Julius Meinl, Lebensmittel, Kaffeerösterei
BV
64
Taus, Josef & Familie
Management Trust Holding (u. a. Libro, Pagro, Druckereien)
BV
65
Kapsch, Georg, Kari & Familie
Kapsch Group (Elektronik)
SV
66
Zimmermann, Norbert & Familie
Berndorf AG, Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment
SV
67
Demuth, Eric, Klanschek, Paul, Trummer, Christian Bitpanda (64,2 %)
68
Schaschl, Erhard & Familie
Treibacher Industrieholding (75 %), Beteiligungen
BV
SV
69
Theurer, Josef & Familie
Plasser & Theurer (Gleis- und Bahnbau)
BV
70
Scherb, Walter & Familie
Spitz Fruchtsäfte (Nahrungsmittel)
SV, BV
71
Wolf, Siegfried
Bet. GAZ-Gruppe (Russland), Steyr-Werk, Immobilien, Wald
BV
72
Krauter, Stefan
Cargo-Partner Group
BV
73
Castelbajac, Christine de
Constantia Packaging, Constantia Flexibles (27 %)
74
Knapp, Herbert & Familie
Knapp Logistik (71 %)
EV
BV,SV
75
Grigkar, Karl
Vermögen aus Ebewe-Verkauf, TCG Unitech
SV
76
Dogudan, Attila
Do & Co AG (Catering, Gastronomie; 32 %)
SV
77
Kerbler, Günter & Familie
Immobilien, conwert-Verkauf, Wr. Privatbank (rd. 24 %)
78
Kuhn, Günter & Familie
Kuhn Holding (Baumaschinen)
BV, SV
79
Wolff, Toto
Investor (u. a. Mercedes-AMG Petronas F1)
80
Weißenbacher, Andreas
BWT AG
SV
81
Beurle, Familie
Vermögen aus BBAG-Verkauf, Liegenschaften
BV
82
Falk, Noah & Samuel
Erben nach Kurt Falk, „Die ganze Woche“
SV
k. A.
BV, EV, SV
40 0 –1 8 0 M ILL IO NEN EURO
83
Androsch, Hannes
Salinen (41,3 %), AT&S (17,6 %), GVC, Bawag
SV
84
Mölk, Familie
MPreis (Lebensmittelhandel)
SV
85
Strauss, Karl-Heinz
Beteiligungen: Porr, UBM
86
Strascheg, Falk
Extorel, ehemals Technologieholding
87
Lauda, Familie
Erbe nach N. Lauda, Verkauf Fluglinien, Finanzvermögen, Signa Retail
88
Pecik, Ronny
Finanzinvestor (u. a. Immofinanz)
BV, SV
BV
SV
BV, SV
89
Müller, Gregor, Ohswald, Felix
GoStudent (22 %)
SV
90
Rosenbauer, Familie, Hawelka, Reinhild
Rosenbauer (Spezialfahrzeuge, 51 %)
BV
91
Bardach, Hannes
Frequentis (68 %)
92
Dörflinger, Willi
AT&S (18%)
93
Schütz, Alexander
C-Quadrat, Investor (u. a. Exxpress)
94
Roth, Hans & Familie
Saubermacher (Entsorgung), Beteiligungen
SV
95
Gürtler, Elisabeth & Familie
Hotel Sacher, Bristol Holding
SV
96
Hauser, Hermann
Finanzinvestor, Amadeus Capital
97
Kirchmayr, Ernst
Immobilien (Puls City u. a.)
98
Zumtobel, Jürg & Familie
Zumtobel (Leuchten)
SV
99
Schafferer, Markus
PEMA Holding (100 %)
BV
100
Kiener, Heinrich
Stiegl Bier, Immobilien
BV
LEGENDE | BV = BETEILIGUNGSVERMÖGEN | EV = ERBSCHAFTSVERMÖGEN | SV = STIFTUNGSVERMÖGEN
BV
BV, SV
SV
k. A.
BV
25. 6. 2021 | T RE ND
33
TREND
WIRTSCHAFT
COVER
erworben. Hallmanns Immobilien
entwickler Süba expandierte ebenfalls
nach Deutschland und konnte das Ergeb
nis fast verdreifachen, was zum deutlichen
Anstieg des Vermögens seines Besitzers
beigetragen hat.
MILLIONÄRSBEITRAG. Die 500 reichs
92 WILLI DÖRFLINGER
Der Mitgesellschafter von AT&S stieg
nach einer fulminanten Kursentwicklung des Leiterplattenherstellers neu
in das Ranking ein.
27 STEFAN PIERER
Nach dem Rekordjahr 2020 brummt
das Geschäft von Pierer Mobility auch
heuer weiter. Mehrheitseigentümer
Stefan Pierer profitiert finanziell.
— GEORG PFEIFFER
Nach der missglückten ZielpunktÜbernahme haben die Pfeiffers nicht
mehr zu alter Stärke zurückgefunden.
Das Unternehmen wurde verkauft.
58 M. DOPPELMAYR
Das Seilbahngeschäft leidet unter
der Absage der Wintersaison. Das
wirkt sich negativ auf das Familien
vermögen der Doppelmayrs aus.
10 NADJA SWAROVSKI
Schwierige Geschäftsentwicklung,
Mitarbeiterabbau und Familienclinch
lassen die Kristalldynastie auf Platz
zehn abrutschen.
34
T REND | 25. 6. 2021
AB STEI G ER
Nach dem Corona-bedingten Absturz
im Vorjahr erholte sich die Aktie des
Kranherstellers wieder – und damit
das Vermögen der Eigentümer.
AUFSTEI G ER
49 HUBERT PALFINGER
RENATE ANDERL. Die AK-Chefin sieht in einer
Vermögensabgabe eine Frage der Gerechtigkeit
nach der Coronakrise: „Wir können nicht zuschauen, wie Reiche ihr Vermögen vermehren.“
ten Familien in Österreich halten aktuell
34 Prozent des gesamten Finanzvermö
gens. Bis 2025 werden sie laut BCG auf
rund 36 Prozent kommen (siehe Grafik tige Oberösterreicher lebt mittlerweile in
Seite 30). Aufgrund der wachsenden Un London und gilt als mysteriöser Hauptei
gleichheit sehen Arbeiterkammer und gentümer des Pornoimperiums von Mind
Gewerkschaften Multimillionäre und Mil Geek (Pornhub). Mit einem nun bekannt
liardäre in der Pflicht, einen Extrabeitrag gewordenen Vermögen von 1,4 Milliarden
zum Abtragen der Pandemieschulden zu Euro steigt er auf Platz 34 ein.
Zu den unerwarteten Coronaprofi
leisten. „Die Coronakrise macht Schiefla
gen augenscheinlich. Viele Arbeitnehmer teuren gehören aber auch einzelne, ganz
wurden von der Krise hart getroffen. Wir und gar untadelige Industrielle. Willi
müssen die Armut verringern und können Dörflinger, neben Hannes Androsch der
nicht zuschauen, wie Reiche ihr Vermö Hauptgesellschafter des Leiterplatten
gen vermehren. Eine Millionärsabgabe ist produzenten AT&S, hat es wegen der
eine Frage der Gerechtigkeit, auch immer Kursverdopplung der Aktie ebenfalls
mehr Superreiche selbst fordern das ein“, erstmals ins Ranking geschafft (Platz 92).
sagt AK-Präsidentin Renate Anderl.
Konkret sieht das AK-Modell einen pro AUFSTEIGER. Erneut einen großen Sprung
gressiven Steuertarif ab einer Million Euro hat der Unternehmer Michael Tojner
Nettovermögen vor.
gemacht. Sein Ge
Schon bei Steuer
richtsverfahren mit
Portfolio der Superreichen (Österreich)
sätzen von 0,5 bis
dem Burgenland,
66 %
Aktien
1,5 Prozent soll
in dem er Beschul
das budgetäre von
digter ist, ändert
20 %
Cash
Mehreinnahmen
nichts daran, dass
Lebensversicherungen
7%
sein Vermögen kon
bis zu fünf Milliar
& Pensionen
tinuierlich in die
den Euro bringen.
Bonds 5 %
Höhe schießt. Die
Die auch von der
Andere 1 %
wiederum deutlich
OECD mehrfach
QUELLE: BCG 2021, HNWI MIT FINANZVERMÖGEN ÜBER 100 MIO. USD
gestiegene Aktie des
als zu niedrig kriti
sierte Vermögens
Batterieherstellers
besteuerung in Österreich ist aus Sicht der Varta hat Tojners Mehrheitsanteil auf rund
AK ein strukturelles Problem. Anderl for drei Milliarden Euro gepusht. Beim kürz
dert darum eine Steuerstrukturreform mit lich erfolgreich an die Börse gebrachten
dauerhaft höheren Beiträgen der Reichen. Flugzeugzulieferer Montana Aerospace
Unterstützung bekommt sie von un macht der Wert seiner verbliebenen Betei
erwarteter Seite. Auch hierzulande ver ligung rund 900 Millionen Euro aus. Auch
langen manche Betroffene öffentlich der dritte Sektor von Tojners Konzern
Vermögens- und Erbschaftssteuern für Montana Tech Components, die Aluflex
ihresgleichen. Wortführerin von „Tax me pack, schlägt sich an der Börse wacker und
now“ ist die 29-jährige Wienerin Marlene steuert weitere 300 Millionen bei.
Engelhorn, deren Großmutter, verheiratet
Dazu kommt die Immobiliengesell
mit einem Urenkel des BASF-Gründers schaft WertInvest, deren Liegenschafts
Friedrich Engelhorn, eines Tages 3,4 Mil besitz – vor allem in Wien – abzüglich
liarden Euro an ihre Nachfahren weiter Verbindlichkeiten auch irgendwo bei
geben wird. Da es keine Erbschaftssteu 300 Millionen liegt. Die paar Dutzend
er gibt, will Engelhorn 90 Prozent ihres Millionen, die Tojners Sechstelanteil am
Anteils spenden: „Ich habe für mein Erbe Dorotheum wert ist, nach einer Über
keinen Tag gearbeitet und zahle keinen nahme in Italien das größte Pfandleih
haus Europas, fallen jedenfalls in die
Cent dafür. Besteuert mich endlich!“
Diskussionen dieser Art dürften Bernd
Kategorie Kleingeld. „Immobilien und
Bergmair weniger tangieren. Der gebür Aktien sind momentan sehr flott
D IE R E I C H ST E N DE R WELT 202 1
Der Amazon-Gründer Jeff Bezos bleibt an der Spitze
der „FORBES“-LISTE. Neu in den Top Ten sind TeslaGründer Elon Musk und ein indischer Unternehmer.
N
von über 150 Milliarden
Dollar ist er um nur
25 Milliarden Dollar
ärmer als Jeff Bezos,
der Seriensieger des
US-Rankings. Mit
Mukesh Ambani gibt
es einen weiteren
Neuzugang. Der Sohn
einer indischen Industriellenfamilie, der den
Mischkonzern Reliance
Industries kontrolliert, wird mit einem
Vermögen von knapp
85 Milliarden Dollar
ELON MUSK. Durch die starken Kursgewinne ist der Tesla-Gründer schon fast
ganz oben. Nur Jeff Bezos ist noch reicher.
Rang
FOTOS: RUDI FROESSE, GETTY IMAGES (2), ARBEITERKAMMER, PICTUREDESK.COM/REUTERS/DANISH SIDDIQUI
och vor wenigen
Jahren stand
Tesla am Rande
der Pleite, heute ist das
Unternehmen an der
Börse der mit Abstand
wertvollste Autobauer
der Welt. Gründer Elon
Musk, der dieser Tage
seinen 50. Geburtstag
feiert, katapultierte die
fulminante Kursentwicklung auf Platz zwei
der „Forbes“-Milliardärsliste. Mit einem
geschätzten Vermögen
1
Name
Jeff Bezos
bewertet. Der reichste
Europäer ist Bernard
Arnault, dessen Luxus
konzern LVMH an der
Börse neue Rekordstände erklimmt. Sein
Mitstreiter, der Spanier
Amancio Ortega von
Inditex (u. a. Zara), hat
die Coronakrise weniger gut für sich nutzen
können und ist aus den
Top Ten ausgeschieden.
Auch die zuletzt einzige
Frau, Alice Walton,
rutschte ab.
MUKESH AMBANI. Der Sohn einer
indischen Industriellenfamilie kontrolliert
den Mischkonzern Reliance Industries.
in Mrd.
USD
Unternehmen
Branche
177
Amazon (US)
Onlinehandel
E-Mobilität
2
Elon Musk
151
Tesla (US)
3
Bernard Arnault
150
LVMH (FR)
Luxus
4
Bill Gates
124
Microsoft (US)
Technologie
Technologie
5
Mark Zuckerberg
97
Facebook (US)
6
Warren Buffett
96
Berkshire Hathaway (US) Finanzen
7
Larry Ellison
8
Larry Page
9
Sergey Brin
10
Mukesh Ambani
QUELLE: FORBES 2021
93
Oracle (US)
Technologie
91,5
Google (US)
Technologie
89
Google (US)
Technologie
Reliance Industries (IN)
Diversifiziert
84,5
TREND
WIRTSCHAFT
COVER
bewertet. Wie realistisch das ist,
bleibt abzuwarten“, bemüht sich Michael
Tojner, sein Vermögen zu relativieren.
Für Signa-Gründer René Benko verlief
das Jahr turbulenter, als ihm lieb war. Die
Pandemie hat der Retail-Sparte zugesetzt.
Die Schließungen im Handel zwangen
Karstadt Kaufhof unter ein Schutzschirmverfahren, die deutsche Kaufhausgruppe
musste durch ein nachrangiges Darlehen
des Bundes gestützt werden. Der Möbelhandel von kika/Leiner in Österreich kam
hingegen besser durch.
Der Wert des Signa-Konzerns und damit der Besitz von Benko stiegen trotzdem.
Das Immobilienvermögen wuchs vor allem
durch Zukäufe auf 20,6 Milliarden Euro;
bei einem Verschuldungsgrad von rund
45 Prozent. Die Signa Prime Selection,
die Bestandsimmobilien hält, steht für ca.
drei Viertel, der Rest entfällt auf den Immobilienentwickler Signa Development.
In den Jahren zuvor wurden jeweils hohe
Aufwertungen vorgenommen – allerdings
bestätigt von internationalen Gutachtern. Im letzten Jahr standen moderaten
ufwertungen ebensolche AbA
sie ihr Vermögen vor allfälliwertungen auf der anderen Seite
gen Corona-Steuern schützen
gegenüber. Laut Signa hielt sich
können. In den USA errichten
der Handlungsbedarf selbst bei ANNA ZAKRZEWSKI sie aus diesem Grund zunehRetail-Liegenschaften in engen ist Partnerin bei der mend Treuhandfonds für ihre
Grenzen, weil 92 Prozent der Boston Consulting Kinder und andere Verwandte,
Group und Autorin
vertraglich vereinbarten Mieten der Studie zur welt um ihre Güter vorsorglich dem
auch tatsächlich bezahlt wurden. weiten Vermögens Zugriff von Präsident Joe Biverteilung 2021.
den zu entziehen. Superreiche
Im Onlinehandel gelang
aus verschiedenen Teilen der
ganz aktuell ein Coup. Durch
die Fusion von Signa Sports United mit Welt überlegen den Umzug in Regionen
ucaipa Acquisition Corporation und mit freundlichen Steuergesetzen. Die
der Y
die parallele Übernahme des britischen Schweiz, Luxemburg und Singapur gelten
Bike-Spezialisten WiggleCRC entstand als besonders gefragte Domizile.
Wohlhabende Österreicher tendieren
die weltgrößte Sport-E-Commerce-Plattform, die mit einem Wert von umgerech- eher seltener dazu, sich ins Ausland abzunet 2,6 Milliarden Euro an der New Y
orker setzen. Aber über Reaktionen auf mögliBörse notieren wird. Die Signa Gruppe che neue Vermögenssteuern wird ebenfalls
wird nach Abschluss der Transaktion eine nachgedacht. Die Grünen jedenfalls maknappe Mehrheit halten. Benkos durchge- chen innerhalb der Regierung Druck und
rechneter Anteil plus seine Anteile an den wollen einem Sparpaket zum Abtragen der
Immobiliengesellschaften summieren sich Corona-Schulden im Bundeshaushalt nur
mittlerweile auf rund 4,9 Milliarden Euro. dann zustimmen, wenn davor auf Millionenerben und Milliardenstifter zugeDIE ANGST GEHT UM. Weltweit machen griffen wird. Die ÖVP stellt sich bis dato
sich Milliardäre schon G edanken, wie gegenüber solchen Forderungen taub.
L I C H T U N D S CHAT TEN DE S HOL ZBOOMS
D
er weltweite Bauboom
sorgte für einen enor
men Preisanstieg (bis zu
50 Prozent) bei verarbeitetem
Bauholz. Sägeindustrie und
Holzverarbeiter verdienten
sich eine goldene Nase. Zu ge
ringe Produktionskapazitäten
sorgten für einen weltweiten
Engpass, der die Preise nach
oben trieb. Österreich ist in
dieser Branche traditionell
stark. Die – meist familien
geführten – Unternehmen wie
Binder, Egger, Kaindl oder
Schweighofer (HS Timber)
bescherten ihren Eigen
tümern ein hervorragendes
Jahr mit entsprechenden
Wertzuwächsen.
Das Tiroler Familienun
ternehmen Binder legte mit
1,6 Milliarden Euro Umsatz
ein mehr als 16-prozentiges
Plus hin, schon die Bilanzen
der Vorjahre glänzten mit
dicken Gewinnvorträgen. Zum
36
T REND | 25. 6. 2021
Jahresende konnte man in den
USA das Werk des Mitbewer
bers Klausner übernehmen.
Geschäftsführer Reinhard
Binder sagte zum „Holzkurier“:
„Es gibt durch die Pandemie
neue Wohnwünsche: größer
und weg aus den Städten.
Das wird viel Holz benötigen.
Auch die EU-Vorgaben zur
CO2-Senkung lassen sich nur
mit Holzbau erfüllen.“ Span
plattenproduzent FunderMax
(Constantia Industries, Familie
Turnauer) partizipierte mit ei
nem Umsatzplus von 4,5 Pro
zent ebenfalls am Bauboom.
Die Baufirmen stöhnten
hingegen über die teuren
Preise, die sie für ihre Vor
produkte zahlen mussten. Es
kam zu Verzögerungen und
Baustopps, zuweilen wurde
gar ein Exportverbot verlangt.
MATTEO, REINHARD, FRANZ UND HANS BINDER (V. L.). Holz gab
es genug, aber Verarbeitungskapazitäten nicht. Das machte die Säge
industrie 2020 zu einer der profitabelsten Branchen Österreichs. Der
Umsatz von Binderholz wuchs stark auf 1,6 Milliarden Euro.
Auf Holzbau spezialisierte
Unternehmen wie Umdasch
(minus 6,9 Prozent) und Doka
(minus 8,4 Prozent) mussten
deutliche Umsatzrückgänge
hinnehmen.
Auch die Forstunterneh
mer haben zunächst von dem
Boom nichts abbekommen.
Ihre Lager waren voll, der
Preis für Holz ab Wald lag
zur Jahresmitte 2020 auf
dem tiefsten Wert seit 1996.
Mittlerweile sieht das Bild
in Österreich aber schon
wieder ganz anders aus. Die
Preise sind auf dem Weg zu
Rekordständen nach oben.
Die großen Forstbesitzer wie
die Mayr-Melnhofs, die zu
den reichsten Familien des
Landes zählen, die Familien
Liechtenstein oder Esterházy
sehen nun ebenfalls sehr
guten Zeiten entgegen, in
denen sie richtig Holz machen
können.
FOTOS: BEIGESTELLT
Die Eigentümer der großen HOLZVERARBEITER UND SÄGEUNTERNEHMEN haben
verdient wie noch nie. Die Forstbesitzer sind erst langsam dabei, nachzuziehen.
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
ZUKUNFT IN DER
HAND. Robert
Buchbauer sieht sich
klar als Manager der
Transformation –
nach ihm werden
wohl familienfremde
Führungskräfte
den Kristallkonzern
steuern.
DER UMBAUPLAN
Swarovski-CEO ROBERT BUCHBAUER will sich trotz Widerständen
nicht von seinen Reformvorhaben für den Tiroler Kristallkonzern
abbringen lassen. Erstmals stellt er das Modell vor, mit dem das
komplexe Unternehmen künftig gesteuert werden soll – und deutet an,
dass er nur Chef für die Übergangsphase sein will.
38
T REND | 25. 6. 2021
VON B ER N HA R D ECK ER
E
r federt mit weißen Sneakers, schwarzen Stretchjeans und schwarzem Sakko durch die SwarovskiRäumlichkeiten in Wattens,
und doch steht ihm das
letzte Jahr ins Gesicht geschrieben: Mehrmals betont Robert
Buchbauer, seit 15 Monaten CEO des
Kristallkonzerns, in seinem ersten großen trend-Interview, welche Spuren das
Krisenjahr bei ihm hinterlassen hat: die
Kündigungen, die Feindschaften innerhalb der eigenen Familie, die vielen
Unwägbarkeiten in der Coronakrise. Und
am Ende des Gesprächs macht der
55-Jährige klar, dass er wohl nur ein
Übergangschef bleiben wird: „Ewig
werde ich es nicht machen – das ist auch
eine Energiefrage“, sagt er. Nachsatz:
„Für einige Jahre reicht die Energie aber
schon noch.“
Seit seinem Antritt als CEO Anfang
April 2020 war im erfolgsverwöhnten
Familienunternehmen Krisenmanagement auf mehreren Ebenen gefragt. Zeitweise waren 90 Prozent der Geschäfte geschlossen, trotz Onlinebooms schrumpfte
der Umsatz um rund ein Drittel. Liqui
ditätssicherung stand an erster Stelle.
Weltweit trennte sich der Konzern von
7.000 seiner Mitarbeiter. Neben einem
Bankenkonsortium wurde auch firmenintern Kapital bereitgestellt: 350 Millionen Euro wurden über die im Schweizer
Männedorf ansässige Swarovski Inter
national Holding (SIH) nach Österreich
transferiert. Die Gesellschaft ist nun mit
Abstand größte Aktionärin der Schlüsselgesellschaft D. Swarovski KG mit Sitz
in Wattens, in der das Kristallgeschäft
gebündelt ist.
Doch schon vor der Krise war Krise:
Über ein Jahrzehnt hinweg ist das früher
hoch profitable Komponentengeschäft –
lose Steine und Halbfabrikate für Großkunden – durch Hyperwettbewerb aus
Asien, Ägypten und Tschechien förmlich
erodiert.
Eine Arbeitsgruppe für eine Reform
der aus den 1970er-Jahren stammenden
Strukturen war bereits 2019 eingesetzt
worden. Durch den Wechsel von Markus
Langes-Swarovski, seit 2012 an der Spitze, zu dem in der Schweiz aufgewach
senen Robert Buchbauer wurde dieser
Prozess beschleunigt.
Buchbauer ist wie Langes-Swarovski,
Finanzchef Mathias Margreiter und die
für die Swarovski Foundation zuständige
Nadja Swarovski-Adams – international
vermutlich das bekannteste Gesicht des
FOTOS: LUKAS ILGNER, PICTUREDESK.COM/AFP/JOE KLAMAR
STAMMSITZ. Vor der Finanzkrise ab
2008 beschäftigte Swarovski im
Tiroler Wattens noch 6.700 Mitarbeiter.
Aktuelle Zielgröße: 3.000. Die Kernproduktion soll aber erhalten bleiben.
Die neue Swarovski-Steuerungszentrale: die Familienholding
Gesellschafterversammlung:
derzeit 80 Gesellschafter als Eigentümer
(derzeit ausschließlich Familie)
Swarovski Auslandsholding GmbH
Sitz: Wattens
120 Konzerngesellschaften
Geschäftsführung: 7 Mitglieder (13 % der Anteile berechtigen zu einem
Mandat) und optional 2 weitere (durch Wahl). Qualifikationshürden: z. B. kaufmännische Grundausbildung, Jusstudium (Kriterien noch in Ausarbeitung).
Sowohl Familienmitglieder als auch externe Manager.
Funktion: Familienausschuss, bestimmt die Verwaltungsräte der SIH.
Verwaltungsrat der Swarovski International Holding (SIH): 7 bis 9
Mitglieder, Qualifikation vergleichbar dem „Fit & Proper“-Test für Führungskräfte. Fokus auf externes Know-how. Sitz in Männedorf am Zürichsee.
Funktion: Verwaltungsrat bestellt die Manager in den operativen Konzern
gesellschaften, z. B. D. Swarovski, Tyrolit, Optik.
Clans – Mitglied der fünften SwarovskiGeneration. Als einer der wenigen hat er
auch Managementerfahrung in externen
Unternehmen: beim Gewürzhersteller
Wiberg.
Nach einem erbitterten, teilweise öffentlich ausgetragenen Streit zwischen
rivalisierenden Familienstämmen dürfte
die Reform nun einen wichtigen Schritt
vorangekommen sein. Auch wenn noch
Schiedsgerichtsklagen der Oppositionellen anhängig sind, sei es nur noch eine
Frage „von Wochen oder wenigen Monaten“, bis die neuen Gremien zu arbeiten
beginnen, ist Buchbauer überzeugt. In
den nächsten Tagen sollen die neuen Satzungen der Swarovski Auslandsholding
GmbH ins Firmenbuch eingetragen werden. Diese bereits existierende Firma mit
Sitz in Tirol wird zu einer konzernähn
lichen Beteiligungsholding aufgewertet.
Und auch wenn die Kritiker die Rechtskonformität dieses Eintrags erneut bezweifeln, skizziert Buchbauer nun erstmals öffentlich, wie der Kristallkonzern
künftig regiert werden soll.
BALANCE. Die Funktion des mächtigen
Beirats, derzeit von Marina Giori-Lhota
präsidiert, wird de facto durch die
Geschäftsführung der Holding abgelöst.
Sie bildet die Interessen der Familie ab.
13 Prozent der Anteile berechtigen zu einem Geschäftsführungsmandat. Mit einer
75-Prozent-Mehrheit können aber zwei
zusätzliche Chefs gewählt werden, womit
das Gremium neun Mitglieder hätte.
Mit diesem Beschickungsmodus wäre
sichergestellt, wird aus Buchbauer-Kreisen versichert, dass auch Vertreter oppositioneller Familienzweige zum Zug kommen – auch wenn man das beim in der
Strukturfrage widerständigen „Stamm
Manfred“, einer Abspaltung des „Stamms
Fritz“, noch nicht so recht glauben kann.
Die Manfredianer kamen bei Abstimmungen stets auf rund 20 Prozent. Die
Berufung des Tiroler Industriellenpräsidenten Christoph Swarovski, der dieser
Gruppe angehört, in den Beirat war Ende
2020 gescheitert. Der Tyrolit-Chef ist ein
Verfechter einer österreichischen AG mit
Standortgarantien für die zur Gruppe
gehörenden Produktionen in Wattens,
Schwaz (Tyrolit) und Absam (Swarovski
Optik).
Zum Schlüsselgremium wird aber
der Verwaltungsrat der Holding, der
BINATIONAL. Die österreichische Holding soll die
Familieninteressen abbilden und die Verwaltungsräte der Schweizer Holding bestimmen.
25. 6. 2021 | T RE ND
39
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
formell zur SIH gehört – eine schweizerisch-österreichische
Machtbalance.
Die bis zu neun Räte sollen überwiegend
von Externen besetzt werden, „Familienmitglieder sind erlaubt“, so Buchbauer
süffisant. Dazu werden noch genaue
Qualifikationskriterien ausgearbeitet, sie
sollen vergleichbar mit den „Fit & Proper“-Tests für Führungskräfte etwa in der
Finanzbranche sein. Der Verwaltungsrat
steuert über die Auswahl der Manager in
den 120 Konzerngesellschaften und über
die Kontrolltätigkeit weite Teile des operativen Geschäfts erheblich mit.
Der Antrag auf externes Management
wurde bei der Gesellschafterversammlung Ende Mai just von Buchbauers
Vorgänger Markus Langes-Swarovski
eingebracht; die Grundidee findet auch
bei den Oppositionellen Zustimmung.
„Es gibt Bewegung“, formuliert ein
Swarovski-Insider.
Auf längere Zeit konfliktreicher wird
ein anderer Vorstoß bleiben: die Orien-
tierung in Richtung Kapitalmarkt. Bereits 2006 war eine Gruppe familien
interner Befürworter eines Börsengangs
mit dieser Idee nicht durchgekommen.
Buchbauer outet sich nun als ein Fan
eines Modells wie beim Münchner Autobauer BMW und geht in die Vollen: „Ich
kann mir persönlich gut vorstellen, dass
ein Schritt in Richtung Kapitalmarkt
getan wird bzw. dass die Familie sich syndiziert oder mit einem Partner Teil einer
größeren Gruppe wird.“
„Kraft, Mut, Stehvermögen“
Swarovski-Kristallchef ROBERT BUCHBAUER über Familienmitglieder als
Manager, „seine“ Strukturreform – und die Perspektive eines Börsengangs.
Der Kristallkonzern Swarovski, den Sie
leiten, hat eine Kommanditgesellschaft
(KG) als zentrales Vehikel und wurde
zuletzt ausschließlich von Familienmitgliedern der fünften Generation geführt.
Gibt’s so etwas ein zweites Mal bei einem
Unternehmen vergleichbarer Größe?
KGs leisten sich nur noch ganz wenige,
denn ab einer bestimmten Größe haben
KGs ihre Fallgruben. Und insbesondere
bei 80 Eigentümern ist eine KG-Struktur schon sehr, sehr selten. Beim Thema
Eigentümer im Aufsichtsrat und im Management verfolgen wir keinen dogma
tischen, sondern einen meritokratischen
ZUR P E RS ON
Robert Buchbauer, 55, ist der
Ururenkel von Firmengründer Daniel
Swarovski. Er studierte in Innsbruck
und Berkeley und managte danach in
der Gewürzfirma Wiberg. Seit 2002 ist
er Teil des Executive Board, seit 2020
CEO des Kristallgeschäfts. Swarovski
setzte in Vor-Corona-Zeiten im
Konzern 3,5 Milliarden Euro um.
40
T REND | 25. 6. 2021
Ansatz. Dass – wie zuletzt – alle Mitglieder des Executive Board aus der Familie
kommen, war eher dem Zufall geschuldet. Im Beirat, der die Kapitalinteressen
der Eigentümer abbildet, sind logischerweise ausschließlich Mitglieder der Familie vertreten. Aber in unserer künftigen Struktur eröffnen wir auch hier neue
Wege. Das ist nur noch eine Frage von
Wochen oder wenigen Monaten.
Ist es wichtig, dass Familienmitglieder
das Unternehmen auch managen? Es ist
am Ende nicht nur ein Vorteil, in doch
recht exponierten Positionen Leistung
erbringen zu müssen. Man braucht viel
Widerstandsfähigkeit, Kraft, Mut und
Durchsetzungs- ebenso wie Stehvermögen, und man muss vor allem willens
sein, Dinge zu tun, die bisweilen äußerst
unangenehm sind und mit denen man
sich nicht nur Freunde schafft.
Sie resümieren jetzt Ihre eigene Erfahrung der letzten 15 Monate, in denen Sie
nicht nur die Coronakrise zu managen
hatten, sondern gegen erbitterten
Widerstand von Teilen der Familie eine
Strukturreform durchsetzen wollten.
Wie weit sind Sie? Die neue Struktur mit
einer Familienholding als oberster Konzerngesellschaft wurde mit einigen Bereinigungen zuletzt am 26. Mai mit über
80 Prozent Zustimmung bestätigt und
vor Kurzem dem Firmenbuch zur Eintragung vorgelegt (für Details siehe Kasten auf Seite 39). Mit dieser Struktur, an
deren Spitze eine Familienholding steht,
wird eine zeitgemäße Führbarkeit des
Unternehmens sichergestellt. Die KGs
bleiben aber bestehen. Man hätte die
Strukturen noch schöner machen können, aber das war wegen der bekannten
Widerstände und zu hoher Zustimmungserfordernisse nicht möglich.
Den alten, mächtigen SwarovskiBeirat … wird es in dieser Form nicht
mehr brauchen. Jedenfalls nicht als
oberstes Gremium. Ihm entspricht in Zukunft am ehesten die Geschäftsführung
der Familienholding. Mit dem Unterschied von Qualifikationserfordernissen
bzw. der Möglichkeit, dass in Zukunft
auch externe Geschäftsführer von den Gesellschaftern bestellt werden können.
FOTO: LUKAS ILGNER
TREND: Für den unwahrscheinlichen,
aber möglichen Fall, dass Österreich bei
der Fußball-Europameisterschaft auf die
Schweiz trifft – wen feuern Sie an?
ROBERT BUCHBAUER: Ich habe beide
Pässe, insofern könnte ich es mir aus
suchen. Am Ende denke ich aber doch:
Österreich. Das eine ist die Staatsbürgerschaft, die man erworben hat, das andere
die Staatszugehörigkeit, die einen seit
der Geburt begleitet. Von der Identität
her ist man Österreicher.
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
innerhalb kürzester Zeit und zu einem
Werden Sie Dritte am Unternehsehr frühen Zeitpunkt mit einer größe
men beteiligen, etwa über einen Börsenren Bankengruppe und durch eine inter
gang? Kapitalmarktfähig zu werden ist
ne Finanzierung die Liquidität abzu
ein sehr wichtiges Thema. Das Unter
nehmen soll die Option haben, sich bei
sichern. Jetzt können wir sagen, dass wir
es auch ohne zusätzliches Kapital ge
Bedarf über den Kapitalmarkt zu finan
schafft haben. Dennoch war es richtig
zieren. Wenn man es nicht braucht: gut.
Wenn man es aber braucht und die
und wichtig, vorzusorgen.
Möglichkeit nicht hat, ist es ein Wett
Sie haben sich weltweit von 7.000 Mitarbewerbsnachteil. Es gibt einen
beitern getrennt: in Österreich, aber
Wettbewerb, der über Börsengänge,
auch an den ProduktiAktientausch etc. aus
onsstätten in Vietnam
getragen wird. Es wäre
„Die traurige
und Thailand. Das ist
wünschenswert, dies
Wahrheit ist: Die
auf Gesellschafteremotional am heraus
ebene mit qualifizierten
forderndsten. Aber die
größten KostenMehrheiten beschließen
traurige Wahrheit ist:
faktoren, und
Die größten Kosten
zu können. Damit wäre
damit Liquidifaktoren, und damit
ein Anfang gemacht,
tätstreiber, sind
Liquiditätstreiber, sind
um den Goldstandard
IPO-Fähigkeit zu
Arbeitsplätze. Wo wir
Arbeitsplätze.“
erreichen.
konnten, haben wir län
RO B ERT BU CHBAUER
gere Überbrückungen
SWAROVSK I -CEO
und deutlich besser
Bis wann wollen Sie
dotierte Lösungen als
diese Börsenreife
gesetzlich vorgesehen ermöglicht – und
erreicht haben? Wir müssen in den
damit einen Neueinstieg für die Betroffe
nächsten Monaten noch einige Dinge
ausfechten. Es gibt Schiedsverfahren, die nen, soweit es uns möglich war, geför
dert. Jetzt sind wir durchs Gröbste
gegen diese und andere mehrheitlich
durch. In Wattens bauen wir dieses Jahr
gefasste Beschlüsse eingeleitet wurden.
noch einmal 250 Mitarbeiter ab. Die
Letztendlich muss die Einigkeit der
Zielgröße am Stammsitz beträgt nach
Eigentümer rechtlich gewährleistet sein.
wie vor 3.000, auch wenn in den letzten
Ich kann mir persönlich gut vorstellen,
Tagen die Zahl 2.500 kursierte – das war
dass ein Schritt in Richtung Kapital
markt getan wird bzw. dass die Familie
eine Fehlinformation.
sich syndiziert oder mit einem Partner
Teil einer größeren Gruppe wird.
Brauchen Sie die Produktion in Wattens
für Ihre Neuausrichtung überhaupt
Also das Modell BMW. Ja. BMW hat
noch? Die Kernproduktion und die
bis heute starke Familieneigentümer
Technologie hier in Wattens sind schon
und dennoch eine starke Öffnung zum
wichtig – das sind die Dinge, mit denen
Kapitalmarkt hin überaus erfolgreich
wir groß geworden sind. Und ich glaube,
realisiert.
man will schon sagen können, dass
unsere Produkte aus Österreich kom
men. Das ist und bleibt am Ende ein
Wie stark hat Corona Swarovski nun
beweisbares Qualitätsmerkmal.
wirklich getroffen? Wie eng war es? Wir
hatten zeitweise 90 Prozent unserer Re
tail-Stores geschlossen. Dies hatte einen
Wie viele Ihrer Geschäfte haben Sie
Umsatzrückgang zur Folge, der bedroh
schon geschlossen? Wir hatten insge
samt 9.000 Verkaufsstellen – Points of
lich war – jedenfalls über eine gewisse
Zeitspanne. Daher war es wichtig, nicht
Sale – weltweit. Davon sind zwei Drittel
nur die richtigen Dinge zu tun, sondern
in einem Multibrand-Umfeld, diese
Stores betreiben wir nicht selbst. Und
sie vor allem schnell zu tun. Wir haben
praktisch über Nacht die auf Business
dann gibt es 3.000 Monobrand-Ge
schäfte, die zu rund fünfzig Prozent von
Units basierenden Strukturen abge
schafft. Unser Konsensualprinzip, das
uns betrieben werden. Insgesamt wird es
wir davor gepflogen hatten, wäre in einer am Ende der laufenden Transformation
solchen Krisensituation wahrscheinlich
3.000 Points of Sale weniger geben,
tödlich gewesen. Das zweite große The
vornehmlich werden wir uns aus dem
ma im Management einer Krise ist die
Multibrand-Umfeld zurückziehen. Im
Liquiditätsfrage. Es ist uns gelungen,
Monobrand-Umfeld werden wir an
42
T REND | 25. 6. 2021
der einen oder anderen Stelle Dinge
onsolidieren, tendenziell prominentere,
k
dafür größere Standorte ansteuern. Dazu
gibt’s ja auch einen neuen Auftritt mit
inzwischen 30 Instant Wonder Stores.
Es tut sich also was, es wird nicht nur
Kapazität reduziert. Unsere Teams
haben im letzten Jahr auch 3.000 neue
Designs entwickelt. Wir haben eine neue
Kreativdirektion gewonnen – und das
alles in einem neuen Arbeitsumfeld, teils
aus dem Homeoffice heraus.
Was ist in Ihrem größten Einzelmarkt,
China, los, der 2020 ja als erster eingebrochen ist? Man sieht: Wenn die Stores
offen sind, kommt auch der Umsatz
schnell zurück. Auch in den USA ist das
der Fall. In Europa waren wir länger von
Lockdowns betroffen. An Standorten wie
jenem in den Kristallwelten in Wattens,
wo wir zu bis zu 90 Prozent von inter
nationalem Tourismus abhängig sind,
gibt es noch viel Potenzial nach oben.
Werden Sie binnen drei Jahren das
Prä-Corona-Niveau erreichen? Ja. Aber
wir verabschieden uns mit der Neuaus
richtung bewusst von Umsatzvolumen.
Eine etwas höherwertige Positionierung
ist da durchaus von Vorteil. Gruppen
tourismus aus dem asiatischen Raum
und den USA wird nicht mehr so schnell
wiederkommen.
Was darf ich mir unter „leistbarem
Luxus“ vorstellen – so wollen Sie ja jetzt
die Marke Swarovski positionieren?
Leistbarer Luxus heißt für uns nicht
primär, teurer zu sein. Es geht vielmehr
darum, unseren Kunden ein Kundener
lebnis zu bieten, das sie von Luxusunter
nehmen gewohnt sind, wir aber dennoch
mit erschwinglicheren Preispunkten
operieren. Marktschreierischen Ausver
kauf wird es in diesem Segment nicht
geben. Wir haben mehr kulturellen An
spruch mit langlebigeren Kollektionen,
und nicht nur den Fast-Fashion-Gedan
ken, dem die gesamte Industrie in den
letzten Jahren erlegen ist.
Bleiben Sie an der Spitze, wenn die
Transformation beendet ist? Ich werde
es machen, solange es notwendig ist.
Und ich habe noch viel zu tun. Voraus
setzung ist, dass unser neues Aufsichts
gremium das auch so will. Ewig werde
ich es nicht machen – das ist auch eine
Energiefrage. Für einige Jahre reicht die
Energie aber schon noch.
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
„Dann wäre
Sodom und
Gomorrha …“
Macht braucht Kontrolle, Kontrolle braucht Macht
Der Ex-Kanzler ist Aufsichtsratschef zweier Schlüsselunternehmen des Landes.
GIPFELTREFFEN. Alfred Gusenbauer,
2007 bis 2008 SPÖ-Bundeskanzler, ist
Aufsichtsratschef des Baukonzerns
Strabag und dreier Firmen des
Immobilien-Tycoons René Benko:
Signa Prime Selection, Signa Kids
Development und Signa Development
Selection. Am 5. Juli hält er die Keynote
beim Aufsichtsratstag an der WU Wien.
44
T REND | 25. 6. 2021
HIGHLIGHT. Thema des Ex-Kanzlers:
„Die Wirkungsmacht eines Aufsichtsratsvorsitzenden in international
tätigen Unternehmen.“
GIPFEL. Zum Spannungsfeld Chef
versus Chefkontrollor: ein Doppel von
Post-Chef Georg Pölzl und Post-Aufsichtsratschefin Edith Hlawati.
INFOS. www.aufsichtsratstag.at
IN T E RVIE W: B E RN H A RD E C KE R UND AN D R EA S W EB ER
Ex-Kanzler ALFRED
GUSENBAUER über seine
Rolle als Aufsichtsratschef bei Strabag und
Signa, Haselsteiner und
Benko, politische Verbindungen, die ÖBAG und die
Betrugsfälle Commerzialbank und Wirecard.
TREND: Sie sprechen beim Aufsichtsratstag am 5. Juli über die „Wirkungsmacht von Aufsichtsratschefs internationaler Unternehmen.“ Wie wirkungsmächtig sind Sie?
GUSENBAUER: Wenn man diese Aufgabe ernst nimmt und nicht – wie das
früher der Fall war – als Honoratiorenaufgabe betrachtest, hat man eine enorme Verantwortung und muss mit allen
Stakeholdern permanent im Gespräch
sein: Arbeitnehmern, Aktionären, Management, Öffentlichkeit. Aber man hat
auch einen Einfluss auf die strategische
Ausrichtung des Unternehmens: Worauf
spezialisieren wir uns? Auf welchen
Märkten sind wir tätig? Wie kommen
wir zu den dringend benötigten Arbeitskräften?
FOTO: PICTUREDESK.COM/KURIER/FRANZ GRUBER
Wie viel Ihres Arbeitslebens macht das
anteilsmäßig aus? Signa und Strabag gemeinsam machen rund zwei Drittel meines Arbeitslebens aus. Und ich bin nach
wie vor sieben Tage pro Woche im Einsatz, natürlich mit allen technischen
Möglichkeiten, die heute zur Verfügung
stehen.
Dann sind ja die 60.000 Euro, die Sie
bis dato für den Strabag-Aufsichtsratsvorsitz bekamen, geradezu unterbezahlt.
Bei der Strabag wurden soeben die Aufsichtsratsbezüge nach oben revidiert,
wobei wir im Vergleich mit anderen großen Bauunternehmen noch immer am
unteren Ende liegen. Bei deutschen Unternehmen liegen die Bezüge im Schnitt
deutlich höher – und wir erzielen ja rund
die Hälfte unserer Umsätze in Deutschland. Wir betrachten uns als zentraleuropäischen Konzern, aber es gibt einzelne
Bereiche, wo wir die ganze Welt als unseren Markt betrachten – in erster Linie im
Tunnelbau. Wir haben etwa einen Tun-
nel unter den Niagarafällen gebaut und
verwirklichen gerade einen 72 Kilometer
langen Wassertunnel für ein Speicherkraftwerk in Chile, in Summe ein
Drei-Milliarden-Dollar-Projekt.
Sie sind seit elf Jahren Strabag-Aufsichtsratschef. Wie hat sich in dieser Zeit
der Job verändert? Es gibt heute zum
einen viel mehr Dokumentationspflichten: Aktiengesetz, Kapitalmarktvorschriften etc. Zum anderen wird den
Aufsichtsräten immer bewusster, dass sie
bei Verfehlungen haften. Daher wird
stärker ins Detail der Fragen gegangen.
Früher haben Aufsichtsratssitzungen ein
paar Stunden gedauert, heute oft einen
ganzen Tag. Ein Aufsichtsrat ist heute
viel näher am operativen Geschehen, als
das noch vor zehn Jahren der Fall war.
Wir entwickeln uns in Richtung des
angelsächsischen Modells, das ja meist
aus einem Board von Executive und
Non-executive Directors besteht. Bei uns
gibt es zwar noch ein duales System, aber
wir entwickeln uns mehr in Richtung
dieses kooperativen Modells. Klar muss
sein: Das ist kein Ehrenamt, das ist
Arbeit.
gilt, die zukünftig in Aufsichtsräten sein
werden, weiß ich nicht. Aber es hat sich
ja auch in der Politik bewährt. Und es
wäre nicht nur ungerecht, sondern blöd,
wenn man so viel Potenzial der Gesellschaft brachliegen lässt.
Dennoch sind das Präsidium des Strabag-Aufsichtsrats sowie der Nominierungs- und der Prüfungsausschuss rein
männlich. Ist die Botschaft: Die wirklich
wichtigen Dinge bleiben den Männern
vorbehalten? Nein. Das Baugeschäft war
natürlich in der Vergangenheit stark
männerlastig. Aber das ändert sich dramatisch. Wo es früher starke Burschen
gebraucht hat, um Eisenstäbe zu biegen,
kommen diese Stäbe heute schon prä
fabriziert aus den Fabriken. Da braucht
es keine Muskelkraft mehr, sondern jemanden, der Computersimulation in Realität umsetzen kann. Ich habe noch nie
eine Baustelle mit so vielen Frauen gesehen wie die Strabag-Baustelle Stuttgart
21. Wenn sich diese Tendenz fortsetzt,
werden wir mehr Frauen im Baubereich
sehen. Das wird sich in der Beschickung
der Vorstände und Aufsichtsräte bemerkbar machen. Da ich ja noch jung
bin, gehe ich davon aus,
dass ich noch die erste
„Es wäre hilfweibliche Vorständin
in der Strabag erleben
reich, wenn uns
werde.
Ex-Wirecard-
Hatten Sie etwas anderes erwartet? Nein.
Hans Peter Haselsteiner,
einer der Strabag-Kernaktionäre und damals
CEO Markus
Wie ist Ihre Tätigkeit in
noch CEO, hat von BeBraun an seinem René Benkos Signa geginn weg eine langfristilagert? Sie ist noch inge Perspektive in AusHerrschafts
als in der Strasicht gestellt. Es ging
wissen teilhaben tensiver
bag. Ich bin dort nicht
darum, von einem eilässt.“
nur Chef des Aufsichtsgentümer- zu einem
rates und des Prüfungsmanagergeführten UnA LF RE D G US E N BAUE R
STR A BAG-AUFSICHT Sternehmen zu werden –
ausschusses, sondern
R AT SCHEF
ein Kulturwandel, der
vor allem auch des Investitionsausschusses.
intensive Begleitung
Jedes Projekt, jede Finanzierung, jede
braucht. Alle neuen Vorstände schaue
Kapitalmarktmaßnahme muss durch
ich mir zum Beispiel vorher immer
diesen Ausschuss, der für den Aufsichtsgenau an.
rat wöchentlich Beschlüsse fasst.
Wie wirkt sich ein unterschiedlich hoher
Sie sind ja kein geborener Immobilien
Frauenanteil auf die Effizienz der Kon
entwickler. Wie haben Sie sich das dafür
trolle aus? In der Strabag sind zwei der
notwendige Wissen angeeignet? Gute
sechs Kapitalvertreter Frauen, bei der
Signa Prime Selection nur eine von zehn. Frage. Es ist überwiegend Learning by
Die Frauen, mit denen ich in diesen Auf- doing. Am Anfang war das Immobiliengeschäft für mich fremd, aber wenn man
sichtsräten zu tun habe, sind in einem
ein entsprechendes ökonomisches Verhohen Maße sachkundig und imstande,
vernünftige Diskussionen zu führen. Sie
ständnis hat, ist es nicht so schwierig –
das ist ja keine Raketenwissenschaft.
haben nicht die Tendenz zum pfauen
Dennoch muss man in die Details hinhaften Gehabe, wie das manchmal bei
Männern auftritt. Ob das für alle Frauen eingehen, aber das lernt man relativ
25. 6. 2021 | T RE ND
45
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
Haben Sie Projekte verhindert, die René
Benko machen wollte? Sie können davon
ausgehen, dass nicht jede Idee zu einem
Projekt wird.
Das Bau- und Immobiliengeschäft ist
sehr stark politisch. Nutzt Ihnen da Ihr
früheres Leben in der Politik? Es ist in
jedem Fall kein Nachteil. Wenn du über
politische Verbindungen verfügst, vor allem über internationale, und die Sprache
der Politik spricht, dann bist du von
vornherein auf einer anderen Gesprächsebene. Dann kann es schon sein, dass
dich der Bürgermeister einer deutschen
Großstadt anruft und sagt: „Ihr seid der
Bestbieter bei diesem oder jenem Projekt, du garantierst mir aber schon, dass
das nicht eine Ruine wird, die ewig mit
meinem Namen verbunden sein wird!“
VON „GUSI“
KONTROLLIERT.
Signa-Gründer René
Benko und der langjährige Strabag-Boss Hans
Peter Haselsteiner setzen auf den Ex-Kanzler
als Chefaufseher.
Wie kann man das, was in der Öbag jetzt
passiert ist, künftig verhindern? Die Politik braucht eine größere Rollendisziplin. Dort herrschen Allmachtsfantasien
vor. Der Eigentümer sollte sich um den
Aufsichtsrat kümmern, und dann muss
ich so viel Vertrauen in den Aufsichtsrat
haben, dass er einen fähigen CEO
sucht – und nicht umgekehrt. Das Ende
der aktuellen Öbag-Geschichte hat allerdings gezeigt, dass die bestehende gesetzliche Lage ein anderes Verhalten nahelegt, als es stattgefunden hat, oder?
Es hat ja niemand damit gerechnet, dass
Schmids Handy beschlagnahmt wird. Das
hat den Stein ins Rollen gebracht. Das
war ein „Accident de parcours“. Wenn immer mehr Kommunikation elektronisch
stattfindet, kann das aber vorkommen.
Wie viel Nähe zum CEO ist zulässig, wie
viel Distanz Pflicht? Jeder CEO und jeder Aufsichtsratsvorsitzende, wenn er
nicht mit der berufsbedingten Hybris
Bei der burgenländischen Commerzialausgestattet ist, wird so viel Selbstkritik
beziehungsweise -zweifel aufbringen, um bank hat sich der Vorstand ebenfalls den
manchmal zu sagen: Ich bin mir nicht zu Aufsichtsrat – einige davon lokale Handwerker und Kunden der
100 Prozent sicher, ob
Banken – ausgesucht.
das die richtige Ent„Die Politik
Kann man so einen Bescheidung wäre. Dann
trug nicht verhindern?
ist es gut, wenn man eibraucht eine
Betriebsunfälle wird es
nen gleichberechtigten
größere Rollenimmer geben. Wir haSparringpartner hat. Ich
disziplin.
habe etwa mit Hans
ben in Österreich ein
Dort herrschen
Peter Haselsteiner nie
vielstufiges Kontrollund Überwachungssyseinen Konflikt gehabt.
AllmachtsWenn es unterschiedlitem. Bei der Commerzifantasien vor.“
che Auffassungen gibt,
albank sehe ich nicht ein
A L F R ED GU S EN BAUER
überbrücken wir das
Versagen des einzelnen
E X-K ANZLER
durch ein vernünftiges
Aufsichtsrats, sondern
Gespräch.
ein Gesamtsystemversagen. Bei all dem, was ich täglich an DoWir spielen auf die Öbag an, wo der nun kumentation ausfüllen muss, ist für mich
nicht nachvollziehbar, warum über die
abgegangene Vorstand Thomas Schmid
Jahre hinweg auf keiner Ebene etwas
sich quasi seinen Aufsichtsrat ausgeaufgefallen ist.
sucht haben soll. Die Öbag ist ein staatliches Unternehmen. Wenn ich die Medien richtig verfolgt habe, wollte jemand Wirecard, der zweite große 2020 aufgeflogene Betrugsfall, hatte einen professiCEO werden, und um das zu erreichen,
onell rekrutierten Aufsichtsrat mit teilhat dieser Jemand auch gleich vorgeschlagen, wer Aufsichtsrat werden soll.
weise 50 Prozent Frauenanteil. War es
Das war bei der Strabag, wo Haselsteiauch dort ein Gesamtsystemversagen?
ner Gründer und CEO war, doch ganz
Wirecard-Chef Markus Braun war offenanders.
kundig imstande, viele Menschen zu
46
T REND | 25. 6. 2021
f aszinieren. Vor allem für Menschen, die
sich nicht auskennen, hat vieles in der
Fintech-Szene einen bestimmten Nimbus. Der Plan, die Deutsche Bank zu
übernehmen, macht ja im Nachhinein
sogar Sinn. Da hätte er das, was später
aufgeflogen ist, viel besser verstecken
können. Das war vermutlich ja auch die
geplante Überlebensstrategie.
Da hätten doch alle Alarmglocken läuten
müssen. Braun soll überaus intelligent,
gebildet und charismatisch sein und hat
offenbar viele Stellen und Persönlichkeiten
einwickeln können. Auch Udo Proksch
und Jack Unterweger sollen ja charisma
tische Persönlichkeiten gewesen sein. In
fast allen guten Kriminalromanen steht
ein Mensch im Zentrum, von dessen kriminellen Aktivitäten der Leser fasziniert
ist. Und offensichtlich findet so etwas nicht
nur im Kriminalroman statt, sondern auch
in der wirtschaftlichen Realität.
Das hieße, dass die ständig verbesserten
Aufsichtsstrukturen gegen das Charisma
eines Einzelnen machtlos sind? Hätten
wir diese Strukturen nicht, gäbe es wahrscheinlich Sodom und Gomorrha. Für 99
Prozent aller wirtschaftlichen Aktivitäten
passen sie ja. Dass es immer wieder Lücken gibt, hat offensichtlich etwas mit der
Realität des Lebens zu tun. Und es darf
auch nicht unser Anspruch sein, dass wir
alle Lücken schließen wollen – sonst kämen wir sehr nahe an totalitäre Systeme.
Der Hang zur perfekten Kontrolle kann
leicht kippen. Selbst die höchsten Strafen
können die Menschen nicht davon ab
halten, Verbrechen zu begehen. Es gibt
trotzdem Mörder und Betrüger.
Also keine Lektion aus der Wirecard-
Geschichte? Hoffentlich doch. Wenn
Braun tatsächlich ein so gebildeter
Mensch ist, wie gesagt wird, sollte er uns
Einblick gewähren, wie er es gemacht
hat. Es würde der Gesellschaft weiter
helfen, wenn er uns an seinem Herrschafts- beziehungsweise Insiderwissen
teilhaben lässt.
FOTOS: BEIGESTELLT, NEWS SEBASTIAN REICH
rasch: Was kann man aus einem
Objekt machen? Was sind die Möglichkeiten einer Neunutzung? Mit welchem
Mietertrag können wir an welchen
Standorten rechnen etc.
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
Quantencomputer zählen
zu den großen Zukunftshoffnungen. Die ganze
Welt will sie bauen.
Das Innsbrucker Start-up
PARITY QC legt die
Architektur dafür vor.
Sie soll weltweit zum
Standard werden.
VO N MARTI NA BAC H L E R
V
or der Hofburg in Innsbruck
ist der Asphalt offen, in der
Sommerhitze
steht
der
Staub, und wer sich hier
nicht die Gemächer von Kai
serin Maria Theresia anschauen will,
sucht zumindest in einem der Innenhöfe
Schatten. Die Touristen, die hier Pause
machen, denken dabei nicht über den
Verkehr nach, den sie nach sich ziehen,
über die Straßenbahnen, deren Taktung
darauf abgestimmt ist, wie viele von ih
nen sich durch die Altstadt bewegen.
Im dritten Stock der Hofburg sind die
se Fragen jedoch präsent: Die Lenkung
des Verkehrs gilt als eine der Aufgaben,
die nur von Quantencomputern effizient
bewältigt werden können. Unzählige
Möglichkeiten, wie Einzelne sich verhal
ten, macht sie zu komplex für herkömm
liche Rechner. Und um Quantencompu
ter geht es hier, um eine Technologie, von
der sich die ganze Welt gerade gigantisch
viel Innovation verspricht.
In der Architektur untergegangener
Macht arbeitet ParityQC an der Archi
tektur genau dieses Zukunftsfelds. Es
braucht dafür keinen futuristischen
Tech-Aufbau, sondern nur ein leises, wei
ßes und kühles Büro mit Tischen und
Sesseln. Auch eineinhalb Jahre nach der
Gründung des Unternehmens wirkt alles
wie neu. Corona hat Magdalena Hauser
und Wolfgang Lechner, den CEOs, die in
kurzen Hosen, hohen Sneakers und mit
Motorrädern ins Büro gekommen sind,
WACHSTUM. Im Jänner 2020 gegründet,
hat ParityQC mittlerweile 14 Mitarbeiter,
zu denen etwa Quantenphysiker,
Mathematiker, Softwareingenieure
und Business-Developer zählen.
Sie kommen aus der ganzen Welt.
EINER
FÜR ALLE
eine untypische Gründung abverlangt:
„Viele unserer aktuell 14 Mitarbeiter ha
ben einander noch nie persönlich gese
hen, Sicherheitsvorkehrungen mussten
wir mit der Vorgabe „Homeoffice“ treffen
und auch die Gespräche mit den Kunden
liefen virtuell ab“, sagt Magdalena Hau
ser. Vielleicht sei aber auch deshalb so viel
weitergegangen, und zwar so schnell.
Das junge Unternehmen hat bereits
internationale Kunden wie den japa
nischen Elektronik-Riesen NEC oder
ColdQuanta gewonnen, das für DARPA,
die Forschungseinrichtung des US-Ver
teidigungsministeriums, an Lösungen
für Quantum Computing arbeitet. Eben
wurde eine Parity-Dependence in
Deutschland eröffnet, die nicht die einzi
GRÜNDER. Magdalena Hauser und
Wolfgang Lechner
haben mit ParityQC
ein Start-up aufgebaut, das die Architektur für Quantencomputer liefert.
FOTOS: GUENTHER EGGER, NIOSTUDIO
ge bleiben soll. Es ist in zahlreichen Gre
mien vertreten und seit Februar auch Teil
des EU-Konsortiums, das die Kommerzi
alisierung von Quantencomputern be
schleunigen soll. Denn noch ist dieser In
novationssprung vor allem ein Feld der
Forschung. Noch ist nicht einmal ent
schieden, wie diese Computer aussehen
werden. Aber von den Großen wie Ama
zon und Microsoft bis zu kleinen Startups arbeiten gerade sehr viele daran.
GANZ VORNE DABEI. Überall dort, wo es
um Optimierungsfragen geht, sollen
Quantencomputer Wunder wirken, in der
Logistik, der Medizin oder bei künstlicher
Intelligenz. ParityQC hat dabei eine spezi
elle Rolle gefunden. Es bietet den Bau
plan für diese Computer, der ultrakom
plexe Anwendungen weniger komplex in
Chips implementiert, zudem einen Algo
rithmus und ein Betriebssystem, mit dem
diese Computer dann aus der Cloud her
aus gesteuert werden können. Die Ziele
sind hoch und weit gesteckt: Wer einen
Quantencomputer baut, soll um ParityQC
nicht herumkommen, und bei allen, die
diese Computer dann nutzen, soll Parity
als Betriebssystem laufen. „Wir wollen ei
nen globalen Standard schaffen, egal, ob
es sich um Atom-, Ionen- oder HalbleiterQuantencomputer handelt“ sagt Magda
lena Hauser.
Die 32-jährige Innsbruckerin hat da
für quasi die Seiten gewechselt. Sie leitete
zuvor das I.E.C.T., eine Einrichtung, die
seit 2015 versucht, in Tirol ein ideales
Umfeld dafür zu schaffen, Investoren und
Wissenschaftler, Gründer und mögliche
Kunden zusammenzubringen. Gegründet
hat es Hermann Hauser, hoch angesehen
der Mehrfachgründer, Tech-Investor,
heute Miteigentümer von ParityQC und
Magdalenas Onkel. Er wollte nach Inns
bruck holen, was er im britischen Cam
bridge schätzen gelernt hat.
Einer der Ersten, die 2015 bei I.E.C.T.
durch die Tür gingen, war Wolfgang
Lechner. Er war Professor für Theoreti
sche Physik an der Universität Innsbruck,
bereits bekannt für seine Forschungsleis
tungen im Bereich des Quantum Compu
tings, eines Bereichs, in dem die Uni
Innsbruck übrigens international einen
ausgezeichneten Ruf hat. Alpine Quan
tum Technologies (AQT), ein weiteres
Spin-off der Uni, baut etwa gerade an ei
nem Ionen-Quantencomputer.
Lechner war ein Kunststück geglückt.
Gemeinsam mit Philipp Hauke und Peter
Zoller entwickelte er eine völlig neue
Quanten-Architektur. Er bewies mathe
matisch, dass sie nicht funktionieren
kann, und begrub das Projekt. Es ließ ihn
nicht los, er forschte weiter, veröffentlich
te nichts, und dann plötzlich: „Es war fast
wie in einem Film. Ich bin aufgewacht
und wusste, wie es geht“, sagt der 40-Jäh
rige. Der Haupteigentümer ist bei Parity
QC übrigens der Älteste im Team.
Lechner wusste, dass diese Erfindung
einzigartig und ein Business Case ist. Die
Uni Innsbruck und die Akademie der Wis
senschaften meldeten daraufhin das Pa
tent an, beide sind heute an dem Spin-off
beteiligt. Auf der größten Quantum-Com
puting-Messe der Welt stellte Lechner sei
ne Forschung im Sommer 2015 vor, wenig
später folgte das erste Kaufangebot aus
den USA. „Da wusste ich: Ich will das
selbst machen“, sagt Lechner.
Gemeinsam mit Hauser machte er
eine Firma draus. Mittlerweile sind sechs
weitere Patente hinzugekommen. Kon
kurrenz ist laut den beiden CEOs, die
ausschließlich gemeinsam auftreten, sich
inhaltlich aber naturgemäß ergänzen,
nicht in Sicht, dafür aber ein Wettlauf ih
rer potenziellen Kunden, die sie bisher oft
über Empfehlung erreichen. China und
die USA fördern die neue Technologie
massiv, Europa hinkt etwas hinterher.
Deutschland investiert nun zwei Milliar
den Euro in Quantenprojekte, Österreich
hat gerade ein Programm über 107 Milli
onen Euro aufgelegt. Die beiden Gründer
sehen das positiv: „In Europa passiert so
viel Grundlagenforschung, und wir wol
len smart dazu beitragen, dass zumindest
die Patente für diese Technologie auch
hier bleiben“, sagt Wolfgang Lechner.
Die wichtigste Ressource dafür ist an
diesem Tag im Innsbrucker Büro übri
gens nicht zu sehen: die Mitarbeiter.
25. 6. 2021 | T RE ND
49
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
Präsident HARALD
MAHRER wehrt sich
entschieden gegen
Vorwürfe, dass die
Wirtschaftskammer den
Umweltschutz blockiert.
TREND: Was ist so furchtbar am geplan
ten Klimaschutzgesetz, dass Ihr General
sekretär Karlheinz Kopf von „ideologie
getriebenen Bestrafungsfantasien“ bei
den Grünen spricht?
HARALD MAHRER: Ich halte zuallererst
fest: Die Wirtschaftskammer will, dass die
Pariser Klimaziele erreicht werden, weil
es der österreichischen Wirtschaft nützt.
Dazu ist es aber notwendig, dass man sich
zu marktwirtschaftlichen Grundsätzen,
zum Wettbewerb der besten Ideen und
zu Technologieoffenheit bekennt. Das
mögen einige Grüne und NGOs nicht so
sehr. Was genau der Kern des Problems
am Klimaschutzgesetz ist: Es hebelt freie
Marktzugänge und demokratische
Grundprinzipien aus, indem man am
Parlament vorbei einen Automatismus
für Steuererhöhungen festlegen will.
„Innovation statt
Demonstration!“
Gerade wenn die Wege zu einem gesetz
ten Ziel offenbleiben, was die WKO will,
muss es Möglichkeiten geben, die Errei
chung auch durchzusetzen. Der Mechanismus, der dafür sorgen wird, ist der
CO2-Preispfad, den ich seit Jahren fordere. Ja, wir brauchen einen Preis für umweltschädliches Verhalten – im Idealfall
einen globalen CO2-Mindestpreis, ähnlich wie bei der weltweiten Mindestbesteuerung für Konzerne. Damit haben
alle Marktteilnehmer Planungssicherheit
und können daraus ihr Verhalten, ihre
Investitionstätigkeit, ihre Forschungs50
T REND | 25. 6. 2021
notwendigkeiten ableiten. Ein einzelnes
Unternehmen ist auf diese Weise nicht
davon abhängig, was die anderen machen. Denn es geht ja darum, dass sich
alle bewegen. Und bei Bedarf kann der
Preispfad angepasst werden.
Wird die Regierung bei den Reibereien
zwischen den Koalitionspartnern die
CO2-Steuer hinbekommen? Die Regierung hat sich auf eine ökosoziale Steuerreform als Herzstück ihres Programms
festgelegt. Sie wird einerseits umweltschädliches Verhalten bepreisen, andererseits aber riesengroße Entlastungen
für Bürger und Unternehmer enthalten.
IN T ERV IEW: M . G R O LL & A . LA M P L
Ich gehe davon aus, dass diese Reform
im Herbst grosso modo fertig sein wird.
Wahrscheinlich wäre man schneller
gewesen, hätte es Covid nicht gegeben.
Bislang hat sich die WKO eher gegen alle
möglichen Klimaschutzmaßnahmen
gestellt: Abschaffung des Dieselprivilegs
oder beschleunigtes Zurückdrängen von
Autos mit Verbrennungsmotor usw. Be
treiben Sie da nicht rhetorisches Green
washing? Niemand spricht davon, dass
wir weiter ungehemmt fossile Treibstoffe
verwenden sollen. Die entscheidende
Frage ist: Wie transformiere ich? Wir
müssen uns schon den Kopf darüber zerbrechen, dass es in Österreich 5,1 Millionen Pkw gibt. Die Transformation wird
FOTO: LUKAS ILGNER
Was ist verwerflich an der Idee, dass sich
die Mineralölsteuer automatisch erhöht,
wenn festgelegte Klima-Etappenziele
nicht erreicht werden? Es ist schon noch
das Primat der Politik, zu entscheiden,
ob man dann gegebenenfalls den Maßnahmenmix verändert, anstatt vorab
irgendetwas festzulegen. Denken wir das
doch zu Ende: Sollen solche Strafautomatismen auch gelten, wenn Österreich
bestimmte Arbeitslosenzahlen oder bestimmte Bildungsniveaus nicht erreicht?
Das wäre ja wie in einer Räterepublik.
mit Elektro allein nicht funktionieren.
Deswegen ist es zum Beispiel einfach
falsch, nicht auf das Thema E-Fuels zu
setzen. Die könnten verhindern, dass von
einem Tag auf den anderen rund 45 Milliarden Euro Vermögen vernichtet werden – konservativ geschätzt der Wert aller konventionellen Autos in Österreich.
Abgesehen davon, ob sich die Leute außerhalb der Ballungszentren die Umstellung überhaupt leisten und wir ihnen die
nötige Infrastruktur bieten können. Man
wird im Rahmen der Steuerreform über
alles reden, auch über das Dieselprivileg.
Aber Ökologie und die sozialen Fragen
müssen sich dabei die Balance halten.
Wir haben nichts davon, wenn die Wirtschaft vor die Hunde geht und es dann
keine Jobs mehr gibt.
Weil der Staat den Systemumbau nicht
alleine bezahlen kann? So ist es. Ich
wünsche mir eine KESt-Befreiung für
alle Investments in dem Bereich und
generell die Wiedereinführung der Behaltefrist für Aktien, damit langfristige
Investitionen für Private attraktiver
werden. Ich hoffe, dass die Politik ihre
Hausaufgaben schnell genug macht.
Konkretes Beispiel: Wenn ich im Umfeld von Wien den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen möchte, brauche ich derzeit 15 Jahre dafür – könnte
es aber auch in fünf bis sieben Jahren
schaffen. Die Technologie haben wir, das
Kapital ließe sich unter den richtigen
Rahmenbedingungen aktivieren. Bleiben als Bremsklotz die Genehmigungsverfahren.
Das Umweltministerium will von Technologieoffenheit dennoch nichts hören
und setzt auf Elektrifizierung. Es heißt,
E-Fuels seien zu teuer und nicht ausreichend herzustellen. Das sind Argumente
von Leuten, die zu kurz denken. Dass
E-Fuels teuer sein müssen, lasse ich
nicht gelten. Als Tesla-Chef Elon Musk
vor zwei Jahrzehnten mit seiner Elektroauto-Idee angetreten ist, haben auch alle
gesagt, keiner wird sich das leisten können. Aber es ist passiert, weil sich Markt
und Industrien entwickelt haben, weil
mehr geforscht wurde. Deswegen fordern wir einen Regenbogenmix der
Technologien. Der besten Beweis: Niemand hat einen bestimmten Impfstofftypus gegen Corona vorgegeben. Wir
haben nur das Ziel gehabt, die Pandemie
möglichst schnell zu beenden, egal wie.
Es hat geklappt – und so wird es auch
bei der Klimakrise sein.
Ihr Optimismus in Ehren. Aber sogar
manche Unternehmer, darunter Vertreter
der „Grünen Wirtschaft“ wie Sabine
Jungwirth, die Lebensgefährtin von
Vizekanzler Werner Kogler, werfen der
WKO umweltpolitische Blockaden vor
und wollen keine Mitgliedsbeiträge mehr
zahlen. Wenn dieser Splittergruppe die
Ideen ausgehen, dann macht man halt
solche Sachen. Niemand kann das Argument einfach wegwischen, dass die österrei„Die ÖVP hätte
chische Wirtschaft in Befür den Klimazug auf den Klimawandel
bereits hervorragend aufschutz die
gestellt ist. Wir sind die
G
rünen
nicht geWeltmeister! Darauf
braucht. Sie hat
baut unser Exporterfolg
die ökosoziale
auf. Und trotzdem werden Sie nie 100 Prozent
Marktwirtschaft
Unternehmen – oder
erfunden.“
auch Bürger – haben,
H A R A LD M A H RE R
denen alle unsere
WKO -PRÄ SID ENT
Vorschläge gefallen.
Eigentlich ist es aber kontraproduktiv,
möglichst behutsam vorzugehen. Mit
Betulichkeit wird aus der Technologieführerschaft, von der Europa immer
träumt, nichts werden, oder? Ja, die
Politik ist gefordert. Für das Gelingen
der CO2-Transformation braucht es bestimmte Begleitmaßnahmen: von ausreichend Humankapital über schnelle
Zulassungsverfahren und Behördengenehmigungen bis zu – ganz entscheidend – sehr viel Geld. Vor uns steht die
größte Investitionsnotwendigkeit seit
dem Zweiten Weltkrieg. Wir brauchen
Dinge, die es in diesem Land noch nicht
gegeben hat, zum Beispiel einen anderen
Umgang mit dem Kapitalmarkt, ein besseres Aktivieren von privatem Kapital.
Gibt es innerhalb der WKO Zerreißproben zwischen Unternehmen, die
sich durch die Transformation Chancen ausrechnen, und solchen, die zu
den Verlierern zählen werden? Derar
tige Konflikte gibt es in anderen Bereichen auch. Es betrifft den digitalen
Wandel genauso wie Interessengegensätze entlang von Lieferketten. Wir
sind dafür da, einen Interessenausgleich herbeizuführen. Das liegt in der
Natur des zutiefst liberalen Sozial
partnerprinzips, die eigenen Interessen
selbst zu vertreten und nicht alles dem
Staat zu überlassen. Zugegeben, die
Aufgabe ist nicht einfach.
Die Liste an Streitpunkten zwischen
grüner Partei bzw. NGOs und der WKO
ist lang: vom Einwegplastikpfand bis
zum Energieeffizienzgesetz. Lösbare
Konflikte? Es gibt leider Menschen, die
gerne Nestbeschmutzung betreiben und
Österreich schlechtreden. Faktum ist,
dass unsere produzierenden Betriebe zu
den energieeffizientesten der Welt zählen. Zeigen Sie mir doch einen Unternehmer, der freiwillig bei der Kosten
struktur etwas liegen lässt! Das können
nur Leute behaupten, die keine Unternehmer sind und noch nie in einem
Betrieb gearbeitet haben. Oder: Beim
Thema Plastikmüll haben wir vorgeschlagen, wie man das intelligent macht
und nicht über alle drüberfährt. Das
wird jetzt so umgesetzt. Ich verwehre
mich generell gegen Fake-Debatten und
die Unterstellung, dass es überall von
Umweltsündern wimmelt. Die ganzen
Geschichten von Bedrohung und Angstmache, auf die mit Zwang reagiert werden soll, halte ich für entbehrlich. Wir
brauchen im Gegenteil ein gutes Klima
für das Klima. Das bedeutet: investieren, innovieren, motivieren – und klare
Zielvorgaben. Ich bin mehr für Innovationen als für Demonstrationen.
Das klingt jetzt in Richtung des grünen Koalitionspartners nicht gerade nach dem „Besten
aus zwei Welten“. Halten Sie es für möglich,
dass die türkis-grüne
Koalition am ÖkoStreit zerbricht? Nein,
überhaupt nicht. Ich
glaube, diese Zusammenarbeit ist sehr zukunftsfähig, weil man
gemeinsam um die beste Lösung streiten muss – weil es eben
zwei unterschiedliche Welten sind. Der
Konflikt wird hochstilisiert, so wie viele
andere Fragen auch. Die Volkspartei hat
die ökosoziale Marktwirtschaft erfunden. Und Österreich ist, wie gesagt,
Weltmeister bei Umwelttechnologien.
Um sich die anzuschauen, kommen sehr
viele internationale Delegationsreisen
zu uns; nicht wegen eines grünen
Parteiprogramms. Die ÖVP hätte für
den Klimaschutz die Grünen nicht gebraucht. Aber natürlich ist es einfacher,
mit einer Partei große Systemänderungen anzugehen, in deren DNA das
sozusagen verankert ist.
25. 6. 2021 | T RE ND
51
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
K
onfrontation scheut M
ichaela
Krömer schon jetzt nicht. Mit
„die Wirtschaftskammer argumentiert verfassungswidrig“ kommentiert sie trocken,
dass sich Österreichs Unternehmervertretung vor wenigen Tagen mehr als deutlich gegen ein geplantes Klimagesetz von
Gewessler
Umweltministerin Leonore
gewandt hat, das unter anderem auch
juristische Schritte gegen vermeintliche
Klimaversäumnisse Österreichs erleichtern soll (siehe dazu auch WKO-Präsident Harald Mahrer, Seite 50).
Demnächst wird sie wohl noch härter austeilen. Die Anwältin führt derzeit
genau so eine Klage gegen Österreich –
freilich am Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte (EGMR), da ihr erster
Versuch vom Verfassungsgerichtshof zurückgewiesen wurde – und verspürt seit
Kurzem Rückenwind: Zusätzlich zu dem
Vorstoß aus dem Hause Gewessler verdonnerte ein holländisches Gericht den
Ölmulti Shell jüngst zu verstärkten Anstrengungen, Alternativen zur fossilen
Produktpalette zu finden.
Und weil es das erste Klimaurteil weltweit ist, das ein Großunternehmen in die
Pflicht nimmt, steigt die Hoffnung bei
den Ökos, dass das Beispiel Schule machen könnte. Krömer: „Auch die Tatsache,
dass ein Gericht den Mut hatte, unternehmerische Schutzpflichten betreffend
die Klimakrise auf ein Unternehmen und
die gesamte Lieferkette anzuwenden, wird
in jedem Fall – unabhängig vom Verfahrensausgang – Folgen nach sich ziehen.“
SCHLECHTES KARMA. Das Karma für
Klimaklagen (im weitesten Sinn) war in
Österreich bisher nicht besonders gut,
egal, mit welchen Argumenten. Krömers
Vorstoß gegen Steuerbefreiungen von
Flugkerosin wurde abgewiesen, ebenso
ein von Österreich selbst angestrengtes
Verfahren gegen Subventionen für das
britische Atomkraftwerk Hinkley Point.
Eine groß angekündigt Klage der Maori
gegen die OMV in Neuseeland fand nicht
einmal den Weg zu den Gerichten. 2019
wies der Verfassungsgerichtshof Einsprüche gegen den Bau einer dritten Startund Landepiste am Flughafen Wien zurück: Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen bliebe insgesamt unverändert,
hieß es, und prinzipiell könne ein Flughafen nicht für den CO2-Ausstoß von Flugzeugen verantwortlich gemacht werden.
VO N MA RKUS G RO L L
52
T REND | 25. 6. 2021
Ein Urteil gegen den
Ölmulti Shell und ein
neues Klimaschutzgesetz in Österreich
könnten den Zwang
zur CO2 -Reduktion
befeuern – hofft
die Klimaanwältin
MICHAELA KRÖMER.
Heißes Klima
vor Gericht
KLIMAJUSTIZ STATT
KLIMAPOLITIK?
In Österreich eher
selten. Weder gegen
die OMV (Fall Neuseeland, Bild), noch
gegen den Flughafen
Wien (dritte Piste)
oder die Steuerbefreiung von Flugkerosin gingen
Klimaklagen durch.
FOTOS: GREENPEACE/MITJA KOBAL, MATTHEW ANDERSEN, BEIGESTELLT
Die Resilienz gegen Klimaklagen liegt
in Summe daran, dass das österreichische Rechtssystem stärkere Nachweise
für direkte Betroffenheit und ursächli lorian
che Schädigung verlangt, erklärt F
Stangl, Energie- und Klimarechtsexperte
der Kanzlei NHP: „Es gibt schon einen
Sorgfaltsmaßstab, mit dem man Unternehmen messen kann, aber es gibt zusätzlich keine ‚Anreicherung‘ mit anderen Rechtsmaterien, wie es in den
Niederlanden passiert ist.“ Zwar winke
einiges an publizistischem Aufsehen und
Ruhm, „doch das ist Knochenarbeit, so
etwas knallt man nicht einfach so nebenbei mal raus.“
ANGRIFFSZIELE. Prädestinierte Angriffsziele für Klimaklagen wären jedenfalls Österreichs größte CO2-Emittenten
(nach Emissionshandelsregister), vom
Stahlerzeuger Voest (rund elf Millionen
Tonnen) über die OMV (über vier Millionen) bis zu Wien Energie oder Zementhersteller Lafarge. Wobei Emissionen aus der Produktverwendung (COP
3) bei der OMV nicht mitgerechnet sind.
FLORIAN STANGL, ENERGIERECHTSANWALT:
„Das ist Knochenarbeit, so etwas knallt man
nicht einfach so nebenbei mal raus.“
Dass mit Klimaklagen gegen Großunternehmen durchaus in Rechte anderer (Aktionäre wie Pensionsfonds, Kleinanleger usw.) eingegriffen wird, nehmen
Klimaschützer in Kauf – genauso wie
das Gericht in Den Haag im Fall Shell.
Krömer: „Es wird immer eine Interessenabwägung von unterschiedlichen Rechten vorgenommen. Im Unterschied zu
vor einigen Jahren werden angesichts der
nunmehr offenkundigen Bedrohung essenzieller Rechte diese Rechte höher eingestuft als die Rechte etwa von Aktionären oder ein möglicher Profitverlust.“
Dennoch will sie keine falschen grünen
Hoffnungen wecken, auch ganz konkret
im Fall ihres Klienten Mex M. der wegen seiner MS-Erkrankung just bei steigenden Temperaturen im Rollstuhl sitzen
muss: „Wie der Gerichtshof letztlich entscheidet, ist allerdings abzuwarten.“
Krömer weiß zu gut: Oft haben Gerichtsergebnisse in der realen Wirtschaft
dann doch wenig messbaren Einfluss auf
das Klima, obwohl die Zahl der Klimaklagen weltweit laut Londoner Grantham
Research Institute on Climate Change in
den vergangenen zehn Jahren sprunghaft
von maximal 20 gleich auf 120 bis 160
angestiegen ist.
Tatsächlich gibt es auch nach dem
Shell-Urteil zwiespältige Signale zu dessen Beispielwirkung: Zwar musste schon
Deutschlands größter Öl- und Gaskonzern, Wintershall Dea, seinen Börsengang
wegen „ungünstiger Marktbedingungen“
absagen. Andererseits ignorierte gleichzeitig Polen eine einstweilige Verfügung
des Europäischen Gerichtshofs, wonach
der Braunkohleabbau im Turów-Tagebau
einzustellen wäre. Und auch das neue
österreichische
Klimagesetz ist noch
lange nicht durch.
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
VON O L I VE R JU DEX
DER
KLIMASCHUTZ
WETTBEWERB
trend und das Wiener Klimaschutz-Start-up Glacier
zeichnen die KREATIVSTEN UND EFFIZIENTESTEN
LÖSUNGEN VON UNTERNEHMEN aus, um Treibhausgase einzusparen und den Klimawandel zu bremsen.
E
s ist eine völlig neue Initiative,
die ganz der heutigen Zeit entspricht. Denn immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig es ist, nachhaltig zu wirtschaften und den eigenen
Fußabdruck
ökologischen
möglichst klein zu halten – sei es bei der
Produktion von Gütern, im alltäglichen
Bürobetrieb, in der Kantine oder auch bei
den Fahrten der Beschäftigten zwischen
zu Hause und ihrem Arbeitsplatz. Das ist
nicht nur gut für die Umwelt, sondern
auch für das Unternehmen selbst – vom
Employer Branding bis zum Aktienkurs
oder der Markenpflege. Und die Ideen,
um als Unternehmen den Ausstoß von
Kohlendioxid wesentlich zu reduzieren,
sind inzwischen höchst vielfältig, oft sehr
kreativ und manchmal sogar ein echter
Gamechanger.
Genau an diese Unternehmen richtet
sich diese neue Initiative namens Climate
Impact Challenge. Es handelt sich dabei
um einen Wettbewerb der besten Ideen,
bei dem jedes Unternehmen mitmachen
kann – vom ganz kleinen Betrieb mit nur
ein paar Mitarbeitern bis zum international tätigen Konzern. Jede Idee zählt, ob es
sich um die ersten Schritte in Richtung
Eine Kooperation von
54
T REND | 25. 6. 2021
Klimaschutz eines regionalen Handwer
kers oder Dienstleisters handelt oder um
den großen Wurf, der in den Tochtergesell
schaften auf der ganzen Welt ausgerollt
wird, ob es erst eine Idee ist oder eine seit
Jahren erfolgreich umgesetzte Strategie.
FOTOS: GETTY IMAGES, BEIGESTELLT
JETZT MITMACHEN. Die Climate Impact
Challenge (CIC), also der Wettbewerb
rund um die kreativsten Klimaschutz
ideen (Details dazu siehe rechts), ist eine
gemeinsame Initiative des Wirtschafts
magazins trend mit dem Jungunterneh
men Glacier. Das Wiener Klimaschutz-
Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, Öster
reichs Unternehmen zu Musterschülern
in Sachen Klimaschutz zu machen. „Der
Versuch, die Reduktion von Treibhaus
gasen mit Zwängen und Verboten zu er
reichen und damit zu polarisieren, ist der
falsche Zugang“, ist Gründer Andreas
Tschas überzeugt. Der Erfinder des ehe
maligen Pioneers Festivals, eines interna
tionalen Start-up-Events in der Wiener
Hofburg, hat sich gemeinsam mit
Co-Founder Rainhard Fuchs und zehn
weiteren Mitstreitern zum Ziel gesetzt,
„die einflussreichste Community rund um
die CO2-Reduktion aufzubauen“.
Dazu bietet Glacier interessierten Un
ternehmen u. a. den Carbon Manager an,
„einen digitalen Wegbegleiter für Unter
nehmen auf ihrer Klimaschutzreise“, so
Tschas. Fußabdruck-Rechner, wissen
schaftlich fundierte CO2-Reduktionsmaß
nahmen und kuratierte Lösungsanbieter
bietet das innovative Tool (glacier.eco/
carbon-manager). Über 110 Mitglieder
zählt Glacier bereits, von der Bank Austria
über A1 und Magenta bis zu Runtastic.
Am 21. September veranstaltet Glacier
zudem den Climate Impact Day (glacier.
eco/climate-impact-day). An diesem Tag
sollen die Unternehmen ihren Mitarbei
tern – begleitet von einem hybriden Konfe
renzformat – die Möglichkeit geben, sich
konkret mit Klimawandel und CO2-Re
duktion auseinanderzusetzen. „Wir errei
chen bereits jetzt 110.000 Mitarbeiterin
nen und Mitarbeiter in ganz Österreich“,
sagt Tschas, dessen Ziel es ist, dass sich in
jedem Unternehmen ein KlimaschutzTeam findet – ähnlich wie sich auch die
CIC an alle Unternehmen des Landes rich
tet. „Klimaschutz ist das große Thema der
heutigen Zeit und damit für jedes Unter
nehmen von zentraler Bedeutung“, sagt
trend-Chefredakteur Andreas Weber: „Mit
der Climate Impact Challenge wollen wir
die besten Ideen zur CO2-Reduktion fin
den und vor den Vorhang holen.“
Die Climate
Impact Challenge
DER WETTBEWERB: Wir suchen die kreativsten Unternehmen
mit den besten Ideen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Es kann eine Photovoltaik-Anlage sein, an der Mitarbeiterinnen und Mit
arbeiter beteiligt werden, eine kreative Idee, um den Weg zur Arbeitsstätte
klimaneutral zu gestalten, oder das Angebot klimaschonender Ernährung am
Arbeitsplatz – bei der Climate Impact Challenge (CIC) von trend und Glacier sind jene
Projekte und Lösungen von Unternehmen gefragt, die das Zeug haben, bei der
Produktion, im Büro oder auch auf dem Weg von und zur Arbeit möglichst viel
Kohlendioxid einzusparen. Einreichen kann jedes Unternehmen – vom kleinsten KMU
bis zum Großkonzern. Eine Topjury bewertet die Ideen in drei Kategorien.
DIE KRITERIEN,
NACH DENEN DIE
EINGEREICHTEN KONZEPTE
BEWERTET WERDEN
OTENZIAL, UM
P
CO2 EINZUSPAREN:
Wie groß ist das Potenzial
der geplanten Lösung, Treib
hausgase tatsächlich zu
reduzieren?
INNOVATIVER ANSATZ: Wie
innovativ und kreativ ist die
Idee im Vergleich zu bereits
existierenden Modellen?
UMSETZUNG BZW.
DURCHFÜHRBARKEIT:
Wie erfolgreich wurde eine
Idee bereits umgesetzt oder
wie rasch kann sie ausgerollt
werden? Denn auch noch nicht
verwirklichte Lösungen mit
konkretem Umsetzungsplan
können eingereicht werden.
I n einer SONDERWERTUNG
wird gegebenenfalls beurteilt,
ob die Idee das Potenzial hat,
möglichst viele Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter bei der Umset
zung miteinzubeziehen. Die
Beteiligung der Beschäftigten
ist aber keine Voraussetzung
für eine Einreichung.
DIE KATEGORIEN,
IN DENEN IDEEN UND
LÖSUNGEN EINGEREICHT
WERDEN KÖNNEN
ENERGIE & INFRASTRUKTUR
MOBILITÄT & VERKEHR
ARBEITSPLATZ & ERNÄHRUNG
DIE TEILNAHME. Sie können
die Idee oder Lösung Ihres
Unternehmen auf der Website
mit der Adresse trend.at/cic
einreichen.
EINREICHFRIST. Der Zeitraum
der Einreichung endet am
Freitag, dem 13. August 2021.
DIE BEURTEILUNG der Ein
reichungen erfolgt durch eine
Expertenjury. In jeder Kategorie
werden die besten fünf Ideen
ermittelt, mit einem Siegel
ausgezeichnet und via trend,
trend.at und glacier.eco der
Öffentlichkeit präsentiert. Die
jeweiligen Sieger erhalten eine
Berichterstattung auf trend.at
und im trend.PREMIUM vom
10. September. Zudem erhalten
die Kategoriesieger die Möglich
keit, sich mit ihrer Idee beim
Climate Impact Day von Glacier
(siehe links) am 21. September
zu präsentieren.
Einreichungen unter trend.at/cic
25. 6. 2021 | T RE ND
55
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
START-UP
ELTERN UND GRÜNDER.
Jaclyn und Florian
Schnau mit ihrer Tochter
Olivia, die Anlass war,
ein Start-up für Babynahrung gründen.
Junge Gründer für
junge Zielgruppe
Die fünf Kategoriesieger
der START-UPCOMPETITION des
CASH Handelsforums,
an der fast 50 Gründer
teilnahmen, kämpfen
um den Gesamtsieg.
56
T REND | 25. 6. 2021
E
s ist ein neues Format, das der
Manstein Verlag ausprobiert
hat: Für das renommierte
CASH Handelsforum, das heuer vom 28. bis 30. Juni im
Eventresort scalaria am Wolfgangsee
stattfindet, wurden im Rahmen einer
vom trend unterstützten Competition
die besten Start-ups aus den Bereichen
Food & Beverages, Non Food, Logistik &
Packaging, Pricing & Payment und Nachhaltigkeit gesucht. Und die Reaktion der
jungen Gründer war enorm. An die 50
Start-ups haben sich beworben und stellten sich einer hochkarätigen Jury. Jetzt
haben die fünf Kategoriesieger die Chance, sich vor den wichtigsten Entscheidern
des Lebensmittelhandels und der Markenindustrie zu präsentieren.
„Mit dem CASH Handelsforum bieten
wir eine einzigartige Bühne vor 350
Topentscheidern aus Lebensmittelhandel
und Markenartikelindustrie“, erklärt die
Herausgeberin des Handelsmagazins
„CASH“, Dagmar Lang: „Jeder einzelne
von ihnen hat Macht und Geld. Also warum nicht diese Bühne den High Potentials der Start-up-Szene zur Verfügung
stellen?“
Gemeinsam mit Margaretha Jurik,
Chefredakteurin von „CASH“, konnte sie
eine hochkarätige Fachjury aus den Bereichen Handel, Industrie und der Startup-Szene zusammenstellen, zu der unter
anderen Unternehmensberater Manfred
Berger, Nestlé-Österreich-Chefin Corinne Emonet, der Chef der Kastner Gruppe, Christof Kastner, Bettina Vogler-Trinkfass von Procter & Gamble, Iris
Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte
Handel in der WKÖ, und Business Angel
Markus Ertler zählten. Sie alle waren von
der hohen Qualität der Start-ups angetan, und in der Jurysitzung, in der auch
der trend eingebunden war, entspann
sich eine spannende Diskussion rund um
die Themen Innovation, Umsetzung,
Skalierbarkeit und natürlich auch den
Gründerteams, die ihren jeweiligen Unternehmensgegenstand präsentierten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
So konnte mit Pumpkin Organics ein
Münchner Start-up die Kategorie Food &
FOTOS: BEIGESTELLT (4), ATOTHEDAVID, QUANTICS
REDAKTION:
judex.oliver@trend.at
Pumpkin Organics
Check:Scan
FOOD. Biologisch. Vegetarisch.
Nachhaltig. Klimaneutral.
Die Babynahrung von Pumpkin
Organics vereint eine ganze Reihe
von Attributen, die bei Eltern, die für
ihre Kinder gesunde Fertignahrung
suchen, von Relevanz sind. So auch
für Jaclyn und Florian Schnau, die
Gründer des 2016 gegründeten
Münchner Start-ups. Sie sind
nämlich gleichzeitig auch Eltern ihrer
Tochter Olivia. Und für sie und mit ihr
als Testesserin entwickelten sie innovative, gemüsereiche und fruchtzuckerarme Premiumprodukte – vor
allem für die Ernährung in den ersten
1.000 Lebenstagen, die laut Wissenschaft die Essgewohnheit ein Leben
lang prägen. „Durch kontinuierliche
Aufklärungsarbeit wollen wir Eltern
dabei unterstützen, bewusste und
gesunde Ernährungsentscheidungen
für ihre Kleinen zu treffen“, sagt
Jaclyn Schnau. Die Produkte von
Pumpkin Organics sind inzwischen in
über 2.000 Geschäften in Deutschland und Österreich gelistet.
PRICING & PAYMENT. Selbstbedienungskassen
zählen zum neuen Service vieler Handelsketten.
Doch die Kontrolle der Kunden ist schwierig. Das Salz
burger Start-up Checklens will mit seinen intelligenten
Kameras namens Check:Scan dazu beitragen, den
Schwund möglichst gering zu halten. Die Kameras gleichen
die Produkte des Kunden mit den Scan-Daten der Kasse ab
und erinnern die Kunden, falls sie etwas vergessen haben
sollten. „Wir ermöglichen ein reibungsloses Einkaufserlebnis, das bereits von top Einzelhändlern in ganz Europa
eingesetzt wird“, sagt Co-Gründer Felix Köppl (Bild l.).
Beverages für sich entscheiden, das sich
nicht weniger zum Ziel gesetzt hat, als die
Babynahrung von Grund auf neu zu erfinden – klarerweise mit reinen Biozutaten, die aber noch dazu fruchtzuckerarm
und besonders vielfältig sind (siehe
oben). Vor allem der professionelle und
authentische Auftritt begeisterte die Jury,
schließlich sind die Gründerin und der
Gründer selbst Eltern einer gemeinsamen Tochter, für die sie ihre Produkte
herstellen. Ihre Ansage: „Wir helfen Babys, sich in Gemüse zu verlieben.“
Nicht minder interessant sind die anderen vier Sieger (siehe Kästen rechts).
Sie alle rittern um den Gesamtsieg, über
den nun die Gäste des CASH Handelsforums zu entscheiden haben. In jedem Fall
aber können die Start-ups die Tage am
Wolfgangsee nutzen, um Kontakte zu
knüpfen und vielleicht sogar den einen
oder anderen Deal zu vereinbaren.
Wobei Jurymitglied Ertler den Managern aus Handel und Industrie schon im
Vorfeld einen Tipp für allfällige Koope
rationen ans Herz legt: „Man muss den
jungen Gründern die Freiheit und ihre
kulturelle Innovationskraft lassen. Dann
sind für beide Seiten wertvolle Synergieeffekte möglich.“
Cycle
NACHHALTIGKEIT. Er ist ein scheinbar wertloses
Nebenprodukt von Kläranlagen. Doch der Klärschlamm hat Potenzial. Vor allem für den Umwelttechniker
Sunny Bhasin (Bild), einen gebürtigen Inder, der daraus mit
seinem Team durch Fermentation und Destillation organische Säuren extrahiert und gemeinsam mit dem aufbereiteten Wasser zu umweltfreundlichen Reinigungsmitteln
verarbeitet. Recyclingquote: 90 Prozent. Patente: fünf. Das
ungarische Start-up Renew Technologies vertreibt unter
der Marke Cycle inzwischen verschiedene Produkte, die
auch in Österreich erhältlich sind.
ElephantSkin
NON FOOD. Die Idee von Raffael Reifeltshammer (Bild)
ist bestechend: „Wir produzieren einen nachhaltigen
Handschuh, der sich selbst von Viren und Bakterien
befreit.“ Statt umweltbelastenden Einweghandschuhen
bietet das Wiener Start-up Handschuhe aus Bio-Baumwolle, die nicht nur gewaschen und wiederverwendet werden
können: Der Stoff wird bei der Herstellung mit antiviralen
und antibakteriellen Substanzen behandelt, deren Wirkung
vom Schweizer Textiltestinstitut Hohenstein bestätigt wird.
Seit Ende 2020 ist das Produkt bereits in zehn Ländern
gelistet, u. a. bei Aldi, Hofer, Rewe, dm und Müller.
Quantics
LOGISTIK & PACKAGING. Das noch kaum ein Jahr alte Wiener Start-up
Quantics hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz
vorhandene Daten derart auszuwerten, dass vorhergesagt werden kann, wie sich
ein bestimmtes Produkt verkaufen wird. Dazu werden verschiedene Quellen
herangezogen: Auswertungen von Kundenkarten, vergangene Verkäufe, Werbemaßnahmen, die allgemeine Marktentwicklung, aber auch etwa der Wetter
bericht. „Wir bieten 20 bis 70 Prozent
genauere Prognoseergebnisse bei 30 bis
80 Prozent weniger Planungsaufwand“,
verspricht CEO Christof Bitschnau (2. v. l.).
25. 6. 2021 | T RE ND
57
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
LUXUS MIT STEG. Am
Wörthersee-Südufer
in Dellach kostet eine
der luxuriösen Villen
von The Hampton
Estates 6,6 Millionen
Euro.
lus 17 Prozent bei Handta
schen, plus 13 Prozent bei ed
len Weinen, plus sechs Pro
zent bei Oldtimern: Die Preise
für Sammelobjekte sind 2020
deutlich gestiegen. Der Grund: ihre Ein
zigartigkeit. Nicht nur bei Auktionen,
sondern auch im Grundbuch bringen
nicht duplizierbare Lagen und unver
gleichliche Wohnqualität die höchsten
Preise. Immobilien im Luxussegment ha
ben 2020 mit einem Plus von 1,9 Prozent
abgeschlossen – das war deutlich besser
als erwartet und ein höherer Wertzu
wachs als 2019, sagt Liam Bailey, Global
Head of Research bei Knight Frank.
Das Maklerunternehmen erhebt jähr
lich in einem Index Preise für Luxusim
mobilien an 100 Standorten rund um den
Globus. Für Bailey bestätigen die Ergeb
nisse den deutlichen Anstieg der weltwei
ten Nachfrage nach Wohnimmobilien im
Topsegment. „Besonders stark ist das In
teresse an ländlichen sowie an wasser
nahen Immobilien mit außergewöhnli
chen Ausstattungsmerkmalen“, so
der Knight-Frank-Experte. Die
Rally geht zudem heuer weiter: „Die
gestiegene Nachfrage wird dazu
INVESTIEREN UND ENTSPANNEN. In
Velden sind Wohnungen mit Seeblick oft
bereits ab 500.000 Euro zu haben.
58
T REND | 25. 6. 2021
DIREKT AM WASSER
sind Wohnimmobilien
besonders gesucht.
Denn am Wörthersee,
im Salzkammergut oder
an der Donau in Wien
lassen sich Werte für
Generationen schaffen –
mit Aussicht auf rasante
Wertsteigerungen.
führen, dass die Preise in unseren Schlüs
selmärkten 2021 durchschnittlich um sie
ben Prozent steigen werden.“
ANLEGEN MIT SEEBLICK. Das bestätigt
auch Thomas Hopfgartner, Inhaber des
auf wohlhabende Kunden spezialisierten
Maklerunternehmens Living De Luxe
Real Estate: Er vertreibt nicht nur die mit
32,5 Millionen Euro teuerste Wohnung
Wiens, sondern hat sich auf den Wörther
see spezialisiert – die erste Adresse Öster
reichs in den Sommermonaten, was sich
auch in den Quadratmeterpreisen zeigt,
die inzwischen 10.000 Euro und mehr
erreichen können. Weil der Wörthersee
auch bei Prominenten beliebt ist, finden
Interessierte die schönsten Objekte in der
Regel nicht auf Immobilienplattformen,
sondern über Mundpropaganda. Zu
Hopfgartner findet man in der Regel
ebenfalls über Empfehlung: „Unsere be
sondere Beziehung zu unseren Kunden
ist unser größtes Kapital“, sagt der Experte
für hochwertiges Wohnen mit Seeblick.
Er könnte nach Jahrzehnten im Geschäft
über jede Villa am See ein Buch schrei
ben, wie es sagt. Dennoch hält er sich zu
rück: Diskretion ist am Wörthersee das
oberste Gebot. „Es geht nicht um Preise,
sondern um Werte“, sagt er. „Das Zuhau
se hat durch die Pandemie deutlich an
Wert gewonnen. Glücklich ist, wer
am See ist: Am schönsten Ort der
Welt unabhängig von der Außen
welt das Leben zu genießen, stellt
seit jeher einen besonders hohen
Wert dar.“ Zwar sind die Preisstei
gerungen auch für die Käufer,
FOTOS: LIVING DE LUXE REAL ESTATE
P
Wohnglück
am Badestrand
TREND
WIRTSCHAFT
ÖSTERREICH
die darauf eigentlich nicht mehr
angewiesen wäre, interessant. Aber der
Kaufgrund ist auf der höchsten Stufe des
Wohnimmobiliengeschäfts immer vorrangig die Emotion, betont Hopfgartner:
„Seit Jahrzehnten gilt der Wörthersee als
Österreichs beste Wohnlage am Wasser.
Nun kommt die nächste Generation, welche die Vorzüge davon in der Pandemie
noch mehr zu schätzen gelernt hat und
die Immobilie hier nicht bloß als Spekulationsobjekt sieht, sondern nachhaltig
nutzen und genießen will.“
WERTE FÜR GENERATIONEN. Investieren
statt spekulieren: Das gilt an allen heimischen Seeufern. „Im Premiumsegment
sind es neben den Bergchalets überall primär Villen rund um die Seengebiete, wo
wir einen Anstieg der Nachfrage von über
50 Prozent verzeichnen“, sagt Bernd
Gabel-Hlawa, Geschäftsführer der Immobilienplattform FindMyHome.at. „Viele
Immobilienangebote im Preisbereich von
zwei bis fünf Millionen Euro sind oft nur
für ein paar Wochen auf unserem Portal
Premium Living präsent, bevor sie nach
erfolgreichem Verkauf den Besitzer wechseln. Vor der Pandemie waren solche Liebhaberobjekte bis zu drei Jahre verfügbar.“
Klassische Seegegenden rund um den
Wolfgangsee oder Attersee sind genauso
gesucht wie der Wörthersee, denn für viele
bietet das Salzkammergut die perfekte
Kombination aus Bergen und Seen, wie
der FindMyHome.at-Geschäftsführer sagt.
Die Preise für Grundstücke mit anteiligem Seezugang liegen zwischen 2.500 und
4.000 Euro pro Quadratmeter, mit
High-End-Immobilien bebaute Grundstücke kosten 15.000 bis 20.000 Euro pro
Quadratmeter – Tendenz steigend.
60
T REND | 25. 6. 2021
Die millionenteuren Liegenschaften
am Wasser kaufen die Kunden jedoch
nicht, um mit ihnen Renditen zu erwirtschaften oder sie in ein paar Jahren mit
Gewinn weiterzuverkaufen, sondern um
Werte für Generationen zu schaffen, betont Mark Hüsges, Geschäftsführer Engel & Völkers Salzburg. „Neben dem wirtschaftlichen Aspekt ist die einzigartige
Lebensqualität ein wesentlicher Faktor.
Gerade in den vergangenen Monaten hat
sich gezeigt, wie wichtig das eigene Zuhause ist. Glücklich sind diejenigen, die
Wohnen mit guter Infrastruktur und in
SCHIFF AHOI. Aus ihrem Penthouse im Wohnturm Marina Tower kommen Freizeit-Kapitäne
ohne Umwege zum Yachthafen Marina Wien.
atemberaubender Naturkulisse verbinden können. Besonders die Lage des
Wolfgangsees mit seiner eigenen Infrastruktur und der Nähe zu Salzburg bietet
dafür beste Voraussetzungen.“
Für Anleger, die nachhaltig denken,
muss es dabei nicht immer das Wasser in
Form eines Sees sein. Auch in Städten
sind Luxusimmobilien, die mit dem Attribut „nah am Wasser gebaut“ punkten
können, laut Knight Frank eine sichere
Wertanlage – vor allem im aktuellen,
nach wie vor von Unsicherheit geprägten
Umfeld. So stiegen die Preise im Luxussegment in Wien auch im Vorjahr, während frühere Hotspots wie London oder
Paris Rückgänge hinnehmen mussten.
Derzeit entstehen noble Wohnprojekte wie The Shore in Wien-Döbling mit
Privatstrand an der Alten Donau, das
Wohnensemble Triiiple mit direktem Zugang zum Donaukanal sowie der Marina
Tower, ein neues Wahrzeichen der Wiener Skyline direkt an der Donau. Am
höchsten Punkt des Wohnturms werden
gleich sechs exklusive Penthouses errichtet. „Die Besonderheit des Marina Tower
ist neben der erstklassigen Lage direkt
am Wasser und der großflächigen Überplattung des Handelskais durch das Marina Deck die Exklusivität der Penthouses
und das spektakuläre Panorama“, meint
der Engel-&-Völkers-Experte.
Ein Highlight bilden die ausgedehnten Dachflächen, auf denen der Traum eines Outdoor-Paradieses mit Pool und
Außenküche verwirklicht werden kann.
Auf der eigenen Dachterrasse mit Donaublick zu plantschen, ist tatsächlich ein
einmaliges Gefühl – und für die Handtaschensammlung, das Weinlager und den
Oldtimer in der Garage ist auch Platz.
FOTOS: ISOCHROM, WK-DEVELOPMENT
URLAUBSFEELING IN
WIEN. Das hochwertige
Wohnprojekt The Shore
bietet 125 Apartments
für Wassersport-Begeisterte im Nobelbezirk
Wien-Döbling. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro
pro Quadratmeter.
TREND
IMMOBILIEN
BRANCHEN
Redaktion:
exner.andre@trend.at
Wiens höchster
Wohnturm entsteht
MIT SPA UND POOL. Die Projekte des Immobilienentwicklers Soravia
wachsen in die Höhe: Nachdem das aus drei Wohntürmen bestehende
Ensemble Triiiple bis Herbst fertiggestellt sein wird und die meisten
Wohnungen verkauft sind, startet das Unternehmen das nächste Hochhausprojekt. An einem der begehrtesten Bauplätze Wiens direkt an der
Donau entsteht Danubeflats, der höchste Wohnturm Österreichs (Bild).
Das 180 Meter hohe Gebäude der Projektpartner S+B Gruppe und
Soravia soll bis 2024 fertiggestellt werden. Jede Wohnung in Größe von
30 bis 230 Quadratmetern verfügt über große Freiflächen, dazu kommen ein beheizbarer Pool, ein Spa-Bereich mit Sauna, ein hauseigener
Gym, eine Cocktailbar und ein Concierge-Service für die Bewohner.
Auch im Triiiple, wo Wohnungen bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter
kosten, sind Ausstattungsmerkmale wie in einem Wolkenkratzer im
Manhattan Teil des Konzeptes: „Im Triiiple Park ist die Gestaltung der
Freiflächen mit Bocciabahn und Ballspielplatz bereits zu sehen, in der
Sockelzone werden im Laufe des Sommers noch ein Supermarkt, ein
Café, eine Trafik, ein Restaurant sowie ein Kindergarten folgen“, sagt
Erwin Soravia, CEO von Soravia.
PERSONALITIES
IGOR BEUK, 29, früher bei Scout24
Leiterin des Geschäftsbereichs
Eigentums- und Vorsorgewohnungen der EHL Wohnen GmbH,
übernimmt nun die Geschäftsführung des Unternehmens.
tätig, wird neuer Key Account
Manager der IMMOunited GmbH.
Sein Fokus liegt auf der Betreuung
der Bestandskunden sowie der
Neukundengewinnung.
Neues Büro für teamneunzehn
APP VOR DEM START. Die von der Familie Ringsmuth gegründete teamneunzehn-Gruppe zählt zu den führenden Gesamtdienstleistern im Immobilienbereich in Wien, Niederösterreich
und Steiermark. Mit einem Gesamtumsatz von 13,2 Millionen
Euro konnte 2020 ein ausgezeichnetes Wachstum erzielt
werden, das Team wurde um 30 Personen aufgestockt, nun
folgt die Übersiedlung in ein neues Büro im Millennium Tower.
„Wir wollen alle Zuständigkeitsbereiche der Immobilienbranche aus einer Hand anbieten und haben
daher Hausverwaltung, Vermittlung von
Immobilien sowie Wohnraum-Finanzierung und Investment Consulting unter
einem Dach vereint“, sagt Geschäftsführer Christoph Ringsmuth (Bild). Auch
neue Projekte sind geplant: Noch heuer
kommt die teamneunzehn-Hausverwaltungs-App.
ERSTE-IMMOFONDS
INVESTIERT IN NACHHALTIGEN WOHNBAU
Die Erste Immobilien
KAG investiert 68
Millionen Euro in eine
innovative nachhaltige
Wohnhausanlage in
Wien-Simmering. Herzstück der Anlage ist
eine an die Erdwärme
gekoppelte Heiz- und
Kühlautomatik, die eine
Neuheit im Wohnbau
darstellt. Der Gebäudekomplex wird 2024 an
die Mieter übergeben
und wird das Portfolio
des Erste Responsible Immobilienfonds
ergänzen.
MARC MÜLLER-SOHLER, 48, zuvor
erfolgreich als Vertriebsdirektor
in der Luftfahrt- & Automobilbranche tätig, wird neuer Geschäftsführer von Re/Max Values in
Feldkirchen.
Intelligenter Aufzug
mit Soundsystem
VERNETZT NACH OBEN. Internet of
Things (IoT) ist in aller Munde – Otis bringt
nun den ersten Aufzug, der IoT-fähig ist.
Auch darüber hinaus hat der Weltmarktführer bei Aufzügen und Rolltreppen seiner
neuen Produktgeneration Gen360 eine
Reihe von technischen Neuerungen
spendiert. So nutzt der Gen360-Aufzug
modernste Sensorik, um potenzielle
Störungen zu vermeiden und Ausfallzeiten
zu reduzieren, auch Fernüberwachung
rund um die Uhr ist möglich. Den Komfort
zwischen den Stockwerken erhöhen ein
digitales Kabinendisplay und ein extra
entwickeltes Soundsystem für ein
neuartiges Klangbild im Innenraum.
FOTOS: SQUAREBYTES, EHL, TEAMNEUNZEHN, REMAX AUSTRIA, IMMOUNITED
KARINA SCHUNKER, 27, bisher
TREND
BRANCHEN
HANDEL & DIENSTLEISTUNGEN
Übernahme-Coup
bei Intersport
THORSTEN SCHMITZ, CEO
INTERSPORT, hat neue Chefs:
Heimische Händler sind wieder
Herren im eigenen Haus
Redaktion:
groll.markus@trend.at
SPORTARTIKELHANDEL. Die fünf größten
österreichischen Intersporthändler, Harald
Tscherne, Roman Winninger, Erhard Fischer,
Reinhard Klier und Bernhard Pilz, übernehmen
ihre eigene Einkaufsorganisation. Die
Genossenschaft für 104 eigenständige
Sporthändler in ganz Österreich mit insgesamt über 280 Shops (350 mit Auslandspartnern) wurde zur Rettung vor finanziellen
Schwierigkeiten 2013 in die deutschen
Intersport-Organisation eingegliedert. Jetzt
werden die Anteile (wie vorgesehen)
rückübertragen, freilich nicht mehr an alle
kleinen Händler gleichermaßen. Die fünf
neuen Eigentümer (zu je 20 Prozent) haben
dazu mit der Premiumsport Service GmbH
eine eigene Besitzgesellschaft gegründet, das
bisherige Management (unter Geschäftsführer Thorsten Schmitz) soll beibehalten
werden. Jetzt sei es das Ziel, dass die
Österreicher wieder aktive Anteilseigner
werden, heißt es in Deutschland. Zum
Kaufpreis gab es keine Auskunft, die Gruppe
setzte 2019/20 560 Millionen Euro um.
PERSONALITIES
FABIO ANDREA
CELLA, 45, ist neuer
Geschäftsführer bei
Coca-Cola Österreich.
Cella war zuvor bei
Danone tätig, seit 2016
dort als Global Marketing Director, und
zuletzt als RegionsGeschäftsführer.
SARAH BÖHM ist neue
NEWSTICKER
PAYMENT INITIATIVE. Die private
Europäische Paymentinitiative (EPI)
verrät erste Details zum Zeitplan ihres
neuen, elektronischen Bezahlsystems für
den Handel. Bereits im Herbst soll die
Vorbereitungsgesellschaft (mit europäischen Großbanken als Aktionäre, keine
Österreicher) in eine operative Plattform
(„Ökosystem“) umgewandelt und ein
neuer Markennamen gefunden werden,
sagt EPI-Chefin Martina Weimert jüngst
in Wien. Mitte 2022 will man eine App
launchen und erste Anwendungen
durchführen (vorerst B2B). EPI soll ein
einheitliches Kartenbezahlsystem für alle
europäischen Banken werden (ähnlich
Visa oder Mastercard), mit dem auch
neue Paymentanbieter wie ApplePay
oder GooglePay funktionieren. Es soll
durch Zusatzfeatures aufgemotzt
werden (Sofortüberweisungen, Ratenzahlungen). Letztlich könnte auch die
EZB den digitalen Euro über das EPISystem abwickeln, hofft Weimert.
68
Der Gartengestalter
verstärkt seine Interieur-Kompetenz
mit dem Stadthaus Wien in der
Mahlerstraße in der
City. Erneut eine
besondere Location, nach ähnlichen
Filialen im Schloss
Walpersdorf und
in der Tuchlauben.
„Ein Webshop kann
das Einkaufserlebnis vor Ort nicht
ersetzen“, bilanziert
Markus Lederleitner die Lockdowns
nachdenklich.
Manner ohne Katjes
war erst der Anfang
ÜBERNAHMEN. Laut dem „M&A
Consumer & Retail Report 2021“ von
Kearney nehmen die Transaktionen in der
Handel- und Konsumgüterbranche wieder
Fahrt auf. Der Wert aller weltweiten Deals
hatte sich 2020 mit 205 Milliarden Dollar
(172 Milliarden Euro) im Vergleich zu 2016
mehr als halbiert. Kearnys Beispiel für
den Restart in Österreich: Bereits zu
Jahresbeginn trennte sich Katjes von
seinem 6,1-Prozent-Anteil an Manner.
APP DER WOCHE
KLARNA. Der Zahlungsanbieter zeigt
mit einer Finanzierungsrunde von 639
Millionen US-Dollar (Firmenwert
45,6 Milliarden) als höchstbewertetes private Fintech in Europa, in welchem Boommarkt man
derzeit unterwegs ist.
Sales-Managerin
des Start-up-Unternehmens BistroBox.
Böhm war nach drei
Jahren bei Rosenbauer
International zuletzt
als Assistentin der
Geschäftsführung im
Unternehmen Resch &
Frisch tätig.
MARCEL LÖFFLER,
55, ist neuer Präsident
des Österreichischen
Kaffee- und Teeverbandes. Er ist CEO
der Julius Meinl Coffee
Group, die in 70 Ländern weltweit mit einer
eigenen PremiumTee- und Kaffeemarke
präsent ist.
+++ PEPCO. Der polnisch-britische Textil- und Haushaltsdiskonter will bis Jahresende 20 Filialen in
Österreich eröffnen. +++ IKEA erweitert seine neue App um eine Scan-&-Pay-Funktion für schnellere
und bequemere Bezahlvorgänge im Store. +++ KARSTADT/KAUFHOF. Die Kaufhauskette aus der Signa-Gruppe
des österreichischen Immo-Tycons René Benko verhandelt um ein weiteres staatliches Hilfspaket.
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: WOLFGANG WOLAK, BEIGESTELLT (3), KLAUS TITZER
Neuer europäischer
Zahlungsgigant
WOHNEN UND
GARTELN MIT
LEDERLEITNER
BANKEN & VERSICHERUNGEN
Redaktion:
kramer.angelika@trend.at
Ex-Meinl-Bank-Chef muss in Haft bleiben
PETER WEINZIERL (Bild), der
frühere Chef der Meinl Bank,
muss weiter in Haft bleiben,
wie die Nachrichtenagentur
Bloomberg berichtet. Der Banker wurde ja vor drei Wochen
in London festgenommen, als
er aus seinem Flugzeug ausstieg. Weinzierl wird von
US-Behörden gemeinsam mit
einem weiteren ehemaligen
Meinl-Banker im Zusammenhang mit dem brasilianischen
Konzern Odebrecht Geldwäsche und Bestechung vorgeworfen. Laut Anklageschrift
soll es um 170 Millionen
US-Dollar gehen.
Bei einem Haftprüfungs
termin letzte Woche, so Bloomberg, dürften Weinzierl und sein
britischer Anwalt eine Kaution
in Höhe von fünf Millionen briPERSONALITIES
ANDREAS BRANDSTETTER, 52, Uniqa-Boss,
FOTOS: LUKAS ILGNER, WÜSTENROT, UNIQA/KEINRATH, INGO FOLIE
wurde für weitere drei
Jahre zum Präsidenten
des europäischen Versicherer-Dachverbands
Insurance Europe gewählt. Neuer Vize ist
Sandro Panizza.
GUIDO JESTÄDT, 45,
zieht mit 1. Juli in den
Vorstand der Bawag
als Chief Administrative Officer ein. Jestädt
ist seit zehn Jahren bei
der Bawag beschäftigt, zuletzt als General
Counsel.
Wüstenrot startet
Digital Banking
NACHDEM DIE WÜSTENROTGRUPPE das Corona-Jahr 2020 mit
einem Plus beim Ergebnis (um vier auf
25,5 Mio. Euro) und einem Rekord im
Finanzierungsneugeschäft erfolgreich
beendete, wird bereits an neuen
Projekten gearbeitet. Vor einigen
Monaten wurde
bei der FMA der
Konzessionsantrag
für eine digitale
Retail-Bank
gestellt. „Damit
setzen wir einen
entscheidenden Schritt Richtung All
finanzstrategie. Als Bausparkasse und
Versicherung unter einem Dach wollen
wir unseren Kunden Gesamtlösungen aus einer Hand für die Bereiche
Girokonten, Ansparen, Finanzieren,
Vorsorgen und Versichern bieten“,
sagt Wüstenrot-Chefin Susanne Riess
(Bild). Auch das heurige Jahr habe
mit 100 Millionen Euro Neugeschäft
allein im März gut begonnen, so Riess.
Einziger Wermutstropfen: der Abgang
des langjährigen Finanzchefs Andreas
Grünbichler.
tische Pfund (umgerechnet 5,8
Millionen Euro) zur Freilassung
des Bankers angeboten haben,
was Richter David Robinson jedoch abgelehnt hat. Die Gefahr,
dass Weinzierl nach Russland
fliehen könnte, wo er eine Immobilie besitze, sei zu groß,
befürchtet Robinson, zumal der
Österreicher auch keinen
Wohnsitz in Großbritannien
habe.
Weinzierls Rechtsanwalt
James Lewis bezeichnete die
Anschuldigungen der US-Behörden, die auch eine Auslieferung des 55-Jährigen fordern,
als „ungerecht und irreführend“. Außerdem habe Weinzierl seit Längerem zuverlässig
mit dem FBI und den öster
reichischen Ermittlern zusammengearbeitet.
TREND
SPEZIAL
IN KOOPERATION MIT DER FH OÖ, DEM BFI WIEN UND
DER FH TECHNIKUM WIEN. Die inhaltliche Verantwortung
liegt bei der Redaktion.
FORSCHUNG
VO N A L F RE D BA N K H A M E R
Für ein klima
neutrales Europa
Die FH OÖ verstärkt Forschung und Innovation im Bereich
Klimaneutralität und hilft bei der Umsetzung des Green Deals.
n der FH OÖ stehen die Signale
auf Grün. Schon heute nehmen
rund 60 Prozent all ihrer For
schungsprojekte Bezug auf Umwelt
aspekte. Und diese Aktivitäten sollen
noch verstärkt werden. Mit dem Green
Deal will die EU bis 2050 den ersten kli
maneutralen Wirtschaftsraum der Welt
schaffen. Das erfordert große Verände
rungen bei Verkehr, Energie, Industrie
oder bei den Lebensmittel. Genau hier
A
ist laut Johann Kastner, F&E-Spezialist
an der FH OÖ, die FH OÖ schon lange
aktiv. „Wir beschäftigen uns in unseren
Forschungsprojekten intensiv mit sau
berer Energie, mit nachhaltiger Produk
tion, mit klimaschonender Mobilität
und mit gesunden Lebensmitteln. Nun
bauen wir unsere grünen Schwerpunkte
noch gezielter in Richtung Green Deal
aus“, so Kastner. In Kooperation mit
Partnern aus der Wirtschaft konnten
bereits international anerkannte For
schungserfolge erzielt werden.
In einem der Projekte beschäftigten
sich die Lebensmitteltechnologen der
FH OÖ mit der Produktion von nach
haltigen und gesunden Lebensmitteln.
Da geht es unter anderem auch um
Upcycling von Seitenströmen, also die
Wiederverwertung von „Abfällen“ für
neue Produkte. Besonders interessant
ist das Thema Kreislaufwirtschaft für
die Werkstoffexperten der FH OÖ. Es ist
mittlerweile ein fixer Bestandteil ihrer
Forschung. Im für den Green Deal wich
tigen Energiebereich forschen FH-Wis
senschaftler und -Studierende im Be
reich Solarenergie sowie an weiteren
nachhaltigen Energietechnologien und
-systemen. Wichtige Forschungsthemen
sind auch Elektromobilität, Wasserstoff
und zukunftsträchtige Antriebskon
zepte. Laut einer Studie der FFG, die
von der EU und der FFG genehmigte
Projekte österreichischer Forschungs
institutionen mit Green-Deal-Bezug
untersucht hat, ist die FH OÖ eine
Topakteurin in Oberösterreich.
fh-ooe.at
Das Altern
verstehen
Ich will mehr
vom Leben!
IST ES ZU SPÄT, noch etwas
in der Karriere zu ändern?
Mit einer neuen SocialMedia-Kampagne will das
BFI Wien Umsteiger, Aufsteiger, Wiedereinsteiger
oder auch Berufseinsteiger
ansprechen. Die klare
Message: „Es ist nie zu
spät.“ Vier 45-Sekunden-Spots ermutigen, neue
Chancen in einer sich rasch
ändernden Welt zu suchen.
„Corona, künstliche
Intelligenz oder Klimawandel
sind nur drei Themen, die
neue Kompetenzen von den
70
T REND | 25. 6. 2021
Menschen verlangen. Wir
müssen uns lebenslang und
in jeder Lebenssituation
Wissen aneignen“, betont
Franz-Josef Lackinger,
Geschäftsführer BFI Wien.
„Mit den Spots wollen wir
unseren Slogan ‚Ich will
mehr vom Leben‘ unter
mauern und Menschen dort
abholen, wo sie aktuell
stehen. Es ist nie zu spät,
sein eigenes, persönliches
Karriereziel zu erreichen“,
so BFI-Wien-Marketing
leiterin Magdalena Gangl.
bfi.wien
EIN TEAM der FH Technikum
Wien erforscht im von der
Stadt Wien geförderten
Projekt „Aging Tissue“ die
Effekte des Alters auf die
Regenerationsfähigkeit von
Körpergewebe. Mit zunehmendem Alter häufen sich
Erkrankungen wie Herz
infarkt, Schlaganfall,
neurodegenerative Leiden,
gewisse Krebserkrankungen
oder Wundheilungsstörungen. Auch die Regenerationsfähigkeit von Körpergewebe
und -zellen lässt nach. Die
Wissenschaftler wollen im
Labor den Alterungsprozess
von Zellen anhand von
3D-Gewebestrukturen
nachbilden und die Auswirkungen von biophysikalischen Verfahren wie der
Stoßwellentherapie auf
die Zellalterung genauer
untersuchen. Daraus
könnten sich Maßnahmen
gegen Krankheiten wie
Osteoarthritis oder gegen
Phänomene wie Muskelschwund ableiten lassen.
Zudem werden die Schutz
effekte gewisser Nahrungsmittelinhaltsstoffe wie etwa
Resveratrol als potenzielle
Anti-Aging-Wirkstoffe in
3D-Gewebemodellen
getestet.
technikum-wien.at
LABORTEST. Das Team von „Tissue Engineering
and Molecular Life Science Technologies“
untersucht die Zellalterung.
FOTOS: BERNHARD PLANK, FELIX BÜCHELE/FELIXFOTO, BEIGESTELLT
JOHANN KASTNER, Leiter der
F&E, vor der Photovoltaikanlage
am Dach der FH OÖ,
Campus Wels.
TREND
FORSCHUNG & INNOVATION
Redaktion:
bankhamer.alfred@trend.at
BRANCHEN
Boost für Forschung
„FORSCHUNG, ENTWICKLUNG UND INNOVATION haben sich als
r obuste Brücken aus der Krise in die Zukunft erwiesen“, so Sabine
Herlitschka, stellvertretende Vorsitzende des Rats für Forschung
und Technologieentwicklung und Chefin von Infineon Austria, bei
der Präsentation des „Berichts zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2020“. Das FTI-System
half, das Pandemiejahr besser zu meistern. Zugleich zeigte sich
aber, dass das große Ziel, der Aufstieg zu den Innovation Leaders
Europas, nicht erreicht wurde. Der Abstand zu den führenden
europäischen Innovationsnationen Dänemark, Finnland, den
Niederlanden, Schweden und Schweiz sei weiterhin beträchtlich.
Die Bundesregierung habe durch den Beschluss der FTI-Strategie
2030 sowie des FTI-Pakts im letzten Jahr die richtigen Maßnahmen eingeleitet. Wie sich aber beispielsweise bei der Digitalisierung zeige, bestehe noch reichlich Aufholbedarf. Deshalb seien
nun engagierte Umsetzungsaktivitäten gefragt. „Das FTI-System
braucht jedenfalls auch die im FTI-Pakt vorgesehene Planungsund Finanzierungssicherheit. Ergänzend ist es daher auch dringend erforderlich, den Fonds Zukunft Österreich rasch in die
Umsetzung zu bringen“, so Herlitschka. Im Leistungsbericht
werden neben Analysen 14 Detailempfehlungen gegeben.
PERSONALITIES
ANDREAS STOHL, 53, erforscht
am Institut für Meteorologie und
Geophysik der Uni Wien Klimaphänomene und wurde dafür mit
dem rund 300.000 Euro dotierten
Weiss-Preis ausgezeichnet.
LEILA TAGHIZADEH, Mathemati
kerin, erhielt den HannspeterWinter-Preis der TU Wien für ihre
neuen Methoden, Nanobauelemente etwa für medizinische
Sensoren zu beschreiben.
Spray statt FFP2-Maske
NEWSTICKER
FOTOS: BEIGESTELLT
„WIR HABEN UNS während des ersten Lockdowns aus reiner
Neugier intensiv mit dem Virus beschäftigt“, so der Mathematiker Martin Schifko, einer der Gründer von Immune Technology Steyr (IST), der mit seinem Kollegen Prof. Alireza Eslamian
Ideen für eine neuartige physikalische Methode zur Abscheidung des SARS-CoV-2-Virus sowie zum Schutz menschlicher
Zellen vor Ansteckung entwickelt hat. Sie verwunderte
besonders, dass sich auf einem Kreuzfahrtschiff alle bis auf
zwei Passagiere infiziert hatten. „Das war ein Aha-Effekt, es
musste einen körpereigenen Schutzmechanismus geben“, so
Eslamian. Sie stießen auf Mannose-bindendes Lektin, einen
Teil des angeborenen Immunsystems, von dem die Bevölkerung etwa im Iran oder Finnland deutlich höherer Werte hat
und zugleich niedrigere Infektionsraten. In Studien reduzierte
das entwickelte BanLEC (ein Lectin, dass in Bananen vorkommt) die Anzahl von 1.000.000 Viren auf maximal zehn.
Damit könnte ein Spray die Masken ersetzen. „Wir suchen nun
Entwicklungspartner und Investoren“, so ITS-CEO Peter Weigl.
QUANTENCOMPUTER
Innsbrucker Physiker
um Tracy Northup
haben eine wichtige Störungsquelle,
nämlich schwach und
nicht leitende Materialien, bei Ionenfallen-Quantencomputern
beschreiben können.
Die Marktreife rückt
näher. Um mit sehr
vielen Quantenbits zu
rechnen, müssen solche Störquellen schon
in der Entwicklung
möglichst vermieden
werden, denn die zur
Übertragung genutzten
quantenmechanischen
Eigenschaften sind
sehr störungsanfällig.
ELISABETH GÜTL, 28, seit 2019
bei der Great Wall Motor Austria
Research & Development GmbH
als System Engineer tätig, ist zur
FEMtech-Expertin des Monats
Juni gewählt worden.
Erdölersatz
DAS NEUE EU-PROJEKT Bionanopolys,
an dem 27 Partner aus zwölf Ländern
beteiligt sind, zielt auf die Entwicklung von
Bionanomaterialien und Bionanokompositen aus Biomasse sowie die Herstellung
biobasierter Nanoprodukte ab, um
erdölbasierte Kunst- und Farbstoffe,
Arzneimittel, Waschmittel und vieles mehr
zu ersetzen. Dazu werden europaweit
14 bereits vorhandene Pilotanlagen für die
Verarbeitung biobasierter Nanomaterialien
angepasst und optimiert. Das Grazer
Forschungszentrum für industrielle
Biotechnologie acib liefert hierfür das
enzymatische Wissen zur Aufbereitung
der Biomasse, um mittels Enzymen die
Zellwände von Pflanzen als Kohlenstoffquelle nutzen zu können.
+++ MAK-AUSTELLUNG. Im Rahmen der „Vienna Biennale for Change: Plant for Love. Klimafürsorge im
Digitalen Zeitalter“ startete das MAK Museum Wien am 22. Juni die Ausstellung „DIGITAL & CIRCULAR.
Wege in die Kreislaufgesellschaft“. +++ MISSION-INNOVATION-AUSTRIA. 70 Energieexperten diskutierten
beim MIAOnline-Workshop des Klimaschutzministeriums über das Energiesystem der Zukunft.
25. 6. 2021 | T RE ND
71
TREND
DIGITAL
Redaktion:
steininger.barbara@trend.at
Coronagewinner
Handysignatur
E-GOVERNMENT. Ins Pensionskonto schauen,
Wahlarztrechnungen einreichen, Volksbegehren
unterschreiben. Seit 2012 gibt es diesen rechtsverbindlichen Onlineweg für Behördeneingaben, der
mittlerweile für 230 E-Government-Transaktionen
und 4.000 Anwendungen in der Privatwirtschaft
genutzt werden kann. „Viele Jahre gewannen wir
im Schnitt 25.000 neue Nutzer pro Monat. Bei einer
Volksbefragung konnten es schon einmal bis zu
80.000 sein“, sagt A-Trust-Geschäftsführer Michael
Butz. Seit Ausbruch der Pandemie ist alles anders,
die Handysignatur erhält konstant hohen Zulauf von
Bürgern und vielen Unternehmern. „Die Nachfrage nach den Coronanachweisen sprengt
derzeit alles. Alleine in den ersten zwei Juniwochen haben wir über 200.000 Nutzer
freigeschaltet.“ A-Trust zählt zurzeit zwei
Millionen aktive Nutzer, 700.000 davon nutzen auch bereits den e-Tresor, in dem Doku-
Datenautonomie
statt Cookie-Wahnsinn
DATENSCHUTZ. Jurist Max
Schrems und das Team seiner Datenschutzorganisation
noyb haben in Kooperation
mit der Wirtschaftsuniversität ein Zusatzprogramm für Browser entwickelt, mit dem Nutzer selbst entscheiden
können, mit wem sie ihre Profile teilen. Das
„Advanced Data Protection Control“ gibt es
bereits für Firefox, Chrome folgt bald. Mehr
dazu auf dataprotectioncontrol.org
PODCAST DER WOCHE
NEWSTICKER
LEADERS21. Run
tastic-Mitgründer
Florian Gschwandtner spricht im Zweiwochentakt über Leadership, mit
erfolgreichen Unternehmern und
Managern aus der Szene. Das
einstündige Format ist sehr
kurzweilig und lehrreich.
72
PERSONALITIES
KARI KAPSCH, 57,
mente abgelegt werden können. Während man beim
Dienstleister derzeit an technischen Kapazitätserweiterungen arbeitet, um dem unerwartet großen
Ansturm gerecht zu werden, arbeitet ein Team bereits an der nächsten Version der Handysignatur, der
sogenannten ID Austria: Die ist heuer als Pilotprojekt
gestartet und soll mittelfristig Handysignatur wie
auch Bürgerkarte (funktioniert mit Lesegerät,
derzeit um die 400.000 Karten) ablösen.
wurde als Präsident
des Verbands für
Elektrotechnik (OVE)
wiedergewählt, ebenso sein Vize: GERHARD
CHRISTINER, 52, von
Austrian Power Grid.
Topthemen für die
nächsten drei Jahre:
Energiewende und
Fachkräftemangel.
A-TRUST-GESCHÄFTSFÜHRER MICHAEL BUTZ.
Der Anbieter kommt derzeit kaum nach, die
neuen Nutzer im System anzulegen.
RECHTSCHREIBPRÜFUNG ALS
SERVICE
Der renommierte
Verlag bietet die
Prüfung von längeren
Texten online an. Mit
dem „Duden-Mentor“
können kürzere Texte
auf Rechtschreibung,
Grammatik, Stil und
Beistrichsetzung kostenlos überprüft werden. Im professionellen
Bereich gibt es das
Service im Abomodell
ab 6,95 Euro im Monat.
Den „Mentor“ gibt es
auch als Direkteinbindung in Word und
gängige Browser.
Mehr auf
mentor.duden.de
Industrie forscht
in der Seestadt
EVENT. Die Seestadt Aspern ist ein
Wiener Hotspot für smarte Fertigungsmethoden. Am EIT (Europäisches
Institut für Innovation und Technologie)
arbeiten Forschung und Industrie zusammen. Aus Anlass der Büroerweiterung des EIT am 22. Juni besuchten
lokale Politiker das Technologiezen
trum und ließen sich Projekte zeigen:
Neben Fertigungs- und Materialkonzepten zeigte TU-Professor Friedrich
Bleicher den Prototyp eines mobilen
Luftreinigers, der gleich zwei unterschiedliche Verfahren beherrscht: Der
cleanAir kann die Luft filtern und die
Oberflächen desinfizieren.
CLC-EastGeschäftsführer HANNES
HUNSCHOFSKY
(l.) und Wiens
Finanzstadtrat
PETER HANKE.
ANGELA ALLIGER,
44, erweitert bei
Philips Speech ihren
Verantwortungsbereich. Sie ist nun Head
of Business Development und Customer
Success, zuständig
für 18 Länder. Sie ist
seit zwölf Jahren im
Unternehmen.
MICHAEL ZWIEFLER,
53, verstärkt als Vice
President für den
D-A-CH-Raum das
Führungsteam bei
Capgemini Invent,
das sich auf Strategie
und Transformation
spezialisiert hat. Er
war die letzten Jahre
in Asien tätig, u. a. für
Accenture und IBM.
+++ DRUCK. Deutscher Bundestag will mit Gesetzesänderung Apple zu mehr Kooperation bei Apple Pay
zwingen: Der Konzern signalisiert mehr Entgegenkommen. +++ DUETT. Facebook und Spotify kooperieren
bei Audioinhalten, treiben parallel aber auch das eigene Angebot mit Podcasts und Clubhouse-Konkurrenten voran. +++ DEAL. Hyundai übernimmt Roboterspezialisten Boston Dynamics für 1,1 Mrd. Dollar.
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: LUKAS ILGNER, BEIGESTELLT (4), OTS/KAPSCH GROUP
BRANCHEN
TREND
BRANCHEN
AUTO & VERKEHR
Redaktion:
meister.axel@trend.at
Auf allen Pisten für
ein Abenteuer bereit
TALENTIERT. Tempo war schon immer eine Grundtugend
der Marke Porsche. Jetzt ging es in der Edelschmiede
auch beim Thema neues Modell schnell. Kaum ein Jahr,
nachdem der erste elektrische Porsche, der Taycan, auf
tauchte, wurde ihm mit dem Cross Turismo schon ein
Ableger zur Seite gestellt. Mit ein klein wenig hemds
ärmeligerer Optik, einem größeren Kofferraum und ei
nem Hauch mehr Bodenfreiheit stellt sich der Neue als
Allrounder für Alltag und Abenteuer vor. Und weil sich
dieser Porsche nicht als schnöder Kombi versteht, trägt er
die Bezeichnung „Cross“ im Namen und wird ergo immer
mit Allrad, Luftfederung und dem großen 93,4-kWh-
Batteriepaket ausgeliefert. Der dazu passende Fahrmodus
„Gravel“ macht aus ihm zwar noch kein wildes SUV, aber
einen tapferen Gatsch- und Geröll-Bezwinger.
TESTFAHRT AUF EINEN BLICK
Antritt (5,1 Sek. auf 100) schon beim „kleinen“ 4S mit
490 PS, bombensicherer Kurvenräuber und auch
nicht rüde im Umgang mit der Federung. Die Mitfahrer
in Reihe zwei haben zwar nicht mehr Platz als im
normalen Taycan, aber dafür mehr Kopffreiheit durch
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PREIS
Der Schwede, der Google folgt
NEWSTICKER
EINMALIG. Wenn ein Auto als rollendes Smartphone bezeichnet werden darf, dann ist es der Polestar 2. Der neue Mitstreiter in der Elektro-Liga ist ein Joint Venture der Automobilhersteller Volvo und der chinesischen Mutter Geely und hat als
Alleinstellungsmerkmal, dass sein Infotainmentsystem zur
Gänze auf Googles Android basiert. Das Betriebssystem
funktioniert wie bei Smartphones und Tablets, auch der
Zugriff auf alle Google-Dienste via 11,2 Zoll großem Bildschirm
ist möglich. Fahren kann der Polestar natürlich auch, und das
ziemlich schnell. Die beiden E-Motoren an der Vorder- und der
Hinterachse liefern 408 PS,
sorgen in 4,7 Sekunden für
100 km/h und 205 km/h Spitze.
Reichweite: nur rund 300
Kilometer. Der flotte Schwede
wird nur online zum Preis von
55.900 Euro in Bestausstattung
ab Oktober verkauft.
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ARBEITSPLATZ
FAHREN
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PRESTIGE
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das längere Dach. Und wenn der Fahrer den Krabbel-,
nein, nicht den Gravelmodus, einlegt, geht sich sogar
Wien-Salzburg ohne Laden aus. LISTENPREIS:
115.481 €. PREIS TESTAUTO: 164.707 €. Reichweite
Testauto: 340 Kilometer. FAZIT: Ein virtuoser Allrounder, dem leider zu schnell der Strom ausgeht.
JAGUAR LAND ROVER
HÄLT DIE VIREN
AUS SEINEN AUTOS
DRAUSSEN
JLR arbeitet an einem
besonders effektiven
Luftreinhaltungssystem
für seine Fahrzeuge.
Ein Prototyp des neuen
Filters hat in Labortests gezeigt, dass er
Viren und luftgetragene
Bakterien um bis zu
97 Prozent hemmt –
darunter auch das
Coronavirus. Das
künftige Lüftungs- und
Klimatisierungssystem
für spätere Modelle
der Marken nützt die
„nanoe X-Technologie“
von Panasonic.
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GESAMT
VW setzt auf neues
3D-Druckverfahren
HIGHTECH. Erstmals wurde im Stammwerk in Wolfsburg das neueste Verfahren
von 3D-Druckern – das sogenannte
Binder-Jetting – in der Teilefertigung
eingesetzt. Während beim herkömmlichen
3D-Druck ein Bauteil aus Metallpulver
Schicht für Schicht aufgebaut wird,
erledigt das beim Binder-Jetting-Verfahren
ein Klebstoff. Das so entstandene Bauteil
wird anschließend erhitzt und zu einem
Metallteil geformt. Als Erstes wurde so die
A-Säule des T-Roc Cabrios hergestellt.
Vorteil: Die Teile wiegen fast 50 Prozent
weniger als jene aus Stahlblech. Dank
künftig höherer Stückzahlen sinken auch
die Produktionskosten. VW arbeitet hier
mit Siemens und HP eng zusammen.
+++ VERBOT. Aufgrund der hohen Kundennachfrage nach Elektroautos aus dem VW-Konzern dürfen die
Führungskräfte ab sofort keine rein batteriebetriebenen Dienstwagen mehr bestellen. +++ MANGEL. Der
stark steigende Bedarf für Batterien der E-Autos könnte bald zu einem Versorgungsengpass bei Nickel
führen. +++ ERPROBUNG. BMW hat die Brennstoffzelle (wieder-)entdeckt und will sie im X5 einsetzen.
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: PORSCHE (2), ROSSEN GARGOLOV, POLESTAR
PORSCHE TAYCAN 4S CROSS TURISMO: höllischer
TREND
RECHT & STEUER
ÜBERNAHME I. Der Verkauf
von 74 Prozent des Wiener
Traditionsunternehmens Wojnar
an Vivatis ging reibungslos
über die Bühne. Dafür sorgten
zwei auf große Transaktionen
spezialisierte Kanzleien: In
Linz strukturierte Wildmoser/
Koch & Partner den Deal für die
Raiffeisenlandesbank OÖ, zu der
der Lebensmittelkonzern Vivatis
gehört. Für die geschäftsführende Gesellschafterin Andrea
Wojnar begleitete bpv Hügel
den Verkauf. Der berühmte
Gabelbissen-Hersteller erzielte
zuletzt mit 560 Mitarbeitern
einen Jahresumsatz von rund
90 Millionen Euro. Die Geschwister Wojnar werden weiterhin das
Unternehmen führen. Mit dem
Partnern aus Oberösterreich will
der Wiener Traditionsbetrieb nun
den Export ausweiten.
Anwaltssuche mit
KI per Internet
NEWSTICKER
START-UP. Max Kindler, der frühere
ÖBB-Inhouse-Jurist und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der
Vereinigung österreichischer Unternehmensjuristen, hat sich selbstständig gemacht und ein eigenes Start-up
auf die Beine gestellt. Mit incaseof.law
können speziell kleinere und mittelständische Unternehmen einen
passenden und kostengünstigen
Anwalt für ihre Fälle finden. Interessierte Anwälte können sich auf der
Plattform registrieren. Unternehmen,
die für ein Rechtsproblem juristische
Beratung suchen, geben dieses auf
der Homepage anonymisiert ein. Ein
eigens entwickelter Algorithmus führt
dann den passenden Anwalt und das
beratungssuchende Unternehmen
zusammen. Kindler behält 25 Prozent
des Beratungshonorars für sich ein.
Der Arbeiter Samariter Bund oder der
Fußballklub SKN St. Pölten haben so
schon den richtigen Anwalt gefunden.
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Redaktion:
martinek.thomas@trend.at
Wiener Tradition von
Linz aufgegabelt
PERSONALITIES
FLORIAN SINGER,
45, Experte in Wirt-
schafts- und Finanzstrafrecht, wechselt
zu CMS. Er wird dort
die White-CollarCrime-Abteilung
ausbauen. Singer war
Assistent am Institut
für Wirtschaftsstrafrecht an der WU Wien.
DORDA PARTNER
AXEL ANDERL IN
ITECHLAW BOARD
Dorda Managing Partner Axel Anderl wurde
als erster Österreicher
in das Board of Directors von ITechLaw
gewählt. Er ist in dem
Führungsgremium
der weltweit tätigen
International Technology Law Association
in seiner Funktion als
Vice Chair auch für
das Startup Comittee
verantwortlich. Die
ITechLaw ist die weltweit führende Organisation für Juristen mit
Fokus auf Technologie
und Recht.
B&C Holding kauft
Schur Flexibles
ÜBERNAHME II. Die B&C Holding fügt
ihren drei Beteiligungen Semperit, Lenzing
und Amag nun mit dem Verpackungsunternehmen Schur Flexibles eine vierte hinzu.
Für die B&C Holding begleiteten die
Kanzleien Cerha Hempel und Grohs Hofer
die 900 Millionen Euro schwere Übernahme. Der amerikanische Private-Equity-
Investor Lindsay Goldberg bleibt mit
20 Prozent weiter an Bord des in Wiener
Neudorf ansässigen Unternehmens.
TIPP DER WOCHE
VORSORGEWOHNUNGEN. In der vierten
Auflage des Standardwerks für den
Kauf von Vorsorgewohnungen haben die Autoren
aus den Bereichen Steuer,
Recht, Notariat, Immobilienmarkt
neue Erkenntnisse eingebracht.
ERWIN FUCHS,
46, stößt als Anwalt
zu SabadelloLegal.
Die Kanzlei wächst
mit dem Arbeitsrechtsspezialisten zu einer
mittelgroßen Kanzlei.
Fuchs war zuvor bei
Baker McKenzie und
Legal Counsel bei der
ManpowerGroup.
PHILIPP HOYOS,
42, steigt bei Schindler
Attorneys zum Partner
auf. Er leitet den
Bereich Private Clients
mit dem Schwerpunkt
Erb- und Stiftungsrecht. Als Mitglied
des Litigation Teams
ist er zudem auch
auf Prozessführung
spezialisiert.
+++ BERATUNG I. Dorda begleitete gemeinsam mit Kirkland & Ellis den US-Equity-Fonds Guidepost bei
der Beteiligung am österreichischen Haustier-Tracking-Unternehmen Tractiv GmbH. +++ BERATUNG II.
PHH Rechtsanwälte hat den Spielkonzeptentwickler HPS beim Verkauf an die Global Leisure Group beraten. +++ BERATUNG III. DLA Piper berät bionc surface technologies bei einer Kooperation mit Nikon.
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: ISTOCKPHOTO, PHOTO SIMONIS WIEN, LUKAS ILGNER, BEIGESTELLT (2), VERLAG
BRANCHEN
Special Advertising Section
nachhaltigkeit
ÖKOLOGISCH
ÖKONOMISCH
SOZIAL
Future-Obst & -Gemüse
Wächst die Lösung in Containern?
Qualitätsanspruch
Die neuen Herausforderungen
im Employer Branding
Grüner Luxus
Coverfoto: Istockphoto
Leben in und mit der Natur
Forschung: Horizon-2020 Projekt
Wie Fichtenholz zu Bioplastik wird
NACHHALTIGKEIT
Was bedeutet das eigentlich?
DER BEGRIFF klingt gut und richtig. Und ist in unserem Alltag omnipräsent. Doch die
wenigsten wissen, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet. Kein Wunder. Denn für „Sustainability“
gibt es keine allgemeingültige Definition. Einigkeit besteht immerhin darin, dass sie in fast allen
Bereichen des Lebens Sinn macht. Ein Überblick.
W
ird Nachhaltigkeit zum Thema,
folgt meist eine intensive Diskussion. Und so unterschiedlich die
Aussagen und Meinungen dazu
sind, so vielfältig ist auch die Verwendung des Begriffs. Auf jeden Fall begann alles im Wald. Genaugenommen in der Forstwirtschaft, und zwar im 17.
Jahrhundert. Damals kam der Gedanke auf, dass
nicht mehr Bäume gefällt werden sollten, als nachwachsen können. Damit wollte man Rücksicht auf
die nachfolgenden Generationen nehmen, die
schließlich auch noch Holz benötigen. Der Duden
definiert Nachhaltigkeit heute als ein „Prinzip,
nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als
jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig
wieder bereitgestellt werden kann“. Das gilt selbstverständlich nicht mehr nur für Holz, sondern für
viele andere Bodenschätze und Rohstoffe, wie etwa
Wasser oder Erdöl. Allerdings hat sich die Bedeutung von Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Doch
was genau heißt es?
„Trio geniale“
Viele Menschen denken heute vor allem an Energiesparen, Ökostrom
und Recycling, wenn sie das Wort
Nachhaltigkeit hören. Dahinter
steckt aber viel mehr als dreifachverglaste Fenster, Photovoltaikanlage und Altpapiersammlung. Als eine
Art gemeinsamer „Nachhaltigkeitsplan“ gilt die
„Agenda 21“, also das Abschlussdokument der
Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro. Es ist der
erste internationale Vertrag zum Klimawandel, der
von 172 Staaten unterzeichnet wurde. Die konkreten Handlungsempfehlungen, deren übergeordnetes Ziel die Nachhaltigkeit in sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bereichen auf lokaler,
nationaler und globaler Ebene ist, wurden zum
globalen Leitbild für eine nachhaltigere Entwicklung. Unter dem Motto „Global denken – lokal
handeln!“ wurde jede Region der Unterzeichnerländer aufgerufen, eine eigene (lokale) Agenda zu
erarbeiten. Dazu hat man – auch in Österreich –
drei Dimensionen definiert:
Ökologische Nachhaltigkeit beschreibt den Verbrauch von natürlichen Lebensgrundlagen nur in
dem Maße, wie diese sich regenerieren können.
Ökonomische Nachhaltigkeit steht für eine Wirtschaftsweise, die dauerhaft betrieben werden kann
und Nachteile für nachkommende Generationen ausschließt.
Soziale Nachhaltigkeit wird
dann erreicht, wenn soziale Interessen ausgeglichen werden und
dadurch Spannungen oder Konflikte vermieden werden.
Erstrebenswertes Handeln
Im Jahr 2015 ratifizierten die Staatsund Regierungschefs der Vereinten Nationen die Agenda 2030. Der Aktionsplan für die
Menschen, den Planeten und den Wohlstand umfasst insgesamt 17 Entwicklungsziele („Sustainable
Development Goals“) samt 169 einzelner Zielvorgaben. Grob zusammengefasst will man die Armut
beenden, Ungleichheit bekämpfen, den Planeten
schützen, Frieden fördern und Wohlstand für alle
Impressum: Projektleitung: Susanne Seidelhuber, Erstellt von: VGN Content Marketing & Corporate Publishing, Leitung: Mag. Sabine Fanfule MBA
Redaktionsleitung: Astrid Steinbrecher-Raitmayr, Redaktion: Mag. Conny Derdak, Mag. Andre Exner, Mag. Claudia Hilmbauer, Mag. Daniela Illich, Harald Klöckl MA,
Mag. Werner Ringhofer, Dr. Susanna Sklenar, DI Roswitha Wurm, Fotoredaktion: Susanne Gröger, Layout: Ronald Lind
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Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
gung steigern und weniger Ressourcen pro produzierter Einheit verwenden. Fortschrittliche
Betriebe optimieren an allen Stellschrauben.“
Ökologie
Faire
Nutzung
Beständige
Rentabilität
Nachhaltigkeit
Ökonomie
Soziales
Foto: Istockphoto
Gerechtes
Wachstum
sichern. Dass Nachhaltigkeit ebenso wie Digitalisierung die Megathemen der nächsten Jahre sind,
betonen namhafte Wirtschaftsexperten immer
wieder. So auch Markus Scholz, der im Vorjahr die
Leitung des neuen Institute for Business Ethics and
Sustainable Strategy (IBES) an der FH Wien übernommen hat. Im Unternehmensbereich gibt es in
Österreich zwar einige tolle Vorreiter, die überwiegende Zahl habe das Thema aber noch nicht richtig
auf der Agenda, so der Experte. So sei etwa die Position von Nachhaltigkeitsmanagern in Unternehmen häufig noch eine Feigenblatt-Position, denn
allzu oft sitzen diese in der Kommunikation oder
im Controlling, nicht aber im Vorstand oder direkt
darunter, wo sie maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmensentwicklung nehmen könnten.
Johannes Hug von „Die Umweltberatung“ zu
den aktuellen Herausforderungen: „Um ökonomische Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen externe
Kosten den Verursachern verrechnet werden, etwa
bei fossilen Verkehrsmitteln oder Produkten aus
fossilen Rohstoffen. In der Ökologie braucht es ein
System von Anreizen und Verboten, um umweltfreundliches Verhalten zu fördern und umweltschädliches zu minimieren.“
Wo genau sollte ein Unternehmen ansetzen,
um nachhaltig zu agieren? „Als ersten Schritt die
Kennzahlen für den Umweltbereich erheben (CO2,
eingesetzte Materialien pro Produkt/Dienstleistung, Energieverbrauch, Abfall, Wasser, etc.), dann
diese Kennzahlen bewerten und benchmarken
bzw. Schwachpunkte und Handlungsfelder identifizieren“, sagt der Experte. „In der Folge sind konkrete Maßnahmen zu planen und umzusetzen –
zum Beispiel Energieeffizienz der Wärmeversor-
Eine tatsächliche Nachhaltigkeit ist erst dann erreicht,
wenn man sich mit seinen
Aktivitäten in der gemeinsamen Schnittmenge aller
drei Bereiche befindet.
Noch nicht am Stockerl
Im europäischen Vergleich erfüllt Österreich die
Kriterien für die Nachhaltigkeit zwar ganz gut,
aber noch nicht bestens. Laut dem „Europe Sustainable Development Report 2020“, den das Institute for European Environmental Policy Anfang
des Jahres veröffentlicht hat, ist die Alpenrepublik
in einem Ranking von 31 Ländern auf Platz vier.
Platz eins belegt Finnland vor Schweden und Dänemark, während Deutschland auf Platz sechs und
die Schweiz auf Platz acht rangiert.
Für Österreich wird positiv ins Treffen geführt,
dass es keine Armut gebe. Betreffend Industrie, Innovationen und Infrastruktur sowie Frieden, Justiz
und starke Institutionen gelten die Nachhaltigkeitsziele als erreicht. Defizite bestehen bei verantwortungsvoller Konsumation und Produktion,
Klimaschutz sowie im ländlichen Bereich. Herausforderungen gibt es unter anderem noch bei der
Gesundheitsversorgung, im Bildungsbereich, bei
der Gleichstellung der Geschlechter und bei der
Bereitstellung leistbarer sauberer Energie.
Öko-Wirtschaft
Vorteile & Argumente
•
•
•
Für viele Unternehmen ist das Attribut „nachhaltig“ zu einer
wichtigen Komponente der PR-Strategie geworden, obwohl
diese bis dato inhaltlich schwer überprüfbar ist. Demgegenüber stehen Konzepte eines tatsächlich vorhandenen
Nachhaltigkeitsmanagements, die unternehmerischen Erfolg
mit der Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte
verbinden. Laut Umfragen und Studien können sich Unternehmen heute durch besonders nachhaltiges Handeln im
Businessalltag einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Diverse Zertifizierungen von Produkten machen Nachhaltigkeit in Teilbereichen (z. B. öko, fair, biodynamisch, artgerecht) für den Verbraucher überprüfbar.
Unternehmen, die gleich auf mehreren Ebenen Nachhaltigkeit verfolgen, haben schon heute viele Vorteile: Betriebskosteneinsparung durch Reduktion von Umweltauswirkungen,
interne Vernetzung und dadurch optimiertere Abläufe,
Reputation (verstärkt durch z. B. eine Auszeichnung mit
ÖkoProfit, Umweltzeichen, EMAS), verbesserte Rechtssicherheit im Umweltbereich und dadurch z. B. reduziertes Risiko
von Verwaltungsstrafen, besseres Image, um mit positivem
Employer Branding hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden.
79
Vom nachhaltigen Bergdorf
zum Premium Eco Resort
Für RENATE UND HUBERT OBERLADER vom Bergdorf Priesteregg im salzburgischen Leogang
steht der ökologische Gedanke immer an erster Stelle. Das naturverbundene Hotelierehepaar
sieht das Stück Land als Geschenk der Natur und behandelt es auch so. Die
Verwendung von regionalen Produkten ist daher genauso selbstverständlich
wie natürliche Baumaterialien und nachhaltige Energiegewinnung.
80
Gemeinsam mit Spezialisten
entwickelten die PriestereggGastgeber Renate und Hubert
Oberlader über zwei Jahre
lang ein revolutionäres und
bisher einzigartiges Zusammenspiel von sieben
Energiesystemen, das alle
Chalets, Villen und das
Priesteregg Bad mit Wärme,
Wasser und Strom versorgt.
Landwirtschaft wird bereits seit 1990 betrieben,
Huwi´s Alm seit 15 Jahren) setzen wir auf eine alternative Wärmegewinnung durch Hackschnitzel“,
verrät Hubert Oberlader.
Innovatives Energiekonzept
Im Laufe der Jahre stand man im Priesteregg nicht
still. Die Oberladers haben auf die Expertise der
deutschen Viessmann-Gruppe, Hersteller für
Energiesysteme, zurückgegriffen. Zielsetzung war,
ein CO2-neutrales und umweltbewusstes Ferienresort zu schaffen. Durch eine ineinandergreifende
Steuerung werden heute erneuerbare Energien –
wie Geothermie, Luft- und Abwasserwärmepumpen, Eisspeicher, Photovoltaik, Bioflüssiggas, Biomasse – für den Betrieb kombiniert und eingesetzt.
Wasser ist ein kostbares Gut und ein wichtiges Element im Priesteregg – schon alleine deshalb, weil
das Bergdorf durch die Birnbachquelle mit
Fotos: Christoph Schöch , Günter Standl
U
nter dem Namen Priesteregg Premium
Eco Resort – auf einem Hochplateau,
dem Sonnberg in Leogang auf 1.100
Meter Höhe – vereinen sich einzigartiger Chaleturlaub mit einem nachhaltigen Energiekonzept, dem ressourcenschonenden Umgang mit
der Natur und der Unterstützung von regionalen
Produzenten. Das Bergdorf besteht aus insgesamt
18 Häusern: neun davon in der Kategorie Berg
Chalet, fünf in der Kategorie Premium Chalet sowie einem Luis Trenker und einem Willy Bogner
Chalet, der Wilderer Villa und der Villa Etaner.
Gemeinsam mit dem Priesteregg Bad gelten sie als
stromautark, da die Menge des nachhaltig produzierten Stromes den Jahresbedarf überschreitet.
„Seit Anbeginn des Priesteregg stehen für uns der
ökologische Gedanke und eine nachhaltige Ressourcennutzung an allererster Stelle. Schon bei der
Eröffnung der Chalets vor zwölf Jahren (die eigene
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
reinstem Trinkwasser versorgt wird. Auch die Badelandschaften werden aus dieser Quelle gespeist.
Selbst das Grauwasser der vier Pools, 19 Hot Tubs
und der gesamten Duschen des Bergdorfs wird effizient genützt, indem die Abwärme des Wassers
zurückgewonnen und in die Energieaufbereitung
eingespeist wird. Eine weitere Besonderheit der zukunftsweisenden Kombination der Energiesysteme
stellt die Eisspeicheranlage dar: Hierbei entzieht
man während des Winters dem Wasser in einem
unterirdischen Speicher permanent Energie, die in
das Heizsystem eingespeist wird, bis sich Eis bildet.
Dem gefrorenen Wasser wird dann im Sommer
die Kälteenergie entzogen und für Kühlzwecke genutzt. Nach der Schmelzung des Eises wiederholt
sich der Vorgang erneut. „Wir zeigen vor, dass Umweltschutz auch Freude bereiten kann und nicht
automatisch nur mit Verzicht in Verbindung gebracht werden muss. Unsere Bauten werden soweit
wie möglich CO2-neutral umgesetzt und das schon
die ganzen letzten Jahre hindurch. Unser betriebli-
cher Fuhrpark ist bereits zum größten Teil auf
Elektro- und Photovoltaik-Ladestationen umgestellt. Des Weiteren ist uns die Regionalisierung
unserer Lieferketten ein großes Anliegen. Aber
auch bei ganz kleinen Dingen im Alltag wollen
wir Vorbild sein. Wo immer es geht, wird Plastik
durch Papier ersetzt, Mehrweggebinde verwendet
und vieles mehr“, erklären Renate und Hubert
Oberlader.
Grüner Luxus im Zeichen der Nachhaltigkeit
Die beiden sind sich einig, dass Nachhaltigkeit in
unser aller Leben zur ganz normalen Selbstverständlichkeit werden sollte. Mit dem Priesteregg
Premium Eco Resort ist es dem Ehepaar gelungen,
den Beweis zu erstellen, dass sich Luxus und Nachhaltigkeit nicht gegenseitig ausschließen müssen.
„Grüner Luxus im Zeichen der Nachhaltigkeit“, so
lautet das Motto der beiden Gastgeber: „Leben in
und mit der Natur, im Einklang mit ihr – und dabei
viel Freude, Genuss und Erfüllung erleben.“
NACHHALTIGES OBST UND GEMÜSE
Wächst die Lösung in
heimischen Containern?
Er könnte die Antwort auf viele Zukunftsfragen der Landwirtschaft sein: pestizidfreier
Gemüseanbau auf kleinstem Raum mit einem Minimum an Wasserbedarf. Ein junges Start-up
aus dem Burgenland, gegründet vor vier Jahren mithilfe von Crowdfunding, macht’s vor.
82
Das Grundproblem der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft verbraucht Unmengen an Wasser. Sie ist für ein Drittel aller Treibhausgase verantwortlich, der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln im konventionellen Anbau ruiniert Böden. PhytonIQs Lösung: Automatisiertes Indoor-Farming in Containern als Ergänzung zur
Biolandwirtschaft. „Anhand des Bewässerungssystems können 95 Prozent Wasser und 85 Prozent
Düngemittel eingespart werden“, erläutert
Co-Founderin Eszter Simon. Dies erscheint besonders für Ballungszentren interessant, für Entwicklungsbiete oder wasserarme Gebiete. Die Wasserversorgung erfolgt automatisch, die Mitarbeiter
selbst hingegen kontrollieren die Pflanzen täglich,
geerntet wird in Handarbeit. Das große Plus dieser
Anbaumethode zeigt sich in ihrer Wetterunabhängigkeit und dem damit verbundenen Maximum an
Ernteerträgen. Auch, dass die Container auf engstem Raum unkompliziert auf- und abgebaut werden können, erweist sich als Vorteil. Regionale Er-
Wie die PhytonIQPflanzen angebaut werden:
Hydroponik: Anstatt in der
Erde steht die Pflanze in einer
Nährlösung aus Wasser und
zum Beispiel Mineralien.
Aeroponik: Die Pflanze hängt
in der Luft und wird mit Wasser
und Nährstoffen aus Zerstäubern besprüht. Dieses System
ist besonders dort von Vorteil,
wo wenig Wasser zur Verfügung steht.
Vliestechnik: Die Pflanzen
stehen auf Vlies aus nachhaltiger Bambusfaser, das nur mit
Wasser getränkt wird.
Fotos: Susanne Posch, beigestellt
D
ie Coronapandemie zeigt, wie wichtig
es ist, nicht auf Importe aus anderen
Ländern angewiesen zu sein. Unsere
Landwirte produzieren zwar Jahr für
Jahr Tonnen an Lebensmitteln, doch die Selbstversorgungsrate konnte im Wirtschaftsjahr 2019/20
bei pflanzlichen Produkten laut der Versorgungsbilanz der Statistik Austria nicht annähernd erreicht werden: Nur 88 Prozent des heimischen Getreidebedarfs wurden in Österreich produziert,
beim Gemüse waren es 55 Prozent, 45 Prozent
beim Obst und nur 30 Prozent bei pflanzlichen
Ölen. Österreich importierte im vergangenen Jahr
landwirtschaftliche Produkte im Wert von 12,8
Millionen Euro. Nun erscheint ein Unternehmen
aus Oberwart auf der Bildfläche, welches diesen
Umstand mittels innovativer Systeme ändern
möchte: PhytonIQ. Was nach Hightech klingt, ist
es auch. Zumindest ein bisschen – schließlich nutzt
man Methoden, die bereits im All eingesetzt wurden, um Salat anzubauen.
In Oberwart wird im IndoorFarming „echter“ Wasabi –
nicht die grün eingefärbte
Paste – produziert.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
nährungssicherheit und Unabhängigkeit könnten
so ein Stück weit näher rücken.
Regionales Gemüse ist nicht zwangsläufig
nachhaltig
Regionalität, eines der großen Schlagworte unserer
Zeit. Heimisches Gemüse auch im Winter? Ja, bitte! Möglich ist dies durch Gewächshäuser, wie uns
„österreichische Paradeiser“ rund ums Jahr beweisen. Doch alles hat seinen Preis, und so kann eine
im beheizten Gewächshaus heranwachsende österreichische Tomate einen bis zu zehn Mal höheren
CO2-Ausstoß verursachen als eine importierte spanische. Anders sieht die Situation beim ContainerIndoor-Farming aus. Strom aus erneuerbarer
Energie, die Produktion braucht kaum Wasser und
keine Spritzmittel. Wie das geht? „Der Raum wird
völlig keimfrei gehalten, betriebsfremde Personen
dürfen diesen nicht betreten, Angestellte nur in
Schutzkleidung“, erklärt Co-Founder Martin Parapatits. Neben Wasser und Nährlösungen benötigen
die Pflanzen einzig CO2 aus der Luft und Licht, das
aus LEDs kommt. Also nichts mit Sonne und Erde,
dafür aber ertragreich und nachhaltig.
Wer den Nachhaltigkeitsgedanken lebt und
heimisches Obst und Gemüse auch im Winter
kaufen will, ist also gut beraten, sich mit diesen
Themen auseinanderzusetzen. PhytonIQ hat das
getan – ab kommendem Winter möchte der Indoor-Farming-Pionier Erdbeeren aus Oberwart
auf den Markt bringen. Bereits jetzt aus burgen
ländischem Anbau zu haben, sind Safran, Wasabi
und microgreens, sprich: Sprossen. Letztere gibt es
beispielsweise von Daikon-Rettich, Schnittknoblauch oder Erbsen.
PhytonIQ-Boxen für alle
Chemiefrei, klimaschonend, kurze Transportwege,
lokal überall einsetzbar: PhytonIQ bietet seine
Containerlösungen mit eigener Software nun auch
für Unternehmen an, die sich mit frischen Kräutern, Obst und Gemüse selbst versorgen möchten.
„Ein System umfasst vier Container auf einer Fläche von 120 m² und liefert etwa bei Erdbeeren einen Ertrag von rund 7.000 Kilo im Jahr“, so die
Gründer. Wer weiß, vielleicht sehen wir ja bald
selbstgezogenes Future-Obst und -Gemüse in heimischen Hotels, Altersheimen und Schulen!
Was die österreichische Landwirtschaft 2019/20
produzierte:
5,4 Mio. Tonnen Getreide
3,82 Mio. Tonnen Milch
1,97 Mio. Tonnen Zuckerrüben
910.300 Tonnen Fleisch
751.000 Tonnen Kartoffeln
690.000 Tonnen Gemüse
410.000 Tonnen Ölsaaten
399.000 Tonnen Obst
4.600 Tonnen Fisch
2,09 Mrd. Eier
Generationenverantwortung für Ihr
Wertpapier-Portfolio
Fotos: Susanne Posch, beigestellt
D
ie PRIVAT BANK der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
bietet im Rahmen ihrer etablierten Core-Satellite-Strategie
umfangreiche Nachhaltigkeitsportfolien für jede Risikobereitschaft an. Alle darin verwendeten Veranlagungsinstrumente entsprechen den aktuellen Nachhaltigkeitsstandards.
Im Mittelpunkt dieser Strategie steht ein breit gestreutes und nach
nachhaltigen Kriterien gemanagtes Kerninvestment, welches in mehrere verschiedene Anlageklassen investiert und dabei aktiv auf das
Marktgeschehen eingeht. Ziel ist es, mit diesem Teil der Veranlagung
Stabilität in ein Gesamtinvestment zu bringen und dabei eine Grundrendite mit möglichst geringem Risiko zu erwirtschaften.
Ergänzt wird dieses Kerninvestment um mehrere kleinere Satelliten-Veranlagungen, die einen nachhaltigen bzw. ökologischen Schwerpunkt haben. Die Anlagemöglichkeiten in diesem Segment sind vielseitig und reichen von alternativen Energiequellen über nachhaltige
Fortbewegung bis hin zu demografischen Trends. Die Beimischung
dieser Satelliten bietet die Möglichkeit, neben dem stabilen Kern
Zusatzerträge zu lukrieren.
Der Schlüssel zum Erfolg des Core-Satellite-Konzepts der PRIVAT
BANK ist dabei ein gutes Zusammenspiel der einzelnen Veranlagungsbausteine, um sowohl Stabilität als auch Wachstumschancen nicht außer Acht zu lassen.
„Nachhaltigkeit in der Geldanlage ist
kein Widerspruch. Sie bietet die Möglichkeit, einen positiven Einfluss auf
Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft
zu nehmen.“
Waltraud Perndorfer
Leiterin der PRIVAT BANK der Raiffeisenlandesbank OÖ
83
AUSTRIAN DEVELOPMENT AGENCY
Wertvolles Wetterwissen
Weniger Verbrauch von Wasser und Dünger, höhere Ernteerträge und Produktivität: Die
High-End-Wetterstationen der steirischen Firma Pessl Instruments machen’s möglich. Das
Unternehmen begibt sich damit nun auch auf asiatisches Terrain – unterstützt von der ADA.
S
eit mehr als 36 Jahren entwickelt und
produziert die steirische Firma Pessl
Instruments High-End-Wetterstationen
und damit Werkzeuge für wissensbasierte Entscheidungen. Die drahtlosen, solarbetriebenen Überwachungs- und Messstationen
sind mit einer Onlineplattform verbunden und
lassen sich in allen Klimazonen für unterschiedliche Zwecke verwenden. Einsatzgebiete
sind etwa die Hydrologie, Meteorologie, Smart
Cities und die Landwirtschaft. Die Stationen
erheben Daten rund um Wetter, Bodenfeuchte
und Wasserstände. Landwirtinnen und Landwirte können diese per App abrufen und so
etwa Pflanzenkrankheiten voraussehen oder
Düngemittel und Bewässerung genauer auf den
Bedarf abstimmen.
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Durch den Einsatz der Wetterstationen
und der neuen E-Services können
Bäuerinnen und Bauern ihren
Aufwand für Wasser und Dünger
verringern, ihre Erträge steigern und
damit ihre Ernährung sichern.
Smarte Kombi
Jetzt sollen die Wetterstationen auch in Indonesien, Thailand und Vietnam das Leben tausender Bäuerinnen und Bauern nachhaltig verbessern. Dank eines neuen Geschäftsmodells müssen diese die Geräte nicht kaufen, sie erhalten
die Daten und Informationen kostengünstig
aufs Handy. Hilfe in der Anwendung bekommen sie mittels E-Learning-Tools von Beraterinnen und Beratern, die Pessl vorher geschult
hat. Sie unterstützen die Bäuerinnen und Bauern bei Fragen zu Dünger, Pflanzenschutz und
Bewässerung.
Ein positiver Zusatzeffekt: In der Region
entstehen neue Jobs und damit Perspektiven
für die Jugend. Die jungen Leute müssen auf
der Suche nach Arbeit nicht mehr in die Städte
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
Das steirische Unternehmen Pessl
Instruments produziert seit
vielen Jahren High-End-Wetterstationen für den globalen
Einsatz.
abwandern, und die Überalterung der ländlichen Bevölkerung wird gebremst.
Erträge und Ernährung sichern
Insgesamt 15 Kooperativen profitieren in einem ersten Schritt von den digitalen Serviceleistungen. 15.000 Bäuerinnen und Bauern können ihren Aufwand für Wasser und
Dünger verringern, ihre Erträge steigern,
die Produktivität um 40 bis 50 Prozent erhöhen und ihre Ernährung sichern.
Fotos: Beigestellt
Bewährtes für die Zukunft
Pessl plant bereits, das Modell auf weitere
Länder auszuweiten, etwa auf Indien,
Ghana und die Philippinen. Unterstützung
kommt von der Austrian Development
Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.
In der Republik Moldau hat die Wirtschaftspartnerschaft bereits Früchte getragen. „Für
uns sind die rund 150 Wetterstationen sehr
wichtig. Tausende Bauern verwenden die
Daten täglich“, sagt Igor Tagadiuc, Geschäftsführer von Agrostoc, einer der größten Landwirtschaftskooperativen Moldaus.
Diese führt dort mittlerweile das Konzept
weiter – ganz im Sinne einer nachhaltigen
Entwicklungszusammenarbeit.
Gemeinsam mehr zusammenbringen
Die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen
Entwicklungszusammenarbeit, unterstützt Länder in Afrika, Asien,
Südost- und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen Entwicklung. Gemeinsam
mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA), Partnerländern, öffentlichen Einrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen setzt die ADA derzeit
Projekte und Programme mit einem Gesamtvolumen von über 550
Millionen Euro um.
Auf Basis der drei großen Anliegen – Armut reduzieren, Frieden
fördern und Umwelt schützen - ist die ADA vor allem in jenen Bereichen
tätig, in denen Österreich über ausgewiesenes Know-how und lang
jährige Erfahrung verfügt: Wasser und Siedlungshygiene, erneuerbare
Energie, Klimaschutz, Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaft und Entwicklung sowie menschliche Sicherheit, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. In allen Programmen und Projekten wird besonderer Wert darauf
gelegt, dass Frauen gleichberechtigt eingebunden werden. Auf Bedürfnisse von Kindern und Menschen mit Behinderungen wird ebenso immer
Rücksicht genommen.
Nähere Infos:
www.entwicklung.at
austriandevelopmentagency
@austriandev
@AustrianDev
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Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
Mit biobasiertem Prepreg zu einer
nachhaltigen Luftfahrtbranche
Flugreisen sollen bis 2050 noch nachhaltiger werden – eine Herausforderung, aber auch
Chance, die der internationale Aerospace-Konzern FACC nutzt, um effizient und konsequent
neue Wege zu gehen. Mit dem innovativen Biobased Prepreg wird ein Material geschaffen, das
ebenso leicht wie umweltfreundlich ist und in der Luftfahrtbranche neue Maßstäbe setzt.
Biocomposite als Material der Zukunft
Der Lebenszyklus eines klassischen Passagierflugzeuges beträgt rund 40 Jahre – ist dieser abgelaufen, sind die Bauteile des Fliegers nur
schwer recycelbar. Das FACC-Forschungs- und
Entwicklungsteam arbeitet aktuell an besonders leichten und nachhaltigen Biocomposi86
Bio-Prepreg
Ein Stoff, der vieles kann!
Ein Faserverbundstoff, der Flugzeugteile noch leichter und
natürlicher macht.
Darüber freut sich die Umwelt besonders:
• Besteht aus natürlichen Rohstoffen
• Fördert Recycelbarkeit von Flugzeugbauteilen
• Schafft eine effizientere und nachhaltigere Produktion
• Sorgt für Nachhaltigkeit im Luftraum
Mehr Infos unter www.facc.com
Foto: Istockphoto
V
or fünf Jahrzehnten bestanden bis
zu 70 Prozent eines Flugzeugs aus
Aluminium, doch Zeiten ändern
sich und so auch die Anforderungen an die Luftfahrt: Fliegen soll leichter,
schneller, effizienter, sicherer und vor allem
auch nachhaltiger werden. Nach und nach wurden die schweren Aluminiumkomponenten gegen viel leichtere Bauteile aus Verbundwerkstoffen eingetauscht. So konnte der Treibstoffverbrauch im Laufe der vergangenen Jahre
drastisch reduziert werden. Hier zählt die
FACC AG weltweit zu den führenden Indus
triekonzernen, die mit ihren neuen Composite-Lösungen die Luftfahrt grüner und umweltfreundlicher machen.
te-Lösungen – den sogenannten Biobased Prepregs. Biocomposite-Materialien sind leicht,
flexibel sowie kostengünstig und werden aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile bereits zu
nehmend in industriellen Anwendungen ein
gesetzt.
Die Ressourcen für Biocomposite stammen
aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen: Biomasse, Pflanzen, Mikroorganismen, Tieren,
Mineralien und Bioabfällen. FACC verwendet
für das Biobased Prepreg ein Harz, welches aus
Zuckerrohrresten gewonnen wird. Dieses beziehen sie momentan großteils aus der EU – in
einem nächsten Schritt soll alles regional in
Österreich produziert und bezogen werden.
Neben der Produktion der Biomaterialien
wird in einem weiteren Projekt deren Recycelbarkeit untersucht, die sich wesentlich von herkömmlichen Composite-Bauteilen abhebt. Die
biobasierten Prepregs aus FACC-Hand unterstützen große Flugzeughersteller und Fluglinien bei der Reduktion ihrer globalen Carbon
Footprints und werden so völlig neue Möglichkeiten für eine verbesserte Umweltleistung im
Bereich der Luftfahrt bieten.
Europäischer Vermögensverwalter Nr. 1(1)
Amundi Ethik Fonds Familie
Die Welt besser zu gestalten,
zahlt sich aus.
(2)
Heute für eine bessere Zukunft
investieren.
Amundi Ethik Fonds
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Ertrags-/Risikoprofilen. Investment in
einen Mix aus globalen Aktien, Staats- und
Unternehmensanleihen.
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ESG-Kriterien.
Zertifiziert mit dem Österreichischen
Umweltzeichen.(2)
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RECHTLICHE HINWEISE/WARNHINWEISE
Die Inhalte dieser Marketingmitteilung richten sich ausschließlich an Privatanleger und professionelle Kunden mit Wohnsitz bzw. Sitz in Österreich und sind kein Angebot und keine Empfehlung oder Au˜ orderung, in
Investmentfonds, Wertpapiere, Indizes oder Märkte zu investieren. Sie dienen nicht dazu, eine individuelle Anlageberatung zu ersetzen. Jede konkrete Veranlagung sollte erst nach einem Beratungsgespräch erfolgen.
Diese Mitteilung richtet sich nicht an „US-Personen“ gemäß Regulation S der SEC in Übereinstimmung mit dem U.S. Securities Act (1933) und darf nicht an „US-Personen“ weitergegeben werden. Vergangene
Performanceergebnisse lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Bitte lesen Sie die Risiko- und Warnhinweise sowie die Angaben über die Kosten in den
Prospekten unserer Fonds gut durch. Wert und Rendite einer Veranlagung in Fonds können steigen oder fallen. Kapitalerhalt oder Erträge sind nicht garantiert. Vollständige Angaben zum Fonds – auch zu Zahl- und
Informationsstellen in Österreich – finden Sie im Prospekt. Das Kundeninformationsdokument (KID) und der Prospekt des Amundi Ethik Fonds, Amundi Ethik Fonds ausgewogen und Amundi Ethik Fonds Evolution
stehen den Interessenten in deutscher Sprache in ihrer jeweils aktuellen Fassung unter www.amundi.at kostenlos zur Verfügung. (1) Quelle IPE „Top 500 Vermögensverwalter“, verö˜ entlicht im Juni 2020, basierend
auf AUM am Ende des Jahres 2019. (2) Das Österreichische Umweltzeichen wurde vom Bundesministerium für Klimaschutz verliehen, weil bei der Auswahl von Aktien neben wirtschaftlichen auch ökologische und
soziale Kriterien beachtet werden. Das Umweltzeichen gewährleistet, dass diese Kriterien und deren Umsetzung geeignet sind, entsprechende Aktien auszuwählen. Dies wurde von unabhängiger Stelle geprüft. Die
Auszeichnung mit dem Umweltzeichen stellt keine ökonomische Bewertung dar und lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung des Finanzprodukts zu. (3) Morningstar Rating des Amundi Ethik
Fonds und Amundi Ethik Fonds Evolution per 31. März 2021. Noch kein Morningstar- Rating für den Amundi Ethik Fonds ausgewogen, da der Fonds erst neu gegründet wurde. © 2021 Morningstar, Inc. Alle Rechte
vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (a) sind das Eigentum von Morningstar und/oder deren Content Providern, (b) dürfen nicht kopiert oder weitergegeben werden und (c) werden ohne Garantie
hinsichtlich Richtigkeit, Vollständigkeit oder zeitliche Korrektheit bereitgestellt. Das Sterne-Rating ist ein quantitatives Bewertungssystem. Es bietet einen Weg, die historische Wertentwicklung von Fonds mit ähnlichen
Anlagezielen unter Berücksichtigung von Kosten und Risiken zu vergleichen. Entscheidend ist wie der Fonds im Verhältnis zu vergleichbaren Produkten abgeschnitten hat. Gehörte er in dem betrachteten Zeitraum
zu den besten zehn Prozent der Anlagekategorie, erhält er fünf Sterne und damit die Bestnote. Die nächsten 22,5 Prozent bekommen vier Sterne, die mittleren 35 Prozent drei Sterne, die nächsten 22,5 Prozent zwei
Sterne und die schlechtesten zehn Prozent einen Stern. Weder Morningstar noch deren Content Provider haften für Schäden oder Verluste, die sich aus der Verwendung dieser Informationen ergeben. |
HORIZON 2020-PROJEKT BIONANOPOLYS
Fichtenholz wird zu Bioplastik
ALTERNATIVE ZU FOSSILBASIERTEM KUNSTSTOFF: acib entwickelt verbesserte
Biomaterialien, unter anderem aus im Überfluss vorhandenen Fichtenholzschnitzeln.
88
und den Endverbrauchern angenommen. Zudem sind fossilbasierte Materialien preislich
immer noch günstiger, was die Markteintrittsstrategie von Biomaterialien schwierig macht.
acib-Expertise bei Biokatalysatoren
Rohstoffe sind Fichtenhackschnitzel, Einjahrespflanzen wie Chinagras, Nebenprodukte der
Lebensmittelindustrie und städtische organische Abfälle. Bei der Aufbereitung dieser Biomasse kommt die acib-Expertise in der Entwicklung und Verbesserung von natürlichen
Enzymen und Zellsystemen zum Tragen. Unter
anderem verwenden die Forscher Enzyme, die
aus einem Schlauchpilz namens Trichoderma
reesei isoliert wurden. „Diese Biokatalysatoren
„Wir gewinnen biologisch
abbaubares und umweltfreundliches Biopolymer aus
den Zellen der Biomasse.“
Regina Kratzer acib-Arbeitsgruppenleiterin
Fotos: Franz Neumayr, Shutterstock, Fotogenia / Renate Brummer
I
m Horizon 2020-Projekt mit dem Namen
„Bionanopolys“ werden neuartige Biomaterialien mit einer verbesserten Performance für Anwendungsbereiche wie Verpackungen, Textilien, Landwirtschafts- und
Nahrungsmittelindustrie sowie Pharma-, Kosmetik- und Hygienesektor entwickelt. Das Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib)
bringt seine Expertise in der Entwicklung und
Verbesserung von Enzymen ein, um Biomasse
zur Weiterverarbeitung aufzubereiten. Das vom
Programm Horizon 2020 mit insgesamt 13 Millionen Euro geförderte EU-Projekt „Bionanopolys“ vereint europäische Experten von 27
wissenschaftlichen und industriellen Partnern
auf diesem Gebiet. Ziel ist es, in Europa innovative Bionanokomposite aus nachhaltig gewonnenen, nachwachsenden Rohstoffen sowie biobasierte Nanoprodukte herzustellen.
Biomaterialien sind potenzielle Alternativen zu fossilbasierten Materialien. Diese Stoffe
müssen jedoch funktionale Eigenschaften für
großvolumige Anwendungen mitbringen und
noch besser als ihre fossilen Gegenstücke funktionieren. Nur so werden sie von der Industrie
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
können den Einfachzucker aus den Fichtenholzrückständen herauslösen – die Nahrungsbzw. Kohlenstoffquelle für die Mikroorganismen. So gewinnen wir letztlich das gelagerte,
biologisch abbaubare und umweltfreundliche
Biopolymer aus den Zellen der Biomasse“, führt
acib-Arbeitsgruppenleiterin Regina Kratzer
aus.
Um die Markteinführung von biobasierten
Nanomaterialien zu beschleunigen, strebt „Bionanopolys“ den Aufbau eines Netzwerks von 14
Pilotanlagen und ergänzende Dienstleistungen
an. Man kooperiert dabei mit dem EU-Cluster
Nanosafety (NSC). Life Cycle, Social Life
Cycle und End-of-Life Cycle Assessments, Life
Cycle Costing und Umweltverträglichkeitsanalysen stehen an, damit das Recycling, die Kompostierung oder die biologische Abbaubarkeit
dieser neu hergestellten Produkte gesichert ist.
So soll der Industrie und den Endkunden eine
effizientere, sicherere und umweltfreundlichere
Nutzung von Materialien ermöglicht werden,
um zu einer grüneren Zukunft beizutragen.
Von Verpackungsmaterial bis Textil
Vier große Anwendungsfelder
Die ersten beiden Technologien sind Cellulose-Nanofasern und metallische Nanopartikel: Sie werden als Verstärkung von papierbasierten
Materialien und nicht gewebten Textilien für die Körperpflege (Reinigungstücher) eingesetzt und verleihen diesen neue Funktionalitäten.
Bei der dritten Technologie geht es um aktive Nanokapseln mit antimi
krobieller Aktivität aufgrund verwendeter ätherischer Öle, die im Material
nanoverkapselt sind. Dies reduziert Gerüche und verleiht Textilien eine
antimikrobielle Wirkung. Außerdem verbessern sie die Barriereeigenschaften des Verpackungsmaterials um bis zu 30 Prozent bei gleichzeitiger
Reduzierung der antimikrobiellen Belastung von Lebensmitteln. Dadurch
wird die Oxidation von Lebensmitteln verzögert und die Haltbarkeit
verlängert.
Die vierte Technologie sind Blockcopolymere, als Verstärkung von
biobasierten und kompostierbaren Formulierungen: Für Folienverpackungen und Einkaufstüten sowie starre und flexible Verpackungen, wie etwa
Spritzgussbesteck und Kaffeekapseln, aber auch für 3-D-gedruckte
komplex geformte Teile und Schaum- und Beschichtungsanwendungen
im Automobilsektor.
KNOW-HOW UND LEIDENSCHAFT FÜR IHREN MEHRWERT
Greenolutions im Porträt
Die Vision von GREENOLUTIONS ist, gemeinsam mit dem Unternehmen einen nachhaltigen Weg
zu gehen und damit einen wesentlichen Beitrag für zukunftsfähiges Wirtschaften zu leisten.
N
Foto: beigestellt
ina Weiglhofer, Gründerin und Changemaker von
Greenolutions, setzt zusammen mit ihrem Partnernetzwerk grüne Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften um. Ihre Leidenschaft ist es, ihr Knowhow aus Studium und Beruf zu vereinen und gemeinsam mit
Unternehmen neue innovative Wege zu gehen.
Greenolutions e.U. bietet grüne Lösungen für ökologisch nachhaltige Events, berät im Bereich von Umweltzertifizierungen
und begleitet Unternehmen von der Erarbeitung der passenden
Nachhaltigkeitsstrategie bis hin zur Implementierung und
Kommunikation der festgelegten CSR-Maßnahmen.
Im Kerngeschäft verankert
Corporate Social Responsibility (kurz CSR) beschreibt die
Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung und ist ein
wesentliches Thema, welches das gesamte Handeln Ihres Unternehmens umfasst. Dabei ist es wichtig, Handlungsfelder und
Maßnahmen zu definieren, die strategisch und somit langfristig
ausgerichtet in Ihrem Kerngeschäft verankert werden. Ihr Nut-
Leistungen von
Greenolutions
Nina Weiglhofer, CEO & Founder von
www.greenolutions.at
• Green Meetings & Events
• Zertifizierungen
• Strategieentwicklung
• CSR-Beratung
• Nachhaltiges Projektmanagement
• Workshops & Vorträge
zen liegt darin, dass Nina Weiglhofer als ausgebildete CSR-Beraterin Sie bei der Implementierung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsmanagements begleitet. Ziel der CSR-Beratung ist die
Vorbereitung, Planung, Ausarbeitung und begleitende Umsetzung einer erfolgreichen CSR-Strategie, welche ökonomische,
ökologische und soziale Bedürfnisse gleichermaßen beinhaltet.
89
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
SONNENSTROM VON VERBUND
Photovoltaikanlagen
für Industrie und Gewerbe
UMWELTFREUNDLICHE ENERGIEGEWINNUNG OHNE INVESTITIONSKOSTEN: Mit einer auf ihre
Bedürfnisse maßgeschneiderten Photovoltaikanlage profitieren die Kunden nachhaltig.
„Die Photovoltaikanlage ist für uns
ein wichtiger Meilenstein, um unseren
CO2-Fußabdruck zu
verringern. Wir nutzen
100 Prozent unseres
Sonnenstroms in
unserem Produktionsprozess - und das
ohne Erstinvestitionskosten.“
Stefan Chalupnik
Geschäftsführer G. Coreth
Kunststoffverarbeitungs GmbH
90
Sinnvolle Nutzung von Flächen
Die Nutzung der brachliegenden Dach- bzw.
Freiflächen zur eigenen Stromerzeugung macht
VERBUND-Kunden unabhängiger und reduziert ihren CO2-Fußabdruck. Weiters ist die
Photovoltaikanlage nach Vertragslaufzeit eine
sichere Sachwertanlage und liefert garantiert
noch viele Jahre gratis Strom. Auf geeigneten
Flächen errichtet und betreibt VERBUND auf
eigene Kosten und eigenes Risiko eine PV-Anlage. Die Kunden profitieren von selbst erzeugtem Strom zu attraktiven Konditionen: Entweder werden monatlich fixe Pachtkosten bezahlt
oder ein vorher fixierter Strompreis, je nachdem ob langfristig planbare Kostensicherheit
oder erhöhte Flexibilität bei veränderten Lasten
bevorzugt wird. VERBUND begleitet Kunden
von der kostenlosen Erstanalyse bis hin zur laufenden Datenvisualisierung sowie beim Monitoring über das gesamte Projekt hinweg.
Vorteile auf einen Blick
•Keine Investitionskosten
•Sonnenstrom selbst verbrauchen
•Kein wirtschaftliches oder
technisches Risiko
•Langfristig planbare Kostensicherheit
Nach der Laufzeit geht die PV-Anlage
ins Eigentum der Kunden über.
Fotos: Beigestellt
N
eben der umweltfreundlichen
Energiegewinnung sind langfristig
günstigere Stromkosten als bei
Netzbezug garantiert. So sichern
sich VERBUND-Kunden gegen steigende
Strompreise ab, auch der innovative Kunststoffverarbeiter Coreth in Unterwaltersdorf. „Auf
drei unserer Produktionshallen haben wir im
Vorjahr eine 170 kWp-Photovoltaikanlage errichtet“, erzählt Geschäftsführer Stefan Chalupnik, „die Anlage ist für uns ein wichtiger Meilenstein, um unseren CO2-Fußabdruck zu verringern.“ Seither nutzt das Unternehmen 100
Prozent seines Sonnenstroms im Produktionsprozess – und das ohne Erstinvestitionskosten.
VERBUND bietet ein „Full Service“ und garantiert den wirtschaftlichsten Betrieb der PV-Anlage, übernimmt das Betriebsführungsrisiko
und kümmert sich um alle technischen Belange
während der gesamten Vertragslaufzeit.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
LEBENSRAUM
Bauen für die Zukunft
GENERATIONENGERECHTIGKEIT. Wenn schon nicht für die Ewigkeit, dann wenigstens für viele
Jahrzehnte: Immobilien sind dazu gedacht, Generationen zu überdauern. Umso wichtiger sind
das Denken an morgen und vorausschauendes Handeln für die Baubranche.
D
Wann ist ein Gebäude grün?
Mit zunehmender Bebauung gehen mehr und
mehr natürliche Lebensräume der heimischen Flora und Fauna verloren. Eine wirkungsvolle Maßnahme dagegen ist Flächenrecycling. Dabei wird
Brachland, zum Beispiel von ehemaligen Indus
triegebieten, erneut genutzt. Ein weiterer wichtiger
Punkt ist die Energieeffizienz. Sowohl die Gebäudeform als auch die Ausrichtung haben einen Einfluss auf den Energieverbrauch. Nachhaltige Gebäude entstehen mit möglichst geringem Ressourcenaufwand und verbrauchen auch entsprechend
wenig Energie. Die Verwendung nachwachsender
Rohstoffe, kurze Transportwege, der Einsatz erneuerbarer Energien und der Verzicht auf Schadstoffe sind einige weitere Beispiele für die vielfältigen Möglichkeiten, wie Nachhaltigkeit im Bauwesen gelingt. „Die Immobilienwirtschaft ist ein ressourcenintensiver Wirtschaftszweig – immerhin
entfallen 30 Prozent des Energieverbrauchs auf
den Gebäudesektor. Damit verbunden ist eine besondere Verantwortung, konsequent im Sinne des
Klimaschutzes zu agieren“, so DI Hans-Peter Weiss,
CEO der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), zu
deren Kernaufgaben die Errichtung, Vermietung
und langfristige Bewirtschaftung ihrer mehr als
2.000 Liegenschaften zählen.
92
2016 wurden weltweit rund
133 Mrd. Euro im Bereich
grünes Bauen umgesetzt, bis
2025 wird eine Steigerung auf
312 Mrd. Euro erwartet.
Schon während der Planungs- und Bauphase
denken nachhaltig agierende Bauunternehmen an
später. Denn hat eine Immobilie das Ende ihrer
Nutzungsdauer erreicht, trägt eine hohe Rückbaufähigkeit dazu bei, dass Baustoffe wiederverwertet
werden können. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür
gelang der BIG beim Bau des zukünftigen MedUni
Campus Mariannengasse. Dabei konnten 140 Tonnen Material aus dem Gebäude gewonnen und
wiederverwertet werden. Damit gilt er als größtes
Re-Use-Projekt Europas. Während der zehnmonatigen Projektdauer konnten 20 langzeitarbeitslose
Personen innerhalb der BIG-Partnerbetriebe beschäftigt werden.
Doch damit nicht genug. Um den Beweis anzutreten, dass Unternehmen klima- und umweltschonende Maßnahmen unter Beibehaltung
maximaler Wirtschaftlichkeit umsetzen können,
fiel mit 2020 der Startschuss zur Umsetzung des
nachhaltigen Mindeststandards. Dieser geht über
die gesetzlichen Anforderungen hinaus und enthält für Neubauten und Generalsanierungen die
Vorgabe, zumindest die Zertifizierung „klimaaktiv
Silber“ zu erreichen.
Foto: ZOOMVP.AT
er Nachhaltigkeitsgedanke ist im Bauwesen kein unbekannter. Bereits im
18. Jahrhundert beschäftigte sich die
Forstwirtschaft mit dem Zusammenhang von Ressourcenknappheit und deren negativen ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Klimawandel, steigende Energiepreise
und die Abnahme von Ressourcen führten dazu,
dass die an sich nicht neue Idee des „grünen“ Bauens wieder vermehrt in den Fokus rückt. Längst
sind ökonomische und funktionale Kriterien nicht
mehr die einzigen Aspekte, nach denen Immobilien beurteilt werden. Gebäude der Zukunft sollen
über ihren gesamten Lebenszyklus – also von der
Planung und Errichtung bis hin zur Nutzung, zum
Betrieb und letztlich zum Rückbau – Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen.
AGRANA-KLIMASTRATEGIE
Auf dem Weg in
Richtung Klimaneutralität
Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen steht die Zielmarke für den Klimaschutz
völkerrechtlich verbindlich fest: Die Erderwärmung soll auf deutlich unter zwei Grad, wenn
möglich auf eineinhalb Grad begrenzt werden. Auch der Industrie kommt eine besondere
Verantwortung zu, zur Erreichung dieser Ziele einen Beitrag zu leisten.
Einsparungsmaßnahmen auf allen Ebenen
Technikvorstand Norbert Harringer konkretisiert als erstes Zwischenziel die 25-Prozent-Reduktion bis zum Ende
des Geschäftsjahres 2025/26. „Wesentliche Maßnahmen
für die Erreichung dieses Zwischenziels werden – neben
laufenden Energieeffizienzmaßnahmen – der Ausstieg
aus Kohle in den letzten beiden mit diesem Primärenergieträger betriebenen Werken sowie ein umfassendes
Grünstrompaket sein.“ Zwei Agrana-Zuckerfabriken –
94
eine in der Slowakei und eine in Tschechien
– werden derzeit noch mit Kohle betrieben.
Der Kohleausstieg erfolgt in der Slowakei noch heuer, in Tschechien im Geschäftsjahr 2025/26. „Ab 2025
wird Biomassenutzung statt Erdgas verstärkt in den Fokus unserer weiteren Dekarbonisierungsüberlegungen
rücken“, so Harringer, er führt weiter aus: „Rohstoffbestandteile mit niedrigem Proteingehalt, die bisher zu Futtermitteln verarbeitet wurden, könnten zukünftig energetisch genutzt werden – bestimmte wirtschaftliche und
gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie etwa einen
entsprechenden CO2-Preis vorausgesetzt.“ Die meisten
Emissionen verursachte die Agrana selbst in ihrem Stärkesegment mit 427.000 Tonnen CO2 im Basisjahr
2019/20. Dahinter folgte die Zuckerproduktion mit
347.000 Tonnen und mit großem Abstand der Fruchtbereich (mit Juice) mit 154.000 Tonnen.
CO2-Preis würde begrüßt werden
Alle Agrana-Zuckerfabriken und die österreichischen
Stärkefabriken unterliegen dem EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS). CO2-Zertifikate kosten derzeit mehr
„Wir haben einen Plan mit
konkreten Projekten, bis 2040
CO2-Neutralität in unserer
Produktion zu erreichen.“
Norbert Harringer CTO Agrana
Fotos: Istockphoto, beigestellt
A
grana hat einen Plan mit konkreten Projekten entwickelt, um
bis 2040 CO2-Neutralität in der Produktion zu erreichen. Bis 2050 sollen auch die
in der vorgelagerten Wertschöpfungskette entstehenden
Emissionen netto null und die Produkte damit klimaneutral sein: „Agrana, als energieintensiver Veredler agrarischer Rohstoffe, ist beim Klimawandel Betroffener, Teil
des Problems, aber auch seiner Lösung. Agrana bekennt
sich zur Dekarbonisierung bis 2050 und arbeitet an einer
stufenweisen Umsetzung. Unsere Produkte, wie Bioethanol, thermoplastische Stärken und Eiweißfuttermittel,
leisten durch den Ersatz fossiler Produkte und die Erzeugung in einer Kreislaufwirtschaft bereits heute einen bedeutenden Klimaschutzbeitrag. Weitere Energieeffizienzmaßnahmen in der Agrana-Produktion werden auf Basis
heute verfügbarer Technologien nur einen begrenzten
Beitrag zur Dekarbonisierung leisten können. Nur durch
einen Umstieg auf erneuerbare Energieträger kann bilanzielle CO2-Neutralität erreicht werden“, erklärte jüngst
der Agrana-Vorstand.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
als 50 Euro je Tonne. Energieeinsparungsprojekte
an EU-ETS-Standorten bringen also quasi eine
Win-Win-Win-Situation. Sie reduzieren nicht nur den
Treibhausgasausstoß an sich, sondern auch die Energiekosten und ebenso die Zertifikatskosten. Ein internationaler CO2-Preis im Rahmen eines umfassenden weltwei-
Ziel bis 2050:
CO2-Neutralität
2050 sollen auch die sogenannten
Scope-3-Emissionen Geschichte
sein. Emissionen aus der vor- und
nachgelagerten Wertschöpfungskette, wie Rohstoffanbau, Transport, Mitarbeitermobilität, Geschäftsreisen, werden dann
klimaneutral sein. Dafür sollen spätestens ab 2030 ein strukturiertes
Emissionsmanagement und Reduktionsmaßnahmen für die Lieferkette
eingeführt werden – nach entsprechenden internen und externen
Vorbereitungen. Die Agrana hat
dahingehend bereits ein Projekt zur
strukturierten Erfassung auch der
vorgelagerten Scope-3-Emissionen
gestartet. Bis 2030 sollen gemeinsam mit Lieferanten und Partnern
Reduktionsmaßnahmen entwickelt
werden, um letztlich über die gesamte Kette CO2-neutrale Produkte
anbieten zu können.
ten Emissionshandelssystems würde von der Agrana begrüßt werden. Er würde Unternehmen Investitionsentscheidungen erleichtern und Konsumenten – über den
höheren Preis von emissionsintensiven Produkten – helfen, die richtige Wahl im Sinne des Klimaschutzes zu treffen, so der Konzern.
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Hafen Wien erneut als österreichischer
Leitbetrieb zertifiziert
Die Auszeichnung wurde im Rahmen eines Betriebsbesuches an die Hafen-Geschäftsführung,
Fritz Lehr und Doris Pulker-Rohrhofer, übergeben.
Foto: Luftbild Redl
D
er Hafen Wien macht aus der Kultur- und Tourismusmetropole auch eine Hafenstadt. Die nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernte, trimodale Logistik-Drehscheibe macht Wien zu einem der wichtigsten Hinterland-Hubs der Europäischen Union.“ Die Geschäftsführung des
Hafen Wien, Fritz Lehr und Doris Pulker-Rohrhofer, unterstreicht das umfassende logistische Dienstleistungsangebot:
„Der Wiener Hafen spielt nicht nur für den Schiffsverkehr, sondern auch für Bahn- und Straßentransport in Ostösterreich eine
Schlüsselrolle und die zentrale Lage des Hafengeländes eröffnet
exzellente Perspektiven als Basis für die immer wichtiger werdende Citylogistik. Wir legen dabei großen Wert auf die Forcierung umweltfreundlicher Technologien und decken mit zwei
Photovoltaikanlagen auf unserem Betriebsgelände auch einen
wesentlichen Teil unseres eigenen Strombedarfes ab.“
Als Leitbetriebe werden nach einem umfassenden Qualifikationsverfahren jene vorbildhaften Unternehmen ausgezeichnet, die sich zu nachhaltigem Unternehmenserfolg,
Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung bekennen.
Merkur mit stabiler Entwicklung
Foto: Marija Kanizaj
D
ie Merkur Versicherung geht gestärkt
aus dem Ausnahmejahr 2020 und
bleibt auf Wachstumskurs. Mit einer
klaren Strategie hat die Traditionsversicherung
mit Sitz in Graz eine stabile Basis für ihre Zukunft gelegt. Die abgegrenzten Prämien über
alle Sparten hinweg betragen 541,1 Millionen
Euro, das entspricht einem überdurchschnittlichen Wachstum von 3,6 Prozent. Der Gewinn
vor Steuern (EGT) liegt bei rund 4,5 Millionen
Euro. Mit einem klaren Blick nach vorne trifft
das Unternehmen konkrete Vorsorgepläne für
mögliche Covid-Spätfolgen und ist für die Zukunft solide aufgestellt. lngo Hofmann, CEO
der Merkur Versicherung: „Auf 2020 können
wir nicht einfach zurückblicken wie auf jedes
andere Jahr zuvor. Wir haben gelernt, wie verletzlich wir als Gesellschaft sind. Aber wir sind
auf Sicht gefahren und in der Spur geblieben.
Das ist uns gelungen, weil wir uns auf das verlassen haben, was uns als Versicherung ausmacht: Innovationsmut und die Kraft der
Gemeinschaft.“
96
GESAMTVORSTAND der Merkur Versicherung: Helmut Schleich, Christian Kladiva,
Ingo Hofmann (v. l.)
GEMEINSAM LEBENSMITTEL RETTEN
Lidl Österreich gibt
Lebensmitteln eine zweite Chance
LEBENSMITTEL SIND KOSTBAR! Nach wie vor landet jedoch zu viel Essen, das noch
genießbar wäre, einfach so im Müll. Um Lebensmittelabfälle zu reduzieren, arbeitet
Lidl Österreich mit einem 360°-Ansatz.
Lebensmittel
gehören auf
den Teller!
Bis zu 70 Prozent Rabatt
Eine weitere Maßnahme ist die gezielte Rabattierung von Produkten, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern – bis zu 70 Prozent am letzten
Tag. Allein durch diese Maßnahme konnten schon
über 600 Tonnen Lebensmittel vor der Biotonne
bewahrt werden. Und das ist nicht nur wirtschaftlich smart, sondern schont auch unser Klima.
Denn durch nicht konsumierte Lebensmittel werden kostbare Ressourcen verschwendet und unnötige CO2-Emissionen verursacht.
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www.aufdemwegnachmorgen.at
„Mit unserer ‚Rette mich
Box‘ tun wir nicht nur
etwas gegen Lebensmittelverschwendung, sondern
auch für den Klimaschutz!“
Alessandro Wolf Vorsitzender der
Geschäftsleitung, Lidl Österreich
Fotos: Ludwig Schedl, beigestellt
D
ie neue „Rette mich Box“ ist das beste
Beispiel dafür. In die Boxen kommen
Obst und Gemüse aus den Filialen, die
beispielsweise der Originalverpackung
entnommen wurden oder wenn das Aussehen
nicht mehr zu 100 Prozent den optischen Vorgaben
entspricht. Die geretteten Produkte gibt es dann
um einen kleinen Geldbetrag in den Filialen zu
kaufen. Bereits kurz nach dem Start wurden durch
die Boxen rund 200 Tonnen Lebensmittel vor der
Mülltonne gerettet.
• Gut geschützt: Schon bei der Verpackung
wird darauf geachtet, dass die Lebensmittel gut geschützt sind und lange
frisch bleiben.
• Smarte Bestellung: Ausgeklügelte
Bestellsysteme sorgen dafür, dass die
richtige Menge an Lebensmitteln zur
richtigen Zeit in den Filialen verfügbar ist.
• Gutes spenden: 100 % aller Lidl-Filialen
haben eine Kooperation mit einer oder
mehreren sozialen Einrichtungen, die
nicht verkäufliche Lebensmittel abholen.
• Frische mit Maß: Am Abend wird gezielt
das Angebot an frischer Ware – wie Brot
und Gebäck – reduziert. So bleibt bei
Ladenschluss weniger übrig.
• Zweite Chance: Lebensmittel, die
nicht verkauft und gespendet werden
können, gehen zur Verwertung in eine
Biogasanlage oder werden zu
Futtermitteln verarbeitet.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
DIE BRAU UNION ÖSTERREICH WILL KLIMANEUTRAL WERDEN
Nachhaltige Bierkultur für die Zukunft
Energie zu sparen und schonend mit Ressourcen umzugehen, hat bei der
BRAU UNION ÖSTERREICH hohen Stellenwert und lange Tradition.
W
Fotos: leadersnet, Illustration: Andreas Posselt
elche Anforderungen die österreichischen Biertrinker an
ihr Bier haben, ist im jährlichen österreichischen „Bierkulturbericht“ von der Brau Union Österreich
Unternehmenskommunikation nachzulesen.
So etwa im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit: Für 82 Prozent der österreichischen Biertrinker ist die Verwendung regionaler Rohstoffe wichtig, für 67 Prozent nachhaltiges Brauen.
63 Prozent legen wiederum großen Wert auf die
Nutzung alternativer Energieformen. Aber
auch die Herkunft des Bieres ist bedeutend: 75
Prozent sind für eine österreichische Marke aus
einer österreichischen Brauerei. Daher ist das
erklärte Ziel der Brau Union Österreich: die
beste Bierkultur für die Zukunft zu schaffen
und diese nach sozialen und ökologischen He
rausforderungen zu gestalten.
Ambitioniertes Ziel: CO2-neutral bis 2030
„Als Teil der internationalen HEINEKENFamilie sind wir motiviert, die ambitionierten
Ziele der aktualisierten Nachhaltigkeitsstrategie ‚Brew a better world‘ umzusetzen. Eines der
Ziele ist, bis zum Jahr 2030 weltweit CO2-neu
tral zu produzieren. In Österreich haben wir
schon an einigen Standorten wertvolle Schritte
in diese Richtung gesetzt, die Photovoltaikanla-
gen in den Brauereien Puntigam und Wieselburg bringen uns wieder ein Stück näher ans
Ziel Green Deal“, erklärt Gabriela Maria Straka,
Director Corporate Affairs und CSR bei der
Brau Union Österreich.
Schon gehört?
Der österreichische „Bierkulturbericht“, der jährlich von der Brau
Union Österreich Unternehmenskommunikation herausgegeben
wird, zeigt, was für Biergenießer
wichtig ist. Mehr zum Thema Bierkultur und Download des aktuellen
„Bierkulturberichts“ unter
www.brauunion.at/bierkultur
Brauen mit der Kraft der Sonne
In der Brauerei Villach wird bereits mithilfe der
Sonne gebraut. Dank der Photovoltaikanlage
auf dem Dach der Brauerei deckt die Sonnenenergie ein Drittel des Jahresenergiebedarfes.
Strom für rund 50 Einfamilienhaushalte erzeugt die neue Photovoltaikanlage seit Anfang
Mai auf dem Dach der Logistikhalle für die
Brauerei Wieselburg. 3.200 Quadratmeter
Dachfläche wurden verbaut, um eine Gesamtleistung von 200.000 kW pro Jahr zu erhalten,
das entspricht fünf Prozent des gesamten
Strombedarfes der Brauerei Wieselburg. Auch
in der Brauerei Puntigam wurde am Dach der
Mehrweghalle der Brauerei eine Photovoltaik-Volleinspeiseanlage installiert, die vorerst
Strom für circa 600 Haushalte erzeugt. In einem
zweiten Schritt wird eine Eigenverbrauchsanlage in Betrieb genommen, die Strom für die
Nutzung in der Brauerei selbst liefert. Der
Baustart für diese Photovoltaikanlage auf dem
Dach der Einweg- und Logistikhalle ist für das
zweite Quartal 2021 geplant.
99
AUSTRIA’S BEST MANAGED COMPANIES
„Wir beobachten eine Abkehr von
klassischen Mitarbeiterprofilen!“
EINE AUFGABE, EINE PERSON GILT NICHT MEHR: Die klassischen Jobprofile sind im
österreichischen Mittelstand am Rückzug – neue Unternehmenskulturen entstehen,
sagt Deloitte-Expertin Anna Nowshad.
Die Pandemie hat die Art der Zusammenarbeit in
den Unternehmen auf den Kopf gestellt. Welche
neuen Formen der Arbeit beobachten Sie beim
österreichischen Mittelstand?
Die mittelständischen Unternehmen haben in diesen
herausfordernden Monaten sehr viel Flexibilität an
den Tag gelegt und gezeigt, dass sie den unterschiedlichsten Herausforderungen gewachsen sind. Die
neuen Entwicklungen – Stichwort Homeoffice –
haben sowohl positive als auch herausfordernde
Aspekte. Auf jeden Fall zeigt sich: Fixe Aufgaben
nach der Devise „ein Mitarbeiter, ein Job“ sind mit
den neuen Rahmenbedingungen nicht mehr so einfach vereinbar. Es zahlt sich aus, über die Abteilungsgrenzen hinauszublicken und die passenden Kompetenzen für die jeweilige Aufgabe im ganzen Unternehmen zu suchen.
Wie sollte man jetzt die Belegschaft aufstellen?
Welche Jobprofile passen zu den neuen Rahmenbedingungen?
Wir beobachten eine Abkehr von klassischen Mitarbeiterprofilen. Vielmehr geht es darum: Wer ist am
Markt überhaupt verfügbar? Wie baue ich eine Rolle
um die Stärken und Potenziale dieser Person herum?
Der Belegschaftsbegriff wird breiter gedacht. Bei100
ZUR PERSON
Anna Nowshad ist Partnerin im Consulting bei Deloitte Österreich und leitet im Human Capital den
Bereich Organisation, Transformation & Talent. Im Mittelpunkt ihrer Projekte stehen neue Formen
der Arbeit im Zusammenhang mit Digitalisierung und Technologie sowie die Transformation von
Organisationen, Belegschaftsstrukturen und Führung.
spielsweise spielen derzeit in produzierenden Unternehmen, die auf flexible Arbeitskräfte angewiesen
sind, Überlegungen eine große Rolle, wie diese Personen an das Unternehmen gebunden werden können
und welche Verantwortung der Arbeitgeber gegenüber „Mitarbeitern auf Zeit“ hat. In Österreich müssen hier auch viele rechtliche Vorgaben berücksichtigt
werden. Stichwort neue Rahmenbedingungen: Gerade die hervorragend geführten Unternehmen sind in
der Regel bei der praktischen Umsetzung der Digita-
Foto: Wolfgang Wolak /trend
Ist Homeoffice ein Dauerzustand oder eine Übergangslösung?
Wir sehen zwei Entwicklungen: Es gibt Unternehmen, die so rasch wie möglich die gesamte Belegschaft wieder am Arbeitsplatz versammeln wollen –
diese sind aber in der Minderheit. Denn der Großteil
tendiert zu hybriden Lösungen, mit der Verbindung
von Anwesenheit und Remote Working. Fakt ist: Ein
vollständiges Remote Working gibt es im Mittelstand
nicht. „Best Managed Companies“ schaffen es dabei
sehr gut – immer mit Beachtung der regulatorischen
Vorgaben – ihre Spielregeln festzulegen, welche Ausstattung die Mitarbeiter bekommen, wie die Zusammenarbeit in Teams funktioniert und wie das Thema
Arbeitszeit gehandhabt wird.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
lisierung auf einem guten Weg. Für sie geht es in der
Regel dabei nicht darum, Jobs zu ersetzen, sondern
um Effizienzsteigerung, Bewältigung neuer Markt
erfordernisse und bestmögliche Nutzung der vorhan
denen Ressourcen und Potenziale.
Nach dem Auslaufen der Kurzarbeit gerät der
Fachkräftemangel wieder in den Fokus. Welche
Skills sind in den mittelständischen Unternehmen
gefragt?
Kurzarbeit ist kein Instrument, das per se Flexibilität
fördert. Wir sehen aber gerade jetzt viel Bewegung
am Arbeitsmarkt, zumal viele „Best Managed Com
panies“ Kurzarbeit nur für spezielle Bereiche oder
übergangsweise eingesetzt haben. Viele Mitarbeiter
haben vor einem möglichen Jobwechsel auch die Ent
wicklung der Pandemie abgewartet. Derzeit ist im
Mittelstand alles sehr stark nachgefragt, was mit IT,
Technik und Big Data zu tun hat. Ein reines Rekrutie
ren nach Skills ist aber heute nicht mehr erfolgver
sprechend. Denn diese Fähigkeiten überholen sich
ständig. Besser ist es, Kompetenzen und Potenziale zu
suchen! Wer kann vernetzt denken? Wer kann mehr,
als nur programmieren? Anstatt eine „fertige“ Person
zu suchen, die bereits alles kann, gilt es vielmehr, ge
meinsam zu wachsen und sich zu verändern.
Gibt es am Arbeitsmarkt heute überhaupt jene
Talente, die von der Wirtschaft gebraucht werden?
Auch hier muss man aktiv sein: Viele Mittelständler
kooperieren mit Bildungsstätten und holen junge
Menschen früh ins Unternehmen. Dann gilt es, die
interne Entwicklung zu fördern, Fähigkeiten mög
lichst breit einzusetzen. Es zahlt sich aus, in unter
schiedlichen Zukunftsszenarien zu denken und sich
die Frage zu stellen – wie sieht meine Personalstrate
gie in diesem und wie in jenem Szenario aus?
Stichwort Unternehmenskultur: Wodurch zeichnet
sich eine sinnstiftende Kultur aus? Wie kann diese
aufgebaut und auch gelebt werden?
Wir haben in der Praxis gesehen, dass gut geführte
Unternehmen vor allem eines auszeichnet: Sie haben
alle einen starken Unternehmenszweck. Alle Mitar
beiter wissen, wer der Eigentümer ist und welcher
Geschäftszweck verfolgt wird, welche Strategie ge
wählt wurde und wie sie zur Erfüllung dieses Zwecks
beitragen. Sehr wichtig ist außerdem die Transparenz:
Auch wenn die Zahlen einmal nicht so gut sind, müs
sen alle wissen, dass sie an einem Strang ziehen und
einen wichtigen Beitrag leisten. Dazu gehört auch,
den Mitarbeitern Vertrauen und Eigenverantwortung
zu übergeben und sie so die kontinuierliche Verbesse
rung und Weiterentwicklung des Unternehmens mit
gestalten zu lassen. Das ist kulturbildend und bindet
die Mitarbeiter. Hierfür braucht es einen ständigen
Dialog und nicht hierarchieabhängiges Denken –
denn Mitarbeiter sind meist an den Kundenbedürf
nissen, den operativen Produktionsabläufen oder
so mancher Schwachstelle in IT-Systemen am
nächsten dran.
Womit punkten hervorragend geführte Unternehmen im Bereich „Kultur & Commitment“? Wie
heben sie sich ab?
Sie alle legen ein großes Augenmerk auf die Kommu
nikation und binden ihre Mitarbeiter in erfolgskriti
sche Prozesse – beispielsweise rund um Innovationen
– umfassend ein. Gemeinsam ist den „Best Managed
Companies“ die Offenheit gegenüber Neuerungen:
Sich neu zu erfinden, ist ein wichtiger Baustein des
Erfolges – Ideen dazu können überall in der Organi
sation entstehen. Statt Ideen versickern zu lassen,
schaffen es diese Unternehmen, hinzuhören und ge
meinsam zu gestalten – unabhängig davon, wer diese
Idee hatte und auf welcher Hierarchiestufe sich diese
Person befindet. Zur Kommunikation: Hier sind
Klarheit und Transparenz zwei wichtige Säulen, die
„Best Managed Companies“ gemeinsam haben. Das
bedeutet beispielsweise, Prozesse, die zu Entschei
dungen führen, für Mitarbeiter nachvollziehbar zu
machen – gerade bei so emotionalen Themen wie Ge
halt oder Beförderungen.
Austria’s „Best Managed Companies“
Are you best in class?
„Best Managed Companies“ ist ein international etabliertes
Programm, das aktuell in mehr als 30 Ländern hervorragend
geführte Unternehmen auszeichnet. Die teilnehmenden Unternehmen werden von einer unabhängigen Expertenjury in den vier
Schwerpunktbereichen Strategie, Governance & Finanzen, Produktivität & Innovation sowie Kultur & Commitment bewertet. Unternehmen, die in all diesen Bereichen überzeugen können, werden
ausgezeichnet. Der Bewerbungsprozess wird von jeweils zwei
erfahrenen Beratern von Deloitte begleitet. Zentrales Element ist ein
Workshop gemeinsam mit dem Top-Management, um bestmögliche
Bewerbungsunterlagen zu erstellen. Dabei wird die Führungsarbeit
der jeweiligen Unternehmen mit international erprobten „Leading
Practices“ abgeglichen. Interessierte Unternehmen können sich
bereits jetzt für das Programm 2022 vormerken lassen.
Nähere Informationen: www.deloitte.at/bestmanaged
101
Die neuen Herausforderungen
im Employer Branding
QUALITÄTSANSPRUCH. Gute Unternehmen brauchen gute Mitarbeiter. Diese für sich zu
gewinnen, wird künftig nicht einfacher. Experten sind sich einig, dass High Potentials nur akquiriert werden können, wenn es einem Unternehmen gelingt, sich als attraktiver
Arbeitgeber zu präsentieren.
D
as renommierte Gabler Wirtschaftslexikon definiert Employer Branding als
„den Aufbau und die Pflege von Unternehmen als Arbeitgebermarke.“ Employer Branding-Maßnahmen sind also all jene
Methoden und Instrumente, die ein Unternehmen
aktiv einsetzt, um die Attraktivität seiner Arbeitgebermarke zu untermauern. Im „War for Talents“
gilt es, qualifizierte Bewerber von sich zu überzeugen. Idealerweise bekommen diese einen so positiven Eindruck vom Unternehmen, dass sie unbedingt ein Teil davon werden wollen. Erreicht wird
dieses Ziel durch verschiedene Maßnahmen, die
wie Zahnräder ineinandergreifen und in Summe
ein rundes Bild des Unternehmens als Arbeitgeber
abgeben. Doch damit ist es noch nicht getan:
Wichtig ist es nun auch, dieses Bild sowohl intern
als auch extern klar zu kommunizieren.
102
Von der Konkurrenz abheben
Jedes Unternehmen muss seine „Identity“ finden,
sein einzigartiges Profil. „Diversity und Nachhaltigkeit sind schön und gut, aber heute keine Unterscheidungsmerkmale mehr“, weiß Organisationsentwickler Nikolaus Hanke, der sich seit über 15
Jahren mit Employer Branding beschäftigt. „Man
kann durch Employer Branding nicht nur einen
aktuellen Zustand fundieren, sondern auch notwendige Veränderungen herbeiführen oder unterstützen.“ Wer seine Organisation weiterentwickelt,
muss dies auch mit seiner Arbeitgebermarke tun,
„Alle wollen die Generation Z, die
Digital Natives, aber davon wird
es nicht genug geben.“
Nikolaus Hanke Organisationsentwickler
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
andernfalls wird er auch in puncto Mitarbeiter
„more of the same“ bekommen.
Nicht die Kunden sind die Kernzielgruppe,
Employer Branding zielt darauf ab, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Nichtsdestotrotz muss im Sinne
einer integrierten Kommunikation auch immer die
Wirkung auf den Kunden mitbedacht werden, da
sich gelungenes Employer Branding auch positiv
auf das allgemeine Unternehmensimage auswirkt.
Im Gegenzug gilt: Marken wie Apple oder Red
Bull, die ein starkes Produktimage aufweisen, tun
sich auch bei der Mitarbeitersuche leichter. Und so
liegt es auf der Hand, dass sich vor allem Unternehmen, die nicht an den Endkunden, sondern im
B2B-Bereich verkaufen wollen, umso mehr um
eine starke Arbeitgebermarke bemühen müssen.
„Bei unserem Employer Branding
ist es uns wichtig, den Arbeitsmarkt und die Trends im Blick
zu haben.“
Julia Handler
EVN-Teamleiterin Recruiting & Employer Branding
Foto: Istockphoto
Social Media ist kein Add-on mehr
Um aus der Arbeitgebermarke die passenden Maßnahmen ableiten zu können, muss sich ein Unternehmen im Vorfeld überlegen, was es repräsentiert. Ein Betrieb, der dafür steht, mutig zu sein,
sollte nicht ausschließlich auf traditionelle Em
ployer Branding-Methoden und Marketingmaßnahmen setzen, sondern ruhig auch mal Neues
ausprobieren. „Bei unserem Employer Branding ist
es uns wichtig, den Arbeitsmarkt und die Trends
im Blick zu haben“, schildert Julia Handler, Teamleiterin Recruiting & Employer Branding der EVN.
Kein Weg führt mehr an Facebook, Instagram,
LinkedIn und Co. vorbei. „Social Media ist heute
kein Add-on mehr, sondern DER zentrale Kanal
fürs Employer Branding, vor allem aufgrund seines
genauen Zielgruppen-Targetings. In Kampagnenplanung und Employer Branding gilt heute der
Grundsatz: Social Media first!“, ist Organisationsentwickler Hanke überzeugt.
Warum Employer Branding immer wichtiger
wird
Die starken Geburtsjahrgänge der 1950er- und
1960er-Jahre kommen sukzessive ins Pensionsalter. „Während 1950 auf eine Person im Pensionsalter noch sechs Personen im erwerbsfähigen Alter
kamen, sind es heute nur noch drei, 2040 werden
es nur noch zwei sein“, sagt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Eine Pensionierungs-
„Während 1950 auf eine Person im Pensionsalter
noch sechs Personen im erwerbsfähigen Alter
kamen, sind es heute nur noch drei, 2040 werden
es nur noch zwei sein.“
Tobias Thomas Generaldirektor Statistik Austria
welle rollt an, unzählige Stellen wollen nachbesetzt
werden. Durch Klimawandel, Pandemie und Digitalisierung wird es viele Berufe in Zukunft nicht
mehr geben. Hinzu kommt, dass in Branchen wie
dem Flug- oder Bankensektor derzeit zahlreiche
Stellen abgebaut werden, bis 2023 könnten 40 Prozent aller Bankfilialen in Europa geschlossen werden. Was übrig bleibt, sind hochqualifizierte Menschen ohne Job. Dieser Umstand erfordert auch bei
der Suche nach Mitarbeitern mehr Flexibilität – bis
dato sind Stellenausschreibungen hinsichtlich der
mitzubringenden Qualifikationen oft punktgenau
formuliert.
4 wichtige
Fragen für
Unternehmen
auf dem Weg
zu ihrer Arbeitgebermarke
1. Wer bin ich?
2. Was sind meine
Besonderheiten, wie
hebe ich mich ab?
3. Wer will ich sein?
4. Wen will ich ansprechen?
Quereinsteiger müssen willkommen sein
Betrachtet man nun etwa das Beispiel des Piloten,
der in kaum ein Bewerberprofil passt, so wird man
schnell erkennen: Er zeichnet sich dafür durch bedeutende Qualitäten wie Führungskompetenz,
Multitasking-Fähigkeit, Flexibilität und Stressresistenz aus. „Die Herausforderung wird sein, nicht
mit allen anderen Mitbewerbern um den einen
‚perfekten’ Mitarbeiter, der alle Anforderungen exakt erfüllt, zu kämpfen. Es gibt viele höchstqualifizierte Menschen aus anderen Bereichen. Unternehmen werden künftig in puncto Employer Branding viel breiter kommunizieren müssen“, so Hanke. Und weiter: „Alle wollen die Generation Z, die
Digital Natives, aber davon wird es nicht genug
geben. Ein Talent muss nicht immer der 25-jährige
Shootingstar sein, man kann sich auch mal für den
45-Jährigen entscheiden, der dafür enorm viel Erfahrung mitbringt.“ Manche haben diese Tendenz
bereits erkannt, wie Lydia Sedlmayr, Head of Peo
ple and Organisation (HR) bei Novartis Österreich,
bestätigt: „Wir bieten keine vorgefertigten Laufbahnen, sondern ermöglichen und fördern immer
wieder auch den Quereinstieg in neue Aufgabenfelder.“ Je mehr Unternehmen sich dieser Sichtweise anschließen, desto besser wird es für unsere
Wirtschaft sein.
„Wir bieten keine vorgefertigten Laufbahnen,
sondern ermöglichen und fördern immer wieder
auch den Quereinstieg in neue Aufgabenfelder.“
Lydia Sedlmayr
Head of People & Organisation (HR) bei Novartis Österreich
103
How to employer brand: Heimische
Unternehmen machen’s vor!
104
Incentives als Anreiz
Eigene Recruiting-Plattform
„Innovationen sind Teil unserer DNA. Unsere Unternehmenskultur ist einzigartig – trotz Größe und internationaler Ausrichtung spürt man unseren Spirit, die Kultur
eines steirischen Familienunternehmens“, ist KnappCFO Christian Grabner stolz. Da zufriedene Mitarbeiter
die besten Testimonials sind, bietet ihnen der Hersteller
von Logistiklösungen und -systemen ein Restaurant,
Aus- und Weiterbildungen, Kinderbetreuung, Fitnesskurse, Pensionsvorsorge und flexible Arbeitszeiten.
Kürzlich wurde das Projekt „Knapp goes green“ gestartet: Fahrgemeinschaften mit Elektroautos und gratis ÖffiTickets für Mitarbeiter, die auf einen Parkplatz verzichten. „Wir schätzen unsere Gegensätze wie unsere
Gemeinsamkeiten, weil wir wissen, dass sie uns stark
machen“, fährt Grabner fort, „und bieten Platz für Einsteiger, Aufsteiger und Mitgestalter.“
Die Wiener Städtische ist nicht nur auf Social-MediaKanälen und Karrierenetzwerken präsent, im Herbst
2020 veröffentlichte die Traditionsversicherung ihre eigene Recruiting-Plattform guterjob.at. „Damit möchten
wir die ‚Candidate Journey’ so attraktiv wie möglich gestalten und zeigen, was uns als Arbeitgeber ausmacht“,
so Personalchef Robert Bilek. Neben aktuellen Jobangeboten sind auf der Plattform Interviews und Kurzvideos
zu finden, in denen Mitarbeiter ihre persönliche Geschichte erzählen und damit Best-Practice-Beispiele
für Unternehmenswerte wie Work-Life-Balance oder
Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellen. Auch
in der jüngsten Werbekampagne standen die Mitarbeiter
im Mittelpunkt.
Fotos: Istockphoto
Wie läuft Employer Branding in Österreich, welche Trends sind zu erkennen, wer geht mit
gutem Beispiel voran? Wir haben bei sechs heimischen Unternehmen nachgefragt.
Special Advertising Section ■ Nachhaltigkeit
Fokus auf die Mitarbeiter
Beim Bauunternehmen Leyrer + Graf hat man erkannt,
dass aufgrund des Fachkräftemangels „wir alle gefordert
sind, das Thema ‚Employer Branding’ aktiv anzugehen.
Es handelt sich dabei um kein Branchenspezifikum, sondern um ein demographisches Thema und damit um eine gesellschaftliche Herausforderung, der sich niemand
entziehen kann“, weiß Simone Fröschl, Leiterin Marketing & Kommunikation. „Je härter ein Markt umkämpft
ist, umso wichtiger sind die Werte. Wer sich in einem
Unternehmen wohlfühlt, ist mit mehr Freude und Leidenschaft bei der Arbeit.“ Der Fokus liege auf den Mitarbeitern, schildert Fröschl: „In diesem Jahr wurde ein
Leadership-Empowerment-Programm gestartet. Auch in
der Kommunikation werden die eigenen Mitarbeiter in
den Vordergrund gestellt und über die verschiedensten
Kanäle präsentiert. Vergangenes Jahr erfolgte ein Relaunch der bestehenden Lehrlingskampagne, um die junge Generation und die Fachkräfte von morgen zielgruppengerecht anzusprechen.“
Sich durch die
Firmenkultur abheben
Brantner Österreich, Experte für Abfallwirtschaft,
möchte sich mit einer starken und authentischen Art abheben. Um das zu schaffen, müssen die Werte passen
und die Arbeit an der Basis beginnen, ist man überzeugt.
Wichtig ist dem Familienunternehmen eine zukunftssichernd ausgerichtete interne Kultur. „Positionierung hat
immer etwas mit Differenzierung zu tun“, erklärt Geschäftsführer Josef Scheidl. „Eine Firmenkultur ist das
Einzige, was andere nicht kopieren können. Alles andere
ist replizierbar: Gehaltsschemata, Arbeitsplätze, Benefits,
Managementstrukturen.“ So biete auch Brantner viele
Benefits, doch richtig herausgestochen habe man als eines jener Unternehmen, die innerhalb kürzester Zeit für
alle Mitarbeiter wöchentliche Corona-Testangebote und
eine betriebliche Impfstraße organisierten.
Zielgruppengerechtes
Maßschneidern
„Das Wichtigste in puncto Employer Branding ist, dass
sich die Mitarbeiter mit den Botschaften identifizieren
können – sonst wird es schwierig, sie als Markenbotschafter zu gewinnen“, sagt Karin Margetich, Leiterin der
HR-Abteilung bei Austrian Power Grid. Aktuell ist der
österreichische Übertragungsnetzbetreiber dabei, die
DNA des Unternehmens neu zu framen. „Damit sich unsere Ideen mit der Sicht der Mitarbeiter decken, haben
wir gerade in Fokusgruppen ausgearbeitet, welche Werte
uns als Arbeitgeber ausmachen und dabei auch emotional ansprechend sind“, so Margetich. Denn am Ende gehe es um zielgruppengerechtes Maßschneidern und nicht
um Personalmarketingmaßnahmen mit der Gießkanne.
„Herzstück jedes Employer Brandings – das wird unser
nächster Schritt sein – ist die eigene Homepage mit zielgruppenspezifischen Landingpages, auf der sich Interessierte direkt authentische Einblicke holen können“, ist
Margetich überzeugt.
In Ausbildung investieren
Zufriedene Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter, vor allem aber bleiben sie ihrem Unternehmen treu,
weiß man bei Palfinger, Anbieter innovativer Kran- und
Hebelösungen. Mit der „Palfinger Global Group Policy
Recruiting“ habe man ein standardisiertes State of
the Art-Recruiting auf Basis von Transparenz, Fairplay,
Diversität, Qualität und Vertraulichkeit geschaffen. „Sind
am Arbeitsmarkt zu wenige gut ausgebildete Mitarbeiter
zu finden, müssen Unternehmen von sich aus initiativ
werden“, erklärt CEO Andreas Klauser. So wird gerade in
Lengau ein Campus errichtet, in den 3,7 Millionen Euro
investiert werden. „Wir bilden derzeit in Österreich rund
80 Lehrlinge aus, bis Ende 2021 werden es 115 sein“, so
Klauser. Gleichzeitig intensiviert das Unternehmen seine
Kooperationen mit Unis und Fachhochschulen im Bereich der digitalen Ausbildung.
105
Nachhaltige Geldanlage
Was es mit grüner Geldanlage auf sich hat. KEPLER FONDS managt als grüner
Pionier bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten nachhaltige Portfolios.
Florian Hauer, Aktienfondsmanager und Nachhaltigkeitsexperte bei KEPLER Fonds, der Fondstochter der
Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, im Interview über
nachhaltige Investments, grüne Megatrends und neue
EU-Standards.
Florian Hauer,
Aktienfondsmanager
und Nachhaltigkeitsexperte bei KEPLER Fonds
Schon vor der Coronapandemie spielten viele Anleger
mit dem Gedanken, ihre Geldanlage nachhaltiger
auszurichten. Verstärkt sich der grüne Trend?
Florian Hauer: Ja, denn der Kapitalmarkt als größter
Geldgeber der Wirtschaft ist ganz entscheidend für
grundlegende nachhaltige Verbesserungen. Immer mehr
Anleger wählen ihre Investments nicht mehr nur nach
dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens aus,
sondern schauen verstärkt auf die Integration von ökologischen und sozialen Kriterien sowie eine gute Unternehmensführung. Diese drei, unter ESG – Environment,
Social und Governance – zusammengefassten Kriterien
bringen langfristig Wettbewerbsvorteile, von denen die
Investoren profitieren.
Im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung gibt es
zahlreiche globale Risiken. Wie steuern Sie hier als
Fondsanbieter produktseitig gegen?
Wir managen als grüner Pionier bereits seit mehr als
zwei Jahrzehnten nachhaltige Portfolios. Mit speziellem
Fokus auf Umweltthemen wurde 2018 der „KEPLER
Umwelt Aktienfonds“ auf den Markt gebracht. Besondere
Bedeutung in diesem global gestreuten Portfolio haben
erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie, Geothermie, Bioenergie und Wasserkraft. Aber auch Bereiche wie Energieeffizienz, nachhaltiger Transport, Wasser
und Recycling werden im Fonds abgedeckt.
106
Beeinflussen die globalen UN-Ziele für nachhaltige
Entwicklungen, die sogenannten „Sustainable Development Goals“, auch Ihre Strategien?
Die insgesamt 17 definierten UN-Ziele sind sehr plakativ
und damit für Kunden und Vertriebspartner verständlich
zu kommunizieren. Wichtige Themenblöcke sind dabei
weniger Armut, mehr Gerechtigkeit, Artenvielfalt oder
sauberes Wasser. Wir nehmen derartige Themen natürlich ernst.
Ethikfonds
KEPLER Fonds managt rund 2,4 Milliarden Euro an
Kundenvolumen nach ökologischen und sozialen Kriterien.
Schon vor zwei Jahrzehnten stellten sich die Fondsmanager
bei KEPLER die Frage, wie das Ertragspotenzial der Kapitalmärkte mit sozialen und ökologischen Standards verknüpft
werden kann. Die Idee der Ethikfonds wurde geboren.
Damals noch als grüne Nische belächelt, sind diese nachhaltigen Portfolios der RLB OÖ-Fondstochter heute anerkannte Anlagestrategien mit nachweislichem Mehrwert.
Aktuell managt KEPLER bereits rund 2,4 Milliarden Euro an
Kundenvolumen nach ökologischen und sozialen Kriterien
und zählt in Österreich und Deutschland zu den anerkannten Anbietern in diesem Bereich.
Foto: Erich Wimmer
Es scheint, als wäre Nachhaltigkeit nun weltweit der
neue Investmentstandard. Investoren verschaffen sich
durch Dialoge mit den Unternehmen und Stimmrechtsausübungen immer mehr Gehör. Auch KEPLER?
Unterstützt durch die weltweit operierende Nachhaltigkeitsagentur ISS ESG machen wir die in unseren Portfolios investierten Unternehmen auf ökologische und soziale Potenziale, aber auch auf Mängel aufmerksam, zum
Teil gemeinsam mit anderen Investoren. Erfolgen bei
gravierenden Defiziten keine zeitnahen Optimierungen,
führt das zu einem Divestment aus unseren ESG-Portfolios. Ab 2022 werden unsere nachhaltigen Anliegen
durch einen zentralen Stimmrechtsvertreter in Hauptversammlungen platziert.
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Abschließend die Frage: Sind ESG-Investments
der langfristige Megatrend oder ein vorübergehender Hype?
Eindeutig Ersteres. Das Thema wird bleiben und
ist bereits in viele Richtungen ausdifferenziert.
Und jetzt werden auf EU-Ebene noch jene
Standards vorgegeben, die wir als Fondsindustrie
transparent und kundenfreundlich etablieren
müssen. Weil es verschiedene Ansätze und viele
Schattierungen des Grüns gibt, sind vor allem
aktive Managementstrategien gefragt.
Diese Marketingmitteilung stellt kein Angebot, keine Anlageberatung, Kauf- oder
Verkaufsempfehlung, Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf von
Fonds oder unabhängige Finanzanalyse dar. Sie ersetzt nicht die Beratung und
Risikoaufklärung durch den Kundenberater. Angaben über die Wertentwicklung
beziehen sich auf die Vergangenheit und stellen keinen verlässlichen Indikator für
die zukünftige Entwicklung dar. Aktuelle Prospekte (für OGAW) sowie die
Wesentlichen Anlegerinformationen – Kundeninformationsdokument (KID) sind
in deutscher Sprache bei der KEPLER-FONDS Kapitalanlagegesellschaft m.b.H.,
Europaplatz 1a, 4020 Linz, den Vertriebsstellen sowie unter www.kepler.at
erhältlich.
KEPLER bietet Anlagelösungen mit widerspruchsfreien ökologischen und sozialen ESG-Prinzipien.
Mehr Informationen zum Thema nachhaltige Geldanlage unter www.kepler.at.
Jedes Haus kann zu einem umweltfreundlichen
Kraftwerk werden.
„Lebende Äcker und Wiesen dienen der Lebensmittelproduktion. Das Wunder Boden sichert
unser Leben und ist nicht erneuerbar.“
Kurt Weinberger
Vorstandsvorsitzender Österreichische Hagelversicherung
Fotos: Erwin Wimmer, Istockphoto
U
m den Klimawandel zu bremsen, braucht es zusätzliche
Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen von Firmen,
Supermärkten, Wohnblöcken, Bauernhöfen, Gewerbeparks, aber auch auf den Überdachungen von Parkplätzen sowie
nicht genützten Flächen entlang von Bahntrassen und Autobahnen: „Nur wenn wir es schaffen, alle erneuerbaren Energien optimal zu nutzen, gelingt uns eine Reduktion der Erderwärmung.
Dazu brauchen wir den Ausbau der Photovoltaik. Jedes Haus
kann damit zu einem umweltfreundlichen Kraftwerk werden“, so
Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen
Hagelversicherung.
Ja zur Energiewende – aber nicht auf Agrarflächen
Die jüngst im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung
durchgeführte MARKET-Umfrage zur Photovoltaik (PV) bringt
folgendes Ergebnis: 94 Prozent der 800 Befragten befürworteten
PV-Anlagen auf sogenannten „toten“ Flächen wie Dachflächen,
Überdachungen von Parkplätzen bei Supermärkten, Gewerbeparks, etc. Aber auch entlang von Autobahnen und Bahntrassen
sind PV-Anlagen für 79 Prozent eine Option. Die wesentlichen
Vorteile bei einer PV-Errichtung auf vorhandener Infrastruktur
sehen die Befragten in der Erhaltung der landwirtschaftlichen
Nutzflächen zur Lebensmittelproduktion sowie in der fehlenden Verbauung landwirtschaftlicher Böden bzw. keiner Zerstörung des Ökosystems: Das sagen 90 Prozent der befragten Österreicher. 70 Prozent lehnen PV-Anlagen auf Agrarflächen ab.
Ein klares Ergebnis. www.hagel.at
107
Plastikfreie Feuchttücher kaufen
Eine neue Richtlinie der EU schreibt für Einwegartikel aus Plastik einen Warnhinweis vor.
Die LENZING GRUPPE bietet holzbasierte Fasern als abbaubare Alternative.
halt gemacht ist. Jetzt treten die nationalen
Gesetze dazu in Kraft: Konsumentinnen und
Konsumenten erhalten Orientierung und die
Möglichkeit, sich für Produkte ohne Plastik zu
entscheiden.
I
m Juni 2019 hat die EU-Kommission die Einwegkunststoff-Richtlinie verabschiedet, sie
tritt im Juli in Kraft. Ziel ist es, die Auswirkungen bestimmter Plastikarten auf die Umwelt zu
reduzieren, indem Plastik in manchen Einwegprodukten gänzlich verboten wird (Einkaufstaschen,
Wattestäbchen, Einweggeschirr) und für andere
die Kennzeichnung verpflichtend ist (Hygieneprodukte oder Feuchttücher). Bisher ist nämlich auf
der Verpackung nicht erkennbar, woraus der In-
Gestärkte Marktposition
Die Lenzing Gruppe, weltweit führender Anbieter
von nachhaltig erzeugten Spezialfasern, begrüßt
die Leitlinien. Investitionen für nachhaltige Innovationen stärken die Marktposition sowie den
Shareholder Value und schaffen neue Arbeitsplätze. Lenzing geht noch einen Schritt weiter, mit einem Co-Branding: Produkte, die das Logo der
Marke VEOCEL™ auf der Verpackung tragen, folgen strengen Zertifizierungskriterien. Zudem hat
Lenzing mit VEOCEL™ mit „Its In Our Hands“
eine Bewusstseinskampagne und eine Plattform
zu diesem Thema gestartet (www.ItsInOurHands.
com), mit Zahlen und Fakten, Interviews,
Reportagen und vielen Tipps.
Jürgen Eizinger, Vice President
Global Nonwovens Business bei
Lenzing: „Es wird Klarheit geschaffen und eine bewusste
Kaufentscheidung ermöglicht.
Lenzing bietet mit ihren VEOCEL™-Fasern schon heute eine
natürliche Lösung für das Pro
blem der globalen Plastikverschmutzung und erweitert ihre
Kapazitäten für holzbasierte
Spezialfasern ständig, um gemeinsam mit Industrie und
Handel Hygieneartikel und
Feuchttücher ohne Plastik zu
ermöglichen.“
Aus Altkunststoff wird Rohöl
REOIL PROJEKT der OMV: Plastikmüll wird in seine chemischen Ausgangsbestandteile
iese Technologie hat die
OMV weltweit patentieren
lassen, bis 2025 soll sie im
industriellen Maßstab umgesetzt
werden: Öl, das einst im Kunststoff
verarbeitet wurde, wird zurückgewonnen, etwa um wiederum Kunststoff daraus zu machen. Dieser
Recyclingprozess lässt sich nahezu
endlos fortsetzen.
Das Verfahren, das in der Pilotanlage in der Raffinerie Schwechat eingesetzt wird, ist
ein sogenanntes Pyrolyse-Verfahren. Das recycelte
Rohöl kann zu jedem gewünschten Raffinerieprodukt
verarbeitet werden, wodurch die Abhängigkeit von
natürlichen Ressourcen reduziert und die Kohlen
stoffintensität im Vergleich zur Standard-Rohölverar-
110
beitung verbessert wird. Die OMV
ReOil®-Pilotanlage wurde bereits
vollständig in die Raffinerie integriert
und hat eine Verarbeitungskapazität
von bis zu 100 Kilogramm pro Stunde, was 100 Litern synthetischem
Rohöl entspricht. Die mechanische
Fertigstellung der neuen Pilotanlage
wurde Ende 2017 erreicht.
Die Pilotanlage erfüllt
hohe ökologische und
soziale Nachhaltigkeitsanforderungen sowie die
Rückverfolgbarkeit der
gesamten Lieferkette.
Technologieführer werden
OMV und Borealis verfolgen das klare Ziel, Technologieführer in der Kreislaufwirtschaft zu werden. Diese Vision ist sowohl eine wirtschaftliche Notwendigkeit als auch eine Chance: Bis 2050 sollen rund 60
Prozent der Kunststoffproduktion aus recycelten
Rohstoffen stammen.
Fotos: Lenzing AG /Franz Neumayr/ Christian Leopold, OMV
D
zerlegt und dann wieder zu synthetischem Rohöl.
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URBAN GARDENING
Das Grün kommt mit dem eCargobike
Das Wiener Unternehmen STADTBEET verwandelt Innenhöfe, Balkone und Terrassen in grüne
Wohlfühloasen. Im Fuhrpark gibt es ausschließlich elektrische Lastenbikes.
W
eil den Unternehmern Nachhaltigkeit sehr wichtig ist, setzen Fritz
Schwärz und Zeno Valenti von
stadtbeet bei ihrem Fuhrpark ausschließlich auf eCargobikes. Da die „Stadtbeetler“
passionierte Radfahrer sind und ihnen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung am Herzen liegen,
war von Beginn an klar, dass auch der Fuhrpark
den persönlichen Anforderungen entsprechen
musste: „Auch in Wien geht es ständig bergauf und
bergab, da ist man bei voller Beladung dankbar,
dass man eine Unterstützungsstufe raufschalten
kann“, erzählt Schwärz. Die Wahl fiel auf ein einspuriges Modell: „Damit kommt man auf einem
Mehrzweckstreifen problemlos an parkenden Autos vorbei und das macht einen im Verkehr wesentlich schneller.“
Auf ihrem eCargobike finden dank des extra
angefertigten Anhängers Pflanzen, Erde und
Werkzeuge Platz. Selbst die Einkaufsfahrten von
der Neumayrgasse zum Pflanzenmarkt an der Alten Donau werden mit dem eCargobike zurückgelegt – in knapp 40 Minuten –, während ihnen Verkehrsstau und Steigungen jetzt nur mehr ein Lächeln kosten.
Fotos: Beigestellt
Großstadtdschungel statt Betonwüste
Ob Birke auf der Dachterrasse, eigene Erdbeerplantage oder ein Hauch von Provence mit duftendem Lavendel am Balkon – der Kreativität sind
keine Grenzen gesetzt: „Mit dem speziell entwickelten System aus Pflanzgefäß, Wasserspeicher,
Spezialerde und ausgesuchten Pflanzenkombinationen können unsere Kunden auch ohne grünen
Daumen die Vorteile ihrer Wohlfühloase in vollen
Zügen genießen.“ Denn Pflanzen sorgen für bessere Luft sowie für Kühlung und sind als natürlicher
Lärm- und Sichtschutz geeignet.
Bosch eBike Systems:
Hier gibt’s die ganze
eCargobike-Story von
stadtbeet Vienna.
Auf dem Weg zum Kunden den Stau links liegen lassen: Durch die elektrische
Unterstützung der hochwertigen Cargo Line-Antriebe von Bosch sind eLastenräder
perfekt für den Einsatz in der Stadt.
eCargobikes …
… oder auch eLastenräder
kombinieren die traditionelle Technik eines Lastenrades mit dem elektrischen
Antrieb der Zukunft. Durch
die elektrische Unterstützung der hochwertigen
Cargo Line-Antriebe von
Bosch sind eLastenräder
perfekt für den Einsatz als
Lastenträger in der Stadt geeignet. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 250 kg können Cargobikes jede Menge transportieren und
bilden somit eine sinnvolle Alternative zum PKW. „eCargobikes setzen
sich im innerstädtischen Verkehr zunehmend durch. Die Einsatzbereiche sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich sind groß.
Mit einem eigens dafür konzipierten Antrieb wollen wir diese positive
Entwicklung weiter fördern und dazu beitragen, den Straßenverkehr
zu entlasten und die Umwelt zu schonen“, erklärt Claus Fleischer,
Geschäftsleiter Bosch eBike Systems. bosch-ebike.at
111
TREND
SERVICE
GELD
START
DAS PFUND SAGT
„DANKE, BREXIT“!
Die britische Währung hat den Euro deutlich abgehängt
und spiegelt damit die RASCHE ERHOLUNG der
QUELLE: FINANZEN.AT
auf Jahressicht knapp 13 Prozent zu, der Euro Stoxx 50 hinWÄHRUNGSPARITÄTEN spiegeln üblicherweise das
gegen gewann fast 25 Prozent. Doch Großbritannien ist nach
Kräfteverhältnis zweier Wirtschaftsräume wider. Ein Blick
anfänglichen Versäumnissen bisher besser durch die Krise
auf den Euro-Pfund-Kurs offenbart da Überraschendes: Der
Euro ist gegenüber der britischen Währung heuer empfindlich gekommen als Kontinentaleuropa. Zudem könnte das Treffen
abgestürzt. Aber gab’s da nicht irgendwann einen Brexit, vor
zwischen US-Präsident Joe Biden und Boris Johnson – nicht
dem doch so viele Analysten eine Schwächung der britischen eben die besten Freunde – transatlantische Bande reaktiWirtschaft prophezeit hatten? Tatsache ist: Die Wirtschaft
vieren. Anleger, die das Risiko von Einzelinvestments nicht
auf der Insel hat keineswegs den Absturz erlitten, den sich
scheuen, finden unter den im Index vertretenen Unternehmen
wohl so mancher EU-Politiker heimlich gewünscht hatte – im
interessante Chancen: So ist etwa der Telekomkonzern Voda
Gegenteil. Für den März beziffert das Office for National
fone mit dem 16-fachen Jahresgewinn bewertet und bietet
Statistics die Wachstumsrate auf 2,1 Prozent, und der von
eine Dividendenrendite von rund sechs Prozent (Schätzung
IHS/Markit erhobene Einkaufsmanagerindex schoss sogar
für 2021). Ähnlich bewertet ist der Papierkonzern Mondi, der
auf 60,9 – die höchste Optimismusmarke seit mehr als einem
eine Dividendenrendite von knapp drei Prozent anpeilt. Auf
Vierteljahrhundert.
knapp über fünf Prozent lautet die Dividendenschätzung für
Dass sich die Mai-Inflation auf
die Investment- und Beratungsfirma
2,1 Prozent verdoppelte, ist ebenStandard Life Aberdeen, deren GeWechselkurs Euro-Britisches Pfund
schäftsmodell allerdings nicht ohne
falls ein Zeichen für die Belebung
Risiko ist. Mit über acht Prozent
der Wirtschaft, wenn auch ein Teil
0,93
der Teuerung auf das Konto des
lockt der Mischkonzern Imperial
0,91
höheren Erdölpreises geht. An der
Brands (Getränke, Tabak), der
0,89
Londoner Börse konnte sich die
nur mit dem knapp Siebenfachen
0,87
positive Stimmung allerdings vordes Jahresgewinns bewertet ist,
0,85
dessen Geschäftsmodell aber für
erst nur zögerlich durchsetzen. Der
0,83
nachhaltige Investments nicht in
FTSE100-Index der 100 wichtigsten
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
Frage kommt.
an der LSE notierten Werte legte
120
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: ISTOCKPHOTO, BEIGESTELLT (2), MICHAEL RAUSCH-SCHOTT
Wirtschaft wider. Die Börse reagiert noch moderat.
REDAKTION:
bauer.franz@trend.at
ANL AGESTRATEGIE
Das Beste aus
zwei Welten
Ute Heyward, Senior Portfolio
Managerin bei Fisch Asset
Management, über Wandelanleihen.
MEIN AKTIEN-FAVORIT
Wie ein Sanitärhersteller mit einer
simplen Idee die Umwelt entlastet.
GEBERIT liefert ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht immer die spek-
MAX DEML
oeko-invest.net takulären Erfindungen sind, die dazu beitragen, die Welt ein bisschen
besser zu machen. Nehmen wir beispielsweise die zweite Taste bei der
WC-Spülung. Der Sparmodus hilft, täglich Millionen Liter Trinkwasser zu sparen. Und
das Patent auf diese simple Lösung hat dem Schweizer Sanitär-Hersteller Geberit geholfen, seine Marktstellung weiter zu festigen. Die Eidgenossen erfreuen ihre Aktionäre mit soliden jährlichen Wachstumsraten und einer geradezu spektakulären Entwicklung des Aktienkurses, der 2003 noch bei 42 Franken lag und derzeit um 660 Franken
pendelt. Auf Euro-Basis entspricht das einem Plus von über 2.000 Prozent. Geberit
verfügt in der Schweiz, in Deutschland und Österreich über eine starke Marktposition
und ist in ganz Europa gut vertreten. Keine „billige“ Aktie, aber ein grundsolider Wert
mit Nachhaltigkeits-Bonus.
Geberit in CHF
Kurs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 677,80 CHF
Hoch/Tief (12 Monate) . . . . . . . . . . . 624/424,9 CHF
KGV 2021e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34,2
KGV 2022e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33,2
Dividendenrendite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,8 Prozent
ISIN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . CH0030170408
Marktkapitalisierung . . . . . . . . . 22.811,3 Mio. Euro
680
QUELLE: CONSORSBANK
580
480
380
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
Ein Zertifikat, das auf europäische Aktien
und die Goldnotierung setzt
AKTIEN UND GOLD stehen bei Anlegern dieser
Tage hoch im Kurs. Die
Angst vor einer Zunahme der Inflation und die
niedrigen Zinsen
begünstigen beide
Anlageklassen. Darauf
setzt ein neu aufgelegtes
Zertifikat der Raiffeisen
Centrobank. Es heißt
„Europa/Gold Bonus und
Sicherheit“ (ISIN:
AT0000A2RUA8) und
bezieht sich auf den
Euro Stoxx 50 sowie die
Goldnotierung als
Basiswerte. Die
Verzinsung liegt bei fix
0,85 Prozent zuzüglich
der jährlichen Inflation.
Die Barriere liegt bei
49 Prozent des Startwerts beider Basiswerte. Wird diese von einem
unterschritten, dann
erfolgt die Tilgung analog
zu dessen Kursentwicklung. Die Laufzeit beträgt
fünf Jahre.
Für die einen stellen sie
das Beste aus zwei Welten dar, für die anderen
sind sie eine Möglichkeit
für Vorsichtige, doch irgendwie vom Aktienboom zu profitieren –
aber mit schaumgebremstem Risiko: Wandelanleihen
erfreuen sich zunehmender Beliebtheit,
und zwar keineswegs nur bei Anlegern.
Wie der in Zürich beheimatete Vermögensverwalter Fisch Asset Management
berichtet, brachte das Jahr 2020 einen
Rekord an Emissionen, der sich heuer
nahezu ungebremst fortsetzt. „Anleger
profitieren von dieser stark erhöhten
Emissionstätigkeit, da sich im Universum jetzt vermehrt Anlagechancen in
bisher unterrepräsentierten Branchen
wie Fluglinien und der Reise- und Freizeitbranche finden lassen“, kommentiert
Ute Heyward, Senior Portfolio Managerin bei Fisch Asset Management, den
Boom. Die Gründe für die Attraktivität
der Wandelanleihe als Finanzierungs
instrument für Unternehmen seien vielfältig, erklärt Heyward, die den Fisch
Convertible Global Dynamic Fund managt: „Während der Coronakrise wollten
viele börsennotierte Firmen schnell, unkompliziert und kosteneffizient Kapital
aufnehmen, wofür Wandelanleihen prädestiniert sind. Dieses Jahr wurden die
Emissionsaktivitäten von den steigenden
Zinsen befeuert, da die Emittenten die
Gelegenheit nutzen wollten, sich die bis
dahin noch niedrigen Zinsen zu sichern.“
Aus Anlegersicht bieten diese Papiere die
Chance, je nach Ausgestaltung der Anleihe günstig zu Aktien zu kommen.
Wandelanleihen bestehen aus einer
Anleihe, die, abhängig von den bei der
Emission bekanntgegebenen Bedingungen, am Laufzeitende entweder getilgt
wird oder in Aktien gewandelt werden
kann bzw. muss. Ende Mai belief sich der
Wert der neu emittierten Papiere auf
89 Milliarden Dollar. Der Refinitiv
Global Vanilla Convertible Bond Index
erreichte mit mehr als 530 Titeln den
höchsten Stand seit vielen Jahren.
25. 6. 2021 | T RE ND
121
TREND
SERVICE
GELD
VON THO M A S M A RT I N EK
Die Tourismusbranche beginnt, sich von der Krise
zu erholen. Mit welchen AKTIEN und ETFS Anleger
von der Aufbruchstimmung profitieren können.
D
er Tourismus nimmt schön
langsam Fahrt auf. Und damit
geraten auch Aktien aus der
Reisebranche in den Fokus der
großen Investoren. Die Werte
von Airlines, Reiseveranstaltern und auch
den großen Kreuzfahrt-Reedereien haben zuletzt wieder deutlich zugelegt. Diese Aktien sind immer noch massiv von der
Pandemie gebeutelt, kämpfen sich aber
nun ihren Weg in Richtung des Niveaus
vor Corona zurück. Die Werte von Royal Caribbean, Carnival, United Airlines,
Booking, Delta und American Airlines
gehörten beispielsweise zu den größten
Gewinnern in den vergangenen Wochen.
Daher stellt sich auch Kleinanlegern die
KREUZFAHRTEN verzeichneten vor der
Pandemie die größten Zuwachsraten in der
gesamten Tourismusbranche. Schon im
nächsten Jahr soll das Passagieraufkommen
wieder das Vor-Krisen-Niveau erreichen.
122
T REND | 25. 6. 2021
Frage, ob Tourismus-Aktien nicht das
rlaubsbudget aufbessern könnten.
U
AUF KURS. Trotz des aktuellen Anstiegs
liegen die Aktien der vier marktbeherrschenden Kreuzfahrtunternehmen Carnival, Royal Caribbean, Norwegian und
MSC noch immer um rund 40 Prozent
unter ihrem Vor-Corona-Niveau. Und
kein anderer Markt des Reisesektors war
vor der Pandemie so wachstumsstark wie
Kreuzfahrten. Der Branchendienst Cruise Industry News rechnet jedenfalls damit, dass im nächsten Jahr weltweit bis zu
31,7 Millionen Kreuzfahrtpassagiere wieder unterwegs sein werden. Damit würde
das Gästeaufkommen gar über dem Vor-
22
18
14
10
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
DIE KREUZFAHRT-AKTIE liegt auf Jahressicht
mit 30 Prozent im Plus. Auf ihren Kurs vor der
Pandemie fehlen dem Marktführer der Branche
aber noch rund 60 Prozent.
krisenniveau von 30 Millionen liegen. Mit
einer weiteren Erholung der Kurse kann
also gerechnet werden. Ein Problem ist
aber bei allen vier Kreuzfahrt-Reedereien
gleich: Sie führen durch den fast eineinhalbjährigen totalen Stillstand eine große Schuldenlast mit sich. Der Marktführer Carnival hat bereits angekündigt, 19
Schiffe auszumustern, um Kosten zu sparen. Damit könnte die günstig bewertete
Aktie ein Kauf sein.
AUFWIND. Bei den Airlines waren es bis-
lang vor allem die US-Werte, die wieder
stark gestiegen sind. Delta, American
oder United Airlines haben allesamt seit
Jahresbeginn schon um rund 30 Prozent
QUELLE: FINANZEN.NET
Urlaubsgeld
von der Börse
Carnival in Euro
26
Booking in Euro
9
7
5
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
1.700
1.500
1.300
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
DIE DEUTSCHE AIRLINE musste mit einer
staatlichen Beteiligung gerettet werden.
Gelingt der Turn-around, könnte der Kurs
wieder auf 14 bis 15 Euro steigen.
DIE BOOKING-AKTIE schaffte den Sprung aus
der Krise schneller als andere Onlinebuchungsplattformen. Das Kursziel der Analysten liegt im
Schnitt bei 2.200 Euro.
zugelegt. Von den Kursniveaus vor der
Pandemie sind sie aber immer noch um
rund 40 Prozent entfernt. Und die extrem
niedrigen KGV laden zum Einstieg ein.
Spannend könnte aber auch die Entwicklung der Lufthansa-Aktie werden.
Die AUA-Mutter wird eine Kapitalerhöhung durchführen, was die Aktie kurzfristig belastet hat. Vorstandschef Carsten
Spohr hat aber gerade Maßnahmen präsentiert, um Investoren zu überzeugen:
Das Unternehmen will die Kosten bis
2023 um 3,5 Milliarden Euro senken. Die
Hälfte davon schon bis Ende 2021. Rund
1,8 Milliarden an Einsparungen sollen
durch den Abbau von fast 26.000 Mitarbeitern erreicht werden. Sollten die harten
Maßnahmen greifen, geben einige Analysten der Aktie eine Chance, wieder in eine
Höhe zwischen 14 und 15 Euro zu steigen.
Mehr als die Hälfte der Experten, die sich
mit der Aktie befassen, bleiben hingegen
skeptisch. Die Deutschen scheinen jedenfalls an einen Turn-around zu glauben. In
der vergangenen Woche war die Lufthansa-Aktie an der Börse in Frankfurt der mit
Abstand am meisten gekaufte Wert.
Wer auf die generelle Zunahme der
Reisetätigkeit setzen will, findet in der
Aktie der größten US-Buchungsplattform Booking eine gute Möglichkeit –
oder gleich in dem ETF auf die gesamte
europäische Freizeitindustrie (siehe Kasten rechts).
Im Stoxx 600 Index der
europäischen Tourismus- und
Freizeitindustrie sind die wichtigsten
Unternehmen dieser Branche
enthalten. Es gibt mehrere Anbieter
von ETFs auf diesen Branchen-Index. Der von Ivesco ist der günstigste, was auch damit zusammenhängt,
dass die Aktien nicht physisch
repliziert sind. Wer mehr Sicherheit
sucht, ist mit dem ETF von iShares,
einer Deutsche-Bank-Tochter, gut
beraten. Zu den Topholdings zählen
neben Tourismus-Aktien auch jene
von Gaming- und Wettunternehmen.
Invesco STOXX Europe 600 Optimised
Travel & Leisure ETF in Euro
250
QUELLE: FINANZEN.NET
1.900
Freizeitindustrie
200
150
100
06/20 08/20 10/20 12/20 02/21 04/21 06/21
STARKER ANSTIEG. Der ETF mit Aktien
der europäischen Freizeitindustrie legte in
einem Jahr um knapp 60 Prozent zu.
FOTO: GETTY IMAGES
11
QUELLE: FINANZEN.NET
2.100
QUELLE: FINANZEN.NET
Lufthansa in Euro
13
25. 6. 2021 | T RE ND
123
TREND
SERVICE
GELD
www.investors-challenge.at
AN DER NEW YORK STOCK
EXCHANGE werden knapp
2.300 Aktien gehandelt. Mit
einer Marktkapitalisierung
von rund 23,9 Billionen
US-Dollar ist sie die größte
Börse der Welt.
VON THO M A S M A RT I N EK
Dank ONLINEBROKERN kann heute jeder selbst mit Aktien
handeln. Voraussetzung für den Erfolg ist neben der Auswahl
der Wertpapiere auch die Wahl des besten Handelsplatzes.
D
ie Wiener Börse feiert heuer
ihr 250-jähriges Bestehen.
Der von Maria Theresia zur
Finanzierung des Habsburgerreichs gegründete Wiener Markt war damals ein Tummelplatz
des Geld- und des verliehenen Adels.
Heute ist das dank Onlinebrokern oder
Onlinebanking anders. Jeder kann vom
Computer aus ganz einfach mit Aktien
handeln. „Doch um auf dem Börsenparkett erfolgreich zu agieren, braucht es
gute Beratung und fundiertes Wissen“,
sagt Manfred Nosek, Leiter des Onlinebrokers bankdirekt.at.
Das betrifft natürlich vor allem die
Entscheidung für die besten Aktien,
Fonds oder andere Wertpapiere. Aber
auch die Auswahl der richtigen Börse. Denn es gibt weltweit rund 60 große Börsen. Die größte ist die New York
Stock Exchange, gefolgt von der Technologiebörse Nasdaq und der Tokyo
124
T REND | 25. 6. 2021
Stock Exchange. Die Auswahl der Börse ist für einen Trader deshalb wichtig, weil an den jeweiligen Marktplätzen unterschiedliche Volumina derselben Aktie gehandelt werden, es gibt
verschiedene Handelszeiten, die Werte sind also nicht überall gleich schnell
verfügbar, und Kurse der gleichen Aktie
können daher auch von Börse zu Börse
leicht differieren. Wer über einen Onlinebroker Aktien kauft, sollte daher
für den
Aktienhandel
5 TIPPS
Mit einem Musterdepot bei einem
Onlinebroker Erfahrung sammeln.
Nur Aktien kaufen, deren Ge
schäftsmodell man versteht.
Ausführung mit „Best Execution“.
Risiko durch maximal verkraft
baren Kursrückgang festlegen.
Schwelle für die Mitnahme von
Gewinnen fix definieren.
STEFAN WALDE.
Der Leiter des
Asset Managements
der Hypo Tirol Bank
empfiehlt Anlegern
zunächst den regelmäßigen Kauf von
Fondsanteilen.
MANFRED NOSEK.
Der Leiter des Onlinebrokers bankdirekt.at
empfiehlt Tradern, sich
fundierte Beratung zu
holen und gründliches
Wissen über die
Börsen anzueignen.
darauf achten, jene Börse zu wählen,
bei der „Best Execution“ versprochen
wird. Damit verpflichtet sich der Broker, Kundenorder zu dem am Markt aktuell bestmöglichen Preis auszuführen.
FONDS & ETFS. Natürlich gilt das auch
für Fonds und Indexfonds wie ETFs,
wenngleich die Kurse hier nicht in
Realtime, sondern in längeren Abständen festgelegt werden. Bei kleineren
Fonds manchmal nur einmal am Tag.
Stefan Walde, Leiter Asset Management bei der Hypo Tirol Bank, zu den
Vorteilen von Fonds: „Man kann damit
einfach in ertragreiche Anlagen investieren. Je nach persönlicher Risikoneigung kann in ein passendes Produkt
mit einer entsprechenden Aktienquote
investiert werden. Ein weiterer Vorteil
von Fonds ist, dass kleine Stückelungen
gekauft werden können und damit sehr
einfach angespart werden kann.“
FOTOS: GETTY IMAGES, FLORIAN LECHNER, BEIGESTELLT
Demokratisierung
an den Börsen
TREND
WIRTSCHAFT
PRIVATE
BANKING
VO N T H OM A S M A RTI N E K
Immer mehr private
Vermögen werden nach
ÖKOLOGISCHEN und
SOZIALEN Kriterien
verwaltet. Die Renditen
sind langfristig gleich
hoch wie bei klassischen
Investments.
achhaltige Geldanlage ist
ein Thema, das sich zum
Teil noch immer zwischen
viel Emotion und klaren
Fakten bewegt. Um bei den
Zahlen zu bleiben, kann ein Vergleich der
Performance des MSCI World Aktienindex mit jener des MSCI World Sustainability Aktienindex herangezogen werden.
In den vergangenen drei Jahren legte der
Weltaktienindex um 40 Prozent zu. Der
Nachhaltigkeits-Index schaffte ein Plus
von 35 Prozent. Einen Unterschied von
fünf Prozent beim Vermögenswachstum
in drei Jahren kann man als viel oder wenig bezeichnen, je nachdem, wie viel einem das Gefühl, nachhaltig veranlagt zu
haben, wert ist.
Doch dabei handelt es sich nur um
den Vergleich zweier passiver Indizes.
Bei einem aktiv gut verwalteten nachhaltigen Portfolio kann das Ergebnis hier
auch eine Outperformance gegenüber einem konventionellen liefern. Zum guten
Gefühl erhält man dann auch noch die
bessere Rendite.
N
MEGARTREND. Betrachtet man den vor
Kurzem präsentierten Marktbericht des
Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG),
erhält man weitere Fakten, die für umwelt- und sozial orientierte Veranlagung sprechen. Die Gesamtsumme der
in Österreich unter Berücksichtigung
von strengen umweltbezogenen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle
Unternehmensführung bezogenen Kriterien veranlagten Mittel ist im vergangenen Jahr um 29 Prozent gestiegen
und erreichte zum Jahresende 2020 ein
neues Rekordvolumen von 38,9 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon ist auf
126
T REND | 25. 6. 2021
Nachhaltiges
Wachstum für
Vermögen
IN
KOOPERATION
MIT
GOLDMINEN. Die
großen Goldproduzenten
wie Barrick oder Newmont achten bei ihren
Abbaumethoden immer
mehr auf die Einhaltung
ökologischer und sozialer
Standards.
GRÜNES GOLD.
KRITERIEN. Wichtig vor allem für private Investoren sind die Nachhaltigkeitskriterien, die für die Auswahl der Unternehmen, in die veranlagt wird, herangezogen werden. Sie reichen von gezielten
Impact Investments zur Verbesserung
von Situationen etwa in Schwellenländern bis zu Ausschlusskriterien, wenn
ein Unternehmen zehn oder mehr Prozent seines Umsatz mit Tabak, Waffen
oder anderen kritischen Gütern und
Dienstleistungen erzielt .
Anleger sollten auf alle Fälle die Möglichkeit haben, aus diesem breiten Spektrum der Kriterien, nach denen ein nachhaltiges Portfolio zusammengesetzt sein
kann, ihre Ansprüche selbst definieren
und auch unterschiedlich mischen zu
können. Als Beispiel dafür kann Gold dienen. Gerade in Zeiten drohender Inflation wird es gerne als Schutz vor Geldentwertung beigemischt. Über die Kriterien
der Nachhaltigkeit des Abbaus kann der
Anleger bei der LLB Österreich selbst
entscheiden, wie es ihr CEO im Interview
auf der folgenden Seite beschreibt.
Siegel für einen
fairen Abbau
LBMA. Wenn Barren das Siegel
der London Bullion Market
Association tragen, müssen ihre
Hersteller die Prinzipien des
„Responsible Sourcing Programs“
der wichtigsten Rohstoffhandelsbörse der Welt einhalten.
AUROPELLI. Bei diesen Goldbarren
von Valcambi wird u. a. auf die
Einhaltung der Menschenrechte,
keine Kinderarbeit, Verringerung
des CO2-Ausstoßes und des
Chemie-Einsatzes bei der
Produktion geachtet.
FAIRTRADE. Dieses zertifizierte
Gold wird vor allem von kleingewerblichen Bergbauorganisationen gewonnen. Für die Goldschürfer muss es Mindestlöhne und
faire Arbeitsbedingungen geben.
Goldpreis je Feinunze in USD
2.100
1.900
1.700
1.500
1.300
1.100
900
2016 2017
2018
2019
2020 2021
QUELLE: FINANZEN.AT
FOTOS: GETTY IMAGES, SHUTTERSTOCK
institutionelle Anleger wie Pensionskassen zurückzuführen, die aufgrund der
Statuten dazu angehalten sind.
Doch Robert Löw, CEO der LLB Österreich, die im vergangenen Jahr ihr
verwaltetes Kundenvermögen auf eine
Rekordhöhe von 26,2 Milliarden Euro
gesteigert hat, sieht einen Wandel bei der
Investorenstruktur: „Nachhaltigkeit ist
ein Megatrend. Und in der jüngsten Vergangenheit haben wir beobachtet, dass
nachhaltige Geldanlage auch bei Privatkunden immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dieser Trend hat sich auch während der Coronakrise fortgesetzt.“
INFLATIONSSCHUTZ. In den vergangenen fünf
Jahren hat der Goldpreis in US Dollar um fast 40
Prozent zugelegt.
25. 6. 2021 | T RE ND
127
TREND
WIRTSCHAFT
IN
KOOPERATION
MIT
PRIVATE
BANKING
„NACHHALTIGKEIT IST EIN MEGATREND“
ROBERT LÖW, CEO der LLB Österreich, über die zunehmende Bedeutung
von ökologischen und sozialen Aspekten in der Vermögensverwaltung.
Welche Vorteile bietet die Miteinbeziehung nicht finanzieller Kriterien in
die Unternehmensanalyse? Man ge
winnt dadurch eine gesamtheitliche
Sicht auf ein Unternehmen und kann
frühzeitig Risiken und Chancen identi
fizieren, die sich nicht aus bestehenden
Finanzkennzahlen ablesen lassen –
zum Beispiel drohende Reputations
risiken oder Wettbewerbsvorteile.
Die LLB bietet für nachhaltige Ver
mögensverwaltung verschiedene
Strategien an. Können Sie die Ansätze
bitte kurz beschreiben? Wir definieren
Nachhaltigkeit umfassend: Umwelt
schutz, Menschenrechte, Arbeitsstan
dards und Unternehmensführung sind
wesentliche Aspekte für eine nachhal
tige Geldanlage. Hierfür wenden wir
eine Kombination von negativen Aus
schluss- und positiven Selektionskri
terien an. Beispielsweise schließen wir
Wertschriften aus, deren Emittenten
gegen internationale Normen versto
ßen wie die UN Global Compact oder
den Atomwaffensperrvertrag. Ebenso
wenden wir umsatzbasierte Ausschlüs
se bei kontroversen Produkten an, zum
Beispiel, wenn ein Unternehmen mehr
als zehn Prozent seines Umsatzes mit
Tabak, militärischen Waffen oder ähn
lichem erzielt. Im Zuge unserer Positiv
selektion lassen wir ausschließlich Titel
128
T REND | 25. 6. 2021
von Unternehmen zu, die einen MSCI-
ESG-Score von BBB und besser aufwei
sen – wobei das Rating Geschäftstätig
keit, Produktportfolio, Standorte sowie
andere relevante Faktoren in Bezug auf
ESG-Kriterien aufschlüsselt. Darüber
hinaus investieren wir auch in Titel,
die neben einer attraktiven finanziel
len Rendite eine messbare soziale und
ökologische Wirkung erzielen. Diese
sogenannten Impact Investments kön
nen sowohl in Schwellen- als auch in
Industrieländern erfolgen.
Wie überprüfen Sie die Einhaltung der
Kriterien? Verlässt sich die LLB dabei
auf „Nachhaltigkeits-Gütesiegel“ oder
werden auch eigene Analysen dazu
durchgeführt? Wir arbeiten in punkto
Analyse mit MSCI ESG Research und
The Value Group zusammen. MSCI
ESG Research ist ein weltweit führen
der Anbieter von Nachhaltigkeitsinfor
mationen und Unternehmensanalysen.
So können wir unser gesamtes Anla
geuniversum sehr spezifisch nach den
uns wichtigen Nachhaltigkeitseigen
schaften durchleuchten. Alle relevanten
Themen und Fragestellungen im Zu
sammenhang mit dem ESG-Research
werden offen und regelmäßig in den
einzelnen Investment-Teams diskutiert
und geprüft. Damit schaffen wir eine
ZUR PERSON. ROBERT LÖW
ist seit 2016 Vorsitzender des
Vorstandes der LLB Österreich und
verantwortet in dieser Funktion u. a.
den Bereich Private Banking.
einheitliche und konstruktive Sicht
weise auf nachhaltige Investments.
Welche Ansätze werden von Ihren
Kunden am häufigsten gewählt, mit
welchen Renditen kann man im Durchschnitt rechnen? Im D-A-CH-Raum
wird für gewöhnlich eine Kombination
der Ansätze bevorzugt. Die Höhe der
Rendite ist jedoch in erster Linie vom
Risikoprofil des Portfolios abhängig.
Wie schätzen Sie die langfristigen Renditechancen für ein nachhaltig verwaltetes Portfolio im Vergleich zu einem
klassisch gestionierten ein? Verschie
dene Studien- und Research-Ergebnis
se haben mittlerweile gezeigt, dass eine
nachhaltig ausgerichtete Kapitalanla
ge mittel- bis langfristig eine ähnliche
Performance erzielen kann wie klassi
sche Investments.
Gold rückt jetzt immer stärker in den
Fokus der Anleger. Gleichzeitig sind
die Abbaumethoden oft diskussionswürdig, was Nachhaltigkeit anbelangt.
Gibt es da auch nachhaltige Goldinvestments? Für die Rohstoffindustrie
rückt die Reduktion des CO2-Fußab
drucks immer stärker in den Fokus.
Das World Gold Council hat kürzlich
eine Roadmap für nachhaltige Goldher
stellung ins Leben gerufen, um in den
kommenden Jahren die Energieeffizi
enz und die erneuerbare Elektrizitäts
generierung in der Branche zu steigern.
Daneben gewinnen die ESG-Standards
an Bedeutung. Die LLB kooperiert mit
Valcambi, einem weltweit führenden
Raffinierer von Edelmetallen. Die von
Valcambi adressierten Goldminen über
zeugen durch ein überdurchschnittli
ches ESG-Rating und führen auch bei
Health & Safety. Nachhaltige Goldin
vestments sind möglich, aber noch eine
Nische. Für die LLB verbindet nachhal
tiges Gold das Beste aus zwei Welten:
Wirtschaftlichkeit – da wir die gleiche
Performance wie Mitbewerber erzie
len – mit unserer Verantwortung für
Gesellschaft und Umwelt.
FOTO: CHRISTOPH J. HEINZEL
TREND: Wie hat sich die Nachfrage
nach nachhaltig verwalteten Portfolios im Zuge der Corona-Pandemie
entwickelt? ROBERT LÖW: Nachhal
tigkeit ist ein Megatrend, der aus der
öffentlichen Debatte nicht mehr weg
zudenken ist. An den internationalen
Finanzmärkten wächst das Volumen
der nachhaltig verwalteten Instrumen
te seit 2015 sehr stark an, überwiegend
getrieben von institutionellen Anle
gern. In der jüngsten Vergangenheit
haben wir beobachtet, dass nachhal
tige Geldanlage auch bei Privatkunden
immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Dieser Trend hat sich auch während
der Coronakrise fortgesetzt.
TREND
SERVICE
GELD
Investieren
mit Weitblick
Auf welche Aktien und alternative
Anlageformen Österreichs
PRIVATE-BANKING-EXPERTEN
Tatsächlich erklommen die Aktienmärkte nach einem Crash noch nie so
rasch wieder neue Höchststände. Doch
inzwischen gehen die Sorgen der Anleger
in eine andere Richtung. Nicht mehr die
Pandemie ist das Schreckgespenst, sondern
die Sorge vor Geldentwertung angesichts
billionenschwerer, zentralbankfinanzierter Hilfsprogramme. „Aufkommende Inflationssorgen führten vor allem am Anleihenmarkt heuer zu Kursrückschlägen
und somit zu negativen Entwicklungen.
Diese wurden von den Aktienmärkten im
Februar kurzfristig mit ebenfalls leichten
Rückgängen beantwortet. Im weiteren
Verlauf konnten die Aktienmärkte aber
weiter zulegen, da die Notenbanken die Inflationssorgen bisher entkräften konnten“,
sagt Werner G. Zenz, Vorstandssprecher
des Bankhauses Spängler.
Ganz entkräften konnten die Zentralbanken die Sorgen aber nicht. Es
WERNER G. ZENZ
Bankhaus Spängler
MAXIMILIAN CLARY
UND ALDRIGEN
Erste Group Bank
jetzt setzen und wie sie der
Geldentwertung begegnen.
JENS-DAVID LEHNEN
Raiffeisenlandesbank
NiederösterreichWien
FRIEDRICH STRASSER
Bank Gutmann
KURT SCHAPPELWEIN
Raiffeisen Capital
Management
130
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: ISTOCKPHOTO, SEBASTIAN REICH, WOLFGANG WOLAK, CLAUDIA PRIELER/RLB NÖ-WIEN, BEIGESTELLT, INGO PERTRAMER
E
s sind klare Anforderungen, die das Wesentliche nicht zu verlieren: dass
Private-Banking-Kunden an die Märkte aufgrund eines exogenen
„ihre“ Banken stellen. Konser- Schocks auf Talfahrt geschickt wurden
vativ genug soll das Vermögens- und es keine Krise der Finanzmärkte war.
management sein, denn man Dies haben wir auch unseren Kunden verwill ja nicht Kopf und Kragen riskieren, mittelt“, berichtet Wilhelm Celeda, CEO
und schließlich ist man ja kein Spekulant. der Kathrein Privatbank. „Corona hatte
Aber Rendite – die soll es schon geben. den stärksten Kursverfall, gefolgt von der
raschesten Erholung an den Märkten
Die Inflation ist da die Untergrenze,
zur Folge, den ich je erlebt habe.
das klare Ziel lautet: kontinuierliVON
cher Vermögenszuwachs. Verluste F RA N Z C . Die Coronapandemie war somit
ein Lackmustest für das Risikowerden nicht toleriert. Unter dieBAU E R
sen Prämissen war das „Coronbewusstsein der Anleger: Wie reajahr“ 2020 für die Privatbanken
agiere ich wirklich, wenn die Märkte
vermutlich eines der herausforderndsten abstürzen?“ Spätestens um den Jahresüberhaupt, und 2021 hat zumindest um wechsel wurde jedenfalls so manchem Annichts leichter begonnen. Aber was war leger, der in Panik größere Aktienpakete
die größte Herausforderung in der Coron- abgestoßen hatte, klar, dass seine Nerven
akrise, und was ist vom zweiten Halbjahr nicht stark genug waren. „Insgesamt hat
zu erwarten?
man gesehen, dass keine Reaktion die
„Die größte Herausforderung war si- richtige Reaktion war“, resümiert der Kacher, ruhig zu bleiben und den Blick auf threin-Chef.
TREND
SERVICE
GELD
132
T REND | 25. 6. 2021
STEFAN WALDE von der Hypo Bank
Tirol rät zu einer langfristigen Beimischung von Gold, durchaus auch
in Form von Barren oder Münzen.
WILHELM CELEDA von der
Kathrein Privatbank sieht die Krise
als Test für das Risikobewusstsein
der Anlegerinnen und Anleger.
zungsmacht verfügen, in der Tendenz also
auch von höherer Inflation profitieren.“
Wobei die Luft bei Aktien aber langsam
dünner wird. Nach dem fulminanten Anstieg im vergangenen Jahr sind zahlreiche
Werte schon einigermaßen teuer geworden. Vor allem bei den Pandemie-Profiteuren wie Amazon & Co. sind immer
wieder Gewinnmitnahmen und damit
verbundene Kursrücksetzer zu registrieren. Zumindest ein Teil der erfreulichen
Meldungen über Konjunkturaufschwung
und Gewinnwachstum ist in den Kursen
bereits berücksichtigt. So setzen die Vermögensverwalter zunehmend auf klassische zyklische Werte aus der Konsumund Investitionsgüterindustrie, aber auch
der lang zurückgebliebene Finanzsektor
erfreut sich steigender Beliebtheit bei den
Anlegern.
Allerdings: Aktieninvestments ohne
Risiko gibt es nicht. Was ist die größte
Gefahr? „Ein rascher Anstieg der Finanzierungskosten, also der Renditen langer
Anleihen, ist für das Gesamtportfolio die
größte Gefahr, denn das kann Aktien und
Anleihen gleichzeitig und stark nach unten
drücken. Gerade weil wir das noch nicht sehen, sind wir weiter positiv auf Aktien. Ein
langsamer Anstieg der Renditen ist zwar
nicht gut für die Anleiheperformance, wird
aber der allgemein guten Börsenstimmung
nicht schaden“, so Strasser.
Für Stefan Walde, Leiter des Asset
Managements der Hypo Tirol Bank,
„Die größte Gefahr
für Anleger ist,
derzeit kein
Anleger zu sein“
JEN S - DAV I D LE H N E N
R A I FFEISENL A ND E SBA NK
NI EDERÖ STERREICH-WIEN
sollten Anleger jedenfalls aber auch „Solides“ berücksichtigen: „Eine langfristige Beimischung von Gold ist sinnvoll.
Es bieten sich Produkte an, welche die
Entwicklung des Goldpreises darstellen
und dabei mit physischem Gold hinterlegt sind. In der Hypo Tirol Bank ist es
auch möglich, Gold am Depot darzustellen. Hier können Goldbarren oder
Münzen gekauft und durch die Bank
verwahrt werden. Die Wertentwicklung
ist am eigenen Wertpapierdepot ersichtlich.“ Anleger sollten hier aber auch auf
den steuerlichen Aspekt achten: „Unter
Berücksichtigung der steuerlichen Rahmenbedingungen sind physische Goldinvestments in Form von Münzen und
Barren in vielen Fällen am geeignetsten“,
rät Nils Kottke, Vorstandsmitglied des
Bankhauses Spängler.
Und worin sehen die Profis derzeit
die größte Gefahr? Für Jens-David Lehnen, Bereichsleiter im Private Banking
der Raiffeisenlandsbank Niederösterreich-Wien, ist das klar: „Die größte Gefahr für Anleger ist, derzeit kein Anleger
zu sein. Anhaltende Nullzinspolitik, steigende Inflationsraten und eine zunehmende Lebenserwartung bei überschaubaren Pensionserwartungen, sofern kein
privates Zutun erfolgt, kann niemand
mehr ignorieren.“
Jede Geldanlage sollte daher zumindest zu einem Teil in Aktien erfolgen, um
langfristig Vermögen aufbauen zu können. Lehnen: „Gerne in Kombination
mit einem monatlichen Ansparplan, der
das Risiko des Zeitpunkts der Geldanlage über die zunehmende Laufzeit immer weiter reduziert.“ Wirklich sicher ist
derzeit nämlich nur eines: Wer gar nicht
investiert und stattdessen Cash oder „sichere“ Anleihen hält, verliert jedes Jahr
einige Prozent an Kaufkraft.
FOTOS: ISTOCKPHOTO, FLORIAN LECHNER, BEIGESTELLT
bleiben leise Zweifel: Kommt nicht
doch eine Geldentwertung? Kurt Schappelwein, Head of Multi Asset Strategies bei
Raiffeisen Capital Management, schließt
das zumindest kurzfristig nicht aus: „Die
Inflation wird zwar in den nächsten Wochen und Monaten ansteigen, wir rechnen
aber nicht, dass das von Dauer sein wird.
Spätestens nächstes Jahr wird sich eine
Normalisierung einstellen, was den Notenbanken ermöglicht, ihre Niedrigzinspolitik beizubehalten.“
Anleger beunruhigt eine mögliche
Geldentwertung aber dennoch. Das bestätigt Maximilian Clary und Aldringen,
Private Banking-Chef der Erste Group:
„Das am meisten diskutierte Thema ist
das Anziehen der Inflation. Wir sehen aktuell stark steigende Preise bei gewissen
Rohstoffen und Halbfertigprodukten. Wir
glauben aber nicht, dass wir in der Eurozone eine nachhaltige höhere Inflation als
das Ziel von zwei Prozent der EZB sehen
werden, solange der Arbeitsmarkt nicht
voll anspringt.“ In jedem Fall seien Aktien
in einem inflationären Umfeld aber besser
als Anlage geeignet als Anleihen, „Vor allem gute Unternehmen mit starker Marke
und Marktposition können Kostenerhöhungen über Preissteigerungen kompensieren“, so Clary und Aldringen.
Auf etwas höhere Inflationszahlen als
im vergangenen Jahr sollten sich Anleger
jedenfalls einstellen, und zwar aus drei
Gründen: Erstens gibt es einen Basiseffekt. Nach dem Jahr 2020 mit extrem
niedriger Geldentwertung machen sich
Preisanhebungen heuer stärker bemerkbar. Zweitens wollen Unternehmen, die
2020 mit teils dramatischen Umsatzrückgängen zu kämpfen hatten, Verlorenes rasch wieder aufholen – nicht nur in
der Gastronomie sind Preissteigerungen
bemerkbar. Drittens gibt es unübersehbare Produktionsengpässe, und zwar keineswegs nur bei Baumaterial, das teils im
zweistelligen Bereich teurer wurde. Auch
Chips sind knapp, und der Ölpreis zählt
ebenfalls zu den Inflationstreibern.
Wie können sich Anleger davor schützen? Friedrich Strasser, Vorstand und
CIO der Gutmann Bank: „Wir setzen auf
zwei Komponenten: Bei den Anleihen
investieren wir einen signifikanten Anteil
in inflationsgebundene Papiere. Hier werden Zinsen und Tilgung an die Inflation
angepasst, der zusätzliche Wertverlust bei
höherer Inflation also eins zu eins ausgeglichen. Bei den Aktien versuchen wir, in
Unternehmen zu investieren, die durch
ihre Produkte über eine gewisse Preisset-
Wenn Währungen schwanken
FOTO: BEIGESTELLT
… hat das auf die Börsenkurse keine Auswirkungen,
wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen.
STARKER DOLLAR. Erinnern Sie sich an den vergangenen Herbst? Die Fachleute warnten, dass die
Stärke des Euro gegenüber dem Dollar nichts Gutes
für den Markt verheiße. Der darauf folgende Aktienanstieg bewies den mangelnden Weitblick der
Währungsmärkte. Nach der Erholung des Dollars
in Q1 fürchten die Schwarzmaler nun, die Schwäche des Euro spiegele die holprige Impfstoffverteilung sowie eine neuerliche Rezession wider – und
die könne das österreichische BIP-Wachstum in Q1
überschatten. Sie meinten, dies würde verhindern,
dass die Aktien hier wieder steigen. Humbug! Die
Geschichte belegt, dass Währungsschwankungen
weder die Richtung noch die Führerschaft eines
Marktes vorhersagen. Die überraschende Dollarstärke im Jahr 2021 spiegelt lediglich eine unterschätzte Realität wider: den wundervollen Stillstand in Amerika.
Im November schrieb ich, dass der Stillstand die
Wahl in den USA gewonnen hat. Währungen zeigen etwas anderes: Historisch steigt der Dollar,
wenn sich die US-Parteien Senat und Repräsentantenhaus aufteilen und es zum traditionellen „Stillstand“ kommt. Kontrolliert eine Partei beides, fällt
üblicherweise der Dollar.
So folgten auf die Wahl von Jimmy Carter 1976
vier von den Demokraten bestimmte Jahre. Der
Dollar fiel gegenüber den Weltwährungen um 8,9
Prozent. 1980 gewannen die Republikaner die Präsidentschaft und den Senat, nicht aber das Repräsentantenhaus. Stillstand! Der Dollar stieg 1981
um 12,3 Prozent gegenüber den Weltwährungen,
im Vergleich zum (damaligen) Schilling sogar um
13,3 Prozent. Bis zur Wahl 1984 stieg der Dollar gegenüber den Weltwährungen um kräftige 39,1 Prozent – und löste damit die internationale Währungsintervention aus. Dieser langfristige Trend
lässt sich gut durch leicht zugängliche Daten beobachten. Märkte preisen derartige Informationen
extrem schnell ein und gewähren kaum Wissensvorsprung. Was also entgeht den Datenjüngern?
Heute fürchten sie, ein seltener Dollaranstieg
während einer geeinten US-Regentschaft könnte
bedeuten, dass der Währungsmarkt Negativentwicklungen sieht, die den Aktien entgehen. Wenn es
nicht die erneute Rezession in Europa ist, dann sind
es die Steuerpläne von Joe Biden oder die EZB, die
es vermasseln. Oder, oder, oder! Aber die Realität ist
einfacher. Im Q1 realisierten die Märkte, dass der
nur hauchdünne Vorsprung im Kongress und die
innerparteilichen Streitereien den Stillstand trotz
der „Kontrolle“ der Demokraten festigten. Ja, durch
die Spekulationen, dass Biden enorme Steuererhöhungen und Ausgaben von 3,3 Billionen Euro im
Kongress durchdrücken könnte, hat die Dollarstärke nachgelassen. Oder auch nicht. Durch Pensionierungen und Todesfälle schwand der Vorsprung der
Demokraten im Repräsentantenhaus auf nur noch
acht Sitze. Nun rückt die Neueinteilung der Wahlkreise ins Blickfeld und verhindert vor den Kongresswahlen 2022 jegliche kontroversen Gesetze.
KEN FISHER ist
einer der erfolg
reichsten Invest
mentberater der
USA und Autor
zahlreicher Bücher
zu den Themen
Wirtschaft und
Finanzen.
SCHWANKUNG. Währungsschwankungen zeigen
nichts, was Aktien entgehen würde. In vergleichbar
liquiden Märkten ist kein Vermögenswert „klüger“.
Aktienanleger sehen die gleichen Berichte, Daten
und Gerüchte wie die Devisenhändler – zur gleichen Zeit. Oft
sind es dieselben Leute! Die Geschichte zeigt, dass Währungsschwankungen die Aktien nicht antreiben, selbst wenn Einbrüche und
Anstiege des Euro österreichische
Auslandsrenditen erhöhen bzw.
verringern. Der Euro stieg 2020
gegenüber den Dollar um neun
Prozent. Der ATX hingegen fiel um
10,8 Prozent, ganz konträr zum
US-Wachstum von 10,8 Prozent. In der Eurozone
fielen die Aktien um ein Prozent. In den letzten 20
Jahren lag die Korrelation zwischen den Bewegungen des Euro zum Dollar und der relativen Aktien
entwicklung in Europa gegenüber den USA gerade
einmal bei –0,13. Also kein Grund, zu handeln.
Warum treiben Währungen den Aktienmarkt
nicht an? Unter anderem, weil nur wenige Unternehmen ihre Produkte in nur einem Land herstellen,
einkaufen oder verkaufen. Meist importieren sie
Rohstoffe, Maschinen und Komponenten, betreiben
ausländische Gesellschaften und verkaufen ihre Produkte ins Ausland. Kosten und Zahlungseingänge in
fremden Währungen gleichen die Wirkung aus.
Internationale Großkonzerne verstehen zudem die
potenziellen Währungseinflüsse und schützen sich
davor. Aktienanleger preisen alles ein, immer! Die
jüngsten Währungssorgen spiegeln eine Stimmung
wider, aber keine Fundamentaldaten. Sie bieten –
während sich der Optimismus ausbreitet – dem Bullenmarkt ein weiteres Stück der sogenannten „Wall
of Worry“ zum Hochklettern.
II In liquiden
Märkten ist
kein Vermögenswert
,klüger‘. II
25. 6. 2021 | T RE ND
133
TREND
WIRTSCHAFT
PRIVATE
BANKING
Mit Megatrends
Vermögen sichern
Asiatische Wachstumsmärkte, Energiewende,
die Stadt der Zukunft und gesellschaftliche
Umwälzungen sind die Themen, die Anlegern
künftig RENDITEN bringen werden.
rivate-Banking-Kunden
sind anspruchsvoll. Individuelle Beratung? Voraussetzung. Zugang zu
verlässlichem Research?
Selbstverständlich. Maßgeschneiderte
Anlagelösungen von einem versierten
Asset-Management? Natürlich. Klarerweise auch aktuelle Informationen über
die chancenreichsten Trends. Aber – was
sind diese Megatrends? Hier zeichnen
sich vier Themen ab, an denen Anleger
nicht vorbeigehen dürfen.
Die größte öffentliche Präsenz schafft
das Thema Energiewende. Die Stilllegung
von Kohlekraftwerken eröffnet Chancen
für lukrative Investments. In den kommenden Jahren sind Milliardeninvestitionen notwendig, um die vielfach geforderte CO2-Neutralität zu erreichen. Zahlreiche börsennotierte Unternehmen sind
in den Bereichen Solaranlagen, Windparks und der schrittweisen Abkehr von
Verbrennungsmotoren aktiv.
P
Ebenfalls vor den Augen der Öffentlichkeit erfolgt der Aufschwung Asiens.
Der bevölkerungsreichste Teil dieser
Erde zählt auch zu den Regionen mit
dem höchsten Wirtschaftswachstum. Bis
2030 wird die Hälfte des Konsums der
Mittelschicht auf Asien entfallen. Doch
gerade Asien gehört zu den Regionen, in
denen sich Privatanleger auf die Expertise von Analysten stützen sollten, die mit
den Eigentümlichkeiten der dortigen
Börsen vertraut sind. Auch hier können
Privatbanken mit ihren internationalen
Verbindungen helfen.
Zu den Gewinnern des Booms in
Asien zählen Luxusmarken. Europäische
und US-amerikanische Labels verfügen
in Asien immer noch über das höchste
Prestige, doch lokale Marken holen stark
auf. Chancen ergeben sich auch durch
die Exportstärke der Region.
Der Pandemie ist es zu danken, dass
die Digitalisierung der Welt einen gewaltigen Schritt vorwärts machen konnte.
VON F R A N Z C. BAU ER
134
T REND | 25. 6. 2021
„Digitalisierung“ ist ein weiterer Mega
trend, der die kommende Dekade prägen wird. Von Telekommunikation, sozialen Netzwerken über Videokonferenzen bis hin zum Onlineshopping – an
den Aktienkursen der in diesen Wachstumsbereichen tätigen Unternehmen ist
abzulesen, wo die Gewinner dieser Entwicklung zu finden sind. Cloud Computing, Artificial Intelligence, Cyber
security, Fintech sind vielversprechende
Zukunftstechnologien.
Und schließlich gesellschaftlich relevante Umwälzungen: Die Stadt der Zukunft, der Wandel der Lebensstile, das
Welternährungsproblem, eine alternde Gesellschaft, neue Wege in der Medizin – kreativen Investments sind hier
keine Grenzen gesetzt, Chance und Risiko liegen hier allerdings nah beisammen. „In der Anlagephilosophie unserer Vermögensverwaltung haben wir den
Next-Generation-Ansatz im Fokus. Hier
geht es darum, die langfristigen strukturellen Veränderungen zu verstehen,
die von solchen Megatrends ausgelöst
werden. In den vergangenen zehn Jahren konnten wir da einen umfassenden
Erfahrungsschatz aufbauen“, so Roger
Stoop, Head Germany and Austria bei
der Bank Bär – siehe auch das Interview
auf den folgenden Seiten.
IN
KOOPERATION
MIT
„UNS GEHT ES DARUM, HINTER
DIE KULISSEN ZU BLICKEN.“
ROGER STOOP, Verantwortlicher für Deutschland und Österreich bei
der BANK JULIUS BÄR, über Anlagestrategien für Anspruchsvolle.
TREND: Wie wichtig ist der österreichi
sche Markt für eine Schweizer Privat
bank wie Julius Bär, die ja doch weltweit
tätig ist? ROGER STOOP: Julius Bär ist
mit dem österreichischen PrivateBanking-Markt seit Jahrzehnten sehr
erfolgreich verbunden, insofern ist der
Markt für uns sehr wichtig.
Wir betreuen unsere österreichische Kundschaft mit einem
Expertenteam von Zürich aus.
Zu unseren Kunden zählen
vermögende Privatkundinnen
und Privatkunden vornehmlich mit unternehmerischem
Hintergrund. Hier sehen wir
gerade in Österreich weiterhin
großes Wachstumspotenzial.
Nachfolgeplanung und diversen Finan
zierungsarten. Fragen in Bezug auf
Nachfolgeregelungen von Unternehmern haben gerade in den letzten Jahren
an Bedeutung gewonnen. Hier können
wir mit unserer Erfahrung und Kompetenz innovative Lösungen bieten.
FOTOS: ISTOCKPHOTO, HELEN DAO
Unterscheidet sich der öster
reichische Markt von anderen
Märkten? Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Was die österreichische
Kundschaft mit der internationalen Klientel gemeinsam hat,
ist die Suche nach einer inter
nationalen Diversifikation,
wenn sie sich an eine Schweizer Bank wendet. Dazu kommt
der Faktor Sicherheit. Diese
Kernwerte verändern sich auch
auf globaler Stufe wenig.
Welche Kunden sprechen Sie
besonders an – welche Ziel
gruppe ist aus Ihrer Sicht be
sonders interessant? Da Unternehmertum ein integraler
Bestandteil der DNA unseres
Bankhauses ist, können wir
Unternehmerinnen und Unternehmern umfassende Beratung
und ein ganzheitliches Angebot
bieten. Als reiner Vermögensverwalter unterstützen wir unsere Kundschaft bei Themen
wie Vermögensstrukturierung,
ZUR PERSON.
ROGER STOOP ist seit 1997 in
der Schweizer Privatbank Julius Bär tätig.
Er betreut dort verantwortlich seit
Oktober 2016 Österreich und Deutschland.
Historisch betrachtet war ein Konto in
der Schweiz eine Art Statussymbol, es
gehörte zum guten Ton – auch weil man
die Professionalität einer Schweizer
Bank geschätzt hat. Ist das heute noch
so? Das ist sicherlich ein Thema. Ausschlaggebend für unsere Kunden ist die
internationale Anlagestrategie,
die wir bieten können. Was an
unserem Bankhaus sehr geschätzt wird, ist die Diversifikation und Sicherheit der Vermögensanlagen. Gerade in unserer
Zeit, in der sich vieles im Umbruch befindet, ist Sicherheit
ein zentrales Thema. Ja, ein
Konto in der Schweiz gehört
immer noch zum guten Ton.
Sie haben den internationalen
Aspekt angesprochen – welche
Megatrends können Sie da er
kennen, von denen Anlegerin
nen und Anleger profitieren
können? Teil der Anlagekompetenz unserer Vermögensverwaltung ist unsere thematische
Next-Generation-Anlagephilo
sophie. Sie stellt einen Ansatz
dar, um die langfristigen globalen und strukturellen Veränderungen zu verstehen, die von
diesen Megatrends ausgelöst
werden. In den letzten zehn
Jahren haben wir umfassende
Erfahrung mit thematischen
Anlagen aufgebaut. Wir schälen strukturelle Wachstumsstorys heraus und schauen
hinter die Kulissen von aufgebauschten Trends, um Anlagelösungen mit einer klaren
thematischen Ausrichtung zu
erarbeiten.
Um welche Themen geht es
da? Schlüsselthemen in einer
Next-Generation-Anlage-
25. 6. 2021 | T RE ND
135
TREND
WIRTSCHAFT
IN
KOOPERATION
MIT
PRIVATE
BANKING
philosophie sind das aufstreben
de Asien, digitaler Umbruch und die
Energiewende, bei der man versucht,
aus dem konventionellen Bereich in
eine grünere Zukunft zu gelangen.
Weitere wichtige Themen sind „die
Ernährung der Welt“, bei dem es um
die langfristige Sicherung der Ernäh
rung für die Weltbevölkerung geht, das
Thema Städte der Zukunft, die Ver
änderungen der Lebensstile und nicht
zuletzt das Thema Ungleichheit. Aus
all diesen Themen heraus entwickeln
wir Anlagelösungen mit einer klaren
thematischen Ausrichtung.
ENTWARNUNG. Die aktuelle
Phase mit anziehenden Rohstoff
preisen werde die Inflation kurz
fristig anheizen. Roger Stoop,
Österreich-Verantwortlicher der
Bank Bär, rechnet aber nicht mit
nachhaltiger Wirkung.
Sie haben „aufgebauschte Trends“ erwähnt. Können Sie da den einen oder
anderen nennen? Die sehe ich zum Bei
spiel beim Thema digitaler Umbruch.
Dieses Thema ist in aller Munde, und
es kursieren viele Schlagworte wie
Cloud Computing und künstliche Intel
ligenz. Letztlich muss man jedoch fest
stellen, dass hinter solchen Worthülsen
oft sehr wenig an echtem Wert steht.
Uns geht es darum, hinter die Kulissen
zu blicken, um echte Chancen zu erken
nen. Zugleich gewährleisten wir, dass
Anleger an langfristigen Trends teilha
ben können. Im letzten Jahrzehnt ha
ben wir umfangreiche Expertise im the
matischen Investieren aufgebaut. Wir
identifizieren strukturelle Wachstums
themen, lassen uns nicht von Hypes
leiten und bieten Anlagelösungen mit
einem klaren Fokus.
Apropos langfristige Trends: Wird
etwas von den Änderungen bleiben,
die durch die Pandemie ausgelöst
wurden – etwa Homeoffice oder die
verstärkte Nutzung elektronischer
Kommunikationswege? Davon bin ich
überzeugt. Wir haben das ja jetzt über
einen längeren Zeitraum erlebt, und es
wird uns bestimmt prägen. Solche Si
tuationen treiben Veränderungen an.
Das, was wir jetzt tun (das Interview
fand im Rahmen einer Onlinevideokonferenz statt, Anm.) – ich weiß nicht,
ob wird das ohne Corona auch so ge
macht hätten. Es gab somit auch posi
tive Aspekte – denken wir nicht nur an
Videokonferenzen, sondern auch an
das Working from Home, das zu einer
136
T REND | 25. 6. 2021
Entlastung des Verkehrs führen wird.
Dies ist nicht nur aus Umweltgrün
den begrüßenswert. Oder denken Sie
auch an die mRNA-Impfungen. Der
Druck durch Corona hat dazu geführt,
dass die Forschung einen enormen Im
puls bekommen hat. Diesen Entwick
lungsschritt hätten wir sonst vielleicht
erst in fünf Jahren gemacht. Krisen
beschleunigen die Veränderung und
beschleunigen neue Entwicklungen.
Welchen Stellenwert hat das Thema
Nachhaltigkeit in Ihrer Strategie? Das
wird für unsere Kundschaft immer
wichtiger. Aufbau, Erhalt und Weiter
gabe des Vermögens an die nächste Ge
neration setzen ein tiefes Verständnis
der individuellen Bedürfnisse voraus.
Nachhaltigkeit ist dabei ein wichtiges
Thema. Wir stellen fest, dass die Gene
ration, die jetzt beginnt, sich mit Anla
gethemen auseinanderzusetzen, affiner
„Ausschlaggebend
für unsere Kunden
ist die internationale Anlagestrategie, die wir bieten
können.“
RO G E R STO O P
BA NK BÄ R
gegenüber Nachhaltigkeitsthemen ist
als die vorhergehende Generation. Ich
darf erwähnen, dass Julius Bär einer
der Gründungsunterzeichner der Prin
zipien der Vereinten Nationen (UN)
für Responsible Banking ist. Diese
Prinzipien stellen einen einheitlichen
Rahmen für die Bankenbranche dar,
der darauf abzielt, Nachhaltigkeit in
allen Geschäftsbereichen zu verankern.
Wie schätzen Sie das Inflationsrisiko
ein? Wir gehen davon aus, dass die ak
tuelle Phase mit teils recht stark anstei
genden Rohstoffpreisen kurzfristig die
Inflation anheizen wird, dass dies aber
keine nachhaltige Wirkung haben wird.
Was steht bei Julius Bär im Zentrum
der Bemühungen, was sind Ihre
Schwerpunkte? Unsere Kundinnen
und Kunden. Der Aufbau, Erhalt und
die Übergabe eines Vermögens an die
nächste Generation setzen ein tiefes
Verständnis ihrer individuellen Bedürf
nisse voraus – deswegen stehen sie im
Zentrum all unserer Aktivitäten. Mit
unserem ganzheitlichen Wealth-Ma
nagement-Ansatz erarbeiten unsere
Expertenteams finanzielle Lösungen
in den Bereichen Vermögensplanung,
Investieren und Finanzieren. Das
Resultat ist eine umfassende Beratung,
welche ihren Präferenzen ganzheitlich
entspricht und ihren finanziellen, ge
schäftlichen und persönlichen Zielen
vollumfänglich Rechnung trägt.
FOTO: HELEN DAO
Stellen Sie das mit Einzeltiteln oder
mit Fonds dar? Sowohl als auch.
WIR
MACHEN SIE
REICHER
Beruflich und persönlich.
TREND
SERVICE
GELD
F
ür viele Reisefreudige hat das
Warten ein Ende. Aber egal,
ob der Urlaub im In- oder
Ausland verbracht wird – je
nach Destination gilt es, auf
unterschiedliche Corona-Bestimmungen zu achten. Und wie in normalen Zeiten auch können vor oder während eines Urlaubs Schadensfälle in Form
von Diebstahl, Krankheit oder auch Verlust von Gepäck entstehen. Um die finanziellen Folgen eines Schadens zu begrenzen, bietet sich der Abschluss einer Reiseversicherung an. Welche Assekuranzen
dabei die besten Pakete schnüren, hat
die Gesellschaft für Verbraucherstudien
ÖGVS mit der „Studie Reiseversicherer
2021“ anhand der Angebote von acht
Versicherungen analysiert.
Im Gesamtergebnis des ÖGVS-Tests
sind die Tarife von Einzelreiseversicherungen und Jahresverträgen samt inkludierter Leistungen mit 60 Prozent gewichtet. Aspekte zu Transparenz und
Komfort wie ein klarer Ausweis der Versicherungs- und Vertragsbedingungen
und Nutzerfreundlichkeit der Websites
der Anbieter gehen mit 20 Prozent in das
VO N ROB E RT W I N TE R
HanseMerkur gewinnt vor
der Europäischen Reiseversicherung und Uniqa
den ÖGVS-Test zu
REISEVERSICHERUNGEN.
Bei der Wiener Städtischen
ist das Preis-LeistungsVerhältnis am besten.
138
T REND | 25. 6. 2021
Testurteil ein. Ebenso mit 20 Prozent ist
die Qualität des Kundendienstes berücksichtigt.
BIS 75 PROZENT WENIGER PRÄMIE. Für
die Tarifbewertung stellte ÖGVS auf die
Prämien und Versicherungsleistungen
ab. Im Zuge der Analyse wurden die Beiträge für zehn Beispielkunden für Einzelreiseversicherungen oder Jahresverträge
mit einer Deckung für Stornoschutz,
Krankenversicherung oder Komplettschutz überprüft. Die so ermittelten Prämien wurden in Relation zu den Tarifleis-
88,2 %
86,3 %
ALLIANZ TRAVEL
98,6 %
EUROPÄISCHE REISEVERS.
98,6 %
98,6 %
84,3 %
HANSEMERKUR
ALLIANZ TRAVEL
83,5 %
AXA
95,2 %
AXA
83,1 %
UNIQA
95,1 %
LTA
83,0 %
WIENER STÄDTISCHE
82,7 %
GRAWE
75,3 %
QUELLE: ÖGVS
UNIQA
FUAD IZMIRLIJA, Österreich-Leiter HanseMerkur,
ist Testsieger und auch bei Transparenz
und Komfort ex aequo mit Allianz Travel und
Europäische Reiseversicherung führend.
HANSE MERKUR gewinnt den ÖGVSTest zu Reiseversicherern.
„Bei der Entscheidung
für einen günstigeren
Tarif ist zu beachten,
welche Leistungen
damit verbunden
sind.“
CH RI STINA B ERGER
Die Testergebnisse sind gegen
1.490 Euro zuzüglich USt. unter
info@qualitaetstest.at erhältlich.
FOTOS: ISTOCKPHOTO, BEIGESTELLT (2)
P ROJ E KT L E I TERI N ÖGVS
tungen wie etwa der Versicherungssumme oder den versicherten Fällen gesetzt.
Einige Assekuranzen bieten einen speziellen Corona-Zusatzschutz an.
Dieser wurde in der Bewertung
aufgrund der zeitlich befristeten
Gültigkeit aber nicht berücksichtigt.
ÖGVS-Projektleiterin Christina
Berger: „Durch einen Wechsel in
den günstigsten Tarif lassen sich bei
Einzelreiseversicherungen bis zu 75
Prozent und bei Jahresverträgen bis zu
65 Prozent Prämie sparen.“ So ist die
Prämie für einen Vertrag einer Reise einer Einzelperson bei Reisekosten von
1.000 Euro mit Komplettschutz, der neben Stornoschutz auch eine Krankenversicherung beinhaltet, bei Uniqa
mit 30 Euro am günstigsten. Am
meisten stellt LTA mit 118 Euro in
Rechnung.
Die Prämienunterschiede basieren nicht nur auf verschiedenen
Kalkulationen der Versicherer, sondern sind vor allem durch Unterschiede in den Tarifleistungen begründet. ÖGVS-Expertin Berger: „Für
die Prämie von 118 Euro bekommen
Kunden mehr Erstattungen. Bei der Entscheidung für einen günstigeren Tarif ist
daher zu beachten, welche Leistungen
damit verbunden sind.“ Denn auch wenn
in einer Stornoversicherung stets Abbruchgründe wie eine schwere Erkrankung, Unfall oder Tod von Mitreisenden
oder naher Verwandter versichert sind,
können etwa Kündigung oder Scheidung
als Abbruchgrund ausgeschlossen sein.
Berger: „Teilweise ist auch die maximal
übernommene Stornogebühr begrenzt.“
Bei Krankenversicherungen differiert
vor allem die Summe, bis zu der die Kosten im Falle einer stationären oder ambulanten Behandlung versichert sind. Bei
einigen Tarifen werden die Kosten in un-
WIENER STÄDTISCHE
88,8 %
GRAWE
87,8 %
LTA
EX AEQUO-PLATZIERTE IN ALPHABETISCHER
REIHENFOLGE; QUELLE: ÖGVS
EUROPÄISCHE REISEVERS.
85,9 %
EX AEQUO. Drei Anbieter teilen sich
den Sieg bei Transparenz und Komfort.
Tarife
WIENER STÄDTISCHE
82,9 %
HANSEMERKUR
82,2 %
UNIQA
80,8 %
GRAWE
79,9 %
EUROPÄISCHE REISEVERS.
78,9 %
LTA
78,0 %
AXA
QUELLE: ÖGVS
HANSEMERKUR
Transparenz & Komfort
77,4 %
ALLIANZ TRAVEL
74,5 %
DIE WIENER STÄDTISCHE offeriert bei
Reisepolizzen die besten Tarife.
Kundendienst
EUROPÄISCHE REISEVERS.
96,3 %
HANSEMERKUR
95,6 %
ALLIANZ TRAVEL
95,5 %
LTA
95,4 %
88,3 %
AXA
UNIQA
84,0 %
WIENER STÄDTISCHE
GRAWE
QUELLE: ÖGVS
Gesamtergebnis
75,9 %
49,1 %
BEIM KUNDENDIENST ist die
Europäische Reiseversicherung top.
begrenzter Höhe erstattet, bei anderen
sind maximal 250.000 Euro gedeckt.
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis
fand ÖGVS bei der Wiener Städtischen.
Das insgesamt beste Angebot schnürt
HanseMerkur. ÖGVS-Expertin Berger:
„Der Testsieger überzeugt bei Transparenz und Komfort, mit sehr gutem Kundendienst und guten Tarifen. Die Europäische Reiseversicherung punktet in
den Kategorien Transparenz und Komfort sowie Kundendienst. Die Uniqa auf
dem dritten Platz zeigt gute Ergebnisse
bei den Tarifen.“
25. 6. 2021 | T RE ND
139
TREND
WIRTSCHAFT
IMMOBILIEN
Lohnende
Wohnimmobilien
für alle Generationen
BAUHERREN
MODELLE mit
alternativen Nutzungen bringen die
Generationen
zusammen.
in Sparbuch als gewinn
bringende Geldanlage?
Diese Zeiten sind schon
lange vorbei. Investiert
wird heute an der Börse –
oder in das sogenannte Betongold, näm
lich Immobilien. Denn die Attraktivität
von Immobilieninvestments bleibt auch
von der Krise großteils unberührt.
Dabei sticht vor allem das Bauherren
modell hervor, das sich mittlerweile seit
Jahrzehnten am Markt bewährt. Bei
diesem schließen sich mehrere Investo
ren zusammen, die sich die Eigentümer
schaft an einer Immobilie im geförder
ten Wohnbau teilen. Der Investor besitzt
dann im Normalfall also keine eigene
Wohnung, sondern erwirbt prozentuale
Anteile an der Immobilie, die in den
meisten Fällen saniert oder manchmal
auch neu errichtet wird. Beim Bauher
renmodell mit Topzuordnung wird der
Investor letztendlich Eigentümer einer
konkreten Wohnung.
E
BOOMEN. Die
Vorteile dieses Modells liegen klar auf der
Hand, sind Walter Eichinger, der Ge
schäftsführer von Silver Living, und Öko-
Wohnbau-Geschäftsführer
Wolfgang
Stabauer überzeugt. Eichinger ist Pro
jektentwickler mit dem Schwerpunkt
SERVICEIMMOBILIEN
140
T REND | 25. 6. 2021
Investitionen in Immobilien zählen
zu den profitabelsten Anlagen. Das
BAUHERRENMODELL ermöglicht dabei
nicht nur Optimierung von Förderungen,
Zuschüssen und steuerlichen Effekten,
sondern begünstigt durch alternative
Nutzungen, wie etwa Seniorenwohnen,
auch die langfristige Vermietbarkeit.
betreutes Wohnen und kooperiert im
Rahmen der Silver-Living-Gruppe mit
Öko-Wohnbau als exklusivem Vertriebs
partner im Bereich der Bauherren
modelle. „Wohnimmobilien waren im
mer ein sicherer Hafen, das hat sich
auch in der Pandemie wieder gezeigt
und bewährt. Unsere Serviceimmobi
lien, wie das betreute Wohnen oder
das Generationenwohnen, boomen jetzt
richtiggehend“, sagt Eichinger.
Denn das Bauherrenmodell bietet
nicht nur die Vorteile von steuerlichen
Begünstigungen und Fördermöglichkei
ten durch die Bundesländer, auch das
Leerstandsrisiko wird für die Investoren
durch Faktoren wie gemeinsame Ver
mietung, demografische Entwicklung
und nachfragegerechte Ausgestaltung
beziehungsweise einfache Konversion
der Nutzungsart minimiert.
Vor allem jene Immobilien, die dem
betreuten Wohnen gewidmet sind, sind
heiß begehrt. „Diese Projekte sind ent
weder schon bei der Übergabe oder spä
testens nach ein, zwei Monaten voll ver
mietet – ein wichtiger Aspekt hierbei ist
die Leistbarkeit“, bestätigt Öko-Wohn
bau-Chef Stabauer. „Selbstbestimmtes
Wohnen im Alter wird immer wichtiger.
VON M AR K US M I T T ER M Ü LLER
Das sind auch Mieter, die langfristig
bleiben.“
GENERATIONENHAUS ALS KÖNIGSKLASSE. Neben dem betreuten Wohnen
hat Silver Living auch weitere Serviceund Sozialimmobilien, wie Studenten
wohnen und Generationenwohnen, im
Portfolio. Das Generationenhaus gilt als
echte Königsklasse unter den Bauherren
modellen. Hier trifft nämlich betreutes
Wohnen auf leistbares Wohnen und Fa
milien, gepaart mit Kindergärten und
Kinderkrippen. „Das ermöglicht zusätz
liche Förderungen, die wiederum Inves
toren anlocken“, sagt Eichinger.
Auf den ersten Blick könnte ein
Nachteil des Bauherrenmodells darin
liegen, dass der Investor hier – im Ge
gensatz zu den Vorsorgewohnungen –
keine konkrete Wohnung erwirbt. „Viele
wollen eine Wohnung kaufen, um sie
später zum Beispiel ihren Kindern zur
Verfügung zu stellen. Hier spielen auch
emotionale Einflüsse eine Rolle“, weiß
Eichinger. Hier kommt das sogenannte
Bauherrenmodell mit Topzuordnung
ins Spiel. Dabei investiert der Anleger
tatsächlich in eine von ihm ausgewählte
Wohnung. Dennoch gelten darüber
hinaus noch sämtliche Vorteile des
herkömmlichen Bauherrenmodells.
IN
KOOPERATION
MIT
„DIE BAUHERRENMODELLE
KENNEN KEINE KRISE“
Das Bauherrenmodell trotzt offensichtlich jeder Krise. Im Interview erklären
WALTER EICHINGER, GESCHÄFTSFÜHRER VON SILVER LIVING, und
WOLFGANG STABAUER, GESCHÄFTSFÜHRER VON ÖKO-WOHNBAU,
warum dieses Investitionsmodell an Attraktivität gewinnt und
welche Wohnformen künftig boomen.
FOTOS: BEIGESTELLT, LUDWIG SCHEDL, FOTO STROBL
WALTER EICHINGER,
Geschäftsführer von Silver Living.
TREND: Wie hat sich die Pandemie auf
Ihre Branche ausgewirkt? Sind sichere
Immobilieninvestments nun gefragter
denn je?
WOLFGANG STABAUER: Das letzte
Jahr war im Segment des Bauherren
models und der Vorsorgewohnungen
rückläufig. Man hat gemerkt, dass die
Investoren zögerlicher waren, sie haben
länger gebraucht, bis sie Entscheidun
gen treffen. Im Herbst hat die Nach
frage nach steueroptimierten Immobi
lieninvestments wieder massiv angezo
gen. Die Leute haben gesagt, sie wollen
wieder investieren und somit unsere
Produkte. Egal, ob das jetzt betreutes
Wohnen, Generationenwohnen oder
das Bauherrenmodell mit Topzuord
nung war. Wir sehen dem heurigen Jahr
äußerst positiv entgegen.
WOLFGANG STABAUER,
Geschäftsführer von Öko-Wohnbau.
WALTER EICHINGER: Die Ankündi
gung, dass man für Bankeinlagen eine
Gebühr zahlen wird müssen, bringt
viele Investoren zum Überlegen, ob sie
ihr Geld nicht besser in Immobilien
anlegen. Denn ein Barzeichner hat ab
Fertigstellung der Immobilie für einen
DAS BAUHERRENMODELL ist
ein Investitionsmodell unter
Inanspruchnahme steuerlicher
Begünstigungen. Dabei schließen sich
mehrere Investoren durch Beteiligung
an einer Miteigentümergemeinschaft
zusammen, um zu erwerben (persön
lichen Besitz aufbauen), zu sanieren
(Wertgehalt generieren) und lang
fristig zu vermieten (Einkunftsquelle
erschließen).
gewissen Zeitraum steueroptimierte
Mieteinnahmen. Im Vergleich zum
Sparbuch ist das eine sehr interessante
Sache.
Heißt das, die Bauherrenmodelle sind
attraktiver denn je? EICHINGER: Es
war immer schon so, dass Wohnimmo
bilien in Krisenzeiten ein sicherer
Hafen waren. Auch die Serviceimmobilien, wie wir sie mit dem Genera
tionenwohnen oder dem betreuten
Wohnen machen, boomen jetzt.
STABAUER: Blicken wir zurück: Die
Finanzkrise 2008 hat die ganze Welt
wirtschaft verändert. Die Immobilie
selber und jetzt speziell die Bauherren
modelle kannten keine Krise. Das heißt,
wir haben von den Jahren 2008 bis jetzt
permanente Umsatzsteigerungen.
25. 6. 2021 | T RE ND
141
TREND
WIRTSCHAFT
IN
KOOPERATION
MIT
IMMOBILIEN
Eines Ihrer Erfolgsrezepte ist die
Kombination der Bauherren
modelle mit betreutem Wohnen.
Wie stark ist die Nachfrage danach?
EICHINGER: Es funktioniert sowohl
in der ländlichen Gegend als auch im
städtischen Bereich ausgesprochen gut.
Im ländlichen Bereich sogar noch etwas besser, weil man in Bezirkshauptstädten und in Gemeinden einfach die
Bürgermeister mit an Bord hat. Es ist
die Hausaufgabe des Projektentwick-
SILVER LIVING ist mit Erfahrung
von über 105 Projekten, mit mehr
als 2.136 Wohneinheiten und Projekt
volumen von mehr als 404 Millionen
Euro Experte im Segment von frei
finanzierten Serviceimmobilien. Das
Unternehmen bietet Investoren ein
Rundumservice und deckt neben der
Projektentwicklung – mit Planung und
Errichtung –, der Vermarktung und
Vermietung auch das Betriebsmanagement und die Hausverwaltung ab.
Infos unter silver-living.com
142
T REND | 25. 6. 2021
EIN VORZEIGEPROJEKT. Die Villa
Assman in Leibnitz ist ein Generationenhaus mit betreutem Wohnen und
Kindergarten.
lers oder des Initiators, dass er sich im
Vorfeld die jeweilige Makro- oder
respektive auch Mikrolage anschaut,
ob dort betreutes Wohnen aufgrund
der demografischen Zusammen
setzung funktionieren kann oder nicht.
Denn ich kann aufgrund der Statistik
ganz genau sagen, wie viele Menschen
betreutes Wohnen nutzen, das habe
ich bei keiner anderen Immobilien
nutzungsart. STABAUER: Das sind
auch Mieter, die länger bleiben, denn
beim betreuten Wohnen geht es um
selbstbestimmtes Wohnen im Alter.
Das sind ja alles Menschen, die keine
Pflegefälle sind, sondern die sagen:
„Mir ist das zu Hause einfach zu behäbig, ich schaffe das nicht mehr, ich
nutze dieses Angebot.“ Es hat sich am
Markt durchgesetzt.
Gibt es Projekte, die für Sie besonders
hervorstechen? STABAUER: Da fällt
mir jetzt nicht ein spezielles Haus ein,
sondern eine Systematik. Wir haben
das Bauherrenmodell mit einem
speziellen Thema bestückt, dadurch ist
auf einmal betreutes Wohnen ent
standen. Dann hat man gesehen, dass
man auch Studentenwohnen und
Generationenwohnen in Form eines
Bauherrenmodells machen kann. In
Graz in der Annenstraße haben wir in
der Fußgängerzone zum Beispiel ein
Haus übergeben, wo wir Wohnungen,
Kindergarten und Kinderkrippe
kombiniert haben. Da ist richtiges
Leben dahinter, das ist einfach schön
anzusehen. EICHINGER: Ganz
persönlich gefällt mir das Modell in
Leibnitz sehr gut. Die Villa Assmann ist
ein Generationenhaus. Dort konnten
wir drei Generationen in einem Ensemble vereinigen, also ältere Menschen,
betreutes Wohnen, einen Kindergarten
und noch Wohnungen für Familien.
Wohin geht der Trend in den kom
menden Jahren? STABAUER: Das
betreute Wohnen ist sehr gut kalkulierbar, und wir werden es nicht einmal
annähernd in den nächsten zehn bis
15 Jahren schaffen, den Bedarf an
Wohnraum für ältere Menschen zu
decken. Ein wichtiger Trend ist sicherlich das Generationenwohnen, weil
Kindergarten und Kinderkrippen mit
dabei sind, und in Österreich ist leistbares Wohnen eines der wichtigsten
Dinge. EICHINGER: Der Zukunftsmarkt gehört den Senioren. Wir
können von unserer Bauleistung gar
nicht so viel Wohnraum zur Verfügung
stellen durch den Neubau, der aufgrund der demografischen Entwicklung notwendig wäre. Die Zukunft
liegt daher in der Sanierung von Altbeständen für betreutes Wohnen.
ÖKO-WOHNBAU ist exklusiver
Vertriebspartner im Bereich der
Bauherrenmodelle für die Silver-Living-
Gruppe. Das Thema Nachhaltigkeit in
all ihren Dimensionen – ökologisch,
ökonomisch und sozial – spielt für das
Unternehmen eine wichtige Rolle in der
Unternehmensstrategie und in der
Auswahl des Produktportfolios.
Infos unter oeko-wohnbau.at
FOTO: SIMON BAUER
Sie setzen in erster Linie auf Revita
lisierung und Sanierung von alten
Häusern. Gibt es Regionen in Öster
reich, die hier besonderes Potenzial
für Ihre Projekte aufweisen?
STABAUER: In den Bundesländern
gibt es verschiedene Förderansätze. Ich
sage zu unseren Kunden immer: Die
Immobilie, die wir sanieren, soll so alt,
kaputt und hässlich wie möglich sein,
weil dann bekommen wir sehr viel
Unterstützung von der öffentlichen
Hand. Die beste Situation bei der
Sanierung finden wir derzeit in der
Steiermark vor, weil es dort zwei unterschiedliche Förderarten gibt. Bei einer
umfassenden Sanierung liegt der
übliche Zuschuss (nicht rückzahlbare
Annuitätenzuschüsse, aufgeteilt auf
15 Jahre, Anm.) bei zumindest rund
50 Prozent. EICHINGER: Sanierungswürdige Altbestände sind nicht nur
in den größeren Städten zu finden, auch
in der Region draußen, also in Gemeinden und in den Bezirkshauptstädten.
Dort bekommt man eine höhere Rendite, weil der Liegenschaftsankauf natürlich günstiger ist. Viele Investoren sagen, wir sind absolut renditeorientiert,
wir hätten gerne etwas in den sogenannten peripheren Lagen.
TREND
SERVICE
KARRIERE
START
STUDIEN
D
ie Lebens- und Arbeitssituation von Millennials der Jahrgänge 1983 bis 1994 sowie von 1995 bis 2003 geborenen Angehörigen der Generation Z hat Deloitte im
„Global Millennial and Gen Z Survey“ bei weltweit
23.000 jungen Menschen, davon 500 in Österreich, erhoben. War vor einem Jahr Umweltschutz
das wichtigste persönliche Anliegen, so führen bei
Millennials nach der Pandemie nun Gesundheitssorgen und Angst vor Jobverlust die Liste der persönlichen Ängste an. Für die Generation Z stehen
Umwelt und Klima nach wie vor auf Platz eins.
„Sie richten Konsum- und Karriereentscheidungen an ihren persönlichen Werten aus und erwarten von Unternehmen und Politik, dass konkrete
Taten gesetzt werden“, erklärt Deloitte-Partnerin
Elisa Aichinger. „60 Prozent befürchten, dass das
Engagement von Unternehmen im Kampf gegen
den Klimawandel in der wirtschaftlichen Krise an
Priorität verlieren wird. Unternehmen, die hier
weiter konkrete Maßnahmen setzen, können als
Arbeitgeber punkten“, so die Expertin.
Zwei Drittel der Jungen machen sich Sorgen
um ihre persönliche finanzielle Situation, ebenso
viele beklagen aber auch die ungleiche Verteilung
von Vermögen und Einkommen. 60 Prozent
wollen sogar, dass der Gesetzgeber Gehaltsunterschiede zwischen leitenden Angestellten und
Mitarbeitern begrenzt. „Jüngere Arbeitnehmer
sind sensibel gegenüber gefühlter Ungleichheit im
Jobumfeld. Unternehmen sollten transparent mit
dem Thema Vergütung umgehen“, rät Deloitte-
Partnerin Anna Nowshad. Von dem Drittel der
Jungen, das sich wegen pandemiebedingter Ängste
eine Auszeit vom Job genommen hat, gab allerdings nur die Hälfte dem Arbeitgeber den wahren
Grund für die Abwesenheit an. „Es braucht ein
offenes, inklusives Umfeld, in dem Gespräche über
Stress und psychische Probleme nicht tabu sind“,
schließt Nowshad daraus.
Eine internationale Studie der Workplace-Plattform Citrix zeigte, dass die digital versierte Elite
von Millennials und Generation Z echten Mehrwert bringt: Jeder zusätzliche Prozentpunkt von
Digital Natives in einem Land ist verbunden mit
dort um 0,9 Prozentpunkte höheren Unternehmensgewinnen. Allerdings konstatiert Citrix auch
wenig Wissen der Führungskräfte über deren
Werte im Job: Sie unterschätzen, wie wichtig ihnen Work-Life-Balance ist, dass sie hybride Arbeit
gegenüber dem klassischen Büro bevorzugen, wie
intensiv sie Apps auch für die Arbeit nutzen und
dass sie dem Wohlbefinden von Mitarbeitern
höheren Stellenwert gegenüber der Unternehmensrentabilität einräumen wollen, wenn sie
selbst einmal in Führungsfunktionen kommen.
Die Stimmungslage von
MILLENNIALS & GENERATION Z
einzuschätzen, wird für Unternehmen erfolgskritisch. Aktuelle
Studien liefern Orientierungshilfen.
Wie die Jungen
im Job ticken
DELOTTE-EXPERTINNEN Elisa
Aichinger (o.) und
Anna Nowshad
beleuchten berufliche und private
Anliegen der jüngeren Generationen.
144
T REND | 25. 6. 2021
SPAR ICS TEAM:
Isabella Oppeneiger
(Teamlead Office Management), Andreas
Kranabitl (Geschäftsführer Spar ICS),
Christian Terbou
(Head of ICS Business Services),
Hannes Leobacher,
(Head of ICS Austria
(v. l.).
JOBCHANCEN
Handel umwirbt IT-Kräfte
Mit Spar und Hofer setzen Handelsunternehmen Initiativen,
um IT-Fachkräfte und Talente an sich zu binden. Spar mit
einem Standort in Wien, Hofer sucht Leute für Eberstalzell.
Geschäftsführer Andreas
Kranabitl: „Wir arbeiten
gesamt mehr als
mit hybriden Teams an
500 IT-Mitarbeitern der
verschiedenen Standorten
Spar-Gruppe sind künftig
über Ländergrenzen hinweg, haben aber gemerkt,
am neuen Standort Wiendass ein Büro, Kontakt zu
Meidling, direkt oberhalb
Kollegen und ein Arbeitsdes Interspar an der
platz außerhalb der WohnU-Bahnstation Niederhofstraße tätig. ICS, die ITräume wichtig sind.“
Unit von Spar, steuert ProStandort der 220 IT-Exjekte für Spar, Herperten bei Hofer ist
vis und Spar
das Alpha Retail
European ShopNetwork in Eberstalzell, wo aktuell
ping Centers in ÖsMitarbeiter für Diterreich, Italien,
gitalisierungsproSlowenien, Tschejekte gesucht, aber
chien, Ungarn,
HOFER IT.
auch Praktika
Kroatien, RumäniAndreas Rathangeboten werden.
en und Bayern.
mayr, IT-SpeziModerne, flexible
IT-Experte
alist bei Hofer
Arbeitsplätze, kaAndreas Rathmayr,
belloser Zugriff auf alle Res- Manager eines Teams von elf
sourcen, mobile VideokonLeuten: „Hier wird man
ferenzsysteme und digitale
freundlich empfangen, erhält Info-Packages und top
Whiteboards auf mehr als
ausgestattete Arbeitsplätze
200 Quadratmetern sollen
inklusive Notebook und
vor allem IT-Talente, Projektspezialisten und Digi
kann sofort loslegen.“
Info: spar-ics.com
talisierungsexperten aus
karriere.hofer.at
Ostösterreich ansprechen.
FOTOS: ISTOCKPHOTO, BEIGESTELLT (2), DELOITTE/FEELIMAGE/MATERN (2), SPAR/JOHANNES BRUNNBAUER
20 von in Österreich 400 und ins-
REDAKTION:
schmid.michael@trend.at
WEBINARE
29./30. 6. A Day of
Drucker
Genau genommen sind es
zwei virtuelle Tage im Vorfeld
des diesjährigen Drucker Fo
rums (17. bis 19. 11. in Wien):
Workshops am 29. und
Diskussionspanels am 30. 6.
in gewohnter internationaler
Topbesetzung.
Digital-Packages ab 99 Euro
druckerforum.org
30. 6. Next Work – Hybrides Arbeiten der Zukunft
Online-Informationsabend
der ARS Akademie (17 bis 18
Uhr) über ihr Ausbildungsan
gebot zum zertifizierten HR
Manager mit Kurzvortrag des
fachlichen Leiters Michael
Weiss zu „Workplace Culture
Strategy“.
kostenlos (Registrierung)
ars.at
8. 7. Kienbaum-Webinar
Vergütungsreports 2021
Im einstündigen, kostenlosen
Webinar (9 bis 10 Uhr über
MS Teams, Registrierung er
forderlich) stellen Experten
aktuelle Erhebungen zur Ver
gütungssituation der Füh
rungskräfte von der Ge
schäftsführung bis zur
Teamleitung sowie von Spezi
alisten und Fachkräften vor.
kienbaum.com/de/
veranstaltungen/
oesterreich-webinare
Smart und flexibel arbeiten per Smartphone
Leistungsfähige Mobiltelefone etablieren sich als fast vollwertige mobile Arbeitsplätze.
Laptop oder Tablet als Arbeitsmittel im Home
office und bei ortsunabhängiger mobiler Arbeit
praktisch zu ersetzen, ist mittlerweile Anspruch
von Anbietern hochwertiger Mobiltelefone.
„Etliche Unternehmen arbeiten bereits mit
beruflichen Apps, die vor allem
zur Einsicht und Bearbeitung
von Dokumenten oder Planung
von Terminen praktisch sind“, so
Christian Woschitz, President
UP TO DATE, NICHT NUR ERREICHBAR: Akkuleistung und
Speichervolumen entscheidend.
CEE beim Telekomausrüster und Handyhersteller
ZTE. Als Kriterien, die etwa sein Modell Axon 20
für mobiles Arbeiten prädestiniert, nennt er die
volle Ausnutzung der Bildschirmdiagonale für die
Darstellung von Dokumenten oder Präsentatio
nen, lange Akkuleistung sowie
hohe interne Speicherkapazität
plus Erweiterungsmöglichkeit
über SD-Karten und 5G-Fähig
keit. So sei man nicht nur
erreichbar, sondern up to Date,
etwa durch mobile Teilnahme
an Videokonferenzen.
TREND
WIRTSCHAFT
KLIMAZIEL
Mit EU-Klimazielen verbundene
REGULIERUNGEN UND BERICHTSPFLICHTEN treffen künftig viel
mehr und auch kleinere Unternehmen. Die Umweltpolitik nimmt sie
auf vielfältige Weise in die Pflicht.
Nachhaltig
reguliert
146
T REND | 25. 6. 2021
VON M I CHA EL SC HM I D
achdem sich die Politik in
der EU auf den „Green
Deal“ und damit auf verschärfte Klima- und
Nachhaltigkeitsziele verständigt hat, werden nun die Unter
nehmen in die Pflicht genommen, diese
umzusetzen. Der Weg dazu führt über
immer mehr sowie schärfere und umfangreichere Regulierungen, vor allem,
aber nicht nur auf EU-Ebene.
Eines der Felder dabei ist das Nachhaltigkeitsreporting. Betrafen Nachhaltigkeitsberichte hierzulande bislang einen überschaubaren Kreis börsennotierter Großunternehmen, so werden diese
gemäß der neuen „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) der
EU ab 2023 für alle „großen“ Kapital
N
IN
KOOPERATION
MIT
FOTOS: ISTOCKPHOTO, BEIGESTELLT (2)
gesellschaften (40 Millionen Euro Um
satz, 20 Millionen Euro Bilanzsumme,
250 Mitarbeiter, wenn zwei dieser drei
Kriterien überschritten werden) obliga
torisch. „Die CSRD wird zum Game
changer“, konstatiert Stefan Uher, Part
ner beim Prüfungs- und Beratungs
unternehmen EY. Uher und sein Kollege
Georg Rogl sind neben Leiter Martin
Unger die beiden Co-Leiter der neuen
EY-Einheit EYCarbon, wo der Berater
alle Services um Klimaneutralität,
Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit
unter einem Dach bündelt.
„Etliche Tausend Unternehmen in
Österreich“, so schätzt Rogl, werden nun
also erstmals, zudem inhaltlich deutlich
umfangreichere und anspruchsvollere,
Nachhaltigkeitsberichte erstellen müs
sen. Diese sind – auch das gab es bisher
nicht – einer externen Prüfung zu unter
ziehen. Laut einer EY-Studie haben zu
letzt 42 Prozent der 100 größten heimi
schen Unternehmen einen Nachhaltig
keitsbericht vorgelegt, selbst aus diesem
exklusiven Kreis wird damit also mehr
als die Hälfte Neuland betreten.
Uher beobachtet bereits den Trend
„Sustainability goes Finance“. „Das
Nachhaltigkeitsreporting wandert in die
Finanzabteilungen, weil man dort das
Reporting gewohnt ist“, so der Experte.
Das macht auch insofern Sinn, weil
sowohl am Kapitalmarkt als auch bei
der Kreditvergabe zunehmend auf öko
logische Kriterien in der Unternehmens
finanzierung geachtet wird.
GRÜNER UMSATZANTEIL. Eine der
Grundlagen dafür und eine relativ neue
Blüte im Strauß der grünen Regulierun
gen ist die EU-Taxonomie. Das ist ein
einheitliches Klassifizierungssystem für
nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Es
soll die Transparenz des Nachhaltig
keitsgrades von Unternehmen erhöhen,
Greenwashing entgegenwirken und
letztlich Finanzierungsströme verstärkt
in jene Unternehmen lenken, die sich
besonders intensiv mit nachhaltigen
Wirtschaftsaktivitäten
beschäftigen.
Schon für das Geschäftsjahr 2022 wer
den Unternehmen, die der Nachhaltig
keitsberichterstattung unterliegen, auch
angeben müssen, welche Umsatzanteile
sie aus nachhaltig hergestellten bezie
hungsweise erbrachten Produkten oder
Dienstleistungen erwirtschaften. Auch
welcher Prozentsatz der Gesamtinvesti
„Unternehmen müssen „Verpflichtendes Nach
darstellen, wie sie bis 2050 haltigkeitsreporting wird
klimaneutral werden.“ zum Gamechanger.“
G E O RG RO G L
NACHHA LTIG KEIT SE XPERTE
SENIO R M A NAGER EY
tionen sowie der betrieblichen Aufwen
dungen auf ökologisch nachhaltige Akti
vitäten entfällt, muss darin angegeben
werden. Der „Definitionenkatalog von
500 Seiten technischen Kriterien mit
harten Schwellenwerten dafür, was
grüner Umsatz ist“, so beschreibt Rogl
die Taxonomie, wird dabei 2022 aber
erst im Hinblick auf zwei von insgesamt
sechs Umweltzielen der EU „scharf
gestellt“, nämlich für Klimaschutz und
Anpassung an den Klimawandel.
VIELFÄLTIGE PFLICHTEN. Ab dem Ge
schäftsjahr 2023 werden alle Aktivitä
ten der Unternehmen zudem auch im
Hinblick auf Nutzung und Schutz von
Wasser und Meer, Vermeidung und
EYCARBON
Nachhaltigkeit unter
einem Dach
Die Nachhaltigkeitsberatung
EYCarbon vereint alle Services von EY rund um Nachhaltigkeit unter einem Dach und bietet
laufend Einblicke, Studien und
Events rund um Dekarbonisierung
und Klimawandel für österreichische Unternehmen.
www.ey-carbon.at
ST E FA N UH E R
WIRT SCHA F T SPRÜFER
PA RTNER EY
Kontrolle von Umweltverschmutzung,
Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
sowie Schutz von Biodiversität und
Ökosystemen unter die Lupe genom
men und dahingehend geprüft, ob sie
grün genug sind.
„Vor allem für die kleineren der
betroffenen Unternehmen wird das
anspruchsvoll, auch weil es so schnell
kommt“, sagt Uher. Rogl weist darauf
hin, wie tief diese Regulierung Grund
ausrichtung und Strategien betrifft: „Die
Unternehmen müssen letztlich in ihren
Geschäftsmodellen darstellen, wie sie
bis 2050 Klimaneutralität erfüllen wol
len.“ Uher bestätigt: „Die Geschäfts
modelle stehen unter Beobachtung und
der Druck wird steigen.“ So müssten
sich etwa nun alle mit „Carbon Accoun
ting“ beschäftigen, was bisher nur ein
Thema für Unternehmen war, die
CO2-Zertifikate benötigten.
Der regulatorische Druck wächst
nicht nur seitens der EU, auch nationale
Gesetzgeber, wie Deutschland mit dem
aktuellen Lieferkettengesetz, erlassen
neue Nachhaltigkeitsvorschriften. „Das
wird auch in der EU kommen“, sagt
Rogl. „Und das kann unfassbar komplex
werden“, ergänzt Uher. Für die Unter
nehmen weht jedenfalls ein deutlich
rauerer Regulierungswind. Diesen Kli
maeffekt hat die Umweltpolitik auf
jeden Fall schon einmal bewirkt.
25. 6. 2021 | T RE ND
147
TREND
SERVICE
KARRIERE
Der Wiener Wirtschaftsanwalt ROBIN LUMSDEN hat zwei Jahre
für den TREND von seinen Studien in Stanford berichtet.
Auch zurück in Wien hält er Kontakt zur US-Eliteuni.
Diesmal: Wie der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat versucht,
die Impfbereitschaft zu steigern, und welche Rolle dabei
LOTTERIEN und Verlosungen spielen.
Die
Wiedereröffnung
Kaliforniens
IN STANFORD KEHRT so wie überall in Kalifornien
nun wieder Normalität zurück. Zwar hat Corona
viele (positive) Digitalisierungseffekte hinterlassen,
dennoch ist man sich einig: „Wir sind reif zum Öffnen.“ Am bevorstehenden amerikanischen Nationalfeiertag am 4. Juli dürfte in erster Linie der klare
Sieg über die Pandemie gefeiert werden. Die Wirtschaft ist wieder voll im Gange, Wachstum und Beschäftigung erreichen bald v orpandemische Werte.
Der Erfolg wird zum großen Teil den Impfungen und dem datenbasierten Vorgehen zugeschrieben. Nicht überall ist man allerdings der Impfung
gegenüber positiv aufgeschlossen, in urbanen
Zentren haben bereits fast 70 Prozent der Bewohner mindestens die erste Impfung erhalten, in
ländlicheren Regionen liegt die Quote nur etwas
über der Hälfte.
Insbesondere dort, wo es kaum noch Fälle
gibt – vor allem in den dünner besiedelten Staaten –
und wo es ohnehin kaum Einschränkungen gab,
ist es natürlich schwierig, zu überzeugen. Dabei
gibt es innerhalb der Bevölkerung keinen allgemeinen Konsens, inwiefern Covid aktuell überhaupt
noch ein Problem darstellt. Dazu sind die USA ein
viel zu heterogenes Volk. Auch wird natürlich die
Rolle des Staates oft hinterfragt: Solange kein
148
T REND | 25. 6. 2021
VON
R O B I N LU M SD EN
usammenbruch des Gesundheitssystems mehr
Z
droht, seien sämtliche Maßnahmen mangels sachlicher Grundlage aufzuheben, hört man oft.
Dazu kommt auch die Rolle der Politik: Insbesondere Republikaner wollen sich nichts aus
Washington vorschreiben lassen, schon gar nicht
vom Demokraten Joe Biden, der „ihren“ Donald
Trump besiegt hat. All das führt dazu, dass die
USA zwar weiter „Impfweltmeister“ sind, aber
kaum noch Wachstum verzeichnet werden kann.
Immer mehr Bevölkerungsschichten können aus
sozialen, ideologischen, religiösen oder ethnischen
Gründen nicht mehr erreicht werden. Ob das noch
ein Problem wird, ist unklar.
DABEI VERSUCHT SPEZIELL Kalifornien, mit sei-
D ER AUTO R .
Robin Lumsden ist
Wirtschaftsanwalt in Wien,
New York und Washington.
Er verbrachte zwei Jahre an
der US-Eliteuniversität
Stanford. Seine Arbeit
als Anwalt und die dort
gewonnenen Erfahrungen
verarbeitet er jetzt in
seiner neuen Kolumne.
nen 40 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA, wirklich viel: Mit
Geldanreizen von knapp 100 Millionen Euro
konnte Kalifornien viele Bürger zu Impfungen
bewegen und bereits Geimpfte belohnen. Gouverneur Gavin Newsom war stolz auf das „Vax for the
Win“-Programm, die größte Impfanreizinitiative
in den USA. In einem Lotterieverfahren erhielten
zehn vollständig geimpfte Teilnehmer jeweils
1,5 Millionen Dollar, weitere 30 immerhin noch
DER AUTOR mit David
Crane (l.), dem früheren
Kabinettschef von
Gouverneur Arnold
Schwarzenegger und
Stanford-Vortragenden.
Crane half jetzt bei vielen
Initiativen Kaliforniens zur
Erhöhung der Impfbereitschaft mit.
II Freiheit gilt in
FOTO: PRIVAT
den USA nach wie
vor als oberstes
Gut – auch die
Freiheit, sich
mit Corona zu
infizieren. II
jeweils 50.000 Dollar. Wer schon länger geimpft
ist, wurde automatisch in die Verlosung aufgenommen. Zwei Millionen Kalifornier, die sich in den
kommenden Wochen impfen lassen, erhalten dafür
einen Einkaufsgutschein über 50 Dollar. Arnold
Schwarzeneggers Ex-Kabinettschef David Crane,
Lesern des trend als einer meiner Lehrer in Stan ewsoms
ford bekannt, war bei vielen Initiativen N
zur Erhöhung der Impfbereitschaft dabei.
Bisher wurden (Stand Ende Juni) knapp
180 Millionen Erstimpfungen durchgeführt, die
Impfquote liegt bei knapp 55 Prozent, bei den vollständig Geimpften bei knapp 45 Prozent. Diese
erfreulich hohe Quote scheint aber nun gefährdet,
die Impfbereitschaft gerät ins Stocken.
Kalifornien ist kein Einzelfall, mit Preisausschreiben wurden quer durchs Land Millionen
gewinne versprochen, Freiflüge und Freigetränke.
Überhaupt wird das Impfen den Amerikanern
leicht gemacht: Schon lange gibt es keine Priorisierung für bestimmte Bevölkerungsgruppen
mehr, Tausende Apotheken und Kommunen bieten Impfungen ohne Terminvereinbarung an. Das
hat in der ersten Phase gewirkt: In vielen Landesteilen sind große Impfzentren wieder geschlossen
worden, weil es nicht mehr genug Nachfrage gab.
DIE USA SIND ABER im globalen Vergleich noch
D IE INTER A KTIV E
KO LUM NE .
Scannen Sie diesen Code mit
dem QR-Code-Reader Ihres
Handys ein, beantworten Sie
Robin Lumsdens Frage und
geben Sie einen Kommentar
dazu ab. Oder schreiben Sie
dem Autor unter:
redaktion@trend.at
immer ein Impf-Herzeigeland: Es gibt keinen
mangelnden Nachschub bei den Impfstoffen, hier
geht es inzwischen nur noch darum, die Spritzen
unters Volk zu bringen. US-Präsident Joe Biden
und seine Corona-Experten fordern die Bürger
nun fast täglich auf, sich die Anti-Corona-Spritze
zu holen. „Jetzt ist die Zeit, sich impfen zu lassen.
Es wäre eine Tragödie – und eine vermeidbare –,
falls die Covid-Fälle unter den Ungeimpften wieder ansteigen, zumal die Impfungen kostenlos und
einfach verfügbar sind“, erklärte Biden.
Aber eine allgemeine Impfpflicht ist in den
USA politisch undenkbar, weil das natürlich als
unangemessen großer staatlicher Eingriff in das
Recht auf Selbstbestimmung gilt. So etwas wie
den „Grünen Pass“ in Europa, gibt es in den USA
nicht und wird es wohl mangels Einigung
zwischen den Bundesstaaten auch nie geben.
Viele Staaten haben wie Texas sogar ausdrückGesetze verabschiedet, dass nach dem
lich
Impfstatus nicht einmal mehr gefragt werden
darf. „Freiheit“ gilt nach wie vor vielen als das
oberste Gut, auch die Freiheit, sich zu infizieren,
seine Umgebung und damit auch die gesamte
Wirtschaft.
25. 6. 2021 | T RE ND
149
Know your limits
Vier Wochen Urlaub während eines besonders schwierigen Projekts
schienen ein Ding der Unmöglichkeit. Aber es hat geklappt.
FOTO: BEIGESTELLT
DER SOMMER DES JAHRES 1984 ist wegen des
schlechten Wetters in die Geschichte der westeuropäischen Meteorologie eingegangen. Ich bin damals mit 28 Jahren der wahrscheinlich jüngste
Partner einer Beratungsgesellschaft auf der ganzen Welt; verantwortlich für zehn Projekte in ganz
Europa, die sich hauptsächlich zwischen Italien,
Deutschland und England verteilen. Ich besteige praktisch täglich ein oder mehrere Flugzeuge
und eile von e inem Meeting zum nächsten. Es ist
ein wahrer Höllenritt, der mir fast den Atem raubt.
Aber ich will ja die große Karriere machen.
Ein Projekt stellt sich als besonders problematisch heraus: eine Dosenfabrik im Norden Londons. Ein Studienkollege ist der Projektleiter, was
die Komplexität jedoch nicht reduziert. Wir haben
von Beginn an mit großem Widerstand seitens der
Belegschaft und deren Gewerkschaft zu tun. Es beginnt schon damit, dass die Druckereigewerkschaft
meiner Mannschaft das Betreten des Drucksaales
verbietet. Das Management hat dem wenig entgegenzusetzen, und so wird ein exakter Pfad definiert,
auf dem wir den Drucksaal passieren können. Keine ideale Ausgangsposition, aber mein Studienfreund und seine Leute sind trotzdem guter Dinge.
Nach wenigen Wochen ruft er mich an und teilt
mir mit, dass er einfach nicht mehr kann und die
Kündigung eingereicht hat. Er erzählt mir, dass er
in der sehr angespannten Situation dieses Auftrages am Vorabend in sein Hotel kam, um dort seine
Koffer vor dem Zimmer zu finden. Eines der ganz
hohen Tiere meiner Firma – mein Vorgesetzter –
brauchte ein Zimmer und hatte sich einfach seines
genommen. Mein Freund musste bis Mitternacht
eine Alternative suchen – und hat jetzt absolut die
Schnauze voll. Er hat sich schon einiges bieten lassen, aber nun ist es ihm zu viel. Ich falle aus allen
Wolken und versuche, ihn zum Bleiben zu bewegen, aber offensichtlich wurde der Faden wirklich
überspannt und ist nun gerissen.
Ersatz für meinen Freund zu finden, erweist
sich als schwierig, woraufhin gegen meinen Willen
die Entscheidung fällt, dass ich selbst dieses Projekt übernehmen soll. Ich bin stinksauer, denn das
heißt nun, alle meine Pläne zu ändern. Die Sommerferien nahen, und ich habe meiner Frau und
meiner Familie versprochen, diesmal vier Wochen
am Stück Urlaub zu nehmen. Wir haben schon alles gebucht: eine Fahrt mit einem Pferdewagen im
Süden Irlands. Der Urlaub ist seit langer Zeit in der
Zentrale bekannt, aber es dauert nicht lange, bis die
ersten Anfragen kommen, ob ich den Urlaub nicht
verschieben kann. Für mich steht jedoch fest, dass
ich diesem Wunsch nicht nachkommen werde.
Parallel dazu setze ich erste Maßnahmen, um
das Projekt auf Schiene zu bringen. Glücklicherweise gelingt es mir, eine sehr gute Beziehung zu dem
Produktionsleiter aufzubauen. Er wird mein genialer Partner, um die gesetzten Ziele zu erreichen.
Der Mann will schon lange seiner Zentrale beweisen, dass er fähig ist, auch schwierige Herausforderungen zu lösen. Zwei Tage vor meinem Urlaub ist
ein sogenanntes „Progress Meeting“ mit dem Vorstand angesetzt, an dem die vereinbarten Potenziale zu präsentieren sind. Wir sind schon ziemlich in
Verzug. Ich verbringe daher mit meinem Team und
dem Produktionsleiter fast
die ganze Nacht, um mögliche
Verbesserungen zu definieren:
eine Mischung aus Reduktion
von besetzten Positionen an
der Linie, Maßnahmen zur
Erhöhung der Maschinenleistung und Abbau von Personal in der Instandhaltung und
den übrigen indirekten Bereichen wie Innendienst, Buchhaltung etc.
Total erschöpft komme ich um ca. drei Uhr morgens ins Hotel und treffe folgende Entscheidung:
Nach diesem „Progress Meeting“ werde ich wie
geplant vier Wochen auf Urlaub gehen. Ich werde
mich nicht dem Druck meiner Vorgesetzten beugen. Ich lege mich ins Bett und schlafe nur schwer
ein, denn ich spüre, dass es nicht einfach wird, das
durchzuziehen.
Das Meeting verläuft halbwegs erfolgreich. Es
gibt keinen Grund zum Jubeln, aber das Schlimmste kann abgewendet werden. Danach informiere
ich meinen Chef über meine Entscheidung. Er beginnt, zu toben, aber ich bleibe konsequent.
Zwei Tage später bin ich mit meiner Familie in
Irland, und wir verbringen einen unvergesslichen
Urlaub. Zurückgekehrt stelle ich fest, dass das
Team auch ohne mich gut vorankam und Sache erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Meine Lehre aus dieser Geschichte: „Know your
limits“ – sonst wirst du auf der Langstrecke versagen. Und das sage ich nach 40 Jahren im Geschäft,
ohne ausgebrannt zu sein.
ALOIS CZIPIN,
Consulter mit
dem Schwerpunkt
Produktivität, teilt
in der trend-Serie
„BusinessCLASS“
seine Erfahrungen.
Sie können daraus
schlauer werden!
II Ich informiere
meinen Chef, der
zu toben beginnt,
aber ich bleibe
konsequent. II
25. 6. 2021 | T RE ND
151
TREND
PRIVAT
PRIVAT
START
GELITIN. Das
Wiener Kollektiv
setzt sich aus den
vier Künstlern
Ali Janka (*1970),
Wolfgang Gantner
(*1968), Tobias
Urban (*1971) und
Florian Reither
(*1970) zusammen.
Das international gefeierte Künstlerkollektiv GELITIN sorgt im
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum für neue Perspektiven.
DAS ES, DAS ICH,
DAS ÜBER-ICH UND
GELITIN
WAHRNEHMUNGSFRAGEN. Schon bei der Installation
„Weltwunder“ auf der Expo 2000 in Hannover spielte
das 1990 gegründete vierköpfige Wiener Künstlerkollektiv perfekt mit Sehnsüchten und Erwartungshaltungen und dem Überwinden von Hemmschwellen
der Betrachter. Wer das sogenannte „Weltwunder“
sehen wollte, musst erst durch ein in den Boden
eingelassenes Rundbecken tauchen. Subversiv,
körperbetont wie humorvoll auch die Installation der
Truppe für den österreichischen Pavillon in Venedig
2001, wo im Hof des Pavillons ein Biotop angelegt
wurde, oder auch ihre Filmset-Ausstellung „Stinking
Dawn“ mit Liam Gillick in der Kunsthalle Wien 2019.
Verschmelzung von Architektur und Skulptur sowie
der Einfluss dadaistischer Elemente sind immer Teil
152
T REND | 25. 6. 2021
der künstlerischen Praxis, bei der man gerne auch
mit recycelten Stoffen als Material arbeitet. Neue
Kunsterfahrungen mit und durch Gelitin kann man
nun auch im Innsbrucker Ferdinandeum sammeln,
wo sich die vier Künstler mit Blickwinkeln auf
kulturelle Werte, Tradition und die Räume des Tiroler
Landesmuseums beschäftigen, auf gleich drei
Ebenen. Rätselhaft wie verstörend schön. Was die
architektonische Dreiteilung der Schau mit Freuds
Strukturmodell der menschlichen Psyche zu tun hat
und welche Rolle ein riesiger bis zum Obergeschoß
hinaufragender Holzmast, ein überdimensionales
Sofa und der Balkon des Hauses spielen, sollte
man gesehen haben. 1. Juli bis 26. Oktober,
tiroler-landesmuseen.at
LEITUNG
knapp.michaela@trend.at
KNAPPS LISTE
Was Sie auch nicht versäumen sollten.
FESTIVAL DER WOCHE
Livekonzert statt Bildschirmsport
GRAZ. „Lust auf einen spielfreien Abend?“ Mit dieser
Frage positioniert sich die
Styriarte (25. 6. bis 25. 7.)
heuer während der EM-Zeit
launig im Nahkampf ums
Publikum und hat kurzfristig
sogar ein eigenes EM-Abo
eingeführt. Nach dem Motto:
„Ob Achtel- oder Viertelfinale, ob Halbfinale oder Endspiel, die Styriarte hat immer
eine Alternative: Livekonzert
statt Bildschirmsport.“ Zum
Achtelfinale am 27. 6. etwa
liest Peter Simonischek die
Geschichte von der schönen
Psyche und ihrer verrückten
Liebe. Mit Happy End!: „Die
Lust des Apuleius“, 18 und
20 Uhr, Helmut List Halle. Zum
Viertelfinale am 3. 7. interpretiert ebenda das Sopranwunder aus Venezuela, Samuel
Mariño, unter dem Titel „Il
Castrato“ Musik von Händel
und Gluck, 18 und 20 Uhr.
Und zum Finale am 11. 7. ist in
der Pfarrkirche Stainz das
Highlight angesetzt, mit Jordi
Savall und Kirchenmusik von
Händel, Fux und Vivaldi
(20.30 Uhr, live-zv. 21 Uhr,
ORF III). Ein Tipp abseits der
EM-Timeline: Mira Lu Kovacs
(Bild) interpretiert „Love
Songs“, 10. 7., 18 und 20 Uhr,
H. List Halle, styriarte.com.
FOTOS: BIRGIT PICHLER, BEIGESTELLT, NIKOLAUS OSTERMANN, IRINA GAVRICH
Mörbisch muss New York werden
MÖRBISCH. Mit 150.000 Besuchern sind die Seefestspiele Mörbisch das
weltgrößte Festival der
Gattung Operette. Heuer
bringt Intendant Peter
Edelmann einen der ganz
großen Musicalklassiker
erstmals auf die Seebühne:
Leonard Bernsteins Welterfolg „West Side Story“ mit
Hits wie „Maria“, „Tonight“,
oder „Somewhere“. Die 1957
uraufgeführte Story über
zwei rivalisierende ethnisch
geprägte Gangs im New York
der 1950er-Jahre und eine
Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte zwischen Tony und
Maria läuft in Mörbisch im
aufwendigen Bühnenbild
von Walter Vogelweider ab.
Die Regie hat Musical-Profi
Werner Sobotka übernommen. Er weiß, wie große
Show geht. Premiere ist am
8. Juli, 20.30 Uhr. Bis 14. 8.,
tickets@seefestspiele.at.
FREITAG, 25. 6. Ihren
SAMSTAG, 26. 6. In der
85. Geburtstag hat Burgschau- Staatsoper bittet Martin Schläpspielerin Elisabeth Orth
fer zum Ballettabend „Tänze
Bilder Sinfonien“, 19 Uhr.
heuer im Februar gefeiert.
Pandemiebedingt feiert man
nach. Im Akademietheater gibt
FREITAG, 2. 7. Noch bis kurz
es dazu nach einer Lesung von
vor seinem Tod hat Lois
Christine Lavants „Kubinchen“
Weinberger Arbeiten für seine
ein Gespräch mit Hausherr
Schau „Basics“ im Belvedere
Martin Kušej, 20 Uhr. Nicht
21 zusammengestellt.
minder prominent startet
Angelika Hager ihr SommerSAMSTAG, 3. 7. Angelika
Kirchschlager eröffnet das
festival im Thermalbad Vöslau
Amadeus Festival
und eröffnet den
auf dem Areal der
Schwimmenden
ehemaligen SemmelSalon mit der „Traumweis-Klinik (Wien 18.,
Paarung” Caroline
Bastieng. 36-38) mit
Peters und Harald
Schmidt, 20.30 Uhr,
Arien von Mozart bis
ELISABETH
bis 20. August,
Bizet, 19.30 Uhr. Bis
ORTH
10. Juli.
thermalbad-voeslau.at
TREND
PRIVAT
BÜCHER
EDWARD QUINN. „Riviera Cock
tail“. teNeues, 216 S., € 51,40
KULT. Der Fotograf Edward
Quinn, der 1920 in Dublin
geboren wurde und 1997 in
der Schweiz verstarb, wurde
in den 1950er-Jahren zum
Chronisten des glamourösen
Lebens an der Côte d’Azur.
Cannes, Saint-Tropez,
Monaco waren sein Revier. Es
waren die „Goldenen Fifties“.
Stars aus Hollywood, aus
Cinecittà und aus den franzö
sischen Filmstudios frequen
tierten die Strandbars, Cafés
und Restaurants. Grace Kelly,
Brigitte Bardot, Sophia Loren,
Maria Callas waren Stamm
gäste. Politiker und Industrielle
verbrachten hier ihre Ferien.
Besonders gern fotografierte
Quinn jedoch Pablo Picasso in
seinem Atelier. Wie kein ande
rer schaffte er es mit seinen
Fotos, Glamour und Sex-Ap
peal jener Zeit einzufangen.
1980 veröffentlichte er den
Bildband „Riviera Cocktail“.
Das Buch wurde Kult. Nun ist
es in einer Neuauflage erschie
nen. Man blättert gerne und
mit Vergnügen darin.
Vielseitiger
Urlaub
Egal ob Sie Entspannung pur oder Abenteuer im Kopf suchen oder tatsächlich auf
große Fahrt gehen wollen – die LESELISTE von Manfred Gram, Michaela Knapp,
Julia Kospach und Gerald Sturz liefert Spitzenbücher für jeden Geschmack.
ZADIE SMITH. „Grand Union. Erzählungen“. KiWi, 256 S., € 22,70
MODERNES LEBEN ZWISCHEN NEW YORK, LONDON UND PARIS,
verpackt in knapp 20 Storys und erzählt in der – eher: den unverwechsel
baren Stimmen von Zadie Smith, 45, einer der längst ganz Großen der briti
schen Literatur. Es ist Smiths erster Erzählband nach den Romanen und
Essays, die sie berühmt gemacht haben. Mühelos wechselt sie zwischen den
Genres, mal klassische Short Story, mal Ausritt in Richtung Sci-Fi,
mal Reflexion übers Schreiben, mal Literarisierung historischer Er
eignisse. Hardboiled und empathisch spinnt
Smith ihr dichtes Netz großstädtischer Jetzt
zeit und Identitätsfindung zwischen ihren
großen Themen Rasse, Geschlecht und
Macht. Von der alternden, schwulen Transe,
die im orthodox-jüdischen New Yorker Da
menwäschegeschäft („Miss Adele kauft ein
Korsett“) die Nerven verliert, über die als
rückblickende Stationenreise konzipierte se
xuelle Selbstfindung einer farbigen Studentin
(„Éducation sentimentale“) bis zur grandios
ironischen Bestandsaufnahme eines All-in
clusive-Cluburlaubs in Spanien („Der Fluss
der Faulheit“), wo eine Lazy-River-Pool
anlage zur Metapher fürs Leben wird.
154
WOLFGANG KOS. „Der Semmering. Eine ex
zentrische Landschaft“. Residenz, 384 S., € 34
ALS DEN „BALKON VON WIEN“ bezeichnete
man einst den Semmering. Hier traf sich um die
vorletzte Jahrhundertwende nicht nur die noble
Gesellschaft aus Wien und
aus anderen Teilen der
K.-u.-k.-Monarchie, son
dern auch Künstler der
Wiener Moderne und die
Bohemiens aus den Kaffee
häusern. Sie trafen sich in
eleganten Villen, in mondä
nen Grandhotels und auf
den Terrassen der Cafés.
Spätestens in den 1930er-
Jahren ging es mit dem
Semmering bergab. Der
aufkeimende Antisemitis
mus vertrieb die Stammgäste. Wolfgang Kos,
legendärer Radiojournalist und Ex-Direktor des
Wien Museums, erzählt nun die Geschichte
dieser Kulturlandschaft. Ohne dabei in eine
„Nostalgiefalle“ zu tappen.
CHRISTIAN HLADE.
„Wanderwissen
kompakt“. Braumüller,
224 S., 16 Euro
NASTASSJA MARTIN.
„An das Wilde glauben“.
Matthes & Seitz,
139 S., € 18,50
FOTOS: EDWARDQUINN.COM, GETTY IMAGES, VERLAG (9)
WAS FÜR EIN
BUCH! Roman, Erleb
nisbericht einer Gene
sung, anthropologische
Studie? Ganz egal. Das schmale, ebenso un
heimliche wie hoch poetische Buch der fran
zösischen Anthropologin Nastassja Martin,
Jahrgang 1986, erzählt von ihrer brutalen
Wiedergeburt, nachdem sie während einer
Forschungsreise zum indigenen Rentierzüch
ter-Volk der Ewenen auf der ostsibirischen
Vulkanhalbinsel Kamtschatka von einem
Bären schwer verletzt wird. Der Bär beißt ihr
ins Gesicht, sie hört ihre Kiefer krachen,
riecht im Dunkeln des Bärenschlunds seinen
schlechten Atem. Die Sprache der animisti
schen Ewenen besitzt ein eigenes Wort für
die wenigen Menschen, die den Angriff eines
Bären überlebt hat: Für sie ist Nastassja
Martin nun „miedka, halb und halb“, halb Bär,
halb Mensch, Wanderin zwischen den Welten.
In ihrem unvergleichlich fesselnden Buch, in
dem Bär und Angriff nur in wenigen Absätzen
vorkommen und doch in Traumwelten omni
präsent sind, berichtet Martin, wie unter
dem brachialen Einbruch der Wildnis in ihren
Körper das animistische Weltbild der Ewenen
in ihr selbst Form annimmt und die Distanz
der Anthropologin zu ihrem Forschungs
gegenstand für Monate einreißt. Grandios
übersetzt und absolut faszinierend!
WANDERN
MACHT EINFACH
GLÜCKLICH! Das
schreibt der Wan
derexperte und
Gründer des Grazer Reiseveranstalters Welt
weitwandern. „Viele Menschen“, so Hlade,
„entdecken gerade jetzt das Wandern als
ideale, bereichernde und sehr gesunde Frei
zeitaktivität.“ Hlades Buch trifft also sehr gut
den Zeitgeist. Alles, was man übers Wandern
wissen sollte und müsste, erfährt man nun in
diesem sehr nützlichen Nachschlagewerk.
Hlade, der bereits mit seinem „Das große
Buch vom Wandern“ sehr erfolgreich war,
kann auf eine 40-jährige Wandererfahrung
und auf über 50.000 Wanderkilometer zu
rückgreifen. So lernt der Leser zum Beispiel,
wie man mit GPS oder Wander-Apps umgeht,
wie Kartenlesen funktioniert und wie man aus
der Karte die Wegzeiten berechnet. Er erstellt
Packlisten, gibt Tipps für eine optimale Wan
derausrüstung und Empfehlungen für eine
richtige Ernährung. Eine essenzielles Hand
buch für wanderbegeisterte Menschen und
solche, die es jetzt endlich werden wollen.
SCOTT MCCLANAHAN.
„Crap“. Ars Vivendi, 195 S., € 20,90
SCHMUTZIG. Die eigene Biografie literarisch
auszuschlachten ist meist eine zweischneidige
Angelegenheit. Nicht so beim amerikanischen
Underdog Scott McClanahan. Der schafft es mit
unpeinlicher Ausdrucksstärke, sein Leben so aus
zuwalken, dass einem zwischen all den Grotesken
und Skurrilitäten nicht fad wird. Das bewies er
eindrucksvoll in dem im Vorjahr erschienenen Roman „Sarah“, in dem er
seine gescheiterte Ehe sezierte. In „Crap“ erzählt er vom Aufwachsen in
einer kaputten Bergwerkstadt in West Virginia und setzt in liebevoller
Schonungslosigkeit seiner eigenen (kaputten) Familie ein würdevolles
Denkmal. „Crap, also Scheiße, düngt
die Erde, und dann wachsen Blumen“,
heißt es im Buch, und dieser Satz gibt
die Marschrichtung vor. Schließlich
wirkt die Schönheit des Lebens dort
am stärksten, wo sie nicht vermutet
wird. Ein hehrer Ansatz, einmal
mehr kongenial von Clemens Setz
ins Deutsche übertragen.
HELEN MACDONALD. „Abendflüge“.
Hanser, 352 S., € 24,70
SEIT IHREM BESTSELLER „H wie Habicht“
über das Falknerhandwerk als Vehikel der
Selbstfindung steht die englische Wissen
schaftshistorikerin Helen Macdonald für literari
sches Nature Writing vom Feinsten. Ihr neues
Buch „Abendflüge“ ist eine Textsammlung, in der
die Natur, vor allem Vögel, zur großartig be
schriebenen Kulisse für Betrachtungen zu The
men wie Gefangenschaft und Migrationsströmen,
Rückzugsorten und Freiheit wird. Von den
Abendflügen des Mauerseglers bis zu riesigen
Kranichkolonien in Ungarn, von der Sehnsucht
nach ländlichen Kindheitslandschaften bis zur
tröstlichen Befriedigung, die Naturbeobachtungen
dem Menschen bescheren.
VIOLETTE LEDUC. „Thérèse und Isabelle“.
aufbau Verlag. 169 S., € 20,60
EXISTENZIELL. Violette Leduc
eschreibt in „Thérèse und Isabelle“ kurz
b
und bündig die Liebesgeschichte zwischen
zwei Internatsschülerinnen. Was vor sie
ben Jahrzehnten der Zensur zum Opfer fiel, sorgt
nun im unzensierten Nachdruck für Nachdruck.
Hinter streng regulierten Schulmauern entdecken
zwei Mädchen die körperliche Liebe. Nur so viel:
Die poetische und existenzielle Wucht, mit der die
Autorin, eine Freundin von Simone de Beauvoir,
auf allen Ebenen das intime Kennenlernen ihrer
zwei Protagonistinnen beschreibt, gehört wahr
scheinlich zum Wichtigsten und Schönstem, was
wohl je darüber geschrieben worden ist. Nicht zu
letzt, weil hier das Kunststück gelingt, Explizites zu
schildern, ohne dabei Voyeuristisches zu bedie
nen. Späte Gerechtigkeit für ein großartiges Werk.
EMILIE PINE. „Botschaften an mich selbst“, Essays. btb Verlag, 224 S., € 20,60
STARKER STOFF. In Emilie Pines sechs großarti
gen Essays wird an genau jene Bereiche des Privaten
gerührt, deren Details, weil tabuisiert und schwer
auszuhalten, kaum je benannt werden. „Ich habe die
Essays geschrieben, die ich selbst lesen musste“,
so Pine, Professorin für Modernes Drama am Uni
versity College Dublin, über ihr erstes nichtwissen
schaftliches Buch, das seit seinem Erscheinen im
englischen Original gefeiert und ausgezeichnet
wird. Zu Recht. Hier geht es ums Ganze, um die
Umstände des Frauseins und –werdens, zumal im erz
katholischen Irland, dessen Gesetze Pines Herkunfts
familie, weil Scheidung nicht möglich ist, in Not stürzen.
Es geht um Kinderalltag in Armut und Hunger, um wilde
Teenagerjahre, sexuellen Missbrauch, um die körper
lichen Eingriffe, die nötig sind, um der eigenen Un
fruchtbarkeit vielleicht doch noch ein Schnippchen zu
schlagen, oder um den alkoholkranken Vater. Vor allem
aber darum, wie man aus der Summe dieses Erlebten
gelungenes Leben und Literatur schafft.
25. 6. 2021 | T RE ND
155
TREND
PRIVAT
BÜCHER
LESLIE JAMISON. „Es muss
schreien, es muss brennen“,
Essays. Hanser Berlin,
320 S., € 25,70
INTELLIGENTE
BEOBACHTUNGEN.
DANIEL KAHNEMAN,
OLIVIER SIBONY und CASS R.
SUNSTEIN. „Noise“. Siedler
Verlag, 480 S.,€ 30,90
JOYCE CAROL OATES.
„Blond“. Ecco, 1.024 S., € 26,80
KLASSIKER. Verehrt und
bewundert, ausgebeutet
und unterschätzt. Bereits
2001 hat Joyce Carol Oates
das Leben von HollywoodLegende und Popikone
Marilyn Monroe auf mehreren Ebenen beleuchtet und
gezeigt, wie viel das Leben
des Sexsymbols über patriarchale Strukturen verrät.
Jetzt wurde der Erfolgsroman der 83-jährigen US-Autorin neu aufgelegt. Oates
erzählt von der Verwandlung der 1926 geborenen
Norma Jeane Baker zur
Kunstfigur Marilyn Monroe,
von ihrem Schmerz wie
ihrer Strahlkraft bis zum tragischen Ende. Und spaltet
dazu die Protagonistin in die
blonde Darstellerin und ein
Mädchen mit Vaterkomplex.
ENTSCHEIDUNGSFRAGE.
Treffen sich ein Psychologe, ein
Unternehmensberater und
Jurist – und schreiben ein Buch.
Und zwar darüber, wie Entscheidungen zu Stande kommen. In unzähligen, manchmal
eindrucksvollen, manchmal
ermüdenden, Beispielen wird
gezeigt, dass es statistisch
unmöglich ist, Entscheidungen
vorauszusehen. Als „Noise“
(Rauschen) bezeichnen
die Autoren diese zufällige und unerwünschte
Streuung beim Schaffen
von Tatsachen. Und:
Menschliche Urteile sind
fast immer verrauscht
und hängen von Faktoren
ab, die man nicht permanent am Schirm hat. Ergo:
Der Zufall spielt stets eine
gewichtige Rolle. Wohl
auch, ob, wann, wo, wie
dieses Buch gekauft und
gelesen wird.
TERESA PRÄAUER. „Das Glück ist eine Bohne“.
Wallstein Verlag, 312 S., € 24,70
KITSCH UND KUNST. Die 42-jährige österreichische
Autorin und Performerin liefert hier eine Kurzgeschichtensammlung vom Feinsten und erweist sich einmal mehr als
kluge wie humorvolle Beobachterin von Alltagskultur.
Es geht um Kunst und das Internet, YouTube-Tutorials,
Datingshows, ein Foto von
Kim Kardashian, Glitzer
und Popkultur und wie
das alles ein kaleidoskopisches Ganzes ergibt. Woher kommt das Bedürfnis,
mit einem T-Shirt-Spruch
Selbstauskunft zu geben,
fragt sich die Autorin
etwa, sinniert über die
„Unerträglichkeit des
Schönen“ oder erklärt
ihre Sehnsucht nach
Après-Ski in einem Bogen von
ihrer Kindheit in
Salzburg bis zu
Aufenthalten in
Amerika. So gibt
man Zufällen eine
Ordnung.
156
T REND |
Die US-Amerikanerin Leslie
Jamison, 38, wird als eine der
originellsten Denkerinnen ihrer Generation gehandelt und
steht im Wettbewerb um die
Nachfolge von Susan Sontag
und Joan Didion in den vorderen Reihen. Ihr neuer Essayband behandelt Themen wie
Obsession und Distanz,
Wahrnehmung und Selbst
bezogenheit, Einsamkeit und
Reinkarnation. Was mitunter
grandios beginnt – wie ihre
Geschichte über den einsamsten Wal der Welt
(„52 Blue“) oder wie „Wir erzählen uns Geschichten, um wieder zu leben“
über einen Buben, der sich als Reinkarnation eines im Zweiten Weltkrieg
abgeschossenen US-Air-Force-Piloten fühlt –, endet auch einmal in Plattitüden à la „dass nichts in unserem Leben einzigartig ist, dass wir immer – in
gewisser Weise – wiederleben“. Lesenswert ist es nichtsdestotrotz.
SAHRA WAGENKNECHT.
„Die Selbstgerechten“,
Campus, 345 S., € 25,60
GESELLSCHAFT UND
POLITIK. Links ist heute in
erster Linie eine Lifestylefrage. Politische Konzepte
für sozialen Zusammenhalt
bleiben auf der Strecke, so
wie schlecht verdienende
Frauen, arme Zuwandererkinder, ausgebeutete Leiharbeiter und große Teile der
Mittelschicht, schreibt
Sarah Wagenknecht in
ihrem viel diskutierten Buch
über einen Linksliberalismus, der sich progressiv
wähnt, aber die Gesellschaft weiter spaltet.
Clevere wie fulminante Abrechnung, die auch bei den
Parteikollegen der 51-jährigen Politikerin und studierten Volkswirtin nicht nur für
Applaus sorgte. Gut so.
COLIN NIEL. „Nur die Tiere“.
Lenos, 286 S., € 22,70
KRIMI NOIR. Eine kleine
Stadt im französischen
Zentralmassiv, wo die Bewohner wortkarg sind und
ihre Geheimnisse zu hüten
wissen. Dann verschwindet
eine Frau spurlos. Und mit
jedem weiteren Kapitel
ergeben sich ein weiteres
Geheimnis und ein neuer
Verdacht gegen immer
neue Verdächtige, erzählt
aus fünf Perspektiven. Mit
seinem Krimi gelingt dem
französischen Autor und
Evolutionsbiologen auch
eine Eins-a-Schilderung
des ländlichen Frankreichs
von heute und prekärer Milieus und ein unerwarteter
Bogen von französischen
Berghöhen in afrikanische
Chatrooms. Abgefahren
und rabenschwarz!
FRIEDRICH ANI. „Letzte Ehre“.
Suhrkamp, 270 S., € 22,70
GEWALTIG. Krimi-Routinier Friedrich Anis neuestes
Werk hatte dem Vernehmen
nach eine schwierige Entstehungsgeschichte. Und
auch bei der Einordnung
des Werks tut man sich
nicht leicht. Irgendwie ist
„Letzte Ehre“ ein Roman,
der sich gut als Krimi tarnt.
Ani schickt darin seine
Ermittlerin Fariza Nasri auf
einen düsteren Trip, der
das Verschwinden einer
17-Jährigen klären soll und
dabei tief in den Sumpf
gewalttätiger Männer
fantasien führt. Es geht um
Gewalt gegen Frauen,
Racheakte und weitere
unfassbare Begebenheiten,
die man in den gehobenen
sozialen Schichten, wo ermittelt wird, nicht vermutet.
Ein sinistres Sittenbild.
KILEY REID. „Such a Fun Age“.
Ullstein, 352 S., € 22,70
WOKE. Das Gegenteil von
gut ist gut gemeint. Unaufdringlich, witzig spießt Kiley
Reid in diesem für den Booker Prize nominierten Roman,
die Realität für Afroamerikaner in den USA vor der
Trump-Ära auf. Die 25-jährige Studienabsolventin
Emira verdingt sich als
Babysitterin in einem
privilegierten Haushalt.
Als die junge Frau von
Polizisten spontan
verdächtigt wird, das
ihr anvertraute Kind
entführt zu haben,
eskaliert die Lage. Mit
Leichtigkeit verwebt
Reid schwierige Themen wie Hautfarbe,
Vorurteile, Zukunftsängste,
soziale Ungleichheit zu einer
messerscharfen Analyse
und karikiert dabei die Fehl
interpretationen Weißer,
wenn es um „Wokeness“ und
„Political Correctness“ geht.
Und zwar so, dass das Lachen dabei nicht nur befreit,
sondern auch Brücken zwischen den Gräben zu bauen
vermag.
PETER BUWALDA. „Otmars
Söhne“. Rowohlt, 624 S., € 24,70
FAMILIENAUFSTELLUNG.
Peter Buwalda gilt als einer
der wichtigsten niederländischen Gegenwartsautoren. In
seinem neuen Roman, dem
ersten Teil einer Trilogie, zeigt
er eindrücklich, warum.
Scharfsinnig und mit bitterer
Ironie zerlegt er eine Familiengeschichte in ihre Bestand
teile, um sie neu zusammenzusetzen. Ludwig Smit, junger
Mitarbeiter bei Shell, trifft in
Sibirien seinen leiblichen Vater.
Gesucht hat er ihn nicht, Dreck
am Stecken hat der Erzeuger,
ein Sadist übelster Sorte, trotzdem. Aber das ist nur ein Aspekt des 600-Seiten-Ziegels,
der Ludwigs Ehe ebenso beleuchtet wie seine Kindheit mit
Stiefvater Otmar und dessen
leiblichen, gedrillten Geniekindern. Acht Jahre hat Buwalda
an diesem Buch gefeilt, Sätze
und Plot sitzen daher perfekt.
JORDAN B. PETERSON. „Beyond Order – Jenseits der Ordnung“.
FBV, 400 S., € 23,70
DISKUSSIONSSTOFF. Der Psychologe, YouTube-Star und Professor
provoziert mit seinen Thesen und geriert sich – mehr oder weniger
genussvoll – als Bollwerk gegen politische Korrektheit, Genderstudies
und Feminismus. Damit hat er durchaus Erfolg, wenn er sich eklektisch
und leicht verständlich aus Biologie, Literatur, Religion, Mythen und seiner klinischen Erfahrung eingängige Thesen zurechtzimmert und Regeln
aufstellt. Etwa aktuell zwölf neue, die dazu auffordern, Strukturen aufzubrechen und Chaos zuzulassen. Durchaus diskussionswürdig, auch
wenn der angeschlagene Ton nicht immer erträglich ist.
ULRIKE STERBLICH. „The German Girl“.
Rowohlt, 384 S., € 20,60
AUF SPEED. Schauplatz ist das drogenschwangere New York der Sechziger, wo sogenannte Feelgood-Doctors ihre Promi-Klientel
von Maria Callas bis zu Tennessee Williams
ganz legal mit dem versorgten, was die Rolling
Stones als „Mother’s little Helper“ besangen,
Amphetamine, Vitamine, Beruhigungsmittel. –
„Was ist schlecht daran, gut
drauf zu sein?“ war Motto
der Speed Doctors, die die
Party am Laufen hielten. Die
beiden bekanntesten waren
die aus Deutschland stammenden Max Jacobson und
Robert Freymann, wie die
Autorin für ihr dokumentarisch-fiktionales Romandebüt recherchiert
hat. Auch das titelgebende „German Girl“ hat
eine reale Vorlage.
Spannende Zeitreise!
ANNA BAAR. „Nil“. Wallstein
Verlag, 148 S., € 20,60
ZITATENSPIEL. Das
schmale Büchlein hat es in
sich. Anna Baar lässt in „Nil“
auf packend virtuose Weise
Realität und Fiktion verschwimmen und feiert in einer
schier unendlichen Referenzwelt die Post-Postmoderne.
Dementsprechend schwierig
ist es also, zusammenzufassen, worum es hier
geht. Oder gar die ganzen Anspielungen und
Bausteine zu entschlüsseln. Einen Versuch ist es
aber allemal wert, denn mit poetischer Wucht
kleistert hier Baar einen eigenen hoch literarischen Kosmos zusammen, wenn ihre Ich-Erzählerin (oder ist es doch ein Erzähler?) den Schluss
eines Fortsetzungsromans für ein Frauen
magazin verfasst und gleich wieder vernichtet –
aus Angst, er könnte Realität werden. Ein
vergnügliches Verwirrspiel.
FOTOS: VERLAG (14), THOMAS LANGDON, THE NEW YORK TIMES/REDUX/LAIF
YUKIKO MOTOYA. „Die einsame Bodybuilderin“. Blumenbar Verlag, 240 S., € 20,60
GROTESK. Schon
einmal vom AkutagawaPreis gehört? Er ist die
höchste literarische Auszeichnung, die man in
Japan vergibt. Yukiko
Motoya ist Trägerin dieses
Preises, und nun liegt von
der in Japan gefeierten
Autorin erstmals etwas in
deutscher Übersetzung vor. „Die einsame
Bodybuilderin“ versammelt elf Erzählungen.
Extrem, mysteriös, grotesk und unheimlich
fantasievoll sind die Geschichten der 42-Jährigen, die, in einem sehr realistischen Ton verfasst, auf Risse und Abgründe im Japan der
Gegenwart hinführen, aber auch Themen wie
Identität und Selbstbehauptung auf den Prüfstand stellen. Da kann man schon einmal mit
einer Strohpuppe verheiratet sein, der Ehegatte
zerplatzen und sich in Pfingstrosen verwandeln
oder eine Frau zum weißen Hund werden.
OLE NYMOEN, WOLFGANG
M. SCHMITT. „Influencer“.
edition suhrkamp, 192 S., € 15,50
MICHAELA LINDINGER. „Elisabeth Petznek.
Rote Erzherzogin“. Molden, 256 S., € 28
RADIKAL. Sie war die einzige Tochter
des Kronprinzen Rudolf und hätte Kaiserin
werden können, wurde aber lieber Sozialdemokratin und starb 1963 als Genossin
Petznek. Michaela Lindinger widmet sich
dem Leben der extravaganten Erzherzogin
Erzsi, die mit Theodor
Körner wie Bruno Kreisky
befreundet war, in allen
Details: von der Kindheit
im Schatten von Mayerling über Ehe, Scheidungskrieg, Affären und ihre
Kinder, die sie enterben
lies. Ihr Besitz ging an die
Republik Österreich.
KULTURKRITIK. Sie
filmen sich beim Reisen,
Shoppen oder beim Sport
und teilen ihre „photogeshoppten“, „gefilterten“
Tipps und Stories über die
sozialen Medien mit ihren
großteils U30-Fans: Influencer sind aktuell die Topstars,
auf die die Werbeindustrie
baut. Mit ihrem Sachbuch
„Die Ideologie der Werbekörper“ legen der
Soziologe Ole Nymoen und der Filmkritiker
Wolfgang M. Schmitt eine kulturkritische
Analyse des Phänomens vor und sezieren
den „Influencer“ als symptomatische Sozial
figur des digitalen Zeitalters, über die herkömmlichen Stehsätze hinausgehend, witzig
wie kritisch.
25. 6. 2021 | T RE ND
157
TREND
PRIVAT
BÜCHER
HELGA SCHUBERT.
„Vom Aufstehen. Ein Leben
in Geschichten“.
dtv, 224 S., € 22,70
DER KRIEG, DIE ZEITLÄUFE UND EINE KETTE
VON ZUFÄLLIGKEITEN
BEATRICE GALILEE. „Radical Architecture of the Future“. Phaidon, 240 Seiten, 50 Euro
ZUKUNFTSWEISEND. Architektur ist an einem entscheidenden Punkt angelangt.
Es genügt nicht mehr, Gebäude zu bauen und dabei bloß nach ästhetischen und praktischen Kriterien vorzugehen. Architektur muss sich heute vielen neuen Herausforderungen stellen, sozialen, ökonomischen, kulturellen, ethischen. Und sie muss Antworten auf
Fragen zu Nachhaltigkeit und Klimawandel, zu einem intelligenten und umweltverträglichen Umgang mit Ressourcen und mit Raum finden. Dieses großartig illustrierte Buch
stellt Arbeiten von Architekten und Designern, aber auch von Filmemachern und Künstlern vor, die sich diesen Herausforderungen stellen und innovative Lösungen finden.
GÖTZ ALY. „Das Prachtboot“. S. Fischer Verlag, 240 Seiten, € 21,60
WICHTIGER BEITRAG ZUR PROVENIENZDEBATTE. Nun
dreht die sich meist um Raubkunst aus Afrika. Götz Aly richtet
den Blick auf den Pazifik. Er erzählt, wie brutal deutsche Händler,
Abenteurer und Ethnologen in der Südsee auf Raubzug gingen.
Im Mittelpunkt seiner Recherche steht ein 16 Meter
langes, reich verziertes Auslegerboot von der Insel Luf,
die heute Teil von Papua-Neuguinea ist und einst zu
Deutsch-Neuguinea gehörte. Jetzt steht dieses geraubte „Prachtboot“ im neuen Berliner Humboldt Forum und
es stellt sich die Frage: Was tun? Götz Aly hat auch
einen ganz persönlichen Grund, sich mit der Geschichte der deutschen Kolonialherrschaft im Pazifik zu
befassen. Sein Großonkel war als Militärpfarrer auf
dem Bismarck-Archipel im Einsatz.
PETER PAYER UND CHRISTOPHER MAVRIC. „Stille Stadt. Wien
und die Corona-Krise“. Falter Verlag, 160 Seiten, 29,90 Euro
VISUELLE CHRONIK. Wer das ungewöhnliche und verstörende vergangene Jahr Revue passieren lassen will und sich
noch einmal die Bilder von leere Straßen und Plätzen, von vorsichtigen Sommervergnügungen, demonstrierenden Covidioten
und vom islamistischen Terror vom 2. November in Erinnerung
rufen will, der sollte zu diesem Buch greifen. Es enthält, chronologisch geordnet, jene Fotos, die Christopher Mavric
im Laufe dieses Jahres gemacht hat. Ergänzt wird
diese visuelle Chronik des
vergangenen Jahres mit
Beobachtungen des Stadtforschers Peter Payer, der
sich anschaut, was die
Pandemie mit dem sozialen
und kulturellen Gefüge der
Stadt angestellt hat.
158
T REND | 25. 6. 2021
FRANZ SCHUH.
„Lachen und Sterben“.
Paul Zsolnay Verlag,
336 Seiten, € 26,80
ZEITDIAGNOSE
Wie man lachend
dem Schicksal die
Stirn bietet, davon
erzählen die auf
mehreren Ebenen
großartigen Essays
des Wiener Philosophen Franz Schuh, der bekanntlich noch
nie Angst vor vermeintlich schlichten
Themen hatte. Ironisch wie pointenreich spannt er auch hier einen Bogen
von den eigenen Gebrechen bis zu TVTalks, vom Wiener Schmäh bis zu Hape
Kerkeling, von Helmut Qualtinger bis
Hegel. Oder vom barocken Selbstpor
trät bis zum Selfie. Große Gedanken,
brillant formuliert, großer Spaß und:
sichtverändernd!
RENATE WELSH.
„Die alte Johanna“.
Czernin Verlag, 192 S., € 20
EIN FRAUENLEBEN. „Johanna“ hieß der Vorgängerband
von Renate Welshs neuem Buch
„Die alte Johanna“. Er erschien
im Jahr 1984, wurde zum viel
gelobten Jugendbuchklassiker
und erzählt die literarisierte
Lebensgeschichte von Welshs
Nachbarin. Nun folgt, zehn Jahre
nach deren Tod, Welshs Folgeband über das „Was-nachher-geschah“.
Das Label Jugendbuch passt
und ist doch, wie
schon beim ersten Band, viel zu
eng. Denn die
titelgebende
Johanna, „uneheliches Kind einer
Bauernmagd, die
das uneheliche
Kind einer Bauernmagd war“,
erobert sich darin – aus Sicht
des Alters erzähl – den bein
harten Umständen und sozialen
Schranken ihres kargen Lebens
zum Trotz einen festen Platz im
Leben und wird zum klugen Zentrum einer großen Familie und
eines ganzen Dorfs, genau jenes
Dorfs, in das sie in den 30er-
Jahren als uneheliche, entrechtete „Dirn“ gekommen war. Ein
Stück österreichische Frauengeschichte vom Feinsten.
FOTOS: VERLAG
sind es, die Helga
Schubert, Jahrgang 1940,
als 21-Jährige zur Bürgerin
der DDR machen, der zweiten Diktatur ihres Lebens.
In „Vom Aufstehen“ erzählt
die deutsche Schriftstellerin, die im Vorjahr als
80-Jährige mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnet
wurde, ihr Leben in 29 kurzen Geschichten. Diese
sind in Vor- und Rückblenden, Motiven und Personal
eng miteinander verknüpft
und umspannen acht Jahrzehnte buchstäblich am
eigenen Leib erlebter Zeitgeschichte: Kriegswaise
und Flüchtlingskind, bespitzelte DDR-Autorin mit ewiger Sehnsucht, der Enge
vom „Zwergenland“ zu
entkommen, Ducken und
Aufmucken in der Diktatur,
lebenslanges Hadern mit
ihrer von Krieg und Zwang
hart geworden Mutter,
schließlich Ankommen in
einem mecklenburg-vorpommerischen Kleindorf
als Ort fürs Schreiben und
Leben in einer glücklichen
Ehe.
TREND
PRIVAT
REISE
GERALD
STURZ
trend-Traveller
Noch nie hat der trend-Traveller FLORENZ so ruhig
und entspannt erlebt. Das ist eine einmalige
Gelegenheit, nicht nur die historischen Kunstschätze
der Stadt wieder einmal zu besichtigen, sondern
auch das zeitgenössische Florenz zu entdecken.
Die Ruhe
vor dem
Sturm
160
T REND | 25. 6. 2021
FOTOS: ISTOCKPHOTO, JR, LA FERITA, GERALD STURZ (2),
PICTUREDESK.COM/AP/ANTONIO CALANNI
E
STREET ART UND STREET FOOD. Der französische Künstler JR hat der Renaissance
fassade des Palazzo Strozzi eine klaffende
Wunde zugefügt. Wer Schiacciate, also
die Florentiner Sandwiches, probieren will,
ist bei „All’antico Vinaio“ an der richtigen
Adresse.
s fühlt sich ein wenig
so an wie die Ruhe
vor dem Sturm. In
diesen Tagen und
Wochen zeigt sich
Florenz von einer
recht entspannten
Seite. Florenz kann
tatsächlich Florenz sein und nicht ein
Freilichtmuseum für laute, alles verdrängende amerikanische Barbaren und forsche Reisegruppen aus China. Jetzt hört
man in den Gassen wieder mehr Italienisch als amerikanisches Englisch. Es ist
unübersehbar, wie sehr sich die Leute
hier an ihrer Stadt erfreuen. Jetzt gehört
sie ihnen. Ein paar Tage, ein paar Wochen noch, dann ist es wieder vorbei. Und
so sitzen sie in den Restaurants und Cafés, flanieren durch die Uffizien und genießen die Abendstimmung an der Piazza Santo Spirito. Sehr diszipliniert tragen
sie ihre Mascherine – auch im Freien. Der
trend-Traveller hat Florenz noch nie so
angenehm ruhig erlebt – und wird es vermutlich auch nie wieder.
Doch spricht man mit den Leuten hier,
dann sind sie schon in Erwartung der
Touristenströme. Auf jeden Fall im August oder September, sagen sie, werden
sich wieder die Grenzen für die Amerikaner öffnen, vielleicht auch schon im Juli.
Manche können es kaum erwarten, andere genießen noch die Tage der Ruhe.
Also hat der trend-Traveller die Chance
genutzt. Es gibt so viel zu sehen. Man kann
gemütlich durch die Altstadt flanieren
und in Ruhe die prächtigen Renaissancepaläste betrachten. Die Uffizien und die
Galleria dell’Accademia lassen sich ohne
allzu großes Gedränge erkunden, in den
Kaffeehäusern und Restaurants kann man
ohne lange Wartezeiten Plätze ergattern.
Unbedingt sollte man den Arno überqueren und jenes noch recht hippe Viertel
erkunden, das sich Oltrarno nennt.
Jetzt kann man erst so richtig erkennen, was für eine atemberaubend schöne
und romantische Stadt Florenz ist.
FLORENZ-UPDATE. Wer jetzt also sagt,
Florenz sei nur ein riesiges Freilichtmuseum und er habe ohnehin schon so ziemlich alles gesehen, dem möchte der
trend-Traveller darauf aufmerksam machen, dass man erstens nicht oft genug in
die Uffizien oder in der Galleria dell’Accademia gewesen sein kann und dass zweitens Florenz durchaus eine lebendige
Stadt mit einer sehr aktiven Szene ist, die
auch immer wieder Neues zu bieten hat.
Hier sind einige aktuelle Empfehlungen
1. Hotel Savoy. Nicht nur die Location
ist nahezu unschlagbar. Direkt an der Piazza della Repubblica, wenige Gehminuten von Dom, Uffizien, Palazzo Vecchio
und Palazzo Strozzi entfernt, befindet
sich dieses elegante Hotel der immer sehr
zuverlässigen Rocco-Forte-Gruppe (rocco
fortehotels.com). Die Zimmer und Suiten
sind von Rocco Fortes Schwester Olga
Polizzi stilsicher und stylisch gestaltet
und lassen, wie man so schön sagt, keine
Wünsche offen. Der trend-Traveller hat
sich hier sehr wohl gefühlt. Das Restaurant „Irene“ mit seiner schönen Terrasse
auf der Piazza della Repubblica ist ein
Treffpunkt der Florentiner.
2. Die Dante-Tour. Weil sich Dante
Alighieris Todestag zum 700. Mal jährt,
wird der Dichter, der mit der „Göttlichen
Komödie“ eines der Schlüsselwerke der
italienischen Literatur schuf und den
toskanischen Dialekt zur italienischen
Hochsprache machte, entsprechend geehrt. Wer im Hotel Savoy absteigt, kann
eine Dante-Tour buchen, die von der
Dottoressa Letizia Baldi sehr kundig geführt wird und zu einigen Orten führt,
die man mit Dante in Verbindung bringen kann.
3. Moderne Kunst. Der mächtige Palazzo Strozzi hat sich seit einigen Jahren
als ein ausgezeichnetes Ausstellungshaus
für moderne und zeitgenössische Kunst
etabliert. Aktuell zeigt er „American Art
1961–2001“: 80 Arbeiten aus der famosen Sammlung des Walker Art Centers in
Minneapolis.
ZEITGENÖSSISCHE KUNST.
Der Palazzo Strozzi zeigt
amerikanischen Kunst, und
im Gucci Garden werden
Werbekampagnen der
Florentiner Modemarke eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Wie zum Beispiel in diesem
Spiegelkabinett.
25. 6. 2021 | T RE ND
161
TREND
PRIVAT
REISE
GUTE LAGE. Das Resort
liegt mitten im Chianti. Die
toskanische Landschaft
zeigt sich hier von ihrer
schönsten Seite.
HOTELTI P P
Como Castello del Nero
Auf halber Strecke zwischen Florenz und Siena befindet sich ein Luxusresort,
das sich als idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Toskana anbietet.
Das Panorama, das sich beim
Blick aus den Fenster darbie
tet, ist atemberaubend und
quintessenzielle Toskana. Sanfte Hügel,
schlanke Zypressen, die stramm in
Reihe stehen, Dörfer auf den Kuppeln
der Hügel, Weingärten und Olivenhaine.
Wir befinden uns mitten im Chianti,
auf halber Strecke zwischen Florenz
und Siena, in einem Castello, das es
bereits seit dem 12. Jahrhundert gibt
und das den adeligen Familien der Del
Neros und der Torrigiani als Sommer
residenz gedient hat. Nach San
Gimignano und nach Volterra ist es
nicht weit.
Seit 2019 ist das Castello del Nero
das erste Hotel der luxuriösen Como-
FRESKEN UND ANTIQUITÄTEN. Der
Gast kann zwischen historischen und
modernen Zimmern wählen.
162
T REND | 25. 6. 2021
Gruppe (comohotels.com) in Kontinen
taleuropa. 50 Zimmer hat das Castello,
einige mit Fresken und Antiquitäten,
andere in einem nüchternen, reduzier
tem Look, für den die Designerin Paola
Navone verantwortlich ist. Es gibt drei
Restaurants, darunter das mit Miche
lin-Stern ausgezeichnet „La Torre“, wo
Küchenchef Giovanni Luca Di Pirro eine
recht kreative Küche anbietet. Selbst
verständlich gibt es auch hier eines
dieser Shambhala Retreats, für die die
Como Resorts bekannt sind.
Auch etliche Exkursionen sowie ein
Shuttleservice nach Florenz und Siena
werden angeboten, aber die Versu
chung, seine Zeit ausschließlich im
Castello zu verbringen, ist groß.
ELEGANZ. Das Castello ist von einer
großzügigen Parkanlage umgeben.
Eine Kapelle gibt es auch.
4. La Ferita. „La Ferita“, also „Die
Wunde“, nennt sich die riesige, 28 Meter
hohe Installation, die der gerade sehr an
gesagte französische Straßenkünstler JR
an die Fassade des Palazzo Strozzi mon
tiert hat. Sie lässt den Eindruck entste
hen, als wäre die Fassade des Palastes
aufgeschlitzt worden und man könne von
außen einen Blick auf ikonische Florenti
ner Kunstwerke werfen.
5. Gucci Garden. Der Name ist viel
leicht etwas irreführend. Einen Garten
gibt es im Gucci Garden nicht. Er befin
det sich in einem historischen Palazzo di
rekt an der Piazza della Signoria, gleich
neben dem Palazzo Vecchio. Hier ent
faltet sich die Florentiner Modemarke
Gucci. Neben dem Gucci-Museum und
dem Gucci-Verkaufsraum gibt es auch die
„Gucci Osteria“, die von Massimo Bottura
geführt wird, dessen Restaurant „Osteria
Francescana“ in Modena auch schon mal
zum besten Restaurant der Welt gekürt
wurde. Im Museum ist zur Zeit die In
stallation „Gucci Garden Archetypes“ zu
sehen, die in mehreren Räumen fünfzehn
der jüngsten Gucci-Kampagnen präsen
tiert. Sehr spektakulär!
6. Street Food. Bistecca Alla Fiorenti
na, das meist riesige Florentiner Steak, ist
das Signature Dish der Stadt. Die „Osteria
dell’Enoteca“ in Oltrarno ist dafür eine
gute Adresse. Fine-Dining-Restaurants
gibt es auch zur Genüge. Den trend-Tra
veller interessiert aber vor allem das recht
eigenwillige Streetfood. Das „Panino al
lampredotto“ ist ein Kuttel-Sandwich, und
jeder, der nach Florenz kommt, sollte es
probieren. Lampredotto-Standln sind hier
so präsent wie Würstelstandln in Wien.
Beliebt sind auch die Schiacciate, die loka
le Variante der Focaccia. Auch hier hat der
trend-Traveller eine Empfehlung: „All’an
tico Vinaio“ in der Via dei Neri.
FOTOS: BEIGESTELLT (3), TYSON SADLO 2019
HOTEL SAVOY. Das hervorragende Hotel aus der
Rocco-Forte-Gruppe besticht nicht nur durch
seine ausgezeichnete Lage mitten in der Stadt.
TREND
WIRTSCHAFT
REAKTIONEN
LESERBRIEFE
redaktion@trend.at
Überförderung
KOMMENTAR BACHLER
T R E N D. E D I T I O N 3
Mit Interesse habe ich Ihren
„Standpunkt“ gelesen. Man
sieht daran, dass unser System mit dem „Koste es, was
es wolle“ an allen Ecken und
Enden krankt und noch viele
alte, aber auch dadurch erzeugte Probleme erst zukünfig aufbrechen. Zu Kurzarbeit für alle: Kurzarbeit ist
für Unternehmen, die keine
Waren erzeugen, nicht geeignet, und schon gar nicht für
eine Szene, die sich rasch ändert. Sie verhindert ein rasches Wechseln von Mitarbeitern in andere angesagte
Bereiche einer Branche. Und
schon gar nicht für Saisonbetriebe. Kurzarbeit ist geeignet, um Lager abzubauen
oder um keine zusätzlichen
Lager aufzubauen, aber auch
da nur sehr eingeschränkt.
Umsatzersatz und Kurzarbeit für Gastro fördert Überförderung und Unflexibilität.
Herbert Ritt, per Mail
Nobelpreis
KOMMENTAR SCHMID
T RE N D.E DIT ION 3
Dass Franco Foda den Nobelpreis verliehen bekommt,
wird immer wahrscheinlicher. Die Gruppenphase ist
geschafft. Das entspricht allerdings doch eher einem anderen ökonomischen Modell,
nämlich der kooperativen
Spieltheorie, die sich mit den
aufeinander abgestimmten
Verhaltensweisen einzelner
Spieler auseinandersetzt.
Peter Klein, per Mail
IM PR E S S U M
CHEFREDAKTEURE:
GESCHÄFTSFÜHRUNG:
Mag. Andreas Lampl, Andreas Weber
STV. CHEFREDAKTEUR: Oliver Judex
REDAKTION: Mag. Martina Bachler,
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Gabriela Schnabel, Barbara Steininger,
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TREND
PRIVAT
MAHR
UNTERWEGS
Bonjour, Côte d’Azur, auch ohne Yacht …
Seit 30 Jahren begibt sich unser Autor nach Südfrankreich und kennt sie daher alle –
die einfachen, die teuren und die schicken Bistros und Restaurants. Wo es zwischen
CANNES und SAINT-TROPEZ die besten Austern, Crevetten und Bouillabaisses gibt.
HANS MAHR
ist als Medienbe
rater mehr als die
Hälfte des Jahres
unterwegs und
berichtet an dieser
Stelle einmal im
Monat über seine
Erlebnisse beim
Essen, Trinken und
Reisen.
164
DER KLEINE MANN mit der Glatze am Ein
gang des Terrassenbistros heißt David und
macht nicht unfreundlich, aber bestimmt klar: „Noch
fünf Minuten, dann habe ich einen Tisch für vier“,
lässt er die ungeduldige Gruppe wissen. Im Sommer
wollen alle einen Platz im eher unscheinbaren
„Astoux et Brun“ an der Hafenecke von Cannes
ergattern, auch die Stars und Sternchen des Film
festivals müssen sich in Geduld üben.
Denn im „Astoux et Brun“ gibt es die besten Austern,
die auch in den Sommermonaten dank guter Kühlung
um zwei Euro pro Stück genossen werden können.
Und ich versichere ehrenwörtlich, in meinen 30 Jahren
an der Côte d’Azur habe ich schon mehrere Tausend
Stück geschlürft – und bisher ist es auch magentech
nisch glimpflich verlaufen, dank der beiden peniblen
Huîtriers, die lieber eine bedenkliche Auster wegwer
fen, als sie auf die geeiste Platte zu legen.
Das Schöne an diesem Bistro ist der Umstand,
dass es nicht nur für die Festivalstars oder die Spe
sentiger der diversen Messen erschwinglich ist. Na
türlich ist die Côte d’Azur prinzipiell teuer, gerade in
Cannes oder Saint-Tropez kriegt man nix geschenkt.
Aber wer sich auskennt, kann auch als Normalo
T REND | 25. 6. 2021
gepflegt essen, ohne gleich die ganze Brieftasche an
der Kassa des Hauses liegen zu lassen. Ich liebe zum
Beispiel das „L’Affable“, zwei Straßen hinter der Croi
sette, der Küstenstraße von Cannes, nur ein paar
Hundert Meter vom Festspielhaus entfernt. Modern,
klein, freundlich – und für mich mit der besten Foie
gras der Gegend, eingebaut im Dreigangmenü mit
Roastbeef und Mousse mit weißer und schwarzer
Schokolade um 48 Euro.
Oder ich pilgere ins „La Cave“, dessen von GitanesRauch gelb gefärbte Mauern nach dem obligaten
Rauchverbot neu gestrichen werden mussten. Die
Weinkarte spielt alle Stückerln – die Rotweine nehme
ich aus dem Burgund, die Weißweine aus der Ge
gend, und meine Frau findet tatsächlich einen trink
baren Rosé – nicht den überteuerten und parfümier
ten von Brad Pitts Miraval, sondern den Rock Angel
von d’Esclans. Und am meisten freue ich mich dann
auf die original Bistrokost, vom Lammbraten bis zu
den Nieren mit Morcheln.
Unweit davon residiert einer der besten Vietname
sen, nicht nur von Cannes, sondern von ganz Frank
reich. Man merkt es dem Laden nicht an. Unpräten
tiös, mit viel Asia-Schnickschnack, aber Monsieur Mi,
ILLUSTRATION: STEFANIE HILGARTH; FOTOS: WWW.PAULSCHIRNHOFER.DE, BEIGESTELLT (2)
in der Vietnamkrise ins gelobte Frankreich geflüchtet, serviert in seinem „Le Jade“ Exzellentes:
vietnamesische Ravioli, einen scharfen Beef-Salat,
kleine Krabbenscheren mit wenig Knoblauch,
Chicken mit Limone und nachher eine ganze Mango,
ausgehöhlt und zum Rauslöffeln.
Wer direkt am Strand essen und vielleicht nachher
auf der Liege entspannen will, den schicke ich ins
„Plage Ondine“. Dort gibt es den besten Lunch mit
Languste oder Boeuf Rossini. Achtung, günstig ist es
dort nicht, weder das Essen noch die Liege. Aber
später hat man von dort den besten Blick auf das
große Feuerwerk, das jede zweite Woche am Meer
abgeschossen wird.
erühmten „Café Senequier“ mit seinen roten Strandb
sesseln. Kaum zu glauben, nur 50 Meter weiter kann
man hervorragend essen – und zwar, ohne einer der
Yachtbesitzer zu sein.
Im „Le Girelier“ hält man bis heute an dem Grundsatz fest: „Unser Restaurant muss sich jeder leisten
können“, wie Chef Aimé Stoesser zu sagen pflegt –
und es stimmt sogar. Mittags um 29 Euro, abends
um 39 Euro (nicht am Wochenende!) hat man den
besten Blick auf den kleinen Hafen und ein dreigängiges Menü auf dem Teller, das man dank der zurückhaltenden Preisgestaltung auch im Familienkreis
genießen kann.
In der Altstadt gehe ich am liebsten entweder zu
einem weiteren Vietnamesen, nämlich ins „BanH-Hoï“,
wo man bequem draußen in der Seitenstraße sitzen
kann, oder es zieht mich zum berühmten Place des
Lices. Dort hat mit „Salama“ ein Marokkaner aufgemacht und man kann bei Tajines und Couscous – mit
Huhn, Lamm oder Fisch – den wenigen verbliebenen
Ureinwohnern am sandigen Hauptplatz beim Werfen
ihrer geliebten Boule-Kugeln zuschauen.
NATÜRLICH GIBT ES AUCH gute Haubenund Sternelokale, wenn man einmal tiefer in die
Tasche greifen will. Die beste Adresse in Cannes ist
die „Villa Archange“ von Chef Bruno Oger, nur
26 Sitzplätze, aber große Klasse. Übrigens mit einem
sehr angenehmen, familienfreundlichen Bistro mit
großer Terrasse im Untergeschoß – die Teller kommen aus derselben Küche. Der Grandseigneur der
südfranzösischen Sterneküche residiert zehn Kilo
meter weiter nördlich in Grasse. Jacques Chibois
serviert sein Menü im wunderbaren Schlossgarten
„Bastide Saint-Antoine“, ein Abend zum Verlieben.
Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.
Einen Tagesausflug wert ist der Trip von Cannes
zur vorgelagerten (zweiten!) Insel Île Saint-Honorat,
wo die noblen Yachten anlegen und im „La Tonnelle“
die ganze Dorade in der Salzkruste und der Rosé in
der Magnum auf den Tisch kommen. Unsereins
nimmt die Fähre vom alten Hafen rüber auf die Insel
und ist damit auch ohne Boot dabei. Vielleicht nur
mit ein paar Crevetten und einem Glas vom weißen
Hauswein von der Nachbarinsel Sainte-Marguerite,
aber das Vergnügen ist genauso groß.
Was wäre ein Besuch an der Côte d’Azur, ohne
zumindest einen Abstecher nach Saint-Tropez zu
machen? Er hat schon was, der kleine Fischerort,
der durch Brigitte Bardot und Alain Delon berühmt
geworden ist. Auch heute tummeln sich im Sommer
die Schönen und Reichen und präsentieren ihre
neueste Superyacht im kleinen Hafen gegenüber vom
RICHTIG, NIRGENDS WAR bisher von der
berühmten Bouillabaisse die Rede. Abermals
richtig, die kommt ja eigentlich aus Marseille, aber
man kann sie natürlich auch überall an der Côte
d’Azur bekommen. Am besten, Achtung, ich komme
ins Schwärmen, am Strand von Ramatuelle, nur ein
paar Kilometer von Saint-Tropez entfernt. Eine kleine Straße windet sich durch die Weingärten und
dann geht’s steil runter zu „Chez Camille“. Schöner
kann man einen Sonntagmittag nicht begehen.
Im rustikalen Restaurant mit Blick aufs Meer lässt
man sich die Fischsuppe servieren, die vorher stundenlang im Metallkessel am offenen Feuer gebrodelt
hat, inklusive Saint-Pierre, Daurade, Rouget und (um
ein paar Euros mehr) auch Languste oder Hummer.
Und unten am Strand, immer in Blickweite der
schmausenden Eltern, können die Kinderlein spielen und in der Bucht schwimmen. Himmlisch, ich
habe es schon mit vier meiner fünf ausprobiert. Es
klappt dort wirklich, Gourmetgenuss und Kinder
betreuung unter einen Hut zu bringen – und alle
sind glücklich.
DAS „ASTOUX ET BRUN“ • Die besten Austern
DIE „VILLA ARCHANGE“ • Beste Adresse in Cannes
CANNES
Astoux et Brun
chezastoux.com
L’Affable
restaurant-laffable.fr
La Cave
restaurant-lacave.com
Le Jade,
24, Rue Pasteur
+33 4 93943349
Plage Ondine
ondineplage.com
La Villa Archange
bruno-oger.com
La Bastide Saint-Antoine
jacques-chibois.com
ÎLE SAINT-HONORAT
La Tonnelle
tonnelle-abbayedelerins.fr
SAINT-TROPEZ
Le Girelier
legirelier.fr
BanH-Hoï
banh-hoi.com
Salama
restaurant-salama.com
Chez Camille
chezcamille.fr
25. 6. 2021 | T RE ND
165
TREND
PRIVAT
AUTO
SCHÖNHEIT,
DIE VON INNEN BRUMMT.
Eigentlich eher röhrt.
Die schöne Farbe der
Felgen heißt Neodyme.
VO N WOLF GA NG H O F BAU E R
S
eit 25 Jahren gibt es den Porsche
Boxster, und wie lange das her
ist, kann man an den damaligen
Reaktionen ermessen: Das ist,
so sagten damals viele, überhaupt kein
Porsche, weil ein richtiger Porsche ist ein
911er und nicht so ein Ding, das sich mit
weniger zufrieden gibt. Andere sagten:
Genau das ist ein Porsche, weil er wieder
leicht und gelenkig ist, Eigenschaften, die
der 911er längst verloren hat.
Ja, so stritten sie damals im Jahre 1993, als die Studie vorgestellt wurde, und 1996 noch mehr, als der Boxster
dann wirklich auf den Markt kam.
Hätten sie geahnt, die gußeisernen
Porschefans, was sechs Jahre später auf
ihrem Planeten einschlagen würde, wären sie verstummt angesichts der Harmlosigkeit des damals Passierten. Denn da
kam der Cayenne, ein Porsche als SUV.
Das war Gotteslästerung.
ABER EIGENTLICH AUCH noch nichts
gegen den Elektroporsche, den es seit
zwei Jahren gibt und dem nichts bleibt
als das Herumreiten auf unglaublichen
Beschleunigungsleistungen, die uns in
Wahrheit völlig kaltlassen, und so haben
wir das Gefühl, dass alles so irgendwie
den Bach runtergeht.
Genau genommen, dass es dann in zehn
oder 20 Jahren den Bach runtergegangen
sein wird, weil noch gibt es ja das alles, was
166
T REND | 25. 6. 2021
Ein dreifach Hoch
dem Jubelgreis!
PORSCHE BOXSTER 25 JAHRE. Porsche macht
sich selbst ein Geburtstagsgeschenk, das aber von
anderen gekauft werden kann. Etwas kompliziert.
Das Auto aber ist ganz einfach – genial.
uns glücklich macht und was auch ein bissel Lärm kann und so schön mechanisch
ist und damit menschlich, und wer hätte
gedacht, dass uns das Mechanische einmal
das Menschliche sein würde?
Eine lange Vorrede für ein Auto, aber
es ist ja auch nicht irgendeines, sondern
ein Porsche, der auf die Zeitläufte Be-
zug nimmt schon mit seinem Namen „25
Jahre“. Limitiert auf 1.250 Stück und im
Design angelehnt an die Studie von 1993,
die am Autosalon von Detroit für Gedränge am Porsche-Stand sorgte.
Und zwar nicht nur mit sich selbst als
Wesenheit, sondern auch mit goldenen
Felgen, roter Innenausstattung und ro-
AUF E I NEN BLI CK
Fazit: Sportwagen
zum Niederknien.
2
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PO RSCHE BOXSTER 25 JA HRE
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PRESTIGE
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Preis: € 121.060
Motor: 6-Zylinder-Boxermotor,
3995 ccm, 294 kW (400 PS).
Heckantrieb, 7-Gang-DKG
Spitze: 288 km/h
0–100 km/h: 4,0 sec
CO2-Ausstoß: 219 g/km
Verbrauch: 9,6 l/100 km
Ausstattung: Lederausstattung in
Bordeauxrot, Farbe Silbermetallic,
elektrisch bedienbares Verdeck in Weinrot,
Limitierungsplakette etc.
Extras: Sitzbelüftung € 1.149, Spurwechselassistent € 720, Smartphone-Ablage
€ 589, 2-Zonen-Klimaautomatik € 942 etc.
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FOTOS: PORSCHE (4), AUDI AG, BMW, DAVID SHEPHERD
GESAMT
tem Verdeck, und genau das alles finden
wir nun wieder im Boxster-Jubiläums-
Sondermodell. Außerdem noch da und
dort den Schriftzug „25 Jahre“, etwa am
Verdeck und auf dem Tankdeckel.
Die goldene Farbe auf den Felgen, den
seitlichen Lufteinlässen und einem Teil
der Frontschürze ist offiziell überhaupt
kein Gold, sondern eine Art Mischung
aus Kupfer und Braun und heißt Neodyme, benannt nach dem ähnlich gefärbten
Metall mit der Ordnungszahl 60. Recht
so. Schaut mörder aus, zumal gemeinsam
mit dem blassen Karosserie-Silber.
Der rote Innenraum aus Leder hat uns
zunächst etwas irritiert, aber schließlich
überzeugt, ist irgendwie wie Schokolade
zum Rotwein.
Es hat nichts mit den 25 Jahren zu
tun, sondern ist beim Boxster halt noch
so, aber in diesem Auto funktioniert viel
auf die herkömmliche Art, was heißt,
dass es tatsächlich funktioniert.
Wir meinen ordentliche Tasten und
Drehregler, alles eine reelle Sache. Es gibt
keinen Startknopf, der Automatikwählhebel muss richtig geschoben oder gezogen werden (es gibt diesen Boxster auch
mit Schaltgetriebe), und das Auto macht
auch keine Notbremsung, wenn drei
Straßen weiter ein Radfahrer fährt.
Richtig Auto fahren also, und dazu
gibt es das Werkzeug des authentisch
gurgelnden Sechszylinderboxers, weil die
Boxster-Mode der Vierzylinder macht
dieser hier nicht mit.
400 PS RÜTTELN am Fahrwind, und
steigt man feste aufs Pedal, macht es ordentlich Krach bis hinein ins ultrahochgedrehte, direkt schon hysterische Kreischen, denn der hier dreht bis fast 7.000
pro Minute. Da geht dann auch mächtig was ab, und nicht so eine Plastikbeschleunigung wie im Taycan, sondern
richtig etwas, für das hinter dem Rücken
die Metallteile auf- und abschwingen.
Was sonst? Der Mittelmotorzweisitzer
ist freilich wunderbar ausgewogen, fräst
sich präzise in die Kurve und aus dieser
heraus, und man kann auch ganz friedlich in den Sonnenuntergang damit hineintanzen, und hinten singt der Vierlitrige gelassen sein Lied.
Man sollte angesichts der Limitierung
eher schnell sein. Das hier ist was für die
Ewigkeit.
D IE A LTERNATIVEN
Offene Zweisitzer sind die Essenz des
wahren Autofahrens, der Inbegriff des
sportlichen Lebensgefühls – und mit
starken Motoren erst recht. Das
Segment stirbt angeblich aus. Davon
merkt man zum Glück noch nichts.
Audi TT RS Roadster. 400 PS aus einem
2,5-Liter-Turbobenziner, also gleiche
Leistung wie beim Boxster, aber ganz
andere Motorenphilosophie. TT steht
übrigens für Tourist Trophy, das ist das
Motorradrennen auf der Isle of Man, bei
der es immer wieder Tote gibt. Heutzutage
würde man sich so einen Namen nicht
mehr trauen, wetten? Ab 89.669 Euro.
BMW Z4 M40. Drei Liter Hubraum, sechs
Zylinder, 340 PS, die es mit 1.600 Kilo Auto
zu tun haben: Aus diesem Verhältnis speist
sich enorm viel von dem, was BMW völlig
unzureichend „Freude am Fahren“ nennt.
So was kann man vielleicht bei einem
Dreier sagen. Hier kommt hinzu: Der Z4 ist
der schönste BMW zur Zeit. Oder sogar
noch von länger. Ab 70.550 Euro.
Jaguar F-Type Cabriolet P450. Okay,
der ist ein bissel teurer als die beiden
anderen darüber, aber man sehe:
V8-Kompressor mit 450 PS, und diesen
Motor gibt’s auch mit 575 PS, wenn man
einen Vierziger drauflegt. In jedem Falle
eine moderne Sportwagenikone mit
insbesondere hinreißend schönem Heck
und tollem Motorsound. Ab 123.447 Euro.
25. 6. 2021 | T RE ND
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TREND
PRIVAT
BODY & SOUL
VO N GABRIE LA S C H NA B E L
E
s ist schon eine Kunst
für sich, Kaffee zuzubereiten. Jedes Land braut
das aromatische Heißgetränk auf seine Art.
Die Italiener genießen
ihren Crema pur oder
mit Milchschaum, die
Amerikaner lieben die
„To go“-Variante mit viel Wasser, und die
Türken kochen das Mokkapulver mit
Wasser und Zucker auf. „Aber in kaum
einer Stadt ist die Kaffeetradition so eng
mit einer Stadt verknüpft wie in Wien“, ergänzt Alessandro Piccinini, 50, Geschäftsführer Nespresso Österreich. „Und auch
wir zelebrieren Kaffee als Kunst“, setzt der
Austroitaliener nach.
Erst kürzlich startete das Nespresso
Atelier in Wien eine Kooperation mit der
Künstlerhaus Vereinigung. Unter dem
Titel „Café Chromatique“ zeigt die Künstlerin Victoria Coeln bis Anfang November
Chromographien im Kunstschaufenster
des Nespresso Ateliers auf der Kärntner
Straße 9. Die Kunstinstallationen werden
halbjährlich wechseln. Ebenfalls „unique“
ist das Nespresso Atelier selbst, das im
März als weltweit erstes Pilotprojekt in
Wien reüssierte.
In der neuen Flagship-Boutique erwartet Kaffeeliebhaber ein interaktives, personalisiertes und neuartiges Einkaufserlebnis. Auf zwei Stockwerken können Besucher mit allen Sinnen in die Welt des
Kaffees eintauchen. „Dabei haben wir freilich nicht vergessen, Wiener-Stil-Elemente wie Terrazzofliesen, Thonet-Stühle oder
von der Wiener Secession inspirierte florale Muster einfließen zu lassen.“ Bei einer
olfaktorischen Beratung hat man die
Gelegenheit, herauszufinden, welche Aromen einem am meisten zusagen. Zudem
gibt es die Möglichkeit, Nespresso-Accessoires wie Kaffeetassen oder Travel Mugs
gravieren zu lassen. Und in einem Raum
mit interaktiver Augmented Reality erfährt man alles rund um die schwarze
Bohne. Der letzte Schrei ist allerdings ein
Milchschaumdrucker, der individuelle
Prints in die Crema des Heißgetränks
zaubert. Piccinini wird nicht müde, seine
Marke samt Botschafter George Clooney
anzupreisen: „Ziel ist es, in den nächsten
fünf Jahren unser Atelier-Konzept in anderen wichtigen Städten zu replizieren.“
Kritikern, die das Portionssystem wegen der Aluminiumkapsel anprangern,
kontert Piccinini souverän. What else?
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T REND | 25. 6. 2021
Genuss
mit allen
Sinnen
Als Geschäftsführer von Nespresso Österreich
schafft ALESSANDRO PICCININI einen neuen Raum
für Kunst. Auch in seinem Privatleben lässt er sich
von der Kreativität anderer inspirieren.
„Mit unseren Nachhaltigkeitsmaßnahmen
einen
leistet das Recycling der Kapseln
wichtigen Beitrag dazu, jede Tasse Nespresso-Kaffee bis 2022 CO2-neutral zu
machen.“ Möbel in den weltweit 200 Boutiquen sind großteils aus recycelten Materialien hergestellt und die Energie beziehen alle Geschäfte aus Wasserkraft.
Der Mann versteht es charmant, seine
Kontrahenten zu entwaffnen. Auch das ist
eine Kunst. Selbige inspiriert Piccinini
ebenso wie die Natur und die Literatur. Er
nennt das „source of inspiration provided
by others. Ich erlebe Kunst und Kultur
freilich nicht regelmäßig, genieße aber
gerne, was andere schaffen, und nehme
das als Inspiration.“
Dazu zählt Piccinini auch musikalische
Darbietungen. Im August wird er mit seiner Frau Anja die Salzburger Festspiele
besuchen, wo Mozarts „Così fan tutte“, die
Oper „Intolleranza“ von Luigi Nono und
„Ich genieße gerne,
was andere schaffen,
und nehme deren
Kreativität als Inspiration.“
A LE S SA N DRO P I C C I N I N I
FOTO: SEBASTIAN REICH
NE SPRE S S O -Ö STERREICH-GE SCHÄ F T SFÜHRE R
die Premiere von Puccinis „Tosca“ am Programm stehen. Aber auch die Optik und
körperliche Fitness sollen nicht zu kurz
kommen. „Ich arbeite gegen den Trend
des Alters, laufe täglich 7,5 Kilometer und
werde die Distanz mit zunehmendem
Alter steigern“, verrät der Manager. Dass
er noch immer gut in Form ist, liegt wohl
daran, dass Piccinini als professioneller
Wasserballer für die österreichische Nationalmannschaft gespielt hat. „Wir haben
neunmal die Woche trainiert, das bleibt,
wenn auch nicht in selber Intention, erhalten.“ Diese Passion teilt er offenbar mit
George Clooney. Denn dieser liebt auch
das kühle Nass, allerdings als Schwimmer,
und, führt Piccinini aus, „schleift seinen
Körper ins Gym“, wenn es die Zeit zulässt.
Körperliche Fitness, ein ausgewogenes
Kulturprogramm und täglich ein paar
Tassen Kaffee sind wohl die Ingredienzien
für ein Dolce Vita. What else?
IDEEN-REICH.
Alessandro Piccinini
beim Besuch des
Künstlerhauses in
Wien, mit dem
Nespresso jüngst
auch eine Kooperation
einging.
25. 6. 2021 | T RE ND
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TREND
SPRECHEN SIE WIRTSCHAFT?
PRIVAT
Österreichweit bekannt wurde er durch seine Radio-Comedy „Ö3-Callboy“. Der Kabarettist
über Anrufe beim Finanzamt, die Neidgesellschaft und Investment in Klopapier.
imitieren Sie seit 20 Jahre Stimmen,
sprechen Hans Krankl, „Karl Schmähhammer“ wie „Heinz Spassmann“. Wie
gut sprechen Sie Wirtschaft? Oder rufen
Sie auch diesbezüglich lieber wen an?
GERNOT KULIS: Wenn ich als Student in
Graz nach dem Ausgehen Hunger bekommen habe, bin ich in eine Pizzeria,
hab mir eine Pizza zum Zustellen bestellt und bin mir ihr gleich mit nach
Hause gefahren. Acht Euro für Pizza
und Taxi. Grundsätzlich überlasse ich
das Wirtschaftliche lieber jemandem,
der sich besser auskennt als ich. Aber
natürlich setze ich mich auch mit den
Finanzen auseinander. Ich habe zum
Beispiel beim Finanzamt getarnt als
„Fußballer“ angerufen und gefragt, wie
hoch die Steuer auf Schwarzgeld ist?
Seitdem habe ich selbst jedes Jahr eine
Prüfung, quasi einen behördlichen
Dauerauftrag abgeschlossen.
INTERV IEW: M ICHA ELA K NA P P
Wissen Sie noch, wofür Sie Ihr erstes
selbstverdientes Geld ausgegeben haben? Gleich nach der Matura habe ich
beim Privatradio angefangen und mein
eigenes Geld verdient. Meine Motivation
waren immer Reisen, zuerst war es
Italien, dann Kuba, jetzt Österreich, die
Tendenz stimmt.
Sie wollten Fußballprofi werden – tut es
Ihnen angesichts der aktuellen Transfersummen leid, ins Comedian-Fach gewechselt zu haben? Nein, so realistisch
bin ich, für mich wären solche Summen
wohl nicht bezahlt worden. Aber das
Vertragsangebot vom FC Barcelona mit
der Begründung auszuschlagen, dass ich
lieber im Stadtsaal Wien auf der Bühne
stehe, hätte auch was.
„Nach Bitcoin
kommt
Shitcoin“
Gilt der alte Spruch „Über Geld spricht
man nicht“ immer noch? Der Spruch
kommt wohl aus unserer Neidgesellschaft heraus. Viele prahlen mit Geld,
manche genieren sich, dass sie was erreicht haben und stapeln tief, andere
wiederum haben kein Geld und vermitteln das Gegenteil. Man sieht, welch
große Rolle das Geld in der Gesellschaft
einnimmt. Mich hat es noch nie interessiert, wie viel andere verdienen. Ich freue
mich sehr, wenn’s bei jedem und jeder
gut läuft.
Was haben Sie im Umgang mit Geld
von zu Hause aus mitbekommen? Meine
Eltern, vor allem meine Mama, hat mit
wenig Geld ausgezeichnet haushalten
können, und mir ist als Kind nichts abgegangen. Meinen Kindern gebe ich mit,
dass es in erster Linie um die Freude an
der Arbeit geht, alles weitere kommt von
alleine.
Was würden Sie auch für viel Geld nicht
machen? Als Callboy betuchte Damen
beglücken. Generell nichts, wofür ich
nicht stehe. Dafür ist mir Geld nicht so
wichtig.
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T REND | 25. 6. 2021
GERNOT KULIS
Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem? Ich habe das subjektive
Gefühl, dass unser System auf Strafe und
nicht auf Belohnung aufgebaut ist.
Ist finanzielle Vorsorge ein Thema in
Ihrem Leben? Ich bin keiner, der später
mal gut leben will. Für mich und meine
Familie zählt das Jetzt.
Was würden Sie überhaupt noch als
gutes Investment erachten? Wenn ich
die finanzielle Mittel hätte, würde ich
in Immobilien anlegen. Kleine Wohnungen, die ich vermiete. Oder in
Klopapier. Der Wert des Klopapiers ist
nach den Lockdowns gestiegen. Man
spricht bereits von einer eigenen Klopapier-Währung. Nach Bitcoin kommt
Shitcoin.
Wofür geben Sie lustvoll Geld aus? Ich
gebe gerne Geld für Reisen aus, auch für
Kulinarik, für Konzerte und für Sport.
Ich muss nichts haben, womit ich prahlen könnte – ich lebe für Abenteuer und
bleibende Bilder im Kopf.
Was war das Verrückteste, das Sie sich je
geleistet haben? Ich habe
mit meinem ersten Ersparten meinem Bruder und
mir eine Pauschalreise
nach Kuba gebucht. An
Hurrikans habe ich damals nicht gedacht. Da wir
zehn Tage das Hotelzimmer
nicht verlassen durften,
war es die teuerste
und verrückteste
Langeweile in
meinem Leben.
GERNOT KULIS, 44
In Sankt Paul/Lavanttal
geboren, startete der Comedian
seine Radio-Laufbahn im Landesstudio Steiermark, ehe er 1999 zu
Ö3 wechselte, wo er mit seinen
„Scherzanrufen“ als Ö3-Callboy
bekannt wurde. Aktuell ist er mit
seiner „Best of 20 Jahre Ö3-Callboy“-Open-Air-Liveshow on
Tour. Alle Termine: gernotkulis.at
Was bedeutet Luxus für Sie? Zeit
mit Familie und
Freunden zu verbringen, ist für
mich von großer
Bedeutung. Sich
dabei etwas leisten können und
mal eine Einladung auszusprechen, bedeutet für
mich Luxus.
Wofür würden Sie Ihr letztes
Geld ausgeben? Für ein
Flugticket nach Hause, so sehr
ich das Reisen auch liebe, so
sehr genieße ich es auch,
nach Hause zu kommen.
FOTO: HANS LEITNER
TREND: Als Parodist und „Ö3-Callboy“